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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-05 09:58:49 -0800 |
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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. - Siebenter Band: enthaltend Kapitel 13 und 14. - -Author: Thomas Babington Macaulay - -Release Date: March 6, 2016 [EBook #51378] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND *** - - - - -Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net. - - - - - - - Thomas Babington Macaulay's - - - - - Geschichte von England - seit der - Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. - - - Aus dem Englischen. - - Vollständige und wohlfeilste - ^Stereotyp-Ausgabe^. - - Siebenter Band: - enthaltend Kapitel 13 und 14. - - Leipzig, 1856. - G. H. Friedlein. - - - - - Dreizehntes Kapitel. - Wilhelm und Marie. - - -Inhalt. - - Seite - Die Revolution in Schottland heftiger als in England 5 - Wahlen für die Convention 6 - Mißhandlung des Episkopalklerus 6 - Zustand von Edinburg 9 - Die Frage einer Union zwischen England und Schottland in 9 - Anregung gebracht - Wunsch der englischen Niederkirchlichen, das Episkopat in 13 - Schottland beizubehalten - Ansichten Wilhelm's über das kirchliche Regiment in Schottland 13 - Comparative Stärke der religiösen Parteien in Schottland 15 - Schreiben von Wilhelm an die schottische Convention 16 - Wilhelm's Instructionen für seine Agenten in Schottland 16 - Die Dalrymple 16 - Melville 18 - Jakob's Agenten in Schottland: Dundee, Balcarras 19 - Zusammentritt der Convention 21 - Hamilton zum Präsidenten erwählt 22 - Wahlausschuß 23 - Das Schloß von Edinburg zur Uebergabe aufgefordert 23 - Dundee von den Covenanters bedroht 24 - Schreiben von Jakob an die Convention 25 - Wirkung von Jakob's Schreiben 26 - Dundee's Flucht 27 - Tumultuarische Sitzung der Stände 28 - Ein Ausschuß zur Entwerfung eines Regierungsplanes ernannt 29 - Vom Ausschuß vorgeschlagene Beschlüsse 31 - Wilhelm und Marie proklamirt 32 - Die Rechtsforderung 32 - Abschaffung des Episkopats 32 - Die Folter 33 - Wilhelm und Marie nehmen die Krone Schottland's an 35 - Unzufriedenheit der Covenanters 36 - Ministerielle Einrichtungen in Schottland 37 - Hamilton 37 - Crawford 37 - Die Dalrymple. -- Lockhart 38 - Montgomery 38 - Melville 38 - Carstairs 39 - Bildung des Clubs; Annandale, Roß 39 - Hume 39 - Fletcher von Saltoun 40 - In den Hochlanden bricht Krieg aus 40 - Zustand der Hochlande 40 - Eigenthümlicher Character des Jakobitismus in den Hochlanden 49 - Eifersucht auf den Einfluß der Campbells 50 - Die Stewarts und Macnaghtens 52 - Die Macleans 53 - Die Camerons; Lochiel 53 - Die Macdonalds 55 - Fehde zwischen den Macdonalds und den Mackintoshs. Inverneß 56 - Inverneß wird von Macdonald von Keppoch bedroht 57 - Dundee erscheint in Keppoch's Lager 58 - Aufstand der den Campbells feindlichen Clans 60 - Tarbet's Rath für die Regierung 61 - Unentschiedener Feldzug in den Hochlanden 62 - Militärischer Character der Hochländer 63 - Zwistigkeiten in der hochländischen Armee 67 - Dundee sucht bei Jakob um Unterstützung nach 68 - Unterbrechung des Kriegs in den Hochlanden 69 - Bedenklichkeiten der Covenanters, für König Wilhelm die Waffen 69 - zu ergreifen - Aushebung des Cameron'schen Regiments 70 - Uebergabe des Schlosses von Edinburg 71 - Parlamentssession in Edinburg 72 - Einfluß des Clubs 72 - Unruhen in Athol 74 - Der Krieg bricht in den Hochlanden wieder aus 76 - Dundee's Tod 81 - Mackay's Rückzug 82 - Eindruck der Schlacht von Killiecrankie 83 - Vertagung des schottischen Parlaments 83 - Die hochländische Armee verstärkt 86 - Gefecht bei St. Johnston's 87 - Unordnung in der hochländischen Armee 88 - Mackay's Rath wird von den schottischen Ministern nicht 89 - beachtet - Die Camerons werden nach Dunkeld verlegt 89 - Die Hochländer greifen das Regiment Cameron an 90 - Auflösung der hochländischen Armee 91 - Intriguen des Clubs, Zustand des Niederlandes 91 - - -Die Revolution in Schottland heftiger als in England. - -Die Heftigkeit der Revolutionen steht gewöhnlich im Verhältnis mit der -Schwere der Regierungssünden, welche sie herbeigeführt haben. Es kann -daher nicht Wunder nehmen, daß die Regierung von Schottland, welche seit -vielen Jahren despotischer und verderbter gewesen war als die von -England, mit einem weit heftigeren Sturze fiel. In England war die -Bewegung gegen den letzten König des Hauses Stuart conservativ, in -Schottland war sie destructiv. Die Engländer beschwerten sich nicht über -das Gesetz, sondern über die Verletzung des Gesetzes; sie erhoben sich -gegen den ersten Beamten des Staats lediglich, um die Suprematie des -Gesetzes zur Geltung zu bringen, und sie waren zum größten Theil treue -Anhänger der durch das Gesetz eingeführten Landeskirche. Selbst bei -Anwendung des außergewöhnlichen Heilmittels, zu welchem sie durch eine -außergewöhnliche Lage zu greifen gezwungen worden waren, wichen sie so -wenig als möglich von den durch das Gesetz vorgeschriebenen ordentlichen -Formen ab. Die zu Westminster tagende Convention war, obwohl durch -unregelmäßige Ausschreiben einberufen, genau nach dem Muster eines -regelmäßigen Parlaments constituirt. Niemand wurde aufgefordert, einen -Platz im Oberhause einzunehmen, dessen Berechtigung, darin zu sitzen, -nicht klar war. Die Abgeordneten der Grafschaften und Burgflecken wurden -durch die nämlichen Wähler gewählt, welche berechtigt gewesen -sein würden, die Mitglieder für ein unter dem großen Siegel -einberufenes Haus der Gemeinen zu wählen. Die Wahlrechtstitel des -Vierzigschilling-Freisassen, des Steuern zahlenden Angesessenen, des -Pächters, des Wahlbürgers von London, des Magisters der freien Kräfte in -Oxford wurden respectirt. Die Gesinnung der Wahlkörper wurde mit eben so -wenig Zwang von Seiten des großen Haufens und mit eben so wenig Arglist -von Seiten der Wahlbeamten ausgeforscht, wie bei irgend einer -allgemeinen Wahl der damaligen Zeit. Als endlich die Stände -zusammentraten, fanden ihre Verhandlungen in vollkommener Freiheit und -genau nach den althergebrachten Formen statt. Nach Jakob's erster Flucht -herrschte allerdings in London und in einigen Theilen des platten Landes -eine beunruhigende Anarchie. Aber diese Anarchie dauerte nirgends länger -als achtundvierzig Stunden. Von dem Tage, an welchem Wilhelm im St. -Jamespalast ankam, hatten selbst die unpopulärsten Agenten der -gestürzten Regierung, selbst die Diener der römisch-katholischen Kirche, -von der Wuth des Pöbels nichts mehr zu fürchten. - -In Schottland war der Gang der Ereignisse ganz anders. Dort war das -Gesetz selbst ein Gegenstand der Beschwerde und Jakob hatte sich durch -ausdrückliche Anwendung desselben vielleicht mehr Unpopularität -zugezogen als durch Verletzung desselben. Die gesetzlich eingeführte -Landeskirche war die verhaßteste Institution des ganzen Reichs. Die -Tribunale hatten einige so empörende Urtheilssprüche gefällt und das -Parlament einige so bedrückende Verordnungen erlassen, daß, wenn diese -Urtheilssprüche und diese Verordnungen nicht für ungültig erklärt -wurden, nicht daran zu denken war, eine Convention zusammenzubringen, -welche sich die öffentliche Achtung erzwang und der Ausdruck der -öffentlichen Meinung war. Es stand zum Beispiel kaum zu erwarten, daß -die Whigs in dieser Zeit ihrer Macht es sich ruhig gefallen lassen -würden, ihr erbliches Oberhaupt, den Sohn eines Märtyrers und Enkel -eines Märtyrers, von dem Parlamentshause, in welchem neun seiner -Vorfahren als Earls von Argyle gesessen hatten, ausgeschlossen zu sehen, -ausgeschlossen durch ein richterliches Erkenntniß, über welches das -ganze Königreich empört war. Noch weniger ließ sich erwarten, daß sie -die Wahl der Vertreter von Grafschaften und Städten den Vorschriften des -bestehenden Gesetzes gemäß vornehmen lassen würden. Denn nach dem -bestehenden Gesetz konnte kein Wähler seine Stimme abgeben, ohne -geschworen zu haben, daß er sich von dem Covenant lossage und in -kirchlichen Angelegenheiten das Supremat des Königs anerkenne.[1] Einen -solchen Eid aber konnte kein strenger Presbyterianer leisten, und wenn -derselbe verlangt worden wäre, so würden die Wahlkörper nichts als -kleine Gesellschaften von Prälatisten gewesen sein, die Sorge für -Sicherheitsmaßregeln gegen Bedrückung wäre den Bedrückern überlassen -geblieben, und die große Partei, die an der Durchführung der Revolution -den thätigsten Antheil genommen, würde in einer aus der Revolution -hervorgegangenen Versammlung nicht einen einzigen Vertreter gehabt -haben.[2] - -Wilhelm sah ein, daß er nicht daran denken durfte, den Gesetzen -Schottland's die strenge Achtung zu Theil werden zu lassen, die er -kluger- und rechtschaffnerweise den Gesetzen England's erwiesen hatte. -Es war durchaus notwendig, daß er Kraft seiner eignen Autorität -bestimmte, wie die Convention, welche in Edinburg zusammentreten sollte, -zu wählen sein würde, und daß er sich selbst die Befugniß ertheilte, -einige Erkenntnisse und einige Gesetze zu annulliren. In Folge dessen -entbot er mehrere Lords in das Parlament, die durch Urtheilssprüche, -welche die allgemeine Stimme laut als ungerecht verdammte, ihrer -Ehrenstellen beraubt worden waren, und nahm es auf sich, die Verordnung -zu ignoriren, welche den Presbyterianern das Wahlrecht entzog. - - -Wahlen für die Convention. - -Die Folge davon war, daß die Wahl fast aller Grafschafts- und -Burgfleckenvertreter auf Whigcandidaten fiel. Die geschlagene Partei -beklagte sich laut über unehrliches Spiel, über die Rohheit des Pöbels -und über die Parteilichkeit der präsidirenden Magistratspersonen, und -diese Klagen waren in vielen Fällen wohlbegründet. Unter Regenten wie -Lauderdale und Dundee lernen die Nationen nicht Gerechtigkeit und -Mäßigung.[3] - - -Mißhandlung des Episkopalklerus. - -Das so lange und so streng niedergehaltene Volksgefühl brach übrigens -nicht bei den Wahlen allein mit Heftigkeit hervor. Die Köpfe und Hände -der Whigmärtyrer wurden von den Thoren Edinburg's herabgenommen, von -zahlreichen Volkshaufen in Procession nach den Gottesäckern getragen und -mit feierlicher Ehrfurcht zur Erde bestattet.[4] Es hätte noch sein -mögen, wenn die öffentliche Begeisterung sich in keiner tadelnswertheren -Form geäußert hätte. Leider aber wurde in einem großen Theile -Schottland's der Klerus der Landeskirche gemißhandelt.[5] Der Beginn -dieses Unwesens war auf den Christmorgen festgesetzt, denn nichts -ärgerte die strengen Covenanters mehr als die Ehrfurcht, mit der der -Prälatist die alten Feiertage der Kirche heiligte. Daß diese Ehrfurcht -bis zum Lächerlichen übertrieben werden kann, ist allerdings wahr. Ein -Philosoph wird sich vielleicht zu der Ansicht hinneigen, daß das -entgegengesetzte Extrem nicht minder lächerlich sei und wird fragen, -warum die Religion den Beistand von Glaubensgesellschaften zurückweisen -soll, die es in jeder Nation giebt, welche civilisirt genug ist, um eine -Zeitrechnung zu haben, und von denen die Erfahrung gezeigt hat, daß sie -eine gewaltige und oft heilsame Wirkung ausüben. Der Puritaner, der im -im allgemeinen nur zu bereit war, Präcedenzfällen und Analogien aus der -Geschichte und Rechtswissenschaft der Juden zu folgen, würde im Alten -Testament ganz eben so triftige Argumente für das Abhalten von Festtagen -zu Ehren großer Ereignisse, wie für die Ermordung von Bischöfen und für -die Verweigerung des Pardons gegen Gefangene gefunden haben. Von seinem -Meister Calvin lernte er gewiß nicht, solche Festtage verabscheuen, denn -in Folge der energischen Bemühungen Calvin's wurde das Weihnachtsfest -nach einer mehrjährigen Pause von den Bürgern von Genf wieder -gefeiert.[6] Allein in Schottland waren Calvinisten ans Licht getreten, -die sich zu Calvin verhielten, wie Calvin zu Laud. Diesen starren -Fanatikern war ein Feiertag ein Gegenstand des positiven Abscheus und -Hasses. Sie fuhren noch lange fort, in ihren feierlichen Manifesten es -zu den Sünden zu zählen, welche dereinst ein furchtbares Strafgericht -über das Land bringen würden, daß der Court of Session in der letzten -Decemberwoche Ferien mache.[7] - -Am Weihnachtstage versammelten sich daher die Covenanters auf -Verabredung bewaffnet auf verschiedenen Punkten der westlichen -Grafschaften. Jede einzelne Schaar zog dann nach dem nächsten Pfarrhause -und plünderte den Keller und die Vorrathskammer des Geistlichen, welche -zu dieser Zeit des Jahres wahrscheinlich besser gefüllt waren als sonst. -Der Priester Baal's wurde geschmäht und insultirt, zuweilen geschlagen, -andere Male unter Wasser getaucht. Seine Möbeln wurden aus dem Fenster -geworfen, seine Frau und seine Kinder aus dem Hause in den Schnee -getrieben. Dann wurde er auf den Marktplatz geführt und eine Zeit lang -zur Schau ausgestellt, wie ein Missethäter. Sein Priestergewand wurde -ihm auf dem Leibe in Stücken zerrissen; hatte er ein Gebetbuch bei sich, -so wurde es verbrannt, und endlich entließ man ihn mit der Weisung, nie -wieder in dem Kirchspiele zu fungiren, wenn ihm sein Leben lieb sei. -Nach solchergestalt vollbrachtem Reformationswerke verschlossen die -Reformatoren die Kirche und nahmen die Schlüssel mit sich. Um diesen -Leuten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, muß man bekennen, daß sie in -einem Grade unterdrückt worden waren, der ihre Gewaltthätigkeit zwar -nicht rechtfertigen, aber wenigstens entschuldigen kann, und daß sie, -obgleich roh bis zur Brutalität, sich doch nie eines absichtlichen -Verbrechens gegen Leib oder Leben ihrer Feinde schuldig machten.[8] - -Die Unordnung verbreitete sich rasch. In Ayrshire, Clydesdale, -Nithisdale und Annandale erhielt jedes Kirchspiel einen Besuch von -diesen ungestümen Zeloten. Ungefähr zweihundert Curaten -- so nannte man -die bischöflichen Pfarrgeistlichen -- wurden vertrieben. Die gesetzteren -Covenanters billigten zwar den Eifer ihrer aufrührerischen Brüder, -fürchteten aber, daß ein so ordnungswidriges Verfahren Aergerniß geben -könnte, und erfuhren zu ihrem großen Leidwesen, daß hier und da ein -Achan die gute Sache geschändet, indem er sich erniedrigt hatte, die -Cananiter, die er nur hatte schlagen sollen, auszuplündern. Es wurde ein -allgemeines Meeting von Geistlichen und Aeltesten ausgeschrieben, um -solchen Excessen vorzubeugen. In diesem Meeting wurde beschlossen, daß -in Zukunft die Vertreibung der protestantischen Geistlichen -in ceremoniöserer Weise stattfinden sollte. Es wurde ein -Benachrichtigungsformular aufgesetzt und jedem Curaten in den westlichen -Niederlanden zugesandt, der noch nicht gemißhandelt ^(rabbled)^ worden -war. Diese Benachrichtigung war nichts Andres als ein Drohbrief, der ihm -befahl, sein Kirchspiel gutwillig zu verlassen, widrigenfalls er mit -Gewalt aus demselben vertrieben werden würde.[9] - -Die schottischen Bischöfe sendeten in großer Angst den Dechant von -Glasgow nach Westminster, um dort die Sache ihrer verfolgten Kirche zu -führen. Die von den Covenanters verübten Gewaltthätigkeiten erregten in -hohem Grade den Unwillen Wilhelm's, der im Süden der Insel selbst -Benedictiner und Franciscaner gegen Insulten und Beraubungen geschützt -hatte. Obgleich er aber auf Ersuchen einer großen Anzahl schottischer -Cavaliere und Gentlemen die ausübende Verwaltung dieses Königreichs -übernommen hatte, so standen ihm doch die Mittel nicht zu Gebote, die -Ordnung daselbst aufrecht zu erhalten. Er hatte nicht ein einziges -Regiment nördlich vom Tweed, ja überhaupt keine Truppen innerhalb vieler -Meilen von diesem Flusse. Es wäre vergebens gewesen zu hoffen, daß bloße -Worte eine Nation beruhigen würden, welche zu keiner Zeit leicht im -Zaume zu halten gewesen und die jetzt von Hoffnungen und Rachegelüsten -erfüllt war, wie große Revolutionen, welche auf heftige Bedrückungen -folgen, sie ganz natürlich erzeugen müssen. Es wurde indessen eine -Proklamation erlassen, welche anordnete, daß Jedermann die Waffen -niederlegen und daß den Geistlichen der Staatskirche gestattet sein -solle, unbehelligt auf ihren Pfarren zu bleiben, bis die Convention die -Regierung festgestellt haben würde. Da aber diese Proklamation nicht -durch Truppen unterstützt war, so wurde sie wenig beachtet. Den ersten -Tag nach ihrem Erscheinen in Glasgow wurde die ehrwürdige Kathedrale -dieser Stadt, fast die einzige schöne Kirche aus dem Mittelalter, welche -in Schottland sich unversehrt erhalten hat, von einem Haufen -Presbyterianer aus den Versammlungshäusern angegriffen, dem sich auch -viele wildere Glaubensbrüder aus den Hochlanden angeschlossen hatten. Es -war Sonntag; aber eine Versammlung von Prälatisten zu mißhandeln wurde -als ein Werk der Nothwendigkeit und der Gnade betrachtet. Die -Andächtigen wurden auseinandergetrieben, geschlagen und mit Schneebällen -geworfen; ja es wurde sogar versichert, daß einige Verwundungen durch -gefährlichere Waffen vorgekommen seien.[10] - - -Zustand von Edinburg. - -In Edinburg, dem Sitze der Regierung, war vollkommene Anarchie. Das -Schloß, welches die ganze Stadt beherrschte, wurde durch den Herzog von -Gordon noch immer für Jakob behauptet. Die große Masse des Volks bestand -aus Whigs. Das Justizcollegium, ein großer juristischer Verein, -zusammengesetzt aus Richtern, Advokaten, Kanzleisekretären und Anwälten, -war die Veste des Toryismus, denn ein strenger Testeid hatte seit -einigen Jahren die Presbyterianer von allen Zweigen des Juristenberufs -ausgeschlossen. Die Juristen, einige hundert an Zahl, bildeten ein -Infanteriebataillon und hielten eine Zeitlang die Menge wirksam nieder. -Sie hatten jedoch soviel Achtung vor Wilhelm's Autorität, daß sie sich -beim Erscheinen seiner Proklamation auflösten. Aber das von ihnen -gegebene Beispiel des Gehorsams fand keine Nachahmung. Kaum hatten sie -die Waffen niedergelegt, so fanden sich Covenanters aus dem Westen, -welche alle Curaten in ihrer Gegend weidlich maltraitirt hatten, in -Haufen von zehn bis zwanzig Mann in Edinburg ein, um die Convention zu -beschützen oder auch, wenn es nöthig sein sollte, einzuschüchtern. -Glasgow allein schickte vierhundert solcher Leute. Es konnte kaum einem -Zweifel unterliegen, daß sie von einem hochangesehenen Führer geleitet -wurden. Sie zeigten sich wenig öffentlich, aber es war bekannt, daß -jeder Keller mit ihnen angefüllt war und es stand wohl zu befürchten, -daß sie auf das erste Signal aus ihren Höhlen hervorkommen und bewaffnet -das Parlament umgeben würden.[11] - - -Die Frage einer Union zwischen England und Schottland in Anregung -gebracht. - -Man hätte erwarten sollen, daß jeder patriotische und einsichtsvolle -Schotte sehnlichst wünschen werde, die Aufregung beschwichtigt und eine -Regierung befestigt zu sehen, die im Stande war, das Eigenthum zu -schützen und dem Gesetze Ansehen zu verschaffen. Eine unvollkommene -Organisation, welche rasch zu bewerkstelligen war, konnte in den Augen -eines solchen Mannes wohl einer vollkommenen Organisation vorzuziehen -sein, welche nur mit der Zeit möglich war. Gerade in diesem Augenblicke -jedoch warf eine an Zahl wie an Befähigung starke Partei eine neue und -hochwichtige Frage auf, welche nicht unwahrscheinlich das Interregnum -bis zum Herbste hinziehen mußte. Diese Partei verlangte, daß die Stände -Wilhelm und Marien nicht sogleich zum König und zur Königin erklären, -sondern England einen Unionstractat vorschlagen und den Thron so lange -vacant lassen sollten, bis ein solcher Vertrag unter vortheilhaften -Bedingungen für Schottland abgeschlossen sein würde.[12] - -Es mag auffallend erscheinen, daß ein großer Theil eines Volks, dessen -oft in heroischer, zuweilen auch in komischer Gestalt sich äußernder -Patriotismus sprüchwortlich geworden ist, sich so geneigt, ja sogar -ungeduldig zeigte, eine Unabhängigkeit aufzugeben, welche Jahrhunderte -lang über Alles hoch gehalten und mannhaft vertheidigt worden war. -Allein der hartnäckige Muth, den die Waffen der Plantagenets und der -Tudors nicht zu brechen vermocht, hatte angefangen, sich unter einer -ganz andren Gewalt zu beugen. Zollhäuser und Tarife bewirkten bald was -das Blutbad von Falkirk und Halidon, von Flodden und Pinkie nicht hatten -bewirken können. Schottland hatte einige Erfahrung in den Folgen einer -Union. Es war vor beinahe vierzig Jahren mit England unter Bedingungen -vereinigt gewesen, welche das von Siegesstolz aufgeblähte England zu -dictiren beliebte. Diese Union war in den Gemüthern des besiegten Volks -mit den Begriffen Niederlage und Demüthigung untrennbar verbunden. Und -doch hatte selbst diese Union, so schmerzlich sie auch den Stolz der -Schotten verwundet, ihren Aufschwung gefördert. Cromwell hatte mit einer -zu seiner Zeit seltenen Einsicht und Liberalität die vollkommenste -Handelsfreiheit zwischen dem dominirenden und dem untergebenen Lande -hergestellt. So lange er regierte, hemmte kein Verbot, kein Zoll den -Waarenverkehr zwischen irgend welchen Punkten der Insel. Seine -Schifffahrtsgesetze legten dem Handel Schottland's keine Beschränkungen -auf. Es stand einem schottischen Fahrzeuge frei, eine schottische -Waarenladung nach Barbadoes zu bringen und Zucker von Barbadoes in den -Hafen von London einzuführen.[13] Deshalb war die Regentschaft des -Protectors der Industrie und dem physischen Wohle des schottischen Volks -förderlich gewesen. Obwohl es ihn haßte und verwünschte, gedieh es doch -unwillkürlich unter ihm, und noch oft blickte es während der Verwaltung -seiner legitimen Fürsten mit Sehnsucht zurück auf die goldenen Tage des -Usurpators.[14] - -Die Restauration kam und veränderte Alles. Die Schotten erlangten ihre -Unabhängigkeit wieder und überzeugten sich bald, daß die Unabhängigkeit -ebensowohl ihre Unannehmlichkeiten hat wie ihre Würde. Das englische -Parlament behandelte sie als Fremdlinge und Nebenbuhler. Eine neue -Navigationsacte stellte sie auf fast gleiche Stufe mit den Holländern. -Hohe und in einigen Fällen prohibitive Zölle wurden auf die Erzeugnisse -der schottischen Industrie gelegt. Es ist kein Wunder, daß eine -ausnehmend betriebsame, kluge und unternehmende Nation, eine Nation, -die, nachdem sie lange durch einen unfruchtbaren Boden und durch ein -rauhes Klima in ihrer Entwickelung gehemmt worden war, eben jetzt trotz -dieser Nachtheile zu prosperiren begann und die ihren Fortschritt -plötzlich aufgehalten sah, sich für grausam behandelt erachtete. Doch es -war nichts zu machen. Beschwerden waren vergebens und Repressalien -unmöglich. Hätte der Souverain auch den Wunsch gehabt, so hatte er doch -nicht die Macht, eine unparteiische Stellung zwischen seinem großen und -seinem kleinen Königreiche zu behaupten, zwischen dem Königreiche, aus -dem er ein Jahreseinkommen von anderthalb Millionen, und dem -Königreiche, aus dem er ein Jahreseinkommen von wenig mehr als -sechzigtausend Pfund bezog. Er wagte es eben so wenig, einem den Handel -Schottland's beeinträchtigenden englischen Gesetz seine Genehmigung zu -verweigern, als einem den Handel England's beeinträchtigenden -schottischen Gesetz seine Genehmigung zu ertheilen. - -Die Klagen der Schotten waren indessen so laut, daß Karl im Jahre 1667 -Commissare ernannte, welche die Bedingungen eines Handelstractats -zwischen den beiden britischen Königreichen feststellen sollten. Die -Conferenzen wurden bald abgebrochen, und Alles was sich während ihrer -Dauer ereignete, bewies, daß es nur ein Mittel gab, durch welches -Schottland einen Antheil an dem commerciellen Wohlstande erlangen -konnte, dessen sich England damals erfreute.[15] Die Schotten mußten ein -Volk mit den Engländern werden, das Parlament, das bisher in Edinburg -getagt hatte, mußte dem in Westminster tagenden Parlamente einverleibt -werden. Dieses Opfer mußte von einem tapferen und stolzen Volke, das -seit zwölf Generationen die südliche Oberherrschaft mit tödtlichem -Widerwillen betrachtet hatte und dem bei den Gedanken an den Tod -Wallace's und an die Siege Bruce's noch immer das Herz schwoll, -nothwendig mit tiefem Schmerze empfunden werden. Es gab allerdings viele -allzustrenge Patrioten, die sich einer Union entschieden widersetzt -haben würden, selbst wenn sie hätten voraussehen können, daß eine solche -Glasgow zu einer größeren Stadt als Amsterdam machen und die öden -Lothians mit Feldern und Wäldern, mit netten Farmhäusern und stattlichen -Schlössern bedecken würde. Aber es gab auch eine zahlreichere Klasse, -welche nicht geneigt war, große und wesentliche Vortheile aufzugeben, um -bloße Namen und Ceremonien zu behalten, und der Einfluß dieser Klasse -war so mächtig, daß im Jahre 1670 das schottische Parlament England -directe Anträge machte.[16] Der König übernahm das Amt des Vermittlers -und auf beiden Seiten wurden Bevollmächtigte ernannt; aber es kam zu -keinem Abschlusse. - -Nachdem die Frage achtzehn Jahre lang geruht hatte, wurde sie plötzlich -durch die Revolution wieder in Anregung gebracht. Verschiedene Klassen, -durch verschiedene Beweggründe geleitet, trafen in diesem Punkte -zusammen. Mit Kaufleuten, welche gern die Vortheile des westindischen -Handels mitgenießen wollten, verbanden sich thätige und strebsame -Politiker, welche ihre Talente auf einer hervorragenderen Schaubühne als -dem schottischen Parlamentshause zu entfalten und aus einer reicheren -Quelle als dem schottischen Staatsschatze Reichthümer zu schöpfen -wünschten. Der Ruf nach Union wurde durch einige schlaue Jakobiten -verstärkt, welche nur Zwietracht und Aufschub herbeizuführen wünschten -und welche diesen Zweck zu erreichen hofften, indem sie in die -schwierige Frage, deren Lösung die specielle Aufgabe der Convention war, -eine noch schwierigere Frage mischten. Es ist wahrscheinlich, daß -Einige, denen die ascetischen Sitten und die strenge Kirchenzucht der -Presbyterianer nicht behagten, eine Union deshalb wünschten, weil sie -das einzige Mittel zur Aufrechthaltung der Prälatur im nördlichen Theile -der Insel war. In einem vereinigten Parlamente mußten die englischen -Mitglieder bedeutend überwiegen, und in England wurden die Bischöfe von -der großen Mehrzahl der Bevölkerung hoch in Ehren gehalten. Die -bischöfliche Kirche, das war klar, ruhte auf einer schmalen Grundlage -und mußte bei dem ersten Angriffe fallen. Die bischöfliche Kirche von -Großbritannien konnte eine hinreichend breite und feste Grundlage haben, -um allen Angriffen zu widerstehen. - -Ob es im Jahre 1689 möglich gewesen wäre, eine staatliche Union ohne -religiöse Union zu bewerkstelligen, darf wohl bezweifelt werden. Das -aber kann keinem Zweifel unterliegen, daß eine religiöse Union eine der -größten Calamitäten gewesen sein würde, welche eines der beiden -Königreiche treffen konnten. Die im Jahre 1707 zu Stande gebrachte Union -war allerdings ein großer Segen für England wie für Schottland. Aber sie -war deshalb ein Segen, weil sie, indem sie einen Staat bildete, zwei -Kirchen bestehen ließ. Das politische Interesse der contrahirenden -Theile war das nämliche; aber der kirchliche Streit zwischen ihnen war -ein solcher, der keine Verständigung zuließ. Die Eintracht konnte daher -nur dadurch erhalten werden, daß sie sich beide damit einverstanden -erklärten, gesondert zu bleiben. Hätte eine Verschmelzung der -Hierarchien stattgefunden, so würde eine Verschmelzung der Nationen -niemals möglich gewesen sein. Aufeinanderfolgende Mitchells würden auf -aufeinanderfolgende Sharpe's geschossen haben; fünf Generationen von -Claverhouse's würden fünf Generationen von Camerons ermordet haben. Die -erstaunlichen Verbesserungen, welche die Gestalt Schottland's verändert -haben, würden nie zu Stande gekommen sein. Ebenen, die jetzt reiche -Ernten tragen, würden unfruchtbare Sümpfe geblieben sein. Wasserfälle, -welche jetzt die Räder großartiger Fabriken treiben, würden in einer -Wildniß verrauscht sein. New Lanark würde noch eine Schafweide, Greenock -noch ein Fischerdorf sein. Die geringe Kraft, welche Schottland unter -einem solchen System besessen haben würde, hätte bei einer Schätzung der -Hülfsquellen Großbritanniens nicht hinzugefügt, sondern abgerechnet -werden müssen. Mit einer solchen Bürde belastet, hätte unser Vaterland -niemals, weder im Frieden noch im Kriege, eine Stelle in der ersten -Reihe der Nationen einnehmen können. Leider fehlt es uns nicht an -Anhalten zur Beurtheilung der Wirkung, die es auf den moralischen und -physischen Zustand eines Volks hervorbringt, wenn eine Kirche, die nur -von der Minderheit geliebt und verehrt, von der Mehrheit aber mit -religiösem und nationalem Widerwillen betrachtet wird, in den -ausschließlichen Genuß von Reichthümern und Würden gesetzt wird. Eine -einzige solche Kirche ist eine hinreichend drückende Last für die Kräfte -eines Reichs. - - -Wunsch der englischen Niederkirchlichen, das Episkopat in Schottland -beizubehalten. - -Aber diese Dinge, welche uns, die wir durch eine bittere Erfahrung -belehrt worden sind, klar zu sein scheinen, waren im Jahre 1689 selbst -sehr toleranten und einsichtsvollen Staatsmännern keineswegs klar. Den -englischen Niederkirchlichen war in der That wo möglich noch mehr als -den englischen Hochkirchlichen um Aufrechthaltung des Episkopats in -Schottland zu thun. Es ist eine auffallende Thatsache, daß Burnet, der -stets beschuldigt wurde, daß er das calvinistische Kirchenregiment im -Süden der Insel einführen wolle, sich durch seine Bemühungen, die -Prälatur im Norden aufrecht zu erhalten, bei seinen Landsleuten sehr -unbeliebt machte. Er war allerdings im Irrthum, aber sein Irrthum ist -einer Ursache zuzuschreiben, die ihm keine Unehre macht. Sein -Lieblingsziel, ein Ziel, das zwar unerreichbar, aber wohl geeignet war, -einen großen Geist und ein wohlwollendes Herz zu fesseln, war schon seit -langer Zeit ein ehrenvolles Abkommen zwischen der anglikanischen Kirche -und den Nonconformisten. Er hielt es für ein großes Unglück, daß eine -Gelegenheit zur Herbeiführung eines solchen Abkommens zur Zeit der -Restauration versäumt worden war. Die Revolution schien ihm eine neue -Gelegenheit dazu zu bieten. Er und seine Freunde unterstützten eifrig -Nottingham's Comprehensionsbill und schmeichelten sich mit vergeblichen -Hoffnungen auf Erfolg. Aber sie sahen ein, daß in einem der beiden -britischen Königreiche schwerlich eine Comprehension stattfinden könne, -wenn nicht auch in dem andren eine solche stattfinde. Ein Zugeständniß -mußte durch ein andres erkauft werden. Wenn der Presbyterianer sich -hartnäckig weigerte, da wo er stark war, auf irgend welche -Vergleichsvorschläge zu hören, so mußte es fast unmöglich sein, da wo er -schwach war, liberale Vergleichsbedingungen für ihn zu erlangen. Die -Bischöfe mußten daher ihre Sitze in Schottland behalten dürfen, damit -Geistliche, welche nicht von Bischöfen ordinirt waren, Rectorate und -Canonicate in England bekleiden durften. - - -Ansichten Wilhelm's über das kirchliche Regiment in Schottland. - -So waren die Sachen der Episkopalen im Norden und die Sache der -Presbyterianer im Süden in einer Weise mit einander verkettet, welche -selbst einen geschickten Staatsmann wohl in Verlegenheit setzen konnte. -Es war ein Glück für unser Vaterland, daß die Entscheidung der -hochwichtigen Frage, welche so viele heftige Leidenschaften aufregte und -die sich unter so verschiedenen Gesichtspunkten darstellte, einem Manne -wie Wilhelm oblag. Er hörte auf Episkopalen, auf Latitudinarier und -Presbyterianer, auf den Dechant von Glasgow, der die apostolische -Succession verfocht, auf Burnet, der die Gefahr, den anglikanischen -Klerus zu entfremden, schilderte, und auf Carstairs, der die Prälatur -mit dem Hasse eines Mannes haßte, dessen Daumen tiefe Spuren von den -Schrauben der Prälatisten zeigten. Umgeben von diesen eifrigen -Advokaten, blieb Wilhelm ruhig und unparteiisch. Er eignete sich in der -That durch seine Stellung sowohl wie durch seine persönlichen -Eigenschaften vorzugsweise zum Schiedsrichter in diesem wichtigen -Streite. Er war der König eines prälatistischen Reiches und der höchste -Beamte einer presbyterianischen Republik. Seine Abgeneigtheit, die -anglikanische Kirche zu verletzen, deren Oberhaupt er war, und seine -Abgeneigtheit, die reformirten Kirchen des Continents zu verletzen, die -ihn als einen Vorkämpfer betrachteten, den Gott gesandt, um sie gegen -die französische Tyrannei zu beschützen, hielten sich die Wage und -verhinderten ihn, sich ungebührlich auf diese oder jene Seite zu neigen. -Seine Ueberzeugung war vollkommen neutral. Denn er war entschieden der -Meinung, daß keine Form des Kirchenregiments göttlichen Ursprungs sei. -Er dissentirte eben so sehr von der Schule Laud's wie von der Schule -Cameron's, von den Männern, welche meinten, daß es keine christliche -Kirche ohne Bischöfe, und von den Männern, welche meinten, daß es keine -christliche Kirche ohne Synoden geben könne. Welche Form des -Kirchenregiments zu wählen sei, war seiner Ueberzeugung nach nur eine -Frage der Zweckmäßigkeit. Er würde wahrscheinlich ein Mittelding -zwischen den beiden rivalisirenden Systemen vorgezogen haben, eine -Hierarchie, in der die ersten geistlichen Würdenträger etwas mehr als -Moderatoren und etwas weniger als Prälaten gewesen wären. Aber er war -ein viel zu einsichtsvoller Mann, als daß er hätte daran denken können, -eine solche Angelegenheit nach seinen persönlichen Neigungen zu ordnen. -Er beschloß daher, als Vermittler zu handeln, wenn sich auf beiden -Seiten Bereitwilligkeit zu einem Vergleiche zeigte. Sollte es sich aber -herausstellen, daß die öffentliche Meinung in England und die -öffentliche Meinung in Schottland entschieden auseinandergingen, so -wollte er es nicht versuchen, eine der beiden Nationen zum Anschluß an -die Meinung der andren zu nöthigen. Er wollte jeder von ihnen ihre eigne -Kirche lassen und sich darauf beschränken, beide Kirchen von der -Verfolgung der Nonconformisten und von Eingriffen in die Functionen der -Civilbehörden abzuhalten. - -Die Sprache, die er den schottischen Episkopalen gegenüber führte, -welche ihm ihre Leiden klagten und um seinen Schutz baten, war -wohlüberlegt und sehr vorsichtig, aber klar und freimüthig. Er sagte, er -wünsche die Institution, an der sie so sehr hingen, wo möglich aufrecht -zu erhalten und zu gleicher Zeit derjenigen Partei, welche zu keiner -Abweichung von der presbyterianischen Urform zu bringen sei, völlige -Gewissensfreiheit zu gewähren. Aber die Bischöfe mußten auch darauf -bedacht sein, daß sie es ihm nicht durch ihre Uebereilung und -Hartnäckigkeit unmöglich machten, ihnen irgendwie nützlich zu sein. Sie -mußten sich klar bewußt sein, daß er entschlossen sei, Schottland nicht -mit dem Schwerte eine Form des Kirchenregiments aufzuzwingen, die es -verabscheue. Wenn es sich daher herausstellen sollte, daß die Prälatur -nur mit Hülfe der Waffen aufrecht erhalten werden könne, so würde er der -allgemeinen Gesinnung nachgeben und nur sein Möglichstes thun, damit es -der bischöflichen Minorität gestattet werde, Gott in Freiheit und -Sicherheit zu verehren.[17] - - -Comparative Stärke der religiösen Parteien in Schottland. - -Es ist nicht wahrscheinlich daß, selbst wenn die schottischen Bischöfe, -wie Wilhelm anempfahl, Alles gethan hätten, was der Milde und Klugheit -möglich war, um ihre Landsleute mit sich auszusöhnen, das Episkopat -unter irgend welcher veränderten Gestalt hätte aufrecht erhalten werden -können. Es ist zwar von Schriftstellern der damaligen Generation -behauptet und von Schriftstellern unsrer Generation wiederholt worden, -daß die Presbyterianer vor der Revolution nicht die Mehrheit der -Bevölkerung Schottland's gebildet hätten.[18] In dieser Behauptung liegt -jedoch eine offenbare Täuschung. Die wirkliche Stärke einer -Religionspartei darf nicht lediglich nach ihrer Kopfzahl bemessen -werden. Eine Landeskirche, eine dominirende Kirche, eine Kirche, die im -ausschließlichen Besitz der bürgerlichen Ehren und Einkünfte ist, wird -jederzeit unter ihren nominellen Mitgliedern viele zählen, welche gar -keine Religion haben, viele, die zwar nicht ohne alle Religion sind, -sich aber um religiöse Streitigkeiten wenig kümmern und kein Bedenken -tragen, sich der eben bestehenden Art der Gottesverehrung zu -conformiren, und viele, die sich wegen des Conformirens zwar Bedenken -machen, deren Bedenken aber weltlichen Beweggründen gewichen sind. Auf -der andren Seite hat jedes Mitglied einer unterdrückten Kirche eine -entschiedene Vorliebe für diese Kirche. Von Jemandem, der zu den Zeiten -Diocletian's an der Feier der christlichen Mysterien Theil nahm, konnte -vernünftigerweise angenommen werden, daß er fest an Christum glaube. -Aber es würde ein großer Irrthum sein, wollte man glauben, daß ein -einziger Pontifex oder Augur im römischen Senat fest an Jupiter geglaubt -habe. Unter Mariens Regierung war Jedermann, der an den geheimen -Zusammenkünften der Protestanten Theil nahm, ein wahrer Protestant; aber -Hunderttausende besuchten die Messe, von denen es sich schon in den -ersten Wochen nach Mariens Tode zeigte, daß sie keine aufrichtigen -Katholiken waren. Wenn unter den Königen des Hauses Stuart, wo ein -Presbyterianer von politischer Macht und wissenschaftlichen -Berufszweigen ausgeschlossen war, täglich von Angebern, von tyrannischen -Magistratsbeamten, oder von zügellosen Dragonern belästigt wurde und -Gefahr lief aufgehängt zu werden, wenn er eine Predigt unter freiem -Himmel anhörte, die Bevölkerung Schottland's sich nicht sehr ungleich in -Episkopale und Presbyterianer theilte, so läßt sich vernünftigerweise -annehmen, daß mehr als neunzehn Zwanzigstel von denjenigen Schotten, -deren Gewissen bei der Sache betheiligt war, Presbyterianer waren und -daß von zwanzig Schotten nicht einer entschieden und aus Ueberzeugung -ein Episkopale war. Gegen ein solches Uebergewicht hatten die Bischöfe -wenig Aussicht, und die geringe Aussicht, die sie etwa hatten, beeilten -sie sich abzuwerfen, Einige deshalb, weil sie der aufrichtigen Meinung -waren, ihre Unterthanenpflicht gehöre noch immer Jakob, Andere -wahrscheinlich aus Besorgniß, daß Wilhelm, wenn er auch den Willen -hätte, nicht die Macht haben würde, ihnen zu helfen, und daß nur eine -Contrerevolution im Staate einer Revolution in der Kirche vorbeugen -könne. - - -Schreiben von Wilhelm an die schottische Convention. - -Da der neue König von England während der Sitzungen der schottischen -Convention nicht in Edinburg sein konnte, so wurde ein Schreiben von ihm -an die Stände mit großer Geschicklichkeit entworfen. In diesem Dokumente -erklärte er seine warme Anhänglichkeit an die protestantische Religion, -sprach sich aber nicht über diejenigen Fragen aus, bezüglich welcher die -Ansicht der Protestanten getheilt war. Er sagte, er habe mit großer -Genugthuung bemerkt, daß viele von den schottischen Cavalieren und -Gentlemen, mit denen er in London conferirt, zu einer Vereinigung der -beiden britischen Königreiche geneigt seien. Er sehe ein, wie sehr eine -solche Vereinigung das Glück beider Länder fördern würde, und er werde -Alles thun was in seinen Kräften stehe, damit ein so gutes Werk zu -Stande komme. - - -Wilhelm's Instructionen für seine Agenten in Schottland. - -Seinen confidentiellen Agenten in Edinburg mußte er eine große Freiheit -im Handeln gestatten. Die geheimen Instructionen, welche er diesen -Männern ertheilte, konnten daher nicht minutiös sein, aber sie waren -höchst verständig. Er beauftragte sie, die wahre Gesinnung der -Convention nach besten Kräften zu ermitteln und sich durch dieselbe -leiten zu lassen. Sie sollten stets eingedenk sein, daß der erste Zweck -die Befestigung der Regierung sei. Diesem Zwecke mußte jeder andre, -selbst die Union, nachstehen. Ein Vertrag zwischen zwei mehrere -Tagereisen entfernten Legislaturen müsse nothwendig das Werk der Zeit -sein und der Thron könne während der Dauer der Unterhandlungen nicht -füglich erledigt bleiben. Die Agenten Sr. Majestät müßten daher ganz -besonders auf ihrer Hut sein gegen die Kunstgriffe von Leuten, welche -unter dem Vorwand, die Union zu fördern, thatsächlich nur eine -Verlängerung des Interregnums beabsichtigten. Wenn die Convention -geneigt sein sollte, die presbyterianische Form des Kirchenregiments -einzuführen, so wünsche Wilhelm, daß seine Freunde Alles aufböten, um -die siegende Religionspartei abzuhalten, für die erlittenen Drangsale -Wiedervergeltung zu üben.[19] - - -Die Dalrymple. - -Der Mann, durch dessen Rath sich Wilhelm damals in Sachen der -schottischen Politik hauptsächlich leiten ließ, war ein Schotte von -großen Fähigkeiten und Geistesgaben, Sir Jakob Dalrymple von Stair, der -Begründer einer Familie, die sich in der Advokatur, auf der Richterbank, -im Senate, in der Diplomatie, in den Waffen und in der Literatur -auszeichnete, die sich aber auch durch Unglücksfälle und Missethaten, -welche den Dichtern und Romanschreibern Stoff zu den schwärzesten und -herzzerreißendsten Geschichten geliefert, einen Namen gemacht hat. Sir -Jakob hatte schon mehr als einen sonderbaren und entsetzlichen Todesfall -zu betrauern gehabt. Eine seiner Töchter hatte ihren Bräutigam in der -Hochzeitsnacht erstochen. Einer seiner Enkel war bei einem kindlichen -Spiele von einem andren getödtet worden. Boshafte Pamphletisten -behaupteten und ein Theil des abergläubischen Volks glaubte es, daß so -entsetzliche Unfälle die Folge einer gewissen Verbindung zwischen der -unglücklichen Familie und den Mächten der Finsterniß sei. Sir Jakob -hatte einen schiefen Hals; dieses Unglück warf man ihm wie ein -Verbrechen vor und sagte, daß er dadurch als ein für den Galgen -bestimmter Mann gezeichnet sei. Seine Gattin, eine Frau von hoher -geistiger Begabung, Klugheit und Entschlossenheit, hatte vom Volke den -Spottnamen der Hexe von Endor erhalten. Es wurde allen Ernstes gesagt, -daß sie auf Diejenigen, die sie haßte, einen furchtbaren Zauber geworfen -und daß man sie in der Gestalt einer Katze auf der Staatsdecke zur Seite -des Lordstatthalters habe sitzen sehen. Der Mann, auf dessen Dache ein -so mannichfacher Fluch zu lasten schien, stand jedoch, soweit wir dies -jetzt noch beurtheilen können, keineswegs auf einer viel tieferen Stufe -der Moralität als die große Mehrzahl der Staatsmänner seiner Zeit und -seiner Nation. An Seelenstärke und Kenntnissen war er ihnen Allen -überlegen. In seiner Jugend hatte er die Waffen getragen, dann war er -Professor der Philosophie gewesen, hatte hierauf die Rechte studirt und -war anerkanntermaßen der größte Jurist, den sein Vaterland -hervorgebracht hat. In den Tagen des Protectorats war er Richter -gewesen. Nach der Restauration hatte er sich mit der königlichen Familie -ausgesöhnt, war Mitglied des Geheimraths geworden und hatte mit -unvergleichlicher Geschicklichkeit dem Court of Session präsidirt. -Allerdings hatte er an manchen nicht zu rechtfertigenden Handlungen -Theil genommen, aber eine gewisse Grenze überschritt er niemals. Er -besaß ein merkwürdiges Talent, einem Satze, den zu behaupten er für gut -fand, einen plausibeln Anschein von Gesetzlichkeit und selbst von -Gerechtigkeit zu geben, und dieses Talent mißbrauchte er häufig. Aber er -war nicht wie viele von Denen, unter welchen er lebte, schamlos und -gewissenlos servil. Schamgefühl oder Gewissen hielten ihn in der Regel -ab, eine Schlechtigkeit zu begehen, für die sein seltener Scharfsinn -nicht einen speziösen Vertheidigungsgrund ausfindig machen konnte, und -er fehlte gewöhnlich an seinem Platze im Staatsrath, wenn eine empörende -Ungerechtigkeit oder Grausamkeit im Werke war. Seine Mäßigung wurde dem -Hofe endlich unangenehm. Er wurde seines hohen Amtes entsetzt und befand -sich in einer so mißlichen Situation, daß er sich nach Holland -zurückzog. Dort beschäftigte er sich mit der Verbesserung des großen -juristischen Werks, das seinen Namen bis auf unsre Zeit in frischem -Andenken erhalten hat. In seinem Exil bemühte er sich, die Gunst seiner -Mitverbannten zu gewinnen, die ihn natürlich mit Argwohn betrachteten. -Er betheuerte, und vielleicht war dem wirklich so, daß seine Hände rein -seien vom Blute der verfolgten Covenanters. Er trug eine große -Religiosität zur Schau, betete viel und beobachtete allwöchentlich Fast- -und Kasteiungstage. Nach langem Zaudern willigte er sogar ein, das -unglückliche Unternehmen Argyle's mit seinem Rathe und Ansehen zu -unterstützen. Als dieses Unternehmen gescheitert war, wurde Dalrymple in -Edinburg der Prozeß gemacht, und seine Güter würden ohne allen Zweifel -confiscirt worden sein, hätte man sie nicht durch einen Kunstgriff -gerettet, der in der Folge unter den schottischen Staatsmännern sehr -gewöhnlich wurde. Sein ältester Sohn und muthmaßlicher Erbe, Johann, -trat auf die Seite der Regierung, unterstützte das Dispensationsrecht, -erklärte sich gegen den Test und nahm die Stelle des Lord Advokaten an, -als Sir Georg Mackenzie, nachdem er zehn Jahre entehrender Plackerei auf -diesem Posten ausgeharrt, endlich Zeichen der Erschlaffung blicken ließ. -Die Dienste des jungen Dalrymple wurden mit Erlassung, der -Vermögensconfiscation belohnt, der sich der ältere durch seine Vergehen -ausgesetzt hatte. Diese Dienste waren allerdings auch nicht zu -verachten, denn obwohl Sir John an Tiefe und Umfang der juristischen -Kenntnisse seinem Vater nachstand, war er doch kein gewöhnlicher Mensch. -Er besaß eine vielseitige Bildung, einen scharfen Verstand und eine -ungemein schlagende und elegante Beredtsamkeit. Auf Frömmigkeit machte -er keinen Anspruch. Episkopalen und Presbyterianer stimmten in der That -darin überein, daß sie ihn für wenig besser als einen Atheisten hielten. -Einige Monate lang stellte sich Sir Johann in Edinburg, als ob er die -Illoyalität seines unglücklichen Vaters, Sir Jakob, verdammte, und Sir -Jakob sagte in Leyden zu seinen puritanischen Freunden, daß er die -abscheuliche Willfährigkeit seines unglücklichen Sohnes tief beklage. - -Die Revolution kam und brachte dem Hause Stair einen großen Zuwachs an -Reichthum und Ehren. Der Sohn wechselte sogleich die Farbe und -cooperirte geschickt und eifrig mit dem Vater. Sir Jakob nahm seinen -Wohnsitz in London, um Wilhelm in schottischen Angelegenheiten mit -seinem Rathe zu unterstützen. Sir Johann's Posten war im Parlamentshause -zu Edinburg. Es war nicht wahrscheinlich, daß er unter den dortigen -Wortkämpfern seines Gleichen finden würde, und er war darauf vorbereitet -alle seine Kräfte gegen die Dynastie aufzubieten, der er noch kürzlich -gedient hatte.[20] - - -Melville. - -Von der zahlreichen Partei, welche dem calvinistischen Kirchenregiment -eifrig zugethan war, wurde Johann Dalrymple mit unheilbarem Mißtrauen -und Widerwillen betrachtet. Es mußte daher ein andrer Agent zur -Bearbeitung dieser Partei ernannt werden. Dieser Agent war Georg -Melville, Lord Melville, ein mit dem unglücklichen Monmouth und dem -Leslie, der die schottische Armee mit so schlechtem Erfolg bei Dunbar -gegen Cromwell befehligt hatte, verwandter Edelmann. Melville hatte von -jeher für einen Whig und Presbyterianer gegolten. Selbst Diejenigen, die -am günstigsten über ihn urtheilen, haben es nicht gewagt, ihm -ausgezeichnete Geistesgaben oder glühenden Gemeinsinn zuzuschreiben. Aus -seinen Briefen geht jedoch hervor, daß es ihm keineswegs an der -natürlichen Klugheit fehlte, deren Mangel Männern von glänzenderem Genie -und reinerer Tugend oft zum Verderben gereicht hat. Diese Klugheit hatte -ihn abgehalten, in der Opposition gegen die Tyrannei der Stuarts zu weit -zu gehen, aber er hatte zugehört, wenn seine Freunde von Widerstand -sprachen, und als das Ryehousecomplot entdeckt wurde, hielt er es daher -für rathsam, sich auf den Continent zurückzuziehen. In seiner -Abwesenheit wurde er des Hochverraths angeklagt und auf Beweise hin, -welche keinem unparteiischen Gerichtshofe genügt haben würden, für -schuldig befunden. Er ward zum Tode verurtheilt, seine Ehren und Güter -wurden für verwirkt erklärt, sein Wappen mit Schimpf und Schande aus dem -Buche des Herolds gerissen, und seine Besitzungen vermehrten das -Vermögen des grausamen und habsüchtigen Perth. Unterdessen lebte der -Flüchtling mit characteristischer Vorsicht ruhig auf dem Continent und -mißbilligte die unglücklichen Pläne seines Vetters Monmouth, zollte aber -dem Unternehmen des Prinzen von Oranien von Herzen seinen Beifall. - -Krankheit hatte Melville verhindert, mit der holländischen Expedition -abzusegeln; aber wenige Stunden nachdem die neuen Herrscher in London -proklamirt worden waren, kam er daselbst an. Wilhelm schickte ihn -sogleich nach Edinburg, wie es scheint in der Hoffnung, daß die -Presbyterianer gemäßigten Rathschlägen aus dem Munde eines Mannes, der -ihrer Sache ergeben war und für dieselbe gelitten hatte, Gehör schenken -würden. Melville's zweiter Sohn, David, der durch seine Mutter den Titel -eines Earl von Leven geerbt und sich im Dienste des Kurfürsten von -Brandenburg einige militärische Erfahrung erworben, hatte die Ehre, der -Ueberbringer eines Briefes von dem neuen König von England an die -schottische Convention zu sein.[21] - - -Jakob's Agenten in Schottland: Dundee, Balcarras. - -Jakob hatte die Leitung seiner Angelegenheiten in Schottland Johann -Graham, Viscount Dundee, und Colin Lindsay, Earl von Balcarras, -übertragen. Dundee hatte ein schottisches Truppencorps commandirt, das -in England eingerückt war, um den Engländern Widerstand zu leisten; aber -er hatte in dem ruhmlosen Feldzuge, der für die Dynastie Stuart -verderblich geworden war, keine Gelegenheit gehabt, den Muth und die -militärische Tüchtigkeit zu entfalten, deren Besitz ihm selbst -Diejenigen zugestehen, die seinen erbarmungslosen Character am tiefsten -verabscheuen. Er stand mit seinen Truppen nicht weit von Watford, als er -erfuhr, daß Jakob von Whitehall geflohen war und daß Feversham die ganze -königliche Armee aufzulösen befohlen hatte. So befanden sich die -schottischen Regimenter ohne Gold und ohne Lebensmittel inmitten einer -fremden und sogar feindlichen Nation. Dundee soll vor Schmerz und Wuth -geweint haben. Bald kamen jedoch von verschiedenen Seiten erfreulichere -Nachrichten. Wilhelm schrieb einige Zeilen, worin er sagte, daß, wenn -die Schotten sich ruhig verhielten, er mit seiner Ehre dafür einstehen -würde, daß ihnen nichts geschehen solle, und einige Stunden darauf -erfuhr man, daß Jakob in seine Hauptstadt zurückgekehrt war. Dundee -eilte sofort nach London.[22] Hier traf er mit seinem Freunde Balcarras -zusammen, der eben aus Edinburg angelangt war. Balcarras, ein Mann, der -sich durch angenehme Persönlichkeit und durch Bildung auszeichnete, -hatte in seiner Jugend den Patrioten gespielt, war aber der Sache des -Volks untreu geworden, hatte einen Sitz im Geheimrath angenommen, war -ein Werkzeug Perth's und Melfort's geworden, und war einer der -Commissare gewesen, welche zur Verwaltung des Schatzmeisteramts ernannt -wurden, als Queensberry in Ungnade fiel, weil er die Interessen der -protestantischen Religion nicht hatte verrathen wollen.[23] - -Dundee und Balcarras gingen zusammen nach Whitehall und hatten die Ehre, -Jakob auf seinem letzten Spaziergange in der Mailbahn zu begleiten. Er -sagte ihnen, daß er seine Angelegenheiten in Schottland ihren Händen -anzuvertrauen gedenke. »Sie, Mylord Balcarras, müssen die Civilgeschäfte -übernehmen, und Sie, Mylord Dundee, sollen eine Vollmacht zur Uebernahme -des militärischen Commandos von mir erhalten.« Die beiden Lords -versprachen sich seines Vertrauens würdig zu zeigen und wiesen jeden -Gedanken an eine Aussöhnung mit dem Prinzen von Oranien entschieden -zurück.[24] - -Am folgenden Tage verließ Jakob Whitehall für immer und der Prinz von -Oranien kam im St. Jamespalast an. Sowohl Dundee als Balcarras befanden -sich unter der Menge, welche zur Begrüßung des Befreiers herbeiströmte -und sie wurden nicht unfreundlich aufgenommen. Beide waren ihm -wohlbekannt. Dundee hatte auf den Continent unter ihm gedient,[25] und -Balcarras' erste Gemahlin war eine Dame aus dem Hause Oranien gewesen -und hatte an ihrem Hochzeitstage ein Paar prächtiger Smaragdohrringe -getragen, welche ihr Vetter, der Prinz, ihr zum Geschenk gemacht.[26] - -Die schottischen Whigs, welche damals in großer Anzahl zu Westminster -versammelt waren, drangen ernstlich in Wilhelm, dem Namen nach vier oder -fünf Männer zu proscribiren, welche in den schlimmen Seiten bei den -Maßnahmen des Geheimrath zu Edinburg eine bedeutende Rolle gespielt -hatten. Dundee und Balcarras wurden speciell erwähnt. Aber der Prinz -hatte beschlossen, soweit seine Macht reichte, den Schleier einer -allgemeinen Amnestie über alles Vergangene zu werfen, und weigerte sich -entschieden, irgend eine Erklärung zu erlassen, die selbst den -strafbarsten der Diener seines Oheims hätte zur Verzweiflung bringen -können. - -Balcarras begab sich zu wiederholten Malen in den St. Jamespalast, hatte -mehrere Audienzen bei Wilhelm, sprach seine tiefste Ehrerbietung gegen -Seine Hoheit aus und gestand zu, daß König Jakob große Fehler begangen -habe, wollte aber nicht versprechen, sich bei einem Absetzungsvotum zu -betheiligen. Wilhelm äußerte kein Mißfallen darüber, sagte aber beim -Abschiede: »Nehmen Sie Bedacht darauf, Mylord, daß Sie Sich innerhalb -des Gesetzes halten, denn wenn Sie es übertreten, haben Sie zu erwarten, -daß Sie demselben überlassen werden.«[27] - -Dundee scheint weniger aufrichtig gewesen zu sein. Er bediente sich der -Vermittelung Burnet's, trat in Unterhandlung mit dem Hofe, erklärte -seine Bereitwilligkeit, sich der neuen Ordnung der Dinge zu unterwerfen, -erlangte von Wilhelm ein Protectionsversprechen und versprach dafür, -sich ruhig zu verhalten. Man schenkte seinen Versicherungen so vollen -Glauben, daß man ihm gestattete, unter der Eskorte eines Reitertrupps -nach Schottland zu reisen. Ohne eine solche Eskorte würde der -Blutmensch, dessen Name an dem Herde jeder presbyterianischen Familie -nicht ohne einen Schauder genannt wurde, unter den damaligen Umständen -eine gefährliche Reise durch Berwickshire und die Lothians gehabt -haben.[28] - -Der Februar ging zu Ende, als Dundee und Balcarras in Edinburg ankamen. -Sie hatten einige Hoffnung, die Häupter einer Majorität in der -Convention zu werden, und sie bemühten sich daher kräftig, ihre Partei -zu consolidiren und zu beleben. Sie versicherten den strengen -Royalisten, welche Bedenken trugen, in einer von einem Usurpator -einberufenen Versammlung zu sitzen, der rechtmäßige König wünsche ganz -besonders, daß kein Freund der erblichen Monarchie fehle. Mehr als ein -Schwankender wurde dadurch fest erhalten, daß man ihm im Vertrauen -versicherte, eine baldige Restauration sei unvermeidlich. Gordon hatte -schon beschlossen, das Schloß zu übergeben, und angefangen, sein -Mobiliar fortzuschaffen; aber Dundee und Balcarras überredeten ihn, noch -einige Zeit auszuharren. Sie theilten ihm mit, daß sie aus -Saint-Germains volle Ermächtigung erhalten hätten, die Convention nach -Stirling zu verlegen und daß, wenn es in Edinburg schlecht gehen sollte, -von dieser Ermächtigung Gebrauch gemacht werden würde.[29] - - -Zusammentritt der Convention. - -Endlich erschien der 14. März, der zum Zusammentritt der Stände -bestimmte Tag, und das Parlamentshaus war gedrängt voll. Neun Prälaten -waren auf ihren Plätzen. Als Argyle eintrat, protestirte ein einziger -Lord gegen die Zulassung eines Mannes, der durch ein in alter Form -ausgesprochenes und noch nicht umgestoßenes rechtskräftiges Erkenntniß -der Ehren der Pairie entkleidet worden sei. Dieser Einwurf wurde jedoch -durch die allgemeine Ansicht der Versammlung entkräftet. Als Melville -erschien, erhob sich keine Stimme gegen seine Zulassung. Der Bischof von -Edinburg fungirte als Kaplan und nahm in sein Gebet die Bitte auf, Gott -möge dem König Jakob beistehen und ihn wieder auf den Thron setzen.[30] -Es zeigte sich bald, daß die allgemeine Gesinnung der Convention mit -diesem Gebet durchaus nicht in Einklang stand. Die erste zu erledigende -Angelegenheit war die Wahl eines Präsidenten. Der Herzog von Hamilton -wurde von den Whigs, der Marquis von Athol von den Jakobiten -unterstützt. Aber keiner der beiden Candidaten besaß das volle Vertrauen -seiner Parteianhänger, und verdiente es auch nicht. Hamilton war ein -Staatsrath Jakob's gewesen, hatte an vielen nicht zu rechtfertigenden -Maßregeln Theil gehabt und hatte den frechsten Angriffen auf die Gesetze -und die Religion Schottland's einen nur sehr vorsichtigen und lauen -Widerstand entgegengesetzt. Erst als Whitehall von holländischen Garden -bewacht wurde, wagte er es sich offen auszusprechen. Er hatte sich nun -der siegreichen Partei angeschlossen und den Whigs versichert, daß er -nur deshalb zum Schein ihr Feind gewesen sei, um, ohne Verdacht zu -erwecken, als ihr Freund handeln zu können. Athol war noch weniger zu -trauen. Er besaß geringe Fähigkeiten und einen falschen, kleinmüthigen -und grausamen Character. Unter der letzten Regierung hatte er sich durch -die Grausamkeiten, die er in Argyleshire verübt, eine schmachvolle -Berühmtheit erworben. Er hatte mit dem Wechsel des Glücks die Farbe -gewechselt und hatte dem Prinzen von Oranien in serviler Weise den Hof -gemacht, war aber kalt aufgenommen worden und war nun aus bloßem Aerger -darüber zu der Partei zurückgekehrt, die er verlassen.[31] Keiner der -beiden rivalisirenden Edelleute hatte sich bemüßigt gefunden, die Würden -und Besitzungen seines Hauses auf den Ausgang des Kampfes zwischen den -beiden rivalisirenden Königen zu setzen. Hamilton's ältester Sohn hatte -sich für Jakob, Athol's ältester Sohn für Wilhelm erklärt, so daß für -alle Fälle beide Adelskronen und beide Güter gesichert waren. - -Aber in Schottland waren die herrschenden Begriffe von politischer Moral -lax und das aristokratische Gefühl stark; die Whigs waren daher geneigt -zu vergeben, daß Hamilton noch unlängst im Staatsrathe Jakob's gesessen -hatte, und eben so waren die Jakobiten bereit zu vergessen, daß Athol -kürzlich Wilhelm den Hof gemacht. In Hinsicht der politischen -Inconsequenz waren diese beiden vornehmen Lords allerdings weit entfernt -vereinzelt dazustehen; an Ansehen und Macht aber hatten sie kaum ihres -Gleichen in der Versammlung. Sie waren von höchst vornehmer Herkunft und -besaßen einen ungeheuren Einfluß; der eine von ihnen konnte das -westliche Niederland zu den Waffen rufen, der andre eine Armee -nordischer Bergschotten ins Feld stellen. Um diese beiden Oberhäupter -schaarten sich daher die feindlichen Factionen. - - -Hamilton zum Präsidenten erwählt. - -Die Stimmen wurden gezählt, und es ergab sich, daß Hamilton eine -Majorität von vierzigen hatte. In Folge dessen gingen etwa Zwanzig von -der geschlagenen Partei sofort zu den Siegern über.[32] In Westminster -würde ein solcher Abfall sonderbar erschienen sein; in Edinburg aber -scheint er wenig überrascht zu haben. Es ist ein bemerkenswerther -Umstand, daß das nämliche Land in dem nämlichen Jahrhundert die -wunderbarsten Beispiele von beiden Extremen der menschlichen Natur -hervorbrachte. Keine Klasse von Menschen, deren die Geschichte erwähnt, -hat je an einem Principe mit unbeugsamerer Hartnäckigkeit festgehalten, -als man sie bei den schottischen Puritanern fand. Geld- und -Gefängnißstrafen, Brandmarkungseisen, spanische Stiefel, Daumenschrauben -und Galgen vermochten dem starren Covenanter kein ausweichendes Wort zu -erpressen, welchem ein mit seinem theologischen System unvereinbarer -Sinn unterzuschieben gewesen wäre. Selbst in indifferenten Dingen wollte -er von keinem Vergleich hören und er war nur zu bereit, alle Diejenigen, -welche Klugheit und Nächstenliebe anempfahlen, als Verräther an der -Sache der Wahrheit zu betrachten. Auf der andren Seite waren die -Schotten jener Generation, welche im Parlamentshause und im Rathszimmer -eine hervorragende Rolle spielten, die falschesten und schamlosesten -Achselträger, welche die Welt je gesehen. Die Engländer wunderten sich -gleichmäßig über beide Klassen. Es gab zwar viele standhafte -Nonconformisten im Süden, aber kaum einer unter ihnen konnte sich an -Hartnäckigkeit, Kampflust und Unerschrockenheit mit den Männern aus der -Schule Cameron's messen. Es gab viele schurkische Politiker im Süden, -aber wenige darunter waren so vollständig aller Moralität und noch -wenigere so vollständig alles Schamgefühls bar wie die Männer aus der -Schule Lauderdale's. Vielleicht ist es natürlich, daß die gefühlloseste -und frechste Lasterhaftigkeit sich in der nächsten Nähe unvernünftiger -und unlenksamer Tugend findet. Wo Fanatiker bereit sind, wegen -Kleinigkeiten, die durch ein übermäßig scrupulöses Gewissen zu -Wichtigkeit erhoben werden, zu vernichten oder sich vernichten zu -lassen, da kann es nicht Wunder nehmen, wenn das Wort Gewissen an sich -schon für kalte und schlaue Geschäftsmänner ein Wort des Hohnes und der -Verachtung wird. - - -Wahlausschuß. - -Die Majorität, verstärkt durch die Ueberläufer von der Minorität, -schritt nun zur Ernennung eines Wahlausschusses. Es wurden funfzehn -Mitglieder erwählt, und es zeigte sich bald, daß zwölf davon nicht -geneigt waren, die Regelmäßigkeit des Verfahrens streng zu untersuchen, -durch welches ein Whig in das Parlamentshaus geschickt worden war. Der -Herzog von Hamilton selbst soll über die grobe Parteilichkeit seiner -eignen Anhänger entrüstet gewesen sein und sich, allerdings mit geringem -Erfolge, bemüht haben, ihre Heftigkeit zu zügeln.[33] - - -Das Schloß von Edinburg zur Uebergabe aufgefordert. - -Ehe die Stände mit der Berathung der Angelegenheit begannen, um deren -willen sie zusammengetreten waren, hielten sie es für nöthig, auf ihre -Sicherheit bedacht zu sein. Sie konnten nicht ganz unbesorgt sein, so -lange das Dach, unter dem sie saßen, von den Batterien des Schlosses -beherrscht wurde. Es wurde demnach eine Deputation an Gordon abgesandt, -um ihn im Namen der Convention aufzufordern, die Festung binnen -vierundzwanzig Stunden zu räumen, und ihm zu sagen, daß, wenn er sich -füge, seiner Vergangenheit nicht zu seinem Nachtheil gedacht werden -solle. Er bat um eine Nacht Bedenkzeit. Während dieser Nacht wurde sein -schwankender Sinn durch Dundee's und Balcarras' eindringliche -Vorstellungen befestigt. Am andren Morgen schickte er eine in -ehrerbietigen, aber ausweichenden Ausdrücken abgefaßte Antwort. Er -erklärte darin, er sei weit entfernt, Böses gegen die Stadt Edinburg im -Sinne zu haben. Am allerwenigsten könne es ihm einfallen, eine hohe -Versammlung zu belästigen, die er mit der größten Ehrfurcht betrachte. -Er sei gern bereit, Bürgschaft für sein friedliches Verhalten bis zum -Betrage von zwanzigtausend Pfund Sterling zu erlegen. Aber er stehe mit -der jetzt in England eingesetzten Regierung in Verbindung, er erwarte -stündlich Depeschen von dieser Regierung und bis zum Eingang derselben -halte er sich nicht für berechtigt, sein Commando niederzulegen. Diese -Entschuldigungen wurden nicht angenommen. Es wurden Herolde und -Trompeter abgeschickt, um das Schloß in aller Form zur Uebergabe -aufzufordern und Diejenigen, welche fortfahren sollten, diese Festung -der Autorität der Stände zum Trotz besetzt zu halten, des Hochverraths -für schuldig zu erklären. Zu gleicher Zeit wurden Wachen ausgestellt, um -jede Verbindung zwischen der Garnison und der Stadt abzuschneiden.[34] - - -Dundee von den Covenanters bedroht. - -Unter diesen Vorspielen waren zwei Tage verstrichen und man erwartete, -daß am Morgen des dritten der große Kampf beginnen werde. Die -Bevölkerung von Edinburg war unterdessen in großer Aufregung. Man war -dahinter gekommen, daß Dundee auf dem Schlosse Besuche gemacht hatte, -und man glaubte, daß seine Ermahnungen die Garnison bewegen hätten, -Widerstand zu leisten. Man wußte, daß seine alten Soldaten sich um ihn -schaarten, und es stand wohl zu befürchten, daß er einen verzweifelten -Versuch unternehmen werde. Er dagegen hatte erfahren, daß die westlichen -Covenanters, welche die Keller der Stadt füllten, ihm Rache geschworen -hatten, und in der That, wenn wir erwägen, daß sie von beispiellos -wildem und unversöhnlichem Character waren, daß man sie gelehrt hatte, -das Erschlagen eines Verfolgers als eine Pflicht zu betrachten, daß -keine in der heiligen Schrift vorkommenden Beispiele ihnen häufiger zur -Bewunderung vorgehalten wurden als Ehud, wie er Eglon ersticht, und -Samuel, wie er Agag in Stücken haut, daß sie keine That aus der -Geschichte ihres Vaterlandes von ihren Lieblingslehrern wärmer hatten -loben hören als die Ermordung des Cardinals Beatoun und des Erzbischofs -Sharpe, so dürfen wir uns wohl wundern, daß ein Mann, der das Blut der -Heiligen wie Wasser vergossen hatte, nur einen einzigen Tag ohne -Lebensgefahr durch High Street gehen konnte. Der Feind, den Dundee am -meisten Grund zu fürchten hatte, war ein junger Mann von ausgezeichnetem -Muth und Talent, Namens Wilhelm Cleland. Cleland hatte, als er wenig -über sechzehn Jahr alt war, bei der Insurrection, welche an der -Bothwellbrücke niedergeworfen wurde, die Waffen getragen. Seitdem hatte -er sich durch seine Menschlichkeit und Mäßigung das Mißfallen einiger -boshaften Fanatiker zugezogen. Bei der großen Masse der Presbyterianer -aber stand sein Name in hohem Ansehen, denn mit der strengen Moralität -und dem glühenden Eifer eines Puritaners verband er einige Vorzüge, -deren sich wenige Puritaner rühmen konnten. Er besaß feine Manieren und -eine achtungswerthe literarische und wissenschaftliche Bildung. Er war -Linguist, Mathematiker und Dichter. Seine Hymnen, Oden, Balladen und -Satiren ^à la^ Hudibras hatten allerdings wenig innern Werth; aber wenn -man bedenkt, daß er fast noch ein Knabe war, als er die meisten -derselben schrieb, so muß man zugeben, daß sie bedeutende natürliche -Anlagen bekunden. Er war jetzt in Edinburg, sein Einfluß unter den -daselbst versammelten westländischen Whigs war sehr groß, er haßte -Dundee mit tödtlicher Erbitterung und man glaubte, daß er mit einem -Gewaltschritt umgehe.[35] - -Am 15. März wurde Dundee benachrichtigt, daß einige Covenanters sich -gegenseitig verpflichtet hatten, ihn und Sir Georg Mackenzie, den seine -lange Zeit dem Dienste der Tyrannei gewidmete Beredtsamkeit und -Gelehrsamkeit den Presbyterianern verhaßter gemacht hatte als irgend -einen andren Mann von der Robe, um's Leben zu bringen. Dundee bat -Hamilton um Schutz, und Hamilton rieth ihm, die Sache in der nächsten -Sitzung der Convention vorzulegen.[36] - - -Schreiben von Jakob an die Convention. - -Vor dieser Sitzung kam ein gewisser Crane aus Frankreich mit einem -Schreiben des flüchtigen Königs an die Stände. Der Brief war versiegelt -und der Ueberbringer war sonderbarerweise mit keiner Abschrift versehen, -um sie den Häuptern der jakobitischen Partei mitzutheilen; auch hatte er -weder einen schriftlichen noch mündlichen Auftrag für einen der beiden -Agenten Jakob's. Balcarras und Dundee sahen mit großem Verdrusse, daß -man ihnen so wenig Vertrauen schenkte, und quälten sich mit ängstlichen -Zweifeln über den Inhalt des Schriftstückes, von dem so viel abhing. Sie -waren jedoch geneigt das Beste zu hoffen. König Jakob konnte in seiner -gegenwärtigen Lage nicht so schlecht berathen sein, daß er in directem -Widerspruche mit den Rathschlägen und Bitten seiner Freunde hätte -handeln können. Bei der Eröffnung seines Schreibens würde man sicherlich -finden, daß er gnädige Zusicherungen enthielt, welche die Royalisten mit -neuem Muthe beseelen und die gemäßigten Whigs gewinnen mußten. Seine -Anhänger beschlossen daher, daß es vorgelegt werden solle. - -Als die Convention sich am Samstag, den 16. Mai, des Morgens wieder -versammelte, wurde beantragt, daß Maßregeln für die persönliche -Sicherheit der Mitglieder getroffen werden sollten. Es wurde behauptet, -daß man Dundee nach dem Leben getrachtet, daß zwei Männer von -verdächtigem Aussehen in der Nähe des Hauses, das er bewohnte, -umhergestreift seien und daß man sie habe sagen hören, sie wollten den -Hund so behandeln, wie er sie behandelt habe. Mackenzie versicherte, daß -auch er in Gefahr sei, und verlangte in seiner gewohnten bilderreichen -und kräftigen Sprache Schutz von den Ständen. Aber die Sache wurde von -der Majorität sehr leicht genommen und die Convention ging zu anderen -Gegenständen der Tagesordnung über.[37] - -Hierauf wurde Crane als Einlaß ins Parlamentshaus begehrend angemeldet. -Er wurde eingeladen und das Schriftstück, dessen Ueberbringer er war, -auf den Tisch niedergelegt. Hamilton bemerkte, daß sich in den Händen -des Earl von Leven eine Mittheilung von dem Prinzen befinde, kraft -dessen Autorität die Stände einberufen worden seien. Diese Mittheilung -schien den Vorrang zu verdienen. Die Convention war gleicher Meinung und -das reiflich erwogene, einsichtsvolle Schreiben Wilhelm's wurde -vorgelesen. - -Dann wurde beantragt, daß auch Jakob's Brief geöffnet werden solle. Die -Whigs wendeten dagegen ein, daß derselbe möglicherweise einen Befehl zur -Auflösung der Convention enthalten könne. Sie schlugen deshalb vor, daß -die Stände, ehe das Siegel erbrochen würde, beschließen sollten, trotz -eines solchen Befehls beisammen zu bleiben. Die Jakobiten, welche den -Inhalt des Schreibens eben so wenig kannten wie die Whigs, und die -Vorlesung desselben nicht erwarten konnten, gaben bereitwillig ihre -Zustimmung. Es wurde ein Beschluß gefaßt, durch den die Mitglieder sich -verpflichteten, jeden Befehl, der ihnen gebieten sollte auseinander zu -gehen, als null und nichtig zu betrachten und so lange beisammen zu -bleiben, bis sie das Werk der Sicherung der Freiheit und Religion -Schottland's durchgeführt haben würden. Dieser Beschluß wurde von fast -allen anwesenden Lords und Gentlemen unterzeichnet. Auch sieben von den -neuen Bischöfen unterschrieben ihn. Die eigenhändig geschriebenen Namen -Dundee's und Balcarras' sieht man noch auf der Originalrolle. Balcarras -suchte später diesen Schritt, der nach seinen Grundsätzen ohne alle -Widerrede ein abscheulicher Verrath war, damit zu entschuldigen, daß er -sagte, er und seine Freunde hätten sich aus Eifer für das Interesse -ihres Gebieters an einer rebellischen Erklärung gegen die Autorität -ihres Gebieters betheiligt, sie hätten von dem Briefe den heilsamsten -Einfluß erwartet, und der Brief würde nicht geöffnet worden sein, wenn -sie nicht der Majorität ein Zugeständniß gemacht hätten. - - -Wirkung von Jakob's Schreiben. - -In wenigen Minuten wurden Balcarras' Erwartungen bitter getäuscht. Der -Brief, von dem man so viel gehofft und gefürchtet hatte, wurde mit allen -den Ehren vorgelesen, welche die schottischen Parlamente königlichen -Mittheilungen zu erweisen pflegten; aber jedes Wort erfüllte die Herzen -der Jakobiten mit Verzweiflung. Man sah deutlich, daß das Unglück Jakob -weder weise noch nachsichtig gemacht hatte. Alles athmete -Hartnäckigkeit, Grausamkeit und Uebermuth. Denjenigen Verräthern, welche -binnen vierzehn Tagen zu ihrer Unterthanenpflicht zurückkehrten, war -Verzeihung zugesichert, allen Anderen aber mit schonungsloser Rache -gedroht. Ueber frühere Vergehen war nicht nur kein Bedauern ausgedrückt, -sondern der Brief selbst war ein neues Vergehen, denn er war von dem -Apostaten Melfort geschrieben und contrasignirt, der nach den Gesetzen -des Reichs zur Bekleidung des Amts eines Staatssekretärs nicht befähigt -war und den die protestantischen Tories nicht weniger verabscheuten als -die Whigs. Die ganze Versammlung gerieth in Aufruhr. Jakob's Feinde -waren laut und heftig, und seine Freunde, welche gegen ihn aufgebracht -waren und sich seiner schämten, sahen ein, daß nicht mehr daran zu -denken war, den Kampf in der Convention fortzusetzen. Jede Stimme, die -vor der Eröffnung des Schreibens zweifelhaft gewesen, war jetzt -unwiederbringlich verloren. Die Sitzung schloß unter großer -Aufregung.[38] - -Es war Samstag Nachmittag und vor Montag früh sollte keine Sitzung -wieder sein. Die jakobitischen Parteiführer hielten eine Berathung und -kamen zu dem Schlusse, daß ein entscheidender Schritt gethan werden -müsse. Dundee und Balcarras sollten sich der ihnen ertheilten -Vollmachten bedienen; die Minorität sollte sofort Edinburg verlassen und -sich in Stirling versammeln. Athol stimmte bei und nahm es auf sich, ein -starkes Corps seiner Clansleute aus den Hochlanden zum Schutze der -Berathungen der royalistischen Convention herbeizuziehen. Alles war für -den Austritt vorbereitet; aber die Langsamkeit eines Mannes und die -Uebereilung eines andren zerstörten in wenigen Stunden den ganzen Plan. - - -Dundee's Flucht. - -Der Montag kam. Die jakobitischen Lords und Gentlemen waren -eben im Begriff nach Stirling aufzubrechen, als Athol einen -vierundzwanzigstündigen Aufschub verlangte. Er für seine Person habe -keinen Grund, sich zu beeilen. Wenn er bliebe, liefe er nicht Gefahr -ermordet zu werden. Wenn er aber ginge, setze er sich den von einem -Bürgerkriege unzertrennlichen Gefahren aus. Da die Mitglieder seiner -Partei sich nicht von ihm trennen wollten, willigten sie in den von ihm -verlangten Aufschub und begaben sich noch einmal in das -Parlamentsgebäude. Nur Dundee weigerte sich, noch länger zu bleiben. Er -sagte, sein Leben sei in Gefahr. Die Convention habe sich geweigert, ihn -zu beschützen, und er wolle nicht bleiben, um der Zielpunkt für die -Pistolen und Dolche von Meuchelmördern zu sein. Balcarras machte -vergebliche Vorstellungen. »Wenn Sie allein abreisen,« sagte er, »so -wird das Aufsehen machen, und den ganzen Plan vereiteln.« Aber Dundee -blieb bei seinem Vorsatze. Tapfer, wie er unzweifelhaft war, schien er, -gleich vielen anderen tapferen Männern, gegen die Gefahr eines -Meuchelmords weniger gestählt zu sein als gegen jede andre Form der -Gefahr. Er kannte den Haß der Covenanters, er wußte wie sehr er ihren -Haß verdient hatte, und er wurde von dem Bewußtsein unsühnbarer Schuld -und von der Furcht vor einer entsetzlichen Wiedervergeltung gequält, -welche die Polytheisten des Alterthums unter dem furchtbaren Namen der -Furien personificirten. Seine alten Reiter, die Satans und Beelzebubs, -die seine Verbrechen getheilt hatten und die jetzt seine Gefahren -theilten, waren bereit, ihn auf seiner Flucht zu begleiten. - - -Tumultuarische Sitzung der Stände. - -Inzwischen hatte sich die Convention wieder versammelt. Mackenzie hatte -sich erhoben, und beklagte in pathetischen Ausdrücken die schlimme Lage -der Stände, welche zu gleicher Zeit von den Kanonen einer Festung und -von einem fanatischen Pöbel bedroht würden, als er durch einige -Schildwachen unterbrochen wurde, die von den Posten in der Nähe des -Schlosses herbeikamen. Sie hatten Dundee an der Spitze von funfzig -Reitern auf der Straße nach Stirling gesehen. Diese Straße führte dicht -an dem mächtigen Felsen vorbei, auf dem die Citadelle erbaut ist. Gordon -war auf den Wällen erschienen und hatte durch ein Zeichen zu verstehen -gegeben, daß er etwas zu sagen habe. Dundee war nun so hoch -hinaufgeklommen, daß er hören und gehört werden konnte, und so besprach -er sich eben jetzt mit dem Herzoge. Bis diesen Augenblick war der Haß, -mit dem die presbyterianischen Mitglieder der Versammlung den -unbarmherzigen Verfolger ihrer Glaubensbrüder betrachteten, durch die -schicklichen Formen der parlamentarischen Berathung gedämpft worden. -Jetzt aber erfolgte ein furchtbarer Ausbruch. Hamilton selbst, der, wie -sogar seine Gegner zugaben, die Pflichten eines Präsidenten bisher mit -Würde und Unparteilichkeit versehen hatte, war der Lauteste und -Heftigste im Saale. »Es ist hohe Zeit« rief er aus, »daß wir auf uns -selbst denken. Die Feinde unsrer Religion und unsrer bürgerlichen -Freiheit sammeln sich rings um uns, und wir dürfen wohl argwöhnen, daß -sie selbst hier Complicen haben. Man verschließe die Thüren und lege die -Schlüssel auf den Tisch. Niemand soll hinaus als diejenigen Lords und -Gentlemen, die wir beauftragen werden, die Bürger zu den Waffen zu -rufen. Es sind einige wackere Männer aus dem Westen in Edinburg, Männer, -für die ich stehen kann.« Die Versammlung erhob einen allgemeinen Ruf -der Zustimmung. Mehrere Mitglieder der Majorität rühmten sich, daß auch -sie zuverlässige Anhänger mitgebracht hätten, die auf den ersten Wink -gegen Claverhouse und seine Dragoner ziehen würden. Alles was Hamilton -vorschlug, wurde sofort ins Werk gesetzt. Die Jakobiten gaben sich -schweigend und ohne Widerstand zu Gefangenen. Leven ging hinaus und gab -Befehl Alarm zu schlagen. Die Covenanters von Lanarkshire und Ayrshire -leisteten dem Aufrufe sofort Folge. Die so zusammengebrachte Streitmacht -hatte zwar kein sehr militärisches Aussehen, genügte aber vollkommen, um -die Anhänger des Hauses Stuart im Schach zu halten. Von Dundee war -nichts zu hoffen oder zu fürchten. Er war schon den Schloßberg wieder -herabgeklommen, zu seinen Reitern zurückgekehrt und in westlicher -Richtung davongesprengt. Hamilton ließ nun die Thüren öffnen und es -stand den verdächtigen Mitgliedern frei sich zu entfernen. Gedemüthigt -und niedergeschmettert, aber doch froh, so wohlfeilen Kaufs -davongekommen zu sein, stahlen sie sich durch den Haufen finstrer -Fanatiker, welcher High Street füllte. An eine Lostrennung war nun nicht -mehr zu denken.[39] - -Am folgenden Tage wurde beschlossen, daß das Königreich in -Vertheidigungsstand gesetzt werden solle. Die Einleitung zu diesem -Beschlusse enthielt eine strenge Rüge der Perfidie des Verräthers, der -wenige Stunden nachdem er durch eine eigenhändig unterschriebene -Erklärung sich verpflichtet, seinen Posten in der Convention nicht zu -verlassen, das Beispiel der Desertion und das Signal zum Bürgerkriege -gegeben hatte. Alle Protestanten vom sechszehnten bis zum sechzigsten -Lebensjahre erhielten die Weisung sich bereit zu halten, um beim ersten -Aufrufe unter die Waffen zu treten, und damit sich Niemand mit -Unkenntniß entschuldigen konnte, wurde die öffentliche Verlesung des -Edicts auf allen Marktplätzen des ganzen Königreichs angeordnet.[40] - -Die Stände beschlossen hierauf, ein Danksagungsschreiben an Wilhelm zu -richten. Diesem Briefe waren die Unterschriften vieler Edelleute und -Gentlemen beigefügt, die zur Partei des verbannten Königs gehörten. Die -Bischöfe aber weigerten sich einstimmig, ihre Namen darunter zu setzen. - - -Ein Ausschuß zur Entwerfung eines Regierungsplanes ernannt. - -Es war bei den schottischen Parlamenten seit langer Zeit Brauch, die -Entwerfung von Gesetzen und Verordnungen einer Auswahl von Mitgliedern -zu übertragen, welche die Artikellords genannt wurden. In Gemäßheit -dieses Brauchs wurde jetzt ein Ausschuß von Vierundzwanzig beauftragt, -einen Entwurf zur Feststellung der Regierung auszuarbeiten. Von diesen -Vierundzwanzig waren Acht Peers, Acht Vertreter von Grafschaften und -Acht Abgeordnete von Städten. Die Majorität des Ausschusses waren Whigs -und es befand sich kein einziger Prälat darin. - -Der durch eine Reihenfolge von Unfällen gebrochene Muth der Jakobiten -wurde durch die Ankunft des Herzogs von Queensberry aus London auf einen -Augenblick wieder gehoben. Er war ein Mann von hohem Range und großem -Einflusse und sein Character war gut im Vergleich zu dem Character -Derer, die ihn umgaben. Als der Papismus die Oberhand hatte, war er der -Sache der protestantischen Kirche treu geblieben, und seitdem der -Whiggismus das Uebergewicht erlangt, war er ein treuer Anhänger der -erblichen Monarchie geblieben. Einige waren der Meinung, daß er dem -Hause Stuart wichtige Dienste hätte leisten können, wenn er früher auf -seinem Platze gewesen wäre.[41] Selbst jetzt brachten die -Belebungsmittel, die er bei seiner erstarrten und schwachen Partei -anwendete, einige matte Symptome wiederkehrenden Muthes hervor. Man fand -Mittel, um sich mit Gordon in Verbindung zu setzen und er wurde dringend -aufgefordert, auf die Stadt zu feuern. Die Jakobiten hofften, daß, -sobald die Kanonenkugeln einige Schornsteine zertrümmert, die Stände -nach Glasgow übersiedeln würden. So wurde Zeit gewonnen und die -Royalisten konnten vielleicht ihren alten Plan, zu einer -Separatconvention zusammenzutreten, noch ausführen. Gordon weigerte sich -jedoch entschieden, auf keine bessere Gewähr als die Aufforderung einer -kleinen Kabale, eine so schwere Verantwortlichkeit auf sich zu -nehmen.[42] - -Inzwischen hatten die Stände eine Schutzmacht, auf die sie sich fester -verlassen konnten als auf die undisciplinirten und ungestümen -Covenanters aus dem Westen. Ein Geschwader englischer Kriegsschiffe aus -der Themse war in der Mündung des Forth angekommen. Dieses Geschwader -hatte die drei schottischen Regimenter an Bord, welche Wilhelm aus -Holland herüber begleitet. Er hatte sie mit weiser Einsicht ausgewählt, -die Versammlung zu beschützen, welche die Regierung ihres Vaterlandes -feststellen sollte, und damit dem im Punkte der Nationalehre ungemein -empfindlichen Volke kein Grund zur Eifersucht gegeben werden möge, hatte -er alle holländischen Soldaten aus den Gliedern entfernt und dadurch die -Zahl der Mannschaften auf ungefähr elfhundert reducirt. Dieses kleine -Truppencorps wurde commandirt von Andreas Mackay, einen Hochländer von -vornehmer Abkunft, der lange auf dem Continent gedient hatte und der -sich durch einen unerschütterlichen Muth und durch eine Frömmigkeit -auszeichnete, wie man sie bei Soldaten des Zufalls selten findet. Die -Convention faßte einen Beschluß, durch den sie Mackay zum -Oberbefehlshaber ihrer Streitkräfte ernannte. Als über diesen Beschluß -die Vorfrage gestellt wurde, bat der Erzbischof von Glasgow, der -wahrscheinlich nicht Lust hatte, sich an einer solchen widerrechtlichen -Anmaßung von Befugnissen zu betheiligen, welche dem Könige allein -zustanden, daß man die Prälaten von der Abstimmung entbinden möchte. -Geistliche, sagte er, hätten mit militärischen Maßregeln nichts zu -schaffen. »Die Väter der Kirche,« entgegnete ein Mitglied in sehr -nachdrücklichem Tone, »sind seit kurzem mit einen neuem Lichte beglückt -worden. Ich habe selbst militärische Befehle gesehen, welche von dem -Hochwürdigen unterzeichnet waren, der jetzt plötzlich so scrupulös -geworden ist. Allerdings waltete ein Unterschied ob: jene Befehle hatten -den Zweck die Protestanten dem Säbelregimente preis zu geben, während -der vorliegende Beschluß uns gegen die Papisten schützen soll.«[43] - -Die Ankunft der Truppen Mackay's und der Entschluß Gordon's, unthätig zu -bleiben, brach den Muth der Jakobiten. Es blieb ihnen in der That nur -noch eine Aussicht. Durch Anschluß an diejenigen Whigs, welche zu einer -Union mit England geneigt waren, konnten sie die Festsetzung der -Regierung vielleicht noch um längere Zeit verzögern. Es wurde zu dem -Ende wirklich eine Unterhandlung eingeleitet, aber bald wieder -abgebrochen. Denn es zeigte sich bald, daß die für Jakob eingenommene -Partei in Wirklichkeit der Union abgeneigt und daß die für die Union -eingenommene Partei in Wirklichkeit Jakob feindlich gesinnt war. Da -somit diese beiden Parteien kein gemeinsames Ziel verfolgten, so konnte -aus einer Coalition zwischen ihnen nichts weiter hervorgehen, als daß -eine von beiden das Werkzeug der andren geworden wäre. Die Unionsfrage -kam daher gar nicht zur Sprache.[44] Einige Jakobiten zogen sich auf -ihre Landsitze zurück, andere blieben zwar in Edinburg, zeigten sich -aber nicht mehr im Parlamentsgebäude, viele schlugen sich auf die -überwiegende Seite, und als endlich die von den Vierundzwanzig -entworfenen Beschlüsse der Convention vorgelegt wurden, zeigte es sich, -daß die Partei, die sich am ersten Sessionstage um Athol geschaart -hatte, auf Null zusammengeschmolzen war. - - -Vom Ausschuß vorgeschlagene Beschlüsse. - -Die Beschlüsse waren so weit möglich in Einklang mit dem kürzlich zu -Westminster gegebenen Beispiele entworfen. In einem wichtigen Punkte -jedoch mußte die Copie nothwendig von dem Originale abweichen. Die -Stände von England hatten zwei Anklagen gegen Jakob erhoben: seine -schlechte Verwaltung und seine Flucht, und hatten durch Anwendung des -milderen Wortes »Abdankung« zu einigem Nachtheil für die Genauigkeit im -Ausdruck die Frage umgangen, ob Unterthanen gesetzlich befugt sind, -einen schlechten Fürsten abzusetzen. Diese Frage konnten die Stände -Schottland's nicht umgehen. Sie konnten nicht sagen, Jakob habe seinen -Posten verlassen, denn er hatte seit seiner Thronbesteigung nie in -Schottland residirt. Seit vielen Jahren wurde dieses Königreich von -Souverainen regiert, die in einem andren Lande wohnten. Die ganze -Verwaltungsmaschine war nach der Voraussetzung construirt, daß der König -abwesend sein würde und sie wurde daher durch die Flucht, welche im -Süden der Insel alle Regierung aufgelöst und den ordentlichen Gang der -Rechtspflege unterbrochen hatte, nicht nothwendigerweise in Unordnung -gebracht. Wenn der König in Whitehall war, konnte er nur schriftlich mit -dem Staatsrathe und dem Parlamente zu Edinburg verkehren, und das konnte -er auch, wenn er in Saint-Germains oder Dublin war. Die Vierundzwanzig -waren daher gezwungen, den Ständen eine Resolution vorzuschlagen, welche -bestimmt erklärte, daß Jakob VII. durch sein Mißverhalten die Krone -verwirkt habe. Viele Schriftsteller haben aus dem Wortlaute dieser -Resolution gefolgert, daß gesunde politische Prinzipien in Schottland -weiter vorgeschritten gewesen seien als in England. Aber die ganze -Geschichte der beiden Länder von der Restauration bis zur Union beweist, -daß dieser Schluß falsch ist. Die schottischen Stände bedienten sich -ganz einfach deshalb einer offenen Sprache, weil es ihnen in ihrer Lage -unmöglich war, sich einer ausweichenden Sprache zu bedienen. - -Der Mann, der bei Entwerfung des Beschlusses und bei der Vertheidigung -desselben die Hauptrolle spielte, war Sir Johann Dalrymple, der vor -kurzem das hohe Amt des Lord Advokaten bekleidet und der an mehreren von -den Uebelthaten Theil genommen hatte, über die er jetzt mit großer -logischer und rhetorischer Schärfe den Stab brach. Er wurde kräftig -unterstützt durch Sir Jakob Montgomery, Mitglied für Ayrshire, einem -Manne von bedeutendem Talent, aber lockeren Grundsätzen, ungestümem -Wesen, unersättlicher Habgier und unversöhnlicher Bosheit. Der -Erzbischof von Glasgow und Sir Georg Mackenzie sprachen auf der andren -Seite, aber sie bewirkten durch ihre Beredtsamkeit nichts weiter als daß -sie ihre Partei des Vortheils beraubten, geltend machen zu können, daß -die Stände unter einem Zwange ständen und daß die Redefreiheit den -Vertheidigern der erblichen Monarchie versagt worden sei. - -Als die Vorfrage gestellt wurde, entfernten sich Athol, Queensberry und -einige ihrer Freunde. Nur fünf Mitglieder stimmten gegen den Beschluß, -welcher erklärte, daß Jakob sein Recht auf die Treue seiner Unterthanen -verwirkt habe. Als der Antrag gestellt wurde, daß mit der Krone von -Schottland ebenso verfahren werden sollte, wie mit der Krone von -England, erschienen Athol und Queensberry wieder im Sitzungssaale. Sie -sagten, sie seien im Zweifel gewesen, ob sie füglicherweise den Thron -für erledigt erklären könnten. Da er aber für erledigt erklärt worden -sei, zweifelten sie nicht, daß Wilhelm und Marie Diejenigen waren, die -ihn einnehmen müßten. - - -Wilhelm und Marie proklamirt. - -Die Convention begab sich hierauf in Procession in die High Street. -Mehrere vornehme Edelleute bestiegen in Begleitung des Lord Provost und -der Herolde den achteckigen Thurm, von welchem das Stadtkreuz mit dem -schottischen Einhorn auf der Spitze emporragte.[45] Hamilton verlas den -Beschluß der Convention und ein Wappenherold proklamirte unter -Trompetenschall die neuen Souveraine. An demselben Tage erließen die -Stände eine Verordnung des Inhalts, daß die Parochialgeistlichen, bei -Strafe der Amtsentsetzung, von ihren Kanzeln herab die Proklamation, -welche so eben am Stadtkreuze verlesen worden, bekannt machen und für -König Wilhelm und Königin Marien beten sollten. - - -Die Rechtsforderung. - -Noch war das Interregnum nicht vorüber. Obwohl die neuen Souveraine -proklamirt waren, waren sie doch noch nicht durch ein formelles -Anerbieten und durch eine formelle Annahme in den Besitz der königlichen -Autorität gesetzt worden. Es wurde in Edinburg, wie in Westminster, für -nöthig gehalten, daß die Urkunde über die Feststellung der Regierung die -Volksrechte, welche die Stuarts ungesetzlicherweise mißachtet hatten, -klar definiren und feierlich bekräftigen solle. Die Vierundzwanzig -entwarfen daher eine Rechtsforderung ^(Claim of Right)^, welche die -Convention annahm. Dieser Rechtsforderung, welche nichts weiter als eine -Erklärung des bestehenden Gesetzes bezweckte, war eine Ergänzungsschrift -beigefügt, die eine Liste von Mißständen enthielt, denen nur durch neue -Gesetze abgeholfen werden konnte. - - -Abschaffung des Episkopats. - -Einen hochwichtigen Artikel, den wir naturgemäß an der Spitze einer -solchen Liste zu sehen erwarten sollten, nahm die Convention mit großer -praktischer Einsicht, aber notorischen Thatsachen und unwiderleglichen -Argumenten zum Trotz, in die Rechtsforderung selbst auf. Niemand konnte -leugnen, daß die Prälatur durch eine Parlamentsacte eingeführt war. Die -Gewalt, welche die Bischöfe ausübten, konnte schädlich, schriftwidrig, -antichristlich sein, aber ungesetzlich war sie gewiß nicht, und sie für -ungesetzlich erklären, hieß dem gesunden Verstande ins Gesicht schlagen. -Die Whigführer wünschten jedoch viel sehnlicher, das Episkopat -loszuwerden, denn sich als ausgezeichnete Publicisten und Logiker zu -erweisen. Wenn sie die Abschaffung des Episkopats zu einem Artikel des -Vertrags machten, kraft dessen Wilhelm die Krone tragen sollte, so -erreichten sie ihren Zweck, wenn auch ohne Zweifel auf eine Weise, -welche der Kritik starke Blößen gab. Begnügten sie sich dagegen zu -beschließen, daß das Episkopat eine schädliche Institution sei, welche -früher oder später abzuschaffen die Legislatur wohl thun werde, so -konnten sie finden, daß ihr Beschluß zwar in formeller Hinsicht keine -Einwendung zuließ, doch unfruchtbar an Consequenzen war. Sie wußten, daß -Wilhelm keineswegs mit ihrer Abneigung gegen die Bischöfe sympathisirte -und daß, selbst wenn er für das calvinistische Vorbild weit mehr -eingenommen gewesen wäre, als er es war, sein Verhältniß zu der -anglikanischen Kirche es für ihn schwierig und gefährlich gemacht haben -würde, sich zum Feinde eines Grundbestandtheils der Verfassung dieser -Kirche zu erklären. Wenn er König von Schottland wurde, ohne in diesem -Punkte durch eine Zusicherung gebunden zu sein, so konnte man wohl -fürchten, daß er zögern würde, eine Acte zu erlassen, welche von einem -großen Theile seiner Unterthanen im Süden der Insel mit Abscheu -betrachtet werden würde. Es war daher sehr zu wünschen, daß die Frage -erledigt wurde, so lange der Thron noch unbesetzt war. In dieser Ansicht -stimmten viele Politiker überein, die zwar keinen Widerwillen gegen -Chorhemden und Bischofsmützen hegten, die aber wünschten, daß Wilhelm -eine ruhige und gedeihliche Regierung haben möchte. Das schottische Volk --- so räsonnirten diese Leute -- haßte das Episkopat. Das englische Volk -liebte es. Wilhelm eine Stimme in dieser Angelegenheit lassen, hieße ihn -in die Nothwendigkeit versetzen, die stärksten Gefühle einer der -Nationen, die er regierte, zu verwunden. Es liege daher offenbar in -seinem eignen Interesse, daß die Frage, die er selbst in keiner Weise -erledigen könnte, ohne sich schwere Vorwürfe zuzuziehen, anstatt seiner -durch Andere erledigt würde, die einer solchen Gefahr nicht ausgesetzt -wären. Er sei noch nicht Beherrscher von Schottland. Während der Dauer -des Interregnums gehöre die höchste Gewalt den Ständen und für das was -die Stände thun möchten, könnten die Prälatisten seines südlichen -Königreichs ihn nicht verantwortlich machen. Der ältere Dalrymple -schrieb aus London eindringlich in diesem Sinne, und es kann kaum einem -Zweifel unterliegen, daß er die Gesinnungen seines Gebieters ausdrückte. -Wilhelm würde sich aufrichtig gefreut haben, wenn die Schotten mit einem -modificirten Episkopat hätten ausgesöhnt werden können. Da dies aber -nicht sein könne, so sei es offenbar wünschenswerth, daß sie, so lange -noch kein König über ihnen stehe, selbst das unwiderrufliche -Verdammungsurtheil über die Institution aussprächen, die sie -verabscheuten.[46] - -Die Convention nahm daher wie es scheint, nach kurzer Debatte in die -Rechtsforderung eine Klausel auf, welche erklärte, daß die Prälatur eine -unerträgliche Last für das Königreich, daß sie der großen Masse des -Volks seit langer Zeit verhaßt sei und daß sie abgeschafft werden müsse. - - -Die Folter. - -Nichts in den Vorgängen zu Edinburg setzt einen Engländer mehr in -Erstaunen, als das Verfahren der Stände in Bezug auf die Tortur. In -England war die Folter stets gesetzwidrig gewesen. Selbst in den -servilsten Zeiten hatten die Richter sie einstimmig dafür erklärt. Die -Herrscher, welche gelegentlich ihre Zuflucht zu derselben genommen, -hatten sie so weit möglich im Geheimen angewendet, hatten nie behauptet, -daß sie im Einklange mit dem Staatsgesetz oder mit dem gemeinen Recht -gehandelt und hatten sich damit entschuldigt, daß sie sagten, die -außerordentliche Gefahr, der der Staat ausgesetzt sei, habe -sie gezwungen, die Verantwortlichkeit für außerordentliche -Vertheidigungsmittel auf sich zu nehmen. Kein englisches Parlament hatte -es daher je für nöthig gehalten, eine Acte oder einen Beschluß in Bezug -auf diesen Gegenstand zu erlassen. Die Tortur war weder in der Bitte um -Recht noch in irgend einem von dem Langen Parlament entworfenen Gesetze -erwähnt. Kein Mitglied der Convention von 1689 dachte daran -vorzuschlagen, daß die Urkunde, welche den Prinzen und die Prinzessin -von Oranien auf den Thron berief, eine Erklärung gegen die Anwendung von -Folterbänken und Daumenschrauben zu dem Zwecke, Gefangene zur -Selbstanklage zu zwingen, enthalten solle. Eine solche Erklärung würde -mit Recht eher als eine Schwächung denn als Kräftigung einer Regel -betrachtet worden sein, welche schon zu den Zeiten der Plantagenets von -den berühmteren Weisen von Westminsterhall mit Stolz für einen -unterscheidenden Zug der englischen Rechtswissenschaft erklärt worden -war.[47] In der schottischen Rechtsforderung wurde die Anwendung der -Tortur, ohne Beweis, oder in gewöhnlichen Fällen, für gesetzwidrig -erklärt. Daraus ergiebt sich folgerichtig, daß die Tortur in Fällen wo -starker Beweis vorhanden war oder wo ein außerordentliches Verbrechen -vorlag, für gesetzmäßig erklärt war; auch führten die Stände die Tortur -nicht unter den Mißbräuchen auf, welche gesetzliche Abhülfe erheischten. -In der That, sie konnten die Tortur nicht verdammen, ohne sich selbst zu -verdammen. Der Zufall wollte, daß, während sie sich mit der Feststellung -der Regierung beschäftigten, der beredte und gelehrte Lord-Präsident -Lockhardt, als er eines Sonntags aus der Kirche kam, auf offener Straße -ermordet wurde. Der Mörder ward ergriffen und erwies sich als ein -Elender, der, nachdem er seine Gattin barbarisch behandelt und aus dem -Hause geworfen, durch ein Decret des Court of Session gezwungen worden -war, für ihren Unterhalt zu sorgen. Ein wüthender Haß gegen die Richter, -die sie in Schutz genommen, hatte sich seiner bemächtigt und ihn zu -einem entsetzlichen Verbrechen und einem entsetzlichen Schicksale -getrieben. Es war natürlich, daß eine von so erschwerenden Umständen -begleitete Mordthat den Unwillen der Mitglieder der Convention erregte. -Gleichwohl hätten sie den kritischen Ernst des Augenblicks und die -Wichtigkeit ihrer Mission bedenken sollen. Leider aber befahlen sie in -der Hitze der Leidenschaft dem Magistrate von Edinburg, den Gefangenen -die spanischen Stiefeln anzulegen, und ernannten einen Ausschuß zur -Beaufsichtigung der Operation. Hätte dieser unselige Vorfall nicht -stattgefunden, so ist es wahrscheinlich, daß das schottische Gesetz -bezüglich der Tortur ohne weiteres dem englischen Gesetze assimilirt -worden wäre.[48] - -Nach Feststellung der Rechtsforderung schritt die Convention zur -Revision des Krönungseides. Als dies gethan war, wurden drei Mitglieder -ernannt, welche die Regierungsurkunde nach London bringen sollten. -Argyle, obwohl streng genommen dem Sinne des Gesetzes nach kein Peer, -wurde zum Vertreter der Peers gewählt; Sir Jakob Montgomery -repräsentirte die Deputirten der Grafschaften, und Sir Johann Dalrymple -die der Städte. - -Hierauf vertagten sich die Stände auf einige Wochen, nachdem sie noch -einen Beschluß gefaßt hatten, welcher Hamilton ermächtigte diejenigen -Maßregeln zu ergreifen, die zur Aufrechthaltung der öffentlichen Ruhe -bis zum Schlusse des Interregnums nothwendig erscheinen könnten. - - -Wilhelm und Marie nehmen die Krone Schottland's an. - -Die Ceremonie der Inauguration unterschied sich von gewöhnlichen -Feierlichkeiten dieser Art durch einige höchst interessante Umstände. Am -11. Mai kamen die drei Commissare in das Berathungszimmer zu Whitehall -und begaben sich von dort, begleitet von fast allen zur Zeit in London -anwesenden vornehmen Schotten, nach dem Bankethause. Hier saßen Wilhelm -und Marie unter einem Baldachin. Ein glänzender Kreis von englischen -Edelleuten und Staatsmännern umgab den Thron; den Staatsdegen aber trug -ein schottischer Lord und der Amtseid wurde nach schottischem Brauch -abgenommen, Argyle sagte die Formel langsam vor und das königliche Paar -sprach sie nach bis zu dem letzten Satze. Hier hielt Wilhelm inne. -Dieser Satz enthielt das Versprechen, daß er alle Ketzer und alle Feinde -der wahren Gottesverehrung ausrotten wolle, und es war notorisch, daß in -den Augen vieler Schotten nicht nur alle Katholiken, sondern auch alle -protestantischen Episkopalen, alle Independenten, Baptisten und Quäker, -alle Lutheraner, ja selbst alle britischen Presbyterianer, die sich -durch den feierlichen Bund und Covenant nicht gebunden glaubten, Feinde -der wahren Gottesverehrung waren.[49] Der König hatte die Commissare -darauf aufmerksam gemacht, daß er diesen Theil des Eides nicht ohne eine -bestimmte und öffentliche Erklärung leisten könne, und sie waren von der -Convention autorisirt worden, eine Erklärung zu geben, die ihn -befriedigen würde. »Ich mag mich,« sagte er jetzt, »in keiner Weise -verpflichten, ein Verfolger zu sein.« -- »Weder die Worte dieses Eides,« -entgegnete hierauf einer der Commissare, »noch die Gesetze Schottland's -legen Eurer Majestät eine solche Verpflichtung auf.« -- »In diesem Sinne -schwöre ich denn,« versetzte Wilhelm, »und ich ersuche Sie alle, Mylords -und Gentlemen, zu bezeugen, daß ich dies thue.« Selbst seine Verleumder -haben allgemein zugegeben, daß er bei dieser hochwichtigen Gelegenheit -mit Freimüthigkeit, Würde und Weisheit handelte.[50] - - -Unzufriedenheit der Covenanters. - -Als König von Schottland sah er sich bald bei jedem Schritte von allen -den Schwierigkeiten, mit denen er als König von England zu kämpfen -gehabt, und auch noch von anderen Schwierigkeiten umringt, die in -England glücklicherweise unbekannt waren. Im Norden der Insel war keine -Klasse unzufriedener mit der Revolution als die Klasse, die der -Revolution am meisten verdankte. Die Art und Weise, wie die Convention -die Frage der Kirchenverfassung entschieden, hatte den Bischöfen selbst -nicht mehr mißfallen als den heftigen Convenanters, welche trotz Schwert -und Carabiner, trotz Folter und Galgen ihren Schöpfer lange nach ihrer -Art in Höhlen und auf Bergspitzen verehrt hatten. Habe man jemals, -riefen diese Zeloten aus, ein solches Schwanken zwischen zwei Meinungen, -eine solche Annäherung zwischen dem Herrn und Baal gesehen? Die Stände -hätten sagen sollen, das Episkopat sei in den Augen Gottes ein Greuel -und sie seien aus Gehorsam gegen sein Wort und aus Furcht vor seiner -gerechten Strafe entschlossen, gegen diese große nationale Sünde und -Schmach so aufzutreten wie die heiligen Regenten, welche die Haine und -Altäre Chamos' und Astarte's zerstörten. Leider werde Schottland nicht -durch fromme Josias, sondern durch sorglose Gallios regiert. Die -antichristliche Hierarchie müsse abgeschafft werden, nicht weil sie eine -Beleidigung des Himmels sei, sondern weil sie auf Erden als eine -drückende Last gefühlt werde, nicht weil sie dem großen Oberhaupte der -Kirche, sondern weil sie dem Volke verhaßt sei. Sei denn die öffentliche -Meinung der Prüfstein für Recht und Unrecht in der Religion? Müsse nicht -die Ordnung, welche Christus in seinem eigenen Hause eingeführt, in -allen Ländern und durch alle Zeiten heilig gehalten werden? Und sei für -die Festhaltung dieser Ordnung in Schottland kein andrer Grund vorhanden -als der, welcher mit gleichem Gewicht für die Aufrechthaltung der -Prälatur in England, des Papstthums in Spanien und des Muhamedanismus in -der Türkei geltend gemacht werden könne? Warum erwähne man nichts von -den Convenants, welche die Nation so allgemein unterschrieben und so -allgemein verletzt habe? Warum erkläre man nicht deutlich und bestimmt, -daß die in diesen Urkunden niedergelegten Versprechungen noch immer für -das Königreich bindend seien und bis ans Ende aller Zeiten bindend -bleiben würden? Sollten diese Wahrheiten aus Rücksicht gegen die Gefühle -und Interessen eines Fürsten unterdrückt werden, der Alles für Alle sei, -ein Bundesgenosse des götzendienerischen Spaniers und des lutherischen -Dänen, ein Presbyterianer im Haag und ein Prälatist in Whitehall? Er -habe allerdings, wie einst Jehu, in soweit gut gethan, daß er die Geißel -des götzendienerischen Hauses Ahab's geworden sei. Aber auch er sei, wie -Jehu, nicht darauf bedacht gewesen, von ganzem Herzen den Pfad des -göttlichen Gesetzes zu wandeln, sondern habe Gottlosigkeiten geduldet -und verübt, die sich nur der Größe nach von denen unterschieden, zu -deren Feinde er sich erklärt habe. Es würde gottesfürchtigen Senatoren -besser geziemt haben, ihm Vorstellungen zu machen über die Sünde, die er -begehe, indem er sich dem anglikanischen Ritus anschließe und die -anglikanische Kirchenverfassung aufrechterhalte, anstatt ihm durch -Anwendung von Phrasen zu schmeicheln, welche verriethen, daß sie eben so -sehr vom Erastianismus angesteckt seien wie er. Viele von Denen, welche -diese Sprache führten, weigerten sich irgend einen Schritt zu thun, der -als eine Anerkennung der neuen Souveraine ausgelegt werden konnte, und -sie hätten lieber ganze Glieder von Musketieren auf sich feuern oder -sich über dem Niveau der Ebbe an Pfähle anbinden lassen, als daß sie -Gott gebeten hätten, Wilhelm und Marien zu segnen. - - -Ministerielle Einrichtungen in Schottland. - -Indessen hatte der König von dem hartnäckigen Festhalten dieser Leute an -ihren abgeschmackten Grundsätzen weniger zu fürchten als von dem Ehrgeiz -und der Habsucht einer andren Sorte von Menschen, welche gar keine -Grundsätze hatten. Es war nothwendig, daß er unverzüglich Minister -ernannte, welche die Regierung Schottland's leiteten, und er mochte dazu -ernennen wen er wollte, so mußte er nothwendig eine Menge von -Expectanten in ihren Erwartungen täuschen und sie dadurch erbittern. -Schottland war eines der ärmsten Länder Europa's; dennoch aber besaß -kein Land in Europa eine größere Anzahl gewandter und selbstsüchtiger -Politiker. Die Krone hatte nicht genug Stellen zu vergeben, um nur ein -Zwanzigstel der Stellenjäger zu befriedigen, von denen jeder glaubte, -daß er hervorragende Dienste geleistet habe und daß man sich seiner -vorzugsweise erinnern müsse. Wilhelm that sein Möglichstes, um diese -zahllosen und unersättlichen Aspiranten zu befriedigen, indem er viele -Aemter Commissionen übertrug. Einige wichtige Posten konnte er jedoch -nicht theilen. - - -Hamilton. - -Hamilton wurde zum Lord Obercommissar ernannt, in der Hoffnung, daß ein -enormer Gehalt, eine Wohnung in Holyrood Palace und eine fast königliche -Pracht und Würde ihn zufriedenstellen würden. - - -Crawford. - -Der Earl von Crawford ward zum Präsidenten des Parlaments ernannt, und -man glaubte, daß diese Ernennung die strengen Presbyterianer befriedigen -werde, denn Crawford war was sie einen Bekenner nannten. Seine Briefe -und Reden sind, um sich seines eignen Ausdrucks zu bedienen, ungemein -lieblich. Unter den hervorragenden Politikern der damaligen Zeit hatte -er allein, oder doch fast allein, den Styl beibehalten, der unter der -vorhergehenden Generation im Schwunge gewesen war. Er hatte für jede -Gelegenheit eine Stelle aus dem Alten Testament bereit. Er füllte seine -Depeschen mit Anspielungen auf Ismael und Hagar, Hanna und Eli, Elisa, -Nehemia und Zerubabel und schmückte seine Reden mit Citaten aus Esra und -Haggai. Ein Umstand, der den Mann und die Schule, in der er gebildet -war, auffallend characterisirt, ist der, daß in der ganzen Masse seiner -auf uns gekommenen Schriften nicht ein einziges Wort vorkommt, welches -darauf hindeutete, daß er je in seinem Leben vom Neuen Testament etwas -gehört hätte. Selbst noch in unsrer Zeit sind Leute von eigenthümlicher -Geschmacksrichtung durch seine salbungsvolle Sprache so entzückt worden, -daß sie ihn allen Ernstes für einen Heiligen erklärt haben. In den Augen -Derer, welche die Menschen mehr nach ihren Thaten als nach ihren Worten -zu beurtheilen pflegen, wird Crawford als ein egoistischer und grausamer -Politiker erscheinen, der sich durch sein Gewinsel keineswegs dupiren -ließ und dessen Eifer gegen die bischöfliche Kirchenverfassung nicht -wenig durch das Verlangen nach bischöflichen Gütern angespornt wurde. -Zur Entschuldigung seiner Habgier muß man sagen, daß er der ärmste -Adelige eines armen Adels war und daß er vor der Revolution zuweilen -nicht wußte, wo er eine Mahlzeit und einen Anzug hernehmen sollte.[51] - - -Die Dalrymple. -- Lockhart. - -Der befähigtste der schottischen Politiker und Wettkämpfer, Sir Johann -Dalrymple, wurde zum Lord Advokaten ernannt. Sein Vater, Sir Jakob, der -größte schottische Jurist, wurde an die Spitze des Court of Session -gestellt. Sir Wilhelm Lockhart, ein Mann, dessen Briefe beweisen, daß er -ein bedeutendes Talent besaß, wurde Generalprokurator. - - -Montgomery. - -Sir Jakob Montgomery hatte sich mit der Hoffnung geschmeichelt, erster -Minister zu werden. Er hatte sich in der Convention sehr ausgezeichnet -und war einer der Commissare gewesen, welche den neuen Souverainen die -Krone überreicht und den Eid abgenommen hatten. An parlamentarischer -Geschicklichkeit und Beredtsamkeit stand unter seinen Landsleuten Keiner -über ihm, außer dem neuen Lord Advokaten. Das Staatssekretariat war, -wenn auch nicht in Ansehen, so doch dem wirklichen Einflusse nach das -höchste Amt bei der schottischen Regierung, und dieses Amt war der Lohn, -auf welchen Montgomery gerechten Anspruch zu haben glaubte. Aber die -Episkopalen und die gemäßigten Presbyterianer fürchteten ihn als einen -Mann von extremen Ansichten und rachsüchtigem Character. Er war ein -Oberhaupt der Covenanters gewesen, war einmal wegen Conventikelhaltens, -ein andermal wegen Beherbergung von Rebellen zur Untersuchung gezogen -worden, war mit Geldbußen und Gefängniß bestraft und fast dazu getrieben -worden, jenseit des atlantischen Meeres in der jungen Colonie New Jersey -eine Zuflucht vor seinen Feinden zu suchen. Man fürchtete daher, daß, -wenn er jetzt die ganze Gewalt der Krone in seine Hände bekäme, er -furchtbare Wiedervergeltung für die erduldeten Leiden üben würde.[52] - - -Melville. - -Wilhelm zog deshalb Melville vor, der zwar kein Mann von ausgezeichneten -Talenten, aber von den Presbyterianern als ein entschiedener Freund und -doch von den Episkopalen nicht als ein unversöhnlicher Feind betrachtet -wurde. Melville nahm seinen Wohnsitz am englischen Hofe und wurde das -ordentliche Communicationsorgan zwischen Kensington und den Autoritäten -von Edinburg. - - -Carstairs. - -Wilhelm hatte jedoch einen schottischen Rathgeber, der mehr Einfluß -verdiente und besaß als irgend einer der ostensiblen Minister. Dies war -Carstairs, einer der bedeutendsten Männer der damaligen Zeit. Er verband -eine umfassende wissenschaftliche Bildung, eine große Befähigung für -Staatsgeschäfte, und den festen Glauben und glühenden Eifer eines -Märtyrers mit der Klugheit und Geschmeidigkeit eines vollendeten -Staatsmannes. In Bezug auf Muth und Treue glich er Burnet, aber er besaß -das was Burnet fehlte: Urtheilsgabe, Selbstbeherrschung und eine seltene -Verschwiegenheit. Es gab keinen Posten, den er nicht hätte erreichen -können, wenn er ein Laie oder ein Priester der englischen Kirche gewesen -wäre. Aber ein presbyterianischer Geistlicher durfte nicht hoffen, weder -im Norden noch im Süden der Insel zu einer hohen Würde zu gelangen. -Carstairs mußte sich mit der factischen Macht begnügen und den Anschein -derselben Anderen überlassen. Er wurde zum Kaplan Ihrer Majestäten für -Schottland ernannt; wo sich aber der König aufhalten mochte, ob in -England, oder in Irland, oder in den Niederlanden, da war auch dieser -zuverlässigste und klügste aller Höflinge. Des Königs Güte gewährte ihm -ein bescheidenes Auskommen, und mehr verlangte er nicht. Aber es war -wohl bekannt, daß er ein eben so nützlicher Freund und ein eben so -furchtbarer Feind sein konnte als irgend ein Mitglied des Cabinets, und -man hatte ihm in den Bureaux und in den Vorzimmern des Palastes den sehr -bezeichnenden Beinamen des Cardinals gegeben.[53] - - -Bildung des Clubs; Annandale, Roß. - -Montgomery wurde das Amt des Lord Justice Clerk angeboten. Aber dieser -obgleich hohe und ehrenvolle Posten schien ihm seiner Verdienste und -seiner Talente unwürdig und er kehrte von London nach Schottland zurück, -das Herz von Haß gegen seinen undankbaren Gebieter und gegen seine -glücklichen Nebenbuhler erfüllt. In Edinburg unterwarf sich ein Häuflein -Whigs, welche durch die neuen Einrichtungen eben so schmerzlich in ihren -Erwartungen getäuscht worden waren wie er selbst, bereitwillig der -Leitung eines so kühnen und geschickten Führers. Unter seiner Direction -bildeten diese Männer, unter denen der Earl von Annandale und Lord Roß -die bedeutendsten waren, einen Verein, der Club genannt, wählten einen -Schriftführer und kamen täglich in einer Taverne zusammen, um -Oppositionspläne zu berathen. Um diesen Kern schaarte sich bald eine -große Anzahl ehrsüchtiger und erbitterter Politiker.[54] Mit diesen -unredlichen Unzufriedenen, die keinen andren Zweck hatten, als der -Regierung zu schaden und Stellen zu erhaschen, verbanden sich andere -Mißvergnügte, welche im Laufe eines langen Widerstandes gegen Tyrannei -so verderbt und reizbar geworden waren, daß sie selbst unter der -mildesten und constitutionellsten Regierung nicht zufrieden leben -konnten. - - -Hume. - -Ein solcher Mann war Sir Patrick Hume. Er war aus dem Exil ebenso -streitsüchtig, ebenso unlenksam, ebenso neidisch auf jede höhere -Autorität und als ein ebenso leidenschaftlicher Redner zurückgekehrt, -wie er vier Jahre früher gewesen, und er wünschte eben so sehr Wilhelm -zu einem bloß nominellen Souverain zu machen, als er früher gewünscht -hatte, Argyle zu einem bloß nominellen Anführer zu machen.[55] - - -Fletcher von Saltoun. - -Ein in moralischer und geistiger Hinsicht hoch über Hume stehender Mann, -Fletcher von Saltoun, gehörte ebenfalls zu dieser Partei. Obwohl nicht -Mitglied der Convention, war er doch ein sehr thätiges Mitglied des -Clubs.[56] Er haßte die Monarchie und auch die Demokratie; sein -Lieblingsplan war, Schottland zu einer oligarchischen Republik zu -machen. Der König, wenn nun einmal ein König sein müsse, sollte eine -bloße Puppe sein. Die niederste Klasse des Volks sollte leibeigen und -die ganze legislative wie executive Gewalt in den Händen des Parlaments -sein. Mit anderen Worten: das Land sollte durch einen Erbadel, den -ärmsten, stolzesten und streitsüchtigsten in Europa, unumschränkt -regiert werden. Unter einer solchen Regierung konnte weder von Freiheit -noch von Ruhe die Rede sein. Handel, Industrie und Wissenschaft würden -eingegangen und Schottland ein kleines Polen geworden sein mit einer -Puppe als Souverain, einem stürmischen Reichstage und einem geknechteten -Volke. Mit unglücklichen Amtscandidaten und mit ehrlichen aber -verkehrten Republikanern waren Politiker vermischt, deren Haltung nur -durch die Furcht bestimmt wurde. Viele Schmarotzer, die sich bewußt -waren, in der schlimmen Zeit Strafwürdiges gethan zu haben, wollten sich -gern mit dem mächtigen und rachsüchtigen Club aussöhnen und waren froh, -daß sie ihrer Servilität gegen Jakob durch ihre Opposition gegen Wilhelm -wieder gut machen durften.[57] Die große Masse der Jakobiten hielt sich -inzwischen entfernt, sah mit Wohlbehagen die Feinde des Hauses Stuart -uneinig unter einander und gab sich der Hoffnung hin, daß die Verwirrung -mit der Wiedereinsetzung des verbannten Königs enden werde.[58] - - -In den Hochlanden bricht Krieg aus. - -Während Montgomery sich anstrengte, aus verschiedenen Elementen eine -Partei zu bilden, welche beim Wiederzusammentritt der Convention mächtig -genug sein konnte, um dem Throne Vorschriften zu machen, hatte ein noch -furchtbarerer Feind als Montgomery die Fahne des Bürgerkriegs in einer -Gegend aufgesteckt, von der die Politiker von Westminster und selbst die -meisten Politiker von Edinburg nicht mehr wußten als von Abyssinien oder -Japan. - - -Zustand der Hochlande. - -Ein moderner Engländer, der in einem Tage aus seinem Club in St. James -Street auf sein Jagdschloß in den Grampians gelangen kann und der in -seinem Jagdschlosse alle Bequemlichkeiten und Luxusgegenstände seines -Clubs findet, wird kaum glauben können, daß zur Zeit seiner Urgroßväter -St. James Street mit den Grampians eben so wenig in Verbindung stand wie -mit den Anden. Und doch war dem so. Im Süden unsrer Insel wußte man fast -gar nichts von dem celtischen Theile Schottland's, und was man etwa -wußte, erweckte kein andres Gefühl als Verachtung und Widerwillen. Die -Klippen und Schluchten, die Wälder und Gewässer waren zwar die -nämlichen, welche gegenwärtig jeden Herbst von entzückten Beschauern und -Landschaftszeichnern wimmeln. Der Trosachs schlängelte sich wie heute -zwischen gigantischen, mit Ginster und wilden Rosen bewachsenen -Felswänden hin, der Foyers kam mit demselben Hüpfen und demselben -Rauschen, mit dem er noch heute dem Neßsee zueilt, durch den Birkenwald -herab, und der schneegekrönte Scheitel des Ben Cruachan erhob sich, der -Junisonne spottend, wie heute, über die mit Weiden bedeckten Inselchen -des Awesees. Aber keine dieser Landschaften vermochte bis in die neuere -Zeit einen einzigen Dichter oder Maler aus wohlhabenderen und ruhigeren -Gegenden herbeizulocken. Gesetz und Polizei, Handel und Industrie haben -in der That viel mehr, als Leute von romantischen Ansichten bereitwillig -zugeben werden, dazu beigetragen, den Sinn für die wilderen -Naturschönheiten in uns zu wecken. Ein Reisender muß frei von jeder -Besorgniß sein, ermordet zu werden, oder vor Hunger umzukommen, ehe er -sich an den kühnen Umrissen und an der Farbenpracht der Berge erfreuen -kann. Er wird so leicht nicht über den Anblick eines steilen Abgrundes -entzückt sein, wenn er in Gefahr schwebt, zweitausend Fuß tief in -denselben hinabzustürzen; ebenso wenig über den Anblick kochender -Fluthen eines Waldstroms, der plötzlich sein Gepäck mit fort schwemmt -und ihn zwingt, sein Heil in der Flucht zu suchen; oder über den Anblick -der schauerlichen Majestät eines Gebirgspasses, wo er einen Leichnam -findet, den Räuber eben ausgeplündert und verstümmelt haben; oder über -das Gekrächz der Adler, deren nächste Mahlzeit vielleicht eines seiner -eigenen Augen sein kann. Um's Jahr 1730 schrieb Capitain Burt, der erste -Engländer, der die Gegenden besuchte, welche jetzt Vergnügungsreisende -aus allen Theilen der gebildeten Welt herbeiziehen, ein Buch über seine -Wanderungen. Er war unverkennbar ein Mann von umsichtigem, beobachtendem -und gebildetem Geiste und würde, wenn er in unsrer Zeit gelebt hätte, -ohne Zweifel mit einem Gemisch von Ehrfurcht und Wonne die Berge von -Inverneßshire betrachtet haben. Da er aber mit den zu seiner Zeit -allgemein vorherrschenden Ansichten schrieb, so erklärte er diese -Gebirge für monströse Auswüchse. Er sagte, sie seien dermaßen -mißgestaltet, daß die nacktesten Ebenen im Vergleich mit ihnen lieblich -erscheinen müßten. Schönes Wetter, meinte er, mache den traurigen -Anblick nur noch trauriger, denn je heller der Tag, um so unangenehmer -berührten diese formlosen Massen von düstrem Braun und schmutzigem Roth -das Auge. Welch' ein Contrast, rief er aus, zwischen diesen grauenhaften -Gegenden und den Schönheiten von Richmond Hill![59] Manche Leute werden -glauben, Burt sei ein Mann von alltäglichem und prosaischem Geiste -gewesen; aber sie werden es wohl schwerlich wagen, eine ähnliche Ansicht -über Oliver Goldsmith auszusprechen. Goldsmith war einer der wenigen -Sachsen, welche vor mehr als einem Jahrhunderte den Muth hatten, die -schottischen Hochlande zu bereisen. Die abschreckende Wildheit der -Gegenden machte einen widerlichen Eindruck auf ihn, und er erklärte, daß -er die reizende Umgebung von Leyden, die weite Fläche grüner Wiesen und -die Landhäuser mit ihren Statuen und Grotten, ihren sauberen -Blumenbeeten und geradlinigen Alleen bei weitem vorziehe. Es ist -indessen schwer zu glauben, daß der Verfasser des ^Traveller^ und des -^Deserted Village^ den Tausenden von Handlungsdienern und -Putzmacherinnen, welche jetzt beim Anblick des Katrinesees und des -Lomondsees in Entzücken gerathen, an natürlichem Geschmack und Sinn für -Naturschönheiten nachgestanden haben sollte. Seine Empfindungen sind -leicht zu erklären. Erst nachdem Straßen durch die Felsen gehauen, -nachdem Brücken über die Gießbäche geschlagen, nachdem Gasthäuser an die -Stelle der Räuberhöhlen getreten, nachdem man in den wildesten Pässen -von Badenoch oder Lochaber eben so wenig Gefahr lief ermordet zu werden -wie in Cornhill, konnten die blauen Gewässer der Seen und die über den -Wasserfällen hängenden Regenbogen den Fremden bezaubern und ihn selbst -an den auf den Bergspitzen lauernden Wolken und Stürmen ein feierliches -Vergnügen finden lassen. - -Die veränderten Empfindungen, mit denen die Bewohner des Niederlandes -die Scenerie des Hochlandes betrachteten, war eng verbunden mit einer -nicht minder auffallenden Veränderung der Gesinnungen, mit denen sie den -hochländischen Menschenschlag betrachteten. Es ist kein Wunder, wenn die -wilden Schotten, wie man sie zuweilen nannte, im 17. Jahrhunderte von -den Sachsen als bloße Wilde angesehen wurden. Sonderbar aber ist es -gewiß, daß sie, obgleich sie als Wilde betrachtet wurden, nicht -Gegenstände des Interesses und der Neugierde waren. Die Engländer -studirten damals mit übergroßem Eifer die Sitten roher, durch große -Continente und Meere von unsrer Insel getrennter Nationen. Es erschienen -zahlreiche Bücher, welche die Gesetze, den Aberglauben, die Hütten, die -Mahlzeiten, die Trachten, die Hochzeiten und Bestattungsgebräuche der -Lappländer und Hottentotten, der Mohawks und Malayen beschrieben. Die -Theaterstücke und Gedichte aus jener Zeit sind reich an Anspielungen auf -die Gebräuche der afrikanischen Schwarzen und der amerikanischen -Rothhäute. Der einzige Barbar, nach dessen näherer Kenntniß Niemanden -verlangte, war der Hochländer. Fünf oder sechs Jahre nach der Revolution -veröffentlichte ein unermüdlicher Angler ein Werk über Schottland. Er -rühmte sich, im Laufe seiner Wanderungen von See zu See und von Bach zu -Bach kaum einen Winkel des Königreichs unerforscht gelassen zu haben. -Wenn wir aber seine Erzählung näher prüfen, so finden wir, daß er sich -nicht über die äußersten Grenzen der celtischen Region hinausgewagt hat. -Er sagt uns, daß er selbst von den Leuten, welche dicht bei den -Gebirgspässen wohnten, über die gälische Bevölkerung nichts habe -erfahren können. Wenige Engländer, schreibt er, hätten Inverary je -gesehen, und jenseit Inverary sei Alles ein Chaos.[60] Unter der -Regierung Georg's I. erschien ein Werk, welches einen sehr genauen -Bericht über Schottland zu geben behauptete und in diesem über -dreihundert Seiten starken Werke waren zwei geringschätzende Paragraphen -als für die Hochlande und die Hochländer genügend erachtet.[61] Wir -dürfen wohl zweifeln, ob im Jahre 1689 ein einziger von den zwanzig der -wohlbelesenen Gentlemen, welche Will's Kaffeehaus besuchten, wußte, daß -es innerhalb des Bereichs der vier Meere und in einer Entfernung von -weniger als fünfhundert Meilen von London viele Miniaturhöfe gab, in -deren jedem ein kleiner Fürst, umgeben von Leibgarden, Waffenträgern, -Musikern, einem erblichen Redner und einem erblichen Hofpoeten, einen -rohen Hofstaat unterhielt, eine rohe Justiz ausübte, Krieg führte und -Verträge schloß. So lange die alten gälischen Institutionen in voller -Kraft bestanden, war kein Bericht über sie von einem zur richtigen -Beurtheilung derselben befähigten Beobachter erschienen. Hätte ein -solcher Beobachter die Hochländer studirt, so würde er ohne Zweifel -darin ein inniges Gemisch der guten und schlechten Eigenschaften einer -uncivilisirten Nation gefunden haben. Er würde gefunden haben, daß das -Volk weder sein Vaterland noch seinen König liebte, daß es keine -Anhänglichkeit an ein größeres Gemeinwesen als den Clan, oder an eine -höhere Behörde als den Häuptling hatte. Er würde gefunden haben, daß das -dortige Leben durch ein Gesetzbuch der Moral und Ehre geregelt wurde, -welches himmelweit verschieden war von dem in friedlichen und -prosperirenden Gesellschaften geltenden. Er würde gelernt haben, daß ein -Messerstich in den Rücken oder ein Schuß hinter einem Felsblocke hervor -gebilligte Wege waren, um sich für Beleidigungen Satisfaction zu -verschaffen. Er würde Leute mit Stolz haben erzählen hören, wie sie oder -ihre Väter an Erbfeinden in einem benachbarten Thale eine Rache -ausgeübt, über welche alte Soldaten des dreißigjährigen Kriegs -geschaudert haben würden. Er würde gefunden haben, daß das -Räuberhandwerk für einen nicht nur unschuldigen, sondern sogar -ehrenvollen Beruf galt. Er würde allenthalben, wohin er den Blick -wendete, die allen Wilden characteristische Abneigung gegen eine -geregelte Thätigkeit, und die Geneigtheit, den schwersten Theil der -Handarbeit auf das schwächere Geschlecht zu wälzen, gesehen haben. Er -würde erstaunt sein über den Anblick athletischer Männer, die sich in -der Sonne wärmten, Lachse angelten oder Birkhühner schossen, während -ihre greisen Mütter, ihre schwangeren Frauen und ihre zarten Töchter die -dürftige Haferernte einbrachten. Und die Weiber beklagten sich nicht -über ihr hartes Loos. In ihren Augen war es ganz schicklich, daß ein -Mann, besonders wenn er den aristokratischen Titel Duinhe Wassel führte -und seine Mütze mit einer Adlerfeder schmückte, der Ruhe pflog, wenn er -nicht focht, jagte oder plünderte. Den Namen eines solchen Mannes in -Verbindung mit dem Handel oder mit einer mechanischen Beschäftigung zu -nennen, war eine Beleidigung. Der Landbau war zwar minder verachtet, -aber es war doch für einen hochgebornen Krieger eine viel angemessenere -Beschäftigung, fremdes Land zu plündern, als sein eignes zu bestellen. -Die Religion des größeren Theils der Hochlande war ein rohes Gemisch von -Papismus und Heidenthum. Das Symbol der Erlösung war mit heidnischen -Opfern und Beschwörungsformeln verbunden. Getaufte Menschen brachten dem -einen Dämon Libationen von Ale und setzten für einen andren Trankopfer -von Milch aus. Seher wickelten sich in Ochsenhäute und erwarteten so die -Inspiration, welche die Zukunft enthüllen sollte. Selbst unter den -Minstrels und Genealogen, deren erblicher Beruf es war, die Erinnerung -vergangener Ereignisse zu bewahren, würde ein Forscher nur sehr wenige -gefunden haben, welche lesen konnten. Er hätte in der That von einer -Küste zur andren reisen können, ohne eine Seite gedrucktes oder -geschriebenes Gälisch zu entdecken. Er würde seine Kenntniß des Landes -theuer haben bezahlen müssen. Er würde eben so große Beschwerden zu -ertragen gehabt haben, als wenn er sich unter den Eskimos oder Samojeden -befunden hätte. Hier und da im Schlosse eines vornehmen Lords, der einen -Sitz im Parlamente und im Geheimen Rathe hatte und der einen großen -Theil seines Lebens in den Städten des Südens zuzubringen pflegte, würde -er wohl Perrücken und gestickte Leibröcke, Silbergeschirr und feines -Leinzeug, Spitzen und Juwelen, französische Speisen und französische -Weine gefunden haben. In der Regel aber hätte er sich mit ganz anderen -Quartieren begnügen müssen. In vielen Wohnungen würden die Möbeln, die -Kost, die Kleidung, ja selbst das Haar und die Haut seiner Wirthe seine -Philosophie auf eine harte Probe gestellt haben. Er würde sich zuweilen -mit einer Hütte haben begnügen müssen, in der jeder Winkel von -Ungeziefer wimmelte. Er würde eine mit Torfrauch geschwängerte und durch -hunderterlei ekelhafte Dünste verpestete Luft eingeathmet haben. Zum -Abendessen würde ihm Korn, das nur zu Pferdefutter taugte, nebst einem -Napfe voll Blut von einer lebenden Kuh vorgesetzt worden sein. Einige -seiner Tischgenossen würden mit Hautausschlägen bedeckt, andere mit -Theer beschmiert gewesen sein wie die Schafe. Sein Lager würde der -nackte Erdboden gewesen sein, trocken oder naß, je nach dem Wetter, und -er würde sich von diesem Lager halb vergiftet durch den Gestank, halb -blind vom Torfrauch und halb wahnsinnig vor Jucken erhoben haben.[62] - -Dies ist gewiß kein anziehendes Bild. Und doch würde ein einsichtsvoller -und vorurtheilsfreier Beobachter in dem Character und den Sitten dieses -rohen Volks etwas gefunden haben, was wohl Bewunderung und gute -Hoffnungen erwecken konnte. Sie besaßen einen Muth, der sich seitdem -durch Heldenthaten in allen vier Welttheilen erprobt hat. Ihre treue -Anhänglichkeit an ihren Stamm und an ihren Patriarchen war zwar vom -politischen Gesichtspunkte ein großes Uebel, hatte aber doch etwas von -dem Character einer Tugend. Das Gefühl war irregeleitet und regellos, -aber es war dennoch heroisch. Es muß eine gewisse Seelengröße in einem -Menschen wohnen, der die Gesellschaft, welcher er angehört und den -Führer, dem er folgt, mit einer Zuneigung liebt, welche stärker ist als -die Liebe zum Leben. Es ist wahr, der Hochländer machte sich kein -Gewissen daraus, das Blut eines Feindes zu vergießen, aber nicht minder -wahr ist es, daß er hohe Begriffe von der Pflicht der Treue gegen -Bundesgenossen und der Gastfreundschaft gegen Gäste hatte. Seine -räuberischen Gewohnheiten waren allerdings für das Gemeinwesen von -großem Nachtheil; aber Diejenigen irrten sehr, die da glaubten, daß er -irgend eine Aehnlichkeit mit den Schurken hatte, welche in reichen und -wohlgeordneten Staaten vom Diebstahle leben. Wenn er die Heerden von -Niederlandsfarmern vor sich her den Paß hinauf trieb, der in seine -heimathliche Schlucht führte, hielt er sich eben so wenig für einen -Dieb, wie ein Raleigh oder Drake sich für einen Dieb hielt, wenn er die -Ladungen der spanischen Galeonen theilte. Er war ein Krieger, der die -rechtmäßige Beute des Kriegs in Besitz nahm, eines Kriegs, der während -der fünfunddreißig Generationen, welche vorübergegangen waren, seitdem -die teutonischen Eroberer die Kinder des Bodens in die Gebirge getrieben -hatten, niemals unterbrochen worden war. Daß er zum Schutze des -friedlichen Gewerbfleißes mit der ganzen Strenge des Gesetzes bestraft -wurde, wenn man ihn bei einem Raube nach solchen Grundsätzen ergriff, -war vollkommen gerecht. Ungerecht aber war es, ihn in moralischer -Beziehung in eine Kategorie mit den Taschendieben, welche im -Drurylanetheater ihr Unwesen trieben, oder mit den Straßenräubern zu -werfen, welche auf Blackheath die Reisewagen anfielen. Sein maßloser -Geburtsstolz und seine Verachtung der Arbeit und des Handels waren zwar -große Schwächen und hatten weit mehr als die Rauhheit des Klima's und -die Unfruchtbarkeit des Bodens dazu beigetragen sein Vaterland arm und -uncultivirt zu erhalten. Doch auch dafür gab es einen Ersatz. Um gerecht -zu sein, muß man anerkennen, daß die patrizischen Tugenden unter der -Bevölkerung der Hochlande nicht minder weit verbreitet waren als die -patrizischen Fehler. Wie es keinen andren Theil der Insel gab, wo die -Leute trotz dürftiger Kleidung, Wohnung und Nahrung den müßigen -Schlaraffengewohnheiten einer Aristokratie in einem so hohen Grade -fröhnten, so gab es auch keinen Theil der Insel, wo diese Leute in einem -so hohen Grade die besseren Eigenschaften einer Aristokratie, Anmuth und -Würde des Benehmens, Selbstachtung und jenes edle Zartgefühl besaßen, -welches die Entehrung mehr fürchtet als den Tod. Ein Gentleman dieser -Art, dessen Kleider von jahrelangem Schmutze besudelt waren und in -dessen Hütte es ärger roch als in einem englischen Schweinestall, machte -häufig die Honneurs dieser Hütte mit einem vornehmen Anstande, welcher -des glänzenden Hofzirkels von Versailles würdig gewesen wäre. Obwohl er -eben so wenig Büchergelehrsamkeit besaß, wie der einfältigste -Ackerknecht England's, so würde es doch ein grober Irrthum gewesen sein, -hätte man ihn auf eine Stufe der Intelligenz mit diesen Ackerknechten -stellen wollen. Mit einer Wissenschaft kann der Mensch allerdings nur -durch Lesen genau bekannt werden. Aber die Künste der Poesie und der -Beredtsamkeit können in einem Zeitalter wo Bücher gänzlich oder doch -fast gänzlich unbekannt sind, der absoluten Vollkommenheit nahe gebracht -werden und einen großen Einfluß auf den Volksgeist ausüben. Der erste -große Lebens- und Sittenmaler hat mit einer Lebendigkeit, welche keinen -Zweifel zuließ, daß er die Natur treu copirte, den Eindruck geschildert, -den Beredtsamkeit und Gesang auf Zuhörer machten, die nicht einmal das -Alphabet kannten. Es ist wahrscheinlich, daß bei den Berathungen der -Hochländer Männer, welche dem Amte eines Dorfgerichtsschreibers nicht -gewachsen gewesen waren, Fragen über Krieg und Frieden, über Tribut und -Huldigung mit einem eines Halifax und Caermarthen würdigen Scharfsinn -erörterten, und daß bei den Banketen der Hochländer Minstrels, die nicht -lesen konnten, zuweilen Rhapsodien vortrugen, in denen ein verständiger -Kritiker Stellen gefunden haben würde, die ihn an die lieblichen Verse -Otway's oder an die kräftigen Strophen Dryden's erinnert hätten. - -Es gab daher schon damals Beweise genug für die Rechtfertigung des -Glaubens, daß der Celte durch keine natürliche Inferiorität dem Sachsen -weit nachstand. Man hätte mit Gewißheit voraussagen können, daß, wenn -eine energische Polizei es dem Hochländer unmöglich gemacht hätte, ihm -zugefügtes Unrecht durch Gewalt zu rächen und sich seine Bedürfnisse -durch Raub zu verschaffen, wenn seine Anlagen durch den bildenden -Einfluß der protestantischen Religion und der englischen Sprache -entwickelt würden, wenn er die Zuneigung und Achtung, mit denen er sein -kleines Gemeinwesen und seinen kleinen Fürsten betrachten gelernt hatte, -auf sein Vaterland und dessen rechtmäßige Obrigkeit übertragen könnte, -das Königreich einen großen Zuwachs an Kraft für alle Zwecke des -Friedens wie des Kriegs erlangen würde. - -So würde ohne Zweifel der Ausspruch eines unterrichteten und -unparteiischen Richters gelautet haben. Aber einen solchen Richter gab -es damals nicht. Die von den gälischen Provinzen weit entfernt wohnenden -Sachsen konnten nicht gut unterrichtet sein, und die in der Nähe dieser -Provinzen wohnenden Sachsen konnten nicht unparteiisch sein. Zwischen -Grenzbewohnern sind nationale Feindschaften jederzeit am heftigsten -gewesen, und die Feindschaft zwischen den Grenzbewohnern des Hochlandes -und denen des Niederlandes längs der ganzen Grenze war das Erzeugniß von -Jahrhunderten und wurde durch beständige Reibungen immer frisch -erhalten. Einmal wurden ganze Quadratmeilen Weideland von bewaffneten -Räubern aus dem Gebirge verwüstet. Ein andermal hingen ein Dutzend -Plaids in einer Reihe an den Galgen von Crieff oder Stirling. Es wurden -zwar auf dem streitigen Gebiete Jahrmärkte zum nothwendigen Austausch -von Waaren gehalten. Aber zu diesen Jahrmärkten kamen beide Theile -kampfgerüstet, und der Tag endete oftmals mit Blutvergießen. So war der -Hochländer ein Gegenstand des Hasses für seine sächsischen Nachbarn, und -von seinen sächsischen Nachbarn erfuhren die weiter von ihm entfernt -wohnenden Sachsen das Wenige, was sie über seine Sitten und Gewohnheiten -zu erfahren wünschten. Wenn die Engländer sich einmal herabließen, an -ihn zu denken -- und dies geschah selten -- so betrachteten sie ihn als -einen schmutzigen, gemeinen Wilden, als einen Sklaven, einen Papisten, -einen Halsabschneider und Räuber.[63] - -Diese geringschätzende Abneigung erhielt sich bis zum Jahre 1745, worauf -derselben für kurze Zeit eine heftige Furcht und Wuth folgte. Das -ernstlich besorgte England bot seine ganze Macht auf und die Hochländer -wurden rasch, vollständig und für immer unterworfen. Eine kurze Zeit -lang schnaubte die englische Nation, noch erhitzt von dem neuerlichen -Kampfe, nichts als Rache. Das Gemetzel auf dem Schlachtfelde und auf dem -Schaffote genügte nicht, um den öffentlichen Blutdurst zu stillen. Der -Anblick des Tartan reizte den Pöbel von London zu einem Hasse, der sich -durch unmännliche Mißhandlungen an wehrlosen Gefangenen äußerte. Eine -politische und sociale Umwälzung fand in der ganzen celtischen Region -statt. Die Macht der Häuptlinge wurde gebrochen, das Volk entwaffnet, -der Gebrauch der alten Nationaltracht verboten, den alten räuberischen -Gewohnheiten wirksam Einhalt gethan, und kaum war diese Veränderung -durchgeführt, so begann ein sonderbarer Umschwung der öffentlichen -Meinung. Mitleid trat an die Stelle des Widerwillens. Die Nation -verwünschte die an den Hochländern verübten Grausamkeiten und vergaß, -daß sie selbst für diese Grausamkeiten verantwortlich war. Die nämlichen -Londoner, welche, so lange der Marsch Derby's noch in frischem Andenken -war, die gefangenen Rebellen verhöhnt und mit Steinen geworfen hatten, -gaben jetzt dem Fürsten, der den Aufstand niedergeworfen, den Spottnamen -des »Schlächters«. Die barbarischen Institutionen und Gebräuche, die -kein Sachse zur Zeit ihres Bestehens einer ernsten Prüfung werth -gehalten und von denen er nie anders als mit Verachtung gesprochen, -hatten nicht sobald aufgehört zu existiren, als sie Gegenstände der -Neugierde, des Interesses und selbst der Bewunderung wurden. Kaum waren -die Häuptlinge einfache Grundherren geworden, so begann man auch schon -gehässige Vergleiche zwischen der Habgier des Grundherrn und der -Nachsicht des Häuptlings anzustellen. Man schien vergessen zu haben, daß -das alte gälische Staatswesen für unvereinbar mit der Autorität des -Gesetzes befunden worden war, das Fortschreiten der Civilisation gehemmt -und mehr als einmal den Fluch des Bürgerkriegs über das Land gebracht -hatte. Wie man früher nur die abschreckende Seite dieses Staatswesens -gesehen hatte, so sah man jetzt nur die anziehende Seite desselben. Das -alte Band, sagte man, sei ein verwandtschaftliches gewesen, das neue sei -ein rein commercielles. Könne es etwas Beklagenswertheres geben, als daß -der Häuptling eines Stammes um eines geringfügigen Pachtrückstandes -willen Pächter vertreibe, die sein eigen Fleisch und Blut seien und -deren Vorfahren oftmals auf dem Schlachtfelde mit ihren Leibern seine -Vorfahren gedeckt hätten? So lange es gälische Räuber gab, waren sie von -der sächsischen Bevölkerung als hassenswerthes Ungeziefer betrachtet -worden, das ohne Gnade vertilgt werden müsse. Sobald aber die Vertilgung -bewerkstelligt, sobald das Vieh in den Engpässen von Perthshire eben so -sicher war als auf dem Markte zu Smithfield, wurde der Freibeuter zu -einem Romanhelden verherrlicht. So lange die gälische Tracht getragen -wurde, hatten die Sachsen sie für häßlich, für lächerlich, ja sogar für -höchst unanständig erklärt. Bald nachdem dieselbe verboten worden, -machten sie die Entdeckung, daß sie das anmuthigste Gewand von Europa -war. Die gälischen Bauwerke, die gälischen Gebräuche, der gälische -Aberglaube, die gälischen Dichtungen, seit vielen Jahrhunderten -geringschätzend vernachlässigt, begannen von dem Augenblicke an, wo die -gälischen Eigenthümlichkeiten zu verschwinden anfingen, die -Aufmerksamkeit der Gelehrten auf sich zu ziehen. Dieser Impuls war so -stark, daß, wo die Hochlande im Spiele waren, einsichtsvolle Männer -unbewiesenen Geschichten bereitwillig Glauben schenkten und Männer von -Geschmack ganz werthlosen Compositionen einen überspannten Beifall -zollten. Epische Gedichte, welche jeder geübte und vorurtheilsfreie -Kritiker auf den ersten Blick als fast gänzlich modern erkannt haben -würde und die, wenn sie als moderne Erzeugnisse veröffentlicht worden -wären, sofort den ihnen gebührenden Platz neben Blackmore's ^Alfred^ und -Wilkie's ^Epigoniad^ gefunden haben würden, wurden für funfzehnhundert -Jahr alt erklärt und allen Ernstes der Iliade zur Seite gestellt. -Schriftsteller von ganz andrer Art als die Betrüger, welche diese -Fälschungen fabrizirten, sahen ein, welcher gewaltige Eindruck durch -geschickte Schilderungen des früheren Hochlandlebens hervorgebracht -werden könnte. Alles Widerwärtige wurde gemildert, alles Schöne und Edle -mit besonderem Nachdruck hervorgehoben. Einige dieser Werke waren mit so -bewundernswerthem Geschick abgefaßt, daß sie, wie die historischen -Stücke Shakespeare's, die Geschichte ersetzten. Die Phantasiegebilde des -Dichters wurden für seine Leser zu Wirklichkeiten, die Orte, welche er -beschrieb, wurden geheiligte Stätten und das Ziel von Tausenden von -Pilgern. Bald war die Phantasie des Volks so ausschließend beschäftigt -mit Plaids, Tartschen und Claymores, daß die meisten Engländer die Namen -Schotte und Hochländer als gleichbedeutend betrachteten. Nur wenige -schienen zu wissen, daß zu einer noch nicht fernen Zeit ein Macdonald -oder ein Macgregor in seinem Tartan einem Bürger von Edinburg oder -Glasgow das war, was ein indianischer Jäger in seinem Kriegsschmucke -einem Bewohner von Philadelphia oder Boston ist. Künstler und -Schauspieler stellten Bruce und Douglas in gestreiften kurzen Röcken -dar. Eben so gut hätten sie Washington den Tomahawk schwingend und mit -einer Reihe Skalpen umgürtet darstellen können. Endlich erreichte diese -Mode einen Punkt, der nicht leicht überschritten werden konnte. Der -letzte britische König, der in Holyrood residirte, glaubte keinen -glänzenderen Beweis von seiner Achtung vor den Gebräuchen, welche vor -der Union in Schottland geherrscht hatten, geben zu können, als indem er -sich in einen Anzug kleidete, den vor der Union neun Schotten unter zehn -für die Tracht eines Banditen erklärt haben würden. - -So ist es gekommen, daß die alten gälischen Institutionen und Sitten nie -in dem einfachen Lichte der Wahrheit dargestellt worden sind. Bis in die -Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden sie durch ein falsches Medium -gesehen; seitdem sind sie durch ein andres gesehen worden. Früher -schimmerten sie nur undeutlich durch den verdunkelnden und entstellenden -Nebel des Vorurtheils, und dieser Nebel hatte sich kaum zerstreut, so -erschienen sie glänzend in den reichsten Farben der Poesie. Die Zeit, wo -ein vollkommen treues Bild hätte entworfen werden können, ist jetzt -vorbei. Das Original ist längst verschwunden, eine authentische Copie -existirt nicht und Alles was noch möglich, ist die Herstellung einer -unvollkommenen Aehnlichkeit mit Hülfe zweier Portraits, von denen das -eine eine plumpe Karrikatur, das andre ein Meisterstück der Schmeichelei -ist. - - -Eigenthümlicher Character des Jakobitismus in den Hochlanden. - -Unter den falschen Begriffen, die sich in Bezug auf die Geschichte und -den Character der Hochländer allgemein verbreitet haben, muß namentlich -einer berichtigt werden. Während des Jahrhunderts, das mit dem Feldzuge -Montrose's begann und mit dem Feldzuge des jungen Prätendenten schloß, -wurde jede im Interesse des Hauses Stuart auf britischem Boden -vollbrachte große kriegerische That durch die Tapferkeit gälischer -Stämme vollbracht. Die Engländer haben daher ganz natürlich diesen -Stämmen die Denkungsart englischer Cavaliere zugeschrieben: eine tiefe -Ehrfurcht vor der königlichen Würde und eine begeisterte Anhänglichkeit -an die königliche Familie. Eine nähere Untersuchung wird jedoch ergeben, -daß die Stärke dieser Gefühle bei den celtischen Clans sehr überschätzt -worden ist. - -Wenn wir die Geschichte unserer bürgerlichen Zwistigkeiten studiren, -dürfen wir nie vergessen, daß dieselben Namen, Kennzeichen und -Kriegsrufe in verschiedenen Theilen der britischen Inseln eine ganz -verschiedene Bedeutung hatten. Wir haben bereits gesehen, wie wenig der -irische Jakobitismus und der englische Jakobitismus mit einander gemein -hatten. Der Jakobitismus des schottischen Hochländers war, wenigstens im -17. Jahrhundert, eine dritte, von den beiden anderen ganz verschiedene -Varietät. Die gälische Bevölkerung war in der That weit davon entfernt, -die Prinzipien des passiven Gehorsams und des Nichtwiderstandes -anzuerkennen. Das ganze alltägliche Leben dieser Bevölkerung war -eigentlich aus Ungehorsam und Widerstand zusammengesetzt. Gerade einige -von denjenigen Clans, die man allgemein als so enthusiastisch loyal zu -schildern gewohnt war, daß sie bereit sein würden, bis zum Tode treu zu -Jakob zu halten, selbst wenn er im Unrecht wäre, hatten, so lange er auf -dem Throne saß, seiner Autorität nie die geringste Achtung gezollt, -selbst wenn er offenbar im Rechte war. Es war ihre Gewohnheit, ihr Beruf -gewesen, ihm ungehorsam zu sein und ihm zu trotzen. Einige von ihnen -waren wegen des Verbrechens der Widerspenstigkeit gegen seine -gesetzmäßigen Befehle wirklich unter Hörnerklang proscribirt worden und -würden ohne Besinnen jeden seiner Beamten, der sich über die -Gebirgspässe hinaus gewagt hätte, um seinen Befehl zu vollziehen, in -Stücke zerrissen haben. Die englischen Whigs wurden von ihren Gegnern -beschuldigt, daß sie bezüglich des dem Staatsoberhaupte gebührenden -Gehorsams gefährlich lockeren Prinzipien huldigten. Indessen hat kein -ehrenwerther englischer Whig jemals den Aufruhr vertheidigt, außer als -ein seltenes und extremes Mittel gegen seltene und extreme Uebel. Aber -unter den celtischen Häuptlingen, deren Loyalität das Thema so vieler -feuriger Lobpreisungen gewesen ist, gab es mehrere, deren ganze Existenz -vom Knabenalter an ein einziger langer Aufruhr war. Von solchen Männern -durfte man offenbar nicht erwarten, daß sie die Revolution in dem Lichte -betrachten würden, in welchem dieselbe einem oxforder Eidverweigerer -erschien. Auf der andren Seite wurden sie nicht, wie die eingebornen -Irländer, durch Widerwillen gegen die sächsische Oberherrschaft zur -Ergreifung der Waffen gedrängt; der schottische Celte war dieser -Herrschaft niemals unterworfen gewesen. Er bewohnte sein eignes wildes -und unfruchtbares Gebiet und beobachtete seine eigenen nationalen -Gebräuche. In seinem Verkehr mit den Sachsen war er eher der Bedrücker -als der Bedrückte. Er erpreßte Räubertribut von ihnen, entführte ihre -Schaf- und Rinderheerden, und selten wagten sie es, ihn in seine -heimathliche Wildniß zu verfolgen. Sie hatten nie sein ödes Moos- und -Kiesland unter sich vertheilt. Er hatte nie den Thurm seiner erblichen -Häuptlinge von einem Usurpator in Besitz nehmen sehen, der nicht gälisch -sprach und der auf Alle die es sprachen, wie auf rohes Sklavenvolk -herabsah, auch waren seine nationalen und religiösen Gefühle nie durch -die Macht und durch den Glanz einer Kirche beleidigt worden, die er als -eine ausländische und zugleich ketzerische betrachtete. - -Der wahre Grund der Bereitwilligkeit, mit der ein großer Theil der -Bevölkerung der Hochlande im Laufe des 17. Jahrhunderts zweimal für die -Stuarts das Schwert zog, ist in den inneren Zwistigkeiten zu suchen, -welche die Republik der Clans spaltete. Denn es gab eine Republik der -Clans, das verkleinerte Ebenbild der großen Republik der europäischen -Nationen. In der kleineren von diesen beiden Republiken, wie in der -größeren, gab es Kriege, Verträge, Alliancen, Streitigkeiten wegen -Gebiet und Vorrang, ein System des öffentlichen Rechts und ein -Gleichgewicht der Macht. Dabei existirte eine unerschöpfliche Quelle der -Unzufriedenheit und Zwietracht. Einige Jahrhunderte früher war das -Feudalsystem in das Gebirgsland eingeführt worden, hatte aber das -patriarchalische System weder vernichtet, noch sich vollständig mit -demselben amalgamirt. Gewöhnlich war Derjenige, der nach der -normännischen Verfassung Lord war, auch Häuptling nach der celtischen -Verfassung, und in diesem Falle war kein Streit. Waren aber die beiden -Charactere getrennt, so concentrirte sich der ganze willige und loyale -Gehorsam auf den Häuptling. Der Lord hatte nur das, was er durch Gewalt -erlangen und behaupten konnte. Wenn er mit Hülfe seines eignen Stammes -Pächter, die einem andren Stamme angehörten, sich unterthan zu erhalten -vermochte, so herrschte eine Tyrannei von Clan gegen Clan, vielleicht -die heftigste von allen Formen der Tyrannei. - - -Eifersucht auf den Einfluß der Campbells. - -Verschiedene Stämme hatten sich zu verschiedenen Zeiten zu einem Ansehen -erhoben, das allgemeine Furcht und Neid erweckt hatte. Die Macdonalds -hatten früher einmal auf den Hebriden und in dem ganzen Gebirgslande von -Argyleshire und Inverneßshire ein Uebergewicht besessen ähnlich dem, -welches das Haus Oesterreich einst in der Christenheit besaß. Aber das -Uebergewicht der Macdonalds war, wie das des Hauses Oesterreich, -verschwunden, und die Campbell's, die Kinder Diarmid's, waren in den -Hochlanden das geworden, was die Bourbons in Europa geworden waren. Der -Vergleich könnte noch weiter fortgeführt werden. Aehnliche -Beschuldigungen wie man sie der französischen Regierung zur Last zu -legen pflegte, wurden den Campbells zur Last gelegt. Eine besondere -Gewandtheit, ein besonderer äußerer Schein von Eleganz, eine besondere -Verachtung aller eingegangenen Verpflichtungen wurden mit oder ohne -Grund dem gefürchteten Stamme zugeschrieben. »Schön und falsch wie ein -Campbell« wurde ein Sprichwort. Es hieß, ein Mac Callum More nach dem -andren habe mit unermüdlichem, gewissenlosem und unbeugsamem Ehrgeize -Berg auf Berg und Insel auf Insel zu den ursprünglichen Besitzungen -seines Hauses gehäuft. Einige Stämme waren aus ihrem Gebiet vertrieben, -andere zur Zahlung eines Tributs gezwungen, noch andere den Eroberern -einverleibt worden. So war endlich die Zahl der waffenfähigen Männer, -welche den Namen Campbell führten, stark genug, um den vereinten -Streitkräften aller übrigen weltlichen Clans im Felde die Spitze zu -bieten.[64] Während der bürgerlichen Unruhen, welche im Jahre 1638 -begannen, erreichte die Macht dieser ehrgeizigen Familie ihren -Höhepunkt. Der Marquis von Argyle war ebensowohl das Oberhaupt einer -Partei wie der Häuptling eines Stammes. Im Besitze zweier verschiedenen -Arten von Autorität, bediente er sich jeder derselben in solcher Weise, -daß er damit die andre erweiterte und verstärkte. Der notorische -Umstand, daß er die Claymores von fünftausend halbheidnischen -Gebirgsbewohnern ins Feld bringen konnte, vermehrte seinen Einfluß bei -den strengen Presbyterianern, welche den Geheimen Rath und die -Generalversammlung von Edinburg füllten, und sein Einfluß in Edinburg -vermehrte wieder den Schrecken, den sein Name im Gebirge verbreitete. -Von allen Fürsten der schottischen Hochlande, deren Geschichte uns näher -bekannt ist, war er der mächtigste und gefürchtetste. Während seine -Nachbarn die Zunahme seiner Macht mit einer Wuth beobachteten, welche -die Furcht kaum niederzuhalten vermochte, rief Montrose sie zu den -Waffen. Dem Aufrufe ward bereitwilligst Folge geleistet und eine -mächtige Coalition von Clans zog in den Krieg, dem Namen nach für König -Karl, in Wirklichkeit aber gegen Mac Callum More. Wer die Geschichte -dieses Kampfes studirt hat, wird nicht leicht zweifeln können, daß, wenn -Argyle die Sache der Monarchie unterstützt hätte, seine Nachbarn sich -gegen dieselbe erklärt haben würden. Achtbare Schriftsteller erzählen -von dem Siege, den die Royalisten bei Inverlochy über die Rebellen -erfochten. Aber die in der Nähe des Ortes wohnenden Landleute stellen -die Sache richtiger dar. Sie sprechen von der großen Schlacht, welche -dort die Macdonalds gegen die Campbells gewannen. - -Die Gesinnungen, welche die Koalition gegen den Marquis von Argyle -hervorgerufen hatten, bestanden noch lange nach seinem Tode in ihrer -ganzen Stärke fort. Sein Sohn, der Earl Archibald, erbte, obwohl er ein -Mann von vielen ausgezeichneten Tugenden war, mit der Macht seiner -Vorfahren zu gleicher Zeit auch die Unpopularität, die eine fast -unausbleibliche Folge einer solchen Macht war. Im Jahre 1675 bildeten -mehrere kriegslustige Stämme eine Conföderation gegen ihn, mußten sich -aber der überlegenen Macht fügen, die ihm zu Gebote stand. Es herrschte -daher von einer Meeresküste bis zur andren große Freude, als er im Jahre -1681 auf eine geringfügige Anschuldigung hin vor Gericht gestellt, zum -Tode verurtheilt, ins Exil getrieben und seiner Titel beraubt wurde. -Groß war der Schrecken, als er 1685 aus der Verbannung zurückkehrte und -das feurige Kreuz aussandte, um seine Stammesgenossen unter seine Fahne -zu rufen, und wieder war große Freude, als sein Unternehmen gescheitert, -als seine Armee zusammengeschmolzen, als sein Kopf auf das Tolbooth von -Edinburg gesteckt worden war und als die Häuptlinge, die ihn als einen -Unterdrücker betrachtet, unter leichten Bedingungen von der Krone -Erlassung alter Verbindlichkeiten und Verleihung neuer Titel erlangt -hatten. Während England und Schottland allgemein Jakob's Tyrannei -verabscheuten, wurde er in Appin und Lochaber, in Glenroy und Glenmore -als ein Befreier verehrt.[65] Der durch die Macht und den Ehrgeiz des -Hauses Argyle erregte Haß war selbst dann noch nicht gekühlt, als das -Oberhaupt dieses Hauses hingeopfert, als seine Kinder landesflüchtig -waren, als fremde Truppen die Besatzung des Schlosses Inverary bildeten -und als das ganze Ufer des Fynesees durch Feuer und Schwert verwüstet -war. Man sagte, der schreckliche Präcedenzfall mit den Macgregors müsse -wiederholt und es als ein Verbrechen erklärt werden, den verhaßten Namen -Campbell zu tragen. - -Da änderte sich plötzlich Alles. Die Revolution kam und der Erbe -Argyle's kehrte triumphirend zurück. Er war, wie seine Vorgänger es -gewesen, das Oberhaupt nicht nur eines Stammes, sondern auch einer -Partei. Der Richterspruch, der ihn seines Eigenthums und seiner Titel -beraubt hatte, wurde von der Majorität der Convention für null und -nichtig angesehen. Die Thüren des Parlamentshauses wurden ihm geöffnet, -er wurde unter dem ganzen schottischen Hochadel dazu auserwählt, den -neuen Soverainen den Amtseid abzunehmen, und dazu ermächtigt, auf seinen -Besitzungen eine Armee für den Dienst der Krone auszuheben. Jetzt war er -unzweifelhaft so mächtig wie der mächtigste seiner Vorfahren. -Unterstützt durch die Kraft der Regierung, verlangte er nun gewiß die -Entrichtung aller der langjährigen schweren Zins- und Tributrückstände, -die seine Nachbarn ihm schuldeten und übte Rache für alle Beleidigungen -und Schmähungen, die seine Familie erduldet hatte. - - -Die Stewarts und Macnaghtens. - -Angst und Unruhe herrschte in den Schlössern von zwanzig -Miniaturkönigen. Groß war die Besorgniß der Stewarts von Appin, deren -Gebiet auf der einen Seite vom Meere und auf der andren vom Stamme -Diarmid's eingezwängt war. Noch größer war die Bestürzung bei den -Macnaghtens. Sie waren einst die Herren der schönen Thäler gewesen, -durch welche die Ara und die Shira dem Fynesee zuströmen. Aber die -Campbells hatten die Oberhand behalten. Die Macnaghtens waren zur -Unterwerfung gezwungen worden und hatten von Geschlecht zu Geschlecht -mit Furcht und Abscheu zu dem benachbarten Schlosse Inverary -emporgeblickt. Neuerdings war ihnen eine vollkommene Emancipation -versprochen worden. Eine Urkunde, kraft welcher ihrem Häuptlinge seine -Besitzungen als unmittelbares Kronlehen zugeschrieben wurden, war -ausgefertigt und harrte nur noch der königlichen Siegel, als die -Revolution plötzlich eine Hoffnung zertrümmerte, welche nahe an -Gewißheit grenzte.[66] - - -Die Macleans. - -Die Macleans erinnerten sich, daß die Campbells vor nicht mehr als -vierzehn Jahren in ihr Gebiet eingefallen, den Stammsitz ihres -Häuptlings genommen und eine Besatzung in denselben gelegt hatten.[67] -Noch ehe Wilhelm und Marie in Edinburg proklamirt worden, war ein -Maclean, ohne Zweifel vom Oberhaupte seines Stammes abgesandt, über das -Meer nach Dublin gekommen und hatte Jakob versichert, daß, wenn einige -Bataillone aus Irland in Argyleshire landen sollten, sich ihnen sofort -viertausendvierhundert Claymores anschließen würden.[68] - - -Die Camerons; Lochiel. - -Ein ähnlicher Geist beseelte die Camerons. Ihr Oberhaupt, Sir Ewan -Cameron von Lochiel, mit dem Beinamen der Schwarze, hatte in Bezug auf -persönliche Eigenschaften unter den celtischen Fürsten nicht seines -Gleichen. Er war ein leutseliger Gebieter, ein zuverlässiger -Bundesgenosse und ein furchtbarer Feind. Sein Gesicht und seine Haltung -waren von seltenem Adel. Einige Personen, die in Versailles gewesen -waren, darunter der kluge und beobachtende Simon Lord Lovat, meinten, -daß in Bezug auf Persönlichkeit und Manieren eine auffallende -Aehnlichkeit zwischen Ludwig XIV. und Lochiel stattfinde, und wer die -Portraits Beider mit einander vergleicht, wird bemerken, daß in der That -einige Aehnlichkeit vorhanden war. In der Statur war jedoch ein großer -Unterschied. Ludwig erreichte trotz seiner Schuhe mit hohen Absätzen und -trotz einer mächtig hohen Perrücke kaum die Mittelgröße. Lochiel war -lang und kräftig gebaut. In Behendigkeit und Geschicklichkeit im -Gebrauche der Waffen kamen ihm wenige unter den Gebirgsbewohnern gleich. -Er hatte mehr als einmal im Einzelkampfe gesiegt und war ein weit und -breit berühmter Jäger. Er führte einen energischen Krieg gegen die -Wölfe, welche bis zu seiner Zeit das Hochwild der Grampians zerrissen, -und von seiner Hand fiel der letzte des blutdürstigen Gezüchts, das -bekanntermaßen über unsre ganze Insel verbreitet war. Auch zeichnete -sich Lochiel nicht weniger durch geistige wie durch körperliche Kräfte -aus. Einem gebildeten und vielgereisten Engländer, der in Westminster -unter Busby und in Oxford unter Aldrich die Classiker studirt, der im -Umgange mit Mitgliedern der königlichen Societät etwas von den -Wissenschaften und in den Galerien von Florenz und Rom etwas von den -schönen Künsten gelernt hatte, würde er allerdings wohl unwissend -erschienen sein. Aber obwohl Lochiel wenig Bücherkenntnisse besaß, so -war er doch ungemein verständig bei Berathungen, beredtsam in der -Debatte, erfinderisch in Auskunftsmitteln und geschickt in der Leitung -des menschlichen Characters. Sein Verstand bewahrte ihn vor den -Thorheiten, zu denen sich seine Bruderhäuptlinge oftmals durch Stolz und -Zorn hinreißen ließen. Daher nannten Viele, die seine Bruderhäuptlinge -als bloße Barbaren betrachteten, seinen Namen mit Achtung. Selbst bei -der holländischen Gesandtschaft am St. James Square sprach man von ihm -als von einem Manne, der an Einsicht und Muth nicht leicht seines -Gleichen finden dürfte. Als Beschützer der Literatur kann er dem -freigebigen Dorset zur Seite gestellt werden. Wie Dorset aus seiner -Tasche Dryden eine Pension aussetzte, die seinem Einkommen als Hofpoet -gleichkam, so soll Lochiel einem berühmten Barden, der von Räubern -ausgeplündert worden und der in einer rührenden gälischen Ode um Almosen -bat, drei Kühe und die kaum glaubliche Summe von fünfzehn Pfund Sterling -geschenkt haben. Der Character dieses großen Häuptlings war in der That -schon zweitausendfünfhundert Jahre vor seiner Geburt geschildert worden, -und zwar -- so groß ist die Macht des Genies -- mit Farben, welche eben -so viele Jahre nach seinem Tode noch frisch sein werden. Er war der -Ulysses der Hochlande.[69] - -Er war Herr über ein großes Gebiet, bevölkert von einem Stamme, der -keinen andren Gebieter, keinen andren Gott verehrte als ihn. Für dieses -Gebiet war er jedoch dem Hause Argyle lehnspflichtig. Er war -verpflichtet, seinem Lehnsherrn im Kriege beizustehen und ihm einen -hohen Grundzins zu bezahlen. Diese Vasallenschaft hatte er allerdings -schon in früher Jugend als erniedrigend und ungerecht betrachten -gelernt. Während seiner Minderjährigkeit hatte er unter der -Vormundschaft des klugen Marquis gestanden und war auf dem Schlosse -Inverary erzogen worden. Mit dem achtzehnten Jahre aber riß sich der -Knabe von der Autorität seines Vormundes los und focht tapfer für Karl -I. wie für Karl II. Er wurde daher von den Engländern als ein Cavalier -betrachtet, nach der Restauration in Whitehall gut aufgenommen und von -Jakob's Hand zum Ritter geschlagen. Das Compliment jedoch, welches ihm -bei einem seiner Besuche am englischen Hofe gemacht wurde, würde einem -Sachsen nicht sehr schmeichelhaft erschienen sein. »Nehmen Sie Ihre -Taschen in Acht, Mylords,« rief Se. Majestät, »hier kommt der König der -Diebe.« Die Loyalität Lochiel's ist fast sprichwörtlich, aber sie war -dem was man in England Loyalität nannte, ganz unähnlich. In den -Protokollen des schottischen Parlaments war er zu den Zeiten Karl's II. -als ein gesetzloser und rebellischer Mann geschildert, der aus eigner -Machtvollkommenheit und mit souverainer Verachtung der königlichen -Autorität Ländereien besitze.[70] Einmal erhielt der Sheriff von -Inverneßshire von König Jakob Befehl, in Lochaber einen Gerichtstag zu -halten. Lochiel, eifersüchtig auf diese Einmischung in seinen -patriarchalischen Despotismus, erschien bei der Gerichtsverhandlung an -der Spitze von vierhundert bewaffneten Camerons. Er affectirte große -Achtung vor dem königlichen Befehl, ließ aber einige Worte fallen, -welche von den Pagen und Waffenträgern, die jeden seiner Blicke scharf -beobachteten, vollkommen verstanden wurden. »Ist keiner meiner Burschen -so gut, diesen Richter zum Teufel zu jagen? Ich habe sie schon Händel -anfangen sehen, wo es weniger nöthig war.« Im nächsten Augenblicke -begann ein Zanken und Streiten unter der Menge, man wußte nicht wie oder -wo. Hunderte von Dolchen blitzten, das Geschrei »Hülfe!« und »Mörder!« -ertönte von allen Seiten, es kamen zahlreiche Verwundungen vor, zwei -Menschen wurden getödtet, die Sitzung wurde in tumultuarischer -Verwirrung aufgehoben und der geängstigte Sheriff mußte sich unter den -Schutz des Häuptlings stellen, der ihn mit einem plausiblen Anschein von -Achtung und Theilnahme sicher nach seiner Wohnung geleitete. Man muß -lachen, wenn man daran denkt, daß der Mann, der diese That verübte, von -Schriftstellern, welche Somers und Burnet als Verächter der legitimen -Autorität der Landesherren tadeln, beständig als der zuverlässigste und -pflichtgetreueste Unterthan gerühmt wird. Lochiel würde allerdings die -Lehre vom Nichtwiderstande höhnend verlacht haben. Aber es gab kaum -einen andren Häuptling in Inverneßshire, der durch den Sturz des Hauses -Argyle mehr als er gewonnen oder triftigeren Grund gehabt hätte, die -Restauration dieses Hauses zu fürchten. Die Maßnahmen der Convention -konnten daher kaum einen andren Häuptling in Inverneßshire mehr -beunruhigen und ärgern als ihn. - - -Die Macdonalds. - -Doch unter allen den Hochländern, welche die neueste Wendung des -Geschicks mit peinlicher Besorgniß betrachteten, waren die Macdonalds -die heftigsten und mächtigsten. Mehr als einer von den Magnaten, welche -diesen weitverbreiteten Namen führten, machte Anspruch auf die Ehre, der -rechtmäßige Nachfolger der Lords der Inseln zu sein, die noch im 15. -Jahrhundert den Königen von Schottland den Vorrang streitig gemacht -hatten. Dieser genealogische Streit, der bis auf unsre Zeit gewährt hat, -verursachte viel Hader unter den Betheiligten. Alle aber stimmten darin -überein, daß sie den früheren Glanz ihrer Dynastie zurückwünschten und -das emporgekommene Geschlecht Campbell verabscheuten. Die alte Fehde -hatte niemals geruht. Noch fortwährend wurde in Versen wie in Prosa -wiederholt, daß der schönste Theil des den ehemaligen Oberhäuptern der -gälischen Nation gehörenden Gebiets, Islay, wo sie mit königlicher -Pracht gewohnt hatten, Jona, wo sie mit religiösem Pomp bestattet worden -waren, die Berge von Jura, die reiche Halbinsel Kintyre, von den -rechtmäßigen Besitzern auf den unersättlichen Mac Callum More -übergegangen seien. Seit dem Sturze des Hauses Argyle konnten die -Macdonalds, wenn sie auch ihre sonstige Macht nicht wiedererlangt -hatten, sich wenigstens rühmen, daß gegenwärtig ihnen Niemand überlegen -war. Von der Furcht vor ihrem mächtigen Feinde im Westen befreit, hatten -sie ihre Waffen gegen schwächere Feinde im Osten, gegen den Clan -Mackintosh und gegen die Stadt Inverneß gerichtet. - - -Fehde zwischen den Macdonalds und den Mackintoshs. Inverneß. - -Der Clan Mackintosh, ein Zweig eines alten und berühmten Stammes, der -seinen Namen und sein Wappen von der wilden Katze der Wälder entlehnte, -hatte einen Streit mit den Macdonalds, der sich, wenn man der Tradition -glauben darf, aus den finsteren Zeiten herschrieb, wo die dänischen -Seeräuber die Küsten Schottland's verwüsteten. Inverneß war eine -sächsische Colonie unter den Celten, ein Bienenstock von Kaufleuten und -Handwerkern inmitten einer Bevölkerung von Müßiggängern und Plünderern, -ein einsamer Posten der Civilisation in einer Region von Barbaren. -Obgleich die Gebäude nur einen kleinen Theil des Flächenraumes -bedeckten, den sie gegenwärtig einnehmen; obgleich die Ankunft einer -Brigg im Hafen ein seltenes Ereigniß war; obgleich die Börse den -Mittelpunkt einer schmutzigen Straße bildete, in der ein Marktkreuz -stand, das große Aehnlichkeit mit einem zerbrochenen Meilenzeiger hatte; -obgleich die Sitzungen des Gemeinderaths in einem armseligen Gebäude mit -schmucklosen Wänden gehalten wurden; obgleich die besten Häuser von der -Art waren, daß sie jetzt bloße Hütten genannt werden würden; obgleich -die besten Dächer von Stroh waren; obgleich die besten Zimmerdecken aus -rohem Gebälk bestanden; obgleich die besten Fenster wegen mangelnder -Scheiben bei schlechtem Wetter mit Läden verschlossen wurden; obgleich -die geringeren Wohnungen bloße Erdhütten waren, in denen Fässer mit -ausgeschlagenem Boden die Stelle der Kamine vertraten, so war doch diese -Stadt in den Augen des Gebirgsbewohners der Grampians wie ein Babylon -oder Tyrus. Nirgend anderwärts hatte er mehrere hundert Häuser, zwei -Kirchen und ein Dutzend Malzdarren beisammengesehen. Nirgend anderwärts -war er durch den Glanz von Budenreihen geblendet worden, wo Messer, -Hornlöffel, zinnerne Kessel und bunte Bänder zum Verkauf ausgestellt -waren. Nirgend anderwärts war er an Bord eines der gewaltigen Schiffe -gewesen, welche Wein und Zucker aus Ländern brachten, die weit über die -Grenzen seiner Geographie hinaus lagen.[71] Es kann nicht Wunder nehmen, -daß die stolzen und kriegerischen Macdonalds, welche zwar die friedliche -Industrie verachteten, denen aber nach den Früchten dieser Industrie -gelüstete, mit den Bewohnern von Inverneß eine Reihe von Händeln -anfingen. Unter der Regierung Karl's II. hatte man gefürchtet, daß die -Stadt von diesen rohen Nachbarn erstürmt und geplündert werden würde. -Die Friedensbedingungen, welche sie anboten, bewiesen, wie wenig sie -nach der Autorität des Fürsten und des Gesetzes fragten. Sie verlangten, -daß ihnen ein schwerer Tribut bezahlt werden, daß die Municipalbehörden -sich eidlich verpflichten sollten, jeden Bürger, der das Blut eines -Macdonald vergösse, der Rache des Clans auszuliefern, und daß jeder -Bürger, sobald er irgendwo Jemandem begegnete, der den Tartan der -Macdonalds trüge, zum Zeichen seiner Unterwerfung die Waffen strecken -solle. Nie hatte Ludwig XIV., selbst nicht als er zwischen Utrecht und -Amsterdam lagerte, die Generalstaaten mit so despotischem Uebermuthe -behandelt.[72] Durch die Vermittelung des schottischen Geheimraths kam -ein Vergleich zu Stande; aber die alte Feindschaft verminderte sich -nicht. - - -Inverneß wird von Macdonald von Keppoch bedroht. - -Gemeinsame Feindschaften und gemeinsame Befürchtungen erzeugten ein -gutes Einvernehmen zwischen der Stadt und dem Clan Mackintosh. Der -Feind, den Beide am meisten haßten und fürchteten, war Colin Macdonald -von Keppoch, ein Musterexemplar von ächtem hochländischen Jakobiten. -Keppoch hatte Zeit seines Lebens die Autorität der Krone verhöhnt und -sich derselben widersetzt. Er war zu wiederholten Malen bei seiner -Unterthanenpflicht aufgefordert worden, von seinem gesetzwidrigen -Treiben abzulassen, hatte aber jede solche Ermahnung mit Verachtung -behandelt. Die Regierung wollte jedoch nicht zu extremen Maßregeln gegen -ihn greifen, und er herrschte noch lange ungestört über die stürmischen -Berggipfel von Coryarrick und über die gigantischen Terrassen, welche -noch jetzt die Grenzen des einstigen Sees von Glenroy bezeichnen. Er war -berühmt wegen seiner Kenntniß aller Schluchten und Höhlen dieser -traurigen Gegend, und seine Geschicklichkeit, eine Viehheerde bis in die -entlegensten Schlupfwinkel zu verfolgen, war so groß, daß man ihm den -Beinamen »Coll der Kühe« gegeben hatte.[73] Endlich zwangen seine -frechen Verletzungen des Gesetzes den Geheimrath, energische Maßregeln -gegen ihn zu ergreifen. Er wurde für einen Rebellen erklärt, Androhungen -von Feuer und Schwert wurden unter dem Siegel Jakob's gegen ihn -erlassen, und wenige Wochen vor der Revolution rückte ein königliches -Truppencorps, unterstützt durch die gesammte Streitmacht der -Mackintoshs, in Keppoch's Gebiet ein. Er lieferte den Eingedrungenen -eine Schlacht und siegte. Die Truppen des Königs wurden in die Flucht -geschlagen, ihr Anführer wurde getödtet, und zwar durch einen Helden, -dessen Loyalität gegen den König viele Schriftsteller sehr wohlgefällig -dem factiösen Ungestüm der Whigs gegenübergestellt haben.[74] - -Wenn Keppoch jemals die geringste Ehrfurcht vor der Regierung gehabt -hatte, so wurde dieses Gefühl durch die allgemeine Anarchie, welche auf -die Revolution folgte, völlig in ihm erstickt. Er verwüstete das Gebiet -Mackintosh's, marschirte gegen Inverneß und drohte der Stadt mit -Zerstörung. Die Gefahr war groß. Die Häuser waren nur von einer Mauer -umgeben, auf welche Zeit und Wetter so verderblich eingewirkt hatten, -daß sie bei jedem Sturme wankte. Dennoch zeigten die Einwohner einen -kecken Trotz und ihr Muth wurde durch ihre Prediger angefeuert. Sonntag -der 28. April war ein Tag der Angst und Verwirrung. Die Wilden streiften -um die kleine sächsische Colonie herum wie eine Heerde hungriger Wölfe -um eine Schafhürde. Keppoch drohte und bramarbasirte, er werde mit allen -seinen Leuten in die Stadt dringen und sie plündern. Inzwischen -versammelten sich die Bürger bewaffnet auf dem Marktplatze, um die Reden -ihrer Geistlichen anzuhören. Der Tag verging, ohne daß ein Sturm -erfolgte, und der Montag und Dienstag verstrichen unter großer Angst. Da -erschien ein unerwarteter Vermittler. - - -Dundee erscheint in Keppoch's Lager. - -Dundee hatte sich nach seiner Flucht von Edinburg auf seinen Landsitz in -dem Thale zurückgezogen, durch welches der Glamis dem ehemaligen -Schlosse Macbeth's zuströmt. Dort blieb er einige Zeit ruhig. Er -betheuerte, daß er nicht die Absicht habe, sich der neuen Regierung zu -widersetzen, er erklärte sich bereit nach Edinburg zurückzukehren, wenn -er nur gewiß sein dürfe, gegen ungesetzliche Gewalt geschützt zu werden, -und er erbot sich, sein Ehrenwort zu geben, oder, wenn dies nicht -genüge, Caution zu erlegen, daß er sich ruhig verhalten wolle. Einige -von seinen alten Soldaten hatten ihn begleitet und bildeten eine -Besatzung von hinreichender Stärke, um sein Haus gegen die -Presbyterianer der Umgegend zu beschützen. Hier hätte er möglicherweise -unbehelligt und harmlos bleiben können, wenn nicht ein Vorfall, für den -er nicht verantwortlich war, seine Feinde unversöhnlich gemacht und ihn -zur Verzweiflung getrieben hätte.[75] - -Ein Emissär Jakob's war mit Briefen an Dundee und Balcarras von Irland -nach Schottland hinübergefahren. Dies erweckte Verdacht. Der Bote wurde -festgenommen, verhört und durchsucht und die Briefe bei ihm gefunden. -Einige davon gingen von Melfort aus und waren seiner würdig. Jede Zeile -verrieth die Eigenschaften, die ihn zu einem Gegenstande des Abscheus -für sein Vaterland und zum Liebling seines Gebieters gemacht hatten. Er -verkündete jubilirend den nahen Anbruch des Tages der Rache und der -Beraubung, des Tages, an welchem das Eigenthum der Rebellen unter die -Loyalen vertheilt und wo Viele, welche angesehen und reich gewesen, -Verbannte und Bettler sein würden. Der König, sagte Melfort, sei -entschlossen, Strenge zu üben. Die Erfahrung habe Seine Majestät endlich -zu der Ueberzeugung gebracht, daß Milde Schwäche sein würde. Selbst die -Jakobiten ersahen mit Entrüstung aus den Briefen, daß eine Restauration -Confiscationen und Proscriptionen zur unmittelbaren Folge haben würde. -Einige von ihnen nahmen keinen Anstand es auszusprechen, daß Melfort ein -Schurke sei, daß er Dundee und Balcarras hasse, daß er sie verderben -wolle und daß er zu dem Ende diese abscheulichen Depeschen geschrieben -und sich eines Boten bedient habe, der es sehr geschickt einzurichten -gewußt, daß er ergriffen wurde. Es ist jedoch ausgemacht, daß Melfort -auch nach der Veröffentlichung dieser Papiere so hoch als je zuvor in -Jakob's Gunst stand. Daher kann es kaum einem Zweifel unterliegen, daß -der Sekretär selbst in den Stellen, welche die eifrigen Vertheidiger des -erblichen Rechts empörten, nur die Gesinnungen und Absichten seines -Gebieters treulich wiedergab.[76] Hamilton befahl kraft der Vollmachten, -welche die Stände vor ihrer Vertagung ihm ertheilt hatten, Balcarras und -Dundee zu verhaften. Balcarras wurde festgenommen und zuerst in seinem -eigenen Hause und dann in dem Tolbooth von Edinburg internirt. Aber -Dundee's habhaft zu werden war nicht so leicht. Sobald er erfuhr, daß -Verhaftsbefehle gegen ihn erlassen waren, ging er mit seinen Anhängern -über den Dee und blieb kurze Zeit auf den unwirthbaren Besitzungen des -Hauses Gordon. Von hier aus setzte er sich mit den Macdonalds und -Camerons wegen eines Aufstandes in Communication. Er scheint jedoch -damals von den Hochländern wenig gewußt und sich wenig um sie gekümmert -zu haben. Gegen ihren Nationalcharacter empfand er wahrscheinlich die -Abneigung des Sachsen und gegen ihren militärischen Character die -Geringschätzung des Soldaten von Profession. Er kehrte bald in das -Niederland zurück und blieb dort bis er erfuhr, daß ein starkes -Truppencorps ausgesandt war, um sich seiner zu bemächtigen.[77] Jetzt -zog er sich in die Gebirgsgegend, als seine letzte Zufluchtsstätte, -eilte nordwärts durch Strathdon und Strathbogie, ging über den Spey und -kam am Morgen des 1. Mai mit einem kleinen Reitertrupp in Keppoch's -Lager vor Inverneß an. - -Die neue Lage, in welche Dundee jetzt versetzt war, die neuen -Aussichten, die sich ihm eröffneten, weckten in seinem erfinderischen -und unternehmenden Kopfe natürlich neue Pläne. Die Hunderte von -athletischen Celten, die er in ihrer nationalen Schlachtordnung sah, -waren offenbar keine zu verachtenden Bundesgenossen. Wenn er eine große -Koalition von Clans bilden, wenn er zehn- oder zwölftausend dieser -entschlossenen Krieger unter eine Fahne bringen, wenn er sie überreden -konnte, sich dem Zügel der Disciplin zu unterwerfen, welch' eine -Laufbahn stand ihm dann bevor! - -Ein Patent von König Jakob war, selbst als König Jakob fest auf dem -Throne saß, vom Coll der Kühe niemals sonderlich respectirt worden. -Dieser Häuptling haßte jedoch die Campbells mit der ganzen Gluth eines -Macdonald und erklärte sofort seinen Anschluß an die Sache des Hauses -Stuart. Dundee nahm es auf sich, den Streit zwischen Keppoch und -Inverneß zu schlichten. Die Stadt willigte ein, zweitausend Dollars zu -bezahlen, eine Summe, die, so klein sie in den Augen der Goldschmiede -von Lombard Street erscheinen mochte, wahrscheinlich jeden Schatz -überstieg, der je in die Einöden von Coryarrick gebracht worden war. Die -Hälfte der Summe wurde nicht ohne Mühe von den Einwohnern -zusammengebracht und für den Rest soll Dundee sein Wort verpfändet -haben.[78] - -Er versuchte nun zunächst, die Macdonalds mit den Mackintoshs -auszusöhnen und schmeichelte sich mit der Hoffnung, daß die beiden -kriegerischen Stämme, welche noch unlängst einander feindlich -gegenübergestanden hatten, geneigt sein würden, unter seinem Commando -nebeneinander zu kämpfen. Doch er überzeugte sich bald, daß es kein -leichtes Ding war, eine Fehde zwischen Hochländern zu schlichten. Von -den Rechten der streitenden Könige wußte keiner der beiden Clans etwas, -noch kümmerte er sich darum. Das Benehmen beider muß örtlichen -Leidenschaften und Interessen zugeschrieben werden. Was Argyle für -Keppoch war, das war Keppoch für die Mackintoshs. Die Mackintoshs -blieben daher neutral, und ihrem Beispiele folgten die Macphersons, ein -andrer Zweig des Stammes der wilden Katze. Dies war nicht Dundee's -einzige Enttäuschung. Die Mackenzies, die Frasers, die Grants, die -Munros, die Mackays, die Macleods wohnten in großer Entfernung von dem -Gebiete Mac Callum More's. Sie lagen nicht im Streit mit ihm, schuldeten -ihm nichts und hatten keinen Grund, die Vergrößerung seiner Macht zu -fürchten. Daher sympathisirten sie nicht mit seinen beunruhigten und -aufgebrachten Nachbarn und konnten nicht dazu bewegen werden, dem -Bündnisse gegen ihn sich anzuschließen.[79] - - -Aufstand der den Campbells feindlichen Clans. - -Diejenigen Häuptlinge hingegen, welche näher bei Inverary wohnten und -die den Namen Campbell seit langer Zeit fürchteten und haßten, hießen -Dundee freudig willkommen und versprachen, am 18. Mai an der Spitze -ihrer Leute zu ihm zu stoßen. Während der letzten zwei Wochen vor diesem -Tage durchzog er Badenoch und Athol und forderte die Bewohner dieser -Districte zur bewaffneten Erhebung auf. Dann stürmte er mit seinen -Reitern in das Niederland hinab, überrumpelte Perth und führte einige -Whiggentlemen als Gefangene mit sich ins Gebirge. Unterdessen waren die -Feuerkreuze von Ort zu Ort über alle Haiden und Berge dreißig Meilen im -Umkreise von Ben Nevis gewandert, und als er den Sammelplatz in Lochaber -erreichte, sah er, daß der Zuzug bereits begonnen hatte. Das -Hauptquartier war nahe bei Lochiel's Hause aufgeschlagen, einem großen, -ganz aus Tannenholz gezimmerten Gebäude, das in den Hochlanden für einen -prächtigen Palast galt. Hier empfing Lochiel, umgeben von sechshundert -Kriegern, seine Gäste. Macnaghten von Macnaghten und Stewart von Appin -hatten sich mit ihren kleinen Clans eingefunden. Macdonald von Keppoch -führte die Krieger, welche einige Monate vorher unter seinem Commando -die Musketiere König Jakob's in die Flucht geschlagen hatten. Macdonald -von Clanronald stand noch in zartem Alter, aber sein Oheim, der während -seiner Minderjährigkeit die Regentschaft führte, hatte ihn ins Lager -gebracht. Der Jüngling war von einer auserlesenen Leibgarde begleitet, -bestehend aus seinen Vettern, lauter stattlichen Leuten und kräftigen -Fäusten. Macdonald von Glengarry, der sich durch seine dunklen Brauen -und durch seine hohe Gestalt auszeichnete, kam aus dem großen Thale, wo -eine Kette von Seen, welche außerhalb des Landes damals noch unbekannt -und auf keiner Karte angegeben waren, gegenwärtig die tägliche Straße -für die Dampfschiffe bildet, die zwischen dem atlantischen und dem -deutschen Ocean hin und her fahren. Keiner von den Beherrschern der -Berge hatte eine höhere Meinung von seiner persönlichen Wichtigkeit und -lag häufiger mit anderen Häuptlingen in Streit als dieser. Er pflegte in -seinen Manieren und in seinem Hauswesen eine Rohheit zur Schau zu -tragen, welche die seiner rohen Nachbarn noch übertraf, und erklärte, -daß er die wenigen Luxusgegenstände, welche aus den civilisirten Theilen -der Erde ihren Weg in die Hochlande gefunden, als Zeichen der -Verweichlichung und Entartung der gälischen Race betrachte. Diesmal -hatte er es für gut befunden, den Glanz der sächsischen Krieger -nachzuahmen, denn er ritt an der Spitze seiner vierhundert mit Plaids -bekleideten Clansleute in einem stählernen Küraß und einem mit Gold -gestickten Rocke. Ein andrer Macdonald, der ein beklagenswerthes und -entsetzliches Ende nehmen sollte, hatte einen Trupp verwegener -Freibeuter aus dem traurigen Gebirgspasse Glencoe herbeigeführt. Etwas -später kamen die großen Potentaten von den Hebriden. Macdonald von -Sleat, der reichste und mächtigste von allen Großen, welche auf den -hohen Titel des Lords der Inseln Anspruch machten, kam von Sky an der -Spitze von siebenhundert Streitern. Eine Flotte von langen Böten brachte -fünfhundert Macleans von Mull unter dem Commando ihres Häuptlings Sir -Johann von Duart. In alten Zeiten hatte eine weit stärkere Streitmacht -seine Vorfahren in die Schlacht begleitet. Aber die Macht, wenn auch -nicht der Muth des Clans war durch die Arglist und durch die Waffen der -Campbells gebrochen worden. Eine andre Schaar Macleans kam unter einem -tapferen Anführer, der sich nach dem Lochbuy nannte, was so viel heißt -als gelber See.[80] - - -Tarbet's Rath für die Regierung. - -Es scheint nicht, daß ein einziger Häuptling, der keinen speciellen -Grund hatte, das Haus Argyle zu fürchten und zu hassen, Dundee's Aufruf -Folge leistete. Man hat sogar starken Grund zu glauben, daß selbst die -Häuptlinge, welche kamen, ruhig zu Haus geblieben sein würden, wenn die -Regierung die Politik der Hochlande verstanden hätte. Nur ein -talentvoller und erfahrener Staatsmann, welcher der vornehmen -hochländischen Familie der Mackenzie entsprossen war, der Viscount -Tarbet, verstand diese Politik gründlich. Er setzte damals Melville -brieflich und Mackay mündlich nicht nur die Ursachen der krankhaften -Zustände auseinander, welche die Calamitäten des Bürgerkriegs über -Schottland zu bringen drohten, sondern gab auch die Heilmittel dagegen -an. Die Gälen, sagt Tarbet, seien keineswegs allgemein für einen -Aufstand eingenommen. Selbst von denjenigen papistischen Clans, welche -keinen Grund hätten, die Unterwerfung unter das Joch der Campbells zu -fürchten, sei wenig zu besorgen. Es sei notorisch, daß auch die -talentvollsten und rührigsten unter den mißvergnügten Häuptlingen sich -um die zwischen den Whigs und Tories obschwebenden Streitfragen gar -nicht kümmerten. Lochiel insbesondere, den seine ausgezeichneten -persönlichen Eigenschaften zu dem bedeutendsten Manne unter den -Gebirgsbewohnern machten, frage nach Jakob eben so wenig etwas wie nach -Wilhelm. Wenn die Camerons, die Macdonalds und die Macleans überzeugt -werden könnten, daß ihre Güter und Ehrenstellen ihnen unter der neuen -Regierung gesichert blieben, wenn Mac Callum More einige Zugeständnisse -mache und Ihre Majestäten die Bezahlung einiger Pachtrückstände -übernähmen, so würde Dundee die Clans mit wenig Erfolg zu den Waffen -rufen. Fünftausend Pfund Sterling, meinte Tarbet, würden hinreichen, um -alle celtischen Magnaten zu beschwichtigen, und in der That, obgleich -diese Summe den Politikern von Westminster lächerlich klein vorkommen -mochte, obgleich sie nicht größer war als der jährliche Gehalt des -Oberkammerherrn oder des Kriegszahlmeisters, war sie doch enorm für -einen rohen Potentaten, der zwar über Hunderte von Quadratmeilen -herrschte und Hunderte von Kriegern ins Feld stellen konnte, aber -vielleicht niemals fünfzig Guineen auf einmal in seiner Geldkasse gehabt -hatte.[81] - -Obwohl Tarbet von den schottischen Ministern der neuen Souveraine für -einen sehr zweifelhaften Freund gehalten wurde, so verschmähte man -seinen Rath doch nicht ganz. Es wurde beschlossen, den Mißvergnügten -Propositionen zu machen, welche er angerathen hatte. Viel hing dabei von -der Wahl eines Agenten ab, und leider bewies die getroffene Wahl, wie -wenig die Vorurtheile der wilden Gebirgsstämme in Edinburg verstanden -wurden. Ein Campbell wurde dazu ausersehen, für die Sache des Königs -Wilhelm Männer zu gewinnen, deren Groll gegen den König Wilhelm einzig -und allein den Grund hatte, daß er die Campbells begünstigte. -Anerbietungen, welche durch eine solche Mittelsperson gemacht wurden, -mußten natürlich als Schlinge und zugleich als Beleidigungen betrachtet -werden. Unter solchen Umständen war es unnütz, daß Tarbet an Lochiel und -Mackay an Glengarry schrieb. Lochiel antwortete Tarbet gar nicht, und -Glengarry gab Mackay eine zwar artige, aber kalte Antwort, in welcher er -dem General rieth, das Beispiel Monk's nachzuahmen.[82] - - -Unentschiedener Feldzug in den Hochlanden. - -Inzwischen vergeudete Mackay einige Wochen mit Märschen, Contremärschen -und unentschiedenen Scharmützeln. Späterhin gestand er ehrlich ein, daß -die Kenntnisse, die er sich während seiner dreißigjährigen -Militärdienste auf dem Continent erworben, ihm in seiner damaligen neuen -Stellung nichts nützten. Es war schwer, in einem solchen Lande den Feind -zu verfolgen, und unmöglich war es, ihn dahin zu bringen, daß er eine -offene Schlacht annahm. Nahrung für ein Invasionsheer war in der -waldigen und steinigen Wildniß nicht zu finden; eben so wenig konnten -Lebensmittel für viele Tage weit über weiche Sümpfe und steile Anhöhen -transportirt werden. Der General überzeugte sich, daß er seine Leute und -ihre Pferde fast zu Tode ermüdet und doch nichts erreicht hatte. -Hochländische Hülfstruppen würden ihm von großem Nutzen gewesen sein; -allein er hatte wenig solche Hülfstruppen. Der Häuptling der Grants, den -die vorige Regierung verfolgt und der Conspiration mit dem unglücklichen -Earl von Argyle angeklagt hatte, war zwar ein warmer Freund der -Revolution. Zweihundert Mackay's kamen, wahrscheinlich unter dem -Einflusse von verwandtschaftlichen Gefühlen, aus dem äußersten Norden -unsrer Insel, wo es in der Mitte des Sommers keine Nacht giebt, um unter -einem Anführer ihres Namens zu kämpfen; im Allgemeinen aber erwarteten -die Clans, die sich nicht an dem Aufstande betheiligten, den Ausgang mit -kalter Gleichgültigkeit und schmeichelten sich mit der Hoffnung, daß es -ihnen leicht werden würde, sich mit den Siegern auszusöhnen und daß sie -an der Plünderung der Besiegten würden Theil nehmen dürfen. - -Eine Erfahrung von wenig mehr als einem Monat überzeugte Mackay, daß es -nur ein Mittel gab, durch welches die Hochlande unterworfen werden -konnten. Es war nutzlos, die Gebirgsbewohner Berg auf Berg ab zu -verfolgen. Eine Reihe von Festungen mußte an den wichtigsten Punkten -errichtet und mit starken Besatzungen versehen werden. Der Ort, mit dem -der General vorschlug den Anfang zu machen, war Inverlochy, wo die -gewaltigen Ueberreste eines alten Schlosse standen und noch stehen. -Dieser Posten lag nahe an einem Meeresarme und im Herzen des von den -mißvergnügten Clans bewohnten Landes. Ein dort stationirtes und -nöthigenfalls durch Kriegsschiffe unterstütztes starkes Truppencorps -hätte zu gleicher Zeit die Macdonalds, die Camerons und die Macleans -wirksam in Schach halten können.[83] - -Während Mackay in seinen Briefen an den Staatsrath zu Edinburg die -Nothwendigkeit vorstellte, auf diesen Plan einzugehen, hatte Dundee mit -Schwierigkeiten zu kämpfen, welche all' seine Energie und -Geschicklichkeit nicht völlig zu bewältigen vermochte. - - -Militärischer Character der Hochländer. - -So lange die Hochländer noch eine Nation waren, die ihre eigenthümliche -Verfassung hatte, waren sie in einem Sinne brauchbarer und in einem -andren Sinne unbrauchbarer für militärische Zwecke als irgend eine andre -Nation in Europa. Der Celte als Individuum eignete sich moralisch und -physisch trefflich für den Krieg, und ganz besonders für den Krieg in -einem so wilden und rauhen Lande wie das seine. Er war unerschrocken, -kräftig, leichtfüßig und ertrug ohne Murren Kälte, Hunger und -Anstrengungen. Ueber steile Felsen und verrätherische Sümpfe bewegte er -sich eben so leicht wie die französischen Haustruppen auf der Straße von -Versailles nach Marly. Er war an den Gebrauch der Waffen und an den -Anblick des Blutes gewöhnt; er war ein geübter Fechter und Schütze, und -bevor er jemals in Reih' und Glied gestanden, war er schon mehr als ein -halber Soldat. - -Wie der einzelne Celte leicht in einen Soldaten zu verwandeln war, -ebenso war ein ganzer Stamm von Celten leicht in ein Bataillon Soldaten -zu verwandeln. Es bedurfte dazu nichts weiter, als daß die militärische -Organisation mit der patriarchalischen Organisation in Einklang gebracht -wurde. Der Häuptling mußte Oberst, sein Oheim oder sein Bruder mußte -Major, die Pächter, welche gleichsam die Peerschaft des kleinen Staates -bildeten, mußten die Hauptleute sein und die Compagnie jedes Hauptmanns -mußte aus denjenigen Bauern bestehen, die auf seinem Grund und Boden -wohnten und deren Namen, Gesichter, Verwandten und Charactere er genau -kannte; die Unteroffiziere mußten aus den auf die Adlerfeder stolzen -Duinhe Wassels gewählt sein, der Waffenträger war eine vortreffliche -Ordonnanz, der Erbpfeifer und seine Söhne bildeten die Musikbande, und -der Clan wurde so mit einem Male ein Regiment. In einem solchen Regiment -herrschte vom ersten Augenblicke an die strenge Ordnung und der -pünktliche Gehorsam, worin die Stärke regulärer Armeen besteht. Jeder -Mann, vom Höchsten bis zum Niedrigsten, war an seinem geeigneten Platze -und kannte diesen Platz vollkommen. Es war nicht nöthig, den -neueingerichteten Truppen erst durch Drohungen oder Strafen die Pflicht -einzuschärfen, den Mann als ihr Oberhaupt zu betrachten, den sie von -jeher, so lange sie denken konnten, als ihr Oberhaupt betrachtet hatten. -Jeder Gemeine hatte von Kindheit an seinen Korporal sehr, seinen -Hauptmann noch mehr geachtet und seinen Obersten fast angebetet. An -Meuterei war daher nicht zu denken, ebenso wenig an Desertion, denn -gerade diejenigen Gefühle, welche andere Soldaten am mächtigsten -antreiben zu desertiren, hielten den Hochländer bei seiner Fahne. Wohin -sollte er gehen, wenn er sie verließ? Alle seine Verwandten, alle seine -Freunde waren um dieselbe versammelt. Trennte er sich also von ihr, so -trennte er sich zugleich für immer von seiner Familie und brachte den -ganzen Jammer des Heimwehs über sich, das in regulären Armeen so viele -Rekruten antreibt, auf die Gefahr von körperlicher Züchtigung und Tod -hin zu entlaufen. Wenn man diese Umstände erwägt, wird man sich nicht -darüber wundern, daß die hochländischen Clans zuweilen große -Kriegsthaten vollbracht haben. - -Was aber diese Institutionen, welche einen Stamm von Hochländern, die -alle dieselben Namen führten und alle demselben Oberhaupte unterthan -waren, im Kampfe so furchtbar machten, machte die Nation ungeeignet für -den Krieg im Großen. Nichts war leichter als Clans in tüchtige -Regimenter zu verwandeln; aber nichts war schwieriger als diese -Regimenter dergestalt zu vereinigen, daß sie eine tüchtige Armee -bildeten. Von den Schäfern und Hirten, welche in den Reihen fochten, bis -hinauf zu den Häuptlingen war Alles Harmonie und Ordnung. Jeder Mann -blickte empor zu seinem unmittelbaren Vorgesetzten und Alle blickten -empor zu dem gemeinsamen Oberhaupte. Aber mit dem Häuptling schloß diese -Subordinationskette. Er verstand nur zu gebieten und hatte nicht gelernt -zu gehorchen. Selbst königlichen Erlassen, selbst Parlamentsedicten -pflegte er nur dann Gehorsam zu bezeigen, wenn sie in vollkommenem -Einklang mit seinen Neigungen standen. Man durfte nicht erwarten, daß er -einer delegirten Autorität eine Achtung zollen werde, die er der -höchsten Autorität zu verweigern gewohnt war. Er hielt sich für -berechtigt, über die Zweckmäßigkeit jedes ihm zukommenden Befehls zu -entscheiden. Von seinen Bruderhäuptlingen waren einige seine Feinde, -andere seine Nebenbuhler. Es war kaum möglich, ihn abzuhalten, sie zu -beleidigen, oder ihn zu überzeugen, daß sie ihn nicht beleidigten. Alle -seine Untergebenen sympathisirten mit allen seinen Animositäten, -betrachteten seine Ehre wie ihre eigene und waren bereit auf seinen Ruf -sich um ihn gegen den Oberbefehlshaber zu schaaren. Es war daher sehr -wenig Aussicht, daß durch irgend welche Mittel fünf Clans bewogen werden -konnten, während eines langen Feldzugs herzlich mit einander zu -cooperiren. Die meiste Hoffnung dazu war noch in dem Falle, wenn sie von -einem Sachsen angeführt wurden. Es ist bemerkenswerth, daß keine der -großen Thaten, welche die Hochländer während unserer Bürgerkriege -vollbrachten, unter dem Commando eines Hochländers vollbracht wurde. -Einige Schriftsteller haben es als einen Beweis für das außerordentliche -Genie Montrose's und Dundee's erwähnt, daß diese Feldherren, obgleich -nicht gälischen Stammes oder gälischer Sprache, im Stande gewesen waren, -Bündnisse gälischer Stämme zu bilden und zu leiten. Aber gerade weil -Montrose und Dundee keine Hochländer waren, vermochten sie Armeen -anzuführen, welche aus hochländischen Clans zusammengesetzt waren. Wäre -Montrose Häuptling der Camerons gewesen, so würden die Macdonalds sich -niemals seiner Autorität gefügt haben. Wäre Dundee Häuptling des -Clanronald gewesen, so würde der Glengarry ihm nie gehorcht haben. -Stolze und empfindliche Männer, welche kaum den König als ihren -Vorgesetzten anerkannten, würden niemals die Superiorität eines -Nachbarn, eines von ihres Gleichen, eines Nebenbuhlers, ertragen haben. -Viel leichter konnten sie die Obergewalt eines ausgezeichneten Fremden -ertragen. Doch selbst einem solchen Fremden gestanden sie nur eine sehr -beschränkte und sehr prekäre Autorität zu. Einen Häuptling vor ein -Kriegsgericht zu stellen, ihn zu erschießen, ihn zu cassiren, ihn zu -degradiren, ihm öffentlich einen Verweis zu geben, war unmöglich. -Macdonald von Keppoch oder Maclean von Duart würde jeden Offizier -todtgeschlagen haben, der ihm sein Schwert abverlangt und ihm gesagt -hätte, daß er sich als Arrestanten zu betrachten habe, und Hunderte von -Claymores würden augenblicklich aufgebrochen sein, um den Mörder zu -beschützen. Es blieb dem Befehlshaber, unter dem diese Potentaten zu -dienen sich herabließen, nichts Andres übrig als mit ihnen zu -berathschlagen, sie zu bitten, ihnen zu schmeicheln, sie zu bestechen, -und selbst durch diese Mittel vermochte menschliche Geschicklichkeit nur -auf kurze Zeit die Eintracht zu erhalten. Denn jeder Häuptling glaubte -Anspruch auf besondere Berücksichtigung zu haben, und man durfte daher -keinem besondere Artigkeit erweisen, ohne die anderen zu verletzen. Der -General war nichts weiter als der Präsident eines Congresses kleiner -Könige. Er wurde beständig aufgefordert, Streitigkeiten wegen -Stammbäumen, wegen Vorrang, oder wegen Theilung von Beute anzuhören und -zu schlichten. Mochte sein Ausspruch lauten wie er wollte, Jemand mußte -dadurch verletzt werden. Jeden Augenblick konnte er erfahren, daß sein -rechter Flügel in Folge eines zweihundert Jahre alten Streites auf sein -Centrum gefeuert habe, oder daß ein ganzes Bataillon nach seinem -heimathlichen Thale zurückgekehrt sei, weil ein andres Bataillon auf den -Ehrenposten gestellt worden war. Ein hochländischer Barde würde in der -Geschichte des Jahres 1689 leicht Sujets gefunden haben, ganz ähnlich -denen, welche der trojanische Krieg den großen Dichtern des Alterthums -lieferte. Heute ist Achilles mißmuthig, hütet sein Zelt und kündigt die -Absicht an, mit allen seinen Leuten abzuziehen. Morgen stürmt Ajax im -Lager umher und droht dem Ulysses den Hals abzuschneiden. - -Daher kam es, daß, obgleich die Hochländer in den Bürgerkriegen des 17. -Jahrhunderts einige große Thaten vollbrachten, diese Thaten keine nach -wenigen Wochen noch erkennbare Spuren hinterließen. Siege von seltenem -und fast ungeheuerlichem Glanze zogen alle Folgen einer Niederlage nach -sich. Kriegsveteranen und Soldaten waren ganz erstaunt über diese -plötzlichen Glückswechsel. Es war unglaublich, daß undisciplinirte Leute -solche Waffenthaten vollbracht haben sollten. Eben so unglaublich war -es, daß solchen Waffenthaten, nachdem sie vollbracht waren, der Triumph -der Besiegten und die Unterwerfung der Sieger auf dem Fuße gefolgt sein -sollte. Nachdem Montrose rasch hintereinander Sieg auf Sieg erfochten, -sah er sich mitten auf der Bahn des Glücks plötzlich von seinen -Untergebenen verlassen. Lokale Eifersüchteleien und lokale Interessen -hatten seine Armee zusammengebracht. Lokale Eifersüchteleien und lokale -Interessen lösten sie auf. Die Gordons verließen ihn, weil sie sich -gegen die Macdonalds zurückgesetzt glaubten. Die Macdonalds verließen -ihn, weil sie die Campbells plündern wollten. Die Streitmacht, die man -früher für stark genug gehalten hatte, um das Schicksal eines -Königreichs zu entscheiden, schmolz binnen wenigen Tagen zusammen, und -auf die Siege von Tippermuir und Kilsyth folgte die Niederlage von -Philiphaugh. Dundee lebte nicht lange genug, um einen ähnlichen -Glücksumschlag zu erfahren, aber man hat allen Grund zu glauben, daß, -wenn er nur vierzehn Tage länger gelebt hätte, seine Geschichte ein -Seitenstück zu der Geschichte Montrose's gewesen sein würde. - -Bald nachdem die Clans sich in Lochaber gesammelt hatten, machte Dundee -einen Versuch sie zu überreden, daß sie sich der Disciplin einer -regulären Armee unterwarfen. Er berief einen Kriegsrath zusammen, um -diese Frage zu erörtern. Seine Ansicht wurde von allen denjenigen -Offizieren unterstützt, welche aus dem Niederlande zu ihm gestoßen -waren. Unter ihnen zeichneten sich Jakob Seton, Earl von Dunfermline, -und Jakob Galloway, Lord Dunkeld, aus. Die celtischen Häuptlinge -vertraten die entgegengesetzte Meinung. Lochiel, der talentvollste unter -ihnen, war ihr Wortführer und verfocht die Sache mit großem Scharfsinn -und natürlicher Beredtsamkeit. »Unser System,« -- so lautete der -Hauptinhalt seines Raisonnements -- »mag nicht das beste sein; aber wir -sind von Kindheit auf dazu erzogen worden, wir verstehen es vollkommen -und es steht mit unseren eigenthümlichen Institutionen, Gefühlen und -Sitten im Einklange. Wenn wir auf unsre Art Krieg führen, so haben wir -die Erfahrung und die Kaltblütigkeit von Veteranen. Führen wir auf andre -Art Krieg, so werden wir rohe und unbeholfene Rekruten sein. Soldaten -aus uns zu machen, wie die eines Cromwell und Turenne waren, dazu würden -Jahre gehören, und wir haben nicht Wochen übrig. Wir haben hinreichend -Zeit, unsre Disciplin zu verlernen, aber nicht Zeit genug, die eurige zu -erlernen.« Dundee erklärte sich unter großen Schmeicheleien für Lochiel -überzeugt, und er war es vielleicht auch, denn die Gründe des -verständigen alten Häuptlings waren durchaus nicht ohne Gewicht.[84] - - -Zwistigkeiten in der hochländischen Armee. - -Einige celtische Kriegsgebräuche waren jedoch von der Art, daß Dundee -sie nicht dulden konnte. So grausam er auch war, seine Grausamkeit hatte -immer eine Methode und einen Zweck. Er hoffte noch immer, daß es ihm -gelingen werde, einige neutral gebliebene Häuptlinge zu gewinnen und er -vermied daher sorgfältig Alles was sie zu offener Feindseligkeit hätte -aufstacheln können. Dies war allerdings ein Verfahren, von dem sich -erwarten ließ, daß es dem Interesse Jakob's förderlich sein würde; aber -Jakob's Interesse war den wilden Räubern, welche einzig und allein zu -dem Zwecke ersprießliche Raubzüge unternehmen und alten Groll rächen zu -können, seinen Namen gebrauchten und sich um sein Banner schaarten, sehr -gleichgültig. Keppoch insbesondere, der die Mackintoshs weit mehr haßte, -als er die Stuarts liebte, plünderte das Gebiet seiner Feinde nicht nur, -sondern verbrannte auch Alles was er nicht mit fortnehmen konnte. Dundee -gerieth beim Anblick der brennenden Wohnungen in heftigen Zorn. »Lieber -möchte ich,« sagte er, »in einem anständigen Regiment die Muskete -tragen, als Anführer einer solchen Räuberbande sein.« Von Bestrafung war -natürlich keine Rede. Es darf in der That schon als ein auffallender -Beweis von dem Einflusse des Generals angesehen werden, daß der Coll der -Kühe es der Mühe werth hielt, sich wegen eines Benehmens zu -entschuldigen, um dessentwillen er in einer wohldisciplinirten Armee -erschossen worden wäre.[85] - -Da die Grants für den König Wilhelm die Waffen ergriffen hatten, so -wurde ihr Eigenthum als gute Prise betrachtet. Eine Abtheilung der -Camerons fiel in ihr Gebiet ein, es kam zu einem Gefecht, es floß etwas -Blut, und eine Menge Vieh wurde in Dundee's Lager getrieben, wo man -Lebensmittel sehr gut brauchen konnte. Dieser Streifzug gab Anlaß zu -einem Streite, dessen Geschichte den Character einer Armee von -Hochländern im richtigsten Lichte zeigt. Unter Denen, welche im Kampfe -mit den Camerons fielen, befand sich ein Macdonald von der Seitenlinie -der Glengarries, der lange unter den Grants gelebt hatte, in Gesinnungen -und Ansichten ein Grant geworden und beim Aufgebot seines Stammes nicht -erschienen war. Obgleich er sich gegen den gälischen Codex der Ehre und -Moral schwer vergangen hatte, erinnerten sich doch seine Stammesgenossen -der geheiligten Bande, die er vergessen. Mochte er gut oder schlecht -sein, er war von ihrem Fleisch und Blut und er hätte daher ihrer Justiz -aufgespart werden sollen. Der Name, den er trug, das Blut der Lords von -den Inseln hätte ihn schützen sollen. Glengarry begab sich wüthend zu -Dundee und verlangte Rache an Lochiel und dem ganzen Geschlecht Cameron. -Dundee erwiederte, der unglückliche Gentleman, der gefallen sei, habe -den Clan wie auch den König verrathen. Sei es im Kriege wohl erhört, daß -die Person eines Feindes, eines unter den Waffen Kämpfenden wegen eines -Namens und seiner Abkunft für unantastbar gehalten werden müsse? Und -selbst wenn ein Unrecht geschehen sei, wie solle es wieder gut gemacht -werden? Die halbe Armee müsse erst die andre Hälfte erschlagen, ehe -Lochiel ein Haar gekrümmt werden könne. Glengarry entfernte sich wieder, -tobend wie ein Besessener. Da seine Klagen von Denen, die ihm Recht -verschaffen sollten, nicht beachtet würden, so wolle er sich selbst -Recht verschaffen; er wolle seine Leute aufbieten und mit dem Schwert in -der Hand über die Mörder seines Vetters herfallen. Eine Zeit lang wollte -er auf keine Vorstellungen hören. Als man ihm zu bedenken gab, daß -Lochiel's Anhänger den Glengarryleuten an Zahl um das Doppelte überlegen -seien, rief er aus: »Das thut nichts; ein Glengarry ist soviel werth als -zwei Camerons.« Wäre Lochiel eben so heftig und großsprecherisch -gewesen, so ist es wahrscheinlich, daß die hochländische Insurrection -der Regierung wenig mehr zu schaffen gemacht und daß die Rebellen ohne -viel Aufhebens einander gegenseitig in ihren Wildnissen erschlagen haben -würden. Aber die Natur hatte ihm in reichem Maße die Eigenschaften eines -Staatsmannes verliehen, obwohl das Schicksal diese Eigenschaften in -einem unbekannten Winkel der Erde verborgen hatte. Er sah ein, daß jetzt -keine Zeit zur Zwietracht sei; sein Muth war längst anerkannt und sein -Temperament verstand er vollkommen zu beherrschen. Glengarry's Wuth, -durch keine neuen Provokationen gereizt, legte sich bald. Allerdings -vermutheten Manche, daß er niemals ganz so kampflustig gewesen sei, als -er sich gestellt habe und daß er mit seinem Toben nichts weiter -beabsichtigt habe, als sein eignes Ansehen in den Augen seiner Anhänger -aufrecht zu erhalten. Wie dem auch sein möge, der Streit wurde -geschlichtet und die beiden Häuptlinge begrüßten sich mit dem äußeren -Schein von Artigkeit an der Tafel des Generals.[86] - - -Dundee sucht bei Jakob um Unterstützung nach. - -Die Erfahrungen, welche Dundee an seinen celtischen Bundesgenossen -machte, mußten es ihm wünschenswerth erscheinen lassen, in seiner Armee -einige Truppen zu haben, auf deren Gehorsam er sich verlassen konnte und -welche nicht auf einen Wink von ihrem Obersten die Waffen gegen ihren -General und ihren König kehren würden. In Folge dessen schrieb er -während der Monate Mai und Juni mehrere Briefe nach Dublin, worin er -dringend um Beistand bat. Wenn sechstausend, viertausend, dreitausend -reguläre Soldaten jetzt nach Lochaber geschickt würden, könne Se. -Majestät darauf rechnen, daß er bald in Holyrood ein Hoflager halten -werde. Daß ein solches Truppencorps entbehrlich war, unterlag kaum einem -Zweifel. Jakob's Autorität war damals in allen Theilen Irland's -anerkannt, außer an den Ufern des Ernesees und hinter den Mauern von -Londonderry. Er hatte in diesem Königreiche eine Armee von -vierzigtausend Mann. Ein Achtel von dieser Armee wäre dort kaum vermißt -worden und hätte in Verbindung mit den aufständischen Clans in -Schottland große Dinge ausrichten können. - -Die Antworten, welche Dundee auf seine Ansuchen erhielt, berechtigten -ihn zu der Hoffnung, daß ihm bald ein starkes und wohlausgerüstetes -Corps aus Ulster zugeschickt werden würde. Vor der Ankunft dieser -Verstärkungen wollte er nicht das Glück einer Schlacht versuchen.[87] -Mackay auf der andren Seite war es müde, in einer Wildniß -umherzumarschiren. Seine Leute waren erschöpft und entmuthigt; er hielt -es für wünschenswerth, daß sie die Gebirgsgegend verließen, und Wilhelm -war der nämlichen Meinung. - - -Unterbrechung des Kriegs in den Hochlanden. - -So wurde im Juni der Bürgerkrieg wie auf Verabredung zwischen den -beiderseitigen Generälen völlig eingestellt. Dundee blieb in -ungeduldiger Erwartung der Truppen und Zufuhren aus Irland in Lochaber. -Es war ihm indessen unmöglich, seine Hochländer in einem Zustande der -Unthätigkeit beisammenzuhalten, denn es bedurfte eines großen Gebiets -von Sumpf- und Gebirgsland, um eine so zahlreiche Mannschaft zu -unterhalten. Die Clans kehrten daher in ihre Schluchten zurück, nachdem -sie versprochen hatten, sich auf den ersten Aufruf wieder zu sammeln. - -Inzwischen erholten sich die durch harte Strapatzen und Entbehrungen -erschöpften Soldaten Mackay's in Quartieren, welche über das ganze -Niederland von Aberdeen bis Stirling zerstreut waren. Mackay selbst war -in Edinburg und drang in die dortigen Minister, ihm die Mittel zur -Errichtung einer Fortifikationskette in den Grampians zu bewilligen. Die -Minister hatten sich, wie es scheint, in ihren militärischen -Hülfsmitteln verrechnet. Man hatte erwartet, daß die Campbells eine -Streitmacht ins Feld stellen würden, welche hinreichend war, um die -ganze Stärke der unter Dundee marschirenden Clans aufzuwiegen. Ebenso -hatte man erwartet, daß die westlichen Covenanters sich beeilen würden, -die Reihen der Armee König Wilhelm's zu verstärken. Beide Erwartungen -wurden getäuscht. Argyle hatte sein Fürstenthum verwüstet und seinen -Stamm entwaffnet und desorganisirt gefunden. Es mußte eine beträchtliche -Zeit darüber hingehen, ehe sein Banner von einer Streitmacht umgeben -sein würde, wie seine Väter sie in den Kampf geführt hatten. - - -Bedenklichkeiten der Covenanters, für König Wilhelm die Waffen zu -ergreifen. - -Die Covenanters des Westens waren im allgemeinen nicht geneigt, sich -einreihen zu lassen. An Muth fehlte es ihnen sicherlich nicht, und sie -haßten Dundee mit tödtlicher Erbitterung. Seine Grausamkeit war in ihrem -Theile des Landes noch in frischem Andenken. Jedes Dorf hatte seine -blutige Geschichte. In dem einen Hause fehlte der greise Vater, in dem -andren der hoffnungsvolle Sohn. Man erinnerte sich nur zu gut, wie die -Dragoner in die Hütte des Landmanns eingedrungen waren, bei jedem Worte -ihn, sich selbst und Einer den Andren verfluchend und verwünschend, wie -sie die achtzigjährige Großmutter hinter dem warmen Ofen hervorgerissen -und mit roher Hand den Busen seiner sechzehnjährigen Tochter betastet -hatten; wie ihm die Abschwörungsformel vorgehalten worden war, wie er -die Arme über der Brust gekreuzt und gesagt hatte: »der Wille Gottes -geschehe;« wie der Oberst ein Piket mit geladenen Gewehren herbeigerufen -und wie drei Minuten später der brave Hausvater vor seiner eigenen Thür -in einer Blutlache gelegen hatte. Der Platz des Märtyrers am Herde war -noch leer und jedes Kind konnte seinen noch grünen Grabhügel auf der -Haide zeigen. Wenn die Leute dieser Gegend ihren Unterdrücker einen -Diener des Teufels nannten, so sprachen sie nicht in bildlichem Sinne; -sie glaubten wirklich, daß zwischen dem bösen Menschen und dem bösen -Geiste ein enges Bündniß mit bestimmten Bedingungen bestehe, daß Dundee -sich verpflichtet habe, das Werk der Hölle auf Erden zu verrichten und -daß die Hölle zu höheren Zwecken ihren Sklaven beschützen dürfe, bis das -Maß seiner Schuld voll sein würde. Aber so gründlich diese Leute auch -Dundee verabscheuten, so erhoben doch die meisten von ihnen Bedenken -dagegen, für Wilhelm das Schwert zu ziehen. Es wurde in der Pfarrkirche -zu Douglas ein großes Meeting gehalten und die Frage vorgelegt, ob es zu -einer Zeit, wo Krieg im Lande wüthe und eine irische Invasion erwartet -werde, nicht Pflicht sei, zu den Waffen zu greifen. Die Debatte war -heftig und tumultuarisch. Die Redner der einen Seite beschworen ihre -Brüder, nicht den Fluch auf sich zu laden, der gegen die Bewohner von -Meros geschleudert worden, weil sie dem Herrn nicht gegen den Mächtigen -zu Hülfe kamen. Die Redner der andren Seite donnerten gegen sündige -Bündnisse. Es seien Schlechtgesinnte in Wilhelm's Heere, Mackay's eigne -Rechtgläubigkeit sei problematisch; mit solchen Kameraden und unter -einem solchen General Kriegsdienste zu leisten, würde ein sündiges -Bündniß sein. Nach langem Hin- und Herstreiten und unter großer -Verwirrung wurde endlich eine Abstimmung vorgenommen und die Majorität -erklärte sich dahin, das es ein sündiges Bündniß sein würde, -Kriegsdienste zu nehmen. - - -Aushebung des Cameron'schen Regiments. - -Es gab jedoch eine starke Minorität und aus den Mitgliedern dieser -Minorität gelang es dem Earl von Angus ein Infanteriecorps zu bilden, -das noch heute, nach Verlauf von mehr als hundertsechzig Jahren, unter -dem Namen des Cameron'schen Regiments bekannt ist. Der erste -Oberstleutnant desselben war Cleland, der unerbittliche Bluträcher, der -Dundee aus der Convention getrieben hatte. Es machte keine geringe -Schwierigkeit, die Reihen zu füllen, denn viele westländische Whigs, die -es nicht für absolut sündhaft hielten, einzutreten, stellten -Bedingungen, welche alle militärische Disciplin untergraben mußten. -Einige wollten nicht unter einem Obersten, Major, Hauptmann, Sergeanten -oder Korporal dienen, der nicht bereit sei, den Covenant zu -unterschreiben. Andere bestanden darauf, daß, wenn es durchaus nöthig -befunden würde, den und jenen Offizier anzustellen, welcher die unter -der vorigen Regierung vorgeschriebenen Testeide geleistet habe, er sich -wenigstens durch öffentliches Eingeständniß seiner Sünde vor der Fronte -des Regiments zum Commando qualificiren sollte. Die Mehrzahl der -Enthusiasten, welche diese Bedingungen gestellt hatten, wurde durch -geschickte Bearbeitung bewogen, ihre Forderungen bedeutend -herabzustimmen. Doch hatte das Regiment immerhin einen ganz -eigenthümlichen Character. Die Soldaten waren sämmtlich strenge -Puritaner. Einer ihrer ersten Schritte war eine Petition an das -Parlament, daß alle Trunksucht, Ausschweifung und Gottlosigkeit streng -bestraft werden möchte. Ihr eignes Verhalten muß musterhaft gewesen -sein, denn das schlimmste Verbrechen, das die überspannteste Bigotterie -ihnen zur Last legen konnte, bestand darin, daß sie dem Könige zu seinem -Geburtstage Hurrahs brachten. Man hatte ursprünglich beabsichtigt, mit -der militärischen Organisation des Corps die Organisation einer -presbyterianischen Gemeinde zu verweben. Jede Compagnie sollte einen -Aeltesten liefern und die Aeltesten sollten mit dem Kaplan ein -geistliches Tribunal zur Unterdrückung der Unsittlichkeit und Ketzerei -bilden. Es wurden indeß keine Aeltesten ernannt; aber ein angesehener -Bergprediger, Alexander Shields, wurde zu dem Amte eines Kaplans -berufen. Es läßt sich schwer denken, daß der Fanatismus eine höhere -Gluth erreichen könnte, als er aus den Schriften Shields' -hervorleuchtet. Nach seinen Ansichten würde es die erste Pflicht jedes -christlichen Herrschers sein, jeden heterodoxen Unterthan bis zum Tode -zu verfolgen, und ebenso die erste Pflicht jedes christlichen -Unterthanen, einen heterodoxen Fürsten zu ermorden. Doch es herrschte -damals in Schottland eine fanatische Begeisterung, im Vergleich zu -welcher selbst die Begeisterung dieses Mannes noch lau war. Die extremen -Covenanters protestirten gegen seinen Abfall eben so heftig als sie -gegen die Schwarze Indulgenz und gegen den Suprematseid protestirt -hatten und erklärten Jeden, der in Angus' Regiment eintrat, eines -ruchlosen Bündnisses mit Uebelgesinnten schuldig.[88] - - -Uebergabe des Schlosses von Edinburg. - -Mittlerweile war das Edinburger Schloß gefallen, nachdem es sich länger -als zwei Monate gehalten hatte. Die Vertheidigung sowohl wie der Angriff -waren sehr lau betrieben worden. Der Herzog von Gordon, der keine Lust -hatte, sich den tödtlichen Haß Derer zuzuziehen, in deren Gewalt seine -Besitzungen und sein Leben bald sein konnten, fand es nicht für -gerathen, die Stadt zu beschießen. Auf der andren Seite betrieben die -Belagerer ihre Operationen mit so wenig Energie und Umsicht, daß die -Jakobiten in der Citadelle mit den draußen befindlichen Jakobiten in -fortwährender Communication standen. Man erzählte sich sonderbare -Geschichten von den artigen und kurzweiligen Botschaften, welche -zwischen den Belagerten und den Belagerern gewechselt wurden. Einmal -ließ Gordon den städtischen Behörden sagen, daß er wegen einiger ihm aus -Irland zugekommenen Nachrichten eine Geschützsalve geben werde, daß aber -die gute Stadt sich nicht zu beunruhigen brauche, denn er werde seine -Kanonen nicht mit Kugeln laden. Ein andermal wirbelten seine Trommeln -das Zeichen zum Parlamentiren; die weiße Fahne wurde ausgesteckt, es -fand eine Unterredung statt und er benachrichtigte den Feind ganz -ernsthaft, daß alle seine Spielkarten bis zum Zerfallen abgegriffen -seien und daß er ihm doch einige frische Packete zukommen lassen möchte. -Seine Freunde errichteten einen Telegraphen, vermittelst dessen sie sich -über die Linien der Schildwachen hinweg mit ihm unterhielten. An einem -Fenster im obersten Stock eines der höchsten der gigantischen Häuser, -von denen noch jetzt einige wenige High Street verdunkeln, wurde, wenn -Alles gut ging, ein weißes Tuch, und wenn die Sachen schlecht standen, -ein schwarzes Tuch ausgehangen. Hatte man ausführlichere Meldungen zu -machen, so wurde eine Tafel emporgehalten, auf der die Nachricht mit so -großen Buchstaben geschrieben stand, daß sie mit Hülfe eines Fernrohrs -von den Wällen der Citadelle aus gelesen werden konnte. Boten mit -Briefen und frischen Lebensmitteln gelangten in verschiedenen -Verkleidungen und durch mannichfache Kunstgriffe über den Wassergraben, -der sich damals auf der Nordseite der Festung befand, und erklommen den -steilen Abhang. Der Knall einer Muskete auf einem bestimmten Außenwerke -war das Signal, welches den Freunden des Hauses Stuart anzeigte, daß -wieder einer ihrer Emissäre glücklich den Felsen erklettert hatte. -Endlich aber waren die Vorräthe erschöpft und man mußte kapituliren. -Vortheilhafte Bedingungen wurden bereitwillig zugestanden, die Garnison -zog ab und die Schlüssel wurden unter den Acclamationen einer großen -Menge Bürger übergeben.[89] - - -Parlamentssession in Edinburg. - -Doch die Regierung hatte im Parlamentshause viel erbittertere und -hartnäckigere Feinde als im Schlosse. Als die Stände nach ihrer -Vertagung wieder zusammentraten, wurden die Krone und das Scepter -Schottland's als Symbole des abwesenden Souverains mit gewohntem Pomp im -Saale ausgestellt. Hamilton ritt als Lord Obercommissar mit großem -Gepränge von Holyrood aus durch High Street, und Crawford nahm seinen -Sitz als Präsident ein. Zwei Edicte, von denen das eine die Convention -in ein Parlament verwandelte, das andre Wilhelm und Marien als König und -Königin anerkannte, wurden rasch angenommen und mit dem Scepter berührt, -und nun begann der Kampf der Parteien.[90] - - -Einfluß des Clubs. - -Es zeigte sich bald, daß die von Montgomery organisirte Opposition -unüberwindlich stark war. Obgleich aus vielen heterogenen Elementen, aus -Republikanern, Whigs, Tories, eifrigen Presbyterianern und bigotten -Prälatisten zusammengesetzt, agirte sie eine Zeit lang wie ein Mann und -zog eine Menge jener unbedeutenden und kleinmüthigen Politiker an sich, -welche sich naturgemäß zu der stärkeren Partei hinneigen. Die Freunde -der Regierung waren gering an Zahl und nicht verbunden. Hamilton ging -nur mit halbem Herzen an die Erfüllung seiner Pflichten. Unbeständig war -er jederzeit gewesen; jetzt war er auch noch unzufrieden. Er bekleidete -zwar den höchsten Posten, den ein Unterthan erreichen konnte; aber er -bildete sich ein, daß er nur den Schein der Macht habe, während Andere -die wirkliche Macht besäßen, und es war ihm daher nicht unlieb, wenn er -Diejenigen, auf die er eifersüchtig war, belästigt und beunruhigt sah. -Er hinterging den Fürsten, den er repräsentirte, nicht geradezu, aber er -intriguirte zuweilen mit den Führern des Clubs und spielte Denen, die -ihm im Dienste der Krone zur Seite standen, mitunter arglistige -Streiche. - -Seine Instructionen schrieben ihm vor, Gesetze zur Milderung oder -Beseitigung zahlreicher Mißstände und besonders einem die Macht des -Artikelausschusses beschränkenden und die Verfassung desselben -reformirenden Gesetze, sowie ferner einem das presbyterianische -Kirchenregiment einführenden Gesetze die königliche Genehmigung zu -ertheilen.[91] Doch es war gleichgültig, wie seine Instructionen -lauteten. Die Führer des Clubs legten es darauf an, eine Ursache zur -Uneinigkeit zu finden. Die Vorschläge der Regierung bezüglich der -Artikellords wurden verächtlich zurückgewiesen. Hamilton schrieb um neue -Instructionen nach London und bald wurde ihm ein zweiter Plan, welcher -dem einst despotischen Ausschusse nicht viel mehr als den Namen ließ, -zugeschickt. Aber auch dieser zweite Plan theilte das Schicksal des -ersten, obgleich er von der Art war, daß er vernünftige und gemäßigte -Reformers hätte befriedigen können. Unterdessen legten die Oberhäupter -des Clubs ein Gesetz vor, welches dem Könige verbot, jemals irgend -Jemanden in einem öffentlichen Amte anzustellen, der an irgend einer mit -der Rechtsforderung unverträglichen Maßregel Antheil gehabt oder irgend -einem guten Plan der Stände hindernd oder verzögernd entgegengetreten -sei. Dieses Gesetz, das in einem sehr kleinen Rahmen fast alle Fehler -vereinigte, die ein Gesetz nur haben kann, war, wie man sehr wohl wußte, -auf den neuen Lordpräsidenten des Court of Session und auf seinen Sohn, -den neuen Lord Advokaten, abgesehen. Ihr Glück und ihre Macht hatte -ihnen den Neid jedes in seinen Hoffnungen getäuschten Amtscandidaten -zugezogen. Daß sie Neulinge waren, die Ersten ihres Geschlechts, die -sich zur Auszeichnung emporgeschwungen, und daß sie dessenungeachtet -lediglich durch die Kraft der Befähigung eben so wichtige Personen im -Staate geworden waren wie der Herzog von Hamilton oder der Earl von -Argyle, war ein Gedanke, der vielen bedürftigen und stolzen Patriziern -das Herz zernagte. In den Augen der schottischen Whigs waren die -Dalrymple das was Halifax und Caermarthen in den Augen der englischen -Whigs waren. Weder die Verbannung Sir Jakob's, noch der Eifer, mit dem -Sir Johann die Revolution unterstützt hatte, wurden als eine Sühne für -alte Vergehen angenommen. Sie hatten Beide dem blutdürstigen und -götzendienerischen Hause gedient. Sie hatten Beide das Volk Gottes -unterdrückt. Ihre späte Reue konnte ihnen vielleicht einen billigen -Anspruch auf Verzeihung geben, gab ihnen aber gewiß kein Recht auf Ehren -und Belohnungen. - -Die Freunde der Regierung versuchten es vergebens, die Aufmerksamkeit -des Parlaments von der Verfolgung der Familie Dalrymple auf die wichtige -und dringliche Frage der Kirchenverfassung zu lenken. Sie sagten, das -alte System sei abgeschafft, es sei noch kein andres System an dessen -Stelle gesetzt, man wisse nicht mehr, welches eigentlich die -Staatsreligion des Landes sei, und es sei die erste Pflicht der -Legislatur, einer Anarchie ein Ende zu machen, welche täglich Unheil und -Verbrechen hervorrufe. Die Führer des Clubs ließen sich damit nicht von -ihrem Ziele abbringen. Es wurde beantragt und beschlossen, daß die -Inbetrachtnahme der kirchlichen Angelegenheiten so lange aufgeschoben -werden solle, bis die weltlichen Angelegenheiten geordnet seien. Die -ungerechte und absurde Incapacitätsacte wurde mit vierundsiebzig gegen -vierundzwanzig Stimmen angenommen. Ein andrer noch augenscheinlicher auf -das Haus Stair abzielender Beschluß folgte unmittelbar darauf. Das -Parlament machte Anspruch auf ein Veto bei der Ernennung von Richtern -und maßte sich die Befugniß an, die Untersiegelung zu verhindern, mit -anderen Worten, die ganze Justizverwaltung zu suspendiren, bis dieser -Anspruch zugestanden wäre. Aus dem Verlaufe der Debatte ging klar -hervor, daß, wenn die Führer des Clubs auch mit dem Court of Session -begonnen hatten, sie nicht damit aufzuhören gedachten. Die von Sir -Patrick Hume und Anderen angeführten Argumente führten direct zu dem -Schlusse, daß dem Könige die Ernennung keines wichtigen Staatsbeamten -zustehen solle. Sir Patrick sprach in der That in Rede wie in Schrift -seine Meinung dahin aus, daß das ganze Ernennungsrecht im Reiche von der -Krone auf die Stände übertragen werden sollte. Wenn die Stelle des -Schatzmeisters, des Kanzlers, des Sekretärs erledigt sei, müsse das -Parlament Sr. Majestät einige Namen vorlegen, und Se. Majestät solle -verbunden sein von diesen Namen einen zu wählen.[92] - -Während dieser ganzen Zeit verweigerten die Stände beharrlich jede -Geldbewilligung, bis ihre Acte mit dem Scepter berührt sein würden. Der -Lord Obercommissar ward endlich über ihre Verkehrtheit so aufgebracht, -daß er nach langem Temporisiren selbst solche Acte zu berühren -verweigerte, gegen die an sich nichts einzuwenden war, und welche zu -genehmigen ihn seine Instructionen ermächtigten. Dieser Stand der Dinge -würde mit einer großen Erschütterung geendigt haben, wenn der König von -Schottland nicht zugleich König eines viel größeren und reicheren Landes -gewesen wäre. Karl I. hatte nie irgend ein Parlament zu Westminster -unlenksamer gefunden, als Wilhelm während dieser Session das Parlament -zu Edinburg fand. Aber es lag nicht in der Macht des Parlaments von -Edinburg, einen solchen Zwang auf Wilhelm auszuüben, wie das Parlament -von Westminster ihn auf Karl ausgeübt hatte. Eine Verweigerung von -Geldern war zu Westminster eine ernsthafte Sache und ließ dem Souverain -keine andre Wahl als nachzugeben, oder durch verfassungswidrige Mittel -Geld zu erheben. In Edinburg brachte ihn eine derartige Verweigerung in -kein solches Dilemma. Die größte Summe, die er aus Schottland in einem -Jahre zu erhalten hoffen konnte, betrug weniger, als was er aus England -alle vierzehn Tage bezog. Er hatte sich daher nur in die Grenzen seiner -unbestreitbaren Prärogative einzuschließen und hier in der Defensive zu -verharren, bis eine günstige Conjunctur eintrat.[93] - - -Unruhen in Athol. - -Während diese Dinge im Parlamentshause vorgingen, brach der Bürgerkrieg -in den Hochlanden, der einige Wochen unterbrochen gewesen war, heftiger -als zuvor wieder aus. Seit der Glanz des Hauses Argyle verblichen war, -konnte kein gälischer Häuptling an Macht sich mit dem Marquis von Athol -messen. Der Bezirk, von dem er seinen Titel herleitete und dessen -Souverain er fast genannt werden konnte, war an Flächenraum größer als -eine gewöhnliche Grafschaft, und war fruchtbarer, besser angebaut und -dichter bevölkert als der größere Theil der Hochlande. Die Männer, die -seinem Banner folgten, wurden für nicht minder zahlreich gehalten als -sämmtliche Macdonalds und Macleans zusammengenommen, und standen an -Kraft und Muth keinem Stamme im Gebirge nach. Aber der Clan war durch -die Unbedeutendheit des Häuptlings unbedeutend gemacht worden. Der -Marquis war der falscheste, unbeständigste, kleinmüthigste Mensch von -der Welt. In dem kurzen Zeitraum von sechs Monaten war er bereits -mehrere Male ein Jakobit und mehrere Male Wilhelmit gewesen. Sowohl -Jakobiten als Wilhelmiten betrachteten ihn mit Verachtung und Mißtrauen, -welche sie nur aus Respect vor seiner ungeheuren Macht nicht rückhaltlos -äußerten. Nachdem er zu wiederholten Malen beiden Parteien Treue gelobt -und zu wiederholten Malen Beide verrathen hatte, begann er zu überlegen, -daß er am besten für seine Sicherheit sorgen werde, wenn er sowohl die -Functionen eines Peers, als die eines Häuptlings niederlegte, wenn er -sich sowohl von dem Parlamentshause zu Edinburg, als von seinem Schlosse -im Gebirge fern hielte, und wenn er das Land verließe an das er gerade -bei dem Wendepunkte seines Geschickes durch alle Bande der Pflicht und -der Ehre gekettet war. Während ganz Schottland mit Ungeduld und -ängstlicher Spannung zu sehen erwartete, in welches Heer seine -zahlreichen Anhänger eintreten würden, schlich er sich fort nach -England, nahm seinen Aufenthalt in Bath und gab vor die dortige Kur zu -brauchen.[94] Sein Fürstenthum, somit ohne Oberhaupt, war gegen sich -selbst gespalten. Die Leute von Athol waren im allgemeinen König Jakob -zugethan. Denn er hatte sich ihrer noch vor vier Jahren als Diener -seiner Rache gegen das Haus Argyle bedient. Sie hatten Inverary besetzt; -sie hatten Lorn verwüstet; sie hatten Häuser demolirt, Obstbäume -umgehauen, Fischerböte verbrannt, Mühlsteine zerschlagen, Campbells -aufgehängt, und es war daher nicht zu erwarten, daß sie sich über die -Aussicht auf Mac Callum More's Restauration freuen würden. Ein Wort von -dem Marquis würde zweitausend Claymores ins jakobitische Lager gesendet -haben. Dieses Wort aber wollte er nicht aussprechen, und in Folge dessen -war die Haltung seiner Anhänger ebenso unentschlossen und inconsequent -wie seine eigene. - -Während sie auf eine Andeutung seiner Wünsche warteten, wurden sie -gleichzeitig von zwei Führern zu den Waffen gerufen, von denen jeder mit -einem Schein von Grund darauf Anspruch machen konnte, als Repräsentant -des abwesenden Häuptlings betrachtet zu werden. Lord Murray, des Marquis -ältester Sohn, der mit einer Tochter des Herzogs von Hamilton vermählt -war, erklärte sich für König Wilhelm. Stewart von Ballenach, der -vertraute Agent des Marquis, erklärte sich für König Jakob. Das Volk -wußte nicht, welcher Aufforderung es folgen sollte. Der, dessen -Autorität die höchste Achtung gezollt worden sein würde, hatte beiden -Parteien sein Wort verpfändet, und war dann aus Furcht sich einer von -beiden anschließen zu müssen davongelaufen; auch war es nicht leicht zu -sagen, ob der Platz, den er leer gelassen, seinem Haushofmeister oder -seinem muthmaßlichen Erben gebührte. - -Der wichtigste militärische Posten in Athol war Blair Castle. Das Haus, -welches gegenwärtig diesen Namen führt, unterscheidet sich durch nichts -Auffallendes von anderen Landsitzen der Aristokratie. Das alte Gebäude -war ein hoher Thurm von roher Bauart, der ein vom Garry bewässertes Thal -beherrschte. Die Mauern würden einer Geschützbatterie nicht lange -widerstanden haben, waren aber vollkommen stark genug, um die Hirten der -Grampians in Schach zu halten. Ungefähr fünf Meilen südlich von dieser -Veste verengerte sich das Thal des Garry zu der berühmten Schlucht von -Killiecrankie. Gegenwärtig führt eine Heerstraße so eben wie irgend eine -Straße in Middlesex in sanfter Steigung aus dem Niederlande zu dem -Gipfel des Gebirgspasses hinauf. Weiße Villas blicken durch den -Birkenwald, und an einem schönen Sommertage giebt es kaum eine Krümmung -des Passes, wo man nicht einen Angler, der seine Fliege in den Schaum -des Flusses wirft, einen Künstler, der eine Felsenspitze zeichnet, oder -eine auf einer Landpartie begriffene Gesellschaft sähe, die auf dem -Rasen in Schatten und Sonnenschein schmauset. Zu den Zeiten Wilhelm's -III. aber wurde Killiecrankie von den friedlichen und betriebsamen -Bewohnern des Niederlands von Perthshire nur mit Schaudern genannt. Sie -galt für die gefährlichste der finsteren Schluchten, durch welche die -Räuber aus dem Gebirge hervorzustürzen pflegten. Das für moderne Ohren -so wohlklingende Rauschen des an den bemoosten Felsen und über die -glatten Kiesel dahin strömenden Flusses, die des Pinsel's eines Wilson -würdigen dunklen Fels- und Laubmassen, die phantastischen Bergspitzen, -bei Sonnenauf- und Untergang in ein Meer von Licht gebadet, wie es auf -Claude's Bildern glüht, erweckten in unseren Vorfahren nur Gedanken von -mörderischen Hinterhalten und von ausgeplünderten, verstümmelten und den -Raubvögeln preisgegebenen Leichnamen. Der einzige Pfad war schmal und -rauh; nur mit Mühe konnte ein Pferd hinaufgeführt werden; zwei Menschen -konnten kaum neben einander gehen, und an einigen Stellen lief der Weg -so dicht am Abhange hin, daß der Reisende eines sicheren Auges und Fußes -dringend bedurfte. Viele Jahre später erbaute der erste Herzog von Athol -eine Straße, die eben gut genug war, damit er sie mit seinem Wagen -befahren konnte. Aber selbst diese Straße war so steil und so schmal, -daß eine Handvoll entschlossener Männer sie gegen eine Armee hätte -vertheidigen können.[95] Kein Sachse betrachtete denn auch einen Besuch -in Killiecrankie als ein Vergnügen, bis die Erfahrung die englische -Regierung gelehrt hatte, daß die Spitzhacke und der Spaten diejenigen -Waffen waren, durch welche die Hochländer am wirksamsten unterworfen -werden konnten. - - -Der Krieg bricht in den Hochlanden wieder aus. - -Die Gegend, welche gerade über diesem Passe lag, war jetzt der -Schauplatz eines Krieges, wie ihn die Hochlande nicht häufig gesehen -hatten. Männer, die den nämlichen Tartan trugen und dem nämlichen Herrn -unterthan waren, standen einander gegenüber. Der Name des abwesenden -Häuptlings wurde, mit einem Anschein von Grund, auf beiden Seiten -gebraucht. Ballenach hielt an der Spitze einer Anzahl Vasallen, die ihn -als den Vertreter des Marquis betrachteten, Blair Castle besetzt. Murray -erschien mit zwölfhundert Mann vor den Mauern und verlangte, in das -Schloß seiner Familie, das Schloß, das dereinst sein Eigen werden -sollte, eingelassen zu werden. Die Besatzung weigerte sich die Thore zu -öffnen. Die Belagerer sandten Boten nach Edinburg, die Belagerten nach -Lochaber.[96] An beiden Orten rief die Nachricht große Aufregung hervor. -Mackay und Dundee waren beide der Ansicht, daß die Krisis rasches und -kräftiges Einschreiten erfordere. Von dem Schicksal von Blair Castle -hing wahrscheinlich das Schicksal von ganz Athol ab, und von dem -Schicksal Athol's konnte das Schicksal Schottland's abhängen. Mackay -eilte nach dem Norden und befahl seinen Truppen, sich in dem Niederlande -von Perthshire zu sammeln. Einige von ihnen lagen an so entfernten -Orten, daß sie nicht zeitig genug anlangten. Er hatte jedoch bald die -drei schottischen Regimenter bei sich, welche in Holland gedient hatten -und die Namen ihrer Obersten, Mackay's selbst, Balfour's und Ramsay's, -führten. Auch ein tapferes Infanterieregiment aus England war da, -welches damals das Regiment Hastings hieß, aber jetzt als das dreizehnte -der Linie bekannt ist. Zu diesen alten Truppen kamen dann noch zwei im -Niederlande neu angeworbene Regimenter. Das eine davon wurde von Lord -Kenmore, das andre, das im Grenzlande ausgehoben worden und das noch -jetzt des Königs Leibgrenzer genannt wird, von Lord Leven befehligt. -Zwei Reitertrupps, commandirt von Lord Annandale und Lord Belhaven, -brachten die Armee wahrscheinlich auf die Zahl von über dreitausend -Mann. Belhaven ritt an der Spitze seines Trupps; aber Annandale, der -factiöseste von allen Anhängern Montgomery's, zog den Club und das -Parlamentshaus dem Felde vor.[97] - -Dundee hatte mittlerweile alle Clans, die seine Ernennung anerkannten, -aufgefordert, sich zu einer Expedition nach Athol zu versammeln. Seine -Bemühungen wurden von Lochiel kräftig unterstützt. Die Feuerkreuze -wurden wieder in aller Eile durch Appin und Ardnamurchan, nach Glenmore -hinauf und den Levensee entlang ausgesandt. Aber der Aufruf kam so -unerwartet und die verstattete Frist war so kurz, daß das Aufgebot kein -ganz vollständiges war. Die ganze Streitmacht scheint nicht dreitausend -Mann stark gewesen zu sein. Mit diesem Corps rückte Dundee aus. Auf -seinem Marsche zog er Verstärkungen an sich, die eben aus Ulster -angekommen waren. Sie bestanden aus wenig mehr als dreihundert schlecht -bewaffneten, schlecht gekleideten und schlecht disciplinirten irischen -Fußsoldaten. Ihr Anführer war ein Offizier, Namens Cannon, der in den -Niederlanden gedient hatte und der vielleicht auf einem untergeordneten -Posten und in einer regulären Armee an seinem Platze gewesen sein würde, -aber der ihm jetzt übertragenen Rolle durchaus nicht gewachsen war.[98] -Er hatte sich bereits so lange zwischen den Hebriden aufgehalten, daß -einige mit ihm zugleich abgeschickte und mit Vorräthen befrachtete -Schiffe von englischen Kreuzern genommen worden waren. Er und seine -Soldaten waren mit Mühe dem nämlichen Schicksale entgangen. Trotz dieses -Mangels an Befähigung bekleidete er eine Stelle, die ihm in Schottland -den höchsten militärischen Rang nächst Dundee einräumte. - -Die Enttäuschung war bitter. Jakob hätte in der That besser gethan, wenn -er den Hochländern allen Beistand verweigert hätte, anstatt daß er sie -gleichsam zum Besten hatte, indem er ihnen an Stelle der erbetenen und -erwarteten wohlorganisirten Armee ein an Zahl und Aussehen -verachtungswerthes Gesindel schickte. Es war nun klar, daß alles was für -ihn in Schottland geschah, durch schottische Hände geschehen mußte.[99] - -Während Mackay von der einen und Dundee von der andren Seite gegen Blair -Castle vorrückte, hatten wichtige Ereignisse daselbst stattgefunden. -Murray's Anhänger fingen bald an, in ihrer Treue für ihn zu wanken. Sie -sahen eine große Zahl ihrer Stammesgenossen, unter der Anführung eines -Gentleman, von dem man vermuthete, daß er das Vertrauen des Marquis -besitze, sich gegenübergestellt. Die Belagerungsarmee schmolz daher -rasch zusammen. Viele kehrten unter dem Vorgeben heim, daß sie ihre -Familien und ihr Vieh in Sicherheit bringen müßten, da die Nachbarschaft -auf dem Punkte stehe, der Schauplatz eines Kriegs zu werden. Andere -erklärten freimüthiger, daß sie in einem solchen Kampfe nicht fechten -mochten. Eine starke Truppe ging an einen Bach, füllte die Mützen mit -Wasser, trank auf die Gesundheit König Jakob's und zerstreute sich -dann.[100] - -Ihr Eifer für König Jakob bewog sie jedoch nicht, sich der Fahne seines -Generals anzuschließen. Sie legten sich unter den Felsen und Dickichten -längs des Garry auf die Lauer, in der Hoffnung, daß es bald eine -Schlacht geben werde und daß, welchen Ausgang dieselbe auch nehmen -möchte, Flüchtlinge und Leichname zu plündern sein würden. - -Murray war in arger Bedrängniß. Seine Streitmacht war auf einige hundert -Mann geschmolzen, selbst diesen Leuten konnte er nicht recht trauen, und -die Macdonalds und Camerons rückten rasch vor. Er hob daher die -Belagerung von Blair Castle auf und zog sich mit wenigen Anhängern in -den Engpaß von Killiecrankie zurück. Hier stieß bald eine Abtheilung von -zweihundert Füselieren zu ihm, welche Mackay vorausgeschickt hatte, um -den Paß zu besetzen. Das Hauptcorps der Armee vom Niederlande folgte -bald nach.[101] - -Am frühen Morgen des 27. Juli, einem Sonnabend, kam Dundee bei Blair -Castle an. Hier erfuhr er, daß Mackay's Truppen bereits in der Schlucht -von Killiecrankie waren. Man mußte rasch zu einem Entschluß kommen. Es -wurde Kriegsrath gehalten. Die sächsischen Offiziere waren allgemein -dagegen eine Schlacht zu wagen; die celtischen Häuptlinge aber waren -andrer Meinung. Glengarry und Lochiel waren jetzt beide eines Sinnes. -»Schlagen Sie los, Mylord,« sagte Lochiel mit seiner gewohnten Energie; -»schlagen Sie unverzüglich los, wenn Sie auch nur Einer gegen Drei sind. -Unsere Leute sind guten Muthes, sie fürchten weiter nichts, als daß der -Feind entkommen möchte. Lassen Sie ihnen ihren Willen und sein Sie -versichert, daß sie entweder umkommen, oder einen vollständigen Sieg -erfechten werden. Wenn Sie sie aber zurückhalten, wenn Sie sie nöthigen -in der Defensive zu verharren, so stehe ich für nichts. Wenn wir nicht -kämpfen, so thäten wir besser, wir brächen auf und zögen uns in unsere -Berge zurück.[102]« - -Dundee's Züge heiterten sich auf. »Sie hören es, Gentlemen,« sagte er zu -seinen Offizieren; »Sie hören die Meinung eines Mannes, der den -hochländischen Krieg besser versteht als irgend Einer von uns.« Keine -Stimme erhob sich dagegen. Es wurde beschlossen zu kämpfen, und die -verbündeten Clans rückten guten Muthes vorwärts dem Feinde entgegen. - -Der Feind hatte inzwischen den Engpaß erstiegen. Der Marsch bergauf war -langwierig und mühsam gewesen; denn selbst die Fußsoldaten konnten nur -zwei bis drei Mann hoch marschiren und die Bagagepferde, zwölfhundert an -Zahl, mußten einzeln hintereinander gehen. Kein Wagen war jemals diesen -steilen Pfad hinaufgezogen worden. Die Spitze der Colonne war bereits -oben angelangt und befand sich auf dem Plateau, während die Nachhut noch -in der Ebene war. Endlich war der Uebergang bewerkstelligt, und die -Truppen befanden sich in einem Thale von nicht bedeutender Ausdehnung. -Ermüdet von der Anstrengung des Morgens warfen sie sich ins Gras, um -einige Ruhe und Erfrischung zu genießen. - -Früh am Nachmittag wurden sie durch den Alarmruf aufgeschreckt, daß die -Hochländer sich näherten. Ein Regiment nach dem andren stand auf und -ordnete sich. In einer kleinen Weile war der Gipfel einer Anhöhe, die -etwa einen Büchsenschuß vor ihnen lag, mit schottischen Mützen und -Plaids bedeckt. Dundee ritt in der Absicht vor, die Stärke der -Streitmacht, mit der er es zu thun haben sollte, zu recognosciren, und -stellte dann seine Leute mit so viel Geschick auf, als ihr -eigenthümlicher Charakter ihm zu bethätigen gestattete. Es war -wünschenswerth, die Clans getrennt zu halten. Jeder Stamm, ob groß oder -klein, bildete eine Colonne, welche von der nächsten durch einen weiten -Zwischenraum geschieden war. Das eine dieser Bataillone mochte -siebenhundert Mann stark sein, während ein andres bloß aus -hundertzwanzig Mann bestand. Lochiel hatte vorgestellt, daß es unmöglich -sei, Männer von verschiedenen Stämmen zu vermischen, ohne Alles zu -zerstören, was die eigenthümliche Stärke eines Hochlandsheeres -bilde.[103] - -Auf der rechten Flanke, dicht am Garry standen die Macleans. Ihnen -zunächst Cannon mit seinem irischen Fußvolke. Dann kamen die Macdonalds -von Clanronald, von dem Vormunde ihres jungen Fürsten befehligt. Auf der -Linken standen andere Schaaren von Macdonalds. An der Spitze eines -starken Bataillons erhob sich die stattliche Figur Glengarry's, der die -königliche Standarte König Jakob's VII. trug.[104] Noch weiter links -stand die Reiterei, eine kleine Schwadron, bestehend aus einigen -jakobitischen Gentlemen, die aus dem Niederlande ins Gebirge geflüchtet -waren, und aus etwa vierzig von Dundee's alten Reitern. Jenseit -derselben kam Lochiel mit seinen Camerons, und die äußerste Linke -bildeten die Männer von Sky unter Anführung Macdonald's von Sleat.[105] - -In den Hochlanden wie in allen Ländern, wo der Krieg nicht zu einer -Wissenschaft geworden ist, hielt man es für die wichtigste Pflicht eines -Befehlshabers, das Beispiel persönlichen Muthes und körperlicher -Anstrengung zu geben. Lochiel war besonders berühmt wegen seiner -physischen Tapferkeit. Seine Clansleute erzählten mit Stolz, wie er -feindliche Reihen selbst durchbrochen und riesenhafte Krieger -niedergehauen habe. Er verdankte diesen Thaten vielleicht einen eben so -großen Theil seines Einflusses wie den ausgezeichneten Eigenschaften, -die ihn, hätte das Schicksal ihn in das englische Parlament oder an den -französischen Hof versetzt, zu einem der hervorragendsten Männer seines -Jahrhunderts gemacht haben würden. Er war jedoch verständig genug, um -einzusehen, wie irrig die Meinung war, welche seine Landsleute gefaßt -hatten. Er wußte, daß es nicht das Amt eines Generals war, Schläge -auszutheilen und zu empfangen. Er wußte, wie schwer es Dundee geworden -war, nur wenige Tage ein aus verschiedenen Clans bestehendes Heer -zusammenzuhalten, und er wußte, daß das was einem Dundee Mühe gekostet -hatte, einem Cameron geradezu unmöglich sein würde. Ein Leben, von dem -so viel abhing, durfte nicht einem barbarischen Vorurtheile geopfert -werden. Lochiel beschwor daher Dundee, sich nicht unnöthiger Gefahr -auszusetzen. »Ew. Lordschaft Amt ist es,« sagte er, »Alles zu -beaufsichtigen und Ihre Befehle zu ertheilen, und an uns ist es, diese -Befehle auszuführen.« Dundee erwiederte mit ruhiger Hochherzigkeit, daß -in den Worten seines Freundes Sir Ewan viel Wahres liege, daß aber kein -General etwas Großes vollbringen könne, ohne das Vertrauen seiner Leute -zu besitzen. »Ich muß mir den Ruf der persönlichen Tapferkeit erwerben. -Ihre Leute erwarten ihre Anführer im dichtesten Kampfgewühl zu sehen, -und heute sollen sie mich da sehen. Ich verspreche Ihnen jedoch bei -meiner Ehre, daß ich in künftigen Gefechten mich mehr schonen werde.« - -Mittlerweile wurde auf beiden Seiten ein Kleingewehrfeuer unterhalten, -von den regulären Soldaten aber geschickter und nachhaltiger als von den -Gebirgsleuten. Der Raum zwischen den beiden Heeren war eine einzige -Rauchwolke. Nicht wenige Hochländer fielen, und die Clans wurden -ungeduldig. Die Sonne stand jedoch schon tief im Westen, als Dundee -endlich den Befehl gab, sich kampffertig zu machen. Seine Leute erhoben -ein großes Jubelgeschrei. Der Feind, wahrscheinlich erschöpft durch die -Anstrengungen des Tages, antwortete mit einem nur schwachen und -vereinzelten Hurrah. »Jetzt frisch ans Werk!« sagte Lochiel. »Das ist -nicht der Ruf von Männern, die zum Siege gehen.« Er war durch alle seine -Reihen gegangen, hatte an jeden Cameron einige Worte gerichtet, und -jedem das Versprechen abgenommen, zu siegen oder zu sterben.[106] - -Es war sieben Uhr vorüber. Dundee gab das Losungswort. Die Hochländer -ließen ihre Plaids fallen. Die Wenigen, die so luxuriös waren, rohe -Socken von ungegerbter Haut zu tragen, warfen sie weg. Man erinnerte -sich noch lange in Lochaber, daß Lochiel seine Schuhe, wahrscheinlich -das einzige Paar in seinem Clan, auszog und barfuß an der Spitze seiner -Leute kämpfte. Die ganze Linie rückte feuergebend vor. Der Feind -erwiederte das Feuer mit guter Wirkung. Als nur noch ein kleiner Raum -zwischen den beiden Heeren war, warfen die Hochländer plötzlich ihre -Gewehre weg, zogen ihre Breitschwerter und stürzten mit einem -furchtbaren Geschrei vorwärts. Die Niederländer machten sich bereit, den -Angriff zurückzuweisen; doch dies war damals eine langwierige und -schwerfällige Procedur, und die Soldaten hanthierten noch an den -Mündungen ihrer Gewehre und an den Griffen ihrer Bajonette herum, als -der ganze Strom der Macleans, Macdonalds und Camerons auf sie anstürmte. -In zwei Minuten war die Schlacht verloren und gewonnen. Die Reihen von -Balfour's Regiment öffneten sich. Er wurde niedergehauen, während er im -Gedränge kämpfte. Ramsay's Leute machten kehrt und warfen die Waffen -weg. Mackay's eignes Fußvolk wurde durch den wüthenden Angriff der -Camerons auseinandergesprengt. Sein Bruder und sein Neffe bemühten sich -vergebens, die Leute zu sammeln. Ersterer wurde durch einen Hieb mit -einem Claymore todt zu Boden gestreckt. Der Andre arbeitete sich, mit -acht Wunden bedeckt, durch das Getümmel und Blutvergießen bis an die -Seite seines Oheims. Selbst in dieser äußersten Bedrängniß behielt -Mackay seine ganze Geistesgegenwart. Er hatte noch eine Hoffnung. Ein -Reiterangriff konnte das Kriegsglück wenden, denn vor Reitern fürchteten -sich, wie man glaubte, selbst die tapfersten Hochländer. Doch er rief -umsonst nach den Reitern. Belhaven benahm sich zwar als ein tapferer -Gentleman; aber seine Reiter, über die Niederlage des Fußvolks -erschrocken, sprengten in Verwirrung davon; Annandale's Leute folgten; -Alles war vorüber und der wirre Strom von Rothröcken und Tartans wälzte -sich das Thal hinunter in die Schlucht von Killiecrankie. - -Mackay, von einem treuen Diener begleitet, sprengte muthig durch das -dichteste Gewühl der Claymores und Tartschen und erreichte einen Punkt, -von wo er einen Ueberblick über das Schlachtfeld hatte. Seine ganze -Armee war verschwunden, mit Ausnahme einiger Grenzer, welche Leven -zusammengehalten hatte, und des Regiments Hastings, das ein mörderisches -Feuer in die celtischen Reihen gesandt hatte und das noch in -ungebrochener Ordnung Stand hielt. Die Leute welche gesammelt werden -konnten, beliefen sich auf nur wenige Hunderte. Der General beeilte -sich, sie über den Garry zu führen, und nachdem er diesen Fluß zwischen -sie und den Feind gebracht hatte, machte er einen Augenblick Halt, um -über seine Lage nachzudenken. - -Er konnte kaum begreifen, wie die Sieger so unklug sein konnten, ihm -auch nur diesen Augenblick zur Ueberlegung zu lassen. Sie hätten mit -Leichtigkeit seine ganze Mannschaft niederhauen oder gefangen nehmen -können, bevor die Nacht einbrach. Aber die Energie der celtischen -Krieger hatte sich in einem wüthenden Angriff und einem kurzen Kampfe -erschöpft. Der Engpaß war von den zwölfhundert Lastthieren, welche die -Lebensmittel und das Gepäck der besiegten Armee trugen, verstopft. Eine -solche Beute war eine unwiderstehliche Versuchung für Leute, die -ebensowohl durch das Verlangen nach Raub, wie durch das Verlangen nach -Ruhm zum Kriege getrieben wurden. Es ist wahrscheinlich, daß sogar -wenige Häuptlinge geneigt waren um König Jakob's willen eine so reiche -Beute im Stich zu lassen. Dundee selbst würde in diesem Augenblicke -nicht im Stande gewesen sein, seine Anhänger dazu zu bewegen, daß sie -von den Beutehaufen abließen und das große Werk des Tages vollendeten, -und Dundee war nicht mehr. - - -Dundee's Tod. - -Beim Beginn des Gefechts hatte er seinen Platz vor der Fronte seiner -kleinen Reiterschaar genommen. Er befahl ihr ihm zu folgen und ritt -vorwärts. Doch es schien beschlossen zu sein, daß an diesem Tage die -Schotten des Niederlandes in beiden Armeen sich in nachtheiligem Lichte -zeigen sollten. Die Reiter zögerten. Dundee wendete sich um, erhob sich -in den Steigbügeln und forderte sie seinen Hut schwenkend auf, -herbeizukommen. Als er seinen Arm erhob, lüftete sich sein Harnisch und -entblößte den unteren Theil seiner linken Seite. Eine Musketenkugel traf -ihn, sein Pferd sprang vorwärts und stürzte sich in eine Wolke von Rauch -und Staub, welche beiden Armeen den Fall des siegreichen Generals -verbarg. Ein Mann, Namens Johnstone, war in seiner Nähe und fing ihn -auf, als er aus dem Sattel herabsank. »Wie steht die Schlacht?« fragte -Dundee. »Gut für König Jakob,« antwortete Johnstone, »aber ich bin -besorgt um Ew. Lordschaft.« -- »Wenn die Schlacht gut für ihn steht,« -erwiederte der Sterbende, »so ist an mir um so weniger gelegen.« Dies -waren seine letzten Worte; als aber eine halbe Stunde darauf Lord -Dunfermline und einige andere Freunde zur Stelle kamen, glaubten sie -noch einige schwache Lebenszeichen zu erkennen. Der in zwei Plaids -gehüllte Leichnam wurde nach Blair Castle gebracht.[107] - - -Mackay's Rückzug. - -Mackay, der von Dundee's Schicksal nichts wußte, wohl aber Dundee's -Geschicklichkeit und Thätigkeit kannte, erwartete augenblicklich und -heftig verfolgt zu werden, und machte sich wenig Hoffnung, auch nur die -spärlichen Ueberreste der besiegten Armee retten zu können. Durch den -Engpaß konnte er sich nicht zurückziehen, denn die Hochländer waren -bereits dort. Er beschloß daher, über die Berge in das Thal des Tay -vorzudringen. Er holte bald einige Hundert seiner Ausreißer ein, welche -dieselbe Richtung eingeschlagen hatten. Die meisten von ihnen gehörten -zu Ramsay's Regiment und mußten gediente Soldaten sein. Aber sie waren -ohne Waffen, durch die erlittene Niederlage demoralisirt, und der -General konnte bei ihnen keinen Ueberrest von militärischer Disciplin -ober kriegerischem Muthe entdecken. Seine Lage war von der Art, daß sie -auch den Stärksten auf eine harte Probe stellen mußte. Die Nacht war -hereingebrochen; er befand sich ohne Führer in einer Wüste; ein -siegreicher Feind war ihm aller Wahrscheinlichkeit nach auf den Fersen, -und er hatte für die Sicherheit eines Haufens von Menschen zu sorgen, -welche Kopf und Herz verloren hatten. Er hatte eben die schmerzlichste -und demüthigendste Niederlage erlitten. Seine Privatgefühle waren nicht -weniger tief verwundet worden als seine Berufsgefühle. Ein theurer -Verwandter war eben vor seinen Augen todt niedergestreckt worden. Ein -andrer bewegte sich, aus vielen Wunden blutend, nur noch schwach neben -ihm. Doch der Muth des unglücklichen Generals wurde durch einen festen -Glauben an Gott und durch ein hohes Pflichtgefühl für den Staat -aufrechterhalten. Bei all' seinem Elend und Mißgeschick trug er das -Haupt noch stolz erhoben und fand Muth nicht allein für sich, sondern -für Alle die ihn umgaben. Seine erste Sorge war, des Weges gewiß zu -sein. Ein einsames Licht, das durch die Dunkelheit schimmerte, führte -ihn zu einer kleinen Hütte. Die Bewohner sprachen nur gälisch, und waren -anfangs durch das Erscheinen von Uniformen und Waffen geängstigt. Doch -Mackay's Leutseligkeit zerstreute ihre Besorgniß. Ihre Sprache war ihm -in der Jugend geläufig gewesen, und er hatte genug davon behalten, um -sich mit ihnen verständigen zu können. Nach ihren Anweisungen und mit -Hülfe einer Taschenkarte, auf welcher die Straßen jenes wilden Landes -oberflächlich angegeben waren, gelang es ihm sich zurecht zu finden. Er -marschirte die ganze Nacht. Als der Tag anbrach, war seine Aufgabe -schwieriger als je. Hasting's und Leven's Leute benahmen sich zwar noch -wie Soldaten. Aber die Ramsay'schen Ausreißer waren ein bloßer -Pöbelhaufen. Sie hatten ihre Musketen weggeworfen, und die -Breitschwerter, vor denen sie geflohen waren, blitzten beständig vor -ihren Augen. Jeder neue Gegenstand jagte ihnen einen neuen Schrecken -ein. Ein Häuflein Hirten in Plaids, welche ihr Vieh trieben, wurde durch -die Einbildungskraft zu einem Heere celtischer Krieger vergrößert. -Einige der Ausreißer verließen das Hauptcorps und entflohen ins Gebirge, -wo ihre Feigheit die verdiente Strafe fand. Sie wurden um ihrer Röcke -und Schuhe willen erschlagen, und ihre nackten Leichname den Adlern von -Ben Lawers preisgegeben. Die Desertion würde noch viel ärger gewesen -sein, hätten nicht Mackay und seine Offiziere mit dem Pistol in der Hand -jeden Mann niederzuschießen gedroht, den sie bei dem Versuche sich -fortzustehlen betreffen würden. - -Endlich kamen die ermüdeten Flüchtlinge vor Weems Castle an. Der -Besitzer des Schlosses war ein Freund der neuen Regierung und er erwies -ihnen soviel Gastfreundschaft als in seinen Kräften stand. Sein Vorrath -von Hafermehl wurde herbeigebracht, es wurden einige Rinder geschlachtet -und den zahlreichen Gästen eine eilig zubereitete kunstlose Mahlzeit -vorgesetzt. So gestärkt brachen sie wieder auf und marschirten den -ganzen Tag über Sumpf, Moor und Berg. So dünn bevölkert die Gegend auch -war, konnten sie doch deutlich sehen, daß die Nachricht von ihrem -Mißgeschick sich schon weit verbreitet hatte und daß die Bevölkerung -allenthalben in großer Aufregung war. Spät in der Nacht erreichten sie -das Schloß Drummond, das durch eine kleine Besatzung für König Wilhelm -vertheidigt wurde, und am folgenden Tage marschirten sie unter -geringeren Beschwerden weiter nach Stirling.[108] - - -Eindruck der Schlacht von Killiecrankie. - -Das Gerücht von ihrer Niederlage war ihnen vorausgeeilt. Ganz Schottland -war in Gährung. Der Schlag war allerdings hart, aber er wurde durch die -hochfliegenden Hoffnungen der einen und durch die maßlosen Befürchtungen -der andren Partei übertrieben. Man glaubte anfangs, daß die ganze Armee -König Wilhelm's umgekommen, daß Mackay selbst gefallen, daß Dundee an -der Spitze eines siegberauschten und beutegierigen zahlreichen -Barbarenheeres bereits vom Gebirge herabgekommen, daß er Herr des ganzen -Landes jenseits des Forth, daß Fife aufgestanden sei, um sich ihm -anzuschließen, daß er in drei Tagen in Stirling und in acht Tagen in -Holyrood sein werde. Es wurden Booten ausgesandt, um ein in -Northumberland liegendes Regiment aufzufordern, eiligst über die Grenze -zu rücken. Andere Boten brachten das dringende Gesuch an Seine Majestät -nach London, sofort alle entbehrlichen Soldaten zu schicken und am -liebsten selbst mitzukommen, um sein nordisches Reich zu retten. - - -Vertagung des schottischen Parlaments. - -Die Factionen im Parlamentshause vergaßen in ihrem Schrecken über die -gemeinsame Gefahr allen Streit. Die Anhänger des Hofes wie die -Mißvergnügten beschworen einstimmig den Lordstatthalter, die Session zu -schließen und sie von einem Orte zu entlassen, wo ihre Berathungen bald -durch die Gebirgsbewohner unterbrochen werden könnten. Es wurde -ernstlich in Erwägung gezogen, ob es nicht rathsam sei, Edinburg -aufzugeben, die im Schlosse und im Tolbooth befindlichen zahlreichen -Staatsgefangenen auf ein vor Leith liegendes Kriegsschiff zu bringen und -den Sitz der Regierung nach Glasgow zu verlegen. - -Der Nachricht von Dundee's Sieg folgte aller Orten sehr bald die -Nachricht von seinem Tode, und es ist ein schlagender Beweis für den -Umfang und das Maß seiner Fähigkeiten, daß sein Tod überall als ein -Ereigniß betrachtet wurde, das seinen Sieg vollständig aufwog. Ehe -Hamilton die Stände vertagte, theilte er ihnen mit, daß er gute -Nachrichten für sie habe, daß Dundee wirklich todt sei und daß daher die -Rebellen im Grunde eine Niederlage erlitten hätten. In verschiedenen -Briefen, welche damals von einsichtsvollen und erfahrenen Staatsmännern -geschrieben wurden, spricht sich eine gleiche Ansicht aus. Dem Boten, -der mit der Nachricht von der Schlacht an den englischen Hof eilte, -folgte ein andrer auf dem Fuße, der eine Depesche für den König brachte -und, da er Se. Majestät im St. Jamespalaste nicht anwesend fand, nach -Hampton Court sprengte. Niemand in der Hauptstadt wagte es das Siegel zu -erbrechen; glücklicherweise aber hatte eine befreundete Hand, nachdem -der Brief verschlossen war, auf die Außenseite desselben die tröstenden -Worte geschrieben: »Dundee ist gefallen, Mackay ist in Stirling -angelangt,« und diese Worte beruhigten die Gemüther der Londoner.[109] - -Aus dem Engpasse von Killiecrankie hatten sich die Hochländer, stolz auf -ihren Sieg und mit Beute beladen, nach dem Schlosse Blair zurückgezogen. -Sie rühmten sich, daß das Schlachtfeld mit Haufen gefallener sächsischer -Soldaten bedeckt sei, und daß das Aussehen der Leichname deutlich -beweise, was ein gutes gälisches Breitschwert in einer guten gälischen -Hand auszurichten vermöge. Man habe Köpfe gefunden, welche bis an den -Hals gespalten, und Hirnschädel, welche dicht über den Ohren glatt -abgehauen gewesen seien. Indessen hatten auch die Sieger ihren Sieg -theuer erkauft. Auf ihrem Marsche waren sie durch das Feuer des Feindes -sehr beunruhigt worden, und selbst nach dem entscheidenden Angriffe -hatten Hastings' Engländer und ein Theil von Leven's Grenzern noch immer -ein wohlgenährtes Feuer unterhalten. Hundertzwanzig Camerons waren -getödtet worden; der Verlust der Macdonalds war noch bedeutender und -mehrere vornehme und angesehene Gentlemen waren geblieben.[110] - -Dundee ward in der Kirche von Blair Athol beigesetzt, aber kein Denkmal -über seiner Gruft errichtet, und die Kirche selbst existirt schon lange -nicht mehr. Ein roher Stein auf dem Schlachtfelde bezeichnet, wenn -anders man der lokalen Ueberlieferung glauben darf, die Stelle wo er -fiel.[111] In den letzten drei Monaten seines Lebens hatte er sich als -ein großer Feldherr und Staatsmann gezeigt, und sein Name wird daher von -der zahlreichen Klasse von Leuten, welche der Ansicht sind, daß es kein -auch noch so großes Maß von Schlechtigkeit giebt, welches durch Muth und -Talent nicht aufgewogen werden könnte, mit Achtung genannt. - -Es ist merkwürdig, daß die beiden bedeutendsten Schlachten, welche -vielleicht jemals irreguläre Truppen über reguläre gewannen: die -Schlacht von Killiecrankie und die Schlacht von Newton Butler, in einer -und der nämlichen Woche stattfanden. In beiden Schlachten war der Sieg -der irregulären Truppen ungemein rasch und vollständig. In beiden -Schlachten war der panische Schrecken der regulären Truppen, trotz des -glänzenden Beispiels von Muth, das ihre Generäle gaben, ganz besonders -schimpflich. Auch ist zu bemerken, daß der eine dieser beiden -außerordentlichen Siege von Celten über Sachsen, der andre von Sachsen -über Celten erfochten wurde. Allerdings ist der Sieg von Killiecrankie, -obgleich er weder glänzender noch wichtiger war als der von Newton -Butler, in viel weiteren Kreisen berühmt, und der Grund davon liegt auf -der Hand. In Schottland sind die Angelsachsen und die Celten ausgesöhnt -worden, in Irland sind sie nie ausgesöhnt worden. In Schottland werden -alle Großthaten beider Racen ohne Unterschied zusammengeworfen und -werden als den Ruhm des ganzen Landes bildend betrachtet. Die alte -Antipathie ist so vollkommen verschwunden, daß es etwas ganz -Gewöhnliches ist, einen Bewohner des Niederlandes mit Selbstgefälligkeit -und sogar mit Stolz von der demüthigendsten Niederlage sprechen zu -hören, die seine Vorfahren je erlitten. Es dürfte schwer sein, einen -berühmten Mann zu nennen, bei welchem das Nationalgefühl und das -Clansgefühl stärker gewesen waren als bei Sir Walter Scott. Wenn jedoch -Sir Walter Scott Killiecrankie erwähnte, schien er gänzlich zu -vergessen, daß er ein Sachse, daß er von demselben Blute war und die -nämliche Sprache sprach wie Ramsay's Fußvolk und Annandale's Reiter. -Sein Herz schwoll von Siegesstolz, wenn er erzählte, wie seine -Stammverwandten gleich Hasen vor einer geringen Anzahl Krieger eines -andren Stammes und einer andren Zunge die Flucht ergriffen hatten. - -In Irland ist die Fehde heute noch nicht getilgt. Der von einer -Minderzahl in höhnender Weise wiederholte Name Newton Butler ist der -großen Mehrheit der Bevölkerung verhaßt. Wenn man ein Denkmal auf dem -Schlachtfelde errichtete, würde es wahrscheinlich verstümmelt werden; -wenn man in Cork oder Waterford den Jahrestag der Schlacht feiern -wollte, so würde die Feier wahrscheinlich gewaltsam gestört werden. Der -berühmteste irische Dichter unsrer Zeit würde es als einen Verrath an -seinem Vaterlande betrachtet haben, das Lob der Sieger zu singen. Einer -der gelehrtesten und eifrigsten irischen Alterthumsforscher unsrer Zeit -hat, allerdings nicht mit besonderem Glück, zu beweisen versucht, daß -der Ausgang der Schlacht durch einen reinen Zufall entschieden worden -sei, aus welchem kein Ruhm für die Engländer hervorgehen könne. Wir -dürfen uns nicht wundern, daß der Sieg der Hochländer mehr gefeiert wird -als der Sieg der Enniskillener, wenn wir bedenken, daß der Sieg der -Hochländer ein Gegenstand des Ruhmes für ganz Schottland, der Sieg der -Irländer aber ein Gegenstand der Schmach für drei Viertheile von Irland -ist. - -So weit die großen Interessen des Staats dabei in Betracht kamen, war es -ganz gleichgültig, ob die Schlacht von Killiecrankie gewonnen oder -verloren wurde. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß selbst Dundee, wenn er -den glorreichsten Tag seiner Laufbahn überlebt hätte, die -Schwierigkeiten überwunden haben würde, welche aus dem eigenthümlichen -Character seiner Armee entsprangen und die sich verzehnfacht haben -würden, sobald der Krieg auf das Niederland übertragen worden wäre. - - -Die hochländische Armee verstärkt. - -Gewiß ist jedoch, daß sein Nachfolger der Aufgabe durchaus nicht -gewachsen war. Einige Tage lang konnte sich der neue General zwar mit -der Hoffnung schmeicheln, daß Alles gut gehen werde, denn seine Armee -hatte sich rasch um fast die doppelte Anzahl Claymores verstärkt, welche -Dundee befehligt. Die Stewarts von Appin, welche, obgleich voll Eifers, -nicht zur rechten Zeit hatten eintreffen können, um an der Schlacht -Theil zu nehmen, waren unter den Ersten, die jetzt ankamen. Mehrere -Clans, welche bisher gewartet hatten, um erst zu sehen, welcher Theil -der stärkere sein würde, wünschten jetzt sehnlichst unter dem Banner -König Jakob's VII. ins Niederland hinab zu ziehen. Die Grants hielten -zwar treu zu Wilhelm und Marien und die Mackintosh's blieben wegen ihrer -unüberwindlichen Abneigung gegen die Keppochs neutral. Aber Macphersons, -Farquharsons und Frasers kamen massenhaft ins Lager bei Blair. Jetzt war -die Unschlüssigkeit der Männer von Athol zu Ende. Viele von ihnen -hatten während des Kampfes hinter den Felsen und Birken der -Killiecrankieschlucht auf der Lauer gelegen und kamen, sobald der -Ausgang der Schlacht entschieden war, aus ihren Schlupfwinkeln hervor, -um die Flüchtlinge, welche durch den Engpaß zu entkommen versuchten, -auszuplündern und niederzumachen. Die Robertsons, ein gälischer Stamm, -obgleich er einen sächsischen Namen führte, erklärten damals ihren -Beitritt zur Sache des verbannten Königs. Ihr Häuptling Alexander, der -sich nach seiner Herrschaft Struan nannte, war ein noch sehr junger Mann -und Student auf der St. Andreas Universität. Dort hatte er sich eine -oberflächliche wissenschaftliche Bildung angeeignet, war aber desto -tiefer in die Torypolitik eingeweiht worden. Jetzt schloß er sich der -hochländischen Armee an und blieb während seines langen Lebens der -jakobitischen Sache unwandelbar treu. Er spielte jedoch eine so -unbedeutende Rolle bei den öffentlichen Angelegenheiten, daß sein Name -jetzt vergessen sein würde, hätte er nicht einen Band durchgehends -abgeschmackter und oft höchst unsittlicher Gedichte hinterlassen. Wäre -dieses Buch in Grub Street fabricirt worden, so würde es in der -»Dunciade« kaum mit einer Viertelzeile beehrt worden sein. Wegen der -Stellung seines Autors aber machte es einiges Aufsehen, denn vor -hundertzwanzig Jahren war eine Ekloge oder ein Schmähgedicht aus der -Feder eines hochländischen Häuptlings ein literarisches Wunder.[112] - -Obgleich indessen die numerische Stärke von Cannon's Truppen zunahm, -verminderte sich dennoch ihre Wirksamkeit. Jeder neue Stamm, der im -Lager ankam, brachte eine neue Ursache zu Zwietracht mit. In der Stunde -der Gefahr fügen sich oftmals die übermüthigsten und widerspenstigsten -Köpfe der Leitung eines überlegenen Genies. Die celtischen Häuptlinge -aber hatten selbst in der Stunde der Gefahr und selbst dem Genie -Dundee's nur einen sehr prekären und unvollkommenen Gehorsam -zugestanden. Sie zu zügeln, wenn sie vom Kriegsglück berauscht waren und -sich auf ihre Stärke verlassen zu können glaubten, würde wahrscheinlich -auch für Dundee eine eben so schwere Aufgabe gewesen sein, als sie es -unter der vorhergehenden Generation für Montrose gewesen war. Der neue -General war fortwährend unschlüssig und machte nichts als Fehler. Eine -seiner ersten Maßregeln war, daß er ein starkes Truppencorps, -hauptsächlich aus Robertsons bestehend, ins Niederland schickte, um -Lebensmittel herbeizuschaffen. Er glaubte wahrscheinlich, daß dieses -Detachement ohne Schwierigkeit Perth besetzen werde. Aber Mackay hatte -die Ueberreste seiner Armee schon wieder geordnet, hatte außerdem einige -Truppen an sich gezogen, welche die Schmach der kürzlichen Niederlage -nicht getheilt, und war wieder kampfgerüstet. So schmerzlich er auch den -erlittenen Schlag empfunden, hatte er doch mit weiser Großmuth -beschlossen, das Vergangene nicht zu bestrafen. Es war nicht leicht, die -verschiedenen Grade der Schuld zu unterscheiden, und die Schuldigen zu -decimiren wäre eine grausame Schlächterei gewesen. In Folge seiner -gewohnten Frömmigkeit erblickte er in dem beispiellosen Schrecken, der -sich seiner Soldaten bemächtigt hatte, auch weniger einen Beweis von -Feigheit ihrerseits, als vielmehr von göttlichem Unwillen. Mit -heroischer Demuth erkannte er an, daß die außerordentliche Festigkeit, -die er selbst inmitten der Verwirrung und des Gemetzels an den Tag -gelegt, nicht sein Verdienst sei und daß er sich ohne den Beistand einer -höheren Macht wohl eben so kleinmüthig benommen haben würde wie irgend -einer der feigen Ausreißer, die ihre Waffen fortgeworfen und die -barbarischen Marodeurs von Athol vergebens um Pardon angefleht hatten. -Sein Gottvertrauen hielt ihn jedoch nicht ab, so weit es in menschlichen -Kräften stand, sein Möglichstes zu thun, um der Wiederholung eines -Unglücks, wie er es eben erfahren, vorzubeugen. Die unmittelbare Ursache -seiner Niederlage war die Schwierigkeit des Bajonnetaufsteckens gewesen. -Das Feuergewehr des Hochländers war streng gesondert von der Waffe, -deren er sich im Handgemenge bediente. Er feuerte seinen Schuß ab, warf -sein Gewehr weg und hieb mit seinem Schwerte ein. Dies war das Werk -eines Augenblicks. Dem regulären Infanteristen kostete es zwei bis drei -Minuten Zeit, ehe er sein Schießgewehr in eine Waffe verwandelte, mit -der er einen Feind Mann gegen Mann bekämpfen konnte, und diese wenigen -Minuten hatten den Ausgang der Schlacht von Killiecrankie entschieden. -Mackay ließ daher alle seine Bajonnette so einrichten, daß sie auf den -Lauf gesteckt werden konnten, ohne die Mündung zu verschließen, und daß -seine Leute unmittelbar nachdem sie gefeuert, einem Angriff begegnen -konnten.[113] - - -Gefecht bei St. Johnston's. - -Sobald er erfuhr, daß ein Detachement gegen Perth anrückte, eilte er -demselben an der Spitze einer Dragonerabtheilung entgegen, welche noch -nicht im Feuer gewesen und deren Kraft daher noch ungeschwächt war. -Mittwoch den 31. Juli, nur vier Tage nach seiner Niederlage, traf er -unweit St. Johnston's mit den Robertsons zusammen, griff sie an, schlug -sie, tödtete Hundertzwanzig von ihnen und nahm Dreißig gefangen, dies -Alles mit Verlust eines einzigen Soldaten.[114] Dieses Scharmützel -machte einen Eindruck, der in keinem Verhältniß zu der Zahl der -Kämpfenden wie der Gefallenen stand. Das Ansehen der celtischen Waffen -sank fast eben so rasch als es gestiegen war. Noch vor wenigen Tagen -hatte man überall geglaubt, daß diese Waffen unüberwindlich seien. Jetzt -trat eine Reaction ein. Man erkannte, daß der Vorfall bei Killiecrankie -eine Ausnahme von den gewöhnlichen Regeln und daß die Hochländer, wenn -nicht ganz besondere Umstände obwalteten, guten regulären Soldaten nicht -gewachsen seien. - - -Unordnung in der hochländischen Armee. - -Inzwischen nahm die Unordnung in Cameron's Lager mehr und mehr zu. Er -berief einen Kriegsrath zusammen, um zu erwägen, was zu thun sei. Sobald -aber der Kriegsrath versammelt war; wurde eine Vorfrage aufgeworfen. Wer -war dazu berechtigt, consultirt zu werden? Die Armee war fast -ausschließlich eine hochländische. Der neuerliche Sieg war -ausschließlich durch hochländische Krieger erfochten worden. Mächtige -Häuptlinge, welche sechs- bis siebenhundert kampffähige Männer ins Feld -gestellt hatten, hielten es nicht für recht und billig, daß sie durch -Gentlemen aus Irland und dem Niederlande überstimmt werden sollten, -welche zwar in König Jakob's Diensten standen und Obersten und -Hauptleute genannt wurden, aber Obersten ohne Regimenter und Hauptleute -ohne Compagnien waren. Lochiel sprach energisch im Interesse der Klasse, -der er angehörte; Cannon aber beschloß, daß die Stimmen der sächsischen -Offiziere mitgezählt werden sollten.[115] - -Es wurde nun zunächst in Erwägung gezogen, welcher Feldzugsplan zu -befolgen sei. Lochiel war dafür, vorzurücken, Mackay entgegen zu -marschiren, wo er auch sein möge, und abermals eine Schlacht zu liefern. -Es ist kaum anzunehmen, daß das Glück dem klugen Häuptling der Camerons -den Kopf dergestalt verrückt haben sollte, daß er die Gefährlichkeit des -Verfahrens nicht erkannte, zu dem er gerathen. Aber er sah -wahrscheinlich ein, daß ihm nur die Wahl zwischen verschiedenen Gefahren -blieb. Er war der Meinung, daß energisches Handeln für das Bestehen -einer Hochländerarmee überhaupt nothwendig sei und daß die Coalition der -Clans nur so lange dauern werde, als sie hastig von Schlachtfeld zu -Schlachtfeld eilten. Er wurde abermals überstimmt. Alle seine -Siegeshoffnungen waren nun zertrümmert. Sein Stolz fühlte sich tief -gekränkt. Er hatte sich dem Uebergewicht eines großen Feldherrn gefügt, -aber an einem königlichen Patent lag ihm so wenig wie irgend einem Whig. -Er hatte sich bereit finden lassen, die rechte Hand Dundee's zu sein, -von einem Cannon aber wollte er sich nicht befehlen lassen. Er verließ -das Lager und zog sich nach Lochaber zurück. Seinem Clan befahl er zwar -zu bleiben, aber der Clan, des angebeteten Führers beraubt und wohl -wissend, daß er sich in unmuthiger Stimmung entfernt hatte, war nicht -mehr die furchtbare Colonne, welche das Gelübde, zu sterben oder zu -siegen, vor einigen Tagen so gut gehalten hatte. Macdonald von Sleat, -dessen Streitkräfte der Zahl nach die jedes andren der verbündeten -Häuptlinge übertrafen, folgte Lochiel's Beispiel und kehrte nach Sky -zurück.[116] - - -Mackay's Rath wird von den schottischen Ministern nicht beachtet. - -Mackay hatte inzwischen seine Anordnungen vollendet und er hegte wenig -Zweifel, daß, wenn die Rebellen ihn angreifen sollten, die reguläre -Armee ihre bei Killiecrankie verlorne Ehre wiedergewinnen würde. Seine -Hauptschwierigkeiten entsprangen aus der unklugen Einmischung der -Minister der Krone zu Edinburg in Dinge, welche seiner alleinigen -Leitung hätten überlassen bleiben sollen. Die Sache war die, daß sie -nach der gewöhnlichen Art solcher Leute, welche ohne militärische -Erfahrung über militärische Operationen urtheilen, den Erfolg als -einzigen Prüfstein für die Tüchtigkeit eines Oberbefehlshabers -betrachteten. Wer eine Schlacht gewinnt, ist in den Augen dieser Leute -ein großer General, wer geschlagen wird, ist ein schlechter General, und -nie war ein General vollständiger geschlagen worden als Mackay. Wilhelm -dagegen schenkte seinem unglücklichen Leutnant nach wie vor das -vollkommenste Vertrauen. Auf die Verunglimpfungen der Kritiker, welche -nie ein Gefecht gesehen hatten, erwiederte Portland auf Befehl seines -Gebieters, daß Mackay volles Vertrauen verdiene, daß er tapfer sei, daß -er den Krieg besser verstehe als irgend ein andrer Offizier in -Schottland und daß es sehr zu bedauern sei, wenn man gegen einen so -guten Menschen und einen so guten Soldaten ein Vorurtheil hege.[117] - - -Die Camerons werden nach Dunkeld verlegt. - -Die ungerechte Geringschätzung, mit der die schottischen Staatsräthe -Mackay betrachteten, verleitete sie zu einem großen Fehler, der leicht -ein großes Unglück hätte nach sich ziehen können. Das Cameron'sche -Regiment wurde nach Dunkeld in Garnison gelegt. Diese Maßregel -mißbilligte Mackay entschieden. Er wußte, daß diese Truppen in Dunkeld -dem Feinde nahe, daß sie von jedem Beistande entfernt, daß sie in einer -offenen Stadt und von einer feindlichen Bevölkerung umgeben sein würden, -daß sie, obgleich unzweifelhaft tapfer und voll Eifers, doch sehr -unvollkommen disciplinirt waren, daß sie von der ganzen jakobitischen -Partei in Schottland mit besonderem Mißfallen betrachtet wurden und daß -aller Wahrscheinlichkeit nach große Anstrengungen gemacht werden würden, -sie zu beschimpfen und zu vernichten.[118] - -Die Ansicht des Generals wurde nicht beachtet und die Camerons besetzten -den ihnen angewiesenen Posten. Es zeigte sich bald, daß seine Ahnungen -gegründet waren. Die Bewohner der Umgegend von Dunkeld versahen Cannon -mit Kundschaft und drangen in ihn einen kühnen Schlag zu versuchen. Das -beutelustige Landvolk von Athol schloß sich in großer Anzahl seiner -Armee an. Das Regiment erwartete stündlich angegriffen zu werden, und -wurde mißmuthig und unruhig. Die Mannschaften, welche von Natur sowohl -wie aus Enthusiasmus unerschrocken, aber noch nicht an militärische -Subordination gewöhnt waren, beschwerten sich über Cleland, der sie -befehligte. Sie glaubten rücksichtslos, wenn nicht arglistigerweise -einem sicheren Untergange entgegengeschickt worden zu sein. Sie seien, -meinten sie, durch keine Wälle geschützt, hätten nur geringen -Munitionsvorrath und seien von Feinden umgeben. Ein Offizier könne -aufsitzen und in einer Stunde außer dem Bereiche der Gefahr sein; der -gemeine Soldat aber müsse bleiben und sich niedermachen lassen. »Weder -ich,« sagte Cleland, »noch irgend ein andrer meiner Offiziere wird Euch -verlassen, was auch geschehen möge. Führt mein Pferd vor, führt alle -unsere Pferde vor, sie sollen todtgeschossen werden.« Diese Worte -bewirkten eine vollständige Sinnesänderung. Die Mannschaften erwiederten -darauf, daß die Pferde nicht todtgeschossen werden sollten, daß das Wort -ihres tapferen Obersten die beste Bürgschaft für sie sei und daß sie mit -ihm das Aeußerste wagen würden. Sie hielten ihr Versprechen treulich. -Das puritanische Blut war jetzt gründlich aufgeregt, und was dieses Blut -vermochte, wenn es aufgeregt war, hatte es auf vielen Schlachtfeldern -bewiesen. - - -Die Hochländer greifen das Regiment Cameron an. - -Das Regiment blieb diese Nacht unter den Waffen, und am Morgen des -folgenden Tages, des 21. August, wimmelte es auf allen Anhöhen um -Dunkeld von schottischen Mützen und Plaids. Cannon's Armee war viel -stärker als die, welche Dundee befehligt hatte. Mehr als tausend -Bagagepferde begleiteten ihn auf dem Marsche. Die Pferde sowohl, wie das -Gepäck, welches sie trugen, waren wahrscheinlich ein Theil der -Kriegsbeute von Killiecrankie. Die Gesammtmacht der Hochländer wurde von -Augenzeugen auf vier bis fünftausend Mann geschätzt. Sie kamen wüthend -herangestürmt, warfen die Vorposten des Cameron'schen Regiments zurück -und drangen von allen Seiten in die Straßen. Die Kirche hielt sich -jedoch hartnäckig. Der größere Theil des Regiments aber stand hinter -einer Mauer, welche ein dem Marquis von Athol gehörendes Haus umgab. -Diese Mauer, welche einige Tage zuvor mit Holz und losen Steinen eiligst -ausgebessert worden war, vertheidigten die Soldaten tapfer mit Muskete, -Pike und Hellebarde. Ihr Kugelvorrath war bald erschöpft, aber einige -von der Mannschaft mußten das Blei vom Dache des Hauses des Marquis -losschneiden und es zu Geschossen formen. Mittlerweile wurden alle -benachbarten Häuser von oben bis unten mit Hochländern besetzt, welche -aus den Fenstern ein wirksames Feuer unterhielten. Cleland wurde -getödtet, während er seine Leute anfeuerte, und Major Henderson übernahm -das Commando. In der nächsten Minute fiel auch Henderson, von drei -Kugeln getroffen. Hauptmann Munro trat an seine Stelle und der Kampf -ward mit unverminderter Wuth fortgesetzt. Eine Abtheilung des -Cameron'schen Regiments machte einen Ausfall, steckte die Häuser, aus -denen die verderblichen Schüsse kamen, in Brand und verschloß die -Thüren. In einem einzigen Hause verbrannten sechzehn Mann lebendig. -Theilnehmer an dem Gefecht schilderten es als eine furchtbare Feuertaufe -für Rekruten. Die halbe Stadt stand in Flammen und mit dem -unaufhörlichen Knattern der Schüsse vermischte sich das durchdringende -Geschrei der Unglücklichen, welche im Feuer umkamen. Der Kampf dauerte -vier Stunden. Das Cameron'sche Regiment war jetzt fast bis auf das -letzte Pulverhorn reducirt, aber der Muth der Leute wankte nicht. »Der -Feind wird bald die Mauer erstürmen. Es sei. Wir werden uns dann in das -Haus zurückziehen, es bis aufs Aeußerste vertheidigen und, wenn sie -hereindringen sollten, es über ihren und unseren Köpfen anzünden.« -Während sie jedoch mit diesen verzweifelten Plänen umgingen, bemerkten -sie, daß die Heftigkeit des Angriffs nachließ. Die Hochländer begannen -bald zurückzuweichen, es verbreitete sich sichtbare Unordnung unter -ihnen und ganze Schaaren marschirten dem Gebirge zu. Umsonst befahl -ihnen ihr General zum Angriff zurückzukehren; Beharrlichkeit gehörte -nicht zu ihren militärischen Tugenden. Die Camerons luden inzwischen -Amalek und Moab mit herausforderndem Geschrei ein zurückzukommen und -noch einmal gegen das auserwählte Volk ihr Heil zu versuchen. Aber diese -Aufforderungen hatten ebenso wenig Erfolg wie die Cannon's. In kurzer -Zeit war die ganze gälische Armee in vollem Rückzuge gegen Blair. Jetzt -wirbelten die Trommeln, die siegreichen Puritaner warfen ihre Mützen in -die Luft, stimmten aus einem Munde einen Psalm des Triumphes und des -Dankes an und schwenkten ihre Fahnen, welche an diesem Tage zum ersten -Male angesichts eines Feindes entrollt wurden, die aber seitdem stolz -nach allen Welttheilen getragen worden und die jetzt mit einer Sphinx -und einem Drachen, den Emblemen der in Egypten und China vollbrachten -Heldenthaten, geschmückt sind.[119] - - -Auflösung der hochländischen Armee. - -Das Cameron'sche Regiment hatte guten Grund, erfreut und dankbar zu -sein, denn es hatte dem Kriege ein Ende gemacht. Im Lager der Rebellen -herrschte nichts als Uneinigkeit und Entmuthigung. Die Hochländer -tadelten Cannon, Cannon tadelte die Hochländer, und das Heer, welches -der Schrecken Schottland's gewesen war, ging rasch seiner Auflösung -entgegen. Die verbündeten Häuptlinge unterzeichneten einen -gemeinschaftlichen Vertrag, durch den sie sich für treue Unterthanen -König Jakob's erklärten und sich verpflichteten, später wieder -zusammenzutreten. Nachdem sie diese Formalität -- denn weiter war es -nichts -- beobachtet hatten, begab sich jeder in seine Heimath. Cannon -kehrte mit seinen Irländern auf die Insel Mull zurück, und die -Niederländer,[120] welche Dundee ins Gebirge begleitet hatten, sorgten -für sich so gut sie konnten. Am 24. August, gerade vier Wochen nachdem -die gälische Armee die Schlacht von Killiecrankie gewonnen, hatte diese -Armee aufgehört zu existiren. Sie hatte aufgehört zu existiren wie die -Armee Montrose's über vierzig Jahre früher aufhörte zu existiren, nicht -in Folge eines vernichtenden Schlages von Außen, sondern durch eine -natürliche Auflösung, das Resultat innerer Mißbildung. Die Besiegten -ernteten alle Früchte des Sieges. Das Schloß Blair, welches das -unmittelbare Streitobject gewesen war, öffnete Mackay seine Thore, und -eine Kette von Militärposten, die sich nördlich bis Inverneß erstreckte, -schützte die Landleute in der Ebene gegen die räuberischen Einfälle der -Gebirgsbewohner. - - -Intriguen des Clubs, Zustand des Niederlandes. - -Während des Herbstes machten die Whigs des Niederlandes der Regierung -viel mehr zu schaffen, als die Jakobiten des Hochlandes. Der Club, der -zur Zeit der letzten Parlamentssession das Land in eine oligarchische -Republik zu verwandeln versucht und die Stände dazu vermocht hatte, -Geldzuschüsse zu verweigern und die Justizverwaltung zu sistiren, hielt -auch während der Suspension des Parlaments nach wie vor seine Sitzungen -und peinigte die Minister der Krone durch systematische Agitation. So -verächtlich die Organisation dieses Vereins der Generation erscheinen -mag, welche die römischkatholische Association und die Ligue gegen die -Korngesetze gesehen hat, damals galt sie für ausgezeichnet und -furchtbar. Die Häupter der Verbindung rühmten sich laut, daß sie den -König zwingen würden, ihnen gerecht zu werden. Sie brachten Petitionen -und Adressen zu Stande, suchten mit Hülfe der Presse und der Kanzel die -Waffen aufzuregen, bearbeiteten die Soldaten durch Emissäre und sprachen -davon, ein starkes Heer Covenanters aus dem Westen herbeizuziehen, um -den Geheimen Rath einzuschüchtern. Trotz aller Kunstgriffe aber legte -sich die Gährung des Volks allmälig. Nach kurzem Zaudern wagte es die -Regierung, die von den Ständen geschlossenen Gerichtshöfe wieder zu -öffnen, die vom König ernannten Sessionslords nahmen ihre Plätze ein, -und Sir Jakob Dalrymple präsidirte. Der Club bemühte sich nun, die -Advokaten von der Barre zurückzuhalten und hegte einige Hoffnung, daß -der Pöbel die Richter von der Bank verjagen werde. Allein es zeigte sich -sehr bald deutlich, daß eher Mangel an Gebühren als an Anwälten, um -dieselben einzustreichen, zu erwarten stand; das Volk sah sehr gern -wieder ein Tribunal fungiren, das in seinen Augen ein nothwendiges -Attribut des Ansehens und Gedeihens seiner Stadt war, und aus vielen -Anzeichen ließ sich erkennen, daß die falsche und habgierige Partei, -welche die Majorität der Legislatur beherrscht hatte, nicht auch die -Majorität der Nation beherrschte.[121] - ----------- - -[Fußnote 1: ^Act. Parl. Scot., Aug. 31. 1689.^] - -[Fußnote 2: ^Balcarras's Memoirs; Short History of the Revolution in -Scotland in a letter from a Scotch gentleman in Amsterdam to his friend -in London, 1712.^] - -[Fußnote 3: ^Balcarras's Memoirs; Life of James, II. 341.^] - -[Fußnote 4: ^A Memorial for His Highness the Prince of Orange in -relation to the Affairs of Scotland, by two Persons of Quality, 1689.^] - -[Fußnote 5: ^Rabbled^ sagte man in der Landessprache, ein aus ^rabble^, -Pöbel, gebildetes Zeitwort, daß sich im Deutschen nicht erschöpfend -wiedergeben läßt. -- D. Uebers.] - -[Fußnote 6: Siehe Calvin's Brief an Haller, ^IV. Non. Jan. 1551.^ -»^Priusquam urbem unquam ingrederer, nullae prorsus erant feriae.^«] - -[Fußnote 7: In ^The Act, Declamation and Testimony of the Seceders, -dated in December 1736^, heißt es, daß »unter Autorität des Parlaments -der Beobachtung der Feiertage in Schottland durch Suspension der -Thätigkeit unserer angesehensten Gerichtshöfe Vorschub geleistet wird.« -Dies wird für eine Nationalsünde und für einen Grund des Unwillens -Gottes erklärt. Im März 1758 richtete die Vereinigte Synode eine -»Feierliche Warnung« an die Nation, worin die nämliche Klage wiederholt -wird. Ein einfältiger Mensch, dessen Unsinn sogar in unseren Tagen für -werth gehalten worden ist, neu gedruckt zu werden, sagt: »Ich -hinterlasse mein Zeugniß gegen die abscheuliche Acte der Königin Anna -und ihres angeblichen britischen, in Wirklichkeit aber viehischen -(^brutish^) Parlaments, welche die Beobachtung der sogenannten -Yul-Ferien (^Yule Vacancy^) vorschreibt.« ^The Dying Testimony of -William Wilson, sometime Schoolmaster in Park in the Parish of Douglas, -aged 68, who died in 1757.^] - -[Fußnote 8: ^An Account of the Present Persecution of the Church in -Scotland, in several Letters, 1690; The Case of the afflicted Clergy in -Scotland truly represented, 1690; Faithful Contendings Displayed; Burnet -I. 805.^] - -[Fußnote 9: Die Formel dieser Benachrichtigung findet man in dem Buche: -^Faithful Contendings Displayed.^] - -[Fußnote 10: ^Account of the Present Persecution, 1690; Case of the -afflicted Clergy, 1690; A true Account of that Interruption that was -made of the Service of God on Sunday last, being the 17th of February -1689, signed by James Gibson, acting for the Lord Provost of Glasgow.^] - -[Fußnote 11: ^Balcarras's Memoirs; Mackay's Memoirs.^] - -[Fußnote 12: ^Burnet II. 21.^] - -[Fußnote 13: Scobell 1654, Kap. 9 und Olivers Verordnung vom 12. April -des nämlichen Jahres.] - -[Fußnote 14: Burnet und Fletcher von Saltoun sprechen von dem -Aufschwunge Schottland's unter dem Protector, schreiben es aber einer -Ursache zu, welche eine solche Wirkung keineswegs hervorzubringen -vermochte. »Es wurde,« sagte Burnet, »eine ansehnliche Truppenmacht von -etwa sieben- bis achttausend Mann in Schottland unterhalten. Der Sold -dieser Armee brachte soviel Geld ins Land, daß es während dieser ganzen -Zeit in einem, sehr blühenden Zustande blieb ... Wir werden diese acht -Jahre der Usurpation stets als eine Zeit großen Friedens und Gedeihens -betrachten.« »Zur Zeit des Usurpators Cromwell,« sagt Fletcher, -»glaubten wir uns bezüglich des letzteren Punktes (Handel und Geld) in -einer erträglichen Lage zu befinden in Folge des Aufwandes, den die -Truppen machten, welche uns in Unterwürfigkeit erhielten.« Die richtige -Erklärung der Erscheinung, über welche Burnet und Fletcher in so großem -Irrthum waren, findet man in einer Flugschrift betitelt: »^Some -reasonable and modest Thoughts partly occasioned by and partly -concerning the Scotch East India Company, Edinburgh, 1696.^« Siehe auch -die Verhandlungen des Mittwochsclubs in Friday Street über eine Union -mit Schottland vom December 1705. Siehe ferner das 7. Kapitel von -Burton's vortrefflicher Geschichte Schottland's.] - -[Fußnote 15: Siehe die Schrift, in welcher die Forderungen der -schottischen Commissare aufgestellt sind. Man findet sie im Anhange zu -De Foe's ^History of de Union^, Nr. 13.] - -[Fußnote 16: ^Act. Parl. Scot.^, 30. Juli 1670.] - -[Fußnote 17: ^Burnet II. 23.^] - -[Fußnote 18: Man sehe zum Beispiel eine Flugschrift betitelt: »^Some -questions resolved concerning episcopal and presbyterian Government in -Scotland, 1690.^« Eine der »Fragen« ist die, ob das schottische -Presbyterium den allgemeinen Neigungen dieses Volks entspreche. Der -Verfasser verneint diese Frage, weil die höheren und mittleren Stände -sich schon vor der Revolution größtentheils der bischöflichen Kirche -conformirt hätten.] - -[Fußnote 19: Die Instructionen befinden sich in den ^Leven and Melville -Papers^ und sind vom 7. März 1688/89 datirt. Bei der ersten Gelegenheit, -wo ich diese werthvolle Sammlung aufführe, kann ich nicht umhin es -anzuerkennen, zu wie großem Danke ich und Alle, die sich für die -Geschichte unsrer Insel interessiren, dem Herrn verpflichtet sind, der -daß Amt eines Herausgebers so vortrefflich erfüllt hat.] - -[Fußnote 20: Ueber die Dalrymple sehe man des Lord Präsidenten eigene -Schriften und darunter seine ^Vindication of the Divine Perfections;^ -ferner ^Wodrow's Analecta; Douglas's Peerage; Lockhardt's Memoirs; -Satyre on the Family of Stairs; Satyric Lines upon the long wished for -and timely Death of the Right Honorable Lady Stairs; Law's Memorials^ -und die ^Hyndford Papers,^ geschrieben 1704/5 und zugleich mit den -Briefen von Carstairs gedruckt. Lockhardt, obgleich ein Todfeind Johann -Dalrymple's, sagt: »Es war Keiner im Parlament, der es mit ihm aufnehmen -konnte.«] - -[Fußnote 21: Ueber Melville sehe man die ^Leven and Melville Papers^ an -verschiedenen Stellen, und die Vorrede; die ^Act. Parl. Scot.^ vom 16. -Juni 1685 und den Anhang unterm 13. Juni; ^Burnet II. 24^, und das -^Burnet M. S. Harl. 6584^.] - -[Fußnote 22: ^Creichton's Memoirs.^] - -[Fußnote 23: ^Mackay's Memoirs.^] - -[Fußnote 24: ^Memoirs of the Lindsays.^] - -[Fußnote 25: Ueber das frühere Verhältniß zwischen Wilhelm und Dundee -haben einige Jakobiten viele Jahre nach dem Tode Beider eine Geschichte -erfunden, welche durch successive Ausschmückungen zu einem Roman wurde, -bei dessen Lesung man sich wundern muß, wie nur ein Kind ihn für wahr -halten konnte. Die letzte Ausgabe lautet wie folgt. Bei Seneff wurde -Wilhelm das Pferd unter dem Leibe getödtet und sein Leben war in der -größten Gefahr. Dundee, damals Kapitain Graham, gab Seiner Hoheit ein -andres Pferd. Wilhelm versprach, diesen Dienst durch Beförderung zu -belohnen, brach aber sein Wort und gab einem andren das Patent, auf -welches er Graham Hoffnung gemacht hatte. Der beleidigte Held ging nach -Loo. Dort traf er seinen glücklichen Rivalen und gab ihm eine Ohrfeige. -Die auf Thätlichkeiten innerhalb des Palastes gesetzte Strafe war der -Verlust der schuldigen rechten Hand; aber der Prinz von Oranien erließ -diese Strafe in ungroßmüthiger Weise. »Sie haben mir,« sagte er, »das -Leben gerettet, ich lasse Ihnen Ihre rechte Hand, so sind wir quitt.« - -Diejenigen, welche bis auf unsre Zeit diesen Unsinn wiederholt haben, -müssen erstens in dem Wahne gewesen sein, daß die Acte Heinrich's VIII. -»zur Bestrafung von Mord und böswilligem Blutvergießen innerhalb des -königlichen Hoflagers« (^Stat. 33 Hen. VIII. c. 2.^) in Geldern Gesetz -war, und zweitens daß Wilhelm 1674 König und sein Haus ein königliches -Hoflager war. Ebenso müssen sie nicht gewußt haben, daß er Loo erst -lange nachdem Dundee die Niederlande verlassen hatte, kaufte. Siehe -Harris' ^Description of Loo, 1699.^ - -Diese Fabel, von der ich in der umfangreichen jakobitischen Literatur -aus Wilhelm's Regierungszeit nicht die geringste Spur habe entdecken -können, scheint etwa ein Vierteljahrhundert nach Dundee's Tode -entstanden zu sein und im Laufe eines weiteren Vierteljahrhunderts sich -zu ihrer vollen Absurdität ausgebildet zu haben.] - -[Fußnote 26: ^Memoirs of the Lindsays.^] - -[Fußnote 27: ^Memoirs of the Lindsays.^] - -[Fußnote 28: ^Balcarras's Memoirs.^] - -[Fußnote 29: ^Burnet II. 22; Memoirs of the Lindsays.^] - -[Fußnote 30: ^Act. Parl. Scot. March 14. 1689; History of the late -Revolution in Scotland, 1690; An Account of the Proceedings of die -Estates of Scotland, fol. London 1689.^] - -[Fußnote 31: Balcarras' Erzählung stellt sowohl Hamilton als Athol in -einem sehr ungünstigen Lichte dar. Siehe auch ^Life of James, II. 338, -339.^] - -[Fußnote 32: ^Act. Parl. Scot. March 14. 1688/89; Balcarras's Memoirs; -History of the late Revolution in Scotland; Life of James, II. 342.^] - -[Fußnote 33: ^Balcarras's Memoirs; History of the late Revolution in -Scotland, 1690.^] - -[Fußnote 34: ^Act. Parl. Scot. March 14, 15. 1689; Balcarras's Memoirs; -London Gazette, March 25; History of the late Revolution in Scotland -1690; Account of the Proceedings of the Estates of Scotland, 1689.^] - -[Fußnote 35: Siehe Cleland's Gedichte und die in demselben Bande -enthaltenen Loblieder, Edinburg 1697. Es ist wiederholt behauptet -worden, dieser Wilhelm Cleland sei der Vater des Steuercommissars -gleichen Namens gewesen, der zwanzig Jahre später in den literarischen -Kreisen London's wohl bekannt war, welcher Pope einige eben nicht sehr -lobenswerthe Dienste leistete und dessen Sohn Johann der Verfasser eines -nur zu weit berühmten Schandbuches war. Dies ist ein vollständiger -Irrthum. Der Wilhelm Cleland, welcher bei der Bothwellbrücke focht, war -noch nicht achtundzwanzig Jahr alt, als er im August 1689 fiel, und der -Steuercommissar Wilhelm Cleland starb in seinem siebenundsechzigsten -Lebensjahre im September 1741. Ersterer kann daher nicht der Vater des -letzteren gewesen sein. Siehe die ^Exact Narrative of the Battle of -Dunkeld,^ das Gentleman's Magazine von 1740 und Warburton's Anmerkung zu -dem Briefe an den Verleger der »Dunciade«, ein Brief, der mit W. Cleland -unterzeichnet, in Wirklichkeit aber von Pope verfaßt ist. In einem -Aufsatze von Sir Robert Hamilton, dem Orakel der extremen Covenanters -und einem blutdürstigen Wüthrich, wird Cleland's als eines ehemaligen -Bundesgenossen dieser Fanatiker, aber nachmaligen heftigen Widersachers -derselben erwähnt. Cleland stimmte wahrscheinlich nicht mit Hamilton -darin überein, die Abschlachtung von Kriegsgefangenen, die sich auf -Pardon ergeben hatten, als eine heilige Pflicht anzusehen. Siehe -Hamilton's ^Letter to the Societies^ vom 7. December 1685.] - -[Fußnote 36: ^Balcarras's Memoirs.^] - -[Fußnote 37: ^Balcarras's Memoirs.^ Den vollständigsten Bericht über -diese Verhandlungen geben jedoch einige handschriftliche Notizen, welche -sich in der Bibliothek der Advokatenfacultät befinden. Balcarras' -Angaben sind nicht ganz genau. Er verließ sich wahrscheinlich zu sehr -auf sein Gedächtniß. Ich habe dieselben nach den Parlamentsacten -berichtigt.] - -[Fußnote 38: ^Act. Parl. Scot. March 16. 1688/89; Balcarras's Memoirs; -History of the late Revolution in Scotland, 1690; Account of the -Proceedings of the Estates of Scotland, 1689; London Gazette, March 25. -1689; Life of James II. 342.^ Burnet irrt sonderbar in Bezug auf diese -Vorgänge.] - -[Fußnote 39: ^Balcarras's Memoirs;^ Manuscript in der Bibliothek der -Advokatenfacultät.] - -[Fußnote 40: ^Act. Parl. Scot. March 19. 1688/89; History of the late -Revolution in Scotland.^] - -[Fußnote 41: Balcarras.] - -[Fußnote 42: Balcarras.] - -[Fußnote 43: ^Act. Parl. Scot; History of the late Revolution, 1690; -Memoirs of North Britain 1715.^] - -[Fußnote 44: Balcarras.] - -[Fußnote 45: Jeder Leser wird sich der Verwünschung erinnern, welche Sir -Walter Scott im fünften Gesange des »Marmion« über die Dummköpfe -aussprach, welche dieses interessante Denkmal entfernten.] - -[Fußnote 46: »Es wird weder sicher noch gut für den König sein, es nach -der Thronbesteigung von einer Parlamentsacte zu erwarten, die es vor -seine Thür legen wird.« Dalrymple an Melville, 5. April 1689; ^Leven and -Melville Papers^.] - -[Fußnote 47: Eine interessante Stelle über diesen Gegenstand findet sich -bei Fortescue.] - -[Fußnote 48: ^Act. Parl. Scot. April 1. 1689; Orders of Committee of -Estates, Mai 16. 1689; London Gazette, April 11.^] - -[Fußnote 49: Da es kürzlich in Abrede gestellt worden ist, daß die -extremen Presbyterianer eine ungünstige Meinung von den Lutheranern -hegten, so will ich zwei entscheidende Beweise für meine oben -aufgestellte Behauptung beibringen. In dem Buche: ^Faithful Contendings -Displayed^ befindet sich ein Bericht über die Vorgänge bei der -Generalversammlung der Vereinigten Covenantergesellschaften vom 24. -October 1688. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob eine Verbindung mit den -Holländern stattfinden solle. »Es ward einstimmig beschlossen,« sagt der -Sekretär der Gesellschaften, »daß wir uns mit den Holländern nicht zu -einem Körper vereinigen, noch förmlich unter ihre Leitung kommen -könnten, da sie ein Gemisch von reformirten lutherischen Uebelgesinnten -und Sectirern seien, mit denen gemeinschaftliche Sache zu machen dem -Zeugniß der Kirche von Schottland widerstreiten würde.« In dem am 2. -October 1707 aufgesetzten »Protest und Testimonium« beschweren sich die -Vereinigten Gesellschaften darüber, daß die Krone »dem Prinzen von -Hannover verliehen worden sei, der in der lutherischen Religion erzogen -und aufgewachsen ist, welche, wie allgemein bekannt, nicht allein -abweicht von der Reinheit in Lehre, Reformation und Glauben, die wir in -diesen Nationen erreicht hatten, sondern derselben in vielen Dingen -sogar zuwiderläuft.« Sie setzen hinzu: »Die Annahme einer solchen Person -zum Herrscher über uns widerstreitet nicht nur unserm feierlichen Bund -und Covenant, sondern dem Worte Gottes selbst: 5. Buch Mosis XVII.«] - -[Fußnote 50: ^History of the late Revolution in Scotland; London -Gazette, Mai 16. 1689.^ Der officielle Bericht über die Vorgänge war -offenbar mit großer Sorgfalt abgefaßt. Siehe auch das ^Royal Diary, -1702^. Der Verfasser dieses Werks versichert, daß er seine Angaben den -Mittheilungen eines Geistlichen verdanke, welcher anwesend war.] - -[Fußnote 51: Siehe Crawford's Briefe und Reden an verschiedenen Stellen. -Seine Art und Weise, um eine Stelle anzusuchen, war eigenthümlich. -Nachdem er, nicht ohne Grund, zugegeben hatte, daß sein Herz voller -Arglist und verzweifelt sündig sei, fuhr er fort: »Das nämliche -allmächtige Wesen, welches gesagt hat: Wenn die Armen und Bedürftigen -Wasser suchen und es ist keins da und ihre Zunge verschmachtet vor -Durst, wird Er sie nicht verlassen, -- kann mir trotz meiner jetzigen -dürftigen Umstände ein Haus bauen, wenn es dies für gut findet.« -- -Brief an Melville vom 28. Mai 1689. Ueber Crawford's Armuth und sein -Verlangen nach bischöflichen Ländereien sehe man seinen Brief an -Melville vom 4. December 1690. Ueber seine Humanität siehe seine Briefe -an Melville vom 11. December 1690. Alle diese Briefe findet man in den -^Leven and Melville Papers^. Der Verfasser von: ^An Account of the Late -Establishment of Presbyterian Government^ sagt von Jemandem, der sich -mit zehn oder zwölf Pfund Sterling hatte bestechen lassen: »Wäre er so -arm gewesen wie Mylord Crawford, so würde er vielleicht eher zu -entschuldigen gewesen sein.« Siehe auch die Dedication der berühmten -Schrift: ^Scotch Presbyterian Eloquence Displayed.^] - -[Fußnote 52: ^Burnet II. 23. 24; Fountainhall Papers,^ 13. Aug. 1684, -14., 15. Oct. 1684, 3. Mai 1685; Montgomery an Melville, 23. Juni 1689 -in den ^Leven and Melville Papers; Pretences of the French Invasion -Examined, licensed May 25. 1692.^] - -[Fußnote 53: Siehe ^The Life and Correspondence of Carstairs^ und die -interessanten Abhandlungen über ihn in den 1854 gedruckten ^Caldwell -Papers^. Ferner seine Characteristik von Mackay und Swift's Note. -Swift's Wort kann gegen einen Schotten und Presbyterianer kein Gewicht -haben. Ich glaube jedoch, daß Carstairs, obgleich im Wesentlichen ein -rechtschaffener und frommer Mann, sein gutes Theil von der Klugheit der -Schlange besaß.] - -[Fußnote 54: Sir Johann Dalrymple an Lord Melville, 18., 20., 25. Juni -1689; ^Leven and Melville Papers^.] - -[Fußnote 55: In dem 1704 geschriebenen und in den ^Carstairs Papers^ -abgedruckten Hyndford-Manuscripte kommt eine ergötzliche Beschreibung -Sir Patrick's vor: »Er liebt wohleinstudirte Reden und kann selbst -Privatfreunden ohne solche kaum Audienz geben.«] - -[Fußnote 56: »Niemand ist thätiger als Saltoun, obgleich nicht -Mitglied.« Lockhart an Melville, 11. Juli 1689; ^Leven and Melville -Papers^. Siehe Fletcher's eigene Werke und die Beschreibungen von ihm in -Lockhart's und Mackay's Memoiren.] - -[Fußnote 57: Dalrymple sagt in einem Briefe vom 5. Juni: »Alle -Uebelgesinnten sind aus Furcht in den Club gekommen, und sie stimmen -Alle gleich.«] - -[Fußnote 58: Balcarras.] - -[Fußnote 59: »Soll ich Sie mit einer Schilderung dieses unfruchtbaren -Landes langweilen, wo ich Sie über Berge, ganz braun von Haidekraut, -oder durch Thäler führen muß, welche kaum Futter genug für ein Kaninchen -enthalten? ... Jeder Punkt des Landes bietet die nämliche reizlose -Landschaft dar. Kein Gehölz oder Bach erfreut den Fremden durch seine -trauliche Musik.« -- Goldsmith an Bryanton, Edinburg, 26. September -1753. In einem bald nachher aus Leyden an den ehrwürdigen Thomas -Contarine geschriebenen Briefe sagt Goldsmith: »Ich war ganz versunken -in das Anschauen der Gegend. Nichts kann der Schönheit derselben -gleichkommen. Wohin ich den Blick wendete, überall zeigten sich schöne -Häuser, anmuthige Gärten, Statuen, Grotten und Fernsichten. Schottland -bildet mit diesem Lande den grellsten Contrast: dort versperren Hügel -und Felsen jede Aussicht; hier ist Alles eine ununterbrochene Ebene.« -Siehe den Anhang C. zum ersten Bande von Mr. Forster's ^Life of -Goldsmith^.] - -[Fußnote 60: ^Northern Memoirs, by R. Franck Philanthropus, 1694.^ Der -Verfasser hatte etwas von der Scenerie der Hochlande gesehen, und er -spricht davon fast ganz so wie Burt unter der folgenden Generation: »Es -ist ein verwahrloster Theil der Schöpfung, Schutt, der beim Prachtbau -der Welt bei Seite geworfen wurde, und eben so arm an Form und Gestalt -wie die Eingebornen an Moral und guten Sitten.«] - -[Fußnote 61: ^Journey through Scotland, by the author of the Journey -through England, 1723.^] - -[Fußnote 62: Fast alle diese Umstände sind Burt's Briefen entlehnt. -Bezüglich des Theers ist meine Quelle Cleland's Poesie. In seinen Versen -über den »^Highland Host^« sagt er: - - »Dieweil sie sind beschmiert mit Theer, - Der ihren Kopf und Hals beschützt, - Ganz wie bei ihren Schafen.«] - -[Fußnote 63: Ein schlagender Beleg für die Meinung, welche der Bewohner -des Niederlandes von dem Hochländer hegte und die sich von jenem auch -den Engländern mittheilte, findet man in einem Bande ^Miscellanies^, von -Afra Behn im Jahre 1685 herausgegeben. Eines der interessantesten Stücke -dieser Sammlung ist ein rohes und profanes schottisches Gedicht -betitelt: »Wie der erste Hochländer gemacht wurde.« Wie und aus welchen -Stoffen er gemacht wurde, wage ich nicht zu erzählen. Das unmittelbar -auf seine Schöpfung folgende Gespräch aber wird, wie ich hoffe, hier -ohne großen Anstoß einen Platz finden dürfen. - - Spricht Gott zum Hochlandsmann: »Wohin willst Du?« - »Ich will ins Niederland hinab, o Herr, zu stehlen eine Kuh.« - »Pfui!« sagt St. Peter, »wirst ein arger Sünder werden, - Wenn Du schon stehlen willst, kaum angelangt auf Erden.« - »Hm!« drauf der Hochlandsmann mit einem Schwure spricht, - »So lang ich stehlen kann, arbeit' ich nicht.« - -Ein andrer schottischer Niederländer, der tapfre Oberst Cleland, -beschreibt den Hochländer um die nämliche Zeit in gleicher Weise - - Ein einz'ges ihr mißfäll'ges Wort - Kann treiben sie zu einem Mord. - Und wollt Ihr wissen was sie thut? - Sie lebt nur von gestohlnem Gut. - -Ganz in ähnlichem Sinne sind die wenigen Worte, welche Franck -Philanthropus (1694) den Hochländern widmet: »Sie leben wie große Herren -und sterben wie Taugenichtse, hassen die Arbeit und haben keinen Kredit, -um zu borgen; sie unternehmen Raubzüge und bestehlen ihre Nachbarn.« In -der 1690 in Edinburg gedruckten ^History of the Revolution in Scotland^ -kommt folgende Stelle vor: »Die schottischen Hochländer sind Elende, die -sich nur in so weit um Ehre, Freundschaft, Gehorsam und Regierung -kümmern, als sie sich durch eine Aenderung in den Angelegenheiten oder -durch eine Revolution in der Regierung Gelegenheit verschaffen können, -ihre Grenznachbarn zu bestehlen oder auszuplündern.«] - -[Fußnote 64: Nachdem diese Stelle geschrieben war, fand ich mit großem -Vergnügen, daß Lord Fountainhall im Juli 1676 ganz den nämlichen -Vergleich anwendete, der mir aufgestoßen ist. Er sagt, daß Argyle's -ehrgeiziges Streben nach der Oberherrschaft über die Hochlande und über -die westlichen Inseln Mull, Ila &c. andere Clans zu einem Bündnisse -aufreizte, um ihn zu demüthigen, wie die Mächte Deutschland, Spanien, -Holland &c. sich gegen die Vergrößerung der französischen Macht -verbündeten.] - -[Fußnote 65: In der Einleitung zu den Memoiren Sir Ewan Cameron's findet -sich eine sehr verständige Bemerkung: »Es mag paradox klingen, aber der -Herausgeber kann nicht umhin, die Vermuthung auszusprechen, daß die -Beweggründe, welche die Hochländer veranlaßten, den König Jakob zu -unterstützen, im Wesentlichen dieselben waren die diejenigen, unter -deren Einflusse die Anstifter der Revolution handelten.« Die ganze -Einleitung verdient überhaupt gelesen zu werden.] - -[Fußnote 66: ^Skene's Highlanders of Scotland; Douglas's Baronage of -Scotland.^] - -[Fußnote 67: Siehe ^The Memoirs of the Life of Sir Ewan Cameron^, und -^The Historical and Genealogical Account of the Clan Maclean, by a -Senachie^. Obgleich das letztgenannte Werk erst 1838 erschien, so -scheint doch der Verfasser desselben von einem eben so heftigen Hasse -beseelt gewesen zu sein als der, mit welchem die Macleans des 17. -Jahrhunderts die Campbells betrachteten. Auf dem kleinen Raume einer -einzigen Seite wird der Marquis von Argyle »der diabolische schottische -Cromwell«, »der gemeine, rachsüchtige Verfolger«, »der nichtswürdige -Verräther«, und »der Betrüger Argyle« genannt. Auf einer andren Seite -ist er »der heimtückische, an Schurkereien furchtbare Campbell«, »der -habgierige Sklave«, »der feige Argyle« und »der schottische Verräther.« -Auf der nächsten Seite heißt er »der niedrige und rachsüchtige Feind des -Hauses Maclean«, »der heuchlerische Covenanter«, »der unverbesserliche -Verräther«, »der feige und boshafte Feind.« Es ist ein Glück, daß so -heftige Leidenschaften sich heutzutage nur noch in Schmähungen Luft -machen können.] - -[Fußnote 68: Brief von Avaux an Ludwig vom 6. (16.) April 1689, dem eine -Abhandlung beigeschlossen ist, betitelt: ^Mémoire du Chevalier -Macklean^.] - -[Fußnote 69: Siehe die höchst interessanten Memoiren Sir Ewan Cameron's -von Lochiel, 1842 in Edinburg für den Abbotsfordclub gedruckt. Das -Manuscript muß mindestens hundert Jahre älter gewesen sein. Man -vergleiche auch in dem nämlichen Werke die Erzählung des Todes Sir -Ewan's, den ^Balhadie Papers^ entlehnt. Ich muß bemerken, daß der -Herausgeber der Memoiren Sir Ewan's zwar über die Angelegenheiten der -Hochlande und über den Character der vornehmsten Häuptlinge gut -unterrichtet, in Bezug auf englische Politik und Geschichte aber sehr -unwissend war. Ich will anführen, was Van Citters unterm 26. Nov. (6. -Dec.) 1689 über Lochiel an die Generalstaaten schrieb: »^Sir Evan -Cameron, Lord Locheale, een man -- soo ick hoor van die hem lange gekent -en dagelyk hebben mede omgegaan, -- van so groot verstant, courage, en -beleyt, als weyniges syns gelycke syn.^«] - -[Fußnote 70: ^Act. Parl. July 5. 1661.^] - -[Fußnote 71: Siehe Burt's dritten und vierten Brief. In den ersten -Ausgaben befindet sich eine Abbildung von dem Marktkeuze von Inverneß -und von dem Straßentheile, wo die Kaufleute ihre Zusammenkünfte hielten. - -Ich muß hier bemerken, wie sehr ich Mr. Robert Carruthers verpflichtet -bin, der so freundlich war, mir manche interessante Auskunft über -Inverneß zu geben und mir einige Auszüge aus den städtischen Acten zu -liefern.] - -[Fußnote 72: Ich verdanke Mr. Carruthers eine Abschrift von den -Forderungen der Macdonalds und von der Antwort des Stadtraths.] - -[Fußnote 73: Colt's Aussage im Anhange zu den Parlamentsacten vom 14. -Juli 1690.] - -[Fußnote 74: Siehe die Biographie Sir Ewan Cameron's.] - -[Fußnote 75: ^Balcarras's Memoirs; History of the late Revolution in -Scotland.^] - -[Fußnote 76: Unter den ^Nairne Papers^ in der Bodlejanischen Bibliothek -befindet sich ein interessantes Manuscript, betitelt: »^Journal de ce -qui c'est passé en Irlande depuis l'arrivée de sa Majesté.^« Es finden -sich in diesem Tagebuche englische und französische Anmerkungen und -Correcturen, die englischen von Jakob's Hand, die französischen von -Melfort's Hand. Die von Hamilton aufgefangenen Briefe sind darin -erwähnt, und zwar in einer Weise, welche deutlich zeigt, daß sie ächt -waren; auch findet man nirgends die geringste Andeutung, daß Jakob sie -gemißbilligt hätte.] - -[Fußnote 77: »Der Viscount von Dundee«, schreibt Balcarras an Jakob, -»dachte auch nicht daran, ohne weitere Befehle von Ihnen nach den -Hochlanden zu gehen, bis eine Truppenabtheilung zu seiner Verhaftung -ausgesandt wurde.«] - -[Fußnote 78: Siehe den an Jakob nach Irland gesandten Bericht, den er am -7. Juli 1689 empfing. Er befindet sich unter den ^Nairne Papers^. Ferner -sehe man die Memoiren Dundee's, 1714, Sir Ewan Cameron's, Balcarras' und -Mackay's. Diese Erzählungen stimmen jedoch weder mit einander noch mit -den Mittheilungen, die ich aus Inverneß erhielt, völlig überein.] - -[Fußnote 79: Memoiren Dundee's; Tarbet an Melville von 1. Juni 1689 in -den ^Leven and Melville Papers^.] - -[Fußnote 80: Erzählung in den ^Nairne Papers^, Aussagen Colt's, -Osburne's, Malcolm's und Stewart's von Ballachan im Anhange zu den -Parlamentsacten vom 14. Juli 1690; ^Memoirs of Sir Ewan Cameron^. Einige -wenige Züge habe ich einer englischen Uebersetzung einiger Stellen aus -einem verloren gegangenen epischen Gedicht in lateinischer Sprache, die -Grameis genannt, entnommen. Der Verfasser desselben war ein eifriger -Jakobit, Namens Philipps. Die im Jahre 1714 erschienenen Memoiren -Dundee's habe ich nur selten und nie ohne Mißtrauen benutzt. Der -Herausgeber derselben war gewiß nicht, wie er vorgiebt, einer von -Dundee's Offizieren, sondern ein einfältiger und unwissender Scribent -aus Grub Street. Seine Angaben in Betreff des Schauplatzes wie des -Datums der Schlacht von Killiecrankie sind ganz falsch. Er sagt, sie sei -an den Ufern des Tummell und am 13. Juni geschlagen worden. Aber sie -wurde an den Ufern des Garry und am 27. Juli geschlagen. Nachdem ich ein -solches Beispiel von Ungenauigkeit angeführt, würde es unnütz sein, -kleinere Fehler nachzuweisen.] - -[Fußnote 81: Aus einem Briefe von Archibald, Earl von Argyle, an -Lauderdale, datirt vom 25. Juni 1664, ist ersichtlich, daß -hunderttausend schottische Mark, das heißt wenig mehr als fünftausend -Pfund Sterling, damals alle Ansprüche Mac Callum More's an seine -Nachbarn so ziemlich befriedigt haben würden.] - -[Fußnote 82: ^Mackay's Memoirs^; Tarbet an Melville vom 1. Juni 1689 in -den ^Leven and Melville Papers^; Dundee an Melfort vom 27. Juni in den -^Nairne Papers^.] - -[Fußnote 83: Siehe Mackay's Memoiren und seinen Brief an Hamilton vom -14. Juni 1689.] - -[Fußnote 84: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^] - -[Fußnote 85: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^] - -[Fußnote 86: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^] - -[Fußnote 87: Dundee an Melfort, 27. Juni 1689.] - -[Fußnote 88: Siehe ^Faithful Contendings Displayed^, namentlich die -Verhandlungen vom 29. und 30. April und vom 13. und 14. Mai 1689; die -Petition des Regiments an das Parlament vom 18. Juli 1689; den Protest -Sir Robert Hamilton's vom 6. November 1689, und die ermahnende Epistel -an das Regiment vom 27. März 1690. Die »Societätsleute«, wie sie sich -nannten, scheinen besonders über die Art und Weise entrüstet gewesen zu -sein, wie der Geburtstag des Königs begangen worden war. »Wir hoffen«, -schrieben sie, »daß Ihr ebenso gegen die Feier von Geburtstagen seid wie -wir, und daß Ihr bereuen werdet, was Ihr gethan habt.« Ueber die -Meinungen und den Character Alexander Shield's sehe man sein ^Hind Let -Loose^.] - -[Fußnote 89: ^Siege of the Castle of Edinburgh, printed for the -Bannatyne Club London Gazette, June 10. (20.) 1689.^] - -[Fußnote 90: ^Act. Parl. Scot. June 5., 17. 1689.^] - -[Fußnote 91: Die Instructionen findet man in den Somers'schen -Schriften.] - -[Fußnote 92: Ueber Sir Patrick's Ansichten siehe seinen Brief vom 7. -Juni und Lockhart's Brief vom 11. Juli, in den ^Leven and Melville -Papers^.] - -[Fußnote 93: Meine Hauptmaterialien für die Geschichte dieser Session -waren die Acten, die Protokolle und die ^Leven and Melville Papers^.] - -[Fußnote 94: »Athol,« sagt Dundee verächtlich, »ist nach England -gegangen, da er nicht wußte, was er thun sollte.« Dundee an Melfort, 27. -Juni 1689. Siehe Athol's Briefe an Melville vom 21. Mai und 8. Juni, in -den ^Leven and Melville Papers^.] - -[Fußnote 95: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^] - -[Fußnote 96: ^Mackay's Memoirs.^] - -[Fußnote 97: ^Mackay's Memoirs.^] - -[Fußnote 98: Van Odyck an den Greffier der Generalstaaten, 2. (12.) -August, 1689.] - -[Fußnote 99: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^] - -[Fußnote 100: ^Balcarras's Memoirs.^] - -[Fußnote 101: ^Mackay's Short Relation, Aug. 17, 1689.^] - -[Fußnote 102: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^] - -[Fußnote 103: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron, Mackay's Memoirs.^] - -[Fußnote 104: ^Douglas's Baronage of Scotland.^] - -[Fußnote 105: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^] - -[Fußnote 106: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^] - -[Fußnote 107: Ueber die Schlacht siehe Mackay's Memoiren und Briefe und -seine ^Short Relation^; ferner die Memoiren Dundee's und Sir Ewan -Cameron's, Nisbet's und Osburne's Aussagen im Anhange zu den -Parlamentsacten vom 14. Juli 1690. Auch sehe man den Bericht über die -Schlacht in einem von Burt's Briefen. Macpherson druckte einen vom Tage -nach der Schlacht datirten Brief von Dundee an Jakob. Ich brauche nicht -zu sagen, daß dies eine eben so schamlose Fälschung ist wie Fingal. Der -Herausgeber der Memoiren Dundee's sagt, Lord Leven sei durch den Anblick -der hochländischen Waffen erschreckt worden und habe das Beispiel der -Flucht gegeben. Dies ist eine abscheuliche Lüge. Daß Leven sich ganz -vorzüglich gut benahm, beweisen Mackay's Memoiren, Briefe und ^Short -Relation^.] - -[Fußnote 108: ^Mackay's Memoirs; Life of General Hugh Mackay by Mackay -of Bockfield.^] - -[Fußnote 109: Brief der außerordentlichen Gesandten an den Greffier der -Generalstaaten vom 2. (12.) August 1689 und ein Brief von Van Odyck, der -sich in Hampton Court befand, von dem nämlichen Datum.] - -[Fußnote 110: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron; Memoirs of Dundee.^] - -[Fußnote 111: Die Tradition ist bestimmt über hundertzwanzig Jahr alt. -Der Stein wurde Burt gezeigt.] - -[Fußnote 112: Siehe die Geschichte, welche den Gedichten Alexander -Robertson's vorausgeschickt ist. In dieser Geschichte heißt es von ihm, -er habe sich vor der Schlacht von Killiecrankie angeschlossen. Aus einer -Zeugenaussage im Anhange zu den ^Act. Parl. Scot.^ vom 14. Juli 1690 -aber ergiebt sich, daß er erst am folgenden Tage eintraf.] - -[Fußnote 113: ^Mackay's Memoirs.^] - -[Fußnote 114: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^] - -[Fußnote 115: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^] - -[Fußnote 116: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^] - -[Fußnote 117: Siehe Portland's Briefe an Melville vom 22. April und 15. -Mai 1690 in den ^Leven and Melville Papers^.] - -[Fußnote 118: ^Mackay's Memoirs; Memoirs of Sir Ewan Cameron.^] - -[Fußnote 119: ^Exact Narrative of the Conflict at Dunkeld between the -Earl of Angus's Regiment and the Rebels, collected from several -Officiers of that Regiment who were Actors in or Eyewitnesses of all -that's here narrated. In Reference to those Actions^; Brief von Leutnant -Blackader an seinen Bruder, datirt Dunkeld, 21. August 1689; ^Faithful -Contendings Displayed^; Protokoll des schottischen Geheimraths vom 28. -August, citirt von Mr. Burton.] - -[Fußnote 120: Die schottischen natürlich. -- Der Uebers.] - -[Fußnote 121: Die Geschichte Schottland's während dieses Herbstes läßt -sich am besten in den ^Leven and Melville Papers^ studiren.] - - - - - Vierzehntes Kapitel. - Wilhelm und Marie. - - -Inhalt. - - Seite - Zwistigkeiten im englischen Parlament 5 - Russell's Todesurtheil umgestoßen 5 - Umstoßung anderer Verurtheilungen 7 - Das Erkenntniß gegen Samuel Johnson 7 - Das Erkenntniß gegen Devonshire 8 - Das Erkenntniß gegen Oates 8 - Rechtsbill 14 - Streitigkeiten wegen einer Indemnitätsbill 16 - Die letzten Tage Jeffreys' 18 - Die Whigs unzufrieden mit dem Könige 21 - Maßlose Heftigkeit Howe's 22 - Angriff gegen Caermarthen 22 - Angriff auf Halifax 23 - Vorbereitungen zu einem Feldzuge in Irland 26 - Schomberg 27 - Unterbrechung der Parlamentssitzungen 28 - Zustand Irland's -- Rath Avaux' 28 - Entlassung Melfort's 32 - Schomberg landet in Ulster 32 - Carrickfergus genommen 32 - Schomberg rückt weiter nach Leinster 33 - Die englische und die irische Armee campiren nahe bei einander 33 - Schomberg lehnt eine Schlacht ab 34 - Betrügereien des englischen Kriegscommissariats 34 - Verschwörung unter den in englischen Diensten stehenden 36 - französischen Truppen - Pestilenz in der englischen Armee 36 - Die englische und die irische Armee beziehen ihre 38 - Winterquartiere - Verschiedene Meinungen über Schomberg's Verfahren 39 - Marineangelegenheiten 40 - Torrington's schlechte Verwaltung 41 - Die festländischen Angelegenheiten 42 - Gefecht bei Walcourt 43 - Anschuldigungen gegen Marlborough 44 - Alexander VIII. folgt Innocenz XI. auf dem päpstlichen Stuhle 45 - Der Klerus der Hochkirche über die Angelegenheit der Eide 45 - gespalten - Argumente für Leistung der Eide 46 - Argumente gegen die Eidesleistung 48 - Die große Mehrheit des Klerus leistet die Eide 52 - Die Eidverweigerer 53 - Ken 54 - Leslie 55 - Sherlock 56 - Hickes 57 - Collier 58 - Dodwell 59 - Kettlewell. Fitzwilliam 60 - Allgemeiner Character des eidverweigernden Klerus 61 - Der Comprehensionsplan. Tillotson 64 - Eine kirchliche Commission ernannt 65 - Maßregeln der Commission 66 - Die Convocation der Provinz Canterbury einberufen. Stimmung 70 - des Klerus - Die Geistlichkeit unzufrieden mit dem König 70 - Der Klerus durch das Verhalten der schottischen Presbyterianer 72 - gegen die Dissenters erbittert - Einrichtung der Convocation 74 - Wahl der Convocationsmitglieder 75 - Verleihung geistlicher Aemter 75 - Compton ist unzufrieden 76 - Zusammentritt der Convocation 77 - Die Hochkirchlichen im Unterhause der Convocation überwiegend 78 - Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Häusern der 79 - Convocation - Das Unterhaus der Convocation erweist sich als unlenksam 80 - Die Convocation prorogirt 81 - - -Zwistigkeiten im englischen Parlament. - -Vierundzwanzig Stunden vor dem Augenblicke, wo der Krieg in Schottland -durch die Niederlage der celtischen Armee bei Dunkeld beendigt wurde, -ging das Parlament zu Westminster auseinander. Die beiden Häuser waren -seit dem Monat Januar ununterbrochen versammelt gewesen. Die in einen -engen Raum eingepferchten Gemeinen hatten viel von der Hitze und -Unbehaglichkeit zu leiden gehabt und die Gesundheit manches Mitgliedes -war erschüttert worden. Das Ergebniß stand jedoch in keinem Verhältniß -zu der gehabten Arbeit. Die letzten drei Monate der Session waren fast -ganz mit Streitereien vergeudet worden, welche im Gesetzbuche keine Spur -zurückgelassen haben. Das Fortschreiten heilsamer Gesetze war durch -Häkeleien bald zwischen den Whigs und Tories, bald zwischen den Lords -und den Gemeinen gehemmt worden. - -Die Revolution war kaum vollbracht, so zeigte es sich auch schon, daß -die Freunde der Ausschließungsbill ihre Leiden während des Uebergewichts -ihrer Feinde nicht vergessen hatten und daß sie sowohl Genugthuung -erlangen als Rache üben wollten. Schon vor der Wiederbesetzung des -Thrones ernannten die Lords einen Ausschuß, um zu untersuchen, was an -den grauenvollen Geschichten, welche über den Tod Essex' circulirten, -Wahres sei. Der aus eifrigen Whigs bestehende Ausschuß setzte seine -Untersuchungen so lange fort, bis alle vernünftigen Männer die -Ueberzeugung gewonnen hatten, daß er durch seine eigne Hand gefallen -war, und bis seine Gattin, seine Brüder und seine intimsten Freunde die -Nachforschungen nicht weitergeführt zu sehen wünschten.[1] - - -Russell's Todesurtheil umgestoßen. - -Das Gedächtniß und die Familien, einiger anderer Opfer, welche dem -Bereiche menschlicher Macht entrückt waren, wurden ebenfalls, ohne -Opposition von Seiten der Tories, rehabilitirt. Bald nachdem die -Convention in ein Parlament verwandelt worden war, wurde den Peers eine -Bill zur Umstoßung des Todesurtheils Lord Russell's vorgelegt, rasch von -ihnen angenommen, in's Unterhaus geschickt und hier mit ungewöhnlichen -Zeichen von Bewegung begrüßt. Viele von den Mitgliedern hatten mit -Russel in dieser Kammer gesessen. Er hatte darin lange einen Einfluß -ausgeübt, ähnlich dem, welchen der wackere und menschenfreundliche -Althorpe, dessen sich Leute dieser Generation noch erinnerten, einst -ausübte, einen Einfluß, der seinen Grund nicht in überlegener -Gewandtheit in der Debatte oder im Vortrage, sondern in einer makellosen -Rechtschaffenheit, in einem schlichten gesunden Verstande und in jener -Freimüthigkeit, Einfachheit und Gutherzigkeit hatte, welche bei einem -durch Geburt und Vermögen hoch über seinen Nebenmenschen stehenden Manne -ganz besonders einnehmend und gewinnend sind. Die Whigs hatten in -Russell ein Oberhaupt verehrt und seine politischen Gegner hatten -zugegeben, daß er, wenn er nicht durch minder achtungswerthe und -schlauere Genossen als er irregeleitet würde, ein so braver und -gutherziger Gentleman sei wie irgend einer in England. Die männliche -Festlichkeit und christliche Ergebung, womit er in den Tod gegangen war, -die Trauer seines edlen Hauses, der Schmerz seines der Stütze beraubten -Vaters, die vernichtete Zukunft seiner verwaisten Kinder,[2] und vor -Allem der Verein von weiblicher Zärtlichkeit und engelgleicher Geduld in -der Frau, die dem wackeren Dulder das Theuerste gewesen war, die vor den -Schranken des Gerichts mit der Feder in der Hand an seiner Seite -gesessen, die düstre Einsamkeit seines Kerkers erheitert und an seinem -letzten Tage die Denkwürdigkeit des großen Opfers mit ihm getheilt, -hatten die Herzen vieler gerührt, welche sonst nicht gewohnt waren, -einen Gegner zu bemitleiden. Daß Russell viele gute Eigenschaften -besessen, daß er den besten Willen gehabt hatte und daß man hart gegen -ihn verfahren war, wurde jetzt selbst von höfischen Juristen, welche -sein Blut hatten vergießen helfen, und von höfischen Theologen -zugegeben, welche ihr Möglichstes gethan hatten, um seinen Ruf zu -verunglimpfen. Als daher das Pergament, welches sein Todesurtheil -annullirte, auf den Tisch der Versammlung gelegt wurde, in der noch vor -acht Jahren seine Züge und seine Stimme so wohl bekannt gewesen, war die -Aufregung groß. Ein bejahrtes whiggistisches Mitglied versuchte zu -sprechen, wurde aber von seinen Gefühlen überwältigt. »Ich kann,« sagte -er, »den Namen Mylord Russell's nicht aussprechen, ohne tief ergriffen -zu werden. Es genügt ihn zu nennen. Mehr vermag ich nicht zu sagen.« -Viele Blicke richteten sich nach der Gegend des Saales, wo Finch saß. -Die höchst ehrenwerthe Art und Weise, wie er ein einträgliches Amt -niedergelegt, sobald er sich überzeugt hatte, daß er es nicht behalten -konnte, ohne das Dispensationsrecht zu unterstützen, und die bedeutende -Rolle, die er bei der Vertheidigung der Bischöfe gespielt, hatten viel -dazu beigetragen, seine Fehler wieder gut zu machen. Doch an diesem Tage -konnte man sich der Erinnerung nicht erwehren, daß er eifrig bemüht -gewesen war als Kronanwalt das Urtheil auszuwirken, das jetzt feierlich -widerrufen werden sollte. Er erhob sich und versuchte sein Verfahren zu -rechtfertigen, aber weder sein juristischer Scharfsinn, noch der -fließende und wohlklingende Vortrag, der eine erbliche Gabe in seiner -Familie war und dessen sich kein Mitglied seiner Familie in reicherem -Maße erfreute als er, halfen ihm bei dieser Gelegenheit etwas. Das Haus -war nicht in der Stimmung ihn anzuhören und unterbrach ihn mehrmals mit -dem Rufe »zur Ordnung.« Er sei, sagte man ihm, mit großer Nachsicht -behandelt und nicht in Anklagestand versetzt worden. Warum versuche er -jetzt, unter dem Vorwande, sich zu rechtfertigen, entehrende -Beschuldigungen auf einen berühmten Namen zu werfen und einen Justizmord -zu entschuldigen? Er mußte sich wieder setzen, nachdem er erklärt hatte, -daß er sich nur von der Anschuldigung habe reinigen wollen, die Grenzen -seiner Amtspflicht überschritten zu haben, daß er jede Absicht, das -Gedächtniß Lord Russell's zu verunglimpfen, zurückweise, und daß ihn die -Umstoßung des Urtels aufrichtig freuen werde. Ehe das Haus -auseinanderging, wurde die Bill noch einmal verlesen, und sie würde auf -der Stelle zum dritten Male verlesen und angenommen worden sein, wären -nicht einige Zusätze und Auslassungen vorgeschlagen worden, von denen -man glaubte, daß sie die Genugthuung vollständiger machen würden. Die -Amendements wurden mit großer Eil entworfen, die Lords stimmten -denselben bei, und der König gab mit Freuden seine Genehmigung.[3] - - -Umstoßung anderer Verurtheilungen. - -Dieser Bill folgten bald drei andere, welche drei abscheuliche und -empörende Todesurtheile annullirten: das Todesurtheil Sidney's, das -Todesurtheil Cornish's und das Todesurtheil der Alice Lisle.[4] - - -Das Erkenntniß gegen Samuel Johnson. - -Einige noch lebende Whigs erlangten ohne Mühe Genugthuung für Unbilden, -die sie unter der vorigen Regierung erlitten hatten. So wurde das -Erkenntniß gegen Samuel Johnson von den Gemeinen in Erwägung gezogen. -Die Resolution lautete dahin, daß die ihm zuerkannte körperliche -Züchtigung grausam sei und daß seine Degradation keine Rechtskraft habe. -Der letztere Punkt konnte nicht bestritten werden, denn Johnson war -durch die Prälaten degradirt worden, welche die Diöcese London während -Compton's Suspension verwaltet hatten. Compton aber war durch ein Decret -der Hohen Commission suspendirt worden, und die Decrete der Hohen -Commission wurden allgemein als ungültig anerkannt. Johnson war daher -seines Priesterrocks durch Personen beraubt worden, welche keine -Jurisdiction über ihn hatten. Die Gemeinen ersuchten den König, daß er -den Dulder durch ein geistliches Amt entschädigen möchte.[5] Wilhelm -überzeugte sich jedoch, daß er diesem Gesuche ohne große Inconvenienz -nicht willfahren könne. Denn Johnson war, obgleich muthig, rechtschaffen -und religiös, doch stets heftig, widersetzlich und streitsüchtig -gewesen, und seitdem er um seiner Meinungen willen Qualen erduldet -hatte, welche schrecklicher waren als der Tod, hatten sich die Schwächen -seines Characters und seines Verstandes dergestalt verschlimmert, daß er -den Niederkirchlichen eben so unangenehm war als den Hochkirchlichen. -Gleich vielen anderen Menschen, welche durch Vergnügen, Gewinn oder -Gefahr nicht vorn Pfade des Rechts abgebracht werden können, hielt er -die Regungen seines Stolzes und seines Hasses irrig für die Mahnungen -des Gewissens und betrog sich in den Glauben hinein, daß er, indem er -Freunden wie Feinden ohne Unterschied mit Anmaßung und Bitterkeit -begegnete, nur seinen christlichen Glauben und Muth beweise. Burnet -machte ihn sich zum Todfeinde, weil er ihn zur Geduld und zum Vergeben -von Ungerechtigkeiten ermahnte. »Sagt Sr. Lordschaft,« antwortete der -unbeugsame Priester, »er möge sich um seine Angelegenheiten kümmern und -mich für die meinigen selbst sorgen lassen.[6]« Man begann bald zu -munkeln, daß Johnson den Verstand verloren habe. Er beschuldigte Burnet -der Urheberschaft dieses Gerüchts und rächte sich durch Schmähschriften, -deren maßlose Heftigkeit die Behauptung, die sie widerlegen sollten, nur -bestätigten. Der König hielt es daher für besser, aus seiner -Privatchatulle eine freigebige Entschädigung für das Unrecht zu -bewilligen, von dem die Gemeinen ihn in Kenntniß gesetzt hatten, als -einem überspannten und reizbaren Manne eine angesehene des öffentlichen -Vertrauens bedürfende Stellung zu übertragen. Johnson erhielt ein -Geschenk von tausend Pfund und eine jährliche Pension von dreihundert -Pfund für sich und seinen nächsten Leibeserben. Sein Sohn wurde überdies -im Dienste angestellt.[7] - - -Das Erkenntniß gegen Devonshire. - -Während die Gemeinen das Urtheil Johnson's in Erwägung zogen, -untersuchten die Lords mit Strenge das Prozeßverfahren, welches unter -der vorigen Regierung gegen ein Mitglied ihres eignen Standes, den Earl -von Devonshire, eingeleitet worden war. Die Richter, welche über ihn -abgeurtheilt hatten, wurden umständlich ausgefragt und eine Resolution -angenommen, welche erklärte, daß in seinem Falle die Vorrechte der -Pairie verletzt und daß der Gerichtshof der Kings Bench, indem er einen -übereilten Schlag mit einer Geldbuße von dreißigtausend Pfund bestraft, -der gemeinen Justiz und der großen Charte Gewalt angethan habe.[8] - - -Das Erkenntniß gegen Oates. - -In den vorerwähnten Fällen scheinen alle Parteien in der Ansicht -übereingestimmt zu haben, daß eine öffentliche Genugthuung angemessen -sei. Bald aber wurden die heftigsten Leidenschaften der Whigs wie der -Tories durch die geräuschvollen Ansprüche eines Schurken erregt, dessen -Leiden, so hart sie auch scheinen mochten, im Vergleich mit seinen -Verbrechen unbedeutend gewesen waren. Oates war zurückgekommen, wie ein -Geist von der Richtstätte, um die Orte heimzusuchen, die er durch seine -Verbrechen befleckt hatte. Die ersten vierthalb Jahre nach seiner -Züchtigung hatte er in einer Zelle von Newgate zugebracht, die er nur -verlassen, wenn er an den Jahrestagen seiner Meineide an den Pranger -gestellt wurde. Viele Fanatiker sahen jedoch immer noch einen Märtyrer -in ihm, und man sagte sie hätten seine Kerkermeister in so weit zu -bestechen vermocht, daß seine Leiden, trotz der bestimmtesten Befehle -von Seiten der Regierung, durch manche Begünstigungen gemildert worden -seien. Während andere Gefangene, welche im Vergleich zu ihm unschuldig -waren, bei der Gefängnißkost abmagerten, wurde sein Tisch mit -Truthühnern und Lendenbraten, mit Kapaunen und Spanferkeln, mit -Wildpasteten und Körben Claret, den Spenden eifriger Protestanten -besetzt.[9] Als Jakob von Whitehall geflüchtet und London in Bestürzung -war, wurde in dem Rathe der Lords, welche die Leitung der Geschäfte -provisorisch übernommen hatten, die Freilassung des Oates beantragt. Der -Antrag wurde verworfen,[10] aber die Kerkermeister, welche nicht wußten, -wem sie in dieser Zeit der Anarchie gehorchen sollten und die es mit -einem Manne nicht verderben wollten, der einst ein furchtbarer Feind -gewesen war und es vielleicht wieder werden konnte, erlaubten ihrem -Gefangenen, frei in der Stadt umherzugehen.[11] Seine mißgestalteten -Beine und sein häßliches Gesicht, das durch den Verlust der -abgeschnittenen Ohren noch mehr entstellt worden, waren jetzt wieder -täglich in Westminsterhall und im Court of Requests zu sehen.[12] Er -hing sich an seine alten Gönner und gab ihnen in der schleppenden -Sprache, die er als ein Zeichen von Vornehmheit affectirte, die -Geschichte seiner Leiden und seiner Hoffnungen. Es sei unmöglich, sagte -er, daß jetzt, wo die gute Sache gesiegt habe, der Entdecker des -Complots übergangen werden könne. »Karl gab mir neunhundert Pfund -jährlich. Gewiß, Wilhelm wird mir mehr geben.«[13] - -In wenigen Wochen brachte er sein Erkenntniß durch eine -Nichtigkeitsbeschwerde in das Haus der Lords. Dies ist ein -Appellationsact, welcher keine Thatbestandsfrage zur Erörterung bringt. -Während die Lords über die Nichtigkeitsbeschwerde zu Gericht saßen, -waren sie nicht berechtigt zu untersuchen, ob das Verdict, welches Oates -für schuldig erklärte, den Beweisen entsprach oder nicht. Sie hatten nur -zu erwägen, ob das Erkenntniß, angenommen auch, daß das Verdict den -Beweisen entsprach, gesetzmäßig war. Aber es würde selbst einem aus -altgedienten Magistratsbeamten bestehenden Tribunal schwer geworden -sein, und war einer Versammlung von Edelleuten, die sich alle stark zu -dieser oder jener Seite hinneigten und unter denen sich damals nicht ein -einziger befand, dessen Geist durch das Studium der Jurisprudenz -gebildet gewesen wäre, fast unmöglich, unverwandt auf den bloßen -Rechtspunkt zu blicken und von den speciellen Umständen des Falles -gänzlich zu abstrahiren. In den Augen einer Partei, die allerdings -selbst unter den whiggistischen Peers wahrscheinlich eine Minorität -bildete, war der Appellant ein Mann, der der Sache der Freiheit und der -Religion unschätzbare Dienste geleistet und der dafür mit einer -langjährigen Haft, mit entehrender Ausstellung und mit einer Tortur -belohnt worden war, an die man nicht ohne Schaudern zurückdenken konnte. -Die Majorität des Hauses betrachtete ihn jedoch richtiger als das -falscheste, böswilligste und schamloseste Geschöpf, das je den Namen -Mensch geschändet hatte. Bei dem Anblicke dieser frechen Stirn, bei dem -Tone dieser lügnerischen Zunge verloren sie alle Selbstbeherrschung. -Viele von ihnen erinnerten sich ohne Zweifel mit Beschämung und Reue, -daß sie sich von ihm hatten täuschen lassen und daß er sie noch das -letzte Mal wo er vor ihnen stand, durch einen Meineid bewogen hatte, das -Blut eines Mitglieds ihres eigenen hohen Standes zu vergießen. Es ließ -sich nicht erwarten, daß eine von solchen Gefühlen beseelte Versammlung -von Gentlemen mit der kalten Unparteilichkeit eines Gerichtshofes -verfahren werde. Ehe sie zu einer Entscheidung der Rechtsfrage kamen, -welche Titus ihnen vorgelegt hatte, hingen sie ihm eine Reihe von -Prozessen an. Er hatte eine Schrift drucken lassen, die seine Verdienste -und seine Leiden verherrlichte. Die Lords fanden einen Vorwand, um diese -Publikation eine Privilegiumsverletzung zu nennen und schickten ihn in -das Marschallgefängniß. Er petitionirte um seine Freilassung, aber es -wurde gegen sein Gesuch ein Einwurf geltend gemacht. Er hatte sich als -Doctor der Theologie gerirt, und ihre Lordschaften wollten ihn als -solchen nicht anerkennen. Er wurde vor ihre Schranken geführt und -gefragt, wo er graduirt worden sei. Seine Antwort lautete: »Auf der -Universität Salamanca.« Dies war ein neues Beispiel von seiner -Lügenhaftigkeit und Frechheit. Sein Salamanca-Doctortitel war viele -Jahre lang ein Lieblingsthema für alle toryistischen Satyriker von -Dryden abwärts, und selbst auf dem Festlande wurde der »Salamancadoctor« -ein allgemein gebräuchlicher Spottname.[14] Die Lords vergaßen in ihrem -Hasse gegen Oates die Würde ihres Standes so weit, daß sie diese -lächerliche Geschichte ernsthaft behandelten. Sie befahlen ihm, die -Worte »Doctor der Theologie« in seiner Petition zu streichen, er -entgegnete darauf, daß er dies mit gutem Gewissen nicht thun könne, und -in Folge dessen wurde er ins Gefängniß zurückgeschickt.[15] - -Diese Präliminarien ließen unschwer errathen, welches Schicksal die -Nichtigkeitsbeschwerde haben würde. Oates' Vertheidiger war gehört -worden, und es trat kein Advokat gegen ihn auf. Die Richter wurden -aufgefordert, ihre Meinung abzugeben. Es waren neun von ihnen anwesend -und unter diesen neun befanden sich die Präsidenten der drei -Gerichtshöfe des gemeinen Rechts. Der einstimmige Ausspruch dieser -erfahrenen, gelehrten und rechtschaffenen Magistratspersonen lautete -dahin, daß der Gerichtshof der Kings Bench nicht befugt sei, einen -Priester seines heiligen Amtes zu entsetzen oder auf lebenslängliche -Haft zu erkennen und daß daher das Urtheil gegen Oates gesetzwidrig sei -und umgestoßen werden müsse. Die Lords hätten sich unzweifelhaft durch -diesen Ausspruch für gebunden erachten sollen. Daß sie Oates als den -schlechtesten Menschen von der Welt kannten, that nichts zur Sache. Für -sie, in ihrer Eigenschaft als Gerichtshof, mußte er ein Apellant sein -wie jeder andre. Aber ihr Unwille war heftig erregt und ihre -Gewohnheiten waren nicht von der Art, um sie zur Erfüllung richterlicher -Pflichten tauglich zu machen. Die Debatte drehte sich fast -ausschließlich um Dinge, welche gar nicht hatten erwähnt werden sollen. -Nicht ein einziger Peer hatte den Muth zu behaupten, daß das Urtheil -rechtskräftig sei; dagegen wurde viel von dem abscheulichen Character -des Apellanten, von der frechen Beschuldigung, die er gegen Katharine -von Braganza erhoben, und von den schlimmen Consequenzen gesprochen, -welche daraus hervorgehen müßten, wenn ein so schlechter Mensch als -Zeuge auftreten dürfe. »Es giebt nur eine Bedingung,« sagte der -Lordpräsident, »unter der ich mich dazu verstehen kann, das Urtel dieses -Menschen umzustoßen. Er ist von Aldgate nach Tyburn gepeitscht worden: -er muß von Tyburn nach Aldgate zurück gepeitscht werden.« Die Fragen -wurden gestellt. Zwanzig Peers stimmten für Umstoßung des Urtels, -fünfunddreißig für Bestätigung desselben.[16] - -Diese Entscheidung machte großes Aufsehen, und nicht ohne Grund. Jetzt -wurde eine Frage erhoben, welche mit Recht die Besorgniß Jedermann's im -ganzen Königreiche erwecken mußte. Die Frage war die, ob es dem höchsten -Tribunale, dem Tribunale, von welchem in letzter Instanz die -werthvollsten Interessen jedes englischen Unterthanen abhingen, -freistehe, Rechtsfragen nach anderen als Rechtsgründen zu entscheiden -und einem Rechtsuchenden wegen der Verderbtheit seines moralischen -Characters sein anerkanntes gesetzliches Recht vorzuenthalten. Daß dem -höchsten Appellhofe nicht gestattet sein dürfe, unter den Formen einer -ordentlichen Justiz eine willkürliche Gewalt auszuüben, das fühlten die -talentvollsten Männer im Hause der Gemeinen tief, und Niemand tiefer als -Somers. Ihm und Denen, welche wie er argumentirten, stimmten in diesem -Falle eine Menge schwacher und hitzköpfiger Zeloten bei, welche Oates -noch immer als einen Volkswohlthäter betrachteten und glaubten, die -Existenz des papistischen Complots in Zweifel ziehen heiße eben so viel -als die Wahrheit der protestantischen Religion in Zweifel ziehen. Noch -denselben Morgen, nachdem die Peers ihre Entscheidung abgegeben hatten, -hörte man im Hause der Gemeinen sehr nachdrückliche Aeußerungen über die -Gerechtigkeit Ihrer Lordschaften. Drei Tage darauf wurde der Gegenstand -durch ein whiggistisches Mitglied des Geheimrath, Sir Robert Howard, -Abgeordneter für Castle Rising, zur Sprache gebracht. Er gehörte der -Berkshirelinie seiner vornehmen Familie an, einer Linie, die sich damals -der nicht beneidenswerthen Auszeichnung erfreute, ungemein fruchtbar an -schlechten Versmachern zu sein. Die Poesie der Howards von Berkshire war -der Spott dreier Generationen von Satyrikern. Der Spaß begann mit der -ersten Aufführung der »Rehearsal« und dauerte bis zur letzten Ausgabe -der »Dunciade«.[17] Aber trotz seiner schlechten Verse und einiger -Schwächen und Eitelkeiten, wegen denen er unter dem Namen Sir Positive -Atall auf die Bühne gebracht wurde, besaß Sir Robert im Parlamente das -Gewicht, das ein standhafter Parteimann von großem Vermögen, angesehenem -Namen, gewandtem Vortrage und entschlossenem Geiste fast immer -besitzt.[18] Als er sich erhob, um die Aufmerksamkeit der Gemeinen für -den Rechtsfall Oates' in Anspruch zu nehmen, begrüßten ihn einige -Tories, die von den nämlichen Leidenschaften beseelt waren, welche in -dem andren Hause vorherrschend gewesen, mit lautem Zischen. Trotz dieser -höchst unparlamentarischen Beleidigung beharrte er in seinem Vorhaben, -und es zeigte sich bald, daß er die Majorität für sich hatte. Einige -Redner priesen Oates' Patriotismus und Muth, andere sprachen ausführlich -über ein umlaufendes Gerücht, daß die Anwälte, deren sich die Krone -gegen ihn bedient, bedeutende Summen Geldes unter die Geschwornen -vertheilt hätten. Dies waren jedoch Dinge, in Bezug auf welche große -Meinungsverschiedenheit herrschte. Daß aber das Erkenntniß ungesetzlich -war, ließ sich nicht bestreiten. Die ausgezeichnetsten Juristen im Hause -der Gemeinen erklärten, daß sie in diesem Punkte mit dem Ausspruche, den -die Richter im Hause der Lords abgegeben, vollkommen übereinstimmten. -Die, welche gezischt hatten, als der Gegenstand zur Sprache gebracht -wurde, waren so wirksam eingeschüchtert, daß sie nicht auf Abstimmung -anzufragen wagten, und eine das Urtel annullirende Bill wurde ohne -Opposition eingebracht.[19] - -Die Lords befanden sich in einer kritischen Lage. Den Ausspruch zu -widerrufen, wäre unangenehm gewesen, und sich in einen Streit mit dem -Unterhause über einen Gegenstand einzulassen, bezüglich dessen dieses -Haus klar im Rechte war und zu gleicher Zeit durch die Ansichten der -Rechtskundigen wie durch die Leidenschaften des Pöbels unterstützt -wurde, konnte gefährlich werden. Man hielt es daher für passend, einen -Mittelweg einzuschlagen. Es wurde eine Adresse an den König gerichtet, -die ihn ersuchte, Oates zu begnadigen.[20] Diese Concession aber machte -das Uebel nur schlimmer. Titus hatte, wie jeder andre Mensch, Anspruch -auf Gerechtigkeit, aber er war kein geeigneter Gegenstand für Gnade. War -das gegen ihn gefällte Urtel gesetzwidrig, so mußte es umgestoßen -werden; war es gesetzmäßig, so war kein Grund vorhanden, es irgendwie zu -mildern. Die Gemeinen blieben geziemenderweise fest, nahmen ihre Bill an -und schickten sie den Lords zu. Der einzige Theil dieser Bill, der einen -Einwurf zuließ, war der Eingang, worin nicht allein behauptet war, daß -das Urtel gesetzwidrig sei, eine Behauptung, die sich bei Einsicht der -Acten als richtig ergab, sondern auch daß das Verdict durch Bestechung -corrumpirt sei, eine Behauptung, die, mochte sie nun wahr oder falsch -sein, durch gar nichts bewiesen war. - -Die Lords waren in großer Verlegenheit. Sie wußten, daß sie Unrecht -hatten, waren aber gleichwohl entschlossen, es in ihrer legislativen -Eigenschaft nicht auszusprechen, daß sie sich in ihrer richterlichen -Eigenschaft einer Ungerechtigkeit schuldig gemacht hätten. Sie -versuchten abermals einen Mittelweg. Der Eingang wurde gemildert, eine -Klausel hinzugesetzt, welche bestimmte, daß Oates auch fernerhin zur -Zeugenschrift unfähig bleiben solle, und die so abgeänderte Bill den -Gemeinen wieder zugesandt. - -Die Gemeinen waren nicht befriedigt. Sie verwarfen die Amendements und -verlangten eine freie Conferenz. Zwei ausgezeichnete Tories, Rochester -und Nottingham, nahmen als Wortführer der Lords im »gemalten Zimmer« -ihre Sitze ein. Ihnen zur Seite stand Burnet, dessen wohlbekannter Haß -gegen den Papismus dem was er bei einer solchen Gelegenheit sagen -mochte, großes Gewicht zu geben verhieß. Somers war der Hauptsprecher -auf der andren Seite, und seiner Feder verdanken wir einen ungemein -klaren und interessanten Auszug aus der Debatte. - -Die Lords gestanden offen zu, daß das Erkenntniß des Gerichtshofes der -Kings Bench sich nicht vertheidigen lasse. Sie wüßten, daß es -gesetzwidrig sei und hätten dies auch gewußt, als sie es bestätigten. -Aber sie hätten die beste Absicht dabei gehabt. Sie beschuldigten Oates, -eine schamlos falsche Anklage gegen die Königin Katharine erhoben zu -haben, erwähnten noch andere Beispiele von seiner Schlechtigkeit und -fragten ob ein solcher Mensch noch befugt sein dürfe, vor einem -Gerichtshofe Zeugniß abzulegen. Die einzige Entschuldigung, welche ihrer -Ansicht nach zu seinen Gunsten angeführt werden könne, sei die, daß er -den Verstand verloren habe, und die unerhörte Frechheit und Albernheit -seines Benehmens, als er das letzte Mal vor ihnen gestanden, scheine in -der That die Annahme zu rechtfertigen, daß er geisteskrank sei und daß -man ihm das Leben Anderer nicht anvertrauen könne. Die Lords könnten -sich daher nicht durch ausdrückliche Zurücknahme dessen was sie gethan -erniedrigen und eben so wenig sich entschließen, das Verdict auf keinen -andren Beweis hin als ein allgemeines Gerücht, für corrumpirt zu -erklären. - -Die Replik war vollkommen siegreich. »Oates bildet jetzt den kleinsten -Theil der Frage. Eure Lordschaften sagen, er habe die Königin Wittwe und -andere unschuldige Personen fälschlich angeklagt. Zugegeben. Diese Bill -gewährt ihm keine Amnestie. Wir sind ganz dafür, daß er, wenn er -schuldig ist, bestraft werden muß. Aber wir verlangen in seinem wie im -Interesse aller Engländer, daß die Strafe durch das Gesetz und nicht -durch die Willkür eines Tribunals bestimmt werde. Wir verlangen, daß, -wenn Eure Lordschaften eine Appellation vorliegt, Sie den bekannten -Gebräuchen und Gesetzen des Reichs gemäß Ihr Urtheil darüber abgeben. -Wir leugnen, daß Sie in einem solchen Falle das mindeste Recht haben, -auf den moralischen Character eines Klägers oder auf die politischen -Folgen einer Entscheidung Rücksicht zu nehmen. Sie gestehen selbst zu, -daß Sie lediglich deshalb, weil Sie eine nachtheilige Meinung von diesem -Manne hatten, ein Erkenntniß bestätigten, von dem Sie wußten, daß es -gesetzwidrig war. Gegen diese Anmaßung willkürlicher Gewalt protestiren -die Gemeinen, und sie hoffen, daß Sie jetzt widerrufen werden, was Sie -als einen Irrthum erkennen müssen. Eure Lordschaften sprechen die -Vermuthung aus, daß Oates wahnsinnig sei. Wahnsinn kann jedoch ein sehr -triftiger Grund sein, um einen Menschen gar nicht zu bestrafen. Wie aber -der Wahnsinn ein Grund sein kann, um eine Strafe über ihn zu verhängen, -die selbst wenn er gesund wäre, ungesetzlich sein würde, das begreifen -die Gemeinen nicht. Eure Lordschaften meinen ferner, daß Sie es nicht -verantworten könnten, ein Verdict corrumpirt zu nennen, von dem dies -nicht juristisch bewiesen sei. Erlauben Sie uns, Sie daran zu erinnern, -daß Sie zwei verschiedene Funktionen haben. Sie sind Richter und Sie -sind Gesetzgeber. Wenn Sie richten, so ist es Ihre Pflicht, Sich streng -an das Gesetz zu halten. Wenn Sie Gesetze geben, kann es zweckmäßig -sein, auf allgemeine Gerüchte Rücksicht zu nehmen. Sie kehren diese -Regel um. Sie sind am unrechten Orte lax und am unrechten Orte -scrupulös. Als Richter verletzen Sie um einer vermeintlichen Convenienz -willen das Gesetz. Als Gesetzgeber wollen Sie kein Factum ohne solche -technische Beweise gelten lassen, wie sie Gesetzgeber nur selten -erlangen können.[21]« - -Auf dieses Raisonnement wurde nichts erwiedert und konnte nichts -erwiedert werden. Die Gemeinen waren sichtlich stolz auf die Kraft ihrer -Beweisführung und auf das Auftreten Somers' im gemalten Zimmer. Sie -beauftragten ihn insbesondere, dafür zu sorgen, daß der Bericht, den er -von der Conferenz erstattet hatte, genau in die Protokolle aufgenommen -werde. Die Lords dagegen unterließen wohlweislich, einen Bericht über -eine Debatte, in der sie eine so vollständige Niederlage erlitten -hatten, in ihre Protokolle einzuzeichnen. Aber obgleich sie ihren Fehler -einsahen und sich desselben schämten, waren sie doch nicht dahin zu -bringen, es öffentlich zu bekennen, indem sie im Eingange zu der Acte -eingestanden, daß sie sich einer Ungerechtigkeit schuldig gemacht -hätten. Die Minorität war indessen stark. Der Beschluß, beizutreten, -wurde mit nur zwölf Stimmen durchgebracht, wovon zehn auf abwesende -Mitglieder kamen, die ihre Stimmen Anderen übertragen hatten.[22] -Einundzwanzig Peers protestirten und die Bill fiel. Zwei Beisitzer -wurden abgeschickt, um die Gemeinen von dem definitiven Beschlusse der -Peers in Kenntniß zu setzen. Die Gemeinen hielten dieses Verfahren in -substantieller Hinsicht für unverantwortlich und in formeller Hinsicht -für unhöflich. Sie beschlossen, dagegen zu demonstriren, und Somers -entwarf ein vortreffliches Manifest, in welchem der verachtungswerthe -Name des Oates kaum erwähnt war und worin das Oberhaus sehr ernst und -eindringlich ermahnt wurde, richterliche Fragen richterlich zu behandeln -und nicht eigenmächtig ein neues Recht zu machen unter dem Vorwande, das -bestehende Recht anzuwenden.[23] Der Schurke, der jetzt zum zweiten Male -die politische Welt in Aufregung gebracht hatte, wurde begnadigt und in -Freiheit gesetzt. Seine Freunde im Unterhause beantragten nun eine -Adresse an den Thron, welche darum ansuchte, daß ihm eine für seinen -Unterhalt genügende Pension ausgesetzt werden möchte,[24] Es wurden ihm -in Folge dessen etwa dreihundert Pfund Sterling jährlich bewilligt, eine -Summe, die er unter seiner Würde hielt und die er nur mit der -verbissenen Wuth getäuschter Habsucht annahm. - - -Rechtsbill. - -Aus dem Streite über Oates entsprang ein andrer Streit, der sehr ernste -Folgen hätte haben können. Die Urkunde welche Wilhelm und Marien zum -König und zur Königin erklärten, war eine revolutionäre Urkunde. Sie war -das Werk einer Versammlung, von der das ordentliche Gesetz nichts wußte, -und hatte nie die königliche Sanction erhalten. Es war offenbar -wünschenswerth, daß dieser hochwichtige Vertrag zwischen den Regierenden -und den Regierten, dieses Dokument, kraft dessen der König seinen Thron -und das Volk seine Freiheiten besaß, in eine streng regelrechte Form -gebracht wurde. Die Rechtserklärung wurde deshalb in eine Rechtsbill -verwandelt und die Rechtsbill von den Gemeinen ohne weiteres angenommen. -Bei den Lords aber stieß sie auf Schwierigkeiten. - -Die Rechtserklärung hatte die Krone zuerst Wilhelm und Marien -gemeinschaftlich, dann dem Ueberlebenden von Beiden, dann Mariens -Nachkommenschaft, und endlich auch der Nachkommenschaft Wilhelm's von -irgend einer andren Gemahlin als Marien zuerkannt. Die Bill war mit der -Erklärung genau übereinstimmend abgefaßt. Wem aber der Thron zufallen -sollte, wenn Marie, Anna und Wilhelm alle drei ohne Nachkommen starben, -war in Ungewißheit gelassen. Dieser nicht vorgesehene Fall war indessen -keineswegs unwahrscheinlich. Er lag sogar wirklich vor. Wilhelm hatte -nie ein Kind gehabt. Anna war zwar mehrere Male Mutter gewesen, aber -keines ihrer Kinder war mehr am Leben. Es wäre kein großes Wunder -gewesen, wenn Krankheit, Krieg oder Verrath binnen wenigen Monaten -sämmtliche Personen, welche zur Thronfolge befähigt waren, aus der Welt -geschafft hätte. In welche Lage wäre das Land in diesem Falle gekommen? -Wem sollte dann gehuldigt werden? Die Bill enthielt zwar eine Klausel, -welche Papisten vom Throne ausschloß. Aber ersetzte eine solche Klausel -eine den Nachfolger mit Namen bezeichnende Bestimmung? wie dann, wenn -der nächste Thronerbe ein noch nicht drei Monat alter Prinz des Hauses -Savoyen war? Es wäre absurd gewesen, ein solches Kind einen Papisten zu -nennen. Sollte es also zum König proklamirt werden? Oder sollte die -Krone so lange herrenlos bleiben, bis es ein Alter erreicht hatte, in -welchem es befähigt war, sich eine Religion zu wählen? Konnten nicht -auch die rechtschaffensten und verständigsten Männer in Zweifel sein, ob -sie es als ihren Souverain betrachten dürften? Und wer sollte ihnen -diesen Zweifel lösen? Ein Parlament würde es nicht geben, denn das -Parlament würde mit dem Fürsten, der es zusammenberufen hatte, aufhören -zu existiren. Es mußte eine vollständige Anarchie eintreten, eine -Anarchie, welche mit der Vernichtung der Monarchie oder mit der -Vernichtung der öffentlichen Freiheit enden konnte. Aus diesen -gewichtigen Gründen schlug Burnet auf Wilhelm's Veranlassung im Hause -der Lords vor, daß die Krone in Ermangelung von Leibeserben Sr. -Majestät, auf eine unbezweifelte Protestantin, Sophie, Herzogin von -Braunschweig-Lüneburg, einer Enkelin Jakob's I. und Tochter Elisabeth's, -Königin von Böhmen, übergehen solle. - -Die Lords genehmigten dieses Amendement einstimmig, die Gemeinen aber -verwarfen es einstimmig. Die Ursache der Verwerfung hat kein -Schriftsteller der damaligen Zeit genügend erklärt. Ein whiggistischer -Schriftsteller spricht von Machinationen der Republikaner, ein andrer -von Machinationen der Jakobiten. Es steht jedoch fest, daß vier Fünftel -der Vertreter des Volks weder Jakobiten noch Republikaner waren. -Gleichwohl erhob sich im Unterhause nicht eine einzige Stimme zu Gunsten -der Klausel, welche im Oberhause mit Acclamation angenommen worden -war.[25] Die wahrscheinlichste Erklärung dürfte die sein, daß die grobe -Ungerechtigkeit, welche in der Angelegenheit Oates' begangen worden, die -Gemeinen dergestalt gereizt hatte, daß sie mit Freuden eine Gelegenheit -ergriffen, den Peers zu opponiren. Es wurde eine Conferenz gehalten, -aber keine der beiden Versammlungen wollte nachgeben. Während der Streit -am heftigsten war, trat ein Ereigniß ein, von dem man hätte denken -sollen, daß es die Eintracht wiederherstellen werde. Anna gebar einen -Sohn. Das Kind wurde mit großem Pomp und unter vielfachen öffentlichen -Freudenbezeigungen in Hampton Court getauft. Wilhelm, war der eine -Taufzeuge, der andre war der feingebildete Dorset, dessen Dach der -Prinzessin in ihrem Unglück eine Zuflucht gewährt hatte. Der König gab -dem Kinde seinen eignen Namen und kündigte dem um den Taufstein -versammelten glänzenden Cirkel an, daß der kleine Wilhelm von diesem -Augenblicke Herzog von Gloucester genannt werden solle.[26] Die Geburt -dieses Prinzen hatte die Gefahr, gegen welche die Lords auf ihrer Hut zu -sein für nöthig erachtet, sehr vermindert. Sie hätten daher jetzt mit -Anstand widerrufen können. Aber ihr Stolz war durch die Strenge, mit der -man ihre Entscheidung über Oates' Nichtigkeitsbeschwerde im gemalten -Zimmer getadelt hatte, verletzt worden. Man hatte ihnen geradezu ins -Gesicht gesagt, daß sie ungerechte Richter seien, und diese -Beschuldigung war nur um so kränkender, weil sie sich bewußt waren sie -verdient zu haben. Sie verweigerten jede Concession und die Rechtsbill -wurde fallen gelassen.[27] - - -Streitigkeiten wegen einer Indemnitätsbill. - -Die aufregendste Frage dieser langen und stürmischen Session war jedoch -die, welche Strafe den Männern zuerkannt werden solle, die in der Zeit -zwischen der Auflösung des Oxforder Parlaments und der Revolution die -Rathgeber oder Werkzeuge Karl's und Jakob's gewesen waren. Es war ein -Glück für England, daß in dieser Krisis ein Fürst, der keiner der beiden -Parteien angehörte, der keine von beiden weder liebte noch haßte und der -zur Durchführung eines großen Planes beide zu benutzen wünschte, der -Vermittler zwischen ihnen war. - -Die beiden Parteien waren jetzt in einer ganz ähnlichen Lage wie vor -achtundzwanzig Jahren. Zwar war die Partei, welche damals im Nachtheil -gewesen, gegenwärtig im Vortheil, aber die Analogie zwischen den beiden -Situationen ist eine der vollkommensten, die man in der Geschichte -finden kann. Die Restauration wie die Revolution waren beide durch -Coalitionen herbeigeführt worden. Bei der Restauration halfen diejenigen -Politiker, welche der Freiheit besonders zugethan waren, die Monarchie -wieder einsetzen; bei der Revolution halfen diejenigen Politiker, welche -der Monarchie mit besonderem Eifer anhingen, die Freiheit vertheidigen. -Der Cavalier hätte, bei der ersteren Gelegenheit, ohne den Beistand der -Puritaner, welche für den Covenant gefochten, nichts ausrichten können; -ebensowenig hätte der Whig bei der letzteren Gelegenheit der -Willkürgewalt einen erfolgreichen Widerstand leisten können, wäre er -nicht durch Männer unterstützt worden, die noch vor ganz kurzer Zeit den -Widerstand gegen Willkürgewalt als eine Todsünde verdammt hatten. Die -Bedeutendsten unter Denen, durch welche im Jahre 1660 die königliche -Familie zurückgebracht wurde, waren Hollis, der in den Tagen der -Tyrannei Karl's I. den Sprecher mit offener Gewalt auf seinem Stuhle -festhielt, während der schwarze Stab vergebens anklopfte, um Einlaß zu -erlangen; Ingoldsby, dessen Name unter dem denkwürdigen Todesurtheile -stand, und Prynne, dem Laud die Ohren abgeschnitten und der dafür den -Hauptantheil an Laud's Verurtheilung zum Tode gehabt hatte. Unter den -Sieben, welche 1688 die Einladung an Wilhelm unterzeichneten, waren -Campton, der lange die Pflicht eingeschärft hatte, einem Nero zu -gehorchen, Danby, der angeklagt worden war, weil er den -Militärdespotismus einzuführen versucht hatte, und Lumley, dessen -Bluthunde Monmouth bis in seinen traurigen letzten Versteck im Walde -verfolgt hatten. Sowohl 1660 als auch 1688 versprachen sich die beiden -feindlichen Parteien, so lange das Geschick der Nation unentschieden -war, gegenseitig Vergebung. Bei beiden Gelegenheiten erwies sich die -Versöhnung, welche im Augenblicke der Gefahr aufrichtig geschienen -hatte, im Augenblicke des Sieges als falsch und hohl. Sobald Karl II. -wieder in Whitehall war, vergaß der Cavalier die Dienste, welche die -Presbyterianer kürzlich geleistet, und erinnerte sich nur noch ihrer -alten Beleidigungen. Sobald Wilhelm König war, begannen nur zu viele -Whigs Rache zu fordern für Alles was sie in den Tagen des -Ryehousecomplots von der Hand der Tories erduldet hatten. Bei beiden -Gelegenheiten wurde es dem Souverain schwer, die besiegte Partei vor der -Wuth seiner triumphirenden Anhänger zu schützen, und bei beiden -Gelegenheiten murrten Die, deren Rache er vereitelt hatte, heftig gegen -die Regierung, die so schwach und undankbar gewesen war, ihre Feinde -gegen ihre Freunde in Schutz zu nehmen. - -Schon am 25. März machte Wilhelm die Gemeinen auf die Zweckmäßigkeit der -Maßregel aufmerksam, die öffentliche Meinung durch eine Amnestie zu -beschwichtigen. Er sprach die Hoffnung aus, daß eine Bill für -allgemeines Vergeben und Vergessen so bald als möglich ihm zur -Genehmigung vorgelegt und daß keine anderen Ausnahmen gemacht werden -würden, als die für die Aufrechthaltung der öffentlichen Gerechtigkeit -und für die Sicherheit des Staats absolut nothwendig erschienen. Die -Gemeinen waren einstimmig dafür, ihm für diesen Beweis seiner -väterlichen Güte zu danken; allein sie ließen viele Wochen vergehen, -ohne einen Schritt zur Erfüllung seines Wunsches zu thun. Als der -Gegenstand endlich wieder zur Sprache gebracht wurde, geschah dies auf -eine Art, welche deutlich bewies, daß die Majorität nicht den ernsten -Willen hatte, der Ungewißheit ein Ende zu machen, welche allen -denjenigen Tories, die sich bewußt waren, in ihrem Eifer für die -Prärogative zuweilen die vom Gesetz gezogene strenge Grenze -überschritten zu haben, das Leben verbitterte. Es wurden zwölf -Kategorien gebildet, von denen einige so umfassend waren, daß sie -Zehntausende von Delinquenten in sich schlossen, und das Haus beschloß, -daß in jeder dieser Kategorien einige Ausnahmen gemacht werden sollten. -Dann kam die Prüfung der einzelnen Fälle. Zahlreiche Angeklagte und -Zeugen wurden vor die Schranken citirt. Die Debatten waren lang und -heftig, und es stellte sich bald heraus, daß die Arbeit kein Ende nehmen -werde. Der Sommer verging und der Herbst rückte heran; die Session -konnte nicht viel länger dauern, und von den zwölf einzelnen -Untersuchungen, welche die Gemeinen vorzunehmen beschlossen hatten, -waren erst drei beendigt. Es war demnach nöthig, die Bill für dieses -Jahr fallen zu lassen.[28] - - -Die letzten Tage Jeffreys'. - -Unter den vielen Verbrechern, deren Namen im Laufe dieser Untersuchung -genannt wurden, befand sich einer, der an Schuld und Schande einzig und -unerreicht dastand und den sowohl Whigs als Tories der äußersten Strenge -des Gesetzes zu überlassen geneigt waren. An dem fürchterlichen Tage, -auf den die Irische Nacht folgte, hatte das Wuthgebrüll einer um ihre -Rache betrogenen großen Stadt Jeffreys bis an die Zugbrücke des Towers -begleitet. Obwohl seine Einkerkerung nicht streng gesetzmäßig war, nahm -er doch anfangs mit Dank und Segenswünschen den Schutz an, den diese -düsteren, durch so viele Verbrechen und Leiden berüchtigten Mauern ihm -vor der Wuth der Menge gewährten.[29] Bald kam er jedoch zu der -Ueberzeugung, daß sein Leben noch immer sehr gefährdet sei. Eine Zeit -lang schmeichelte er sich mit der Hoffnung, daß ein Habeascorpusbefehl -ihn aus seiner Haft befreien und daß er im Stande sein werde, in ein -fremdes Land zu entkommen und sich mit einem Theile seines -übelerworbenen Reichthums vor dem Hasse der Menschheit zu verbergen. -Aber bis zur Feststellung der Regierung gab es keinen Gerichtshof, der -zur Ausstellung eines Habeascorpusbefehls befugt gewesen wäre, und -sobald die Regierung festgestellt war, wurde die Habeascorpusacte -suspendirt.[30] Ob Jeffreys des Mordes in legalem Sinne überführt werden -konnte, steht zu bezweifeln. Moralisch aber war er so vieler Mordthaten -schuldig, daß, wenn es kein andres Mittel gegeben hätte, seinem Leben -beizukommen, die ganze Nation eine retrospective Verurtheilungsacte -stürmisch gefordert haben würde. Die Neigung, über einen Gefallenen zu -triumphiren, gehörte nie zu den vorwiegenden Untugenden der Engländer; -aber der Haß gegen Jeffreys war ohne Beispiel in unsrer Geschichte und -entsprach nur zu sehr dem Blutdurste seines eignen Characters. Das Volk -war in Bezug auf ihn eben so grausam als er selbst und frohlockte über -seinen Schmerz, wie er gewohnt gewesen war, über den Schmerz -Verurtheilter, die ihr Todesurtheil anhörten, und trauernder Familien zu -frohlocken. Der Pöbel versammelte sich vor seinem verödeten Hause in -Duke Street und las unter schallendem Gelächter an seiner Thür die -Anschläge, welche den Verkauf seines Eigenthums verkündeten. Selbst -zarte Frauen, die für Straßenräuber und Diebe Thränen hatten, athmeten -nichts als Rache gegen ihn. Die Spottlieder auf ihn, welche in der Stadt -verkauft wurden, zeichneten sich durch eine selbst damals seltene -Heftigkeit aus. Der Henkertod sei viel zu mild, ein Grab unter dem -Galgen eine viel zu ehrenvolle Ruhestätte für ihn, er müsse an einen -Karren angebunden und zu Tode gepeitscht, er müsse wie ein Indianer -gemartert, er müsse lebendig verschlungen werden. Die Straßendichter -zertheilten alle seine Glieder mit cannibalischer Grausamkeit und -berechneten wie viel Pfund Fleisch von seinem wohlgenährten Corpus -losgeschnitten werden könnten. Die Wuth seiner Feinde ging sogar soweit, -daß sie in einer in England selten gehörten Sprache den Wunsch -ausdrückten, er möge dahin gehen, wo Heulen und Zähnklappern sei, zu dem -Wurme, der niemals stirbt, zu dem Feuer, das nimmer verlöscht. Sie -riethen ihm, sich mittelst seiner Kniebänder aufzuhängen und sich mit -seinem Rasirmesser den Hals abzuscheiden. Sie richteten das gräßliche -Gebet zum Himmel, daß er der Reue unzugänglich sein und als der nämliche -herzlose, nichtswürdige Jeffreys sterben möge, der er im Leben gewesen -war.[31] Eben so feigherzig im Unglück wie übermüthig und unmenschlich -im Glück, sank ihm unter der Last der öffentlichen Verachtung gänzlich -der Muth. Seine von Haus aus schlechte und durch Unmäßigkeit sehr -geschwächte Constitution wurde durch Verzweiflung und Angst völlig -zerrüttet. Er wurde von einer schmerzhaften inneren Krankheit gepeinigt, -welche selbst die geschicktesten Aerzte der damaligen Zeit selten zu -heben vermochten. Nur ein Trost blieb ihm: der Branntwein. Selbst wenn -er Untersuchungen zu leiten und Berathungen beizuwohnen hatte, ging er -selten nüchtern zu Bett. Jetzt, wo er seinen Geist mit nichts als -entsetzlichen Rückerinnerungen und entsetzlichen Ahnungen beschäftigen -konnte, gab er sich rückhaltlos seinem Lieblingslaster hin. Viele -glaubten, er wolle durch Unmäßigkeit sein Leben verkürzen. Er hielte es -für besser, meinten sie, im Zustande der Trunkenheit aus der Welt zu -gehen, als sich von Ketch zerhacken, oder vom Pöbel zerreißen zu lassen. - -Einmal wurde er aus seiner jammervollen Verzagtheit durch eine angenehme -Empfindung aufgerüttelt, der jedoch alsbald eine kränkende Enttäuschung -folgte. Es war ein Packet für ihn im Tower abgegeben worden, das ein -Fäßchen Colchesteraustern, sein Lieblingsgericht zu enthalten schien. Er -war tief bewegt, denn es giebt Augenblicke, wo Diejenigen, welche am -wenigsten Zuneigung verdienen, sich mit dem Gedanken schmeicheln, daß -sie solche einflößen. »Gott sei Dank!« rief er aus; »ich habe doch noch -Freunde.« Er öffnete das Fäßchen, und aus einem Haufen Austernschalen -fiel ein starker Strick.[32] - -Es scheint nicht, daß einer der Schmeichler oder Narren, die er mit dem -geraubten Gute seiner Schlachtopfer bereichert hatte, ihn in der Zeit -der Trübsal tröstete. Doch war er nicht gänzlich verlassen. Johann -Tutchin, den er dazu verurtheilt hatte, sieben Jahre lang alle vierzehn -Tage ausgepeitscht zu werden, machte sich auf den Weg nach dem Tower und -besuchte den gestürzten Tyrannen. Der arme Jeffreys, obwohl bis in den -Staub gedemüthigt, benahm sich mit verworfener Höflichkeit und bestellte -Wein. »Ich freue mich, Sir,« sagte er, »Sie bei mir zu sehen.« -- »Und -ich,« entgegnete der schadenfrohe Whig, »freue mich, Eure Lordschaft -hier zu sehen.« -- »Ich diente meinem Herrn,« versetzte Jeffreys, »dies -war meine Gewissenspflicht.« -- »Wo hatten Sie Ihr Gewissen, als sie in -Dorchester jenes Urtheil über mich verhängten?« -- »Meine Instructionen -lauteten dahin,« antwortete Jeffreys gleißnerisch, »daß ich gegen Männer -wie Sie, Männer von Talent und Muth, keine Nachsicht üben sollte. Als -ich an den Hof zurückkam, wurde ich wegen meiner Milde getadelt.[33]« -Selbst Tutchin scheint trotz der Heftigkeit seines Grolls und trotz der -Größe der ihm widerfahrenen Unbilden durch das jammervolle Schauspiel, -das er anfangs mit rachsüchtiger Schadenfreude betrachtete, ein wenig -gerührt worden zu sein. Er leugnete stets die Wahrheit des Gerüchts, daß -er Derjenige gewesen sei, der das Colchesterfaß in den Tower geschickt -habe. - -Außer diesem gewann ein menschenfreundlicher Mann, Johann Sharp, der -vortreffliche Dechant von Norwich, es über sich, den Gefangenen zu -besuchen. Es war eine peinliche Aufgabe, aber Sharp war in früheren -Zeiten von Jeffreys so freundlich behandelt worden, wie Jeffreys -überhaupt seinem Character nach Jemanden behandeln konnte, und es war -ihm einige Male durch geduldiges Warten, bis der Sturm der Flüche und -Verwünschungen ausgetobt hatte, und durch geschickte Benutzung eines -Augenblicks guter Laune gelungen, für unglückliche Familien eine -Linderung ihrer Leiden zu erwirken. Der Gefangene war erstaunt und -erfreut. »Was wagen Sie mir jetzt noch zuzugestehen?« sagte er. Der -menschenfreundliche Geistliche bemühte sich jedoch vergebens, in diesem -verstockten Gewissen einen heilsamen Schmerz zu wecken. Anstatt seine -Schuld zu bekennen, ergoß sich Jeffreys in heftige Schmähungen gegen die -Ungerechtigkeit der Menschen. »Die Leute nennen mich einen Mörder, weil -ich das gethan, was Mancher, der jetzt hoch in Gunst steht, damals -vollkommen billigte. Sie nennen mich einen Trunkenbold, weil ich Punsch -trinke, um mir die Last meines Kummers zu erleichtern.« Er wollte nicht -zugeben, daß er als Präsident der Hohen Commission etwas Tadelnswerthes -gethan habe. Seine Collegen, sagte er, seien die eigentlichen -Schuldigen, und jetzt wälzten sie alle Schuld auf ihn. Mit besonderer -Bitterkeit sprach er von Sprat, der unbestreitbar das humanste und -gemäßigtste Mitglied der Behörde gewesen war. - -Es zeigte sich bald klar und deutlich, daß der abscheuliche Richter der -Last seiner körperlichen und geistigen Leiden rasch erliegen würde. -Doctor Johann Scott, Präbendar von St. Paul, ein Geistlicher von großer -Frömmigkeit und Verfasser des »Christian Life,« eines einst weit und -breit berühmten Buches, wurde wahrscheinlich auf Anrathen seines intimen -Freundes Sharp, an's Bett des Sterbenden gerufen. Doch umsonst sprach -auch Scott, wie Sharp es bereits gethan, von den entsetzlichen -Schlächtereien von Dorchester und Taunton. Jeffreys blieb bis zum -letzten Augenblicke dabei, daß Die, welche ihn für blutdürstig hielten, -seine damaligen Befehle nicht kennten, daß er eher Lob als Tadel -verdiene und daß seine Milde ihm das höchste Mißfallen seines Gebieters -zugezogen habe.[34] - -Krankheit unterstützt durch starkes Trinken und durch tiefen Gram, -vollendete bald ihr Werk. Der Magen des Kranken nahm keine Speise mehr -an. Binnen wenigen Wochen magerte der stattliche und sogar corpulente -Mann zu einem Gerippe ab. Am 18. April starb er im einundvierzigsten -Jahre seines Lebens. Mit fünfunddreißig Jahren war er Oberrichter der -Kings Bench, mit siebenunddreißig Lordkanzler gewesen. In der ganzen -Geschichte der englischen Justizpflege findet sich kein zweites Beispiel -von einem so raschen Emporsteigen oder einem so heftigen Sturze. Der -abgezehrte Leichnam wurde in aller Stille neben der Asche Monmouth's in -der Kapelle des Tower beigesetzt.[35] - -Der Sturz dieses einst so mächtigen und gefürchteten Mannes, der -Abscheu, mit dem er von allen ehrenwerthen Mitgliedern seiner eignen -Partei betrachtet wurde, die Art und Weise, wie die minder ehrenwerthen -Mitglieder dieser Partei in seinem Unglück jede Gemeinschaft mit ihm von -sich wiesen und die ganze Schuld der Verbrechen, zu denen sie ihn -aufgemuntert hatten, auf ihn wälzte, hatten den maßlosen Freunden der -Freiheit, welche nach einer neuen Proscription verlangten, zur Lehre -dienen sollen. Allein es war eine Lehre, die nur zu viele von ihnen -nicht beachteten. - - -Die Whigs unzufrieden mit dem Könige. - -Der König hatte gleich beim Beginn seiner Regierung ihr Mißfallen -erregt, indem er einige Tories und Trimmers zu hohen Aemtern berief und -die durch diese Ernennungen erweckte Unzufriedenheit war durch sein -Bemühen, eine allgemeine Amnestie für die Besiegten zu erlangen, noch -verstärkt worden. Er war allerdings auch nicht der Mann, der sich bei -den rachsüchtigen Zeloten irgend einer Partei hätte beliebt machen -können. Denn zu den Eigenthümlichkeiten seines Characters gehörte eine -gewisse schroffe Humanität, durch die er seine Feinde selten gewann und -seine Freunde oftmals aufbrachte, in der er aber eigensinnig beharrte, -ohne sich weder um die Undankbarkeit Derer, die er vom Untergange -gerettet, noch um die Wuth Derer zu kümmern, deren Rachegelüste er -vereitelt hatte. Einige Whigs sprachen jetzt ebenso hart über ihn, als -sie je über einen seiner beiden Oheime gesprochen hatten. Er sei im -Grunde auch ein Stuart und er sei dies nicht umsonst. Wie Alle dieses -Stammes liebe auch er die Willkürherrschaft. In Holland sei es ihm -gelungen, sich unter der Form einer republikanischen Staatseinrichtung -zu einem kaum minder absoluten Herrscher zu machen, als es die erblichen -Grafen gewesen seien. Durch eine sonderbare Verkettung von Umständen -habe sein Interesse eine kurze Zeit lang dem Interesse des englischen -Volks entsprochen, aber obgleich er zufällig ein Befreier geworden, sei -er doch von Natur ein Despot. Er sympathisire nicht mit dem gerechten -Zorne der Whigs. Er habe Zwecke im Auge, welche die Whigs keinen -Souverain gutwillig erreichen lassen würden, und er wisse auch recht -gut, daß er nur die Tories als Werkzeuge dazu benutzen könne. Daher habe -er sie vom Augenblicke seiner Thronbesteigung an ungebührlich -begünstigt. Jetzt wolle er den nämlichen Verbrechern, die er vor wenigen -Monaten in seiner Erklärung als eine exemplarische Strafe verdienend -bezeichnet habe, eine Amnestie erwirken. Im November habe er der Welt -gesagt, daß die Verbrechen, an denen jene Männer Theil genommen, es -Unterthanen zur Pflicht gemacht hätten, ihren Huldigungseid zu brechen, -Soldaten, ihre Fahnen zu verlassen, Kinder, gegen ihre Eltern zu -kämpfen. Mit welcher Consequenz könne er jetzt dazu rathen, diese -Verbrechen mit dem Mantel allgemeiner Vergessenheit zu bedecken? und sei -nicht nur zu triftiger Grund zu der Besorgniß vorhanden, daß er die -Helfershelfer der Tyrannei vor dem verdienten Loose in der Hoffnung zu -retten wünsche, daß sie ihm früher oder später einmal eben so -gewissenslos dienen würden, wie sie seinem Schwiegervater gedient -hätten? - - -Maßlose Heftigkeit Howe's. - -Unter den von diesen Gefühlen beseelten Mitgliedern des Hauses der -Gemeinen war Howe der Heftigste und Kühnste. Er ging einmal so weit, daß -eine Untersuchung der Maßnahmen des Parlaments von 1685 eingeleitet und -daß allen Denen, die in diesem Parlament mit dem Hofe gestimmt hatten, -irgend ein Brandmal aufgedrückt werden solle. Dieser eben so absurde als -hämische Antrag wurde von allen ehrenwertheren Whigs gemißbilligt und -von Birch und Maynard nachdrücklich bekämpft.[36] Howe mußte nachgeben, -aber er war ein Mann, den kein Schlag niederwerfen konnte, und er wurde -durch den Beifall vieler hitzköpfiger Mitglieder seiner Partei -ermuthigt, welche nicht die entfernteste Ahnung hatten, daß er, nachdem -er der hämischeste und characterloseste Whig gewesen, in nicht ferner -Zeit der hämischeste und characterloseste Tory werden würde. - - -Angriff gegen Caermarthen. - -Dieser scharfsinnige, ruchlose und boshafte Politiker hielt sich, -obgleich er selbst ein einträgliches Amt im königlichen Hofstaat -bekleidete, tagtäglich über die Art der Besetzung der hohen Staatsämter -auf und seine Declamationen wurden, wenn auch etwas weniger scharf und -heftig, von anderen Rednern wiederholt. Keiner, sagten sie, der ein -Minister Karl's oder Jakob's gewesen sei, dürfe ein Minister Wilhelm's -sein. Der erste Angriff wurde gegen den Lordpräsidenten Caermarthen -gerichtet. Howe stellte den Antrag, daß dem Könige eine Adresse -überreicht werden solle, die ihn ersuchte, alle Diejenigen, welche je -einmal von den Gemeinen angeklagt worden seien, aus Sr. Majestät -Staatsrath und Angesicht, zu entfernen. Die Debatte über diesen Antrag -wurde zu wiederholten Malen vertagt. Während der Ausgang noch -zweifelhaft war, schickte Wilhelm Dykvelt an Howe ab, um ihn zur Rede zu -setzen. Howe war unbeugsam. Er war was man im gewöhnlichen Leben einen -uneigennützigen Menschen nennt, das heißt, er legte auf das Geld weniger -Werth als auf das Vergnügen, seiner üblen Laune Luft zu machen und -Aufsehen zu erregen. »Ich erweise dem König einen Dienst,« sagte er; -»ich befreie ihn von falschen Freunden, und meine Stellung wird mich nie -abhalten, meine Gedanken auszusprechen.« Der Antrag wurde gestellt, -scheiterte aber gänzlich. Der Satz, daß eine bloße Anklage, ohne -Ueberführung, als ein entscheidender Beweis von Schuld betrachtet werden -solle, widerstritt in der That der natürlichen Gerechtigkeit. -Caermarthen hatte allerdings große Fehler begangen, aber sie waren durch -Parteigeist übertrieben, durch harte Leiden gesühnt und durch neuerliche -ausgezeichnete Dienste wiedergutgemacht worden. Zu der Zeit als er die -große Grafschaft York gegen Papismus und Tyrannei zu den Waffen rief, -hatten ihm einige der ausgezeichnetsten Whigs versichert, daß aller alte -Zwist vergessen sei. Howe behauptete zwar, daß die Artigkeiten, welche -im Augenblicke der Gefahr erzeigt worden seien, nichts bedeuteten. »Wenn -ich eine Viper in der Hand habe,« sagte er, »gehe ich sehr subtil mit -ihr um; sobald ich sie aber am Boden habe, zertrete ich sie.« Aber der -Lordpräsident wurde so kräftig unterstützt, daß nach einer dreitägigen -Discussion seine Feinde es nicht wagten, über den gegen ihn gerichteten -Antrag die Meinung des Hauses zu sondiren. Im Laufe der Debatte wurde -beiläufig eine wichtige Verfassungsfrage in Anregung gebracht. Die Frage -war, ob eine Begnadigung vor einer parlamentarischen Anklage schützen -könne. Die Gemeinen resolvirten ohne Abstimmung, daß eine Begnadigung -nicht davor schützen könne.[37] - - -Angriff auf Halifax. - -Der nächste Angriff galt Halifax. Er nahm eine viel verhaßtere Stellung -ein als Caermarthen, der sich unter dem Vorgeben, daß seine Gesundheit -angegriffen sei, fast gänzlich von den Geschäften zurückgezogen hatte. -Halifax wurde allgemein als der erste Rathgeber der Krone betrachtet und -für alle in Bezug auf Irland begangenen Fehler speciell verantwortlich -gemacht. Die Uebel, sagte man, welche dieses Königreich zu Grunde -gerichtet, hätten durch rechtzeitige Vorsicht verhütet oder durch -kräftige Anstrengung wiedergutgemacht werden können. Die Regierung aber -habe nichts vorgesehen; sie habe wenig gethan, und dieses Wenige sei -weder zur rechten Zeit noch in der rechten Weise geschehen. Zu einer -Zeit, wo einige wenige Truppen genügt haben würden, habe man -Unterhandlungen anstatt Truppen angewendet. Als viele Truppen nöthig -gewesen seien, habe man wenige geschickt, und diese wenigen seien -schlecht ausgerüstet und schlecht commandirt gewesen. Dies, riefen die -heftigen Whigs, seien die natürlichen Früchte des großen Fehlers, den -König Wilhelm am ersten Tage seiner Regierung begangen habe. Er habe zu -Tories und Trimmers ein Vertrauen gehabt, das sie nicht verdienten. -Insbesondere habe er die Leitung der irischen Angelegenheiten dem -Trimmer der Trimmers anvertraut, einem Manne, dessen Talent Niemand -bestreite, der aber der neuen Regierung nicht treu ergeben, der -überhaupt gar nicht fähig sei, irgend einer Regierung treu ergeben zu -sein, der stets zwischen zwei Meinungen geschwankt und bis zum -Augenblicke der Flucht Jakob's die Hoffnung nicht aufgegeben habe, daß -die Unzufriedenheit der Nation ohne einen Dynastiewechsel beschwichtigt -werden könnte. Howe bezeichnete bei zwanzig Gelegenheiten Halifax als -die Ursache aller Calamitäten des Landes. Eine ähnliche Sprache führte -Monmouth im Hause der Lords. Obgleich erster Lord des Schatzes, schenkte -er doch den Finanzgeschäften, für die er übrigens ganz untauglich war -und deren er bald überdrüssig geworden, seine Theilnahme. Seine ganze -Thätigkeit widmete er der Verfolgung der Tories. Er sagte dem Könige -rund heraus, daß Niemand, der nicht ein Whig sei, im Staatsdienste -angestellt werden solle. Wilhelm's Antwort war kalt und entschieden. -»Ich habe so viel für Ihre Freunde gethan, als ich ohne Gefahr für den -Staat thun kann, mehr aber werde ich nicht thun.[38]« Die einzige -Wirkung dieses Verweises war, daß Monmouth factiöser wurde als je. -Besonders gegen Halifax intriguirte und haranguirte er mit unermüdlicher -Animosität. Die anderen whiggistischen Lords des Schatzes, Delamere und -Capel, waren kaum weniger eifrig bestrebt, den Lordsiegelbewahrer aus -dem Amte zu vertreiben, und persönliche Eifersucht und Antipathie -bewogen den Lordpräsidenten, mit seinen eignen Anklägern gegen seinen -Nebenbuhler zu conspiriren. - -In wie weit die Beschuldigungen, welche damals gegen Halifax, erhoben -wurden, begründet gewesen sein mögen, läßt sich jetzt nicht mehr mit -Gewißheit ermitteln. Obwohl seine Feinde zahlreiche Zeugen befragten und -obgleich sie von Wilhelm die ungern gegebene Erlaubniß erlangten, die -Protokolle des Geheimen Raths einzusehen, konnten sie doch keinen Beweis -entdecken, auf den sie eine bestimmte Anklage hätten stützen können.[39] -Es war indessen unleugbar, daß der Lordsiegelbewahrer als Minister für -Irland fungirt hatte und daß Irland fast verloren war. Unnöthig und -sogar widersinnig ist die Annahme vieler Whigs, daß seine Verwaltung -deshalb unersprießlich gewesen sei, weil er nicht gewollt habe, daß sie -ersprießlich sein solle. Das Wahre ist, daß die Schwierigkeiten seiner -Stellung groß waren und daß er bei all' seiner Genialität und -Beredtsamkeit diesen Schwierigkeiten nicht gewachsen war. Die ganze -Regierungsmaschine war aus den Fugen, und er war nicht der Mann, der sie -wieder in Gang bringen konnte. Dazu gehörte nicht das was er in so -reichem Maße besaß: Geist, Geschmack, glänzende Fassungskraft und -scharfe Unterscheidungsgabe, sondern das was ihm fehlte: rasches -Entscheiden, unermüdliche Energie und unerschütterliche -Entschlossenheit. Sein Gemüth war im Grunde zu weich für eine Arbeit, -wie sie jetzt auf ihm lastete und es war neuerdings durch harte -Schicksalsschläge noch weicher gestimmt worden. Er hatte in Zeit von -nicht ganz einem Jahre zwei Söhne verloren. Es existirt noch ein Brief, -in welchem er damals gegen seine hochverehrte Freundin, Lady Russell, -über die Verödung seines Herdes und über die herzlose Undankbarkeit der -Whigs klagt. Ebenso besitzen wir noch die Antwort darauf, worin sie ihn -freundlich ermahnt, da Trost zu suchen, wo sie denselben unter nicht -minder harten Prüfungen gefunden habe.[40] - -Der erste Angriff auf ihn erfolgte im Oberhause. Einige whiggistische -Lords, unter denen sich der launenhafte und ruchlose erste Lord des -Schatzes besonders hervorthat, schlugen vor, den König zu ersuchen, daß -er einen neuen Sprecher ernenne. Halifax Freunde beantragten die -vorläufige Frage und brachten sie durch.[41] Ungefähr drei Wochen später -beantragten seine Feinde in einem Comité des ganzen Hauses der Gemeinen -eine Resolution, die ihm keine specielle Unterlassungs- oder -Begehungssünde zur Last legte, sondern es einfach für rathsam erklärte, -daß er aus dem Dienste der Krone entlassen werde. Die Debatte war heiß. -Die gemäßigten Politiker beider Parteien waren nicht geneigt, einem zwar -nicht fehlerfreien, aber durch Talent und Liebenswürdigkeit gleich -ausgezeichneten Mann ein Brandmal aufzudrücken. Als seine Ankläger -sahen, daß sie ihren Zweck nicht erreichen konnten, suchten sie sich -einer Entscheidung, welche gewiß ungünstig für sie gelautet haben würde, -dadurch zu entziehen, daß sie beantragten, der Vorsitzende solle die -Sache vertagen. Aber ihre Taktik wurde durch das umsichtige und muthige -Benehmen Lord Eland's, des Marquis' einzigem noch lebenden Sohne, -vereitelt. »Mein Vater hat es nicht verdient,« sprach der junge -Edelmann, »daß man solches Spiel mit ihm treibt. Wenn Sie ihn für -strafbar halten, so sagen Sie es, und er wird sich ohne weiteres Ihrem -Urtheile unterwerfen. Entlassung vom Hofe hat nichts Schreckliches für -ihn. Gottes Güte hat ihn der Nothwendigkeit überhoben, die Mittel zur -Aufrechthaltung seines Ranges in einem Amte zu suchen.« Das Comité -stimmte ab und Halifax wurde mit einer Majorität von vierzehn Stimmen -freigesprochen.[42] - - -Vorbereitungen zu einem Feldzuge in Irland. - -Wäre die Abstimmung um einige Stunden verschoben worden, so würde die -Majorität wahrscheinlich viel bedeutender gewesen sein. Die Gemeinen -stimmten unter dem Einflusse der Meinung, daß Londonderry gefallen und -ganz Irland verloren sei. Kaum war das Haus auseinandergegangen, so traf -ein Courier mit der Nachricht ein, daß der Sperrbaum im Foyle -durchbrochen sei. Ihm folgte bald ein zweiter, der die Aufhebung der -Belagerung meldete, und ein dritter, der die Nachricht von der Schlacht -bei Newton Butler brachte. Hoffnung und Jubel folgten auf Mißmuth und -Besorgniß.[43] Ulster war gerettet, und man erwartete zuversichtlich, -daß Schomberg sehr bald auch Leinster, Connaught und Munster -wiedererobern werde. Er war jetzt bereit zum Aufbruch. Der Hafen von -Chester war der Punkt, von wo er abgehen sollte. Die seinem Commando -unterstellte Armee hatte sich dort versammelt, und der Dee wimmelte von -Kriegs- und Transportschiffen. Leider waren fast alle kriegserfahrene -englische Soldaten nach Flandern geschickt worden, und die große -Mehrzahl der nach Irland bestimmten Truppen bestand daher aus Leuten, -welche eben vom Pfluge und von der Dreschtenne kamen. Es war indessen -eine vortreffliche holländische Brigade unter dem Commando eines -erfahrnen Offiziers, des Grafen von Solms darunter. Außerdem waren vier -Regimenter, ein Cavallerieregiment und drei Infanterieregimenter, aus -den französischen Flüchtlingen gebildet worden, von denen viele mit -Auszeichnung gedient hatten. Niemand that mehr für die Aushebung dieser -Regimenter als der Marquis von Ruvigny. Er war viele Jahre ein -außerordentlich treuer und nützlicher Diener der französischen Regierung -gewesen, und man schätzte in Versailles seine Verdienste so hoch, daß -man ihn gebeten hatte, Begünstigungen anzunehmen, welche kaum ein andrer -Ketzer durch noch so dringende Bitten erlangt haben würde. Hätte er sich -entschlossen in seinem Vaterlande zu bleiben, so würde man ihm und -seinen Angehörigen gestattet haben, privatim Gott auf ihre eigne Art zu -verehren. Aber Ruvigny wies alle Anerbietungen zurück, theilte das Loos -seiner Glaubensbrüder und vertauschte in einem Alter von mehr als -achtzig Jahren Versailles, wo er noch immer ein Günstling hätte bleiben -können, mit einer bescheidenen Wohnung in Greenwich. Diese Wohnung war -während der letzten Monate seines Lebens der Sammelplatz aller -ausgezeichneten Persönlichkeiten unter seinen Mitverbannten. Seine -Talente, seine Erfahrung und seine freigebige Herzensgüte machten ihn -zum unbestrittenen Oberhaupte der Refugiés. Zu gleicher Zeit war er ein -halber Engländer, denn seine Schwester war eine Gräfin von Southampton -gewesen und er war der Oheim von Lady Russell. Die Zeit des -selbstthätigen Handelns war für ihn längst vorüber; aber seine beiden -Söhne, beides Männer von ausgezeichnetem Muthe, widmeten ihre Degen dem -Dienste Wilhelm's. Der jüngere Sohn, der den Namen Caillemote führte, -wurde zum Obersten eines der hugenottischen Infanterieregimenter -ernannt. Die beiden anderen Infanterieregimenter wurden von La -Melloniere und Cambon, Offizieren von glänzendem Rufe, befehligt. Das -Cavallerieregiment war von Schomberg selbst errichtet und führte seinen -Namen. Ruvigny lebte gerade noch lange genug, um diese Rüstungen -vollendet zu sehen.[44] - - -Schomberg. - -Dem General, dem man die Oberleitung des Feldzugs gegen Irland -übertragen hatte, war es in seltenem Grade gelungen, sich die Zuneigung -und Achtung der englischen Nation zu erwerben. Er war zum Herzoge, zum -Ritter des Hosenbandordens und zum Feldzeugmeister ernannt worden, er -stand jetzt an der Spitze einer Armee, und doch erweckte seine Erhebung -nichts von dem Neide, der sich jedesmal kundgab, so oft Bentinck, -Zulestein oder Auverquerque ein Zeichen königlicher Gunst zu Theil ward. -Schomberg's militärische Tüchtigkeit war allgemein anerkannt. Er wurde -von allen Protestanten als ein Bekenner betrachtet, der für die Wahrheit -Alles erduldet hatte, den Märtyrertod ausgenommen. Um seines Glaubens -willen hatte er einem glänzenden Einkommen entsagt, hatte den -französischen Marschallsstab niedergelegt und hatte, in einem Alter von -beinahe achtzig Jahren, als ein armer Soldat des Zufalls seine Laufbahn -noch einmal von vorn angefangen. Da er in keiner Connection mit den -Vereinigten Provinzen stand und niemals dem kleinen Hofe im Haag -angehört hatte, so wurde der ihm vor englischen Anführern gegebene -Vorzug mit Recht nicht nationaler oder persönlicher Parteilichkeit, -sondern lediglich seinen Tugenden und Fähigkeiten zugeschrieben. Sein -Benehmen war weit verschieden von dem der anderen Ausländer, welche so -eben zu englischen Peers creirt worden waren. Diese waren bei vielen -ehrenwerthen Eigenschaften in Geschmack, Sitten und Neigungen Holländer -und konnten den Ton der Gesellschaft, in die sie versetzt worden, nicht -treffen. Er war ein Weltbürger, hatte ganz Europa durchwandert, hatte an -der Maas, am Ebro und am Tajo Armeen commandirt, hatte sich in dem -glänzenden Cirkel von Versailles bewegt und hatte am Berliner Hofe in -hoher Gunst gestanden. Französische Edelleute hatten ihn oft für einen -französischen Edelmann gehalten. Er hatte einige Zeit in England -zugebracht, sprach sehr gut englisch, fand sich leicht in die englischen -Sitten und wurde oft in Begleitung von Engländern im Parke gesehen. In -seiner Jugend hatte er mäßig gelebt, und seine Mäßigkeit genoß jetzt den -ihr gebührenden Lohn: ein ungemein rüstiges und kräftiges Alter. Als -achtzigjähriger Greis, hatte er noch Sinn für unschuldige Vergnügungen, -seine Conversation war außerordentlich elegant und lebhaft, man konnte -nichts Geschmackvolleres sehen als seine Equipagen und seine Tafel, und -jeder Cavalleriecornet beneidete die Anmuth und den würdevollen Anstand, -womit der Veteran an der Spitze seines Regiments auf seinem -Schlachtrosse in Hydepark erschien.[45] Das Haus der Gemeinen hatte ihn -mit allgemeiner Zustimmung durch ein Geschenk von hunderttausend Pfund -Sterling für seine Verluste entschädigt und für seine geleisteten -Dienste belohnt. Vor seinem Abgange nach Irland bat er um die Erlaubniß, -für dieses großmüthige Geschenk seinen Dank aussprechen zu dürfen. Es -ward ein Stuhl für ihn innerhalb der Schranke bereitgestellt. Er nahm, -mit dem Scepter zu seiner Rechten, auf demselben Platz, erhob sich dann, -sprach in kurzen freundlichen Worten seinen Dank aus und nahm Abschied -von der Versammlung. Der Sprecher erwiederte darauf, daß die Gemeinen -die Verpflichtungen, welche sie schon gegen Se. Gnaden hätten, nie -vergessen würden, daß sie ihn mit Vergnügen an der Spitze der englischen -Armee sähen, daß sie volles Vertrauen in seinen Eifer und seine -Geschicklichkeit setzten und daß sie sich seiner stets mit besonderer -Fürsorge annehmen würden. Das bei dieser interessanten Gelegenheit -gegebene Beispiel wurde hundertundfünfundzwanzig Jahre später bei einer -noch interessanteren Gelegenheit mit strengster Genauigkeit nachgeahmt. -Genau auf derselben Stelle, wo Schomberg im Juli 1689 die Freigebigkeit -der Nation dankend anerkannt, stand im Juli 1814 ein Stuhl für einen -noch berühmteren Krieger, der gekommen war, um sich für ein noch -glänzenderes Zeichen der öffentlichen Anerkennung zu bedanken. Wenige -Dinge bezeichnen treffender den eigenthümlichen Character der englischen -Verfassung und Nation als der Umstand, daß das Haus der Gemeinen, eine -aus dem Volke hervorgegangene Versammlung, selbst in einem Augenblicke -freudiger Begeisterung mit der ängstlichen Gewissenhaftigkeit eines -Wappencollegiums an althergebrachten Formen festhielt; daß das -Niedersetzen und Aufstehen, das Bedecktbleiben und das Entblößen des -Hauptes im 19. Jahrhundert noch genau nach der nämlichen Etikette -regulirt war wie im 17., und daß das nämliche Scepter, welches zur -Rechten Schomberg's gehalten worden war, in gleicher Stellung zur -Rechten Wellington's gehalten wurde.[46] - - -Unterbrechung der Parlamentssitzungen. - -Am 20. August ging das Parlament, nachdem es sieben Monate lang in -ununterbrochener Thätigkeit gewesen war, auf königlichen Befehl für -kurze Zeit auseinander. Dieselbe Nummer der Gazette, welche die -Ankündigung enthielt, daß die beiden Häuser ihre Sitzungen eingestellt, -brachte auch die Mittheilung, daß Schomberg in Irland gelandet sei.[47] - - -Zustand Irland's -- Rath Avaux'. - -Während der drei Wochen vor seiner Landung hatte im Schlosse von Dublin -die größte Angst und Bestürzung geherrscht. Schlag auf Schlag waren -einander so rasch gefolgt, daß Jakob's nie sehr starker Muth völlig -gebrochen worden war. Zuerst hatte er erfahren, daß Londonderry erlöst -war; dann, daß eine seiner Armeen von den Enniskillenern geschlagen -worden; hierauf, daß eine andere von seinen Armeen stark -zusammengeschmolzen und entmuthigt sich aus Ulster zurückzog oder -vielmehr floh; und endlich, daß Sligo, der Schlüssel von Connaught, den -Engländern preisgegeben worden war. Er hatte sich von der Unmöglichkeit -überzeugt, die Colonisten zu unterwerfen, selbst als sie fast ganz ohne -fremde Hülfe waren. Daher konnte er wohl zweifeln, ob es ihm möglich -sein würde, gegen sie zu kämpfen, wenn sie durch eine englische Armee -unter den Befehlen des größten lebenden Feldherrn unterstützt wurden. -Der unglückliche Fürst schien seit einigen Tagen der Verzweiflung -gänzlich anheimgefallen. Auf Avaux machte die Gefahr einen ganz andren -Eindruck. Jetzt, dachte er, sei es Zeit, den Krieg zwischen den -Engländern und Irländern in einen Vertilgungskrieg zu verwandeln und -jede Vereinigung der beiden Nationen unter eine Regierung für immer -unmöglich zu machen. In diesem Sinne unterbreitete er kaltblütig dem -Könige einen Vorschlag von fast unglaublicher Abscheulichkeit. Er sagte, -es müsse eine zweite Bartholomäusnacht veranstaltet werden. Ein Vorwand -dazu werde sich leicht finden lassen. Schomberg's Ankunft in Irland -werde ohne Zweifel in denjenigen südlichen Städten, deren Bevölkerung -überwiegend englisch sei, einige Aufregung hervorrufen, und jede -Ruhestörung, wo immer sie stattfinden möge, werde einen -Entschuldigungsgrund für eine allgemeine Niedermetzelung der -Protestanten von Leinster, Munster und Connaught darbieten.[48] Da der -König im ersten Augenblicke keinen Abscheu vor diesem Rathe an den Tag -legte,[49] so kam der Gesandte einige Tage später auf den Gegenstand -zurück und drang in Se. Majestät, die nöthigen Befehle zu erlassen. -Jetzt aber erklärte Jakob mit einer Entschiedenheit, die ihm zur Ehre -gereichte, daß nichts ihn vermögen werde, ein solches Verbrechen zu -begehen. »Diese Leute sind meine Unterthanen, und ich kann nicht so -grausam sein, sie zu ermorden, während sie friedlich unter meiner -Regierung leben.« -- »Es liegt nichts Grausames in meinem Vorschlage,« -entgegnete der gefühllose Diplomat. »Eure Majestät sollte bedenken, daß -Milde gegen die Protestanten Grausamkeit gegen die Katholiken ist.« Doch -Jakob war nicht zu bewegen, und Avaux entfernte sich in sehr übler -Laune. Er war der Meinung, daß die Humanitätsäußerungen des Königs -erheuchelt seien und daß Se. Majestät den Befehl zum allgemeinen -Gemetzel nur deshalb nicht gebe, weil er überzeugt sei, die Katholiken -im ganzen Lande würden auch ohne einen solchen Befehl über die -Protestanten herfallen.[50] Avaux irrte sich indeß vollständig. Daß er -Jakob für eben so unmoralisch hielt als er selbst war, kann nicht Wunder -nehmen. Unbegreiflich aber ist es, wie ein so kluger Mann vergessen -konnte, daß Jakob und er ganz verschiedene Zwecke verfolgten. Das Ziel -der Politik des Gesandten war, England und Irland für alle Zeiten zu -trennen. Das Ziel der Politik des Königs war die Vereinigung England's -und Irland's unter seinem Scepter, und er mußte nothwendig einsehen, daß -wenn in drei Provinzen ein allgemeines Niedermetzeln der Protestanten -stattfände und er in den Verdacht käme, es autorisirt, oder nur -stillschweigend geduldet zu haben, binnen vierzehn Tagen selbst in -Oxford kein Jakobit mehr am Leben sein würde.[51] - -Gerade in diesem Augenblicke begann der Horizont Jakob's, welcher -hoffnungslos trübe geschienen hatte, sich aufzuhellen. Die Gefahr, die -ihn zu Boden drückte, hatte das irische Volk aufgerüttelt. Es hatte sich -sechs Monate früher wie ein Mann gegen die Sachsen erhoben. Die Armee, -welche Tyrconnel ins Leben gerufen, war im Verhältniß zu der -Bevölkerung, der sie entnommen war, die größte, welche Europa je -gesehen. Aber diese Armee hatte eine lange Reihe von Niederlagen und -Unfällen erlitten, die durch keine einzige glänzende Waffenthat -aufgewogen wurden. In England wie auf dem Continent war man gewohnt, -diese Niederlagen und Unfälle der Zaghaftigkeit des irischen -Volksstammes zuzuschreiben.[52] Daß dies aber ein großer Irrthum war, -wird durch die Geschichte jedes Krieges, der seit fünf Generationen in -irgend einem Theile der Christenheit geführt worden ist, genugsam -bewiesen. Das rohe Material, aus dem eine gute Armee gebildet werden -kann, war unter den Irländern in reichem Maße vorhanden. Avaux schrieb -seiner Regierung, daß sie ein auffallend schöner, großer und -wohlgebauter Menschenschlag seien, daß sie persönlich tapfer, der Sache, -für die sie kämpften, aufrichtig zugethan und gegen die Colonisten -heftig erbittert seien. Nachdem er ihre Kraft und ihren Muth gepriesen, -erklärte er, wie es zugehe, daß sie bei all ihrer Kraft und ihrem Muthe -doch beständig geschlagen wurden. Es sei ganz falsch, sagte er, wenn man -glaube, daß persönliche Tapferkeit, physischer Muth oder patriotische -Begeisterung am Tage der Schlacht die Disciplin ersetzen könne. Die -Infanterie sei schlecht bewaffnet und schlecht eingeübt, man ließe sie -allenthalben wohin sie komme plündern, und so habe sie alle Gewohnheiten -von Banditen angenommen. Es befinde sich kaum ein einziger Offizier -darunter, der fähig wäre, sie ihre Pflicht zu lehren. Ihre Obersten -seien zwar im allgemeinen Leute aus guter Familie, aber ohne -militärische Erfahrung. Die Hauptleute seien Metzger, Schneider oder -Schuhmacher, und nicht einer unter ihnen kümmere sich um den Comfort, -die Ausrüstung und Einübung der Leute, denen er vorgesetzt sei. Die -Dragoner seien nicht viel besser als die Infanterie. Nur die Reiter -seien, mit wenigen Ausnahmen, vortrefflich. Fast alle irischen -Gentlemen, die einige militärische Erfahrung besäßen, bekleideten -Offiziersstellen in der Cavallerie, und durch die Bemühungen dieser -Offiziere seien einige Regimenter gebildet und einexercirt worden, -welche Avaux allen, die er je gesehen, gleichstellte. Es liege daher auf -der Hand, daß die Untüchtigkeit der Fußsoldaten und der Dragoner nicht -den Fehlern des irischen Characters, sondern den Mängeln der irischen -Verwaltung zugeschrieben werden müsse.[53] - -Die Ereignisse, welche im Herbst des Jahres 1689 eintraten, bewiesen zur -Genüge, daß der vom Unglück verfolgte Volksstamm, den seine Feinde wie -seine Bundesgenossen allgemein mit ungerechter Geringschätzung -betrachteten, mit den von Armuth, Unwissenheit und Aberglauben -unzertrennlichen Fehlern einige vortreffliche Eigenschaften verband, die -man auch bei blühenderen und civilisirteren Nationen nicht immer findet. -Die schlimmen Nachrichten, welche Jakob in Angst und Verzweiflung -stürzten, rüttelten die ganze Bevölkerung der südlichen Provinzen auf -wie der Ton der Schlachttrompete. Von allen Altären von dreiundzwanzig -Grafschaften wurde dem Volke verkündet, daß Ulster verloren sei, daß die -Engländer kämen und daß der Kampf auf Leben und Tod zwischen den beiden -feindlichen Nationen bevorstehe. Es sei nur noch eine Hoffnung, und wenn -diese fehlschlüge, bleibe nichts mehr übrig als die despotische, -erbarmungslose Herrschaft der sächsischen Colonie und der ketzerischen -Kirche. Der katholische Priester, der eben erst Pfarrhaus und Kanzel in -Besitz genommen, der katholische Squire, der so eben auf den Schultern -seiner jubelnden Pächter in die Halle seiner Väter getragen worden sei, -würden vertrieben werden, um von dem Almosen zu leben, das die selbst -unterdrückten und verarmten Landleute ihnen gewähren könnten. Eine neue -Vermögensconfiscation würde das Werk der Ansiedlungsacte vollenden und -die Anhänger Wilhelm's würden Alles wegnehmen, was die Anhänger -Cromwell's verschont hätten. Diese Befürchtungen riefen einen Ausbruch -patriotischer und religiöser Begeisterung hervor, welcher den -unvermeidlichen Augenblick der Unterjochung auf einige Zeit hinausschob. -Avaux war erstaunt über die Energie, welche die Irländer unter so -niederdrückenden Verhältnissen an den Tag legten. Es war allerdings die -wilde und unbeständige Energie eines halbbarbarischen Volks; sie war -vorübergehend und oft irregeleitet; aber wenn auch vorübergehend und -irregeleitet, that sie doch Wunder. Der französische Gesandte mußte -bekennen, daß die Offiziere, über deren Unbrauchbarkeit und Unthätigkeit -er so oft geklagt, ihre Lethargie plötzlich abgeschüttelt hätten. Die -Rekruten strömten zu Tausenden herbei, und die unter den Mauern von -Londonderry gelichteten Reihen waren bald wieder übervoll. Es wurden -große Anstrengungen gemacht, um die Truppen zu bewaffnen und -einzukleiden, und nach dem kurzen Zeitraum von vierzehn Tagen bot Alles -einen neuen und erfreulichen Anblick dar.[54] - - -Entlassung Melfort's. - -Die Irländer verlangten vom Könige zum Lohn für die energischen -Anstrengungen in seinem Interesse ein Zugeständniß, das ihm durchaus -nicht angenehm war. Melfort's Unpopularität hatte in einem solchen Grade -zugenommen, daß er kaum noch seines Lebens sicher war, und er besaß -keinen Freund, der ein Wort zu seinen Gunsten hätte sprechen können. Die -Franzosen haßten ihn. In jedem Briefe, der aus England oder Schottland -in Dublin ankam, wurde er als der böse Genius des Hauses Stuart -bezeichnet. Es war um seiner selbst willen nothwendig ihn zu entlassen. -Man fand einen ehrenvollen Ausweg. Er erhielt Befehl, sich nach -Versailles zu begeben, den Stand der Dinge in Irland dort darzulegen und -die französische Regierung um schleunige Zusendung eines Hülfscorps von -sechs- bis siebentausend Mann gedienter Infanterie zu bitten. Er legte -die Siegel nieder und sie wurden zur großen Freude der Irländer den -Händen eines Irländers Sir Richard Nagle anvertraut, der sich als -Generalfiskal und als Sprecher des Hauses der Gemeinen hervorgethan -hatte. Melfort reiste unter dem Schutze der Dunkelheit ab, denn die Wuth -des Volks gegen ihn war so groß, daß er sich am Tage nicht ohne Gefahr -in den Straßen von Dublin zeigen konnte. Am andren Morgen verließ Jakob -seine Hauptstadt in entgegengesetzter Richtung, um Schomberg -entgegenzurücken.[55] - - -Schomberg landet in Ulster. - -Schomberg war in Antrim gelandet. Die Streitmacht, die er mitbrachte, -überstieg nicht zehntausend Mann. Aber er erwartete, daß die bewaffneten -Colonisten und die von Kirke commandirten Regimenter zu ihm stoßen -würden. Die Kaffeehauspolitiker von London waren fest überzeugt, daß ein -solcher General mit einer solchen Armee die Insel rasch wiedererobern -werde. Leider aber zeigte es sich bald, daß die ihm gewährten Mittel für -das Werk, das er durchzuführen hatte, bei weitem nicht hinreichten; den -größeren Theil dieser Mittel verlor er bald durch eine Reihe -unvorhergesehener Unfälle, und der ganze Feldzug war nichts als ein -langer Kampf seiner Klugheit und Entschlossenheit gegen die äußerste -Tücke des Schicksals. - - -Carrickfergus genommen. - -Er marschirte zuerst nach Carrickfergus. Diese Stadt wurde durch zwei -Regimenter Infanterie für König Jakob vertheidigt. Schomberg beschoß die -Mauern, und nachdem die Irländer sich eine Woche gehalten hatten, -capitulirten sie. Er versprach sie ungehindert abziehen zu lassen; aber -es wurde ihm nicht leicht, sein Wort zu halten. Die Bewohner der Stadt -und Umgegend waren größtentheils Protestanten schottischer Abkunft. Sie -hatten während des kurzen Uebergewichts des eingebornen Stammes viel zu -leiden gehabt und brannten vor Begierde, für die erduldeten Leiden Rache -zu üben. Sie rotteten sich zu zahlreichen Haufen zusammen und riefen, -daß sie sich an die Capitulation nicht kehrten, sondern gerächt sein -wollten. Von Worten gingen sie bald zu Schlägen über. Die entwaffneten, -ausgezogenen und hin und her gestoßenen Irländer suchten Schutz bei den -englischen Offizieren und Soldaten. Mit Mühe gelang es Schomberg, dem -Blutvergießen vorzubeugen, indem er mit dem Pistol in der Hand durch die -Haufen der wüthenden Colonisten sprengte.[56] - -Von Carrickfergus marschirte Schomberg weiter nach Lisburn und von da -durch gänzlich verlassene Städte und über Ebenen, auf denen weder eine -Kuh, noch ein Schaf, noch ein Getreidefehm zu sehen war, nach -Loughbrickland. Hier stießen drei Regimenter Enniskillener zu ihm, deren -Kleidung, Pferde und Waffen einem an den Glanz von Revuen gewohnten Auge -wunderlich vorkamen, die aber an natürlichem Muthe keinen Truppen der -Welt nachstanden und die sich während mehrerer Monate beständigen -Wachtdienstes und Scharmützelns viele wesentliche Eigenschaften -regulärer Soldaten erworben hatten.[57] - - -Schomberg rückt weiter nach Leinster. - -Schomberg setzte seinen Marsch durch eine Wüste gegen Dublin fort. Die -wenigen noch im Süden von Ulster befindlichen irischen Truppen zogen -sich vor ihm zurück, indem sie Alles auf ihrem Wege zerstörten. Newry, -einst ein hübsch gebauter und wohlhabender protestantischer Flecken, -fand er als einen Haufen rauchender Trümmer. Carlingford war ebenfalls -zerstört. Die Stelle, wo die Stadt einst gestanden, war nur noch durch -die massiven Ruinen des alten normännischen Schlosses bezeichnet. -Diejenigen, welche es wagten, Ausflüge aus dem Lager zu machen, -berichteten, daß die Gegend, soweit sie dieselbe durchstreift hätten, -eine Wildniß sei. Es gäbe wohl Hütten, aber sie seien unbewohnt; es gebe -üppige Weiden, aber weder Rinder- noch Schafherden; es gebe -Getreidefelder, aber die Ernte liege, vom Regen durchnäßt, auf dem -Boden.[58] - - -Die englische und die irische Armee campiren nahe bei einander. - -Während Schomberg durch eine unabsehbare Einöde vorrückte, sammelten -sich die irischen Truppen rasch von allen Seiten. Am 10. September wurde -das königliche Banner Jakob's auf dem Thurme von Drogheda entfaltet, und -unter demselben waren bald zwanzigtausend kampffähige Männer versammelt, -die Infanterie im allgemeinen schlecht, die Cavallerie im allgemeinen -gut, beide aber voll Eifers für ihr Vaterland und ihre Religion.[59] Die -Armee war wie gewöhnlich von einem zahlreichen Troß Landvolk begleitet, -das mit Sensen, Halbpiken und Skeans bewaffnet war. Inzwischen hatte -Schomberg Dundalk erreicht. Die Entfernung zwischen beiden Heeren betrug -jetzt nicht mehr als einen starken Tagemarsch, und man erwartete daher -allgemein, daß das Schicksal der Insel unverzüglich durch eine offene -Schlacht entschieden werden würde. - -In beiden Lagern wünschten Alle, die vom Kriege nichts verstanden, -sehnlichst loszuschlagen, und die Wenigen, die sich eines hohen Rufes -militärischer Tüchtigkeit erfreuten, waren in beiden Lagern gegen eine -Schlacht. Weder Rosen noch Schomberg wollten Alles auf einen Wurf -setzen. Beide kannten die Mängel ihrer Armee genau und keiner von ihnen -war über die Mängel der Armee des Andren vollständig unterrichtet. Rosen -wußte sehr gut, daß die irische Infanterie schlechter ausgerüstet, mit -schlechteren Offizieren versehen und schlechter eingeübt war, als irgend -eine Infanterie, die er vom bothnischen Meerbusen bis zum atlantischen -Ocean je gesehen, und er vermuthete, daß die englischen Truppen gut -einexercirt und, was sie allerdings hätten sein sollen, mit allem zu -einer erfolgreichen Thätigkeit Nöthigem wohl versehen seien. Eine -numerische Uebermacht, urtheilte er sehr richtig, würde gegen eine große -Ueberlegenheit in der Waffenführung und Disciplin wenig nützen. Er rieth -daher Jakob sich zurückzuziehen und lieber Dublin selbst dem Feinde -preiszugeben als eine Schlacht zu wagen, mit deren Verlust Alles -verloren sein würde. Athlone sei der beste Platz im Königreiche zu einem -entschlossenen Widerstande. Der Uebergang über den Shannon könne so -lange vertheidigt werden, bis der Succurs, um den Melfort bitten solle, -aus Frankreich anlange, und dieser Succurs werde den ganzen Character -des Kriegs ändern. Aber die Irländer, mit Tyrconnel an der Spitze, waren -einmüthig gegen den Rückzug. Das Blut der ganzen Nation war in Gährung. -Jakob freute sich über die Begeisterung seiner Unterthanen und erklärte -auf das Bestimmteste, daß er nicht die Schmach auf sich laden werde, -seine Hauptstadt dem Feinde ohne Schwertstreich zu überlassen.[60] - - -Schomberg lehnt eine Schlacht ab. - -Binnen wenigen Tagen zeigte es sich klar, daß Schomberg beschlossen -hatte, nicht loszuschlagen, und seine Gründe waren gewichtig. Er hatte -zwar einige gute holländische und französische Truppen, und auch die -Enniskillener, die sich ihm angeschlossen, hatten eine militärische -Lehrzeit bestanden, wenn auch nicht in der regelrechtesten Weise. Die -große Masse seiner Armee aber bestand aus englischen Landleuten, welche -eben erst aus ihren Hütten kamen. Seine Musketiere hatten noch zu -lernen, wie sie ihre Gewehre laden mußten, seine Dragoner hatten noch zu -lernen, wie sie mit ihren Pferden umgehen mußten, und diese unerfahrenen -Soldaten waren zum größten Theil von Offizieren befehligt, welche eben -so unerfahren waren als sie selbst. Seine Truppen waren daher im -allgemeinen den irischen in der Disciplin nicht überlegen, und standen -ihnen an Zahl weit nach. Ja er überzeugte sich sogar, daß seine Soldaten -eben so schlecht bewaffnet, eben so schlecht logirt und eben so schlecht -gekleidet waren, als die ihnen gegenüberstehenden Celten. - - -Betrügereien des englischen Kriegscommissariats. - -Der Reichthum der englischen Nation und die freigebigen Beschlüsse des -englischen Parlaments hatten ihn zu der Erwartung berechtigt, daß er mit -allem Kriegsbedarf reichlich versehen werden würde. Aber er sah sich -bitter getäuscht. Die Verwaltung war seit Oliver's Tode fortwährend -unvernünftiger und verderbter geworden, und jetzt erntete die Revolution -was die Restauration gesäet hatte. Ein Heer nachlässiger oder -habsüchtiger Beamter, unter Karl und Jakob gebildet, plünderte die -Armeen und die Flotten Wilhelm's aus, ließ sie darben und vergiftete -sie. Der Erste unter diesen Leuten war Heinrich Shales, der unter der -vorigen Regierung Generalcommissar des Lagers bei Hounslow gewesen war. -Man kann die neue Regierung kaum tadeln, daß sie ihn auf seinem Posten -ließ, denn seine Erfahrung in dem ihm anvertrauten Verwaltungszweige -übertraf bei weitem die jedes andren Engländers. Leider aber hatte er, -in der nämlichen Schule, in der er seine Erfahrungen gesammelt, auch die -ganze Kunst des Veruntreuens erlernt. Das Rindfleisch und der -Branntwein, welche er lieferte, waren so schlecht, daß die Soldaten sich -davor ekelten; die Zelte waren verfault, die Bekleidung unzureichend, -die Musketen zerbrachen beim Gebrauch. Große Massen Schuhe waren der -Regierung in Rechnung gestellt, aber zwei Monate nachdem der Schatz sie -bezahlt, waren sie noch nicht in Irland angekommen. Mittel zum Transport -des Gepäcks und der Artillerie fehlten fast ganz. Eine große Menge -Pferde waren mit öffentlichem Gelde in England angekauft und an die Ufer -des Dee geschickt worden. Aber Shales hatte sie zur Erntearbeit an die -Landwirthe von Cheshire vermiethet, hatte den Miethertrag in seine -Tasche gesteckt, und hatte es den Truppen in Ulster überlassen sich -fortzuhelfen so gut sie konnten.[61] Schomberg war der Meinung, daß, -wenn er mit einer schlecht disciplinirten und schlecht ausgerüsteten -Armee eine Schlacht wagte, er nicht unwahrscheinlich geschlagen werden -würde, und er wußte, daß eine Niederlage den Verlust eines Königreichs, -vielleicht den Verlust dreier Königreiche nach sich ziehen konnte. Er -beschloß daher, in der Defensive zu verharren, bis seine Leute eingeübt -und Verstärkungen und Zufuhren angelangt sein würden. - -Er verschanzte sich bei Dundalk dergestalt, daß er nicht gezwungen -werden konnte, gegen seinen Willen zu kämpfen. Jakob, ermuthigt durch -die Zurückhaltung seines Gegners, rückte, die Rathschläge Rosen's nicht -beachtend, gegen Ardee vor, erschien an der Spitze der ganzen irischen -Armee vor den englischen Linien, stellte Reiterei, Fußvolk und -Artillerie in Schlachtordnung auf, und entfaltete sein Banner. Die -Engländer hätten gar zu gern losgeschlagen. Aber der Entschluß ihres -Generals stand fest und konnte weder durch das prahlerische Gebahren des -Feindes, noch durch das Murren seiner eignen Soldaten erschüttert -werden. So blieb er einige Wochen sicher hinter seinen Schutzwällen, -während die Irländer wenige Meilen davon lagen. Er sorgte nun eifrig für -Einübung der Rekruten, aus denen seine Armee zum größten Theil bestand. -Seine Musketiere mußten sich beständig im Schießen üben, bald nach der -Scheibe, bald in Pelotons, und die Art und Weise, wie sie sich anfangs -dabei benahmen, bewies deutlich, daß er sehr wohl daran gethan, sie -nicht zum Kampfe zu führen. Es stellte sich heraus, daß von vier -englischen Soldaten noch nicht einer sein Gewehr ordentlich zu behandeln -verstand, und wenn es gelang, dasselbe aufs Gerathewohl abzufeuern, -glaubte Wunder was er Großes vollbracht habe. - - -Verschwörung unter den in englischen Diensten stehenden französischen -Truppen. - -Während der Herzog so seine Zeit anwendete, gafften die Irländer sein -Lager an, ohne einen Angriff auf dasselbe zu wagen. Bald aber tauchten -in diesem Lager zwei Uebel auf, welche gefährlicher waren als der Feind: -Verrath und Krankheit. Zu den besten Truppen, die er commandirte, -gehörten die französischen Verbannten. Jetzt entstanden sehr ernste -Zweifel an ihrer Treue. Den wirklichen hugenottischen Refugiés konnte -allerdings unbedingtes Vertrauen geschenkt werden. Der Widerwille, mit -dem der eifrigste englische Protestant das Haus Bourbon und die römische -Kirche betrachtete, war ein laues Gefühl im Vergleich zu dem -unauslöschlichen Hasse, der in der Brust des verfolgten, mit -Einquartierung gequälten, aus seinem Vaterlande vertriebenen Calvinisten -des Languedoc glühte. Die Irländer hatten schon bemerkt, daß die -französischen Ketzer niemals Pardon weder gaben noch annahmen.[62] Jetzt -aber zeigte es sich, daß mit diesen Emigranten, die dem reformirten -Glauben Alles aufgeopfert hatten, Emigranten ganz andrer Art vermischt -waren, Deserteurs, welche in den Niederlanden ihrer Fahne entlaufen -waren und ihr Verbrechen dadurch bemäntelt hatten, daß sie vorgaben, sie -seien Protestanten und ihr Gewissen gestatte ihnen nicht, für den -Verfolger ihrer Kirche zu kämpfen. Einige von diesen Leuten setzten sich -in der Hoffnung, durch einen zweiten Verrath Verzeihung und zugleich -Belohnung zu erlangen, mit Avaux in Correspondenz. Die Briefe wurden -jedoch aufgefangen und ein furchtbares Complot ans Licht gebracht. Es -stellte sich heraus, daß, wenn Schomberg schwach genug gewesen wäre, dem -Andringen Derer, welche eine offene Schlacht wünschten, nachzugeben, -mehrere französische Compagnien in der Hitze des Gefechts auf die -Engländer gefeuert haben und zum Feinde übergegangen sein würden. Ein -solcher Abfall würde auch in einer besseren Armee als die bei Dundalk -lagernde, einen allgemeinen Schrecken hervorgerufen haben. Hier mußte -mit Strenge verfahren werden. Sechs von den Verschwörern wurden -aufgehängt, und zweihundert ihrer Mitschuldigen in Eisen nach England -zurückgeschickt. Selbst nach dieser Ausmerzung wurden die Refugiés von -der übrigen Armee noch lange mit zwar ungerechtem, aber nicht -unnatürlichem Argwohn betrachtet. Einige Tage lang hatte man sogar allen -Grund zu fürchten, der Feind werde mit dem Schauspiele eines blutigen -Kampfes zwischen den englischen Soldaten und ihren französischen -Verbündeten unterhalten werden.[63] - - -Pestilenz in der englischen Armee. - -Einige Stunden vor der Hinrichtung der Haupträdelsführer wurde eine -allgemeine Musterung der Armee vorgenommen, und man sah, daß die Reihen -der englischen Bataillone stark gelichtet waren. Viel Kranke hatte es -vom ersten Tage des Feldzugs an unter den Rekruten gegeben, aber erst -zur Zeit des Aequinoctiums nahm die Sterblichkeit in beunruhigendem Maße -zu. Die Herbstregen sind in Irland gewöhnlich stark, dieses Jahr aber -waren sie stärker als sonst, das ganze Land war überschwemmt, und das -Lager des Herzogs wurde ein förmlicher Sumpf. Die Enniskillener waren an -das Klima gewöhnt, und die Holländer waren gewohnt in einem Lande zu -leben, das, wie ein Witzling der damaligen Zeit sagte, funfzig Fuß -Wasser zieht. Sie hielten ihre Lagerhütten trocken und reinlich und sie -hatten erfahrene, aufmerksame Offiziere, welche die Unterlassung keiner -Vorsicht duldeten. Die Landleute von Yorkshire und Derbyshire aber -hatten weder Constitutionen, welche dem verderblichen Einflusse zu -widerstehen vermochten, noch verstanden sie es, sich gegen denselben zu -schützen. Die schlechten Lebensmittel, welche das Commissariat lieferte, -verschlimmerte die durch die klimatischen Verhältnisse erzeugten -Krankheiten. An Heilmitteln fehlte es fast ganz, Aerzte waren nur wenige -vorhanden, und die Arzneikästen enthielten nicht viel mehr als Charpie -und Wundpflaster. Die Engländer erkrankten und starben zu Hunderten. -Selbst Diejenigen, welche nicht von der Seuche ergriffen wurden, waren -entkräftet und muthlos und erwarteten, anstatt die Energie zu entfalten, -welche das Erbtheil unsrer Nation ist, mit der hülflosen Apathie von -Asiaten ihr Schicksal. Umsonst versuchte Schomberg sie zu lehren, wie -sie ihre Quartiere verbessern und den feuchten Erdboden, auf dem sie -lagen, mit einem dicken Teppich von Farrnkräutern bedecken konnten. -Körperliche Anstrengung war ihnen noch schrecklicher geworden als selbst -der Tod. Es stand nicht zu erwarten, daß Leute, die sich selbst nicht -helfen konnten, einander gegenseitig helfen würden. Niemand beanspruchte -und Niemand bezeigte Theilnahme. Die Vertrautheit mit grauenvollen -Scenen erzeugte eine Gefühllosigkeit und eine verzweifelte -Gottlosigkeit, die selbst in der Geschichte ansteckender Krankheiten so -leicht nicht ihres Gleichen haben dürften. Das Schmerzensgestöhn der -Kranken wurde durch die Flüche und unzüchtigen Reden ihrer Kameraden -übertäubt. Zuweilen konnte man auf dem Leichname eines am Morgen -gestorbenen Unglücklichen einen andren Unglücklichen sitzen sehen, der -die kommende Nacht nicht mehr erleben konnte und der fluchend und -Schandlieder singend auf die Gesundheit des Teufels Branntwein trank. -Wenn die Leichen weggetragen wurden, um begraben zu werden, murrten die -Ueberlebenden. Ein Todter, sagten sie, sei eine gute Decke und ein guter -Stuhl. Warum sollten die Leute, wenn ein so reichlicher Vorrath eines so -nützlichen Möbels vorhanden sei, der kalten Luft ausgesetzt und -genöthigt sein, sich auf die nasse Erde zu legen?[64] - -Viele Kranke wurden von den englischen Schiffen, welche nahe der Küste -lagen, nach Belfast gebracht, wo ein großes Hospital errichtet war. Aber -kaum die Hälfte von ihnen erlebte das Ende der Reise. Mehr als ein -Schiff lag lange in der Bai von Carrickfergus, angefüllt mit Leichen und -den Geruch des Todes ausströmend, ohne ein lebendes, Wesen an Bord.[65] - -Die irländische Armee hatte viel weniger zu leiden. Der Kerne von -Munster oder Connaught befand sich im Lager ganz eben so wohl als wäre -er in seiner eignen Lehmhütte gewesen und hätte die Dünste seines -heimathlichen Sumpfes eingeathmet. Natürlich freute er sich über das -Elend der sächsischen Ketzer und hoffte, daß sie ohne einen -Schwertstreich zu Grunde gehen würden. Mit Entzücken hörte er den ganzen -Tag die Salven, welche über den Gräbern der englischen Offiziere -knatterten, bis endlich die Begräbnisse zu zahlreich wurden, als daß sie -noch mit militärischem Pomp hätten begangen werden können, und auf die -schauerlichen Töne ein noch schauerlicheres Schweigen folgte. - -Die Ueberlegenheit an Streitkräften war jetzt so entschieden auf Seiten -Jakob's, daß er es unbedenklich wagen konnte, fünf Regimenter von seiner -Armee zu detachiren und nach Connaught zu senden. Sarsfield befehligte -dieselben. Er stand allerdings nicht so hoch in der Achtung des Königs, -als er es verdiente. Der König erklärte ihn mit einer Miene geistiger -Ueberlegenheit, welche Avaux und Rosen ein spöttisches Lächeln -abgezwungen haben muß, für einen wackeren Burschen, der aber sehr -stiefmütterlich mit Verstand bedacht sei. Nur mit großer Mühe bewog der -Gesandte Se. Majestät dazu, den besten Offizier der irischen Armee zum -Range eines Brigadiers zu befördern. Sarsfield rechtfertigte jetzt -vollkommen die vortheilhafte Meinung, die sich seine französischen -Gönner von ihm gebildet hatten. Er vertrieb die Engländer aus Sligo und -sicherte mit gutem Erfolg Galway, das in ernster Gefahr gewesen war.[66] - -Auf die englischen Verschanzungen vor Dundalk wurde jedoch kein Angriff -gemacht. Inmitten der sich stündlich mehrenden Schwierigkeiten und -Unfälle zeigten sich die glänzenden Eigenschaften Schomberg's immer -deutlicher. Nicht im vollen Strome des Glücks, nicht auf dem -Schlachtfelde von Montes Claros, nicht unter den Mauern von Mastricht -hatte er die Bewunderung der Menschheit so wohl verdient. Seine -Entschlossenheit wankte nie; seine Umsicht schlummerte nie; trotz -vielfacher Verdrüßlichkeiten und Provocationen war er stets froher und -heiterer Laune. Der Effectivbestand seiner Mannschaften, selbst wenn man -alle die, welche nicht am Fieber darnieder lagen, als effectiv -mitrechnete, überstieg jetzt nicht mehr fünftausend. Diese waren kaum -noch dem gewöhnlichen Dienste gewachsen, und sie mußten jetzt zu -doppelten Dienstleistungen angetrieben werden. Dessenungeachtet traf der -alte Mann seine Dispositionen so meisterhaft, daß er mit diesen geringen -Streitkräften mehrere Wochen lang einer von einer Menge bewaffneter -Banditen begleiteten Truppenmacht von zwanzigtausend Mann die Spitze -bot. - - -Die englische und die irische Armee beziehen ihre Winterquartiere. - -Zu Anfang des November zerstreuten sich endlich die Irländer und begaben -sich in ihre Winterquartiere. Der Herzog brach nun ebenfalls sein Lager -ab und zog sich nach Ulster zurück. In dem Augenblicke als die letzten -Reste seiner Armee sich in Bewegung setzen sollten, verbreitete sich das -Gerücht, daß der Feind in bedeutender Stärke heranrücke. Hätte dieses -Gerücht auf Wahrheit beruht, so wäre die Gefahr sehr groß gewesen. -Obgleich aber die englischen Regimenter auf den dritten Theil ihrer -Vollzähligkeit zusammengeschmolzen waren und obgleich die Leute, die -sich noch am wohlsten befanden, kaum das Gewehr zu schultern vermochten, -so legten sie doch bei der Aussicht auf eine Schlacht eine -außerordentliche Freude und Munterkeit an den Tag und schwuren, daß die -Papisten für alles Elend der letzten Monate bezahlen sollten. »Wir -Engländer,« sagte Schomberg, sich heiter mit der Nation des Landes, das -ihn adoptirt hatte, identificirend, »wir Engländer sind immer -kampflustig; schade daß wir nicht eben so viel Lust zu einigen anderen -Zweigen des Soldatenhandwerks haben.« - -Der Alarm erwies sich als grundlos. Die Armee des Herzogs zog -unbelästigt ab, aber die Straße, auf der sie dahin marschirte, bot einen -eben so beklagenswerthen als abschreckenden Anblick dar. Ein langer Zug -von mit Kranken beladener Wagen bewegte sich langsam über das holprige -Pflaster. Bei jedem Stoße gab ein Unglücklicher den Geist auf und der -Leichnam wurde hinausgeworfen und unbeerdigt den Füchsen und Krähen -preisgegeben. Die Gesammtzahl Derer, welche im Lager vor Dundalk, im -Hospital von Belfast, auf der Straße und auf der See starben, belief -sich auf mehr als sechstausend Mann. Die Ueberlebenden wurden für den -Winter in den Städten und Dörfern von Ulster untergebracht. Der General -nahm sein Hauptquartier in Lisburn.[67] - - -Verschiedene Meinungen über Schomberg's Verfahren. - -Sein Verfahren wurde verschieden beurteilt. Einsichtsvolle und -aufrichtige Männer sagten, er habe sich selbst übertroffen und es gebe -keinen zweiten Feldherrn in Europa, der, mit ungeübten Truppen, -unwissenden Offizieren und spärlichen Vorräthen, zu gleicher Zeit gegen -ein feindliches Heer von großer Uebermacht, gegen ein betrügerisches -Commissariat, gegen ein Nest von Verräthern im eignen Lager und gegen -eine Krankheit, mörderischer als das Schwert, ankämpfend, den Feldzug -ohne Verlust einer Fahne oder einer Kanone zu Ende geführt haben würde. -Auf der andren Seite murrten viele von den neuernannten Majors und -Hauptleuten, deren Unerfahrenheit seine Verlegenheiten vermehrt hatte -und die keine andre Qualification für ihren Posten besaßen als -persönliche Tapferkeit, über die Geschicklichkeit und Geduld, die sie -vom Untergang gerettet. Ihre Beschwerden fanden jenseit des St. -Georgskanals Wiederhall. Zum Theil war das Murren, wenn auch ungerecht, -doch zu entschuldigen. Den Eltern, die einen tapfern Sohn in seiner -ersten Uniform geschickt hatten, damit er sich den Weg zum Ruhm -erkämpfe, konnte man es wohl verzeihen, wenn ihr Schmerz sie zur -Heftigkeit und Unbilligkeit hinriß, als sie erfuhren, daß der -unglückliche Jüngling auf einem Bund Stroh ohne ärztlichen Beistand -gestorben und ohne religiöse oder militärische Ceremonie in einem Sumpfe -begraben worden war. Aber in den Weheruf verwaister Familien mischte -sich ein andres minder achtungswerthes Geschrei. Alle Die, welche gern -Neuigkeiten hörten und wiedererzählten, schmähten den General, der ihnen -so wenig Neuigkeiten zu hören und zu erzählen gab. Diese Art Leute haben -eine solche Sucht nach Aufregung, daß sie viel eher einem Feldherrn -verzeihen, der eine Schlacht verliert, als einem, der eine Schlacht -ablehnt. Die Politiker, welche ihre Orakelsprüche im dicksten -Tabaksrauche bei Garroway von sich gaben, fragten, ohne weder vom Kriege -im allgemeinen noch von dem irischen Kriege im besondern das Geringste -zu verstehen, sehr ernsthaft, warum Schomberg denn nicht losschlage. Daß -er sein Handwerk nicht verstehe, wagten sie nicht zu sagen. Er sei ohne -Zweifel ein vortrefflicher Offizier, aber er sei sehr alt. Er trage die -Last seiner Jahre zwar mit Ehren, aber seine Geisteskräfte seien nicht -mehr das was sie früher gewesen; sein Gedächtniß werde schwach und -Jedermann wisse, daß er zuweilen am Nachmittag vergessen habe, was er am -Vormittag gethan. Es dürfte wohl schwerlich je einen Menschen gegeben -haben, dessen Geist im achtzigsten Lebensjahre noch eben so frisch und -lebendig gewesen wäre als im vierzigsten; daß aber Schomberg's -Geisteskräfte durch die Jahre wenig geschwächt waren, das beweisen zur -Genüge seine Depeschen, welche noch existiren und Muster von officieller -Schreibweise sind: abgerundet, klar, voll bedeutender Facta und -gewichtiger Gründe und in die möglichst geringe Wortzahl -zusammengedrängt. In diesen Depeschen spielt er zuweilen, nicht hämisch, -sondern mit ruhiger Verachtung, auf den Tadel an, den sein Verhalten von -Seiten hohler Schwätzer, die in ihrem Leben keine wichtigere -militärische Operation als das Ablösen der Wache in Whitehall gesehen -und die sich einbildeten, es sei nichts leichter als in jeder Lage und -gegen jede Uebermacht große Siege zu erkämpfen, sowie von Seiten -vierschrötiger Patrioten erfahren, welche überzeugt seien, daß ein -einziger englischer Fuhrmann oder Drescher, der noch nicht gelernt habe, -ein Gewehr zu laden oder eine Pike zu tragen, es mit fünf Musketieren -von König Ludwig's Haustruppen aufnehmen könne.[68] - - -Marineangelegenheiten. - -So unbefriedigend die Resultate des Feldzugs in Irland gewesen waren, -die Ergebnisse der Seeoperationen dieses Jahres waren noch weniger -befriedigend. Man hatte zuversichtlich erwartet, daß zur See England im -Bunde mit Holland der Macht Ludwig's mehr als ebenbürtig sein werde; -allein es ging Alles unglücklich. Herbert war nach dem unbedeutenden -Scharmützel in der Bantrybai mit seinem Geschwader nach Portsmouth -zurückgekehrt. Hier sah er, daß er die gute Meinung weder des Publikums -noch der Regierung verloren hatte. Das Haus der Gemeinen dankte ihm für -seine Dienste und er erhielt sprechende Beweise von der Gunst der Krone. -Er war nicht bei der Krönung gewesen und hatte daher keinen Theil an den -Belohnungen gehabt, welche bei Gelegenheit dieser Feierlichkeit unter -die Hauptactoren der Revolution vertheilt worden waren. Dies wurde jetzt -nachgeholt und er zum Earl von Torrington erhoben. Der König begab sich -nach Portsmouth, speiste an Bord des Admiralschiffes, sprach sein -vollstes Vertrauen zu der Tapferkeit und Loyalität der Flotte aus, -schlug zwei tüchtige Kapitains, Cloudesley Shovel und Johann Ashby, zu -Rittern und ließ ein Geschenk unter die Mannschaften vertheilen.[69] - - -Torrington's schlechte Verwaltung. - -Wir können Wilhelm keinen begründeten Vorwurf deshalb machen, daß er -eine hohe Meinung von Torrington hatte, denn Torrington galt allgemein -für einen der tapfersten und geschicktesten Offiziere der Flotte. Jakob, -der die Marineangelegenheiten besser verstand als irgend etwas Andres, -hatte ihn zum Contreadmiral von England befördert. Diesen Posten, wie -noch andere einträgliche Stellen hatte Torrington aufgegeben, als er -sah, daß er sie nur behalten konnte, wenn er sich zum Werkzeug der -jesuitischen Cabale hergab. Niemand hatte eine thätigere, gewagtere und -nützlichere Rolle in der Revolution gespielt als er. Daher schien -Niemand gegründeteren Anspruch darauf zu haben, an die Spitze der -Marineverwaltung gestellt zu werden. Und doch eignete sich Niemand -weniger für einen solchen Posten. Seine Moralität war stets locker, ja -so locker gewesen, daß die Festigkeit, mit der er unter der vorigen -Regierung seinem Glauben treu blieb, großes Erstaunen erregt hatte. -Seine ruhmvolle Ungnade schien zwar einen heilsamen Einfluß auf seinen -Character ausgeübt zu haben, denn in seiner Armuth und Verbannung erhob -sich der Wüstling zu einem Helden. Sobald aber das Glück wiederkehrte, -sank der Held wieder zum Wüstling herab, und dieser Fall war tief und -hoffnungslos. Die Fäden seines Geistes, welche auf kurze Zeit straffer -angespannt gewesen, waren jetzt durch das Laster dermaßen erschlafft, -daß er zur Selbstverleugnung oder zu einer angestrengten Thätigkeit -vollkommen unfähig war. Den rohen Muth des Seemanns besaß er wohl noch, -aber als Admiral wie als erster Lord der Admiralität war er durchaus -ungenügend. Monat auf Monat lag die Flotte, welche der Schrecken der -Meere hätte sein sollen, unthätig im Hafen, während er sich in London -amüsirte. Die Matrosen gaben ihm in spöttelnder Anspielung auf seinen -neuen Titel den Namen Tarry-in-town.[70] Als er endlich an Bord kam, war -er von einem Schwarme von Courtisanen begleitet. Es gab kaum eine Stunde -des Tages wie der Nacht, wo er frei von den Dünsten des Claret gewesen -wäre. Sein unersättlicher Hang zum Vergnügen machte ihn naturgemäß auch -unersättlich nach Reichthum. Doch liebte er die Schmeichelei fast eben -so sehr als Reichthum und Vergnügen. Er war seit langer Zeit gewohnt, -von seinen Untergebenen die kriechendsten Huldigungen zu verlangen. Sein -Admiralschiff war ein kleines Versailles. Er erwartete, daß seine -Kapitains sich sowohl des Abends, wenn er zu Bett ging, als auch des -Morgens beim Aufstehen in seiner Kajüte versammelten; ja er ließ sich -sogar von ihnen ankleiden. Der Eine kämmte ihm seine wallende Perrücke, -ein Andrer stand mit dem gestickten Rocke bereit. Unter einem solchen -Befehlshaber konnte von Disciplin nicht die Rede sein. Seine Theerjacken -verbrachten ihre Zeit in Saus und Braus unter dem Pöbel von Portsmouth, -und diejenigen Offiziere, die sich durch Servilität und Speichelleckerei -seine Gunst erworben hatten, erhielten leicht Urlaub und blieben -wochenlang in London, wo sie in den Wirthshäusern schwelgten, durch die -Straßen schlenderten oder den maskirten Damen im Theater den Hof -machten. Die Proviantlieferanten merkten bald, mit wem sie es zu thun -hatten und schickten der Flotte Fässer Fleisch, das kein Hund angerührt -haben würde, und Tonnen Bier, das schlimmer roch als fauliges Wasser. -Währenddem war der britische Kanal den französischen Seeräubern -preisgegeben. Unsere Kauffahrteischiffe wurden angesichts der Wälle von -Plymouth gekapert; die Zuckerflotte aus Westindien verlor sieben -Schiffe. Der Gesammtwerth der Prisen, welche in unmittelbarer Nähe -unsrer Insel von den Kreuzern des Feindes weggenommen wurden, während -Torrington sich mit seiner Flasche und seinem Harem beschäftigte, wurde -auf sechsmalhunderttausend Pfund Sterling geschätzt. Das Geleit eines -Kriegsschiffes war, außer wenn man große Summen auf Bestechung -verwendete, so schwer zu erlangen, daß unsere Kaufleute sich gezwungen -sahen, zu diesem Zwecke holländische Kaper zu miethen, die sie weit -nützlicher und minder geldgierig fanden, als die Offiziere unsrer eignen -königlichen Flotte.[71] - - -Die festländischen Angelegenheiten. - -Das einzige Departement, an dem sich nichts aussetzen ließ, war das der -Auswärtigen Angelegenheiten. Hier war Wilhelm sein eigner Minister, und -wo er sein eigner Minister war, da gab es keine Verzögerungen, keine -Mißgriffe, keine Betrügereien und Verräthereien. Die Schwierigkeiten, -mit denen er zu kämpfen hatte, waren jedoch groß. Selbst im Haag stieß -er auf einen Widerstand, den seine ganze Klugheit und Festigkeit, -unterstützt durch Heinsius' kräftigen Beistand, kaum zu bewältigen -vermochte. Die Engländer ahneten nicht, daß, während sie über die -Parteilichkeit ihres Souverains für sein Geburtsland murrten, eine -starke Partei in Holland über seine Parteilichkeit für sein -Adoptivvaterland murrte. Die holländischen Gesandten zu Westminster -beschwerten sich darüber, daß die Allianzbedingungen welche er -vorschlug, erniedrigend für die Würde und nachtheilig für die Interessen -der Republik seien, daß er überall wo die Ehre der englischen Flagge ins -Spiel komme, übertrieben streng und obstinat sei; daß er peremtorisch -auf einem Artikel bestehe, der allen Handelsverkehr mit Frankreich -verbiete und der an der amsterdamer Börse schmerzlich empfunden werden -müsse; daß er, als sie die Hoffnung ausgesprochen, daß die -Navigationsacte aufgehoben werden würde, in ein Gelächter ausgebrochen -sei und ihnen gesagt habe, daran sei nicht zu denken. Er setzte alle -seine Bedingungen durch und es wurde ein feierlicher Vertrag -geschlossen, durch den England und der batavische Bund sich -verpflichteten, fest zu einander gegen Frankreich zu halten und nur mit -beiderseitigem Einverständniß Frieden zu schließen. Aber einer der -holländischen Bevollmächtigten erklärte, daß er fürchte, dereinst als -Verräther betrachtet zu werden, weil er soviel zugestanden habe, und die -Unterschrift eines andren verrieth deutlich, daß sie mit vor innerer -Bewegung zitternder Hand geschrieben worden war.[72] - -Inzwischen war unter Wilhelm's geschickter Leitung ein Allianzvertrag -zwischen den Generalstaaten und dem Kaiser geschlossen worden. Spanien -und England traten diesem Tractate bei, und so waren die vier -Großmächte, welche schon längst durch ein freundschaftliches -Einverständniß mit einander verbunden gewesen, durch einen förmlichen -Vertrag an einander gekettet.[73] - -Bevor aber dieser förmliche Vertrag unterzeichnet und besiegelt war, -standen alle contrahirenden Theile unter den Waffen. Zu Anfang des -Jahres 1689 wüthete der Krieg über dem ganzen Kontinent vom Hämus bis zu -den Pyrenäen. Das von allen Seiten zu gleicher Zeit angegriffene -Frankreich vertheidigte sich auf allen Seiten nachdrücklich, und seine -türkischen Alliirten gaben einer großen deutschen Truppenmacht in -Serbien und Bulgarien vollauf zu thun. Im Ganzen genommen waren die -Resultate der militärischen Operationen des Sommers den Verbündeten -nicht ungünstig. Jenseit der Donau erfochten die Christen unter dem -Prinzen Ludwig von Baden eine Reihe von Siegen über die Muselmänner. In -den Gebirgen von Roussillon kämpften die französischen Truppen ohne -irgend einen entscheidenden Vortheil gegen das kriegerische Landvolk -Cataloniens. Eine deutsche Armee unter Anführung des Kurfürsten von -Baiern hielt das Erzbisthum Cöln besetzt. Eine andre wurde von Karl, -Herzog von Lothringen, befehligt, einem Fürsten, der, nachdem die Waffen -Frankreich's ihn aus seinen Landen vertrieben, ein Soldat des Zufalls -geworden war und als solcher sowohl Auszeichnung erlangt als auch Rache -geübt hatte. Er marschirte gegen die Verwüster der Pfalz, zwang sie sich -über den Rhein zurückzuziehen und nahm nach einer langen Belagerung die -wichtige und stark befestigte Stadt Mainz. - -Zwischen der Sambre und der Maas standen die Franzosen unter Anführung -des Marschalls Humieres den Holländern gegenüber, welche der Fürst von -Waldeck commandirte, ein Offizier, der den Generalstaaten lange mit -Treue und Umsicht, wenn auch nicht immer mit besonderem Glück gedient -hatte und den Wilhelm sehr hoch schätzte. Unter Waldeck's Befehlen -diente Marlborough, dem Wilhelm eine aus den besten Regimentern der -alten Armee Jakob's bestehende englische Brigade anvertraut hatte. Der -Zweite nach Marlborough im Commando wie auch in militärischer -Geschicklichkeit war Thomas Talmash, ein wackerer Soldat, aber zu einem -Schicksale bestimmt, dessen man sich nicht ohne Beschämung und Unwillen -erinnern kann. - - -Gefecht bei Walcourt. - -Es kam zwischen der Armee Waldecks und der Armee Humieres' zu keiner -allgemeinen Schlacht; aber in einer Reihe von Gefechten war der Vortheil -auf Seiten der Verbündeten. Das bedeutendste von diesen Gefechten fand -am 5. August bei Walcourt statt. Die Franzosen griffen einen von der -englischen Brigade vertheidigten Vorposten an, wurden aber nachdrücklich -zurückgeschlagen, und mußten sich mit Verlust einiger Feldstücke und -mehr als sechshundert Todten zurückziehen. Marlborough benahm sich bei -dieser wie bei jeder ähnlichen Gelegenheit als ein tapferer und -geschickter Offizier. Die von Talmash commandirten Coldstreamgarden und -das Regiment, welches jetzt das 16. der Linie heißt, unter dem Commando -des Obersten Robert Hodges, zeichneten sich besonders aus. Auch das -Regiment Royal, das wenige Monate früher in Ipswich die Fahne der -Empörung aufgepflanzt, bewies an diesem Tage, daß Wilhelm eben so weise -als großmüthig gehandelt hatte, indem er dieses schwere Vergehen -vollständig verzieh. Das Zeugniß, welches Waldeck in seinen Depeschen -dem tapferen Benehmen der Insulaner ausstellte, wurde von ihren -Landsleuten mit Entzücken gelesen. Das Gefecht war zwar nichts weiter -als ein Scharmützel, aber ein heißes und blutiges Scharmützel. Seit -Menschengedenken hatte kein so ernster Zusammenstoß zwischen Engländern -und Franzosen stattgefunden, und unsere Vorfahren waren natürlich nicht -wenig stolz, als sie sahen, daß viele Jahre der Unthätigkeit und -Vasallenschaft den Muth der Nation nicht geschwächt zu haben -schienen.[74] - - -Anschuldigungen gegen Marlborough. - -Die Jakobiten fanden jedoch in dem Verlaufe des Feldzugs reichen Stoff -zu Schmähungen. Marlborough war, nicht ohne Grund, der Gegenstand ihres -erbittertsten Hasses. An seinem Benehmen auf dem Schlachtfelde konnte -selbst die Böswilligkeit wenig auszusetzen finden; andere Seiten seines -Verhaltens aber boten dem bösen Leumund ein ergiebiges Feld dar. Der -Geiz ist selten das Laster eines jungen Mannes, und eben so selten das -eines großen Mannes; Marlborough aber war einer von den Wenigen, die das -Geld in der Blüthe der Jugend mehr als Wein oder Weiber, und auf dem -Gipfel der Größe mehr als Macht oder Ruhm liebten. Alle die herrlichen -Gaben, welche die Natur an ihn verschwendet, schätzte er hauptsächlich -wegen des Gewinns, den sie ihm eintrugen. Im zwanzigsten Jahre zog er -Nutzen aus seiner Jugend und Körperkraft, als Sechziger zog er Nutzen -aus seinem Genie und seinem Ruhm. Der Beifall, der seinem Benehmen bei -Walcourt mit Recht gebührte, konnte die Stimmen Derer nicht ganz -übertäuben, welche munkelten, daß dieser Held, wo es ein Goldstück zu -ersparen oder zu verdienen gebe, ein bloßer Euklio, ein bloßer Harpagon -sei, daß er, obgleich er unter dem Vorgeben, offene Tafel zu halten, -einen bedeutenden Gehalt beziehe, doch niemals einen Offizier zu Tische -einlade, daß seine Musterrollen betrügerisch abgefaßt seien, daß er für -Leute, welche längst nicht mehr lebten, für Leute, die vor vier Jahren -vor seinen eigenen Augen bei Sedgemoor gefallen seien, die Löhnung in -seine Tasche stecke, daß sich in der einen Truppe zwanzig, in einer -andren sechsunddreißig solcher Namen befänden. Nur die Vereinigung von -furchtlosem Muth und imponierenden Geistesgaben mit einem leutseligen -Wesen und gewinnenden Manieren habe es ihm möglich gemacht, sich trotz -seiner höchst unsoldatischen Fehler die Zuneigung seiner Soldaten zu -erwerben und zu erhalten.[75] - - -Alexander VIII. folgt Innocenz XI. auf dem päpstlichen Stuhle. - -Um die Zeit, wo die in allen Theilen Europa's kämpfenden Armeen ihre -Winterquartiere aufsuchten, bestieg ein neuer Papst den Stuhl St. -Peter's. Innocenz XI. war nicht mehr. Er hatte ein sonderbares Schicksal -gehabt. Seine gewissenhafte und innige Anhänglichkeit an die Kirche, -deren Oberhaupt er war, hatte ihn in einem der kritischesten Momente -ihrer Geschichte bestimmt, sich mit ihren Todfeinden zu verbünden. Die -Nachricht von seinem Ableben wurde daher, von den protestantischen -Fürsten und Republiken mit Schmerz und Besorgniß, in Versailles und -Dublin mit Freude und Hoffnung aufgenommen. Ludwig schickte -augenblicklich einen außerordentlichen Gesandten hohen Ranges nach Rom -und die in Avignon liegende französische Garnison wurde zurückgezogen. -Als die Stimmen des Conclaves sich zu Gunsten Peter Ottobuoni's geeinigt -hatten, eines ehemaligen Cardinals, der den Namen Alexander VIII. -annahm, wohnte der Vertreter Frankreichs der Einsetzung bei, trug die -Schleppe des neuen Papstes und überreichte Seiner Heiligkeit ein -Schreiben, in welcher der Allerchristlichste König erklärte, daß er dem -schmachvollen Vorrechte, Räuber und Mörder zu beschützen entsage. -Alexander drückte den Brief an seine Lippen, umarmte den Ueberbringer -und sprach mit Entzücken von der nahen Aussicht auf Versöhnung. Ludwig -begann sich der Hoffnung hinzugeben, daß der Vatikan seinen Einfluß dazu -anwenden werde, die Allianz zwischen dem Hause Oesterreich und dem -ketzerischen Usurpator des englischen Thrones aufzulösen. Jakob war -sogar noch sanguinischer. Er war thöricht genug zu hoffen, daß der neue -Papst ihm Geld geben werde, und befahl Melfort, der sich jetzt seiner -Mission in Versailles entledigt hatte, nach Rom zu eilen und Se. -Heiligkeit um eine Beisteuer zu dem guten Werke der Aufrechthaltung der -wahren Religion auf den britischen Inseln zu bitten. Aber es zeigte sich -bald, daß Alexander, obwohl er eine andre Sprache führte als sein -Vorgänger, doch entschlossen war, im Wesentlichen der Politik seines -Vorgängers zu folgen. Die Grundursache des Zerwürfnisses zwischen dem -heiligen Stuhle und Ludwig war nicht beseitigt. Der König ernannte noch -immer Prälaten, der Papst verweigerte noch immer ihre Anerkennung, und -die Folge davon war, daß ein Viertheil der Diöcesen Frankreich's -Bischöfe hatten, welche nicht befugt waren, irgend eine bischöfliche -Amtshandlung zu verrichten.[76] - - -Der Klerus der Hochkirche über die Angelegenheit der Eide gespalten. - -Die anglikanische Kirche war um diese Zeit nicht minder durch Spaltungen -zerrissen als die gallikanische Kirche. Der 1. August war durch ein -Parlamentsedict als der Tag festgesetzt, bis zu welchem alle -Pfarrgeistlichen und alle ein akademisches Amt bekleidenden Personen bei -Strafe der Suspension Wilhelm und Marien den Unterthaneneid schwören -mußten. Während der ersten Hälfte des Sommers hofften die Jakobiten, die -Zahl der Nichtschwörenden werde bedeutend genug sein, um die Regierung -zu beunruhigen und in Verlegenheit zu setzen. Diese Hoffnung aber wurde -getäuscht. Es gab zwar nur wenige Whigs unter der Geistlichkeit, und nur -wenige waren Tories jener gemäßigten Schule, welche mit Widerstreben und -Vorbehalt anerkannte, daß große Mißbräuche eine Nation zuweilen -berechtigen könnten, zu extremen Mitteln zu greifen. Die große Mehrheit -des Standes hielt noch immer an dem Prinzip des passiven Gehorsams fest, -aber diese Mehrheit war jetzt in zwei Theile gespalten. Eine Frage, -welche vor der Revolution lediglich Sache der Spekulation gewesen und -daher, wenn sie auch zuweilen gelegentlich in Anregung kam, von den -Meisten nur sehr oberflächlich behandelt worden war, hatte jetzt eine -hohe praktische Bedeutsamkeit erlangt. Das Prinzip des passiven -Gehorsams als feststehend angenommen, wem gebührte dieser Gehorsam? So -lange das erbliche Recht mit dem Besitz verbunden gewesen war, war kein -Zweifel möglich; aber das erbliche Recht und der Besitz waren jetzt -getrennt. Ein durch die Revolution auf den Thron erhobener Fürst -regierte zu Westminster, gab Gesetze, ernannte Justizbeamte und Prälaten -und sandte Armeen und Flotten aus. Seine Richter entschieden -Rechtsfälle, seine Sheriffs verhafteten Schuldner und bestraften -Verbrecher; ohne sein großes Siegel würden Gerechtigkeit, Ordnung, -Eigenthum aufgehört haben zu existiren und die Gesellschaft in einen -chaotischen Zustand gerathen sein. Ein andrer, durch die Revolution -abgesetzter Fürst lebte im Auslande. Er konnte keines der Rechte eines -Regenten ausüben und keine der Pflichten eines Regenten erfüllen und -konnte, wie es schien, nur durch eben so gewaltsame Mittel als durch die -er vertrieben worden war, wieder eingesetzt werden. Welchem von diesen -beiden Fürsten schuldeten die Christen nun Gehorsam? - - -Argumente für Leistung der Eide. - -Ein großer Theil der Geistlichkeit war der Meinung, daß der klare -Wortlaut der Schrift ihnen gebiete, sich dem im factischen Besitz des -Thrones befindlichen Souverain zu unterwerfen, ohne nach seinem Recht -auf diesen Thron zu fragen. Die Obrigkeiten, von denen der Apostel in -dem den anglikanischen Theologen jener Zeit genau bekannten Evangelium -sagt, daß sie von Gott eingesetzt seien, sind nicht diejenigen welche -auf einen rechtmäßigen Ursprung zurückgeführt werden können, sondern die -eben bestehenden. Als Jesus gefragt wurde, ob das auserwählte Volk Cäsar -rechtmäßigerweise Tribut zahlen dürfe, antwortete er mit der Frage, -nicht ob Cäsar einen von dem alten Königshause Juda abgeleiteten -Stammbaum aufweisen könnte, sondern ob das Geldstück, das die Fragenden -an den Schatz Cäsars zu zahlen Bedenken trugen, aus Cäsar's Münze komme, -mit anderen Worten, ob Cäsar thatsächlich die Autorität eines Herrschers -besitze und die Functionen eines solchen ausübe. - -Es wird gewöhnlich, und mit vielem Anschein von Begründung, angenommen, -daß der zuverlässigste Commentar zu dem Text der Evangelien und Episteln -sich in der Praxis der ersten Christen findet, so weit diese Praxis -genügend zu ermitteln ist, und gerade jene Zeiten, zu welchen die Kirche -sich allgemein anerkanntermaßen im Zustande der höchsten Reinheit -befand, waren Zeiten häufiger und heftiger politischer Umgestaltungen. -Einer der Apostel wenigstens erlebte es, daß binnen wenig mehr als einem -Jahre vier Kaiser gestürzt wurden. Von den Märtyrern des 3. Jahrhunderts -muß sich ein großer Theil zehn bis zwölf Revolutionen haben erinnern -können. Diese Märtyrer müssen oft in der Lage gewesen sein zu erwägen, -welche Pflichten sie gegen einen Fürsten hatten, der so eben durch einen -mit Erfolg gekrönten Aufstand zur Macht gelangt war. Daß sie allesammt -durch die Furcht vor Strafe abgehalten worden seien das zu thun, was sie -für Recht hielten, ist eine Beschuldigung, welche nicht einmal ein -rechtschaffener Ungläubiger auf sie werfen wird. Wenn indessen irgend -eine Behauptung in Bezug auf die ersten Christen mit völliger Gewißheit -aufgestellt werden kann, so ist es die, daß sie nie und nimmer einem -factischen Regenten wegen der Unrechtmäßigkeit seines Titels den -Gehorsam verweigerten. Einmal wurde sogar die höchste Gewalt von zwanzig -bis dreißig Rivalen beansprucht. Jede Provinz von Britannien bis Egypten -hatte ihren Augustus. Diese Prätendenten konnten natürlich nicht alle -rechtmäßige Kaiser sein. Dennoch finden wir nirgends etwas erwähnt, daß -die Gläubigen an irgend einem Orte das geringste Bedenken getragen -hätten, sich der Person zu unterwerfen, welche an diesem Orte die -kaiserlichen Functionen ausübte. Während die Christen von Rom Aurelian -gehorchten, gehorchten die Christen von Lyon Tetrikus und die Christen -von Palmyra der Zenobia. »Tag und Nacht,« -- waren die Worte, welche der -große Cyprian, Bischof von Karthago, an den Repräsentanten Valerian's -und Gallienus richtete, -- »Tag und Nacht beten wir Christen zu dem -einen wahren Gott für das Wohl unserer Kaiser.« Und doch hatten diese -Kaiser einige Monate vorher ihren Vorgänger Aurelianus gestürzt, der -seinen Vorgänger Gallus gestürzt hatte; dieser hatte auf den Trümmern -des Hauses seines Vorgängers Decius den Gipfel der Macht erstiegen, -Decius hatte seinen Vorgänger Philipp und dieser seinen Vorgänger -Gordianus erschlagen. Konnte man glauben, daß ein Heiliger, der in dem -kurzen Zeitraum von dreizehn bis vierzehn Jahren dieser Reihe von -Rebellen und Königsmördern unverbrüchliche Unterthanentreue bewahrt -hatte, lieber eine Spaltung in der Christenheit hervorgerufen, als König -Wilhelm und Königin Marien anerkannt haben würde? Hundertmal forderten -diejenigen anglikanischen Geistlichen, welche die Eide geleistet hatten, -ihre skrupulöseren Amtsbrüder auf, ihnen ein einziges Beispiel -anzuführen, daß die ursprüngliche Kirche einem glücklichen Usurpator den -Gehorsam verweigert hätte, und hundertmal wich man der Aufforderung aus. -Die Eidverweigerer konnten über diesen Punkt weiter nichts sagen, als -daß Präcedenzfälle Prinzipien gegenüber kein Gewicht hätten, eine -Behauptung, die sehr sonderbar klang aus dem Munde einer Schule, welche -stets eine fast abergläubische Ehrfurcht vor der Autorität der -Kirchenväter an den Tag gelegt hatte.[77] - -Präcedenzfälle aus späteren und verderbteren Zeiten verdienten wenig -Beachtung. Aber selbst in der Geschichte späterer und verderbterer -Zeiten konnten die Eidverweigerer nicht leicht einen ihrem Zwecke -dienenden Präcedenzfall finden. In unsrem eignen Lande hatten viele -Könige, die kein erbliches Recht hatten, auf dem Throne gesessen, aber -es war nie für unvereinbar mit der Pflicht eines Christen gehalten -worden, ein treuer Vasall dieser Könige zu sein. Die Usurpation -Heinrich's IV., die noch abscheulichere Usurpation Richard's III. hatten -kein Schisma in der Kirche hervorgerufen. Sobald der Usurpator auf -seinem Throne fest saß, hatten Bischöfe ihm für ihre Grundbesitzungen -gehuldigt; Convocationen hatten Adressen an ihn gerichtet und ihm Gelder -bewilligt, und kein Casuist hatte jemals behauptet, daß diese -Unterwerfung unter einen sich im factischen Besitze der Macht -befindenden Fürsten eine Todsünde sei.[78] - -Mit der Verfahrungsweise der ganzen christlichen Welt stand die -Autoritätslehre der englischen Kirche unverkennbar in genauem Einklange. -Die Homilie über vorsätzliche Empörung, eine Predigt, welche in maßlosen -Ausdrücken die Pflicht des Gehorsams gegen Regenten einschärft, spricht -nur von factischen Regenten. Es wird sogar in dieser Homilie den Leuten -gesagt, daß sie nicht nur ihrem rechtmäßigen Landesherrn, sondern auch -jedem Usurpator, den Gott in seinem Zorne ihrer Sünden halber über sie -setzen werde, zu gehorchen verpflichtet seien. Es würde gewiß der -höchste Grad von Ungereimtheit sein, wollte man behaupten, daß wir -diejenigen Usurpatoren, welche Gott im Zorne sendet, unterwürfig -hinnehmen, solchen aber, die er uns in Gnaden sendet, den Gehorsam -beharrlich verweigern müßten. Zugegeben es war ein Verbrechen, den -Prinzen von Oranien nach England einzuladen, ein Verbrechen sich ihm -anzuschließen, ein Verbrechen ihn zum König zu machen, was war die ganze -Geschichte der jüdischen Nation und der christlichen Kirche Andres als -eine Reihenfolge von Fällen, in denen die Vorsehung aus Bösem Gutes -hervorgehen ließ? Und welcher Theolog wird behaupten, daß wir in solchen -Fällen aus Abscheu vor dem Bösen das Gute von uns weisen müßten? - -Aus diesen Gründen waren eine große Anzahl Geistliche, welche noch an -dem Prinzipe festhielten, daß Widersetzlichkeit gegen den Souverain -jederzeit sündhaft sein müsse, der Ansicht, daß Wilhelm jetzt der -Souverain sei, dem sich zu widersetzen eine Sünde sein würde. - - -Argumente gegen die Eidesleistung. - -Auf diese Argumentation entgegneten die Eidverweigerer, daß der Apostel -Paulus unter den bestehenden Obrigkeiten die bestehenden _rechtmäßigen_ -Obrigkeiten gemeint haben müsse und daß es dem gesunden Verstande ins -Gesicht schlagen, die Religion schänden, den schwachen Gläubigen -Aergerniß und den Spöttern Anlaß zum Triumphiren geben heißen würde, -wollte man seine Worte anders deuten. Die Gefühle der ganzen Menschheit -müßten sich gegen die Behauptung empören, daß, sobald ein König, wäre -sein Recht auf den Thron noch so klar und seine Verwaltung noch so weise -und gut, durch Verräther vertrieben sei, alle seine Diener ihn verlassen -und zu seinen Feinden übergehen müßten. Zu allen Zeiten und bei allen -Nationen sei treue Anhänglichkeit an eine gute Sache im Unglück als eine -Tugend betrachtet worden. Zu allen Zeiten und bei allen Nationen sei der -Politiker, der sich immer zu der Partei geschlagen, welche die Oberhand -gehabt, verachtet worden. Dieser neue Toryismus sei schlimmer als -Whiggismus. Die Bande der Unterthanentreue zerreißen, weil der Souverain -ein Tyrann sei, das sei unstreitig eine große Sünde; aber es sei eine -Sünde, für die sich milde Bezeichnungen und plausible Vorwände finden -ließen und in welche ein braver und hochherziger Mann, der nicht in der -göttlichen Wahrheit unterrichtet und durch göttliche Gnade beschützt -sei, leicht verfallen könne. Aber alle Bande der Unterthanentreue blos -deshalb zu zerreißen, weil der Souverain unglücklich sei, das sei nicht -nur schlecht, sondern gemein. Könne ein Ungläubiger die heilige Schrift -ärger beschimpfen, als durch die Behauptung, daß die heilige Schrift den -Christen etwas als eine geheiligte Pflicht vorschreibe, was der -natürliche Verstand die Heiden als den höchsten Grad der Schlechtigkeit -zu betrachten gelehrt habe? In der Schrift finde sich die Geschichte -eines Königs von Israel, der durch einen unnatürlichen Sohn aus seinem -Palaste vertrieben und gezwungen worden sei, über den Jordan zu fliehen. -David habe, wie Jakob, das Recht, Absolom, wie Wilhelm, den factischen -Besitz gehabt. Würde ein Schriftforscher zu behaupten wagen, daß Simei's -Benehmen bei dieser Gelegenheit als ein Muster zur Nachahmung -hingestellt sei und daß Barsillai, der treu zu seinem flüchtigen -Gebieter gehalten, sich gegen die Vorschrift Gottes aufgelehnt und -Verdammniß auf sich gezogen habe? Würde ein wahrer Sohn der Kirche -England's im Ernst behaupten, daß ein Mann, der bis nach der Schlacht -von Naseby ein entschiedener Royalist war, dann zum Parlament überging, -sobald das Parlament auseinandergesprengt war, ein willfähriger Diener -des Rumpfes wurde und sobald der Rumpf vertrieben war, sich für einen -treuen Unterthan des Protectors erklärte, die Achtung der Christen mehr -verdiene, als der standhafte alte Cavalier, der Karl I. im Gefängniß und -Karl II. im Exil unerschütterlich treu blieb und der bereit war, eher -Grundbesitz, Freiheit und Leben zu wagen als durch Wort oder That die -Autorität einer der plötzlich aufgetauchten Regierungen anzuerkennen, -welche in jener schlimmen Zeit in den Besitz einer Macht gelangt waren, -die ihnen von Rechtswegen nicht gebührte? Und welcher Unterschied sei -zwischen diesem und dem jetzt vorliegenden Falle? Daß Cromwell -thatsächlich eben so viel Macht, ja weit mehr Macht als Wilhelm besessen -habe, sei ausgemacht, und daß Wilhelm's Macht so gut wie Cromwell's -Macht illegitimen Ursprungs sei, werde kein Geistlicher, der dem Prinzip -des Nichtwiderstandes huldige, bestreiten. Wie könne denn ein solcher -Geistlicher leugnen, daß Cromwell Gehorsam gebührt habe, und doch -behaupten, daß Wilhelm solcher gebühre? Wollte man annehmen, daß eine -solche Inconsequenz ohne Unredlichkeit existiren könne, so sei das nicht -Nachsicht sondern Schwäche. Diejenigen welche entschlossen seien, sich -der Parlamentsacte zu fügen, würden besser thun, wenn sie sich offen -darüber aussprächen und sagten was Jedermann schon wisse: daß sie sich -nur deshalb fügten, um ihre Pfründen zu behalten. Allerdings sei dies -ein sehr starker Beweggrund. Daß ein Geistlicher, der Gatte und Vater -sei, dem 1. August und 1. Februar mit ängstlicher Besorgniß -entgegensehe, sei natürlich. Aber er solle nicht vergessen, daß, wie -schrecklich auch der Tag der Suspension und der Tag der Amtsentsetzung -sein möge, zuverlässig zwei andere noch schrecklichere Tage kommen -würden: der Tag des Todes und der Tag des jüngsten Gerichts.[79] - -Die schwörenden Geistlichen, wie man sie nannte, waren nicht wenig -betroffen über dieses Raisonnement. Nichts setzte sie mehr in -Verlegenheit als die Parallele, welche die Eidverweigerer mit -unermüdlicher Beharrlichkeit zwischen der Usurpation Cromwell's und der -Usurpation Wilhelm's zogen. Denn es gab damals keinen Hochkirchlichen, -der es nicht für eine Ungereimtheit gehalten hätte, zu behaupten daß die -Kirche ihren Söhnen befohlen habe, Cromwell zu gehorchen. Und doch war -es unmöglich zu beweisen, daß Wilhelm vollständiger im Besitze der -höchsten Gewalt sei, als Cromwell es gewesen. Die Schwörenden hüteten -sich daher eben so sorgfältig, mit den Nichtschwörenden über diesen -Punkt zu streiten, wie die Nichtschwörenden es vermieden, mit den -Schwörenden über die Frage bezüglich der Praxis der frühesten Kirche zu -streiten. - -Das Wahre ist, daß die Regierungstheorie, welche der Klerus seit langer -Zeit lehrte, so unsinnig war, daß sie zu nichts als Unsinn führen -konnte. Mochte der Priester, der dieser Theorie huldigte, die Eide -leisten oder sie verweigern, er war in beiden Fällen nicht im Stande, -eine vernünftige Erklärung seines Verfahrens zu geben. Schwor er, so -konnte er dies nur durch Aufstellung von Behauptungen, gegen die sich -jedes redliche Herz instinktmäßig empörte, nur durch die Erklärung -rechtfertigen, daß Christus der Kirche befohlen habe, die gerechte Sache -zu verlassen, sobald diese Sache aufhöre zu prosperiren, und die Hände -der vom Glück begünstigten Schlechtigkeit gegen die bedrängte Tugend zu -kräftigen. So gewichtig indessen die Einwürfe gegen diese Doctrin waren, -die Einwürfe gegen die Doctrin des Nichtschwörenden waren wo möglich -noch gewichtiger. Nach ihm mußte eine christliche Nation beständig -entweder in einem Zustande von Knechtschaft oder in einem Zustande von -Anarchie sein. Etwas läßt sich sowohl für den Menschen sagen, der die -Freiheit opfert, um die Ordnung zu erhalten, als auch für den Menschen, -der die Ordnung opfert, um die Freiheit zu erhalten. Denn Freiheit und -Ordnung sind zwei der größten Segnungen, deren sich eine Gesellschaft -erfreuen kann, und wenn sie sich unglücklicherweise als mit einander -unverträglich herausstellen, da haben Diejenigen, welche die eine oder -die andre Seite ergreifen, Anspruch auf große Nachsicht. Der -Eidverweigerer aber opferte nicht die Freiheit der Ordnung, nicht die -Ordnung der Freiheit auf, sondern Freiheit und Ordnung einem -Aberglauben, der eben so einfältig und erniedrigend war als die Anbetung -von Katzen und Zwiebeln bei den Egyptern. Wenn eine Person, die sich nur -durch den Zufall der Geburt von anderen unterschied, auf dem Throne saß, -mochte sie auch ein Nero sein, sollte kein Ungehorsam stattfinden; und -wenn eine andre Person auf dem Throne saß, mochte sie auch ein Alfred -sein, so sollte kein Gehorsam stattfinden. Es war gleichgültig, wie -unvernünftig und schlecht die Verwaltung der Dynastie, welche das -erbliche Recht hatte, oder wie weise und tugendhaft die Verwaltung einer -aus einer Revolution hervorgegangenen Regierung sein mochte. Auch konnte -keine Verjährungszeit gegen den Anspruch der vertriebenen Familie -geltend gemacht werden. Der Zeitraum von Jahren, der Zeitraum von -Jahrhunderten änderte nichts. Bis an das Ende der Welt mußten die -Christen ihr politisches Verhalten einfach nach der Genealogie ihrer -Landesherren reguliren. Das Jahr 1800, das Jahr 1900 könnte Fürsten, die -ihre Rechtsansprüche von den Beschlüssen der Convention herleiteten, -ruhig und glücklich regieren sehen. Gleichviel, sie blieben deshalb -immer Usurpatoren, und wenn im 20. oder 21. Jahrhundert Jemand, der ein -besseres Geblütsrecht auf die Krone nachweisen konnte, eine spätere -Nachwelt auffordern sollte, ihn als König anzuerkennen, so mußte der -Aufforderung bei Strafe ewiger Verdammniß Folge geleistet werden. - -Ein Whig konnte sich wohl über den Gedanken freuen, daß die unter seinen -Gegner entstandenen Controversen die Richtigkeit seines politischen -Glaubens festgestellt hatten. Die Streitenden, welche ihn lange -übereinstimmend eines gottlosen Irrthums beschuldigt, hatten ihn jetzt -wirksam gerechtfertigt und einander gegenseitig widerlegt. Der -Hochkirchliche, der die Eide leistete, hatte durch unwiderlegliche -Gründe aus den Evangelien und Episteln, aus der gleichmäßigen Praxis der -ersten Kirche und aus den deutlichen Erklärungen der anglikanischen -Kirche bewiesen, daß die Christen nicht in allen Fällen verpflichtet -waren, dem Fürsten, der das erbliche Recht besaß, zu gehorchen. Der -Hochkirchliche, der die Eide leisten wollte, hatte eben so befriedigend -dargethan, daß die Christen nicht in allen Fällen verpflichtet seien, -den Fürsten, welcher thatsächlich regierte, zu gehorchen. Daraus folgte, -daß, um einer Regierung ein Recht auf die Treue der Unterthanen zu -geben, etwas Andres erforderlich war, als bloße Legitimität oder bloßer -Besitz. Was dieses Andre war wurde den Whigs nicht schwer zu sagen. -Ihrer Ansicht nach war der Zweck, um dessen willen alle Regierungen -eingesetzt worden, das Wohl der Gesellschaft. So lange der erste Beamte -im Staate, mochte er auch einige Fehler haben, das Gute förderte, gebot -die Vernunft den Menschen, ihm zu gehorchen und die Religion, welche dem -Gebote der Vernunft ihre feierliche Sanction ertheilt gebot den -Menschen, ihn als einen von Gott Gesandten zu verehren. Erwies er sich -aber als ein Beförderer des Bösen, auf welche Gründe hin war er dann als -ein von Gott Gesandter zu betrachten? Die Tories, welche die Eide -leisteten, hatten bewiesen, daß er wegen des Ursprungs seiner Macht -nicht als ein solcher zu betrachten sei; die Tories, welche nicht -schwören wollten, hatten eben so klar bewiesen, daß er wegen der -Existenz seiner Macht nicht als ein solcher zu betrachten sei. - -Einige heftige und hämische Whigs triumphirten mit Ostentation und -rücksichtsloser Arroganz über die bestürzte und in sich uneinige -Geistlichkeit. Den Eidverweigerer betrachteten sie im allgemeinen mit -geringschätzendem Mitleid als einen einfältigen und verschrobenen, aber -aufrichtigen Bigotten, dessen absurde Praxis seiner absurden Theorie -entsprach und der die Verblendung, welche ihn antrieb, sein Vaterland zu -ruiniren, damit entschuldigte, daß die nämliche Verblendung ihn -getrieben habe, sich selbst zu ruiniren. Ihren schärfsten Tadel aber -sparten sie für diejenigen Geistlichen auf, die jetzt bereit waren einem -Usurpator Treue zu schwören, nachdem sie sich in den Tagen der -Ausschließungsbill und des Ryehousecomplots durch ihren Eifer für das -göttliche und unveräußerliche Recht des erblichen Souverains -ausgezeichnet hatten. Sei dies der wahre Sinn der sublimen Phrasen, -welche neunundzwanzig Jahre lang von unzähligen Kanzeln herab gepredigt -worden? Hätten die Tausende von Geistlichen, die sich der unwandelbaren -Loyalität ihres Standes so laut gerühmt, in Wirklichkeit nur gemeint, -daß ihre Loyalität nur bis zum nächsten Glückswechsel unwandelbar -bleiben solle. Es sei lächerlich, es sei unverschämt von ihnen, zu -behaupten, daß Ihr gegenwärtiges Verfahren mit ihrer früheren Sprache in -Einklang stehe. Wenn ein Ehrwürdiger Doctor endlich überzeugt worden -sei, daß er im Unrecht gewesen, so müsse er doch gewiß durch einen -offenen Widerruf den verfolgten, den verleumdeten, den gemordeten -Vertheidigern der Freiheit jede noch mögliche Genugthuung geben. Sei er -hingegen noch immer überzeugt, daß seine ersten Ansichten die richtigen -seien, so müsse er mannhaft das Loos der Eidverweigerer theilen. Achtung -gebühre sowohl Dem, der einen Irrthum offen eingestehe, wie auch dem, -der für einen Irrthum muthig leide; schwerlich aber könne man einen -Diener der Religion achten, der da behaupte, daß er es noch immer mit -den Grundsätzen der Tories halte, und dabei seine Pfründe durch Ablegung -eines Eides rette, welcher ehrenhafterweise nur nach den Grundsätzen der -Whigs geleistet werden könne. - -Diese Vorwürfe mochten vielleicht nicht ganz ungerecht sein, aber sie -waren unzeitig. Die vernünftigeren und gemäßigteren Whigs, welche -einsahen, daß Wilhelm's Thron nicht feststehen könne, wenn er nicht eine -breitere Basis habe als ihre eigne Partei, enthielten sich bei dieser -Gelegenheit aller Spötteleien und Invectiven und trachteten danach die -Bedenken der Geistlichen zu heben und ihre verletzten Gefühle zu -beschwichtigen. Die Collectivmacht der Rectoren und Vikare England's war -ungeheuer, und es war immer besser sie schwuren aus dem nichtigsten -Grunde, den ein Sophist ersinnen konnte, als sie schwuren gar nicht. - - -Die große Mehrheit des Klerus leistet die Eide. - -Es wurde bald klar, daß die Gründe für die Eidesleistung, unterstützt -durch einige der stärksten Motive, welche auf den menschlichen Geist -influiren können, überwogen hatten. Mehr als neunundzwanzig Dreißigstel -des Standes fügten sich dem Gesetz. Die Mehrzahl der Geistlichen der -Hauptstadt, welche damals eine besondere Klasse bildeten und die sich -vor den Landgeistlichen ebensowohl durch freisinnige Ansichten wie durch -Beredtsamkeit und Gelehrsamkeit auszeichneten, erklärten ihren Anschluß -an die Regierung zuerst und mit allen Zeichen aufrichtiger Ergebenheit. -Achtzig von ihnen begaben sich zusammen nach Westminster Hall und wurden -daselbst vereidigt. Die Ceremonie nahm soviel Zeit weg, daß an diesem -Tage beim Kanzleigericht und der Kings Bench wenig mehr vorgenommen -wurde.[80] Im allgemeinen aber fügten sich die Geistlichen langsam und -mit Unmuth. Allerdings opferten viele wissentlich ihre Grundsätze dem -Eigennutze auf. Ihr Gewissen sagte ihnen, daß sie eine Sünde begingen. -Aber sie besaßen nicht Characterstärke genug, um das Pfarrhaus, den -Garten, das Landgütchen aufzugeben und in die Welt hinaus zu gehen, ohne -zu wissen, wo sie eine Mahlzeit oder ein Obdach für sich und ihre -Kleinen finden würden. Viele schwuren mit Zweifeln und bangen -Vorahnungen.[81] Einige erklärten im Augenblicke der Eidabnahme, es sei -nicht ihre Absicht zu versprechen, daß sie sich Jakob nicht unterwerfen -würden, wenn er je in die Lage kommen sollte, den Unterthaneneid von -ihnen zu verlangen.[82] Einige Geistliche im Norden waren am 1. August -in Gesellschaft zur Eidesleistung aufgebrochen, als sie unterwegs die -Nachricht von der Schlacht traf, welche vier Tage vorher in der Schlucht -von Killiecrankie geschlagen worden war. Sie kehrten sofort um und -verließen ihre Wohnungen zu dem nämlichen Zwecke nicht eher wieder als -bis es klar war, daß Dundee's Sieg keine Veränderung in dem Stande der -öffentlichen Angelegenheiten herbeigeführt hatte.[83] Selbst von Denen, -welche fest überzeugt waren, daß der bestehenden Regierung Gehorsam -gebühre, küßten nur sehr Wenige das Evangelium mit der Innigkeit, mit -der sie früher Karl und Jakob Treue gelobt hatten. Doch die Sache war -geschehen. Zehntausend Geistliche hatten feierlich den Himmel zum Zeugen -ihres Versprechens angerufen, daß sie treue Unterthanen Wilhelm's sein -wollten, und wenn auch dieses Versprechen ihn keineswegs zu der -Erwartung berechtigte, daß sie ihn kräftig unterstützen würden, so hatte -es ihnen doch einen großen Theil ihrer Macht, ihm zu schaden, entzogen. -Wollten sie die öffentliche Achtung nicht verlieren, von der ihr Einfluß -abhing, so durften sie den Thron Dessen, dem sie im Angesicht Gottes als -ihrem Könige zu gehorchen gelobt hatten, nicht anders als indirect und -mit ängstlicher Vorsicht angreifen. Einige von ihnen lasen allerdings -die Gebete für das neue Herrscherpaar in einem eigenthümlichen Tone vor, -der nicht mißverstanden werden konnte.[84] Andere ließen sich sogar noch -ärgere Unanständigkeiten zu Schulden kommen. So leerte ein Elender -unmittelbar nachdem er im feierlichsten Gottesdienste für Wilhelm und -Marien gebetet, ein Glas auf ihr Verderben. Ein Andrer verzehrte an -einem durch ihre Autorität angeordneten Fasttage nach dem Gottesdienste -eine Taubenpastete und sprach beim Zerschneiden derselben den Wunsch -aus, daß es das Herz des Usurpators sein möchte. Doch so freche -Gottlosigkeit kam nur selten vor und schadete eher der Kirche als der -Regierung.[85] - - -Die Eidverweigerer. - -Die Anzahl der Geistlichen und Universitätsmitglieder, welche in die -gesetzlichen Strafen verfielen, belief sich auf ungefähr vierhundert. In -erster Reihe stand der Primas mit sechs seiner Suffragane: Turner von -Ely, Lloyd von Norwich, Frampton von Gloucester, Lake von Chichester, -White von Peterborough und Ken von Bath und Wells. Thomas von Worcester -würde der siebente gewesen sein, aber er starb drei Wochen vor dem Tage -der Suspension. Auf dem Sterbebette beschwor er seinen Klerus, der Sache -des erblichen Rechts treu zu bleiben, und erklärte, daß diejenigen -Geistlichen, welche zu beweisen versuchten, daß die Eide ohne Abweichung -von den loyalen Doctrinen der englischen Kirche geleistet werden -könnten, ihm jesuitischer zu raisonniren schienen als die Jesuiten -selbst.[86] - - -Ken. - -Ken, der in intellectueller wie in moralischer Hinsicht unter den -nichtschwörenden Prälaten am höchsten stand, war lange unschlüssig. Es -gab wenige Geistliche, die sich der neuen Regierung unbedenklicher -hätten unterwerfen können als er. Denn zu den Zeiten, als -Nichtwiderstand und passiver Gehorsam die Lieblingsthemata seiner -Amtsbrüder waren, hatte er auf der Kanzel fast niemals auf die Politik -angespielt. Er gab zu, daß die Argumente zu Gunsten des Schwörens sehr -gewichtig seien, ja er ging sogar so weit, daß er sagte, seine Bedenken -würden vollständig schwinden, wenn er überzeugt werden könne, daß Jakob -sich zur Abtretung Irland's an den König von Frankreich verbindlich -gemacht habe. Es ist daher augenscheinlich, daß der Unterschied zwischen -Ken und den Whigs kein prinzipieller war. Er war, wie sie, der Ansicht, -daß schlechte Verwaltung, wenn sie bis zu einem gewissen Punkte -getrieben würde, eine Uebertragung der Lehnspflichtigkeit rechtfertige, -und zweifelte nur, ob Jakob's schlechte Regierung diesen Punkt erreicht -habe. Der gute Bischof begann sogar wirklich einen Hirtenbrief -vorzubereiten, in welchem er seine Gründe für die Eidesleistung -entwickelte. Noch ehe er aber damit zu Ende war, erhielt er eine -Mittheilung, die ihn überzeugte, daß Irland nicht an Frankreich verkauft -sei; eine Menge Zweifel stiegen nun wieder in ihm auf, er warf den -unvollendeten Brief ins Feuer und bat seine minder skrupulösen Freunde, -daß sie nicht weiter in ihn dringen möchten. Er sei gewiß, sagte er, daß -sie aus aufrichtiger Ueberzeugung gehandelt hätten, es freue ihn, daß -sie mit reinem Gewissen einen Schritt thun könnten, vor dem er -zurückbebe, er fühle das ganze Gewicht ihrer Gründe, er sei fast -überzeugt und er wolle nichts weiter hören, um nicht noch völlig -überzeugt zu werden, denn wenn er sich fügte und seine Besorgnisse -kehrten dann zurück, so würde er der unglücklichste Mensch von der Welt -sein. Nicht für Schätze, nicht für einen Palast, nicht für einen -Peerstitel möchte er sich der geringsten Gefahr aussetzen, jemals die -Qualen der Reue zu empfinden. Es ist ein interessantes Factum, daß der -einzige von den sieben Prälaten, dessen Name einen gewichtigen Klang -hat, nahe daran war zu schwören und nach seinem eignen Eingeständniß -nicht durch die Kraft von Vernunftgründen, sondern durch eine krankhafte -Skrupulosität davon abgehalten wurde, die er Anderen nicht nachzuahmen -rieth.[87] - -Unter den Priestern, welche die Eide verweigerten, befanden sich einige, -die sich in der gelehrten Welt als Philologen, Chronologen, Canonisten -und Alterthumsforscher, sowie eine sehr kleine Anzahl, die sich durch -Geist und Beredtsamkeit auszeichneten; aber es kann kaum Einer angeführt -werden, der im Stande gewesen wäre, eine wichtige Frage der Moral oder -Politik zu erörtern, kaum Einer, dessen Schriften nicht entweder eine -große Schwäche oder eine große Flüchtigkeit des Geistes verriethen. -Diejenigen, welche auf das Urtheil eines Whig über diesen Punkt nichts -geben, werden der Ansicht, welche viele Jahre nach der Revolution ein -Philosoph aussprach, auf den die Tories mit Recht stolz sind, -hoffentlich einiges Gewicht zugestehen. Johnson erklärte, nachdem er die -berühmten Geistlichen, die es für eine Sünde gehalten, Wilhelm III. und -Georg I. Treue zu schwören, der Reihe nach aufgezählt, daß unter diesen -ganzen Eidverweigerern nur ein einziger gewesen sei, der ein logisches -Raisonnement habe anstellen können.[88] - - -Leslie. - -Der Eidverweigerer, zu dessen Gunsten Johnson diese Ausnahme machte, war -Karl Leslie. Leslie war vor der Revolution Kanzler der Diöcese Connor in -Irland gewesen. Er war in der Opposition gegen Tyrannei vorangegangen, -hatte sich als Friedensrichter für Monoghan geweigert, einen Papisten -als Sheriff dieser Grafschaft anzuerkennen, und hatte den Muth gehabt, -einige Offiziere der irischen Armee wegen Maraudirens einsperren zu -lassen, das Prinzip des Nichtwiderstandes aber, wie es die -anglikanischen Theologen in den Tagen des Ryehousecomplots gelehrt, -stand unerschütterlich fest in seinem Geiste. Als der Zustand von Ulster -sich so gestaltete, daß ein Protestant, welcher dort blieb, es kaum -vermeiden konnte, entweder ein Rebell oder ein Märtyrer zu werden, -flüchtete Leslie nach London. Seine Talente und seine Connectionen waren -von der Art, daß er leicht eine hohe Anstellung in der englischen Kirche -hätte erlangen können. Aber er nahm seinen Platz in der vordersten Reihe -der jakobitischen Partei und behauptete denselben durch alle Gefahren -und Wechselfälle von dreiunddreißig unruhigen Jahren. Obgleich beständig -mit Deisten, Juden, Socinianern, Presbyterianern, Papisten und Quäkern -in theologische Streitigkeiten verwickelt, fand er doch noch Zeit und -Muße, einer der productivsten politischen Schriftsteller seines -Jahrhunderts zu werden. Von allen nichtschwörenden Geistlichen war er am -besten befähigt, Verfassungsfragen zu besprechen, denn er hatte vor -seiner Ordination lange im Temple gewohnt und die englische Geschichte -und Rechtswissenschaft studirt, während die meisten anderen Häupter des -Schismas über den Acten von Chalcedon gebrütet, oder in dem Targum des -Onkelos nach Weisheit gesucht hatten.[89] - - -Sherlock. - -Im Jahre 1689 jedoch war Leslie fast noch unbekannt in England. Unter -den Geistlichen, welche am 1. August des genannten Jahres suspendirt -wurden, stand Doctor Wilhelm Sherlock in der Achtung des Volks ohne -Widerrede am höchsten. Kein einfacher Priester der englischen Kirche hat -vielleicht je eine größere Autorität über seine Glaubensbrüder besessen -als Sherlock sie zur Zeit der Revolution besaß. Er nahm als Gelehrter, -als Prediger, als theologischer oder als politischer Schriftsteller zwar -nicht den ersten Rang unter seinen Zeitgenossen ein, aber in allen -diesen vier Eigenschaften hatte er sich ausgezeichnet. Die Klarheit und -Lebendigkeit seines Styls sind von Prior und Addison gerühmt worden, und -die Leichtigkeit mit der er schrieb, sowie sein Fleiß werden durch die -Menge und durch die Jahrzahlen seiner Werke genugsam bewiesen. Es gab -zwar unter dem Klerus Männer von glänzenderem Genie und von -umfassenderer wissenschaftlicher Bildung, aber während einer langen Zeit -gab es keinen, der den Priesterstand vollkommener repräsentirte, keinen, -der ohne jeden Anflug von Latitudinarismus, Puritanismus oder Papismus -die Ansicht der anglikanischen Priesterschaft über alle Gegenstände -erschöpfender aussprach. In den Tagen der Ausschließungsbill, als die -Macht der Dissenters im Parlament und im Lande sehr groß war, hatte er -nachdrücklich gegen die Sünde des Nonconformirens geschrieben. Als das -Ryehousecomplot entdeckt war, hatte er die Lehre vom Nichtwiderstande -mit Wort und Schrift eifrig vertheidigt. Seine der Sache des Episkopats -und der Monarchie geleisteten Dienste wurden so hoch geschätzt, daß er -zum Vorsteher des Temple ernannt wurde. Auch wurde ihm von Karl eine -Pension ausgesetzt, die ihm aber Jakob bald wieder entzog, denn obgleich -Sherlock sich verpflichtet glaubte, der Civilgewalt passiven Gehorsam zu -leisten, so glaubte er sich doch nicht minder verpflichtet religiöse -Irrthümer zu bekämpfen und war der schärfste und rührigste unter dem -Heere von Polemikern, welche am Tage der Gefahr den protestantischen -Glauben mannhaft vertheidigten. In wenig mehr als zwei Jahren -veröffentlichte er sechzehn Schriften gegen die hohen Prätensionen Roms, -darunter einige umfangreiche Werke. Nicht zufrieden mit den Siegen, die -er über so schwache Gegner, wie die Bewohner von Clerkenwell und des -Savoy errang, hatte er den Muth, sich mit keinem geringeren Kämpen als -Bossuet zu messen, aus welchem Kampfe er nicht mit Unehre hervorging. -Trotzdem blieb Sherlock nach wie vor bei dem Satze stehen, daß keine -Tyrannei Christen berechtigen könne, sich der königlichen Autorität zu -widersetzen. Als die Convention im Begriff war zusammenzutreten, empfahl -er in einer Schrift, welche als das Manifest eines großen Theils der -Geistlichkeit betrachtet wurde, auf das Eindringlichste, daß Jakob -eingeladen werden solle, unter Bedingungen, welche die Gesetze und die -Religion der Nation sichern würden, zurückzukehren.[90] Der Beschluß, -welcher Wilhelm und Marien auf den Thron setzte, erfüllte Sherlock mit -Kummer und Unwillen. Er soll ausgerufen haben daß, wenn die Convention -zu einer Revolution entschlossen sei, der Klerus vierzigtausend Freunde -der Kirche finden würde, um eine Restauration herbeizuführen.[91] Gegen -die neuen Eide sprach er offen und energisch seine Meinung aus. Er -erklärte, er begreife nicht, wie ein rechtschaffener Mann daran zweifeln -könne, daß der Apostel Paulus mit den bestehenden Obrigkeiten die -rechtmäßigen Obrigkeiten gemeint habe und keine anderen. Kein Name wurde -1689 von den Jakobiten mit solchem Stolz und solcher Liebe genannt wie -der Name Sherlock's. Noch vor dem Schlusse des Jahres 1690 aber erweckte -dieser Name ganz andere Empfindungen. - - -Hickes. - -Einige andere Eidverweigerer müssen noch besonders erwähnt werden. Einer -der Bedeutendsten unter ihnen war Georg Hickes, Dechant von Worcester. -Von allen Engländern seiner Zeit war er in den alten teutonischen -Sprachen am gründlichsten bewandert, und seine Kenntniß der ersten -christlichen Literatur war eine umfassende. Hinsichtlich seiner -Befähigung zur politischen Discussion genüge es zu sagen, daß sein -Lieblingsargument zu Gunsten des passiven Gehorsams der Geschichte der -Thebanischen Legion entlehnt war. Er war der jüngere Bruder des -unglücklichen Johann Hickes, der im Speicher der Alice Lisle verborgen -gefunden worden war. Jakob hatte, trotz aller Fürsprache, sowohl Johann -Hickes als Alice Lisle hinrichten lassen. Leute, welche die Stärke der -Grundsätze des Dechanten nicht kannten, dachten er könne deshalb -möglicherweise einigen Groll hegen, denn er war eben nicht von sanftem -und vergebendem Character, und konnte sich einer unbedeutenden Kränkung -viele Jahre lang mit bitteren Gefühlen erinnern. Aber er war fest in -seinem religiösen und politischen Glauben, er bedachte, daß die Dulder -Dissenters waren, und er unterwarf sich dem Willen des Gesalbten des -Herrn nicht nur mit Geduld, sondern mit Freudigkeit. Er wurde sogar von -dem Augenblicke an wo sein Bruder aufgehängt und die Wohlthäterin seines -Bruders enthauptet worden war, ein treuerer Unterthan als je. Während -fast alle anderen Geistlichen, durch die Indulgenzerklärung und durch -die Proceduren der Hohen Commission erschreckt, zu glauben begannen, daß -sie die Lehre vom Nichtwiderstande ein wenig zu weit getrieben hätten, -schrieb er eine Vertheidigung seines Lieblingsprinzips und bemühte sich -die bei Hounslow lagernden Truppen zu überzeugen, daß, wenn es Jakob -gefallen sollte, sie alle zu massakriren, wie Maximian die Thebanische -Legion massakrirt hatte, weil sie sich geweigert, Abgötterei zu treiben, -es ihre Pflicht sein würde, die Waffen auf einen Haufen zu werfen und -geduldig die Märtyrerkrone zu empfangen. Um Hickes Gerechtigkeit -widerfahren zu lassen, muß man sagen, daß sein ganzes Verhalten nach der -Revolution bewies, daß seine Servilität weder aus Furcht, noch aus -Habsucht, sondern lediglich aus Bigotterie entsprang.[92] - - -Collier. - -Jeremias Collier, der seiner Stelle als Prediger des Archivs entsetzt -worden, stand auf einer viel höheren Stufe. Er hat ein wohlbegründetes -Recht auf dankbare und achtungsvolle Erwähnung, denn seiner -Beredtsamkeit und seinem Muthe ist die Reinigung unsrer leichteren -Literatur von der unsauberen Färbung, die sie während der -antipuritanischen Reaction angenommen hatte, hauptsächlich -zuzuschreiben. Er war im vollen Umfange des Worts ein guter Mensch. Aber -er war auch ein Mann von eminenten Talenten, ein großer Meister des -Sarkasmus und ein ausgezeichneter Rhetoriker.[93] Desgleichen war seine -Belesenheit, wenn auch unverarbeitet, von großem Umfange. Sein Geist -aber war beschränkt; seine Logik, selbst wenn er so glücklich war, eine -gute Sache zu vertheidigen, höchst nichtssagend und unbündig und sein -Verstand war nicht durch persönlichen, aber durch Berufsstolz fast -verwirrt. In seinen Augen war ein Priester das höchste menschliche Wesen -nächst einem Bischofe. Der beste und vornehmste Laie war dem geringsten -Geistlichen Ehrerbietung und Unterwürfigkeit schuldig. Mochte ein -Mitglied des geheiligten Standes sich noch so lächerlich machen, so war -es gottlos über ihn zu lachen. Collier war in diesem Punkte so ungemein -empfindlich, daß er es für eine Profanation hielt, selbst über die -Diener einer falschen Religion sich aufzuhalten. Er stellte es als Regel -hin, daß auch Muftis und Auguren stets mit Achtung genannt werden -müßten. Er tadelte Dryden, weil er über die Hierophanten des Apis -gespöttelt. Er lobte Racine, weil er dem Character eines Priesters des -Baal Würde verliehen. Er lobte Corneille, weil er den gelehrten und -ehrwürdigen Gottesgelehrten Tiresias in seinem Oedipus nicht auf die -Bühne gebracht. Er gab zwar zu, daß die Weglassung den dramatischen -Effect des Stückes beeinträchtigte, aber das heilige Amt war viel zu -feierlich, als daß man eitles Spiel damit treiben durfte. Ja, er hielt -es sogar, so unglaublich dies scheinen mag, für unpassend, wenn ein Laie -über presbyterianische Prediger spöttelte. Allerdings war sein -Jakobitismus nicht viel mehr als eine von den Formen, in denen sich sein -Eifer für die Würde seines Standes äußerte. Er verabscheute die -Revolution weniger als einen Aufstand von Unterthanen gegen ihren König, -denn als einen Aufstand der Laienschaft gegen den Priesterstand. Die -seit dreißig Jahren von der Kanzel gepredigten Doctrinen, waren von der -Convention mit Verachtung behandelt worden. Eine neue Regierung war im -Widerspruch mit den Wünschen der geistlichen Peers im Hause der Lords -und der Priesterschaft des ganzen Landes eingesetzt worden. Eine -weltliche Versammlung hatte sich angemaßt, ein Gesetz zu erlassen, das -Erzbischöfen und Bischöfen, Rectoren und Vikaren bei Strafe der -Amtsentsetzung vorschrieb das abzuschwören, was sie Zeit ihres ganzen -Lebens gelehrt hatten. Was auch kleinmüthigere Geister thun mochten, -Collier war entschlossen, sich von den siegreichen Feinden seines -Standes nicht im Triumphe fortführen zu lassen. Bis zum letzten -Augenblicke wollte er mit der gebieterischen Haltung eines vom Himmel -Gesandten den Fürsten und Mächtigen der Erde Trotz bieten. - - -Dodwell. - -In Bezug auf geistige Begabung war Collier der Hervorragendste unter den -Eidverweigerern. Hinsichtlich der Gelehrsamkeit muß die erste Stelle -Heinrich Dodwell zuerkannt werden, der wegen des unverzeihlichen -Verbrechens, in Mayo ein kleines Gut zu besitzen, von dem papistischen -Parlament zu Dublin verurtheilt worden war. Er war Camdenianischer -Professor der alten Geschichte an der Universität Oxford und hatte durch -chronologische und geographische Forschungen schon eine bedeutende -Celebrität erlangt; obgleich er aber nie dazu bewogen werden konnte, -sich ordiniren zu lassen, war doch die Theologie sein Lieblingsstudium. -Er war unbestreitbar ein frommer und redlicher Mann. Er hatte zahllose -Werke in verschiedenen Sprachen gelesen und dadurch einen größeren -Schatz von Gelehrsamkeit gesammelt, als seine schwachen Geisteskräfte -festzuhalten vermochten. Der schwache geistige Funke, den er besaß, -wurde durch das Material, das ihn nähren sollte, erstickt. Einige seiner -Werke scheinen in einem Irrenhause geschrieben zu sein und ziehen ihn, -obgleich von Beweisen seiner ungeheuren Belesenheit strotzend, auf das -Niveau eines Jakob Naylor und Ludwig Muggleton herab. Er begann eine -Dissertation, welche beweisen sollte, daß das Völkerrecht eine göttliche -Offenbarung sei, welche der in der Arche geretteten Familie gemacht -wurde. Er veröffentlichte eine Abhandlung, in der er behauptete, daß -eine Ehe zwischen einem Mitgliede der englischen Kirche und einem -Dissenter ungültig und daß das Ehepaar in den Augen des Himmels des -Ehebruchs schuldig sei. Er vertheidigte den Gebrauch der -Instrumentalmusik beim öffentlichen Gottesdienste aus dem Grunde, weil -die Töne der Orgel die Macht hätten, den Einfluß der Teufel auf das -Rückenmark der Menschen zu paralysiren. In seiner Abhandlung über diesen -Gegenstand bemerkte er, man habe gewichtige Autoritäten für die Ansicht, -daß das Rückenmark, wenn es zersetzt würde, eine Schlange werde. Ob -diese Ansicht richtig war oder nicht, hielt er für unnöthig zu -entscheiden. Vielleicht, sagte er, hätten die ausgezeichneten Männer, in -deren Werken sie sich finde, nur die große Wahrheit figürlich -aussprechen wollen, daß die alte Schlange hauptsächlich durch das -Rückenmark auf uns einwirke.[94] Dodwell's Betrachtungen über den -Zustand der Menschen nach dem Tode sind womöglich noch wunderlicher. Er -sagt uns, daß unsere Seelen von Natur sterblich sind. Vernichtung ist -das Loos des größeren Theiles der Menschen, der Heiden, der Muhamedaner, -der ungetauften Kinder. Die Gabe der Unsterblichkeit wird in dem -Sakrament der Taufe mitgetheilt; zur Wirksamkeit des Sakraments aber ist -es durchaus nöthig, daß ein durch einen Bischof ordinirter Priester die -Taufhandlung verrichtet und die Einsetzungsworte spricht. Im natürlichen -Laufe der Dinge würden demnach alle Presbyterianer, Independenten, -Baptisten und Quäker aufhören zu existiren, wie die niederen Thiere. -Dodwell war jedoch ein viel zu guter Hochkirchlicher, als daß er die -Dissenters so leichten Kaufs hätte davonkommen lassen sollen. Er sagt -ihnen, daß Gott, da sie Gelegenheit gehabt haben, das Evangelium -predigen zu hören, und die bischöfliche Taufe hätten empfangen können, -wenn sie nicht so verderbt wären, ihnen durch einen außerordentlichen -Machtspruch die Unsterblichkeit verleihen wird, damit sie bis in alle -Ewigkeit gequält werden können.[95] - -Niemand verabscheute den zunehmenden Latitudinarismus mehr als Dodwell. -Gleichwohl hatte Niemand mehr Ursache, sich darüber zu freuen, denn in -der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts würde ein Denker, der zu -behaupten gewagt hätte, die menschliche Seele sei von Natur sterblich -und höre in den meisten Fällen zugleich mit dem Körper auf zu existiren, -in Smithfield lebendig verbrannt worden sein. Noch zu einer Zeit, der -sich Dodwell wohl erinnern konnte, würden Ketzer wie er sich glücklich -geschätzt haben, wenn sie, mit zerfleischtem Rücken, abgeschnittenen -Ohren und aufgeschlitzter Nase, die Zunge mit einem glühenden Eisen -durchbohrt und die Augen mit Steinen ausgeschlagen, mit dem Leben davon -gekommen wären. In den Augen der Eidverweigerer aber war der Urheber -dieser Theorie noch immer der große Mr. Dodwell, und Einige, die es für -strafbare Nachsicht hielten, eine presbyterianische Versammlung zu -dulden, hielten es zu gleicher Zeit für eine grobe Illiberalität, einen -gelehrten und frommen Jakobiten zu tadeln, weil er eine vom religiösen -Gesichtspunkte so höchst unwichtige Lehre wie die von der -Unsterblichkeit der Seele, in Abrede stelle.[96] - - -Kettlewell. Fitzwilliam. - -Zwei andere Eidverweigerer verdienen weniger ihrer Talente und ihrer -Gelehrsamkeit, als ihrer seltenen Rechtschaffenheit und ihrer nicht -minder seltenen Aufrichtigkeit wegen specielle Erwähnung. Dies sind -Johann Kettlewell, Rector von Coleshill, und Johann Fitzwilliam, -Canonicus von Windsor. Es ist bemerkenswerth, daß diese Männer beide -viel mit Lord Russell verkehrt und daß beide, obgleich sie in -politischen Ansichten von ihm abwichen und den Antheil, den er an dem -whiggistischen Complot genommen, entschieden mißbilligten, eine hohe -Meinung von seinem Character gehabt und seinen Tod aufrichtig betrauert -hatten. Er hatte Kettlewell noch eine freundliche Botschaft vom Schaffot -in Lincoln's Inn Fields gesandt. Lady Russell liebte, vertraute und -verehrte Fitzwilliam, der in ihrer Jugend der Freund ihres Vaters, des -tugendhaften Southampton gewesen war, bis an ihr Ende. Die beiden -Geistlichen stimmten in der Verweigerung der Eide überein, schlugen aber -von diesem Augenblicke an verschiedene Richtungen ein. Kettlewell war -eines der thätigsten Mitglieder seiner Partei; er scheute sich keiner -Anstrengung zum Besten der gemeinschaftlichen Sache, vorausgesetzt daß -es keine solche war, die einem rechtschaffenen Mann Unehre machte, und -er vertheidigte seine Ansichten in mehreren Schriften, welche allerdings -eine viel höhere Meinung von seiner Aufrichtigkeit als von seiner -Urtheilsfähigkeit und seinem Scharfsinn begründen.[97] Fitzwilliam -glaubte genug gethan zu haben, indem er sein anmuthiges Wohnhaus mit -Garten im Schatten der St. Georgs-Kapelle verließ und mit seinen Büchern -eine kleine Entresolwohnung bezog. Er konnte Wilhelm und Marien mit -ruhigem Gewissen nicht anerkennen, aber er hielt sich auch nicht für -verpflichtet, beständig zur Widersetzlichkeit gegen sie aufzustacheln, -und er verbrachte die letzten Jahre seines Lebens unter dem mächtigen -Schutze des Hauses Bedford in harmloser, den Studien gewidmeter -Ruhe.[98] - - -Allgemeiner Character des eidverweigernden Klerus. - -Unter den minder ausgezeichneten Geistlichen, welche ihre Pfründen -verloren, befanden sich zweifelsohne viele gute Menschen; soviel aber -ist gewiß, daß der sittliche Character der Eidverweigerer im allgemeinen -auf keiner hohen Stufe stand. Es scheint hart, Leuten, welche -unbestreitbar einem Prinzipe ein großes Opfer brachten, Lauheit der -Prinzipien vorzuwerfen. Allein die Erfahrung beweist mehr als genugsam, -daß Viele, die eines großen Opfers fähig sind, wenn ihr Blut vom Kampfe -erhitzt und die Blicke der Welt auf sie gerichtet sind, in der täglichen -Ausübung verborgener Tugenden nicht lange zu beharren vermögen. Es ist -durchaus nicht unwahrscheinlich, daß Zeloten ihr Leben für eine Religion -hingeben können, welche ihre rachsüchtigen oder ausschweifenden -Leidenschaften doch niemals wirksam gezügelt hatte. Wir erfahren sogar -von Kirchenvätern, welche das höchste Ansehen genießen, daß selbst in -den reinsten Zeiten der Kirche einige Bekenner, die sich standhaft -geweigert hatten, durch Streuen von Weihrauch auf den Altar Jupiters den -Qualen der Folter und dem Tode zu entgehen, später den christlichen -Namen durch Betrug und Ausschweifung schändeten.[99] Die -eidverweigernden Geistlichen haben indeß Anspruch auf große Nachsicht. -Sie befanden sich unbestreitbar in einer sehr versuchungvollen Lage. Ein -Schisma, das eine religiöse Gemeinschaft spaltet, spaltet in der Regel -den Laienstand ebenso wie den Klerus. Die sich lostrennenden -Seelenhirten ziehen einen großen Theil ihrer Heerden mit sich fort und -sind in Folge dessen ihres Unterhalts gewiß. Aber das Schisma von 1689 -erstreckte sich kaum weiter als auf den Klerus. Das Gesetz verlangte von -dem Rector, die Eide zu leisten, oder sein Amt niederzulegen; von dem -Gemeindemitgliede aber wurde kein Eid, keine Anerkennung des Titels des -neuen Herrscherpaares verlangt, um sich zur Theilnahme am Gottesdienste -oder zum Genusse des heiligen Abendmahls zu qualificiren. Daher hielt -sich von den Laien, welche die Revolution mißbilligten, noch nicht einer -unter fünfzig für verpflichtet, seinen Stuhl in der alten Kirche, wo -nach wie vor die alte Liturgie verlesen und die alten Gewänder getragen -wurden, zu verlassen und den ausgestoßenen Priester zu einem Conventikel -zu begleiten, das noch obendrein durch das Toleranzedict nicht geschützt -war. So war die neue Secte eine Secte von Predigern ohne Zuhörer und vom -Predigen konnten diese Prediger nicht leben. In London und in einigen -anderen großen Städten waren die heftigen Jakobiten, welche durch nichts -zu befriedigen waren, als wenn sie für König Jakob und den Prinzen von -Wales mit Namen beten hörten, allerdings zahlreich genug, um einige -kleine Gemeinden zu bilden, die sich im Geheimen und unter beständiger -Furcht vor den Constablern in Räumen versammelten, welche so beschränkt -waren, daß die Bethäuser der puritanischen Dissenters im Vergleich damit -Paläste genannt werden konnten. Selbst Collier, der alle die -Eigenschaften besaß, welche ein zahlreiches Auditorium herbeiziehen, -mußte sich damit begnügen, der Geistliche einer kleinen Schaar -Mißvergnügter zu sein, deren Betzimmer sich im zweiten Stock eines -Hauses der City befand. Aber die Zahl der nichtschwörenden Geistlichen, -die sich durch Gottesdiensthalten an solchen Orten auch nur einen -kümmerlichen Unterhalt zu erwerben vermochten, war sehr gering. Von den -übrigen konnten einige unabhängig von ihrem Vermögen leben, andere -ernährten sich durch literarische Arbeiten, ein paar praktizirten als -Aerzte. Thomas Wagstaffe zum Beispiel, der Kanzler von Lichfield gewesen -war, hatte viele Patienten und machte sich dadurch bemerkbar, daß er sie -stets im vollen Domherrnornat besuchte.[100] Doch dies waren Ausnahmen. -Betriebsame Armuth ist ein der Tugendhaftigkeit keineswegs nachtheiliger -Zustand, gefährlich aber ist es, arm und zugleich unthätig zu sein, und -die Mehrzahl der Geistlichen, die sich geweigert hatten zu schwören, -sahen sich ohne Subsistenzmittel und ohne Beschäftigung in die Welt -hinausgestoßen. Natürlich wurden sie Bettler und Müßiggänger. Da sie -sich als Märtyrer für eine öffentliche Sache betrachteten, so schämten -sie sich nicht, den ersten besten guten Hochkirchlichen um eine Guinee -anzusprechen. Die Meisten von ihnen verbrachten ihr Leben damit, daß sie -aus einem Torykaffeehause ins andre gingen, die Holländer schmähten, -Gerüchte, nach denen Se. Majestät binnen einem Monate zuverlässig auf -englischem Boden sein würde, anhörten und verbreiteten, und sich die -Köpfe darüber zerbrachen, wer das Bisthum Salisbury bekommen würde, wenn -Burnet gehängt wäre. Während der Parlamentssession waren die Vorzimmer -und der Court of Requests mit abgesetzten Pfarrgeistlichen gefüllt, die -sich erkundigten, wer die Oberhand habe und wie die letzte Abstimmung -ausgefallen sei. Viele der vertriebenen Geistlichen fanden in den -Häusern reicher Jakobiten als Kaplane, Hauslehrer oder Seelsorger -Aufnahme. In einer derartigen Stellung kann ein Mann von reinem und -edlem Character, ein Mann wie Ken unter den Eidverweigerern und Watts -unter den Nonconformisten war, seine Würde behaupten und durch sein -Beispiel und seine Belehrungen die Wohlthaten, die er empfängt, mehr als -vergelten. Für Den aber, dessen Tugend nicht auf einer hohen Stufe -steht, ist dieser Lebensweg voller Gefahren. Besitzt er ein -phlegmatisches Temperament, so läuft er Gefahr, zu einem servilen, -sinnlichen, trägen Schmarotzer herabzusinken. Hat er einen -thatkräftigen, aufstrebenden Geist, so steht zu befürchten, daß er in -den schlimmen Kunstgriffen Erfahrung erlangt, durch welche dienende -Personen sich leichter als durch treue Dienste angenehm oder gefürchtet -machen. Die schwache Seite jedes Characters zu entdecken, jeder -Leidenschaft und jedem Vorurtheile zu schmeicheln, Zwietracht und Neid -zu säen, wo Liebe und Vertrauen herrschen sollten, den Augenblick -übereilter Offenherzigkeit zu erspähen, um Geheimnisse zu entlocken, -welche für das Glück und die Ehre der Familien von Wichtigkeit sind: -dies sind die Gewohnheiten, durch welche sich scharfsinnige und unruhige -Geister nur zu oft für das Demüthigende einer abhängigen Stellung -gerächt haben. Die öffentliche Stimme beschuldigte viele Eidverweigerer -laut, daß sie die Gastfreundschaft ihrer Wohlthäter mit eben so -schwarzem Undank vergälten, wie der in Molière's Meisterwerk -geschilderte Heuchler. In der That als Cibber es unternahm, dieses -herrliche Lustspiel für die englische Bühne zu bearbeiten, machte er aus -seinem Tartuffe einen Eidverweigerer, und Johnson, von dem man nicht -glauben kann, daß er gegen die Eidverweigerer eingenommen gewesen sei, -gestand offen, daß Cibber ihnen nicht Unrecht gethan habe.[101] - -Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das durch die Eide -herbeigeführte Schisma noch weit schlimmer gewesen sein würde, wenn in -dieser Krisis eine ausgedehnte Umgestaltung in der Verfassung oder dem -Ceremoniell der Staatskirche vorgenommen worden wäre. Es ist ein sehr -lehrreiches Factum, daß die aufgeklärten und toleranten Geistlichen, -welche eine solche Umgestaltung sehnlichst wünschten, nachher Grund -sahen, dankbar dafür zu sein, daß ihr Lieblingsplan gescheitert war. - - -Der Comprehensionsplan. Tillotson. - -Whigs und Tories hatten sich während der vorigen Session vereinigt, -Nottingham's Comprehensionsbill zu beseitigen, indem sie eine Adresse -beschlossen, welche den König ersuchte, die ganze Angelegenheit an die -Convocation zu verweisen. Burnet sah die Wirkung dieses Beschlusses -voraus. Der ganze Plan, sagte er, ist gänzlich zerstört.[102] Viele von -seinen Freunden waren jedoch andrer Meinung, und zu ihnen gehörte auch -Tillotson. Von allen Mitgliedern der Niederkirchenpartei stand Tillotson -in der allgemeinen Achtung am höchsten. Als Kanzelredner übertraf er in -den Augen seiner Zeitgenossen alle lebenden und todten Rivalen. Die -Nachwelt hat dieses Urtheil nicht anerkannt; doch behauptet Tillotson -noch immer seinen Platz als ein legitimer englischer Classiker. Sein -höchster Gedankenflug stand zwar tief unter dem eines Taylor, eines -Barrow und eines South; aber sein Styl war correcter und fließender als -der ihrige. Keine wunderlichen Einfalle, keine pedantischen Citate aus -Talmudisten und Scholiasten, keine gemeinen Bilder, possenhaften -Geschichten oder unschicklichen Schmähungen beeinträchtigten die Wirkung -seiner ernsten und gemäßigten Reden. Seine Logik war gerade tief und -fein genug, damit ein volksthümliches Auditorium sie mit jenem leichten -Grade geistiger Anstrengung, der ein Genuß ist, verfolgen konnte. Sein -Styl ist nicht brillant, aber er ist rein, durchsichtig klar und ebenso -frei von der Flüchtigkeit, wie von der Schwerfälligkeit, welche die -Predigten mancher ausgezeichneten Geistlichen des 17. Jahrhunderts -verunzieren. Er ist immer ernst, und doch hat seine Ausdrucksweise eine -gewisse elegante Ungezwungenheit, die ihn als einen Mann kennzeichnet, -der die Welt kennt, der in volkreichen Städten und an glänzenden Höfen -gelebt und der sich nicht allein mit Büchern, sondern auch mit Juristen -und Kaufleuten, mit Literatur und Damen, mit Staatsmännern und Fürsten -unterhalten hat. Der Hauptreiz seiner Geistesproducte liegt jedoch in -der Herzensgüte und Offenheit, welche aus jeder Zeile sprechen und in -seinem Lebenswandel nicht minder sichtbar hervortreten wie in seinen -Schriften. - -Als Theolog war Tillotson gewiß nicht weniger latitudinarisch als -Burnet. Dennoch sprachen viele von den Geistlichen, für welche Burnet -ein Gegenstand unüberwindlicher Abneigung war, von Tillotson mit -Zuneigung und Achtung. Es kann daher nicht Wunder nehmen, daß die beiden -Freunde sich ein verschiedenes Urtheil über die Gesinnung der -Priesterschaft gebildet hatten und von dem Zusammentritt der Convocation -ein verschiedenes Resultat erwarteten. Tillotson mißfiel der Beschluß -der Gemeinen nicht. Er war der Ansicht, daß Veränderungen, welche durch -eine rein weltliche Behörde in religiösen Institutionen vorgenommen -wurden, vielen Kirchenmännern unangenehm sein mußten, die gleichwohl in -einer kirchlichen Synode für noch umfassendere Aenderungen gestimmt -haben würden, und seine Meinung hatte großes Gewicht beim Könige.[103] -Es ward beschlossen, daß die Convocation zu Anfang der nächsten -Parlamentssession zusammentreten und daß inzwischen eine Verordnung -erlassen werden sollte, welche einige ausgezeichnete Geistliche -ermächtigte, die Liturgie, die Kirchengesetze und das ganze von den -christlichen Gerichtshöfen gehandhabte Rechtssystem zu prüfen und über -die sich als wünschenswerth herausstellenden Abänderungen Bericht zu -erstatten.[104] - - -Eine kirchliche Commission ernannt. - -Die Mehrzahl der Bischöfe, welche die Eide geleistet hatten, war in -dieser Commission, und ihnen waren zwanzig der angesehensten Priester -beigegeben. Der bedeutendste unter diesen Zwanzig war Tillotson, denn -man wußte, daß er die Ansicht des Königs und der Königin aussprach. -Unter den Commissionsmitgliedern, welche Tillotson als ihr Oberhaupt -betrachteten, befanden sich Stillingfleet, Dechant von St. Paul, Sharp, -Dechant von Norwich, Patrick, Dechant von Peterborough, Tenison, Rector -von St. Martin, und Fowler, dessen verständiger Energie der Entschluß -der londoner Geistlichkeit, die Indulgenzerklärung nicht zu verlesen, -hauptsächlich zuzuschreiben war. - -Neben den genannten Männern standen einige der Hochkirchenpartei -angehörende Geistliche. Unter diesen zeichneten sich besonders zwei der -ersten Theologen von Oxford, Aldrich und Jane, aus. Aldrich war unlängst -zum Dechant von Christchurch ernannt worden, an Stelle des Papisten -Massey, den Jakob, in directem Widerspruch mit den Gesetzen, an die -Spitze dieses wichtigen Collegiums gestellt hatte. Der neue Dechant war -ein gebildeter, wenn auch nicht gründlicher Gelehrter und ein jovialer, -gastfreundlicher Herr. Er war der Verfasser einiger theologischer -Schriften, welche längst vergessen sind, und eines Compendiums der -Logik, das noch in Gebrauch ist; die besten Werke aber, die er der -Nachwelt hinterlassen hat, sind seine Kanons. Jane, der königliche -Professor der Theologie, war ein ernsterer, aber minder achtungswerther -Mann. Er hatte den Hauptantheil bei Abfassung des Decrets gehabt, durch -welches seine Universität befahl, daß die Werke Milton's und Buchanan's -in den Schulen öffentlich verbrannt werden sollten. Wenige Jahre später -hatte er sich, gereizt und beunruhigt durch die Verfolgung der Bischöfe -und durch die Confiscirung der Einkünfte des Magdalenencollegiums, von -dem Prinzip des Nichtwiderstandes losgesagt, hatte sich in das -Hauptquartier des Prinzen von Oranien begeben und Sr. Hoheit versichert, -daß Oxford bereitwillig sein Silbergeschirr zur Unterstützung des Kriegs -gegen seinen Unterdrücker in Geld verwandeln werde. Eine kurze Zeit lang -wurde Jane allgemein als ein Whig betrachtet und von einigen seiner -früheren Verbündeten in Schmähschriften arg mitgenommen. Er hatte das -Unglück einen Namen zu haben, der eine vortreffliche Zielscheibe für die -gelehrten Witzlinge seiner Universität war. Es erschienen mehrere -Epigramme auf den Janus mit dem Doppelgesicht, der durch Sehen nach der -einen Seite eine Professur erhalten, und der jetzt durch Sehen nach -einer andren Seite ein Bisthum zu erlangen hoffe. Daß er ein Bisthum zu -erlangen hoffte, war vollkommen wahr. Er verlangte den Sitz von Exeter -als den seinen Diensten gebührenden Lohn. Derselbe wurde ihm jedoch -abgeschlagen. Diese Verweigerung überzeugte ihn, daß er vom -Latitudinarismus eben so viel zu fürchten hatte wie vom Papismus, und er -wurde daher eiligst wieder ein Tory.[105] - - -Maßregeln der Commission. - -Zu Anfang des October versammelten sich die Mitglieder der Commission in -dem Jerusalemzimmer. Sie beschlossen in ihrer ersten Sitzung, darauf -anzutragen, daß beim öffentlichen Gottesdienste die aus den Apokryphen -entnommenen Vorlesekapitel durch Kapitel aus den kanonischen Büchern der -heiligen Schrift ersetzt werden sollten.[106] In der zweiten -Zusammenkunft wurde eine Frage aufgeworfen, und zwar von Demjenigen, der -sie zu allerletzt hätte in Anregung bringen sollen. Sprat, Bischof von -Rochester, war ohne den geringsten Gewissensskrupel zwei Jahre lang -Mitglied des verfassungswidrigen Tribunals gewesen, das unter der -vorigen Regierung die Kirche, zu deren Leitern er gehörte, unterdrückt -und geplündert hatte. Aber jetzt war er bedenklich geworden und äußerte -Zweifel an der Gesetzmäßigkeit der Commission. Seine Einwendungen müssen -jedem gesunden Verstande als hohle Sophismen erscheinen. Das -Ernennungsdecret gab weder Vollmacht, Gesetze zu machen, noch Gesetze -anzuwenden, sondern lediglich zu untersuchen und zu berichten. Selbst -ohne königliche Ermächtigung hätten Tillotson, Patrick und Stillingfleet -unbedenklich zusammentreten können, um den Zustand und die Zukunft der -Kirche zu berathen und zu erwägen, ob es wünschenswerth war oder nicht, -den Dissenters ein Zugeständniß zu machen. Wie konnte es ein Verbrechen -sein, wenn Unterthanen auf Verlangen ihres Souverains etwas thaten, was -unschuldig, ja lobenswerth gewesen wäre, wenn sie es unaufgefordert -gethan hätten? Sprat wurde jedoch durch Jane unterstützt. Es entspann -sich ein heftiger Wortwechsel, und Lloyd, Bischof von St. Asaph, der -neben vielen guten Eigenschaften ein reizbares Temperament besaß, ließ -sich so weit hinreißen, von Spionen zu sprechen. Sprat entfernte sich -und kam nicht wieder. Jane und Aldrich folgten bald seinem -Beispiele.[107] Die Commission ging hierauf zur Erörterung der Frage -wegen der Stellung beim Abendmahle über, und es wurde beschlossen -anzuempfehlen, daß ein Communikant, der nach Besprechung mit seinem -Seelsorger erklärte, sein Gewissen erlaube ihm nicht, das Brot und den -Wein kniend zu empfangen, dieselben sitzend empfangen dürfe. Mew, -Bischof von Winchester, ein braver Mann, aber ohne wissenschaftliche -Bildung, der selbst in seinen besten Jahren schwach gewesen war und -jetzt immer kindischer wurde, protestirte gegen dieses Zugeständniß und -verließ die Versammlung. Die anderen Mitglieder fuhren fort, sich emsig -mit ihrer Aufgabe zu beschäftigen, und es fand kein weiterer Austritt -statt, obgleich große Meinungsverschiedenheit herrschte und die Debatten -zuweilen ziemlich heiß waren. Die entschiedensten Hochkirchlichen unter -den Zurückbleibenden waren Doctor Wilhelm Beveridge, Archidiakonus von -Colchester, der viele Jahre später Bischof von St. Asaph wurde, und -Doctor Johann Scott, der Nämliche, der an Jeffreys' Sterbebett gebetet -hatte. Die Thätigsten unter den Latitudinariern waren Burnet, Fowler und -Tenison. - -Die Taufhandlung wurde wiederholt discutirt. In Bezug auf Formalitäten -waren die Commissionsmitglieder zur Nachsicht gestimmt. Sie waren -sämmtlich geneigt, Kinder ohne Pathen und ohne das Zeichen des Kreuzes -in den Schooß der Kirche aufzunehmen. Die Majorität aber weigerte sich -nach langer Debatte standhaft, die Worte zu entkräften oder -wegzuerklären, in denen nach der Ansicht aller unverdorbenen Gemüther -die regenerirende Kraft des Sakraments liegt.[108] - -Hinsichtlich des Chorhemds beschloß die Commission zu empfehlen, daß den -Bischöfen ein weiter Spielraum gelassen werde. Es wurden Auswege -ersonnen, durch welche Jemand, der die presbyterianische Ordination -empfangen, ein Priester der englischen Kirche werden konnte, ohne weder -ausdrücklich noch stillschweigend die Ungültigkeit dieser Ordination -zuzugeben.[109] - -Der kirchliche Kalender wurde einer sorgfältigen Revision unterworfen. -Die großen Festtage wurden beibehalten. Aber es wurde nicht für -wünschenswerth erachtet, daß St. Valentin, St. Chad, St. Swithin, St. -Eduard König der Westsachsen, St. Dunstan und St. Alphage die Ehren St. -Johannes' und St. Paulus' theilten, oder daß es den Anschein bekäme, als -ob die Kirche die lächerliche Fabel von der Entdeckung des Kreuzes -Thatsachen von so hochwichtiger Bedeutung wie die Geburt, die -Leidensgeschichte, die Auferstehung und die Himmelfahrt des Herrn zur -Seite stellen wolle.[110] - -Das Athanasische Glaubensbekenntniß machte viel zu schaffen. Die meisten -Mitglieder der Commission waren eben so wenig geneigt, die doctrinellen -Sätze aufzugeben, wie die damnatorischen Sätze beizubehalten. Burnet, -Fowler und Tillotson wünschten dieses berühmte Symbolum ganz aus der -Liturgie zu streichen. Burnet machte dafür ein Argument geltend, das ihm -wahrscheinlich selbst kein großes Gewicht zu haben schien, das aber -vortrefflich darauf berechnet war, seine Gegner, Beveridge und Scott, in -Verlegenheit zu setzen. Das Concil von Ephesus war von den -anglikanischen Geistlichen stets als eine Synode verehrt worden, welche -die Gesammtheit der Gläubigen wirklich repräsentirt hatte und von Gott -auf dem Wege der Wahrheit geleitet worden war. Die Stimme dieses Concils -war die Stimme der noch nicht durch Aberglauben verderbten oder durch -Spaltungen zerrissenen heiligen katholischen und apostolischen Kirche. -Seit mehr als zwölf Jahrhunderten hatte die Welt keine kirchliche -Versammlung wieder gesehen, welche gleichen Anspruch auf die Achtung der -Gläubigen gehabt hätte. Das Concil von Ephesus hatte in den klarsten -Ausdrücken und unter Androhung der furchtbarsten Strafen den Christen -verboten, ihren Brüdern ein andres Glaubensbekenntniß aufzudringen als -das von den Nicäischen Vätern festgestellte. Man sollte daher denken, -daß, wenn das Concil von Ephesus wirklich unter der Leitung des heiligen -Geistes stand, jeder der sich des Athanasischen Glaubensbekenntnisses -bedient, in dem Augenblicke da er ein Anathema gegen seine Nebenmenschen -ausspricht, ein Anathema über sein eignes Haupt bringen müßte.[111] -Trotz der Autorität der ephesischen Väter beschloß die Majorität der -Commissionsmitglieder das Athanasische Glaubensbekenntniß im Gebetbuche -zu lassen, sie schlugen nur vor, eine von Stillingfleet entworfene -Rubrik beizufügen, welche erklärte, die damnatorischen Sätze seien so zu -verstehen, daß sie nur auf Diejenigen Anwendung fänden, welche das Wesen -des christlichen Glaubens hartnäckig leugneten. Orthodoxe Gläubige -durften daher hoffen, daß der Ketzer, der aufrichtig und demüthig nach -der Wahrheit gesucht, nicht zu ewiger Strafe verdammt werden würde, weil -es ihm nicht gelungen war, sie zu finden.[112] - -Tenison wurde beauftragt, die Liturgie zu prüfen und alle diejenigen -Ausdrücke zu sammeln, gegen welche entweder von theologischen oder von -literarischen Kritikern Einwendungen gemacht worden waren. Einige -offenbare Mängel beschloß man zu beseitigen. Es wäre vernünftig gewesen, -wenn es die Commissionsmitglieder dabei hätten bewenden lassen; -unglücklicherweise aber beschlossen sie, einen großen Theil des -Gebetbuches umzuarbeiten. Dies war ein kühnes Unternehmen, denn im -allgemeinen ist der Styl des Buches so, daß er nicht verbessert werden -kann. Die englische Liturgie gewinnt in der That selbst bei einem -Vergleiche mit den schönen alten Liturgien, denen sie zum großen Theil -entlehnt ist. Die wesentlichen Eigenschaften der erbaulichen Eloquenz, -der Kürze, der majestätischen Einfachheit, der pathetischen Innigkeit -des Gebets, durch tiefe Ehrfurcht gemäßigt, sind den Uebersetzungen und -den Originalen gemeinschaftlich eigen. In den untergeordneten -Schönheiten der Diction aber stehen die Originale den Uebersetzungen -unleugbar nach. Der Grund davon liegt auf der Hand. Die technischen -Ausdrücke des Christenthums wurden erst ein Bestandtheil der -lateinischen Sprache, als diese Sprache das Alter der Reife -überschritten hatte und in Barbarismus versank. Aber die technischen -Ausdrücke des Christenthums fanden sich in dem angelsächsischen und -normännischen Französisch schon lange bevor die Verschmelzung dieser -beiden Dialecte einen dritten, beiden überlegenen Dialect erzeugt hatte. -Das Latein, des römisch-katholischen Gottesdienstes ist daher Latein im -letzten Stadium des Verfalls, während das Englisch unsres Gottesdienstes -Englisch in der vollen Kraft und Eleganz der ersten Jugend ist. Den -großen lateinischen Schriftstellern Terenz und Lucrez, Cicero und Cäsar, -Tacitus und Quintilian würden die herrlichsten Compositionen Ambrosius' -und Gregor's nicht nur als schlecht geschrieben, sondern als sinnloses -Gewäsch erschienen sein.[113] Die Diction unsers allgemeinen Gebetbuches -hingegen hat direct oder indirect dazu beigetragen, die Sprache fast -jedes großen englischen Schriftstellers zu bilden und hat die -Bewunderung der gebildetsten Ungläubigen und der gebildetsten -Nonconformisten, die Bewunderung von Männern wie David Hume und Robert -Hall erweckt. - -Der Styl der Liturgie befriedigte jedoch die Doctoren des -Jerusalemzimmers nicht. Sie erklärten die Collecten für zu kurz und zu -trocken, und Patrick wurde beauftragt, sie zu erweitern und -auszuschmücken. In einer Hinsicht ließ sich gegen diese Wahl nichts -einwenden, denn wenn wir danach urtheilen, wie Patrick die erhabenste -hebräische Poesie paraphrasirte, werden wir wahrscheinlich zu der -Ueberzeugung gelangen, daß, mochte er sich nun dazu eignen, die -Collecten zu verbessern, oder nicht, wenigstens Niemand befähigter sein -konnte, sie zu erweitern.[114] - - -Die Convocation der Provinz Canterbury einberufen. Stimmung des Klerus. - -Es kam indeß wenig darauf an, ob die Empfehlungen der Commission gut -oder schlecht waren, denn verurtheilt waren sie alle, noch ehe man sie -kannte. Die Ausschreiben zur Einberufung der Convocation der Provinz -Canterbury waren erlassen und die Geistlichen waren allenthalben in -einem Zustande heftiger Aufregung. Sie hatten eben die Eide geleistet -und empfanden noch schmerzlich die harten Vorwürfe der Eidverweigerer, -die rücksichtslosen Schmähungen der Whigs und unzweifelhaft in vielen -Fällen auch die Mahnungen des Gewissens. Die Ankündigung, daß eine -Convocation zusammentreten solle, um einen Comprehensionsplan zu -berathen, erweckte die stärksten Leidenschaften des Priesters, der sich -so eben dem Gesetz gefügt hatte und der deshalb gar nicht oder nur halb -zufrieden mit sich war. Es bot sich ihm eine Gelegenheit, zur -Vereitelung eines Lieblingsplanes der Regierung beizutragen, welche bei -strenger Strafe eine Unterwerfung von ihm verlangt hatte, die sich mit -seinem Gewissen oder mit seinem Stolze schwer vereinigen ließ. Es bot -sich ihm eine Gelegenheit, seinen Eifer für die Kirche zu bethätigen, -deren characteristische Lehren er um materiellen Nutzens willen untreu -geworden zu sein beschuldigt war. Seiner Ansicht nach drohte ihr jetzt -eine eben so große Gefahr als die des vorhergehenden Jahres. Die -Latitudinarier von 1689 seien nicht minder eifrig bestrebt, sie zu -demüthigen und zu Grunde zu richten, wie die Jesuiten von 1688. Die -Toleranzacte habe für die Dissenters soviel gethan, als sich mit der -Würde und Sicherheit der Kirche vertrug, und es dürfe nichts weiter -zugestanden werden, nicht der Saum eines Gewandes, nicht eine Sylbe vom -Anfang bis zum Ende der Liturgie. Alle die Vorwürfe, welche der -kirchlichen Commission Jakob's gemacht worden waren, wurden auf die -kirchliche Commission Wilhelm's übertragen. Die beiden Commissionen -hatten zwar nichts als den Namen mit einander gemein; aber bei dem Namen -dachte Jedermann an Ungesetzlichkeit und Bedrückung, an Verletzung des -Hausrechts und Confiscation von Grundeigenthum, und die Böswilligen -riefen ihn daher unermüdlich und mit nicht geringem Erfolge in die Ohren -der Unwissenden. - - -Die Geistlichkeit unzufrieden mit dem König. - -Auch dem König, sagte man, war nicht zu trauen. Er conformirte sich zwar -dem bestehenden Gottesdienste, aber es war bei ihm eine örtliche und -gelegentliche Conformität. Denn gegen einige Ceremonien, für welche die -Hochkirchlichen sehr eingenommen waren, empfand er einen Widerwillen, -den er gar nicht zu verhehlen suchte. Es war eine seiner ersten -Maßregeln gewesen, zu befehlen, daß der Gottesdienst in seiner -Privatkapelle gesprochen und nicht gesungen werden solle, und diese -Anordnung erregte viel Murren, obgleich die Rubrik sie guthieß.[115] Es -war bekannt, daß er so profan war, über einen durch hohe kirchliche -Autorität sanctionirten Gebrauch zu spötteln, über den Gebrauch des -Händeauflegens gegen die Skropheln. Diese Ceremonie hatte sich fast -unverändert seit dem grauesten Alterthum bis zu den Zeiten Newton's und -Locke's erhalten. Die Stuarts spendeten häufig die heilende Kraft im -Bankethause. Die Tage, an denen dieses Wunder verrichtet werden sollte, -wurden in Sitzungen des Geheimen Raths bestimmt, und dann in allen -Pfarrkirchen des Reichs von den Geistlichen feierlich verkündet.[116] -Wenn die bestimmte Zeit kam, standen mehrere Geistliche im vollen Ornate -um den Staatsbaldachin. Der königliche Leibarzt führte die Kranken -herein, und es wurde hierauf eine Stelle aus dem 16. Kapitel des -Evangeliums Marci vorgelesen. Nach den Worten: »Auf die Kranken werden -sie die Hände legen, so wird's besser mit ihnen werden,« wurde -innegehalten und einer der Kranken vor den König gebracht. Se. Majestät -berührte die Geschwüre und Beulen und hing ein weißes Band, an dem eine -Goldmünze befestigt war, um den Hals des Patienten. Die Uebrigen wurden -so alle nacheinander vorgeführt und wenn jeder berührt war, wiederholte -der Kaplan die Worte; »Auf die Kranken werden sie die Hände legen, so -wird's besser mit ihnen werden.« Dann kamen die Epistel, Gebete, -Wechselgesänge und ein Segen. Der Dienst findet sich noch in den -Gebetbüchern aus der Regierungszeit der Königin Anna. Erst einige Zeit -nach der Thronbesteigung Georg's I. hörte die Universität Oxford auf, -das feierliche Amt der Heilung mit der Liturgie zusammen drucken zu -lassen. Theologen von ausgezeichneter Gelehrsamkeit, Bildung und -Tugendhaftigkeit sanctionirten dieses Blendwerk durch ihre Autorität und -was noch auffälliger ist, hochberühmte Aerzte glaubten an die heilenden -Kräfte der königlichen Hand, oder stellten sich wenigstens als glaubten -sie daran. Wir dürfen wohl annehmen, daß jeder im Dienste Karl's II. -stehende Arzt ein Mann von hoher Berufstüchtigkeit war, und mehr als -einer von den Aerzten Karl's II. hat uns das feierliche Bekenntniß -seines Glaubens an die Wunderkraft des Königs hinterlassen. Einer von -ihnen schämt sich nicht uns zu sagen, daß die Gabe durch die bei der -Krönung stattfindende Salbung mitgetheilt werde, daß die Heilungen so -zahlreich seien und zuweilen so rasch erfolgten, daß sie keiner -natürlichen Ursache zugeschrieben werden konnten, daß das Fehlschlagen -lediglich dem Mangel an Glauben auf Seiten des Kranken beigemessen -werden müsse; daß Karl einst einen skrophulösen Quäker berührt und ihn -in einem Augenblicke zu einem gesunden Menschen und wahren -Hochkirchenmann gemacht; daß, wenn die Geheilten das ihnen um den Hals -gehängte Goldstück verlören oder verkauften, die Geschwüre von neuem -aufbrächen und nur durch eine abermalige Berührung und durch einen -zweiten Talisman geheilt werden könnten. Wenn Männer der Wissenschaft -solchen Unsinn ernsthaft wiederholten, so dürfen wir uns nicht darüber -wundern, daß der große Haufe ihn glaubte. Noch weniger dürfen wir uns -wundern, daß Unglückliche, die von einer Krankheit gequält wurden, gegen -welche natürliche Heilmittel nichts vermochten, Geschichten von -übernatürlichen Kuren begierig verschlangen, denn nichts ist so -leichtgläubig als das Unglück. Die Volksmassen, die sich an den -Heilungstagen nach dem Palaste drängten, waren ungeheuer. Karl II. -berührte im Laufe seiner Regierung nahe an hunderttausend Personen. Die -Zahl war größer oder geringer je nachdem die Popularität des Königs -stieg oder sank. Während der toryistischen Reaction, welche auf die -Auflösung des Oxforder Parlaments folgte, drängte sich das Volk -massenhaft in seine Nähe. Im Jahre 1682 verrichtete er die Ceremonie -achttausendfünfhundert Mal. Im Jahre 1684 war das Gedränge so arg, daß -sechs oder sieben Kranke todtgetreten wurden. Jakob berührte auf einer -seiner Reisen im Chore der Kathedrale von Chester achthundert Personen. -Die Kosten der Ceremonie beliefen sich auf nicht viel weniger als -zehntausend Pfund jährlich und würden ohne die Wachsamkeit des -königlichen Leibarztes, der die Applikanten zu untersuchen und -Diejenigen, welche um der Heilung willen kamen, von Denen, welche des -Goldstücks wegen kamen, zu scheiden hatte, noch viel bedeutender gewesen -sein.[117] - -Wilhelm war viel zu klug, als daß er hätte getäuscht werden können, und -viel zu rechtschaffen, um an einer Handlung Theil zu nehmen, von der er -wußte, daß es Betrug war. »Es ist ein kindischer Aberglaube,« rief er -aus, als er hörte, daß zu Ende der Fastenzeit sein Palast von einer -Menge Kranker belagert war; »man gebe den armen Leuten etwas Geld und -schicke sie fort.«[118] Einmal wurde er dringend gebeten, seine Hand auf -einen Patienten zu legen. »Gott schenke Euch bessere Gesundheit,« sagte -er, »und mehr Verstand.« Die Eltern skrophulöser Kinder schrien Zeter -über seine Grausamkeit; die Bigotten erhoben entsetzt über seine -Gottlosigkeit Hände und Augen zum Himmel; die Jakobiten lobten ihn -sarkastisch, daß er nicht so anmaßend sei, sich eine Kraft beizumessen, -die nur legitimen Souverainen zukomme, und selbst einige Whigs meinten, -es sei unklug von ihm, daß er einen im Volke tief eingewurzelten -Aberglauben mit so auffallender Geringschätzung behandle. Wilhelm aber -war nicht zu bewegen und wurde deshalb von vielen Hochkirchlichen als -entweder ein Ungläubiger oder ein Puritaner betrachtet.[119] - - -Der Klerus durch das Verhalten der schottischen Presbyterianer gegen die -Dissenters erbittert. - -Die Hauptursache jedoch, welche damals der Geistlichkeit selbst den -gemäßigtsten Comprehensionsplan verhaßt machte, ist noch nicht erwähnt -worden. Was Burnet vorhergesehen und vorhergesagt hatte, war -eingetroffen. Es herrschte in dem ganzen Priesterstande eine große -Geneigtheit, die Unbilden der schottischen Episkopalen die englischen -Presbyterianer entgelten zu lassen. Es ließ sich nicht leugnen, daß -selbst die Hochkirchlichen im Sommer des Jahres 1688 sich im allgemeinen -bereit erklärt hatten, Vieles im Interesse der Union aufzugeben. Allein -man sagte, und nicht ohne einen Anschein von Begründung, die Vorgänge -jenseit der Grenze bewiesen, daß eine Union unter billigen Bedingungen -unmöglich sei. Wie können, fragte man, Diejenigen, die uns keine -Concession machen wollen wo wir schwach sind, es uns verargen, daß wir -ihnen keine Concession machen wollen, wo wir stark sind? Wir können die -Grundsätze und Gesinnungen einer Secte nach den Erklärungen, die sie in -einem Augenblicke der Schwäche und der Leiden abgiebt, nicht richtig -beurtheilen. Wenn wir den puritanischen Geist in seiner wahren -Beschaffenheit kennen lernen wollen, müssen wir den Puritaner -beobachten, wenn er die Oberhand hat. Unter der vorigen Generation hatte -er hier die Oberhand, und sein kleiner Finger war stärker als die Lenden -der Prälaten. Er trieb Hunderte von friedlichen Studenten aus ihren -Collegien und Tausende von achtbaren Geistlichen aus ihren -Pfarrwohnungen, weil sie sich weigerten, seinen Covenant zu -unterschreiben. Weder Gelehrsamkeit, noch Genie, noch Frömmigkeit wurde -geschont. Männer wie Hall und Sanderson, Chillingworth und Hammond -wurden nicht allein ausgeplündert, sondern ins Gefängniß geworfen und -der ganzen Rohheit brutaler Kerkermeister preisgegeben. Es wurde für ein -Verbrechen erklärt, schöne Psalmen und Gebete zu lesen, welche Ambrosius -und Chrysostomus den Gläubigen hinterlassen hatten. Endlich ward die -Nation der Herrschaft der Frommen müde. Die gestürzte Dynastie und die -gestürzte Hierarchie wurden wieder eingesetzt, der Puritaner wurde -seinerseits Ausschließungen und Strafen unterworfen, und alsbald kam er -dahinter, daß es grausam sei, Jemanden zu bestrafen, weil er -Gewissensskrupel wegen eines Gewandes, wegen einer Ceremonie, wegen -geistlicher Amtsverrichtungen hegte. Seine jammervollen Klagen und seine -Argumente zu Gunsten der Toleranz hatten endlich auf viele Gutmüthige -Eindruck gemacht. Selbst eifrige Hochkirchliche hatten angefangen, sich -der Hoffnung hinzugeben, daß die harte Lehre, die er bekommen, ihn -aufrichtig, gemäßigt und nachsichtig gemacht habe. Wäre dem wirklich so -gewesen, so würde es allerdings unsre Pflicht sein, seine Bedenken mit -zarter Rücksicht zu behandeln. Aber während wir überlegten, was wir thun -könnten, um seinen Wünschen in England zu entsprechen, hatte er in -Schottland das Uebergewicht erlangt, und in einem Augenblicke war er -wieder ganz er selbst: bigott, insolent und grausam. Pfarrwohnungen -wurden geplündert, Kirchen geschlossen, Gebetbücher verbrannt, heilige -Gewänder zerrissen, andächtige Versammlungen auseinandergetrieben, -Priester gemißhandelt, mit Steinen geworfen, an den Schandpfahl gestellt -und mit Weib und Kind hinausgestoßen, um zu betteln oder zu verhungern. -Daß diese Gewaltthätigkeiten nicht einigen wenigen ruchlosen -Herumtreibern, sondern der Gesammtheit der schottischen Presbyterianer -zur Last fielen, ging klar aus dem Umstande hervor, daß die Regierung es -weder gewagt hatte, die Uebelthäter zu bestrafen, noch den Betroffenen -Abhilfe zu verschaffen. Sei es da nicht gerathen, daß die englische -Kirche auf ihrer Hut sei? Könne man billigerweise von ihr verlangen, daß -sie ihre apostolische Verfassung und ihr schönes Ritual aufgebe, um -Diejenigen auszusöhnen, denen nichts als die Macht fehlte, um sie zu -mißhandeln, wie sie ihre Schwester gemißhandelt hatten? Diese Leute -hätten bereits eine Wohlthat erlangt, die sie nicht verdienten und die -sie niemals gewährt haben würden. Sie verehrten Gott in vollkommener -Sicherheit; ihre Bethäuser genössen eines eben so wirksamen Schutzes wie -die Chöre unserer Kathedralen. Während kein bischöflicher Geistlicher -ohne Lebensgefahr in Ayrshire oder Renfrewshire Gottesdienst halten -könne, predigten in Middlesex hundert presbyterianische Geistliche -ungestört jeden Sonntag. Die Legislatur habe mit einer vielleicht -unklugen Großmuth den intolerantesten Menschen Toleranz gewährt, und mit -der Toleranz zieme es ihnen sich zu begnügen. - - -Einrichtung der Convocation. - -So vereinigten sich mehrere Ursachen, um die Parochialgeistlichen gegen -den Comprehensionsplan zu erbittern. Ihre Stimmung war von der Art, daß -der im Jerusalemzimmer entworfene Plan, wenn er ihnen unmittelbar -vorgelegt worden wäre, mit einer Majorität von Zwanzig gegen Eins -verworfen worden sein würde. In der Convocation aber stand ihr Gewicht -in keinem Verhältniß zu ihrer Zahl. Die Convocation ist zum Glück für -unser Vaterland seit langer Zeit so gänzlich ohne Bedeutung, daß sich -bis vor Kurzem nur wißbegierige Forscher um ihre Einrichtung gekümmert -haben, und doch glauben noch heutzutage sonst nicht ungebildete Leute, -sie sei ein die Kirche von England repräsentirendes Concil gewesen. Die -in unsrer Kirchengeschichte so häufig erwähnte Convocation ist jedoch -thatsächlich nichts weiter als die Synode der Provinz Canterbury und war -nie berechtigt, im Namen des gesammten Klerus zu sprechen. Die Provinz -York hatte ebenfalls ihre Convocation; aber tiefe Provinz war bis tief -ins 18. Jahrhundert im allgemeinen so arm, so uncultivirt und so dünn -bevölkert, daß sie hinsichtlich ihrer politischen Bedeutung kaum für ein -Zehntel des Reichs gerechnet werden konnte. Die Ansicht des südlichen -Klerus galt daher allgemein für die Ansicht des ganzen Standes. Wo die -formelle Beistimmung des nördlichen Klerus erforderlich war, wurde sie -als sich von selbst verstehend gegeben. Die von der Convocation von -Canterbury im Jahre 1604 erlassenen Kirchengesetze waren in der That -schon zwei Jahre bevor die Convocation von York die Formalität ihrer -Zustimmungsertheilung erfüllte, von Jakob I. bestätigt und ihre genaue -Beobachtung im ganzen Königreiche anbefohlen. Seitdem diese kirchlichen -Versammlungen bloße Namen geworden, hatte die Stellung der beiden -Erzbisthümer zu einander eine große Veränderung erfahren. In allen -Elementen der Macht repräsentirt die Gegend jenseit des Trent jetzt -mindestens ein Drittheil England's. Als in unsrer Zeit das -Representativsystem dem veränderten Zustande des Landes angepaßt wurde, -gehörten fast sämmtliche kleine Burgflecken, denen das Wahlrecht -entzogen werden mußte, dem Süden an. Zwei Drittel der neuen -Parlamentsmitglieder, welche den großen Provinzialstädten bewilligt -wurden, kamen auf den Norden. Wenn daher eine englische Regierung die -Convocationen in ihrer gegenwärtigen Einrichtung zur Erledigung von -Geschäften zusammentreten lassen wollte, so würden zwei von einander -unabhängige Synoden gleichzeitig für eine Kirche Gesetze geben, und es -ist durchaus nicht unwahrscheinlich, daß die eine Versammlung -Kirchengesetze annähme, welche die andre verwerfen würde, und daß die -eine Versammlung Behauptungen als ketzerisch verdammen würde, welche die -andre für orthodox hielte.[120] Im 17. Jahrhundert war so etwas nicht zu -fürchten. Die Convocation von York wurde damals in der That so wenig -beachtet, daß die beiden Parlamentshäuser in ihrer Adresse an Wilhelm -nur von einer Convocation gesprochen hatten, die sie die Convocation der -Geistlichkeit des Königreichs nannten. - -Die Körperschaft, die sie eben nicht besonders richtig so bezeichneten, -zerfällt in zwei Häuser. Das Oberhaus besteht aus den Bischöfen der -Provinz Canterbury. Das Unterhaus bestand 1689 aus hundertvierundvierzig -Mitgliedern. Zweiundzwanzig Dechanten und vierundfunfzig Archidiakonen -saßen darin kraft ihrer Aemter; vierundzwanzig Geistliche saßen als -Vertreter von eben so vielen Kapiteln darin und nur vierundvierzig -Abgeordnete wurden von den achttausend Pfarrgeistlichen der -zweiundzwanzig Kirchspiele gewählt. - - -Wahl der Convocationsmitglieder. - -Diese vierundvierzig Bevollmächtigten waren jedoch fast alle eines -Sinnes. Die Wahl derselben war in früheren Zeiten auf die ruhigste und -anständigste Weise vor sich gegangen. Bei dieser Gelegenheit aber fanden -starke Wahlumtriebe und heftige Wahlkämpfe statt; Rochester, das Haupt -der Partei, die sich im Hause der Lords der Comprehensionsbill -widersetzt hatte, und sein Bruder Clarendon, der sich geweigert hatte, -die Eide zu leisten, waren nach Oxford, dem Hauptquartier dieser Partei, -gegangen, um die Opposition zu animiren und zu organisiren.[121] Die -Vertreter der Parochialgeistlichen müssen Männer gewesen sein, deren -Hauptauszeichnung ihr Eifer war, denn in der ganzen Liste findet sich -nicht ein einziger berühmter Name und nur sehr wenige, die jetzt noch -dem eifrigen Geschichtsforscher bekannt sind.[122] Die officiellen -Mitglieder des Unterhauses, unter denen sich viele ausgezeichnete -Gelehrte und Kanzelredner befanden, scheinen nicht sehr ungleich -getheilt gewesen zu sein. - - -Verleihung geistlicher Aemter. - -Während des Sommers 1689 kamen mehrere hohe kirchliche Aemter zur -Erledigung und wurden Geistlichen verliehen, welche im Jerusalemzimmer -saßen. Es ist bereits erwähnt worden, daß Thomas, Bischof von Worcester, -gerade vor dem zur Eidesleistung bestimmten Tage starb. Lake, Bischof -von Chichester, lebte eben noch lange genug, um sie zu verweigern, und -er erklärte mit seinem letzten Athemzuge, daß er selbst auf dem -Scheiterhaufen die Lehre von dem unveräußerlichen Erbrechte nicht -verleugnen würde. Der Bischofsstuhl von Chichester wurde mit Patrick, -der von Worcester mit Stillingfleet besetzt, und die Dechanei von St. -Paul, welche Stillingfleet verließ, bekam Tillotson. Daß Tillotson nicht -auf die bischöfliche Bank erhoben wurde, erregte einige Verwunderung. -Aber gerade deshalb, weil die Regierung seine Dienste besonders hoch -schätzte, ließ man ihn noch einige Zeit einfacher Pfarrgeistlicher -bleiben. Das wichtigste Amt in der Convocation war das des Wortführers -des Unterhauses. Den Wortführer hatten die Mitglieder zu wählen, und der -einzige gemäßigte Mann, der Aussicht hatte gewählt zu werden, war -Tillotson. Es war factisch bereits festgesetzt, daß er der nächste -Erzbischof von Canterbury werden sollte. Als er für seine neue Dechanei -zum Handkuß ging, dankte er dem Könige herzlich und sagte: »Eure -Majestät hat mich für den Rest meiner Tage zur Ruhe gesetzt.« -- »Nicht -doch, Herr Doctor, ich versichere es Ihnen,« entgegnete Wilhelm, worauf -er ihm sehr deutlich zu verstehen gab, daß, wenn Sancroft einmal -aufhören werde, das höchste kirchliche Amt zu verwalten, Tillotson sein -Nachfolger sein sollte. Tillotson war ganz bestürzt, denn sein Character -war sanft und frei von Ehrgeiz, er begann die Schwächen des -Greisenalters zu empfinden, fragte wenig nach Geld und Gut, und -diejenigen weltlichen Vortheile, auf die er den meisten Werth legte, -waren ein guter Ruf und die allgemeine Zuneigung seiner Nebenmenschen. -Diese Vortheile besaß er schon, und er konnte sich nicht verhehlen, daß -er als Primas den unversöhnlichen Haß einer mächtigen Partei auf sich -ziehen und eine Zielscheibe für die Verleumdung werden würde, vor der -sein mildes und gefühlvolles Naturell zurückschauderte, wie vor der -Folter oder dem Rade. Wilhelm sprach ernst und entschieden. »Es ist -nothwendig im Interesse meiner Pläne,« sagte er, »und Sie würden es bei -Ihrem Gewissen nicht verantworten können, wenn Sie mir Ihren Beistand -verweigerten.« Hiermit endigte die Unterredung. Es war auch in der That -nicht nöthig, daß die Sache auf der Stelle entschieden wurde, denn es -sollten noch mehrere Monate verstreichen, ehe das Erzbisthum zur -Erledigung kam. - -Tillotson klagte seine Noth mit ungeheuchelter Sorge und Betrübniß Lady -Russell, der er unter allen menschlichen Wesen die höchste Achtung und -das meiste Vertrauen schenkte.[123] Er scheue zwar keinen Dienst der -Kirche, sagte er, aber er sei überzeugt, daß er in seiner gegenwärtigen -Stellung am meisten nützen könne. Wenn er gezwungen werden sollte, einen -so hohen und verhaßten Posten wie das Primat anzunehmen, würde er der -für seine Kräfte so schweren Last der Pflichten und Sorgen bald -erliegen. Es würde ihm an Muth dazu und mithin auch an der nöthigen -Befähigung fehlen. Er beschwerte sich dann mild über Burnet, der ihn mit -einer wahrhaft hochherzigen Innigkeit liebte und verehrte und der sich -bemüht hatte, den König und die Königin zu überzeugen, daß es in ganz -England nur einen einzigen Mann gebe, der sich für die höchste -kirchliche Würde eigne. »Der Bischof von Salisbury,« sagte Tillotson, -»ist einer meiner besten und zugleich schlimmsten Freunde.« - - -Compton ist unzufrieden. - -Was Burnet kein Geheimniß war, konnte Niemandem lange ein Geheimniß -bleiben. Man begann sich sehr bald zuzuflüstern, daß der König Tillotson -zum Nachfolger Sancroft's bestimmt habe. Die Nachricht verdroß Compton -heftig, denn er hatte nicht ohne Grund geglaubt, daß er in seinen -Ansprüchen keinen Rivalen habe. Er hatte die Königin und ihre Schwester -erzogen, und der Erziehung, die sie von ihm empfangen, dürfte sicherlich -wenigstens zum Theil die Festigkeit zugeschrieben, werden, mit der sie -trotz des Einflusses ihres Vaters der Landesreligion treu geblieben -waren. Compton war außerdem der einzige Prälat, der unter der vorigen -Regierung im Parlament seine Stimme gegen das Dispensationsrecht -erhoben, der einzige Prälat, der von der Hohen Commission suspendirt -worden war, der einzige Prälat, der die Einladung an den Prinzen von -Oranien unterzeichnet, der einzige Prälat, der wirklich die Waffen gegen -Papismus und Willkürgewalt ergriffen, der einzige Prälat, der mit noch -einem andren gegen eine Regentschaft gestimmt hatte. Unter den -Geistlichen der Provinz Canterbury, welche die Eide geleistet hatten, -war er dem Range nach der Erste. Er hatte daher einige Monate lang als -Stellvertreter des Primas fungirt; er hatte die neuen Souveraine -gekrönt, er hatte die neuen Bischöfe geweiht, und er stand auf dem -Punkte, der Convocation zu präsidiren. Dazu kam noch, daß er der Sohn -eines Earls war und daß kein Mann von gleich vornehmer Geburt damals auf -der Bank der Bischöfe saß, noch jemals seit der Reformation auf -derselben gesessen hatte. Daß die Regierung einen Priester seiner -eigenen Diöcese über ihn stellen wollte, der der Sohn eines Tuchmachers -aus Yorkshire war und der sich durch nichts als durch Talente und -Tugenden auszeichnete, war kränkend, und Compton, obgleich er durchaus -kein schlechtes Herz hatte, fühlte sich tief gekränkt. Vielleicht wurde -sein Verdruß durch den Gedanken noch vermehrt, daß er im Interesse -Derer, die ihn so zurücksetzten, Manches gethan, was sein Gewissen -gedrückt und seinen Ruf befleckt hatte, daß er einmal die Winkelzüge -eines Diplomaten ausgeübt und ein andermal seinen Amtsbrüdern, durch -Tragen des Büffelwamses und der Reiterstiefeln Aergerniß gegeben hatte. -Maßlosen Ehrgeizes konnte er Tillotson nicht beschuldigen. Aber obgleich -Tillotson selbst an dem Erzbisthum gar nichts gelegen war, bot er doch -seinen Einfluß nicht zu Gunsten Compton's auf, sondern empfahl dringend -Stillingfleet als das geeignetste Oberhaupt der englischen Kirche. Die -Folge davon war, daß am Vorabend des Zusammentritts der Convocation der -Bischof, der an der Spitze des Oberhauses stehen sollte, der persönliche -Feind des Pfarrgeistlichen wurde, den die Regierung an der Spitze des -Unterhauses zu sehen wünschte. Dieser Streit häufte neue Schwierigkeiten -auf Schwierigkeiten, welche keiner Vermehrung bedurften.[124] - - -Zusammentritt der Convocation. - -Erst am 20. November versammelte sich die Convocation zur Erledigung von -Geschäften. Das Versammlungslokal war gewöhnlich die Paulskirche -gewesen. Aber diese Kathedrale erhob sich nur langsam aus ihren -Trümmern, und wenn auch ihre Kuppel die hundert Kirchthürme der City -bereits hoch überragte, so waren doch die inneren Räume dem -Gottesdienste noch nicht geöffnet. Die Versammlung hielt daher ihre -Zusammenkünfte in Westminster.[125] In die schöne Kapelle Heinrich's -VII. war ein Tisch gestellt und Compton nahm den Präsidentenstuhl ein. -Zu seiner Rechten und Linken saßen in prunkenden Gewändern von Scharlach -und Grauwerk diejenigen Suffragane von Canterbury, welche die Eide -geleistet hatten, und am unteren Ende der Tafel war die Schaar der -Pfarrgeistlichen versammelt. Beveridge hielt eine lateinische Rede, in -der er das bestehende System zwar warm lobte, sich aber doch einer -gemäßigten Reform zugethan erklärte. Die Kirchengesetze, sagte er, seien -zweierlei Art. Einige Gesetze seien fundamental und ewig, ihre Autorität -stamme von Gott, und keine religiöse Gemeinschaft könne sie umstoßen, -ohne aufzuhören, einen Theil der Universalkirche zu bilden. Andere -Gesetze seien örtlich und temporär. Diese seien von menschlicher -Weisheit gemacht, und menschliche Weisheit könne sie daher abändern. -Allerdings dürften sie nicht ohne triftige Gründe abgeändert werden, -aber an solchen Gründen fehle es in diesem Augenblicke sicherlich nicht. -Eine zerstreute Heerde in eine Hürde und unter einen Schäfer zu bringen, -Steine des Anstoßes vom Pfade des Schwachen zu entfernen, lange -entfremdete Herzen mit einander auszusöhnen, die geistliche Zucht in -ihrer ursprünglichen Kraft wiederherzustellen, der besten und reinsten -der christlichen Gesellschaften eine Basis zu geben, breit genug, um -allen Angriffen der Erde und der Hölle zu widerstehen: dies seien -Zwecke, die wohl einige Modifikationen, nicht der katholischen -Institutionen, aber nationaler oder provincialer Gebräuche -rechtfertigten.[126] - - -Die Hochkirchlichen im Unterhause der Convocation überwiegend. - -Nachdem das Unterhaus diese Rede angehört, schritt es zur Wahl eines -Sprechers. Sharp, der wahrscheinlich von den einer Comprehension -günstigen Mitgliedern als einer der Hochkirchlichsten unter ihnen -vorgeschoben worden war, schlug Tillotson vor. Jane, der sich geweigert -hatte, kraft der königlichen Vollmacht zu handeln, wurde von der andren -Seite vorgeschlagen. Nach einer lebhaften Discussion ward Jane mit -fünfundfünfzig gegen achtundzwanzig Stimmen gewählt.[127] - -Der Wortführer wurde dem Bischof von London förmlich vorgestellt und -hielt nach altem Brauch eine lateinische Rede. In dieser Rede wurde die -anglikanische Kirche als die vollkommenste aller Institutionen gerühmt. -Der Redner deutete sehr verständlich an, daß weder in ihrer Doctrin, -noch in ihrer Disciplin, noch in ihrem Ritual eine Abänderung nöthig -sei, und er schloß seinen Vortrag mit einem bedeutungsvollen Satze. Als -Compton einige Monate früher die etwas ungeistliche Rolle eines -Reiterobersten spielte, hatte er in die Fahnen seines Regiments die -wohlbekannten Worte sticken lassen: »^Nolumus leges Angliae mutari^«, -und mit diesen Worten schloß Jane seine Rede.[128] - -Die Niederkirchlichen gaben indeß noch nicht alle Hoffnung auf. Sie -beschlossen wohlweislich, mit dem Vorschlage zu beginnen, daß Kapitel -aus den kanonischen Büchern an die Stelle der aus den Apokryphen -entnommenen zum Vorlesen beim Gottesdienste bestimmt werden sollten. Man -sollte meinen, daß dieser Vorschlag, selbst wenn es nicht einen einzigen -Dissenter im Königreiche gegeben hätte, wohl günstig hätte aufgenommen -werden müssen. Denn die Kirche hatte in ihrem sechsten Artikel erklärt, -daß die kanonischen Bücher berechtigt seien, heilige Schriften genannt -und als Richtschnur des Glaubens betrachtet zu werden, die -apokryphischen Bücher aber nicht. Die Hochkirchlichen aber waren -entschlossen, sich selbst dieser Reform zu widersetzen. Sie fragten in -Flugschriften, welche die Ladentische von Paternoster Row und Little -Britain bedeckten, warum die Landgemeinden des Genusses beraubt werden -sollten, von der Pechkugel, mit welcher Daniel den Drachen erblickte, -und von dem Fische zu hören, dessen Leber einen Geruch verbreitete, vor -welchem der Teufel von Ekbatana bis nach Egypten floh. Und gebe es nicht -Kapitel von der Weisheit des Sohnes Sirach's, welche viel interessanter -und erbaulicher seien als die Genealogien und Namensverzeichnisse, -welche einen großen Theil der Chroniken der jüdischen Könige und der -Erzählung Nehemia's füllten? Kein ernster Geistlicher würde jedoch in -der Kapelle Heinrich's VII. zu behaupten gewagt haben, daß es unmöglich -sei, in vielen hundert vom heiligen Geist eingegebenen Seiten funfzig -oder sechzig Kapitel zu finden, welche erbaulicher wären als irgend -etwas, was aus den Werken der angesehensten nicht inspirirten Moralisten -oder Historiker extrahirt werden könnte. Die Häupter der Majorität -beschlossen daher, einer Debatte auszuweichen, in der sie in eine -unangenehme Alternative hätten versetzt werden müssen. Ihr Plan war, -nicht die Vorschläge der Commissionsmitglieder zu verwerfen, sondern -einer Discussion über dieselben vorzubeugen, und zu dem Ende wurde ein -System der Taktik adoptirt, das sich als erfolgreich erwies. - -Das Gesetz, so wie es seit einer langen Reihe von Jahren interpretirt -worden war, verbot der Convocation, irgend welche kirchliche Verordnung -ohne vorherige Ermächtigung seitens der Krone auch nur in Berathung zu -nehmen. Diese Ermächtigung, mit dem großen Siegel versehen, brachte -Nottingham in aller Form in die Kapelle Heinrich's VII. Zu gleicher Zeit -überreichte er eine Botschaft vom Könige. Seine Majestät ermahnte die -Versammlung, ruhig und vorurtheilsfrei die Vorschläge der Commission zu -prüfen, und erklärte, daß er nur die Ehre und die Vortheile der -protestantischen Religion im allgemeinen und der englischen Kirche im -besonderen im Auge habe.[129] - - -Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Häusern der Convocation. - -Die Bischöfe einigten sich schnell über eine Dankadresse für die -königliche Botschaft und forderten das Unterhaus zum Beitritt auf. Jane -und seine Anhänger erhoben Einwendungen über Einwendungen dagegen. -Zuerst beanspruchten Sie das Recht eine Separatadresse zu überreichen. -Als sie gezwungen wurden, darauf zu verzichten, verweigerten sie ihre -Zustimmung zu irgend einem Ausdrucke, mit welchem gesagt werde, daß die -englische Kirche mit irgend einer andren protestantischen -Glaubensgesellschaft etwas gemein habe. Es wurden Amendements und -Beweisgründe hin und her geschickt, Conferenzen gehalten, bei denen -Burnet für die eine und Jane für die andre Seite die Hauptwortführer -waren, und endlich mit großer Mühe ein Uebereinkommen zu Stande -gebracht, dessen Resultat eine, im Vergleich zu der von den Bischöfen -entworfenen, kalte und unfreundliche Adresse war, welche dem Könige im -Bankethause überreicht wurde. Er verbiß seinen Unmuth, gab eine -freundliche Antwort und sprach die Hoffnung aus, die Versammlung werde -nun endlich zur Berathung der wichtigen Comprehensionsfrage -schreiten.[130] - - -Das Unterhaus der Convocation erweist sich als unlenksam. - -Damit waren jedoch die Führer des Unterhauses nicht einverstanden. -Sobald sie sich wieder in der Kapelle Heinrich's VII. befanden, -veranlaßte einer von ihnen eine Debatte über die eidverweigernden -Bischöfe. Trotz des bedauerlichen Gewissensbedenkens, den diese Prälaten -hegten, seien sie doch gelehrte und heilige Männer, und ihr Rath könne -unter den gegenwärtigen Umständen der Kirche von größtem Nutzen sein. -Das Oberhaus sei in Abwesenheit des Primas und vieler seiner -angesehensten Suffragane kaum ein Oberhaus. Könne nichts geschehen, um -diesen Uebelstand zu beseitigen?[131] Ein andres Mitglied beklagte sich -über einige unlängst erschienene Pamphlets, in denen nicht mit der -gebührenden Achtung von der Convocation gesprochen werde. Die -Versammlung fing Feuer. Sei es nicht empörend, daß dieses ketzerische -und schismatische Zeug in den Straßen öffentlich ausgeboten und in den -Läden von Westminsterhall, hundert Schritt von dem Stuhle des -Wortführers, verkauft werden dürfe? Das Werk der Verstümmelung der -Liturgie und der Verwandlung der Kathedralen in Conventikel könne gewiß -so lange aufgeschoben werden, bis die Synode Maßregeln zum Schutze ihrer -eignen Freiheit und Würde getroffen habe. Es wurde nun darüber -debattirt, wie das Drucken solcher anstößiger Bücher verhindert werden -könne. Einige waren für Klagerhebung, Andere für eine geistliche -Censur.[132] Unter solchen Berathungen verstrich Woche auf Woche. Nicht -ein einziger auf eine Comprehension bezüglicher Vorschlag war auch nur -discutirt worden. Weihnachten rückte heran, und zu dieser Zeit sollten -die Sitzungen unterbrochen werden. Die Bischöfe wünschten, daß während -der Ferien ein Ausschuß beisammen bleibe, um die Geschäfte -vorzubereiten. Das Unterhaus verweigerte seine Einwilligung.[133] Es war -jetzt augenscheinlich, daß dieses Haus sich fest vorgenommen hatte, -nicht einmal einen Theil des von den Königlichen Beauftragten -entworfenen Planes in Berathung zu nehmen. Die Abgeordneten der Diöcesen -waren in schlechterer Stimmung als bei ihrer ersten Ankunft in -Westminster. Viele von ihnen hatten wahrscheinlich noch niemals eine -Woche in der Hauptstadt zugebracht und hatten nicht geahnet, wie groß -der Unterschied zwischen einem Stadtgeistlichen und einem -Landgeistlichen war. Der Anblick des Luxus und der Bequemlichkeiten, -welche die beliebten Prediger der Hauptstadt, genossen, mußte in einem -Vikar aus Lincolnshire oder Caernarvonshire, der gewohnt war, so einfach -wie ein kleiner Farmer zu leben, nothwendig einige wehmüthige -Empfindungen erwecken. Gerade weil der Londoner Klerus durchgehends für -eine Comprehension war, wollten die Vertreter der Landgeistlichkeit -nichts davon wissen.[134] Die Prälaten als Gesammtheit wünschten -aufrichtig, daß den Nonconformisten ein Zugeständniß gemacht werden -möchte. Aber die Prälaten waren durchaus nicht im Stande, die aufsässige -Demokratie zu beugen. Ihre Zahl war gering, einige von ihnen waren dem -Parochialklerus im höchsten Grade zuwider, der Präsident hatte nicht die -volle Autorität eines Primas, und überdies war es ihm gar nicht unlieb, -die Männer, die ihn seiner Meinung nach übel behandelt hatten, in ihren -Plänen behindert und gekränkt zu sehen. - - -Die Convocation prorogirt. - -Man mußte nachgeben. Die Convocation wurde auf sechs Wochen prorogirt. -Nach Verlauf dieser sechs Wochen wurde sie aufs neue prorogirt und viele -Jahre vergingen, ehe sie ihre Thätigkeit wieder beginnen durfte. - -So endete, und zwar für immer, die Hoffnung, daß die englische Kirche -bewogen werden könnte, den Bedenken der Nonconformisten ein Zugeständniß -zu machen. Eine gelehrte und ehrenwerthe Minorität des Priesterstandes -gab diese Hoffnung mit tiefem Bedauern auf. Sehr bald jedoch fanden -selbst Burnet und Tillotson Grund zu glauben, daß ihre Niederlage -thatsächlich ein glückliches Entrinnen war und daß der Sieg ein Unglück -gewesen sein würde. Eine Reform, wie sie zu den Zeiten der Königin -Elisabeth die große Gesammtheit der englischen Protestanten vereinigt -haben würde, würde zu Wilhelm's Zeiten mehr Herzen einander entfremdet -als versöhnt haben. Das Schisma, welches die Eide herbeigeführt hatten, -war bis jetzt noch ohne Bedeutung. Neuerungen wie die von der -Königlichen Commission vorgeschlagenen würden ihm eine gefährliche -Wichtigkeit gegeben haben. Bis jetzt saß ein Laie, mochte er auch das -Verfahren der Convention für unverantwortlich halten und die -Tugendhaftigkeit des eidverweigernden Klerus preisen, nach wie vor unter -der gewohnten Kanzel und kniete an dem gewohnten Altare. Wenn aber in -diesem Augenblicke, während seine Gemüthsstimmung durch das seinen -Lieblingsgeistlichen zugefügte vermeintliche Unrecht gereizt und er -vielleicht in Zweifel war, ob er ihrem Beispiele folgen solle oder -nicht, seine Augen und Ohren durch Aenderungen in dem Gottesdienste, dem -er innig zugethan war, beleidigt worden, wenn die Compositionen der -Doctoren des Jerusalemszimmers an die Stelle der alten Collecten -getreten wären, wenn er Geistliche ohne Chorhemd Kelch und Hostienteller -sitzenden Communicanten hätte darreichen sehen, so würde das Band, das -ihn an die Landeskirche knüpfte, zerrissen sein. Er würde sich in eine -Versammlung von Eidverweigerern begeben haben, wo der Gottesdienst, den -er liebte, ohne Verstümmelungen abgehalten wurde, die neue Secte, welche -für jetzt noch fast ausschließlich aus Priestern bestand, würde bald -durch viele und zahlreiche Gemeinden verstärkt worden sein, und diese -Gemeinden würden eine verhältnißmäßig größere Menge Reicher, Vornehmer -und Gebildeter aufzuweisen gehabt haben, als irgend eine andre -Dissentergemeinde. Die so verstärkten episkopalen Schismatiker würden -dem neuen Könige und seinen Nachfolgern wahrscheinlich eben so furchtbar -gewesen sein, wie die puritanischen Schismatiker es jemals den Fürsten -des Hauses Stuart waren. Es ist eine unbestreitbare und höchst -lehrreiche Thatsache, daß wir die bürgerliche und religiöse Freiheit, -deren wir uns jetzt erfreuen, zum großen Theil der Beharrlichkeit -verdanken, mit der die hochkirchliche Partei in der Convocation von 1689 -sich weigerte, irgend einen Comprehensionsplan auch nur in Berathung zu -nehmen.[135] - ----------- - -[Fußnote 1: Siehe die Verhandlungen der Lords vom 5. Febr. 1688/89 und -mehreren darauffolgenden Tagen; Braddon's Pamphlet betitelt: ^The Earl -of Essex's Memory and Honour Vindicated, 1690^, und die London Gazette -vom 31. Juli und 4. und 7. August 1690, worin Lady Essex und Burnet -öffentlich Braddon widersprachen.] - -[Fußnote 2: Ob die Verurtheilung Lord Russel's, wenn sie nicht -umgestoßen worden wäre, für seinen Sohn ein Hinderniß gewesen sein -würde, ihm im Earlthum Bedford nachzufolgen, ist eine schwer zu -entscheidende Frage. Der alte Earl holte darüber die Gutachten der -größten Juristen der damaligen Zeit ein, die man noch in den Archiven zu -Woburn sehen kann. Bemerkenswerth ist, daß eines dieser Gutachten von -Pemberton herrührt, der bei dem Prozesse den Vorsitz geführt hatte. -Dieser Umstand beweist, daß die Familie ihn keiner Ungerechtigkeit oder -Grausamkeit beschuldigte, und er hatte sich auch in der That so gut -benommen, wie irgend ein andrer Richter sich vor der Revolution in einem -ähnlichen Falle benommen hatte.] - -[Fußnote 3: ^Grey's Debates, March 1688/89.^] - -[Fußnote 4: Die Edicte, welche die Todesurtheile Russell's, Sidney's, -Cornish's und der Alice Lisle umstießen, waren Geheim-Edicte. In die -Gesetzsammlung sind daher nur die Titel derselben aufgenommen, die -Edicte selbst aber findet man in Howell's ^Collection of State Trials^.] - -[Fußnote 5: ^Commons' Journals, June 24. 1689.^] - -[Fußnote 6: Johnson erzählt diese Geschichte selbst in seinem -sonderbaren Pamphlet, betitelt: ^Notes upon the Phoenix Edition of the -Pastoral Letter, 1694^.] - -[Fußnote 7: Einige Nota des Ehrwürdigen Samuel Johnson, der Folioausgabe -seiner 1710 erschienenen Werke vorangestellt.] - -[Fußnote 8: ^Lords' Journals, May 15. 1689.^] - -[Fußnote 9: ^North's Examen, 224.^ North's Zeugniß wird durch mehrere -zeitgenössische Pasquille in Prosa und in Versen bestätigt. Siehe auch -das [Griechisch: eikôn brotoloigou], 1697.] - -[Fußnote 10: Halifax-Manuscript im Britischen Museum.] - -[Fußnote 11: Dedicationsepistel zu Oates' [Griechisch: eikôn basilikê].] - -[Fußnote 12: In einer Ballade aus der damaligen Zeit kommen folgende -Zeilen vor: - - »Kommt her, Ihr Whigs, und leiht mir Eure Ohren, - Habt Ihr nicht, wie der Doctor, sie verloren.« - -Diese Zeilen müssen Mason vorgeschwebt haben, als er das Couplet -schrieb: - - »Merkt auf Ihr Hills, Ihr Johnsons, Scots, Shebbeares, - Hört meinen Ruf, denn mancher unter Euch hat Ohren.«] - -[Fußnote 13: ^North's Examen, 224, 234.^ North spricht von sechshundert -Pfund. Aber ich habe nach der unverschämten Petition, welche Oates -unterm 25. Juli 1689 an die Gemeinen richtete, die größere Summe -angenommen. Siehe die Verhandlungen.] - -[Fußnote 14: Van Citters bedient sich dieses Spottnamens ganz ernsthaft -in seinen Depeschen an die Generalstaaten.] - -[Fußnote 15: ^Lords' Journals, May 30. 1689.^] - -[Fußnote 16: ^Lords' Journals, May 31. 1689; Commons' Journals, Aug. 2.; -North's Examen, 224; Narcissus Luttrell's Diary.^] - -[Fußnote 17: Sir Robert war der ursprüngliche Held der »Rehearsal« und -wurde Bilboa genannt. In die umgearbeitete »Dunciade« setzte Pope die -Zeilen: - - »Und hochgeborner Howard, majestät'scher Sire. - Ergänzt den Chorus mit den Narr'n von Stande.« - -Pope's hochgeborner Howard war Eduard Howard, der Autor der ^British -Princes^.] - -[Fußnote 18: ^Key to the Rehearsal; Shadwell's Sullen Lovers; Pepys May -5., 8. 1668; Evelyn, Februar 16. 1684/85.^] - -[Fußnote 19: ^Grey's Debates und Commons' Journals, June 4., 11. 1689.^] - -[Fußnote 20: ^Lords' Journals, June 6. 1689.^] - -[Fußnote 21: ^Commons' Journals, August 2. 1689^; die außerordentlichen -holländischen Gesandten an die Generalstaaten vom 30. Juli (9. August).] - -[Fußnote 22: ^Lords' Journals, July 30. 1689; Narcissus Luttrell's -Diary; Clarendon's Diary, July 31. 1689.^] - -[Fußnote 23: ^Commons' Journals, July 31., August 13. 1689.^] - -[Fußnote 24: ^Commons' Journals, August 20.^] - -[Fußnote 25: Oldmixon klagt die Jakobiten, Burnet die Republikaner an. -Obwohl Burnet regen Antheil an der Discussion dieser Frage nahm, so ist -doch sein Bericht über die dabei stattgehabten Vorgänge sehr ungenau. Er -sagt, die Klausel sei von den Gemeinen lebhaft debattirt worden und -Hampden habe nachdrücklich für dieselbe gesprochen. Wir erfahren aber -aus den Protokollen (19. Juni 1689), daß sie ^nemine contradicente^ -verworfen wurde. Die holländischen Gesandten bezeichnen sie als »^een -propositie 'twelck geen ingressie schynt te sullen vinden.^«] - -[Fußnote 26: ^London Gazette, August 1. 1689; Narcissus Luttrell's -Diary.^] - -[Fußnote 27: Die Geschichte dieser Bill findet man in den Protokollen -der beiden Häuser und in Grey's ^Debates^.] - -[Fußnote 28: Siehe ^Grey's Debates^ und die ^Commons' Journals^ vom März -bis Juli. Die zwölf Kategorien findet man in den Protokollen vom 23. und -29. Mai und vom 8. Juni.] - -[Fußnote 29: Halifax-Manuscript im Britischen Museum.] - -[Fußnote 30: ^The Life and Death of George Lord Jeffreys^; Finch's Rede -in Grey's ^Debates^, 1. März 1688/89.] - -[Fußnote 31: Siehe unter vielen anderen Schriften ^Jeffreys's Elegy; -Letter to the Lord Chancellor exposing to him the sentiments of the -people; Elegy of Dangerfield; Dangerfield's Ghost to Jeffreys; Humble -Petition of Widows and fatherless Children in the West; The Lord -Chancellors Discovery and Confession made in the time of his sickness in -the Tower; Hickeringill's Ceremonymonger;^ ein Flugblatt betitelt: »^O -rare show! O rare sight! O strange monster! The like not in Europe! To -be seen near Tower Hill, a few doors beyond the Lion's den.^«] - -[Fußnote 32: ^Life and Death of George Lord Jeffreys.^] - -[Fußnote 33: Tutchin erzählt dies selbst in den ^Bloody Assizes^.] - -[Fußnote 34: Siehe die Biographie des Erzbischofs Sharp von seinem -Sohne. Was zwischen Scott und Jeffreys vorging, erzählte Ersterer Sir -Joseph Jockyl. Siehe auch Tindal's Geschichte und Echard III. 932. -Echard's Berichterstatter, der nicht genannt ist, der aber gute -Gelegenheit gehabt zu haben scheint, die Wahrheit zu erfahren, sagte, -Jeffreys sei nicht, wie man allgemein glaube, an den Folgen der -Trunksucht, sondern am Stein gestorben. Diese Meinungsverschiedenheit -ist von geringer Bedeutung. Soviel ist gewiß, daß Jeffreys sehr unmäßig -war, und seine Krankheit war eine von denjenigen, welche durch -Unmäßigkeit notorisch verschlimmert werden.] - -[Fußnote 35: Siehe ^A Full and True Account of the Death of George Lord -Jeffreys, licensed on the day of his death^. Der erbärmliche Le Noble -wurde nicht müde zu wiederholen, Jeffreys sei durch den Usurpator -vergiftet worden. Ich will eine kurze Stelle als Probe von den -Verleumdungen anführen, deren Gegenstand König Wilhelm war. »^Il -envoya,^« sagt Pasquin, »^ce fin ragoût de champignons au Chancelier -Jeffreys, prisonnier dans la Tour, qui les trouva du même goust et du -même assaisonnement que furent les derniers dont Agrippine regala le -bonhomme Claudius, son époux, et que Néron appella depuis la viande des -Dieux.^« Marforio fragt: »^Le Chancelier est donc mort dans la Tour?^« -Pasquin antwortet: »^Il estoit trop fidèle à son Roi légitime et trop -habile dans les loix du royaume, pour échapper à l'Usurpateur qu'il ne -vouloit point reconnoistre. Guillemot prit soin de faire publier que ce -malheureux prisonnier estoit attaqué d'une fièvre maligne: mais, à -parler franchement, il vivroit peutestre encore, s'il n'avoit rien mangé -que de la main de ses anciens cuisiniers.^« -- ^Le Festin de Guillemot, -1689.^ Dangeau (7. Mai) erwähnt eines Gerüchts, daß Jeffreys sich selbst -vergiftet habe.] - -[Fußnote 36: ^Grey's Debates, June 12. 1689.^] - -[Fußnote 37: Siehe ^Commons' Journals^ und ^Grey's Debates, June 1., 3., -4. 1689; Life of William 1704.^] - -[Fußnote 38: ^Burnet MS. Harl. 6584^; Avaux an de Croissy, 16. (26.) -Juni 1689.] - -[Fußnote 39: Bezüglich der Protokolle des Geheimen Raths siehe die -^Commons' Journals^ vom 22. und 28. Juni und vom 3., 5., 13. und 16. -Juli.] - -[Fußnote 40: Der Brief von Halifax an Lady Russell ist vom 23. Juli -1689, etwa vierzehn Tage nach dem Angriffe auf ihn bei den Lords und -etwa acht Tage vor dem Angriffe bei den Gemeinen, datirt.] - -[Fußnote 41: Siehe die ^Lords' Journals^ vom 10. Juli 1689 und einen -Brief aus London vom 11. (21.) Juli, den Croissy an Avaux sendete. Don -Pedro de Ronquillo erwähnt des Angriffs der whiggistischen Lords auf -Halifax in einer Depesche, deren Datum ich nicht angeben kann.] - -[Fußnote 42: Dies geschah Sonnabend den 3. August. Da die Abstimmung im -Comité stattfand, sind die Zahlen nicht in die Protokolle aufgenommen. -Clarendon sagt in seinem Tagebuche, die Majorität habe elf Stimmen -betragen. Aber Narcissus Luttrell, Oldmixon und Tindal geben sie -übereinstimmend auf vierzehn an. Der größte Theil des Wenigen was ich -über diese Debatte gefunden habe, ist in einer Depesche von Don Pedro de -Ronquillo enthalten. »^Se resolvio,^« sagt er, »^que el sabado, en -comity de toda la casa, se tratasse del estado de la nation para -representarle al Rey. Emperose por acusar al Marques de Olifax; y -reconociendo sus emulos que no tenian partido bastante, quisieron -remitir para otro dia esta motion: pero el Conde de Elan, primogenito -del Marques de Olifax, miembro de la casa, les dijo que su padre no era -hombre para andar peloteando con el, y que se tubiesse culpa lo acabasen -de castigar, que el no havia menester estar en la corte para portarse -conforme á su estado, pues Dios le havia dado abundamente para poderlo -hazer; con que por pluralidad de voces vencio su partido.^« Ich -vermuthe, daß Lord Eland auf die Armuth einiger von den Feinden seines -Vaters und auf die Habgier anderer anspielen wollte.] - -[Fußnote 43: Diese Veränderung in der Stimmung, welche unmittelbar auf -die Debatte über den Antrag auf Halifax' Entlassung folgte, wird von -Ronquillo erwähnt.] - -[Fußnote 44: Ueber Ruvigny siehe Sir Simon's Memoiren vom Jahre 1697 und -Burnet I. 366. Einige interessante Angaben über Ruvigny und über die -hugenottischen Regimenter findet man auch in einer Erzählung aus der -Feder eines französischen Refugiés Namens Dumont. Diese Erzählung, ein -Manuscript, das ich bei Gelegenheit als das Dumont-Manuscript citiren -werde, wurde mir vom Dechanten von Ossory freundlichst geliehen.] - -[Fußnote 45: Siehe das ^Abrègé de la Vie de Fréderic Duc de Schomberg^, -von Lunancy, 1690, die Memoiren des Grafen Dohna und die Anmerkung St. -Simon's zu Dangeau's Journal, 30. Juli 1690.] - -[Fußnote 46: Siehe die Protokolle der Gemeinen vom 16. Juli 1689 und vom -1. Juli 1814.] - -[Fußnote 47: Protokolle der Lords, und der Gemeinen vom 20. August 1689; -London Gazette vom 22. August.] - -[Fußnote 48: »^J'estois d'avis qu', après que la descente seroit faite, -si on apprenoit que des Protestans se fussent soulevez en quelques -endroits du royaume, on fit main basse sur tous généralement.^« -- -Avaux, 31. Juli (10. Aug.) 1689.] - -[Fußnote 49: »^Le Roy d'Angleterre m'avoit écouté assez paisiblement la -première fois que je luy avois proposé ce qu'il avoit à faire contre les -Protestans.^« -- Avaux, 4. (14.) Aug.] - -[Fußnote 50: Avaux, 4. (14.) Aug. Er schreibt: »^Je m'imnagine qu'il est -persuadé que, quoiqu'il ne donne point d'ordre sur cela, la plupart des -Catholiques de la campagne se jetteront sur les Protestans.^«] - -[Fußnote 51: Ludwig tadelte unterm 22. Aug. (6. Sept.) Avaux, obwohl -viel zu mild, wegen seines Vorschlags, die ganze protestantische -Bevölkerung von Leinster, Connaught und Munster niederzumetzeln. »^Je -n'approuve pas cependant la proposition que vous faites de faire main -basse sur tous les Protestans du royaume, du moment qu', en quelque -endroit que ce soit, ils se seront soulevez: et, outre que la punition -d'une infinité d'innocens pour peu de coupables ne seroit pas juste, -d'ailleurs les represailles contre les Catholiques seroient d'autant -plus dangereuses, que les premiers se trouveront mieux armez et soutenus -de toutes les forces d'Angleterre.^«.] - -[Fußnote 52: Ronquillo drückt unterm 9. (19.) Aug., wo er von der -Belagerung von Londonderry spricht, sein Erstaunen aus, »^que una plaza -sin fortificazion y sin gentes de guerra aya hecho una defensa tan -gloriosa, y que los sitiadores al contrario ayan sido tan poltrones.^«] - -[Fußnote 53: Diese Angaben über die irische Armee sind aus zahlreichen -Briefen von Avaux an Ludwig und an dessen Minister zusammengestellt. Ich -will einige der interessantesten Stellen anführen. »^Les plus beaux -hommes,^« sagt Avaux von den Irländern, »^qu'on peut voir. Il n'y en a -presque point au dessous de cinq pieds cinq à six pouces.^« Der -französische Fuß ist bekanntlich länger als der unsrige. »^Ils sont très -bien faits: mais ils ne sont ny disciplinez ny armez, et de surplus sont -de grands voleurs.« -- »La plupart de ces régimens sont levez par des -gentilhommes qui n'ont jamais esté à l'armée. Ce sont des tailleurs, des -bouchers, des cordonniers, qui ont formé les compagnies et qui en sont -les Capitaines.« -- »Jamais troupes n'ont marché comme font celles-cy. -Ils vont comme des bandits, et pillent tout ce qu'ils trouvent en -chemin.« -- »Quoiqu'il soit vrai que les soldats paroissent fort résolus -à bien faire, et qu'ils soient fort animez contre les rebelles, -néantmoins il ne suffit pas de cela pour combattre ... Les officiers -subalternes sont mauvais, et, à la reserve d'un très petit nombre, il -n'y en a point qui ayt soin des soldats, des armes, et de la -discipline.« -- »On a beaucoup plus de confiance en la cavalerie, dont -la plus grande partie est assez bonne.^« -- Einige Reiterregimenter lobt -Avaux ganz besonders. Von zweien derselben sagt er: »^On ne peut voir de -meilleur régiment.^« Die Richtigkeit des Urtheils, das er sich über die -Infanterie wie über die Cavallerie gebildet, zeigte sich nach seiner -Abreise deutlich am Boyne.] - -[Fußnote 54: Ich will ein Paar Stellen aus den damals von Avaux -geschriebenen Depeschen anführen. Unterm 7. (17.) September schreibt er: -»^De quelque costé qu'on se tournât, on ne pouvoit rien prevoir que de -désagréable. Mais dans cette extrémité chacun s'est évertué. Les -officiers ont fait leur recrues avec beaucoup de diligence.^« Drei Tage -später sagt er: »^Il y a quinze jours que nous n'espérions guère de -pouvoir mettre les choses en si bon estat: mais my Lord Tyrconnel et -tous les Irlandais ont travaillé avec tant d'empressement qu'on s'est -mis en estat de deffense.^«] - -[Fußnote 55: Avaux, 20. (30. Aug.), 25. Aug. (4. Sept.), 26. Aug. (5. -Sept.); ^Life of James II. 373^; Melfort's Selbstvertheidigung unter den -^Nairne Papers^. Avaux sagt: »^Il pourra partir ce soir à la nuit: car -je vois biens qu'il apprehende qu'il ne sera pas sur pour luy de partir -en plein jour.^«] - -[Fußnote 56: ^Story's Impartial History of the Wars of Ireland, 1693; -Life of James, II. 374.^; Avaux, 7. (17.) Sept. 1689; ^Nihell's -Journal^, gedruckt 1689 und neu herausgegeben von Macpherson.] - -[Fußnote 57: ^Story's Impartial History.^] - -[Fußnote 58: ^Story's Impartial History.^] - -[Fußnote 59: Avaux, 10. (20.) Sept. 1689; ^Story's Impartial History; -Life of James, II. 377. 387. Orig. Mem.^ Story und Jakob schätzen die -irische Armee übereinstimmend auf etwa zwanzigtausend Mann. Siehe auch -Dangeau, 28. Oct. 1689.] - -[Fußnote 60: ^Life of James, II. 377, 378. Orig. Mem.^] - -[Fußnote 61: Siehe ^Grey's Debates^, Nov. 26., 27., 28. 1689 und den -^Dialogue between a Lord Lieutenant and one of his deputies, 1692.^] - -[Fußnote 62: ^Nihill's Journal^. Ein französischer Offizier sagt in -einem bald nach Schomberg's Landung an Avaux geschriebenen Briefe: »^Les -Huguenots font plus de mal que les Anglois, et tuent force Catholiques -pour avoir fait résistance.^«] - -[Fußnote 63: Story; Erzählung, welche Avaux unterm 26. Nov. (6. Dec.) -1689 Seignelay übersandte; London Gazette vom 14. Oct. 1689. Merkwürdig -ist es, daß, obgleich Dumont sich im Lager bei Dundalk befand, in seinem -Manuscripte von der Verschwörung unter den Franzosen nichts erwähnt -ist.] - -[Fußnote 64: ^Story's Impartial History^; Dumont-Manuscript. Die -Gottlosigkeit und Unsittlichkeit, welche während der Krankheit im Lager -herrschten, werden in vielen damaligen Pamphlets in Versen wie in Prosa -erwähnt. Man sehe insbesondere eine Satyre betitelt: ^Reformation of -Manners^, Theil II.] - -[Fußnote 65: ^Story's Impartial History.^] - -[Fußnote 66: Avaux, 11. (21.) Oct., 14. (24.) Nov. 1689; ^Story's -Impartial History; Life of James, II. 382, 383. Orig. Mem.; Nihell's -Journal.^] - -[Fußnote 67: ^Story's Impartial History^; Schomberg's Depeschen; -^Nihell's Journal^ und ^Life of James; Burnet II. 20.^; Dangeau's -Tagebuch während dieses Herbstes; die Erzählung, welche Avaux an -Seignelay einsandte, und das Dumont-Manuscript. Die Lügen der London -Gazette sind haarsträubend. Während des ganzen Herbstes sollen die -Truppen beständig in guter Verfassung gewesen sein. In dem albernen -Drama, betitelt: ^The Royal Voyage^, welches zur Belustigung des -Londoner Pöbels im Jahre 1689 aufgeführt wurde, werden die Irländer -dargestellt, wie sie einige von den kranken Engländern angreifen. Die -Engländer schlagen die Angreifenden in die Flucht und fallen dann todt -nieder.] - -[Fußnote 68: Siehe seine Depeschen im Anhange zu Dalrymple's Memoiren.] - -[Fußnote 69: London Gazette vom 20. Mai 1689.] - -[Fußnote 70: Bleib' in der Stadt. -- D. Uebers.] - -[Fußnote 71: ^Commons' Journals, Nov. 13. 23. 1689; Grey's Debates, Nov. -13. 14. 18. 23. 1689.^ Siehe unter vielen Schmähschriften die ^Parable -of the Bearbaiting; Reformation of Manners, a Satire; The Mock Mourners, -a Satire.^ Außerdem auch ^Pepys's Diary, Kept at Tangier, Oct. 15. -1683.^] - -[Fußnote 72: Die beste Uebersicht über diese Verhandlungen findet man in -Wagenaar, 61. Er hat die Witsen'schen Papiere zur Hand gehabt und -denselben zahlreiche Citate entnommen. Witsen war es, der in heftiger -Bewegung unterschrieb, »^zo als,^« sagt er, »^myne beevende hand -getuigen kan.^« Die Verträge findet man in Dumont's ^Corps -Diplomatique^. Sie wurden im August 1689 unterzeichnet.] - -[Fußnote 73: Der Vertrag zwischen dem Kaiser und den Generalstaaten ist -vom 12. Mai 1689 datirt. Er befindet sich in Dumont's ^Corps -Diplomatique^.] - -[Fußnote 74: Siehe die Depesche Waldeck's in der London Gazette vom 26. -Aug. 1689. ^Historical Records of the First Regiment of Foot;^ Dangeau, -28. Aug.; Monthly Mercury, September 1689.] - -[Fußnote 75: Siehe den ^Dear Bargain^, ein im Jahr 1690 heimlich -gedrucktes jakobitisches Pamphlet. »Ich habe keine Geduld mehr,« sagt -der Verfasser, »nach diesem Schurken (Marlborough) noch einen andren zu -erwähnen. Alle sind im Vergleich zu ihm unschuldig, selbst Kirke.«] - -[Fußnote 76: Siehe den Monthly Mercury vom September 1689 und von den -vier folgenden Monaten; auch Welwood's ^Mercurius Reformatus^ vom 18., -25. Sept. und 8. Oct. 1689. Melfort's Instructionen und seine -Denkschriften für den Papst und den Cardinal von Este finden sich in den -^Nairne Papers^; einige Auszüge hat Macpherson abgedruckt.] - -[Fußnote 77: Siehe die Antwort eines Eidverweigerers auf die -Aufforderung des Bischofs von Sarum im Anhange zu ^The Life of -Kettlewell^. Unter den Tanner'schen Manuscripten in der Bodlejanischen -Bibliothek befindet sich ein Aufsatz, den ich anzuführen wage, da -Sancroft ihn der Aufbewahrung werth gehalten hat. Der Verfasser, ein -entschiedener Eidverweigerer, sagt, nachdem er durch allerhand leere -Ausflüchte den von einem fügsameren Geistlichen aus der Praxis der -primitiven Kirche entlehnten Argumente auszuweichen versucht hat: -»Angenommen die ersten Christen hätten fortwährend, seit den Zeiten der -Apostel, ihre früheren Fürsten geleisteten Eide so wenig beachtet, als -er behauptet, wird er deshalb sagen wollen, daß ihre Verfahrungsweise -als Regel gelten müsse? Leute von übrigens sehr orthodoxen Grundsätzen -haben Böses gethan und allgemein dazu aufgemuntert.« Die aus der Praxis -der ersten Christen hergeleitete Beweisführung ist sehr gut -zusammengestellt in einer Schrift, betitelt: ^The Doctrine of -Non-resistance or Passive Obedience No Way concerned in the -Controversies now depending between die Williamites and the Jacobites, -by a Lay Gentleman of the Communion of the Church of England, as by Law -establish'd, 1689.^] - -[Fußnote 78: Eine der unterwürfigsten Adressen, welche je eine -Convocation votirt hat, war eine an Richard III. gerichtete. Sie findet -sich in Wilkin's ^Concilia^. Dryden stellt in seinem schönen -^Rifacimento^, einer der schönsten Stellen seiner ^Canterbury Tales^, -den »guten Pfarrer« dar, wie er lieber seine Pfründe aufgiebt als den -Herzog von Lancaster als König von England anerkennt. Für diese -Darstellung findet sich weder in Chaucer's Gedicht noch anderswo ein -Rechtfertigungsgrund. Dryden wollte etwas schreiben, was die -Geistlichen, welche die Eide geleistet hatten, verdroß und deshalb -dichtete er einem katholischen Priester des 14. Jahrhunderts einen -Aberglauben an, der erst bei den anglikanischen Priestern des 17. -Jahrhunderts entstanden ist.] - -[Fußnote 79: Siehe die Vertheidigung des Bekenntnisses, welches der -Ehrwürdige Vater in Gott, Johann Lake, Lord Bischof von Chichester, in -Bezug auf den passiven Gehorsam und die neuen Eide auf seinem Sterbebett -abgab. 1690.] - -[Fußnote 80: ^London Gazette, June 30. 1689. Narcissus Luttrell's -Diary.^ »Die ausgezeichnetsten Männer,« sagt Luttrell.] - -[Fußnote 81: Siehe in Kettlewell's Leben, III. 72., den Widerruf, den er -für einen Geistlichen aufgesetzt hatte, welcher die Eide geleistet hatte -und es nachher bereuete.] - -[Fußnote 82: Siehe den Bericht über Dr. Dove's Verhalten in Clarendon's -^Diary^, und den Bericht über Dr. Marsh's Verhalten in Kettlewell's -Leben.] - -[Fußnote 83: ^The Anatomy of a Jacobite Tory, 1690.^] - -[Fußnote 84: ^Dialogue between a Whig and a Tory.^] - -[Fußnote 85: ^Narcissus Luttrell's Diary, Nov. 1691, Feb. 1692.^] - -[Fußnote 86: ^Life of Kettlewell III. 4.^] - -[Fußnote 87: Siehe Turner's Brief an Sancroft vom Himmelfahrtstage 1689. -Das Original befindet sich unter den Tannerschen Manuscripten in der -Bodlejanischen Bibliothek. Der Brief ist jedoch nebst vielen andrem -interessanten Material in dem unlängst erschienenen ^Life of Ken, by a -Layman^, abgedruckt. Siehe auch ^The Life of Kettlewell, III. 95.^ und -Ken's Brief an Burnet vom 5. October 1689 in Hawkin's ^Life of Ken^. -»Ich bin überzeugt,« schrieb Lady Russel an Dr. Fitzwilliam, »daß der -Bischof von Bath und Wells Andere dazu aufmunterte, sich zu fügen; -während er selbst es nicht über sich gewinnen konnte, freute er sich, -wenn Andere es thaten.« Ken erklärte, daß er Niemandem gerathen, die -Eide zu leisten, und Diejenigen, welche seinen Rath erbaten, auf ihre -eigenen Studien und Gebete verwiesen habe. Man wird finden, daß Lady -Russell's Behauptung und Ken's Verwahrung ziemlich auf Eins hinaus -laufen, wenn man diejenigen Rücksichten nimmt, welche selbst bei -Beurtheilung der Aussagen der wahrheitliebendsten Zeugen auf Stellung -und Gesinnung genommen werden müssen. Nachdem Ken sich endlich -entschlossen hatte, auf Seite der Eidverweigerer zu treten, versuchte er -es natürlich, seine Consequenz in so weit zu rechtfertigen, als er dies -ehrenhafterweise konnte, und Lady Russel, welche ihren Freund zur -Leistung der Eide bewegen wollte, legte natürlich auf seine Geneigtheit, -sich zu fügen, soviel Gewicht als sie dies ehrenhafterweise thun durfte. -Sie ging indeß zu weit, indem sie das Wort »aufmunterte« ^(excited)^ -brauchte. Auf der andren Seite ist es klar, daß Ken, indem er -Diejenigen, die ihn um Rath fragten, auf ihre eigenen Studien und Gebete -verwies, ihnen zu verstehen geben wollte, daß seiner Ansicht nach die -Eidesleistung Denen gestattet sei, die sie nach reiflicher Erwägung als -statthaft erkannten. Hatten ihn die Leute gefragt, ob es ihnen gestattet -sei, einen Meineid zu schwören oder Ehebruch zu begehen, so würde er -ihnen gewiß nicht geantwortet haben, daß sie die Sache reiflich erwägen -und die göttliche Entscheidung erflehen, sondern daß sie bei Gefahr -ihres Seelenheils davon abstehen sollten.] - -[Fußnote 88: Siehe das Gespräch vom 9. Juni 1784 in Boswell's ^Life of -Johnson^, und die Anmerkung. Boswell ist mit seiner gewohnten -Verkehrtheit Überzeugt, daß Johnson nicht daran gedacht haben könne, -»daß die wegen ihres hochherzigen Widerstandes gegen Willkürgewalt mit -Recht so hoch gefeierten sieben Bischöfe, dennoch Eidverweigerer waren.« -Nur fünf von den Sieben waren Eidverweigerer, und jeder Andre als -Boswell würde gewußt haben, daß man sich der Willkürgewalt widersetzen -und dabei doch kein guter Logiker sein kann. Der Widerstand, den -Sancroft und die anderen nichtschwörenden Bischöfe der Willkürgewalt -entgegensetzten, während sie nach wie vor an der Lehre vom -Nichtwiderstande festhielten, ist gerade der entscheidendste Beweis, daß -sie unfähig waren, zu raisonniren. Man darf nicht vergessen, daß sie -bereit waren, die ganze königliche Macht Jakob zu entziehen und auf -Wilhelm mit dem Titel eines Regenten zu übertragen. Ihr Skrupel hatte -nur das Wort König zum Gegenstande. - -Ich bin erstaunt, daß Johnson Wilhelm Law für keinen Logiker erklärte. -Law verfiel allerdings in große Irrthümer, aber es waren Irrthümer, -gegen welche die Logik keinen Schutz gewährt. In rein dialektischer -Gewandtheit übertrafen ihn sehr Wenige. Daß er mehr als einmal über -Hoadley den Sieg davon trug, wird kein aufrichtiger Whig leugnen. Doch -Law gehört nicht der Generation an, mit der ich es jetzt zu thun habe.] - -[Fußnote 89: Ware's ^History of the Writers of Ireland^, fortgesetzt von -Harris.] - -[Fußnote 90: ^Letter to a member of the Convention 1689.^] - -[Fußnote 91: ^Johnson's Notes on the Phoenix Edition of Burnet's -Pastoral Letter, 1692.^] - -[Fußnote 92: Das beste Urtheil über Hickes' Character kann man sich aus -seinen zahlreichen polemischen Schriften bilden, besonders aus seinem -^Jovian^, geschrieben 1684, seinem ^Thebaean Legion no Fable^, -geschrieben 1687, aber erst 1714 erschienen, und seinen Abhandlungen -über Dr. Burnet und Dr. Tillotson, 1695. Sein literarischer Ruhm gründet -sich auf Werke ganz andrer Art.] - -[Fußnote 93: Collier's Abhandlungen über die Bühne sind im Ganzen -genommen seine besten Geistesproducte. Doch auch in seinen politischen -Flugschriften findet sich viel Treffendes. Seine »^Persuasive to -Consideration, tendered to the Royalists, particularly those of the -Church of England^« scheint mir eines der besten Erzeugnisse der -jakobitischen Presse.] - -[Fußnote 94: Siehe Brokesby's ^Life of Dodwell^. Ich muß bemerken, daß -ich die Abhandlung gegen gemischte Ehen nur aus Brokesby's ausführlichem -Extract kenne. Diese Abhandlung ist sehr selten. Sie wurde ursprünglich -als Vorrede zu einer von Leslie gehaltenen Predigt gedruckt. Als Leslie -seine Werke sammelte, ließ er die Abhandlung weg, wahrscheinlich weil er -sich derselben schämte. Die Abhandlung über die Statthaftigkeit der -Instrumentalmusik habe ich gelesen, und sie ist unglaublich absurd.] - -[Fußnote 95: Dodwell sagt uns, daß der Titel des Werkes, in welchem er -zuerst diese Theorie aufstellte, mit großer Sorgfalt und Präcision -abgefaßt worden sei. Ich will daher die Titelseite hier anführen: »^An -Epistolary Discourse proving from Scripture and the First Fathers, that -the Soul is naturally Mortal, but Immortalized actually by the Pleasure -of God to Punishment or to Reward, by its Union with the Divine -Baptismal Spirit wherein is proved that none have the Power of giving -this Divine Immortalizing Spirit since the Apostles but only the -Bishops. By H. Dodwell.^« Dr. Clarke sagt in einem Briefe an Dodwell -(1706) daß dieser ^Epistolary Discourse^ ein Buch sei, »das alle guten -Menschen betrübe und alle profanen Menschen erfreue.«] - -[Fußnote 96: Siehe Leslie's ^Rehearsals, No. 286, 287.^] - -[Fußnote 97: Siehe seine Werke und seine höchst interessante Biographie, -welche aus den Papieren seiner Freunde Hickes und Nelson -zusammengetragen worden ist.] - -[Fußnote 98: Siehe Fitzwilliam's Korrespondenz mit Lady Russell und -seine Zeugenaussage in Ashton's Prozesse in den ^State Trials^. Das -einzige Werk, welches Fitzwilliam, soweit ich es habe entdecken können, -je veröffentlichte, war eine Predigt über das Ryehousecomplot, die er -einige Wochen nach Russell's Hinrichtung gehalten. Es kommen in dieser -Predigt einige Stellen vor, bei denen ich mich ein wenig wundern muß, -daß die Wittwe und die Familie Russell's sie verzeihen konnten.] - -[Fußnote 99: Cyprian spricht in einer seiner Episteln folgendermaßen zu -den Bekennern: »^Quosdam audio inficere numerum vestrum, et laudem -praecipui nominis prava sua conversatione destruere ... Cum quanto -nominis vestri pudore delinquitur quando alius aliquis temulentus et -lasciviens demoratur; alius in eam patriam unde extorris est regreditur, -ut deprehensus non jam quasi Christianus, sed quasi nocens pereat.^« In -dem Buche: ^De Unitate Ecclesiae^ führt er eine noch stärkere Sprache: -»^Neque enim confessio immunem facit ab insidiis diaboli, aut contra -tentationes et pericula et incursus atque impetus saeculares adhuc in -saeculo positum perpetua securitate defendit; caeterum nunquam in -confessoribus fraudes et stupra et adulteria postmodum videremus, quae -nunc in quibusdam videntes ingemiscimus et dolemus.^«] - -[Fußnote 100: Viele interessante Mittheilungen über die Eidverweigerer -findet man in den ^Biographical Memoirs^ des Buchdruckers Wilhelm -Bowyer, welche den ersten Band von Nichols' ^Literary Anecdotes of the -Eighteenth Century^ bilden. Eine Probe von Wagstaffe's Recepten befindet -sich in der Bodlejanischen Bibliothek.] - -[Fußnote 101: Cibber's Stück, so wie er es schrieb, verlor seine -Popularität, als die Jakobiten aufhörten mächtig zu sein, und ist jetzt -nur nach den Forschern bekannt. Im Jahre 1768 arbeitete Bickerstaffe es -zu dem »Heuchler« um und setzte an die Stelle des Eidverweigerers Dr. -Wolff den Methodisten Dr. Cantwell. »Ich halte den Character des -Heuchlers,« sagt Johnson, »nicht für ganz passend auf die Methodisten; -auf die Eidverweigerer aber paßte er sehr gut.« Boswell fragte ihn, ob -es wahr sei, daß die eidverweigernden Geistlichen mit den Frauen ihrer -Gönner intriguirten. »Ich fürchte sehr,« antwortete Johnson, »daß viele -von ihnen es getan haben.« Dieses Gespräch fand am 27. März 1775 statt. -Aber nicht nur in gleichgültiger Unterhaltung sprach Johnson eine -ungünstige Meinung über die Eidverweigerer aus. In seiner Biographie -Fenton's, der ein Eidverweigerer war, kommen die bedeutsamen Worte vor: -»Ich muß daran erinnern, daß er seinen Namen unbefleckt erhielt und sich -niemals, wie nur zu Viele von der nämlichen Klasse, zu gemeinen Ränken -und ehrlosen Kunstgriffen erniedrigte.« Siehe ^The Character of a -Jacobite, 1690.^ Selbst in Kettlewell's Biographie, aus den Papieren -seiner Freunde Hickes und Nelson zusammengetragen, findet man -Einräumungen, welche beweisen, daß sehr bald nach dem Schisma einige der -eidverweigernden Geistlichen in Gewohnheiten des Müßigganges, der -Abhängigkeit und des Bettelns verfielen, welche den ganzen Stand in -Mißcredit brachten. »Mehrere Unwürdige, welche immer die -zuversichtlichsten sind, schadeten durch ihr Umhertreiben den wahrhaft -Würdigen, denen es die Bescheidenheit nicht zuließ für sich zu bitten -... Mr. Kettlewell empfand es ebenfalls schmerzlich, daß manche von -seinen Collegen viel zu viel Zeit an Vergnügungs- und Unterhaltungsorten -zubrachten, und sich wegen ihres Fortkommens auf Diejenigen verließen, -deren Bekanntschaft sie dort machten.«] - -[Fußnote 102: ^Reresby's Memoirs 344.^] - -[Fußnote 103: ^Birch's Life of Tillotson.^] - -[Fußnote 104: Siehe den ^Discourse concerning the Ecclesiastical -Commission, 1689.^] - -[Fußnote 105: ^Birch's Life of Tillotson; Life of Prideaux; Gentleman's -Magazine,^ Juni und Juli 1745.] - -[Fußnote 106: ^Diary of the Proceedings of the Commissioners, taken by -Dr. Williams, afterwards Bishop of Chichester, one of the Commissioners, -every night after he went home from the several meetings.^ Dieses höchst -interessante Tagebuch wurde 1854 auf Befehl des Hauses der Gemeinen -gedruckt.] - -[Fußnote 107: ^Williams's Diary.^] - -[Fußnote 108: ^Williams's Diary.^] - -[Fußnote 109: ^Williams's Diary.^] - -[Fußnote 110: Siehe die ^Alterations in the Book of Common Prayer -prepared by the Royal Commissioners for the revision of the Liturgy in -1689, and printed by order of the House of Commons in 1854.^] - -[Fußnote 111: Es läßt sich kaum eine stärkere oder klarere Sprache -denken als die, deren sich das Concil bediente: [Griechisch: Toutôn -toinun anagnôsthentôn, hôrisên hê agia sunodos, heteran pistin mêdeni -exeinai prospherein, êgoun suggraphein, ê suntithenai, para tên -horistheisan para tôn hagiôn paterôn tôn en tê Nikaeôn sunelthontôn sun -hagiô pneumati· tous de tolmôntas ê suntithenai pistin heteran, êgoun -prokomizein, ê prospherein tois ethelousin epistrephein eis epignôsin -tês alêtheias, ê ex Hellênismou, ê ex Ioudaismou, ê ex ahireseôs -ohiasdêpotoun, toutous, ei men eien episkopoi ê klêrikoi, allotrious -einai tous episkopous tês episkopês, kai tous klêrikous tou klêrou, ei -de laikoi eien, anathematizesthai.] ^Concil. Ephes. Actio VI.^] - -[Fußnote 112: ^Williams's Diary; Alterations in the Book of Common -Prayer.^] - -[Fußnote 113: Ich möchte das Erstaunen gesehen haben, in welches die -Großmeister der lateinischen Sprache, die mit Mäcenas und Pollio zu -speisen pflegten, durch das »^Tibi Cherubim et Seraphim incessabili voce -proclamant, Sanctus, Sanctus, Dominus Deus Sabaoth,^« oder durch das -»^Ideo cum angelis et archangelis, cum thronis et dominationibus^« -versetzt worden wären.] - -[Fußnote 114: Ich will zwei Proben von Patrick's Schreibweise anführen. -»Er macht mich niederlegen auf einer grünen Aue,« sagt David, »und -führet mich zu den stillen Wassern.« Patrick's Version lautet: »Denn wie -ein guter Hirt seine Schafe bei heftiger Hitze an schattige Orte führt, -wo sie sich niederlegen und (nicht an verdorrter sondern) an frischer -und grüner Weide laben können, und sie am Abend (nicht zu schlammigen -und aufgerührten, sondern) zu klaren und ruhigen Wassern leitet: so hat -er bereits zweckmäßige und reichliche Vorsorge für mich getroffen, die -ich in Frieden und ohne Störung genieße.« - -Im hohen Liede kommt ein wunderschöner Vers vor: »Ich beschwöre Euch, -Ihr Töchter Jerusalems, findet Ihr meinen Freund, so saget ihm, daß ich -vor Liebe krank liege.« Patrick's Version lautet: »So wendete ich mich -an Diejenigen meiner Nachbarn und vertrauten Bekannten, die durch mein -Geschrei geweckt worden waren und herbeikamen, um zu sehen was es gebe, -und beschwor sie, wie sie es vor Gott verantworten könnten, meinem -Geliebten, wenn sie mit ihm zusammenträfen, mitzutheilen -- Was soll ich -sagen? -- Was sollt Ihr ihm Andres sagen, als daß ich jetzt, da ich -seinen Umgang entbehre, meines Lebens nicht froh werde, daß mir nicht -eher wieder wohl sein wird, als bis ich seine Liebe wieder gewinne.«] - -[Fußnote 115: Wilhelm's Mißfallen an dem Gottesdienste in der Kathedrale -wird von Leslie in ^No. 7.^ des ^Rehearsal^ erwähnt. Siehe auch ^A -Letter from a Member of the House of Commons to his Friend in the -Country 1689,^ und ^Bisset's Modern Fanatic 1710.^] - -[Fußnote 116: Siehe ^Collier's Desertion discussed, 1689.^ Thomas Carte, -der ein Schüler und eine Zeit lang Assistent Collier's war, setzte noch -im Jahre 1747 in eine voluminöse Geschichte eine höchst alberne -Anmerkung, in der er der Welt versicherte, er wisse ganz bestimmt, daß -der Prätendent die Skrophelkrankheit geheilt habe, und ganz ernsthaft -behauptete, die heilende Kraft sei erblich und von der Salbung ganz -unabhängig. Siehe Carte's ^History of England, vol. I. p. 291^.] - -[Fußnote 117: Siehe die Vorrede zu ^A Treatise in Wounds, by Richard -Wiseman, Sergeant Chirurgeon to His Majesty, 1676.^ Den vollständigsten -Nachweis über diesen interessanten Gegenstand aber findet man in der -^Charisma Basilicon, by John Browne, Chirurgeon in ordinary to His -Majesty, 1684.^ Siehe auch ^The Ceremonies used in the Time of King -Henry VII. for the Healing of them that be Diseased with the King's -Evil, published by His Majesty's Command, 1686; Evelyn's Diary, March -28. 1684^ und ^Bishop Cartwright's Diary, Aug. 28, 29, 30. 1687.^ Es ist -unglaublich, daß ein so großer Theil der Bevölkerung wirklich skrophulös -gewesen sein sollte. Ohne Zweifel wurden viele mit leichten und -vorübergehenden Krankheiten behaftete Personen zum Könige gebracht, und -die Genesung dieser Leute hielt den allgemein verbreiteten Glauben an -die Wirksamkeit seiner Berührung aufrecht.] - -[Fußnote 118: Pariser Gazette vom 23. April 1689.] - -[Fußnote 119: Siehe Whiston's ^Life of himself.^ Der gute Whiston, der -an Alles glaubte, nur nicht an die Dreieinigkeit, erzählt uns ganz -ernsthaft, die einzige Person, welche Wilhelm berührt habe, sei trotz -der Ungläubigkeit Sr. Majestät genesen. Siehe auch den ^Athenian -Mercury^ vom 16. Januar 1691.] - -[Fußnote 120: In verschiedenen neueren Schriften ist die Befürchtung, -daß Meinungsverschiedenheiten zwischen der Convocation von York und der -Convocation von Canterbury entstehen könnten, mit Geringschätzung für -chimärisch erklärt worden. Aber es ist schwer zu begreifen, warum es -minder wahrscheinlich sein soll, daß zwei selbstständige Convocationen -von einander abweichen, als zwei Häuser der nämlichen Convocation, und -es ist notorisch, daß unter der Regierung Wilhelm's III. und Anna's die -beiden Häuser der Convocation von Canterbury fast niemals -übereinstimmten.] - -[Fußnote 121: ^Birch's Life of Tillotson; Life of Prideaux.^ Aus -Clarendon's Tagebuche ergiebt sich, daß er und Rochester am 23. Sept. in -Oxford waren.] - -[Fußnote 122: Siehe die Liste in dem historischen Bericht über die -gegenwärtige Convocation im Anhang zur zweiten Ausgabe der ^Vox Cleri, -1690.^ Der bedeutendste Name, den ich in der Liste der von dem -Parochialklerus gewählten Beauftragten finde, ist der des Dr. Mill, des -Herausgebers des griechischen Testaments.] - -[Fußnote 123: Tillotson an Lady Russell, 19. April 1690.] - -[Fußnote 124: ^Birch's Life of Tillotson.^ Was Birch darin über die -Gespanntheit zwischen Compton und Tillotson sagt, hatte er den -Manuscripten Heinrich Wharton's entlehnt, und wird durch viele Umstände -bestätigt, die man aus anderen Quellen kennt.] - -[Fußnote 125: ^Chamberlayne's State of England,^ 18. Ausgabe.] - -[Fußnote 126: ^Concio ad Synodum per Gulielmum Beveregium, 1689.^] - -[Fußnote 127: ^Narcissus Luttrell's Diary; Historical Account of the -present Convocation.^] - -[Fußnote 128: ^Kennet's History, III. 552.^] - -[Fußnote 129: ^Historical Account of the Present Convocation, 1689.^] - -[Fußnote 130: ^Historical Account of the Present Convocation; Burnet II. -58.; Kennet's History of the Reign of William and Mary.^] - -[Fußnote 131: ^Historical Account of the Present Convocation; Kennet's -History.^] - -[Fußnote 132: ^Historical Account of the Present Convocation; Kennet.^] - -[Fußnote 133: ^Historical Account of the Present Convocation.^] - -[Fußnote 134: Daß eine solche Eifersucht, wie ich sie geschildert habe, -wirklich herrschte, bestätigt das Pamphlet betitelt: ^Vox Cleri.^ -»Einige gegenwärtig der Convocation angehörende Landgeistliche sahen -jetzt, in welcher großen Behaglichkeit und Fülle die Stadtgeistlichen -leben, die ihre Lectoren und Hülfsprediger haben, häufig Zuschüsse -bekommen, zuweilen bis zum Schlusse des Gottesdienstes in der Sakristei -zubringen und außer ihren reichen Pfarreien in der Stadt auch noch hohe -kirchliche Würden bekleiden.« Der Verfasser dieser einst weit berühmten -Schrift war Thomas Long, Vertreter des Klerus der Diöcese Exeter. Nach -einer andren damals erschienenen Flugschrift sollen die Landgeistlichen -mit großem Mißvergnügen bemerkt haben, daß ihre Londoner Collegen sich -nach der Predigt mit Sect erfrischten. In mehreren Flugschriften jenes -Winters findet man Anspielungen auf die Fabel von der Stadtmaus und der -Landmaus.] - -[Fußnote 135: ^Burnet II. 33, 34.^ Die besten Darstellungen der Vorgänge -in dieser Convocation geben der der zweiten Ausgabe der ^Vox Cleri^ -angehängte historische Bericht und die Stelle in Kennet's Geschichte, -auf die ich den Leser schon verwiesen habe. Erstere Erzählung ist von -einem eifrigen Hochkirchlichen, letztere von einem eifrigen -Niederkirchlichen. Wer Ausführlicheres darüber erfahren wünscht, muß die -gleichzeitigen Flugschriften nachlesen, unter ihnen besonders folgende: -^Vox Populi; Vox Laici; Vox Regis and Regni; The Healing Attempt; Letter -to a Friend, by Dean Prideaux; Letter from a Minister in the Country to -a Member of the Convocation; Answer to the Merry; Answer to Vox Cleri; -Remarks from the Country upon Two Letters relating to the Convocation; -Vindication of the Letters in answer to Vox Cleri; Answer to the Country -Minister's Letter.^ Alle diese Schriften erschienen Ende 1689 oder -Anfang 1690.] - - Stereotypie und Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig. - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im Original -g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_ -gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt waren, -wurden ^so^ markiert. - -Die variierende Schreibweise und Grammatik der Vorlage wurden weitgehend -beibehalten. Lediglich offensichtliche Fehler wurden berichtigt wie hier -aufgeführt (vorher/nachher): - - [S. XIII.5]: - ... In Schotttland war der Gang der Ereignisse ganz anders. Dort ... - ... In Schottland war der Gang der Ereignisse ganz anders. Dort ... - - [S. XIII.14]: - ... machten, ihnen irgendwie nützlich zu sein. Sie mußen sich - klar ... - ... machten, ihnen irgendwie nützlich zu sein. Sie mußten sich - klar ... - - [S. XIII.20]: - ... Smaragdohringe getragen, welche ihr Vetter, der Prinz, ihr - zum Geschenk ... - ... Smaragdohrringe getragen, welche ihr Vetter, der Prinz, ihr - zum Geschenk ... - - [S. XIII.21]: - ... Ueber das frühere Verhältniß zwischen Wilhelm und Dundee - haben einige Jakobieten ... - ... Ueber das frühere Verhältniß zwischen Wilhelm und Dundee - haben einige Jakobiten ... - - [S. XIII.33]: - ... die Verantwortlichkeit für außerordenliche - Vertheidigungsmittel auf ... - ... die Verantwortlichkeit für außerordentliche - Vertheidigungsmittel auf ... - - [S. XIII.34]: - ... nicht stattgefunden, so ist es wahrscheinlich, daß das - schotttische Gesetz bezüglich ... - ... nicht stattgefunden, so ist es wahrscheinlich, daß das - schottische Gesetz bezüglich ... - - [S. XIII.39]: - ... Ein solcher Mann war Sir Patrik Hume. Er war aus ... - ... Ein solcher Mann war Sir Patrick Hume. Er war aus ... - - [S. XIII.40]: - ... Siehe The Life and Correspondance of Carstairs und die - interessanten ... - ... Siehe The Life and Correspondence of Carstairs und die - interessanten ... - - [S. XIII.57]: - ... »Coll der Kühne« gegeben hatte. Endlich zwangen seine frechen ... - ... »Coll der Kühe« gegeben hatte. Endlich zwangen seine frechen ... - - [S. XIII.60]: - ... Mac Callum More's. Sie lagen nicht im Steit mit ihm, - schuldeten ... - ... Mac Callum More's. Sie lagen nicht im Streit mit ihm, - schuldeten ... - - [S. XIII.71]: - ... Telepraphen, vermittelst dessen sie sich über die Linien der - Schildwachen ... - ... Telegraphen, vermittelst dessen sie sich über die Linien der - Schildwachen ... - - [S. XIII.80]: - ... Mitterweile wurde auf beiden Seiten ein Kleingewehrfeuer - unterhalten, ... - ... Mittlerweile wurde auf beiden Seiten ein Kleingewehrfeuer - unterhalten, ... - - [S. XIII.83]: - ... Einbildungkraft zu einem Heere celtischer Krieger vergrößert. - Einige der ... - ... Einbildungskraft zu einem Heere celtischer Krieger - vergrößert. Einige der ... - - [S. XIII.83]: - ... den Bericht über die Schlache in einem von Burt's Briefen. - Macpherson druckte einen ... - ... den Bericht über die Schlacht in einem von Burt's Briefen. - Macpherson druckte einen ... - - [S. XIV.26]: - ... war indessen eine vorteffliche holländische Brigade unter dem - Commando ... - ... war indessen eine vortreffliche holländische Brigade unter - dem Commando ... - - [S. XIV.26]: - ... waren vier Regimenter, ein Cavalerieregiment und drei - Infanterieregimenter, ... - ... waren vier Regimenter, ein Cavallerieregiment und drei - Infanterieregimenter, ... - - [S. XIV.34]: - ... Infanterie, die er vom bothnischen Meerbusen bis zum - atlanischen Ocean ... - ... Infanterie, die er vom bothnischen Meerbusen bis zum - atlantischen Ocean ... - - [S. XIV.36]: - ... ihren französchen Verbündeten unterhalten werden. ... - ... ihren französischen Verbündeten unterhalten werden. ... - - [S. XIV.42]: - ... über seine Parteilichkeit für sein Adoptivvaterland murrte. - Die holländschen ... - ... über seine Parteilichkeit für sein Adoptivvaterland murrte. - Die holländischen ... - - [S. XIV.42]: - ... sei; daß er perremptorisch auf einem Artikel bestehe, der - allen Handelsverkehr ... - ... sei; daß er peremtorisch auf einem Artikel bestehe, der allen - Handelsverkehr ... - - [S. XIV.43]: - ... Aliirten gaben einer großen deutschen Truppenmacht in Serbien ... - ... Alliirten gaben einer großen deutschen Truppenmacht in - Serbien ... - - [S. XIV.49]: - ... der göttlichen Wahrheit unterrrichtet und durch göttliche - Gnade beschützt ... - ... der göttlichen Wahrheit unterrichtet und durch göttliche - Gnade beschützt ... - - [S. XIV.62]: - ... Auditorum herbeiziehen, mußte sich damit begnügen, der - Geistliche ... - ... Auditorium herbeiziehen, mußte sich damit begnügen, der - Geistliche ... - - [S. XIV.63]: - ... dies waren Ausnahmen. Betriebsame Armuth ist ein der - Tugenhaftigkeit ... - ... dies waren Ausnahmen. Betriebsame Armuth ist ein der - Tugendhaftigkeit ... - - [S. XIV.67]: - ... Hochkirchlichen unter den Zurückleibenden waren Doctor - Wilhelm Beveridge, ... - ... Hochkirchlichen unter den Zurückbleibenden waren Doctor - Wilhelm Beveridge, ... - - [S. XIV.73]: - ... die Regierung es weder gewagt hatte, die Uebelhäter zu - bestrafen, noch ... - ... die Regierung es weder gewagt hatte, die Uebelthäter zu - bestrafen, noch ... - - [S. XIV.81]: - ... Stande, die aufsätzige Demokratie zu beugen. Ihre Zahl war - gering, ... - ... Stande, die aufsässige Demokratie zu beugen. Ihre Zahl war - gering, ... - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der -Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND *** - -***** This file should be named 51378-8.txt or 51378-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/1/3/7/51378/ - -Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net. - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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