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-The Project Gutenberg EBook of Die Akkumulatoren, by Willibald Bermbach
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
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-
-Title: Die Akkumulatoren
- ihre Theorie, Herstellung, Behandlung und Verwendung.
-
-Author: Willibald Bermbach
-
-Release Date: April 2, 2016 [EBook #51638]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE AKKUMULATOREN ***
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-
-Produced by Peter Becker, Harry Lamé and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
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- Anmerkungen zur Transkription
-
- Benutzte Typographie
- Transkription im Original
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- _Text_ Kursivdruck
- =Text= Fettdruck
- ~Text~ Gesperrter Text
- _{Text} Tiefgestellter Text
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- Fußnoten befinden sich am Ende des Kapitels.
-
- Abhängig von der benutzten Hard- und Software sind möglicherweise
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-
- Weitere Anmerkungen befinden sich am Ende dieser Text.
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-
- Otto Wigand, Verlagsbuchhandlung m. b. H., Leipzig
-
-
- HANDWÖRTERBUCH
- DER DEUTSCHEN SPRACHE
-
- von =Dr. Daniel Sanders=
-
- Neu bearbeitet, ergänzt u. vermehrt
-
- von =Dr. Ernst Wülfing=
-
- Achte (der Neubearbeitung erste) Auflage
- Geheftet Mark 8.--, gebunden Mark 10.--
-
-[Illustration]
-
-Der „Kleine Sanders‟, der bekannte von Sanders selbst besorgte Auszug
-aus seinem großen vierbändigen „Wörterbuch‟, der seit seinem ersten
-Erscheinen vor gerade 40 Jahren sieben Auflagen erlebt hat und in rund
-40000 Abdrucken verkauft worden ist, liegt in neuer, reich ergänzter und
-vermehrter Bearbeitung und in ganz neuem Gewande vor uns. Vor der alten
-Ausgabe zeichnet sich die neue schon rein äußerlich durch die vornehme
-Ausstattung und die größere Breite der Spalten aus; vor allem aber ist,
-wenn auch im ganzen die Druckanordnung der alten Ausgabe beibehalten
-wurde, doch in zahlreichen Einzelheiten alles getan worden, um dem Buch
-eine bei weitem größere Übersichtlichkeit zu verschaffen. -- Der
-Bearbeiter Dr. E. Wülfing, hat das Buch mit besonderer Sorgfalt
-durchgesehen, es besonders, wo alte Lücken waren, aus dem „Großen
-Sanders‟ ergänzt und es anderseits durch zahlreiche neue Wörter
-vermehrt, die die verflossenen 40 Jahre, namentlich auf dem Gebiete der
-Technik aufgebracht haben. Auch wurde an manchen Stellen die bessernde
-Hand angelegt, wo das nach den Fortschritten der Sprachwissenschaft
-nötig erschien, besonders bei so mancher Bedeutungsentwicklung, die von
-Sanders s. Z. nicht richtig erkannt und aufgestellt wurde oder werden
-konnte. An Reichhaltigkeit, besonders auf dem Gebiete der neuesten
-technischen Ausdrücke und u. a. auch der Pflanzennamen, übertrifft der
-„Sanders-Wülfing‟, wie der „Kleine Sanders‟ wohl jetzt genannt werden
-wird, alle vorhandenen kleineren deutschen Wörterbücher. Besonders sei
-noch erwähnt, daß Wülfing an zahllosen Stellen dafür gesorgt hat, daß
-durch Einfügung von kurzen Belegen und Anführungen aus dem Schrifttum,
-sowie von knappen Beispielen die Erläuterungen, die ohne solche oft
-nicht ganz klar waren, belebt worden sind. Daß endlich die neue
-Rechtschreibung eingeführt worden ist, braucht nicht besonders betont zu
-werden.
-
-=Ein unentbehrliches Hand- und Nachschlagebuch für jeden Gebildeten=
-
-
-
-
- Die Akkumulatoren,
- ihre Theorie, Herstellung, Behandlung
- und Verwendung.
-
-
- Von
-
- Prof. =Dr. W. Bermbach=.
-
- Zweite, vermehrte und verbesserte Auflage
-
- ~Mit~ 38 ~Abbildungen.~
-
- [Illustration]
-
- ~Otto Wigand~
- Verlagsbuchhandlung und Buchdruckerei m. b. H.
- Leipzig 1911.
-
-
-
-
-Vorwort
-
-zur ersten Auflage.
-
-
-Die Literatur über Akkumulatoren ist zwar eine ziemlich reichhaltige,
-jedoch fehlt es an einem nicht zu umfangreichen Buche, in dem sowohl die
-Theorie wie die Praxis, letztere, soweit sie größere Kreise
-interessiert, genügend berücksichtigt wird. Dieses dürfte in dem
-vorliegenden Werkchen geschehen sein.
-
-Wenn irgendwo, so gilt für den Bleiakkumulator der Satz: Eine gute
-Theorie ist die beste Praxis. Denn hier gibt uns die Theorie Aufschluß
-über alle im Betriebe vorkommenden Erscheinungen. Aus diesem Grunde
-wurde die Theorie des Bleiakkumulators ausführlich behandelt. Damit sich
-nun auch solche Leser, denen die Grundbegriffe der modernen
-Elektrochemie nicht geläufig sind, zurechtfinden können, habe ich in dem
-ersten Kapitel die neueren Ansichten über die Elektrolyse und die
-Stromerzeugung in galvanischen Elementen gemeinverständlich behandelt.
-
- Cöln, Mai 1905.
-
-
-
-
-Vorwort
-
-zur zweiten Auflage.
-
-
-Die meisten Kapitel wurden neu bearbeitet, die beiden letzten Kapitel
-außerdem nicht unwesentlich erweitert. Über den ~Edison~-Akkumulator
-liegt jetzt genügend Material vor; dementsprechend wurde er in der neuen
-Auflage ausführlicher behandelt.
-
-Herrn Dr. H. ~Geisler~ spreche ich für seine Unterstützung bei dem Lesen
-der Korrekturbogen meinen verbindlichsten Dank aus.
-
- Cöln, Juni 1911.
-
- =Der Verfasser.=
-
-
-
-
-Inhalt.
-
-
- Seite
-
- 1. ~Kapitel~. Theorie der Elektrolyse und der galvanischen
- Elemente 1
-
- 2. ~Kapitel~. Theorie des Bleiakkumulators 34
-
- 3. ~Kapitel~. Kapazität, Wirkungsgrad, Nutzeffekt, innerer
- Widerstand 60
-
- 4. ~Kapitel~. Ladung und Entladung 80
-
- 5. ~Kapitel~. Vorgänge im ruhenden Akkumulator 105
-
- 6. ~Kapitel~. Plattenkonstruktionen, Herstellung der Platten,
- Formation 116
-
- 7. ~Kapitel~. Aufstellung der Batterie, Einbau der Platten,
- Vorschriften über die Behandlung, Lebensdauer 132
-
- 8. ~Kapitel~. Der alkalische Akkumulator 152
-
- 9. ~Kapitel~. Die Verwendung der Akkumulatoren 166
-
-
-
-
-Erstes Kapitel.
-
-Theorie der galvanischen Elemente und der Elektrolyse.
-
-
-~Vorläufige Erklärung der Vorgänge im Bleiakkumulator~. Ein
-Bleiakkumulator in seiner einfachsten Gestalt besteht aus zwei
-Bleiplatten, die in verdünnte Schwefelsäure eintauchen. Schickt man
-durch den elektrolytischen Apparat einen elektrischen Strom, so bildet
-sich an derjenigen Elektrode, die mit dem positiven Pole der Stromquelle
-verbunden ist, der Anode, Bleisuperoxyd, das eine braunrote Farbe hat;
-an der negativen Elektrode, der Kathode, wird Bleioxyd[1], das sich,
-bevor die Bleiplatten in die Säure getaucht wurden, an der Luft gebildet
-hatte, zu metallischem Blei reduziert.
-
-Wenn an beiden Elektroden Gasentwicklung erfolgt -- was bei unserem
-Laboratoriumsversuch schon nach kurzer Zeit der Fall ist --, so
-unterbricht man den Ladestrom. Wir haben jetzt die Kombination vor uns
-Blei und Bleisuperoxyd in verdünnter Schwefelsäure:
-
- Pb | H₂SO₄ + aqua | PbO₂
- - | | +
-
-Das Minuszeichen unter Blei bedeutet, daß die betreffende Platte der
-negative Pol des Elementes ist. Unsere Kombination ist, wie wir leicht
-mittels eines Galvanoskops nachweisen können, ein galvanisches Element,
-ähnlich wie
-
- Zn | H₂SO₄ + aq | Cu.
- - | | +
-
-Wie wir später sehen werden, bildet sich bei der Entladung auf beiden
-Elektroden Bleisulfat. Die beiden Platten werden also einander um so
-ähnlicher, je mehr Elektrizität unser Akkumulator abgibt. Wenn man aber
-zwei ~gleiche~ Elektroden in denselben Elektrolyten eintaucht, so erhält
-man kein galvanisches Element. Die elektromotorische Kraft unseres
-primitiven Akkumulators muß also während der Stromabgabe mehr oder
-weniger schnell abnehmen.
-
-Bei dem beschriebenen Laboratoriumsversuch findet man, daß nach
-Beendigung der Entladung die braunrote Farbe keineswegs ganz
-verschwunden ist, daß also Reste von PbO₂ zurückbleiben.
-
-Laden wir den Akkumulator jetzt wieder, so wird Bleisulfat an der
-negativen Elektrode in metallisches Blei und an der positiven Platte in
-Bleisuperoxyd verwandelt.
-
-Bei der Ladung sowohl wie bei der Entladung spielen sich im Akkumulator
-chemische Prozesse ab. Bei der Ladung wird ein chemisches System
-gleichsam gewaltsam verändert (ähnlich wie eine Spiralfeder beim
-Zusammendrücken), das veränderte System hat das Bestreben, in seinen
-ursprünglichen Zustand zurückzukehren. Bei der Ladung wird in dem
-Akkumulator chemische Energie aufgespeichert, und zwar entsteht diese
-aus elektrischer Energie. In dem Akkumulator wird also keineswegs
-elektrische Energie als solche aufbewahrt, gerade so wenig wie dies bei
-einem Gewichte der Fall ist, das durch einen Elektromotor gehoben wurde.
-Den Charakter eines galvanischen Elementes erhält der Akkumulator erst
-dadurch, daß man ihm elektrische Energie zuführt. Man bezeichnet ihn
-daher auch als ~Sekundärelement~.
-
-Im Prinzip unterscheidet sich ein geladener Akkumulator in nichts von
-einem gewöhnlichen Primärelement (z. B. einem Daniell-Element). Wir
-müssen daher im Folgenden auf die Theorie der galvanischen Elemente
-näher eingehen.
-
-An den chemischen Vorgängen im Akkumulator ist der Elektrolyt in
-hervorragender Weise beteiligt. Es ist daher jedem, der nur etwas tiefer
-in die Theorie des Bleiakkumulators eindringen will, anzuraten, sich ein
-möglichst klares und vollständiges Bild von den Vorgängen, die sich bei
-der Elektrolyse der verdünnten Schwefelsäure abspielen, zu verschaffen.
-[Hingewiesen sei hier auf das Kapitel VIII in ~Le Blancs~ Lehrbuch der
-Elektrochemie.]
-
-Da die neueren elektrochemischen Theorien, soweit es der Raum gestattet,
-in unserer Schrift Berücksichtigung finden sollen, so wollen wir mit
-einer Besprechung einiger wichtiger Grundbegriffe dieses Gebietes
-beginnen.
-
-Der ~osmotische Druck~. Um diesen außerordentlich wichtigen Begriff klar
-zu machen, wollen wir von einem Nichtelektrolyten ausgehen; als Beispiel
-diene eine Zuckerlösung. Ein Standglas mit vorspringendem Rande fülle
-man mit einer Zuckerlösung und verschließe das Glas mittels einer vorher
-in lauwarmem Wasser aufgeweichten Schweinsblase, wobei darauf zu achten
-ist, daß keine Luftblasen eingeschlossen werden. Durch einen Bindfaden
-ist die Membran unterhalb des Glasrandes gut zu befestigen. Stellt man
-das Präparat in ein größeres, mit Wasser gefülltes Gefäß, so findet man
-nach etwa 24 Stunden, daß sich die Membran sehr stark gewölbt hat, und
-wir schließen daraus, daß von der Zuckerlösung auf die Membran ein Druck
-ausgeübt wurde. Da die Wölbung nicht erfolgt, wenn wir das Standglas mit
-Wasser füllen, so schließen wir weiter, daß der eben erwähnte Druck von
-den Zuckermolekülen herrührt. -- Die Schweinsblase hat die
-Eigenschaft[2], den Wassermolekülen den Durchgang zu gestatten, nicht
-aber den Zuckermolekülen, sie ist ~halbdurchlässig~ oder semipermeabel.
-Denken wir uns nun die Zeit in sehr kleine Intervalle geteilt, so können
-wir die Vorgänge in dem Standglase (Zelle) folgendermaßen erklären: Die
-Zuckermoleküle üben einen Druck auf die Membran aus; diese wird um ein
-unendlich kleines Stück gehoben, in den freien Raum dringt Wasser ein.
-Während des folgenden Zeitabschnittes wiederholt sich das Spiel usw. Die
-Membran wölbt sich also langsam im Laufe der Zeit. Dem osmotischen
-Drucke der Zuckermoleküle -- so nennt man den auf die Membran ausgeübten
-Druck -- wirkt die Spannung der Membran entgegen. Nehmen wir nun an, daß
-die Schweinsblase vollkommen, auch bei jedem Drucke halbdurchlässig ist,
-und daß sie jeden beliebig hohen Druck auszuhalten vermag, ohne zu
-platzen, so schließen wir weiter, daß sich nach einer gewissen Zeit ein
-Gleichgewichtszustand ausbildet, der natürlich dann vorhanden ist, wenn
-der osmotische Druck der Zuckermoleküle gleich ist der Spannung der
-Membran. Der nach Innen gerichtete Druck der gespannten Membran nach
-Eintritt des Gleichgewichtszustandes, d. h. wenn eine weitere Wölbung
-der Membran nicht mehr erfolgt, ist gleich dem osmotischen Drucke der
-Lösung.
-
-Auch in folgender Weise gelangt man zu einer Vorstellung über den
-osmotischen Druck. Wenn wir bei Beginn des Versuches die Membran
-belasten, etwa durch Auflegen von Gewichtsteinen, so erfolgt das
-Eindringen des Wassers langsamer als eben und bei einer gewissen
-Belastung wölbt sich die Membran überhaupt nicht. Beträgt die
-betreffende Belastung p kg pro 1 cm² Oberfläche, so ist p ein Maß für
-den osmotischen Druck.
-
-Nach der kinetischen Theorie der Flüssigkeiten kommt der osmotische
-Druck dadurch zustande, daß Zuckermoleküle gegen die Membran prallen und
-Stöße auf diese ausüben.
-
-Auf die für den osmotischen Druck gültigen Gesetze, die übrigens, wie
-~van ’t Hoff~ zeigte, mit den Gasgesetzen übereinstimmen, soll nicht
-näher eingegangen werden; es sei nur bemerkt, daß der osmotische Druck
-mit der Konzentration wächst.
-
-~Die elektrolytische Dissoziation.~ Man fand, daß die Lösungen von
-Säuren, Salzen und Basen (Elektrolyte) einen anormal hohen osmotischen
-Druck haben. ~Arrhenius~ erklärte diese Erscheinung durch die Annahme,
-daß sich Moleküle der gelösten Substanz dissoziieren. Eine einfache
-Überlegung zeigt uns aber, daß die Dissoziation in Elektrolyten von der
-gewöhnlichen Dissoziation verschieden sein muß. Wählen wir als Beispiel
-eine Salmiaklösung. Bei hoher Temperatur spaltet sich (dampfförmiger)
-Salmiak nach der Gleichung
-
- NH₄Cl = NH₃ + HCl.
-
-Würde die Dissoziation in der Salmiaklösung in derselben Weise erfolgen,
-so müßte die Flüssigkeit freies Ammoniak enthalten, das an seinem
-scharfen, stechenden Geruch leicht erkannt werden kann. Eine
-Salmiaklösung riecht aber nicht nach Ammoniak. Die ~Dissoziation in
-Elektrolyten erfolgt~ nun in der Weise, daß ~elektrisch geladene
-Komponenten~ entstehen. Das Kochsalzmolekül z. B. spaltet sich in ein
-positiv geladenes Natriumatom und ein negativ geladenes Chloratom. Die
-Komponenten nennt man ~Ionen~, d. h. die Wandernden, weil sie sich unter
-dem Einflusse elektrischer Kräfte bewegen.
-
-Die elektrolytische Dissoziation kann man als einen chemischen Prozeß
-auffassen, der sich zwischen einem Molekül der gelösten Substanz und
-einem Neutron[3] abspielt und den man für Kochsalz durch die Gleichung
-versinnlichen kann:
-
- NaCl + ⊕-⊖ = Na-⊕ + Cl-⊖.
-
-Statt dessen schreibt man kürzer
-
- NaCl = Na· + Cl′.
-
-Dementsprechend sehen wir die Ionen als neue chemische Verbindungen an,
-z. B. ist das Natriumion (Na·) eine chemische Verbindung zwischen einem
-Natriumatom und einem positiven Elektron. Ebenso wie Natrium + Chlor
-etwas ganz anderes ist wie Natrium allein, so ist Natrium + Elektron, d.
-h. Natriumion, in seinem chemischen und physikalischen Verhalten
-durchaus verschieden von dem metallischen Natrium.
-
-Der materielle Bestandteil eines Ions kann auch aus mehreren Atomen
-bestehen, z. B. aus der Hydroxylgruppe, dem Radikale SO₄. Ist das
-Element oder die Atomgruppe mehrwertig, so verbindet es sich mit
-mehreren Elektronen. Beispiele für die elektrolytische Dissoziation:
-
- NaOH = Na· + OH′ (Hydroxylion)
-
- CuSO₄ = Cu·· + SO₄′′ (Sulfat-Ion).
-
- NH₄Cl = NH₄· + Cl′
-
-Cu·· bedeutet, daß das Kupferatom mit zwei positiven Elektronen
-verbunden ist.
-
- Da ein- und derselbe Elektrolyt (Salz) sich in Wasser stark, in
- Chloroform fast garnicht dissoziiert, so scheint es als ob dem Wasser
- eine besonders große ~dissoziierende Kraft~ innewohnt. Nernst wies
- zuerst darauf hin, daß zwischen dem Dissoziationsvermögen einer
- Flüssigkeit und der Dielektrizitätskonstante ein gewisser
- Parallelismus besteht.
-
-In einem Elektrolyten, z. B. in verdünnter Salzsäure, befinden sich
-neben den Molekülen des Wassers, von dessen Dissoziation wir einstweilen
-absehen, nichtdissoziierte Moleküle der gelösten Substanz, positive
-Ionen, nämlich die Wasserstoffionen, und negative Ionen, nämlich die
-Chlorionen. Nur bei sehr starker Verdünnung sind sämtliche Moleküle der
-gelösten Substanzen dissoziiert. Befinden sich n Moleküle der gelösten
-Substanz (dissoziierte Moleküle + indissoziierte Moleküle) in einer
-Lösung und sind von diesen m Moleküle dissoziiert, so ist m/n der
-~Dissoziationsgrad~.
-
-In jedem noch so kleinen Tröpfchen des Elektrolyten befinden sich
-ebensoviele positive Ionen wie negative, so daß das Tröpfchen als Ganzes
-unelektrisch ist.
-
-Inbezug auf den osmotischen Druck verhalten sich die Ionen wie die
-Moleküle der gelösten Substanz; auf eine semipermeable Wand üben sie
-also einen Druck aus. Man wird hier wieder an das Verhalten der Gase
-erinnert: Befinden sich in einem abgeschlossenen Raume gleichzeitig
-mehrere Gase oder Dämpfe, so übt jedes Gas einen gerade so großen Druck
-aus, wie wenn es allein vorhanden wäre. Bei einem Elektrolyten kommen
-also, wenn wir von den Ionen des Wassers selbst absehen, drei osmotische
-Drucke in Betracht, nämlich der osmotische Druck der nichtdissoziierten
-Moleküle, derjenige der positiven Ionen und derjenige der negativen
-Ionen.
-
-Auf die Frage, warum in einem Elektrolyten (in der Regel) nicht alle
-Moleküle der gelösten Substanz dissoziiert sind, soll mit einigen
-wenigen Worten eingegangen werden. Nach der eben mitgeteilten
-Auffassung ist die elektrolytische Dissoziation ein Vorgang nach
-Art eines chemischen Prozesses. Für einen solchen gilt das
-Massenwirkungsgesetz[4]. Wenn wir also beispielsweise Salzsäure in
-Wasser gießen, so bildet sich ein Gleichgewichtszustand aus, der
-dadurch charakterisiert ist, daß die Anzahl der Moleküle, die in
-1 Sekunde zerfallen, gerade so groß ist wie die Anzahl der durch
-Wiedervereinigungen eines positiven und negativen Ions entstehenden
-neutralen Moleküle. -- Würden sich in einer starken Lösung, etwa in
-einer 30prozentigen Kochsalzlösung alle Moleküle der gelösten Substanz
-dissoziieren, so würde der Abstand zwischen den einzelnen Ionen ein
-außerordentlich kleiner sein; die entgegengesetzten Ladungen der
-positiven und negativen Ionen würden sich so stark anziehen, daß
-zahlreiche Wiedervereinigungen stattfinden würden. Man sieht ein, daß in
-jedem Kubikzentimeter der Lösung nur eine bestimmte Anzahl von Ionen
-existieren kann. Mit zunehmender Verdünnung muß also die Dissoziation
-fortschreiten.
-
-~Elektrolyse.~ Nur ~diejenigen Flüssigkeiten leiten~ den elektrischen
-Strom, ~in denen sich freie Ionen befinden~. Die Stromleitung in einem
-Elektrolyten besteht nun darin, daß die von der positiven Elektrode
-abgestoßenen und von der negativen Elektrode angezogenen positiven Ionen
-nach der einen und die negativen nach der entgegengesetzten Richtung
-wandern. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Ionen durch die
-Flüssigkeit hindurch bewegen, die übrigens wegen der sehr großen Reibung
-zwischen den Wassermolekülen und den Ionen eine sehr geringe ist, hat
-für die verschiedenen Ionenarten verschiedene Werte.
-
-Bei der Elektrolyse geben die an den Elektroden ankommenden Ionen an
-diese ihre Ladungen ab, sie werden entionisiert oder gehen in den
-atomistischen („gewöhnlichen‟) Zustand über. In manchen Fällen gehen
-nach der Entionisierung sekundäre (rein chemische) Prozesse vor sich.
-Wird z. B. CuSO₄ = Cu·· + SO₄′′ zwischen Kupferelektroden
-elektrolysiert, so verbindet sich das SO₄-Radikal (nach seiner
-Entionisierung) mit einem Atom Kupfer der Elektrode zu CuSO₄[5].
-
- Die dem Elektrolyten zugeführte Energie kann also in zwei Teile
- zerlegt werden. Der eine Teil dient dazu, die Ionen zu bewegen; die
- entsprechende Arbeit wird in Wärme umgesetzt. Die zweite Arbeit, die
- der Strom leistet, besteht darin, daß die Ionen ihrer Ladungen beraubt
- werden. -- Die Entionisierung eines Ions, z. B. eines Natriumions kann
- man als einen chemischen Prozeß auffassen, an dem das Natriumion und
- ein negatives Elektron beteiligt ist und bei dem Energie verbraucht
- wird.
-
-Das ~Faradaysche Gesetz~ erscheint vom Standpunkte der Ionentheorie aus
-als etwas Selbstverständliches. Man sieht nämlich ohne weiteres ein,
-daß
-
-1. die zersetzten Mengen des Elektrolyten den durchgegangenen
-Elektrizitätsmengen proportional sind und daß
-
-2. die Mengen der gleichzeitig aus verschiedenen Elektrolyten
-ausgeschiedenen Stoffe ihren chemischen Äquivalenten proportional sind
-(an chemisch äquivalente Stoffmengen sind gleiche Elektrizitätsmengen
-gebunden). An 1 Gramm Wasserstoffionen sind 96540 Coulomb gebunden;
-ebenso an 23 Gramm Natriumionen etc. Um 1 Gramm Wasserstoff durch
-Elektrolyse irgend eines Elektrolyten zu erhalten, muß man der
-Stromquelle 96540 Coulomb positive Elektrizität entnehmen, oder bei 1
-Ampere Stromstärke muß die Elektrolyse 96540 Sekunden lang dauern.
-
-Wir wollen jetzt noch im Besonderen betrachten ~die Elektrolyse der
-verdünnten Schwefelsäure~. Aus dem Umstande, daß chemisch reines Wasser
-den elektrischen Strom nur sehr schlecht leitet, muß man folgern, daß
-sich in reinem Wasser nur eine geringe Anzahl von Ionen befindet. In
-chemisch reinem Wasser können sich natürlich nur solche Ionen befinden,
-die durch Dissoziation der Wassermoleküle selbst entstehen. Diese
-spalten sich, allerdings nur zu einem sehr kleinen Prozentsatze, nach
-der Gleichung
-
- H₂O = H· + OH′ (1).
-
-Hierzu kommt wahrscheinlich eine noch geringfügigere Dissoziation, die
-zur Bildung von Wasserstoff und Sauerstoffionen führt:
-
- H₂O = H· + H· + O′′ (2).
-
-Aus der von ~Kohlrausch~ und ~Heydweiller~ bestimmten Leitfähigkeit des
-Wassers kann man den Dissoziationsgrad berechnen. Man findet, daß bei 0
-Grad 1 g Wasserstoffionen (und dementsprechend 17 g Hydroxylionen, wenn
-wir von der Dissoziation nach Gleichung 2 absehen) in etwa 14 Millionen
-Liter Wasser enthalten sind, bei 18° schon in 6,25 . 10⁶ l. Die
-Leitfähigkeit nimmt also mit der Temperatur schnell zu. Nach neueren
-Messungen enthält 1 g Wasserstoff 0,352 . 10²⁴ Atome. Ein Gramm Wasser
-enthält also trotz der sehr geringen Dissoziation viele Millionen
-Wasserstoffionen.
-
-Die Anzahl der Wasserstoffionen, die sich in 1 cm³ Wasser befindet,
-wollen wir die Konzentration der Wasserstoffionen nennen, entsprechendes
-gilt für die anderen Ionen. Da die Leitfähigkeit des Wassers (wie aller
-Elektrolyte) mit der Temperatur stark wächst, so müssen wir schließen,
-daß entweder die Ionenkonzentrationen mit der Temperatur größer werden,
-oder daß die Reibung zwischen den Ionen und den Wassermolekülen kleiner
-wird oder daß beides zugleich stattfindet. So viele Ionen nun bei einer
-bestimmten Temperatur in einem cm³ existieren ~können~, so viele
-existieren auch wirklich. Wenn also aus einem gegebenen Volumen Wasser
-ein Wasserstoff- und ein Hydroxylion auf irgend eine Weise entfernt
-werden, so dissoziiert sich sofort ein neues Molekül Wasser -- das
-gestörte chemische Gleichgewicht wird sofort wieder hergestellt.
-
- Es sei hier wieder auf eine Analogie aufmerksam gemacht. Befindet sich
- in einem abgeschlossenen Raume, etwa unter einer Glasglocke (Rezipient
- einer Luftpumpe) eine hinreichende Menge Wasser, so verdampft bei
- einer bestimmten Temperatur eine bestimmte Menge Wasser. Entfernen wir
- auf irgend eine Weise einen Teil des Wasserdampfes, so erfolgt neue
- Verdampfung; der Gleichgewichtszustand wird gestört und bildet sich
- von neuem. Wie bei diesem Vorgange ~eine gewisse Zeit vergeht~, ehe
- sich der Gleichgewichtszustand von neuem gebildet hat, so auch bei der
- elektrolytischen Dissoziation.
-
-Setzen wir reinem Wasser Schwefelsäure zu -- es genügt eine ganz kleine
-Menge --, so wächst das Leitungsvermögen sehr stark, und wir schließen
-daraus, daß sich eine große Menge von neuen Ionen gebildet haben. Diese
-entstehen durch die Dissoziation der Schwefelsäure, die bei den für uns
-in Betracht kommenden Konzentrationen eine sehr weitgehende ist, und
-zwar verläuft der Zerfall nach den beiden Reaktionsgleichungen[6]
-
- H₂SO₄ = H· + HSO₄′ (3).
-
- HSO₄′ = H· + SO₄′′ (4).
-
-Es findet also eine stufenweise Dissoziation statt. Die Dissoziation
-nach der Gleichung (3) entspricht dem Zerfall des NaHSO₄, der offenbar
-nach der Gleichung
-
- NaHSO₄ = Na· + HSO₄′
-
-erfolgt.
-
-Bei geringerer Konzentration der Schwefelsäurelösung spielt die
-Dissoziation nach Gleichung (3) nur eine ganz untergeordnete Rolle
-gegenüber der Reaktion
-
- H₂SO₄ = H· + H· + SO₄′′ (5).
-
-Mit wachsender Konzentration tritt die Dissoziation im Sinne der
-Gleichung (3) mehr in den Vordergrund.
-
-In verdünnter Schwefelsäure befindet sich also eine größere Anzahl von
-Ionenarten (H·, OH′, O′′, SO₄′′, HSO′₄), und daher sind verschiedene
-Elektrolysen möglich. An der Kathode werden immer Wasserstoffionen
-entionisiert, an der Anode aber können vier verschiedene Ionenarten
-herauselektrolysiert werden.
-
-Welche Ionenart auch außer Wasserstoff abgeschieden werden mag, an der
-Stromleitung innerhalb des Elektrolyten sind ~alle~ Ionenarten
-beteiligt.
-
-Um aus einem Elektrolyten zwei verschiedene Ionenarten ~dauernd~
-herauszuelektrolysieren, muß man eine gewisse Minimalspannung
-anwenden; für uns kommen folgende von ~Le Blanc~ angegebene
-~Zersetzungsspannungen~ in Betracht:
-
- H· und O′′ 1,08 Volt }
- H· „ OH′ 1,68 „ } + Überspannung
- H· „ SO₄′′ 1,95 „ }
- H· „ HSO₄′ 2,60 „ }
-
-Die angegebenen Zersetzungsspannungen genügen i. A. noch nicht, eine
-~sichtbare~ Gasentwickelung herbeizuführen, man muß diese vielmehr um
-einen von der Natur der Kathode abhängigen Betrag vergrößern[7]
-(natürlich ist hier nicht der Spannungsabfall im elektrolytischen
-Apparat, i × w, gemeint).
-
- Wenn sichtbare Gasentwickelung erfolgen soll, so müssen sich
- Gasbläschen bilden. Man kann nun annehmen, daß für die Bildung der
- Bläschen eine gewisse Arbeit verbraucht wird, die der elektrische
- Strom liefern muß, und daß diese Arbeit von der Beschaffenheit der
- Oberfläche, an der die Wasserstoffbildung erfolgt, abhängig ist
- (Überspannung).
-
-Am kleinsten ist die ~Überspannung~ für platiniertes Platin (Kathode),
-für blankes Platin ist sie nahezu 0,1 Volt. Höchst wichtig ist für uns
-die ~Überspannung~ für ~Blei~, die ~nach Caspari~ 0,64 ~Volt~
-beträgt[8]. Bei der Ladung eines Akkumulators ist die Bleielektrode
-Kathode; daher kann, wenn wir von der sehr geringfügigen Elektrolyse,
-die den Ionen H· und O′′ entspricht, im Akkumulator eine Gasentwickelung
-erst bei 1,68 + 0,64 = 2,32 Volt erfolgen; starke Gasentwickelung wird
-erst bei noch höherer Spannung vor sich gehen (abgesehen von der
-Überspannung des Sauerstoffs[9]).
-
-Wegen der Überspannung ist also eine Ladung des Akkumulators erst
-möglich, bezw. kann eine solche ohne ganz erhebliche Energieverluste
-erfolgen.
-
-Bei kleinen Spannungen, z. B. bei 0,5 Volt, sinkt der Strom in einem
-Wasserzersetzungsapparat nicht völlig auf Null herab, es muß also auch
-in diesem Falle eine Elektrolyse stattfinden. Man erhält nicht Gase von
-Atmosphärendruck, sondern Wasserstoff und Sauerstoff von geringer
-Konzentration, gelöst in den Elektroden und im Elektrolyten. Den Strom
-bezeichnet man als ~Reststrom~ (s. S. 29).
-
-In dem durch Elektrolyse gewonnenen Sauerstoff finden sich immer Spuren
-von ~Ozon~, das durch einen sekundären Prozeß aus dem abgeschiedenen
-Sauerstoff entsteht (besonders bei größerer Stromdichte).
-
-Die Ozonbildung nimmt mit wachsender Konzentration der Säure zu. Ebenso
-entsteht sekundär ~Wasserstoffsuperoxyd~[10] (H₂O₂) in geringer Menge,
-wahrscheinlich an beiden Elektroden. Endlich ist zu erwähnen, daß sich
-~Überschwefelsäure~ bilden kann nach der Gleichung
-
- 2HSO₄′ + 2⊕ = H₂S₂O₈ (6).
-
-also primär. Die Entstehung von Überschwefelsäure bei der Elektrolyse
-der verdünnten Schwefelsäure wird durch große Stromdichte, Vergrößerung
-des Schwefelsäuregehaltes und Erniedrigung der Temperatur begünstigt.
-Nach den Zersetzungsspannungen auf Seite 13 dürfte aber, vorausgesetzt,
-daß die Überschwefelsäure nach Gleichung (6), also primär, entsteht,
-ihre Bildung erst bei Spannungen von mehr als 2,6 Volt erfolgen; hierzu
-ist noch beim Bleiakkumulator, da mit den HSO₄-Ionen gleichzeitig
-Wasserstoffionen an der Bleielektrode entionisiert werden müssen, die
-Überspannung von 0,64 Volt zu addieren. Bei normaler Ladung wäre demnach
-eine Bildung von Überschwefelsäure im Akkumulator ausgeschlossen. Da
-übrigens die Überschwefelsäure Blei angreift und Bleisuperoxyd in
-Bleisulfat verwandelt, so ist ihre Gegenwart in dem Elektrolyten dem
-Akkumulator schädlich.
-
-Ehe wir uns zu der Polarisation wenden, wollen wir uns mit der Beziehung
-zwischen der ~Wärmetönung und der elektromotorischen Kraft~
-beschäftigen. Verdünnte Schwefelsäure möge zwischen indifferenten
-Elektroden, d. h. zwischen solchen, die durch die Produkte der
-Elektrolyse nicht angegriffen werden, zersetzt werden (z. B. zwischen
-Platinelektroden). Wir erhalten, wenn wir von den Nebenprodukten
-absehen, Wasserstoff und Sauerstoff. Nehmen wir an, daß wir 1 Gramm
-Wasserstoff durch Elektrolyse erhalten haben (und 8 Gramm Sauerstoff);
-es sind dann im ganzen 96540 Coulomb durch unseren Apparat geflossen,
-was der Fall war, wenn die Zersetzung bei 1 Ampère Stromstärke 96540
-Sekunden lang gedauert hat. Der erhaltene Wasserstoff werde verbrannt;
-wir erhalten dann 9 Gramm Wasser. Lassen wir die Verbrennung im
-Kalorimeter vor sich gehen, so finden wir, daß wir etwa 34200 kleine
-Wärmeeinheiten (Grammkalorien, cal.) erhalten. Um diese Energie sind 9
-Gramm Wasser von gewöhnlicher Temperatur ärmer als 1 g H + 8 g O von
-derselben Temperatur. Wollen wir nun, so schließen wir ~vorläufig~, das
-eben gewonnene Wasser wieder in seine beiden Komponenten zerlegen, so
-müssen wir die eben gewonnene Energie, die wir die ~Wärmetönung~ des
-Prozesses
-
- 2H + O = H₂O,
-
-bezogen auf 1 Gramm H, nennen, dem Wasser wieder zuführen. Geschieht
-also die Zersetzung mittels des elektrischen Stromes, so müssen wir,
-abgesehen von der Jouleschen Wärme, in den elektrolytischen Apparat eine
-den 34200 cal. äquivalente Menge elektrischer Energie hineinschicken.
-Die elektrische Energie aber, die ein Apparat verbraucht, ist gegeben
-durch das Produkt
-
- Anzahl Coulomb × Spannung zwischen den Elektroden.
-
-Da nun die Anzahl Coulomb eine gegebene Größe ist, nämlich 96540, und
-außerdem das Produkt einer gegebenen Wärmemenge äquivalent ist (34200
-cal.), so muß die Klemmenspannung einen bestimmten Wert haben.
-
-Bezeichnen wir diese Spannung mit E, so gilt die Beziehung
-
- 96540 . E Wattsek. (Volt-Coulomb) äquival. 34200 cal.
-
-1 Wattsekunde ist aber gleichwertig 0,239 cal. Daher
-
- 96540 . E . 0,239 = 34200 oder
- 23070 . E = 34200.
-
-E ist also ungefähr gleich 1,5 Volt. Man sollte nun erwarten, daß eine
-Zersetzung des Wassers mit einer geringeren Spannung als 1,5 Volt nicht
-möglich ist. Von verschiedenen Forschern wurde aber nachgewiesen, daß
-man bei geeigneter Versuchsanordnung mit elektromotorischen Kräften in
-der Nähe von 1,1 Volt Gasentwickelung beobachtet[11]. Die von uns
-gezogenen Schlüsse entsprechen demnach nicht den Erfahrungstatsachen;
-wir müssen uns daher noch eingehender mit der Beziehung zwischen der
-chemischen und elektrischen Energie beschäftigen.
-
-~Thomsonsche Regel.~ In den galvanischen Elementen, zu denen wir auch
-den Akkumulator zu rechnen haben, entsteht die elektrische Energie, die
-das Element abgibt, aus chemischer Energie. Wir wählen als Beispiel das
-Daniell-Element: Zn in ZnSO₄ + aq und Cu in CuSO₄ + aq, weil bei ihm die
-Vorgänge leicht zu übersehen sind. Gibt das Element Strom ab, so geht
-Zink in Lösung, und Kupfer schlägt sich auf der positiven Elektrode
-nieder.
-
-~Beide~ Vorgänge kann man durch ~eine~ Gleichung ausdrücken
-
- Zn + CuSO₄ = Cu + ZnSO₄ (7).
-
-Der durch die Gleichung (7) dargestellte Vorgang ist mit
-Wärmeentwicklung verbunden; dies kann man dadurch leicht nachweisen, daß
-man auf Zinkspäne Kupfervitriollösung gießt. Dann löst sich Zink, und
-Kupfer wird abgeschieden. In der Daniell-Kette gehen die Lösung des
-Zinks und die Fällung des Kupfers an ~verschiedenen Stellen~ vor sich.
-Das Element möge 96540 Coulomb abgegeben haben. Es hat sich dann 1
-Grammäquivalent[12] Zink (65/2 Gramm) gelöst und 1 Grammäquivalent =
-63,5/2 g Kupfer hat sich niedergeschlagen. Die dem ganzen chemischen
-Umsatze entsprechende Wärme, die man die ~Wärmetönung des Elementes~
-nennt, werde mit q bezeichnet. Man nahm früher an, daß die
-elektromotorische Kraft eines galvanischen Elementes durch die
-Wärmetönung allein bestimmt sei. Bei dieser Annahme gelangt man zu der
-vorhin entwickelten Gleichung
-
- q
- e = -----,
- 23070
-
-die man die ~Thomsonsche Regel~ nennt. Diese liefert, auf das
-Daniell-Element angewandt, einen mit der Erfahrung gut übereinstimmenden
-Wert, weil, wie wir später sehen werden, seine elektromotorische Kraft
-von der Temperatur unabhängig ist. Bei anderen Elementen findet man aber
-einen Unterschied zwischen der berechneten und gemessenen
-elektromotorischen Kraft; ganz versagt die Thomsonsche Regel bei den
-Konzentrationsketten[13].
-
-Thomson ging von der Voraussetzung aus, daß die ~ganze~ dem chemischen
-Umsatze entsprechende Energie und ~nur diese~ im Elemente in
-elektrische Energie umgewandelt werde, daß sich also das Element während
-der Stromabgabe weder erwärme noch abkühle. (Wenn übrigens hier und im
-folgenden von der Erwärmung eines Elementes die Rede ist, so soll die
-betreffende Wärme nicht als Joulesche Wärme aufgefaßt werden. Wir nehmen
-an, daß diese durch die Wahl sehr großer Elektroden, die einen kleinen
-Abstand haben, verschwindend klein gemacht sei.) Diese Voraussetzung
-trifft aber im allgemeinen, wie durch experimentelle Untersuchungen von
-~Braun~, ~Raoult~ u. a. nachgewiesen wurde, nicht zu.
-
-Durch Anwendung des zweiten Hauptsatzes der mechanischen
-Wärmetheorie[14] auf die galvanischen Elemente gelangte ~Helmholtz~ zu
-der Gleichung
-
- q
- E = ----- + c . T.
- 23070
-
-w ist wieder die Wärmetönung, entsprechend dem chemischen Umsatz bei
-einer Stromentnahme von 96540 Coulomb, T ist die absolute Temperatur[15]
-und c der „~Temperaturkoeffizient~‟. Um diesen neuen Begriff zu
-erklären, wählen wir als Beispiel den Akkumulator. Die Säure eines
-geladenen Akkumulators habe das spezifische Gewicht 1,15. Durch sehr
-genaue Messungen findet man, daß die elektromotorische Kraft mit der
-Temperatur wächst und zwar für 1° um 0,0004 Volt. Die Zahl 0,0004 ist
-der Temperaturkoeffizient unseres Akkumulators; c gibt also hier an, um
-wieviel Volt die elektromotorische Kraft steigt, wenn die Temperatur der
-Substanzen des Akkumulators um 1° Celsius erhöht wird.
-
-Bei dem gewählten Beispiele ist c positiv. In dem Akkumulator wird also
-nicht nur die dem chemischen Umsatz entsprechende chemische Energie
-(Wärmetönung) in elektrische Energie umgewandelt, sondern auch noch
-Wärme, die zunächst den Substanzen des Elementes und dann der Außenwelt
-entzogen wird. -- Bei 17° Celsius ist die elektromotorische Kraft des
-Akkumulators bei der angenommenen Säuredichte um 290 . 0,0004 = 0,116
-Volt größer, als sie nach der Thomsonschen Regel sein müßte.
-
-Für die Daniellsche Kette ist der Temperaturkoeffizient gleich Null, so
-daß die Helmholtzsche Relation in die Gleichung E = q/23070 übergeht.
-
-Wenn einer Erhöhung der Temperatur eine Abnahme der elektromotorischen
-Kraft eines Elementes entspricht, so ist der Temperaturkoeffizient
-negativ. In diesem Falle liefert die Thomsonsche Regel einen zu großen
-Wert für die elektromotorische Kraft, und das Element erwärmt sich
-während der Stromabgabe, indem ein Teil der Wärmetönung als Wärme zum
-Vorschein kommt.
-
-Die ~Helmholtzsche Relation gilt nur für umkehrbare~ oder reversibel
-arbeitende ~Elemente~; kann man umgekehrt nachweisen, daß für ein
-Element die Helmholtzsche Relation gilt, so ist es ein umkehrbares.
-
-Wir sind hier auf die ~Einteilung der galvanischen Elemente in
-umkehrbare und nichtumkehrbare~ gestoßen, die kurz besprochen werden
-soll: Zu den umkehrbaren Elementen gehört das uns schon bekannte
-Daniell-Element. Den stromliefernden Prozess können wir durch die
-Gleichung
-
- Zn + CuSO₄ = ZnSO₄ + Cu
-
-darstellen, d. h. Zink geht aus dem metallischen Zustand in den
-Ionenzustand und Kupfer aus dem Zustand des Ions in den metallischen
-über. Hat das Element 96540 Coulomb abgegeben, so hat es eine Arbeit von
-96540 . 1,1 Watt geleistet, vorausgesetzt daß die elektromotorische
-Kraft 1,1 Volt beträgt. Nach der angegebenen Stromentnahme schicken wir
-durch das Element den Strom einer Thermosäule (oder irgend einer anderen
-Stromquelle), dessen Richtung die umgekehrte ist, wie die des
-Entladestromes; jetzt geht Zink aus dem Zustand des Ions in den
-metallischen und Kupfer aus dem metallischen Zustand in den des Ions
-über; die im Elemente sich abspielenden Vorgänge, können durch die
-Gleichung
-
- ZnSO₄ + Cu = CuSO₄ + Zn
-
-dargestellt werden. Die Umkehrbarkeit tritt schon äußerlich zutage;
-denn, die letzte Gleichung ist die Umkehrung der vorletzten. Wir können
-beide Gleichungen vereinigen zu
-
- CuSO₄ + Zn ⇄ ZnSO₄ + Cu.
-
-Für die Entladung ist diese Gleichung von links nach rechts, für die
-Ladung von rechts nach links zu lesen.
-
-Bei der Ladung müssen wir eine elektromotorische Kraft anwenden, die
-etwas größer ist als diejenige des Elementes. Ist aber der innere
-Widerstand der Kette sehr klein und der Ladestrom nicht groß, so
-unterscheidet sich die für die Ladung erforderliche Spannung nur um
-einen sehr kleinen Betrag von der elektromotorischen Kraft des
-Elementes, und wir können praktisch die Ladespannung zu 1,1 Volt
-annehmen. Soll während der Stromzufuhr genau soviel Cu in Lösung gehen,
-wie sich bei der Stromabgabe niedergeschlagen hatte, so müssen wir in
-das Element gerade soviel Elektrizität hineinschicken, wie wir ihm
-entnommen hatten, bei unserer Annahme also 96540 Coulomb. Wenn dieses
-geschehen ist, so haben wir das Element wieder in seinen ursprünglichen
-Zustand zurückversetzt, und hierzu bedarf es einer elektrischen Energie
-von 96540 . 1,1 Watt.
-
-Der Nutzeffekt ist also theoretisch gleich 100%. In Wirklichkeit liegen
-die Verhältnisse etwas anders, weil sowohl bei der Ladung als auch bei
-der Entladung der innere, selbst bei großen Elementen nicht unbedeutende
-Widerstand überwunden werden muß[16]. Infolgedessen ist bei der
-Entladung die nutzbare Spannung, die Klemmenspannung, kleiner als 1,1
-Volt, während die bei der Ladung aufzuwendende E.M.K. größer als 1,1
-Volt ist (siehe auch Polarisation durch Konzentrationsänderungen).
-
-Die vorigen Betrachtungen lassen sich nicht auf das Voltasche Element
-
- Zink | verd. Schwefelsäure | Kupfer
-
-übertragen. Bei dieser Kette geht bei Stromentnahme Zink in Lösung, und
-Wasserstoff wird frei (an der Kupferplatte). Der stromliefernde Prozeß
-kann demnach durch die Gleichung
-
- Zn + H₂SO₄ = ZnSO₄ + H₂
-
-dargestellt werden.
-
-Bei der Ladung wird das Zink nicht wieder gebildet; es bildet sich
-vielmehr Kupfersulfat (Kupfer geht in Lösung), und es wird auch jetzt
-Wasserstoff frei:
-
- Cu + H₂SO₄ = CuSO₄ + H₂.
-
-Man kann also durch Elektrizitätszufuhr das Element nicht wieder in
-seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Nach Entnahme und darauf
-folgender Zufuhr von je 96540 Coulomb ist ein Grammäquivalent Zink und
-ein Grammäquivalent Kupfer in der Lösung, und zwei Grammäquivalente
-Wasserstoff sind in Freiheit gesetzt, so daß also ein gewisser
-chemischer Umsatz zu verzeichnen ist, für den eine Kompensation
-vorhanden sein muß. Die bei der Ladung dem Element zugeführte
-elektrische Energie muß größer sein als die bei der Entladung gewonnene.
-Da aber die Strommenge in beiden Fällen dieselbe ist (96540 Coulomb), so
-muß die Ladespannung größer sein als die elektromotorische Kraft des
-Elementes. „Dies ist nur möglich, wenn durch den Transport von
-Elektrizität eine elektromotorische Gegenkraft geweckt wird, d. h. wenn
-das Element sich polarisiert‟. (Nernst, Theoretische Chemie.) Das
-Voltasche Element, von dem die Rede war, ist ein nichtumkehrbares.
-
-Unsere Betrachtungen über galvanische Elemente haben uns zu der
-Erscheinung der ~Polarisation~ geführt, die bei der Elektrolyse der
-verdünnten Schwefelsäure, von der wir ausgegangen sind, eine sehr
-wichtige Rolle spielt. Bevor wir die Polarisation vom Standpunkte der
-Ionentheorie betrachten, wollen wir uns Klarheit verschaffen über die
-~osmotische Theorie der Stromerzeugung~. Als Ausgangspunkt diene ein
-Nichtelektrolyt, und zwar wählen wir eine Zuckerlösung. Der feste
-Zucker, in Wasser gebracht, hat die Tendenz, seine Moleküle in das
-Wasser zu treiben (man vergleiche hiermit die Verdampfungstension). Der
-osmotische Druck der bereits in Lösung gegangenen Zuckermoleküle wirkt
-der ~Lösungstension~ entgegen, er sucht Zuckermoleküle auf die
-Zuckerstückchen zu befördern. Solange die Lösung nichtgesättigt ist,
-überwiegt der Lösungsdruck (die Lösungstension). Dieser ist also gleich
-dem osmotischen Drucke einer gesättigten Zuckerlösung.
-
- Wir haben also ähnliche Verhältnisse wie bei der Verdampfung; der
- Verdampfungstension wirkt der Dampfdruck entgegen, und die Verdampfung
- geht solange vor sich, bis sich die beiden Kräfte das Gleichgewicht
- halten.
-
-Nach der ~Nernstschen Theorie~ hat jedes Metall, das in Wasser oder in
-eine Lösung eingetaucht wird, mehr oder weniger das Bestreben sich zu
-lösen; man muß den Metallen also eine Lösungstension zuschreiben. Von
-anderen Substanzen unterscheiden sich die Metalle aber wesentlich
-dadurch, daß sie nicht anders als positiv geladen, d. h. in Gestalt
-positiver Ionen, in Lösung zu gehen imstande sind. Man bezeichnet daher
-ihre Lösungstension als ~elektrolytische~. Befinden sich in der Lösung
-Ionen des betreffenden Metalles, so wirkt der osmotische Druck dieser
-Ionen der Lösungstension entgegen.
-
-[Illustration: Fig. 1.]
-
-Das Zink hat eine außerordentlich hohe Lösungstension, sie ist größer
-als der höchste erreichbare osmotische Druck der Zinkionen in
-Zinksalzlösung. Taucht man daher eine Zinkstange in Zinksulfatlösung
-ein, so treibt das Zink Ionen in die Lösung hinein, wie dies in Fig. 1
-schematisch angedeutet ist. Infolgedessen wird das Metall negativ
-elektrisch und die Flüssigkeit in nächster Nähe positiv.
-
-Die in die Lösung getriebenen Zinkionen befinden sich in unmittelbarster
-Nähe des Zinkstabes und werden von der negativen Elektrizität der
-Elektrode angezogen. Wie man leicht einsieht, wirkt die elektrostatische
-Anziehung („ungleichnamige Elektrizitäten ziehen sich gegenseitig an‟)
-in demselben Sinne wie der osmotische Druck der vorhandenen Zinkionen
-und entgegen der Lösungstension. Sie erreicht wegen des außerordentlich
-kleinen Abstandes der beiden Ladungen, schon wenn ganz minimale Mengen
-Zink in Lösung gegangen sind, einen außerordentlich hohen Wert. Noch ehe
-wägbare Mengen Zink in Lösung gegangen sind, hat sich ein
-Gleichgewichtszustand ausgebildet.
-
-Die Lösungstension des Kupfers ist klein; sie ist kleiner als der
-osmotische Druck selbst sehr stark verdünnter Kupfersulfatlösungen. Wenn
-man also einen Kupferstab in Kupfervitriollösung eintaucht, so gehen,
-getrieben durch den osmotischen Druck, Kupferionen aus der Lösung auf
-den Kupferstab; das Kupfer wird also positiv und die Flüssigkeit negativ
-elektrisch. Auch hier bildet sich bald ein Gleichgewichtszustand aus.
-Das Potential macht an der Grenze Metall -- Flüssigkeit einen Sprung.
-
-Wenn man beim Daniell-Element den Zinkstab und die Kupferelektrode
-miteinander verbindet, so fließt positive Elektrizität von der Kupfer-
-und negative von der Zinkelektrode weg, das Gleichgewicht an beiden
-Elektroden wird gestört, so daß neues Zink in Lösung gehen und neues
-Kupfer sich auf der positiven Elektrode niederschlagen kann. An der
-einen Elektrode werden also positive Ionen in den Elektrolyten hinein-,
-an der anderen aus dem Elektrolyten herausgedrückt.
-
-Wir wollen jetzt annehmen, daß wir ~verdünnte Schwefelsäure zwischen
-Platinelektroden elektrolysieren~. An der Kathode wird Wasserstoff frei.
-Platin hat nun die Fähigkeit, Gase, besonders Wasserstoff, zu
-absorbieren. Man kann sich hiervon leicht durch den Augenschein
-überzeugen: Man schalte in den Stromkreis ein Amperemeter ein; obschon
-dieses bei Stromschluß einen stärkeren Strom anzeigt, beobachtet man
-doch nicht sofort das Auftreten von Gasblasen. Das unmittelbar nach
-Stromschluß entwickelte Gas dringt in das Platin ein und zwar zunächst
-in eine unendlich dünne an der Oberfläche liegende Schicht, es wird
-gelöst (okkludiert). Ferner wird ein Teil des nach Stromschluß frei
-gewordenen Wasserstoffs bezw. Sauerstoffs von dem Elektrolyten
-absorbiert.
-
-[Illustration: Fig. 2.]
-
-Wir haben also, wenn der zersetzende Strom, der primäre Strom, kurze
-Zeit durch den Wasserzersetzungsapparat geflossen ist, eine mit
-Wasserstoff und eine mit Sauerstoff beladene Elektrode in verdünnter
-Schwefelsäure vor uns, und diese Kombination ist ein galvanisches
-Element, die sogen. ~Knallgaskette~. Unterbrechen wir den primären
-Strom, so fließt bei der Schaltung nach Fig. 2[17] ein Strom durch das
-Voltmeter (~Polarisationsstrom~). Die elektromotorische Kraft unserer
-Gaskette nimmt nach Abschaltung der den Zersetzungsstrom liefernden
-Stromquelle schnell ab, auch wenn man ihr keinen Strom entnimmt, indem
-die von den Elektroden absorbierten Gase in die Flüssigkeit und in die
-tieferen Schichten der Elektroden hineindiffundieren, sodaß die
-Konzentration der Gase in den Elektroden kleiner wird.
-
-Sobald die Elektrolyse der verdünnten Schwefelsäure beginnt, wird unser
-elektrolytischer Apparat in eine Knallgaskette umgewandelt. Die
-abgeschiedenen Gase haben das Bestreben, in den Ionenzustand
-zurückzukehren, und es wird eine elektromotorische Gegenkraft geweckt.
-Diese sucht einen Strom ins Leben zu rufen, der den Batteriestrom
-bekämpft. Das Auftreten einer elektromotorischen Gegenkraft in einem
-elektrolytischen Apparate nennt man ~Polarisation~[18].
-
- Die bei der Elektrolyse des Wassers auftretende Polarisation ist von
- verschiedenen Umständen abhängig, von der Natur, Gestalt, Größe der
- Elektroden, von den Veränderungen, die sie während der Elektrolyse
- erleiden, von den Konzentrationsänderungen des Elektrolyten an den
- Elektroden, von der Stromdichte etc.
-
-Um eine ~Gaselektrode~ zu erhalten, steckt man ein platiniertes
-Platinblech von unten in ein oben geschlossenes Rohr, dessen unterer
-Teil in den Elektrolyten eintaucht. Das Rohr sei mit dem betreffenden
-Gase (z. B. Wasserstoff) derart gefüllt, daß sich das Platinblech zum
-großen Teil im Gase befindet, zum kleinen Teile in der Flüssigkeit (Fig.
-3). Das platinierte Platin absorbiert eine gewisse Gasmenge, es ist
-selbst elektromotorisch nicht tätig, dient nur als Zu- und Ableiter der
-Elektrizität. „Vermöge seines Lösungsvermögens für Gase kommt ihm die
-Fähigkeit zu, den Übergang aus dem Gas- in den Ionenzustand und
-umgekehrt ohne Hindernis zu gestatten. Eine solche Elektrode, z. B. eine
-Wasserstoffelektrode, gehört, wie ~Le Blanc~ experimentell gezeigt hat,
-zu der Klasse der umgekehrten Elektroden (wie Kupfer in
-Kupfersulfatlösung). Dieselbe Arbeit, die wir beim freiwilligen
-Übergang aus dem Gas- in den Ionenzustand gewinnen können, müssen wir
-aufwenden, um den Vorgang rückgängig zu machen.‟ (Le Blanc, Lehrbuch der
-Elektrochemie, S. 162.)
-
-[Illustration: Fig. 3.]
-
-Tauchen zwei Gaselektroden der beschriebenen Art, und zwar eine von
-Wasserstoff und eine von Sauerstoff bespülte, in verdünnte Schwefelsäure
-(s. Fig. 3), so erhält man eine Knallgaskette, die längere Zeit, falls
-der entnommene Strom eine gewisse Stärke nicht überschreitet, eine
-konstante elektromotorische Kraft hat. Der Vorgang in der Kette ist nach
-~Glaser~ folgender: Die Sauerstoffelektrode sendet Sauerstoffionen in
-den Elektrolyten[19]. Dort verbinden sie sich mit zwei Wasserstoffionen
-zu Wasser. Das überschüssige SO₄-Ion veranlaßt zwei Atome des
-okkludierten Wasserstoffs als Ionen in die Lösung zu treten[20]. Der
-stromliefernde Prozeß ist also die Vereinigung von Wasserstoff und
-Sauerstoff zu Wasser.
-
-Die elektromotorische Kraft der Knallgaskette hängt von dem Drucke ab,
-unter dem die Gase stehen. Von diesem Drucke hängt die Konzentration des
-Gases (nicht der Ionen) in der Lösung und von dieser die Konzentration
-des in der Elektrode absorbierten Gases ab; je größer aber diese
-letztere Konzentration ist, um so größer wird die elektrolytische
-Lösungstension des Gases, um so größer auch die elektromotorische Kraft.
-
-Bei Atmosphärendruck beträgt die elektromotorische Kraft der
-Knallgaskette etwa 1,1 Volt. Erniedrigt man den Druck, so nimmt die
-elektromotorische Kraft ab; ist der Druck der beiden Gase so klein, daß
-er nahezu Null ist, so hat die elektromotorische Kraft einen sehr
-kleinen Wert. Schalten wir eine elektromotorische Kraft entgegen (d. h.
-verbinden wir den positiven Pol einer fremden Stromquelle mit der
-Sauerstoffelektrode usw.), die die elektromotorische Kraft der
-Knallgaskette nur um einen ganz geringen Betrag übertrifft, so wird das
-zwischen den Elektroden befindliche Wasser zersetzt.
-
-Die ~Wasserzersetzung zwischen platinierten Platinelektroden ist daher
-ein reversibler Vorgang~ oder die Knallgaskette gehört zu den
-umkehrbaren Elementen.
-
-Für den Fall, daß die Elektrolyse sichtbare Gasblasen liefert, ist die
-Zersetzungsspannung, d. h. die Potentialdifferenz der beiden Elektroden,
-um die anodische und kathodische Überspannung größer als die
-elektromotorische Kraft der Knallgasketten (ca. 1,1 Volt). Le Blanc wies
-nach, daß die Mindestspannung bei Platinelektroden 1,68 Volt beträgt.
-
-Berücksichtigen wir, daß die elektromotorische Kraft der Knallgaskette
-mit abnehmendem Drucke der beiden Gase kleiner wird, so ergibt sich das
-höchst beachtenswerte Resultat, daß die zur Zersetzung des Wassers
-aufzuwendende Energie von einem sehr kleinen Betrage bis zu einer
-gewissen Höhe variieren kann.
-
- Auch dann, wenn man einen Wasserzersetzungsapparat mit einer
- Stromquelle verbindet, deren elektromotorische Kraft kleiner als 1,1
- Volt ist, fließt, wie man an einem eingeschaltenen Galvanometer
- erkennen kann, Strom durch die Zelle. Da nach Unterbrechung des
- Stromes ein Polarisationsstrom nachweisbar ist, so muß eine
- Elektrolyse stattgefunden haben. Man kann dies folgendermaßen
- erklären: Beim Einschalten ist noch keine elektromotorische Gegenkraft
- vorhanden; es fließt also Strom durch die Zelle, und es werden geringe
- Mengen H und O an den Elektroden abgeschieden. Diese werden von den
- unmittelbar an der Oberfläche liegenden (unendlich dünnen) Schichten
- der Elektroden absorbiert, und es entsteht eine Gegenspannung. Da dann
- der absorbierte Wasserstoff bezw. Sauerstoff in die tiefer gelegenen
- Schichten der Elektrode und in die umgebende Flüssigkeit
- hineindiffundiert, so sinkt die Gegenspannung. Würde diese Gasabgabe
- nicht erfolgen, so würde bald die Gegenspannung gleich der
- elektromotorischen Kraft der Stromquelle sein und der Strom
- verschwinden.
-
-Außer der Gaspolarisation kommen bei galvanischen Elementen und
-bei der Elektrolyse noch ~Störungen~ in Betracht, die ~durch
-Konzentrationsänderungen~ innerhalb des Elektrolyten ~verursacht~
-werden.
-
-Die beiden Ionenarten eines Elektrolyten erfahren zwar, falls sie gleich
-große Ladungen haben, gleichen Antrieb in dem Felde zwischen den
-Elektroden, sie haben aber, da ihre Beschaffenheit (Masse, Größe) nicht
-die gleiche ist, verschiedene Widerstände zu überwinden (Hittorf).
-
-Infolge ungleicher Wanderungsgeschwindigkeit der beiden Ionenarten wird
-nun der Elektrolyt in der Nähe der einen Elektrode stärker, in der Nähe
-der anderen Elektrode schwächer konzentriert.
-
-Elektrolysiert man z. B. Kupfervitriollösung zwischen Kupferelektroden,
-so wird, obschon der gesamte Gehalt an CuSO₄ unverändert bleibt, der
-Elektrolyt in der Nähe der positiven Elektrode reicher und in der Nähe
-der Kathode ärmer an CuSO₄; die Konzentrationsänderungen werden bei
-größerer Stromdichte nach etwa 1 Stunde ohne weiteres sichtbar, wenn man
-als elektrolytischen Apparat eine Röhre benutzt, deren Achse vertikal
-gerichtet ist, wie es in der Fig. 4 angedeutet ist. Indirekt kann man
-die Konzentrationsunterschiede dadurch nachweisen, daß man nach
-Abschaltung der den Zersetzungsstrom liefernden Stromquelle die
-Elektroden mit einem Galvanoskop verbindet. Die elektromotorische Kraft
-der Konzentrationskette, in die sich ein elektrolytischer Apparat bei
-(längerem) Stromdurchgang verwandelt, ist der elektromotorischen Kraft
-der Batterie ebenfalls entgegengesetzt gerichtet.
-
-[Illustration: Fig. 4.]
-
- Wie sich aus den vorhergehenden Betrachtungen ergibt, ist die
- Polarisation bei der Elektrolyse der verdünnten Schwefelsäure
- keineswegs eine konstante Größe. Man kann sich hiervon leicht in
- folgender Weise überzeugen: Man messe bei verschiedenen Stromstärken
- i₁, i₂, i₃ die Klemmenspannung des Wasserzersetzungsapparates; die
- gefundenen Werte seien e₁, e₂, e₃. Unter der Annahme, daß die
- Polarisation konstant sei, berechne man aus je zweien der drei
- Gleichungen
-
- e₁ - e e₂ - e e₃ - e
- i₁ = ------, i₂ = ------, i₃ = ------
- w w w
-
- (e = elektromotorische Kraft der Polarisation)
-
- den Widerstand w des elektrolytischen Apparates; man erhält dann für w
- Werte, die sehr verschieden sind.
-
-Wir haben früher durch (vorläufige) energetische Berechnungen das
-Resultat abgeleitet, daß die Spannung, die für die Zersetzung des
-Wassers nötig ist, etwa 1,5 Volt betragen müßte; andererseits haben wir
-gesehen, daß man schon bei elektromotorischen Kräften von etwa 1,1 Volt
-eine Elektrolyse des Wassers beobachtet hat. Es fragt sich, wie man den
-(scheinbaren) Widerspruch beseitigt. Zunächst ist zu berücksichtigen,
-daß bei der Elektrolyse des Wassers keineswegs der Prozeß
-
- 2H + O = H₂O
-
-rückgängig gemacht wird[21]; das wäre richtig, wenn durch den Strom erst
-eine Zerlegung der Wassermoleküle in ihre beiden Komponenten bewirkt
-würde. Die Tätigkeit des Stromes besteht aber darin, daß ~vorhandene~
-Ionen in den atomistischen Zustand übergeführt werden; es spielen sich
-also bei der Elektrolyse die den folgenden Gleichungen entsprechenden
-Vorgänge ab:
-
- 2H· + 2⊖ = 2H[22]
- O′′ + 2⊕ = O bezw.
- 2OH′ + 20⊕ = 2OH und
- H + H = H₂ } Molekülbildung
- O + O = O₂ }
- bezw. 2OH = H₂O + O.
-
-Wir sind gar nicht berechtigt, zu behaupten, daß die diesen Prozessen
-entsprechende Energie gleich ist der Wärmetönung des Vorganges, bei dem
-sich Wasserstoff und Sauerstoff miteinander verbinden[23]. Ferner haben
-wir gesehen, daß bei gewissen galvanischen Elementen nicht nur die der
-Wärmetönung entsprechende Energie in elektrische umgewandelt wird,
-sondern auch noch Wärme, die den Substanzen des Elementes bezw. der
-Außenwelt entzogen wird: dementsprechend dürfen wir ~bei der Elektrolyse
-nicht erwarten, daß die Zersetzungsspannung durch die Wärmetönung allein
-bestimmt sei~.
-
- Die Helmholtz’sche Relation gilt, wie wir gesehen haben, für
- umkehrbare galvanische Elemente. Ist die Knallgaskette ein umkehrbares
- Element, so dürfen wir auf dasselbe die Helmholtz’sche Gleichung
- anwenden. Smale fand, wie bereits bemerkt wurde, daß bei 1,1 Volt[24]
- zwischen Palladiumelektroden, die bekanntlich Wasserstoff sehr stark
- absorbieren, eine sichtbare Gasentwicklung stattfand. Bei mäßiger
- Entladung zeigte das Gaselement bei 20° Celsius dieselbe
- elektromotorische Kraft (also 1,1 Volt). Wenden wir die Helmholtz’sche
- Relation an, so ergibt sich die Gleichung:
-
- 34200
- 1,1 = ----- + c . 293.
- 23070
-
- Hieraus ergibt sich für den Temperaturkoeffizient c der Wert -0,0014.
- Durch Messungen ergab sich, daß der Temperaturkoeffizient den aus der
- Helmholtz’schen Gleichung gefundenen Wert hat. Die Wasserzersetzung
- resp. Wasserbildung mit 1,1 Volt ist also ein reversibler Prozeß.
-
- [1] Die Frage, welche Verbindung des Bleies mit Sauerstoff sich
- bildet, ist unwesentlich. Aus dem vorhandenen Oxyde bildet die Säure
- wahrscheinlich zuerst Bleisulfat, und dieses wird zu Blei reduziert.
-
- [2] Allerdings nicht vollständig; mit wachsendem Druck wird der
- Unterschied in der Durchlässigkeit immer kleiner.
-
- [3] Schon ~Helmholtz~ hatte in seiner Faraday-Rede der Elektrizität
- eine atomistische Struktur zugeschrieben. Die Elektrizitätsatome
- sollen im Folgenden als ~Elektronen~ bezeichnet werden; für diese
- wählen wir die Symbolen ⊕ und ⊖. Die Elektronen sehen wir als neue
- einwertige Elemente an. Ein positives Elektron kann sich mit einem
- negativen vereinigen zu einem Neutron ⊕-⊖.
-
- [4] Dieses wurde von zwei schwedischen Forschern, ~Guldberg~ und
- ~Waage~, aufgestellt. Näheres siehe Nernst, Theoretische Chemie.
-
- [5] Dieses oder ein anderes vorhandenes Kupfersulfatmolekül spaltet
- sich elektrolytisch, so daß das SO₄-Ion neu gebildet wird. Der Effekt
- ist also derselbe, als ob ein Kupferatom der positiven Elektrode, mit
- Elektrizität beladen, also als Ion, in die Lösung gegangen wäre. Nimmt
- man dieses an, so ist der ganze Vorgang rein primär.
-
- [6] S. Nernst, Theoretische Chemie, 4. Aufl., S. 468.
-
- [7] Caspari, Zeitschr. für physik. Chemie, 1899, 30, 89.
-
- [8] Bei höherer Stromdichte (Anzahl Ampere pro 1 dm²) wächst die
- Überspannung noch und erreicht ihren maximalen Wert erst, nachdem die
- Elektrolyse längere Zeit in Gang gehalten worden ist. Ähnliches gilt
- für die anodische Überspannung.
-
- [9] ~Coehn~ und ~Osaka~, Zeitschr. für anorganische Chemie, 1903,
- =34=, 86.
-
- [10] Näheres s. ~H. Danneel~, Spezielle Elektrochemie, S. 44, und über
- die Bildung von Überschwefelsäure ebendaselbst S. 67.
-
- [11] ~Smale~ benutzte Palladiumelektroden, die bekanntlich die
- abgeschiedenen Gase, besonders Wasserstoff in hohem Grad zu
- absorbieren vermögen; er beobachtete schwache Gasentwicklung bei 1,062
- Volt (~Arrhenius~, Lehrbuch d. Elektrochemie, 1901, S. 241). ~Nernst~
- und ~Glaser~ (ebenso ~Bose~) konnten nachweisen, daß eine sichtbare
- Gasentwicklung schon bei 1,08 Volt eintritt, wenn man eine kleine
- Platinspitze als Kathode und eine große platinierte Platinplatte (eine
- unpolarisierbare Elektrode) als Anode benutzt. Bei dieser Spannung
- werden die Sauerstoff- und Wasserstoffionen entladen. Über den
- Reststrom s. S. 14 und 29.
-
- [12] Aus der Formel
-
- H₂O schließen wir, daß 1 g H bindet 8 g O;
- 8 g O = 1 Grammäquiv. O.
- HCl „ „ „ 1 g H „ 35,5 g Cl;
- 35,5 g Cl = 1 „ Cl.
- Na(OH) „ „ „ 23 g Na ersetzen 1 g H;
- 23 g Na = 1 „ Na.
-
- Aus den Formeln H₂SO₄ und ZnSO₄ schließen wir, daß 65 g Zn ersetzen 2
- g H, oder daß 65/2 g Zn äquivalent sind 1 g H usw. Chemisch
- äquivalente Mengen enthalten im Ionenzustand gleiche
- Elektrizitätsmengen (~Faraday’sches Gesetz~). 1 Grammäquivalent
- enthält im Ionenzustand 96540 Coulomb.
-
- [13] Schichtet man z. B. über eine starke Kupferchloridlösung eine
- schwache Lösung desselben Salzes und taucht in beide Lösungen
- Kupferelektroden ein, so findet man, daß ein Galvanoskop, dessen
- Klemmen man mit den Elektroden verbindet, einen Strom anzeigt. An der
- einen Elektrode geht Kupfer in Lösung, an der anderen schlägt sich
- Kupfer nieder. Die elektrische Energie entsteht hier überhaupt nicht
- aus chemischer Energie.
-
- [14] Näheres siehe ~Ostwald~, Entwicklung der Elektrochemie, Leipzig
- 1910.
-
- [15] Ist t die Temperatur in Celsius-Graden, so ist 273 + t = T die
- absolute Temperatur.
-
- [16] Auch aus anderen Gründen ist das Element als Akkumulator
- praktisch nicht brauchbar.
-
- [17] _B_ = Batterie, _W_ = Kurbelrheostat, _A_ = Ampèremeter, _V_ =
- Voltmeter, _An_ = Anode, _K_ = Kathode.
-
- [18] Von einer Gaspolarisation kann beim Bleiakkumulator höchstens
- gegen Ende der Ladung die Rede sein.
-
- [19] Alle negative Ionen liefernde Elemente haben einen hohen
- Lösungsdruck.
-
- [20] Vor Stromschluß verhinderte der osmotische Druck der
- Wasserstoffionen innerhalb des Elektrolyten das Eindringen der
- Wasserstoffionen. -- Verschwinden aus der Säure zwei Wasserstoffionen,
- so ist das Gleichgewicht gestört.
-
- [21] Das geschieht, wenn man Wasserdampf sehr stark erhitzt.
-
- [22] Das Wasserstoffion hat einen anderen Energieinhalt als das
- Wasserstoffatom, d. h. dem oben angegebenen Prozesse entspricht eine
- Wärmetönung. Diese ist allerdings im vorliegenden Falle nicht groß,
- bei anderen Ionen aber hat sie bedeutende Werte.
-
- [23] Wenn man eine Säure und eine Base, beide in wässeriger Lösung,
- mischt, so verbinden sich Wasserstoff- und Hydroxylionen zu Wasser.
- Beim Zusammentreten von 1 Gramm Wasserstoffionen mit der
- entsprechenden Menge OH-Ionen werden 13700 cal. frei. Wir dürfen daher
- annehmen, daß, wenn durch elektrolytische Dissoziation des Wassers 1
- Gramm H-Ionen entsteht, 13700 cal. verbraucht werden. Diese Wärme wird
- dem Wasser bezw. der Umgebung entzogen. Man ist daher eher berechtigt
- zu sagen: die Wärmetönung, die der Elektrolyse des Wassers entspricht,
- ist (34200-13700) cal., als zu behaupten, sie beträgt 34200 cal.
-
- [24] Die elektromotorische Kraft, die der Bildung von Wasser aus den
- Elementen, beide von ~Atmosphären~druck, entspricht, wird neuerdings
- zu 1,23 Volt angegeben (siehe Handbuch der anorganischen Chemie. 2.
- Band, 1. Abteilung. S. 85).
-
-
-
-
-Zweites Kapitel.
-
-Die Theorie des Bleiakkumulators.
-
-
-Die ~Geschichte des Akkumulators~ beginnt mit ~Ritters~ Entdeckung der
-Polarisationsströme. ~Sinsteden~ erhielt besonders kräftige
-Polarisationsströme, als er statt Platin Blei benutzte. Das Verdienst
-aber, die Bedeutung des Bleies für die Aufspeicherung der elektrischen
-Energie erkannt zu haben, gebührt ~Planté~[25]. Seine ersten Versuche
-fielen in die Mitte des vorigen Jahrhunderts, 1879 trat er mit seiner
-Erfindung hervor (s. auch Kap. 6).
-
-~Chemische Theorie.~ Zunächst soll die Stromerzeugung im Bleiakkumulator
-besprochen werden, ohne daß auf die Ionentheorie Rücksicht genommen
-wird, d. h. vom rein chemischen Standpunkte aus.
-
-~Planté~ war der Ansicht, daß nur die Elemente des Wassers bei der
-Ladung und Entladung an den chemischen Veränderungen, die sich an den
-Elektroden abspielen, beteiligt seien. Welche Oxydationsstufe des Bleies
-sich an der positiven Elektrode bildet, läßt Planté offen. Das Bild, das
-er sich von den Vorgängen verschafft hat, dürfte etwa folgendes sein:
-Bei der Entladung wird Bleisuperoxyd (PbO₂) durch Wasserstoff, der
-durch die Zersetzung des Wassers frei wird, in eine niedrigere
-Oxydationsstufe verwandelt, und Blei wird durch Sauerstoff oxydiert. Das
-durch den Strom zersetzte Molekül Wasser wird an der positiven Elektrode
-wieder gebildet. Mithin müßte das spezifische Gewicht der Säure während
-der Entladung konstant bleiben. Die Erfahrung lehrt uns aber, daß dies
-nicht der Fall ist. Die Änderungen der Säuredichte während der Ladung
-und Entladung hatte Planté zwar auch beobachtet, aber merkwürdiger Weise
-nicht bei der Aufstellung der Theorie verwertet.
-
-Im Laufe der Zeit sind eine ganze Reihe von Theorien über die chemischen
-Vorgänge im Akkumulator aufgestellt worden, von denen verschiedene den
-Grundsätzen der physikalischen Chemie ganz und gar widersprechen. Es
-soll hier nur diejenige Theorie besprochen werden, die, wie ~Dolezalek~
-in seinem bekannten Werke über Akkumulatoren[26] sagt, bis auf den
-heutigen Tag alle Anfechtungen siegreich bestanden hat; es ist dies die
-~Sulfattheorie~, als deren Begründer die englischen Forscher ~Gladstone~
-und ~Tribe~ (1883) anzusehen sind. Nach dieser Theorie bildet sich bei
-der Entladung an beiden Elektroden Bleisulfat; die Vorgänge können durch
-die beiden folgenden Gleichungen dargestellt werden:
-
- +Elektrode: PbO₂ + H₂ + H₂SO₄ = PbSO₄ + 2H₂O,
- -Elektrode: Pb + SO₄ = PbSO₄.
-
-Durch Addition erhalten wir die dem ~ganzen~ stromliefernden Prozeß
-entsprechende Gleichung:
-
- PbO₂ + Pb + 2H₂SO₄ = 2PbSO₄ + 2H₂O (1).
-
-[Illustration: Fig. 5.]
-
-Bei der Ladung (s. Fig. 5) tritt der Strom an der positiven Elektrode in
-die Flüssigkeit ein. Da der Wasserstoff mit dem Strom wandert, so wird
-er jetzt an der negativen Platte frei (bei der Entladung an der
-positiven Elektrode). Die Prozesse, die sich bei der Ladung abspielen,
-entsprechen den folgenden Gleichungen:
-
- +Elektrode: PbSO₄ + SO₄ + 2H₂O = PbO₂ + 2H₂SO₄
- -Elektrode: PbSO₄ + H₂ = Pb + H₂SO₄.
-
-Addiert man die beiden Gleichungen und zieht auf beiden Seiten 1 Molekül
-Schwefelsäure ab, so erhält man
-
- 2PbSO₄ + 2H₂O = PbO₂ + Pb + 2H₂SO₄ (2).
-
-Die beiden Gleichungen (1) und (2) kann man zu einer einzigen
-zusammenfassen:
-
- PbO₂ + Pb + 2H₂SO₄ ⇄ 2PbSO₄ + 2H₂O (3).
-
-Während der Ladung wird also Wasser verbraucht und Schwefelsäure
-gebildet, so daß unsere Gleichung der bekannten Tatsache Rechnung trägt,
-daß die ~Säuredichte bei Stromzufuhr größer wird~; während der
-~Entladung~ wird nach unserer Gleichung Schwefelsäure verbraucht und
-Wasser gebildet, so daß die ~Konzentration~ der Säure ~abnimmt~.
-
-Wir wollen zunächst die in unserer Gleichung vorkommenden Substanzen
-kurz besprechen und vor allem zusehen, wieviel Gramm von jeder einzelnen
-pro Amperstunde verbraucht oder gebildet werden.
-
-Das Bleisuperoxyd hat eine braunrote Farbe. Es leitet in der festen
-Form, wie es auf den Platten der Akkumulatoren vorkommt, nach
-~Streintz~[27] die Elektrizität halb so gut wie Quecksilber. Der
-Verbrauch pro Amperstunde kann folgendermaßen berechnet werden. Auf 2
-Atome Wasserstoff, die herauselektrolysiert werden, kommt gemäß der
-Gleichung
-
- PbO₂ + H₂ + H₂SO₄ = PbSO₄ + 2H₂O
-
-ein Molekül PbO₂, das umgewandelt wird; auf 1 Gramm Wasserstoff kommen
-also (206,5 + 32):2 = 119,25 g Bleisuperoxyd. Da durch 96540 Coulomb 1
-Gramm Wasserstoff abgeschieden wird, so werden durch 1 Amperstunde =
-3600 Coulomb an Wasserstoff 3600/96540 = 0,0373 g entwickelt. Der
-Verbrauch an PbO₂ pro Amperstunde beträgt also 119,25 . 0,0373 g = 4,46
-Gramm.
-
-2) Das Blei ist ein weiches Metall von hohem spezifischen Gewichte; sein
-elektrochemisches Äquivalent ist, da es zweiwertig ist, 206,5/2 =
-103,25, also ein sehr hohes (man vergleiche hiermit das
-Äquivalentgewicht des dreiwertigen Aluminiums). Da die Träger der
-aktiven Masse, d. h. der an dem chemischen Umsatze beteiligten Stoffe,
-aus Blei bestehen müssen, so ist der Bleiakkumulator ein schwerer
-Akkumulator. Das aktive Blei ist porös, schwammig (Bleischwamm). Pro
-Amperstunde, die der Akkumulator abgibt, müssen 0,0373 × 206,5/2 = 3,85
-g Bleischwamm vorhanden sein.
-
-3) Verdünnte Schwefelsäure von der bei Akkumulatoren üblicher
-Konzentration ist ein Elektrolyt von ausgezeichnetem Leitungsvermögen
-(näheres siehe Kap. 3). Wenn 2 Atome Wasserstoff zur Abscheidung
-gelangen, werden, wie man aus den beiden auf die Entladung sich
-beziehenden Gleichungen ersieht, 2 Moleküle Schwefelsäure verbraucht. Da
-das Molekulargewicht der Schwefelsäure 98 ist, so kommen auf 1 g
-Wasserstoff 98 g Schwefelsäure. Verbrauch pro Amperstunde also 3,66 g.
-
-4) Ähnlich findet man, daß pro Amperstunde 18 . 0,0373 = 0,67 Gramm
-Wasser bei der Entladung frei werden.
-
-5) Das Bleisulfat ist in verdünnter Schwefelsäure nur sehr wenig
-löslich; infolgedessen bleibt es an den Elektroden haften. Die
-Löslichkeit hängt von der Säuredichte ab; sie ist bei 1,22 Säuredichte
-ein Minimum, es lösen sich in 1 l solcher Säure nur 12 mgr.[28].
-
-~Beweise für die Richtigkeit der Sulfattheorie oder der Gleichung 3.~ An
-der Tatsache, daß sich an der negativen Elektrode bei der Ladung Blei
-(und nur dieses) bildet, wird wohl kaum noch von jemand gezweifelt; wohl
-aber wird hier und da bestritten, daß sich an der positiven Platte nur
-Bleisuperoxyd bildet. So z. B. behauptet Darrieus[29], daß geladene
-positive Platten Bleisuperoxyd enthalten, das mit Überschwefelsäure
-durchtränkt ist. Die Bildung von Überschwefelsäure ist bei normalen
-Verhältnissen aus verschiedenen Gründen unwahrscheinlich; bei Ladung mit
-sehr hoher Stromdichte, bei der die Klemmenspannung einen hohen Betrag
-annimmt, ist sie allerdings nicht unmöglich (s. S. 13), indem dann die
-Dichte der Säure in den Poren der aktiven Masse und in der nächsten
-Umgebung, wie später gezeigt wird, stark ansteigt, und großer
-Säuregehalt für die Bildung von Überschwefelsäure günstig ist. Wird aber
-mit den üblichen Stromdichten geladen, so daß die Spannung nicht über
-2,7 bis 2,8 Volt steigt (Ende der Ladung), so ist die Entstehung von
-Überschwefelsäure höchst unwahrscheinlich.
-
-Der Akkumulator wäre ferner kein umkehrbares Element, wenn
-Überschwefelsäure entstände, da der betreffende Vorgang nicht reversibel
-ist; wir werden aber sehen, daß die Helmholtz’sche Gleichung, auf den
-Akkumulator angewendet, zu einem richtigen Werte für die
-elektromotorische Kraft führt, daß also der Bleiakkumulator zu den
-umkehrbaren Elementen zu rechnen ist. Setzt man endlich dem Akkumulator
-Überschwefelsäure[30] zu, so sinkt die elektromotorische Kraft, während
-sie bei der Ladung langsam steigt. [Durch Versuche von ~Mugdan~[31]
-dürfte die Darrieus’sche Theorie übrigens endgültig widerlegt sein.]
-
-Verschiedene Forscher haben durch chemische Analyse nachgewiesen, daß
-sich Bleisuperoxyd in einer unserer Gleichung entsprechenden Weise
-bildet. Ferner spricht für die Bildung von Bleisuperoxyd folgender
-Versuch. Kombiniert man eine geladene positive Akkumulatorplatte in
-verdünnter Schwefelsäure mit einem amalgamierten Zinkstab, so findet
-man, daß das betreffende Element eine elektromotorische Kraft von 2,4
-Volt hat; ersetzt man die Akkumulatorplatte durch eine Bleiplatte, die
-mit einem Überzug von künstlich dargestellten PbO₂ versehen ist, so hat
-diese Kombination ebenfalls eine elektromotorische Kraft von 2,4 Volt.
-
-Daß sich bei der Entladung Bleisulfat gemäß unserer Gleichung bildet,
-kann durch Messungen der Säuredichte nachgewiesen werden. Die einer
-bestimmten Strommenge entsprechende Abnahme der Konzentration kann
-nämlich aus der Menge der vorhandenen Säure und dem anfänglichen
-spezifischen Gewichte derselben leicht berechnet werden. ~W. Kohlrausch~
-und ~C. Heim~, die diesbezügliche Messungen ausführten, fanden, daß die
-berechnete Änderung der Säuredichte mit der durch Aräometermessung
-gefundenen sehr gut übereinstimmt[32].
-
- ~E. Sieg~[33], der die Versuche in dem Laboratorium der Kölner
- Akkumulatoren-Werke wiederholen ließ, fand, daß die nach unserer
- Gleichung zu erwartende Bildung von 3,66 Gramm Schwefelsäure nie
- beobachtet wurde. Wahrscheinlich wurden die gefundenen Abweichungen
- durch die in den Poren der aktiven Masse eingeschlossene Säure
- verursacht.
-
-Den Nachweis, daß sich bei der Entladung aus Blei, Bleisuperoxyd und
-Schwefelsäure im Sinne unserer Gleichung Bleisulfat und Wasser bilden
-und ~zwar primär~ (stromliefernd, wie der chemische Umsatz im
-Daniell-Elemente), kann man durch ~thermodynamische Berechnungen~
-führen, indem man nämlich die Helmholtz’sche Relation (s. S. 19) auf den
-Akkumulator anwendet: Unserer von links nach rechts gelesenen Gleichung
-(3) entspricht ein bestimmter chemischer Umsatz, bei dem eine gewisse
-Wärmemenge frei wird (die gesamte Energie des Systems nimmt ab). Die
-Wärmetönung (Änderung der gesamten Energie), bezogen auf diejenigen
-Mengen Blei, Bleisuperoxyd und Schwefelsäure, die einer Stromentnahme
-von 96540 Coulomb entsprechen, sei q. Eine direkte Bestimmung von q im
-Kalorimeter ist wegen des langsamen Verlaufes der Reaktionen nicht
-ausführbar. Man kann aber aus bekannten Wärmetönungen die dem Umsatze
-
- Pb + PbO₂ + 2H₂SO₄ = 2PbSO₄ + 2H₂O
-
-entsprechende Reaktionswärme berechnen. Hierbei benutzt man den Satz der
-konstanten Wärmesumme; nach diesem ist die Wärmetönung unabhängig von
-dem Wege, auf dem man ein chemisches System aus einem gegebenen
-Anfangszustand in einen bestimmten Endzustand überführt[34].
-
-q ist von der Dichte der Akkumulatorsäure abhängig. Wir wollen zunächst
-annehmen, daß das spezifische Gewicht der Säure 1,044 sei. Nach
-~Streintz~ ist bei dieser Säuredichte die Wärmetönung q = 42850 cal.,
-nach ~Tscheltzow~ beträgt sie 43850. Wir wählen das arithmetische Mittel
-aus diesen beiden Werten, setzen also
-
- q = 43350 cal.
-
-Wir müssen noch, ehe wir die Gleichung
-
- q
- E = ----- + c . T,
- 23070
-
-anwenden können, den ~Temperaturkoeffizienten~ des Akkumulators kennen.
-Dieser ist zuerst von ~Streintz~ experimentell bestimmt worden. Dieser
-Forscher fand, daß c von der Säuredichte abhängig ist. Bei einer
-Säuredichte von 1,16 erreicht er ein Maximum, dieses beträgt 0,36
-Millivolt pro 1° Temperaturänderung. ~Dolezalek~ bestimmte auf
-theoretischem Wege den Temperaturkoeffizienten und gelangte zu dem
-Resultate, daß ~derselbe sowohl positiv wie negativ sein kann~. Bei
-einer Säuredichte von 1,044 ist er[35] gleich Null, bei höheren
-Konzentrationen ist er positiv, bei niedrigeren negativ. Hat die
-Akkumulatorsäure die übliche Dichte, nämlich 1,18 bis 1,2 nach
-beendigter Ladung, so ist c = 0,0004 Volt (angenähert).
-
-Da bei 1,044 Säuredichte (68,6 Gramm H₂SO₄ pro Liter) c = 0, so muß bei
-dieser Konzentration die Thomsonsche Regel angewendet werden. Wird also
-durch unsere Gleichung (3) der chemische Umsatz richtig wiedergegeben,
-so muß die elektromotorische Kraft
-
- 43350
- E = ----- = 1,88 Volt sein.
- 23100
-
-Mißt man die elektromotorische Kraft bei der angegebenen Säuredichte, so
-findet man den Wert 1,89 Volt.
-
-Bei der gewöhnlichen Säuredichte ist die Wärmetönung etwas kleiner als
-43350 cal. Die jetzt anzuwendende Helmholtzsche Relation liefert aber
-trotzdem einen höheren Wert für die elektromotorische Kraft als den
-eben gefundenen (1,88 Volt), weil das Glied c . T einen Wert von mehr
-als 0,1 Volt (bei 17° Celsius) hat. Der berechnete und der gemessene
-Wert von E stimmen auch jetzt vorzüglich überein.
-
-Da eine ganze Reihe von Beweisen für die Richtigkeit unserer Behauptung
-beigebracht sind (s. auch S. 45), daß der Akkumulator ein umkehrbares
-Element ist, in dem sich die chemischen Veränderungen nach der Gleichung
-(3) vollziehen, da ferner das ganze Verhalten des Akkumulators mit der
-Reaktionsgleichung im Einklang steht, so dürfte es überflüssig sein, auf
-andere Theorien näher einzugehen.
-
-Von den Gegnern der Sulfattheorie wird folgender Einwand erhoben. Wenn
-bei einem umkehrbaren galvanischen Elemente der innere Widerstand sehr
-klein ist, so darf die für die Ladung nötige Energie nicht oder doch nur
-sehr wenig verschieden sein von der bei der Entladung entnommenen
-Arbeit. Beim Bleiakkumulator ist aber das Verhältnis zwischen der
-abgegebenen und zugeführten elektrischen Energie nur etwa 0,8. Diese
-Tatsache dürfte mit dem Charakter der Irreversibilität unvereinbar sein.
-
-Ehe wir zeigen, daß gar kein Widerspruch gegen die Sulfattheorie
-vorliegt, daß man vielmehr mit Hilfe unserer Gleichung die Differenz
-zwischen Lade- und Entladeenergie zwanglos erklären kann, wollen wir uns
-beschäftigen mit der ~Änderung der elektromotorischen Kraft mit der
-Säurekonzentration~[36]. Diese wurde zuerst von ~Streintz~
-nachgewiesen; nach seinen Untersuchungen ist zu Anfang der Entladung
-
- E = 1,85 + 0,917 (s - 1),
-
-wo s das spezifische Gewicht der Säure nach der Ladung ist. Man findet
-mit Hilfe dieser Gleichung, daß
-
- für s = 1,05 E = 1,896
- s = 1,1 E = 1,942
- s = 1,2 E = 2,033
- s = 1,3 E = 2,125
- s = 1,55 E = 2,350
-
-Diese Werte stimmen mit den durch direkte Messung gefundenen ziemlich
-gut überein.
-
- Es liegt die Frage nahe, warum man in der Praxis bei einer Säuredichte
- von 1,1 bis 1,2 geblieben ist. Hier ist zu beachten, daß die
- Löslichkeit des Bleisulfates bei hohen Konzentrationen stark zunimmt;
- bei 1,6 Säuredichte ist sie etwa 4 mal so groß wie bei einer
- Säuredichte von 1,16. Auch tritt bei höheren Säuredichten leichter
- Sulfatierung ein (s. Kap. 5) und der spezifische Widerstand der
- verdünnten Schwefelsäure liegt bei der üblichen Säuredichte nahe beim
- Minimum, bei 1,6 ist er beinahe 3 mal so groß wie bei 1,2.
-
-Wenn noch ein Zweifel an der Richtigkeit der Sulfattheorie bestand, so
-würde dieser gehoben durch Untersuchungen von ~Dolezalek~ über die
-Abhängigkeit der elektromotorischen Kraft von der Säuredichte; es ergab
-sich, daß die durch Anwendung der Thermodynamik berechneten Werte
-vorzüglich mit den experimentell gefundenen übereinstimmten. Der den
-Berechnungen zu Grunde liegende Gedanke ist folgender:
-
-Zwei Akkumulatoren, die wir mit _A_ und _B_ bezeichnen wollen, seien
-gegeneinander geschaltet: _A_ enthalte konzentriertere, _B_ verdünntere
-Lösung (s. Fig. 6). Man findet, wenn man noch ein Galvanoskop
-einschaltet, daß der Akkumulator _A_ Strom abgibt. _A_ wird also
-entladen und _B_ geladen.
-
-[Illustration: Fig. 6.]
-
-Bei diesen Vorgängen wird
-
- in _A_ eine gewisse Menge PbO₂ verbraucht,
- in _B_ die gleiche Menge PbO₂ erzeugt,
-
- in _A_ eine gewisse Menge Pb verbraucht,
- in _B_ die gleiche Menge Pb erzeugt,
-
- in _A_ bildet sich eine gewisse Menge PbSO₄,
- in _B_ verschwindet die gleiche Menge PbSO₄.
-
-Betrachten wir die beiden Akkumulatoren als ein chemisches System, so
-folgt, daß sich die dem chemischen Umsatze entsprechenden Wärmetönungen,
-soweit die festen Substanzen in Betracht kommen, gegenseitig aufheben.
-Ferner ändert sich in beiden Akkumulatoren die Konzentration der Säure,
-und zwar wird sie in _A_ geringer und in _B_ größer. Die Änderungen der
-Säuredichte kann man sich nun auch in der Weise vollzogen denken, daß
-aus _A_ Schwefelsäure nach _B_ und aus _B_ Wasser nach _A_ befördert
-wird. Diese Transporte (die Wegnahme bezw. der Zusatz von Flüssigkeiten)
-sind mit einem Arbeitsgewinn verbunden. Es ergibt sich dies aus
-folgenden Betrachtungen.
-
-Wenn man in Wasser Schwefelsäure gießt, so wird Wärme frei, und zwar ist
-die Wärmeentwickelung bei der Mischung von a Grammolekül[37]
-Schwefelsäure und b Grammolekül Wasser nach Thomson
-
- a . b
- w = --------- . 17860 cal.
- 1,8 a + b
-
-Nehmen wir an, daß wir 1 Mol Schwefelsäure nicht auf einmal, sondern in
-kleinen Quantitäten nach und nach dem Wasser zusetzen, etwa jedesmal 1
-Gramm; es wird dann keineswegs bei jedem Zusatz die gleiche Wärmemenge
-frei, sondern zuerst eine größere als später. Es folgt dies schon aus
-dem Umstande, daß keine Wärme entwickelt wird, wenn man zu
-konzentrierter Schwefelsäure reine Schwefelsäure gießt. Wird umgekehrt
-einer Schwefelsäurelösung Schwefelsäure entzogen, so wird Wärme
-gebunden, und zwar ist die (negative) Wärmetönung um so kleiner, je
-größer die Konzentration der Säure ist. Nennen wir also die
-Wärmeentwickelung, die der Beimischung von a Gramm Schwefelsäure zu der
-Säure des Akkumulators _B_ entspricht, q₁, und den Wärmeverbrauch bei
-der Wegnahme von a Gramm Schwefelsäure aus _A_ q₂, so ist q₁>q₂. Für die
-Wärmeentwickelung und den Wärmeverbrauch, mit der die Beimischung und
-Entnahme des Wassers verbunden ist, gilt das Umgekehrte wie eben. Die
-Wärmetönung des stromliefernden Prozesses besteht also aus vier Posten,
-von denen zwei positiv und zwei negativ sind.
-
-Wollen wir die Helmholtz’sche Relation (s. S. 19) auf das System,
-bestehend aus den beiden gegeneinander geschalteten Akkumulatoren,
-anwenden, so haben wir für e die Differenz der beiden elektromotorischen
-Kräfte (ΔE) zu setzen; die in der Gleichung mit c bezeichnete Größe ist
-nicht etwa der Temperaturkoeffizient eines der beiden Akkumulatoren,
-vielmehr hat c in dem vorliegenden Falle folgende Bedeutung. A sowohl
-wie B möge um 1° Celsius erwärmt werden, dann nimmt ΔE einen etwas
-anderen Wert an, der neue Wert sei ΔE′. Es ist dann
-
- c = ΔE′ - ΔE.
-
-Da man die Temperaturkoeffizienten des Akkumulators für die
-verschiedenen Säuredichten kennt, so kann man den
-Temperaturkoeffizienten des Systems und somit auch ΔE bestimmen. Es sind
-also alle Größen zur Berechnung der elektromotorischen Kraft (ΔE) mit
-Hilfe der Helmholtz’schen Gleichung bekannt.
-
-Von der Besprechung des anderen Weges, den Dolezalek angibt, die
-Änderung der elektromotorischen Kraft mit der Säuredichte zu berechnen,
-soll abgesehen werden. Aus der folgenden Tabelle ist zu ersehen, wie
-groß die Übereinstimmung zwischen Rechnung und Messung ist.
-
- Elektromotorische Kraft
- Säuredichte berechnet gemessen
- 1,553 2,39 Volt 2,355 Volt
- 1,420 2,25 „ 2,253 „
- 1,266 2,10 „ 2,103 „
- 1,154 2,06 „ 2,008 „
- 1,035 1,85 „ 1,887 „
-
-Der Berechnung der elektromotorischen Kraft des Akkumulators bei
-verschiedenen Konzentrationen der Säure liegt die Annahme zugrunde, daß
-der Verbrauch an Schwefelsäure und die Bildung von Wasser in einer
-unserer Reaktionsgleichung entsprechenden Weise erfolgt. Die gute
-Übereinstimmung zwischen den berechneten und den gemessenen Werten der
-elektromotorischen Kraft kann daher als ein weiterer überzeugender
-Beweis für die Richtigkeit der Sulfattheorie angesehen werden.
-
-Wir gehen jetzt auf den früher erwähnten Einwand gegen die Sulfattheorie
-näher ein. Nach dieser wird bei der Ladung des Akkumulators an beiden
-Elektroden Bleisulfat zersetzt und Schwefelsäure gebildet, und zwar
-entsteht die Säure sowohl an der Oberfläche der Platten als auch in den
-Poren der ~aktiven Masse~[38]. Die an den Plattenoberflächen entstandene
-Säure sinkt, wie man an der sogenannten Schlierenbildung gut erkennen
-kann, langsam zu Boden. Da aber während der Ladung fortwährend
-Schwefelsäure entsteht, so ist jede Elektrode in eine sehr dünne
-Schwefelsäureschicht eingehüllt. Ferner füllt sich kurze Zeit nach
-Beginn der Ladung jede Pore der aktiven Masse mit stark konzentrierter
-Säure; diese wird in den Poren mechanisch festgehalten (Kapillarität)
-und kann nur durch Diffusion in den Elektrolyten außerhalb der Platten
-gelangen[39]. Die Diffusion aber ist ein Vorgang, der sich nur langsam
-vollzieht. Die aktive Masse ist also in Berührung mit Säure höherer
-Konzentration. Da aber die elektromotorische Kraft des Akkumulators mit
-der Säuredichte nicht unerheblich ansteigt, so ist die Gegenspannung
-während der Ladung anormal hoch (s. auch S. 82).
-
- Die mittels des Aräometers nachweisbare Zunahme der Konzentration der
- Säure (zwischen den Platten, die wir die äußere Säure nennen wollen)
- hat zwar auch ein Wachstum der elektromotorischen Kraft zur Folge.
- Die dieser Zunahme entsprechende Änderung der elektromotorischen Kraft
- beträgt nur einige Hundertstel Volt.
-
-Während der Entladung wird an beiden Elektroden Säure verbraucht; die
-Folge ist, daß die Konzentration der Säure in den Poren der aktiven
-Masse und unmittelbar an der Oberfläche stark abnimmt. Die
-elektromotorische Kraft hat daher einen kleineren Wert als denjenigen,
-welcher der Dichte[40] der äußeren Säure entspricht.
-
-Der Unterschied zwischen Lade- und Entladespannung ist der Hauptgrund
-für den verhältnismäßig geringen Nutzeffekt (s. S. 73). Da dieser nun
-mit Hilfe der Sulfattheorie erklärt ist, so liegt natürlich kein
-Widerspruch vor.
-
-Wenn die Ladespannung deshalb größer wäre, weil die Vorgänge bei der
-Ladung nicht die umgekehrten sind wie bei der Entladung, so müßte, wenn
-man plötzlich von der Entladung zur Ladung übergeht oder umgekehrt, die
-Spannung sich sprungweise ändern; der Versuch zeigt aber, daß dieses
-nicht der Fall ist.
-
-Falls die aus der Sulfattheorie hergeleitete Erklärung für den
-Unterschied zwischen Lade- und Entladespannung den Tatsachen
-entspricht, muß dieser Unterschied, wenn man mit sehr geringer
-Stromdichte lädt und entlädt, verschwindend klein werden. Ein einfacher
-Versuch zeigt, daß dieser Schluß der Wirklichkeit entspricht.
-
- Ein Akkumulator von etwa 14 Amperstunden Kapazität (bei 3stündiger
- Entladung) wurde mit einem Strome von 0,12 Amper geladen. Ein
- Millivoltmeter von Siemens und Halske mit Vorschaltwiderstand zeigte
-
- vor Beginn der Ladung 2,01 Volt
- nach einer Ladezeit von 1 Min. 2,02 „
- „ „ „ „ 15 „ 2,03 „
- „ „ „ „ 35 „ 2,04 „
- „ „ „ „ 45 „ 2,04 „
-
- Wurde die Ladestromquelle abgeschaltet und dem Akkumulator sofort ein
- Strom von 0,12 Amper entnommen, so sank die Spannung nur um 1-2
- Millivolt. -- Zu beachten ist übrigens bei dem Versuche, daß der durch
- das Ampermeter gehende Strom nur zum Teil Ladestrom ist, indem der
- durch das Voltmeter fließende Strom mitgemessen wird. Bei meinem
- Versuche nahm das Voltmeter 0,11 Amp. auf, so daß die Ladestromquelle
- 0,23 Amp. abgeben mußte.
-
-Die bisherigen Darlegungen berechtigten zu der Aufstellung der These,
-daß ~nur diejenigen Theorien, die über den Bleiakkumulator aufgestellt
-sind, einer streng wissenschaftlichen Prüfung Stand halten, nach denen
-der Akkumulator ein umkehrbares Element im Sinne unserer
-Reaktionsgleichung~ (Seite 36) ist. -- Es sei hier darauf aufmerksam
-gemacht, daß unsere Gleichung nur besagt, daß das System PbO₂ + Pb +
-2H₂SO₄ bei der Entladung übergeht in das System 2PbSO₄ + 2H₂O und daß
-bei der Ladung das letztere System in das erstere übergeführt wird. Auf
-die Frage, wie diese Umwandlung erfolgt, gibt uns natürlich unsere
-Gleichung keine Auskunft; jedoch müssen alle Vorgänge bei der Ladung
-stromliefernd (primär) erfolgen, ähnlich wie es bei dem Daniell-Elemente
-der Fall ist[41].
-
-Der eben genannten Bedingung genügen die Theorie von Le Blanc und
-diejenige von C. Liebenow, die wir ausführlich besprechen wollen.
-
-~Theorie von Le Blanc.~ I. _Entladung_. ~Le Blanc~ nimmt an, daß
-Bleisuperoxyd in verdünnter Schwefelsäure in geringem Maße löslich ist.
-Die in Lösung gegangenen PbO₂-Moleküle bleiben aber nicht als solche in
-der Flüssigkeit, sondern verbinden sich mit Wasser unter Bildung von
-vierwertigen Bleiionen und Hydroxylionen:
-
- PbO₂ + 2H₂O = Pb···· + 4OH′ (1).
-
- Da es chemische Verbindungen gibt, in denen das Blei vierwertig ist,
- so können auch vierwertige Bleiionen existieren; das Salz PbCl₄,
- dessen Existenz nachgewiesen ist, wird sich sicher nach der Gleichung
-
- PbCl₄ = Pb···· + 4Cl′
-
- in Wasser dissoziieren. Daß ferner ein chemischer Prozess zu einer
- Ionenbildung führt, hat nichts Befremdendes mehr, wenn man die Ionen
- als chemische Verbindungen ansieht (s. S. 6).
-
- Ferner haben ~Rixon~ und ~Elbs~[42] nachgewiesen, daß sich in
- gebrauchter Akkumulatorsäure verhältnismäßig erhebliche Mengen von
- vierwertigem Blei befinden, nämlich bis 0,17 g Pb(SO₄)₂ im Liter. Auch
- wurde festgestellt, daß frisch dargestelltes Bleisuperoxyd in
- Schwefelsäure zum Teil in Pb(SO₄)₂ überging:
-
- PbO₂ + 2H₂SO₄ ⇄ Pb(SO₄)₂ + 2H₂O.
-
-Die mit positiver Elektrizität beladenen Bleiionen wandern mit dem
-Strome und geben, an der positiven Elektrode angelangt, an diese zwei
-Ladungen ab:
-
- Pb···· = Pb·· + 2⊕.
-
- Von den vier Elektronen sind, so wollen wir zur Erklärung hinzufügen,
- zwei nur locker gebunden, so daß sie leichter abgegeben werden als die
- beiden anderen; ähnlich wie Superoxyde leicht ein Atom Sauerstoff
- verlieren.
-
-Das doppelt geladene Bleiion verbindet sich mit einem SO₄-Ion zu einem
-Molekül Bleisulfat. (Die Konzentration der Bleiionen steigt in den Poren
-der aktiven Masse stark an, so daß diese das Bestreben haben, den
-Ionenzustand zu verlassen.) Da Bleisulfat nur in geringem Maße in
-verdünnter Schwefelsäure löslich ist, so ist der Elektrolyt in den Poren
-der aktiven Masse und dicht an der Oberfläche der Bleisuperoxydplatte,
-nachdem sich eine kleine Menge dieses Salzes gebildet hat, mit
-schwefelsaurem Blei gesättigt; es wird sich also bei Stromentnahme
-Bleisulfat auf der positiven Elektrode niederschlagen.
-
-Die beiden Ladungen, die das vierwertige Bleiion abgegeben hat, fließen
-durch die Leitung, gelangen zur negativen Elektrode und gehen mit einem
-Bleiatom in die Lösung.
-
- Pb + 2⊕ = Pb·· (s. elektrolyt. Lösungstension).
-
-Wie an der positiven Elektrode verbindet sich auch hier das Bleiion mit
-einem SO₄-Ion zu einem Molekül Bleisulfat, das sich niederschlägt.
-
-Zwischen den beiden Elektroden spielen sich folgende Vorgänge ab. Wie
-wir gesehen haben, werden zwei SO₄-Ionen verbraucht, so daß vier
-Wasserstoffionen im Überschuß vorhanden sind; nun sind aber auch durch
-die Bildung des vierwertigen Bleiions 4 Hydroxylionen entstanden (siehe
-Gleichung 1 a. S. 51). Vor der Stromentnahme war aber der Elektrolyt an
-letzterer Ionenart gesättigt. Die Dissoziation von 4 Molekülen
-Wasser[43] muß daher zurückgehen; zwischen den Elektroden geht also die
-Reaktion vor sich
-
- 4H· + 4OH′ = 4H₂O.
-
-Die verbrauchten Wasserstoff- und SO₄-Ionen werden ersetzt durch
-Dissoziation von 2 Molekülen H₂SO₄.
-
- Wir wollen die Vorgänge übersichtlich zusammenstellen:
-
- a) An der positiven Elektrode.
-
- 1. PbO₂-Moleküle gehen in Lösung und verbinden sich nach der
- Gleichung:
-
- 2. PbO₂ + 2H₂O = Pb···· + 4OH′.
-
- 3. Die Bleiionen, die mit dem Strome wandern, geben an die positive
- Elektrode zwei Ladungen (Elektronen) ab:
-
- Pb···· = Pb·· + 2⊕.
-
- Die beiden Elektronen gehen durch die Leitung hindurch zur Bleiplatte
- (s. Nr. 6).
-
- 4. Pb·· + SO₄′′ = PbSO₄.
-
- 5. Bleisulfat schlägt sich nieder.
-
- b) An der negativen Elektrode.
-
- 6. Die beiden angekommenen positiven Elektronen treten, an ein
- Bleiatom gebunden, durch die elektrolytische Lösungstension getrieben,
- in den Elektrolyten ein:
-
- / ⊕
- Pb + 2⊕ = Pb
- \ ⊕.
-
- 7. Wie bei Nr. 4.
-
- 8. Wie bei Nr. 5.
-
- c) Zwischen den Elektroden.
-
- 9. 4H· + 4OH′ = 4H₂O und
-
- 10. 2H₂SO₄ = 4H· + 2SO₄′′.
-
- Addiert man die sämtlichen Gleichungen und kürzt[44], so erhält man
- die Gleichung
-
- PbO₂ + Pb + 2H₂SO₄ = 2PbSO₄ + 2H₂O.
-
-II. _Ladung_. Es wird gezeigt, daß sich jetzt die Vorgänge in
-umgekehrter Reihenfolge und in umgekehrtem Sinne abspielen.
-
-Bleisulfat ist in verdünnter Schwefelsäure in geringem Maße löslich. Ein
-Teil der Bleisulfatmoleküle spaltet sich elektrolytisch nach der
-Gleichung
-
- PbSO₄ = Pb·· + SO₄′′.
-
- a) Positive Elektrode.
-
- 1. Auflösung von Bleisulfat -- Umkehrung von I, 5.
-
- 2. Dissoziation des Bleisulfats -- Umkehrung von I, 4.
-
- 3. Das Bleiion nimmt an der positiven Elektrode noch zwei Ladungen auf
-
- Pb·· + 2⊕ = Pb···· (Umkehrung von I, 3).
-
- 4. Erreicht die Konzentration der vierwertigen Bleiionen (die nur in
- ganz minimaler Menge existieren können) einen gewissen Grad, so
- verbinden sie sich mit vorhandenen Hydroxylionen zu Bleisuperoxyd und
- Wasser[45]:
-
- Pb···· + 4OH′ = PbO₂ + 2H₂O (Umkehrung von I, 2).
-
- 5. Bleisuperoxyd ist nur in sehr geringer Menge in der Säure löslich
- (existenzfähig); es schlägt sich somit in den Poren und auf der
- Oberfläche[46] der aktiven Masse nieder (Umkehrung von I, 1).
-
- b) Negative Elektrode.
-
- 6. PbSO₄ geht in Lösung (Umkehrung von I, 8).
-
- 7. Dissoziation des Bleisulfates (Umkehrung von I, 7).
-
- 8. Das Bleiion wird von der negativen Elektrode angezogen, gibt seine
- beiden Ladungen ab (geht in den atomistischen Zustand über) und
- schlägt sich nieder (Umkehrung von I, 6).
-
- c) Zwischen den Elektroden.
-
-Es sind zwei neue SO₄-Ionen in die schon von vornherein mit diesen Ionen
-gesättigte Lösung gekommen (nämlich durch Dissoziation der beiden
-Bleisulfatmoleküle); anderseits sind, da vier OH-Ionen verbraucht
-wurden, vier Wasserstoffionen überschüssig.
-
-Die beiden Ionenarten verbinden sich miteinander zu Schwefelsäure
-
- 4H· + 2SO₄′′ = 2H₂SO₄ (Umkehrung von I, 10).
-
-Die verbrauchten Hydroxyl- und Wasserstoffionen werden nachgeliefert
-durch Dissoziation von vier Molekülen Wasser
-
- 4H₂O = 4H· + 4OH′ (Umkehrung von I, 9).
-
-Daß auch jetzt Addition aller Gleichungen, Kürzung und Vereinfachung zu
-unserer Reaktionsgleichung führt, ist selbstverständlich.
-
-~Theorie von Liebenow.~ Auch Liebenow nimmt an, daß Bleisulfat in
-geringem Maße in der Schwefelsäure löslich sei und sich in Blei- und
-Sulfationen spalte. Ein wesentlicher Unterschied mit der eben
-entwickelten Theorie besteht nun darin, daß Liebenow die Entstehung von
-Bleisuperoxydionen in dem Elektrolyten annimmt. Diese bilden sich
-entweder dadurch, daß sich ein Teil[47] der vorhandenen Bleiionen mit
-Sauerstoffionen vereinigt nach der Gleichung
-
- Pb·· + 2O′′ = PbO₂′′
-
-oder hydrolytisch (unter Mitwirkung des Wassers):
-
- Pb·· + 2H₂O = PbO₂′′ + 4H·.
-
-Letzteres wird im folgenden angenommen. Um diese Theorie glaubhaft zu
-machen, mußte die Existenz von PbO₂-Ionen nachgewiesen werden. Diesen
-Nachweis zu erbringen, gelang ~Liebenow~ und ~Strasser~
-folgendermaßen[48]. Eine Zelle wurde mit Kalilauge gefüllt, die mit
-Bleioxyd gesättigt war. Die in die Zelle tauchenden Elektroden waren mit
-einer für die Ionen durchlässigen Hülle umgeben, so daß nach Beendigung
-des Versuches die jede Elektrode umgebende Flüssigkeit für sich allein
-analysiert werden konnte. War die Flüssigkeit längere Zeit
-elektrolysiert worden, so fand man, daß der Bleigehalt des die
-~positive~ Elektrode umhüllenden Elektrolyten größer geworden war
-(ungleiche Wanderungsgeschwindigkeit der verschiedenen Ionenarten, s. S.
-30).
-
-Daraus folgt, daß sich das Kaliumplumbit Pb(KO)₂ nicht in der Weise
-dissoziiert, daß Bleiionen entstehen. Denn hätten sich Bleiionen
-gebildet, so wären diese als positive Ionen nach der Kathode
-hingewandert, und man hätte dort eine Zunahme des Bleigehaltes
-beobachtet haben müssen. Mithin muß das Blei einen Bestandteil von
-~negativen~ Ionen bilden, es muß mit negativen Ionen an die Kathode
-gelangt sein. Man muß also annehmen, daß das Kaliumplumbit sich
-elektrolytisch nach der Gleichung
-
- Pb(KO)₂ = PbO₂′′ + 2K·
-
-spaltet, d. h. daß Bleisuperoxydionen existieren.
-
-Wegen der „Überspannung‟ (s. S. 13) werden nun bei Stromzufuhr die Ionen
-des Bleies und des Bleisuperoxyds leichter, d. h. bei geringerer
-Klemmenspannung, herauselektrolysiert als die übrigen Ionen, die sich in
-der verdünnten Schwefelsäure befinden[49]. Obschon die Konzentration
-der Pb·· und der PbO₂′′ eine nur ganz geringe ist, so kann ihre
-Abscheidung, falls nicht die Stromdichte gar zu sehr gesteigert wird, in
-einer dem Faradayschen Gesetze entsprechenden Weise erfolgen. Denn
-sobald ein Bleiion und (gleichzeitig) ein Bleisuperoxydion abgeschieden
-ist, erfolgt neue Dissoziation von zwei Molekülen Bleisulfat, von denen
-das eine mit Wasser ein neues Bleisuperoxydion bildet. Das infolge der
-Elektrolyse verbrauchte Bleisulfat wird dem Elektrolyten zugeführt von
-dem Vorrate, der an den Elektroden angehäuft ist (bei der
-vorhergegangenen Entladung entstanden).
-
-Da sich während der Elektrolyse (Ladung) die negative Elektrode mit
-einer an Dicke allmählich zunehmenden Schicht metallischen Bleies und
-die positive Platte mit Bleisuperoxyd bedeckt, so wird nach einer
-gewissen Zeit des Stromdurchganges dem Bleisulfat der Eintritt in die
-Lösung immer mehr erschwert. Je ärmer der Elektrolyt an Bleisulfat bezw.
-an Blei- und Bleisuperoxydionen wird, um so mehr muß die
-Zersetzungsspannung gesteigert werden (s. Ladung, Kap. 4).
-
-Durch Dissoziation der beiden Bleisulfatmoleküle werden 2 neue SO₄-Ionen
-gebildet; diese verbinden sich mit den vier Wasserstoffionen, die durch
-die Reaktion zwischen dem Bleiion und dem Wasser entstanden sind, zu 2
-Molekülen Schwefelsäure.
-
-Wir wollen auch jetzt die Vorgänge bei der ~Ladung~ kurz
-zusammenstellen.
-
-Bleisulfat löst sich; 2 Moleküle spalten sich:
-
- 2PbSO₄ = 2Pb·· + 2SO₄′′.
-
-Ein Bleiion reagiert mit Wasser:
-
- Pb·· + 2H₂O = PbO₂′′ + 4H·.
-
-Das Bleiion gibt an der negativen Elektrode seine beiden Ladungen ab und
-schlägt sich nieder:
-
- Pb·· + 2⊖ = Pb[50].
-
-Das Bleisuperoxydion gibt an der positiven Elektrode seine beiden
-Ladungen ab und schlägt sich nieder:
-
- PbO₂′′ + 2⊕ = PbO₂.
-
-Endlich:
-
- 4H· + 2SO₄′′ = 2H₂SO₄.
-
-Man überzeugt sich leicht, daß man durch Addition der fünf
-vorhergehenden Gleichungen die Reaktionsgleichung des Akkumulators
-erhält.
-
-Es soll noch kurz gezeigt werden, daß sich bei der ~Entladung~ alle eben
-geschilderten Vorgänge in umgekehrtem Sinne abspielen.
-
-Das Blei sendet positive Ionen in die Lösung und wird negativ geladen;
-an der positiven Elektrode treten Bleisuperoxydionen in den Elektrolyten
-ein. Da nur ganz minimale Mengen von Blei- und Bleisuperoxydionen in dem
-Elektrolyten existieren können, so treten die Bleiionen mit SO₄-Ionen zu
-Bleisulfat zusammen, und jedes Bleisuperoxydion vereinigt sich mit vier
-Wasserstoffionen zu einem Bleiion und zwei Molekülen Wasser:
-
- PbO₂′′ + 4H· = Pb·· + 2H₂O.
-
-Jetzt ist ein SO₄-Ion im Überschuß[51] vorhanden; dieses verbindet sich
-mit dem neuen Bleiion zu Bleisulfat. Die vier verbrauchten
-Wasserstoffionen und die beiden dem Elektrolyten entzogenen SO₄-Ionen
-werden neu gebildet durch Dissoziation von zwei Molekülen Schwefelsäure
-
- 2H₂SO₄ = 4H· + 2SO₄′′.
-
-Auf das Anwachsen der Klemmenspannung während der Ladung und die
-allmähliche Abnahme derselben bei der Entladung soll im vierten Kapitel
-näher eingegangen werden.
-
- [25] Die Untersuchungen sind zusammengestellt in seinem Werke:
- Recherches sur l’Électricité.
-
- [26] ~Dolezalek~, Die Theorie des Bleiakkumulators.
-
- [27] Siehe die Schrift: Das Akkumulatorenproblem. Sammlung
- elektrotechnischer Vorträge. S. 3.
-
- [28] Siehe ~Streintz~, l. c. S. 4.
-
- [29] Näheres siehe ~P. Schoop~, Die Sekundär-Elemente. 1. Teil.
-
- [30] Diese greift übrigens Blei leicht an und würde die baldige
- Zerstörung der Platten herbeiführen.
-
- [31] Zeitschr. f. Elektrochemie, 1899, S. 309.
-
- [32] Die Bildung von Schwefelsäure bei der Ladung kann man bei Zellen
- mit Glaswänden direkt beobachten (Schlieren); bei der Entladung
- steigen Schlieren aufwärts.
-
- [33] ~E. Sieg~, Die Akkumulatoren. Leipzig 1901. S. 9.
-
- [34] Folgendes einfaches Beispiel diene zur Erläuterung: Die
- unbekannte Wärmetönung des Prozesses C + O = CO soll bestimmt werden:
-
- C + 2O = CO₂, Wärmetönung pos., sie betrage q₁ cal.
- CO₂ = CO + O, „ neg., „ „ -q₂ „
- --------------------------- -------
- Addiert: C + 2O + CO₂ = CO₂ + CO + O, Wärmetönung q₁ - q₂
- oder C + O = CO „ q₁ - q₂
-
- Man denkt sich also auf einem Umwege die Bildung von Kohlenoxyd aus
- Kohlenstoff und Sauerstoff vollzogen: Aus Kohlenstoff und Sauerstoff
- sei Kohlendioxyd entstanden, dieses sei durch Anwendung hoher
- Temperatur in Kohlenoxyd und Sauerstoff zerlegt. Die dem letzteren
- Prozesse entsprechende Wärmetönung ist negativ, weil bei der
- umgekehrten Reaktion
-
- CO + O = CO₂
-
- Wärme gewonnen wird.
-
- [35] Die Änderung der elektromotorischen Kraft mit der Temperatur kann
- man durch Gegeneinanderschalten zweier Akkumulatoren (+ mit +, - mit -
- verbunden) demonstrieren, von denen der eine in ein Wasserbad gestellt
- wird.
-
- [36] Wenn der Elektrolyt an der Stromlieferung (dem chemischen
- Umsatze) beteiligt ist, so ist eine Änderung der elektromotorischen
- Kraft mit der Säuredichte zu erwarten. Diejenigen, welche behaupten,
- daß „die Schwefelsäure nur als elektrolytischer Leiter diene‟ und daß
- „die Sulfatbildung ein rein sekundärer Prozeß sei‟, müssen folgern,
- daß die elektromotorische Kraft unabhängig ist von der Säuredichte. --
- Diesbezügliche Messungen sind an vollgeladenen Zellen vorzunehmen,
- denen man eine geringe Menge Elektrizität entnommen hat.
-
- [37] Unter einem Grammolekül (abgekürzt „Mol‟) einer Substanz versteht
- man soviele Gramme der betr. Substanz wie das Molekulargewicht
- anzeigt. Das Molekulargewicht der Schwefelsäure ist 98, mithin ist ein
- Mol H₂SO₄ gleich 98 g H₂SO₄.
-
- [38] Die Masse, die sich in den Schichten befindet, in denen sich der
- chemische Umsatz abspielt, nennt man aktive Masse.
-
- [39] Die Diffusionsvorgänge sind von M. U. ~Schoop~ näher untersucht
- worden. Siehe Sammlung elektrotechnischer Vorträge, Bd. V. Stuttgart
- 1903. F. Enke.
-
- [40] Die Konzentrationsänderungen an beiden Elektroden sind nicht die
- gleichen. Zunächst nämlich bewirkt die ungleiche
- Wanderungsgeschwindigkeit der beiden Ionenarten eine
- Konzentrationsverschiebung, sie strebt die Konzentration an der
- positiven Elektrode zu erhöhen und an der negativen zu vermindern.
- Ferner wird durch die Wasserbildung an der positiven Elektrode dort
- die Konzentration verringert. Drittens spielt die Porosität der
- aktiven Masse eine Rolle. Je größer nämlich die Porosität ist,
- umsomehr Säure steht für den chemischen Umsatz im Innern der Platten
- zur Verfügung, umso weniger sinkt die Konzentration. ~Mugdan~ wies
- nach, daß die Konzentrationspolarisation an der positiven Elektrode
- die größere ist.
-
- [41] Selbst durch einfache Umsatzgleichungen werden kompliziertere
- Verhältnisse wiedergegeben. Die Gleichungen sind einfach, weil sie nur
- den Anfangs- und den Endzustand sowie die Gewichtsverhältnisse
- angeben. Wenn man auf die Frage, wie sich der Umsatz vollzieht, näher
- eingeht, so findet man, daß sich auch bei den einfachsten Reaktionen
- verschiedene Vorgänge abspielen müssen.
-
- [42] Zeitschr. für Elektrochemie, 1903, =9=, 267.
-
- [43] 4H₂O = 4H· + 4OH′.
-
- [44] Dies ist gestattet, da die zusammenfassende Endgleichung nur
- angeben soll, welche Substanzen vor und welche nach der Entladung
- vorhanden sind.
-
- [45] Nennt man die Konzentration der vierwertigen Bleiionen in der mit
- PbO₂ gesättigten Lösung (in den Poren) c₁, diejenige der OH-Ionen c₂,
- so erfolgt das Zusammentreten dieser beiden Ionenarten, sobald c₁ . c₂
- einen gewissen Wert erreicht hat.
-
- [46] Dort spielen sich nämlich die zur Entstehung des Bleisuperoxydes
- führenden Vorgänge ab.
-
- [47] Der Einfachheit halber wollen wir im folgenden annehmen, daß von
- zwei durch Dissoziation des Bleisulfates entstandenen Bleiionen eines
- in ein Bleisuperoxydion übergeht.
-
- [48] Zeitschr. f. Elektrochemie, 1896, S. 420 und 653.
-
- [49] Die Ionen haben das Bestreben, ihre Ladungen zu behalten, das
- häufig als ~Haftintensität~ bezeichnet wird und mit der chemischen
- Affinität verglichen werden kann. Diese ist für die verschiedenen
- Ionenarten verschieden groß. Diejenigen Ionen, deren Haftintensität am
- geringsten ist, werden am leichtesten, d. h. bei der geringsten
- Spannung abgeschieden. Damit ist die Möglichkeit gegeben, aus einer
- Mischung verschiedener Elektrolyte, z. B. zweier Salze, die positiven
- Ionen nacheinander herauszuelektrolysieren.
-
- [50] Die beiden negativen Ladungen liefert die Stromquelle, ebenso die
- für die Entionisierung des Bleisuperoxydiones nötige positive
- Elektrizität.
-
- [51] Den vier H· der vorigen Gleichung entsprechen zwei SO₄′′.
-
-
-
-
-3. Kapitel.
-
-Kapazität, Wirkungsgrad, Nutzeffekt, innerer Widerstand.
-
-
-1. ~Kapazität.~ Unter der Kapazität eines Akkumulators versteht man
-diejenige Elektrizitätsmenge, ausgedrückt in Amperstunden, die der
-Akkumulator, wenn er nach Vorschrift behandelt wird, abgeben kann. Vor
-allem muß der Akkumulator, wenn man seine Kapazität bestimmen will,
-vorschriftsmäßig geladen werden (s. Kap. 4); ferner ist zu
-berücksichtigen, daß bei der Entladung eine gewisse Stromstärke nicht
-überschritten werden darf; die Entladung hat man als beendigt anzusehen,
-wenn die anfängliche Spannung um etwa 10% gesunken ist.
-
- Meistens haben die beiden Elektroden eine ungleiche Kapazität;
- natürlich ist dann praktisch die Kapazität des Elementes durch
- diejenige der Elektrode mit geringerer Kapazität gegeben.
-
-Bei der gewöhnlichen Säuredichte ist die elektromotorische Kraft des
-vollgeladenen Akkumulators 2,03 Volt, sodaß man mit der Entladung
-solange fortfahren kann, bis die Klemmenspannung etwa 1,8 Volt beträgt
-(nicht die elektromotorische Kraft, s. S. 105). Wird ein Akkumulator mit
-der konstanten Stromstärke J entladen, und dauert die Entladung in dem
-angegebenen Sinne t Stunden, so beträgt die Kapazität (bei t-stündiger
-Entladung) J × t Amperstunden.
-
-Da die Elektrizität, die ein Akkumulator abgibt, aus chemischer Energie
-entsteht, so hängt die Kapazität von der Menge des Bleischwammes und der
-Menge des Bleisuperoxydes ab, die sich in Bleisulfat umwandeln können.
-Der Umsatz kann natürlich nur dort erfolgen, wo die wirksame Masse mit
-Schwefelsäure in Berührung steht und wo sie Kontakt mit der Unterlage
-hat. Die Tiefe, bis zu der die Stromlinien (besser gesagt: Der
-Elektrolyt) in die Platten eindringen, beträgt nur Bruchteile eines
-Millimeters; sie ist etwas größer, wenn sich in der aktiven Masse poröse
-Substanzen befinden. Man ist daher, wenn man die Kapazität eines
-Akkumulators und damit seine Leistung steigern will, darauf angewiesen,
-die Oberfläche der Platten zu vergrößern. Es sei hier die Bemerkung
-eingeschoben, daß man in der Technik zwischen der ~projizierten~
-Oberfläche, wie sie sich durch Multiplikation von Länge und Breite
-ergibt, und der ~wirksamen~, d. h. der von dem Elektrolyten benetzten
-Oberfläche unterscheidet; letztere nennt man auch die ~abgewickelte~
-Oberfläche. Diese beiden sind umsomehr von einander verschieden, je
-poröser die aktive Masse ist, und je mehr Rippen, Zähne oder dergleichen
-sich auf der Platte befinden. Ist die gesamte projizierte Oberfläche der
-positiven Elektrode a dm² und die Stromstärke J Amp., so ist J/a die
-~Stromdichte~, bezogen auf 1 dm².
-
-Würde man bei Elementen für größere Leistungen nur ~eine~ positive und
-eine negative Platte benutzen, so würde die Zelle unförmlich große
-Dimensionen haben. Man vereinigt daher in einem Elemente fast immer
-mehrere kleinere positive und negative Platten; die gleichnamigen
-Platten werden durch Bleileisten miteinander verbunden (s. Kap. 7). Die
-Verwendung mehrerer positiver und negativer Platten gewährt noch einen
-anderen Vorteil; enthält nämlich eine Zelle nur zwei Platten (~eine~
-positive und ~eine~ negative), so sind fast nur die beiden sich
-gegenüberliegenden Oberflächen an der Stromlieferung beteiligt[52], es
-werden also bei jeder Platte nur etwa 50% der Gesamtoberfläche
-ausgenutzt. Besteht der Akkumulator aber aus einer positiven und zwei
-negativen Platten, so sind von 6 Flächen nur 2 an dem chemischen Umsatze
-im beschränktem Maße beteiligt, d. h. nur etwa 33⅓% usw.
-
-Die Anzahl der negativen Platten ist immer um 1 größer als die der
-positiven, wenn die Zelle mehr als zwei Platten enthält; die erste,
-dritte usw. letzte Platte ist negativ. Ist also die Kapazität pro
-Quadratdezimeter projizierter Oberfläche bei der negativen Platte die
-gleiche wie bei der positiven, so ist die Gesamtkapazität der negativen
-etwas größer als diejenige der positiven. Im Laufe der Zeit vergrößert
-sich, wie später gezeigt wird, die Kapazität der Positiven im Vergleich
-zu derjenigen der Negativen. Durch die angedeutete Anordnung wird also
-verhindert, daß die gesamte Kapazität der Positiven von derjenigen der
-Negativen später stark verschieden ist. Positive Platten werden auch aus
-dem Grunde nicht als Endplatten benutzt, weil sie, einseitig
-beansprucht, sich krümmen.
-
-Die ~Kapazität~ eines gegebenen Akkumulators ~hängt~ in hohem Maße von
-der ~Entladestromstärke~ ab. Bei der Entladung nämlich wird Säure für
-die Sulfatbildung verbraucht, so daß stets neue Säure in die Poren der
-aktiven Masse eindringen muß. Wird nun mit großer Stromdichte entladen,
-so kann die für den chemischen Umsatz nötige Säure nicht schnell genug
-in das Innere der Platten eindringen (hineindiffundieren), so daß die
-elektromotorische Kraft, die ja von der Säuredichte abhängig ist, stark
-abnimmt, obschon noch größere Mengen von Blei und Bleisuperoxyd
-vorhanden sind; wenn ferner keine Schwefelsäure mehr in Berührung mit
-der aktiven Masse ist, so hört der chemische Umsatz, d. h. der
-stromliefernde Prozeß, auf.
-
- Meines Erachtens spielen hier auch die Volumänderungen, mit denen der
- chemische Umsatz verbunden ist, eine Rolle. Das aus 1 Gramm Blei oder
- Bleisuperoxyd entstandene Bleisulfat nimmt einen größeren Raum ein als
- das Blei oder Bleisuperoxyd. Während der Entladung werden sich daher
- die vorhandenen Poren verengen und mit Bleisulfat ganz ausfüllen. Wird
- mit schwachem Strom entladen, so verengt sich die Pore in den
- verschiedenen Querschnitten nahezu gleichmäßig; bei großer Stromdichte
- aber wird sie hauptsächlich an der dem Elektrolyten zugewendeten Seite
- enger oder verstopft sich; die Säurediffusion wird sehr erschwert und
- hört bald auf. Bei der Ladung verringert sich das Volumen der aktiven
- Masse, und die Poren erweitern sich. Nach dieser Erklärung müßte die
- Aufnahmefähigkeit[53] bei der Ladung (Ladungskapazität) weniger von
- der Stromdichte abhängig sein als die Kapazität bei der Entladung. Die
- Erfahrung zeigt, daß dies in der Tat der Fall ist.
-
-Ferner muß man schließen, daß die ~Kapazität der Negativen in höherem
-Maße von der Entladezeit~ oder von der Stromdichte bei der Entladung
-~abhängig ist~ als die Kapazität der Positiven.
-
- Denn der Unterschied im Volumen einer bestimmten Menge (z. B. 3,85
- Gramm) Blei und des daraus gebildeten Bleisulfates ist größer als die
- Differenz des Volumens der äquivalenten Menge Bleisuperoxyd (z. B.
- 4,46 Gramm) und des aus diesem entstandenen Bleisulfats.
-
- Durch eingehende Untersuchung gelangt auch ~E. Sieg~ zu diesem
- Resultate (l. c. S. 83), er findet nämlich, „daß die
- Bleischwammplatten (und zwar Großoberflächen- und gepastete Platten)
- bei genau gleicher „absoluter‟ Kapazität, d. h. derjenigen Kapazität,
- die von den Platten geleistet werden kann, wenn die Entladestromstärke
- sehr klein gewählt wird, gegen Erhöhung der Beanspruchung
- empfindlicher sind als Superoxydplatten‟. Daraus würde sich dann der
- Schluß ergeben, daß bei Akkumulatoren, die mit großer Stromdichte
- entladen werden sollen, die absolute Kapazität der negativen Platten
- größer zu wählen ist als diejenige der positiven.
-
- ~Dolezalek~ folgert aus dem Umstande, daß die Konzentrationsänderungen
- an der Superoxydelektrode erheblich größer sind als an der
- Bleischwammelektrode (weil an ersterer auch Wasser gebildet wird), daß
- die Kapazität der Superoxydelektrode geringer sein muß als die einer
- aus gleicher Paste formierten Bleischwammplatte (l. c. S. 86). Wenn
- demnach die Konzentrationsänderungen allein maßgebend wären, so müßte
- die positive Platte die empfindlichere sein.
-
-Man kann weiter schließen, daß die Kapazität von der Porosität der
-aktiven Masse abhängig sein wird, besonders bei Entladungen mit großer
-Stromdichte. Auch die Dicke der Schicht, in der sich der chemische
-Umsatz vollzieht, spielt eine Rolle.
-
-Da ferner bei der Ladung die Substanzen gebildet werden, die sich bei
-der Entladung in Bleisulfat umwandeln, so ist es selbstverständlich, daß
-die Art der vorhergegangenen Ladung auf die Kapazität einen Einfluß
-ausübt. Je geringer die Stromdichte bei dieser Ladung war, um so mehr
-Bleischwamm ist auf der negativen Platte vorhanden und um so mehr PbO₂
-auf der positiven.
-
-Bei stationären Akkumulatoren (Beleuchtungsanlagen) geht man in der
-Regel nicht unter dreistündige Entladezeit herab. Nennt man die
-Kapazität bei dreistündiger Entladung c₃ und die bei zehnstündiger c₁₀,
-so gilt meistens mit großer Annäherung die Beziehung c₃ : c₁₀ = 26 : 35
-oder ungefähr = 3 : 4.
-
- ~Schröder~[54] gelangte auf Grund von Untersuchungen an Akkumulatoren
- der Akkum.-Fabrik Akt.-Ges. Hagen i. W. zu der Formel
-
- K · ∛J² = m,
-
- wo K die Kapazität in Amperstunden, J die Entladestromstärke und m
- eine für den betreffenden Akkumulator charakteristische Konstante ist.
- Für die meistens in der Praxis vorkommenden Intervalle von J liefert
- die Formel hinreichend genaue Werte. -- C. ~Liebenow~ fand, daß für
- schwache Entladungen
-
- m
- K = ---------
- 1 + c . J
-
-(m und c sind Konstante).
-
-Nach ~Peukert~[55] ist
-
- Jⁿ . t = const.,
-
- wo J die Entladestromstärke, t die Entladedauer, n einen durch das
- Experiment zu bestimmenden Faktor bedeutet; n lag bei den untersuchten
- Typen zwischen 1,35 und 1,72.
-
-Die gesamte Elektrizitätsmenge, die man einem Akkumulator entnehmen
-kann, ist, um es noch einmal zu wiederholen, durch das Gewicht des
-vorhandenen bezw. zugänglichen Bleischwammes und Bleisuperoxydes
-gegeben. Soll beispielsweise ein Akkumulator bei 10stündiger Entladung
-100 Amperstunden abgeben, so müssen auf der negativen Elektrode
-~mindestens~ 385 Gramm Bleischwamm und auf der positiven mindestens 446
-Gramm Bleisuperoxyd angehäuft sein (siehe S. 37). In Wirklichkeit müssen
-aber größere Mengen der wirksamen Massen vorhanden sein, da auch bei
-10stündiger Entladung nicht alles Pb und nicht alles PbO₂ umgewandelt
-wird.
-
- Eine vollständige Ausnutzung des vorhandenen aktiven Materials ist
- sogar theoretisch nicht möglich, weil PbSO₄ ein sehr schlechter Leiter
- ist. Nach Roloff werden bei 3stündiger Entladung bei den Positiven
- 45%, bei den Negativen 25% der anfänglich vorhandenen aktiven Masse
- ausgenutzt.
-
-Natürlich mußten dem Akkumulator, wenn er 100 Amperstunden abgeben soll,
-bei der vorhergegangenen Ladung mindestens 100 Amperstunden zugeführt
-worden sein. Es ist allerdings denkbar, daß ein Akkumulator ~ein Mal~
-mehr Elektrizität abgibt, als man bei der Ladung in ihn hineingeschickt
-hat, indem nämlich Blei und Bleisuperoxyd, das bei der vorletzten
-Entladung nicht in Bleisulfat verwandelt wurde, jetzt verbraucht wird.
-
-Da die Abhängigkeit der Kapazität von der Entladezeit im engsten
-Zusammenhange mit den Diffusionsvorgängen steht, so kann man
-voraussagen, daß die Änderungen für die verschiedenen Systeme nicht die
-gleichen sind; bei Großoberflächenplatten (s. Kap. 6) wird diese
-Abhängigkeit nicht so groß sein, wie bei pastierten Platten.
-
-Außer von der Entladestromstärke hängt die Kapazität von der Dicke der
-aktiven Schicht, der Säuredichte und von der Temperatur ab. Ist das
-Bleisuperoxyd und ebenso der Bleischwamm als sehr dünner Überzug auf
-einer großen Oberfläche verteilt, so kann die für die Bleisulfatbildung
-nötige Säure leichter in das Innere eindringen, als wenn die wirksame
-Masse eine dickere Schicht mit kleinerer Oberfläche bildet.
-
- Der Forderung möglichst dünne Platten zu Verwenden, stehen folgende
- Bedenken im Wege: Die Lebensdauer der Platten verringert sich, die
- Platten müssen eine gewisse mechanische Festigkeit haben, bei sehr
- dünnen Platten ist nicht genügend Raum für die Aufnahme der Paste
- vorhanden, der Widerstand der Platten wird größer.
-
-~Die Abhängigkeit der Kapazität von der Säuredichte~ hat zuerst
-~Heim~[56] näher untersucht. Er fand, daß die Kapazität, wenn man die
-Säuredichte vergrößert, zuerst steigt und dann wieder abnimmt; das
-Maximum lag bei einem spezifischen Gewichte von 1,1. Nach ~Earle~ ist
-die Kapazität am größten, wenn die Säuredichte etwa gleich 1,25 ist. Da
-bei dieser Dichte verdünnte Schwefelsäure (genauer bei 1,22) das Maximum
-der Leitfähigkeit besitzt, so darf man die Kapazität als eine Funktion
-des Leitungsvermögens des Elektrolyten ansehen, ein Schluß, der mit
-unseren früheren Überlegungen in Einklang steht. Die Stromlinien dringen
-eben um so tiefer in das Innere der aktiven Masse ein, die Umwandlung in
-Bleisulfat ist um so vollständiger, je besser die Säure leitet.
-
-~Der Einfluß der Temperatur auf die Kapazität~ ist ein nicht
-unerheblicher. Durch Messungen von ~Heim~[57] ergab sich, daß die
-Kapazität pro 1° Temperaturerhöhung innerhalb der Grenzen 14° und 45° um
-2,6% des der Temperatur 19° entsprechenden Betrages stieg. Die Zunahme
-der Kapazität mit der Temperatur kann durch den rascheren Ausgleich der
-Konzentrationsänderungen (infolge größerer Beweglichkeit der Säure),
-sowie durch die Zunahme des Leitungsvermögens des Elektrolyten[58]
-erklärt werden. In der Praxis kann man von der Kapazitätssteigerung
-durch Erwärmung der Säure schon aus dem Grunde keinen Gebrauch machen,
-weil sie eine vorzeitige Abnutzung der Platten zur Folge hat.
-
-Zu bemerken ist noch, daß bei einem Akkumulator, der mit Ruhepausen
-entladen wird, die Kapazität eine andere ist, als bei einem Elemente,
-das mit gleicher Stromstärke ohne Unterbrechung beansprucht wird; sind
-die Ruhepausen nicht so groß, daß die Selbstentladung während derselben
-merkliche Verluste verursacht (siehe S. 106), so ist die Kapazität im
-ersteren Falle die größere.
-
- ~B. Albrecht~ fand, daß bei Akkumulatoren mit positiven
- Großoberflächenplatten (s. Kap. 6) eine merkliche Zunahme der
- Kapazität infolge der Ruhepausen nicht stattfand. Wahrscheinlich ist
- dieser Umstand der Selbstentladung während der Ruhepausen
- zuzuschreiben. Bei den Masseplatten wurde eine ganz bedeutende Zunahme
- der Kapazität infolge der Unterbrechungen beobachtet, und zwar ist die
- prozentuale Zunahme um so bedeutender, je größer die
- Entladestromstärke ist. Die Untersuchungen wurden allerdings nur mit
- Platten ~einer~ Firma ausgeführt. (Näheres s. E. T. Z. 1907, S. 539.)
-
-Die Kapazität eines Akkumulators ändert sich im Laufe der Zeit. In der
-Regel nimmt sie zuerst zu, erreicht ein Maximum und sinkt dann. Hierbei
-ist zu beachten, daß verschiedene Fabriken die Platten in nicht fertig
-formiertem Zustande liefern, so daß in der ersten Zeit die Formation
-fortschreitet und die Aufnahmefähigkeit steigt. Auch bei Platten, die
-soweit als möglich in der Fabrik formiert wurden, kann die Kapazität
-wachsen; es gilt dies besonders von positiven Großoberflächenplatten (s.
-Planté-Formation). Andererseits kann die Kapazität im Gebrauche geringer
-werden, weil aktive Masse aus dem Gitter herausfällt oder abbröckelt.
-
- Wenn man zwischen Kohlenelektroden verdünnte Schwefelsäure
- elektrolysiert, so findet man nach einiger Zeit auf dem Boden
- zahlreiche kleine Kohlenpartikelchen. Diese werden von den Gasblasen
- gleichsam abgerieben oder losgesprengt.
-
-Über die Kapazitätsabnahme infolge der Verbleiung siehe Kap. 7. Auch die
-Sulfatation hat einen Rückgang der Kapazität zur Folge (s. Kap. 5).
-
-Die Beschaffenheit der Elektroden übt, wie P. Schoop[59] sagt, einen
-schwer kontrollierbaren Einfluß auf die Kapazität aus. Ist eine
-Batterie längere Zeit nicht benutzt worden, so ist die Kapazität
-geringer. Durch mehrmaliges Laden und Entladen muß man dann die Platten
-auffrischen.
-
-Eine ~Kapazitätsprobe~ wird bei der Abnahme einer gelieferten Batterie
-ausgeführt; auch empfiehlt es sich, eine solche vorzunehmen, wenn man
-über den Zustand der Batterie im Zweifel ist, besonders wenn sie längere
-Zeit nicht benutzt worden ist. Die Prüfung geschieht folgendermaßen: Die
-Batterie wird mit normaler Stromstärke (etwa der der fünfstündigen
-Ladung entsprechenden) geladen; kurze Zeit nach der Ladung soll die
-Entladung beginnen. Man reguliert die Stromstärke so, daß sie den für
-die betreffende Entladezeit (z. B. fünf Stunden) vorgeschriebenen Wert
-hat und hält sie tunlichst konstant. Kann man den Strom nicht ausnutzen
-(z. B. für den Betrieb von Motoren, oder für elektrolytische Zwecke), so
-schaltet man die Batterie auf einen regulierbaren Metall- oder
-Wasserwiderstand (der Gebrauch des letzteren ist ziemlich unbequem wegen
-der Schaumbildung, des Siedens der Flüssigkeit usw.). Am einfachsten
-bestimmt man die abgegebene Elektrizitätsmenge mittels eines Coulomb-
-oder Amperstundenzählers; benutzt man hierfür ein Amperemeter, so muß
-man in Zeitabschnitten von 10-15 Minuten die Stromstärke ablesen. Durch
-ein mit den Klemmen der Batterie verbundenes Voltmeter wird die Spannung
-gemessen. Der Versuch ist natürlich abzubrechen, wenn die untere
-Spannungsgrenze erreicht ist, d. h. wenn die Klemmenspannung um etwa 10%
-der anfänglichen gesunken ist. -- Aus früheren Betrachtungen ergibt sich
-übrigens, daß man durch eine einmalige Entladung ein zuverlässiges
-Resultat nicht erhalten kann.
-
-Hat man gefunden, daß die Kapazität eines Akkumulators zurückgegangen
-ist, so ist es von Wichtigkeit zu wissen, ob die Ursache an der
-positiven oder an der negativen Elektrode liegt. Um dies zu prüfen,
-bedient man sich der ~Fuchsschen Methode~; das Verdienst, diese in die
-Akkumulatorentechnik eingeführt zu haben, gebührt ~C. Liebenow~[60]. Man
-bedient sich bei dieser Methode einer sogen. ~Hilfselektrode~, am
-einfachsten eines amalgamierten Zinkstäbchens oder am besten eines
-Kadmiumblechs; die Meßelektrode[61] taucht man so in die Säure ein, daß
-sie von möglichst wenig Stromfäden getroffen wird. Sie bildet in
-verdünnter Schwefelsäure sowohl mit Bleisuperoxyd als auch mit dem
-Bleischwamm ein galvanisches Element. Die elektromotorischen Kräfte e₁
-und e₂ betragen bei der gewöhnlichen Säuredichte bei Beginn der
-Entladung
-
- für Zink und Bleisuperoxyd 2,41 Volt,
- „ „ „ Bleischwamm 0,40 „ ,
- „ Kadmium „ Bleisuperoxyd 2,17 „ ,
- „ „ „ Blei 0,16 „ .
-
-e₁ - e₂ ist, wenn die Zelle keinen Strom abgibt, mit großer Annäherung
-die elektromotorische Kraft des Akkumulators. Entnimmt man der Zelle
-Strom, so ändern sich e₁ und e₂ etwas, und es ist jetzt ihre Differenz
-gleich der Klemmenspannung, wenn der innere Widerstand des Elementes so
-klein ist, daß man das Produkt i · w vernachlässigen kann.
-
-Man macht während der Entladung eine größere Reihe von Messungen und
-trägt die Werte von e₁ und e₂ sowie diejenigen für die Klemmenspannung
-auf Millimeterpapier nach der Zeit auf, d. h. man macht die Zeit zu
-Abszissen und die Spannungen zu Ordinaten. Man erhält so drei Kurven,
-die den Verlauf der Klemmenspannung und der elektromotorischen Kräfte
-der beiden Kombinationen
-
- Hilfselektrode | verdünnte Schwefelsäure | Bleisuperoxyd
- „ | „ „ | Bleischwamm
-
-anzeigen. Die elektromotorischen Kräfte e₁ und e₂ müssen sich bei
-fortschreitender Entladung einander allmählich nähern, da die positive
-und die negative Platte einander ähnlich werden. Bei gleicher Kapazität
-der beiden Platten müssen offenbar die Kurven zur selben Zeit, nämlich
-wenn die Klemmenspannung anfängt abzufallen, stark umbiegen, die eine
-nach unten, die andere nach oben.
-
-Nach ~Sieg~ sind die positiven Platten entladen, sobald sie gegen
-Kadmium unter 2 Volt anzeigen, die negativen, sobald sie gegen Kadmium
-über 0,2 Volt haben.
-
-~Liebenow~ gelangt auf Grund seiner Beobachtungen zu der Regel, daß die
-Fuchssche Methode dann eindeutige Resultate gibt, wenn sie klar eine
-wesentliche Verschiedenheit der Kapazität beider Plattensorten anzeigt.
-Wenden sich dagegen die beiden Kurven (e₁ und e₂) beim Herabgehen der
-Klemmenspannung gleichzeitig, so können positive und negative Platten
-die gleiche Kapazität haben, es kann aber auch die der einen kleiner
-sein als die der anderen.
-
-~Wirkungsgrad~[62]. Nennt man die einem Elemente während der Ladung
-zugeführte Elektrizitätsmenge, ausgedrückt in Amperstunden (oder in
-Coulomb), Q₁ und die während der Entladung von der Zelle abgegebene
-Elektrizitätsmenge Q₂, so ist
-
- Q₂
- -- der Wirkungsgrad.
- Q₁
-
-Multipliziert man den erhaltenen Bruch mit 100, so erhält man den
-Wirkungsgrad in Prozenten der hineingeladenen Elektrizitätsmenge.
-
-Da Q₁ und Q₂ von der Stromdichte, also auch von der Dauer der Ladung und
-Entladung, abhängig sind, so empfiehlt es sich, mit derselben
-Stromdichte zu entladen, mit der geladen wurde (s. Kapazität).
-
-Der Wirkungsgrad beträgt aus verschiedenen Gründen weniger als 100% (in
-der Praxis nimmt man 85-90% an). Stromverluste, die man bei
-Laboratoriumsversuchen auf 3-4% herunterdrücken kann, werden zum Teil
-durch eine schwache während der ganzen Ladung erfolgende Gasbildung
-verursacht. Je größer die Stromdichte bei der Ladung ist, um so größer
-ist die durchschnittliche Klemmenspannung, um so größer wird also auch
-der Bruchteil des Stromes, der für die Gasbildung nutzlos verwertet
-wird. Besonders während der „Überladung‟ (Ladung nach Beginn des
-„Kochens‟) werden größere Elektrizitätsmengen für die Abscheidung von
-Wasserstoff und Sauerstoff verbraucht, die bei der Entladung nicht
-wiedergewonnen werden. Bei einer Wirkungsgradbestimmung wird man daher
-von einer Überladung absehen.
-
-Kleine Verluste können auch dadurch verursacht werden, daß während der
-Ladung Teilchen der aktiven Masse durch die Gase abgekratzt oder
-losgesprengt werden.
-
-Läßt man das Element nach erfolgter Ladung unbenutzt stehen, so erfolgt
-Selbstentladung, die eine Verringerung von Q₂ zur Folge hat. Je länger
-also die zwischen Ladung und Entladung liegende Zeit ist, um so geringer
-wird der Wirkungsgrad.
-
-~Nutzeffekt~[63]. Man versteht darunter den Quotienten, den man erhält,
-wenn man die vom Akkumulator während der Entladung abgegebene Energie
-(gemessen in Wattstunden) durch die dem Akkumulator bei der
-vorhergegangenen Ladung zugeführte Energie (in Wattstunden) dividiert.
-Beispiel: Eine Zelle wurde mit 50 Amper 4 Stunden lang geladen; die
-mittlere Ladespannung war 2,3 Volt; die dem Akkumulator zugeführte
-Energie w₁ betrug
-
- w₁ = 2,3 . 50.4 Wattstdn. = 460 Wattstdn.
-
-Die Zelle wurde etwa ½ Stunde nach der Ladung mit 50 Amp. entladen; nach
-ungefähr 3¾ Stunden war die Spannung auf 1,8 Volt gesunken. Da die
-mittlere Spannung, wie die Messungen ergaben, jetzt rund 1,9 Volt
-betrug, so belief sich die vom Akkumulator abgegebene Leistung w₂ auf
-
- w₂ = 50 . 3,75 . 1,9 Wattstdn. = 356,25 Wattstdn.
-
-Mithin war in diesem Falle der Nutzeffekt gleich
-
- w₂ 356,25
- -- = ------ = 0,77 oder 77%.
- w₁ 460
-
-Im Laboratorium kann man, wenn man mit geringer Stromdichte lädt und
-entlädt, einen Nutzeffekt von 90% und noch mehr erzielen. Mit
-zunehmender Entladestromstärke nimmt der Quotient ab. In der Praxis
-rechnet man mit einem Nutzeffekte von 70-75%. [Auf die Rolle, die die
-zwischen Ladung und Entladung liegende Zeit spielt, ist schon aufmerksam
-gemacht worden.]
-
-Man könnte der Ansicht sein, daß der Nutzeffekt deshalb mit wachsender
-Entladestromstärke sinkt, weil bei größerer Stromdichte der innere
-Widerstand des Akkumulators zunimmt. Daß sich dieser mit der Stromstärke
-und mit der Dauer der Zufuhr bezw. Entnahme von Elektrizität etwas
-ändert, soll später nachgewiesen werden. Einstweilen begnügen wir uns
-mit der Bemerkung, daß der innere Widerstand auch kleiner Zellen in den
-verschiedenen Stadien der Ladung und Entladung und daher auch der
-Spannungsverlust im Elemente (i · w) so klein ist, daß durch ihn der
-Nutzeffekt nur in geringem Maße beeinflußt wird. Die Gründe, weshalb der
-Nutzeffekt weit unter 100% liegt, sind schon früher dargelegt worden;
-diese sind die Konzentrationsänderungen und die Abhängigkeit der
-elektromotorischen Kraft von der Säuredichte.
-
- Daß durch die Konzentrationsänderungen, die sich sowohl bei der Ladung
- wie bei der Entladung vollziehen, Arbeitsverluste verursacht werden,
- kann man sich auch folgendermaßen klar machen. Wenn man zwei
- Schwefelsäurelösungen verschiedener Konzentration mischt, so wird
- Wärme frei; sollen umgekehrt die beiden miteinander vermischten Säuren
- getrennt, soll also ein Konzentrationsunterschied hergestellt werden,
- so muß Arbeit aufgewendet werden. Da nun im Akkumulator durch den
- Strom ein Konzentrationsunterschied hergestellt und aufrecht erhalten
- wird, so muß hierfür elektrische Energie verbraucht werden.
- ~Dolezalek~ leitet eine Formel für die betreffenden Energieverluste
- ab, aus der sich ergibt, daß der Nutzeffekt abhängig ist von dem
- mechanischen Bau (Porosität) der Platten, von der Leitfähigkeit der
- Plattensäure, von der Stromstärke und von der Zeit. Beachtenswert ist,
- daß diese Energieverluste, ebenso wie die der Jouleschen Wärme
- entsprechenden der Leitfähigkeit der Säure umgekehrt proportional
- sind. Da nun Säure vom spezifischen Gewicht 1,22 (ca. 30%
- Schwefelsäure) das Maximum der Leitfähigkeit besitzt, so ist der
- Nutzeffekt bei dieser Säuredichte am größten.
-
-Die Arbeitsverluste kann man graphisch bestimmen, wenn man die Lade- und
-Entladekurve aufgenommen hat. Wählt man nämlich für die beiden Kurven
-dieselben Koordinatenachsen (Zeiten als Abszissen, Spannungen als
-Ordinaten), so schließen dieselben eine Fläche ein, die ein Maß für die
-Energieverluste ist. Um dies zu beweisen, denken wir uns die Zeit in
-Abschnitte t₁, t₂ ... zerlegt, die so klein sind, daß man von der
-Änderung der Spannung während eines jeden Intervalls absehen kann.
-Nennen wir die zugehörigen Spannungen bei der Ladung E₁, E₂ ..., bei der
-Entladung e₁, e₂ ..., und bezeichnen wir die (konstante) Stromstärke,
-die bei der Ladung und Entladung die gleiche sein muß, mit J, so ist die
-
- Ladearbeit während der Zeit t₁ gleich E₁ · J · t₁,
- „ „ „ „ t₂ „ E₂ · J · t₂ ...
- Entladearbeit „ „ „ t₁ „ e₁ · J · t₁,
- „ „ „ „ t₂ „ e₂ · J · t₂ ...
-
-Der Energieverlust in der Zeit t₁ ist mithin (E₁ - e₁) · J · t₁ oder
-proportional (E₁ - e₁) · t₁. Durch dieses Produkt wird aber das der Zeit
-t₁ entsprechende Stück der zwischen den beiden Kurven liegenden Fläche
-dargestellt usw.
-
-Der ~innere Widerstand~ eines Akkumulators, der bei Pufferbatterien (s.
-Kap. 9) eine wichtige Rolle spielt, kann in drei Summanden zerlegt
-werden, nämlich in den Widerstand, den der Strom in den verschiedenen
-Teilen der positiven Platte (bezw. Platten) findet (w_{p}), denjenigen
-in der negativen Elektrode (w_{n}) und den Widerstand in der Säure
-zwischen den Elektroden (w_{s}). Zu w_{p} und w_{n} ist auch derjenige
-Widerstand zu rechnen, den die Elektrizität in der in den Poren
-befindlichen Säure findet. Diese beiden Summanden, die unter sonst
-gleichen Umständen bei ~Planté~-Platten einen anderen Wert haben als bei
-~Faure~-Platten, ändern sich im Laufe der Ladung und Entladung. Je mehr
-Bleisulfat nämlich zwischen den Blei- bezw. Bleisuperoxydpartikelchen
-verteilt ist, um so größer werden w_{p} und w_{n}; ferner steigt bezw.
-sinkt die Konzentration der Säure in den Poren; endlich hat die
-Erzeugung von Joulescher Wärme eine Temperaturerhöhung zur Folge. Auch
-mit dem Alter der Platten ändern sich die beiden Widerstände (s.
-Lebensdauer).
-
-w_{s} ist ebenfalls variabel, da die Dichte der Säure zwischen den
-Platten (der „äußeren‟ Säure) während der Ladung zunimmt und bei der
-Entladung sinkt; dies gilt besonders von denjenigen Schichten der Säure,
-die an die Oberflächen der Platten grenzen; auch können Gase, die sich
-gegen Ende der Entladung entwickeln, eine Vergrößerung von w_{s}
-verursachen.
-
-Die Leitfähigkeit einer Schwefelsäurelösung ändert sich mit dem
-spezifischen Gewichte. Setzt man einer bestimmten Menge Wasser
-Schwefelsäure in kleineren Quantitäten nach und nach zu, so findet man,
-daß das Leitungsvermögen zuerst schnell, dann langsam wächst, später
-aber wieder abnimmt; bei einer Säuredichte von 1,224 ist das
-Leitungsvermögen ein Maximum. Die betreffende Lösung enthält etwa 30,5
-Gewichtsprozente Schwefelsäure; der spezifische Widerstand (Widerstand
-pro cm³) beträgt etwa 1,35 Ohm[64].
-
-Der Widerstand eines Akkumulators im stromlosen Zustande kann wie
-derjenige eines jeden anderen elektrolytischen Apparates bestimmt
-werden. Bei der einfachen Brückenschaltung mit den von F. ~Kohlrausch~
-angegebenen Modifikationen (Wechselströme, Telephon) erhält man
-besonders bei größeren Zellen (bei solchen ist der Widerstand kaum ein
-Tausendstel Ohm groß) wegen der Übergangswiderstände an den Klemmen
-keine genauen Resultate. Diese werden bei der Brückenschaltung von
-~Matthiesen~ und ~Hockin~ eliminiert.
-
- Angenähert (der Größenordnung nach) kann man den inneren Widerstand
- folgendermaßen bestimmen. Man lädt das Element, dessen Widerstand man
- ermitteln will, aus zwei hintereinander geschalteten Akkumulatoren
- unter Einschaltung eines Kurbelrheostats. Die Klemmen der Ladebatterie
- seien k₁ und k₂, die daran befestigten Drähte d₁ und d₂. Legt man d₁
- ~und~ d₂ an k₁ (oder an k₂), so gibt das zu untersuchende Element
- Strom ab. Dieser Strom ist bei Beginn der Ladung nur wenig verschieden
- von dem Ladestrom. Bei einiger Übung kann man innerhalb eines
- Zeitraumes von einigen Sekunden laden, umschalten (also entladen) und
- die nötigen Ablesungen an einem mit den Klemmen des Elementes
- verbundenen Voltmeter vornehmen. Während der Ladung ist
-
- e = E + i · w
-
- (e = Klemmenspannung, E = elektromotorische Kraft der Zelle)
-
- und während der Entladung ist
-
- e′ = E - i · w.
-
- Die Differenz der beiden Klemmenspannungen ist also (angenähert)
- gleich 2wi.
-
-Wenn die elektromotorische Kraft eines Akkumulators konstant wäre, so
-könnte man w leicht während der Ladung und Entladung bestimmen; denn
-dann wäre
-
- e - E
- w = -----.
- i
-
-Es würde genügen, „den Stromkreis für kurze Zeit zu öffnen‟ und die
-Spannung, die das mit den Klemmen verbundene aperiodische Voltmeter
-anzeigt (E), abzulesen. Wie jedoch aus den Kurven im folgenden Kapitel
-hervorgeht, gehen die Änderungen der elektromotorischen Kraft schnell
-vor sich, so daß die Unterbrechungsmethode sehr unzuverlässig ist. Will
-man den Widerstand einer Zelle während des Stromdurchganges genau
-bestimmen, so kann man die Methode von ~Uppenborn~[65] oder die von
-~Nernst~ und ~Haagn~ angegebene benutzen. Letztere unterscheidet sich
-von der gewöhnlichen Brückenmethode dadurch, daß zwei Widerstände durch
-Kondensatoren ersetzt sind, außerdem wird noch ein Hilfskondensator
-eingeschaltet, der verhindert, daß die Zelle Strom in die
-Brückenanordnung sendet[66]. (Eine ausführliche Beschreibung der
-verschiedenen Meßmethoden findet man in dem bekannten Werke von F.
-~Kohlrausch~, Leitfaden der Physik.)
-
-Nach Messungen von ~Haagn~ stieg der Widerstand einer kleinen Zelle
-während der etwa fünfstündigen Entladung von 0,018 bis 0,045 Ohm,
-während der Ladung fiel er von 0,04 auf 0,018 Ohm. Nach Messungen von
-~Häberlein~ verhält sich der Widerstand bei Beginn zu demjenigen am Ende
-der Ladung wie 17 : 24. ~Roloff~ gibt für die Type 3 × J₁ der
-Akkumulatoren-Fabrik Akt.-Ges. an, daß der Widerstand bei Beginn der
-Entladung 0,0012 Ohm und am Ende 0,0018 Ohm war.
-
- Da die Konzentration der Säure in den Poren der wirksamen Masse von
- der Stromdichte abhängig ist, so folgt erstens, daß bei schneller
- Entladung (großer Stromdichte) der durchschnittliche (mittlere)
- Widerstand größer ist als bei langsamer Entladung und zweitens, daß
- der Spannungsabfall im Elemente (w · J) nicht linear mit der
- Stromdichte wächst, sondern in einem etwas stärkeren Verhältnisse.
-
-Wenn man Zellen von verschiedener Kapazität, die aus Platten von
-derselben Konstruktion zusammengesetzt sind und Säure von derselben
-Dichte enthalten, mit gleicher Stromdichte beansprucht, so darf man das
-Produkt w · J als konstant ansehen; denn in dem Maße, in dem w bei den
-großen Zellen abnimmt, wächst J.
-
- [52] Wenn man zwischen Platin- oder Kohlenelektroden verdünnte
- Schwefelsäure zersetzt, so steigen an den Außenseiten der Elektroden
- nur wenige Gasblasen empor. Bei der Ladung eines Akkumulators wird
- dementsprechend an der Außenseite der positiven und negativen
- Elektrode nur wenig Bleisuperoxyd bezw. Blei gebildet.
-
- [53] Diese müßte eigentlich als „Kapazität‟ schlechthin bezeichnet
- werden.
-
- [54] E. T. Z. 1904, S. 587.
-
- [55] E. T. Z. 1897, S. 287.
-
- [56] E. T. Z. 1889, S. 88.
-
- [57] E. T. Z. 1901, S. 811.
-
- [58] Wenn man einen Elektrolyten erwärmt, so wächst das
- Leitungsvermögen ziemlich stark.
-
- [59] ~P. Schoop~, Die Sekundär-Elemente.
-
- [60] Zeitschr. f. Elektrochemie 1902, Nr. 44.
-
- [61] Liebenow empfiehlt als Meßelektrode eine kleine Zelle aus Ton
- (porös), in der sich Kadmiumamalgam und eine konzentrierte Lösung von
- Kadmiumsulfat in Akkumulatorensäure befindet. Ein durch einen Glasstab
- isolierter Draht geht bis zum Kadmiumamalgam. Man stellt die Zelle auf
- die Oberkante der Platten; ihr unteres Ende muß dann von der Säure
- benetzt werden. Die Anordnung entspricht einem Voltaschen Elemente,
- bei dem eine Elektrode in einer mit verdünnter Schwefelsäure
- angefüllten Tonzelle steht.
-
- [62] Was hier „Wirkungsgrad‟ genannt wird, wird von anderen Autoren
- als „Güteverhältnis‟ bezeichnet, während das Verhältnis der
- entnommenen Energie zu der bei der Ladung aufgewendeten Energie
- vielfach als Wirkungsgrad bezeichnet wird.
-
- [63] Man vergleiche die Fußnote auf der vorigen Seite.
-
- [64] Man bezieht das Leitvermögen (und den spezifischen Widerstand)
- der Elektrolyte auf eine Säule von 1 cm Länge und 1 qcm Querschnitt,
- also kurz auf 1 ccm.
-
- [65] Näheres siehe ~Uppenborn~, Kalender für Elektrotechniker.
-
- [66] Zeitschr. f. Elektrochemie 1897, S. 421.
-
-
-
-
-Viertes Kapitel.
-
-Ladung und Entladung.
-
-
-Wir wollen zunächst das ~Verhalten~ des Bleiakkumulators während der
-Ladung und Entladung betrachten.
-
-1. ~Ladung~. In den ersten Minuten nach Beginn der Ladung, für die das
-in Fig. 2 (s. S. 26) gegebene Schaltungsschema gilt, steigt die
-Klemmenspannung des Akkumulators ziemlich schnell auf 2,1 bis 2,18
-Volt[67]. Oft beobachtet man, daß die Spannung im Anfange der Ladung
-zuerst steigt und dann wieder etwas abfällt, daß also das erste Stück
-der Spannungskurve einen kleinen Höcker aufweist. Während des größten
-Teiles der Ladung wächst die Spannung nur ganz langsam bis zu 2,2 Volt;
-gegen Ende der Ladung erfolgt ein schneller Anstieg der Kurve.
-
-Bei etwa 2,3 Volt beginnt die Gasentwicklung; an den Anoden schon etwas
-früher; sie ist zuerst schwach, dann lebhaft; der Akkumulator „kocht‟.
-Die Klemmenspannung hängt besonders während der Gasbildung in hohem Maße
-von der Ladestromstärke ab (s. Fig. 7); hat der Strom noch den der
-vierstündigen Ladung entsprechenden Wert, so steigt die Spannung bis zu
-etwa 2,7 Volt und ev. noch höher.
-
-[Illustration: Fig. 7.]
-
-[Illustration: Fig. 8.]
-
-In den Fig. 7 und 8 ist der Verlauf der Klemmenspannung bei Beginn und
-gegen Ende der Ladung graphisch dargestellt. Die Zelle bestand aus 5
-Platten, 2 positiven und 3 negativen (10 cm × 14 cm); die ersteren waren
-Großoberflächenplatten. Die Stromdichte betrug zuerst etwa 0,6, später
-etwa 0,4 Amp. pro Quadratdezimeter, bezogen auf die positiven Platten.
-
-Die Stromdichte war verhältnismäßig klein. Nach ~Heim~[68] ist
-bei dreistündiger Entladung die Stromdichte bei positiven
-Großoberflächenplatten 1,3-1 Amp. pro 1 dm².
-
-Vereinzelte Gasblasen sieht man während der ganzen Ladung emporsteigen.
-Die Gase, die sich entwickeln, sind die Elemente des Wassers, und zwar
-entweicht der Sauerstoff an den positiven, der Wasserstoff an den
-negativen Platten. Die stärkere Gasentwicklung ist ein Zeichen, daß der
-chemische Umsatz an den dem Strome zugänglichen Teilen der aktiven Masse
-nahezu vollendet ist. Hat man den Akkumulator mit der höchsten
-zulässigen Stromstärke geladen, so setzt man, sobald lebhafte Gasbildung
-erfolgt, den Strom auf die Hälfte bis ein Drittel seiner bisherigen
-Stärke herab.
-
-Die Klemmenspannung e während der Ladung kann in zwei Summanden zerlegt
-werden; der eine Teil dient dazu, die Gegenspannung (die momentane
-elektromotorische Kraft) des Elementes E aufzuheben, der andere, den
-Ohmschen Widerstand w der Zelle zu überwinden:
-
- e = E + i · w.
-
-Man beobachtet oft, wie schon erwähnt wurde, daß kurze Zeit nach Beginn
-der Ladung die Potentialdifferenz der Klemmen etwas sinkt und dann
-wieder ansteigt. Diese Erscheinung ist nach Dolezalek auf eine Änderung
-des Widerstandes zurückzuführen, den der Strom in den Platten findet.
-Während der der Ladung vorausgegangenen Ruhepause bedecken sich die
-Elektroden wahrscheinlich mit einer sehr dünnen Schicht von
-schlechtleitendem Bleisulfat (s. Sulfatierung). Dieses wird, wenn die
-Ladung beginnt, in kurzer Zeit gelöst. Im übrigen wird durch die
-Änderung des inneren Widerstandes während der Ladung die Klemmenspannung
-nur wenig beeinflußt. Das anfängliche schnelle und das spätere langsame
-Wachsen der Klemmenspannung ist auf die Änderung der Konzentration der
-Säure in den Poren der wirksamen Masse und der äußeren Säure
-zurückzuführen. Sobald die Stromzufuhr beginnt, wird in den Poren Säure
-frei, die Konzentration (und damit die elektromotorische Kraft) steigt
-so lange, bis in jedem Zeitteilchen gerade soviel Säure durch Diffusion
-nach außen gelangt, wie in den Poren durch den chemischen Umsatz erzeugt
-wird. Je größer die Ladestromstärke ist, um so größer wird der
-Unterschied der Konzentration der beiden Säuren, um so größer wird die
-Klemmenspannung. Die Differenz der beiden Konzentrationen können wir,
-wenn mit konstanter (nicht zu großer) Stromdichte geladen wird, als
-konstant ansehen; wächst also die Dichte der äußeren Säure, so nimmt
-auch diejenige der Säure in den Poren zu.
-
-Gegen Ende der Ladung werden von den Platten Gase absorbiert, man
-spricht daher von einer „Gaspolarisation‟. Da die Okklusionsfähigkeit
-des Bleies nur eine geringe ist, so ist es sehr zweifelhaft, ob die
-Gaspolarisation überhaupt eine Rolle spielt. Übrigens kann man, wie wir
-gesehen haben, den starken Anstieg der Spannung gegen Ende der Ladung
-darauf zurückführen, daß der Elektrolyt an Bleisulfat verarmt und daher
-die Konzentration der Blei- und Bleisuperoxydionen[69] eine sehr
-geringe wird (siehe Theorie von ~Liebenow~).
-
-Verschiedene Firmen schreiben vor, daß die von ihnen gelieferten
-Akkumulatoren ab und zu nach Beginn der lebhaften Gasentwicklung noch
-längere Zeit, etwa 2-3 Stunden lang, weiter geladen werden sollen. Der
-Zweck der ~Überladung~, die im allgemeinen schädlich ist, weil durch die
-entweichenden Gase Teilchen der aktiven Masse abgerissen werden, die
-ferner eine nicht unwesentliche Verringerung des Nutzeffektes zur Folge
-hat, ist ein zweifacher. Es kommt zuweilen vor, daß einzelne Zellen
-einer Batterie aus irgend einem Grunde gegen die anderen
-„zurückbleiben‟. Bei diesen Zellen erfolgt die Umwandlung von Bleisulfat
-in Blei bezw. Bleisuperoxyd langsamer als bei den übrigen Elementen, die
-sich in normalem Zustande befinden. Während der Überladung geht nun die
-chemische Umwandlung in den kranken Zellen noch weiter vor sich, so daß
-ihnen Gelegenheit gegeben wird, sich zu erholen. Ferner werden durch die
-während der Überladung entweichenden Gasblasen Strömungen in der Säure
-hervorgerufen (die Säure wird aufgewühlt), die eine Vermischung der
-unteren, dichteren Schichten mit den oberen, weniger dichten zur Folge
-haben. Die Konzentrationsverschiebungen kommen dadurch zustande, daß
-während der Ladung konzentrierte Schwefelsäure zu Boden sinkt. (Die
-Konzentrationsunterschiede kann man leicht nachweisen, indem man mittels
-eines Hebers Säure aus den oberen und den unteren Schichten entnimmt und
-mittels des Aräometers die Dichte mißt.)
-
-~Die Stromdichte darf bei der Ladung einen gewissen oberen Grenzwert
-nicht überschreiten~, weil sonst 1. die Umwandlung nur oder fast
-ausschließlich an der Oberfläche der Platten vor sich geht (s.
-Kapazität), 2. die Ladespannung einen zu hohen Wert hat (s. Nutzeffekt)
-und 3. infolge der schnellen, den chemischen Umsatz begleitenden
-Volumänderungen sich der Zusammenhang zwischen der aktiven Masse lockern
-kann (s. auch S. 14, Überschwefelsäure).
-
-Die größte zulässige Stromdichte hängt von der wirksamen Oberfläche, von
-der Dicke der aktiven Schicht und von der Porosität der Platten ab.
-Gewöhnlich beträgt ~der maximale Ladestrom~ (wie er von den Fabriken
-angegeben wird) so viel Amper, wie der dritte Teil der Kapazität bei
-dreistündiger Entladung angibt. Ist z. B. die Kapazität bei
-dreistündiger Entladung 120 Amperstunden, so ist die maximale
-Ladestromstärke gleich 40 Amp.
-
-Kennt man die ~maximale Ladestromstärke~ nicht, so bestimme man die
-projizierte Oberfläche der Positiven; ist die Länge einer Platte a cm,
-die Breite b cm, so ist die Oberfläche einer Platte 2 a b cm²; pro
-Quadratdezimeter darf man 0,6 bis 0,7 Amp. rechnen.
-
- ~Eine untere Grenze für die Ladestromstärke gibt es nicht~; im
- Gegenteil, je kleiner die Stromstärke, um so günstiger die Ökonomie,
- um so gründlicher erfolgt der chemische Umsatz. Besonders wenn Zellen
- zu sehr in Anspruch genommen wurden, oder einige Zeit in entladenem
- Zustande gestanden haben, ist ihnen eine Ladung mit schwachem Strome
- von Nutzen.
-
-Über die ~Ladung~ von Akkumulatoren bei ~konstanter Spannung~ hat
-~Heim~[70] eingehende Versuche ausgeführt.
-
-Einer Reihe von Ladungen mit (angenähert) konstanter Stromstärke, wie
-sie für drei- bis vierstündige Ladung vorgeschrieben ist, d. h. von
-normalen Ladungen, folgten Ladungen mit konstanter Spannung von 2,4
-Volt, später von 2,5 Volt pro Zelle. Hierbei ist die anfängliche
-Stromstärke eine verhältnismäßig sehr große, sie sinkt aber schnell. Die
-Zellen nehmen in jedem Augenblicke diejenige Elektrizitätsmenge auf, die
-ihrem momentanen Ladezustande angemessen ist; bei Beginn der Ladung ist
-die Aufnahmefähigkeit der Zelle eine sehr große. Es ergab sich, daß „der
-Nutzeffekt beim Laden mit konstanter Spannung von 2,4 bis 2,5 Volt und
-einer Ladezeit von etwa ½ Stunde nicht sehr wesentlich ungünstiger
-ausfällt, als man ihn bei 3½- bis 4stündigen Ladungen und 3stündigen
-Entladungen mit konstantem Strome erzielt‟. Ferner fand ~Heim~, daß
-durch eine 1½stündige Ladung bei konstanter Spannung von 2,4 Volt die
-Zellen nicht ganz, bei 2,5 Volt dagegen fast so weit geladen werden, wie
-durch 3½stündige Ladungen mit konstanter Stromstärke. Durch ½stündige
-Ladung bei 2,4 Volt erreicht man die Hälfte, durch ½stündiges Laden mit
-2,5 Volt zwei Drittel der beim Laden mit konstanter Stromstärke
-erzielten Kapazität. Der Wirkungsgrad in Amperstunden war fast so
-günstig wie bei der Ladung mit konstanter Stromstärke.
-
-Von der Ladung mit konstanter Spannung wird man aber nur in
-Ausnahmefällen Gebrauch machen, wohl nur dann, wenn die Zeit, die für
-die Ladung zur Verfügung steht, knapp bemessen ist, da ihrer Anwendung
-die schnellere Abnutzung der Platten und vielfach auch der hohe Betrag
-der anfänglichen Stromstärke im Wege steht. War doch die Stromstärke bei
-Beginn der Ladung mit 2,5 Volt 6-7 Mal größer als der höchste zulässige
-Ladestrom[71] und zwar bei einer Type „für starke Entladung‟.
-
-2. Wir wollen uns jetzt mit den verschiedenen ~Stromquellen~
-beschäftigen, die ~für die Ladung~ von Akkumulatoren in Betracht kommen.
-
-Am einfachsten gestaltet sich die Ladung, wenn vorhanden ist ein a)
-~Anschluß an ein Gleichstromnetz~. Da die positive Leitung an den
-positiven Pol der Batterie anzuschließen ist, so muß man in
-zweifelhaften Fällen zunächst die Polarität der Leitungen bestimmen. Am
-einfachsten benutzt man die elektrochemische Methode: Man kann z. B.
-einen Wasserzersetzungsapparat mit den Drähten des Netzes verbinden,
-wobei eventuell durch einen Vorschaltwiderstand der Strom abzuschwächen
-ist; diejenige Elektrode, an der die Gasentwickelung am stürmischsten
-erfolgt, ist mit der negativen Leitung verbunden. Vielfach benutzt man
-für die Bestimmung der Polarität Polreagenzpapier[72]. Dieses wird vor
-dem Gebrauche mit Wasser angefeuchtet und auf eine isolierende Unterlage
-(die Tischplatte) gelegt. Die Enden der Drähte, deren Polarität man
-bestimmen will, drückt man gegen das Papier; dieses färbt sich, wenn es
-mit der Lösung eines Alkalisalzes (+ Phenolphtaleïn) imprägniert ist, an
-derjenigen Stelle, wo es von dem negativen Leitungsdrahte berührt wird,
-rot.
-
-Ob man bei der Ladung alle Zellen hintereinanderschaltet oder
-gruppenweise (z. B. die Hälfte) hintereinander und die Gruppen parallel
-schaltet, hängt von der zur Verfügung stehenden Netzspannung ab.
-Beträgt z. B. die Netzspannung 110 Volt, und rechnen wir als
-Endspannung jeder Zelle 2,7 Volt, so kann man 110/2,7 = 41 Zellen in
-Hintereinanderschaltung laden. Soll eine größere Anzahl von Zellen
-geladen werden, handelt es sich beispielsweise um 80 Zellen, so werden
-je 40 Zellen in Reihe geschaltet; wir erhalten dann vier freie Pole,
-zwei positive und zwei negative. Man verbindet nun die beiden positiven
-Pole durch einen Draht miteinander und ebenso die beiden negativen; an
-die beiden Verbindungsdrähte wird die Netzleitung angeschlossen (siehe
-auch S. 97).
-
-In den Ladestromkreis schaltet man ein Ampermeter und einen
-veränderlichen Widerstand ein. Je größer die Spannung des Netzes und je
-kleiner die Anzahl der zu ladenden Zellen ist, um so größer muß der
-Rheostat sein.
-
- Beispiel: Netzspannung 110 Volt, Anzahl der Zellen 20, Ladestromstärke
- 15 Amper. Da die Spannung jeder Zelle bei Beginn der Ladung rund 2
- Volt beträgt, so müssen in dem Vorschaltwiderstand 110 - 40 = 70 Volt
- erdrosselt werden. Der Spannungsabfall in einem Widerstande von w Ohm
- beträgt aber, wenn ein Strom von i Amper durch den Widerstand fließt,
- w · i Volt. Mithin muß der Vorschaltwiderstand 70/15 = 4,7 Ohm haben.
- Ist er etwas kleiner, so schadet das weiter nichts, da die
- Gegenspannung jeder Zelle in ganz kurzer Zeit auf 2,1 Volt steigt. --
-
-Will man mit konstanter Stromstärke laden, so muß man von Zeit zu Zeit
-einen Teil des Vorschaltwiderstandes abschalten[73].
-
-Wenn nur wenige Zellen geladen werden sollen und die Netzspannung hoch
-ist, so kann man statt eines Kurbelrheostates Glühlampen als
-Vorschaltwiderstand benutzen (Lampenwiderstand). 16kerzige Lampen für
-110 Volt verbrauchen rund 0,5 Amper, haben also bei normalem
-Stromdurchgang einen Widerstand von etwa 220 Ohm (der Widerstand des
-Kohlefadens nimmt mit steigender Temperatur ab). Schaltet man n solcher
-Lampen parallel, so entsprechen diese einem Widerstand von 220/n Ohm; je
-größer man also n macht, um so stärker wird der Ladestrom. Das
-Schaltungsschema ist in Fig. 9 dargestellt: _L_₁ und _L_₂ sind die
-Drähte der Starkstromleitung, _L.W._ ist der Lampenwiderstand, _B_ die
-Batterie.
-
-[Illustration: Fig. 9.]
-
- Handelt es sich um die Ladung einer kleinen Anzahl von Zellen, so ist
- die Stromentnahme aus einem Netze höherer Spannung nicht ökonomisch,
- da der größte Teil der entnommenen Energie in dem Vorschaltwiderstand
- nutzlos in Wärme umgesetzt wird.
-
-b) ~Anschluß an ein Wechselstromnetz.~ Wechselstrom kann man für die
-Ladung einer Batterie nicht verwenden. Es muß also entweder eine
-Umformung in Gleichstrom erfolgen, oder es muß die eine Hälfte einer
-jeden Stromwelle unterdrückt bezw. stark geschwächt werden.
-
-Die Umformung erfolgt entweder in einem ~Motorgenerator~ (Motordynamo)
-oder in einem ~Einanker-Umformer~ (auch rotierender Umformer genannt).
-Ersterer besteht aus einem Wechselstrommotor und einer von diesem
-angetriebenen Gleichstrommaschine, letzterer ist eine Dynamomaschine,
-deren Anker auf der einen Seite mit Schleifringen, auf der anderen mit
-einem Kommutator (Kollektor) versehen ist. Die Benutzung eines
-Motorgenerators gewährt den Vorteil, daß man die Spannung der
-Gleichstrommaschine in einfacher Weise regulieren kann, während eine
-Änderung der Gleichstromspannung bei einem rotierenden Umformer zwar
-möglich, aber ziemlich kompliziert ist. Es ist nämlich das Verhältnis
-zwischen der eingeleiteten Wechselspannung und der von den Bürsten
-abgenommenen Gleichstromspannung ein festes[74], und zwar geben
-theoretisch bei Einphasenstrom-Gleichstromumformern 100 Volt zugeführte
-(effektive) Spannung 141 Volt (100:√½) Gleichstromspannung und bei
-Drehstrom-Gleichstromumformern entsprechen 100 Volt Spannung zwischen
-zwei Schleifringen (Phasenstromspannung) 163 Volt (100:½√⅔) an den
-Bürsten.
-
-Als „~Gleichrichter~‟ kann auch die ~Quecksilberdampflampe~ von ~Cooper
-Hewitt~ benutzt werden, die u. a. von der Firma Heräus in Hanau auf den
-Markt gebracht wird. Stellt man zwischen ungleichartigen Elektroden (z.
-B. zwischen Eisen und einer Dochtkohle) einen Wechselstromlichtbogen
-her, so geht der Strom leichter in dem einen Sinne (vom Eisen zur
-Kohle) über als im anderen Sinne[75]. Bei der Quecksilberdampflampe sind
-die Elektroden Eisen und Quecksilber. In der Physikal.-Techn.
-Reichsanstalt wurden eingehende Versuche und zwar durchaus
-zufriedenstellende mit diesem Gleichrichter angestellt, die sich auf
-Einphasen- und Drehstrom bezogen[76]. Es ergab sich, daß der
-Spannungsverlust bei 3 Amp. 18 Volt und bei 10,5 Amp. 15 Volt betrug.
-Beträgt also die Netzspannung 150 Volt, so beträgt der Energieverlust
-bei 10,5 Amp. Stromstärke 10%. Ein Vorzug des Quecksilber-Gleichrichters
-besteht auch darin, daß er ohne Beaufsichtigung (während der Nacht) im
-Betrieb bleiben kann.
-
-Die ~elektrolytischen Umformer~, welche die Umwandlung von Wechselstrom
-in pulsierenden Gleichstrom bezwecken, beruhen auf folgendem Prinzip.
-Bildet man aus einer Aluminium- und einer Blei- (oder Platin-)elektrode
-und verdünnter Schwefelsäure (oder einer Lösung der Sulfate der Alkalien
-oder des Alauns) einen elektrolytischen Apparat, so fließt bei
-Verwendung von Gleichstrom, falls die Spannung einen gewissen Betrag
-nicht übersteigt, nur dann Strom durch die Zelle, wenn Aluminium die
-negative Elektrode ist (unipolare Elektrode). Man nimmt an, daß sich bei
-der umgekehrten Richtung das SO₄ mit Aluminium zu einer sehr dünnen
-unlöslichen Schicht von basischem Aluminiumsulfat verbindet, das den
-elektrischen Strom nicht leitet[77]. Nachdem also eine geringe
-Elektrizitätsmenge durch den Apparat geflossen ist, wird die Zelle zu
-einem Kondensator. Schaltet man eine hinreichend große Anzahl der Zellen
-hintereinander und verbindet die Endklemmen mit einem Wechselstromnetze,
-so wird von jeder Stromwelle die Hälfte unterdrückt und man erhält
-pulsierenden Gleichstrom[78].
-
-[Illustration: Fig. 10.]
-
-Sollen die beiden halben Wellen des Wechselstromes ausgenutzt werden, so
-wendet man die in Fig. 10 angegebene Schaltung an. Ist die Klemme _K_₁
-der Wechselstrommaschine die positive, so geht der Strom durch die Zelle
-_2_, durch die zu ladende Batterie _B_, durch die Zelle _3_ zur Maschine
-zurück; ist _K_₂ positiv, so geht der Strom durch die Zellen _4_ und
-_1_. Für 110 Volt Wechselstrom genügen 4 Zellen.
-
-[Illustration: Fig. 11.]
-
-c) ~Laden mittels einer Gleichstrommaschine.~ Am besten eignet sich die
-Nebenschlußmaschine. Eine solche (mit 2 Polen) ist in Fig. 11
-schematisch dargestellt. Der im Anker _A_ erzeugte Strom teilt sich
-hinter der positiven Bürste; ein kleiner Teil (_i_) fließt durch die
-zahlreichen Windungen des linken Elektromagnetschenkels, durch den
-Regulierwiderstand _R_, die Windungen auf der rechten Seite und endlich
-durch die Bürste _B_₂ zum Anker zurück. Der Hauptstrom _J_ fließt durch
-die Akkumulatorenbatterie, deren positiver Pol mit der positiven Bürste
-verbunden sein muß.
-
-Verringert man bei einer bestimmten Klemmenspannung den Widerstand in
-_R_ (durch Drehen der Kurbel), so wächst _i_, der Erregerstrom, und es
-wird, falls die Feldmagnete nicht schon vorher gesättigt waren, das
-magnetische Feld verstärkt, so daß die elektromotorische Kraft der
-Maschine steigt. Umgekehrt kann man durch Vergrößerung von _R_ die
-elektromotorische Kraft verringern. Da man mit Hilfe des Rheostates die
-Spannung regulieren kann, so nennt man ihn Regulator. Die
-Spannungsregulierung kann in ziemlich weiten Grenzen vorgenommen werden.
-
- Wir wollen annehmen, daß die Tourenzahl der Maschine, wie es meistens
- zutrifft, nicht verändert werden kann. Man kann dann nur durch
- Verstärkung des Erregerstromes die Spannung steigern, natürlich nur so
- lange, bis die Elektromagnete gesättigt sind. Im allgemeinen wird nun
- die Maschine so gebaut, daß ihre Feldmagnete bei der normalen Spannung
- (z. B. 110 Volt) nahezu gesättigt sind. Soll eine Nebenschlußmaschine
- also zeitweise eine wesentlich höhere Spannung, als man sie gewöhnlich
- von ihr verlangt, liefern, so muß der Magnetismus der Feldmagnete bei
- der normalen Spannung noch ziemlich weit vom Maximum entfernt sein, d.
- h. das Material (das Eisen) wird nur zeitweise vollständig ausgenutzt,
- die Maschine ist also verhältnismäßig teuer.
-
-Die Gründe, weshalb sich die Nebenschlußmaschine für die Ladung von
-Akkumulatoren besonders eignet, sind folgende. Da die Klemmenspannung
-eines Akkumulators während der Ladung um 30-40% steigt[79], so muß,
-wenn man nicht durch einen Vorschaltwiderstand den Strom zuerst
-abschwächen will, die elektromotorische Kraft der Lademaschine
-allmählich erhöht werden, was, wie schon gezeigt, bei der
-Nebenschlußmaschine, ohne daß man die Tourenzahl ändert, leicht
-geschehen kann. Nehmen wir ferner an, daß die elektromotorische Kraft
-der Maschine aus irgend einem Grunde, etwa infolge Gleitens des Riemens,
-plötzlich so stark sinkt, daß sie kleiner wird als die Spannung der
-Batterie, die geladen wird; es schickt dann die Batterie Strom in die
-Maschine[80]. Man erkennt nun leicht, wenn man die Fig. 11 betrachtet,
-daß der durch die Elektromagnetwickelung fließende Akkumulatorenstrom
-dieselbe Richtung hat wie der von der Maschine selbst vor Eintritt der
-Störung in den Nebenschluß geschickte Strom. Die Feldmagnete ändern also
-ihre Polarität nicht, sie werden nicht ~umpolarisiert~[81], und es
-behält daher auch die im Anker induzierte elektromotorische Kraft ihre
-Richtung bei; sie ist mithin stets der elektromotorischen Kraft der
-Batterie entgegengesetzt gerichtet. Hört die Störung auf, so wächst die
-induzierte elektromotorische Kraft, und die Maschine schickt wieder
-Strom in die Batterie.
-
-Wie sich die Ladung gestaltet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Es
-soll nur ein bestimmter, in der Praxis häufig vorkommender Fall
-besprochen werden. Es handle sich um eine Anlage mit 110 Volt; die
-Anzahl der Zellen sei 60, die Spannung der Nebenschlußmaschine möge bis
-zu 150 Volt erhöht werden können. Die Steigerung der Spannung um 40 Volt
-wird nun nicht allein durch Vergrößerung der Feldstärke des
-Magnetsystems, sondern auch durch Verringerung der Ankerrückwirkung
-bewirkt. Da aber die Ankerreaktion von der Ankerstromstärke abhängig
-ist, so ist man gegen Ende der Ladung, um die letzte Spannungserhöhung
-zu erzielen, gezwungen, den Strom zu verringern. -- Bevor man die Dynamo
-auf die Batterie schaltet, mißt man die Klemmenspannung der Batterie,
-diese sei E. Dann erregt man die leer laufende Dynamo (mittels des
-Nebenschlußregulators) so, daß ihre Spannung um einige Volt höher ist
-als E und verbindet (durch Drehen des Schalters) die Dynamo mit der
-Batterie; unter Beobachtung des Ampermeters wird die elektromotorische
-Kraft der Maschine derartig reguliert, daß der gewünschte Ladestrom
-zustande kommt. Im Verlaufe der Ladung muß von Zeit zu Zeit eine
-Nachregulierung erfolgen.
-
-Bei den angenommenen Verhältnissen kann die ganze Batterie so lange
-geladen werden, bis die Spannung pro Zelle 150/60 = 2,5 Volt beträgt.
-Will man bis zu 2,7 Volt laden, so müssen einige Zellen abgeschaltet
-werden (s. Zellenschalter).
-
-Wenn eine Dynamo vorhanden ist, die nur die für den normalen Betrieb
-nötige Spannung (z. B. 110 Volt) liefern kann, so wird in vielen Fällen
-eine ~Zusatzdynamo~ verwendet, die mit der Hauptmaschine in Reihe
-geschaltet wird und die fehlende Spannung liefert. Meistens wird die
-Zusatzdynamo durch einen Elektromotor angetrieben, dem Strom aus dem
-Netze zugeführt wird.
-
-Wenn eine Zusatzmaschine nicht vorhanden ist und die Hauptmaschine nur
-die für die Speisung der Lampen und Motoren nötige Spannung liefert, so
-kann man die Batterie ~in zwei Hälften laden~ (s. S. 88). Hierbei muß
-eventuell ein Teil der Maschinenspannung in einem Vorschaltwiderstand
-getötet werden, dessen Größe man allmählich verringert. Sobald die
-Ladung der Batterie beendigt ist, werden die beiden Gruppen wieder
-hintereinander geschaltet.
-
- Die Ladung in zwei Hälften ist mit größeren Energieverlusten
- verbunden. Besteht z. B. die Batterie bei 110 Volt Netzspannung aus 62
- Zellen, und rechnen wir als mittlere Ladespannung 2,2 Volt, so müssen
- durchschnittlich (110 - 31 . 2,2) Volt = 41,8 Volt erdrosselt werden,
- so daß 38% der von der Dynamo abgegebenen Energie im
- Vorschaltwiderstand in Wärme umgesetzt werden. Die Ladung mit
- Zusatzmaschine wird daher vorgezogen.
-
- Die Zusatzmaschine erhalte Strom von der Hauptmaschine. Rechnen wir
- den Wirkungsgrad des Antriebsmotors und den der Zusatzmaschine zu 85%,
- so ist der Wirkungsgrad des Aggregates gleich 0,85 . 0,85 = 0,7225.
- Der Energieverlust beträgt also bei unseren Annahmen 27¾% der dem
- Aggregate zugeführten Energie.
-
-Eine ~Schaltung~, die fast die ganze Netzspannung auszunutzen gestattet,
-hat ~Micka~ angegeben. Angenommen, es sollen bei 110 Volt Netzspannung
-63 Zellen geladen werden. Aus diesen werden drei gleich große Gruppen
-gebildet, die wir mit I, II, III bezeichnen wollen. Die Zellen jeder
-Gruppe werden in Reihe und die beiden Gruppen II und III parallel
-geschaltet. Diese Doppelbatterie wird mit I in Serie geschaltet, so daß
-die für 42 Zellen erforderliche Spannung vorhanden sein muß. Gruppe I
-erhält also den vollen Ladestrom J, während II und ebenso III mit dem
-Strome J/2 geladen werden. Mithin sind die Zellen der ersten Gruppe
-früher geladen als die anderen. Nach Abschaltung von I werden II und III
-hintereinander geschaltet. Es ist auch hier die Vorschaltung eines
-Widerstandes nötig. Man kann auch in drei Zeitabschnitten laden, indem
-man z. B. zuerst unter Vorschaltung eines Widerstandes Gruppe I und II
-in Serie lädt, dann I und III und zuletzt II und III. (Siehe E. T. Z.
-1908, S. 943).
-
-d) ~Ladung mittels der Thermosäule.~ Die Verwendung der Thermosäule für
-die Ladung von Akkumulatoren ist besonders am Platze, wenn es sich um
-eine kleinere Anzahl von Zellen handelt. Das Verfahren ist höchst
-einfach, billig und mühelos: ein Vorschaltwiderstand ist überflüssig;
-die Einschaltung eines Ampermeters ist nicht erforderlich, einer
-Beaufsichtigung bedarf die Ladung nicht, man kann die Ladung auch
-während der Nacht fortsetzen; der Gasverbrauch beträgt pro Stunde ⅕ bis
-⅙ Kubikmeter (für etwa 2 Pfg.); da endlich mit geringer Stromdichte
-geladen wird, so ist die chemische Umwandlung eine gründliche.
-
- Die ~Gülcher~sche Thermosäule besteht aus 66 hintereinander
- geschalteten Elementen. Die elektromotorische Kraft ist am Abend etwas
- höher als am Tage, da die Gaswerke am Tage den Gasdruck auf einer
- etwas geringeren Höhe halten. Es ist jedoch nicht nötig, einen
- Gasdruckregulator, dessen Verwendung vielfach empfohlen wird,
- einzuschalten. Nach dem Anzünden der Gasflämmchen, das nicht sofort
- nach Öffnung des Gashahnes, sondern erst etwa ¼ Minute später
- geschehen darf, steigt die elektromotorische Kraft zuerst schnell,
- dann langsam und erreicht in etwa 20 Minuten ihren Endwert von ca. 3,7
- Volt (am Abend). Der innere Widerstand der Säule beträgt rund 0,7 Ohm.
- Man verbindet die Akkumulatoren erst einige Minuten nach dem Anzünden
- der Gasflammen mit den Polen der Thermosäule (+ mit +, - mit -), weil
- sonst der Akkumulator noch eine Zeitlang Strom abgibt. Wenn man sich
- vergewissern will, ob der Akkumulator auch wirklich Strom aufnimmt, so
- schaltet man ein Ampermeter ein[82]. Bei Beginn der Ladung gibt die
- Thermosäule einen Strom von rund 2 Amper ab, später geht die
- Stromstärke etwas zurück.
-
- Sind mehrere Zellen zu laden, so muß man diese parallel schalten, da
- die Spannung der Thermosäule schon für die Ladung von zwei in Reihe
- geschalteten Zellen zu klein ist. Es sei an dieser Stelle die
- Bemerkung eingeschoben, daß man ~bei der Parallelschaltung~ der Zellen
- ~keine Gewißheit~ hat, ~daß alle Zellen Strom aufnehmen~[83]. Ist bei
- einer Zelle Sulfatierung erfolgt (s. S. 112), ihr Widerstand also sehr
- groß, oder ist ein Kontakt mangelhaft, oder ein Verbindungsdraht
- durchgebrochen o. dgl., so nimmt die Zelle keinen oder doch nur einen
- ganz schwachen Strom auf. Um sich zu vergewissern, ob in alle Elemente
- Strom fließt, verbinde man für einen Augenblick jede Zelle einzeln mit
- der Thermosäule (Einschaltung eines Ampermeters). Gegen Ende der
- Ladung sieht man zu, ob sich in jeder Zelle an beiden Elektroden Gase
- entwickeln.
-
- Nach Beendigung der Ladung schaltet man zuerst den Akkumulator ab,
- dann ~bläst man die Gasflämmchen aus~ und dreht den Gashahn zu. Wenn
- man das Ausblasen unterläßt, erfolgt meistens eine Explosion, die der
- Thermosäule schaden kann.
-
-Es schadet dem Akkumulator nicht, wenn man, bevor er gefüllt ist, die
-Ladung unterbricht, ihm Strom entnimmt und später die Ladung fortsetzt
-(s. jedoch Kap. 7). Auch darf man den Akkumulator aufladen, d. h. ihm
-Strom zuführen, ohne daß er vorher erschöpft war.
-
-e) Wenn keine der vorher erwähnten Stromquellen für die Ladung der
-Akkumulatoren zur Verfügung steht, so muß man seine Zuflucht zu
-~galvanischen Elementen~ nehmen.
-
- Daniell-Elemente sind weniger geeignet, da ihre elektromotorische
- Kraft nur etwas mehr als 1 Volt (1,08) und ihr innerer Widerstand
- ziemlich groß ist. Man muß mindestens drei Elemente hintereinander
- schalten. Gut brauchbar sind Bunsen-Elemente: Zink[84] in verdünnter
- Schwefelsäure (ca. 10%), Kohle in Salpetersäure. Das Element hat eine
- elektromotorische Kraft von etwa 1,8 Volt, der innere Widerstand
- beträgt bei den Elementen mittlerer Größe 0,1 bis 0,2 Ohm. Zwei
- Elemente genügen also für einen Akkumulator bezw. mehrere parallel
- geschaltete Zellen; die Stromstärke beträgt anfänglich 5-7 Amp. Da die
- Salpetersäure gesundheitsschädliche Dämpfe abgibt, so stellt man die
- Elemente unter den Gasabzug oder ventiliert den Raum gut, in dem die
- Ladung erfolgt.
-
- Die Reichspostämter benutzen für die Ladung der Akkumulatoren vielfach
- Kupferelemente. Von einer Beschreibung dieses Elementes soll aber
- Abstand genommen werden.
-
-Endlich sei noch erwähnt, daß manchmal die ~Ladung einer kleinen
-Batterie aus einer großen~ empfehlenswert ist. Wenn bei der großen
-Batterie Schaltzellen vorhanden sind, so entnimmt man den Strom den
-beiden letzten mit dem Zellenschalter verbundenen Elementen. Durch
-Einschaltung eines kleinen Widerstandes schwächt man den Strom ab.
-
-3. ~Die Entladung.~ Schaltet man nach beendigter Ladung die
-Ladestromquelle ab, so beobachtet man an einem mit den Klemmen
-verbundenen Voltmeter, daß die elektromotorische Kraft des Akkumulators
-zuerst schnell und dann langsam zurückgeht. Erst nach Verlauf von 40-50
-Minuten (wenn kein nennenswerter Strom entnommen wird) bleibt die
-Spannung konstant und hat dann den der Säuredichte entsprechenden Wert
-von 2-2,1 Volt (siehe S. 44). Für die Abnahme der Spannung lassen sich
-verschiedene Gründe angeben: (Verschwinden der Gaspolarisation?),
-Abnahme der hohen Säurekonzentration in den Poren, die zuerst schnell,
-dann langsam erfolgt, Eindringen von Bleisulfat in den Elektrolyten, das
-eine Zunahme der Konzentration der Blei- und Bleisuperoxydionen zur
-Folge hat; ferner ist zu berücksichtigen, daß ein Teil der Ladespannung,
-wenn Gasentwicklung erfolgt, als Überspannung anzusehen ist, die, sobald
-man den Ladestrom abschaltet, wegfällt.
-
-[Illustration: Fig. 12.]
-
-Manchmal beobachtet man, daß nach Abschaltung der Ladestromquelle noch
-eine ziemlich starke, kurze Zeit dauernde Gasentwicklung erfolgt.
-~Dolezalek~ erklärt diese Erscheinung folgendermaßen[85]: „Hat man durch
-lange Überladung alles auf der Elektrode befindliche Sulfat zersetzt, so
-bildet sich das Sulfat durch freiwillige Entladung (s. S. 106) zurück,
-was sich durch eine starke, kurz dauernde Wasserstoffentwicklung bei
-Öffnung des Ladestromes zu erkennen gibt‟. Es ist aber auch möglich, daß
-das sogen. Nachkochen durch metallische Verunreinigungen hervorgerufen
-wird (s. Selbstentladung).
-
-Wird der Akkumulator entladen, so sinkt die Klemmenspannung zunächst
-sofort um den Betrag i · w_{i}[86], hierzu kommt in den ersten
-Minuten ein ziemlich starker Spannungsabfall, der durch den
-Schwefelsäureverbrauch in den Poren der aktiven Masse und in
-unmittelbarster Nähe der Elektrodenoberfläche zu erklären ist (s. S.
-48). Wie man ferner aus der Entladekurve, von der ein Teil in Fig. 12
-abgebildet ist, ersehen kann, bleibt die Spannung nach dem ersten Abfall
-längere Zeit nahezu konstant: das Hineindiffundieren der Säure in die
-Poren hält gleichen Schritt mit dem Säureverbrauch für die
-Sulfatbildung. Den betreffenden Unterschied der Konzentration der
-äußeren (C_{a}) und der inneren Säure (C_{i}) wollen wir δ nennen. Nun
-nimmt im Laufe der Entladung C_{a} ab; soll also δ konstant bleiben, so
-muß auch C_{i} abnehmen. Die Spannung muß demnach, der Abnahme der
-Konzentration der äußeren Säure (wie sie mittels eines eingetauchten
-Aräometers gemessen wird) entsprechend, langsam sinken. Je mehr
-Elektrizität man dem Akkumulator entnimmt, um so mehr wird, wie schon
-gezeigt wurde, der Säure das Eindringen in die aktive Masse erschwert.
-Daher ist gegen Ende der Entladung ein schnellerer Spannungsabfall zu
-erwarten (s. Fig. 13).
-
-Man hört mit ~der Entladung auf, wenn die Klemmenspannung bei
-Stromentnahme~ 1,83 ~bis~ 1,8 ~Volt beträgt~, weil eine zu weit
-getriebene Entladung dem Akkumulator schädlich ist und durch sie die
-folgende Ladung erschwert wird; auch gibt ein Akkumulator, wenn er bis
-zu dem angegebenen Punkte entladen ist, keine beachtenswerte
-Elektrizitätsmenge mehr ab. (S. auch „Erholung‟ S. 105 und „Behandlung‟
-Kap. 7.)
-
- Bei Zentralen kommt noch hinzu, daß, wenn man mit der Entladespannung
- noch unter 1,8 Volt heruntergehen wollte, das Konstanthalten der
- Spannung in der Zentrale umständlich wäre und die Zahl der Zellen
- vergrößert werden müßte. Diese nämlich ist abhängig von der
- Netzspannung und der Endspannung der Zellen. Bei 110 Volt Netzspannung
- sind 110/1,8 Zellen erforderlich.
-
-[Illustration: Fig. 13[87].]
-
-Wie bei der Ladung, so darf auch bei der Entladung eine ~gewisse
-Stromdichte nicht überschritten werden~ -- wenigstens für längere Zeit
-nicht, weil sich die Platten bei zu starker Stromentnahme (infolge der
-plötzlichen und starken Volumänderungen) krümmen („werfen‟) und die
-aktive Masse abbröckeln kann. Durch eine stärkere Krümmung der Platten
-kann ein innerer Kurzschluß herbeigeführt werden, der, falls er nicht
-bald beseitigt wird, zu einem vollständigen Ruine des Akkumulators
-führt. Die ~maximale Stromstärke~ wird von den Fabriken für die
-einzelnen Typen angegeben und ist meistens gleich der maximalen
-Ladestromstärke (s. auch Kap. 7).
-
-Nur dann, wenn man mit sehr geringer Stromdichte entlädt, wird fast
-alles Bleisuperoxyd in Bleisulfat umgewandelt. Wie durch ~Ayrton~,
-~Lamb~ und ~Smith~ nachgewiesen wurde, bleiben selbst bei 15stündiger
-Entladung noch 40% des bei Beginn der Entladung vorrätigen
-Bleisuperoxydes zurück. Entsprechendes wird für den Bleischwamm gelten
-(s. Kapazität). Es erklärt sich so die Tatsache, daß positive
-„entladene‟ Platten noch eine braunrote Farbe haben.
-
- [67] Die Spannung in den verschiedenen Stadien der Ladung ist von der
- Säuredichte, der Plattenkonstruktion usw., vor allem aber von der
- Stromdichte abhängig.
-
- [68] Die Akkumulatoren für stationäre elektrische Anlagen. 4. Aufl.
- 1906.
-
- [69] In der Formel für die elektromotorische Kraft des Akkumulators
- kommt das Produkt dieser beiden Konzentrationen im Nenner vor.
-
- [70] E. T. Z. 1900 Nr. 14 ff.
-
- [71] Der einstündigen Entladung entsprechend.
-
- [72] Über die Anfertigung von Polreagenzpapier siehe Lüpke-Bose,
- Grundzüge der Elektrochemie, 5. Aufl. S. 22.
-
- [73] Schaltungsschema siehe Figur 2 a. S. 26.
-
- [74] Man muß also, wenn man die Gleichstromspannung variieren will,
- die Spannung des Wechselstromes ändern; es kann dies durch
- Einschaltung von Drosselspulen oder mittels Transformatoren mit
- abschaltbaren Spulen geschehen.
-
- [75] Siehe E. T. Z. 1900 S. 336 u. 403, 1903 S. 187 u. 395.
-
- [76] E. T. Z. 1909 S. 297. Siehe auch Handbuch der Elektrotechnik I, 2
- S. 362.
-
- [77] Nach einer anderen Erklärung bildet sich, wenn das Aluminium
- Anode ist, Al₂O₃.
-
- [78] Näheres siehe E. T. Z. 1903, S. 432 und 527.
-
- [79] Von rund 2 Volt bis zu etwa 2,7 Volt.
-
- [80] Man kann durch Einschaltung eines Schwachstromautomats
- (Minimalausschalters) in die Ladeleitung verhindern, daß die Batterie
- Strom in die Dynamo schickt; jedoch kann es vorkommen, daß der Automat
- nicht funktioniert.
-
- [81] Bei der Hauptstrommaschine würden die Feldmagnete umpolarisiert
- werden.
-
- [82] Wenn der Akkumulator keinen Strom aufnimmt, so zeigt ein mit
- seinen Klemmen verbundenes Voltmeter die Spannung der Thermosäule an.
-
- [83] Wenn ein Aräometer nicht benutzt wird. Gegen Ende der Ladung ist
- das Ausbleiben der Gasentwicklung ein Zeichen.
-
- [84] Das Zink muß amalgamiert werden, weil sonst der Zinkverbrauch zu
- groß ist. Der theoretische Zinkverbrauch beträgt pro Amperstunde nur
- 1,2 Gramm. Je mehr Wasserstoff sich an der Zinkelektrode entwickelt,
- um so mehr wird die theoretische Zinkmenge überschritten.
-
- [85] l. c. S. 63.
-
- [86] Dieser ist, wenn ~nur~ ein Voltmeter von größerem Widerstand mit
- den Klemmen verbunden ist, verschwindend klein; bei dem der
- dreistündigen Entladung entsprechenden Strome beträgt w_{i} · i einige
- Hundertstel Volt.
-
- [87] Der Akkumulator wurde mit einer Stromdichte von etwa 0,6 Amp.
- (bezogen auf die Positiven) entladen. -- Die Gestalt der
- Entladungskurve hängt von der Stromstärke ab. Je größer die
- Stromdichte ist, um so stärker ist der Spannungssturz in den ersten
- Minuten und gegen Ende der Ladung.
-
-
-
-
-Fünftes Kapitel.
-
-Die Vorgänge im ruhenden Akkumulator.
-
-
-1. ~Erholung.~ Wir haben gesehen, daß die Klemmenspannung eines
-Akkumulators bei der Entladung sinkt, weil der Elektrolyt im Innern der
-Platten und dicht an der Oberfläche an Säure verarmt. Für die
-Richtigkeit dieser Erklärung spricht auch diejenige Erscheinung, die man
-als ~Erholung~ bezeichnet. Sie besteht darin, daß nach Verringerung der
-Belastung, besonders nach Öffnung des Stromkreises, infolge des
-Ausgleiches der Konzentrationsunterschiede die Spannung zuerst schnell,
-dann langsam bis zu dem der augenblicklichen Dichte der ~ganzen~ Säure
-entsprechenden Werte steigt. Wenn man die Erscheinung der Erholung nicht
-kennt oder nicht beachtet, so kann man sich leicht über den Zustand des
-Akkumulators täuschen. Aus dem Umstande, daß die elektromotorische Kraft
-rund 2 Volt beträgt, darf man nicht schließen, daß noch eine große
-Elektrizitätsmenge aufgespeichert sei. Dies geht aus den folgenden
-Messungen hervor.
-
-Eine Zelle, die bei vierstündiger Entladung eine Kapazität von etwa 16
-Amperstunden hat, wurde mit 4 Amp. entladen; die anfängliche
-elektromotorische Kraft betrug 2,08 Volt. Nach 1 Stunde zeigte das
-Voltmeter eine Klemmenspannung von 1,95 Volt an; die Entladung wurde
-unterbrochen. Als sie nach 15stündiger Ruhe fortgesetzt wurde, ergab
-sich eine elektromotorische Kraft von 2,03 Volt; 3⅙ Stunden später
-belief sich die Klemmenspannung auf 1,8 Volt. Nach 5stündiger Pause
-zeigte das Voltmeter 2,02 Volt an; bei Entnahme von 4 Amp. fiel die
-Spannung in 5 Minuten auf 1,83 Volt. Aus diesen Beobachtungen ergibt
-sich wohl von selbst, was man zu tun hat, wenn man sich ein Urteil über
-die Frage bilden will, wann man mit der Stromentnahme aufhören muß.
-
-2. ~Selbstentladung.~ Läßt man einen geladenen Akkumulator unbenutzt
-stehen, so nimmt seine Kapazität von Tag zu Tag ab, und die Säuredichte
-sinkt allmählich. Die langsam infolge chemischer Prozesse, die sich in
-der offenen Zelle abspielen, erfolgende Abnahme der Nutzkapazität
-bezeichnet man als Selbstentladung.
-
- Hierzu gehört also nicht die durch mangelhafte Isolation verursachte
- Entladung, die besonders bei Batterien für hohe Spannungen eine Rolle
- spielt. Der Vorgang ist folgender: Von der positiven Klemme der
- Batterie fließt ein schwacher Strom durch die Säure über die feuchte
- Wand der Zelle usw. zum negativen Pole der Batterie. Außerdem können
- Ströme von dem positiven Pole einer Zelle über die Glaswand nach dem
- negativen Pole ~derselben~ Zelle übergehen.
-
-Die Umwandlung von Blei und Bleisuperoxyd in Bleisulfat, die erfolgt,
-ohne daß der Akkumulator Strom abgibt, kann durch verschiedene
-Erscheinungen verursacht werden.
-
-a) Die Säure absorbiert Sauerstoff der Luft; gelangt dieser an die
-Bleischwammelektrode, so wird Blei oxydiert. Da die Absorption und
-Diffusion[88] des Sauerstoffs nur sehr langsam erfolgen, so ist die
-betreffende Kapazitätsabnahme nur gering.
-
-b) Bei der Ladung sättigt sich die Säure in der Nähe der Elektroden und
-in den Poren der aktiven Masse mit Sauerstoff bezw. mit Wasserstoff,
-auch werden von den Elektroden selbst geringe Mengen dieser Gase
-aufgenommen (Okklusion). Nach beendigter Ladung diffundiert der
-Wasserstoff langsam in die Säure hinein und gelangt nach der positiven
-Elektrode, wo er reduzierend wirkt; der Sauerstoff wandert langsam nach
-der Bleiplatte, wo er Oxydation hervorruft. Auch die diesen Vorgängen
-entsprechenden Verluste spielen keine große Rolle.
-
-c) Größere Elektrizitätsverluste können durch die Anwesenheit von
-fremden Metallen in der Schwefelsäure verursacht werden. Jedoch sind
-keineswegs alle Metalle zu den schädlichen zu rechnen, sondern nur
-diejenigen, die mit Blei in verdünnter Schwefelsäure ein galvanisches
-Element bilden, bei dem Blei der negative Pol ist. Wir werden hierauf
-unten noch näher eingehen. Einstweilen nehmen wir an, daß ein
-schädliches Metall, etwa Platin, in der Akkumulatorsäure enthalten sei.
-Durch Blei wird das Platin ausgefällt, es schlägt sich also Platin auf
-der Bleischwammelektrode nieder (wie sich Kupfer auf einem Zinkstabe
-niederschlägt, den man in die Lösung eines Kupfersalzes eintaucht). Es
-sei jetzt an folgenden Versuch erinnert: Befinden sich ein Zinkstab und
-eine Kupferplatte in verdünnter Schwefelsäure, und neigt man die Metalle
-so, daß sie sich innerhalb der Säure berühren, so beobachtet man an der
-Berührungsstelle lebhafte Gasentwickelung (Wasserstoff). Die Anordnung
-bildet ein innerhalb der Säure kurz geschlossenes Voltasches Element;
-der Strom geht vom Kupfer durch die Berührungsstelle zum Zink, durch die
-Säure zum Kupfer zurück. In unserem Akkumulator befinden sich nun
-außerordentlich viele, sehr kleine kurzgeschlossene Elemente, jedes
-Platinteilchen bildet mit seiner Unterlage ein solches. Die Vorgänge
-sind ähnliche wie diejenigen, die sich in dem Voltaschen Elemente
-abspielen (s. S. 22) und können durch die Gleichung dargestellt werden
-
- Pb + H₂SO₄ = PbSO₄ + H₂.
-
-Dieses gilt auch, wenn sich ein anderes schädliches Metall in dem
-Elektrolyten befindet.
-
-Die eben erwähnten sehr kleinen Elemente nennt man ~Lokalelemente~ und
-die entsprechenden chemischen Vorgänge ~Lokalaktion~. Da infolge der
-Lokalaktion Blei in Bleisulfat umgewandelt wird, so muß die Kapazität
-der negativen Platte abnehmen.
-
-Je leichter die Wasserstoffentwicklung an einem der schädlichen Metalle
-erfolgt, um so stärker werden die Lokalströme, um so schneller erfolgt
-die Selbstentladung. Wenn man daher die Metalle nach dem Grade ihrer
-Schädlichkeit in eine Reihe ordnen will, so muß man die „Überspannung‟
-mit berücksichtigen (s. S. 13). Beträgt diese bei einem Metalle
-mehr als die elektromotorische Kraft der Kombination Blei |
-verdünnte Schwefelsäure | Wasserstoffelektrode, so kann eine
-Wasserstoffentwickelung, falls sich das betreffende Metall in der Säure
-bezw. auf der Bleischwammelektrode befindet, nicht erfolgen und demnach
-auch keine Umwandlung von Blei in Bleisulfat. Nach ~Dolezalek~[89] sind
-folgende Metalle dem Akkumulator gefährlich: Platin, Gold, Eisen,
-Silber, Nickel, Kupfer, und zwar Platin am meisten, Kupfer am
-wenigsten[90].
-
- Daß ~Platin~ dem Akkumulator schädlich ist, zeigt ein einfacher
- Versuch: Berührt man mit einem Platindrahte oder mit einem Platinblech
- innerhalb der Säure eine negative Platte, so beobachtet man lebhafte
- Gasentwickelung. -- Spuren von Platin können in die Schwefelsäure
- gelangen, wenn dieselbe in einem Platinkessel eingedampft wird. Es
- genügen ganz minimale Mengen von Platin, den Akkumulator unbrauchbar
- zu machen; die anderen Metalle sollen, wenn sie nur in sehr geringer
- Menge zugegen sind, im Laufe der Zeit am Schädlichkeit abnehmen,
- wahrscheinlich, weil sie sich mit dem Blei langsam legieren.
-
-~Kupfer~ kann besonders bei offenen Zellen, die im Laboratorium benutzt
-werden, in die Säure gelangen, wenn Messingklemmschrauben oder
-Kupferdrähte an die Pole befestigt werden. Durch ~Säuredämpfe~
-oder durch Säurepartikeln, die bei der Ladung von den entweichenden
-Gasblasen mitgerissen werden, vielleicht auch durch „kriechende‟ Säure,
-wird das Kupfer angegriffen, es bildet sich ein Kupfersalz, von dem
-sich Teilchen loslösen usw. -- Stehen Akkumulatoren in der Nähe einer
-Dynamomaschine, bei der Kupferbürsten benutzt werden, so können kleine
-Kupferpartikelchen in die Säure fliegen.
-
- Eine bis jetzt noch nicht aufgeklärte Beobachtung hat ~Kugel~[91]
- gemacht. Er fand, daß, wenn mehrere Metalle, die für sich allein nur
- in geringem Grade schädlich sind, gleichzeitig in der Säure zugegen
- sind, eine stärkere Selbstentladung erfolgt.
-
-Durch Untersuchungen von ~Kayser~ und ~Ost~ soll nachgewiesen sein, daß
-Kupfer, wenn es allein in der Säure vorkommt, eine Entladung nicht
-hervorruft; jedoch fand auch dann Selbstentladung statt, sobald ein
-zweites geeignetes Metall in der Säure war (s. ~Hoppe~, Die
-Akkumulatoren für Elektrizität). -- Verfasser weiß aus Erfahrung, daß
-Zellen, in die Kupferstaub geraten war, vollständig verdorben wurden.
-
-Wenn durch metallische Verunreinigungen eine Selbstentladung verursacht
-wird, so gasen die Negativen nach Unterbrechung des Ladestromes noch
-längere Zeit nach und die Dichtigkeit der Akkumulatorsäure nimmt ab,
-dementsprechend sinkt die elektromotorische Kraft langsam.
-
-d) Ferner ist die Anwesenheit ~schädlicher Metalle in den Platten~
-selbst zu erwähnen. Hier gelten dieselben Betrachtungen wie eben.
-Natürlich kann eine metallische Verunreinigung nur dann Selbstentladung
-verursachen, wenn das betreffende Metall mit der Säure in Berührung
-kommt.
-
-e) ~Lokalaktion an der positiven Platte.~ Dort findet eine Berührung
-zwischen Blei- und Bleisuperoxydteilchen statt, die mit hinzutretender
-Schwefelsäure Lokalelemente bilden. Die Lokalaktion besteht in der
-Umwandlung von Bleisuperoxyd der aktiven Masse und Blei des Trägers in
-Bleisulfat, bewirkt also eine Abnahme der augenblicklichen Kapazität der
-positiven Platten (und eine Zunahme der späteren, s. Formation).
-
- Auch an der negativen Elektrode sollen nach ~Darrieus~ Lokalaktionen
- stattfinden (?), da Hartblei (s. S. 118) und Bleischwamm in verdünnter
- Schwefelsäure ein galvanisches Element von 0,520 Volt (nach ~Sieg~ von
- 0,225 Volt) bilden.
-
-f) Endlich kann eine ganz schwache Selbstentladung durch
-Verunreinigungen der Säure herbeigeführt werden, die leicht oxydierbar
-sind und in zwei verschiedenen Oxydationsstufen vorkommen, z. B. Eisen,
-das Ferro- und Ferrisalze bildet. Sie nehmen an der positiven Elektrode
-Sauerstoff auf, diffundieren als sauerstoffreiche Verbindungen nach der
-negativen Elektrode hin, geben dort Sauerstoff ab, gelangen durch
-Diffusion wieder nach der positiven Platte usw.
-
-Die Geschwindigkeit, mit der die Selbstentladung erfolgt, wächst mit der
-Konzentration der Säure, weil die elektromotorischen Kräfte der
-verschiedenen in Betracht kommenden Elemente mit der Säuredichte
-ansteigen. Dies gilt besonders von der Kombination Blei | verdünnte
-Schwefelsäure | Wasserstoff. Je größer die elektromotorische Kraft
-dieser Kette ist, je mehr sie also die „Überspannung‟ übertrifft, um so
-leichter erfolgt Wasserstoffentwicklung. Ist die Säure stark
-konzentriert, so kann sich auch chemisch reines Blei unter lebhafter
-Wasserstoffentwicklung auflösen (es gehen Bleiionen in die Lösung und
-Wasserstoffionen aus der Lösung auf das Blei, wo sie ihre Ladung abgeben
-und als Blasen entweichen[92]).
-
-Über die Größe der Stromverluste infolge der Selbstentladung[93] können
-genaue Angaben nicht gemacht werden; sie hängt eben von Zufälligkeiten
-ab, vor allem von der Reinheit der Materialien und von der Konstruktion
-der Platten. Für positive Platten wird sie im allgemeinen eine andere
-sein als für negative. Ferner dürfte die Selbstentladung um so größer
-sein, je weiter die sogen. Oberflächenentwicklung getrieben ist, lehrt
-doch die Erfahrung, daß für Großoberflächenplatten der Verlust durch
-freiwillige Entladung in einer bestimmten Zeit bedeutend größer ist als
-für sogen. Masseplatten[94]. In den ersten Tagen nach der Ladung ist
-der prozentuale Verlust größer als später.
-
- Da die Selbstentladung mit einem Verbrauch von Schwefelsäure Verbunden
- ist, so kann man sich mit Hilfe des Aräometers ein angenähertes Bild
- von dem Zustande der Zelle verschaffen.
-
-Auf die Schlüsse, die sich aus der Selbstentladung für die Praxis
-ergeben, wird später näher eingegangen (s. Kap. 7). Hier sei nur darauf
-aufmerksam gemacht, daß man bei der Wahl des Systems in manchen Fällen
-auf die Selbstentladung Rücksicht nehmen muß. Je größer die
-Selbstentladung ist, um so größer ist die Gefahr, daß der Akkumulator
-Schaden leidet, wie sich aus dem folgenden Abschnitte ergibt.
-
-~Sulfatierung.~ Läßt man einen Akkumulator in entladenem Zustande
-längere Zeit stehen, so beobachtet man, daß sich auf der Oberfläche der
-Platten weiße Flecke bilden, die im Laufe der Zeit an Größe zunehmen;
-schließlich (nach mehreren Wochen) ist die ganze Oberfläche mit einer
-weißen Schicht bedeckt. Wie die chemische Analyse zeigt, besteht die
-Masse, die sich auf den Platten ansetzt, aus reinem Bleisulfat (daher
-der Name Sulfatierung oder Sulfatisierung). Diese Sulfatschicht
-unterscheidet sich von dem bei jeder Entladung entstehenden Bleisulfat
-dadurch, daß sie aus größeren Krystallen besteht, während letzteres
-einen mit Schwefelsäure überall durchtränkten Überzug bildet. Wir müssen
-also schließen, daß die Sulfatierung auf eine ~physikalische~
-Veränderung des schwefelsauren Bleies zurückzuführen ist. ~Elbs~[95]
-gibt folgende Erklärung: Die Löslichkeit des Bleisulfates in verdünnter
-Schwefelsäure nimmt mit der Temperatur schnell zu. Nun unterliegt die
-Temperatur des Raumes, in dem sich der Akkumulator befindet und daher
-auch die Temperatur der Säure forwährenden Schwankungen. Steigt die
-Temperatur (am Tage), so geht neues, an den Elektroden vorrätiges
-Bleisulfat in Lösung, sinkt die Temperatur (abends, in der Nacht), so
-scheidet sich ein Teil des gelösten Sulfates in kristallinischem
-Zustande ab. Bei dem folgenden Temperaturanstieg geht wieder Sulfat in
-Lösung. Da sich aber das strukturlose, bei der vorhergegangenen
-Entladung entstandene Salz leichter löst, so nehmen die schon
-vorhandenen Kristallnadeln nur wenig an Größe ab. Bei der nächsten
-Abkühlung geht wieder Bleisulfat aus der Lösung heraus und setzt sich an
-die vorhandenen Kristallnadeln an. So wachsen also die Kristalle im
-Laufe der Zeit auf Kosten des bei der Entladung entstandenen Sulfates,
-bis schließlich die ganze Oberfläche mit einer zusammenhängenden, für
-Flüssigkeiten fast undurchdringlichen Kruste von kristallinischem
-Bleisulfat bedeckt ist.
-
- Für die Richtigkeit dieser Erklärung dürfte der folgende vom Verfasser
- angestellte Versuch sprechen: In verdünnte Schwefelsäure, in der sich
- fein verteiltes Bleisulfat befand, wurde eine Bleiplatte eingetaucht.
- Nach Verlauf von mehreren Wochen war die Bleiplatte zum Teil mit einer
- ziemlich dicken, weißen Kruste bedeckt. Besonders stark hatte sich das
- Bleisulfat an den Teilen der Platte angesetzt, die sich in der Nähe
- der Oberfläche der Säure befanden. Dort nimmt die Säure am leichtesten
- die Temperatur der Umgebung an (das Glasgefäß war luftdicht
- abgeschlossen).
-
-Schließt man eine Zelle, in der stärkere Sulfatierung erfolgt ist, an
-ein Voltmeter an, so findet man, daß ihre elektromotorische Kraft nahezu
-Null ist. Die folgende Ladung ist mit erheblichen Schwierigkeiten
-verbunden, weil der innere Widerstand der Zelle ein ungewöhnlich großer
-ist. Die starke Zunahme des inneren Widerstandes ist darauf
-zurückzuführen, daß die Sulfatschichten dem Strome das Eindringen in den
-Elektrolyten erschweren[96]. Nimmt die Zelle Strom auf, so sinkt der
-innere Widerstand einige Zeit nach Beginn der Ladung langsam.
-
-Die Erfahrung lehrt, daß bei einem Akkumulator mit sulfatierten Platten
-die Ladung mit Ruhepausen von Vorteil ist; man lädt also kurze Zeit,
-schaltet die Stromquelle ab, setzt nach einiger Zeit die Ladung fort
-usw. Ferner soll sich die schädliche Sulfatschicht auf den Positiven
-leichter entfernen lassen als auf den Negativen.
-
- Meines Erachtens ist die Erklärung für diese Erfahrungstatsachen
- folgende: 1. Das kristallinische Bleisulfat löst sich nur sehr langsam
- in der Säure; daher wird, auch wenn mit kleiner Stromdichte geladen
- wird, bei Stromzufuhr mehr Bleisulfat herauselektrolysiert als sich
- löst, so daß die Säure bald an Bleisulfat verarmt. Während der
- Ruhepause sättigt sich die Säure mit Bleisulfat usw. 2. Die Dichte der
- Säure unmittelbar an der Oberfläche der positiven Elektrode nimmt bei
- der Ladung stärker zu als an der negativen Platte, da an ersterer nach
- der Sulfattheorie Wasser verbraucht und Schwefelsäure gebildet wird.
- Die Löslichkeit des Bleisulfates wächst mit der Säuredichte
- schnell[97]. Man darf daher wohl den Schluß ziehen, daß das
- kristallinische Bleisulfat der positiven Platten leichter und
- schneller in Lösung geht, als dasjenige an der negativen Elektrode.
-
-Die Neigung zur Sulfatierung wächst mit der Säuredichte, weil die
-Löslichkeit des Bleisulfates -- für das hier in Betracht kommende
-Intervall -- mit dem Schwefelsäuregehalt steigt (s. Fußnote) und damit
-die Geschwindigkeit einer Umkristallisierung.
-
-Auf den ersten Blick hat es den Anschein, als ob bei einer Zelle, die
-ein Glied einer Akkumulatorenbatterie ist, Sulfatisierung ausgeschlossen
-sei, wenn die Batterie nach Vorschrift geladen und entladen wird. Dies
-ist aber keineswegs der Fall. Nehmen wir nämlich an, daß bei einer
-Zelle, die wir mit Z bezeichnen wollen, eine leitende Verbindung
-zwischen einer positiven und einer negativen Platte entstanden sei, etwa
-durch herabgefallene aktive Masse. Es fließt dann fortwährend Strom von
-der positiven Elektrode durch den Kurzschluß nach der negativen Platte,
-so daß die Zelle viel früher entladen ist als die anderen Elemente.
-Erfolgt die nächste Ladung, so fließt der Ladestrom in Z zum Teil durch
-die Säure, zum größten Teil durch den metallischen Leiter in der Zelle,
-und dieser letztere Teil kommt für die Elektrolyse nicht in Betracht.
-Sind also die übrigen Zellen vollgeladen, so ist Z noch weit zurück.
-Nach der Ladung entlädt sich die betreffende Zelle ziemlich schnell. Sie
-befindet sich also fast immer im entladenen Zustande, wodurch die
-Sulfatierung begünstigt wird. Denn je mehr fein verteiltes Sulfat
-vorhanden ist, um so leichter kann sich kristallisiertes Sulfat bilden.
-
-Ferner kann Sulfatierung erfolgen, wenn die Kapazität eines Elementes
-aus irgend einem Grunde kleiner ist als diejenige anderer, mit denen es
-in Serie geschaltet ist, wenn z. B. ein altes Element mit einem neuen
-zusammenarbeitet. Die betreffende Zelle wird dann bei jeder Entladung
-der Batterie zu stark beansprucht; die Ladung wird erschwert, die
-zwischen Ladung und Entladung liegende Zeit ist bei ihr größer als bei
-den übrigen Zellen.
-
-Die Erfahrung lehrt, daß die Sulfatierung schneller erfolgt, wenn die
-Entladung zu weit getrieben wird. Sie ist oft mit einer Krümmung der
-Platten verbunden, durch die ein innerer Kurzschluß herbeigeführt werden
-kann.
-
- [88] Die Absorption erfolgt an der Oberfläche der Säure, durch
- Diffusion gelangt der absorbierte Sauerstoff in das Innere.
-
- [89] ~Dolezalek~ l. c. S. 75.
-
- [90] Verbindet man eine frisch geladene Bleischwammelektrode und ein
- Kupferblech (beide in verdünnter Schwefelsäure) mit einem
- empfindlichen Voltmeter, so findet man, daß die Spannung schnell auf
- einige Millivolt fällt.
-
- [91] Elektrot. Ztschr. 1892 S. 12.
-
- [92] Die Säure muß, wenn dieses geschehen soll, eine so große Dichte
- haben, daß die elektromotorische Kraft der vorhin erwähnten Kette
- gleich der Überspannung für Blei ist, nämlich 0,64 Volt.
-
- [93] Nach ~Bein~ (Elemente und Akkumulatoren, Leipzig 1908, S. 184)
- soll die Selbstentladung in Schwefelsäure von 1,8 Dichte nach 2 Tagen
- bis zu 14% betragen. Unter normalen Verhältnissen dürfte jedoch der
- Verlust durch Selbstentladung viel geringer sein. Auch ~Dolezalek~
- gibt kleinere Zahlen an.
-
- [94] Man vergl. die Untersuchungen von ~Albrecht~, E. T. Z. 1907,
- Seite 539.
-
- [95] ~Elbs~, Die Akkumulatoren, 4. Aufl., S. 46.
-
- [96] Daß der Elektrolyt, wie vielfach behauptet wird, stark an Säure
- verarmt, konnte der Verfasser nicht finden.
-
- [97] Aus dem vorhandenen Beobachtungsmaterial muß man schließen, daß
- die Löslichkeit des Bleisulfates mit der Säuredichte zuerst abnimmt,
- bei etwa 1,22 ein Minimum hat und dann stark steigt.
-
-
-
-
-Sechstes Kapitel.
-
-Plattenkonstruktionen, Herstellung der Platten, Formation.
-
-
-I. ~Plattenkonstruktionen~. ~Planté~, den wir bereits als den Erfinder
-des Bleiakkumulators kennen lernten (s. S. 34), benutzte für seine
-Untersuchungen glatte Bleiplatten; von diesen wurden zwei
-aufeinandergelegt und durch Kautschukbänder voneinander getrennt; das
-Ganze wurde zu einer Spirale aufgewickelt. Bei solchen glatten Platten
-eine auch nur einigermaßen befriedigende Kapazität zu erhalten, war sehr
-umständlich (s. Formation).
-
-Um die Kapazität zu erhöhen und die Formationszeit zu verringern, trug
-~Faure~[98], dessen Deutsches Patent vom 8. Februar 1881 datiert ist,
-auf glatte Bleiplatten einen aus Bleioxyden (Bleiglätte, Mennige) und
-verdünnter Schwefelsäure hergestellten dicken Brei auf. Die Schicht
-wurde durch einen Überzug aus poröser Masse (Filz oder dergl.)
-festgehalten.
-
-Eine bedeutende Vereinfachung und Verbesserung des Faureschen Verfahrens
-erzielte ~Volckmar~ -- Patent vom 9. Dez. 1881 -- dadurch, daß er als
-Träger der aktiven Masse Bleiplatten benutzte, in denen sich zahlreiche
-rechteckige oder sonstwie geformte Löcher befanden. Die Rippen
-verjüngten sich nach außen. Die Füllmasse, die sogenannte Paste, wurde
-als Brei in die Löcher eingetragen; sie bestand aus Bleipulver oder
-Bleimehl, das mit verdünnter Schwefelsäure angerührt wurde. Volckmar ist
-also der Erfinder der sogenannten ~Gitterplatten~, die man auch wohl
-~gepastete~ oder ~pastierte~ Platten oder Masseplatten nennt.
-
-~De Kabath~ suchte bei möglichst kleinem Gewichte der Platten, ohne
-Bleisalze zu verwenden, eine möglichst große Oberfläche zu erzielen. Er
-stellte wellenförmige Bleistreifen von 1 cm Breite her, die in
-Bleischeiden geschoben wurden.
-
-[Illustration: Fig. 14.]
-
-In der Folgezeit wurden zahlreiche Gitterkonstruktionen erfunden; nomen
-eorum est legio. Die meisten waren aber Eintagsfliegen, sie konnten sich
-im Betriebe nicht bewähren, vor allem weil dem Umstande nicht genügend
-Rechnung getragen war, daß die kleinen Kuchen oder Pastillen beim Laden
-und Entladen ihr Volumen ändern, so daß der Zusammenhang zwischen der
-aktiven Masse und den Gitterstäben mangelhaft wurde oder die Pastillen
-rissen und herausfielen. Um diese Übelstände zu beseitigen, konstruierte
-~Correns~ (1888) eine Platte, die man als ~Doppelgitter~ bezeichnen
-kann. Wie man sieht, haben die Stege _a b_ dreieckigen Querschnitt, und
-es liegen je zwei, etwas gegeneinander versetzt, übereinander (siehe
-Fig. 14). Die Pastillen sind in der Mitte infolgedessen etwas
-eingeschnürt. Die zwischen je zwei Querbalken _c d_ liegenden Felder
-stehen im Zusammenhang. Das ~Corrensgitter~ wird von den Akkumulatoren-
-und Elektrizitätswerken vorm. W. A. ~Boese~ in Berlin hergestellt. Auf
-die Entwicklung der Großoberflächenplatten werden wir noch zurückkommen.
-Wir wenden uns jetzt zu den neueren Konstruktionen; es sollen aber nur
-die bekanntesten deutschen Fabrikate berücksichtigt werden. Man kann die
-Akkumulatorenplatten nach verschiedenen Gesichtspunkten einteilen. 1.
-Mit Rücksicht auf die Verwendung, die der Akkumulator finden soll, kann
-man unterscheiden zwischen Platten für stationäre und transportable
-Elemente. Bei ersteren kommt es auf das Gewicht weniger an, verlangt
-wird eine große Lebensdauer. Diese ist, wie wir noch sehen werden, bei
-dicken Platten größer als bei dünnen. Auch die Beanspruchung im Betriebe
-wird bei der Konstruktion bezw. bei der Wahl der Platten eine Rolle
-spielen; für Pufferbetrieb wird man eine andere Platte wählen als für
-Telephonbetrieb.
-
-2. Man kann ferner inbezug auf das Material unterscheiden zwischen
-Platten aus reinem Blei oder einer Legierung von Blei und Antimon, die
-man Hartblei nennt, und Platten aus Blei und Bleisalzen (Paste):
-zwischen Großoberflächen- oder Planté-Platten und Masse- oder
-Faure-Platten. Mit Rücksicht auf den Träger der wirksamen Masse[99] kann
-man einteilen in ~Kernplatten~, d. h. Platten, die in der Mittelebene
-einen zusammenhängenden Kern haben, auf dem sich die Rippen oder dergl.
-erheben, in ~Einfachgitterplatten~ und ~Doppelgitter~.
-
-~Großoberflächenplatten.~ Die große Oberfläche erzielt man dadurch, daß
-man die Platte mit zahlreichen Rippen, Zähnen, Leisten u. dergl.
-versieht. Die von der Säure benetzte, daher der Stromwirkung zugängliche
-Oberfläche nennt man die ~abgewickelte~ Oberfläche.
-
-Hat eine Platte von 1 dm Länge und 1 dm Breite, deren ~projizierte~
-Oberfläche also 1 dm² beträgt, eine abgewickelte Oberfläche von 4 dm²,
-so sagt man, daß die ~Oberflächenentwickelung~ eine vierfache sei. Die
-Großoberflächenplatte wurde besonders von den Gebrüdern ~Tudor~
-(~Akkumulatorenfabrik Aktien-Gesellschaft~, ~Hagen~ i. W.) ausgebildet.
-
- Anfänglich wurden die Platten (positive), die auf beiden Seiten mit
- relativ hohen, dünnen Rippen versehen waren, bis sie die volle
- Kapazität erreicht hatten, nach Planté formiert (s. S. 127). Dieses
- Verfahren war langwierig und sehr kostspielig. Daher wurden die
- Platten später zuerst eine Zeitlang nach Planté formiert; dann wurden
- die Zwischenräume zwischen den Rippen mit einem Brei aus Mennige und
- Schwefelsäure ausgefüllt. Schließlich wurden die hergerichteten
- Platten mehrmals geladen und entladen, wodurch die Mennige in
- Bleisuperoxyd umgewandelt wurde. Die aufgetragene Masse diente
- vorläufig als aktives Material. Je nach der Beanspruchung der Platte
- inbezug auf Höhe des Lade- und Entladestromes, sowie der entnommenen
- Elektrizitätsmenge (Kapazitätsbeanspruchung) wird ~jede künstlich auf
- eine positive Bleiplatte aufgetragene Masse früher oder später weich~
- und fällt auf den Boden. Bei den ~Tudor~-Platten war nach 1 bis 2
- Jahren die aufgetragene Masse herausgespült. In dieser Zeit aber hatte
- sich die Bleisuperoxydschicht um so viel weiter aus dem Bleikern
- entwickelt, daß die Dicke derselben einschließlich der Reste der
- aufgetragenen Masse, die fest mit der Schicht verwachsen waren,
- nunmehr genügte, der Platte die von ihr verlangte Kapazität zu geben;
- die Platte war dann eine reine ~Planté~-Platte.
-
- Da die Platte nach einiger Betriebsdauer als reine
- Großoberflächenplatte arbeiten sollte, so mußte natürlich, damit die
- Leistung pro Kilogramm aufzuwendenden Bleimaterials möglichst groß
- wurde, die Zahl der auf der Flächeneinheit des Kerns stehenden Rippen
- möglichst gesteigert und die Höhe der Rippen möglichst groß gewählt
- werden, die Nuten wurden also eng und tief gemacht. Es zeigte sich
- nun, daß dann die in die Rillen eingetragene Masse nicht mehr schnell
- genug von der Säure durchdrungen wurde. Infolgedessen blieb von einer
- gewissen Steigerung der Oberflächenentwickelung ab die gewünschte
- Mehrleistung aus. Um diesen Übelstand zu beheben, suchte man das
- Eintragen der aktiven Masse ganz zu vermeiden. Die Platte wird jetzt
- unter Benutzung eines neuen Verfahrens in der Fabrik so weit formiert,
- daß sie von vornherein die gewünschte Kapazität hat. Da keine Masse
- eingetragen wird, so kann die Oberflächenentwickelung wesentlich
- vergrößert werden.
-
-[Illustration: Fig. 15.]
-
-Fig. 15 zeigt den Querschnitt und die bildliche Darstellung der für
-Beleuchtungsbatterien zur Verwendung kommenden positiven Platten der
-~Akkumulatoren-Fabrik Aktien-Gesellschaft~. Die Platte wird ohne Kern
-hergestellt. _a b_ sind die Längsrippen; sie werden durch Stege _c d_
-zusammengehalten. Die Oberflächenentwickelung ist eine achtfache. Die
-Rippen sind vollständig frei, so daß die Säure gut zirkulieren kann.
-
- Eine zu weit getriebene Oberflächenentwickelung hat, wenn man den
- Akkumulator, wie es beim Pufferbetrieb der Fall ist, mit relativ hoher
- Stromdichte beansprucht, einen Nachteil, nämlich, daß der
- Spannungsabfall in der Säure wächst. Es geht dies aus folgendem
- Beispiele hervor. Von einer positiven Platte mit achtfacher
- Oberflächenentwickelung denken wir uns ein Stück von 1 dm Länge und 1
- dm Breite als positive Platte in einem Akkumulator; die negative
- Platte sei gerade so groß; der Abstand der Oberflächen der beiden
- Platten werde der Einfachheit halber zu 1 cm angenommen; der
- spezifische Widerstand der Säure sei ρ Ohm (bezogen auf 1 cm³). Der
- Widerstand, den der Strom in der Säure zu überwinden hat, ist gleich
- ρ[100]/100 Ohm. Die einer ~glatten~ Oberfläche von 1 dm²
- entsprechende Stromstärke sei i, dann wäre also, wenn der Akkumulator
- der Oberflächenentwickelung entsprechend ausgenutzt wird, die in
- Rechnung zu setzende Stromstärke 8i und der durch den Widerstand in
- der Säure bedingte Spannungsabfall E₁ = 8i.ρ/100 Volt. Bei einem
- zweiten Akkumulator sei die Oberflächenentwickelung der positiven
- Platte eine einfache (glatte Oberfläche ohne Rippen). Soll dieser
- zweite Akkumulator dasselbe leisten wie der erste, so muß seine
- positive Platte 8 mal größer sein; bei sonst gleichen Umständen
- (gleiche Säuredichte, gleiche Größe der negativen Platte wie eben)
- wäre dann der Widerstand in der Säure ¼.ρ/100 (nicht ρ/(8×100), da der
- mittlere Säurequerschnitt 4 dm² ist) und der Spannungsverlust in der
- Säure E₂ = 8i.¼.ρ/100 = ¼E₁. Wir gelangen also zu dem Resultate, daß
- eine ~der Oberflächenentwickelung entsprechende Beanspruchung einen
- größeren Spannungsabfall zur Folge~ hat. Dies ist besonders bei
- Pufferbatterien zu berücksichtigen.
-
-Die genannte Firma verwendet für Pufferbatterien eine mit der in Fig. 15
-abgebildeten inbezug auf die Konstruktion übereinstimmende Platte, die
-aber nur eine 6fache Oberflächenentwickelung hat.
-
-~Großoberflächenplatten~ sollen sich, wie von Fachleuten oft
-behauptet wird, ~nicht als negative~ Platten eignen, da der Bleischwamm
-keinen festen Halt habe, während das Bleisuperoxyd fest mit dem
-Bleikern verwächst. In neuerer Zeit jedoch versucht man die
-Großoberflächenplatten auch als negative Elektroden auszubilden.
-
-~Gitterplatten~ oder pastierte Platten werden als positive und negative
-Elektroden benutzt. Die Gitter dienen hier dazu, die eingetragene Masse
-(Füllmasse) festzuhalten und den Strom den einzelnen Teilen zuzuführen.
-Sie müssen genügende mechanische Festigkeit haben. Die Stromverteilung
-muß eine möglichst gleichmäßige sein, weil sonst eine ungleichmäßige,
-den chemischen Umsatz begleitende Volumänderung erfolgt und eine
-Deformation der Platte (Krümmung), sowie schlechter Kontakt zwischen
-Träger und aktiver Masse eintreten kann. Je kürzer die Entladedauer, um
-so enger sollte daß Gitter sein.
-
-Die Paste[101] wird hergestellt aus Mennige (Pb₃O₄, rot) oder Bleiglätte
-(Bleioxyd, PbO, gelblichrot) oder aus einer Mischung der beiden Oxyde.
-Für die Anode wird, um die Formation zu beschleunigen, Mennige, für die
-Kathode Bleiglätte bevorzugt. Auch Bleimehl kann verwendet werden.
-
-Als Bindemittel verwendet man verdünnte Schwefelsäure,
-Glyzerinschwefelsäure, d. h. eine Mischung aus Schwefelsäure und
-Glyzerin, oder Magnesiumsulfatlösung und noch andere Flüssigkeiten. Die
-Schwefelsäure soll frei sein von Arsenverbindungen, Chlor, Salpetersäure
-und salpetriger Säure. Wie die Säure auf diese Verunreinigungen hin
-untersucht wird, werden wir später sehen. Die Paste wird nach
-sorgfältiger Reinigung der Träger (Gitter) mittels eines eichenen
-Spatels eingetragen (Schmieren); die pastierten Platten werden in einem
-mäßig warmen Raume getrocknet. Es verbindet sich die Schwefelsäure
-während des Trocknens mit Bleiglätte allmählich zu Bleisulfat und die
-Paste erhärtet infolge Verdunstung des Wassers, die Masse wird
-porös[102]. Die Mennige verbindet sich langsamer mit der Schwefelsäure,
-wahrscheinlich unter Bildung von Bleisulfat und Abscheidung von
-Bleisuperoxyd nach der Gleichung:
-
- Pb₃O₄ + 2H₂SO₄ = 2PbSO₄ + 2H₂O + PbO₂.
-
-[Illustration: Fig. 16.]
-
-Der Bleischwamm der negativen Platten hat die Neigung, im Laufe der
-Jahre zusammenzusintern, eine Erscheinung, die man als ~Schrumpfen~ oder
-~Verbleiung~ bezeichnet. Die Masse verliert ihre lockere Struktur, und
-die Folge ist, daß die Kapazität der negativen Platten allmählich
-zurückgeht. Um diesem Übelstande zu steuern, mischt man der Masse
-gewisse Stoffe bei, durch die das Zusammenbacken der Bleischwammteilchen
-verhindert wird, wie Kaolin, Glaspulver usw. Wird soviel von diesem
-indifferenten Material beigemischt, daß das Sintern dauernd unmöglich
-ist, so macht sich ein anderer Übelstand bemerkbar; es tritt nämlich ein
-so starkes Quellen ein, daß die Masse aus dem gewöhnlichen, alten Gitter
-herauswächst und als unwirksam zu Boden fallen kann. Dieses kann nun
-dadurch verhütet werden, daß man die Gitterplatte auf beiden Seiten mit
-einer perforierten Scheibe aus Hartgummi oder dergl. bedeckt. Die
-~Akkumul.-Fabrik, Akt.-Gesellsch.~ hüllt ihre aus einem weitmaschigen
-Gitter bestehende negative Platte in ein mit zahlreichen kleinen Löchern
-versehenes Bleiblech ein (s. Fig. 16). Das Gitter besteht aus zwei
-Hälften; jedes wird auf ein perforiertes Blech aufgegossen. Die
-Massepastillen werden besonders hergestellt und in die eine Gitterhälfte
-eingelegt. Dann wird die andere Plattenhälfte aufgelegt, und die beiden
-Hälften werden fest miteinander verbunden. Da die Pastillen also
-gleichsam in kleinen Kästchen mit perforierter Grund- und Deckfläche
-liegen, so wird die Platte als ~Kastenplatte~ bezeichnet.
-
-[Illustration: Fig. 17.]
-
-~Gottfried Hagen~ in Cöln-Kalk verwendet als Anoden und Kathoden
-Gitterplatten. Dies hat, wie die Firma sagt, den Vorzug, daß die
-Kapazität beider Plattenarten gänzlich unabhängig von der Sorgfalt bei
-der Formation wird und stets die gleiche bleiben muß, da alle Platten
-derselben Art und Größe stets die gleiche Menge wirksamer Bleisalze
-enthalten. Die viereckigen Gitteröffnungen werden bei den für stationäre
-Batterien bestimmten Platten um so enger gemacht, je kürzer die
-Entladedauer oder je größer die Stromdichte bei der Entladung sein soll.
-Für starke Beanspruchung wird das in Fig. 17 abgebildete Gitter
-benutzt. Es gleicht in seinem Aussehen den Großoberflächenplatten; es
-wird aus reinstem Weichblei hergestellt, während die Gitter mit großen
-Öffnungen (Elektromobile), um genügende mechanische Festigkeit zu
-erzielen, aus Hartblei (Blei und Antimon) gegossen werden.
-
-[Illustration: Fig. 18.]
-
-In neuerer Zeit hat die Firma die negativen Platten wesentlich geändert,
-und zwar beziehen sich die Änderungen sowohl auf das Gitter wie auf die
-Zusammensetzung der Masse. Die Beschaffenheit des neuen Gitters ist aus
-den Figuren 18 und 19 zu ersehen; die letztere zeigt einen Ausschnitt in
-größerem Maßstabe. Es sind, wie man sieht, außer den nach außen spitz
-zulaufenden Längsrippen flache, die mechanische Festigkeit erhöhende
-Bänder vorhanden. Durch die Mitte der Platte (s. Fig. 18) läuft eine
-starke Leiste, so daß die ganze Platte aus zwei Rahmen besteht.
-
-[Illustration: Fig. 19.]
-
-Für transportable Akkumulatoren verwenden die ~Akkumulatoren- und
-Elektrizitätswerke Akt.-Ges. vormals W. A. Boese & Co.~ sogenannte
-~Masseplatten~. Diese bestehen aus einem Hartbleirahmen mit einer
-geringen Anzahl großer Felder (siehe Fig. 20); das Trägergewicht ist
-also auf ein Minimum reduziert. Die die Felder ausfüllende Masse ist
-zementartig erhärtet; in jedem Felde befinden sich mehrere kleinere und
-ein größeres Loch, um den Zutritt der Säure zu den einzelnen Teilen und
-die Zirkulation zwischen den Platten zu ermöglichen. Besonders bei
-Entladungen mit längeren Ruhepausen, z. B. bei Telephonbetrieb, erzielt
-man günstige Leistungen, zumal die Selbstentladung bei solchen Platten
-eine verhältnismäßig geringe ist[103]. Für Akkumulatoren mit kürzerer
-Lade- und Entladezeit sind solche Masseplatten nicht geeignet.
-
-[Illustration: Fig. 20.]
-
-~Formation~. Das Verfahren, durch welches auf den Platten eine genügend
-dicke Schicht von Bleischwamm bezw. von Bleisuperoxyd gebildet wird,
-nennt man Formation oder Formierung.
-
-Da bei der Formation Schwefelsäure nicht verbraucht wird, es sei denn,
-daß man zuerst Blei oder die Bleisalze in Bleisulfat verwandeln will, so
-kann man saure, alkalische und neutrale Lösungen verwenden. Entweder
-wird die ganze Formation in ~einer~ Lösung ausgeführt, oder man
-behandelt die Platten nacheinander in zwei verschiedenen Lösungen, z. B.
-zuerst in alkalischer und dann in saurer Lösung. Ferner können Anode und
-Kathode ~gleichzeitig~ in demselben Bade formiert werden, oder es findet
-eine ~getrennte Formation~ statt. Jede dieser Methoden hat ihre Vor- und
-Nachteile, auf die aber hier nicht eingegangen werden soll.
-
-a) ~Reine Planté-Formation~. Wenn man als Elektroden reine Bleiplatten
-benutzt und die Zelle lädt, so erfolgt schon nach kurzer Zeit
-Gasentwicklung. Sobald sich nämlich die positive Platte mit einer sehr
-dünnen Schicht von Bleisuperoxyd bedeckt hat, hört die Einwirkung des
-Stromes auf, da das metallisch leitende Superoxyd den darunter liegenden
-Bleikern vor dem weiteren Angriff des Stromes schützt. Um nun die
-Kapazität der Elektroden zu vergrößern, lockerte ~Planté~ die Platten an
-der Oberfläche auf, so daß auch unmittelbar unter der Oberfläche
-liegende Schichten der Stromwirkung zugänglich wurden. Das angewandte
-Formierungsverfahren war folgendes: Das Element wurde kurze Zeit
-geladen, dann nach einer Ruhepause entladen, hierauf wieder geladen u.
-s. f. Bei den verschiedenen Ladungen, deren Dauer wegen der wachsenden
-Kapazität allmählich größer wurde, schickte er den Strom bald in der
-einen, bald in der anderen Richtung durch die Zelle, da nur diejenige
-Elektrode angegriffen und aufgelockert wird, die bei der Ladung Anode
-ist.
-
-Inwiefern die Ruhepause von Vorteil ist, zeigten später ~Gladstone~ und
-~Tribe~. Die Superoxydteilchen bilden mit Bleiteilchen und Säure kleine,
-kurzgeschlossene Elemente (siehe Selbstentladung). Diese entladen sich
-während der Ruhepause; hierbei werden Blei und Bleisuperoxyd in
-Bleisulfat umgewandelt. Bei der nächsten Ladung kann daher eine größere
-Menge Bleisulfat in Bleisuperoxyd (bezw. in Bleischwamm, wenn die
-Stromrichtung geändert wird) verwandelt werden.
-
-Die reine Planté-Formation ist umständlich und dauert Wochen, ja Monate
-lang; sie ist wegen des großen Stromverbrauchs auch teuer.
-
-b) ~Beschleunigte Formation der positiven Planté-Platten~. Schon
-~Planté~ fand, daß die Formation schneller vor sich geht, wenn man die
-Platten zuerst in mäßig konzentrierte Salpetersäure eintaucht und dann
-formiert; durch die Salpetersäure wird die Platte rein chemisch
-aufgelockert. Die so erhaltene Superoxydschicht fällt aber leicht ab,
-sie ist nicht so innig mit dem Bleikern verwachsen wie die bei der rein
-elektrochemischen Formierung entstandene. Auch ist die Gefahr vorhanden,
-daß Spuren von Salpetersäure trotz sorgfältigen Abspülens der Platte
-zurückbleiben. Die Elektrode formiert sich dann im Betriebe immer
-weiter, so daß das Bleigitter oder der Bleikern nach verhältnismäßig
-kurzer Zeit zerstört wird.
-
-Später sind zahlreiche Vorschläge gemacht worden, um beschleunigte
-Formation besonders bei den positiven Großoberflächenplatten zu
-erzielen. Sie bestehen fast alle darin, daß auf rein chemischem Wege
-Bleiverbindungen gebildet werden, die auf elektrochemischem Wege in
-Bleisuperoxyd umgewandelt werden. Wird die lösend wirkende Substanz dem
-Elektrolyten zugesetzt, so spielen sich beide Vorgänge gleichzeitig ab.
-~Epstein~ behandelt die Bleiplatten in heißer verdünnter Salpetersäure
-elektrochemisch (s. oben). Eine Platte wird dann zwischen zwei
-Bleibleche gehängt, die leitend miteinander verbunden sind; der
-elektrolysierende Strom tritt an der zu formierenden Platte ein.
-
-Nach P. ~Schoop~ (l. c. I S. 106) erreicht man am sichersten eine
-tiefgehende Auflockerung des Bleies bei Verwendung einer Lösung von
-Natriumbisulfat und Kaliumchlorat. In den Elektrolyten werden drei
-Bleiplatten aufgehängt, die Außenplatten werden miteinander verbunden
-usw. (s. oben). Auf der Mittelplatte (Anode) bildet sich eine braune
-Substanz, die aber kein Bleisuperoxyd ist. Das Chlor wird aus der Platte
-entfernt, wenn die Substanz zu Bleischwamm reduziert wird. Dies
-geschieht elektrochemisch in stark verdünnter Schwefelsäure. Die Platten
-werden sorgfältig mit destilliertem Wasser ausgewaschen, um alles
-Chlor[104] (Salzsäure) zu entfernen, dann getrocknet und erhitzt. Es
-bildet sich ein gleichmäßiger und festhaftender Überzug von Bleioxyd;
-dieses wird durch elektrochemische Formation in verdünnter Schwefelsäure
-in Superoxyd umgewandelt.
-
-c) ~Formation der pastierten Platten~. α) Negative Platten. Die
-Füllmasse besteht aus basischem, sowie aus neutralem Bleisulfat und aus
-nicht zersetztem Bleioxyd. Da sie ziemlich grobkörnig ist und nur zum
-Teil aus Bleisulfat besteht, so geht dieses nur langsam in Lösung.
-Infolgedessen wird, wenn man nicht mit sehr geringer Stromdichte
-arbeitet, der Elektrolyt an Bleisalz oder an Bleiionen bald verarmen.
-Nimmt aber die Konzentration dieser Ionen in der Nähe der Platte ab, so
-steigt die Spannung an der Kathode und erreicht bald die für die
-Wasserstoffabscheidung nötige Höhe. Um die unnütze und auch schädliche
-Wasserstoffentwickelung zu verhüten, muß man dafür sorgen, daß die
-Konzentration der Wasserstoffionen eine möglichst kleine oder diejenige
-der Bleiionen eine möglichst große ist. Da neutrale Salze bei der
-elektrolytischen Dissoziation keine Wasserstoffionen liefern, so sind
-neutrale Lösungen für die Formation der negativen Platten vorzuziehen;
-besonders eignen sich Magnesium- und Aluminiumsulfat (von ~Fitz-Gerald~
-zuerst ausgeführt, von P. ~Schoop~ wieder aufgenommen). Hierbei bildet
-sich an der negativen Platte gallertartiges Magnesium- bezw.
-Aluminiumhydroxyd, das aber durch Säure, die bei der Formation (aus der
-Paste) frei wird, neutralisiert wird. Eine Verarmung des Elektrolyten an
-Bleiionen -- das zweite Mittel, die Wasserstoffentwickelung
-zurückzudrängen -- kann man dadurch erreichen, daß man die Löslichkeit
-des Bleisulfates steigert, z. B. durch Erwärmung des Elektrolyten[105],
-oder eine Substanz zusetzt (z. B. Natriumacetat), die mit Blei ein
-lösliches Salz bildet (Bleiacetat). Von dieser Methode hat man in der
-Praxis keine Anwendung gemacht, da selbst sehr geringe zurückbleibende
-Mengen des Zusatzes dem Akkumulator sehr schädlich sind.
-
-Erfolgt die Formation in verdünnter Schwefelsäure zwischen zwei mit
-einander verbundenen Bleiblechen (Anoden), so dauert sie mehrere Tage.
-
-β) Positive Platten. Die Füllmasse besteht aus Bleisulfat, Bleisuperoxyd
-(s. S. 123) und Bleiglätte bezw. Mennige. Die Abscheidung der
-Bleisuperoxydionen, deren Existenz wir annehmen wollen (s. S. 55), muß
-durch Steigerung der Konzentration dieser Ionen gefördert werden (die
-Sauerstoffentwickelung also verringert werden). Nun ist die
-Konzentration dieser Ionen umgekehrt proportional der vierten Potenz der
-Wasserstoffionen; mithin muß letztere Konzentration auf einer möglichst
-geringen Höhe gehalten werden. In neutraler Lösung erfolgt also die
-Formation schneller als in saurer[106]. Man verwendet Aluminium- und
-Magnesiumsulfat. Während der Formation bildet sich Schwefelsäure, durch
-deren Dissoziation Wasserstoffionen entstehen; die Säure muß
-neutralisiert werden; man erreicht dies durch aufgeschwemmtes Magnesium-
-oder Aluminiumhydroxyd.
-
- [98] Über die verschiedenen Patentansprüche und die historische
- Entwickelung des Akkumulators siehe ~Hoppe~, Akkumulatoren für
- Elektrizität, 5. Auflage, ferner P. ~Schoop~, Die Sekundär-Elemente.
-
- [99] Bei Großoberflächenplatten ist das mit dem Bleikern verwachsene
- Bleisuperoxyd, bei Gitterplatten die ganze eingetragene Masse gemeint.
-
- [100] In Wirklichkeit ist er etwas größer, da ein Teil des Stromes in
- die Säure innerhalb der Rippen eindringt.
-
- [101] Näheres über die Fabrikation findet man in: F. ~Grünwald~, Die
- Herstellung der Akkumulatoren, 3. Aufl., 1903. W. Knapp.
-
- [102] M. U. ~Schoop~ berechnet in der früher erwähnten Schrift die
- Porosität einer formierten, gut geladenen Bleisuperoxydplatte
- (Gitterplatte) zu angenähert 43%, d. h. beträgt der für die Füllmasse
- zur Verfügung stehende Raum 100 cm³, so sind 43 cm³ mit Säure
- angefüllt. Für die Bleischwammplatte ergab sich eine noch größere
- Porosität.
-
- [103] Näheres siehe E. T. Z. 1907, S. 539.
-
- [104] Für Chlor gilt ähnliches wie für Salpetersäure (s. S. 128).
-
- [105] Nicht zu empfehlen, da bei Erwärmung die wirksame Masse zu
- locker wird.
-
- [106] Eine saure Lösung ist eine solche, in der sich Wasserstoffionen
- befinden; je größer die Konzentration der H·, um so größer ist die
- Acidität.
-
-
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-Siebentes Kapitel.
-
-Aufstellung der Batterie, Einbau der Platten, Vorschriften über die
-Behandlung, Lebensdauer.
-
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-~Aufstellung.~ Der ~Raum~, in dem die Akkumulatorenbatterie
-untergebracht wird, soll kühl, trocken und vor allem gut ventilierbar
-sein, damit die Säure nicht zu stark verdunstet, die Außenwände der
-Zellen trocken gehalten werden können (Isolation) und die bei der Ladung
-sich bildenden Gase schnell entweichen. Während der Ladung dürfen
-brennende oder glühende Körper in dem Akkumulatorenraume nicht geduldet
-werden, da die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß sich bei
-schlechter Ventilation eventuell vorhandenes Knallgas entzündet. Zur
-Beleuchtung dürfen nur elektrische Lampen verwendet werden, die im
-luftleeren Raume brennen.
-
-Der Fußboden soll fest und solide sein, natürlich muß er auch säurefest
-sein. Allen Anforderungen dürfte ein Asphaltboden auf Untergrund aus
-Zementbeton genügen[107].
-
-Die Elemente müssen so aufgestellt werden, daß man zu jeder Zelle freien
-Zutritt hat zwecks einer Besichtigung, Messung der Säuredichte oder
-sonstiger vorzunehmender Arbeiten, z. B. Auswechselung defekt gewordener
-Platten. Daher sollten bei kleineren Zellen nicht mehr als zwei Reihen
-neben- und übereinander auf demselben Gestelle stehen; größere Zellen
-müssen auf dem Boden nebeneinander aufgestellt werden. Nach den
-Vorschriften des Verbandes Deutscher Elektrotechniker müssen die Zellen
-von Batterien für hohe Spannungen so angeordnet sein, daß bei der
-Bedienung eine zufällige gleichzeitige Berührung von 2 Punkten, zwischen
-denen eine Potentialdifferenz von mehr als 250 Volt herrscht, nicht
-stattfinden kann. Bei Batterien in Anlagen mit mehr als 250 Volt
-Gebrauchsspannung zwischen 2 Leitern oder mehr als 2 × 250 Volt in
-Dreileiteranlagen sind nach den Vorschriften des V. D. E.
-Lattenlaufböden erforderlich. (Isolation gegen Erde.)
-
-Die ~Gestelle~ werden aus sorgfältig geteerten oder mit Paraffinöl
-durchtränkten Balken hergestellt. Der Gebrauch von Nägeln, Schrauben,
-Bandagen aus Eisen ist zu verwerfen, da diese durch die Säure
-angegriffen werden; die Verbindung der einzelnen Teile des Gestelles muß
-daher durch Holzpflöcke geschehen.
-
-Große Sorgfalt ist auf die ~Isolation~ zu verwenden, da die Außenseiten
-der Elemente auch bei guter Bedienung nicht ganz trocken bleiben. Die
-einzelnen Zellen sind gegeneinander und gegen das Gestell und dieses
-gegen die Erde durch nichthygroskopische Unterlagen zu isolieren. Bei
-größerer Batteriespannung kann man Ölisolatoren verwenden, deren oberer
-Teil größer ist als der untere, so daß etwa herabfließende Säure über
-den oberen (überhängenden) Teil hinwegtropft, der untere Teil des
-Isolators also trocken bleibt.
-
-Die im Akkumulatorenraume verlegten Drähte müssen mit säurefester Farbe
-angestrichen werden. --
-
-Als ~Zellen~ benutzt man Gefäße aus Glas, Zelluloid, Hartgummi und Holz.
-Glas isoliert gut, ist billig und ermöglicht eine genaue Besichtigung
-des Inneren des Elementes. Für transportable Akkumulatoren verwendet man
-Hartgummi oder Zelluloid und versieht die Zellen mit einem Deckel; noch
-vorhandene Fugen werden mit einem säurefesten und elastischen Kitt
-verstrichen. Zelluloid soll bei Akkumulatorenbatterien für mehr als 16
-Volt Spannung als Material für Gefäße nicht verwendet werden.
-
- Zelluloid ist zwar leicht entzündbar, da aber die Wände von innen
- durch die Säure gekühlt werden, so wird es nicht leicht vorkommen, daß
- das Zelluloid bis zur Entzündungstemperatur erhitzt wird. Es hat die
- Vorzüge, daß es gegen Stöße unempfindlich ist, leicht verarbeitet
- werden kann und durchsichtig ist; ferner können Gefäße aus diesem
- Stoffe repariert werden.
-
-Für große Elemente benutzt man Holzkasten, die mit Bleiblech im Innern
-verkleidet werden. Natürlich dürfen die Platten diese Verkleidung nicht
-berühren.
-
-[Illustration: Fig. 21.]
-
-~Einbau~. Die Platten werden bei stationären Elementen meistens mittels
-zweier Fahnen oder Nasen auf dem oberen Rande des Gefäßes aufgehängt (s.
-Fig. 21), damit sie sich frei ausdehnen können. Die Oberflächen der
-einzelnen Platten müssen genau parallel laufen, und der Abstand zwischen
-zwei benachbarten Platten soll in der ganzen Zelle derselbe sein. Hängt
-nämlich eine Platte schief, so werden die Stellen, die den kleinsten
-Abstand haben, am stärksten beansprucht, so daß Krümmungen eintreten
-können; diese können wiederum Abbröckeln der aktiven Masse und
-Kurzschluß herbeiführen. Hat ferner eine positive Platte von den beiden
-benachbarten Elektroden ungleichen Abstand, so werden ihre beiden Seiten
-nicht gleichmäßig ausgenutzt, ebenso nicht die der betreffenden
-positiven Platte zugewendeten Seiten der negativen Elektroden.
-Parallelität und gleiche Abstände erreicht man am einfachsten dadurch,
-daß man zwischen je zwei Platten eine genügende Anzahl von Glasstäben
-schiebt, die alle denselben Durchmesser haben, und durch elastische
-Bleistreifen oder Gummipuffer einen seitlichen Druck gegen die Platten
-ausüben läßt (s. Fig. 21).
-
-Zwischen der unteren Plattenkante und dem Boden des Gefäßes muß sich ein
-größerer Zwischenraum befinden, in dem sich herabfallende aktive Masse
-sammeln kann (Vermeidung eines inneren Kurzschlusses).
-
-[Illustration: Fig. 22.]
-
-In Fig. 22 ist schematisch dargestellt (für 2 Elemente), wie die Platten
-angeordnet und mit einander verbunden werden. Warum die erste und letzte
-Platte einer jeden Zelle negativ sind, wurde früher dargelegt (s. S.
-62). Man sieht, daß die positiven Fahnen der ersten Zelle mit den
-negativen Fahnen der zweiten durch eine Bleileiste verbunden sind. --
-Bei kleinen Elementen, die nur aus einer positiven und zwei negativen
-Platten bestehen, verbindet man die beiden letzteren wohl auch durch
-einen Steg.
-
-Der Abstand der Platten richtet sich nach deren Größe; einerseits darf
-er nicht zu groß sein, damit der innere Widerstand der Zelle nicht
-unnötig groß wird, anderseits darf er nicht so klein sein, daß eine
-Besichtigung der Platten erschwert oder unmöglich wird; auch kann sich
-bei geringen Abständen leicht Kurzschluß bilden. Bei kleinen Platten
-(bis etwa 3 qdm einseitiger Oberfläche) beträgt der Abstand in der Regel
-8 bis 10 mm, bei mittelgroßen (bis 6 qdm) 10 bis 12 mm und bei großen 12
-bis 15 mm. Bei kleinen transportablen Akkumulatoren sollte der Abstand
-der Platten reichlich groß gewählt werden, damit Kurzschluß durch
-herausfallende Masse möglichst vermieden und eine genaue Besichtigung
-des Innern der Zelle leicht ausführbar ist.
-
-[Illustration: Fig. 23.]
-
-Seit einigen Jahren ist man dazu übergegangen zwischen die einzelnen
-Platten ~Holzbrettchen~ oder dergl. zu schieben. Wir haben bereits
-gesehen, daß man der aktiven Masse der negativen Platten indifferente
-Substanzen zusetzt, um die Verbleiung zu verhindern. Die aktive Masse
-quillt dann leicht aus dem Gitter, sie kann herausfallen und Kurzschluß
-bewirken. Um diesem Übelstande zu steuern, bedeckt die Firma ~Gottfried
-Hagen~ in Cöln-Kalk die negative Elektrode mit einer gelochten
-Hartgummiplatte, die durch die Glasröhren gegen das Gitter gepreßt wird.
-Die Perforierung ist eine so feine, daß jedes Durchtreten von Partikeln,
-die sich loslösen, durch die Öffnungen ausgeschlossen ist und die Säure
-dennoch leicht zirkulieren kann. Werden Holzkasten für die Zellen
-verwendet, bei denen Glasröhren keinen Zweck haben, da man ohnehin nicht
-das Zelleninnere besichtigen kann, so werden Hartgummiplatten verwendet,
-die auf der einen Seite mit Rippen versehen sind (s. Fig. 23); diese
-vertreten die Stelle der Glasröhren.
-
-[Illustration: Fig. 24.]
-
-Nach den Montagevorschriften der ~Akkumulatoren-Fabrik
-Aktien-Gesellschaft~ werden zwischen die einzelnen Platten Holzbrettchen
-geschoben, die etwas größer sind als die Platten. Die Brettchen werden
-in die Schlitze von Holzstäben geschoben (siehe Fig. 24). Diese sind
-etwas dünner als die Plattenzwischenräume und sitzen anfangs etwas lose.
-Da die Stäbe in der Säure quellen, so sitzen sie bald fest. Auf diese
-Weise wird erreicht, daß zwischen Platten und Brettchen ein enger
-Zwischenraum ist und die aktive Masse mit einer genügend großen Menge
-von Säure in Berührung ist. Die Brettchen erfahren eine besondere
-Vorbehandlung in der Fabrik, und es sollen (infolgedessen?) aus dem Holz
-Stoffe in Lösung treten, die ein Sulfatieren der Platten fast unmöglich
-machen, so daß die Kapazität lange bleibt. Die Wirksamkeit der Brettchen
-soll, da die betreffenden Stoffe sich nur langsam ausscheiden, für
-lange Jahre vorhalten. Außerdem dienen die Brettchen auch als Mittel zur
-Verhinderung von Kurzschluß.
-
-Es empfiehlt sich, die Zellen mit Glasplatten zu bedecken, weil dann
-Säurepartikelchen, die beim „Kochen‟ durch die Gase mitgerissen werden,
-zurückgehalten werden und verhindert wird, daß von der Decke
-abbröckelnder Kalk oder dgl. in die Säure fällt.
-
-Für die Elemente der ~Automobilbatterien~ werden Hartgummikasten
-verwendet. Die Platten werden auch mit Zwischenlagen aus perforiertem
-Hartgummiblech oder aus Holzbrettchen eingebaut. Die einzelnen Elemente
-werden so miteinander verbunden, daß schadhafte Zellen leicht
-ausgewechselt werden können; man benutzt biegsame Verbindungen aus
-Bleistreifen oder verbleiten Kupferstreifen, die beiderseits durch
-Schrauben befestigt werden.
-
-~Säure~. An die ~Reinheit~ der Schwefelsäure und des zum Nachfüllen zu
-benutzenden Wassers sind, wie sich aus früheren Betrachtungen (s. S. 107
-und S. 110) ergeben dürfte, die ~höchsten Anforderungen zu stellen~. Sie
-müssen vor allem frei sein von metallischen Verunreinigungen. Fremde
-Metalle (s. Selbstentladung) bewirken das sogen. Nachgasen. Man prüft
-die Säure auf die Anwesenheit schädlicher Metalle dadurch, daß man
-mittels eines sauberen Holzspans ein Stückchen Zink in eine Probe
-bringt, die sich in einem Reagenzglas befindet. Sind schädliche Metalle
-in der Säure, so bilden sich Lokalelemente, und es wird elektrolytisch
-Wasserstoff abgeschieden, man sieht beständig feine Gasbläschen
-emporsteigen. Der Versuch, der etwa ½ Stunde dauern sollte, wird 3mal
-wiederholt; bleibt ~einmal~ die stetige Bläschenbildung aus, so ist die
-Säure frei von schädlichen Metallen.
-
-Der Elektrolyt muß ferner frei sein von Chlor, Salpetersäure und
-salpetriger Säure, Arsenverbindungen und Essigsäure. Auch ganz minimale
-Mengen dieser Substanzen sind dem Akkumulator sehr schädlich; sie wirken
-nämlich zerstörend auf den Bleikern, indem sie Blei lösen. Die
-Bleiverbindung wird durch den Strom zersetzt und die Verunreinigung wird
-wieder frei usw. (s. Formation).
-
- ~Untersuchung auf Salpetersäure~: Man löst etwas Brucin in
- konzentrierter Schwefelsäure und setzt der Schwefelsäureprobe einige
- Tropfen der Lösung zu. Bei Gegenwart auch der geringsten Menge
- Salpetersäure erfolgt Rotfärbung.
-
- Stickstoffverbindungen können auch in der Weise nachgewiesen werden,
- daß man in Wasser eine gleiche Menge konzentrierter Schwefelsäure
- eintropfen läßt und der heißen Lösung etwas Indigolösung zusetzt. Wird
- die Flüssigkeit entfärbt, so ist die Säure nicht brauchbar.
-
- ~Die Untersuchung auf Chlor~ ist mit besonderer Sorgfalt auszuführen.
- 5 cm³ (ca. 9 Gramm) Säure werden mit 50 cm³ destilliertem Wasser
- gemischt[108]; nach 5-6 Stunden setzt man etwas Salpetersäure und
- 20prozentige Silbernitratlösung (Höllensteinlösung) zu. Nach
- einstündigem Stehen darf die Flüssigkeit keine weiße Färbung,
- höchstens ganz schwaches Opalisieren zeigen. (Es bildet sich bei
- Gegenwart von Chlorverbindungen unlösliches, weißes Chlorsilber.)
-
- ~Arsenverbindungen~ werden durch eingeleiteten Schwefelwasserstoff in
- braunes, unlösliches Schwefelarsen umgewandelt.
-
-Zum Füllen der Elemente benutzt man verdünnte Schwefelsäure vom
-spezifischen Gewichte 1,15 bis 1,17; sind die Positiven
-Großoberflächenplatten, so kann die Säure etwas stärker sein. Die Dichte
-der Säure wird bei den ersten Ladungen etwas größer, da die Paste noch
-weiter formiert wird und hierbei Schwefelsäure frei wird. -- Da bei der
-Vermischung von Schwefelsäure und Wasser eine starke Wärmeentwickelung
-erfolgt und explosionsartige Erscheinungen auftreten, wenn man Wasser
-in Schwefelsäure gießt, so muß man die Schwefelsäure in dünnem Strahle
-unter Umrühren dem Wasser zusetzen. Mittels des Aräometers konstatiert
-man, ob die Mischung das gewünschte spezifische Gewicht hat. Erst nach
-dem Erkalten darf die Säure in die Akkumulatorengefäße gegossen werden.
-Muß man einen Trichter benutzen, so verwende man einen solchen aus Glas
-oder Porzellan.
-
-Da die Untersuchung der Schwefelsäure und die Herstellung der Mischung
-umständlich ist, so empfiehlt es sich, die Säure durch die
-Akkumulatorenfabrik oder durch Handlungen zu beziehen, die von der
-Akkumulatorenfabrik empfohlen werden.
-
-Die Säure soll die oberen Kanten der Platten mindestens 1 cm überragen;
-vor allem darf es nicht vorkommen, daß der obere Teil der Platten aus
-der Säure herausragt. Im Laufe der Zeit ändert sich die Menge und die
-Dichte der Säure, da Wasser verdampft, kleine Säureteilchen von den bei
-der Ladung sich bildenden Gasblasen mitgerissen werden und die Kapazität
-der Platten zu- bezw. abnehmen kann; wächst diese im Laufe der Zeit, so
-wird bei der Entladung mehr Säure verbraucht und die Schwankungen der
-Säuredichte werden größer. Meistens genügt es, durch Zusatz von
-destilliertem Wasser[109] die Säure auf die richtige Höhe zu bringen;
-von Zeit zu Zeit jedoch muß man die Säuredichte der einzelnen Zellen
-sowohl im vollständig geladenen wie im vollständig entladenen Zustande
-messen und eventuell Akkumulatorensäure hinzufügen (nie konzentrierte
-Säure, da diese die Platten angreift). Man setzt am besten die Säure vor
-Beginn der Ladung zu, indem die Gasblasen eine Vermischung bewirken. Im
-entladenen Zustande beträgt die Säuredichte meist 1,15, im geladenen
-Zustande kann sie bis 1,20 betragen. Eine zu niedrige Säuredichte
-schadet übrigens dem Akkumulator nicht, wohl aber eine zu hohe
-(Begünstigung der Sulfatierung, Verringerung der Lebensdauer). Säure,
-die beim Nachfüllen verschüttet wird, ist sofort abzuwaschen, damit die
-Isolatoren trocken bleiben.
-
-Die Säuredichte mißt man mittels eines ~Aräometers~, dessen Körper so
-flach ist, daß man es in den engen Zwischenraum zwischen den Platten
-einführen kann. Sind die Zellen mit einem Deckel versehen, so benutzt
-man ein ~Aräometer~ mit ~Saugheber~ und Gummiball. Bei genauen
-Untersuchungen ist zu beachten, daß die Säure in der Nähe des
-Gefäßbodens etwas konzentrierter ist. Durch Einblasen von Luft kann man
-eine Vermischung herbeiführen.
-
-In der folgenden Tabelle ist das spezifische Gewicht, das
-Mischungsverhältnis und der Widerstand von 1 cm³ verdünnter
-Schwefelsäure angegeben.
-
-
- Spezifisches | Gewichts- | Grade | Widerstand eines
- Gewicht bei | prozente | Baumé | Kubikcent.
- 15° | H₂SO₄ | | (angenähert)
- =============+===========+=======+==================
- 1,10 | 14,35 | 13,0 | 2,2 Ohm
- 1,12 | 17,01 | 15,4 | 1,8 „
- 1,14 | 19,61 | 17,7 | 1,6 „
- 1,16 | 22,20 | 19,8 | 1,5 „
- 1,18 | 24,76 | 22,0 | 1,45 „
- 1,20 | 27,32 | 24,0 | 1,4 „
- 1,22 | 29,84 | 26,0 | 1,38 „
- 1,224 | 30,50 | 26,6 | 1,36 „ (Minimum)
-
-Zuweilen verwendet man für die Füllung transportabler Akkumulatoren
-~gelatinöse Schwefelsäure~, die aus Schwefelsäure, Wasserglas und
-Asbest hergestellt wird. Die ~Trockenfüllung~ leidet an den Nachteilen,
-daß der innere Widerstand des Elementes stark erhöht und die Kapazität
-wesentlich verringert wird. Die Füllung muß mit einer Schicht flüssiger
-Säure von etwa 5 mm Dicke bedeckt sein, ev. ist destilliertes Wasser
-oder stark verdünnte Säure zuzusetzen.
-
-Für Automobilbatterien verwendet man, da man die Säuremenge, um das
-Gewicht zu verringern, möglichst klein macht, Säure von etwas höherer
-Konzentration als bei Zellen für stationäre Anlagen; im geladenen
-Zustande darf die Säuredichte den Wert 1,25 erreichen.
-
-Muß eine Zelle ~geleert werden~, so zieht man die Säure mittels eines
-Hebers ab; die Platten werden in destilliertem Wasser aufbewahrt. Die
-betreffende Zelle muß, nachdem sie neu montiert ist, stark überladen
-werden. Zu dem Zwecke schaltet man sie während der Ladung der Batterie
-mit den anderen Zellen in Reihe, man verbindet sie also mit den beiden
-benachbarten Zellen. Nach Beendigung der Ladung wird eine der beiden
-Verbindungen beseitigt und der positive Pol des einen Nachbars mit dem
-negativen Pole des anderen verbunden (~Überbrückung~). Unsere Zelle ist
-also während der Entladung der Batterie ausgeschaltet. Bei der folgenden
-Ladung wird sie wieder mitgeladen usw.
-
-~Die Vorschriften für die Ladung und Entladung~ weichen in einzelnen
-Punkten bei den verschiedenen Firmen voneinander ab, was ja schon durch
-den Umstand erklärt werden kann, daß die Fabrikate verschieden sind. Die
-folgenden Vorschriften dürften aber allgemein gültig sein.
-
-Die ~erste Ladung~ (nach der Montage) soll, wenn eben möglich, ohne
-Unterbrechung so lange fortgesetzt werden, bis bei allen Zellen an
-beiden Elektroden reichlich Gas entwickelt wird. Ihre Dauer ist eine
-große (24-48 Stunden), da die aktive Masse, besonders bei den negativen
-Platten, an der Luft (während des Transportes, der Montage) verändert
-wird, so daß eine nachträgliche Formierung erfolgen muß. Am längsten
-dauert natürlich die erste Ladung, wenn die negativen Platten unformiert
-versandt wurden.
-
-Die späteren Ladungen sollen, wenn möglich sofort, spätestens aber 24
-Stunden nach Beendigung der Entladung erfolgen (s. Sulfatierung). Falls
-die ~Batterie stark erschöpft~ ist, was bei Betriebsstörungen, z. B. bei
-einer Reparatur der Dynamo, vorkommen kann, so muß ~sofort~ gründlich
-aufgeladen werden. Zu beachten ist, daß man den positiven Pol der
-Batterie mit dem positiven Pole der Stromquelle verbinden muß (ev.
-Polreagenzpapier benutzen). Der maximale Ladestrom (gewöhnlich gleich
-der maximalen Entladestromstärke) darf nicht überschritten werden. Man
-lädt so lange, bis bei sämtlichen Elementen der Batterie an beiden
-Elektroden lebhafte Gasentwicklung erfolgt. Der Wärter hat die Pflicht,
-bei jeder Ladung nachzusehen, ob alle Zellen gasen[110].
-
-Finden täglich mehrere Teilladungen statt, so darf nur ~eine~ bis zur
-vollen Gasentwicklung durchgeführt werden, die anderen dagegen sind
-sofort abzubrechen, wenn an einer Elektrode Gasentwicklung beginnt.
-
-Will man (im Laboratorium) große und kleine Zellen gleichzeitig laden,
-so schaltet man zwei oder mehrere der kleinen Zellen parallel, bildet
-aus diesen gleichsam einen größeren Akkumulator, oder man wählt den
-Strom so, daß er der kleinsten Type angepaßt ist.
-
-Es ist darauf zu achten, daß die mit dem Zellenschalter verbundenen
-Elemente nicht zu lange überladen werden.
-
-Auch dann, wenn eine Batterie nicht oder nur wenig benutzt wird
-(Laboratorium), muß von Zeit zu Zeit, etwa alle 14 Tage, aufgeladen
-werden (siehe Selbstentladung). Automobilbatterien sollen nach jeder
-Fahrt geladen werden.
-
-Die Ladestromstärke darf, wie wir bereits sahen, eine gewisse Größe
-nicht überschreiten; sie ist, wenn an beiden Platten Gasentwicklung
-erfolgt, auf etwa die Hälfte des ursprünglichen Wertes herabzusetzen.
-Hierfür kann man verschiedene Gründe angeben. Wird die Gasentwicklung zu
-stürmisch, so werden viele kleine Partikelchen der wirksamen Masse
-losgesprengt. Ferner hat die Elektrodenspannung, wenn die Stromstärke
-nicht vermindert wird, einen hohen Wert, und es kann sich
-Überschwefelsäure bilden (s. S. 14). Auch wird bei starker
-Gasentwicklung zu viel Säure verspritzt.
-
-Bei Lichtanlagen arbeiten die Dynamo und Batterie parallel. Die Ladung
-der Batterie muß, ehe der Parallelbetrieb beginnt, beendet sein, ein
-~Nachladen~ bei ausgeschaltetem Ladeschalter ist unter allen Umständen
-~zu vermeiden~, weil es zu einer Schädigung der mittleren Schaltzellen
-führt.
-
- Wir wollen uns dies an einem bestimmten Falle klar machen. Es handle
- sich um eine Lichtanlage, bei der die Spannung in der Zentrale 115
- Volt beträgt. Es sind 115:1,8 = 64 Zellen erforderlich; von diesen
- seien 12 mit dem Doppelzellenschalter Verbunden. Die Ladung sei soweit
- fortgeschritten, daß die Spannung jeder Zelle 2,2 Volt beträgt. Dann
- werde zum Parallelbetrieb übergegangen. Die Ladung kann nur durch den
- Entladeschalter geschehen (s. S. 173). Es können dann nur 115:2,2 = 52
- Zellen Strom bekommen, die 12 letzten Zellen werden also nicht mit
- geladen. Muß die Batterie später Strom abgeben, so sind anfänglich
- 115 : 2 = 58 Zellen an der Stromlieferung beteiligt. Die Zellen 53 bis
- 58 werden also überanstrengt, da sie bei der Nachladung keinen Strom
- erhielten.
-
-Die Akkumulatoren-Fabrik Akt.-Ges. schreibt für ihre Batterien vor, daß
-unter normalen Verhältnissen etwa alle 3 Monate eine ~Ladung mit
-Ruhepausen~ erfolgen soll (s. S. 114). Durch diese sucht man offenbar
-einer beginnenden Sulfatation vorzubeugen. Die Ladung geschieht in der
-Weise, daß die Maschine abgeschaltet wird, sobald an beiden Elektroden
-die Gasentwicklung beginnt; die Batterie ist vom Netze zu trennen. In
-diesem Ruhezustande soll sie mindestens 1 Stunde stehen bleiben. Dann
-wird wieder geladen bis zur Gasentwicklung, wieder abgeschaltet etc.
-Ladungen und Ruhepausen sollen solange aufeinander folgen, bis ~sofort~
-nach dem Einschalten der Maschine Gasentwicklung beginnt. Bei den
-Nachladungen soll die Stromstärke natürlich kleiner als die normale
-sein. Dasselbe Verfahren soll angewandt werden, wenn die Batterie zu
-stark beansprucht und wenn sie wiederholt ungenügend geladen worden ist.
-
-Zellen, die voraussichtlich längere Zeit nicht benutzt werden, sind
-gründlich aufzuladen (Selbstentladung); besonders schnell geht die
-Selbstentladung bei Großoberflächenplatten vor sich.
-
-Der Wärter hat die Pflicht, alle ~Zellen bei~ jeder ~Ladung~ zu
-beobachten; besondere Aufmerksamkeit soll er den Schaltzellen zuwenden.
-Es kommt zuweilen vor, daß eine ~Zelle~ gegen die anderen
-~zurückbleibt~[111]; es erfolgt keine Gasentwicklung, wenn die Nachbarn
-schon lange „kochen‟, die Säuredichte steigt nicht oder doch nur sehr
-langsam an. Eine solche Zelle ist auf ~Kurzschluß~ zu untersuchen. Ein
-solcher kann verursacht werden dadurch, daß sich eine Platte krümmt oder
-dadurch, daß ein Fremdkörper in die Zelle hineinfällt oder daß aktive
-Masse aus dem Gitter herausfällt. Er hat zur Folge, daß der Ladestrom
-sich verzweigt und nur ein Bruchteil des Stromes durch die Säure fließt,
-d. h. eine elektrochemische Wirkung ausübt. Nach der Ladung entlädt sich
-die Zelle in sich selbst; denn der den Kurzschluß bewirkende Körper
-bildet eine leitende Verbindung zwischen den beiden Polen. Bei einer
-solchen Zelle tritt bald Sulfatierung ein, die mit einer
-Kapazitätsabnahme verbunden ist.
-
-Das Vorhandensein eines Kurzschlusses kann man mittels eines kleinen
-Kompasses feststellen. Diesen legt man nacheinander zwischen zwei
-benachbarte Fahnen; kommt man an eine Platte, die Kurzschluß hat, so
-wird die Nadel durch das magnetische Feld des Stromes abgelenkt.
-
-Die ~Vorschriften für die Entladung~ sind größtenteils schon in den
-Betrachtungen des Kapitels 4 enthalten. Es sei daran erinnert, daß eine
-gewisse Stromstärke nicht überschritten werden darf. Dies ist besonders
-beim Experimentieren im Laboratorium etc. zu beachten. Ist man im
-Zweifel, wie stark der Strom bei einem Versuche wird, so muß man einen
-Rheostaten und ein Ampermeter mit einschalten, wie es in Fig. 25
-angedeutet ist. In dieser soll _A_ den Apparat darstellen, dem Strom
-zugeführt wird, _Amp._ ein Ampermeter, _W_ einen veränderlichen
-Widerstand, _B_ die Batterie, _Voltm._ ein Voltmeter.
-
-Die Frage, woran man erkennt, ob ein Akkumulator entladen ist, hat große
-praktische Bedeutung (man vergleiche die Bemerkungen auf S. 102 und die
-Darlegungen über die Erholung). Weiß man nicht bestimmt, ob man einer
-Zelle noch Strom entnehmen darf, so verbindet man die Klemmen mit einem
-Voltmeter und läßt das Element den der dreistündigen Entladung
-entsprechenden Strom abgeben. Ist die Zelle erschöpft, so sinkt die
-Klemmenspannung in kurzer Zeit auf 1,8 Volt. -- Dauert ein Versuch
-längere Zeit, so sollte stets ein Voltmeter mit den Klemmen des
-Elementes bezw. der Batterie verbunden sein (Schaltung s. Fig. 25).
-
-[Illustration: Fig. 25.]
-
- Um zu prüfen, wie groß noch ungefähr die Elektrizitätsmenge ist, die
- man entnehmen darf, kann man das Aräometer benutzen. Kennt man die
- Säuredichte der Zelle in geladenem und entladenem Zustande, so kann
- man aus dem augenblicklichen spezifischen Gewichte einen Schluß über
- den Energieinhalt ziehen. Weiß man z. B., daß die Säuredichte des
- vollgeladenen Elementes 1,20 und diejenige der entladenen Zelle 1,16
- ist, und findet man, daß das spezifische Gewicht den Wert 1,17 hat, so
- enthält der Akkumulator noch ungefähr ¾ seiner Elektrizitätsmenge.
-
-Elemente, die sehr selten oder nie ganz entladen werden, gehen in ihrer
-Kapazität zurück. Soll dies vermieden werden, so müssen die Zellen von
-Zeit zu Zeit, etwa alle 4-5 Wochen einmal, mit möglichst der
-garantierten Kapazität beansprucht werden. Diese Vorschrift ist
-besonders für solche von Wichtigkeit, die Anlagen in Schulen etc. zu
-beaufsichtigen haben.
-
-~Sulfatieren~, ~Krümmen~. Bei Batterien macht sich stärkere
-~Sulfatierung~ in einer oder mehreren Zellen in der Weise bemerkbar, daß
-bei der gewöhnlichen anfänglichen Ladespannung nur ein schwacher Strom
-zustande kommt. Um die schadhafte Zelle herauszufinden, mißt man die
-Spannung der Elemente einzeln mittels eines Voltmeters für geringe
-Spannungen (Taschenvoltmeter bis 3 Volt); in stromlosem Zustande ist die
-Klemmenspannung der betreffenden Zelle sehr klein. Bei der Ladung kann
-in der kranken Zelle Gasentwicklung erfolgen, ohne daß ein chemischer
-Umsatz an den Platten erfolgt.
-
-Bedeckt das kristallinische Bleisulfat noch nicht die ganze Oberfläche,
-oder ist es nur in sehr dünner zusammenhängender Schicht vorhanden, so
-gelingt es meistens, die Zelle unter Anwendung einer höheren Spannung
-(3-4 Volt) aufzuladen. (Im Laboratorium benutzt man am besten die
-Thermosäule; bei größeren Batterien kann man den Ladestrom den
-Schaltzellen entnehmen.) Während der Ladung schalte man ab und zu (etwa
-nach je 10 Minuten) eine Ruhepause (5-10 Minuten) ein (S. 114). Nach der
-ersten Ladung hat das Element noch nicht seine volle Kapazität. Man
-behandelt daher die Zelle in der früher angegebenen Weise.
-
-Die Sulfatierung ist in der Regel mit einem ~Krümmen~ der Platten
-verbunden. Findet man, daß eine Platte die Neigung zum Werfen hat, so
-schiebt man zwischen sie und die benachbarte Platte Glasstäbe, so daß
-eine weitere Verringerung des Plattenabstandes nicht erfolgen kann, oder
-man drückt die Platte durch breite flache Hölzer, deren Dicke gleich
-dem Plattenabstand ist, gerade. Gelingt dies nicht, so ist die Platte
-durch eine neue zu ersetzen. Die Kölner Akkumulatoren-Werke schreiben
-vor, daß in Zellen, die dauernd zu arbeiten haben, Platten aus der
-letzten Schaltzelle kommen, also Platten, die gut durchgearbeitet sind,
-während die neuen Platten in die Schaltzellen eingesetzt werden.
-
-Damit man beginnende Krümmung oder andere Fehler entdeckt, muß man von
-Zeit zu Zeit eine Revision sämtlicher Zellen vornehmen. Man bedient sich
-hierbei, besonders wenn es sich um große Zellen oder um Elemente in
-Holzkästen handelt, einer ~Ableuchtlampe~, d. h. einer elektrischen
-Lampe mit Schutzkorb, Schutzglas, einer Schlauchleitung und einem
-Stöpsel für Wandkontakt[112].
-
-~Automobilzellen~ sind von Zeit zu Zeit, unter normalen Verhältnissen
-alle drei Monate, zu ~reinigen~. Die Plattensätze werden zu dem Zwecke,
-nachdem die Batterie entladen ist, zusammen mit dem Deckel vorsichtig
-aus den Kasten herausgehoben, durch mehrmaliges Heben und Senken in
-destilliertem Wasser abgespült; die Kasten werden entleert und
-gereinigt, dann werden die Plattensätze wieder eingeschoben und Säure
-vom spez. Gew. 1,16-1,17 zugesetzt. Nach jeder Reinigung muß eine
-gründliche Aufladung mit etwa dem halben normalen Ladestrom erfolgen.
-
-Im Übrigen sei bemerkt, daß die Firmen genaue Vorschriften über die
-Behandlung der von ihnen gelieferten Batterien geben und daß sie gegen
-eine jährliche Prämie die Überwachung und Instandhaltung der Batterien
-übernehmen (~Akkumulatorenversicherung~).
-
-~Die Lebensdauer~ des ~Akkumulators~ hängt in hohem Maße von der Art der
-Behandlung ab. Über diese können allgemein gültige Angaben kaum gemacht
-werden. Dünne Platten, wie sie für Traktionszwecke benutzt werden, die
-mit relativ hoher Stromdichte beansprucht werden, müssen nach 100 bis
-200 Entladungen ausgewechselt werden. Planté-Platten haben eine andere
-Widerstandsfähigkeit als Faure-Platten. Auch spielt die Art der
-Formation eine wichtige Rolle; eine zu stark beschleunigte Formierung
-scheint die Lebensdauer ungünstig zu beeinflussen.
-
-Werden bei der Formation dem Elektrolyten Chemikalien zugesetzt, die
-Blei chemisch angreifen, so kann es leicht vorkommen, daß in den Platten
-geringe Mengen dieser Substanzen zurückbleiben und in die
-Akkumulatorensäure gelangen. Das Blei des Trägers wird im Laufe der Zeit
-„angefressen‟, so daß die mechanische Festigkeit immer kleiner wird.
-
-Die Lebensdauer der positiven Platten ist durch die Zeit gegeben, bis zu
-welcher das Blei der Rippen und des Kerns durch Umwandlung in Superoxyd
-aufgebraucht wird (s. Lokalaktion, S. 110); die mechanische Festigkeit
-der Platten wird geringer und ihr Widerstand größer. Daraus ergibt sich,
-daß die Menge des festen Bleies in hohem Grade maßgebend ist für die
-Lebensdauer der positiven Platten.
-
-Bei älteren negativen Platten geht der Bleischwamm langsam in festes,
-dichtes Blei über, er schrumpft unter beträchtlicher Volumänderung
-zusammen; es bilden sich Risse, und der Zusammenhang zwischen der
-Unterlage und der aktiven Masse wird gelockert. Man nennt diese
-Erscheinung ~Schrumpfen~, ~Sintern~, ~Verbleiung~. Sie ist natürlich mit
-einer Kapazitätsabnahme verbunden, da die Säure nicht mehr in das Innere
-eindringen kann. Durch Zusatz gewisser indifferenter Substanzen (z. B.
-Koks, Bimsstein) in fein verteiltem Zustande zu dem Breie, den man in
-die Gitter schmiert, soll das Sintern verhindert bezw. verlangsamt
-werden (s. S. 136).
-
-Durch zu starke Beanspruchung der negativen Platten wird das Schrumpfen
-beschleunigt. Daher dürfte ein weiteres Mittel, dem Verbleien
-vorzubeugen, darin bestehen, die Kapazität der Bleischwammplatten von
-vornherein größer zu wählen als die der positiven Elektroden.
-
-Vor allem muß sich jeder, der Akkumulatoren benutzen will, mit den
-Vorgängen im Akkumulator und mit seinen Eigentümlichkeiten genau bekannt
-machen und sich von vornherein daran gewöhnen, mit der nötigen Vorsicht
-zu Werke zu gehen.
-
- [107] Siehe Zentralblatt für Akkumulatorentechnik 1907, S. 30 oder E.
- T. Z. 1907, S. 611.
-
- [108] Das betr. Glas ist mit destilliertem Wasser gut auszuspülen.
-
- [109] Das destillierte Wasser ist auf Chlor zu untersuchen, s. S. 139.
-
- [110] Alle Zellen mit Ausnahme der Schaltzellen müssen zu gleicher
- Zeit und gleichmäßig zur Gasentwicklung gelangen.
-
- [111] Ist ein Doppelzellenschalter vorhanden, so können
- zurückgebliebene Schaltzellen in der Weise nachgeladen werden, daß man
- sie zwischen Lade- und Entladehebel nimmt. Durch diese Zellen geht
- dann der ganze von der Dynamo abgegebene Strom, der natürlich den
- maximalen Ladestrom nicht überschreiten darf. Bei anderen Zellen
- wendet man die Überbrückungsmethode an (s. S. 142).
-
- [112] Zum ~Reinigen der Akkumulatoren~ kann man einen Apparat
- benutzen, der zum Absaugen des Schlammes dient. Er besteht aus einer
- Luftpumpe und Vakuumkessel, an dem ein Schlauch mit passendem
- Bleimundstück angeschlossen ist Man zieht zuerst die Säure ab, saugt
- dann den Schlamm ab und füllt wieder ein. Das Herausnehmen der Platten
- ist also überflüssig.
-
-
-
-
-Achtes Kapitel.
-
-Der alkalische Akkumulator.
-
-
-An den Bleiakkumulatoren wird als ein Nachteil getadelt, daß sie ein im
-Vergleich zu ihrer Leistung großes Gewicht haben. Dieses ist in erster
-Linie bedingt durch das hohe spezifische Gewicht und das große
-elektrochemische Äquivalent des Bleies. Auch der Umstand, daß Blei ein
-weiches Metall ist, wäre hier zu erwähnen. Der Träger der aktiven Masse
-muß nämlich aus Blei bestehen, die Platten müssen, damit sie genügend
-fest sind, eine ziemlich große Dicke haben. Endlich ist der
-Bleiakkumulator auch deshalb ein schwerer Akkumulator, weil der
-Elektrolyt in verhältnismäßig großer Menge vorhanden sein muß. Denn die
-Säure ist an dem chemischen Umsatze beteiligt, so daß man gezwungen ist,
-pro Amperstunde eine gewisse Säuremenge zu verwenden. Wird die Säure
-knapp bemessen, so sinkt ihre Dichte während der Entladung stark; dies
-hat zur Folge, daß der innere Widerstand größer und die
-elektromotorische Kraft kleiner wird. Nimmt man wenig, aber ziemlich
-stark konzentrierte Säure, so wird die Sulfatierung begünstigt und die
-Lebensdauer verringert. Das Gewicht der Säure beträgt bei stationären
-Akkumulatoren etwa 20% des Gesamtgewichtes. Was das Gewicht der Platten
-anbelangt, so kann man durch Verringerung der Dicke das Verhältnis
-zwischen Leistung und Gewicht wesentlich verbessern. Eine derartige
-Steigerung der Leistung pro Kilogramm Zellengewicht wird aber nur auf
-Kosten der Lebensdauer erkauft. Nach E. ~Sieg~[113] haben Zellen der
-Kölner Akkumulatorenwerke für Traktionszwecke (Automobile), die ca. 30
-Wattstunden pro Kilogramm geben, als mittlere Lebensdauer nur ca. 100
-Entladungen.
-
-Es gibt nun zwei Möglichkeiten, einen leichteren Akkumulator zu
-konstruieren, nämlich erstens Metalle zu verwenden, deren spezifisches
-Gewicht und elektrochemisches Äquivalent kleiner ist als bei Blei[114],
-zweitens das Elektrodenmaterial und den Elektrolyten so zu wählen, daß
-der Elektrolyt bei Stromzufuhr und Stromentnahme seine Konzentration
-nicht ändert.
-
-Nach beiden Richtungen hin sind von zahlreichen Erfindern schon seit
-mehr als 20 Jahren Versuche angestellt worden.
-
- Verdünnte Schwefelsäure hat folgende wertvolle Eigenschaften: 1. sie
- leitet den elektrischen Strom sehr gut (natürlich im Vergleich zu
- anderen Elektrolyten), 2. sie verändert sich an der Luft nicht, 3. sie
- bleibt in dem Gefäße, in dem sie sich befindet, sie kriecht nicht, wie
- es viele andere Lösungen tun, an den Wänden langsam empor. Will man an
- der Verwendung der verdünnten Schwefelsäure für einen Sammler
- festhalten, so hat man unter den Metallen keine große Wahl, da sich
- die meisten bezw. ihre Oxyde in diesem Elektrolyten lösen.
-
-Beachtung verdient hier vor allem das ~Kupferoxyd-Zink~-Element
-(Lalande, Edison, Wedekind), das als Vorläufer des Edison-Akkumulators
-bezeichnet werden kann. Als Elektrolyt dient Natron- oder Kalilauge. Das
-Kupferoxyd verliert während der Entladung seinen Sauerstoff, das Zink
-geht als Zinkhydroxyd in Lösung. Das entstandene poröse und schwammige
-Kupfer nimmt an der Luft, besonders wenn es erhitzt wird, Sauerstoff
-auf.
-
-Wir wenden uns jetzt zu dem Hauptgegenstande dieses Kapitels, nämlich zu
-dem ~Edison-Akkumulator~. ~Darrieus~[115] beschäftigte sich vor etwa 18
-Jahren schon mit der Herstellung eines Akkumulators, bei dem an Stelle
-des schweren Bleies andere Metalle und als Elektrolyt Kali- oder
-Natronlauge benutzt werden sollten. Unter den Metallen, die er aufzählt,
-befinden sich auch Eisen, Nickel, Kadmium. Im Jahre 1899 wurde dem
-Schweden ~Jungner~ ein Patent erteilt, das sich auf einen alkalischen
-Akkumulator mit Silber- und Kupferelektroden bezieht. Die Versuche
-erstreckten sich aber auch auf Eisen, Nickel und Kadmium. Es sind etwas
-mehr als 8 Jahre her, als Dr. Kenelly die Aufmerksamkeit der ganzen Welt
-auf eine neue Erfindung Edisons lenkte, nämlich auf ein Element, das
-nach den Nachrichten, die zu uns gelangten, berufen zu sein schien, dem
-biederen Bleiakkumulator den Todesstoß zu versetzen. Die ersten Zellen,
-die D-Zellen, kamen i. J. 1903 nach Europa. Aber sie wurden schon nach
-kurzer Zeit vom Markte zurückgezogen. Später wurde die Fabrikation der
-H-Zellen in großem Maßstabe aufgenommen, auch in Berlin (Deutsche
-Edison-Akkumulatoren-Company). Diese wird im Folgenden ausführlich
-besprochen werden.
-
-Edison hatte sich die Aufgabe gestellt, einen Akkumulator herzustellen,
-der nicht nur pro Wattstunde ein geringeres Gewicht als der
-Bleiakkumulator haben sollte, sondern auch gegen schlechte Behandlung
-unempfindlich sein sollte. Inwiefern es Edison gelungen ist, dieses
-Ziel zu erreichen, werden wir später sehen.
-
-~Vorgänge in der Edison-Zelle.~ Die wirksame Masse der positiven
-Elektrode besteht aus Nickelhydroxyd, Ni(OH)₂, dem etwa 20% eines
-flockigen Graphits zugesetzt werden. Der Graphitzusatz bewirkt nicht nur
-eine Verbesserung der Leitfähigkeit der aktiven Masse, sondern er
-verhindert auch ein Aufschwemmen der Masse bei der Ladung; in erster
-Linie aber soll seine Bedeutung darin liegen, daß er trotz der starken
-Pressung der Masse (s. unten) eine gewisse Porosität gewährleistet. Als
-negatives Elektrodenmaterial wird Eisenhydroxyd verwendet, dem ca. 10%
-Quecksilberoxyd beigemischt werden. Letzteres dient dazu, die
-Leitfähigkeit der Masse zu verbessern, und soll dazu beitragen, die
-Zelle gegen starke Stromstöße unempfindlich zu machen. Welche Vorgänge
-sich in der Zelle bei Stromdurchgang abspielen, steht noch nicht mit
-Sicherheit fest. Nach ~Elbs~[116] wird das Eisenhydroxyd durch
-Wasserstoff zu Eisen reduziert, während Nickelhydroxyd durch OH
-(hervorgegangen aus OH-Ionen) auf eine höhere Oxydationsstufe gebracht
-wird. Die Vorgänge, die sich bei der Ladung und Entladung abspielen,
-kann man durch die Gleichung darstellen:
-
-Fe(OH)₂ + 2Ni(OH)₂ ⇄ Fe + 2Ni(OH)₃.
-
-Der Effekt ist also ein solcher, als ob bei der Ladung zwei OH von der
-negativen zur positiven Elektrode wanderten, und umgekehrt bei der
-Entladung. Elbs fand auch, daß die elektromotorische Kraft von der
-Konzentration der Lauge abhängig ist. Nach der obigen Reaktionsgleichung
-ist die Kalilauge (21%) an dem chemischen Umsatze nicht beteiligt.
-~Förster~[117] wies aber nach, daß die Kalilauge nach der Entladung
-weniger Wasser enthält als am Ende der Ladung. Es scheint demnach, als
-ob die vorige Gleichung die Vorgänge nicht genau wiedergäbe. (Möglich
-wäre es allerdings, daß Wasserstoff und Sauerstoff von dem
-Elektrodenmaterial absorbiert werden.)
-
-J. ~Zedner~ hat unter Leitung von Prof. ~Dolezalek~[118] Untersuchungen
-über den ~Eisen-Nickel-Akkumulator~ angestellt. Er fand, daß die
-positive Elektrode im geladenen Zustande Ni(OH)₃, im entladenen Zustande
-Ni(OH)₂.2H₂O enthält. Während der Entladung wird also dem Elektrolyten
-Wasser entzogen. Dem entsprechend müßte die elektromot. Kraft von der
-Konzentration der Lauge abhängig sein, was auch in der Tat der Fall ist.
-Die Entladung erfolgt in zwei Stufen; zuerst wird das Nickelhydroxyd in
-Hydroxydul umgewandelt; die zweite Stufe beruht auf der Verbindung des
-Sauerstoffs mit Wasserstoff, der während des Ladens von der wirksamen
-Masse und zwar zumeist von dem ihr beigemischten Graphit eingeschlossen
-wurde.
-
-~Roloff~[119] ist der Ansicht, daß außer der von Elbs angegebenen
-Reaktion noch eine andere stattfindet, wie der stufenweise erfolgende
-Abfall des Potentials der Eisenelektrode beweise. Das Ni(OH)₂, das auf
-den entladenen Platten ist, hat keine grüne Farbe. Er fand, daß Ni(OH)₂
-schwarz wird, wenn es Wasser addiert, z. B. ist das Hydrat Ni(OH)₂.2H₂O
-schwarz.
-
-Nach der Reaktionsgleichung kommen auf 1 Atom Eisen, das oxydiert wird,
-2 Atome Nickel, die an dem Umsatze beteiligt sind; dem entsprechend ist
-bei Edison die Zahl der Nickelektroden eine doppelt so große wie
-diejenige der Eisenelektroden.
-
-Da die Kalilauge an dem Umsatze nicht beteiligt ist, so kann der Abstand
-zwischen den Elektroden sehr klein gemacht werden. Dies ist auch aus dem
-Grunde von Wert, weil die Anzahl der Platten, um eine bestimmte
-Kapazität zu erreichen, eine große sein muß. Die Nickel- und Eisenmasse
-nämlich leiten den Strom sehr schlecht, wahrscheinlich ist auch ihre
-Porosität wegen des hohen Druckes, dem sie bei der Fabrikation
-ausgesetzt werden, eine sehr geringe; der chemische Umsatz ist aber,
-obschon der Elektrolyt nicht an ihm beteiligt ist, nur dort möglich, wo
-die aktive Masse mit der Lauge in Berührung ist. Die Umwandlungen
-erfolgen daher nur in einer außerordentlich dünnen Oberflächenschicht.
-Man muß also eine verhältnismäßig große Anzahl von Platten benutzen, um
-eine gewünschte Kapazität zu erhalten. Die Ersparnis an Elektrolyt, die
-man durch das nahe Zusammenrücken der Platten erzielt, wird, wie man
-leicht einsieht, dadurch wieder z. T. illusorisch, daß man die Anzahl
-der Platten vergrößern muß.
-
-~Konstruktion der Edison-Zelle.~ Die positive aktive Masse gewinnt
-Edison dadurch, daß er aus einer Nickelnitratlösung durch
-Magnesiumhydroxyd das grüne Nickelhydroxydul, Ni(OH)₂ fällt; dieses wird
-durch Chlor zu Nickelhydroxyd Ni₂(OH)₆ oxydiert. Die negative Masse wird
-aus Eisenoxyd hergestellt, über dieses wird bei etwa 250° lange Zeit
-trockener Wasserstoff geleitet, das Fe₂O₃ wird in Fe₃O₄ umgewandelt.
-
-[Illustration: Fig. 26.]
-
-Die Konstruktion der positiven und negativen Elektroden stimmt,
-wenigstens bei der H-Type, überein. Das aktive Material, dem Graphit
-bezw. Quecksilberoxyd (s. oben) zugesetzt wird, wird von kleinen Taschen
-(77 mm × 13 mm) aufgenommen, die aus dünnem, vernickeltem Eisenblech
-hergestellt werden[120]. Dieses ist perforiert, damit der Elektrolyt
-Zutritt hat; auf 1 cm² kommen fast 300 Löcher. Eine größere Anzahl
-dieser Taschen wird in ein Gitter aus vernickeltem Stahlblech eingesetzt
-(s. Fig. 26). Die Platte wird dann sehr stark gepreßt, so daß die
-Taschen fest und mit gutem Kontakte in dem Rahmen sitzen. In einer
-zweiten Presse werden die Taschenwände in der Querrichtung gewellt. Die
-Platten haben oben einen mit einer runden Öffnung versehenen Ansatz.
-Durch diese wird beim Einbau ein Eisenbolzen geschoben; zwischen je 2
-Platten wird eine Eisenscheibe gelegt, um den richtigen Abstand zu
-erhalten und zu sichern. Platten und Scheiben werden durch Schrauben an
-den Enden der Bolzen gegeneinander gedrückt. Der Bolzen trägt einen
-vertikalen Eisenstab, den Polbolzen (s. Fig. 27). Wie schon bemerkt,
-enthält die Zelle doppelt so viele Nickelelektroden wie Eisenelektroden,
-die Reihenfolge ist also: Nickel, Eisen, Nickel; Nickel, Eisen, Nickel
-usw. Zur Isolierung der Platten verschiedenen Potentials gegeneinander
-dienen Hartgummistäbe.
-
-[Illustration: Fig. 27.]
-
-Der Plattensatz kommt in eine vierkantige Kanne aus vernickeltem
-Eisenblech, das, um seine Festigkeit zu erhöhen, gewellt ist (s. Fig.
-27); er ist gegen den Boden der Kanne durch Hartgummiprismen isoliert
-und gegen die Seitenwände durch dünne Hartgummiformstücke. Die Zelle
-wird durch einen Deckel verschlossen, durch den die beiden Polbolzen
-hindurchgehen, die durch übergeschobene Hartgummibüchsen und
-Weichgummiringe gegen den Deckel isoliert sind. Der Deckel ist mit einer
-Füllöffnung und einem Ventil versehen, durch das die bei der Ladung in
-großer Menge sich bildenden Gase entweichen; es ist so eingerichtet, daß
-die mitgerissenen Teilchen des Elektrolyten zurückgehalten werden.
-
-Der Elektrolyt soll stets ca. 12 mm über Oberkante der Platten stehen.
-Den richtigen Stand der Kalilauge konstatiert man mit Hilfe eines
-Glasrohres mit kleiner Ausflußöffnung, das man wie eine Pipette benutzt.
-Sinkt der Stand der Flüssigkeit unter das vorgeschriebene Maß, so ist
-destilliertes Wasser nachzufüllen.
-
-[Illustration: Fig. 28.]
-
-Vor einiger Zeit hat Edison die Nickelelektrode wieder anders gestaltet.
-Die Taschen haben eine runde Form erhalten (s. Fig. 28). Sie sind aus
-spiralig gewundenem, fein gelochtem Stahlband gefertigt und werden mit
-Hilfe von Stahlringen außerordentlich verstärkt. Das Nickelhydroxyd
-wird nicht mehr mit Graphit sondern mit Nickelflocken vermischt, auch
-soll etwas Wismutoxyd beigemengt werden. Der Kaliumlösung wird eine
-geringe Menge von Lithium zugesetzt. Die Gasentwickelung soll bei der
-neuen Type (Type A) geringer[121] und die Leistung bei gleichem Gewichte
-etwa 25% höher[122] sein als bei der H-Type.
-
-Die ~Edison-Zelle im Betriebe~. Die elektromotorische Kraft der
-geladenen Zelle beträgt etwa 1,5 Volt. Wird sie mit der normalen
-Stromdichte, d. h. derjenigen, die der 3¾-stündigen ~Entladung~
-entspricht, beansprucht, so beträgt, wie man aus der Fig. 29 ersieht,
-die anfängliche Klemmenspannung etwas weniger als 1,4 Volt, gegen Ende
-der Entladung etwa 1,15 Volt. Im Mittel beläuft sich die Nutzspannung
-auf 1,23 Volt. Sie ist noch geringer, wenn mit stärkerem Strome entladen
-wird.
-
-[Illustration: Fig. 29.]
-
-Die Stromstärke bei der normalen ~Ladung~, die auch rund 3¾ Stunde
-dauert, ist größer als die Entladestromstärke; z. B. wird die Type H₂₇
-mit 45 Amp. entladen und mit 65 Amp. geladen. Wie die Klemmenspannung
-verläuft, ist aus der Fig. 29 zu ersehen. Nach etwa 3⅓ Stunden hat also
-die Spannung den Wert 1,8 Volt; man soll dann noch 30-40 Minuten weiter
-laden. Da die Zelle schon kurz nach Beginn der Ladung gast (daher der
-niedrige Wirkungsgrad) und die Konzentration des Elektrolyten nur sehr
-wenig schwankt, so ist es, wenn man ein Voltmeter nicht benutzt, nicht
-möglich, anzugeben, wann das Ende der Ladung nahe ist. Am besten lädt
-man dann mit vorgeschriebener Stromstärke und hört nach 3¾ Stunden auf;
-allerdings vergeudet man, wenn die Batterie nicht erschöpft war, unter
-Umständen viel Energie. --
-
-Vor Beginn der Ladung soll man sich von dem Stande des Elektrolyten
-überzeugen und ev. nachfüllen. Ein Zusatz von Wasser ist nach jeder
-zweiten oder dritten Ladung nötig. Die Konzentration der Lauge nimmt
-langsam ab, da durch die Gase trotz des Ventils kleine Partikelchen des
-Elektrolyten mitgerissen werden; nach ca. 300 Entladungen soll der
-Elektrolyt erneuert werden. Die mitgerissenen Laugeteilchen sammeln sich
-auf dem Deckel und „bilden im Laufe der Zeit einen weißlichen,
-kristallinischen Niederschlag, der durch gelegentliches Reinigen mit
-einem Tuch oder Pinsel entfernt wird‟ (~Kammerhoff~ l. c. S. 43).
-
-~Wirkungsgrad~ und ~Nutzeffekt~, die wie beim Bleiakkumulator von der
-Stromstärke und der zwischen Ladung und Entladung liegenden Zeit
-abhängig sind, haben ziemlich niedrige Werte; sie werden bei 3¾stdg.
-Ladung und Entladung zu 72% und 52% angegeben. Die ~Kapazität~ ist viel
-weniger von der Entladezeit abhängig als beim Bleiakkumulator. Sie
-nimmt übrigens im Laufe der Zeit ab; diese Abnahme ist abhängig von der
-Beanspruchung; nach etwa 600 Entladungen mit stark schwankendem
-Stromverbrauch, wie er beim Elektromobilbetrieb vorkommt, ist die
-Kapazität um etwa 15% gesunken.
-
-~Vergleich zwischen Blei- und Edison-Akkumulator.~ Die Endspannung
-bei dem Edison-Akkumulator sei 1,15 Volt, beim Bleiakkumulator ist
-sie 1,8 Volt. Für eine 110 Volt-Anlage sind also 110:1,15 = 96
-Eisen-Nickel-Zellen, dagegen nur 110:1,8 = 61 Bleiakkumulatoren
-erforderlich. Weiterhin folgt, daß die Anzahl der mit dem Zellenschalter
-zu verbindenden Elemente bei Verwendung von Edison-Zellen bedeutend
-größer ist als bei Benutzung von Bleiakkumulatoren. Was die Überwachnung
-und Wartung anbelangt, so sind diese, soweit es sich um stationäre
-Anlagen handelt, für Bleiakkumulatoren einfacher als für
-Edison-Zellen[123], besonders wenn erstere in Glasgefäße eingebaut sind.
-Andererseits hat aber die Edison-Zelle manche Vorzüge vor ihrem älteren
-Rivalen voraus; vor allem ist sie gegen Überanstrengung, sei es daß
-diese in zu weitgetriebener Entladung, z. B. bis zu 0,5 Volt Spannung,
-oder in Entnahme anormal starken Stromes besteht, fast ganz
-unempfindlich; ferner kann die Zelle im entladenen Zustande lange
-stehen, ohne daß sie Schaden leidet, und daher ist das oft höchst
-lästige Nachladen, das bei Bleiakkumulatoren erfolgen muß, wenn die
-Batterie längere Zeit nicht benutzt wird, überflüssig; endlich sind zu
-erwähnen die große mechanische Festigkeit, verbunden mit der
-Widerstandsfähigkeit gegen Stöße, und der feste Halt der wirksamen
-Masse.
-
-Diese Eigenschaften sind in manchen Fällen so wertvoll, daß man die
-Mängel gern mit in den Kauf nimmt. Das Hauptgebiet, das sich der
-Edison-Akkumulator zu erobern gedenkt, ist das Elektromobil. Hier
-spielen das Gewicht pro Einheit der Leistung und die Raumbeanspruchung
-eine maßgebende Rolle. Wir wollen zusehen, welcher von den beiden
-Akkumulatoren in dieser Hinsicht den Vorzug verdient. Dem schon mehrmals
-erwähnten Buche von ~Kammerhoff~ entnehme ich, daß die Type H₂₇, d. h.
-die H-Type mit 27 normalen Platten, für jedes Kilogramm Totalgewicht 24
-Wattstunden leistet[124]; unter Totalgewicht ist das Gewicht der
-kompletten Zelle inkl. Holzträger zu verstehen. Der Berechnung liegt
-3¾stündige Entladung zugrunde. In einem Vortrage von ~Roloff~ findet man
-die Angaben, daß man erhält
-
- bei einem stationären Bleiakkumulator pro 1 kg Gew. 8 W-Std.,
- „ „ transportablen[125] „ „ „ „ 32,5 „ ,
-
-5stündige Entladung vorausgesetzt. Will man unparteiisch urteilen, so
-muß man bei dem transportablen Bleiakkumulator auch 3¾stünd. Entladung
-annehmen. Die dieser Zeit entsprechende Kapazität kann zu 5-6% geringer
-angenommen werden als die bei 5stündiger Entladung; auch ist zu
-berücksichtigen, daß die mittlere Klemmenspannung etwas kleiner ist. Auf
-keinen Fall aber bedeutet der Edison-Akkumulator, wenn es sich um
-transportable Zellen handelt, die in 3-4 Stunden entladen werden sollen,
-einen Fortschritt hinsichtlich einer Gewichtsverringerung[126].
-
- ~Peters~[127] gelangt zu der Ansicht, daß der Edison-Akkumulator in
- keiner Hinsicht mit dem Bleiakkumulator konkurrieren könne.
- ~Graefenberg~ findet, daß der Edison-Akkumulator 16-18 Wattstunden pro
- 1 kg Gesamtgewicht leiste.
-
-Die Zahlen ändern sich aber zugunsten der Edison-Zelle, wenn es sich um
-schnelle Entladungen handelt, indem nämlich die Kapazität der Bleizelle
-in viel höherem Maße von der Entladedauer abhängig ist als diejenige der
-Edison-Zelle. Auch spricht die Lebensdauer ein wichtiges Wort mit, und
-diese dürfte bei Bleiakkumulatoren, die 25-30 Wattstunden pro 1 kg
-Gewicht leisten, keine besonders große sein; wie es in dieser Hinsicht
-mit den Edison-Zellen bestellt ist, darüber fehlen noch unparteiische
-Angaben.
-
-Was die Raumbeanspruchung anbelangt, so hat der Bleiakkumulator von
-vornherein einen Vorsprung, weil er eine viel höhere mittlere Spannung
-hat als die Edison-Zellen (Verringerung der Zellenzahl). ~Kammerhoff~
-berechnet, daß die Type H₂₇ bedarf
-
- bei 3¾stdg. Entladung pro 1 Kilowattstd. 31,17 l,
- „ 1¼ „ „ „ 1 „ 35,07 l;
-
-angenommen ist, daß je 6 Zellen in einen Holzkasten eingebaut sind. Für
-eine Bleizelle, die für Elektromobilbetrieb bestimmt ist, wird
-angegeben, daß ohne Holzkasten erforderlich sind
-
- bei 5stdg. Entladung pro 1 Kilowattstd. 13,08 l,
- „ 1 „ „ „ 1 „ 25,46 l.
-
-Nach ~Roloff~ sind für transportable Bleizellen 12 l pro Kilowattstunde
-und für die Edison-Zelle 19 l erforderlich. Auch hier fragt es sich, ob
-die Raumverringerung nicht auf Kosten der Lebensdauer erkauft ist.
-
- Die Angaben, die man über die Lebensdauer der für Elektromobilbetrieb
- bestimmten Batterien findet, widersprechen sich. Während ~Joly~ in dem
- (a. S. 160) zitierten Aufsatze behauptet, daß der Bleiakkumulator
- 3000-3500 Meilen leiste, die Edison-Zelle aber nur 2500 Meilen,
- berechnet ~Kammerhoff~ (l. c. S. 152), daß die Lebensdauer des
- Bleiakkumulators im günstigsten Falle 9750 Wagenkilometern und
- diejenige einer um etwa 30% leistungsfähigeren Edison-Batterie 54000
- Wagenkilometern entspreche. Natürlich sind auch die Preise für die
- Batterien in Rechnung zu setzen. Übernimmt die Fabrik gegen Zahlung
- einer gewissen Summe, sei es pro Jahr oder sei es pro Wagenkilometer,
- die volle Unterhaltung (inkl. Erneuerung der Platten), so spielt die
- Lebensdauer für den Besitzer des Wagens keine Rolle, und es treten
- dann die früher erörterten Faktoren um so mehr in den Vordergrund.
-
-Ein definitives Urteil über den Wert des Eisen-Nickel-Akkumulators kann
-noch nicht gefällt werden; man muß berücksichtigen, daß er erst einige
-Jahre alt ist, während der Bleiakkumulator auf eine etwa 25jährige
-Vergangenheit zurückblicken kann, während deren an seiner
-Vervollkommnung Tausende von Theoretikern und Praktikern gearbeitet
-haben. Einstweilen kann der Edison-Akkumulator nur in einigen
-beschränkten Anwendungsgebieten mit dem Bleiakkumulator erfolgreich
-konkurrieren.
-
-Der ~Zink-Nickel-Sammler~ ist einstweilen nur von theoretischem
-Interesse und soll nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Analog
-wie die Nickelplatten des Edison-Akkumulators lassen sich Masseplatten
-aus Zink herstellen. Der Masse wird Graphit und Pottasche zugesetzt,
-ersterer verhindert, daß der bei der Ladung sich bildende Zinkschwamm
-zusammensintert, die Pottasche löst sich, und es bilden sich Hohlräume,
-die beim Quellen der Masse Platz gewähren.
-
- [113] E. T. Z. 1905 S. 301.
-
- [114] Letzteres ist für zweiwertiges Blei 103,2, für zweiwertiges
- Nickel nur 29,3.
-
- [115] S.: A. ~Kammerhoff~. Der Edisonakkumulator. Berlin, 1910.
-
- [116] E. T. Z. 1905, S. 756.
-
- [117] Zeitschr. für Elektrochemie 1908, Nr. 21.
-
- [118] Zeitschr. für Elektrochemie 1906, S. 463 oder E. T. Z. 1906, S.
- 999.
-
- [119] E. T. Z. 1905, S. 756.
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- [120] Aus der aktiven Masse werden kleine Briketts von etwa 1 mm Dicke
- hergestellt.
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- [121] Siehe Elektrische Kraftbetriebe und Bahnen, 1910, Nr. 23
- (Kammerhoff) oder E. T. Z. 1910, S. 404.
-
- [122] Siehe The Electrical Times, 1910 (17. Nov.).
-
- [123] Man vergleiche die Vorschriften über Ladung, Entladung usw.
-
- [124] Für die neueste Type werden 30 Wattstunden pro 1 kg Totalgewicht
- angegeben. Siehe E. T. Z. 1910, S. 404.
-
- [125] Ohne Holzkasten oder dgl.
-
- [126] Über die neueste Type (s. S. 159) liegt noch zu wenig
- Beobachtungsmaterial vor.
-
- [127] E. T. Z. 1908, S. 1232.
-
- [128] Zentralblatt für Akkum. u. Galvanotechnik 1908, S. 49.
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-Neuntes Kapitel.
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-Die Verwendung der Akkumulatoren.
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-Die Verwendung der Akkumulatoren ist eine so vielseitige, daß es ganz
-ausgeschlossen ist, sie in diesem kleinen Werkchen auch nur einigermaßen
-erschöpfend zu behandeln.
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-1. Am wichtigsten ist die ~Verwendung~ der Akkumulatoren ~in
-elektrischen Anlagen~. Wir beschränken uns hier auf den einfachsten
-Fall, nämlich auf die ~Zweileiteranlage~, bei der die Batterie parallel
-zur Dynamo geschaltet wird. Machen wir uns zunächst klar, welchen
-~Nutzen~ die Verwendung ~der Akkumulatoren~ gewährt. Eine Lampe brennt
-nur dann ruhig, wenn die Potentialdifferenz zwischen den
-Zuleitungsdrähten konstant ist. Bei reinem Maschinenbetrieb ist es aber
-ganz unmöglich, in einer Anlage mit stark schwankendem Konsum die
-Klemmenspannung der Dynamo konstant zu halten[129]. Ist nun eine
-Akkumulatorenbatterie parallel zur Dynamo geschaltet, so werden durch
-sie die Schwankungen ausgeglichen, so daß die Lampen ein gleichmäßiges
-Licht ausstrahlen. Ja, man kann, wenn man Akkumulatoren zu Hilfe nimmt,
-Kraftmaschinen benutzen, die an und für sich nicht sehr regelmäßig
-laufen, z. B. Wasserräder. Sodann ermöglichen die Akkumulatoren eine
-ökonomische Ausnutzung der Maschinen. Bekanntlich nämlich arbeiten
-Dampfmaschinen und Dynamos mit dem günstigsten Wirkungsgrade, wenn sie
-voll belastet sind. Ist nun der Konsum gering, so kann die Dynamo Strom
-an die Batterie abgeben; wird die Netzbelastung so groß, daß ~eine~
-Dynamo zu stark belastet sein würde und ~zwei~ zu schwach, so gibt die
-Batterie so lange Strom ab, bis es sich lohnt, die zweite Dynamo in
-Betrieb zu setzen. In den frühen Morgen- und späten Abendstunden ist die
-Energieabgabe der Zentrale meistens so gering, daß eine Dynamomaschine
-verhältnismäßig schwach belastet sein würde. Man überträgt dann der
-Batterie die Stromlieferung. Hierdurch wird nicht nur eine nicht
-unbedeutende Ersparnis an Betriebsmaterial, sondern auch eine einfachere
-und billigere Bedienung ermöglicht.
-
-Bei kleineren Anlagen können die Akkumulatoren im Sommer die Speisung
-der Lampen usw. eventuell ganz übernehmen.
-
-Die stete Bereitschaft der Akkumulatoren kann endlich unter Umständen
-von großem Nutzen sein (Reparaturen an Maschinen usw.). Durch die
-Batterie wird also die ~Betriebssicherheit~ bedeutend ~erhöht~, sie
-bildet die letzte, aber durchaus zuverlässige Reserve.
-
-Der Umstand, daß sich die Spannung des Akkumulators sowohl während der
-Entladung als auch besonders während der Ladung ändert, bedingt die
-Anwendung eines besonderen Apparates, des ~Zellenschalters~. Da während
-der Entladung die Klemmenspannung der Elemente langsam sinkt[130], so
-muß man, wenn die Spannung in der Zentrale möglichst auf konstanter
-Höhe gehalten werden soll, von Zeit zu Zeit eine der in der Reserve
-stehenden Zellen zu den bereits an der Stromlieferung beteiligten
-hinzuschalten. Bei 110 Volt z. B. genügen bei Beginn der Entladung etwa
-55 Elemente, ist die Spannung jeder Zelle bis zu 1,97 Volt gesunken, so
-fehlen ca. 1,8 Volt, so daß die Zelle Nr. 56 hinzugeschaltet werden
-muß. Da man bis zu etwa 1,8 Volt entlädt, so sind 61 Zellen
-erforderlich[131], von denen die 6 letzten als Schaltzellen dienen.
-Diese werden natürlich nicht so stark beansprucht wie die Elemente 1 bis
-55. Wird nun geladen, so fangen die Schaltzellen früher an zu gasen und
-müssen abgeschaltet werden.
-
-[Illustration: Fig. 30.]
-
-Derjenige Apparat, der es ermöglicht, nach Bedarf Zellen ab- oder
-hinzuzuschalten, ist der ~Zellenschalter~. Das Prinzip desselben soll an
-der Hand der Fig. 30 erläutert werden. Die 6 letzten Zellen der Batterie
-sind mit I, II bis VI bezeichnet und durch Drähte mit den Kontaktstücken
-_c_₁ bis _c_₆ des Zellenschalters verbunden. Diese und ebenso der
-drehbare Schleifkontakt _H_ sind auf einer gut isolierenden Unterlage
-montiert. Die Nutzleitung ist mit dem positiven Pole der letzten Zelle
-und mit dem Hebel verbunden. Befindet sich _H_ in der Lage _1_, so
-fließt der Strom durch die Nutzleitung, die Lampen _L_, nach _a_, über
-_c_₂ zum negativen Pole der Schaltzelle _II_. Die mit _III_ bis _VI_
-bezeichneten Elemente sind also an der Stromlieferung nicht beteiligt.
-Dreht man _H_ in die Lage _2_, so sind alle Zellen eingeschaltet.
-
-Soll der Strom während des Hinzu- oder Abschaltens einer Zelle nicht
-unterbrochen werden, so muß der Hebel _H_ den folgenden Kontakt schon
-berühren, bevor er den vorhergehenden verläßt.
-
-Liegt nun _H_ beispielsweise zugleich auf _c_₂ und _c_₃, so ist die
-Zelle _III_ kurz geschlossen; denn ihr positiver Pol ist durch die nach
-_c_₂ und _c_₃ gehenden Verbindungsdrähte, durch den Hebel und die beiden
-erwähnten Kontaktstücke mit dem negativen Pole verbunden. Durch den
-Kurzschluß kann die Zelle Schaden leiden. Um den Übelstand zu
-beseitigen, schaltet man zwischen die Kontaktstücke _c_₁, _c_₂ usw.
-kleinere Kontaktstücke _a_, _b_, _c_ usw., die sogenannten
-Zwischenkontakte, und verbindet, wie es aus der Fig. 31 zu ersehen ist,
-die Zwischen- und die Hauptkontakte durch Widerstände _w_. Natürlich
-darf jetzt der Schleifkontakt nicht so breit sein, daß er zwei
-Hauptkontakte, z. B. _c_₁ und _c_₂, gleichzeitig berührt.
-
-[Illustration: Fig. 31.]
-
-Bei der durch unsere Figur angedeuteten Anordnung muß für jede
-Schaltzelle ein besonderer Zwischenwiderstand vorgesehen werden. Man
-kommt aber mit einem Zwischenwiderstand aus, wenn man den Schleifkontakt
-_H_ (Fig. 30) der Länge nach halbiert und die gegeneinander isolierten
-Hälften durch einen Widerstand (eine Drahtspirale) miteinander
-verbindet. Die Zwischenkontakte _a_, _b_, _c_ usw. der Fig. 31 können
-bei dieser jetzt meistens benutzten Anordnung in Wegfall kommen. Um aber
-eine ganz ebene Schleiffläche für die Kontaktbürste zu erzielen, legt
-man zwischen die Kontaktstücke Scheiben aus Glas oder Schiefer.
-
-[Illustration: Fig. 32.]
-
-Ein solcher Einfachzellenschalter ist in Fig. 32 abgebildet.
-
-~Schaltung.~ In Fig. 33 ist die Parallelschaltung mit
-Einfachzellenschalter schematisch dargestellt. Die Batterie kann nicht
-gleichzeitig Strom aufnehmen und abgeben. Während der Ladung hat die
-Maschine _D_ eine höhere Spannung als die normale, die wir zu 110 Volt
-annehmen wollen. Dem Zellenschalterhebel _h_ gibt man eine solche Lage,
-daß die Spannung der zwischen ihm und dem Punkte _e_ liegenden Zellen
-110 Volt beträgt, die Lampen _L_ also mit normaler Spannung brennen. Der
-von der Maschine kommende Strom teilt sich an dem Schleifkontakte _h_
-des Zellenschalters; durch die Zellen, die rechts von dem Schalthebel
-(zwischen _h_ und _d_) liegen, fließt also der ganze Maschinenstrom,
-durch die anderen Elemente die Differenz zwischen diesem Strome und dem
-durch die Lampen gehenden. Die zuerst erwähnten Zellen sind also früher
-geladen (auch aus dem Grunde, weil sie bei der Entladung weniger stark
-beansprucht wurden). Da sie aber nicht abgeschaltet werden können, so
-müssen sie so lange Strom aufnehmen, bis die übrigen Zellen vollgeladen
-sind. Dies hat zwei Nachteile; erstens ist hierdurch ein nicht
-unbedeutender Arbeitsverlust bedingt, zweitens ist das jedesmalige
-Überladen den Elementen schädlich. Daher ist der Betrieb mit
-Doppelzellenschalter vorzuziehen.
-
-[Illustration: Fig. 33.]
-
-Die Anzahl der Schaltzellen ist bei der Schaltung nach Fig. 33 eine
-große. Sind z. B. bei 110 Volt 61 Zellen vorhanden, und rechnen wir als
-Endspannung einer Zelle bei der Ladung 2,75 Volt, so dürfen gegen Ende
-der Ladung nur 110 : 2,75 = 40 Elemente mit dem Netze verbunden sein; es
-müssen also 21 Zellen abschaltbar sein.
-
-Die Schaltung bei Verwendung eines ~Doppelzellenschalters~ ist in Fig.
-34 dargestellt[132]. Der Betrieb gestaltet sich folgendermaßen:
-
-a) Die Batterie und die Dynamo _D_ geben Strom ab (Parallelbetrieb).
-Der Hebel _v_ des Umschalters liegt auf dem Kontakte _2_, hat also
-die in der Figur angedeutete Lage; der Entladehebel _c_₁ des
-Doppelzellenschalters wird so lange gedreht, bis die Spannung der
-zwischen _B_ und _c_₁ liegenden Zellen gleich ist der Klemmenspannung
-der Maschine. Diese wird gemessen, wenn man den Hebel des
-Voltmeterumschalters auf den mit _3_ bezeichneten oder auf den zur
-Leitung _4_ (oder _5_) zugehörigen Kontakt legt[133]. Ob die Batterie
-Strom abgibt oder aufnimmt, erkennt man an dem Stromrichtungszeiger _R_,
-der aus einer durch den Strom abgelenkten Magnetnadel besteht.
-
-[Illustration: Fig. 34.
-
-_D_ = Dynamo, _E_ = Automatischer Schwachstromschalter, _B_ =
-Bleisicherung, _A_₁, _A_₂ = Ampermeter, _V_ = Voltmeter, _R_ =
-Stromrichtungsanzeiger.]
-
-b) ~Ladung.~ _v_ liegt auf _1_; die Meßleitung _5_ steht also jetzt mit
-dem Ladehebel in Verbindung. Ehe die Maschine auf die Batterie
-geschaltet wird, muß sie bis zu einer Spannung erregt werden, die etwas
-höher ist als die Spannung der Batterie (siehe auch S. 94). Die
-Maschinenspannung bei geöffnetem Stromkreise (der Schwachstromautomat
-_E_ ist noch nicht eingeschaltet) wird gemessen, wenn man den Hebel des
-Voltmeterumschalters auf den Kontakt der Leitung _4_ legt; die
-Batteriespannung erhält man, wenn man _c_ auf das Kontaktstück der
-letzten Zelle dreht und das Voltmeter mit der Leitung _5_ verbindet. Der
-Maschinenstrom fließt durch die zwischen _c_ und _c_₁ liegenden Zellen
-und teilt sich bei _c_₁, indem ein Teil durch den Entladehebel nach den
-Lampen _L_, ein Teil durch die links von _c_₁ liegenden Zellen geht.
-Natürlich muß _c_₁ so gedreht werden, daß die Spannung der zuletzt
-erwähnten Elemente 110 Volt beträgt.
-
-~Feststellung der richtigen Type.~ Es ist von Wichtigkeit, daß man bei
-einer solchen Anlage die richtige Akkumulatorentype wählt. Um diese zu
-erhalten, bestimmt man die verlangte Leistung in Amp.-Stdn. -- sie sei
-_Q_ -- und die höchste vorkommende Entladestromstärke. Der Akkumulator
-muß so bemessen werden, daß er mit dem Strome _J_ beansprucht werden
-darf und seine Kapazität auch bei Entladung mit dem Strome _J_
-mindestens gleich _Q_ ist[134]. Natürlich wählt man im Zweifel lieber
-eine zu große Type.
-
-~Pufferbatterien.~ Batterien, die den Zweck haben, die Stöße, die durch
-starke und schnell wechselnde Belastungsschwankungen auf die Maschinen
-ausgeübt werden, von den letzteren fernzuhalten, nennt man
-Pufferbatterien. Ihre Verwendung gewährt also den Vorteil, daß die
-Belastung der Dynamo eine gleichmäßigere und daher ihre Lebensdauer und
-ihr Wirkungsgrad höher sind; ferner wird die Betriebssicherheit erhöht.
-Von Wichtigkeit ist auch, daß, wenn eine Pufferbatterie projektiert
-wird, die Maschinenanlage nicht dem nur für kurze Zeit vorhandenen
-maximalen Strome, sondern dem mittleren Konsume zu entsprechen braucht.
-Besonders bei elektrischen Bahnanlagen finden solche Batterien
-ausgedehnte Verwendung. Hier -- zumal bei kleiner Anzahl der Wagen --
-können größere Belastungsänderungen durch das Halten und Anfahren der
-Wagen und durch stärkere Steigungen verursacht werden. Die
-Pufferbatterie soll, wenn die Klemmenspannung der Dynamo, mit der sie
-parallel geschaltet ist, bei stärkerer Zunahme der Netzstromstärke _J_
-abzufallen beginnt (Ankerrückwirkung), Strom in die Leitung schicken und
-Strom aufnehmen, wenn _J_ unter den normalen Betrag sinkt. Könnte die
-Batterie ihre Aufgabe in vollkommener Weise erfüllen, so würden Dynamo
-und Dampfmaschine stets gleichmäßig belastet sein und mit dem
-günstigsten Wirkungsgrade arbeiten.
-
-Soll die Batterie nur die Belastungsschwankungen ausgleichen, so gibt
-sie im Laufe eines Tages ungefähr so viel Strom ab, wie ihr zugeführt
-wird; wählt man die Batterie so groß, daß sie im Notfalle eine oder
-mehrere Maschinengruppen vertreten kann, oder regelmäßig bei schwachem
-Konsume den Strombedarf deckt, so wird sie zur ~Kapazitätsbatterie~.
-
-Das Verhalten einer Pufferbatterie während des Betriebes erfordert ein
-eingehendes Studium, da eine ganze Reihe von Momenten zu berücksichtigen
-ist; hier können nur einige Andeutungen Platz finden. Daß die Dynamo mit
-konstantem Strome arbeitet, ist ganz ausgeschlossen. Denn wenn das der
-Fall wäre, so wäre ihre Klemmenspannung ebenfalls konstant, und dann
-könnte die Batterie weder Strom aufnehmen noch Strom abgeben. Die
-Spannung der Dynamo ~muß~ sich also mit der Belastung ändern. Wenn z. B.
-der Verbrauchsstrom wächst, so muß zunächst die Klemmenspannung der
-Dynamo abfallen, diese aber sinkt erst dann, wenn die Maschine einen
-stärkeren Strom abgibt[135].
-
-Die Pufferwirkung ist, was die Batterie anbelangt, abhängig von dem
-Spannungsabfall bei Stromabgabe und von dem Spannungsanstieg bei
-Stromzufuhr, und zwar nicht nur dem dem inneren Widerstande
-entsprechenden, sondern vor allem dem durch die Änderung der
-elektromotorischen Kraft verursachten. Dieser letztere Teil hängt von
-der Stromdichte und der Geschwindigkeit ab, mit der sich die
-Konzentration der Säure in den Poren der wirksamen Masse ändert, also
-von der Plattenkonstruktion und von der Porosität der aktiven Masse.
-Auch die Dauer der Entladung und der Ladezustand der Zellen spielen eine
-Rolle. Eine Zelle, die fast bis zur Gasentwicklung geladen ist, verhält
-sich, wenn man zur Entladung übergeht, anders wie eine Zelle, die nahezu
-erschöpft ist[136]. Bei größerer Stromaufnahme steigt die
-Klemmenspannung eines ~Akkumulators~ schnell, mag das Element fast
-entladen oder nahezu voll geladen sein (man vergleiche die Kurve Fig. 35
-mit derjenigen in Fig. 7 a. S. 81).
-
-[Illustration: Fig. 35.]
-
- Am ungünstigsten dürften die Verhältnisse liegen, wenn sich an eine
- Periode schwachen Konsums, in der die Batterie Strom aufnimmt, sofort
- eine Periode stärkeren Stromverbrauchs, verbunden mit Stromabgabe
- seitens der Batterie, anschließt; denn es wird dann in ganz kurzer
- Zeit auch bei geringer Stromabgabe die Zellenspannung stark abfallen.
-
-Soll die Batterie dauernd ihre Kapazität behalten, so muß sie in jeder
-Woche (nach den Vorschriften der Akkum. Fabr. Akt.-Ges.) zweimal
-mindestens mit ihrer halben Kapazität beansprucht werden, außerdem muß
-sie täglich bis zu 2,75 Volt pro Zelle geladen werden. Sieht man von
-dieser umständlichen Behandlung ab, so erfolgt geringe Sulfatierung, die
-Batterie wird dann in irgend einem Bedarfsfalle nicht die volle
-Kapazität abzugeben in der Lage sein, jedoch immer noch allen
-praktischen Anforderungen gerecht werden.
-
-Die Entladung darf mit der der einstündigen Beanspruchung entsprechenden
-Stromstärke geschehen. Die Kapazitäts-Batterie soll möglichst oft zur
-Arbeitsleistung herangezogen werden und täglich morgens vor Beginn des
-Maschinenbetriebes und abends nach Stillsetzen der Maschinen zur
-Stromabgabe benutzt werden.
-
-Um die Pufferwirkung, die an und für sich wegen der schnellen
-Änderungen der elektromotorischen Kraft nicht in befriedigender Weise
-erfolgt, zu erhöhen, hat man besondere Schaltungen ersonnen. Eine
-häufig angewandte Anordnung besteht in der Verwendung der ~Piranischen
-Pufferzusatzmaschine~. Diese wird durch einen Elektromotor angetrieben
-und hat 2 Magnetwicklungen. Die eine, mit hohem Widerstande, ist mit den
-Polen der Akkumulatorenbatterie verbunden, die zweite, von geringem
-Widerstand, ist einem vom Netzstrome durchflossenen Widerstande parallel
-geschaltet. Die beiden Ströme wirken im entgegengesetzten Sinne
-magnetisierend. Der normale Netzstrom sei J und der augenblickliche J¹.
-Ist J = J¹, so heben sich die beiden Erregerströme auf, die
-Zusatzmaschine entwickelt keine Spannung, und der Akkumulator gibt
-keinen Strom ab. Ist J¹>J, so hat die Maschine eine Spannung, die sich
-zu derjenigen der Batterie addiert, so daß sie Strom abgibt, etc.
-
-Auch bei ~Drehstrom~ gelangen Akkumulatorenbatterien zum Puffern
-zuweilen zur Anwendung[137]. Man kann an das Netz einen Motorgenerator,
-d. h. einen Drehstrommotor, der eine Gleichstrommaschine antreibt, oder
-einen Drehstrom-Gleichstrom-Umformer anschließen. Die Gleichstromseite
-ist mit einer Batterie parallel geschaltet. Wenn nun in der Zentrale die
-Umdrehungszahl der Drehstromdynamo sinkt, so sinkt auch diejenige des
-Motors bezw. Umformers, die Gleichstrommaschine hat niedrige Spannung
-und die Batterie gibt Strom ab. Der Umformer wird durch Gleichstrom
-angetrieben und wirkt als Drehstromgenerator, d. h. er gibt Strom an das
-Netz ab. Umgekehrt nimmt die Batterie Strom auf, wenn sich die
-Umdrehungszahl der Motordynamo erhöht. Die Anordnung ist besonders dann
-am Platze, wenn der Kraftbedarf sehr stark schwankt, wie es z. B. bei
-Fördermaschinen in Bergwerken der Fall ist.
-
-~Umwandlung der Spannung.~ Bei großen elektrischen Anlagen benutzt man
-zuweilen auch Akkumulatorenbatterien, um die hohe Netzspannung in
-niedrigere Gebrauchsspannung umzuwandeln. Nehmen wir z. B. an, daß man
-Bahnstrom von 600 Volt einer an der Bahnstrecke gelegenen Gemeinde für
-die Speisung von Lampen von 110 Volt zuführen will. Man kann dann an dem
-betreffenden Orte etwa 220 Zellen, die in Reihe geschaltet sind, durch
-den Bahnstrom direkt oder durch eine Motordynamo laden, die durch den
-Bahnstrom angetrieben wird. Bei der Entladung bildet man aus der großen
-Batterie Gruppen, die parallel geschaltet werden.
-
-~Akkumulatorenwagen~ für Bahnbetrieb. In den letzten Jahren sind wieder
-vielfach Versuche mit Akkumulatoren-Triebwagen gemacht worden. Diese
-sollen dem Zwecke dienen, auf Haupt- und Nebenbahnen, wo ein genügendes
-Bedürfnis vorhanden ist, einen Zwischenverkehr neben den großen
-durchgehenden Hauptzügen zu ermöglichen (Vorortverkehr, Anschluß an
-Stationen, wo Schnellzüge halten usw.). Nach dem Entwurf des Geheimen
-Baurats ~Wittfeld~ sind für die preußischen Staatsbahnen
-Akkumulatoren-Doppelwagen[138] ausgeführt worden. Ein solcher besteht
-aus zwei kurzgekuppelten zweiachsigen Einzelwagen, von denen jeder in
-einem Vorbau mit einer Achse eine Akkumulatorenbatterie enthält. Diese
-besteht aus 168 Zellen mit 368 Amp.-Stdn. Kapazität. Die Wagen können
-ca. 100 km mit voller Belastung zurücklegen. Lötverbindungen sind
-vermieden, so daß man die einzelnen Teile (Hartgummikästen) leicht
-herausnehmen kann (Akk.-Fabrik, Akt.-Ges.). Auf pfälzischen Bahnen sind
-seit längerer Zeit mit Akkumulatorenwagen so günstige Erfahrungen
-gemacht worden, daß eine größere Anzahl von Wagen in Auftrag gegeben
-wurde.
-
-~Elektromobile.~ An die Batterien für Elektromobile werden besondere
-Anforderungen gestellt: Möglichst geringes Gewicht pro Einheit der
-Leistung, ohne daß die Lebensdauer zu sehr herabgesetzt wird (siehe S.
-164), große Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Erschütterungen, die
-während der Fahrt oft recht stark sein können, Unempfindlichkeit gegen
-Überlastungen (Anfahren etc.), möglichst geringe Raumbeanspruchung. Für
-jede Tonne Gewicht, das zu bewegen ist, ist eine gewisse Zugkraft nötig
-(13-30 kg), die man als Traktionskoeffizient bezeichnet. Dieser hängt
-von verschiedenen Umständen ab: von der Bereifung (Vollgummi, Pneumatik,
-Eisen), von dem Totalgewichte selbst, vor allem von der Beschaffenheit
-und dem Zustande der Straßen. Ein Personen-Elektromobil erfordert etwa 3
-PS. bei 20 km Geschwindigkeit einschl. Energie-Verlust im Motor und
-Kontroller, der durchschnittlich etwa 25% beträgt. Da schon geringe
-Steigungen recht hohe Anforderungen an die Batterie stellen, so sind in
-bergischen Gegenden Elektromobile nicht am Platze. Sie kommen
-einstweilen nur für Städte in Frage. (Näheres siehe ~Kammerhoff~ l. c.
-S. 116, ferner seien hervorgehoben die Arbeiten von E. ~Sieg~ in der E.
-T. Z. 1905, S. 311 und in E. T. Z. 1906, S. 1017.)
-
- ~Sieg~ weist nach, daß der Akkumulator für Elektromobile pro 1 kg
- Gewicht mindestens 30 Wattstunden leisten muß, wenn er bei den
- üblichen Geschwindigkeiten von 25-30 km in der Stunde die geringsten
- Betriebskosten fordern soll. Die Platten werden in der früher
- beschriebenen Weise durch gewellte Hartgummischeiben oder
- Holzbrettchen gegeneinander isoliert. Die übliche Zellenzahl ist
- 40-44, entsprechend 110 Volt Endspannung bei der Ladung. Die
- Akkumulatoren werden in Holzkästen untergebracht. Der Antrieb erfolgt
- am besten durch die Vorderräder; die Motoren werden entweder
- unmittelbar mit dem Rade gekuppelt oder in dieses eingebaut, oder man
- kann den Motor durch Zahnradübersetzung auf die Räder wirken lassen.
-
-Auch bei Automobilen mit Benzinmotoren finden Akkumulatoren Anwendung
-und zwar für die Beleuchtung, die elektrische Huppe, als Zünderzellen
-etc.
-
-Im ~Telegraphenbetrieb~ sind die Akkumulatoren besonders dann den
-Primärelementen überlegen, wenn es sich um den Betrieb langer
-Kabelleitungen handelt. Bei diesen spielt die elektrostatische Kapazität
-eine wichtige Rolle. Bei jedem Zeichen nämlich, das telegraphiert wird,
-d. h. bei jedem Stromschluß, muß das Kabel zunächst durch die
-Stromquelle geladen werden; die Ladung verläuft aber umso schneller, je
-kleiner der innere Widerstand der Batterie ist. Durch Verwendung von
-Akkumulatoren wird somit die Telegraphiergeschwindigkeit vergrößert. Bei
-vielen Ämtern werden seit Jahren Sammler von 14 Amp.-Stdn. Kapazität
-verwendet, die entweder aus Kupferelementen oder aus dem Netz des
-Elektrizitätswerkes geladen werden.
-
-Im ~Telephonbetrieb~ haben sich Akkumulatoren als Stromquellen
-für die Vermittlungsämter und bei dem Vielfachsystem mit
-Zentralbatteriebetrieb[139] gut bewährt. Dagegen scheinen ausgedehnte
-Probeversuche, den Akkumulator als Stromquelle für die Mikrophone bei
-den einzelnen Sprechstellen zu verwenden, nicht zu einem befriedigenden
-Resultate geführt zu haben, indem die wegen des Mangels einer -- kaum
-durchzuführenden -- genügenden Überwachung der einzelnen Elemente häufig
-vorkommende Sulfatierung der Platten und die damit verbundene
-Schwierigkeit der Ladung große Unterhaltungskosten verursachen[140].
-
- Am besten dürften sich für Telephonbetrieb Akkumulatoren mit
- Masseplatten bezw. Faureplatten eignen, da bei diesen die
- Selbstentladung während der Ruhepausen geringer ist als bei
- Großoberflächenplatten und daher auch die Gefahr, daß Sulfatierung
- erfolgt (s. S. 111).
-
-Sogenannte ~Kleinakkumulatoren~ finden zahlreiche Verwendungen, von
-denen noch folgende hervorgehoben seien: Beleuchtung von Lampen in
-Wagen, tragbare Lampen (Taschenlampen, Handlampen), Beleuchtung von
-Treppen, Antrieb von kleinen Ventilatoren usw.
-
-~Verwendung der Akkumulatoren im Laboratorium~ (Lehrzwecke,
-therapeutische Zwecke etc.). Bei sachgemäßer Behandlung bilden die
-Akkumulatoren eine Stromquelle, die allen Anforderungen in bester Weise
-genügt; sie sind stets betriebsbereit, die Bedienung und Kosten sind im
-Vergleich zu Primärelementen außerordentlich gering, man kann längere
-Zeit nahezu konstanten und starken Strom entnehmen. Versagt ein
-Akkumulator frühzeitig, so ist der Grund fast immer in Fehlern zu
-suchen, die bei der Behandlung gemacht worden sind; vor allem wird oft
-gegen die Vorschriften gesündigt, daß eine gewisse Stromstärke bei der
-Entladung nicht überschritten werden darf, daß die Entladung nur bis zu
-einem gewissen Punkte getrieben werden darf und daß zwischen Entladung
-und Ladung nur eine kurze Zeit liegen soll.
-
-Am besten werden Glaszellen verwendet, damit man das Innere besichtigen
-kann. Werden die Elemente bald hier, bald dort verwendet, so stellt man
-sie in mit Griffen oder Tragriemen versehene Holzkästen, deren Höhe etwa
-⅔ der Höhe der Zelle beträgt, oder bei denen die Vorder- und Hinterwand
-zum Teil herausgenommen sind, wie es die Fig. 36 zeigt.
-
-[Illustration: Fig. 36.]
-
-Damit man die Spannung leicht ändern kann, befestigt man an einer Seite
-des Kastens ein Schaltbrettchen, dessen Kontaktstücke mit den Polen der
-einzelnen Zellen verbunden sind. Durch Stöpsel, die man in die zwischen
-den Kontaktstücken befindlichen Löcher schiebt, kann man die Schaltungen
-vornehmen, z. B. kann man bei 4 Zellen auf 2, 4 und 8 Volt schalten. Zu
-beachten ist, daß man nicht durch falsche Stöpselung Kurzschluß
-herstellt. Bequemer ist die Verwendung eines ~Pachytrops~, einer
-Einrichtung, bei der die verschiedenen Schaltungen durch Drehen einer
-Walze oder eines Rades vorgenommen werden; die Herstellung von
-Kurzschluß ist ausgeschlossen. In Fig. 37 ist eine Batterie aus 12
-Elementen, wie sie von ~Kohl~ in Chemnitz in den Handel gebracht wird,
-abgebildet. Die auf der Pachytropwalze schleifenden federnden
-Kontaktstreifen sind mit den Polen der Elemente durch Drähte verbunden,
-die durch Klemmen festgehalten werden, so daß man jedes einzelne
-Element zwecks Besichtigung leicht aus dem Kasten heben kann.
-
-[Illustration: Fig. 37.]
-
-Für kleine Batterien, die nur selten ganz entladen werden, sind
-Faure-Platten (als positive und negative) den Großoberflächenplatten
-vorzuziehen, da bei ersteren die Selbstentladung und daher auch die
-Gefahr, daß Sulfatierung eintritt, geringer ist als bei letzteren. Zu
-beachten ist auch, daß die Zellen zuweilen ganz entladen werden müssen
-(s. Kap. 7). Werden die Akkumulatoren oft transportiert, so fällt leicht
-aktive Masse heraus, durch die ein Kurzschluß bewirkt werden kann. Es
-empfiehlt sich daher, bei solchen Zellen den Plattenabstand reichlich
-groß zu wählen.
-
-Für viele Untersuchungen, z. B. über die Bewegung der Elektrizität durch
-Gase, sind ~Hochspannungsbatterien~ die besten Stromquellen, weil sie
-bei der geringen erforderlichen Stromstärke den Elektroden der Röhre
-lange Zeit konstante Spannung zuführen. Größere Verbreitung hat die
-Hochspannungsbatterie nach ~Feußner~[141] gefunden. In einem auf Rollen
-laufenden starken Eichenschrank befinden sich 500 kleine Elemente mit je
-einer positiven und einer negativen Elektrode. Als Glasgefäß dienen
-Pulverflaschen. Damit keine Säure herauskriechen und Nebenschlüsse
-herstellen kann, werden die Gläser mit einer Harzschicht luftdicht
-zugegossen; für die bei der Ladung auftretenden Gase wird ein besonderer
-Austrittsweg (Glasröhrchen) vorgesehen. Die die einzelnen Gruppen (25
-Elemente) tragenden Bretter ruhen auf 4 Porzellanglocken. Zwei
-Schaltleisten aus Hartgummi mit Hartgummigriffen gestatten mit einem
-Handgriff Parallelschaltung der Batterie zur Ladung mit 125 Volt oder
-Hintereinanderschaltung auf 1000 Volt vorzunehmen. Die Kapazität beträgt
-ca. 1 Amperstunde bei 0,1 Amp. Entladestrom.
-
- * * * * *
-
-Am Schlusse dieses Kapitels sei noch hervorgehoben, daß der
-Bleiakkumulator selbst ein interessantes Versuchsobjekt ist. Es seien
-folgende Versuche und Arbeiten erwähnt: Änderung der elektromot. Kraft
-am Anfang und gegen Ende der Ladung und Entladung, Bestimmung der
-Kapazität, Abhängigkeit der Kapazität von der Säuredichte, Ermittelung
-des Wirkungsgrades und des Nutzeffektes, Änderung der elektromot. Kraft
-mit der Säuredichte und der Temperatur (s. S. 42). Bei verschiedenen
-dieser Arbeiten muß eine genaue ~Messung der elektrom. Kraft~
-vorgenommen werden. Dieser wichtigen Aufgabe sollen noch einige Worte
-gewidmet werden. In den meisten Fällen erhält man die gesuchte Größe mit
-hinreichender Genauigkeit, wenn man die Klemmen des nicht belasteten
-Akkumulators mit einem empfindlichen Voltmeter für kleine Spannungen
-verbindet. Da aber solche Voltmeter einen Strom von 1/20-1/10 Amp.
-verbrauchen, so macht sich bei kleinen Zellen schon die
-Konzentrationspolarisation bemerkbar. Am einwandfreiesten ist die
-~Kompensationsmethode nach Poggendorff~, bei der die elektromot. Kraft
-bestimmt wird, ohne daß die Zelle Strom abgibt. Das Prinzip dieser
-Methode ist folgendes: Es sei _B_ in Fig. 38 eine Batterie von 2 kleinen
-Akkumulatoren, _W_ ein Widerstand von 4000 Ohm, _a c_ ein Widerstand von
-6000 Ohm, _X_ ein Normalelement, dessen elektromotorische Kraft E_{n}
-man genau kennt. Die Batterie gibt, wenn die Gleichgewichtsbedingung
-erfüllt ist, d. h. wenn durch den Nebenkreis _a X G d_ kein Strom
-fließt, einen Strom von E/10000 Amp. ab, wo E ihre elektrom. Kraft ist.
-Mithin beläuft sich der Spannungsverlust in _a c_ auf 6000.E/10000 =
-0,6.E Volt (angenähert auf 2,4 Volt). Da auf jeden Fall die elektrom.
-Kraft des Normalelementes kleiner ist als 0,6.E, so gibt es zwischen _a_
-und _c_ einen Punkt _d_, so daß der dem Batteriestrom entsprechende
-Spannungsabfall von _a_ bis _d_ gleich E_{n} ist. Hat man diesen Punkt
-gefunden, so fließt durch das Galvanoskop _G_ kein Strom. Der Widerstand
-zwischen _a_ und _d_ betrage W_{n} Ohm, dann ist E_{n} = W_{n}.E/10000
-Volt.
-
-[Illustration: Fig. 38.]
-
-Jetzt wird das Normalelement durch den Akkumulator ersetzt, dessen
-elektrom. Kraft man messen will, und man sucht wieder einen Punkt
-zwischen _a_ und _c_ so, daß _G_ stromlos ist; dieser sei _d′_. Der
-Widerstand in _a d′_ betrage _W′_ Ohm, damit ist X = W′.E/10000.
-Dividiert man diese Gleichung durch die vorige, so ergibt sich X =
-E_{n}.W′/W_{n}.
-
-In Wirklichkeit wird _G_ mit _C_ verbunden und man variiert die
-Potentialdifferenz zwischen _a_ und _c_. Zu diesem Zwecke ersetzt man
-den Widerstand _a c_ durch einen Stöpselrheostaten und ändert diesen so
-lange, bis durch _G_ kein Strom fließt. Selbstverständlich müssen jetzt
-die vorigen Gleichungen etwas umgeändert werden.
-
-Zwischen den Punkten _a_ und _c_ muß ein großer Widerstand liegen, damit
-es ausgeschlossen ist, daß das Normalelement einen stärkeren Strom
-abgibt. Solche Elemente dürfen nämlich nur mit ganz schwachem Strome
-(etwa 0,0001 Amp.) beansprucht werden. Dadurch, daß man auch für _W_
-einen Widerstand von mehreren tausend Ohm wählt, erreicht man, daß der
-Spannungsabfall in _a c_ der zu messenden elektrom. Kraft nahe kommt und
-daß, bevor die elektrom. Kraft E_{n} kompensiert ist, nur ein ganz
-schwacher Strom in das Element gelangen kann.
-
- [129] Von dem Spannungsverluste in dem Netze wird abgesehen.
-
- [130] Auch ist die Klemmenspannung von der Stromdichte abhängig. Diese
- Änderung wird im Folgenden der Einfachheit halber nicht
- berücksichtigt.
-
- [131] In Wirklichkeit ist die Zahl etwas größer, da der
- Spannungsverlust in der Leitung gedeckt werden muß.
-
- [132] In der schematischen Figur ist angenommen, daß die beiden
- Zellenschalter getrennte Apparate sind, so daß für jede Schaltzelle
- zwei Verbindungsleitungen nötig sind. In Wirklichkeit werden die
- beiden Zellenschalter zu einem Apparate vereinigt; sie haben
- gemeinsame Kontaktstücke, auf denen die beiden Hebel schleifen. Man
- nennt einen solchen Apparat ~Doppelzellenschalter~.
-
- [133] Ist die Maschine abgeschaltet, so wird durch das Voltmeter bei
- der gezeichneten Stellung der Hebel die Spannung der an der
- Stromlieferung beteiligten Elemente gemessen.
-
- [134] Das von ~Peukert~ (E. T. Z. 1907, S. 705) angegebene Verfahren
- dürfte nur in vereinzelten Fällen anwendbar sein.
-
- [135] Mit der Frage, in welchem Umfange die Dynamo an den
- Belastungsschwankungen beteiligt ist, hat sich ~Brandt~ beschäftigt.
- Siehe E. T. Z. 1899, S. 730.
-
- [136] Nach ~Brandt~ (l. c.) ist die Pufferwirkung am günstigsten, wenn
- die Zellenspannung 2,07 Volt beträgt.
-
- [137] E. T. Z. 1906, S. 314.
-
- [138] E. T. Z. 1908, S. 89 u. S. 943, ebendaselbst 1910, S. 272.
-
- [139] Bei diesem System werden die einzelnen Sprechstellen vom
- Vermittlungsamte aus über die Anschlußleitungen mit Strom versorgt.
-
- [140] Näheres siehe E. T. Z. 1904, S. 838.
-
- [141] E. T. Z. 1899 S. 632.
-
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-
- Die Inkonsistenzen im Originalwerk sind beibehalten worden.
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- Seite 37, 2), 3) usw.: die Nummer 1) fehlt im Originalwerk.
-
- Seite 165, Fußnote [128]: auf der Seite 165 des Originalwerkes gibt es
- keine Fußnotenzeichen; das Zeichen fehlt deshalb auch in diesem Text.
-
-
- Durchgeführte Änderungen und Verbesserungen
-
- Klare Fehler in Rechtschreibung, Interpunktion usw. sind
- stillschweigend korrigiert worden.
-
- Einige Tabellen sind umgeordnet worden.
-
- In chemische Formel, Prozente, usw. wurden eventuelle Leerzeichen
- entfernt.
-
- Seite Original Korrigiert
-
- Seite 5 van’t Hoff van ’t Hoff
- Seite 12,
- Gleichung (4) HSO′_{4} HSO_{4}′
- Seite 32 2OH′ + 2⊕ = 2OH 2OH′ + 20⊕ = 2OH
- Seite 55 Umkehrung von 10 Umkehrung von I, 10
- Umkehrung von 9 Umkehrung von I, 9
- Seite 83 voraufgegangenen vorausgegangenen
- Seite 119 heransgespült herausgespült
- Seite 141 Beaumé Baumé
- Seite 154 Deutsche Edison- Deutsche Edison-
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