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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Das Paradies - Geschichten und Betrachtungen - -Author: Francis Jammes - -Translator: Emil Alphons Rheinhardt - -Release Date: April 26, 2016 [EBook #51871] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS PARADIES *** - - - - -Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - -</pre> - - -<div class="frontmatter"> -<h1 class="title"> -Das Paradies -</h1> - -<p class="aut"> -<span class="line1">Geschichten und Betrachtungen</span><br /> -<span class="line2">von</span><br /> -<span class="line3">Francis Jammes</span> -</p> - -<p class="pub"> -<span class="line1">Kurt Wolff Verlag / Leipzig</span> -</p> - -</div> - -<div class="frontmatter"> -<p class="ser"> -Bücherei „<em>Der jüngste Tag</em>“, Bd. 58/59 -</p> - -<p class="printer"> -Gedruckt bei E. Haberland, Leipzig -</p> - -<p class="trn"> -Berechtigte Übertragung von E. A. Rheinhardt -</p> - -</div> - -<h2 class="pbb chapter" id="chapter-0-1"> -<a id="page-3" class="pagenum" title="3"></a> -DAS PARADIES -</h2> - -<p class="first"> -Der Dichter sah seine Freunde an, die Anverwandten, -den Priester, den Arzt und den kleinen -Hund, alle, die in seinem Zimmer versammelt -waren — und starb. Auf ein Stück Papier wurde -sein Name geschrieben und sein Alter: er war achtzehn -Jahre alt. -</p> - -<p> -Da ihn die Freunde und Anverwandten auf die -Stirne küßten, fühlten sie, daß er kalt geworden -war. Er aber empfand ihre Lippen nicht mehr, -denn er war im Himmel. Und nun fragte er sich -auch nicht mehr, wie er es auf Erden immer -getan hatte, wie denn dieser Himmel eigentlich -sei. Da er darinnen war, verlangte es ihn nach -nichts anderem mehr. Seine Eltern, die vielleicht -(wer weiß das?) vor ihm gestorben waren, kamen -ihm entgegen. Sie weinten nicht, und auch er -weinte nicht, denn sie hatten, alle drei, einander -niemals verlassen. -</p> - -<p> -Seine Mutter sagte ihm: „Geh, kühl den Wein -ein! Wir werden dann gleich in der Laube des -Paradiesgartens mit dem lieben Gott zum Mittagessen -gehn.“ -</p> - -<p> -Sein Vater sagte ihm: „Geh dort unten Obst -<a id="page-4" class="pagenum" title="4"></a> -pflücken! Hier gibt es keine giftigen Früchte. -Und die Bäume reichen dir gern ihre Früchte. -Ihre Blätter und Zweige leiden nicht unter deinem -Pflücken, denn sie sind unerschöpflich.“ -</p> - -<p> -Der Dichter wurde von Freude erfüllt, da er -nun wieder seinen Eltern gehorchen konnte. Als -er aus dem Obstgarten zurückkam und die Weinkrüge -in das Wasser gestellt hatte, erblickte er -seine alte Hündin, die vor ihm gestorben war. -Zärtlich schweifwedelnd lief sie herbei und leckte -ihm die Hände und er streichelte sie. Und mit -ihr waren alle Tiere da, die ihm auf Erden die -liebsten gewesen waren: ein kleiner rothaariger -Kater, zwei junge graue Kater, zwei schneeweiße -Kätzchen, ein Gimpel und zwei Goldfische. -</p> - -<p> -Er sah den Tisch gedeckt und an ihm sitzend -den lieben Gott, den Vater und die Mutter und -neben ihnen ein schönes junges Mädchen, das er -unten auf der Erde liebgehabt hatte, und das ihm in -den Himmel gefolgt war, obwohl es nicht gestorben -war. Und nun erkannte er mit einem Male, daß -der Paradiesgarten der Garten seines irdischen -Vaterhauses sei, in dem wie ehdem und immer -die Lilien und Granatbäume blühten und der Kohl -wuchs. -</p> - -<p> -Der liebe Gott hatte seinen Stock und seinen -Hut auf den Boden gelegt. Er war angetan wie -die Armen der großen Landstraßen, die einen -Wecken Brotes in ihrem Quersacke tragen und -<a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a> -die die Obrigkeit an den Eingängen der Städte anhalten -und ins Gefängnis werfen läßt, weil sie nichts -haben, was für sie bürgt. Seine Haare und sein Bart -waren weiß wie das große Licht des Tages und -seine Augen tief und dunkel wie die Nacht. -</p> - -<p> -Er sprach — und seine Stimme war sanft —: -„Die Engel sollen kommen und uns bedienen, -denn es ist ihr Glück, zu dienen.“ Da kamen auch -schon auf allen Wegen des himmlischen Gartens -die Heerscharen herangeeilt. Und das waren die -treuen Dienstboten, die im irdischen Leben den -Dichter und seine Familie geliebt hatten. Da kam -nun der alte Johann, der ertrunken war, als er -einen kleinen Jungen retten wollte, die alte Marie, -die an einem Sonnenstiche gestorben war, da war -der humpelnde Peter, Johanna war da und noch -eine andere Johanna. Und der Dichter erhob sich -von seinem Sitze, um ihnen die Ehre zu erweisen, -und er sprach zu ihnen: „Setzt euch auf meinen -Platz, denn ihr müßt neben Gott sitzen.“ Gott -lächelte, da er ihre Antwort schon wußte, noch -ehe sie geredet hatten. Sie aber sagten: „Unser -Glück ist, zu dienen. Und so sind wir bei Gott. -Dienst du selber nicht auch deinem Vater und -deiner Mutter? Und dienen sie wiederum nicht -IHM, der uns dient?“ -</p> - -<p> -Mit einem Male sah er nun den Tisch anwachsen -und neue Gäste sich daran niederlassen. Das -waren Vater und Mutter seines Vaters und seiner -<a id="page-6" class="pagenum" title="6"></a> -Mutter und die Geschlechter alle, die ihnen vorangegangen -waren. -</p> - -<p> -Es wurde Abend. Die Ältesten schliefen ein. -Der Dichter und seine Freundin hatten einander -lieb. Und Gott, den sie empfangen hatten, ging -seiner Wege, gleich jenen Armen der großen -Landstraßen, die einen Wecken Brotes in ihrem -Quersacke tragen und die die Obrigkeit an den -Eingängen der großen Städte anhalten und ins -Gefängnis werfen läßt, weil sie nichts haben, das -für sie bürgt. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-2"> -DAS PARADIES DER TIERE -</h2> - -<p class="first"> -Ein armes altes Pferd stand mit seinem Wagen -träumend vor der Tür eines elenden Wirtshauses, -in dem Weiber kreischten und Männer gröhlten. -Es regnete, Mitternacht war nahe. Das arme dürre -Pferd wartete nun hier todtraurig mit herabgesunkenem -Kopfe und schwachen Beinen, daß ihm -das Vergnügen der wüsten Menschen da drinnen -endlich erlauben möchte, in seinen elenden stinkenden -Stall zurückzukommen. Schreiende Zoten -von Männern und Weibern klangen ihm in seinen -halben Schlaf. Mit Mühe hatte es sich in der langen -Zeit daran gewöhnt und verstand nun mit -seinem armen Hirn, daß der Schrei der Dirnen -nichts Bedeutsameres sei als der ewig gleiche -Lärm des Rades, das sich dreht. -</p> - -<p> -<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a> -Diese Nacht nun träumte ihm verschwommen -von einem kleinen Füllen, das es einmal gewesen -war, von einer Wiese, auf der es, noch ganz rosig, -seine Sprünge gemacht hatte, und von seiner -Mutter, die ihm zu trinken gegeben hatte. Da -stürzte das alte Pferd plötzlich tot hin auf das -schmutzige Pflaster. -</p> - -<p> -Das Pferd kam an das Tor des Himmels. Ein -großer Weiser stand davor und wartete, daß Sankt -Petrus käme und ihm öffne. Er sagte zu dem -Pferde: „Was willst du denn hier? Du hast kein -Recht, in den Himmel zu kommen. Ich habe das -Recht, denn ich bin von einer Frau geboren worden.“ -Das alte Pferd erwiderte ihm: „Meine Mutter -war eine liebe Stute. Sie war alt und ausgesogen -von den Blutsaugern, als sie starb. Ich -komme jetzt, um den lieben Gott zu fragen, ob -sie hier ist.“ Da öffnete das Tor des Himmels seine -beiden Flügel den Einlaßheischenden und das Paradies -der Tiere lag vor ihnen. Das alte Pferd erkannte -sogleich seine Mutter, und auch diese erkannte -es, und sie begrüßten einander wiehernd. -Da sie nun beide auf der großen himmlischen -Wiese standen, hatte das Pferd eine große Freude, -denn es erblickte alle seine Gefährten aus dem -einstigen Elend wieder und es sah, daß sie für -immer glücklich waren. Alle waren da: die, die -ausgleitend und stolpernd einst auf dem Pflaster -der Städte Steine geschleppt hatten und lahmgeschlagen -<a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a> -vor den Lastwagen zusammengebrochen -waren. Die waren da, die mit verbundenen Augen -zehn Stunden im Tage im Karussell die Holzpferde -gedreht hatten, und die Stuten, die bei den Stierkämpfen -an den jungen Mädchen vorbeigerast -waren, die rosig vor Freude sahen, wie die Leidenskreaturen -ihre Eingeweide durch den glühenden -Sand der Arena schleiften. Und viele, viele -andere noch waren da. Und alle gingen nun in -Ewigkeit über das große Gefilde der göttlichen -Stille. -</p> - -<p> -Alle Tiere waren glücklich. Zierlich und geheimnisvoll. -Selbst dem lieben Gott, der ihnen lächelnd -zusah, ungehorsam, spielten die Katzen mit einem -Knäuel Bindfaden, den sie mit leichter Pfote weiterrollten, -voll des Gefühles geheimer Wichtigkeit, -die sie nicht mitteilen wollten. Die Hündinnen, -die guten Mütter, verbrachten ihre Zeit damit, -ihre winzigen Jungen zu säugen. Die Fische -schwammen ohne Angst vor dem Fischer dahin. -Der Vogel flog, ohne den Jäger zu fürchten. Und -so war alles. Und nicht einen Menschen gab es -in diesem Paradiese. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-3"> -DIE GÜTE DES LIEBEN GOTTES -</h2> - -<p class="first"> -Sie war ein hübsches und zartes kleines Geschöpf -und arbeitete in einem Laden. Sie war nicht sehr -klug, wenn man das so sagen will, aber sie hatte -<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a> -dunkle Augen voll Sanftheit, die einen ein bißchen -traurig anschauten und sich dann gleich senkten. Viel -Zärtlichkeit war in ihr und jene schlichte Alltäglichkeit, -die nur die Dichter verstehn können, und die -einzig das Reinsein von allem Hasse mit sich bringt. -</p> - -<p> -Sie sah so einfach aus wie das bescheidene Zimmer, -darin sie mit ihrer kleinen Katze, die ihr jemand -geschenkt hatte, wohnte. Jeden Morgen, -bevor sie zu ihrer Arbeit ging, ließ sie ein Näpfchen -Milch für die Katze zurück. Diese hatte -ebenso wie ihre Herrin gute, traurige Augen. Sie -wärmte sich in der Sonne auf dem Fensterbrette, -auf dem ein Basiliumstöckchen stand, oder sie -leckte sich ihre kleinen Pfoten wie einen Pinsel -glatt und kraute sich die kurzen Kopfhaare, oder -sie hielt eine Maus vor sich fest. -</p> - -<p> -Eines Tages waren Katze und Herrin schwanger, -die eine von einem schönen Herrn, der sie verlassen -hatte, die andere von einem schönen Kater, -der sich nicht mehr sehen ließ. Der Unterschied -war nur, daß das arme Mädchen krank und kränker -wurde und schluchzend seine Zeit hinbrachte, -während die Katze sich in der Sonne mit allerlei -fröhlichen Drehungen und Wendungen vergnügte -und ihr weißer, spaßhaft aufgetriebener Bauch -schimmerte. Die Katze hatte ihre Liebeszeit nach -der des Mädchens gehabt, was die Dinge so gestaltete, -daß beide um den gleichen Zeitpunkt ihre -Niederkunft zu erwarten hatten. -</p> - -<p> -<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a> -Die kleine Arbeiterin erhielt nun in diesen -Tagen einen Brief von dem schönen Herrn, der -sie verlassen hatte. Er sandte ihr fünfundzwanzig -Franken und erzählte ihr dazu, wie herrlich großmütig -er sei. Sie kaufte ein Kohlenbecken, Kohlen, -für einen Sou Zündhölzer — und tötete sich. -</p> - -<p> -Als sie im Himmel ankam, in den einzutreten -sie erst ein junger Priester hatte hindern wollen, -zitterte das hübsche zarte kleine Geschöpf zuerst -in dem Gedanken, daß sie schwanger sei und Gott -sie verdammen könne. Aber der liebe Gott sprach -zu ihr: „Meine Freundin, ich habe dir ein hübsches -Zimmer vorbereitet. Geh hin und bring darin -dein Kindlein zur himmlischen Welt! Hier im -Himmel geht alles gut vorüber, und du wirst nicht -mehr sterben müssen. Ich liebe die Kinder — lasset -sie zu mir kommen!“ -</p> - -<p> -Als sie das Zimmerchen betrat, das sie im Hause -der himmlischen Güte erwartete, sah sie, daß ihr -der liebe Gott eine Überraschung bereitet hatte. -</p> - -<p> -Er hatte ihr in einem schönen Körbchen die -Katze, die sie liebte, dahin bringen lassen. Und -auf dem Fensterbrette stand ein Basiliumstöckchen. -Sie ging zu Bett. Und sie bekam ein schönes -blondes kleines Mädchen und die Katze bekam -vier schöne schwarze köstliche kleine Kater. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-4"> -<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a> -DER WEG DES LEBENS -</h2> - -<p class="first"> -Ein Dichter setzte sich eines Tages an seinen -Tisch, um eine Geschichte zu schreiben. Aber es -wollte ihm kein einziger Einfall kommen. Dennoch -war ihm fröhlich zumute, denn die Sonne überglänzte -den Geraniumstock auf seinem Fensterbrette -und inmitten des offenen blauen Fensters -flog surrend eine Fliege auf und nieder. Und da -sah er mit einem Male sein Leben vor sich. Es war -eine weite weiße Straße, die, ausgehend von einem -dunklen Haine, darin die Wasser murmelten, bis -an einen kleinen stillen Grabhügel führte, den -Dornsträucher, Nesseln und Seifwurz überwucherten. -In dem dunklen Wäldchen erblickte er den -Schutzengel seiner Kindheit. Der hatte goldene -Flügel wie eine Wespe, blondes Haar und ein Antlitz -so still wie das Wasser eines Brunnens an -einem Sommertage. -</p> - -<p> -Der Schutzengel sprach zu dem Dichter: „Erinnerst -du dich der Zeit, da du noch klein warst? -Du kamst mit deinem Vater und deiner Mutter, -die hier angeln wollten, hierher. Die Wiese da -war heiß, viele Blumen gab es und Heuschrecken. -Weißt du noch, daß die Heuschrecken aussahen -wie abgebrochene Halme, die sich bewegten? Mein -Freund, willst du den Ort wiedersehen?“ Der -Dichter sagte: „Ja.“ Und sie gelangten zusammen -an das blaue Ufer, darüber blau der Himmel und -schwarz die Haselnußsträucher hingen. „Sieh deine -<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a> -Kindheit!“ sprach der Engel. Der Dichter sah auf -das Wasser nieder, weinte und sagte: „Ich sehe -nicht mehr die sanften Gesichter meiner Mutter -und meines Vaters sich hier spiegeln. Hier haben -sie sich immer ans Ufer gesetzt. O, sie waren still, -gütig und glücklich! Ich trug eine weiße Schürze, -die ich immer schmutzig machte und die mir die -Mutter dann mit dem Taschentuche sauber rieb. -Lieber Engel, sag mir, wo sind die Spiegelbilder -ihrer sanften Gesichter? Ich sehe sie nicht mehr, -ich sehe sie nicht mehr!“ In diesem Augenblicke -löste sich ein schönes Sträußchen Haselnüsse von -einem der Sträucher, schwamm und wurde von -der Strömung davongetragen. Da sprach der Engel -zu dem Dichter: „Das Spiegelbild deines Vaters -und deiner Mutter ist von der Strömung des Wassers -davongetragen worden wie dieses Sträußchen -Früchte. Denn alles geht dahin, die Dinge und -die Erscheinungen. Das Bildnis deiner Eltern ist -im Wasser vergangen, und was davon übrig blieb, -heißt Erinnerung. Besinne dich und bete, und du -wirst die geliebten Bilder wiederfinden!“ Als in -diesem Augenblicke ein azurblauer Eisvogel über -das Schilf dahinflog, schrie der Dichter auf: „O -Engel, sehe ich nicht in den blauen Flügeln dieses -Vogels die Augen meiner Mutter wieder!“ Und -das himmlische Wesen sagte: „So ist es. Doch sieh -weiter!“ Und aus dem Wipfel eines Baumes, auf -dem eine Turteltaube ihr Nest gebaut hatte, flatterte -<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a> -eine Feder leicht und weiß, sich drehend, zur -Erde nieder. Und der Dichter schrie auf: „Ist dieser -weiße Flaum nicht die reine Sanftheit meiner -Mutter?“ Und das himmlische Wesen sagte: „So -ist es!“ Ein leichter Hauch kräuselte das Wasser -und rauschte durch das Laub. Und der Dichter -fragte: „Höre ich nicht die milde und dunkle -Stimme meines Vaters?“ Und das himmlische -Wesen sagte: „So ist es!“ -</p> - -<p> -Sie gingen zusammen weiter auf dem Wege, -der aus dem Wäldchen kam und das Ufer entlang -führte. Mit einem Male wurde unter der Sonne die -weite Straße blendend weiß. Sie war nun wie das -Linnen auf dem heiligen Abendmahlstische. Und -zur Rechten und zur Linken klangen verborgene -Wasser wie heilige Glocken. Da fragte der Engel: -„Kennst du diese Stelle deines Lebens?“ „Hier ist“, -sagte der Dichter, „der Tag meiner ersten Kommunion. -Ich denke an die Kirche, an die glücklichen -Gesichter meiner Mutter und meiner Großmutter. -O, ich war traurig und glücklich zugleich. Wie -glühend habe ich mich hingekniet! Schauer liefen -mir über die Haut des Kopfes. Abends beim Familienmahle -küßten sie mich und sagten: Du warst -der Schönste!“ In dieser Erinnerung verging der -Dichter aufschluchzend. Und also weinend war er -schön wie am Tage der heiligen Feier, und seine -Tränen fielen auf seine Hände wie Weihwasser. -Und sie gingen zusammen die Straße weiter. -</p> - -<p> -<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a> -Der Tag neigte sich schon. Die hohen Pappeln -am Straßenrande bogen sich sacht. Eine von ihnen, -die ferne inmitten einer Wiese stand, glich einem -großen jungen Mädchen. Und der Himmel war nun -so wunderbar in Blässe und Blau getönt, daß er -aussah wie die Schläfe einer Jungfrau. Der Dichter -gedachte der ersten Frau, die er geliebt hatte. Und -der Schutzengel sprach zu ihm: „Diese Liebe war -so rein und so voll der Schmerzen, daß sie mich -nicht betrübt.“ Indes sie nun weiterschritten, wuchs -sanfter Schatten um sie und eine Herde Lämmer -zog an ihnen vorbei. Da das himmlische Wesen -das Leiden des Dichters sah, hatte es ein Lächeln auf -seinem Antlitze, schwer und süß wie das Lächeln -einer kranken Mutter. Und seine goldenen Flügel -verwehten den schauernden Hauch von Abend. -</p> - -<p> -Bald entzündeten sich die Sterne hoch oben im -Schweigen. Da glich der Himmel dem Totenbette -eines Vaters, umgeben von Kerzen und stummer -Klage. Und die Nacht war wie eine große Witwe, -die auf der Erde kniet. „Erkennst du das?“ -fragte der Engel. Der Dichter redete nicht und -kniete nieder. -</p> - -<p> -Endlich gelangten sie dahin, wo die Straße bei -dem kleinen Grabhügel, den Dornsträucher, Nesseln -und Seifwurz überwucherten, zu Ende ging. Und -der Engel sprach zu dem Dichter: „Ich wollte dir -deinen Weg zeigen: hier ist der Ort, an dem du -ruhen wirst, hier, nicht ferne den Wassern. Sie -<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a> -werden dir Tag um Tag das Bild deiner Erinnerungen -bringen, das azurne Blau des Eisvogels, das den -Augen deiner Mutter gleicht, den weißen Flaum -der Turteltaube, der sanft ist wie sie, das Rauschen -des Laubes, das wie die milde und dunkle Stimme -deines Vaters ist, das Leuchten der Straße, weiß -wie deine erste Kommunion, und die pappelschlanke -Gestalt der ersten Frau, die du geliebt hast. Und -endlich werden dir die Wasser die große leuchtende -Nacht bringen.“ -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-5"> -DIE KLEINE NEGERIN -</h2> - -<p class="first"> -Manchmal haftet mein Gedanke an dem Vergilben -der alten Seekarten und ich höre das Brausen -der Monsune im Fieber meines Hirns. Aber wie? Muß -ich denn, um für dieses Leben etwas übrig zu haben, -auch jenes heraufholen, das ich vielleicht vor meiner -Geburt zwischen zweien schwarzen Sonnen geführt -habe? Die ungewisse Landschaft rollte Sterne dahin -in das zerrissene Stöhnen eines Ozeans ... -</p> - -<p> -Jemand kratzte an meiner Tür. Ich rief: „Herein!“ -Es war eine junge Negerin in einem blauen Überwurfe, -der bis zur Hälfte der Schenkel reichte. -Sie setzte sich auf den Boden und streckte ihre -gefalteten Hände gegen mich; und ich sah, daß -auf ihren nackten Armen Peitschenstriemen waren. -„Wer hat dir das getan?“ fragte ich sie. Sie antwortete -nicht und zitterte an allen Gliedern. Sie -<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a> -verstand mich nicht und fragte sich vielleicht, ob -auch ich sie mißhandeln wolle. -</p> - -<p> -Ganz sachte schob ich ihr Kleid zur Seite und -sah, daß auch ihr Rücken wund war. Ich wusch -sie. Aber sie flüchtete, entsetzt von dieser Güte, -unter den Tisch meiner Hütte. Ich hatte Tränen -in den Augen. Ich versuchte, sie zu rufen. Aber -ihre Blicke, wie die einer geschlagenen Hündin, -flohen mich. Ich hatte da ein paar Kartoffeln und -ein wenig Butter. Ich zerdrückte sie mit einem -Holzlöffel in einem Napfe, machte eine Brühe davon -und stellte sie in einiger Entfernung von der -Hingekauerten auf den Boden hin. Dann zündete -ich meine Pfeife an. Aber wie groß war mein Erstaunen, -als sie plötzlich auf allen Vieren zu einer -Ecke der Stube kroch, wo ich ein paar Blumen -liegen gelassen hatte. Sie richtete sich jäh auf und -griff mit einer lebhaften Bewegung danach. -</p> - -<p> -Seit jenem Abenteuer mochten etwa hundertfünfzig -Jahre vergangen sein, als ich ihr von -neuem begegnete. Ich wenigstens war davon überzeugt, -daß sie es war. Es war im peruanischen -Speisehause in Bordeaux. Sie wischte hier an dem -Glase eines mürrischen Studenten, der gefunden -hatte, es sei nicht sauber genug. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-6"> -<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a> -RONSARD -</h2> - -<p class="first"> -Meine Mutter hat ein altes Glas bekommen, -ein Glas, wie das gewesen sein muß, aus dem -Ronsard dem Jean Brinon einen Trunk geboten -hat. Wie mag Ronsard gewesen sein? Sicherlich -hat er ein Gewand aus Hermelin getragen. Und -während die großen Regen der alten Zeiten die -Haselnußsträucher am Loir peitschten, saß er mit -einem dicken alten Folianten in der Kaminecke -seines Schlosses. Es muß ein Sonntagnachmittag -um drei Uhr gewesen sein. Ein Frosch quakte in -seiner Lache, in die die Lanzen des Regens splitterndes -Licht spritzten. Marie oder Genoveva oder -eine andere betrat das Gemach und setzte sich zu -ihm. Und er legte, ohne das Buch zu schließen, -sanft seine freie Hand auf das Knie der Geliebten. -Und er lächelte. Er dachte an Odysseus, der über -die grauen Meere irrt, an Helena, an das Urteil -des Paris, an Troja und an die Bogenschützen, die -nackt und helmtragend an der Mauerbrüstung -knien und den Bogen auf antikische Art spannen. -</p> - -<p> -Wenn die Wasser der Pyrenäenbäche meinen -Namen in die Nachwelt tragen wie die Wasser -der Vendôme den des Ronsard, wenn je ein Jüngling, -dem das Herz schwer und beklommen ist vom -Dufte der Nelken, die ein Schulmädel an der Brust -trägt, sich fragen sollte, wie ich gewesen sein mag, -möge er sich antworten: „An diesem regengrauen -Allerheiligentage hatte Francis Jammes sein Herz -<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a> -gar nicht schwer und beklommen vom Dufte der -Nelken, die ein Schulmädchen an der Brust trägt. -(Übrigens gibt es ja im Herbste keine Nelken!) -Er rauchte vielmehr seine Pfeife und pflanzte -Sauerklee in einen Blumentopf, um den Schlaf -der Pflanzen zu studieren.“ An der einen Wand -seines Zimmers hing ein Epinaler Bilderbogen, -der das „einzige wahrhaftige Bild des ewigen -Juden“ darstellte. Er zeigte den ewigen Juden mit -einem wunderlichen Hute, einem Mantel, in blauen -Pantoffeln, und einem roten Gewande, wie ihm -gerade Brabanter Bürger einen Krug schäumenden -Bieres reichen. Das Wirtshaus darauf ist wirklich -poetisch; Reben ranken daran empor und große -Rosen beugen sich zum Erdboden nieder — — wie die -Armen, die Bettellieder singen und sich zur Erde -beugen. Und das alles ist im Lichte des Abendrotes -gegen Ende des friedlichen Sommers dargestellt. -</p> - -<p> -An diesem Tage nun warf Francis Jammes einen -kurzen Blick auf seinen Ruhm. Dieser ganze Ruhm -lag auf seinem Tische und bestand in dem Umschlag -eines Briefes, den ihm ein Mönch aus Deutschland -geschrieben hatte, aus dem Briefe eines ihm -unbekannten Holländers, der Walch hieß, und dem -Briefe eines jungen Mädchens. Francis Jammes -lächelte. Dann klopfte er an seinem Finger die -Asche aus der Pfeife — — — und war entschlossen, den -Toten Ehre zu erweisen. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-7"> -<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a> -ROBINSON CRUSOE -</h2> - -<p class="first"> -Ich setze diese Verse hierher; sie sind aus einem -Gedichte, das ich in Holland geschrieben habe: -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Robinson Crusoe hat (so glaub ich), da er heimfuhr</p> - <p class="verse">Von seinem grünen schattigen Eiland, das</p> - <p class="verse">Voll frischer Kokosnüsse war, auch Amsterdam berührt.</p> - <p class="verse">Wie hat es ihn gepackt, als er die ungeheuren</p> - <p class="verse">Tore mit ihren wuchtigen Klopfern schimmern sah!</p> - <p class="verse">Stand er voll Neugier hier vor den Gewölben,</p> - <p class="verse">In denen Schreiber über Rechnungsbüchern saßen?</p> - <p class="verse2">Mußte er weinen, da sein lieber Papagei</p> - <p class="verse">Ihm einfiel und der plumpe Sonnenschirm,</p> - <p class="verse">Der Schutz war auf dem milden traurigen Eiland?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">„Gepriesen seist du, ewiger Gott!“ so rief er,</p> - <p class="verse">Als er die tulpenübermalten Truhen sah.</p> - <p class="verse">Allein sein Herz, betrübt in Heimkehrfreude,</p> - <p class="verse">Sehnte sich nach dem Lama, das allein im Weinberg</p> - <p class="verse">Des Eilandes zurückgeblieben, das vielleicht gestorben war.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="noindent"> -Was aus den Worten und Bildern dieses Buches -seit der Kindheit am lebendigsten vor mir steht, -das ist nicht die Schönheit der Weinreben, die so -tiefen Schatten gaben, noch ist es der Fisch, den er -mit einer Schnur und einem Haken daran gefangen -hat, nicht die einsame Kokospalme in der -blauen Glut des Morgens ist es, noch auch sind es -die rosigen und purpurnen Flecken der Meeresküste -bei Ebbe, voll des Seegetiers, nicht das gebratene -Zicklein, das er mit Salz aus einer Felsmulde -gesalzen hat, ist es, was mich so ganz ergriffen -<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a> -hat; auch die Eier der schläfrigen Schildkröten -sind es nicht. Noch ist es die Fieberkrankheit, -die der Trunk Wassers, darein er Rum getan -hatte, allmählich gelindert hat, weder der Papagei -ist es, noch die Freundschaft mit dem Hund und -der Katze, nicht der verzweifelte Glanz der Sonne, -die er auf den Kompaß gemalt hatte, und nicht -die Quelle süßen Wassers ist es, es sind auch nicht -die Speisen, die er sich so kunstlos bereitet hat -(obwohl ich mich gerade ihrer vielleicht am häufigsten -erinnert habe!), all das hat mich nicht so -erschüttert wie Robinson Crusoes Alter. -</p> - -<p> -Immer wieder muß ich an die Zeit seines Lebens -denken, da er wieder in der Menge verschwunden -war und dann, zweiundsiebzig Jahre alt geworden, -einsamer ist, als er es je zuvor war. In einem Gewande -aus blumendurchwirktem Sammet saß er in -seinem düsteren kleinen Gemache in London, das -eine unendliche Güte gleich dem matten Licht in -Sturmwettern erfüllte, und wußte nichts mehr zu -erwarten als den Frieden des Todes. -</p> - -<p> -Ich grüße dich, mein Bruder Crusoe! Auch mich -haben die Orkane des Lebens auf eine wüste Insel -geworfen; und nun, wohin immer ich schaue, gewahre -ich nichts mehr als das betäubende und -eintönige Wasser. Zuweilen trägt es mir treibende -Trümmer zu, die ich dann einen Augenblick lang -schweigend betrachte. Bald aber ergreift mich -mein Träumen wieder, das nun seinen Frieden -<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a> -gemacht hat mit dem großen Dröhnen des unendlichen -Meeres, und manchmal schon findet sich -ein Lächeln in mein Gesicht. Wie der Zyklon -still wird! -</p> - -<p> -O mögen in meinem Alter Gottes Palmen mein -Herz wie die friedliche Weinlaube deines Eilandes -überschatten! -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-8"> -DAS GRABMAL DES DICHTERS -</h2> - -<p class="first"> -Wenn ich an meiner Dichtung mit derselben -Sorgfalt gearbeitet habe wie ein ordentlicher -Schuster an seinem Stücke Leder, dann betrachte -ich den schönen Baum im Garten des Hauses, in -dem Alfred de Vigny gewohnt hat, als er in Orthez -Soldat war. Der Handlungsreisende, der seinen -Musterkoffer in die Apotheke oder den Buchladen -trägt, weiß so wenig, daß hier der Dichter Alfred -de Vigny gewohnt hat, wie das Rind, das zur -Weide trottet, oder der Distelfink, der an seinen -Futterhalmen pickt. -</p> - -<p> -Diese Unwissenheit der Städte in allem, was -ihre großen Männer angeht, hat ihren guten Grund. -Sie bewahren von ihnen nur das in ihrer Erinnerung, -was im Einklange mit ihrem eigenen Wesen -stand. Wenn nur Cervantes, der groß ist wie Homer, -einmal wiederkehren wollte in die Francosgasse -zu Madrid, in der er gestorben ist, und den Schatten -seiner dereinstigen Hauswirtin fragte: „Habt Ihr -<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a> -einen Dichter des Namens Miguel Cervantes de -Saavedra gekannt, der den Don Quichote geschrieben -hat?“ Er bekäme zweifellos zur Antwort: „Wenn -Ihr einen Einarmigen meint, den hab’ ich gekannt, -aber einen Dichter nicht.“ -</p> - -<p> -Fordert nicht Gott selber durch diese Unwissenheit, -daß man die Toten ruhen lasse in Frieden und -ihnen nicht allerorten marmorne Denksteine errichte? -Stolzer ist kein Denkmal der Toten als das, -das sich tagtäglich rings um uns erhebt. Ein jeder -Pfirsichbaum, der in der Blüte steht oder die Last -seiner Früchte trägt, ist Denkmal eines Dichters -so wie jeder Sperling und jede Ameise. Daß im -Garten des Dichters des Eloah der Tulpenbaum -golden aufglänzt, daß dort bei den Akazien, wo -der Brunnen fließt, die Ziegen den Schatten der -Mauer entlang gehen, ist das rechte Grabmal. -</p> - -<p> -Ich weiß bestimmt, daß die, die (wie Valéry -Larbaud, André Gide und Guillaumin) sich um -das Andenken eines Dichters wie Charles Louis -Philippe mühen, nur den edelsten Gefühlen gehorchen. -Aber sie sollten doch nicht die Büste, -die Bourdelle dem Dichter gemeißelt hat, dem -Denkmale gegenüberstehen lassen, das Gott selbst -ihm in Cérilly errichtet hat: der Werkstattbude -(die wie der Himmel nur eine Türe hat), darin -ein Handwerker Holzschuhe macht. Ich weiß wohl, -daß das Erz widerstandskräftig ist, wie die zähe -Unbeirrbarkeit des Dichters, dessen Beruf es ist -<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a> -(in diesem Sinne gleicht er dem des Fliegers), -niederzustürzen aus höchster Höhe und sich, wenn -er den Sturz überlebt, noch höher zu erheben. -Aber das Erz, das unser Gedenken weiterleben -sieht, wird von der Zeit versehrt. Dreihundert -Jahre werden hingehn; diese Bergketten werden -nicht mehr sein und für ihr einstiges Dasein wird -nur mehr die menschliche Logik Zeugnis ablegen, -denn sie werden abgetragen und in die Winde -verweht sein — und wie sie wird auch die Büste -aus Erz dem Erdboden gleich geworden sein. Dableiben -aber wird der Geruch des Buchen- oder -Nußholzes, eine alte Frau wird da sein, eine kleine -Katze, die sich in der Sonne wärmt, eine abgetretene -Türschwelle und der Azur des Himmels, -und all das Bleibende wird Zeugnis ablegen -für Charles Louis Philippe wie dieser Tulpenbaum -hier für Alfred de Vigny. Und der Wanderer -künftiger Jahrhunderte, der die feierlichen Rhythmen -des Einen oder das schlichte Wort des Anderen -im Herzen trägt, wird, wenn sein Weg Orthez -oder Cérilly berührt, auch nicht einmal mehr daran -denken, daß es je eine Büste des Einen oder Anderen -habe geben können. Aber mit einem Male werden -die beiden Dichter ihm erscheinen: Vigny in einem -goldenen Baume, wie ein Römer im Sturme -sprechend, Philippe in einer kleinen Werkstatt, die -nach Suppe riecht, und deren Tür kreischt, wenn -sie sich öffnet. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-9"> -<a id="page-24" class="pagenum" title="24"></a> -VON DER BARMHERZIGKEIT GEGEN DIE -TIERE -</h2> - -<p class="first"> -Tief im Blicke der Tiere leuchtet ein Licht -sanfter Traurigkeit, das mich mit solcher Liebe -erfüllt, daß mein Herz sich als ein Hospiz auftut -allem Leiden der Kreatur. -</p> - -<p> -Das elende Pferd, das im Nachtregen mit bis -zur Erde herabgesunkenem Kopfe vor einem Kaffeehause -schläft, der Todeskampf der von einem -Wagen zerfleischten Katze, der verwundete Sperling, -der in einem Mauerloche Zuflucht sucht — -all diese Leidenden haben für immer in meinem -Herzen ihre Stätte. Verböte das nicht die Achtung -für den Menschen, ich kniete nieder vor solcher -Geduld in all den Qualen, denn eine Erscheinung -zeigt mir, daß ein Glorienschein über dem Haupte -einer jeden dieser Leidenskreaturen schwebt, ein -wirklicher Glorienschein, groß wie das All, den -Gott über sie ausgegossen hat. -</p> - -<p> -Gestern sah ich auf dem Jahrmarkte zu, wie die -hölzernen Tiere im Karussell sich drehten. Unter -ihnen gab es auch einen Esel. Als ich ihn erblickte, -habe ich weinen müssen, weil er mich an seine -lebendigen Brüder, die gemartert werden, erinnerte. -Und ich mußte beten: „Kleiner Esel, du -bist mein Bruder! Sie nennen dich dumm, weil -du nicht imstande bist, Böses zu tun. Du gehst -mit so kleinen Schritten, und du siehst aus, als ob -du im Gehen dächtest: „Schaut mich doch an, ich -<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a> -kann ja nicht schneller gehen ... Meine Dienste -brauchen die Armen, weil sie mir nicht viel zu -essen geben müssen.“ Mit dem Dornstocke wirst -du geschlagen, kleiner Esel! Du beeilst dich ein -bißchen, aber nicht viel, du kannst ja nicht schneller .. -Und manchmal stürzest du hin. Dann schlagen -sie auf dich los und zerren so fest an dem Leitseile, -daß deine Lefzen sich aufheben und deine -armseligen gelben Zähne zeigen.“ -</p> - -<p> -Auf demselben Jahrmarkte hörte ich einen -schreienden Dudelsack. Mein Freund fragte mich: -„Erinnert er dich nicht an afrikanische Musik?“ -„Ja,“ antwortete ich ihm, „in Tuggurt näseln die -Dudelsäcke so. Das muß ein Araber sein, der hier -bläst.“ „Gehen wir doch hinein in die Bude,“ sagte -mein Freund, „es sind Dromedare zu sehen.“ -</p> - -<p> -Zusammengepreßt wie Sardinen in der Schachtel -drehten sich hier ein Dutzend kleiner Kamele in -einer Art Grube. Sie, die ich wie Wellen dahinziehen -gesehen habe inmitten der Sahara, da es um -sie nichts anderes gab als Gott und den Tod, mußte -ich nun hier finden, o Elend meines Herzens! Sie -drehten sich, drehten sich immerzu in dem würgenden -Raume, und der Jammer, der von ihnen -ausging, war wie ein Erbrechen über die Menschen. -Sie gingen, gingen immerzu, stolz wie arme -Schwäne und in einer Glorie der Verzweiflung, -mit grotesken Negerlappen bedeckt, verhöhnt von -den Weibern, die hier tanzten, und hoben ihren -<a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a> -armen Wurmhals empor, Gott und den wunderbaren -Blättern einer Oase des Wahnsinns entgegen. -</p> - -<p> -O Erniedrigung der Geschöpfe Gottes! In der -Nähe der Kamele gab es Kaninchen in Käfigen, -daneben, als Lotteriegewinste zur Schau gestellt, -schwammen Goldfische in Glasballons mit so engem -Halse, daß mein Freund mich fragte: „Wie hat -man sie nur da hineinbringen können?“ „Indem -man sie ein bißchen zusammengedrückt hat,“ antwortete -ich ihm. Anderswo wieder wurden lebende -Hühner, gleichfalls Lotteriegewinste, vom Kreisen -einer Drehscheibe mitgeschleppt. In ihrer Mitte -lag, von grauenhafter Angst gepackt, ein kleines -Milchschweinchen auf dem Bauche. Schwindel -befiel die Hühner und Hähne, sie schrien und -hackten in ihrem Wahnsinn aufeinander los. Nun -machte mich mein Begleiter darauf aufmerksam, -daß tote und gerupfte Hühner inmitten ihrer -lebendigen Schwestern aufgehängt waren. -</p> - -<p> -Mein Herz wallt heiß auf in diesen Erinnerungen -und unendliches Mitleid ergreift mich. -</p> - -<p> -O Dichter, nimm die gequälten Tiere in dein -Herz auf, laß sie darin wieder erwarmen und leben -in ewigem Glücke! Geh hin und künde das schlichte -Wort, das die Unwissenden die Güte lehrt! -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-10"> -<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a> -BETRACHTUNG ÜBER DIE DINGE -</h2> - -<p class="first"> -Ich trete in ein großes Viereck sich bewegenden -Schattens ein. Ein Mann sitzt hier und klopft beim -Licht einer bunten Kerze Nägel in eine Schuhsohle. -Zwei Kinder strecken die Hände gegen den -Herd aus. Eine Amsel schläft in dem Rohrkäfige. -Das Wasser brodelt im irdenen rauchschwarzen -Topfe, aus dem ein Geruch von ranziger Suppe -steigt und sich mit dem nach Gerberlohe und -Leder mengt. Ein Hund sitzt vor dem Herde und -starrt in die Glut. -</p> - -<p> -Diese Wesen und Dinge tragen in all ihrer -Armseligkeit eine solche Sanftmut in sich, daß ich -mich gar nicht frage, ob ihr Dasein einen anderen -Sinn habe als eben diese Sanftmut, noch, ob ich -mir ihre Dürftigkeit mit irgendeiner Schönheit -schmücken solle. -</p> - -<p> -Hier wacht der Gott der Armen, der schlichte -Gott, an den ich glaube. Er, der aus einem Körnlein -eine Ähre werden läßt, der das Wasser vom -Lande scheidet, das Land von der Luft, die Luft -vom Feuer und das Feuer von der Nacht; der die -Leiber beseelt, der das Laub macht, Blatt um Blatt, -wie wir es nie werden machen können, worein -wir aber unser Vertrauen setzen wie in die Arbeit -eines vorzüglichen Arbeiters. -</p> - -<p> -Ohne Sehnsucht nach Menschenwissen denke -ich nach; und so kann es geschehen, daß Gott sich -mir offenbart. In der Hütte des Schuhflickers -<a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a> -öffnen sich mir die Augen so einfach wie dem -Hunde, der da sitzt. Und nun sehe ich, sehe in -Wahrheit, was wenige sehen werden: das Bewußtsein -der Dinge, zum Beispiel die Opferwilligkeit -dieses rauchenden Lichtes, ohne das der Hammer -des Arbeiters kein Brot schaffen könnte. -</p> - -<p> -Fast während all unserer Zeit nahen wir uns leichtfertig -den Dingen, die doch gleich uns leiden und -glücklich sind. Wenn ich eine kranke Ähre unter -den gesunden erblicke, wenn ich die fahlen Flecken -an ihren Körnern gesehen habe, dann schaue ich -sehr klar den Schmerz dieses Dinges. Und in mir -selber fühle ich das Leiden der Pflanzenzellen -wieder. Ich verstehe, wie schwer sie es haben, -auf dem Flecke, der ihnen zugewiesen ist, zu -wachsen, ohne einander zu erdrücken, und mich -erfaßt heiß der Wunsch, mein Taschentuch zu -zerreißen und daraus einen Verband für die kranke -Ähre zu machen. Dann denke ich freilich, daß -das kein rechtes Heilmittel für eine bloße Kornähre -sei, und daß eine solche Behandlung in den -Augen der Menschen, denen ich schon sonderbar -genug vorkomme mit meinen Fürsorgen für einen -Vogel oder eine Grille, eine arge Narretei sein -müßte. Doch von dem Leiden dieser Körner habe -ich Gewißheit, denn ich fühle es mit. -</p> - -<p> -Eine schöne Rose wiederum flößt mir ihre -Lebensfreude ein. Ich fühle, wie glücklich sie an -ihrem Stiele ist. Wenn jemand einfach die Worte: -<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a> -„Es ist schade, sie zu brechen!“ ausspricht, bekennt -er damit, daß er das Glück der Blume mitempfindet, -und daß er es ihr bewahren will. -</p> - -<p> -Ich erinnere mich noch ganz genau, wie sich -mir zum ersten Male das Leiden eines Dinges geoffenbart -hat. Ich war drei Jahre alt. In meinem Heimatsdorfe -fiel ein kleiner Junge beim Spielen auf -einen Glasscherben und starb an seiner Wunde. -Wenige Tage später kam ich in das Haus, in dem -das Kind gewohnt hatte. Seine Mutter weinte in -der Küche. Auf dem Kamine lag ein armseliges -kleines Spielzeug. Ich sehe deutlich vor mir, daß -es ein kleines Pferd aus Zinn oder Blei, vor ein -Blechfäßchen auf Rädern gespannt, war. Die -Mutter sagte mir: „Dieser Wagen hat meinem -armen kleinen Louis gehört, der tot ist. Soll ich -dir ihn schenken?“ Da ging eine Flut von Zärtlichkeit -über mein Herz. Ich fühlte, daß dieses -Ding seinen Freund, seinen Herrn nicht mehr -hatte, und daß es daran litt. Ich nahm das Spielzeug -und empfand solches Mitleid mit ihm, daß -ich schluchzte, während ich es nach Hause trug. -Ich weiß es noch ganz bestimmt, daß ich weder -ein Gefühl für den Tod des kleinen Jungen noch -für die Verzweiflung der Mutter hatte, wozu ich -wohl noch zu jung war. Ich hatte nur Mitleid -mit dem bleiernen Tiere, das mir dort auf dem -Kamin ganz verzweifelt erschien und für immer -ausgeschlossen aus dem Leben, da es den verloren -<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a> -hatte, den es liebte. Ich erinnere mich an all das, -als ob es gestern geschehen wäre, und kann als -sicher behaupten, daß der Wunsch, das Spielzeug -zu besitzen, um mich damit zu vergnügen, mir -gar nicht gekommen ist. Das ist gewiß wahr, -denn ich habe, als ich weinend heimkam, das -Pferd mit dem kleinen Fasse meiner Mutter gegeben, -die übrigens das Ganze vergessen hat. -</p> - -<p> -Die Gewißheit von der Beseeltheit der Dinge -lebt in den Kindern, den Tieren und den schlichten -Herzen. Ich habe erlebt, daß Kinder ein rohes -Stück Holz oder einen Stein so sehr mit allen -Eigenschaften lebender Wesen begabt glaubten, -daß sie ihnen eine Handvoll Gras brachten, und -dann, nachdem ich das Gras heimlich weggenommen -hatte, nicht daran zweifelten, daß das Holz -oder der Stein das Gras aufgegessen hätten. Die -Tiere machen keinen Unterschied in dem, was -ihnen geschieht. Ich habe Katzen gesehen, die -lange Zeit hindurch etwas, das ihnen zu heiß -gewesen war, zerkratzten. Das spricht dafür, daß -die Tiere eine Vorstellung vom Kampf gegen die -Dinge haben und für sie die Möglichkeit sehen, -nachzugeben — und vielleicht auch zu sterben. -</p> - -<p> -Ich meine, daß nur die Erziehung durch eine -falsche Eitelkeit es mit sich bringt, daß der Mensch -sich solch eines Glaubens beraubt. -</p> - -<p> -Für mich unterscheidet sich die Handlung des -Kindes, das einem Stück Holze zu essen gibt, gar -<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a> -nicht von gewissen Opferbräuchen der Urreligionen. -Und schließlich bedeutet der Glaube, daß -Bäume, die an dem Tage, an dem Kinder geboren -wurden, gepflanzt worden sind, siechen und vertrocknen, -wenn die Kinder kränkeln und sterben, -nichts anderes, als daß man Bäumen ein tieferes -Verbundensein mit uns als mit dem Leben zuschreibt. -</p> - -<p> -Ich habe leidende Dinge gekannt, und ich weiß -von solchen, die an ihrem Leiden gestorben sind. -Das traurige Kleiderwerk, das von unseren Abgeschiedenen -zurückbleibt, verfällt rasch. Oftmals -hat es die Krankheiten, an denen die litten, die es -getragen haben; denn es hat seine Sympathien. -Oft habe ich Gegenstände in ihrem Zugrundegehen -betrachtet. Ihre Auflösung gleicht völlig -der unseren. Auch sie haben ihren Knochenfraß, -ihre Geschwülste und ihre Wahnsinne. Ein wurmzerfressenes -Möbelstück, ein Gewehr mit gebrochenem -Verschlusse, eine Lade, die sich wirft, eine -Geige, die ihre Stimme verloren hat, sehe ich an -Krankheiten leiden, vor denen ich erschüttert stehe. -</p> - -<p> -Warum sollen wir glauben, daß nur wir Dinge -lieb haben können und den Dingen die Liebe zu -uns absprechen? Wer bürgt denn dafür, daß die -Dinge der Liebe nicht fähig sind, wer zeugt dafür, -daß sie kein Bewußtsein haben? -</p> - -<p> -Hatte der Bildhauer nicht recht, der sich mit -einem Klumpen Ton in den Händen begraben -ließ, von jenem Ton, der seinen Träumen so gehorsam -<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a> -gewesen war. Dieser Ton hatte ihm doch -immer die Aufopferung eines guten Dieners, wie -wir sie am meisten bewundern, bewiesen: sich -schweigend darzubringen, ohne etwas dafür zu -erwarten, hingegeben gläubig. Voll Glanz und -Erhabenheit ist ein solches Bild, das dem Menschen -also dient, wie der Mensch Gott dient. Jener -Künstler wußte nicht mehr als sein Ton davon, -welchem Geheiße er untertan war. Von dem -Augenblicke an, da sie beide die gleiche Erleuchtung -empfangen hatten, glaube ich auf gleiche -Weise an ihr Bewußtsein und liebe sie beide mit -derselben Liebe. -</p> - -<p> -Unendlich ist die Traurigkeit in den Dingen, -die keinem Gebrauche mehr dienen. Auf dem -Dachboden dieses Hauses, dessen Bewohner ich -nicht gekannt habe, liegt das Kleid eines kleinen -Mädchens und eine Puppe, der Verzweiflung verfallen. -Vor der jahrealten Einsamkeit der Dinge -hier fühle ich die Gewißheit, daß der eisenbeschlagene -Stock dort, der einst fest in die Erde der -grünen Hügel gebissen hat, ebenso glücklich wäre, -wenn er noch einmal die kühle Frische von Moos -empfinden dürfte wie der Sommerhut, der nun -trüb erleuchtet vom armen Lichte einer Dachluke -daliegt, wenn er noch einmal einen Sommerhimmel -sehen dürfte. -</p> - -<p> -Die Dinge aber, die wir liebevoll bewahren, -erhalten uns ihre Dankbarkeit und sind immer -<a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a> -bereit, uns ihre Seele darzubringen, auf daß sie -sich an uns verjünge. Sie sind wie die Rosen in -sandigem Grunde, die unendlich erblühen, wenn -nur ein wenig Wasser sie der Azure ihrer verlorenen -Brunnen gemahnt. -</p> - -<p> -In meinem bescheidenen Wohnzimmer habe -ich einen Kindersessel stehen. Auf ihm saß mein -Vater und spielte, als er in seinem siebenten Jahre -die Überfahrt von Guadeloupe nach Frankreich -machte. Er erinnerte sich noch gut daran, wie er -auf ihm im Schiffssalon saß und die Bilder ansah, -die ihm der Kapitän geliehen hatte. Das Holz von -jenen Inseln muß sehr fest sein, denn es hat den -Spielen eines kleinen Jungen standgehalten. Dieses -kleine Möbelstück, das in meinem Wohnzimmer -einen Hafen gefunden hat, schlief hier lange fast -vergessen. In langen Jahren hat es seine Seele -nicht geoffenbart, denn das Kind, dem es gedient -hatte, gab es nun nicht mehr, und andere Kinder -kamen nicht, um sich wie Vögel daraufzusetzen. -Doch neuerdings ist das Haus fröhlich geworden; -meine kleine Nichte ist da, die eben sieben Jahre -alt wurde. Sie hat sich auf meinem Arbeitstische -eines alten botanischen Atlas bemächtigt. Und da -ich in das Wohnzimmer komme, finde ich sie im -Lampenlichte auf dem kleinen Sessel sitzen und, -wie dereinst ihr seliger Großvater, die schönen -sanften Bilder anschauen. Da sagte ich mir, daß -einzig dieses kleine Mädchen den Sessel habe neu -<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a> -beleben können, und daß seine dienensfrohe Seele -sachte das arglose Kind dazu gelockt habe. Zwischen -dem Kinde und dem Dinge war ein geheimnisvolles -Spiel von Anziehungskräften am Werke: -das Mädchen hätte es nicht vermocht, nicht zu -dem Sessel zu gehen, der einzig dadurch hatte -wieder zu Leben kommen können. -</p> - -<p> -Die Dinge sind sanft. Aus eigenem Antriebe -tun sie niemals Böses. Sie sind die Geschwister -der Geister. Sie nehmen uns in sich auf, und wir -bringen ihnen unsere Gedanken, die Sehnsucht -nach ihnen haben wie die Düfte nach den Blumen, -zu denen sie gehören. -</p> - -<p> -Der Gefangene, den keine Menschenseele trösten -kommt, muß seine Zärtlichkeit zu seiner Pritsche -und zu seinem irdenen Kruge tragen. Da ihm -von seinesgleichen alles versagt wird, schenkt ihm -sein armes Lager den Schlaf und stillt ihm sein -Krug den Durst. Und selbst die nackten Mauern, -die ihn doch von der ganzen Welt trennen, werden -ihm lieb, weil sie zwischen ihm und seinen Peinigern -stehen. -</p> - -<p> -Das gezüchtigte Kind liebt den Polster, auf dem -es weint. Da an einem solchen Abende alles ihm -gegrollt und wehgetan hat, tröstet es die schweigende -Seele des Federkissens wie ein Freund, der -mit seinem Schweigen dem Freunde Ruhe schenken -möchte. -</p> - -<p> -Doch nicht allein ihr Stummsein ist es, das uns -<a id="page-35" class="pagenum" title="35"></a> -ihre Zuneigung empfinden läßt. Sie klingen in -so verschwiegenen Akkorden, mögen sie nun in -dem Forste klagen, den René mit seiner gewitternden -Seele erfüllt, oder sie hinsingen über den -See, an dem ein anderer Dichter in Betrachtungen -versunken ist. Es gibt Stunden und Zeiten, in -denen manche dieser Akkorde ein stärkeres Leben -haben, in denen die tausend Stimmen der Dinge -lauter zu hören sind. Zwei oder dreimal in meinem -Leben habe ich den Ruf dieser Geheimniswelt -vernommen. -</p> - -<p> -Gegen Ende August um Mitternacht nach einem -sehr heißen Tage geht über die hingeknieten Dörfer -ein ungewisses Raunen. Es klingt anders als -das der Bäche und Quellen oder das des Windes, -anders ist es als das Geräusch, mit dem die Tiere -das Gras zermalmen oder das ihrer Ketten, an denen -sie über den Krippen zerren, anders ist es als die -Laute der unruhigen Wachhunde, der Vögel oder -der Schiffchen an den Webstühlen. So mild sind -diese Klänge dem Ohre, wie dem Auge der -Schimmer der Morgenröte ist. Nun regt sich eine -ungeheure und sanfte Welt; die Grashalme lehnen -sich bis zum Morgen aneinander, unhörbar rauscht -der Tau, und mit jedem Sekundenschlage ändert -das große Keimen völlig das Antlitz der Gefilde. -Nur die Seele kann diese Seelen erfassen, den -Blütenstaub in der Glückseligkeit der Blumenkronen -ahnen und die Rufe und das Schweigen -<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a> -vernehmen, darin das göttliche Unbekannte sich -vollzieht. Es ist so, als ob man sich mit einem -Male in einem völlig fremden Lande befände und -hier von der sehnsüchtigen Schwermut der Sprache -zart ergriffen würde, ohne doch genau zu verstehen, -was sie ausdrückt. -</p> - -<p> -Aber ich kann doch tiefer in den Sinn des -Raunens der Dinge eindringen als in den einer -Menschensprache, die mir unbekannt ist. Ich fühle, -daß ich verstehe, und daß es dazu gar keiner großen -Anstrengung bedarf. Vielleicht ist mein Dichten -manchmal so weit, den Willen dieser verborgenen -Seelen zu übersetzen und einige ihrer Lebensäußerungen -auf eine faßliche Art aufzuzeichnen. -Ich verstehe es schon, diesem unbestimmten Raunen -innerlich Antwort zu geben, wie ich es verstehe, -mit Schweigen verständlich die Fragen einer -Freundin zu beantworten. -</p> - -<p> -Aber diese Sprache der Dinge ist nicht völlig -und einzig mit dem Ohre vernehmbar. Sie bedient -sich auch anderer Zeichen, die blaß über unsere -Seele hinhuschen und sich allzu schwach noch -einprägen, die aber vielleicht deutlicher wiederkommen -werden, wenn wir bereiter sind, Gott in -uns aufzunehmen. -</p> - -<p> -Es gibt Dinge, die mich in den wehevollsten -Umständen meines Lebens getröstet haben. Etliche -unter ihnen zogen in solchen Zeiten auf sonderbare -Art meine Blicke auf sich. Und ich, der ich -<a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a> -mich nie vor den Menschen beugen konnte, habe -mich demütig diesen Dingen hingegeben. Da -brach ein Strahlen aus ihnen — doch nicht nur aus -den Erinnerungen, die mich mit ihnen verknüpfen -— und durchdrang mich wie Schauer der -Freundschaft. -</p> - -<p> -Ich fühlte sie und fühle sie rings um mich leben, -leben in meinem verborgenen Reiche, und ich bin -ihnen verantwortlich wie einem älteren Bruder. -Im Augenblicke, da ich dies schreibe, empfinde -ich, daß voll Liebe und Vertrauen die Seelen dieser -göttlichen Schwestern auf mir ruhn. Der Sessel -da, der Schrank, die Feder, sie sind mit mir. Ich -glaube an sie über alle Systeme hinaus, über alles -Verstehen und jede Deutung hinaus glaube ich -an sie. Sie geben mir eine Überzeugung, wie kein -Genie sie mir geben könnte. Jedes System wird -eitel sein und alle Deutung Irrtum in dem Augenblicke, -in dem ich in meiner Seele die Gewißheit -dieser Seelen leben fühle. -</p> - -<p> -Als ich bei dem Schuhflicker eintrat, habe ich -mich, mit den Kindern und dem Hunde beim -Herde sitzend, unvermittelt aufgenommen gefühlt -und habe meine Seele den tausend unbekannten -Stimmen der Dinge aufgetan. In dieser andächtigen -Besinnung wurde aus dem Niederfall einer -halbverwelkten Ranke, aus dem Knirschen des -Schürhakens, aus dem Schlage des Hammers und -dem Flackern der Kerze, wurde aus dem schwarzen -<a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a> -geblähten Flecke, als den ich die eingeschlafene Amsel -sah, und aus dem Auf- und Niedergehen des Deckels -auf dem Kochtopfe eine geheiligte Sprache, -die meinem Lauschen verständlicher war als die -Rede der meisten Menschen. Diese Laute und -Farben waren nichts anderes als die Gebärde der -Gegenstände, deren sie sich als Ausdrucksweise -bedienen wie wir der Stimme und der Blicke. -Brüderlich fühlte ich mich diesen demütigen Dingen -verbunden. Und ich erkannte, wie armselig -es sei, die Reiche der Natur voneinander zu scheiden, -da es doch nur das eine Reich Gottes gibt. -</p> - -<p> -Wie darf man behaupten, daß die Dinge uns -niemals Zeichen ihrer Zuneigung geben? Rostet -nicht das Werkzeug, dessen sich die Hand des -Arbeiters nicht mehr bedient, ebenso wie der Mann, -der das Werkzeug feiern läßt? -</p> - -<p> -Ich habe einen Schmied gekannt; er war fröhlich -in den Zeiten seiner Kraft, und der blaue -Himmel leuchtete an strahlenden Mittagen in seine -schwarze Schmiede. Lustig gab der Amboß seinem -Hammer <a id="corr-0"></a>Antwort. Der Hammer, den der Meister -<a id="corr-1"></a>von Herzen schwang, war das Herz des Amboß. -Wenn die Nacht hereinbrach, erhellte er die -Schmiede mit seinem bloßen Schimmer und dem -Blicke seiner Augen, die unter dem ledernen Blasbalge -als Kohlenglut glommen. Eine erhabene -Liebe verband die Seele dieses Mannes mit der -Seele seiner Dinge. Wenn er sich an den heiligen -<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a> -Tagen zur Andacht sammelte, betete die Schmiede, -die er schon am Abende vorher gesäubert hatte, -schweigend mit ihm. Dieser Schmied war mein -Freund. Oft stand ich an der schwarzen Schwelle -und rief ihm eine Frage zu — und die ganze -Schmiede gab mir Antwort. Die Funken lachten -über die Kohlen hin, und metallen klingende -Silben wurden zu einer tiefen und geheimnisvollen -Sprache, die mich ergriff wie Worte von Pflicht. -Hier widerfuhr mir fast das Gleiche wie bei dem -armen Flickschuster. -</p> - -<p> -Eines Tages wurde der Schmied krank. Sein -Atem ging kurz; wenn er jetzt an der Kette des -Blasbalges, der vordem so stark gewesen war, zog, -merkte ich deutlich, daß dieser keuchte und allmählich -von der Krankheit seines Herrn befallen -wurde. Sprungweise und ungleich ging nun das -Herz des Mannes, und auch der Hammer, den -er über dem Amboße schwang, fiel verstört auf -das Eisen nieder. Und im gleichen Maße, wie -das Licht in den Menschenaugen abnahm, leuchtete -auch das Feuer in der Esse weniger und weniger. -Abends flackerte sie dann noch weiter, und -an den Wänden und der Decke erblich lange das -Zucken ihres Vergehens. -</p> - -<p> -Eines Tages fühlte der Schmied bei der Arbeit -seine Hände und Füße kalt werden, und am Abend -starb er. -</p> - -<p> -Ich betrat die Schmiede; sie war kalt wie ein -<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a> -Körper ohne Leben. Ein bißchen Glut nur fand -ich im Kamine als eine armselige Totenwache -neben dem Sterbebette glimmen, an dem zwei -Frauen beteten. -</p> - -<p> -Drei Monate nachher kam ich wieder in die -verlassene Werkstätte, um an der Schätzung ihrer -geringen Einrichtung teilzunehmen. Alles war -feucht und schwarz wie in einem Grabe. Das -Leder des Blasbalges war angefault und löchrig -geworden und löste sich, da jemand an der Kette -ziehen wollte, von seinem Holzrahmen los. -</p> - -<p> -Die einfachen Leute, die mit mir die Schätzung -vornahmen, erklärten: „Der Amboß und der Hammer -haben ausgedient. Sie haben mit ihrem Meister -zu leben aufgehört.“ -</p> - -<p> -Ich stand erschüttert. Denn ich hörte den geheimen -Sinn dieser Worte. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-11"> -LOB DER STEINE -</h2> - -<p class="first"> -Strahlende Schwestern der Bergströme, denen -ich am Ufer des Alpensees begegnet bin: Steine, -Geliebte der Iris und des kalten Azurs, ihr, auf -die sich das Salz niederschlägt, das die Lämmer auflecken; -ihr Spiegel voll Helle, schillernd wie der -Hals der Taube, ihr, die ihr mehr Augen habt als -der Pfau! Im großen Feuer seid ihr Kristalle geworden, -und eure schneeigen Adern sind ewig, -ihr Gefährten der Urzeitfluten; seit Anbeginn hat -<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a> -die Meerflut euch gebadet und gewiegt bis zu der -Stunde, in der die Taube aus der Arche voll Liebe -aufgurrte, da sie euch erblickte. -</p> - -<p> -Bald ist das leuchtende Korn eures Fleisches -blaugeädert weiß wie eine Kinderfaust, bald schimmert -es kupfergolden wie die Hüfte einer schönen -schwerblütigen Frau; zuweilen blinkt der Glimmer -darin silbrig wie eine Wange in der Sonne, dann -wieder ist es bräunlich wie die Haut der Frauen, -der das goldene Rot der Mandarine und das stumpfe -Blond des Tabaks die Farbe gab. -</p> - -<p> -Ihre Steine, aus dem Herzen des Bergstroms -gebrochen, gegeneinandergeschmettert, dahingerissen -durch den Seidelbast der Schluchten, gepeitscht -von den Rauhfrostwettern, von den -Lawinen begraben, von der Sonne wieder ans -Licht geholt, vom Fuße der Gemse losgebrochen: -ihr seid kühl und schön — und ihr seid, über all -das hinaus, rein. -</p> - -<p> -Ich kenne eure Schwestern in Indien wenig; -es gibt solche unter ihnen, deren Klarheit mit dem -Wasser, das aus dem Marmor quillt, wettstreitet, -andere, die mich an das leuchtende Grün der -Wiesen in den Talen meiner Heimat denken -machen, welche wieder, die wie erstarrte Tropfen -Blutes sind, und endlich die, die Kristall gewordenes -Sonnenlicht sind. -</p> - -<p> -Aber ich ziehe euch diesen vor, obwohl ihr nicht -so kostbar seid, ihr, die ihr zuweilen die Balken -<a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a> -der Strohdächer tragen müßt und so das Sprühen -der Sterne spiegeln könnt, und ihr anderen, auf -die sich der Schäferhund hinstreckt und traurig -nun über seine Herde wacht. -</p> - -<p> -Empfanget tief im Äther, wo ihr auf den Gipfeln -ruht, weiter die reinliche Nahrung, die eurem -friedlichen Reiche zugemessen ist. Das Licht möge -eure unbekannten Zellen durchdringen, und die -leichten wirbelnden Flocken sollen sie tränken. -Das Schwirren der Winde mache sie erklingen, -und endlich mögen sie jene vollkommene Nahrung -empfangen, von der einst Maria Magdalena in -einer Felshöhle gestillt worden ist. Rings um euch -werden eure Freunde blühen, die reinsten Blütenkronen -dieses Gestirns: aber auch sie werden nicht -so keusch sein wie ihr, denn sie duften nach Schnee. -</p> - -<p> -Arme graue Schwestern in den Rinnsalen, -denen ich in den Ebenen begegnet bin, traurige -Steine ohne Glanz, ihr, die ihr den Regen sammelt, -auf daß der Sperling zu trinken habe; ihr, über -die die Füße der Eselin stolpern, ihr armseligen -Wächter, die ihr die elenden Gärten umfriedet, -die ihr die hohlgetretenen Schwellen seid und die -Brunnengeländer, glattgerieben von der Eimerkette, -ihr Bettler, blank wie das Eisen der Ackergeräte! -Ihr werdet heiß gemacht im Armenherde, -auf daß ihr die Füße der Großeltern erwärmet, -ihr werdet ausgehöhlt für die niedrigsten Verrichtungen, -und ihr müßt in eurer Armseligkeit Tisch -<a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a> -sein für den Hund und das Schwein. Durchbohrt -werdet ihr und müßt, zu Mühlsteinen geworden, -das knirschende Korn mahlen. O ihr, die ihr fortgeholt -werdet, und ihr, die ihr liegen bleibt: o ihr, -auf denen der Irrgegangene schlafen wird — o ihr, -unter denen ich schlafen werde! -</p> - -<p> -Ihr habt euch nicht wie eure Gefährten in den -großen Gebirgen eure Freiheit wahren können, -aber ich achte euch darob nicht geringer, ihr -meine Freunde. Ihr seid schön wie alle Dinge, die -im Schatten sind. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-12"> -BETRACHTUNG ÜBER EINE SCHNEPFE -</h2> - -<p class="first"> -„Ich bin eine Schnepfe. Um die Zeit, in der der -herbstliche Ozean fürchterlich wird und die Schiffe -im gelben und schwarzen Himmel tanzen, wohne -ich hier, denn ich mische mich nicht ein in die -verschiedenen großen Angelegenheiten der Natur, -ich Schnepfe, die ich nicht weiß, daß tausend und -tausend Kreolenjungfrauen jetzt verblüht sind wie -feurige Rosen im zerstörenden Hauche eines -Vulkans. Hier wohne ich, zwischen den Binsen -und einer Lache, in der Gleichförmigkeit von Tag -um Tag. Mein Tal zieht von Norden nach Süden, -es ist morastig, waldverwachsen und traurig. Aber -es stimmt recht hübsch überein mit meinem Kleide, -das wie ein totes Blatt gefärbt ist, und man könnte -mich schon für eine Dame nehmen, wenn ich da -<a id="page-44" class="pagenum" title="44"></a> -mit meinem Stocke, der mein Schnabel ist, spazierengehe -... Man weiß von mir auch, daß ich die -schönsten Augen auf der Welt habe, und daß von -ihnen die Sage geht, sie weinten, bevor ich sterbe.“ -</p> - -<p> -„Kommen Sie und sehen sie mich in meinem -Salon an! Wissen Sie denn, wie der Salon einer -Schnepfe aussieht? Die Jäger mögen Ihnen davon -erzählt haben. Haben Sie Ihnen aber auch gesagt, -was ein Schnepfenspiegel ist? Das ist nämlich -etwas, das ein bißchen schwierig zu erklären ist. -Meine Spiegel sind aus blankem Silber und haben -einen dunklen Punkt in der Mitte .... sie sind -das, was ich hinter mir fallen lasse. Mein Parfüm -ist das frischgeschlagene Holz. Lieben Sie den Geruch -von Heu? O, in der Natur sind alle Gerüche -vereinigt. Würziger aber riecht doch nichts als der -Saft der Erle, den der Holzhauer abzapft. Das ist -ein Geruch, der schön ist, während doch Gerüche -für gewöhnlich nur gut sind. Aber dieser Duft -ist schön wie das Blut, das in der stillen Stunde -aufsteigt in die Wangen des Heidekrautes, wenn -die Sonne müde ihre Haare auflöst und sich lang -über den Hügel hinstreckt. Wenn ich meine Füße auf -das setzte, was von einem Erlenstamme am Erdboden -übrigbleibt, kommt es mir vor, als ob ich auf duftenden -Purpur trete und ich die Königin von Saba bin.“ -</p> - -<p> -„Die Wohnung, die ich habe, ist gottlob recht -brauchbar. Ein paar Verbesserungen täten ihr freilich -schon not: der Wind hat nämlich die Dachschindel -<a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a> -aus Blättern, die mir der Dachdecker Frühling darauf -gelegt hat, schon wieder zerblasen. Der Herr Herbst -hat sie durch Klematisfrüchte ersetzt — aber die -saugen mit ihrem Flaum den Regen aus der Luft.“ -</p> - -<p> -„Ich habe nur ein Erdgeschoß. Der Flur ist ein -Wassergraben, dunkel genug, daß ich darin ordentlich -sehe. Man weiß ja, daß meine Augen das -grelle Licht schlecht vertragen. Mir ist auch ein -einfacher Stern lieber als die beste Kerze. Der Herr -hat mir gesagt: ‚Geh, kleine Schnepfe. Ich schenke -dir alle Sterne des Himmels, daß sie dir leuchten.‘“ -</p> - -<p> -„Mein Park ist unermeßlich, er schließt die -ganze Welt in sich. Aber ich gehe doch erst in -die Berge, mir kleine Eisstückchen zu holen, wenn -die große Hitze kommt. Denn man muß es verstehen, -seine Wünsche einzuschränken — sonst -muß man die Geschichte vom Weinberge des -Naboth wieder von frischem beginnen. Ich wohne -also hier, sage ich Ihnen, zwischen diesen Binsen -und der Lache, und ich komme auch kaum fort -von meinem runden moosigen Platze da und von -der Quelle, deren Wasser ein Hirt in einen Dachziegel -geleitet hat, von dem jetzt, durch einen -Stein festgehalten, ein Kastanienblatt herunterhängt. -Man darf aber nicht vielleicht glauben, daß es da -weiter unten nicht eine herrliche Landschaft gibt: -die Ufer und Inseln des Wildbaches, wo inmitten -von rosa Nebeln der Herr Reiher auftaucht und -wieder verschwindet, je nachdem der Nebel sich -<a id="page-46" class="pagenum" title="46"></a> -hebt oder sich ausbreitet. Und in einiger Entfernung -von ihm unter dem silbernen Himmel -schnellen über das silberne Wasser die Silberfische, -auf die er lauert, empor.“ -</p> - -<p> -„Ich wünsche mir, glücklich und verborgen -wie ein Veilchen zu leben. Eine Schnecke in der -Schale genügt für mein erstes Frühstück, währenddessen -ich entzückt bin von all dem Nebel, der -von jedem Zweige fällt wie ein Hagelschauer aus -lauter Regenbogen. Was brauche ich auch Luxus -und Eitelkeit? Wenn ich doch lieber das große -Buch der Natur lesen könnte, das Buch, von dem -ich selber ein bescheidenes Exemplar bin. Sehen -nicht wirklich meine Rückenfedern aus wie der -Ledereinband eines ganz alten Folianten — und -die Federn auf meiner Brust wie seine bunten -Ränder? Ja, ich lese in mir selber, in dem wirklichen -Buche, das ich bin, und ich muß nicht meine -Zuflucht zu all den Mitteln nehmen, deren sich -die unwissenden Dichter bedienen. Was ich weiß, -weiß ich ordentlich, weil ich es mir nicht nur -vorstelle, sondern es mit dem Schnabel und den -Füßen angreifen kann, und weil es doch die Frucht -meiner Erfahrungen und meiner Weisheit ist.“ -</p> - -<p> -„Was ich weiß? Ich weiß, daß ich gerade vor -mich hinmarschiere, die Füße auf der Erde und den -Kopf im Himmel. Ich weiß, daß es ganz gewöhnliche -Sachen gibt, über die man sich doch sehr -wundern muß. Und ich weiß, daß die Welt zusammengesetzt -<a id="page-47" class="pagenum" title="47"></a> -ist aus lauter Schnepfen, die gar -keine Schnepfen sind. Ich weiß, daß ich leide, wenn -man mir Blei in meine Flügel schießt. Ich weiß, -daß ich glücklich bin, wenn ich im Mondschein -durch das sanfte Gras der Waldränder irre, mit -gezählten Schritten, den Kopf nach rechts und -links drehend und bereit, mit der Spitze des -Schnabels die Würmer aufzupicken. O, von was -für wunderbaren Nächten habe ich nicht schon -die Quellen singen gehört, wenn ich mir in ihnen -säuberlich die Füße wasche! O das fließende Blau, -das die Schatten des Gebüsches liebkost, bis sie -zittern und den ersten Himmelschlüsseln weichen!“ -</p> - -<p> -„Ich weiß, daß ‚es muß sein‘ ein großes Wort -ist, und daß danach mein ganzes armes Tierleben -abgewandelt wird. Es muß sein, daß ich, wenn es -April wird, diese wunderbaren Täler verlasse und -es meinem Fluge anheimgebe, dahin zu fliegen, -wohin er fühlt, daß nun geflogen werden muß. -Das habe ich verstehen gelernt, daß so einfach -dahinzureisen besser ist, als sich abzuquälen mit -Landkarten, Kompaß und Sextant, mit alldem, wodurch -die Menschen Schiffbruch leiden. Es muß -sein, sage ich, ist ein großes Wort! Darum habe -ich Schnepfe mir auch nicht mein Dasein durch -Weltkarten, Luftballons, Dampfmaschinen und -Theorien verwirrt, denn es mußte sein, daß ich -Flügel habe. Und so ist meine ganze Wissenschaft -ganz einfach die, daß ich mich auf meinen Schnabel, -<a id="page-48" class="pagenum" title="48"></a> -meine einzige Bussole, verlassen kann, um inmitten -der Schneefelder (die die Orangenblütenhaine des -Gebirges sind) die süßeste Braut wiederzufinden.“ -</p> - -<p> -So spricht die kleine Schnepfe. Und ich beneide -die kleine Schnepfe um ihren guten Sinn und um -ihr Glück. Kleine Schnepfe, es gibt noch anderes -Blei als das, das dir durch die Flügel schlägt: das -Blei, das ich im Herzen trage. Und andere Stechpalmen -gibt es als die, die sich mit Moos umgeben, -so daß du verlockt bist, darauf auszuruhen: die -Stechpalmen, die meine Schläfen kränzen und die -mein einziger Lorbeer sind. -</p> - -<p> -O, warum hat Gott mir nicht wie dir Flügel -gegeben? O, warum kann ich, wenn der Duft des -Flieders den liebesbleichen Frühling in seinem -Gewande schwanken und hinsinken macht, und -wenn der Seidelbast wieder blüht, nicht am Rande -der durchstürmten Schlucht die erwarten, von -der ich getrennt bin? O kleine Schnepfe, warum -bin ich nicht lieber in deinem kleinen Salon aus -welken Blättern geblieben, um im langen Regnen -dem Seufzen der Winterwinde zuzuhören, anstatt -in diesem Zimmer zu sitzen und meinen Betrachtungen -nachzuhängen, indes der Herd braust wie -der Ozean und mir im Uhrenschlagen geschieht, -als ob ich eine reine und traurige Stimme wiederhörte. -</p> - -<p> -Kleine Schnepfe, möge das wilde Wetter mit -dir gnädig verfahren! Die Windstöße sollen deine -Spuren verwischen, so daß der Hund sie morgen -<a id="page-49" class="pagenum" title="49"></a> -nicht spüren kann, sich von seinem Herrn prügeln -lassen muß und endlich schlammbeschmiert, verdutzt, -den Schweif eingeklemmt, zurückkommt, -ohne dich gefunden zu haben! -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-13"> -BETRACHTUNGEN -ÜBER EIN SPEISEZIMMER -</h2> - -<p class="first"> -Nicht das Familienspeisezimmer ist es, über das -ich jetzt sprechen will. Zwar war das wie ein -Spiegel im Schatten und roch nach Obst, nach -Wein und dem Wachse des Fußbodens, und wenn -man eintrat, glitt man aus und fiel hin. In diesem -Zimmer wurde ein jeder zu Eis so wie in Gegenwart -meiner hugenottischen Großtante, die in ihre -Bibel den Spruch des Psalmisten geschrieben hatte: -„Wahrlich, Schein ist es, darinnen der Mensch -wandelt. Wahrlich, eitel ist, was er treibt.“ -</p> - -<p> -Dieser Raum hatte einst bessere Tage gesehen. -Aber um die Zeit, von der ich jetzt spreche, -wohnte nur mehr ein schmerzliches Schweigen -darin, das wie das Schweigen der Abwesenden, die -voll Traurigkeit den Kopf schüttelten, anmutete. -Man hat mir hier eine Ecke gezeigt, in der mein Vater -nach seiner Ankunft aus Guadeloupe (er war damals -sieben Jahre alt) allerlei Grimassen versucht hat, -um seine Eltern zu erheitern, und vielleicht auch, -um sich selber zu erheitern. Armes verstörtes Kind, -das noch traumtrunken war von den grünen Kokosnüssen, -<a id="page-50" class="pagenum" title="50"></a> -von zärtlich rosigen Blumen und dem -klingenden Schimmern der Kolibris. -</p> - -<p> -Das Speisezimmer von heute liegt gegen Osten, -auf den Garten hinaus, der sich längs der Straße hinzieht. -Es ist ohne allen Luxus eingerichtet und ein -rechtes Durchschnittszimmer, aber die Götter besuchen -mich darin, und ein paarmal haben Göttinnen, -müde der Welt, hier mein grobes Brot gegessen. -Man kann dieses Speisezimmer gar nicht -besser als mit den Versen des Mong-Kao-Jen beschreiben: -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">... Ein alter Freund reicht mir ein Huhn und Reis dazu.</p> - <p class="verse">... Und unser Horizont sind blaue Berge, deren Gipfel</p> - <p class="verse">Aus blauem Glanz des Himmels ausgeschnitten sind.</p> - <p class="verse">Im offenen Saal ist uns der Tisch gedeckt.</p> - <p class="verse">Nun überschauen wir den Garten meines Gastfreunds,</p> - <p class="verse">Nun reichen wir einander die gefüllten Becher.</p> - <p class="verse">Wir reden sacht von Hanf und Maulbeerbaum.</p> - <p class="verse">Wir warten auf den Herbst: dann werden hier im Garten</p> - <p class="verse">Die Chrysanthemen blühn.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="noindent"> -Hier in diesem Raume geschieht es mir zweimal -im Tage, daß ich mir der Dinge bewußt werde, -sei es dadurch, daß aus dem Brote die Seele des -fahlen Korns, das unter dem Hundsstern des Juli -knirscht, mich durchdringt, sei es, daß aus dem -Weine mich die purpurne Landschaft der Weinlese -überkommt und die Fröhlichkeit der Mädchen, -die singend die dunklen Trauben schnitten. Und -ein jedes Gericht wird mir geheiligt um alles -dessen willen, was es an Kraft dichterischer Ahnung -<a id="page-51" class="pagenum" title="51"></a> -in mein Blut schickt. So muß ich auch nicht den -demütigen Küchengarten mißachten, in dem die -duftende Goldrübe wuchs, noch das herbe Gras -der erlengesäumten Wiese, auf der das Rind gelebt -hat, dessen Fleisch ich esse, nicht die von welken -Blättern bedeckte Hütte, verkrochen im innersten -Gebirge, in der dieser Käse entstanden ist, noch -endlich den Obstgarten, wo in der betäubenden -Glut der Sommerferien ein Schulmädchen es über -sich gebracht hat, inmitten von bläulichen und -granatroten Himbeersträuchern (deren Früchte ich -genieße) ihren brennenden Mund lange auf dem -Munde eines Jungen zu vergessen. -</p> - -<p> -Ich kenne die Einsamkeiten, in denen das Wasser, -das ich trinke, entspringt, und die traurigen Forste, -die sie umgeben. Dort bin ich dem fröhlichen -alten Manne begegnet, dessen Hühner ich in einem -Gedichte besungen habe, und jenem anderen Greise, -der den Wahnsinn seiner Tochter beweinte. -</p> - -<p> -Ich muß mir aber auch zu Bewußtsein bringen, -daß die Schüsseln, die alle diese Gerichte bergen, -irgendwoher stammen, und zwar ebenso aus der -Erde wie ihr Inhalt, und daß die Früchte da in -der Schale aus Steingut mir in einem Gefäße aus -dem Urstoffe selber dargebracht werden. Und ich -muß mich endlich auch daran erinnern, daß das -Glas der Wasserflasche, in der das Wasser eben -schwankend ins Gleichgewicht strebt, aus dem -Wasser selber hervorgegangen ist, aus dem natriumreichen -<a id="page-52" class="pagenum" title="52"></a> -sandigen Meere, das ihm seine Durchsichtigkeit -gegeben hat. -</p> - -<p> -Speisezimmer, du göttliche Vorratskammer, in -dir gibt es die Feige mit den Bißspuren der Amsel -und die Kirsche, die der Sperling angepickt hat. Der -Hering liegt da, der die Korallen und die Schwämme -des Meeres gesehen hat, und die Wachtel, die durch -die Nacht der Minze geschluchzt hat; in dir ist der -Herbsthonig aufbewahrt, den die Bienen in der -schon bräunlichen Sonne eingeheimst, und der -Akazienhonig, den sie im fahlen Lichte einer -Tränenallee gesammelt haben. Das Öl, das die -Lampen der Provence speist, ist da, das Salz, das -perlmuttern schimmert, und der Pfeffer, den die -Kauffahrer auf ihren Galeeren geheimnisvoll -lächelnd gebracht haben. -</p> - -<p> -Mein Speisezimmer, ich habe dich oft aus der -Beute meiner Botanisiergänge geschmückt und -deine Luft mit dem Geruche der Feldblumen erfüllt. -</p> - -<p> -Und dann warst du eines Tages mit Sträußen -seltener Blumen geschmückt, mit denen eine Frau -deine Bescheidenheit geehrt hat. Aber du hast es -verstanden, du selbst zu bleiben, nicht allzu geschmeichelt -noch auch abweisend. Als die erlesenen -Blumen auf deinem Tische standen, hast du sie -durch deine Schlichtheit so sehr entzückt, daß sie -schön erschienen wie ihre ländlichen Schwestern. -</p> - -<p> -Du bist es, mein Speisezimmer, das, nahe der -Straße, meine Heimkehr vom Walde erwartet, -<a id="page-53" class="pagenum" title="53"></a> -wenn die Stunde gekommen ist, in der mein Hund -in Nacht verschwimmt und sich das Paffen meiner -Pfeife mit dem Nebel, der meinen Bart feuchtet, -mischt. Da horchst du wie eine brave Dienerin -auf den Tritt meiner benagelten Schuhe. Ich erkenne -dein brennendes Herz, du Hüterin ohne -Makel: die Lampe, die zu Ende flackt wie diese -meine Träumerei. Da ich an dich denke, schwingt -meine Seele sich auf, und ich möchte Hosianna! -rufen und mich vor deine Knie hinwerfen, auf -deine Schwelle, du Bewahrerin der Dinge, die mir -die Vorsehung bescheert hat. Mit gekreuzten -Armen verharrest du über der Straße, auf der die -Bettler dahinziehen, wenn die Stunde gekommen -ist, in der das Aveläuten in verzweiflungsvoller -Liebe zittert und gleich Weihrauchfässern die -elendsten Hütten aus der Finsternis ihren Rauch -emporschicken zu den Füßen Gottes. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-14"> -BETRACHTUNGEN -ÜBER EINEN TAUTROPFEN -</h2> - -<p class="first"> -Das anbetungswürdige alte Fräulein starb in -einem kleinen Schlößchen, das einst Jean Jaques -Rousseau gefallen hat. Ein Wildbach schauerte an -den Grundmauern des Türmchens vorbei, das -überblüht war von gelben Rosen, und der nahe -Teich einer verlassenen Mühle machte die Gegend -mit ihren schattigen Baumgruppen vollends poetisch. -<a id="page-54" class="pagenum" title="54"></a> -Reiche Äcker dehnten sich da und dort. Einst, als -der Tag zu Ende ging, sah ich an der Ecke eines -Feldes auf dem Marksteine einen alten Mann -sitzen. Er stützte sich auf einen Stock mit einem -Schnabelgriffe. Von seinem Platze aus überwachte -er gemach die Erntearbeit. Ich wünsche mir sehnlich -dieses Alter herbei, in dem die stillen Blicke -nur mehr nahe trauliche Dinge vor sich haben. -Vielleicht wird das Gewesene dann zur Gegenwart? -Dieser friedliche Greis, der mich eines anderen -Greises gedenken ließ, jener edlen Gestalt aus -„Paul und Virginie“, rief sich vielleicht, da er die -schönen Schnitterinnen betrachtete, die Zeit wieder -empor, in der noch die Bücher seiner Jugend über -ihn Gewalt gehabt hatten ... Vielleicht erschien -ihm Ruth, mit Kornblumen und Ähren bekränzt, -oder die myrthenduftende Chloe, wie sie ihren -Ziegen Salz reicht. -</p> - -<p class="tb"> -* -</p> - -<p class="noindent"> -Lange, bevor ich die Heiterkeit des Tages, der -hier über dem Patriarchen zu Ende ging, erlebte, -war das alte Fräulein gestorben. Sie hatte hier ihre -ganze Jugendzeit verbracht, und sie wohnte auch -später fast immer hier. Denn ihr oblag, nachdem -sie Waise geworden war, die ganze Sorge um ihre -wahnsinnige Schwester. Nur ein paarmal war sie -fortgewesen: als sie einige Jahre hintereinander -eine Zeit in Paris verbrachte. Wenn ich an sie -denke, wie ich sie als Achtzigjährige gekannt habe, -<a id="page-55" class="pagenum" title="55"></a> -mit ihren schneeweißen Scheiteln, die stets mit -Parmaveilchen geschmückt waren, der großen -Nase, dem spitzen aufwärtsgebogenen Kinn und -den feurigen Augen, wird es mir nicht allzu schwer, -mir vorzustellen, wie sie als Achtzehnjährige gewesen -sein mag: Da sehe ich sie mit einem biegsamen -großen, mit Feldblumen geschmückten Hute, -in einem Mousselinkleide, das sich in ihren Knicksen -bauscht, und mit einem Gürtel aus einer kolibrifarbenen -Schleife. -</p> - -<p class="tb"> -* -</p> - -<p class="noindent"> -In diesem Schlosse nun habe ich in den letzten -Tagen langsam und voll Zärtlichkeit das Album -durchgeblättert, darein das Fräulein Sophie F. von B. -seine Herzensdinge geschrieben hat, und ein unsagbares -Heimweh nach der Vergangenheit überkam -mich. -</p> - -<p> -Während sie in Paris lebte, das muß um 1840 -gewesen sein, nahm sie Botanikunterricht im -Jardin des Plantes. O, von wie viel Liebreiz umgeben -sie mir jetzt erscheint! Wer weiß, wie schönheitsentflammt -die Seele dieses jungen Provinzmädchens -war, das hier nun die strahlenden Farben -und den Duftatem irgendwelcher neuer Blütendolden, -die vielleicht Laurent de Jussien eben erst -von wilden Inseln gebracht hatte, genoß! Ich -glaube dieses Mädchen der alten Zeit vor mir zu -sehen, wie es sich in einer Allee des Botanischen -Gartens auf die Spitze seiner fliederfarbigen Schuhe -<a id="page-56" class="pagenum" title="56"></a> -erhebt, um das Innere einer zottigen Blumenglocke -zu erforschen. -</p> - -<p> -Diesem Album, in das sie sorgsam wunderbare -Sträußchen gezeichnet und gemalt hat, hat sie ihr -Herz anvertraut. Ich nenne ihre Malereien wunderbar, -aber ich will damit gewiß nicht sagen, daß -sie etwa das Genie besessen habe, in der Wiedergabe -der Blumenkronen auch das Geheimnis der -Säfte mitzugestalten; ich will vielmehr damit ausdrücken, -daß diese Rokokomalereien, fern von -jeder künstlerischen Absicht, die Spuren einer -hohen und reinen Seele tragen, und daß kein noch -so berühmtes Kunstwerk mich mehr ergreifen -wird als sie. -</p> - -<p class="tb"> -* -</p> - -<p class="noindent"> -Man müßte sich einzeln jeden der Tage wieder -emporrufen, in deren Kelch diese zarte und zage -Seele ein wenig von ihrer Ewigkeit geträufelt hat. -Was man auch von ihrem Verlobten redet und -geredet haben mag, ich glaube, daß sie nur aus -Opferwilligkeit für ihre früher erwähnte Schwester -von ihm nichts wissen wollte. Das hat sie den -glühenden Blumen, die sie malte, gebeichtet. Das -sagen die schwellenden Rosen, die emportaumeln -wollen aus ihren Kelchen wie die Herzen der erwachenden -Mädchen in den Verzückungen der -Maiabende. Von ihren Rosen hat eine besonders -und schmerzlich zu mir gesprochen. Die hat sie -sicherlich an einem leuchtenden Morgen gemalt, -<a id="page-57" class="pagenum" title="57"></a> -da sie Gott um Gnade gebeten hatte. Kein Wort -vermöchte die leidenschaftliche Reinheit dieser -Blumenblätter wiederzugeben, aus denen langsam -eine Tauträne rollt. O, wie habe ich diese Träne -verstanden! -</p> - -<p class="tb"> -* -</p> - -<p class="noindent"> -Du junges Mädchen des hingegangenen Jahrhunderts, -hättest du, als dir in deinem immer -schattigen Salon diese Träne niederfiel, gedacht, -daß eines Tages ich ihrer voll Verehrung gedenken -würde? Ich habe sie aufgefangen, und nichts mehr -wird ihr köstliches Wasser trüben. Dieser Edelstein -voll des Glanzes aus deinem Herzen — -O mögest du in Frieden ruhen an der Brust des -Herrn! — ist von würdigen und andächtigen Händen -in dem chinesischen Schränkchen des großen Salons -aufbewahrt worden, und nur zuweilen komme ich -und bitte die Freunde, die ihn verwahren, ihn mir -zu zeigen. O du, vielleicht hast du an demselben -Weh gelitten, davon auch ich ergriffen bin, an der -sinnlosen und schweigenden Leidenschaft, die -einzig deine Zeitgenossen in ihrer müden Anmut -und scheuen Reinheit verstehen konnten! -</p> - -<p class="tb"> -* -</p> - -<p class="noindent"> -Was wissen wir, wie viele Kalvarienberge es gibt, -und wie oft schon der Kreuzweg beschritten -worden ist! Wenn uns unter Fingerhüten, Scheeren, -Stückchen von Stickerei und Seidenfleckchen, -zwischen kleinen Spiegeln, Haarlocken und Kinderzähnen, -<a id="page-58" class="pagenum" title="58"></a> -unter künstlichen Blumen, Fläschchen und -längst aus der Mode gekommenen Schmucksachen -eine alte „Nachfolge Christi“ in die Hände kommt, -erscheint es uns, als ob der Duft des Abgeschlossenen, -der an den Seiten haftet, nur eine unendliche -Sanftheit in sich trüge. Und doch, wie mögen -Hände, die jung waren, und die es nicht mehr -waren, vor Warten und vor Weh gezittert haben, -während sie dieses Buch hielten! -</p> - -<p> -In der Morgenröte ihres Geschickes mag das -junge Mädchen diese Seiten wohl noch in der geheimen -Hoffnung aufgeschlagen haben, daß an -den Bitternissen doch nicht alle Menschen teilhaben -müßten, und daß vielleicht gerade ihr das Schicksal -sie ersparen werde. Nur in einem entzückenden -Gefühle von Pietät streckte sie damals im Erwachen -die schon kräftigen Arme nach der „Nachfolge“ -aus. Erst später, in der Mitte ihres Lebens kam -sie wieder zu diesem Buche zurück. Die früchteschweren -Apfelbäume waren nicht mehr fröhlich -wie ehedem ... eine Freudigkeit (ich weiß nicht, -was für eine) hatte sie verlassen. Und jenen bunten -Schmetterling, der sich vor ihr im heißen Glanze -der Tage in den großen Ferien gewiegt hat, den -hat sie später nie mehr über den Wiesen erblickt. -</p> - -<p> -Das Alter kam. Und siehe, nun in der Neige -ihres Seins hörte sie kaum mehr auf, in dem Buche -zu lesen. Es war sieben Uhr abends, draußen -schneite es. Die Lampe, die aufzuckend der Stille -<a id="page-59" class="pagenum" title="59"></a> -den Takt schlug, erleuchtete den großen Spiegel, -in dem sich das alte Fräulein als das getrübte -Bildnis der menschlichen Wandlungen erblickte. -Nun sah sie nichts mehr von dem honiggoldenen -Haar, das sie sich einst spielend um die zarte Faust -gewunden hatte ... Ihre Scheitel waren weiß -und streng wie die Binden, in die man die Toten -hüllt. Und ihre Wangen, auf deren Erblühen einst -viel helles Lächeln wie Apriltage über die Gärten -gestrahlt hatte, waren voll der tiefen Furchen, die -allgemach der bittere Niederfall der Tränen eingräbt. -</p> - -<p class="tb"> -* -</p> - -<p class="noindent"> -Möge Gottes Frieden sich auf diese Leben der -alten Zeit herniedersenken! O, sie haben für mich -immer noch die Jugend der Rose, auf der ein -Tropfen in solcher Reinheit schimmert, daß man -zweifelt, ob er ein Tautropfen oder die Träne -eines Kindes, das sein erstes Weh verstört hat, sei. -Man tut gut daran, die Toten zu verehren und -täglich ihrer zu gedenken! Kein Regenguß rauscht -nieder auf die Kronen des Waldes, kein Regenbogen -wölbt sich über das wolkendüstere Dorf, -keiner Hirtenflöte Klang geht im Herbstwinde -verloren, ohne mir Gegenstand für meine Betrachtungen -zu werden. Hier, so denke ich, in -dieser kleinen Höhle mit ihrem Teppiche aus -Farnkraut und Veilchen, mögen sie zuweilen Zuflucht -vor den Regenschauern gesucht haben. Hier -muß es auch gewesen sein, wo der letzte Guß -<a id="page-60" class="pagenum" title="60"></a> -des Gewitters die Schleife mit den Irismustern -davongetragen hat. Und hier, so sage ich mir -weiter, in diesem entlegensten Winkel des Parkes, -mag das Mädchen vielleicht von ihm geträumt haben, -der ihr dort in der Grotte als der Bezauberndste -erschienen war. Und wenn sie dann ihre Schwermut -fragte, hat ihr nur die Glocke eines verirrten -Lammes geantwortet. -</p> - -<p class="tb"> -* -</p> - -<p class="noindent"> -O wie wird jede Kleinigkeit zu einer Welt, wenn -man in ihr nicht nur ein poetisches Spiel sucht, -sondern die Spuren Gottes in den geringsten Geschehnissen -des Alltags. Dächte nicht ein jeder, es -sei keine Sache von Bedeutung, um welche Stunde -und an welchem Tage ein Kind im Walde Erdbeeren -pflückt? Und ist es nicht doch voll Bedeutung, -daß an einem Morgen, von dem ich nichts -weiß, ein Mädchen in vergangener Zeit unwissentlich -einen Tropfen Tau auf einer Rose schimmern -ließ und so den Anlaß gab zu dieser meiner -Träumerei, die nun zu Ende geht? -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-15"> -BETRACHTUNG ÜBER ASTROLOGIE -</h2> - -<p class="first"> -Was kann das sein, das mich so bedrückt? Aus -welcher Ferne kommt das Schwere, das sich auf -mein Herz legt und es bitter macht, wie die Frucht -war, die ich eines Morgens im Sande der Sahara -gefunden habe? -</p> - -<p> -<a id="page-61" class="pagenum" title="61"></a> -Der Rosenkäfer ist der Rose untertan, die Rose -dem Mädchen, das Mädchen der Liebe und die -Liebe wiederum den großen Kreisen der Kräfte, -das das Auf und Nieder meines Atmens in Einklang -mit dem Meere bringt. -</p> - -<p> -Dem Monde ist die Macht gegeben, über die -großen Wasser zu herrschen und sie stöhnen oder -singen zu machen; welches Gestirn aber in der -Tiefe der himmlischen Abgründe vermag es, gerade -meine Gedanken stöhnen oder singen zu machen? -</p> - -<p> -Sicher ist eins: wenn meine Seele in ihrer Verstörtheit -übereinstimmt mit einem Sterne, den ich -gar nicht kenne, dann muß dieser Stern seit Jahren -den schrecklichsten Ausbrüchen, Erschütterungen -und Erdbeben preisgegeben sein. -</p> - -<p> -Es macht mir Freude, mir auszumalen, daß das -ganze Wesen eines Menschen dem Charakter des -Planeten entspräche, dessen tyrannischem Geheiße -er untertan ist: dann untersteht Edgar Poe sicherlich -irgendeiner Welt, die an den äußersten Grenzen -eines düsteren und schneereichen Himmels kreist, -und auf der die grünen Tale voll blühender Lilien, -Hyazinthen und Anemonen nur in den Fernen -jenseits wattiger Nebelbänke erscheinen. Und -Lamartine muß einem Gestirne gehorcht haben, -das kein Ozean ausgehöhlt hat, darauf es nur einen -himmlischen See gibt, über den die sanfte Brise -mit Erzengelfingern hinstreicht und an die zitternden -lyrageschwungenen Flügel der Schwäne rührt. -</p> - -<p> -<a id="page-62" class="pagenum" title="62"></a> -Der Stern, mit dem dieses junge Mädchen verwandt -ist, lacht und weint in tausend Wasserfällen. -Murmelt das Wasser dieser Wasserfälle gerade jetzt -mehr als sonst? Denn das Mädchen hört nicht auf -zu plappern, solange die Schneeschmelze da oben -die Wildbäche des Sterns so überreichlich füllt. -Säumt der Schaum der Wildbäche den Azur, -unter dem er schauert, jetzt mit köstlicheren -Spitzen? Das Mädchen zieht ein Kleid von -zartem Blau an, das es mit quellenden Spitzen, -die durchsichtiger sind als die Wasser der Felsen -oder böhmische Gläser, ziert. Sind die Quellen jetzt, -austrocknend in der glühenden Sonne, verstummt? -Das Mädchen wird schweigsam. Und wenn da -oben die Wasser zu schluchzen beginnen, entströmen -dem Mädchen die Tränen, die man hier -auf Erden sinnlose Tränen nennt. Das Mädchen -errötet plötzlich: das kommt daher, daß auf seinem -Sterne eine Pfingstrose aufblüht. Es erbleicht — -denn dort oben ist eine Lilie aufgegangen. -</p> - -<p> -Sind die Bezeichnungen: ein Mensch hat einen -finsteren oder klaren oder verbitterten Charakter -nicht dem Horoskope dessen, auf den man sie anwendet, -entnommen? Was wohl die Astrologen -damit ausdrücken wollten, daß sie die alte Selenographie -mit solchen dichterischen Bezeichnungen -schmückten, wie da sind: das Meer der Krisen, -das Meer der Feuchtigkeit, das Meer der Tränen, -der Golf der Verzweiflung? Ich vermute, daß sie -<a id="page-63" class="pagenum" title="63"></a> -jene menschlichen Veränderungen, die sie dann -mit Recht die lunatischen nannten, von den Umwälzungen -auf unserem Satelliten ableiteten. Das -Meer der Krisen beginnt unruhig zu werden — -und alle Gichtkranken, Asthmatiker, Hypochonder -und Narren werden von ihren Übeln befallen. -Ein Zyklon wirbelte über das Meer der Feuchtigkeit -dahin — und die Wassersüchtigen fühlen ihre -Anschwellungen wachsen. Der Sturm wütete über -dem Meere der Tränen — und alle kleinen Kinder -weinen. Wenn aber der Golf der Verzweiflung -sich verdüsterte, geschieht dem Herzen eines jeden -Menschen ein Gleiches. -</p> - -<p> -Nach dieser Betrachtung des Einflusses der Gestirne -auf die Menschen wollen wir erforschen, -wie eine solche Einwirkung auch auf die Pflanzen -möglich wäre. Wir stellen also die Hypothese auf -(die wir untersuchen wollen,) daß Mensch und -Pflanze der gleichen Ausstrahlung untertan sind, -und schließen, daß es eine schicksalhafte Sympathie -zwischen ihnen geben müsse. -</p> - -<p> -Die Theorie des Professors Philipp van Tieghem -ist bekannt: sie ermächtigt uns, zu denken, daß -der Pflanzenwuchs der Erde von Samen abstammt, -die von Meteoriten auf sie herabgebracht worden -sind. (Beim Lesen einer bestimmten Stelle dieses -Forschers kam mir einmal nachts der belustigende -Einfall, meine Hände gegen den Mond zu strecken, -um den Flug bestimmter Arten von Mohn aufzuhalten, -<a id="page-64" class="pagenum" title="64"></a> -deren hinfällige Blüten freilich in der Berührung -mit meinen Fingern hätten zerstieben -müssen.) -</p> - -<p> -Mit dieser Hypothese wollen wir nun die Darwinsche -verbinden, nach der wir Pflanzen waren, -ehe wir Menschen geworden sind. Daraus <a id="corr-2"></a>ergibt sich -freilich für jeden das Recht, zu fragen, was für eine -Feuerkugel ihn denn auf die Erde gebracht, und -was für eine Konstellation diese sonderbare Saat -bewirkt habe. -</p> - -<p> -Nun gibt es aber zweifellos Menschen, deren -ganzes Leben im Gegensatze steht zu dem aller -anderen Menschen — was demnach auf eine -Sternenherkunft von besonderer Art schließen -lassen müßte —, genau so, wie gewisse Pflanzen -in ihrem Verhalten dem sämtlicher anderer Pflanzen -widersprechen. -</p> - -<p> -Von jener Regel zum Beispiel, die den Stengeln -der Schlingpflanzen zu gebieten scheint, der Drehung -der Erde folgend von links nach rechts zu -ranken, sind Hopfen, Geißblatt, Stickwurz, Schildkrötenkraut -sowie das knotige und das Kletter-Polygonum -ausgenommen, die alle, Newton und Laplace -mißachtend, sich von rechts nach links winden. -Rührt das daher, daß diese Pflanzen von Gestirnen -stammen, die sich in entgegengesetztem Sinne -drehen wie die Erde? -</p> - -<p> -Übrigens, wenn Rose und Iris, Orchydee und -Seerose, solcherart auf unsere Erdkugel gelangt, -<a id="page-65" class="pagenum" title="65"></a> -von den unbekannten Gesetzen ihrer vorherigen -Heimat geleitet werden — sei die nun Mars oder -Venus oder ein ganz anderer Planet —, ist es reizvoll, -sich vorzustellen, daß die Blüte der Wunderblume -nicht eher sich schließen und einschlafen -mag, bevor sich nicht der Abend auf ihren Heimatstern -gesenkt hat, das heißt ehe es nicht Tag -geworden ist auf der Erde. -</p> - -<p> -Das früher Gesagte vorausgesetzt, wäre es unterhaltend, -die Blume oder den Baum zu kennen, -die jeder einzelne bevorzugt, und zu beobachten, -ob die Menschen, die Sympathie für die gleiche -Blume haben, nicht denselben Sterneneinflüssen -unterworfen sind wie diese Blumen. Was mich -anlangt, so liebe ich die Pflanzen zu sehr, um mich -für die eine oder die andere zu entscheiden — denn -das schiene mir eine Untreue gegen alle übrigen -zu sein. Aber einen Strauch und eine Blume kann -ich doch angeben, deren Anblick mich in eine -unerklärliche Erregung versetzt: die lagerstroemia -Indica und die amaryllis belladonna. Die lagerstroemia -blüht gegen Ende des <a id="corr-3"></a>Sommers. Ich habe -sie einmal in einem Prosagedichte „Flieder einer -anderen Welt“ getauft. Sie ist ein Strauch ohne -Rinde. Ihr glatter Stamm breitet nur im Schlafe -die Zweige aus, was ihr das unglückliche Aussehen -eines Besens oder einer riesenhaften Rose von -Jericho verleiht. Aber ihre Blüten! Unter den -azurnen August- und Septemberhimmeln heben -<a id="page-66" class="pagenum" title="66"></a> -sie sich aus ihrem Laube, das fremdartig grün ist -und sehr ähnlich dem des Granat- und des Spindelbaumes, -und bilden Szepter von einem unsagbaren -Rosa, das nie der Erde angehört hat, einem -Rosa voll schwermutschönen Heimwehs nach einem -verlorenen Paradiese. Warum liebe ich diesen -Baum mit solcher Liebe? Es gibt eine lagerstroemia, -die ich Jahr für Jahr besuche, und die in jedes -neue Blühen meine Trauer oder meine Freude -mitempfängt. Sie schmückt mit ihren geheimnisvollen -Korallen einen Garten im nördlichen Spanien. -Auf meine Bitte hat man mir erlaubt, durch -eine kleine Tür ihr sorglich verschlossenes Reich -zu betreten. Und ich bin, einer sonderbaren Unruhe -verfallen, durch die Alleen geirrt, die ihre glorreiche -Majestät zu verdunkeln schien. -</p> - -<p> -Die amaryllis belladonna ist vom Kap der guten -Hoffnung zu uns gebracht worden. Inmitten eines -Büschels schwertförmiger Blätter, die sich weich -nach außen biegen, strebt ihre rosige Lilie empor. -Aber ihr Rosa hat nichts von dem außerirdischen -der lagerstroemia, es ist samtig wie Aprikosen, es -gleicht dem der Wassermelone, der Meerfrüchte -oder des Lachses. Ein paar von diesen Pflanzen -sind meine Freunde: die stehen nicht in dem spanischen -Garten, von dem ich früher gesprochen -habe, sondern in einem alten kleinen Garten in -Frankreich. Er wölbt sich wie ein Dach über die -Landstraße, auf der dereinst die Postkutschen, in -<a id="page-67" class="pagenum" title="67"></a> -denen die Mädchen der alten Zeiten mit wehenden -Hüten durch den Glanz der untergehenden Sonne -gegen Paris fuhren, hinholperten .... -</p> - -<p> -Ich empfinde eine trübe und schmerzliche Freude, -wenn meine Blicke über diese rosigen Kelche hingehen. -Wer wird mir die sonderbaren Gefühle, -die mir diese beiden Pflanzen einflößen, erklären? -Ihr Anblick verwirrt meinen Verstand und läßt -im Spiegel meiner Seele das Bild eines ganz traurigen -Traumes erstehen: auf einem Sterne erwartet -mich widerwillig und sehnlich zugleich ein dunkelhaariges -Mädchen in einem amaryllisrosa Kleide. -Sie sitzt unter einer lagerstroemia an einem Grabhügel, -über dem in unbekannten Zeichen ein Name, -vielleicht der meine, geschrieben steht. -</p> - -<p> -Meine Freundin, eines Abends wirst du mich -aus der Tiefe des Tales kommen sehen, und ich -werde dir deine Lieblingsblumen bringen. Es wird -schon spät sein. Mit meiner grünen Trommel auf -dem Rücken werde ich den ganzen Tag ohne Rast -auf der Suche gewesen sein, das Herz voll Tränen, -und werde unter den Blicken Gottes mit meinem -kleinen Spaten in allen Einsamkeiten die Erde -durchwühlt haben. Werde ich aber die Pflanze, -die unser beider Geschicke einen muß, wirklich -gewünscht haben? Schon ahne ich, wie ein Edelsteinsucher, -den ein geheimnisvoller Sinn leitet, -deine liebste Blume voraus. Sie wächst nicht im -Schnee, nicht auf den Gletschern noch unter den -<a id="page-68" class="pagenum" title="68"></a> -Lärchen der Alpen, nicht am Rande der Kressebeete -noch auch in der lügnerischen Sahara, deren -Spiegelungen meinen Fieberdurst heimgesucht -haben. Sie erblüht in meiner Seele. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-16"> -NOTIZEN -</h2> - -<h3 class="no" id="subchap-0-16-1"> -I. -</h3> - -<p class="first"> -Ich habe mir oft den Himmel ausgemalt. In -der Kindheit war er mir die Hütte, die sich ein -alter Mann in unserer Gegend hatte auf der Höhe -eines steilen Bergweges errichten lassen, und die -„das Paradies“ genannt wurde. Mein Vater pflegte -um die Stunde, in der das schwarze Heidekraut -der Hügel golden wird wie eine Kirche, mit mir -dahin zu gehen. Am Ende jedes dieser Spaziergänge -wartete ich darauf, Gott in der Sonne, die -oben am Kamme des steinigen Steiges einzuschlafen -schien, sitzen zu sehen. Habe ich mich getäuscht? -</p> - -<p> -Weniger leicht kommt es mir an, mir das katholische -Paradies mit seinen azurnen Harfen und -dem rosigen Schnee der himmlischen Heerscharen -in den reinen Regenbogen vorzustellen. So halte -ich mich doch immer noch an mein erstes Gesicht. -Aber seitdem ich die Liebe kennen gelernt habe, -habe ich zu dem himmlischen Bereiche vor der -Hütte des alten Mannes noch eine sonnenwarme -Bergwiese, auf der ein junges Mädchen Blumen -pflückt, dazugetan. -</p> - -<h3 class="no" id="subchap-0-16-2"> -<a id="page-69" class="pagenum" title="69"></a> -II. -</h3> - -<p class="first"> -Ich habe die Seele eines Fauns und zugleich -die eines ganz jungen Mädchens. Wenn ich eine -Frau betrachte, empfinde ich eine völlig andere -Art von Erregung als beim Anblicke eines Mädchens. -Wenn man sich mit Hilfe von Blumen und -Früchten verständlich machen könnte, würde ich -einer Frau glühende Pfirsiche, die rosigen Glocken -der Tollkirsche und schwere Rosen reichen, dem -Mädchen aber Kirschen, Himbeeren, Quittenblüten, -Heckenrosen und Gaisblatt. -</p> - -<p> -Es gibt kaum ein Gefühl, das ich erlebe, ohne -daß es vom Bilde einer Blume oder Frucht begleitet -wäre. Wenn ich an Martha denke, sehe ich Gentianen -vor mir, Lucie ist mir mit den weißen japanischen -Anemonen verbunden, Marie mit Maiglöckchen -und eine andere wieder mit einer Zedratfrucht, -die aber ganz durchsichtig ist. -</p> - -<p> -Zum ersten Rendezvous, das ich mit einer Freundin -hatte, habe ich Schwertlilien mit aprikosenrosa -Halse mitgebracht. Wir stellten sie über Nacht -ins Fenster, und dort vergaß ich sie, um mich nur -meiner Freundin zu erinnern. Heute wollte ich -gerne der Freundin vergessen und nur mehr der -Schwertlilien gedenken. -</p> - -<p> -All meine Erinnerungen gehören also sozusagen -der Pflanzenwelt an. Bäume, Blüten und Früchte -sind meine Merkzeichen für Menschen und Gefühle. -</p> - -<p> -<a id="page-70" class="pagenum" title="70"></a> -Die Pflanzen, aber auch die Tiere und die Steine -haben meine Kindheit mit geheimnisvoller Lieblichkeit -erfüllt. -</p> - -<p> -Als ich vier Jahre alt war, stand ich und betrachtete -die Haufen zerschlagener Bergkiesel am Straßenrande. -Wenn man diese Steine in der Dämmerung -gegeneinanderschlug, gaben sie Feuer — -rieb man sie aneinander, dann rochen sie verbrannt. -Die geäderten hob ich auf: sie waren schwer, als -ob sie Wasser in sich verborgen hielten. Der Glimmer -im Granit bezauberte meine Neugier so sehr, -daß nun nichts anderes mehr sie stillen konnte. -Ich fühlte, daß da etwas war, das niemand mir zu -erzählen vermochte: das Leben der Steine. -</p> - -<p> -Um dieselbe Zeit war man einmal böse mit mir, -weil ich die künstlichen Käfer von einem Hute -meiner Mutter weggenommen hatte. Das war -meine Leidenschaft: Tiere aufzuheben, und ich -war so voll Freundschaft zu ihnen, daß ich weinte, -wenn ich sie unglücklich glaubte. Noch heute -erlebe ich die namenlose Angst wieder, wenn ich -daran denke, wie die kleinen Nachtigallen, die mir -jemand geschenkt hatte, in unserem Speisezimmer -zugrunde gingen. In dieser Zeit mußte man mir, -damit ich einschlafe, das Glas mit meinem Laubfrosche -in meine Nähe stellen. Ich fühlte, daß er -mein treuer Freund war und mich auch gegen -Diebe verteidigt hätte. Als ich das erstemal einen -Hirschkäfer sah, war ich von der Schönheit seiner -<a id="page-71" class="pagenum" title="71"></a> -Geweihzangen so ergriffen, daß die Begierde, einen -zu besitzen, mich krank machte. -</p> - -<p> -Meine Leidenschaft für die Pflanzen zeigte sich -später, als ich gegen neun Jahre alt war. Die -rechte Einsicht in ihr Leben aber fing erst an, -als ich ins fünfzehnte Jahr ging — ich erinnere -mich noch, unter welchen Umständen. An einem -Donnerstage, einem lähmend heißen Sommernachmittage, -ging ich mit meiner Mutter durch -den botanischen Garten einer großen Stadt. Weißblendende -Sonne, dicke blaue Schatten und schwere -zähe Gerüche machten aus diesem fast verlassenen -Orte das Reich, dessen Pforte ich nun endlich überschritt. -Im lauen goldkäferfarbigen Wasser der -Bassins gediehen kümmerlich allerlei Pflanzen, -lederige graue und hohe weiche, durchsichtige. -Aber aus der Mitte dieser armen traurigen Wassergewächse -erhoben sich in den großen Azur grüne -Lanzenschäfte und hielten die Anmut ihrer weißen -und rosigen Dolden in den lodernden Tag: die -Wasserlilien über ihren Blättern, in vertrauensvollen -Schlaf versunken. Mit den Wasserpflanzen -hielten die Pflanzen der Erde stumme Zwiesprache. -Ich erinnere mich einer Allee, in der Studenten, -ein Sacktuch im Nacken, unter der Schönheit der -Blätter begraben lagen. Das war die Allee der -Ombelliferen. Fenchel und Steckenkraut drehten -ihre Kronen über die Stengel, deren Blattscheiden -platzten, empor. Schweigend unterredeten sich -<a id="page-72" class="pagenum" title="72"></a> -die Düfte miteinander, stumme Verständigung -wob fühlbar von Pflanze zu Pflanze, und über dem -vereinsamten Reiche schwebte Entsagung. -</p> - -<p> -Seit damals verstehe ich die Pflanzen: ich weiß, -daß ihre Familien sich miteinander verschwägern, -und daß sie alle von Natur aus einander lieben. -Aber ich weiß auch, daß diese Verwandtschaften -nicht da sind, um den Klassifikationen zur Unterstützung -unseres trägen Gedächtnisses zu dienen. -</p> - -<p> -Die Pflanzen sind lebendige, tätige Geometrie, -die irgendwelchen Auflösungen zustrebt — wie die -sein werden, weiß ich nicht. Da läßt sich nun ein -reizvolles Geheimnis beobachten: die Arten, die -in denselben geologischen Epochen vorkamen, -haben einander ihre Sympathien geschenkt und -bleiben auch heute noch im Wechsel der Jahreszeiten -einander nahe. Wie vermöchte sonst das -Wesen der frierenden schneeigen Winterliliaceen -mit dem der purpurnen Herbstnachtschatten so zusammenzustimmen? -</p> - -<p> -Es gibt noch andere Pflanzengemeinschaften, -die nicht so sehr durch Menschenbemühungen -als dadurch zustandekommen, daß gewisse Arten -andere als Freunde bei sich haben mögen und sich -nach ihnen sehnen. Wie schön sind die Bauerngärten, -in denen die strahlende Lilie — gleich den -Göttern, die die Niedrigen besuchen — zwischen -Kohlköpfen, Knoblauch und Zwiebeln (die in den -Töpfen der Armen kochen werden) wächst! O, wie -<a id="page-73" class="pagenum" title="73"></a> -liebe ich diese ländlichen Küchengärten, wenn -mittags der traurige blaue Schatten der Gemüse -auf den Vierecken körniger weißer Erde einschläft, -der Hahnenruf das Schweigen noch tiefer macht -und das geduckte Huhn unter dem schrägen gewundenen -Fluge des Habichts aufgluckst! Da -wachsen die Blumen der schlichten Liebenden, -die Blumen der jungen Frauen, die den blauen -Lavendel trocknen und zwischen ihr grobes Leinen -legen. Da wächst auch der treue Buchsbaum, an -dem jedes Blättchen ein Spiegel von Azur ist, und -die Stockrose, an der die sanfte reine Flamme der -Blüten sich in Schwermut verzehrt: fromme Blumen, -dem Schweigen und der Entsagung geweiht. -</p> - -<p> -Ich liebe auch die Wiesenblumen: die Königin -der Fluren, schaukelnd in leichten Winden und -vom Glucksen des Baches in den Schlaf gewiegt. -Ihre duftende Krone schmückt sich mit Wasserkäfern -schimmernder als der Hals der Kolibris. -Sie ist die Geliebte der Halden, die Braut der -grasigen Lichtungen. -</p> - -<p> -Tief in den verlorenen alten Parks aber gibt es -die geheimnisvollen Pflanzen: da gedeihen die -<em>alten</em> Blumen, der Erdflieder, die amaryllis belladonna -und die Kaiserkrone. Anderswo müßten sie -sterben, hier aber beharren sie, behütet von den -Vorbildern der jahrhundertealten einzigartigen -Bäume mit den verschollenen Namen. Diese vornehmen, -verwöhnten und gezierten Blumen erheben -<a id="page-74" class="pagenum" title="74"></a> -ihre schwanken Köpfe nur, wenn der Wind -durch die Amberbäume und Ahorne streicht und -aufseufzt wie einst Chateaubriand. -</p> - -<h3 class="no" id="subchap-0-16-3"> -III. -</h3> - -<p class="first"> -Die Traurigkeit der kleinen Stadt tut mir wohl: -die Gassen mit ihren finsteren Laden, die abgetretenen -Türschwellen, die Gärten, die in der -schönen Zeit des Jahres über einem Grunde von -blauem Brodem schwimmen, über dem Gewirre -von Stockrosen, Glyzinien und Weinreben — und -dann jene anderen Gärtchen, räudig wie Esel, mit -schwärigen Buchsbaumhecken, darauf Lumpen zum -Trocknen liegen, und das Rinnsal der Gerber, -das den dünnen Perlmutterglanz des Himmels -mitschleppt und zwischen seinen Schlammpflanzen -hart die Dächer widerspiegelt, o — und der Wildbach, -der die Felsen höhlt, sich windet und eilig -dahinblinkt! Der kleine Stadtplatz ist hübsch, ob -die Zikaden in den sommerlichen Buchen schrein, -ob der Herbstwind auf ihm scharrt oder die Regen -ihn zerkritzeln. Es gibt auch einen kleinen Stadtpark -da, von dem Bernhardin de Saint Pierre entzückt -gewesen wäre: unter seinen Kastanienbäumen -sind die Mainächte tief, blau und sanft. -</p> - -<p> -Ich komme seit Jahren in diese Stadt, die einst -mein Großvater und mein Großoheim verlassen -haben, um die überblühten Antillen zu suchen. -Dann haben sie das Brausen des Meeres gehört, -<a id="page-75" class="pagenum" title="75"></a> -musselinene Kleider glitten unter ihren Veranden -dahin — und als sie starben, waren sie vielleicht -voll Sehnsucht nach diesen Gassen mit ihren Laden, -den Gärten hier, den Rinnsalen und diesem Wildbache. -</p> - -<p> -Wenn ich dann meinen kleinen Meierhof aufsuche, -denke ich daran, daß sie einst hier gewesen -sind. O, ihre Ausflüge! Das Frühstück trugen sie -in einem Körbchen mit und einer hatte eine Gitarre -umgehängt. Leichten Ganges folgten ihnen die -jungen Mädchen; zwischen taufeuchten Hecken -summte eine Romanze auf und erschreckte die -Vögel mit einer unaussprechlichen Liebe. Die -Maulbeeren waren noch grün. Man marschierte -im Takte. Der Schrei eines Mädchens zitterte durch -die Luft, an <a id="corr-4"></a>einer Wegecke wurde ein großer Hut -geschwungen, und ein kühles Lachen flog zwischen -den regenversehrten Heckenrosen empor. -</p> - -<p> -Diese Gitarre habe ich im Hofe meiner hugenottischen -Großtanten an einem Sommerabende -gehört, als ich vier Jahre alt war. Der Hof schlief -in weißer Dämmerung, und von den Dächern sank -eine unbekannte Zärtlichkeit auf die Rosenstöcke -und das helle Pflaster. Meine Verwandten saßen -auf einem Balken, waren froh und lachten darüber, -daß ich so ein kleines Kind war und eine weiße -Schürze anhatte. Dann sang mein Großonkel ein -Lied aus der Hauptstadt. Ich seh ihn noch mit -vorgestrecktem Kopfe stehen. Die Luft zitterte sacht. -<a id="page-76" class="pagenum" title="76"></a> -Am Ende einer Koloratur machte er eine komische -nette Verbeugung. -</p> - -<p> -Ich segne dich, kleine Stadt, in der kein Mensch -mich versteht, wo ich meinen Stolz, mein Weh -und meine Freude in mir verberge und ich keine -andere Zerstreuung habe, als meine alte Hündin -kläffen zu hören oder arme Gesichter anzuschauen. -Aber dann steige ich die Hügel empor, wo der -dornige Stechginster wächst — und dort erlebe ich -in der Betrachtung meiner Kümmernisse das sanfte -Glück, das Verzichten heißt. Jetzt quält mich -nicht mehr das rohe und verächtliche Lachen der -Leute noch auch das Zweifeln an allem. Das Lachen -derer, die mich verachten, ist verstummt — -und ich werde gleichgültig gegen alles, was ich bin. -Aber ich bin indessen ernst geworden gegen mich -selber und die andern. Mit furchtsamer Freude -sehe ich nun die Sorglosigkeit der Glücklichen. -Ich habe verstehen gelernt, wieviel Leiden aus -der Liebe wachsen kann und wie tiefe Blindheit -aus einem Blicke. Und um dieser meiner Leiden -willen möchte ich eine traurige zarte Liebkosung -denen schenken, die noch nichts anderes -wissen als das Glück. -</p> - -<h3 class="no" id="subchap-0-16-4"> -IV. -</h3> - -<p class="first"> -Im Garten tut mir der Duft des Flieders plötzlich -weh, denn ich bin todtraurig. -</p> - -<p> -Flieder, seit der Kindheit bist du mir teuer. Damals -<a id="page-77" class="pagenum" title="77"></a> -habe ich deine Blütensträuße angeschaut, die -schönen Bilder, auf eine Spielzeugschachtel gemalt. -In dem vertrauten Obstgarten meiner Jugendzeit -blühtest du auch. O, in diesem Garten gab es Igel! -Sie glitten die alten Balken entlang — wie unschuldig -und sanft sind die Igel trotz ihrer Stacheln. -Ich erinnere mich noch meiner Erregung, als ich -an einem Winterabende einen auf der Schwelle -unserer Küche fand. Der Schnee hatte ihn vertrieben -und nun steckte er seinen kleinen Rüssel -in die Abfälle, die da liegengeblieben waren. -</p> - -<h3 class="no" id="subchap-0-16-5"> -V. -</h3> - -<p class="first"> -Ich liebe die Wesen der Nacht, die Käuzchen -mit hauchendem Fluge, die Fledermäuse, die -Dachse — alle ängstlichen Tiere, die durch die -Luft und das Gras gleiten, und die wir so wenig -kennen. Was für Feste mögen sie wohl unter den -Pflanzen, ihren Schwestern, feiern? -</p> - -<p> -In der Stunde, da der Mensch ruht, springen -die Kaninchen silberig von Tau über die Minze -der Gräben hin und halten ihre geheimen Versammlungen -ab; die Frösche quaken und platschen -in den Pfützen, aus den Glühwürmchen sickert der -weiche gelbe, feuchte Schimmer, der Maulwurf bohrt -sich unter den Wiesen hin, die Nachtigall schluchzt -auf wie ein Springbrunnen, und die Schleiereule -läßt ihr trauriges Lachen hören, als ob sie sich in ihrer -Furchtsamkeit zu der Freude Gottes gesellen wollte. -</p> - -<p> -<a id="page-78" class="pagenum" title="78"></a> -Wie oft habe ich mir gewünscht, ein solches -Wesen der Nacht zu sein! Ein schauerndes Kaninchen -unter der Weißdornhecke oder ein Dachs, -von den saftigen grünen Blättern gestreichelt. So -hätte ich keine anderen Sorgen gekannt als die -um meine leibliche Verteidigung — und ich hätte -nicht lieben müssen und nicht hoffen. -</p> - -<p class="end"> -ENDE -</p> - -<h2 class="pbb chapter" id="chapter-0-17"> -INHALT -</h2> - -<table class="toc" summary="TOC"> -<tbody> - <tr> - <td class="col1"> </td> - <td class="col_page">Seite</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Das Paradies</td> - <td class="col_page"><a href="#page-3">3</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Das Paradies der Tiere</td> - <td class="col_page"><a href="#page-6">6</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Die Güte des lieben Gottes</td> - <td class="col_page"><a href="#page-8">8</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Der Weg des Lebens</td> - <td class="col_page"><a href="#page-11">11</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Die kleine Negerin</td> - <td class="col_page"><a href="#page-15">15</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Ronsard</td> - <td class="col_page"><a href="#page-17">17</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Robinson Crusoe</td> - <td class="col_page"><a href="#page-19">19</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Das Grabmal des Dichters</td> - <td class="col_page"><a href="#page-21">21</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Von der Barmherzigkeit gegen die Tiere</td> - <td class="col_page"><a href="#page-24">24</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Betrachtung über die Dinge</td> - <td class="col_page"><a href="#page-27">27</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Lob der Steine</td> - <td class="col_page"><a href="#page-40">40</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Betrachtung über eine Schnepfe</td> - <td class="col_page"><a href="#page-43">43</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Betrachtungen über ein Speisezimmer</td> - <td class="col_page"><a href="#page-49">49</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Betrachtungen über einen Tautropfen</td> - <td class="col_page"><a href="#page-53">53</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Betrachtung über Astrologie</td> - <td class="col_page"><a href="#page-60">60</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Notizen</td> - <td class="col_page"><a href="#page-68">68</a></td> - </tr> -</tbody> -</table> - -<div class="trnote"> -<p id="trnote" class="chapter"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p> - -<p class="handheld-only"> -Im Original -g e s p e r r t -hervorgehobener Text wurde in einem <em>anderen Schriftstil</em> markiert. -</p> - -<p> -Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher): -</p> - -<ul> - -<li> -... Hammer <span class="underline">Anwort</span>. Der Hammer, den der Meister ...<br /> -... Hammer <a href="#corr-0"><span class="underline">Antwort</span></a>. Der Hammer, den der Meister ...<br /> -</li> - -<li> -... <span class="underline">vom</span> Herzen schwang, war das Herz des Amboß. ...<br /> -... <a href="#corr-1"><span class="underline">von</span></a> Herzen schwang, war das Herz des Amboß. ...<br /> -</li> - -<li> -... ehe wir Menschen geworden sind. Daraus <span class="underline">ergibt</span> ...<br /> -... ehe wir Menschen geworden sind. Daraus <a href="#corr-2"><span class="underline">ergibt sich</span></a> ...<br /> -</li> - -<li> -... blüht gegen Ende des <span class="underline">Sommer</span>. Ich habe ...<br /> -... blüht gegen Ende des <a href="#corr-3"><span class="underline">Sommers</span></a>. Ich habe ...<br /> -</li> - -<li> -... die Luft, an <span class="underline">eine</span> Wegecke wurde ein großer Hut ...<br /> -... die Luft, an <a href="#corr-4"><span class="underline">einer</span></a> Wegecke wurde ein großer Hut ...<br /> -</li> -</ul> -</div> - - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Das Paradies, by Francis Jammes - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS PARADIES *** - -***** This file should be named 51871-h.htm or 51871-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/1/8/7/51871/ - -Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License (available with this file or online at -http://gutenberg.org/license). - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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