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-The Project Gutenberg EBook of Satyrische Abhandlung von den Krankheiten
-der Frauenspersonen, welche sie sich durch ihren Putz und Anzug zuziehen, by Christian Tobias Ephraim Reinhard
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
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-
-Title: Satyrische Abhandlung von den Krankheiten der Frauenspersonen, welche sie sich durch ihren Putz und Anzug zuziehen
-
-Author: Christian Tobias Ephraim Reinhard
-
-Release Date: May 1, 2016 [EBook #51930]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SATYRISCHE ABHANDLUNG VON ***
-
-
-
-
-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net (This book was produced from scanned
-images of public domain material from the Google Books
-project.)
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-
- Anmerkungen zur Transkription:
-
- Der vorliegende Text wurde anhand der 1756 erschienenen Buchausgabe
- so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Altertümliche
- Begriffe und Satzkonstruktionen wurden unverändert übernommen;
- inkonsistente Schreibweisen wurden nicht vereinheitlicht.
- Zeichensetzung und offensichtliche typographische Fehler wurden
- stillschweigend korrigiert.
-
- Bei Aufzählungen werden oftmals keine Kommas verwendet.
- Entsprechend der damaligen Gewohnheit, und entgegen den heute
- gültigen Regeln, werden Kardinalzahlen mit nachfolgendem Punkt
- geschrieben, Ordinalzahlen hingegen ohne.
-
- Zur Kennzeichnung der von der Normalschrift abweichenden
- Schriftschnitte werden die folgenden Sonderzeichen vewendet:
-
- kursiv: _Unterstriche_
- fett: =Gleichheitszeichen=
- Antiqua: ~Tilden~
-
- Die fettgedruckten Passagen werden im Original zusätzlich in einer
- vergrößerten Schrift dargestellt.
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- ####################################################################
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-
-
-
- ~D.~ Christian Tobias Ephraim Reinhards,
-
- Königl. Preuß. bestätigten Heilarzts und Stadtphysici in
- der Herzoglich-Fürstlich-Lobkowitzischen Residenzstadt
- Sagan,
-
- Satyrische Abhandlung
-
- von den
-
- Krankheiten
-
- der
-
- Frauenspersonen,
-
- welche sie sich
-
- durch ihren Putz und Anzug
-
- zuziehen.
-
-
- ~HORAT.~
-
- ~-- -- Ridendo dicere verum,
- Quis vetat?~
-
- [Illustration]
-
- Glogau und Leipzig,
- bey Christian Friedrich Günthern,
- 1756.
-
-
-
-
-Sinngedichte.
-
-
- Die große Klugheit mancher Weiber
- Geht weit, weit über die Natur:
- Verschönern sie nicht ihre Leiber?
- Nein sie verderben solche nur.
-
-
-
-
- Dem
-
- Durchlauchtigsten Fürsten
- und Herrn,
-
- HERRN
-
- Ferdinand Philipp,
-
- Herzoge zu Sagan in Schlesien,
-
- des H. R. R. Fürsten und Regierer des
- Hauses Lobkowitz,
-
- Gefürstetem Grafen zu Sternstein,
-
- Herrn
-
- der Herrschaften Chlumnitz, Gystebnitz,
- Raudnitz an der Elbe, Mühlhausen,
- Entzowan und Unterberzkowitz,
-
- Erbherrn
- der Herrschaften zu Bilin, Liebshausen,
- und Miersowitz;
-
- Sr. Kais. und Kön. Maj. hochbetrautem
- wirklichen Kammerherrn,
-
- Meinem gnädigsten Fürsten
- und Herrn Herrn.
-
-
-
-
- Durchlauchtigster Herzog,
-
- Gnädigster Fürst
- und Herr, Herr!
-
-
-[Illustration]
-
-Schon längst haben =Sich Ew. Durchlaucht= vermöge =Ihrer= tiefen
-Einsicht in die Wissenschaften, den Namen eines klugen Fürstens
-erworben. Und schon längst ist =Ihnen=, wegen =Ihrer= besondern
-Mildthätigkeit, von =Ihren= getreuen Unterthanen der ruhmvolle Beyname
-eines gütigen Landesvaters beigelegt worden. Und ich habe mir die
-Freyheit angemaßt, der Nachwelt davon Nachricht zu geben.
-
-Bloß diese vorzüglichen Fürstentugenden sind die eigentlichen
-Triebfedern gewesen, vermöge deren ich angetrieben worden bin,
-gegenwärtige Schrift zu den Füßen =Ew. Durchlaucht= zu legen, um
-=Ihnen= dadurch meine Unterthänigkeit und Ehrfurcht öffentlich bezeugen
-zu mögen.
-
-Allein ich würde nur gar zu eitel scheinen, wenn ich mir einfallen
-lassen wollte, daß ich durch diese schlechte Bemühung meine Absicht
-vollkommen erreicht, und meiner Pflicht eine völlige Genüge geleistet
-hätte. Nein, ich sehe es vielmehr nur gar zu wohl ein, daß meine Arbeit
-viel zu geringe sey, als daß ich mich mit der Hoffnung schmeicheln
-sollte, daß solche von einem Fürsten eines gnädigen Anblicks gewürdiget
-werden könnte.
-
-Aber eben diese Erkenntniß würde mich ganz gewiß strafbar machen, wenn
-die Großmuth, welche nur =Ew. Durchlaucht= eigen ist, nicht gewohnt
-wäre, meiner Kühnheit gnädigst Nachsicht zu ertheilen. So groß ist
-das Vertrauen, welches sich einzig auf eines gütigen Fürstens Gnade
-gründet, dessen Genuß ich vor das größte Glück halten, und für dessen
-Erlangung ich in heiligster Ehrfurcht, mit aller Unterthänigkeit ewig
-seyn werde
-
- Ew. Durchlauchtigkeit
-
- Sagan,
- den 18. d. Christmonats
- 1755.
-
- demüthigster
- Knecht,
- Christ. Tob. Ephr. Reinhard
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Vorrede.
-
-
-Da ich in mir einen innerlichen Beruf und ganz besondern Trieb
-verspüre, die Thorheiten des schönen Geschlechts, womit sie ihrem
-liebenswürdigen Körper nur gar zu vielen Schaden zufügen, zu erzählen,
-ihm solche als abgeschmackt vorzustellen, lächerlich zu machen, und ihm
-die Wahrheit in etwas ernsthafter, als ich sonst gewohnt bin, zu sagen;
-so kann ich ohne große Mühe gar wohl von selbst einsehen, daß ich
-das Unglück haben werde, mich ihrer Freundschaft vielleicht gänzlich
-verlustig zu machen. Allein ich bin gleichwohl so glücklich gewesen,
-in meinem Leben durch die Erfahrung so viel Einsicht zu überkommen,
-daß niemand die Wahrheit mit größerm Widerwillen anzuhören und zu
-vertragen gewohnt sey, als unsre Schönheiten. Aber würde ich mich nicht
-auf eine recht grobe Art an den schönsten Geschöpfen versündigen, wenn
-ich so unverschämt seyn wollte, diese weibliche Schwachheit allen
-Frauenspersonen ohne Unterschied zur Last zu legen. Ich weis, daß
-einige so viel Verstand besitzen, es gar wohl zu erkennen, daß ihnen
-annoch nur gar zu viele Menschheit anklebe. Mir selbst sind Beispiele
-solcher Schönen zur Genüge bekannt, welche die Wahrheit gar wohl
-anhören konnten, ohne darüber einen Verdruß bey sich spüren zu lassen,
-und ohne deswegen einen Haß auf diejenige Person zu werfen, die sich
-so aufrichtig gegen sie aufführte, ihnen, ohne zu heucheln, mit einer
-ungezwungenen Freymüthigkeit das Unanständige unter die Augen zu sagen.
-In Wahrheit, manche Schönen haben einen mehr als männlichen Geist:
-denn sie wissen es nicht nur mit einer Gelassenheit anzunehmen, wenn
-man ihnen diejenigen Schwachheiten, so sie an sich tragen, in ihrem
-wahren Wesen vorhält, sondern sie sind auch so verständig, den festen
-Entschluß zu fassen, im Ernste sich von solchen Schwachheiten loß zu
-machen, um andern keine Gelegenheit über sie zu spotten zu geben.
-
-Da ich nun als ein Arzt sehr wohl weis, daß es meine Schuldigkeit sey,
-alle diejenigen Thorheiten mit einer Dreistigkeit zu sagen, wodurch dem
-menschlichen Geschlechte nur gar zu viele Gelegenheit, in Krankheiten
-zu verfallen, gegeben wird; so würden sich die Schönen an mir auf eine
-höchst unerlaubte Weise vergehen, wenn sie darum eine Bosheit gegen
-mich in ihrer Brust hegen wollten, weil ich so gewissenhaft gegen sie
-gehandelt hätte, sie für dem Schädlichen zu warnen, um ihren artigen
-Körper gesund erhalten zu mögen. Würde es nicht eine unverantwortliche
-Sünde seyn, wenn man wider einen Gesetzprediger darum in Grimm gerathen
-wollte, weil er unsers Seelenheils zum Besten, die Laster, welche doch
-nur Hindernisse der Seligkeit sind, bestraft, und als abscheulich
-vorgestellt hätte?
-
-Ich bin also, bloß mein Gewissen frey zu machen, kraft meines tragenden
-Amts, mit mir einig geworden, aus lauter Liebe zu dem schönen
-Geschlechte, und ihrer schätzbaren Gesundheit zum besten, diejenigen
-=Krankheiten= abzuhandeln, =welche sie sich durch ihren Ausputz
-und Anzug zuzuziehen pflegen.= Die Schönen werden es sich also nicht
-zuwider seyn lassen, wenn ich von ihren Haupthaaren anfange, und an
-ihrer kleinen Zehe erst wieder das Ende mache. Sie werden es nicht übel
-nehmen, wenn ich bey Gelegenheit ihren Putz durch schalkhafte Einfälle
-und spöttische Ausdrücke bis zum Verlachen beschreiben werde. Genug,
-daß ich dieses alles ihrer schätzbaren Gesundheit wegen unternehme.
-
-Doch ich muß den Schönen gleichwohl, ohne, daß mich jemand hierzu
-nöthiget, Rechenschaft geben, und ihnen den Bewegungsgrund eröffnen,
-welcher mich zu dieser Arbeit gereizet hat. Ich sehe mich nun von
-selbst verbunden, ihnen mein Bekenntniß abzulegen, und, ohne roth zu
-werden, zu gestehen, daß mich keine andre Ursache auf diese Gedanken
-gebracht, als weil ich gesehen und wahrgenommen habe, daß kein
-Geschlechte weniger mit seinem Körper zufrieden sey, als das weibliche,
-da ihnen doch das ewig weise Wesen aus ganz besonders weisen Absichten
-keinen bessern hätte zueignen können. Aber ob sich unsre Schönheiten
-nicht durch ihre Bemühung, ihrem Körper ein ander Ansehen zu geben, an
-ihrem Baumeister vergehen, will ich zwar eben so frey nicht sagen:
-
- doch denken mag ichs wohl?
-
-Ich glaube ganz gewiß, daß man sich auf allen höhern Schulen in
-allen Facultäten Raths erholen würde, um gewiß erfahren zu mögen, ob
-dasjenige Frauenzimmer nicht für ein Monstrum zu halten sey:
-
- Denn nur ein Glied zu viel macht schon ein Monstrum aus,
-
-welches an den Ohren mit Ohrgehängen, oder im Angesichte mit schwarzen
-Muschen, welche halbe und volle Monden vorstellen, gebohren worden
-wäre? Würden die Eltern solcher Kinder nicht alles drauf wenden, um
-diese Flecken aus dem Angesichte loß zu werden, und diese Ohrgehänge
-von den Ohren weg zu bringen? Und dennoch ist mancher Menschen Narrheit
-so groß, daß sie, um schöner zu scheinen, ihre Ohrläpchen mit einer
-zahlreichen Menge von Steinen beschweren, und fast alle himmlische
-Körper in ihr Angesicht kleben. Mich hat es schon lange gewundert,
-warum das artigste Geschlecht nicht längstens auf den seltsamen
-Einfall gerathen ist, sich, statt der ganz und halbmondförmigen
-Schminkpflästerchen, den ganzen Thierkrais, oder nur einige davon,
-als den Drachen, den Scorpion, den Löwen in das Angesichte zu setzen,
-und ihre Ohrläpchen statt der steinernen Ohrgehänge lieber mit einem
-ganzen Geläute von Schellen zu behängen. Denn durch diesen Putz würde
-man eine Schöne bald von weiten kommen hören, und ihr also durch
-Abnehmung des Huts und durch eine höfliche Verbeugung des Leibes, die
-schuldige Hochachtung zu erweisen, nicht so leichte vergessen können.
-In Wahrheit, dieser Zierath würde keine Schande vor unsre Schönheiten
-seyn. Trug doch ehedem der Hohepriester bey den Juden auch Schellen,
-ob er schon selbige nicht an seinen Ohrläpchen, sondern nur an dem
-Saume seines Rockes trug. Und also würden ja die Schönen was recht
-besonder vorzügliches für den Männern zum Voraus haben, und dieses
-darum, weil sie die Schönen wären. Doch an gehörigen Oertern werde ich
-mich deutlicher davon auszudrücken nicht viel bitten lassen. Ich werde
-also in meiner mir vorgenommnen Abhandlung von den Krankheiten der
-Schönen, denen sie vermöge ihres Putzes und Anzuges unterwürfig seyn
-müssen, nachfolgende Ordnung beobachten: Meine ganze Arbeit will ich
-vor das erste in zween Theile abtheilen, und diese zween Theile sollen
-aus drey Büchern bestehen. Der erste Theil wird nur ein einziges,
-und zwar das erste Buch in sich begreifen, welches alle diejenigen
-Krankheiten enthalten wird, welche von dem Putze des Kopfes überhaupt
-zu entstehen gewohnt sind, aber in eben diesem ersten Buche werde ich
-drey Abschnitte machen, davon der erste Abschnitt alle diejenigen
-Ungelegenheiten darthun soll, welche von dem Haarputze herkommen. Der
-andre Abschnitt wird diejenigen Verdrießlichkeiten erzählen, welche
-von der Verschönerung des Angesichts ihren Ursprung haben. Und endlich
-soll der dritte Abschnitt alles dasjenige Unheil zeigen, welches der
-Auszierung des Halses ihr Daseyn schuldig ist. Der andre Theil wird
-derjenigen Krankheiten Erwähnung machen, welche insgemein von dem Putze
-und der Bekleidung des Oberleibes, und des Unterleibes so wohl, als der
-Hände und Füße ihren wesentlichen Ursprung ableiten. Dieser andre Theil
-nun wird zwey Bücher, nämlich das andre und dritte Buch in sich fassen.
-Das andre Buch soll bloß diejenigen Krankheiten erklären, welche
-von dem Putze und Anzuge des Oberleibes so wohl als des Unterleibes
-abstammen. Und endlich wird dieses andre Buch in zween Abschnitte
-abgetheilt seyn, davon der erste Abschnitt diejenigen unangenehmen
-Empfindungen erwähnen wird, welche ihren Grund in der Bekleidung und
-Auszierung des Oberleibes haben. Der andre Abschnitt soll diejenigen
-Verdrüßlichkeiten der Reihe nach anführen, welche wegen des Anzuges,
-und des Ausputzes am Unterleibe zum Vorscheine kommen. Das dritte Buch
-wird überhaupt diejenigen Krankheiten abhandeln, welche dem Ausputze
-der Hände, und der Bekleidung der Füße ihre Erzeugung zu danken haben.
-Ich werde in diesem dritten Buche ebenfalls zween Abschnitte machen.
-Der erste Abschnitt wird diejenigen Krankheiten in sich fassen, welche
-von dem Putze und der Auszierung der Hände entstehen. Und zuletzt soll
-der andre Abschnitt von denjenigen Verdrüßlichkeiten reden, welche
-von der Bekleidung der Füße erzeugt werden. Jeder Abschnitt aber wird
-seine eigene und besondere Kapitel zählen. Im übrigen will ich mir
-meine ganze Arbeit also einzurichten angelegen seyn lassen, daß ich
-das Ernsthafte durch unerwartete Einfälle und scherzhafte Ausdrücke
-angenehm mache. Und endlich werde ich alle Sorgfalt anwenden, damit ich
-nicht etwa die Gesetze der Bescheidenheit übertreten, oder wohl gar
-ungezogen scheinen möge, und also, da ich an andern Laster bestrafe,
-selbst in Thorheiten verfalle, und wie manche Kirchenlehrer predige,
-und doch selbst verwerflich werde, dafür mich die Bescheidenheit in
-Gnaden behüten wolle! und vielleicht auch bewahren wird, es wäre denn,
-daß meine Menschheit stärker als mein Verstand und meine Weisheit
-geworden wäre. Und gesetzt, daß ich auch aus Schwachheit einen Fehler
-begienge; so würde man, wo nicht Religion, doch gleichwohl so viel
-Menschenliebe gegen mir zeigen, und mir eine oder ein paar menschliche
-Kleinigkeiten vergeben können, es müßte denn seyn, daß man sich recht
-theologisch gegen mir aufführen, und mir meine Menschlichkeiten nicht
-verzeihen wollte, darum weil ich selbst kein theologisches Gesichte,
-sondern gar wie Stax wäre, denn nur
-
- Stax ist ein Mann nach neuster Art, und ein recht wunderbarer
- Christ,
- Der lieber mit den Karten spielt, als in der alten Bibel liest,
- Der lieber bey den Mägdchen sitzt, als auf der Kanzel steht und
- lehrt,
- Der lieber trinkt, ißt, scherzt und küßt, als sitzt und andre
- Beichte hört.
- Wie glücklich ist man nicht, wenn man wie dieser theure Lehrer lebt
- Der als ein seltner Gottesmann sich selbst in dritten Himmel hebt,
- Und der uns einen neuen Weg, zu einem bessern Himmel weist;
- Dafür ihn die Nachkommenschaft schon gegenwärtig heilig preist.
- Doch es muß einst in Ewigkeit gewiß sein glänzend heller Schein
- So wie die lange Thomasnacht, in der kein Stern und Mond glänzt,
- seyn.
-
-In Wahrheit, wenn man es aus diesem Bewegungsgrunde thun, und mir
-nicht erlassen will, so wird man zwar auf Seiten seiner Recht zu haben
-glauben; ich aber würde einem solchen dennoch diese Höflichkeit mit
-einer anständigen Großmuth verzeihen, und lieber keinen griechischen
-Namen führen, als auf gut deutsch unhöflich heißen wollen.
-
-Doch es ist die höchste Zeit, von meiner Ausschweifung abzulassen, und
-mit mehrerer Ernsthaftigkeit die Hand an mein vorgesetztes Werk zu
-legen, um nicht ohne Noth überflüßig weitläuftig zu werden.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Innhalt.
-
-
- Der erste Abschnitt.
-
- Von den Ungelegenheiten, welche von dem Haarputze herkommen, hat
- fünf Kapitel, nämlich:
-
- Das 1 Kap. von den Verdrießlichkeiten, welche von den Pudelköpfen
- zu entstehen gewohnt sind, §. 1.
-
- Das 2 Kap. von den Beschwerlichkeiten, welche das Aufkrausen und
- Aufbrennen der Haare des Kopfs verursachen, §. 7.
-
- Das 3 Kap. von den Unbequemlichkeiten, welche von dem Einpomadiren,
- und Einpudern der Haare des Kopfs her zu kommen pflegen, §. 14.
-
- Das 4 Kap. von den üblen Zufällen, welche ihren Ursprung von dem
- Färben der Haare haben, §. 23.
-
- Das 5 Kap. von den Beschwerungen, die von den Kopfzeugen
- entspringen, §. 29.
-
-
- Der zweyte Abschnitt.
-
- Von den Krankheiten, welche von der Verschönerung des Angesichts
- ihren Ursprung haben, begreift neun Kapitel in sich, als:
-
- Das 1 Kap. von den Ungelegenheiten, welche von den Schminkfleckchen
- zu entstehen pflegen, §. 34.
-
- Das 2 Kap. von den Beschwerlichkeiten, welche von der rothen
- Schminke des Angesichts erzeugt werden, §. 39.
-
- Das 3 Kap. von den üblen Zufällen, welche von der blaßmachenden
- Schminke des Angesichts herkommen, §. 44.
-
- Das 4 Kap. von den Unbequemlichkeiten, die von der Bemühung, der
- Haut eine Zärtlichkeit zu wege zu bringen, ihren wesentlichen
- Ursprung haben, §. 52.
-
- Das 5 Kap. von den Ungelegenheiten, welche den Schönen zustoßen,
- wenn sie sich die Sommersprossen vertreiben, §. 56.
-
- Das 6 Kap. von den unangenehmen Empfindungen, welche die Schönen
- leiden, indem sie sich eine hohe Stirne zu machen beschäftigen, §.
- 69.
-
- Das 7 Kap. von dem Schaden, welcher sich von dem Schwarzfärben der
- Augenbraunen entspinnt, §. 72.
-
- Das 8 Kap. von den schädlichen Folgerungen, welche von dem
- Weißmachen der Zähne entstehen, §. 76.
-
- Das 9 Kap. von den Unpäßlichkeiten, welche von dem Löcherstechen in
- die Ohrläppchen, zum Ohrgehängtragen, herkommen, §. 81.
-
-
- Der dritte Abschnitt.
-
- Von den Krankheiten, welche von der Auszierung des Halses ihren
- Ursprung haben, enthält fünf Kapitel, nämlich:
-
- Das 1 Kap. von den Verdrießlichkeiten, die zu entstehen pflegen,
- weil das schöne Geschlecht den Hals entblößt zu tragen gewohnt ist,
- §. 86.
-
- Das 2 Kap. von den Gefährlichkeiten, welche von der Zartmachung der
- Halshaut entstehen, §. 89.
-
- Das 3 Kap. von dem Schaden, welcher sich äußert, wenn die
- Sommersprossen und Leberflecke des Halses mit äußerlichen und
- schädlichen Sachen vertrieben werden, §. 92.
-
- Das 4 Kap. von dem Unheile, welches daher zu kommen pflegt, wenn
- sich das Frauenzimmer durch unrechte Mittel die Kröpfe vertreiben
- läßt, §. 95.
-
- Das 5 Kap. von den üblen Umständen, welche von der Weißmachung der
- Halshaut abstammen, §. 99.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Anakreontische Ode,
-
-die fünf Sinne.
-
-
- Weg Schnupftaback, weg Dose!
- Nur der Geruch der Rose
- Soll meine Nas' erfreun:
-
- Wenn ich bey meinem Kinde
- Den Duft der Ros' empfinde,
- Möcht ich ein Naso seyn.
-
- Erblick ich schöne Kinder,
- So wünsch ich mir nicht minder
- Dem Argus gleich zu seyn.
-
- Schmeck ich den Saft der Trauben,
- So wollt ich, könnt ihrs glauben?
- Flugs lauter Zunge seyn.
-
- Hör ich die Nachtigalle,
- Wünsch ich bey ihrem Schalle
- Nichts als nur Ohr zu seyn.
-
- Laßt mich bey Scherz und Spielen
- Mein Mägdchen Küsse fühlen
- So bin ich das Gefühl:
-
- Denn von dem Reiz der Küsse
- Fühlt Herz, Mund, Händ und Füße,
- Ja gar ein jedes Glied.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Sinngedichte,
-
-
-auf einen Zänker.
-
- Ein Zänker nahm sich jüngst ein Weib
- Zu seinem Zeitvertreib,
- Um junge Zänker zu erzeugen:
- Doch ich will lieber schweigen.
-
-
-Auf das Glück.
-
- Warum schenkt denn das blinde Glück den Tummen so viel Geld?
- Darum, weil sich der Kluge durch seinen Witz erhält.
-
-
-Auf den Batill.
-
- Seit dem Batill beweibet ist, liest er stets in der Bibel,
- Er faßt, singt, beth und seufzt: O Herr, erlös' uns von dem Uebel!
-
-
-An den Gargill.
-
- Warum pflegt den Gargill am Kragen
- Tafeln des Gesetz's zu tragen?
- Darum, weil sie der theure Mann
- So wie er soll nicht halten kann.
-
-
-Auf den unbenabelten Adam.
-
- Warlich es ist keine Fabel,
- Adam hatte keinen Nabel
- Aber doch Verstand genug:
- Cain aber Seth und Abel,
- Und wir Menschen haben Nabel,
- Aber sind wir drum nicht klug?
-
-
-An den Stax.
-
- Gesetzt, es mangelte Herr Staxen im Gehirne
- Was schadts hat er doch Geld genug,
- Und bindet man das Geld dem Ochsen auf die Stirne,
- So heißt der tümmste Ochse klug.
-
-
-An den Mäv.
-
- Wohin! wohin so schnell! ich geh, sprach Mäv im Lachen:
- Den Kirchhof bucklicht, ihn, und auch mich reich zu machen.
-
-
-Auf einen Schmausegern.
-
- Soll dich Herr Schmausegern auf allen Straßen preisen,
- So laß ihn nur fein oft an deiner Tafel speisen:
- Denn füllst du ihm den Bauch, befeuchtst du ihm den Schlund,
- So macht er deinen Ruhm geheimsten Oertern kund.
-
-
-Auf die Weiber.
-
- Heimlichkeiten sind bey Weibern, wie das Wasser in dem Siebe.
- Welch ein Wunder! wenn in beyden das ihn Anvertraute bliebe.
-
-
-Auf den Stax.
-
- Wären Staxens Wissenschaften seinem losen Maule gleich,
- O so wär er am Verstande, so wie am Vermögen reich.
-
-
-Auf ein böses Weib.
-
- Ein böses Weib ist ein abscheulich Ungeheuer
- Sie ist vor einen Mann ein wahres Fegefeuer:
- Denn wär sie eine Höll, ey welch ein Herzeleid!
- So würde nie ein Mann von seiner Quaal befreyt.
-
-
-Auf den Mops.
-
- Mops läuft sehr gut, doch denkt er tumm,
- So folgbar kann man sicher schlüßen,
- Mops habe den Verstand in Füßen.
- O tummer Mops, so kehr dich um!
- Denn wirst du auf dem Kopfe stehn
- Und nicht mehr auf den Füßen gehn.
- Wirst du zwar klug zu denken wissen,
- Doch schlechter gehn als auf den Füßen.
-
-
-Auf die Gerechtigkeit.
-
- Vor Gerichten geht es leider! welch ein Unglück gar zu schlecht,
- Ständ das Recht auf einem Fuße, o so hätte mancher Recht!
-
-
-An seine F * *
-
- Wenn sich mein Weibchen krank befind
- So ist sie ein recht gutes Kind:
- Doch nähm sie Gott in Himmel ein
- So würde sie weit besser seyn.
-
-
-An die Thais.
-
- Thais will noch Jungfer heißen, machts der Nachwelt offenbar;
- So hieß Eva immer Eva, ob sie schon gefallen war.
-
-
-An den Thraso.
-
- Von Sagen hat man oft Gefahr
- Von Sagen wird man viel betrogen:
- Denn wären alle Sagen wahr
- So hätte Thraso nie gelogen.
-
-
-An den Stolp.
-
- Warum hat Stolp, der zänksche Mann, ein böses Weib gefreyt?
- Darum, weil sich durch öftern Zank die Liebe stets verneut.
-
-
-Auf eine böse Frau.
-
- Man lobt die Stachelnuß, wenn man den Kern genießt,
- Und eine böse Frau, wenn sie gestorben ist.
-
-
-An den Knoll.
-
- Warum ist Knoll so sehre grob, und nebst der Grobheit stolz?
- Sein Vater war ein Fleischerknecht und er sein krummes Holz.
-
-
-Auf ein böses Weib.
-
- Ein böses Weib und Wespennest muß man durchaus nicht stören
- Sonst wird man nichts als Ungestüm, und lauter Brummen hören.
-
-
-
-
- Das erste Buch,
-
- von den
-
- Krankheiten
-
- des
-
- schönen Geschlechts,
-
- welche
-
- ihr Daseyn überhaupt dem Putze des
- Kopfes des Angesichts und des
- Halses schuldig sind.
-
-
- ~OVIDIUS.~
-
- ~Forma bonum fragile est, quantumque adcedit ad annos
- Fit minor.~
-
-
-
-
-Sinngedichte.
-
-
- Clorinde putzt ihr Haupt mit Locken Blumen Bändern,
- Und sucht ihr Angesicht durch Schminke zu verändern:
- Und warum thut sie das? Um schöner auszusehn,
- Und sich in ihrem Putz, als wie der Pfau zu blehn.
- Doch schmückte sie statt dem den innern Kopf mit Witze,
- So wäre sie der Welt mehr als anitzo nütze,
- So würde sie beliebt und weit gesünder seyn:
- So aber findet sich bey ihr nur Krankheit ein.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
- Der erste Abschnitt.
-
- Von
- den Ungelegenheiten,
- welche
- von dem Haarputze
- herkommen.
-
-
-
-
-Das erste Kapitel.
-
-
-Von den Verdrießlichkeiten, welche von den Pudelköpfen zu entstehen
-gewohnt sind.
-
-
-§. 1.
-
-Um meinem einmal in der Abhandlung, daß die meisten Krankheiten der
-Frauenzimmer ihren Grund in dem Körperbau dieses Geschlechts habe,
-gethanen Versprechen nicht zuwider zu handeln, will ich unverändert bey
-meinem gefaßten Vorsatze bleiben, und den Anfang von den Haaren machen.
-Es mag meine erste Beschäftigung also der sogenannte Pudelkopf seyn.
-
-§. 2. Habe ich nicht wieder Recht, wenn ich sage, daß das schöne
-Geschlecht in seiner Tracht über die maßen veränderlich, und auf
-der Welt niemals mit seines Körpers Zustande vergnügt sey? Man wird
-mir wider meinen Satz keine Einwendung machen können, wenn ich
-meinen Lesern die Pudelköpfe entgegensetzen werde. Ist es nicht eine
-unläugbare Wahrheit, daß sich die Frauenspersonen durch die Pudelköpfe
-den Männern ähnlich zu machen bestreben? Und sieht eine Frauensperson
-in Betrachtung des Haupts in ihrem Pudelkopfe einem Manne nicht wie des
-Phädrus Larve einem Menschengesichte vollkommen gleich? Nur Schade, daß
-die Schönen nicht auch alle männlichen Verstand unter ihrem Pudelkopfe
-tragen. Es ist nun einmal schon ein großer Fehler der Weiber, daß sie
-alle Männer werden wollen: Aber es ist auch ein weit größeres Glück
-noch dabey, daß sie in Ansehung ihrer Pudelköpfe, zumal wenn sie kein
-Kopfzeug auf dem Haupte tragen, nur Männer zu seyn scheinen, in der
-That aber und in Ewigkeit nicht zu Mannsbildern werden können. Doch
-ich irre, die Schönen haben noch Hoffnung, in Mannspersonen verwandelt
-zu werden, aber erst vielleicht alsdenn, wenn die Schnecken Flügel
-bekommen werden. Doch wenn diese Veränderung mit den Weibsbildern vor
-sich gehen wird, das werden die Kalendermacher am besten zu bestimmen
-wissen.
-
-§. 3. Doch wieder auf die Pudelköpfe zu kommen. Diese sind heut zu
-Tage der gewöhnliche Hauptputz unsrer Schönheiten, wie lange aber
-dieser wohl von ihnen wird beliebet werden, können sie itzo selbst
-so genau nicht wissen. Ein Pudelkopf ist also derjenige Haarputz, da
-die Haare des ganzen Kopfs kurz verschnitten, und in Locken, welche
-rings um den Kopf, der Breite nach, zuweilen aber auch der Länge nach
-herunter gelegt, mit Seitentouren, und forne über der Stirne mit einem
-Toupee versehen worden sind. Diese nun nenne ich die wahren Pudelköpfe,
-die falschen aber sind diejenigen, welche durch Kunst verfertiget
-werden, und deren sich unsre Schönen eben so wie die Mannspersonen
-sich der Perucken bedienen. Ich habe mich einsmals fast aus den Odem
-gelacht, da ich eine gewisse Frauensperson, welche die gütige Natur
-mit einem goldgelben Haare versehen halte, in einem künstlichen
-schwarzen Pudelkopfe sah, und gleichwohl an ihr rothe Augenbraunen
-erblickte. Doch hiervon werde ich mehr Gelegenheit zu reden haben,
-wenn ich von dem Haarfärben handeln werde. Diese wahren Pudelköpfe,
-welche ich mit gutem Rechte die natürlichen nennen könnte, sollen sich
-die Schönen bloß ihrer Bequemlichkeit wegen zu tragen, vorgenommen
-haben. Denn ehedem, als das Frauenvolk ihre Haare lang und in Zöpfe
-geflochten trug, mußte es freylich eine Last seyn, diese langen
-Haare auszukämmen und wieder einzuflechten. Aber um Verzeihung! ihr
-halbmännlichen Schönen, ich habe den Glauben, daß die Pudelköpfe itzo
-weit unbequemer sind, als der ehmahlige Haarputz der Frauenspersonen.
-Was für Ungelegenheiten macht nicht das Haarverschneiden, wie viele
-Beschwerlichkeiten verursacht nicht das Haaraufkrausen, wie viele Last
-wird nicht durch das Haaraufbrennen den Schönen aufgelegt, und wie viel
-Zeit und Geduld wird nicht erfordert, wenn die Haarlocken in Ordnung
-gelegt, mit Haarwachse u. Pomade eingesalbt und mit Puder überstreut
-werden? Zehnmal eher würden sie mit dem Auskemmen und Einflechten zu
-Stande kommen, als einmal mit einem solchem Pudelputze fertig werden.
-Ich kann mich also unmöglich überreden lassen, daß die Pudelköpfe der
-Bequemlichkeit wegen, wohl aber um dem Haupte ein besseres das ist,
-männlicheres Ansehen zu geben, erfunden seyn müsten. Doch ich habe die
-Ehre denen Schönen im Vertrauen zu sagen, daß sie sich durch diesen
-Haarputz sehr viele kränkliche Zufälle aufgebürdet haben: und tragen
-sie noch Zweifel an dem, was ich ihnen hiermit aus Offenherzigkeit in
-die Ohren gesagt habe; so werde ich mir angelegen seyn lassen, ihnen
-meine Worte so gleich zu beweisen, um sie von der Wahrheit meines
-Spruchs recht überzeugend überführen zu mögen. Aber nur Geduld!
-
-§. 4. Da es bey den Schönen noch gewöhnlich war, die Haare zu binden
-und einzuflechten, konnten die Haare dem Haupte gar wohl denjenigen
-Nutzen erweisen, zu dem sie die Weisheit des Schöpfers bestimmt hatte.
-Man hat eben nicht nöthig, ein Gelehrter zu heißen, um es einzusehen,
-daß der Kopf darum hat mit Haaren versehen seyn müssen, um denselben
-vor der Kälte zu verwahren; Denn da bey dem Haarputze der Alten
-die Haare so gebunden wurden, daß solche die Haut des Kopfs näher
-berührten, und durch solche nähere Berührung der Haut den Kopf besser
-wider die Kälte, als die itzigen Pudelköpfe, verwahren konnten; so
-musten freylich die damaligen Schönen wenigern Krankheiten des Haupts
-unterworfen gewesen seyn, als itzo, da die Haare weiter von der Haut
-abstehen, und folglich den Kopf nicht so kräftig wider die Kälte
-sicher machen können. Denn da vermöge dieser Pudelköpfe die kalte Luft
-und die Macht der rauhen Wittrung die Haut des Kopfs mehr anfällt;
-so werden die Frauenspersonen auch nothwendig mehrern Krankheiten
-unterthänig seyn müssen. Es brauch keines weitläuftigen Beweises,
-daß die Kälte fähig und geschickt genug sey, die Schweißlöcher der
-Haut zu verschließen. Wenn sich nun aber diese Begebenheit an dem
-Kopfe zuträgt, so wird die unmerkliche Ausdünstung zurücke bleiben,
-Anhäufungen, und Stockungen an dem Kopfe erzeugen, und folglich
-tausend Gelegenheit zu solchen Krankheiten geben müssen, welche in der
-zurückgebliebenen heilsamen Ausdünstung ihren natürlichen Grund haben.
-
-§. 5. Es werden also bloß aus dieser, und sonst keiner andern
-Ursache Kopfschmerzen von verschiedener Art, Wasserköpfe, Schwindel,
-Schlagflüße, Brausen der Ohren, Ohrenzwang, auslaufende und
-fließende Ohren, Entzündungen, Blödigkeit, ja gar Blindheit der
-Augen, Stockschnupfen, Zahnschmerzen, Geschwulste und Geschwüre am
-Zahnfleische, geschwollene Speichel- Hals- Schlund- und Ohrendrüsen,
-und wohl gar Verstopfungen, Vereyterungen und Verhärtung derselbigen
-zum Vorscheine kommen. Es werden geschwollene Hälse und Kröpfe,
-Entzündungen der Muskeln, welche an der Luftröhre, und an dem Schlunde
-befindlich sind, und folgbar verschiedene Arten der Bräune entstehen.
-In dem Angesichte aber wird, diese gehemmte Ausdünstung des Kopfs,
-Blätterchen (~vari~), verschiedene rosenartige Entzündungen, und andere
-Verdrießlichkeiten, deren ich nicht einmal Erwähnung zu thun fähig bin,
-theils aber auch nicht vor gut befinde, um meinen Lesern keinen Ekel
-erwecken zu mögen.
-
-§. 6. Sehen sie also, meine Frauenzimmer, sehen sie nun bald den
-Schaden, und die Ungelegenheit ein, welche sie sich als feurige Kohlen,
-durch diese fälschlich eingebildete thörichte Bequemlichkeit, des heut
-zu Tage gemein gewordenen Haarputzes der Pudelköpfe, auf ihre Häupter
-gesammlet haben? wird nun nicht bald die Reue ihr Herz einnehmen, daß
-sie, wie Eva nach dem Apfel des verbotenen Baums so lüstern gewesen
-sind, in Ansehung ihres Kopfs den Mannspersonen ähnlich zu werden?
-Doch vielleicht wollen unsere Schönen lieber den Aerzten zum besten
-einen beständig kränklichen Körper haben, als ihrem Lieblinge, dem
-Pudelkopfe, den völligen Abschied unterschreiben, und lieber immer,
-wie die Hebräer in Egypten, unter dem Joche der Krankheiten wehklagen,
-als ihre eingewurzelte Einbildung, daß sie sich durch ihre Pudelköpfe
-schöner und reizender machen könnten, aus dem Kopfe lassen. Doch giebt
-es auch Frauenspersonen, oder damit ich nicht wider die Titulatur
-sündige, es giebt sage ich, vielmehr heilige Schwestern, welche
-nicht etwa, aus Vorsorge ihre Gesundheit zu erhalten, sondern nur
-bloß aus verstellter Demuth, mit einem beynahe heiligem Eifer wider
-die Pudelköpfe in Grimm gerathen, und dieselbigen, zumal wenn ihr
-Zorn die Oberhand über ihre Herzen erlangt hat, vor eine Eitelkeit,
-ja wohl gar vor eine Todsünde schelten. Und noch sind wieder andere
-Frauenspersonen, welche aus besondern, und ihnen selbst eignen Ursachen
-die Pudelköpfe verachten, und durchaus nicht zu tragen erlauben wollen.
-Consbruch entdecket uns in seiner Ode eine einzige Ursache, welche
-diese Art der Frauen bewegt, einen Abscheu vor den Pudelköpfen zu
-tragen, und hier ist sein Lied:
-
- Die Moden sind Julchen zuwider:
- Wie eitel! man putzet die Glieder,
- Der Würmer Raub? Die fromme Frau?
- Doch ihnen sollte sie entsagen?
- Nein, Pudels mag sie nur nicht tragen:
- Denn ihre Haare sind schon grau.
-
-Doch dieses mag vor dieses Mal von den Pudelköpfen genug gesagt seyn:
-nunmehro will ich von den Beschwerlichkeiten handeln, welche das
-Frauenzimmer wegen des Aufkrausens und Aufbrennens der Haare leiden muß.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Das zweyte Kapitel.
-
-Von den Beschwerlichkeiten, welche das Aufkrausen und Aufbrennen der
-Haare des Kopfs verursachen.
-
-
-§. 7.
-
-Ich würde denjenigen Kopf, welcher weder aufgekrauset noch aufgebrannt
-worden wäre, eher vor einen Zodelkopf als vor einen Pudelkopf halten.
-Soll ich aber einen Pudelkopf nicht mit diesem Titel belegen, so
-wird er, wenn er anders seine gehörige Annehmlichkeit haben soll,
-aufgekrauset und aufgebrannt seyn müssen. Es wird also nothwendig
-meine Pflicht seyn, von den Beschwerlichkeiten zu schreiben, welche
-dem Kopfe durch das Aufkrausen und Aufbrennen zugefügt werden. Wer
-nun geputzt und schöne scheinen will, der muß es sich auch gefallen
-lassen, Ungelegenheiten zu leiden. Das schöne Geschlecht hat ohnedem
-das Unglück, daß allemal auf ihr genossenes und empfundenes Vergnügen
-tausend Unbequemlichkeiten und Schmerzen erfolgen: doch ich mag mich
-eben hiervon nicht deutlicher erklären, wer das Frauenzimmer nur ein
-wenig kennt, der wird meine Meynung ohne einen Dolmetscher schon
-verstehen können, es wäre denn, daß er nur einen Sinn, wie eine Auster
-hätte, oder nur dem Angesichte nach einen Menschen vorstellete, im
-Gehirn aber weniger Verstand als eine Gans besäße, denn
-
- Gesetzt, es mangelte Markolfen im Gehirne,
- Was schadts, hat er doch Geld genug:
- Und bindet man das Geld dem Ochsen auf die Stirne,
- So heißt der tümmste Ochse klug.
-
-§. 8. Ich will nunmehr allen Scherz bey Seite setzen, und eine etwas
-ernsthaftere Gesichtsstellung annehmen, ob ich schon weis, daß mich
-ein ernsthaftes Wesen eben nicht zu kleiden gewohnt ist, so will
-ich mir doch Gewalt anthun, und mich zwingen, eben eine solche Mine
-zu machen, welche ich sonst nur bey dem Bette gefährlicher Kranken
-anzunehmen pflege. Es ist eine Erfahrung, die in der Empfindung ihren
-Grund hat, daß allemal eine unangenehme Empfindung entsteht, wenn die
-Haare aufgekrauset, und mit dem Pappiere umwickelt werden: Denn weil
-die Haare unter dieser Arbeit straff angezogen werden; so muß sich
-nothwendig davon an der Haut des Kopfs ein Schmerz zeigen, welcher, da
-er durch solche Reizung das Blut mehr gegen das Haupt lockt, Anlaß zu
-Kopfschmerzen zu geben fähig ist. Und dieses war die Ungelegenheit,
-welche von dem Aufkrausen und Einwickeln der Haare ihren Ursprung nimmt.
-
-§. 9. Laßt uns nun auch den Schaden betrachten, welcher von dem
-Aufbrennen der Haare verursacht wird. Alle trockene Wärme ist
-vermögend, denen Körpern ihre Feuchtigkeit zu rauben, und solche
-trockner zu machen. Wenn diese Warheit ihre Richtigkeit hat, daran
-wohl in Ewigkeit kein Kluger zweifeln wird; so werden auch die Haare
-durch das Brennen nothwendig gar zu sehr ausgetrocknet werden müssen.
-Ich würde in allem Ernste auf einen solchen böse werden, welcher
-so unverschämt seyn und mir läugnen wollte, daß die Haare keine
-Röhrchen wären, welches doch mit mir die ganze gelehrte Welt als eine
-unumstößliche Wahrheit glaubt. Da nun die Haare in der That nichts
-anders als Röhrchen sind, durch welche die unmerkliche Ausdünstung
-wegzugehen pflegt; so muß dieser heilsame Abgang der auszuführenden
-Feuchtigkeiten nothwendig unterdrückt werden, wenn vermöge dieses
-heißen Eisens die Röhrchen der Haare so gebrannt werden, daß sie ihre
-Höhlung verlieren müssen. Daß aber auf diese Weise die Höhlung der
-Haarröhrchen wirklich zernichtet werde, beweiset die Sprödigkeit und
-gar zu große Trockenheit der Haare mehr als zu deutlich.
-
-§. 10. Wird nicht ein Haarröhrchen anfangen auszutrocknen, wenn es
-seiner innern Feuchtigkeit beraubt wird, welche ehedem seine Höhlung
-einnahm und ausfüllete? Wenn aber ein Haarröhrchen seine Feuchtigkeit
-einbüßt; so muß es aufhören ernährt zu werden: bekommt es nun keine
-Feuchtigkeit mehr; so muß es trocken werden, schwinden, und endlich
-ausfallen. Daß sich aber diese Umstände mit den Haaren wirklich so
-zutragen, wird uns vermöge der Erfahrung zu einer Wahrheit. Und
-sehen wir nicht, daß Haare, welche oft aufgebrannt worden sind, ihre
-ordentliche Farbe verlieren? und verschwindet denn wohl die Farbe
-der Haare aus einer andern Ursache, als wegen der gar zu großen
-Trockenheit, welche ihr bloß durch das viele und öftere Aufbrennen
-zuwege gebracht wird? In Wahrheit, ich sehe keine andre Ursache, als
-die nur angeführte ein, es wäre denn, daß ich blödsinnig genug wäre,
-eine noch weit wichtigere entdecken zu können. Aber wäre dieses wohl
-eine Unmöglichkeit? Ohne Scherz! Menschheit trage ich in meinem Busen
-genug dazu, und folglich könnte ich auch wohl, wie alle Adamskinder,
-Schwachheiten unterwürfig seyn.
-
-§. 11. Je trockner die Haare werden, je mehr müssen sie zum Ausfallen
-geneigt seyn, folglich werden diejenigen Leute, welche ihre Haare
-öfters haben aufbrennen lassen, vor den Jahren ihrer Haare verlustig,
-und zu Kahlköpfen werden müssen. Denn da es in der Natur seinen
-Grund hat, daß nichts ohne Feuchtigkeit zu wachsen im Stande sey;
-so wird es ohne Widerspruch seyn müssen; daß alles verdorren müsse,
-was keine Nahrung mehr erhält. Es ist ohne Scherz eine nicht geringe
-Unbequemlichkeit, wenn man seiner Haupthaare verlustig wird. Wie wird
-man also den Kopf genugsam wider die Kälte und rauhe Luft sicher zu
-stellen vermögend seyn?
-
-§. 12. Aber das Ausfallen der Haare ist nicht die einzige
-Ungelegenheit, welche von dem Aufbrennen entsteht. Habe ich nicht schon
-Meldung gethan, daß die innere Höhlung der Haarröhrchen durch das
-Brenneisen gänzlich zusammen gedrückt würde, so, daß keine Ausdünstung
-mehr durch diese Haarröhrchen von statten gehen kann? Wenn aber die
-unmerkliche Ausdünstung des Kopfs durch die Haarröhrchen gehindert
-wird, so wird sich diejenige Feuchtigkeit, welche sonst natürlicher
-Weise ausdünsten sollte, in dem Kopfe anhäufen, stocken, und alle
-diejenige Krankheit hervorbringen, welche ich der Reihe nach im 5ten
-Absatze erzählt habe, hier aber nochmals zu wiederholen vor überflüßig
-halte.
-
-§. 13. Ich habe nur itzo im 10ten Absatze gesagt, daß das viele
-Aufbrennen den Haaren, die ihr sonst eigne Schönheit der Farbe zu
-verändern und zu benehmen pflege. Werden also nicht die Haare verstellt
-werden müssen, wenn ihnen ihre natürliche Farbe benommen wird? O!
-wie ungestallt werden nicht die schwarzen Haare aussehen, wenn ihre
-Spitzen den Augen eine fuchsrothe Farbe darstellen werden? Doch bey den
-Haaren, die man einpudert, kann dieser Fehler gar leichte mit dem Puder
-bedeckt werden. Aber wenn man seine Haare, ohne solche einzupudern,
-zu tragen gewohnt ist; so wird es allerdings ein unangenehmes Ansehen
-verursachen, wenn die Haare von zweyerley Farbe am Kopfe sichtbar
-werden. Es ist wahr, diese verbrannten, ausgetrockneten und mißfärbigen
-Haare sind zwar, an und vor sich selbst betrachtet keine Krankheit;
-gleichwohl aber können sie als eine entfernte Ursache zu alle
-denjenigen Ungelegenheiten, deren ich im 12ten und 5ten Absatze gedacht
-habe, Anlaß geben, und welche allesammt in der verhinderten Ausdünstung
-ihren Grund haben.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Das dritte Kapitel.
-
-Von den Unbequemlichkeiten, welche von dem Einpomadiren und Einpudern
-der Haare des Kopfs her zu kommen pflegen.
-
-
-§. 14.
-
-Wer in seinem leben noch kein Frauenzimmer mit eingepuderten Haaren
-gesehen hat, der wird vermuthlich bey Erblickung eines mit Puder weiß
-gemachten Frauenkopfs auf die Gedanken gerathen, daß eine solche weiße
-Schönheit in einer Mühle gewesen seyn müßte: Ob aber das gepuderte
-Weibsbild in einer Wassermühle oder in einer Windmühle gewesen wäre,
-würde freylich noch eine unausgemachte Sache bleiben. Indessen ist
-es doch eine verlachenswürdige Thorheit, daß man, um seinem Kopfe
-eine besondere Zierde geben zu mögen, die Haare mit Mehle bestreuet,
-welches doch meinem Erachten nach lieber den Armen gegeben werden
-sollte. Doch ich werde gleichwohl mit meinem guten Rathe diese einmal
-eingeschlichene Mode nicht abzubringen im Stande seyn. Wird man also
-nicht von selbst, ohne große Schwierigkeit, den bündigen Schluß machen:
-daß ich die eingepuderten Frauenzimmerköpfe durchaus nicht vertragen
-könnte? Ich muß nur aufrichtig seyn, und es ohne Zwang gestehen, daß
-ich solchen Müllermäusen von ganzem Herzen gram sey, ohne eine andre
-Ursache als den Puder angeben zu können. Aber werden mich nicht meine
-Feinde deswegen verspotten, und eigensinnig nennen? Ob sie mir aber
-auch damit zu viel aufbürden, mögen meine Feinde selbst entscheiden,
-ich mag mich in dieser Sache darum nicht selber zum Richter aufwerfen,
-weil es meine eigne Person betrifft. Ich dächte nun bey mir selbst, daß
-der Eigensinn meine Leidenschaft eben nicht wäre: Es müßte denn seyn,
-daß ich gar zu wenige Kenntniß meiner selbst hätte, oder wohl gar für
-mich allzu viele Eigenliebe besäße, und dieses kann ich von mir noch
-viel weniger glauben.
-
-§. 15. Ich will diese Kleinigkeit bey Seite setzen, und mir lieber
-meinen Vorsatz angelegener seyn lassen, das heißt: ich will lieber
-von den Ungelegenheiten handeln, welche sich unsre Schönen durch das
-Einpomadiren und Einpudern zuwege bringen, als meine unnöthige Critik
-über die weißgemachten Haare des Kopfs weiter fortsetzen, weil mir
-mein prophetischer Geist zum voraus saget, daß ich mir durch diese
-Beschäftigung weiter nichts als nur eitel Feindschaft auf meine
-Schultern laden würde. O wie leid würde es mir seyn, wenn mir die
-Schönen gehäßig und abgeneigt werden sollten! Ich würde nicht wissen,
-was ich vor Traurigkeit anfangen sollte, ja mein Leben würde mir nicht
-mehr lieb seyn, so ungerne als ich solches itzo einzubüßen wünsche,
-denn
-
- Welches Würmchen stirbt wohl gerne?
-
-§. 16. Die Haare werden aus keiner andern Absicht mit Pomade fett
-gemacht und eingesalbet, als bloß aus dieser Ursache, damit der Puder
-fester auf den Haaren sitzen bleiben soll, und der Wind den Puder nicht
-so bald aus den Haaren jagen könne. Es sey ferne von mir, daß ich so
-unhöflich seyn, und es leugnen sollte, daß das artigste Geschlecht
-auch aus Nebenabsichten die Haare zu salben gewohnt sey. O ich weis
-es gar zu wohl, daß man die Pomade wohlriechend zu machen suche. Es
-ist mir bekannt, daß man solche mit Rosenwasser auszuwaschen, und mit
-Rhodiseröle und andern wohlriechenden Oelen angenehm zu machen pflege,
-um, damit die Schönen ihren Lieblingen eine Nasenweide durch einen
-angenehmen Geruch machen können. Ich wollte flugs eine Wette setzen,
-daß ein von Wein und Liebe taumelnder Anakreon seiner wohlriechenden
-Phyllis zu Gefallen alle seinen Witz anwenden und singen würde:
-
- Weg Schnupftaback, weg Dose!
- Nur der Geruch der Rose
- Soll meine Nas' erfreun:
- Wenn ich bey meinem Kinde
- Den Duft der Nas' empfinde,
- Möcht ich ein Naso seyn.
-
-Ey wie sinnreich ist der Dichter! er wünscht eine große Nase zu haben,
-um recht viel riechen zu mögen. Oder steht vielleicht gar Anakreon
-in den Gedanken, daß eine große Nase eine ganz besondere und reizende
-Schönheit sey, vermöge der man sich bey den Frauenspersonen annehmlich
-und recht beliebt zu machen fähig würde:
-
- Allein, mein Herr, sie irren sich.
-
-§. 17. Ich muß es nur immer heraus sagen, denn ich kann es ohnmöglich
-länger auf meinem Herzen behalten, daß das sogenannte Einsalben
-der Haare mit Pomade nur gar zu geschickt sey, den Frauenzimmern
-verschiedene Unbequemlichkeiten zuzufügen. Alle Aerzte stimmen mit
-mir darinnen einmüthig überein, daß Fettigkeiten, wenn sie auf die
-Haut eines lebendigen Körpers gesalbet werden, die Schweißlöcher zu
-verstopfen mächtig genug sind. Wenn nun dieses eine Wahrheit ist, daran
-ich im mindesten nicht zweifle; so wird auch ganz gewiß die unmerkliche
-Ausdünstung des Kopfs durch die Einpomadirung Schaden leiden, und
-folglich werden lauter solche Krankheiten hervorgebracht werden müssen,
-welche ihr Daseyn einzig und allein der verhinderten Ausdünstung
-schuldig sind, davon im 12ten u. 5ten Absatze nachgesehen werden kann.
-
-§. 18. Aber ich kann die Schönen aufrichtig versichern, daß der Schade
-immer größer und ärger zu werden pflege, wenn der Puder darzu kommt.
-Denn die Verstopfung der Schweißlöcher wird dadurch viel stärker,
-und folglich werden auch die hiervon entstandenen Krankheiten weit
-hartnäckigter seyn. Man nehme nur Fett und ein zartes Mehl, wie der
-Puder ist, und vermische solches mit einander, streiche es hernach
-auf die Haut eines belebten Körpers, und lasse es eine Zeit lang auf
-derselben liegen, so wird man sehen, daß vermöge der natürlichen
-Wärme eine ordentliche Rinde erzeugt werden wird, dergleichen man
-auf den Köpfen solcher Personen anzutreffen pflegt, welche ihre
-Haare gepudert zu tragen gewohnt sind. Diese Rinde verstopft nicht
-nur die Schweißlöcher der Haut des Kopfs, und bringt alle diejenigen
-Ungelegenheiten zum Vorschein, derer ich im 17ten 12ten u. 5ten
-Abschnitte Meldung gethan habe, sondern sie verursacht auch auf den
-Kopfe Schuppen, welche mit einem verdrießlichen Jucken und Grimmen den
-Kopf beunruhigen. Ja diese von Pomade und Puder zusammengesetzte Rinde
-ist eine rechte Freystadt derjenigen vielfüßigen Thierchen, welche
-man Läuse nennt. Diese Schuppen so wohl, als diese kleinen Thierchen
-machen durch das beschwerliche Jucken und Grimmen, daß man sich durch
-ein beständiges Kratzen davon zu befreyen sucht, aber damit gleichwohl
-nichts, als nur eine kleine Linderung erlangt. Durch dieses beständige
-Kratzen nun wird die Haut des Kopfs wund gemacht, daher viele garstige
-Grinde auf dem Kopfe entstehen, welche meistentheils einen stinkenden
-Geruch von sich geben, so, daß man vor solchen Leuten natürlicher Weise
-einen Abscheu bekommen muß. Sehen sie nun, was das Einpomadiren und
-Einpudern der Haare vor Ungelegenheiten nach sich zu ziehen im Stande
-ist?
-
-§. 19. Bald hätte ich noch etwas vergessen. Der Puder und die Pomade
-benehmen auch den Haaren ihre natürliche Farbe, und verändern selbige
-nur gar zu sehr. Ich habe Leute gesehen, an deren Köpfen man wohl
-zehn Farben von Haaren wahrnehmen konnte, zumal, wenn sie ihre Haare
-nicht eingepudert hatten. Daß aber diese Vielfärbigkeit der Haare von
-dem Puder herrühren müsse, ist eine Möglichkeit. Bernhard Ramazzin
-behauptet im 23sten Kapitel seines Buches von den Krankheiten der
-Künstler, daß die weiße Stärke eine Säure und Schärfe bey sich führete,
-welche fähig wäre, die Leinwand zu zerfressen. Da nun der Puder aus
-weißer Stärke gemacht wird; so kann man die Mißfarbe der Haare dem
-Puder mit gutem Fug und Rechte zuschreiben. Ich hätte fast Lust, es
-selbst zu glauben, daß der Puder vermöge seiner Schärfe den Haaren die
-natürliche Farbe raubete, und ihnen viele andre Farben zuwege brächte.
-Ja ich wollte wohl gar schwören, daß der Puder die Haare wegfressen und
-ausfallend machen könnte. Alles dieses kann um desto eher geschehen,
-wenn dem Puder Gips beygemischt worden ist. Daß aber solche Haare
-eher ausfallen, welche gepudert werden, als andre, welche nicht mit
-Puder überstreut worden sind, ist eine Wahrheit, für welche ich selbst
-zum Märtyrer zu werden, mir kein Bedenken machen würde, wenn es die
-Nothwendigkeit der Sache erforderte: da aber diese Wahrheit ohnedem
-gewiß ist; so habe ich nicht Ursache, mich in diese Lebensgefahr zu
-begeben. Es wird also solchen Frauenspersonen eben so ergehen, wie
-denen, deren ich im 11 und 12ten Abschnitte gedacht habe, und welche
-ihre Haare oft aufbrennen lassen.
-
-§. 20. Ich glaube nunmehr ganz gewiß, daß aller Ausputz der Schönen
-nichts anders zur Absicht habe, als denen Theilen ihres liebenswürdigen
-Körpers eine ganz andre Gestalt und ein ganz ander Ansehen zu geben.
-Bestreuen wohl unsre Schönheiten ihre Haare aus einem andern Absehen
-mit Puder, als bloß die natürliche Farbe ihrer Haare zu verstecken?
-Weibsbilder, deren graue Haare eine ziemliche Zahl der Jahre verrathen,
-und welche sich erzürnen, wenn man sie alt nennt, pudern sich nur darum
-ein, damit man ihre grauen Köpfe nicht sehen möge, um sie vor jung zu
-halten. Von solchen beschneyeten Frauen kann man mit Herr Leßingen
-fragen:
-
- Was wars, das uns entzückt gemacht?
- Ein altes Weib in junger Tracht.
-
-§. 21. Diejenigen Schönheiten, so ehedem Griechenland verehrte,
-Deutschland aber itzo verabscheuet, mögen es nur dem Erfinder des
-Puders noch im Grabe danken, daß er so besorgt vor sie gewesen ist,
-und vor sie ein so artiges Mittel ausfündig gemacht hat, vermöge dem
-sie ihren brennenden rothen Kopf verbergen können. Ich weis nicht
-ob ich irre, wenn ich die alten Griechen vor weit, vollkommnere
-Schönheitsverständige, als die Deutschen und Franzosen halte. Ich vor
-meine Person kann ihren Geschmack nicht tadeln, denn die Wahrheit
-zu sagen, so haben die rothköpfigten Frauenspersonen die schönste,
-zarteste und feinste Haut. Und Homer versichert uns, daß die größte
-Schönheit Griechenlands die schöne Helene, wegen welcher Troja in einen
-Steinhaufen verwandelt worden ist, einen rothen Kopf gehabt habe.
-Nunmehr werden sich die rothhaarigten Frauenspersonen etwas mehr,
-als sonst auf ihren Goldgelben Kopf einbilden, und sie haben Recht,
-wenn sie hochmüthig wegen desjenigen werden, welches das gelehrte
-Griechenland vor Zeiten als eine Schönheit gerühmt hat.
-
-§. 22. Redete ich nicht vor kurzem von dem Einpudern? Je so will ich
-mich auch sogleich wieder aus meinem Irrgarten heraus machen, und ihnen
-nur noch etwas von dem Einpudern vorsagen. Ich mag eben meine Meynung
-niemanden aufdringen, welche ich von den eingepuderten Haaren habe.
-Doch ich will mein Geheimniß offenbaren: ich halte das Einpudern der
-Haare vor nichts anders, als vor eine Haarschminke, o eine wichtige
-Wahrheit, und ein großes Geheimniß! mit dieser Haarschminke bemüht sich
-das schöne Geschlechte den Kopf weiß zu machen. Aber um Verzeihung!
-unsre Schönheiten würden weit vernünftiger handeln, wenn sie sich
-angelegener seyn ließen, ihre Köpfe weißer zu machen: Doch manche
-Mannspersonen möchten sich auch um mehrere Weisheit bekümmern. Nunmehr,
-deucht mich, hätte ich genug von den weißen Köpfen geschrieben, es wird
-also die höchste Zeit seyn, daß ich auch der schwarzen Köpfe gedenke.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Das vierte Kapitel.
-
-Von den üblen Zufällen, welche ihren Ursprung von dem Färben der Haare
-haben.
-
-
-§. 23.
-
-Einmal hat nun schon in Frankreich so wohl als in Deutschland das
-Vorurtheil in den Herzen beyder Landsleute so tiefe Wurzel gefaßt,
-und ich glaube, daß man alle Mühe verschwenden würde, wenn man
-diesen zweyen Nationen ihre einmal gefaßte Meynung ausreden wollte,
-zumal da sie solcher als einer ewigen Wahrheit anhängen, daß ein
-von Natur schwarzer Kopf eine recht ausnehmende Schönheit sey. Ob
-man aber aus einem andern Grunde, als aus einer bloßen Einbildung
-den schwarzen Haaren ein so großes Vorrecht zugestehe, mag ich eben
-nicht untersuchen: wenigstens halte ich dafür, daß die ganze Sache
-in nichts anders, als in einer verderbten Einbildungskraft bestehe,
-welche vielleicht darum die Oberhand behält, weil dieser Meynung sehr
-viele beypflichten, ohne daß sie sich deswegen die Mühe geben, eine
-genauere Untersuchung anzustellen. Ich muß also doch wohl Recht haben,
-wenn ich diese allzu große Hochschätzung der schwarzen Haare für ein
-eitles Vorurtheil ausgebe, und wenn ich denjenigen von Vorurtheilen
-eingenommen halte, welcher eine Sache als eine ungezweifelte Wahrheit
-annimmt, ohne zureichenden Grund darzu zu haben, oder angeben zu
-können. Ich kann mich ohnmöglich enthalten, solchen Leuten unter das
-Angesichte zu sagen, daß sie unbefederte Papegoye sind: gesetzt auch,
-daß sie dieserwegen eine Feindschaft auf mich werfen sollten. Was würde
-es mehr seyn, wenn ich die Anzahl meiner Feinde dadurch vermehre?
-Nichts, in Wahrheit nichts. Doch nein, ich irre, ich würde nur dadurch
-mehrere Gelegenheit über meine Feinde zu spotten bekommen: Denn
-
- Wie werd ich mich an ihnen rächen!
- Ihr ganzes Drohen schreckt mich nie:
- Je schärfres Urtheil sie mir sprechen,
- Je freyer spott ich über sie.
-
-Ey! abermal ein Reimchen! wird man denken, ja ja man hat recht
-schön gedacht. Ich sehe es von selbst sehr wohl ein, daß ein guter
-Liederprediger an mir verdorben ist. O! was für Thränen würden nicht
-die alten Weiber vergossen haben, wenn ich ihnen solche schöne und
-herzbrechende Machtstoßkraftreimknittelgebetchen (ach mir will der
-Athem fehlen!) oft vorgesagt hätte?
-
-§. 24. Es pflegt mit der Schönheit eben so, wie mit der Frömmigkeit
-zu gehen: Alle Menschen wollen schön, und niemand mag häßlich heißen.
-Diese Begierde nun, schöne seyn zu mögen, hat die Schönen angeflammt,
-sich dasjenige durch Kunst zu verschaffen, was ihnen die weise Natur
-versagt hat. Daher haben sie es vor gut befunden, Schwarzfärberinnen
-zu werden, um auf Mittel bedacht zu seyn, kraft deren sie ihre Absicht
-erlangen, das heißt, schwarze Köpfe bekommen möchten, um schöner zu
-scheinen, und eifriger von den Mannspersonen angebetet zu werden. Denn
-niemand läßt sich so gern Ehre erweisen, als das weibliche Geschlechte.
-Ich versichre, daß solches der Regel des Ovids genauer als den
-Zehngeboten nachzuleben besorgt sey: Daß man sich nämlich beliebt zu
-machen suchen müsse, wenn man geliebt zu werden wünsche: ~Vt ameris
-amabilis esto!~ heißt der eigentliche Grundtext des so theuern als
-verliebten Helden.
-
-§. 25. Ich stehe gänzlich in der Einbildung, daß ich meinen Lesern
-einen Gefallen erweisen werde, wenn ich ihnen die Mittel so wohl,
-als auch die Art erzähle, vermöge deren sie sich über die Natur zu
-erheben, das heißt, sich schwarze Haare zu verschaffen fähig sind.
-Einige Schönheiten glauben ihrer Absicht theilhaftig zu werden, wenn
-sie ihre Haupthaare öfters mit einem von Bleye verfertigten Kamme
-auskämmten. Ich habe diese Bemühung von guten Erfolge gesehen, und ich
-kann es ihnen aufrichtig sagen, daß ich Frauzimmer angetroffen habe,
-welche saßen, und sich von ihren Bedienungen wohl über drey Stunden
-lang kämmen ließen, um einen schwarzen Kopf zu bekommen. Sie haben
-auch wirklich vor ihre Geduld und Stillehalten ein schwarzes Haar
-statt der Belohnung davon getragen. Das muß ich aber auch gestehen,
-daß die durch das Kämmen eines bleyernen Kammes zuwegegebrachten
-schwarzen Haare von keiner gar zu langen Dauer sind. Denn diese
-gemachte schwarze Farbe der Haare verliert sich wieder, wenn die
-Schönen unterlassen, sich ferner mit einem bleyernen Kamme zu kämmen.
-So viel aber kann ich auch den Schönen mit Grunde der Wahrheit sagen,
-daß ihnen, die auf solche Art gemachten schwarzen Haare nicht den
-mindesten Schaden zufügen können, wohl aber werden solche darum ihrer
-Gesundheit vollkommen ersprießlich seyn, weil durch das beständige
-kämmen die Schweißlöcher des Kopfs eröffnet werden, wodurch die so
-heilsame Ausdünstung der Haut des Kopfs befördert wird, kraft der sie
-sich von alle denjenigen Ungelegenheiten, welche ich im 17, 12 u. 5ten
-Absatze erzählt habe, loß zu machen vermögend sind. Würde ich also
-nicht ungerecht gegen das schöne Geschlecht handeln, wenn ich ihnen
-diese Art, die Haare schwarz zu machen, widerrathen wollte? Ich würde
-mich an den Schönen versündigen, wider besser Wissen verfahren, und
-mein ohnedem sehr zartes Gewissen selbst beleidigen; ja ich würde gar
-meinen geleisteten Schwur brechen, und also in das Laster des Meyneids
-verfallen? wofür mich Gott behüte!
-
-§. 26. Andre Frauenzimmer machen sich eine schwarze Salbe von Pomade
-und gebrannten Helfenbein, oder schwarzgebrannten Mandeln, und mit
-dieser Vermischung pomadiren sie ihre Haare ein, damit solche schwarz
-scheinen möchten, in der That aber bekommen die Haare davon eine
-schwarze Farbe: Doch welch ein Schaden ist es! daß diese gefärbten
-Haare nur einige wenige Stunden dauren, und noch außer diesem diese
-Unbequemlichkeit verursachen, daß diese auf die Haare gebrachte
-schwarze Salbe bey sehr heißer Witterung und in sehr warmen Stuben
-flüßig werde, und nicht nur wie ein Balsam über das Angesichte zu
-laufen pflege, und also ein Verräther werde, daß dieser Haarschmuck
-nicht natürlich sey, sondern noch darzu die Kopfzeuge mit dieser
-schwarzen Farbe schmutzig zu machen gewohnt sey. Doch alles gienge noch
-wohl an, wenn nur nicht auch eben solche Beschwerlichkeiten von der
-schwarzen Haarsalbe ihren wesentlichen Ursprung herleiteten, welche
-allemal von dem Einpomadiren zu entstehen pflegen, und die ich schon
-im 17ten 12ten und 5ten Absatze der Ordnung nach angeführt habe. Ein
-Frauenzimmer ist doch ein recht wunderliches Geschöpfe, welches es sich
-niemals zum Verdruße seyn läßt, alles anzuwenden, um sich annehmlicher
-machen zu mögen. Ja sie verschwenden fast alle ihren Witz, um ein
-taugliches Mittel ausfündig zu machen, ihre Absicht nach Wunsche
-zu erlangen. O! wenn doch manchem Frauenzimmer der Ausputz und die
-Verbesserung ihrer Seele eben so am Herzen läge, wie die Auszierung
-ihres Körpers! was würde das für eine beneidenswürdige Glückseligkeit
-und für ein ausnehmender Vorzug seyn, welchen man ihnen billig
-zuzugestehen verbunden seyn würde. So aber ist es ein wahres Unglück,
-daß das schöne Geschlecht die Sorge für ihre Seele hinten an setzt,
-und bloß die Auszierung des Körpers ihr Augenmerk seyn läßt. Doch
-genug hiervon, ich bin eben nicht gesonnen, einen neuen Sittenlehrer
-vorzustellen, und mein Vorsatz ist eben nicht, gegenwärtig ein
-neumodisches Haus- Zucht- und Sittenbuch zu schreiben. Genug, daß es
-eine bekannte Wahrheit ist, daß manche Frauenzimmer die mehreste Zeit
-ihres Lebens an dem Nachttische, und vor dem Spiegel mit dem Ausputze
-ihres Körpers zuzubringen pflegen, ohne ihre Gedanken auf nothwendigere
-Geschäfte zu richten.
-
-§. 27. Manche Frauenzimmer pflegen sich eine besondere Haarfarbe
-zuzubereiten, um deutsche Schönheiten genennt zu werden, und in
-Wahrheit sie sind in ihrer Erfindung nicht glücklich gewesen. Denn man
-muß wissen, daß die Frauenspersonen auch rauche Köpfe besitzen, welche
-ebenfalls vielen Witzes fähig sind: Und wer so unverschämt sey, und
-ihnen solchen absprechen wollte, dem würde ich diese Verwegenheit in
-Ewigkeit nicht vergeben, er müßte sich denn so bescheiden aufführen,
-und den Schönen auf den Knyen eine Abbitte leisten, alsdenn könnte
-ich mich noch wohl bewegen lassen, ihm vermöge meiner allgemeinen
-Menschenliebe zu verzeihen, um nicht wie jener Levite ungeistlich zu
-scheinen. Doch die Herren Leviten tragen auch Menschheit in ihrem
-Busen, und wohl manchmal mehr als die Weltkinder. Doch ich mag mich
-mit solchen Geistern gar nicht einlassen, um mich ihres Segens nicht
-verlustig zu machen. Ich will vielmehr denen Schönen diejenige schwarze
-Farbe mittheilen, welche ihre Haare mohrschwarz zu machen im Stande
-ist. Es wird aber diese Haarschwärze aus einem Pfunde der grünen
-Schaalen von welschen Nüssen, einem halben Pfunde Galäpfeln, und eben
-so viel Eisenschwärze, einem Lothe Eisenvitriole, und mit sechs Pfunden
-Weineßige, durch gehörige Kochung zubereitet, hernach durchgeseiget,
-und zum Gebrauche aufbehalten. Mit dieser schwarzen Farbe nun werden
-die Haare angefeuchtet, und mit einem Kamme so lange wohl durchkämmt,
-bis alle Haare davon naß und gefärbt worden sind. Man kann auf mein
-Wort den Versuch damit anstellen, und ich bin gut dafür, daß man kraft
-dieses gebrauchten Mittels kohlschwarze Haare überkommen werde, ja ich
-selbst bin bey mir überzeugt, daß mir die Frauenzimmer für dieses ihnen
-mitgetheilte Geheimniß höchst verbunden seyn werden. Vornehmlich haben
-es diejenigen mir zu verdanken Ursache, welche rothe oder graue Haare
-haben: zumal, da sie durch diese Haarfarbe ihrem Kopfe ein ganz ander
-Ansehen zu geben vermögend sind. Erzeigen sie mir aber für meine gute
-Gesinnung keine Erkenntlichkeit; so dürfen sie mir es nicht verdenken,
-wenn ich sie für undankbare Geschöpfe erkläre, und zwar für solche,
-welche nicht nach den Regeln der Klugheit zu leben wissen. Ey! dieses
-würde ja den Schönen eine ewige Schande und ein sehr großer Vorwurf
-seyn, wodurch sie sich der ganzen Welt verächtlich machen würden.
-Allein mein Herz ist viel zu sehr gegen sie eingenommen, als daß ich
-ihnen eine solche Niederträchtigkeit, eine solche unartige Aufführung,
-und eine solche abgeschmackte Undankbarkeit zutrauen sollte: Nein, ich
-glaube vielmehr, daß ich mich niemals in dem, in meinen Gedanken von
-ihnen einmal gemachten guten Begriffe betrügen könne; es wäre denn, daß
-meine Einbildungskraft von ihrem Reize nur gar zu sehr eingenommen,
-und wie die Augen mancher Richter durch den Glanz des Goldes ganz
-verblendet worden wäre. Sehen sie, meine Schönen! so groß ist das auf
-sie gesetzte Vertrauen!
-
-§. 28. Es ist wahr, die durch dieses Mittel schwarzgefärbten Haare
-bekommen nicht nur eine recht schöne Schwärze, und einen ganz
-ausnehmenden Glanz, sondern sie behalten auch die Farbe, und verlieren
-solche nicht: sie färben nicht ab, und beschwärzen auch die Kopfzeuge
-nicht, so wie die im 26sten Absatze angeführte Pomade zu thun pflegt.
-Ob aber auch diese Haarschwärze der Gesundheit zuträglich oder
-nachtheilig sey, das ist eine andre Frage. So viel als ich davon
-einzusehen im Stande bin, so muß ich nur immer gestehen, daß diese
-Haarschwärze der Gesundheit höchst schädlich sey. Man betrachte nun
-alle diejenigen Stücke, aus denen sie zusammengesetzt ist, wie man
-will, so wird man allemal, ohne daß man ein Arzt seyn darf, gar leichte
-einsehen können, daß dieselbe aus lauter solchen Dingen bestehe, welche
-theils eine zusammenziehende, theils aber auch eine ätzende Kraft
-besitzen. Werden also nicht die Schweißlöcher der Haut, welche sich am
-Kopfe befinden, durch dieses schwarzmachende Mittel zusammengezogen
-werden, so, daß solche nicht mehr ausdünsten können? und werden also
-hiervon nicht lauter solche Krankheiten entstehen, welche bloß in der
-gehemmten Ausdünstung ihren Grund und Ursprung haben? (§. 17. 12. und
-5.) Ich dächte freylich wohl. Und da über dieses einige von diesen
-Mitteln ätzend sind; so müssen nothwendig die Haare davon weggefressen
-und ausfallend gemacht werden, folglich wird denen Schönen eben
-dasjenige wiederfahren, was sonst ordentlicher Weise denen zu geschehen
-pflegt, welche ihre Haare öfters mit einem heißen Brenneisen aufbrennen
-lassen, s. §. 19. 12. u. 11.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Das fünfte Kapitel.
-
-Von denen Beschwerungen, welche von den Kopfzeugen entspringen.
-
-
-§. 29.
-
-Ich komme nun endlich auf den übrigen Kopf- und Haarputz der Schönen,
-nämlich auf die Hauben, Kopfzeuge und Blumen: denn mit allen diesen
-geben sie sich Mühe, sich schöner zu machen. Gewiß, es fehlt den
-Frauenzimmern nicht an Erfindungen, ihren Kopf auf tausend Arten zu
-verherrlichen, und ich kann ihnen diese Bemühung nicht übel auslegen,
-zumal da ich weis, daß der Kopf das vornehmste Stück des ganzen Körpers
-ist. Aber sollte man es denn auch glauben, daß unsre Schönheiten einen
-Lust- und Ziergarten auf ihren Köpfen anzulegen gewohnt wären? Mir
-würde es im Traume nimmermehr eingekommen seyn, daß ein Frauenzimmer
-ihren Witz so hoch zu treiben fähig wäre, einen Blumengarten auf ihrem
-Kopfe anzubauen. Und dennoch zeigt mir die Erfahrung die Möglichkeit
-von allem demjenigen, was ich außerdem nur für eine Fabel gehalten
-haben würde. Mir sind Weibsbilder vorgekommen, an welchen ich mehr
-Blumen als Haare erblicken konnte. Denn bey dem ersten Anblicke dieser
-Schönheiten wurde ich für Verwunderung fast ganz außer mich gesetzt,
-so, daß ich mich gleichsam vor bezaubert hielt, und glaubte, daß sich
-die Blumengöttinn nebst ihren Spielgesellinnen wieder auf die Welt
-begeben hätte. Ey! was werden denn noch endlich die Schönen auf ihren
-Köpfen anlegen? Wer weis, ob es ihnen nicht einmal einfallen wird,
-Schlösser, Städte und Vestungen auf ihre Köpfe zu bauen. Wer weis, ob
-sie nicht gar auf die thörichten Gedanken gerathen werden, besondere
-Pflanzgärten auf ihre Köpfe zu machen. Doch dieser Putz macht die
-Frauenspersonen mehr eitel, als ungesund. Ich werde also von diesem
-eitlen Putze lieber stille schweigen, zumal, da ich an solchem als
-ein Arzt eben keine Gelegenheit finde, welche ihrer Gesundheit einigen
-Schaden zuzufügen im Stande wäre. Kurz, dieser Hauptputz ist ein bloßes
-Spielwerk, welches aus einer überflüßigen Eitelkeit entsprungen ist,
-und die ganze Welt hält es ohnedem mit mir vor wahr, daß die Schönen
-mehr der Eitelkeit als andern Beschäftigungen zugethan sind.
-
-§. 30. Das schöne Geschlecht ist eben so veränderlich in den Arten der
-Hauben und Kopfzeuge, deren es sich zu bedienen pflegt, um ihrem Haupte
-eine Zierde geben zu mögen, als veränderlich solches selbst in seinem
-Gemüthe ist. Ja die Hauben und Kopfzeuge sind bey den Schönen eben so
-verschiedentlich, als verschiedentlich die Neigungen derselbigen sind.
-Denn bald stellt ein Kopfzeug die Fliegel eines Schmetterlings oder
-einer Fledermaus, bald aber auch die Figur eines andern Ungeziefers
-vor. Ich habe Frauenzimmer gesehen, welche Kopfzeuge trugen, die auf
-beyden Seiten ordentliche lange Lappen herunterhängen hatten, und man
-würde schwören, man erblickte ein Schiff, welches mit ausgespannten
-Segeln versehen wäre, wenn man eine solche Flatterschöne bey etwas
-windigen Wetter von weiten herkommen sieht. Manche Frauenspersonen
-bekleiden ihren Kopf mit einer ganz besondern Art der Kopfzeuge, welche
-einem großen Rade ziemlich gleich sind. Man würde sich einbilden,
-solche Leute wären bey lebendigem Leibe canonisirt worden, weil sie
-einen fast übernatürlichen Schein um ihren Kopf herum hätten. Doch
-es mag genug hiervon geschrieben seyn. Denn wenn ich alle Arten der
-Kopfzeuge mit Namen benennen, und ihre Figuren beschreiben wollte; so
-würde ich mich aus einer gewissen Nothwendigkeit entweder entschließen,
-zu den Putzmachermägdchen in die Schule zu gehen, oder wenn ich dieser
-Last überhoben seyn wollte, würde ich mir ein Frauenzimmerlexicon
-zulegen, und fleißig in solches sehen müssen. Doch da eben dieses
-nicht meine Beschäftigung ist, so habe ich es auch nicht nöthig, mich
-in diese unnöthige Weitläufigkeit einzulassen: Aber gleichwohl werde
-ich derjenigen Kopfzeuge Erwehnung thun, und solche etwas genauer
-beschreiben, welche den Schönen Anlaß, krank zu werden geben.
-
-§. 31. Ein Kopfzeug ist eine aus weißen Flor oder Schleyer mit Spitzen
-besetzte, und nach der Mode verfertigte Art der Kleidung, der sich die
-Frauenspersonen bedienen, um den Kopf damit zu bedecken. Wie aber diese
-Kopfdeckel gemacht werden, kann ich darum so genau nicht wissen, weil
-ich solche selbst niemals mit meinen Augen habe verfertigen sehen, und
-nicht das mindeste von der Nehkunst verstehe. Doch ich besinne mich,
-einmal ein zerlegtes Kopfzeug gesehen zu haben, und wo ich nicht irre,
-so war es ein von weißen Kannevaß, einer Hand lang und breit gemachtes
-Herz, welches von innen etwas hohl, von außen aber etwas erhoben war.
-Dieses Herz aber pflegen die Schönen nach ihrer Redensart den Teller zu
-nennen. Doch so viel als ich von den Frauenputze verstehe; so glaube
-ich, daß dieses Herz vielleicht der Grund gewesen seyn mag, über und
-um welches der weiße Flor oder Schleyer, entweder mit weißen Zwirne
-angeneht, oder mit Stecknadeln angeheft werden muß. Betrüge ich mich
-nun in meiner Muthmaßung, so geschieht es gewiß aus Unwissenheit. An
-und um diesen mit Flor oder Schleyer überzogenen herzförmigen Teller
-pflegen die Schönen die Spitzen mit verschiedenen Falten anzunehen,
-und hernach mit oder ohne herabhängenden Flügeln zu versehen. Zuweilen
-schmücken sie auch, um mehrer Zierlichkeit willen, diese Kopfzeuge
-entweder mit goldnen, silbernen, und andern seidnen Bändern, oder mit
-Blumen, welche aus Gold, Silber oder Seide gesponnen worden sind. Es
-ist aber doch bey alle dem eine wunderbare Sache, daß die Schönheiten
-auch so gar Herzen auf dem Kopfe, fast so wie die Fische im Kopfe
-tragen. O wie gut würde es doch seyn! wenn manche Frauenzimmer zuweilen
-eben so stumm, wie die Fische wären: Ich versichre, sie würden sehr
-vieler zufälliger Uebel und harter Unglücksfälle überhoben bleiben,
-welche sie doch nur gemeiniglich ihrem ungezähmten Maule einzig und
-allein zu danken haben. Aber nun wieder auf die Kopfzeuge zu kommen.
-Manchmal werden auch solche Teller von Pappier gemacht, die aber doch
-vorher mit goldnen, silbernen und andern farbigten Zindel überzogen
-werden, ehe der Flor oder der Schleyer über selbige geneht wird. Die
-Figur dieser Teller mag wohl eben so, wie die Kopfzeuge selbst, von
-verschiedentlicher Gestalt seyn. Mir sind Teller zu Gesichte gekommen,
-welche eine eyähnliche Figur hatten. Mit einem Worte: Die Kopfzeuge
-werden fast alle Monate, und vielleicht auch wohl gar alle Mondwechsel
-verändert: Aber eben dieses ist auch die Ursache, warum man solche
-nicht so eigentlich abzuschildern fähig ist. Nichts ist veränderlicher
-als die Moden der Frauenzimmertracht, und ich wollte fast lieber
-sagen, daß die verschiedenen Moden der Schönen ein offenbares Zeugniß,
-und eine gewisse Wirkung ihres unbeständigen, veränderlichen und
-wankelmüthigen Gemüths wären. Denn
-
- Das Frauenzimmer ist, wie im April das Wetter
- Voll Unbeständigkeit, voll Wankelmuth wie Blätter:
- Es lacht, betrübet sich, und weint, es schimpft und schmählt,
- Es zürnt, verfolgt, haßt, liebt, hofft, wünscht, begehrt, und wählt.
-
-§. 32. Aus dem 31sten Absatze wird man also gar wohl, ohne sich
-einer Brille bedienen zu dürfen, einsehen können, daß diese Art der
-Kopfzeuge, der ich nur itzo Meldung gethan habe, der Gesundheit eben
-nicht am zuträglichsten sey. Denn da der Teller solcher Kopfdeckel nur
-einer Hand lang und breit ist; so wird solcher kaum den Wirbel des
-Kopfs zu bedecken im Stande seyn. Wird also wohl der Kopf gehörig
-genug durch diesen Kopfputz wider die Kälte sowohl, als wider die
-Sonnenhitze verwahrt werden können? Ich zweifle. Wird aber die Kälte
-den Kopf angreifen; so werden die oben erwehnten Zufälle §. 28. 17.
-12. und 5. nothwendiger Weise entstehen. Wird aber die Hitze der Sonne
-den Kopf belästigen; so werden sich die Schönen über Kopfschmerz
-beklagen, welcher ihnen den Schlaf zu berauben nur gar zu fähig wird.
-Denn mich deucht, daß es auch so gar die alten Weiber wissen, daß die
-Sonnenhitze, wenn sie zu heftig auf den Kopf sticht, Hauptschmerzen
-erzeugen könne. Aber dieses ist es nicht allein, was die Hitze der
-Sonne bey den Schönen zum Vorscheine bringet. Es werden auch von den
-Strahlen der Sonne, wenn sie den Kopf gar zu heftig brennen, rothe und
-entzündete Augen, Trockenheit in der innern Nasenhaut, in den Ohren,
-im Munde und in der Luftröhre, folglich Stockschnupfen, Krankheiten
-der Ohren, Harthörigkeit, kurz, nichts als solche Zufälle, welche
-von einer gar zu großen Verhärtung des Ohrenschmalzes, und von einer
-widernatürlichen Austrocknung des innern Ohrganges und des Trummelfells
-herzukommen pflegen, und Heiserkeit, brennende Blasen auf der Zunge,
-und trockner Husten, ihren Ursprung ableiten. Ich würde meinen Lesern
-zuwider werden, wenn ich ihnen alle diejenigen Ungelegenheit der
-Ordnung nach anführen wollte, welche allesammt von der Sonnenhitze
-ihre Erzeugung hätten. Sehen sie nun die schönen Folgen, welche von
-der eitlen Bemühung, nämlich von dem Putze des Haupts zu entstehen
-pflegen? Es ist, so wahr ich einen Geschlechtsnamen führe! eine mehr
-als tadelhafte Thorheit, wenn die Schönen darum hoffärtig werden, um
-den Aerzten in die Hände zu fallen. Es trifft also wohl recht ein, daß
-sich der Fall gemeiniglich nach der Hoffahrt einzustellen pflege. Mir
-wird es wohl schwerlich jemand aus dem Kopfe bringen, daß ich nicht
-das schöne Geschlechte, in Ansehung ihres Putzes, vor eine recht eitle
-und thörichte Art von Menschen halten sollte. Das ist freylich eine
-Wahrheit, welche den Schönheiten höchst unangenehm zu vernehmen seyn
-wird. Aber wird sie deswegen zu einer Lügen werden, weil man sie mit
-Verdruß anzuhören gewohnt ist? Nimmermehr. Wer das Glück hat, das
-artigste Geschlecht so genau, wie ich zu kennen, der wird mit mir
-in Betrachtung dieser Wahrheit einstimmig seyn. Es wäre denn, daß
-die Macht der Schönen sein Herz gar zu sehr übermannet, ihn aller
-seiner Sinnen beraubet, und ihm die Zunge, um der Wahrheit kein Recht
-wiederfahren zu lassen, gänzlich gelähmet hätte.
-
-§. 33. Ich habe mich wohl recht wie eine Fledermaus in die Haare und
-in den Kopf der Schönen verwickelt. O! wie gut ist es doch, daß ich
-einmal so glücklich habe seyn können, denen Schönen in die Haare zu
-gerathen. Ob ich ihnen aber damit auch viel Weh gethan haben werde,
-werden sie am besten wissen. Nimmermehr wird sich ein Peruckenmacher so
-lange mit den Haaren und Kopfe beschäftigen, als ich gethan habe. Aber
-itzo will ich mir auch alle Mühe geben mich mit Ehren wiederum aus den
-Haaren der Schönen, wie ein Seidenwurm aus seinem eigenen Gespinnste,
-zu entwickeln, ohne, daß sie bey meiner Entwicklung um ein einziges
-Härchen kommen sollen. Doch daß ich es kurz heraus sage: ich will
-hiermit meinen Abschnitt von den Krankheiten, welche von dem Haarputze
-und Hauptschmucke herzukommen pflegen, auf das feyerlichste geendiget
-haben.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
- Der zweyte Abschnitt.
-
- Von den
- Krankheiten, welche von der
- Verschönerung des Angesichts
- ihren Ursprung haben.
-
-
-
-
-Das erste Kapitel.
-
-Von den Ungelegenheiten, welche von den sogenannten Muschen oder
-Schminkfleckchen zu entstehen pflegen.
-
-
-§. 34.
-
-Nichts liegt wohl den Frauenzimmern mehr am Herzen, als die Sorge,
-ihrem Angesichte eine reizende Schönheit zu verschaffen. Sie haben
-unzählige Mittel, deren sie sich zu bedienen pflegen, um ihren Zweck
-glücklich erreichen zu mögen. Doch ihre Bemühung ist eben so tadelhaft
-nicht, als sie manchem wohl scheinet. Denn wenn man die Schönheit
-des Angesichts auf der rechten Seite betrachtet; so ist sie ein
-ordentliches Gewehr und Waffen, deren sich die Frauenspersonen mit
-einer ganz ausnehmenden und ihrem Geschlechte eigenen Klugheit gegen
-die Männer zu gebrauchen wissen, um über die Herzen derselben den Sieg
-zu erhalten, und sich die Mannsbilder ihnen dienstbar zu machen. Der
-weise Anakreon schreibt in seiner andern Ode, so wie ich es gerne höre.
-Ich werde die Ehre haben, ihnen die Nachahmung mitzutheilen, und hier
-ist sie:
-
- Wie sorgt die gütige Natur
- Für eine jede Kreatur!
- Sie schenkt den Menschen und den Thieren
- Ein ihrem Wesen dienlich Gut:
- Dem Löwen gab sie Stärk und Muth
- Und Hörner schenkte sie den Stieren.
-
- Sie lehrt den Fisch im Wasser gehn,
- Den Vogel sich zur Luft erhöhn:
- Dem Hasen giebt sie schnelle Füße
- Womit er sich erretten kann:
- Mit Klugheit waffnet sie den Mann,
- Und zeigt, wie er sie brauchen müsse.
-
- Was blieb vors weibliche Geschlecht?
- Auch hier war sie nicht ungerecht;
- Ihm schenkte sie statt jener Gaben
- Der Schönheit: Und gebraucht es die;
- So fehlt ihm Sieg und Stärke nie.
- Was will es andre Waffen haben?
-
-§. 35. Doch es ist zu beklagen, daß die Schönen durch alle ihre Kunst
-dasjenige in Ewigkeit nicht erhalten werden, was ihnen die Natur
-einmal versagt hat. Die Schönheit ist eigentlich diejenige gewisse
-Vollkommenheit des Körpers, die vermöge unserer äußern Sinne empfunden
-werden muß. Gesetzt aber, die Natur hätte diese Vollkommenheit bey
-dieser oder jener Person vergessen; so wird man allen Fleiß vergebens
-anwenden, sich solche durch Kunst eigen zu machen, wenn man auch gleich
-tausend Mittel zur Hand nehmen wollte. Denn der müßte gewiß entweder
-ohne Gehirne gebohren worden seyn, oder doch wenigstens alle seinen
-Verstand eingebüßt haben, welcher diejenige Person vor eine Schönheit
-halten wollte, bey der die regelmäßige Verhältniß der äußern Theile
-des ganzen Körpers gegen einander fehlete, und bey der die sonst
-gewöhnliche und ordentliche Stellung aller äußerlichen Theile nicht
-ihre Richtigkeit hätte: Da doch diese Stücke das rechte Wesen und den
-wahren Grund der Schönheit einzig und allein ausmachen müssen. Ich
-läugne aber deswegen noch lange nicht, daß nicht auch eine angenehme
-Gesichtsfarbe, die nach meinem Geschmacke weder zu feuerroth, noch
-allzu weiß wie eine Gipsstatue, sondern blaßroth und lebhaft seyn muß,
-eine Zärtlichkeit der Haut, und ein sanftes, fast unvermerktes Zucken
-der Muskeln im Angesichte, welches eigentlich die Gesichtszüge und
-Minen auszudrücken geschickt ist, zu der Schönheit, als wesentliche
-und unentbehrliche Stücke gehören sollten. O nein! ich weis es gar zu
-gut, daß eine zarte Haut, dessen Zärtlichkeit aus nichts andern, als
-aus einer überaus künstlichen Zusammenfügung sehr kleiner und zarter
-Scheibchen besteht, vermögend sey, unsern Augen ein fast himmlisches
-Vergnügen zu machen, unsere Herzen in Flammen zu setzen, und in unserer
-Seele tausend Vorstellungen hervorzubringen, die mit einer artigen
-Abwechslung von einander entgegen gesetzten Leidenschaften vermischt
-sind, und die deutlicher empfunden, als beschrieben werden können. Ich
-dürfte mich fast über den thörichten Stolz mancher Schönen, welchen
-sie, ihrer Schönheit wegen an sich blicken lassen, in ein Hohngelächter
-auslassen, zumal da sie so gar viel Eitelkeit besitzen, und sich
-zuweilen über die Maaßen viel auf ihre vergängliche Angesichtsschönheit
-einbilden. Aber man sage mir doch nur einmal, besteht nicht eben die
-Schönheit bloß in einer verwirrten Vorstellung? gründet sie sich nicht
-auf eine seltsame Zusammenfügung der kleinen und zarten Scheibchen
-der Haut, auf eine anständige und reizende Vermischung der weißen und
-rothen Farbe? und endlich auf ein fast kaum merkliches Ziehen der
-Angesichtsmuskeln? Bedenken sie doch nur einmal, meine Schönen, so
-was Elendes und Eingebildetes ist es, auf dessen kurzen Besitz sie so
-närrisch hochmüthig zu werden geneigt sind, und welches sie habhaft
-zu werden mit der größten Begierde suchen, und mit dem heftigsten
-Verlangen wünschen. Ich sollte meynen, sie müßten nunmehr mit mir
-selbst, mir zu Gefallen, und blos zur Gesellschaft über ihre eigene
-Thorheit lachen? Ey machen sie doch sowohl sich, als mir die Freude,
-und lachen recht sehr! wollen sie? ich bitte.
-
-§. 36. Um sich den so vergänglichen Schatz der Angesichtsschönheit
-eigenthümlich machen zu mögen, sind die Schönen aus einer bloßen
-Einbildung, und aus einem mehr als verkehrten Vorurtheile auf den
-tollen Gedanken gerathen, ihr Angesicht mit kleinen schwarzen
-Fleckchen, welche theils ganz runde, theils aber halbrunde Figuren
-vorstellen, und Schminkpflästerchen oder Muschen genennt werden, zu
-bekleben. Vielleicht haben die Frauenzimmer sich darum die schwarze
-Farbe zu ihren Schminkfleckchen erwählt, damit durch solche die
-Farbe des Angesichts desto besser erhöht werden soll. Zuweilen legen
-sie sich nur eines, zuweilen aber auch mehrere Pflästerchen in das
-Angesichte. Solche befleckte Schönheiten tragen beynahe das ganze
-himmlische Weltheer und das natürliche tychonische Weltsystem in
-ihrem Gesichte; ja sie sehen fast eben so bunt wie eine Elster aus:
-vielleicht aber geschieht dieses wegen der großen Verwandschaft, welche
-sie in Betrachtung ihrer Schwatzhaftigkeit mit diesen Thieren gemein
-haben. Doch ich will kraft diesem auf das feyerlichste um Verzeihung
-gebeten haben, wenn ich den Schönen etwa damit zu viel gethan, oder
-ihnen zu nahe getreten haben sollte! Vielleicht werde ich ihre Absicht
-besser errathen, warum die Schönen ihr Angesicht mit schwarzen
-Fleckchen zu bepflastern pflegen, wenn ich sage: daß sie dieses darum
-zu thun gewohnt wären, um dadurch ihr Angesichte zu verschönern,
-ihre Angesichtsfarbe mehr zu erheben, und in die Augen fallender zu
-machen, und die im Angesichte aufgeschoßten Blätterchen zu bedecken
-und zu verbergen. Ist es nicht wahr? Aber sie werden mir es auch nicht
-ungütig nehmen, wenn ich mich unterstehe, ohne den geringsten Scheu
-vor der Wahrheit zu tragen, ihnen offenherzig zu versichern, daß ihre
-eitle Bemühung schöner zu scheinen, als sie natürlicher Weise sind,
-eine ganz unnatürliche und sehr gezwungne Sache sey. In der That, ein
-oder etliche ausgefahrne Blätterchen im Angesichte sind lange nicht
-vermögend, ihre angebohrne Schönheit zu vermindern, wenn nur sonst die
-Natur gerecht und gütig genug gegen sie gehandelt hat, das heißt, die
-regelmäßige Verhältniß aller äußerlichen Theile gegen einander, und
-die ordentliche Stellung der Glieder an den Schönen zu beobachten,
-befließen genug gewesen ist. Man kann schon andere und bessere Mittel
-gebrauchen, dieser im Angesichte stehender Blätterchen loß zu werden,
-ohne sich solcher schwarzen Fleckchen bedienen zu dürfen. Doch wenn
-die Frauenspersonen die Absicht einzig und allein zu ihrem Grunde
-haben, die im Angesichte hervorgesprossenen Blätterchen vermöge dieser
-Schminkläppchen zu verbergen; so kann man ihnen diese Muschen im
-Angesichte zu tragen noch ganz wol Erlaubniß und Ablaß geben.
-
-§. 37. Diese Schminkpflästerchen nun werden meines Wissens, aus
-schwarzen seidenen Taffent verfertiget, über welchen man aufgelösetes
-Gummi streichet, wenn aber dieses auf dem Taffent trocken geworden
-ist, so werden diese Muschen mit einem scharffen besonders hierzu
-gemachten Ausstecheisen, welches bald eine zirkelrunde bald aber eine
-halbzirkelrunde Figur vorstellet, ausgestochen. Man muß aber doch auch
-wissen, daß es große, mittlere und kleine Schminkpflästerchen gebe, um
-solche auch bey verschiedenen Mängeln und Flecken des Angesichts in
-Gebrauch nehmen zu mögen.
-
-§. 38. Nunmehr sollte ich auch etwas von dem Schaden sagen, welchen die
-Schminkpflästerchen der Gesundheit zufügen könnten. Aber ich muß hier
-meine Unwissenheit aufrichtig gestehen, daß ich eben keinen besondern
-Schaden einzusehen und anzugeben fähig bin, welcher auch nur einiger
-maaßen der guten Gesundheit nachtheilig und überlästig seyn könnte.
-Es müßte denn etwa dieser Schade seyn, daß die mit Gummi überzogenen
-Fleckchen, die wenigen Schweißlöcher, über die solche gelegt worden
-sind, zuklebeten. Aber da, nur einige wenige Muschen in das Angesichte
-gelegt werden; so wird auch die unmerkliche Ausdünstung eben dadurch
-nicht unterdrückt werden, und Ungelegenheit verursachen können. Ich
-würde es nothwendiger Weise zugeben müssen, daß Krankheiten von den
-aufgelegten Muschen zum Vorscheine kommen könnten, wenn das ganze
-Angesicht mit nichts als Schminkpflästerchen, so wie mit einer Larve
-belegt worden wäre: Freylich würden alsdenn lauter solche Zufälle
-ihren Ursprung nehmen müssen, die ihr wahres Daseyn der verhinderten
-unmerklichen Ausdünstung schuldig sind, s. §. 32. 28. 17. 12. und
-5. und so würde ich mich nicht wundern dürfen, wenn krebsartige und
-fressende Geschwüre entstünden. Kurz, diese Schminkfleckchen sind
-mehr vor einen eitlen und aberwitzigen Angesichtsputz, als vor ein
-Mittel zu halten, welches der Gesundheit durch Zufügung einigen
-Unheils Eintrag zu thun vermögend seyn könnte. Es würde ein großes
-Unglück seyn, wenn alle närrische Erfindungen und Eitelkeiten zugleich
-neue Gelegenheit, krank zu werden, geben sollten: und so ist es auch
-noch lange die Folge nicht, daß alle Arten der Verschönerung des
-Angesichts schädlich werden müßten, wenn auch gleich einige fähig sind,
-Unbequemlichkeiten einzuführen, und Schaden anzurichten. Wer aber auch
-so schließen wollte, der würde eben einen solchen Schluß machen, wie
-die alte Frau Barbara ordentlicher Weise bey dem Spinnrade sonst zu
-machen gewohnt ist.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Das zweyte Kapitel.
-
-Von den Beschwerlichkeiten, welche von der rothen Schminke des
-Angesichts erzeugt werden.
-
-
-§. 39.
-
-Da ich den Vorsatz gefaßt habe, von der rothen Schminke des Angesichts,
-und von der hiervon zu entstehenden Schädlichkeit zu schreiben; so
-sollte es mir hier nicht an Gelegenheit mangeln, zumal wenn ich in
-das Alterthum zurück gehen wollte, von der dazumal gewöhnlichen
-rothen Angesichtsschminke vieles zu reden. Hier könnte ich von dem
-Ursprunge und von dem Gebrauche der rothen Schminke handeln, und
-wenn ich es sonst vor gut befände, eine eigene Abhandlung davon
-aufsetzen: Allein da eben dieses eigentlich nicht zu meiner Sache
-gehört; so sehe ich nicht ein, warum ich mich, ohne Grund zu haben, in
-überflüßige und critische Weitläuftigkeiten einlassen soll. So viel
-aber kann ich doch nicht unberührt lassen, daß die rothe Schminke
-bey den Griechen sowohl als Römern in den Schauspielen gebraucht
-wurde, und daß gemeiniglich diejenigen Personen ihre Angesichter roth
-zu färben gewohnt gewesen sind, welche diese oder jene Geschichte
-auf dem Schauplatze vor dem Volke vorstellten. Die wahre Absicht,
-warum solche Leute ihre Angesichter roth schminkten, mag wohl allem
-Vermuthen nach diese gewesen seyn, sich nämlich denen Zuschauern
-unkenntlich zu machen, oder auch wohl ihren Angesichtern durch
-solche rothe Schminke eine reizendere Schönheit geben zu mögen, um
-die Augen der Anwesenden mehr auf sich zu reizen, theils von ihnen
-bewundert, theils aber auch geliebt zu werden. Wider die Möglichkeit
-streitet es im geringsten nicht, daß sich nicht einige Zuschauer in
-eine solche roth gemahlte Schönheit verliebt haben sollten. Denn da
-dieses noch heut zu Tage geschieht, warum sollte es auch vor alten
-Zeiten nicht eben so vorgefallen seyn. Auch noch zu unsern Zeiten
-wird die rothe Angesichtsschminke von den Schauspielerinnen, welche
-man Komödiantinnen und Operistinnen nennt, auf dem Theater gebraucht,
-um sich lebhafter und schöner im Angesichte zu machen. Ich bin nun
-schon einmal des guten Glaubens: daß auch andre Frauenzimmer denen
-Theaterschönen nachgeahmet sind, und um mehr geliebt und verehrt zu
-werden, sich ebenfalls dieser rothen Schminke bedient haben. Die
-Erfahrung bestätiget meine Meynung, und die Bücher der alten Dichter
-beweisen es zur Genüge, daß ich wiederum Recht habe. Man wird es
-nunmehr zu begreifen im Stande seyn, daß die Mode, das Angesichte
-roth zu schminken, von den Schauspielen der Alten seinen Ursprung
-genommen habe, noch heutiges Tages bey den Theaterschönheiten üblich,
-und nachher von andern Frauenzimmern zum Gebrauch angewendet worden
-sey. Die Farbe aber, der sich die Alten, um damit ihre Angesichter
-roth zu schminken, bedient haben, soll nach dem Zeugniß der
-Alterthumsverständigen Critiker die Meerschnecke gewesen seyn. Ich
-will dieses eben nicht gänzlich in Abrede seyn, doch halte ich auch
-dafür, so viel freyen Willen zu haben, auch glauben zu mögen, daß das
-Alterthum auch wohl andere rothe Farben, um sich schminken zu können,
-gebraucht haben müsse. Doch ich mag eben keine unnöthige Untersuchung
-anstellen, was es eigentlich vor Farben gewesen sind, die die Alten,
-um ihre Angesichter roth zu färben, genommen haben. Meinetwegen kann
-es Menge, Kermeskörner oder Koccionille gewesen seyn, genug, daß es
-eine rothe Schminke gewesen ist, die dazumal den Leuten gefallen haben
-muß, und die reizend genug gewesen seyn mag, daß man von einer solchen
-rothgemahlten Schönheit hat bezaubert werden können, ohne andre
-abergläubische Mittel zu Hülfe nehmen zu dürfen.
-
-§. 40. Es ist, bey meiner Ehre, ein mehr als strafbarer Fehler, welcher
-sich einzig auf die Menschheit gründet, daß man niemals mit denjenigen
-Leibesgaben vergnügt zu seyn pflegt, welche uns doch die Weisheit
-und Vorsicht der gütigen Natur aus erheblichen Ursachen beschieden
-hat. Aber auch eben diesen Fehler wird man am allermeisten bey den
-Frauenzimmern antreffen, vielleicht aber bloß darum, weil sie mehr
-Menschheit als andre an sich haben, und ich wollte es fast lieber,
-aus eben diesem Grunde, doch zwar nur zum Scherze, selbst glauben,
-daß die Schönen darum mehr menschlich wären, weil die unbenabelte
-alte Frau Eva von dem ersten Menschen, nicht aber wie Adam, aus Erde
-gemacht worden ist. Ihre Töchter sind noch eben so, wie ihre Urmutter
-geartet: Jene wollte mit ihrer Vollkommenheit nicht zufrieden seyn,
-ihre eitle Begierde, noch vollkommner zu werden, brachte sie zum
-Falle, und stürzte sie in das Elend, und ihre Töchter, so gleiche
-Unart und gleiche Neigung mit ihrer Stammmutter in ihren Adern nähren,
-bestreben sich äußerst, immer vollkommner zu werden, ob sie sich
-gleich durch ihre Bemühung nur mehr Unvollkommenheit und Unglück auf
-die Achseln laden. Aber eben das mag auch die wahre Ursache seyn,
-warum blasse Frauenzimmer roth von Angesichte aussehen, die rothen
-aber sich eine Blaßheit des Angesichts zuwege bringen wollen. So
-geht es auf der Welt! alte Weiber wollen nicht alt, junge Schöne
-nicht jung heißen. Aber warum? ich will es so gleich sagen: Weil
-die jungen zu lieben anfangen, die alten aber noch lieben, und beyde
-geliebt zu werden wünschen. Bloß also ihren Liebhabern gefallen zu
-mögen, bemüht sich die rothe Schöne sich blaß zu machen, die blaße
-aber färbt sich roth. Nimmermehr, wird eine rothgemahlte Schönheit
-mich zu reizen, und mich durch ihre rothgeschminkte Backen, so wie
-die rothen Ebischbeeren die Gramsvögel in ihre Schlinge zu locken,
-vermögend seyn. Mir gefallen solche Theaterschönheiten und rothgefärbte
-Drechslerpüppchen durchaus nicht. Nicht aber etwa darum, weil sie nicht
-natürliche, sondern fremde Farben haben, auch nicht darum, weil ich
-die rothe Schminke vor die schlechteste und niederträchtgiste Art,
-sich im Angesichte zu verschönern, halte. Nein, sondern bloß darum,
-weil ich bey solchen rothgemahlten Gesichtern auch ein geschminktes,
-das heißt, ein falsches Herz vermuthe, ein Mißtrauen auf ihre Tugend
-und Keuschheit setze, und damit ich den rechten Titel gebrauche, weil
-ich solche rothgefärbte Schönen auf gut deutsch vor Huren halte. Ich
-habe nicht geschimpft, sondern nur die Wahrheit gesagt, folglich darf
-ich mich keines Injurienprocesses befürchten. Denn ich bin Bürge
-dafür, daß keine geschminkte Schöne sich dieses zu Gemüthe ziehen
-werde, weil ich versichert bin, daß es in Ewigkeit keine zu gestehen
-gewohnt sey, daß sie sich im Angesichte roth zu mahlen pflege. Gewiß,
-solche rothgemahlte Schönheiten werden einen viel größern Verstand
-von sich blicken lassen, als manche Mannsperson, welche sich klug zu
-seyn dünket. Ich werde ihre Klugheit zu rühmen wissen, wenn sie mich
-und meine Schrift nicht sogleich zum Feuer verdammen. O! wenn alle
-satyrische Schriften und Strafpredigten verbrannt werden sollten, in
-denen man sich getroffen und abgeschildert findet; so würde die Welt
-gar bald in Brand gesteckt werden. Bleibet bey euren guten Gedanken, und
-
- Seyd klüger als wie jener Pfaffe,
- Wenn euch ein Sinngedichte sticht:
- Seyd nicht so tumm als wie der Affe
- Der gleich das Spiegelglas zerbricht,
- So ihm sein wahres Bildniß zeiget:
- Klug ist, wer fühlt, sich bessert, schweiget.
-
-Aber im rechten Ernste, solche Frauenzimmer, welche sich roth färben,
-sind warhafte Huren, und ich wollte gleich schwören, daß sie nichts
-anders wären. Denn hätte eine redliche Frau nicht die Absicht, mehr
-Männern zu gefallen, so würde sie sich es auch nicht haben in Sinn
-kommen lassen, ihr Angesichte zu schminken, sondern sie würde mit
-ihrer natürlichen Farbe, welche doch allemal die schönste ist, und
-ihrem Manne, wenn er anders kein Narr wäre, gefallen müßte, vollkommen
-vergnügt seyn: und ich würde eine Wittwe und Jungfrau vor aussätzig
-an ihrer Tugend halten, die sich, um viele Verehrer zu haben, in
-ihren Angesichtern roth schminken wollten. Gesetzt aber, daß es eine
-oder die andere thäte, gewiß, so würde niemand so beredt seyn, es mir
-auszureden; daß ich nicht feste glauben sollte, eine solche müßte sich
-ihres eignen Fleisches nähren. Denn was hätte sie außerdem Ursache,
-ihr Angesicht roth zu mahlen, zumal da diese Beschäftigung eine der
-größten Thorheiten ist. Aber um der Wahrheit das Recht zu erweisen,
-werden mir diejenigen alle, so ihre fünf Sinne zu brauchen wissen,
-gutwillig eingestehen, daß diese Art der Schminke die armseligste und
-pöbelhafteste sey, und bey denen ein sehr niederträchtiges Gemüthe
-verrathe, die sich einfallen lassen, sich solcher Schminke zu bedienen.
-Nur diese rothe Theaterschminke pflegt so gar den Unwissendsten in die
-Augen zu leuchten, so, daß sie bey sich selbst denken müssen, diese
-rothe Angesichtsfarbe sey unnatürlich und geschminkt.
-
-Man hat wohl mehrmals gesehen, daß sich ein rothgeschminktes Angesicht
-durch einen unverhoft hervorgebrochenen Schweiß, welcher über die
-Stirne und Backen geronnen ist, geoffenbaret, und sich andern zum
-Gelächter gemacht habe: Ja man sieht augenscheinlich die weiße Haut
-vorleuchten, wenn der Schweiß die rothe Farbe abgewaschen hat. Ein
-solches Angesicht kommt mir eben so vor, wie eine weiße Wand, über die
-man eine rothe Farbe gestrichen hat, welche aber von dem Regen hier und
-da abgewaschen worden ist, und weiße Flecke zu ihrer Schande zeigen muß.
-
-§. 41. Das Schminken ist eine Kunst, vermöge gewisser Mittel die
-Farbe der Haut zu ändern, selbige schön zu machen, und solche schön
-zu erhalten. Die Farbe der Haut wird entweder durch blaßmachende,
-oder rothmachende Mittel verändert. Dasjenige Mittel nun, welches
-geschickt ist, der Haut ein rothes Ansehen zu geben, und welches heut
-zu Tage gewöhnlich gebraucht wird, heißt Rosentuch, vielleicht weil
-dieses Tuch der Farbe einer rothen Sammetrose ziemlich nahe kömmt.
-Dieses eigentlich sogenannte Rosentuch ist nichts anders, als etwas
-starke rothgefärbte Leinwand, welche ihre rothe Farbe, entweder von
-der Koccionille, Kermeskörnern, oder auch von Fernebocke, dem durch
-eine besondere Kunst so eine hochrothe rosengleiche Farbe gegeben
-worden ist, bekommen hat. Mit dieser rothgefärbten Leinwand färben die
-Frauenzimmer ihre Wangen, und mahlen sich das Angesicht damit roth:
-doch muß dieses Rosentuch vorher in Lindenblüthwasser eingetaucht und
-feuchte gemacht werden, denn außerdem färbet das Rosentuch nicht ab.
-Einige nehmen guten florentinischen Lack, streichen solchen auf ein
-Stückchen Scharlachtuch und reiben die Haut des Angesichts damit.
-Besser aber thut man, wenn man kermesinrothes türkisches wöllnes Garn
-nimmt, selbiges sehr klein hacket, durch ein Haarsieb siebet, und in
-ein sehr zartes Pulver verwandelt, hernach aber auf ein Stückchen
-Scharlachtuch streuet, und die Backen damit reibet. Dieses Mittel ist
-fähig genug, ein recht unvergleichlich schönes und rothes Gesichte
-zuwege zu bringen. Andere bemahlen sich mit Karmin, und wiederum andere
-bemühen sich, die Farbe ihrer Wangen und Lippen mit Zinnober zu erhöhen.
-
-§. 42. Nunmehr will ich endlich den Schaden anzeigen, den sich
-diejenigen Frauenspersonen zuziehen, welche so närrisch sind, ihr
-Angesicht roth zu färben. Ich habe nur itzo im 41sten Absatze gesagt,
-daß das Angesichte mit denen Läppchen stark gerieben werden müsse,
-wenn daß Angesicht roth geschminket werden soll. Da aber durch das
-starke Reiben die Haut des Angesichts sehr gereizt, angespannt, und
-dichte gemacht wird, und allemal auf eine starke Anspannung eine der
-angespannten Haut gemäße Erschlaffung zu erfolgen pflegt; so wird man,
-wenn man anders Verstand hat, sehr deutlich einsehen können, daß eine
-solche geschminkte Schönheit vor den Jahren alt werden und Runzeln
-bekommen müsse. Aber dieses ist noch lange nicht der Lohn, welchen
-solche Theaterpüppchen vor ihre Schminke empfangen: Auch außer den
-Runzeln bekommen sie eine gelbe, garstige und grobe Haut, so, daß sie
-zu einem wahren Scheusal der Männer, und zu einem wirksamen Gegenmittel
-wider das aufsteigende Fleisch werden. Es werden auch die Schweißlöcher
-der Haut des Angesichts von dieser rothen Schminke zugeklebt und
-verstopft, folglich wird die so heilsame Ausdünstung verhindert werden
-müssen, und also werden alle diejenigen Umstände entspringen, welche
-von der unmerklichen Ausdämpfung des Angesichts natürlicher Weise zu
-entstehen pflegen s. §. 38. 32. 28. 17. 12. und 5. Da nun, wie ich
-nur itzo erweislich gemacht habe, eine geschminkte Haut nicht so, wie
-es sich geziemt, ausdünstet; so müssen freylich daher im Angesichte
-Finnen, Schwindflechten, und Sonnensprossen entstehen. Diejenigen
-Frauenspersonen, welche sich diese Thorheit haben einnehmen lassen,
-ihre Wangen und Lippen mit Zinnober zu färben, bekommen gemeiniglich
-den Krebs an dem Munde, und faules Zahnfleisch, wackelnde Zähne, einen
-stinkenden Athem und triefende Augen. Denn das im Zinnober versteckte
-Quecksilber dringt in die Thränendrüse so wohl, als in diejenigen
-Drüsen, welche von D. Meibomen den Namen bekommen haben, und erweitert
-deren Gänge, so, daß solche hernach ihre Narrheit, und den Verlust
-ihrer Gesundheit mit einem beschwerlichen Schwären der Augenlieder, und
-beständigen Thränen der Augen ohne Aufhören beweinen müssen(*). Schöner
-Lohn für eure rothe Schminke!
-
-§. 43. Wenn die Frauenspersonen, welche Belieben an einem rothen
-Angesichte tragen, und gerne roth auszusehen wünschen, meinem Rathe
-folgen wollten, so würden sie vernünftiger handeln, zumal, wenn sie
-sich lieber mit innern Mitteln von einem verständigen Arzte eine
-lebhafte rothe Farbe des Angesichts zuwege bringen ließen, und sich
-nicht selbst und ihrem Körper durch solche schädliche äußerliche
-Hülfsmittel so viel Unheil und Häßlichkeit zufügten und ungesund
-machten, nicht ihren Nebenmenschen, über sie zu spotten, und sich zu
-ärgern Gelegenheit gäben, nicht ihren Schöpfer zum Zorne reizten, und
-sich seiner Gnade verlustig machten. Ein geschminktes Angesicht soll
-darum das Angesicht GOttes nicht schauen, weil es durch die Schminke
-andre gereizt und entzündet, und ihnen Anlaß zu sündigen gegeben hat.
-
-
-(*) ~_Platner_ de morbis ex immunditie.~ §. 16.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Das dritte Kapitel.
-
-Von den üblen Zufällen, welche von der blaßmachenden Schminke des
-Angesichts herkommen.
-
-
-§. 44.
-
-Alle Schönheitsverständige geben mir noch heutiges Tages einen
-allgemeinen Beyfall, daß die blasse Angesichtsfarbe eine ganz
-ausnehmende und bezaubernde Schönheit sey, so, daß solche ihrer
-Annehmlichkeit wegen so gar den Titel der adlichen Farbe erhalten
-hat. Ich gestehe der blassen Angesichtsfarbe auch ganz gerne, ohne
-Zwang, nach meinem Geschmacke dieses Vorrecht zu, wenn nur die blasse
-Angesichtsfarbe nicht gar zu weiß, so wie ein von Gipse gegossenes Bild
-ist: Denn diese hat allemal eine kränkliche Beschaffenheit des Körpers
-zum Grunde, und ist eine reiche Quelle unzählbarer Krankheiten. Jene
-angenehme Blaßheit des Angesichts hingegen ist ein offenbares Zeichen
-eines vollkommen gesunden Körpers. Beynahe alles Frauenzimmer wünscht
-sich diese adliche Farbe eigenthümlich zu machen, um adlich scheinen
-zu mögen. Ich lobe ihren guten Willen, und ich würde solchen noch mehr
-loben, wenn sie nach der adlichen Tugend eben so, wie nach der Farbe
-strebeten. Ich würde offenbar wider mein eigenes und besseres Wissen
-handeln, wenn ich so unartig seyn, und es läugnen wollte, daß es
-eine Unmöglichkeit wäre, seinen Körper so zu ändern, daß er geschickt
-würde, eine Blaßheit im Angesicht hervorzubringen. O! es ist mir gar
-zu wohl wissend, daß man durch gewisse Hülfsmittel, welche man theils
-äußerlich, theils aber auch innerlich im Gebrauch zu nehmen pflegt, und
-durch eine besondere Lebensordnung, die man in den so genannten sechs
-nicht natürlichen Dingen zu beobachten nöthig hat, dem Angesichte diese
-reizende Blaßheit zuwege zu bringen im Stande sey, ohne, daß dadurch
-der Gesundheit das geringste Uebel zugefügt werde. Aber von dieser Art
-der Blaßheit soll hier nicht die Rede seyn. Wer aber begierig ist,
-solche genauer kennen zu lernen, der darf nur meine Abhandlung von der
-blassen Angesichtsfarbe nachzulesen belieben. Ich versichre, daß diese
-ihrer Neubegierde eine Genüge thun wird. Gegenwärtig aber ist nur mein
-Vorsatz, von derjenigen blassen Angesichtsfarbe zu handeln, welche
-ordentlicher Weise der guten Gesundheit viel Nachtheil zu bringen fähig
-ist.
-
-§. 45. Die Blaßheit des Angesichts ist eine gewisse Beschaffenheit der
-Haut, welche keine rothe Farbe sichtbar zu machen vermögend ist. Was
-nun diese Beschaffenheit der Haut hervorbringen soll, das muß geschickt
-seyn, den Fäserchen der Haut ein stärkeres Vermögen zuzufügen, das in
-den zarten Blutgefäßchen des Angesichts befindliche Blut, kraft einer
-lebhaftern Zusammenziehung der Fäserchen nach den innern Theilen stoßen
-zu können. Die Mittel aber, welche diese Tugend besitzen, nennt man
-stärkende oder blaßmachende Mittel, und diese werden sowohl von außen,
-als auch von innen, um seine Absicht zu erlangen, angewendet. Aber auch
-dieses sind zum Theil schädliche, zum Theil aber auch unschädliche
-und heilsame Mittel. Was es aber für Mittel sind, und was man hierbey
-für eine Lebensordnung brauchen müsse, um diese gesunde blasse
-Angesichtsfarbe zu erlangen, wird die oben im 44sten Absatze angeführte
-Abhandlung ausführlicher lehren. Voritzo will ich nur derjenigen Mittel
-Erwähnung thun, welche zwar eine Blaßheit des Angesichts zu machen
-kräftig und wirksam genug sind, aber, die auch zugleich Gelegenheit
-geben, krank zu werden.
-
-§. 46. Um nun eine blasse Angesichtsfarbe zu bekommen, bedienen
-sich die Frauenzimmer zuweilen der sogenannten Jungfermilch, welche
-aber nichts anders ist, als Silberglätteßig, der durch zugesetzte
-und aufgelöste rohe Alaune eine milchähnliche Farbe bekommen hat.
-Mit dieser Milch pflegen die Schönen ihre Angesichter öfters zu
-waschen, und glauben dadurch ihres Wunsches theilhaft zu werden.
-Es ist wahr, sie erhalten ihre Absicht, aber auch zu ihrem größten
-Verluste. Andre im Gegentheil nehmen nur gemeinen Bleyzuckereßig, oder
-Silberglätteßig zu eben dieser Absicht. Ja es giebt Personen, welche in
-Bohnenblütwasser, oder in einem andern ihrem Zwecke gemäßen abgezogenen
-Wasser, Bleyzucker, weißen Vitriol oder Alaune auflösen, und statt
-eines Waschwassers brauchen: zuweilen gießen sie auch Benzoestinctur,
-und Ochsengallenessenz oder Myrrhenessenz hinzu. Und wiederum andere
-sind gewohnt, Wegebreitwasser zu nehmen, darinnen sie aber vorher
-einen glüend gemachten Stahl öfters haben abkühlen, und diesem Wasser
-hernach entweder Bleyzuckereßig oder Jungfernmilch beymischen, oder
-Alaune, weißen Vitriol oder Bleyzucker zusetzen lassen, um zu ihrem
-Waschwasser zu gebrauchen. Noch andere sind sogar auf den rasenden
-Gedanken gerathen, und haben geglaubt, weil die Milch weiß aussähe, so
-müßte sie auch geschickt seyn, eine weiße Angesichtsfarbe machen zu
-können. Sie haben sich also in diesem Glauben, mit Milche gewaschen,
-aber sie sind auch recht in ihrer Meynung betrogen worden, und anstatt
-eine weiße Farbe der Haut zu überkommen, sind sie im Angesichte ganz
-gelb und braun, so wie sonst die Egyptier oder Ziegeuner auszusehen
-pflegen, geworden. Ich kenne etliche solche Frauenzimmer, die sich
-auch noch am Leben befinden, und die sich eine solche gelbe und braune
-Farbe durch ihre Afterkunst zugezogen haben. Sie bereuen itzo ihre
-begangne Thorheit, und beseufzen ihre natürliche eingebüßte Farbe.
-Doch haben sie nur Geduld, meine Frauenzimmer, wenn alle tumme Köpfe
-klüger zu werden anfangen werden, werden sie auch schöner werden. Jene
-Frau, die ohnlängst ihren Verstand mit ihrem liebsten Söhnchen begraben
-ließ, hofft auch auf diesen freudenreichen Tag. Trösten sie sich nur
-unterdessen mit der zukünftigen Schönheit, und wischen ihre Thränen von
-den Augen ab. Einige brauchen auch trockne Sachen, um eine Blaßheit
-des Angesichts zu überkommen: Sie nehmen entweder Puder, oder sehr
-zart zu Pulver gemachtes Bleyweiß, und reiben damit die Haut ihrer
-Angesichter, obschon zu ihrem eigenen Schaden. Ich wollte wohl, wenn
-ich sonst ohne Noth weitläuftig zu werden Lust hätte, etliche Bogen
-mit solchen schädlichen blaßmachenden Mitteln und Schminkwaschwassern
-anfüllen. Doch diese mögen voritzo, was nämlich die äußerlichen
-Mittel anbelangt, zureichend seyn. Ich will nun auch diejenigen
-Mittel anführen, welche, wenn sie durch den Mund eingenommen werden,
-gemeiniglich eine solche der Gesundheit nachtheilige Blaßheit des
-Angesichts zu erzeigen mehr als zu fähig sind.
-
-§. 47. Diejenigen Mittel nun, welche innerlich genommen, ein
-blasses Angesicht zum Vorschein bringen können, sind ebenfalls
-vielfältig, meistentheils aber äußern sie eine gar zu anhaltende und
-zusammenziehende Kraft, und eben darum sind sie auch vermögend, der
-Gesundheit unzählige üble Zufälle zuzuführen. Manche Frauenzimmer
-nehmen, ich weis selbst nicht, aus was für einem närrischen Triebe,
-und aus was für einem abgeschmackten Appetite, gelöschte Kohlen
-zu sich. Andere essen Kreide, Kalk und Gips, und wiederum andere
-bedienen sich des sogenannten rohen Heydegrützes. O! welch eine
-Lüsternheit! welch ein abentheuerliches Verlangen nach einer
-eingebildeten Schönheit, nämlich, der blassen Angesichtsfarbe! Ich
-habe Frauenzimmer zu kennen das Vergnügen gehabt, welche in dieser
-Absicht rohe Alaune, Granatäpfelschalen, und ich weis selbst nicht was
-noch mehr gebrauchten. Ja einige sind so unsinnig, und lassen sich von
-Marktschreyern wohl gar Arsenik und Bleyzucker beybringen, um sich ein
-Bette drey Ellen in der Erde tief dadurch bereiten zu lassen. Aber
-ist das nicht eine verdammte Verwegenheit, da man aus einer bloßen
-Tollheit, ein blasses Angesicht zu überkommen, recht vorsetzlich dem
-Tode entgegen und in den Rachen rennet?
-
-§. 48. Ich kenne eine gewisse Stadt, in der beynahe alle
-Frauenspersonen eine recht blaßgelbe Farbe im Angesichte haben, und die
-wegen dieser Farbe sprüchwortsweise die gelben Rüben geheißen werden.
-Ich verwunderte mich anfänglich, ehe ich die Ursache dieser blaßgelben
-Angesichtsfarbe wußte. Daß aber solche Frauenzimmer diese Farbe im
-Angesichte tragen, rührt natürlicher Weise daher, weil bey solchen
-Goldammerchen die üble Gewohnheit eingewurzelt ist, sehr starken Kaffee
-Morgens früh, in großer Menge, wenn der Magen noch leer und nüchtern
-ist, zu trinken, und dieses ist die wahre Ursache ihrer Midasfarbe.
-Denn es ist bey den Aerzten eine ausgemachte Sache, daß der Kaffee ein
-dickes und schweres Blut zu machen geschickt sey. Wenn nun aber ein
-dickes Blut erzeugt wird; so kann diese veränderte Beschaffenheit des
-Bluts nicht in die zarten Röhrchen der Haut eindringen, und folglich
-muß das Blut außer Vermögen gesetzt werden, durch das zarte Gewebe der
-Haut eine Röthe durchschimmern zu lassen. Es werden also freylich von
-einem solchen Blute sehr viele Ungelegenheiten entspringen müssen.
-Hiervon wird die sogenannte Jungfernsucht, die Bleichsucht, und
-eine üble Beschaffenheit und schlechte Vermischung der ganzen Säfte
-entstehen. Diese Krankheiten nun geben zur Verstopfung der monatlichen
-Reinigung Anlaß, und legen den Grund zu geschwollnen Schenkeln,
-Wassersuchten des Unterleibes sowohl, als derjenigen wäßrichen
-Geschwülste, welche sich zwischen der Haut und dem Fleische befindet.
-Ja es werden Engbrüstigkeiten, Erstickflüße, Blutspeyen, Lungensuchten,
-Gelbesuchten, und Schwarzgelbesuchten, Verstopfungen, Verhärtungen
-und Geschwüre in der Leber, in dem Milze, in den Gekrösdrüsen, in den
-Nieren und in der Lunge zum Vorscheine kommen, und zu allen diesen
-Verdrießlichkeiten wird sich endlich ein abzehrendes Fieber, mit
-verdrießlichen Nachtschweißen, und Ausfallung der Haare gesellen,
-welches diese Leute wegen ihrer Unbesonnenheit und Unmäßigkeit, und zur
-Strafe dem Tode in die Hände liefern wird.
-
-§. 49. Ich glaube nunmehr wohl zu thun, wenn ich diejenigen
-Schädlichkeiten itzo vorbringen werde, welche von den äußerlich
-blaßmachenden Mitteln, so ich im 46sten Absatze angeführet habe, ihren
-Ursprung herleiten. Da diese Hülfsmittel vermöge der Silberglätte,
-des Bleyzuckers und der Alaune nicht nur eine gar zu heftig
-zusammenziehende Kraft besitzen, sondern auch wegen der sich darinnen
-befindlichen Schädlichkeiten ein heimliches und tödtendes Gift bey
-sich führen, welches vermöge der zurückführenden Oeffnungen der Haut,
-dem Blute und den Säften beygemischt wird, so daß davon eine rechte
-todtengleiche Blaßheit des Angesichts hervorgebracht werden muß. Aber
-man muß wissen, daß auch eben diese Blaßheit des Angesichts allemal mit
-einer Trägheit des ganzen Körpers, mit einem Widerwillen, und mit einer
-Verdrießlichkeit des Gemüths, mit einem Ekel vor den Speisen, und mit
-abzehrenden Nachtschweißen verbunden sey. Kurz, diese kränkliche, und
-blasse Angesichtsfarbe wird alle diejenigen Krankheiten erzeugen, deren
-ich im 48sten Absatze gedacht habe. Selbst der große Börhave gedenkt
-in seinem andern Theile der Chemie auf der 309ten Seite: daß er sechs
-oder sieben adliche Fräulein gekannt hatte, welche allesamt von dem
-Gebrauche der blaßmachenden Schminke des Silberglätteßigs ihr Leben
-hätten einbüssen müssen.
-
-§. 50. Da nun die äußerlich im Gebrauch gezogenen blaßmachenden
-Schminkmittel so vieles Unheil gebähren können, was werden erst
-diejenigen Mittel zu thun mächtig seyn, welche man innerlich zu nehmen,
-thöricht genug ist? Alle diese im 47sten Absatze angezeigte Mittel sind
-wahrhafte Sachen, welche dem Menschen zwar einen langsamen, aber doch
-einen durch keine Kunst abzuhaltenden Tod verursachen. Werden also
-nicht alle diejenigen unglücklichen Zufälle weit eher und geschwinder
-ihr Daseyn haben, als von den äußerlichen im 46sten Absatze erzählten
-Mitteln? Ich nehme keinen Anstand, mich lange zu besinnen, sondern ich
-falle dieser Meynung sogleich bey; ja ich behaupte so gar, daß diese
-allesammt von der letztern Art der blaßmachenden Mittel hervorgesproßte
-und im 48 und 49sten Absatze angeführte Krankheiten gänzlich unheilbar
-sind, und zwar bloß darum, weil durch diese Mittel das Blut sowohl,
-als die übrigen Säfte ganz und gar vergiftet worden sind, und weil
-diese vergifteten Säfte die festen Theile des Körpers angreifen, und
-zerstöhren.
-
-§. 51. Wer nun aber dennoch mit aller Gewalt eine blasse
-Angesichtsfarbe haben will, der muß sich derjenigen Hülfsmittel
-bedienen, die ich in der Abhandlung von der blassen Angesichtsfarbe
-vorgeschrieben, und angepriesen habe. Aber das muß ich selbst
-eingestehen, daß diese Art sich schön und blaß zu machen, ziemlich
-beschwerlich sey. Doch wer die Absicht zu erlangen willens ist, der muß
-auch die hierzu dienlichen Mittel zur Hand nehmen und nicht verwerfen.
-Niemand fährt mit Wollust und Vergnügen in den Himmel, sondern er muß
-zuerst auf der Welt den Dornenweg betreten: Und wer schön und blaß zu
-werden ein sehnliches Verlangen trägt, der muß sich selbst Zwang anthun
-gelernt haben, und gut stoisch, aber doch gleichwohl kein Stockfisch
-seyn.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Das vierte Kapitel.
-
-Von den Unbequemlichkeiten, welche von der Bemühung, der Haut eine
-Zärtlichkeit zuwege zu bringen, ihren wesentlichen Ursprung haben.
-
-
-§. 52.
-
-Wo ich mich recht besinne, so habe ich schon im 35sten Absatze
-erweislich gemacht, daß die Zärtlichkeit der Haut ein wesentliches,
-und zur Schönheit des Angesichts nothwendiges Stücke sey, und daß sich
-diejenigen allerdings glücklich zu schätzen Ursache haben, welche die
-wohlthätige Natur mit dieser Schönheitsgabe versehen hat. Diejenigen
-aber dürfen nur über die Ungerechtigkeit der Natur Beschwerde führen,
-denen sie diese Zärtlichkeit der Haut zu versagen vor dienlich
-befunden hat. Solche unglückselige Frauenzimmer mögen alles anwenden,
-was nur immer in ihren Kräften ist, so werden sie doch nimmermehr so
-glücklich werden, durch alle ihre natürliche Hexerey sich dasjenige
-zu verschaffen, was ihnen die Natur wohlbedächtig nicht hat wollen
-mittheilen. Ich gebe ganz gerne zu, daß die Zärtlichkeit der Haut
-vermöge gewisser Hülfsmittel erhalten, solche aber, wenn sie vorher
-nicht da gewesen ist, niemals zuwege gebracht werden könne: Gesetzt
-auch, es wollte sich ein Frauenzimmer, wenn solches anders ohne
-Lebensgefahr verrichtet werden könnte, die ganze Haut abziehen lassen,
-so würde sie doch keine andere Haut erhalten, als die abgezogene
-gewesen wäre. Die Schönen dürfen es mir nicht etwa zur Ungnade halten,
-wenn ich ihnen offenherzig, ohne meinen Busen entblößt zu tragen, die
-bloße Wahrheit sage: daß sie eher einem Mohre eine weiße Farbe, als
-sich eine zarte Haut zu machen vermögend seyn werden.
-
-§. 53. Gleichwohl aber giebt es solche unartige Frauenzimmer, die
-sich durch keine vernunftmäßige Vorstellung lenken lassen, sondern
-lieber bey ihren zwey Augen verbleiben wollen, und die sich feste im
-Kopf gesetzt haben, sie müßten ihre Absicht erhalten, wenn sie sich
-mit Merzschneewasser, Mayenthaue, Ziegenmilchmolken, Kühmilchmolken,
-Froschlaichwasser, Harne, oder gar mit Tausendblumenwasser, unter
-welchem einige den Kühharn, den die Kühe des Frühlings auf der Weide
-von sich lassen, andere aber dasjenige überzogene Wasser verstehen,
-welches man von demjenigen Kühkothe zu verfertigen gewohnt ist,
-welchen die Kühe zur Frühjahrszeit auf die Wiesen fallen lassen,
-wünschen. Einige stehen völlig in den Gedanken, sie würden eine
-zarte Haut bekommen, wenn sie geschlagenes Eiweiß in Rosenwasser
-aufgelöset, oder weißen aufgelösten Vitriol, oder Kalkwasser mit
-oder ohne besonders hierzu verfertigtem Quecksilber oder Schledorn-
-Pomeranzen- Bohnen- Weißlilien- Holunder- Rosen- und Lindenblütwasser,
-statt ihres gewöhnlichen Waschwassers brauchten. Andere bedienen
-sich in eben dieser Absicht, und Hoffnung, ihres Wunsches gewährt
-zu werden, das Zimmet- Erdbeer- Petersilien- Wegebreit- oder
-Weißwurzelwassers (~Sigilli Salomonis~) ja sie setzen noch wohl
-gar, zum Ueberflusse zu allen diesen Dingen Ochsengallenessenz oder
-Myrrhentinktur, Zuckeralaune, Potaschenlauge, Markasiten, Bleyzucker,
-Talk, zerflossenes Weinsteinöl, Quittenkörnschleim, Benzoestinktur, und
-ich weis selbst nicht was noch mehr. Zuweilen brauchen sie auch diese
-Sachen vor sich, und ohne Zumischung anderer Mittel. Andere aber legen
-sich gar zur Nachtszeit, wenn sie zu Bette gehen, eine Larve über das
-Angesichte, welche sie sich mit weißen Wachse, Walrath, süßen Mandelöle
-und Rhodiseröle, welches alles wohl über einem gelinden Feuer mit
-einander vermischt werden muß, überziehen lassen. Und wiederum andere,
-die es besser getroffen zu haben meynen, nehmen venetischen Talk und
-Kampfer, und lassen solches zusammen in dem sogenannten Meerbade oder
-Marienbade so lange stehen, bis es wie ein Schnee so weiß geworden ist,
-und dieses gebrauchen sie in der Hoffnung, eine zarte Haut dadurch zu
-erlangen: Aber weit gefehlt, sie betrügen sich allerseits in ihrer
-Hoffnung, und ich versichre ihnen nochmals, daß sie in Ewigkeit eine
-grobe Haut behalten werden, wenn ihnen die Natur sonst keine andere
-gegeben hat. Doch so viel ist wahr, daß sie durch diese Mittel ihre
-Zärtlichkeit der Haut lange Jahre durch zu erhalten fähig seyn werden.
-
-§. 54. Diejenigen Frauenspersonen handeln eben so abgeschmackt nicht,
-die sich, um ihre zarte Haut zu erhalten, mit süßen oder bittern
-Mandelkleyen zu waschen gewohnt sind. Wenn sie aber glauben, daß sie
-sich damit eine klare Haut verschaffen könnten, so mögen sie lange
-warten, bis sie ihren Wunsch erreichen werden. Denjenigen aber möchte
-man eine Stelle im Tollhause anweisen, die so leichtgläubig sind,
-und sich überreden lassen, daß sie ganz unfehlbar eine Zartigkeit
-der Haut erhalten würden, wenn sie ihr Angesichte mit Scheidewasser
-oder Wolfsmilche (~Esula~) überstreichen. Aber was für Marter
-müssen sie statt einer zarten Haut ausstehen. Das Angesicht fängt an
-aufzulaufen, dicke zu werden und Hitze zu bekommen, die Augen werden
-entzündet, und verschwällen, sie empfinden unaussprechliche Schmerzen,
-ja sind nicht nur in Gefahr ihre Augen einzubüßen, sondern auch gar
-krebsartige und fressende Schäden im Angesichte zu bekommen, vermöge
-deren sie sich dem Tode zu überlassen gezwungen sehen. Solchen eiteln
-Schönen gebe ich aus guter Meynung den Rath, daß sie fleißig ein Decoct
-von Christwurzel trinken, oder eine Wallfahrt nach Anticera anstellen
-möchten, um sich daselbst einen gesündern Verstand zu holen. Denn ich
-kann ihnen die Versicherung geben, daß sie dadurch einzig und allein
-fähig gemacht werden, sich mehr Liebe und Hochachtung bey meinem
-Geschlechte zu erwerben, als sie durch die feinste Zärtlichkeit der
-Haut vielleicht nimmermehr zu erlangen hoffen dürfen.
-
-
-§. 55.
-
-Die sich aber derjenigen Mittel, um eine zarte Haut zu bekommen,
-bedienen, deren ich im 46sten Absatze gedacht habe, die müssen es sich
-auch gefallen lassen, wenn ihnen diejenigen Krankheiten zum Verdrusse
-werden, welche aus diesem fruchtbaren Saamen hervor zu käumen pflegen,
-und die ich im 49sten Absatze fast bis zum Ekel angeführt habe.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Das fünfte Kapitel.
-
-Von den Ungelegenheiten, welche den Schönen zustoßen, wenn sie sich die
-Sommersprossen vertreiben.
-
-
-§. 56.
-
-Nichts ist vermögender, die Schönheit der Haut des Angesichts mehr
-unscheinbar zu machen, als die Sommersprossen, Schwinden und Flechten:
-Nichts ist aber auch gewöhnlicher, als daß man solche durch schädliche
-äußerliche Mittel vertreibet, bloß die eingebüßte Schönheit wieder
-erlangen zu mögen. Aber man muß auch wissen, daß alle diese Krankheiten
-der Haut nichts andern, als einer üblen Beschaffenheit des Bluts und
-der übrigen Säfte ihren Ursprung zu danken haben. Doch ich würde mir
-ohne Noth ein Joch auflegen, wenn ich alle diese Krankheiten der
-Haut genau abschildern wollte. Ich will also nur gegenwärtig die
-Sommersprossen vor die Hand nehmen, und mich mit diesen etwas genauer
-einlassen, um den Schaden zeigen zu mögen, welcher von einer unzeitigen
-Vertreibung derselbigen zu entstehen pflegt.
-
-§. 57. Die Sommersprossen sind kleine gelbe oder braungelbe Fleckchen,
-welche an Größe und Farbe den Linsen ziemlich gleich kommen, und die
-unter der Haut ihren Sitz haben, sich im Angesichte, am Halse, auf
-der Brust und an den Händen gemeiniglich zur Sommerszeit unsern Augen
-darstellen, und ordentlicher Weise von verderbten Säften, welche
-unter der Haut abgesetzt worden, und daselbst stocken geblieben sind,
-entstehen, so, daß sie die Schönheit der Haut verderben und unscheinbar
-machen. Was es aber vor Theilchen sind, welche diese Sommersprossen zu
-erzeugen fähig sind, kann ich selbst so genau nicht bestimmen. Einige
-halten es vor schweflichte Theilchen: Aber mir zu Gefallen können es
-auch saure, bittre, süße oder salzige Theilchen seyn, welche sich unter
-der Haut feste gesetzt, und diese Sommersprossen verursacht haben. Ich
-kann diese so wenig behaupten, als jene ihre schweflichte Theilchen
-erweislich zu machen vermögend seyn werden. Es kann alles möglich
-seyn, und jene sowohl, als ich, können Recht haben; aber ist deswegen
-der Schluß, welchen man von der Möglichkeit auf eine ungezweifelte
-Gewißheit macht, richtig? Dem mag seyn, wie es will: genug, daß Flecke
-da sind, welche die Schönheit verdunkeln und unangenehm machen können,
-und die ihren Grund einzig und alleine in einer bösen Beschaffenheit
-des Bluts haben, und dieses ist genug, denn mehr getraue ich mir selbst
-nicht davon zu sagen, theils, weil ich zu ungelehrt, theils aber auch,
-weil ich viel zu furchtsam bin.
-
-§. 58. Man hat die Anmerkung gemacht, daß diejenigen gemeiniglich
-ihre Haut im Sommer, wie ein Guckguck seine Federn, verändern müssen,
-welche eine sehr feine und zarte Haut besitzen. Im Winter gelangen
-sie wieder zu ihrer vorigen schönen Haut, folglich sind solche
-Personen Winterschönheiten. Hieraus nun läßt es sich begreiflich
-machen, warum die Sommersprossen nur im Sommer, nicht aber im Winter
-zum Vorscheine kommen. Denn je zärter und feiner eine Haut ist,
-desto schwächer wird sie seyn: die Kraft einer feinen Haut aber muß
-noch mehr geschwächt werden, wenn ihre Fäserchen von der Wärme noch
-schlaffer gemacht werden. Daß aber die Wärme eine Schlaffheit der
-Fäserchen zu wirken geschickt sey, ist eine Wahrheit, die niemand,
-außer ein Narr in Zweifel ziehen wird. Da nun im Sommer von der Wärme
-die Fäserchen einer ohnedies schwachen und zarten Haut noch mehr
-erschlaft werden, und da im Sommer die Ausdünstung allemal stärker,
-als im Winter natürlicher Weise abzugehen pflegt; so werden auch mehr
-Unreinigkeiten nach der Oberfläche der Haut getrieben werden müssen.
-Weil nun eine zarte Haut schon von selbst Unvermögenheit genug hat,
-die dahin abgesetzten Unreinigkeiten wieder zurück in das Blut zu
-treiben, und solches zu verrichten vermöge der Wärme, und der daher
-vermehrten Ausdünstung noch weit unfähiger gemacht worden ist; so
-müssen freylich die dahin getriebenen, und nach der Oberfläche der
-Haut gebrachten Unsauberkeiten daselbst stocken bleiben, und folglich
-werden solche Flecke, welche man Sommersprossen zu nennen gewohnt
-ist, entstehen müssen. Ja es werden endlich diese so lange sichtbar
-bleiben, als so lange die Ausdünstung stark und vermehrt bleibt, und
-die Wärme dauret. Wenn aber zur Winterszeit die Ausdunstung vermöge
-der Kälte nicht so häufig von statten zu gehen, verhindert wird, so
-fangen diese Sommersprossen an sich gemeiniglich nach und nach wieder
-zu verlieren. Denn die Kälte macht, daß die Fäserchen der Haut mehrere
-Kraft bekommen, sich lebhafter zusammen ziehen zu können, und also
-werden die Unreinigkeiten, die sich unter der Haut befinden, nach den
-Naturgesetzen mit stärkerem Nachdrucke wieder zurück getrieben, und dem
-Blute wieder beygesellt werden müssen. Geschieht aber dieses, so werden
-die Sommerflecke zu verschwinden, ihren alten Sitz zu verlassen, und
-ihren Abschied zu nehmen genöthiget. Daß sich aber dieses so, und nicht
-anders zuzutragen pflege, beweiset die tägliche Erfahrung sattsam.
-
-§. 59. Aus diesem gefaßten Begriffe mag nun wohl, allem Vermuthen
-nach, die Heilungsart ihren wirklichen Ursprung haben, da man vor
-rathsam befunden hat, die Sommermähler vermöge zurücktreibender Mittel
-zu vertilgen. Aber man irret, wenn man sich überredet, daß man durch
-diese Heilungsart Nutzen zu verschaffen im Stande sey. Ich muß es ihnen
-sagen, daß sie den rechten Weg verfehlen, und nur damit unzählbare
-Krankheiten zu verursachen pflegen. Denn da die Sommerflecke aus
-einer bösen Beschaffenheit der Säfte im ganzen Körper entspringen;
-so müssen diese vorher, ehe man sich an die zurücktreibenden Mittel
-wagt, mit großer Behutsamkeit verbessert werden, zumal da die meisten
-Krankheiten der Haut von verdorbenen Säften herkommen, und eben
-deswegen die Heilung schwer und zweifelhaft machen, und darum hat man
-nöthig, alle mögliche Behutsamkeit dabey anzuwenden, damit man nicht
-mehr Schaden anrichtet als Vortheil verschaft.
-
-§. 60. Da die Schönen so viele Bekümmerniß haben, und ein solches
-sehnliches Verlangen tragen, sich von diesen Sommersprossen befreyen
-zu mögen; so will ich ihnen doch aus wahrer Liebe eine Heilungsart
-verehren, vermöge der sie ihre unangenehme Gäste sicher und ohne
-Schaden loß werden können, nur müssen sie die vorgeschriebenen
-Arzneyen eine lange Zeit durch fortbrauchen, wenn sie sich anders des
-zukünftigen Nutzens versprechen, und ihre Absicht glücklich erreichen
-wollen. Ich rathe ihnen also täglich ein paar Mal einen blutreinigenden
-Thee, welcher aus rother Färberwurzel, Rinde von Sassafraßholze,
-frischen Zitronenschalen, Seifenkraute und Zimmet gemacht werden
-soll, zu trinken, und dieses können sie Morgens und Nachmittags am
-bequemsten thun. Auf diesen Thee, davon man so viel nehmen kann, als
-man mit drey Fingern auf einmal faßt, sollen vier Kaffeeschälchen
-wohlsiedende Milchmolken gegossen werden, nachmals aber muß man das
-Infusum wie einen ordentlichen Thee ziehen lassen, und endlich mit
-Zucker versüßt zu sich nehmen. Bey dem Gebrauche dieses Thees mögen sie
-entweder allemal eine Antimonialmorselle mitunter essen, oder eine
-blutreinigende Mixtur brauchen, welche aus der Sassafraßholzessenz,
-darinne ~Resina Guaiaci~ aufgelöset worden ist, aus Essenz des
-mechischen Balsams Aloeholzessenz und Wachholderholzgeiste
-zusammengesetzt werden muß. Wöchentlich können sie sich einmal solcher
-Pillen bedienen, welche aus Christwurzelkrautextrakte, Gialappenharze,
-~Resina Guaiaci~, ~Gummi armoniaco~, Stahlfeile und ~Mercurio
-diaphoretico fixo solari~ verfertiget werden müssen. Dabey mögen unter
-der Mahlzeit Fleischbrühen, darinnen Ottern gekocht worden sind,
-genossen werden.
-
-§. 61. Wenn man nun merket, daß die Sommersprossen etwas blässer zu
-werden, und sich allmählig zu verlieren anfangen: Denn dieses muß
-das Merkmaal seyn, daß das Geblüte ziemlich gereiniget worden sey;
-so kann man ohne Schaden auch äußerliche Mittel in Gebrauch nehmen,
-doch befehle ich, die innerlichen Arzneyen durchaus nicht bey Seite
-zu setzen, sondern immer fort zu brauchen. Man kann also äußerlich
-mit Guten Nutzen Quittenkörnerschleim, oder Flohkrautsamenschleim mit
-Bleyweiß versetzen, und etliche Grane von süssen Merkur darzu thun, und
-hernach auf die Haut streichen. Man mag auch, statt diesem, Bleyweiß
-und süssen Merkur in Rosenwasser auflösen und auflegen. Viele wollen
-das Wasser, womit das Schweißtreibende Spießglas ausgelauget worden
-ist, als ein dienliches Waschwasser rühmen. Andere hingegen rathen,
-daß man einen Scrupel vom ~Lapide medicamentoso Crollii~ in einem
-Quarte reinen Brunnenwasser auflösen, und sich damit waschen solle.
-Und wiederum wollen andere, daß man sich aus spitziger Klettenwurzel
-und Schellkrautwurzel ein Decoct bereiten, und sich dessen bedienen
-solle. Man lobt Citronen oder Limoniensaft, darinnen Alaune aufgelöset
-worden ist, und giebt den Rath, das Angesichte damit zu bestreichen.
-Das Mehl von bittern Mandeln, wenn es mit Essig zu einer Salbe gemacht
-worden ist, pflegt man sonst in gleichen Umständen zu loben. Andere
-nehmen Ingber, und kochen ihn in Wein und Wasser, oder sie machen mit
-Brandwein eine Tinktur davon, und lassen das Angesichte damit waschen.
-Andere aber setzen gar Schwefel zu dem Ingber, und kochen diese beyden
-Stücke mit Weine, bis sie dicke geworden sind, alsdenn gesellen sie
-solchen eine Fettigkeit bey, machen eine Salbe daraus, und lassen
-dieselbe brauchen. Ich lasse den Schönen die freye Wahl, welches Mittel
-sie von alle denen, so ich ihnen vorgeschlagen habe, zu ihrem Gebrauche
-erwählen wollen.
-
-§. 62. Die alten abergläubigen Weiber setzen ihr ganzes Vertrauen
-auf die Nachgeburt einer Erstgebährerinn, und verlangen, daß solche
-von einem Knäbchen seyn solle, denn sonst pflegte dieses Mittel
-fruchtlos zu seyn. Sie nehmen diese Nachgeburt, wenn sie noch warm
-ist, und fahren damit derjenigen Person, ohne ihr Vermuthen über
-das Angesichte, bey welcher sie die Sommersprossen zu vertreiben
-die Absicht haben. Ich habe den Versuch davon einmal in meiner
-Vaterstadt mit meinen Augen gesehen. Die Bademutter rufte eine solche
-buntfleckichte Guckgucksschöne zu sich, als ob sie ihr etwas zu
-eröffnen hätte, und fuhr ihr, da sie sich zu ihr genähert hatte, mit
-der warmen und blutigen Nachgeburt, ohne daß sie sich einer solchen
-ungewöhnlichen Liebkosung versah, über das ganze Angesicht, so, daß
-das sommersproßichte Mägdchen vor Erschreckniß beynahe ein Kind hätte
-bekommen mögen. Ich habe aber in der künftigen Zeitfolge gesehen, daß
-dieses Mittel ohne Nutzen gewesen war, denn sie behielt alle ihre
-Sommersprossen. Ich glaube also, daß wenn auch dieses Mittel helfen
-soll, so wird es doch gewiß nichts vermöge der Nachgeburt, wohl
-aber des Schreckens etwas auszurichten im Stande seyn. Denn da bey
-unvermuthet vorgefallnen Erschreckniß das Blut von der Oberfläche der
-Haut gerissen, und nach den innern Theilen getrieben wird; so kann es
-gar leichte geschehen, daß die Sommersprossen ebenfalls mit zurück
-geworfen werden, und also verschwinden können. Ob aber auch daher nicht
-zugleich viele Verdrießlichkeiten ihren Ursprung nehmen mögen, ist eine
-andere Frage, welche noch einiger genauen Untersuchung nöthig hat.
-
-§. 63. Diejenigen aber, welche sich einfallen lassen, solche Mittel
-zur Vertreibung der Sommersprossen zu gebrauchen, welche ich 46sten u.
-54sten Absatze gemißbilliget habe, die ziehen sich nicht nur diejenigen
-Krankheiten zu, welche im 48, 49sten und 55sten Absatze beschrieben
-und angezeiget worden sind, sondern sie laden sich auch noch mehrere
-üble Zufälle auf ihre zarten Schultern. Denn da alle diese Mittel gar
-zu heftig zurücke treiben, so werden von diesen zurückgetriebenen
-Sommersprossen bald Schlagflüsse, Blödigkeit der Augen, triefende
-Augen, Entzündungen und wohl gar Blindheiten entstehen. Bald werden sie
-fließende Ohren, schweres Gehör und Taubheit zum Vorscheine bringen.
-Zuweilen nimmt auch wohl eine Lähmung der Zunge, eine Bräune und eine
-Geschwulst der Ohrendrüsen, sowohl als der Speicheldrüsen, ihren
-Ursprung davon. Fallen die zurückgetriebenen Sommersprossen auf die
-Lunge, so verursachen sie Engbrüstigkeiten, Erstickflüsse, Geschwüre
-in der Lunge, Lungensuchten, ja zuweilen gar Wassersuchten der Brust.
-Endlich erzeigen sich auch hiervon hitzige Entzündungfieber, welche
-allesammt von dem Orte ihres Sitzes verschiedene Benennungen haben.
-Daher kommen auch abzehrende und schleichende Fieber. Zurückgetriebene
-Sommersprossen können zur verstopften und unterdrückten Reinigung, zum
-weißen Flusse, zur Mutterplage, zur Verstopfung und Verhärtung der
-Leber, des Milzes, der Gekrösdrüsen und andern Zufällen Anlaß geben.
-Sie sind vermögend, Colicken und Darmgichten hervor zu bringen, ja sie
-sind geschickt, wohl gar zur Wassersucht und zu kalten Geschwulsten
-den Weg zu bahnen, und allerley Arten der Gicht herbey zu schaffen.
-Kurz, die zurückgetriebenen Sommerflecke sind reiche Quellen vieles
-Verderbens, weil dadurch die unmerkliche Ausdünstung gehemmet wird,
-und daher nichts als solche Krankheiten erzeugen, welche allemal zu
-entstehen pflegen, wenn diese nicht gehörig von statten zu gehen weis,
-wie im 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten Absatze mit mehrerem davon
-nachzusehen ist.
-
-§. 64. Alle diese im 48, 49, 55 u. 63sten Absatze angeführte
-Krankheiten können auch entstehen, wenn die Finnen ein küpfrichtes
-Angesicht, und die Flechten mit äußerlichen und zurücktreibenden
-Arzneymitteln zur Unzeit vertrieben werden.
-
-§. 65. Finnen sind kleine Geschwüre der Haut, in der Größe eines
-Hanfkorns, welche einen harten und rothen Umfang, in der Mitte aber
-ein weißes Fleckchen haben, mit Eyter angefüllt sind, meistentheils
-das Angesicht einnehmen, und unter der Haut von stockenden Salzwasser
-entstehen. Man sagt, daß die Finnen sich gemeiniglich bey solchen
-Frauenzimmern einzufinden gewohnt wären, welche mannbar geworden sind,
-doch aber eine strenge Keuschheit beobachten. Ja man will so gar
-behaupten, daß keine bessere Heilungsart bey den Finnen statt fände,
-als der Ehestand. Ich läugne dieses zwar nicht, doch aber glaube ich
-auch, daß die Vollblütigkeit viel Schuld an den Finnen sey.
-
-§. 66. Den Kupferhandel nennt man diejenige Röthe des Angesichts,
-welche vornehmlich an den Wangen und an der Nase sichtbar ist, sehr
-hochrothe, und fast rosenfarbigte eyterhafte Erhabenheiten zeigt,
-und kleine Grindchen hat, die aber zuweilen so überhand nehmen, daß
-die Haut des Angesichts davon ungleich rauh, und schäbicht wird, und
-garstig anzusehen ist, die Nase aber wird davon sehr aufgetrieben,
-groß und dicke. Man will insgemein denjenigen Frauenspersonen, welche
-diesen Handel treiben, zur Last legen, daß sie Weintrinkerinnen und
-Brandweinsäuferinnen seyn sollen. Und ich dürfte mich bald überreden
-lassen, es selbst zu glauben. Was meynen sie wohl darzu?
-
-§. 67. Unter den Flechten aber versteht man gewisse Schäbigkeiten
-und Geschwülste der Haut des Angesichts, welche sich vornehmlich am
-Kinne befinden, ein beschwerliches Jucken verursachen, eine scharfe
-Feuchtigkeit von sich lassen, und zuweilen so um sich fressen, daß
-sie wohl gar das ganze Angesicht einzunehmen und unangenehm zu machen
-geschickt sind.
-
-§. 68. Da diese im 65, 66 und 67sten Absatze angeführten Fehler der
-Haut ebenfalls, wie die Sommersprossen, eine Unreinigkeit der Säfte
-zum Grunde haben; so können solche auch durch eben diese Heilungsart
-gehoben werden, die ich als sicher im 60 und 61sten Absatze den
-Schönen angepriesen habe.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Das sechste Kapitel.
-
-Von den Unangenehmen Empfindungen, welche die Schönen leiden, indem sie
-sich eine hohe Stirne zu machen, beschäftigen.
-
-
-§. 69.
-
-Einmal hat nun schon die Einbildung in den Herzen unsrer Schönen
-so tiefe Wurzel geschlagen, daß eine hohe Stirne, die nämlich auf
-der Mitten gleich über der Nase eine Spitze hat, auf beyden Seiten
-aber in etwas zurück läuft, und eine einwärtsgehende halbzirkelrunde
-und zurückgebogene Krümmung macht, eine ganz besondere und
-bewundernswürdige Schönheit sey. Die Frauenzimmer sind unverdrossen,
-sich eine solche hohe Stirne zuwege zu bringen, und wollen lieber
-entweder durch Anlegung ihrer eigenen Hände, oder durch Beyhülfe andrer
-Staatsmärtyrinnen werden, als diese eingebildete Schönheit gänzlich
-entbehren. Es ist ein belachenswürdiges Bemühen, da man sich, um eine
-hohe Stirne zu haben, so vielen schmerzhaften Empfindungen aussetzt.
-Ich dächte, die Natur hätte ihnen schon ohnedies Schmerzen genug
-auferlegt, ohne daß sie nöthig hätten, ihre Pein aus einer bloßen
-närrischen Modesucht zu vermehren. Ich bin der völligen Meynung, daß
-sich die Schönen, um ihres Wunsches theilhaft zu werden, oftmals weit
-mehr Marter, entweder selbst, oder sich durch andere anthun lassen, als
-wenn man die peinlichen Fragen an sie ergehen, oder an ihnen alle Grade
-der Tortur vornehmen ließe. Ich getraue mir eine Wette zu gewinnen, daß
-ihnen unter dieser Beschäftigung die Thränen häufig über die Wangen
-herunter laufen müssen, und daß sie für Angst tiefgeholte Seufzer von
-sich hören zu lassen gezwungen würden. Ja, ja, was man sehnlich zu
-haben wünscht, darnach seufzet man desto brünstiger. Man sollte es
-fast nicht glauben, daß das menschliche Herz einen so großen Ueberfluß
-thörichter Eitelkeiten in sich schließen könnte.
-
-§. 70. Die sich nun einmal vorgesetzt haben, eine solche im 69sten
-Absatze beschriebene hohe Stirne zu haben, die besitzen auch
-Herzhaftigkeit genug, sich die Haare von der Stirne mit einem hierzu
-verfertigten Zängelchen ausreißen zu lassen, bis sie glauben, ihre
-Stirne habe nunmehr diejenige Modefigur, die sie haben muß, wenn sie
-vor schön gehalten werden soll. Ich aber möchte die Schmerzen nicht
-büßen, die sie doch aus Hochmuth gutwillig leiden. Sonst pflegten
-sich nur diejenigen die Haare auszureißen, denen ein großes Unglück
-begegnet war, itzo aber reißt man sich die Haare aus, um sich zeitlich
-glücklich machen zu mögen. Andere lassen sich, in eben dieser Absicht,
-die Stirne mit einer Salbe bestreichen, welche aus lebendigen Kalke,
-gelben Arsenik und schwarzer Seife bereitet wird. Diese Sachen nun
-werden mit scharfer Meisterlauge, so viel als hierzu erforderlich ist,
-zu einer dünnern Salbe gemacht, um die Haare damit weg zu beizen.
-Dieses haarbeizende Mittel heißt, das türkische Rußma. Denn man will
-uns versichern, daß die Türken, welche sonst an ihrem ganzen Leibe,
-ausgenommen auf dem Kopfe und an dem Barte, keine Haare zu tragen
-gewohnt wären, mit dieser Salbe ihre Haare weg zu bringen bemüht seyn
-sollten. Andern aber gefällt es, an statt der Meisterlauge kampferirten
-Weingeist zu nehmen. Einige bedienen sich des weißen Pechs, oder des
-bis zur Härte gekochten Terpenthins, und zerlassen es mit etwas Wachs
-über Kohlen, hernach lassen sie sich solches warm über die Stirne
-streichen, und wenn es darauf kalt und harte geworden ist, so erlauben
-es die Schönen, daß man es ihnen abreißen mag, da denn die Haare mit
-sammt den Zwiebeln ausgerissen werden, sie aber zur Belohnung ihrer
-Staatspein die längst gewünschte hohe Stirne als eine Beute davon
-tragen. Sauer erworbener Sieg! Aber man darf nicht denken, daß die
-hohe Stirne nur von einer ausgestandenen Geduldsprobe so gleich fertig
-gemacht werde. Nein, man muß sich solche Marter öfters, und solange
-anthun lassen, bis auf der Stirne kein Härchen mehr zu sehen ist.
-
-§. 71. Diejenigen, welche entweder ihre Haare auf der Stirne mit einem
-Zängelchen ausreißen, oder mit weißem Peche und Wachse wegbringen
-lassen, müssen zwar große Schmerzen ausstehen: doch was duldet man um
-der Mode wegen nicht! Aber diejenigen Frauenspersonen, welche die Haare
-von der Stirne mit dem türkischen Rußma wegbeizen lassen, müssen noch
-weit mehr ausstehen, denn sie bekommen Entzündungen der Haut, welche
-unsäglich brennen und wehe thun, ja es erzeugen sich so gar Grinde,
-unter welchen ein Eiter und eine scharfe tief unter sich fressende
-Feuchtigkeit wohnt. Alles dieses plagt die Schönen öfters, so, daß
-sie lange Zeit die Stube zu hüten genöthiget werden. Das Uebel aber
-pflegt noch böser zu werden, und länger zu dauern, wenn die, so dieser
-Thorheit Frohndienste geleistet haben, verdorbene Säfte besitzen. Doch
-ich wollte, daß ihre Eitelkeit noch weit schlimmere Folgen verursachte,
-weil das Frauenzimmer so verwegen ist, die ewige Weisheit zu tadeln,
-der doch die Schönheiten, als geringe Geschöpfe, mit aller Dankbarkeit
-verbunden seyn sollten, wenn auch die Natur sie nur zu einer Auster
-gemacht hätte. Mein Eifer ist gerecht: Aber werde ich auch damit alle
-thörichte Herzen vernünftiger zu machen fähig seyn? In Ewigkeit nicht.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Das siebende Kapitel.
-
-Von dem Schaden, welcher sich von dem Schwarzfärben der Augenbraunen
-entspinnt.
-
-
-§. 72.
-
-Allerdings müssen die Augenbraunen ebenfalls geändert werden, wenn nach
-der itzigen Mode alles am ganzen Körper ein ander Ansehen bekommen muß.
-Doch die Nase ist noch bis itzo unangetastet geblieben. Sie hat von
-Glück zu sagen, daß sie nicht auch wie andre Theile des Angesichts und
-des ganzen Körpers hat herhalten dürfen. Mich wundert es nicht wenig,
-daß der Witz der Schönen bey ihr so lange hat müßig seyn können,
-ohne ihr einen Zierath oder sonst einen Nasenschmuck anzuhängen. Doch
-ich dächte, es wäre der Billigkeit gemäß, auch auf die Nase einige
-Sorge zu wenden, damit sie nicht ohne allen Putz bliebe. Die Schönen
-würden gerecht gegen dieses Glied handeln, wenn sie sich wenigstens
-einen goldnen Ring durch die Nase ziehen ließen. Ich bin bey mir
-selbst überzeugt: daß dieser Schmuck nicht nur artig zum Angesichte
-lassen, sondern auch sonst großen Nutzen haben werde. Wenigstens könnte
-dieser Nasenring bey widerspenstigen und ungehorsamen Weibern nicht
-undienlich seyn, zumal wenn man ein seiden Strickchen an diesen Ring
-befestigte. Denn wenn sich solche Weiber nicht mit Vernunft und Worten
-lenken lassen wollten; so könnten die Männer sie, wie die Bärführer
-den Tanzbär, mit diesem an den Nasenring gebundenen Strickchen nach
-ihrem Gefallen ziehen und zum Gehorsam bringen. Mich soll es nicht nur
-recht herzlich freuen, sondern ich will auch so gar eine hochmüthige
-Stellung, wie der Arzt Mäv, annehmen, wenn ich so glücklich seyn
-sollte, daß meine Erfindung und mein Gutachten von den Schönen wohl
-angenommen und mit gutem Erfolge gebraucht würde. Die Männer, welche
-böse Weiber haben, würden gleichfalls Ursache finden, mir für meinen
-glücklichen Einfall höchst verbunden zu seyn. Ja ich traue ihnen so
-viel Gutes zu, daß sie wohl gar diesen nützlichen Nasenring, aus wahrer
-Dankbarkeit, nach des Erfinders Namen nennen würden, so, wie es ehedem
-das sämmtliche Frauenzimmer gemacht hat, welches die spitzigen, und wie
-ein Thurm in die Höhe gesteckten Kopfzeuge, so des Königs in Frankreich
-Beyschläferinn ~la Fontange~ zum ersten erfunden hatte, nach ihrem
-Namen Fontangen zu nennen, vor rathsam befand.
-
-§. 73. Daß die Augenbraunen vieles zur Schönheit des Angesichts
-beytragen, ist eine Gewißheit. Denn man betrachte nur einmal ein
-Angesicht, welches entweder durch die Blattern, oder andere Zufälle,
-die Augenbraunen eingebüßt hat, wie ungestalt und häßlich es aussieht.
-Der Nutzen aber, welchen die Augenbraunen zu erweisen pflegen, ist von
-weit größerer Erheblichkeit, als die ganze eingebildete Schönheit. Denn
-es hat das Ansehen, als ob dieselben vornehmlich darzu bestimmt wären,
-den Schweiß, welcher von der Stirne herunter läuft, so wie ein Damm das
-Fluthwasser abzuhalten, damit derselbe nicht in die Augen laufen, und
-solchen eine unangenehme Empfindung verursachen, oder gar einen größern
-Schaden zufügen möge. Die Augenbraunen halten auch den Staub und die
-Unreinigkeit auf, welche sonst gar leichte in das Auge fallen, und ihm
-zur Last werden können. Ja sie verhindern auch einigermaßen den allzu
-geschwinden Einfall starker und ungewöhnlicher Lichtstralen in die
-Augen, wenn man die Augenbraunen in etwas niederwärts zieht.
-
-§. 74. Da aber die Schönen aus Mangel guter Vernunft, mehr auf die
-Schönheit der Augenbraunen, als auf deren Nutzen zu sehen gewohnt sind;
-so färben sie solche, um ihre Schönheit noch mehr zu erhöhen, schwarz,
-und hierzu bedienen sie sich derjenigen Mittel, welche ich im 26 und
-27sten Absatze schon erzählt habe. Viele nehmen einen Mandelkern,
-halten ihn so lange an ein brennend Licht, bis er schwarz geworden
-ist, darnach färben sie die Augenbraunen damit. Andere nehmen ein Oel,
-und reiben es auf einem zinnernen Teller mit einer bleyernen Kugel so
-lange, bis eine schwarze Farbe davon entsteht, und mit dieser bemahlen
-sie die Augenbraunen, und machen selbige schwarz.
-
-§. 75. Die im 26 und 74sten Absatze angeführten haarschwarzmachenden
-Mittel verursachen eben keinen Schaden, und können, wenn man sonst
-Thorheit genug besitzt, meinetwegen immer gebraucht werden, sich
-damit schwarze Augenbraunen zu machen. Dasjenige haarschwarzmachende
-Decoct aber, dessen ich im 27sten Absatze Meldung gethan habe, bringt
-nicht nur die im 28sten Absatze erzählten Krankheiten zum Vorscheine,
-sondern es macht auch noch mehrere Ungelegenheiten. Denn da dieses
-Mittel aus beizenden Dingen besteht; so werden nothwendig die Haare
-der Augenbraunen davon weggebeizt werden und ausfallen müssen: folglich
-wird das Angesicht einen ansehnlichen Theil seiner Schönheit verlieren,
-die Augen aber selbst vielen Schaden leiden. Man wird es ganz wohl
-begreifen, daß, wenn die Haare der Augenbraunen weggefressen werden
-oder ausfallen, der Staub und andere Unsauberkeiten, ja so gar der
-Schweiß, welcher von der Stirne herunter rollet, den Augen zur Last
-werden, und in selbigen nicht nur empfindliche Schmerzen und ein
-beschwerliches Drücken mit einem beständigen Thränenflusse, sondern
-auch Entzündungen, Geschwüre, Blödigkeit und Blindheit verursachen
-müssen.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Das achte Kapitel.
-
-Von den Schädlichen Folgerungen, welche von dem Weißmachen der Zähne
-entstehen.
-
-
-§. 76.
-
-Weiße Zähne sind eine große Schönheit, und dieselbigen weiß zu machen
-und weiß zu erhalten ist lobenswürdig, und eine Reinlichkeit, davon
-sich der Nutzen auf alle Glieder des Körpers erstreckt. Denn da die
-Zähne diejenigen Werkzeuge sind, vermöge welcher die Speisen im Munde
-zerschnitten, mit Speichel vermischt, und zur Verdauung geschickt
-gemacht werden; so thut man wohl, wenn man solche sauber, rein und weiß
-zu halten bemüht ist, um dem Magen in seiner Verdauungskraft desto
-besser zu Hülfe zu kommen, damit derselbe nicht außer Fähigkeit gesetzt
-werden möge, einen guten Brey (~chymum~) zu verfertigen. Denn wie
-dieser beschaffen ist, wird auch der Nahrungssaft, das Blut, und alle
-übrigen Säfte beschaffen seyn müssen, weil davon die Gesundheit und
-Krankheit des Körpers, nachdem die Säfte entweder eine gute oder böse
-Eigenschaft haben, vornehmlich abhängen.
-
-§. 77. Der römische Arzt Bagliv räth die Sorge vor die Zähne sorgfältig
-zu beobachten an. Er spricht auf der 476 Seite, man solle Sorge vor
-seine Zähne tragen, damit man wohl verdauen, und lange leben möchte.
-Und Herr Doctor Platner hat in seiner sehr gelehrten Abhandlung von
-den Krankheiten, welche von der Unsauberkeit ihren Ursprung haben,
-gründlich ausgeführt: daß die Reinlichkeit der Zähne eine höchstnöthige
-Bemühung sey. Er sagt im 16. Absatze seiner Abhandlung: Es ist allen
-bekannt, daß mit den Zähnen die Speisen zerkäuet, verdünnet, ermürbet,
-und alsdenn zur Unterhaltung des Körpers angewendet werden. Wenn aber
-die Zähne ausfallen oder angefressen und wackelnd werden, wird die
-Speise im Munde nicht wohl präpiret, welche, so grob in sich genommen,
-sehr schwer von dem Magen und andern Eingeweiden bezwungen, und eine
-solche Crudität zugezogen wird, wodurch die Eingeweide geschwächt, und
-die Säfte verdorben werden. Indem wir käuen, wird der sich an Zähnen,
-Zunge und Gaumen häufig angelegte Unrath mit den Speisen sehr genau
-vermischt, welche denn einen unreinen Nahrungssaft und verderbtes
-Geblüte machen, mithin einen Grund zu künftigen Krankheiten legen.
-
-§. 78. Man hat nöthig, eine kluge Wahl mit den Mitteln anzustellen,
-deren man sich, um die Zähne weiß zu machen, zu bedienen gesonnen
-ist, damit man nicht Schaden anrichte, oder gar seiner Gesundheit
-verlustig werde. Wer sich meinen Rath gefallen lassen will, den wird
-es in Ewigkeit nicht gereuen, daß man gehorsam gewesen ist. Ich kann
-mit Wahrheit versichern, daß kein sichrer Mittel sey, die Zähne
-weiß zu machen, als wenn man solche fleißig durch Hülfe der Finger,
-nicht aber eines Zahnbürstchens, mit dem Kaffeesatze, welcher aber
-so lange ausgekocht werden muß, bis er dem Wasser keine Farbe mehr
-zu geben vermögend ist, abreibet, hernach aber die Zähne mit rothen
-Weine, welchen einige unvernünftige Weiber vor ein tödtliches Gift
-in den Blattern bey Kindern ausgeschryen haben, abspielet. Man kann
-entweder dieses Pulver vor sich alleine brauchen, oder mit andern
-Dingen versetzen lassen. Es ist so abgeschmackt nicht, wenn man dem
-Kaffeesatze florentinische Schwerdtlilienwurzel, gedörrtes Salbeykraut,
-rothe Korallen, und etwas weniges von der Terra catechu zugesellet. Wer
-eine Latwerge verlangt, der darf nur diese Stücke mit weißem Honige
-vermischen, und zum Gebrauch anwenden.
-
-§. 79. Diejenigen aber handeln unrecht, welche sich die Zähne mit
-Bimsteine, Steinsalze, gebrannter Alaune, zu Kohlen gebrannten
-Brodrinden, oder gar mit saurem Vitriolgeiste weiß zu machen, beflissen
-sind. Es ist wahr, der saure Vitriolgeist macht die Zähne weiß, zumal,
-wenn man sehr zartes Papier, darinnen man die Metallgoldblätter zu
-verwahren pflegt, nimmt, diesen Vitriolgeist drauf gießt, zu einer
-Salbe reibet, und die Zähne damit abputzet. Aber es währet gar nicht
-lange, so werden die Zähne davon morsch, und brechen Stückweise ab.
-Die übrigen Mittel verletzen nicht nur das Zahnfleisch, sondern sie
-benehmen auch den Zähnen das gläserne Wesen. Wenn aber dieses verlohren
-geht; so fangen die Zähne an hohl, schwarz und brandig zu werden,
-so, daß Zahnschmerzen davon entstehen und endlich brechen die Kronen
-davon gar ab, die Zähne selbst fallen aus, oder sie müssen ausgerissen
-werden. O wie garstig ist es, wenn ein junges Weibchen keine Zähne mehr
-im Munde zählen kann, und sich selbst mit schädlichen Mitteln zu einem
-alten Weibe vor der Zeit gemacht hat. Aber ein Glück ist es vor die
-Männer, wenn ihre bösen und gebeißigen Weiber keinen Zahn mehr haben,
-da hört man sie vor Freuden mit jenem Sinndichter anstimmen und singen:
-
- Wenn mein Weib über Zahnschmerz schreyt,
- So bin ich inniglich erfreut.
- Nun denk ich wird sie nicht mehr beißen,
- Nun glaub ich wird sie frömmer seyn;
- Und mich ihr liebes Männchen heißen,
- Doch weit gefehlt! es trifft nicht ein:
- Denn nach dem Schmerze wird sie immer,
- Von Zeit zu Zeit, und täglich schlimmer.
-
-§. 80. Wenn nun aber die Zähne durch solche schädliche Zähnweißmachende
-Mittel verlohren gegangen sind, so werden die Speisen im Munde nicht
-gehörig zermalet werden können, sondern ganz in den Magen geschluckt
-werden müssen; folglich wird der Magen dadurch sehr geschwächt
-werden, und einen unvollkommenen und rohen Brey bereiten, woraus denn
-nothwendiger Weise ein schlechter Nahrungssaft entstehen muß, der ein
-böses Blut und üble Säfte macht, welche den festen Theilen des Körpers
-kein Gedeyen geben können. Die festen Theile des Körpers werden also in
-einen ungewöhnlichen und widernatürlichen Zustand gerathen, und lauter
-solche Krankheiten erzeugen, deren Grund man in verdorbenen Säften zu
-suchen hat. Ja es wird sich wohl gar eine allmählige Abzehrung darzu
-einfinden, und der Körper wird in Lebensgefahr gerathen. Es würde
-mir nicht schwer fallen, ein ganzes Register von solchen Krankheiten
-herzusetzen, welche allesamt aus dieser Quelle zu fließen pflegen, wenn
-es mir selbst sowohl, als andern nur nicht zum Ekel wäre. Sehen sie
-nicht, wie vielen Gefährlichkeiten man sich aussetzt, wenn man unrechte
-Mittel zu seiner Absicht erwählet, und sich damit selbst betrüget? O
-was für ein Laster ist doch der Selbstbetrug! So geht es, man straft
-sich zuweilen selbst mehr, als man von andern vielleicht niemals
-gestraft worden wäre. Doch der übergroßen und sich selbst eingebildeten
-Klugheit geschiehet das Recht. Ich bedaure die Schicksale der Schönen
-nicht, darein sie sich aus Unvernunft und Uebermuth gestürzet haben.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Das neunte Kapitel.
-
-Von den Unpäßlichkeiten, welche von dem Löcherstechen in die
-Ohrläppchen, zum Ohrgehängtragen, herkommen.
-
-
-§. 81.
-
-Es ist eben keine neue Erfindung, daß man Löcher in die Ohrläppchen
-zu stechen pflegt. Schon bey den alten Römern, bey denen alles,
-was nur feyerlich vollzogen werden sollte, durch gewisse Gebräuche
-und Weydsprüche, die sie in ihrer Mundart ~Formulas solennes~
-nannten, verrichtet werden mußte, war es gewöhnlich, daß sie ihren
-leibeigenen Knechten Löcher in die Ohrläppchen stechen, und solche an
-die Hausthüren heften ließen, um ihnen dadurch zu verstehen zu geben,
-daß sie Zeit Lebens nicht von dem Hause ihres Herrn weichen sollten.
-Wer sich aber überredet, daß unsere Schönheiten sich in gleicher
-Absicht Löcher in die Ohrläppchen stechen zu lassen gewohnt wären,
-um fleißig zu Hause bleiben zu wollen, der betrügt sich in seinen
-Gedanken. Ich glaube vielmehr, daß solche Weiber ihren Männern dadurch
-das Gegentheil erkennen zu geben willens sind, um sich vielleicht
-auch anderweit als geduldige Thierchen aufzuführen. Ich lasse mir es
-nimmermehr ausreden, daß sich manche Schönen nicht gerne aus Hoffahrt
-Löcher in die Haut stechen lassen sollten. Ich glaube sogar, daß das
-schöne Geschlecht davon eben keinen Schmerz empfinden müsse, denn sonst
-würden sie sich sonder Zweifel vor solchen Mordeisen fürchten. O! da
-es den Frauenspersonen nicht zu heilig ist, ihren Kopf dem Stiche
-darzureichen, so werden sich auch unartige gewiß kein Gewissen daraus
-machen, andere, und noch wenig edlere Theile geduldig darzubieten.
-Wer den Frauenzimmern die Geduld abspricht, der ist ein Verächter des
-schönen Geschlechts.
-
-§. 82. Es ist ganz wahrscheinlich, ob schon diese Wahrscheinlichkeit
-noch eines großen Beweises bedürftig ist, daß die Mode, sich Löcher
-in die Ohrläppchen stechen zu lassen, um Ohrringelchen und Ohrgehänge
-tragen zu können, von den Römern ihren eigentlichen Ursprung genommen
-habe. Jedoch liegt eben die Seligkeit nicht daran, wenn man auch gleich
-meinem Einfalle keinen Glauben beyleget. Genug daß ich den Glauben habe.
-
-§. 83. Ohnerachtet die Natur die Schönen mit so vielen Gaben vor
-den Männern zum voraus bereichert hat; so wollen sie sich doch noch
-immer mit mehrern unnöthigen Dingen belästigen, um sich dadurch
-ein ehrwürdigeres Ansehen zuwege zu bringen. Sie erlauben also, daß
-man ihnen darum Löcher in die Ohrläppchen stechen darf, damit sie
-Ohrringelchen und Ohrgehänge tragen können. Wenn ihnen die Natur solche
-lange Ohrlappen zugemessen hätte, so versichre ich, sie würden sich
-solche längst haben abschneiden lassen. Da ihnen aber die Natur kurze
-Läppchen zu geben vor gut befunden hat; so ist ihre einige Sorgfalt
-dahin gerichtet, wie sie solche durch Kunst verlängern möchten. Oefters
-tragen die Frauenspersonen eine Last von Steinen an den Ohrläppchen,
-daß dieselben davon ausreißen, und ihnen Schmerzen verursachen müssen:
-Aber auch diese übertragen sie mit weit christlicher Gelassenheit,
-als jene Mutter den Tod ihres an Blattern verstorbenen allerliebsten
-Kindes, um nur schöner aussehen zu mögen. Die Alten pflegten von Golde
-gewisse Figuren, als Lämmchen, Kreuzchen, Ottern und Schlangen an den
-Ohrringelchen zu tragen. Heut zu Tage aber sieht man Perlenmutter,
-gute und unächte Steine, gute Perlen und wächserne Perlen, welche
-mit Glase überzogen sind, und andere geschnittene oder geschliffene
-von Glas verfertigte Flüsse, die verschiedene Ecken haben, damit die
-Lichtstrahlen sich darinne auf mancherley Weise brechen und die Farben
-verändern können, an den Ohrläppchen herunter hängen.
-
-§. 84. Die Lust, Ohrgehänge tragen zu wollen, gründet sich auf nichts,
-als auf eine bloße Eitelkeit, welche immer die Hauptleidenschaft
-der Schönen gewesen ist, und so viel ich davon einzusehen vermögend
-bin, noch itzo ist, auch vielleicht, wenn es mir erlaubt ist, meine
-Prophezeyung frey heraus sagen zu dürfen, noch in Zukunft der Liebling
-des schönen Geschlechts bleiben wird. Man mag es nur sicher glauben,
-daß diejenigen, welche ihren Körper beständig zu putzen und zu
-schmücken bemüht sind, eine sehr eitle Seele besitzen. Ich glaube es in
-Ewigkeit nicht, was einige Schönen sagen. Denn
-
- Auf Sagen mag ein andrer bauen,
- Auf Sagen bau ich nicht;
- Ein Narr, nicht ich, mag allen trauen,
- Von dem man sagt und spricht:
- Doch Mops glaubt viel, und wird betrogen,
- Ja, gar zu oft bethört.
- Warum? Mops ist tumm auferzogen,
- Und viel zu ungelehrt.
-
-Ich sage es noch einmal, ich lasse mich doch nicht überreden, wenn man
-auch gleich seine Eitelkeit mit noch so schönen Farben anzustreichen
-sucht, um andern beybringen zu mögen, daß sie bloß darum den Entschluß
-gefaßt hätten, die Ohrläppchen durchstechen zu lassen, damit sie
-sich von den Flüssen, die ihnen so oft zur Last zu fallen pflegten,
-loß machen könnten. Es ist kein Zweifel, daß dieses nur ein eitler
-und scheinbarer Vorwand sey, womit man seiner eitlen Gesinnung einen
-Mantel umzugeben meynet. Wenn sich solche zu Flüssen des Kopfs und
-der Augen geneigte Schönen, durch die Haut im Nacken ein Haarseilchen
-(~Setaceum~) ziehen, oder am Arme ein Fontenell hätten setzen
-lassen; so würde niemand mehr, als ich, ihren Worten Glauben zustellen;
-ja ich würde ihre Sorge, die sie auf die Erhaltung ihrer Gesundheit zu
-wenden beflissen gewesen wären, für untadelhaft halten.
-
-§. 85. Kein Putz ist so vollkommen, welcher nicht auch seine
-Unvollkommenheiten nach sich ziehen sollte, und so geht es auch mit
-den Löchern, welche darum gestochen werden, damit man die Ohrläppchen
-mit Ohrgehängen auszieren könne. Denn obschon die Ohrläppchen als ein
-Knorpel sehr wenig Empfindung haben; so geschiehet es gleichwohl, wenn
-man sich die Löcher stechen läßt, daß an den Ohrläppchen Schmerzen
-empfunden werden, daß sie eine Entzündung bekommen, und zu schwären
-anfangen. Aber auch dieses alles pflegt sich auch alsdenn zu ereignen,
-wenn die Ohrläppchen, wegen der großen daran hängenden Last von
-einander gerissen werden. Ohnerachtet nun alle diese Zufälle eben keine
-Lebensgefahr verursachen, so halte ich es doch vor eine Thorheit, daß
-man sich ohne Noth Schmerzen mache, die man doch, wenn man sonst klug
-genug wäre, gar füglich überhoben seyn könnte. Man giebt ja ohnedies
-denjenigen immer Schuld, daß sie einen Fehler des Gehirns hätten, die
-durch sich selbst muthwillig zugezogene Schmerzen erst klüger werden
-wollen:
-
- Klug ist, wer fühlt, sich bessert, schweiget.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
- Der dritte Abschnitt.
-
- Von den
- Krankheiten, welche von der
- Auszierung des Halses ihren
- Ursprung herleiten.
-
-
-
-
-Das erste Kapitel.
-
-Von den Verdrießlichkeiten, die zu entstehen pflegen, weil das schöne
-Geschlecht den Hals entblößt zu tragen gewohnt ist.
-
-
-§. 86.
-
-Unsere Schönen haben in Gewohnheit, ihren Hals entblößt zu tragen,
-um theils mein Geschlechte dadurch zu reizen, theils aber auch ihm
-aus Hochmuth zu zeigen, daß die Natur ihnen hiermit eine vorzügliche
-Schönheit vor den Männern zum voraus geschenket habe. Sie machen sich
-groß mit ihrem Halse, und schätzen die Schönheit desselbigen darum
-so hoch, weil ihr Hals eine zartere Haut, eine weißere Farbe, und
-keinen so hervorragenden Knorpel der Luftröhre hätte als der Hals der
-Mannsbilder, denn sie solchen als etwas häßliches vorwerfen, und nur
-zum Spotte den Adamsapfel nennen. Aber sie haben gar nicht Ursache,
-des Adamsapfels wegen, welchen wir nicht aus unserm Verschulden,
-sondern aus weisen Absichten der Natur tragen müssen, uns spöttlich
-zu verhöhnen. Es ist überhaupt ein Merkmaal eines blöden Verstandes,
-wenn man seinem Nebenmenschen Leibesgebrechen vorzuwerfen, unbesonnen
-genug ist, wofür er doch selbst nicht kann, und die er nicht zu ändern
-in seiner Macht hat, wenn er es auch gleich gerne thun wollte. Die
-Mannspersonen könnten den Frauenzimmern wohl, wenn sie sonst Lust
-hätten, größere Dinge vorhalten, dafür sie sich gewiß recht würden
-schämen müssen, wenn sie anders so tugendhaft, wie sie sich immer
-rühmen, seyn wollten.
-
-
-§. 87.
-
-Damit nun aber auch der nackende Hals nicht so gar kahl da stehen
-möchte; so ist der Witz der Schönen hier sinnreich genug gewesen,
-Mittel ausfündig zu machen, den Hals mit Verzierungen ausrüsten
-zu mögen, um ihm mehrern Reiz und Annehmlichkeit beyzubringen.
-Sie haben also zu dem Ende den Hals mit sammetnen, seidenen mit
-Schmelz und Glasflusse besetzten Halsbändern, mit Schnuren, daran
-Wachsperlen oder ächte Perlen gereihet sind, und mit goldenen Ketten
-ausgezieret, ja sie haben ihn so gar mit einer Last von Dukaten,
-so wie ein Rennschlittenpferd mit Schellen, behangen und recht
-niedlich ausgeputzet, so, daß manchem darnach gelüstet haben muß, die
-Hände darnach ausstrecken zu mögen, um sie von dieser Gelbsucht zu
-befreyen, sich aber damit gütlich zu thun, und das Herz zu erfreuen.
-Viele verherrlichen ihren Hals mit edlen Steinen, die in Gold gefaßt
-sind, und bald die Gestalt eines Herzens oder eines Kreuzes, bald
-aber einer Rose vorzustellen pflegen. Andere tragen gar kleine
-Judenkragen, die aus Bändern oder Spitzen, welche in Falten gelegt
-werden müssen, zusammen geneht worden sind, um den Hals rings herum.
-Dieser Halsputz ist sehr bequem, die Kröpfe zu verbergen, und ich habe
-solche meistentheils bey solchen jungen Schönen angetroffen, von denen
-ich überzeugt gewesen bin, daß sie Kröpfe gehabt haben. Unzählige
-Weibspersonen hängen fast ihre ganze Habseligkeiten an den Hals, und
-die sie daran zu hängen nicht fähig sind, die jagen sie, aus Furcht,
-sie möchten ihnen von den Dieben entrissen werden, in den Hals hinein,
-um solche in Sicherheit bringen zu mögen. Ich weis wohl, daß die Weiber
-mehrmals durch den Halsschmuck ihre Männer an den Bettelstab gebracht
-haben. Welches gar leichte geschehen kann, wenn ihnen die Weiber,
-ohne Leibeserben zu hinterlassen, sterben; so, daß sie hernach andern
-die Gerade, von Rechtswegen, zu überlassen genöthiget werden. O,
-ungerechtes Recht!
-
-
-§. 88.
-
-Ich will mich nun auch um die Krankheiten bekümmern, welche sich
-von einem entblößten Halse zu erzeugen pflegen, damit ich nicht
-vor saumselig in Ansehung meiner Pflicht gescholten werden möchte.
-Da nun der bloße Hals der freyen Luft, um andern dessen Schönheit
-zu zeigen, ausgesetzt wird; so wird es kein Wunder seyn, wenn sich
-derselbe, zumal bey rauher, feuchter und kalter Witterung, vielen
-Verdrießlichkeiten darbieten muß. Der unmerklichen Ausdünstung wird
-also nothwendig bey einer solchen Beschaffenheit der Luft in der Haut
-des Halses gehemmt werden, folglich wird es nichts fremdes seyn,
-wenn lauter solche Krankheiten, ihren Ursprung davon nehmen, welche
-allemal sich zu ereignen gewohnt sind, so ofte bey vorfallender
-Gelegenheit die unmerkliche Ausdünstung gestört oder gar unterdrückt
-wird. Heiserkeit, Brustflüsse, Husten, Entzündungen des innern Halses,
-Beulen, Geschwüre, und mehrere dergleichen Ungelegenheiten, deren ich
-schon zum öftern im 63, 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten Absatze Meldung
-gethan habe, sind die Kinder dieser fruchtbaren Mutter, und von eben
-dieser stammen Kröpfe, (~Strumæ~) und geschwollene Halsdrüsen
-(~Scrofulæ~) natürlicher Weise ab. Denn, da die Säfte des Körpers
-von der verhinderten Ausdünstung darum verderbet werden, weil deren
-Ueberfluß kein Ausgang verstattet ist; so müssen die Säfte dicke und
-zu Stockungen geschickt, folglich faul und bösartig gemacht werden.
-Nun aber haben die Kröpfe und geschwollene Halsdrüsen gemeiniglich
-eine üble Beschaffenheit der Säfte zum Grunde: Was kann also wohl
-natürlicher seyn? als daß solche daher entspringen müssen, weil die
-gehemmte Ausdünstung vornehmlich der Haut des Halses, welche die
-Drüsen, hauptsächlich aber diejenige Drüse, welche die thyroideische
-heißt, umgiebet, vermöge des versagten Abflusses und beständigen neuen
-Zuflusses ausgedehnet wird, und also in den von dieser Haut umkleideten
-Drüsen eine Verstopfung zuwege bringen muß. Da nun ein Kropf nichts
-anders, als eine widernatürliche Ausdehnung dieser Haut ist; so muß
-daher diejenige weiche und nachgebende Geschwulst des Halses ihren
-Ursprung nehmen, die man einen Krampf zu nennen gewohnt ist. Und eben
-daher entspinnen sich auch die ~Scrofulæ~ welche geschwollene
-Drüsen am Halse sind, so sich bewegen lassen, sehr harte werden,
-zuweilen aber gar aufbrechen, und unheilbare Geschwüre verursachen.
-Wie besorgt sind also nicht unsere Schönen bey diesen entstandenen
-Umständen, um solche unsichtbar zu machen und verhöhlen zu mögen. Aber
-es ist nunmehro zu späte, die Fehler itzo verbergen zu wollen, welche
-man sich selbst, bloß aus einem verdammten Hochmuthe, zugezogen hat.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Das zweyte Kapitel.
-
-Von den Gefährlichkeiten, welche von der Zartmachung der Halshaut
-entstehen.
-
-
-§. 89.
-
-Allerdings gehört auch eine zarte Haut des Halses zur Schönheit, daher
-die Frauenspersonen, um ihren Liebhabern desto reizender seyn zu mögen,
-allen Fleiß anwenden, sich selbige eigen zu machen. Doch was ich im
-52sten Absatze von der Zärtlichkeit der Haut des Angesichts gesagt
-habe, das kann auch von der zarten Halshaut gelten.
-
-
-§. 90.
-
-Die Schönen bedienen sich eben derjenigen Mittel, sich eine angenehme
-Zärtlichkeit der Haut zuwege zu bringen, welche im 46, 53 und 54sten
-Absatze angeführt worden sind. Ich halte es billig vor überflüßig,
-solche nochmals zu wiederholen.
-
-
-§. 91.
-
-Wenn aber die Frauenzimmer wider alle Vernunft dennoch so verwegen
-seyn, und mit Bedacht solche Dinge zum Gebrauche nehmen wollen,
-die man doch als höchst schädlich anzusehen hat, und die im 46 und
-55sten Absatze nachgesehen zu werden verdienen; so werden sie sich es
-auch nicht entgegen seyn lassen dürfen, wenn ihnen alle diejenigen
-Verdrießlichkeiten über den Hals kommen werden, welche im 88, 63, 55,
-49, 42, 38, 32, 28, 18, 12, und 5ten Absatze erzählt worden sind.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Das dritte Kapitel.
-
-Von dem Schaden, welcher sich äußert, wenn die Sommersprossen und
-Leberflecke des Halses mit äußerlichen und schädlichen Sachen
-vertrieben werden.
-
-
-§. 92.
-
-Was ich von den Sommersprossen des Angesichts im 56, 57, 58 und 59sten
-Absatze behauptet habe, das läßt sich auch auf die Sommersprossen,
-welche die Haut des Halses unscheinbar machen, anwenden. Ich habe
-im 60sten und 61sten Absatze eine vernünftige Heilungsart wider
-dieselbigen angeführt, und diese findet auch hier statt. Im Gegentheil
-aber habe ich auch im 62sten Absatze ein abergläubiges Mittel, und im
-46 und 54sten Absatze noch andere schädliche Dinge verworfen, welche
-sonst die Frauenzimmer, sich die Sommersprossen damit zu vertreiben,
-in Gewohnheit haben. Und endlich habe ich mir Mühe gegeben, im 91, 88,
-63, 55, 49, 48, 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten Absatze diejenigen
-Krankheiten darzuthun, welche von dem unzeitigen Gebrauche schädlicher
-Mittel zu entspringen pflegen.
-
-
-§. 93.
-
-Leberflecke nennt man diejenigen gelben, braunen, oder schwarzbraunen
-Flecke der Haut, so zuweilen eines Handtellers groß, zuweilen aber auch
-kleiner sind. Sie haben gemeiniglich eine Rauigkeit der Haut bey sich,
-welche wie Kleyen oder Schuppen abzufallen pflegt, ordentlicher Weise
-aber haben diese Flecke ihren Sitz am Halse, auf der Brust, und an den
-Händen, ja auch wohl andern Theilen des Körpers; endlich verursachen
-sie auch ein beschwerliches Grimmen und Jucken. Diese Leberflecke nun
-haben ebenfalls, wie Sommersprossen, ein verderbtes Geblüte zum Grunde,
-welches seine Unreinigkeit unter der Haut abzusetzen, durch die Haut
-schimmern zu lassen, und solche Flecke sichtbar zu machen pflegt.
-Doch haben diese Flecke die Art an sich, daß sie zuweilen von selbst
-vergehen, aber auch wiederkommen. Man hat wahrgenommen, daß sie bey
-denen gemeiniglich zum Vorschein zu kommen geneigt sind, die, wenn sie
-ihren Körper erhitzt haben, entweder sehr kalt zu trinken, oder sich
-der kalten Luft, um sich abzukühlen, auszusetzen gewohnt sind.
-
-
-§. 94.
-
-Diejenigen Schönheiten, welche solche Leberflecke ohne Nachtheil
-ihrer schätzbaren Gesundheit loß zu werden Verlangen tragen, werden
-sich mit gutem Erfolge, der im 60 und 61sten Absatze vorgeschlagenen
-Heilungsart bedienen können. Wenn sie aber lieber ihrem Eigensinne
-Folge leisten, und die im 46 und 54sten Absatze getadelten Hülfsmittel
-brauchen wollen, die werden freylich zur Strafe ihres Eigensinnes sich
-alle diejenigen Krankheiten, als ein Joch über ihren schwachen Hals
-werfen, die ich im 92, 88, 63, 55, 49, 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten
-Absatze angezogen habe.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Das vierte Kapitel.
-
-Von dem Unheil, welches daher zu kommen pflegt, wenn sich das
-Frauenzimmer durch unrechte Mittel die Kröpfe vertreiben läßt.
-
-
-§. 95.
-
-Die angenehmste Schönheit des Angesichts so wohl, als des Halses,
-ja der vollkommenste Körperbau wird einen großen Abgang seiner
-Anmuth leiden, wenn der schöne weiße und runde Hals von einem Kropfe
-unscheinbar gemacht worden ist. Sollte man es wohl den Schönen mit
-Rechte verdenken, wenn sie sich angelegen seyn lassen, sich von
-diesem Uebel, welches sie so sehr verstellt, frey zu machen? Ihre
-Absicht würde keines Tadels würdig seyn, wenn sie sich nur nicht
-ungeschickten Händen überließen, die ihnen allemal mehr Schaden, als
-Vortheil zu verschaffen pflegen. Denn ein vernünftiger Wundarzt wird
-sich wohl schwerlich unterstehen, seine Hand an einen Kropf zu legen,
-welcher schon zu einer ziemlichen Größe gelanget ist, weil er von den
-Kröpfen mit mir einerley Meynung und Glauben hat, daß nämlich ein
-gar zu groß gewachsener Kropf eine unheilbare Geschwulst sey. Es ist
-aber ein Kropf, nach meinem Begriffe, eine unschmerzhafte Geschwulst
-des auswendigen Halses, die ihren Ursprung von einer gewaltsamen
-Ausdehnung derjenigen Haut des Halses nimmt, welche die tyroideische
-Drüse umkleidet. Zuweilen sind diese Kröpfe klein, zuweilen aber zeigen
-sie eine ganz besondere Größe. Einige sind harte, andre weich. Ich
-habe Kröpfe gesehen, die sehr groß waren, so, daß sie denen, welche
-damit belästiget wurden, eine unangenehme und schwere Sprache, einen
-kurzen Athem, ja gar Ersteckflüsse verursachten, welches gar leichtlich
-geschehen kann, wenn die tyroideische Drüse, die bey nahe an den obern
-Knorpeln der Luftröhre liegt, so aufschwället und groß wird, daß sie
-die Luftröhre zusammendrückt, und auf diese Weise den Ausgang der Luft
-so wohl verhindert, als auch den Einfall derselben hemmet.
-
-
-§. 96.
-
-Ich habe schon im 88sten Absatze erweislich gemacht, daß die Kröpfe
-von der verhinderten Ausdünstung entstünden. Denn da diese die Säfte
-verderbet und dicke macht; so werden die Drüsen des Halses davon in
-eine Verstopfung gerathen, folglich werden sie wachsen, sich verhärten,
-und endlich die Haut ausdehnen, und diese Geschwulst sichtbar machen
-müssen. Ueberhaupt aber sind die Kröpfe gutartigen Verhärtungen
-nicht ungleich, wenn sie aber mehr zunehmen, so können sie auch
-nach und nach eine böse Art überkommen, daher sie denn auch öfters
-schmerzhaft werden, Entzündungen bekommen, und zum Krebse Anlaß geben.
-Leute, welche mit der Lustseuche behaftet sind, können gar leichte
-bösartige Kröpfe bekommen. Alles nun, was fähig genug ist, die Haut
-des Halses, welche die tyroideische Drüse umgiebet, auszudehnen, das
-muß auch vermögend seyn, Kröpfe zu erzeugen. Die Halshaut aber wird
-ausgedehnt, wenn man die Luft an sich hält, und den Kopf gewaltsam
-zurücke wirft, oder wenn man schwere Lasten öfters auf dem Kopfe zu
-tragen gewohnt ist. Alles was die Drüsen verstopfen kann, muß auch
-Gelegenheit zu Kröpfen geben. Dieses aber wird ein dickes, faules
-und schlammiges Wasser, wie ohngefähr das Schneewasser ist, welches
-darum faul und stinkend wird, weil es sehr lange, zumal auf hohen
-Bergen, ohne Bewegung gelegen hat, und eine sehr grobe Kost von Mehl
-und riechenden Fleische ganz gewiß zu bewerkstelligen im Stande seyn.
-Ich kann auch eine dicke, neblichte, und mit wäßrichten Dünsten stark
-angefüllte Luft mit gutem Gewissen nicht davon ausschließen. Es giebt
-Gegenden, wo diese Kröpfe ordentlicher Weise zu Hause sind, als wie
-in Spanien, Steyermark, Tyrol, Bayern, Franken, und Schwaben, und wie
-ich mir habe sagen lassen, so sollen die Frauenzimmer daselbst die
-Kröpfe vor eine ganz besondere Schönheit halten, ich will es glauben,
-denn vielmals macht die Mode einen Fehler schön. Ich habe an keinem
-Orte mehr kröpfichte Leute angetroffen, als in Sagan, und ich bin
-der völligen Meynung, daß diese vom Boberwasser herkommen, welches
-ich darum darzu geschickt halte, weil solches von dem Schneewasser,
-welches von den hohen Gebirgen herabfließt, und in den Bober fällt,
-schädlich gemacht wird. Die Aerzte daselbst mögen das Boberwasser
-noch für so gesund ausschreyen; so glaube ich es doch nicht, sondern
-ich halte es darum für schädlich und ungesund, weil die Einwohner
-daselbst sehr kropfreich sind. Ich lasse es mir auch nicht ausreden,
-daß diejenigen, welche das Boberwasser unüberlegt als gesund anpreisen,
-nicht Mangel an ihrer Wissenschaft und gar keine rechte Erkenntniß
-desjenigen Orts haben sollten, in dem sie wohnen, um welche sich doch
-die Aerzte, nach des Hipokrats Vorschrift vor allen Dingen zu bekümmern
-verbunden seyn sollten. Der Beweis, wodurch sie das Boberwasser von
-aller Schädlichkeit loszusprechen suchen, ist dieser: Sie sagen, der
-Bober entspringt an der böhmischen Gränze bey Schatzlar, auf einem
-hohen Berge, und hat auch darum einen sehr schnellen Lauf: das Wasser
-selbst sieht sehr helle und klar aus, und rollet auf einem schweren
-kiesichten und sandigten, nicht aber auf einem schlammigten und
-leimigten Boden daher: Da nun aber nicht nur das Bergwasser, sondern
-auch dasjenige Wasser der Gesundheit zuträglich ist, welches auf einem
-kiesigten Sande fließt, und noch darzu einen geschwinden Lauf hat, und
-eben darum nicht zur Fäulniß geneigt ist; das Boberwasser aber eine
-solche, und keine andere Beschaffenheit besitzt, folglich muß es ein
-gesundes Wasser seyn. Es ist wahr, ich muß es selber zugestehen, daß
-ein Bergwasser und ein solches, welches sehr schnelle läuft, einen
-kiesigten und sandigten Grund hat, und schöne krystallenklar ist,
-gesund seyn könne, wenn ihm nur anders keine fremde und schädliche
-Theile zugesellet werden. Allein da der Bober, von dem, auf den
-höchsten Bergen liegenden, und zur Sommerszeit geschmolzenen Schnee
-verderbet worden ist, so hilft alles nichts, wenn er auch gleich den
-Ursprung seines Wassers dem allerhöchsten Berge schuldig, das Wasser
-aber noch so krystallenartig wäre, und noch einen zehnmal schnellern
-Lauf hätte, als es gegenwärtig zu haben pflegt, ja wenn auch gleich
-das Boberwasser wirklich von dem, auf den Bergen geschmolzenem Schnee,
-schädlich und ungesund gemacht werde, beweist sein Aufschwällen im
-Sommer augenscheinlich, da es am trockensten, und heißesten ist. Denn
-zu der Zeit fängt der Schnee auf dem Gebirge an zu zerschmelzen, und
-den Bober am Wasser reicher, zugleich aber auch schädlicher zu machen.
-Aber wenn wird auch mehr, als im Sommer, da die Hitze sehr groß und
-schmachtend ist, getrunken? Wird man also nicht die Körper zu eben der
-Zeit mit weit mehrern Unreinigkeiten anfüllen? Ich läugne es nicht.
-
-
-§. 97.
-
-Man will mir die Versicherung geben, daß die Könige von Frankreich
-und England die besondere Kraft hätten, durch Auflegung ihrer hohen
-Hände, oder durch die Berührung mit ihren Händen die Kröpfe heilen zu
-können. Wer aber dieses glaubt, der glaubt mehr als ich. Ich habe nicht
-gehört, daß diese gekrönten Häupter die Gabe gesund zu machen mittelbar
-von den heiligen Ausgesanndten erhalten hätten. Denn meines Wissens
-wußte man dazumal nichts weder von einem Könige der Franzosen, noch
-von einem Könige der Britten. Wenn diese Könige wirklich die Kröpfe
-heilen könnten, so würden sich ganz gewiß die Tyroler, Steyermärker,
-Salzburger und andere mehr in ihre Kur begeben, um sich von dieser
-Beschwerde loß machen zu mögen. Einige wollen gar anrathen, daß man
-den Kropf mit einer Hand eines an der Abzehrung verstorbenen Menschens
-berühren lassen solle, und wiederum andere befinden vor gut, den
-Kropf mit einem Knochen eines solchen an der Auszehrung verstorbenen
-Menschens zu bestreichen. Doch alle beyde Mittel gründen sich auf einen
-bloßen Aberglauben. Ja man will noch mehr erzählen, und sogar sagen,
-daß einige, welche sich den Kropf, mit der Hand eines an der Abzehrung
-verstorbenen Menschens wirklich hätten berühren lassen, davon selbst in
-eine abzehrende Krankheit verfallen seyn sollten. Aber wenn dieses ja
-einmal geschehen ist, so muß gewiß derjenige schon selbst einen Fehler
-im Eingeweide gehabt haben, davon vielleicht diese Krankheit entstanden
-seyn mag. Denn da die Kröpfe von verdorbenen Säften ihren Ursprung
-nehmen, so wird es auch gar wohl möglich seyn können, daß davon andre
-Theile ebenfalls eine böse Beschaffenheit bekommen können. Doch wenn
-dieses in der Wahrheit seinen Grund hätte; so würden auch sonst diese
-Fälle öfterer vorfallen müssen, und so würden auch alle diejenigen,
-welche sich mit einem solchen Menschen beschäftigen, und ihn angreifen,
-wie nämlich die todten Weiber und Aerzte, welche vielmals solche
-Körper zergliedern, in eine Abzehrung verfallen müssen. So viel aber
-muß ich versichern, daß durch alle diese Mittel in Ewigkeit kein Kropf
-vertrieben werden könne, auch nach meinem Glauben niemals einer geheilt
-worden sey.
-
-
-§. 98.
-
-Viele haben das Herz, und wagen es, sich den Kropf mit einer Salbe
-bestreichen zu lassen, welche aus Quecksilber, venetianischen Terebinth
-und Schweinsfette verfertiget worden ist. Andere aber lassen ein
-bleyernes Halsband, welches mit lebendigem Quecksilber bestrichen
-werden muß, um den Hals tragen, und bilden sich ein, den Kropf damit
-weg bringen zu können: Aber sie betrügen sich in ihrer Meynung, und
-erlangen ihre Absicht dennoch nicht, ja sie richten damit vieles Unheil
-an, indem sie dadurch einen Speichelfluß erregen, welcher sie in nicht
-geringe Gefahr zu versetzen fähig ist. Diejenigen aber, welche den
-Kropf gar durch ätzende und beizende Sachen, zu vertreiben, sich in
-Sinn kommen lassen, machen es noch ärger, und verrathen offenbar ihren
-Unverstand. Denn es ist natürlich, daß durch diese Heilungsart große
-Adern und Nerven angefressen, der Kropf aber in einen Krebs verwandelt
-werden müsse, worauf allemal gewiß der Tod erfolgen wird. Man rühmt
-gemeiniglich den Schwammstein als ein untrügliches Hülfsmittel wider
-den Kropf. Allein man hat befunden, daß die Leute nach dessen Gebrauche
-sehr elende geworden sind, so, daß man alle Noth gehabt hat, solchen
-wieder zu ihrer verlohrnen Gesundheit zu verhelfen. Zurücktreibende
-Mittel verhärten nicht nur die Kröpfe noch mehr, und machen solche
-bösartig, sondern sie erzeugen auch alle diejenigen Mühseligkeiten,
-deren im 94sten Absatze gedacht worden ist. Diejenigen aber werden
-ihre Absicht weit glüklicher erreichen, welche sich bey anfangenden
-Kröpfen solcher Mittel bedienen, die ihre Wirkung durch Vertheilen zu
-beweisen geschickt sind, und die Fähigkeit besitzen, das Blut von aller
-Unsauberkeit zu reinigen, und die Dickheit desselbigen zu verdünnen.
-Einem alten Kropfe aber ist keine andere Hülfe, als der Schnitt,
-nur muß man sorgfältig darauf Achtung geben, daß der Kropf, welcher
-geschnitten werden soll, von guter Art sey, nicht aber eine üble
-Beschaffenheit habe, weil sonst nur die Gefahr vergrößert werden würde.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-Das fünfte Kapitel.
-
-Von den Ueblen Umständen, welche von der Weißmachung des Halses
-abstammen.
-
-
-§. 99.
-
-Niemand wird einen gelben oder braunen und schwarzen Hals vor eine
-Schönheit halten, auch so gar pflegen dieses die Frauenzimmer selbst
-nicht zu thun, ohnerachtet sie doch sonst gewohnt sind, ihre eigenen
-Fehler vor schön auszugeben. Sie sind, wie mein Geschlechte, einem
-mißfärbigen Halse gram, und eben aus dieser Ursache bemühen sie sich,
-an sich diesen Fehler zu verbessern, um sich keines Vorwurfs würdig
-machen zu wollen. Sie sind in ihrer Erfindung, ihren Gedanken nach
-nicht die unglücklichsten gewesen, zumal, da sie die Kunst, ihren
-gelben Hals mit einem weißen Anstriche so meisterlich zu verdecken
-gelernt haben, daß man sich selbst beynahe überreden lassen sollte,
-diese angenehmen Schönheiten wären allesamt in Cypern gebohren worden.
-Doch wenn es mir erlaubt ist, die rechte Wahrheit sagen zu dürfen, so
-kommen mir solche weißgefärbte Frauenspersonen eben so, wie die Pferde
-vor, welchen die Roßhändler eine andere Farbe zu geben pflegen, damit
-sie solche ihres Vortheils wegen desto theurer verkaufen möchten: Und
-aus einer gleichmäßigen Absicht färben die Weibsbilder ihre gelben
-Hälse weiß, damit sie sich an einem oder auch nach mancher Neigung auch
-an mehrere Liebhaber glücklich verkaufen könnten.
-
-
-§. 100.
-
-Die gelben Hälse aber pflegen die Frauenzimmer mit Puder, sehr zart
-zu Pulver gemachten Bleyweiße, oder mit ~Magisterio Talci~
-weiß anzustreichen, um ihren Hälsen besondre Annehmlichkeit zuwege
-zu bringen. Einige nehmen auch diejenigen Mittel zur Hand, die ich
-schon im 45sten und 46sten Absatze angeführt habe. Aber es ist auch
-eine überaus schlechte Belohnung, welche sie vor ihre Bemühung, sich
-nämlich einen weißen Hals zu verschaffen, bekommen. Denn sie ziehen
-sich dadurch alle diejenigen Krankheiten über den Hals, die von mir im
-98, 94, 92, 88, 63, 55, 49, 42, 38, 32, 28, 17, 12, und 5ten Absatze
-erwehnt worden sind. Und so hätte ich denn, mit andern Gelehrten,
-den Kopf sowohl als den Hals schöne genug bemahlt, und abgeputzt,
-ohne daß ich bey den Stücken die geringste Krankheit aufgebürdet
-habe. Die Schönen würden mir das größte Unrecht von der Welt anthun,
-wenn sie sich gegen mich so unbarmherzig aufführen, und mich als
-einen Mörder ausschreyen wollten. Ob es aber auch nicht einige, nach
-ihrem schlechten angebohrnen Verstande thun dürften, dafür mag ich
-eben nicht Bürge seyn. Ich habe es mehr als einmal erlebt, daß man
-Personen aus einer bloßen gehäßigen Leidenschaft Gewalt angethan und
-ihnen mit einer erdachten und harten Beschuldigung, die ihnen nicht
-einmal in den Sinn gekommen war, zur Last gefallen ist. In Wahrheit,
-zu diesem Unglücke kann man eben so unvermuthet, wie jene Jungfer
-zu einem Kinde kommen. Gebt nur eingebildeten Gelehrten, und sich
-selbst weisedünkenden Herren, ob sie schon mehr Wahnwitz als Weisheit
-besitzen, nicht diejenige Ehre, der sie sich in ihren Köpfen, würdig
-zu seyn, glauben, so gleich werden sie an euch Gelegenheit suchen,
-euch mit einer Beschuldigung, davon ihr selbst nicht einmal wisset, zu
-beschweren, und es euch eben so nahe zubringen suchen, daß es euch,
-wenn ihr anders Empfindung habt, wehe thun muß. Und eben so machte es
-jenes Ordensglied, welches gegen seine Freunde mehr Schalkhaftigkeit
-als Freundschaft besaß, ob es schon immer sein rechtschafnes Gemüthe
-und seine Aufrichtigkeit in allen Gesellschaften, zumal wenn es von
-Weine beredter als Bäv gemacht wurde, recht meisterlich zu rühmen
-wußte, an dem aber gleichwohl, wie an einem stinkenden und faulen
-Fische, kein guter Bissen war, und eben darum seine vorige Gesellschaft
-zu verlassen genöthiget ward, weil man gar zu deutlich aus seinen
-Gesichtszügen sowohl, als aus seiner Aufführung schließen konnte,
-daß er sich besser zu einem Theaternarren, als zu einem Geistlichen
-schicken würde, ohnerachtet es das tolle Glück endlich noch zu allem
-Unglück zu einem mitlautenden Buchstaben, um die Zahl im ABC vollmachen
-zu helfen, gemacht hatte. Hier wußte es sich erst rechte Ehre zu geben,
-so, daß es endlich für Hochmuth und Einbildung in eine Krankheit, die
-von den Aerzten die Milzsucht genannt wurde, zu verfallen so unglüklich
-wurde. In diesem Zustande wuchs des Mannes Eigenliebe dergestalt,
-daß er in eine wirkliche Raserey verfiel, in der er vorgab, daß alle
-Gelehrsamkeit mit ihm ihre Endschaft erlangen würde, so bald er nur
-mit Tode abgehen würde. Der Himmel lasse doch diese Prophezeyhung
-immer mehr erfüllt werden! Doch ich will itzo sogleich, ohne daß ich
-mehr Worte verschwende, für die ich vielleicht wohl gar noch einigen
-Uebelgesinneten Rechenschaft zu geben, angehalten werden möchte,
-den Beschluß meines ersten Buches, von den Krankheiten des schönen
-Geschlechts, welche überhaupt dem Putze der Haare, des Angesichts und
-des Halses, ihr Daseyn schuldig sind, hiermit bestimmen; und kurz, hier
-ist das
-
- E N D E.
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Satyrische Abhandlung von den
-Krankheiten der Frauenspersonen, welche sie sich durch ihren Putz und Anzug zuziehen, by Christian Tobias Ephraim Reinhard
-
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-the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
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-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
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-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
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- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
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-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
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-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
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-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
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-
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-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
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