summaryrefslogtreecommitdiff
path: root/old/52016-8.txt
diff options
context:
space:
mode:
Diffstat (limited to 'old/52016-8.txt')
-rw-r--r--old/52016-8.txt2670
1 files changed, 0 insertions, 2670 deletions
diff --git a/old/52016-8.txt b/old/52016-8.txt
deleted file mode 100644
index 09d9c0b..0000000
--- a/old/52016-8.txt
+++ /dev/null
@@ -1,2670 +0,0 @@
-The Project Gutenberg EBook of Ein Tag / Ivar Bye, by Bjørnstjerne Bjørnson
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-
-
-Title: Ein Tag / Ivar Bye
- Zwei Erzählungen
-
-Author: Bjørnstjerne Bjørnson
-
-Translator: Maria von Borch
- G. I. Klett
-
-Release Date: May 7, 2016 [EBook #52016]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN TAG / IVAR BYE ***
-
-
-
-
-Produced by Norbert H. Langkau, Jens Sadowski, and the
-Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-
-
-
-
- Kleine Bibliothek Langen Band 58
-
- Björnstjerne Björnson
-
-
-
-
- Ein Tag
- Ivar Bye
-
-
- Zwei Erzählungen
-
- Einzige berechtigte Übersetzung aus dem Norwegischen
- von
- Maria von Borch und G. I. Klett
-
- Albert Langen
- Verlag für Litteratur und Kunst
- München 1903
-
-
-
-
- Inhalt
-
-
- Seite
- Ein Tag 9
- Ivar Bye 95
-
-
-
-
- Ein Tag
-
-
- Deutsch von Maria von Borch
-
-
- I
-
-Man nannte Ella gewöhnlich »die mit dem Zopf«. Aber wie dick der Zopf
-auch war, -- hätte ihn eine getragen, die minder hübsch, minder
-freundlich und unbefangen gewesen, so würde kaum jemand ihn bemerkt
-haben; das muntere Leben, das er da hinten für sich allein lebte, wäre
-dann mit Schweigen übergangen worden. Und das, trotzdem er der dickste
-Zopf war, den irgend jemand dort in der kleinen Stadt je getragen hatte.
-Vielleicht nahm er sich auch stärker aus, als er war, weil Ella selbst
-klein war. Wie weit er hinunter reichte, kann man nicht gut sagen; er
-reichte ein gutes Stück bis unter die Taille, ein _sehr_ gutes Stück
-sogar. Seine Farbe war unbestimmt, und folglich auch unnennbar. Sie fiel
-ein wenig ins Rötliche; aber dort in der Stadt pflegte man zu sagen, er
-sei blond, und dabei können wir ja bleiben, da wir die Mittelfarben
-nicht besonders zu bezeichnen pflegen. Das Gesicht zeichnete sich durch
-seine weiße Haut aus, war hübsch geformt mit geraden Zügen von der Stirn
-bis zum Kinn, hatte einen kurzen, aber vollen Mund und selten
-unbefangene Augen. Sie hatte bei ihrer Kleinheit eine starke Figur, aber
-etwas zu kurze Beine; um so schnell vorwärts zu kommen, wie sie ihrer
-Natur nach mußte, hatte sie sich einen raschen Trab angewöhnen müssen.
-Dies Rasche hatte sie übrigens bei allem, was sie vornahm, und daher
-hatte der Zopf es auch wohl eiliger, als Zöpfe es gewöhnlich haben.
-
-Ihre Mutter war die Witwe eines Beamten, hatte ein kleines Vermögen
-neben ihrer Pension und wohnte in ihrem eigenen kleinen Hause, dem Hotel
-gegenüber, gleich am Marktplatz der Stadt. Sie war eine von den Stillen;
-der Mann war ihre Bestimmung, ihr Stolz, ihr Licht gewesen. Als sie ihn
-verlor, wich der Lebensmut von ihr; sie kroch in religiösen Grübeleien
-in sich zusammen. Da sie aber nicht herrschsüchtig war, ließ sie ihr
-einziges Kind der eigenen Natur folgen, welche der des Vaters glich. Die
-Mutter verkehrte mit niemandem, als mit einer älteren Schwester, die auf
-einem großen Gute, ein Stück von der Stadt entfernt, ansässig war; aber
-Ella durfte Gefährtinnen von der Schule, von Bootfahrten, vom
-Schlittschuhlaufen, Skifahren, ins Haus bringen; diese blieben übrigens
-beständig dieselben. Ihrer Wahl haftete eine angeborene Vorsicht an,
-ihre Lebhaftigkeit wurde durch den Umgang mit der Mutter und die Stille
-des Hauses gedämpft. Es lag also in ihr, daß sie munter und leicht, ohne
-Lärmen, war -- ziemlich unbefangen, aber mit Herrschaft über sich, und
-daher achtsam.
-
-Um so wunderlicher war das, was ihr passierte, als sie im Heranwachsen
-war, so ungefähr vierzehn, fünfzehn Jahre alt. Sie begleitete ein paar
-Freundinnen in ein Konzert, das der Gesangverein der Stadt und ein paar
-Dilettanten zu Weihnachten für die Armen gaben. In diesem Konzert sang
-Axel Aarö »Schlaf in Ruh!« von Möhring. Wie allgemein bekannt, leitet
-ein gedämpfter Männerchor den Gesang ein; er breitet Mondenschein vor
-ihm aus, und immer mehr Mondenschein, und darin kam Aarö's Stimme mit
-langen Ruderschlägen daher. Die Stimme war ein voller, runder
-Baßbaryton, an dem die Leute großes Behagen fanden. Ohne Riß und ohne
-Fehl, hätte man ihn gerade wie eine Schnur von dort nach Wien spannen
-können. Aber Ella hörte aus dieser gleichmäßigen Stimme noch eine zweite
-heraus, einen Nebenklang von Schwäche oder Schmerz, und sie meinte, alle
-müßten ihn hören. Eine Bewegung im innersten Innern, eine rührende
-Vertraulichkeit, die sie ums Herz faßte und sagte: »Trauer! O Trauer ist
-das Los meines Lebens! Ich kann nicht dafür, ich bin verloren!« Ehe sie
-sich's versah, war sie nahe am Weinen. Etwas Eindringlicheres als diese
-Stimme war ihr noch nicht vorgekommen. Von Ton zu Ton stieg es: sie
-verlor die Macht über sich und merkte es nicht. Er stand dort so
-hochgewachsen, schlank, der blonde, weiche Bart fiel auf die Brust
-herab; der Kopf war klein mit großen, schwermütigen Augen, Geschwistern
-der Stimme; auch auf dem Grunde der Augen lag etwas, das sagte: »Trauer,
-Trauer!« Diese Schwermut in den Augen hatte sie vorher schon gesehen,
-hatte aber nicht gewußt, was sie sah, bis jetzt, wo sie die Stimme
-hörte. Und die Thränen wollten heraus. Sie durften nicht. Sie sah sich
-um; sonst weinte niemand; sie preßte die Zähne zusammen, drückte die
-Arme an den Körper und die Kniee zusammen, so daß es schmerzte, ja, sie
-bebte. Weshalb in aller Welt mußte dies gerade ihr und keinem andern
-geschehen? Sie drückte das Taschentuch an den Mund und jagte ihre
-Gedanken hinaus bis an die äußerste Scheereninsel, wo sie den Leuchtturm
-hatte aufleuchten und wieder verlöschen und die See jedesmal voll
-Gespenster gesehen hatte. Aber nein! Sie kehrten wieder zurück zu ihr,
-dort wollten sie nicht bleiben. Das Taschentuch, die Hände, warnende
-Augen vermochten das erste Schluchzen nicht aufzuhalten, das
-hervorbrach! Vor den entsetzten Augen aller stand sie auf, kam schnell
-und behende hinaus und ließ sich dort gehen. Niemand folgte ihr, niemand
-wagte, sich zu ihr zu bekennen.
-
-Du, der du dies liest, begreifst du, wie entsetzlich es war? Warst du
-einmal in solch einem -- beinahe hätte ich geschrieben, »stillen«
-Konzert in einer norwegischen Küstenstadt von halb pietistischer Zucht?
-Männer sind beinahe keine da; entweder liegt die Musik den Männern in
-den Küstenstädten nicht, oder sie sind hier im Klub in einem andern Raum
--- am Billard, am Kartentisch, in der Restauration, bei Punsch und
-Zeitungen. Einige von ihnen sind einen Augenblick heraufgekommen und
-stehen hinten an der Thür; stehen wie Leute, die zum Hause gehören und
-sich die Gäste ein wenig ansehen wollen. Oder es sitzt wirklich hie und
-da eine Mannsperson auf der Bank, und ist zwischen die buntscheckige
-Unterrocks-Rinde eingeklemmt wie ein abgebrochener Zweig; oder es sind
-ein paar Exemplare an der Wand entlang festgeklebt wie vergessene
-Paletots.
-
-Nein, was sich zum Konzert einstellt, das sind die Harems der Stadt. Die
-älteren Einwohnerinnen der Harems, um unter holdem Text und beweglicher
-Musik noch einmal wieder zu träumen, was sie einst selbst zu sein
-geglaubt, und was sie damals glaubten, daß ihrer harrte. Dort oben kennt
-man sie eigentlich besser, als hier unten; wenn auch ein bißchen
-Küchengeruch, ein wenig Hauslärm in die Träume hineinschlägt -- das
-stört nicht.
-
-Die jüngeren Bewohnerinnen des Harems träumen, daß sie so sind, wie die
-älteren gewesen zu sein glauben und daß _sie_ sicher ein wenig von dem
-erreichen werden, was die älteren nicht erreichten. _Sie_ wissen gut
-Bescheid über das Leben. In _einem_ gleichen sich beide Alter, sie sind
-von praktischer Abstammung in kleinen Verhältnissen; sie trauen sich
-nicht zu weit fort. Sie sind so vollkommen darüber im Reinen, daß das
-Leuchten, welches aus dem Text und den Tönen größerer Geister auf sie
-herabfällt, nicht vollständig Ernst ist, sondern ein bißchen »von allem
-möglichen«.
-
-Wenn daher eine einzelne es allzu ernst nimmt und anfängt zu flennen --
-du lieber Gott, im frivolen Leben nennt man es Albernheit, im
-öffentlichen heißt es, sich bloßstellen.
-
-Ella hatte sich bloßgestellt.
-
-Ihr eigener Schrecken kannte kaum irgendwelche Grenzen. Von allen
-Mädchen, mit denen sie verkehrte, war sie diejenige, der die Tränen am
-schwersten kamen, davon war sie überzeugt. Sie fürchtete es wohl so gut
-wie irgend eine, daß man sie ansah und besprach. Was in aller Welt war
-daher dies? Sie liebte Musik, sie spielte Klavier; aber für besonders
-musikalisch begabt hielt sie sich nicht. Weshalb mußte denn gerade sie
-so seltsam von einem Gesang gepackt werden?
-
-Was mußte er von dem halberwachsenen Mädel denken? Dies letztere quälte
-sie am meisten. Hierüber wagte sie sich zu keiner lebenden Seele
-auszusprechen. Das Erstaunen der meisten begnügte sich damit, daß sie
-krank gewesen sei; sie blieb eine Zeitlang nachher auch zu Hause und war
-bleich, als sie wieder ausging. Die Freundinnen neckten sie, aber sie
-ließ es unbeachtet.
-
-In diesem Winter wurden mehrere Kinderbälle abgehalten. Der vierte in
-der Reihe war bei »Arnesens an der Ecke«, und Ella war auch dort. Der
-Ball war bis zum Ende der zweiten Française gekommen, als sie flüstern
-hörte: »Axel Aarö! Axel Aarö!« Und da stand er in der Thür mit drei
-andern jungen Herren hinter sich. Die Hausfrau war seine ältere
-Schwester. Die vier jungen Herren kamen von einer Spielgesellschaft; sie
-wollten zusehen.
-
-Ella fühlte, daß sie wie mit Glut übergossen war; zugleich fühlte sie
-eine Schwäche in den Knieen, als wollten sie zusammenknicken. Sie
-begriff es nicht recht, fühlte aber große Augen auf sich gerichtet. Sie
-war ganz in eine Falte ihres Kleides vertieft, die nicht in derselben
-Linie fiel wie die anderen, da stand er vor ihr und sagte: »Sie haben
-doch einen herrlichen Zopf.« Die Stimme überschüttete diesen gleichsam
-mit Goldstaub. Er hob die Hand, als wolle er ihn berühren, statt dessen
-aber führte er sie an seinen Bart. Als er ihre tiefe Verlegenheit
-bemerkte, wollte er nicht länger stehen bleiben und wandte sich ab.
-
-Später fühlte sie seine Blicke noch mehreremal; aber er kam nicht mehr
-zu ihr. Die andern Herren nahmen teil am Tanz, Aarö tanzte nie. Er hatte
-etwas im Wesen an sich, das in seiner Weise das Angenehmste war, was sie
-kannte. Eine zurückhaltende Vornehmheit, ein Stil im Auftreten, eine
-rücksichtsvolle, langsam zögernde Art, wohl auch die einzige Art, die
-sie verstanden haben würde. Sein Gang machte den Eindruck, als halte er
-die Hälfte seiner Kraft zurück, und so war es in allem. Er war
-hochgewachsen; der kleine, etwas schmale Kopf saß auf einem ziemlich
-hohen Hals, die Schultern waren nicht breit; aber bis jetzt hatte sie
-nie die Weise beachtet, wie er Kopf und Oberkörper drehte, noch hatte
-sie gewußt, daß etwas beinahe Musikalisches darin liegen könne.
-
-Was hiernach geschah, und das Zimmer, in dem es geschah, alles floß
-zusammen in Licht. Aber mit einem Mal war es nicht mehr so. Gleich
-darauf hörte sie auch: »Wo ist Axel Aarö? ist er fortgegangen?«
-
-Er war in diesem Winter nicht lange zu Hause. Er war zwei Jahre in Havre
-gewesen und kam gerade von dort; nun wollte er auf zwei Jahre nach Hull.
-
-Bis jetzt war die Musik eine liebe Beschäftigung für Ella gewesen;
-besonders hatte sie Harmonieen geliebt und sie gesucht. Jetzt gab sie
-sich den Melodieen hin. Sie hatte dem Klange gelauscht und sich darin
-versucht. Jetzt wurde die Musik zur Sprache. Sie selbst sprach darin,
-oder jemand sprach zu ihr.
-
-Außer all den Leuten, die in einer Gesellschaft waren, war von jetzt ab
-immer _noch_ einer da. Nie mehr allein, nicht auf der Straße, nicht zu
-Hause. Und der Zopf war das heilige Zeichen geworden.
-
-Im Frühling begegnete Frau Holmbo ihr auf der Straße. Ella kam mit
-ihrem Psalmbuch in der Hand vom Prediger. »Gehen Sie zum
-Konfirmationsunterricht?« -- »Ja.« -- »Ich habe einen Gruß für Sie.
-Können Sie raten, von wem?« -- Nun war Frau Holmbo eine Freundin von
-Axel Aarö's Schwester und beständig mit der Familie zusammen. Ella wurde
-rot und konnte nicht antworten. »Ich sehe schon, Sie wissen, von wem,«
-sagte Frau Holmbo, und noch roter wurde Ella. Mit einem Lächeln, das
-ziemlich überlegen war -- und davon hatte die schönste Dame der Stadt im
-Überfluß -- sagte sie: »Axel Aarö schreibt nicht gern. Jetzt bekamen wir
-den ersten Brief nach seiner Abreise. Aber darin schrieb er, wenn wir
-»die mit dem Zopf« sähen, sollten wir sie von ihm grüßen. Sie hat bei
-Möhrings Lied geweint; das hättet ihr andern auch tun können, schreibt
-er.«
-
-Die Tränen kamen Ella in die Augen. »Na, na,« tröstete Frau Holmbo,
-»dabei ist doch nichts Böses.«
-
-
- II
-
-Zwei Jahre später, im Winter, kam Ella mit ihren Schlittschuhen in der
-Hand hurtig vom Eise herauf. Sie hatte zum erstenmal die neue
-anschließende Jacke an; es war wirklich hauptsächlich diese, die sie
-hinaus getrieben hatte. Der Zopf kam munter unter der grauen Mütze
-hervor, er war dicker und länger denn je; es ging ihm vortrefflich.
-
-Sie machte wie immer einen Umweg bei »Andresens an der Ecke« vorbei; das
-Haus zu sehen genügte ihr.
-
-Und gerade, als ihr Auge auf das Haus fiel, stand Axel Aarö in der Tür.
-Er kam langsam die Treppe herunter; er war wieder zu Hause! Der blonde
-Bart fiel zierlich auf das schwarze Pelzwerk, die Pelzmütze bedeckte die
-kurze Stirn ganz und gar, so daß sie die Augen einrahmte, die großen
-anziehenden Augen.
-
-Sie sahen sich an, sie mußten aufeinander zu, an einander vorübergehen;
-er lächelte, indem er an die schwarze Pelzmütze griff, und sie -- blieb
-stehen und knixte wie ein Schulmädchen im kurzen Kleidchen!
-
-Seit zwei Jahren war sie nicht stehen geblieben, hatte nicht anders, als
-mit dem Kopfe gegrüßt, ja, wie jede erwachsene Dame; wer klein ist, hält
-mehr als andere auf dieses Vorrecht. Aber vor ihm, vor dem sie am
-liebsten erwachsen sein wollte, vor ihm blieb sie stehen und knixte, wie
-damals, als er sie zuletzt gesehen! Noch von diesem Unglück verwirrt,
-stürzte sie in ein zweites hinein. Sie sagte sich: »Sieh dich nicht um!
-Halt dich stramm, sieh dich nicht um, hörst du!« -- Aber an der Ecke,
-als sie gerade umbiegen mußte, kehrte sie sich doch um -- und sah ihn
-dasselbe tun! Von diesem Augenblick an gab es keine Menschen, keine
-Häuser, nicht Zeit, nicht Ort mehr. Sie wußte nicht, wie sie sich nach
-Hause fand, oder weshalb sie auf ihrem Bette lag, das Gesicht ins Kissen
-vergrub und weinte.
-
-Vierzehn Tage darauf große Jugend-Gesellschaft im Klub. Axel Aarö zu
-Ehren. Alle wollten dabei sein, alle wollten ihren beliebten Kameraden
-zu Hause willkommen heißen. Von Hull hatten sie auch gehört, wie
-unentbehrlich er nach und nach dort drüben in der Gesellschaft geworden
-war. Wenn seine Stimme größeren Umfang gehabt hätte, -- sie umfaßte
-nämlich nicht viele Töne -- so wäre er jetzt an »^Her Majesty's
-Theatre^«. So wurde erzählt. Auf dem Balle sollte der Gesangverein --
-sein alter Gesangverein wieder mit ihm zusammen singen.
-
-Ella war mit dabei! Sie kam zu früh, -- vor ihr waren nur vier da. Sie
-fror vor Erwartung in den leeren Zimmern und halb offenen Gängen, meist
-aber im Saal, in dem sie sich einst »bloßgestellt« hatte! Sie trug ein
-rotes Ballkleid ohne irgend welchen Schmuck, ohne Blume; die Mutter
-wünschte es so. Sie fürchtete, sich verraten zu haben, indem sie so früh
-kam; sie hielt sich allein in einem Nebenzimmer auf und kroch nicht eher
-hervor, als bis mehr Licht angezündet war und Duft und Geplauder und das
-Stimmen der Instrumente dazu einlud. Mit den Bällen jetzt und früher ist
-es _der_ Unterschied, daß es jetzt sofort lebhaft zugeht; das hat der
-Sport bewirkt; er hat größere Vertraulichkeit zwischen den Geschlechtern
-geschaffen. Klein, wie Ella war, verschwand sie in der Menge und sah
-Axel Aarö nicht eher, als bis sie mehrere flüstern hörte: »Da ist er!«
-und jemand hinzufügte: »Er kommt hierher zu uns!« Frau Holmbo war es,
-die er suchte und begrüßte; aber dicht hinter dieser stand Ella. Als sie
-sich entdeckt sah, wurde die Knospe noch roter als die Deckblätter.
-Sofort verließ er Frau Holmbo. »Guten Abend!« sagte er ganz leise und
-streckte die Hand aus, die sie annahm ohne aufzusehen. »Guten Abend!«
-sagte er noch einmal, noch leiser und noch näher. Sie spürte einen
-leichten Druck und mußte aufblicken; es geschah mit einer schüchternen
-Botschaft von Treuherzigkeit und Angst, die hastete an allen vorüber,
-erklärte nichts und gab niemandem Ärgernis. Er sah auf sie hinab und
-strich sich den Bart dabei; aber ob er nun nichts zu sagen hatte (er war
-ja wortkarg) oder ob er nicht sagen konnte, was er wollte, -- alle
-schwiegen mit ihm. Mit der ihm eigenen milden Art wandte er sich und
-ging, wurde von Kameraden aufgefangen, und später sah sie ihn nur dann
-und wann in der Ferne; er tanzte nicht.
-
-Sie aber tanzte; alle waren sich einig darüber, daß sie »süß« sei (das
-wurde mit Respekt gesagt), und dann lag an diesem Abend ein lieblicher
-Hauch von Freude auf ihr. Wo Axel Aarö auch im Saal stand, sie fühlte
-ihn und empfand einen stillen Jubel, an ihm vorüber schweben zu können.
-Seine Augen begegneten den ihren und folgten ihr; seine Nähe machte, daß
-sie alle und alles strahlend fand.
-
-An den Türrahmen gelehnt, sah man einen großen, starken Mann
-»Aufsichtskomitee« bilden. Er mochte zwischen dreißig und vierzig Jahren
-sein, letzterem näher; ein sturmfestes Gesicht, breitgeschnitten, aber
-kühn; schwarzes Haar, braungrüne Augen, die Gestalt eines Riesen.
-Jedermann im Saal kannte ihn, Hjalmar Olsen, den mutigen Führer des
-größten Dampfschiffes im Lande. Er musterte alle, die vorbeitanzten,
-fand aber, daß der Kleinen im roten Kleide der Preis gebühre; sie
-anzusehen bereitete am meisten Vergnügen. Einesteils war sie
-außerordentlich hübsch und dann sprang ihre unbefangene Glückseligkeit
-auf ihn selbst über. Als Axel Aarö ihm näher kam, bekam Hjalmar Olsen
-jedesmal auch ein klein wenig von der Verliebtheit ab, die ihr aus den
-Augen strahlte. Sie tanzte jeden einzigen Tanz. Hjalmar Olsen war groß
-genug, um durch den ganzen Saal einen Schimmer von ihr zu erhaschen.
-Auch sie bemerkte ihn; bald wurde er zum Leuchtturm in ihrem Fahrwasser.
-Aber ein Leuchtturm, der Herz für die Schiffe hatte, -- so fühlte er
-beispielsweise jetzt, daß sie dort an Peter Klaussons Weste in Gefahr
-sei. Er kannte Peter Klausson.
-
-Ihre winzig kleinen Füße trippelten Walzer, ihr Zopf hüpfte Polka, die
-Füße dreiviertel Takt, der Zopf vierviertel. Aber Peter Klausson drückte
-sie zu fest an die Weste!
-
-Darum suchte er sie gleich auf, als der Walzer zu Ende war; aber es war
-nicht so leicht, sich einen Tanz zu erhandeln; erst der nächste Walzer
-war frei, und den bekam er. Im selben Augenblick, als dies abgemacht
-war, strömten alle nach der Tribüne; der Gesangverein zeigte sich da
-oben. Sie war hilflos klein, die Ella, wenn alle drauf los stürmten und
-sich zusammen packten; Hjalmar Olsen, der ihre unglücklichen Versuche,
-ein Guckloch zu erhaschen, sah, erbot sich, sie auf die Bank zu heben,
-die an der Wand entlang lief, an der sie standen. Sie wagte es nicht;
-aber im selben Augenblick sah er andere hinauf klettern, und eh sie's
-noch hindern konnte, war sie selbst oben. Gerade da trat Axel Aarö
-zwischen seine Kameraden und wurde mit dem lebhaftesten Händeklatschen
-von allen anwesenden Freunden, Männern und Frauen begrüßt. Er verbeugte
-sich ehrerbietig und zurückhaltend; aber die Willkommgrüße wollten kein
-Ende nehmen, bevor die Kameraden sich nicht ein wenig zurückzogen und er
-ganz vortrat. Zuerst stimmte der Verein eins von den ältesten Liedern
-an; Aarö sang seine Stimme zwischen all den andern, was allgemein
-gefiel. Darauf trat der Dirigent an das Klavier, um ein Lied zu
-begleiten, das Aarö allein singen wollte. Das Lied war von Selmer und in
-der Hauptstadt schon in der Mode; es wurde von Männern wie von Frauen
-gesungen, das »sie« der letzten Strophe wurde nur in »er« umgeändert.
-Hier war es noch nie gehört worden.
-
-Schon während der Verein sang, hatte Aarö im Saal umhergespäht, und von
-dem Augenblick an, wo er dort hin geblickt, wo Ella stand, hatte er kein
-Auge von da verwandt. Jetzt stellte er sich an jene Seite des Klaviers
-und während des Singens blickte er unverwandt dorthin. Je nachdem er
-hineinkam, wurden seine schwermütigen Augen durchleuchtet, seine Gestalt
-wurde plastisch.
-
- Ich sing' nur für die einzige,
- Wenn And're auch mein Lied erfreut,
- So ist es doch die einzige,
- Der ich es hab' geweiht.
- Ihr, die Ihr lauschet, stärkt den Klang;
- Denn wär' nicht jene einzige,
- Die machte, daß mein Lied gelang, --
- Ihr hörtet keinen Sang.
-
- Jeg synger for een eneste,
- om ogsaa alle hörer paa,
- og bare denne eneste
- kan Sangen helt forstaa.
- Men I, som höhrer, styrk dens Klang;
- for var ej denne eneste,
- som vakte nu min Tonetrang,
- da fick I ingen Sang.
-
- Der Weg ist nicht der kürzeste,
- Er schlinget sich durch Alle hier,
- Jedoch er ist der einzige,
- Der führet hin zu ihr!
- Ihr Guten, höret, stärkt das Wort,
- Damit es werd das einzige,
- Das in der Brust ihr tönet fort,
- Ein lieblicher Akkord!
-
- Er Vejen ej den beneste,
- forgrenet gjennem alle her,
- so er den dog den eneste,
- som kommer ganske naer.
- Aa, gode Hjerter, styrk hvert Ord;
- so de maa bli de eneste
- I hele Kjaerlighedens Kor,
- som hun af Hjaertet tror.
-
-Seine Stimme war berückend; eine solche Liebesbotschaft hatte noch
-keiner je gehört. Jetzt waren außer Ella noch andere da, die Tränen in
-den Augen hatten.
-
-Sie standen eine Weile, als warteten sie auf einen weiteren Vers, --
-daher Stille; aber dann brach ein Beifall los, desgleichen niemand je
-gehört hatte. Sie wollten das Lied noch einmal hören. Aber noch hatte
-keiner je erlebt, daß Axel Aarö etwas zweimal hintereinander gesungen
-hatte. Sie mußten es also aufgeben.
-
-Ella hatte das Lied nie gehört, weder die Worte noch die Töne. Als er
-anfing, den Blick auf sie gerichtet, glaubte sie umfallen zu müssen;
-etwas so unerhört Kühnes hatte sie nicht geahnt. Er, sonst so wortkarg,
-rücksichtsvoll und zurückhaltend, ihr dies entgegenzusingen, so daß alle
-es hörten! Weiß wie die Wand, an die sie sich stützte, bekam sie eine
-solche Atemnot, daß sie sich nach Hilfe umsehen mußte. Gleich hinter
-ihr, ebenfalls auf der Bank, stand Frau Holmbo, magnetisiert, schön wie
-eine Statue.
-
-Sie sah nicht mehr von Ellas Not als von der Uhr auf dem Marktplatz.
-Diese absolute Teilnahmslosigkeit kühlte sie ab; sie kam wieder zu sich.
-Die Gegenwart der andern, die ihr so entsetzlich gewesen, hatte ja
-nichts zu bedeuten, solange keiner was begriff. Schließlich hörte sie
-ohne Angst zu. Den zweiten Vers ganz und gar. Heimlicher, reizender
-konnte es ihr nicht gesagt werden, obgleich alle zuhörten. Wenn er sie
-nur nicht angesehen hätte! Wenn sie sich nur hätte verstecken können! --
-
-Sobald der letzte Ton verhallte, sprang sie herunter. Unten zwischen all
-den Schultern fand sie ihre Schamhaftigkeit wieder, ihren wonneerfüllten
-Traum, ihr Geheimnis in bräutlicher Kleidung. Was war doch geschehen,
-und was würde nun das nächste sein? Rund umher funkelnde Augen, jubelnde
-Stimmen, klatschende Hände, -- war das nicht wie Fackeln und
-Huldigungsrufe, war das nicht auch für sie mit? Drinnen nur er und sie,
--- all die andern draußen! --
-
-Der Tanz begann sofort, -- und sie hinein! Hinein, als sei alles ihr zu
-Ehren, oder als sei sie die einzige! Ihre Kavaliere versuchten einer
-nach dem andern mit ihr zu plaudern, aber es nützte nichts. Sie lachte,
--- lachte ihnen in die Augen, als wären _sie_ verrückt, und sie allein
-die verständige. Sie tanzte, strahlte, lachte aus den Armen des einen
-hinüber in die Arme des andern. So daß Hjalmar Olsen, als er seinen
-Walzer bekam, gleichsam achtzehn frische Bouquets und ein »Hjalmar Olsen
-soll leben!« entgegennahm. Er fühlte sich mehr als geschmeichelt. Als
-sie ihren Arm wie harmlos fröhliches Kindergeplauder auf seinen
-schwarzen Frack legte, fühlte er, daß er eigentlich ebenso unwürdig sei
-wie Peter Klausson. Er wollte sie wahrlich nicht entweihen; er hielt sie
-tadellos weit von sich, und als ihm war, als lache sie, und er das
-Gesicht der kleinen Person irgendwo unten an seiner Weste erspähen
-wollte und auf dieser Expedition mehr zu sehen bekam, als er sehen
-durfte (denn er hob ihre Arme so schrecklich hoch hinauf), da schämte
-Hjalmar Olsen sich und starrte beim Weitertanzen wie ein Nachtwandler
-geradeaus in den Saal. Tanzte in Selbstgefühl und Entzücken fort über
-Stock und Stein. Ella versuchte dann und wann den Boden zu berühren; sie
-wünschte ein mehr sicheres Einhalten des Takts. Unmöglich. Das besorgte
-er alles selbst, sowohl ihr Tanzen wie sein eigenes, sowohl ihren wie
-seinen Takt; den Tanzboden erreichte sie nicht anders als zum Besuch; im
-übrigen war es eine Luftreise. Er hörte sie von unten her lachen; es
-freute ihn, daß sie sich wohlbefand. Aber er sah sie nicht. Die, mit
-denen er Zusammenstöße hatte, freuten sich weniger; das war _ihre_
-Sache. Er war vollständig verblüfft, als die Musik aufhörte; jetzt
-wollten sie ja erst allen Ernstes anfangen. Aber er mußte sie an der
-unfreiwilligen Haltestelle absetzen.
-
-Gleich darauf wieder Gesang. Zuerst vom Verein allein; dann von ihm und
-Aarö zusammen Griegs »Landkjending«. Schließlich sang Aarö zum Klavier.
-Diesmal hatte Ella sich hinter die allerletzten verkrochen. Da diese
-aber beständig vorwärts drängten, blieb sie allein stehen. Dabei befand
-sie sich wohl; sie sah ihn, aber er sah sie nicht; er blickte auch nicht
-dorthin, wo sie stand.
-
-Sie kannte das Lied nicht, wußte nicht einmal, daß es existierte,
-obgleich sie bei den ersten Worten und Tönen hörte, daß andere es
-kannten. Natürlich wußte sie, daß weder Worte noch Musik von ihm seien;
-aber gleichwie er das vorige Mal gewählt hatte, was zu jener dringen
-konnte, für die er singen wollte, zweifelte sie nicht daran, daß er
-jetzt dasselbe tat. Schon die ersten Worte: »Mein junges Lieb' den
-Schleier trägt« -- heimliche Liebe kann ja kein wahreres Bild finden! Es
-war wiederum an sie! Daß der Schleier nur für ihn gehoben wurde, daß er
-fällt, sobald ein anderer hinsieht, -- war das nicht so, wie es zwischen
-ihnen werden mußte? Daß das Geheimnis der Liebe einem Heiligtum gleicht,
-daß es das höchste Glück auf Erden birgt -- sie erbebte beim
-Wiedererkennen! Die Töne schütteten die Worte wie kalte Wogen über sie;
-dieses Verständnis bis zum Verrat machte sie zu Eis erstarren. Sie bebte
-vor Angst und Wonne zugleich. Niemand sah sie, das war ihre Rettung. Sie
-fürchtete jedes neue Wort, bevor es kam, und jedes brachte neues
-Erbeben. Die Arme an den Busen gedrückt, den Kopf über die Hände
-gebeugt, stand sie da und zitterte wie in Wasserfluten. Und als der
-zweite Vers mit seiner letzten Zeile kam, und besonders als sie
-wiederholt wurde, wollten die großen Tränen aufsteigen -- wie schon
-einmal früher im selben Saal. Sie stemmte sich mit aller Kraft dagegen;
-aber die Erinnerung daran, wie schlecht es damals gegangen, schwächte
-die Widerstandskraft; sie war nahe daran zu schluchzen, als das Lied
-auch _dieses_ Wort brachte! Das Zusammentreffen war zu großartig, es
-schob alle Erregung beiseite, sie hätte jetzt laut auflachen mögen. Nun
-war sie ganz, ganz sicher! So kam es, daß die letzte Zeile des Liedes in
-ihrem klaren Sinne, in ihrem jubelnden Zusammenempfinden sie traf -- wie
-ein Blitzstrahl, wie ein Messerstich bis ans Heft.
-
-Das Lied lautete:
-
- Mein junges Lieb den Schleier trägt,
- Für mich nur hebt sie ihn empor,
- Das Auge, das kein and'rer ahnet,
- Das strahlet, schmelzet, lieblich mahnet
- Soll niemand schaun -- den Schleier vor!
-
- Min unge Elskov baerer Slör.
- For mig hun löfter den og ler
- af Öjne, ingen anden aner,
- de straaler, smelter, svaerger, maner; --
- men Slöret for, straks nogen ser.
-
- Wo Zwei vereint das Gute tun,
- Wird's zwiefach auch gesegnet sein.
- Wenn gleiches Sehnen, gleich Empfinden
- In zweien Seelen sich verbinden,
- Das größte Glück ist da allein.
-
- Alt godt, som to er ene om,
- har tvefold Ynde, Hellighed.
- At Livets lange Laengsler mödes
- i to, som Sjael i Sjael genfödes,
- er störste Lykke, Jorden ved.
-
- Doch weshalb sie den Schleier trägt
- Und schluchzet in ihm ohne Laut,
- Als bebte Jammer ihr im Herzen?
- Weil er gewebt aus Gram und Schmerzen,
- All uns're Lieb' auf Qual erbaut.
-
- Men hvorfor baerer hun saa Slör
- og hulker i det uden Lyd,
- som skulde briste hendes Hjerte?
- Fordi det vaevet er af Smerte, --
- i Savn og Angst er al vor Fryd.
-
-Ein erschreckender, ohrenbetäubender Beifall. Sie wollten, sie mußten
-das Lied noch einmal haben; diesmal sollte Aarös vornehmer Widerstand
-sich für besiegt erklären.
-
-Aber er leistete nicht Folge, und endlich gaben einige es auf, andere
-fuhren eigensinnig fort. In der Zwischenzeit trennten einige Damen sich
-von dem Haufen; sie kamen an Ella vorüber. »Hast du Frau Holmbo gesehen,
-wie sie sich versteckt und geweint hat?« -- »Ja. Aber hast du sie
-während des ersten Liedes gesehen? Oben auf der Bank? _Ihr_ hat er die
-ganze Zeit zugesungen.«
-
-Kurz darauf -- es mochte zwei Uhr nachts sein -- schoß eine kleine,
-dicht verhüllte Dame pfeilschnell durch die Straßen. An der
-Kopfbedeckung und anderm sahen die Wächter, daß es eine von den
-Balldamen sein müsse. Sonst pflegten sie begleitet zu werden; aber der
-Ball war noch nicht zu Ende; da war gewiß irgend etwas nicht in Ordnung,
-sie ging auch so schnell.
-
-Es war Ella. Sie eilte gerade an dem verlassenen Rathause vorüber, aus
-dem jetzt ein Speicher gemacht war. Die äußeren Mauern waren stehen
-geblieben, aber innen das schöne Holzwerk war verkauft und
-forttransportiert worden.
-
-Das ist gerade wie mit mir, dachte Ella; sie eilte, so sehr sie konnte,
-Nächten ohne Schlaf und Tagen ohne Freude entgegen.
-
-Gegen Morgen wurde Axel Aarö sinnlos betrunken von Kameraden nach Hause
-gebracht. Einige sagten, er habe ein Bierglas voll Whisky hinunter
-gegossen in dem Glauben, daß es Bier sei; andere sagten, er sei
-»Quartalssäufer« geworden, sei es lange gewesen, habe es jedoch
-verheimlicht. »Quartalssäufer« heißen Leute, die in längeren
-Zwischenräumen trinken müssen. Sein Vater war es vor ihm gewesen.
-
-Ein paar Tage darauf ging Axel Aarö in aller Stille nach Amerika.
-
-
- III
-
-Noch einer von jenem Balle dampfte gleichzeitig über den Atlantischen
-Ozean; das war Hjalmar Olsen. Das Schiff wurde von einem ewigen
-Nordweststurm verfolgt, und wenn es allzu arg wurde, trank er Grog dazu.
-Aber jedesmal wenn er es tat, wunderte er sich, daß er einer Erinnerung
-vom Balle von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand; der kleinen
-Rosenroten, »der mit dem Zopf«. Hjalmar Olsen meinte, er habe sich ihr
-gegenüber ziemlich gentlemanlike benommen.
-
-Anfangs dachte er nicht weiter darüber nach. Zweimal war er verlobt
-gewesen, und beide Male war es auseinander gegangen; sollte er zum
-dritten Male daran gehen, so mußte er auch gleich heiraten. Diese
-Erwägungen stellte er wohl an, ja, hatte sie schon öfter angestellt,
-aber er achtete nicht genauer auf seine eigenen Gedanken. Ein Dampfer
-brauchte nicht viele Tage und Nächte zwischen den Häfen, und jedesmal
-fand sich Unterhaltung genug. Er ging nach New-York, von dort nach
-New-Orleans, er fuhr hinunter nach Brasilien und von da wieder herauf.
-Dann wieder hinunter und endlich von dort direkt nach England und
-Norwegen. Aber oft unterwegs, wenn er allein war, und meistens beim
-Glase Grog, traf er »die mit dem Zopf«. Merkwürdig, wie sie ihn
-angesehen hatte. Er wurde innerlich gut, wenn er daran dachte. Vom
-Briefschreiben hielt er nicht viel, sonst hätte er es diesmal vielleicht
-getan. Als er aber nach Christiania kam und von einem Manne aus der
-Stadt dort unten hörte, daß ihre Mutter im Sterben liege, da dachte er
-gleich: ich will mich wirklich nach ihr umsehen. Vielleicht findet sie
-es hübsch von mir, wenn ich es gerade jetzt tue.
-
-Zwei Tage später saß er vor ihr in dem kleinen Wohnzimmer, das auf den
-Markt und nach dem Hotel hinaus ging. Seine starken Hände, dunkel von
-der Sonne und von Haaren, strichen über die Knie, während er sich
-lächelnd vorbeugte und fragte, ob sie ihn haben wolle.
-
-Sie saß niedriger als er; ihr voller Busen und die festen Arme waren von
-einem braunen Kleide umspannt, auf das er niederblickte, wenn er ihr
-nicht ins Gesicht sah, das so bleich und zart war. Sie fühlte das
-Wandern seiner Augen; sie kam aus dem Nebenzimmer und von Todesgedanken;
-sie hörte oben eine kleine Uhr melden, daß es sieben Uhr sei; es melden
-wie ein Kuckuck, und diese kleine Erinnerung an alles, was hier jetzt
-vorüber war ... eins mit dem andern machte, daß sie sich mit Tränen in
-den Augen von ihm abwandte: »Ich kann jetzt unmöglich an dergleichen
-denken.« Sie stand auf und trat zu ihren Blumen im Fenster.
-
-Da mußte auch er aufstehen. Vielleicht antwortet sie mir später, dachte
-er, und diese Gedanken gaben ihm Worte, ein wenig unbeholfen wohl, aber
-deutlich. Sie schüttelte den Kopf und blickte nicht auf.
-
-Er ging. Draußen nahm er den verkehrten Weg, und als er umkehrte und das
-Haus wiedersah, das kleine Puppenhaus, da verspürte er Lust, alles ins
-Wasser zu werfen.
-
-Die Nacht hindurch wartete er auf das Dampfschiff aus Christiania; Peter
-Klausson und ein paar andere Kameraden halfen ihm dabei, und es dauerte
-nicht lange, so hatten sie ausfindig gemacht, in welcher Angelegenheit
-er gekommen, und wie es ihm ergangen war. Sie wußten auch, wie es ihm
-früher schon zweimal gegangen war. Hjalmar Olsen trank entsetzlich zu
-dem, was er litt. Tags darauf erwachte er in den größten Qualen auf dem
-Dampfschiff.
-
-Kurz darauf erhielt Ella einen gut geschriebenen Entschuldigungsbrief,
-in dem er erklärte, daß er es gut gemeint habe, als er gerade jetzt kam;
-aber erst als er vor ihr gesessen, habe er gefühlt, wie verkehrt es
-gewesen. Sie möge ihm darum nicht zürnen.
-
-Nach Verlauf eines Monats bekam sie wieder einen Brief; er hoffe, sie
-habe ihm vergeben. Er seinerseits könne sie nicht vergessen. Mehr stand
-nicht drin. Ella nahm beide Briefe gut auf, es war Form darin, auch
-Beständigkeit. Aber nicht einen Augenblick fiel es ihr ein, seinen
-indirekten Antrag jetzt anders aufzufassen als damals. Sie war nach
-Christiania gegangen, um sich im Klavier auszubilden -- und in der
-Handelsrechnung. Letzteres nahm sie mit, weil Rechnen ihr stets leicht
-geworden, und weil sie unsicher geworden war. Ihre Mutter war gestorben;
-sie besaß das Haus und ein kleines Vermögen; sie wollte versuchen, sich
-selbständig zu machen. Sie verkehrte mit niemand in der fremden Stadt;
-sie war es gewöhnt, ohne eine Vertraute zu träumen und Pläne zu machen.
-
-Von Axel Aarö kam eine wunderliche Nachricht. Nachdem er in New-York vor
-einer größeren Gesellschaft gesungen, hatte ein alter, reicher Mann ihn
-zu sich eingeladen, und seitdem lebten die beiden wie Vater und Sohn
-zusammen. So erzählte man sich in der Stadt lange, bevor ein Brief von
-Axel selbst kam; dieser aber bestärkte das Gerücht in allen Teilen.
-
-Darauf erhielt Ella einen dritten Brief von Hjalmar Olsen; er fragte in
-ehrerbietiger Form an, ob sie es schlecht aufnehmen würde, wenn er ihr
-bei einer Heimkunft einen Besuch abstattete. Er wußte, wo sie wohnte.
-
-Bevor sie noch mit sich im reinen darüber war, ob sie überhaupt
-antworten solle, las man in allen norwegischen Zeitungen, die es aus
-amerikanischen abgedruckt hatten, Hjalmar Olsen, habe mit ungewöhnlicher
-Tüchtigkeit und mit Gefahr für Schiff und Mannschaft in einem Orkan die
-Passagiere und Besatzung eines Ozeandampfers gerettet, dem dicht vor der
-amerikanischen Küste die Schraube gebrochen war. Zwei Dampfer waren
-vorüber gekommen, ohne den Versuch zu wagen, so entsetzlich war das
-Wetter. Er hatte sich einen ganzen Tag bei dem Dampfer aufgehalten.
-
-Es war eine seltene Tat, die er da vollbracht hatte. In New-York und
-später, als er nach Liverpool kam, wurde er in den Seemannsklubs
-gefeiert, bekam Ehrenzeichen und Adressen.
-
-Als er von dort nach Christiania kam, bekam er der Auszeichnungen
-mannigfache. Groß und ansehnlich wie er war, wurde ihm die Huldigung des
-Volkes gar leicht zu teil. Sie wurde ihm jetzt im großen Stil
-dargebracht.
-
-Mitten drin suchte er Ella auf. Sie hatte sich gut versteckt; sie dachte
-seit ihrer Niederlage so gering von sich. Im voraus war sein Bild ein
-wenig zu übernatürlicher Größe herangewachsen, und als er nun selbst kam
-und sie heraus holte, war es, als ob sie aus der Stubenluft wieder in
-Wind und Sonnenschein hinauskäme. Ja, sie empfand etwas von dem alten
-Selbstvertrauen. Seine Gefühle für sie waren dieselben; das merkte sie
-bald, als sie ihn studierte. Gesellschaftliche Formen hatte er, und voll
-Würde nahm er Huldigungen und Aufmerksamkeiten entgegen; hielt keine
-unzeitigen Reden. Sie hatte gehört, daß er gerne ein Glas zuviel trank,
-aber sie sah davon nichts. Ein schöner Mann, ja, ein Mann wie wenige, --
-vielleicht ein wenig abgearbeitet, aber das waren ja die meisten
-Seeleute. Vor etwas Unbestimmtem in den Augen hatte sie Angst, ebenso
-vor seiner Gier, wenn er bei Tische saß. Zuweilen erschrak sie auch vor
-dem Gewaltsamen in seinen Ansichten. Wäre sie zu Hause gewesen und hätte
-sich erkundigen können! Aber er wollte sofort wieder abreisen und hatte
-im Scherz geäußert, wenn er jetzt freite, so wolle er sich zugleich
-verloben und verheiraten. Diese Einfachheit und Hast gefielen ihr. Auch
-die Kraft und auch die Eigenmächtigkeit, obgleich sie sie fürchtete.
-Fürchtete und sich außerordentlich wohl dabei befand, daß soviel Kraft
-und Eigenmächtigkeit sich gerade vor ihr beugten, und das jetzt, wo alle
-um ihn warben.
-
-Da kam sie auf etwas, was sie außerordentlich verständig dünkte; für den
-Fall wollte sie zwei Bedingungen stellen: Verwaltung des eigenen
-Vermögens und niemals mit ihm reisen. Wenn seine Kraft und
-Eigenmächtigkeit etwa zügellos werden sollten, so wurde dadurch eine
-Grenze gesetzt, und sie konnte ihm von Anfang an zu verstehen geben,
-daß, wie klein sie auch sei, sie sich und das Ihre zu schützen gedächte.
-
-Als der Antrag kam -- es war in einer Theaterloge -- fehlte es ihr
-jedoch an Mut, es zu sagen. Sie bat um Bedenkzeit. Der Ausdruck, den
-sein Gesicht annahm, flößte ihr Furcht ein -- zum erstenmal.
-
-Später dachte sie oft daran. Anstatt diesem unmittelbaren Eindruck
-nachzugeben, fing sie an zu sinnen, was wohl geschehen würde, wenn sie
-jetzt wieder nein sagte! Sie hatte ja seine Freundlichkeit angenommen,
-obgleich sie wußte, was kommen würde. Die Bedingungen, die Bedingungen
--- mögen sie entscheiden! Nahm er sie an, so sollte es sein, und dann
-hatte es auch wohl keine besondere Gefahr. So schrieb sie und nannte die
-Bedingungen.
-
-Er kam am nächsten Tage und bat um die notwendigen Papiere, dann würde
-er selbst alles ordnen, sowohl das mit dem Ausschluß der
-Gütergemeinschaft wie mit dem Kontrakt; er faßte es also als Geschäft
-auf und schien wohl zufrieden.
-
-Drei Tage darauf wurden sie getraut. Große Feierlichkeit und großer
-Zulauf; die Zeitungen hatten nämlich darauf aufmerksam gemacht.
-Huldigung und Ehrenbezeugungen hinterher, Prunk und Reden untermischt
-mit Witzen über seine Größe und ihre Kleinheit -- es dauerte von fünf
-Uhr nachmittags bis zwölf, ein Uhr nachts in ziemlich gemischter
-Gesellschaft. Als es spät wurde und der Champagner gar kein Ende nahm,
-wurden viele lärmend und tüchtig zudringlich. Darunter auch der junge
-Ehemann.
-
-Am nächsten Morgen sieben Uhr saß Ella angekleidet und ganz allein in
-einem Zimmer neben der Schlafstube, deren Tür offen stand; sie hörte
-ihren Mann dort schnarchen.
-
-Leichenblaß und still saß sie, gelähmt durch die Schrecken der Nacht,
-ohne Tränen, ohne Empfindung. Sie teilte die Ereignisse der Nacht in
-zwei Teile: in das, was geschehen war, und das was gesagt worden -- sie
-wußte nicht, was am schlimmsten gewesen.
-
-Die Begierde dieses Mannes war von tödlichem Haß entflammt! Als sie das
-erste Mal nein gesagt, hatte er es zum Ziel seines Lebens gemacht, sie
-dahin zu bringen, daß sie ja sagte; das erzählte er. Erzählte, daß _sie_
-für den Verruf büßen solle, in den er gekommen, -- nahe daran, zum
-drittenmal bloßgestellt zu werden. Sie solle für alle büßen, sie, die es
-gewagt hatte, kränkende Bedingungen zu stellen! Wie ein Ding, wie eine
-Dirne würde er sie behandeln!
-
-Ihrer Berechnung werde er das Genick brechen, wie einer Garneele, -- sie
-solle sich nur unterstehen, nicht mit an Bord gehen oder irgend etwas
-selbst verwalten zu wollen!
-
-Dann das, was geschehen war --! Die Schale einer Fliege in einem
-Spinngewebe, zerfressen und leergeschlürft, das war's woran sie dachte.
-
-Aber ungefähr Ähnliches hatte sie schon einmal empfunden! O Gott, die
-Nacht nach dem Balle! Eine unbestimmte Empfindung, daß sie in jener
-Nacht für diese letzte bestimmt wurde ..... aber sie konnte es sich
-nicht klar machen. Hingegen fragte sie sich, ob das, was uns _nicht_
-glückt, tiefer über uns bestimmt als das, was glückt?
-
-Drei, vier Stunden später saß Hjalmar Olsen am Frühstückstisch,
-schwerfällig und schweigend; aber er beobachtete höfliche Formen, als ob
-nichts vorgefallen sei. Vielleicht war er zu betrunken gewesen, um ganz
-verantwortlich gemacht werden zu können; oder vielleicht war die
-Höflichkeit Berechnung, um sie für einen Besuch an Bord zu gewinnen. Er
-bat nämlich darum, als er vom Tische aufstand.
-
-Aber weder durch Drohungen noch durch Lockungen, weder zum Aufenthalt
-noch zum Besuch bekam er sie mit an Bord. Die Furcht rettete sie.
-
-Einige Monate später saß sie in ihrer Vaterstadt im eigenen kleinen
-Hause. Die Zeitungen machten bekannt, daß sie Schülerinnen für
-Klavierspiel und Handelsrechnung suche.
-
-Sie war schwanger.
-
-Ein Jugendfreund Axel Aarö's besuchte sie. Er solle sie vielmals von
-Aarö grüßen und ihr Glück zu ihrer Heirat wünschen. Sie zwang die
-aufquellende Bewegung nieder und fragte sanft, wie es Axel Aarö gehe. O,
-ganz ausgezeichnet; er sei immer noch bei demselben alten Manne, der
-nach und nach alles für ihn geworden sei. Dies sei so recht etwas für
-Aarö; es paßte ihm daß einer alles für ihn geworden. Und dann habe er
-eine Kur gegen sein ererbtes Übel durchgemacht; er selbst glaube, daß er
-geheilt sei. Wie es Frau Holmbo gehe, fragte Ella. Sie erschrak, als sie
-es ausgesprochen hatte; aber es war eine unwillkürliche Bitterkeit, die
-hervorbrach. Sie hatte Frau Holmbo so mager und bleich gesehen; Frau
-Holmbo vermißte ihn wohl, und das war zuviel.
-
-Der Freund lächelte: »O, Sie haben das dumme Gerücht gehört? Nein, Axel
-Aarö war nur der Vermittler zwischen ihr und dem, den sie heimlich
-liebte. Die beiden Freunde hatten im Auslande zusammen gewohnt. Vor
-einigen Monaten war der Betreffende auf einer Geschäftsreise in
-Kopenhagen, und Frau Holmbo war auch hinunter gereist. Aber es war gewiß
-schon lange irgend etwas zwischen ihnen nicht mehr in Ordnung.«
-
-An diesem Abend weinte Ella noch lange, bevor sie einschlief. Sie lag
-und streichelte ihren Zopf, den sie über die Brust gezogen hatte. Oft
-hatte sie daran gedacht, ihn abzuschneiden; aber er war noch da.
-
-
- IV
-
-Im ersten Jahre bekam sie einen Knaben und noch einen im nächsten. So
-oft sie allein war, teilte sie ihre Zeit zwischen ihnen und den
-Unterrichtsstunden. Der Mann steuerte so gut wie nichts zum Haushalt
-bei, mit Ausnahme der kurzen Zeiten, wenn er zu Hause war. Dann wurde
-das Geld mit Kameraden in flottem Leben verschwendet. »Die Jungen«
-wurden so lange zur Tante geschickt; »man konnte ja nicht vier Schritte
-in dem Lumpenhause machen, ohne durch die Wand zu gehen.« Solange sagte
-sie auch ihre Stunden ab; sie konnte nicht mehr leisten, als daß sie ihm
-aufwartete.
-
-Daß sie nicht glücklich sein könne, begriffen alle; aber daß sie ein
-Leben in Angst lebte, davon hatte niemand eine Ahnung. In Angst vor dem
-Telegramm, das sein Kommen meldete, wenn auch nur für einige Tage, in
-Angst vor dem, was dann geschehen würde. Wenn er kam, wagte sie nicht
-den leisesten Widerspruch und zeigte ihm und allen die unbefangenen
-Augen, dieselbe rasche, ein wenig gedämpfte Art, die machte, daß sie
-ging und kam, ohne daß man sie bemerkte. Wenn er dann abgereist war,
-wurde sie mit einem Male so übermüde nach der Spannung der Tage und
-Nächte, daß sie zu Bette mußte.
-
-Jedesmal, wenn er zu Hause war, wurde er weniger achtsam auf sich
-selbst, unverschämter gegen andere; wenn sie aber begriffen hätte, wie
-Männer mit seiner Verausgabung von Kraft in der Regel um die vierziger
-Jahre herum fertig sind (und deren sind gar viele in den Küstenstädten),
-dann hätte sie auch schon begriffen, daß gerade dies die Zeichen des
-Niederganges waren; er war weit vorgeschritten. Ihr erschien er nur
-immer widerlicher.
-
-Er war wenig zu Hause, das half ihr. Sie hatte sich vorgenommen, daß sie
-und die Knaben ausgezeichnet miteinander leben würden; das half ihr
-auch, meist aber ihre rastlose Arbeit und die Achtung aller. Nach
-fünfjähriger Ehe schien sie ebenso niedlich, wie damals, schien auch
-ebenso unbefangen und munter; sie war so daran gewöhnt, sich zu
-verstellen.
-
-Nun waren ihre Jungen der eine vier, der andere drei Jahre alt, und
-selten fand man sie anderswo, als auf dem Marktplatz -- in den
-Schneehaufen im Winter, in den Sandhaufen im Sommer. Oder auf dem Lande
-bei der Tante, ihrer »Großmutter«.
-
-Nächst der Beschäftigung mit den Knaben war die mit den Blumen ihr die
-liebste. Sie hatte deren eine Menge, die das Haus kleiner machten, als
-es eigentlich war. Mit den Knaben konnte sie spielen, aber mit den
-Blumen konnte sie denken. Wenn sie den Blumen Wasser gab, empfand sie am
-stärksten, wie gequält sie selbst war. Wenn sie ihre Blätter abwischte,
-sehnte sie sich nach guten Worten, freundlichen Augen. Wenn sie trockne
-Zweige entfernte, überflüssige Schüsse, wenn sie ihnen andere Erde gab,
-weinte es oft in ihr vor Sehnen, wallte das in ihr auf, was nichts
-bekam.
-
-Fünf Jahre waren also vergangen, -- als eines Tages das Gerücht durch
-die Stadt ging, daß Axel Aarö ein reicher Mann geworden sei; sein alter
-Freund war gestorben und hatte ihm eine große Leibrente hinterlassen!
-Gleich darauf wurde auch erzählt, daß Axel Aarö zum zweitenmal die Kur
-gegen die Trunksucht durchgemacht habe; die erste sei nicht von Erfolg
-gewesen; jetzt aber sei er geheilt. Man konnte sehen, wie beliebt Axel
-Aarö war; denn es gab kaum einen, den es nicht freute.
-
-Am Mittwoch den 16. März 1892, um vier Uhr nachmittags, saß sie mit
-einer Arbeit zwischen ihren Blumen, als sie nach dem Hotel hinüber sehen
-mußte. Im Eckfenster der zweiten Etage stand der, an den sie dachte; er
-sah auf sie nieder.
-
-Sie stand auf, und er grüßte zweimal. Sie stand noch da, als er über die
-Straße kam, in dunkler Pelzmütze, schwarzer Seidenweste, auf die der
-lange, blonde Bart herab fiel, das Gesicht ziemlich bleich, aber die
-Augen klarer im Ausdruck. Er klopfte an; sie konnte kein Wort
-hervorbringen, sich nicht rühren. Als er aber die Tür öffnete und im
-Zimmer stand, sank sie auf einen Stuhl nieder und weinte.
-
-Er kam langsam auf sie zu, nahm einen Stuhl und setzte sich ihr
-gegenüber. »Sie dürfen nicht erschrecken, weil ich so geradezu komme. Es
-freut mich zu sehr, Sie wiederzusehen.« Nein, wie das in diesem Hause
-klang, diese wenigen gedämpften Worte, so rücksichtsvoll, vertraulich.
-Der Tonfall war fremd geworden, aber die Stimme, die Stimme! Und daß er
-ihre Schwäche nicht mißdeutete, sondern ihr darüber forthalf! Nach und
-nach wurde sie wieder dieselbe, wie in alter Zeit, zuversichtlich,
-fröhlich, verschämt. »Es war so seltsam unerwartet,« sagte sie.
-
-Er fügte ehrerbietig hinzu: »Das, was inzwischen passiert ist, stürmt ja
-auf einen ein.«
-
-Viel mehr wurde nicht gesprochen; er hatte gerade bereit gestanden,
-auszugehen, und nun kam der Schwager. Er betrachtete ihre Jungen draußen
-im Schneehaufen, er sah ihre Blumen, ihr Klavier, ihre Noten an; dann
-bat er, wiederkommen zu dürfen. Das Ganze dauerte fünf Minuten.
-
-Aber etwas blieb in ihrer Vorstellung zurück -- etwas wie der zierliche
-blonde Bart, der auf die Seidenweste herab fiel. Das Zimmer war
-geheiligt, das Klavier, die Noten, der Stuhl, auf dem er gesessen hatte,
-ja, der Teppich, über den er gegangen war; -- sogar in seinem Gang lag
-Rücksicht für sie. Sie empfand alles, was er gesagt und getan hatte als
-Mitgefühl für ihr Schicksal.
-
-An diesem Tage konnte sie nichts mehr vornehmen; sie schlief kaum in der
-Nacht. Aber was in ihr vorging, war auch nichts geringeres, als daß sie
-etwas, das fünf Jahre -- eigentlich sechs -- zurücklag, in die Sonne
-hinaustrug -- es hinaustrug, wie man Blumen aus dem Keller holt, wohin
-sie zum Winterschlaf gestellt worden, und sie wieder hinauf zum Frühling
-trägt. Dabei machte sie dieselbe Bewegung, gewiß mehr als zwanzigmal:
-sie legte beide Hände auf die Brust, die eine Handfläche über die
-andere, wie um die Brust niederzuhalten; es durfte nicht zu laut reden.
-
-Tags darauf ging ihr Gespräch leichter. Die Knaben wurden herein
-gerufen. Nachdem er sie eine Weile angesehen hatte, sagte er: »Da haben
-Sie doch etwas Reelles!«
-
-Binnen kurzem waren sie so gute Freunde, er und die Knaben, daß er sich
-auf alle Viere legte, ihnen als Pferd diente und andere ganz neue
-Kunststücke machte, die sie furchtbar amüsant fanden. Und dann lud er
-sie zu einer Schlittenfahrt für den nächsten Tag ein! Nach scharfem
-Tauwetter war gerade eine ungewöhnliche Menge Schnee gefallen; die Stadt
-war weiß und die Schlittenbahn wieder vorzüglich. Bevor er ging, mußte
-Ella bitten, ihn abbürsten zu dürfen; der Teppich sei nicht so sauber
-gewesen, wie er sein müßte. Er nahm ihr die Bürste ab und tat es selbst;
-aber leider hatte er auch auf dem Rücken gelegen, und so mußte er sie es
-tun lassen. Sie bürstete dann sein feines Jackett ab, machte es so nett
-und leicht, aber es wollte gar nicht gut werden. Auch vorn war es nicht,
-wie es sein sollte, er mußte die Bürste noch einmal nehmen; sie stand
-dabei und sah zu. Als er fertig war trug sie die Bürste in die Küche
-hinaus. »Wie hübsch, daß Sie noch den Zopf haben,« sagte er hinter ihr.
-Sie blieb ziemlich lange fort und kam von einer anderen Seite wieder
-herein. Da war er fort; die Knaben sagten, jemand habe ihn geholt.
-
-Am nächsten Vormittag Schlittenfahrt. Erst am Nachmittag kamen sie
-zurück; sie waren in Baadshaug eingekehrt, ein Badeort mit Hotel und
-vorzüglicher Restauration, wohin die Leute auch im Winter gern
-wallfahrteten. Der jüngste Knabe seiner Schwester war mit, und während
-alle drei das Pferd zu »Andresens an der Ecke« nach Hause brachten,
-blieb Aarö im Gange stehen. Noch nie hatte Ella ihn so aufgeräumt
-gesehen; die Augen hatten das Leuchtende wie damals beim Gesang, und
-dann sprach er von dem Augenblick an, wo er kam, bis er wieder ging.
-Sprach vom norwegischen Winter, den er nie zuvor gesehen; woher mochte
-das kommen? Seit vielen Jahren hatte er ein Lied zum Preis des Winters
-auf seinem Repertoire, das alte Winterlied, das auch sie kannte: »Der
-Sommer schlief ein in des Winters Arm'« -- freilich sie kenne es, -- und
-jetzt erst sollte er lernen, wie wahr das Lied war? Der Eindruck vom
-Winter auf die Menschen mußte doch entscheidend sein. Der Winter war
-beinahe ihr halbes Leben! Was für Gesundheit und Schönheit -- und
-Phantasie er geben mußte! Er begann zu schildern, was er heute im Walde
-gesehen habe; er brauchte nicht viele Worte, aber die Bilder waren klar.
-Sprach, bis er bewegt wurde und sah sie währenddessen an wie ein
-Verzückter.
-
-Alles in einem einzigen Augenblick; er hatte ja seinen Reiseanzug an.
-Aber als er gegangen war, schien es ihr, als hätte sie ihn nie zuvor zu
-Gesicht bekommen. Ein Schwärmer also, -- ein Schwärmer bis in die
-tiefste Tiefe, der sich für gewöhnlich nie verriet? Von dieser
-Schwärmerei war das Lied der Bote? Deshalb nahm seine Stimme alle mit in
-ein anderes Reich hinüber? Sein schwermütiger Vater -- wenn der trinken
-wollte, schloß er sich mit seiner Violine ein, spielte und spielte, bis
-er da lag. Hatte auch der Sohn diese Scheu vor den Menschen gehabt,
-diese Verzückung in seiner eigenen Schwärmerei?
-
-Gott sei Dank, Axel Aarö war gerettet! Gerade aus seiner Schwärmerei
-heraus hatte er sie so angeblickt --! Jetzt erst drang es ein, sie war
-zu sehr mit dem Neuen an ihm selbst beschäftigt gewesen. Jetzt erst
-drang es ein, -- drang mit großer Wärme ein mit überwältigender Furcht
-und Wonne, ein Freudenbote, der noch bebte vor Zweifel. Sollte die
-Bestimmung ihres Lebens nahe sein --! Sie fühlte, daß sie rot wurde, sie
-konnte nicht mehr ruhig bleiben, sie ging ans Fenster, um ihn dort
-wieder zu suchen, dann umher, um zu suchen, was sie selbst glauben
-solle. Jedes Wort von ihm zu ihr, jede Miene und Bewegung vom ersten Mal
-an, da er hier gewesen, wurden gegenwärtig; aber sie schienen alle so
-vorsichtig, fast spärlich. Gerade das war ihr Reiz. Seine Augen hatten
-sie jetzt gedeutet, und diese Augen hüllten Ella ein, sie gab sich ihnen
-ganz und gar hin.
-
-Das Mädchen reichte einen Brief herein; es war eine Weihnachtskarte in
-einem Kuvert ohne Aufschrift von Axel Aarö. Eine von den gebräuchlichen
-Weihnachtskarten, die eine jugendliche Schar auf Schneeschuhen
-darstellte; darunter stand gedruckt:
-
- »Der weiße Winter
- Hat rote Rosen.«
-
-Auf der andern in zierlicher, runder Schrift: »Im Walde heute muß ich an
-Sie denken. A. A.« Das war alles.
-
-Aber so ist er. Er sagt nicht mehr. Wenn er an einem Fenster
-vorbeikommt, in dem eine solche Karte liegt, so denkt er doch an mich.
-Und er denkt nicht allein an mich, sondern er schickt mir einen
-Gedanken. Oder irrte sie? Ella war bescheiden; dies ihr gegenüber konnte
-doch nicht mißdeutet werden? Die Weihnachtskarte, .... war sie nicht ein
-Vorbote? Die beiden jungen Paare darauf, und die Worte, .... er meinte
-doch wohl etwas damit?
-
-Sie sah seine entzückten Augen wieder; sie hüllten sie nicht allein ein,
-sie liebkosten sie. Sie dachte nicht zurück, sie dachte nicht vorwärts,
-sie atmete nur weit auf, lebte. Noch in der mondhellen Nacht lag sie auf
-ihrem Bette -- nicht nur ganz wach, sondern durchstrahlt. Jetzt, jetzt,
-jetzt, flüsterte es. Hätte sie am Traum ihres Lebens festgehalten, auch
-als die Wirklichkeit so grausam schien, sie hätte bestanden; weil sie
-unsicher darin geworden, war alles unsicher geworden. Aber je größer das
-Leiden gewesen, je größer würde vielleicht die Seligkeit werden! Sie
-schlief in etwas Kreideweißem ein, das sie mit hinein in ihre Träume
-nahm; sie erwachte leichten, hellen Wolken entgegen, die sich
-zerstreuten vor den zusammenströmenden Gedanken an das, was ihrer heute
-harrte. In der Nacht war das Ganze fertig geworden; sie erwachte mit der
-vollsten Sicherheit. Heute würde es geschehen. Er hatte nicht _ein_ Wort
-gesagt; diese seine Schüchternheit liebte sie von allem am meisten an
-ihm. Gerade das war das sichere Pfand. Heute geschah es.
-
-
- V
-
-Ihr Baden nahm viel Zeit in Anspruch, die Pflege ihres Haars fast sogar
-noch mehr. Aus ihrer Kommode, dieselbe auf demselben Platz, die sie von
-Kind auf benützt hatte, -- aus dem untersten Schubfach nahm sie das
-allerfeinste Unterzeug hervor, das sie getragen hatte. Getragen nur ein
-einziges Mal, nämlich an ihrem Hochzeitstage -- _vor_ der Entweihung.
-Nachher nie wieder. Aber heute -- jetzt, jetzt, jetzt! Jedes Stück, daß
-sie außerdem noch anzog, war etwas, das kein anderer berührt hatte. Sie
-wollte sein wie die, die sie in ihren Träumen gewesen.
-
-Sie ging zu den Knaben hinein, die wach, aber noch nicht angezogen
-waren: »Wißt Ihr was, Kinder, heute soll Tea Euch zur Großmutter
-bringen!« Große Zustimmung -- auch von Tea, denn das bedeutete einen
-freien Tag. »Mama, Mama!« hörte sie hinter sich her rufen, als sie in
-die Küche hinunter lief, um eine Tasse Kaffee zu trinken, und dann fort.
-Zuerst wollte sie Blumen holen, dann wollte sie ihre Stunden absagen.
-Denn jetzt, jetzt, jetzt --!
-
-Auf der Straße fiel ihr ein, daß es zu früh sei, um jemand aufzusuchen.
-Darum machte sie einen Spaziergang vor die Stadt, den frischesten,
-fröhlichsten, den sie je gemacht. Sie kam gerade zurück, als Frau Holme
-aufmachte. Als Ella eintrat, hielt die »Blumenfrau« ein kostbares
-Bouquet in der Hand, das gerade fortgeschickt werden sollte. »Das will
-ich haben!« rief Ella, sie schloß die Thür hinter sich. »Sie?«
-entgegnete Frau Holme, etwas mißtrauisch; das Bouquet war sehr teuer.
-»Ja, ich! Ich muß es durchaus haben!« Ella's kleine grüne Börse war
-schon heraus. Das Bouquet war vom reichsten Hause der Stadt bestellt,
-und Frau Holme sagte das. »Das macht nichts!« antwortete Ella. So viel
-ehrliche Anbetung für ein Bouquet hatte die andere nie gesehen -- und
-Ella bekam es.
-
-Von da zu Andresens an der Ecke; einer von den Kommis nahm bei Ella
-Unterricht in Handelsrechnung; sie wollte ihm absagen und ihn ersuchen,
-dem ganzen großen Kreis Bescheid zu sagen. Sie bat ihn darum mit
-zündenden Augen, und er versprach es mit Feuer. Das appetitlichste rote
-Tuch hing gerade vor ihr. Das mußte sie heute um den Kopf binden, wenn
-sie ausfuhr, denn daß sie heute ausfahren würde, daran war kein Zweifel!
-Andresen selbst kam dazu, als sie gerade nach dem Preis des Tuches
-fragte; er sah ein Paar Blumen aus der Papierhülle hervorkommen; »das
-sind ja herrliche Rosen,« sagte er. Sofort brach sie eine ab und gab sie
-ihm. Von der Rose sah er zu ihr hin; sie lachte und fragte, ob er ein
-wenig von dem Tuche ablassen würde; sie habe nicht ganz soviel Geld bei
-sich. »Wieviel haben Sie?« fragte er. »Genau eine halbe Krone zu wenig.«
-Er selbst packte ihr das Tuch ein. -- Auf der Straße traf sie Cäcilie
-Monrad; Ella gab einer ihrer Schwestern Klavierunterricht und sparte es
-sich nun, bis ans andere Ende der Stadt zu traben. Heute glückt mir
-alles. »Haben Sie von den beiden gelesen; die sich in Kopenhagen
-zusammen umgebracht haben?« fragte Cäcilie. Ja, Ella hatte es gelesen;
-Fräulein Monrad fand es grauenhaft. »Weshalb?« -- Der Mann war ja
-verheiratet. -- »Allerdings,« erwiderte Ella, »aber nun liebten sie
-sich!« Ihre Augen waren ein Glutmeer; Cäcilie schlug die ihren nieder
-und wurde rot. Da nahm Ella ihre Hand und drückte sie. -- Da bin ich in
-eine Liebesgeschichte hineingekommen, dachte sie und flog mehr als sie
-ging durchs Villenviertel; der größte Teil ihrer Eleven wohnte dort
-oben. Auf einem Dache sah sie zwei Staare, die ersten vom Jahr; das
-Tauwetter vor einigen Tagen hatte sie wohl verlockt. Aber nicht, daß die
-Staare etwa verzagt gewesen wären; keineswegs, sie liebten! »Mama,
-Mama!« hörte sie im selben Augenblick. Das waren doch deutlich ihre
-Jungen! Sie hatte wohl an sie gedacht, als sie die Staare sah. So sehr
-hatte es sie in Anspruch genommen, daß sie zu weit an den Straßenrand
-kam; dabei trat sie auf ein Brettende, das ins Schwanken kam; sie wäre
-beinahe gefallen. Aber unter dem Brett war es Frühling! Von der
-Tauwetterzeit übrig geblieben stand da -- ja freilich war es Löwenzahn!
-So langweilig wie er weiter in den Sommer hinein wird -- als erster Mann
-ist er willkommen! Sie beugte sich nieder und nahm die Blumen. Sie
-steckte sie zwischen die Rosen; der Löwenzahn nahm sich dort dürftig
-aus; aber der erste im Jahr, und heute gefunden!
-
-Hiernach war sie ganz ausgelassen. Hüpfte die Anhöhen hinunter, als sie
-fertig war; grüßte gleichmäßig Bekannte und Halbbekannte, und als sie
-dann Cäcilie wiedersah, legte sie die Blumen aus der Hand, machte einen
-Schneeball und warf ihr den in den Rücken.
-
-Zu Hause angekommen, ließ sie die Knaben zusammen mit Tea in den
-Schlitten packen. »Mama, Mama!« riefen sie und zeigten nach dem Hotel
-hinauf; Axel Aarö stand dort und grüßte.
-
-Gleich darauf kam er herüber. »Sie sind wohl ganz allein?« er trat zu
-ihr. -- »Ja;« -- sie machte sich mit den Blumen zu schaffen und blickte
-nicht auf, denn sie zitterte. »Ist heute Geburtstag im Hause?« -- »Sie
-meinen wegen der Blumen --?« -- »Ja. Das sind ja herrliche Rosen! Und
-die da im Glase? Löwenzahn!« -- -- »Die ersten im Jahr.« Er sah sie
-nicht an. Er stand so unentschlossen da, als überlege er etwas. »Darf
-ich Ihnen etwas vorsingen?« sagte er endlich. -- »Ja, bester --!« sie
-ließ die Blumen, um das Klavier zu öffnen und den Stuhl herunter zu
-schrauben -- und zog sich dann bescheiden zurück. Nach einem längeren,
-gedämpften Vorspiel, begann er Ole Olsen's »Sonnenuntergang« ganz ruhig,
-ja, so wie er gesprochen und gewesen war, seit er bei ihr eingetreten.
-Nie hatte er schöner gesungen; seine Gesangskunst war so viel größer
-geworden. Aber in der Stimme lag derselbe, nein, ein noch trostloserer
-Schmerz als der, den sie das erste Mal vernommen. »Trauer, Trauer, --
-ach, ich bin verloren!« -- sie hörte es wieder so deutlich. Als er den
-ersten Vers zu Ende gesungen hatte, saß sie vorübergebeugt und weinte;
-sie hatte nicht einmal versucht, sich Zwang aufzulegen. Er hörte es und
-drehte sich um; gleich darauf fühlte sie daß er ihren Zopf berührte, ja,
-ihr war, als küsse er ihn; jedenfalls hatte er sich ganz über sie
-niedergebeugt, denn sie fühlte seinen Atemzug. Aber sie hob den Kopf
-nicht, sie hatte nicht den Mut.
-
-Er ging durchs Zimmer. Kam zurück, ging wieder. Da wurde es still in
-ihr, sie saß unbeweglich und wartete.
-
-»Darf ich Sie heute spazieren fahren?« vernahm sie. Den ganzen Tag wußte
-sie schon, daß sie zusammen ausfahren würden, sie wunderte sich daher
-nicht. Gleichwie _dies_ nun in Erfüllung gegangen war, würde das andere
-kommen. Alles. Sie blickte durch Tränen auf und lächelte. Er lächelte
-ebenfalls! »Ich gehe und bestelle das Pferd.« Und als sie nicht
-antwortete, tat er's.
-
-Wieder zu den Blumen. Sie hatte sie ihm also nicht geben dürfen. Die
-paar Blüten Löwenzahn wollte sie fortwerfen.
-
-Als sie sie aus dem Glase nahm, fielen ihr die Worte ein: »Da haben Sie
-doch etwas Reelles.« Die Worte waren allerdings nicht vom Löwenzahn
-gesagt: aber sie waren ihr oft wieder eingefallen; es war nicht
-wunderlich, daß sie ihr jetzt einfielen. Sie ließ den Löwenzahn stehen.
-
-Aarö blieb lange fort, länger als eine Stunde. Als er aber kam, war er
-außerordentlich munter. Er saß hinten auf einem flotten Damenschlitten
-in dem eleganten Pelz von gestern, dem kostbarsten, den sie je gesehen;
-grüßte mit der Peitsche hinein und sprach und lachte mit den Kindern
-sowohl wie mit den Erwachsenen, die sich um ihn sammelten, während sie
-sich ankleidete. Das war bald geschehen; sie hatte nicht viel
-anzuziehen, brauchte es auch nicht.
-
-Er stand sofort auf, grüßte, packte sie ein, und fort ging es im Trabe.
-Unterwegs beugte er sich zu ihr und flüsterte: »Wie gütig von Ihnen, daß
-Sie mitkommen!« Seine Stimme war so warm, aber sein Atemhauch war anders
-als vorhin. Sobald der prächtige Hengst im Laufe nachließ, beugte er
-sich wieder vor: »Ich habe per Telephon ein Lunch in Baadshaug bestellt.
-Es ist bereit, wenn wir kommen. Sie haben doch wohl nichts dagegen?« Sie
-drehte sich um damit sie ihm den Kopf zuwenden konnte; sie stießen
-beinahe zusammen: »Ich habe vergessen, Ihnen für die Karte von gestern
-zu danken.« -- Er wurde rot: »Ich habe es nachher bereut,« sagte er;
-»aber in dem Augenblick, wo ich die Karte sah, mußte ich an Sie denken.
-Wie Sie hier heraus passen!« Jetzt wurde _sie_ rot und zog sich zurück.
-Da hörte sie dicht neben sich: »Sie dürfen nicht böse werden. Es pflegt
-so zu gehen; wenn man eine Dummheit wieder gutmachen will, so macht man
-eine zweite.« Gern hätte sie seine Augen gesehen während er das sagte;
-aber sie wagte es nicht. Jedenfalls war es mehr, als was er bis jetzt
-gesagt hatte. Die Worte fielen weich wie Flaum! Bis heute hatte sie
-seine Zurückhaltung beinahe mißdeutet, -- aber wie schön sie doch alles
-machte; sie betete sie an. »In einer Weile sind wir im Walde; dort
-werden wir anhalten und uns umsehen,« sagte er. _Dort_ dachte sie! Er
-fuhr im raschen Trabe dahin; sie freute sich, freute sich. Die Sonne
-funkelte auf dem Schnee, die Luft war warm, sie mußte das Kopftuch
-lösen, und dabei half er ihr. Wieder fühlte sie seinen Atem; es war
-etwas -- nicht wie Tabak, feiner, angenehmer, aber was war es? Es
-entsprach ihm selbst gleichsam. Ihr war so wohl, mit solchem Überfluß
-von Glück in der Landschaft, durch die sie nun fuhren, und die beständig
-schöner wurde. Auf der einen Seite des Weges die Berge, die weißen
-Berge, denen die Sonne einen rötlichen Glanz gab! vor den Bergen
-Anhöhen, zum Teil mit Wald bewachsen, und zwischen den Anhöhen lagen
-Höfe. Auf der anderen Seite des Weges hatten sie die ganze Zeit das
-Meer; aber zwischen ihnen und dem Meer flache Strecken, vielleicht
-Moore. Das Meer selbst grauschwarz gegen die Schneegrenze; das sprach
-herein von anderen Seiten des Lebens. Von ewiger Unruhe, salzigem Ernst,
-nur Protest auf Protest gegen das Schnee-Idyll.
-
-Während des Tauwetters waren Zweige, Stämme, Zäune feucht gewesen; der
-erste Schnee der dann kam, war ebenfalls feucht an sich und klebte gut
-fest. Als dies dann zusammenfror, und das Schneegestöber immer
-gleichmäßig überwältigend blieb, da bildeten sich Figuren über den
-ersten erstarrten Formen, wie man selten etwas Ähnliches sieht. Die
-Schwere des ersten feuchten Schnees machte, daß er hinabsickerte, an
-irgend einer Unebenheit haften blieb und sich dort sammelte; oder unter
-die Zweige hinabglitt oder zu beiden Seiten der Zaunpfähle. Als dies
-sich nun in Ruhe fügte und vermehrte, kamen die schnurrigsten Tiere zum
-Vorschein, -- weiße Katzen, weiße Hasen, die mit krummem Rücken und
-gestrecktem Vorderleib an den Baumstämmen in die Höhe kletterten, oder
-unter den Zweigen manövrierten, oder oben auf den Hürdenstangen einen
-Buckel machten. Zottige, weiße Tiere, oft so groß wie der Marder, aber
-sogar auch groß wie der Luchs, ja, wie der Tiger. Demnächst allerhand
-kleines Getier, weiße Mäuse, Hermeline, oben und unten und drüben. Und
-alle möglichen Raritäten, Kobolde, die an den Beinen hingen, Pierrots,
-Gnomen auf den äußersten Spitzen der Hürdenpfähle, Heinzelmännchen mit
-Rucksäcken; oder eine hingeworfene Kappe, eine Nachtmütze, ein Tier ohne
-Kopf, ein anderes mit einem Schweif von ungeheurer Länge, ein großer
-Fausthandschuh, eine umgestülpte Wasserkanne. An einigen Stellen bloßes,
-schwarzes Laubwerk als Verzierung an der weißen Wand, an andern große
-Schneelasten in den Nadelbäumen mit Grün drüber und drunter, mächtige
-Farbenmengen gegeneinander.
-
-Aarö hielt an; sie stiegen beide ab.
-
-Da stürmte eine Reihe ganz anderer Eindrücke hervor. Dicht neben ihnen
-lag ein alter Bursche von einem Stamm, halb umgestürzt im Spiel des
-Lebens. Aber träumte er nicht jetzt im Winter den schönsten Traum,
-nämlich daß er jung sei? Beim ausgelassenen Aufbauen schneeweißer
-Herrlichkeit hatte er alle Schmerzen und Hinfälligkeit vergessen;
-versteckt war das Moos auf seiner Haut, die Fäulnis der Wurzel war
-zugedeckt, die Narben von den verlorenen Zweigen unsichtbar. Eine
-gebrechliche Pforte war ausgehängt und an den Zaun gelehnt, sie war
-zerbrochen und unbrauchbar. Auch sie hatte des Winters Künstlerhand
-aufgesucht und erneuert; jetzt war sie ein architektonisches
-Meisterwerk. Die schiefstehenden, dunklen Zaunpfähle waren junge Stutzer
-mit schiefem Hut und munteren Mienen. Die alten, schmutziggrauen,
-moosbewachsenen Hürdenstangen -- man kann sich das Paradies hinter
-keiner schöneren Einfriedung träumen! Ihre Schwäche war bei der
-Auferstehung ihre Stärke geworden, Sprünge und Äste im Holz der
-vorzüglichste Baugrund für den Schnee, jedes Loch mit einem Wisch
-himmlischer Krystalle zugestopft; entstellende Unebenheiten schon seit
-der Zeit, wo sie gespalten worden, waren nun zugedeckt und geküßt,
-beruhigt und geschmückt, alle Fehler mit aufgenommen in die weiße
-Gemeinschaft.
-
-Eine verfallene Tenne unterhalb des Weges, ein wohlausgedienter
-Mutterarm für Laub und Torf, -- ebenfalls aufgesucht und
-verschwenderischer übergossen, als die reichste Braut der Welt. Aus des
-Himmels reichstem Schoß mit solchem Überfluß beschüttet, daß der Schnee
-in weißen Fahnen einen halben Meter weit über das Dach hing, an einigen
-Stellen mit hoher Kunst wieder aufgefaltet. Die grauschwarze Wand unter
-den Fahnen sah dadurch aus wie ein altes persisches Gewebe; die ganze
-Tenne hätte fertig in einem Shakespeareschen Drama auf die Bühne
-gestellt werden können. Hinten die Berge, vorn die Höhen, alles glänzte
-in der Sonne wie einst im Hosianna der Juden.
-
-Ella vernahm aus der Ferne fortwährend zwei zarte Stimmen »Mama, Mama!«
-die in dies alles hineinklangen. Als sie sich nach ihrem Begleiter
-umsehen wollte, saß er tiefergriffen auf dem Schlitten, während die
-Tränen ihm über die Backen liefen.
-
-Bald fuhren sie weiter, aber langsam. »Ich erinnere mich dieses
-schmutzigen Weges,« sagte er; die Stimme klang so wehmütig, »die Bäume
-gaben so viel Schatten, so daß er selten trocken wurde; aber jetzt ist
-er doch sehr fein!« Da drehte sie sich um und hob den Kopf empor: »Ach,
-singen Sie etwas!« -- Er antwortete nicht gleich; sie bereute, daß sie
-darum gebeten hatte; dann aber sagte er: »Ich wollte schon, aber da kam
-eine solche Erregung über mich. -- Sprechen Sie jetzt eine Weile nichts,
-dann kann ich's vielleicht. Das alte Winterlied nämlich.« -- Sie sah
-ein, daß er nicht eher singen konnte, als bis es für ihn selbst so recht
-zur Wahrheit wurde. Solche stillen Schwärmer dachte sie, sind
-wählerischer in Bezug auf das, was echt ist. Das meiste ist ihnen nicht
-echt genug. Deshalb berauschten sie sich auch so gern, sie wollten
-hinaus, mußten eine Welt für sich allein schaffen. Ja, nun sang er:
-
- Müde schlummert der Sommer ein,
- Winter decket ihn sorglich zu.
- »Bächlein,« sagt er, »geht nun zur Ruh,
- Wogen, lasset das Plätschern sein!«
- Weste schweigen die kosenden,
- Stürme heulen, die tosenden.
-
- Somren sovned i Vintrens Favn,
- Vintren rejste sig, daekked til,
- »rolig« sa han til Elvens Spil,
- »rolig« sa han til Gaard og Havn.
- Tause blev de saa, Skogerne.
- Hjemme hörtes kun Slogerne.
-
- All den Duft, den der Sommer gab,
- Fein verwahrt er fürs nächste Blüh'n,
- Ruhen durft er für all sein Müh'n.
- Bäume senken das Laub herab,
- All, die Blumen, die prächtigen,
- Bergen sich vor dem Mächtigen.
-
- Al den Ting, som var Somren kjaer,
- fint forvartes til naeste Gang;
- Hvile fick det for al sin Trang,
- Markens Spirer og Vand og Traer.
- Gjemtes som Kjaernen i Nödderne,
- Mulden smuldred am Rödderne.
-
- Was der Sommer an Krankheit bracht,
- Pestkeim, den seine Glut erzeugt,
- Winterkälte hat ihn verscheucht,
- Hoch auf Bergeshöh er erwacht,
- Atmet die Lüfte, die tauenden,
- Grüßet die Gipfel die blauenden.
-
- Alt, hvad Somren af Sygdom led,
- Pestfrö over dens Liv og Frugt,
- Vintren draebte i Frost og Flugt --
- vaagne skal hun i fjaeldblaa Freed,
- toet af Sneen og Vindene,
- hilset af Sundhed i Sindene.
-
- Über des schlafenden Sommers Stirn
- Streut der Winter gar holden Traum,
- Sternenhoch trug er im Weltenraum
- Ihn zu der Nordlicht umstrahlten Firn,
- Durch die Zeit, die nie säumende
- Fort -- bis erwacht der Träumende.
-
- Over den sovendes höstgraa Bryn
- Vintren strödde saa fager Dröm,
- stjaernehöj, hvid-hvid i Nordlys-Ström
- bar den hende fra Syn til Syn
- gjennem de lange Dögnene
- frem, til hun opslog Öjnene.
-
- Er, den grausam und bös' sie schmähn,
- Schaffet, was er doch nie darf seh'n;
- Er, der Räuber und Mörder genannt,
- Schirmet und wachet all Jahr im Land, --
- Weiter eilt dann der Flüchtige,
- Harrt auf die Zeit, die richtige.
-
- Han, som skjaeldtes for vond og vred,
- lever for det, han ej faar se;
- han, som skjaeldtes for Morder, han
- skjaermer og tor hvert Aar vort Land, --
- gjemmer sig saa i Fjaeldene,
- til det blir kaldt am Kvaeldene.
-
-Die vielen kleinen Schellen begleiteten den Gesang wie
-Sperlingszwitschern; seine Stimme läutete zwischen den Bäumen den
-Gottesdienst des Menschengeistes in den weißen Hallen ein.
-
-_Ein_ Tag, das fühlte Ella, bezahlte für tausend. _Ein_ Tag tut das, was
-das Winterlied erzählt, er wiegt einen müden Sommer zur Ruhe, dämpft
-seine Krankheitskeime, zerbröckelt die Erde für den neuen, macht die
-Nerven stark und die dunkelste Zeit hell. In ihm sammeln sich all unsere
-langen Träume. Was hätte nicht auch aus ihr werden können, wie klein sie
-auch war, wenn sie _viele_ solche Tage gehabt hätte? Was hätte sie dann
-nicht für ihre Knaben werden können?
-
-Sie kamen an ein langes, weißes Gebäude zwischen zwei Flügeln, alle von
-Holz. Auf dem Hofplatz standen viele Schlitten mit aufgestellten
-Gabeldeichseln; es waren also schon mehrere Gesellschaften hier. Ein
-Stallknecht führte ihr Pferd fort; der Diener, der sie bedienen sollte,
-war gleich zur Hand, um ihnen zu helfen, und ein Mann im bloßen Kopf mit
-jovialem Gesicht kam dazu; es war Peter Klausson! Er schien sie erwartet
-zu haben und wollte Ella durchaus beim Ablegen behilflich sein. Aber er
-roch nach Cognac oder was es war; um ihn los zu werden, fragte sie nach
-dem Zimmer, in dem sie speisen sollten. Sie wurden in ein warmes,
-gemütliches Zimmer mit gedecktem Tische geführt; dort half Aarö ihr mit
-den Sachen. »Ich konnte Peter Klaussons Atem nicht ertragen,« sagte sie.
-Da lächelte Aarö.
-
-»In Amerika hat man Mittel gegen dergleichen.« -- »Was meinen Sie?« --
-»Man nimmt etwas, das den Atem anders macht.« -- Gleich darauf bat er,
-ihn zu entschuldigen, er habe noch dies und jenes anzuordnen. Sie war
-also allein, bis angeklopft wurde; es war wiederum Peter Klausson! Er
-sah ihr Erstaunen und lächelte: »Wir werden ja zusammen speisen,« sagte
-er. -- »So?« -- Sie sah nach dem Tisch; er war für fünf gedeckt! --
-»Haben Sie kürzlich von Ihrem Manne gehört?« -- »Nein.« -- Lange Pause.
-Ist Peter Klausson eine Gesellschaft für Axel Aarö? Der beste Kumpan
-ihres Mannes? Aarö, der nur haben wollte, was echt war? Aber im selben
-Augenblick, da sie dies gedacht hatte, mußte sie auch zugeben, daß Peter
-Klaussons unmittelbare Natur vollkommen ehrlich sei, was er sonst auch
-immer sein mochte.
-
-Der Diener brachte einen Korb mit Wein ins Zimmer, schloß die Tür aber
-nicht eher hinter sich, als bis er von draußen noch mehr hereingeholt
-hatte, nämlich Champagner in Eis. »Ist all der Wein für uns?« fragte
-Ella. -- »Wie ich sehe,« erwiderte Peter Klausson; er war sichtlich
-erfreut. -- »Aarö trinkt doch keinen Wein?« -- »Aarö? Er hat mich
-aufgefordert, heute herauszukommen -- ich kam zufällig zu ihm hinauf, --
-und da haben wir beide den allerfeinsten Cognac getrunken.« -- Ella
-kehrte sich nach dem Fenster um, denn sie fühlte, wie sie erbleichte.
-
-Gleich darauf trat Aarö ein, so höflich und vornehm, daß Peter Klausson
-die Hände aus den Hosentaschen ziehen mußte; er wagte beinahe nicht zu
-sprechen. Aarö teilte mit, daß er Holmbos eingeladen habe; gerade eben
-hätten sie abgesagt; sie mußten sich jetzt alle drei an ihrer
-gegenseitigen Gesellschaft genügen lassen. Er führte Ella zu Tisch. Aarö
-zeigte sich als der liebenswürdigste und der erfahrenste Wirt. Mit dem
-deutschen Diener sprach er englisch und gab fortwährend kleine Winke in
-Bezug auf das Anrichten; er verdeckte die Sünden des Dieners, brachte
-Kleinigkeiten zur Geltung -- alles so, daß man es kaum merkte.
-Gleichzeitig nährte er eine einfache Unterhaltung durch kleine Anekdoten
-aus seinem gesellschaftlichen Leben. Er schenkte niemals selbst ein;
-wenn er trank, zitterte ihm die Hand. Auch früher glaubte sie dies schon
-bei ihm gesehen zu haben; jetzt quälte es sie.
-
-Der erste Gang waren Austern, und davon aß sie tüchtig; sie war sehr
-hungrig. Aber später konnte sie weniger und immer weniger mitkommen, ja,
-zuletzt war es, als würde ihr die Kehle zusammengeschnürt. Sie hätte
-ebenso gut weinen wie essen und trinken können.
-
-Anfangs war es ihr nicht recht klar, weshalb. Wohl, daß es so ganz
-anders war, als sie geträumt hatte: der herrliche Tag war im Begriff
-eine Enttäuschung zu werden. Im Beginn dachte sie: dies wird wohl einmal
-ein Ende nehmen, und dann haben wir es auf dem Heimwege wieder angenehm.
-Aber nach und nach, als seine Laune immer ausgelassener wurde, erwies er
-ihr alle erdenkliche Aufmerksamkeit, ja, sie wurde von beiden Kavalieren
-zugleich gefeiert -- bis sie hätte schreien mögen. Nach der Mahlzeit
-wurde sie elegant an Aarös Arm in ein anderes Zimmer geführt, das
-ebenfalls in Bereitschaft gehalten war -- gemütlich, prächtig mit einem
-Klavier.
-
-Der Kaffee wurde sofort serviert (mit einem »^Avec^«) und unmittelbar
-darauf baten die Herren um Erlaubnis, einen Augenblick rauchen zu
-dürfen, es solle nur ganz kurz sein. Sie gingen -- und ließen sie
-allein. Dies war nicht einmal mehr höflich -- und nun erst begriff sie,
-daß nicht nur der Tag, sondern Aarö ein anderer geworden, als sie
-gedacht hatte! Das große Dunkel der Ballnacht kam über sie hergezogen;
-sie kämpfte dagegen, sie erhob sich und ging, wollte hinaus, als könne
-sie ihn dort so wiederfinden, wie sie ihn in ihrer Vorstellung hatte.
-Sie suchte den Weg nach dem ersten Zimmer, nahm dort ihr rotes Tuch um
-und war gerade auf den breiten Platz vor dem Gebäude gekommen, als der
-Diener vom Mittag hinter ihr her kam und etwas auf englisch sagte, was
-sie anfangs nicht verstand; sie war nämlich zu sehr mit den eigenen
-Gedanken beschäftigt, um sofort die Sprache wechseln zu können. Der
-Diener erzählte, daß einer von ihren Begleitern krank geworden sei; der
-andere sei nicht zu finden. Als sie die Worte bereits verstand, begriff
-sie nicht, was es sei, sondern folgte ihm mechanisch. Unterwegs fiel ihr
-ein, daß Aarös Zunge ihm nicht ganz gehorcht habe, als er nach dem
-»^Avec^« um Erlaubnis gebeten, hinausgehen und ein wenig rauchen zu
-dürfen; ihn hatte doch wohl nicht der Schlag getroffen --!
-
-Sie kamen am Rauchzimmer vorbei, das ihr im Vorübergehen voll erschien
--- jedenfalls voll Rauch und Gelächter. Die Tür zu einem kleinen Zimmer
-daneben wurde geöffnet; dort lag Axel Aarö auf dem Bette; er mußte sich
-dort hinein geschlichen haben -- vielleicht um noch mehr zu trinken. Er
-hatte nämlich eine kleine, dicke Flasche mit hineingenommen, die auf
-einem Tische neben dem Bette stand. Auf diesem lag er selbst,
-vollständig angezogen mit erloschenen Augen, ohne Kraft oder Empfindung;
-er sagte zu ihr: »Tip, tip, Peté!« Er wiederholte es mit ausgestrecktem
-Finger: »Tip, tip, Peté!« Beidemal in der Fistel. Sollte das Peter
-heißen? Glaubte er, sie sei ein Mann? Hinter ihm auf dem Kopfkissen lag
-etwas Haariges; es war ein Toupet; jetzt sah sie's, er hatte eine
-Glatze. »Tip, tip, Peté!« hörte sie hinter sich, als sie hinausstürzte.
-
-Armseliger als jetzt Ella in ihren Pelzschuhen und Winterkleidern so
-schnell, wie ihre kurzen Beine sie tragen konnten, nach der Stadt
-zurücktrabte, ist wohl selten jemand über einen Landweg gelaufen. Der
-schwere Mantel, den sie auf der Fahrt gehabt, war aufgeknöpft, das
-Kopftuch trug sie in der Hand, und doch schwitzte sie, daß es herab
-tropfte; die Vorstellung beherrschte sie, daß es die Träume seien, die
-von ihr abfielen!
-
-Anfangs dachte sie nur an Axel Aarö, den unglückselig Verlorenen! Morgen
-oder übermorgen hatte er das Land verlassen, sie wußte es bereits, und
-diesmal für alle Zeiten!
-
-Aber wenn sie es sich so recht entsetzlich ausmalen wollte, wie es war,
-dann lag das Toupet auf dem Kopfkissen und sagte: »Es war doch wohl
-nicht alles so echt mit Axel Aarö?« Doch, doch, -- was konnte er dafür,
-daß er so früh kahl geworden war? Hm, erwiderte das Toupet, er hätte es
-eingestehen können.
-
-Ella arbeitete sich vorwärts. Glücklicherweise begegnete sie niemand,
-auch kam niemand von all denen, die jetzt auf Baadshaug waren, hinter
-ihr her; sie mußte ja komisch aussehen, schwitzend und weinend mit
-aufgeknöpftem Mantel, in Pelzschuhen mit dem Tuch in der Hand. Sie
-versuchte ein paarmal, langsamer zu gehen, aber der Aufruhr in ihr war
-zu stark, und dann lag es in ihrer Natur, sich vorwärts zu arbeiten.
-
-Aber in ihrem gejagten Blut meldete sich die kräftige Frage: Möchtest
-du, Ella, nun all deine Träume entbehren, da es jedesmal so jämmerlich
-damit gegangen ist? Da flennte Ella laut auf und erwiderte: nicht, wenn
-es mein Leben gälte! Nein, denn die Träume sind das Beste, was ich
-gehabt habe; sie haben mich gelehrt auszuhalten, sie haben mir gegeben,
-womit ich all das andere messen kann, so daß ich niemals etwas für hoch
-halte, was niedrig ist. Nein, meine Träume, die habe ich auch um meine
-Kinder gewebt, so daß ich jetzt tausendmal mehr Vergnügen an ihnen habe.
-Die, und dann die Blumen, das ist alles, was ich habe. Und sie flennte
-und arbeitete sich vorwärts.
-
-Aber nun sind dir ja keine Träume mehr geblieben, Ella!
-
-Anfangs wußte sie nicht, was sie darauf antworten sollte; es schien ja
-allzu wahr, allzu entsetzlich wahr, -- und das Toupet zeigte sich
-wieder.
-
-Gerade hier hatte Aarö das Winterlied gesungen. Wie das Zwitschern der
-Schellen die Weise begleitet hatte, so begleitete jetzt das »Mama,
-Mama!« der zarten Stimmen ihre Tränen. Es war nicht wunderlich, denn sie
-lief ja zu ihren Knaben, aber jetzt meldeten sie sich, als wären sie's,
-von denen sie träumen sollte. Nein, nein, »da haben Sie doch etwas
-Reelles,« antwortete es mit Aarös Stimme; sie erinnerte sich, wie er es
-gesagt, sie erinnerte sich seiner Wehmut dabei. Hatte er wirklich an sie
-und sich gedacht und an die Knaben und sie? Hatte er seine eigene
-Schwäche mit ihrer Gesundheit und Zukunft gemessen? Sie kam wieder weit
-von den Knaben ab; sie war wieder bei all seinen Worten und Blicken, um
-das Rätsel zu deuten; aber darunter brach das Sehnen und der Schmerz
-wieder auf, wie nie zuvor; das ganze Leben war vorbei, der Traum zu alt
-in ihr, zu stark, zu lieb, die Wurzeln konnten nicht ausgerissen werden,
-unmöglich! Sie waren ja ungefähr alles, was sie den nächsten Tag sehen
-würde, berühren, vornehmen würde! -- -- Zu aller Verzweiflung kam noch,
-daß die Knaben nicht zu Hause waren; sie kam an ein leeres Haus.
-
-Aber Kräfte waren in ihr. Denn als sie nach Hause kam und gebadet und
-sich schlafen gelegt hatte, und der Mondschein von gestern abend ins
-Zimmer sah und erwähnte, was sie mit einander gehabt hatten, da warf sie
-sich im Bett umher und weinte laut wie ein Kind; hier konnte niemand sie
-hören, niemand hereinkommen. Ihr Herz war jung, wie damals, als sie
-siebzehn Jahre alt war; es konnte und wollte nicht aufgeben!
-
-Was war es denn eigentlich, was sie heute gewollt hatte? Ja, das wußte
-sie nicht; -- nein, sie wußte es nicht! Sie wußte nur, daß _dort_ ihr
-Glück sei, und nun hatte sie es darauf ankommen lassen. Jetzt lag sie
-hier enttäuscht und betrogen in einer Weise, wie gewiß wenige vor ihr es
-gewesen.
-
-Sie vermochte aber auch nicht, ihn zu entheiligen. Deshalb zog die
-Winterweise mit seiner Stimme vorüber, gut, voll, traurig; die wollte
-gleichsam alles für sie ordnen. Und gehorsam wie ein Kind legte sie sich
-zurecht und lauschte. Was sagte sie? Freilich, die sagte, daß die Träume
-zwei Sommer zusammenbänden, den, der war, und den, der sich langsam aufs
-neue emporarbeitete, dank den Träumen, die gewacht hatten. Sie sagte
-auch, daß die Träume etwas für sie seien, oft höhere Wirklichkeit, als
-die der Verhältnisse. Sie hatte das ja oft so empfunden, wenn sie mit
-ihren Blumen beschäftigt war.
-
-Bei all ihrer Ruhelosigkeit im Bette war der Zopf an ihre Seite geraten.
-Wehmütig zog sie ihn herauf; noch heute hatte er ihn geküßt.
-
-Und dann legte sie sich auf die Seite und nahm ihn zwischen die Hände
-und weinte.
-
-»Mama, Mama,« flüsterte es. Und so schlief sie ein.
-
-
-
-
- Ivar Bye
-
-
- Deutsch von G. I. Klett
-
-An seinem Sterbebett gab ich mir selbst das Versprechen, sobald seine
-Geschichte einst öffentlich erzählt werden könnte, wollte ich es tun.
-Aber ich wußte, in dem ersten darauf folgenden Menschenalter konnte dies
-kaum geschehen.
-
- * * * * *
-
-Nun hat sich öffentlich vor aller Augen in Norwegen etwas ereignet, das
-bis zu mir dringt und fragt: Ist die Zeit noch nicht gekommen?[1]
-
-Ivar Bye's Name war den Meisten bekannt, welche die Eröffnung des
-norwegischen Theaters in Christiania sahen. Bis in die fünfziger Jahre
-waren wir künstlerisch ein von Dänemark abhängiges Land; wir waren ohne
-dramatische Literatur, ohne Schauspieler und, der Ansicht vieler
-gebildeter Norweger zufolge, absolut unfähig, dies Beides zu erlangen,
--- bis Ole Bull den Braven zeigte, daß dennoch ein großes
-Schauspielertalent im Volk steckte, und daß die Stücke von selbst kamen.
-Nach dem Bergenser norwegischen Theater, das er errichtete, erstand das
-Christianiaer norwegische Theater, in Gang gebracht von einigen
-Patrioten, deren einziger überlebender der alte Oberlehrer K. Knudsen[2]
-ist. Am Eröffnungstag des norwegischen Theaters war Ivar Bye mit dabei.
-Ein dunkler, breitschultriger Mann von schlanker Taille, einen Kopf so
-schön von Form, so gut und edel von Gesichtsausdruck, daß keiner ihn
-vergaß. Die Stirn breit und hoch, das Haar fast schwarz, die Augenbrauen
-gewölbt, eine Adlernase, schmal, fein, -- und dazu die guten, grauen
-Augen mit einem Schelm drin, sobald er sprach. Dann verzog sich auch der
-Mund gern zu einem Lächeln, voll von Erotik und erhellt von einem
-Schimmer herrlicher Zähne in breiter Rundung. Diese grauen Augen und der
-Mund taten gute Dienste zusammen, machten unablässig Eroberungen unter
-Männern und Frauen, alten und jungen. Aber im Stillen. Obgleich sein
-Kopf auf einem recht langen Hals aufrecht getragen wurde, und obschon
-das Kinn vorspringend war und Mut bekundete und obschon das hagere,
-bräunliche Antlitz Energie verhieß, -- immer kam er gedämpft und
-rücksichtsvoll.
-
-[Fußnote 1: Ein begabter Arbeiter war im Jahr 1894 zum Stortings-Mann
-für Trontheim gewählt worden, gab sich aber darauf selber als wegen
-einiger Jugendvergehen vorbestraft an.]
-
-[Fußnote 2: + im Jahr 1895.]
-
-Zwei Mängel hatte der Körper; er war nicht rund ausgebaut, sondern eher
-flachgedrückt, und die Kniee waren nicht frei von der Neigung,
-auseinander zu gehen. Die Meisten sahen das nicht; sie hielten sich an
-seinen schönen Gang, dessen angenehmen Rhythmus sie empfanden. Nie hat
-jemand ihn irgendwo im Vordergrund gesehen, wo sie ihn aber zu Gesicht
-bekamen, da zog er die feineren Naturen an. Und auch die andern fühlten,
-hier war ein Mann von Rasse.
-
-Und das war er. Aus einer alten norwegischen Beamtenfamilie, in der das
-Erbe unsrer ältesten Geschlechter steckte, er hieß nicht Bye.
-
-Sein Großvater hatte als Beamter Kassendefraudation begangen, und obwohl
-die Umstände nicht sonderlich gravierend waren, empfanden es die Kinder
-als eine solche Schande, daß sie einen andern Namen annahmen. Ivars
-Vater war zum Offizier bestimmt, ich glaube auch, er war auf der
-Kriegsschule; aber nach des Vaters Fall mußte er sich damit zufrieden
-geben, Sergeant zu werden.
-
-Jeder Moldenser Schuljunge aus meiner Zeit erinnert sich an Sergeant
-Bye, wenn er in der Stadt war .... stets betrunken. Ein mittelgroßer,
-breit ausgehauener Mann mit großer Adlernase und mit einer gewissen
-Würde in seinen Bewegungen. Selbst wenn er am allerbetrunkensten war,
-bewahrte er die. Er konnte nicht gedeihen in der Umgebung, zu der er
-herabgesunken war, und so schuf sein romantisches Naturell sich manche
-sonnige Stunde, in denen er den Herrn spielte. Alle rühmten seine Güte
-und Rechtschaffenheit.
-
-Der Sohn hatte denselben Drang aus dem Bauernleben heraus. Draußen an
-der Küste ging es damals recht eng und ärmlich zu. Da saß er als Hirte
-und träumte davon, das Geschlecht zu ehemaliger Herrlichkeit
-emporzuheben; er erzählte diese großen Träume bloß seiner kleinen
-Schwester, sonst niemand. Die beiden Geschwister hielten sich ganz für
-sich.
-
-Der kleine Ivar hatte ein unglaubliches Talent, sie und sich selbst
-herauszuputzen. »Etwas zu machen aus nichts oder aus einer ungeeigneten
-Materie,« wie das religiöse Lehrbuch meiner Zeit »die Schöpfung«
-definierte. Zum Lohn für dies Talent wurde, als er älter war, Vaters
-abgelegte Uniform für ihn gewendet und zugeschnitten, so daß er sich
-eines Tages in der Stadt in blauem Tuchanzug, mit blauer Mütze zeigen
-konnte! Das war wohl der höchste Festtag seines Lebens! Er wurde auch
-gleich um seiner ungewöhnlichen Schönheit willen bewundert. Die
-Gesellschaft anderer als der Zöglinge der höheren Schule verschmähte er.
-Er erzählte mir später, wie er lange vergebens darauf brannte, mit in
-das Spiel der großen, vornehmen Jungens zu kommen. Und es glückte, --
-dank Einem insbesondere, dem Herrn über alle andern. Die Hingebung und
-der Stolz des kleinen Jungen kannte keine Grenzen.
-
-Hier hatte er auch seine erste Liebe. Es war kein Mädchen, sondern ein
-fast erwachsener Kamerad unter denen, die sich seiner angenommen hatten,
--- schön, verwegen, herrschsüchtig, schon recht lebenserfahren, schon
-ziemlich verdorben. Aber das verstand Ivar nicht; er bewunderte seine
-Flottheit, sein Befehlshabertalent, seine herablassende Leutseligkeit,
--- und vielleicht vor allem seine große Schönheit, seine hohe, schlanke
-Figur, seine ungewöhnlich weiße Haut zu schwarzem Haar -- nicht zu
-vergessen seine gesellschaftliche Gewandtheit und die Gunstbeweise der
-Frauen ihm gegenüber; das war für den Knaben etwas ganz Neues. Das war
-der Herrentyp, das Ideal des Knaben.
-
-Unter all diesen Kameraden war Ivar der kleinste und behendeste, wenn es
-gefahrvolle Schelmenstreiche galt, z. B. Äpfel und Beeren in den Gärten
-stehlen und verschwunden sein, wenn der Eigentümer oder andre den Lärm
-hörten und herbeikamen. Jedesmal, wenn sie etwas derartiges angestellt
-hatten, wie eine Schnur über den Weg spannen, so daß die Bauern, wenn
-sie betrunken von der Stadt zurückkehrten, drüber fielen und die Pferde
-durchgingen, oder wenn sie die Leinen an den Booten der Bauern
-durchschnitten hatten, so daß sie ins Meer hinaustrieben ... jedesmal,
-wenn sie etwas derartiges angestellt hatten, ohne entdeckt zu werden, so
-hielten sie das für »eine Tat«. In Stadt und Umgegend davon reden zu
-hören, das war ein Jux!
-
-An einem Ende der Stadt lebte eine geizige, zornmütige Witwe, die einen
-Laden und einen großen Garten besaß; mit diesem Zornbesen lagen sie ganz
-besonders in Fehde, d. h. _sie_ wußten, wem sie ihren Schabernack
-spielten; aber die Alte wußte nicht, gegen wen sie Wachen ausstellte,
-den Hund hetzte, in die dunkeln Herbstabende hinaus schalt und drohte.
-So lange trieben sie das, bis sie fanden, es sei nötig, noch mehr zu
-tun. Der Vorschlag des Anführers, daß sie sich eines Abends in den
-geschlossenen Laden schleichen und ihre Kleingeldkasse (sie wußten, in
-welcher Schiebelade sie stand) entwenden wollten, fand allgemeine
-Zustimmung. Das war ein »Hauptulk«; ihr Zorn würde gradezu in
-»Besessenheit« ausarten! Der Jüngste und Behendste wurde durchs
-Kellerfenster hineinkommandiert, die Andern standen Wache.
-
-Aber wie es nun zuging, -- der Jüngste und Behendste wurde entdeckt. Und
-mit einem Mal erhielt die Sache ein Aussehen, wie es keiner der
-Spaßmacher sich gedacht hatte.
-
-An die Einzelheiten erinnere ich mich nicht mehr. Das Ende war, daß er,
-der den Streich auf Befehl ausgeführt, die Kasse abgeliefert und keinen
-Vorteil davon gehabt hatte, -- der Einzige war, der gefaßt, angeklagt
-und verurteilt wurde. Die andern waren »guter Leute Kinder«. Es waren
-auch verschiedene Konfirmierte unter ihnen, für die die Strafe allzu
-ernst geworden wäre; denn die Gesetze jener Zeit waren streng.
-
-So drangen denn die andern Knaben und deren Eltern mit Bitten und
-Versprechungen auf ihn ein; der Gefängniswärter gab freien Zutritt. Es
-wäre gar nicht notwendig gewesen, ihn zu bitten, alles auf sich zu
-nehmen; er hätte gern sein Leben für die Kameraden gegeben. Besonders
-für den Großen mit der weißen Haut und dem schwarzen Haar. Es war eine
-Freude für ihn, als schließlich auch der kam und sagte: »Du sollst es
-nicht bereuen,« -- und ihm dazu übers Haar strich.
-
-Wohl tat es weh, als Vater und Mutter kamen und ihn gar nicht verstehen
-konnten. »Er, der immer so lieb und gut gewesen war, -- er sollte nun
-ihre Schande werden!« Der Knabe weinte bitterlich mit ihnen; aber
-schwieg.
-
-Und dabei bliebs auch an dem schweren Tag, als er in seinem hübschen
-blauen Anzug an Bord des Dampfschiffes mußte; er sollte in das
-Trontheimer Zuchthaus überführt werden, um dort »konfirmiert« zu werden.
-Er durfte an der Reeling stehen und nach der Stadt hinüberblicken; er
-wollte gern aufpassen, ob keiner von denen, für die er die Reise tat, in
-einem der Boote drunten war. Er durfte an der Reeling stehen, bis das
-Dampfboot abfuhr. Aber er sah keinen von ihnen.
-
-Im Zuchthaus wurde er vom ersten Tag an aller Liebling. Sie hatten
-Mitleid mit dem schönen, lieben Jungen; sie wetteiferten darin, etwas
-für ihn zu tun, damit er vorwärts käme, wenn er einst entlassen würde.
-
-Hier, im Trontheimer Zuchthaus, wurde er auch konfirmiert. Hier las,
-rechnete und schrieb er, und noch eh er heraus kam, war ihm eine Stelle
-als Laufbursche bei einer der ersten Familien der Stadt gesichert. An
-dem neuen Platz wiederholte sich dasselbe, -- alle nahmen sich seiner
-an. Sein Unterricht wurde fortgesetzt, er bekam hübsche Kleider; es
-machte ihnen Spaß, ihn zierlich gekleidet zu sehen, so schön, wie er
-war. Ja, er erhielt eine Guitarre geschenkt und lernte darauf spielen,
-denn er hatte Stimme und begleitete sich nun selbst. Die guten Feen, die
-in dieser Weise Rosen auf seinen Weg streuten, waren natürlich
-hauptsächlich Damen; auch ein Liebesverhältnis spielte dabei mit.
-
-Und bald mehrere.
-
-Er erlebte in dieser Richtung die wunderlichsten Dinge, von denen ich je
-gehört habe. Ich bin wohl der Einzige, zu dem er davon gesprochen hat;
-aber auch da fast nur in Andeutungen. Näheres darüber zu erzählen, habe
-ich nicht das Recht. Ich glaube, daß diese seine Gabe, zu schweigen,
-eben weil sie aus rücksichtsvoller Güte geboren war, die Frauen zu ihm
-hinzog, -- mehr noch als seine Schönheit; mehr noch als andre erotische
-Eigenschaften, die wie ein Geheimnis unter ihnen umgingen. Über
-derartiges können Frauen ja nicht schweigen.
-
-Nach außen hin war dies sicherlich seine glücklichste Zeit. Aber wenn
-ich später darüber nachgedacht habe, ist mir mehr und mehr der Glaube
-gekommen, daß er da einen Knax fürs Leben bekommen hat.
-
-Man darf ja wohl annehmen, daß die Knabenträume, die er mir erzählte,
-aus Kräften in ihm entsprangen, aus einer Energie, die später nicht zur
-Reife gedieh. Ich gebe jedoch zu, daß ich sein Geschlecht nicht kenne
-und es deshalb so genau nicht wissen kann. Nicht alle Träume sind eine
-Selbstprophezeihung von Kräften; sie können auch nur als Erinnerungen
-aus der Vergangenheit des Geschlechts mittreiben.
-
-Später, als ich ihn traf, war er ohne starken Lebensdrang, ohne
-sonderliche Unternehmungslust; und unter all der Liebe, in deren Mitte
-er lebte, war keine, die seinen Sinn ganz erfüllte. Seine Schwärmerei
-war damals, mit einem oder dem andern seiner Freunde unter den Kapitänen
-hinauszukommen. Eine Reise nach Hamburg, Bremen, Kopenhagen, Schweden
-machen, oder andre Städte in Norwegen besuchen zu können. Ich erwähne
-dies besonders, weil es besonders charakteristisch ist.
-
-Die Sache war nämlich die: er wußte nicht, oder wollte nicht wissen,
-wohin.
-
-Es war, als müßte ein andrer kommen und bestimmen. Er verließ Trontheim
-und kam nach Christiania, wo man den hübschen Menschen in einem Laden
-sehen konnte. Rasch hatte er einen neuen Kreis von Freunden und
-Freundinnen; aber immer dieselbe Unentschlossenheit.
-
-Da liest er in der Zeitung, daß seine Bewunderung aus den Kindertagen,
-der Mann mit der weißen Haut und dem schwarzen Haar, im ersten Hotel der
-Stadt wohnt!
-
-Er hat mir später erzählt, daß er vor Erregung zitterte und sich krank
-melden mußte; er konnte seine Gedanken nicht zur Arbeit sammeln. All die
-Jahre hindurch hatte er, oft ohne es sich selbst zu gestehen, auf ihn
-gewartet. Das Letzte, was er aus dem Mund des Freundes, in dem ihm
-eigenen, selbstherrlichen Ton gehört hatte, war ja: »Du sollst es nicht
-bereuen!« Eine runde, volle Anweisung, ausgestellt von einem Mann, der
-die Ritterlichkeit selbst war. Bye hatte ihn in all diesen Jahren nicht
-belästigt; zu der Schuldsumme hatten sich also Zinsen gehäuft. Der
-Freund war nun auch im Auslande ein reicher Mann geworden, wenn das
-Gerücht nicht trog; Bye würde auch ins Ausland kommen, das fühlte er!
-Nun galt es also, ihm zu sagen, daß er hier war. Aber es mußte so
-geschehen, daß andre es nicht hörten oder sahen; das hätte den
-Nichtsahnenden in Verlegenheit bringen können! Er erkundigte sich
-deshalb im Hotel, wo der Fremde abends hinginge; und Nacht für Nacht
-ging er selbst vor sein Hotel; er wollte ihm begegnen, wenn er heimkam.
-Aber es traf sich nie günstig. Da faßte er Mut und schrieb. Erzählte
-ihm, daß er in der Stadt sei, und erbat sich eine Unterredung,
-gestattete sich, die Zeit und den Ort ihres Zusammentreffens, des
-Freundes Zimmer im Hotel, vorzuschlagen.
-
-Zur bestimmten Zeit fand er sich vor der bestimmten Tür ein. Er stand
-und lauschte, eh er anklopfte; es war Licht darin -- aber kein Geräusch.
-Endlich klopfte er. Ein kräftiges »Herein!« antwortete ihm. Als Bye
-nicht sogleich zu öffnen vermochte, wurde es wiederholt -- noch
-kräftiger -- vom besten Gewissen der Welt.
-
-Ivar Bye stand vor einem hohen, stattlichen Mann in eleganter
-Gesellschaftstoilette, der eben Parfüm auf sein Taschentuch goß.
-
-Sie sahen einander an; und die erste Folge davon war, daß keiner von
-ihnen grüßte. »Ich habe Ihren Brief erhalten; aber ich bedaure, daß die
-Zeit, die Sie vorgeschlagen haben, nicht günstig ist; ich bin im Begriff
-auszugehen. Bitte, nehmen Sie Platz!«
-
-Bye blieb stehen.
-
-»Ich sehe, es geht Ihnen gut. Was treiben Sie?« -- »Ich bin im
-Handelsfach.« -- »So, wirklich? Sind Sie schon lange hier?« -- »Ein Jahr
-oder so.« -- Er wußte nicht mehr, was er redete, das Zimmer fing an,
-sich im Kreis zu drehen. »Ja, Sie müssen wirklich entschuldigen, aber
-ich höre eben den Schlitten vorfahren.« Er wandte sich um und legte ein
-großes seidnes Halstuch um, eh er den Pelz umnahm. Es klopfte. Ein
-Diener meldete, daß der Schlitten da war, eilte herbei und half dem
-Herrn in den Pelz. Bye stand noch immer unbeweglich, als der Herr mit
-einem höflichen Adieu an ihm vorbei in den Gang hinaus und die Treppe
-hinab ging.
-
-Bye war über dreißig Jahre alt, als er mir dies erzählte, und mehrere
-Jahre waren vergangen, seit es geschehen war. Aber er weinte wie ein
-betrogenes Weib.
-
-Nach dieser Begegnung wurde er langsam ein anderer. Wie ich es später
-begriff, müssen die ersten äußeren Anzeichen davon gewesen sein, daß er
-seine Lieder nicht mehr sang, es kaum ertrug, sie von andern singen zu
-hören; die Guitarre rührte er nicht mehr an. Es ist dies nicht so zu
-verstehen, daß das Leben der Erwartung, das er bisher geführt hatte, von
-dem energischen Bestreben abgelöst wurde, sich eine Zukunft zu schaffen.
-Das lag ihm gar nicht mehr, wenn er das je getan hatte. Sondern so, daß
-die Schwärmerei, die er im Innersten genährt hatte, ihre sentimentalen
-Erinnerungen fahren ließ und statt dessen ihre Dichtung um die zu
-spinnen begann, in deren Kreis er gerade stand; wenigstens um Einzelne
-von ihnen. Es begann damit, daß er bei guten Menschen Trost und Zuflucht
-suchte für das Beste in ihm; aber auf die Dauer ward es zu einer
-Lebenskette, welche die Geschichte des einen Freundes oder der einen
-Freundin an die der andern schloß, und alle zusammen bildeten sein
-Glück. Nach und nach lebte er ausschließlich für Andere.
-
-Wie andre junge Leute nach Enttäuschungen und Wunden in einem Kloster
-eindämmern, so er in guten Werken.
-
-Als das norwegische Theater in Christiania errichtet werden sollte, war
-der ehemalige sentimentale Sänger und Guitarreklimperer der erste, der
-sich meldete. Viele Moldenser erschraken, als sie seinen Namen hörten.
-Daß _er_ es wagte, auf einer Bühne aufzutreten! Kurz darauf lernte ich
-ihn kennen und begriff sofort, wie natürlich es für diesen Träumer war,
-nach Aladdins Schloß zu suchen. Da würde er leben -- nicht in den
-Prachtgemächern, nicht an den Fenstern und auf den Balkons paradierend,
-bereit, Huldigungen zu empfangen; sondern in den weinlaubumschatteten
-Bogengängen, in den Alkoven, in den heimlichen Plätzchen rund um die
-Kaskaden draußen im großen Park. Der Mitwisser aller Geheimnisse, der
-Vertraute und Helfer aller. Immer im Hintergrund mit kleinen Diensten
-und guten Ratschlägen bereit; immer bereit, die Jüngsten zu loben, die
-Unglücklichen zu trösten, sich mit den Glücklichen zu freuen. Er selber
-hatte keinen Ehrgeiz; sein Trontheimer Dialekt (welchen die Bühnenleiter
-nicht zu brechen verstanden, solange es noch Zeit war), und seine
-Dilettanten-Furcht vor dem Unnatürlichen, die ihn verhinderte,
-ordentlich loszulegen, waren ihm überall im Wege. Aber wenn wir fragen,
-so wird uns jeder Einzelne von denen, die noch vom ersten Personal des
-norwegischen Theaters leben, erzählen, was er für die war, die er gern
-hatte, denn er war ein verwöhnter Menschenkenner! Sie werden uns
-erzählen, was sie seinem Geschmack, seiner Erfindungsgabe, wo es ihr
-Wohl galt, seiner taktvollen Aufrichtigkeit, seiner Treue und Diskretion
-verdanken. Heiter und warmherzig, phantasievoll und vertrauenerweckend,
-ihre kleinen Fehler verspottend und züchtigend; das, was er liebte,
-hervorlockend.
-
-Er war noch nicht lange da, als er zum ersten Mal in seinem Leben festen
-Boden unter den Füßen zu fühlen begann; es schwankte nicht mehr alles.
-Aber just da erhielt er einen anonymen Brief von »einem Moldenser«.
-Darin wurde er gefragt, »wie _er_ es wagen könne --?«
-
-Und hier war's, wo ich dazu kam.
-
-Eins von den ersten Dingen, die ich erzählen hörte, als ich Zögling der
-höheren Schule zu Molde wurde, war, wie dieser gutherzige, schöne Junge
-von älteren, »vornehmeren« Kameraden mißbraucht und dann schmählich
-verlassen worden war. Darüber herrschte in Molde sowohl damals als
-später nur _eine_ Stimme. Als es nun mit Schlangenzungen zu zischen
-begann, schien es mir deshalb, wir Moldenser müßten die Ersten sein, sie
-in ihre Löcher zurückzupeitschen. Ich habe ein Talent für Organisation;
-in aller Eile veranlaßte ich die Moldenser Studenten, eine Leibwache um
-ihn zu schließen, eine Wache des Schweigens und der Freundschaft. Und zu
-äußerer Sicherheit nahmen wir ihn in die Studentenkolonie auf, die ein
-paar von uns gegründet hatten. Er zog mit seiner langen Pfeife, seinem
-kleinen Hausrat -- vor allem seiner kleinen Beefsteakpfanne, an der so
-viele von uns sich erfreut haben! -- bei uns ein; seine Bude oben wurde
-bald unser Lieblingsaufenthalt.
-
-Als Theaterkritiker konnte ich ihm auch indirekt eine Stütze sein, wenn
-die Leute uns überall zusammen sahen. Ich stutzte einen französischen
-Lustspiel-Einakter für ihn und noch einen andern Notleidenden, Kapitän
-David Thrane, zurecht; letzterer hatte Walzer- und Operettenmelodien
-komponiert, die er darin angebracht haben wollte. Bye erhielt eine
-kleine erotische Rolle; ich wollte sehen, ob er vielleicht am Ende doch
-einmal mit etwas von dem, was er besaß, herauskommen könnte. Er wagte
-sich jedoch kaum zu rühren, so daß das Stück glänzend Fiasko machte. Wir
-tranken unter großem Gelächter auf seinen Tod.
-
-Für das norwegische Theater kamen bald böse Tage. Wir Norweger haben
-nämlich die Gewohnheit, jedes nationale Unternehmen dreimal an unsrer
-Gleichgiltigkeit oder Uneinigkeit zugrunde gehen zu lassen. Erst beim
-viertenmal ist es lebensfähig. Bye ging mit einer schlechten Truppe auf
-die Wanderschaft. Aber eben damals war ich Direktor am Bergenser Theater
-geworden und schickte ihm Reisegeld.
-
-Ich seh ihn noch, wie er am ersten Tag meine Garderobe musterte und sich
-daraus ein paar Hosen mit Seidenstickerei an den Säumen herunter
-auswählte; ich seh ihn mit einem Taschenmesser sitzen und diese
-Verzierungen austrennen; denn grade diese Hosen hatte er sich nun einmal
-ausgesucht. Er war bettelarm. Er hatte nämlich alles, was er hatte,
-weggegeben, solchen, die es nötiger brauchten, als er. »Für mich war ja
-noch immer Rat,« sagte Bye, »ich wußte ja, ich hatte dich in der
-Hinterhand.« Ich möchte wissen, ob ich jemals in meinem Leben stolzer
-auf etwas gewesen bin, das er mir gesagt hat. Es war auch das Einzige
-dieser Sorte, was er mir zu spendieren für zuträglich hielt.
-
-Er nannte mich -- wie alle Kameraden -- »Björnen« (Bär) oder »Bjö'en«
-und behandelte mich wie ein Kind, oder wie einen hellen Toren --
-insonderheit wie das letztere, indem er mich vollständig entmündigte.
-Ich bekam mein eignes Geld nicht in die Hand, -- wobei ich mich
-ausgezeichnet stand, -- sondern mußte ab und zu etwas von ihm »leihen«.
-Er umgarnte mich geradezu mit den abscheulichsten Schlichen und stiftete
-Verschwörungen gegen mich unter meinen Freunden an. Obschon es immer zu
-meinem eignen Besten geschah, -- wenn ich dahinter kam, oder wenn es zu
-stark gegen meine Passionen ging, so kriegte er Prügel; aber in der
-Regel ging's nach seinem Willen. Wenn alles vorüber war, hielt er mich
-unbarmherzig zum Narren, und dann lachten wir alle beide.
-
-Im Frühling zogen wir nach Trontheim, um wieder vor den Trontheimern zu
-spielen -- ich darf wohl sagen, ein gut einstudiertes Repertoire. Die
-Trontheimer wollten uns erst das Theater nicht vermieten; »es sollte
-repariert werden«. Ich mußte hinauf und es erobern, und die andern kamen
-nach. Bye war mit dabei. Eine lustige Gesellschaft waren wir -- lauter
-junge Leute, der Direktor der zweitjüngste von allen! Eine Sommerreise,
-wie sie kaum ihresgleichen gehabt hat in Norwegen! Sie hätte ihren
-Dichter haben müssen; -- der aber starb mit Georg Krohn.
-
-Proben und Vorstellungen, Gesellschaften, Ausflüge, Tollheiten und
-Reden, -- ich hielt zu jener Zeit beständig Reden! ... man kann sich
-eine Vorstellung davon machen, wie wir mit den Trontheimern umsprangen,
-wenn ich erzähle, daß wir jeden Abend bei gutem Wetter damit endeten,
-daß Rektor Müller -- man denke, der Rektor der Stadt! -- auf der
-Feuerleiter in den Stiftsgarten stieg, ohne sich festzuhalten, und
-weiter über die Dachrinne und wieder zurück!
-
-Ich wohnte im ersten Hotel der Stadt.[3] Ivar Bye wohnte natürlich bei
-mir. _Er_ sagte nichts und _ich_ sagte nichts; aber wir waren im voraus
-darüber einig, so und nicht anders mußte er Trontheim wiedersehen.
-
-Den Tag, nachdem wir angekommen waren, gingen wir miteinander an dem
-langen, düstern Haus vorbei, in dem er einmal als Gefangener gesessen
-hatte. Nie vergeß' ich, welche Stimmung in mir zitterte, meine Augen
-begegneten den seinen. Er sagte irgend etwas, wie: sie haben ein neues
-Tor; oder: das Tor ist neu angestrichen. Ich weiß nicht mehr, was. Ich
-sagte nichts; d. h. ich schwatzte unaufhörlich von ganz andern Dingen.
-
-In Trontheim waren nur Wenige, die sein Geheimnis kannten, und diese
-Wenigen waren seine guten Freunde. Hier war er also sicher. Ich seh ihn
-noch draußen auf einem Stein mitten in dem großen Lerfoß, ein Stück weit
-von der Stadt; Gott weiß, wie er da hinaus gekommen war. Er hockte da --
-nackt. Da war er einmal ganz losgelassen! Eine solche Wildheit und ein
-solcher Übermut offenbarte sich da, daß man erwartete, er würde sich in
-den Strom werfen. Ich stand und dachte: Jetzt ist Bye froh!
-
-[Fußnote 3: In einer wehmütigen Stunde, mitten unter allem Jubel,
-schrieb ich da:
-
- »Auf Sankte-Hans
- ist Lachen und Tanz;
- ich aber weiß nicht, ob sie flicht ihren Kranz.«
-]
-
-Später sagte ich zu ihm: »Was hätte aus dir werden können, Bye, wenn du
-dich hättest frei entwickeln können.«
-
-»Ja,« antwortete er, »etwas zwischen Aschenputtel und Nöck. Auch wenn
-der Nöck weint.«
-
-Und eine Weile darauf: »Aber für mich war von Anfang an die Schranke
-gezogen.«
-
-Zwei Tage zuvor hatte ich mich verlobt, deshalb lebt der Tag in meinem
-Gedächtnis wie Sonnenschein; jedes Wort steht vor mir in gleicher
-Klarheit wie die Landschaft. Solange diese Verlobung sich vorbereitet
-hatte, schwieg er; nicht mit einem Hauch seines Mundes, so schwach, daß
-er die kleinste Feder bewegt hätte, versuchte er auf meinen Entschluß
-einzuwirken. Und doch sagte er mir, sogleich nachdem es geschehen war,
-daß es sein höchster Wunsch gewesen war! Herrliche Tage hatten wir drei!
-Und es blieb so, als ich mich verheiratete, obwohl er ausziehen mußte
-und meine Frau einzog; er kam beständig zu uns.
-
-Jenes Jahr ist zweifellos das für meinen Charakter gefahrvollste
-gewesen. Ich hatte eine unbändige Arbeitskraft; ich leitete das Theater
-und das Oppositionsblatt der Stadt und damit die große Wahl, die erste
-in Norwegen auf ganz nationalem Grund. Gleichzeitig nahm ich in
-ausgedehntestem Grad am Vereinsleben und an Gesellschaften teil, schrieb
-an einer Erzählung und dichtete Lieder. Aber mir war nicht leicht eine
-Schranke zu setzen, wenn ich etwas erreichen wollte; ich hatte ja auch
-immer Glück.
-
-Ihm und ihr verdanke ich es, und der Mithilfe meiner teuren Freunde
-Georg und Henrik Krohn, Dankert Roggen, Andreas Behrens, Henrichsen,
-Dahl u. a., daß ich so einigermaßen unversehrt daraus hervorgegangen
-bin.
-
-Unter den warmen, unmittelbaren Menschen in Bergen fanden sich Freunde
-für Ivar Bye. Als Garderobier am Theater, wo man ihn seines guten
-Geschmacks willen angestellt hatte, kam er mit vielen verschiedenen
-Schichten der Bevölkerung zusammen, und er traf wie gewöhnlich, seine
-Auswahl. Durch uns andre lernte er noch mehr kennen, -- so daß er nun
-endlich Menschen gefunden hatte, die er brandschatzen konnte für seine
-armen Freunde in allen Ecken und Winkeln des Landes! Nach und nach
-gewann er, -- das war unausbleiblich -- vollständige Herrschaft über
-die, die er gern hatte, und er erhielt sie sich auch, weil er genau
-wußte, wie er jeden Einzelnen zu nehmen hatte. Eine alte Verwandte
-meiner Frau liebte ihn so, daß sie den Tag für verloren hielt, an dem er
-nicht vorgesprochen hatte. Trotzdem wollte sie ihm das Kleid nicht
-geben, das sie eben an hatte; es war ja auch wirklich zu toll, um so
-etwas zu bitten. Bye hatte nämlich ein altes armes Fräulein, dem dies
-Kleid akkurat paßte; es war so hübsch warm, so recht ein gutes
-Winterkleid, und sie besaß mehrere, das alte Fräulein aber gar keines.
-Kaum war Bye gegangen, so fing das, was er gesagt hatte zu wirken an.
-Vielleicht mußte es eben grade solch ein Kleid sein? Sie zog es aus und
-packte es ein. Eh' Bye von seinen vielen Besorgungen nach Hause kam, lag
-das Kleid auf seinem Zimmer. -- Für andre hatte er eine andere Art des
-Vorgehens. Wenn sie mit einem ausgedienten Kleidungsstück nicht
-herausrücken wollten (es gibt ja liebenswürdige Menschen, die in diesem
-Punkt unglaubliche Gewohnheitstiere sind), so nahm er es ganz einfach
-und ließ uns andre dann arglos fragen: »Aber, Liebe, haben Sie denn das
-graue Kleid nicht mehr? Es stand Ihnen so gut!«
-
-Was er sich und uns Spaß machte mit all seinen Schlichen, um uns Geld
-für seine alten Fräuleins abzulocken! Er hatte ein wahres Genie dafür,
-solche aufzustöbern und sie mit seinem Geplauder und seinen diskreten
-Gaben zu erfreuen.
-
-Ivar Bye hat uns in Wahrheit gelehrt, gut zu sein, und viele, viele
-außer uns.
-
-Als Beweis dafür, wie sicher er sich seiner Freunde fühlte, muß ich
-einen kleinen Streich erzählen, über den seinerzeit halb Bergen lachte.
-Wir waren in Gesellschaft bei einer Dame, die für ihre ausgezeichneten
-Kuchen bekannt war. »O,« sagte meine Frau, »besonders _der_ da schmeckt
-köstlich!« -- »Den sollst du mit nach Hause nehmen,« antwortete Bye.
-Alle Kuchen wurden aufgegessen, nur nicht diese Sorte; sie waren fast
-unberührt. »Ich begreif' es nicht,« sagte die Wirtin, als die andern
-Gäste fort waren und wir noch allein da waren. »Ich glaubte, die Kuchen
-seien die Besten.« -- »_Ich_ begreif' es gut,« sagte Bye, »ich bin
-nämlich zu allen Leuten gegangen und habe ihnen gesagt, daß in den
-Kuchen da faule Eier seien!« --
-
-Der reichste Teil aber seiner Menschenkenntnis, seiner Wärme und Güte
-sammelte sich in seinem Beruf als Ratgeber und Vertrauter. Er war dazu
-geboren. Keine Instinkte sind im Menschen feiner entwickelt, als die,
-die Verständnis ahnen! Und andrerseits gibt es kein sichereres Zeugnis
-moralischer Macht, als das, Bekenntnisse zu erzwingen einfach dadurch,
-daß man ist, der man ist! Und diese Macht hatte er.
-
-Unsre Literatur hat ein Denkzeichen für seine Art und Weise, Vertrauen
-entgegen zu nehmen. Es ist niedergelegt in dem Gedicht:
-
- Ich hab' einen Freund -- In schlafloser Nacht -- --
-
-Ich schrieb es fern von ihm -- nicht, damit er es bekommen sollte, sein
-Name ist nicht genannt und er hat es nie erhalten; sondern weil das
-Leben damals schwer für mich war.
-
--- -- Als meine Frau und ich mit unsrem kleinen Jungen vom Auslande
-heimkehrten, vier Jahre nach meinem Abschied von ihm und vom Theater,
-sehnten wir uns tiefinnerlichst nach Bergen und ich ganz besonders nach
-ihm. Das Theater war aufgehoben. Natürlich. Aber Bye hatte sich
-Vertrauen erworben, er blieb zurück als Aufseher über Haus und Habe, und
-die kleine Einnahme genügte für ihn.
-
-Wir hatten uns darauf gefreut, ihm unsern Jungen zu zeigen, -- und wir
-mußten hören, daß Bye gefährlich krank sei. Trotzdem war viel Freude bei
-der Rührung des Wiedersehens, denn er war ja auf, er hob unsern Jungen
-hoch; wir wollten viel zusammen sein, sagte er.
-
-Darin aber täuschten wir uns. Den Tag darauf mußte er zu Bett, um nicht
-mehr aufzustehen. Es war, als hätten die Kräfte ausgehalten, bis wir
-kamen; jetzt ging es rasch bergab.
-
-Daß es schnell zu Ende ging, begriff ich zum erstenmal bei einem
-Vorfall, einige Tage später; ich will ihn nicht verschweigen. Ich kam zu
-ihm -- »kam« ist nicht das Wort, denn ich war wütend und stürmte die
-Treppen hinauf. Ich war mit einer Sache beschäftigt, die mich erregte
-und ich vergaß, -- wie junge gesunde Leute nur allzu oft tun, -- wie es
-Schwachen und Kranken zumute ist. Nach alter Gewohnheit wollte ich mich
-vor allem vor ihm austoben, und das tat ich auch. Da traf mich auf
-einmal ein hilfloser Blick und ich hörte die Worte: »Ach nein -- ich
-kann nicht fassen, was du sagst!« ... Wie ich erschrak, wie ich mich
-schämte und unglücklich war! Und wie das sich verschärfte, als er ein
-paar Tage darauf starb! So nahe war er dem Tod, und wir ahnten es nicht!
-
-Es ist mir leider oft passiert, daß ich mit meinem unbändigen Eifer
-denen weh getan habe, die ich am wenigsten kränken wollte, -- und alle
-diese Fälle haben mich später heimgesucht, einzeln oder miteinander,
-mich gequält, mich gedemütigt. Keiner aber öfter als dieser.
-
-Denn war es nicht, zum Ausgang seines Lebens, wie eine letzte
-Wiederholung all des rücksichtslosen Gebrauchs, den andre von seiner
-hingebenden Natur gemacht hatten?
-
-Wie wenn Anfang und Ende sich zusammenschließen sollten, stand, als die
-Wirtin seine Augen geschlossen hatte und in seine Wohnung hinunter kam,
-ein Fremder da; er fragte nach Ivar Bye. Sie erzählte ihm weinend, daß
-sie ihm soeben die Augen geschlossen habe; der Fremde ward davon so
-stark ergriffen, daß er sich setzen mußte. Er fing an, sie auszufragen,
-und der Wirtin war es eine Erquickung, grade jetzt ihn aus ihres Herzens
-reichster Fülle preisen und zuletzt sein geduldiges, ruhiges Sterbebett
-schildern zu können. All das machte einen tiefen Eindruck auf den
-Fremden. Er blieb lange sitzen. Als er sich erhob, um zu gehen, wollte
-er aber seinen Namen nicht nennen. Er habe wie ein Beamter ausgesehen,
-sagte sie. Sollte es einer der Kameraden von Molde gewesen sein, den
-späte Reue grade in diesem Augenblick herbeigezogen hatte?
-
-Der Anführer von damals war es nicht; der war längst tot.
-
-Ich stand an Ivar Byes Grab und sagte mir, daß ich dies alles einmal
-niederschreiben wollte. Für das juristische norwegische Volk.
-
-Ich stand am Grab und blickte auf das Gefolge. Das war ja eine große
-Beerdigung; ich kannte nicht den zwanzigsten Teil! Theatervolk,
-Handwerker, Kaufleute, Seeleute, Beamte, arme Kerle, Reiche, die
-Ältesten und die Jüngsten. Und am Grab erwarteten uns die Frauen. Mütter
-waren da, die ihre Kinder mit sich hatten, und Mütter und Kinder weinten
-um die Wette. Alte Fräulein aus dem Jungfernstift, arme Weiber, junge
-Mädchen, alle mit Blumen und Tränen.
-
-Ich kenne manche, die ihre Tränen wiederfinden werden, wenn sie dies
-lesen. --
-
-Wenn ich mir meine verstorbenen Lieben denke, so mag ich sie mir nicht
-als Leichen, geschweige denn als abgemagerte Skelette denken. Ich denke
-sie mir wieder mit der Röte des Lebens auf den Wangen, ihre Augen auf
-mich gerichtet. Bye aber kann ich mir denken, so wie er jetzt aussehen
-muß, -- ja, ich denke ihn mir meistens so, mit seiner Reihe herrlicher
-Zähne in breiter Rundung, mit dem Nasenbein und den Höhlen unter dem
-schönen Schädel. Ohne Scheu seh' ich die kalkgrauen Kniee, -- etwas
-aufwärts- und auseinandergekrümmt, und die langen, gegeneinander
-gelegten Knochenfinger.
-
-Ich glaube nicht, daß dies ist, weil sein Gesicht hager war, so daß es
-der Phantasie Vorschub leistete. Auch nicht, weil er, als Nöck draußen
-in Lerfoß hockend, mitten im Sturz und Schaum des Wassers, mehr aus
-Höhlen als aus Augen um sich starrte, während seine Zähne gleißten.
-
-Nein, es ist wohl, weil sein Verstehen der Menschen und Dinge ein so
-tiefes geworden war, ein so liebevolles, daß es für ihn nichts
-Abstoßendes gab. Nicht in den Formen des Lebens und nicht in den Formen
-des Todes. Und _das_ symbolisiert sich auf diese Weise in meiner
-Erinnerung.
-
-
- Einsame Reue
-
- Ich hab' einen Freund -- in schlafloser Nacht
- tönt mir sein Friedensgruß.
- Wenn das Licht erstirbt und das Grau'n erwacht
- naht er auf leisem Fuß.
-
- Nie redet in harten Worten sein Mund --
- selbst kennt er Leid und Reu' --
- sein weicher Blick macht Krankes gesund --
- wer ist, wie er, so treu?
-
- Begangene Sünde, die mich kränkt,
- nimmt still er auf sein Herz,
- und wenn mein Glaube die Flügel senkt,
- hebt er ihn himmelwärts.
-
- So kämpft er auch heute, wie immerdar,
- mein einsames Ringen mit --
- Übers Jahr, mein Freund, wird offenbar,
- um was ich heute stritt!
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Das Original ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im Original
-g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_
-gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt sind,
-wurden ^so^ markiert.
-
-Offensichtliche Fehler wurden, zum Teil unter Zuhilfename der
-norwegischen Originale, korrigiert wie hier aufgeführt
-(vorher/nachher):
-
- [S. 14]:
- ... »Trauer! O Trauer ist das Los meines Lebens ...
- ... »Trauer! O Trauer ist das Los meines Lebens! ...
-
- [S. 24]:
- ... stehen und knixte wie ein Schulmädchen in kurzen ...
- ... stehen und knixte wie ein Schulmädchen im kurzen ...
-
- [S. 25]:
- ... Elsa war mit dabei! Sie kam zu früh, -- ...
- ... Ella war mit dabei! Sie kam zu früh, -- ...
-
- [S. 31]:
- ... Men I, som höhrer, styrk deus Klang; ...
- ... Men I, som höhrer, styrk dens Klang; ...
-
- [S. 32]:
- ... Teilnahmlosigkeit kühlte sie ab; sie kam wieder ...
- ... Teilnahmslosigkeit kühlte sie ab; sie kam wieder ...
-
- [S. 34]:
- ... der kleinen Person irgenwo unten an seiner Weste ...
- ... der kleinen Person irgendwo unten an seiner Weste ...
-
- [S. 38]:
- ... for mig hun löfter den og ler ...
- ... For mig hun löfter den og ler ...
-
- [S. 38]:
- ... Fordi det aevet er af Smerte, -- ...
- ... Fordi det vaevet er af Smerte, -- ...
-
- [S. 44]:
- ... wie es ihm füher schon zweimal gegangen war. ...
- ... wie es ihm früher schon zweimal gegangen war. ...
-
- [S. 58]:
- ... draußen im Schneehaufen, er sah ihre Blumen ...
- ... draußen im Schneehaufen, er sah ihre Blumen, ...
-
- [S. 61]:
- ... kenne es, -- und jetzte erst sollte er lernen, wie ...
- ... kenne es, -- und jetzt erst sollte er lernen, wie ...
-
- [S. 70]:
- ... auf ein Brettende, das ins schwanken kam; sie wäre ...
- ... auf ein Brettende, das ins Schwanken kam; sie wäre ...
-
- [S. 72]:
- ... Worte ein: »Da haben Sie doch etwas reelles.« ...
- ... Worte ein: »Da haben Sie doch etwas Reelles.« ...
-
- [S. 73]:
- ... ihnen, daß Sie mitkommen!« Seine Stimme war ...
- ... Ihnen, daß Sie mitkommen!« Seine Stimme war ...
-
- [S. 78]:
- ... Wisch himmlicher Krystalle zugestopft; entstellende ...
- ... Wisch himmlischer Krystalle zugestopft; entstellende ...
-
- [S. 81]:
- ... frem, til hun optlog Öjnene. ...
- ... frem, til hun opslog Öjnene. ...
-
- [S. 82]:
- ... Han, som skjaeldtes for ond og vred, ...
- ... Han, som skjaeldtes for vond og vred, ...
-
- [S. 91]:
- ... Weise bekleidet hatte, so begleitete jetzt das »Mama, ...
- ... Weise begleitet hatte, so begleitete jetzt das »Mama, ...
-
- [S. 91]:
- ... Mama!« der zarten Stimmen ihrer Tränen. Es ...
- ... Mama!« der zarten Stimmen ihre Tränen. Es ...
-
- [S. 99]:
- ... dessen angenehmen Rythmus sie empfanden. Nie ...
- ... dessen angenehmen Rhythmus sie empfanden. Nie ...
-
- [S. 101]:
- ... diese großen Träume blos seiner kleinen Schwester, ...
- ... diese großen Träume bloß seiner kleinen Schwester, ...
-
- [S. 103]:
- ... Leinen an den Boten der Bauern durchschnitten ...
- ... Leinen an den Booten der Bauern durchschnitten ...
-
- [S. 105]:
- ... als er in seinen hübschen blauen Anzug an Bord ...
- ... als er in seinem hübschen blauen Anzug an Bord ...
-
- [S. 108]:
- ... bestimmen. Er verlies Trontheim und kam nach ...
- ... bestimmen. Er verließ Trontheim und kam nach ...
-
- [S. 109]:
- ... selbst vor sein Hotel; er wollte ihn begegnen, ...
- ... selbst vor sein Hotel; er wollte ihm begegnen, ...
-
- [S. 126]:
- ... ich erschrack, wie ich mich schämte und unglücklich ...
- ... ich erschrak, wie ich mich schämte und unglücklich ...
-
- [S. 127]:
- ... wie eine letzte Wiederholung all des rücksichtlosen ...
- ... wie eine letzte Wiederholung all des rücksichtslosen ...
-
-
-
-
-
-
-End of Project Gutenberg's Ein Tag / Ivar Bye, by Bjørnstjerne Bjørnson
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN TAG / IVAR BYE ***
-
-***** This file should be named 52016-8.txt or 52016-8.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/5/2/0/1/52016/
-
-Produced by Norbert H. Langkau, Jens Sadowski, and the
-Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions will
-be renamed.
-
-Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
-law means that no one owns a United States copyright in these works,
-so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
-States without permission and without paying copyright
-royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
-of this license, apply to copying and distributing Project
-Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm
-concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
-and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive
-specific permission. If you do not charge anything for copies of this
-eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook
-for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
-performances and research. They may be modified and printed and given
-away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks
-not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the
-trademark license, especially commercial redistribution.
-
-START: FULL LICENSE
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
-To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full
-Project Gutenberg-tm License available with this file or online at
-www.gutenberg.org/license.
-
-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project
-Gutenberg-tm electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or
-destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your
-possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
-Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound
-by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
-person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
-1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
-agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
-electronic works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
-Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
-of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
-works in the collection are in the public domain in the United
-States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
-United States and you are located in the United States, we do not
-claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
-displaying or creating derivative works based on the work as long as
-all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
-that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
-free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
-works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
-Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
-comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
-same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
-you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
-in a constant state of change. If you are outside the United States,
-check the laws of your country in addition to the terms of this
-agreement before downloading, copying, displaying, performing,
-distributing or creating derivative works based on this work or any
-other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
-representations concerning the copyright status of any work in any
-country outside the United States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
-immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear
-prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work
-on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the
-phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed,
-performed, viewed, copied or distributed:
-
- This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
- most other parts of the world at no cost and with almost no
- restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
- under the terms of the Project Gutenberg License included with this
- eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the
- United States, you'll have to check the laws of the country where you
- are located before using this ebook.
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
-derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
-contain a notice indicating that it is posted with permission of the
-copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
-the United States without paying any fees or charges. If you are
-redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
-Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
-either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
-obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
-trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
-additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
-will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
-posted with the permission of the copyright holder found at the
-beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
-any word processing or hypertext form. However, if you provide access
-to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
-other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
-version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
-(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
-to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
-of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
-Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
-full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
-provided that
-
-* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
- to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
- agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
- within 60 days following each date on which you prepare (or are
- legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
- payments should be clearly marked as such and sent to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
- Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
- Literary Archive Foundation."
-
-* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or destroy all
- copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
- all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
- works.
-
-* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
- any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
- receipt of the work.
-
-* You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
-Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
-are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
-from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
-Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
-trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
-Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
-electronic works, and the medium on which they may be stored, may
-contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
-or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
-intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
-other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
-cannot be read by your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium
-with your written explanation. The person or entity that provided you
-with the defective work may elect to provide a replacement copy in
-lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
-or entity providing it to you may choose to give you a second
-opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
-the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
-without further opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
-OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
-LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of
-damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
-violates the law of the state applicable to this agreement, the
-agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
-limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
-unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
-remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
-accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
-production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
-electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
-including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
-the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
-or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
-additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
-Defect you cause.
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-