diff options
Diffstat (limited to 'old/52144-0.txt')
| -rw-r--r-- | old/52144-0.txt | 1839 |
1 files changed, 0 insertions, 1839 deletions
diff --git a/old/52144-0.txt b/old/52144-0.txt deleted file mode 100644 index 990d270..0000000 --- a/old/52144-0.txt +++ /dev/null @@ -1,1839 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Kreuzwege, by Karel Čapek - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most -other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Kreuzwege - -Author: Karel Čapek - -Translator: Otto Pick - -Release Date: May 23, 2016 [EBook #52144] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KREUZWEGE *** - - - - -Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - - KAREL ČAPEK - - - - - KREUZWEGE - - - LEIPZIG - KURT WOLFF VERLAG - - BÜCHEREI »DER JÜNGSTE TAG« BAND 64 - - GEDRUCKT BEI DIETSCH & BRÜCKNER IN WEIMAR - - EINZIG BERECHTIGTE ÜBERTRAGUNG AUS - DEM TSCHECHISCHEN VON _OTTO PICK_ - - - - - STOCKEN DER ZEIT - - -Warum ist jener, an den ich denke, welcher sich über den Schreibtisch -beugt, warum ist er so unbewegt, warum wartet er und horcht, daß etwas -außer ihm geschehe; als ob ihm irgendein Ding einen Wink im Kummer -geben könnte und einen Abschluß dieser unendlichen Reihe von -Unsicherheiten, die ihn durchwallt. Alle Dinge um ihn herum sind nur -melancholieverhangene Gewohnheiten; nur die gegenüberstehende Wand der -Gasse hat in der formlosen Stille einen ungewöhnlich dummen und so -unangenehmen Ausdruck, daß der Mensch, leidend, sich dankbar an das -Rasseln einer Droschke auf dem Pflaster hält, als einem Ausgangspunkt -von dieser Sekunde zur nächsten. - -Klapp-klapp der Hufe im Räderknarren, langes rhythmisches Kettchen und -Poltern hinter der Ecke, rasches Rasseln auf den Steinen; das ist etwas, -was sich aufrollt in die Ferne wie ein Knäuel, jetzt schon von weitem -immer schwächeres Klappern, ein Ticken so lang wie ein dünner gespannter -Faden, so dünn, daß er fast nicht mehr ist, schon nichts mehr ist als -angespannte Entfernung, unmögliche Länge, und Stille. - -Die Stille von innen und außen flossen zusammen wie zwei von nichts -gekräuselte und durchaus gleichartige Wasserflächen. Alles ist durchaus -gleichartig wie eine Fläche, unbewegt und gespannt. Der Mensch beim -Tisch hält den Atem an und sein Herz steht wie eine Fläche. Die Stille -ist gespannt wie ein Tuch, und alles ist still, alle Dinge sind Stücke -der Stille, hineingeplättet in die glatte Ebene ohne Regung Tisch und -Wände, alle Dinge zusammen sind wie eine Zeichnung auf geglätteter -Fläche, klar, ohne Verkürzung und Schatten. Sie sind eine gespannte -Oberfläche, die ohne Falten und Rauheit ist; alle sind in dieser -unstofflichen Ebene enthalten wie in Eis festgefrorene Halme. Nicht -einmal der Mensch beim Tisch ist außerhalb ihrer: er ist dort, ohne -Regung, in der unendlichen Ebene der Dinge, und kann sich ihr nicht -entraffen; wenn er sich rührte, fühlt er, würde eine Entgleisung und ein -Zusammensturz aller Teile erfolgen, ein furchtbares Zusammenschrumpfen -der gespannten Oberflächen. Ohne Erstaunen, ohne Inneres, ohne Zeit. -Angst, daß dies vielleicht der Tod sei, ein Abgang, Vernichtung. Nicht -fühlen, das ist das positive Gefühl des Nichtseins und ein starkes -Leiden am Nichtsein; unbewegter Kampf des Unbewußten um den Gedanken und -Beklemmung in den Grenzen der Leere. Überall Ebene mit trauriger toter -Oberfläche. Und dieses, was steht, ist die Zeit; wäre es möglich, sie zu -bewegen, so zerfiele sie sogleich in tausende Sekunden, die, tot, wie -Staub zerflatterten. Doch der Mensch beim Tisch fürchtet sich zu rühren; -mit all seiner Bangheit und Machtlosigkeit ist er in der Stille -festgelegt wie ein Insekt in durchsichtigem Bernstein; er ist einfach -eingestellt. - -Und da Schritte auf dem Gehsteig, schöne, laute und ordentliche. -Die Welt in der reglosen Fläche ist in lautloser Explosion -auseinandergefallen; die eckigen und massiven Dinge reckten sich -krachend auf, der Mensch an seinem Tische breitet sich aus in alle -Richtungen des Raums im Gefühl seiner reichen Verzweigung und seiner in -die Welt getauchten Bewegungen. Die Kanten und Winkel aller Dinge -kündeten sich in rauhem Rauschen des Raums: so rasch liefen sie in ihren -Richtungen, mit Selbstgewißheit und Härte. Das Herz des Menschen ergriff -seinen alten Schmerz, mit starken, starken Schlägen; jener, an den ich -denke, erhob sich, um seiner Trauer Gewicht zu ertragen, und das große -Rad des Seins dreht sich in immer weiteren und schnelleren Kreisen. - - - - - HISTORIE OHNE WORTE - - -Tief sind die Wälder in der Nacht wie ein grundloser See, und du blickst -schweigend auf einen Stern über Melatín, denkst an das Wild, das in der -Tiefe das Waldes schläft, an den tiefen Schlummer aller und an alles, -was niemals in dir entschlafen wird. Lang, endlos lang sind dämmrige -Tage; wie oft durchschrittest du die Wälder an solchen Tagen, o Schritte -und Erinnerungen ohne Zahl, und nie bist du an das Ende der Schritte und -Erinnerungen gelangt: so lang und tief sind die Wälder über Melatín. - -Aber daß heut ein flammender Augustmittag ist — brennende Lücken in den -Baumkronen und des Lichtes Sichel die Forste durchfahrend; daß ein so -klarer Tag ist, wie wenn ihr schütterer würdet, tiefe Wälder, und vor -der Sonne auseinanderträtet. Die Glut hat meine Erinnerungen -ausgetrunken und fast schlief ich ein, ich weiß nicht ob vor Lust oder -Ermattung, eingewiegt von den weißen Dolden, die über meinem Haupte -schwanken. — - -An einem solchen Tage ging Ježek durch den Wald, zufrieden, daß er an -nichts dachte und denken konnte. Breit atmete die Wärme zwischen den -Bäumen. Ein Tannenzapfen riß sich los, — er hatte sich festzuhalten -vergessen, weil es so windstill war; die Kronen kräuselten sich und -überall zitterte Licht. Oh, welch schöner, herrlicher Tag! Wie schimmern -silbern die schwanken Ährchen des Windhalms! Eingewiegt von Freude oder -Langweile lauschte Ježek dem warmen Summen des Waldes. - -Geblendet stand er am Rande der Lichtung, wo unhörbar die Glut zitterte. -Wer liegt da? Es ist ein Mensch. Er liegt mit dem Gesicht auf der Erde -und ohne Regung. Fliegen weiden auf der ausgestreckten Hand, die sie -nicht verscheucht. Ist er etwa tot? - -Andächtig und mit Grauen bückte sich Ježek über die gereckte Hand, -welche noch den alten Schlapphut hielt. Die Fliegen entflohen nicht -einmal. An dem verblaßten Futter waren noch einige Buchstaben leserlich: -..ERTA. EL SOL. Puerta del Sol, erriet Ježek erstaunt und neigte sich -über das Antlitz des Toten. Aber da öffnete dieser die Augen und sagte: -»Möchten Sie mir nicht eine Zigarette geben?« - -»Recht gern,« atmete Ježek in nicht geringer Erleichterung eifrig -auf. Der Mensch nahm die Zigarette, knetete sie sorgfältig, wälzte sich -auf die Seite und ließ sich Feuer geben. »Danke,« sagte er und begann -nachzusinnen. - -Er war nicht jung, durchgraut, mit breitem und unbestimmtem Gesicht; er -war irgendwie sehr abgemagert in seinen Kleidern, so daß sie in -seltsamen, leblosen Falten an ihm lagen. So war er ausgestreckt auf der -Seite und rauchte, unbewegt irgendwohin zu Boden blickend. - -Puerta del Sol, überlegte Ježek, Tor der Sonne; was hat er nur in -Spanien gemacht? Nach einem Touristen sieht er nicht aus. Vielleicht ist -er nicht gesund, daß er so heilige Augen hat. Puerta del Sol in Madrid. - -»Sie waren in Madrid?« sprach er unversehens aus. - -Der Mensch atmete zustimmend durch die Nase und schwieg. - -Er könnte sagen, wer er ist, überlegte Ježek; ein Wort gibt das -andere, und das Übrige errätst du. — Er könnte übrigens sagen: Ja, ich -war in Madrid; aber es ist nicht der entfernteste Ort, wo ich gewesen, -und es gibt noch schönere Orte und ein wunderbareres Leben. Allerlei -könnte er lügen. Siehe, jetzt besinnt er sich. - -Der Mensch winkte leicht mit der Hand, unbestimmt und versonnen -nirgendwohin blickend. - -Vielleicht sagt er: Ich sehe, daß Sie mich teilnehmend betrachten; Sie -haben mich für tot gehalten und sich mitleidig über mich gebeugt. Ich -will Ihnen also die Historie meines Lebens berichten. Unterbrechen Sie -mich nicht, falls Ihnen etwas unzusammenhängend oder unmotiviert -erscheint. Lesen Sie nur auf meinem Gesicht, ob ich leicht und einfach -gelebt habe. So irgendwie würde er etwa beginnen. - -Aber der Mensch rauchte schweigend und langsam, die hellen, blicklosen -Augen ins Unendliche geheftet. - -Sicherlich wird er etwas sagen, dachte Ježek; es ist schwer, Worte -für eines Lebens Verlauf zu finden. Es sei, ich warte. Leise legte er -sich auf den Rücken. Die Sonne schlug ihm in die Augen und drang durch -die geschlossenen Lider hindurch; rote und schwarze Kreise haben sich zu -drehen begonnen und tanzen brennend vor den Augen. Die Wärme atmet in -langen, feurigen Wellen, und Ježek fühlt sich so wohl, als würde er -entführt von den schwarzen und roten Kreisen, von der Flut langgezogener -Wellen, von unendlicher und unfortschreitender Bewegung. Wohin fließt -diese starke hinreißende Bewegung? Ach nichts; nur die Bewegung des -Lebens an seinem Ort. - -Plötzlich wandte er sich. Über die Hand lief ihm eine helle Ameise, -nicht wissend wohin auf der allzu großen Fläche. Auch uns, dachte -Ježek, Ameislein, auch uns regt die allzugroße Welt auf: diese -Fernen, Wanderer, diese hartnäckige Panik. Warum läufst du so? Warte, -verweile; ich tu dir nichts, wenn ich auch groß bin. Ach, kleiner -Abenteurer, ist's nur Verwirrung, die dich so jagt? Wilde und -verzweifelte Verwirrung der Einsamkeit? irgendeine Angst? Wo ist denn -ein Tor, durch das du entrönnest? - -Nahe, auf Griffweite nah hat sich ein Schmetterling mit weit geöffneten -Flügeln auf eine Blume niedergelassen, wiegt sich auf der weißen Dolde -und bewegt die leichten Flügel, schließt sie und breitet sie aus mit -einer zauberischen und wollüstigen Bewegung, berauschend süß. Ach -bleibe, o Lust! Verzaubere mein Herz nicht mit dieser ewigen Gebärde des -Entfliehens! Bleib und lasse dich schaukeln, liebliches Weilchen, -Sekunde ohne Gleichgewicht, unaussprechlicher Wink! Edle Begegnung nach -solchen Qualen der Reise! Jungfräulich erbebten die Zauberflügel und -jäh, unbegreiflich entschwindet der Falter, Sekunde, Wollust, als -schlösse sich plötzlich ein Tor hinter ihm. - -Ježek blickt empor. Wohin ist all das entflogen? Wohin entfliegt ihr, -leuchtende Wolken, in zielloser und unermüdlicher Bewegung? Ach, so -entführt zu werden, wegen nichts, aus gar keinem andern Grunde als wegen -der Größe des Himmels; so entführt zu werden, weil der Raum groß ist und -nicht endet! Weil die Sehnsucht groß ist und nicht endet. Sanfter -Himmel, meine Seele ist friedlich wie meine Augen. Aber warum blickt ihr -bis hinter den Horizont, friedliche Augen? Warum, friedlichste Seele, -findest du immer die dämonische Tugend der Unrast in dir? Wie hoch -segeln die Wolken, schwindlig hoch, — du möchtest sagen, bis am Tore -der Sonne hin. - -Puerta del Sol. Ježek sah sich um. Der Mensch, den er gefunden hatte, -war wieder eingeschlafen, und sein Antlitz erschien unklar und zerquält, -friedlich und weit. — Da stand Ježek auf, um ihn nicht zu wecken, -und ging durch den warmen Wald, zerstreut, ohne Frage und wie gesättigt. -Ihm war, als hätte er die Historie eines Lebens vernommen, eine wenig -klare, aber nahe Geschichte, unzusammenhängend, aber nichtsdestoweniger -eine Geschichte. — Ihm war, als hätte er die Historie eines Lebens -vernommen und begönne schon sie zu vergessen. - - - - - VERLORENER WEG - - -»Aber wir haben ja den Weg verloren!« - -»Augenscheinlich.« - -»Wohin sind wir geraten? Sehen Sie etwas? Wo ist die Allee?« - -»Ich weiß nicht.« - -»Wo sind wir? Sahen Sie jemals, daß hier ein Heidefeld wäre?« - -»Nein.« - -»Aber wie konnten wir nur die Landstraße verlieren? Wir hätten ja über -den Graben gemußt — — Hören Sie, sind wir nicht vielleicht über den -Graben gegangen?« - -»Ich weiß nicht.« - -»Das ist absurd. Die Straße kann doch nicht unter den Füßen verloren -gehn. Wo sind Sie?« - -»Ich hab' mich gesetzt.« - -»Auf dem Weg geht man doch anders als im Gras. Hart und laut. Geradeso -wie ich uns auf der Landstraße gehen gehört.« - -»Das waren Sie, der so lärmend ging.« - -»Um so eher! Es ist doch geradezu undenkbar … Das ist das -Sonderbarste, was ich je — — Mensch, schlafen Sie nicht!« - -»Ich schlafe nicht.« - -»Wo sind wir eigentlich?« - -Es war eine dunkle und fast sternlose Nacht; nur etwas lichtes Gestein -auf der Erde und kleine, aufrechte Wacholdersträucher, winzigen reglosen -Gestalten gleichend; von fern der Ruf eines Käuzchens nur drehte die -unbekannte Weite in die stockende Finsternis her. - -»Lachen Sie mich nicht aus«, sagte der stehende Mann, »aber mir gefällt -das nicht. Wir haben überhaupt die Richtung verloren. Wir müssen auf -irgendeinen Weg gelangen, wohin immer er führe; ein Weg zeigt wenigstens -»vorwärts«, aber das Unwegsame schweigt. Das Unwegsame schmeckt -gleichsam nach Unendlichkeit; sie ist hier um uns herum auf allen -Seiten; hören Sie, das ist eine unmögliche Lage.« - -»Setzen Sie sich«, sagte der andere. - -»Ich will nicht. Ich setze mich erst irgendwo am Weg, mitten zwischen -die rechte und linke Hand, damit ich weiß, wo ich bin. Wer auf dem Wege -geht, dem ist die Welt rechts und links eine Kulisse ohne Bedeutung und -die Wände eines langen Ganges; aber das Weglose ist wie der Gipfel eines -Berges; zu sehr im All; zu offen nach allen Seiten. Gehn wir von hier!« - -»Warten Sie noch, ich kann nicht.« - -»Ist Ihnen etwas geschehn?« - -»Ich kann nicht. Ja, mir ist etwas geschehn. Ich bin auf etwas gekommen, -gerade als wir irrezugehn begannen. Vielleicht genau in jenem -Augenblick.« - -»Wo war das?« - -»Ich weiß nicht. Ganz plötzlich tauchte es vor mir auf. Ich hatte schon -seit Jahren nicht mehr daran gedacht, und jetzt kam es von selbst. -Vielleicht gerade deshalb, weil wir auf einmal den Weg verloren.« - -»Irgendeine Erinnerung?« - -»Erinnerung, nein. Eine Lösung. Eine Antwort. Etwas, was ich das ganze -Leben lang gesucht habe, selbst wenn ich nicht daran dachte. O Gott, ist -das furchtbar kompliziert! Dadurch ändert sich mein ganzes Leben — — -Alles hängt zusammen. Begreifen Sie das?« - -»Durchaus nicht.« - -»Ich auch nicht. Offenbar mußte ich vom Weg abkommen, um darauf zu -kommen. Von Allem abkommen, was dir bekannt ist! Darum gingen sie in die -Wüste! Aber verlasse dein Haus und deine Familie; deine Logik ist aus -Gewohnheiten gewebt und deine Wege aus tausenderlei vergangenen -Schritten; darum komme ab von Allem und beginne zu irren, um im -Unbekannten zu suchen. Dich selbst findest du dann in dem, was das -Seltsamste und Ungewohnteste ist.« - -»Das sagen Sie mir?« - -»Das sage ich mir selbst, weil ich es gefunden habe. Dich selbst hast du -gefunden und kannst dich nicht erkennen; und doch ist es das einzige, -was du je gesucht hast. Mein Gott, so viele Jahre! Und plötzlich diese -Lösung: dir kommt das freudige und wortlose Gefühl, daß es da ist; das, -was noch kein Gedanke ist, sondern nur eine blendende Weile und -wunderbare Gewißheit. Hören Sie, mein Leben verändert sich -wahrscheinlich, vielleicht gehen unsere Wege auseinander; aber ich bin -froh, daß ich diesen Augenblick mit Ihnen erlebt habe.« - -»Wenn Sie mir wenigstens sagen würden —« - -»Ich kann nicht. Jetzt kann ich noch nichts unterscheiden. Die Wahrheit -mußt du genießen wie ein Gefühl, bevor sie dir zum Wort wird. Du mußt in -sie hineingeraten wie in einen Raum, der nirgendwohin führt, sondern -nach allen Seiten sich öffnet; denn dein Nachsinnen ist nur ein Weg in -einer Richtung, wie ein Gang zwischen Mauern. Dein Denken geht nur -vorwärts auf irgendeinem der vielen Wege: aber die einzige Wahrheit geht -nirgendwohin und zielt nirgendwohin, sondern besteht wie die -Ausdehnung.« - -Der stehende Mann schwieg und horchte gespannt in die Ferne. In der -tausendfachen Stille der Nacht, schien es ihm, entfaltete sich irgendwo -ein winziger, klangloser Rhythmus. Er schien von der Tiefe der Stille -überschwemmt zu sein, aber er war da und brach sich unaufhaltsam Bahn. -Menschenschritte! ferne Schläge auf hartem Weg. Der stehende Mann atmete -auf. - -»Dort also ist die Landstraße,« sagte er und wunderte sich plötzlich -über seine Stimme; um soviel klarer und farbiger klang sie als zuvor. - -Der sitzende Mann erwachte gleichsam. »Was? Die Straße? Sie gehen schon -nach Hause?« - -»Sie wollen vielleicht hier bleiben?« - -»Ja, ich erkläre es Ihnen dann. Es ist maßlos kompliziert. Warten Sie -noch!« - -»Erklären Sie es mir lieber unterwegs.« - -»Wenn ich mir das notieren könnte! Was mir alles einfällt! O Gott, wie -zahllos!« - -»Notieren Sie sich's zu Hause. Ich begleite Sie schon.« - -»Ich danke Ihnen. Wo sind wir?« - -»Ich weiß nicht, kommen Sie nur. Geben Sie acht, hier ist eine -Schlucht!« - -»Ich sehe nichts.« - -»Reichen Sie mir die Hand. Christus, wie sind wir eigentlich -hiehergeraten? Achtung!« - -»Warten Sie, hier kann ich nicht … Gehn wir zurück!« - -»Das geht nicht, der Weg ist vor uns. Wo stecken Sie?« - -»Hier oben. Und Sie?« - -»Im Wasser. Bleiben Sie dort, ach! Ist Ihnen etwas geschehn?« - -»Nein, danke. Wenn ich nur unten bin.« - -»Jetzt folgen Sie mir. So!« - -Und die beiden Männer stolperten den Hang empor und wieder hinunter; es -war ein mühseliger, zerfurchter Boden, wo sie mit tausendfacher Vorsicht -gehen mußten; es gab Gesträuch da, durch das sie sich hindurcharbeiten -mußten; es waren breite, bebaute Ackerfelder da, über welche sie -rücksichtslos wie Eber dahinfuhren. Endlich ein Graben und die -Landstraße. - -»Und nun sagen Sie mir,« rief der, welcher vorausging, »wie konnten wir -überhaupt dort hinauf gelangen?« - -»Ich weiß nicht,« sagte der andere etwas bedrückt, »es ist wirklich -seltsam. Ich müßte es mir überlegen … Ich habe jetzt so viel -nachzudenken!« - -»Sagen Sie mir nun, worauf Sie gekommen sind?« - -»Ja. Es ist sonderbar mit diesem Verirren! Gewiß fand ich es gerade in -dem Augenblick, als wir den Weg verloren. Wär' ich schon zu Hause!« - -»Wovon handelt es?« - -»Von der Seele …« - -Nun schritten beide rasch und schweigend aus; sie kamen durch einen Wald -und durchliefen ein Dorf; einige Fenster leuchteten menschlich in der -tiefen Finsternis; und wieder tat sich eine weite und ferne Heide auf. - -»Was wollen Sie also sagen?« - -»Wovon?« - -»Von dem, worauf Sie dort oben gekommen sind — von der Seele.« - -»Ach ja, Sie haben recht. Sagte ich, von der Seele? Eigentlich war es -nicht bloß das …« - -»Hören Sie,« sagte nach einer recht langen Weile sein Gefährte, »wie ist -es also mit dieser Seele? Sie sind schrecklich zerstreut.« - -»Ich? Im Gegenteil. Ich dachte gerade darüber nach. Ist es nicht -merkwürdig, daß sich der Mensch im Wesen nicht kennt?« - -»Und Ihre Lösung?« - -»Was für eine Lösung? Das ist auf ewig nur ein Problem.« - -»Aber Sie hatten irgendeine Lösung.« - -»Das war bestimmt nicht von der Seele. Das waren eher andere Fragen, vom -Leben überhaupt … Ich dachte soeben darüber nach, womit zu beginnen.« - -»Mit dem, was Ihnen zuerst aufblitzte.« - -»Zuerst? Das war nur eine Ahnung … Es ist höchst schwierig zu -formulieren. — Ich weiß wirklich nicht, was mir zuerst aufblitzte. Es -kam das alles so auf einmal!« - -»Also beginnen Sie womit immer.« - -»Das geht nicht. Alles war ein Ganzes … Ja, das alles hing zusammen. -Könnte ich es nur umfassen!« - -»Sie werden es mir ein andermal sagen?« - -»Nein, lieber gleich jetzt. Nur, bis ich es ein wenig geordnet habe. -Aber mich stört es, wie laut wir gehen.« - -»Setzen wir uns also.« - -»Ja, ich danke Ihnen. Vor allem bedenken Sie … So klar leuchtete es -mir ein … Zunächst folgt daraus, wie elend und sinnlos alles war, was -ich bis jetzt gelebt. Plötzlich durchdrang es mich wie ein Messer; ich -entsetzte mich vor mir selbst und begriff, daß ich so viele Jahre, o -Gott, nur einen unaussprechlichen und ungeahnten Schmerz gelebt habe. So -viele Jahre! Dies also blitzte in mir auf, was ich war und wie ich -unbewußt gelitten; und alles war vergeblich und irrig, und eng wie ein -Kerker; und mir war furchtbar zumute, wenn mein ganzes Leben sich mir -als ein gefundener Fehler erwies. Ach, Vieles erkläre ich Ihnen noch -näher. Aber zweitens, warten Sie, zweitens —« - -»Was ist zweitens?« fragte nach einer Weile der Gefährte. - -»Warten Sie, es war doch etwas von der Seele darin, aber jetzt weiß ich -nicht. — Ja, es war etwas Unermeßliches von der Seele. Gott, was war es -eigentlich?« - -»In welchem Sinne von der Seele?« - -»Ich weiß nicht, es waren überhaupt keine Worte, es war nur eine -Gewißheit — — es ist so flüchtig!« - -»Besinnen Sie sich doch!« - -»Ja, gleich. Etwas von der Seele? Was war es?« - -»Denken Sie nur nach, ich warte.« - -»Ich danke Ihnen. Gleich werde ich es haben.« - -Die Nachtzeit lag unbewegt auf den schwarzen und formlosen Dingen. Und -siehe, da geht der erste morgendliche Mensch über die leere Landstraße. -Ist das nicht der Schrei eines Hahns im Dorfe? Hat sich die Nacht nicht -in ihrem stillen Innern gerührt? - -»Haben Sie es gefunden?« - -»Ach gleich, nur noch etwas —« - -Am Horizonte dämmerte es schwach. Die Erde und ihre Dinge nahmen eine -kühle, schemenhafte Blässe an; ständig ausgebleichter und schärfer hoben -sie sich empor, und es ward Licht. - -»Also was haben Sie gefunden?« - -»Ich weiß nicht … Es ist mir entglitten. Alles habe ich verloren, und -ich werde es niemals mehr wissen.« - -»Und überhaupt nichts, vollkommen nichts ist Ihnen davon geblieben?« - -»Vollkommen nichts; nur das, was mir auf ewig klar geworden über mein -Leben.« - - - - - DIE AUFSCHRIFT - - -Ein Weilchen verschnaufend stand Kvíčala an der Tür und freute sich: -Matys ist krank, er wird Freude haben, daß ich gekommen bin: ich werde -ihm ein wenig vorplaudern am Bett, um ihn zu zerstreuen. - -Die Glocke ertönte so abgerissen, daß es Kvíčala quälend beklemmte; -ihm war, als ob sich der Klang drinnen so aufgescheucht und blind einen -Weg bahne durch die allzuabgestandene Stille, und er lauschte mit der -Hand an der Glocke. Es kam das alte Mütterchen in Hausschuhen öffnen und -bat ihn flüsternd einzutreten. Kvíčala ging auf den Spitzen, er wußte -selbst nicht warum; durch die offene Tür sah er Matys mit dem Gesicht -zur Wand im Bett liegen, wie wenn er schliefe. - -»Wer ist das?« fragte der Kranke gleichgültig. - -»Der Herr Kvíčala,« flüsterte die alte Frau und entfernte sich. - -Matys wandte sich mit aufgeheiterten Augen dem Freunde zu. - -»Das ist brav von Ihnen. Oh, es ist nichts; nur eine -Brustfellentzündung, irgendein Exsudat … In vierzehn Tagen werde ich -gehen.« - -Kvíčala lächelte gezwungen. Ihm war schwül in dem heißen Zimmer, wo -er den schwachen und faden Geruch von Umschlägen, Urin, Tee und Eiern -spürte. Ihn rührte das unrasierte Kinn des Matys und seine strahlenden -Augen; er bedauerte, daß er vergessen hatte, eine kalte Orange oder ein -nasses Sträußchen mitzubringen, um sie auf das Nachttischchen zwischen -die zerknüllten Taschentücher, Speisereste und ungelesenen Bücher zu -legen. Im ganzen übermannte ihn eine matte Übelkeit. - -Er bemühte sich zu plaudern; er erzählte irgendwelche Neuigkeit und -ärgerte sich über seine fremde, gleichsam belegte Stimme; er fühlte die -Augen des Kranken aufmerksam und doch entfernt auf sich geheftet; und da -verschluckte er seine Neuigkeit und sehnte sich zu verschwinden. - -Matys erkundigte sich nach Bekannten; aber Kvíčala spürte die -besondere Rücksichtnahme des Kranken auf die Gesunden heraus und -antwortete immer schwerer. Schließlich war alles erschöpft. Wenigstens -das Fenster öffnen! Horchen, was draußen geschieht! Nur einen Teil -seiner selbst dorthin übertragen! Verdrossen wich Kvíčala den starren -und abwesenden Blicken des Freundes aus; seine Augen wichen dem heißen -und zerdrückten Bette aus; er wich der eingetrockneten Häßlichkeit des -Nachttischchens aus; und heftete den Blick auf das Fenster, das blasse -halbundurchsichtige Fenster, das Fenster, welches ins Freie führt. - -»Schauen Sie her,« sagte plötzlich der Kranke und wies mit dem Finger -auf die Wand zu Häupten des Bettes. - -Kvíčala beugte sich vor; an die Wand war grau und verwischt und -zweimal unterstrichen mit Bleistift das Wort »_zurück_« geschrieben. -»Zurück«, las Kvíčala. - -»Was sagen Sie dazu?« fragte Matys still. - -»Jemand hat es hingeschrieben. Es steht offenbar schon viele Jahre -dort.« - -»Wieviel Jahre denken Sie?« - -»Ich weiß nicht. Vielleicht fünf oder zehn — Wann wurde hier das -letztemal gemalt?« - -»Ich habe die Mutter gefragt,« sagte Matys und schaute zu der trüben -Zimmerdecke empor. »Vor mehr als zehn Jahren. Ich wollte es niemals -erlauben.« - -Kvíčala ließ seine Blicke hastig zum Fenster zurückkehren. - -»Sehen Sie nur her,« nötigte der Kranke, »fällt Ihnen nichts auf?« - -Kvíčala neigte sich wieder über das Bett. »Es ist von einer -Männerhand geschrieben. Jemand schrieb es in Aufregung und ungeduldig, -so daß hier der Graphit abgebrochen ist. Er hat geradezu in die Wand -geritzt. Und im Dunkeln. Dieses Häkchen ist ein wenig seltsam … Diese -langen Striche auf dem u und ü sehen irgendwie entschlossen aus.« - -»Zurück,« wiederholte Matys. »Wissen Sie nicht, was wohl damit gemeint -ist?« - -»Gott weiß, vielleicht irgendein Entschluß. Vielleicht, etwas -zurückzugeben.« - -»Oder selber zu etwas zurückzukehren?« - -»Möglich. Warum fragen Sie?« - -»Nur so. Ich überlege, weshalb es hier geschrieben steht.« - -»Jemand hatte wohl einen Einfall oder eine Eingebung — Er schrieb es -sich bloß als Leitwort auf, um nicht daran zu vergessen. Weshalb -interessiert es Sie so?« - -»Weil es mit meiner Schrift geschrieben ist. Ich habe es offenbar selbst -geschrieben, aber jetzt weiß ich überhaupt nichts mehr und kann mich -nicht entsinnen, wann und warum. Andauernd überdenke ich, was das -bedeuten sollte.« - -»Jetzt bedeutet es nichts mehr.« - -»Jetzt nicht, aber damals. Ich fand es hier während der Krankheit. Nie -zuvor hatte ich es beachtet, bis jetzt. Und so sinne ich aus Langweile -nach —« - -»Worüber?« fuhr Kvíčala nach einer Weile auf. - -»Nie habe ich an die vergangenen Jahre gedacht,« sagte Matys mit -geschlossenen Augen. »Wozu auch? Alles Vergangene ist so -selbstverständlich. Der Mensch gewöhnt sich an die vergangenen Dinge. -Alle dünken ihm bekannt. — Aber jetzt weiß ich nicht, zu was ich mich -damals entschlossen habe; ich weiß nicht, zu was ich zurückwollte und -weshalb es mir so unerträglich war, und weiß nicht, wann es überhaupt -war. Niemals wird es mir klar werden … Überrascht und beunruhigt Sie -nicht manchmal etwas Vergangenes?« - -»Nein,« sagte Kvíčala aufrichtig. - -Der Kranke bewegte ungeduldig die Schultern und schwieg. »Ich weiß -nicht, wann und warum ich es geschrieben habe,« begann er; »aber mir -sind viele Augenblicke eingefallen, in denen mir dies Wort als Erlösung -erscheinen konnte, und ich finde ständig neue Augenblicke, wo ich es -hätte schreiben können. Oder lieber erfüllen.« - -»Wie erfüllen?« - -»Ich weiß nicht. Schon lange sinne ich darüber nach, wie es sich -erfüllen ließe. Zurück, ja zurück, aber zu was? Ich liege da und -erinnere mich an allerlei: zu was von alledem zurückzukehren? Ich kann -mich vieles Schönen entsinnen. Vieles tut mir leid. Manche Liebe. Hie -und da leuchtet ein alter Gedanke auf. Und viel, unzählig viel habe ich -vergessen, und daran denke ich am meisten. Es gibt furchtbar viele -vergangene Dinge. Die Vergangenheit ist schwindelerregend.« - -Kvíčala seufzte; ihm ward immer schwüler. Ach, die Gasse hinter dem -Fenster! Licht, Raum! Schnelligkeit und Bewegung dort draußen! - -»Die Vergangenheit ist nicht so selbstverständlich, wie ich's mir -dachte,« sagte Matys wie für sich selbst. »Sie ist unermeßlich unklar. -Zeitweilig geschahen merkwürdige und unmögliche Dinge. Mir ist als -stünde ich am Rande einer halb unbekannten Welt; etwas habe ich schon -entdeckt, aber der Rest geht unendlich weiter und breiter, als ich -geahnt. Ich hatte keine Vorstellung davon … Das ist ein barmherziger -Irrtum, daß uns die eigene Vergangenheit bekannt erscheint; wir kennen -nur etwas, aber alles übrige … Das Meiste sollten wir _erst erleben_!« - -Kvíčala horchte: Draußen klingelt der Tramway, die Schritte vermehren -sich, breit schüttet sich Wagenrasseln hin; dünn und klar flog ein -Kinderschrei auf. Aber hierher kommen nur die Schatten der unstofflich -durch das Glas hindurchgegangenen Laute; sie sind alles Nahen und -Wirklichen beraubt; entfremdet den Lauten, die von außen her an das -Fenster sich pressen; mit der Stille vermengt. - -»Es ist still hier,« sagte der Kranke, »und die Zeit ist lang. Ich denke -an vergangene Dinge. Sie hätten noch nicht entschwinden sollen. Und -woran ich immer nur denke, nichts hätte noch schwinden sollen. Ich müßte -es erst erleben, aufmerksam verweilend — selbst die schlimmsten -Augenblicke. So als hätte ich sie alle zwischen den Fingern entgleiten -lassen, noch unwissend wie sie sind: und überaus seltene darunter —« - -»Sie sind hier zu sehr allein,« sagte Kvíčala. - -»Ja. Und in vierzehn Tagen stehe ich wieder auf und erinnere mich -vielleicht nicht mehr, daß ich einmal ›zurück‹ geschrieben habe. Aber -jetzt ist es da als Aufschrift an irgendeiner Wand. Zurück! Alles -Vergangene ist nur ein Stichwort; alles ist unvollendet geblieben, -angedeutet als Anfang und Ahnung … Zurück! Vielleicht fühlt es ein -jeder einmal und möchte zurückkehren, so als wäre es nach Hause — -zurück! Es ist nicht, ach es ist nicht Rückkehr zu seinen Anfängen, — -zu den ersten Schritten; aber zurück zu den Enden, zur Aussprache und -Beendung seiner selbst, zu den letzten Schritten … Unmögliche -Rückkehr! Niemals zurück!« - -Kvíčala erhob sich. »In vierzehn Tagen,« lächelte Matys. -»Entschuldigen Sie, eine Woche schon hab' ich mit niemandem geredet. -Grüßen Sie alle.« Seine Hand war heiß und trocken. Oh, hinaus! Lautere -Kühle, Gasse, Menschen, Menschen — und »vorwärts« in diesem allen! - - - - - DIE VERSUCHUNG - - -Lange schon ging Růžička wie in Nebel herum. Er wehrte sich -hartnäckig dagegen und ersann ohne Ende Gründe für und gegen, bewies -sich etwas, ärgerte sich. Hart kämpfte er um Sammlung und sehnte sich -zugleich: sich endlich ohne Gedanken und Richtung entführen zu lassen. -— So wie ein schwarzer Pfahl am Teiche im Nebel, dachte er; über dem -Wasser schreit die Möwe und läßt sich herab, um die Fläche in die Klauen -zu ergreifen; das Wasser erbebt, und die Möwe entflieht wie ein -Gassenjunge; erst Gott weiß, wo sie auflachen wird … - -Růžička blieb stehen: Reise ich oder bleibe ich? — Alle Gründe -starben ab und er vermochte sich ihrer nicht mehr zu bemächtigen; alle -starben ab und wurden starr und er konnte sich ihrer nicht mehr -entledigen. Gründe, die ihn nicht mehr freuten. Sie waren in diesem -engen Zimmer verwelkt. In dem Zimmer, das ihn nicht mehr freute. Gründe -dafür, daß er blieb und nicht verreiste und nicht diese paar Chancen -überflüssig verwarf. Ruhe, Beruf, Gewohnheiten, Lampe, Bett, Lehnstuhl -— mehr brauche ich ja nicht, sagte er sich; ich bleibe und erfülle dies -alles mit der Wahrheit des Lebens. Mein Platz ist schmal, aber ich kann -ihn vertiefen. Ach, auf immer bleiben! - -Oder fortgehn, sagte er sich beklommen; sich von neuem versuchen und in -die Welt schleudern wie ein Stein ins Wasser … Müßte man sich nur -nicht entschließen! Könnte ich mich, ohne zu wissen wie, irgendwo in der -Welt finden und nichts haben als vor mir den Tag, o Gott! was wäre das -für ein Tag! Es geschehe mir als Schicksal oder Zufall, — ich nehme -alles an; aber selbst wollen ist furchtbar. - -— Reise ich oder bleibe ich? - -Ich gehe aus, entschloß er sich endlich (wenigstens etwas tun! was -immer!), ein bißchen hinaus, zögerte er bei der Türe, den Abend -genießen, nötigte er sich; aber »bleib«, sprechen Lampe, Bett, -Lehnstuhl, Langweile, »wozu gehn? Gehn ist so anstrengend; Bleiben so -einfach; Gehn so verzweifelt; Bleiben so verzweifelt; bleib!« Nein, -heute nicht, entschied er sich mit Gewalt, und ging. »Bleib,« sprechen -die entflammten Gassen, »wir stören dich nicht mehr; du hast uns so oft -durchmessen, daß du uns nicht mehr siehst.« Auch ihr seht mich gar -nicht, wandte er ein, und eure Fenster blinken mir nicht mißtrauisch zu -wie ein Blick, lächelnd wie ein Blick, durchsichtig wie ein Blick des -Zufalls. Ich gehe täglich hier: wir sind einander fremd geworden. »Ja, -nach so vielen Jahren!« - -Růžička nahm, sich zerstreut erholend, Zuflucht zu einem -Kaffeehaus, froh, daß er so verloren war in der Zersplitterung von -Lichtern und Stimmen, daß er sich selber entschwand in der Menge, daß -die Spiegel strahlten und die Gläser klirrten; er schrieb mit dem Finger -ein Fragezeichen auf den Tisch und entdeckte in der Marmorplatte -interessante Adergänge, ein Zufallsnetz, zahllose Bahnen ohne Ziel. — -Verreise ich oder bleibe ich? Augen! wer sieht mich da an? - -Mädchen, lachte sein Blick, was willst du von mir? Glatte Augen glitten -ab, flüchteten hinter die Lider und blickten süß, dunkel nirgendwohin. -Nichts, blasses Gesichtchen unter schwarzem Hütchen, Spielzeug aus -Elfenbein, die jungen Hände spielen auf dem Schoße mit nichts. Das große -Schwarze ist die Mama und besieht die Modeblätter. Die grauen Augen -fliegen verstohlen herüber, fliehen, bleiben nicht da; anmutig sind die -Lider der Augen, gesenkte Lider, anmutige Trauer, Liebe und Musik, -Abend, Frage und nichts, lieblich der Augen Blick, Freude, Kleider, -Musik und Frage, liebliches Lieben, lieblicher Frühling, Veilchen auf -der Straße, rosige Blüte, rosiges Lächeln, lieblicher Blick, und in die -Augen! gerade in die Augen, stark und direkt, kurz und fragend -lieblicher Blick! Die glatten Wangen sind rosig erglüht. Schön sind -weiße und errötete Wangen; schön und traurig die Haare; traurig und -schlank die Hände im Schoß, auf schwarzem Trauerrock. - -»Genug,« baten die grauen Augen, »soviel Lob, mein Gott, — wohin soll -ich jetzt mit den Augen, mit Lidern und Händen? Sehen Sie mich nicht an, -ich lasse das Glas fallen; um keinen Preis sehe ich Sie mehr an.« - -Schlanke Hände, dachte er gerührt, wie einer Geigerin Hände; ach, welch -ein Tremolo, gegenstandsloses Weinen, Lied, welches endet und nicht; ob -ich es jemals vernehme, dies bange und feine Lied? Diese feine, kindlich -rauhe Stimme? - -»Gott, das nicht! Was würde ich Ihnen sagen? Ich kann nicht bis fünf -zählen. Wer sind Sie? Warum schauen Sie so? Warum schauen Sie nicht?« - -»Wenn ich sehe, denke ich an die Leute ringsum, an Sie, an Ihren Atem, -an die Liebe, an alles, was ich dir sagen möchte, — ich weiß nicht, -woran ich denke, wenn ich schaue; aber wenn ich nicht schaue, denke ich -an Sie, an alles, was ich nicht sehe, an mich selbst, an den glücklichen -Zufall, und hauptsächlich an dich.« - -»Hören Sie auf! Hören Sie auf!« - -— Drüben haben neue Menschen sich gesetzt, und in ihrer Mitte — - -»Ach sehen Sie doch,« riefen die grauen Augen aus, »wie schön sie ist!« - -— ja, schön, tatsächlich schön, o Mädchen, wie groß und schön! Warum -ist sie gekommen, wen sucht sie mit den dunklen Augen! Ach, wer ertrüge -der Schönheit vernichtenden Blick? Wie erbebte er nicht in Verwirrung -und Schrecken, wie schlüge er nicht nieder die Augen? Wehe, daß sie ihn -angeblickt! - -Langsam, ohne Unsicherheit hefteten sich die großen schwarzen Blicke der -neu angekommenen Frau auf sein Gesicht. Da stockte sein Herz vor -Erstaunen und schwieg. - -»Ich bin schön. So viele sind mir untertan. Sieh.« - -Ich verreise, entgegnete er finster. - -»Bleib. Ich bin schön. Du begegnest mir auf den Straßen, in den Basaren -und auf Festen. Suche mich in den Logen der Theater. Du wirst mir -begegnen, wenn du willst. Wir können einander kennen lernen und — wer -weiß?« - -Ich reise, wiederholte er hartnäckig. - -»Bleib. Ich habe so wenig Unterhaltung, so wenig. Ich bin so schön. Du -wirst mich oft sehn, täglich, wenn du willst, und so nahe! Bleib!« - -Nein, sagte er mit brennender Pein, ich reise; ich verreise und kehre -wieder mit Lippen, bitter von Meer und Fremde; ich kehre mit anderer -Seele zurück. Mit einer Seele ohne Staunen und Beben; mit einer rauhen, -mutigen, wilden und schamlosen Seele; mit einer unruhigen und grausamen -Seele; mit einer Seele für dich. Aber dann! Daß diese herrlichsten Augen -weinen! Daß die Schönheit erbebe! Daß ich schlimmer sei als du! Daß du -mich liebest. Daß sich das Schicksal erfülle. Daß ich Gott nicht -fürchte. Daß ich dir gleichkomme. Nichts ist furchtbarer als Schönheit -und Mut. - -Die schwarzen Pupillen wandten sich ab und zauberten weich ins -Unendliche. - -Sei es, fühlte er, geschehe mir dies als ein Schicksal. Ich gehe hinweg, -um zu wagen. - -»Bleiben Sie,« sprachen verloren die grauen Augen, »ach, bleiben Sie! -Ich käme künftigen Samstag wieder her. Manchmal begegne ich Ihnen. Ich -laufe nicht weg, selbst wenn Sie mich anreden. Warum wollen Sie nicht -bleiben?« - -Ach, Mädchen, weinte sein Herz in sinnlicher Zärtlichkeit, ich möchte -bleiben; wie möchte ich nicht bleiben wollen? Aber gerade du hast mich -an einen Tag in der Fremde erinnert, eines unglücklichen Menschen in der -Fremde, ich weiß nicht warum so unglücklich und so verloren; du hast -mich erinnert an glücklichen Zufall, Lächeln, freundliches Wort in -fremder Zunge und lieblichen Blick, der nicht mehr wiederkehrt: die -Freude, wenn du wüßtest, und der herrliche Tag in der Fremde! Nichts ist -schöner als Liebe und glücklicher Zufall, nichts vergleicht sich einer -guten Begegnung, die nicht wiederkehrt. Ich würde bleiben: aber du hast -in mir die ewige Sehnsucht nach dem Zufall erweckt. - - - - - SPIEGELUNG - - -»Achtung!« rief Lhota dem unbekannten Fischer zu, »er schnappt!« - -»Ach, ich danke Ihnen,« entgegnete der Angeredete freundlich, »wollen -Sie sich ihn nicht herausziehn?« - -Lhota glitt rasch den Damm hinunter und ergriff die Rute. Die Angel war -leer; und als Lhota das Haar heranzog, entdeckte er an dem Angelhaken -festgebunden eine rote Schnur. - -»Das da geben Sie statt des Wurms?« fragte er mißmutig. - -»Ja,« sagte der Fischer mit schüchternem Lächeln. - -»Haben Sie schon etwas gefangen?« - -»Niemals.« - -Lhota blieb auf dem Damme sitzen, unschlüssig ob er lachen oder zürnen -solle. Wie ist das möglich, dachte er, wie ist es überhaupt möglich, so -Fische zu fangen? - -»Ich angle nämlich nicht,« äußerte der Fischer, »ich sitze nur mit der -Rute so da, damit die Leute nicht über mich lachen, wenn sie mich hier -sehn.« - -»Sie sind ein Hiesiger?« - -»Ich wohne in dem Häuschen hinter uns. Schon viele Jahre gehe ich her, -weil es mir hier gefällt. Und angle nicht.« - -Lhota blickte in die großen, hellen Augen des Fischers. »Sie sind krank, -nicht?« - -»Ich kann nicht gehn. Schon seit Jahren. Viele Jahre bin ich nicht -weiter gewesen als hier. — Aber hier ist es schön.« - -»Tatsächlich,« sagte Lhota unsicher. Unabsehbar zogen sich die kahlen -Dämme hin, und zwischen ihnen strömte der breite, graue Fluß. - -»Sie sollten bei Sonnenuntergang hier sein,« sagte der Kranke, »oder am -Morgen. Ich sitze seit früh hier, und niemals ist mir langweilig oder -leer zumute; wenn ich dann abends heimkomme, schlafe ich ohne Traum, -Nacht für Nacht schlafe ich herrlich und ohne Traum. Erst im Winter —« - -»Was im Winter?« - -»Nichts, die Träume. Im Winter kann ich nicht, und ich schlafe bei Tag -und bei Nacht, ohne Rast, bis ich vor Müdigkeit nicht mehr schlafen -kann. Aber im Sommer bin ich täglich da.« - -Lhota blickte sinnend in das Wasser: Es strömte breit und unförmig -dahin, rieb sich mit der unendlichen Flanke an dem Gestein; gewellt, -gekräuselt, bewegt, daß ihm die Augen übergingen. Und es war schon kein -fließender Fluß mehr; nur ein Rauschen, das nicht verharrt, sondern ohne -Ende verläuft und entschwindet; ein Vorbei ohne Grenzen, ohn Ende -Vergehen von Allem — - -»Auch im Winter träume ich nur vom Wasser,« sagte der Kranke. »Es ist -der einzige Traum, den ich ganze Tage und Nächte und ganze Monate -träume, nur dann unterbrochen, wenn ich aus dem Schlafe auffahre. Erst -im Sommer vergeht er, wenn ich das wirkliche Wasser sehe.« - -Lhota schloß in schwachem Schwindel die Augen. »Ich möchte nicht von -strömendem Wasser träumen.« - -»Nein, das strömt überhaupt nicht,« sagte der Kranke. »Mir träumt nicht -von wirklichem Wasser. Es ist das ein großer Fluß, der ohne Regung -steht, und auf ihm schwimmen Reflexe. Sie eilen auf ihm dahin wie jene -Blätter, welche von der Strömung mitgerissen werden.« - -»Was für Reflexe?« - -»Gespiegelte Dinge. Ufer, die sich in der Fläche reflektieren. Sie -gleiten über das Wasser hin, rasch wie diese Wellen und kräuseln es -nicht. Vielleicht kommen sie bis vom Gebirge her. Es sind große Bäume, -die sich still und mit der Krone abwärts zu neigen, als hingen sie in -einen grundlosen Himmel hinein. Auch der Himmel gleitet auf diesem -reglosen Flusse mit Sonne und Wolken und Sternen dahin. Ich sah die -Reflexe von Bergen und Dörfern am Flußufer mitsamt den Menschen -dahinschwimmen. Ein andermal ist es ein weißes einsames Haus oder ein -erleuchtetes Fenster.« - -»Das ist ein absurder Traum,« sagte Lhota. - -»Ein furchtbarer. Manchmal segelt eine gespiegelte Stadt und Quais mit -flammenden Lichtern. Auf der Fläche bebt das Laub der Bäume, als wehte -der Wind, aber das Wasser kräuselt sich nicht. Ein Mädchen ringt die -weißen Hände und wird weitergetragen. Und ich sehe in der Spiegelung, -als stünde jemand am andern Ufer und wollte auf mich blicken oder mir -ein Zeichen geben; aber das Bild auf dem Wasser entgleitet mitsamt der -an die Augen gelegten Hand.« - -Der Kranke schwieg eine Weile. »Und manchmal«, begann er wieder, »ist es -nur die brennende Laterne eines verlassenen Hafens am Ufer des Flusses; -sie schaukelt wie im Novemberwind, und schwimmt davon. Nichts kann -innehalten und nichts verweilt. Nichts runzelt das Wasser und nichts ist -oberhalb oder außerhalb seiner. Die Ewigkeit ist fürchterlich.« - -Lhota blickte schweigend in das Wasser; Welle um Welle kehrte endlos zu -dem Gestein unter seinen Füßen zurück und floß wieder ab in hartnäckigem -Spiel, das ihn reizte und beschwichtigte. - -»Oft erwache ich,« redete der Kranke, »mit Schweiß bedeckt und zu Tode -entsetzt; und da sage ich mir: Die Ewigkeit ist fürchterlich. Welle um -Welle kommt, um am Stein zu zerbrechen; Stein um Stein wälzt sich hinab -zu den Wellen, die ihn davontragen. Aber ich habe eine Fläche gesehen, -die sich an nichts bricht und nicht zerbricht. Lichter und Schatten von -Allem gleiten über sie hin. Berge wälzen sich fort und Bäume eilen von -dannen; es schwimmen Städte und Felsen, ein Mädchen ringt vergeblich die -Hände und Anfang und Ende der Welt gleitet vorbei wie eine Spiegelung. -Eine Fläche, die niemals sich kräuselt und zu kräuseln vermag. Die -nichts berührt und niemals berühren kann. Und wer hineinblickt, sieht -immer nur bloße Reflexe der Dinge fliehen, der Wirklichkeit entledigt.« - -Auf dem Damm gegenüber blieb ein Mann stehen und schaute eine Weile zu. -»Also was,« rief er endlich, »schnappen sie?« - -»Sie schnappen nicht,« erwiderte der Kranke lustig. »Ich sitze gern -hier,« sprach er wieder zu Lhota. »Wenn ein Blatt in das Wasser fällt, -dann zittert das Wasser, und auch ich zittere, aber ohne Angst. Manchmal -bei Sonnenuntergang, da denke ich an Gott. Die Ewigkeit ist -fürchterlich.« - -Lhota wendete sich fragend. - -»Manchmal«, fuhr der Sieche fort, »sah ich ein so merkwürdiges Kräuseln -auf dem Wasser, daß man nicht begreifen kann, woher es kommt. Manchmal -bricht sich eine Welle und erglänzt schöner als die andern; und es sind -auch Erscheinungen am Himmel — das geschieht sehr selten. Und da denke -ich mir: warum könnte das nicht Gott sein? Vielleicht ist er gerade das -Flüchtigste in der Welt; vielleicht ist auch seine Wirklichkeit ein -jähes Brechen der Welle und ein Schimmer; unfaßbar, ausnahmsweise -erscheint er, und vergeht —. Oft habe ich darüber nachgedacht; aber -sehn Sie, ich habe einen so kleinen Horizont, durch Jahre kam ich nicht -weiter als hierher. Es ist möglich, daß auch unter den Menschen ein -solches Sichkräuseln oder Aufblitzen sich ereignet und wieder zerbricht. -Es muß zerbrechen. Die echte Wirklichkeit muß mit dem Untergang bezahlt -werden. Ach, die Sonne versinkt schon.« - -Ein barfüßiges Mädchen stand schweigend hinter dem kranken Herrn. »Ja, -gehen wir,« sagte der Sieche. »Gute Nacht, Herr. Schauen Sie, jetzt, -jetzt,« zeigte er auf den Fluß. »Nie ist es zweimal dasselbe. Gute -Nacht.« - -Langsam und gleichgültig führte ihn das Mädchen nach Hause. Der Fluß war -perlmutterlicht, wechselnd ohne Ende, und Lhota schaute leise -schwindelnd dem hartnäckigen Spiel der Wellen zu. - - - - - DER WARTESAAL - - -Ich verbringe die Nacht in der Restauration, dachte Záruba, als der Zug -schon einfuhr, oder ausgestreckt irgendwo im Wartesaal; ich verschlafe -drei oder vier Stunden, und mit dem ersten Morgenzuge fahre ich weiter. -Gott, nur rasch! Noch verbleibt Hoffnung, und Alles kann gerettet -werden; ach, so viele Stunden. - -Aber die Restauration war schon geschlossen und den einzigen Warteraum -erfüllte ein Soldatentransport. Sie schliefen auf Bänken und Tischen, -lagen überall auf der Erde, den Kopf auf Tischleisten, auf Spucknäpfe, -auf zerknülltes Papier gebettet, das Gesicht zu Boden und gehäuft wie -Hügel von Leichen. Záruba rettete sich auf den Gang; es war kalt da, und -zwei Gasflammen zitterten gequält in dem feuchten Halbdunkel, das vom -Teer und Urin der Aborte stank; einige Menschen fröstelten und gähnten -auf den Bänken in der stumpfen Geduld langen Wartens. Aber es war -wenigstens ein bißchen Platz da, ein bißchen Platz für einen Menschen, -wenigstens ein bißchen Platz für den stillen Schlummer eines Müden. - -Záruba fand eine Bank und lagerte sich so warm wie möglich, so fest wie -nur möglich; aus sich selbst erbaute er einen Winkel für seinen Schlaf, -Bett, Bettleiste, Viereck, Asyl. — Ach, die Unbequemlichkeit, fuhr er -aus dem Halbschlaf empor; wie nur die Glieder legen? Lange und -angestrengt dachte er darüber nach; schließlich kam ihm der kindliche -Wunsch, zu liegen, und er streckte sich auf der Bank aus. Aber die Bank -war zu kurz. Záruba kämpfte verzweifelt mit seinem Ausmaß, ergrimmt über -einen so rücksichtslosen Widerstand; schließlich lag er gleichsam -gefesselt, regungslos, knabenhaft klein, und sah auf die großen -funkelnden Kreise, die sich im Dunkeln drehen, auf die kreisenden -Scheiben. — Ich schlafe ja schon, durchblitzte es ihn, und in diesem -Augenblicke öffnete er die Augen; da sah er den Winkel zweier Wände -verschwimmen und ward furchtbar verwirrt: Wo bin ich denn? Was ist das -eigentlich? Entsetzt suchte er eine Orientierung, vermochte aber weder -Raum noch Richtung zu erraten; da raffte er alle Kraft zusammen und -erhob sich. Neuerlich sah er den langen und kalten Gang, aber er sah ihn -trauriger als früher, und erkannte, daß er schon durchaus aus dem -Schlafe gerissen sei und er verspürte den bittern Geschmack des Wachens -im Munde. - -Auf die Knie gestützt dachte er über seine Angelegenheit nach. Das -Letzte tun, sich für die Rettung einzusetzen, ja, aber noch so viele -Stunden! Zerstreut blickte er auf das schmutzige Pflaster des Ganges; er -entdeckte zertretene Papiere, ekelhaften Auswurf, den Schmutz von -zahllosen Füßen — und das dort ist wie die Form eines Gesichts, Augen -aus Kot und aus Speichel der Mund, abscheulich zu lächeln bemüht … - -Angeekelt hob er den Blick empor. Dort liegt ein Soldat auf der Bank, -schläft mit hintenüberhangendem Kopfe und stöhnt wie ein Sterbender. -Irgendeine Frau schläft, eines Mäderls Haupt im Schoße; sie hat ein -böses und armseliges Gesicht, sie schläft; aber das Mäderl blickt mit -blassen Augen und flüstert etwas für sich; es hat ein langes, -vorstehendes Kinn und einen breiten Mund in mageren Bäckchen, eine -kindliche Greisin mit traurigen, weiten, fliegenden Augen. — Sieh da, -der Beleibte, wie er schläft, aufgedunsen vor Schläfrigkeit, haltlos von -der Bank fallend, erstaunt und stumpfsinnig; weiche Masse, die sich auf -den ersten Stützpunkt herabwälzt. — Unter einem grünen Hute blinzeln -die schwarzen muntern Augen eines jungen Mannes. »Komm her,« pfeift er -durch die Lücken der zerfressenen Zähne dem blaßäugigen Mädchen zu; -»komm her,« flüstert er und lacht. Das Mädchen windet sich verlegen und -lächelt ein furchtbares greisenhaftes Lächeln; sie ist zahnlos. »Komm -her,« pfeift der Jüngling und setzt sich selber zu ihr. »Wie heißt du?« -Und streichelt ihr mit der flachen Hand die kleinen Knie. Das Mädchen -lächelt ängstlich und unschön. Der schlafende Soldat röchelt wie in der -Todesstunde. Záruba schüttelte sich vor Kälte und Übelkeit. - -Eine Stunde von Mitternacht. Die Zeit schlich quälend langsam dahin, und -Záruba fühlte sich von ihr verschleppt, gedankenlos zerzogen in -wachsender und zielloser Spannung. Gut, sagte er sich, ich schließe die -Augen und halte es so ohne Gedanken, ohne Bewegung so lang wie möglich -aus, ganze Stunden hindurch, bis sich die Zeit umwälzt. — Und so saß er -starr da, zwang sich, möglichst lange auszuhalten; endlos stockte die -Dauer der Minuten, ein Zählen ohne Zahlen, Verzug um Verzug. — Endlich, -nach unüberlebbarer Zeit, öffnete er die Augen. Fünf Minuten nach Eins. -Der Gang, die Papiere, das Kind, das gleiche verlegene, greisenhafte -Lachen … Nichts hatte sich verändert. Alles war zu unfortschreitender, -bleibend naher Gegenwart erstarrt. - -Und plötzlich entdeckte Záruba einen Menschen. Er saß regungslos wie er -selbst in einem Winkel und schlief nicht. Der ist wie ich, dachte -Záruba; er kann auch nicht schlafen wegen der Zeit. Woran denkt er? An -das Warten ohne Ende wie ich? Der Mensch erbebte, wie wenn ihm diese -Frage unlieb wäre. Záruba blickte unwillkürlich in sein formloses -Gesicht; er gewahrte darauf eine unruhige Bewegung, wie wenn jemand eine -zudringliche Fliege verjagt. Auf einmal stand dieser Mensch auf, -überschritt auf den Spitzen den Gang und setzte sich geradezu neben ihn. - -»Ihnen war es unangenehm, daß ich Sie ausschaue,« sagte Záruba gedämpft. - -»Ja.« Beide schwiegen lang. »Schauen Sie,« flüsterte endlich der Mensch -und wies mit dem Finger auf die Erde, »das da sieht aus wie ein -menschliches Gesicht.« - -»Ich habe schon vorhin geschaut.« - -»Sie haben schon geschaut,« wiederholte der Mensch schwermütig, »Ihnen -war also auch so —« - -»Wie?« - -»Nichts ist schwerer als Warten,« erwiderte der Mensch. - -»Wie war mir?« - -»Schwer. Es ist schwer zu warten. Was immer auch komme, es ist Erlösung. -Warten ist schwer.« - -»Weshalb reden Sie davon?« - -»Weil es schwer ist, zu warten. Auch Sie haben Gesichter gelesen, -geschrieben in Speichel und Staub. Auch Sie haben sich gequält. Nichts -ist qualvoller als die Gegenwart.« - -»Warum?« - -»Weil Warten schwer ist.« Der Mensch verstummte und blickte zu Boden. - -»Wohin fahren Sie?« fragte Záruba nach einer Weile. - -»Ich fahre nur so,« antwortete der Gefragte zerstreut, »zum Vergnügen. -Oft findet man nämlich schöne Städte. Sie fahren so weit, daß Sie -bereits an nichts mehr denken, und auf einmal sind Sie an einer solchen -Stelle; es ist ein Bach oder Brunnen im Hain, oder Kinder, etwas -Unerwartetes und Schönes — und da begreifen Sie überrascht, was Glück -ist.« - -»Was ist Glück?« - -»Nichts. Sie begegnen ihm einfach. Es ist, kurz gesagt, zum Verwundern. -Haben Sie je an die heidnischen Götter gedacht?« - -»Nein.« - -»Das war so: Niemand erwartete sie, und unverhofft erblickte er sie. -Irgendwo im Wasser oder im Gebüsch oder in den Flammen. Deshalb waren -sie so schön. Oh, wenn ich das ausdrücken könnte! Wenn ich es nur -ausdrücken könnte!« - -»Warum denken Sie an Götter?« - -»Nur so. Dem Glück muß man rasch und unverhofft begegnen. Es ist solch -ein besonderer Zufall! Solch ein jähes Ereignis, daß man sagen möchte: -ach, welch ein Abenteuer! Ist es Ihnen jemals begegnet?« - -»Es ist mir begegnet.« - -»Und da war Ihnen wie im Traum. Das Herrlichste ist nur ein Abenteuer. -Dort, wo die Liebe aufhört, ein Abenteuer zu sein, wird sie eine Qual.« - -»Warum, warum ist das so!« - -»Ich weiß nicht. Sie könnte nicht dauern, wenn sie keine Qual wäre. -Schauen Sie, die Alten hatten einen einzigen Namen für Glück und Zufall. -Aber es war ein Göttername.« - -Fortuna, dachte Záruba beklommen. Wenn sie mir begegnete auf dieser -Reise! Aber es ist schwer, auf den Zufall zu warten! - -»Warten ist schwer,« begann der Mensch wieder, »so schwer und quälend, -daß, was immer Sie erwarten, Sie nur eines abwarten: des Wartens Ende, -Erlösung vom Warten. So schwer, daß das, was Sie als Erfüllung erleben -werden, weder schön noch glücklich mehr sein kann; sondern an sich -sonderbar und gleichsam traurig, schmerzlich durch all dies Warten — -ich weiß es gar nicht zu sagen. Jede Erlösung ist so: niemals ist es das -rechte Glück.« - -Warum sagt er das? dachte Záruba; wie, wäre ich nicht glücklich, wenn -ich die Erfüllung erlebte? - -»Sie haben Gott selber erwartet,« fuhr der Mensch fort; »ach, was für -ein Mensch ist da gekommen, um Sie vom Warten zu erlösen? Weder Ansehen -noch Schönheit waren an ihm, der letzte der Männer, ein Mann des -Schmerzes; unsere Gebrechen hat er getragen und unsere Schmerzen -ertragen, so als wäre er gar kein Gott.« - -»Warum reden Sie davon?« - -»Warten, sehen Sie, ist schwer; selbst einen Gott zerbricht und demütigt -es. Erwarten Sie jahrelang irgendein Glück, ein großes und schönes -Ereignis; endlich kommt es, irgendwie klein und trübselig wie irgendein -Schmerz; aber Sie sagen: ja, Gott, das ist es, worauf ich so viele Jahre -gewartet habe, auf daß es mich erlöse!« - -»Was meinen Sie damit?« - -»Damit meine ich: Der einzige Lohn für das Warten ist das Ende des -Wartens; und nur darum steht das Warten dafür. Darum, darum ist es -notwendig zu warten. Das ist der Sinn unseres Glaubens.« - -»Welchen Glaubens?« - -»Welchen immer,« sagte der Mensch und schwieg. - -Die Leute auf dem Gange erwachten und begannen herumzugehn. Das zahnlose -Mäderl war jetzt in den Armen der Mutter eingeschlafen, verloren unter -dem Shawl. Etwas Leben strömte durch den Gang; es war ziellos und -unordentlich, aber es regte sich und vermochte sich zu erhalten. - -»Was haben Sie mit diesen Göttern gemeint?« fragte Záruba plötzlich -laut. - -»Sie waren schön,« sagte der Mensch; »es genügte bloß Glück oder Zufall, -um sie zu erblicken und dadurch selbst ein wenig ein Gott zu werden. Ich -denke mir also: wunderlich ist das Glück, so überaus seltsam ist -Schönheit und Glück, daß es nur durch Wunder und Zufall geschehen kann. -Aber wer wartet, der wartet auf etwas, das geschehen muß; etwas muß -kommen, das sein Warten beendet. Sehen Sie, jeder wartet …, auch Sie; -wir sind vom Wege der Freude abgekommen, um große Dinge zu erwarten. -Ach, warten ist eine große Spannung des Lebens, fast wie der Glaube. -Aber je mehr wir warten — — _was immer auch komme, wir werden, wir -werden erlöst werden_. Schauen Sie, es ist schon Tag.« - -In den Bahnhof wälzte sich ein Menschenstrom herein mit Lachen, Husten -und Geschrei. Wie ein großer Besen fuhr der Lärm durch den Gang, fegte -die angesetzte Stille fort und blies die verstaubten Stimmen an. Die -Passagiere erhoben sich von den Bänken, schüttelten die Spinnweben des -Schlummers ab und blickten einander ohne Mißbehagen an, verbündet durch -die gemeinsame Nacht. Aber draußen, hinter den Fenstern, dämmerte der -Tag. - -Der Mensch, der gesprochen hatte, verlor sich Záruba zwischen den -Leuten. Eine neue Schar, Fahrkarten, Geschrei und Glockenzeichen — der -schwarze und lärmende Zug fuhr in den Bahnhof ein, verschlang die Schar, -zischte, fauchte und fuhr dem Ziele zu. Gott, nur schnell, dachte -Záruba, noch ist nicht alles verloren: noch bleibt Hoffnung. - - - - - HILFE! - - -Er wurde gewahr, daß er sich an einem weiten, mit schönen Bäumen -bewachsenen Hange befand. Das ist ja Frankreich, erriet er plötzlich, -ich bin wohl in einen falschen Zug eingestiegen. Es ist wirklich ein -seltsamer Zug, — lauter fremde Gesichter, die über ihn lachen, als wäre -er schlecht gekleidet; und der Zug fährt wild, daß die Fenster klirren. - -Brož fuhr aus dem Traum empor. Jemand klopfte ans Fenster. - -»Was ist?« schrie Brož mit verklebter Zunge. - -»Ich bitte Sie,« sagte draußen eine zitternde Frauenstimme, »wenn Sie -uns rasch zu Hilfe kämen!« - -»Gehn Sie zum Teufel!« erwiderte Brož wütend und wühlte den Kopf in -die Kissen hinein. Nur den zerrissenen Faden des Traums einzufangen! den -Schlummer eben dort wieder anzuknüpfen, wo er unterbrochen worden! Ein -Zug, etwas von einem Zug, zwang sich Brož; und plötzlich fiel ihm -peinlich klar ein: Ich hätte fragen sollen, was ihnen geschehn ist! - -Er sprang aus dem Bett und lief das Fenster öffnen. Kühl, schwarz wehte -die öde Nacht herein. »Wer ist da?« rief er, aber nichts antwortete. Da -schüttelte ihn die Kälte, und er ging sich legen; in den Federbetten -fand er seine eigene trockene Wärme wieder und genoß sie gierig und -unbegrenzt; wieder sanken ihm die Lider und die Glieder lockerten sich -zu einem Komma. Ach, schlafen! - -Mit weit geöffneten Augen schaute Brož in die Finsternis. Wer das -wohl gewesen war? Niemand in diesem Dorf hier kümmert sich um mich. Wer -hat bei mir Hilfe gesucht? Es war eine Frauenstimme. Es war eine -unsäglich schmerzliche Stimme. Vielleicht ging es ums Leben. Übrigens, -ich bin kein Arzt. Aber vielleicht ging es ums Leben. - -Zerquält wandte sich Brož dem Fenster zu. Es zeichnete sich wie ein -kaltblaues Rechteck in der schwarzen, raumlosen Dunkelheit ab. Nirgends -brennt es. Es ist still, nur die Uhr zu Häupten tickt spitzig. Was ist -nur geschehn? Was für ein Unglück? Vielleicht ist es in der -Nachbarschaft; jemand stirbt; irgendwo wird ratlos mit dem schweren -Augenblick gekämpft. Ich bin schließlich kein Arzt. - -Aber das Bett knarrt und brennt ermüdend. Brož setzte sich im Bette -auf und nahm gewohnheitsmäßig die Brille. Wodurch vermöchte ich -überhaupt, überlegte er, zu helfen? Wie nur zu nützen? Verstehe ich mich -denn auf etwas Hilfreiches? Gott, nicht einmal raten, nicht einmal -trösten; nicht einmal mit Worten vermöchte ich einen Teil der Last von -irgend jemandem zu nehmen; nicht einmal durch Anteilnahme jemand zu -stützen. Ich will ja selber nichts, als Ruhe haben; als mich der andern -zu entledigen. Was mag da geschehen sein? - -Indem fiel es ihm ein, die Lampe zu entzünden. Vielleicht bemerken sie, -daß ich leuchte, sagte er sich, und kommen abermals. Ich werde leuchten -wie ein Leuchtturm. Kommen sie, so frage ich, was geschehn ist; -wenigstens erkenne ich, daß ich wirklich nicht habe helfen können. — Im -voraus getröstet bettete sich Brož die Polster hinter den Rücken; -gespannt lauerte er, daß das Pförtchen knarren und dieselbe Frauenstimme -hinterm Fenster bitten werde. Aber der tickende Gang der Uhr quälte ihn. -Vergeblich bemühte er sich, sie zum Stehen zu bringen. Es war drei Uhr. -Auf einmal schnürte ihm ein häßliches Gewicht von Unruhe und Erregung -die Brust zusammen. Niemand kam. - -Zögernd und hastig begann sich Brož anzukleiden. Sicherlich, sagte er -sich, werden sie dort leuchten, wo etwas geschehen ist, und ich werde -ans Fenster pochen. Sowieso würde ich nicht mehr schlafen. Ich werde -dort nichts nützen, aber — vielleicht sind sie so ratlos — Brož -verwirrte sich in der Hast und verfluchte leise die Schuhbänder; -schließlich gelang ihm ein ungewöhnlicher Knoten, und er lief vor das -Haus hinaus. - -Es war schwarz, durchaus schwarz. Brož begab sich die Gasse hinab und -suchte ein erleuchtetes Fenster; nie zuvor hatte er ein so bis ins -Bewußtlose entschlummertes Dorf gesehen, so fremd allem Wachenden, so -fremd — nirgends waren klagende Nachtlampen, nirgends ein Lichtstreifen -hinter den Fensterscheiben. Entsetzt hielt er inne vor der Kapelle: in -den Fenstern zitterte und irrte das matte Licht einer Flamme. Die ewige -Lampe, begriff er nach einer Weile und ging weiter; aber nirgends war -beleuchtet; überall dunkel, nur etwas Blässe, von den Wänden -ausgeschwitzt —. - -Leise kehrte Brož zurück und lauschte vor den stummen Häuschen. Wird -drinnen kein Jammern ertönen, wird nicht stille Ohnmacht erbeben? Wird -keine Frauenstimme weinen? Bebend sondierte Brož die verschlossenen -Räume des Schweigens; nichts, kein dichter Atem, nichts — fliegt nicht -aus der Weite der Nacht, aus irgendeiner Ferne, von irgendeiner Seite -der Welt ein herzzerreißender Schrei um Hilfe heran? - -Wie fremd ist diese schlafende Welt, die nicht spricht! Die nicht vor -Schmerz aufschreit! Die nicht nach Erlösung ruft! Wenn jetzt der -leiseste Klageruf sich erhübe, würde er nicht feurig nach ihm langen, -würde er sich nicht an ihn lehnen wie an eine Säule, würde er ihn nicht -erfassen wie ein im Dunkel entzündetes Licht … - -Andern willst du helfen, ertönte es spöttisch und klar in ihm, und -kannst dir selber nicht helfen! Aber was, dachte Brož in -schmerzlichem Erstaunen, ist dem wirklich so? Doch eher darum, ach, -_gerade darum_, weil du dir selber nicht helfen kannst — wer sich zu -helfen vermag, wird sich selber helfen; aber du, der du dir nicht helfen -kannst, hier bist es nicht eben du … - -Brož blieb wie geschlagen stehen. Dir selber kannst du nicht helfen? -Aber ist es denn wirklich so? Brauch ich überhaupt Hilfe … von mir -selbst oder von irgendwem? Ist mir so schlimm? Gott, das nicht! Ich lebe -ja nach meinem Sinn und mehr will ich nicht. Nur meine Tage für mich -allein zu verleben. Ich habe keine unerfüllten Wünsche. Vielleicht habe -ich überhaupt keine Wünsche. Mir selbst kann ich nicht helfen … Worin -auch. Nie ist es mir in den Sinn gekommen. Bleibe alles, wie es ist: Tag -um Tag, bis ins Unabsehbare. - -Tag um Tag? Brož setzte sich auf einen Eckstein und blickte unbewegt -in die Finsternis, als träumte er heimlich den unterbrochenen Traum zu -Ende; oder als träumte er ihn Tag um Tag, Monat und Jahr, bis ins -Unabsehbare. — Nichts mehr verändert sich; was sollte sich auch ändern? -Die Ereignisse fliehen und die Jahre vergehen; aber Tag um Tag kehrt -zurück, so als geschähe überhaupt nichts. Ein Tag ist vergangen: was -liegt daran? Es wird ja derselbe Tag, derselbe Tag mir morgen kommen. -Nur wenn die Zeit vergeht! - -Und täglich kann ich mir sagen: Ich habe nichts verloren als einen Tag. -Nichts mehr als einen Tag! Warum also diese Angst? Brož rieb sich -hart die Stirn. Ich sollte mich fassen. Ich bin unausgeschlafen. Ich bin -stehengeblieben, und die Tage sind um mich gewachsen wie Mauern; Tag um -Tag haben sich glatt und schwer geschichtet wie Wände. Schon erwache ich -allmählich: aber wird es ein neuer und niegewesener Tag sein, den ich -ringsum finde? Oder ein Tag, zusammengesetzt aus tausend vergangenen — -wie Mauern? Und sage ich mir wieder: das ist also wieder ein weiterer -Tag unter tausend aufgerichteten — wie Mauern? Warum ist er geworden? -gestern war doch nur um einen weniger! Stand es dafür, wegen dieses -einen Tages zu erwachen? - -Alle Schläfrigkeit fiel plötzlich von ihm ab. Das ist ja ein Kerker, -begriff er entsetzt; so viele Jahre habe ich wie im Kerker gelebt! Weit -tat er die Augen auf; ihm war, als erhellten sich traurig all diese -Jahre: seltsam fremd, seltsamer bekannt; alles, nichts, Tage ohne Zahl -… Ach, ein Kerker, riß sich Brož los. Werde ich denn niemals -erwachen in niegewesenem Tag? Warte ich denn nicht täglich darauf (— -ach, Kerker!) und _habe ich nicht vielleicht immer gewartet_, begriff er -plötzlich (— vergangene Jahre klärten sich auf), ach, bin ich -eigentlich nur deshalb stehen geblieben, um den ungeahnten Tag zu -erwarten? - -Vergangene Jahre klärten sich auf. Sieh, Gott, flüsterte Brož, zum -Himmel emporblickend, ich verschweige es dir nicht länger; ich habe auf -deine Hilfe gewartet, auf eine wunderbare Erlösung; daß ein großes -Ereignis geschähe, ein jähes Licht in den Ritzen, und nach heftigen -Schlägen in die Tür eine starke Stimme geböte: Lazarus, steh auf! So -viele Jahre habe ich die Stimme des Siegers erwartet; du kamst nicht, -und ich verlasse mich nicht mehr darauf. - -Aber wenn ich noch harre, so ist es auf Hilfe und Erlösung. Auf eine -Stimme, die mich aus meinem Gefängnisse ruft. Vielleicht ist sie nicht -so stark, sondern so schwach, daß ich sie mit der eigenen Stimme -unterstützen muß. Vielleicht ist es keine gebietende, sondern eine -flehende Stimme: Lazarus, steh auf, uns zu helfen! - -— Dir selbst kannst du nicht helfen: wer wird dir helfen? Wer kommt -dich befreien, der du es selbst nicht vermagst? Alles schläft in -unbewußtem Frieden; kindlich piept der Schmerz auf des Schlafenden -Lippen; ein knabenhafter Traum, etwas von einem Zug, ein flüchtiger -Traum zeichnet sich an den Wänden des Gefängnisses ab. Aber unversehens -kommt er — pocht an dein Fenster und ruft dich aus dem Traume der -niegewesene Tag. Ob du ihn erkennst und unverschlafen aufspringst? - -Vielleicht hast du ein Weltbeben erwartet: höre ein stilles, flehendes -Rufen. Vielleicht kommt der Tag, den du erwartest, gar nicht wie ein -Feiertag; nur ein Wochentag, Montag des Lebens, neuer Tag. - -Über den Wäldern wird es licht. - - - - - INHALT - - - Seite - Stocken der Zeit 5 - Historie ohne Worte 7 - Verlorener Weg 10 - Die Aufschrift 15 - Die Versuchung 19 - Spiegelung 23 - Der Wartesaal 27 - Hilfe! 32 - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t sind, wurden mit -Unterstrichen wie _hier_ gekennzeichnet. - -Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt -(vorher/nachher): - - [S. 6]: - … durchsichtigen Bernstein; er ist einfach eingestellt. … - … durchsichtigem Bernstein; er ist einfach eingestellt. … - - [S. 8]: - … Puerta de Sol, überlegte Ježek, Tor der Sonne; was hat er - nur … - … Puerta del Sol, überlegte Ježek, Tor der Sonne; was hat er - nur … - - [S. 8]: - … Sicherlich wird er etwa sagen, dachte Ježek; es ist - schwer, … - … Sicherlich wird er etwas sagen, dachte Ježek; es ist - schwer, … - - [S. 11]: - … Jahre! Und plötzlich diese Lösung: dir kommt das freudige und - und … - … Jahre! Und plötzlich diese Lösung: dir kommt das freudige und … - - [S. 33]: - … Er war schwarz, durchaus schwarz. Brož begab sich die - Gasse … - … Es war schwarz, durchaus schwarz. Brož begab sich die - Gasse … - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Kreuzwege, by Karel Čapek - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KREUZWEGE *** - -***** This file should be named 52144-0.txt or 52144-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/2/1/4/52144/ - -Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country outside the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you'll have to check the laws of the country where you - are located before using this ebook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The -Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm -trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - |
