summaryrefslogtreecommitdiff
diff options
context:
space:
mode:
-rw-r--r--.gitattributes4
-rw-r--r--LICENSE.txt11
-rw-r--r--README.md2
-rw-r--r--old/52191-8.txt2682
-rw-r--r--old/52191-8.zipbin34266 -> 0 bytes
-rw-r--r--old/52191-h.zipbin70684 -> 0 bytes
-rw-r--r--old/52191-h/52191-h.htm3637
-rw-r--r--old/52191-h/images/cover-page.jpgbin23371 -> 0 bytes
-rw-r--r--old/52191-h/images/logo.jpgbin7477 -> 0 bytes
9 files changed, 17 insertions, 6319 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes
new file mode 100644
index 0000000..d7b82bc
--- /dev/null
+++ b/.gitattributes
@@ -0,0 +1,4 @@
+*.txt text eol=lf
+*.htm text eol=lf
+*.html text eol=lf
+*.md text eol=lf
diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt
new file mode 100644
index 0000000..6312041
--- /dev/null
+++ b/LICENSE.txt
@@ -0,0 +1,11 @@
+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
+
+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
diff --git a/README.md b/README.md
new file mode 100644
index 0000000..4347734
--- /dev/null
+++ b/README.md
@@ -0,0 +1,2 @@
+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
+eBook #52191 (https://www.gutenberg.org/ebooks/52191)
diff --git a/old/52191-8.txt b/old/52191-8.txt
deleted file mode 100644
index 2b9949d..0000000
--- a/old/52191-8.txt
+++ /dev/null
@@ -1,2682 +0,0 @@
-The Project Gutenberg EBook of Der unendliche Mensch, by Arthur Drey
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-Title: Der unendliche Mensch
- Gedichte
-
-Author: Arthur Drey
-
-Release Date: May 30, 2016 [EBook #52191]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER UNENDLICHE MENSCH ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-
-
-
-
- ARTHUR DREY
-
-
-
-
- DER UNENDLICHE
- MENSCH
-
-
- GEDICHTE
-
- LEIPZIG
- KURT WOLFF VERLAG
-
- BÜCHEREI »DER JÜNGSTE TAG« BAND 68/69
-
- GEDRUCKT BEI DIETSCH & BRÜCKNER IN WEIMAR
-
-
-
-
- AUFBRUCH-MUSIK
-
-
- Die Luft bebt wie ein Schall, der mir gebietet,
- Daß ich die Düsterheit der Zeit zersprenge,
- Daß alle Stirn, von Sonnen überblütet,
- Zu einem lichten Menschentag gelänge.
- Gesang von Worten, menschenheiliges Gut,
- Die Harfe Ozean, der auferregt
- Den Segler Erdgefährten, Strom und Blut
- Der Pulse: -- ist in meine Macht gelegt.
-
- Wie wird mein Atemdasein heiß und schwer,
- Wenn ich mich tief besinne in die Pflicht,
- Daß ich der Sprache nachtumtostes Heer
- Umfange im gesungenen Gedicht.
- Doch wie ich leise, lauter, heller singe,
- Erschwebt frohlockend meinem Licht und Blick
- Ein Wissen: Daß ich in die Menschen dringe,
- Mein Urwunsch Güte in das arme Glück.
-
- Als sei ein Allumlieben zu erschwingen,
- Wird mir der Erde stürmisches Gezelt
- Voll jubelnd kühnen Lieds verliebtem Singen.
- Und schlanke Leiber, flackernd aufgehellt,
- Tollen den Tanz der Küsse ... im Gewühl
- So linienwild, bis sie, sich überbiegend,
- Hinsinken, mild, ein ausgespieltes Spiel,
- Dem weich verwirrten Fliederbild erliegend.
-
- Da ist Vergebung. Knaben sinnen treu
- Den Ritter wie den Räuber; denn der böse
- Entmenschte Feind ist ihnen fremd, und frei
- Aufbäumt und beugt sich weite Herrschergröße,
- Kein Wille klebt am eignen kleinen Weh.
- Und auch der rauhe Mann ist wie ein Kind,
- Voll froher Frommheit hält er die Idee,
- Daß Sonne, Erde, Mensch das Heilige sind.
-
- Oft hat mein Sehnen vor sich selbst gebebt!
- Mein Aufwärtswollen wird auch dann nicht still,
- Wenn über meinen Kopf die Welt sich hebt
- Und wie ein giftiger See mich töten will.
- Wie ein gehetztes Gemsenwild der Felsen
- Errette ich den Stolz der freien Höhn.
- Und von den Himmeln, da sich Donner wälzen,
- Fühl' ich Berufung wogend mich durchwehn.
-
- Zurück! Hinab! Wo irrendes Entsetzen,
- Wo Schlacht aufheult und metzelndes Verwühlen,
- Geschürt von Führern, die die Völker hetzen,
- Wo auf Ministerthronen Schurken spielen,
- Wo blühnde Leiber, hingefällt in Stücke
- Verklumpten Bluts, und Millionen Augen
- In Nacht versinken -- Eine Meuchlerclique
- Will Krieg, daraus Tyrannenmut zu saugen!
-
- Nicht stöhne, Stimme! Weit wie Firmament
- Sei Zorn und Kraft und Heilung allem Dürsten
- Des Volkes Mensch! Die waren nie getrennt,
- Nur mordgepeitscht von roh' und eitlen Fürsten!
- Dein Wutwort, heller Sänger, es zertrete
- Die Untat, die in Lügen sich verlarvt!
- Bis ein Homer des Friedens im Gebete
- Erwachse, weinend brausend hingeharft ...
-
- Wie Blütenflut aus tiefen Wiesen dringt,
- So bricht der Klänge Brandung aus dem Sänger,
- Der blindgeboren noch die Sonne singt.
- Wie einer Krone göttlicher Empfänger
- Nimmt er die ganze buntgewirkte Zier
- Der endlos wilden Erde ... so geeint
- Mit jeder Blume, Pflanze, jedem Tier,
- Daß Mensch zu sein uns wie ein Ruhm erscheint!
-
-
-
-
- DU EWIGE
-
-
- I
-
- Laß mich deine Hände küssen,
- Laß mich deine Hände fühlen!
- Deine Lichtheit hat zerrissen,
- Mich erdrückt mit ihrem Zielen.
-
- O wie ist die Nacht der Augen!
- O die weiche Glut der Wangen!
- Immer will ich blühend saugen,
- Will ich deinen Hauch umfangen.
-
- Könnt' ich mich in Träume schwingen,
- Himmlisch wollt' ich dich erheben;
- Betend, weinend, jubelnd dringen
- Meine Lieder dir ins Leben.
-
- Ein von Blüten süß beschneiter
- Morgen ist in deiner Lust.
- Löse denn die losen Kleider,
- Weiße Sonne deiner Brust!
-
-
- II
-
- Wie gefangen an den Lippen
- Küss' ich deines Atems Laut --
- Blickend, trinkend bin ich liebend
- Deiner Liebe tief vertraut.
-
- Wie Posaunen tönt die Erde,
- Wild und weich in deiner Macht.
- Wer hat dieses Bild der Treue,
- Deinen milden Blick erdacht?
-
- Oh, in deinen heißen Armen
- Ist ein Pressen und ein Ziehen
- Wie zum goldenen Vergessen,
- Singen, Summen, Saugen, Blühen.
-
- Schweiget, wilde Erdentöne,
- Laßt mich sterben, wenn ich lebe,
- Laßt mich leben, wenn ich sterbe,
- Daß ich mich zum Himmel hebe!
-
-
- III
-
- Fühlst du dich noch allein,
- Mein wildgeküßtes Kind?
- Wir wollen die Ewigkeit sein,
- Wie unsre Sterne sind.
-
- Wir kennen das dunkle Glück,
- Das an sich selbst zerschellt: --
- Wir wollen mit einem Blick
- Die ganze wehende Welt!
-
- Wir wollen blühend singen,
- Wie Kinder, die wandern gehn,
- Uns fliehend und knieend umschlingen
- Wie eine Welt so schön!
-
- Vom Jubel mitgerissen,
- Der über die Erde weht ...
- Bis wir hinsinken müssen
- Auf dunkelnder Wiese Beet --
-
- Auch hier noch müde liebend,
- In seligem Empfangen
- Von Abend, weich und trübend,
- Von Träumen, die aufgegangen.
-
-
-
-
- DER ZWEIFEL
-
-
-
-
- TRAUERMARSCH
-
-
- I
-
- Wer hat das Schwefelschwarz der Todesnacht,
- Den Sturz der Leiber heimlich ausgedacht?
-
- Von Dunst beglitzert ziehen wir dahin,
- Unsinnig flackert unser Daseinssinn.
-
- Wir tappen Tänze wie im Singsangspiel,
- Am Bühnenhorizont zerplatzt das Ziel.
-
- Als Vagabunden, nur mit etwas Geld,
- Begaffen und begaunern wir die Welt.
-
- Selbst Glückesgrübler, Künstler, Staatenlenker,
- Die Welt-Erneurer -- sind nur Menschenhenker.
-
- Es ist das unheilbare Leidensmal:
- Der höchste Aufstieg zeugt die schwerste Qual.
-
- Nur dann erhöht sich unser Menschenschritt,
- Wenn er die Schwachgebornen niedertritt.
-
- Doch wie wir uns auch in die Weiten dehnen,
- Wir sind verseucht vom engen Erdenstöhnen.
-
- Wir bleiben tolle Tölpel ohne Taten,
- Teils voller Wahn, teils in den Schlamm geraten.
-
- Das Erdentsetzen winselt weh und wund
- Wie ein getretener verheulter Hund.
-
-
- II
-
- Weiter als der Wolkenfülle Stürme
- Brechen unsre Wünsche ins Getürme
-
- All der dunkel brüllend wilden Zeit,
- Die kein Wille von sich selbst befreit.
-
- Festgebunden an die Erdensperre,
- Angekettet an das Schmerzgezerre,
-
- Tragen wir den Ekel unsrer Lust,
- Pfeile wilder Wachheit in der Brust.
-
- Und wir beten, bitten, singen blind
- In den leer verstreuten Aschenwind.
-
- Und wir hängen an den milden Blicken,
- Die wir träumen, um uns zu beglücken.
-
- Freunde finden sich im Kämpfermut,
- Todverwundet fluchen sie dem Blut.
-
- Heulend, tosend tönen die Fanfaren,
- Die den Tod der Erde offenbaren.
-
-
- III
-
- Der Lärm des Lebens knattert, pfeift und singt,
- Ein Hagelsausen, das die Leiber düngt.
-
- Muß an der Erde wie an einem Stein
- Die unbegrenzte Brust gekreuzigt sein?
-
- O möchte doch Aufruhrmusik erklingen,
- In einen Taumeltraum die Leiber schwingen!
-
- Doch schweige, Lust! Dein Aug' ist nachtbenetzt,
- Dein Weg ist todwärts durch den Raum gehetzt.
-
- Wir können nicht die Erdenmacht zersprengen,
- Solang wir Tiere sind in Felsenhängen.
-
- Wir können nicht die Sonne niederreißen
- Und nicht den Erdball in den Himmel schmeißen.
-
- Wir sind gebannt, auch wenn wir rasend rennen,
- An unser Fleisch, das wir den Menschen nennen.
-
- Wir heulen einen tief zerstückten Schrei
- Nach einem Sein, das mehr als Dasein sei.
-
- Der kaum Geborne schreit schon Widerstand,
- Als fürchte er den erdverfluchten Sand.
-
- Was bleibt an Mut im Elendeinerlei?
- Ein bißchen Glück, ein bißchen Narretei.
-
- Man kreischt und zittert in den Erdenklippen --,
- Und schweigt verbissen mit zerquälten Lippen.
-
- Die Erdenfreunde sinken Blick in Blick --
- Ein letzter Liebehaß zerreißt ihr Glück.
-
- Und über allem brausen die Fanfaren,
- Den Tod der Erde grell zu offenbaren.
-
-
-
-
- FRAGENDER MENSCH
-
-
- Das ist das Stumme meines Angesichts,
- Daß ich nichts finde, was den Geist beseelt.
- Nicht Welt, nicht Ich, nicht Alles und nicht Nichts:
- Wohin mit mir? Mein Tag ist ausgehöhlt.
-
- Was könnte ein Pistolenschuß mir geben?
- Was ist der Tod? Ich kann nur immer fragen --
- Und wer am Tod verzweifelt, will das Leben;
- Ich bin geboren und ich muß mich tragen.
-
- Doch wenn ich Leben will, weil Tod verhüllt ist,
- Dann muß ich immer neu mich selbst gebären;
- Dann ist das Lustgeheul, das nie gestillt ist:
- Mutter und Kind, ein Geben und Begehren.
-
-
-
-
- PIERROT
-
-
- Ich will ganz leis anfangen: zu sprechen.
- ... Wenige Laute zuerst ... zitternd ...
- Hört ihr das Kichern knacken und brechen,
- Das in der Luft ist, gewitternd --?
-
- Noch steh' ich wie mein eigenes Denkmal da,
- Bin mir selbst noch zu nah.
- Ich muß von mir wegschreiten,
- Lachend ... bis ich _laut_ lache.
- Bin ich nicht eine famose Sache,
- He?
- Ach, ich seh':
- Ihr seid alle dumm, zu dumm.
-
- Dumm seid ihr ...
- Hojoh! Wißt ihr, was eine Nacht ist?
- Menschen, sagt es mir!
- Ihr wißt nicht, was eine Nacht ist.
- Ihr wißt nichts.
- Gar nichts.
- Ihr seid alle dumm, zu dumm.
-
- Ich muß mein Hirn peitschen, schmeißen,
- Weil es träge wird, was es nicht sollte!
- Aber mein Maul kann ich noch aufreißen --:
- Auweh! (Weiter war's als ich wollte.)
-
- Hui! ...
- Hui! Hui!
- Ich hab' ein Liebchen, das will ich fangen.
- Sie kriegt einen Kuß auf die Wangen --
- Schade,
- Auch das Küssen ist fade.
-
- * * * * *
-
- Ach Gott! Die Welt ist so weich und gebogen,
- Warum sind die Wälder nicht spitz
- Und noch spitzer der Himmel?
- Um solchen Witz sind wir betrogen.
- Alles ist nur immer Trauer
- Und schmeckt öde und sauer
- Wie alter Schimmel.
- Und die Menschen sind ohne Projekte.
- Eine hilflose Sekte.
-
- Jetzt werd' ich mich ducken,
- Vielleicht auch hinlegen dann.
- Und ihr sollt gucken,
- Wie gut ich mich totstellen kann.
-
-
-
-
- GUTE LATERNE
-
-
- Noch weiter gehn?
- Was will mir noch die Straße sein?
- Die Steine sind noch härter als Matratzen,
- Doch auch ein enges Bett will ich nicht sehn.
- Verdammte Nacht! Ich hab' mich rumgestritten
- Mit bösen Freunden. Jetzt bin ich allein;
- Sie sind verärgert mir hinweggeglitten,
- Sie wollten mich an meinen Augen kratzen,
- Ich sah so treu sie an, daß sie's nicht konnten.
-
- Ihr Blut ist Gift? Ich will davon nichts wissen.
- Was darf man wissen? Alles ist verschwommen.
- Alles ist Strom, in weiten Strom gerissen --
- Ach, wär' auch ich in Arme aufgenommen!
-
- Laternen schwimmen viele. Pflück' ich die gelben Rosen?
- Halt, halt, du Welt! Ich kann schon nicht mehr mit.
- An eine der Laternen werd' ich hingestoßen.
- Wer gab mir in die Kniee diesen Tritt?
- Hab' ich zu viel schon Welt in mich getrunken?
- Oh! die Laterne, die mich halten konnte,
- Ist dicht an mich und ich an sie gesunken,
- So dicht, als ob sie mir, nur mir die Nacht besonnte.
-
- Bin jetzt fast ruhig und mir selbst vorüber,
- Die Kraft entsinkt, ich bin zu sehr zerfleischt.
- Welt, strotzt dein Leib? Er ist Geschwür und Fieber,
- Kraft ist nur Tollwut, die in Luft sich kreischt.
- So sehr sah ich der Tage Wahnsinn nie,
- Die Tierischkeit des menschlichen Gestells.
- Was rasen Menschen? Und was schaffen sie?
- Sie töten sich den Kopf an einem Fels.
- Tut aus der Nacht sich nicht ein Mantel auf
- Und legt sich weich und bettend auf mein Hirn?
- Ach, käme nie der Morgen mehr herauf,
- Das kalte meuchlerische Bleichgestirn.
- Und doch, ich seh, die Nacht ist mir nicht weich,
- Die Nacht ist nichts, was mich nicht auch verließ.
- Ist gar nichts denn für mich, macht mich nichts arm, nichts reich?
- Ist das der Tod? -- Ein Lebender fragt dies.
-
- Was soll ich jetzt mit mir beginnen?
- Der ich mich ganz an die Laterne gebe?
- Bin ich denn immer noch bei meinen Sinnen,
- Obwohl ich leerer als ein Toter lebe?
- Wohin auch sonst ich in der Welt mich bringe,
- Mich zieht doch gar nichts an, ich bin so gräßlich lose.
- Wenn mir die Zunge aus dem Munde hinge,
- Das wäre wirklich keine dumme Pose.
- Was sind die Häuser? Grünes Schafsgewimmel.
- Und alles schmeckt nach altem Mond und öd.
- Und auch der kühle dünne Himmel
- Ist fahl und blöd.
- Ich hab' nur Angst, daß ein Betrunkner kommt
- Wie ein erschreckend-greller Knall.
- Wär' ich ein Pferd, so brav und prompt,
- Ich schliefe still in meinem Stall.
- Wozu erst Wachsein noch, das doch nur gähnt?
- Wär' ich nicht Mensch, ich schliefe süß und still.
- An die Laterne bin ich hingelehnt
- So sehr, daß ich nicht weitergehen will.
-
-
-
-
- DUMPFER TAG
-
-
- Nehmt endlich, Brüder, mir von meinen Lippen
- Den schweren Daseinsschrei, den nie mein Kopf vergißt.
- Denn sonst ersticke ich in den Gestrüppen,
- In Stadt und Stacheln, die die Erde ist.
-
- Hört ihr den Erdenwahnsinn lachend weinen?
- Ein Donner ist in mir, der will so wild erdröhnen!
- Der Lebende kann sich nicht selbst verneinen,
- Wer einmal Mensch, der muß ein Glück ersehnen.
-
- Kein Traum kann je uns vor uns selbst verschonen.
- Wir, Sklaven, sind gepeitscht und wissen keinen Retter.
- Wir sehen nicht, in welcher Welt wir wohnen,
- Und schwingen schwer in unerkanntem Wetter.
-
- Und ich, ich bin, dem solcher Tage Nacht
- Noch mehr als euch sich engt zu Gassen toller Trauer.
- Denn unsre Blindheit hab' ich ganz durchwacht.
- Ich denke keinen Himmel mehr, nur Mauer.
-
-
-
-
- ERDENFAHRT
-
-
- Jahrelang ist nichts geschehen,
- Nur das Leben vieler Dinge,
- Erd' und Himmel war zu sehen
- Und des Himmels bleiche Ringe.
-
- Flatternd kann ich mich vergessen,
- Wie ein Kind, wie eine Mücke.
- Zeit und Ziel sind ungemessen,
- Wenn ich in die Sterne blicke.
-
- Auf die Fahrt auf dieser Erde
- Geht ein steter Regen nieder.
- Wie ein Sein, das nichts mehr werde,
- Sinken bald die Augen nieder.
-
- Alle, die im Kreise tanzen,
- Die in Städten und auf Bühnen
- Ihre Fahnen lustig pflanzen,
- Können nur der Erde dienen.
-
- Jahrelang werd' ich die Stunden
- Der Sekunden tief begehren,
- Werde, ganz an mich gebunden,
- Böser Liebling, mich zerstören.
-
-
-
-
- NACHTGEDICHT
-
-
- Ein Wind ist diese weite stumme Nacht,
- Und diese Straße, diese Wüste schwebt,
- Die ich so lange schon in mich hineingedacht.
-
- Ist Denken denn ein Trieb, der uns erhebt?
- Er tötet alles, was in einer Brust
- Lebendig war und blühend unbewußt.
-
- In welchen Kampf will ich mich schlagen?
- Erfolg und Macht -- es ist doch alles leer.
- Und Opfer sein? Wo nehm' ich Götter her?
-
- Vielleicht die Menschen aufwärtstragen?
- Ich Narr! Ist Höherkommen denn schon je geglückt,
- Da stets Unendlichkeit uns niederdrückt?
-
- Euch Menschen helfen, die ihr elend seid,
- Wär' Wahnsinn. Helfen hilft nur falschem Schein,
- Denn wo ein neues Glück, ist auch ein neues Leid.
-
- Stets in sein Selbst, wie an den Pfahl gebunden,
- Bohrt sich dem Menschen neues Sehnen ein,
- Wenn er Beglückung irgendwie gefunden.
-
- Ich aber fühle Leere im Gesicht,
- Zu müde wird es mir, als daß ein Glück
- Noch jemals Kraft erlange meinem Blick.
-
- Ich will nicht traurig sein und glücklich kann ich nicht,
- So bin ich nichts -- und fühle manchmal nur
- Die kleine Lust zu einem Nachtgedicht.
-
- Und wie an einer Schnur
- Geh ich den Schmerz entlang,
- Der diese Welt ist und ihr Müßiggang.
-
-
-
-
- DIE UNGESTILLTEN DER SEELE
-
-
-
-
- RITTERNARR
-
-
- Zu eng ward ihm der Raum der Daseinsfristung:
- So stieg er auf sein Roß und ritt die Erde,
- Der finstre Ritter in der grellen Rüstung --
- Gefolgt von einer dürren Menschenherde.
-
- Er ritt und ritt und suchte die Gefahr
- Voll Angst und Qual, voll Mut und hellen Flügen.
- Das ekle Dasein, das so heimlich war,
- Wollt' er mit seinem eigenen bekriegen.
-
- Er nahm sein Schwert und hieb es in die Luft
- Mit solcher Wucht und starrem Widerwillen,
- Daß in der Welt vor ihm sich eine Kluft
- Zu öffnen schien, um seinen Haß zu stillen.
-
- Und als er lang genug das All durchquert
- Und sah, es werde wohl vergeblich sein, --
- Da hielt er an, und stieg von seinem Pferd,
- Und setzte sich auf einen nackten Stein.
-
- Und stierte in den blinden Dünsteraum,
- Als wollt' er dem Lebendigsein entsagen;
- Und stierte in den düstern Wolkenschaum,
- Als wär' nichts mehr zu sagen noch zu fragen.
-
- Die Wolken tanzten silberschwarz wie Särge
- In seinen Augen, die voll krankem Schauer
- In schwüle Luft anschwollen: so viel Berge,
- Sie lagen ihn zu töten auf der Lauer.
-
- Die Leute hoben ihn in einen Karren
- Und fuhren ihren Held aus seinen Schmerzen
- Zum Thron. Dort zündeten ihm seine Narren
- Vor Glück die spitzen Finger an wie Kerzen.
-
-
-
-
- GANG ZUM SCHAFOTT
-
-
- Ein Menschenkreis umstellt das Blutgerüst
- Und hungert nach dem Folterakt der Köpfung --
- Da kommt der Mörder. Und sein Leben ist
- So bleich wie die unendliche Erschöpfung.
-
- Nichts wollen seine hohlen Züge sagen.
- Er litt -- bis an den großen eignen Knochen
- Es nichts mehr gab für ihn, um dran zu nagen.
- Die Augen liegen tief wie ausgestochen.
-
- Stumpf geht er. Plötzlich klingt die Sünderglocke
- In dünnem Strahl, wie Lachen hell und kalt.
- Da hat noch einmal an dem Sträflingsrocke,
- Kurz wie vom Blitz, sich ihm die Hand geballt!
-
-
-
-
- AHASVER
-
-
- Mir hat die Welt auf meinen weiten Zügen
- Viel Lust geschenkt. Ich hab' sie stumm vergraben
- In meinen Augen -- die stets hungernd liegen.
- Mich sättigt nicht, was mir die Menschen gaben.
-
- Ich kann nicht ruhn, ich muß die Erde messen,
- Glühendes Folterrad an meinem Leibe --
- Erst dann wird Glück, wenn ich die Gier vergessen
- Und wie ein Fels erkaltet stehen bleibe.
-
-
-
-
- JUNGER KÜNSTLER
-
-
- Kommt keine Sonne über meine Augen,
- Die, noch so jung, schon hohl wie Gräber lagen?
- Ich will den Freund mir aus den Büchern saugen,
- Die meine früh gepreßten Qualen tragen.
-
- Und wie gedrosselt stockt mein tiefes Weinen
- Nach Armen, die ich um die Schultern führen
- Wollte, ganz dicht. Auch nicht das tiefste Weinen
- Löst meinen Leib aus seinem großen Frieren.
-
-
-
-
- DER DENKER
-
-
- Ich weiß nicht, was ich bin. Mein Weg läuft schief
- Um mich herum, ein wirres Kreiselspiel.
- Mein Denken, das zwar immer nach mir rief,
- Sagt mir nicht, was ich bin, sagt mir kein Ziel.
-
- Nie kann etwas in mir mich ganz begreifen.
- Denn wie begriffe ich dies Etwas dann?
- Ich kann Begriffe auf Begriffe häufen:
- Und wo man aufhört, fängt's von neuem an.
-
- Wo münde ich, wo ist mein Urbeginn?
- Stets bleibt ein Rest beim Spalten und Umspannen.
- Blöd scheint der Schrei nach all des Daseins Sinn:
- Alldasein ist durch Denken nicht zu bannen.
-
- Können wir nichts als endlich wahr erkennen?
- Wir wissen nicht, ob wir Bestimmtes wissen.
- Wir dürfen immer nur so weiterrennen,
- Wie Blinde fressend, hungernd und zerrissen.
-
- Und stets die Frage, die sich selber fragt
- Nach etwas, das man ist und hat und hält!
- Es ist das Klagen, das schon nicht mehr klagt:
- Nicht als nur da zu sein und ohne Welt.
-
- Sonne ist Nacht, denn Freude ist nicht mehr!
- Was könnte ich mit Freude mir gewinnen?
- -- Doch der, der fragt: ist jede Fülle leer?
- Kann der denn jemals in ein Nichts zerrinnen?
-
- Man lebt, ja, Haß in Menschen und in Herden,
- Als sei's ein Wert: größer zu sein als klein.
- Wer reicher wird, muß arm an Armut werden,
- Wer ärmer wird, wird reich an Armut sein.
-
- Streck' ich mich noch? Ich Wurm. Was ist in mir,
- Das je sich selber überragen könnte?
- War je ein Mensch, war je ein wildes Tier,
- Das (wie ein Gott!) sich von sich selber trennte?
-
-
-
-
- CLOWN
-
-
- Ich taumele in einem wirren Traum,
- Da ich doch nie mit mir am Ziele bin.
- Wie meine Krause bin ich nichts als Schaum,
- In hellen Farben schillernd ohne Sinn.
-
- Ich falle einen langsam steten Schritt,
- Wobei ich jedes Bein für sich betone.
- So schlepp' ich mich herum, und jeder Tritt
- Ist wie der Ausspruch, daß es sich nicht lohne.
-
- Doch niemand ist, der mich voll Trauer wähnt
- Und Lüge sieht in meinem Lachgebell.
- Und daß dahinter eine Sehnsucht stöhnt,
- Merkt niemand, denn ich scheine froh und hell.
-
-
-
-
- ALTERNDER MIME
-
-
- Ich stürmte jung voll Freiheit auf die Bühne,
- Berauscht von Sternen, die ich hell erdacht,
- Daß ich der Erde wie ein Herrscher diene,
- Dem Kampf der Liebenden in Sturm und Nacht.
-
- In qualzerrissne Sinne wollt' ich dringen,
- Mein wildes Wort und Sonnenjubelspiel,
- Es sollte einen neuen Traum erschwingen
- Für Menschenlust und Erdenmitgefühl.
-
- Es mag geschehen sein, was ich gewollt,
- Die Freunde haben meinen Kampf geteilt.
- Doch selber, scheint es, hab' ich mich vertollt
- In Nichts, ob ich gejauchzt, ob ich geheult.
-
- In Trauer mußt' ich meine Frohheit schminken:
- Nun fühl' ich kaum noch meines Lachens Sinn.
- Es ist so leer, wenn mir die Leute winken,
- Da ich vergessen habe, wer ich bin.
-
- Mir dünkt jetzt nur noch eine einzige Geste
- Als wahr. Nicht, wenn ich eine Frau liebkose,
- Nicht, wenn ich küsse, tanze und mich mäste --
- Nur die, wenn ich die Menschen von mir stoße.
-
-
-
-
- DER KRANKE SÄNGER
-
-
- Wo nehm' ich die Geduld her für mein Leben?
- Der Giftschwamm wuchert und zersaugt die Brust.
- Mein Blick ist stumpf und hohl dem Tod gegeben.
- Zertreten liegt die heitre Sängerlust.
-
- Wie anders früher! Als sich mir die Bühne
- Zur Welt geweitet und die Menschenklänge
- Noch voll aus mir erströmten -- wie die kühne
- Gewalt des Gottes, siegende Gesänge!
-
- Nun stöhnt so heiser, mühsam, ohne Wert
- Mein matter Leib, der kaum sich aufrecht hält.
- Vom Fraß der Blutbazillen ausgezehrt
- Wankt mein Gerippe im Geröll der Welt.
-
- O könnte ich nochmal die Stunde küssen,
- Da sich der Tag hell in den Himmel schwang,
- In Segel tauchen, blühend hingerissen
- Vom eignen Spiel und liebenden Gesang.
-
- Und könnt' ich einmal noch die Bilder wecken,
- Die mich wie milde Farben überliefen --,
- Aus meinen Gliedern auf den Aufruhr schrecken
- Mit jenen Stimmen, die unendlich riefen.
-
- Doch dieses ganze Sehnen ist vergebens,
- Erinnerung bedeutet größere Not.
- Die unerfüllte Fülle meines Lebens
- Wird immer ausgehöhlter für den Tod.
-
-
-
-
- AKROBAT
-
-
- Ich zieh' mit stumpfen Eltern und Geschwistern
- Von Stadt zu Stadt auf jeden Jahrmarktsrummel.
- Ich bin der dürre Gliederclown, und lüstern
- Begafft die Menge mich verbrauchten Stummel.
-
- Wie Schlangenwirbel muß ich mich bewegen,
- Da ich zerbrochen bin und viel geteilt.
- Ich mußt' von Kind auf mich in Fratzen legen
- Und aus den Wunden schrei'n, die niemand heilt.
-
- Wenn stolz ich aufrecht stehe -- lüge ich.
- Ich turn' am Reck und bin zum Tod bereit
- Ganz wie am Galgen. Oftmals träum' ich mich,
- Als sei mein loser Leib wie Sand verstreut.
-
-
-
-
- ZIGEUNERLIED
-
-
- Wir sind die mageren Zigeunerkinder.
- Wir tanzen Seil und biegen jedes Stück
- Des jungen Leibes krumm. Und immer blinder
- Stellt sich die Welt zu unserm dürftigen Glück.
-
- Wir sind gedorrt und bleich vom vielen Hoffen,
- Vom vielen Wandern schmählich abgezehrt;
- Und nirgends haben wir aus all dem schroffen
- Applaus ein liebend gutes Wort gehört.
-
- Kein ehrgerechter Zorn darf uns erhitzen.
- Wir müssen lächeln, wenn man uns verlacht.
- Wir müssen singen, springen, klingen, schwitzen --
- Und alle Tage sind wie schwere Fracht.
-
- Auf unsern Rippen spielen wir die Harfe.
- Die Leute lauschen, wie es knackt und bricht.
- Doch dieses Knochenspiel ist bloße Larve.
- Dahinter wühlt ein Meer. Das sehn sie nicht.
-
- Wollt ihr an unseren Skeletten schürfen?
- Wozu? Das Knabbern stillt nicht eure Lippen.
- Hier ist kein Fleisch, und Blut ist keins zu schlürfen.
- Hier ist nur Meer, das ihr nicht seht, und Klippen.
-
-
-
-
- MEERFAHRT
-
-
- Ich war noch jung, und konnte schon das Land
- Nicht mehr ertragen, da es von bigotten
- Bewohnern starrte, unbewegt. Am Rand
- Von Aschenhügeln schien man hinzutrotten.
-
- So suchte ich das Meer -- und fand es ganz!
- In düstertiefer Pracht, verwühlt und wild,
- Dann wieder friedlich gleitend, in den Glanz
- Der Sonne eingeflossen, tief und mild.
-
- Für meine Nacktheit hatte ich als Hülle
- Den Himmel nur. Ich brauchte mich nicht bergen
- Und kleiden wie die Menschen, deren Fülle
- Am Stein der Stadt verkümmert wie bei Zwergen.
-
- Ein heller Segler war mein Eigentum
- Und außer ihm die kühne Himmelsweite.
- Der jungen Freiheit unbegrenzter Ruhm
- Schien unvergänglich wie das Weltgezeite.
-
- Ich stand am Bug und dehnte meinen Leib
- In glühnder Kraft tief in die Luft hinein.
- Wie hingejubelt war ich an ein Weib,
- Erschauernd süß im Welt-Umschlungensein --.
-
- Da trieb ein giftiger Wind mich an das Land --
- Gleich kamen Menschen, meinen Stolz zu lähmen
- Mit Hohn. Ich warf mich weinend in den Sand
- Und fühlte mich der nackten Reinheit schämen.
-
-
-
-
- DER BERUFENE
-
-
- Am Fensterrahmen wie ans Kreuz geschlagen
- Liegt schwer mein Kopf. Ich fürchte ein Erdrücken.
- Ich muß den Himmel auf den Schultern tragen,
- Die tief verirrten Menschen zu beglücken.
-
- Ich sinne, wie die Wege sich verlaufen
- Und sich verkreuzen, wenn ich, um zu lehren,
- Auf ihnen folge dunklen Menschenhaufen --
- Die sind zu starr, um je sie zu bekehren.
-
- Die enge Erde scheint ein Widersinn,
- Da ich das grenzenlose Dasein trage.
- -- Ich selber glaube kaum an Glückgewinn,
- Der ich die Erde mit Beglückung plage.
-
- Ach, darf ich nie wie eine Barke gleiten,
- Mit mir im Tanz, beruhigt, frei vom Zweifel?
- Stets fühl' ich Köpfe nach verschiedenen Seiten
- Aus meinem Hals sich recken wild wie Teufel.
-
-
-
-
- NIETZSCHE
-
-
- Was will die Zeit der aufgestürmten Tage,
- Daß aus den Werken ihrer Söhne werde?!
- Wenn sie ersticken in der eigenen Klage,
- Im Elend der Unendlichkeit und Erde.
-
- Ein Dichter sang! Und wie aus Orgelkehlen
- Erströmten Gärten blühender Musik --
- Doch heimlich schwoll der Neid der düster Scheelen,
- Die ihn solange höhnten, bis er schwieg.
-
- Und immer schwerer ward die Nacht der Tücke.
- Wo blieb der Jubel von den treuesten Jüngern?
- Er fühlt jetzt um sich her zu weiter Lücke
- Die Menschen, die ihn liebten, sich verringern.
-
- So steht der Gott-Mensch in der Welt umher,
- Ein Schöpfer, den die Schöpfermacht enttäuscht.
- Was soll er schaffen, wenn das Erdenheer
- Doch jeden Helfer wütend blind zerfleischt?
-
- Schon wirft das Volk ihm Steine ins Gesicht,
- Volk eines Lands, dem seine Größe gilt.
- Und jedes Wort, das sein Gedanke spricht,
- Verstummt im Sturm, der heulend ihn erfüllt.
-
- Er eilt, und flieht das lebende Gewimmel,
- In fernes Felsgebirg, sein eigner Feind.
- Da stößt er Tränentöne in den Himmel,
- Ein Kind, das nichts mehr weiß, als daß es weint.
-
-
-
-
- DER ANACHORET
-
-
- Menschersehnend, Menschenhasser,
- Riegelt mich mein Willens-Ring.
- Stets vertrübt wie Tümpelwasser
- War der Tag, in dem ich hing.
-
- Erdgebunden, dennoch suchte
- Himmlisches mein Höhlenblick.
- Alles, was ich oft verfluchte,
- Weinte ich mir oft zurück.
-
- Sehn' ich mich aus meiner Sperre
- In ein Tummeln mit Gespielen:
- Sind die Ketten, die ich zerre,
- Fast willkommen meinem Fühlen.
-
- Denn die Angst des Ruhverlustes
- Hemmt den Traum, mich auszuschwingen.
- Und mir bleibt ein stumpf bewußtes
- Liederdenken ohne Singen.
-
- Wenn auch, Sonntags, Menschen kommen,
- -- Kommen nur, mich anzugaffen:
- An dem Steinbild eines frommen
- Narren steht ein Knäuel Affen.
-
-
-
-
- DER GÜTIGE MENSCH
-
-
- Guter Mensch; du rührst an deiner Saite,
- Die wie ein Licht leidend in dir glüht,
- Wie eine Bitte, um die du bittest,
- Leise und singend träumerisch,
- Rührst du die Güte einer ganzen Weite.
- Und wo dein Fühlen erblich
- Vor Schreck, als du das Nichts im All
- Schaudernd erlittest:
- Da blieb kein Wall,
- Der das Ergießen der Traurigkeit
- Noch hemmen könnte.
-
- Dein Auge aber ist so schön
- Vom Glanz der dunklen traurigen Macht,
- Daß der Raum zittert wie Vogelstimme
- Vor Lust für dein Leid --
- Daß er zittert, als wollt' er zerbrechen.
- Du weißt, auch das Unglück muß,
- Muß wie ein bestraftes Kind.
- Und deine Lippen, blühend bleich,
- Ohne zu küssen, ohne zu sprechen,
- Sind Klage und Kuß.
-
- Du siehst den Fremdling an
- In flehender Geduld;
- Tief verwundert, verwundet dich sein Lachen.
- Und du möchtest dann,
- Als sei alles, was ist, Schuld, deine Schuld,
- Noch das Gute wieder gutmachen.
-
-
-
-
- WIR STERBEN DAS LEBEN
-
-
-
-
- KRANK
-
-
- Die Leichentücher können mich nicht hüten,
- Die Kissen, die wie weiße Spiegel blenden,
- Sie helfen nur die Augen mir entblüten --
- Mein Kopf wird leer, ein Kranz von hohlen Händen.
-
- Warum hat man die Brust mir so gefeuert?
- Mit meinem Schrei will ich euch niederstechen
- Oh, alle euch, die ihr voll List erneuert
- Das Blut des Lebens, furchtbar zum Erbrechen.
-
-
-
-
- AUFSCHREIENDER KÜNSTLER
-
-
- Hingeworfen bin ich in Welt!
- Kühnheit und Zerrissenheit!
- Doch mein So-Wildsein ist Traurigkeit,
- Nur Finsternis ist erhellt.
- Was kann uns unendlich heben?
- Nichts. Wir altern immer, sind nie gesundet.
- Wir sterben das Leben,
- Alles Leben ist tödlich verwundet.
-
- Doch ich habe ja Kühnheit in mir!
- Ich könnte ja kühn sein!
- Wohin aber können wir
- Aufjauchzend streben?
- -- Es ist dumm, kühn zu leben.
- Alle Pyramiden sind Wahnsinn und Stein.
-
- Zerfetzt die Schönheit in meinem Gesicht!
- Ach, alle Hände sind zu zahme Tiere.
- Ich will mein verblühendes Blühen nicht!
- Leben ist Aas, mit dem ich mich beschmiere!
-
- Lach' ich über mein Atmen?
- Ich sollte besser Stein sein.
- Doch einmal jetzt muß ich noch schreien
- Aus dieser Erde heraus, dieser Grube,
- Und mit Knochen und Gebeinen
- Mich hinwerfen und schreien!!
-
- * * * * *
-
- In die Wände meiner engen Stube
- Will ich mich weinen.
-
-
-
-
- TRÜBE LUFT
-
-
- Wach auf! Aug' über dem Tag!
- Wundes Vogeltier, müde zum Schlag.
-
- Aug' ist ohne Blick, Welt ohne Blick,
- Mensch kann nicht mehr auf, ist nur ein Stück.
-
- Könige, thront ihr auch, seid nur Gewimmel,
- Punkte überall, Kreise und Himmel.
-
- Hoffen zerflog in Luft, Menschelein hilf!
- Schlacke schuf ein Schalk, Chaos und Schilf.
-
- Qualen sind im Schlamm, Kraft ohne Mut,
- Feuer flackt und ertrinkt im hohlen Blut.
-
- Was uns ist, ist nicht, zieht immer vorbei,
- Jedes Ding ist morsch und dennoch neu.
-
- Schultern biegen sich gähnend zurück,
- Immer wimmert ein Greinen um Glück.
-
- Wach auf! Aug' über dem Tag!
- Wundes Vogeltier, müde zum Schlag.
-
-
-
-
- DUDELSACKWEISE DES STERBLICHEN
-
-
- Ins Grau des Tages bin ich hingestellt.
- Die Lebensstraße ist im Staub ein Strich.
- Allglück zerstürzt in die Novemberwelt.
- Nie war ein Blühen, das nicht bald erblich.
-
- Das Himmelsfenster kann ich nicht zerschlagen.
- Ich bin versperrt. Ich kann nur Schritte tun.
- Ich muß wie einen Sack mich weitertragen,
- Muß nachts im Bett wie eine Leiche ruhn.
-
- Mein Tod bezuckt mein Dasein heimlich fern;
- Er grinst in meinen Rücken sein Plaisir:
- Wie man sich schindet ohne Ziel und Kern
- Im Sterbetaghemd -- niemand weiß wofür.
-
- Man trippelt sich die müden Sohlen wund
- Am Gängelband des Lebens. Gram und Graus
- Und Lust und Last sind täglich der Befund.
- Wir sind in Uns und können nicht heraus.
-
- Wir können nicht die Erde höher heben.
- Die Frage krächzt: Was soll der Wille wollen?
- Wir blicken nichts vom Leben als das Leben.
- Wir sind die Erde, fahrend und verschollen.
-
-
-
-
- ERMATTUNG
-
-
- Der Tag war schwül.
- Ich schließe meine Augen wie ein gelebtes Buch.
- Die Bilder sind zu Ende,
- Zu wenig und zu viel --
- Ich bin nur noch der Fluch
- Aus einem Zorn.
- Und keine Wende wird sein,
- Die wie ein helles Horn
- Zum Aufschwung bliese --
- Ich klage wie ein Riese
- Und bin klein.
-
-
-
-
- VERNUNFT
-
-
- Zerrissen ist das Tiefste, das wir sind,
- Und dennoch nur mit seinem Selbst vereint.
- Solch Leid hat keine Tränen ... wie ein Kind,
- Das am Ersticken ist, bevor es weint.
- Das Niedrige ist nichts, das Große ist zu groß,
- Die Weisheit sagt: Hoffen ist hoffnungslos.
-
- Wir sind des Lichts umnachtete Begleiter.
- Ist nicht das Leben wie ein Gnadenbrot?
- Ob Ja, ob Nein: Es reißt und peitscht uns weiter,
- Das All des Glücks versagt sich unsrer Not.
- Und ob wir weinen oder traurig lachen:
- Wir können uns nicht ungeboren machen.
-
- Auch kühnste Trunkenheit ist nicht Erfüllung.
- Was nutzt das bißchen Zuversicht der Brust?
- Der höchste Himmel selbst ist nur Umhüllung
- Von fahlen Dingen, keine Götterlust.
- Die Schöpfung ist ein Zirkel, irr umkreist,
- Ein Schattentanz, der keinen Ausweg weist.
-
-
-
-
- O ERDE!
-
-
-
-
- NACHTGESANG
-
-
- Falle in des Himmels Nacht,
- Glühend in die Schlucht der Straßen,
- Schmerzenlichter sind entfacht,
- Greller, als Drommeten blasen.
-
- Nirgends, wo ich knieend bliebe;
- Gleite über weiche Steine;
- Unerlösbar ist die Liebe,
- Die ich in der Stadt verweine.
-
- Zückt nur, Lichter, nach dem Müden,
- Bis ihr all' ihn umgebracht!
- Ach, mein Sinn weht in den Süden
- Mit den Wogen dieser Nacht!
-
- Dort erfüllt den Himmel voll
- Ein geliebter Sternenbund,
- Küsse träum' ich tief und toll
- Meinem liebebleichen Mund.
-
- Liebste, daß ich sinken werde,
- Wußt' ich, da ich dich nicht fand.
- Nach dem Schiffbruch dieser Erde
- Spült das Meer mich an den Sand.
-
- Wär' doch die Umschlingung mein
- In den Sternendiademen!
- Immer ist das Erdensein
- Ein umarmtes Abschiednehmen.
-
-
-
-
- ES WIRD EIN TRAUM
-
-
- Es wird ein Traum aus dem, was Tag noch war.
- O süßer Abend, der die Augen küßt!
- O Lichterschmuck, Musik und Harfenhaar!
- Verzückte Stadt, die wie ein Weihnachtsbaum beglitzert ist.
-
- Ein Lieben ist im tummelnden Bewegen.
- Viel' Frauen, nackt in Kleidern, ziehn vorbei.
- Das Gold der Sterne ist wie goldner Regen.
- Die Erde, die ihr Nachtfest fahrend feiert, atmet frei.
-
- Und unsrer schlanken Körper müde Führung
- In Straßen, die wie Flüsse nächtlich glänzen,
- Ist wie ein Mädchen träumender Berührung
- Mit junger Nacht und Glück und Rausch von ferngefühlten Tänzen.
-
-
-
-
- HYMNE
-
-
- Wenn hoch ein Stern die Tempelnacht beglüht:
- Hält nicht die kleinste Hand den Allpokal?
- Ist's nicht ein einziger Strom, der heimwärts zieht
- In Grotten leiser Wasser ... traumhaft wie Opal?
-
- Mein Musikant und deiner -- alle geigen
- Den Linienrausch, der raumlos uns verführt.
- So löst sich unser Halten in den Reigen,
- Der an die ewige Verzückung rührt.
-
- Schämt euch des Weinens nicht! Ihr seid ja Kinder!
- Ein Lächeln ist im Tränenregenbogen.
- Vieltausendmal geküßt sind eure Münder
- Von Liebsten, blühenden in Welt und Wogen.
-
-
-
-
- DAS HEIMATZIMMER
-
-
- Nun bin ich wieder heimgekehrt,
- Dort draußen war die Angst der Welt;
- Hier innen hat sich nichts vermehrt,
- Blieb alles ruhig aufgestellt.
- Und oben, hör' ich, spielt man noch Klavier,
- Jungsanfte Hände schweben über mir.
-
- Ich bin in meinem treuen Bett,
- Will lesen wie vor weiter Zeit.
- O liebes Glück! Ein Amulett
- Ist jede kleine Einzelheit.
- Ganz ferne schlagen Blitze um das Zelt,
- Wo Haß und Hast und Schreigelächter gellt.
-
- Hier ist das Glück umfaßt geküßt!
- Mein Unruhblut ist liebewach,
- Als ob mich jemand küssen müßt',
- Als stellten Menschen tausendfach
- Sich in der Liebe meiner Augen dar,
- Als sehnt' ich Küsse für mein wildes Haar!
-
- Oft schien ich lebend eingebaut,
- Oft weint' ich ohne rechten Grund.
- Doch dieser Raum ist so vertraut
- Wie ein geflüstert tiefer Bund.
- In Bett und Gondel fließt der nächtige Schein
- Und hüllt die Fahrt des weiten Lebens ein.
-
- Komm, Liebste, in das Nahgefühl
- Von Welt und Menschen heller Nacht!
- Die Leiber wogen im Gewühl,
- Verheißung unerschöpfter Pracht.
- O Melodie, die sich in Küssen neigt,
- Die süß, in Glück verführend, uns umgeigt!
-
-
-
-
- FRAUEN
-
-
- Frauen sind das Vertrauen,
- Wissende ohne Klügeln,
- Wehende Schiffe dahin --
-
- Fahrtverzückt im Erschauen,
- Lächelnd in Buchten und Hügeln,
- Trächtig von Sein und Sinn.
-
- Küssende Blicke führen
- Glück der umarmenden Weite,
- Schmiegen sich deinem Mund.
-
- Sehnendes Nahberühren
- Glühen sie deiner Seite,
- Gotteskindlichen Bund.
-
- Farben, trunken und golden,
- Spiegeln sie in den Augen,
- Leiten sie deinem Lauf ...
-
- Frauen sind reichende Dolden,
- Lassen die Süße dich saugen,
- Liebende himmelauf.
-
- Wo ihr Leib der Milde
- Breitet Brüste und Hüfte,
- Himmelwerden im Schoß:
-
- Da umfaltet Gefilde
- Taumelnder Gärten und Lüfte
- Unsere Seele groß.
-
-
-
-
- DER HIMMELFLIEGER
-
-
- Wund von Wundern und jung
- Riß dich ein Rausch in die Höhe,
- Daß im sausenden Schwung
- Jubel und Ruhm bestehe.
-
- Nicht bedürftig der Erde
- Schien dein stürmendes Steigen,
- Auf die kriechende Herde
- Sahst du aus höchsten Gezweigen.
-
- Sangst in die Sternäonen
- All, was dein Eigen war,
- Lachtest drohender Zonen,
- Lähmender Höhengefahr ...
-
- Doch mit einemmal zuckte
- Zitternd dein Leib und Blut,
- Und die Kehle schluckte
- Mühsam nach Luft und Mut.
-
- Und in rasendem Drehen
- Fühltest du klemmende Not -- --.
- Konntest nicht länger bestehen.
- Luft ohne Staub ward dein Tod.
-
- In der Leere der Lüfte
- Brach die Seele der Glieder.
- In die Tiefen der Klüfte,
- Tonlos, stürztest du nieder.
-
-
-
-
- MYRTENKIND!
-
-
- Ich umschlinge deine Hand und zerpresse alles Leiden,
- In schmiedenden Küssen den angstwachen Traum,
- Daß keine Tage mehr sind und kein Raum
- Zwischen uns beiden.
-
- Ich zerküsse deine Lippen, deine Stirn, deinen Blick,
- Daß Gärten erblühen und singen. Und die Wonne
- Und Schöpfung der Welt kehrt zurück
- Zum ersten Morgen der Sonne.
-
-
-
-
- GEDICHT IM MAI
-
-
- Ich dacht' es nicht, nie, daß ich so verzücke,
- Wo Wiesen blühn wild in ihr eigenes Meer,
- Die junge Sonne an Gesträuchen pflücke,
- Die Luft, die Lust umarme und die Brücke
- Der Erde leicht mich trage überher;
-
- ... und Flügel fühlend tausenden Gehäusen,
- Der Unruh Linien findend ihre Bahn,
- Entring ich mich, unendlich in den Kreisen,
- Will Welt, dich, mich und alles an mich reißen,
- Musik, wie Glaube glüht, ist aufgetan!
-
- Weinen vertraut, wo so Versunkenheit
- Der Landschaft ist --, viel Farben führen, erwidern
- Das Leid. Und Strömung, Jubel ist und weit
- Geöffnet Flut großer Gemeinsamkeit;
- Herr bin ich von Brüdern, Bruder von Brüdern.
-
- So zieht wie über alle Länder mein Blick,
- Friede sinnend; tief in die Brust hinein
- Atmet der Raum. Nichts bleibt verarmt zurück --
- Denn allen ist und alles Unglücks Glück,
- Unter der einigen Sonne zu sein.
-
- Oft ging ich dumpf und blind; und hier ist Kunde,
- Brausender Dom, Sieg der Sonne, und Segen!
- Ich will nicht grübeln, warum. Meinem Munde
- Fühl' ich Küsse entstehn, geweihter Wunde!
- Zügle mein Hirn, o Gott, laß mir den Segen!
-
-
-
-
- AN DEN ANDEREN
-
-
- Du gehst zerschluchtet, Bruder, von tausenden Streiten.
- Ich seh dich gehen, blicklos blickend, dunkel schwer.
- Du kreisest die Erde, verfolgt vom eignen Begleiten:
- Dein entmenschtes Gesicht ist Krampf im begrabenden Meer.
-
- Dein Höhlenleib heult in fleischzerpeitschtem Zucken.
- Was du ersehnt, das Viele, einst jung, ist verloren.
- Hell wolltest du herrschen, dann wieder dich demutvoll ducken:
- So schienst du zum Führen nicht und nicht zum Folgen erkoren.
-
- Härte und Huld, erdstarken Aufstieg, aber auch Milde hast du
- gesungen,
- Gebietenden Geist und frei dennoch die menschenwogende Masse --
- Nun im Zerdenken des Ziels, bis das Licht, das dich lockte, in Dunst
- verklungen,
- Läufst du blind und entleibt von sich selbst fluchendem Hasse.
-
-
-
-
- ICH DENKE EINEN FREUND
-
-
- Schon will der Tag im Zimmer untergehn.
- Mein Freund erzählt, in weite Linien blickend,
- Von Wandernächten zu erwachten Höh'n,
- Zeit überwindend, Räume überbrückend.
-
- Wir gehen aus und treffen in den Straßen
- So viele Menschen, die uns nicht verstehn.
- Wir wollen nicht in enger Hürde grasen,
- Komm, laß uns zu den großen Bäumen gehn.
-
- Ich fahr' mit dir in den Botanischen Garten --
- Doch ist nicht jeder Weg ein Doppelsinn?
- Fühl' ich nicht hinter mir Verlassne warten?
- Mein Blut ist Flut in weiten Weltbeginn!
-
- Wir gehen zwischen großen Baumkulissen.
- Hoch werden Wolken in die Nacht geschwemmt,
- Um uns ist alles willenlos umrissen.
- Wir sprechen laut und heiß und ungehemmt.
-
- Ich weiß, daß wir uns alles Dasein gönnen.
- Die kleinsten Qualen darf ich dir erwähnen.
- Wenn wir am innigsten uns finden können,
- Ist das Beisammensein voll Sturm und Tränen.
-
- Den heißen Kopf in kühle Nacht geschmiegt,
- Erdenkt ein neuer Mut sein Weltsignal.
- Und wo der düsterhafte Druck zerfliegt,
- Strahlt eine Weite auf wie ein Choral.
-
-
-
-
- FÜGUNG
-
-
- Der Abend erst hat meine Kunst gefunden,
- Ich war entartet schon in meiner Müh,
- Doch plötzlich durft' ich noch zum Licht gesunden
- Am Vollgelingen meiner Melodie.
-
- Da ging ich schnell zu meinem Bruderfreunde,
- Der auch in seiner Stube glücklich war,
- Gleich mir den ganzen Tag verloren meinte,
- Dann aber auch den hohen Sang gebar.
-
- Wir gingen aus, in Straßen still umher --
- Es war kein Gehen, eher noch ein Fahren
- In Glück. Wir hatten keine Worte mehr,
- Die Klänge nur, die fast frohlockend waren.
-
-
-
-
- DUO
-
-
- Saßen viele Stunden beide
- Immer an der Türe Schwelle,
- Du in deinem blauen Kleide,
- Beide wie an tiefer Quelle.
-
- Hörten stumm und sahen wieder
- Immer unsre Gegenbilder,
- Waren seliger denn Brüder
- Und noch inniger und milder.
-
- Süß bedrückt, um Worte mühend,
- Sehnen war und kein Bewegen;
- Und wir hätten uns doch glühend
- In die Arme sinken mögen.
-
- Doch ich zitterte und fühlte,
- Unheil sollte niederbrechen,
- Wünsche, die ich mir erzielte,
- Wollten mir das Herz durchstechen.
-
- Denn, noch ohne die Berührung,
- Sprachst du schon das Abschiedswort;
- Und wie außer aller Führung
- Schwamm das ganze Leben fort.
-
-
-
-
- DEM ENGEL DER ERDE
-
-
- Noch rührt' ich nicht an deine Blütenhände,
- Dein Bildnis zieht in flimmernden Gestalten --
- Ich aber geh' die Stube und die Wände
- Und kann den Schritt an keiner Stelle halten.
-
- Denn alles ist wie aufwärts ausgegraben;
- Wie Schlangen greif' ich in die Gegenstände
- Auf meinem Tisch, und will doch gar nichts haben --
- Denn der Gedanke sucht nur deine Hände.
-
- Ihr Liebenden der Welt, wo soll ich hin?
- Oh, daß die Jugend noch ein Jubel werde,
- Die Mitternacht gekrönt und heller Sinn! --
- Wie Muscheln schallt die dumpfe Zaubererde.
-
- Ich glaube, darf ich je die Hände küssen,
- Die deine Unschuld so unendlich wahrt:
- Da, glaub' ich, bin ich wie vom Glück zerrissen,
- Ein seliges Opfer nach der weiten Fahrt.
-
-
-
-
- ABENDGANG
-
-
- Des Tages Hirn wird dunkel und verdorben,
- Die Häuser blutleer und wie stille Leichen.
- Schon ist in mir auch vieles ausgestorben,
- Und nichts Bestimmtes will ich mehr erreichen.
-
- O weiche Melodie der Müdigkeit,
- Bist du das Gift, das mich so ruhig macht?
- Ich geh', für alle Menschen jetzt bereit,
- Mit halb geschlossnen Augen in die Nacht.
-
-
-
-
- AUFRUHR DURCHWÜHLT DEN GÜTIGEN GEIST
-
-
-
-
- LIED AUS DER NACHT
-
-
- Ist mein Bett das wilde Schiff,
- Das in stürzenden Kreisen dreht?
- Ist die Wand verstrickend das Riff,
- Das krächzend entgegensteht?
- Doch draußen weit ist Meer und die Welt,
- Der göttliche Gesang!
- Ich komme, ich komme! und bin euer Held!
- Und bleibe euch treu mein Leben lang.
-
- Funkelnd richt' ich mich auf,
- Noch verlassen wie ein Stern.
- Doch im Fenster der Himmel dort
- Ist Weg und Gewähr,
- Und über alle Maßen fern
- Zieht der Begierde zitternder Lauf
- In das brütend dunkle rauschende Meer.
-
- Hell ruf' ich die Nacht zum Schwert.
- O du endlich gefundene Tat!
- Ich selbst mein Geleit und heiliger Wert,
- Der zwingend menschengütig naht.
- Ja! Hier ist Meer und Welt,
- Der göttliche Gesang!
- Ich komme, ich komme! und bin euer Held!
- Und bleibe euch treu mein Leben lang.
-
-
-
-
- DANK
-
-
- Man dankt mir viel und drängt mir Worte auf
- Und Arme voll von Händen ... Stets war's noch
- Ein gleicher Arm, steif wie ein Flintenlauf,
- Aus dem die Hand wie eine Zunge kroch.
-
- Was soll mir euer Dank so kalt und stier,
- Er reicht doch nie an mein Gefühl heran:
- Das ist so glutvoll tief und wild in mir,
- Daß nur das tiefste Sehnen nahen kann.
-
- O könnt' ich selber einmal Dank verkünden,
- Ich wollt' die Hand zerdrücken, die ich hielte,
- Und würde wogend solche Worte finden,
- Daß jede Ader ihre Strömung fühlte!
-
-
-
-
- BESINNUNG
-
-
- Du bist der Himmel und das Grab,
- Verträumter Geist, der mich belebt.
- Ich weiß nicht recht, wo ich mein Schicksal hab',
- Oft hab' ich wie ein Schatten nur gebebt.
-
- Das Erdensein ist der Versuch,
- Das Land des Glückes zu entdecken.
- Das Menschenleben ist ein Knabenbuch,
- Den Schlaf der Wünsche strahlend aufzuschrecken.
-
- Am heimlichsten ist unser Ich,
- Nur blitzend wie ein Blitz, der schon erlischt.
- Die Bilderdinge rühren dich --
- Sind wir dem All, dem Nichts vermischt?
-
- Das Leben hat nur in sich selbst den Sinn
- Und im Vertrauen in den eigenen Rat.
- Das ist die Antwort auf dein Wort »Wohin«:
- Zu dir, zu deiner Höhe, deiner Tat.
-
-
-
-
- KNAPPE VOM BERGWERK
-
-
- Ist Jugend kranke Armut?
- Ist das geweinte frühe Leben
- So ohne jedes süße Gut,
- Schon hingesunken, ohne sich zu heben?
- Was will die wilde Stadt,
- Die mir im Ohr erdröhnt?
- Schon hab' ich mich zu Tode matt
- Nach Menschen hingesehnt:
- Nach einem Inbegriff,
- Der überm Schmerz besteht
- Und nicht wie Wellen an dem Riff
- Der schwarzen Erde stumm verweht.
-
- Und dann, dann kam der Qualm,
- Der in der Höhlen sielt,
- Und losch den Blütenhalm
- Und Blick, den ich noch aufrechthielt.
- Dann immer neue Wolken und die Nacht
- Und Regen, Grauen und die letzten Schauer --
- Jetzt sind nur unermeßlich noch der Schacht
- Und meine große Angst auf ihrer Lauer.
-
-
-
-
- DER VERURTEILTE
-
-
- Am Morgen kam seine Mutter.
- Sie saß den ganzen Tag bei ihm.
- Er kniete an ihrem Schoß,
- Weinte in ihr zärtliches Kleid,
- Lachte in ihre küssenden Hände,
- Und weinte;
- Hätte den ganzen Körper
- In sie hineinweinen mögen.
- Sie war ihm so hell wie ein einziger Stern.
-
- Sie sprach: Mein Kind,
- Mein liebes Kind.
-
-
-
-
- DER GEKERKERTE
-
-
- Die tiefe Mauer, die mich starr umstellt,
- Ist wie das Grab der Gräber. Hartes Stein-
- Gebilde ist der Mensch; mir gönnt die Welt
- Auch nicht das kleinste Tröpfchen Sonnenschein.
-
- Es beugt sich niemand, mir in meinem Kerker
- Die dunkle Stirne himmelhell zu küssen.
- Und meine Wünsche werden immer stärker,
- Wenn sie so langen Tod erleben müssen.
-
- Und manchmal träume ich von einer Rache,
- Nach der dann wie verglast die Hände langen --
- Doch wenn ich zuckend wieder bald erwache,
- Bin ich umengt von Mauern wie von Schlangen.
-
-
-
-
- NAPOLEON
-
-
- Himmel! Sinke den Augen!
- Ich bin zwar blind und überdeckt,
- Doch noch nicht blind genug in meinem Haupt:
- Mein Blick will Menschen saugen,
- Hat Tausende hingestreckt.
- Was ich dem Trieb verbiete,
- Hat sich mein Trieb erlaubt.
-
- Wer trug die Kraft in mein Gehirn?
- Wer gab mir Macht und Können schwerer Schlacht?
- Wer die Idee? -- Ich schlage mir die Stirn;
- Ich will nicht Krieg und Mord,
- Nicht Krieg, nicht Krieg,
- Nicht Mord!
- Ich sehne den Sieg!
-
- In meiner Stirn ist ein Adler, ein Geier,
- Rasend mit den Flügeln vor Ungeduld!
- Schweige, Tier! Ich fühl' es wie Schuld:
- Über der Vernunft ist ein Schleier.
-
- Ich bin von der eigenen Kraft zerrissen.
- Völker, Volk, Frankreich,
- Ihr seid in meinem Blut;
- Ich blute mit euch,
- Mit dem Reich;
- Ich opfere, zum Ruhme gesandt,
- Euch das heiligste Gut,
- Mein Gewissen.
-
-
-
-
- JUNGER SOLDAT
-
-
- Schon heult die Nacht. Die Schlacht brüllt auf und brennt.
- Bald sind auch wir nur Fetzen.
- Noch in Reserve unser Regiment.
- Wir warten entseelt in Entsetzen.
-
- Brach wirklich hin, was kaum noch blühend sang?
- Für wessen Habsucht-Rachen?
- O Gott! Warum der viehisch rohe Zwang,
- Totschlag und Qual und Nieerwachen!
-
- Wer ist mein wahrer Feind? Ich wurde Knecht
- Nur durch den eignen Staat.
- Sind aber Ruhmgier, Raubgelüst im Recht?
- Jung sink' ich hin, jung ohne Tat.
-
- Mai, Juni, Juli, Monate der Blumen,
- Werd' ich euch wiedersehn?
- April ist jetzt. Heut' soll noch in den Krumen
- Der Erde all mein Herz zergehn.
-
- Ward die Geduld der Jugend und Gefahr
- So hinterrücks belauert?
- Muß Strafe sein, wo keine Sünde war,
- Wo nur ein früh Sichsehnen schauert?
-
- Liebst du mich nicht, Macht meines Vaterlands,
- Daß du mich niedertrittst?
- Nur um der Feldherrn willen und des Stands,
- Der eitel waltet und besitzt.
-
- Sind nicht auch wir wie ihr ein Heimatgut,
- Wohl wert auch, daß es bleibt?
- Verachtet ihr uns so und unser Blut,
- Daß ihr uns auf die Schlachtbank treibt?
-
- O Heimatland, das liebste, das ich wüßte,
- Des Lebens tiefster Lohn,
- Entweichst du mir? der dich geküßt so küßte
- Wie nur dein innigst junger Sohn.
-
- Du Freundeland, Land heißer Jugendbriefe,
- Zu Tränen reißt du hin,
- Du singst die Sprache meiner trunknen Tiefe: --
- Und du erfüllst nicht ihren Sinn.
-
- Kehr' ich noch heim? Und wie? Zerschlagen, krumm,
- Ein Krüppel, blind -- ganz blind?
- Hier ist kein Aufschrei mehr, nur kalt und stumm
- Ist Schutt und Dunst und Todeswind.
-
- Muß wirklich so die Pflicht erniedrigt werden,
- Um fremden Glanz zu gründen?
- Ist denn die Sonne nicht genug auf Erden?
- -- Oder war ich voller Sünden?
-
- Ich darf nicht länger von mir selber wissen,
- Schon hör' ich das Signal.
- Ich muß, muß, muß, und kann nur immer müssen,
- Und selbst zum Mut bleibt keine Wahl.
-
- So zieh ich fort, erloschen und verloren.
- Wohin? Nirgendwohin.
- Das Ewige ist tot. Ich ward geboren
- Für meinen Mord und toten Sinn.
-
- Lebt wohl! Ich will nicht allzu feindlich scheiden --
- Daß nicht zum Fluch noch werde,
- Was eine Jugend war voll milder Leiden.
- Lebt wohl! Ach! Mutter, Brüder, Erde.
-
-
-
-
- DER KRIEGSBLINDE
-
-
- Nicht mehr die Lust
- Des Taumelns im Getriebe;
- Nicht mehr voll Macht die Brust,
- Voll Ruhm und allgeliebter Liebe;
- Nicht mehr das Singen, Stürmen in den Himmel,
- In wilder Wiesen blühendem Gewimmel,
- In der Gebüsche grün verschlungnem Blühn;
- Nie jubelnd mehr das weite Land durchziehn;
- Zu nichts mehr als zum Erdbekriechen taugen;
- Nie mehr die Düfte einer Welt einsaugen:
- -- Verloren irgendwo auf dürrem Pfad
- Steht der Soldat
- Mit den zerschossnen Augen.
-
- Er geht und macht nach jedem Schritte Halt.
- Was soll er gehn?
- Die Welt ist dumpf, ungütig kalt
- Wie schweres Winterwehn.
- Geräusche hört er hohl vorüberrauschen;
- Sein Hirn erstickt im Denken an ein Glück.
- Er will mit seinem Kopf der Sonne lauschen: --
- Der Alte Wahnsinn krallt ihn im Genick.
-
- Er weint in seinen Leib.
- O süßes Weib,
- Mit Blumen, Blüten, Kränzen im Haar,
- Mit Tanz und Spiel,
- Umschlingendem Gefühl,
- O alles, was im Licht voll Liebe war!
-
- Viel Tausende mit ihm
- Zerschlug die Schlacht und ließ sie leben.
- Sie waren jung, in frohem Ungestüm,
- Voll Wille wollten sie die Welt erheben.
- Nun schleppen sie den Leib wie eine Fracht,
- Die niemand will,
- Erstarrt und still
- Von Nacht zu Nacht.
-
- O käme Mord in diesen Qualenschacht!
- Ein Gnadenstoß
- In das verdammte Menschenlos,
- Das ihr zum Vieh-Dasein gemacht.
- Mord ist nicht grausam, wäre willkommen jetzt,
- Wo ein zerwühltes Nichtsmehrsehn
- Die Sinne folternd fetzt!
- O käm' ein unbegrenztes Untergehn!
-
-
-
-
- ERBLINDUNG
-
-
- Nie faßt ihr sehend Seligen den Trug
- Und Jammer, den die Blindheit birgt;
- Daß, seit mich die Erblindung niederschlug,
- Ein Heulschrei immer meine Kehle würgt.
-
- Seht her, wie wild verfiebert ich noch schwitze,
- Da ich vom Sonnenuntergang geträumt.
- Sah ich's denn nicht, wie eine goldne Litze
- Blaugraue Hügelwellen schön umsäumt?
-
- Ich sah's und sah es nicht, -- und seh es nie.
- Es war das Wahnsinnslachen meiner Trauer.
- Ich bin im engen Stall der Welt ein Vieh,
- Die Luft ist steinig dick wie eine Mauer.
-
- Nacht oder Tag: ist all in eins verjammert,
- Da solch ein Leben ohne Leben ist.
- Mich hält das tiefste Grauen tief umklammert,
- Das langsam sicher meinen Leib zerfrißt.
-
-
-
-
- DIE PHALANX
-
-
- I
-
- Was bleibt dem Menschen, wenn nicht ein Erbarmen,
- Das wundertätig greift in Angst und Stöhnen?
- Ihr Mächtigen der Welt, von Millionen Armen
- Seid ihr umfleht nach Hilfe und Versöhnen.
-
- Noch sind die Ebenen von Qual und Qualm vernebelt.
- Noch herrscht peitschlustig eine Dünkelbrut,
- Die jedes Aufschwung-Atmen niederknebelt,
- Verliebt in ihre eigne Wüstlingswut.
-
- Kein Schimpf beirrt ihr närrisches Genießen.
- Getreten liegt der Geist. Aufwollende Gedanken
- Sind eingekäfigt müde in den Schranken.
- Des Hergebrachten blöder Götze ist gepriesen.
-
- Aus goldnen Schüsseln schlürfen sie Erquickung,
- Indes, hohl in den Nächten, die Entblößten wandern.
- Sie spinnen sich in lüsterne Verzückung --
- Was kümmert sie der Aufschrei in den andern?
-
- Doch bleibt, in Not und Nacht, der Schrei nur nach Erbarmen?
- Wird nicht Tumult, Alarm? Aus Angst und Stöhnen
- Ein Zornsignal? Und von Millionen Armen
- Des schmerzgeeinten Wollens donnerndes Erdröhnen?
-
- Europas Häuptlinge! Marschälle und Magnaten!
- Zwingt selbst die Tat hervor, die um die Menschheit wirbt!
- Da eurer Untertanen Leib, versklavt, verraten,
- In Schlacht und stumpfer Wüterei verdirbt.
-
- Verdammt, ihr selbst, die Eigenlust, die Kraftgebärde!
- Und kommt starkmild herab die stolzen Stufen,
- Die Macht als Mittel nur, begnadet und berufen,
- Für eurer Völker frohe Fahrt und Erde.
-
- Und ihr, Entehrte unter Willkürtritten,
- Bleibt nicht zum Rachesprung gekrümmt, zerquält im Fluchen!
- Ward auch der Aufwärtsweg von Bergen schwer geschritten:
- Erkennt die Kommenden, die euer Antlitz suchen.
-
- Und jene Harten, unbewegt im Bösen,
- Laßt sie nicht eher los, umringt sie mit der Bitte,
- Bis sich die Herzen wie in Harfen lösen,
- Aufklingend mild, hinknieend eurer Mitte.
-
-
- II
-
- Noch ist es Orgelwehn.
- Noch ist der Flugblick ausgesandt,
- Nur um zu spähn.
- Und nur von fernem Küstenland
- Durchdringt ein Stoß die Luft:
- Fanfarenstoß und Marsch.
- Denn für ein Anderswerden,
- Erhebung und Erhellung, Kampf ohne Krieg, Sieg ohne Mord,
- Aufstürmt ein Menschenozean --
- Zwar dumpf noch wie ein Wahn,
- Doch wissend tief: Tat wird getan!
-
- Wenn ferner, Thronende, zu euch auf prunknen Sesseln
- Gefühl, fürbittend, nicht hinauf kann dringen,
- Auftosen wird das Blut: Galeeren nicht und Fesseln
- Sind stark genug, Vulkane zu bezwingen!
-
- Bewegung wogt empor: Ein Sturm von Schreien zerreißt die Nacht!
- Glaubt ihr, die Trauer bliebe ewig lahm,
- Am Grab der Hingeopferten, hilflos in Gram?!
- Schon ballt sich eine Riesenvölkermacht.
-
- Und aus dem Grund der Gassen, wachsend, hebt ein Heer
- Nach Licht, Kindheit und Frohheit Leib und Flügel auf;
- Umkreist die Städtethrone wolkenschwer,
- Raubaugenwild, unwankelbarer Lauf.
-
- Posaunen tönen, eh' der Schlag geschieht:
- Zerschleudert euren Haß und öffnet der Erneuung
- Das ganze Auge! Seht, die gleiche Fülle blüht
- Den Tausenden! Bekennt euch zur Befreiung!
-
- Dann ringen Rassen edel um die Höhe.
- Kein Fleischzerkrallen wühlt den Tag in Blut.
- Kampf heißt jetzt Glück, das weithin auferstehe,
- Rein wie ein junger Gott, durchhellt von Mut.
-
- Raubhändel, Blutbrunst, Krieg, die Jünglingsschlächter, -schänder
- Sind fern, dumpfdüstre Vorzeit, Tierischkeit.
- Kampf ist Beglückung jetzt. Umschlungen sind die Länder.
- Der Führer Sicht und Wille erdenweit.
-
- Erkannt habt ihr den Feind und seid Gefährten.
- Nun seiet Gläubige, um Wollende zu sein!
- Laßt eure Tat erstrahlen den Beschwerten.
- Durchglühung eine euch wie goldner Wein!
-
- Und so, von Licht umbrandet und dem Morgenmeer,
- Erwacht ihr zu des Daseins Fest und Spiel.
- O Bund der Bünde! Der das Menschenheer
- Zum Ruhme führt aus kläglichem Gewühl.
-
- Völkerlegion! Geschart dem Flammenzug
- Der Jünglinge des Lichts! Chorbrausend brecht die Stille
- Und reißt die Starrgesinnten in den Flug,
- Daß euer Recht und Rhythmus sich erfülle!
-
- Mitatmende der Zeit, dem Menschenkreis gesellt:
- Seid ihr einander Freund, habt ihr gesiegt!
- Die Brust berauscht von Weiten, erdhaft starker Welt,
- Schallt euer Lied, das in die Freiheit fliegt!
-
-
-
-
- O WÄR' SCHON MORGEN FRÜH!
-
-
- Bin ich ausgestoßen
- Aus dem Maß des Großen?
- Ist nicht Geweihtheit
- Über dem Abend, bereit?
- Wie, wenn dem Blick sich erfüllte,
- Was das Leben mir singe?
- Oh, wie oft hüllte
- So bange Spannung die Schwinge.
- Und wird all' meine Wirklichkeit,
- Die wie Lüge, ertappt, sich selbst bedrängt,
- Ein Kind sein, das willigweit
- Die Welt stets von neuem anfängt?
- Schon hebt ein Tatglaube an
- In meiner Stimme -- wie Melodie
- Sicher und süß, der Ruf »Voran«.
- O wär' schon morgen früh!
- Daß ich nicht trauernd mehr, verhangen,
- Mein Leben wie Sünde begehe,
- Daß immer ein Neuanfangen
- Über die Erde wehe.
-
-
-
-
- AN DEN GESCHLAGENEN
-
-
- I
-
- Weh, grimmer Gigant.
- Was ist mit dir?
- Dein Leib wälzt ohne Wille und Regel
- Leblos lebend im Kot.
- Abgefallen, wie totgetroffne Vögel,
- Faulen die Hände im schlammigen Sand.
- Gestrüpp hängt im Gesicht und rot
- Die Augen, gedunsen, schleimig.
- Wo blieb dein seidenes Haar?
-
- Erwachend befühlst du dich schwer.
- Die Lippen fürchten den Ausbruch der Tränen,
- Krampfen sich, schon zitternd weich.
-
- -- Da, wie aufgeschreckt: erhebt sich ein Meer,
- Und aufspringt mit zornigen Zähnen
- Du, tobend und heulend bleich.
-
- Dann krachend aber, schlägt der trotzige Held
- Hin auf den Stein.
- Hier barst die Leidensgewalt der Natur,
- Die Hölle der verkannten Welt.
- Und wie ein müder Schein
- Bleibt der Gedanke nur
- Von einem Leben, nicht das Leben selbst.
- Wieder zum Tier des trübenden Lichts
- Geschrumpft -- bist nirgendwo; nur schwer;
- Wohl mehr als nichts,
- Doch weniger als irgendwer.
-
-
- II
-
- Das Aufrichten gelingt dir kaum,
- Nur winselnd im Schweiß;
- Immer ist ein Sinken, bis du stehst.
- Dann trostlose Schritte
- Gradeaus im Kreis.
- Als wär' nie mehr für dich eine Bitte,
- Gehst du Linien ohne Punkt,
- Ohne Farben, ohne Raum.
-
- Wenn dir, stillstehend,
- Die Augen sinken zur Vision,
- Spürst du kalt wehend
- Den grinsenden summenden Hohn;
- Wie um Aas den Menschenschwarm.
- Dann, verloren in Tränen den Mund,
- Fühlst du, wechselnd eisig warm,
- Das Sausen im fallenden Grund.
-
- Und wo die Qual noch so sehr schwieg,
- Hier schreit sie weinend heraus
- Töne ohne Takt, ohne Musik.
- Wie ein Lawinenstrom ohne Damm
- Bricht die Klage aus,
- Über die Erde der Welt und den ewigen Schlamm.
-
-
- III
-
- Nun weißt du es. Was Aufschwung schien,
- War Niedergang. Maßlos und blind
- Stürmtest du die Erde; kühn
- Wähntest du dich und warst nur Wind.
- Kein Mitmensch war, kein Hindernis,
- Nicht Zukunft, nicht Vernunft:
- Nur brüllendes spottendes Ereignis,
- Aber Feuer allein wollte nicht brennen,
- Verlosch, ward Asche für den Wind.
- Nun bist du gefügt und kannst erkennen.
-
- Nun weißt du, wo die Tat beginnt,
- Fühlst sie aufsteigen in dir wie ein Lied.
- Nicht im Rausch, tobsüchtig ungesinnt,
- Närrisch lachend, entblößt,
- Du ganz einzelnes wirbelndes Glied,
- Besinnlich nach Irrfahrt und Torheit,
- Gier, die gegen die Erde stößt,
- Ohne Not, ohne Wert, nur ins Weite weit --
- Die Tat ist im Wert!
-
- Denn nur als Teil alles Menschengefühls
- Bist du ein ganzes Sein,
- Erschütternd und auferstanden groß.
- Nur im Gelöbnis des innersten Ziels
- Ist auch der Zorn heilig und rein.
-
-
- IV
-
- Und in die Menschenheit eingestimmt
- Ziehst du zum Werk, von einer See
- Wie getragen, in fühlender Entfaltung.
-
- Siehst Jugend und Arbeit der Menschen-Idee,
- Dein Auge selbst ist sie, schon Gestaltung,
- Mild überscheinend und königlich bestimmt.
-
- Denn die Idee ist brüderlich, sinnvoll und bereit,
- Ist die Tiefe der Menschlichkeit;
- Ihr Wille ist Größe, die kein Ende nimmt.
-
- Tönend, namenlos erhört dich und weitet die Schwebung,
- Jeder Haß vor dir ist ohne Halt;
- Denn deine Brust ist gelöst in der Strebung.
-
- Helle Wirklichkeit atmet deine Gestalt,
- Als sei die Wahrheit selbst deine gütige Gewalt.
- Ureigen unbeirrlich ist dein Lieben.
-
- Du beherrschst allfühlend die Bewegung und Dauer
- Und findest, von wogendem Wollen getrieben,
- Die Tröstung noch der wirresten Trauer.
-
- Der stampfenden Schöpfung gläubiger Erspürer,
- Lobpreisend, beseelend -- zu hebender Tat
- Fühlst du dich Führer.
-
- Und hellhoch über das Volk, das gewaltig genaht,
- Und im ungeheuren Schweigen
- Aufblickt zu dir, um dann
-
- Hinzuströmen zum heilig zähen Erzeugen,
- Jeder beseligt, so gönnend, so machtvoll er kann:
- Braust, singender Sturm, deine Stimme:
-
- »Weit Erschütternder über der Welt!
- Wie ich, dein Kind, zum Tagwerk mühend mich krümme,
- Sei deines Kindes Tag zur Ewigkeit erhellt.
-
- Gewaltiger in der Welt! Heb' uns empor!
- Laß mitliebend mitklingen im Chor
- Alle Nation, mitleidend den Leiden;
-
- Daß ihr Wille, unbesiegbarer Stern, bestehe,
- Und sie die Arme frei und göttlich breiten
- Über sich selbst in die Höhe!«
-
-
-
-
- INHALT
-
-
- Seite
-
- Aufbruch-Musik 5
-
- Du Ewige 8
-
- Der Zweifel
- Trauermarsch 11
- Fragender Mensch 14
- Pierrot 15
- Gute Laterne 17
- Dumpfer Tag 19
- Erdenfahrt 20
- Nachtgedicht 21
-
- Die Ungestillten der Seele
- Ritternarr 22
- Gang zum Schafott 23
- Ahasver 24
- Junger Künstler 25
- Der Denker 26
- Clown 28
- Alternder Mime 29
- Der kranke Sänger 30
- Akrobat 31
- Zigeunerlied 32
- Meerfahrt 33
- Der Berufene 34
- Nietzsche 35
- Der Anachoret 36
- Der gütige Mensch 37
-
- Wir sterben das Leben
- Krank 38
- Aufschreiender Künstler 39
- Trübe Luft 40
- Dudelsackweise des Sterblichen 41
- Ermattung 42
- Vernunft 43
-
- O Erde!
- Nachtgesang 44
- Es wird ein Traum 45
- Hymne 46
- Das Heimatzimmer 47
- Frauen 48
- Der Himmelflieger 49
- Myrtenkind! 50
- Gedicht im Mai 51
- An den Anderen 52
- Ich denke einen Freund 53
- Fügung 54
- Duo 55
- Dem Engel der Erde 56
- Abendgang 57
-
- Aufruhr durchwühlt den gütigen Geist
- Lied aus der Nacht 58
- Dank 59
- Besinnung 60
- Knappe vom Bergwerk 61
- Der Verurteilte 62
- Der Gekerkerte 63
- Napoleon 64
- Junger Soldat 65
- Der Kriegsblinde 67
- Erblindung 69
- Die Phalanx 70
- O wär' schon morgen früh! 73
- An den Geschlagenen 74
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t sind, wurden mit
-Unterstrichen wie _hier_ gekennzeichnet.
-
-Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt
-(vorher/nachher):
-
- [S. 5]:
- ... Ein Wissen: Daß ich in die Menchen dringe, ...
- ... Ein Wissen: Daß ich in die Menschen dringe, ...
-
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Der unendliche Mensch, by Arthur Drey
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER UNENDLICHE MENSCH ***
-
-***** This file should be named 52191-8.txt or 52191-8.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/5/2/1/9/52191/
-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions will
-be renamed.
-
-Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
-law means that no one owns a United States copyright in these works,
-so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
-States without permission and without paying copyright
-royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
-of this license, apply to copying and distributing Project
-Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm
-concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
-and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive
-specific permission. If you do not charge anything for copies of this
-eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook
-for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
-performances and research. They may be modified and printed and given
-away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks
-not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the
-trademark license, especially commercial redistribution.
-
-START: FULL LICENSE
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
-To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full
-Project Gutenberg-tm License available with this file or online at
-www.gutenberg.org/license.
-
-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project
-Gutenberg-tm electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or
-destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your
-possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
-Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound
-by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
-person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
-1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
-agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
-electronic works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
-Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
-of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
-works in the collection are in the public domain in the United
-States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
-United States and you are located in the United States, we do not
-claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
-displaying or creating derivative works based on the work as long as
-all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
-that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
-free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
-works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
-Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
-comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
-same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
-you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
-in a constant state of change. If you are outside the United States,
-check the laws of your country in addition to the terms of this
-agreement before downloading, copying, displaying, performing,
-distributing or creating derivative works based on this work or any
-other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
-representations concerning the copyright status of any work in any
-country outside the United States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
-immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear
-prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work
-on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the
-phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed,
-performed, viewed, copied or distributed:
-
- This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
- most other parts of the world at no cost and with almost no
- restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
- under the terms of the Project Gutenberg License included with this
- eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the
- United States, you'll have to check the laws of the country where you
- are located before using this ebook.
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
-derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
-contain a notice indicating that it is posted with permission of the
-copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
-the United States without paying any fees or charges. If you are
-redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
-Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
-either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
-obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
-trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
-additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
-will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
-posted with the permission of the copyright holder found at the
-beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
-any word processing or hypertext form. However, if you provide access
-to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
-other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
-version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
-(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
-to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
-of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
-Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
-full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
-provided that
-
-* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
- to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
- agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
- within 60 days following each date on which you prepare (or are
- legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
- payments should be clearly marked as such and sent to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
- Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
- Literary Archive Foundation."
-
-* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or destroy all
- copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
- all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
- works.
-
-* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
- any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
- receipt of the work.
-
-* You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
-Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
-are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
-from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
-Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
-trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
-Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
-electronic works, and the medium on which they may be stored, may
-contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
-or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
-intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
-other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
-cannot be read by your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium
-with your written explanation. The person or entity that provided you
-with the defective work may elect to provide a replacement copy in
-lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
-or entity providing it to you may choose to give you a second
-opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
-the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
-without further opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
-OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
-LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of
-damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
-violates the law of the state applicable to this agreement, the
-agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
-limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
-unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
-remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
-accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
-production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
-electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
-including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
-the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
-or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
-additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
-Defect you cause.
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-
diff --git a/old/52191-8.zip b/old/52191-8.zip
deleted file mode 100644
index 28814d1..0000000
--- a/old/52191-8.zip
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/52191-h.zip b/old/52191-h.zip
deleted file mode 100644
index 6ce62df..0000000
--- a/old/52191-h.zip
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/52191-h/52191-h.htm b/old/52191-h/52191-h.htm
deleted file mode 100644
index ab1b559..0000000
--- a/old/52191-h/52191-h.htm
+++ /dev/null
@@ -1,3637 +0,0 @@
-<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN"
-"http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd">
-<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" lang="de" xml:lang="de">
-<head>
-<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" />
-<title>The Project Gutenberg eBook of Der unendliche Mensch, by Arthur Drey</title>
- <link rel="coverpage" href="images/cover-page.jpg" />
- <!-- TITLE="Der unendliche Mensch" -->
- <!-- AUTHOR="Arthur Drey" -->
- <!-- LANGUAGE="de" -->
- <!-- PUBLISHER="Kurt Wolff, Leipzig" -->
- <!-- DATE="1919" -->
- <!-- COVER="images/cover-page.jpg" -->
-
-<style type='text/css'>
-
-body { margin-left:15%; margin-right:15%; }
-
-div.frontmatter { page-break-before:always; }
-div.logo { margin-top:1em; margin-bottom:6em; margin-right:1em; }
-h1.title { text-align:center; font-weight:normal; margin-bottom:1em; }
-.aut { text-indent:0; text-align:center; font-size:1.5em;
- margin-top:1em; margin-bottom:1em; letter-spacing:0.2em; }
-.subt { text-indent:0; text-align:center; margin-bottom:6em; }
-.pub { text-indent:0; text-align:center; letter-spacing:0.2em; line-height:1.5em; }
-.ser { text-indent:0; text-align:center; margin-top:2em; margin-bottom:0.5em;
- font-size:0.8em; letter-spacing:0.1em; }
-.printer { text-indent:0; text-align:center; margin-bottom:6em; font-size:0.8em; }
-
-h2.part { text-align:center; margin-top:2em; margin-bottom:1em;
- page-break-before:always; }
-h3.chapter { text-align:center; margin-top:2em; margin-bottom:1em; }
-.pbb { page-break-before:always; }
-h4.subchap { text-align:center; margin-top:2em; margin-bottom:1em; line-height:1.5em; }
-
-p { margin:0; text-align:justify; text-indent:1em; }
-
-/* poetry */
-div.poem-container { text-align:center; }
-div.poem-container div.poem { display:inline-block; }
-div.stanza { text-align:left; text-indent:0; margin-top:1em; margin-bottom:1em; }
-.stanza .verse { text-align:left; text-indent:-2em; margin-left:2em; }
-.stanza.tb p { text-align:center; text-indent:0; margin-left:0; }
-
-/* "emphasis"--used for spaced out text */
-em { letter-spacing:0.2em; font-style:normal; margin-right:-0.2em; }
-
-span.underline { text-decoration: underline; }
-
-/* TOC table */
-div.table { text-align:center; }
-table.toc {margin-left:auto; margin-right:auto; }
-table.toc td { padding-left:0em; padding-right:0em; font-size:0.8em; }
-table.toc td.col1 { padding-left:2em; padding-right:2em; text-align:left; }
-table.toc tr.p td { padding-top:0.2em; }
-table.toc tr.p td.col1 { padding-left:0; padding-right:2em; text-align:left;
- font-size:1em; letter-spacing:0.15em; }
-table.toc td.col_page { text-align:right; }
-
-a:link { text-decoration: none; color: rgb(10%,30%,60%); }
-a:visited { text-decoration: none; color: rgb(10%,30%,60%); }
-a:hover { text-decoration: underline; }
-a:active { text-decoration: underline; }
-
-/* Transcriber's note */
-.trnote { font-size:0.8em; background-color: #ccc;
- color: #000; border: black 1px dotted; margin: 2em; padding: 1em;
- page-break-before:always; }
-.trnote ul { margin-left: 0; padding-left: 0; }
-.trnote li { text-align: left; margin-bottom: 0.5em; margin-left: 1em; }
-.trnote ul li { list-style-type: square; }
-.trnote p { text-indent:0; margin-top:1em; }
-.trnote p.handheld-only { display:none; }
-
-/* page numbers */
-a[title].pagenum { position: absolute; right: 1%; }
-a[title].pagenum:after { content: attr(title); color: gray; background-color: inherit;
- letter-spacing: 0; text-indent: 0; text-align: right; font-style: normal;
- font-variant: normal; font-weight: normal; font-size: x-small;
- border: 1px solid silver; padding: 1px 4px 1px 4px;
- display: inline; }
-
-.rightpic { text-align:right; text-indent:0; display:block; margin-left:auto;
- margin-right:auto; }
-
-@media handheld {
- body { margin-left:0; margin-right:0; }
- div.poem-container div.poem { display:block; margin-left:2em; }
- em { letter-spacing:0; margin-right:0; font-style:italic; }
- a.pagenum { display:none; }
- a.pagenum:after { display:none; }
- .trnote p.handheld-only { display:block; }
-}
-
-</style>
-</head>
-
-<body>
-
-
-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Der unendliche Mensch, by Arthur Drey
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-Title: Der unendliche Mensch
- Gedichte
-
-Author: Arthur Drey
-
-Release Date: May 30, 2016 [EBook #52191]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER UNENDLICHE MENSCH ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-
-
-
-
-</pre>
-
-
-<div class="frontmatter">
-<div class="rightpic logo" id="img-logo">
-<img src="images/logo.jpg" alt="" /></div>
-
-</div>
-
-<div class="frontmatter">
-<p class="aut">
-ARTHUR DREY
-</p>
-
-<h1 class="title">
-DER UNENDLICHE<br />
-MENSCH
-</h1>
-
-<p class="subt">
-GEDICHTE
-</p>
-
-<p class="pub">
-LEIPZIG<br />
-KURT WOLFF VERLAG
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="frontmatter">
-<p class="ser">
-BÜCHEREI &bdquo;DER JÜNGSTE TAG&ldquo; BAND 68/69
-</p>
-
-<p class="printer">
-GEDRUCKT BEI DIETSCH &amp; BRÜCKNER IN WEIMAR
-</p>
-
-</div>
-
-<h2 class="part" id="part-1">
-<a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a>
-AUFBRUCH-MUSIK
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Luft bebt wie ein Schall, der mir gebietet,</p>
- <p class="verse">Daß ich die Düsterheit der Zeit zersprenge,</p>
- <p class="verse">Daß alle Stirn, von Sonnen überblütet,</p>
- <p class="verse">Zu einem lichten Menschentag gelänge.</p>
- <p class="verse">Gesang von Worten, menschenheiliges Gut,</p>
- <p class="verse">Die Harfe Ozean, der auferregt</p>
- <p class="verse">Den Segler Erdgefährten, Strom und Blut</p>
- <p class="verse">Der Pulse: &mdash; ist in meine Macht gelegt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie wird mein Atemdasein heiß und schwer,</p>
- <p class="verse">Wenn ich mich tief besinne in die Pflicht,</p>
- <p class="verse">Daß ich der Sprache nachtumtostes Heer</p>
- <p class="verse">Umfange im gesungenen Gedicht.</p>
- <p class="verse">Doch wie ich leise, lauter, heller singe,</p>
- <p class="verse">Erschwebt frohlockend meinem Licht und Blick</p>
- <p class="verse">Ein Wissen: Daß ich in die <a id="corr-0"></a>Menschen dringe,</p>
- <p class="verse">Mein Urwunsch Güte in das arme Glück.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Als sei ein Allumlieben zu erschwingen,</p>
- <p class="verse">Wird mir der Erde stürmisches Gezelt</p>
- <p class="verse">Voll jubelnd kühnen Lieds verliebtem Singen.</p>
- <p class="verse">Und schlanke Leiber, flackernd aufgehellt,</p>
- <p class="verse">Tollen den Tanz der Küsse ... im Gewühl</p>
- <p class="verse">So linienwild, bis sie, sich überbiegend,</p>
- <p class="verse">Hinsinken, mild, ein ausgespieltes Spiel,</p>
- <p class="verse">Dem weich verwirrten Fliederbild erliegend.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da ist Vergebung. Knaben sinnen treu</p>
- <p class="verse">Den Ritter wie den Räuber; denn der böse</p>
- <p class="verse">Entmenschte Feind ist ihnen fremd, und frei</p>
- <p class="verse">Aufbäumt und beugt sich weite Herrschergröße,</p>
- <p class="verse">Kein Wille klebt am eignen kleinen Weh.</p>
- <p class="verse">Und auch der rauhe Mann ist wie ein Kind,</p>
-<a id="page-6" class="pagenum" title="6"></a>
- <p class="verse">Voll froher Frommheit hält er die Idee,</p>
- <p class="verse">Daß Sonne, Erde, Mensch das Heilige sind.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Oft hat mein Sehnen vor sich selbst gebebt!</p>
- <p class="verse">Mein Aufwärtswollen wird auch dann nicht still,</p>
- <p class="verse">Wenn über meinen Kopf die Welt sich hebt</p>
- <p class="verse">Und wie ein giftiger See mich töten will.</p>
- <p class="verse">Wie ein gehetztes Gemsenwild der Felsen</p>
- <p class="verse">Errette ich den Stolz der freien Höhn.</p>
- <p class="verse">Und von den Himmeln, da sich Donner wälzen,</p>
- <p class="verse">Fühl&rsquo; ich Berufung wogend mich durchwehn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Zurück! Hinab! Wo irrendes Entsetzen,</p>
- <p class="verse">Wo Schlacht aufheult und metzelndes Verwühlen,</p>
- <p class="verse">Geschürt von Führern, die die Völker hetzen,</p>
- <p class="verse">Wo auf Ministerthronen Schurken spielen,</p>
- <p class="verse">Wo blühnde Leiber, hingefällt in Stücke</p>
- <p class="verse">Verklumpten Bluts, und Millionen Augen</p>
- <p class="verse">In Nacht versinken &mdash; Eine Meuchlerclique</p>
- <p class="verse">Will Krieg, daraus Tyrannenmut zu saugen!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nicht stöhne, Stimme! Weit wie Firmament</p>
- <p class="verse">Sei Zorn und Kraft und Heilung allem Dürsten</p>
- <p class="verse">Des Volkes Mensch! Die waren nie getrennt,</p>
- <p class="verse">Nur mordgepeitscht von roh&rsquo; und eitlen Fürsten!</p>
- <p class="verse">Dein Wutwort, heller Sänger, es zertrete</p>
- <p class="verse">Die Untat, die in Lügen sich verlarvt!</p>
- <p class="verse">Bis ein Homer des Friedens im Gebete</p>
- <p class="verse">Erwachse, weinend brausend hingeharft ...</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie Blütenflut aus tiefen Wiesen dringt,</p>
- <p class="verse">So bricht der Klänge Brandung aus dem Sänger,</p>
- <p class="verse">Der blindgeboren noch die Sonne singt.</p>
- <p class="verse">Wie einer Krone göttlicher Empfänger</p>
-<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a>
- <p class="verse">Nimmt er die ganze buntgewirkte Zier</p>
- <p class="verse">Der endlos wilden Erde ... so geeint</p>
- <p class="verse">Mit jeder Blume, Pflanze, jedem Tier,</p>
- <p class="verse">Daß Mensch zu sein uns wie ein Ruhm erscheint!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="part" id="part-2">
-<a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a>
-DU EWIGE
-</h2>
-
-<h4 class="subchap" id="subchap-2-0-1">
-I
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Laß mich deine Hände küssen,</p>
- <p class="verse">Laß mich deine Hände fühlen!</p>
- <p class="verse">Deine Lichtheit hat zerrissen,</p>
- <p class="verse">Mich erdrückt mit ihrem Zielen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O wie ist die Nacht der Augen!</p>
- <p class="verse">O die weiche Glut der Wangen!</p>
- <p class="verse">Immer will ich blühend saugen,</p>
- <p class="verse">Will ich deinen Hauch umfangen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Könnt&rsquo; ich mich in Träume schwingen,</p>
- <p class="verse">Himmlisch wollt&rsquo; ich dich erheben;</p>
- <p class="verse">Betend, weinend, jubelnd dringen</p>
- <p class="verse">Meine Lieder dir ins Leben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ein von Blüten süß beschneiter</p>
- <p class="verse">Morgen ist in deiner Lust.</p>
- <p class="verse">Löse denn die losen Kleider,</p>
- <p class="verse">Weiße Sonne deiner Brust!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="subchap" id="subchap-2-0-2">
-<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a>
-II
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie gefangen an den Lippen</p>
- <p class="verse">Küss&rsquo; ich deines Atems Laut &mdash;</p>
- <p class="verse">Blickend, trinkend bin ich liebend</p>
- <p class="verse">Deiner Liebe tief vertraut.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie Posaunen tönt die Erde,</p>
- <p class="verse">Wild und weich in deiner Macht.</p>
- <p class="verse">Wer hat dieses Bild der Treue,</p>
- <p class="verse">Deinen milden Blick erdacht?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Oh, in deinen heißen Armen</p>
- <p class="verse">Ist ein Pressen und ein Ziehen</p>
- <p class="verse">Wie zum goldenen Vergessen,</p>
- <p class="verse">Singen, Summen, Saugen, Blühen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schweiget, wilde Erdentöne,</p>
- <p class="verse">Laßt mich sterben, wenn ich lebe,</p>
- <p class="verse">Laßt mich leben, wenn ich sterbe,</p>
- <p class="verse">Daß ich mich zum Himmel hebe!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="subchap" id="subchap-2-0-3">
-<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a>
-III
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Fühlst du dich noch allein,</p>
- <p class="verse">Mein wildgeküßtes Kind?</p>
- <p class="verse">Wir wollen die Ewigkeit sein,</p>
- <p class="verse">Wie unsre Sterne sind.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir kennen das dunkle Glück,</p>
- <p class="verse">Das an sich selbst zerschellt: &mdash;</p>
- <p class="verse">Wir wollen mit einem Blick</p>
- <p class="verse">Die ganze wehende Welt!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir wollen blühend singen,</p>
- <p class="verse">Wie Kinder, die wandern gehn,</p>
- <p class="verse">Uns fliehend und knieend umschlingen</p>
- <p class="verse">Wie eine Welt so schön!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Vom Jubel mitgerissen,</p>
- <p class="verse">Der über die Erde weht ...</p>
- <p class="verse">Bis wir hinsinken müssen</p>
- <p class="verse">Auf dunkelnder Wiese Beet &mdash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auch hier noch müde liebend,</p>
- <p class="verse">In seligem Empfangen</p>
- <p class="verse">Von Abend, weich und trübend,</p>
- <p class="verse">Von Träumen, die aufgegangen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="part" id="part-3">
-<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a>
-DER ZWEIFEL
-</h2>
-
-<h3 class="chapter" id="chapter-3-1">
-TRAUERMARSCH
-</h3>
-
-<h4 class="subchap" id="subchap-3-1-1">
-I
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wer hat das Schwefelschwarz der Todesnacht,</p>
- <p class="verse">Den Sturz der Leiber heimlich ausgedacht?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Von Dunst beglitzert ziehen wir dahin,</p>
- <p class="verse">Unsinnig flackert unser Daseinssinn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir tappen Tänze wie im Singsangspiel,</p>
- <p class="verse">Am Bühnenhorizont zerplatzt das Ziel.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Als Vagabunden, nur mit etwas Geld,</p>
- <p class="verse">Begaffen und begaunern wir die Welt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Selbst Glückesgrübler, Künstler, Staatenlenker,</p>
- <p class="verse">Die Welt-Erneurer &mdash; sind nur Menschenhenker.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es ist das unheilbare Leidensmal:</p>
- <p class="verse">Der höchste Aufstieg zeugt die schwerste Qual.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nur dann erhöht sich unser Menschenschritt,</p>
- <p class="verse">Wenn er die Schwachgebornen niedertritt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch wie wir uns auch in die Weiten dehnen,</p>
- <p class="verse">Wir sind verseucht vom engen Erdenstöhnen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir bleiben tolle Tölpel ohne Taten,</p>
- <p class="verse">Teils voller Wahn, teils in den Schlamm geraten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Das Erdentsetzen winselt weh und wund</p>
- <p class="verse">Wie ein getretener verheulter Hund.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="subchap" id="subchap-3-1-2">
-<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a>
-II
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Weiter als der Wolkenfülle Stürme</p>
- <p class="verse">Brechen unsre Wünsche ins Getürme</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">All der dunkel brüllend wilden Zeit,</p>
- <p class="verse">Die kein Wille von sich selbst befreit.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Festgebunden an die Erdensperre,</p>
- <p class="verse">Angekettet an das Schmerzgezerre,</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Tragen wir den Ekel unsrer Lust,</p>
- <p class="verse">Pfeile wilder Wachheit in der Brust.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wir beten, bitten, singen blind</p>
- <p class="verse">In den leer verstreuten Aschenwind.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wir hängen an den milden Blicken,</p>
- <p class="verse">Die wir träumen, um uns zu beglücken.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Freunde finden sich im Kämpfermut,</p>
- <p class="verse">Todverwundet fluchen sie dem Blut.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Heulend, tosend tönen die Fanfaren,</p>
- <p class="verse">Die den Tod der Erde offenbaren.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="subchap" id="subchap-3-1-3">
-<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a>
-III
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Lärm des Lebens knattert, pfeift und singt,</p>
- <p class="verse">Ein Hagelsausen, das die Leiber düngt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Muß an der Erde wie an einem Stein</p>
- <p class="verse">Die unbegrenzte Brust gekreuzigt sein?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O möchte doch Aufruhrmusik erklingen,</p>
- <p class="verse">In einen Taumeltraum die Leiber schwingen!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch schweige, Lust! Dein Aug&rsquo; ist nachtbenetzt,</p>
- <p class="verse">Dein Weg ist todwärts durch den Raum gehetzt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir können nicht die Erdenmacht zersprengen,</p>
- <p class="verse">Solang wir Tiere sind in Felsenhängen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir können nicht die Sonne niederreißen</p>
- <p class="verse">Und nicht den Erdball in den Himmel schmeißen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir sind gebannt, auch wenn wir rasend rennen,</p>
- <p class="verse">An unser Fleisch, das wir den Menschen nennen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir heulen einen tief zerstückten Schrei</p>
- <p class="verse">Nach einem Sein, das mehr als Dasein sei.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der kaum Geborne schreit schon Widerstand,</p>
- <p class="verse">Als fürchte er den erdverfluchten Sand.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was bleibt an Mut im Elendeinerlei?</p>
- <p class="verse">Ein bißchen Glück, ein bißchen Narretei.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Man kreischt und zittert in den Erdenklippen &mdash;,</p>
- <p class="verse">Und schweigt verbissen mit zerquälten Lippen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Erdenfreunde sinken Blick in Blick &mdash;</p>
- <p class="verse">Ein letzter Liebehaß zerreißt ihr Glück.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und über allem brausen die Fanfaren,</p>
- <p class="verse">Den Tod der Erde grell zu offenbaren.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-3-2">
-<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a>
-FRAGENDER MENSCH
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Das ist das Stumme meines Angesichts,</p>
- <p class="verse">Daß ich nichts finde, was den Geist beseelt.</p>
- <p class="verse">Nicht Welt, nicht Ich, nicht Alles und nicht Nichts:</p>
- <p class="verse">Wohin mit mir? Mein Tag ist ausgehöhlt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was könnte ein Pistolenschuß mir geben?</p>
- <p class="verse">Was ist der Tod? Ich kann nur immer fragen &mdash;</p>
- <p class="verse">Und wer am Tod verzweifelt, will das Leben;</p>
- <p class="verse">Ich bin geboren und ich muß mich tragen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch wenn ich Leben will, weil Tod verhüllt ist,</p>
- <p class="verse">Dann muß ich immer neu mich selbst gebären;</p>
- <p class="verse">Dann ist das Lustgeheul, das nie gestillt ist:</p>
- <p class="verse">Mutter und Kind, ein Geben und Begehren.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-3-3">
-<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a>
-PIERROT
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich will ganz leis anfangen: zu sprechen.</p>
- <p class="verse">... Wenige Laute zuerst ... zitternd ...</p>
- <p class="verse">Hört ihr das Kichern knacken und brechen,</p>
- <p class="verse">Das in der Luft ist, gewitternd &mdash;?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Noch steh&rsquo; ich wie mein eigenes Denkmal da,</p>
- <p class="verse">Bin mir selbst noch zu nah.</p>
- <p class="verse">Ich muß von mir wegschreiten,</p>
- <p class="verse">Lachend ... bis ich <em>laut</em> lache.</p>
- <p class="verse">Bin ich nicht eine famose Sache,</p>
- <p class="verse">He?</p>
- <p class="verse">Ach, ich seh&rsquo;:</p>
- <p class="verse">Ihr seid alle dumm, zu dumm.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dumm seid ihr ...</p>
- <p class="verse">Hojoh! Wißt ihr, was eine Nacht ist?</p>
- <p class="verse">Menschen, sagt es mir!</p>
- <p class="verse">Ihr wißt nicht, was eine Nacht ist.</p>
- <p class="verse">Ihr wißt nichts.</p>
- <p class="verse">Gar nichts.</p>
- <p class="verse">Ihr seid alle dumm, zu dumm.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich muß mein Hirn peitschen, schmeißen,</p>
- <p class="verse">Weil es träge wird, was es nicht sollte!</p>
- <p class="verse">Aber mein Maul kann ich noch aufreißen &mdash;:</p>
- <p class="verse">Auweh! (Weiter war&rsquo;s als ich wollte.)</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hui! ...</p>
- <p class="verse">Hui! Hui!</p>
- <p class="verse">Ich hab&rsquo; ein Liebchen, das will ich fangen.</p>
- <p class="verse">Sie kriegt einen Kuß auf die Wangen &mdash;</p>
- <p class="verse">Schade,</p>
- <p class="verse">Auch das Küssen ist fade.</p>
- </div>
- <div class="stanza tb">
- <p class="tb">&mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a>
- <p class="verse">Ach Gott! Die Welt ist so weich und gebogen,</p>
- <p class="verse">Warum sind die Wälder nicht spitz</p>
- <p class="verse">Und noch spitzer der Himmel?</p>
- <p class="verse">Um solchen Witz sind wir betrogen.</p>
- <p class="verse">Alles ist nur immer Trauer</p>
- <p class="verse">Und schmeckt öde und sauer</p>
- <p class="verse">Wie alter Schimmel.</p>
- <p class="verse">Und die Menschen sind ohne Projekte.</p>
- <p class="verse">Eine hilflose Sekte.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Jetzt werd&rsquo; ich mich ducken,</p>
- <p class="verse">Vielleicht auch hinlegen dann.</p>
- <p class="verse">Und ihr sollt gucken,</p>
- <p class="verse">Wie gut ich mich totstellen kann.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-3-4">
-<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a>
-GUTE LATERNE
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Noch weiter gehn?</p>
- <p class="verse">Was will mir noch die Straße sein?</p>
- <p class="verse">Die Steine sind noch härter als Matratzen,</p>
- <p class="verse">Doch auch ein enges Bett will ich nicht sehn.</p>
- <p class="verse">Verdammte Nacht! Ich hab&rsquo; mich rumgestritten</p>
- <p class="verse">Mit bösen Freunden. Jetzt bin ich allein;</p>
- <p class="verse">Sie sind verärgert mir hinweggeglitten,</p>
- <p class="verse">Sie wollten mich an meinen Augen kratzen,</p>
- <p class="verse">Ich sah so treu sie an, daß sie&rsquo;s nicht konnten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ihr Blut ist Gift? Ich will davon nichts wissen.</p>
- <p class="verse">Was darf man wissen? Alles ist verschwommen.</p>
- <p class="verse">Alles ist Strom, in weiten Strom gerissen &mdash;</p>
- <p class="verse">Ach, wär&rsquo; auch ich in Arme aufgenommen!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Laternen schwimmen viele. Pflück&rsquo; ich die gelben Rosen?</p>
- <p class="verse">Halt, halt, du Welt! Ich kann schon nicht mehr mit.</p>
- <p class="verse">An eine der Laternen werd&rsquo; ich hingestoßen.</p>
- <p class="verse">Wer gab mir in die Kniee diesen Tritt?</p>
- <p class="verse">Hab&rsquo; ich zu viel schon Welt in mich getrunken?</p>
- <p class="verse">Oh! die Laterne, die mich halten konnte,</p>
- <p class="verse">Ist dicht an mich und ich an sie gesunken,</p>
- <p class="verse">So dicht, als ob sie mir, nur mir die Nacht besonnte.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Bin jetzt fast ruhig und mir selbst vorüber,</p>
- <p class="verse">Die Kraft entsinkt, ich bin zu sehr zerfleischt.</p>
- <p class="verse">Welt, strotzt dein Leib? Er ist Geschwür und Fieber,</p>
- <p class="verse">Kraft ist nur Tollwut, die in Luft sich kreischt.</p>
- <p class="verse">So sehr sah ich der Tage Wahnsinn nie,</p>
- <p class="verse">Die Tierischkeit des menschlichen Gestells.</p>
- <p class="verse">Was rasen Menschen? Und was schaffen sie?</p>
- <p class="verse">Sie töten sich den Kopf an einem Fels.</p>
-<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a>
- <p class="verse">Tut aus der Nacht sich nicht ein Mantel auf</p>
- <p class="verse">Und legt sich weich und bettend auf mein Hirn?</p>
- <p class="verse">Ach, käme nie der Morgen mehr herauf,</p>
- <p class="verse">Das kalte meuchlerische Bleichgestirn.</p>
- <p class="verse">Und doch, ich seh, die Nacht ist mir nicht weich,</p>
- <p class="verse">Die Nacht ist nichts, was mich nicht auch verließ.</p>
- <p class="verse">Ist gar nichts denn für mich, macht mich nichts arm, nichts reich?</p>
- <p class="verse">Ist das der Tod? &mdash; Ein Lebender fragt dies.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was soll ich jetzt mit mir beginnen?</p>
- <p class="verse">Der ich mich ganz an die Laterne gebe?</p>
- <p class="verse">Bin ich denn immer noch bei meinen Sinnen,</p>
- <p class="verse">Obwohl ich leerer als ein Toter lebe?</p>
- <p class="verse">Wohin auch sonst ich in der Welt mich bringe,</p>
- <p class="verse">Mich zieht doch gar nichts an, ich bin so gräßlich lose.</p>
- <p class="verse">Wenn mir die Zunge aus dem Munde hinge,</p>
- <p class="verse">Das wäre wirklich keine dumme Pose.</p>
- <p class="verse">Was sind die Häuser? Grünes Schafsgewimmel.</p>
- <p class="verse">Und alles schmeckt nach altem Mond und öd.</p>
- <p class="verse">Und auch der kühle dünne Himmel</p>
- <p class="verse">Ist fahl und blöd.</p>
- <p class="verse">Ich hab&rsquo; nur Angst, daß ein Betrunkner kommt</p>
- <p class="verse">Wie ein erschreckend-greller Knall.</p>
- <p class="verse">Wär&rsquo; ich ein Pferd, so brav und prompt,</p>
- <p class="verse">Ich schliefe still in meinem Stall.</p>
- <p class="verse">Wozu erst Wachsein noch, das doch nur gähnt?</p>
- <p class="verse">Wär&rsquo; ich nicht Mensch, ich schliefe süß und still.</p>
- <p class="verse">An die Laterne bin ich hingelehnt</p>
- <p class="verse">So sehr, daß ich nicht weitergehen will.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-3-5">
-<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a>
-DUMPFER TAG
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nehmt endlich, Brüder, mir von meinen Lippen</p>
- <p class="verse">Den schweren Daseinsschrei, den nie mein Kopf vergißt.</p>
- <p class="verse">Denn sonst ersticke ich in den Gestrüppen,</p>
- <p class="verse">In Stadt und Stacheln, die die Erde ist.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hört ihr den Erdenwahnsinn lachend weinen?</p>
- <p class="verse">Ein Donner ist in mir, der will so wild erdröhnen!</p>
- <p class="verse">Der Lebende kann sich nicht selbst verneinen,</p>
- <p class="verse">Wer einmal Mensch, der muß ein Glück ersehnen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kein Traum kann je uns vor uns selbst verschonen.</p>
- <p class="verse">Wir, Sklaven, sind gepeitscht und wissen keinen Retter.</p>
- <p class="verse">Wir sehen nicht, in welcher Welt wir wohnen,</p>
- <p class="verse">Und schwingen schwer in unerkanntem Wetter.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und ich, ich bin, dem solcher Tage Nacht</p>
- <p class="verse">Noch mehr als euch sich engt zu Gassen toller Trauer.</p>
- <p class="verse">Denn unsre Blindheit hab&rsquo; ich ganz durchwacht.</p>
- <p class="verse">Ich denke keinen Himmel mehr, nur Mauer.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-3-6">
-<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a>
-ERDENFAHRT
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Jahrelang ist nichts geschehen,</p>
- <p class="verse">Nur das Leben vieler Dinge,</p>
- <p class="verse">Erd&rsquo; und Himmel war zu sehen</p>
- <p class="verse">Und des Himmels bleiche Ringe.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Flatternd kann ich mich vergessen,</p>
- <p class="verse">Wie ein Kind, wie eine Mücke.</p>
- <p class="verse">Zeit und Ziel sind ungemessen,</p>
- <p class="verse">Wenn ich in die Sterne blicke.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auf die Fahrt auf dieser Erde</p>
- <p class="verse">Geht ein steter Regen nieder.</p>
- <p class="verse">Wie ein Sein, das nichts mehr werde,</p>
- <p class="verse">Sinken bald die Augen nieder.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Alle, die im Kreise tanzen,</p>
- <p class="verse">Die in Städten und auf Bühnen</p>
- <p class="verse">Ihre Fahnen lustig pflanzen,</p>
- <p class="verse">Können nur der Erde dienen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Jahrelang werd&rsquo; ich die Stunden</p>
- <p class="verse">Der Sekunden tief begehren,</p>
- <p class="verse">Werde, ganz an mich gebunden,</p>
- <p class="verse">Böser Liebling, mich zerstören.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-3-7">
-<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a>
-NACHTGEDICHT
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ein Wind ist diese weite stumme Nacht,</p>
- <p class="verse">Und diese Straße, diese Wüste schwebt,</p>
- <p class="verse">Die ich so lange schon in mich hineingedacht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ist Denken denn ein Trieb, der uns erhebt?</p>
- <p class="verse">Er tötet alles, was in einer Brust</p>
- <p class="verse">Lebendig war und blühend unbewußt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">In welchen Kampf will ich mich schlagen?</p>
- <p class="verse">Erfolg und Macht &mdash; es ist doch alles leer.</p>
- <p class="verse">Und Opfer sein? Wo nehm&rsquo; ich Götter her?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Vielleicht die Menschen aufwärtstragen?</p>
- <p class="verse">Ich Narr! Ist Höherkommen denn schon je geglückt,</p>
- <p class="verse">Da stets Unendlichkeit uns niederdrückt?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Euch Menschen helfen, die ihr elend seid,</p>
- <p class="verse">Wär&rsquo; Wahnsinn. Helfen hilft nur falschem Schein,</p>
- <p class="verse">Denn wo ein neues Glück, ist auch ein neues Leid.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Stets in sein Selbst, wie an den Pfahl gebunden,</p>
- <p class="verse">Bohrt sich dem Menschen neues Sehnen ein,</p>
- <p class="verse">Wenn er Beglückung irgendwie gefunden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich aber fühle Leere im Gesicht,</p>
- <p class="verse">Zu müde wird es mir, als daß ein Glück</p>
- <p class="verse">Noch jemals Kraft erlange meinem Blick.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich will nicht traurig sein und glücklich kann ich nicht,</p>
- <p class="verse">So bin ich nichts &mdash; und fühle manchmal nur</p>
- <p class="verse">Die kleine Lust zu einem Nachtgedicht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wie an einer Schnur</p>
- <p class="verse">Geh ich den Schmerz entlang,</p>
- <p class="verse">Der diese Welt ist und ihr Müßiggang.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="part" id="part-4">
-<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a>
-DIE UNGESTILLTEN DER SEELE
-</h2>
-
-<h3 class="chapter" id="chapter-4-1">
-RITTERNARR
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Zu eng ward ihm der Raum der Daseinsfristung:</p>
- <p class="verse">So stieg er auf sein Roß und ritt die Erde,</p>
- <p class="verse">Der finstre Ritter in der grellen Rüstung &mdash;</p>
- <p class="verse">Gefolgt von einer dürren Menschenherde.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Er ritt und ritt und suchte die Gefahr</p>
- <p class="verse">Voll Angst und Qual, voll Mut und hellen Flügen.</p>
- <p class="verse">Das ekle Dasein, das so heimlich war,</p>
- <p class="verse">Wollt&rsquo; er mit seinem eigenen bekriegen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Er nahm sein Schwert und hieb es in die Luft</p>
- <p class="verse">Mit solcher Wucht und starrem Widerwillen,</p>
- <p class="verse">Daß in der Welt vor ihm sich eine Kluft</p>
- <p class="verse">Zu öffnen schien, um seinen Haß zu stillen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und als er lang genug das All durchquert</p>
- <p class="verse">Und sah, es werde wohl vergeblich sein, &mdash;</p>
- <p class="verse">Da hielt er an, und stieg von seinem Pferd,</p>
- <p class="verse">Und setzte sich auf einen nackten Stein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und stierte in den blinden Dünsteraum,</p>
- <p class="verse">Als wollt&rsquo; er dem Lebendigsein entsagen;</p>
- <p class="verse">Und stierte in den düstern Wolkenschaum,</p>
- <p class="verse">Als wär&rsquo; nichts mehr zu sagen noch zu fragen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Wolken tanzten silberschwarz wie Särge</p>
- <p class="verse">In seinen Augen, die voll krankem Schauer</p>
- <p class="verse">In schwüle Luft anschwollen: so viel Berge,</p>
- <p class="verse">Sie lagen ihn zu töten auf der Lauer.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Leute hoben ihn in einen Karren</p>
- <p class="verse">Und fuhren ihren Held aus seinen Schmerzen</p>
- <p class="verse">Zum Thron. Dort zündeten ihm seine Narren</p>
- <p class="verse">Vor Glück die spitzen Finger an wie Kerzen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-4-2">
-<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a>
-GANG ZUM SCHAFOTT
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ein Menschenkreis umstellt das Blutgerüst</p>
- <p class="verse">Und hungert nach dem Folterakt der Köpfung &mdash;</p>
- <p class="verse">Da kommt der Mörder. Und sein Leben ist</p>
- <p class="verse">So bleich wie die unendliche Erschöpfung.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nichts wollen seine hohlen Züge sagen.</p>
- <p class="verse">Er litt &mdash; bis an den großen eignen Knochen</p>
- <p class="verse">Es nichts mehr gab für ihn, um dran zu nagen.</p>
- <p class="verse">Die Augen liegen tief wie ausgestochen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Stumpf geht er. Plötzlich klingt die Sünderglocke</p>
- <p class="verse">In dünnem Strahl, wie Lachen hell und kalt.</p>
- <p class="verse">Da hat noch einmal an dem Sträflingsrocke,</p>
- <p class="verse">Kurz wie vom Blitz, sich ihm die Hand geballt!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-4-3">
-<a id="page-24" class="pagenum" title="24"></a>
-AHASVER
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mir hat die Welt auf meinen weiten Zügen</p>
- <p class="verse">Viel Lust geschenkt. Ich hab&rsquo; sie stumm vergraben</p>
- <p class="verse">In meinen Augen &mdash; die stets hungernd liegen.</p>
- <p class="verse">Mich sättigt nicht, was mir die Menschen gaben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich kann nicht ruhn, ich muß die Erde messen,</p>
- <p class="verse">Glühendes Folterrad an meinem Leibe &mdash;</p>
- <p class="verse">Erst dann wird Glück, wenn ich die Gier vergessen</p>
- <p class="verse">Und wie ein Fels erkaltet stehen bleibe.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-4-4">
-<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a>
-JUNGER KÜNSTLER
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kommt keine Sonne über meine Augen,</p>
- <p class="verse">Die, noch so jung, schon hohl wie Gräber lagen?</p>
- <p class="verse">Ich will den Freund mir aus den Büchern saugen,</p>
- <p class="verse">Die meine früh gepreßten Qualen tragen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wie gedrosselt stockt mein tiefes Weinen</p>
- <p class="verse">Nach Armen, die ich um die Schultern führen</p>
- <p class="verse">Wollte, ganz dicht. Auch nicht das tiefste Weinen</p>
- <p class="verse">Löst meinen Leib aus seinem großen Frieren.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-4-5">
-<a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a>
-DER DENKER
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich weiß nicht, was ich bin. Mein Weg läuft schief</p>
- <p class="verse">Um mich herum, ein wirres Kreiselspiel.</p>
- <p class="verse">Mein Denken, das zwar immer nach mir rief,</p>
- <p class="verse">Sagt mir nicht, was ich bin, sagt mir kein Ziel.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nie kann etwas in mir mich ganz begreifen.</p>
- <p class="verse">Denn wie begriffe ich dies Etwas dann?</p>
- <p class="verse">Ich kann Begriffe auf Begriffe häufen:</p>
- <p class="verse">Und wo man aufhört, fängt&rsquo;s von neuem an.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wo münde ich, wo ist mein Urbeginn?</p>
- <p class="verse">Stets bleibt ein Rest beim Spalten und Umspannen.</p>
- <p class="verse">Blöd scheint der Schrei nach all des Daseins Sinn:</p>
- <p class="verse">Alldasein ist durch Denken nicht zu bannen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Können wir nichts als endlich wahr erkennen?</p>
- <p class="verse">Wir wissen nicht, ob wir Bestimmtes wissen.</p>
- <p class="verse">Wir dürfen immer nur so weiterrennen,</p>
- <p class="verse">Wie Blinde fressend, hungernd und zerrissen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und stets die Frage, die sich selber fragt</p>
- <p class="verse">Nach etwas, das man ist und hat und hält!</p>
- <p class="verse">Es ist das Klagen, das schon nicht mehr klagt:</p>
- <p class="verse">Nicht als nur da zu sein und ohne Welt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sonne ist Nacht, denn Freude ist nicht mehr!</p>
- <p class="verse">Was könnte ich mit Freude mir gewinnen?</p>
- <p class="verse">&mdash; Doch der, der fragt: ist jede Fülle leer?</p>
- <p class="verse">Kann der denn jemals in ein Nichts zerrinnen?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Man lebt, ja, Haß in Menschen und in Herden,</p>
- <p class="verse">Als sei&rsquo;s ein Wert: größer zu sein als klein.</p>
- <p class="verse">Wer reicher wird, muß arm an Armut werden,</p>
- <p class="verse">Wer ärmer wird, wird reich an Armut sein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a>
- <p class="verse">Streck&rsquo; ich mich noch? Ich Wurm. Was ist in mir,</p>
- <p class="verse">Das je sich selber überragen könnte?</p>
- <p class="verse">War je ein Mensch, war je ein wildes Tier,</p>
- <p class="verse">Das (wie ein Gott!) sich von sich selber trennte?</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-4-6">
-<a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a>
-CLOWN
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich taumele in einem wirren Traum,</p>
- <p class="verse">Da ich doch nie mit mir am Ziele bin.</p>
- <p class="verse">Wie meine Krause bin ich nichts als Schaum,</p>
- <p class="verse">In hellen Farben schillernd ohne Sinn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich falle einen langsam steten Schritt,</p>
- <p class="verse">Wobei ich jedes Bein für sich betone.</p>
- <p class="verse">So schlepp&rsquo; ich mich herum, und jeder Tritt</p>
- <p class="verse">Ist wie der Ausspruch, daß es sich nicht lohne.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch niemand ist, der mich voll Trauer wähnt</p>
- <p class="verse">Und Lüge sieht in meinem Lachgebell.</p>
- <p class="verse">Und daß dahinter eine Sehnsucht stöhnt,</p>
- <p class="verse">Merkt niemand, denn ich scheine froh und hell.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-4-7">
-<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a>
-ALTERNDER MIME
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich stürmte jung voll Freiheit auf die Bühne,</p>
- <p class="verse">Berauscht von Sternen, die ich hell erdacht,</p>
- <p class="verse">Daß ich der Erde wie ein Herrscher diene,</p>
- <p class="verse">Dem Kampf der Liebenden in Sturm und Nacht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">In qualzerrissne Sinne wollt&rsquo; ich dringen,</p>
- <p class="verse">Mein wildes Wort und Sonnenjubelspiel,</p>
- <p class="verse">Es sollte einen neuen Traum erschwingen</p>
- <p class="verse">Für Menschenlust und Erdenmitgefühl.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es mag geschehen sein, was ich gewollt,</p>
- <p class="verse">Die Freunde haben meinen Kampf geteilt.</p>
- <p class="verse">Doch selber, scheint es, hab&rsquo; ich mich vertollt</p>
- <p class="verse">In Nichts, ob ich gejauchzt, ob ich geheult.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">In Trauer mußt&rsquo; ich meine Frohheit schminken:</p>
- <p class="verse">Nun fühl&rsquo; ich kaum noch meines Lachens Sinn.</p>
- <p class="verse">Es ist so leer, wenn mir die Leute winken,</p>
- <p class="verse">Da ich vergessen habe, wer ich bin.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mir dünkt jetzt nur noch eine einzige Geste</p>
- <p class="verse">Als wahr. Nicht, wenn ich eine Frau liebkose,</p>
- <p class="verse">Nicht, wenn ich küsse, tanze und mich mäste &mdash;</p>
- <p class="verse">Nur die, wenn ich die Menschen von mir stoße.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-4-8">
-<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a>
-DER KRANKE SÄNGER
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wo nehm&rsquo; ich die Geduld her für mein Leben?</p>
- <p class="verse">Der Giftschwamm wuchert und zersaugt die Brust.</p>
- <p class="verse">Mein Blick ist stumpf und hohl dem Tod gegeben.</p>
- <p class="verse">Zertreten liegt die heitre Sängerlust.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie anders früher! Als sich mir die Bühne</p>
- <p class="verse">Zur Welt geweitet und die Menschenklänge</p>
- <p class="verse">Noch voll aus mir erströmten &mdash; wie die kühne</p>
- <p class="verse">Gewalt des Gottes, siegende Gesänge!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun stöhnt so heiser, mühsam, ohne Wert</p>
- <p class="verse">Mein matter Leib, der kaum sich aufrecht hält.</p>
- <p class="verse">Vom Fraß der Blutbazillen ausgezehrt</p>
- <p class="verse">Wankt mein Gerippe im Geröll der Welt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O könnte ich nochmal die Stunde küssen,</p>
- <p class="verse">Da sich der Tag hell in den Himmel schwang,</p>
- <p class="verse">In Segel tauchen, blühend hingerissen</p>
- <p class="verse">Vom eignen Spiel und liebenden Gesang.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und könnt&rsquo; ich einmal noch die Bilder wecken,</p>
- <p class="verse">Die mich wie milde Farben überliefen &mdash;,</p>
- <p class="verse">Aus meinen Gliedern auf den Aufruhr schrecken</p>
- <p class="verse">Mit jenen Stimmen, die unendlich riefen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch dieses ganze Sehnen ist vergebens,</p>
- <p class="verse">Erinnerung bedeutet größere Not.</p>
- <p class="verse">Die unerfüllte Fülle meines Lebens</p>
- <p class="verse">Wird immer ausgehöhlter für den Tod.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-4-9">
-<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a>
-AKROBAT
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich zieh&rsquo; mit stumpfen Eltern und Geschwistern</p>
- <p class="verse">Von Stadt zu Stadt auf jeden Jahrmarktsrummel.</p>
- <p class="verse">Ich bin der dürre Gliederclown, und lüstern</p>
- <p class="verse">Begafft die Menge mich verbrauchten Stummel.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie Schlangenwirbel muß ich mich bewegen,</p>
- <p class="verse">Da ich zerbrochen bin und viel geteilt.</p>
- <p class="verse">Ich mußt&rsquo; von Kind auf mich in Fratzen legen</p>
- <p class="verse">Und aus den Wunden schrei&rsquo;n, die niemand heilt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn stolz ich aufrecht stehe &mdash; lüge ich.</p>
- <p class="verse">Ich turn&rsquo; am Reck und bin zum Tod bereit</p>
- <p class="verse">Ganz wie am Galgen. Oftmals träum&rsquo; ich mich,</p>
- <p class="verse">Als sei mein loser Leib wie Sand verstreut.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-4-10">
-<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a>
-ZIGEUNERLIED
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir sind die mageren Zigeunerkinder.</p>
- <p class="verse">Wir tanzen Seil und biegen jedes Stück</p>
- <p class="verse">Des jungen Leibes krumm. Und immer blinder</p>
- <p class="verse">Stellt sich die Welt zu unserm dürftigen Glück.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir sind gedorrt und bleich vom vielen Hoffen,</p>
- <p class="verse">Vom vielen Wandern schmählich abgezehrt;</p>
- <p class="verse">Und nirgends haben wir aus all dem schroffen</p>
- <p class="verse">Applaus ein liebend gutes Wort gehört.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kein ehrgerechter Zorn darf uns erhitzen.</p>
- <p class="verse">Wir müssen lächeln, wenn man uns verlacht.</p>
- <p class="verse">Wir müssen singen, springen, klingen, schwitzen &mdash;</p>
- <p class="verse">Und alle Tage sind wie schwere Fracht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auf unsern Rippen spielen wir die Harfe.</p>
- <p class="verse">Die Leute lauschen, wie es knackt und bricht.</p>
- <p class="verse">Doch dieses Knochenspiel ist bloße Larve.</p>
- <p class="verse">Dahinter wühlt ein Meer. Das sehn sie nicht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wollt ihr an unseren Skeletten schürfen?</p>
- <p class="verse">Wozu? Das Knabbern stillt nicht eure Lippen.</p>
- <p class="verse">Hier ist kein Fleisch, und Blut ist keins zu schlürfen.</p>
- <p class="verse">Hier ist nur Meer, das ihr nicht seht, und Klippen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-4-11">
-<a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a>
-MEERFAHRT
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich war noch jung, und konnte schon das Land</p>
- <p class="verse">Nicht mehr ertragen, da es von bigotten</p>
- <p class="verse">Bewohnern starrte, unbewegt. Am Rand</p>
- <p class="verse">Von Aschenhügeln schien man hinzutrotten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">So suchte ich das Meer &mdash; und fand es ganz!</p>
- <p class="verse">In düstertiefer Pracht, verwühlt und wild,</p>
- <p class="verse">Dann wieder friedlich gleitend, in den Glanz</p>
- <p class="verse">Der Sonne eingeflossen, tief und mild.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Für meine Nacktheit hatte ich als Hülle</p>
- <p class="verse">Den Himmel nur. Ich brauchte mich nicht bergen</p>
- <p class="verse">Und kleiden wie die Menschen, deren Fülle</p>
- <p class="verse">Am Stein der Stadt verkümmert wie bei Zwergen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ein heller Segler war mein Eigentum</p>
- <p class="verse">Und außer ihm die kühne Himmelsweite.</p>
- <p class="verse">Der jungen Freiheit unbegrenzter Ruhm</p>
- <p class="verse">Schien unvergänglich wie das Weltgezeite.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich stand am Bug und dehnte meinen Leib</p>
- <p class="verse">In glühnder Kraft tief in die Luft hinein.</p>
- <p class="verse">Wie hingejubelt war ich an ein Weib,</p>
- <p class="verse">Erschauernd süß im Welt-Umschlungensein &mdash;.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da trieb ein giftiger Wind mich an das Land &mdash;</p>
- <p class="verse">Gleich kamen Menschen, meinen Stolz zu lähmen</p>
- <p class="verse">Mit Hohn. Ich warf mich weinend in den Sand</p>
- <p class="verse">Und fühlte mich der nackten Reinheit schämen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-4-12">
-<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a>
-DER BERUFENE
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Am Fensterrahmen wie ans Kreuz geschlagen</p>
- <p class="verse">Liegt schwer mein Kopf. Ich fürchte ein Erdrücken.</p>
- <p class="verse">Ich muß den Himmel auf den Schultern tragen,</p>
- <p class="verse">Die tief verirrten Menschen zu beglücken.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich sinne, wie die Wege sich verlaufen</p>
- <p class="verse">Und sich verkreuzen, wenn ich, um zu lehren,</p>
- <p class="verse">Auf ihnen folge dunklen Menschenhaufen &mdash;</p>
- <p class="verse">Die sind zu starr, um je sie zu bekehren.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die enge Erde scheint ein Widersinn,</p>
- <p class="verse">Da ich das grenzenlose Dasein trage.</p>
- <p class="verse">&mdash; Ich selber glaube kaum an Glückgewinn,</p>
- <p class="verse">Der ich die Erde mit Beglückung plage.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ach, darf ich nie wie eine Barke gleiten,</p>
- <p class="verse">Mit mir im Tanz, beruhigt, frei vom Zweifel?</p>
- <p class="verse">Stets fühl&rsquo; ich Köpfe nach verschiedenen Seiten</p>
- <p class="verse">Aus meinem Hals sich recken wild wie Teufel.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-4-13">
-<a id="page-35" class="pagenum" title="35"></a>
-NIETZSCHE
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was will die Zeit der aufgestürmten Tage,</p>
- <p class="verse">Daß aus den Werken ihrer Söhne werde?!</p>
- <p class="verse">Wenn sie ersticken in der eigenen Klage,</p>
- <p class="verse">Im Elend der Unendlichkeit und Erde.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ein Dichter sang! Und wie aus Orgelkehlen</p>
- <p class="verse">Erströmten Gärten blühender Musik &mdash;</p>
- <p class="verse">Doch heimlich schwoll der Neid der düster Scheelen,</p>
- <p class="verse">Die ihn solange höhnten, bis er schwieg.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und immer schwerer ward die Nacht der Tücke.</p>
- <p class="verse">Wo blieb der Jubel von den treuesten Jüngern?</p>
- <p class="verse">Er fühlt jetzt um sich her zu weiter Lücke</p>
- <p class="verse">Die Menschen, die ihn liebten, sich verringern.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">So steht der Gott-Mensch in der Welt umher,</p>
- <p class="verse">Ein Schöpfer, den die Schöpfermacht enttäuscht.</p>
- <p class="verse">Was soll er schaffen, wenn das Erdenheer</p>
- <p class="verse">Doch jeden Helfer wütend blind zerfleischt?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schon wirft das Volk ihm Steine ins Gesicht,</p>
- <p class="verse">Volk eines Lands, dem seine Größe gilt.</p>
- <p class="verse">Und jedes Wort, das sein Gedanke spricht,</p>
- <p class="verse">Verstummt im Sturm, der heulend ihn erfüllt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Er eilt, und flieht das lebende Gewimmel,</p>
- <p class="verse">In fernes Felsgebirg, sein eigner Feind.</p>
- <p class="verse">Da stößt er Tränentöne in den Himmel,</p>
- <p class="verse">Ein Kind, das nichts mehr weiß, als daß es weint.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-4-14">
-<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a>
-DER ANACHORET
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Menschersehnend, Menschenhasser,</p>
- <p class="verse">Riegelt mich mein Willens-Ring.</p>
- <p class="verse">Stets vertrübt wie Tümpelwasser</p>
- <p class="verse">War der Tag, in dem ich hing.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Erdgebunden, dennoch suchte</p>
- <p class="verse">Himmlisches mein Höhlenblick.</p>
- <p class="verse">Alles, was ich oft verfluchte,</p>
- <p class="verse">Weinte ich mir oft zurück.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sehn&rsquo; ich mich aus meiner Sperre</p>
- <p class="verse">In ein Tummeln mit Gespielen:</p>
- <p class="verse">Sind die Ketten, die ich zerre,</p>
- <p class="verse">Fast willkommen meinem Fühlen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Denn die Angst des Ruhverlustes</p>
- <p class="verse">Hemmt den Traum, mich auszuschwingen.</p>
- <p class="verse">Und mir bleibt ein stumpf bewußtes</p>
- <p class="verse">Liederdenken ohne Singen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn auch, Sonntags, Menschen kommen,</p>
- <p class="verse">&mdash; Kommen nur, mich anzugaffen:</p>
- <p class="verse">An dem Steinbild eines frommen</p>
- <p class="verse">Narren steht ein Knäuel Affen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-4-15">
-<a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a>
-DER GÜTIGE MENSCH
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Guter Mensch; du rührst an deiner Saite,</p>
- <p class="verse">Die wie ein Licht leidend in dir glüht,</p>
- <p class="verse">Wie eine Bitte, um die du bittest,</p>
- <p class="verse">Leise und singend träumerisch,</p>
- <p class="verse">Rührst du die Güte einer ganzen Weite.</p>
- <p class="verse">Und wo dein Fühlen erblich</p>
- <p class="verse">Vor Schreck, als du das Nichts im All</p>
- <p class="verse">Schaudernd erlittest:</p>
- <p class="verse">Da blieb kein Wall,</p>
- <p class="verse">Der das Ergießen der Traurigkeit</p>
- <p class="verse">Noch hemmen könnte.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dein Auge aber ist so schön</p>
- <p class="verse">Vom Glanz der dunklen traurigen Macht,</p>
- <p class="verse">Daß der Raum zittert wie Vogelstimme</p>
- <p class="verse">Vor Lust für dein Leid &mdash;</p>
- <p class="verse">Daß er zittert, als wollt&rsquo; er zerbrechen.</p>
- <p class="verse">Du weißt, auch das Unglück muß,</p>
- <p class="verse">Muß wie ein bestraftes Kind.</p>
- <p class="verse">Und deine Lippen, blühend bleich,</p>
- <p class="verse">Ohne zu küssen, ohne zu sprechen,</p>
- <p class="verse">Sind Klage und Kuß.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du siehst den Fremdling an</p>
- <p class="verse">In flehender Geduld;</p>
- <p class="verse">Tief verwundert, verwundet dich sein Lachen.</p>
- <p class="verse">Und du möchtest dann,</p>
- <p class="verse">Als sei alles, was ist, Schuld, deine Schuld,</p>
- <p class="verse">Noch das Gute wieder gutmachen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="part" id="part-5">
-<a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a>
-WIR STERBEN DAS LEBEN
-</h2>
-
-<h3 class="chapter" id="chapter-5-1">
-KRANK
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Leichentücher können mich nicht hüten,</p>
- <p class="verse">Die Kissen, die wie weiße Spiegel blenden,</p>
- <p class="verse">Sie helfen nur die Augen mir entblüten &mdash;</p>
- <p class="verse">Mein Kopf wird leer, ein Kranz von hohlen Händen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Warum hat man die Brust mir so gefeuert?</p>
- <p class="verse">Mit meinem Schrei will ich euch niederstechen</p>
- <p class="verse">Oh, alle euch, die ihr voll List erneuert</p>
- <p class="verse">Das Blut des Lebens, furchtbar zum Erbrechen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-5-2">
-<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a>
-AUFSCHREIENDER KÜNSTLER
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hingeworfen bin ich in Welt!</p>
- <p class="verse">Kühnheit und Zerrissenheit!</p>
- <p class="verse">Doch mein So-Wildsein ist Traurigkeit,</p>
- <p class="verse">Nur Finsternis ist erhellt.</p>
- <p class="verse">Was kann uns unendlich heben?</p>
- <p class="verse">Nichts. Wir altern immer, sind nie gesundet.</p>
- <p class="verse">Wir sterben das Leben,</p>
- <p class="verse">Alles Leben ist tödlich verwundet.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch ich habe ja Kühnheit in mir!</p>
- <p class="verse">Ich könnte ja kühn sein!</p>
- <p class="verse">Wohin aber können wir</p>
- <p class="verse">Aufjauchzend streben?</p>
- <p class="verse">&mdash; Es ist dumm, kühn zu leben.</p>
- <p class="verse">Alle Pyramiden sind Wahnsinn und Stein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Zerfetzt die Schönheit in meinem Gesicht!</p>
- <p class="verse">Ach, alle Hände sind zu zahme Tiere.</p>
- <p class="verse">Ich will mein verblühendes Blühen nicht!</p>
- <p class="verse">Leben ist Aas, mit dem ich mich beschmiere!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Lach&rsquo; ich über mein Atmen?</p>
- <p class="verse">Ich sollte besser Stein sein.</p>
- <p class="verse">Doch einmal jetzt muß ich noch schreien</p>
- <p class="verse">Aus dieser Erde heraus, dieser Grube,</p>
- <p class="verse">Und mit Knochen und Gebeinen</p>
- <p class="verse">Mich hinwerfen und schreien!!</p>
- </div>
- <div class="stanza tb">
- <p class="tb">&mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">In die Wände meiner engen Stube</p>
- <p class="verse">Will ich mich weinen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-5-3">
-<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a>
-TRÜBE LUFT
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wach auf! Aug&rsquo; über dem Tag!</p>
- <p class="verse">Wundes Vogeltier, müde zum Schlag.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Aug&rsquo; ist ohne Blick, Welt ohne Blick,</p>
- <p class="verse">Mensch kann nicht mehr auf, ist nur ein Stück.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Könige, thront ihr auch, seid nur Gewimmel,</p>
- <p class="verse">Punkte überall, Kreise und Himmel.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hoffen zerflog in Luft, Menschelein hilf!</p>
- <p class="verse">Schlacke schuf ein Schalk, Chaos und Schilf.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Qualen sind im Schlamm, Kraft ohne Mut,</p>
- <p class="verse">Feuer flackt und ertrinkt im hohlen Blut.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was uns ist, ist nicht, zieht immer vorbei,</p>
- <p class="verse">Jedes Ding ist morsch und dennoch neu.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schultern biegen sich gähnend zurück,</p>
- <p class="verse">Immer wimmert ein Greinen um Glück.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wach auf! Aug&rsquo; über dem Tag!</p>
- <p class="verse">Wundes Vogeltier, müde zum Schlag.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-5-4">
-<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a>
-DUDELSACKWEISE DES STERBLICHEN
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ins Grau des Tages bin ich hingestellt.</p>
- <p class="verse">Die Lebensstraße ist im Staub ein Strich.</p>
- <p class="verse">Allglück zerstürzt in die Novemberwelt.</p>
- <p class="verse">Nie war ein Blühen, das nicht bald erblich.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Das Himmelsfenster kann ich nicht zerschlagen.</p>
- <p class="verse">Ich bin versperrt. Ich kann nur Schritte tun.</p>
- <p class="verse">Ich muß wie einen Sack mich weitertragen,</p>
- <p class="verse">Muß nachts im Bett wie eine Leiche ruhn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mein Tod bezuckt mein Dasein heimlich fern;</p>
- <p class="verse">Er grinst in meinen Rücken sein Plaisir:</p>
- <p class="verse">Wie man sich schindet ohne Ziel und Kern</p>
- <p class="verse">Im Sterbetaghemd &mdash; niemand weiß wofür.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Man trippelt sich die müden Sohlen wund</p>
- <p class="verse">Am Gängelband des Lebens. Gram und Graus</p>
- <p class="verse">Und Lust und Last sind täglich der Befund.</p>
- <p class="verse">Wir sind in Uns und können nicht heraus.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir können nicht die Erde höher heben.</p>
- <p class="verse">Die Frage krächzt: Was soll der Wille wollen?</p>
- <p class="verse">Wir blicken nichts vom Leben als das Leben.</p>
- <p class="verse">Wir sind die Erde, fahrend und verschollen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-5-5">
-<a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a>
-ERMATTUNG
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Tag war schwül.</p>
- <p class="verse">Ich schließe meine Augen wie ein gelebtes Buch.</p>
- <p class="verse">Die Bilder sind zu Ende,</p>
- <p class="verse">Zu wenig und zu viel &mdash;</p>
- <p class="verse">Ich bin nur noch der Fluch</p>
- <p class="verse">Aus einem Zorn.</p>
- <p class="verse">Und keine Wende wird sein,</p>
- <p class="verse">Die wie ein helles Horn</p>
- <p class="verse">Zum Aufschwung bliese &mdash;</p>
- <p class="verse">Ich klage wie ein Riese</p>
- <p class="verse">Und bin klein.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-5-6">
-<a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a>
-VERNUNFT
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Zerrissen ist das Tiefste, das wir sind,</p>
- <p class="verse">Und dennoch nur mit seinem Selbst vereint.</p>
- <p class="verse">Solch Leid hat keine Tränen ... wie ein Kind,</p>
- <p class="verse">Das am Ersticken ist, bevor es weint.</p>
- <p class="verse">Das Niedrige ist nichts, das Große ist zu groß,</p>
- <p class="verse">Die Weisheit sagt: Hoffen ist hoffnungslos.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir sind des Lichts umnachtete Begleiter.</p>
- <p class="verse">Ist nicht das Leben wie ein Gnadenbrot?</p>
- <p class="verse">Ob Ja, ob Nein: Es reißt und peitscht uns weiter,</p>
- <p class="verse">Das All des Glücks versagt sich unsrer Not.</p>
- <p class="verse">Und ob wir weinen oder traurig lachen:</p>
- <p class="verse">Wir können uns nicht ungeboren machen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auch kühnste Trunkenheit ist nicht Erfüllung.</p>
- <p class="verse">Was nutzt das bißchen Zuversicht der Brust?</p>
- <p class="verse">Der höchste Himmel selbst ist nur Umhüllung</p>
- <p class="verse">Von fahlen Dingen, keine Götterlust.</p>
- <p class="verse">Die Schöpfung ist ein Zirkel, irr umkreist,</p>
- <p class="verse">Ein Schattentanz, der keinen Ausweg weist.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="part" id="part-6">
-<a id="page-44" class="pagenum" title="44"></a>
-O ERDE!
-</h2>
-
-<h3 class="chapter" id="chapter-6-1">
-NACHTGESANG
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Falle in des Himmels Nacht,</p>
- <p class="verse">Glühend in die Schlucht der Straßen,</p>
- <p class="verse">Schmerzenlichter sind entfacht,</p>
- <p class="verse">Greller, als Drommeten blasen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nirgends, wo ich knieend bliebe;</p>
- <p class="verse">Gleite über weiche Steine;</p>
- <p class="verse">Unerlösbar ist die Liebe,</p>
- <p class="verse">Die ich in der Stadt verweine.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Zückt nur, Lichter, nach dem Müden,</p>
- <p class="verse">Bis ihr all&rsquo; ihn umgebracht!</p>
- <p class="verse">Ach, mein Sinn weht in den Süden</p>
- <p class="verse">Mit den Wogen dieser Nacht!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dort erfüllt den Himmel voll</p>
- <p class="verse">Ein geliebter Sternenbund,</p>
- <p class="verse">Küsse träum&rsquo; ich tief und toll</p>
- <p class="verse">Meinem liebebleichen Mund.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Liebste, daß ich sinken werde,</p>
- <p class="verse">Wußt&rsquo; ich, da ich dich nicht fand.</p>
- <p class="verse">Nach dem Schiffbruch dieser Erde</p>
- <p class="verse">Spült das Meer mich an den Sand.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wär&rsquo; doch die Umschlingung mein</p>
- <p class="verse">In den Sternendiademen!</p>
- <p class="verse">Immer ist das Erdensein</p>
- <p class="verse">Ein umarmtes Abschiednehmen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-6-2">
-<a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a>
-ES WIRD EIN TRAUM
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es wird ein Traum aus dem, was Tag noch war.</p>
- <p class="verse">O süßer Abend, der die Augen küßt!</p>
- <p class="verse">O Lichterschmuck, Musik und Harfenhaar!</p>
- <p class="verse">Verzückte Stadt, die wie ein Weihnachtsbaum beglitzert ist.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ein Lieben ist im tummelnden Bewegen.</p>
- <p class="verse">Viel&rsquo; Frauen, nackt in Kleidern, ziehn vorbei.</p>
- <p class="verse">Das Gold der Sterne ist wie goldner Regen.</p>
- <p class="verse">Die Erde, die ihr Nachtfest fahrend feiert, atmet frei.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und unsrer schlanken Körper müde Führung</p>
- <p class="verse">In Straßen, die wie Flüsse nächtlich glänzen,</p>
- <p class="verse">Ist wie ein Mädchen träumender Berührung</p>
- <p class="verse">Mit junger Nacht und Glück und Rausch von ferngefühlten Tänzen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-6-3">
-<a id="page-46" class="pagenum" title="46"></a>
-HYMNE
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn hoch ein Stern die Tempelnacht beglüht:</p>
- <p class="verse">Hält nicht die kleinste Hand den Allpokal?</p>
- <p class="verse">Ist&rsquo;s nicht ein einziger Strom, der heimwärts zieht</p>
- <p class="verse">In Grotten leiser Wasser ... traumhaft wie Opal?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mein Musikant und deiner &mdash; alle geigen</p>
- <p class="verse">Den Linienrausch, der raumlos uns verführt.</p>
- <p class="verse">So löst sich unser Halten in den Reigen,</p>
- <p class="verse">Der an die ewige Verzückung rührt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schämt euch des Weinens nicht! Ihr seid ja Kinder!</p>
- <p class="verse">Ein Lächeln ist im Tränenregenbogen.</p>
- <p class="verse">Vieltausendmal geküßt sind eure Münder</p>
- <p class="verse">Von Liebsten, blühenden in Welt und Wogen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-6-4">
-<a id="page-47" class="pagenum" title="47"></a>
-DAS HEIMATZIMMER
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun bin ich wieder heimgekehrt,</p>
- <p class="verse">Dort draußen war die Angst der Welt;</p>
- <p class="verse">Hier innen hat sich nichts vermehrt,</p>
- <p class="verse">Blieb alles ruhig aufgestellt.</p>
- <p class="verse">Und oben, hör&rsquo; ich, spielt man noch Klavier,</p>
- <p class="verse">Jungsanfte Hände schweben über mir.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich bin in meinem treuen Bett,</p>
- <p class="verse">Will lesen wie vor weiter Zeit.</p>
- <p class="verse">O liebes Glück! Ein Amulett</p>
- <p class="verse">Ist jede kleine Einzelheit.</p>
- <p class="verse">Ganz ferne schlagen Blitze um das Zelt,</p>
- <p class="verse">Wo Haß und Hast und Schreigelächter gellt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hier ist das Glück umfaßt geküßt!</p>
- <p class="verse">Mein Unruhblut ist liebewach,</p>
- <p class="verse">Als ob mich jemand küssen müßt&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Als stellten Menschen tausendfach</p>
- <p class="verse">Sich in der Liebe meiner Augen dar,</p>
- <p class="verse">Als sehnt&rsquo; ich Küsse für mein wildes Haar!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Oft schien ich lebend eingebaut,</p>
- <p class="verse">Oft weint&rsquo; ich ohne rechten Grund.</p>
- <p class="verse">Doch dieser Raum ist so vertraut</p>
- <p class="verse">Wie ein geflüstert tiefer Bund.</p>
- <p class="verse">In Bett und Gondel fließt der nächtige Schein</p>
- <p class="verse">Und hüllt die Fahrt des weiten Lebens ein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Komm, Liebste, in das Nahgefühl</p>
- <p class="verse">Von Welt und Menschen heller Nacht!</p>
- <p class="verse">Die Leiber wogen im Gewühl,</p>
- <p class="verse">Verheißung unerschöpfter Pracht.</p>
- <p class="verse">O Melodie, die sich in Küssen neigt,</p>
- <p class="verse">Die süß, in Glück verführend, uns umgeigt!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-6-5">
-<a id="page-48" class="pagenum" title="48"></a>
-FRAUEN
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Frauen sind das Vertrauen,</p>
- <p class="verse">Wissende ohne Klügeln,</p>
- <p class="verse">Wehende Schiffe dahin &mdash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Fahrtverzückt im Erschauen,</p>
- <p class="verse">Lächelnd in Buchten und Hügeln,</p>
- <p class="verse">Trächtig von Sein und Sinn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Küssende Blicke führen</p>
- <p class="verse">Glück der umarmenden Weite,</p>
- <p class="verse">Schmiegen sich deinem Mund.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sehnendes Nahberühren</p>
- <p class="verse">Glühen sie deiner Seite,</p>
- <p class="verse">Gotteskindlichen Bund.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Farben, trunken und golden,</p>
- <p class="verse">Spiegeln sie in den Augen,</p>
- <p class="verse">Leiten sie deinem Lauf ...</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Frauen sind reichende Dolden,</p>
- <p class="verse">Lassen die Süße dich saugen,</p>
- <p class="verse">Liebende himmelauf.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wo ihr Leib der Milde</p>
- <p class="verse">Breitet Brüste und Hüfte,</p>
- <p class="verse">Himmelwerden im Schoß:</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da umfaltet Gefilde</p>
- <p class="verse">Taumelnder Gärten und Lüfte</p>
- <p class="verse">Unsere Seele groß.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-6-6">
-<a id="page-49" class="pagenum" title="49"></a>
-DER HIMMELFLIEGER
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wund von Wundern und jung</p>
- <p class="verse">Riß dich ein Rausch in die Höhe,</p>
- <p class="verse">Daß im sausenden Schwung</p>
- <p class="verse">Jubel und Ruhm bestehe.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nicht bedürftig der Erde</p>
- <p class="verse">Schien dein stürmendes Steigen,</p>
- <p class="verse">Auf die kriechende Herde</p>
- <p class="verse">Sahst du aus höchsten Gezweigen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sangst in die Sternäonen</p>
- <p class="verse">All, was dein Eigen war,</p>
- <p class="verse">Lachtest drohender Zonen,</p>
- <p class="verse">Lähmender Höhengefahr ...</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch mit einemmal zuckte</p>
- <p class="verse">Zitternd dein Leib und Blut,</p>
- <p class="verse">Und die Kehle schluckte</p>
- <p class="verse">Mühsam nach Luft und Mut.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und in rasendem Drehen</p>
- <p class="verse">Fühltest du klemmende Not &mdash; &mdash;.</p>
- <p class="verse">Konntest nicht länger bestehen.</p>
- <p class="verse">Luft ohne Staub ward dein Tod.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">In der Leere der Lüfte</p>
- <p class="verse">Brach die Seele der Glieder.</p>
- <p class="verse">In die Tiefen der Klüfte,</p>
- <p class="verse">Tonlos, stürztest du nieder.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-6-7">
-<a id="page-50" class="pagenum" title="50"></a>
-MYRTENKIND!
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich umschlinge deine Hand und zerpresse alles Leiden,</p>
- <p class="verse">In schmiedenden Küssen den angstwachen Traum,</p>
- <p class="verse">Daß keine Tage mehr sind und kein Raum</p>
- <p class="verse">Zwischen uns beiden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich zerküsse deine Lippen, deine Stirn, deinen Blick,</p>
- <p class="verse">Daß Gärten erblühen und singen. Und die Wonne</p>
- <p class="verse">Und Schöpfung der Welt kehrt zurück</p>
- <p class="verse">Zum ersten Morgen der Sonne.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-6-8">
-<a id="page-51" class="pagenum" title="51"></a>
-GEDICHT IM MAI
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich dacht&rsquo; es nicht, nie, daß ich so verzücke,</p>
- <p class="verse">Wo Wiesen blühn wild in ihr eigenes Meer,</p>
- <p class="verse">Die junge Sonne an Gesträuchen pflücke,</p>
- <p class="verse">Die Luft, die Lust umarme und die Brücke</p>
- <p class="verse">Der Erde leicht mich trage überher;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">... und Flügel fühlend tausenden Gehäusen,</p>
- <p class="verse">Der Unruh Linien findend ihre Bahn,</p>
- <p class="verse">Entring ich mich, unendlich in den Kreisen,</p>
- <p class="verse">Will Welt, dich, mich und alles an mich reißen,</p>
- <p class="verse">Musik, wie Glaube glüht, ist aufgetan!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Weinen vertraut, wo so Versunkenheit</p>
- <p class="verse">Der Landschaft ist &mdash;, viel Farben führen, erwidern</p>
- <p class="verse">Das Leid. Und Strömung, Jubel ist und weit</p>
- <p class="verse">Geöffnet Flut großer Gemeinsamkeit;</p>
- <p class="verse">Herr bin ich von Brüdern, Bruder von Brüdern.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">So zieht wie über alle Länder mein Blick,</p>
- <p class="verse">Friede sinnend; tief in die Brust hinein</p>
- <p class="verse">Atmet der Raum. Nichts bleibt verarmt zurück &mdash;</p>
- <p class="verse">Denn allen ist und alles Unglücks Glück,</p>
- <p class="verse">Unter der einigen Sonne zu sein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Oft ging ich dumpf und blind; und hier ist Kunde,</p>
- <p class="verse">Brausender Dom, Sieg der Sonne, und Segen!</p>
- <p class="verse">Ich will nicht grübeln, warum. Meinem Munde</p>
- <p class="verse">Fühl&rsquo; ich Küsse entstehn, geweihter Wunde!</p>
- <p class="verse">Zügle mein Hirn, o Gott, laß mir den Segen!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-6-9">
-<a id="page-52" class="pagenum" title="52"></a>
-AN DEN ANDEREN
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du gehst zerschluchtet, Bruder, von tausenden Streiten.</p>
- <p class="verse">Ich seh dich gehen, blicklos blickend, dunkel schwer.</p>
- <p class="verse">Du kreisest die Erde, verfolgt vom eignen Begleiten:</p>
- <p class="verse">Dein entmenschtes Gesicht ist Krampf im begrabenden Meer.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dein Höhlenleib heult in fleischzerpeitschtem Zucken.</p>
- <p class="verse">Was du ersehnt, das Viele, einst jung, ist verloren.</p>
- <p class="verse">Hell wolltest du herrschen, dann wieder dich demutvoll ducken:</p>
- <p class="verse">So schienst du zum Führen nicht und nicht zum Folgen erkoren.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Härte und Huld, erdstarken Aufstieg, aber auch Milde hast du gesungen,</p>
- <p class="verse">Gebietenden Geist und frei dennoch die menschenwogende Masse &mdash;</p>
- <p class="verse">Nun im Zerdenken des Ziels, bis das Licht, das dich lockte, in Dunst verklungen,</p>
- <p class="verse">Läufst du blind und entleibt von sich selbst fluchendem Hasse.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-6-10">
-<a id="page-53" class="pagenum" title="53"></a>
-ICH DENKE EINEN FREUND
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schon will der Tag im Zimmer untergehn.</p>
- <p class="verse">Mein Freund erzählt, in weite Linien blickend,</p>
- <p class="verse">Von Wandernächten zu erwachten Höh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Zeit überwindend, Räume überbrückend.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir gehen aus und treffen in den Straßen</p>
- <p class="verse">So viele Menschen, die uns nicht verstehn.</p>
- <p class="verse">Wir wollen nicht in enger Hürde grasen,</p>
- <p class="verse">Komm, laß uns zu den großen Bäumen gehn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich fahr&rsquo; mit dir in den Botanischen Garten &mdash;</p>
- <p class="verse">Doch ist nicht jeder Weg ein Doppelsinn?</p>
- <p class="verse">Fühl&rsquo; ich nicht hinter mir Verlassne warten?</p>
- <p class="verse">Mein Blut ist Flut in weiten Weltbeginn!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir gehen zwischen großen Baumkulissen.</p>
- <p class="verse">Hoch werden Wolken in die Nacht geschwemmt,</p>
- <p class="verse">Um uns ist alles willenlos umrissen.</p>
- <p class="verse">Wir sprechen laut und heiß und ungehemmt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich weiß, daß wir uns alles Dasein gönnen.</p>
- <p class="verse">Die kleinsten Qualen darf ich dir erwähnen.</p>
- <p class="verse">Wenn wir am innigsten uns finden können,</p>
- <p class="verse">Ist das Beisammensein voll Sturm und Tränen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Den heißen Kopf in kühle Nacht geschmiegt,</p>
- <p class="verse">Erdenkt ein neuer Mut sein Weltsignal.</p>
- <p class="verse">Und wo der düsterhafte Druck zerfliegt,</p>
- <p class="verse">Strahlt eine Weite auf wie ein Choral.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-6-11">
-<a id="page-54" class="pagenum" title="54"></a>
-FÜGUNG
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Abend erst hat meine Kunst gefunden,</p>
- <p class="verse">Ich war entartet schon in meiner Müh,</p>
- <p class="verse">Doch plötzlich durft&rsquo; ich noch zum Licht gesunden</p>
- <p class="verse">Am Vollgelingen meiner Melodie.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da ging ich schnell zu meinem Bruderfreunde,</p>
- <p class="verse">Der auch in seiner Stube glücklich war,</p>
- <p class="verse">Gleich mir den ganzen Tag verloren meinte,</p>
- <p class="verse">Dann aber auch den hohen Sang gebar.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir gingen aus, in Straßen still umher &mdash;</p>
- <p class="verse">Es war kein Gehen, eher noch ein Fahren</p>
- <p class="verse">In Glück. Wir hatten keine Worte mehr,</p>
- <p class="verse">Die Klänge nur, die fast frohlockend waren.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-6-12">
-<a id="page-55" class="pagenum" title="55"></a>
-DUO
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Saßen viele Stunden beide</p>
- <p class="verse">Immer an der Türe Schwelle,</p>
- <p class="verse">Du in deinem blauen Kleide,</p>
- <p class="verse">Beide wie an tiefer Quelle.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hörten stumm und sahen wieder</p>
- <p class="verse">Immer unsre Gegenbilder,</p>
- <p class="verse">Waren seliger denn Brüder</p>
- <p class="verse">Und noch inniger und milder.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Süß bedrückt, um Worte mühend,</p>
- <p class="verse">Sehnen war und kein Bewegen;</p>
- <p class="verse">Und wir hätten uns doch glühend</p>
- <p class="verse">In die Arme sinken mögen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch ich zitterte und fühlte,</p>
- <p class="verse">Unheil sollte niederbrechen,</p>
- <p class="verse">Wünsche, die ich mir erzielte,</p>
- <p class="verse">Wollten mir das Herz durchstechen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Denn, noch ohne die Berührung,</p>
- <p class="verse">Sprachst du schon das Abschiedswort;</p>
- <p class="verse">Und wie außer aller Führung</p>
- <p class="verse">Schwamm das ganze Leben fort.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-6-13">
-<a id="page-56" class="pagenum" title="56"></a>
-DEM ENGEL DER ERDE
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Noch rührt&rsquo; ich nicht an deine Blütenhände,</p>
- <p class="verse">Dein Bildnis zieht in flimmernden Gestalten &mdash;</p>
- <p class="verse">Ich aber geh&rsquo; die Stube und die Wände</p>
- <p class="verse">Und kann den Schritt an keiner Stelle halten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Denn alles ist wie aufwärts ausgegraben;</p>
- <p class="verse">Wie Schlangen greif&rsquo; ich in die Gegenstände</p>
- <p class="verse">Auf meinem Tisch, und will doch gar nichts haben &mdash;</p>
- <p class="verse">Denn der Gedanke sucht nur deine Hände.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ihr Liebenden der Welt, wo soll ich hin?</p>
- <p class="verse">Oh, daß die Jugend noch ein Jubel werde,</p>
- <p class="verse">Die Mitternacht gekrönt und heller Sinn! &mdash;</p>
- <p class="verse">Wie Muscheln schallt die dumpfe Zaubererde.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich glaube, darf ich je die Hände küssen,</p>
- <p class="verse">Die deine Unschuld so unendlich wahrt:</p>
- <p class="verse">Da, glaub&rsquo; ich, bin ich wie vom Glück zerrissen,</p>
- <p class="verse">Ein seliges Opfer nach der weiten Fahrt.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-6-14">
-<a id="page-57" class="pagenum" title="57"></a>
-ABENDGANG
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Des Tages Hirn wird dunkel und verdorben,</p>
- <p class="verse">Die Häuser blutleer und wie stille Leichen.</p>
- <p class="verse">Schon ist in mir auch vieles ausgestorben,</p>
- <p class="verse">Und nichts Bestimmtes will ich mehr erreichen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O weiche Melodie der Müdigkeit,</p>
- <p class="verse">Bist du das Gift, das mich so ruhig macht?</p>
- <p class="verse">Ich geh&rsquo;, für alle Menschen jetzt bereit,</p>
- <p class="verse">Mit halb geschlossnen Augen in die Nacht.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="part" id="part-7">
-<a id="page-58" class="pagenum" title="58"></a>
-AUFRUHR DURCHWÜHLT DEN
-GÜTIGEN GEIST
-</h2>
-
-<h3 class="chapter" id="chapter-7-1">
-LIED AUS DER NACHT
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ist mein Bett das wilde Schiff,</p>
- <p class="verse">Das in stürzenden Kreisen dreht?</p>
- <p class="verse">Ist die Wand verstrickend das Riff,</p>
- <p class="verse">Das krächzend entgegensteht?</p>
- <p class="verse">Doch draußen weit ist Meer und die Welt,</p>
- <p class="verse">Der göttliche Gesang!</p>
- <p class="verse">Ich komme, ich komme! und bin euer Held!</p>
- <p class="verse">Und bleibe euch treu mein Leben lang.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Funkelnd richt&rsquo; ich mich auf,</p>
- <p class="verse">Noch verlassen wie ein Stern.</p>
- <p class="verse">Doch im Fenster der Himmel dort</p>
- <p class="verse">Ist Weg und Gewähr,</p>
- <p class="verse">Und über alle Maßen fern</p>
- <p class="verse">Zieht der Begierde zitternder Lauf</p>
- <p class="verse">In das brütend dunkle rauschende Meer.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hell ruf&rsquo; ich die Nacht zum Schwert.</p>
- <p class="verse">O du endlich gefundene Tat!</p>
- <p class="verse">Ich selbst mein Geleit und heiliger Wert,</p>
- <p class="verse">Der zwingend menschengütig naht.</p>
- <p class="verse">Ja! Hier ist Meer und Welt,</p>
- <p class="verse">Der göttliche Gesang!</p>
- <p class="verse">Ich komme, ich komme! und bin euer Held!</p>
- <p class="verse">Und bleibe euch treu mein Leben lang.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-7-2">
-<a id="page-59" class="pagenum" title="59"></a>
-DANK
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Man dankt mir viel und drängt mir Worte auf</p>
- <p class="verse">Und Arme voll von Händen ... Stets war&rsquo;s noch</p>
- <p class="verse">Ein gleicher Arm, steif wie ein Flintenlauf,</p>
- <p class="verse">Aus dem die Hand wie eine Zunge kroch.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was soll mir euer Dank so kalt und stier,</p>
- <p class="verse">Er reicht doch nie an mein Gefühl heran:</p>
- <p class="verse">Das ist so glutvoll tief und wild in mir,</p>
- <p class="verse">Daß nur das tiefste Sehnen nahen kann.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O könnt&rsquo; ich selber einmal Dank verkünden,</p>
- <p class="verse">Ich wollt&rsquo; die Hand zerdrücken, die ich hielte,</p>
- <p class="verse">Und würde wogend solche Worte finden,</p>
- <p class="verse">Daß jede Ader ihre Strömung fühlte!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-7-3">
-<a id="page-60" class="pagenum" title="60"></a>
-BESINNUNG
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du bist der Himmel und das Grab,</p>
- <p class="verse">Verträumter Geist, der mich belebt.</p>
- <p class="verse">Ich weiß nicht recht, wo ich mein Schicksal hab&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Oft hab&rsquo; ich wie ein Schatten nur gebebt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Das Erdensein ist der Versuch,</p>
- <p class="verse">Das Land des Glückes zu entdecken.</p>
- <p class="verse">Das Menschenleben ist ein Knabenbuch,</p>
- <p class="verse">Den Schlaf der Wünsche strahlend aufzuschrecken.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Am heimlichsten ist unser Ich,</p>
- <p class="verse">Nur blitzend wie ein Blitz, der schon erlischt.</p>
- <p class="verse">Die Bilderdinge rühren dich &mdash;</p>
- <p class="verse">Sind wir dem All, dem Nichts vermischt?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Das Leben hat nur in sich selbst den Sinn</p>
- <p class="verse">Und im Vertrauen in den eigenen Rat.</p>
- <p class="verse">Das ist die Antwort auf dein Wort &bdquo;Wohin&ldquo;:</p>
- <p class="verse">Zu dir, zu deiner Höhe, deiner Tat.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-7-4">
-<a id="page-61" class="pagenum" title="61"></a>
-KNAPPE VOM BERGWERK
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ist Jugend kranke Armut?</p>
- <p class="verse">Ist das geweinte frühe Leben</p>
- <p class="verse">So ohne jedes süße Gut,</p>
- <p class="verse">Schon hingesunken, ohne sich zu heben?</p>
- <p class="verse">Was will die wilde Stadt,</p>
- <p class="verse">Die mir im Ohr erdröhnt?</p>
- <p class="verse">Schon hab&rsquo; ich mich zu Tode matt</p>
- <p class="verse">Nach Menschen hingesehnt:</p>
- <p class="verse">Nach einem Inbegriff,</p>
- <p class="verse">Der überm Schmerz besteht</p>
- <p class="verse">Und nicht wie Wellen an dem Riff</p>
- <p class="verse">Der schwarzen Erde stumm verweht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und dann, dann kam der Qualm,</p>
- <p class="verse">Der in der Höhlen sielt,</p>
- <p class="verse">Und losch den Blütenhalm</p>
- <p class="verse">Und Blick, den ich noch aufrechthielt.</p>
- <p class="verse">Dann immer neue Wolken und die Nacht</p>
- <p class="verse">Und Regen, Grauen und die letzten Schauer &mdash;</p>
- <p class="verse">Jetzt sind nur unermeßlich noch der Schacht</p>
- <p class="verse">Und meine große Angst auf ihrer Lauer.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-7-5">
-<a id="page-62" class="pagenum" title="62"></a>
-DER VERURTEILTE
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Am Morgen kam seine Mutter.</p>
- <p class="verse">Sie saß den ganzen Tag bei ihm.</p>
- <p class="verse">Er kniete an ihrem Schoß,</p>
- <p class="verse">Weinte in ihr zärtliches Kleid,</p>
- <p class="verse">Lachte in ihre küssenden Hände,</p>
- <p class="verse">Und weinte;</p>
- <p class="verse">Hätte den ganzen Körper</p>
- <p class="verse">In sie hineinweinen mögen.</p>
- <p class="verse">Sie war ihm so hell wie ein einziger Stern.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sie sprach: Mein Kind,</p>
- <p class="verse">Mein liebes Kind.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-7-6">
-<a id="page-63" class="pagenum" title="63"></a>
-DER GEKERKERTE
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die tiefe Mauer, die mich starr umstellt,</p>
- <p class="verse">Ist wie das Grab der Gräber. Hartes Stein-</p>
- <p class="verse">Gebilde ist der Mensch; mir gönnt die Welt</p>
- <p class="verse">Auch nicht das kleinste Tröpfchen Sonnenschein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es beugt sich niemand, mir in meinem Kerker</p>
- <p class="verse">Die dunkle Stirne himmelhell zu küssen.</p>
- <p class="verse">Und meine Wünsche werden immer stärker,</p>
- <p class="verse">Wenn sie so langen Tod erleben müssen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und manchmal träume ich von einer Rache,</p>
- <p class="verse">Nach der dann wie verglast die Hände langen &mdash;</p>
- <p class="verse">Doch wenn ich zuckend wieder bald erwache,</p>
- <p class="verse">Bin ich umengt von Mauern wie von Schlangen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-7-7">
-<a id="page-64" class="pagenum" title="64"></a>
-NAPOLEON
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Himmel! Sinke den Augen!</p>
- <p class="verse">Ich bin zwar blind und überdeckt,</p>
- <p class="verse">Doch noch nicht blind genug in meinem Haupt:</p>
- <p class="verse">Mein Blick will Menschen saugen,</p>
- <p class="verse">Hat Tausende hingestreckt.</p>
- <p class="verse">Was ich dem Trieb verbiete,</p>
- <p class="verse">Hat sich mein Trieb erlaubt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wer trug die Kraft in mein Gehirn?</p>
- <p class="verse">Wer gab mir Macht und Können schwerer Schlacht?</p>
- <p class="verse">Wer die Idee? &mdash; Ich schlage mir die Stirn;</p>
- <p class="verse">Ich will nicht Krieg und Mord,</p>
- <p class="verse">Nicht Krieg, nicht Krieg,</p>
- <p class="verse">Nicht Mord!</p>
- <p class="verse">Ich sehne den Sieg!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">In meiner Stirn ist ein Adler, ein Geier,</p>
- <p class="verse">Rasend mit den Flügeln vor Ungeduld!</p>
- <p class="verse">Schweige, Tier! Ich fühl&rsquo; es wie Schuld:</p>
- <p class="verse">Über der Vernunft ist ein Schleier.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich bin von der eigenen Kraft zerrissen.</p>
- <p class="verse">Völker, Volk, Frankreich,</p>
- <p class="verse">Ihr seid in meinem Blut;</p>
- <p class="verse">Ich blute mit euch,</p>
- <p class="verse">Mit dem Reich;</p>
- <p class="verse">Ich opfere, zum Ruhme gesandt,</p>
- <p class="verse">Euch das heiligste Gut,</p>
- <p class="verse">Mein Gewissen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-7-8">
-<a id="page-65" class="pagenum" title="65"></a>
-JUNGER SOLDAT
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schon heult die Nacht. Die Schlacht brüllt auf und brennt.</p>
- <p class="verse">Bald sind auch wir nur Fetzen.</p>
- <p class="verse">Noch in Reserve unser Regiment.</p>
- <p class="verse">Wir warten entseelt in Entsetzen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Brach wirklich hin, was kaum noch blühend sang?</p>
- <p class="verse">Für wessen Habsucht-Rachen?</p>
- <p class="verse">O Gott! Warum der viehisch rohe Zwang,</p>
- <p class="verse">Totschlag und Qual und Nieerwachen!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wer ist mein wahrer Feind? Ich wurde Knecht</p>
- <p class="verse">Nur durch den eignen Staat.</p>
- <p class="verse">Sind aber Ruhmgier, Raubgelüst im Recht?</p>
- <p class="verse">Jung sink&rsquo; ich hin, jung ohne Tat.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mai, Juni, Juli, Monate der Blumen,</p>
- <p class="verse">Werd&rsquo; ich euch wiedersehn?</p>
- <p class="verse">April ist jetzt. Heut&rsquo; soll noch in den Krumen</p>
- <p class="verse">Der Erde all mein Herz zergehn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ward die Geduld der Jugend und Gefahr</p>
- <p class="verse">So hinterrücks belauert?</p>
- <p class="verse">Muß Strafe sein, wo keine Sünde war,</p>
- <p class="verse">Wo nur ein früh Sichsehnen schauert?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Liebst du mich nicht, Macht meines Vaterlands,</p>
- <p class="verse">Daß du mich niedertrittst?</p>
- <p class="verse">Nur um der Feldherrn willen und des Stands,</p>
- <p class="verse">Der eitel waltet und besitzt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sind nicht auch wir wie ihr ein Heimatgut,</p>
- <p class="verse">Wohl wert auch, daß es bleibt?</p>
- <p class="verse">Verachtet ihr uns so und unser Blut,</p>
- <p class="verse">Daß ihr uns auf die Schlachtbank treibt?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-66" class="pagenum" title="66"></a>
- <p class="verse">O Heimatland, das liebste, das ich wüßte,</p>
- <p class="verse">Des Lebens tiefster Lohn,</p>
- <p class="verse">Entweichst du mir? der dich geküßt so küßte</p>
- <p class="verse">Wie nur dein innigst junger Sohn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du Freundeland, Land heißer Jugendbriefe,</p>
- <p class="verse">Zu Tränen reißt du hin,</p>
- <p class="verse">Du singst die Sprache meiner trunknen Tiefe: &mdash;</p>
- <p class="verse">Und du erfüllst nicht ihren Sinn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kehr&rsquo; ich noch heim? Und wie? Zerschlagen, krumm,</p>
- <p class="verse">Ein Krüppel, blind &mdash; ganz blind?</p>
- <p class="verse">Hier ist kein Aufschrei mehr, nur kalt und stumm</p>
- <p class="verse">Ist Schutt und Dunst und Todeswind.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Muß wirklich so die Pflicht erniedrigt werden,</p>
- <p class="verse">Um fremden Glanz zu gründen?</p>
- <p class="verse">Ist denn die Sonne nicht genug auf Erden?</p>
- <p class="verse">&mdash; Oder war ich voller Sünden?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich darf nicht länger von mir selber wissen,</p>
- <p class="verse">Schon hör&rsquo; ich das Signal.</p>
- <p class="verse">Ich muß, muß, muß, und kann nur immer müssen,</p>
- <p class="verse">Und selbst zum Mut bleibt keine Wahl.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">So zieh ich fort, erloschen und verloren.</p>
- <p class="verse">Wohin? Nirgendwohin.</p>
- <p class="verse">Das Ewige ist tot. Ich ward geboren</p>
- <p class="verse">Für meinen Mord und toten Sinn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Lebt wohl! Ich will nicht allzu feindlich scheiden &mdash;</p>
- <p class="verse">Daß nicht zum Fluch noch werde,</p>
- <p class="verse">Was eine Jugend war voll milder Leiden.</p>
- <p class="verse">Lebt wohl! Ach! Mutter, Brüder, Erde.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-7-9">
-<a id="page-67" class="pagenum" title="67"></a>
-DER KRIEGSBLINDE
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nicht mehr die Lust</p>
- <p class="verse">Des Taumelns im Getriebe;</p>
- <p class="verse">Nicht mehr voll Macht die Brust,</p>
- <p class="verse">Voll Ruhm und allgeliebter Liebe;</p>
- <p class="verse">Nicht mehr das Singen, Stürmen in den Himmel,</p>
- <p class="verse">In wilder Wiesen blühendem Gewimmel,</p>
- <p class="verse">In der Gebüsche grün verschlungnem Blühn;</p>
- <p class="verse">Nie jubelnd mehr das weite Land durchziehn;</p>
- <p class="verse">Zu nichts mehr als zum Erdbekriechen taugen;</p>
- <p class="verse">Nie mehr die Düfte einer Welt einsaugen:</p>
- <p class="verse">&mdash; Verloren irgendwo auf dürrem Pfad</p>
- <p class="verse">Steht der Soldat</p>
- <p class="verse">Mit den zerschossnen Augen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Er geht und macht nach jedem Schritte Halt.</p>
- <p class="verse">Was soll er gehn?</p>
- <p class="verse">Die Welt ist dumpf, ungütig kalt</p>
- <p class="verse">Wie schweres Winterwehn.</p>
- <p class="verse">Geräusche hört er hohl vorüberrauschen;</p>
- <p class="verse">Sein Hirn erstickt im Denken an ein Glück.</p>
- <p class="verse">Er will mit seinem Kopf der Sonne lauschen: &mdash;</p>
- <p class="verse">Der Alte Wahnsinn krallt ihn im Genick.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Er weint in seinen Leib.</p>
- <p class="verse">O süßes Weib,</p>
- <p class="verse">Mit Blumen, Blüten, Kränzen im Haar,</p>
- <p class="verse">Mit Tanz und Spiel,</p>
- <p class="verse">Umschlingendem Gefühl,</p>
- <p class="verse">O alles, was im Licht voll Liebe war!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Viel Tausende mit ihm</p>
- <p class="verse">Zerschlug die Schlacht und ließ sie leben.</p>
-<a id="page-68" class="pagenum" title="68"></a>
- <p class="verse">Sie waren jung, in frohem Ungestüm,</p>
- <p class="verse">Voll Wille wollten sie die Welt erheben.</p>
- <p class="verse">Nun schleppen sie den Leib wie eine Fracht,</p>
- <p class="verse">Die niemand will,</p>
- <p class="verse">Erstarrt und still</p>
- <p class="verse">Von Nacht zu Nacht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O käme Mord in diesen Qualenschacht!</p>
- <p class="verse">Ein Gnadenstoß</p>
- <p class="verse">In das verdammte Menschenlos,</p>
- <p class="verse">Das ihr zum Vieh-Dasein gemacht.</p>
- <p class="verse">Mord ist nicht grausam, wäre willkommen jetzt,</p>
- <p class="verse">Wo ein zerwühltes Nichtsmehrsehn</p>
- <p class="verse">Die Sinne folternd fetzt!</p>
- <p class="verse">O käm&rsquo; ein unbegrenztes Untergehn!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-7-10">
-<a id="page-69" class="pagenum" title="69"></a>
-ERBLINDUNG
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nie faßt ihr sehend Seligen den Trug</p>
- <p class="verse">Und Jammer, den die Blindheit birgt;</p>
- <p class="verse">Daß, seit mich die Erblindung niederschlug,</p>
- <p class="verse">Ein Heulschrei immer meine Kehle würgt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Seht her, wie wild verfiebert ich noch schwitze,</p>
- <p class="verse">Da ich vom Sonnenuntergang geträumt.</p>
- <p class="verse">Sah ich&rsquo;s denn nicht, wie eine goldne Litze</p>
- <p class="verse">Blaugraue Hügelwellen schön umsäumt?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich sah&rsquo;s und sah es nicht, &mdash; und seh es nie.</p>
- <p class="verse">Es war das Wahnsinnslachen meiner Trauer.</p>
- <p class="verse">Ich bin im engen Stall der Welt ein Vieh,</p>
- <p class="verse">Die Luft ist steinig dick wie eine Mauer.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nacht oder Tag: ist all in eins verjammert,</p>
- <p class="verse">Da solch ein Leben ohne Leben ist.</p>
- <p class="verse">Mich hält das tiefste Grauen tief umklammert,</p>
- <p class="verse">Das langsam sicher meinen Leib zerfrißt.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-7-11">
-<a id="page-70" class="pagenum" title="70"></a>
-DIE PHALANX
-</h3>
-
-<h4 class="subchap" id="subchap-7-11-1">
-I
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was bleibt dem Menschen, wenn nicht ein Erbarmen,</p>
- <p class="verse">Das wundertätig greift in Angst und Stöhnen?</p>
- <p class="verse">Ihr Mächtigen der Welt, von Millionen Armen</p>
- <p class="verse">Seid ihr umfleht nach Hilfe und Versöhnen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Noch sind die Ebenen von Qual und Qualm vernebelt.</p>
- <p class="verse">Noch herrscht peitschlustig eine Dünkelbrut,</p>
- <p class="verse">Die jedes Aufschwung-Atmen niederknebelt,</p>
- <p class="verse">Verliebt in ihre eigne Wüstlingswut.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kein Schimpf beirrt ihr närrisches Genießen.</p>
- <p class="verse">Getreten liegt der Geist. Aufwollende Gedanken</p>
- <p class="verse">Sind eingekäfigt müde in den Schranken.</p>
- <p class="verse">Des Hergebrachten blöder Götze ist gepriesen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Aus goldnen Schüsseln schlürfen sie Erquickung,</p>
- <p class="verse">Indes, hohl in den Nächten, die Entblößten wandern.</p>
- <p class="verse">Sie spinnen sich in lüsterne Verzückung &mdash;</p>
- <p class="verse">Was kümmert sie der Aufschrei in den andern?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch bleibt, in Not und Nacht, der Schrei nur nach Erbarmen?</p>
- <p class="verse">Wird nicht Tumult, Alarm? Aus Angst und Stöhnen</p>
- <p class="verse">Ein Zornsignal? Und von Millionen Armen</p>
- <p class="verse">Des schmerzgeeinten Wollens donnerndes Erdröhnen?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Europas Häuptlinge! Marschälle und Magnaten!</p>
- <p class="verse">Zwingt selbst die Tat hervor, die um die Menschheit wirbt!</p>
- <p class="verse">Da eurer Untertanen Leib, versklavt, verraten,</p>
- <p class="verse">In Schlacht und stumpfer Wüterei verdirbt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Verdammt, ihr selbst, die Eigenlust, die Kraftgebärde!</p>
- <p class="verse">Und kommt starkmild herab die stolzen Stufen,</p>
- <p class="verse">Die Macht als Mittel nur, begnadet und berufen,</p>
- <p class="verse">Für eurer Völker frohe Fahrt und Erde.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-71" class="pagenum" title="71"></a>
- <p class="verse">Und ihr, Entehrte unter Willkürtritten,</p>
- <p class="verse">Bleibt nicht zum Rachesprung gekrümmt, zerquält im Fluchen!</p>
- <p class="verse">Ward auch der Aufwärtsweg von Bergen schwer geschritten:</p>
- <p class="verse">Erkennt die Kommenden, die euer Antlitz suchen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und jene Harten, unbewegt im Bösen,</p>
- <p class="verse">Laßt sie nicht eher los, umringt sie mit der Bitte,</p>
- <p class="verse">Bis sich die Herzen wie in Harfen lösen,</p>
- <p class="verse">Aufklingend mild, hinknieend eurer Mitte.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="subchap" id="subchap-7-11-2">
-II
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Noch ist es Orgelwehn.</p>
- <p class="verse">Noch ist der Flugblick ausgesandt,</p>
- <p class="verse">Nur um zu spähn.</p>
- <p class="verse">Und nur von fernem Küstenland</p>
- <p class="verse">Durchdringt ein Stoß die Luft:</p>
- <p class="verse">Fanfarenstoß und Marsch.</p>
- <p class="verse">Denn für ein Anderswerden,</p>
- <p class="verse">Erhebung und Erhellung, Kampf ohne Krieg, Sieg ohne Mord,</p>
- <p class="verse">Aufstürmt ein Menschenozean &mdash;</p>
- <p class="verse">Zwar dumpf noch wie ein Wahn,</p>
- <p class="verse">Doch wissend tief: Tat wird getan!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn ferner, Thronende, zu euch auf prunknen Sesseln</p>
- <p class="verse">Gefühl, fürbittend, nicht hinauf kann dringen,</p>
- <p class="verse">Auftosen wird das Blut: Galeeren nicht und Fesseln</p>
- <p class="verse">Sind stark genug, Vulkane zu bezwingen!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Bewegung wogt empor: Ein Sturm von Schreien zerreißt die Nacht!</p>
- <p class="verse">Glaubt ihr, die Trauer bliebe ewig lahm,</p>
- <p class="verse">Am Grab der Hingeopferten, hilflos in Gram?!</p>
- <p class="verse">Schon ballt sich eine Riesenvölkermacht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und aus dem Grund der Gassen, wachsend, hebt ein Heer</p>
- <p class="verse">Nach Licht, Kindheit und Frohheit Leib und Flügel auf;</p>
- <p class="verse">Umkreist die Städtethrone wolkenschwer,</p>
- <p class="verse">Raubaugenwild, unwankelbarer Lauf.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-72" class="pagenum" title="72"></a>
- <p class="verse">Posaunen tönen, eh&rsquo; der Schlag geschieht:</p>
- <p class="verse">Zerschleudert euren Haß und öffnet der Erneuung</p>
- <p class="verse">Das ganze Auge! Seht, die gleiche Fülle blüht</p>
- <p class="verse">Den Tausenden! Bekennt euch zur Befreiung!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dann ringen Rassen edel um die Höhe.</p>
- <p class="verse">Kein Fleischzerkrallen wühlt den Tag in Blut.</p>
- <p class="verse">Kampf heißt jetzt Glück, das weithin auferstehe,</p>
- <p class="verse">Rein wie ein junger Gott, durchhellt von Mut.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Raubhändel, Blutbrunst, Krieg, die Jünglingsschlächter, -schänder</p>
- <p class="verse">Sind fern, dumpfdüstre Vorzeit, Tierischkeit.</p>
- <p class="verse">Kampf ist Beglückung jetzt. Umschlungen sind die Länder.</p>
- <p class="verse">Der Führer Sicht und Wille erdenweit.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Erkannt habt ihr den Feind und seid Gefährten.</p>
- <p class="verse">Nun seiet Gläubige, um Wollende zu sein!</p>
- <p class="verse">Laßt eure Tat erstrahlen den Beschwerten.</p>
- <p class="verse">Durchglühung eine euch wie goldner Wein!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und so, von Licht umbrandet und dem Morgenmeer,</p>
- <p class="verse">Erwacht ihr zu des Daseins Fest und Spiel.</p>
- <p class="verse">O Bund der Bünde! Der das Menschenheer</p>
- <p class="verse">Zum Ruhme führt aus kläglichem Gewühl.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Völkerlegion! Geschart dem Flammenzug</p>
- <p class="verse">Der Jünglinge des Lichts! Chorbrausend brecht die Stille</p>
- <p class="verse">Und reißt die Starrgesinnten in den Flug,</p>
- <p class="verse">Daß euer Recht und Rhythmus sich erfülle!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mitatmende der Zeit, dem Menschenkreis gesellt:</p>
- <p class="verse">Seid ihr einander Freund, habt ihr gesiegt!</p>
- <p class="verse">Die Brust berauscht von Weiten, erdhaft starker Welt,</p>
- <p class="verse">Schallt euer Lied, das in die Freiheit fliegt!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-7-12">
-<a id="page-73" class="pagenum" title="73"></a>
-O WÄR&rsquo; SCHON MORGEN FRÜH!
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Bin ich ausgestoßen</p>
- <p class="verse">Aus dem Maß des Großen?</p>
- <p class="verse">Ist nicht Geweihtheit</p>
- <p class="verse">Über dem Abend, bereit?</p>
- <p class="verse">Wie, wenn dem Blick sich erfüllte,</p>
- <p class="verse">Was das Leben mir singe?</p>
- <p class="verse">Oh, wie oft hüllte</p>
- <p class="verse">So bange Spannung die Schwinge.</p>
- <p class="verse">Und wird all&rsquo; meine Wirklichkeit,</p>
- <p class="verse">Die wie Lüge, ertappt, sich selbst bedrängt,</p>
- <p class="verse">Ein Kind sein, das willigweit</p>
- <p class="verse">Die Welt stets von neuem anfängt?</p>
- <p class="verse">Schon hebt ein Tatglaube an</p>
- <p class="verse">In meiner Stimme &mdash; wie Melodie</p>
- <p class="verse">Sicher und süß, der Ruf &bdquo;Voran&ldquo;.</p>
- <p class="verse">O wär&rsquo; schon morgen früh!</p>
- <p class="verse">Daß ich nicht trauernd mehr, verhangen,</p>
- <p class="verse">Mein Leben wie Sünde begehe,</p>
- <p class="verse">Daß immer ein Neuanfangen</p>
- <p class="verse">Über die Erde wehe.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="pbb chapter" id="chapter-7-13">
-<a id="page-74" class="pagenum" title="74"></a>
-AN DEN GESCHLAGENEN
-</h3>
-
-<h4 class="subchap" id="subchap-7-13-1">
-I
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Weh, grimmer Gigant.</p>
- <p class="verse">Was ist mit dir?</p>
- <p class="verse">Dein Leib wälzt ohne Wille und Regel</p>
- <p class="verse">Leblos lebend im Kot.</p>
- <p class="verse">Abgefallen, wie totgetroffne Vögel,</p>
- <p class="verse">Faulen die Hände im schlammigen Sand.</p>
- <p class="verse">Gestrüpp hängt im Gesicht und rot</p>
- <p class="verse">Die Augen, gedunsen, schleimig.</p>
- <p class="verse">Wo blieb dein seidenes Haar?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Erwachend befühlst du dich schwer.</p>
- <p class="verse">Die Lippen fürchten den Ausbruch der Tränen,</p>
- <p class="verse">Krampfen sich, schon zitternd weich.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">&mdash; Da, wie aufgeschreckt: erhebt sich ein Meer,</p>
- <p class="verse">Und aufspringt mit zornigen Zähnen</p>
- <p class="verse">Du, tobend und heulend bleich.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dann krachend aber, schlägt der trotzige Held</p>
- <p class="verse">Hin auf den Stein.</p>
- <p class="verse">Hier barst die Leidensgewalt der Natur,</p>
- <p class="verse">Die Hölle der verkannten Welt.</p>
- <p class="verse">Und wie ein müder Schein</p>
- <p class="verse">Bleibt der Gedanke nur</p>
- <p class="verse">Von einem Leben, nicht das Leben selbst.</p>
- <p class="verse">Wieder zum Tier des trübenden Lichts</p>
- <p class="verse">Geschrumpft &mdash; bist nirgendwo; nur schwer;</p>
- <p class="verse">Wohl mehr als nichts,</p>
- <p class="verse">Doch weniger als irgendwer.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="subchap" id="subchap-7-13-2">
-II
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Das Aufrichten gelingt dir kaum,</p>
- <p class="verse">Nur winselnd im Schweiß;</p>
-<a id="page-75" class="pagenum" title="75"></a>
- <p class="verse">Immer ist ein Sinken, bis du stehst.</p>
- <p class="verse">Dann trostlose Schritte</p>
- <p class="verse">Gradeaus im Kreis.</p>
- <p class="verse">Als wär&rsquo; nie mehr für dich eine Bitte,</p>
- <p class="verse">Gehst du Linien ohne Punkt,</p>
- <p class="verse">Ohne Farben, ohne Raum.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn dir, stillstehend,</p>
- <p class="verse">Die Augen sinken zur Vision,</p>
- <p class="verse">Spürst du kalt wehend</p>
- <p class="verse">Den grinsenden summenden Hohn;</p>
- <p class="verse">Wie um Aas den Menschenschwarm.</p>
- <p class="verse">Dann, verloren in Tränen den Mund,</p>
- <p class="verse">Fühlst du, wechselnd eisig warm,</p>
- <p class="verse">Das Sausen im fallenden Grund.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wo die Qual noch so sehr schwieg,</p>
- <p class="verse">Hier schreit sie weinend heraus</p>
- <p class="verse">Töne ohne Takt, ohne Musik.</p>
- <p class="verse">Wie ein Lawinenstrom ohne Damm</p>
- <p class="verse">Bricht die Klage aus,</p>
- <p class="verse">Über die Erde der Welt und den ewigen Schlamm.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="subchap" id="subchap-7-13-3">
-III
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun weißt du es. Was Aufschwung schien,</p>
- <p class="verse">War Niedergang. Maßlos und blind</p>
- <p class="verse">Stürmtest du die Erde; kühn</p>
- <p class="verse">Wähntest du dich und warst nur Wind.</p>
- <p class="verse">Kein Mitmensch war, kein Hindernis,</p>
- <p class="verse">Nicht Zukunft, nicht Vernunft:</p>
- <p class="verse">Nur brüllendes spottendes Ereignis,</p>
- <p class="verse">Aber Feuer allein wollte nicht brennen,</p>
- <p class="verse">Verlosch, ward Asche für den Wind.</p>
- <p class="verse">Nun bist du gefügt und kannst erkennen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-76" class="pagenum" title="76"></a>
- <p class="verse">Nun weißt du, wo die Tat beginnt,</p>
- <p class="verse">Fühlst sie aufsteigen in dir wie ein Lied.</p>
- <p class="verse">Nicht im Rausch, tobsüchtig ungesinnt,</p>
- <p class="verse">Närrisch lachend, entblößt,</p>
- <p class="verse">Du ganz einzelnes wirbelndes Glied,</p>
- <p class="verse">Besinnlich nach Irrfahrt und Torheit,</p>
- <p class="verse">Gier, die gegen die Erde stößt,</p>
- <p class="verse">Ohne Not, ohne Wert, nur ins Weite weit &mdash;</p>
- <p class="verse">Die Tat ist im Wert!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Denn nur als Teil alles Menschengefühls</p>
- <p class="verse">Bist du ein ganzes Sein,</p>
- <p class="verse">Erschütternd und auferstanden groß.</p>
- <p class="verse">Nur im Gelöbnis des innersten Ziels</p>
- <p class="verse">Ist auch der Zorn heilig und rein.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="subchap" id="subchap-7-13-4">
-IV
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und in die Menschenheit eingestimmt</p>
- <p class="verse">Ziehst du zum Werk, von einer See</p>
- <p class="verse">Wie getragen, in fühlender Entfaltung.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Siehst Jugend und Arbeit der Menschen-Idee,</p>
- <p class="verse">Dein Auge selbst ist sie, schon Gestaltung,</p>
- <p class="verse">Mild überscheinend und königlich bestimmt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Denn die Idee ist brüderlich, sinnvoll und bereit,</p>
- <p class="verse">Ist die Tiefe der Menschlichkeit;</p>
- <p class="verse">Ihr Wille ist Größe, die kein Ende nimmt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Tönend, namenlos erhört dich und weitet die Schwebung,</p>
- <p class="verse">Jeder Haß vor dir ist ohne Halt;</p>
- <p class="verse">Denn deine Brust ist gelöst in der Strebung.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Helle Wirklichkeit atmet deine Gestalt,</p>
- <p class="verse">Als sei die Wahrheit selbst deine gütige Gewalt.</p>
- <p class="verse">Ureigen unbeirrlich ist dein Lieben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-77" class="pagenum" title="77"></a>
- <p class="verse">Du beherrschst allfühlend die Bewegung und Dauer</p>
- <p class="verse">Und findest, von wogendem Wollen getrieben,</p>
- <p class="verse">Die Tröstung noch der wirresten Trauer.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der stampfenden Schöpfung gläubiger Erspürer,</p>
- <p class="verse">Lobpreisend, beseelend &mdash; zu hebender Tat</p>
- <p class="verse">Fühlst du dich Führer.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und hellhoch über das Volk, das gewaltig genaht,</p>
- <p class="verse">Und im ungeheuren Schweigen</p>
- <p class="verse">Aufblickt zu dir, um dann</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hinzuströmen zum heilig zähen Erzeugen,</p>
- <p class="verse">Jeder beseligt, so gönnend, so machtvoll er kann:</p>
- <p class="verse">Braust, singender Sturm, deine Stimme:</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">&bdquo;Weit Erschütternder über der Welt!</p>
- <p class="verse">Wie ich, dein Kind, zum Tagwerk mühend mich krümme,</p>
- <p class="verse">Sei deines Kindes Tag zur Ewigkeit erhellt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Gewaltiger in der Welt! Heb&rsquo; uns empor!</p>
- <p class="verse">Laß mitliebend mitklingen im Chor</p>
- <p class="verse">Alle Nation, mitleidend den Leiden;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Daß ihr Wille, unbesiegbarer Stern, bestehe,</p>
- <p class="verse">Und sie die Arme frei und göttlich breiten</p>
- <p class="verse">Über sich selbst in die Höhe!&ldquo;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="part" id="part-8">
-<a id="page-78" class="pagenum" title="78"></a>
-INHALT
-</h2>
-
-<div class="table">
-<table class="toc" summary="TOC">
-<tbody>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col_page">Seite</td>
- </tr>
- <tr class="p">
- <td class="col1">Aufbruch-Musik</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-5">5</a></td>
- </tr>
- <tr class="p">
- <td class="col1">Du Ewige</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-8">8</a></td>
- </tr>
- <tr class="p">
- <td class="col1">Der Zweifel</td>
- <td class="col_page">&nbsp;</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Trauermarsch</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-11">11</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Fragender Mensch</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-14">14</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Pierrot</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-15">15</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Gute Laterne</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-17">17</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Dumpfer Tag</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-19">19</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Erdenfahrt</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-20">20</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Nachtgedicht</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-21">21</a></td>
- </tr>
- <tr class="p">
- <td class="col1">Die Ungestillten der Seele</td>
- <td class="col_page">&nbsp;</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Ritternarr</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-22">22</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Gang zum Schafott</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-23">23</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Ahasver</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-24">24</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Junger Künstler</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-25">25</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Denker</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-26">26</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Clown</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-28">28</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Alternder Mime</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-29">29</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der kranke Sänger</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-30">30</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Akrobat</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-31">31</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Zigeunerlied</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-32">32</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Meerfahrt</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-33">33</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Berufene</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-34">34</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Nietzsche</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-35">35</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Anachoret</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-36">36</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der gütige Mensch</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-37">37</a></td>
- </tr>
- <tr class="p">
- <td class="col1">Wir sterben das Leben</td>
- <td class="col_page">&nbsp;</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Krank</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-38">38</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Aufschreiender Künstler</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-39">39</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Trübe Luft</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-40">40</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Dudelsackweise des Sterblichen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-41">41</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Ermattung</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-42">42</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Vernunft</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-43">43</a></td>
- </tr>
- <tr class="p">
- <td class="col1">O Erde!</td>
- <td class="col_page">&nbsp;</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Nachtgesang</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-44">44</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Es wird ein Traum</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-45">45</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Hymne</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-46">46</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Das Heimatzimmer</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-47">47</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Frauen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-48">48</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Himmelflieger</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-49">49</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Myrtenkind!</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-50">50</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Gedicht im Mai</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-51">51</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">An den Anderen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-52">52</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Ich denke einen Freund</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-53">53</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Fügung</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-54">54</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Duo</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-55">55</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Dem Engel der Erde</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-56">56</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Abendgang</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-57">57</a></td>
- </tr>
- <tr class="p">
- <td class="col1">Aufruhr durchwühlt den gütigen Geist</td>
- <td class="col_page">&nbsp;</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Lied aus der Nacht</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-58">58</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Dank</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-59">59</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Besinnung</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-60">60</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Knappe vom Bergwerk</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-61">61</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Verurteilte</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-62">62</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Gekerkerte</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-63">63</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Napoleon</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-64">64</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Junger Soldat</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-65">65</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Kriegsblinde</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-67">67</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Erblindung</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-69">69</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Die Phalanx</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-70">70</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">O wär&rsquo; schon morgen früh!</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-73">73</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">An den Geschlagenen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-74">74</a></td>
- </tr>
-</tbody>
-</table>
-</div>
-
-
-<div class="trnote">
-<p id="trnote" class="chapter"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p>
-
-<p class="handheld-only">
-Im Original
-g&nbsp;e&nbsp;s&nbsp;p&nbsp;e&nbsp;r&nbsp;r&nbsp;t
-hervorgehobener Text wurde in einem <em>anderen Schriftstil</em> markiert.
-</p>
-
-<p>
-Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
-</p>
-
-<ul>
-
-<li>
-... Ein Wissen: Daß ich in die <span class="underline">Menchen</span> dringe, ...<br />
-... Ein Wissen: Daß ich in die <a href="#corr-0"><span class="underline">Menschen</span></a> dringe, ...<br />
-</li>
-</ul>
-</div>
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Der unendliche Mensch, by Arthur Drey
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER UNENDLICHE MENSCH ***
-
-***** This file should be named 52191-h.htm or 52191-h.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/5/2/1/9/52191/
-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions will
-be renamed.
-
-Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
-law means that no one owns a United States copyright in these works,
-so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
-States without permission and without paying copyright
-royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
-of this license, apply to copying and distributing Project
-Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm
-concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
-and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive
-specific permission. If you do not charge anything for copies of this
-eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook
-for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
-performances and research. They may be modified and printed and given
-away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks
-not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the
-trademark license, especially commercial redistribution.
-
-START: FULL LICENSE
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
-To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full
-Project Gutenberg-tm License available with this file or online at
-www.gutenberg.org/license.
-
-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project
-Gutenberg-tm electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or
-destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your
-possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
-Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound
-by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
-person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
-1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
-agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
-electronic works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
-Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
-of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
-works in the collection are in the public domain in the United
-States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
-United States and you are located in the United States, we do not
-claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
-displaying or creating derivative works based on the work as long as
-all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
-that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
-free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
-works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
-Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
-comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
-same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
-you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
-in a constant state of change. If you are outside the United States,
-check the laws of your country in addition to the terms of this
-agreement before downloading, copying, displaying, performing,
-distributing or creating derivative works based on this work or any
-other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
-representations concerning the copyright status of any work in any
-country outside the United States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
-immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear
-prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work
-on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the
-phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed,
-performed, viewed, copied or distributed:
-
- This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
- most other parts of the world at no cost and with almost no
- restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
- under the terms of the Project Gutenberg License included with this
- eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the
- United States, you'll have to check the laws of the country where you
- are located before using this ebook.
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
-derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
-contain a notice indicating that it is posted with permission of the
-copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
-the United States without paying any fees or charges. If you are
-redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
-Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
-either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
-obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
-trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
-additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
-will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
-posted with the permission of the copyright holder found at the
-beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
-any word processing or hypertext form. However, if you provide access
-to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
-other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
-version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
-(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
-to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
-of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
-Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
-full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
-provided that
-
-* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
- to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
- agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
- within 60 days following each date on which you prepare (or are
- legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
- payments should be clearly marked as such and sent to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
- Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
- Literary Archive Foundation."
-
-* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or destroy all
- copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
- all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
- works.
-
-* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
- any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
- receipt of the work.
-
-* You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
-Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
-are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
-from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
-Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
-trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
-Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
-electronic works, and the medium on which they may be stored, may
-contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
-or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
-intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
-other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
-cannot be read by your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium
-with your written explanation. The person or entity that provided you
-with the defective work may elect to provide a replacement copy in
-lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
-or entity providing it to you may choose to give you a second
-opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
-the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
-without further opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
-OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
-LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of
-damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
-violates the law of the state applicable to this agreement, the
-agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
-limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
-unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
-remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
-accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
-production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
-electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
-including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
-the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
-or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
-additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
-Defect you cause.
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-
-
-
-</pre>
-
-</body>
-</html>
diff --git a/old/52191-h/images/cover-page.jpg b/old/52191-h/images/cover-page.jpg
deleted file mode 100644
index a01d11f..0000000
--- a/old/52191-h/images/cover-page.jpg
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/52191-h/images/logo.jpg b/old/52191-h/images/logo.jpg
deleted file mode 100644
index c02ac37..0000000
--- a/old/52191-h/images/logo.jpg
+++ /dev/null
Binary files differ