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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Vor Sonnenaufgang - Soziales Drama - -Author: Gerhart Hauptmann - -Release Date: June 2, 2016 [EBook #52218] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VOR SONNENAUFGANG *** - - - - -Produced by Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This -file was produced from images generously made available -by The Internet Archive. - - - - - - - - Vor Sonnenaufgang - - - Von Gerhart Hauptmann erschienen im gleichen Verlage: - - Vor Sonnenaufgang. Soziales Drama. 9. Auflage. - Das Friedensfest. Eine Familienkatastrophe. 4.-5. Auflage. - Einsame Menschen. Drama. 13.-14. Auflage. - De Waber. Schauspiel aus den 40er Jahren. 2. Auflage. - Originalausgabe. - Die Weber. Schauspiel aus den 40er Jahren. 27.-28. Auflage. - Übertragung. - College Crampton. Komödie. 5.-6. Auflage. - Bahnwärter Thiel. Der Apostel. Novellistische 5.-6. Auflage. - Studien. - Der Biberpelz. Eine Diebskomödie. 7.-8. Auflage. - Hannele. Eine Traumdichtung. Illustriert - (vergriffen). - Hanneles Himmelfahrt. Eine Traumdichtung. 9.-10. Auflage. - Florian Geyer. 5.-6. Auflage. - Die versunkene Glocke. Ein deutsches Märchendrama. 49.-52. Auflage. - Fuhrmann Henschel. Schauspiel. Originalausgabe. 13.-16. Auflage. - Fuhrmann Henschel. Schauspiel. Übertragung. 9.-12. Auflage. - Schluck und Jau. Spiel zu Scherz und Schimpf. 8.-10. Auflage. - Michael Kramer. Drama. 9.-10. Auflage. - - - - - Vor Sonnenaufgang - - - Soziales Drama - von - Gerhart Hauptmann - - Neunte Auflage - - Berlin, - S. Fischer, Verlag, - 1902 - - - - - Sowohl Aufführungs- als Nachdrucks- und Uebersetzungsrecht - vorbehalten. - - - Den Bühnen gegenüber Manuskript. - - - - - - - -Die Aufführung dieses Dramas fand am 20. Oktober statt in den Räumen des -Lessing-Theaters, veranstaltet vom Verein »Freie Bühne«. Ich benutze den -Anlaß der Herausgabe einer neuen Auflage, um aus vollem Herzen den -Leitern dieses Vereins insgesammt, in Sonderheit aber den Herren Otto -Brahm und Paul Schlenther zu danken. Möchte es die Zukunft erweisen, daß -sie sich, indem sie, kleinlichen Bedenken zum Trotz, einem aus reinen -Motiven heraus entstandenen Kunstwerk zum Leben verhalfen, um die -_deutsche_ Kunst verdient gemacht haben. - -Charlottenburg, den 26. Oktober 1889. - - Gerhart Hauptmann. - - - - - Handelnde Menschen. - - - Besetzung bei der ersten - Aufführung. - Krause, Bauerngutsbesitzer Hans Pagay. - Frau Krause, seine zweite Frau Louise v. Pöllnitz. - Helene, } Elsa Lehmann. - Martha, } Krause's Töchter erster Ehe *** - Hoffmann, Ingenieur, verheirathet mit Martha Gustav Kadelburg. - Wilhelm Kahl, Neffe der Frau Krause Carl Stallmann. - Frau Spiller, Gesellschafterin der Frau Krause Ida Stägemann. - Alfred Loth Theodor Brandt. - Dr. Schimmelpfennig Franz Guthery. - Beibst, Arbeitsmann auf Krause's Gut Paul Pauly. - Guste, } Sophie Berg. - Liese, } Mägde auf Krause's Gut Clara Hahn. - Marie, } Antonie Ziegler. - Baer, genannt Hopslabaer Ferdinand Meyer. - Eduard, Hoffmann's Diener Edmund Schmasow. - Miele, Hausmädchen bei Frau Krause Helene Schüle. - Die Kuschenfrau Marie Gundra. - Golisch, genannt Gosch. Kuhjunge Georg Baselt. - Ein Packetträger *** - - - - - Erster Akt. - - - Das Zimmer ist niedrig; der Fußboden mit guten Teppichen belegt. - Moderner Luxus auf bäuerische Dürftigkeit gepfropft. An der Wand - hinter dem Eßtisch ein Gemälde, darstellend einen vierspännigen - Frachtwagen, von einem Fuhrknecht in blauer Blouse geleitet. - - * * * * * - - Miele, eine robuste Bauernmagd mit rothem, etwas stumpfsinnigem - Gesicht; sie öffnet die Mittelthür und läßt Alfred Loth - eintreten. Loth ist mittelgroß, breitschultrig, untersetzt, in - seinen Bewegungen bestimmt, doch ein wenig ungelenk; er hat - blondes Haar, blaue Augen und ein dünnes, lichtblondes - Schnurrbärtchen, sein ganzes Gesicht ist knochig und hat einen - gleichmäßig ernsten Ausdruck. Er ist ordentlich, jedoch nichts - weniger als modern gekleidet. Sommerpaletot, Umhängetäschchen, - Stock. - -Miele. Bitte! Ich werde den Herrn Inschinnär glei ruffen. Wolln Sie nich -Platz nehmen?! - - Die Glasthür zum Wintergarten wird heftig aufgestoßen; ein - Bauernweib, im Gesicht blauroth vor Wuth, stürzt herein. Sie ist - nicht viel besser als eine Waschfrau gekleidet. Nackte, rothe - Arme, blauer Kattunrock und Mieder, rothes punktirtes Brusttuch. - Alter: Anfang 40, Gesicht hart, sinnlich, bösartig. Die ganze - Gestalt sonst gut conservirt. - -Frau Krause (schreit). Ihr Madel!! ... Richtig! ... Doas Loster vu -Froovulk! ... Naus! mir gahn nischt! ... (Halb zu Miele, halb zu Loth.) -A koan orbeita, a hoot Oarme. Naus! hier gibbt's nischt! - -Loth. Aber Frau ... Sie werden doch ... ich ... ich heiße Loth, bin ... -wünsche zu ... habe auch nicht die Ab.... - -Miele. A wull ock a Herr Inschinnär sprechen. - -Frau Krause. Beim Schwiegersuhne batteln: doas kenn' mer schunn. -- A -hoot au nischt, a hoot's au ock vu ins, nischt iis seine! (Die Thür -rechts wird aufgemacht. Hoffmann steckt den Kopf heraus.) - -Hoffmann. Schwiegermama! -- Ich muß doch bitten ... (Er tritt heraus, -wendet sich an Loth.) Was steht zu ... Alfred! Kerl! Wahrhaftig 'n Gott, -Du!? Das ist aber mal ... nein _das_ is doch mal 'n Gedanke! - - Hoffmann ist etwa dreiunddreißig alt, schlank, groß, hager. Er - kleidet sich nach der neuesten Mode, ist elegant frisirt, trägt - kostbare Ringe, Brillantknöpfe im Vorhemd und Berloques an der - Uhrkette. Kopfhaar und Schnurrbart schwarz, der letztere sehr - üppig, äußerst sorgfältig gepflegt. Gesicht spitz, vogelartig. - Ausdruck verschwommen, Augen schwarz, lebhaft, zuweilen unruhig. - -Loth. Ich bin nämlich ganz zufällig .... - -Hoffmann (aufgeregt). Etwas Lieberes ... nun aber zunächst leg ab! (Er -versucht ihm das Umhängetäschchen abzunehmen.) -- Etwas Lieberes und so -Unerwartetes hätte mir jetzt -- (er hat ihm Hut und Stock abgenommen und -legt beides auf einen Stuhl neben der Thür) -- hätte mir jetzt -entschieden nicht passiren können, -- (indem er zurückkommt) -- -_entschieden_ nicht. - -Loth (sich selbst das Täschchen abnehmend). Ich bin nämlich -- nur so -per Zufall auf Dich -- (er legt das Täschchen auf den Tisch im -Vordergrund). - -Hoffmann. Setz' Dich! Du mußt müde sein, setz' Dich -- bitte. Weißt De -noch? wenn Du mich besuchtest, da hatt'st Du so 'ne Manier, Dich lang -auf das Sopha hinfallen zu lassen, daß die Federn krachten; mitunter -sprangen sie nämlich auch. Also Du, höre! mach's wie damals. - - Frau Krause hat ein sehr erstauntes Gesicht gemacht und sich dann - zurückgezogen. Loth läßt sich auf einen der Sessel nieder, welche - rings um den Tisch im Vordergrunde stehen. - -Hoffmann. Trinkst Du was? Sag'! -- Bier? Wein? Cognac? Kaffee? Thee? Es -ist alles im Hause. - - Helene kommt lesend aus dem Wintergarten; ihre große, ein wenig - zu starke Gestalt, die Frisur ihres blonden, ganz ungewöhnlich - reichen Haares, ihr Gesichtsausdruck, ihre moderne Kleidung, ihre - Bewegungen, ihre ganze Erscheinung überhaupt verleugnen das - Bauernmädchen nicht ganz. - -Helene. Schwager, Du könntest ... (Sie entdeckt Loth und zieht sich -schnell zurück.) Ach! ich bitte um Verzeihung. (Ab.) - -Hoffmann. Bleib doch, bleib! - -Loth. Deine Frau? - -Hoffmann. Nein, ihre Schwester. Hörtest Du nicht, wie sie mich -betitelte? - -Loth. Nein. - -Hoffmann. Hübsch! Wie? -- Nu aber erklär' Dich! Kaffee? Thee? Grog? - -Loth. Danke, danke für alles. - -Hoffmann (präsentirt ihm Cigarren). Aber _das_ ist was für Dich -- -nicht?! ... Auch nicht?! - -Loth. Nein, danke. - -Hoffmann. Beneidenswerthe Bedürfnißlosigkeit! (Er raucht sich selbst -eine Cigarre an und spricht dabei.) Die A.. Asche, wollte sagen der ... -der Tabak ... ä! Rauch natürlich ... der Rauch belästigt Dich doch wohl -nicht? - -Loth. Nein. - -Hoffmann. Wenn ich _das_ nicht noch hätte ... ach Gott ja, das bischen -Leben! -- Nu aber thu mir den Gefallen, erzähle was. -- Zehn Jahre -- -bist übrigens kaum sehr verändert -- zehn Jahre, 'n ekliger Fetzen Zeit --- was macht Schn... Schnurz nannten wir ihn ja wohl? Fips, -- die ganze -heitere Blase von damals? Hast du den einen oder anderen im Auge -behalten? - -Loth. Sach mal, solltest Du das nicht wissen? - -Hoffmann. Was? - -Loth. Daß er sich erschossen hat. - -Hoffmann. Wer? -- hat sich wieder mal erschossen. - -Loth. Fips! Friedrich Hildebrandt. - -Hoffmann. I warum nich gar! - -Loth. Ja! er hat sich erschossen -- im Grunewald, an einer sehr schönen -Stelle der Havelseeufer. Ich war dort, man hat den Blick auf Spandau. - -Hoffmann. Hm! -- Hätt ihm das nicht zugetraut, war doch sonst keine -Heldennatur. - -Loth. Deswegen hat er sich eben erschossen. -- _Gewissenhaft_ war er, -sehr gewissenhaft. - -Hoffmann. Gewissenhaft? Woso? - -Loth. Nun, darum eben ... sonst hätte er sich wohl nicht erschossen. - -Hoffmann. Versteh nicht recht. - -Loth. Na, die Farbe seiner politischen Anschauungen kennst Du doch? - -Hoffmann. Ja, grün. - -Loth. Du kannst sie gern so nennen. Er war, dies wirst Du ihm wohl -lassen müssen, ein talentvoller Jung. -- Fünf Jahre hat er als -Stuccateur arbeiten müssen, andere fünf Jahre dann, so zu sagen, auf -eigene Faust durchgehungert und dazu kleine Statuetten modellirt. - -Hoffmann. Abstoßendes Zeug. Ich will von der Kunst erheitert sein .... -Nee! diese Sorte Kunst war durchaus nicht mein Geschmack. - -Loth. Meiner war es auch nicht, aber er hatte sich nun doch einmal drauf -versteift. Voriges Frühjahr schrieben sie da ein Denkmal aus; irgend ein -Duodezfürstchen, glaub ich, sollte verewigt werden. Fips hatte sich -betheiligt und gewonnen; kurz darauf schoß er sich todt. - -Hoffmann. Wo da die Gewissenhaftigkeit stecken soll, ist mir völlig -schleierhaft. -- Für so was habe ich nur eine Benennung: Spahn -- auch -Wurm -- Spleen -- so was. - -Loth. Das ist ja das allgemeine Urtheil. - -Hoffmann. Thut mir leid, kann aber nicht umhin mich ihm anzuschließen. - -Loth. Es ist ja für ihn auch ganz gleichgültig, was ... - -Hoffmann. Ach überhaupt, lassen wir das. Ich bedauere ihn im Grunde ganz -ebenso sehr wie Du, aber -- nun ist er doch einmal todt, der gute Kerl; --- erzähle mir lieber etwas von _Dir_, was Du getrieben hast, wie's Dir -ergangen ist. - -Loth. Es ist mir so ergangen, wie ich's erwarten mußte. -- Hast Du gar -nichts von mir gehört? -- durch die Zeitungen mein ich. - -Hoffmann (ein wenig befangen). Wüßte nicht. - -Loth. Nichts von der Leipziger Geschichte? - -Hoffmann. Ach so, _das_! -- Ja! -- Ich glaube .... nichts Genaues. - -Loth. Also, die Sache war folgende: - -Hoffmann (seine Hand auf Loth's Arm legend). Ehe Du anfängst: willst Du -denn _gar_ nichts zu Dir nehmen? - -Loth. Später vielleicht. - -Hoffmann. Auch nicht ein Gläschen Cognac? - -Loth. Nein. Das am allerwenigsten. - -Hoffmann. Nun, dann werde ich ein Gläschen .... Nichts besser für den -Magen. (Holt Flasche und zwei Gläschen vom Buffet, setzt alles auf den -Tisch vor Loth.) _Grand Champagne_, feinste Nummer; ich kann ihn -empfehlen. -- Möchtest Du nicht ....? - -Loth. Danke. - -Hoffmann (kippt das Gläschen in den Mund). Oah! -- na, nu bin ich ganz -Ohr. - -Loth. Kurz und gut: da bin ich eben sehr stark hineingefallen. - -Hoffmann. Mit zwei Jahren, glaub ich?! - -Loth. Ganz recht! Du scheinst es ja doch also zu wissen. Zwei Jahre -Gefängniß bekam ich, und nach dem haben sie mich noch von der -Universität relegirt. Damals war ich -- einundzwanzig. Nun! in diesen -zwei Gefängnißjahren habe ich mein erstes volkswirthschaftliches Buch -geschrieben. Daß es gerade ein Vergnügen gewesen, zu brummen, müßte ich -allerdings lügen. - -Hoffmann. Wie man doch einmal so sein konnte! Merkwürdig! So was hat man -sich nun allen Ernstes in den Kopf gesetzt. Baare Kindereien sind es -gewesen, kann mir nicht helfen, Du! -- nach Amerika auswandern 'n -Dutzend Gelbschnäbel wie wir! -- _wir_ und Musterstaat gründen! -Köstliche Vorstellung! - -Loth. Kindereien?! -- tjaa! In gewisser Beziehung sind es auch wirklich -Kindereien gewesen! Wir unterschätzten die Schwierigkeiten eines solchen -Unternehmens. - -Hoffmann. Und daß Du nun _wirk--lich hinaus_ gingst -- nach Amerika -- -all--len Ernstes mit leeren Händen .... Denk' doch mal an, was es heißt, -Grund und Boden für einen Musterstaat mit leeren Händen erwerben zu -wollen: das ist ja beinahe ver.... jedenfalls ist es einzig naiv. - -Loth. Ach, gerade mit dem Ergebniß meiner Amerikafahrt bin ich ganz -zufrieden. - -Hoffmann (laut auflachend). Kaltwasserkur, vorzügliche Resultate, wenn -Du es so meinst ... - -Loth. Kann sein, ich bin etwas abgekühlt worden; damit ist mir aber gar -nichts _Besonderes_ geschehen. Jeder Mensch macht seinen -Abkühlungsprozeß durch. Ich bin jedoch weit davon entfernt, den Werth -der .... nun, sagen wir hitzigen Zeit zu verkennen. Sie war auch gar -nicht so furchtbar naiv, wie Du sie hinstellst. - -Hoffmann. Na, ich weiß nicht?! - -Loth. Du brauchst nur an die Durchschnittskindereien unserer Tage -denken: das Couleurwesen auf den Universitäten, das Saufen, das Pauken. -Warum all der Lärm? Wie Fips zu sagen pflegte: um Hekuba! - -Um Hekuba drehte es sich bei uns doch wohl nicht; wir hatten die -allerhöchsten menschheitlichen Ziele im Auge. Und abgesehen davon, diese -naive Zeit hat bei mir gründlich mit Vorurtheilen aufgeräumt. Ich bin -mit der Scheinreligion und Scheinmoral und mit noch manchem Anderen .... - -Hoffmann. Das kann ich Dir ja auch ohne Weiteres zugeben. Wenn ich jetzt -doch immerhin ein vorurtheilsloser, aufgeklärter Mensch bin, dann -verdanke ich das, wie ich _gar nicht_ leugne, den Tagen unseres Umgangs. --- Natürlicherweise! -- Ich bin der letzte, das zu leugnen. -- Ich bin -überhaupt in _keiner_ Beziehung Unmensch. Nur muß man nicht mit dem -Kopfe durch die Wand rennen wollen. -- Man muß nicht die Uebel, an denen -die gegenwärtige Generation, leider Gottes, krankt, durch noch größere -verdrängen wollen; man muß -- alles ruhig seinen natürlichen Gang gehen -lassen. Was kommen soll, kommt! _Praktisch_, praktisch muß man -verfahren! Erinnere Dich! Ich habe das früher _gerade_ so betont, und -dieser Grundsatz hat sich bezahlt gemacht. -- Das _ist_ es ja eben. Ihr -alle -- Du mit eingerechnet -- Ihr verfahrt höchst _un_praktisch. - -Loth. Erklär' mir eben mal, wie Du das meinst. - -Hoffmann. _Ein_fach! Ihr nützt Eure Fähigkeiten nicht aus. Zum Beispiel -Du: 'n Kerl wie Du, mit Kenntnissen, Energie etc., was hätte Dir nicht -offen gestanden! Statt dessen, was machst Du? _Com--pro--mit--tirst -Dich_ von vornherein _der_--art ... na, Hand auf's Herz! hast Du das -nicht manchmal bereut? - -Loth. Ich konnte nicht gut bereuen, weil ich ohne Schuld verurtheilt -worden bin. - -Hoffmann. Kann ich ja nicht beurtheilen, weißt Du. - -Loth. Du wirst das gleich können, wenn ich Dir sage: die Anklageschrift -führte aus, ich hätte unseren Verein Vancouver-Island nur zum Zwecke -parteilicher Agitation ins Leben gerufen; dann sollte ich auch Geld zu -Parteizwecken gesammelt haben. Du weißt ja nun, daß es uns mit unseren -colonialen Bestrebungen Ernst war, und was das Geldsammeln anlangt, so -hast Du ja selbst gesagt, daß wir alle miteinander leere Hände hatten. -Die Anklage enthält also kein wahres Wort, und als Mitglied solltest Du -das doch ... - -Hoffmann. Na -- Mitglied war ich doch wohl eigentlich nicht so recht. -- -Uebrigens glaube ich Dir selbstredend. -- Die Richter sind halt immer -nur Menschen, muß man nehmen. -- Jedenfalls hättest Du, um praktisch zu -handeln, auch den _Schein_ meiden müssen. Ueberhaupt: ich habe mich in -der Folge manchmal baß gewundert über Dich: Redacteur der -Arbeiterkanzel, des obscursten aller Käseblättchen -- Reichstagscandidat -des süßen Pöbels! Und was hast Du nu davon? -- versteh mich nicht -falsch! Ich bin der letzte, der es an Mitleid mit dem armen Volke fehlen -läßt, aber _wenn_ etwas geschieht, dann mag es von oben her_ab_ -geschehen! Es muß sogar von oben herab geschehen, das Volk weiß nun mal -nicht, was ihm noth thut -- das »Von-unten-_herauf_,« siehst Du, _das_ -eben nenne ich das »Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-rennen.« - -Loth. Ich bin aus dem, was Du eben gesagt hast, nicht klug geworden. - -Hoffmann. Na, ich meine eben, sieh _mich_ an! Ich habe die Hände frei: -ich könnte nu schon anfangen was für die Ideale zu thun. -- Ich kann -wohl sagen, mein _praktisches_ Programm ist nahezu durchgeführt. Aber -Ihr ... immer mit leeren Händen, was wollt denn _Ihr machen_? - -Loth. Ja, wie man so hört: Du segelst stark auf Bleichröder zu. - -Hoffmann (geschmeichelt). Zu viel Ehre -- vorläufig noch. Wer sagt das? --- Man arbeitet eben seinen soliden Stiefel fort. Das belohnt sich -naturgemäß -- wer sagt das übrigens? - -Loth. Ich hörte darüber in Jauer zwei Herren am Nebentisch reden. - -Hoffmann. Ä! Du! -- Ich habe Feinde! -- Was sagten die denn übrigens? - -Loth. Nichts Besonderes. Durch sie erfuhr ich, daß Du Dich zur Zeit eben -hier auf das Gut Deiner Schwiegereltern zurückgezogen hast. - -Hoffmann. Was die Menschen nicht alles ausschnüffeln! Lieber Freund! Du -glaubst nicht, wie ein Mann in meiner Stellung auf Schritt und Tritt -beobachtet wird. Das ist auch so 'n Uebelstand des Reich.... -- Die -Sache ist nämlich die: ich erwarte der größeren Ruhe und gesünderen Luft -wegen die Niederkunft meiner Frau _hier_. - -Loth. Wie paßt denn das aber mit dem Arzt? Ein guter Arzt ist doch in -solchen Fällen von allergrößter Wichtigkeit. Und hier auf dem Dorfe .... - -Hoffmann. Das ist es eben: der Arzt hier ist ganz besonders tüchtig; -und, weißt Du, so viel habe ich bereits weg: Gewissenhaftigkeit geht -beim Arzt über Genie. - -Loth. Vielleicht ist sie eine Begleiterscheinung des Genies im Arzt. - -Hoffmann. Mein'twegen, jedenfalls _hat_ unser Arzt Gewissen. Er ist -nämlich auch so'n Stück Ideologe, halb und halb unser Schlag -- reussirt -schauderhaft unter Bergleuten und auch unter dem Bauernvolk. Man -vergöttert ihn geradezu. Zu Zeiten übrigens 'n recht unverdaulicher -Patron, 'n Mischmasch von Härte und Sentimentalität. Aber, wie gesagt, -Gewissenhaftigkeit weiß ich zu schätzen! -- Unbedingt! -- Eh ich's -vergesse .... es ist mir nämlich darum zu thun .... man muß immer -wissen, wessen man sich zu versehen hat .... Höre! .... sage mir doch -.... ich seh Dir's an, die Herren am Nebentische haben nichts Gutes über -mich gesprochen. -- Sag' mir doch, bitte, was sie gesprochen haben. - -Loth. Das sollte ich wohl nicht thun, denn ich will Dich nachher um -zweihundert Mark bitten, geradezu _bitten_, denn ich werde sie Dir wohl -kaum je wiedergeben können. - -Hoffmann (zieht ein Checbuch aus der Brusttasche, füllt einen Chec aus, -übergiebt ihn Loth). Bei irgend einer Reichsbankfiliale .... Es ist mir -'n Vergnügen .... - -Loth. Deine Fixigkeit übertrifft alle meine Erwartungen. -- Na! -- ich -nehm es dankbar an und Du weißt ja: übel angewandt ist es auch nicht. - -Hoffmann (mit Anflug von Pathos). Ein Arbeiter ist seines Lohnes werth! --- Doch jetzt, Loth, sei so gut, sag' mir, was die Herren am Nebentisch -.... - -Loth. Sie haben wohl Unsinn gesprochen. - -Hoffmann. Sag' mir's trotzdem, bitte! -- Es ist mir lediglich -interessant, _ledig--lich_ interessant -- - -Loth. Es war davon die Rede, daß Du hier einen anderen aus der Position -verdrängt hättest, -- einen Bauunternehmer Müller. - -Hoffmann. Na--tür--lich! _diese_ Geschichte! - -Loth. Ich glaube, der Mann sollte mit Deiner jetzigen Frau verlobt -gewesen sein. - -Hoffmann. War er auch. -- Und was weiter? - -Loth. Ich erzähle Dir alles, wie ich es hörte, weil ich annehme: es -kommt Dir darauf an, die Verleumdung möglichst getreu kennen zu lernen. - -Hoffmann. Ganz recht! Also? - -Loth. So viel ich heraus hörte, soll dieser Müller den Bau einer Strecke -der hiesigen Gebirgsbahn übernommen haben. - -Hoffmann. Ja! Mit lumpigen zehntausend Thalern Vermögen. Als er einsah, -daß dieses Geld nicht zureichte, wollte er schnell eine Witzdorfer -Bauerntochter fischen; meine jetzige Frau sollte _diejenige_ sein, -_welche_. - -Loth. Er hätte es, sagten sie, mit der Tochter, Du mit dem Alten -gemacht. -- Dann hat er sich ja wohl erschossen?! -- Auch seine Strecke -hättest Du zu Ende gebaut und noch sehr viel Geld dabei verdient. - -Hoffmann. Darin ist einiges Wahre enthalten, doch -- ich könnte Dir eine -Verknüpfung der Thatsachen geben ... Wußten sie am Ende noch mehr -dergleichen erbauliche Dinge? - -Loth. Ganz besonders -- muß ich Dir sagen -- regten sie sich über -_etwas_ auf: sie rechneten sich vor, welch ein enormes Geschäft in -Kohlen Du jetzt machtest und nannten Dich einen .... na, schmeichelhaft -war es eben nicht für Dich. Kurz gesagt, sie erzählten, Du hättest die -hiesigen dummen Bauern beim Champagner überredet, einen Vertrag zu -unterzeichnen, in welchem Dir der alleinige Verschleiß aller in ihren -Gruben geförderten Kohle übertragen worden ist gegen eine Pachtsumme, -die fabelhaft gering sein sollte. - -Hoffmann (sichtlich peinlich berührt, steht auf). Ich will Dir was -sagen, Loth .... Ach, warum auch noch darin rühren? Ich schlage vor, wir -denken an's Abendbrod, mein Hunger ist mörderisch. Mörderischen Hunger -habe ich. (Er drückt auf den Knopf einer elektrischen Leitung, deren -Draht in Form einer grünen Schnur auf das Sopha herunter hängt; man hört -das Läuten einer elektrischen Klingel.) - -Loth. Nun, wenn Du mich hier behalten willst -- dann sei so gut .... ich -möchte mich eben 'n bischen säubern. - -Hoffmann. Gleich sollst Du alles Nöthige .... (Eduard tritt ein, Diener -in Livree.) Eduard! führen Sie den Herrn in's Gastzimmer. - -Eduard. Sehr wohl, gnädiger Herr. - -Hoffmann (Loth die Hand drückend). In spätestens fünfzehn Minuten möchte -ich Dich bitten, zum Essen herunter zu kommen. - -Loth. Uebrig Zeit. Also Wiedersehen! - -Hoffmann. Wiedersehen! - - Eduard öffnet die Thür und läßt Loth vorangehen. Beide ab. - Hoffmann kratzt sich den Hinterkopf, blickt nachdenklich auf den - Fußboden, geht dann auf die Thür rechts zu, deren Klinke er - bereits gefaßt hat, als Helene, welche hastig durch die Glasthür - eingetreten ist, ihn anruft. - -Helene. Schwager! Wer war das? - -Hoffmann. Das war einer von meinen Gymnasialfreunden, der älteste sogar, -Alfred Loth. - -Helene (schnell). Ist er schon wieder fort? - -Hoffmann. Nein! Er wird mit uns zu Abend essen. -- Womöglich .... ja, -womöglich auch hier übernachten. - -Helene. Oh Jeses! Da komme ich nicht zum Abendessen. - -Hoffmann. Aber Helene! - -Helene. Was brauche ich auch unter gebildete Menschen zu kommen! Ich -will nur ruhig weiter verbauern. - -Hoffmann. Ach, immer diese Schrullen! Du wirst mir sogar den großen -Dienst erweisen und die Anordnungen für den Abendtisch treffen. Sei so -gut! -- Wir machen's 'n bischen feierlich. Ich vermuthe nämlich, er -führt irgend was im Schilde. - -Helene. Was meinst Du, im Schilde führen? - -Hoffmann. Maulwurfsarbeit -- wühlen, wühlen. -- Davon verstehst Du nun -freilich nichts. -- Kann mich übrigens täuschen, denn ich habe bis jetzt -vermieden auf diesen Gegenstand zu kommen. Jedenfalls mach alles recht -einladend. Auf diese Weise ist den Leuten noch am leichtesten ... -Champagner natürlich! Die Hummern von Hamburg sind angekommen? - -Helene. Ich glaube, sie sind heut früh angekommen. - -Hoffmann. Also, Hummern! (Es klopft sehr stark.) Herein! - -Postpacketträger. (Eine Kiste unter'm Arm, eintretend, spricht er in -singendem Tone.) Eine _Kis--te_. - -Helene. Von wo? - -Packetträger. _Ber--lin._ - -Hoffmann. Richtig. Es werden die Kindersachen von Hertzog sein. (Er -besieht das Packet und nimmt den Abschnitt.) Ja, ja, es sind die Sachen -von Hertzog. - -Helene. _Die--se_ Kiste voll? Du übertreibst. - -Hoffmann (lohnt den Packetträger ab). - -Packetträger (ebenso halb singend). Schö'n gn'n A--bend. (Ab.) - -Hoffmann. Wieso übertreiben? - -Helene. Nun, hiermit kann man doch wenigstens drei Kinder ausstatten. - -Hoffmann. Bist Du mit meiner Frau spazieren gegangen? - -Helene. Was soll ich machen, wenn sie immer gleich müde wird? - -Hoffmann. Ach was, immer gleich müde -- sie macht mich unglücklich! Ein -und eine halbe Stunde ... sie soll doch um Gottes Willen thun, was der -Arzt sagt. Zu was hat man denn den Arzt, wenn ... - -Helene. Dann greife Du ein, schaff' die Spillern fort! Was soll ich -gegen so 'n altes Weib machen, die ihr immer nach dem Munde geht! - -Hoffmann. Was denn? ... ich als Mann ... was soll ich als Mann? ... und -außerdem, Du kennst doch die Schwiegermama. - -Helene (bitter). Allerdings. - -Hoffmann. Wo ist sie denn jetzt? - -Helene. Die Spillern stutzt sie heraus, seit Herr Loth hier ist; sie -wird wahrscheinlich zum Abendbrod wieder ihr Rad schlagen. - -Hoffmann (schon wieder in eigenen Gedanken, macht einen Gang durch's -Zimmer; heftig). Es ist das letzte Mal, auf Ehre!, daß ich so etwas hier -in diesem Hause abwarte. Auf Ehre! - -Helene. Ja, Du hast es eben gut, Du kannst gehen, wohin Du willst. - -Hoffmann. Bei mir zu Hause wäre der unglückliche Rückfall in dies -schauderhafte Laster auch _sicher nicht_ vorgekommen. - -Helene. _Mich_ mache dafür nicht verantwortlich! Von _mir_ hat sie den -Branntwein nicht bekommen. Schaff' Du nur die Spillern fort. Ich sollte -bloß 'n Mann sein. - -Hoffmann (seufzend). Ach, wenn es nur erst wieder vorüber wär'! -- (In -der Thür rechts.) Also Schwägerin, Du thust mir den Gefallen: einen -recht appetitlichen Abendtisch! Ich erledige schnell noch eine -Kleinigkeit. - -Helene (drückt auf den Klingelknopf, Miele kommt). Miele, decken Sie den -Tisch! Eduard soll Sekt kalt stellen und vier Dutzend Austern öffnen. - -Miele (unterdrückt, batzig). Sie kinn'n 's 'm salber sagen, a nimmt -nischt oa vu mir, a meent immer: a wär ok beim Inschinnär gemit't. - -Helene. Dann schick ihn wenigstens rein. - - Miele ab. Helene tritt vor den Spiegel, ordnet dies und das an - ihrer Toilette; währenddeß tritt Eduard ein. - -Helene (immer noch vor dem Spiegel). Eduard, stellen Sie Sekt kalt und -öffnen Sie Austern! Herr Hoffmann hat es befohlen. - -Eduard. Sehr wohl, Fräulein. (Eduard ab. Gleich darauf klopft es an die -Mittelthür.) - -Helene (fährt zusammen). Großer Gott! -- (Zaghaft.) Herein! -- (lauter -und fester) -- herein! - -Loth (tritt ein ohne Verbeugung). Ach, um Verzeihung! -- ich wollte -nicht stören, -- mein Name ist Loth. - -Helene (verbeugt sich tanzstundenmäßig). - -Stimme Hoffmann's (durch die geschlossene Zimmerthür): Kinder! keine -Umstände! -- Ich komme gleich heraus. Loth! es ist meine Schwägerin -Helene Krause! Und Schwägerin! es ist mein Freund Alfred Loth! -Betrachtet Euch als vorgestellt. - -Helene. Nein, über Dich aber auch! - -Loth. Ich nehme es ihm nicht übel, Fräulein! Bin selbst, wie man mir -sehr oft gesagt hat, in Sachen des guten Tons ein halber Barbar. -- Aber -wenn ich Sie gestört habe, so ... - -Helene. Bitte, -- Sie haben mich gar nicht gestört, -- durchaus nicht. -(Befangenheitspause, hierauf:) Es ist ... es ist schön von Ihnen, daß -- -Sie meinen Schwager aufgesucht haben. Er beklagt sich immer von ... er -bedauert immer, von seinen Jugendfreunden so ganz vergessen zu sein. - -Loth. Ja, es hat sich zufällig so getroffen. -- Ich war immer in Berlin -und daherum -- wußte eigentlich nicht, wo Hoffmann steckte. Seit meiner -Breslauer Studienzeit war ich nicht mehr in Schlesien. - -Helene. Also nur so zufällig sind Sie auf ihn gestoßen? - -Loth. Nur ganz zufällig -- und zwar gerade an dem Ort, wo ich meine -Studien zu machen habe. - -Helene. Ach, Spaß! -- Witzdorf und Studien machen, nicht möglich! in -diesem armseligen Neste?! - -Loth. Armselig nennen Sie es? -- Aber es liegt doch hier ein ganz -außergewöhnlicher Reichthum. - -Helene. Ja doch! in der Hinsicht ... - -Loth. Ich habe nur immer gestaunt. Ich kann Sie versichern, solche -Bauernhöfe giebt es nirgendwo anders; da guckt ja der Ueberfluß wirklich -aus Thüren und Fenstern. - -Helene. Da haben Sie recht. In mehr als einem Stalle hier fressen Kühe -und Pferde aus marmornen Krippen und neusilbernen Raufen! Das hat die -Kohle gemacht, die unter unseren Feldern gemuthet worden ist, die hat -die armen Bauern im Handumdrehen steinreich gemacht. (Sie weist auf das -Bild an der Hinterwand.) Sehen Sie da -- mein Großvater war -Frachtfuhrmann. Das Gütchen gehörte ihm, aber der geringe Boden ernährte -ihn nicht, da mußte er Fuhren machen. -- Das dort ist er selbst in der -blauen Blouse -- man trug damals noch solche blaue Blousen. -- Auch mein -Vater als junger Mensch ist darin gegangen. -- Nein! -- so meinte ich es -nicht -- mit dem »armselig«; nur ist es so öde hier. So ... gar nichts -für den Geist giebt es. Zum Sterben langweilig ist es. - - Miele und Eduard ab- und zugehend decken den Tisch rechts im - Hintergrunde. - -Loth. Giebt es denn nicht zuweilen Bälle oder Kränzchen? - -Helene. Nicht mal das giebt es. Die Bauern _spielen_, _jagen_, _trinken_ -... was sieht man den ganzen Tag? (Sie ist vor das Fenster getreten und -weist mit der Hand hinaus.) Hauptsächlich solche Gestalten. - -Loth. Hm! Bergleute. - -Helene. _Welche_ gehen zur Grube, _welche_ kommen von der Grube: das -hört nicht auf. -- Wenigstens ich sehe _immer_ Bergleute. Denken Sie, -daß ich alleine auf die Straße mag? Höchstens auf die Felder, durch das -Hinterthor. Es ist ein _zu_ rohes Pack! -- Und wie sie einen immer -anglotzen, so schrecklich finster -- als ob man geradezu was verbrochen -hätte. - -Im Winter, wenn wir so manchmal Schlitten gefahren sind und sie kommen -dann in der Dunkelei in großen Trupps über die Berge, im Schneegestöber -und sie sollen ausweichen, da gehen sie vor den Pferden her und weichen -nicht aus. Da nehmen die Bauern manchmal den Peitschenstiel, anders -kommen sie nicht durch. Ach, und dann schimpfen sie hinterher. Hu! ich -habe mich manchmal so entsetzlich geängstigt. - -Loth. Und nun denken Sie an: gerade um dieser Menschen willen -- vor -denen Sie sich so sehr fürchten, bin ich hierher gekommen. - -Helene. Nein aber ... - -Loth. Ganz im Ernst, sie interessiren mich hier mehr als alles Andere. - -Helene. Niemand ausgenommen? - -Loth. Nein. - -Helene. Auch mein Schwager nicht ausgenommen? - -Loth. Nein! -- Das Interesse für diese Menschen ist ein ganz anderes, -- -höheres ... verzeihen Sie, Fräulein! Sie können das am Ende doch wohl -nicht verstehen. - -Helene. Wieso nicht? Ich verstehe Sie sehr gut, Sie ... (Sie läßt einen -Brief aus der Tasche gleiten, Loth bückt sich darnach.) Ach, lassen Sie -... es ist nicht wichtig, nur eine gleichgültige Pensionskorrespondenz. - -Loth. Sie sind in Pension gewesen? - -Helene. Ja, in Herrnhut. Sie müssen nicht denken, daß ich ... nein, -nein, ich verstehe Sie schon. - -Loth. Ich meine, die Arbeiter interessieren mich um ihrer selbst willen. - -Helene. Ja, freilich, -- es ist ja sehr interessant ... so ein Bergmann -... wenn man's so nehmen will ... Es giebt ja Gegenden, wo man gar keine -findet, aber wenn man sie so täglich ... - -Loth. Auch wenn man sie täglich sieht, Fräulein ... Man muß sie sogar -täglich sehen, um das Interessante an ihnen herauszufinden. - -Helene. Nun, wenn es _so schwer_ herauszufinden ... was ist es denn -dann? das Interessante mein ich. - -Loth. Es ist zum Beispiel interessant, daß diese Menschen, wie Sie -sagen, immer so gehässig oder finster blicken. - -Helene. Wieso meinen Sie, daß das besonders interessant ist? - -Loth. Weil es nicht das Gewöhnliche ist. Wir anderen pflegen doch nur -zeitweilig und keineswegs immer so zu blicken. - -Helene. Ja, weshalb _blicken_ sie denn nur immer so ... so gehässig, so -mürrisch? Es muß doch einen Grund haben. - -Loth. Ganz recht! und _den_ möchte ich gern herausfinden. - -Helene. Ach _Sie_ sind! Sie lügen mir was vor. Was hätten Sie denn -davon, wenn Sie das auch wüßten? - -Loth. Man könnte vielleicht Mittel finden, den Grund, warum diese Leute -immer so freudlos und gehässig sein müssen, wegzuräumen; -- man könnte -sie vielleicht glücklicher machen. - -Helene (ein wenig verwirrt). Ich muß Ihnen ehrlich sagen, daß ... aber -gerade jetzt verstehe ich Sie doch vielleicht ein ganz klein wenig. -- -Es ist mir nur ... nur so ganz _neu_, _so -- ganz_ -- neu! - -Hoffmann (durch die Thüre rechts eintretend. Er hat eine Anzahl Briefe -in der Hand). So! da bin ich wieder. -- Eduard! daß die Briefe noch vor -8 auf der Post sind. (Er händigt dem Diener die Briefe ein, der Diener -ab.) - -So, Kinder! jetzt können wir speisen. -- Unerlaubte Hitze hier! -September und solche Hitze! (Er hebt den Champagner aus dem Eiskübel.) -Veuve Cliquot: Eduard kennt meine stille Liebe. (Zu Loth gewendet.) Habt -ja furchtbar eifrig disputirt. (Tritt an den fertig gedeckten, mit -Delicatessen überladenen Abendtisch, reibt sich die Hände.) Na! das -sieht ja recht gut aus! (Mit einem verschmitzten Blick zu Loth hinüber.) -Meinst Du nicht auch? -- Uebrigens, Schwägerin! wir bekommen Besuch: -Kahl-Wilhelm. Er war auf dem Hof. - -Helene (macht eine ungezogene Geberde). - -Hoffmann. Aber Beste! Du thust fast, als ob ich ihn ... was kann denn -ich dafür? Hab ich ihn etwa _gerufen_? (Man hört schwere Schritte -draußen im Hausflur.) Ach! das Unheil schreitet schnelle. - - Kahl tritt ein, ohne vorher angeklopft zu haben. Er ist ein - vierundzwanzigjähriger, plumper Bauernbursch, dem man es ansieht, - daß er, so weit möglich, gern den feinen, noch mehr aber den - reichen Mann herausstecken möchte. Seine Gesichtszüge sind grob, - der Gesichtsausdruck vorwiegend dumm-pfiffig. Er ist bekleidet - mit einem grünen Jaquet, bunter Sammtweste, dunklen Beinkleidern - und Glanzlack-Schaftstiefeln. Als Kopfbedeckung dient ihm ein - grüner Jägerhut mit Spielhahnfeder. Das Jaquet hat - Hirschhornknöpfe, an der Uhrkette Hirschzähne etc. Stottert. - -Kahl. Gun'n Abend mi'nander! (Er erblickt Loth, wird sehr verlegen und -macht stillstehend eine ziemlich klägliche Figur.) - -Hoffmann (tritt zu ihm und reicht ihm die Hand aufmunternd). Guten -Abend, Herr Kahl! - -Helene (unfreundlich). Guten Abend. - -Kahl (geht mit schweren Schritten quer durch das ganze Zimmer auf Helene -zu und giebt ihr die Hand). 'n Abend och, Lene. - -Hoffmann (zu Loth). Ich stelle Dir hiermit Herrn Kahl vor, unseren -Nachbarssohn. - -Kahl (grinst und dreht den Hut. Verlegenheitsstille.) - -Hoffmann. Zu Tisch Kinder! Fehlt noch Jemand? Ach, die Schwiegermama. -Miele! bitten Sie Frau Krause zu Tische. - - Miele ab durch die Mittelthür. - -Miele (draußen im Hausflur schreiend): Frau!! -- Frau!! Assa kumma! Sie -sill'n assa kumma! - - Helene und Hoffmann blicken einander an und lachen verständnißinnig, - dann blicken sie vereint auf Loth. - -Hoffmann (zu Loth). Ländlich, sittlich! - - Frau Krause erscheint, furchtbar aufgedonnert. Seide und - kostbarer Schmuck. Haltung und Kleidung verrathen Hoffahrt, - Dummstolz, unsinnige Eitelkeit. - -Hoffmann. Ah! da ist Mama! -- Du gestattest, daß ich Dir meinen Freund -Dr. Loth vorstelle. - -Frau Krause (macht einen undefinirbaren Knix). Ich bin so frei! (Nach -einer kleinen Pause.) Nein, aber auch, Herr Doktor, nahmen Sie mir's ock -bei Leibe nicht ibel! Ich muß mich zuerscht muß ich mich vor Ihn'n -vertefentiren, -- (sie spricht je länger, um so schneller) -- -vertefentiren wegen meiner vorhinigten Benehmigung. Wissen Se, verstihn -Se, es komm' ein der Drehe bei uns eine so ane grußmächtige Menge -Stremer .... Se kinn's ni gleba, ma hoot mit dan Battelvulke seine liebe -Noth. A su enner, dar maust akrat wie a Ilster. Uf da Pfennig kimmt's -ins ne ernt oa, ne ock ne, ma braucht a ni dreimol rimzudrehn, an ken'n -Thoaler nich, ebb ma'n ausgibbt. De Krausa-Ludwig'n, _die_ iis geizig, -schlimmer wie a Homster egelganz, di ginnt ke'm Luder nischt. Ihrer is -gesturba aus Arjer, weil a lumpigte zwetausend ei Brassel verloern hoot. -Ne, ne! a su sein mir dorchaus nicht. Sahn Se, doas Buffett kust't mich -zwehundert Thoaler, a Transpurt ni gerechnet; na, d'r Beron Klinkow -keans au ne andersch honn. - - _Frau Spiller_ ist kurz nach Frau Krause ebenfalls eingetreten. - Sie ist klein, schief und mit den zurückgelegten Sachen der Frau - Krause herausgestutzt. Während Frau Krause spricht, hält sie mit - einer gewissen Andacht die Augen zu ihr aufgeschlagen. Sie ist - etwa fünfundfünfzig Jahre alt; ihr Ausathmen geschieht jedesmal - mit einem leisen Stöhnen, welches auch, wenn sie redet, - regelmäßig wie--m--hörbar wird. - -Frau Spiller (mit unterwürfigem, wehmüthig geziertem _moll_-Ton, sehr -leise). Der Baron Klinkow haben genau dasselbe Buffet--m--. - -Helene (zu Frau Krause). Mama! wollen wir uns nicht erst setzen, dann -..... - -Frau Krause (wendet sich blitzschnell und trifft Helene mit einem -vernichtenden Blick; kurz und herrisch). _Schickt sich doas?_ (Frau -Krause, im Begriff sich zu setzen, erinnert sich, daß das Tischgebet -noch nicht gesprochen ist und faltet mechanisch, doch ohne ihrer Bosheit -im Uebrigen Herr zu sein, die Hände.) - -Frau Spiller (spricht das Tischgebet). - - Komm, Herr Jesu, sei unser Gast. - Segne, was du uns bescheeret hast. - Amen. - - Alle setzen sich mit Geräusch. Mit dem Zulangen und Zureichen, - welches einige Zeit in Anspruch nimmt, kommt man über die - peinliche Situation hinweg. - -Hoffmann (zu Loth). Lieber Freund, Du bedienst Dich wohl?! Austern? - -Loth. Nun, will probiren. Es sind die ersten Austern, die ich esse. - -Frau Krause (hat soeben eine Auster geschlürft. Mit vollem Mund.) In dar -Seisong, mein'n Se woll? - -Loth. Ich meine _überhaupt_. - - Frau Krause und Frau Spiller wechseln Blicke. - -Hoffmann (zu Kahl, der eine Citrone mit den Zähnen auspreßt). Zwei Tage -nicht gesehen, Herr Kahl! Tüchtig Mäuse gejagt in der Zeit? - -Kahl. N... n.. ne! - -Hoffmann (zu Loth). Herr Kahl ist nämlich ein leidenschaftlicher Jäger. - -Kahl. D.. d. die M.. mm.. maus, das ist 'n in... in.. infamtes Am.. am.. -amf ff.. fibium. - -Helene (platzt heraus). Zu lächerlich ist das, alles schießt er todt, -Zahmes und Wildes. - -Kahl. N.. nächten hab ich d.. d.. die alte Szss.. sau vu ins t.. todt -g.. g.. geschossen. - -Loth. Da ist wohl schießen Ihre Hauptbeschäftigung? - -Frau Krause. Herr Kahl thut's ock bloßig zum Prifatvergnigen. - -Frau Spiller. Wald, Wild, Weib pflegten Seine Exellenz der Herr Minister -von Schadendorf oftmals zu sagen. - -Kahl. I.. i.. iberm.. m.. murne hab'n mer T.. t.. tau.. t.. -taubenschießen. - -Loth. Was ist denn das: Taubenschießen? - -Helene. Ach, ich kann so was nicht leiden; es ist doch nichts als eine -recht unbarmherzige Spielerei. Ungezogene Jungens, die mit Steinen nach -Fensterscheiben zielen, thun etwas Besseres. - -Hoffmann. Du gehst zu weit, Helene. - -Helene. Ich weiß nicht --, meinem Gefühl nach hat es weit mehr Sinn, -Fenster einzuschmeißen, als Tauben an einem Pfahl festzubinden und dann -mit Kugeln nach ihnen zu schießen. - -Hoffmann. Na, Helene, -- man muß doch aber bedenken .... - -Loth (irgend etwas mit Messer und Gabel schneidend). Es ist ein -schandhafter Unfug. - -Kahl. Um die p. poar Tauba ....! - -Frau Spiller (zu Loth). Der Herr Kahl -- m --, müssen Sie wissen, haben -zweihundert Stück im Schlage. - -Loth. Die ganze Jagd ist ein Unfug. - -Hoffmann. Aber ein unausrottbarer. Da werden zum Beispiel eben jetzt -wieder fünfhundert lebende Füchse gesucht; alle Förster hier herum und -auch sonst in Deutschland verlegen sich aufs Fuchsgraben. - -Loth. Was macht man denn mit den vielen Füchsen? - -Hoffmann. Sie kommen nach England, wo sie die Ehre haben, von Lord und -Ladys gleich vom Käfig weg zu Tode gehetzt zu werden. - -Loth. Muhamedaner oder Christ, Bestie bleibt Bestie. - -Hoffmann. Darf ich Dir Hummer reichen, Mama? - -Frau Krause. Meinswegen, ei dieser Seisong sind se sehr gutt! - -Frau Spiller. Gnädige Frau haben eine so feine Zunge -- m --! - -Frau Krause (zu Loth). Hummer ha'n Sie woll auch noch nich gegassen. -Herr Dukter? - -Loth. Ja, Hummer habe ich schon hin und wieder gegessen --, an der See -oben, in Warnemünde, wo ich geboren bin. - -Frau Krause (zu Kahl). Gell, Wilhelm, ma weeß wirklich'n Gott manchmal -nich mee, was ma assen sull? - -Kahl. J.. j.. ja, w.. w.. weeß ... weeß G.. Gott, Muhme. - -Eduard (will Loth Champagner eingießen). Champagner. - -Loth (hält sein Glas zu). Nein! ... danke! - -Hoffmann. -- Mach' keinen Unsinn. - -Helene. Wie, Sie trinken nicht? - -Loth. Nein, Fräulein. - -Hoffmann. Na, _hör'_ mal an: das ist aber doch ... das ist _lang_weilig. - -Loth. Wenn ich tränke, würde ich noch langweiliger werden. - -Helene. Das ist interessant, Herr Doktor. - -Loth (ohne Tact). Daß ich langweiliger werde, wenn ich Wein trinke? - -Helene (etwas betreten). Nein, ach nein, daß .... daß Sie nicht trinken -...., daß Sie überhaupt nicht trinken, meine ich. - -Loth. Warum soll das interessant sein? - -Helene (sehr roth werdend). Es ist .... ist nicht das Gewöhnliche. (Wird -noch röther und sehr verlegen.) - -Loth (tollpatschig). Da haben Sie recht, leider. - -Frau Krause (zu Loth). De Flasche kust uns fufza Mark, Sie kinn' a -dreiste trink'n. Direct vu Rheims iis a, mir satz'n Ihn gewiß nischt -Schlechtes vier, mir mieja salber nischt Schlechtes. - -Frau Spiller. Ach, glauben Sie mich, -- m --, Herr Doktor, wenn Seine -Exellenz der Herr Minister von Schadendorf -- m -- so eine Tafel geführt -hätten .... - -Kahl. Ohne men'n Wein kennt ich nich laben. - -Helene (zu Loth). Sagen Sie uns doch, warum Sie nicht trinken! - -Loth. Das kann gerne geschehen, ich .... - -Hoffmann. Ae, was! alter Freund! (Er nimmt dem Diener die Flasche ab, um -nun seinerseits Loth zu bedrängen.) Denk' dran, wie manche hochfidele -Stunde wir früher mit einander ... - -Loth. Nein, bitte bemühe Dich nicht, es ... - -Hoffmann. Trink _heut_ mal! - -Loth. Es ist alles vergebens. - -Hoffmann. Mir zu Liebe! - - Hoffmann will eingießen, Loth wehrt ab; es entsteht ein kleines - Handgemenge. - -Loth. Nein! ... nein, wie gesagt ... nein! ... nein, danke. - -Hoffmann. Aber _nimm_ mir's nicht übel ... das ist eine Marotte. - -Kahl (zu Fr. Spiller). Wer nich will, dar hat schunn. - -Frau Spiller (nickt ergeben). - -Hoffmann. Uebrigens, des Menschen Wille ... und so weiter. So viel sage -ich nur: ohne ein Glas Wein bei Tisch ... - -Loth. Ein Glas Bier zum Frühstück ... - -Hoffmann. Nun ja, warum nicht? Ein Glas Bier ist was sehr gesundes. - -Loth. Ein Cognac hie und da ... - -Hoffmann. Na, wenn man das nicht mal haben sollte ... zum Asceten machst -Du mich nun und nimmer. Das heißt ja dem Leben allen Reiz nehmen. - -Loth. Das kann ich nicht sagen. Ich bin mit den _normalen_ Reizen, die -mein Nervensystem treffen, durchaus zufrieden. - -Hoffmann. Eine Gesellschaft, die trockenen Gaumens beisammen hockt, ist -und bleibt eine verzweifelt öde und langweilige --, für die ich mich im -Allgemeinen bedanke. - -Frau Krause. Bei a Adlijen wird doch auch a so viel getrunk'n. - -Frau Spiller (durch eine Verbeugung des Oberkörpers ergebenst -bestätigend). Es ist Schentelmen leicht viel Wein zu trinken. - -Loth (zu Hoffmann). Mir geht es umgekehrt; mich _langweilt_ im -Allgemeinen eine Tafel, an der _viel_ getrunken wird. - -Hoffmann. Es muß natürlich mäßig geschehen. - -Loth. Was nennst Du mäßig? - -Hoffmann. Nun, ... daß man noch immer bei Besinnung bleibt. - -Loth. Aaah! ... also Du giebst zu: die Besinnung ist im Allgemeinen -durch den Alkohol-Genuß sehr gefährdet. -- Siehst Du! deshalb sind mir -Kneiptafeln -- langweilig. - -Hoffmann. Fürchtest Du denn, so leicht Deine Besinnung zu verlieren? - -Kahl. Iiii..... i.. ich habe n. n. neulich ene Flasche Rrr... r... rü.. -rüd.. desheimer, ene Flasche Sssssekt get.. t.. trunken. Oben drauf d.. -d.. d.. dann nnoch eine Flasche B.. b... bordeaux, aber besuffen woar -ich no n.. nich. - -Loth (zu Hoffmann). Ach nein, Du weißt ja wohl, daß ich es war, der Euch -nach Hause brachte, wenn Ihr Euch übernommen hattet. Ich hab immer noch -die alte Bärennatur: nein, _deshalb_ bin ich nicht so ängstlich. - -Hoffmann. Weshalb denn sonst? - -Helene. Ja, warum trinken Sie denn eigentlich nicht? Bitte, sagen Sie es -doch. - -Loth (zu Hoffmann). Damit Du doch beruhigt bist: ich trinke heut schon -deshalb nicht, weil ich mich ehrenwörtlich verpflichtet habe, geistige -Getränke zu meiden. - -Hoffmann. Mit anderen Worten, Du bist glücklich bis zum -Mäßigkeitsvereinshelden herabgesunken. - -Loth. Ich bin völliger Abstinent. - -Hoffmann. Und auf wie lange, wenn man fragen darf, machst Du diese .... - -Loth. Auf Lebenszeit. - -Hoffmann (wirft Gabel und Messer weg und fährt halb vom Stuhle auf). Pf! -gerechter Strohsack!! (Er setzt sich wieder.) Offen gesagt, für so -kindisch ... verzeih das harte Wort. - -Loth. Du kannst es gerne so benennen. - -Hoffmann. Wie in aller Welt bist Du nur _darauf gekommen_? - -Helene. Für so etwas müssen Sie einen sehr gewichtigen Grund haben -- -denke ich mir wenigstens. - -Loth. Der existirt allerdings. Sie, Fräulein! -- und Du, Hoffmann! weißt -wahrscheinlich nicht, welche furchtbare Rolle der Alkohol in unserem -modernen Leben spielt ... Lies _Bunge_, wenn Du Dir einen Begriff davon -machen willst. -- Mir ist noch gerade in Erinnerung, was ein gewisser -Everett über die Bedeutung des Alkohols für die Vereinigten Staaten -gesagt hat. -- Notabene, es bezieht sich auf einen Zeitraum von zehn -Jahren. Er meint also: der Alkohol hat direct eine Summe von 3 -Milliarden und indirect von 600 Millionen Dollars verschlungen. Er hat -300000 Menschen getödtet, 100000 Kinder in die Armenhäuser geschickt, -weitere Tausende in die Gefängnisse und Arbeitshäuser getrieben, er hat -mindestens 2000 Selbstmorde verursacht. Er hat den Verlust von -mindestens 10 Millionen Dollars durch Brand und gewaltsame Zerstörung -verursacht, er hat 20000 Wittwen und schließlich nicht weniger als 1 -Million Waisen geschaffen. Die Wirkung des Alkohols, das ist das -Schlimmste, äußert sich so zu sagen bis in's dritte und vierte Glied. -- -Hätte ich nun das ehrenwörtliche Versprechen abgelegt, nicht zu -heirathen, dann könnte ich schon eher trinken, so aber ... meine -Vorfahren sind alle gesunde, kernige und wie ich weiß, äußerst mäßige -Menschen gewesen. Jede Bewegung, die ich mache, jede Strapaze, die ich -überstehe, jeder Athemzug gleichsam führt mir zu Gemüth, was ich ihnen -verdanke. Und dies, siehst Du, ist der Punkt: _ich bin absolut fest -entschlossen die Erbschaft, die ich gemacht habe, ganz ungeschmälert auf -meine Nachkommen zu bringen_. - -Frau Krause. Du! -- Schwiegersuhn! -- inse Bargleute saufen woarhaftig -zu viel: doas muuß woar sein. - -Kahl. Die saufen wie d' Schweine. - -Helene. Ach, so was vererbt sich? - -Loth. Es giebt Familien, die daran zu Grunde gehen, Trinkerfamilien. - -Kahl (halb zu Frau Krause, halb zu Helene). Euer Aaler, dar treibt's au -a wing zu tull. - -Helene (weiß wie ein Tuch im Gesicht, heftig). Ach, schwatzen Sie keinen -Unsinn! - -Frau Krause. Ne, doch hier enner a su ein patziges Froovulk oa; a su ne -Prinzessen. Hängst de wieder a mol die Gnädige raus, wie? -- A su fährt -se a Zukinftigen oa. (Zu Loth, auf Kahl deutend.) 's is nämlich d'r -Zukinftige, missen Sie nahmen, Herr Dukter, 's is alles eim Renen. - -Helene (aufspringend). Hör auf! oder ... _hör auf_, Mutter! oder ... - -Frau Krause. Do hiert doch aber werklich ... na, do sprecha Se, Herr -Dukter, iis das wull Bildung, hä? Weeß Gott, ich hal' se wie mei egnes -Kind, aber die treib's reen zu tull. - -Hoffmann (beschwichtigend). Ach, Mama! thu mir doch den Gefallen .... - -Frau Krause. Neee! _groade_ -- iich sah doas nich ein -- a su ane Goans -wie die iis ... do hiert olle Gerechtigkeit uff ... su ane Titte! - -Hoffmann. Mama, ich muß Dich aber wirklich doch jetzt bitten, Dich ... - -Frau Krause (immer wüthender). Stats doaß doas Froovulk ei der -Wertschoft woas oagreft ... bewoare ne! Doa zeucht se an Flunsch biis -hinger beede Leffel. -- Oaber da Schillerich, oaber a Gethemoan, a sune -tummn Scheißkarle, die de nischt kinn'n als lieja: vu dan'e läßt sie -sich a Kupp verdrehn. Urnar zum Kränke krieja iis doas. (Schweigt bebend -vor Wuth.) - -Hoffmann (begütigend). Nun -- sie wird ja nun wieder .... es war ja -vielleicht -- nicht ganz recht ... es ... (Giebt Helenen, die in -Erregung abseits getreten ist, einen Wink, auf den hin sich das Mädchen, -die Thränen gewaltsam zurückhaltend, wieder auf seinen Platz begiebt.) - -Hoffmann (das nunmehr eingetretene peinliche Schweigen unterbrechend zu -Loth). Ja .. von was sprachen wir doch? ... Richtig! -- vom biederen -Alkohol. (Er hebt sein Glas.) Nun, Mama: Frieden! -- Komm, stoßen wir -an, -- seien wir friedlich, -- machen wir dem Alkohol Ehre, indem wir -friedlich sind. (Frau Krause, wenn auch etwas widerwillig, stößt doch -mit ihm an. Hoffmann, zu Helene gewendet.) Was, Helene?! -- Dein Glas -ist leer? ... Ei der Tausend, Loth! Du hast Schule gemacht. - -Helene. Ach ... nein ... ich ... - -Frau Spiller. Mein gnädiges Fräulein, so etwas läßt tief .... - -Hoffmann. Aber Du warst doch sonst keine von den Zimperlichen. - -Helene (batzig). Ich hab eben heut keine Neigung zum Trinken, _einfach_! - -Hoffmann. Bitte, bitte, bitte _seeehr_ um Verzeihung ... Ja, von was -sprachen wir doch? - -Loth. Wir sprachen davon, daß es Trinkerfamilien gäbe. - -Hoffmann (aufs Neue betreten). Schon recht, schon recht, aber ... - - Man bemerkt zunehmenden Aerger in dem Benehmen der Frau Krause, - während Herr Kahl sichtlich Mühe hat, das Lachen über etwas, das - ihn innerlich furchtbar zu amüsiren scheint, zurückzuhalten. - Helene beobachtet Kahl ihrerseits mit brennenden Augen und - bereits mehrmals hat sie durch einen drohenden Blick Kahl davon - zurückgehalten etwas auszusprechen, was ihm so zu sagen auf der - Zunge liegt. Loth, ziemlich gleichmüthig, mit Schälen eines - Apfels beschäftigt, bemerkt von alledem nichts. - -Loth. Ihr scheint übrigens hier ziemlich damit gesegnet zu sein. - -Hoffmann (nahezu fassungslos). Wieso ... mit ... mit was gesegnet? - -Loth. Mit Trinkern natürlicherweise. - -Hoffmann. Hm! ... meinst Du? ... ach ... jaja ..., allerdings, die -Bergleute ..... - -Loth. Nicht nur die Bergleute. Zum Beispiel hier in dem Wirthshaus, wo -ich abstieg, bevor ich zu Dir kam, da saß ein Kerl so: (Er stützt beide -Ellenbogen auf den Tisch, nimmt den Kopf in die Hände und stiert auf die -Tischplatte.) - -Hoffmann. Wirklich? (Seine Verlegenheit hat den höchsten Grad erreicht; -Frau Krause hustet, Helene starrt noch immer auf Kahl, welcher jetzt am -ganzen Körper vor innerlichem Lachen bebt, sich aber doch noch so weit -bändigt, nicht laut herauszuplatzen.) - -Loth. Es wundert mich, daß Du dieses -- Original -- könnte man beinahe -sagen, noch nicht kennst. Das Wirthshaus ist ja gleich hier nebenan das. -Mir wurde gesagt, es sei ein hiesiger steinreicher Bauer, der seine Tage -und Jahre buchstäblich in diesem selben Gastzimmer mit Schnapstrinken -zubrächte. Das reine Thier ist er natürlich. Diese furchtbar öden, -versoffenen Augen, mit denen er mich anstierte. - - Kahl, der bis hierher sich zurückgehalten hat, bricht in ein - rohes, lautes, unaufhaltsames Gelächter aus, so daß Loth und - Hoffmann, starr vor Staunen, ihn anblicken. - -Kahl (unter dem Lachen hervorstammelnd). Woahrhaftig! das is ja ... das -is ja woahrhaftig der ... der Alte gewesen. - -Helene (ist entsetzt und empört aufgesprungen. Zerknüllt die Serviette -und schleudert sie auf den Tisch. Bricht aus.) Sie sind ... -- (macht -die Bewegung des Ausspeiens) -- _pfui_! (Sie geht schnell ab.) - -Kahl (die aus dem Bewußtsein eine große Dummheit gemacht zu haben, -entstandene Verlegenheit gewaltsam abreißend). Ach woas! ... Unsinn! 's -iis ju zu tumm! -- Iich gieh menner Wege. (Er setzt seinen Hut auf und -sagt, indem er abgeht, ohne sich noch einmal umzuwenden:) 'n Obend! - -Frau Krause (ruft ihm nach). Koan Der'sch nich verdenken, Willem! (Sie -legt die Serviette zusammen und ruft dabei.) Miele! (Miele kommt.) Räum -ab! (Für sich, aber doch laut.) Su ane Gans. - -Hoffmann (etwas aufgebracht). Ich muß aber doch ehrlich sagen, Mama! .. - -Frau Krause. Mahr Dich aus. (Steht auf, schnell ab.) - -Frau Spiller. Die gnädige Frau -- m -- haben heut manches häusliche -Aergerniß gehabt -- m --. Ich empfehle mich ganz ergebenst. (Sie steht -auf und betet still, unter Augenaufschlag, dann ab.) - - Miele und Eduard decken den Tisch ab. Hoffmann ist aufgestanden - und kommt mit einem Zahnstocher im Mund nach dem Vordergrund, - Loth folgt ihm. - -Hoffmann. Ja, siehst Du, so sind die Weiber! - -Loth. Ich begreife gar nichts von alledem. - -Hoffmann. Ist auch nicht der Rede werth. -- So etwas kommt wie bekannt -in den allerfeinsten Familien vor. Das darf Dich nicht abhalten ein paar -Tage bei uns ... - -Loth. Hätte gern Deine Frau kennen gelernt, warum läßt sie sich denn -nicht blicken? - -Hoffmann (die Spitze einer frischen Cigarre abschneidend). Du begreifst, -in ihrem Zustand ... die Frauen lassen nun mal nicht von der Eitelkeit. -Komm! wollen uns draußen im Garten bischen ergehen. -- Eduard! den -Kaffee in die Laube. - -Eduard. Sehr wohl. - - Hoffmann und Loth ab durch den Wintergarten. Eduard ab durch die - Mittelthür, hierauf Miele, ein Brett voll Geschirr tragend, - ebenfalls ab durch die Mittelthür. Einige Augenblicke bleibt das - Zimmer leer, dann erscheint - -Helene (erregt, mit verweinten Augen, das Taschentuch vor den Mund -haltend. Von der Mittelthür, durch welche sie eingetreten ist, macht sie -hastig ein paar Schritte nach links und lauscht an der Thür von -Hoffmann's Zimmer.) Oh! nicht fort! (Da sie hier nichts vernimmt, fliegt -sie zur Thür des Wintergartens hinüber, wo sie ebenfalls mit gespanntem -Ausdruck einige Secunden lauscht. Bittend und mit gefalteten Händen -inbrünstig.) Oh! nicht fort, geh nicht fort! - - Der Vorhang fällt. - - - - - Zweiter Akt. - - - Morgens gegen vier Uhr. - - Im Wirthshaus sind die Fenster erleuchtet, ein grau-fahler - Morgenschein durch den Thorweg, der sich ganz allmählich im Laufe - des Vorgangs zu einer dunklen Röthe entwickelt, die sich dann, - eben so allmählich, in helles Tageslicht auflöst. Unter dem - Thorweg, auf der Erde sitzt _Beibst_ (etwa 60jährig) und dengelt - seine Sense. Wie der Vorhang aufgeht, sieht man kaum mehr als - seine Silhouette, die gegen den grauen Morgenhimmel absticht, - vernimmt aber das eintönige, ununterbrochene, regelmäßige - Aufschlagen des Dengelhammers auf den Dengelambos. Dieses - Geräusch bleibt während einiger Minuten allein hörbar, hierauf - die feierliche Morgenstille, unterbrochen durch das Geschrei aus - dem Wirthshaus abziehender Gäste. Die Wirthshausthür fliegt - krachend ins Schloß. Die Lichter in den Fenstern verlöschen. - Hundebellen fern, Hähne krähen laut durcheinander. Auf dem Gange - vom Wirthshaus her wird eine dunkle Gestalt bemerklich, dieselbe - bewegt sich in Zickzacklinien dem Hofe zu; es ist der Bauer - Krause, welcher wie immer als letzter Gast das Wirthshaus - verlassen hat. - -Bauer Krause (ist gegen den Gartenzaun getaumelt, klammert sich mit den -Händen daran fest und brüllt mit einer etwas näselnden, betrunkenen -Stimme nach dem Wirthshaus zurück). 's Gaartla iis _mei_--ne! ... d'r -Kratsch'm iis _mei_--ne ... du Gostwerthlops! Dohie hä! (Er macht sich, -nachdem er noch einiges Unverständliche gemurmelt und geknurrt hat, vom -Zaune los und stürzt in den Hof, wo er glücklich den Sterzen eines -Pfluges zu fassen bekommt.) 's 'Gittla iis _mei_--ne. (Er quasselt halb -singend.) Trink ... ei ... Briderla, trink ... ei ... 'iderla, -Branntw... wwein ... 'acht Kurasche. Dohie hä -- (laut brüllend) -- bien -iich nee a hibscher Moan? .... Hoa iich nee a hibsch Weibla dohie hä? -... Hoa iich nee a poar hibsche Madel? - -Helene (kommt hastig aus dem Hause. Man sieht, sie hat an Kleidern nur -umgenommen, soviel in aller Eile ihr möglich gewesen war.) Papa! ... -lieber Papa!! so komm doch schon. (Sie faßt ihn unterm Arm, versucht ihn -zu stützen und ins Haus zu ziehen.) K--omm doch ... nur ... schn--ell -in's Haus, komm doch n--ur schn--ell! Ach! - -Bauer Krause (hat sich aufgerichtet, versucht gerade zu stehen, bringt -mit einiger Mühe und unter Zuhilfenahme beider Hände einen ledernen, -strotzenden Geldbeutel aus der Tasche seiner Hose. In dem ein wenig -helleren Morgenlichte erkennt man die sehr schäbige Bekleidung des etwa -50jährigen Mannes, die um nichts besser ist, als die des allergeringsten -Landarbeiters. Er ist im bloßen Kopf, sein graues, spärliches Haar -ungekämmt und struppig. Das schmutzige Hemd steht bis auf den Nabel -herab weit offen; an einem einzigen gestickten Hosenträger hängt die -ehemals gelbe, jetzt schmutzig glänzende, an den Knöcheln zugebundene -Lederhose; die nackten Füße stecken in einem Paar gestickter -Schlafschuhe, deren Stickerei noch sehr neu zu sein scheint. Jacke und -Weste trägt der Bauer nicht, die Hemdärmel sind nicht zugeknöpft. -Nachdem er den Geldbeutel glücklich herausgebracht hat, setzt er ihn mit -der rechten mehrmals auf die Handfläche der linken Hand, so daß das Geld -darin laut klimpert und klingt, dabei fixirt er seine Tochter mit -lascivem Blicke.) Dohie hä! 's Gald iis _mei_--neee! hä? Mech'st a poar -Thoalerla? - -Helene. Ach, gr--oßer Gott! (Sie versucht mehrmals vergebens, ihn -mitzuziehen. Bei einem dieser Versuche umarmt er sie mit der Plumpheit -eines Gorillas und macht einige unzüchtige Griffe. Helene stößt -unterdrückte Hilfeschreie aus.) Gl--eich läßt Du l--os! Laß l--os! -bitte, Papa, ach! (Sie weint, schreit dann, plötzlich in äußerster -Angst, Abscheu und Wuth:) Thier, Schwein! - - Sie stößt ihn von sich. Der Bauer fällt langhin auf die Erde. - Beibst kommt von seinem Platz unter dem Thorweg herbeigehinkt. - Helene und Beibst machen sich daran, den Bauer aufzuheben. - -Bauer Krause (lallt). Tr--ink mei Bri'erla, tr-- ... - - Der Bauer wird aufgehoben und stürzt, Beibst und Helene mit sich - reißend, in das Haus. Einen Augenblick bleibt die Bühne leer. Im - Hause hört man Lärm, Thürenschlagen. In einem Fenster wird Licht, - hierauf kommt Beibst wieder aus dem Hause. Er reißt an seiner - Lederhose ein Schwefelholz an, um die kurze Pfeife, welche ihm - fast nie aus dem Munde kommt, damit in Brand zu stecken. Als er - damit noch beschäftigt ist, schleicht _Kahl_ aus der Hausthüre. - Er ist in Strümpfen, hat sein Jaquet über dem linken Arm hängen - und trägt mit der linken Hand seine Schlafschuhe. Mit der rechten - hält er seinen Hut, mit dem Munde seinen Hemdkragen. Etwa bis in - die Mitte des Hofes gelangt, wendet er sich und sieht das Gesicht - des Beibst auf sich gerichtet. Einen Augenblick scheint er - unschlüssig, dann bringt er Hut und Hemdkragen in der Linken - unter, greift in die Hosentasche und geht auf Beibst zu, dem er - etwas in die Hand drückt. - -Kahl. Do hot 'r an Thoaler .... oaber halt't Eure Gusche! (Er geht -eiligst über den Hof und steigt über den Staketenzaun rechts. Ab.) - - _Beibst_ hat mittels eines neuen Streichholzes seine Pfeife - angezündet, hinkt bis unter den Thorweg, läßt sich nieder und - nimmt seine Dengelarbeit von Neuem auf. Wieder eine Zeit lang - nichts als das eintönige Aufschlagen des Dengelhammers und das - Aechzen des alten Mannes, von kurzen Flüchen unterbrochen, wenn - ihm etwas bei seiner Arbeit nicht nach Wunsch geht. Es ist um ein - Beträchtliches heller geworden. - -Loth (tritt aus der Hausthür, steht still, dehnt sich, thut mehrere -tiefe Athemzüge). H! .. h! .. Morgenluft! (Er geht langsam nach dem -Hintergrunde zu bis unter den Thorweg. Zu Beibst.) Guten Morgen! Schon -so früh wach? - -Beibst (mißtrauisch aufschielend, unfreundlich). 'Murja! (Kleine Pause, -hierauf Beibst, ohne Loth's Anwesenheit weiter zu beachten, gleichsam im -Zwiegespräch mit seiner Sense, die er mehrmals aufgebracht hin und -herreißt.) Krummes Oos! na, werd's glei?! Ekch! Himmeldunnerschlag ja! -(Er dengelt weiter.) - -Loth (hat sich zwischen die Sterzen eines Exstirpators niedergelassen). -Es giebt wohl Heuernte heut? - -Beibst (grob). De Äsel gihn ei's Hä itzunder. - -Loth. Nun, Ihr dengelt doch aber die Sense ...? - -Beibst (zur Sense). Ekch! tumme Dare. - - Kleine Pause, hierauf. - -Loth. Wollt Ihr mir nicht sagen, wozu Ihr die Sense scharf macht, wenn -doch nicht Heuernte ist? - -Beibst. Na, -- braucht ma ernt keene Sahnse zum Futter macha? - -Loth. Ach so! Futter soll also geschnitten werden. - -Beibst. Woas d'n suste? - -Loth. Wird das alle Morgen geschnitten? - -Beibst. Na! -- sool's Viech derhingern? - -Loth. Ihr müßt schon 'n bischen Nachsicht mit mir haben! Ich bin eben -ein Städter; da kann man nicht alles so genau wissen von der -Landwirthschaft. - -Beibst. Die Staadter glee -- ekch! -- de Staadter, die wissa doo glee -oals besser wie de Mensche vum Lande, hä? - -Loth. Das trifft bei mir nicht zu. -- Könnt Ihr mir vielleicht nicht -erklären, was das für ein Instrument ist? Ich hab's wohl schon mal wo -gesehen, aber der Name ... - -Beibst. Doasjenigte, uf dan Se sitza?! Woas ma su soat Extrabater nennt -ma doas. - -Loth. Richtig, ein Exstirpator; wird der hier auch gebraucht? - -Beibst. Leeder Goott's, nee. -- A läßt a verludern ... a ganza Acker, -reen verludern läßt a'n, d'r Pauer. A Oarmes mecht a Flecka hoa'nn -- ei -insa Bärta wächst kee Getreide -- oaber nee, lieberscht läßt a'n -verludern! -- Nischt thit wachsa, ok blußig Seide und Quecka. - -Loth. Ja, die kriegt man schon damit heraus. Ich weiß, bei den Ikariern -hatte man auch solche Exstirpatoren, um das urbar gemachte Land vollends -zu reinigen. - -Beibst. Wu sein denn die I..., wie Se glei soa'n, I... - -Loth. Die Ikarier? In Amerika. - -Beibst. Doo gibbts an schunn a sune Dinger? - -Loth. Ja freilich. - -Beibst. Woas iis denn doas fer a Vulk: die I... I... - -Loth. Die Ikarier? -- Es ist gar kein besonderes Volk; es sind Leute aus -allen Nationen, die sich zusammen gethan haben; sie besitzen in Amerika -ein hübsches Stück Land, das sie gemeinsam bewirthschaften; alle Arbeit -und allen Verdienst theilen sie gleichmäßig. Keiner ist arm, es giebt -keine Armen unter ihnen. - -Beibst, (dessen Gesichtsausdruck ein wenig freundlicher geworden war, -nimmt bei den letzten Worten Loth's wieder das alte mißtrauisch -feindselige Gepräge an; ohne Loth weiter zu beachten, hat er sich -neuerdings wieder ganz seiner Arbeit zugewendet und zwar mit den -Eingangsworten): Oost vu enner Sahnse! - -Loth, (immer noch sitzend, betrachtet den Alten zuerst mit einem ruhigen -Lächeln und blickt dann hinaus in den erwachenden Morgen. Durch den -Thorweg erblickt man weitgedehnte Kleefelder und Wiesenflächen; -zwischendurch schlängelt sich ein Bach, dessen Lauf durch Erlen und -Weiden verrathen wird. Am Horizonte ein einzelner Bergkegel. Allerorten -haben die Lerchen eingesetzt, und ihr ununterbrochenes Getriller schallt -bald näher, bald ferner her bis in den Gutshof herein. Jetzt erhebt sich -Loth mit den Worten:) Man muß spazieren geh'n, der Morgen ist zu -prächtig. (Er geht durch den Thorweg hinaus. -- Man hört das Klappen von -Holzpantinen. Jemand kommt sehr schnell über die Bodentreppe des -Stallgebäudes herunter: es ist _Guste_.) - -Guste, (eine ziemlich dicke Magd: bloßes Mieder, nackte Arme und Waden, -die bloßen Füße in Holzpantinen. Sie trägt eine brennende Laterne.) Guda -Murja, Voater Beibst. - -Beibst (brummt). - -Guste (blickt, die Augen mit der Hand beschattend, durch das Thor Loth -nach). Woas iis denn doas fer enner? - -Beibst (verärgert). Dar koan Battelleute zum Noarr'n hoa'nn ... dar -leugt egelganz wie a Forr... vu dan luuß der de Hucke vuul liega. -(Beibst steht auf.) Macht enk de Roawer zerecht, Madel. - -Guste, (welche dabei war, ihre Waden am Brunnen abzuwaschen, ist damit -fertig und sagt, bevor sie im Innern des Kuhstalls verschwindet): Glei, -glei! Voater Beibst. - -Loth (kommt zurück, giebt Beibst Geld). Da ist 'ne Kleinigkeit. Geld -kann man immer brauchen. - -Beibst (aufthauend, wie umgewandelt, mit aufrichtiger Gemüthlichkeit). -Ju, ju! do ha'n Se au recht ... na da dank ich au vielmools. -- Se sein -wull d'r Besuch zum Schwiegersuhne? (Auf einmal sehr gesprächig.) Wissa -Se: wenn Se, und Se wull'n da naus gihn auf a Barch zu, wissa Se, do -haal'n Se siich links, wissa Se, zängst 'nunder links, rechts gibt's -Risse. Mei Suhn meente, 's käm do dervoone, meent' a, weil se zu -schlecht verzimmern thäten, meent' a, de Barchmoanne, 's soatzt zu wing -Luhn, meent' a, und do giht's ok a su: woas hust'de, woas koanst'de, ei -a Gruba, verstiehn Se. -- Sahn Se! -- doo! -- immer links, rechts gibt's -Lecher. Vurigtes Johr erscht iis a Putterweib, wie se ging und stoand -iis se ei's Ardreich versunka, iich wiß nee amool, _wie_ viel Kloaftern -tief. Kee Mensch wußte wuhie -- wie gesoa't, links, immer links, doo -gihn Se sicher. (Ein Schuß fällt, Beibst, wie electrisirt, hinkt einige -Schritt in's Freie.) - -Loth. Wer schießt denn da schon so frühe? - -Beibst. Na, war denn suste? -- d'r Junge, dar meschante Junge. - -Loth. Welcher Junge denn? - -Beibst. Na, Kahl-Willem -- d'r Nupperschsuhn ... Na woart ok blußig due! -Ich hoa's gesahn, a schißt meiner Gitte de Lärcha. - -Loth. Ihr hinkt ja. - -Beibst. Doaß 's Goot erbarm', ja. (Droht mit der Faust nach dem Felde.) -Na woart' Du! woart' Du! ... - -Loth. Was habt Ihr denn mit dem Bein gemacht? - -Beibst. Iich? - -Loth. Ja. - -Beibst. 's iis a su 'nei kumma. - -Loth. Habt Ihr Schmerzen? - -Beibst (nach dem Bein greifend). 'S zerrt a su, 's zerrt infamt. - -Loth. Habt Ihr keinen Arzt? - -Beibst. Wissa Se, -- de Dukter, doas sein Oaffa, enner wie d'r andere! --- Blußig inse Dukter, doas iis a ticht'er Moan. - -Loth. Hat er Ihnen was genützt? - -Beibst. Na -- verlecht a klee wing wull au oam Ende. A hoot mer'sch Been -geknet't: sahn Se, a su geknutscht und gehackt un ... oaber nee!! -derwegen nich! -- A iis ... na kurz un gutt, a hoot mit'n aarma Mensche -a Mitleed. -- A keeft'n de Med'zin und a verlangt nischt. A kimmt zu -jeder Zeet ... - -Loth. Sie müssen sich das doch aber irgendwo zugezogen haben?! Haben Sie -immer so gehinkt? - -Beibst. Nich die Oahnung! - -Loth. Dann verstehe ich nicht recht, es muß doch eine Ursache ... - -Beibst. Weeß iich's? (Er droht wieder mit der Faust.) Woart ok Due! -woart ok mit dem Geknackse. - -Kahl (erscheint innerhalb seines Gartens. Er trägt in der rechten eine -Flinte am Lauf, seine linke Hand ist geschlossen. Ruft herüber.) Guten -Morjen ooch, Herr Dukter! - - Loth geht quer durch den Hof auf ihn zu. Inzwischen hat Guste - sowie eine andere Magd mit Namen Liese je eine Radwer zurecht - gemacht, worauf Harke und Dunggabel liegen. Damit fahren sie - durch den Thorweg hinaus auf's Feld, an Beibst vorüber, der nach - einigen grimmigen Blicken und verstohlenen Zornesgesten zu Kahl - hinüber seine Sense schultert und ihnen nachhumpelt. Beibst und - die Mägde ab. - -Loth (zu Kahl). Guten Morgen! - -Kahl. Wull'n 'S amol was hibsches sah'n? (Er streckt den Arm mit der -geschlossenen Hand über den Zaun.) - -Loth (nähergehend). Was haben Sie denn da? - -Kahl. Rootha See! (Er öffnet gleich darauf seine Hand.) - -Loth. Waas?! -- es ist also wirklich wahr: Sie schießen Lerchen! Nun für -diesen Unfug, Sie nichtsnutziger Bursche, verdienten Sie geohrfeigt zu -werden, verstehen Sie mich! (Er kehrt ihm den Rücken zu und geht quer -durch den Hof zurück, Beibst und den Mädchen nach. Ab.) - -Kahl (starrt Loth einige Augenblicke dumm verblüfft nach, dann ballt er -die Faust verstohlen, sagt): Dukterluder! (wendet sich und verschwindet -rechts. -- Während einiger Augenblicke bleibt der Hof leer.) - - _Helene_, aus der Hausthür tretend, helles Sommerkleid, großer - Gartenhut. Sie blickt sich ringsum, thut dann einige Schritte auf - den Thorweg zu, steht still und späht hinaus. Hierauf schlendert - sie rechts durch den Hof und biegt in den Weg ein, welcher nach - dem Wirthshause führt. Große Packete von allerhand Thee hängen - zum Trocknen über dem Zaune: daran riecht sie im Vorübergehen. - Sie biegt auch Zweige von den Obstbäumen und betrachtet die sehr - niedrig hängenden, rothwangigen Aepfel. Als sie bemerkt, daß Loth - vom Wirthshaus her ihr entgegen kommt, bemächtigt sich ihrer eine - noch stärkere Unruhe, so daß sie sich schließlich umwendet und - vor Loth her in den Hof zurückgeht. Hier bemerkt sie, daß der - Taubenschlag noch geschlossen ist und begiebt sich dorthin durch - das kleine Zaunpförtchen des Obstgartens. Noch damit beschäftigt, - die Leine, welche, vom Winde getrieben, irgendwo festgehakt ist, - herunter zu ziehen, wird sie von Loth, der inzwischen - herangekommen ist angeredet. - -Loth. Guten Morgen, Fräulein! - -Helene. Guten Morgen! -- Der Wind hat die Schnur hinaufgejagt. - -Loth. Erlauben Sie! (Geht ebenfalls durch das Pförtchen, bringt die -Schnur herunter und zieht den Schlag auf. Die Tauben fliegen aus.) - -Helene. Ich danke sehr. - -Loth (ist durch das Pförtchen wieder herausgetreten, bleibt aber -außerhalb des Zaunes und an diesen gelehnt stehen. Helene innerhalb -desselben. Nach einer kleinen Pause.) Pflegen Sie immer so früh auf zu -sein, Fräulein? - -Helene. _Das_ eben -- wollte ich Sie auch fragen. - -Loth. Ich --? nein! Die erste Nacht in einem fremden Hause passirt es -mir jedoch gewöhnlich. - -Helene. Wie ... kommt das? - -Loth. Ich habe darüber noch nicht nachgedacht, es hat keinen Zweck. - -Helene. Ach, wieso denn nicht? - -Loth. Wenigstens keinen ersichtlichen, praktischen Zweck. - -Helene. Also wenn Sie irgend etwas thun oder denken, muß es einem -praktischen Zweck dienen? - -Loth. Ganz recht? Uebrigens ... - -Helene. Das hätte ich von Ihnen nicht gedacht. - -Loth. Was, Fräulein? - -Helene. Genau das meinte die Stiefmutter, als sie mir vorgestern den -Werther aus der Hand riß. - -Loth. Das ist ein dummes Buch. - -Helene. Sagen Sie das nicht. - -Loth. Das sage ich nochmal, Fräulein. Es ist ein Buch für Schwächlinge. - -Helene. _Das_ -- kann wohl möglich sein. - -Loth. Wie kommen Sie gerade auf _dieses_ Buch? Ist es Ihnen denn -verständlich? - -Helene. Ich hoffe, ich ... zum Theil ganz gewiß. Es beruhigt so, darin -zu lesen. (Nach einer Pause.) Wenn's ein dummes Buch ist, wie Sie sagen, -könnten Sie mir etwas Besseres empfehlen? - -Loth. Le... lesen Sie ... noa! ... kennen Sie den Kampf um Rom von Dahn? - -Helene. Nein! Das Buch werde ich mir aber nun kaufen. Dient es einem -praktischen Zweck? - -Loth. Einem vernünftigen Zweck überhaupt. Es malt die Menschen nicht wie -sie sind, sondern wie sie einmal werden sollen. Es wirkt vorbildlich. - -Helene (mit Ueberzeugung). _Das ist schön._ (Kleine Pause, dann.) -Vielleicht geben Sie mir Auskunft, man redet so viel von Zola und Ibsen -in den Zeitungen: sind das große Dichter? - -Loth. Es sind gar keine Dichter, sondern nothwendige Uebel, Fräulein. -Ich bin ehrlich durstig und verlange von der Dichtkunst einen klaren, -erfrischenden Trunk. -- Ich bin nicht krank. Was Zola und Ibsen bieten, -ist Medizin. - -Helene (gleichsam unwillkürlich). Ach, dann wäre es doch vielleicht für -mich etwas. - -Loth (bisher theilweise, jetzt ausschließlich in den Anblick des -thauigen Obstgartens vertieft). Es ist prächtig hier. Sehen Sie, wie die -Sonne über der Bergkuppe herauskommt. -- Viel Aepfel giebt es in Ihrem -Garten: eine schöne Ernte. - -Helene. Drei Viertel davon wird auch dies Jahr wieder gestohlen werden. -Die Armuth hier herum ist zu groß. - -Loth. Sie glauben gar nicht, wie sehr ich das Land liebe! Leider wächst -mein Weizen zum größten Theile in der Stadt. Aber nun will ich's mal -durchgenießen, das Landleben. Unsereiner hat so 'n bischen Sonne und -Frische mehr nöthig als sonst Jemand. - -Helene (seufzend). Mehr nöthig, als .... inwiefern? - -Loth. Weil man in einem harten Kampfe steht, dessen Ende man nicht -erleben kann. - -Helene. Stehen wir anderen _nicht_ in einem solchen Kampfe? - -Loth. Nein. - -Helene. Aber -- in einem Kampfe -- stehen wir doch auch?! - -Loth. Natürlicherweise! aber der kann enden. - -Helene. _Kann_ -- da haben Sie recht! -- und wieso kann der nicht -endigen -- der, den Sie kämpfen, Herr Loth? - -Loth. Ihr Kampf, das kann nur ein Kampf sein um persönliches -Wohlergehen. Der Einzelne kann dies, so weit menschenmöglich, erreichen. -Mein Kampf ist ein Kampf um das Glück aller; sollte ich glücklich sein, -so müßten es erst alle anderen Menschen um mich herum sein; ich müßte um -mich herum weder Krankheit noch Armuth, weder Knechtschaft noch -Gemeinheit sehen. Ich könnte mich so zu sagen nur als letzter an die -Tafel setzen. - -Helene (mit Ueberzeugung). _Dann sind Sie ja ein sehr, sehr guter -Mensch!_ - -Loth (ein wenig betreten). Verdienst ist weiter nicht dabei, Fräulein, -ich bin so veranlagt. Ich muß übrigens sagen, daß mir der Kampf im -Interesse des Fortschritts doch große Befriedigung gewährt. Eine Art -Glück, die ich weit höher anschlage, als die, mit der sich der gemeine -Egoist zufrieden giebt. - -Helene. Es giebt wohl nur sehr wenige Menschen, die so veranlagt sind. --- Es muß ein Glück sein, mit solcher Veranlagung geboren zu sein. - -Loth. Geboren wird man wohl auch nicht damit. Man kommt dazu durch die -Verkehrtheit unserer Verhältnisse, scheint mir; -- nur muß man für das -Verkehrte einen Sinn haben: _das_ ist es! Hat man den und leidet man so -bewußt unter den verkehrten Verhältnissen, dann wird man mit -Nothwendigkeit zu dem, was ich bin. - -Helene. Wenn ich Sie nur besser .... welche Verhältnisse nennen Sie zum -Beispiel verkehrt? - -Loth. Es ist zum Beispiel verkehrt, wenn der im Schweiße seines -Angesichts Arbeitende hungert und der Faule im Ueberflusse leben darf. --- Es ist verkehrt, den Mord im Frieden zu bestrafen und den Mord im -Krieg zu belohnen. Es ist verkehrt, den Henker zu verachten und selbst, -wie es die Soldaten thun, mit einem Menschenabschlachtungs-Instrument, -wie es der Degen oder der Säbel ist, an der Seite stolz herumzulaufen. -Den Henker, der das mit dem Beile thäte, würde man zweifelsohne -steinigen. Verkehrt ist es dann, die Religion Christi, diese Religion -der Duldung, Vergebung und Liebe, als Staatsreligion zu haben und dabei -ganze Völker zu vollendeten Menschenschlächtern heranzubilden. Dies sind -einige unter Millionen, müssen Sie bedenken. Es kostet Mühe, sich durch -alle diese Verkehrtheiten hindurchzuringen; man muß früh anfangen. - -Helene. Wie sind Sie denn nur so auf alles dies gekommen? Es ist so -einfach und doch kommt man nicht darauf. - -Loth. Ich mag wohl durch meinen Entwickelungsgang darauf gekommen sein, -durch Gespräche mit Freunden, durch Lecture, durch eigenes Denken. -Hinter die erste Verkehrtheit kam ich als kleiner Junge. Ich log mal -sehr stark und bekam dafür die schrecklichsten Prügel von meinem Vater. -Kurz darauf fuhr ich mit ihm auf der Eisenbahn, und da merkte ich, daß -mein Vater auch log und es für ganz selbstverständlich hielt, zu lügen; -ich war damals fünf Jahre und mein Vater sagte dem Schaffner, ich sei -noch nicht vier, der freien Fahrt halber, welche Kinder unter vier -Jahren genießen. Dann sagte der Lehrer auch mal: sei fleißig, halt Dich -brav, dann wird es Dir auch unfehlbar gut gehen im Leben. Der Mann -lehrte uns eine Verkehrtheit, dahinter kam ich sehr bald. Mein Vater war -brav, ehrlich, durch und durch bieder, und ein Schuft, der noch jetzt -als reicher Mann lebt, betrog ihn um seine paar Tausend Thaler. Bei eben -diesem Schuft, der eine große Seifenfabrik besaß, mußte mein Vater -sogar, durch die Noth getrieben, in Stellung treten. - -Helene. Unsereins wagt es gar nicht -- wagt es gar nicht, so etwas für -verkehrt anzusehen, höchstens ganz im Stillen empfindet man es. Man -empfindet es oft sogar, und dann -- wird einem ganz verzweifelt zu Muth. - -Loth. Ich erinnere mich einer Verkehrtheit, die mir ganz besonders klar -als solche vor Augen trat. Bis dahin glaubte ich: der Mord werde unter -allen Umständen als ein Verbrechen bestraft; danach wurde mir jedoch -klar, daß nur die milderen Formen des Mordes ungesetzlich sind. - -Helene. Wie wäre das wohl .... - -Loth. Mein Vater war Siedemeister, wir wohnten dicht an der Fabrik, -unsere Fenster gingen auf den Fabrikhof. Da sah ich auch noch manches -außerdem. Es war ein Arbeiter, der fünf Jahre in der Fabrik gearbeitet -hatte. Er fing an stark zu husten und abzumagern ... ich weiß, wie uns -mein Vater bei Tisch erzählte: Burmeister -- so hieß der Arbeiter -- -bekommt die Lungenschwindsucht, wenn er noch länger bei der -Seifenfabrikation bleibt. Der Doktor hat es ihm gesagt. -- Der Mann -hatte acht Kinder, und ausgemergelt wie er war, konnte er nirgends mehr -Arbeit finden. Er _mußte_ also in der Seifenfabrik bleiben, und der -Prinzipal that sich viel darauf zu gute, daß er ihn beibehielt. Er kam -sich unbedingt äußerst human vor. -- Eines Nachmittags, im August, es -war eine furchtbare Hitze, da quälte er sich mit einer Karre Kalk über -den Fabrikhof. -- Ich sah gerade aus dem Fenster, da merke ich, wie er -still steht -- wieder still steht und schließlich schlägt er lang auf -die Steine. -- Ich lief hinzu -- mein Vater kam, andere Arbeiter kamen, -aber er röchelte nur noch, und sein ganzer Mund war voll Blut. Ich half -ihn ins Haus tragen. Ein Haufe kalkiger, nach allerhand Chemikalien -stinkender Lumpen war er; bevor wir ihn im Hause hatten, war er schon -gestorben. - -Helene. Ach, schrecklich ist das. - -Loth. Kaum acht Tage später zogen wir seine Frau aus dem Fluß, in den -die verbrauchte Lauge unserer Fabrik abfloß. -- Ja, Fräulein! wenn man -dies alles kennt, wie ich es _jetzt_ kenne -- glauben Sie mir! -- dann -läßt es einem keine Ruhe mehr. Ein einfaches Stückchen Seife, bei dem -sich in der Welt sonst Niemand etwas denkt, ja, ein paar rein -gewaschene, gepflegte Hände schon können einen in die bitterste Laune -versetzen. - -Helene. Ich hab auch mal so was gesehen. Hu! schrecklich war das, -_schrecklich_! - -Loth. Was? - -Helene. Der Sohn von einem Arbeitsmann wurde halbtodt hier -hereingetragen. Es ist nun ... drei Jahre vielleicht ist es her. - -Loth. War er verunglückt? - -Helene. Ja, drüben im Bärenstollen. - -Loth. Ein Bergmann also? - -Helene. Ja, die meisten jungen Leute hier herum gehen auf die Grube. -- -Ein zweiter Sohn desselben Vaters war auch Schlepper und ist auch -verunglückt. - -Loth. Beide todt? - -Helene. Beide todt .... Einmal riß etwas an der Fahrkunst, das andere -Mal waren es schlagende Wetter. -- Der alte Beibst hat aber noch einen -dritten Sohn, der fährt auch seit Ostern ein. - -Loth. Was Sie sagen! -- hat er nichts dawider? - -Helene. Gar nichts, nein! Er ist nur jetzt noch weit mürrischer als -früher. Haben Sie ihn nicht schon gesehen? - -Loth. Wieso ich? - -Helene. Er saß ja heut früh nebenan, unter der Durchfahrt. - -Loth. Ach! -- wie? .. Er arbeitet hier im Hofe? - -Helene. Schon seit Jahren. - -Loth. Er hinkt? - -Helene. Ziemlich stark sogar. - -Loth. Soosoo. -- Was ist ihm denn da passirt, mit dem Bein? - -Helene. Das ist 'ne heikle Geschichte. Sie kennen doch den Herrn Kahl? -... da muß ich Ihnen aber ganz nahe kommen. Sein Vater, müssen Sie -wissen, war genau so ein Jagdnarr wie er. Er schoß hinter den -Handwerksburschen her, die auf den Hof kamen, wenn auch nur in die Luft, -um ihnen Schrecken einzujagen. Er war auch sehr jähzornig, wissen Sie; -wenn er getrunken hatte, erst recht. Nu hat wohl der Beibst mal -gemuckscht -- er muckscht gern, wissen Sie, -- und da hat der Bauer die -Flinte zu packen gekriegt und ihm eine Ladung gegeben. Beibst, wissen -Sie, war nämlich früher beim Nachbar Kahl für Kutscher. - -Loth. Frevel über Frevel, wohin man hört. - -Helene (immer unsicherer und erregter). Ich hab auch schon manchmal so -bei mir gedacht .... sie haben mir alle mitunter schon so furchtbar leid -gethan --: der alte Beibst und ..... Wenn die Bauern so roh und dumm -sind wie der -- wie der Streckmann, der -- läßt seine Knechte hungern -und füttert die Hunde mit Conditorzeug. Hier bin ich wie dumm, seit ich -aus der Pension zurück bin ... Ich hab auch mein Päckchen! -- aber ich -rede ja wohl Unsinn, -- es interessirt Sie ja gar nicht -- Sie lachen -mich im Stillen bloß aus. - -Loth. Aber Fräulein, wie können Sie nur .... weshalb sollte ich Sie denn -.... - -Helene. Nun, etwa nicht? Sie denken doch: die ist auch nicht besser wie -die Anderen hier. - -Loth. Ich denke von Niemand schlecht, Fräulein! - -Helene. Das machen Sie mir nicht weis .... nein, nein! - -Loth. Aber Fräulein! wann hatte ich Ihnen Veranlassung ... - -Helene (nahe am Weinen). Ach, reden Sie doch nicht! Sie verachten uns, -verlassen Sie sich d'rauf -- Sie müssen uns ja doch verachten, -- -(weinerlich) -- den Schwager mit, _mich_ mit. _Mich_ vor allen Dingen -und dazu, da -- zu haben Sie wahr... wahrhaftig auch Grund. (Sie wendet -Loth schnell den Rücken und geht, ihrer Bewegung nicht mehr Herr, durch -den Obstgarten nach dem Hintergrunde zu ab. Loth tritt durch das -Pförtchen und folgt ihr langsam.) - -Frau Krause (in überladener Morgentoilette, puterroth im Gesicht, aus -der Hausthür, schreit). Doas Loaster vu Froovulk! Marie! Ma--rie!! unter -men'n Dache? Weg muß doas Froovulk! (Sie rennt über den Hof und -verschwindet in der Stallthür. _Frau Spiller_, mit Häkelarbeit, -erscheint in der Hausthür. Im Stalle hört man Schimpfen und Heulen.) - -Frau Krause (die heulende Magd vor sich hertreibend, aus dem Stall). Du -Hurenfroovulk Du! -- (Die Magd heult stärker) -- uuf der Stelle 'naus! -Sich Deine sieba Sacha z'samma und dann 'naus! (Helene, mit rothen Augen -kommt durch den Thorweg, bemerkt die Scene und steht abwartend still.) - -Die Magd (entdeckt Frau Spiller, wirft Schemel und Milchgelte weg und -geht wüthend auf sie zu). Doas biin iich Ihn'n schuldig! Doas war iich -Ihn'n eitränka!! (Sie rennt schluchzend davon, die Bodentreppe hinauf. -Ab.) - -Helene (zu Frau Krause tretend). Was hat sie denn gemacht? - -Frau Krause (grob). Gieht's Diich oan, Goans? - -Helene (heftig, fast weinend). Ja, mich geht's an. - -Frau Spiller (schnell hinzutretend). Mein gnädiges Fräulein, so etwas -ist nicht für das Ohr eines jungen Mädchens wie ... - -Frau Krause. Worum ok ne goar, Spillern! die iis au ne vu Marzepane. -Mit'n Grußknecht zusoamma gelah'n hot se ei en Bette. Do wißt de's. - -Helene (in befehlendem Tone). Die Magd wird aber _doch_ bleiben. - -Frau Krause. Weibsstück! - -Helene. Gut! dann will ich dem Vater erzählen, daß Du mit Kahl Wilhelm -die Nächte ebenso verbringst. - -Frau Krause (schlägt ihr eine Maulschelle). Du hust' an' Denkzettel! - -Helene (todtbleich, aber noch fester). Die Magd bleibt aber _doch_, -sonst ... sonst bring ich's herum! Mit Kahl Wilhelm, Du! Dein Vetter ... -mein Bräut'jam ... Ich bring's herum. - -Frau Krause (mit wankender Fassung). Wer koan doas soa'n? - -Helene. Ich! Denn ich hab ihn heut Morgen aus Deinem Schlafzimmer ..... -(Schnell ab ins Haus.) - - Frau Krause, taumelnd, nahe einer Ohnmacht. Frau Spiller mit - Riechfläschchen zu ihr. - -Frau Spiller. Gnädige Frau, gnädige Frau! - -Frau Krause. Sp...illern, die Moa'd sss... sool dooblei'n. - - Der Vorhang fällt schnell. - - - - - Dritter Akt. - - - Zeit: wenige Minuten nach dem Vorfall zwischen Helene und ihrer - Stiefmutter im Hofe. Der Schauplatz ist der des ersten Vorgangs. - - _Dr. Schimmelpfennig_ sitzt, ein Recept schreibend, Schlapphut, - Zwirnhandschuhe und Stock vor sich auf der Tischplatte, an dem - Tisch links im Vordergrunde. Er ist von Gestalt klein und - gedrungen, hat schwarzes Wollhaar und einen ziemlich starken - Schnurrbart. Schwarzer Rock im Schnitt der Jägerschen - Normalröcke. Die Kleidung im Ganzen solid, aber nicht elegant. - Hat die Gewohnheit, fast ununterbrochen seinen Schnurrbart zu - streichen oder zu drehen, um so stärker, je erregter er innerlich - wird. Sein Gesichtsausdruck, wenn er mit Hoffmann redet, ist - gezwungen ruhig, ein Zug von Sarkasmus liegt um seine Mundwinkel. - Seine Bewegungen sind lebhaft, fest und eckig, durchaus - natürlich. Hoffmann, in seidenem Schlafrock und Pantoffeln, geht - umher. Der Tisch rechts im Hintergrunde ist zum Frühstück - hergerichtet. Feines Porzellan. Gebäck. Rumcaraffe etc. - -Hoffmann. Herr Doktor, sind Sie mit dem Aussehen meiner Frau zufrieden? - -Dr. Schimmelpfennig. Sie sieht ja ganz gut aus, warum nicht. - -Hoffmann. Denken Sie, daß alles gut vorüber gehen wird? - -Dr. Schimmelpfennig. Ich hoffe. - -Hoffmann (nach einer Pause, zögernd). Herr Doktor, ich habe mir -vorgenommen -- schon seit Wochen -- Sie, sobald ich hierher käme, in -einer ganz bestimmten Sache um Ihren Rath zu bitten. - -Dr. Schimmelpfennig, (der bis jetzt unter dem Schreiben geantwortet hat, -legt die Feder beiseite, steht auf und übergiebt Hoffmann das -geschriebene Recept). So! ... das lassen Sie wohl bald machen; -- (indem -er Hut, Handschuhe und Stock nimmt) -- über Kopfschmerz klagt Ihre Frau, --- (in seinen Hut blickend, geschäftsmäßig) -- ehe ich es vergesse: -suchen Sie doch Ihrer Frau begreiflich zu machen, daß sie für das -kommende Lebewesen einigermaßen verantwortlich ist. Ich habe ihr bereits -selbst einiges gesagt -- über die Folgen des Schnürens. - -Hoffmann. Ganz gewiß, Herr Doktor ... ich will ganz gewiß mein -Möglichstes thun, ihr ... - -Dr. Schimmelpfennig (sich ein wenig linkisch verbeugend). Empfehle mich. -(Geht, bleibt wieder stehen.) Ach so! ... Sie wollten ja meinen Rath -hören. (Er blickt Hoffmann kalt an.) - -Hoffmann. Ja, wenn Sie noch einen Augenblick Zeit hätten ... (Nicht ohne -Affectirtheit.) Sie kennen das entsetzliche Ende meines ersten Jungen. -Sie haben es ja ganz aus der Nähe gesehen. Wie weit _ich_ damals war, -wissen Sie ja wohl auch. -- Man glaubt es nicht, dennoch: die Zeit -mildert! ... Schließlich habe ich sogar noch Grund zur Dankbarkeit, mein -sehnlichster Wunsch soll, wie es scheint, erfüllt werden. Sie werden -begreifen, daß ich alles thun muß ... Es hat mich schlaflose Nächte -genug gekostet und doch weiß ich noch nicht, noch _immer_ nicht, wie ich -es anstellen soll, um das jetzt noch ungeborene Geschöpf vor dem -furchtbaren Schicksale seines Brüderchens zu bewahren. Und das ist es, -weshalb ich Sie ... - -Dr. Schimmelpfennig (trocken und geschäftsmäßig). Von seiner Mutter -trennen: Grundbedingung einer gedeihlichen Entwickelung. - -Hoffmann. Also doch?! -- Meinen Sie, völlig trennen? ... Soll es auch -nicht in demselben Hause mit ihr ...? - -Dr. Schimmelpfennig. Nein, wenn es Ihnen ernst ist um die Erhaltung -Ihres Kindes, dann nicht. Ihr Vermögen gestattet Ihnen ja in dieser -Beziehung die freieste Bewegung. - -Hoffmann. Gott sei Dank, ja! Ich habe auch schon in der Nähe von -Hirschberg eine Villa mit sehr großem Park angekauft. Nur wollte ich -auch meine Frau ... - -Dr. Schimmelpfennig (dreht seinen Bart und starrt auf die Erde. Unter -Nachdenken.) Kaufen Sie doch Ihrer Frau irgend wo anders eine Villa ... - -Hoffmann (zuckt die Achseln). - -Dr. Schimmelpfennig (wie vorher). Können Sie nicht -- Ihre Schwägerin -- -für die Aufgabe, dieses Kind zu erziehen, interessiren? - -Hoffmann. Wenn Sie wüßten, Herr Doktor, was für Hindernisse ... -außerdem: ein unerfahrenes, junges Ding ... Mutter ist doch Mutter. - -Dr. Schimmelpfennig. Sie wissen meine Meinung. Empfehle mich. - -Hoffmann (mit Ueberfreundlichkeit um ihn herum complimentirend). -Empfehle mich ebenfalls! Ich bin Ihnen äußerst dankbar ... - - Beide ab durch die Mittelthür. - - _Helene_, das Taschentuch vor den Mund gepreßt, schluchzend, - außer sich, kommt herein und läßt sich auf das Sopha links vorn - hinfallen. Nach einigen Augenblicken tritt Hoffmann, - Zeitungsblätter in den Händen haltend, abermals ein. - -Hoffmann. Was ist denn _das_ --? Sag' mal, Schwägerin! soll denn das -noch lange so fort gehen? -- Seit ich hier bin, vergeht nicht ein Tag, -an dem ich Dich nicht weinen sehe. - -Helene. Ach! -- was weißt Du!? -- Wenn Du überhaupt Sinn für so was -hätt'st, dann würd'st Du Dich vielmehr wundern, wenn ich mal nicht -weinte. - -Hoffmann. -- Das leuchtet mir nicht ein, Schwägerin! - -Helene. Mir um so mehr! - -Hoffmann. ... Es muß doch wieder was passirt sein, hör' mal! - -Helene (springt auf, stampft mit dem Fuße). Pfui! Pfui! ... und ich -mag's nicht mehr leiden ... Das hört auf! Ich lasse mir das nicht mehr -bieten! Ich sehe nicht ein warum ... ich ... (im Weinen erstickend). - -Hoffmann. Willst Du mir denn nicht wenigstens sagen, worum sich's -handelt, damit ... - -Helene (auf's Neue heftig ausbrechend). Alles ist mir egal! Schlimmer -kann's nicht kommen: -- einen Trunkenbold von Vater hat man, ein Thier --- vor dem die .... die eigene Tochter nicht sicher ist. -- Eine -ehebrecherische Stiefmutter, die mich an ihren Galan verkuppeln möchte -.. Dieses ganze Dasein überhaupt. -- Nein --! ich sehe nicht ein, wer -mich zwingen kann, durchaus schlecht zu werden. Ich gehe fort! Ich renne -fort -- und wenn Ihr mich nicht loslaßt, dann .... Strick, Messer, -Revolver! .... mir egal! -- ich will nicht auch zum Branntwein greifen -wie meine Schwester. - -Hoffmann (erschrocken, packt sie am Arm). Lene! .... Ich sag' Dir, -still! ... davon still! - -Helene. Mir egal! .... mir ganz egal! -- Man ist ... man muß sich -schämen bis in die Seele 'nein. -- Man möchte was wissen, was sein, was -sein können -- und was ist man nu? - -Hoffmann, (der ihren Arm noch nicht wieder losgelassen, fängt an, das -Mädchen allmählich nach dem Sopha hinzudrängen. Im Tone seiner Stimme -liegt nun plötzlich eine weichliche, übertriebene, gleichsam vibrirende -Milde.) _Lenchen_ --! Ich weiß ja recht gut, daß Du hier manches -auszustehen hast. Sei nur ruhig ...! Brauchst es mir gar nicht zu sagen. -(Er legt die Rechte liebkosend auf ihre Schulter, bringt sein Gesicht -nahe dem ihren.) Ich kann Dich gar nicht weinen sehen. Wahrhaftig! -- 's -thut mir weh. Sieh doch nur aber die Verhältnisse nicht schwärzer, als -sie sind --; und dann: -- hast Du vergessen, daß wir beide -- Du und ich --- so zu sagen in der gleichen Lage sind? -- Ich bin in diese -Bauernatmosphäre hinein gekommen .... passe ich hinein? Genau so wenig -wie Du hoffentlich. - -Helene (immer noch weinend). Hätte mein -- gutes -- M -- Muttelchen das -geahnt -- als sie .... als sie bestimmte -- daß ich in Herrnhut -- -erzogen .... erzogen werden sollte. Hätte sie -- mich lieber ... mich -lieber zu Hause gelassen, dann hätte ich ... hätte ich wenigstens -- -nichts Anderes kennen gelernt, wäre in dem Sumpf hier auf.... -aufgewachsen --. Aber so ... - -Hoffmann (hat Helene sanft auf das Sopha gezwungen und sitzt nun, eng an -sie gedrängt, neben ihr. Immer auffälliger verräth sich in seinen -Tröstungen das sinnliche Element.) Lenchen --! Sieh mich an, laß das gut -sein, tröste Dich mit mir. -- Ich brauch' Dir von Deiner Schwester nicht -zu sprechen. (Heiß und mit Innigkeit, indem er sie enger umschlingt.) -Ja, wäre sie wie _Du_ bist! ... So aber ... sag' selbst: was kann _sie_ -mir sein? -- Wo lebt ein Mann, Lenchen, ein gebildeter Mann, -- (leiser) --- dessen Frau von einer so unglückseligen Leidenschaft befallen ist? -- -Man darf es gar nicht laut sagen: eine Frau -- und -- Branntwein ... -Nun, sprich, bin ich glücklicher? .... Denk an mein Fritzchen! -- Nun? -... bin ich am Ende besser dran, wie? ... (Immer leidenschaftlicher.) -Siehst Du: so hat's das Schicksal schließlich noch gut gemeint. Es hat -uns zu einander gebracht. -- Wir gehören für einander! Wir sind zu -Freunden voraus bestimmt, mit unsren gleichen Leiden. Nicht, Lenchen? -(Er umschlingt sie ganz. Sie läßt es geschehen, aber mit einem Ausdruck, -der besagt, daß sie sich zum Dulden zwingt. Sie ist still geworden und -scheint mit zitternder Spannung etwas zu erwarten, irgend eine -Gewißheit, eine Erfüllung, die unfehlbar herankommt.) - -Hoffmann (zärtlich). Du solltest meinem Vorschlag folgen, solltest dies -Haus verlassen, bei uns wohnen. -- Das Kindchen, das kommt, braucht eine -Mutter. -- Komm! sei Du ihm das; -- (leidenschaftlich gerührt, -sentimental) -- sonst hat es eben keine Mutter. Und dann: -- bring ein -wenig, nur ein ganz, ganz klein wenig Licht in mein Leben. _Thuu's! -- -thu -- 's!_ (Er will seinen Kopf an ihre Brust lehnen. Sie springt auf, -empört. In ihren Mienen verräth sich Verachtung, Ueberraschung, Ekel, -Haß.) - -Helene. Schwager! Du bist, Du bist ... Jetzt kenn ich Dich durch und -durch. Bisher hab ich's nur so dunkel gefühlt. Jetzt weiß ich's ganz -gewiß. - -Hoffmann (überrascht, fassungslos). Was ...? Helene ... -- einzig, -wirklich. - -Helene. Jetzt weiß ich ganz gewiß, daß Du nicht um ein Haar besser bist -.... was denn! schlechter bist Du, der schlecht'ste von allen hier! - -Hoffmann (steht auf, mit angenommener Kälte). Dein Betragen heut ist -sehr eigenthümlich, weißt Du! - -Helene (tritt nahe zu ihm). Du gehst doch nur auf das eine Ziel los. -(Halblaut in sein Ohr.) Aber Du hast ganz andere Waffen als Vater und -Stiefmutter oder der ehrenfeste Herr Bräutigam, ganz andere. Gegen Dich -gehalten sind sie Lämmer, alle mit 'nander. Jetzt, jetzt auf einmal, -jetzt eben ist mir das sonnenklar geworden. - -Hoffmann (in erheuchelter Entrüstung). Lene! Du bist .... Du bist nicht -bei Trost, das ist ja heller Wahn.... (Er unterbricht sich, schlägt sich -vor den Kopf.) Gott, wie wird mir denn auf einmal, natürlich! ... Du -hast .... es ist freilich noch sehr früh am Tage, aber ich wette, Du -hast .... Helene, Du hast heut früh schon mit Alfred Loth geredet. - -Helene. Weshalb sollte ich denn nicht mit ihm geredet haben? Es ist ein -Mann, vor dem wir uns alle verstecken müßten vor Scham, wenn es mit -rechten Dingen zuginge. - -Hoffmann. Also wirklich! ... Ach sooo! .... na jaaa! .. allerdings ... -da darf ich mich weiter nicht wundern -- So, so, so, hat also die -Gelegenheit benützt, über seinen Wohlthäter 'n bischen herzuziehen. Man -sollte immer auf dergleichen gefaßt sein, freilich! - -Helene. Schwager! das ist nun geradezu _gemein_. - -Hoffmann. Finde ich beinah auch! - -Helene. Kein Sterbenswort, nicht ein Sterbenswort hat er gesagt über -Dich. - -Hoffmann (ohne darauf einzugehen). Wenn die Sachen _so_ liegen, dann ist -es geradezu meine Pflicht, ich sage, meine Pflicht, als Verwandter, -einem so unerfahrenen Mädchen gegenüber wie Du bist ..... - -Helene. Unerfahrenes Mädchen --? Wie Du mir vorkommst! - -Hoffmann (aufgebracht). Auf meine Verantwortung ist Loth hier in's Haus -gekommen. Nun mußt Du wissen: -- er ist -- gelinde gesprochen -- ein -höchst ge--fähr--licher Schwärmer, dieser Herr Loth. - -Helene. Daß Du das von Herrn Loth sagst, hat für mich so etwas -- -Verkehrtes -- etwas lächerlich Verkehrtes. - -Hoffmann. Ein Schwärmer, der die Gabe hat, nicht nur Weibern, sondern -auch _vernünftigen_ Leuten die Köpfe zu verwirren. - -Helene. Siehst Du: _wieder_ so eine Verkehrtheit! Mir ist es nach den -wenigen Worten, die ich mit Herrn Loth geredet habe, so wohlthuend klar -im Kopfe .... - -Hoffmann (im Tone eines Verweises). Was ich Dir sage, ist durchaus -nichts Verkehrtes. - -Helene. Man muß für das Verkehrte einen Sinn haben, und den hast Du eben -nicht. - -Hoffmann (wie vorher). Davon ist jetzt nicht die Rede. Ich erkläre Dir -nochmals, daß ich Dir nichts Verkehrtes sage, sondern etwas, was ich -Dich bitten muß, als thatsächlich wahr hinzunehmen .... Ich habe es an -mir erfahren: er benebelt einem den Kopf, und dann schwärmt man von -Völkerverbrüderung, von Freiheit und Gleichheit, setzt sich über Sitte -und Moral hinweg .... Wir wären damals um dieser Hirngespinste willen -- -weiß der Himmel -- über die Leichen unserer Eltern hinweggeschritten, um -zum Ziele zu gelangen. Und er, sage ich Dir, würde erforderlichen Falls -noch heute dasselbe thun. - -Helene. Wie viele Eltern mögen wohl alljährlich über die Leichen ihrer -Kinder schreiten, ohne daß Jemand .... - -Hoffmann (ihr in die Rede fallend). Das ist Unsinn! Da hört _alles_ auf! -... Ich sage Dir, nimm Dich vor ihm in Acht, in jeder .... ich sage ganz -ausdrücklich, in _jeder_ Beziehung. -- Von moralischen Skrupeln ist da -keine Spur. - -Helene. Ne, wie verkehrt dies nun wieder ist. Glaub' mir, Schwager, -fängt man erst mal an d'rauf zu achten .... es ist so schrecklich -interessant ..... - -Hoffmann. Sag' doch, was Du willst, gewarnt bist Du nun. Ich will Dir -nur noch ganz im Vertrauen mittheilen: ein Haar, und ich wäre damals -durch ihn und mit ihm greulich in die Tinte gerathen. - -Helene. Wenn dieser Mensch so gefährlich ist, warum freutest Du Dich -denn gestern so aufrichtig, als .... - -Hoffmann. Gott ja, er ist eben ein Jugendbekannter! Weißt Du denn, ob -nicht ganz bestimmte Gründe vorlagen .... - -Helene. Gründe? Wie denn? - -Hoffmann. Nur so. -- Käme er allerdings heut und wüßte ich, was ich -jetzt weiß -- - -Helene. Was weißt Du denn nur? Ich sagte Dir doch bereits, er hat kein -Sterbenswort über Dich verlauten lassen. - -Hoffmann. -- Verlaß Dich d'rauf! Ich hätte mir's zweimal überlegt und -mich wahrscheinlich sehr in Acht genommen, ihn hier zu behalten. Loth -ist und bleibt 'n Mensch, dessen Umgang compromittirt. Die Behörden -haben ihn im Auge. - -Helene. Ja, hat er denn ein Verbrechen begangen? - -Hoffmann. Sprechen wir lieber darüber nicht. Laß es Dir genug sein, -Schwägerin, wenn ich Dir die Versicherung gebe: mit Ansichten, wie er -sie hat, in der Welt umherzulaufen, ist heutzutage weit schlimmer und -vor allem gefährlicher als stehlen. - -Helene. Ich will's mir merken. -- Nun aber -- Schwager! hörst Du? Frag' -mich nicht -- wie ich nach Deinen Reden über Herrn Loth noch von _Dir_ -denke. -- Hörst Du? - -Hoffmann (cynisch kalt). Denkst Du denn wirklich, daß mir so ganz -besonders viel daran liegt das zu wissen? (Er drückt den Klingelknopf.) -Uebrigens höre ich ihn da eben hereinkommen. - - Loth tritt ein. - -Hoffmann. Nun --? gut geschlafen, alter Freund? - -Loth. Gut, aber nicht lange. Sag' doch mal: ich sah da vorhin Jemand aus -dem Haus kommen, einen Herrn. - -Hoffmann. Vermuthlich der Doktor, der soeben hier war. Ich erzählte Dir -ja ... dieser eigenthümliche Mischmasch von Härte und Sentimentalität. - - Helene verhandelt mit Eduard, der eben eingetreten ist. Er geht - ab und servirt kurz darauf Thee und Kaffee. - -Loth. Dieser Mischmasch, wie Du Dich ausdrückst, sah nämlich einem alten -Universitätsfreunde von mir furchtbar ähnlich -- ich hätte schwören -können, daß er es sei -- einem gewissen Schimmelpfennig. - -Hoffmann (sich am Frühstückstisch niederlassend). Nu ja, ganz recht: -Schimmelpfennig! - -Loth. Ganz recht? Was? - -Hoffmann. Er heißt in der That Schimmelpfennig. - -Loth. Wer? Der Doktor hier? - -Hoffmann. Du sagtest es doch eben. Ja, der Doktor. - -Loth. Dann .... das ist aber auch wirklich wunderlich! Unbedingt ist -er's dann. - -Hoffmann. Siehst Du wohl, schöne Seelen finden sich zu Wasser und zu -Lande. Du nimmst mir's nicht übel, wenn ich anfange; wir wollten uns -nämlich gerade zum Frühstück setzen. Bitte, nimm Platz! Du hast doch -wohl nicht schon irgendwo gefrühstückt? - -Loth. Nein! - -Hoffmann. Nun dann, also. (Er rückt, selbst sitzend, Loth einen Stuhl -zurecht. Hierauf zu Eduard, der mit Thee und Kaffee kommt.) Ae! wird .. -e .. meine Frau Schwiegermama nicht kommen? - -Eduard. Die gnädige Frau und Frau Spiller werden auf ihrem Zimmer -frühstücken. - -Hoffmann. Das ist aber doch noch nie .... - -Helene (das Service zurechtrückend). Laß nur! Es hat seinen Grund. - -Hoffmann. Ach so .. Loth! lang' zu .... ein Ei? Thee? - -Loth. Könnte ich vielleicht lieber ein Glas Milch bekommen? - -Hoffmann. Mit dem größten Vergnügen. - -Helene. Eduard! Miele soll frisch einmelken. - -Hoffmann (schält ein Ei ab). Milch -- brrr! mich schüttelt's. (Salz und -Pfeffer nehmend.) Sag' mal, Loth, was führt Dich eigentlich in unsre -Gegend? Ich hab' bisher ganz vergessen, Dich danach zu fragen. - -Loth (bestreicht eine Semmel mit Butter). Ich möchte die hiesigen -Verhältnisse studiren. - -Hoffmann (mit einem Aufblick). Bitte ...? ... was für Verhältnisse? - -Loth. Präcise gesprochen: ich will die Lage der hiesigen Bergleute -studiren. - -Hoffmann. Ach, die ist im Allgemeinen doch eine sehr gute. - -Loth. Glaubst Du? -- Das wäre ja übrigens recht schön .... Doch eh ich's -vergesse: Du mußt mir dabei einen Dienst leisten. Du kannst Dich um die -Volkswirthschaft sehr verdient machen, wenn .... - -Hoffmann. Ich? I! wieso ich? - -Loth. Nun, Du hast doch den Verschleiß der hiesigen Gruben? - -Hoffmann. Ja! und was dann? - -Loth. Dann wird es Dir auch ein Leichtes sein, mir die Erlaubniß zur -Besichtigung der Gruben auszuwirken. Das heißt: ich will mindestens vier -Wochen lang täglich einfahren, damit ich den Betrieb einigermaßen kennen -lerne. - -Hoffmann (leichthin). Was Du da unten zu sehen bekommst, willst Du dann -wohl schildern? - -Loth. Ja. Meine Arbeit soll vorzugsweise eine descriptive werden. - -Hoffmann. Das thut mir nun wirklich leid, mit der Sache habe ich gar -nichts zu thun. -- Du willst bloß über die Bergleute schreiben, wie? - -Loth. Aus dieser Frage hört man, daß Du kein Volkswirthschaftler bist. - -Hoffmann (in seinem Dünkel gekränkt). Bitte _sehr_ um Entschuldigung! Du -wirst mir wohl zutrauen ..... Warum? Ich sehe nicht ein, wieso man diese -Frage nicht thun kann? -- und schließlich: es wäre kein Wunder .... -Alles kann man nicht wissen. - -Loth. Na, beruhige Dich nur, die Sache ist einfach die: wenn ich die -Lage der hiesigen Bergarbeiter studiren will, so ist es unumgänglich, -auch alle die Verhältnisse, welche diese Lage bedingen, zu berühren. - -Hoffmann. In solchen Schriften wird mitunter schauderhaft übertrieben. - -Loth. Von diesem Fehler gedenke ich mich frei zu halten. - -Hoffmann. Das wird sehr löblich sein. (Er hat bereits mehrmals und jetzt -wiederum mit einem kurzen und prüfenden Blick Helenen gestreift, die mit -naiver Andacht an Loth's Lippen hängt, und fährt nun fort.) Doch .... es -ist urkomisch, wie einem so was ganz urplötzlich in den Sinn kommt. Wie -so was im Gehirn nur vor sich gehen mag? - -Loth. Was ist Dir denn auf einmal in den Sinn gekommen? - -Hoffmann. Es betrifft Dich. -- Ich dachte an Deine Ver..... nein, es ist -am Ende tactlos, in Gegenwart von einer jungen Dame von Deinen -Herzensgeheimnissen zu reden. - -Helene. Ja, dann will ich doch lieber .... - -Loth. Bitte sehr, Fräulein! .. _bleiben_ Sie ruhig, meinetwegen -wenigstens -- ich merke längst, worauf er hinaus will. Ist auch durchaus -nichts Gefährliches. (Zu Hoffmann.) Meine Verlobung, nicht wahr? - -Hoffmann. Wenn Du selbst darauf kommst, ja! -- Ich dachte in der That an -Deine Verlobung mit Anna Faber. - -Loth. Die ging auseinander -- naturgemäß -- als ich damals in's -Gefängniß mußte. - -Hoffmann. Das war aber nicht hübsch von Deiner ..... - -Loth. Es war jedenfalls ehrlich von ihr! Ihr Absagebrief enthielt ihr -wahres Gesicht; hätte sie mir dies Gesicht früher gezeigt, dann hätte -sie sich selbst und auch mir manches ersparen können. - -Hoffmann. Und seither hat Dein Herz nicht irgendwo festgehakt? - -Loth. Nein. - -Hoffmann. Natürlich! Nun: Büchse in's Korn geworfen -- heirathen -verschworen! verschworen wie den Alkohol! Was? Uebrigens _chacun à son -goût_. - -Loth. Mein Geschmack ist es eben nicht, aber vielleicht mein Schicksal. -Auch habe ich Dir, soviel ich weiß, bereits einmal gesagt, daß ich in -Bezug auf das Heirathen nichts verschworen habe; was ich fürchte, ist: -daß es keine Frau geben wird, die sich für mich eignet. - -Hoffmann. Ein großes Wort, Lothchen! - -Loth. Im Ernst! -- Mag sein, daß man mit den Jahren zu kritisch wird und -zu wenig gesunden Instinkt besitzt. Ich halte den Instinkt für die beste -Garantie einer geeigneten Wahl. - -Hoffmann (frivol). Der wird sich schon noch mal wiederfinden -- -(lachend) -- der Instinkt nämlich. - -Loth. -- Schließlich, was kann ich einer Frau bieten? Ich werde immer -mehr zweifelhaft, ob ich einer Frau zumuthen darf, mit dem kleinen -Theile meiner Persönlichkeit vorlieb zu nehmen, der nicht meiner -Lebensarbeit gehört -- dann fürchte ich mich auch vor der Sorge um die -Familie. - -Hoffmann. Wa... was? -- vor der Sorge um die Familie? Kerl! hast Du denn -nicht Kopf, Arme, he? - -Loth. Wie Du siehst. Aber ich sagte Dir ja schon, meine Arbeitskraft -gehört zum größten Theil meiner Lebensaufgabe und wird ihr immer zum -größten Theil gehören: sie ist also nicht mehr mein. Ich hätte außerdem -mit ganz besonderen Schwierigkeiten .... - -Hoffmann. Pst! klingelt da nicht Jemand? - -Loth. Du hältst das für Phrasengebimmel? - -Hoffmann. Ehrlich gesprochen, es klingt etwas hohl! Unser einer ist -schließlich auch kein Buschmann, trotzdem man verheirathet ist. Gewisse -Menschen geberden sich immer, als ob sie ein Privilegium auf alle in der -Welt zu vollbringenden guten Thaten hätten. - -Loth (heftig). Gar nicht! -- denk ich gar nicht d'ran! -- Wenn Du von -Deiner Lebensaufgabe nicht abgekommen wärst, so würde das an Deiner -glücklichen materiellen Lebenslage mitliegen. - -Hoffmann (mit Ironie). Dann wäre das wohl auch eine Deiner Forderungen. - -Loth. Wie? Forderungen? was? - -Hoffmann. Ich meine: Du würdest bei einer Heirath auf Geld sehen. - -Loth. Unbedingt. - -Hoffmann. Und dann giebt es -- wie ich Dich kenne -- noch eine lange -Zaspel anderer Forderungen. - -Loth. Sind vorhanden! Leibliche und geistige Gesundheit der Braut zum -Beispiel ist _conditio sine qua non_. - -Hoffmann (lachend). Vorzüglich! Dann wird ja wohl vorher eine ärztliche -Untersuchung der Braut nothwendig werden. -- Göttlicher Hecht! - -Loth (immer ernst). Ich stelle aber auch an mich Forderungen, mußt Du -nehmen. - -Hoffmann (immer heiterer). Ich weiß, weiß! ... wie Du mal die Literatur -über Liebe durchgingst, um auf das Gewissenhafteste festzustellen ob -das, was Du damals für irgend eine Dame empfandest, auch wirklich Liebe -sei. Also sag' doch mal noch einige Deiner Forderungen. - -Loth. Meine Frau müßte zum Beispiel entsagen können. - -Helene. -- Wenn ... wenn .... Ach! ich will lieber nicht reden ... ich -wollte nur sagen: die Frau ist doch im Allgemeinen an's Entsagen -gewöhnt. - -Loth. Um's Himmels willen! Sie verstehen mich durchaus falsch. So ist -das Entsagen nicht gemeint. Nur in sofern verlange ich Entsagung, oder -besser, nur auf den Theil meines Wesens, der meiner Lebensaufgabe -gehört, müßte sie freiwillig und mit Freuden verzichten. Nein, nein! im -Übrigen soll meine Frau fordern und immer fordern -- alles was ihr -Geschlecht im Laufe der Jahrtausende eingebüßt hat. - -Hoffmann. Au! au! au! ... Frauenemancipation! -- wirklich Deine -Schwenkung war bewunderungswürdig -- nun bist Du im rechten Fahrwasser. -Fritz Loth, oder der Agitator in der Westentasche! ... Wie würdest Du -denn hierin Deine Forderungen formuliren, oder besser: wie weit müßte -Deine Frau emancipirt sein? -- Es amüsirt mich wirklich Dich anzuhören --- Cigarren rauchen? Hosen tragen? - -Loth. Das nun weniger -- aber -- sie müßte allerdings über gewisse -gesellschaftliche Vorurtheile hinaus sein. Sie müßte zum Beispiel nicht -davor zurückschrecken zuerst -- falls sie nämlich wirklich Liebe zu mir -empfände -- das bewußte Bekenntniß abzulegen. - -Hoffmann (ist mit frühstücken zu Ende. Springt auf, in halb ernster, -halb komischer Entrüstung.) Weißt Du? das ... das ist ... eine geradezu -_unverschämte_ Forderung! mit der Du allerdings auch -- wie ich Dir -hiermit prophezeihe -- wenn Du nicht etwa vorziehst sie fallen zu -lassen, bis an Dein Lebensende herumlaufen wirst. - -Helene (mit schwer bewältigter, innerer Erregung). Ich bitte die Herren -mich jetzt zu entschuldigen -- die Wirthschaft ... Du weißt, Schwager: -Mama ist in der Stube und da ... - -Hoffmann. Laß Dich nicht abhalten. - - Helene verbeugt sich; ab. - -Hoffmann (mit dem Streichholzetui nach dem Cigarrenkistchen, das auf dem -Buffet steht, zuschreitend). Das muß wahr sein ... Du bringst einen in -Hitze, ... ordentlich unheimlich. (Nimmt eine Cigarre aus der Kiste und -läßt sich dann auf das Sopha links vorn nieder. Er schneidet die Spitze -der Cigarre ab und hält während des Folgenden die Cigarre in der linken, -das abgetrennte Spitzchen zwischen den Fingern der rechten Hand.) Bei -alledem ... es amüsirt doch. Und dann: Du glaubst nicht, wie wohl es -thut, so'n paar Tage auf dem Lande, abseit von den Geschäften, -zuzubringen. Wenn nur nicht heute dies verwünschte ... wie spät ist es -denn eigentlich? Ich muß nämlich leider Gottes heute zu einem Essen nach -der Stadt. -- Es war unumgänglich: dies Diner mußte ich geben. Was soll -man machen als Geschäftsmann? -- Eine Hand wäscht die andere. Die -Bergbeamten sind nun mal d'ran gewöhnt. -- Na! eine Cigarre kann man -noch rauchen -- in aller Gemüthsruhe. (Er trägt das Spitzchen nach dem -Spucknapf, läßt sich dann abermals auf das Sopha nieder und setzt seine -Cigarre in Brand.) - -Loth (am Tisch; blättert stehend in einem Prachtwerk). Die Abenteuer des -Grafen Sandor. - -Hoffmann. Diesen Unsinn findest Du hier bei den meisten Bauern -aufliegen. - -Loth (unter dem Blättern). Wie alt ist eigentlich Deine Schwägerin? - -Hoffmann. Im August einundzwanzig gewesen. - -Loth. Ist sie leidend? - -Hoffmann. Weiß nicht. - Glaube übrigens nicht -- macht sie Dir den -Eindruck? -- - -Loth. Sie sieht allerdings mehr verhärmt als krank aus. - -Hoffmann. Na ja! die Scheerereien mit der Stiefmutter ... - -Loth. Auch ziemlich reizbar scheint sie zu sein!? - -Hoffmann. Unter solchen Verhältnissen ...... Ich möchte den sehen, der -unter solchen Verhältnissen nicht reizbar werden würde ... - -Loth. Viel Energie scheint sie zu besitzen. - -Hoffmann. Eigensinn! - -Loth. Auch Gemüth, nicht? - -Hoffmann. Zu viel mitunter ....... - -Loth. Wenn die Verhältnisse hier so mißlich für sie sind -- warum lebt -Deine Schwägerin dann nicht in _Deiner_ Familie? - -Hoffmann. Frag' sie, warum! -- Oft genug hab ich ihr's angeboten. -Frauenzimmer haben eben ihre Schrullen. (Die Cigarre im Munde, zieht -Hoffmann ein Notizbuch und summirt einige Posten.) Du nimmst es mir doch -wohl nicht übel, wenn ich ... wenn ich Dich dann allein lassen muß? - -Loth. Nein, gar nicht. - -Hoffmann. Wie lange gedenkst Du denn noch ...? - -Loth. Ich werde mir bald nachher eine Wohnung suchen. Wo wohnt denn -eigentlich Schimmelpfennig? Am besten, ich gehe zu ihm. Der wird mir -gewiß etwas vermitteln können. Hoffentlich findet sich bald etwas -Geeignetes, sonst würde ich die nächste Nacht im Gasthaus nebenan -zubringen. - -Hoffmann. Wieso denn? Natürlich bleibst Du dann bis morgen bei uns. -Freilich, ich bin selbst nur Gast in diesem Hause -- sonst würde ich -Dich natürlich auffordern ... Du begreifst ...! - -Loth. Vollkommen! ... - -Hoffmann. Aber sag' doch mal -- sollte das wirklich Dein Ernst gewesen -sein ....? - -Loth. Daß ich die nächste Nacht im Gast....? - -Hoffmann. Unsinn! ... Bewahre! Was Du vorhin sagtest, meine ich. Die -Geschichte da -- mit Deiner vertrackten descriptiven Arbeit? - -Loth. Weshalb nicht? - -Hoffmann. Ich muß Dir gestehen, ich hielt es für Scherz. (Er erhebt -sich, vertraulich, halb und halb im Scherz.) Wie? Du solltest wirklich -fähig sein, hier ... gerade hier, wo ein Freund von Dir glücklich festen -Fuß gefaßt hat, den Boden zu unterwühlen? - -Loth. Mein Ehrenwort, Hoffmann! Ich hatte keine Ahnung davon, daß Du -Dich hier befändest. Hätte ich das gewußt .... - -Hoffmann (springt auf, hocherfreut). Schon gut! schon gut! Wenn die -Sachen _so_ liegen .... siehst Du, das freut mich _aufrichtig_, daß ich -mich nicht in Dir getäuscht habe. Also, Du weißt es nun, und -selbstredend erhältst Du die Kosten der Reise und alles, was drum und -dran baumelt, von mir vergütet. Ziere Dich nicht! Es ist einfach meine -Freundespflicht .... Daran erkenne ich meinen alten, biederen Loth! -Denke mal an: ich hatte Dich wirklich eine Zeit lang ernstlich im -Verdacht .... Aber nun muß ich Dir auch ehrlich sagen, so schlecht, wie -ich mich zuweilen hinstelle, bin ich keineswegs. Ich habe Dich immer -hochgeschätzt, Dich und Dein ehrliches, consequentes Streben. Ich bin -der letzte, der gewisse, -- leider, leider mehr als berechtigte -Ansprüche der ausgebeuteten, unterdrückten Massen nicht gelten läßt. -- -Ja, lächle nur, ich gehe sogar so weit zu bekennen, daß es im Reichstag -nur _eine_ Partei giebt, die Ideale hat: und das ist dieselbe, der Du -angehörst! .... Nur -- wie gesagt -- langsam! langsam! -- nichts -überstürzen. Es kommt alles, kommt alles, wie es kommen soll. Nur -Geduld! Geduld .... - -Loth. Geduld muß man allerdings haben. Deshalb ist man aber noch nicht -berechtigt, die Hände in den Schooß zu legen! - -Hoffmann. Ganz meine Ansicht! -- Ich hab' Dir überhaupt in Gedanken weit -öfter zugestimmt als mit Worten. Es ist 'ne Unsitte, ich geb's zu. Ich -hab' mir's angewöhnt, im Verkehr mit Leuten, die ich nicht gern in meine -Karten sehen lasse .... Auch in der Frauenfrage .... Du hast manches -sehr treffend geäußert. (Er ist inzwischen an's Telephon getreten, weckt -und spricht theils in's Telephon, theils zu Loth.) Die kleine Schwägerin -war übrigens ganz Ohr ... (In's Telephon.) Franz! In zehn Minuten muß -angespannt sein ... (Zu Loth.) Es hat ihr Eindruck gemacht ... (In's -Telephon.) Was? -- ach was, Unsinn! -- Na, da hört doch aber ..... Dann -schirren Sie schleunigst die Rappen an ..... (Zu Loth.) Warum sollte es -ihr keinen Eindruck machen? ... (In's Telephon.) Gerechter Strohsack, -zur Putzmacherin sagen Sie? Die gnädige Frau .... die gnä... Ja -- na -ja! aber sofort -- na ja! -- ja! -- schön! Schluß! (Nachdem er darauf -den Knopf der Hausklingel gedrückt, zu Loth.) Wart' nur ab, Du! Laß mich -nur erst den entsprechenden Monetenberg aufgeschichtet haben, vielleicht -geschieht dann etwas ... (Eduard ist eingetreten.) Eduard! Meine -Gamaschen, meinen Gehrock! (Eduard ab.) Vielleicht geschieht dann etwas, -was Ihr mir alle jetzt nicht zutraut .... Wenn Du in zwei oder drei -Tagen -- bis dahin wohnst Du unbedingt bei uns -- ich müßte es sonst als -eine grobe Beleidigung ansehen -- (er legt den Schlafrock ab) -- in zwei -bis drei Tagen also, wenn Du abzureisen gedenkst, bringe ich Dich mit -meiner Kutsche zur Bahn. - - Eduard mit Gehrock und Gamaschen tritt ein. - -Hoffmann (indem er sich den Rock überziehen läßt). So! (Auf einen Stuhl -niedersitzend.) Nun die Stiefel! (Nachdem er einen derselben angezogen.) -Das wäre einer! - -Loth. Du hast mich doch wohl nicht ganz verstanden. - -Hoffmann. Ach ja! das ist leicht möglich. Man ist so raus aus all den -Sachen. Nur immer lederne Geschäftsangelegenheiten. Eduard! ist denn -noch keine Post gekommen? Warten Sie mal! -- Gehen Sie doch mal in mein -Zimmer! Auf dem Pult links liegt ein Schriftstück mit blauem Deckel, -bringen Sie's raus in die Wagentasche. (Eduard ab in die Thür rechts, -dann zurück und ab durch die Mittelthür.) - -Loth. Ich meine ja nur: Du hast mich in _einer Beziehung_ nicht -verstanden. - -Hoffmann (sich immer noch mit dem zweiten Schuh herumquälend). Upsa! -.... So! (Er steht auf und tritt die Schuhe ein.) Da wären wir. Nichts -ist unangenehmer als enge Schuhe ..... Was meintest Du eben? - -Loth. Du sprachst von meiner Abreise ..... - -Hoffmann. Nun? - -Loth. Ich habe Dir doch bereits gesagt, daß ich um eines ganz bestimmten -Zweckes willen hier am Ort bleiben muß. - -Hoffmann (auf's Äußerste verblüfft und entrüstet zugleich). Hör' mal -....! Das ist aber beinahe _nichts_würdig! -- Weißt Du denn nicht, was -Du mir als Freund schuldest? - -Loth. Doch wohl nicht den Verrath meiner Sache!? - -Hoffmann (außer sich). Nun, dann ... dann habe ich auch nicht die -kleinste Veranlassung, Dir gegenüber als Freund zu verfahren. Ich sage -Dir also: daß ich Dein Auftreten hier -- gelinde gesprochen -- für -_fabelhaft_ dreist halte. - -Loth (sehr ruhig). Vielleicht erklärst Du mir, was Dich berechtigt, mich -mit dergleichen Epitheta ..... - -Hoffmann. Das soll ich Dir auch noch erklären? Da hört eben -_verschiedenes_ auf! Um so was nicht zu fühlen, muß man Rhinoceroshaut -auf dem Leibe haben! Du kommst hierher, genieß'st meine -Gastfreundschaft, drisch'st mir ein paar Schock Deiner abgegriffnen -Phrasen vor, verdrehst meiner Schwägerin den Kopf, schwatzest von alter -Freundschaft und so was gut's und dann erzählst Du ganz naiv: Du -wolltest eine descriptive Arbeit über hiesige Verhältnisse verfertigen. -Ja, für was _hältst_ Du mich denn eigentlich? Meinst Du vielleicht, ich -wüßte nicht, daß solche sogenannte Arbeiten nichts als schamlose -Pamphlete sind? ... Solch eine Schmähschrift willst Du schreiben und -zwar über unseren Kohlendistrict. Solltest Du denn wirklich nicht -begreifen, wen diese Schmähschrift am allerschärfsten schädigen müßte? -Doch nur _mich_! -- Ich sage: man sollte Euch das Handwerk noch -gründlicher legen, als es bisher geschehen ist, Volksverführer! die Ihr -seid! Was thut Ihr? Ihr macht den Bergmann unzufrieden, anspruchsvoll, -reizt ihn auf, erbittert ihn, macht ihn aufsässig, ungehorsam, -unglücklich, spiegelt ihm goldene Berge vor und grapscht ihm unter der -Hand seine _paar_ Hungerpfennige aus der Tasche. - -Loth. Erachtest Du Dich nun als demaskirt? - -Hoffmann (roh). Ach was! Du lächerlicher, gespreizter Tugendmeier! Was -mir das wohl ausmacht, vor Dir demaskirt zu sein! -- Arbeite lieber! Laß -Deine albernen Faseleien! -- Thu was! Komm zu was! Ich brauche Niemand -um zweihundert Mark anzupumpen. (Schnell ab durch die Mittelthür.) - - Loth sieht ihm einige Augenblicke ruhig nach, dann greift er, - nicht minder ruhig, in seine Brusttasche, zieht ein Portefeuille - und entnimmt ihm ein Stück Papier (den Chec Hoffmann's), das er - mehrmals durchreißt, um die Schnitzel dann langsam in den - Kohlenkasten fallen zu lassen. Hierauf nimmt er Hut und Stock und - wendet sich zum Gehen. Jetzt erscheint _Helene_ auf der Schwelle - des Wintergartens. - -Helene (leise). Herr Loth! - -Loth (zuckt zusammen, wendet sich). Ah! Sie sind es. -- Nun -- dann -- -kann ich _Ihnen_ doch wenigstens ein Lebewohl sagen. - -Helene (unwillkürlich). War Ihnen das Bedürfniß? - -Loth. Ja! -- es war mir Bedürfniß --! Vermuthlich -- wenn Sie da drin -gewesen sind -- haben Sie den Auftritt hier mit angehört -- und dann -..... - -Helene. Ich habe alles mit angehört. - -Loth. Nun -- dann -- wird es Sie nicht in Erstaunen setzen, wenn ich -dieses Haus so ohne Sang und Klang verlasse. - -Helene. N -- nein! -- ich begreife --! ..... Vielleicht kann's Sie -milder gegen ihn stimmen ... mein Schwager bereut immer sehr schnell. -Ich hab's oft ... - -Loth. Ganz möglich --! Vielleicht gerade deshalb aber ist das, was er -über mich sagte, seine wahre Meinung von mir. -- Es ist sogar unbedingt -seine wahre Meinung. - -Helene. Glauben Sie das im Ernst? - -Loth. Ja! -- im Ernst! Also .... (Er geht auf sie zu und giebt ihr die -Hand.) Leben Sie recht glücklich! (Er wendet sich und steht sogleich -wieder still.) Ich weiß nicht ....! oder besser: -- (Helenen klar und -ruhig ins Gesicht blickend) -- ich weiß, weiß erst seit ... seit diesem -Augenblick, daß es mir nicht ganz leicht ist, von hier fortzugehen .... -und .... ja ... und ... na ja! - -Helene. Wenn ich Sie aber -- recht schön bäte .... recht sehr ... noch -weiter hier zu bleiben --? - -Loth. Sie theilen also nicht die Meinung Ihres Schwagers? - -Helene. Nein! -- und das -- wollte ich Ihnen unbedingt ... unbedingt -noch sagen, bevor ... bevor -- Sie -- gingen. - -Loth (ergreift abermals ihre Hand). Das thut mir _wirklich_ wohl. - -Helene (mit sich kämpfend. In einer sich schnell bis zur Bewußtlosigkeit -steigernden Erregung. Mühsam hervorstammelnd.) Auch noch mehr w--ollte -ich Ihnen ... Ihnen sagen, nämlich ... näm--lich, daß -- ich Sie sehr -hoch--achte und -- verehre -- wie ich bis jetzt .... bis jetzt noch -- -keinen Mann ...., daß ich Ihnen -- vertraue, -- daß ich be--reit bin, -das ..... das zu beweisen -- daß ich -- etwas für -- Dich, Sie fühle ... -(Sinkt ohnmächtig in seine Arme.) - -Loth. Helene! - - Vorhang fällt schnell. - - - - - Vierter Akt. - - - Wie im zweiten Akt: der Gutshof. Zeit: eine Viertelstunde nach - Helenens Liebeserklärung. - - _Marie_ und _Golisch_, der Kuhjunge, schleppen sich mit einer - hölzernen Lade die Bodentreppe herunter. Loth kommt reisefertig - aus dem Hause und geht langsam und nachdenklich quer über den - Hof. Bevor er in den Wirthshaussteg einbiegt, stößt er auf - _Hoffmann_, der mit ziemlicher Eile durch den Hofeingang ihm - entgegenkommt. - -Hoffmann, (Cylinder, Glacéhandschuhe). Sei mir nicht böse. (Er verstellt -Loth den Weg und faßt seine beiden Hände.) Ich nehme hiermit alles -zurück! ... Nenne mir eine Genugthuung! ... Ich bin zu jeder Genugthuung -bereit! .... Ich bereue, bereue alles aufrichtig. - -Loth. Das hilft Dir und mir wenig. - -Hoffmann. Ach! -- wenn Du doch ... sieh mal ....! Mehr kann man doch -eigentlich nicht thun. Ich sage Dir: mein Gewissen hat mir keine Ruhe -gelassen! Dicht vor Jauer bin ich umgekehrt, .... daran solltest Du doch -schon erkennen, daß es mir Ernst ist. -- Wo wolltest Du hin ....? - -Loth. In's Wirthshaus -- einstweilen. - -Hoffmann. Ach, das darfst Du mir nicht anthun ...! Das thu mir nur nicht -an! Ich glaube ja, daß es Dich tief kränken mußte. 'S ist ja auch -vielleicht nicht so -- mit ein paar Worten wieder gut zu machen. Nur -nimm mir nicht jede Gelegenheit .... jede Möglichkeit, Dir zu beweisen -.... hörst Du? Kehr um! .... Bleib wenigstens bis ... bis morgen. Oder -bis ... bis ich zurückkomme. Ich muß mich noch einmal in Muße mit Dir -aussprechen darüber; -- das kannst Du mir nicht abschlagen. - -Loth. Wenn Dir daran besonders viel gelegen ist .... - -Hoffmann. Alles! ... auf Ehre! -- ist mir daran gelegen, alles! .... -Also komm! ... komm!! Kneif ja nicht aus! -- komm! (Er führt Loth, der -sich nun nicht mehr sträubt, in das Haus zurück. Beide ab.) - - Die entlassene Magd und der Kuhjunge haben inzwischen die Lade - auf den Schubkarren gesetzt, Golisch hat die Traggurte - umgenommen. - -Marie, (während sie Golisch etwas in die Hand drückt). Doo! Gooschla! -hust a woas! - -Der Junge (weist es ab). Behaal' Den'n Biema! - -Marie. Ae! tumme Dare! - -Der Junge. Na, wegen menner. (Er nimmt das Geld und thut es in seinen -ledernen Geldbeutel.) - -Frau Spiller (von einem der Wohnhausfenster aus, ruft): Marie! - -Marie. Woas wullt Er noo? - -Frau Spiller (nach einer Minute aus der Hausthür tretend). Die gnädige -Frau will Dich behalten, wenn Du versprichst .... - -Marie. Dreck! war ich er versprecha! -- Foahr zu, Goosch! - -Frau Spiller (näher tretend). Die gnädige Frau will Dir auch etwas am -Lohn zulegen, wenn Du ..... (Plötzlich flüsternd.) Mach Der nischt -draus, Moad! se werd ok manchmal so'n bisken kullerig. - -Marie (wüthend). Se maag siich ihre poar Greschla fer sich behahl'n! -- -(Weinerlich.) Ehnder derhingern! (Sie folgt Gosch, der mit dem -Schubkarren vorangefahren ist.) Nee, a su woas oaber oo! -- Do sool eens -do glei' ... (Ab. Frau Spiller ihr nach. Ab.) - - Durch den Haupteingang kommt _Baer_, genannt Hopslabaer. Ein - langer Mensch mit einem Geierhalse und Kropfe dran. Er geht - barfuß und ohne Kopfbedeckung; die Beinkleider reichen, unten - stark ausgefranst, bis wenig unter die Knie herab. Er hat eine - Glatze; das vorhandene braune, verstaubte und verklebte Haar - reicht ihm bis über die Schulter. Sein Gang ist straußenartig. An - einer Schnur führt er ein Kinderwägelchen voll Sand mit sich. - Sein Gesicht ist bartlos, die ganze Erscheinung deutet auf einen - einige Zwanzig alten verwahrlosten Bauernburschen. - -Baer (mit merkwürdig blökender Stimme). Saaa--a--and! Saa--and! - - Er geht durch den Hof und verschwindet zwischen Wohnhaus und - Stallgebäude. _Hoffmann_ und _Helene_ aus dem Wohnhaus. Helene - sieht bleich aus und trägt ein leeres Wasserglas in der Hand. - -Hoffmann (zu Helene). Unterhalt ihn bissel! verstehst Du? -- Laß ihn -nicht fort -- es liegt mir sehr viel daran. -- So'n beleidigter Ehrgeiz -.... Adieu! -- Ach! Soll ich am Ende nicht fahren? -- Wie geht's mit -Martha? -- Ich hab so'n eigenthümliches Gefühl, als ob's bald ..... -Unsinn! -- Adieu! ... höchste Eile! (Ruft.) Franz! Was die Pferde laufen -können! (Schnell ab durch den Haupteingang.) - - _Helene_ geht zur Pumpe, pumpt das leere Glas voll und leert es - auf einen Zug. Ein zweites Glas Wasser leert sie zur Hälfte. Das - Glas setzt sie dann auf das Pumpenrohr und schlendert langsam, - von Zeit zu Zeit rückwärts schauend, durch den Thorweg hinaus. - _Baer_ kommt zwischen Wohnhaus und Stallung hervor und hält mit - seinem Wagen vor der Wohnhausthür still, wo Miele ihm Sand - abnimmt. Indeß ist _Kahl_ von rechts innerhalb des Grenzzaunes - sichtbar geworden, im Gespräch mit _Frau Spiller_, die außerhalb - des Zaunes, also auf dem Terrain des Hofeingangs, sich befindet. - Beide bewegen sich im Gespräch langsam längs des Zaunes hin. - -Frau Spiller (leidend). Ach ja -- m -- gnädiger Herr Kahl! Ich hab -- m --- manchmal so an Sie -- m -- gedacht -- m -- wenn ... wenn das gnädige -Freilein ... Sie ist doch nun mal -- m -- so zu sagen -- m -- mit Sie -verlobt, und da .... ach! -- m -- zu meiner Zeit ...! - -Kahl (steigt auf die Bank unter der Eiche und befestigt einen -Meisekasten auf dem untersten Ast). W -- wenn werd denn d.. dd.. doas -D... d... d... dukterluder amol sssenner W... wwwege gihn? hä? - -Frau Spiller. Ach, Herr Kahl! ich glaube -- m -- nicht so bald. -- A.. -ach, Herr -- m -- Kahl, ich bin zwar so zu sagen -- m -- etwas -- m -- -herabjekommen, aber ich weiß so zu sagen -- m --, was Bildung ist. In -dieser Hinsicht, Herr Kahl ...., das Freilein -- m -- das gnädige -Freilein ...., das handeln nicht gut gegen Ihnen -- nein! -- m -- darin, -so zu sagen -- m -- habe ich mir nie etwas zu Schulden kommen lassen -- -m -- mein Gewissen -- m -- gnädiger Herr Kahl, ist darin so rein ... so -zu sagen, wie reiner Schnee. - - Baer hat sein Sandgeschäft abgewickelt und verläßt in diesem - Augenblick, an Kahl vorübergehend, den Hof. - -Kahl (entdeckt Baer und ruft). Hopslabaer, hops amool! - - Baer macht einen riesigen Luftsprung. - -Kahl (vor Lachen wiehernd, ruft ein zweites Mal). Hopslabaer, hops -amool! - -Frau Spiller. Nun da -- m -- ja, Herr Kahl! ...... ich meine es nur gut -mit Sie. Sie müssen Obacht geben -- m -- gnädiger Herr! Es -- m -- es -ist was im Gange mit dem gnädigen Fräulein und -- m -- m -- - -Kahl. D.. doas Dukterluder ... ok bbbblußig emool vor a Hunden -- blußig -e.. e.. e.. emool! - -Frau Spiller (geheimnißvoll). Und was das nun noch -- m -- für ein -Indifidium ist. Ach -- m -- das gnädige Freilein thut mir auch _soo_ -leid. Die Frau -- m -- vom Polizeidiener, die hat's vom Amte, glaub ich. -Es soll ein ganz -- m -- gefährlicher Mensch sein. Ihr Mann -- m -- soll -ihn so zu sagen -- m -- denken Sie nur, soll ihn -- m -- geradezu im -Auge behalten. - - _Loth_ aus dem Hause. Sieht sich um. - -Frau Spiller. Seh'n Sie, nun jeht er dem gnädigen Freilein nach -- m --. -Aa... ach, _zuu_ leid thut es einem. - -Kahl. Na wart'! (Ab.) - - _Frau Spiller_ geht nach der Hausthüre. Als sie an Loth - vorbeikommt, macht sie eine tiefe Verbeugung. Ab in das Haus. - - _Loth_ langsam durch den Thorweg ab. Die _Kutschenfrau_, eine - magere, abgehärmte und ausgehungerte Frauensperson, kommt - zwischen Stallgebäude und Wohnhaus hervor. Sie trägt einen großen - Topf unter ihrer Schürze versteckt und schleicht damit, sich - überall ängstlich umblickend, nach dem Kuhstall. Ab in die - Kuhstallthür. Die beiden _Mägde_, jede eine Schubkarre, hoch mit - Klee beladen, vor sich herstoßend, kommen durch den Thorweg - herein. _Beibst_, die Sense über der Schulter, die kurze Pfeife - im Munde, folgt ihnen nach. Liese hat ihre Schubkarre vor die - linke, Auguste vor die rechte Stallthür gefahren, und beide - Mädchen beginnen große Arme voll Klee in den Stall hinein zu - schaffen. - -Liese (leer aus dem Stalle herauskommend). Du, Guste! de Marie iis furt. - -Auguste. Joa wull doch?! - -Liese. Gih nei! freu' die Kutscha-Franzen, se milkt er an Truppen Milch -ei. - -Beibst (hängt seine Sense an der Wand auf). Na! doa lußt ok de Spillern -nee ernt derzune kumma. - -Auguste. Oh jechtich! nee ok nee! bei Leibe nich! - -Liese. A su a oarm Weib miit achta. - -Auguste. Acht kleene Bälge! -- die wull'n laba. - -Liese. Ne amool an Truppen Milch thun s' er ginn'n ... meschant iis -doas. - -Auguste. Wu milkt sie denn? - -Liese. Ganz derhinga, de neumalke Fenus! - -Beibst (stopft seine Pfeife; den Tabaksbeutel mit den Zähnen -festhaltend, nuschelt er). De Marie wär' weg? - -Liese. Ju, ju, 's iis fer gewiß! -- der Pfaarknecht hot gle bein er -geschloofa. - -Beibst (den Tabaksbeutel in die Tasche steckend). Amool wiil jedes! -- -au' de Frau. (Er zündet sich die Pfeife an, darauf durch den -Haupteingang ab. Im Abgehen.) Ich gih a wing frihsticka! - -Die Kutschenfrau (den Topf voll Milch vorsichtig unter der Schürze, -guckt aus der Stallthür heraus). Sitt ma Jemanda? - -Liese. Koanst kumma, Kutschen, ma sitt ken'n. Kumm! kumm schnell! - -Kutschenfrau (im Vorübergehen zu den Mägden). Ok fersch Pappekindla! - -Liese (ihr nachrufend). Schnell! S' kimmt Jemand. (_Kutschenfrau_ -zwischen Wohnhaus und Stallung ab.) - -Auguste. Blußig ok inse Frele. - - Die Mägde räumen nun weiter die Schubkarren ab und schieben sie, - wenn sie leer sind, unter den Thorweg, hierauf beide ab in den - Kuhstall. - - Loth und Helene kommen zum Thorweg herein. - -Loth. Widerlicher Mensch! dieser Kahl, -- frecher Spion! - -Helene. In der Laube vorn, glaub ich ... (Sie gehen durch das Pförtchen -in das Gartenstückchen links vorn und in die Laube daselbst.) Es ist -mein Lieblingsplatz. -- Hier bin ich noch am ungestörtesten, wenn ich -mal was lesen will. - -Loth. Ein hübscher Platz hier. -- Wirklich! (Beide setzen sich, ein -wenig von einander getrennt, in der Laube nieder. Schweigen. Darauf -Loth.) Sie haben so sehr schönes und reiches Haar, Fräulein! - -Helene. Ach ja, mein Schwager sagt das auch. Er meinte, er hätte es kaum -so gesehen -- auch in der Stadt nicht ... Der Zopf ist oben so dick wie -mein Handgelenk ... Wenn ich es losmache, dann reicht es mir bis zu den -Knien. Fühlen Sie mal --! Es fühlt sich wie Seide an, gelt? - -Loth. Ganz wie Seide. (Ein Zittern durchläuft ihn, er beugt sich und -küßt das Haar.) - -Helene (erschreckt). Ach nicht doch! Wenn ... - -Loth. Helene --! War das vorhin nicht Dein Ernst? - -Helene. Ach! -- ich schäme mich so schrecklich. Was habe ich nur -gemacht? -- Dir ... Ihnen an den Hals geworfen habe ich mich. -- Für was -müssen Sie mich halten ...! - -Loth (rückt ihr näher, nimmt ihre Hand in die seine). Wenn Sie sich doch -_da_rüber beruhigen wollten! - -Helene (seufzend). Ach, das müßte Schwester Schmittgen wissen .... ich -sehe gar nicht hin! - -Loth. Wer ist Schwester Schmittgen? - -Helene. Eine Lehrerin aus der Pension. - -Loth. Wie können Sie sich nur über Schwester Schmittgen Gedanken machen! - -Helene. Sie war sehr gut ....! (Sie lacht plötzlich heftig in sich -hinein.) - -Loth. Warum lachst Du denn so auf einmal? - -Helene (zwischen Pietät und Laune). Ach! .. Wenn sie auf dem Chor stand -und sang ... Sie hatte nur noch einen einzigen, langen Zahn .... da -sollte es immer heißen: Tröste, tröste mein Volk! und es kam immer -heraus: 'Röste, 'röste mein Volk! Das war zu drollig .... da mußten wir -immer so lachen .... wenn sie so durch den Saal .... 'röste! 'röste! -(Sie kann sich vor Lachen nicht lassen, Loth ist von ihrer Heiterkeit -angesteckt. Sie kommt ihm dabei so lieblich vor, daß er den Augenblick -benutzen will, den Arm um sie zu legen. Helene wehrt es ab.) Ach nein -doch ....! Ich habe mich Dir .... Ihnen an den Hals geworfen. - -Loth. Ach! sagen Sie doch nicht so etwas. - -Helene. Aber ich bin nicht schuld, Sie haben sich's selbst -zuzuschreiben. Warum verlangen Sie ..... - - Loth legt nochmals seinen Arm um sie, zieht sie fester an sich. - Anfangs sträubt sie sich ein wenig, dann giebt sie sich drein und - blickt nun mit freier Glückseligkeit in Loth's glücktrunkenes - Gesicht, das sich über das ihre beugt. Unversehens, aus einer - gewissen Schüchternheit heraus küßt sie ihn zuerst auf den Mund. - Beide werden roth, dann giebt Loth ihr den Kuß zurück; lang, - innig, fest drückt sich sein Mund auf den ihren. Ein Geben und - Nehmen von Küssen ist eine Zeit hindurch die einzige Unterhaltung - -- stumm und beredt zugleich -- der beiden. Loth spricht dann - zuerst. - -Loth. Lene, nicht? Lene heißt Du hier so? - -Helene (küßt ihn) ... Nenne mich anders ... Nenne mich, wie Du gern -möcht'st. - -Loth. Liebste! ............ - - Das Spiel mit dem Küssetauschen und sich gegenseitig Betrachten - wiederholt sich. - -Helene (von Loth's Armen fest umschlungen, ihren Kopf an seiner Brust -mit verschleierten, glückseligen Augen, flüstert im Ueberschwang). Ach! --- wie schön! Wie schön --! - -Loth. So mit Dir sterben! - -Helene (mit Inbrunst). Leben! ... (Sie löst sich aus seinen Armen.) -Warum denn jetzt sterben? .... jetzt ... - -Loth. Das mußt Du nicht falsch auffassen. Von jeher berausche ich mich -... besonders in glücklichen Momenten berausche ich mich in dem -Bewußtsein, es in der Hand zu haben, weißt Du! - -Helene. Den Tod in der Hand zu haben? - -Loth (ohne jede Sentimentalität). Ja! und so hat er gar nichts -Grausiges, im Gegentheil, so etwas Freundschaftliches hat er für mich. -Man ruft und weiß bestimmt, daß er kommt. Man kann sich dadurch über -alles Mögliche hinwegheben, Vergangenes -- und Zukünftiges .... -(Helenen's Hand betrachtend.) Du hast eine so wunderhübsche Hand. (Er -streichelt sie.) - -Helene. Ach ja! -- so ..... (Sie drückt sich auf's Neue in seine Arme.) - -Loth. Nein, weißt Du! ich hab' nicht gelebt! ... bisher nicht! - -Helene. Denkst Du ich? ... Mir ist fast taumelig ..... taumelig bin ich -vor Glück. Gott! wie ist das -- nur so auf einmal ..... - -Loth. Ja, so auf _ein--mal_ ... - -Helene. Hör' mal! so ist mir: die ganze Zeit meines Lebens -- ein Tag! --- gestern und heut -- ein Jahr! gelt? - -Loth. Erst gestern bin ich gekommen? - -Helene. Ganz gewiß! -- eben! -- natürlich! .... Ach, ach! Du weißt es -nicht mal! - -Loth. Es kommt mir wahrhaftig auch vor ....... - -Helene. Nicht --? Wie 'n ganzes, geschlagnes Jahr! -- Nicht --? (Halb -aufspringend.) Wart' ....! -- Kommt -- da nicht .... (Sie rücken aus -einander.) .... Ach! es ist mir auch -- egal. Ich bin jetzt -- so -muthig. (Sie bleibt sitzen und muntert Loth mit einem Blick auf näher zu -rücken, was dieser sogleich thut.) - -Helene (in Loth's Armen). ... Du! -- Was thun wir denn nu zuerst? - -Loth. Deine Stiefmutter würde mich wohl -- abweisen. - -Helene. Ach, meine Stiefmutter .... das wird wohl gar nicht .... gar -nichts geht's die an! Ich mache, was ich will ..... Ich hab mein -mütterliches Erbtheil, mußt Du wissen. - -Loth. Deshalb meinst Du ..... - -Helene. Ich bin majorenn. Vater muß mir's auszahlen. - -Loth. Du stehst wohl nicht gut -- mit allen hier? -- Wohin ist denn Dein -Vater verreist? - -Helene. Verr... Du hast ...? Ach, Du hast Vater noch nicht gesehen? - -Loth. Nein! Hoffmann sagte mir .... - -Helene. Doch! ... hast Du ihn schon einmal gesehen. - -Loth. Ich wüßte nicht! ... Wo denn, Liebste? - -Helene. Ich ... (Sie bricht in Thränen aus.) Nein, ich kann -- kann -Dir's noch nicht sagen .... zu furchtbar schrecklich ist das. - -Loth. Furchtbar schrecklich? Aber Helene! ist denn Deinem Vater etwas -... - -Helene. Ach! -- frag' mich nicht! Jetzt nicht! Später! - -Loth. Was Du mir nicht freiwillig sagen willst, danach werde ich Dich -auch gewiß nicht mehr fragen ... Sieh mal, was das Geld anlangt ... im -schlimmsten Falle .... ich verdiene ja mit dem Artikelschreiben nicht -gerade überflüssig viel, aber ich denke, es müßte am Ende für uns beide -ganz leidlich hinreichen. - -Helene. Und ich würde doch auch nicht müßig sein. Aber besser ist -besser. Das Erbtheil ist vollauf genug -- Und Du sollst Deine Aufgabe -.... nein, die sollst Du unter keiner Bedingung aufgeben, jetzt erst -recht ....! jetzt sollst Du erst recht die Hände frei bekommen. - -Loth (sie innig küssend). Liebes, edles Geschöpf! ...... - -Helene. Hast Du mich wirklich lieb ...? ... Wirklich? ... wirklich? - -Loth. Wirklich. - -Helene. Sag hundert Mal wirklich? - -Loth. Wirklich, wirklich und wahrhaftig. - -Helene. Ach, weißt Du! Du schummelst! - -Loth. Das wahrhaftig gilt hundert wirklich. - -Helene. So!? wohl in Berlin? - -Loth. Nein, eben in Witzdorf. - -Helene. Ach, Du! ... Sieh meinen kleinen Finger und lache nicht. - -Loth. Gern. - -Helene. Hast Du au--ßer Dei--ner er--sten Braut noch andere ge....? Du! -Du lachst. - -Loth. Ich will Dir was im Ernst sagen, Liebste, ich halte es für meine -Pflicht .... Ich habe mit einer großen Anzahl Frauen ... - -Helene (schnell und heftig auffahrend, drückt ihm den Mund zu). Um Gott -...! sag' mir das einmal -- später -- wenn wir alt sind .... nach Jahren --- wenn ich Dir sagen werde: jetzt -- hörst Du! nicht eher. - -Loth. Gut! wie Du willst. - -Helene. Lieber was Schönes jetzt! ... Paß auf: sprich mir mal das nach: - -Loth. Was? - -Helene. »Ich hab' Dich -- - -Loth. »Ich hab' Dich -- - -Helene. »und nur immer Dich -- - -Loth. »und nur immer Dich -- - -Helene. »geliebt -- geliebt Zeit meines Lebens -- - -Loth. »geliebt -- geliebt Zeit meines Lebens -- - -Helene. »und werde nur Dich allein Zeit meines Lebens lieben.« - -Loth. »und werde nur Dich allein Zeit meines Lebens lieben,« und das ist -wahr, so wahr ich ein ehrlicher Mann bin. - -Helene (freudig). Das hab ich nicht gesagt. - -Loth. Aber ich. (Küsse.) ... - -Helene (summt ganz leise). Du, Du liegst mir im Her--zen .... - -Loth. Jetzt sollst Du auch beichten. - -Helene. Alles, was Du willst. - -Loth. Beichte! Bin ich der erste? - -Helene. Nein. - -Loth. Wer? - -Helene (übermüthig herauslachend). Koahl-Willem. - -Loth (lachend). Wer noch? - -Helene. Ach nein! weiter ist es wirklich Keiner. Du mußt mir glauben ... -Wirklich nicht. Warum sollte ich denn lügen ...? - -Loth. Also doch noch Jemand? - -Helene (heftig). Bitte, bitte, bitte, bitte, frag' mich jetzt nicht -darum. (Versteckt das Gesicht in den Händen, weint scheinbar ganz -unvermittelt.) - -Loth. Aber ..... aber Lenchen! ich dringe ja durchaus nicht in Dich. - -Helene. Später! alles, alles später. - -Loth. Wie gesagt, Liebste .... - -Helene. S' war Jemand -- mußt Du wissen -- den ich, ... weil ... weil er -unter schlechten mir weniger schlecht vorkam. Jetzt ist das ganz anders. -(Weinend an Loth's Halse, stürmisch.) Ach, wenn ich doch gar nicht mehr -von Dir fort müßte! Am liebsten ginge ich gleich auf der Stelle mit Dir. - -Loth. Du hast es wohl sehr schlimm hier im Hause? - -Helene. Ach, Du! -- Es ist ganz entsetzlich, wie es hier zugeht; ein -Leben wie -- das ..... wie das liebe Vieh, -- ich wäre darin umgekommen -ohne Dich -- mich schaudert's! - -Loth. Ich glaube, es würde dich beruhigen, wenn Du mir alles offen -sagtest, Liebste! - -Helene. Ja freilich! aber -- ich bring's nicht über mich. Jetzt nicht -..... jetzt noch nicht! -- Ich fürcht' mich förmlich. - -Loth. Du warst in der Pension? - -Helene. Die Mutter hat es bestimmt -- auf dem Sterbebett noch. - -Loth. Auch Deine Schwester war ....? - -Helene. Nein! -- die war immer zu Hause ... Und als ich dann nun vor -vier Jahren wiederkam, da fand ich -- einen Vater -- der .... eine -Stiefmutter -- die .... eine Schwester ... rath mal, was ich meine! - -Loth. Deine Stiefmutter ist zänkisch. -- Nicht? -- Vielleicht -eifersüchtig? -- lieblos? - -Helene. Der Vater ....? - -Loth. Nun! -- der wird aller Wahrscheinlichkeit nach in ihr Horn blasen. --- Tyrannisirt sie ihn vielleicht? - -Helene. Wenn's _weiter_ nichts wär ... Nein! ... es ist zu entsetzlich! --- Du kannst nicht darauf kommen -- daß .... daß _der_ -- mein Vater -.... daß es mein Vater war -- den -- Du .... - -Loth. Weine nur nicht, Lenchen! .... siehst Du -- nun möcht ich beinah -ernstlich darauf dringen, daß Du mir ... - -Helene. Nein! es geht nicht! Ich habe noch nicht die Kraft -- es -- Dir -.... - -Loth. Du reibst Dich auf, so. - -Helene. Ich schäme mich zu bodenlos! -- Du ... Du wirst mich fortstoßen, -fortjagen ....! Es ist über alle Begriffe .... Ekelhaft ist es! - -Loth. Lenchen, Du kennst mich nicht -- sonst würd'st Du mir so etwas -nicht zutrauen. -- Fortstoßen! fortjagen! Komme ich Dir denn wirklich so -brutal vor? - -Helene. Schwager Hoffmann sagte: Du würdest -- kaltblütig .... Ach nein! -nein! nein! das thust Du doch nicht! gelt? -- Du schreitest nicht über -mich weg? thu es nicht!! -- Ich weiß nicht -- was -- dann noch aus -- -mir werden sollte. - -Loth. Ja, aber das ist ja Unsinn! Ich hätte ja gar keinen Grund dazu. - -Helene. Also Du hältst es doch für möglich?! - -Loth. Nein! -- eben _nicht_. - -Helene. Aber wenn Du Dir einen Grund ausdenken kannst. - -Loth. Es gäbe allerdings Gründe, aber -- die stehen nicht in Frage. - -Helene. Und solche Gründe? - -Loth. Nur, wer mich zum Verräther meiner selbst machen wollte, über den -müßte ich hinweggehen. - -Helene. Das will ich gewiß nicht -- aber ich werde halt das Gefühl nicht -los. - -Loth. Was für ein Gefühl, Liebste? - -Helene. Es kommt vielleicht daher: ich bin so dumm! -- Ich hab' gar -nichts in mir. Ich weiß nicht mal, was das ist, Grundsätze. -- Gelt? das -ist doch schrecklich. Ich lieb' Dich nur so einfach! -- aber Du bist so -gut, so groß -- und hast so viel in Dir. Ich habe solche Angst, Du -könntest doch noch mal merken -- wenn ich was Dummes sage -- oder mache --- daß es doch nicht geht, .... daß ich doch viel zu einfältig für Dich -bin .... Ich bin wirklich schlecht und dumm wie Bohnenstroh. - -Loth. Was soll ich dazu sagen?! Du bist mir alles in allem! Alles in -allem bist Du mir! Mehr weiß ich nicht. - -Helene. Und gesund bin ich ja auch ..... - -Loth. Sag' mal! sind Deine Eltern gesund? - -Helene. Ja, das wohl! das heißt: die Mutter ist am Kindbettfieber -gestorben. Vater ist noch gesund; er muß sogar eine sehr starke Natur -haben. Aber .... - -Loth. Na! -- siehst Du; also ... - -Helene. Und wenn die Eltern nun nicht gesund wären --? - -Loth (küßt Helene). Sie sind's ja doch, Lenchen. - -Helene. Aber wenn sie es nicht wären --? - - _Frau Krause_ stößt ein Wohnhausfenster auf und ruft in den Hof. - -Frau Krause. Ihr Madel! Ihr Maa..del!! - -Liese (aus dem Kuhstall). Frau Krausen!? - -Frau Krause. Renn' zur Müllern! S' giht luus! - -Liese. Wa--a, zur Hebomme Millern, meen' Se? - -Frau Krause. Na? lei'st uff a Uhr'n? (Sie schlägt das Fenster zu.) - - Liese rennt in den Stall und dann mit einem Tüchelchen um den - Kopf zum Hofe hinaus. Frau Spiller erscheint in der Hausthür. - -Frau Spiller (ruft). Fräulein Helene! ... Gnädiges Fräulein Helene! - -Helene. Was nur da los sein mag? - -Frau Spiller (sich der Laube nähernd). Fräulein Helene. - -Helene. Ach! das wird's sein! -- die Schwester. Geh fort! da herum. -(Loth schnell links vorn ab. Helene tritt aus der Laube.) - -Frau Spiller. Fräulein .....! Ach da sind Sie endlich. - -Helene. Was is denn? - -Frau Spiller. Aach -- m -- bei Frau Schwester (flüstert ihr etwas in's -Ohr) -- m -- m -- - -Helene. Mein Schwager hat anbefohlen, für den Fall sofort nach dem Arzt -zu schicken. - -Frau Spiller. Gnädiges Fräulein -- m -- sie will doch aber -- m -- will -doch aber keinen Arzt -- m -- Die Aerzte, aach die -- m -- Aerzte! -- m --- mit Gottes Beistand ... - - Miele kommt aus dem Hause. - -Helene. Miele! gehen Sie augenblicklich zum Dr. Schimmelpfennig. - -Frau Spiller. Aber Fräulein ... - -Frau Krause (aus dem Fenster, gebieterisch). Miele! Du kimmst ruff! - -Helene (ebenso). Sie gehen zum Arzt, Miele. (Miele zieht sich in's Haus -zurück.) Nun, dann will ich selbst .... (Sie geht in's Haus und kommt, -den Strohhut am Arm, sogleich zurück.) - -Frau Spiller. Dann -- m -- wird es schlimm. Wenn Sie den Arzt holen -- m --- gnädiges Fräulein, dann -- m -- wird es gewiß schlimm. - - Helene geht an ihr vorüber. _Frau Spiller_ zieht sich - kopfschüttelnd ins Haus zurück. Als Helene in die Hofeinfahrt - biegt steht Kahl am Grenzzaun. - -Kahl (ruft Helenen zu). Woas iis denn bei Eich luus? - -(Helene hält im Lauf nicht inne, noch würdigt sie Kahl eines Blickes -oder einer Antwort.) - -Kahl (lachend). Ihr ha't wull Schweinschlachta? - - - - - Fünfter Akt. - - - Das Zimmer wie im ersten Akt. Zeit: gegen 2 Uhr Nachts. Im Zimmer - herrscht Dunkelheit. Durch die offene Mittelthür dringt Licht aus - dem erleuchteten Hausflur. Deutlich beleuchtet ist auch noch die - Holztreppe in dem ersten Stock. Alles in diesem Akt -- bis auf - wenige Ausnahmen -- wird in einem gedämpften Tone gesprochen. - - Eduard mit Licht tritt durch die Mittelthür ein. Er entzündet die - Hängelampe über dem Ecktisch (Gasbeleuchtung). Als er damit - beschäftigt ist, kommt Loth ebenfalls durch die Mittelthür. - -Eduard. Ja ja! -- bei _die_ Zucht ... 't muß reen unmenschen meglich -sint, een Oge zuzuthun. - -Loth. Ich wollte nicht mal schlafen. Ich habe geschrieben. - -Eduard. Ach wat! (Er steckt an.) So! -- na jewiß! -- et mag ja woll -schwer jenug sin .... Wünschen der Herr Doktor vielleicht Dinte und -Feder? - -Loth. Am Ende ... wenn Sie so freundlich sein wollen, Herr Eduard. - -Eduard, (indem er Dinte und Feder auf den Tisch setzt). Ick menn all -immer, was 'n ehrlicher Mann is, der muß Haut und Knochen dransetzen um -jeden lumpichten Jroschen. Nich mal det bisken Nachtruhe hat man. -- -(Immer vertraulicher.) Aber _die_ Nation hier, die duht reen jar nischt; -so'n faules, nichtsnutziges Pack, so'n ... Der Herr Doktor mussen jewiß -ooch all dichtig in't Zeuch jehn, um det bisken Lebens_unterhalt_ wie -alle ehrlichen Leute. - -Loth. Wünschte, ich brauchte es nicht! - -Eduard. Na, wat meen' Se woll! ick ooch! - -Loth. Fräulein Helene ist wohl bei ihrer Schwester? - -Eduard. Allet wat wahr is: d' is 'n jutes Mä'chen! jeht ihr nich von der -Seite. - -Loth (sieht auf die Uhr). Um 11 Uhr früh begannen die Wehen. Sie dauern -also ... fünfzehn Stunden dauern sie jetzt bereits. -- Fünfzehn lange -Stunden --! - -Eduard. Weeß Jott! -- und det benimen se nu 't schwache Jeschlecht -- -sie jappt aber ooch man nur noch so. - -Loth. Herr Hoffmann ist auch oben!? - -Eduard. Und ick sag Ihnen, 't reene Weib. - -Loth. Das mit anzusehen ist wohl auch keine Kleinigkeit. - -Eduard. I! nu! det will ick meenen! Na! eben is Doktor Schimmelpfennig -zujekommen. Det is 'n Mann, sag ick Ihnen: jrob wie 'ne Sackstrippe, -aber -- Zucker is 'n dummer Junge dajejen. Sagen Sie man bloß, wat it -aus det olle Berlin .... (Er unterbricht sich mit einem) Jott Strambach! -(da Hoffmann und der Doktor die Treppe herunter kommen). - - _Hoffmann_ und _Doktor Schimmelpfennig_ treten ein. - -Hoffmann. Jetzt -- bleiben Sie doch wohl bei uns. - -Dr. Schimmelpfennig. Ja! jetzt werde ich hier bleiben. - -Hoffmann. Das ist mir eine große, große Beruhigung. -- Ein Glas Wein -...? Sie trinken doch ein Glas Wein, Herr Doktor!? - -Dr. Schimmelpfennig. Wenn Sie etwas thun wollen, dann lassen Sie mir -schon lieber eine Tasse Kaffee brauen. - -Hoffmann. Mit Vergnügen. -- Eduard! Kaffee für Herrn Doktor! (Eduard -ab.) Sie sind .....? Sind Sie zufrieden mit dem Verlauf? - -Dr. Schimmelpfennig. So lange Ihre Frau Kraft behält, ist jedenfalls -directe Gefahr nicht vorhanden. Warum haben Sie übrigens die junge -Hebamme nicht zugezogen? Ich hatte Ihnen doch eine empfohlen, so viel -ich weiß. - -Hoffmann. Meine Schwiegermama ... was soll man machen? Wenn ich ehrlich -sein soll: auch meine Frau hatte kein Vertrauen zu der jungen Person. - -Dr. Schimmelpfennig. Und zu diesem fossilen Gespenst haben Ihre Damen -Vertrauen?! Wohl bekomms! -- Sie möchten gern wieder hinauf? - -Hoffmann. Ehrlich gesagt: ich habe nicht viel Ruhe hier unten. - -Dr. Schimmelpfennig. Besser wär's freilich, Sie gingen irgend wohin, aus -dem Hause. - -Hoffmann. Beim besten Willen das .... ach, Loth! da bist Du ja auch -noch. (Loth erhebt sich von dem Sopha im dunklen Vordergrunde und geht -auf die beiden zu.) - -Dr. Schimmelpfennig (aufs Aeußerste überrascht). Donnerwetter! - -Loth. Ich hörte schon, daß Du hier seist. Morgen hätte ich Dich -unbedingt aufgesucht. - - Beide schütteln sich tüchtig die Hände. Hoffmann benutzt den - Augenblick, am Buffet schnell ein Glas Cognac hinunterzuspülen, - darauf dann sich auf den Zehen hinaus und die Holztreppe hinauf - zu schleichen. - - Das Gespräch der beiden Freunde steht am Anfang unverkennbar - unter dem Einfluß einer gewissen leisen Zurückhaltung. - -Dr. Schimmelpfennig. Du hast also wohl ... hahaha die alte, dumme -Geschichte vergessen? (Er legt Hut und Stock bei Seite.) - -Loth. Längst vergessen, Schimmel! - -Dr. Schimmelpfennig. Na, ich auch! das kannst Du Dir denken. -- (Sie -schütteln sich nochmals die Hände.) Ich habe in dem Nest hier so wenig -freudige Ueberraschungen gehabt, daß mir die Sache ganz curios vorkommt. -Merkwürdig! Gerade hier treffen wir uns. -- Merkwürdig! - -Loth. Rein verschollen bist Du ja, Schimmel! Hätte Dich sonst längst mal -umgestoßen. - -Dr. Schimmelpfennig. Unter Wasser gegangen wie ein Seehund. -Tiefseeforschungen gemacht. In anderthalb Jahren etwa hoffe ich wieder -aufzutauchen. Man muß materiell unabhängig sein, wissen Sie ... weißt -Du! wenn man etwas Brauchbares leisten will. - -Loth. Also Du machst _auch_ Geld hier? - -Dr. Schimmelpfennig. Natürlicherweise und zwar so viel als möglich. Was -sollte man hier auch anderes thun? - -Loth. Du hätt'st doch mal was von Dir hören lassen sollen. - -Dr. Schimmelpfennig. Erlauben Sie ... erlaube, hätte ich von mir was -hören lassen, dann hätte ich von Euch was wieder gehört, und ich wollte -durchaus nichts hören. Nichts, -- gar nichts, das hätte mich höchstens -von meiner Goldwäscherei abhalten können. - - Beide gehen langsamen Schritts auf und ab im Zimmer. - -Loth. Na ja -- Du kannst Dich dann aber auch nicht wundern, daß sie ... -nämlich ich muß Dir sagen, sie haben Dich eigentlich alle, durch die -Bank, aufgegeben. - -Dr. Schimmelpfennig. Sieht ihnen ähnlich. -- Bande! -- sollen schon was -merken. - -Loth. Schimmel, genannt: das Rauhbein! - -Dr. Schimmelpfennig. Du solltest nur sechs Jahre unter diesen Bauern -gelebt haben. Himmelhunde alle miteinander. - -Loth. Das kann ich mir denken. -- Wie bist Du denn gerade nach Witzdorf -gekommen? - -Dr. Schimmelpfennig. Wie's so geht. Damals mußte ich doch auskneifen, -von Jena weg. - -Loth. War das vor meinem Reinfall? - -Dr. Schimmelpfennig. Ja wohl. Kurze Zeit nachdem wir unser Zusammenleben -aufgesteckt hatten. In Zürich legte ich mich dann auf die Medicinerei, -zunächst um etwas für den Nothfall zu haben; dann fing aber die Sache an -mich zu interessiren, und jetzt bin ich mit Leib und Seele Medicus. - -Loth. Und hierher ...? Wie kamst Du hier her? - -Dr. Schimmelpfennig. Ach so! -- einfach! Als ich fertig war, da sagte -ich mir: nun vor allen Dingen einen hinreichenden Haufen Kies. Ich -dachte an Amerika, Süd- und Nord-Amerika, an Afrika, Australien, die -Sundainseln .... am Ende fiel mir ein, daß mein Knabenstreich ja -mittlerweile verjährt war; da habe ich mich denn entschlossen in die -Mausefalle zurückzukriechen. - -Loth. Und Dein Schweizer-Examen? - -Dr. Schimmelpfennig. Ich mußte eben die Geschichte hier noch mal über -mich ergehen lassen. - -Loth. Du hast also das Staatsexamen zwei Mal gemacht, Kerl!? - -Dr. Schimmelpfennig. Ja! -- Schließlich habe ich dann glücklicherweise -diese fette Weide hier ausfindig gemacht. - -Loth. Du bist zähe, zum Beneiden. - -Dr. Schimmelpfennig. Wenn man nur nicht plötzlich mal zusammenklappt. -- -Na! schließlich ist's auch kein Unglück. - -Loth. Hast Du denn 'ne große Praxis? - -Dr. Schimmelpfennig. Ja! Mitunter komme ich erst um fünf Uhr früh zu -Bett. Um sieben Uhr fängt dann bereits wieder meine Sprechstunde an. - - Eduard kommt und bringt Kaffee. - -Dr. Schimmelpfennig, (indem er sich am Tisch niederläßt, zu Eduard). -Danke Eduard! -- (Zu Loth.) Kaffee saufe ich ... unheimlich. - -Loth. Du solltest das lieber lassen mit dem Kaffee. - -Dr. Schimmelpfennig. Was soll man machen?! (Er nimmt kleine Schlucke.) -Wie gesagt -- ein Jahr noch, dann -- hört's auf ... hoffentlich -wenigstens. - -Loth. Willst Du dann gar nicht mehr practiciren? - -Dr. Schimmelpfennig. Glaube nicht. Nein ... nicht mehr. (Er schiebt das -Tablette mit dem Kaffeegeschirr zurück, wischt sich den Mund.) Uebrigens --- zeig' mal Deine Hand. (Loth hält ihm beide Hände hin.) Nein? -- keine -Dalekarlierin heimgeführt? -- Keine gefunden, wie? .... Wolltest doch -immer so 'n Ur- und Kernweib von wegen des gesunden Blutes. Hast -übrigens recht: wenn schon, denn schon ... oder nimmst Du's in dieser -Beziehung etwa nicht mehr so genau? - -Loth. Na ob ...! und wie! - -Dr. Schimmelpfennig. Ach, wenn die Bauern hier doch auch solche Ideen -hätten. Damit sieht's aber jämmerlich aus, sage ich Dir, Degeneration -auf der ganzen ... (Er hat seine Cigarrentasche halb aus der Brusttasche -gezogen, läßt sie aber wieder zurückgleiten und steht auf, als irgend -ein Laut durch die nur angelehnte Hausflurthür hereindringt.) Wart' mal! -(Er geht auf den Zehen bis zur Hausflurthür und horcht. Eine Thür geht -draußen, man hört einige Augenblicke deutlich das Wimmern der Wöchnerin. -Der Doktor sagt, zu Loth gewandt, leise:) Entschuldige! (und geht -hinaus). - - Einige Augenblicke durchmißt Loth, während draußen Thüren - schlagen, Menschen die Treppe auf- und ablaufen, das Zimmer; dann - setzt er sich in den Lehnsessel rechts vorn. Helene huscht herein - und umschlingt Loth, der ihr Kommen nicht bemerkt hat, von - rückwärts. - -Loth (sich umblickend, sie ebenfalls umfassend). Lenchen!! (Er zieht sie -zu sich herunter und trotz gelinden Sträubens auf sein Knie. Helene -weint unter den Küssen, die er ihr giebt.) Ach, weine doch nicht, -Lenchen! Warum weinst Du denn so sehr? - -Helene. Warum? weiß ich's?! .... Ich denk immer, ich treff' Dich nicht -mehr. Vorhin habe ich mich so erschrocken .... - -Loth. Weshalb denn? - -Helene. Weil ich Dich aus Deinem Zimmer treten hörte -- Ach! ... und die -Schwester -- wir armen, armen Weiber! -- die muß zu sehr ausstehen. - -Loth. Der Schmerz vergißt sich schnell und auf den Tod geht's ja nicht. - -Helene. Ach, Du! sie wünscht sich ihn ja ... sie jammert nur immer so: -laß mich doch sterben ... Der Doktor! (Sie springt auf und huscht in den -Wintergarten.) - -Dr. Schimmelpfennig (im Hereintreten). Nun wünschte ich wirklich, daß -sich das Frauchen da oben 'n bissel beeilte! (Er läßt sich am Tisch -nieder, zieht neuerdings die Cigarrentasche, entnimmt ihr eine Cigarre -und legt diese neben sich.) Du kommst mit zu mir dann, wie? -- hab' -draußen so 'n nothwendiges Uebel mit zwei Gäulen davor, da können wir -drin zu mir fahren. (Seine Cigarre an der Tischkante klopfend.) Der süße -Ehestand! ja, ja! (Ein Zündholz anstreichend.) Also noch frisch, frei, -fromm, froh? - -Loth. Hättest noch gut ein Paar Tage warten können mit Deiner Frage. - -Dr. Schimmelpfennig (bereits mit brennender Cigarre). Wie? ... ach ... -ach so! -- (lachend) -- also endlich doch auf meine Sprünge gekommen. - -Loth. Bist Du wirklich noch so entsetzlich pessimistisch in Bezug auf -Weiber? - -Dr. Schimmelpfennig. Ent--setzlich!! (Dem Rauch seiner Cigarre -nachblickend.) Früher war ich Pessimist -- so zu sagen ahnungsweise ... - -Loth. Hast Du denn inzwischen so besondere Erfahrungen gemacht? - -Dr. Schimmelpfennig. Ja, allerdings! -- Auf meinem Schilde steht -nämlich: Specialist für Frauenkrankheiten. -- Die medicinische Praxis -macht nämlich furchtbar klug ... furchtbar -- gesund, ... ist Specificum -gegen ... allerlei Staupen! - -Loth (lacht). Na, da könnten wir ja gleich wieder in der alten Tonart -anfangen. Ich hab' nämlich ... ich bin nämlich keineswegs auf Deine -Sprünge gekommen. Jetzt weniger als je! ... Auf diese Weise hast Du wohl -auch Dein Steckenpferd vertauscht? - -Dr. Schimmelpfennig. Steckenpferd? - -Loth. Die Frauenfrage war doch zu damaliger Zeit gewissermaßen Dein -Steckenpferd! - -Dr. Schimmelpfennig. Ach so! -- Warum sollte ich es vertauscht haben? - -Loth. Wenn Du über die Weiber noch schlechter denkst, als ... - -Dr. Schimmelpfennig (ein wenig in Harnisch, erhebt sich und geht hin und -her, dabei spricht er). Ich -- denke nicht schlecht von den Weibern. -- -Kein Bein! -- Nur über das Heirathen denke ich schlecht ... über die Ehe -... über die Ehe, und dann höchstens noch über die Männer denke ich -schlecht ... Die Frauenfrage soll mich nicht mehr interessiren? Ja, -weshalb hätte ich denn sonst sechs lange Jahre hier wie 'n Lastpferd -gearbeitet? Doch nur um alle meine verfügbaren Kräfte endlich mal ganz -der Lösung dieser Frage zu widmen. Wußtest Du denn das nicht von Anfang -an? - -Loth. Wo hätte ich's denn _her_ wissen sollen? - -Dr. Schimmelpfennig. Na, wie gesagt ... ich hab auch schon ein ziemlich -ausgiebiges Material gesammelt, das mir gute Dienste leisten ... bsst! -ich hab' mir das Schreien so angewöhnt. (Er schweigt, horcht, geht zur -Thür und kommt zurück.) Was hat _Dich_ denn eigentlich unter die -Goldbauern geführt? - -Loth. Ich möchte die hiesigen Verhältnisse studiren. - -Dr. Schimmelpfennig (mit gedämpfter Stimme). Idee! (Noch leiser.) Da -kannst Du bei mir auch Material bekommen. - -Loth. Freilich, Du mußt ja sehr unterrichtet sein über die Zustände -hier. Wie sieht es denn so in den Familien aus? - -Dr. Schimmelpfennig. E--lend! ..... durchgängig ... Suff! Völlerei, -Inzucht und in Folge davon -- Degenerationen auf der ganzen Linie. - -Loth. Mit Ausnahmen doch!? - -Dr. Schimmelpfennig. Kaum! - -Loth (unruhig). Bist Du denn nicht zuweilen in ... in Versuchung -gerathen eine ... eine Witzdorfer Goldtochter zu heirathen? - -Dr. Schimmelpfennig. Pfui Teufel! Kerl, für was hältst Du mich? -- -Ebenso könntest Du mich fragen, ob ich ... - -Loth (sehr bleich). Wie... wieso? - -Dr. Schimmelpfennig. Weil ... Ist Dir was? (Er fixirt ihn einige -Augenblicke.) - -Loth. Gar nichts! Was soll mir denn sein? - -Dr. Schimmelpfennig (ist plötzlich sehr nachdenklich, geht und steht jäh -und mit einem leisen Pfiff still, blickt Loth abermals flüchtig an und -sagt dann halblaut zu sich selbst). Schlimm! - -Loth. Du bist ja so sonderbar plötzlich. - -Dr. Schimmelpfennig. Still! (Er horcht auf und verläßt dann schnell das -Zimmer durch die Mittelthür.) - -Helene (nach einigen Augenblicken durch die Mittelthür; sie ruft). -Alfred! -- Alfred! ... Ach da bist Du -- Gott sei Dank! - -Loth. Nun, ich sollte wohl am Ende gar fortgelaufen sein? (Umarmung.) - -Helene (biegt sich zurück. Mit unverkennbarem Schrecken im Ausdruck.) -Alfred! - -Loth. Was denn, Liebste? - -Helene. Nichts, nichts! - -Loth. Aber Du mußt doch was haben? - -Helene. Du kamst mir so ... so kalt ... Ach, ich hab' solche schrecklich -dumme Einbildungen. - -Loth. Wie stehts's denn oben? - -Helene. Der Doktor zankt mit der Hebamme. - -Loth. Wird's nicht bald zu Ende gehen? - -Helene. Weiß ich's? -- Aber wenn's ... wenn's zu Ende ist, meine ich, -dann ... - -Loth. Was dann? .... Sag' doch, bitte! was wolltest Du sagen? - -Helene. Dann sollten wir bald von hier fortgehen. Gleich! Auf der -Stelle! - -Loth. Wenn Du das wirklich für das Beste hältst, Lenchen -- - -Helene. Ja, ja! wir dürfen nicht warten! Es ist das Beste -- für Dich -und mich. Wenn Du mich nicht jetzt bald nimmst, dann läßt Du mich heilig -noch sitzen, und dann ... dann ... muß ich doch noch zu Grunde gehen. - -Loth. Wie Du doch mißtrauisch bist, Lenchen! - -Helene. Sag' das nicht, Liebster! Dir traut man, Dir muß man trauen! -.... Wenn ich erst Dein bin, dann ... Du verläßt mich dann ganz gewiß -nicht mehr. (Wie außer sich.) Ich beschwöre Dich! geh nicht fort! Verlaß -mich doch nur nicht. Geh -- nicht fort, Alfred! Alles ist aus, alles, -wenn Du einmal ohne mich von hier fortgehst. - -Loth. Merkwürdig bist Du doch! .... Und da willst Du nicht mißtrauisch -sein? ... Oder sie plagen Dich, martern Dich hier ganz entsetzlich, mehr -als ich mir je .... Jedenfalls gehen wir aber noch diese Nacht. Ich bin -bereit. Sobald Du willst, gehen wir also. - -Helene (gleichsam mit aufjauchzendem Dank ihm um den Hals fallend). -Geliebter! (Sie küßt ihn wie rasend und eilt schnell davon.) - - Dr. Schimmelpfennig tritt durch die Mitte ein, er bemerkt noch, wie - Helene in der Wintergartenthür verschwindet. - -Dr. Schimmelpfennig. Wer war das? -- Ach so! (In sich hinein.) Armes -Ding! (Er läßt sich mit einem Seufzer am Tisch nieder, findet die alte -Cigarre, wirft sie bei Seite, entnimmt dem Etui eine frische Cigarre und -fängt an, sie an der Tischkante zu klopfen, wobei er nachdenklich -darüber hinausstarrt.) - -Loth, (der ihm zuschaut). Genau so pflegtest Du vor acht Jahren jede -Cigarre abzuklopfen, eh' Du zu rauchen anfingst. - -Dr. Schimmelpfennig. Möglich --! (Als er mit Anrauchen fertig ist.) Hör' -mal, Du! - -Loth. Ja, was denn? - -Dr. Schimmelpfennig. Du wirst doch -- so bald die Geschichte oben -vorüber ist, mit zu mir kommen? - -Loth. Das geht wirklich nicht! Leider. - -Dr. Schimmelpfennig. Man hat so das Bedürfniß, sich mal wieder gründlich -von der Leber weg zu äußern. - -Loth. Das hab ich so genau wie Du. Aber gerade daraus kannst Du sehen, -daß es heut absolut nicht in meiner Macht steht, mit Dir .... - -Dr. Schimmelpfennig. Wenn ich Dir nun aber ausdrücklich und -- -gewissermaßen feierlich erkläre: es ist eine bestimmte, äußerst wichtige -Angelegenheit, die ich mit Dir noch diese Nacht besprechen möchte .... -besprechen muß sogar, Loth! - -Loth. Curios! Für blutigen Ernst soll ich doch das nicht etwa -hinnehmen?! Doch wohl nicht? -- So viel Jahre hätt'st Du damit gewartet -und nun hätte es nicht einen Tag mehr Zeit damit? -- Du kannst Dir doch -wohl denken, daß ich Dir keine Flausen vormache. - -Dr. Schimmelpfennig. Also hat's doch seine Richtigkeit! (Er steht auf -und geht umher.) - -Loth. Was hat seine Richtigkeit? - -Dr. Schimmelpfennig, (vor Loth still stehend, mit einem geraden Blick in -seine Augen). Es ist also wirklich etwas im Gange zwischen Dir und -Helene Krause? - -Loth. Ich? -- Wer hat Dir denn ...? - -Dr. Schimmelpfennig. Wie bist Du nur in diese Familie ....? - -Loth. Woher -- weißt Du denn das, Mensch? - -Dr. Schimmelpfennig. Das war ja doch nicht schwer zu errathen. - -Loth. Na, dann halt um Gottes Willen den Mund, daß nicht .... - -Dr. Schimmelpfennig. Ihr seid also richtig verlobt?! - -Loth. Wie man's nimmt. Jedenfalls sind wir beide einig. - -Dr. Schimmelpfennig. Hm --! wie bist Du denn hier herein gerathen, -gerade in _diese_ Familie? - -Loth. Hoffmann ist ja doch mein Schulfreund. Er war auch Mitglied -- -auswärtiges allerdings -- Mitglied meines Colonial-Vereins. - -Dr. Schimmelpfennig. Von der Sache hörte ich in Zürich. -- Also mit Dir -ist er umgegangen! Auf diese Weise wird mir der traurige Zwitter -erklärlich. - -Loth. Ein Zwitter ist er allerdings. - -Dr. Schimmelpfennig. Eigentlich nicht mal _das_. -- Ehrlich, Du! -- Ist -das wirklich Dein Ernst? -- die Geschichte mit der Krause? - -Loth. Na, selbstverständlich! -- Zweifelst Du daran? Du wirst mich doch -nicht etwa für einen Schuft ... - -Dr. Schimmelpfennig. Schon gut! Ereifere Dich nur nicht. Hättst Dich ja -verändert haben können während der langen Zeit. Warum nicht? Wär auch -gar kein Nachtheil! N' bissel Humor könnte Dir gar nicht schaden! Ich -seh' nicht ein, warum man alles so verflucht ernsthaft nehmen sollte. - -Loth. Ernst ist es mir mehr als je. (Er erhebt sich und geht, immer ein -wenig zurück, neben Schimmelpfennig her.) Du kannst es ja nicht wissen, -auch sagen kann ich Dir's nicht mal, was dieses Verhältniß für mich -bedeutet. - -Dr. Schimmelpfennig. Hm! - -Loth. Kerl, Du hast keine Idee, was das für ein Zustand ist. Man kennt -ihn nicht, wenn man sich danach sehnt. Kennte man ihn, dann, dann müßte -man geradezu unsinnig werden vor Sehnsucht. - -Dr. Schimmelpfennig. Das begreife der Teufel, wie Ihr zu dieser -unsinnigen Sehnsucht kommt. - -Loth. Du bist auch noch nicht sicher davor. - -Dr. Schimmelpfennig. Das möcht ich mal sehen. - -Loth. Du redst wie der Blinde von der Farbe. - -Dr. Schimmelpfennig. Was ich mir für das bischen Rausch koofe! -Lächerlich. Daraus eine lebenslängliche Ehe zu bauen .... da baut man -noch nicht mal so sicher als auf'n Sandhaufen. - -Loth. Rausch -- Rausch -- wer von einem Rausch redet, -- na! der kennt -die Sache eben nicht. 'N Rausch ist flüchtig. Solche Räusche hab ich -schon gehabt, ich geb's zu. Aber _das_ ist was ganz Anderes. - -Dr. Schimmelpfennig. Hm! - -Loth. Ich bin dabei vollständig nüchtern. Denkst Du, daß ich meine -Liebste so -- na, wie soll ich sagen?! -- so mit 'ner -- na, wie soll -ich sagen?! mit ner großen Glorie sehe? Gar nicht! -- Sie hat Fehler, -ist auch nicht besonders schön, wenigstens -- na, häßlich ist sie auch -gerade nicht. Ganz objectiv geurtheilt, ich -- das ist ja schließlich -Geschmackssache -- ich hab' so'n hübsches Mädel noch nicht gesehen. -Also, Rausch -- Unsinn! Ich bin ja so nüchtern wie nur möglich. Aber, -siehst Du! _das_ ist eben das Merkwürdige: ich kann mich gar nicht mehr -ohne sie denken -- das kommt mir so vor wie 'ne Legirung, weißt Du, wie -wenn zwei Metalle so recht innig legirt sind, daß man gar nicht mehr -sagen kann, das ist _das_, das ist _das_. Und alles so furchtbar -selbstverständlich -- kurzum, ich quatsche vielleicht Unsinn -- oder was -ich sage, ist vielleicht in Deinen Augen Unsinn, aber so viel steht -fest: wer das nicht kennt, ist 'n erbärmlicher Frosch. Und so'n Frosch -war ich bisher -- und so'n Jammerfrosch bist Du noch. - -Dr. Schimmelpfennig. Das ist ja richtig der ganze Symptomen-Complex. -- -Daß Ihr Kerls doch immer bis über die Ohren in Dinge hineingerathet, die -Ihr theoretisch längst verworfen habt, wie zum Beispiel Du die Ehe. So -lange ich Dich kenne, laborirst Du an dieser unglückseligen Ehemanie. - -Loth. Es ist Trieb bei mir, geradezu Trieb. Weiß Gott! mag ich mich -wenden, wie ich will. - -Dr. Schimmelpfennig. Man kann schließlich auch einen Trieb -niederkämpfen. - -Loth. Ja, wenn's 'n Zweck hat, warum nicht? - -Dr. Schimmelpfennig. Hat's Heirathen etwa Zweck? - -Loth. Das will ich meinen. Das hat Zweck! Bei mir hat es Zweck. Du weißt -nicht, wie ich mich durchgefressen hab' bis hierher. Ich mag nicht -sentimental werden. Ich hab's auch vielleicht nicht so gefühlt, es ist -mir vielleicht nicht ganz so klar bewußt geworden wie jetzt, daß ich in -meinem Streben etwas entsetzlich Ödes, gleichsam Maschinenmäßiges -angenommen hatte. Kein Geist, kein Temperament, kein Leben, ja wer weiß, -war noch Glauben in mir? Das alles kommt seit ... seit heut wieder in -mich gezogen. So merkwürdig voll, so ursprünglich, so fröhlich ... -Unsinn, Du capirst's ja doch nicht. - -Dr. Schimmelpfennig. Was Ihr da alles nöthig habt, um flott zu bleiben, -Glaube, Liebe, Hoffnung. Für mich ist das Kram. Es ist eine ganz simple -Sache: die Menschheit liegt in der Agonie, und unser einer macht ihr mit -Narkoticis die Sache so erträglich als möglich. - -Loth. Dein neuester Standpunkt? - -Dr. Schimmelpfennig. Schon fünf bis sechs Jahre alt und immer derselbe. - -Loth. Gratulire! - -Dr. Schimmelpfennig. Danke! - - Eine lange Pause. - -Dr. Schimmelpfennig (nach einigen unruhigen Anläufen). Die Geschichte -ist leider die: ich halte mich für verpflichtet ... ich schulde Dir -unbedingt eine Aufklärung. Du wirst Helene Krause, glaub ich, nicht -heirathen können. - -Loth (kalt). So, glaubst Du? - -Dr. Schimmelpfennig. Ja, ich bin der Meinung. Es sind da Hindernisse -vorhanden, die gerade Dir ... - -Loth. Hör' mal Du: mach' Dir darüber um Gottes Willen keine Scrupel. Die -Verhältnisse liegen auch gar nicht mal so complicirt, sind im Grunde -sogar furchtbar einfach. - -Dr. Schimmelpfennig. Einfach _furchtbar_ solltest Du eher sagen. - -Loth. Ich meine, was die Hindernisse anbetrifft. - -Dr. Schimmelpfennig. Ich auch zum Theil. Aber auch überhaupt: ich kann -mir nicht denken, daß Du diese Verhältnisse hier kennen solltest. - -Loth. Ich kenne sie aber doch ziemlich genau. - -Dr. Schimmelpfennig. Dann mußt Du nothwendigerweise Deine Grundsätze -geändert haben. - -Loth. Bitte, Schimmel, drück' Dich etwas deutlicher aus. - -Dr. Schimmelpfennig. Du mußt unbedingt Deine Hauptforderung in Bezug auf -die Ehe fallen gelassen haben, obgleich Du vorhin durchblicken ließt, es -käme Dir nach wie vor darauf an, ein an Leib und Seele gesundes -Geschlecht in die Welt zu setzen. - -Loth. Fallen gelassen? ... fallen gelassen? Wie soll ich denn das ... - -Dr. Schimmelpfennig. Dann bleibt nichts übrig ... dann kennst Du eben -doch die Verhältnisse nicht. Dann weißt Du zum Beispiel nicht, daß -Hoffmann einen Sohn hatte, der mit drei Jahren bereits am Alkoholismus -zu Grunde ging. - -Loth. Wa... was -- sagst Du? - -Dr. Schimmelpfennig. S' thut mir leid, Loth, aber sagen muß ich Dir's -doch. Du kannst ja dann noch machen, was Du willst. Die Sache war kein -Spaß. Sie waren gerade wie jetzt zum Besuch hier. Sie ließen mich holen, -eine halbe Stunde zu spät. Der kleine Kerl hatte längst verblutet. - - Loth mit den Zeichen tiefer, furchtbarer Erschütterung an des - Doktors Munde hängend. - -Dr. Schimmelpfennig. Nach der Essigflasche hatte das dumme Kerlchen -gelangt in der Meinung, sein geliebter Fusel sei darin. Die Flasche war -herunter- und das Kind in die Scherben gefallen. Hier unten, siehst Du, -die _vena saphena_, die hatte es sich vollständig durchschnitten. - -Loth. W... w...essen Kind sagst Du ...? - -Dr. Schimmelpfennig. Hoffmann's und eben derselben Frau Kind, die da -oben wieder ... Und auch die trinkt, trinkt bis zur Besinnungslosigkeit, -trinkt, soviel sie bekommen kann. - -Loth. Also von Hoffmann ... Hoffmann geht es nicht aus?! - -Dr. Schimmelpfennig. Bewahre! Das ist tragisch an dem Menschen; er -leidet darunter, so viel er überhaupt leiden kann. Im Übrigen hat er's -gewußt, daß er in eine Potatorenfamilie hinein kam. Der Bauer nämlich -kommt überhaupt gar nicht mehr aus dem Wirthshaus. - -Loth. Dann freilich -- begreife ich manches -- nein! Alles begreife ich --- alles. (Nach einem dumpfen Schweigen.) Dann ist ihr Leben hier ... -Helenens Leben -- ein ... ein -- wie soll ich sagen?! mir fehlt der -Ausdruck dafür -- ... nicht? - -Dr. Schimmelpfennig. Horrend geradezu! Das kann ich beurtheilen. Daß Du -bei ihr hängen bliebst, war mir auch von Anfang an sehr begreiflich. -Aber wie ges... - -Loth. Schon gut! -- verstehe ... Thut denn ...? Könnte man nicht -vielleicht ... vielleicht könnte man Hoffmann bewegen etwas ... etwas zu -thun? Könntest Du nicht vielleicht -- ihn zu etwas bewegen? Man müßte -sie fortbringen aus dieser Sumpfluft. - -Dr. Schimmelpfennig. Hoffmann? - -Loth. Ja, Hoffmann. - -Dr. Schimmelpfennig. Du kennst ihn schlecht ... Ich glaube zwar nicht, -daß er sie schon verdorben hat. Aber ihren Ruf hat er sicherlich _jetzt_ -schon verdorben. - -Loth (aufbrausend). Wenn das ist: ich schlag ihn ... Glaubst Du wirklich -...? hältst Du Hoffmann wirklich für fähig ...? - -Dr. Schimmelpfennig. Zu allem, zu allem halte ich ihn fähig, wenn für -ihn ein Vergnügen dabei heraus springt. - -Loth. Dann ist sie -- das keuscheste Geschöpf, was es giebt ... - - Loth nimmt langsam Hut und Stock und hängt sich ein Täschchen um. - -Dr. Schimmelpfennig. Was gedenkst Du zu thun, Loth? - -Loth. ... Nicht begegnen ...! - -Dr. Schimmelpfennig. Du bist also entschlossen? - -Loth. Wozu entschlossen? - -Dr. Schimmelpfennig. Euer Verhältniß aufzulösen. - -Loth. Wie sollt ich wohl dazu nicht entschlossen sein? - -Dr. Schimmelpfennig. Ich kann Dir als Arzt noch sagen, daß Fälle bekannt -sind, wo solche vererbte Uebel unterdrückt worden sind, und Du würdest -ja gewiß Deinen Kindern eine rationelle Erziehung geben. - -Loth. Es mögen solche Fälle vorkommen. - -Dr. Schimmelpfennig. Und die Wahrscheinlichkeit ist vielleicht nicht so -gering, daß ... - -Loth. Das kann uns nichts helfen, Schimmel. So steht es: es giebt drei -Möglichkeiten! Entweder ich heirathe sie, und dann ... nein, dieser -Ausweg existirt überhaupt nicht. Oder -- die bewußte Kugel. Na ja, dann -hätte man wenigstens Ruhe. Aber nein! So weit sind wir noch nicht, so -was kann man sich einstweilen noch nicht leisten -- also: leben! -kämpfen! -- Weiter, immer weiter. (Sein Blick fällt auf den Tisch, er -bemerkt das von Eduard zurecht gestellte Schreibzeug, setzt sich, -ergreift die Feder, zaudert, und sagt:) Oder am Ende ...? - -Dr. Schimmelpfennig. Ich verspreche Dir, ihr die Lage so deutlich als -möglich vorzustellen. - -Loth. Ja, ja! -- nur eben ... ich kann nicht anders. (Er schreibt, -adressirt und couvertirt. Er steht auf und reicht Schimmelpfennig die -Hand.) Im Übrigen verlasse ich mich -- auf Dich. - -Dr. Schimmelpfennig. Du gehst zu mir, wie? Mein Kutscher soll Dich zu -mir fahren. - -Loth. Sag' mal, sollte man denn nicht wenigstens versuchen -- sie aus -den Händen dieses ... dieses Menschen zu ziehen? ... Auf diese Weise -wird sie doch unfehlbar noch seine Beute. - -Dr. Schimmelpfennig. Guter, bedauernswürdiger Kerl! Soll ich Dir was -rathen? Nimm ihr nicht das ... Wenige, was Du ihr noch übrig läßt. - -Loth (tiefer Seufzer). Qual über ... hast vielleicht -- recht -- ja -wohl, unbedingt sogar. - - Man hört Jemand hastig die Treppe herunter kommen. Im nächsten - Augenblick stürzt Hoffmann herein. - -Hoffmann. Herr Doktor, ich bitte Sie um Gottes Willen ... sie ist -ohnmächtig ... die Wehen setzen aus ... wollen Sie nicht endlich ... - -Dr. Schimmelpfennig. Ich komme hinauf. (Zu Loth bedeutungsvoll.) Auf -Wiedersehen! (Zu Hoffmann, der ihm nachfolgen will.) Herr Hoffmann, ich -muß Sie bitten ... eine Ablenkung oder Störung könnte verhängnißvoll ... -am liebsten wäre es mir, Sie blieben hier unten. - -Hoffmann. Sie verlangen sehr viel, aber ... na! - -Dr. Schimmelpfennig. Nicht mehr als billig. (Ab.) - - Hoffmann bleibt zurück. - -Hoffmann (bemerkt Loth). Ich zittere, die Aufregung steckt mir in allen -Gliedern. Sag' mal, Du willst fort? - -Loth. Ja. - -Hoffmann. Jetzt mitten in der Nacht? - -Loth. Nur bis zu Schimmelpfennig. - -Hoffmann. Ach so! Nun ... wie die Verhältnisse sich gestaltet haben, ist -es am Ende kein Vergnügen mehr bei uns ... Also leb' recht ... - -Loth. Ich danke für die Gastfreundschaft. - -Hoffmann. Und mit Deinem Plan, wie steht es da? - -Loth. Plan? - -Hoffmann. Deine Arbeit, Deine volkswirthschaftliche Arbeit über unseren -District, meine ich. Ich muß Dir sagen ... ich möchte Dich sogar als -Freund inständig und herzlich bitten ... - -Loth. Beunruhige Dich weiter nicht. Morgen schon bin ich über alle -Berge. - -Hoffmann. Das ist wirklich -- (unterbricht sich). -- - -Loth. Schön von Dir, wollt'st Du wohl sagen? - -Hoffmann. Das heißt -- ja -- in gewisser Hinsicht; übrigens Du -entschuldigst mich, ich bin so entsetzlich aufgeregt. Zähle auf mich! -Die alten Freunde sind immer noch die besten. Adieu, Adieu. - - Ab durch die Mitte. - -Loth (wendet sich, bevor er zur Thür hinaustritt, noch einmal nach -rückwärts und nimmt mit den Augen noch einmal den ganzen Raum in sein -Gedächtniß auf. Hierauf zu sich.) Da könnt ich ja nun wohl -- gehen. -(Nach einem letzten Blick ab.) - - Das Zimmer bleibt für einige Augenblicke leer. Man vernimmt - gedämpfte Rufe und das Geräusch von Schritten, dann erscheint - Hoffmann. Er zieht, sobald er die Thür hinter sich geschlossen - hat, unverhältnißmäßig ruhig sein Notizbuch und rechnet etwas; - hierbei unterbricht er sich und lauscht, wird unruhig, schreitet - zur Thür und lauscht wieder. Plötzlich rennt Jemand die Treppe - herunter und herein stürzt Helene. - -Helene (noch außen). Schwager! (In der Thür.) Schwager! - -Hoffmann. Was ist denn -- los? - -Helene. Mach Dich gefaßt: todtgeboren! - -Hoffmann. Jesus Christus! (Er stürzt davon.) - - Helene allein. - -Sie sieht sich um und ruft leise: _Alfred! Alfred!_ und dann, als sie -keine Antwort erhält, in schneller Folge: _Alfred! Alfred!_ Dabei ist -sie bis zur Thür des Wintergartens geeilt, durch die sie spähend blickt. -Dann ab in den Wintergarten. Nach einer Weile erscheint sie wieder. -_Alfred!_ Immer unruhiger werdend, am Fenster, durch das sie -hinausblickt: _Alfred!_ Sie öffnet das Fenster und steigt auf einen -davor stehenden Stuhl. In diesem Augenblick klingt deutlich vom Hofe -herein das Geschrei des betrunkenen, aus dem Wirtshaus heimkehrenden -Bauern, ihres Vaters. _Dohie hä! biin iich nee a hibscher Moan? Hoa' -iich nee a hibsch Weib? Hoa' iich nee a poar hibsche Tächter dohie hä?_ -Helene stößt einen kurzen Schrei aus und rennt wie gejagt nach der -Mittelthür. Von dort aus entdeckt sie den Brief, welchen Loth auf dem -Tisch zurückgelassen. Sie stürzt sich darauf, reißt ihn auf und -durchfliegt ihn, einzelne Worte aus seinem Inhalt laut hervorstoßend: -»_Unübersteiglich!_« ... »_Niemals wieder!_« Sie läßt den Brief fallen, -wankt. Zu Ende! Rafft sich auf, hält sich den Kopf mit beiden Händen, -kurz und scharf schreiend. _Zu En--de!_ Stürzt ab durch die Mitte. Der -Bauer draußen, schon aus geringerer Entfernung: _Dohie hä? iis ernt's -Gittla ne mei--ne? Hoa' iich ne a hibsch Weib? Bin iich nee a hibscher -Moan?_ Helene, immer noch suchend, wie eine halb Irrsinnige aus dem -Wintergarten hereinkommend, trifft auf Eduard, der etwas aus Hoffmann's -Zimmer zu holen geht. Sie redet ihn an. _Eduard!_ Er antwortet. -_Gnädiges Fräulein?_ Darauf sie: _Ich möchte ... möchte den Herrn Dr. -Loth_ ... Eduard antwortet: _Herr Dr. Loth sind in des Herrn Dr. -Schimmelpfennig's Wagen fortgefahren!_ - -Damit verschwindet er im Zimmer Hoffmann's. _Wahr!_ stößt Helene hervor -und hat einen Augenblick Mühe aufrecht zu stehen. Im nächsten durchfährt -sie eine verzweifelte Energie. Sie rennt nach dem Vordergrunde und -ergreift den Hirschfänger sammt Gehänge, der an dem Hirschgeweih über -dem Sopha befestigt ist. Sie verbirgt ihn und hält sich still im dunklen -Vordergrund, bis Eduard, aus Hoffmanns Zimmer kommend, zur Mittelthür -hinaus ist. Die Stimme des Bauern, immer deutlicher: _Dohie hä, biin -iich nee a hibscher Moan?_ Auf diese Laute, wie auf ein Signal hin, -springt Helene auf und verschwindet ihrerseits in Hoffmanns Zimmer. Das -Hauptzimmer ist leer, und man hört fortgesetzt die Stimme des Bauern: -Dohie hä, hoa' iich nee die schinsten Zähne, hä? Hoa' iich ne a hibsch -Gittla? _Miele_ kommt durch die Mittelthür. Sie blickt suchend umher und -ruft: _Freilein Helene!_ und wieder _Freilein Helene!_ Dazwischen die -Stimme des Bauern: _'s Gald iis mei--ne!_ Jetzt ist Miele ohne weiteres -Zögern in Hoffmanns Zimmer verschwunden, dessen Thüre sie offen läßt. Im -nächsten Augenblick stürzt sie heraus mit den Zeichen eines wahnsinnigen -Schrecks; schreiend dreht sie sich zwei -- dreimal um sich selber, -schreiend jagt sie durch die Mittelthür. Ihr ununterbrochenes Schreien, -mit der Entfernung immer schwächer werdend, ist noch einige weitere -Sekunden vernehmlich. Man hört nun die schwere Hausthüre aufgehen und -dröhnend in's Schloß fallen, das Schrittegeräusch des im Hausflur -herumtaumelnden Bauern, schließlich eine rohe, näselnde, lallende -Trinkerstimme ganz aus der Nähe durch den Raum gellen: Dohie hä! Hoa' -iich nee a poar hibsche Tächter? - - - - - Herrosé & Ziemsen, Wittenberg. - - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Regieanweisungen im Dialogtext wurden in Klammern eingeschlossen. -Hervorhebungen wurden mit _Unterstrichen_ gekennzeichnet. - -Die Schreibweise und Zeichensetzung des Originales wurden weitgehend -beibehalten. Nur offensichtliche Fehler wurden korrigiert wie hier -aufgeführt (vorher/nachher): - - [S. 15]: - ... vom Buffet, setzt alles auf den Tisch vor Loth. Grand - Champague, ... - ... vom Buffet, setzt alles auf den Tisch vor Loth. Grand - Champagne, ... - - [S. 18]: - ... Vancover-Island nur zum Zwecke parteilicher Agitation ... - ... Vancouver-Island nur zum Zwecke parteilicher Agitation ... - - [S. 42]: - ... auf seinen Patz begiebt. ... - ... auf seinen Platz begiebt. ... - - [S. 49]: - ... Loth trit aus der Hausthür, steht still, dehnt sich, thut - mehrere ... - ... Loth tritt aus der Hausthür, steht still, dehnt sich, thut - mehrere ... - - [S. 112]: - ... beleuchtet ist auch noch die Holztreppe in dem erstem Stock. ... - ... beleuchtet ist auch noch die Holztreppe in dem ersten Stock. ... - - [S. 112]: - ... Nich mal det bisken Nachtruhe hat man. -- Immer verraulicher. ... - ... Nich mal det bisken Nachtruhe hat man. -- Immer - vertraulicher. ... - - [S. 117]: - ... Süd- nnd Nord-Amerika, an Afrika, Australien, die ... - ... Süd- und Nord-Amerika, an Afrika, Australien, die ... - - [S. 122]: - ... Loth. Wird's nicht bald zn Ende gehen? ... - ... Loth. Wird's nicht bald zu Ende gehen? ... - - [S. 135]: - ... Wintergarten hereinkommend, trifft aus Eduard, der etwas aus ... - ... Wintergarten hereinkommend, trifft auf Eduard, der etwas aus ... - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Vor Sonnenaufgang, by Gerhart Hauptmann - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VOR SONNENAUFGANG *** - -***** This file should be named 52218-8.txt or 52218-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/2/2/1/52218/ - -Produced by Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This -file was produced from images generously made available -by The Internet Archive. - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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