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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Versöhnung - Gesänge und Psalmen - -Author: Oskar Schürer - -Release Date: June 2, 2016 [EBook #52221] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERSÖHNUNG *** - - - - -Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - - Oskar Schürer - - - - - Versöhnung - - - Gesänge und Psalmen - - Kurt Wolff Verlag · Leipzig - 1919 - - Bücherei »Der jüngste Tag«, Band 71 - - Gedruckt bei Poeschel & Trepte, Leipzig - - Copyright by Kurt Wolff Verlag, Leipzig 1919 - - - - - Armes Wort - - - So steig ich wieder auf, heimlich erhobene Schale! - Schon schüttet ewiger Sinn sich in mich schwer. - Wird mich nicht überreicher Drang zermahlen? - Gesang quält wieder auf und bettelt sehr. - Doch immer spür ich Scheu, hinaufzublicken: - Geahnter! Du wirst Wert und Wort der Stunde knicken. - - Sieh, meine Hände sich wie Ringer keuchend um dich falten! - Wie halten -- o wie retten dich in mein Erkalten? - Du lädst dich in mein armes Schaun, wie schwank ich wild! - Berührten, die ich pflückte, Erdenharmonien dein ewig Bild? - So schlürft ich nie, Verzehrender! so ward ich nie verschleudert! - Hinrasend Meer! Aufblühe, Mensch! noch Tierblick sich ins Ahnen - läutert! - - O lösch mich aus, Gewalt! so trüb dort unten spült der Tag. - Schmilzt hin vor dir und höhnt, der so an deinem Busen lag. - Schon gleit ich nieder. Täler brüllen auf, da ich sie fülle - in Drang und Trotz. Sie werden über mir zusammenschlagen. - Ein Schluchzen nur in armer Hand werd ich in meine Hütte tragen, - Ein Schluchzen, drin ich mich in lauter Scham verhülle. - - Doch immer hart getürmt auf mein Verzagen ragt Gebot: - »Ich hab mich dir gezeigt. Du wieder sollst mich zeigen! - Ich bin der Sinn und Form ist meine Not.« - Dann werde ich mich neigen, großer Rufer! tiefer neigen. - Dein Bild zu wagen, taste ich nach Körnern warmer Erde: - Ach wie ich greife, wird es Asche werden. - - - - - Winterritt mit weißen Hunden - - - Weicher Hufschlag kost die weißen Flächen, - lichtumspülte Berge wandern mit. - Selig Jagen, daß die Fernen brechen, - wilde Nähe dampft von meinem Ritt. - - Schneegewölke stiebt um unsre Lenden, - Sonne schauert auf in weißem Gischt. - Meine Hunde schießen vor und wenden, - Wellenlust, die sich dem Schäumen mischt. - - Froh umbellt und königlich getragen, - Gold blitzt auf dem wildgeworfnen Huf. - Bläh' die Nüstern, Brauner! Friß dein Jagen, - spür auch du den Drang, der dich erschuf. - - Tag schreit auf und selig kreist die Sonne, - trunkner Bräutigam umkniet die Braut. - Ich bin Tag und Hund und Pferd und bin die Wonne, - die in Taumeln ihren Gott erschaut. - - - - - Nacht im Februar 1917 - - - So ritt ich durch die armen Fetzen Ewigkeit. - In stummem Zwange lag die Nacht geknebelt - und lohte hungernd, wie ein ausgeweintes Leben - nach einem Schmerzensschrei, der sie erlöste. - - Erbarmungsloses Mondlicht drängte alle Sterne - in freudenlose Firmamente roh hinauf, - mit kalten Hieben warf es unsre Erde - -- das weiße Schneeland, das um Sonne trauert -- - wie einen Toten in den fahlen Grund. - - Gespenstisch fror das kalte Dämmern auf dem Leichnam, - den ich mit grauem Schauder überritt. - - Aus ihrer Schattenbläue sprangen dunkle Bäume - wie rasende Fontänen schwarzen Blutes auf, - im lodernden Geäste sich verspritzend. - Rauchende Dolden tobten wild ins Graun. - - Und harter Mondschein starrte alle Brunnen Blutes, - und fror gespenstisch auf der Leiche Welt, - in die mein Pferd die scharfen Hufe bohrte. - - Solang ich ritt, umgraute mich der Leichnam - und Wunden sprangen blutend, wo ich ritt. - Da half mir niemand solche Wehschau zu ertragen. - - Du arme Welt, wer hat dich so geschlagen? - O Menschenerde, wie du dich verklagst! - Ich schrei den Bußeruf, den du nicht wagst. - - - - - Märzpsalm - - - Erbarmender! daß ich hier liege - niedergeworfen in deine keimenden Schollen! - Höre mein Schrein! - Wer warf uns in solche Geschicke? - Raserei über uns! ewig urfremdes Sterben! - Sterben in Frühen und Abend und duldenden Nächten. - Leben uns ausspie; - in Erden müssen wir kauern, ach! hassen die dumpfen Tage! - Immer geduckt unter drohenden Fäusten, - brechendem Hohn. - O wer hat uns so unterjocht? - - Empörung lauert in allen tödlichen Schlachten, - da aus der Not sich erkannte - Opfer und Mord. - Wohin, ihr Alten, stelltet ihr eure Söhne, - daß sie euch hassen müssen - jungguten Erkennens! - Denn euer Tun müssen wir büßen -- - Was fehlten wir? - Euern verirrten Begierden - was bluten wir noch? - - Säulen von Vätern lasten - schwer auf uns. - Wir wollen sie vertoben, - verspritzen, - in Tage baun, uns zu erfüllen! - Es wartet ein Tun in den Welten: ich möchte es wagen! - Es jagt ein rotheißes Geblüt in den Adern der Erde: - ich möchte es küssen! - Geschöpf sein und leben! - - Ging ich, mein Vater, nicht, - ein Schwankender, - unter den Lasten deiner Gesichte! - Lagerten sich nicht schwer - auf meine Tage - all deiner Schöpfungen blitzende Momente - Schicht um Schicht! - Daß auferstand aus Gebirgen Fühlens, - -- zu reifen in unendlichen Jubel -- - Gütiger, dein Bild! - dein Lächeln, mein Vater! - - Jetzt schütten aus grausamen Stunden - Aschen nieder die Tage - und tiefer immer versinkt mir - dein erhabenes Gesicht. - Halte mich, Vater! - O, dich zu halten aus dem schwingenden Lachen der Stürme - sandtest du diesen Tag! - Sandtest Geläute der Himmel, - daß ich dich greife, - aus den verzückenden Sonnen dich, Rufender, zwinge - in mein empörendes, in mein - demütiges Lied. - - - - - Seht, wie Tod bereite Schale hebt - - - Immer glüht der Tod um unsre Glieder. - Schaut sein Flammen armen Leib umlohn! - Tage schmelzen uns und Stunden nieder. - Schon auf toten Vätern schreit der Sohn. - - Alles Tun rinnt ab von unserm Wollen. - Seht, wie Tod bereite Schale hebt! - Alles Schlürfen ist Verrat am Vollen! - In sein Sterben reift, was immer lebt. - - Wessen Schwur sich reißt vom Mutterschoße, - sinkt schon hin in tödlicher Magie, - brennt sich ab nach dem erzwungnen Lose, - bis ihn letzte Stufe niederzieh. - - Wort, das in das große Lauschen hallte, - schlägt sich ein in Wellenmeer und stirbt. - Tod ist Freundschaft, die hinüberwallte. - Liebesblick, erloschner, nie mehr wirbt. - - Schritt, den ich getan, ist Raub des Todes, - da ihn furchtbar großer Raum verschlingt. - Liebes Gestern, grausam hin verloht es. - Melodie ins Nichtmehrsein verklingt. - - Wir sind Wälder nur dem Tod zu pflücken - -- Sonne winkt vergeblich blau und rot -- - Tropfen nur, die sich im Fall verzücken. - Schwankend unten füllt sich Schale Tod. - - - - - Einer doch wandelt ... - - - Einer doch wandelt - unter allen Menschen - und noch einer wohl, - der trägt und trachtet - Leid und Last seiner Welt. - Hat sein Erbarmen gestachelt ein voriges Schicksal, - Blutet er unterm Erinnern des lächelnden Gotts? - Plötzlicher Schreck dolcht sein Lachen und trinken nimmer in Frieden - kann er der gütenden Nächte Beruhigung, - denn ewig rafft ihn der Schrei: - Grausames Mißtun der Erde! - Notverkrampfte Arme zucken nach Sonnen hin - und Mutterhände, fiebernd gefaltete, würgen sein Träumen. - Heiß überm Lärmen umgellt ihn die Klage der Väter, - wenn sie am Abend gehn, siech um den Märtyrer Sohn. - So wandelt der eine durch schreiende Tage und Länder. - Tief in sein Aug ist gekerbt alles Leiden der Welt. - Frierender Kinder und stinkender muß er erbarmen. - Hunger der Vielen durchschüttelt ihn und noch der Huren - anklagend Geheul reißt sein teilendes Herz in Zerrüttung. - Silbernes Lachen der Mädchen kann ihn nicht trösten. - Jubellust Gieriger stampft unter Füße sein blutendes Menschsein. - Wild aus Erinnern und Vorschaun auftobt ihm Verzweiflung. - Dann wird er Mensch sein! - Aufstemmt ihn rasende Lust - zu tragen, zu leiden, - der Tiefste zu tauchen in ausgeschüttete Qualen der Welt. - Nottrank der Nächte schlürft er, bitteren Balsam dem Wunden der - Tage. - O, Phalangen Schwerterglut pflückt er mit selig erwachender Brust! - Aus Krämpfen und Krümmung der schreienden Glieder dann - -- Tobe du Seliger -- - Aufblüht sein siegender Tanz. - - - - - Ein Menschentag - - - I. - - Frühe spaltet die Mauer, die Mauer Nacht. - Flammender Riß in der Ewigkeit: Tag erwacht. - Nachttiefen schleudern schon schwanke blaugoldne Gefilde - an meine rasenden Fenster. Dämongebilde. - Höhlen und Hallen aufdämmern, draus donnert ein Urgesang. - Schaukelnde Wände noch stauen den schütternden Morgendrang. - - Ewigkeit schäumt über Deine Erden und Welten, - Schöpfer Du, trunkene Deines erhabenen Gesichts, - nun die geschäftigen Menschen in Hütten und Zelten - verkrochen noch harren des deutenden flachenden Lichts. - Teile mit mir, Deinem Einsamen, göttliche Stunde! - Jauchzenden Urbeginn pflück ich aus Deinem Munde. - - Einziger Quell ich im Weiten! Jetzt finde ich rauschenden Chor - in Deiner stummen Geschöpfe ewigem Hymnen. - Erdschollen schwer aus der Finsternis rollen hervor, - Wälder schon gischtend im Morgenschaum jubelnd erglimmen. - Türme, ein königlich Bruderpaar, stürmen herein, - Edelwild, kühn aus den Träumen von schlafenden Städten. - Flammenden Himmel sie tragen auf goldnen Geweihn - zum Strome und huldigend beugen sich Hügelketten. - - Rasender Schnellzug! Mein zischender Pfeil durch die Nacht, - splitterst du? Schmilzst an des Morgens glühenden Rändern? - Schreit ein Getöse auf. Plötzlich ein Ungetüm lacht, - reißt alle Sichten zu tanzenden jagenden Bändern. - Hetzt alle Bilder gegen mich an, fordert Gestalt. - Werdenden Tages Begehren aus blauer Frühe! - Alles Lebendige hat sich in mich verkrallt, - fordert Leben und Sinn. O marternde Mühe! - - Taumel der Schöpfung in mir! Fieber des Werdens! - Schädel ist nicht mehr Schädel! durchrissene Schau. - Lauschend zerstiebt mein Gehirn, zertümmelt von wütenden Herden, - brandende Morgennot taumelt um neues Vertraun. - Schlürfe ich -- werd ich geschlürft von rasenden Schwingen? - Stürzendes Einfallstor unausgedachtem Verlauf! - Ungeheueres, werdender Tag, wirst Du bringen! - Läutet, ihr Berge, aufdampfende Meere! Menschen, wacht auf! - - - II. - - Hoher Tag schwingt in Kristallen auf mich zu. - Reife Stunde ruft: o du! o du! - An mir vorüber wild jagen - Bilder aus vorigen Tagen. - Gebirge vor mir her - Mein Wünschen rast. - Doch über allem donnerschwer - wuchtet Gesang dieses Tags: - Mensch, o daß du dem Rhythmus der Welten genast, - ertrag's! Ertrag's! - - Stunde ist geladen mit brechender Magie: - Rühr mich nicht an! - Aufspritzender See seine Wogen spie, - Sphären saugen wie Vampyrn sich an. - Schicksale schreien wild sich entgegen, - Fernen sich aufgetan regen - von unerhörten Tumulten des werbenden Tags. - Geheimnis aller Symbole stob hin - entsetzt solchen Taumeln. Gedanke, Gedanke muß fliehn. - Ertrag's! Ertrag's! - - Jetzt press' ich nackte Welt an nackte Brust. - O rasender Pulse Ineinanderhämmern. - Wirf einen Haß, eine Liebe, Raserei in diese Brust, - mich in die Endlichkeiten einzudämmern! - Wie trag ich solches? Furchtbar schwillt mein Tanz, - Kampf mit Unendlichem, den ich wage! - Götter, herunter zerr ich euern Kranz. - Ich Träger des Lebens! - des Heute und seiner ewigen Lust! - Mein ist der Tag! - - - III. - - Von unermessenen Küsten, - Ozean, - schütte dich nieder! - O, daß dein Wogengetürme - sternenauf wüchse - furchtbaren Falls dich zu schleudern - Wider die Erde, - wider unseligsten Stern! - - Schlürfe doch, o schlürfe meinen brüllenden Stein! - Was hält er mich noch? - Stemmt ihn mein lastender Fuß - in solches Trotzen? - Raub ihn! Verschlinge ihn! - Siehe, ich stoß ihn dir zu! - Du Gewaltiger, den ich doch höhne, - du zauderst? - Lock ich noch immer nicht deine tobende Rache? - Ha, du verschmähst mich, - den Winzigen, - verächtlichen Gaukler! - - So stürz nieder, Sonne, - lügendes Gestirn, - polternd schon bricht ja dein Taggesäul, - das du verraten. - Nieder stürz, anderen Welten - flamme den heuchelnden Glanz! - Andere Welten - locke zu Tanzen und Singen, - locke zum Preise des Gottes - tückische Täuschung. - - Uns ward der Glanz trüb. - Uns warf sein tödlich Gepränge - der Sternentag hin, - da wir nun wissen, - daß nur zu ruchlosen Freveln sich - Todreigen schlinge, - daß sich Geschöpftes zerrase - in ewigem Kampf. - - Teilsein ist Menschenlos. - Weinend um seine Begierden mengt sich die Zwei. - Du aber lächelst uns - einstens und immer - Güte und einendes Sein. - - Verhülle dich, Erde! - Verhüll deine ewige Täuschung, du Ungeheuer! - Dem stürzenden Meere zum Fraß - wirf deine Sonne hin! - Zerschmetter' dich endlich am Hohn deines Nichts. - O, vergehe in Dunkel und laß uns - mit dir vergehn! - - - IV. - - Daß solches Nachten wieder auf uns taut - und warme Sterne müden Scheitel netzen! - So darfst du dich am hohen Sinne letzen, - dem sich dein Leben wieder anvertraut. - - Bis endlich sich dein voller Tag erbaut. - O Drang der Frühe, Taglust und Entsetzen - des Abends mußten in dich stürzen -- Fetzen - des schweren Segels, das sich rauschend staut - - in diesen ewigen Hauch. Jetzt spann dich weit, - zu saugen aus dem All, was dich begüte. - Quellender Blutmast Mensch, sollst Träger sein! - - Du Schiffer zwischen Horizonten Ewigkeit! - Toter und Ungeborener flüchtige Blüte, - schöpf' aus der Nacht Gedulden und Gedeihn. - - - - - Flucht und Zuflucht - - - I. - - Mein Vater, wandeln Deine Sterne nimmer? - So müder Himmel meine Schulter drückt, - ach, hämmert solch Geschrei aus meinem Wimmern: - Wer hat mich frech aus Deiner Hand gepflückt? - Brautgarten, drin Dein Lächeln mich umkoste, - mir blaue Stürme kündeten Dein Nahn, - was läßt Du mich verwelken, Deine Blüte? - Dein Schwert, das Dich aus allen Steinen sprühte, - zürnend der Scharten, hast Du's abgetan? - Im armen Winkel läßt Du es verrosten. - - Wie starb ich von Dir ab? o müdes Sinken, - kaum such ich mehr nach Brücken oder Weg - und trage doppelt Sterben, nun Dein Winken - aus vorigen Tagen dunkelt im Geheg. - Als Du ein Ahnen, dem ich mich vertraut, - zu Domen über meinem Tag erbaut! - Ich Meer, gestürzt in bodenlose Tiefe! - Aufschossen Ufer, Feld, ragende Wand, - dran Wellenträume fetzen, die Dich riefen. - Jetzt bin ich hohler Sumpf und Modersand. - - Nur manchmal bröckelt Sturm in meine Nächte. - Dann schreck ich auf, von Himmeln ganz erdrückt, - und grabe müder armem Tag die Schächte, - der mich von Deinem Flammenstrauch geknickt. - O, ward ich überwachsen von den Bäumen, - die ich, versuchend frech Dein hohes Dulden, - in Deine Gunst zu pflanzen mich getraut! - O durft ich mich an Ding und Ding versäumen, - an lautem Tun mich lästernd so verschulden, - da noch aus Dickichten Dein Strahl mir taut! - - - II. - - Schau her, mein Vater, wie ich mich zerbreche. - Mein arges Tun, ich schlepp es keuchend her, - hier steht er nackt, des Gottes trunkner Zecher! - Ach, seine Schalen sind von Dir so leer. - Sein Mund: noch grinst Verrat an seinem Rande. - Dies Auge: kaum verdeckt es seine Gier. - Die Hände immer tastend nach der Schande - und Leib und Bein so träg, so stumpf, so Tier. - - Schau, welke Blumen reiß ich mir vom Scheitel! - In wildes Schreien trotzt jetzt meine Scham. - Ach, wo ich gut mich nannte, war ich eitel, - und Falschheit gab ich, wo Vertrauen nahm. - In wüstem Heute meine Tänze stöhnen. - Jetzt büße, daß Du mich so klein erschufst. - Gestrüpp von Fluch und Kniefall, Betteln und Verhöhnen. - Zertritt mich doch -- ich trag's nicht, daß Du rufst. - - Und doch ist Lauschen noch in meiner Seele. - Barmherziger! Jetzt stürzst Du groß zu Tal. - O bist Du süßeste Frucht aus allem Fehle? - Ringt sich zu Dir nur alle Sündenqual? - Brauch ich mein Lästern reiner Dich zu quellen, - ras' ich durch Buße tief in Deinen Schoß? - Soll ich an jedem lauten Tag zerschellen? - Nur Abtakt Deines Reigens ewig groß! - - - III. - - Darf ich noch flehn, so fleh ich Not und Fehle. - Noch scheiden tausend Freuden mich von Dir. - Verrat nur lauert, wo ich tastend wähle. - So sei im Leiden Du mein einzig Hier! - Ein Mädchen ging so arm an mir vorüber, - hinkenden Fußes, schwarz, im Trauerkleid. - Was barg ihr noch die Erde: Gram und Fieber, - doch fühlt ich tief: Dir war sie ganz bereit. - - Ich aber hänge noch an vielen Lichtern. - Der Scholle Segen hält mich und ihr Fluch. - Mir gaukelt Welt in lockenden Gesichtern - und blätternd haft' ich noch an ihrem Buch. - Noch zieht mich Hoffnung in die blauen Gründe, - Erinnern läßt tiefatmend mich erblühn. - O blaue Meerfahrt! Liebe, der ich münde! - Und Sonne, Sonne will in mir verglühn. - - Du aber stehst beiseit' und läßt mich währen, - bist nur ein leises Rufen in der Nacht. - O, hilf mir, Vater, daß ich zu Dir kehre, - nimm von mir meiner Tage eitle Tracht! - Gürt mich in Leid, verhülle mich in Reue, - streif die Gewänder Erdlust von mir ab. - Schon spülen Träume mich in Deine Bläue, - nackt sinke ich in Deinen Schoß hinab! - - - IV. - - Einst riß ein Rufen aus getürmten Zeiten - mich wild hinaus Heißdürstenden zum Trank: - Dich schreit Gebild. Propheten um Dich leiden. - Wie sank ich nieder, bis ich ganz versank. - Schwer lastete auf mir Dein groß' Begehren. - Und Not ums All fiel steil mich zu verzehren. - - Und wieder auf ins Brausen der Geschicke - warf ich mich brünstig. Zeiten schlugen wild. - O Schicksals Babelturm auf mir: ersticke - im Sturz der Massen, der dich nimmer stillt, - und röchle armen Tanz, so heut wie gestern: - Ihr Stückchen Gottes kosend alle Menschen gehn. - Zerbrich's an Deiner Gier: Verzweiflung wird dich lästern. - Wild lachend Sonnen ihre Kurven wehn. - - Ich stürmte weltenauf und weltennieder. - O Tage, von Tumulten übervielen greis! - Bis mir ein Trösten stieg aus dem Verwirrten: - Mein eignes Rufen hallt die Fremde wider. - - Ich Mund allallen Jauchzens und Geschreis. - So kehr' ich heim, zurück zu mir Verirrtem. - Laß mich denn, Vater, ganz in Dir verstummen! - Sei meines Auf und Nieders letzte Ruh. - Und schüttelt Drang von der Geschicke Summen: - Doch aller tiefste Melodie bist Du! - Will nur mehr schürfen tief in mir ein Lauschen. - Schon klingt Dein Regen, wie Du Dich mir neigst. - Aufraucht mein letztes Opfer, bis Du rauschend, - mein Gott, Deinem Getrümmer Mensch entsteigst. - - - - - Nacht - - - Erhabene, glühst du mir wieder, - Dunkelumfangende du! - Schwankend auf deinen Säulen - und doch voller Ruhe! - O, du überschüttest mich nicht und wirst mich nicht stürzen. - Weit hast du dich gespannt und du versagst dich nicht - meinem Aufruhr! - Hintaumeln darf er unter deinen Gewölben - und sich vergeuden. - Ah, kein aufdrohendes Notgebild - zückt ihm die Zeit. - Sterne schüttest du, unzählige Geschwister - den Bränden meiner Brust, - und wo du die Säume faltest deines Mantels, - da wartet mein Träumen. - - O, daß du wartest, Geduldige, - o nimmer mich zwingst - auszubrechen in die berstenden Schollen, - in saugende Klüfte - vor solchem Gefühl! - Ruhe spülst du in meine Adern und kosendes Dunkel - hast du zu einer mildladenden Pforte gestellt, - -- o nächtiges Tor! -- - ohn' Ende zu schreiten, zu atmen - und hinzubreiten wie Wellengeriesel die dunkelgeballte Inbrunst - den sonnigen Spielen meines - ewigen Tags! - - - - - Frühling - Eine Trilogie - - - I. - Elegie - - Brach uns der Flieder schon auf? O, schütteten heimliche Nächte - Duften in unseren Traum, daß er das Herz uns betört? - Sehet, wie andere Himmel schaukeln die volleren Bäume - auf ihren Blätterstolz schon selig das Strahlengewölb. - Blühen umsäumt uns lauschige Wege, und junggrüne Matten - kosen im spielenden Licht, kosen dem werbenden Wind. - Tänze aus brauendem Wohllaut heben sich lind uns zu schmeicheln. - Mädchen, dein flatterndes Haar lockt uns zur schwellenden Brust. - Weitet sich all unser Fühlen so plötzlich in lindere Räume, - hält uns ein goldenes Netz Vogelsangs heimlich umspannt? - Herz, was erschrickst du? Ermattest von so viel offener Freude? - Schauerst so einsam zurück? Nimmt dich der Jubel nicht auf? - Ach, über Nacht brach der Frühling in deine umschmerzten Gehege, - pocht nun wie feuriger Wein; wehe, du kennst ihn nicht mehr! - Hobest ihn nicht aus dem Ahnen mit spähenden tastenden Augen, - reiftest nicht gläubig hinein in seine schwellende Lust. - Mußtest in Sehnsucht und Qual die stürzenden Tage verjagen, - durftest nicht lauschen, wie lind neuer Gesang sich erschuf. - Schauer sind dir und Jubel die hetzenden Treiber der Tage, - fremd aus versäumtem Bereich fächelt der tröstende Hauch. - Triebe nicht und nicht die Knospen sahst du im lockenden Morgen - atmen und schwellen und blühn, eh sie die Sonne verriet, - daß sie in Jubel aufschäumten, als hätte sich lichtes Gewölke - mild auf dem zarten Gezweig kosend und bergend versäumt. - Sahst nicht die jubelnden Bäume hinstürmen in weitoffne Himmel! - Schriest nicht in blühenden Sturm! Wehe, es ist nicht dein Lenz! - Stehst nun, ein Fremdling, im lieblichen Segen frohlockender Gärten. - Stiegst wohl vom Berge herab, nimmer erkennt dich das Tal, - nimmer umspielt dich Willkommen der selbstgepflanzten Gebüsche, - mütterlich Raten und Tun hegt nicht den heimlichen Ort. - Blickst nun so einsam, verstoßen, auf dankbare Freude der Andern, - in ihr auflachendes Spiel lockt dich kein freundlicher Ruf. - Gehst in den Abend und schauerst vor Kühle, nun Flöten aufschluchzen - nun sich ein Mädchenlied süß noch in den Amselsang flicht. - Ah, und da kommt es dir, Armer: die Tränen hast du vergessen, - linderndes Schluchzen der Nacht, das dich den Tagen versöhnt. - Drin sich das hastende Leben rückfindet und ausruht für Künfte, - dämmernde Teiche, darin Rosen trinken den Mond. - Hast nicht die Süße des Trauerns vergönnt deiner wartenden - Sehnsucht! - Unausgeweintes Leid, mußt es nun tragen so schwer. - - - II. - Bacchanale - - Taumelt der alte Gott über meine Erde? - Locken schneeige Brüste aus Sonnenglut, - daß ich sie küsse, - daß ich ersticke in ihrer hüllenden Lust? - O mein Frühling du im rauschenden Zenith! - Wie brandest du rasend über uns Kleinen - und ohn Erbarmen! - - Sehnend standest du auf, bis du schwanktest - in deinem Blütenrausch, - und wieder verschütten wirst du dich, - niederstürzen vom Berg deiner Trunkenheit. - Dein Vergehen noch überjubelst du - glühenden Tanzes! - - O Seliger über uns allen! Hier meinen Sang - deinem höchsten Tag! - Deinem Triumphe, du Göttlicher, - beuge ich mich tief. - Klirrend dir entgegen zückt - aller Welten Blut. - Zeugung ohn' Ende und Wollust, die sie geboren, - spritzt heiß aus deinem Wahn, - aus Blütenkelchen, Dolden, Träumen, Rausch! - - Magnolien verschäumen sich, und des Rhododendrons Süße - lohte deinen Küssen, erbarmungsloser Sieger, schon hin. - Sternig perlt Goldregen nieder zur Erde, - -- Umarmung der Danae! -- - und dunkle Rosen ertrinken in zuckenden Orchideen - wie Tropfen Blutes. - Meere schütten sich dir aus - und über sterbenden Flieder noch stöhnt der Jasmin seine Lust. - - Farben und Düfte taumeln ineinander - zu deinem tödlichen Trunke, - o reiche ihn uns! - Wir jubeln des Gifts, das in unsern Adern frohlockt, - und der treibenden Sünde. - Zerstör' uns, vernichte uns, panischer Zauber des Blutes! - Komm an, du Allbefreier! o, endlich nimm uns auf! - Deine Grausamkeit, laß sie uns küssen, - du spielende Natur! - O Bestie, wir beten dich an, - noch unterm Dolche, den du uns lachend zückst. - Erwürge uns, Rasende, immer noch - ist unser der Triumph! - - Ihr berstenden Sphären, brecht los eure drohenden Gewitter! - Versengt uns! O tötet uns! Nirvana glüht! - Schon packen die Stürme in meine rauschenden Buchen, - beugen sie tief, - schon ächzen die knorrig verwurzelten Stämme - unterm düstern Firmament. - Entladung umgärt uns! - Donner brechen vor aus Himmelshöhlen, - zerschmettern die Wölbung -- - o wie stehen wir hohl! - In stäubende Blütenwolken hüllen wir uns tief - und bergen uns, - bis kühlende Tropfen uns netzen -- - O, Regensang lindet! -- - und unser Aufruhr ergibt sich in jubelndes Schluchzen: - O du, unsre Erde! - - - III. - Ode - - Wo ist ein Leid, so tief, daß es mich hülle! - Wo quillt ein Schicksal, das mich unterjocht! - Uns zwingt ein Drang aus übermächtiger Fülle - auf Höhen, wo der Gott im Rausche pocht. - Die Himmel öffnend, stürzt er uns entgegen. - Trieb Jubel oder Not uns auf den Grat? - Wir fragen nicht. Wir schlürfen seinen Segen - und warten demutvoll auf unsre Tat. - - Denn irgendwo ist sie dem Mann beschieden; - gespiegelt schon aus Höhlen seiner Not, - formloser Traum befreiter Karyatiden, - weitoffen dem unendlichen Gebot! - O magisch Wirken, das sie heimlich bindet, - die Schwestern Eigennot und Tatenglück: - Not lischt, die sich in Taten sicher gründet, - und Tat schmilzt mündend in die Not zurück. - - Wir kennen nicht des Leidens bange Süße, - des Trauerns Säumnis ist uns nicht vergönnt. - Und wo wir Lust mit stolz Entsagen büßen, - wir dulden keinen Zug, der es euch nennt. - Und schreiten herben Augs die steilen Pfade. - Gewölke Lächelns blühn zu Seiten auf. - Schon winkt in Fernen Opfers reinste Gnade - zu bändigen des Chaos rasenden Lauf. - Wir tragen dieses Erdenseins Empörung. - Donnernd stürzt Weltennot in eigne Qual. - Zerstampfe sie und lache der Zerstörung: - Auf reißt uns Wollen immer höh'rer Wahl. - Wie sich Gewalten in uns stemmen, bauschen! - Wir Trunkene des grenzenlosen Falls, - ballten wir Wehr aus dem Vernichtungsrausche? - Ah! Retter sind wir des bedrohten Alls! - - - - - Orphischer Psalm - - - Treibender Du, - den alles Wesen verkündet, - Geburt und alle Gebärde jubelt - und noch jauchzt das Vergehn, - zu groß sind, ach! Deine Welten - meinem Umklammern, - zu groß noch -- daß ich Hingerissener wagte - mich ganz Dir zu nahn: -- - meinem rasenden Zerstören. - - Siehe, Deiner Tage sind viel - und bunt sind ihre Gewänder und flattern im Sturm. -- - und lockt doch in ihrem verschlungenen Reigen - verborgen ein Spiel! - Laß es mich künden, Erhabener! - Tiefer sind Deine Nächte und ihre Weihn - schlingen wie Brücken von Tag zu Tage sich hin, -- - doch ihren letzten Gesang - Du läßt ihn mich schweigen. - Dumpf aus den Gründen verhöhnen mich - Fetzen Antworts. - - Träume ewigen Beginnens wüten - um endliche Gestalt. - Traumstümpfe züngeln hinauf in den dunkeln Raum, - aber in meinen gierigen Händen - zerbrechen alle Bilder, - zerbrechen an Deinem Allsein, - das uns verschmäht. - - Berstend von Deinem Rufen entfloh ich, - -- mühselige Gedankenflucht! -- - Immer doch warst Du über mir - und ich erkannte Dich nicht. - Entfernt Dich nur immer weiter mein dunkles Sehnen? - Wie härmt ich mich, Vater! - Bis mich dein Sinn in tiefes Träumen rief. - O lockend süßer Grund! Weg über Moore! - Wie sank ich gern ins ewige Zurück. - Und goldne Kreise schwingend mit mir sanken. - Tiefblaue Räume perlten klares Taun, - Goldkreise zogen milddurchstrahlten Reigen, - Glanzschächte brachen auf, in ihrem Blaun - flammende Pfeile sah ich sinken, steigen. - - Wie brach ich wunschlos ganz in mir zusammen! - War frohe Beute grenzenlosem Spiel. - O Bad in violetten Wolkenflammen, - hier ist mein Wesen klar geschautes Ziel. - Hier quillt kein Fragen: Deutung alles Werden; - im Gleichklang strömen volle Welten hin, - und ewig wechselnd tauschen sich Gebärden; - doch über allem: Lächeln ist ihr Sinn. - So schweb ich in der Gunst der Harmonien, - aus tief verborgenem Grund ein Singen quillt, - schon rhythmen sich die Spiele, Kreise sprühen: - Aus dem Gewoge taucht der Leier Bild, - wächst höher, strebt hinauf in mein Erwachen, - Spätabend tönt ihr süßen Willkomm dar. - Jetzt gib mir eine liebe Welt zum Spiele. - Der mich im Traum erhört, Du sei mein Tag, - daß ich die Leier, Deiner Träume Gabe, - den Welten, Deinem Spiegel schlagen mag. - Du laß mich lieben, bis ich wunderbar - in meinem Rausch das All umschlungen habe. - - Was schmerzt dich, Bruder Mensch? O, traue, sage! - Haßt du mich noch, da ich dir singend nah? - Gib her dein Leid, ich will es mit dir tragen - und will dir künden, was ich träumend sah. - Ihr lieben Tiere, daß ihr noch müßt toben! - Noch habt ihr solches Singen nicht gehört. - In Dumpfheit Arme, kommt, auch ihr dürft loben, - wenn euch der wilde Schreck nicht mehr umstört. - Ihr Blumen, duldende! Ihr kühlen Steine! - Hier ist ein Trank, der alle hüpfen macht. - Ihr Hügel, lernt nun endlich euer Weinen, - in goldnen Spielen sei es euch gebracht. - Ihr Welten, stürzt zusammen solcher Einung! - Ein Stern in eure armen Seelen fällt. - Frohlocken heißt die göttliche Beweinung! - Erlösung blutet immer durch die Welt. - Was durft ich schauen! O, was durft ich singen! - Geh ich nicht, Rasender, am Rand des Nichts? - Lauert nicht Schwäche hinter meinem Schreiten, - stößt mich ein böser Blick hinab, hinab! - Ach, werden nicht die Dinge sich empören? - Wütende Dinge, die ich in Liebe gebannt! - Wird nicht ein Zauber ausbrechen, - dem ich das Siegel entwand? - Ach, einmal werden mich alle Bilder hassen, - zurück mich schleudern aus ihrem sichern Verband! - Nichts wird mehr mein sein, - nichts auf der grünen Erde! - Verstoßen wird sein, wer das All zu früh erkannt. - Dämonen werden sich auf mich stürzen. - Bestien geknechteten Leids. - Rache der Zeichen! - Schlotternd werde ich hingehn - und nicht mehr wissen mein Lied. - Träume hetzen mich, - Fieber züngeln um meinen brennenden Leib. - Mänaden! Mänaden über mir! - O, blaues Meer wird mich nicht retten, - wird dampfen von meinem Blut! - Schreien werde ich, schreien - und Dich nicht mehr kennen, mein Vater! - - Dann bleib mir nah! - O walte Du in meinem irren Traum! - Du schwebe mild in meinem irren Lächeln, - Du sei die Glut, die noch im Fieber loht! - Mit Deiner milden Hand nimm auf mein Rasen - und friede es gütig - zu einem Beten in Deinem - mildlösenden Busen. - - - - - Gotischer Psalm - - - Gebirge stemmtest du auf, - fühlloser Stein! - Und trotzige Felsen in lichtdurchwühlte Himmel, - daß Stürme an dir zerbrachen, - die heulenden wilden, - und furchtbar dich umschatteten - die bleichen Hände der großen ewigen Nacht. - Bis endlich in neue Sonnen sich entfaltete - dein morscher Trotz, - bis unter Menschenhand ausbrachen - in Blüten und wiegende Rosen - deine Gemäuer, - und ragende wildgeschleuderte Arme dich boten, - die wehenden Türme der Kathedralen - dich boten dem Gott! - Lächelnder Geist sank in die offenen Kelche, - loderndes Blütenfeld! - O ihr Türme über den fliehenden Landen, - ihr Arme der Menschheit! - Ragendes Menschenblut plötzlich all dies Getürme! - Göttliche Winde harfen darinnen ihr Lied. - - In Spiele lindet schon der Symbole schaurig Tanzen; - Mein nothaft Stöhnen rhythmet sich zum Sang. - Deutung des Tags erlischt -- Urdeutung jubelt; - Aus seinen Trümmern steigt der ewige Tag, - nagt sich empor an selbsterdachten Welten, - aus Untergängen hehr verjüngter Geist. - Was gilt Getanes noch, wo Tun doch alles! - In schwingenden Kreisen stirbt der alte Tod. - - O Tore Lebens, denen wir genesen! - So schleudert Sterben uns in reinern Drang! - Wo ist noch Finsternis? Wo lauern Schrecken? - Hier ist der Tag, den Gott in Händen hält. - Stürzt neubeseligt uns in solch Vergeuden: - O, nehmt mich hin! o, nehmt doch -- ich halte mich nicht! - Brech hin, Geripp, wie ich mich taumelnd verschütte, - rotleuchtendes Meer von Wollen und Gewähr! - - Schon rennen Tiere neu uns zu vertrauen, - geheime Sphäre wölkt um unsern Sinn. - O Bruder Mensch! Kristall, den ich durchleuchte! - Dumpf schauert zwischen Mensch und Mensch der Gott! - Brech durch zum andern! Zwing die letzten Tode: - durchgottet ist der weite Sinn des Alls! - Und wie du dich bewegst, du wirst ihn raffen. - Erlös ihn, daß er wachsend dich erlös. - Stürz auf in deine offenen Geschicke! - O erster Schrei aus dumpfer Lagernacht - in rote Frühn, o ewiges Entscheiden - in blitzenden Momenten! Werdetanz! - - So münd ich hin, aus dem ich einst gebrochen, - ins wild entbundne All. Stern rast um Stern. - Zuckt Ewigkeitsbeginnen solcher Einung? - O Kreatur! zurück in zeitlos Sein! - Aus gierer Lust, die dich dem Gott entrissen, - kehrst du nun heim zu deiner höchsten Lust. - Durch bunte Welten hast du dich gelitten, - bis Sühne dich entband zum Jubel: »Gott! - Ich deine Welt! Pokal und trunkner Zecher! - Und Sonnen reifen mich zum süßen Trank!« - - Schon stäubt wie Sand, was mir Dein Bild verschleiert. - Aufbricht der Sinn. In Schächte blaugehöhlt - stürzt schmetternd in sein Flammen alles Wesen - und Ruhen lächelnd birgst Ruhlosen Du! - - Du lichter Schatten sinnenlos umwunden. - Lebendiger außer allem Leben! Geist im Leib! - Wie weil ich lind in Deinem Lächeln, Vater! - Hier flicht sich ewiger Kranz. -- Leib faßt Dich nicht. - Zurück ins Branden muß ich Dich zu halten, - zurück in bunter Sinne Wechselspiel. - - Wie rag ich noch? In Dir doch so entworden. - Welt spült und leckt an meinem neuen Strand. - Du gib mir strenge Form den Wunsch zu straffen, - züchte die Sinne, walte Du als Maß! - Musik in hartem Takt, doch schwingend Triumphe! - So Dich zu baun aus Leben, dulde Du! - - O Bild, du Schrei der tiefverborgenen Sinne! - O Sturz ins Wort, du Reife ins Gebet! - In mir erst wirst Du, steigender Gott! mein Wollen - schürft Dich aus dumpfer Ruh in meinen Sturm -- - Und formt in mir die stammelnden Gesichte, - an denen ich mich höher ranken mag. - Und Sünde lauert, wo mein Drang ermüdet - Dir, Rufender, zu folgen Tor um Tor! - Du lockst zu immer neuen Wanderfahrten, - Du Insel überm dunkelblauen Meer. - Und irr ich weit -- ich habe Dich umworben, - in meine Not taut Trost aus Deiner Ruh. - Du Schwingender zwischen den engen Sphären - Du treibst aus mir, Du guter Drang, zu Dir! - Und überwölbst uns groß zu keimenden Domen - und Türme schießen aus gestauter Brunst. - Gestein blüht auf, wo sie Dein klargetürmtes Echo rühren, - wiegende Rose singt in Deinem Sturm: - singt allen Lebens ewig sich neuende Schöpfung - im brüderlichen Tausch des werdenden Gotts. - - - - - Inhalt - - - Seite - Armes Wort 5 - Winterritt mit weißen Hunden 7 - Nacht im Februar 1917 8 - Märzpsalm 9 - Seht, wie Tod bereite Schale hebt 12 - Einer doch wandelt 13 - Ein Menschentag I-IV 15 - Flucht und Zuflucht I-IV 21 - Nacht 26 - Frühling (Eine Trilogie) 28 - Orphischer Psalm 36 - Gotischer Psalm 41 - - - - - Von Oskar Schürer erschienen ferner: - - - Kleine Lieder (Sammlung »Die Pforte«) - - Dreiländerverlag - - »1917« (Fragment eines Kriegs in Gesängen) - - Dreiländerverlag - - Drohender Frühling, Gesänge und Stanzen - - Roland-Verlag, München - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt -(vorher/nachher): - - [S. 41]: - ... Aus seinen Trümmern steigt der ewige Tag. ... - ... Aus seinen Trümmern steigt der ewige Tag, ... - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Versöhnung, by Oskar Schürer - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERSÖHNUNG *** - -***** This file should be named 52221-8.txt or 52221-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/2/2/2/52221/ - -Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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