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-The Project Gutenberg EBook of Der ewige Mensch, by Alfred Brust
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-Title: Der ewige Mensch
- Drama in Christo
-
-Author: Alfred Brust
-
-Release Date: June 15, 2016 [EBook #52334]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER EWIGE MENSCH ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
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-
-
- ALFRED BRUST
-
-
-
-
- DER EWIGE MENSCH
-
-
- DRAMA IN CHRISTO
-
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-
-
- KURT WOLFF VERLAG
- MÜNCHEN
-
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-
- Bücherei »Der jüngste Tag« Band 78
-
- Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig.
-
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-
- Copyright by Kurt Wolff Verlag · München 1919
-
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-
- GESTALTEN
-
-
- CORDATUS
- TAMARA
- SANNA
- STEILZACK
- SAAT
- WACHTLER
- TIOMA BETTY
- DIE VERKETTETEN
- FESTUS
- DER DICHTER
- MAUSCHE MICHEL
- DER VATER
- ALLERHAND VOLK
-
-
-
-
- Morgen. Ein großer leerer Raum mit rissigen Wänden in einem
- verfallenen Gebäude. Die Wohnung des Cordatus.
-
- CORDATUS (ein Mensch von 30 Jahren, sitzt in abgetragener
- Kleidung in einer Ecke des Raumes auf dem Erdboden und blickt
- lächelnd vor sich nieder. Er hat einen dünnen, langen Vollbart. Sein
- Gesicht zeigt Spuren außerordentlicher Schönheit und geistiger Höhe
- und Frische. Er spricht alles ganz langsam, klar und deutlich aus.
- Es gibt in keinem Wort Überstürzung bei ihm. Jedes Wort ist voll
- warmer drängender Liebe und erschüttert, zuweilen durch eine kleine
- Bewegung unterstützt. Diese Bewegungen sind aber so sehr selten,
- daß sie stets auffallen. In der Hauptsache ist er bewegungslos und
- versteht es, diese Bewegungslosigkeit seiner Umgebung unmittelbar
- mitzuteilen.)
-
- TAMARA
- (ein schönes sechzehnjähriges Mädchen, geht mit schleppenden
- Schritten diagonal durch den Raum. Sie ist dürftig gekleidet):
-
-Ich hab ein Tier im Bauch. Schneid mir doch das Tier aus dem Bauch.
-
- CORDATUS:
-
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-
- (Schweigen.)
-
- TAMARA
- (setzt ihre Wanderung fort. Hin und wieder bleibt sie stehn wie in
- lähmendem Schreck und wiegt den Körper dann hin und her):
-
-Ich hab ein Tier im Bauch. Schneid mir doch das Tier aus dem Bauch.
-
- CORDATUS:
-
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-
- SANNA
- (ein liebreizendes Fräulein, vornehm gekleidet, öffnet leise die
- Tür, blickt vorsichtig hinein und tritt dann mit großen
- erstaunten Augen in den Raum. Sie erblickt Tamara, die in einer
- Ecke stehengeblieben ist und sich in den Hüften wiegt, nicht):
-
-Guten Morgen, Cordatus.
-
- CORDATUS
- (ohne Verwunderung und von Herzen freundlich):
-
-Du kommst zu mir, Schwesterlein. Setz dich und gib mir deine Hand.
-
- SANNA:
-
-Die Hand geb ich dir, aber setzen kann ich mich doch nicht.
-
- CORDATUS:
-
-Du glaubst gar nicht, wie wunderschön das ist, wenn du dich hier nicht
-setzen kannst.
-
- SANNA:
-
-Das müßte doch in deinen Augen häßlich sein.
-
- CORDATUS:
-
-In meinen Augen ist niemals etwas häßlich.
-
- SANNA:
-
-Aber du fragst gar nicht, weshalb ich zu dir gekommen bin ...
-
- CORDATUS:
-
-Es ist doch schön hier draußen; dies verfallene Haus vor der Stadt und
-die wundersüße Wildnis ringsher!
-
- SANNA:
-
-Weshalb bist du dann nicht im Freien?
-
- CORDATUS:
-
-Ich arbeite noch ein wenig. Draußen kann ich nur fühlen.
-
- TAMARA
- (beginnt wieder ihre Wanderung durch den Raum):
-
-Ich hab ein Tier im Bauch. Schneid mir doch das Tier aus dem Bauch.
-
- SANNA
- (fährt herum und blickt mit starren Augen und blassem Gesicht auf
- das Mädchen).
-
- CORDATUS:
-
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-
- TAMARA (nimmt keine Notiz von Sanna).
-
- SANNA:
-
-Das -- das -- was ist dieses, Cordatus?!
-
- CORDATUS:
-
-Ein fremdes Kind, das da glaubt ein Tier im Bauche zu haben. Ich will es
-heilen durch mein Wort.
-
- SANNA:
-
-Aber -- aber weshalb denn ein Tier?
-
- CORDATUS:
-
-Das sind so die Jahre.
-
- SANNA:
-
-Und -- -- -- (sie sammelt sich) wohin gehst du zu Tisch?
-
- CORDATUS:
-
-Zu Tisch? Ich weiß nicht. Vielleicht kommt eine Wölfin, mich säugen.
-
- SANNA:
-
-Pfui!
-
- CORDATUS:
-
-Pfui? Du bist allerliebst, kleine Schwester.
-
- SANNA:
-
-So höre, Bruder. Ich bin aus einem großen Grunde zu dir gekommen.
-
- CORDATUS:
-
-Gewiß, auch die kleinen Gründe sind bedeutend.
-
- SANNA (eifrig):
-
-Ja -- sieh mal. Das wird dir schon einleuchten, was ich dir sage. Die
-Eltern meinten zwar, das hätte keinen Zweck. Aber ich sagte ihnen,
-Cordatus habe mich lieb und werde mir meinen Herzenswunsch erfüllen. Und
-ich redete so lange, bis sie zu hoffen begannen. Und heute früh, als ich
-fortging, da weinten sie vor Hoffnung. -- Hörst du, Cordatus?
-
- CORDATUS:
-
-Ich muß lieben, Kind. Versteh mich recht! Ich bin geboren, um zu lieben.
-Ich müßte jetzt ein Beil nehmen, das ich nicht habe, und dich damit
-schlagen. Da ich aber lieben muß, kann ich dich nur mit der Liebe
-schlagen. Und das ist so sehr schmerzvoll für dich. Denn wenn ich dich
-mit dem Beil schlüge, würdest du mich hassen, denn dein Körper haßt den
-Schmerz; da ich dich aber mit der Liebe schlage, trifft es deine Seele,
-und die liebt mich, wenn ich ihr wehe tu.
-
- SANNA:
-
-Und weshalb denn willst du mich schlagen?
-
- CORDATUS:
-
-Weil du ein schönes Kind bist, in das sich mein Versucher gesteckt hat,
-um mir das Glück zu stören.
-
- SANNA (klagend):
-
-Du willst nicht zurückkehren! --
-
- CORDATUS:
-
-Nie, nie, nie! Geh heim -- und werde glücklich. Und wenn du es nicht
-können wirst, dann komm zu mir! Ich will dich's lehren, denn ich bin's.
-
- TAMARA (plötzlich laut):
-
-Und es zuckt und es wühlt und es windet. (Überlaut:) Schneid mir doch
-das Tier aus dem Bauch!!
-
- CORDATUS (wieder unendlich beruhigend):
-
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-
- SANNA:
-
-Wir werden alle weinen, die alten Eltern und ich. Wir haben schon soviel
-geweint um dich, denn du hast uns ja so unglücklich gemacht -- mit
-deinem Glück.
-
- CORDATUS:
-
-Ja -- ich habe euch immer mit der Liebe geschlagen. O, daß ich euch mit
-dem Beile schlagen könnte! -- Laß mich allein, Mädchen!
-
- SANNA:
-
-Soll -- soll ich dir etwas schicken?
-
- CORDATUS:
-
-Versuche mich nicht! Der Versucher weiß, daß ich noch nicht auf dem
-Gipfel meiner Stärke bin. Geh hin. Ich muß noch arbeiten.
-
- SANNA (schüttelt den Kopf und geht):
-
-Lebwohl.
-
- CORDATUS (sitzt und sinnt bewegungslos).
-
- STEILZACK
- (tritt barhäuptig ein und stellt sich nachdenklich in die Mitte des
- Raumes. Er ist ähnlich Cordatus gekleidet):
-
-Ich habe etwas gesehn. Drei Menschen hab ich gesehn. Und das bewegt
-mich. Drei Menschen an diesem jungen Tag.
-
- CORDATUS:
-
-Drei Menschen können dich nicht bewegen, Steilzack.
-
- STEILZACK:
-
-So bewegt mich denn ein Geschehen. Ja -- ein Geschehen bewegt mich; ein
-Geschehen um drei Menschen.
-
- CORDATUS:
-
-Ein Geschehen um drei Menschen ist auch ein Geschehen um die Welt.
-
- STEILZACK:
-
-Sag mir, Cordatus, lieber Herr, darf man einen Menschen töten?
-
- CORDATUS:
-
-Die Menschen kommen immer zu mir, um diesen Raum mit Tragödie
-auszufüllen. Das ist nicht gut von den Menschen.
-
- STEILZACK:
-
-Aber darf man einen Menschen töten?
-
- CORDATUS:
-
-Man darf nicht, aber man muß.
-
- STEILZACK:
-
-Das ist ein gefährliches Wort.
-
- CORDATUS:
-
-Ich weiß, daß ich ein gefährlicher Mensch in der Menschheit bin. Aber
-ich liebe. Und alle Liebenden sind gefährlich.
-
- TAMARA
- (kniet in einer Ecke nieder und winselt):
-
-Und es ist ein Tier. Und es ist ein Tier. Wenn ich nur wüßt, welch ein
-Tier das ist!
-
- CORDATUS (ruhig und fest):
-
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-
- STEILZACK:
-
-Man darf nicht, aber man muß! Aber dann gibt es Gesetze.
-
- CORDATUS:
-
-Ja -- Gesetze muß es geben, damit die Unschuldigen gestraft werden und
-die Sünder sich freuen können. Das alles ist ganz außerordentlich
-wichtig, sage ich dir.
-
- STEILZACK:
-
-Aber hier -- hier ist doch jemand erschlagen worden! Verstehst du: mit
-einem Beile erschlagen!
-
- CORDATUS:
-
-Ich verstehe dich recht: eine Kraft hat etwas zerstört. Ein Leben hatte
-sich erfüllt, und da mußte auch die Form zerbrochen werden. Und da traf
-die Form im Niedergang ihrer Tage eine Kraft in den Stunden eines
-Aufgangs.
-
- STEILZACK:
-
-Und ich sah, wie die Kraft das Beil dieser Form mitten in die Stirn
-hieb.
-
- CORDATUS:
-
-Du sahst drei Menschen. Und es geschah große Bewegung. Da kamst du zu
-mir!
-
- STEILZACK:
-
-Nach den Gesetzen der Menschen muß jetzt auch diese Kraft getötet
-werden.
-
- CORDATUS:
-
-Das ist nicht immer nötig, aber vielleicht.
-
- STEILZACK:
-
-So sage mir, soll ich hingehn und anklagen?
-
- CORDATUS:
-
-Du sollst lieben.
-
- STEILZACK (laut):
-
-Freund, es ist dein Vater, der erschlagen worden ist!
-
- CORDATUS
- (erhebt sich steil, nimmt seine ganze Kraft zusammen und spricht
- ihm ins Gesicht):
-
-Du sollst lieben!
-
- TAMARA
- (die wieder wandert und wiegt):
-
-Ich hab ein Tier im Bauch. Schneid mir doch das Tier aus dem Bauch!
-
- CORDATUS:
-
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-
- STEILZACK:
-
-Und ich sah den Mörder und weiß sein Gesicht. Und dann sah ich die
-liebliche Schwester ahnungslos in der wundersüßen Wildnis hier! Soll ich
-anklagen, Cordatus?!
-
- CORDATUS:
-
-Du sollst lieben! Oder geh von mir. Geh von mir, wenn du nicht lieben
-kannst!
-
- STEILZACK:
-
-Weshalb denn mußte ich das alles sehn?
-
- CORDATUS:
-
-Das ist Schicksal. Jeder Blick, den wir tun, ist Schicksal und hat
-Bedeutung.
-
- SAAT
- (tritt auf und blickt sich fremd um).
-
- STEILZACK (in schmerzvoller Bewegung):
-
-Cordatus!!
-
- SAAT (ängstlich):
-
-Ich heiße Saat, wissen Sie. Und Sie sind ein gerechter Mensch, wird
-gesagt.
-
- CORDATUS:
-
-Wenn du Gerechtigkeit willst, so gehe zu den Richtern. Denn ich bin
-ungerecht.
-
- SAAT (flehentlich):
-
-Ich möchte Sie, ich möchte dich gern allein sprechen, Cordatus! Ich
-möchte dich gern allein sprechen.
-
- CORDATUS:
-
-Wenn du Schicksal hast, von dem du nicht zu allen sprechen kannst, so
-schweige lieber. Denn man soll ein Ding zu allen Menschen sagen können
-oder schweigen.
-
- SAAT:
-
-Ich bitte dich um eine Ausnahme.
-
- CORDATUS:
-
-Bist du so schwach, daß du nicht schweigen kannst?
-
- SAAT:
-
-Ich bin schwach.
-
- CORDATUS:
-
-Frage mich!
-
- SAAT:
-
-Gibt -- gibt es Schuld?
-
- CORDATUS:
-
-Es muß Schuld geben.
-
- STEILZACK (wendet sich ab).
-
- CORDATUS:
-
-Steilzack!
-
- STEILZACK:
-
-Ich höre, Herr!
-
- CORDATUS:
-
-Ist es dieser?
-
- STEILZACK:
-
-Er ist es!
-
- SAAT (versteht nicht).
-
- CORDATUS (sanft zu Saat):
-
-Bleibe bei uns. Und laßt uns jetzt hinausgehn auf den Berg. Da ist viel
-Licht. Und da sind alle Dinge ganz anders.
-
- (Er geht voran. Saat und Steilzack sehen einander ungewiß an und
- folgen ihm langsam).
-
- TAMARA (laut hinterher):
-
-Ich hab ein Tier im Bauch. Schneid mir doch das Tier aus dem Bauch,
-Herr!
-
- SAAT (blickt sich verstört um).
-
- CORDATUS:
-
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-
-
-
-
- Die Stadt. Ein freier Platz. Im Hintergrunde eine Reihe Häuser.
-
- SAAT
- (steht im Vordergrunde, die Hände in den Taschen und blickt zu
- Boden).
-
- WACHTLER
- (kommt. Ein altes Männchen mit listigen Augen voller Neugierde.
- Er bleibt dicht bei Saat stehn und betrachtet ihn mit großer
- Aufmerksamkeit):
-
-Ehemmhemm!!
-
- SAAT (sieht sich schnell um).
-
- WACHTLER:
-
-So macht man sich bemerkbar. Ja -- sehn Sie, Herr.
-
- SAAT
- (wendet sich ihm voll zu und blickt ihn fragend an).
-
- WACHTLER:
-
-Ich heiße Wachtler. Sie sind ganz fremd in der Stadt, wie ich sehe.
-
- SAAT:
-
-Wie können Sie das wissen? Die Stadt ist doch sehr groß.
-
- WACHTLER:
-
-Ja -- die Stadt ist groß, aber die Menschen sind klein. Je größer die
-Stadt, desto kleiner die Menschen. Aber trotzdem: ich weiß alles. Es ist
-geradezu beängstigend _was_ ich alles weiß. Es gibt in allen Städten
-Menschen, die immer alles wissen! Alles!
-
- SAAT:
-
-Zum Beispiel ... Ich verstehe gar nicht.
-
- WACHTLER:
-
-Ja -- es ist heute sehr aufregend in unserer Stadt. Von dem Skandal in
-der Kirche hörten Sie wohl! Nicht? Der heilige Cordatus hat da den
-Gottesdienst gestört, den Pfarrer von der Kanzel vertrieben und ein
-Viertelstündchen selber gepredigt, wovon die Leute alle außerordentlich
-erbaut waren.
-
- SAAT:
-
-Cordatus?
-
- WACHTLER:
-
-Ja -- Sie warten doch hier auf ihn, wie ich sehe. Warten Sie nur, es
-dauert nicht mehr lange, so wird er dort um die Ecke kommen.
-
- SAAT:
-
-Cordatus?
-
- WACHTLER:
-
-Ja doch, sage ich Ihnen. Jetzt ist er noch in den Herbergen, kleinen
-Kneipen und Diebesspelunken herum, wo die Verbrecher und Betrüger, die
-Armseligen und Bedrängten und schlimmen Leute ihre Zeit fristen. Die
-Bürger dieser Stadt behaupten, er lehre diesen zweifelhaften Wesen das
-lichtscheue Handwerk -- aber ich glaube nicht, was die Bürger sagen.
-
- SAAT:
-
-Und Sie warten hier auch auf Cordatus?
-
- WACHTLER:
-
-Ja -- er wird dort an der Ecke stehn bleiben und jedem Menschen, der es
-will, eine wichtige Lebensfrage beantworten. O -- die jungen Mädchen und
-Frauen bedrängen ihn dann sehr. Und die alten Weiber sitzen herum und
-weinen.
-
- SAAT:
-
-Und die Männer wollen nichts von ihm wissen ...
-
- WACHTLER:
-
-Hm! Wissen Sie, das ist anders. Die Männer suchen ihn lieber insgeheim
-auf. Öffentlich sind sie ihm nicht wohlgesonnen.
-
- TIOMA BETTY
- (eine schöne stattliche Dame geht, mit den Augen in der Ferne
- suchend, vorüber).
-
- WACHTLER (blinzelt Saat zu):
-
-Das ist Tioma Betty, unserer Stadt Immerbeweger, eine heiße Hübscherin;
-aber seit vier Wochen keusch und züchtig. Sie muß ein Gelübde abgelegt
-haben. Wem? das werde ich in einer Stunde erfahren. -- Ha! Jetzt wird es
-lebendig!
-
- SAAT:
-
-Ich sehe nichts.
-
- WACHTLER:
-
-Nein, Herr! Sie sehen nichts. Aber ich sehe dort den Polizeigewaltigen
-unserer Stadt hin und her spazieren. Der vornehme Herr dort, der sich
-den blauen Himmel besieht. Er heißt Festus, wissen Sie, Festus, wie der
-Landpfleger in der Apostelgeschichte, dem sich Paulus zu verantworten
-hatte. Ja -- Festus.
-
- SAAT (vorsichtig):
-
-Was soll denn das da geben?
-
- WACHTLER (mit prüfendem Blick):
-
-Das kann eine ganz besondere Geschichte sein. Aber ich glaube nicht, daß
-es die besondere Geschichte ist. Dazu ist es noch zu frühe. Dieser
-Festus ist jedoch dem heiligen Cordatus wohlgewogen. Dessen Vater ist
-nämlich, müssen Sie wissen, der reichste Mann in der Stadt.
-
- SAAT (erstaunt):
-
-Sein Vater lebt in dieser Stadt?
-
- WACHTLER:
-
-Ehemm! Ja. Lebt. Hat gelebt ist wohl richtiger. Aber das weiß noch kein
-Mensch, daß dieser Vater schon gelebt _hat_.
-
- SAAT:
-
-Jetzt verstehe ich Sie gar nicht.
-
- WACHTLER:
-
-Das will ich meinen. Sie wissen nichts. Sie sind ja fremd hier. Aber
-deshalb will ich's Ihnen gern sagen. Dieser Vater ist heute früh im
-wilden Stadtwald mit einem Beile erschlagen worden.
-
- SAAT (schreit wie gelähmt):
-
-Sein Vater! Das ist ja gar nicht möglich!! Herr!! Hören Sie doch! (Er
-greift ihn an.)
-
- WACHTLER:
-
-Werden Sie nicht so auffällig, junger Mann. Sehen Sie dort: der Festus
-ist schon aufmerksam. Ja -- man muß immer vorsichtig sein. Aber bleiben
-Sie ganz ruhig. Ich werde nichts sagen. Das tue ich nie. Ich schaue nur
-immer zu und weiß von nichts. So werde ich nie hineingezogen. _Das_
-nenne ich Leben! Man wird die Leiche finden; dann wird man mit allen
-Errungenschaften der Kriminalistik nach dem Verbrecher forschen. Wissen
-Sie, so vom Mord bis zur Hinrichtung den ganzen Werdegang einer Sache,
-die man im voraus mit allen Finessen kennt, zu beobachten, ist
-außerordentlich wohltuend. Aber um Gotteswillen, beruhigen Sie sich
-doch, Herr! Ich bin in der Tat wie das Grab.
-
- SAAT
- (versucht es, schnell fortzugehn, schwankt aber hin und her und
- kommt schließlich nur langsam vom Platze).
-
- WACHTLER (sieht ihm eifrig nach):
-
-Sehr -- spannend -- ja --. Da kommt auch Cordatus.
-
- (Stolpert mit kleinen Schritten hinterdrein.)
-
- DIE VERKETTETEN
- (ein Mann und eine Frau, kommen. Der Mann geht rechts und die
- Frau links. Sie sind, nicht sichtbar, unten am Handgelenk durch
- eine Kette verbunden).
-
- DER MANN:
-
-Ich will von dem Menschen nichts wissen. Komm fort, wir gehn hinaus auf
-die Felder.
-
- DIE FRAU (klagend):
-
-Du bereitest mir niemals eine Freude, niemals! Und besonders dann nicht,
-wenn ich dich um etwas bitte.
-
- DER MANN:
-
-Aber Kind, sieh hin. Er ist ein Hanswurst. Nichts weiter.
-
- DIE FRAU (dem Weinen nahe):
-
-Was ich für heilig ansehe, das trittst du mit Füßen. Und du bringst mich
-soweit, daß ich verrückt werde an deiner Seite. Das willst du auch,
-scheint mir, nur erreichen.
-
- DER MANN:
-
-Weshalb denn haben wir uns nur durch die Stahlkette so
-zusammengeschlossen, und weshalb ließ ich dich nur den Schlüssel ins
-Wasser werfen?
-
- DIE FRAU:
-
-So schnell bereust du das? Doch ja -- ich bereue es auch schon.
-
- DER MANN:
-
-Ich glaube, wir sind beide verrückt gewesen. Denn wir können uns ja
-nicht einmal entkleiden!
-
- DIE FRAU (weinend):
-
-Wir müssen zu einem Schlosser gehn und uns trennen lassen. O -- wie ich
-mich schäme, denn dann weiß es die ganze Stadt.
-
- DER MANN:
-
-Und doch war es nur deine Eifersucht, die diesen Unsinn verursachte.
-
- DIE FRAU:
-
-Reiß mich nicht so! Sieh doch, wie wund mich die Kette gescheuert hat!
-
- DER MANN:
-
-Ja -- es ist schmerzhaft, aber du hast es gewollt!
-
- DIE FRAU:
-
-Aber deine Augen schimmerten vor Seligkeit, als ich es wollte.
-
- DER MANN:
-
-Die Ketten sind das Unbedachtsame hinieden.
-
- CORDATUS
- (tritt barhäuptig auf. Ihm folgen Steilzack, ebenfalls barhäuptig,
- Wachtler und eine Reihe von Leuten beiderlei Geschlechts, wie man
- in einer Stadt einem Sonderlinge neugierig folgt).
-
- FESTUS
- (tritt ebenfalls auf. Ein vornehmer, schöner Mann in Zylinderhut
- und Gehrockanzug. Er bleibt abseits von den anderen stehn).
-
- DIE VERKETTETEN
- (drücken sich nach dem Hintergrunde. Der Mann versucht, die Frau
- fortzuziehn, aber die Frau zwingt ihn durch Widerstand, zu bleiben).
-
- DER MANN (gereizt):
-
-Der Mensch ist doch betrunken! Siehst du das nicht?
-
- CORDATUS (hört es):
-
-Ja -- ich trank Wein. Ich trank guten Wein, sehr viel. Hat euch Christus
-nicht gelehrt Wein zu trinken? Er tat's. Und indem er's tat, lehrte er
-euch zugleich das Geheimnis des Weins. Aber ihr habt's nicht begriffen.
-Ich aber, ich begriff es; denn ich bin der ewige Mensch.
-
- DER MANN:
-
-Das ist doch unerhört, was er da spricht! Da müßte doch die Polizei
-einschreiten! (Unwilliges Gemurmel.) Das hätte schon längst geschehen
-müssen. Aber die Bürger fürchten das Verbrechergesindel, unter dessen
-Schutz er steht.
-
- CORDATUS:
-
-Schuld und Sünde sind Bewegungen auf der Straße zur Vollendung, zur
-Vollendung des Sünders und zur Vollendung der Welt. Schafft eure
-bürgerlichen Gesetze ab, so gibt es keine Sünde mehr.
-
- DER MANN (in höchster Erregung):
-
-Das ist ein Skandal!
-
- CORDATUS:
-
-Und diese Schuld, das Verbrechen, kommt aus denselben Gesetzen, durch
-welche Sonne, Mond und Sterne bewegt werden und durch welche die
-Menschen angehalten werden, Gutes zu tun. Christus hat das verschwiegen.
-Und er hat noch vieles verschwiegen, wie es überhaupt besser ist, viele
-Dinge auf Erden den Menschen zu verschweigen. Aber eben dadurch hat er
-ein Feuer angezündet, das brennt noch immer. Schwert und Zwietracht ist
-er gewesen bis nun.
-
- JEMAND AUS DEM VOLKE:
-
-Und auch du verschweigst?
-
- CORDATUS:
-
-Ja -- ich verschweige. Doch ich werde noch einmal alles aussprechen;
-denn ich bin vom Geist der Wahrheit, der noch nicht gekommen ist.
-
- FESTUS (laut):
-
-Paulus, du rasest. Die große Kunst macht dich rasend.
-
- CORDATUS (versteht und lächelt):
-
-Mein teurer Festus, ich rase nicht, sondern ich rede wahre und
-vernünftige Worte.
-
- FESTUS (im Abgehen):
-
-Dieser Mensch hat nichts getan.
-
- CORDATUS:
-
-Seht, ich lehre euch die Freude und nicht das Trübe in der Liebe.
-
- STEILZACK:
-
-Jede Freude hat ein Loch.
-
- CORDATUS (begeistert):
-
-Aber neben dem Loche, da ist es heil!
-
- STEILZACK (rauh):
-
-Neben dem Loche ist es heil.
-
- SAAT
- (stürzt blutleer schwankend in die Szene und fällt, die Hände
- erhoben, vor Cordatus nieder):
-
-Ich bin's!! Ich bin's!!!
-
- CORDATUS:
-
-Warum denn, lieber Freund? Man muß das Schicksal niemals drängen!
-
- SAAT
- (erhebt sich fassungslos und wankt zurück mit riesengroßen Augen
- auf Cordatus):
-
-Das -- ist -- ein -- Idiot!
-
- STEILZACK (schnell ab).
-
- CORDATUS (erschüttert).
-
- TIOMA BETTY
- (ist gekommen, geht auf Cordatus zu und spricht mit leiser Stimme):
-
-Du hast Tränen, Geliebter!
-
- CORDATUS (legt die Hand auf sie und sagt fest):
-
-Der Tau ist des Regens Hirte!
-
- (Er geht.)
-
- (Das Volk ist bestürzt und bewegt.)
-
-
-
-
- Abend. Die Wohnung des Cordatus.
-
- CORDATUS
- (sitzt in seiner Ecke auf dem Fußboden und sinnt).
-
- TIOMA BETTY
- (tritt ein. Sie hat ein Tuch um den Kopf):
-
-Hier wohnst du, Freund!
-
- CORDATUS:
-
-Ja -- es ist eine gute Wohnung. Laß sie dir gefallen, Tioma Betty.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Und du hast keinen Stuhl und keinen Tisch.
-
- CORDATUS (weist auf den Fußboden):
-
-Das ist mein Stuhl und mein Tisch.
-
- TIOMA BETTY
-
-Aber wenn du schreiben willst, Geliebter ...
-
- CORDATUS:
-
-Ich schreibe nie: denken und manchmal reden: das ist Lebenssinn. Und so
-du keinen Gegenstand besitzest, wird er dir nicht Ärger und Verdruß
-bereiten.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Und wo werden wir schlafen?
-
- CORDATUS:
-
-Dies ist mein Bett, und das ist dein Bett, Tioma Betty. (Er zeigt in
-verschiedene Ecken des Raumes.) Wir wollen uns zur Ruhe legen.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Und weshalb habe ich mich so geschmückt?
-
- CORDATUS (legt sich nieder):
-
-Ich bin dein Bräutigam, Tioma Betty. Und du bist die hochzeitliche
-Braut.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Und so sollen wir leben bis ans Ende unserer Tage?!
-
- CORDATUS:
-
-Du wirst keine Sorge haben.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Aber was werden wir essen? Welches ist deine Arbeit, die dir Nahrung
-schafft?
-
- CORDATUS:
-
-Es ist für den Geist besser, daß der Körper von Wasser und Brot lebe und
-nichts tue, als zu fressen und zu saufen und dabei stündlich beschäftigt
-zu sein und Mißbrauch der Gliedmaßen zu treiben.
-
- TIOMA BETTY (ganz verlassen):
-
-Und ich soll mich in diese Ecke legen ...
-
- CORDATUS:
-
-Du wirst müde sein, Tioma Betty.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Aber nein, Geliebter. Ich bin gar nicht müde. Ich setze mich zu dir, und
-du sprichst.
-
- CORDATUS:
-
-Du wirst müde sein, Tioma Betty.
-
- TIOMA BETTY (betrübt):
-
-Wenn du es sagst ...
-
- (Sie setzt sich in ihre Ecke und legt sich dann nieder.)
-
-Du hast auch kein Licht, Geliebter!
-
- CORDATUS:
-
-Hüte dich vor der Dämmerung, aber liebe das Dunkel; dann kommen die
-ruhigen Rinder mit riesigen Hörnern.
-
- (Schweigen.)
-
- TIOMA BETTY (aufrecht):
-
-Ich kann so nicht schlafen ..... Ich kann nicht! ..... Hörst du!
-
- (Schweigen.)
-
- CORDATUS:
-
-Steh auf, Tioma Betty. Das Bett ist gut. Es ist das Bett der ganz
-Glücklichen. Aber ich will, bis du's kannst, noch dein Kissen sein. Komm
-her und lagere deinen Kopf auf meiner Brust.
-
- TIOMA BETTY (geht schweigend zu ihm).
-
- CORDATUS:
-
-Du schweigst, und es ist gut, daß du das tust. Man muß sehr viel
-schweigen auf dieser Welt.
-
- TIOMA BETTY
- (kniet vor ihm nieder und legt sich hin, den Kopf auf seiner Brust.)
-
- CORDATUS:
-
-Tioma Betty, hast du mich lieb?
-
- TIOMA BETTY:
-
-Ich wäre nicht hier.
-
- CORDATUS:
-
-Schlafe.
-
- (Schweigen.)
-
- CORDATUS:
-
-Wenn du mich lieb hast, Tioma Betty, -- schlafe ...
-
- TAMARA (kommt behutsam):
-
-Ich hab ein Tier im Bauch. Schneid mir doch das Tier aus dem Bauch!
-
- CORDATUS:
-
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-
- TIOMA BETTY
- (fährt in wahnsinniger Angst wild auf und schreit unterdrückt):
-
-Cordatus! --
-
- CORDATUS:
-
-Wenn du mich lieb hast, Tioma Betty, -- schlafe.
-
- TIOMA BETTY
- (legt ihr Gesicht wimmernd auf seine Brust).
-
- TAMARA
- (legt sich in die andere Ecke, richtet sich auf, legt sich wieder
- hin):
-
-Und es zuckt und es wühlt und es windet! Wenn ich nur wüßt, welch ein
-Tier das ist!
-
- CORDATUS:
-
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-
- TIOMA BETTY (weint krampfhaft).
-
- CORDATUS:
-
-Wenn du mich lieb hast, Tioma Betty, -- schlafe ...
-
-
-
-
- Nächster Morgen. Berggipfel.
-
- CORDATUS
- (barhäuptig, hingestreckt, blickt in die Ferne).
-
- TIOMA BETTY
- (kommt leise und bleibt hinter ihm stehn):
-
-Ein schöner Tag.
-
- CORDATUS:
-
-Ehe die Sonne hinunter ist, wirst du vor Tränen ermattet sein.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Warum?
-
- CORDATUS (blickt nach ihr):
-
-Du hast ein Buch?
-
- TIOMA BETTY:
-
-Ja -- ein Buch. Steilzack hat deine Aussprüche gesammelt und sie
-niedergeschrieben. Das ist nun »Das Cordatum«.
-
- CORDATUS
- (nimmt das Buch, aber sieht es nicht an):
-
-Bücher schreiben ist eine unsittliche Handlung. Ein Buch ist immer ein
-unanständig Ding. Das Lesen von Büchern aber ist das Schlimmste, denn
-das ist eine verkehrte Befleckung. (Er wirft es hinaus.) Da fällt's in
-die Schlucht. Dort mag's bleiben. Was ich gesprochen habe, das lebt. Man
-soll's nicht sargen.
-
- DER DICHTER
- (tritt auf, barhäuptig, achtzigjährig. Tolstoi-Maske):
-
-Es ist gut, daß ich dir begegne auf meinem letzten Wege.
-
- CORDATUS:
-
-Ich habe nichts mit dir zu schaffen, Greis; denn du bist ein
-Abtrünniger, wenngleich die Armen und Bedrängten dich preisen und das
-ganze Volk vor deinem Dichtwerk auf den Knien liegt.
-
- DER DICHTER:
-
-Ich weiß, daß ich gefehlt habe, und deshalb gehe ich meinen letzten Weg.
-
- CORDATUS:
-
-Wohin führt es dich?
-
- DER DICHTER:
-
-Fort von den Meinen. Das ist es!
-
- CORDATUS:
-
-Ich will dein Strafer und dein Tröster sein.
-
- DER DICHTER:
-
-Du strafst auch? Ich glaubte, du könntest nur lieben.
-
- CORDATUS:
-
-Die Geistigschwachen und die Hundsköpfigen und die Schweinsohrigen, die
-Schafsäugigen und die Kotschnäuzigen und die Eselsköpfigen -- ja -- die
-liebe ich, Greis. Aber die da geistig stark sind und die Mißbrauch mit
-dem Geiste treiben, die strafe ich.
-
- DER DICHTER:
-
-Ich weiß vor meinem Gott, daß ich nicht Mißbrauch des Geistes getrieben
-habe.
-
- CORDATUS:
-
-Aber die Kobolde und nächtlichen Herzdrücker gingen doch nicht von
-deiner Brust, denn du hast den ewigen Menschen verraten.
-
- DER DICHTER:
-
-Verraten habe ich ihn nicht!
-
- CORDATUS:
-
-So nenne mir das oberste Gesetz.
-
- DER DICHTER:
-
-Geh hin und verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen!
-
- CORDATUS:
-
-Das hast du getan?
-
- DER DICHTER:
-
-Ja -- soweit ich nur konnte. Und ich hab keine Schätze gesammelt.
-
- CORDATUS:
-
-Eines aber, reicher Jüngling, hast du mißachtet: »Folge mir nach!« --
-Das tatest du nicht. Du bliebst bei den Deinen. Und so ist dein halbes
-Christentum schlimmer als ein ganzes Heidentum. Denn ein halbes
-Christentum ist keine Religion, aber ein ganzes Heidentum ist Religion.
-Das Ganze ist immer die Wahrheit.
-
- DER DICHTER (klagend):
-
-Ich sagte dir: ich gehe meinen letzten Weg. Denn nun habe ich auch die
-Meinen verlassen.
-
- CORDATUS:
-
-Ja -- es ist dein letzter Weg. Denn du wirst sterben noch in dieser
-Nacht. Was du von diesem Morgen des Entschlusses bis zu dieser Nacht
-tust, das allein ist lebendig von dir zu ihm.
-
- DER DICHTER:
-
-Und das Kreutzerwerk, und das Evangelium, und das ganze Werk meiner
-achtzig Jahre?
-
- CORDATUS:
-
-Das wird vergessen werden, Greis. Denn du hast dies alles gewußt und
-_bist_ feige gewesen. Die geübte Liebe wird leben, die geschriebene
-Liebe aber wird zuschanden werden.
-
- DER DICHTER (weint).
-
- CORDATUS:
-
-Du hast gewußt: es kann der Mensch auf dieser Welt gar nicht einsam
-genug sein. Du glichst bis nun der Jungfrau, die da glaubt, ein Tier im
-Bauch zu haben.
-
- DER DICHTER:
-
-So sage mir! Kann man auf Erden Christus werden?
-
- CORDATUS:
-
-Man kann es. Und wenn man es kann, dann soll man es.
-
- DER DICHTER:
-
-Bist du Christus?
-
- CORDATUS:
-
-Du sagst es.
-
- DER DICHTER:
-
-So laß mich mit dir beten!
-
- CORDATUS:
-
-Ich bete nie!
-
- DER DICHTER (laut weinend):
-
-Bist du Christus?
-
- CORDATUS:
-
-Ich bin's. Und du gehst jetzt hin, um es sterbend zu werden. Ja -- das
-sei dein Trost! Du bist einen Tag in deinem Leben Christus gewesen ...
-Zieh hin ...
-
- DER DICHTER (geht).
-
- TIOMA BETTY:
-
-Du bist hart.
-
- CORDATUS:
-
-Er wird gut schlafen.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Mausche Michel kommt über den Berg.
-
- CORDATUS:
-
-Ich liebe ihn. Es gibt überall auf der Welt ein paar Gestalten, die
-jeder kennt, weil sie außerhalb aller bürgerlichen Einrichtungen leben,
-und die deshalb verlacht werden. Diese Gestalten liebe ich, denn
-irgendwie verkörpern sie die Sehnsucht der Menschen.
-
- MAUSCHE MICHEL
- (kommt unglaublich zerrissen. Er trägt einen langen, grauen Bart.
- In der Hand hält er einen langen Pfahl als Stock. Über der Schulter
- liegt ein Sack):
-
-A guten Tag.
-
- CORDATUS:
-
-Wohin, Mausche Michel?
-
- MAUSCHE MICHEL:
-
-Nu, lieber Freind, ich komm fragen, ob Ihr eppes bedarft: e Hemed, e
-Röck oder Schich ...
-
- CORDATUS:
-
-Ich brauche nichts, Mausche. Auch hab ich, wie Ihr wißt, kein Geld.
-
- MAUSCHE:
-
-Ich brauch kein Geld nit vun Eich. Ihr seid a guter Menß ... (Lächelnd:)
-Aber der Messias seid Ihr doch nit.
-
- CORDATUS:
-
-Was kommt's drauf an? Das Rad muß einen Stoß bekommen, wenn's
-auszurollen droht!
-
- MAUSCHE MICHEL:
-
-Wos kimmern sich die Menßen ...
-
- CORDATUS:
-
-Wenn's nicht tausend sind, dann sind's hundert, und wenn's nicht hundert
-sind, dann sind's zehn. Und wenn's einer lernt: der Schmerz ist das
-Glück und der Sender weiß und leide mit Liebe, dann ist es genug. Es
-gibt nur ein Himmelsgebirge, Mausche Michel, nur eins!
-
- MAUSCHE MICHEL:
-
-Ihr seid a großer Gelernter. Recht habt Ihr.
-
- (Er geht.)
-
- CORDATUS (zu Tioma Betty):
-
-Vergiß das nicht: auch die größten Christen waren Juden.
-
- TAMARA (kommt wiegenden Schritts):
-
-Ich hab ein Tier im Bauch. Schneid mir doch das Tier aus dem Bauch.
-
- CORDATUS (schweigt).
-
- TAMARA (zögernd):
-
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts. (Sie erschrickt).
-
- TIOMA BETTY (erhebt).
-
- TAMARA (geht langsam vorüber):
-
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-
- CORDATUS (erhebt sich):
-
-Nein -- es ist nichts. -- Laß uns zu Tale steigen. Die Menschen rühren
-sich in den Niederungen.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Ich fürchte mich vor den Tälern der Menschen.
-
- CORDATUS:
-
-Bleibe auf dem Gipfel. (Er geht schnell ab).
-
- TIOMA BETTY (folgt ihm langsam, erstaunt).
-
- STEILZACK
- (kommt mit mehreren Männern, darunter Saat und der verkettete
- Mann):
-
-Dort geht er hinunter. Und die Stadthure folgt ihm in der Entfernung.
-
- DER VERKETTETE MANN:
-
-Am Steinbruch können wir ihn erreichen.
-
- SAAT:
-
-Ja -- am Steinbruch.
-
- STEILZACK:
-
-Kommt.
-
- (Sie gehen.)
-
- SAAT
- (bleibt plötzlich zurück, wankt hin und her, fällt in die Knie und
- zittert heftig. Dann faltet er die Hände empor und ächzt):
-
-Es haben größere Menschen als ich an Gott geglaubt, größere Menschen!
-Weshalb gabst du mir, Gott, Eigenschaften, die mich schuldig werden
-lassen mußten!!!
-
- WACHTLER (kommt angetrippelt):
-
-Ja -- mein Freund, die Reue ist etwas Verspätetes.
-
- SAAT
- (springt in heftiger Aufwallung hoch):
-
-Stören Sie mich nicht, Mann!
-
- WACHTLER:
-
-Und nun wollen sie den heiligen Cordatus steinigen! Schlecht sind die
-Menschen, Herr. Schlecht! Die Menschen schämen sich, und aus Scham sind
-sie schlecht, sage ich Ihnen. Auch Christus wurde getötet, weil sich die
-Menschen vor ihm schämten. Greulich, au-ßer-or-dent-lich greulich!!!
-Haben Sie verstanden?!! --
-
- SAAT (weicht zurück):
-
-Ich weiß nicht -- -- --
-
- WACHTLER (mit steigender Erregung):
-
-Aber dann kommt das Gesetz, Bursche, hörst du, das Gesetz! Und dann
-werdet ihr gestraft, nicht weil ihr dies oder jenes getan habt, das tun
-bessere Menschen auch, sondern weil ihr es verludert habt, das Gute und
-die Liebe in den Dingen zu suchen. Und du stehst vor einem
-unbegreifbaren Gericht, schweißig, naß wie ein Lamm, das von hinten
-gesogen hat! Ja -- die Frucht wollt ihr nicht, aber die Wollust darf
-euch nicht genommen werden. Dafür schwebt stündlich das Beil des Henkers
-über euch. Und einmal fällt es ganz plötzlich! Ihr aber könnt nicht mehr
-den letzten Gang des Menschen zum Topfe machen. Ihr könnt euch nicht
-verstecken, wie die Tiere und Vögel es tun, wenn sie sterben. Ihr seid
-verurteilt, mit Kot in den Hosen vor sittsamer Leute Augen zu verrecken!
-Dann wird euch das Wort fehlen, das jener, den ihr dort mit Steinen
-totschlagt, gelehrt hat: Leide mit Liebe!! -- Leide mit Liebe!!! -- --
--- Ich bin ein Faun, ja -- aber dann ist im Faun Liebe und natürliche
-Kraft!
-
- SAAT
- (steht vernichtet. Nach einer Weile):
-
-Der -- Leichnam ist noch immer nicht gefunden worden.
-
- WACHTLER (unheimlich):
-
-Nein -- hier -- ist er -- Bube!
-
- DER VATER
- (tritt auf. Die Stirn ist hochgeschwollen, die Haut in der Mitte
- geplatzt. Das Gesicht ist mit geronnenem Blut bedeckt. Zwei irre
- Augen stieren umher).
-
- SAAT
- (steif wie eine Säule, streckt er beide Arme ganz steil aufwärts).
-
- WACHTLER
- (steht gespannt in schiefster Haltung):
-
-Der Körper lebt. Nur der Geist ist tot.
-
- (Des Vaters Augen bleiben plötzlich auf Saat sitzen und werden
- immer größer.)
-
- DER VATER (mit ruhiger Verwunderung):
-
-Herr Jesus, das ist er ja ... Herr Jesus, das ist er ja!
-
- (Er zuckt zusammen, streckt beide Hände wie zur Abwehr weit vor
- sich und schreit):
-
-Das Beil!!!
-
- (Dann läßt er die Arme sinken. Eine Welle Wut rinnt über ihn.)
-
- SAAT
- (stößt ein unmenschliches Geheul aus, einem Wolfsgeheul ähnlich.
- So stürzt er schwankend davon).
-
- DER VATER
- (folgt ihm mit taumelnden Schritten).
-
- WACHTLER
- (sammelt alle Kräfte und sinnt in die Weite):
-
-Ja -- -- -- immerhin -- -- -- spannend -- -- --
-
-
-
-
- Später. Ein Abend auf dem Berge.
-
- TIOMA BETTY und SANNA
- (sehr einfach, zum Teil abgetragen, gekleidet. Das Haar tragen
- sie zu langen Zöpfen geflochten).
-
- TIOMA BETTY:
-
-Es wird feucht in den Tälern. Und die Lichtketten fangen an zu tanzen.
-
- SANNA (auf der Erde sitzend):
-
-Wollen wir hinabgehn nach der Stadt oder hier oben übernachten im leeren
-Raume?
-
- TIOMA BETTY:
-
-Hier oben im leeren Raume, denke ich ...
-
- SANNA (zögernd):
-
-Das ist so schmerzvoll.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Ich glaube, du hegst noch immer eine Furcht.
-
- SANNA:
-
-Was kann man uns tun. Man hat uns schon alles getan.
-
- TAMARA
- (kommt und bleibt abseits stehn).
-
- TIOMA BETTY:
-
-Man darf das Blut nicht hemmen, wenn es brausen will, Sanna. Wir leben,
-und das heißt verbrauchen und Beziehungen zum Sender durch den Heiland
-suchen.
-
- SANNA:
-
-Wenn ich die Sterne sehe und den Sommer atme, dann will ich den Gott
-unmittelbar.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Lebe deinen Tag und lebe deine Nacht. Gott nimmt den Menschen niemals
-anders als durch den Heiland, den er gesandt hat, und unter dessen Stirn
-eine Erdperiode steht.
-
- SANNA:
-
-Wer hat dir das alles gesagt?
-
- TIOMA BETTY:
-
-Ich habe mir ein Buch heraufgeholt, das lag dort unten in der Schlucht,
-und da ist das alles ausgesprochen.
-
- TAMARA (noch immer abseits):
-
-Er hat mich gesund gemacht. Wenn ich ihm danken könnte mit meinem Leben,
-danken ...
-
- (Tiefes Schweigen.)
-
- TIOMA BETTY:
-
-Ob sie ihn nicht doch noch in den Fluß geworfen haben?
-
- TAMARA:
-
-Die Wellen hätten ihn wie einen König vor sich hergetragen, und die
-Fische hätten ihn auf den Sand gehoben. Und dann hätten die Vögel
-geschluchzt und die Tiere geweint, der Mond aber wäre von selber
-verlöscht in der Nacht.
-
- SANNA (ist aufgestanden):
-
-Es gibt Menschen -- so las ich einmal in einem Buche ohne Orthographie
--- es gibt Menschen, deren Leichnam weder Wasser noch Erde verbergen
-kann. Die Wogen speien ihn aus, und die Erde bricht auf und wirft ihn
-auf den Acker.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Und warum?
-
- SANNA:
-
-Weil dieser taumelnde Ball die erlösende Wucht seiner Seele als Schmerz
-empfunden hat. Das stand so in diesem alten Buche geschrieben.
-
- TAMARA (tritt unruhig herzu):
-
-Ich fürchte diese einsamen Männer, die immer so steif und einzeln am
-Abend in der Landschaft stehn. Warum ist es niemals eine Frau ...
-
- TIOMA BETTY (nachdenklich wiederholend):
-
-Die Wogen speien ihn aus, und die Erde bricht auf und wirft ihn auf den
-Acker.
-
- SANNA:
-
-Das stand da so schön geschrieben, Tioma Betty, zum Weinen schön
-geschrieben.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Man kann es immer noch einmal sagen: Die Wogen speien ihn aus, und die
-Erde bricht auf und wirft ihn auf den Acker.
-
- TAMARA:
-
-Jetzt ist er ganz nah bei uns -- -- der Mann. --
-
- EIN FREMDER MANN
- (tritt auf, bleibt aber ganz hart an der Seite stehn und blickt
- teilnahmlos aber unverwandt ins Weite hinaus. Seine Kleidung ist
- vollkommen zerrissen, sein blonder Vollbart ungepflegt und
- zerzaust. Sein Antlitz ist hohl und läßt auf große Anstrengungen
- schließen).
-
- (Die Frauen stehen hart auf der gegenüberliegenden Seite, nicht
- furchtsam gerade, doch vielleicht ein wenig betreten.)
-
- SANNA (leise):
-
-Laßt uns zur Stadt hinuntergehn.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Fürchtet nichts. Ich bin stark. -- Bleibet auf dem Berge, nur hier
-könnten wir ihn treffen, so er noch einmal zu uns kommen sollte.
-
- SANNA:
-
-Es ist ja so lange her.
-
- DER FREMDE MANN (fern und ruhig):
-
-Wen sucht ihr, Mädchen ...
-
- (Schweigen.)
-
- DER MANN:
-
-Ich kenne alle Pfade auf der Erde, und jeder Fußdruck ist mir flüssig in
-der Menschheit.
-
- SANNA (leise):
-
-Antworte ihm, Tioma Betty. Er ist arm und bloß.
-
- DER MANN:
-
-Und wenn die schweren Sommerregen durch die Lande streichen und der
-Boden Schlamm wird und ungewiß, so weiß ich dennoch alle Schritte aller
-Wesen, denn sie sind durch ihn und mich zu den Dingen.
-
- TAMARA:
-
-Tioma Betty, sage ihm doch ein Wort.
-
- DER MANN:
-
-Armut bindet. Ich bin euer Bruder, wenn ihr arm seid.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Und doch birgt ein Wort für verschiedene Menschen immer verschiedene
-Begriffe. So ist überall immer Babel auf Erden.
-
- DER MANN:
-
-Das ist es. Denn die Menschen haben zuviel Worte erdacht. Dort steigt
-der Mond, ein Lichtschnitt am Firmament. Hätten die Menschen doch das
-Rätsel des nächtlichen Feuerzeichens am Himmel ertragen, ohne durch ein
-Wort zu der Summe der irdischen Begriffe zu drängen, nie wäre der Mensch
-auf Erden Bürger geworden, sondern Mensch. Vergeßt den irdischen Namen
-des rätselhaften Gestirns, und es sei Liebe unter dem leuchtenden Bilde
-und Schweigen, und die unsicheren Dichter werden nicht mehr sein.
-
- SANNA:
-
-Es ist seltsam in dieser Zeit, daß die Menschen alle anfangen, von den
-wahrhaftigen Dingen zu reden.
-
- DER MANN:
-
-Die Menschen beginnen langsam wieder zu denken. Die auf den Bergen und
-an den großen Wassern haben schon immer gedacht. Und nun sind die Berge
-und die großen Wasser auch zu den anderen gekommen.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Kennst du Cordatus?
-
- DER MANN:
-
-Ein Name ist ein Begriff, unter dem man sich dieses oder jenes
-vorstellt. Ab er es gibt nur eine Weltanschauung, denn es gibt nur einen
-Gott. Und diese eine Weltanschauung hat der Mensch nur dann in voller
-Reinheit errungen, wenn er in sich gegen alle Dinge keinen Widerstand
-mehr ausspürt.
-
- SANNA:
-
-Kennst du Cordatus?
-
- TAMARA:
-
-Er lebte wie die Lilien auf dem Felde und wie die Vögel unter dem
-Himmel, frei, ganz frei und auch so frei den Steinwürfen der Menschen
-ausgesetzt.
-
- DER MANN:
-
-Wenn ich dem emsigen Treiben der Vöglein zuschaue, ist mir, als müßte
-ich gleich in ihre Nester kriechen.
-
- TIOMA BETTY (nachdenklich wiederholend):
-
-... so er in sich gegen alle Dinge keinen Widerstand mehr ausspürt.
-
- SANNA:
-
-Lebst auch du den letzten Heiland Christus?
-
- DER MANN (tritt näher):
-
-Lasset uns von Christo reden.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Um die christlichen Dinge ist es schlecht auf Erden bestellt, denn es
-rufen _alle_ Priesterlichen zu dem Heiland: Salbater, Salbater, Salbater
-...
-
- SANNA:
-
-Sprich, was du glaubst ...
-
- (Die Mädchen treten näher.)
-
- DER MANN:
-
-Christus sprach: Ich will den Vater bitten, daß er euch einen anderen
-Tröster gebe, der bei euch bleibe ewig. Und der Tröster, das ist der
-heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, wird euch
-alles lehren und euch erinnern alles dessen, das ich euch gesagt habe.
-Wenn dieser Geist der Wahrheit kommen wird, der wird euch in alle
-Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selber reden, sondern was er
-hören wird, das wird er sagen, und was zukünftig ist, wird er euch
-verkündigen. Derselbe wird mich verklären ...
-
- TIOMA BETTY:
-
-Und du glaubst -- -- --
-
- DER MANN:
-
--- -- -- daß ein Heiland diese Welt bis in alle Ewigkeit erkannt hat!
-Seht -- der Tröster ist noch nicht gekommen in die Menschheit. Denn das
-Feuer, das der Heiland Christ entzündet hat, brennt noch immer. Doch es
-wachsen die wahrhaftigen Streiter ringsher und verkünden, daß auch
-Christi Wunder nur Gleichnisse sind. Und die Verkünder sind nicht
-Schriftner mehr, sondern Dichter, die ihr Leben als ein Dichtwerk leben!
-Das sind die Großen, die den Wind bewegen und auf Erden himmlisch sind.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Und die Stadt Jerusalem, die vorerst zerstürzen soll?
-
- DER MANN:
-
-Jede Stadt ist Jerusalem! Zu den Menschen darf man nur in Bildern reden,
-denn der Worte Sinn ist vielfach und verändert sich im Lauf der Zeit.
-
- TAMARA (ängstlich):
-
-Und so ist nichts vollendet, und wir stehen mitten drin -- -- --
-
- DER MANN:
-
-Dein Hirn schreit -- und du weißt keinen Ausweg. Du aufheulst in Nacht
-aus dem Leibe! Doch der Geist der Wahrheit wird die Schlacht gewinnen.
-Jetzt ist die Zeit, da der heilige Geist über alle kommt.
-
- (Er wendet sich zum Gehen.)
-
- TIOMA BETTY:
-
-Bleibe bei uns diese Nacht bis zum Morgen.
-
- DER MANN:
-
-Ich muß wandern. Ich muß wandern. Freundlich sind die Straßen in der
-Nacht. Ich muß wandern, immer weiter, weiter wandern ... Wachst,
-Kindlein, wachst! Der Fürst der Welt braucht Kämpfer für sein Reich!
-
- (Er geht.)
-
- (Schweigen.)
-
- SANNA:
-
-Wie es plötzlich dunkel um uns ist.
-
- TAMARA:
-
-Alles Licht von außen hat er mitgenommen.
-
- TIOMA BETTY:
-
-Innen brennt's ... Und die Wärme wird den Wind bewegen. Und Jerusalem
-wird zerbrechen. Und ich seh die Menschen auf den Fluren wie die Bäume
-und die Blumen leben: lächeln, atmen, lieben und bewegungslos schauern
-oder auch in den erschütternden Welt- und Schicksalswinden eine
-ergreifende Erhabenheit in das helle All rauschen.
-
- SANNA (in unverhoffter Starre):
-
-Tioma! Tioma Betty!! Halte mich fest, halte mich ganz, ganz fest!!!
-
- (Sie hängt an ihrem Arme.)
-
- TIOMA BETTY (groß und ruhig):
-
-Du weißt es! --
-
- SANNA
- (am ganzen Körper fliegend):
-
-Tamara -- geh -- geh -- fasse ihn -- Cordatus! -- (Sie ruft hinaus):
-Cordatus!!! Eile! O Gott -- eile doch. Ich kann nicht! Weshalb habt ihr
-nicht erkannt! Weshalb wart ihr blind! blind!! blind!!! Fasse ihn --
-fasse ihn in der Nacht!!
-
- (Sie springt hinaus.)
-
- TAMARA
- (mit großen Augen schwankend hinterher):
-
-Dank, Dank, Dank, Dank -- -- --
-
- TIOMA BETTY (leuchtet):
-
-Und sie erkannten ihn nicht! -- Nun greifen wir ihn nicht mehr mit den
-Händen ...
-
-
- ENDE
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t sind, wurden mit
-Unterstrichen wie _hier_ gekennzeichnet.
-
-Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt
-(vorher/nachher):
-
- [S. 47]:
- ... sind die Großen, die den Wind bewegen nnd auf Erden ...
- ... sind die Großen, die den Wind bewegen und auf Erden ...
-
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Der ewige Mensch, by Alfred Brust
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER EWIGE MENSCH ***
-
-***** This file should be named 52334-8.txt or 52334-8.zip *****
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-
-
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-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
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-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
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-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
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-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
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-For additional contact information:
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- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
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-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
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-<title>The Project Gutenberg eBook of Der ewige Mensch, by Alfred Brust</title>
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-The Project Gutenberg EBook of Der ewige Mensch, by Alfred Brust
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-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
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-Title: Der ewige Mensch
- Drama in Christo
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-Author: Alfred Brust
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-Release Date: June 15, 2016 [EBook #52334]
-
-Language: German
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-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER EWIGE MENSCH ***
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-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
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-<p class="printer">
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-<p class="cop">
-Copyright by Kurt Wolff Verlag · München 1919
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-DIE VERKETTETEN<br />
-FESTUS<br />
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-MAUSCHE MICHEL<br />
-DER VATER<br />
-ALLERHAND VOLK
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-2" title="1. Akt">
-<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a>
-</h2>
-
-<p class="d">
-<span class="d">Morgen. Ein großer leerer Raum mit rissigen Wänden in einem
-verfallenen Gebäude. Die Wohnung des Cordatus.</span>
-</p>
-
-<p class="noindent c">
-CORDATUS <span class="d">(ein Mensch von 30 Jahren, sitzt in abgetragener
-Kleidung in einer Ecke des Raumes auf dem Erdboden und blickt
-lächelnd vor sich nieder. Er hat einen dünnen, langen Vollbart. Sein
-Gesicht zeigt Spuren außerordentlicher Schönheit und geistiger Höhe
-und Frische. Er spricht alles ganz langsam, klar und deutlich aus.
-Es gibt in keinem Wort Überstürzung bei ihm. Jedes Wort ist voll
-warmer drängender Liebe und erschüttert, zuweilen durch eine kleine
-Bewegung unterstützt. Diese Bewegungen sind aber so sehr selten,
-daß sie stets auffallen. In der Hauptsache ist er bewegungslos und
-versteht es, diese Bewegungslosigkeit seiner Umgebung unmittelbar
-mitzuteilen.)</span>
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">TAMARA</span><br />
-<span class="d">(ein schönes sechzehnjähriges Mädchen, geht mit schleppenden Schritten
-diagonal durch den Raum. Sie ist dürftig gekleidet)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ich hab ein Tier im Bauch. Schneid mir doch das Tier
-aus dem Bauch.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Schweigen.)</span>
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">TAMARA</span><br />
-<span class="d">(setzt ihre Wanderung fort. Hin und wieder bleibt sie stehn wie in
-lähmendem Schreck und wiegt den Körper dann hin und her)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ich hab ein Tier im Bauch. Schneid mir doch das Tier
-aus dem Bauch.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a>
-<span class="firstline">SANNA</span><br />
-<span class="d">(ein liebreizendes Fräulein, vornehm gekleidet, öffnet leise die Tür,
-blickt vorsichtig hinein und tritt dann mit großen erstaunten Augen
-in den Raum. Sie erblickt Tamara, die in einer Ecke stehengeblieben
-ist und sich in den Hüften wiegt, nicht)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Guten Morgen, Cordatus.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">CORDATUS</span><br />
-<span class="d">(ohne Verwunderung und von Herzen freundlich)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Du kommst zu mir, Schwesterlein. Setz dich und gib
-mir deine Hand.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Die Hand geb ich dir, aber setzen kann ich mich doch
-nicht.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Du glaubst gar nicht, wie wunderschön das ist, wenn
-du dich hier nicht setzen kannst.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Das müßte doch in deinen Augen häßlich sein.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-In meinen Augen ist niemals etwas häßlich.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Aber du fragst gar nicht, weshalb ich zu dir gekommen
-bin ...
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Es ist doch schön hier draußen; dies verfallene Haus
-vor der Stadt und die wundersüße Wildnis ringsher!
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Weshalb bist du dann nicht im Freien?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ich arbeite noch ein wenig. Draußen kann ich nur
-fühlen.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a>
-<span class="firstline">TAMARA</span><br />
-<span class="d">(beginnt wieder ihre Wanderung durch den Raum)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ich hab ein Tier im Bauch. Schneid mir doch das Tier
-aus dem Bauch.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">SANNA</span><br />
-<span class="d">(fährt herum und blickt mit starren Augen und blassem Gesicht auf
-das Mädchen)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-</p>
-
-<p class="c">
-TAMARA <span class="d">(nimmt keine Notiz von Sanna)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Das &mdash; das &mdash; was ist dieses, Cordatus?!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ein fremdes Kind, das da glaubt ein Tier im Bauche
-zu haben. Ich will es heilen durch mein Wort.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Aber &mdash; aber weshalb denn ein Tier?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Das sind so die Jahre.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Und &mdash; &mdash; &mdash; <span class="d">(sie sammelt sich)</span> wohin gehst du zu Tisch?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Zu Tisch? Ich weiß nicht. Vielleicht kommt eine Wölfin,
-mich säugen.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Pfui!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Pfui? Du bist allerliebst, kleine Schwester.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-So höre, Bruder. Ich bin aus einem großen Grunde zu
-dir gekommen.
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a>
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Gewiß, auch die kleinen Gründe sind bedeutend.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA <span class="d">(eifrig)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; sieh mal. Das wird dir schon einleuchten, was
-ich dir sage. Die Eltern meinten zwar, das hätte keinen
-Zweck. Aber ich sagte ihnen, Cordatus habe mich lieb
-und werde mir meinen Herzenswunsch erfüllen. Und ich
-redete so lange, bis sie zu hoffen begannen. Und heute
-früh, als ich fortging, da weinten sie vor Hoffnung. &mdash;
-Hörst du, Cordatus?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ich muß lieben, Kind. Versteh mich recht! Ich bin geboren,
-um zu lieben. Ich müßte jetzt ein Beil nehmen,
-das ich nicht habe, und dich damit schlagen. Da ich aber
-lieben muß, kann ich dich nur mit der Liebe schlagen.
-Und das ist so sehr schmerzvoll für dich. Denn wenn ich
-dich mit dem Beil schlüge, würdest du mich hassen, denn
-dein Körper haßt den Schmerz; da ich dich aber mit der
-Liebe schlage, trifft es deine Seele, und die liebt mich,
-wenn ich ihr wehe tu.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Und weshalb denn willst du mich schlagen?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Weil du ein schönes Kind bist, in das sich mein Versucher
-gesteckt hat, um mir das Glück zu stören.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA <span class="d">(klagend)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Du willst nicht zurückkehren! &mdash;
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Nie, nie, nie! Geh heim &mdash; und werde glücklich. Und
-wenn du es nicht können wirst, dann komm zu mir! Ich
-will dich&rsquo;s lehren, denn ich bin&rsquo;s.
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a>
-TAMARA <span class="d">(plötzlich laut)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Und es zuckt und es wühlt und es windet. <span class="d">(Überlaut:)</span>
-Schneid mir doch das Tier aus dem Bauch!!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS <span class="d">(wieder unendlich beruhigend)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Wir werden alle weinen, die alten Eltern und ich. Wir
-haben schon soviel geweint um dich, denn du hast uns
-ja so unglücklich gemacht &mdash; mit deinem Glück.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; ich habe euch immer mit der Liebe geschlagen.
-O, daß ich euch mit dem Beile schlagen könnte! &mdash; Laß
-mich allein, Mädchen!
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Soll &mdash; soll ich dir etwas schicken?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Versuche mich nicht! Der Versucher weiß, daß ich noch
-nicht auf dem Gipfel meiner Stärke bin. Geh hin. Ich muß
-noch arbeiten.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA <span class="d">(schüttelt den Kopf und geht)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Lebwohl.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS <span class="d">(sitzt und sinnt bewegungslos)</span>.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">STEILZACK</span><br />
-<span class="d">(tritt barhäuptig ein und stellt sich nachdenklich in die Mitte des
-Raumes. Er ist ähnlich Cordatus gekleidet)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ich habe etwas gesehn. Drei Menschen hab ich gesehn.
-Und das bewegt mich. Drei Menschen an diesem jungen
-Tag.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Drei Menschen können dich nicht bewegen, Steilzack.
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a>
-STEILZACK:
-</p>
-
-<p>
-So bewegt mich denn ein Geschehen. Ja &mdash; ein Geschehen
-bewegt mich; ein Geschehen um drei Menschen.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ein Geschehen um drei Menschen ist auch ein Geschehen
-um die Welt.
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK:
-</p>
-
-<p>
-Sag mir, Cordatus, lieber Herr, darf man einen Menschen
-töten?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Die Menschen kommen immer zu mir, um diesen
-Raum mit Tragödie auszufüllen. Das ist nicht gut von
-den Menschen.
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK:
-</p>
-
-<p>
-Aber darf man einen Menschen töten?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Man darf nicht, aber man muß.
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK:
-</p>
-
-<p>
-Das ist ein gefährliches Wort.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ich weiß, daß ich ein gefährlicher Mensch in der
-Menschheit bin. Aber ich liebe. Und alle Liebenden sind
-gefährlich.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">TAMARA</span><br />
-<span class="d">(kniet in einer Ecke nieder und winselt)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Und es ist ein Tier. Und es ist ein Tier. Wenn ich
-nur wüßt, welch ein Tier das ist!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS <span class="d">(ruhig und fest)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK:
-</p>
-
-<p>
-Man darf nicht, aber man muß! Aber dann gibt es
-Gesetze.
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a>
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; Gesetze muß es geben, damit die Unschuldigen
-gestraft werden und die Sünder sich freuen können.
-Das alles ist ganz außerordentlich wichtig, sage ich dir.
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK:
-</p>
-
-<p>
-Aber hier &mdash; hier ist doch jemand erschlagen worden!
-Verstehst du: mit einem Beile erschlagen!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ich verstehe dich recht: eine Kraft hat etwas zerstört.
-Ein Leben hatte sich erfüllt, und da mußte auch die
-Form zerbrochen werden. Und da traf die Form im
-Niedergang ihrer Tage eine Kraft in den Stunden eines
-Aufgangs.
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK:
-</p>
-
-<p>
-Und ich sah, wie die Kraft das Beil dieser Form
-mitten in die Stirn hieb.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Du sahst drei Menschen. Und es geschah große Bewegung.
-Da kamst du zu mir!
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK:
-</p>
-
-<p>
-Nach den Gesetzen der Menschen muß jetzt auch
-diese Kraft getötet werden.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Das ist nicht immer nötig, aber vielleicht.
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK:
-</p>
-
-<p>
-So sage mir, soll ich hingehn und anklagen?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Du sollst lieben.
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK <span class="d">(laut)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Freund, es ist dein Vater, der erschlagen worden ist!
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a>
-<span class="firstline">CORDATUS</span><br />
-<span class="d">(erhebt sich steil, nimmt seine ganze Kraft zusammen und spricht
-ihm ins Gesicht)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Du sollst lieben!
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">TAMARA</span><br />
-<span class="d">(die wieder wandert und wiegt)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ich hab ein Tier im Bauch. Schneid mir doch das Tier
-aus dem Bauch!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK:
-</p>
-
-<p>
-Und ich sah den Mörder und weiß sein Gesicht.
-Und dann sah ich die liebliche Schwester ahnungslos
-in der wundersüßen Wildnis hier! Soll ich anklagen,
-Cordatus?!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Du sollst lieben! Oder geh von mir. Geh von mir,
-wenn du nicht lieben kannst!
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK:
-</p>
-
-<p>
-Weshalb denn mußte ich das alles sehn?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Das ist Schicksal. Jeder Blick, den wir tun, ist Schicksal
-und hat Bedeutung.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">SAAT</span><br />
-<span class="d">(tritt auf und blickt sich fremd um)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK <span class="d">(in schmerzvoller Bewegung)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Cordatus!!
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT <span class="d">(ängstlich)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ich heiße Saat, wissen Sie. Und Sie sind ein gerechter
-Mensch, wird gesagt.
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a>
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Wenn du Gerechtigkeit willst, so gehe zu den Richtern.
-Denn ich bin ungerecht.
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT <span class="d">(flehentlich)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ich möchte Sie, ich möchte dich gern allein sprechen,
-Cordatus! Ich möchte dich gern allein sprechen.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Wenn du Schicksal hast, von dem du nicht zu allen
-sprechen kannst, so schweige lieber. Denn man soll ein
-Ding zu allen Menschen sagen können oder schweigen.
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT:
-</p>
-
-<p>
-Ich bitte dich um eine Ausnahme.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Bist du so schwach, daß du nicht schweigen kannst?
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT:
-</p>
-
-<p>
-Ich bin schwach.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Frage mich!
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT:
-</p>
-
-<p>
-Gibt &mdash; gibt es Schuld?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Es muß Schuld geben.
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK <span class="d">(wendet sich ab)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Steilzack!
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK:
-</p>
-
-<p>
-Ich höre, Herr!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ist es dieser?
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a>
-STEILZACK:
-</p>
-
-<p>
-Er ist es!
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT <span class="d">(versteht nicht)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS <span class="d">(sanft zu Saat)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Bleibe bei uns. Und laßt uns jetzt hinausgehn auf den
-Berg. Da ist viel Licht. Und da sind alle Dinge ganz
-anders.
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Er geht voran. Saat und Steilzack sehen einander ungewiß an
-und folgen ihm langsam)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-TAMARA <span class="d">(laut hinterher)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ich hab ein Tier im Bauch. Schneid mir doch das Tier
-aus dem Bauch, Herr!
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT <span class="d">(blickt sich verstört um)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-3" title="2. Akt">
-<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a>
-</h2>
-
-<p class="d">
-<span class="d">Die Stadt. Ein freier Platz. Im Hintergrunde eine Reihe Häuser.</span>
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">SAAT</span><br />
-<span class="d">(steht im Vordergrunde, die Hände in den Taschen und blickt zu Boden)</span>.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">WACHTLER</span><br />
-<span class="d">(kommt. Ein altes Männchen mit listigen Augen voller Neugierde.
-Er bleibt dicht bei Saat stehn und betrachtet ihn mit großer Aufmerksamkeit)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ehemmhemm!!
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT <span class="d">(sieht sich schnell um)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER:
-</p>
-
-<p>
-So macht man sich bemerkbar. Ja &mdash; sehn Sie, Herr.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">SAAT</span><br />
-<span class="d">(wendet sich ihm voll zu und blickt ihn fragend an)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER:
-</p>
-
-<p>
-Ich heiße Wachtler. Sie sind ganz fremd in der Stadt,
-wie ich sehe.
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT:
-</p>
-
-<p>
-Wie können Sie das wissen? Die Stadt ist doch sehr
-groß.
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; die Stadt ist groß, aber die Menschen sind klein.
-Je größer die Stadt, desto kleiner die Menschen. Aber
-trotzdem: ich weiß alles. Es ist geradezu beängstigend
-<em>was</em> ich alles weiß. Es gibt in allen Städten Menschen,
-die immer alles wissen! Alles!
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a>
-SAAT:
-</p>
-
-<p>
-Zum Beispiel ... Ich verstehe gar nicht.
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; es ist heute sehr aufregend in unserer Stadt.
-Von dem Skandal in der Kirche hörten Sie wohl! Nicht?
-Der heilige Cordatus hat da den Gottesdienst gestört,
-den Pfarrer von der Kanzel vertrieben und ein Viertelstündchen
-selber gepredigt, wovon die Leute alle außerordentlich
-erbaut waren.
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT:
-</p>
-
-<p>
-Cordatus?
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; Sie warten doch hier auf ihn, wie ich sehe.
-Warten Sie nur, es dauert nicht mehr lange, so wird
-er dort um die Ecke kommen.
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT:
-</p>
-
-<p>
-Cordatus?
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER:
-</p>
-
-<p>
-Ja doch, sage ich Ihnen. Jetzt ist er noch in den Herbergen,
-kleinen Kneipen und Diebesspelunken herum,
-wo die Verbrecher und Betrüger, die Armseligen und
-Bedrängten und schlimmen Leute ihre Zeit fristen. Die
-Bürger dieser Stadt behaupten, er lehre diesen zweifelhaften
-Wesen das lichtscheue Handwerk &mdash; aber ich glaube
-nicht, was die Bürger sagen.
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT:
-</p>
-
-<p>
-Und Sie warten hier auch auf Cordatus?
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; er wird dort an der Ecke stehn bleiben und jedem
-Menschen, der es will, eine wichtige Lebensfrage beantworten.
-O &mdash; die jungen Mädchen und Frauen bedrängen
-<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a>
-ihn dann sehr. Und die alten Weiber sitzen herum und
-weinen.
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT:
-</p>
-
-<p>
-Und die Männer wollen nichts von ihm wissen ...
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER:
-</p>
-
-<p>
-Hm! Wissen Sie, das ist anders. Die Männer suchen
-ihn lieber insgeheim auf. Öffentlich sind sie ihm nicht
-wohlgesonnen.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">TIOMA BETTY</span><br />
-<span class="d">(eine schöne stattliche Dame geht, mit den Augen in der Ferne suchend,
-vorüber)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER <span class="d">(blinzelt Saat zu)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Das ist Tioma Betty, unserer Stadt Immerbeweger,
-eine heiße Hübscherin; aber seit vier Wochen keusch und
-züchtig. Sie muß ein Gelübde abgelegt haben. Wem?
-das werde ich in einer Stunde erfahren. &mdash; Ha! Jetzt
-wird es lebendig!
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT:
-</p>
-
-<p>
-Ich sehe nichts.
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER:
-</p>
-
-<p>
-Nein, Herr! Sie sehen nichts. Aber ich sehe dort den
-Polizeigewaltigen unserer Stadt hin und her spazieren.
-Der vornehme Herr dort, der sich den blauen Himmel
-besieht. Er heißt Festus, wissen Sie, Festus, wie der
-Landpfleger in der Apostelgeschichte, dem sich Paulus
-zu verantworten hatte. Ja &mdash; Festus.
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT <span class="d">(vorsichtig)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Was soll denn das da geben?
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER <span class="d">(mit prüfendem Blick)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Das kann eine ganz besondere Geschichte sein. Aber
-ich glaube nicht, daß es die besondere Geschichte ist.
-<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a>
-Dazu ist es noch zu frühe. Dieser Festus ist jedoch dem
-heiligen Cordatus wohlgewogen. Dessen Vater ist nämlich,
-müssen Sie wissen, der reichste Mann in der Stadt.
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT <span class="d">(erstaunt)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Sein Vater lebt in dieser Stadt?
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER:
-</p>
-
-<p>
-Ehemm! Ja. Lebt. Hat gelebt ist wohl richtiger. Aber
-das weiß noch kein Mensch, daß dieser Vater schon gelebt
-<em>hat</em>.
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT:
-</p>
-
-<p>
-Jetzt verstehe ich Sie gar nicht.
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER:
-</p>
-
-<p>
-Das will ich meinen. Sie wissen nichts. Sie sind ja
-fremd hier. Aber deshalb will ich&rsquo;s Ihnen gern sagen.
-Dieser Vater ist heute früh im wilden Stadtwald mit
-einem Beile erschlagen worden.
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT <span class="d">(schreit wie gelähmt)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Sein Vater! Das ist ja gar nicht möglich!! Herr!!
-Hören Sie doch! <span class="d">(Er greift ihn an.)</span>
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER:
-</p>
-
-<p>
-Werden Sie nicht so auffällig, junger Mann. Sehen Sie
-dort: der Festus ist schon aufmerksam. Ja &mdash; man muß
-immer vorsichtig sein. Aber bleiben Sie ganz ruhig. Ich
-werde nichts sagen. Das tue ich nie. Ich schaue nur
-immer zu und weiß von nichts. So werde ich nie hineingezogen.
-<em>Das</em> nenne ich Leben! Man wird die Leiche
-finden; dann wird man mit allen Errungenschaften der
-Kriminalistik nach dem Verbrecher forschen. Wissen Sie,
-so vom Mord bis zur Hinrichtung den ganzen Werdegang
-einer Sache, die man im voraus mit allen Finessen
-kennt, zu beobachten, ist außerordentlich wohltuend.
-<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a>
-Aber um Gotteswillen, beruhigen Sie sich doch, Herr!
-Ich bin in der Tat wie das Grab.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">SAAT</span><br />
-<span class="d">(versucht es, schnell fortzugehn, schwankt aber hin und her und kommt
-schließlich nur langsam vom Platze)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER <span class="d">(sieht ihm eifrig nach)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Sehr &mdash; spannend &mdash; ja &mdash;. Da kommt auch Cordatus.
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Stolpert mit kleinen Schritten hinterdrein.)</span>
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">DIE VERKETTETEN</span><br />
-<span class="d">(ein Mann und eine Frau, kommen. Der Mann geht rechts und die
-Frau links. Sie sind, nicht sichtbar, unten am Handgelenk durch
-eine Kette verbunden)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Ich will von dem Menschen nichts wissen. Komm fort,
-wir gehn hinaus auf die Felder.
-</p>
-
-<p class="c">
-DIE FRAU <span class="d">(klagend)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Du bereitest mir niemals eine Freude, niemals! Und
-besonders dann nicht, wenn ich dich um etwas bitte.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Aber Kind, sieh hin. Er ist ein Hanswurst. Nichts
-weiter.
-</p>
-
-<p class="c">
-DIE FRAU <span class="d">(dem Weinen nahe)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Was ich für heilig ansehe, das trittst du mit Füßen.
-Und du bringst mich soweit, daß ich verrückt werde an
-deiner Seite. Das willst du auch, scheint mir, nur erreichen.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Weshalb denn haben wir uns nur durch die Stahlkette
-so zusammengeschlossen, und weshalb ließ ich dich
-nur den Schlüssel ins Wasser werfen?
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a>
-DIE FRAU:
-</p>
-
-<p>
-So schnell bereust du das? Doch ja &mdash; ich bereue es
-auch schon.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Ich glaube, wir sind beide verrückt gewesen. Denn
-wir können uns ja nicht einmal entkleiden!
-</p>
-
-<p class="c">
-DIE FRAU <span class="d">(weinend)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Wir müssen zu einem Schlosser gehn und uns trennen
-lassen. O &mdash; wie ich mich schäme, denn dann weiß es die
-ganze Stadt.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Und doch war es nur deine Eifersucht, die diesen
-Unsinn verursachte.
-</p>
-
-<p class="c">
-DIE FRAU:
-</p>
-
-<p>
-Reiß mich nicht so! Sieh doch, wie wund mich die Kette
-gescheuert hat!
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; es ist schmerzhaft, aber du hast es gewollt!
-</p>
-
-<p class="c">
-DIE FRAU:
-</p>
-
-<p>
-Aber deine Augen schimmerten vor Seligkeit, als ich
-es wollte.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Die Ketten sind das Unbedachtsame hinieden.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">CORDATUS</span><br />
-<span class="d">(tritt barhäuptig auf. Ihm folgen Steilzack, ebenfalls barhäuptig,
-Wachtler und eine Reihe von Leuten beiderlei Geschlechts, wie man
-in einer Stadt einem Sonderlinge neugierig folgt)</span>.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">FESTUS</span><br />
-<span class="d">(tritt ebenfalls auf. Ein vornehmer, schöner Mann in Zylinderhut
-und Gehrockanzug. Er bleibt abseits von den anderen stehn)</span>.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a>
-<span class="firstline">DIE VERKETTETEN</span><br />
-<span class="d">(drücken sich nach dem Hintergrunde. Der Mann versucht, die Frau
-fortzuziehn, aber die Frau zwingt ihn durch Widerstand, zu bleiben)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN <span class="d">(gereizt)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Der Mensch ist doch betrunken! Siehst du das nicht?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS <span class="d">(hört es)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; ich trank Wein. Ich trank guten Wein, sehr viel.
-Hat euch Christus nicht gelehrt Wein zu trinken? Er
-tat&rsquo;s. Und indem er&rsquo;s tat, lehrte er euch zugleich das
-Geheimnis des Weins. Aber ihr habt&rsquo;s nicht begriffen.
-Ich aber, ich begriff es; denn ich bin der ewige Mensch.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Das ist doch unerhört, was er da spricht! Da müßte
-doch die Polizei einschreiten! <span class="d">(Unwilliges Gemurmel.)</span> Das
-hätte schon längst geschehen müssen. Aber die Bürger
-fürchten das Verbrechergesindel, unter dessen Schutz er
-steht.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Schuld und Sünde sind Bewegungen auf der Straße
-zur Vollendung, zur Vollendung des Sünders und zur
-Vollendung der Welt. Schafft eure bürgerlichen Gesetze
-ab, so gibt es keine Sünde mehr.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN <span class="d">(in höchster Erregung)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Das ist ein Skandal!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Und diese Schuld, das Verbrechen, kommt aus denselben
-Gesetzen, durch welche Sonne, Mond und Sterne
-bewegt werden und durch welche die Menschen angehalten
-werden, Gutes zu tun. Christus hat das verschwiegen.
-Und er hat noch vieles verschwiegen, wie es
-<a id="page-24" class="pagenum" title="24"></a>
-überhaupt besser ist, viele Dinge auf Erden den Menschen
-zu verschweigen. Aber eben dadurch hat er ein
-Feuer angezündet, das brennt noch immer. Schwert und
-Zwietracht ist er gewesen bis nun.
-</p>
-
-<p class="c">
-JEMAND AUS DEM VOLKE:
-</p>
-
-<p>
-Und auch du verschweigst?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; ich verschweige. Doch ich werde noch einmal
-alles aussprechen; denn ich bin vom Geist der Wahrheit,
-der noch nicht gekommen ist.
-</p>
-
-<p class="c">
-FESTUS <span class="d">(laut)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Paulus, du rasest. Die große Kunst macht dich rasend.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS <span class="d">(versteht und lächelt)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Mein teurer Festus, ich rase nicht, sondern ich rede
-wahre und vernünftige Worte.
-</p>
-
-<p class="c">
-FESTUS <span class="d">(im Abgehen)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Dieser Mensch hat nichts getan.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Seht, ich lehre euch die Freude und nicht das Trübe in
-der Liebe.
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK:
-</p>
-
-<p>
-Jede Freude hat ein Loch.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS <span class="d">(begeistert)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Aber neben dem Loche, da ist es heil!
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK <span class="d">(rauh)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Neben dem Loche ist es heil.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a>
-<span class="firstline">SAAT</span><br />
-<span class="d">(stürzt blutleer schwankend in die Szene und fällt, die Hände erhoben,
-vor Cordatus nieder)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ich bin&rsquo;s!! Ich bin&rsquo;s!!!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Warum denn, lieber Freund? Man muß das Schicksal
-niemals drängen!
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">SAAT</span><br />
-<span class="d">(erhebt sich fassungslos und wankt zurück mit riesengroßen Augen
-auf Cordatus)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Das &mdash; ist &mdash; ein &mdash; Idiot!
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK <span class="d">(schnell ab)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS <span class="d">(erschüttert)</span>.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">TIOMA BETTY</span><br />
-<span class="d">(ist gekommen, geht auf Cordatus zu und spricht mit leiser Stimme)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Du hast Tränen, Geliebter!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS <span class="d">(legt die Hand auf sie und sagt fest)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Der Tau ist des Regens Hirte!
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Er geht.)</span>
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Das Volk ist bestürzt und bewegt.)</span>
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-4" title="3. Akt">
-<a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a>
-</h2>
-
-<p class="d">
-<span class="d">Abend. Die Wohnung des Cordatus.</span>
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">CORDATUS</span><br />
-<span class="d">(sitzt in seiner Ecke auf dem Fußboden und sinnt)</span>.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">TIOMA BETTY</span><br />
-<span class="d">(tritt ein. Sie hat ein Tuch um den Kopf)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Hier wohnst du, Freund!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; es ist eine gute Wohnung. Laß sie dir gefallen,
-Tioma Betty.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Und du hast keinen Stuhl und keinen Tisch.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS <span class="d">(weist auf den Fußboden)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Das ist mein Stuhl und mein Tisch.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">TIOMA BETTY</span>
-</p>
-
-<p>
-Aber wenn du schreiben willst, Geliebter ...
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ich schreibe nie: denken und manchmal reden: das ist
-Lebenssinn. Und so du keinen Gegenstand besitzest,
-wird er dir nicht Ärger und Verdruß bereiten.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Und wo werden wir schlafen?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Dies ist mein Bett, und das ist dein Bett, Tioma Betty.
-<span class="d">(Er zeigt in verschiedene Ecken des Raumes.)</span> Wir wollen uns
-zur Ruhe legen.
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a>
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Und weshalb habe ich mich so geschmückt?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS <span class="d">(legt sich nieder)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ich bin dein Bräutigam, Tioma Betty. Und du bist
-die hochzeitliche Braut.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Und so sollen wir leben bis ans Ende unserer
-Tage?!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Du wirst keine Sorge haben.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Aber was werden wir essen? Welches ist deine Arbeit,
-die dir Nahrung schafft?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Es ist für den Geist besser, daß der Körper von
-Wasser und Brot lebe und nichts tue, als zu fressen und
-zu saufen und dabei stündlich beschäftigt zu sein und
-Mißbrauch der Gliedmaßen zu treiben.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY <span class="d">(ganz verlassen)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Und ich soll mich in diese Ecke legen ...
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Du wirst müde sein, Tioma Betty.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Aber nein, Geliebter. Ich bin gar nicht müde. Ich setze
-mich zu dir, und du sprichst.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Du wirst müde sein, Tioma Betty.
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a>
-TIOMA BETTY <span class="d">(betrübt)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Wenn du es sagst ...
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Sie setzt sich in ihre Ecke und legt sich dann nieder.)</span>
-</p>
-
-<p>
-Du hast auch kein Licht, Geliebter!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Hüte dich vor der Dämmerung, aber liebe das
-Dunkel; dann kommen die ruhigen Rinder mit riesigen
-Hörnern.
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Schweigen.)</span>
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY <span class="d">(aufrecht)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ich kann so nicht schlafen ..... Ich kann nicht! .....
-Hörst du!
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Schweigen.)</span>
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Steh auf, Tioma Betty. Das Bett ist gut. Es ist das
-Bett der ganz Glücklichen. Aber ich will, bis du&rsquo;s kannst,
-noch dein Kissen sein. Komm her und lagere deinen
-Kopf auf meiner Brust.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY <span class="d">(geht schweigend zu ihm)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Du schweigst, und es ist gut, daß du das tust. Man
-muß sehr viel schweigen auf dieser Welt.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">TIOMA BETTY</span><br />
-<span class="d">(kniet vor ihm nieder und legt sich hin, den Kopf auf seiner Brust.)</span>
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Tioma Betty, hast du mich lieb?
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Ich wäre nicht hier.
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a>
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Schlafe.
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Schweigen.)</span>
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Wenn du mich lieb hast, Tioma Betty, &mdash; schlafe ...
-</p>
-
-<p class="c">
-TAMARA <span class="d">(kommt behutsam)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ich hab ein Tier im Bauch. Schneid mir doch das Tier
-aus dem Bauch!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">TIOMA BETTY</span><br />
-<span class="d">(fährt in wahnsinniger Angst wild auf und schreit unterdrückt)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Cordatus! &mdash;
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Wenn du mich lieb hast, Tioma Betty, &mdash; schlafe.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">TIOMA BETTY</span><br />
-<span class="d">(legt ihr Gesicht wimmernd auf seine Brust)</span>.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">TAMARA</span><br />
-<span class="d">(legt sich in die andere Ecke, richtet sich auf, legt sich wieder hin)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Und es zuckt und es wühlt und es windet! Wenn ich
-nur wüßt, welch ein Tier das ist!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY <span class="d">(weint krampfhaft)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Wenn du mich lieb hast, Tioma Betty, &mdash; schlafe ...
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-5" title="4. Akt">
-<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a>
-</h2>
-
-<p class="d">
-<span class="d">Nächster Morgen. Berggipfel.</span>
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">CORDATUS</span><br />
-<span class="d">(barhäuptig, hingestreckt, blickt in die Ferne)</span>.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">TIOMA BETTY</span><br />
-<span class="d">(kommt leise und bleibt hinter ihm stehn)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ein schöner Tag.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ehe die Sonne hinunter ist, wirst du vor Tränen ermattet
-sein.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Warum?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS <span class="d">(blickt nach ihr)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Du hast ein Buch?
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; ein Buch. Steilzack hat deine Aussprüche gesammelt
-und sie niedergeschrieben. Das ist nun &bdquo;Das
-Cordatum&ldquo;.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">CORDATUS</span><br />
-<span class="d">(nimmt das Buch, aber sieht es nicht an)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Bücher schreiben ist eine unsittliche Handlung. Ein
-Buch ist immer ein unanständig Ding. Das Lesen von
-Büchern aber ist das Schlimmste, denn das ist eine verkehrte
-Befleckung. <span class="d">(Er wirft es hinaus.)</span> Da fällt&rsquo;s in die
-Schlucht. Dort mag&rsquo;s bleiben. Was ich gesprochen habe,
-das lebt. Man soll&rsquo;s nicht sargen.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a>
-<span class="firstline">DER DICHTER</span><br />
-<span class="d">(tritt auf, barhäuptig, achtzigjährig. Tolstoi-Maske)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Es ist gut, daß ich dir begegne auf meinem letzten
-Wege.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ich habe nichts mit dir zu schaffen, Greis; denn du
-bist ein Abtrünniger, wenngleich die Armen und Bedrängten
-dich preisen und das ganze Volk vor deinem
-Dichtwerk auf den Knien liegt.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER DICHTER:
-</p>
-
-<p>
-Ich weiß, daß ich gefehlt habe, und deshalb gehe ich
-meinen letzten Weg.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Wohin führt es dich?
-</p>
-
-<p class="c">
-DER DICHTER:
-</p>
-
-<p>
-Fort von den Meinen. Das ist es!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ich will dein Strafer und dein Tröster sein.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER DICHTER:
-</p>
-
-<p>
-Du strafst auch? Ich glaubte, du könntest nur lieben.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Die Geistigschwachen und die Hundsköpfigen und die
-Schweinsohrigen, die Schafsäugigen und die Kotschnäuzigen
-und die Eselsköpfigen &mdash; ja &mdash; die liebe ich, Greis.
-Aber die da geistig stark sind und die Mißbrauch mit
-dem Geiste treiben, die strafe ich.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER DICHTER:
-</p>
-
-<p>
-Ich weiß vor meinem Gott, daß ich nicht Mißbrauch
-des Geistes getrieben habe.
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a>
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Aber die Kobolde und nächtlichen Herzdrücker gingen
-doch nicht von deiner Brust, denn du hast den ewigen
-Menschen verraten.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER DICHTER:
-</p>
-
-<p>
-Verraten habe ich ihn nicht!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-So nenne mir das oberste Gesetz.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER DICHTER:
-</p>
-
-<p>
-Geh hin und verkaufe alles, was du hast, und gib&rsquo;s den
-Armen!
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Das hast du getan?
-</p>
-
-<p class="c">
-DER DICHTER:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; soweit ich nur konnte. Und ich hab keine Schätze
-gesammelt.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Eines aber, reicher Jüngling, hast du mißachtet: &bdquo;Folge
-mir nach!&ldquo; &mdash; Das tatest du nicht. Du bliebst bei den
-Deinen. Und so ist dein halbes Christentum schlimmer
-als ein ganzes Heidentum. Denn ein halbes Christentum
-ist keine Religion, aber ein ganzes Heidentum ist Religion.
-Das Ganze ist immer die Wahrheit.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER DICHTER <span class="d">(klagend)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ich sagte dir: ich gehe meinen letzten Weg. Denn nun
-habe ich auch die Meinen verlassen.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; es ist dein letzter Weg. Denn du wirst sterben
-<a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a>
-noch in dieser Nacht. Was du von diesem Morgen des
-Entschlusses bis zu dieser Nacht tust, das allein ist lebendig
-von dir zu ihm.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER DICHTER:
-</p>
-
-<p>
-Und das Kreutzerwerk, und das Evangelium, und das
-ganze Werk meiner achtzig Jahre?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Das wird vergessen werden, Greis. Denn du hast
-dies alles gewußt und <em>bist</em> feige gewesen. Die geübte
-Liebe wird leben, die geschriebene Liebe aber wird zuschanden
-werden.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER DICHTER <span class="d">(weint)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Du hast gewußt: es kann der Mensch auf dieser Welt
-gar nicht einsam genug sein. Du glichst bis nun der Jungfrau,
-die da glaubt, ein Tier im Bauch zu haben.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER DICHTER:
-</p>
-
-<p>
-So sage mir! Kann man auf Erden Christus werden?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Man kann es. Und wenn man es kann, dann soll
-man es.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER DICHTER:
-</p>
-
-<p>
-Bist du Christus?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Du sagst es.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER DICHTER:
-</p>
-
-<p>
-So laß mich mit dir beten!
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a>
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ich bete nie!
-</p>
-
-<p class="c">
-DER DICHTER <span class="d">(laut weinend)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Bist du Christus?
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ich bin&rsquo;s. Und du gehst jetzt hin, um es sterbend zu
-werden. Ja &mdash; das sei dein Trost! Du bist einen Tag in
-deinem Leben Christus gewesen ... Zieh hin ...
-</p>
-
-<p class="c">
-DER DICHTER <span class="d">(geht)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Du bist hart.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Er wird gut schlafen.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Mausche Michel kommt über den Berg.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ich liebe ihn. Es gibt überall auf der Welt ein paar
-Gestalten, die jeder kennt, weil sie außerhalb aller bürgerlichen
-Einrichtungen leben, und die deshalb verlacht
-werden. Diese Gestalten liebe ich, denn irgendwie verkörpern
-sie die Sehnsucht der Menschen.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">MAUSCHE MICHEL</span><br />
-<span class="d">(kommt unglaublich zerrissen. Er trägt einen langen, grauen Bart.
-In der Hand hält er einen langen Pfahl als Stock. Über der Schulter
-liegt ein Sack)</span>:
-</p>
-
-<p>
-A guten Tag.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Wohin, Mausche Michel?
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-35" class="pagenum" title="35"></a>
-MAUSCHE MICHEL:
-</p>
-
-<p>
-Nu, lieber Freind, ich komm fragen, ob Ihr eppes bedarft:
-e Hemed, e Röck oder Schich ...
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Ich brauche nichts, Mausche. Auch hab ich, wie Ihr
-wißt, kein Geld.
-</p>
-
-<p class="c">
-MAUSCHE:
-</p>
-
-<p>
-Ich brauch kein Geld nit vun Eich. Ihr seid a guter
-Menß ... <span class="d">(Lächelnd:)</span> Aber der Messias seid Ihr doch nit.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Was kommt&rsquo;s drauf an? Das Rad muß einen Stoß bekommen,
-wenn&rsquo;s auszurollen droht!
-</p>
-
-<p class="c">
-MAUSCHE MICHEL:
-</p>
-
-<p>
-Wos kimmern sich die Menßen ...
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Wenn&rsquo;s nicht tausend sind, dann sind&rsquo;s hundert, und
-wenn&rsquo;s nicht hundert sind, dann sind&rsquo;s zehn. Und wenn&rsquo;s
-einer lernt: der Schmerz ist das Glück und der Sender
-weiß und leide mit Liebe, dann ist es genug. Es gibt nur
-ein Himmelsgebirge, Mausche Michel, nur eins!
-</p>
-
-<p class="c">
-MAUSCHE MICHEL:
-</p>
-
-<p>
-Ihr seid a großer Gelernter. Recht habt Ihr.
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Er geht.)</span>
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS <span class="d">(zu Tioma Betty)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Vergiß das nicht: auch die größten Christen waren Juden.
-</p>
-
-<p class="c">
-TAMARA <span class="d">(kommt wiegenden Schritts)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ich hab ein Tier im Bauch. Schneid mir doch das Tier
-aus dem Bauch.
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a>
-CORDATUS <span class="d">(schweigt)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-TAMARA <span class="d">(zögernd)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts. <span class="d">(Sie erschrickt)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY <span class="d">(erhebt)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-TAMARA <span class="d">(geht langsam vorüber)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Es ist nichts, Tamara. Es ist nichts.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS <span class="d">(erhebt sich)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Nein &mdash; es ist nichts. &mdash; Laß uns zu Tale steigen.
-Die Menschen rühren sich in den Niederungen.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Ich fürchte mich vor den Tälern der Menschen.
-</p>
-
-<p class="c">
-CORDATUS:
-</p>
-
-<p>
-Bleibe auf dem Gipfel. <span class="d">(Er geht schnell ab)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY <span class="d">(folgt ihm langsam, erstaunt)</span>.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">STEILZACK</span><br />
-<span class="d">(kommt mit mehreren Männern, darunter Saat und der verkettete
-Mann)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Dort geht er hinunter. Und die Stadthure folgt ihm in
-der Entfernung.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER VERKETTETE MANN:
-</p>
-
-<p>
-Am Steinbruch können wir ihn erreichen.
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; am Steinbruch.
-</p>
-
-<p class="c">
-STEILZACK:
-</p>
-
-<p>
-Kommt.
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Sie gehen.)</span>
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a>
-<span class="firstline">SAAT</span><br />
-<span class="d">(bleibt plötzlich zurück, wankt hin und her, fällt in die Knie und
-zittert heftig. Dann faltet er die Hände empor und ächzt)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Es haben größere Menschen als ich an Gott geglaubt,
-größere Menschen! Weshalb gabst du mir, Gott, Eigenschaften,
-die mich schuldig werden lassen mußten!!!
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER <span class="d">(kommt angetrippelt)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; mein Freund, die Reue ist etwas Verspätetes.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">SAAT</span><br />
-<span class="d">(springt in heftiger Aufwallung hoch)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Stören Sie mich nicht, Mann!
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER:
-</p>
-
-<p>
-Und nun wollen sie den heiligen Cordatus steinigen!
-Schlecht sind die Menschen, Herr. Schlecht! Die Menschen
-schämen sich, und aus Scham sind sie schlecht, sage ich
-Ihnen. Auch Christus wurde getötet, weil sich die
-Menschen vor ihm schämten. Greulich, au-ßer-or-dent-lich
-greulich!!! Haben Sie verstanden?!! &mdash;
-</p>
-
-<p class="c">
-SAAT <span class="d">(weicht zurück)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ich weiß nicht &mdash; &mdash; &mdash;
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER <span class="d">(mit steigender Erregung)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Aber dann kommt das Gesetz, Bursche, hörst du, das
-Gesetz! Und dann werdet ihr gestraft, nicht weil ihr
-dies oder jenes getan habt, das tun bessere Menschen
-auch, sondern weil ihr es verludert habt, das Gute und
-die Liebe in den Dingen zu suchen. Und du stehst vor
-einem unbegreifbaren Gericht, schweißig, naß wie ein
-Lamm, das von hinten gesogen hat! Ja &mdash; die Frucht
-wollt ihr nicht, aber die Wollust darf euch nicht genommen
-werden. Dafür schwebt stündlich das Beil des Henkers
-<a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a>
-über euch. Und einmal fällt es ganz plötzlich! Ihr aber
-könnt nicht mehr den letzten Gang des Menschen zum
-Topfe machen. Ihr könnt euch nicht verstecken, wie die
-Tiere und Vögel es tun, wenn sie sterben. Ihr seid verurteilt,
-mit Kot in den Hosen vor sittsamer Leute Augen
-zu verrecken! Dann wird euch das Wort fehlen, das jener,
-den ihr dort mit Steinen totschlagt, gelehrt hat: Leide
-mit Liebe!! &mdash; Leide mit Liebe!!! &mdash; &mdash; &mdash; Ich bin ein
-Faun, ja &mdash; aber dann ist im Faun Liebe und natürliche
-Kraft!
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">SAAT</span><br />
-<span class="d">(steht vernichtet. Nach einer Weile)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Der &mdash; Leichnam ist noch immer nicht gefunden worden.
-</p>
-
-<p class="c">
-WACHTLER <span class="d">(unheimlich)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Nein &mdash; hier &mdash; ist er &mdash; Bube!
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">DER VATER</span><br />
-<span class="d">(tritt auf. Die Stirn ist hochgeschwollen, die Haut in der Mitte geplatzt.
-Das Gesicht ist mit geronnenem Blut bedeckt. Zwei irre
-Augen stieren umher)</span>.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">SAAT</span><br />
-<span class="d">(steif wie eine Säule, streckt er beide Arme ganz steil aufwärts)</span>.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">WACHTLER</span><br />
-<span class="d">(steht gespannt in schiefster Haltung)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Der Körper lebt. Nur der Geist ist tot.
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Des Vaters Augen bleiben plötzlich auf Saat sitzen und werden
-immer größer.)</span>
-</p>
-
-<p class="c">
-DER VATER <span class="d">(mit ruhiger Verwunderung)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Herr Jesus, das ist er ja ... Herr Jesus, das ist er ja!
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Er zuckt zusammen, streckt beide Hände wie zur Abwehr weit
-vor sich und schreit)</span>:
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a>
-Das Beil!!!
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Dann läßt er die Arme sinken. Eine Welle Wut rinnt über ihn.)</span>
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">SAAT</span><br />
-<span class="d">(stößt ein unmenschliches Geheul aus, einem Wolfsgeheul ähnlich.
-So stürzt er schwankend davon)</span>.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">DER VATER</span><br />
-<span class="d">(folgt ihm mit taumelnden Schritten)</span>.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">WACHTLER</span><br />
-<span class="d">(sammelt alle Kräfte und sinnt in die Weite)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ja &mdash; &mdash; &mdash; immerhin &mdash; &mdash; &mdash; spannend &mdash; &mdash; &mdash;
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-6" title="5. Akt">
-<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a>
-</h2>
-
-<p class="d">
-<span class="d">Später. Ein Abend auf dem Berge.</span>
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">TIOMA BETTY und SANNA</span><br />
-<span class="d">(sehr einfach, zum Teil abgetragen, gekleidet. Das Haar tragen
-sie zu langen Zöpfen geflochten)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Es wird feucht in den Tälern. Und die Lichtketten
-fangen an zu tanzen.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA <span class="d">(auf der Erde sitzend)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Wollen wir hinabgehn nach der Stadt oder hier oben
-übernachten im leeren Raume?
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Hier oben im leeren Raume, denke ich ...
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA <span class="d">(zögernd)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Das ist so schmerzvoll.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Ich glaube, du hegst noch immer eine Furcht.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Was kann man uns tun. Man hat uns schon alles
-getan.
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">TAMARA</span><br />
-<span class="d">(kommt und bleibt abseits stehn)</span>.
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a>
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Man darf das Blut nicht hemmen, wenn es brausen
-will, Sanna. Wir leben, und das heißt verbrauchen und
-Beziehungen zum Sender durch den Heiland suchen.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Wenn ich die Sterne sehe und den Sommer atme, dann
-will ich den Gott unmittelbar.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Lebe deinen Tag und lebe deine Nacht. Gott nimmt
-den Menschen niemals anders als durch den Heiland,
-den er gesandt hat, und unter dessen Stirn eine Erdperiode
-steht.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Wer hat dir das alles gesagt?
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Ich habe mir ein Buch heraufgeholt, das lag dort unten
-in der Schlucht, und da ist das alles ausgesprochen.
-</p>
-
-<p class="c">
-TAMARA <span class="d">(noch immer abseits)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Er hat mich gesund gemacht. Wenn ich ihm danken
-könnte mit meinem Leben, danken ...
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Tiefes Schweigen.)</span>
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Ob sie ihn nicht doch noch in den Fluß geworfen
-haben?
-</p>
-
-<p class="c">
-TAMARA:
-</p>
-
-<p>
-Die Wellen hätten ihn wie einen König vor sich hergetragen,
-und die Fische hätten ihn auf den Sand gehoben.
-Und dann hätten die Vögel geschluchzt und die
-<a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a>
-Tiere geweint, der Mond aber wäre von selber verlöscht
-in der Nacht.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA <span class="d">(ist aufgestanden)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Es gibt Menschen &mdash; so las ich einmal in einem Buche
-ohne Orthographie &mdash; es gibt Menschen, deren Leichnam
-weder Wasser noch Erde verbergen kann. Die Wogen
-speien ihn aus, und die Erde bricht auf und wirft ihn auf
-den Acker.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Und warum?
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Weil dieser taumelnde Ball die erlösende Wucht seiner
-Seele als Schmerz empfunden hat. Das stand so in
-diesem alten Buche geschrieben.
-</p>
-
-<p class="c">
-TAMARA <span class="d">(tritt unruhig herzu)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Ich fürchte diese einsamen Männer, die immer so steif
-und einzeln am Abend in der Landschaft stehn. Warum
-ist es niemals eine Frau ...
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY <span class="d">(nachdenklich wiederholend)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Die Wogen speien ihn aus, und die Erde bricht auf
-und wirft ihn auf den Acker.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Das stand da so schön geschrieben, Tioma Betty, zum
-Weinen schön geschrieben.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Man kann es immer noch einmal sagen: Die Wogen
-speien ihn aus, und die Erde bricht auf und wirft ihn auf
-den Acker.
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a>
-TAMARA:
-</p>
-
-<p>
-Jetzt ist er ganz nah bei uns &mdash; &mdash; der Mann. &mdash;
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">EIN FREMDER MANN</span><br />
-<span class="d">(tritt auf, bleibt aber ganz hart an der Seite stehn und blickt teilnahmlos
-aber unverwandt ins Weite hinaus. Seine Kleidung ist vollkommen
-zerrissen, sein blonder Vollbart ungepflegt und zerzaust. Sein Antlitz
-ist hohl und läßt auf große Anstrengungen schließen)</span>.
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Die Frauen stehen hart auf der gegenüberliegenden Seite, nicht furchtsam
-gerade, doch vielleicht ein wenig betreten.)</span>
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA <span class="d">(leise)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Laßt uns zur Stadt hinuntergehn.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Fürchtet nichts. Ich bin stark. &mdash; Bleibet auf dem
-Berge, nur hier könnten wir ihn treffen, so er noch einmal
-zu uns kommen sollte.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Es ist ja so lange her.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER FREMDE MANN <span class="d">(fern und ruhig)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Wen sucht ihr, Mädchen ...
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Schweigen.)</span>
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Ich kenne alle Pfade auf der Erde, und jeder Fußdruck
-ist mir flüssig in der Menschheit.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA <span class="d">(leise)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Antworte ihm, Tioma Betty. Er ist arm und bloß.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Und wenn die schweren Sommerregen durch die Lande
-<a id="page-44" class="pagenum" title="44"></a>
-streichen und der Boden Schlamm wird und ungewiß, so
-weiß ich dennoch alle Schritte aller Wesen, denn sie sind
-durch ihn und mich zu den Dingen.
-</p>
-
-<p class="c">
-TAMARA:
-</p>
-
-<p>
-Tioma Betty, sage ihm doch ein Wort.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Armut bindet. Ich bin euer Bruder, wenn ihr arm seid.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Und doch birgt ein Wort für verschiedene Menschen
-immer verschiedene Begriffe. So ist überall immer Babel
-auf Erden.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Das ist es. Denn die Menschen haben zuviel Worte
-erdacht. Dort steigt der Mond, ein Lichtschnitt am
-Firmament. Hätten die Menschen doch das Rätsel des
-nächtlichen Feuerzeichens am Himmel ertragen, ohne
-durch ein Wort zu der Summe der irdischen Begriffe zu
-drängen, nie wäre der Mensch auf Erden Bürger
-geworden, sondern Mensch. Vergeßt den irdischen
-Namen des rätselhaften Gestirns, und es sei Liebe unter
-dem leuchtenden Bilde und Schweigen, und die unsicheren
-Dichter werden nicht mehr sein.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Es ist seltsam in dieser Zeit, daß die Menschen alle
-anfangen, von den wahrhaftigen Dingen zu reden.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Die Menschen beginnen langsam wieder zu denken.
-Die auf den Bergen und an den großen Wassern haben
-<a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a>
-schon immer gedacht. Und nun sind die Berge und die
-großen Wasser auch zu den anderen gekommen.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Kennst du Cordatus?
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Ein Name ist ein Begriff, unter dem man sich dieses
-oder jenes vorstellt. Ab er es gibt nur eine Weltanschauung,
-denn es gibt nur einen Gott. Und diese eine Weltanschauung
-hat der Mensch nur dann in voller Reinheit
-errungen, wenn er in sich gegen alle Dinge keinen Widerstand
-mehr ausspürt.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Kennst du Cordatus?
-</p>
-
-<p class="c">
-TAMARA:
-</p>
-
-<p>
-Er lebte wie die Lilien auf dem Felde und wie die
-Vögel unter dem Himmel, frei, ganz frei und auch so
-frei den Steinwürfen der Menschen ausgesetzt.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Wenn ich dem emsigen Treiben der Vöglein zuschaue,
-ist mir, als müßte ich gleich in ihre Nester kriechen.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY <span class="d">(nachdenklich wiederholend)</span>:
-</p>
-
-<p>
-... so er in sich gegen alle Dinge keinen Widerstand
-mehr ausspürt.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Lebst auch du den letzten Heiland Christus?
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-46" class="pagenum" title="46"></a>
-DER MANN <span class="d">(tritt näher)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Lasset uns von Christo reden.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Um die christlichen Dinge ist es schlecht auf Erden
-bestellt, denn es rufen <em>alle</em> Priesterlichen zu dem Heiland:
-Salbater, Salbater, Salbater ...
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Sprich, was du glaubst ...
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Die Mädchen treten näher.)</span>
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Christus sprach: Ich will den Vater bitten, daß er euch
-einen anderen Tröster gebe, der bei euch bleibe ewig.
-Und der Tröster, das ist der heilige Geist, welchen mein
-Vater senden wird in meinem Namen, wird euch alles
-lehren und euch erinnern alles dessen, das ich euch gesagt
-habe. Wenn dieser Geist der Wahrheit kommen
-wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er
-wird nicht von ihm selber reden, sondern was er hören
-wird, das wird er sagen, und was zukünftig ist, wird er
-euch verkündigen. Derselbe wird mich verklären ...
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Und du glaubst &mdash; &mdash; &mdash;
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-&mdash; &mdash; &mdash; daß ein Heiland diese Welt bis in alle Ewigkeit
-erkannt hat! Seht &mdash; der Tröster ist noch nicht gekommen
-in die Menschheit. Denn das Feuer, das der
-Heiland Christ entzündet hat, brennt noch immer. Doch
-es wachsen die wahrhaftigen Streiter ringsher und verkünden,
-daß auch Christi Wunder nur Gleichnisse sind.
-<a id="page-47" class="pagenum" title="47"></a>
-Und die Verkünder sind nicht Schriftner mehr, sondern
-Dichter, die ihr Leben als ein Dichtwerk leben! Das
-sind die Großen, die den Wind bewegen <a id="corr-2"></a>und auf Erden
-himmlisch sind.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Und die Stadt Jerusalem, die vorerst zerstürzen soll?
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Jede Stadt ist Jerusalem! Zu den Menschen darf man
-nur in Bildern reden, denn der Worte Sinn ist vielfach
-und verändert sich im Lauf der Zeit.
-</p>
-
-<p class="c">
-TAMARA <span class="d">(ängstlich)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Und so ist nichts vollendet, und wir stehen mitten
-drin &mdash; &mdash; &mdash;
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Dein Hirn schreit &mdash; und du weißt keinen Ausweg.
-Du aufheulst in Nacht aus dem Leibe! Doch der Geist
-der Wahrheit wird die Schlacht gewinnen. Jetzt ist die
-Zeit, da der heilige Geist über alle kommt.
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Er wendet sich zum Gehen.)</span>
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Bleibe bei uns diese Nacht bis zum Morgen.
-</p>
-
-<p class="c">
-DER MANN:
-</p>
-
-<p>
-Ich muß wandern. Ich muß wandern. Freundlich sind
-die Straßen in der Nacht. Ich muß wandern, immer weiter,
-weiter wandern ... Wachst, Kindlein, wachst! Der
-Fürst der Welt braucht Kämpfer für sein Reich!
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Er geht.)</span>
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Schweigen.)</span>
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA:
-</p>
-
-<p>
-Wie es plötzlich dunkel um uns ist.
-</p>
-
-<p class="c">
-<a id="page-48" class="pagenum" title="48"></a>
-TAMARA:
-</p>
-
-<p>
-Alles Licht von außen hat er mitgenommen.
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY:
-</p>
-
-<p>
-Innen brennt&rsquo;s ... Und die Wärme wird den Wind
-bewegen. Und Jerusalem wird zerbrechen. Und ich seh
-die Menschen auf den Fluren wie die Bäume und die
-Blumen leben: lächeln, atmen, lieben und bewegungslos
-schauern oder auch in den erschütternden Welt- und
-Schicksalswinden eine ergreifende Erhabenheit in das
-helle All rauschen.
-</p>
-
-<p class="c">
-SANNA <span class="d">(in unverhoffter Starre)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Tioma! Tioma Betty!! Halte mich fest, halte mich
-ganz, ganz fest!!!
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Sie hängt an ihrem Arme.)</span>
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY <span class="d">(groß und ruhig)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Du weißt es! &mdash;
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">SANNA</span><br />
-<span class="d">(am ganzen Körper fliegend)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Tamara &mdash; geh &mdash; geh &mdash; fasse ihn &mdash; Cordatus! &mdash;
-<span class="d">(Sie ruft hinaus)</span>: Cordatus!!! Eile! O Gott &mdash; eile doch.
-Ich kann nicht! Weshalb habt ihr nicht erkannt! Weshalb
-wart ihr blind! blind!! blind!!! Fasse ihn &mdash; fasse ihn in
-der Nacht!!
-</p>
-
-<p class="d">
-<span class="d">(Sie springt hinaus.)</span>
-</p>
-
-<p class="fl c">
-<span class="firstline">TAMARA</span><br />
-<span class="d">(mit großen Augen schwankend hinterher)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Dank, Dank, Dank, Dank &mdash; &mdash; &mdash;
-</p>
-
-<p class="c">
-TIOMA BETTY <span class="d">(leuchtet)</span>:
-</p>
-
-<p>
-Und sie erkannten ihn nicht! &mdash; Nun greifen wir ihn
-nicht mehr mit den Händen ...
-</p>
-
-<p class="end">
-ENDE
-</p>
-
-
-<div class="trnote">
-<p id="trnote" class="chapter"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p>
-
-<p class="handheld-only">
-Im Original
-g&nbsp;e&nbsp;s&nbsp;p&nbsp;e&nbsp;r&nbsp;r&nbsp;t
-hervorgehobener Text wurde in einem <em>anderen Schriftstil</em> markiert.
-</p>
-
-<p>
-Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
-</p>
-
-<ul>
-
-<li>
-... sind die Großen, die den Wind bewegen <span class="underline">nnd</span> auf Erden ...<br />
-... sind die Großen, die den Wind bewegen <a href="#corr-2"><span class="underline">und</span></a> auf Erden ...<br />
-</li>
-</ul>
-</div>
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Der ewige Mensch, by Alfred Brust
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER EWIGE MENSCH ***
-
-***** This file should be named 52334-h.htm or 52334-h.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
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-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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