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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte - -Author: Max Grohmann - Hermann Lungwitz - -Release Date: August 28, 2016 [EBook #52916] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEYER UND DAS OBERERZGEBIRGE *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This file was produced from images -generously made available by SLUB: Sächsische -Landesbibliothek - Staats - und Universitätsbibliothek -Dresden at http://www.slub-dresden.de ) - - - - - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. - - Im Original in Fraktur gesetzter Text ist ~so ausgezeichnet~. - - Im Original gesperrter Text ist +so ausgezeichnet+. - - Im Original fetter Text ist =so ausgezeichnet=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des - Buches. - - - - -Geyer und das Obererzgebirge - - - - - Das Obererzgebirge. - - Heimatkundliche Geschichtsbilder - - für - - Haus und Schule - - von - - Max Grohmann, - - Schuldirektor. - - Zweite veränderte und erweiterte Auflage. - - Annaberg 1900. - - Graser'sche Buchhandlung (Richard Liesche). - Verlag. - -[Illustration: Geyer] - - - - - Geyer. - - Heimatkundliche Geschichtsbilder - - für - - Haus und Schule - - von - - H. Lungwitz, - - Oberlehrer. - - Geyer. - - Buchhandlung von Otto Stopp. - - - - -Inhaltsverzeichnis. - - -Geyer: - - - 1. Gründung und Wappen der Stadt Geyer. - - 2. Die große Glocke in Geyer. - - 3. Hieronymus Lotter. - - 4. Geyer während des 30jährigen Krieges. - - 5. Salzburger Emigranten ziehen durch Geyer. - - 6. Evan Evans, der erste Baumwollspinner Sachsens. - - 7. Die Binge auf dem Geyersberge bei Geyer. - - 8. Das Steinkreuz auf dem Ziegelsberg in Geyer. - - 9. Sage: - Die Geyerschen Stadtpfeifer werden vom Greifenstein beschenkt. - - 10. Kurzer Abriß der Geschichte des Rittergutes Geyersberg. - - -Das Obererzgebirge: - - Erster Abschnitt: Die Landschaft des Obererzgebirges. - - Zweiter Abschnitt: Das Volkstum des Obererzgebirges. - - Dritter Abschnitt: Die Besiedelung des Obererzgebirges. - - Vierter Abschnitt: Die Kriegszeiten des Obererzgebirges. - - Fünfter Abschnitt: Das Wirtschaftsleben des Obererzgebirges. - -Ausführliches Inhaltsverzeichnis befindet sich am Schlusse des Buches. - - - - -1. Gründung und Wappen der Stadt Geyer. - - -Zweifellos ist die alte Bergstadt Geyer nach den Geiern benannt worden, -jenen Raubvögeln, die früher in dem waldreichen Erzgebirge häufig -nisteten. Die Sage schreibt ihnen die Veranlassung zur Gründung der -Stadt zu. Sie berichtet: - - »Einst hatten Geier dem Hühnerhofe des Rittergutes Tannenberg - argen Schaden zugefügt. Da bestieg der geschädigte Edelmann - sein Jagdroß, um den Raubvögeln nachzuspüren. Das Gestrüpp der - bewaldeten Höhe hinderte ihn am weiteren Vordringen; er band - daher sein Pferd an einen Baum, schritt zu Fuß weiter und fand - den Horst der Geier auf, zerstörte das Nest und erlegte auch - die alten Vögel. Als er zu seinem Rosse zurückkam, hatte es mit - seinen Hufen Zinnstein entblößt. Der Edelmann steckte einige - Erzstücke zu sich, zeigte sie Kundigen, und auf deren Anraten - schlug man an dieser Fundstelle ein. So wurde der Geyersberg - fündig. Es geschah dies zu Anfang des 14. Jahrhunderts.« - -So entstand das Bergwerk im Geyersberge, dessen Größe wir noch erkennen -und bewundern, wenn wir am Rande der gewaltigen Binge stehen, welche -durch den Einsturz dieses Bergwerkes entstanden ist. - -Die Bergleute siedelten sich im Thale des Geyerbaches am Fuße des -Berges an, und immer mehr zogen herzu. Es bildete sich nach und nach -eine Stadt. Diese wurde Geyer genannt, weil Geier die Entdeckung des -Erzes und somit die Gründung der Stadt veranlaßt hatten. - -Eine andere Überlieferung sagt, im Neste der Geier seien Zinngraupen -gewesen, das habe die Bergleute angeregt, in der Nähe zu schürfen, und -so seien die Erzschätze entdeckt worden. - -So verdankt die Stadt Geyer der Sage nach Gründung und Namen den -Geiern. Der Name der Stadt ließe sich jedoch auch erklären, wenn jene -Gründungssagen nicht auf Wahrheit beruhten. Manche Stadt ist nach einem -nahen Berge benannt worden, man denke an Scheibenberg oder Schneeberg. -Geyer liegt an einem Berge, der früher mit undurchdringlichem -Waldgestrüpp und Felsblöcken bedeckt war, sodaß er einen Zufluchtsort -für die Geier bot und darum wohl schon in ältester Zeit »der -Geyersberg« genannt wurde. Geyer kann demnach den Namen auch von dem -nahen Geyersberge erhalten haben. - -Da nun die Stadt Geyer ihren Namen, wenn nicht sogar ihre Entstehung, -den Geiern verdankt, führt sie diese Vögel auch in ihrem Wappen. Drei -Geierköpfe sind darauf zu sehen. Leider wissen wir nicht genau, wie -das Stadtwappen von Geyer ursprünglich aussah. In der Handschrift von -+Tschran+ (1775 beendet) heißt es: - - »Was das Wappen der Stadt anlanget, so ist darüber kein - Document ausfindig zu machen. Am Rathause befindet sich das - Stadtwappen, nach alter Bildhauer- und Wappenart in Stein - gehauen, welches 3 Geyersköpfe in einem besonderen Schilde - hat, darüber ein offener Helm mit 3 Spriegeln, und darauf ein - Geyer befindlich, unter demselben aber die Jahreszahl 1496 in - Mönchsschrift stehet.« - -Das hier geschilderte Wappen ist noch erhalten, freilich arg -beschädigt. Der Verfasser dieses Abschnittes giebt auf der Bildertafel -die Zeichnung davon. Er hat darauf die fehlenden Teile ergänzt, soweit -sich ihre einstige Gestalt aus den Resten erkennen ließ. Es fehlten das -oberste Stück des Wappens mit dem Kopfe des Geiers auf dem Helme, sowie -fast alle Verzierungen um Helm und Schild. Gut erhalten ist der Stein -mit der Jahreszahl: ~Anno dm (= domini) MCCCCXCVI~. - -Im Jahre 1496, zur Zeit der Gründung Annabergs, hat demnach Geyer -schon ein großes Rathaus besessen. Dasselbe ist aber 1844 durch ein -neues ersetzt worden, wobei das Wappen entfernt wurde. Es steht zu -erwarten, daß dieses nächstens wieder vervollständigt und an einen ihm -gebührenden Platz gebracht wird. Noch ist zu erkennen, daß das Wappen -vergoldet war und blauen Grund hatte. - -+Tschran+ berichtet weiter, daß in der Hauptkirche über dem Ratschore -ein hölzernes Wappen in verändertem Aussehen angebracht gewesen -sei. Leider konnten wir dieses nicht ausfindig machen. Es wird -folgendermaßen beschrieben: - - »Im Schilde siehet man einen viereckigten Thurm im blauen - Felde, mit offnem Thore, daran ein Schild mit 3 Geyersköpfen - hängt. Der Helm darüber ist offen, mit einer goldnen Crone, und - oben darauf ein Rittelgeyer befindlich.« - -Auch das größere und kleinere Stadtsiegel, sowie das Bergamtsiegel -werden geschildert. Aus ersterem hat sich fast ohne Veränderung -das heutige Stadtwappen entwickelt. (Siehe die Bildertafel!) Die -Farben sind folgendermaßen angegeben: Der Turm im blauen Felde ist -rötlich. Auf jeder Seite stehen sieben goldene Sterne. Das Dach ist -schieferfarben und trägt zwei goldene Knöpfe mit Fähnlein. Der Schild -ist silbern und zeigt drei Geierköpfe in ihrer natürlichen Farbe. - -Das Wappen von Geyer ist außerdem noch auf dem sogenannten -Dreilagensteine zu finden. Dieser ist ein uralter Grenzstein. Auf -ihm sieht man das Wappen von Geyer, das des Abtes von Grünhain und -dasjenige der Herren von Schönburg. Das Wappen von Geyer besteht darauf -nur aus drei Geierköpfen. - - Albert Major. - - -2. Die große Glocke in Geyer. - -Schon in früher Morgenstunde nach der Nacht, in welcher Kunz von -Kaufungen die Prinzen geraubt hatte, begann die allgemeine Verfolgung -der Räuber. Da erklang auch vom Turm der Niklaskirche zu Geyer die -große Glocke, laut das geschehene Unheil kündend. Die Glocke zersprang. -Urban, der Neffe von Georg Schmidt, welcher zu dieser Zeit in Geyer -anwesend war, teilte bei seiner Rückkehr seinem Oheim das Ereignis mit. - - »Im Walde dort wert Cunz ertapt, - Da wollt he Beeren naschen« - -berichtet der uralte Berg-Reihen weiter. Der Kurfürst aber ließ später -aus Dankbarkeit gegen Gott für die glückliche Errettung seiner Söhne -auf seine Kosten die große Glocke in Geyer umgießen. Ungefähr in dieser -Weise wird in der landläufigen Art bei der Erzählung des Prinzenraubes -der Geyerschen Glocke gedacht. - -Zunächst muß festgestellt werden, daß weder die Nikolaikirche, noch die -bald nach dem Prinzenraub umgegossene Glocke zur Zeit noch vorhanden -sind. Die große Nikolaikirche, welche östlich von der Stadt, links -von der Ehrenfriedersdorferstraße -- die Pflugschar durchschneidet -jetzt das Land -- stand, wird bereits 1491 urkundlich als nicht mehr -vorhanden bezeichnet, wahrscheinlich war sie durch Brand zerstört -worden. Bezüglich des Glockengusses fehlen allerdings gleichzeitige -Nachrichten; auch ist in dem bekannten Manifest, welches der Kurfürst -am Jakobitage (26. Juli) 1455 erließ, vom Glockenläuten nicht die Rede. -Peter Albinus ist der älteste bekannte Chronist, der den Prinzenraub -ausführlich erzählt, und er sagt in seiner Neuen Meißnischen Chronik -(1580): »Es haben sich die Hofleute nicht gesäumet, sondern von Stund -an in alle Gegenden geschickt und sind zum Teil selbst ausgeritten, -den Sturmschlag in allen Städten und Dörfern angehen lassen, daß also -das ganze Land rege wurde.« Albinus, als geborner Schneeberger, kannte -die Gebräuche des Erzgebirges; er wird wohl nicht ohne Grund vom -Sturmläuten berichtet haben. - -Das wichtigste Zeugnis giebt uns der um die Geschichtsforschung in -Geyer so hochverdiente Pastor Blüher, der der Prinzenglocke eine -besondere Aufmerksamkeit gewidmet hat und der den Umguß der Glocke auf -Kosten des Kurfürsten für wahr hält. Nach demselben waren auf der einen -Seite der Glocke die Bildnisse der beiden jungen Fürsten angebracht, -auf der andern Seite sah man Kunz auf der Erde liegend und das Pferd am -Zügel haltend, daneben den Fürsten Albrecht und den Köhler. Oben um die -Glocke stand der Vers: - - ~Filios Curt abripiebat Saxonis: Ergo - Redditionem hoc aes Christiparae memorat.~ - -und unten: - - ~Aufugiente Ducum plagiario rupta, sed Almi - Ensiferi sumtu sum reparata Patris. - A. MCCCCLVI.~ - -Blüher hat beide Distichen in folgender Übersetzung wiedergegeben: - - Kurt entführte die fürstlichen Prinzen, die himmlische Jungfrau -- - Diese Glocke bezeugt's -- gab sie uns gnädig zurück. - Ob des fliehenden Räubers der Prinzen laut stürmend zersprang ich, - Doch aus fürstlichem Schatz ward ich wieder verjüngt. - -Im Jahre 1580 besichtigte Herzog Albrecht die Prinzenglocke. Sie wurde -nach der Zerstörung der St. Niklaskirche im Turme der Lorenzkirche -aufgehängt. Die Freude über die schöne Glocke ist nicht von langer -Dauer gewesen, schon 1535 ist sie abermals zersprungen. Der Umguß der -neuen großen Glocke hat im Jahre 1539 stattgefunden, ob mit Beisteuer -Heinrichs des Frommen, wie vermutet wird, ist nicht erwiesen, er -geschah jedoch unzweifelhaft in der berühmten Hilligerschen Gießhütte -in Freiberg. Die große Glocke ist 1,60 ~m~ hoch, ihr Durchmesser -beträgt 1,80 ~m~, ihr Ton gilt allgemein als ausgezeichnet. In dem -breiten Laubwerkfries, das sie umgiebt, sind kleine Medaillons -angebracht, die Karl V., Ferdinand I. nebst Gemahlinnen etc. -darstellen. Vorzüglich gelungen ist das Rundbildnis Heinrichs des -Frommen, wovon wir auf der Bildertafel eine Abbildung bringen. Außerdem -ist noch der Bibelspruch Johannes 3: Also hat Gott die Welt etc. und -die Jahreszahl 1539 auf der Glocke angebracht. Die Angaben über die -Schwere der Glocke sind schwankend, ein Glockengießer versicherte -mir, daß sie über 100 Zentner wiegen müsse. Sei dem, wie ihm wolle, -die Geyersche Gemeinde hängt mit großer Liebe an ihrer Glocke. Dies -zeigte sich besonders im Jahre 1839, als die dreihundertjährige -Geburtstagsfeier derselben feierlich begangen wurde. Und noch heute -ruft der eherne Mund der großen Prinzenglocke die Gemeinde zum -Gotteshause und begleitet mit ihrem Schwunge des Lebens wechselvolle -Stunden! - - Hermann Lungwitz. - - -3. Hieronymus Lotter. - -Von den Bildern, welche die Brüstung der Empore der St. Annenkirche in -Annaberg zieren, trug das 28. Bild, Kains Brudermord darstellend, die -Inschrift der Stifter »Michael Lotter und Barbara, dessen Ehefrau«. -Dies waren die Eltern des berühmten kurfürstlichen Baumeisters -Hieronymus Lotter. Michael Lotter war mit seiner Familie 1509 von -Nürnberg nach dem rasch emporblühenden Annaberg eingewandert und hatte -es hier durch seine Rührigkeit zu Ansehen und Wohlstand gebracht, sodaß -ihm seine Mitbürger das Amt eines Bürgermeisters übertrugen. Sein Sohn -Hieronymus hatte sich dem Baufach gewidmet und Leipzig als Schauplatz -seiner Thätigkeit gewählt. Hier baute er das Kornhaus auf dem Brühl, -das Badstubenhaus am Ranstädter Thor, erhöhte den Nikolaikirchturm -und versah ihn mit einer Wächterwohnung, brach das alte Rathaus ab -und vollendete den Neubau bis zur Bewohnbarkeit innerhalb 9 Monaten. -Fremde Kaufleute, die zur Ostermesse den Anfang des Neubaues mit -angesehen hatten, waren, als sie zur Michaelismesse wiederkehrten, »mit -Verwunderung über so unverhofften Fortgang fast erstarret«. Kurfürst -Moritz übertrug dem Baumeister Lotter, die Pleißenburg als Schloß -und Festungsbau neu herzustellen. Sein Nachfolger, Kurfürst Vater -August, ehrte seinen Baumeister auch dadurch, daß er, so oft er in -Leipzig allein oder in Begleitung seiner Gemahlin erschien, in Lotters -Behausung abstieg. Die Leipziger Bürger wählten den hervorragenden -Baumeister zu ihrem Bürgermeister. - -Mit dem Jahre 1560 finden wir Hieronymus Lotter in der Bergstadt -Geyer. Er kaufte den Preußerhof, einen mit »Gerichten über Hals und -Hand« versehenen Freihof. Der Freihof stand an der Stelle, an welcher -sich die frühere Bürgerschule, die jetzige Posamentenfabrik des -Herrn Hermann Dietzsch, befindet. Später erwarb Lotter das Rittergut -Geyersberg mit etlichen nahestehenden Bürgerhäusern, die er zum Teil -abtrug, als er sein Wohnhaus von Grund aus neu aufführte. Dieses -Wohnhaus steht heute noch und befindet sich im Besitz des Herrn C. M. -Schürer. Überhaupt begann mit Lotter in Geyer ein neues Leben. Durch -seine Kunstfertigkeit zur Baulust angeregt, ließ der Rat die beiden -damals vorhandenen Brauhäuser und den Rathausturm neu herstellen, den -Wachtturm mit einer Türmerwohnung und mit Glocken versehen. Letztere -waren besonders dazu bestimmt, die Bergleute nach achtstündiger Schicht -zum Gebet und zur Arbeit zu rufen. Lotter unterhielt allein 300 -Bergleute; denn er besaß den größten Teil des Geyerschen Zinnbergbaues -nebst 8 Pochwerken, die teils in der Stadt, teils am Greifenbache lagen. - -Wie in Leipzig, so war auch auf dem Lotterhofe, so hieß das Rittergut -von nun an, der Kurfürst nebst Gemahlin, so oft sie im Gebirge weilten, -Lotters Gast. Hier im kleinen Schreibstüblein suchte Kurfürst August -seinen Baumeister zu bestimmen, ihm auf dem Schellenberge ein Schloß, -die spätere Augustusburg, zu erbauen. Als ob Lotter geahnt hätte, wie -viel Beschwerlichkeit, Kümmernis und Undank gerade dieser Bau ihm -einbringen werde, ging er anfangs nicht auf den Plan ein, sondern schob -sein hohes Alter -- er stand damals in seinem 69. Lebensjahre -- vor. -Erst durch die Kurfürstin ließ Lotter sich bestimmen, ihrem Herrn und -Gemahl die Bitte nicht abzuschlagen. - -Lotter hat den größten und schwierigsten Bau seines Lebens nicht -vollendet. Es wurde ihm die schmerzliche Demütigung, daß man den Bau -kurz vor seiner Vollendung dem Grafen Rochus von Linar übertrug. -Dem ungeduldigen und äußerst sparsamen Kurfürsten ging der Bau zu -langsam und verschlang zu große Summen. Dazu mag noch gekommen sein, -daß Neider dem Kurfürsten ins Ohr flüsterten, Lotter bereichere -sich an den Baugeldern, während es doch Thatsache ist, daß er von -der kurfürstlichen Kasse 15000 Gulden zu fordern hatte, die ihm nie -ausgezahlt worden sind, und ferner Thatsache ist, daß der reiche -Leipziger Bürgermeister und Bauherr wenige Jahre nach der Vollendung -der Augustusburg ein armer Mann war. - -Tiefgekränkt zog sich Lotter auf seinen Geyersbergischen Hof zurück. -Aber auch hier erwartete ihn wenig Freude. Die bergmännischen -Unternehmungen waren mißglückt, die Seinigen drängten ihn um Herausgabe -des Erbes, kurz, der 82jährige Greis sah nur trübe Tage. Am 24. Juli -1580 legte er sein müdes Haupt für immer zur Ruhe. Auf dem Altarplatz -der St. Lorenzkirche zu Geyer ist Lotter begraben worden. - -Und heute! - -Eine der schönsten Straßen Geyers führt nach dem kurfürstlichen -Baumeister den Namen: Hieronymus Lotter-Straße. Am 8. Oktober 1893 -brachte der Verein der Leipziger Architekten an Lotters Sterbehause, -das ist das von ihm erbaute Wohnhaus des Rittergutes, eine Gedenktafel -an, welche folgende Inschrift trägt: - - In diesem Hause starb - Leipzigs großer Baumeister - Hieronymus Lotter - im 83. Lebensjahre 1580. - Dem alten Meister - zu seinem Gedächtnis - Leipzigs Architekten 1893. - - Hermann Lungwitz. - - -4. Geyer während des dreißigjährigen Krieges. - -Mit dem Jahre 1632 begann der dreißigjährige Krieg auch seine -Schrecknisse in unser sächsisches Erzgebirge zu verbreiten. Während -die kurfürstlichen Truppen in der Lausitz und in Schlesien standen, -sandte der kaiserliche Feldherr Wallenstein den General Holk mit -seinen raub- und blutgierigen Banden über Eger und Neudeck ab, um das -sächsische Land für die Verbindung seines Fürsten mit den Schweden -zu strafen. Alles auf das Wildeste verheerend, breiteten sie sich -im August des Jahres 1632 von Schneeberg durch den sogenannten -Grund kommend auch in der Umgegend von Annaberg aus. Das Geyersche -Rittergut wurde in dieser Zeit zweimal ausgeplündert und alles Vieh -hinweggetrieben; drei Jahre lang, nämlich bis zum Jahre 1635, mußte es -in wüstem Zustande und die Felder unbestellt bleiben. Ludwig Lotter, -der damalige Besitzer des Gutes und Enkel des großen kurfürstlichen -Baumeisters und Bürgermeisters zu Leipzig, Hieronymus Lotter, ward -- -wie späterhin seine Erben in ihrem Belehnungsgesuch vom 31. August 1649 -dem Kurfürsten klagen -- auf seinem Rittergute öfter »mit unerhörten -Schlägen traktiert, mit Stricken um Kopf und Hals gelegt gerädelt und -so henkermäßig gepeinigt, daß sein Leben mehr als einmal nur an einem -Faden hing«. - -Fehlen auch leider die genaueren Zeitangaben jener Erlebnisse, so hat -man doch besondere Nachrichten über die Schicksale der Stadt in diesen -schrecklichen Zeiten, welche zur Aufhellung und Bestätigung des obigen -mitgeteilt zu werden verdienen. - -Als General Holk im August 1632, um sich den Paß nach Böhmen zu -erhalten, Schwarzenberg durch den Hauptmann Ullersdorf mit seinen -Kroaten hatte besetzen lassen, schickte sie dieser in der Umgegend weit -und breit zu Kriegsforderungen, Brandschatzungen und Plünderungen aus. -Die Orte, welche das geforderte Geld nicht brachten oder aus Armut -nicht bringen konnten, ließ er pfänden, Vieh und Menschen wegführen, -jenes wurde wieder verhandelt oder nach Böhmen getrieben, die -gefangenen Personen aber bis zur Erlangung eines stattlichen Lösegeldes -behalten. So verfuhr man zu Hermannsdorf, Thum, Ehrenfriedersdorf -u. s. w., so auch zu Geyer. Hier fielen die Kroaten am 23. August -1633 ein, brandschatzten und plünderten noch überdies, wobei sie -große Grausamkeiten verübten. Ein zweiundachtzigjähriger Greis, der -Zehntner Elias Hammann, mußte viel Schläge und Martern erdulden; der -Viertelsmeister Puzscher ward vor seiner Hausthüre erschossen. Ein -gleicher Überfall erfolgte am 25. November. Bereits war die Stadt bei -den Durchmärschen total ausplündert und die Bewohner zu entfliehen -genötigt worden, sodaß Geyer fast wüste stand und nichts liefern -konnte. Doch hatte Hauptmann Ullersdorf durch seinen Schreiber Samuel -Metzler ausgekundschaftet, wenn die Entflohenen in ihre Wohnungen -zurückkehrten. So ließ er am 25. November früh 7 Uhr eine Abteilung -Kroaten in Geyer einfallen und 3 Personen gefänglich wegführen, den -Stadtrichter Georg Klauß, den Pfarrer Johann Andrä (einen Flüchtling -aus Kaden) und einen schottischen Bergherrn Paul Northofen, ließ sie -nach Schwarzenberg bringen, um für erstere beide 1000 Thaler Lösegeld -zu erpressen, letzteren aber, weil er auf einen über Kroaten gesetzten -Leutnant geschossen haben sollte, mit einem schmählichen Tod bedrohen. -Der Pfarrer löste sich mit Geld und Geschmeide von 400 Thaler an -Wert, die beiden anderen wurden gerettet durch sächsische Truppen, -die unter Oberst von Taube über Chemnitz anrückten, in Verbindung mit -dem in Zwickau liegenden Bosenschen Regimente das Schwarzenberger -Schloß eroberten und die Besatzung nebst ihrem Kommandanten Ullersdorf -gefangen nahmen. Dies geschah am 4. Dezember 1633. - -Die Taubeschen und Bosenschen Regimenter besetzten nun auch die hiesige -Umgegend, in Annaberg blieben bis August 1634 4 Kompanien Reiter unter -Oberst Bodenhausen. Doch dauerten die feindlichen Streifzüge von -Böhmen aus fort, und endlich, nach dem Sieg bei Nördlingen über die -Schweden, erhielten die Kaiserlichen völlig die Oberhand in unserm -Gebirge, während die sächsischen Truppen sich auf Zschopau zurückziehen -mußten. Namentlich wiederholte der kaiserliche Oberstleutnant Schütz -von Schützky seinen schon im Mai versuchten Einfall am 28. September, -wobei er Annaberg und Umgebung mit unbarmherzigen Brandschatzungen -und Plünderungen heimsuchte, bis er, den Hauptmann Kurt Reinicke von -Kallenberg mit 30 Reitern zurücklassend, den 14. Oktober nach Zwickau -abzog. Dieser Hauptmann ließ Geyer von der angedrohten Plünderung mit -230 Thaler loskaufen und nachher dennoch plündern. Am 27. Oktober -erfolgte der Durchmarsch des kaiserlichen Obersten Schönickel, der, mit -5000 Mann auf seinem Rückzuge von Zwickau über Annaberg nach Böhmen -begriffen, in Geyer den Stadtrichter wegführen ließ und erst freigab, -als die Stadt ihn mit 37 Thaler eingelöst hatte. Diese letztere -Nachricht fand sich in einer hiesigen Gemeinderechnung; wie viel Not -und Jammer aber dabei verbreitet worden, läßt sich vermuten, wenn man -weiß, daß Schönickel, obwohl Chemnitzer von Geburt, doch fern von aller -Schonung gegen sein Vaterland war und durch Viehraub, Plünderung, -Sengen und Brennen (namentlich bei Zwickau, wo man eines Tages 15 -Schadenfeuer zugleich sah) Furcht und Schrecken verbreitete. - -Die heißersehnte Ruhe von solchem Ungemach trat für unser Gebirge und -das ganze Land erst ein, als der Kurfürst am 24. Juni 1635 Friede mit -dem Kaiser schloß und sich somit von den Schweden trennte. - -Über die Zeit vom 24. August 1632 bis 25. Juni 1635 bemerkt erwähnte -Gemeinderechnung: »An Kontribution, Brandschatzung u. s. w. habe Geyer -2973 Thaler 4 Neugroschen 6 Pfennige aufbringen müssen, außer 200 Stück -Rindvieh, das kleine ungerechnet, 24 Pferde, 4 Gebräude Bier, die -zunichte gemacht worden.« Zwei Männer und eine Frau seien niedergemacht -worden, und wie viele verwundet oder des Ihrigen beraubt worden, sei -gar nicht zu ermessen. - -Neue Drangsale brachte das Jahr 1639, als die Schweden unter General -Baner das Erzgebirge heimsuchten, um mit unmenschlicher Grausamkeit -Rache an den Bewohnern für des Kurfürsten Verbindung mit dem Kaiser zu -nehmen. Aber auch die kaiserlichen Scharen, die bald als Verfolgende, -bald als Verfolgte erschienen, verfuhren nicht viel milder. Damals -erlangte Geyer wenigstens bei den schwedischen Truppen Schonung durch -den hiesigen Pfarrer Hollenhagen, der denselben, wenn sie einbrechen -wollten, entgegen zu reiten pflegte und mit seiner Fürbitte für -die Gemeinde um so leichter Gehör fand, da er früher schwedischer -Feldprediger gewesen war. Bei Annäherung der Kaiserlichen verbarg er -sich mit der Gemeinde im Walde. Nach einer andern Geschichtsquelle -wird erzählt, daß dann die Frauen aus Furcht vor dem Feinde auf Bäumen -Platz genommen hätten und hier Zäckchen u. s. w. gefertigt hätten. Ein -Zeichen, daß auch schon zur Zeit des dreißigjährigen Krieges die Frauen -von Geyer durch Handarbeit zum Erlangen des täglichen Brotes beitrugen. - -Als die Kaiserlichen von der Saale her durch das Erzgebirge gegen -die in Schlesien vordringenden Schweden zogen und die Durchzüge seit -Anfang des Februars 4 Monate lang dauerten, waren die Einwohner -(wie ein Zeitgenosse, der Scheibenberger Pfarrer Lehmann, in seiner -Kriegschronik erzählt) genötigt, von Haus und Hof zu fliehen, wenn -sie nicht den übertriebenen Forderungen genügen wollten oder konnten, -nämlich sich von Plünderung loskaufen, Salvegarde lösen, Proviant -liefern, Wege bessern, Vorspann leisten u. s. w. Bei ihrer Rückkehr -fanden die Geflüchteten dann gewöhnlich ihre Häuser niedergebrannt -oder ausgeplündert, die Mobilien zerschlagen, die Kirchen erbrochen -und für Stallung der Pferde benutzt, die Feldfrüchte teils abgeweidet, -teils abgemäht und weggebracht. Menschen und Vieh, wo sich dergleichen -treffen ließ, ward mit fortgenommen, ganze Dörfer wurden wüste, so -Jahnsbach, Schönfeld, Tannenberg. - -Auch Geyer muß damals einen erbarmungswerten Anblick gewährt haben, -sagt ~P.~ Blüher in seinen Aufzeichnungen, und fährt derselbe in seiner -Beschreibung der Stadt, allerdings vor den Bränden in den Jahren 1854, -1862 und 1863 fort: - -Wer vom alten Schießhausplatz aus über die Schützenhofgasse herab durch -die Badergasse an der Marktschmiede vorüber bis zum Bergamtshaus ging, -der sah zur Linken und vom Bergamtshause bis zur Tannenberger Grenze -zu seiner Rechten eine fast ununterbrochene Reihe in Asche liegender -Häuser und außerdem waren 8 Brandstätten in der Zinngasse, in der -Gegend, in welcher sich der große, freie Platz der ersten aufsteigenden -Straße gegenüber sich befindet. Noch im Jahre 1661 zählte man 118 -Brandstätten und nur 83 bewohnte Häuser. - -Der Friedensschluß, welcher den dreißigjährigen, unerhörten Trübsalen -ein Ziel setzte, erfolgte am 14. Oktober 1648 zu Osnabrück. Ganz -Deutschland erlangte dadurch die heißersehnte Ruhe. Das Friedensfest -wurde zwischen Kaiserlichen und Schweden im großen Saale des Rathauses -zu Nürnberg gefeiert. Während die Abgesandten in der hochgewölbten, -glänzend erleuchteten Halle ein Fest abhielten, waren für die Armen der -Stadt zwei Ochsen geschlachtet und viel Brot ausgeteilt worden, und aus -einem Löwenrachen lief sechs Stunden lang weißer und roter Wein herab. -Aus einem größeren Löwenrachen waren dreißig Jahre lang im ganzen -deutschen Reich Blut und Thränen geflossen! - - Hermann Lungwitz. - - -5. Salzburger Emigranten ziehen durch Geyer. - -Als im Jahre 1732 der Erzbischof von Salzburg, Leopold Anton, Graf -von Firmian, die religiöse Unduldsamkeit bis auf das Äußerste trieb, -wanderten 30000 friedfertige, arbeitsame Protestanten aus und fanden -in dem Lande des Königs Friedrich Wilhelm I. von Preußen gastliche -Aufnahme. Auf verschiedenen Wegen zogen die Emigranten ihrer neuen -Heimat zu, und so geschah es auch, daß ein Trupp Emigranten seinen -Weg durch Geyer nahm. Anfangs wollte der Kommissar Balzig die -Vertriebenen nicht durch unsere Stadt führen, da dieselbe sich zu -dieser Zeit infolge des Niederganges des Bergbaues in mißlichen -Verhältnissen befand. Doch, berichtet eine im Besitz des königlich -sächsischen Altertumsvereins befindliche Handschrift, gab sich -der damalige Geyersche Stadtrichter Neubert selbst die Mühe, am -5. August 1732 nach Zwönitz zu schicken, wo die Vertriebenen ihr -Nachtlager hätten und sich den Durchzug von ihnen auszubitten. Als -die Bürger Geyers dieses hörten, wurden sie ungemein erfreut, daß -sie das Glück genießen sollten, den Salzburgern Gutes zu erweisen. -Sie machten sich daraufhin für den kommenden Tag bereit, dieselben -mit möglicher Liebe aufzunehmen. Die Schule, der Prediger, der ganze -Rat und die Bürgerschaft gingen ihnen entgegen und empfingen sie mit -einer Rede. Sie führten die Vertriebenen bei vollem Geläute in die -Stadt, wobei dieselben bewegliche Lieder sangen und auf dem Markte -Betstunde hielten; verlesen wurde Jerem. Kap. 51, welches von Babels -Zerstörung handelt. Nach der Beendigung des Gottesdienstes verschwanden -gleichsam die Emigranten, denn die Einwohner nahmen sie in der größten -Geschwindigkeit mit sich, daß man auch für Geld keinen mehr bekommen -konnte. Der Priester der Stadt war ein wenig abgetreten, um einen -kranken Salzburger mit Trost aufzurichten. Er hätte gewiß leer ausgehen -müssen, wenn sich nicht der Kommissar über ihn erbarmet und ihm zu -zwei Personen geholfen hätte. Nach eingenommenem Mittagsmahle fing man -wieder an, mit der großen und weitberühmten Glocke zu läuten. Darauf -versammelten sich unsere Emigranten und man führte sie ebenso aus -der Stadt, wie man sie eingeholet hatte. Die Abschiedsrede gründete -sich auf Offenbarung St. Johannis 2, 10. Dies alles schrieb man in -die Kirchenmatricul, damit es zum ewigen Andenken beibehalten würde. -Sonntags darauf sammelte man auch hier die Kollekte, welche man in -Sachsen für die Salzburger zusammengelegt hatte, sie betrug 19 Thaler -7 Groschen; vorher war keine Kollekte so reichlich, so lange Geyer -gestanden hat. Die Emigranten zogen von hier aus nach Wolkenstein -weiter. - - Hermann Lungwitz. - - -6. Evan Evans, der erste Baumwollspinner Sachsens. - -Unter den Prunkgeräten aus den früheren herzoglichen Schlössern, welche -im Museum zu Braunschweig aufbewahrt werden, findet sich auch ein -schmuckloses Spinnrad, das von Georg Jürgens, einem Braunschweiger, -gefertigt sein soll, der zur Zeit Luthers das Spinnrad erfand und -damit die seit Jahrtausenden zum Spinnen dienende Spindel außer -Gebrauch setzte. Geyer hätte ebenfalls Ursache, eine Maschinenspindel -im Rathaus aufzuhängen, denn Evan Evans, ein Geyerscher Bürger, war -es, der das Spinnrad durch das Einführen des Maschinenspinnens -in Sachsen verdrängte. Die Maschinenspinnerei ist eine englische -Erfindung. Man schreibt sie gewöhnlich Richard Arkwright zu; doch haben -spätere Nachforschungen ergeben, daß er wohl ein großer Verbesserer, -aber nicht der Urerfinder des Maschinenspinnens gewesen ist. In -Sachsen waren in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts -kleine Handmaschinen von 10 bis 20 Spulen zum Spinnen der Baumwolle -in Gebrauch. Gegen Ende desselben führte Karl Friedrich Bernhard -das englische Spinnereisystem in Sachsen ein. Seine Maschinen waren -Mulemaschinen; sie wurden in einem dazu errichteten Gebäude in Harthau -bei Chemnitz durch einen Engländer, Namens Watson, aufgestellt. Da -er aber als bloßer Maschinenbauer die Maschinen nicht in Gang zu -bringen wußte, namentlich, wird erzählt, die Trommelschnur nicht -aufzuziehen verstand, so wurde ein englischer Spinner, Evan Evans, -aus England herübergerufen, der auch alsbald auf den Maschinen -Garn spann. Der Vater des sächsischen Maschinenspinnens, besonders -der Baumwollspinnerei, ist Evan Evans. Er ist 1765 in New-Wales in -England geboren und kam im März 1802 auf erhaltene Veranlassung aus -Manchester nach Sachsen. Nachdem er sich in Harthau als Spinnmeister -bewährt hatte, ging er nach Dittersdorf, um sich mit Maschinenbauen -zu beschäftigen. Mit dem Jahre 1809 siedelte er nach Geyer über und -legte drei Jahre später den Grund zu seiner eigenen großen Fabrik -im benachbarten Siebenhöfen. Evans zeichnete sich als Erfinder auf -dem Gebiete des Maschinenspinnens aus und wurde auch als solcher -wiederholt von der sächsischen Regierung ausgezeichnet. Er fertigte -die Maschinen für eine Menge neu entstehender Fabriken in Erfenschlag, -Wolkenburg, Wegefahrt, Mühlau, Lugau, Plaue, Schlettau etc., auch für -viele kleinere Werkstätten im Erzgebirge und im Vogtland, sowie in und -um Chemnitz. Evan Evans ist am 9. Dezember 1844 in einem Alter von 79 -Jahren gestorben und liegt auf dem Friedhofe bei der Hauptkirche in -Geyer begraben. Die Saat aber, die der von groß und klein hochgeachtete -Bürger von Geyer gesät hat, grünt und blüht heute noch fort, denn am -Geyersbach, der der Zschopau zufließt, hat er seine erste Spinnerei -gegründet und längs des Zschopauflusses haben sich die größten -Spinnereien des Sachsenlandes angesiedelt. - - Hermann Lungwitz. - - -7. Die Binge auf dem Geyersberge bei Geyer. - -Einst hätten, so erzählt die Sage, Geier dem Hühnerhof des Rittergutes -Tannenberg argen Schaden zugefügt. Da bestieg der geschädigte Edelmann -sein Jagdroß, um den Raubvögeln nachzuspüren. Das Gestrüpp auf der -bewaldeten Höhe hinderte ihn am weiteren Vordringen, er band daher -sein Pferd an einen Baum, schritt zu Fuß weiter und fand den Horst der -Rittelgeier auf, er zerstörte denselben, ebenso gelang es ihm, die -alten Vögel zu erlegen. Als er zu seinem Roß zurückkam, hatte es mit -seinen Hufen Zwitter und Zinngraupen entblößt. Der Edelmann steckte -das Erz zu sich, zeigte es Kundigen und auf deren Anraten schlug man -auf derselben Stelle ein. So wurde der Geyersberg fündig. Es geschah -dies nach Tschrans Vermutung zu Anfange des 14. Jahrhunderts. Die -Ansiedelung aber, welche sich wegen der schon früher aufgefundenen -reichen Silber- und Kupfererze in dem Thale gebildet hatte, bekam nach -den Raubvögeln den Namen Geyer, und noch heute führt diese Stadt drei -Geierköpfe im Wappen. - -Die Ausbeute des Geyersberges scheint eine sehr reiche gewesen zu -sein, sind doch aus den Gruben nach einer vom Bergamt zu Freiberg -gemachten Zusammenstellung von der Auffindung bis zum Jahre 1845 (die -Ausbeute nach diesem Jahre ist ohne Belang) im ganzen rund 72600 -Zentner Zinn gefördert worden, die einen Wert von 7 bis 8 Millionen -Mark darstellen. Das Werk im Geyersberg wurde Zwitterstockwerk -genannt. Unter Zwitter verstand der Bergmann den Zinnstein, ein dem -Gneise verwandtes oder mit ihm durch Übergänge verknüpftes Gestein, -hauptsächlich aus eisenschüssigen Quarzen, mit Chlorit, Arsenkies -und Zinnstein gemengt. Der Zinnstein in Gängen wurde zuweilen, wie -Charpentier berichtet, so reich befunden, daß drei Zentner Zinnerz zwei -Zentner Zinn beim Schmelzen gaben. Mit dem Bergbau im Geyersberg ist -die Geschichte der Stadt auf das Innigste verknüpft, kein Wunder, daß -auch die Sage die Erwerbsquelle umrankt wie der Epheu das verfallene -Bergschloß. Es berichtet eine alte Handschrift, auf dem Geyersberge -hätte sich ein Paar Raben aufgehalten, welche durch ihren hohen oder -niederen Flug Anzeichen von einer bevorstehenden Veränderung gaben, -bestünde dieselbe entweder in der kommenden teuren Zeit oder auch in -einem Unfalle, welcher dem Bergmann im Schoße der Erde zustieße. Das -Rabenpaar habe nie ein anderes neben sich geduldet, selbst die eigenen -Jungen habe es, sobald der Hafer begann, gegen den Schuß hin gelb -zu werden, mit Schnabelhieben davongetrieben. Ob sie auch im Herbst -1704 ein Anzeichen gaben, darüber schweigt die erwähnte Handschrift, -wohl aber geschah es, »daß eine große Wand oder Tagklippe niederging, -durch welchen Bergfall viel Holz verstürzet und die Häuser im Geyer -erschüttert worden, wie von einem Erdbeben«. Es mag eine furchtbare -Erschütterung gewesen sein, als die möglicherweise mit nicht allzu -großer Vorsicht angelegten Höhlen in sich zusammenbrachen, wodurch der -große Tagebruch, die Binge, entstand. Schon nach der ersten Senkung -muß die entstandene Vertiefung eine mächtige gewesen sein; denn als -im Herbste 1773 der Kurfürst und spätere König Friedrich August sein -durch die große Hungersnot heimgesuchtes Gebirge besuchte und auch am -7. September nach Geyer kam, zeigte man demselben den Geyersberg »und -bezeugte Ihro Churfürstliche Durchlaucht nicht undeutlich Höchstdero -Wohlgefallen an dessen grauen Altertume und Seltenheit«. Leider hatte -es mit dem einen Zusammenbruch nicht sein Bewenden, denn der Hauptbruch -erfolgte am 11. Mai 1803. Während die Grubenarbeiter bei dem Bruch -von 1704 durch vorherige Anzeichen in den Gruben gewarnt und daher -geflohen waren, wurden 1803 die beiden Bergleute Christian Gottlieb -Schramm und Johann Gotthilf Zimmermann, welche nach der Senkung -das Werk untersuchen wollten, ob weiterer Broterwerb möglich sei, -verschüttet. Ihre Leichen ruhen noch jetzt im Schoße der Binge. In dem -am Neujahrstage 1804 ausgetragenen Zettel klagt der Kirchner Hofmann: - - Zum neuen Jahr sei neues Glück, - Mein Geyer, dir beschieden; - Vergiß das alte Mißgeschick -- - Nur Stückwerk ist's hienieden! - - Der Geyersberg erzeugte zwar - Uns bittre Thränen-Tage, - Und Teurung blieb im alten Jahr - Der Armen stete Klage. - - Ja Kirche, Schule, Rat und Euch, - Geliebte Bürger, schütze - Der gute Gott, er segne Euch - Und sei der Knappschaft Stütze. - -Obwohl der Betrieb des Bergbaues im Stockwerk vorläufig infolge -weiterer Brüche eingestellt werden mußte, nahm man ihn später, wenn -auch in geringerem Maße, wieder auf, bis mit dem Jahre 1855 das letzte -Zinnschmelzen stattfand. Die Förderkosten belaufen sich zu hoch im -Vergleich zum Preis des Zinnes, die reichen Gruben des Auslandes gaben -zu große Ausbeute. - -Etwas Unheimliches über den Geyersberg berichtet M. Metzler in seinen -Totennachrichten von 1692. Da heißt es: Den 24. Novembris starb Gregor -Schneider, ein Kärner, welchem ein Spectrum am Geyersberge unter die -Augen gespeiet, daß ihm das ganze Angesicht verbrannt und das eine Auge -durch die Nasen ausgeschworen ist. - -Heutzutage fürchtet man kein Gespenst mehr am Geyersberge; die Binge -ist vielmehr ein von nah und fern gern besuchter Ausflugspunkt in -unserem Erzgebirge. Nachdem der Wanderer sich an der köstlichen -Fernsicht geweidet hat, schaut er in die grausige Tiefe; das Werk, -welches fleißige Hände im Laufe von Jahrhunderten schufen, ist -zusammengestürzt. Da sieht man noch Spuren von früheren Förder- und -Abbaugängen, von Strecken etc. Die große Binge ist 70 ~m~ tief, gegen -200 ~m~ lang und 160 ~m~ breit. Aus der Ferne gesehen, gleicht sie -einem gewaltigen Krater, das dunkle Gestein ähnelt den Lavablöcken. - - -8. Das Steinkreuz auf dem Ziegelsberg in Geyer. - -An Weichbildsgemarkungen, an Kreuzwegen, an Stadtthoren, vor -Kirchthüren, auf Gemeindeplätzen, an Ackerrainen, auf früheren -Richtstätten etc. findet man im Sachsenlande hier und da Steinkreuze -errichtet, deren Zweck im allgemeinen war, die Aufmerksamkeit der -Zeitgenossen und die Erinnerung der Nachkommen festzuhalten. Kreuze -stellte man in alten Zeiten auf Märkten, wo sonst Gericht gehalten -wurde, auf zum Zeichen, daß ein jeder hier vor Unrecht und Gewalt -gesichert sei und in Frieden wandeln könne, und zur Versicherung des -königlichen Willens hing man in den Städten, welchen Weich- oder -Stadtfriede gegeben war, des Königs Handschuh daran. Doch nicht allein -auf der Stelle, wo der Markt oder Gerichtsplatz war, errichtete man -derartige Kreuze, man setzte sie auch, soweit der Gerichtsbezirk -des Ortes sich erstreckte; daraus entstanden die unter dem Namen -Weichbilder bekannten Grenzsteine. Findet man jedoch an solchen Orten -Kreuze, die auf nichts, was zum Amte der weltlichen Obrigkeit gehört, -Beziehungen haben, jedoch außerhalb der gewöhnlichen Begräbnisstätten -stehen, so sind sie zum Andenken oder zur Förderung der Seelenruhe -gemordeter Personen von schuldigen, obgleich nicht vorsätzlichen -Totschlägern, die ihre That dadurch mit verbüßen mußten, errichtet -worden. Wenn ein Totschlag aus Zorn, Trunkenheit oder auf andere -unvorsätzliche Weise erfolgt war, so schloß in alter Zeit der Mörder -einen gerichtlichen Vergleich mit der Familie des Ermordeten ab, worin -er derselben eine Summe Geldes zu entrichten gelobte, wogegen er das -Versprechen erhielt, daß er wegen seiner That keine Verfolgung oder -Rache zu fürchten haben solle. Oft mußte sich außerdem der Mörder noch -zu einer kirchlichen Bußübung oder zur Errichtung eines Kreuzsteines -verpflichten. - -Nach Blühers Aufzeichnungen ist in Geyer ein solcher Fall vorgekommen. -Im Jahre 1530 ward nämlich am Montag nach Michaelis von Balzer Bach -in Gemeinschaft von seinen Geschwistern und nächsten Verwandten -Bestimmung über 50 Gulden sogenanntes Blutgeld getroffen, welches sie -zur Sühne ihres vor 15 Jahren ermordeten Bruders erhalten hatten. Ob -von diesem Gelde auch ein Sühnekreuz errichtet oder ob es vollständig -dem »Gestifte unserer lieben Frau« zugewendet wurde, läßt sich aus -der beregten Quelle nicht ersehen. Ein Steinkreuz stand früher an der -alten Zolltafel, wie sich wohl die ältesten Bewohner der Stadt Geyer -erinnern können. Die Zolltafel war an der Ehrenfriedersdorfer Straße -aufgestellt, da, wo jetzt rechts der Weg nach der Binge abbiegt. - -Ein Sühnekreuz mag aber das im Sommer 1890 zufällig aufgefundene -Steinkreuz auf der Verlängerung des Ziegelsberges sein. Wie kommt -aber das Richtschwert hinzu, dessen Umrisse ganz deutlich auf der -einen Seite des granitnen Kreuzes zu sehen sind? Auf der bekannten -Dillichschen Federzeichnung der Stadt Geyer findet sich der Galgen -zwar an dem Fußsteige, wo das Kreuz aufgefunden wurde, doch etwas -weiter hinauf nach dem Schlegelswald zu. Da jedoch von einer Bebauung -mit Häusern auf dem Ziegelsberg auf erwähnter Zeichnung noch keine -Andeutung vorhanden ist, da ferner das Steinkreuz in einer vom -Silberbergbau herrührenden Halde aufgefunden wurde, so schließt dies -durchaus nicht aus, daß an der Fundstelle in Geyers frühester Zeit -der Richtplatz zu suchen sei, und daß derselbe nur erst infolge des -Bergbaues und der Bebauung des Ziegelsberges weiter dem Walde zu -angelegt worden ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach stand vielmehr das -Kreuz auf der alten Richtstätte; das darauf gemeißelte Richtschwert -deutete an, daß der Mörder eigentlich an dieser Stelle sein Grab -habe finden müssen; denn bekanntlich wurden in früheren Zeiten die -Gerichteten an Ort und Stelle verscharrt. - -Der hiesige Verschönerungsverein hat unter der Leitung des Herrn -Kaufmann Max Päßler das alte Steinkreuz wieder aufrichten und im -Grunde befestigen lassen. Es ist dies wohl das einzige in unserer -Amtshauptmannschaft, wenigstens führt ~Dr.~ R. Steche in seiner -»Beschreibenden Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des -Königreichs Sachsen«, viertes Heft, keins auf, während in anderen -Amtshauptmannschaften verschiedene erwähnt werden und 1885 bei -Ausgabe des Heftes noch das Geyersche nicht bloßgelegt war. Der -Verschönerungsverein fühlt sich übrigens den beiden Herren Gustav -Morgenstern und Karl Einenkel zum Dank verpflichtet, da ersterer -das Kreuz, welches auf seinem Grund und Boden gefunden wurde, -bereitwilligst dem Verein übergab und letzterer die Aufstellung auf -seinem Eigentume gestattete. - -Ein ähnliches Kreuz liegt umgestürzt und vergessen am Fußwege, welcher -von der Ehrenfriedersdorfer Hauptstraße links von der Großschen -Wirtschaft im Grunde des Greifenbaches abzweigt, einige hundert -Schritte oberhalb des Röhrgrabens. Der rührige Verschönerungsverein -unserer Nachbarstadt wird hoffentlich dieses Denkmal aus vergangenen -Tagen vor Überackerung und Einsinken schützen. - - Hermann Lungwitz. - - -9. Sage. - -Die Geyerschen Stadtpfeifer werden vom Greifenstein beschenkt. - -Einst hatten die Geyerschen Stadtpfeifer den Tanzenden im Thumer -Ratssaale bis tief in die Nacht hinein aufgespielt und traten, nachdem -der Reigen geendet, den Heimweg über den Greifenstein an. Als sie in -die Nähe der alten Felsen kamen, schien es ihnen, als ob dieselben in -einem besonderen Lichte erglänzten. Ein Spielmann machte den Vorschlag, -zu Ehren des Greifensteins eine muntere Weise zu blasen. Wie gesagt, -so gethan. Beim Abstieg nach Geyer sahen die Stadtpfeifer im Scheine -des Mondes große Zinnstufen am Wege liegen, sie meinten, der letzte -heftige Gewitterregen habe sie ausgewaschen. Ohne Säumen hoben sie -die Stufen auf und steckten sie in ihren Rucksack. Als die Frauen und -Kinder am andern Morgen die Rucksäcke nach einem Wurstzipfel oder sonst -einer Gabe durchsuchten, wurden sie die Stufen gewahr und brachten -sie zum Schmelzmeister. Der erkannte sie als reines Silber und lohnte -die Frauen reichlich. Nutzen hingegen habe die reiche Spende des -Greifensteins den Stadtpfeifern nicht gebracht, es sei alles wieder -durch die Musikantenkehle geflossen. - - Hermann Lungwitz. - - -10. Kurzer Abriß der Geschichte des Rittergutes Geyersberg. - -Bereits mit dem Jahre 1510 erscheint im Erbbuch der Stadt Geyer das -Besitztum Kaspar Thieles als ein ansehnliches Gut aufgeführt. Nachdem -das Gut im Jahre 1535 in den Besitz +Christoph Schnees+ übergegangen -war, ließ es derselbe mit Genehmigung des Herzogs Heinrich zu einem -Ritterlehen oder sogenannten Freihof erheben, um es dadurch der -Stadtobrigkeit zu entziehen. Überhaupt scheint Schnee infolge seines -hochfahrenden und willkürlichen Wesens zu dem Stadtrat von Geyer in -sehr gespanntem Verhältnis gestanden zu haben, was aus den vielen -Streitigkeiten hervorgeht. Nach dem im Jahre 1556 erfolgten Tode -Schnees gestalteten sich die Verhältnisse des Freihofs »aufm Geyer« -insofern ungünstig, als der nunmehrige Besitzer desselben, +Heinrich -von Etzdorf+, als Amtmann von Koburg genötigt war, einen Verwalter, -Lorenz von Wolnitz, auf dem Gute einzusetzen, der so wenig Aufsicht -führte, daß der Rat in einem Schreiben vom Jahre 1564 über die durch -unvorsichtige Gebaren der Gutsinsassen verursachte Feuersgefahr sich -beschwerte und zugleich das Gemeindekapital von 247 fl. kündigte. -Darauf sahen sich Schnees Erben nach einem Käufer um, den sie im Jahre -1565 in dem kurfürstlichen Landbaumeister Hieronymus Lotter fanden. -Unter Lotters Verwaltung erreichte nicht nur das Rittergut seine -Blütezeit, sondern es begann überhaupt in Geyer ein neues Leben, da -Lotter den größten Teil des Geyerschen Zinnbergbaues besaß, den er -schwunghaft betrieb. Von ihm erhielt das Gut den Namen »Geyersbergscher -Hof« oder »Rittergut Geyersberg«, wie er es auch durch kurfürstlichen -Lehnbrief vom Jahre 1569 erlangte, daß dasselbe auch auf die weibliche -Linie forterben durfte. Doch trotz aller Erfolge sollte er gegen -Ende seines Lebend noch in eine recht traurige Lage geraten, da er -bei seinem Landesfürsten in Ungnade fiel und durch unglückliche -Unternehmungen sein ganzes Vermögen verlor. Nach vierjährigem Elende -starb er 1580 und hinterließ seinen 3 Söhnen ein zerrüttetes Erbe. Sie -verkauften das Gut nach achtjährigem Besitze an ihren Hauptgläubiger -+Philipp Bruck+, und dieser überließ es bereits 1590 für 1300 fl. -an +Paul Tanner+ und dessen Schwägerin +Anna Buchner+, die bereits -vorher den Zinnhandel und Bergbau um Geyer in ihre Hände gebracht -hatten. Da aber seit dem Jahre 1599, in welchem der letzte Sohn Lotters -gestorben war, die Enkel des alten Lotter wieder Erbansprüche auf das -großväterliche Gut erhoben, so kam es zu einem recht langwierigen -Streit zwischen ihnen und den Tannerschen und Buchnerschen Erben, -woraus der häufige Wechsel der Besitzer des Geyersberges erklärlich -wird. Es folgten nämlich auf die Anna Buchner im Jahre 1615 zunächst -deren Erben bis 1617, dann Paul Tanner auf Neunhof, von welchem es im -Jahre 1619 der Hauptmann und Bergrat +Samson von Hohenwald+ in Preßnitz -kaufte. Letzterer suchte besonders durch Bierbrauerei und Holzverkauf -Nutzen aus dem Rittergute zu ziehen, obwohl er die Kaufsumme für -das Gut nie erlegte, sondern nur ein Angeld von 600 fl. an Tanner -entrichtet hatte. Inzwischen wußten die Enkel des alten Lotter durch -kurfürstlichen Bescheid den Kauf des genannten Hohenwald rückgängig -zu machen und verglichen sich bald darauf mit den Tannerschen und -Buchnerschen Erben, sodaß das Rittergut samt Zinnbergwerk im Jahre 1627 -in den Besitz +Ludwig Lotters+ gegen Zahlung von 5000 fl. überging. -Alle Bemühungen des neuen Besitzers um Hebung des arg vernachlässigten -Gutes waren erfolglos in der Schreckenszeit des 30jährigen Krieges; -denn zweimal wurde der Geyersberg geplündert, sodaß er 3 Jahre lang -im wüsten Zustande blieb. Lotter selbst wurde öfter von den Feinden -mißhandelt und gepeinigt. Als er kurz nach dem Friedensschlusse aus -dem Leben schied, hatte der Besitz des Gutes so wenig Verlockendes für -seine Erben, daß das Gut bereits 1652 an einen böhmischen Exulanten, -+Edeslaw von Stampach+, verkauft wurde, der bereits das benachbarte -Rittergut Tannenberg besaß. Er erlebte ruhigere Zeiten bis zu seinem -Tode im Jahre 1666. Seine beiden Töchter verkaufen schon 1669 das -väterliche Erbe an den Obersten +Heinrich von Bünau+ für 1000 Mfl., -welchem aber nur eine zehnmonatliche Verwaltung desselben beschieden -war. Auch seine Erben, 2 Töchter, dachten bald wieder an Veräußerung -des Gutes und verkauften es 1678 für 1200 Mfl. an den böhmischen -Exulanten und damaligen Besitzer des Rittergutes Tannenberg, +Felix -Friedrich Hruschka+ von Briexen. Auch dieser konnte in 26jähriger -Bewirtschaftung das Gut nicht heben, sondern hinterließ es bei seinem -Tode 1704 in ganz verfallenem und trostlosem Zustande, sodaß seine 4 -Töchter das Kaufgebot des Georg Erasmus +von Hartitzsch+ in Lichtenberg -bei Freiberg gern annahmen. Da aber das Gut mit großen Schulden -belastet und in schwere Händel mit dem Stadtrat verflochten war, wurde -von den Gläubigern und vom Rate Einspruch gegen den Kauf erhoben. So -geschah es, daß Erasmus von Hartitzsch 1709 starb, ohne überhaupt in -den Besitz des Geyersbergs gelangt zu sein. Erst der nächste Kauf -des Oberstleutnants +von Haß+ wurde rechtskräftig. Haß, »ein Ordnung -und Frieden liebender Mann«, vermochte den Stadtrat zur Ausfertigung -einer Urkunde über Gerechtsame und Grenzen des Rittergutes, in welcher -als Zubehör desselben genannt werden: ein Brauhaus, ein Malzhaus, -die 2 Türme der Kirchhofmauer und ein überbautes Erbbegräbnis mit -Kirchenchor. Trotz eines Testamentes entstanden nach dem Tode des -alten Haß 1736 Streitigkeiten unter den Erbberechtigten, wobei sich -gelegentlich der Erörterungen über die eigentümlichen Verhältnisse des -Gutes ergab, daß es seit 1602 auf Bitten der +Anna Buchner+ in ein -Erbgut -- doch mit Vorbehalt der Lehensfolge -- verwandelt, demnach -unter dem Namen eines Erblehngutes fortgeführt worden sei. Das Gut -ward nunmehr 1744 einem Erben des letzten Besitzers, dem Hauptmann -+von Reitzenstein+, verlehnt. Unter seiner Verwaltung steigerte sich -der Wert desselben dergestalt, daß er es im Jahre 1754 für 3700 -Thaler an +Julius Heinrich von Schütz+ auf Thum, Hauptmann der Ämter -Stollberg, Wolkenstein, Lauterstein und Frauenstein, verkaufen konnte. -Bald aber begannen die Leiden und Drangsale des 7jährigen Krieges, -während dessen Stadt und Rittergut Geyer durch Einquartierung und -Kontributionen stark litten. Amtshauptmann von Schütz starb in der -Zeit, da der Notstand seine höchste Stufe erreicht hatte, Anfang -des Jahres 1763. Seine Witwe verkaufte das Gut für 3400 Thaler an -den Oberstleutnant +Friedrich Theodor von Peterkowsky+. Der neue -Besitzer hatte noch unter den schweren Folgen des Krieges zu leiden, -welche durch die Teurung und Hungersnot der Jahre 1771 und 1772 noch -verschlimmert wurden. Als er 1781 starb, hinterließ er seinen Erben -das Gut mit einer schweren Schuldenlast. Mit Mühe behaupteten sich -die Erben 6 Jahre im Besitz, worauf Konkurs ausbrach. Bei der hierauf -folgenden öffentlichen Versteigerung wurde es dem Posamentiermeister -und Handelsmann +Johann Georg Thierfelder+ aus Thum für 3520 Thaler -zugesprochen. Er hätte es am liebsten bald wieder veräußert, wenn -sich ein Käufer gefunden hätte. So aber bewirtschaftete er es bis zu -seinem im Jahre 1813 erfolgten Tode. Erbin war seine einzige Tochter -+Frau Schulz+, welche wieder schwerere Zeiten erlebte, infolge deren -sie Teile ihres Grundstückes an den Tannenberger Rittergutsbesitzer, -Kaufmann +Hänel+ in Annaberg, verkaufte. Unter ihrem Sohne und -Nachfolger +Friedrich August Schulz+ gingen die mit dem Lehngute von -jeher verbundenen Ober- und Niedergerichte auf den Staat über; ebenso -machte sich das neue Grundsteuersystem bei dem Geyerschen Rittergute -geltend. Schulz verkaufte das Gut 1859 an +Karl Heinrich Zimmermann+ -für 6420 Thaler. Derselbe nahm mit größter Energie die Verbesserung des -Gutes in Angriff, ließ die Gebäude neu herstellen und errichtete eine -Brauerei. Nachdem Herr Zimmermann das Gut eine lange Reihe von Jahren -vorzüglich bewirtschaftet hatte, wurde es im Jahre 1891 an Herrn Hugo -Diendorf zu einem Preis von 77000 Mark verkauft. Herr Zimmermann ist am -6. Dezember 1891 gestorben. Herr Diendorf veräußerte die Grundstücke, -und die Gebäude gingen am 8. September 1894 an Herrn Karl Wilhelm -Moritz Schürer über. Der genannte Herr verwendete die Nebengebäude -zur Errichtung einer Holzwarenfabrik, bekannt unter der Firma: Erste -Sächsische Waschbretterfabrik C. M. Schürer. Die Brauerei hatte bereits -vorher Herr Franz Naumann erworben. Noch schaut das im wesentlichen -unverändert gebliebene Wohnhaus des Hieronymus Lotter auf die alte -Bergstadt Geyer herab. - -[Illustration] - - - - -Das Obererzgebirge. - - - - -Erster Abschnitt. - -Die Landschaft des Obererzgebirges. - - -1. Unera Hamet. - - Wenn anr ins Gebörg rauf kimmt - Dort aus n Niedrland, - Do möcht r alles ah su sah, - Wie sinst in Bichrn stahnd. - - Do sölln da altn Hammerschmied - In gedn Nast rim stih - Un Klipplmad mit Klipplsöck - När eitl hutzn gih. - - A Wammes un da Pudelmitz - Un ah da Ladrhus, - Dos sölln da ganzn Leit noch trong, - Geleich, öb kla, öb gruß. - - Do söll, wenn ah schuh Summer is, - Dr Schnee zemstrim noch lieng, - Da Kuhlnbrenner patznweis - In dickn Wald rim krieng. - - Na, na, ihr Leit, su is fei net, - Es is viel anrsch wurn, - Es wärd in darer itzing Zeit - Ka setts als Zeig geburn. - - Gebliem sei när da altn Barg, - Es Wassr un dr Wind, - Da Menschn sei was Anrsch wurn, - Dos waß gedwedig Kind. - - Gebliem is ah da alta Sproch - Noch bun a feins paar Leit, - Sa schnadln odr egal dra - In darer itzing Zeit. - - Gebliem is ah dr viela Rehng - Un is halt egal reg, - Is gu wos lus in Annebarg, - Do hot's ah Niederschlög. - - Gebliem is odr ah noch wos - In unrn wing Geblit, - Un söll ah bleim wie unra Barg: - A orndlich guts Gemit! - - Röder-Johanngeorgenstadt. - - -2. Das Lied vom Erzgebirge. - -Weise: Gott sei mit dir, mein Sachsenland. - - Macht uns die Sorge still und matt - Auf harter Lebensbahn, - Sind wir des Kohlendunstes satt, - Dann zieh'n wir flugs bergan: - Hinauf, wo reine Lüfte weh'n, - Im blauen Duft die fernen Gipfel steh'n, - Hinauf, hinauf ins Bergrevier! - - O Greifenstein, o Morgenleit', - Ihr locket mit Gewalt! - O Auersberg im grünen Kleid, - Du hoher Spiegelwald, - Des Sonnenwirbels mächt'ger Thron: - Ihr gebt dem Steiger schönsten Lohn; - Seid uns gegrüßt vieltausendmal! - - Aus dunklen Forsten, treu gepflegt, - Rinnt froh der reine Quell, - Der Kuckuck ruft, der Finke schlägt, - Die Amsel jubelt hell. - Wie beut dem Aug' ein lieblich Bild - Am steilen Hang das edle Wild. - Wie schön bist du, o Erzgebirg'! - - Mit Felsenboden mutig ringt, - Nicht achtend Sturm und Eis, - Bis er zur kargen Frucht ihn zwingt, - Des Erzgebirgers Fleiß. - Dein zahlreich Volk auf magerm Land, - Wie rührt es froh und flink die Hand: - Glückauf, Glückauf, du wackerer Stamm! - - Orangen wachsen dir nicht wild, - Auch Myrte schwer gedeiht, - Dafür belebet dein Gefild - Lust und Zufriedenheit. - Und wird auch rar dein glänzend Erz: - Du machst gesund ein jeglich Herz: - Behüt dich Gott, du fröhlich Land! - - T. S. - - -3. Die Bedeutung des Erzgebirges für das Vaterland. - -Das Erzgebirge ist seinem Hauptteile nach ein Kammgebirge. -Untergegangen sind die Erinnerungen an die Wenden, bis auf einige -Ortsnamen in ihrer Sprache. Auch sind im Aberglauben noch schwache -Spuren des kleinen, schwarzhaarigen, fremdsprechenden Volkes, das im -verschwiegenen Waldthale dem wenig freigebigen Boden mühsam Nahrung -abrang, sich in selbstgewebte grobe Leinen kleidete und vielleicht mit -dem behaarten Fell des bekämpften und erlegten Waldtieres gegen das -rauhfeuchte Klima des Miriquidiwaldes schützte. - -Germanen bewohnten das Gebirge erst vom 14. Jahrhundert an. Im 15. -Jahrhundert werden Neustädtel, Schlema, Grünhain außer wendisch -benannten Orten schon erwähnt. Da nur wenige zum Kamme vordrangen, -blieb das wilde Waldgebirge eine Scheidewand zwischen den Wohnplätzen -der Slaven in Böhmen und derer in Sachsen. Die Scheidewand erleichterte -die Erhaltung und Einführung des Deutschtums und damit einer höheren -Entwicklungsstufe. - -Diese schützende Rolle spielte das Gebirge auch im Hussitenkriege. Die -Gebirgsmauer hinderte die Unternehmungen der Hussiten sehr, indem sie -von einem eigentlichen Besitzergreifen des Landes abgehalten wurden. - -Als im 30jährigen Kriege Sachsen Kriegsschauplatz wurde, da hinderte -das Gebirge den österreichischen Kaiser, das für ihn als Wiege der -Reformation wichtige Land zu behaupten und unmittelbar Einfluß zu -gewinnen. - -Wie in geschichtlicher, so ist auch in natürlicher Beziehung das -Gebirge wichtig für Sachsen. Noch heute finden wir stattliche Wälder. -Der Wald aber ist der Vermittler zwischen Luft und Erde. Den rasenden -Lauf der Stürme weiß der Wald zu besänftigen, die gefahrdrohende -Gewitterelektrizität leitet er ab, das Wasser lenkt er in die Tiefe, -aus der es in dem Seitenthale als Quelle hervorbricht, die Fluren -des Landmanns tränkt er, dem Müller treibt er die Mühle und günstige -Gelegenheit zur Ansiedlung bietet er allen denen, die der Wasserkraft -bedürfen. Solche Ansiedlungen bergen die Thäler der Mulde, der -Zschopau, der Sehma, der Chemnitz. Im Sommer dient das Gebirge als -die Sparbüchse, die bei Wassermangel noch die Not lindern kann. Außer -dem Wasser spendet das Gebirge auch dem Lande Holz, das als Brenn- -und Bauholz verwertet wird. Zu erwähnen sind besonders die auf den -Holzreichtum sich stützenden bodenständigen Gewerbe, so früher die -Glasfabrikation, jetzt die Holzschleiferei und Spielwarenfabrikation. -Auch die Eisenindustrie, die früher im Gebirge blühte, war auf den -Holzreichtum zurückzuführen. Das Erlöschen derselben folgte auf die -Verteuerung des Holzes. Wichtig sind auch die Torflager. - -Aber auch im Innern birgt das Erzgebirge Schätze fürs Land. Im -steinernen Gebirgskörper schlummerten Silberadern. Die Reichtümer -verhalfen den Landesfürsten zur Hebung der Macht und des Einflusses -unseres Landes. Es entstanden neue Bergorte, die vielfach für die -Entwicklung des Landes auch in geistiger Beziehung wichtig geworden -sind: wie Freiberg, Annaberg und andere Städte. - -Mit dem Erzbergbau in Verbindung stehen die Blaufarbenwerke, die von -bedeutendem Einfluß auf Handelsbeziehungen zum Auslande wurden. Ihren -eigentlichen Ursprung haben die großartigen chemischen Fabriken in den -Glashütten gehabt, die der Holzreichtum des Gebirges in Begleitung der -Bergwerke entstehen ließ. 1822 erfand in Schneeberg ~Dr.~ +Geitner+ die -Bereitung des wichtigen Argentans oder Neusilbers. Eine Grube bei +Aue+ -lieferte +Böttcher+ den Stoff zu seinen Versuchen, deren Ergebnis die -Porzellanerzeugung in Sachsen wurde. - -Da die Bergleute Freunde des Bergmannssohnes Luther waren, so steht -auch mit dem Bergbau in Verbindung die Einwanderung Vertriebener aus -katholischen Ländern. Die Einwanderer brachten Gewerbefleiß und neue -Beschäftigungsarten ins Gebirge. Selbst nach dem Erliegen des Bergbaues -finden wir noch die Bodenbeschaffenheit wesentlich. Die dichte -Bevölkerungszahl im Bergbaugebiete erleichterte das Entstehen der -Hausindustrie, wie der Spitzenklöppelei und der Posamentenfabrikation. - -Erst in neuerer Zeit sind die Kohlen, die am Fuße des Erzgebirges -reichlich vorhanden sind, von so weittragender Bedeutung geworden. Im -Zeitalter der Dampfkraft sind Kohle und Eisen Träger und Stützen der -Industrie. - -Aus alledem geht hervor, daß unser heimisches Gebirge bedeutenden -Einfluß auf die Entwicklung unseres gesamten Vaterlandes geübt hat. - - Nach ~Dr.~ Jacobi. - - -4. Das Obererzgebirge. - -Das Erzgebirge zerfällt in das westliche, mittlere und östliche -Erzgebirge. Das mittlere liegt zwischen Schwarzwasser und Freiberger -Mulde. Elster und Gottleuba begrenzen das ganze Gebirge im Westen und -Osten. - -In der Richtung von Süd nach Nord unterscheidet man das +Obere+ und das -+Niedere Erzgebirge+; jenes reicht von dem zusammenhängenden Kamme, -der eine durchschnittliche Höhe von 800 m hat, etwa bis Falkenstein, -Schneeberg, Thum, Wolkenstein, Frauenstein und Schmiedeberg; dieses -von den genannten Orten bis in die Gegend von Zwickau, Lichtenstein, -Chemnitz, Frankenberg, Hainichen, Nossen, Tharandt. Im mittleren Teile -des Erzgebirges kommt der jähe Absturz nach Süden und die sanfte -Abdachung nach Norden am meisten zur Geltung. - -Das Gebirge besteht aus Urgebirgsarten: Thon- und Glimmerschiefer, -Gneis und Granit. Gneis herrscht im Osten vor und reicht bis weit ins -mittlere Erzgebirge nach Schlettau, Wolkenstein, Schellenberg. Der -Gneis ist die wahre Erzmutter. Um Eibenstock herrscht der Granit. -Besonders bemerkenswert sind die Basaltberge des Obererzgebirges: -Pöhlberg, Bärenstein, Scheibenberg. - -Aus Urgebirge bestehen: Keilberg (1238 m), Fichtelberg (1213 m), der -Spitzberg bei Gottesgab (1107 m), der Auersberg bei Wildenthal (1021 -m), der Kupferhügel bei Kupferberg (906 m), der Schneckenstein bei -Gottesgab (874 m), die Morgenleite bei Schwarzenberg (808 m), der -Greifenstein bei Geyer (731 m). - -Die Basaltberge sind: der Haßberg bei Preßnitz (991 m), der -Bärenstein bei Weipert (898 m), der Pöhlberg bei Annaberg (832 m), -der Scheibenberg bei gleichnamiger Stadt (805 m), letztere drei in -Grabhügelform. - -Bei Eibenstock, Schwarzenberg und Crottendorf befinden sich große -Staatsforsten. Fichtenwald herrscht vor, doch finden sich bei -Marienberg und Steinbach auch zusammenhängende Buchenbestände. - -Die wichtigsten Flußthäler des Obererzgebirges sind: das -Schwarzwasserthal, das Zschopauthal, das Flöhathal, das Sehmathal. Das -wildeste ist das der schwarzen Pockau. - -Im Obererzgebirge sind folgende meteorologische Stationen zu merken: -Annaberg, Oberwiesenthal, Reitzenhain. Dem Obererzgebirge ist bisher -die Cholera fern geblieben. Bei Gottesgab und Oberwiesenthal erntet man -nur Hafer und Kartoffeln. - -Bei der Urbarmachung des Gebirges verfuhr man nach dem Grundsatze: »Wo -der Pflug kann gehn, soll der Wald nicht stehn.« Am Kamme des Gebirges -beträgt die Bevölkerungsdichtigkeit 90--95 auf den Quadratkilometer, am -Abhange 145--155. - -Wie anderwärts, so hat sich auch im Obererzgebirge jede Industrie -in bestimmten Bezirken festgesetzt, demgemäß giebt es bestimmte -Industriebezirke. Holzschleifereien, Sägemühlen, Baumwoll-, Woll- und -Flachsspinnereien, also alles Fabriken, welche Wasserkraft brauchen, -finden sich in den Thälern der Sehma, der Pöhla, der Preßnitz, der -Zschopau, der Flöha. - -Bei Eibenstock und Schwarzenberg finden sich +Hohöfen+ mit Gießereien, -Hammer- und Walzwerken verbunden. Zinnhütten bestehen im Marienberger -Gebiete, Blaufarbenwerke zu Oberschlema, Niederpfannenstiel und -Zschorlau. - -Der +Posamentierbezirk+ umfaßt die Ortschaften Annaberg, Buchholz, -Schlettau, Scheibenberg, Geyer, Ehrenfriedersdorf, Wolkenstein. - -Der Spitzenklöppelbezirk erstreckt sich von Marienberg über -Drehbach und Zwönitz bis Schneeberg und Eibenstock, und von da über -Johanngeorgenstadt, Wiesenthal und Kupferberg bis Reitzenhain und -Pobershau. - -Eibenstock ist obererzgebirgischer Mittelpunkt des Näh- und -Stickereibezirkes. - -Noch sind einzelne Orte mit besonderen Erzeugnissen zu erwähnen: -Annaberg, Buchholz, Scheibenberg fertigen Schnürleiber; Annaberg -und Buchholz Sargverzierungen; Buchholz besondere Kartonagen; -Johanngeorgenstadt Handschuhe; Karlsfeld Schwarzwälder Uhren. Annaberg -liefert auch Leonische Waren, das sind unechte Gold- und Silbertressen. -Wiesenthal fertigt Stecknadeln; Schönheide allerlei Bürsten, Pinsel und -Kardätschen; Lauter, Beierfeld, Bernsbach, Grünhain stellen Blechwaren, -besonders Blechlöffel, her; Zöblitz hat seine Serpentindrechselei; -Bernsbach seine Feuerschwamm- und Bockau seine Medizinbereitung. - - -5. Ehemaliges Landschaftsbild des Obererzgebirges. - -Das +Obererzgebirge+ war nach +Lehmann+ ehedem allenthalben mit -dicken Wäldern bedeckt, mit Felsen und Bergen angefüllt, nach denen -ihre Namen haben: Rauen-, Harten-, Wolken-, Lauter-, Bären-, Katzen-, -Frauen-, Greifenstein, Pöhl-, Schwarzen-, Scheiben-, Keil-, Schotten-, -Zechenberg u. s. w. Ferner waren unzählige Moräste, Sümpfe, Moosräume, -Bruchwerke und Weiher in Räumen und Wäldern um und unter Platten, -Gottesgab, Johanngeorgenstadt, um Scheibenberg, Grünhain, Elterlein, -Schlettau, Geyer, Buchholz, Zöblitz, Lengefeld, Kühnhaide, bis die -Wälder abgetrieben, die Waldpässe gebrückt, die Wildberge nach ihren -Flügeln und Rundungen abgezogen, Floß- und andere Teiche angelegt -und durch Röschen und Stolln die Wasser abgezapft wurden. An diese -Beschaffenheit erinnern die Namen Moosraum, Rote Pfütze, Sauschwemme, -Thörichter See, Filzsumpf. - -Wilde Katzen, Marder, Wiesel, Fischottern, Iltisse, Bären, Hirsche, -Wölfe, Wildschweine und Raubvögel bevölkerten die Gegend. Daher -kommen vor im Crottendorfer Revier die Namen: Vogelleite, Hirsch- und -Auerhahnpfalz, Sau- und Bärenfang, Lachsbach, Tier- und Saugarten; im -Grünhainer aber: Bärenacker, Fuchs- und Wolfstein; im Lauterschen: -Wolfslager, Dachslöcher, Hirschstein, Habichtsbüchel, Bärenstallung, -Wolfsgarten, Rabenberg. - -Nach den schauerlichen Wäldern und Gründen sind benannt: Teufelsgrund, -Drachenleite, Teufelsstein u. a. - -Nach feindlichen Einfällen und Kämpfen sind genannt: Streitknochen, -Kriegwald, Hundsmarder, Haderwinkel. - -+Lehmann+ berichtet von den erzgebirgischen Wäldern: »Da hörte man -nichts als der Raben Rappen, der Bären Brummen, der Wölfe Heulen, der -Hirsche Börlen, der Füchse Bellen, der Auerhähne Pfalzen, der Ottern -Zischen, der Frösche Quaken und Racken; das machte einen Reisenden -so lustig, als hätte er Fliegenschwämme und Krähen gefressen. Das -waren damals die Lauten, Zithern, Violen, Posaunen, Trompeten, -Zinken, Flöten, Schalmeien, Schuarien, Baßgeigen, Clavicimbeln, -Trommeln, Heerpauken, Sackpfeifen, Orgeln, Glocken und musikalische -Waldinstrumente, welche unter dem Sausen der Winde, Grollen der Donner, -Gebrülle der Bestien, Geschnatter der Enten, Geächze der Hohlkrähe, -Uhuhen der Eulen, Schnarren der Schnarrer, Geschrei und Geschwirre der -Buchfinken, der Quäker, der Zippen, der Schneppen und anderen Gevögels -eine gräßliche Harmonie gegeben.« - -Johann +Salianus+ verwundert sich in einem dem Rate 1507 gewidmeten -Gedichte, daß die Stadt Annaberg innerhalb 10 Jahren in dieser Wildnis -mit Mauern, Wällen und Gräben, mit herrlichen Häusern, mit verständigen -Ratsverwandten und bürgerlichen Rechten versehen und von einer so -volkreichen Gemeinde bewohnt werde. Diese Stadt sei auf einem wilden, -unfruchtbaren Boden, in Bergen und unter rauhem Himmel angelegt, da -vormals Herzog Georg unter lauter rohem Wald viel hundert Stück Bären, -Hirsche, Wölfe und andere wilde Tiere gejagt und niemand vermeint, daß -daselbst eine Stadt sollte angelegt werden. - -Unsere Berge sind nach Lehmanns Benennung Warten, Wetterpropheten, -Zufluchtsorte, Jagdhausstellen, Grenzscheiden, Bollwerke, -Wasserständer, Futterkästen, Schatzkästen, Lustplätze, Denkpfeiler -Gottes! - - -6. Erzgebirgische Jagden. - - -~a.~ Eine Jagd im Erzgebirge im Jahre 1 nach Christo. - -Über die +Urzeit+ unseres Gebirges mag uns folgendes +Märchen+ eines -Naturforschers ein Bild entrollen. Das heutige Erzgebirge, etwa in -der Gegend von Olbernhau, bildete ehemals einen großen Sumpf und See, -in welchem die Bewohner auf Pfählen ihre Wohnungen errichtet hatten. -In ihren Pfahlbauten übten die Männer das Töpfergewerbe aus, die -Frauen fertigten Webstoffe an. Tauschhandel trieb man mit wandernden -Phöniziern, die von dem Erzgebirge Zinn holten, dagegen Bernstein und -Feuerstein aus dem Norden, sowie aus Griechenland Bronze, gefertigt -aus Zinn und dem von Cypern kommenden Kupfer, brachten. Die Kleidung -der Urbewohner war sonderbar genug; so bestanden die Beinlinge oder -Hosen aus Birkenrinde. Wichtig waren die Waffen; sie bestanden aus -Bogen von Taxus oder Eibenbaumholz und aus Pfeilen mit Spitzen von -Knochen, Feuerstein, Bronze oder Eisen. Gewaltige Wurfspieße bildeten -im Vereine mit diesen Waffen die Ausrüstung zur Jagd, bei welcher große -Brakenhunde die Begleiter waren, während kläffende Nachkommen der -Schakale zu Hause Wache hielten. Die Jagdbeute bestand in gewaltigen -Tieren des Waldes: Elentieren oder Elch, Urochsen oder Wiesen- und -Auerochsen; auch der grimme Schalch oder Riesenhirsch fand sich -neben Bären und Wölfen in den ausgedehnten Waldungen vor. Hatte der -Ansiedler Beute gemacht, so grub er die Rune, die er selbst auf seinem -Körper hatte, in das erlegte Stück Wild und kennzeichnete es als -sein Eigentum; dann nahm der kühne Jäger Leber und Herz, sowie den -Herzknochen, welcher sich zwischen den Herzkammern befindet, mit nach -Hause, wo er von seinen Angehörigen festlich empfangen wurde. Auch -die Nachbarn fanden sich ein und es entwickelte sich das Gelage nach -der Jagd, bei welchem mächtige Braten und eine Unmenge von Bier, Met -oder Birkenschnaps vertilgt und dem alten Laster der Germanen, dem -Würfelspiele, gefrönt wurde. Bei dieser Gelegenheit verspielte man oft -Haus und Hof, Weib und Kind, sowie die Tiere und andere Habseligkeiten. -Aber nicht zu ernst war der Verlust zu nehmen; denn am andern Morgen -war alles wieder vergessen. - - Nach Prof. ~Dr.~ Marshall. - - -~b.~ Kurfürstliche Jagden im oberen Erzgebirge. - -Unser +oberes Erzgebirge+ hat von jeher als +ergiebiges Jagdgebiet+ -gegolten. Freilich ist es seit den Jahren 1831 und namentlich seit 1849 -anders geworden, denn auch bei uns gehört es nun zu den Seltenheiten, -einen Hirsch im Freien beobachten zu können, dieses stattliche Tier, -den Stolz der Wälder und die Krone der Jagd. Die Kurfürsten von -Sachsen waren seit den Tagen des landwirtlichen August Freunde der -Jagd. Namentlich war Kurfürst Johann Georg I., welcher von 1611--1656 -regierte, einer der gewaltigsten Jäger seiner Zeit. In der Königlichen -öffentlichen Bibliothek zu Dresden befindet sich ein Verzeichnis in -altsächsischer, schöner Schriftart, als ein stattlicher Band in grünem -Samt gebunden mit prächtig gravierten goldenen Beschlägen, Ecken und -Schließen versehen, es ist dies das Jagdbuch des Kurfürsten Johann -Georg I. Nach demselben hat der Kurfürst in der Zeit von 1611--1653 -u. a. 15228 Hirsche, 29196 Eber, 203 Bären, 1543 Wölfe, 200 Luchse, -11811 Hasen und 18957 Füchse erlegt. Der Kurfürst hatte sich in einem -der Giebel des Residenzschlosses zu Dresden ein besonderes Zimmer -eingerichtet, welches das Paradies genannt wurde. Die Wände waren mit -Waldgegenden bemalt, dabei die Felsen der Bastei, auf denen Gemsen -zu sehen waren. In der Mitte waren zwei die Decke stützende Säulen -als Bäume mit ledernen Blättern geschmückt. Hier trieb der Kurfürst -anatomische Studien an dem erlegten Wild. Schon die Vorgänger von -Johann Georg hielten sich wegen der Jagd in unserem Gebirge auf, -getreulich hat es Christian Lehmann in seinem Historischen Schauplatz -berichtet. Herzog Heinrich fing in einer Stallung, also in einem -umfriedigten Raum, in +Wolkenstein+ am 14. September 1516 nicht weniger -als 43 Stück Wild, was zu jener Zeit als ein wahres Wunder angestaunt -wurde. Das Wild kam zum Kindtaufsschmaus, den der glückliche Waidmann -seinem Töchterlein, der Prinzessin Sibylle, in Freiberg ausrichtete. -1542 jagte Herzog Moritz im Gebirge und fing in +Grumbach+ drei -»schreckliche« Bären. Wegen der Nutzbarkeit an Fleisch, Fett und Haut -und wegen der mit seiner Erlegung verbundenen Gefahr gehörte die -Bärenjagd zur wichtigsten Jagdart. Übrigens berichtet ein Augenzeuge -weiter, daß Herzog Moritz außer den Bären in einer Stunde 7 Hirsche -geschossen habe, er sei grün gekleidet gewesen, habe einen englischen -Hund bei sich gehabt und seine Gemahlin habe mit 14 Frauenspersonen -neben ihm gestanden. Nach der Bärenhetze ließ er den Bauern ein Faß -Bier und den Bergleuten zwei Faß geben, weil sie das Beste gethan -hatten. Die Lust an der Jagd führte auch den Kurfürsten Vater August -in unser Gebirge, er scheint sich hauptsächlich in +Crottendorf+ -aufgehalten zu haben, da der Chronist sagt: »~Anno~ 1567 kam er -(Kurfürst August) zu Crottendorf an, lag daselbst in Hackebeils Mühle, -bejagte die Wälder, schoß auch eine Stallung ab zu Crottendorf auf -David Georgens Feld, ließ das Wild da auswirken.« Als Friedrich -Wilhelm, Fürst zu Weimar, zehn Jahre lang Administrator in Kursachsen -war, ließ er alles Wild im Gebirge, jung und alt, wegschießen, sodaß -viele Jahre hindurch die Landleute zum Schutz ihrer Felder keiner -Wildzäune mehr bedurften. Das sah der alte Jägermeister von Rabenstein -nicht gern, denn er rief seinen Jägern zu: »Treibt fort, wenn gleich -etliche Stücke auf die Seite springen, denn die jungen Herren müssen -auch etwas behalten.« Herzog Johann Georg jagte im Jahre 1609 im -Gebirge und hielt sich auf dem Fichtelberg auf, da kam ein grausam -Wetter, daß auch der Donner in eine Tanne schlug, da zog der Herzog -den Hut ab und sagte: »Gott ist ein Herr!« Den Tag hernach gastierte -ihn Junker Rüdiger auf Sachsenfeld, und da ihn Nikol Klinger, Rüdigers -Schwähervater, fußfällig empfing, sagte er mit Darreichung der Hand: -»Alter, stehet auf!« Im Jahre 1609 im August lag dieser Herzog nieder -auf dem Hirschpfalz in der Hauerwiesen hinter dem Fichtelberg, da mußte -der Pfarrer aus +Wiesenthal+ am 19. August eine Wald- und Jagdpredigt -thun. ~Anno~ 1613 lag der Kurfürst Johann Georg acht Tage lang in -+Crottendorf+, fischte und jagte nur in den Vorbüschen und schoß bei -der Richterin Bretmühle ab, obgleich die Pest im Dorfe grassierte. -Im Jahre 1625 kam der Kurfürst Johann Georg mit seiner Gemahlin, den -jungen Prinzen und Fräulein am 11. Mai in +Annaberg+ an und schoß -den 7. Juni den Vogel ab. Der jungen Herrschaft wurde auch eine -Vogelstange zur Lust in Wiesenbad aufgerichtet, woselbst sie den Vogel -den 12. Juni abschossen. Der Kurfürst hielt auch ein Abschießen bei -+Annaberg+ im Hüttengrunde zwischen der Stadt und Frohnau, darunter -war ein so großer und starker Hirsch, daß er unter 2300 Tieren, die in -unterschiedlichen Stallungen auf dem Gebirge waren abgeschossen worden, -das allerschwerste gewesen ist. - -Im August desselben Jahres und, wie es scheint, noch auf derselben -Jagdreise begriffen, wurde dem Kurfürsten und seiner Gemahlin angesagt, -daß der Hammerherr Heinrich von Elterlein auf dem Löwenthal so schöne -Fische in seinem Teiche und sonderlich große Forellen hätte, die er -lange gemästet habe. Da ließ der Kurfürst mit seiner Familie sich -anmelden, daß er dem Fischzug beiwohnen und denselben sehen wolle. -Um 10 Uhr früh kam der Kurfürst selbst mit seinem Jägermeister und -anderen Hofoffizieren und bestellte die Mahlzeit, mittlerweile wurde -der Teich gefischt; von dem Fischzug bekam der Kurfürst 3 Mandel der -schönsten Forellen, darunter war eine, die 8 Pfund wog. Es wurden die -Fische in Gegenwart des Fürsten von Darmstadt, der um ein Fräulein aus -dem kurfürstlichen Hause freite, gesotten und zu +Crottendorf+ auf die -Tafel getragen, darüber sich alle verwundert haben. In des Hammerherren -Stube wurde auf zwei Tafeln gespeist unter grünen Birken, doch war -der Fehler begangen worden, ehe sie sich zu Tische setzten, hatte man -zwar Kannen und Gießbecken aufgesetzt, aber kein Wasser drein gethan. -Da nun der Jägermeister dem Kurfürsten Wasser aufgießen wollte, war -keins drinnen, da gab es ein gutes Gelächter. Der Kurfürst zeigte sich -fröhlich, ritt spät von dannen, dankte mit der Hand, auch der Wirtin, -die in der Küche geschäftig war. »Ei,« sagte er, »habt Ihr nicht eine -räucherige Küche, doch die Küchen sind nicht anders. Gute Nacht!« Den -23. August hielt der Kurfürst ein Abschießen bei +Neudorf+, und es war -kurzweilig dabei, denn die +Crottendorfer+ hatten einen Bauern auf -die Wache gestellt, damit er aufmerke, wenn der Kurfürst aufsäße und -wieder nach Crottendorf wolle. Der Kurfürst allein und zu Fuß traf den -Bauern auf einem Hügel sitzend an; letzterer aß ein Stück Brot und der -Kurfürst setzte sich zu ihm. »Hast Du den Kurfürsten schon gesehen?« -fragte er ihn. »Nein, ich soll aufsehen, wenn er wird auf sein.« -»Wer, denkst denn Du, wer ich bin?« Der Bauer sieht ihn an, ohne den -Hut zu ziehen und ohne eine Reverenz zu machen und spricht endlich: -»Ich sehe wohl, daß Ihr ein Herr seid, Ihr habt doch Stiefel an.« -Während des weiteren Gespräches kommen die Jäger hinzu und verwundern -sich. Der Kurfürst aber lacht und spricht: »Einen solchen tölpischen -Fichtelberger habe ich im Gebirge noch nicht gesehen«, und läßt ihm -venedische Seife geben, d. i. ergänzt der Chronist, die Haare ein -wenig zausen. Von Crottendorf schickte der Kurfürst zwei Waldhüter mit -drei Wildtauben nach +Annaberg+ und verehrte dem Superintendenten, -dem Kapellenprediger und dem Hospitalpfarrer jedem eine. Als er in -+Steinbach+ 300 Stück Wild abgeschossen und auch ein Abschießen in -+Mauersberg+ gehalten hatte, kam er von Crottendorf nach +Schlettau+ -und fischte daselbst zwei Teiche. Hier ereignete sich's, daß der Bäcker -Auersbach auf dem Teichdamm einen Fußfall vor dem Kurfürsten that -und um Verzeihung seinen Herrn anflehete. Er hatte nämlich an seinem -Krautzaun ein Stück Wild am Fuß in einer Schlinge gefangen. Kurfürst: -Was wolltest Du damit machen? Bäcker: Ach, gnädigster Kurfürst und -Herr, ich wollte dem Stück Wild nichts am Leben thun, sondern nur ein -paar Schläge geben, weil es mir das Kraut abgefressen hatte. Kurfürst: -Ja, Dir sollte man Schläge geben. Wenn ich Deines grauen Kopfes nicht -scheute, wollte ich Dir weisen, wie Du mein Vieh hegen solltest, laß -ich doch Dein Vieh auf meinem Grund und Boden gehen und zürne nicht -darum, gehe und hüte Dich. - -Am 9. August 1628 hielt der Kurfürst ein Abschießen zwischen -+Steinbach+ und +Grumbach+, er erlegte dabei 570 Stück Wild. Er ließ -auch den Herrn Peter Versmann, Pfarrer zu Arnsfeld, vor sich predigen, -und da ihm seine Gaben wohl gefielen, versorgte er nicht allein sein -Haus mit Wildbret, sondern er befahl auch seinen Leibärzten, sie -sollten den armen Mann, weil er wassersüchtig war, doch heilen. Die -Ärzte versuchten ihr Heil, trieben zwar das Wasser heraus, aber der -Pfarrer fiel in die Schwindsucht, woran er starb. »Gesegne euch Gott, -ihr Hölzer, ich sehe euch nicht wieder,« waren die Abschiedsworte des -Kurfürsten an sein erzgebirgisches Jagdgebiet. - -Die Fanfaren der kurfürstlichen Jäger sind in unserem Erzgebirge schon -seit langer Zeit verstummt, der Reichtum an Wild ist verschwunden, -dennoch ist die Poesie in unseren Wäldern nicht ganz dahin, denn noch -hört man, wenn auch vereinzelt, in unseren Staatsforsten auf dem Kamme -des Gebirges den Schrei des Hirsches und noch lacht in hoher Krone der -Auerhahn! - - Nach Lungwitz. - - -~c.~ Jagdfronden der Obererzgebirger. - -Eine große Last waren die Jagddienste, welche die Unterthanen zu -leisten hatten. Im Amte +Crottendorf+ hatten von 302 Mann die eine -Hälfte die Seile in die Wildhecken einzubinden, wieder aufzuheben -und vor den Seilen aufs Wild zu warten; die andere Hälfte hatte -die Netze, Tücher und Seile aufzuhängen und zu trocknen, sowie das -Jagdzeug auf die Wolfsjagd zu fahren. Zu den Netzfuhren mußten -auch die Hammermeister Vorspann leisten und erhielten dann von den -dienstpflichtigen Dorfschaften für 4 Pferde 16 Groschen, für 2 Pferde -8 Groschen. Außerdem hatten die Dorfschaften noch die Wildbretfuhren, -die Abfuhr des erlegten Wildes, zu leisten, die Hammermeister, zwei -Jäger mit Jägerburschen, Hundebuben und Hunden, nach Gelegenheit der -angestellten Jagden mit Herberge und Mahl zu versorgen. Zu einer -im Jahre 1564 beabsichtigten kurfürstlichen Jagd im Erzgebirge -wurden erfordert: im Amte +Lauenstein+ 6 Wagen und 268 Mann, im -Amte +Altenberg+ 36 Wagen und 352 Mann, im Amte +Dippoldiswalde+ 17 -Geschirre ohne Lohn, 13 für 12 Groschen täglich und 64 Mann, im Amte -+Stollberg+ 77 Geschirre und 293 Mann, im ganzen also 155 Geschirre und -1277 Mann zu Fuß. Im Amte +Lauterstein+ waren 700 Mann zu Jagddiensten -verpflichtet. Von den Dorfschaften des Amtes +Augustusburg+ mußten im -Jahre 1585 Dorfschellenberg, Grünberg und Marbach zu den Netz- und -Zeugfuhren jede zwei Wagen stellen. Genügte das nicht, so mußten die -482 Anspanner der anderen Amts-Dorfschaften helfen und erhielten dann -für jeden Wagen täglich 1 Gulden. Die Gemeinden zu Krummhennersdorf, -Dorfschellenberg, Euba, welche die Wolfsnetze und das im Amte -gepirschte Wildbret auf die Augustusburg oder nach Zschopau fuhren, -erhielten für jeden Schlitten 5 Groschen, eine Kanne Bier und ein -Hofbrot. Die Richter zu Flöha, Gornau, Metzdorf mußten jeder einen -Wagen stellen, die Anspanner von Hennersdorf im Winter für das Wild -Heu in die Mörbitz und hinter das Schloß fahren und jährlich zweimal -hinter dem Schlosse die Hirschlecken schlagen und erneuern, den Lehm -dazu schlagen und erneuern. Sie erhielten täglich ein Hofbrot. Alle -Einwohner des Amtes mußten zur Wolfsjagd als Läufer dienen, bei jeder -dritten Reihe die Häusler, doch waren 100 Mann aus verschiedenen -Dorfschaften ganz befreit. - -Zur Erleichterung dieser Beschwerden, zur Verschonung der armen -Unterthanen und Ersparung großer Kosten errichtete der Kurfürst 1560 in -allen Kreisen Jagdzeughäuser, in welchen das für den betreffenden Kreis -notwendige Jagdzeug verwahrt und wodurch die Nachführung desselben -auf zu große Entfernungen vermieden wurde. Andere Erleichterungen -suchten sich manche Gemeinden selbst zu verschaffen. So erboten sich -die Untertanen des Amtes +Grünhain+, wenn ihnen die Fronen bei der -Wolfsjagd erlassen würden, 100 Mann jährlich 5 Wochen lang zur Räumung -der Wege im Amte +Schwarzenberg+ auf eigene Kosten zu stellen und zu -unterhalten. Auch die Erhaltung der Jagdhunde führte Belästigungen mit -sich. Während der Zeit, in welcher die Hunde zur Jagd nicht gebraucht -wurden, ließ der +Kurfürst August+ sie in die Ämter zur unentgeltlichen -Verpflegung verteilen. - - Nach Schlegel. - - -~d.~ Ein Jagdaufzug mit erzgebirgischen wilden Tieren in Dresden. - -Im Jahre 1662 hielt +Christian Ernst, Markgraf zu Brandenburg+, mit -+Erdmute Sophia, Kurfürstl. Prinzessin zu Sachsen+, in +Dresden+ -Hochzeit, bei welcher der damalige Kurprinz +Johann Georg+ III. und -nachmalige Kurfürst einen Jägeraufzug ausführte. - -Vor dem Oberhofjägermeister schritten drei Waidmänner mit Leithunden. -Nachher kamen dreißig, je drei und drei, Oberförster, Forstburschen, -Wildmeister, Hof- und Landjäger. Zwei Riesen traten in Gestalt wilder -Männer auf. Ihnen zunächst folgten auf einem Festwagen, der einen -künstlichen Berg darstellte, gleich einem Walde mit Tieren und Vögeln -geziert, vier Personen mit Schalmeien. Seine prinzliche Durchlaucht -ritt in Dianengestalt auf einem weißen Hirsche. Nymphen schritten an -Lakeien statt vorauf, nebenher und hintennach. Dreißig nun folgende -Jäger trugen Schweineisen und Birschbüchsen. Drei Personen waren als -Löwenwärter in grüner Tracht und zwei Pfeifer wie Wilde gekleidet. Auf -ihrem Wagen befanden sich fünf junge Bären. Es folgte ein Kasten mit -zwei Tigertieren, je ein Käfig mit einem Löwen, einer Löwin, einem -weißen Bären. Jägerburschen führten englische Hunde. Vier Oberförster -begleiteten den größten, den brandenburgischen versinnbildlichenden -Bären. Hernach führte man +Herzog Moritzens+ Bären. Auch die wilden -Schweine fehlten nicht. Luchse, Wölfe und Füchse, Hasen, wilde -Kaninchen und Eichhörnchen, Fischottern, Wildkatzen, Marder und Hamster -zogen alle an den Augen der Schaulustigen vorüber. Auf Birschwagen -waren Hirsche geladen, der Wendewagen mit Hasen und Füchsen behangen. -Im ganzen Zuge befanden sich 265 Personen und 139 Pferde. - - Nach Chr. Lehmann. - - -~e.~ Wildschützen. - -Die +Wildschützen+ haben nach Lehmann »auf dem Gebirge«, besonders auf -den hohen Wäldern um und hinter dem Fichtelberge großen Schaden verübt. -Sie haben das Wild haufenweise weggeschossen, die Häute in Böhmen -verkauft und sind so sicher gewesen, daß sie des Nachts bei den Köhlern -im Kohlkram gelegen, gesotten und gebraten, ihnen ihr Brot mit Gewalt -genommen haben und ihnen mit dem Tode drohten, wenn sie Verrat üben -würden. - -Die Strafen waren hart. Zur Zeit des Herzogs Moritz band man einen -Wilderer auf einen lebendigen Hirsch und jagte das Tier in die Wildnis, -sodaß er jämmerlich ausstehen mußte. Das geschah, weil vorherige -Strafdrohungen nichts genützt hatten. - -Als 1559 die Wälder mit der Herrschaft Crottendorf an Kursachsen kamen, -wurde Wolf Windreuter zum Oberförster nach Crottendorf gesetzt, der -1566 einen Wildzaun um die Grenzen bauen ließ, worüber man ein Jahr -brauchte und außer der Fron 1000 Thaler aufwendete. 1570 bis 1578 -mußten kurfürstliche Trabanten die Wäldner bei ihren Umgängen um den -Grenzzaun begleiten, um den Wildschützen gewachsen zu sein. Für jeden -erschossenen Wilddieb erhielten sie 30, 40 bis 80 Thaler. Erschossene -hing man an den ersten besten Baum auf und nagelte über das Haupt ein -Hirschgeweih. - - -7. Eishöhlen im Erzgebirge. - -Als Eishöhlen im Erzgebirge sind bekannt: der Garische Stollen, die -Ritterhöhle und die Stülpnerhöhle bei Ehrenfriedersdorf, die Binge -bei Geyer und die »Alte Thiele« bei Buchholz im sächsischen, die -Schneebinge bei Platten im böhmischen Erzgebirge. Diese Eishöhlen sind -natürliche oder künstliche Hohlräume im Felsgestein, welche das ganze -Jahr hindurch oder wenigstens während eines größeren Teiles desselben -Eis enthalten, das sich in ihnen selbst gebildet hat. Die Stülpnerhöhle -und die Ritterhöhle sind statische oder eigentliche Eishöhlen, auch -Sackhöhlen genannt, indem sie, nach hinten zu sich senkend, am unteren -Ende abgeschlossen sind, so daß die von außen eindringende kalte Luft -nach der Tiefe sinkt und dort die Eisbildung bewirkt; beim Eintritt -der wärmeren Jahreszeit aber hält sich durch das Schmelzen des Eises -die Temperatur lange Zeit in der Nähe des Nullpunktes, der Eisvorrat -geht daher nur ganz langsam seinem Ende entgegen. Der Garische Stollen -gehört zu den dynamischen Eishöhlen oder den Windröhren, bei denen -ein Spaltensystem, das vom Hintergrunde aus den Berg durchzieht, eine -unterirdische Verbindung mit höher gelegenen Stollen ermöglicht, -was zur Folge hat, daß sofort eine Luftströmung entsteht, wenn die -Temperatur innerhalb und außerhalb der Höhle verschieden ist, und -dadurch das Innere im Winter abgekühlt, im Sommer nur allmählich -erwärmt wird, das Eis also lange erhalten bleibt. In den Windröhren -herrscht meist ein starker Luftzug, während es in den Sackhöhlen -im Sommer vollkommen windstill ist. Die »Alte Thiele« stellt sich -als Übergang von den Sackhöhlen zu den Windröhren dar, indem sie -nach ihrer ganzen Anlage zu den ersteren gerechnet werden muß, aber -durch ihre hintere Kammer, welche die Verbindung mit anderen Gängen -herstellt, sich dem Charakter der letzteren nähert. Alle die genannten -Eishöhlen des Erzgebirges verdanken ihren Ursprung dem Bergbau; denn -sie befinden sich in Einsenkungen, welche durch den Zusammenbruch -vom Bergbau geschaffener unterirdischer Hohlräume entstanden sind. -Bis in den Mai und Juni hinein findet sich in ihnen Eis vor, in der -Schneebinge bei Platten, der eisreichsten dieser Höhlen, noch länger. -Dort wurde am 21. Juli 1894 die Tiefe des den Boden bedeckenden Firns -auf 1,5 bis 3,00 Meter bestimmt. Schon lange ist die Schneebinge wegen -ihres Eisreichtums im Sommer bekannt. In eisarmen Zeiten wird von ihr -Eis nach Karlsbad geführt; im Jahre 1863 soll sogar nach Leipzig zum -Turnfest Eis aus der Binge versendet worden sein. Gegenwärtig ist sie -an eine Bierbrauerei in Platten verpachtet. - - Nach Fitzner. - - -8. Die obererzgebirgischen Mineralquellen und Bäder. - -Im Zusammenhange mit den reichen Erzgängen des Obererzgebirges, welche -Quarz, Hornstein, Jaspis, Chalcedon, Amethyst, Eisen- und Manganerze -enthalten, stehen eine Anzahl von Mineralquellen. Solche Gänge, die -als Quellengänge bezeichnet werden, sind die Wege, auf denen die -verschiedenen mineralischen Wässer unserer Gegend aus der Tiefe -hervorquellen. - - -1. - -Im freundlichen Zschopauthale bricht in einer Meereshöhe von 434 -Meter aus dem Gneisgebiete auf dem Ausstriche eines fast eine Meile -verfolgbaren Quarz- und Hornsteinganges, der häufig Amethyst führt, -eine Mineralquelle hervor, die zur Gründung des gutbesuchten Ortes -+Wiesenbad+ bei Annaberg führte. Das Wasser befindet sich in einem -großen, einige Meter tiefen, überbauten Behälter und zeichnet sich -durch außerordentliche Klarheit aus. Die fast fortwährend aufsteigenden -Kohlensäureblasen vermögen beinahe den Eindruck hervorzurufen, als ob -das Wasser siede. Es ist vollständig geruchlos. Die Quelle gehört zu -den warmen alkalischerdigen Säuerlingen und hat eine Wärme von 21,75° -C. Sie hat einen angenehmen, frischen Geschmack. In ihrer Wirkung -entspricht die Quelle dem Warmbade bei Wolkenstein und Warmbrunnen -in Schlesien. Überraschend sind die Wirkungen dieses Wassers bei -skrophulösen Krankheiten, besonders wenn mit dem Baden eine Milchkur -verbunden wird. Die Quelle wird besonders gegen Nervenschwäche, -Gicht, Rheumatismus, Lähmungen und Hautkrankheiten empfohlen. Der -alte berühmte Scheibenberger Geschichtsschreiber Christian Lehmann -erzählt in seinem 1699 erschienenen »Schauplatz des Obererzgebirges« 70 -Krankheiten auf, gegen die das Wasser helfen sollte. Die Entdeckung des -Heilbrunnens soll sich von einem armen Manne herschreiben, der seine -ungesunden Schenkel in dem Wasser in der sogenannten Rosenaue gewaschen -hat und dann heil geworden ist. - -Hans +Friedrich+, ein reicher Fundgrübner und Bergherr aus Geyer, -der das Dorf Wiesa besaß, faßte 1501 das Wasser in einem Kasten, -ließ ein Badehaus erbauen und dasselbe durch ein Röhrwerk mit dem -Quell verbinden. Er soll auch neben dem Bade ein Kirchlein zu Ehren -des heiligen Jobs oder Hiobs, des Helfers der Kranken und Schwachen, -errichtet haben, das vom Meißner Bischofe 1505 geweiht und vom Fürsten -Georg reich begabt wurde. Ein Meßpriester mußte den Badegästen, ehe -sie ins Bad gingen, eine Messe lesen. Im Jahre 1602 ließ sich die -Kurfürstin +Sophie+ ein eignes Haus bauen, wahrscheinlich an Stelle der -Kapelle, und man nannte darauf das Bad Sophienbad. Im Jahre 1699 aber -finden wir auch die Bezeichnung Wiesenbad oder St. Jobsbad. - - -2. - -In einem Nebenthale des Zschopauthales, eine halbe Stunde von der -Stadt Wolkenstein entfernt, 458 Meter über dem Meeresspiegel liegt -ebenfalls in den Gneisformationen sehr geschützt +Warmbad Wolkenstein+. -Die Quelle ist die wärmste Sachsens mit einer Wärme von 31 °C. Man -nimmt an, daß sie auf dem im zweiglimmerigen Gneise aufsetzenden -Eisensteingange »Neugeboren Kindlein« ihren Ursprung habe und bei -dessen Abbau zufällig entdeckt worden sei. Sie bricht aus Drusen eines -Erzganges hervor. Nach einer älteren Zeichnung soll sich daselbst -ein Silbergang mit zwei Eisensteingängen kreuzen. Die ziemlich tief -liegende Quelle ist in neuerer Zeit frisch gefaßt und dadurch gegen -Zufluß von »wilden Wässern« geschützt worden. Mittels eines Hebewerkes -wird das Wasser nach dem Badehause geleitet, von wo es nach weiterer -Erwärmung in die einzelnen Zellen abfließt. Die Quelle spendet in -jeder Minute 150 Liter warmen Wassers. Das Wasser ist ebenfalls den -Säuerlingen zuzuzählen und hat große Ähnlichkeit mit dem Wiesenbader, -wie mit den berühmten Warmquellen von Wildbad in Württemberg, Gastein -und Pfeffers. Seine Wirkungen entsprechen dem Wiesenbader. Die Quelle -war schon im 14. Jahrhundert als heilkräftig bekannt. Es fanden starke -Wallfahrten nach dem Bade statt. - - -3. - -Das Bad +Ottenstein+ bei Schwarzenberg liegt in einer Meereshöhe von -424 Meter im Glimmerschieferthale des Schwarzwassers. Die Anstalt ist -nach Nordosten und Nordwesten durch hohe Felsmassen gegen kalte Winde -geschützt. Die Quelle ist ein kaltes, an Kohlensäure nicht sehr reiches -Eisenwasser mit mittlerem Eisengehalte, das in Form von Trink- und -Badekuren Anwendung findet. Erfolgreich wurde das Bad bei Blutarmut, -Reißen, Nervenkrankheiten, Lähmungen, Magen- und Lungenkrankheiten -gebraucht. - - -4. - -Außer diesen genannten Bädern gedenken wir noch derjenigen -Mineralquellen unserer Gegend, die ehemals zu Bädern benutzt wurden. -Manche erfreute sich sogar eines gewissen Rufes. - -In +Niederzwönitz+ entspringen 580 Meter über dem Meere auf einer von -Fichten- und Kiefernwald umschlossenen Wiese nebeneinander 3 Quellen, -denen der Volksmund die Namen der »Gute Brunnen«, der »Krätzbrunnen« -und der »Augenbrunnen« gegeben hat. Die Wirkungen des Guten Brunnen -wurden bereits 1498 oder 1501 erkannt. 1608 wurde dieser Quell, nachdem -er in Vergessenheit gekommen, wieder gereinigt. Den Krätzbrunnen -entdeckte man 1646 und die Wirkungen des Augenbrunnens kamen 1717 -zur Anerkennung. In der Nähe des »Guten Brunnens« soll ehemals eine -der heiligen Anna geweihte Kapelle gestanden haben, weshalb man ihn -auch »Annenbrunnen«, später aber »Tannenbrunnen« oder »Zu den drei -Tannen« nannte. Man sagt, Kenner hätten versichert, daß die Kanne -dieses Wassers einen Dukaten wert sei, wenn man das wilde Wasser davon -scheiden könnte. - -Das +Marienberger+ Bad hatte die Quelle »Frischer Brunnen«, die 1553 -bekannt wurde. In der Nähe des Zschopauer Thores in Marienberg giebt -es heute noch einen »Frischen Quell«, dessen Wasser jedoch nur als -Trinkwasser benutzt wird. - -Das Bad +Raschau+ wurde 1808 eingerichtet. Nach ihm führt noch -ein Gasthaus in Raschau seinen Namen. Auch in der Nähe von -+Ehrenfriedersdorf+ giebt es einen Mineralquell, der bald als Stahl-, -bald als Sauerbrunnen bezeichnet wird. Im Jahre 1646 wurde in Grumbach -bei Jöhstadt am Walde nahe dem »Thumshirn-Brunnen« ein Heilbrunnen -entdeckt, dessen Wasser zu warmen Bädern gebraucht ward. Nach ihm war -eine Zeit lang großer Zulauf aus Meißen und Böhmen. Es wurden bei -ihm selbst Betstunden abgehalten. Auch in Neudorf und Crottendorf -hat man aus einer nicht mehr vorhandenen Quelle zur Kur getrunken. -Zwei eisenhaltige Quellen sollen vom Fichtelberge in den Zechengrund -abfließen. - -+Mathesius+ sagt über die Gesundbrunnen und warmen Bäder des -Erzgebirges: »Unser Herr Gott ist ein weiser Hausvater. Weil er denn -weiß, daß arme Bergleute in Gruben und Hütten viel böses Wetter, -koblichten Stank, kalte Dämpfe, feuchten Brodel und giftigen Rauch in -sich ziehen, pflegt er neben die Bergwerke gemeiniglich eine eigene -Apotheke anzurichten, damit die Bergleute eine Bergarznei hätten wider -die Lähme und verschleimte Lunge, erkältete Mägen und verlähmte Glieder -und was der Bergsucht und Beschwerungen mehr sind.« - - Nach Köhler u. a. - - -9. Fischreichtum erzgebirgischer Flüsse. - -Die Flüsse und Bäche Sachsens enthielten zu der Zeit, wo Petrus -+Albinus+ aus +Schneeberg+ seine 1590 erschienene »Meißnische Land- -und Bergchronik« schrieb, noch einen +Fischreichtum+, wie derselbe -trotz unserer künstlichen Fischzucht und Fischereigesetze bei den -durch Fabrikanlagen verunreinigten Gewässern, ihren Uferbauten und -Regulierungen, den Entwaldungen unserer Berge und anderen schädigenden -Einflüssen mehr, wohl kaum wieder erzielt werden dürfte. - -Man fing in der Elbe bis zu 2 Zentner schwere Störe, und zwar galt als -die beste Fangzeit die Zeit der Rosenblüte; ebenso fehlten auch die -Welse nicht, die um Johannis am besten waren, »darnach,« so meldet -Albinus, »verbargen sie sich in die Felsen, darinnen verhielten sie -sich, bis sie die »Eglen«, d. h. wahrscheinlich die gemeinen Fischegel, -stachen, hernach machten sie sich wieder heraus«. Brassen und selbst -die noch jetzt aus der Ostsee in die Oder kommenden Zährten, ferner -Barben, Hechte, Aale, Aalraupen, Lampreten und Neunaugen, sowie Lachse -bevölkerten damals unsere Gewässer; in der Mulde fing man Barben bis zu -10 bis 15 Pfund, Lachse bis zu 18 Pfund, und zuweilen wurden 18pfündige -Hechte gefangen. Erwähnt wird dabei, daß man 1544 in der Ill bei -Straßburg einen Hecht von 26 Pfund und in dem Filzteiche bei Schneeberg -einen so großen fing, daß derselbe nicht Raum in einem Bierfasse -hatte. Dazu kamen noch in den Bächen zahlreiche Forellen, Steinbeißer -und Schmerlen, Gründlinge und Kaulbarsche vor, so daß die Fische vor -300 Jahren einen nicht unwesentlichen Teil der Ernährung, selbst des -ärmeren Volkes bilden konnten. Mit besonderer Vorliebe verweilt daher -auch Albinus bei diesem Kapitel seiner Landeschronik, und er begnügt -sich nicht, dabei nur die Namen der einzelnen Fische zu nennen, sondern -durch verschiedene beigefügte Bemerkungen über Laichzeit, Nahrungswert, -Schmackhaftigkeit und anderes mehr weiß er für seinen Gegenstand ein -noch größeres Interesse zu erregen. So meint er, daß der Hecht von -etlichen für den besten Fisch gehalten werde, doch scheint er der -Forelle, von welcher eine schwarzgefleckte Art aus dem Schwarzwasser -bei +Schwarzenberg+ und aus Bächen um +Crottendorf+ und +Annaberg+ -angeführt wird, den Vorzug zu geben, indem er sie den gesündesten und -nahrhaftesten Fisch nennt, den man sogar in Wasserkästen groß ziehen -könne, so daß er darin 4- und 5pfündig werde. Von dem Salm oder Lachs -wird die Meinung damaliger Ärzte mitgeteilt, nach welcher dieser Fisch -»stärkerer und gröberer Nahrung sei und gesalzen dem Magen schädlich -sein solle«. - -Im 16. Jahrhundert »sind die Bäche im Gebirge so fischreich gewesen, -daß die Köhler und Holzhauer, wenn sie sich bei Sommerzeit in Bächen -gebadet, sie die Waldforellen mit Händen gefangen haben. Nachdem aber -das Seifen aufgekommen war und Erze gewaschen wurden, sind die Bäche -verdorben, daß die Fische nicht mehr drinnen aufkommen mochten.« - - -10. Die Kartoffeln im Erzgebirge. - -Bereits zu Anfange des 18. Jahrhunderts finden wir die Erdäpfel auch im -Erzgebirge. In unserer Gegend sind dieselben zuerst in +Crottendorf+ -angepflanzt worden. Bewohner dieses Dorfes brachten in den Jahren 1712 -oder 1713 von +Stützengrün+ und +Bärenwalde+ Samenkartoffeln dahin. -Bereits in den dreißiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts -wurde eine gewaltige Menge dieses Gewächses daselbst erbaut. In dem -benachbarten +Schlettau+ hat dann der Anbau der Kartoffeln zunächst -Anklang gefunden, da dieses Städtchen bereits in jener Zeit einen nicht -unbedeutenden Feldbau betrieb. Besondere Verdienste um die dortige -Heimischwerdung derselben erwarb sich der +Amtshauptmann Alexander -Christian von Beulwitz+, der daselbst 1715 bis 1725 wohnte und von -dem ihm gehörigen +Erlbach+ im Vogtlande den erforderlichen Samen -einführte. Von +Schlettau+ ging der Anbau über nach +Elterlein+, -+Grünhain+, +Zwönitz+ und deren Nachbarschaft. Eine Teuerung, die im -Jahre 1719 das Obergebirge drückte, wurde die Veranlassung zu immer -ausgedehnterem Anbau. Der damalige +Superintendent+ zu +Annaberg+, -~Dr.~ +Andreas Kunad+, forderte sogar in dem genannten Jahre in einer -Predigt auf, die Kartoffeln häufig zu bauen, »welches auch soviel -ausgerichtet, daß man sich allhier mit mehrerem Ernste der Sache -beflissen«. Namentlich im zweiten Viertel des vorigen Jahrhunderts -wurden die Kartoffelfelder immer zahlreicher auch um +Annaberg+. Der -Ertrag war ein sehr reichlicher, indem man zehn- bis fünfzehnfältig -erntete. - -So war bereits vor der Mitte des vorigen Jahrhunderts der Anbau -der Erdäpfel im Obergebirge ein verbreiteter, und die gebirgischen -Kartoffeln galten schon damals als durch Geschmack und Größe -ausgezeichnet. Sie verdrängten von den Fluren und aus dem Haushalte -mehr und mehr die Erbsen, Linsen und andere trockene Gemüse. Der Preis -war nach dem damaligen Geldwerte ein mittlerer. Der Scheffel kostete -von den geringeren Sorten 8, 9 und 10, von den besseren 16, 18 und 20 -gute Groschen. - -Schon damals, um 1740, baute man verschiedene Sorten, von denen -namentlich drei angeführt und beschrieben werden. Die sogenannten -+Jobsäpfel+, die ihren Namen davon hatten, daß sie bereits zu Jakobi, -25. Juli, reif wurden; sie galten für die beste Sorte. Sie haben -ziemlich große Knollen, eine dünne, gelbe Schale und in der Mitte eine -kleine Höhlung mit ein wenig Feuchtigkeit. Die +andere+ Sorte ist -kleiner, gleichfalls mit gelber Schale versehen, worüber sich noch ein -dünnes Häutchen befindet. Auch diese werden als mild und schmackhaft -bezeichnet. Die +dritte+ Sorte hat eine rötliche Haut und eine etwas -eckige Form, von Geschmack sind sie streng und unangenehm, sodaß sie -lediglich als Viehfutter benutzt werden. - -Ebenso allmählich wie die Verbreitung der Kartoffeln geschah, ebenso -brach sich nur nach und nach der mannigfache Nutzen und Gebrauch -derselben Bahn. Man baute sie zunächst mehr zur Mästung und zur -Mehlbereitung. Das daraus gewonnene Mehl mischte man unter das -Brotmehl und erlangte dadurch ein billigeres Gebäck. Man verwendete -es als Stärke oder zu dem damals vielgebrauchten Puder. Das grün -abgeschnittene Kraut gab man den Kühen zu fressen, und die Butter bekam -dadurch, wie gesagt wird, einen guten Geschmack; getrocknet wurde -es im Winter in die Schafe gefüttert. Zeitig benutzte man natürlich -auch die besseren Sorten als Nahrungsmittel für die Menschen; aber es -ging ziemlich langsam, ehe man entweder durch eigenen Scharfsinn oder -durch Nachahmung fremder, namentlich bei den Engländern und Holländern -angewendeter Zubereitungsarten anfing, die Kartoffel zu braten und zu -rösten, mit Eiern zu vermischen und Klöße, Kuchen und »Strützel« daraus -zu backen, sowie Branntwein daraus zu brennen. - - Nach ~Dr.~ Spieß. - - -11. Reihenfolge der Städte Sachsens bezüglich ihrer Lage über der -Ostsee. - -Es sind gelegen: Riesa 108 ~m~, Meißen 110 ~m~, Leipzig 111 ~m~, -Dresden 113,4 ~m~, Pirna 116 ~m~, Strehla 118 ~m~, Wurzen 120 ~m~, -Großenhain und Wehlen 123 ~m~, Markranstädt und Schandau 125 ~m~, -Königstein 127 ~m~, Oschatz 129 ~m~, Grimma und Taucha 130 ~m~, Zwenkau -und Trebsen 131 ~m~, Rötha 132 ~m~, Pegau 133 ~m~, Naunhof 134 ~m~, -Groitzsch 137 ~m~, Nerchau 138 ~m~, Borna 142 ~m~, Regis 144 ~m~, -Mügeln 147 ~m~, Brandis, Dahlen und Radeburg 150 ~m~, Colditz 155 ~m~, -Frohburg 162 ~m~, Rochlitz 166 ~m~, Döbeln 170 ~m~, Königsbrück 171 -~m~, Lommatzsch 173 ~m~, Lausigk 175 ~m~, Dohna 177 ~m~, Lunzenau 179 -~m~, Waldheim 186 ~m~, Mutzschen 189 ~m~, Weißenberg 198 ~m~, Roßwein -205 ~m~, Kamenz 206 ~m~, Ostritz 207 ~m~, Tharandt 215 ~m~, Leisnig und -Elster 218 ~m~, Bautzen 220 ~m~, Geithain 229 ~m~, Penig und Kohren 231 -~m~, Bernstadt 234 ~m~, Crimmitschau 236 ~m~, Radeberg 242 ~m~, Zittau -und Meerane 246 ~m~, Nossen 256 ~m~, Waldenburg 257 ~m~, Geringswalde -259 ~m~, Mittweida und Hartha 260 ~m~, Frankenberg 262 ~m~, Glauchau -264 ~m~, Wilsdruff 265 ~m~, Zwickau und Schirgiswalde 267 ~m~, Löbau -268 ~m~, Pulsnitz 270 ~m~, Sebnitz 274 ~m~, Elsterberg 277 ~m~, Werdau -280 ~m~, Bischofswerda 290 ~m~, Berggießhübel 292 ~m~, Burgstädt 298 -~m~, Mylau 302 ~m~, Chemnitz und Hainichen 304 ~m~, Hohnstein 308 ~m~, -Rabenau 311 ~m~, Lichtenstein 315 ~m~, Callnberg 318 ~m~, Siebenlehn -und Neusalza 326 ~m~, Glashütte 330 ~m~, Neustadt und Liebstadt 333 -~m~, Zschopau und Gottleuba 338 ~m~, Aue 348 ~m~, Dippoldiswalde, -Ernstthal und Hartenstein 350 ~m~, Plauen und Wildenfels 352 ~m~, -Stolpen 360 ~m~, Kirchberg 363 ~m~, Limbach 371 ~m~, Hohenstein 374 -~m~, Oederan und Netzschkau 380 ~m~, Reichenbach 390 ~m~, Freiberg -401 ~m~, Oelsnitz und Lengenfeld 404 ~m~, Lößnitz 422 ~m~, Stollberg -423 ~m~, Pausa 446 ~m~, Auerbach 450 ~m~, Neustädtel 468 ~m~, Brand, -Schneeberg und Wolkenstein 470 ~m~, Treuen und Schwarzenberg 471 ~m~, -Lengefeld 481 ~m~, Adorf 482 ~m~, Mühltroff 483 ~m~, Bärenstein 490 -~m~, Markneukirchen 500 ~m~, Thum und Schellenberg 505 ~m~, Zwönitz 520 -~m~, Lauenstein 526 ~m~, Ehrenfriedersdorf 533 ~m~, Buchholz 557 ~m~, -Schlettau 564 ~m~, Falkenstein 567 ~m~, Geising 590 ~m~, Geyer 592 ~m~, -Zöblitz 600 ~m~, Annaberg 602 ~m~, Marienberg und Elterlein 610 ~m~, -Grünhain 630 ~m~, Eibenstock 643 ~m~, Frauenstein 650 ~m~, Scheibenberg -669 ~m~, Sayda 677 ~m~, Schöneck 735 ~m~, Johanngeorgenstadt 750 -~m~, Altenberg 751 ~m~, Jöhstadt 789 ~m~, Unterwiesenthal 868 ~m~, -Oberwiesenthal 913 ~m~. Daraus geht hervor, daß 40 Städte zwischen -100 und 200 ~m~, 33 zwischen 200 und 300, 27 zwischen 300 und 400, 17 -zwischen 400 und 500, 11 zwischen 500 und 600, 9 zwischen 600 und 700, -4 zwischen 700 und 800, 1 zwischen 800 und 900 und 1 zwischen 900 und -1000 ~m~ gelegen sind. Chemnitz liegt z. B. 196 ~m~ höher als die am -tiefsten gelegene Stadt (Riesa) und 609 ~m~ tiefer als die am höchsten -gelegene Stadt (Oberwiesenthal). Bautzen ist zweimal, Glashütte dagegen -dreimal so hoch als Meißen gelegen. Neustadt und Liebstadt sind dreimal -so hoch als Leipzig gelegen. Aue ist dreimal so hoch als Pirna gelegen. -Stolpen ist dreimal so hoch als Wurzen gelegen. Zittau und Meerane sind -zweimal so hoch als Großenhain und Wehlen gelegen. Markneukirchen ist -viermal so hoch als Markranstädt und Schandau gelegen. Crimmitschau -ist zweimal und Geising fünfmal so hoch als Strehla gelegen. Mittweida -und Hartha sind zweimal, Reichenbach ist dreimal, Zwönitz viermal und -Frauenstein fünfmal so hoch als Grimma und Taucha gelegen. Frankenberg -ist zweimal so hoch als Zwenkau und Trebsen gelegen. Glauchau ist -zweimal so hoch als Röda gelegen. Löbau ist zweimal so hoch als Naunhof -gelegen. Sebnitz ist zweimal so hoch als Groitzsch gelegen. Zöblitz ist -viermal und Johanngeorgenstadt ist fünfmal so hoch als Brandis, Dahlen -und Radeburg gelegen. Dippoldiswalde, Ernstthal und Hartenstein sind -zweimal so hoch als Lausigk gelegen. Falkenstein ist dreimal so hoch -als Mutzschen gelegen. Neustädtel ist zweimal so hoch als Bernstadt -und Zwönitz zweimal so hoch als Mittweida und Hartha gelegen. Von den -höchstgelegenen Städten nimmt Oberwiesenthal die 1., Unterwiesenthal -die 2., Jöhstadt die 3., Scheibenberg die 8., Elterlein die 12., -Annaberg die 13., Geyer die 15., Schlettau die 18. und Buchholz die 19. -Stelle ein. - - -12. De Stähd in'n Öber-Ärzgebärg. - -Weise: Kimmt ä Bugerl u. s. w. - - In'n Gebärg hot's viel Stähdeln, - Gruß' un kleene, gor fei. - Ich will dir'sche auffädeln; - Guck när sälberst ä nei! - - Aus der Zwick' thun se regieren - Us un's Vugtland derzu; - In der Ah' giehn se spazieren, - Wenn se nischt hamm ze thu? - - Ach Herr, Jehstadt is gruslig, - Thum un Geyer wuhl meh; - Wiesenthal macht een'n duslig, - Wenn mer stieht uf der Heh'. - - In Eimstock, do gibbt's Läben, - In Kanngorngstadt härt's auf; - Aber Neistähdl thut sich heben, - Schniebärg is net neidsch drauf. - - Annebärg leit huch uben, - Buchhuls glei nebenbei; - Besser luhnt, als sinst Gruben, - Pusementiererei. - - Schwarzenbärg is rumanisch, - Wulkensteen is es ooch; - Schlett' un Grienhahn is kumpanisch, - Elterlein hot e Loch. - - Scheibenbärg hot en Hiegel, - Där'n nischt eibringe thut; - In Marienbärg kriegste Schniegel; - Säller Zehbels hot's gut. - - Altenbärg häßt siwirisch, - Doch 's is gor net su toll; - Schmiedebärg wärd nu riehrisch; - Sayd' un Frauensteen -- pascholl. - - Kumm när 'rauf, 's is net iebel; - Alleng wird hie geärbt't; - Freilich hot's ville Hiedel; - Doch kah mer lähm, bis mer stärbt. - - H. in F. - - - - -Zweiter Abschnitt. - -Das Volkstum des Obererzgebirgers. - - -13. Die Mundart des Obererzgebirgers. - -Die erzgebirgische Mundart, die als ein ostfränkisch-obersächsischer -Mischdialekt bezeichnet wird, kann als eine einheitliche Mundart -aufgefaßt werden, da sie gewisse gemeinsame Züge hat, die nur ihr eigen -sind und durch die sie sich von allen Nachbarmundarten wesentlich -und bemerkbar unterscheidet. Aber innerhalb der Mundart sind die -Verschiedenheiten und Abweichungen, die besondern Eigentümlichkeiten -und unterscheidenden Merkmale so zahlreich und augenfällig, daß man -gut und gerne eine ziemliche Anzahl von Untermundarten unterscheiden -könnte. Ein tiefgreifender Unterschied macht sich zunächst geltend -zwischen der Sprechweise des östlichen Gebirges, wo die ostfränkischen -Bestandteile noch vorherrschen, und dem Westen, wo sie seltener und -meist verschliffen sind; fast ebenso bedeutend ist der Unterschied -zwischen dem oberen Gebirge und dem mittleren Höhenlande, wo ein -allmähliches Verblassen und Verwischen der weiter oben schärfer -hervortretenden Züge der Eigenart stattfindet. Aber auch sonst sind die -Unterschiede, die Besonderheiten häufig. Jede Gegend, jedes Thal, ja -jede Stadt hat ihre Eigentümlichkeiten, die als solche empfunden werden -und die Quelle gegenseitiger Hänseleien zu sein pflegen. - -Wir wollen betrachten, »wies Vulk redt«, und das redet anders in Kamms -(Chemnitz), als in Edern (Oederan), anders in Griehah (Grünhain), als -in Zwehnz (Zwönitz). - -Der Erzgebirger, besonders der Obererzgebirger, hat eine Vorliebe für -dumpfe Vokale und harte Konsonanten. So werden au, ä, eu und ei zu aa -(a), z. B. Fraa, Baar, Fraad, Staan; -- ei, eu und ö zu ä, z. B. lächt, -lächt'n, schännsta; -- e zu a, z. B. har; -- a zu oo, z. B. Soog'; -- -o zu uu (u), z. B. Luus. So wird aus j: g, z. B. gän'r (jener), Gahr, -Gung, Gag'r (Jäger); -- aus g: k, z. B. genunk, Bark (Berg), Kelick -(Glück): -- aus h: k, z. B. Fluk (Floh). - -Fälle von Lauterzeugungen, insbesondere Vokalerzeugungen zwischen -gewissen Konsonanten, sind nicht selten, so beispielsweise: Gelut = -Glut, geleich = gleich, Gelanz = Glanz, Gelaaben = Glauben, Galied'r = -Glieder, ferner: d'rkannt = erkannt, ahamm = heim, noochert = nachher, -weiter: Rumpes = Rumpf, Kupes = Kopf, ähnlich: Millich = Milch, Lärig -= Lerche, endlich: Taafet = Taufe, Garmerich = Jahrmarkt (vergl. in -Thüringen Almerich = Altenburg). - -Weit häufiger aber sind die Ausstoßungen von Vokalen, die -Verschleifungen von Silben und Wörtern. Gewöhnlich ist der Vokal in -den unbetonten Vorsilben ge, ver u. s. w. kaum hörbar, z. B. g'triem = -getrieben. Manche Vorsilben verschwinden ganz, wie: 'rei = herein, 'ro -= heran, 'nunger = hinunter. Die unbetonten Endsilben werden entweder -ganz abgestoßen oder verschmelzen mit der Stammsilbe, z. B. bleim -= bleiben, proom = proben, uhm = oben, Laam = Leben, Oomd = Abend, -gaehmt = geebnet, wink = wenig, Kuhng = Kuchen, gebung = gebogen, -Seng = Segen, Kerng = Kirchen, aang = eigen, fluung = fluchen, -werng = würgen, v'rlaang = verleugnen, d'rwang = deswegen, Toong = -Tagen, hiesing = hiesigen, Kann'r = Kantor, Rutkaat = Rotkehlchen, -geha = gehauen, laen = legen, wer = würde, wurn = geworden. Die -Verkleinerungsendung lein erscheint in der Form: la (le). Für die -Adjektiv-Endung ig wird manchmal et gebraucht, z. B. schaaket = -scheckig, baanet = beinig. -- Aber nicht allein unbetonte Silben werden -abgestoßen und verschliffen, sondern auch solche mit einem Nebentone, -z. B. Nupr = Nachbar, schawern = scharwerken, Handschch = Handschuh, -Echerla = Eichhörnchen, Gahlich'n und Gahl'chen = gelbe Hühnchen, arb'n -= arbeiten, nong = nachher. Auch kurze Wörter werden mit einander -verschmolzen, z. B. wemmer = wenn wir, gimm'r = geh'n wir, vunna = -von ihm, hottene = hat er ihn, nu'ch = nun sich, ing = ich ihnen, -Bornkinnel = gebornes Kindlein, gippt'r = giebt ihrer, allezamm = alle -zusammen, immadim = um und um, ka'sn = kann es ihnen, guttegor = ganz -und gar, epps'n = ob sie ihn, würrerch = würde er sich. - -Aus der Wortbeugung mögen nur die besondern Steigerungen serner von -sehr (= mehr) und ehnder von ehe, die eigentümlichen Zeitformen: huhl -für hielt, fuhl für fiel, fuhng für fing, gehatten für gehabt und -maanet für meinte erwähnt werden. - -Die Sprache des Erzgebirgers weist noch manche Eigentümlichkeit auf. -So mischt er seiner Rede gern selbstgeschmiedete Wörter bei und -verunstaltet fremde aufs grausamste. Aus Larifari macht er »Larefar«, -das Korsett wird zu einem »Kartschetl«, das Porzellan zu »Porzelih«, -eine Guirlande zur »Gorlande«. Etwas ganz Neues ist »nieglnoglnei«, -wem man den Standpunkt klar machen will, den »laxenirt« man, und ein -ungezogener Junge wird nicht bei den Haaren, sondern »bun (beim) Wisch« -genommen. Während der Bauer des Niederlandes den ganzen Tag im Hofe -und Felde »scharwerkt«, »schabrt« der erzgebirgische; er heimst nicht -ein so viel als möglich, sondern er »schobert«, geht auch nicht zum -Nachbar auf Besuch, sondern »hutzn«. Ein lediger »Puß« (Bursche) macht -im Erzgebirge zwar keinen Lärm, aber großen »Teebes« oder »Teebs«. -Als Verkleinerungssilbe braucht der Erzgebirger statt chen und lein -»la« (»Kihla« = Kühchen, »Seila« = Schweinchen); außerdem ist er ein -Freund der Flickwörter »fei« und »eppr«. Auch die Namen pflegt er zu -verunstalten. Aus einem Ludwig macht er einen »Lud« oder »Wig« und -Gottlob, -fried, -lieb verkürzt er zu »Lub«, »Fried« und »Lieb«. Ebenso -sind im Erzgebirge die Spitznamen mehr denn anderswo daheim. Jeder im -Dorfe weiß z. B., wo der »Mahlhenner« wohnt, während ihm der mit Mehl -handelnde Heinrich so und so unbekannt ist. Auch fügt man den Taufnamen -gern dem Familiennamen bei. Man macht aus dem Gottlob Schulze einen -»Schulzenlob«, und sein Sohn Eduard wird zum »Schulzenlobward«, ja -selbst ein »Hansenfritzenkarlfried« ist keine so seltene Erscheinung. -Es bedingt schon einiges Nachdenken, um z. B. aus »Mahlhennerwigs Puß« -den Sohn von Mehlheinrichs Sohn Ludwig und aus »Fuchsdavidkordel« die -Tochter Konkordia des Gutsbesitzers David so und so, der zufällig -fuchsfarbige Pferde liebt, herauszufinden. - - Nach ~Dr.~ Oertel u. a. - - -14. Arzgebergsche Sprichwörtr. - -('n Baur Hansgörg sei Lieblingsredn.) - - 's hot jedr, sei ar, wos ar sei, es hot a jedr Stand, - Ob im Gebörg, im Vugtland uhm, un ob im Niedrland, - Sei eigne Red, sei eigne Sproch, sei eigne Lieblingssprich. -- - Wos Hansgörg denkt un wie ar schpricht, dos mächt derzahln heit - iech. -- - - Dr Hansgörg is net arm, net reich, 's is a gemachtr Maa, - Ar guckt siech's 's Laam (wär jedr su!) su racht gemietlich a: - Drim labt ar gut un reichlich a. »Dä wos mer spart am Mund,« - (Dos is sei Red, schpricht mer dervu,) »dos kimmt ner für de Hund!« - - Kimmt mittigs vun dar Arb't ar rei zer Arntezeit vum Fald, - Do warn de Pfahre ausgeschärrt un's Futtr hiegestallt. - »Karline,« schpricht ar zu sei Fraa, »heit wor de Arbet schwer; - Schaff's Assen rei, miech hungerts heit, su daß iech's haußen här!« - - Ja, 's Assen, dos is su sei Sach! Do ka ar wos vertrag'n. - »Ach hätt« (su schpricht ar, wenn's 'ne schmeckt) »dr Buckel a en - Mag'n!« - Doch gibbts net viel und a nischt guts, denkt ar: »De bist betrug'n, - Hansgörg, se ham dr wiedr mol a Halmel dorch's Maul gezug'n.« - - Im Abziehlich[1] do gieht ar noch, wie sist de Leit sei gang: - In Laderhus'n, Bliemelwest, im Ruck miet Schößeln lang. - »Miet setten neimodschen Gekrahm, do bleibt mer ner hibsch farn; - Zög iech dos ah, iech säß dodrin, wie dr Fluk[2] in der Lotarn.« - - Dos Stodtvulk (na dos wißt'r schu!) dos ka ar net dersahn: - »Weil dos de Fliegn niesen härt un a de Mickn gahn!«[3] - Wenn su a Harrchen aus dr Stodt im Dorfe rimstulziert, - Do denkt ar: »Du host ah noch nich en Maikafer bolwiert!« - - Nischt ka 'n mehr in de Wulle breng, als wenn zer Summrszeit - De Stodtleit miet ihrn Rimgelaaf tutschlahn[4] de schiene Zeit; - Un frögt su aner nach'n Wag, -- ar sogts, -- dä die sei schlimm! - Doch denkt ar: »Su a Faullenzer, dar laaft meitog nischt im!« - - Noch en Maa kenn'ch, miet dan dr Görg nischt mehr mag ham za thu; - Dos is dr neie Harr Schandarm! ('s is wagn dr Sunntigsruh!) - Wenn ieber dan ward hargezug'n, do hilft ar orndlich miet; - 's is aner (dos is seine Red) »su vun dr siemten Bitt«. - - Ze Mittig sitzen Gung un Maad am Tisch in langer Reih; - Un zählt sei Fraa de Orgelpfeif'n, mächt angst ihr warn derbei; - Doch Hansgörg schpricht: »Ner net verzogt, ner fruh sein im - Gemiet, -- - Wenn unser Harrgott 's Hasl gibbt, gibbt ar ah 's Grasl miet!« - - De Liesel, wos sei ältste is (se ward nu achtzah Gahr), - Die is derpicht (mer sullt's net glaam) uffs Hochzichmachen gar; - Dr Hansgörg schpricht: Do gibbts noch nischt; kriegst Manner noch - wieviel, -- - A jedes Tippel kriegt sei Starz, a jede Barn[5] ihrn Stiel! -- - - Su kännt iech viel noch niedrschreim aus Hansgörgs Lexikun, - Doch mark iech schuh, 's ward eich zeviel, ihr habt schu sott - dervun! - 's is lauter ungehubelts Zeig, -- ja, ja, 's is doch racht schlimm, - Wenn aner net is gut beschlohn su unn'r de Nose[6] rim! - - Th. Krausch. - - [1] In der Kleidung. - - [2] Floh. - - [3] gähnen. - - [4] totschlagen. - - [5] Birnen. - - [6] Nase. - - -15. Der Volkscharakter der Erzgebirger. - -Der Erzgebirger ist höflich, gefällig und äußerst genügsam. Gern steht -er dem Fremden Rede, und im Zwiegespräche sucht er unaufgefordert das -Beste zur Unterhaltung beizutragen. Von seiner Genügsamkeit zeugen die -einfache Wohnung und die noch einfachere Kost. Dazu kommt Frohsinn, -eine ungemeine Verträglichkeit und große Liebe zur Reinlichkeit. -Im Erzgebirge wird eifrig gesungen und noch eifriger musiziert. -Klostergrab und Breitenbrunn, Kupferberg und Gottesgab, vor allem -aber Preßnitz senden Scharen von Musikern hinaus in die Welt. Während -es anderwärts oft nicht gut thut, wenn zwei Familien in demselben -Hause wohnen, so hausen im Erzgebirge oft drei bis vier Familien in -einer Stube, ohne daß man viel von unfriedfertigen Auftritten hört; -sicherlich ein Beweis, daß die Bewohner sanft und schmiegsam sind. -Der Sinn für Reinlichkeit tritt dem Fremden ungesucht entgegen. Die -Gebäude gefallen meist schon durch ihren gut erhaltenen Bewurf und -Anstrich, und das Innere der Häuser und Hütten erfreut noch mehr durch -die daselbst herrschende Sauberkeit. Die Zimmerwände sind reinlich -getüncht, die Dielen weiß gescheuert, die Haus- und Küchengeräte -blank geputzt! Und wenn der Maßstab Liebigs richtig ist, daß man -die Kultur von Volksgruppen nach dem von ihnen verbrauchten Quantum -Seife beurteilen könne, so wird den Erzgebirgern eine bevorzugte -Stellung einzuräumen sein; denn nirgends wird wohl mehr als bei ihnen -gewaschen und gescheuert. In der That macht auch der geringe Mann im -Erzgebirge eher den Eindruck eines verarmten Gebildeten, denn eines -armen Natursohnes. Fragt man den Erzgebirger selbst, was er für die -wesentlichste Eigenschaft seiner Landsleute halte, so wird man sicher -zur Antwort bekommen: »Die Gemütlichkeit!« Ein vieldeutiges Wort, -worunter man aber im allgemeinen das Streben zu verstehen hat, sich und -anderen das Leben angenehm zu machen. Im Gebirge wird eben aufmerksam -beachtet, nicht nur was man sagt und was man thut. Gewandte Personen -gelten als »manierlich« und erhalten leicht Beifall; eckige Naturen -werden mit zweifelhaftem Auge, Störenfriede mit Widerwillen betrachtet. -Durch die genannte »Gemütlichkeit« wird allerdings die Geselligkeit -erhöht und ein angenehmer Ton im gegenseitigen Umgang geschaffen, doch -auch die Thatkraft und der Trieb zur Selbsterhaltung abgeschwächt. - -Ganz besonders vor dem Niederländer zeichnet sich der Erzgebirger durch -seine Vorliebe für Tanzvergnügen aus; selbst in den kleinsten Dörfern -trifft man oft mehrere, ziemlich groß angelegte Tanzsäle an. Diese -Tanzlust ist vielleicht die Folge sowohl der zum Sitzen zwingenden -Hausindustrie, als auch der Grundlosigkeit der im Winter verschneiten, -im Frühjahr und Herbst aber aufgeweichten Wege; der Tanz bietet dann -oft allein Gelegenheit zu der nötigen Bewegung. - -An den alten Resten verschwindenden Volkstums und Volksglaubens hängt -der Erzgebirger mit wunderbarer Festigkeit; Sagen und Mären, die sonst -verschwunden sind, haben sich hier erhalten. - -In den erzgebirgischen Familien ist die Überlieferung noch lebendig. -Die alte Ahne im Lehnstuhle, die nicht mehr klöppeln kann, weil ihre -Finger zittern, erzählt den Kleinen die Wundersagen und die besonderen -Geschichten des Thals und des Dorfs, und die bleiben lebendig in den -Herzen und Köpfen und werden von den altgewordenen Hörern weiter -vererbt. - -Hier oben ist noch manches lebendig, das anderwärts schon lange tot -ist und mit Moder bedeckt. Hier leben in den langen Winterabenden die -Gestalten der altdeutschen Sagen wieder auf, und leuchtenden Auges -lauschen die Kleinen den Mären von dem reichen Silberherrn, den der -Satan geholt, von dem Bergmann, der die Silberstufen gefunden hat, von -dem grauen Männchen in Schneeberg und dem Schwarzkünstler zu Geyer. -Die erzgebirgische Tracht ist zwar fast ganz verschwunden, -- nur -vereinzelt sieht man noch den roten Brustlatz mit blanken Knöpfen, -öfter noch die schwarzledernen Hosen und den Sammetbartel, -- aber -mit ihr nicht die eigenartige Sitte des Gebirges. Besonders mächtig -ist noch die christliche Sitte. Was im Niederlande schon als überlebt -beiseite geworfen ist, ist in den Bergen noch lebendig. Die christliche -Sitte ist aber nicht nur Äußerlichkeit, sie ist auch ein Ausdruck des -christlichen Sinns des Erzgebirges, der sich nicht nur in seinem Thun -und Treiben, nicht nur in seinem Verhältnisse zur Kirche, sondern -auch in seinen Sprichwörtern und seinen sprichwörtlichen Redensarten -kundgiebt. Gemeinsam mit dem Vogtländer ist ihm die sinnige Feier des -Weihnachtsfestes. Was bei jenem die Krippe, ist bei ihm das Bethlehem, -eine Darstellung des Weihnachtswunders, oft vom Vater geschnitzt, -oft auch in den Familien forterbend, um das sich die Familie zum -Feste sammelt. Die Stelle des Lichterbaumes wird, besonders in den -Bergwerksgegenden, durch einen Bergmann vertreten, der ein Licht hält, -oder auch durch einen großen Leuchter. - - Nach Prof. Berlet und Prof. ~Dr.~ Oertel. - - -16. Die obererzgebirgische Kirmes. - -Kahl stehen die Bäume, öde die Felder, der Herbst ist eingezogen und -mischt sich bereits mit den Anfängen des Winters. Da naht das Hauptfest -des Landmanns, die Kirmes. Es setzt schon lange voraus Herzen und -Hände in Bewegung. Alle wollen am Feste geschmückt erscheinen. Die -Kinder erbitten von den Eltern, dort ein neues Paar Hosen, hier eine -neue Jacke. Auch die jungen Leute machen bei dem Dorfschneider ihre -Bestellungen, der kaum allen Aufträgen genügen kann, und die Botenfrau -muß den jungen Mädchen bunte, seidene Bänder und andere Schmucksachen -häufiger als sonst aus der Stadt mitbringen. Auch die Hausfrau hat -ihre Pläne für das nahende Fest. Lange vorher hat sie schon den Rahm -gesammelt, um genug Butter zum Kuchenbacken zu haben, und bereitet -nun Käse, läßt Rosinen, Mandeln, Zucker, Hefen u. s. w. holen, auf -daß nichts fehle. Die Kuchen sind bereit und wandern zum Bäcker, -um nach einigen Stunden, fertig und noch rauchend, unter dem Jubel -der Kinder ihren Einzug wieder in das Haus zu halten. -- Aber noch -andere Opfer sind nötig. Ein Schwein soll geschlachtet, Sauleed oder -Krumbeh, Schlachtfest gehalten werden. Der Fleischer ist bestellt, -der Schlachtzettel besorgt, Gewürz, Wasser und Brennholz sind schon -am Abend vorher herbeigeschafft. Der späte Herbsttag bricht an, schon -knistert das Feuer unter dem Wurstkessel: da klingelt die Thüre und -herein tritt der Fleischer, Brust und Beine bedeckt die weiße, frisch -gemandelte Schürze. Der breite Ledergürtel unter derselben ist mit -Perlen oder Silberplättchen verziert, und an der Seite hängt ein Köcher -mit Messer, Gabel und Wetzstahl. Er verrichtet sein Werk und bald ruht -das tote Schwein in dem bereitstehenden Troge. Mit Hilfe des heißen -Wassers und des Schabeisens sind die Borsten entfernt, das Schwein wird -geteilt und Stücken Fleisch in den brodelnden Kessel geworfen. Endlich -ertönt der Ruf: »Das Wurstfleisch ist fertig« und alles eilt herbei, -um an dem leckern Genuß sich zu laben. Das Schwertelfleisch wird an -die Hausgenossen und Nachbarn verschickt. Nun folgt das Bereiten und -Kochen der Würste, das Einsalzen des aufzuhebenden Fleisches, ein -tüchtiges Bratstück ist zur Kirmes ausgesucht und der Abend schließt -mit dem Verzehren der Wurstsuppe und frischer Wurst, als eine Art -Vorfeier des immer näher rückenden Festes. Die ärmeren Nachbarn holen -sich die Wurstbrühe. Nun wird auch das ganze Haus gerüstet, überall -wäscht und kehrt, scheuert und putzt man. Der Kirmessonntag ist da. -Beim Aufgange der Sonne weckt das Blasen eines Chorals vom Thurme -durch die Dorfmusikanten die schlummernden Bewohner. Bald sind alle -in der Wohnstube beim Kaffeetisch versammelt. Die gute Kaffeekanne -dampft in der Mitte der Tassen und daneben locken Teller mit Türmen von -Kuchenstücken. Man thut dem ersehnten Gebäck die möglichste Ehre an, -und Teller und Kanne sind schnell geleert. Der heutige Gottesdienst -wird nur spärlich besucht, denn erst am morgenden Tage, am Montag, -ist der eigentliche Kirchweihtag. Ist er endlich angebrochen und rufen -die Glocken zur Kirche, so eilen die festlich geschmückten Landleute -in einzelnen Trupps von allen Seiten nach der lieben Ortskirche, -deren Weihtag ja heute gefeiert wird. Heute darf die Kirchenmusik -nicht fehlen. Wieder ertönt Glockenklang und heraus strömt die Menge, -jeder seiner Wohnung zu. -- Welche Freude giebt es bei der Heimkunft. -Der Vetter aus der benachbarten Stadt, die Frau Gevatterin aus -einem entfernten Dorfe und andere geladene Gäste sind eingetroffen. -Endlich ist der Tisch gedeckt. Auf dem Tischtuch von selbsterbautem -Flachs prangen Schweine- und Hühnerbraten, daneben die beliebten -Kartoffelklöße und Sauerkraut, weißes Brot und Bier, vielleicht auch -eine Flasche Wein. Alles setzt sich. Auch der zitternde Großvater im -silberweißen Haar rückt seinen altertümlichen Lehnstuhl heran und von -seinem wirtlichen Sohne gebeten, nimmt er das Sammtkäppchen von dem -ehrwürdigen Haupte in die gefalteten Hände und spricht das Tischgebet. -Jeder läßt sich die guten Gerichte wohlschmecken, deren Schluß mächtige -Kuchenteller bilden. Nach Tische machen die Männer einen Gang ins -Freie, die Kinder haben ebenfalls draußen ihre Lust, wo auf Wegen und -Stegen ein fröhliches Leben herrscht. Nur die Frauen bleiben sitzen -und erzählen sich bei Kuchen und Kaffee die neuesten Geschichten. Die -rückkehrenden Männer gesellen sich auch zu ihnen und unter Gespräch -und Genuß vergeht die erste Hälfte des Nachmittags. Später geht man -wohl in die Schenke, wo der Tanz der jüngeren Leute bereits um 3 Uhr -begonnen hat. Dort setzt man sich zum Glase Bier, man spielt einen -Skat, auch Schafkopf oder schaut der unermüdlichen Jugend zu. Um 7 Uhr -geht man zum Abendessen nach Hause, das von der Hausmutter festlich -zugerüstet ist. Alt und jung nimmt Platz, die Teller werden gefüllt und -bald ist alles in reger Arbeit. Ist die Rosinensuppe gegessen, folgt -Schweinefleisch mit Zwiebelbrühe, oder Schinken mit Sauerkraut, dann -Karpfen mit Krautsalat, zuletzt wieder Kuchen. An Bier, Branntwein, -selbst an Wein ist kein Mangel. Nach aufgehobener Tafel bleibt man noch -eine Weile beisammen sitzen oder man wandert wieder zur Schenke, wo -nun auch die Verheirateten am Tanz sich beteiligen, bald einen Walzer, -bald einen Rutscher, einen Dreher u. s. w. verlangend. Spät wird die -Kirmeslust beschlossen und mit Kuchenpäckchen beladen ziehen die Gäste -dankend heim. -- Dienstag bildet noch eine Art Nachfeier, bis endlich -an der Mittwoch Haus und Arbeit allmählich wieder in das ruhigere Gleis -einlenken. -- Am nächsten Sonntag verhallen in der Klein-Kirmes die -letzten Klänge und Freuden des Festes: nur die Erinnerung tröstet noch -und die Hoffnung, daß nächstes Jahr wieder Kirmes ist. - - Nach Spieß. - - -17. Weihnachten im Obererzgebirge. - -Unter allen Festen des Jahres nimmt im Gebirge unstreitig das -Weihnachtsfest die erste Stelle ein. Bereits einige Tage vor dem -heiligen Abend reinigt die Hausfrau mit ihren Töchtern das ganze -Haus, putzt Fenster und Gefäße und fegt die Stube. Auf die Dielen der -Wohnstube streut sie Stroh, welches auch, so lange die Zwölfnächte -dauern, liegen bleibt. Der heilige Abend gilt schon als halber -Feiertag. Erwachsene und Kinder haben ihr Sonntagskleid angelegt. -Aus der Kammer oder aus dem Keller werden die am Andreasabend -gebrochenen Reiser geholt, sie haben in der kurzen Zeit Schößlinge -getrieben. Kaum ist die Sonne zur Rüste gegangen, so vereinigen sich -die Familienglieder zum frohen Mahl, denn heute giebt es »Neunerlei«. -Die sonst so sparsame Hausfrau hat den Ihrigen Klöße, Bratwurst -und Linsen, Sauerkraut, Heidelbeeren und sonstige erzgebirgische -Feiertagsspeisen, sodaß sie neun Gerichte bilden, aufgetischt. Nach -dem Essen bestreut der Hausvater einige Brotschnitten mit Salz und -Nußkernen und giebt sie dem Vieh im Stalle, auch dieses soll wissen, -daß heute Weihnachten ist. Auch die Obstbäume im Garten beschenkt -er am Christabend, indem er sie mit einem Strohseile umwindet, aus -Dankbarkeit tragen sie im kommenden Jahre besser. Brot und Salz bleibt -im Tischtuche eingeschlagen auf dem Speisetisch während der Nacht -liegen, denn nur dann geht das ganze Jahr hindurch der Segen nicht -aus. Viele verbringen die Christnacht wachend, um, wie sie sagen, die -Metten nicht zu verschlafen. Das junge Volk vertreibt sich die Zeit -durch allerhand Kurzweil. In ein mit Wasser gefülltes Gefäß gießen -die Mädchen durch einen Erbschlüssel flüssiges Blei, aus der Form -des plötzlich erstarrten Tropfens suchen sie die Beschäftigung des -zukünftigen Bräutigams zu erraten. Drei Silberpfennige läßt man in -einer mit Wasser gefüllten Schüssel schwimmen, nähern sie sich, so -findet noch im Laufe des Jahres Hochzeit statt, wozu der Pfarrer, -welchen der dritte Pfennig darstellt, seinen Segen giebt. Ein -Auseinanderschwimmen bedeutet die Lösung der angeknüpften Liebschaft. -Die Zwölfzahl, nach den zwölf Monaten, ist bedeutungsvoll bei all -diesen abergläubischen Gebräuchen. Zwölf Schüsseln stellt man auf den -Tisch, worin in der einen ein Brautkranz, in der andern ein Totenkranz, -in der dritten ein Gevattersträußchen u. s. w. liegt, in die vorletzte -aber hat man helles und in die letzte trübes Wasser gegossen. Mit -verbundenen Augen nahet sich die fragende Person; je nach dem Wasser, -wonach dieselbe greift, wird das Jahr trüb oder heiter für sie -sein, wehe, wenn sie nach der Schüssel mit dem Totenkranze die Hand -ausstreckte! Zwölf Häufchen Salz formt der Landmann in der Christnacht -und stellt sie in Zwiebelschalen; nach der Feuchtigkeit, welche sie in -der Nacht angezogen haben, läßt sich bestimmen, welcher Monat trocken -oder feucht sein wird. Sind mehrere Töchter im Hause, so nimmt eine -nach der andern einen Schuh und wirft ihn nach der Thür; zeigt er mit -der Spitze nach dem Ausgange, so verläßt das Mädchen im Laufe des -kommenden Jahres das väterliche Haus. - -Man achte auf die durch das Kochen des Wassers im Ofentopf entstandene -Musik, sie prophezeit das kommende Jahr. Um Mitternacht aber, -so lange die Turmuhr die zwölfte Stunde verkündet, spendet das -Brunnenrohr draußen im Hofe lautren Wein! Verschiedene Mitglieder -der Kantoreibrüderschaft steigen nach Mitternacht die steilen Stufen -im alten Wachtturme bis zur Türmerwohnung empor und singen da -Weihnachtslieder. Durch die offenen Fenster schallt der Choral: »Vom -Himmel hoch, da komm' ich her etc.« in die schweigende Winternacht -hinaus. Noch ist das Licht der Sterne nicht erblichen, da rufen die -Kirchenglocken zur Christmette. Reich und arm, groß und klein geht zum -Gotteshaus, wohl das ganze Jahr hindurch sieht dasselbe selten eine so -zahlreiche Menge Andächtiger, als an diesem Morgen. Vom Chore herab -ertönt das alte lateinische Weihnachtslied, das in der Übersetzung -lautet: - - Den die Hirten lobten sehre, - und die Engel noch viel mehre, - fürcht euch fürbaß nimmermehre, - euch ist geboren der König der Ehre. - - Zu dem Kön'ge kam'n geritten, - Gold, Weihrauch, Myrrhen brachten sie mite, - sie fielen nieder auf ihre Knie, - gelobt seist du, Herr, allhie! - - Freut euch alle mit Maria - in des Himmels Hierarchia, - da die Engel singen alle, - In dem höchsten Thron mit Schalle. - - Lobet alle Leut' zugleiche - Gottes Sohn vom Himmelreiche, - uns zu Trost ist er geboren, - Lob und Ehr' sei Gott dem Herrn! - -Auch die Weissagung aus dem Propheten Jesaias, welche im 9. Kapitel -steht und mit den Worten anhebt: »Das Volk, so im Finstern wandelt, -sieht ein großes Licht etc.« wird gesungen. Ein jeder Kirchgänger hat -sein eigenes Mettenlicht mitgebracht, der Lichtstumpf wird später -daheim heilig aufbewahrt, denn zündet man denselben während eines -Gewitters an, so schlägt der Blitz nicht ein, so behauptet wenigstens -der Aberglaube. Die letzten Klänge der Orgel sind kaum verklungen, -so eilt schon die frohe Kinderschar den elterlichen Wohnungen zu, in -ihrer Abwesenheit hat ja das Christkind seine Gaben ausgebreitet. -Der Leuchter, welcher auch in der ärmsten Hütte nicht fehlt, ist -angezündet, die Pyramide dreht sich, der »Berg« strahlt im hellsten -Kerzenlicht. Der Berg ist ein in der Stubenecke terrassenförmig -aufgebauter Paradiesgarten mit Hirsch und Jäger, mit Stall und Krippe, -mit Engel und Stern, kurz mit allem, was der Vater in den langen -Winterabenden für seine Lieblinge zusammenbaute. Heller jedoch als die -Lichtlein strahlen die Augen der beglückten Kleinen. - -Die Christnacht ist die erste Nacht der Zwölfnächte. Da muß man -auf die Träume achten, da sie in Erfüllung gehen. Die Zwölfnächte -werden im Erzgebirge auch wohl Innert- oder Internächte genannt, also -Zwischennächte, da sie zwischen dem heiligen Abend vor der Christnacht -und demjenigen vom Hohenneujahrstage liegen. - -In Geyer knüpft sich an den Mettenbesuch folgende Sage: Ein altes -Mütterchen, welches von Kindheit an gewöhnt war, die Christmetten zu -besuchen, legte sich nicht schlafen, damit sie den Ruf der Glocken -nicht überhöre. Die Wanduhr war stehen geblieben, da schien es ihr, als -riefen die Glocken zur Kirche. Rasch macht sie sich zum Kirchgange auf, -die großen Bogenfenster der Kirche waren auch schon hell erleuchtet. -Wie früher hatte ein jeder Kirchgänger sein Mettenlicht angezündet, die -Weissagung wurde gesungen, so auch das ~Quem pastores~. Nur däuchte -es ihr, als ob die Andächtigen bleicher als sonst aussähen und als -sie näher hinschaute, waren es lauter Verstorbene. Eine Nachbarin -zupfte sie am Kleid und wisperte ihr ins Ohr: »Gevatterin, Ihr seid -zu früh und deshalb in die Totenmetten gekommen, dort seht Ihr die -Schattenbilder derer, die in dem kommenden Jahre die unseren werden. -Damit Ihr nicht auch dazu kommt, so werft beim Verlassen der Kirche -Euern Mantel ab.« Erschreckt verließ das Mütterchen die Kirche, that -aber, wie ihr die Gevatterin geheißen. Am andern Morgen fanden die -Kirchgänger auf jedem Grabe des Friedhofes, welcher die Kirche umgiebt, -ein Stückchen von dem Mantel, den die alte Frau beim Besuch der -Totenmetten getragen hatte. - - Nach Spieß. - - -18. Die Weihnachtsspiele im Obererzgebirge. - -Weihnachtsspiele gab es noch in den beiden ersten Jahrzehnten unseres -Jahrhunderts im Erzgebirge und in dessen Nähe allenthalben, vorzüglich -aber waren sie da heimisch, wo Bergbau getrieben wird, und Bergleute -waren auch meist die Darsteller. Es gab zwei verschiedene Arten von -Christspielen, die Engelschar und die Königschar. Eigentlich hießen -so die Gesellschaften, welche sich gebildet hatten, um die Geburt -Christi darzustellen, aber man bezeichnete die Spiele selbst auch mit -diesem Namen. Die Engelschar bildeten zwei Engel in weißen Kleidern, -mit Flügeln und hohen goldpapiernen Kronen; dann der heilige Christ -selbst, der hier seltsamer Weise in Mannesgestalt auftritt, während die -Geschichte von seiner Geburt aufgeführt wird, der Bischof Martin und -der heilige Nikolaus, statt dessen an andern Orten Petrus auftrat, -welche ebenfalls in langen, weißen Gewändern gingen und Kronen trugen, -während Christus das Zepter, Martin eine Rute, Nikolaus einen grünen -Zweig, Petrus einen großen, gelben Schlüssel in der Hand hielt; ferner -Josef, Maria, der Wirt, zwei Hirten und der Knecht Ruprecht. Diese -zogen von Haus zu Haus. Der heilige Christ fragte nach dem Fleiß und -der Folgsamkeit der Kinder, Martin mußte sie im Katechismus prüfen -und Gebete aufsagen lassen, Ruprecht schreckte die Ungehorsamen durch -seine Drohungen, der heilige Christ aber beschenkte die Artigen; dann -wurden die Geburt Christi im Stalle zu Bethlehem, die Verkündigung -an die Hirten auf dem Felde und die Anbetung der Hirten im Stalle -dargestellt und an passenden Stellen Weihnachtslieder gesungen; zuletzt -verabschiedete sich Christus und die ganze Schar mit einer Ermahnung an -die Kinder. - -Diese Art der Weihnachtsspiele ist wahrscheinlich die älteste. Als -unsere Vorfahren noch Heiden waren, so glaubten sie, daß in den zwölf -Nächten nach dem heidnischen Feste der Wintersonnenwende die Götter -sichtbar auf Erden herumzögen, und viele der noch heute üblichen -Weihnachtsgebräuche deuten noch auf diesen Glauben hin; selbst die zu -Weihnachten und zum neuen Jahre in manchen Gegenden vorgeschriebenen -Speisen sollen ursprünglich Opfermahlzeiten gewesen sein. Es ist -leicht möglich, daß in dieser Zeit die heidnischen Priester als Götter -verkleidet umherzogen, um das Volk oder wenigstens die Kinder in -Ehrfurcht vor den Göttern zu erhalten. Als aber die Deutschen Christen -wurden, behielt man die alte Sitte bei, nur traten an die Stelle der -alten Götter Christus, Maria und andere heilige Personen; nur der -Ruprecht, dessen Name »der Ruhmesprächtige« bedeutet und der eigentlich -der Gott Thor der alten Deutschen gewesen sein soll, der Gott des -Donners, blieb noch bei der Schar, aber nicht als Gott, sondern als -schreckende Knechtsgestalt, wie wir ja wissen, daß die Geistlichen, -da sie die Furcht vor den alten Göttern nicht ausrotten konnten, sie -wenigstens als böse oder finstere Mächte darstellten. Bemerkenswert ist -auch der Umstand, daß die Engelschar, wie die Leute sich ausdrücken, -»das Recht zu gehen«, d. h. herumzuziehen, vom ersten Advent bis zum -Neujahr oder Hohenneujahr hatte; vom Hohenneujahr bis zur Lichtmeß -hielt dann die Königschar ihre Umzüge. Diese bestand aus zwei Engeln, -Josef, Maria, dem Wirt, zwei oder drei Hirten, den drei Weisen -oder Königen aus dem Morgenlande, Herodes, seinem Diener und einem -Schriftgelehrten und führte die ganze Geschichte von der Geburt Christi -bis zum Kindermord in Bethlehem auf, und zwar in der Regel nicht von -Haus zu Haus ziehend, sondern in einem größeren Zimmer oder Saal, wo -die Zuschauer sich vorher versammelt hatten. An einigen Orten kennt man -die Engelschar gar nicht, man nennt dann die Spieler auch nicht die -Königschar, sondern die Heiligenchristspieler. - -Das Obererzgebirge war früher der eigentliche Mittelpunkt der -Weihnachtsspiele. In Annaberg gab es selbst eine Gesellschaft, meist -aber kamen die Gesellschaften der umliegenden Ortschaften, die in der -Stadt ihre Christspiele aufführten. In der Umgegend von Annaberg giebt -es fast keinen Ort, der nicht früher seine Engel- oder Königschar oder -beide zugleich hatte. Noch in den 50er Jahren bestand eine Königschar -in Frohnau. 1838 wurde dieselbe das letzte Mal in Wiesa aufgeführt. In -+Hermannsdorf+ hat die Engelschar am Anfange dieses Jahrhunderts ihr -letzte Weihnachtsspiel aufgeführt. 1850 spielte man in Königswalde das -letzte Mal. In +Raschau+ gab es noch 1850 das Dreikönigsspiel; ebenso -in Grünhain und Crottendorf. In Geyer spielte die Engelschar etwa 1810 -zum letzten Male. In Grumbach spielte man noch 1836--40. In den 40er -Jahren bestand die Bärensteiner Engelschar noch. Die allerjüngste -Aufführung der Engelschar geschah 1857 in Mildenau. -- In neuester Zeit -sind mehrfach Weihnachtsspiele veröffentlicht und mit Erfolg aufgeführt -worden. - - Nach Mosen. - - -19. Erzgebirgische Heilige Christfahrt aus der Zeit des 30jährigen -Krieges. - -Die älteste Form des erzgebirgischen Weihnachtsspieles waren die -einfachen Hirtenspiele, welche die Verkündigung der Geburt Christi -auf dem Felde und die Anbetung des Christkindes durch die Hirten -behandelten. Hierzu kamen dann die »Heilige Christfahrten« und die -»Drei Königsspiele«. Aus der Verbindung der »Heiligen Christfahrt« mit -dem altüblichen Hirtenspiele ging die »Engelschar«, aus der Verbindung -des »Drei Königsspiels« mit demselben die »Königsschar« hervor. Während -»Engelscharen« und »Königsschar« vielfach erhalten sind, finden sich -»Heilige Christfahrten« nur selten. - - -Eine Komödia, welche am heiligen Weihnachtsabend die Lengenfelder -Jugend aufführt. - -1631 - -+Personen+: - - Gabriel. - Der Heiland. - Nikolaus. - Raphael. - Uriel. - Michael. - -+Der Engel Gabriel.+ - - Fried, Freud und ewig Seligkeit - Sei euch allen von Gott bereit, - Auch ein glückselig neues Jahr - Geb euch Gott und immerdar! - Weil heut zu dieser Abendzeit - Die ganze werte Christenheit - Sich freuen thut des heil'gen Christ, - Der jetzt gar noch vorhanden ist, - Insonderheit die Kinderlein - An diesem Abend die frömmsten sein, - Indem sie nach den schönen Gaben - Ein herzliches Verlangen haben, - So hat mich das Christkindelein - Jetzt selbst zu euch gesandt herein, - Daß ich euch seine Gegenwart - Anzeigen soll zu dieser Fahrt, - Und ihm bereite seinen Thron, - Darauf sich setz der Gottessohn. - Darum, ihr lieben Kinderlein, - Seid still, merkt auf und lernet fein - Alles, was euch der heil'ge Christ - Befehlen wird zu dieser Frist. - - Hierauf klopft ein anderer Engel oder auch statt des Engels ein - Bauer draußen an die Thür und spricht: - - Glück denen, die darinnen sein, - Macht auf, macht auf und laßt uns ein! - - Dann tritt der Heiland ein, dem der Engel Michael vorangeht. - -+Der Heiland.+ - - Eine kurze Zeit verlaufen ist, - Daß ich, genannt der heil'ge Christ, - Mein' treuen Diener in alle Land - Nicolaum hab' ausgesandt, - Daß er zum Gebet und Frömmigkeit - Die kindlich Jugend mach bereit. - Weil aber die Zeit vorhanden ist, - In welcher beschert der heil'ge Christ, - So bin ich selber kommen rein, - Zu sehen, ob die Kinderlein - Gelebt han nach mein' Gebot, - Ob sie auch treulich gefürchtet Gott, - Ob sie auch meinen Namen geehrt - Und fleißig Gottes Wort gehört, - Ob sie Vater und Mutter fein - Gehorcht und gehorsam gewest sein. - Darum, ihr Eltern, so saget an, - Wie sich die Kinder gehalten han. - - Beklagen sich die Eltern über ihre Kinder, so spricht der - Heiland: - - Der Eltern kläglicher Bericht - Erfreut mich itzund wahrlich nicht. - Darum ich billig Ursach hab, - Diesen Kindern durchaus keine Gab - Zu geben. Drum nehmt, ihr Diener mein, - Die Gaben, so ihr bracht herein. - Ich weiß noch frömmer Kinderlein, - Da woll'n wir jetzund kehren ein - Und ihnen geben die schönen Gaben, - Die sie gar wohl verdienet haben. - - Beklagen sie sich aber nicht, so hebt Uriel an zu klagen: - - Ja, lieben Eltern, es wäre fein, - Wenn eure lieben Kinderlein - Sich so verhielten, wie ihr bericht, - Mein Mund aber ein andres spricht. - Als ich und der vor wenig Tagen - Vor diesem Haus vorüber zogen, - War ein groß Geschrei und großer Saus - Von euern Kindern in euerm Haus. - Sie schrien und blökten so schrecklich, - Daß wir beide entsetzten sich. - Solchs ich nun nicht verschweigen kann, - Sondern dem heil'gen Christ zeigen an. - -+Darauf der Heiland+: - - Meines Knechts kläglicher Bericht - Erfreut mich itzund wahrlich nicht - u. s. w. (wie oben). - - Nikolaus tritt für die Kinder ein und spricht: - - O frommer Christe, Gottes Sohn, - Der armen Kindlein doch verschon. - Siehe doch, wie ihre Äugelein - Und Mündlein auf dich gerichtet sein. - Ach sieh, wie stehen sie so traurig, - Ach sollt es nicht erbarmen dich, - Bist du doch sonst gütig und milde, - Freundlich und rechter Lieb ein Bilde, - Insonderheit den Kindelein - Pflegst du hold und gewogen sein, - Sie sein unverständig und klein, - Wissen noch nicht, was recht mag sein. - Drum laß dein Zorn bald vergehen - Und bleib allhier bei ihnen stehen. - Thu anhören die Kinderlein! - Vielleicht sie frömmer werden sein. - -+Der Heiland.+ - - Nikolaus, du treuer Knecht, - Du erinnerst mich jetzund recht, - Drum geh jetzt hin und stell vor dich - Die Kinderlein fein ordentlich. - -+Nikolaus.+ - - Das der heil'ge Christ befohl'n allzeit - Treulich zu thun bin ich bereit. - Darum, ihr lieben Kinderlein, - Stellt euch hier in die Ordnung fein - Und thut hersagen, was ihr habt - Gelernt nach meinem Mandat. - -+Der Heiland.+ - - Für mich dürft ihr euch fürchten nicht, - Euch guts zu thun bin ich verpflicht. - Mein Nam' ist Gott, mein Thun ist gut, - Mein Feind ist der, so Schaden thut. - Ich hab mit mir viel schöner Gaben - Für Mägdlein und für junge Knaben, - Welche ich denen thu geben, - Die schön und hübsch können beten. - Drum kommt, ihr lieben Kinderlein, - Heran zu mir und betet fein! - - Nachdem die Kinder ihre Gebete hergesagt, spricht der Heiland: - - Das gefällt mir aus der Maßen wohl, - Drum ich euch billig lohnen soll. - Wohlan, Nikolaus, Diener mein, - Teil aus die Gaben den Kinderlein! - -+Nikolaus.+ - - Es soll geschehen, drum nehmet jetzt - Die Gaben, die der heil'ge Christ - Jetzt geben thut euch Kinderlein, - Dieweil ihr noch könnt beten fein. - -+Der Heiland.+ - - Ihr Kinderlein, nehmt so vor gut - Und habt damit ein' guten Mut. - Wenn ihr hinfort werd't frömmer sein, - So will ich thun den Dienern mein - Befehl'n, daß sie euch viel mehr - Gaben heut diese Nacht bescher'n. - Ich will euch auch geben allzeit - Langes Leben und gute Gesundheit. - Desgleichen all mein Engelein - Soll'n euer Hüter und Wächter sein. - Wohlauf, ihr Diener, allzumal - Singt und lobt Gott mit Freudenschall. - - Dann singt man ein Lied und Michael sagt zum Schluß: - - Hiermit von hinnen scheiden wir - Und wünsche, daß mögt erleben ihr - In Fried und guter Gesundheit - Das künftig Jahr und allezeit. - Darzu auch denn der Engel Schar - Wünscht ein glückselig neues Jahr. - Ihr Kindlein habt ein gute Nacht, - Was ihr gehört, fleißig betracht. - Der Segen Gottes sei mit euch, - Zu teil werd euch das Himmelreich. - Guter Fried sei stets in dem Haus - Allen, die gehen ein und aus! - - Nach den Kirchl. Mitteilungen aus Zwickau und Umgegend. - - -20. Erzgebirgische Weihnachtslieder. - - -~a.~ Dr Weihnachts-Heiligohmd. - - Heit is dr Heil'ge Ohmd! Ihr Maad, - Kommt rei! mr gießn Blei! - Rick', laaf geschwind zor Hanne-Christ: - Se soll bei Zeitn rei! - - Mr hoom ne Lächter a'gebrannt! - Satt nauf, ihr Maad! die Pracht! - Do drihm bei eich is a racht fei: - Ihr hatt ä Sau geschlacht! - - Iech ho mr ah ä Licht gekaaft - Fer zwee-ä-zwanzig Pfeng. - Gih, Hanne, hul' ä Tippl rei: - Mei Lächter is ze eng! - - Kaar! zind ä Weihrauchkerzl a', - Doß 's nooch Weihnachten riecht! - Und stell's neer off dos Scherbel hie, - Dos unnern Uf'n liegt! - - Lott'! dortn off der Hühnersteig, - Do liegt menn Lob sei Blei: - Na, rafl neer net su dort rim, - Sist werd dr Krienerts schei! - - Denn 's Mannvolk hot sei Fraad an wos, - Sei's ah an wos neer will: - Mei Voter hot's an Vuglstelln, - Dr Kaar, dar hot's an Spiel. - - Iech gieß fei erscht! ... Wann krieg iech dä? - Satt har! ... enn Zwacknschmied! ... - De Kaarlin' lacht: -- die denkt gewieß, - Iech meen ihrn Richter-Fried! - - Mr hoom ah sachzn Butterstolln - Su lank wie de Ufnbank: - Ihr Maad, do werd gefrassn warn! - Mr warn noch alle krank! - - Mr hoom ah Neinerleer gekocht! - Ah Worscht mit Sauerkraut! - Mei Mutter hot sich o'geplogt, - Die ale gute Haut! - - Rick'! brock de Sammlmillich ei! - Nasch ober net drvu! - Ihr Gunge, werft känn Respl ro' - In's Heilig-Ohm'nd-Struh! - - War giht dä iber'n Schwammetopp?! - Nu Henner! ruhst de net? - Nu wart neer: wenn dr Voter kimmt, - Mußt warlich glei ze Bett! - - Nä horcht neer mol in Uf'ntopp - Dos Rumpln und dos Geing! - Na, weil es neer net winsln thut! - -- Denn sist bedätt's noch Leing. - - Ne Heiling Ohmd im Mitternacht, - Do läfft statt Wasser Wei. - Wenn iech mich neer net färchtn thät, - Iech hult' enn Topp voll rei. - - Denn drihm an Nachbersch Wassertrug, - Do stiht ä grußer Ma', - Und war net rachte Tatzn hot, - Dann läßt er gar net na'! - - Lob'! hul' drweil benn Hanne-Lieb - Ne Votr ä Kannl Bier! - Und wenn de kimmst, do singe mr: - »Ich freue mich in dir --«. - - Ihr Kinner, gitt in's Bett nu nauf: - Dr Seeger zeigt schu Ees. - Epp mir Weihnachtn widr erlaam? ... - -- wie Gott will, su gescheh's! - - -~b.~ Ä annersch Weihnachtslied. - -('n Hannerl sei Liedl.) - - Schwenzelenz! heit bie iech fruh! - 's wor mr lange Zeit net su! - Will heit Teewes machn! - Kinner, iech ho Gald wie Hei, - 's känne lächt zwee Tholer sei: - Ja, drim ka' iech lachn! - - Satt dos Heiligohmd-Licht a'! - 's sei fei ruthe Bliemle dra' - Und ä klaans Gesprichl! - Ho zwee Grosch drfür bezohlt, - Salwer 's su schie a'gemolt - Wie ä Taffet-Tichl! - - Fix! ne Krunelächter ro', - Dann iech zammgebitzlt ho - Und vergoldt su machtig! - Satt die golding Engele! - Zwischen Sträuchle wackeln se! - A! dos sieht su prachtig! -- - - Su! nu is er a'gezündt: - Ei wie schie dr Lächter brinnt! - 's kloppt mrsch Harz vor Fraadn! - Ach, die Schwarzbeer-Sträuchle sei, - A'gesah bei Licht, su fei! - Thunne racht schie klaadn! - - Söll de ganze Sach wos taang, - Müssmr ah ä Pfeifl raang: - Drim will iech aans stoppn! - Do -- dr Kopp von Porzelie: - Is dar epper net racht schie? - Muß ne erscht auskloppn. - - Noochert will iech hutzn gih. - Heit beschert ne Kinnern schie! - 's is ju heit Bornkinnl! - Komme ah de Maadle nooch! - Bie dann Grethn gut mei Tog: - 's is ä lus's Gesinnl! - - Bie ä led'ger Boss und ho - Nooch enn Schatz ball dort, ball do - Schu gestrabt von Harzn: -- - Ober dos is wunnerlich! - Kaane thut, als will se mich! - -- na, iech ka's vrschmarzn! -- - - Gute Nacht drweil, ihr Leit! - Weckt miech morng ze rachter Zeit! - Morng giht's in de Mettn! - Wemmer su de halbe Nacht - Hot fei lustig zugebracht, - Kreicht mr in de Bettn. - - -21. Michel's Erzählung vom Annaberger Vogelschießen. - - Doletzt wor iech in Annebarg, - (Gevatter, losst Eich grißn!) - Do ho iech's Maul weit aufgesperrt: - Do war ä Vuglschießn! - Wos mr fer Zeich in Stedn macht! ... - Ze Schanden ho iech miech gelacht. - - Frih Morngs, wie de Sonn aufgieng, - Do fieng ah a' dr Rummel: - Zwee Grenadierer ranntn rim - Off'n Gassn mit dr Trummel; - Die schlu'ng ganz drbarmlich drauf - Und wecktn do de Herr'n auf. - - Nu mochtn welche drunner sei, - Die's gar verschlofn hattn: - Drim pumpertn se nochmol nei, - Und dos off all'n Gassn. - Nooch liefn d'Herrn in's Rothaus nei; - Kä Fraa war oder net drbei. - - Do brachtn se enn Ma' gefihrt - (Dacht', 's wär ä armer Sinder --), - Dann hattn se schie ausgeziert, - Glaabt mir'sch, ihr Harznskinder! - Ne ganzn Rock mit Blach behängt! ... - Möcht wissn, war setts Zeich drdenkt! -- - - Nu liefn alle Leit drzu - Und freetn sich net wenig. - Dar Ma' sooch schwarz und gar net fruh: - Se sahtn, 's wär dr »König«! - Iech wollt eich schwörn bei meiner Seel: - Dar Kienig hält sist Knöppln feel. - - Dann fihrtn se de Gassn nauf - Mit Pfeifn und mit Trummeln - Un alt und gung lief ah vurauf ... - Dos war ä Lärm un Tummeln! - Ä Ma' ä Stangl hot imwundn - Und ene Schärz schie na'gebundn. - - Und vornewack do gieng ä Ma', - Dar trug enn hölzern Vugl; - Off'n Schießhaus trof mr noch enn a': - Dar sooch eich erscht racht nubel! - Dar war, su wahr dr Himmel labt, - Mit Gold un Silber ganz beklabt! - - Iech meent': se würn dann Vugl wuhl - Dann gnading Kienig schenken; - Da wür ne noochert in de Kerch - Neihänge zon A'denkn ... - Do oder wur eich gar nischt draus: - Se spießt'ne off ne Stang uhm naus. - - Nu dacht' iech oder ganz gewieß: - Neer deshalb wär'sch geschah, - Doß alle Leit racht u'schennirt - Dann Vugl könntn sah. - Denn weil dos Dink viel Arwett kust, - Sääch jeder dodra seine Lust. - - Doch -- denkt eich neer dos Kinnerspiel: - Se hattn gruße Bügel! - Do schnelltn se gar grasslich viel - Nauf kläne, gruße Prügel! - Korzrim: es wurn Kopp, Flügel, Schwanz - In ener Stund gottgar zmoranzt! - - Nu sogt mr neer! ... die tolle Walt! ... - Ä setts Dink ze zerschmeißn! ... - -- Ä Voter, dar off Ordning hält, - Läßt Kinnern nischt zerreißn: - De Altn wolln gescheidter sei?! ... - Und schmeißn gar mit Prügeln drei?! ... - - Nu sooch iech eich zon Stadt-Thur raus - Viel gruße Weibsn kumme. - Iech dacht: »Wenn die dann Vugl sah ... - Do warn se tichtig brumme!« - Zerbricht mol Unner-eens enn Topp, - Do zankt de Fraa: »Du Duselkopp!« - - Doch käne, käne saht ä Wort! - Se hattn neer Vergnieng! ... - War eich ä Stick von Vugl hatt, - Dar gieng und ließ sich's wieng. - De Weibsn schossn mit enn Ding - Von Eisn, dos an Schnür'l hing. - - Aus ener Bud do bliesn raus - Ä dutznd Mussegantn; - Grod-rüber stahnd ä Leimet-Haus - Fer Kienigs A'verwandtn. - Do gienge gar viel Weiber nei: -- - Sölln Die dä alle seine sei? ... - - De Aa'ng hattn nu genunk, - Doch net es Maul, dr Moong; - Denn alles, wos mr ooß und trunk, - Hatt' schrackich aufgeschloong! - Von Frassn gob's de schwere Meng, - ... Neer fahlet'n mr aam de Pfeng! - - Wos wetter sich noch zugetroong? ... - Wess net! -- mir wursch ze lang! - Miech that dr Dorscht und Hunger ploong, - Drim bie iech ball gegang. - Dos wußt iech nu: -- Trotz teiern Brud - Hot's doch in Annebarg kä Nut! - - J. G. Grund. - - -22. Dos arzgebergische Mädl. - - Iech bi a gebergsch Mädl, - Bi frumm un bi ah gut - Und dreh zun Klippeln mei Fädl, - :/: So arm iech bi, ho iech doch Muth. :/: - - Ho Ardeppln of men Tischl, - Ka Schminkel Buttr drbei - Un bi gesund wie a Fischl - :/: Un trog ah kän Dokt'r wos ei. :/: - - Un ka iech net huchgelehrt redn - Su wie's in Kerngbuch stieht, - Su ka ich doch singe un batn - :/: Un ah monch gebergsch Lied. :/: - - S' Karschettl, es Tichl, es Schärzl - Is olles neiwaschn un schie', - De schwäbischn Aermln an Leiwl, - :/: Die ho iech gemanglt heit frieh. :/: - - N' Sunntig do thu iech mich putzn, - No her iech de Predig mit oh, - Nooch gieh iech zun Schwasterle hutzn, - :/: Do sanne mer enannr när ah. :/: - - Wenn ohm'sd nooch häm werd gange, - Sieht Schatzl mich sehnetlich oh, - Un frogt mich: he host ke Verlange, - :/: He, Schatzel, he brauchste kän Mo? :/: - - Wos latschte, wos patzschte mer wiedr, - Mach mir ner kän Meerettig noh, - De brauchst mich doch net erst ze froong, - De sist marsch an Aange schieh oh. - - -23. Erzgebirger beim ersten sächsischen Volkstrachtenfest. - -An dem Festzuge des ersten sächsischen Volkstrachtenfestes am 5. Juli -1896 in Dresden haben auch die Erzgebirger sich beteiligt und manche -ihnen noch eigentümliche Tracht aufgewiesen. Die erste Abteilung -des erzgebirgischen Zuges bildeten die Bergleute, und zwar zunächst -die Farbenwerk- und Hüttenleute mit Zimmerlingen und Maurern mit -Musikkorps, sodann die Gruppe aus den Blaufarbwerken in Oberschlema und -Pfannenstiel. Der Gruppe aus dem Kupferhammer »Grünthal« folgte die -Gruppe der Kohlenbergleute. Dem Bergmannszug schlossen sich noch Bauern -und Hausierer aus dem Erzgebirge an. Hierzu gehörten Löffelhändler aus -Beyerfeld, Spielwarenhändler aus Grünhainichen und Kastenleute aus -Jöhstadt. Den Schluß des Zuges bildete ein vollständig ausgerüsteter -erzgebirgischer Lastwagen, der vom Fuhrwerksbesitzer Israel in Löbtau -gestellt wurde. - - -24. Der Streittag. - -Streiten ist an sich keine löbliche Eigenschaft, und am allerwenigsten -scheint ein sittlicher Grund vorzuliegen, die Erinnerung an einen -Streit in einem alljährlich wiederkehrenden, festlich begangenen Tage -festzuhalten und auf die kommenden Geschlechter zu vererben. Und doch -haben unsere biederen sächsischen Bergleute dies Ungeheuerliche fertig -gebracht und sie feiern alljährlich ihren »Streittag« als einziges -und höchstes Bergfest, im Schneeberger Bergrevier und auch wohl in -anderen am Tage Maria Magdalena, den 22. Juli. Die Grundlage dieses -Festes bildet das gewiß begreifliche Verlangen der geplagten Bergleute, -wenigstens an einem Tage im Jahre von ihrer saueren Arbeit »tief -unter der Erd'« ausruhen zu dürfen. Denn im Dienste der Sicherheit -und Regelmäßigkeit des Betriebes giebt es bekanntlich im Bergbau -keine eigentliche »Sonntagsruhe«, sondern unablässig arbeitet im -Schachte das sogenannte »Kunstgezeug« weiter, wie das von dem auf der -Halde stehenden Zechenhäuschen erklingende Bergglöckchen mit seinem -regelmäßigen »Kling« anzeigt. Zur Bedienung des »Kunstgezeugs« aber, -das den gesamten für den Grubenbau unentbehrlichen Maschinenbetrieb -zur Entfernung bez. Nutzbarmachung der Grubengewässer, der Förderung -des Gesteins, Beförderung der Belegschaft, d. h. der Mannschaften, -u. s. w. zu ordnen hat, sind Menschenkräfte unentbehrlich, und -würde einmal plötzlich das Bergglöckchen sein eintöniges »Kling« -nicht vernehmen lassen, so wäre die bange Furcht, daß die finsteren -Mächte des Abgrundes wieder einmal ihr unheimliches Zerstörungswerk -begonnen haben, leider nur allzusehr begründet. Da haben nun vor -Zeiten -- urkundlich läßt sich das Datum nicht genau feststellen --- die Bergleute sich jenen Tag »erstritten«, um frei von den -Sorgen ihres schweren Berufs einmal sich und ihren Familien ganz -angehören zu können. Damit soll nicht gesagt sein, daß an diesem -Tage der Bergwerksbetrieb gänzlich eingestellt sei, das ist eben -nach unseren obigen Darlegungen undenkbar. Aber die nur irgendwie -abkömmlichen Mannschaften feiern an diesem Tage, und wer sonst, um -seinen Verdienst zu erhöhen, neben der Nacht- noch eine Tagschicht -verfuhr -- jede annähernd 10 Stunden umfassend -- der verzichtet -heute gewiß auf letztere und jede anderweite Nebenbeschäftigung -(Holzschnitzerei, Musikmachen, Garten- und Feldbau u. a.). Daß man -aber den Tag als höchstes Fest begeht, zeigt auch die Paradeuniform, -die heute selbst den einfachsten Ganghäuer schmückt. Die schönste -Zierde des Festes aber, will uns bedünken, und zugleich ein rührendes -Ueberbleibsel aus der oft zu Unrecht verspotteten »guten, alten Zeit« -bildet die feierliche Kirchenparade der Belegschaft des Reviers mit -nachfolgendem Festgottesdienst in der Hauptkirche. Die Bergleute waren -es bekanntlich, deren unverfälschter frommer Sinn frühzeitig die -Irrlehren der römischen Kirche erkannte und sich dem evangelischen -Glauben zuwandte. Noch heute erinnert ein mit einem Bibelbuch und -einem Kelche (aus Eisen) geschmückter gewaltiger Granitwürfel inmitten -des Schneeberger Grubenreviers auf dem »hohen Gebirge« an die -Knappschaftskapelle zu »St. Anna«, in der schon im Jahre der Uebergabe -der Augsburger Konfession (1530) evangelisch gepredigt wurde. - -Die Kirchenparade der Bergleute am 22. Juli gestaltet sich besonders in -der ehrwürdigen Bergstadt Schneeberg zu einem hervorragend merkwürdigen -und glänzenden Schauspiele. Nicht nur, daß sich die Bergleute in ihrer -altertümlichen Tracht hier auch in größerer Anzahl beteiligen -- jetzt -etwa 500 Mann, vor 20 Jahren mochten es über 800 gewesen sein --, -sondern auch des gewaltigen Gotteshauses wegen, wohin sich der Zug -zur Festfeier bewegt. Die Schneeberger Hauptkirche, auf dem höchsten -Gipfel des Berges gelegen, welcher der Stadt ihren Namen gab, ist, -aus dem Ertrage der Gruben erbaut, schon in ihrem gewaltigen Umfange -ein Zeugnis frommen Bergmannssinnes und dem Bergheiligen St. Wolfgang -geweiht. Weit und licht, ohne beengende Emporen, an deren Stelle ein -in drittel Höhe um das ganze Gotteshaus herumlaufender Prozessionsgang -tritt -- der Bau wurde im Jahre 1516 katholisch begonnen, im Jahre -1540 aber vollendet und die Kirche evangelisch eingeweiht --, gehört -das Gotteshaus, das entsprechend seiner spätgotischen Bauart vor -nicht zu langer Zeit innerlich prächtig erneuert ward, zu Sachsens -größten Kirchen, dem nicht einmal die St. Annakirche in Annaberg -trotz ihrer gewaltigen Größe gleichkommt. Die ehernen Zungen des -harmonischen Geläutes (~G-dur~), darunter Sachsens größte Glocke, -die weit über 100 Zentner schwere »Donnerglocke«, begrüßen die in -festlichem Zuge Nahenden. Eine besondere Gruppe, die wegen ihrer -kleidsamen und eigenartigen Tracht stets ungeteilteste Aufmerksamkeit -erregt, sind die Blaufarbenarbeiter. Ihre blinkend weißen, faltigen -Blusenhemden, geschmückt mit den nötigen Rang- und Arbeitsabzeichen, -stehen seltsam mit den schwarzen, grün gesäumten Paradeuniformen -der übrigen Bergleute, deren Lederzeug (Berg- und Knieleder) heute -blankgeputzt ist. Altertümlich nimmt sich bei allen auch der -federgeschmückte Tschacko aus, während die bergmännischen Werkzeuge --- Hammer, Schlägel, Fäustel, Spitzhacke etc. -- dem Ganzen ein etwas -militärisches Gepräge verleihen. Weniger soldatisch mutet uns die -eigenartige Gangart der Bergleute an, die ihnen offenbar infolge ihrer -Berufsarbeit zur andern Natur geworden ist: wir meinen das Vorbeugen -der Knie bei jedem Schritt. Der Volkswitz nennt daher den uralten -Marsch, nach dessen getragenen Klängen der Einzug erfolgt, nicht übel -den »Kniebiegel«. Im Gotteshause gebührt der Berggemeinde an diesem -Tage der unbedingte Vorrang, ja, in früheren Jahren mußten ihr sogar -die sogenannten »gelösten« Kirchenstühle aufgeschlossen und freigegeben -werden. Als Zeugnis für die festliche Bedeutung des Tages mag endlich -noch der Hinweis dienen, daß, wie an hohen Festen, auch der jeweilige -Oberpfarrer und Superintendent die »Bergpredigt« zu halten hat. Nach -beendetem Festgottesdienst zerstreut sich die Berggemeinde, die sich -übrigens nur aus den männlichen Familiengliedern zusammensetzt, soweit -diese beim Bergbau beschäftigt sind, in alle vier Winde. - -Leider hat selbst unter den einst ihrer Frömmigkeit wegen bekannten -Bergleuten die Vergnügungssucht weit mehr Platz gegriffen, als bei der -einfachen Lebensführung, zu der die meisten dieser Familien genötigt -sind, erwartet werden dürfte und ihnen gut ist. Das junge Volk begiebt -sich zu Spiel und Tanz bei Bier und Branntwein und nur wenige der -Bergleute von altem Schrot und Korn ziehen es vor, daheim bei Weib -und Kind zu feiern und beim Klange der immer mehr in Vergessenheit -geratenden, teilweise recht anmutigen Bergmannslieder, die höchstens -noch um Weihnachten allgemeiner gehört werden, oder im harmlosen -Gespräch über des liebgewonnenen Standes Würde und Bürde die schönere -Vergangenheit zu neuem Leben zu erwecken. Einige suchen wohl auch die -benachbarten schattigen Wälder auf, um die gerade ihnen so überaus -nötige ozonreiche, würzige Luft zu genießen. Denn im allgemeinen ist -der Bergmann wie der Erzgebirger ein Stubenhocker, der beim geringsten -Luftzug zu erkranken fürchtet und daher äußerst selten, und auch dann -nur mit wohlverwahrtem Hals und Kopf, das Freie aufsucht, wobei ihn -manchmal selbst im Hochsommer ein Bedauern überkommen mag, daß nicht -auch hier, wie daheim, ein lustiges Feuer im Ofen prasselt. Gleichwohl -bildet der »Streittag« als einziges wirkliches Bergfest einen der -seltenen Lichtblicke im Leben des anspruchslosen schwarzen Völkchens -droben, und wenn es an demselben mit sprichwörtlicher Zähigkeit -festhält, so begreifen und billigen wir das nicht bloß vom materiellen, -sondern weit mehr vom idealen Standpunkte aus. Denn gerade in dieser -Zeit der Ernüchterung und des platten Materialismus ist es mehr denn je -geboten, die spärlichen Reste von Poesie und idealem Sinn, die unser -Volks- und Berufsleben noch aufweist, sorgsam zu hüten und zu bewahren. -Ein solcher Hauch von Poesie verklärte auch dereinst das harte -Bergmannsleben, und wer nur ein einziges Mal Anackers leider jetzt -so selten gewordenen »Bergmannsgruß«, der, wie Verfasser sich wohl -entsinnt, früher selbst in den Schulbüchern zu finden war, mit seiner -mächtig ergreifenden »Steiger-Arie«, seinen zarten Familienszenen u. -s. w. gehört hat, der wird auch verstehen, warum der echte und rechte -Bergmann selbst heute noch mit Begeisterung an seinem schweren Berufe -hängt; es ist etwas von dem Himmelssegen, den auch dieser Beruf in sich -trägt, wenn anders nur die, welche ihm angehören, sich aus der Tiefe -nach oben zu erheben wissen. Und das bedeutet auch der alte sinnige -Bergmannsgruß: »Glück auf!« - - Nach dem Wochenblatte. - - - - -Dritter Abschnitt. - -Die Besiedelung des Obererzgebirges. - - -25. Die Besiedelung des Erzgebirges. - - -~a.~ Die Besiedelung des Erzgebirges in vorwettinischer Zeit. - -Im 4. Jahrhundert rückten die +slawischen Stämme+ von Osten her vor. -Zwischen 454 und 495 drangen die Tschechen in Böhmen ein. Ungefähr zu -gleicher Zeit kamen aus der Weichsel- und Odergegend die Milczener, -Lutizier, Obotriten und Sorben bis in die später sächsischen, mecklen- -und brandenburgischen Länder. Von diesen rückten die Sorben oder -Serben, deren Name sie ganz besonders als ackerbautreibendes Volk -bezeichnet, in das spätere Meißnische und, da 531 von den Franken und -Sachsen das mächtige Reich der Thüringer vernichtet wurde, westwärts -bis zur Saale vor. Die +Sorben+ waren demnach die unmittelbar -nördlichen Nachbarn des alten Miriquidi. Sie gründeten sehr bald in den -fruchtbaren Niederungen und Thälern Orte und bebauten das Land. Aber -noch wurde dieses Volk von der Ansiedelung auf den rauhen, unwirtlichen -Waldhöhen abgeschreckt, bis endlich nach den langen Vernichtungskämpfen -der mächtigen deutschen Kaiser im 9. Jahrhundert, denen die Erbauung -der Burg Meißen folgte, und ganz besonders, als unter +Otto I.+ -die Grafen Hermann Billung und Gero glücklich die letzte Erhebung -an der niederen Elbe und in den Lausitzen niederschlagen, die Macht -der Slaven völlig gebrochen war. Der Zinspflichtigkeit zu entgehen, -festhaltend an dem Glauben ihrer Väter, erfüllt mit tiefem Haß -gegen die christliche Geistlichkeit, welche von ihren Einkünften -an Getreide und Vieh, Leinwand, Honig und Wachs den zehnten Teil -forderte, zogen sich nun nach den für ihr Volk unglücklichen Kämpfen -zahlreiche sorbische Familien in das unfreundliche und von wilden -Tieren bevölkerte, aber ihnen doch Freiheit und Sicherheit gegen ihre -Besieger verheißende Erzgebirge zurück. So wurden bereits gegen Ende -des 10. Jahrhunderts von diesen slawischen Einwanderern daselbst -einzelne feste Niederlassungen gegründet. Immer höher stiegen sie, -vorzugsweise wohl in den Thälern und so dem Laufe der Gewässer -entgegen, auf der nordwestlichen Senkung des Gebirges bis ungefähr -zur Linie Eibenstock-Schlettau-Zöblitz-Sayda auf. Erst vom 12. -Jahrhundert an, da das Gebirge durch die Entdeckung reicher Silbererze -zum Erzgebirge wurde, drangen auch die +Deutschen+ zahlreicher vor, -gründeten Städte und Dörfer. Das germanische Element verschlang sehr -bald die slavischen Reste, wo sich dieselben bis dahin noch in einiger -Selbständigkeit erhalten hatten. Wohl erhielt sich noch, wenigstens -am Fuße des eigentlichen Gebirges, ihre Sprache; denn im Jahre 1327 -wurde der Gebrauch derselben bei den Zwickauer Gerichten und in -Meißen sogar erst 1424 verboten; jedoch auch in den höher gelegenen -slavischen Ansiedelungen wird die Muttersprache nach Berührung mit den -später vorgedrungenen Deutschen nicht sobald erloschen sein, da viele -slavische Wörter, die selbst in der Gegenwart nicht verschwunden sind, -von den Deutschen festgehalten wurden. - - - Nach ~Dr.~ Köhler. - - -~b.~ Die Besiedelung des oberen Erzgebirges in wettinischer Zeit. - - -1. Die wilde Ecke. - -Vor über 400 Jahren, bis zum Jahre 1496, wo man +Annaberg+ gründete, -war die Stelle, an der jetzt die Stadt steht, nichts denn dicker, -finsterer Wald voll Steinblöcke und Felsen, überragt gleich einer Warte -von dem Pöhlberge. In den dichten Wäldern hauste mancherlei unzähliges -Getier. Des Nachts erklang das gellende Geschrei des Uhus und am Tage -krächzten Raubvögel und Unglück verkündende Raben massig in der Luft -und horsteten auf den hohen Fichten. Der Bär brummte, der Wolf heulte -und die Wildkatze schlich nach Beute. Der Fuchs und der Dachs führten -ihre Baue auf und auch das Wildschwein grunzte in den geringen grünen -Eichenwaldungen. Scheuen Blickes und eilenden Fußes umgingen die -bewaffneten Bewohner der benachbarten Häuerdorfer die »wilde Ecke«, -um nicht eine Beute der Raubtiere zu werden. Da die Gegend noch wenig -angebaut war, so mußte man die Nahrungsmittel weit herholen. Die »wilde -Ecke« führte darum auch noch den Namen »Hungerloch«. - -Noch heute erinnert uns manches an die ehemalige Wildheit. Von Süden -grüßt uns der Bärenstein, im Norden liegen rechts vom Sehmaflusse die -Wolfshöhle und links der Sauwald. Auch die Fuchsgasse mag mit genannt -werden. - - »Sehr wild und felsicht war's in diesen Wald-Sudöden; - Da hauste Wolf und Bär mehr als ein Menschenkind; - Man sahe nichts von Feld, von Handelschaft und Städten; - Die Luft war angestrengt mit Nebel, Frost und Wind.« - - Nach Arnold und M. Chr. Lehmann. - - -2. Entstehung der Orte in Annabergs Umgegend. - -Die Ansiedelungen im oberen Erzgebirge sind von sehr verschiedenem -Alter. Es läßt sich die Zeit der Gründung der einzelnen Städte und -Dörfer nur annähernd bestimmen. Im allgemeinen gilt, daß die Bebauung -für das Gebirge später eintrat, als für das Niederland und der Bergbau -auch in ältester Zeit Anlaß gab, die sonst gemiedene Wald- und -Berggegend zur Wohnstätte zu wählen. Aus der Benennung, welche man den -Ansiedelungen gab, läßt sich schließen, daß z. B. die Städte des oberen -Gebirges: +Lößnitz+, +Zwönitz+, +Zöblitz+, +Schlettau+ bereits während -der Zeit der Sorben-Wenden, also vor dem 10. Jahrhundert gegründet -worden sind. - -Um das Jahr 1173 wurde das Kloster +Zelle+ bei Aue durch Mönche -aus dem Kloster zu Zelle bei Freiberg gegründet. -- Vorher, im 11. -Jahrhundert, mögen zum Schutz und Trutz die Burgen +Wolkenstein+ und -+Schwarzenberg+ mit den sich anschließenden Stadtgründungen entstanden -sein. +Elterlein+ scheint seine Entstehung dem Bergbaue auf Eisen im -12. Jahrhundert zu verdanken. - -Unter Markgraf +Heinrich dem Erlauchten+, vielleicht auch früher, -entstand westlich von Elterlein die Ansiedelung von +Grünhain+. -Daselbst stiftete, wahrscheinlich 1238, +Meinherr II.+, Graf zu -Hartenstein und Burggraf zu Meißen, das Kloster Grünhain und stattete -dasselbe 1240 mit zehn Dörfern der Umgegend aus. Später kamen teils -durch Kauf, teils durch Schenkung noch andere Besitzungen hinzu, sodaß -eine große Anzahl Städte und Dörfer dem Kloster gehörten und sein -Gebiet im 15. Jahrhundert sich bis unterhalb Zwickau und einige Meilen -nach Böhmen hinein erstreckte. -- Außer dem Kloster Grünhain gehört dem -13. Jahrhundert noch die Entstehung der Stadt +Ehrenfriedersdorf+, d. -i. Herrenfriedersdorf, um 1240 an. - -Das Städtchen +Geyer+ ist um 1395 infolge der reichen Anbrüche auf -Zinn, Silber und Kupfer von Ehrenfriedersdorf aus angelegt worden. -- -Bald nach der Ansiedelung in Geyer soll zu Anfang des 15. Jahrhunderts -ebenfalls infolge des Bergbaues die benachbarte Stadt +Thum+ entstanden -sein. - -Die um Annaberg gelegenen Dörfer +Frohnau+, +Kleinrückerswalde+, -+Geyersdorf+ u. a. sind früheren Ursprungs als Annaberg und Buchholz. - - -3. Entstehung Annabergs und anderer Bergstädte des Obererzgebirges. - -In dem bei der Teilung 1485 von +Albert+ gewählten Meißnerlande war -nach dem Tode dieses Fürsten im Jahre 1500 sein Sohn +Georg der -Bärtige+ (1500--1539) gefolgt. Dieser war der eigentliche Gründer von -Annaberg, da sein Vater zu jener Zeit als »des Kaisers gewaltiger -Marschall und Bannermeister« Krieg mit den Niederländern führte und -seinem Sohne während seiner Abwesenheit die Regierung des Meißnerlandes -übertragen hatte. Als Georg 1500 zur selbständigen Regierung gelangte, -bewies er der durch ihn gegründeten Stadt vor allen seine Gunst und -Zuneigung und besuchte die reiche Bergstadt mehrmals von Dresden aus. -Er spendete bedeutende Beihilfen zum Bau der schönen Annenkirche -(1499--1525), ließ das Franziskaner-Kloster (1502--1512) erbauen und -begnadigte die Stadt mit vielen Rechten und Freiheiten. - -Bald nach der Gründung der beiden sächsischen Städte +Annaberg+ und -+Buchholz+ entdeckte man auch Silber auf der böhmischen Seite des -Erzgebirges. Im Jahre 1516 ward +Joachimsthal+ in Böhmen gegründet und -1520 zur freien Bergstadt erhoben. Gewöhnlich nimmt man an, daß die -dort vom Jahre 1519 an geprägten Münzen abgekürzt »Thaler« genannt -worden seien und dadurch dieser Name für jede Münze von gleichem Werte -in Gebrauch kam, was aber von Sachkundigen bezweifelt wird. Man leitet -richtiger den Münznamen von ~talentum~ ab. - -Was die Gründung anderer Städte des Obererzgebirges infolge reicher -Erzanbrüche betrifft, so merke man noch: Im Jahre 1517 wurden -+Gottesgab+, +Eibenstock+ und +Jöhstadt+, eigentlich Josephsstadt, -gegründet, 1521 +Marienberg+, 1522 +Scheibenberg+, 1526 +Wiesenthal+, -1532 +Platten+. - -Das Gebiet, wo die Städte Gottesgab und Platten damals erbaut wurden, -gehörte 1459--1547 durch den Vertrag zu Eger zur Mark Meißen, fiel aber -infolge des Wittenberger Vertrages an Böhmen zurück. - -+Jenesius+ sagt in seiner Geschichte Annabergs: »Die Bergstädte -haben ihren Namen nicht von ohngefähr, sondern aus reifem Nachdenken -bekommen. Meine Vaterstadt ist anfangs +Schreckenberg+ genannt worden. -Aber es wurde kurz hernach, auf Ansuchen des Herzogs Georg und der -Bürgerschaft durch den Kaiser Maximilian I. bewilligt, daß dieselbe -+Sankt Annaberg+ heißen sollte. Die böhmischen Grafen von Schlick -nahmen von der Benennung dieser Stadt Veranlassung, die von ihnen -erbaute Stadt nach dem Ehemanne der Anna +Joachimsthal+ zu nennen. Dies -bewog ferner den sächsischen Fürsten Heinrich den Frommen, den Bruder -Georgs, daß er der von ihm gegründeten Stadt den Namen +Marienberg+ -beilegte und den Flecken, welcher an der äußersten Grenze des Meißener -Landes in waldiger Gegend liegt, +Jöhstadt+, d. i. Josephsstadt, -benannte. Es gefiel also den Herren dieser Länder, die Städte nach -denen zu benennen, die die Voreltern des Heilandes nach dem Fleische -waren, damit die Einwohner zur Verkündigung der Wohlthaten Christi -entzündet würden und sich ihnen mit Seele und Leib, mit Hab' und Gut -weihten.« - - -4. Jüngere Gründungen im Obererzgebirge. - -Der Bergbau in Buchholz war durch einen furchtbaren Wolkenbruch am 21. -Juli 1565 fast ganz vernichtet worden, und im Jahre 1568 hatte die -Pest Annaberg und die Umgegend verheert. Auf Anregung des +Kurfürsten -August+ ward damals überall im Lande nach neuen Schätzen des Erdbodens -geforscht. So wurde 1546 der Serpentin bei +Zöblitz+ entdeckt. In den -Kalkbrüchen von +Crottendorf+ fand man 1575 abbauwürdige Marmorlager. -Der daselbst gebrochene Marmor ist bis auf die Gegenwart herab vielfach -zu Bauwerken und Kunstgegenständen verwendet worden. Seit einigen -Jahren hat jedoch die Ausbeute an Marmor aufgehört und es wird nur Kalk -gefunden. - - Nach Schulrat ~Dr.~ Spieß. - - -26. Die Urbarmachung des Gebirges. - -Das wilde Gebirge ist auf mannigfaltige Weise urbar gemacht worden. -Es geschah durch Räumung und Abziehung der Wälder, Anlegung geraumer -Wege und Pässe, Brückung und Austrocknung der Moräste, Ausbrennung der -Heiden, Ebnung der struppichten und wilden Beerhübel. Auch geschah -es durch Ausrottung der Stockräume, Ablesung der Steine und mühsame -Wegschaffung der Wacken, womit die Berge und Felder überhäuft waren. -Das ist besonders bei so vielen mitten im wilden Walde angelegten -und erbauten Dörfern, Flecken und Städten geschehen. Ferner trug der -Bergbau zur Urbarmachung bei, indem dadurch vermöge der Bergfreiheit -viele hunderttausend Stämme und Schragen Holz weggetrieben und verbaut -wurden. Die Hammerwerke, welche durch ihre Holzbauer und Kohlenbrenner -die allergrößten Wälder sehr gelichtet haben, hatten auch daran Teil. - -Bis tief in das 13. Jahrhundert hinein, dann wieder zu Ende des 15. und -Anfang des 16. Jahrhunderts, stellenweise selbst bis in die neueste -Zeit ist das Ausroden des Waldes, um Ackerland und auch Wiesenland -für neue Ansiedelungen zu gewinnen, im umfangreichsten Maße betrieben -worden. Jahrhunderte lang bildete der Wald den unerschöpflich -erscheinenden Vorrat, durch dessen Niederschlagen man Raum für Feld, -Holz für Bauten, Bergwerks- und Hüttenanlagen, Geld für Zinsen und -Steuern u. s. w. erlangen konnte, ohne an die Wiederaufforstung kahl -geschlagener Höhenzüge und Abhänge denken zu müssen. Der Wald war -die unerschöpfliche Geldquelle für den fortschreitenden Anbau. Erst -Jahrhunderte später, nachdem das Land durch die länger als ein halbes -Jahrtausend fortgesetzte Urbarmachung und Zerstörung des Waldgebietes -seine gegenwärtige Oberflächengestalt und Bedeckung gewonnen hat, ist -man zu der Überzeugung gekommen, der Waldvernichtung nicht bloß Einhalt -thun zu müssen, sondern auch das Waldgebiet durch Neuanpflanzung -erhalten und vergrößern zu sollen. - -Mit dem Vordringen des deutschen Stammes in das Gebiet der Slaven -und in das Gebiet des waldbedeckten Gebirges beginnt erst die -geschichtliche Zeit diesem Landes. Wenn auch die Vorgänge, besonders -auf dem letzteren, vielfach unbekannt geblieben oder verschleiert -und entstellt auf die Nachwelt gekommen sind, lassen sich doch die -allgemeinen Grundzüge dieser Entwickelung noch erkennen. - - Nach ~M.~ Lehmann und Süßmilch. - - -27. Die obererzgebirgischen Ortsnamen. - -Bei der anzutretenden Wanderung durch das Gebiet der Ortsnamen des -Obererzgebirges halten wir zuerst eine Umschau über die +Berge+. Die -Namen derselben tragen fast durchgehends deutsches Gepräge und sind -nach den verschiedensten Gesichtspunkten gegeben. Auf die Gestalt -weisen hin: Spitzberg, Ochsenkopf, Hut- und Kanzelberg, Hirnschädel; -auf das Klima oder die Unfruchtbarkeit einzelner Höhen: Kaltes Feld, -Kalter Muff, Kahler Berg, Kahle Höhe und Thürmrich, d. i. Dürrer Berg -(bei Frauenstein); nach den Pflanzen, die auf ihnen wuchsen oder -noch wachsen, sind benannt: Buch-, Eichel-, Ahorn-, Kiefern- und -Fichtelberg; nach den Tieren, die häufig dort angetroffen wurden: -Bären-, Wiesel- und Wolfsstein, Krahstein, d. i. Krähenstein und -Adlerstein; nach Erzen: der Kupferhübel und der Eisenberg. Einzelne, -wie der Kapellenberg, der Hofberg, der Zechenberg verdanken ihren Namen -bestimmten auf ihnen errichteten Gebäuden, andere, wie Andreasberg, -Gastberg, Geringsberg, Richterberg dem Besitzer der Fluren, auf denen -sie lagen. Einer ausdrücklichen Erwähnung verdient noch der Name der -bei Schwarzenberg sich erhebenden Morgenleite. Der zweite Teil dieses -Worten ist das ahd. ~hlita~, mhd. ~lite~, in Norwegen noch in der Form -~Lid~ bekannt. Derselbe bezeichnet eine Berglehne oder einen Abhang -und kommt in dieser Bedeutung im Erzgebirge außerordentlich häufig -vor. Man unterscheidet die Süd- und Nordseite eines Berges als Sommer- -und Winterleite: den ersteren Namen tragen in Annaberg zwei an der -Sommerseite eines Abhanges angelegte Gassen, den letzteren ein Teil -des Geyerschen Waldes; an der unteren Preßnitz heißt ein Abhang die -Hirschleite; in der Nähe von Dorfchemnitz bei Sayda finden sich Buch- -und Thonleite, bei Oederan die Hammerleite. In der sächsischen Holz- -und Forstordnung von 1560 werden aufgeführt: Habichts-, Pech-, Grase-, -Brand- und Trachenleite, und bei Elterlein heißt ein Dorf, in welchem -sich früher eine Bergwäsche befand, Waschleite. Von dem in vielen -unserer Bergnamen hervortretenden Grundworte Hübel, wie bei Lerchen-, -Zeisig- und Hahnenhübel, begegnet uns in oberdeutschen Gegenden in -Orts- und Bergnamen die umgestellte Form Bühel, ahd. ~puhil~. In -unserem Gebirge ist der Ausdruck unbekannt. Es ist durchaus nicht -unwahrscheinlich, daß der ehrwürdige Annaberger Geschichtsschreiber -Jenisius auf dem richtigen Wege ist, wenn er Pöhlberg auf jenes Bühel -zurückführt, aus welchem dann Pihl und Pehl als entstellte Formen -hervorgegangen sein würden. - -Zwei bekannte Bergnamen, Auersberg und Rammelsberg, haben insofern noch -eine besondere Bedeutung, als sie auf die Frage nach der Besiedelung -unseres Gebirges führen. Wie die in andere Erdteile Ausgewanderten ihre -neuen Ansiedelungen mit Vorliebe nach heimatlichen Orten benennen, -so haben auch die durch Krieg und Hungersnot leidenden Harzer -Bergleute, die einst massenhaft in die silberhegenden Berge unseres -Vaterlandes einwanderten, Namen aus ihrer alten Heimat auf Wohnsitze -und Örtlichkeiten übertragen. Noch heute finden sich im Harze nicht -nur die erwähnten beiden Bergnamen, sondern auch zahlreiche Ortsnamen -des Gebirges wie Hohenstein, Kirchberg, Stollberg und der bekannte -Name Quedlinburg, den einmal unser Elterlein geführt haben soll. Ein -anderer heute noch im Harze vorkommender Bergname, der Eibenberg, läßt -es kaum zweifelhaft erscheinen, daß auch die Stadt Eibenstock als eine -Niederlassung jener Harzer Bergleute zu gelten habe und daß der Name -derselben wie der jenes Eibenberges auf die in Norddeutschland und auch -im Harze heimische Eibe oder den Taxusbaum zurückzuführen sei. - -Wir steigen von den Höhen herab und wenden uns nach den +Waldungen+ und -+Fluren+. Wir beschränken uns namentlich auf Hervorhebung einiger aus -älterer Zeit überlieferter, jetzt unverständlich gewordener Benennungen -von Waldbezirken. Dahin gehören vor allem die mit »Struth« bezeichneten -Waldungen bei Bernsbach, Flöha und Plaue, sowie die obere und niedere -Struth im Westen von Langenau bei Freiberg. In diesem Ausdrucke lebt -noch ein altes deutsches Wort für Wald, Buschwerk oder Dickicht, -das heute nur noch in Hessen gebräuchliche, mhd. die ~strut~ oder -~struot~, fort. Der von Chemnitzer Geschichtsschreibern aufgeführte -Name Bramenwald, der heutige Zeisigwald bei Chemnitz, erklärt sich aus -dem ahd. der ~prâmo~ und die ~prâmà~, d. h. Dornstrauch, Dorngebüsch, -insbesondere Brombeerstrauch. Daß der bei Zöblitz wie bei Satzung -vorkommende Name Kriegwald in Beziehung steht zu den in diesen Wäldern -ausgefochtenen Kämpfen im Hussitenkriege, daran ist wohl um so weniger -zu zweifeln, als man dort noch im 17. Jahrhundert aufgeschichtete -Haufen von Totengebeinen und Waffen gefunden hat. Nicht an den Krieg, -wohl aber an die um Grenze und Rainung geführten Rechtsstreitigkeiten -einzelner Personen oder ganzer Gemeinden mag die in verschiedenen -Gegenden erscheinende Bezeichnung Streitwald erinnern. Die meisten -dieser Wald- und Flurbezeichnungen lehnen sich wiederum an +Tiernamen+ -an: von diesen Bildungen seien nur die in Lehmanns »Schauplatz« -angeführten erwähnt: Aus den Lautersteinschen Wäldern: der Drachenwald, -Rabenberg, die Dachslöcher; auf dem Crottendorfer Oberforstgebiete: -die Vogelleite, Hirsch- und Auerhahnpfalz, der Säu- und Bärenfang, -Tier- und Saugarten; im Grünhainer Gebiete: der Bärenacker, Fuchs- -und Wolfsstein; auf dem Lauterschen: das Wolfslager, der Hirschstein, -Habichtshübel, die Bärenstallung, der Wolfsgarten, Rabenberg, die -Drachenleite, Bärenlage und Sauwiese. - -Von den Höhen steigen wir herab in die +Thäler+ und gelangen so zu den -+Flüssen+. Bei ihnen ist die Namengebung ausgegangen vom Laufe und der -Gestalt derselben, der Farbe des Wassers, den anstehenden Pflanzen, -der Umgebung und zuweilen wohl auch von anliegenden Ortschaften. Die -Namen der größeren Flüsse Elbe, Elster und Mulde lassen ohne weiteres -ihren deutschen Ursprung erkennen. Auch die kleineren Gebirgsbäche wie -das Schwarzwasser, der Saubach, Rauschenbach, Sandbach, Schindelbach, -Goldkrönlebach, die zwei letzteren bei Großrückerswalde und Pobershau, -und andere sind von den Deutschen benannt worden. Für eine größere -Anzahl unserer Gebirgswässer läßt sich dagegen eine Ableitung aus dem -Deutschen nicht gewinnen. Aus der slawischen oder sorbenwendischen -Zeit stammen denn auch die zahlreichen slawischen Orts- und Flußnamen -unseres Gebirges. Der Name der Zschopau, nach welchem auch die Stadt -genannt ist, wird zurückgeführt auf slawisch ~Sapawa~ = die Reißende, -Zischende, Tosende; gleiche Bedeutung hat das tschechische ~bistry~, -von welchem die in Urkunden als ~flumen Bistrice~, später ~Wistricz~ -aufgeführte Weißeritz den Namen hat; nach der Buche, slawisch ~buky~, -tschechisch ~buk~ ist die Bockau, nach der Birke, slawisch ~briza~ oder -~brschiza~ die Preßnitz, nach dem Biber, slawisch ~bibra~, tschechisch -~bobr~ die Bobritzsch, nach dem Wildschwein, slawisch ~svisnija~ -die Zwönitz benannt. Die Chemnitz, urkundlich ~flumen Caminizi~, -heißt Steinbach, nach dem slawischen ~Kameni~ = Stein, und Lößnitz, -urkundlich ~Lessenitz~ aus slawisch ~lêsu~, tschechisch ~les~ = der -Wald oder Busch, bedeutet der Waldbach. - -Unsere Wanderung in den Flußthälern auf- und abwärts und über die -Scheiden der Wasserläufe führt uns weiter zu den verschiedenen -+Ortschaften+, den freundlichen Städten und Städtchen und den -friedlichen, sauberen Dörfern unseres Gebirges. - -Das Dorf Drebach bei Wolkenstein erscheint urkundlich als ~Träte-~, -~Tretebach~, ~Dratbach~. Der erste Teil diesem Namens, ~Drat~ oder -~Träte~, ist ein gutes deutsches Wort, ahd. ~drâti~, mhd. ~draete~ mit -der Bedeutung schnell, rasch. Dasselbe bezog sich auf den raschen -Lauf des durch den Ort eilenden Baches. Aber da es längst schon dem -Sprachbewußtsein entschwunden ist, suchte man sich den Namen Trätebach -durch Anlehnung an das geläufige Zeitwort drehen verständlich zu machen -und bildete mit Unterdrückung des inlautenden t Drehbach. Daß der -Volksgeist oft mit recht kühnen Deutungen bei der Hand ist, beweist -eine Mitteilung über das Städtchen Geyer, wonach dasselbe seinen Namen -vom Teufel haben soll, der auf einem Spaziergange beim Anblick der -unwirtlichen Gegend ausgerufen habe: »Pfui Geyer!« - -Noch 1402 heißt der Ort Cappel bei Chemnitz zu der Capelln, das heißt -zu der zur Nikolaikirche gehörigen Kapelle. Die Namen Altenberg, -Breitenbrunn, Weißenborn heißen dementsprechend ursprünglich zu dem -alten Berge, dem breiten Brunnen, dem weißen Born. Gleiche Bedeutung -haben Neundorf, Naundorf, Neudorf, nämlich zu dem neuen Dorfe. -Siebenhöfen heißt eigentlich zu den sieben Höfen und ist benannt nach -den sieben Wirtschaftsgebäuden, aus welchen der zwischen Tannenberg und -Geyer liegende Ort anfangs bestand. Bei Lengefeld zeigt nur noch die -urkundliche Form Langenfeld die eigentliche Bedeutung. - -Nun ist noch auf die äußeren Gründe einzugehen, von welchen sich -die einstigen Ansiedler bei der Benennung ihrer +Wohnplätze+ haben -leiten lassen. Als natürlichster Ausgangspunkt erscheint zunächst die -+Bodenerhebung+, das heißt, ob ein Ort auf oder an dem Berge, im Thale -oder in der Ebene angelegt wurde. Zahlreich sind die Zusammensetzungen, -wie die Städtenamen: Schneeberg, Schwarzenberg, Freiberg, und die -Dorfnamen: Grünthal, Blauenthal, Rothenthal. Auf die Höhenlage weisen -hin: Steinhübel, Berggießhübel, Scharfenstein, Wolkenstein. Höhen- -und Thallage zugleich deuten an Ober- und Unterwiesenthal. Nach der -Bodenbeschaffenheit ist benannt der Ort Sand bei Freiberg. Auch die -beiden Dörfer Grießbach bei Wolkenstein und Schneeberg haben ihren -Namen von dem Sande erhalten, den die hier fließenden Bäche an ihren -Ufern absetzen; denn der Ausdruck Grieß (mhd. ~griez~) bedeutet den -Sand am Ufer oder Grunde des Wassers. Bei den mit Haide gebildeten -Namen müssen wir an Orte denken, die im Heidelande gegründet wurden. -Kühnhaide oder ~Kienhain~ heißt eigentlich Fichtenheide. - -Namengebend dient auch der +Wald+. Bildungen wie in Königswalde, -Fürstenwalde u. a. lassen sich schon seit dem 8. Jahrhundert -nachweisen. Ein Wäldchen nennen wir jetzt Hain; früher bedeutete das -aus ~hagan~ zusammengezogene Wort einen Dornbusch. Hierher gehören -Namen wie Grünhain, Altenhain, Pfaffenhain. Eine weitere Gruppe lehnt -sich an +Tier-+ und +Pflanzennamen+ an. Dem Worte Gablenz liegt zu -Grunde das Wort ~jablu~, der Apfelbaum, Geyer stammt von ~jawor~, der -Ahorn, Gelenau von ~jeleni~, der Hirsch. Zahlreiche Orte verdanken -dem Wasser ihre Namen. Flußnamen kehren als Ortsnamen wieder: Sehma, -Pöhla, Preßnitz. Dorfschaften wie Krumbach, Steinbach, Lauterbach sind -nach dem Laufe oder der besondern Eigentümlichkeit des sie berührenden -Gewässers benannt. Benennung wie Furth bei Chemnitz weisen auf -Übergangsstellen über die Gewässer hin. - -Auch auf Personennamen sind Ortsnamen zurückzuführen. So ist es -bei den vier Städten, die nach der heiligen Familie genannt sind: -Annaberg, Marienberg, Jöhstadt, Joachimsthal; Johanngeorgenstadt, -Ober- und Niederneuschönberg sind in Anknüpfung an Johann Georg -I. und Caspar von Schönberg auf Pfaffroda benannt. Ohne weiteres -verständlich sind: Hermannsdorf, Erdmannsdorf. Cunersdorf weist auf -~Cunradisdorf~ und dies auf einen Konrad. Leukersdorf bei Zwönitz -wird noch 1306 ~Leutgersdorf~ genannt. Leutger ist der alte Namen -~Liutger~. Seifersdorf bei Dippoldiswalde, 1312 ~Syvirdisdorf~, führt -auf Siegfried, Röhrsdorf bei Chemnitz, urkundlich ~Rudigersdorf~ -auf Rüdiger, Hilbersdorf, um 1290 ~Hillebrandisdorf~ auf Hildebrand -und Dittersbach bei Frankenberg, ehemals ~Dyterychsbach~, auf den -vielberühmten Namen Dietrich. Die letzten fünf Namen finden sich -sämtlich in Volksepos der Nibelungen; ihnen ließe sich leicht eine -Reihe anderer erzgebirgischer Ortsnamen anfügen, in denen uns -Personennamen aus der ältesten Zeit unserer deutschen Geschichte -entgegentreten. - - Nach Prof. ~Dr.~ Göpfert. - - -28. Die Dörfer. - - -~a.~ Slawische Dörfer. - -Das slawische oder sorbenwendische Dorf, für dessen Anlage noch -zahlreiche Beispiele nördlich vom Erzgebirgsfuße zu finden sind, bildet -ein geschlossenes Ganze und bestätigt schon in seiner äußeren Form und -seinem Grundrisse die Verbindung des Gemeindewesens. Die vorwiegende -Form, gewissermaßen die Urgestalt des altslawischen Dorfes, ist die -+Kreisform+. Die sämtlichen Höfe desselben liegen aneinandergeschlossen -in einem Kreise, und nur ein Eingang führt in das Innere des Dorfes; -während die äußere Umfassung von Hecken oder Lehmwänden gewissermaßen -die erste Verteidigungslinie bildet. In der Mitte des Dorfes liegt -in der Regel ein Teich. Ein von Linden umfaßter Platz bildet die -Stätte der Gemeindeversammlungen und Beratungen. Häufig ist eine -kleine Kapelle neben demselben; während die Kirche in der Reihe der -Höfe liegt. Man kann für diese Dorfform noch zahlreiche Beispiele -sorbenwendischen Ursprungs auf dem unteren Rande und am Fuße des -Erzgebirgsabhanges nachweisen, häufig selbst da, wo die ursprüngliche -Form durch das Anwachsen des Ortes schon bedeutend verändert ist. Auf -dem eigentlichen Gebirgsabhange kommen sie über 250 ~m~ Meereshöhe -nicht mehr vor. - -Als oberster Grundsatz allen Besitzes galt, daß die ganze Feldmark -des Dorfes an Äckern, Wiesen, Weiden, Waldung, Umland und Wüstungen, -Bächen, Teichen u. s. w. der Gemeinde als Gesamtbesitz angehörte -und daß der einzelne Hofbesitzer nur als Mitglied der Gemeinde -gewissermaßen den Nießbrauch eines entsprechenden Teiles des -Gesamtbesitzes hatte. - - Nach M. v. Süßmilch. - - -~b.~ Deutsche Dörfer. - -Anders als bei dem slawischen war es bei der Anlage der deutschen -Dörfer im Waldgebiete. Hier wurde das Gesamtgebiet des anzulegenden -Dorfes in so viele Teile geteilt, als Höfe gegründet werden sollten, -und der dieser Zahl entsprechende Raum in so viele geschlossene -aneinander stoßende Hufen zerlegt, als die Dorfgemeinde Höfe -zählen sollte. Daher bildeten die mit dem Gehöfte besetzten Hufe -ein geschlossenes Ganze. Garten, Feld, Wiese, Wald reihten sich im -Zusammenhange aneinander, wenn auch die Reihenfolge dieser Teile des -Ganzen in den einzelnen Fällen eine verschiedene war. - -In der Regel wurden die einzelnen Höfe innerhalb der Gemeindeflur -+längs des Hauptweges+ mit entsprechendem Abstande aneinander gereiht. -Da die Niederlassung vorwiegend in breiteren Thalmulden erfolgte, so -wurde auf jeder Seite des Wasserlaufes in entsprechender Höhe über -der Thalsohle ein Hauptweg geführt, längs dessen die Höfe erbaut -wurden. Bei dieser Art von Ansiedelungen in den Thälern, wie sie im -Erzgebirge die vorwiegende ist, lagen innerhalb der Waldungen, welche -die verschiedene Thalgebiete trennenden Höhenrückenzüge bedeckten, die -Grenzlinien zwischen den in gleicher oder ähnlicher Weise angeordneten -Nachbargemeinden. - -Ein jeder der Höfe lag in seinem ein unzertrenntes Ganze bildenden -Besitz. In der mehr oder weniger breiten Sohle der Thäler waren die -Wiesen, weiter oben auf dem Abhange und dessen weniger steiler Fläche -das Ackerfeld und auf dem Rande zwischen beiden der Hof mit seinen -Gebäuden und dem Garten. Weiter aufwärts lagen die Hutungen und oben -auf der Höhe der Wald. - -Diese Art der Hufenteilung ist die im Erzgebirge bei seiner Besiedelung -vorwiegende gewesen. Weniger gebräuchlich, aber doch auch vorkommend, -ist die z. B. in Thüringen vorherrschende, mit der slawischen oder -sorbenwendischen Hufeneinteilung im Grundgedanken übereinstimmende -Hufengattung, bei welcher die Hufe aus einer großen Anzahl einzelner -Ackerstücke besteht, welche durch die Feldflur der Dorfgemeinde -verstreut liegen. Das gesamte Pflugland wird in eine Anzahl von -Vierecken dergestalt geteilt, daß der Boden eines jeden dieser Vierecke -von möglichst gleicher Beschaffenheit ist. Nun wird ein jedes dieser -Vierecke in so viele Streifen oder Gewende zerlegt, als die Flur Hufen -oder Höfe zählt, sodaß eine Hufe wie die andere aus ganz gleichen -Teilen zusammengesetzt ist. - -Die Wiesen werden auch bei dieser Hufengattung besonders verteilt. In -der Regel erhielt eine jede Hufe Wiesenanteile in den drei schon im -frühesten Mittelalter unterschiedenen Wiesenlagen, und zwar Thal- oder -Bewässerungswiesen, Wiesen an den Hängen oder Thalhängen und Berg- oder -Höhenwiesen. Jede aus dieser Hufengattung bestehende Dorfflur bildet -ebenfalls ein geschlossenes Ganzes; die Hufe ist sogar vollständig -abgeschlossen, wie bei der ersten Hufengattung: denn jedes neugerodete -Stück Land liegt außerhalb der Hufe. Daher kommen neben der Hufe häufig -noch einzelne Äcker vor, besonders dann, wenn der Wald ursprünglich -geschlossenes Gemeindeeigentum war. -- Die zu dieser Hufengattung -gehörigen Hoferaithen liegen stets zu einem geschlossenen Dorfe -vereinigt beisammen. - -Für die große Mehrzahl aller Dörfer im Erzgebirge, wenigstens soweit -sie mit Ackerbau und Viehzucht in Verbindung stehen oder wenigstens in -Verbindung gestanden haben, kann man die Ansiedelung der Dorfgemeinde -im ganzen als die Regel annehmen. Dies schließt jedoch nicht aus, daß -eine kleine Ansiedelung durch Zuzug einer geschlossenen Menge neuer -Ansiedler mit einem Male oder durch allmählichen Zuwachs nach und nach -im Laufe der Jahrhunderte wesentlich vergrößert worden ist. - - Nach M. v. Süßmilch. - - -~c.~ Reste der sorbischwendischen Sprache. - -Noch heuzutage sind auf dem Abhange des Erzgebirges mancherlei Wörter -und Bezeichnungen inmitten einer vollkommen deutsch erscheinenden -Bevölkerung gebräuchlich, welche auf sorbenwendischen Ursprung -zurückweisen. In der bergmännischen Sprache begegnen wir den Wörtern -»Halde« für eine Aufschüttung von Gesteinen, was auf ~halda~ = -der Weiler führt; »Perl«, der Breithammer, auf ~perlik~; »Kaue«, -das Stollenhaus, auf ~kavna~ = die Hütte; »Tscherper«, das Messer -der Bergleute, auf ~serp~ = die Sichel; »Nusche«, das schlechte -Messer (auch Kutternusche), auf ~nuz~ = das Messerchen; »Schragen«, -Holzschragen, ein bestimmtes Maß Holz auf ~srak~ = das Gestell (zum -Messen des Holzes); »Bähnert«, ein runder Korb, auf ~bane~ = der -Flechtkorb. Unter anderen Benennungen deuten »Latschen«, schlechte -oder geringe Schuhe, auf ~hlacice~ = Strümpfe; »Hütsche« auf ~hecna~ = -die niedere Bank; »Hurkel« auf ~hurka~ = der Hügel, Buckel; »Zieche« -auf ~cicha~ = der Bettüberzug. Ferner »Schlottig« auf ~slota~ = -Lumpengesindel; »Klike«, die Gesellschaft, auf ~klika~ = das Gespann, -Joch; »Schmant« auf ~smanta~ = Schmutz; ferner weist »Wischka« auf -~miska~ = der Eber; »Kunzen« auf ~cunce~ = das männliche Spanferkel. -An Orts- und Richtungsbezeichnungen und dergl. kann man aufführen: -»Nische« von ~nize~ = schrägüber; »lätsch« von ~lezny~ = falsch; -»quatsch« von ~kvaz~ = das Gekrächze; »pritsch« von ~pric~ = fort; -dergleichen an Zeitwörtern »hätscheln« von ~hejckám~ = auf dem Arme -schaukeln; »bischen«, das Kind auf dem Arme tragen und einsingen, von -~pisenka~ = das Lied; »dahlen« von ~dal~ = weitläufig (sprechen); -»tatschen« von ~tacim~ = im Kreise drehen (mit seiner Rede); »pesteln« -von ~pestam~ = vorsorgen, pflegen; »pitzeln« von ~piclam~ = mit -stumpfem Messer schneiden; »anfuzen«, jemand grob anreden, von ~fucim~ -= sausen; »balzen« von ~palcivy~ = hitzig sein; »Husche« von ~husa~ -(Hus) = Gans; »Kaluppe« oder Schaluppe (schlechte Hütte) von ~chalupa~ -= Hütte; »paddeln« von ~padlám~ = in der Erde wühlen; »pomäle« -(behaglich, bequem) von ~pomalu~ = langsam; »ketscheln« von ~kecam~ = -spritzen, sudeln, besudeln u. a. - - Nach ~Dr.~ Göpfert u. M. v. Süßmilch. - - -29. Einzelansiedelungen im Obererzgebirge. - -Der Einzelansiedler hatte vollständig freie Hand, sich anzubauen, -wo es ihm gefiel. Da gab es bis in die neueste Zeit Einzelhäuser im -Walde und Einzelgehöfte vor dem Walde und an dessen Rande, ungerechnet -die zahlreichen Mühlen, welche einsam an den Wasserläufen und in den -prächtigsten Thalstrecken entlang verstreut liegen. Die verschiedenen -Häusergruppen auf dem Gebirgszuge zwischen Freiberg und Brand, die -Höfe von Drachenwald und Neusorge, die Gehöfte und Häusergruppen -»Auf dem Gebirge« bei Marienberg, die verschiedenen Vorwerke bei -Ehrenfriedersdorf und Geyer, sowie im Nordosten von Annaberg und -im Norden von Buchholz, die Höfe am Bärenstein, die Vorwerke bei -Oberwiesenthal, die Berghäuser bei Unterwiesenthal, die Tellerhäuser -bei Oberwiesenthal, die verschiedenen Vorwerke bei Schwarzenberg, -Brünnlaß am Gleesberge, die Sonnenwirbelhäuser, die Unruhe, die -Spitzberghäuser, die Försterhäuser und andere geben sämtlich Beispiele -für die Einzelansiedelungen, sei es als Jäger, Wilddieb, Kohlenbrenner, -Bergmann, Viehzüchter und Ackerbauer. - - Nach M. v. Süßmilch. - - -30. Die Bauart des Erzgebirgshauses. - -Das für das Erzgebirge eigentümliche Wohnhaus ist das Blockhaus. Das -ursprüngliche Blockhaus ist allerdings nur noch in mäßiger Anzahl zu -finden, da bei allen neuen Bauten die gesteigerten Holzpreise, sowie -staatliche und örtliche Bauvorschriften die Errichtung von wirklichen -Blockhäusern verbieten. Das Blockhaus, wie man es in der ursprünglichen -Bauweise an einzelnen Stellen noch vortrefflich erhalten findet, und -zwar für eine Familie, ist die Grundform für alle Hausbauten auf dem -Gebirge. - -Auf einem Viereck von großen Steinen in Trockenmauer, seltener in Lehm- -oder Kalkbau, steht das aus zweikantig beschlagenen, auf den beiden -übrigen Seiten nur geschälten Balken errichtete Haus. Die Balken liegen -wagerecht; ihre Enden sind über einander geschnitten und ragen etwa -eine Hand breit vor. Die Balken waren 30 bis 35 ~cm~ starke Bohlen, und -man fügte dieselben zwischen stehende Säulen von 30 ~cm~ Stärke. Für -Thüre und Fenster sind entsprechende Öffnungen gelassen. Die inneren -Zwischenwände sind ebenfalls Blockwände. Nur zur Aufnahme der Esse und -Abgrenzung einer kleinen, schwarzberußten Sommerküche ist Mauerwerk -von mehr oder weniger hart gebrannten Ziegeln aufgeführt. Die Fugen -zwischen den Balken sind mit Moos, Erde oder Lehm ausgestopft und das -Innere ist mit Kalkfarbe gestrichen, bei wohlhäbigeren Bauten aber mit -Holzverkleidung bedeckt. Die Stuben- und Kammerdecke ist mit Brettern -zwischen den Balken verschlagen; die Fenster sind mit Läden versehen. -Die Holzverkleidungen sind meist in Felder geteilt; aber eigentliche -Holzschnitzereien sind nirgends zu treffen. Zunächst der kleinen -Hausflur befindet sich eine ungefähr 5 ~m~ im Gevierte haltende Stube, -an dieser eine Kammer. In der Stube steht ein großer Kachelofen, in der -kleinen Küche ein Herd. Das zweiseitige, mit Schindeln gedeckte Dach -bildet ein gleichseitiges Dreieck über den niederen Außenwänden. Die -über das Dach wenig aufragende Esse ist von Lehmsteinen oder Ziegeln -gebaut, mit einer Holzverkleidung umfaßt und mit einem Wetter- und -Schneedache überdeckt. Zu dem Dachboden führt eine offene Stiege. Dem -Verlaufe der Ansiedelung entsprechend, liegen die Häuser vereinzelt, -mitten im Lande, am Wege oder in Gruppen über oder nebeneinander, am -Abhange oder auf dem Bergvorsprunge. - - Nach M. v. Süßmilch. - - -31. Der erzgebirgische Kirchenbau. - -Die Grundrisse der erzgebirgischen Kirchen verraten eine gemeinsame -Kunstanschauung. Die zu Annaberg besteht aus drei Schiffen, von welchen -das mittlere nur wenig breiter ist als die äußeren. Gegen Osten sind -drei aus dem Achteck gebildete Chorbauten angeordnet. Der Bau bildet im -übrigen ein Rechteck, welches etwa doppelt so lang als breit ist. - -Die Kirche zu Pirna entspricht der Annaberger fast völlig. In dieser -Planbildung sehen wir die ältere Schule jener Gegend; denn die Pirnaer -Kirche entstand seit 1504. Ihr Meister dürfte jener +Peter von Pirna+ -sein, von dem wir wissen, daß er vor +Jakob von Schweinfurt+ in -Annaberg baute. - -Diese Grundrißform war keine neue. Ihre Wahl war vielleicht durch -Jerusalem beeinflußt; dort stand die Abtei St. Anna, die im 12. -Jahrhunderte von den Kreuzfahrern über der Gruft der Großmutter Christi -errichtet worden war. Auch sie zeigt jene Form und war eine jener -Heilstätten, die damals kein Wallfahrer unberührt ließ. Schwerlich ist -aber die Annenkirche in Jerusalem allein maßgebend gewesen. Das Vorbild -der Teynkirche zu Prag und verwandter Bauten wirkte jedenfalls mit. -Das dortige Chor findet sich schon 1388 an der Moritzkirche zu Halle -wiederholt. - -Aber zwischen allen diesen Bauten und dem Annaberger besteht ein sehr -einschneidender Unterschied. Dort sind die Umfassungsmauern zwischen -die inneren Endungen der Strebepfeiler gestellt, sodaß diese nach -außen die Wandfläche gliedern; hier ist die Außenwand völlig glatt -gebildet, sind die Streben ganz nach innen gezogen. Ursprünglich -war die Hallenkirche geplant. Die folgenden Meister gingen erst -zur Emporenkirche über, wie in der Wolfgangskirche zu Schneeberg -und der Kirche zu Laun. Der Emporenumgang über den eingebauten -Kapellen erstreckte sich in Brüx nun auch über das Chor. Die reiche, -bildnerische Ausschmückung der Emporenbrüstungen, die feine Gliederung -der Pfeiler, die die Decke zu einem ganzen zusammenfassende Bildung -der sich durchdringenden Kurvenrippen, die Stellung der Kanzel -- alles -dies giebt solchen Kirchen im hohen Grade den Eindruck des Saalartigen, -des Gemeindebaues, der Predigtkirche, soweit dies bei gotischen -Formen überhaupt erreichbar ist. Ähnlich ist die Schneeberger Kirche -gestaltet. Schon hielt man hier nicht mehr für nötig, dem Mittelschiffe -einen chorartigen Abschluß zu geben. Der Altar steht frei vor der -ringsumlaufenden, den Eindruck des Raumes künstlerisch beherrschenden -Empore. Diese Form war entlehnt von der Marienkirche zu Zwickau, welche -1465--1475 erbaut wurde. - -In der Kirche zu Oederan aber, wie in jenen zu Penig und Geithain -und sämtlichen kleineren Orten des Erzgebirges, ließ man auch die -Pfeiler als Dachstützen fort und schuf lediglich den von den Emporen -umgebenen Saal, an den das Chor als etwas Selbständiges sich anlegt. -Am entschiedensten und merkwürdigsten zeigt sich die neue Richtung an -der Kirche zu Joachimsthal, die erst nach dem Beginne der lutherischen -Reformation angelegt wurde. Die böhmische Bergstadt ist in vielen -Beziehungen eine Tochter Annabergs. Die ganze Anlage der Kirche ist -sehr nüchtern. Sie ist durchaus protestantisch, durchaus zweckmäßig, -durchaus im bewußten Gegensatze zu der Altarkirche des alten Glaubens -errichtet, sodaß hier dem Katholizismus ernste Schwierigkeiten -erwuchsen, als er den Bau für seinen Gottesdienst einrichten ließ. - -War also das Aufgeben der malerisch reizvollen Grundrißformen der -Gotik zu Gunsten einer möglichst klaren, einheitlichen Raumgestaltung -ein Werk des Bestrebens, Predigt- und Gemeindekirchen zu schaffen, so -zeigt sich dies auch in der Pfeilerbildung. Die Pfeiler wurden nun -fast notwendige Übel. Man bildete sie deshalb so einfach als möglich -und suchte einen Stolz darin, die Zahl der Stützen unter den Gewölben -thunlichst zu beschränken. In Schneeberg ist die sehr nüchterne Führung -der Gewölblinien in allen drei Schiffen dieselbe; in Laun tritt eine -Eigentümlichkeit der Spätzeit der Gotik auf, nämlich die, daß die -Rippennetze aus Bogen gebildet sind, eine Erscheinung, die sich in -Brüx, am Hauptchor in Pirna, am Chor der Stadtkirche zu Lommatzsch -und an der Annaberger Kirche wiederholt. Diese Formen finden sich -auch wieder am Wradislavsaale des Schlosses auf dem Hradschin und -in dem erst durch +Jakob von Schweinfurt+ errichteten Wappensaale -der Albrechtsburg in Meißen. -- Von besonderer Wichtigkeit ist, zu -sehen, wie die Baumeister sich den Emporen gegenüber verhielten. Man -errichtete neben den Pfeilern des Mittelschiffes der alten Kirche -die neuen, schwächeren Pfeiler, spannte die Gewölbe ein und konnte -dann die alte Kirche aus dem Innern der neuen entfernen. So geschah -es in Annaberg. In Annaberg entwickelte sich der Emporenbau nur -schrittweise; der älteste Teil ist die »Musika«, die Orgelempore. In -der Marienberger Kirche (1558--1564 erbaut) liegt die Sakristei hinter -der Empore, welche den ganzen Bau umzieht. Das Chor als solches ist -ganz aus dem Plane gestrichen. In der Bergkirche zu Annaberg ruhen die -Emporen auf Säulen und ziehen sich ringsum. Jemehr die Strebepfeiler -nach innen rückten, desto ungegliederter wurde das Äußere. In Laun, -Freiberg, Schneeberg, Oederan, Buchholz erscheinen die Streben als -mehr oder minder schwache Wandstreifen. In Brüx und Annaberg sind die -Umfassungswände ebenso glatt wie an den meisten Schloßkapellen. Die Art -der Gotik ist umgewendet. - -Während an dem Dome zu Köln, wie an den großen französischen Kirchen -eine gewaltige Zahl von Nebenkapellen, Strebepfeilern und Bogen, -Fialen, Brüstungen und Wimpergen sich äußerlich zeigt, die ein -schmales, schlank aufsteigendes Mittelschiff als eigentlichen Hauptraum -der Kirche umrahmen, erscheint hier ein äußerlich schmuckloser, ganz -nach innen gekehrter Hallenbau; während dort das Ganze in seinen -zahlreichen Teilen, seinen verschiedenen Schiffen und Kapellen dem -Wesen der Heiligen-, Klerikerkirche entspricht, ist hier der Predigtbau -bei allem Bauaufwande doch in seiner zweckdienlichen Einfachheit -ausgebildet, ein durchaus neues, zwar aus der Gotik entwickeltes, aber -keineswegs mehr mittelalterliches Werk geschaffen. - -Licht! lautet eine Grundforderung der erzgebirgischen Bauten. Die -Meister der erzgebirgischen Predigtkirche fanden auch statt der -Abteilung des Baues in verschieden heilige Teile eine einheitliche -Form durch unbefangene Ausgestaltung der Forderungen des neuen -Gottesdienstes. - - Nach Gurlitt. - - -32. Die Wappen der Erzgebirgsstädte. - -Es ist lehrreich, die Städtewappen des Erzgebirges zu vergleichen. -Dieselben trennen sich in zwei große Gruppen: in die Wappen der Städte, -welche vor 1500 bestanden, und in die der Städte, welche nach 1500 -gegründet wurden. Diese letzteren sind alles Bergstädte, wie auch ihre -Bergmannswappen bezeugen. - -Der größte Teil der alten Städte führt eine Stadtmauer mit Thor und -Türmen als Beleg ihrer Wehrhaftigkeit im Wappen. Diese Städte sind -sämtlich im 13. Jahrhundert, jedenfalls zu Anfang desselben, wo nicht -schon früher, am Ausgang des 12. Jahrhunderts, gegründet worden. So -haben Colditz, Leisnig, Döbeln, die drei alten Städte vor dem Fuße -des Erzgebirges, eine Mauer mit offenem Thor, Döbeln sogar drei, und -drei Türme. Colditz hat über dem mittelsten Turme einen Schild mit dem -Meißener Löwen, Leisnig vor dem Thore den Wappenschild der Burggrafen -von Leisnig. Freiberg führt eine Mauer mit Thor und drei Türmen, -vor dem Thore den Schild mit dem Meißener Löwen; Lößnitz eine Mauer -mit drei Türmen, vor deren mittelsten den Schild der Burggrafen von -Meißen; Elterlein eine Mauer mit Thor und zwei Türmen, rechts oben an -der Mauer den Schild der Burggrafen von Meißen mit dem Andreaskreuz, -links oben den Schild der Grafen von Schönburg mit seinen zwei roten -Schrägstreifen. Wolkenstein führt eine Mauer mit offenem Thor und drei -Türmen, auf dem rechten bläst der Wächter ins Horn. Später hat man -das Wappen durch zwei zwischen die Türme gesetzte Schilderhäuschen -verunziert. Frankenberg hat eine Mauer mit Thor und zwei Türmen, -zwischen denen eine Jungfrau mit Kranz steht. Kirchberg, sowie Zschopau -hat eine Mauer mit Thor und drei Türmen; Chemnitz ebenfalls, an dem -mittelsten Turme jedoch den Schild mit dem Reichsadler. Öderan hat eine -Mauer mit Thor und zwei Türmen, zwischen denen sich ein Wagenrad als -Wahrzeichen der Heerstraße befindet. Die uralte Stadt Sayda hat nur den -Schönburgschen Löwen. - -Die Ansiedelung im Waldgebiete bezeugen die Wappen von Geringswalde -oder Gerungiswalde, eine Tanne, an welcher sich ein Eber reibt, von -Grünhain mit drei Tannen, vor welchen ein Auerhahn steht. Hainichen -führt zwei umgeschlagene Tannen, auf dem einen Zweige sitzt ein -Vogel. Nossen hat drei große Bäume, zwischen denen ein Turm steht. -Dippoldiswalde zeigt zwei gekreuzte Eichen und das Brustbild eines -Mannes mit Bart. Zöblitz führt einen Bärenkopf in goldenem Schilde. - -Die Wappen von Dohna und Frauenstein haben keine geschichtlichen -Beziehungen; ebensowenig das am Rathause von Geyer 1496 angebrachte -Stadtwappen mit den drei Geiersköpfen. - -Ein uraltes, redendes Bergmannswappen führt Eibenstock, nämlich Rechen -und Radehaue als Wahrzeichen des Zinnseifens. - -Die Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts gegründeten Bergstädte -Altenberg, Schneeberg, Aue, Annaberg, Buchholz, Sebastiansberg, -Marienberg, Scheibenberg, Oberwiesenthal, Sonneberg, Kupferberg, -Gottesgab, Platten, Jöhstadt, sowie das weit später gegründete -Johanngeorgenstadt führen sämtlich Bergmannswappen mit Schlägel -und Eisen, Hacken, Hauen, Keilen u. a. mit Heiligen- oder anderen -Schmuckbildern oder ohne solche. - - Nach M. v. Süßmilch. - - -33. Uralte Verkehrswege im Erzgebirge. - -Die ersten Pfadmacher in den unwirtlichen, waldigen Schluchten und -Bergen unseres Gebirges sind jene großen Säugetiere gewesen, welche -in alter Zeit zahlreich unsere Gegenden durchstreiften. Die ersten, -die Wege herstellten, sind slavische Ansiedler gewesen. Es entstanden -eine Reihe von Burgen und Grenzfestungen, welche teils zum Schutz -der Straßen dienten, teils aber wohl auch allerlei Raubgesindel -Unterschlupf gewährten. So hören wir schon aus dem Jahre 968 von der -Burg Schellenberg, weiter von Rauenstein, Nieder- und Oberlauterstein, -Purschenstein, Sayda, Scharfenstein, Wolkenstein, Tannenberg, Stein, -Hartenstein, Schlettau, Schwarzenberg. Ums Jahr 923 wird bereits die -Burg Wildeck erwähnt, von deren Vorhandensein heute noch der Berchfrit, -der einen wesentlichen Bestandteil des Schlosses in Zschopau bildet, -Zeugnis ablegt. Ebenso soll bei Rittersgrün und Rübenau eine Burg -gestanden haben. Rauenstein wird zuerst urkundlich 1289 erwähnt, -Niederlauterstein 1315, während Sayda und Purschenstein im Jahre -1240 aus böhmischem in sächsischen Besitz kamen und Scharfenstein, -Wolkenstein und Schlettau im 12. Jahrhundert entstanden sein dürften. -Von der Burg Tannenberg, von der nur noch der bekannte alte viereckige -Turm übrig geblieben ist, wird in zeitgenössischen Quellen nichts -erwähnt. Alle diese Burgen lagen in der Nähe der großen Straßen, welche -am Gebirge entlang oder über dasselbe führten. Da ist zunächst die -alte Frankenstraße, welche vom Vogtlande durch das niedere Erzgebirge -nach Osten ging und von Plauen aus Reichenbach, Zwickau, Lichtenstein, -Chemnitz, Flöha und Freiberg berührte. Hier teilte sich die Straße, -indem die obere über Wilsdruff, die untere über Bobritzsch nach Dresden -führte. Parallel zu ihr hatte schon frühzeitig eine große Handelsstraße -im Egerthale Bedeutung, welche von Eger über Falkenau, Karlsbad, Kaden, -Komotau, Brüx nach Aussig lief. In die ersterwähnte Frankenstraße -mündeten von Norden mehrere Straßenzüge ein. So kreuzten dieselbe -in Plauen und Zwickau Straßen von Leipzig, welch letztere sich über -Kloster Grünhain, das ja früh schon mit Zwickau in enger Verbindung -stand, Elterlein, Schlettau nach Böhmen zog. Eine dritte Straße von -Leipzig fand in Chemnitz Anschluß an die Frankenstraße, welche von hier -aus nach dem Egerthale weiterführte. Ob diese Straße Karl der Große -bei seinem Zug nach Böhmen im Jahre 805 und Heinrich II. im Jahre 1004 -benutzte, ist nicht genau festzustellen, aber nicht ausgeschlossen. -Die Straße ist in ihrem Vorhandensein bis Zschopau urkundlich -festgestellt, wie sie weiter verlief, ist nicht genau bekannt. Andere -Straßen führten von Zöblitz über Rübenau nach Görkau, von Marienberg -über Reitzenhain, Bastelberg (Sebastiansberg) nach Komotau, von -Zschopau über Mildenau, Jöhstadt nach Preßnitz. Auch Kühberg war schon -frühzeitig ein wichtiger Straßenpunkt. Alle diese Straßen dienten nicht -nur friedlichen Zwecken, oft sind Kriegsheere auf ihnen hin gezogen -und haben sich plündernd in die nächsten Marken ergossen. Ferner -wird Wolkenstein als an einer Straße nach Preßnitz liegend erwähnt, -welche vielleicht von Wolkenstein nach Chemnitz über Erfenschlag ging. -Christian Lehmann gedenkt auch eines Weges nach Satzung. Von der -Frankenstraße zweigte in Oederan die sogenannte alte Salzstraße nach -Süden ab, welche Freiberg und Sayda berührte und in Brüx Anschluß an -die nordböhmische Handelsstraße fand. Sayda war schon 1210 eine Zoll- -und Gerichtsstätte und das nahe gelegene Schloß Purschenstein findet -schon 1213 Erwähnung. Eine andere Straße ging schon in alter Zeit von -Freiberg über Frauenstein nach Teplitz. Freilich waren dies alles nicht -Straßen im heutigen Sinne, sie folgten meist weder den Höhenzügen, noch -den Thälern, sondern gingen bergauf, bergab, wie gerade das Gebiet -es ergab. Infolgedessen waren die Wege sehr beschwerlich, und die -Gefahren, die sie an sich boten, wurden noch durch die Unsicherheit -vermehrt, die durch allerlei Räuber und Buschklepper entstand. So blieb -es bis in das 15. Jahrhundert. Allmählich wurden die Straßen besser, -sie wurden vermessen und ordentlich in Stand gehalten, bis aus ihnen -die prächtigen Kunststraßen wurden, deren wir uns heute erfreuen. - - Nach ~Dr.~ Simon. - - -34. Die Pässe des Erzgebirges. - -Die größeren Städte und Verkehrsmittelpunkte am Fuße des höheren -Erzgebirges verdanken ihre Entstehung nicht den Verkehrsstraßen. Es -haben vielmehr die Städte, die ursprünglich Mittelpunkte der Kultur -fruchtbarer Landstriche oder ergiebiger Bergbaugebiete waren, mit -der Zeit bewirkt, daß sich aus der Fülle möglicher Straßen bestimmte -Gruppen ausschieden. - -Über den Kamm des Erzgebirges bestanden schon sehr früh verschiedene -Übergangspunkte. So bestand ein wichtiger Gebirgsübergang des Passes -von Dohna am Mückenberge. Der Name des »Langenbrückeberges« bei -Häselich scheint darauf hinzuweisen, daß sumpfige Strecken durch -Knüppeldämme wegsam gemacht waren. Die Pirnaer Straße kreuzte das -Gottleubathal und erreichte Nollendorf. Die Straßen bestanden, bevor -Dresden 1455 das Niederlagsrecht für die nach Böhmen gehenden Güter -erhalten hatte. Freiberg ist ebenfalls jünger als die Gebirgsübergänge -im Quellgebiete der östlichen Mulde und Flöha. Der Verkehr zog sich -hier über den Paß von Sayda. Diese auf dem hohen Gebirge gelegene -Stadt mußte als ein Ruhepunkt und wahrscheinlich auch als ehemalige -Grenz- und Zollstätte einzig durch die Straße nach Böhmen an Bedeutung -gewinnen. Übergangspunkte von Chemnitzer Straßen waren die Pässe von -Reitzenhain und Preßnitz. Es gab noch eine Anzahl Straßen, in der sich -die Chemnitzer Straße fächerartig spaltete. - -Während im östlichen Gebirge auf böhmischer Seite die Stadt Teplitz -einen Teil der Straßen auf sich lenkte, fehlte nach Westen ein solcher -Mittelpunkt. So überschritten die von Chemnitz kommenden und nach -Prag Reisenden die Eger an einem andern Punkte als die, welche das -restliche Böhmen besuchten. Die Prager Straße lief über Reitzenhain -und überschritt bei Saaz oder Bostelberg die Eger, der westliche Paß -dagegen, der von Preßnitz, führte auf Kaaden. - -Das westliche Erzgebirge haben immer nachbarliche Beziehungen mit -Böhmen verbunden. Wenn auch infolge der Silberfunde von Annaberg, -Joachimsthal, Schneeberg und Marienberg und dem Anwachsen der Einwohner -neue Straßen entstanden, so hat sich die Zahl der eigentlichen Pässe -nicht vermehrt, da der Abfluß des Silbers nach Norden in die Münze -des Landesherrn stattfand und so der Austausch der Waren auch dorthin -wies. Jedoch hat es weder vor noch nach der Blütezeit des Bergbaues -ganz an Verkehrsstraßen über das Gebirge gefehlt. So führte eine -solche von Zwickau über Eibenstock, Wildenthal, Sauersack, Frühbuß -und Schönlind. Eine Ablenkung von dieser Richtung von Wildenthal über -Johanngeorgenstadt, Platten und Bäringen nach Karlsbad ist erst durch -Aufblühen Johanngeorgenstadts veranlaßt worden. - -Von Zwickau führte außerdem eine Straße über Lindenau, Zschorlau, -Bockau und Konradswiese nach Schwarzenberg und spaltete sich hier -in zwei Linien, deren eine über Bermsgrün, Crandorf, Breitenbrunn, -Wittigsthal, Platten und Bäringen sich nach Karlsbad wandte, die -andere dagegen den Paß aufsuchte, der dem Chemnitzer Straßenzuge -angehörte, also die Ortschaften Grünstädtel, Raschau, Crottendorf, -Cranzahl, Pleil, Preßnitz berührte. Karlsbad als Endpunkt der Zwickauer -Straßenzüge kommt erst seit dem Aufblühen der Stadt nach 1347 in -Betracht, vorher dürften Elbogen oder Falkenau die Straßenausgänge -beherrscht haben. - -Die Pässe des Erzgebirges werden nur in Einzelheiten durch das Gelände -bestimmt. Die Flußthäler werden im Gebirge sorgfältig vermieden. Die -Eisenbahnen dringen meist bis zum Kamme in den Thälern vor. Die alten -Straßen teilen sich auf dem Kamme gewöhnlich in mehrere Züge. Sie sind -vom Verkehr zäh festgehalten worden. - - Nach Prof. ~Dr.~ Schurtz. - - -35. Die Verkehrswege. - - -~a.~ Die obererzgebirgischen Eisenbahnen. - -Ihrer Eröffnungszeit nach durchziehen das Obererzgebirge zur -Zeit folgende Eisenbahnlinien: seit 1858 Zwickau-Schwarzenberg, -1859 Niederschlema-Schneeberg, 1866 Chemnitz-Annaberg, 1872 -Annaberg-Weipert, 1875 Flöha-Reitzenhain mit Pockau-Olbernhau, -Chemnitz-Aue-Adorf, 1883 Schwarzenberg-Johanngeorgenstadt, 1886 -Wilischthal-Ehrenfriedersdorf, Thum-Herold, 1888 Schönfeld-Geyer, -1889 Buchholz-Schwarzenberg mit Zweigbahn nach Obercrottendorf und -Oberrittersgrün, Zwönitz-Stollberg, 1892 Wolkenstein-Jöhstadt, 1897 -Wilzschhaus-Carlsfeld, Mulda-Sayda, Cranzahl-Oberwiesenthal. -- Auf -böhmischer Seite sind folgende Linien zu merken: 1872 Komotau-Weipert, -1875 Krima-Reitzenhain, 1899 Johanngeorgenstadt-Neudeck. - -Die Eisenbahnlinie -Zwickau-Glauchau-Chemnitz-Flöha-Freiberg-Hainsberg-Dresden ist -die Hauptlinie, an welche sich fast sämtliche erzgebirgische -Eisenbahnlinien anschließen. - -Längs des Südfußes des Gebirges führt die Linie Tellnitz-Ossegg-Komotau -und Komotau-Karlsbad-Falkenau hin. - - -~b.~ Die alten Postsäulen. - -Wenn in der alten guten Zeit jemand eine größere Reise unternahm, so -machte er wohl sein Testament, versammelte seine Familie um sich und -nahm rührend Abschied. Dann vertraute er sich dem Postillon an, der -ihm die anstrengende Fahrt durch die lustigen Weisen seinem Hornes -etwas angenehmer machte. An größeren Haltestellen besichtigten die -Reisenden die in der Nähe der Postmeisterei aufgestellten +Postsäulen+, -welche in Stein geschriebene Auskunft erteilten. Sie waren Spitzsäulen, -auf deren Seiten die Orte der Poststraße samt Entfernungszahl in -Meilen eingetragen waren. Viele solcher Säulen sind unter +August dem -Starken+ errichtet worden. Sie trugen das kurfürstlich sächsische und -königlich polnische Wappen. Manchenorts trifft man noch diese Reste -einer guten alten Zeit, über welche die Gegenwart mit Unrecht bei ihren -Verkehrserleichterungen lächelt. - -Diese Säulen sind gewissermaßen Denkmale für die frühere Bedeutung der -Orte als Verkehrshauptpunkte. - - Nach dem Glückauf. - - -36. Die Bevölkerung des Obererzgebirges sonst und jetzt. - -Die Einwohnerzahl erzgebirgischer Städte vor 100 Jahren unter Beifügung -der Ergebnisse der letzten Volkszählung im Jahre 1859 zeigt folgende -Zusammenstellung: - -Es zählten im Jahre - - 1796 1895 - - Einwohner Wohnhäuser Einwohner - - Annaberg 4500 600 15025 - Buchholz 1400 180 7989 - Ehrenfriedersdorf 1000 200 5123 - Eibenstock 2000 300 7216 - Elterlein 900 150 2105 - Geyer 1300 250 5764 - Grünhain 900 250 1813 - Jöhstadt 1300 200 2358 - Johanngeorgenstadt 3000 380 5313 - Lengefeld 1600 280 3431 - Marienberg 3000 600 6574 - Oberwiesenthal 1200 200 2031 - Scheibenberg 800 130 2567 - Schlettau 800 100 3175 - Schneeberg 4400 600 8284 - Schwarzenberg 1300 162 3738 - Stollberg 1600 400 7028 - Thum 1000 130 4134 - Wolkenstein 1200 200 2099 - Zöblitz 800 110 2386 - Zschopau 3700 550 6962 - Zwickau 5000 900 50391 - Zwönitz 1200 200 2925 - -Wie schnell die Bevölkerungszahl unserer sächsischen Städte gewachsen -ist, dürften folgende Ergebnisse der +Volkszählung aus dem Jahre -1830+ darthun. Vor 70 Jahren hatte Dresden 63000 Einwohner; Freiberg -10000; Chemnitz 16500; Zschopau 5000: Annaberg 4500; Buchholz 2000; -Ehrenfriedersdorf 2000; Elterlein 1750; Geyer 2650; Grünhain 1500; -Jöhstadt 1500; Johanngeorgenstadt 3000; Lengefeld 1200; Marienberg -3000; Oberwiesenthal 1800; Scheibenberg 1400; Schlettau 1180; -Schwarzenberg 1800; Thum 1150; Wolkenstein 1600; Zöblitz 1150; Leipzig -40000; Schneeberg 6200; Zwickau 5500; Zwönitz 1600; Plauen 6600; -Oelsnitz 3200 etc. - -Die Ergebnisse der +letzten Volkszählungen+ sind nach erfolgter -Zusammenstellung in Sachsen für die Stadtgemeinden bis zu 5000 -Einwohnern folgende: - - 1895 1890 - - Leipzig 399969 293525 - Dresden 336440 276085 - Chemnitz 161018 138955 - Plauen 55197 47008 - Zwickau 50391 44202 - Freiberg 29282 28954 - Zittau 28133 25394 - Glauchau 24885 23404 - Reichenbach 24411 21498 - Bautzen 23668 21517 - Crimmitschau 23554 19975 - Meerane 23003 22429 - Meißen 18828 17874 - Werdau 17356 16256 - Döbeln 15763 13890 - Wurzen 15674 14627 - Pirna 15672 13848 - Annaberg 15025 14959 - Mittweida 13451 11299 - Großenhain 12024 11946 - Frankenberg 11915 11369 - Riesa 11768 9389 - Oelsnitz 11557 9427 - Limbach 11429 11832 - Radeberg 10295 8739 - Oschatz 10012 9382 - Waldheim 9935 9215 - Grimma 9803 8935 - Löbau 8694 7522 - Aue 8415 6007 - Schneeberg 8284 8212 - Borna 8251 7485 - Sebnitz 8199 7956 - Auerbach 8133 7481 - Hainichen 8066 8258 - Roßwein 8062 7602 - Falkenstein 8004 7068 - Buchholz 7989 7812 - Kirchberg 7910 7729 - Leisnig 7761 7946 - Kamenz 7694 7748 - Netzschkau 7538 6585 - Hohenstein 7534 7549 - Mylau 7379 6354 - Markneukirchen 7270 6652 - Eibenstock 7216 7166 - Stollberg 7028 6937 - Zschopau 6962 7441 - Rochlitz 6847 6186 - Treuen 6784 6472 - Penig 6582 6560 - Marienberg 6574 6301 - Lichtenstein 6468 5837 - Burgstädt 6458 6693 - Bischofswerda 5969 5512 - Lößnitz 5902 5887 - Markranstädt 5879 4991 - Geyer 5764 5302 - Oederan 5516 5665 - Groitzsch 5451 5390 - Lengenfeld 5139 5213 - Ehrenfriedersdorf 5123 4599 - Colditz 5121 4681 - Johanngeorgenstadt 5113 5124 - Pegau 5084 5286 - - - - -Vierter Abschnitt. - -Die Kriegszeiten des Obererzgebirges. - - -37. Der Kriegszug Kaiser Heinrichs II. über das Erzgebirge. - -Von 999 bis 1002 regierte in Böhmen Herzog +Boleslaw III.+, Rothaar. -Dieser gab bei Antritt seiner Regierung Befehl, seine Brüder Jaromir -und Udalrich zu töten. Sie flohen hilfesuchend zu Kaiser Heinrich -II. Die Schwäche des Böhmenherzogs erkannte auch der Polenherzog -Boleslaw Chrobri, der, nachdem er früher schon Schlesien, Mähren und -die Slowakei erobert hatte, in Böhmen einrückte, Boleslaw entthronte -und seinen jüngsten Bruder zum Herzoge machte. Das war ein Tyrann -und Trunkenbold; er starb 1003. Nach ihm nötigte der Polenherzog den -Böhmen Rothaar wieder auf, welcher nun an seinen Feinden Rache nehmen -wollte. Am 10. Februar 1003 lud er die Vornehmsten des Reiches zu einer -Hoffestlichkeit ein, bei welcher er die Nichtsahnenden niedermetzeln -ließ. Das Volk rief den Polenherzog, der gern kam, Rothaar gefangen -nahm und ihn mit glühenden Blechen blenden ließ. Er starb in Polen in -der Gefangenschaft. Der Polenherzog kümmerte sich nicht um die Brüder -des Entthronten und dachte, ein großes Reich gegründet zu haben durch -die Vereinigung Polens und Böhmens. - -Da er nicht dem Kaiser huldigte, brach sofort der Reichskrieg gegen -Polen aus. - -Kaiser +Heinrich+, auch von den vertriebenen Prinzen gedrängt, ließ für -die Mitte August 1004 in Sachsen, Thüringen und Franken den Heerbann -nach Merseburg ausschreiben. Man glaubte, er werde in Polen einfallen, -er wandte sich aber plötzlich nach Süden und brach auf gänzlich -unbekanntem Wege über das Erzgebirge in Böhmen ein. - -Als man Boleslaw Chrobri bei einem Gastmahl nach Prag die Nachricht -brachte, sagte er in anbetracht der bekannten Wildheit, Unwegsamkeit -und der Sümpfe des Erzgebirges: »Ja, wenn sie Frösche wären, könnten -sie wohl da hereinkommen, so aber nicht.« - -Heinrich II. aber stand plötzlich vor Saaz, dessen polnische Besatzung -er mit Hilfe der Saazer selbst leicht bezwang. Er rückte gegen Prag -vor, das rasch erstürmt wurde. Jaromir ward auf Böhmens Thron erhoben. -Der kühne Zug Heinrichs über das Erzgebirge bleibt eine denkwürdige -geschichtliche That. - -Man nimmt an, daß der Kriegszug über Chemnitz, Zschopau, Zöblitz, -Göttersdorf, Görkau stattgefunden haben müsse. - -Chemnitz war eine kaiserliche Stadt, wo auch wie auf der Burg -Schellenberg kaiserliche Beamte und Vögte waren. Von dort aus trat -der Kaiser, der mit kundigen Führern versehen war, seinen für -damalige Zeit unerhörten Marsch durch die dichtesten Waldungen an, -rückte über Zschopau gegen Zöblitz, einen kleinen, von den Sorben -angelegten Weiler, vor. Von dort aus mögen einzelne Kühne bis zum -Kamme vorgedrungen sein, bis wohin Jäger wohl schon einen Pfad -nach Böhmen gebahnt hatten. Von solchen Führern unterstützt, muß -der kühne Kriegszug von Zöblitz über Beerhübel, Göttersdorf, einen -unzweifelhaft alten heidnischen Opferplatz, durchs »tiefe Thal« nach -Görkau stattgefunden haben. Da Kaiser Heinrich von einer Seite in -Böhmen einfallen wollte, wo noch nie zuvor ein Überfall geschehen war, -so mußte er vorher sorgfältige Erkundigungen einziehen, wo der Zug -durch den fast endlosen Wald am sichersten zu ermöglichen sein mochte. -Selbstverständlich mußte ihm von seinen Beamten in der kaiserlichen -Stadt Chemnitz, sowie dem Burgvogte von Schellenberg dieser Weg gegen -Böhmen genannt worden sein. - -Dieser Kriegszug war es, der Böhmen für die Dauer mit dem angrenzenden -Meißenerlande in Verbindung brachte, wodurch die alte bekannte Meißener -Straße entstand, die von Meißen über Natschung nach Böhmen, über den -Beerhübel nach Göttersdorf, durchs »tiefe Thal« nach Görkau und von da -über Buschenpelz nach Prag führte. Dieser Straßenzug verlor wieder an -Bedeutung nach Eröffnung der Straße über Reitzenhain und Sebastiansberg. - - Nach Fischer. - - -38. Raubritterunwesen im Obererzgebirge. - -Ein sächsischer Ritter, Dietrich von Vitzthum, beherbergte auf dem -uralten Schlosse zu Frauenstein eine Rotte von Raubgesindel und -würdigte sich zum Räuberhauptmann herab, indem er mit seinen Leuten, -größtenteils aus böhmischem Auswurf bestehend, am hellen Tage auf -Raub und Mord ausging und die ganze Gegend bis unter Freiberg, sowie -die Ortschaften, welche unter dem Kloster Altenzella standen, wie z. -B. Erbisdorf, Nossen u. s. w., unsicher machte. Da die Klagen über -den verwegenen Raubritter bis zum Kurfürsten von Sachsen drangen, so -sendete dieser, damals Friedrich der Sanftmütige, einen Truppenteil -nach Frauenstein. Die Räuber verteidigten sich tapfer; allein die -Soldaten belagerten das Schloß und erstürmten es nach blutigem Kampfe. -Das Raubschloß ging in Feuer auf und wurde zerstört bis auf zwei Türme, -die zum Teil heute noch stehen. Dietrich von Vitzthum wurde auf dem -Schloßhofe nach Urtel und Recht mit dem Schwert hingerichtet, die noch -lebenden Räuber aber wurden an den Bäumen des Waldes aufgehenkt. Dies -geschah im Dezember 1438. Die adelige Familie von Vitzthum warf aber -seit jener Zeit einen unvertilgbaren Haß auf den Kurfürsten, der später -eine Veranlassung zu dem verheerenden Bruderkrieg wurde. - - Nach Müller. - - -39. Der obererzgebirgische Schauplatz des Prinzenraubes. - - -~a.~ Altes Volkslied. - - Wir wollen ein Liedel heben an, - Was sich hat angespunnen, - Wie's in dem Meißnerlande gar schlecht war bestallt, - Als sein jungen Fürsten geschah groß Gewalt - Durch den Kunzen von Kaufungen, ja Kaufungen. - - Der Adler hat uf den Fels gebaut - Ein schönes Nest mit Jungen, - Und wie er einst war geflogen aus, - Holete ein Geier die jungen Vögel raus, - Drauf wards Nest leer gefungen, ja gefungen. - - Wo der Geier uf dem Dache sitzt, - Da trugen die Küchlein selten; - Es wären mein weele ein seltsam Narrenspiel, - Welcher Fürst sein Räten getrauet soviel, - Muß oft der Herrschaft entgelten, ja entgelten. - - Altenburg, du bist zwar eine feine Stadt, - Dich thät er mit Untreu meinen, - Da in dir waren all Hofleut rauschend voll, - Kam Kunze mit Leitern und Buben toll - Und holte die Fürsten so kleine, ja so kleine. - - Was blies Dich, Kunz, für Unlust an, - Da Du ins Schloß mir steigest, - Und stiehlst die zarten Herren raus - Als der Kurfürst aber war nicht zu Haus', - Die zarten Fürstenzweige, ja Fürstenzweige. - - Es war wohl als ein Wunderding, - Wie sich das Land beweget, - Was uf allen Straßen warn für Leut, - Die den Räubern nachfolgeten in Zeit, - Alles wibbelt, kribbelt, sich bereget, ja bereget. - - Im Walde dort ward Kunz ertappt, - Da wollt he Beeren naschen, - Were he in der Hast sacken fortgeritten, - Das ihm die Köhler nit geleppischt hätten, - Hett he sie kunt verpaschen, ja verpaschen. - - Aber sie wurden ihm wieder abgejagt - Und Kunz mit seinen Gesellen - Uf Grünhain in unsers Herrn Abt Gewalt - Gebracht und darnoch auch uf Zwickau gestalt, - Und mußten sich lan prellen, ja lan prellen. - - Davon fiel ab gar mancher Kopf, - Und keiner, der gefangen, - Kam aus der Haft ganzbeinigt davon; - Schwert, Rad, Zangen und Strick, die waren ihr Lohn, - Man sah die Rümper hangen, ja hangen. - - So geht's, wer wider die Obrigkeit - Sich unbesonnen empöret; - Wer es nicht meint, der schau an Kunzen, - Sein Kopf thu zu Freiberg noch herußen schwungen, - Und jedermann davon lehret, ja lehret. - - Gott thu der frommen Kurfürsten alls Guts - Und laß die jungen Herren - In keines Feindes Hand mehr also komm, - Geb auch der Frau Kurfürstin viel fromm, - Das sie sich in Ruhe vermehren, ja vermehren. - - Herder, Stimmen der Völker. - - -~b.~ Der Fürstenberg bei Grünhain. - - -1. Wie der Berg den Namen erhält. - -Der jetzige +Fürstenberg+ trug vor dem Prinzenraube 1455 den Namen -+Schmiedewald+, welcher von den Geyerschen Schmieden herrührt, die das -Holz darauf kauften und zu Kohlen brennen ließen. In Geyer war als -einer alten Bergstadt das Schmiedehandwerk zahlreich und wohlhabend. Am -Fürstenberge befanden sich Bergwerksgruben, so rechts von der Quelle -die Fürstenberger Fundgrube, die auch Eisenstein baute, links von der -Quelle Himmlisch Heer, der Frischglückstolln, der Mohrenstolln. Auf der -Spitze der Berge befand sich ein Marmorbruch, dessen Marmor zu Kalk -gebrannt wurde. - -Auf dem Schmiedewalde hauste der Köhler +Georg Schmidt+, als +Kunz von -Kaufungen+ mit dem geraubten Prinzen +Albrecht+ nahe der böhmischen -Grenze bei Schwarzenberg sich sicher fühlte und im Walde rastete. -Am Brunnen trank der Prinz. +Georg Schmidt+ gelang es, denselben zu -befreien und mit seinen Gehilfen die Räuber gefangen zu nehmen und nach -Grünhain ins Kloster zu bringen, wo der Abt +Liborius+ das weitere -besorgte. Seit diesem Ereignisse am Schmiedewalde führt der Berg den -Namen Fürstenberg. - - -2. Herzog Albrecht besucht seinen Befreiungsort. - -1480 besuchte Herzog Albrecht den Berg, um selbst an dem Orte seiner -Errettung der Vorsehung zu danken. Zu jener Zeit lebten zu +Elterlein+ -noch Urban Schmidt, sowie die Köhler Wiland und Fischer. Ersterer -war es, der als Köhlerbursche am Tage der Befreiung des Prinzen mit -Lebensmitteln aus Geyer kam und den alten Schmidt mit der Ursache -des Glockenstürmens bekannt machte; letztere halfen den Ritter Kunz -mit überwältigen. Diese drei Männer mußten Herzog Albrecht nach dem -Fürstenberge führen, um ihm daselbst den Ort seiner Befreiung zu -zeigen. Albrecht beschenkte seine schwarzen Führer reichlich, kam auch -nach Geyer und sah die zersprungene Glocke an. - - -~c.~ Wie das jetzige Brunnendenkmal geweiht wird. - -Am 8. Juli des Jahres 1822 fand auf dem Fürstenberge zwischen -+Grünhain+ und +Raschau+ eine merkwürdige Feier der hier am 8. Juli -1455 erfolgten Rettung des von Kunz von Kaufungen entführten Prinzen -Albrecht statt. - -An der Feierlichkeit der Weihe des errichteten Denkmals zur Erinnerung -an die schöne That des Köhlers Schmidt nahm die ganze Umgegend teil. -Die Schwarzenberger Bürgergarde marschierte schon vormittags 10 Uhr -auf den Platz. Mehr als 10000 Menschen drängten sich um die Pyramide -herum, erkletterten Bäume, erstiegen die Dächer der erbauten Buden. -Die Schützen von Crottendorf stellten sich auf dem Brunnenplatze -auf. Diesen folgten 230 Bergleute mit Fahnen und Bergmusik. Um 1 Uhr -donnerten Kanonen durch das Waldthal. Schon vorher waren Zwickauer -und Schneeberger Offiziere angekommen. Wie am 8. Juli des Jahres 1455 -in der Umgegend die Sturmglocken ertönten, um alles zur Rettung der -Prinzen aufzubieten, so ertönten jetzt die Glocken der benachbarten -Orte zum Dank- und Freudenfeste der Rettung für Erhaltung des -Fürstenhauses. - -Die Feier begann mit einem Weihelied und schloß mit einem solchen. -Die Predigt hielt Superintendent ~Dr.~ Lommatzsch aus Annaberg. Die -Sachsenhymne schloß die Feier. - -Das Denkmal hat die Gestalt einer Pyramide, die auf einem Sockel von -in Jaspis übergehenden braunrotem Thoneisenstein steht. Das Denkmal -ist aus Granit in 13 Stufen und bei Schwarzenberg gehauen. Das Ganze -umschließt an der Hinterseite eine steinerne Mauer, an der sich -Ruhebänke befinden und die in der Mitte das Denkmal mit dem in dessen -Sockel entspringenden Fürstenbrunnen einfaßt. - - -~d.~ Das Köhlerhaus am Fürstenbrunnen. - -Zur Beaufsichtigung des Denkmals und der dasselbe umgebenden Waldungen -errichtete man am Fürstenbrunnen für einen Köhler eine Hütte. Dazu -hatte auch König Friedrich August II. samt seiner Gemahlin beigetragen. -Am 27. September 1838 erfolgte die Hebung des Köhlerhauses. Die -Bergmusikanten der benachbarten Grube »Gottesgeschick« hatten sich -eingefunden. Pastor Richter aus Grünhain hielt die Rede. Schon -am 1. November konnte es bezogen werden. Auch erhielt der Ort -Schankerlaubnis. Die Vollendung des Baues erfolgte 1839. - - -~e.~ König Friedrich August II. und seine Gemahlin am Fürstenbrunnen. - -Der Fürstenbrunnen erhielt noch vor Vollendung des Köhlerhauses -landesherrlichen Besuch. Nachdem König Friedrich August II. samt seiner -Gemahlin am 10. September 1838 in Annaberg übernachtet hatte, kam der -König am 11. September über Schlettau, Scheibenberg, Elterlein, Zwönitz -nach Grünhain mit Gefolge geritten, geruhte daselbst den Klostergarten -in Augenschein zu nehmen, wo noch das Gefängnis, Fuchsturm genannt, zu -sehen war, in dem Kunz von Kaufungen vom Abte Liborius festgehalten -wurde, und ritt sodann nach »Gottesgeschick«, um daselbst höchstdero -Frau Gemahlin, die von Scheibenberg kam und das Bergwerk besichtigt -hatte, abzuholen, um gemeinsam nach dem Fürstenbrunnen zu fahren. Hier -hatten sich zum Empfange die Schuljugend und der Frauenverein samt -einer großen Menschenmenge versammelt. Die hohen Herrschaften geleitete -der Amtshauptmann des Bezirks, Domherr Freiherr von Biedermann auf -Niederforchheim. 12 Grünhainer Mädchen streuten Blumen. Die Bergleute -brachten am Brunnen ein »Glückauf!« Einer von sieben Köhlern sprach ein -Gedicht. Zwei Mädchen reichten dem Könige einen Teller mit Waldbeeren -und der Königin einen Becher mit Wasser. In einer geschmückten -Bude speisten die hohen Herrschaften. Unter Hochrufen setzte das -Herrscherpaar die weitere Reise über Schwarzenberg nach Schneeberg fort. - - -~f.~ Sagen und Geschichten zum Prinzenraube. - - -1. Die große Glocke in Geyer. - -Von der großen Glocke in dem alten Bergstädtchen Geyer, welche früher -in einem uralten viereckigen Turme an der Kirche hing, erzählt die -Sage, sie sei auf dem Geyersberge, an dessen Fuße die Stadt liegt, -durch eine Sau mehrere Ellen tief aus der Erde herausgewühlt und von -den Bürgern, welche sich dieses Fundes freuten, aufgehängt worden. Sie -soll aber nicht eher einen reinen und vollen Klang gegeben haben, als -bis ein Priester sie zu ihrer heiligen Bestimmung geweiht hatte. - -Mit dem Reformationsfeste 1885 wurden es 350 Jahre, daß die jetzige -Glocke der protestantischen Gemeinde zu Geyer ihre eherne Stimme -geliehen hat. Sie trägt ein vortrefflich geschnittenes Rundbildnis des -+Herzogs Heinrich des Frommen+. Ihr erstes, majestätisches Geläute hat -sicher dem anwesenden Herzog Heinrich als Beförderer der evangelischen -Wahrheit und dem Feste der vollendeten Reformation in Geyer zugleich -gegolten. Die große Glocke hält 1,80 ~m~ im Durchmesser und ist 1,60 -~m~ hoch. Sie stammt höchst wahrscheinlich aus der Hilligerschen -Gießhütte zu Freiberg. Sie trägt die ausgezeichnet geschnittene -Umschrift: - - »Also hot got dy welt geliebt, daß ehr seinen einigen son gab - uf das alle dy an yn glauben nicht verloren werden sondern - haben das ewige leben. Johann am III. - - MDXXXIX.« - -Das Metall zum Guß der Glocke, die nach der Schätzung von -Sachverständigen gegen 63, nach dem Volksmunde aber 100 Zentner wiegt, -lieferte seinerzeit die berühmte Prinzenglocke, welche vom Kurfürsten -wegen des erfolgreichen Sturmläutens beim bekannten Prinzenraube der -Stadt geschenkt wurde. Auf dieser Glocke waren die Bildnisse der beiden -jungen Fürsten angebracht; auf der andern Seite sah man Kunz auf der -Erde liegend und das Pferd haltend, daneben den Fürsten Albrecht -und den Köhler. In der freieren Blüherschen Übersetzung lauten die -Glockenverse: - - 1. »Kurt entführte die fürstlichen Prinzen; die himmlische Jungfrau -- - Diese Glocke bezeugt's -- gab sie uns gnädig zurück. - - 2. Ob des fliehenden Räubers der Prinzen laut stürmend zersprang ich, - Doch aus fürstlichem Schatz ward ich wieder verjüngt.« - -Im Jahre 1480 besichtigte +Herzog Albrecht+ die Glocke, die leider 1535 -sprang. Wahrscheinlich auf Kosten des +Herzogs Heinrich+ des Frommen -ist die jetzige Glocke umgegossen worden. - - Nach dem Annaberger Wochenblatte. - - -2. Der Fürstenbrunn bei Raschau. - -Zwischen den Gebirgsstädtchen Schwarzenberg, Elterlein und Grünhain, -unweit der Dörfer Waschleite und Haide, bei der Dudels- oder -Oswaldkirche, liegt der geschichtlich merkwürdige +Fürstenbrunn+ am -Fürstenberge, der so genannt ist, weil in dessen Gegend die Befreiung -des Prinzen +Albert+ aus den Händen des Ritters Kunz von Kaufungen -am 8. Juli 1455 stattgefunden haben soll. Zur Erinnerung an diese -Begebenheit wurde am 8. Juli 1822 über dem sogenannten Fürstenbrunnen, -einer Waldquelle, ein Granitobelisk mit eiserner Inschriften-Tafel -errichtet. Auf dieser steht geschrieben: - - Fürstenbrunn. - Hier wurde Prinz Albert, Ahnherr des Kgl. S. Fürstenhauses, - am 8. Juli 1455 - durch den Köhler Georg Schmidt, hernach - Triller genannt, aus Kunzens von - Kaufungen Räuberhand befreit. - - Angebracht, den 8. Juli 1822. - -In einer Nische des Fußgestelles ergießt sich über Kristalldrusen der -genannte Brunnen. Im Jahre 1838 wurde hier zum Schutze des Denkmals -eine Wohnung für eine Bergmannsfamilie erbaut. Jetzt ladet ein -Wirtshaus den Wanderer zur Ruhe ein. - - Nach Elfried von Taura. - - -3. Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei Neudorf an der Sehma. - -Neudorfs oberes Ende stößt an den Kretscham, welchen Namen der tiefere -Teil des angrenzenden Ortes +Rothensehma+ führt. Im engsten Sinne -ist der Kretscham ein Gasthof mit Freigut, einer Mühle und vielen -Vorrechten, auch zum Teil sehr altertümlicher Bauart. Nach einer -Volkssage soll hier und nicht am Fürstenberge bei Grünhain des +Prinzen -Alberts+ Errettung aus den Händen Kunzens von Kaufungen 1455 geschehen -sein. Noch zeigt man im Westen, diesseits eines alten Marmorbruches, -den Fürstenbrunnen und im Süden die Stätte des Kohlkrams, wo der mutige -Köhler Schmidt, der Triller genannt, sich aufhielt, welcher später die -Erlaubnis erhielt, hier an der böhmischen Straße den Kretscham oder -Gasthof anzulegen. - - Nach Herm. Grimm. - - -4. Die Prinzenkleider in der Kirche zu Ebersdorf. - -Nachdem die beiden sächsischen Prinzen Ernst und Albert ihrem Räuber, -dem Ritter Kunz von Kaufungen, durch Gottes Hilfe glücklich entronnen -waren, machte der ganze Hof eine Wallfahrt nach der Ebersdorfer Kirche -bei Chemnitz, und der Kurfürst ließ daselbst die Kleider der beiden -jungen Herrlein, so sie bei ihrer Entführung angehabt, wie auch des -Köhlers Schmidt, der sie errettet hatte, Kittel und Kappe aufhängen. -Bei den Kleidern wurden folgende Verse angeschrieben: - - Kunz Kaufung, der viel wilde Mann, - Im Meißnerland ist kommen an, - Wohl auf das Schloß zu Altenborg, - Sehr frech und kühn ohn' alle Sorg', - Dem Fürsten allda seine Kind - Entführt hat listig und geschwind, - Der Kleider noch sie hängen seht, - Ein jeder der fürüber geht, - Die dazumal bald nach der That, - Der Vater hergehänget hat. - -Die gegenwärtig in der Pfarre zu Ebersdorf aufbewahrten Kleider der -Prinzen Ernst und Albert sind nur getreue Nachbildungen. - - Nach ~Dr.~ Köhlers Sagenbuch. - - -40. Die Hussitenkämpfe im Erzgebirge unter Friedrich dem Streitbaren. - - -~a.~ Der Ausbruch des Krieges. - -Der Kampf gegen die Hussiten, dessen Last +Kaiser Sigismund+ auf -+Kurfürst Friedrich+ hauptsächlich abgewälzt hatte, begann nicht -glücklich. 1425 erlitten die Meißner unter großen Verlusten eine -Niederlage, sodaß »das Geschrei kam, wie die Hussiten willens wären, -ins Meißner Land einzufallen. Darüber erhub sich ein großer Schrecken. -Allenthalben wurde man rege, besserte Thore und Mauern aus, baute -Schläge und Brustwehren.« - -Die zweite große Niederlage des Kurfürsten bei +Außig+ 1426 vermehrte -die allgemeinen Besorgnisse. Nach der von Kurfürst Friedrich -aufgegebenen Belagerung von +Mieß+, wo auf dem Rückzuge an zehntausend -Mann erschlagen worden sein sollen, drangen 1429 die Hussiten über -das Gebirge in das Meißner Land. ~M.~ +Chr. Lehmann+ berichtet, die -Hussiten seien durch den Komotauer Paß und den Kriegwald nach Zöblitz -und durch den Satzunger Paß und den Kriegwald an die Preßnitz gekommen. -Sie haben Lößnitz angegriffen; ob aber dieses der hussitischen -Tyrannei sich erwehrt, habe er nicht erfahren. Dagegen seien ringsum -die Dörfer verwüstet worden. Stadt und Kloster Grünhain, Klösterlein, -Aue, Schwarzenberg am Peler Passe sei ganz eingeäschert, seine drei -Ellen dicke Stadtmauer abgebrochen, Crottendorf ganz ausgeplündert, -Kraxdorf zerstört und als Neudorf wieder aufgebaut, Zwönitz verwüstet, -Burgstädtel, Elterlein, Schlettau, Sehma, Cranzahl, die Waldhäuser am -Bärensteine, in der Gegend des späteren Annaberg einige Dörfer, von -der Schmalzgrube an bis Preßnitz 26 Hammerhütten zerstört, Flecken und -Dörfer ringsum verwüstet, alles mit Brand, Zerstörung, Raub und Mord -heimgesucht worden. Nur Zschopau und Scharfenstein haben sie nicht viel -anhaben können. - - Nach Chr. Lehmann. - - -~b.~ Schrecknisse im Obererzgebirge während des Krieges. - -1. Die Schrecknisse, welche die Züge der Hussiten mit sich brachten, -leben noch vielfach in unserer Gegend in der Überlieferung fort, und -die Sage hat manches dichtend hinzugefügt. So hat man die Begebenheiten -in der Schlacht bei Außig auch in die Gegend von Preßnitz verlegt. - -Im Osten von +Jöhstadt+ verbreitet sich über steiles und hohes Gebirge -zwischen dem Schwarzwasser und der Preßnitz der Kriegwald, dessen Name -nicht ohne Wahrscheinlichkeit auf ein den Hussiten geliefertes, doch -für Sachsen unglücklich ausgefallenes Treffen bezogen wird. Man hat -ganze Haufen von Totengebeinen gefunden, die mit Moos so verwachsen -waren, daß sie gleichsam wie Stücke alter Mauern erschienen. Ferner -fand man daselbst viele Hufeisen, Pfeilspitzen, Hacken u. s. w. Das -»rote Wässerchen« an der böhmischen Landstraße wurde nach der Volkssage -von dem Blute benannt, das in jener Schlacht darin floß. - -Wie die Hussiten sich Meister im Felde sahen, rüsteten sie sich -1426, um die entfremdeten Städte wieder zu erobern. Die Kurfürstin -von Sachsen ließ, inzwischen ihr Gemahl, der Kurfürst Friedrich, in -Ungarn war, bei Freiberg ein großes Heer sammeln, und als dasselbe -über den Wald kam, fand man bei dem Dorfe Preslitz (Preßnitz) den -Feind wohlgerüstet ihrer warten. Die Böhmen deckten sich mit ihren -Schilden und hatten ihr Lager mit einer Burg von 500 Wagen mit Ketten -umschlossen, führten auch lange Haken, mit denen sie die Reiter von -den Pferden zogen. Wiewohl nun die Sächsischen sie tapfer angriffen, -ihnen die Schilde mit Hellebarden vom Leibe zogen und lange fochten, -mußten sie doch endlich, von der Hitze noch mehr ermüdet und vom -Staube geblendet, die Flucht ergreifen. Der Graf von Gleichen und -sein Leutnant, der Graf von Thun, wurden mit 9000 Mann erschlagen, -darunter noch 12 Grafen, 4 Freiherren, viel Ritter und Edle, 21 derer -von Köckeritz und einer von Schönborn mit 5 Söhnen, da der sechste -daheim in der Wiege lag. Konrad von Einsiedel ward gefangen, kam in die -Türkei, ward nach 30 Jahren vor Belgrad wieder gefunden und daheim von -den Seinen fast nicht wieder erkannt. Es ward nachmals eine Kapelle -gebaut an einem Bächlein, das mit dem Blute der Erschlagenen soll -geflossen sein. - -2. An die schreckliche Zeit der Hussiten erinnert uns auch die -Erzählung von dem +Mönchsgesichte an der Schlettauer Kirche+. Der -Pater Benno rettete vor dem mit Unheil drohenden Zuge der Hussiten ein -silbernes Kruzifix, das noch allein auf dem Altar stehen geblieben war, -indem er es um Mitternacht in die Kirchmauer vergrub; denn Altäre, -Bilder und ander heilig Gerät zerstörten die Horden. Am andern Morgen -wurde der Pater von den wilden Ketzern erschlagen. Dies träumte einem -Priester, welcher die Stelle dem Küster offenbarte, der aber Diebstahl -verübte und nun zur Strafe in der Mauer zu sehen ist. In einer -Mauernische der Elterleiner Kirche steht ein Kästchen, welches drei -Hussitenpfeile enthält. - -3. Ebenso erinnern an die Züge der Hussiten das +Kreuz und der Kelch+ -in der Mitte der etwa 60 ~m~ hohen, steilen Felsenwand, welche sich -an der Zschopau erhebt und das Schloß +Wolkenstein+ trägt. Die beiden -Wahrzeichen sind in Stein gehauen und sollen nach dem Volksmunde daran -erinnern, daß im Jahre 1428 die Hussiten einen katholischen Priester -töteten. Sie bedrohten ihn mit dem Tode. Er wollte aber gleichwohl -seinen Glauben nicht abschwören. Da schleppten sie ihn an den Rand der -steilen Felswand und stießen ihn dort hinab, von wo er in die Zschopau -zerschmettert stürzte. - -4. Als im Sommer 1427 ein starker Haufe Hussiten über +Olbernhau+ -und +Sayda+ durch das Gebirge herunter nach +Oederan+ zog, galt es -besonders dem Ottomar von Schönberg, welcher den Hussiten aus der -Gefangenschaft entwichen war und nun in seinem Schlosse Reinsberg -wohnte. Täglich wurde jetzt dieses Schloß drei Wochen lang von den -Hussiten gestürmt. Da rettete den geängstigten Schönberg sein Knappe -durch einen unterirdischen Gang, der sich in einem Busche vor dem -Schlosse öffnete. Diese Stelle soll noch heute mit einem Denksteine, -auf dem ein Kreuz eingehauen ist, bezeichnet sein. Ein bereit -gehaltenes Roß trug den Ritter in der dunklen Nacht durch den Forst auf -die nahe Straße nach Freiberg. Hier setzten ihm die wachsamen Hussiten -nach, und hart vor Freiberg hatten sie den fast zum Tode Gehetzten -beinahe eingeholt. Der Turmwächter auf dem Meißner Thore gewahrte in -der Morgendämmerung diese Menschenjagd. Er öffnete dem nahenden Ritter, -welcher ihm sein weißes Tuch entgegenschwang, einen Thorflügel, den er -vor den heransprengenden Hussiten schnell wieder zuschlug. Innerhalb -des Thores aber verließen den Ritter die Kräfte. Auf der Meißner Gasse -stürzte er mit dem Pferde und wurde tot in das nächste Haus getragen. -Auch diese Stelle ward mit einem Steine, den man später an die -Stadtmauer gelehnt hat, zum traurigen Andenken bezeichnet. - -5. 1429 zog +Prokopius+ mit 300 der edelsten Hussiten aus der Lausitz -nach Basel zu einem Friedensversuche. Unangefochten zog dabei der -Furchtbare, vor dem die Kinder auf der Gasse davonliefen, über -Dresden und Freiberg durch Oederan. Einer von seinem Gefolge, Bodowin -von Horomirz wird er genannt, kam zwei Tage nachher ganz allein -durch Oederan. Da wurde er sogleich von den Oederanern ergriffen, -hinaus an das Weichbild an der Nossener Straße geschleppt, lebendig -gespießt und ihm ein silberner Helm oben auf den Pfahl genagelt, an -dem der Unglückliche verblutete. Weithin schimmerte in der Sonne diese -Silberkappe, an der sich niemand zu vergreifen wagte. Erst zur Zeit -der Reformation verschwand sie zugleich mit dem daneben errichteten -Heiligenbilde. - -6. Zur Zeit der Hussitenkriege zogen die Scharen des gefürchteten -+Ziska+, nachdem sie die Stadt Komotau in Asche gelegt hatten, -auch auf die Stadt +Görkau+ und das Schloß +Rotenhaus+ los, um -unter den dortigen katholischen Bewohnern ebenfalls mit Blut und -Mord aufzuräumen. Es war am Schutzengelfeste, als sie durch einen -äußerst dichten Nebel auf ihrem Zuge dahin aufgehalten wurden und -sich erst dann wieder in Bewegung setzten, als sie ein aus der Ferne -herschallendes Hahnengeschrei vernahmen, welchem sie irre führte. Sie -gelangten in die Gegend östlich von der Stadt und kehrten nicht zurück. -Zur Erinnerung an diese wunderbare Errettung ließen die Bewohner von -Görkau ein Kreuz anfertigen und auf dem Friedhofe aufstellen. Jetzt -steht es an der Straße von Udwitz nach Görkau und bei ihm eine Linde. - -7. Auf dem Schlosse +Hartenberg+ lebte im Hussitenkriege eine -schöne, achtzehnjährige Jungfrau. Der mutterlosen Waise entriß auch -das Schwert eines wütenden Hussiten den Vater. Der noch vorhandene -Anverwandte, Jodok von Pichlberg, war eifriger Kelchdiener und wollte -sie, als sie ihn um Schutz anflehte, zum Übertritt bewegen. Sie -wollte die Lehren ihrer Mutter nicht abschwören und vertraute Gott, -dem Beschützer ihres Glaubens. Sie versah die Burg mit Lebensmitteln, -ließ Mauern, Streittürme und Befestigungen ausbessern und Schießpulver -herbeischaffen. -- In einer finstern Nacht rötete sich der Himmel -von mächtigen Feuersäulen, die aus den benachbarten, von den -Hussiten in Brand gesteckten Dörfern emporstiegen. Bald begehrte ein -Hussitenschwarm mit drohend grimmigen Worten Einlaß und Übergabe. Auf -die Verweigerung aber schrien hundert Stimmen schimpfend nach Sturm, -Pfeilen und Pechkränzen. Zdenka von Hartenberg ließ die Feuerschlünde -donnern; Steinregen fiel auf die Stürmenden; heißes Pech troff auf -sie herab. Da wiederholter Sturm nichts nützte, sollte die Burg -ausgehungert werden. Bald trat Nahrungsmangel ein; denn das verzagte -Landvolk, welches eine gegen die Wasserseite ausgesteckte Notfahne -herbeirufen sollte, hatte die Gegend verlassen. In höchster Not ging -die Jungfrau in die Burgkapelle und stärkte sich im Gebete. Das letzte -Rehviertel wurde vors Thor geworfen, und durch Hornrufe wurden die -Belagerer ins Schloß gelockt. Man wollte bei freiem Abzuge die Burg -ergeben. Als die Brücke niederrasselte, zogen sechzehn alte, bleiche -Männer mit der alten Wärterin ab, und der Hussitenführer stürzte herein -mit seinen Horden. An einer Halle blieben sie stehen; denn in einem -Gemache stand Zdenka in bräutlichem Schmucke mit lodernder Fackel neben -einem Pulverfasse. Sie wollte die Burg in die Luft sprengen, um nicht -den Feinden in die Hände zu fallen. Da wälzte sich ein brausendes -Getöse gegen die Burg heran. Ein Haufen bewaffneten Landvolkes eilte -zum Entsatze herbei und überwältigte die Feinde. Gott dankend, sank -Zdenka auf die Knie. - -8. In einem Gange des ehemaligen Benediktinerklosters zu Chemnitz -befand sich ein hölzernes +Christusbild+ mit einem krummen oder -schiefen Munde. Da nun die Hussiten in das Kloster einfielen und alles -darin verwüsteten, soll einer von ihnen das Bild verspottet haben. Von -Stund' an hatte derselbe nun einen solchen Mund und ist stumm geworden. - - Nach Chr. Lehmann, ~Dr.~ Spieß, ~Dr.~ Köhler. - - -~c.~ Wüste Marken im Obererzgebirge aus der Zeit der Hussitenkriege. - -1. Mancher Ort ist durch die Hussiten zerstört worden, und nur noch -wüste Marken erinnern an sein einstiges Vorhandensein. Wo jetzt das -Dorf +Waschleite+ bei +Schwarzenberg+ liegt, hat ehedem das Dorf -Gleßberg am Fuße des Gleßberges oder des Schatzensteines gestanden. -Es erstreckte sich am oberen Teile des Oswaldbaches hin. Die Hussiten -haben es zerstört. Auf einem Teile der Gleßberger Fluren entstand das -jetzige Dorf Waschleite. Seinen Ursprung und Namen hat es von den -Erzwäschereien genommen, welche der reiche Hammerherr Kaspar Klinger -1500 nebst einer Schmelzhütte am Oswaldbache anlegte. - -2. Vor der Gründung von +Neudorf+ an der Sehma, das mitten im Walde -aus Holzarbeiter-, Köhler- und Flößerhütten entstand, soll in seiner -Nähe nach Crottendorf zu ein Dorf mit Namen Kraxdorf oder Kraftsdorf -gestanden haben, wovon früher, und zwar auf dem westlich im Walde -gelegenen Morgenberge, noch Mauerreste, alte Schlösser und Schlüssel -gefunden wurden. - -In einem kleinen Thale, welches Neudorf oberhalb der Kirche von West -nach Ost durchschneidet, hat man beim Wegräumen von Teichdämmen auf -dem Grunde derselben berußte Steine gefunden, die ihre Schwärze sehr -wahrscheinlich einst von einem Feuerherde erhalten hatten. - -3. Unweit der Stadt Zöblitz, an den Ufern der Pockau, liegen die -Ruinen der alten Burgen +Ober-+ und +Niederlauterstein+. Die Burg -Oberlauterstein, welche eine Viertelstunde westlich von Zöblitz -über dem rechten Pockauufer auf einer felsigen Bergecke liegt, -wurde im Jahre 1430 von den Hussiten, die eben von der Verwüstung -der Schneeberger Bergwerke herkamen, geschleift. Das Schloß -Niederlauterstein, das nur einige Minuten unterhalb davon am linken -Pockauufer liegt, erhielt sich über 20 Jahre länger. Vieles erzählt man -sich von den früheren Besitzern desselben, den Herren von Berbisdorf, -deren einer 1520 bei einem Brande des Schlosses auf schreckliche Weise -sein Leben verlor. Es war Georg von Berbisdorf, ein gebrechlicher Greis -von 90 Jahren. Um ihn vom Flammentode zu retten, wollte man ihn, in -Tücher gewickelt, zu einem Fenster herablassen; allein die in Eile -nicht festgeknüpften Knoten lösten sich und der unglückliche Alte wurde -an den Felsen zerschmettert. 1559 kaufte +Kurfürst August+ das Schloß -von Kaspar von Berbisdorf und bestimmte es zum Sitze eines Amtes. Im -dreißigjährigen Kriege wurde es zerstört. - -4. Sachsens »Kirchengallerie« erzählt, daß man in der Gegend von -+Johnsgrün+ öfters alte Schlüssel gefunden hat. Man schließt daraus, -daß die Gegend von Johnsgrün vor der Zeit des Hussitenkrieges stark -bevölkert gewesen sei. - -5. Bei +Augustusburg+ giebt es wüste Marken, die auch an Hussitengreuel -erinnern. Zwischen Hennersdorf und Dorf Schellenberg verbreitet sich -der von Augustusburg bis in die Nähe von Waldkirchen reichende, große -+Mörbitzwald+, welcher von einem darin gestandenen Dorfe seinen Namen -haben soll. -- Der zwischen Borstendorf, Eppendorf, Lippersdorf, -Reifland in der dortigen Gegend gelegene Staatswald +Röthenbach+ -enthält eine Wüstung und einen Bach gleichen Namens, an welchem das im -Hussitenkriege verschwundene, nach Borstendorf gepfarrt gewesene Dorf -Röthenbach lag. -- In dem im Staatsforste zwischen Euba, Bernsdorf und -Flöha gelegenen »+Strutwald+« soll auch vor dem Hussitenkriege ein Dorf -gestanden haben. Man hat dort beim Nachgraben Überreste von Häusern und -selbst von Gassen, sowie Brunnen und andere Spuren gefunden. - -6. Da wo Wüstenbrand bei Hohenstein-Ernstthal liegt, hat das Dorf -+Gecksdorf+ der Sage nach gelegen, welches auch im Hussitenkriege -zerstört worden sein soll. - -7. Der Sage nach ist der Anbau von +Mittel-+ mit +Ober-+ und -+Niedersayda+ in der Zeit des Hussitenkrieges unter Ziska und Prokopius -zwischen 1419 und 1435 geschehen, da viele der bedrängten Hussiten -auswanderten und sich in den waldigen Gegenden des Erzgebirges -anbauten. Noch in diesem Jahrhunderte lebten in Obersayda zwei -Familien, die Seyfertsche und Zimmermannsche, deren Vorfahren zu den -Ausgewanderten gehörten. Das wäre also ein seltenes Beispiel, wonach -auch die Hussiten einen Ort errichteten, anstatt zu zerstören. - - Nach ~Dr.~ Herzog, ~Dr.~ Köhler u. a. - - -41. Das Obererzgebirge im Bauernkriege. - - -~a.~ Die Kriegsereignisse. - -Den Bauern drückten am Ende des Mittelalters allerhand Lasten -weltlicher wie geistlicher Herren. Er hatte Frondienste, Zehnten, -Zinsen und Abgaben aller Art zu leisten. Luther sagt: »Wenn der -Acker eines Bauern so viel Thaler wie Ähren trüge, es würde nur die -Ansprüche der Herren vergrößern.« Die Reformation sollte ihnen auch -ihre Menschenrechte vor die Seele führen. Mannigfache Flugschriften -erschienen, und bald entstand unter den Bauern eine Bewegung, die man -den +Bauernkrieg+ nannte. In 12 Artikeln waren die Forderungen der -Bauern zusammengefaßt. - -An der allgemeinen Bewegung nahm auch das Sachsenland und unser -Obererzgebirge teil. Durch sein tyrannisches Wesen hatte sich besonders -Ernst von Schönburg hervorgethan, der damals im oberen Erzgebirge -ausgedehnte Besitzungen hatte. Ließ er doch zwei Annaberger Bürgern, -die in seinem Gebiete Fischdiebstahl begangen hatten, die Augen -ausstechen. - -Wolf Göftel aus Buchholz und Andreas Ziehner, beides Bergknappen in -Marienberg, machten den vogtländischen Aufrührern zu Waldkirchen -bei Reichenbach die Artikel. Wir sehen, daß auch die Bergleute mit -fortgerissen wurden von der Bewegung. Größere Ansammlungen von Bauern -entstanden zunächst in Zwickau und Stollberg. Daher ist der Amtmann von -Annaberg und Schellenberg, Anton von Kospoth, der in letzterem Orte -seinen Wohnsitz hatte, bald in Annaberg, bald in Chemnitz, um Ruhe zu -stiften. Er gab dem Herzog Georg den Rat, die Schätze der Annenkirche -auf Schellenberg zu verwahren. Die Stadt aber blieb still und erklärte, -zum Herzoge zu halten. An Annaberg erging von diesem das Ersuchen, -sich dem Herzoge zum Kriegsdienste zu stellen. Feldhauptmann Utz von -Solgau aus Annaberg sollte das Werbegeschäft besorgen. In Thum, Geyer -und Ehrenfriedersdorf, auch in Joachimsthal forderten Maueranschläge -zum Kriegsdienste auf. Kospoth schrieb über die Annaberger wegen ihrer -Weigerung: »Es sei ein teuflisch Volk unter die Annaberger gekommen.« - -Nachdem die aufrührerischen Bauern von Schneeberg, Aue, Schwarzenberg -und Zwönitz, von Raschau, Steinberg, Kühnheide und anderen Orten -Zuzug erhalten hatten, wandten sie sich gegen Klösterlein und Aue, -tranken dem Probst das Bier weg, führten 16 Stück Vieh und sämtliches -Getreide davon. Dann wandten sie sich gegen das Kloster Grünhain. Der -Abt schickte eiligst zum Bergvogte Matthis Busch nach Buchholz um -Hilfe. Dieser ritt mit wenigen nach Grünhain, wo er gegen 700 Bauern -die Bewachung des Klosters übernahm. Abt und Mönche wandten sich nach -Annaberg. Als das Kloster dem Richter und den Schöffen zu Grünhain zur -Verwahrung gegeben war, wurde es bald eine Beute der Aufrührer, die -es plünderten. Von Grünhain wandten sich die Haufen nach Schlettau, -bemächtigten sich der Stadt und des Schlosses. Ein anderer Haufe zog -nach Raschau und zerstörte die Kirche. - -Herzog Heinrich verließ nach solchen Ereignissen Wolkenstein und -siedelte nach Freiberg über. - -Als in Annaberg Bergvogt Hans Rühling die Bergleute nach ihren Plänen -fragte, erfuhr er, daß sie mit Leib und Leben für den Herzog einstehen -wollten. Bürgerwachen an den Thoren hielten Zuzug fern. - -In Joachimsthal hatten sich die Leute der Grafen von Schlick in -gefahrdrohender Weise erhoben, das Schloß eingenommen und geplündert. -Da vermittelte der Rat von Annaberg mit Glück durch Abgesandte zwischen -den Streitenden. - -Wolf Göftel und Andreas Ziehner waren immer unterwegs, um aufzuregen. -Sie machten den erzgebirgischen Bauern die Artikel und verpflichteten -sie, indem sie jeden eine Hand aufheben ließen, zum Zeichen, daß er bei -ihnen stehen wolle. - -Den Geyerschen versprach Göftel mit den Bauern Hilfe. Das Bestreben der -Führer ging dahin, den Edelleuten ihre Sitze zu stürmen, den Fürsten -ins Land zu fallen, die Obrigkeit zu vertreiben, Wildbret und anderes -frei zu haben, die Klöster zu stürmen. Wenn sie in Grünhain, Marienberg -und Wolkenstein Glück gehabt hätten, wollten sie nach Chemnitz und -Kloster Zelle. - -Zuerst fiel ihnen die Pfarre zu Mildenau zum Opfer. Die Mildenauer -teilten den Königswaldern mit, daß die Pfarre leer stehe, da der -Pfarrer geflohen sei; da zog der unternehmungslustige Richter -Rebentisch mit einer Anzahl Gesellen Sonntag, den 14. Mai, nach -Mildenau. Er kehrte um, aber die übrigen drangen in die Pfarre ein, -plünderten und zerschlugen alles und tranken dem Pfarrer das Bier aus. -Kospoth war auf diese Nachricht sofort mit 12 Pferden aufgebrochen. Bei -seinem Erscheinen verliefen sich die Aufrührer, sodaß er nur einige von -ihnen gefangen nehmen konnte. Weidenbach, der Wolkensteiner Amtmann, -dem sie übergeben wurden, ließ sie frei. Da wurden die Marienberger -nötig und überfielen die Rückerswalder Pfarre. Die Mildenauer zogen -nach Schönbrunn. Sie nahmen die Pfarre ein und trieben allerlei Unfug. -Lukas Merten aus Wolkenstein machte Butter in der Pfarre; dessen Sohn -schlachtete eine Kuh und kochte auch sogleich das Fleisch; Eulner -aus Neundorf zerschlug mit dem Berghammer ein Kruzifix und warf es -ins Wasser; Petzold aus Neundorf hieb dem Johannisbilde, das in der -Schönbrunner Pfarre hing, den Kopf ab, hing es an den Füßen auf und -trug es im warmen Bade umher zur Freude des Wirtes. - -In Geyer unterblieb die Erstürmung der Pfarre, da es zum Ausgleich kam. -Die Drehbacher wollten sich gegen ihre Herren, die von Stangen auf -Drehbach, erheben. Gegen 400 Mann zogen vor das Schloß und verlangten -Freisprechung. Rudtloff von Stangen aber, ein furchtloser Mann, -erklärte, würden sie ihm und seiner Mutter etwas nehmen, so würde er -sie in Haus und Hof verbrennen. Da zogen sie ab. - -In Zöblitz suchten zwei Häuer aus Marienberg Unruhe zu stiften. Sie -fanden Anhang. Die Aufständischen hatten vor, die Zöblitzer Pfarre zu -plündern, die aber geschützt wurde. Um diese Zeit ward auch die Pfarre -zu Lauterbach geplündert. - -Am 17. Mai ließen die Gemeinden, die Herzog Heinrich unterthan waren, -als Schönbrunn, Neundorf, Wiesa, Drehbach, Venusberg, damals Feuchberg -genannt, und Hilbersdorf ihre Beschwerden durch den Wolkensteiner -Amtmann Balthasar von Weidenbach an den Herzog gelangen. - -Erfüllt wurden die Forderungen der Bauern nicht. Nach der Niederlage -bei Frankenhausen zerstreuten sich die Unruhestifter. Viele flohen, -um harter Strafe zu entgehen, die auch nicht ausblieb. Herzog Georg -erschien bald im Erzgebirge. Am härtesten verfuhr Ernst von Schönberg -gegen die Aufständischen. Milde war Kurfürst Johann. - -In Annaberg wurden vom Herzog Georg viele ausgewiesen oder in -Gefangenschaft gesetzt. Andere mußten die Mauern um Annaberg bauen -helfen. Herzog Heinrich ließ die Richter zu Mildenau, Arnsfeld und -Schönbrunn köpfen. Die Geringswalder und Rückerswalder wurden gespießt, -viele verloren ihre Güter. - -Wolf Göftel, der Hauptführer im Erzgebirge, war entflohen. Ernst von -Schönburg schrieb an Herzog Georg, er habe dem Pfarrer zu Penitz die -Ohren abschneiden lassen. Zu Hartenstein ließ er einen henken und -fünf köpfen. In Elterlein büßten ebenfalls sieben die Köpfe ein, fünf -ließ er in der Scheibe einziehen, einen bei Rotensehma spießen und -viele andere an Geld und Freiheit strafen. Das war das Ergebnis der -bäuerlichen Bewegung. - - Nach ~Dr.~ Wolf. - - -~b.~ Die 12 Artikel der Bauern. - -Eine allgemeine Gährung hatte sich der Gemüter bemächtigt. -Wanderprediger und Flugschriften trugen die Gedanken in das Volk -hinaus. Auf der einen Seite war lästig der Druck der Kirche und des -verderbten Pfaffenwesens, auf der anderen der Druck der weltlichen -Herren und die Vorrechte der Städte. Man darf sich nicht wundern, -wenn die Bewegung nächst der religiösen auch bald eine politische und -soziale Färbung annahm. - -Die »zwölf Artikel« der Bauern geben ein Bild ihrer Forderungen. -»Die Gemeinde soll das Recht haben, den Prediger zu wählen und zu -entsetzen ... Der Prediger soll das reine Evangelium lehren ... Der -große Zehnte vom Getreide soll dem Pfarrer zum Unterhalte dienen; der -kleine Zehnte von den übrigen ländlichen Erzeugnissen und das Ehegeld -soll abgeschafft sein ... Sie wollen nicht unfrei sein, nicht Hörige, -Lite, Lassen, sondern freie Männer ... Die Frondienste sollen aufhören -und mit ihnen die Belastung der Güter und die Hutungsrechte ... -Gemeindeäcker, Wiesen und Forsten sollen an die Gemeinden zurückgegeben -werden ... Jagd und Fischerei frei sein.« Allen auf die 12 Artikel -gegründeten Forderungen war das Örtliche und Persönliche in reichem -Maße beigemischt. - -Das Thun und Treiben der Bauern stand in vollem Widerspruche zu -ihren Erklärungen von Gehorsam, Gesetzlichkeit und Willigkeit, sich -eines besseren belehren zu lassen. Lärmen, Toben, Saufen, Fressen, -Unbotmäßigkeit, Plündern, Rauben, Verwüsten, Sengen und Brennen: das -waren ihre Heldenthaten. - - -~c.~ Anzeichen für den Bauernkrieg. - -+Lehmann+ erzählt von einem Sturme, der für Abergläubische als -Anzeichen des Bauernkrieges galt. Ein Anzeichen war es, als am 15. -Februar 1525 des Nachts das mit Riegeln, Ketten und Schlössern stark -verwahrte Schloßthor in Joachimsthal von einem fast unnatürlich -gewaltsamen Winde aufgestoßen und geöffnet wurde. Es wurde so getrennt, -daß das Hinterteil des mittleren Riegels samt dem starken Thornagel und -der eisernen Feder geborsten und das Vorlegeschloß samt dem Kloben, -der das Thor mit einer starken eisernen Kette über dem Thorriegel -geschränkt, eine Stube weit davon auf dem Schloßplatze verschlossen -gelegen. Dieser ungemeine Sturm hat den damaligen Bauernkrieg nach sich -gezogen. - - -42. Das Obererzgebirge im Schmalkaldischen Kriege. - - -~a.~ Der Kriegsschauplatz im Obererzgebirge. - -Als der +Schmalkaldische Bund+ siegreich gegen +Kaiser Karl V.+ zog, -fiel +Herzog Moritz+ in das Kurfürstentum Sachsen ein. Da trennte -sich am 23. November 1546 +Kurfürst Johann Friedrich+ von seinen -Bundesgenossen, um sein eigenes Land wiederzuerobern. Nachdem er -Leipzig vom 9. bis 27. Januar 1547 vergeblich belagert hatte, zog er -mit seinem Hauptheere in die Gegend von Borna und Altenburg. Von da -aus entsendete er einzelne Truppenabteilungen gegen die von +Moritz+ -besetzten Landesteile und Städte, sowohl des herzoglichen als aus -kurfürstlichen Gebietes. Es gewannen Mitte Mai seine Heerhaufen die -Bergstädte +Annaberg+, +Marienberg+ und einige andere Orte dieser -Gegend und drangen bis +Joachimsthal+ vor. - -In dem Schmalkaldischen Kriege scheint die Stadt +Geyer+ durch ihre -Doppelstellung zu dem albertinischen und ernestinischen Hause, die -auch in betreff des Bergbaues Schwierigkeiten machte, wenigstens auf -kurze Zeit in eine gefährliche Lage gekommen zu sein. Der Kurfürst -+Johann Friedrich+ war im Anfang März 1547 mit seinem Heere gegen -Rochlitz aufgebrochen und hatte hier den Markgrafen +Albrecht von -Brandenburg-Kulmbach+, damals des Herzogs Moritz Verbündeten, in -einem Treffen geschlagen. Während +Moritz+ und +August+ auf Dresden -zurückgingen, wandte sich der Kurfürst gegen das erzgebirgische -Oberland und nahm hier eine Stadt nach der andern, ohne aber seine -glücklichen Erfolge thatkräftig genug auszubeuten. In dieser für -das albertinische Haus gefahrvollen Zeit schrieb am 29. März -+Katharina+, die Witwe des Herzogs Heinrich, die sich gleichfalls nach -Dresden geflüchtet hatte, an ihre erzgebirgischen Städte +Geyer+, -+Ehrenfriedersdorf+, +Wolkenstein+ und warnte dieselben ernstlich, daß -sie sich nicht wider ihre Landesherren +Moritz+ und +August+ durch den -Kurfürsten +Johann Friedrich+ gebrauchen lassen sollten, von dessen -Kriegsvolk sie vor etlichen Tagen überzogen worden seien. - - Nach ~Dr.~ Spieß und ~Dr.~ Falke. - - -~b.~ Kriegsdrangsale in Zwickau. - -Daß sich dieser Krieg, dessen Fäden beim Ausbruch in der Hauptsache -nach Süddeutschland führten, im weiteren Verlaufe nach Sachsen spielen -und dort zur Entscheidung kommen würde, hatte wohl niemand, die -beteiligten Führer nicht ausgenommen, geahnt. Auch unser Erzgebirge -mußte manche Sturzwelle desselben über sich ergehen sehen. Ganz -besonders hatte die Stadt Zwickau zu leiden. Diese galt in der -damaligen Zeit für eine ziemlich bedeutende Festung und wurde als -Schlüssel zum Vogtland und zur böhmischen Grenze angesehen. Ihre Bürger -waren gut kurfürstlich gesinnt. Ferdinand von Böhmen, der Bruder -des Kaisers, sollte zunächst die böhmischen Lehen des Kurfürsten -Johann Friedrich einnehmen und dann dem kaiserlichen Bundesgenossen -Herzog Moritz von Sachsen bei der Einnahme Zwickaus Hilfe leisten. -Die Zwickauer hatten schon im Sommer ihre Stadt gerüstet; durch den -kurfürstlichen Obristen Thumshirn waren Adelige, Bürger und Bauern -der Gegend gemustert worden. Die großen Geschütze der Stadt wurden -auf dem Anger vor der Stadtmauer versucht. Der Kurfürst schickte den -Zwickauern 1000 Scheffel Korn zur Versorgung für eine voraussichtliche -Belagerung. Die Besatzung bestand aus 7 Fähnlein Knechten, die sich -aus einem Fähnlein wirklichem Kriegsvolk und 6 Fähnlein Bauern -zusammensetzten. Die wohlgerüsteten Bürger sahen kampfesmutig der -Gefahr entgegen. Herzog Johann Wilhelm, der Sohn des Kurfürsten, wurde -um Hilfe angegangen, leider vergeblich. Er tröstete die Bittenden in -einem Schreiben mit den Worten, Gott werde den boshaften Anschlägen -wehren. Unterdessen zeigten sich die ersten Feinde im Erzgebirge. -Die Bergwerke von Platten und Gottesgab wurden durch wilde Horden -böhmischen Kriegsvolkes heimgesucht. Am 23. Oktober 1546 tauchten dort -die gefürchteten und berüchtigten Husaren, vom Volke Hussern genannt, -auf. Schrecken ging ihrem Erscheinen voraus, Schrecken verbreiteten sie -allenthalben, wo sie sich zeigten. Es waren aber zumeist kroatische, -walachische und polnische Grenzer. Leicht und ungerüstet saßen sie zu -Roß, nur mit Spieß und Tartsche, einem kleinen Schilde, bewaffnet. -Dem deutschen Landsknechte war nach Schilderungen der damaligen Zeit -dieses wüste Raubgesindel in seinen viehischen Gelüsten über. Wie -mögen die armen Gebirgler unter solchen Barbaren gelitten haben! Von -diesen aus dem Gebirge anrückenden Truppen Ferdinands erging die -erste Aufforderung an die Zwickauer, sich zu ergeben, wurde aber -abgewiesen. Da nahte Herzog Moritz. Er hatte Dresden mit nur wenigen -Reitern verlassen und eilte nach Annaberg. Dorthin rief er seine 9 -Fähnlein Fußvolk, die während des Sommers in Chemnitz Quartier genommen -hatten. Auf dem Zuge nach Lößnitz verstärkten sich diese so, daß -Moritz vor Zwickau mit 12 Fähnlein Knechten und 600 Reitern ankam. -Dort gedachte er sich mit den Böhmen zu vereinigen, die über Eger in -das Vogtland eingefallen waren und dort unterdessen greulich hausten. -Am 2. November ließ Moritz die Zwickauer zur Ergebung auffordern. Die -Besatzung befand sich in verzweifelter Lage. Bei Adorf waren bereits -sechs Stück der Stadt Zwickau gehörige Büchsen unter dem Hauptmann -Erhard Zölchner verloren gegangen. Moritz stand wohlgerüstet vor den -Thoren, und die Böhmen und Hussern rückten aus dem Vogtlande an. Der -Kurfürst schickte Trostbriefe, aber die ersehnte Hilfe blieb aus. -Dennoch dachten die Bürger nicht an Unterwerfung. Die Stadt wurde gegen -ihren Willen durch die Befehlshaber Dolzig und Planitz übergeben. Am -6. November überreichte eine Abordnung von Ratsherren die Schlüssel -der Stadt an Moritz, am 8. leisteten ihm die Bürger auf dem Kaufhause -die Zwangshuldigung. Die Bauern verließen die Stadt, die kurfürstliche -Besatzung erhielt dem Vertrage gemäß freien Abzug, sie rückte mit -fliegenden Fahnen nach Wittenberg. - -Moritz zog am andern Tage über Altenburg in nördlicher Richtung weiter, -auf seinem Zuge die Zwangshuldigung der Werdauer und Crimmitschauer -empfangend. Für die Bergstädte trat nun in gewissem Sinne Ruhe ein, -abgesehen von den Reibungen, die fortgesetzt zwischen der evangelischen -Bevölkerung und der katholischen Besatzung stattfanden; die Städte des -Herzogs Moritz machten hierin keine Ausnahme, weil der Herzog allgemein -als Judas an der guten lutherischen Sache angesehen wurde. - -Unterdessen war der Kurfürst aus Süddeutschland über Naumburg, Jena, -Weimar, Langensalza und Halle gekommen und hatte im Sturme seine -verlorenen Städte wiedergenommen. Moritz geriet in Not. Seine einzige -Hoffnung beruhte auf den festen Punkten Leipzig, Dresden, Freiberg und -Zwickau, welche er noch in den Händen hatte. Aber von Zwickau trafen -täglich Nachrichten ein, wie der gemeine Mann gegen die Besatzung »ganz -seltsam und aufwägig« sei und durchaus dem alten Herrn anhinge. Der -Annaberger Stadthauptmann schickte einige hundert Knechte für Moritz -nach Zwickau, die Zwickauer weigerten sich, diese einzulassen. Der -Stadtoberst Wolf von Ende sandte eine Klage über die andere an Moritz, -bis dieser selbst in der Nacht zum 15. Januar 1547 über Freiberg und -Chemnitz in Zwickau ankam. - -Er besichtigte die Befestigungen, legte noch ein Fähnlein Hakenschützen -und ein Geschwader Reiter in die Stadt und zwang die Bürger, ihm und -dem Böhmenkönig noch einmal zu huldigen. Da traf die Nachricht ein, -der Kurfürst, welcher 21 Tage vor Leipzig gelegen hatte, wolle in das -Gebirge rücken. In seiner Bedrängnis befahl Moritz, das Landvolk solle -sich in Dresden, Annaberg und Freiberg in seiner besten Wehr sammeln -und für einen Monat Versorgung mitbringen. Die Gebirgler waren zumeist -durch die Geistlichen gegen Moritz gestimmt und stellten sich nur in -geringer Zahl. Anfang Februar waren 5 Fähnlein böhmischer Knechte nach -Freiberg gekommen, um nach kurzer Rast weiterzuziehen, blieben aber -liegen, weil sie ihren Sold, den die Offiziere in Dresden verspielt -hatten, nicht bekamen. Natürlich mußten darunter die Freiberger bitter -leiden. Zwischen den Berghäuern und Soldknechten kam es dort zu -Thätlichkeiten, die selten unblutig abliefen. Als wenige Wochen darauf -die Freiberger Besatzung gemustert wurde, waren nicht weniger als 150 -Knechte entlaufen. - -Schrecklich war es während dieser Zeit den Zwickauern ergangen. Dort -war der Markgraf Albrecht von Brandenburg-Culmbach zur Sicherung -der von den Bürgern bedrohten Besatzung eingerückt. Als er aber -am 31. Januar nach Chemnitz beordert wurde, ließ er ohne weiteres -die Bürger aus der Stadt ausweisen. Nur die zur Arbeit nötigen -wurden zurückbehalten. Die Bürgerschaft zog an diesem Tage unter -entsetzlichem Jammer der Weiber und Kinder bei großer Kälte aus der -Heimat in die Nachbarstadt Schneeberg. In Zwickau wurde zum Zeichen des -Kriegsregiments auf dem Markte der Galgen aufgerichtet. Die Vorstädte -und 18 Dörfer der Umgegend legte die Besatzung in Asche. Die Plünderung -war allgemein. Als Gegenstück, angeblich aus Rache gegen den Zwickauer -Befehlshaber Wolf von Ende, Besitzer von Rochsburg, ließ der Kurfürst -Rochsburg verbrennen und die Höfe von Kriebstein ausbrennen. Furchtbar -litt das arme Sachsenland unter dem Vetternkriege, der sich immer -mehr zu Ungunsten des Herzogs neigte. Dieser zog sich deshalb nach -Freiberg zurück, um im Falle einer Niederlage Dresden oder Böhmen -nahe zu sein. Ja, selbst in Freiberg fühlte er sich nicht sicher; er -lebte in beständiger Furcht, daß ihm die Wege nach Böhmen versperrt -werden könnten. Am 8. März wurde Chemnitz durch eine kurfürstliche -Abteilung zur Übergabe aufgefordert, die Chemnitzer gaben gar keine -Antwort und blieben vorläufig unbehelligt. Im Erzgebirge aber wurde -der kurfürstliche Obrist Thumshirn, welcher von einem Streifzuge aus -Franken her anrückte, mit offenen Armen aufgenommen. - -Die Annaberger empfingen ihn mit Freude, die Wolkensteiner und -Marienberger ergaben sich auf bloße Aufforderung. Die Ratsherren -dieser Städte waren zwar gegen sofortige Ergebung, allein das Volk, -das Moritz als Verräter ansah, riß die Gewalt an sich. Oederan und -Zschopau wurden am 27. und 28. März durch Thumshirn nach Annaberg zur -Huldigung befohlen. Auch Joachimsthal nahm dieser ein und veranlaßte -dadurch den Aufstand in Böhmen gegen Kaiser und König, der dort schon -lange gärte. Wäre Thumshirn in der eingeschlagenen Richtung weiter -vorgerückt, so hätte er Ferdinand und Moritz, die mit ihren Truppen -von Freiberg über Lauenstein nach Teplitz und Brüx zogen, um sich in -Eger mit dem Kaiser zu vereinigen, den Weg abschneiden können. Moritz -selbst war als letzter aus Freiberg am 24. März abgezogen, um den -üblen Eindruck seines fluchtartigen Aufbruchs zu verwischen. Sein Zug -ging über Frauenstein, Sayda und Klostergrab nach Brüx. Thumshirn -aber benutzte seinen Vorteil nicht, sondern plünderte das herzogliche -Schloß zu Marienberg und zog weiter brandschatzend durch das sächsische -Erzgebirge. Am 3. April fiel Chemnitz, am 8. Freiberg und das Amt -Schellenberg bei Chemnitz. - -Trotz dieser Erfolge zog sich das Verderben dunkel und drohend über -die Kurfürstlichen zusammen. Lange hatte der Kaiser gezögert, ob -er sich um seiner Krankheit willen pflegen oder ins Feld ziehen -solle. Da verbreitete sich plötzlich die Nachricht, daß der Zug nach -Sachsen beschlossen sei. In Eger war noch in Gegenwart des Kaisers -das Osterfest feierlich begangen worden. Am 10. April rückte Herzog -Moritz, dem das ganze kaiserliche Heer folgte, mit einem Vortrab -im Vogtlande ein. Am 16. April unternahm der Obrist Kruda mit 800 -Reitern, einigem Fußvolk und Geschütz einen Ausfall von Zwickau nach -Schneeberg, das sich nach kurzer Gegenwehr ergab, worauf der Obrist das -Ratskollegium und die höheren Bergbeamten mit fortschleppte und erst -nach Erlegung einer Summe von 500 Gulden wieder losgab. Am 16. April -war der Kaiser selbst in Werdau. Das nachbarliche Zwickau vermied er -absichtlich, weil dort eine fürchterliche Seuche wütete. -- Der weitere -Verlauf des schmalkaldischen Krieges bis zu dem Unglückstage auf der -Lochauer Haide bei Mühlberg an der Elbe ist allenthalben bekannt. Als -die aufrührerischen Böhmen von der Niederlage des Kurfürsten hörten, -unterwarfen sie sich kläglich und ließen Thumshirn mit seinen 4000 -Fußknechten und 600 Reitern im Erzgebirge im Stich. Moritz beeilte -sich nun, diesem Rest der kurfürstlichen Truppen die Erzgebirgspässe -zu verlegen. Es gelang ihm nicht. Thumshirn brach durch und vereinigte -sich mit des Kaisers Feinden. Bald ertönten die Friedensglocken auch -im Erzgebirge, aber der ersehnte Frieden mochte nicht kommen. Lange -noch raubten und plünderten die unbezahlten Söldnerscharen im armen, -unglücklichen Lande. - - -~c.~ Drangsale in Schneeberg. - -Obgleich nun am 24. April schon der Kurfürst Johann Friedrich auf -der Lochauer Haide Schlacht und Kurhut verloren hatte, so schwärmten -doch noch später kurfürstliche Truppen unter dem bekannten Obersten -von Thumshirn hier im Gebirge umher. Es war, wie es scheint, die -Kunde von des Kurfürsten Mißgeschick sogar da noch nicht bis hierher -gedrungen, als an einem schönen Frühlingstag, Sonntag Jubilate am 1. -Mai um 10 Uhr vormittags, eine stattliche Reiterschar von Zwickau -her durch die Zwickauer Gasse nach der sogenannten Fürstengasse, dem -heutigen Fürstenplatz in Schneeberg, hereingetrabt kam. Es waren -vornehme Kavaliere, unter ihnen ein Kaspar von Stadion, also wohl ein -Württemberger. Die Schneeberger aber, die etwa bei der Hand waren, um -die glänzenden Reiter anzustaunen, mögen thatsächlich wohl Mund und -Nase aufgesperrt haben, denn von den lauten Reden, die die Herren -wechselten, als sie sich vor Wenzel Gassauers Gasthof -- dem späteren -Fürstenhaus, einem Gebäude, das wechselvolle Schicksale gehabt -- -von den Rossen schwangen, haben die Zuschauer wenig verstanden, da -hauptsächlich Spanier und Italiener sich darunter befanden. Vielleicht -ist einer von den Bergleuten, die in der Umgegend wohnten, dann -später den Leuten des Thumshirn in die Hände gelaufen, oder es hat -ein treuer Anhänger des Kurfürsten -- und das scheint bei der damals -in den Bergstädten vorhandenen Gesinnung gegenüber den katholischen -Hilfstruppen des Herzogs Moritz wahrscheinlicher -- Botschaft hinüber -in die Annaberger Gegend, wo die kurfürstlichen Völker streiften, -gesendet. Fast möchte man der Zeit nach freilich glauben, daß diese -schon nach unserer Gegend her unterwegs waren, denn gerade als die -28 kaiserlichen Offiziere unter fröhlichem Scherzen und Lachen beim -stattlichen Mahle waren, »etwan nach Mittags um 1 Uhr« heißt es in -der Chronik, da kam ein starker Haufe der Thumshirnschen Reiter -zum Hartensteiner Thor herein. Sie mögen wohl durch Nebengassen -heranschleichend das Haus umstellt haben, einen Warner für die -Schmausenden hat es aber nicht gegeben, denn urplötzlich brach das -Verhängnis über sie herein. Kaum hatten sie Zeit, nach der Wehr zu -eilen, ein fürchterliches Getöse entstand. Die Überraschten und vom -Wein vielleicht schon etwas Bemeisterten vermochten nichts gegen die -Übermacht. Ob sie sich auch tapfer zur Wehr setzten, einige auch die -Thür gewannen und die Treppe hinab mit wuchtigen Hieben sich Bahn -brachen, die Gegner waren zu stark, hier und da brach einer blutend -zusammen, zwölf wurden ihrer niedergemacht und einer, der sich auf die -Oberstube des Nebenhauses gerettet, dort zum Fenster heruntergestürzt; -die übrigen gaben sich gefangen. - - Nach ~Dr.~ Jakobi. - - -43. Der Dreißigjährige Krieg im oberen Erzgebirge. - - -~a.~ Kurfürst Johann Georgs I. Verteidigungswerk. - -Schon im Jahre 1613, als die in Böhmen ausgebrochenen -Religionsstreitigkeiten und Unruhen immer bedenklicher wurden, -errichtete +Kurfürst Johann Georg I.+ von Sachsen für sein ganzes Land, -um dasselbe möglichst wehr- und kriegsfähig zu machen, ein sogenanntes -+Verteidigungswerk+, d. h. eine Art von Land- und Bürgerwehr, wozu -durch besondere Ausmusterungen die kriegstüchtigen Männer aus den -Städten und Dörfern ausgehoben und in besondere Haufen gebracht wurden. - -So bestand das +Freiberger+ Verteidigungswerk aus der Mannschaft, -die nicht allein aus der Stadt und dem Amtsbezirke, sondern auch aus -dem +Wolkensteiner+, +Grünhainer+ und +Tharandter+ Amte genommen war -und zusammen 520 Mann ausmachte. Diese Mannschaften mußten von den -betreffenden Städten mit den nötigen Waffen und den vorgeschriebenen -Ausrüstungsstücken, nämlich grauen Röcken mit roten Aufschlägen, roten -Tuchstrümpfen und schwarzen Hüten versehen werden. Zum Unterhalte -dieser Verteidiger wurde im ganzen Lande eine Steuer ausgeschrieben, -wozu jede Stadt nach Verhältnis beizutragen hatte. Die +Marienberger+ -Stadtgeschichte berichtet, daß von diesem Orte allein im Jahre 1631 -nicht weniger als 513 Gld 9 Gr 2 Pf Angeld und 43 Scheffel 9½ Metze -Hafer an das Amt +Augustusburg+ abgegeben werden mußten. Im genannten -Jahre, wo die Kriegsunruhen die sächsischen Grenzen bereits aufs -schlimmste bedrohten, wurden von den erwähnten Verteidigern viele an -die sächsisch-böhmische Grenze geschickt, um da in Gemeinschaft mit -den gebirgischen Bewohnern alle Pässe zu verhauen oder wenigstens zu -bewachen und das Eindringen von feindlichen Streifhorden aus Böhmen zu -verhindern. - - Nach Donat-Holzhaus. - - -~b.~ Wie in Böhmen der Krieg ausbricht. - -Kaum hatten sich die unglücklichen Bürger +Annabergs+ von den Schäden -des großen Brandes 1604 notdürftig erholt, da hatten sie um die -gerettete Habe wegen des in Böhmen 1618 ausgebrochenen Dreißigjährigen -Krieges zu fürchten. Von 1622 an suchten verschiedene böhmische -Protestanten in Annabergs Mauern eine Freistatt ihres bedrückten und -verfolgten Glaubens. Dieser Zuzug steigerte sich wesentlich 1625--26. -Namentlich viele Edelleute waren es, die sich hier niederließen. Zu -ihnen gehörte +Sidonie von Hassenstein+. Das gewöhnliche Volk bezog die -Dörfer oder gründete neue Ansiedelungen. So ließen sich in damaliger -Zeit eine Anzahl Flüchtiger in +Cranzahl+, +Bärenstein+, +Stahlberg+ -und anderen Orten nieder. Aus einem Dorfe bei Elbogen hinter Karlsbad -flüchtete ein vertriebener Bauer, Barthel Leibelt, in die +Cranzahler+ -Richterschmiede. Bei dem glaubensfrischen Steiger Christian Päßler in -+Stahlberg+, der an seiner Kirche sein Paradies gehabt hat, ließen -sich sehr viele nieder und bauten sich an. Wie groß die Glaubenstreue -gewesen ist, ersieht man daraus, daß Georg Wagner, Richter am -+Weipert+, 1643 als Apostata oder Abtrünniger erwähnt ist. Insbesondere -mußten auch die Geistlichen, in +Joachimsthal+ sogar 3, katholischen -Priestern und Mönchen weichen. Der Weiperter Pfarrer vermochte sich -bis 1625 zu halten. Als er da der Macht wich, zog er nach +Cranzahl+. -Seine Gemeinde ging mit ihm hier zur Kirche. Erwähnt sei noch, daß -1620 Michael Mahn und Joachim Petzelt von +Cranzahl+ in Böhmen von -Kriegsleuten angegriffen und ums Leben gebracht worden sind. Ihnen -wurden wenigstens in Cranzahl Leichenreden gehalten. - - Nach ~P.~ Schultze und Finck. - - -~c.~ Wie dem Obererzgebirge das Kriegsunglück naht. - -Im Jahre 1629 wurde am 6. März zu Annaberg das +Restitutionsedikt+, -das die Herausgabe sämtlicher Kirchengüter forderte, veröffentlicht. -Bis zum Jahre 1629 hatte man im Erzgebirge von dem großen Kriege -in den deutschen Landen nur wenig bemerkt. Einige Durchmärsche -der Kaiserlichen über das Gebirge brachten nur vorübergehende -Unzuträglichkeiten. 1630 feierte man in allen protestantischen Kirchen -das Jubeljahr der Übergabe des +Augsburgischen Bekenntnisses+. Die -entscheidende Wendung brachte das Jahr 1631, nach +Gustav Adolfs+ -Sieg bei +Breitenfeld+ am 7. September. Kurfürst +Johann Georg I.+ -ließ nun Truppen werben. Die Erzgebirgspässe wurden besetzt. Der alte -+Slavenpaß+, der über +Weipert+ und +Komotau+ in das Egerthal führt, -bildete nun in dem wechselvollen Kriege eine viel benutzte Heerstraße. -»Das gute Gebirge mußte alle Parteien von Freund und Feind erdulden, -sie speisen, auslösen, fördern und hausen lassen.« - -+Meltzer+ erzählt in seiner Stadtgeschichte Schneebergs von -Wunderzeichen am Himmel, welche den Krieg anzeigten. Am 25. Januar oder -Pauli Bekehrungstage 1630 hat man überall im Gebirge ein Feuer- und -Wunderzeichen am Himmel gesehen, als wenn unterschiedene Kriegstruppen -miteinander im Gefechte wären. Dergleichen hat man gehöret, als -wenn Musketen losgingen, zur Begrüßung geschossen würde. Dies haben -unzählige Personen mit Verwunderung und Schrecken beobachtet, aber -auch mit seiner Bedeutung in erfolgten feindlichen Einfällen und -Kriegsbewegungen erkannt. - - Nach Meltzer u. a. - - -~d.~ Wie wichtige Obererzgebirgspässe besetzt werden. - -Drei Hauptpässe, erzählt +Chr. Lehmann+ in seinem »Schauplatze«, -gehen über dieses Gebirge nach Böhmen, nämlich der +Rittersgrüner+, -+Preßnitzer+ und +Reitzenhainer+. Der +Rittersgrüner+ liegt in einer -festen Enge, daß man den ganzen Grund mit einer Schanze sperren konnte, -und hat Holck viel Mühe und Beschwerden gekostet, ehe er durch das -enge und morastige Waldgebirge hat brechen können. Der Preßnitzer geht -über +Kühberg+, +Paßberg+ und ist ein gut Stück gebrücket. Die 10 -Minuten langen Schanzen am +Blechhammer+ sind noch jetzt zu erkennen. -Der +Reitzenhainer+ geht über +Stollberg+, +Zschopau+ und +Marienberg+ -hin, liegt mitten im Walde eine halbe Meile von +Paßberg+ und hat der -reisenden Leute halber einen Gasthof. - -Durch diese Pässe haben die Gebirger im Dreißigjährigen Kriege großen -Schaden erlitten. Diese Waldpässe wurden im Jahre 1631 im September -weit und breit verhauen, viel tausend Bäume gefället, daß sie meist -mannshoch übereinander lagen, weder Roß noch Wagen durch konnten -und Korn, Malz und Mehl, alles herübergetragen oder geschleppt und -kümmerlich durchgezogen werden mußte. - -Vor dem +Reitzenhainer Paß+ war eine böhmische Schanze und ein -Vorratshaus von Böhmen besetzt, welche der sächsische +Oberst Taube+ -mit 1500 Mann zerstörte. An dem +Preßnitzer Paß+ hatte man zwei -Schanzen angelegt. Die eine war nahe an +Weipert+ am Grenzwasser beim -Gasthofe. Man hatte den Hof und das Haus mit hohen Pfählen verschanzt, -Schießlöcher durch die Ställe gemacht und den hohlen Weg zum Laufgraben -gebraucht. Das Wachhaus war mit Pfählen hoch verschanzt und darüber -eine kleine viereckige Schanze. Diesen Paß besetzte der auf +Preßnitz+ -liegende +Hauptmann Krebs+ mit 50 Musketieren, setzte die nächsten -Dörfer umher in Kriegskosten, gab Schutzwachen aus nach +Crottendorf+, -+Sehma+, +Cranzahl+. - -Ehe diese Pässe verhauen wurden, mußten die Gebirger vier Wochen lang -in großer Anzahl davorliegen. Die +Wolkensteiner+ bewachten den Paß -von +Reitzenhain+ und +Kriegwald+, die +Annaberger+ und +Grünhainer+ -den +Preßnitzer+, das Amt +Schwarzenberg+ den Paß bei +Wiesenthal+ und -+Rittersgrün+. - -Vor alters hatte man von +Freiberg+ die Pässe von +Frauenstein+, -+Reitzenhain+, +Preßnitz+. Durch diese sehr wilden und engen Pässe ist -man nach +Halle+, +Leipzig+ und dem +Harze+ gefahren und zwar nicht -ohne große Mühe und Gefahr wegen des Morastes, des tiefen Schnees und -der Räuber. Sie sind aber auf viertel, halbe und dreiviertel Meilen -gebessert und gebrücket, auch darum mit Zöllen und Geleitgeldern -beleget worden. Überdies findet man auch richtige Wege zur Jägerei und -Anführung der Zeugwagen. Bei +Joachimsthal+ ließ +General Holck+ einen -neuen Weg durch Aufhauung des Waldes räumen. - -Ein Lichtungsweg oder Paß berührte also auch die +Bärensteiner+ und -+Weiperter+ Flur. Eine Fortsetzung der Handelsstraße von Prag nach -+Laun+, +Saaz+, +Kralup+ und +Kaden+ darstellend, zog er sich durch -+Reischdorf+ nach +Preßnitz+, wo ein Schloß mit drei Türmen stand, -von einem Wassergraben umgeben und geschützt durch eine Zugbrücke. -Von dieser mutmaßlichen Zollstätte führte der Paß nach +Pleil+ und -+Sorgenthal+, dem +Weißen Hirsch+ und durch die nördliche Spitze -+Weiperts+ nach dem +Blechhammer+ herunter. Hier überschritt er -den Grenzbach, die Pöhla, und ging über +Kühberg+ und +Zollhaus -Berghäusel+ nach +Cranzahl+ herein, von hier aber auf der »alten -Schlettauer Straße« nach +Schlettau+ und weiter nach +Elterlein+, -+Zwönitz+, +Stollberg+, +Leipzig+ und +Halle+, woher die Böhmen -das unentbehrliche Salz holten, das ihr Kesselland nicht besitzt. -Noch heute sind an vielen Stellen die tief und breit in Felsboden -ausgefahrenen Hohlwege sichtbar, wie am +Blechhammer+, in +Kühberg+, -vor dem Erbgerichte und auf der »alten Straße« nach Schlettau, das -übrigens noch im Jahre 1807 zur Wiederherstellung der Grenzbrücke am -Blechhammer 72 M beitragen mußte. - - Nach Chr. Lehmann und ~P.~ Schultze. - - -~e.~ Die ersten Kriegsdrangsale in Marienberg. - -Am 16. September 1631 wurden 1500 Mann kaiserliches Fußvolk, das -bei Leipzig nach der Schlacht bei +Breitenfeld+, am 7. September, -sich ergeben hatte und nun freien Abzug nach Böhmen erhielt, durch -sächsische Reiterei und Infanterie bis +Reitzenhain+ geführt, bei -welcher Gelegenheit die Stadt Marienberg die genannten Truppenteile -aufzunehmen hatte und derselben ein Kostenaufwand von 425 Gld 20 Gr -erwuchs. - -Sehr verhängnisvoll sollte das Jahr 1632 für +Marienberg+ werden. Dies -erfuhr die Stadt schon, als am 4. Mai die +Fürsten von Anhalt+ und der -von Altenburg auf dem Durchmarsche nach Böhmen mit zwei Regimentern -einrückten und einige Wochen später der sächsische +Oberst Vitzthum -von Eckstädt+ mit einem Reiterregimente die Stadt als Musterungsplatz -wählte. in beiden Fällen hatte dieselbe für Verpflegung u. a. 825 Thlr -5 Gr, sowie später noch 1435 Gld 9 Gr 8 Pf zu zahlen. - - Nach Donat-Holzhaus. - - -~f.~ Wallensteins Truppen kommen. - -In großen Schrecken sollte das Obererzgebirge versetzt werden, als -+Wallenstein+ seine dem Laster ergebenen und aus allerlei Volk -zusammengelesenen Truppen nach Sachsen führte. Der +General Holck+, -Wallensteins Oberstfeldmarschall, ein Protestant aus Dänemark, sowie -der +Kroatenoberst Corbitz+ führten ihre Banden über +Altenberg+, -+Schneeberg+ und +Annaberg+ durch unser Gebirge, wodurch dieses aufs -höchste geängstigt ward. Am 10. August 1632 rückte der Vortrab des -Holckschen Heeres unter +Oberst Isaak von Brandenstein+ vor +Annaberg+, -wo nicht nur 2000 Thaler Brandschatzung gezahlt werden mußten, -sondern auch, trotz des gegebenen Ehrenwortes, die Stadt vor aller -Unbill zu schonen, in schrecklichster Weise geplündert und alles Vieh -weggetrieben wurde. - -Nach dieser Heldenthat ging es weiter, und mitten in der Nacht kam die -Bande vor +Marienberg+ an. Ein kaiserlicher Trompeter sprengte vor -das verschlossene Annaberger Thor und begehrte im Namen des Kaisers -Öffnung und Übergabe der Stadt. Der +Bürgermeister Franke+ bat um einen -Tag Bedenkzeit; der Trompeter ritt zurück und nach einer in großer -Angst durchwachten Nacht öffnete man das Thor und -- nirgends war -ein feindlicher Soldat mehr zu erblicken. Die Gefahr war für diesmal -abgewendet; aber die Angst stieg wieder aufs höchste, als man vernahm, -daß der grausame +General Holck+ selbst bereits in +Schneeberg+ -angekommen sei und sein Heer dort nicht nur alles geplündert -und zerstört, sondern auch Fliehende und Flehende unbarmherzig -niedergeschossen, viele Bürger getötet oder bis auf den Tod gequält, ja -den Stadtrichter vor der Thür seines Hauses und einen 90jährigen Greis, -den früheren +Bürgermeister von Schlackenwerth+, niedergemetzelt hatte. - -Von +Eger+ kommend, drang 1632, Mitte August, der +General Holck+ mit -seinen Scharen über +Elbogen+, +Neudeck+ nach +Eibenstock+ und von da -gegen +Schneeberg+ vor. Gar übel haben die Kroaten überall gehaust. -+Schwarzenberg+, +Schneeberg+, +Lößnitz+, +Grünhain+, +Elterlein+, -+Geyer+ wurden geplündert und niedergebrannt. Schreckliche Zeiten waren -gekommen. Das liebe Getreide wurde zertreten, viele hundert Stück Vieh -wurden geraubt, von den Marketendern teuer verkauft, Brot und Bier -wurde durch dieselben abgeführt und dadurch Hunger, Brotmangel, Zagen -und Wehklagen verursacht. - - Nach Donat-Holzhaus u. a. - - -~g.~ Oberst Preuß vor Marienberg. - -Am 21. August rückte +Oberst Preuß+ vor +Marienberg+, nachdem ihm -+Holck+, in Rücksicht darauf, daß die Stadt noch vom großen Brande her -zum Teil in Schutt lag, einige Schonung anempfohlen hatte. Am genannten -Tage früh 10 Uhr reitet ein Trompeter vor das verschlossene Thor und -verlangt, daß man öffne. Niemand hört ihn und erbittert reitet er zum -Heerhaufen zurück. Als auch auf eine erneute Aufforderung keine Antwort -erfolgte, ward Sturm geblasen, das Thor gesprengt, und vorsichtig -rückte man auf den großen, weiten Markt vor. Zwei volle Stunden läßt -der Oberst, der einen Hinterhalt vermutet, seine ungeduldigen Soldaten -hier stehen. Ringsum herrscht aber die Stille des Kirchhofs -- kein -Mensch zeigt sich! Da wird das Rathaus gewaltsam geöffnet; aber auch -hier ist kein Mensch zu finden. Selbst der Rat hatte den Mut verloren -und mit zuerst die Flucht ergriffen; alle Einwohner waren samt den -Geistlichen in den Wald geflohen und nur einige Arme und Kranke -zurückgeblieben. Der Ratsdiener aber und einige Bürger wurden noch in -der Nähe der Stadt ergriffen und von den Kroaten niedergeschossen. - -Als die Bande sah, daß die Stadt aus Furcht vor der Gefahr preisgegeben -worden war, begann sofort die Plünderung, welche zehn volle Tage -hindurch fortgesetzt wurde. Mit einem unglaublichen Spürsinne wußten -die Soldaten in Kellern und Bergschächten, wohin man das Beste der Habe -vergraben und verborgen hatte, diese aufzufinden. Auf dem Rathause fand -man so viel Gold- und Silberzeug, daß damit allein die Stadt hätte von -der Plünderung befreit werden können, wenn der zweite Bürgermeister, -+Adam Genser+, nicht ganz und gar den Kopf verloren gehabt hätte. Als -derselbe sich nach einigen Tagen wieder aus dem +Reitzenhainer Walde+ -hervor in die Stadt wagte, nahmen ihn die Kroaten gefangen und ließen -ihn nicht eher los, bis die Kämmerei 100 Thaler für ihn bezahlt hatte. - -Hunger und Elend nahmen unter den unglücklichen Bewohnern überhand, -welche neun Tage in Höhlen und Klüften der Wälder gelebt hatten, -weshalb sich eine Anzahl mutiger Bürger entschloß, beim +Oberst Preuß+ -um sichere Rückkehr in die Stadt zu bitten. Die Erlaubnis ward gegeben -und sogar eine Abteilung zur Deckung des traurigen Einzugs beordert, -und so kehrten am 30. August sämtliche Bewohner zurück, fanden aber -bald genug zu ihrem größten Schrecken, daß ihre so sicher geglaubte -Habe geraubt war. Der Stadtgeschichtsschreiber berichtet hierüber: -»38 Fähnlein Fußvolk sind auf dem Markte, als der Marsch wieder -fortgegangen, gestanden; die Reiterei ist aber bei der Stadt vorüber -nach +Freiberg+ zu marschiert; es ist weder Brot noch einiger Trunk in -der Stadt zu bekommen gewesen, und hat nach diesem Unglücke ein Brot --- sonst einen Groschen -- 5 Groschen und eine Kanne Bier 3 Groschen -gegolten.« Auch wird noch weiter hinzugefügt: »Es sind auch 325 -Personen an der Soldatenkrankheit gestorben, welche die kaiserlichen -Völker für Ausplünderung der armen Stadt als Trinkgeld hinterlassen. -Unter den Verstorbenen waren auch die Stadtschreiber Joachim Frank und -Josephus Collmann, sowie der Stadtrichter Heinrich von der Feldt.« -Übrigens lagen noch bis zum 25. September Soldaten in der Stadt, wo -sie bis auf 15 Mann, welche als Schutzgarde zurückgeblieben, abzogen. -Ehe aber der Aufbruch geschah, sollte zuvor einer, der einen Mönch -erschlagen, stranguliert werden, »hatte sich aber, als ein seltsamer -Abenteurer, vom Galgen wieder losgemacht«. - - Nach Donat-Holzhaus. - - -~h.~ Wie die Kaiserlichen nach der Lützner Niederlage im Gebirge hausen. - -Früher ward in der gewölbten Sakristei der +Zwickauer Marienkirche+ ein -in Gold gefaßtes Stücklein vom Kreuze Christi verwahrt, welches der -Hauptmann Martin +Römer+ im Jahre 1479 der Kapelle geschenkt hatte. -An dieses Kreuz heftete sich der Fluch: »Wer ein Stücklein von diesem -Holze mit Gewalt nehmen wird, der sei verflucht und das heilige Kreuz -bringe ihn um.« Nun hat +Herzog von Friedland+ oder +Wallenstein+ am 1. -September 1632 dieses Kleinod durch seine Vettern +Graf Maximilian von -Wallenstein+ und +Graf Paul von Lichtenstein+ abholen und dem Kaiser -eigenmächtig im Namen der Stadt +Zwickau+ anbieten lassen. Nachdem -dies am 14. September geschehen, hat +Wallenstein+ am 6. November die -große +Schlacht bei Lützen+ verloren und seit dieser Zeit kein Glück -mehr gehabt, also daß er schließlich zu +Eger+ umgekommen ist. Auch die -beiden Grafen sind eines unnatürlichen Todes gestorben. So erzählt die -Sage. In der +Lützner Schlacht+ hat auch auf Seite der Kaiserlichen -+Herzog Franz von Sachsen-Lauenburg+ mit gekämpft. Es ist derselbe, -welcher die +Kapelle+ auf dem +Kupferhügel+ in Böhmen gründete. -Er weihte sie der Maria. Man hat jeden Freitag zur Zeit der Blüte -des dortigen Bergbaues Gottesdienst darin gehalten. Später verfiel -sie und ward erst 1821 wieder hergestellt. Der Gründer, +Franz von -Sachsen-Lauenburg+, ist derjenige, welchem der Tod des Schwedenkönigs -+Gustav Adolf+ in der Schlacht bei +Lützen+ zugeschrieben wird. Die -kaiserliche Besatzung vor +Leipzig+ fiel den Schweden in die Hände, -wurde entwaffnet und von schwedischen Reitern auf dem +Weiperter Paß+ -nach Böhmen geführt. Kaum war die schwedische Bedeckung fort, so fielen -die in die Wälder geflüchteten Bauern am +Kühberge+ über Wagen und -Rosse her und hieben die Begleitung der Rosse nieder. - -Der Rückzug der Kaiserlichen nach der Schlacht bei +Lützen+ verbreitete -von neuem Schrecken, Elend und Not. Die Kaiserlichen trieben alles -Vieh, was sie überhaupt noch in den Ställen fanden, mit fort. Als -einigermaßen wieder Ruhe wurde, kamen die geflüchteten Landesbewohner -aus den Bergschluchten und Wäldern wieder hervor. Kaum elendes -Kleienbrot und Salz konnten sie auftreiben, als der Landmann wieder -zum Pfluge griff. -- Sogar +Bernhard von Weimar+ ließ +Wolkenstein+, -+Lauterstein+, +Augustusburg+, sowie die +Bergstädte+ brandschatzen. -Am 16. Dezember rückte er vor +Zwickau+, beschoß die sich lebhaft -verteidigende, von Kaiserlichen besetzte Stadt und legte mit dem Feuer -von acht halben Kanonen die Stadtmauer am Rößleinturme nieder, sodaß -die Kaiserlichen mit fliegenden Fahnen, Kugeln im Munde, brennender -Lunte und viel Vorratswagen abzogen. - -Im nächsten Jahre 1633 kam +Holck+ wieder ins Gebirge. 16000 -Kaiserliche zogen über den +Weiperter+ Paß nach Böhmen. Zwei Jahre lang -blieb derselbe besetzt. Alles wurde zu nichte gemacht. In +Schneeberg+ -raubt er den Altar, heilige Geräte, Meßgewänder, vernichtete die Bilder -von Luther und Melanchthon. +Aue+ wurde niedergebrannt, +Lößnitz+ -geplündert und ausgeraubt. Dazumal ist auch das Getreide im Felde an -vielen Orten niedergetreten worden. Wochenlang brachten die Bewohner -der Orte in den Wäldern zu. - -Später befreite der sächsische +Oberst von Taube+ das Land von den -Kaiserlichen. Aber die eigene verwilderte Soldatenhorde hauste nicht -minder schrecklich. Es waren sächsische Dragoner, welche die Thore -von +Marienberg+ stürmten und die Stadt, wie später auch +Annaberg+, -plünderten. - - Nach ~Dr.~ Köhler, M. v. Süßmilch u. a. - - -~i.~ Wie die Bauern die Kaiserlichen vertreiben. - -Als im Jahre 1632 die Kaiserlichen die Ausgänge der Pässe von -+Preßnitz+ und +Reitzenhain+ besetzt hielten, thaten sich die Bauern -zusammen, vertrieben die Kaiserlichen aus den Schanzen und lauerten -ihnen auf, wenn sie mit Beute durchs Gebirge zogen. Der Anführer der -Bauern war der +Amtsschösser+ von +Grünhain+, +Friedrich Türck+. Als -nun von allen Seiten Klagen über die Bauern beim +General Gallas+, -welcher um Freiberg lag, einliefen, schickte dieser wiederholt Boten -an +Türck+ mit Warnungen und Drohungen und verlangte Kriegskosten. -+Friedrich Türck+ wollte davon nichts wissen und ließ den Kaiserlichen -entbieten, er wollte ihnen Pestilenz, Pulver und Blei und alle -katholischen Steine aus dem Kloster Grünhain auf die Köpfe geben. -Dies konnte nicht ungestraft bleiben. +Gallas+ entsandte 2000 Pferde -mit 20 Standarten unter dem +Obersten Kehreuß+ gegen die Bauern -ins Gebirge. Am 7. November kamen sie auch durch +Kühnhaide+. Von -+Friedrich Türck+ wird gerühmt, »er habe seine Bauern dermaßen -begeistert und abgerichtet, daß sie frisch vorm Feinde standen, keine -Gefahr scheuten und sich trefflich wehrten, sonderlich, wenn er dabei -war und ihnen zusprach«. -- Es drängt sich die Vermutung auf, daß die -»+Türckenheide+« bei Kühnhaide ihren Namen von jenem Bauernführer -erhalten hat. - -Auch in andern Gegenden wehrten sich die Bauern erfolgreich. Das -berichtet die Erzählung von den sechs Brüdern bei +Geyer+. Als -nämlich in demselben Jahre, 1632, kaiserliche Truppen von der Burg -+Scharfenstein+ die ganze Umgegend durchstreiften und plünderten, -war es einem Trupp herzhafter Burschen aus +Elterlein+ und +Zwönitz+ -gelungen, in der Nähe von +Scharfenstein+ sechs Österreicher, welche im -dichten Walde schliefen, zu überfallen und gefangen zu nehmen. Was nun -mit den Gefangenen zu beginnen sei, darüber entstand bei den Siegern -heftiger Streit. Die von +Elterlein+ meinten, daß es das beste sei, sie -sämtlich totzuschlagen. Die von +Zwönitz+ wollten nichts davon wissen -und brachten es dahin, daß man beschloß, sie zum Heere zu bringen. -Sie zogen fort. Als sie in die Nähe von +Geyer+ kamen, erhob sich der -Streit von neuem, und weil die +Elterleiner+ mit Gewalt drohten, so -wurden die Zwönitzer voll Ärger und schieden von ihnen, die Gefangenen -ihrem Schicksale überlassend. Dieses war ein trauriges. Denn kaum waren -die +Zwönitzer+ im Walde verschwunden, so fielen die mordlustigen -Elterleiner über die wehrlosen Opfer ihrer Wut her und ermordeten fünf -Österreicher auf die grausamste Weise, den sechsten aber warfen sie -in ein tiefes Loch, in welchem ihn die Vorübergehenden noch am andern -Tage jammern hörten. Zum Gedächtnisse dieser Greuelthat heißt jene -Stelle der Wiesen bei Geyer noch jetzt »+Sechs Brüder+«, ohne daß man -bestimmen kann, ob wirklich die sechs unglücklichen Österreicher Brüder -gewesen sind. - -Die unmenschliche Behandlung, welche die friedlichen Bewohner von -Freund und Feind zu erdulden hatten, brachte es so weit, daß eben jeder -Soldat, gleichviel, welcher Seite er angehörte, als Feind betrachtet -wurde. Daher herrschte zwischen den Bürgern und den Söldnerhorden -ein fortwährender Kriegszustand. Die Soldaten brannten, plünderten, -mordeten und schändeten; die Bewohner wehrten sich ihrer Haut und -wagten nicht selten auch den Angriff. Versprengte Soldaten wurden -unerbittlich niedergehauen. So lockten die Bauern von +Dorf-Chemnitz+ -nach der Leipziger Schlacht sechs hungrige Soldaten und ein -Soldatenweib in den Wald, erschlugen sie und raubten alles, selbst -die Kleider. Als die Leichen verscharrt werden sollten, findet man -einen Halbtoten und macht ihn noch vollends nieder. Der +Jahnmartin+ -am +Kühberge+ klagte oft, seine Hände röchen so nach Menschenfleisch; -denn er hatte viel Soldaten helfen erschlagen. 1641 erschlugen die -gebirgischen Bauern bei +Unterwiesenthal+ 9 Flüchtige von dem Heere -+Baners+, entkleideten sie und bedeckten sie mit Reisig: davon hat sich -einer wieder ermuntert und ist halbnackt nach Wiesenthal gekommen. - - Nach Chr. Lehmann und ~Dr.~ Pöschel. - - -~k.~ Das Kriegsjahr 1634. - -Alle Schrecken des Kriegen kehrten im Jahre 1634 wieder. Namentlich -wütete zu jener Zeit der kaiserliche +Oberstleutnant Schutz von -Schutzky+ in unserem Gebirge, setzte unter anderm +Sayda+ in Flammen, -brandschatzte +Annaberg+ mit 1200 Thalern und rückte auch vor die -Stadt +Marienberg+. Hierüber berichtet die Stadtgeschichte: »Den 29. -September rückte ein kaiserlicher Oberstleutnant Hans Heinrich von und -zu Schutz zu Roß um 2 Uhr nachmittags vor die Stadt; solchem ging der -Rat entgegen und bat für die arme Stadt, da sich's denn etwas besser -angelassen als im ersten Einfall; er kam mit etlichen Pferden in die -Stadt und nahm sein Quartier bei Georg Löven. Da er nun eingelassen -worden war, begehrte er von der Stadt für die Plünderung und als -Lösegeld 6000 Thaler; es blieb auf der Geistlichen und des Rats Bitten -bei 1000 Thaler. Ingleichen wurden dem Oberst 65 Thaler Tafelgeld und -dem Regimentsquartiermeister 35 Thaler verehrt. Das Lösegeld wurde -halb, nämlich 500 Thaler, den folgenden Morgen ausgezahlt, die anderen -500 Thaler sollten innerhalb 14 Tagen abgestattet werden. Obgleich aber -der Rat wegen dieser 500 Thaler einen Schuldschein von sich ausstellte, -haben sie doch um mehrerer Versicherung den ältesten Ratsherrn Michael -Seeliger mitgenommen. Bei diesem ankommenden Volke entstand auch am -Michaelistage abends 7 Uhr eine von den Soldaten angelegte Feuersbrunst -vor dem Annaberger Thore und verderbte in solcher ein Haus und eine -Scheune und ward ein großes Geschrei in der Stadt, weil es sehr -nahe an der Stadtmauer war.« Die letzte Abzahlung der obengenannten -Brandschatzungssumme leistete die Stadt am 31. Oktober durch den -Bürgermeister Augustin Eckstein, und mußte dieselbe, da alle Geldmittel -erschöpft waren, zum größten Teile in Naturallieferungen, worunter auch -Heringe und Stockfische aufgeführt werden, geschehen. - -In die bedenklichste Lage sollte die Stadt geraten, als im Oktober -1634 der österreichische +Major Beck+ den bisher verhauen gewesenen -+Paß bei Reitzenhain+ in einer Nacht öffnen ließ, sodaß nun diese -Heerstraße von hin- und herziehenden Heereshaufen wimmelte und es auch -zuweilen zu Gefechten zwischen sächsischen und kaiserlichen Truppen -kam. So entstand etwa eine halbe Stunde von der Stadt entfernt, auf -den +Lautaer+ und +Hilmersdorfer Höhen+, ein Treffen, später auch an -dem ganz nahen +Kaiserteiche+, wobei +Marienberg+ in die größte Gefahr -geriet. Täglich mit Brand und Plünderung bedroht und von Kroaten und -Spaniern umringt, sollte es immer und immer wieder für die in der Nähe -lagernden Truppen Lebensmittel schaffen. Es war der Mangel so groß, daß -der Rat das Brot von Haus zu Haus in einzelnen Stücken zusammentragen -ließ und es manche Eltern im Augenblicke, wo sie es essen wollten, den -hungernden Ihrigen entreißen mußten. Aus jenen trüben Tagen erzählt -der Geschichtsschreiber: »Es haben sich die Kroaten und spanischen -Regimenter vor die Stadt am Walde geleget, da denn die Offiziere auf -den Tag hereinkamen und mußten gespeiset werden, dem Volke aber alle -Tage 2 Faß Bier, Fleisch und Brot und wöchentlich jedem Regimente -20 Thaler Kriegskosten, welche 12 Tage gewährt, wobei das +Götzsche -Regiment+ noch dazukommt, welches gleichsam seine Verpflegung hat haben -müssen. Der +Kroatenoberst Joh. Tischler+ hat die Einquartierung in der -Stadt haben sollen, weil aber keine Möglichkeit, vornehmlich auch wegen -des sächsischen Volkes, welches in +Zschopau+ gelegen, da dann groß -Unglück der Stadt hätte entstehen sollen. So hat der Oberst +Tischler+ -200 Thaler und 6 Paar Stiefel für die Einquartierung begehrt, ist -aber bei dem halben Teile verblieben, und ist damals große Not wegen -des lieben Brotes gewesen; denn man hat weder aus noch ein können -und vielmals die Ratspersonen und Bürger das Brot von Haus zu Haus -stückweis von Bürgern einbringen und korbweise nausschicken müssen. -Dieses aber alles mußte man dulden, daß die Stadt nicht in Brand -gestecket wurde.« - - Nach Donat-Holzhaus. - - -~l.~ Zschopau wird niedergebrannt. - -Am 21. November 1634 war es, als die Bewohner +Marienbergs+ zu ihrem -größten Schrecken mitten in der Nacht den Himmel hoch gerötet sahen. -+Zschopau+ stand in Flammen, dessen Besatzung von 4 Regimentern -kaiserlicher Truppen unter dem +Obersten Colloredo+ überfallen worden -war. Sie richteten in der Stadt, welche mit Menschen überfüllt war, -da sich außer den Soldaten und Bürgern auch die Landleute darin -aufhielten, ein schreckliches Blutbad an. +Hering+ schildert das -Ereignis in folgender Weise: »Die Schlafenden schreckten plötzlich -durch den Ruf der Kriegstrompeten empor. Zschopau ist umringt; Frauen, -Kinder, Greise flüchten in die Keller; die Männer stürzen sich mit -hinaus und alle Schrecken der Schlacht erhöhen sich durch die dichte, -nur durch die tötenden Blitze der gelösten Gewehre erleuchtete -Finsternis. Es rast die Schlacht -- es wütet der Tod in allen Gassen; -es häufen sich Leichen von gefallenen Soldaten, Bürgern und Bauern, -und jetzt schlagen die Flammen empor -- rechts und links und fern und -nah steht die Stadt in Feuer. Dem Tode in den Flammen entfliehend, -stürzen die Versteckten hervor und suchen sich zu retten. Aber ach, wie -viele hatten dem Schutze der Keller sich lieber vertrauen wollen als -der würgenden Schlacht und waren hier erstickt. Außer den im Kampfe -Gefallenen zählte man am Morgen nach dieser schaudervollen Nacht 90 -Leichen von Erstickten. - -In Angst und Mitleid schloß sich in jener Nacht auch in +Marienberg+ -kein Auge zum Schlummer. -- Da brauste nach Mitternacht das -rückkehrende Heer heran; alles wollte, nach Brot schreiend, in die -Stadt stürzen. +Oberst Colloredo+ aber ließ die Thore besetzen und -nur die Offiziere hinein, sodaß die schreckensreiche Nacht für -die Stadt ebenso glücklich endete, als sie über die Nachbarstadt -unbeschreibliches Elend und Unheil gebracht hatte.« - - Nach Hering-Holzhaus. - - -~m.~ Die Sachsen in Marienberg. - -Auch der Anfang des Jahres 1635 war für die Stadt noch trübe genug, -und zwar kam diesmal die Bedrängnis nicht von feindlicher Seite, -sondern von sächsischen Truppen her. Am 2. Januar ritt der sächsische -+Oberstleutnant Unger+ mit 300 Dragonern vor die Stadt, wo die Thore -Tag und Nacht verschlossen gehalten wurden. Er begehrte Einlaß. Man -fürchtete sich aber vor den Sachsen ebenso, wie vor den Kaiserlichen, -und der Rat zögerte, ob er öffnen lassen sollte oder nicht. Da -verbreitete sich plötzlich allgemeiner Schrecken; denn krachend -ertönten die Schläge der Hämmer und Äxte, womit das Freiberger Thor -aufgehauen wurde. Gleich einem feindlichen Heere strömten die Krieger -herein. Von den zwei Mann, welche der Rat von der kaiserlichen -Besatzung in +Reitzenhain+ als Schutzwache erhalten hatte, war nichts -zu sehen. Man suchte nach ihnen, und der eine hatte sich in einen -Gasthof geflüchtet, während der andere glücklich nach +Reitzenhain+ -entkommen war. Derjenige, welcher sich versteckt hatte, wurde von -einem Dragoner bemerkt, herunter geholt und auf den Markt vor den -Oberstleutnant gebracht; die Ratsherren baten für ihn, aber vergebens. -»Hund, knie nieder!« war die Antwort auf die inständigen Bitten, und -der Arme wurde sofort erschossen. Die Soldaten quartierten sich selbst -ein, und ist es nach den Worten des Geschichtsschreibers »zuletzt übel -hergegangen, indem sie geplündert; alle Pferde, so auch sind bei den -feindlichen Einfällen erhalten worden, haben sie mitgenommen, so haben -die Bürger damals ihren Schaden über 1700 Thlr angegeben, welches -nichts Geringes gewesen und die Stadt für die erschossene Schutzwache -auf große Bitte noch 28 Thlr bezahlen müssen, ohne, was sonsten an -Verheerung und anderem aufgegangen ist.« - - Nach Donat-Holzhaus. - - -~n.~ Wie die Schweden ins Gebirge kommen. - - -1. Der Beginn der Schwedengreuel. - -Kurfürst +Johann Georg I.+ hatte am 30. Mai 1635 den +Prager Frieden+ -geschlossen. Aber dieser Friede hatte die größten Drangsale für -Kursachsen im Gefolge. Verödung, Hungersnot und Pest waren schon da. -Nun brachte die gesteigerte Verwilderung und vor allem die Rachsucht -gegen die verlassenen Bundesgenossen die fürchterlichsten Greuel. -Hatten vorher nur die Kaiserlichen im Lande gehaust, so wurden von nun -an auch die Schweden zu Feinden und übertrumpften die Kaiserlichen an -Ingrimm und Wut. - -Raub und Erpressungen bezeichneten ihren Weg. Städte und Dörfer wurden -verheert und niedergebrannt, Wohnungen und Eigentum zerstört. Keine -Kirche und Schule, kein Hospital, keine milde Stiftung wird verschont, -und die Bewohner werden aufs grausamste gequält, gemartert und -getötet. Die Verstorbenen in den Gräbern haben keine Ruhe vor ihnen. -Die Kruzifixe an den Wegen werden mutwillig zerhauen und verstümmelt. -Das Land war bis aufs Mark ausgesaugt. +Baner+ marschierte nach den -Bergstädten. Vor +Annaberg+ nahmen die Schweden allenthalben die besten -Pferde weg, ließen sich mit Kleidung, Schuhen, Stiefeln, Sätteln, -Hufeisen, Nägeln versehen. - -Am südlichen Ende des zwischen +Chemnitz+ und +Schellenberg+ gelegenen -Dorfes +Euba+ erhebt sich eine kleine Anhöhe. Auf dieser befindet sich -eine einfache, hölzerne Säule, welche der Eigentümer der Anhöhe zu -erhalten hat. Man hält sie für einen ehemaligen Galgen, an dem eine -Abteilung Schweden, welche da ihrem Feinde gegenübergestanden hat, -einen gefangenen Spion aufgehängt haben soll. - - -2. Die Schweden werden aus Marienberg vertrieben. - -Den 26. Februar 1639 nahte das schwedische Unheil auch der Stadt -Marienberg; denn der Geschichtsschreiber teilt folgendes mit: »Ein -schwedischer Fähnrich kam mit seinen Reitern und begehrte alsobald die -schwedischen 2000 Rthlr, so ihnen vor zwei Jahren sein Rest geblieben, -davon uns aber nichts wissend. Ist schwer hergegangen und hat der halbe -Teil an Geld, Pferden, Speisen, Schuhen, Stiefeln und Tuchen an 500 -Rthlr zusammengelaufen, und 500 Rthlr alsdann Rest geblieben, haben's -aber doch bezahlen müssen, daher auch Stücke verpfändet worden, so den -Vermächtnissen und dem Armenkasten zuständig, weil sonst kein ander -Mittel gewesen.« - -Im Februar 1639 floh alles, was fliehen konnte, in die Städte -+Freiberg+, +Annaberg+ und +Marienberg+; die Landgeistlichen schafften -ihre Frauen und Kinder wenigstens dahin in Sicherheit, um bei -wirklicher Gefahr schneller mit dem Reste der Kirchenkinder in die -Wälder flüchten zu können. Die Nähe der großen Waldungen ist damals für -das Gebirge die Rettung aus tausend Todesgefahren gewesen. Vom Februar -an streiften bereits schwedische Banden überall im Gebirge umher, und -es wurde damals auch von nur drei schwedischen Reitern das Schloß -+Lauterstein+ angezündet und in Asche gelegt. - -Am 12. April, es war Karfreitag, kamen etwa 500 solcher schwedischer -Brandstifter, nachdem sie +Zöblitz+ geplündert und angezündet, -sowie dessen Bewohner in jeder Weise mißhandelt hatten, auch -nach +Marienberg+. Es heißt hierüber: »Dieselbigen kamen vor das -Annabergische Thor, wollen dasselbe aufhauen, gaben auch Feuer -darauf. Da man sie aber mit Gottes Hilfe durch hinausgeworfene Steine -abgetrieben, mußten sie weichen. Sie zündeten aber das Schießhaus an -und die Hilligersche Scheune, da denn die Bürgerschaft in sehr großer -Gefahr war.« Am ersten Osterfeiertage kehrten die Erbitterten in noch -größerer Anzahl zurück, aber ein gleicher Steinhagel lehrte ihre -verwundeten Köpfe, daß die Bürger hier fest wie ihre Steine wären. -Einige Tage darauf wurde erneuter Sturm dadurch glücklich abgewehrt, -daß die Bürger anstatt der Steine -- Brot hinauswarfen. - -Glücklich sollte das fast täglich in Angst und Schrecken gesetzte -Marienberg am 10. August desselben Jahres wegkommen, als der -schwedische Oberst +Holck+ mit 250 Reitern und 200 Infanteristen Einlaß -in die Stadt verlangte. Zagend öffnete man die Thore, und drohend -ziehen die Schweden ein. Es fehlte Brot und Bier so ganz in der armen -Stadt, und diese wilden Gäste verlangten doch so viel und drohten, -die Stadt aufs äußerste zu quälen. Sie verteilen sich bereits in die -Häuser, wo Jungfrauen und Kinder sich verkrochen haben und angst- und -hungerbleich der Bürger die Räuber empfängt, die unter gräßlichen -Verwünschungen Geld, Brot und Bier und was nicht alles, fordern. Da -- -ruft plötzlich die Trompete; die Soldaten stürzen auf den Markt vor; -dieser füllt sich mit sächsischen Dragonern; ein wütendes Gemetzel -beginnt; die Schweden ergeben sich; einzelne entfliehen; der Oberst mit -mehreren Offizieren und Frauen wird gefangen genommen, und es werden -gegen 6000 Rthlr Wert erbeutet. Der sächsische Oberst +Stritzky+ hatte -der Stadt Rettung gebracht. - - Nach Donat-Holzhaus. - - -3. Das Schreckensjahr 1639. - -Das schrecklichste Jahr war das Jahr 1639. - -Sobald die Schweden +Zwickau+ und +Chemnitz+ genommen hatten, teilte -+Baner+ wie das ganze Land, also auch den Obererzgebirgischen Kreis -unter seine Obersten und Regimenter. Das Amt +Schwarzenberg+ und Amt -+Grünhain+ kamen unter +Oberst Leßle+. Da war kein Amt, Stadt, Flecken, -Dorf oder Schloß im Gebirge, das nicht geplündert oder gebrandschatzt -wurde, von +Marienberg+ an im Gebirge hinunter bis an die +Flöha+ und -+Olbernhau+, ja gar nach Böhmen hinein. - -Den 25. Februar kamen zwei Unteroffiziere vom +Leßlischen Regiment+. -Einer, +Barthel Moth+, kam ins Amt +Schwarzenberg+, der teilte -Sicherheitswachen aus. Das waren unberittene Reiter, die die Gemeinden -mußten verpflegen und versehen mit Pferden und Roßzeug, Stiefeln, -Kleidern, Röcken, Mänteln. Es wurde das ganze Amt gebrandschatzt um -6000 Thaler. - -Der +Leutnant Peter Kupfer+ legte sich aufs Schloß in +Schlettau+ und -plünderte das Amt +Grünhain+ und was hineingehörte um 5000 Thaler, -auch +Schlettau+, auf welches allein 1250 Thaler kamen, nahm viel -an Geschmeide und auch den silbernen Schützenvogel, mitsamt den -Schulden 80 Thaler wert. Das Vieh mußten die +Schlettauer+ samt den -+Scheibenbergern+ nach +Schwarzenberg+ treiben. Das Volk war arm, -konnte nichts erwerben; daher konnten die Richter die Kriegssteuer -nicht eintreiben und zur rechten Zeit abstatten. - -Der Richter +Hans Schwaner+ zu +Walthersdorf+ war nicht zu finden, -als die Boten +Kupfers+ erschienen. Da wurde der Ort zum großen Teile -niedergebrannt. Nichtsdestoweniger mußte das Dörflein seinen Teil -abstatten, alle Wochen 14 Thaler und Nahrungsmittel ohne Gnade geben. - -Das Städtchen +Scheibenberg+ wollte der oben erwähnte Barthel Moth -wegbrennen lassen; doch es wurde durch Bitten und Versprechungen der -Bürger abgewendet. -- Es fehlte wenig, daß das ganze Amt +Wolkenstein+ -von dem +Obersten Höcking+, der in +Annaberg+ auf Vorwache lag, -vernichtet worden wäre, weil dessen Vetter unterwegs von einer Rotte -loser Burschen erschlagen worden war. Das kurfürstliche Vorwerk und die -Schäferei zu +Geringswalde+, sowie der Försterhof zu +Hilmersdorf+, -die +Heinzebank+ genannt, waren bereits in Asche gelegt, da griff man -einen der Burschen auf, einen der harmlosesten, der nur das Pferd des -Ermordeten gehalten, prügelte ihn solange, bis er 21 Thaler und alle -seine Sachen, die er im Felde versteckt hatte, herausgab, und lieferte -ihn an den erzürnten Obersten ab. Dieser ließ ihn am 25. März vor dem -Thore vom Henker enthaupten und seinen Kopf aufs Rad legen. Das Haupt -eines +Buckauers+, der sich eines ähnlichen Vergehens schuldig gemacht -haben sollte, wurde zur Warnung für andere vor dem Thore auf eine -Stange gesteckt. Auch in +Wiesa+ war ein Soldat erschlagen worden; -da ließ der Oberst +Höcking+ die Edelfrau, der das Dorf gehörte, in -Annaberg einsperren, bis sie den Getöteten teuer bezahlte. - -Aus dem gleichen Grunde wurden in +Königswalde+ elf Güter samt -dem Gerichte angezündet. Auch wurden im Dorfe +Olbernhau+ an der -Flöha Kirche, Pfarre, Schule, Försterhof und viele Bauernhäuser -niedergebrannt. - -Nachdem +Baner+ im April die vereinigten Kaiserlichen und Kursachsen -bei +Chemnitz+ geschlagen, wobei fast das ganze sächsische Heer -aufgerieben worden war, gingen die Drangsale im Gebirge aufs neue an. -In +Annaberg+ lag ein schwedischer +Leutnant+, +Christian Zastro+, ein -Pommerischer von Adel, mit einer Sicherheitswache. Derselbe konnte es -nicht hindern, daß eine Abteilung Schweden am Palmsonntage einfiel -und vor ihrem Abzuge am nächsten Tage 3000 Thaler verpraßte. Als er -acht Tage später, am dritten Ostertage, den 16. April, 250 Mann vom -+Regimente Königsmark+, welche durch das Wolkensteiner Thor einfallen -wollten, nicht in die Stadt einließ, zündeten sie +Veit Wolfens+ -Vorwerk an, schossen dessen Sohn, sowie den eines anderen Bürgers, -+Kaspar Enderlein+, die zum Löschen herbeieilten, nieder und stifteten -noch sonst viel Unglück. - -+Zöblitz+ war am Gründonnerstage ganz ausgeplündert worden, und am -Karfreitage brannten es gar 500 Reiter weg. Da wurde auch von +Baners+ -Scharen das Schloß +Niederlauterstein+ bei Zöblitz an der Pockau von -drei schwedischen Reitern in Brand gesteckt und von seinen Bewohnern -verlassen. - -Vor +Marienberg+ erschien ein Trupp nach dem andern und begehrte -Einlaß, sodaß die Sicherheitswachen kaum Steine genug hatten, um -die Zudringlichen zurückzutreiben. Friedens halber mußte man ihnen -Brot und Bier hinausschicken. +Lößnitz+ und +Aue+ wurden wiederholt -geplündert. Am 19. April wurden die +Leßlischen Offiziere+ samt -den Sicherheitswachen abgefordert. Die Durchzüge der schwedischen -Regimenter nach Böhmen und ihre Kämpfe dauerten bis August. Den 23. -Mai wurden vier Regimenter unter den +Obersten+ und dem +Herzoge von -Holstein+ in +Annaberg+ untergebracht, die es so arg gemacht als auf -dem Lande, also daß mancher arme Landmann im Gebirge nicht einen Löffel -wiedergefunden, und viele feine Bürger mußten nach dem lieben Brot -gehen, weil es sehr teuer war und doch nichts zu erwerben war. - -+Baner+ ließ nach dem ausgesogenen Böhmen Vorräte aus Sachsen -herbeischaffen. Ein solcher Vorratszug war unter starker Bedeckung -am 19. August abends um 5 Uhr von +Chemnitz+ aus in +Marienberg+ -eingetroffen. Da erschien plötzlich der kurfürstliche Befehlshaber von -Freiberg, +Florian Stritzky+, mit vier Kompanien Dragonern und einer -starken Reiterabteilung aus +Dresden+, drang durch drei Thore in die -Stadt ein und fiel über die vom langen Marsche ermüdeten Schweden her. - -Ein Major und acht Soldaten wurden erschossen, der gefürchtete +Oberst -Höcking+, vier Oberstleutnants, sieben Rittmeister, vier Hauptleute, -zwei Reiterfähnriche, zwei Fähnriche, viele Unteroffiziere und -Mannschaften gefangen genommen und samt ihrem Vorrate, ihren Weibern -und Sachen nach +Freiberg+ abgeführt. Auch der +Leutnant Zastro+ mit -seinem eigenen Schatze und 20000 Thalern Kriegskosten, die er für -seinen +Obersten Leßli+ eingetrieben hatte, befand sich unter den -Gefangenen. Viele Bürger von +Annaberg+, welche sich dem Obersten -Höcking angeschlossen hatten, um in dem schwedischen Lager ihre Waren -zu verhandeln, kamen bei dieser Gelegenheit ebenfalls um das Ihrige. Es -wurde ihnen alles als schwedische Beute mit abgenommen. - -Seit +Gustav Adolfs+ Tode völlig im Kriege verwildert, brachen die -Schweden 1639 über das Erzgebirge in Böhmen ein und warfen Feuer -in jeden Ort, sodaß das +Egerland+ vom Gebirge aus einem riesigen -Flammenmeere glich. Vor den Unholden waren die Bewohner des Gebirges -wieder in die Wälder geflüchtet. Auf dem +Bärensteine+ war ein Wächter -bei einer hohen Stange. Nahte von irgend einer Seite ein Feind, so -warf er seine Stange um. Das war das verabredete Zeichen, auf das sich -alle ins Dickicht warfen. 1640 wurden die Schweden wieder nach Sachsen -getrieben. Sie deckten den Rückzug für ihre Geschütze und ihre Beute -in den Pässen auf dem Gebirgskamme. Auf diesem Rückzuge wohnte +Baner+ -in Annaberg. Schon im nächsten Jahre erschien er wieder, verfolgt von -den Sachsen. Wie durch ein Wunder entkam er auf Eilmärschen. Sein -verschanztes Lager hielt die Kaiserlichen lange auf. Endlich steckte er -es in Brand und vernichtete seine 500 Vorratswagen. Nachzügler zündeten -+Hassenstein+, +Preßnitz+, den +Weiperter+ Grund an. 1643 gingen 600 -Reiter +Torstensons+ durch die Pässe nach +Kaden+. 1644 waren Pässe und -Schanzen in den Händen der Kaiserlichen. Im Herbste stand +Torstenson+ -davor und erzwang im Januar 1645 den Durchbruch nach Böhmen. - -+Christian Lehmann+ erzählt, daß die Befreiung +Freibergs+ von den -Schweden zu Neujahr 1643 in +Elterlein+ einem Mädchen, das sich vor den -schwedischen Einfällen sehr geängstigt hat, im Traume sei geoffenbaret -worden. Sie hat im Traume gesehen, daß zwar +Torstenson+ die Stadt an -einer Kette hatte; aber es kam ein vornehmer Reiter mit einem bloßen -Schwerte geritten, der hieb die Kette mit einem Streiche entzwei, daß -der Torstenson mit der halben Kette zurückfiel. Darüber sind seine -Soldaten erschrocken und ausgerissen. - -Nach sieben Wochen ging der Traum in Erfüllung, und der Feind mußte -abziehen. - -Die Greuel nahmen im Gebirge erst ein Ende, als 1645 der Kurfürst mit -den Schweden den Waffenstillstand zu +Kötzschenbroda+ schloß. - - Nach Chr. Lehmann, ~Dr.~ Pöschel und ~P.~ Schultze. - - -4. Kriegsgreuel in Cranzahl. - -Im Herbste 1640 mußte eine Beerdigung bis Sonntag Estomihi, also -Ende Februar, 1641 verschoben werden. Als am 18. Januar 1640 Georg -Ottens 84jährige Witwe begraben wurde, lief, nachdem die Einleitung -der Predigt vorüber war und soeben zur Erklärung geschritten werden -sollte, die Nachricht ein, es seien +Banersche+ Reiter mit etlichem -Vieh in der Nähe. Alle eilen aus der Kirche. Man bringt schnell den -Leichnam ins Ruhekämmerlein. Die Predigt ist nachher am Sonntage -Estomihi gehalten worden. Am 24. Januar ist ein 74jähriger Greis von -Cranzahl von den Soldaten des +Schwedengenerals Königsmarck+, die -hier, in Crottendorf, Neudorf, Weipert, der Sehma und diesem Gebirge -herum drei Tage und Nächte in Quartier gelegen, im Walde ertappt und -so mißhandelt worden, daß er am 30. desselben Monats starb und am 1. -Februar in des Pfarrers Abwesenheit, der sich verborgen halten mußte, -zugleich mit noch einem 78jährigen Manne mit Sang und Klang beerdigt -ward. Beiden ist am Sonntage Invocavit die Predigt gehalten worden. -Den 28. Februar fielen gegen Sonnenuntergang etliche +Banersche+ -Reiter so plötzlich ein, daß die meisten es nicht gewahr wurden, bis -schon das Pfarrvieh auf den Platz bei der Brücke getrieben war. Daher -war niemand entwichen und weder Kuh noch Pferd, noch Samengetreide in -Wälder geborgen. Als nun diese Reiter fast alle Ställe geplündert, -kamen sie auch zu +Kaspar Schmiedel+, der sich seine zwei Pferde und -Kühe nicht nehmen lassen wollte, aber von ihnen mit einem Hammer so auf -den Arm geschlagen wurde, daß er ihn wenig mehr würde haben gebrauchen -können; sie hätten ihn auch erschossen, wenn das Gewehr nicht versagt -hätte. Als nun diese Horden das Vieh zusammengeraubt hatten, trieben -sie es nach Preßnitz zu. Um es auszulösen, liefen viele bis nach -Preßnitz nach. Da aber die Reiter weiterziehen und die Nacht anbricht, -bleiben sie dort. Nur Kaspar Schmiedel und Jakob Gruner laufen bis -nach Brunnersdorf. Da haben sich aber etliche böhmische Bauern in einem -Verstecke zusammengerottet und schießen auf die Reiter. Ein Trupp eilt -auf die Seite, zu erspähen, woher die Schüsse fallen, und wird unserer -Ortskinder gewahr. Sie eilen auf sie zu und fragen, wo sie das Rohr -hätten? Als sie sich aber entschuldigen, sie hätten nicht geschossen, -sondern wollten das Vieh von ihnen einlösen, glaubten es die Reiter -nicht, und flugs schießt einer auf Schmiedel, der, ins Herz getroffen, -tot niedersinkt. Auf Gruner aber, den Sohn des 1634 erschossenen Martin -Gruner, schoß ein zweiter Reiter, fehlte ihn jedoch; aber der Reiter -stieg vom Pferde, schlug ihn auf den rechten Arm, daß derselbe fast -herunter war, und stach ihn dermaßen in die Seite, daß er auch starb. -Sie blieben am Wege liegen. Geschehen war's nachts zwischen 12 und -1 Uhr. Am Morgen, einem Sonnabende, wurden sie von den in Preßnitz -Zurückgebliebenen gefunden, auf einen Schlitten aufgebahrt und am -Sonntag Reminiscere früh nach Hause gebracht. Welch Reminiscere! -Montag, den 2. März, hat man sie christlich und ehrlich vor überaus -großem Zudrange Einheimischer und Auswärtiger mit Predigt bestattet. -Schmiedel war 33, Gruner 30 Jahre alt. - - Nach ~P.~ Schultze. - - -~o.~ Wie General Wrangel nach Schlettau kommt. - -Am 23. Februar 1646 lief der Waffenstillstand zwischen Kursachsen und -den Schweden zu Ende. Da kam +General Wrangel+ mit 20 Regimentern über -den Preßnitzer Paß und hatte das Hauptlager in +Schlettau+ bezogen. Der -linke Flügel lag im Felde und im Grunde bei den Teichen. Da standen -viele Oberste zu Roß und Fuß bei einem frischen Brünnlein, zogen ihre -silbernen und vergoldeten Becher heraus, schöpften Wasser, löschten -den Durst auf das Annaberger Bier. Sie lobten dabei das gute, gesunde -Wasser viel höher als Bier. Der Brunnen heißt der süße Kühl- und -Löschbrunnen. - -An der Straße, die von Schlettau nach Scheibenberg führt, stand früher -ein altes, stark verwittertes Steinkreuz. Dasselbe soll die Stelle -bezeichnen, an welcher im Dreißigjährigen Kriege ein schwedischer -Offizier begraben wurde. - - Nach ~Dr.~ Köhler. - - -~p.~ Wie die Bewohner des Gebirges als Flüchtlinge leben. - -Im Jahre 1620 waren 250 Menschen in einem Stollen am Wolfssteine bei -+Cranzahl+ verborgen. Die Wohnungen, die man während des Krieges in den -Wäldern aufschlug, konnten nur ganz dürftige sein und boten daher wenig -Schutz gegen die Witterung. Häufig benutzte man auch gleich natürliche -Tannenzelte, wie man sie von ästereichen oder ineinander verwachsenen -Bäumen gebildet fand. Wenn nun ein Sturmwind kam mit Sausen und Brausen -und mächtige Stämme rings um die Geflüchteten zu Boden geschlagen -wurden, da mußten die Flüchtigen jeden Augenblick darauf gefaßt sein, -von den stürzenden Bäumen zerschmettert zu werden. Am 14. Oktober -1630 wütete ein furchtbarer Sturm. Da erwies der gütige Gott seinen -allgewaltigen Schutz an flüchtigen Gebirgern. 21 Personen hatten ihre -Hütten unter eine dicke Tanne gebaut. Sie fielen unter dem Heulen -des Sturmes auf ihre Knie und beteten. Um 9 Uhr warf der Wind eine -zweiklafterige Tanne auf ihr Obdach. Diese blieb aber eine Elle hoch -über ihrer Hütte am Baume lehnen, und die andächtigen Flüchtlinge kamen -alle mit dem Leben davon. - -Das Elend der in die Wälder Geflüchteten war, wenn größere feindliche -Scharen ihren Aufenthalt ausgespürt hatten, überaus schrecklich. Im -Walde wurden Betstunden und Predigten von den Priestern gehalten, -auf Baumstümpfen die unter so traurigen Umständen geborenen Kinder -getauft; sogar Eheschließungen fanden statt. 1639 ist am 8. April im -Walde bei +Cranzahl+, wo sich auch Wölfe und Bären so mehrten, daß sie -in Rudeln von 10 bis 20 den Soldaten nachliefen, um die Überreste vom -geschlachteten Vieh zu verschlingen, in dieser rauhen Jahreszeit ein -Kind getauft worden. Ähnliches wird auch von andern Gegenden berichtet. -Als die Bewohner von +Rabenau+ in die nahen Waldungen flüchteten, -hielten sie auch Gottesdienste im Freien ab. Es heißt der Felsen, von -dem herab die Pfarrer predigten, noch jetzt der +Predigtstuhl+ oder -die Kanzel. Im Gebirge hörte alle Gerechtigkeit, Andacht auf, und -aller Gottesdienst verfiel. In +Scheibenberg+ ist in 10 Wochen keine -Beichte gewesen. Auch sind wenig Predigten verrichtet worden wegen der -Unsicherheit vor den Feinden. Alles Volk hatte sich verlaufen. - -Ebenso wurde für die leiblichen Bedürfnisse gesorgt, so gut es ging. -Wie als Taufsteine, so mußten die Baumstöcke auch als Verkaufstische -für Fleischer und Brotträger dienen. Der Markt mit den Nahrungsmitteln -fand also im Walde statt. - -Der Scheibenberger Pfarrer +Chr. Lehmann+ erzählt sehr eingehend von -den Drangsalen des Krieges. Er sagt unter anderem: »Ich habe mit meinen -Augen gesehen, daß im Jahre 1640, da die Schweden die +Gottesgaber -Wälder+ plünderten, einem vermögenden Handelsmanne nachjagten. Der ist -in einen stehenden, hohlen Baum gekrochen. Sein Weib hat die Öffnung -mit Moos artig verdeckt, damit er sicher bliebe. Mein Priesterrock -ist sechs Wochen lang in einem hohlen Baume gesteckt. Um +Steinbach+ -und +Wolkenstein+ wachsen viele Eschen, daraus Lanzenschäfte zur -Kriegsrüstung acht und mehr Ellen lang gemacht wurden. Im Jahre 1633 -fand der kaiserliche +Oberst Brandstein+ in +Preßnitz+ viel gesottenes -Harz. Er ließ daraus viel Pechkränze machen und damit den +Annabergern+ -alle ihre Güter am +Bärensteine+ wegbrennen.« - -Eine halbe Meile über +Satzungen+ an einem wilden, mit Kiefern -bewachsenen rauhen Ort ist ins Gevierte 30 Schritt breit und lang ein -Pfuhl mit rotem Moos bewachsen. Niemand soll sich früher gern allein an -diesen Ort gewagt haben. Im dreißigjährigen Kriege sind aber die Leute -auch dorthin geflohen, um sicher vor den Feinden zu sein. Doch haben -sie daselbst von den Gespenstern des Sees manche Anfechtung erdulden -müssen. - - Nach Chr. Lehmann. - - -~q.~ Wie die Landwirtschaft darniederliegt. - -Während des Dreißigjährigen Krieges unterblieb das Bestellen der Felder -oft gänzlich. Man warf den Samen gleich auf die Stoppeln aus und mußte -ihn dort aus Furcht vor umherstreifenden feindlichen Abteilungen oft -vier bis fünf Wochen lang uneingeeggt liegen lassen. Höchstens wagte -man sich bei Nacht einmal an die Arbeit; dann spannten sich Männer und -Weiber an die Eggen. Mit dem Vieh lagen sie am Tage im Walde. Häufig -aber ersparten ihnen das Eggen, freilich auch das Einernten, die wilden -Schweine, welche nachts in Haufen kamen und den Samen »aufleckten«. -Zum Schutze gegen sie wurden die Zäune anderthalb Ellen hoch, fest und -dicht gemacht; aber es half doch nichts. Brachen die Tiere einmal im -Herbste in einen Acker ein, so verdarben sie in einer einzigen Nacht -ein großes Stück. - - Nach Chr. Lehmann. - - -~r.~ Die letzte Schlacht auf sächsischem Gebiete. - -Für Sachsen endigte im allgemeinen 1645 mit dem +Waffenstillstande+ -zu +Kötzschenbroda+ die persönliche Gefahr der Einwohner, sowie Raub -und Brand. Dagegen sah das sächsische Hochland noch an mehreren Orten -die früheren Greuel erneuert, indem die Schweden, die in Böhmen -hausten, die Flüchtlinge oft bis nach Sachsen verfolgten. +Annaberg+, -das mit seiner Umgebung seit 1632 fort und fort alljährlich teils von -kaiserlichen, teils von schwedischen Heerhaufen vielfach gelitten, -hatte in dieser ganzen Zeit des Waffenstillstandes eine sächsische -Besatzung. Eine Abteilung derselben traf am 15. Januar 1648 auf eine -kaiserliche Streifhorde bei dem Städtchen +Thum+, wo sofort ein -hitziges Reitergefecht entstand, weil man vergeblich die Kaiserlichen -für Schweden hielt. Die Leichen der Gefallenen blieben längere Zeit -liegen und davon heißt noch heute der Wiesengrund zwischen Thum und -Herold »+Das Elend+«. Dies war der letzte Kampf des Dreißigjährigen -Krieges auf sächsischem Boden. Zum Andenken daran hat man an der Straße -von +Thum+ nach +Ehrenfriedersdorf+ im Jahre 1848 eine Spitzsäule mit -Inschrift errichtet. - - Nach ~Dr.~ Spieß. - - -~s.~ Wie es nach dem Kriege im Gebirge aussah. - -Wie es am Ende des Krieges in Sachsen und fast in jedem Orte -desselben aussah, schildert ein Zeitgenosse jenes Elends in folgender -ergreifenden Weise: »Ihr wisset, wie über Euch fliegende Drachen, -zerreißende Bären und Löwen gekommen sind, die Eure Städte ausgebrannt, -Eure Ernten, Ochsen und Schafe vor Euren Augen verzehrt, viele Tausende -Bürger und Bauern zu Tode gemartert und so barbarisch gehaust haben, -daß aller Menschen Sinne es nicht begreifen können. Wie jämmerlich -stehen Eure Städte und Flecken; da liegen sie verbrannt, zerstört, daß -weder Dach, Gesperr, Thüren oder Fenster zu sehen sind. Man wandert -oft zehn Meilen und sieht nicht einen Menschen, nicht ein Vieh, nicht -einen Sperling. In allen Dörfern sind die Häuser voller Leichname, -Mann, Weib, Kinder, Gesinde, Pferde, Schweine, Kühe und Ochsen, neben -und unter einander von Pest und Hunger erwürgt, voller Maden und Würmer -und von Wölfen, Hunden und Krähen zerfressen, weil niemand ist, der -sie begraben hat. Ihr wisset, wie Lebendige sich unter einander in -Kellern und Winkeln zerrissen, totgeschlagen und gegessen haben; daß -Eltern ihre toten Kinder, und Kinder ihre toten Eltern gegessen, daß -viele um einen toten Hund oder eine Katze gebettelt und das Aas aus den -Schindergruben genommen und verzehret haben.« - -Zehn Jahre nach Beendigung des Krieges schrieb der Rat der Stadt -+Buchholz+: »Dieses offene Städtlein ist bei dem verderblichen -Kriegswesen durch vielfältige Einfälle, Ausplünderung, Durchzüge, -Einquartierung, hohe und schwere Kriegskosten und Auflagen gänzlich -verderbt und ruiniert worden, also, daß öfters in keinem Hause ein -Schloß, Band, Fenster, Ofen und anderer Hausrat gelassen, sondern alles -weggenommen, eingeschlagen und verbrannt, ja auch eine große Anzahl -Häuser und öffentliche Gebäude ganz und gar verwüstet und eingerissen -worden, sodaß sie noch jetzt öde und wüste liegen.« - -Auch sind im Dreißigjährigen Kriege im Erzgebirge manche Orte von Grund -aus zerstört worden und als +wüste Marken+ liegen geblieben. Westlich -vom Morgenberge bei +Neudorf+ an der Sehma kamen die Waldarbeiter -nach einem Orte im Walde, wo früher ein Dorf mit Namen +Eibendorf+ -gestanden hat, das in jener Zeit zerstört worden sein soll. Ein nach -+Frankenstein+ gepfarrtes Dorf +Ailitz+ soll vor dem Kriege zwischen -Frankenstein, Memmendorf und Hartha gestanden haben. Ebenso bezeichnet -man unterhalb Wingendorf eine Stelle am Kemnitzbache als diejenige, -wo das Dorf +Kuhren+ zerstört worden ist. Zwischen dem Städtchen -+Bärenstein+ und den Dörfern +Falkenhain+ und +Jahnsbach+ lag einst das -Dorf +Greifenbach+. Ebenso liegt zwischen Bärenstein und Börnichen die -Wüstung des Dorfes +Elend+. - -Nach dem Dreißigjährigen Kriege trieben sich in den Wäldern, wie -anderwärts so auch in +Scharfenstein+ Räuber und Wildschützen umher, -welche entlassene Söldlinge waren, denen das wüste Leben nun Gewohnheit -war. Ein +Herr von Einsiedel+, welchem Scharfenstein gehörte, beschloß, -den Wildschützen mit aller Macht nachzugehen, um sein Gebiet von -ihnen zu säubern. Es gelang ihm endlich, zwei derselben gefangen zu -nehmen. Es gab damals noch eine furchtbare Strafe für die auf der That -ertappten Wilddiebe: das Hirschreiten. Der Schloßherr hatte einen -starken, lebenden Hirsch einfangen lassen. Die Diebe sollten auf ihn -gebunden werden. Das war einem zehnfachen Tode gleich zu achten. Man -hatte Beispiele, daß nach Tagen und Wochen die geängstigten Tiere -ihre schreckliche Last zerfleischt und doch noch lebend mit sich -herumschleppten. Die Missethäter flehten da inständig um Gnade. Die -soll ihnen gewährt worden sein, weil sie versprochen haben, in drei -Tagen und Nächten einen Stollen durch die Felsenrippe am Fuße des -Schloßberges zu treiben, damit das Zschopauwasser mit viel Fall eine -Mühle treiben könne. - - Nach Holzhaus, ~Dr.~ Spieß und ~Dr.~ Köhler. - - -44. Im Nordischen Kriege. - -Die Kriege und Durchmärsche, die in den ersten Jahrzehnten des 18. -Jahrhunderts verheerend über das Kurfürstentum Sachsen gingen, -erstreckten auch auf die Stadt +Geyer+ ihre niederschlagenden -Wirkungen, wovon sich vereinzelte Nachrichten auch in den Akten -erhalten haben. Zum Jahre 1701 bringt +Meltzer+ die Nachricht, daß -ansteckende Krankheiten durch dänische Soldaten nach +Annaberg+ wie -auch +Geyer+ getragen seien. Im Jahre 1706 wurde eine Kompanie Schweden -nach +Geyer+ gelegt, deren Feldprediger am Freitage und Sonntage in der -Hospitalkirche und am Weihnachtsfeste der Schweden in der Hauptkirche -predigte. Ein schwedischer Fähnrich, +Israel Hall+, wurde im Jahre 1707 -in der Halle dieser Kirche begraben. - -Am 23. Mai 1707 hielten die Büchsenschützen zu +Geyer+ zu den -gewöhnlichen Übungen ihren Auszug, wobei auch ein schwedischer -Feldwebel, +N. Topf+, Sohn des in Buchholz einquartierten Leutnants, -mit schoß und das Unglück hatte, einen unvorsichtigen Knaben zu -treffen. Vor Schrecken fiel er in Ohnmacht; doch zeigte sich die -Verwundung als nicht tödlich, da die Kugel durch den hohlen Leib -gegangen war. Am 23. August desselben Jahres zogen die Schweden -wieder ab. Am 30. August bat der Rat in einer besonderen Bittschrift -um Wiedererstattung der von den Schweden aus der Geleitskasse -mitgenommenen 13 fl 16 Gr oder um einen Nachlaß an dem Geleits- und -Gerichtspachtgeld, wurde aber mit solchem Ansuchen gänzlich ab und -zur Ruhe verwiesen. Da der Rat aber in seinen Bitten nicht nachließ, -erhielt er im Jahre 1709 die Erlaubnis, diese Summe, die er beschwören -mußte, bei der Bezahlung des Pachtgeldes in Anrechnung zu bringen. - -Von +Tannenberg+ wird aus jener Zeit berichtet, daß am 27. November -1706 an 25 schwedische Soldaten mit einem Leutnant, einem Feldwebel -und einem Fahnenjunker einquartiert wurden. Dieselben haben alle Tage -zweimal Betstunden gehabt. Zu Weihnachten und am neuen Jahre 1707 haben -schwedische Feldprediger in der Tannenberger Kirche Predigt gehalten. -Nach Lichtmeß, den 4. Februar, 1707 hat sich ein schwedischer Student -in derselben Kirche als künftiger Feldprediger hören lassen. Es haben -zu dieser Zeit auf einmal »über die 400 Schweden und mehr in der -kleinen Kirche« Gottesdienst gehabt. »Das schwedische Volk ist von hier -aus dem Lande wieder weggekommen am 23. August 1707.« - -Außer den genannten Orten +Annaberg+, +Geyer+ und +Tannenberg+ hatten -auch +Schneeberg+, +Wolkenstein+, +Marienberg+ und andere Städte des -Gebirges ebenfalls schwedische Besatzung. Bis zum Sommer 1707 blieben -die Schweden im Lande. Trotz des +Altranstädter+ Friedens vom 24. -September 1706 ruhte die Hand des Schwedenkönigs, +Karls XII.+, schwer -auf Sachsen. Die Schweden lagen in allen Städten. Sie hielten zwar -strenge Manneszucht, mußten aber von den hart gedrückten Einwohnern -beköstigt und gekleidet werden. - -Die gesamten Kosten dieser schwedischen Besatzungen in Sachsen werden -auf 23 Millionen Thaler berechnet, und lange seufzten unsere Vorfahren -über diese neue »Schwedenangst«. Endlich im August 1707 verließen -die Schweden neugekleidet und wohlgenährt Sachsen, um gegen +Peter -den Großen+ von Rußland zu ziehen. Dort wurden sie im Jahre 1709 bei -+Pultawa+ geschlagen. Der größte Teil fiel, ein anderer wurde nach -+Sibirien+ geschickt und sehnte sich vergebens nach den Fleischtöpfen -Sachsens und den warmen Öfen des Erzgebirges zurück. Sie konnten -recht deutlich die Unwahrheit der Bezeichnung des Erzgebirges als -»sächsisches Sibirien« an sich erleben. - -Die Schweden waren im September 1706 in einer Stärke von 19000 Mann -nicht im besten Zustande nach Sachsen gekommen. Viele Sachsen, auch -Erzgebirger, wurden dem schwedischen Heere einverleibt, sodaß das -schwedische Heer 32000 Mann stark, neugekleidet und wohlgerüstet, das -Land verließ. - - Nach ~Dr.~ Falke, Zippert, ~Dr.~ Spieß. - - -45. Das Obererzgebirge im Siebenjährigen Kriege. - - -1. Beginn des Krieges 1756. - -Zehn Jahre des tiefsten Friedens waren seit dem zweiten Schlesischen -Kriege vergangen. Da brach plötzlich der König von Preußen 1756 auf -drei Punkten in Sachsen ein. Österreich und Rußland hatten ein Schutz- -und Trutzbündnis gegen Preußen geschlossen und sich alle Mühe gegeben, -den König von Polen und König von Sachsen mit in dies Bündnis zu -ziehen. +August+ weigerte sich, demselben beizutreten. Friedrich legte -die Unterhandlungen, die ihm durch den bestochenen Vaterlandsverräter -Menzel bekannt geworden waren, für eine Verschwörung zu seinem -Untergange aus und begann sofort den Krieg. - -+Torgau+ wurde auf Befehl des preußischen Königs befestigt und daselbst -eine preußische Behörde eingesetzt, an welche alle Einkünfte aus den -besetzten sächsischen Landesteilen abgeliefert werden mußten. - - -2. Die Preußen im Erzgebirge. - -Die Preußen waren bereits im September 1756 bis +Chemnitz+ vorgerückt -und begannen von da aus Anforderungen zu machen und Lieferungen -auszuschreiben im ganzen Gebirge, daß den Ortschaften, denen noch kein -feindlicher Krieger zu Gesicht gekommen war, das Dasein feindlicher -Soldaten mehr als zu sehr fühlbar wurde. Für sich durften übrigens -die Preußen nicht wirtschaften, sondern mußten ausgezeichnet gute -Manneszucht halten. - - -3. Die ersten Lieferungen. - -Die erste Lieferung, welche nach dem Einrücken der Preußen in -+Chemnitz+ im ganzen Erzgebirge ausgeschrieben wurde, bestand darin, -daß jede Hufe im Gebirge täglich liefern mußte: 6 Pfund Brot, 3 -Pfund Fleisch, 3 Kannen Bier, 12 Pfund Hafer, 13 Pfund Heu, 3 Metzen -Häckerling und 20 Pfund Stroh. Es wurden bald Lieferanten angestellt, -ein Hauptlieferant und ein Aufkäufer für das Gebirge verordnet. -Anfänglich wurde zwar alles bezahlt, aber im Monate Oktober mußte -alles unentgeltlich in das zu +Freiberg+ für die Preußen errichtete -Vorratslager abgeliefert werden. - - -4. Aushebungen im Erzgebirge. - -Die 16000 Mann Sachsen, welche unter die preußischen Regimenter -gesteckt worden waren, entliefen scharenweise dem aufgedrungenen, -widernatürlichen Joche. Da gab der preußische König Befehl, daß die -sächsischen Landstände 10000 Rekruten für das Heer schaffen sollten. -Am 23. November rückten 100 preußische Husaren nach +Schneeberg+ ins -Winterquartier. Am 25. desselben Monats wurden in aller Stille alle -ledigen Männer von 18 bis 30 Jahren aufgeschrieben und am 30. November -nachts aus den Betten geholt und zur Aushebung abgeführt. Man kaufte -in Städten und in Dörfern, man fing sich gegenseitig die Leute weg. -Es entstanden tausenderlei Beschwerden und Feindschaften. Wenn aber -ein Ort mit seinen Rekruten in Rest blieb, so drangen Abteilungen -preußischer Krieger ein und griffen schonungslos auf, wen sie tauglich -fanden, nicht achtend, ob er Familienvater oder durch seine bürgerliche -Stellung vom Soldatendienste frei sei. Um das häufige Ausreißen zu -verhindern, erging aus dem zu +Torgau+ errichteten Kriegs-Direktorium -der Befehl, daß kein Sachse, welcher vom Regiment gewichen sei, in -seiner Heimat geduldet, sondern an den nächsten preußischen Truppenteil -abgeliefert werden solle. Wer einen solchen Flüchtigen verberge -oder ihm zur Flucht behilflich sei, sollte selbst als ein Ausreißer -behandelt werden. Dagegen sollten alle, welche sich freiwillig wieder -stellten, Begnadigung erhalten. - -Ungestört vom Feinde blieb von der 146157 Mann starken preußischen -Armee der größte Teil während des Winters in Sachsen stehen. Wenn wir -hören, daß zu ihrer Erhaltung monatlich 911080 Thaler nötig waren, so -kann man sich denken, welche Kosten unserem Vaterlande entstanden. - -Vorzüglich konnte es nicht fehlen, daß Lebensmittel aller Art im -Preise stiegen, besonders im Erzgebirge, da aus Böhmen nichts heraus -durfte. Als die preußischen Husaren im November in +Schneeberg+ zum -Winteraufenthalt einrückten, kostete ein Brot bereits 4 Groschen. - - -5. Nach der Schlacht bei Kolin 1757. - -1757 im Frühlinge begann das preußische Heer zum Teil durch das -Erzgebirge in Böhmen einzubrechen. Kleinere Abteilungen blieben zur -Eintreibung der Lieferungen zurück. Allein nach der Schlacht von -+Kolin+ verfolgten die Österreicher ihre fliehenden Gegner nach -Sachsen. Das Gebirge bekam nun plötzlich auch einzelne Heeresteile -seiner Freunde und Beschützer zu Gesicht, die aber wie die eigentlichen -Feinde schalteten und walteten. Bei den Preußen war lobenswerte -Manneszucht. Bei den Österreichern ging das aber anders. Da waren -die Husaren, Kroaten und Panduren noch ganz so wie in den Zeiten des -Dreißigjährigen Krieges. Rauben und Plündern bei Freund und Feind blieb -diesen immer die Hauptsache. - -Doch im August bemächtigte sich Friedrich wieder des Gebirges. In -+Schneeberg+ verordnete er am 2. Januar, daß sich die sächsischen -Stände am 14. Januar in Leipzig einfinden sollten bei 1000 Dukaten -Strafe, wer nicht erscheine. Das Ergebnis war: Sachsen mußte sofort -6000 Rekruten, 600 Artillerieknechte, 1200 Pferde schaffen und -Kriegskosten bezahlen. Auf den erzgebirgischen Kreis kam davon: 286875 -Thaler 17 Groschen, 800 Rekruten, 67 Artillerieknechte und 150 Pferde, -was an den +Feldmarschall von Keith+ nach +Chemnitz+ abgeliefert werden -mußte. Als die Rekruteneinführung begann, nahmen die Preußen nur die -tüchtigsten Leute und Männer von ansehnlicher Größe. - - -6. Nach der Niederlage bei Hochkirch. - -Nach der Niederlage bei +Hochkirch+ 1758 drangen die Österreicher und -die Reichsarmee zugleich in Sachsen ein. Ende November beherrschte -es aber doch wieder Friedrich. Am 20. November wurde ein Befehl -erlassen, daß 800 Wagen vom +erzgebirgischen Kreis+ nach +Chemnitz+ -für die Preußen geliefert werden sollten. Oft trafen auch von beiden -Seiten Befehle zum Liefern zugleich ein. Wenn mit unsäglicher Mühe die -Gemeinden das Verlangte zusammengewürgt hatten und es an den bestimmten -Ort abliefern wollten, da überkam sie gar oftmals unterwegs der Gegner -von dem, für den die Lieferung bestimmt war, und nahm alles als gute -Beute oder ließ sich vielleicht durch ein ziemliches Lösegeld abfinden. - - -7. Die Auer Schlacht 1759. - -Preußen, Österreicher und das Reichsheer belästigten auch 1759 unsere -Gegend. Friedrichs Bruder, +Heinrich+, lag in Sachsen. Dies erzeugte -eine Reihe von Durchzügen, die den armen Gebirgern namentlich große -Beschwerung brachten, da der österreichische +General Daun+ mit 30000 -Mann durch das Gebirge von Böhmen aus in Sachsen einzubrechen drohte. -Am 1. Mai mußte der erzgebirgische Kreis 300 Wagen nach Chemnitz und -Zwickau stellen, auf jedem Wagen 12 Säcke. - -Am Sonntage Exaudi, den 27. Mai, stießen Österreicher und Preußen -aufeinander. Der preußische +Oberst von Wolfersdorf+ trieb die -Österreicher, Husaren und Kroaten, unter +Generalmajor von Brentano+, -aus +Aue+ heraus. Den Kaiserlichen mußten die Lebensmittel auf -Schiebkarren nachgefahren werden, weil die wenigen noch vorhandenen -Wagen zum Fortschaffen der Verwundeten verwendet werden mußten. Das ist -die sogenannte +Auer Schlacht+. - - -8. Die Jahre 1760 und 1761. - -Auch das Jahr 1760 brachte dem Gebirge eine Menge Drangsale. Die -Neigung des Volkes war für die an Manneszucht gewöhnten Preußen. Zu -Anfange des Jahres 1761 waren die Kaiserlichen von den Preußen ganz -aus dem Erzgebirge bis an die böhmische Grenze zurückgedrängt. Die -Preußen stellten jetzt viel ärgere Forderungen als früher. +Zwickau+ -mußte 18000, +Annaberg+ 16000, +Schneeberg+ 16600, +Aue+ 3000 Thaler -Brandschatzung geben. Einquartierungen und alle anderen Steuern und -Abgaben waren noch außerdem zu leisten. Die Preußen verfuhren mit -einer Strenge, wie man sie nicht von ihnen gewohnt war. Mord und Brand -waren sofort die Losung, wenn das Geforderte nicht geschafft werden -konnte. Im Mai kamen die Kaiserlichen wieder, die sich als Retter -geehrt wissen wollten. - - -9. Das Ende des Krieges. - -Im Juli 1762 hatten aber die Preußen unter dem +General Kleist+ schon -wieder bei +Zwickau+ ein Lager aufgeschlagen. Die Kaiserlichen zogen -sich zurück, ohne den Angriff abzuwarten. - -Die Kriege zwischen Österreich und Preußen drückten mit -Einquartierungen und Kosten schwer auch auf +Geyer+ und schlugen die -Nahrung der Stadt vollends nieder. In einer Urkunde von 1762 bekannte -der Stadtrichter Christian Porges mit den Ratsherren, Viertelsmeistern -und einem Bürgerausschusse, daß die Gemeinde, um die von den Preußen -auferlegte Brandschatzung von 6000 Thalern, die in 3 Teilen von 8 zu 8 -Tagen gezahlt werden sollte, aufzubringen, von Hofrat Karl Friedrich -Trier, Oberhofgerichtsassessor in Leipzig, 6000 Thaler aufgenommen -habe, unter der Bedingung, daß die anderen 3000 Thaler durch jährliche -Lieferung von 100 Schragen Holz, jeder Schragen drei Ellen hoch und -neun Ellen breit, an das Geyersche Vitriol- und Schwefelwerk vom Jahre -1763 an verzinst und abgezahlt werden sollten. Schon im folgenden -Jahre fand eine neue Anleihe statt. Ein Eintrag vom 15. Januar 1763 -berichtet, daß die Preußen binnen wenigen Tagen wieder eine Summe von -6265 Thalern verlangt hätten; um dieses Geld aufzubringen, hätten -sich die Bürger insgesamt verbindlich gemacht, alle bei währenden -Kriegsdrangsalen erborgten und zu erborgenden Gelder samt Zinsen -künftig aus eigenen Mitteln und Vermögen wieder zu bezahlen, insoweit -solches nicht durch Holz, Stöcke und Kohlen geschehen könnte. Dieser -öffentlichen Verpflichtung der gesamten Bürgerschaft folgte, um der -gedrohten Ausplünderung zu entgehen, am 19. Januar 1763 das Bekenntnis -einer neuen Anleihe von 2000 Thalern bei Hofrat Trier mit 112 Thaler -Zinsen, die durch Lieferung von Stöcken an das Vitriolwerk bezahlt -werden sollten. Dieser Urkunde folgte am 3. Februar das Bekenntnis -der Gemeinde über eine Gesamtschuld von 10000 Thaler bei Hofrat -Trier mit dem Versprechen, die kurfürstliche Anerkennung binnen ¾ -Jahr bei Personalarrest zu beschaffen. Die letzten 2000 Thaler waren -infolge einer dritten Kriegsforderung von 3480 Thaler unter denselben -Bedingungen aufgenommen worden. - -Im Juli 1762 ist ein preußischer Truppenteil unter +Generalleutnant von -Seydlitz+, gegen 7000 Mann Kavallerie, Infanterie und Husaren, teils -durch +Tannenberg+ durchmarschiert, teils haben sie auf den Feldern -gerastet. Das ganze Kriegsvolk marschierte durch den Pfarrhof und hat -der damalige Geistliche 3 Schock Korn, ein Fuder Heu und 1½ Schragen -Holz eingebüßt. Vom 28. Dezember 1762 bis zum 2. Februar 1763 hat eine -Eskadron schwarzer Husaren unter +Rittmeister Franz v. Sorini+ in -+Tannenberg+ und in +Dörfel+ gelegen. Auch haben zu dieser Zeit zwölf -Husaren in Tannenberg das heilige Abendmahl genommen. Von einem Husaren -ist sogar ein Altartuch der Kirche verehrt worden. - -Am 24. November 1762 schloß +Friedrich II.+ mit den Österreichern -einen Waffenstillstand, worauf ein Teil des Obergebirges in der Gewalt -der Kaiserlichen blieb. Am Fastnachtstage, den 15. Februar 1763, kam -endlich der ersehnte Frieden zu +Hubertusburg+ zustande. Auch in -unserer Gegend hatte man Veranlassung, Gott in besonderer kirchlicher -Feier zu danken. - - Nach Karl Lehmann, Zippert und ~Dr.~ Falke. - - -10. Ein Beispiel der Vaterlandsliebe aus dem Siebenjährigen Kriege. - -Es war in einer stürmischen Nacht in der Zeit des Siebenjährigen -Krieges, als in einem Hirtenhause zwischen Pichelberg und Thein -bei Bleistadt Vater und Sohn vor einem Kienfeuer sitzend in einem -lauten Gespräch begriffen waren. Dieses war besonders für letzteren -unterhaltend, denn oft ließ der fünfzehnjährige Michel seine Hände, -welche sich mit Kieferspäneschnitzen beschäftigten, sinken und -hörte lange Zeit mit gespanntester Aufmerksamkeit auf das, was sein -Vater, ein alter, verdienter Soldat, von seinen Feldzügen gegen den -hartnäckigsten Feind +Maria Theresias+ mit großem Eifer und gewisser -Lebendigkeit zu erzählen wußte. Besonders heute war sein Mund -gesprächiger als je; denn eine österreichische Truppenabteilung, bei -deren Anblick sich des Alten Erinnerungen neu belebten und gestalteten, -war seit wenigen Stunden an der Hütte vorbeimarschiert und lagerte -sich für die Nacht eine kurze Strecke davon. Immer und immer wieder -wurde Michel zu bewundernden Ausrufen hingerissen, und es wäre ihm am -liebsten gewesen, wenn er gleich als Soldat mit Säbel und Gewehr hätte -Bekanntschaft machen können. - -»Aufgemacht!« schrie da plötzlich eine rauhe Stimme und begleitete -den Befehl mit einem Kolbenschlage, der das Fenster zertrümmert in -die Stube warf. »Heraus mit Euch, oder das Feuer wird schnelle Beine -machen!« - -Auf seinem Stelzfuß hinausgehumpelt, sah sich der alte Soldat einem -Haufen preußischen Fußvolkes gegenüber, dessen Anführer von ihm zu -erfahren wünschte, wenn die kaiserliche Truppe hier vorbeigezogen, wie -stark sie sei und wo dieselbe liege. Der Alte erwiderte, daß er dieses -alles nicht wisse, und weder Versprechungen, noch harte Drohungen und -arge Mißhandlungen, welche Michel zum Widerstande bewogen, konnten den -braven Mann veranlassen, zum Verräter zu werden, sodaß die Preußen -diesen verschlossenen Leuten gegenüber einen anderen Weg einschlugen, -um zum Ziele zu gelangen. - -Zwei Mann mußten den alten Hirten bewachen, während Michel gezwungen -wurde, den Weg zu zeigen. Man warf um seinen Leib einen Strick, dessen -Ende der Befehlshaber selber in die Hand nahm, wobei er drohend und -nachdrücklich sagte: »Du, Bursche, gehst links zwei Schritte neben -mir und wirst weder husten, noch scharf auftreten. Zwei Mann mit -gezogenen Säbeln gehen vier Schritte voraus, ebensoviele hinten und -an den Seiten, die Mannschaft folgt sechs Schritte entfernt nach. Du -führst uns den nächsten Weg zu dem Lager der Österreicher, und wenn -irgend ein Wort meiner Befehle übertreten wird, so werden Dich meine -Leute augenblicklich niederstoßen.« Der arme bedauernswerte Michel -leistete anfangs mit stürmischem Herzpochen, was man von ihm verlangte; -allmählich wurde er aber ruhiger, dachte nach und machte endlich den -Versuch, die verhaßten Preußen irrezuführen, um die Soldaten seiner -Kaiserin zu retten. Die Absicht wurde aber von dem Offizier bald -gemerkt; denn dieser zog ihn an sich und zischelte dem Burschen ins -Ohr: »Wenn wir in einer halben Stunde die Österreicher nicht haben, -stirbst Du eines martervollen Todes.« Nun wußte Michel keinen Ausweg -mehr und entschlossen bog er links in einen Hohlweg ein, der gerade -auf das Lager der kaiserlichen Truppen führte. Die schwarze Nacht, die -unheimliche Stille, das raubtierartige Gebaren seiner schlagfertigen -Begleiter hatten etwas Fürchterliches, was im Vereine mit den heute -von seinem Vater erzählten Kriegserlebnissen seine Thatkraft zeitigte -und den kühn gefaßten Entschluß zur Reife brachte. Plötzlich entdeckten -die Vordermänner eine Schildwache, welche, als sie den Werdaruf geben -wollte, lautlos zu Boden sank. Die Kaiserlichen mußten in der Nähe -sein, weshalb der Führer sich wendete und ein leises Zeichen zum -Stillstande gab. Diesen Augenblick benutzte der Bursche, sprang wie ein -Luchs auf den Befehlshaber und, ihn am Halse fest umschlingend, schrie -er aus allen Leibeskräften: »Auf! auf! die Preußen! Holla! die Feinde!« -Der Heldenmütige blutete schon aus vielen Wunden, bevor der Todesstoß -auf ewig seinen Mund verstummen machte, dessen Rufe die kaiserliche -Mannschaft rettete und ihr über die durch den unverhofften Verrat -betäubten Preußen einen leichten Sieg verschaffte. - - Nach Joh. Böhm. - - -46. Die Freiheitskriege. - -Das Banner der sächsischen Freiwilligen. - - -1. Der Aufruf. - -Unter dem Namen »+Das Banner der Freiwilligen+« sollte dem gebildeten -Teile des sächsischen Volkes, wie in Preußen durch die Jägerkorps, -Gelegenheit gegeben werden, seine Teilnahme an dem großen Werke der -Befreiung Deutschlands werkthätig an den Tag zu legen. Der Ausschuß des -+Erzgebirgischen Kreises+ zur Landesbewaffnung erließ deshalb folgenden -Aufruf: - -»Das Vaterland erhebt sich zum heiligen Kampfe für Ehre, Recht und eine -bessere Zeit, die mutig erzwungen werden muß. Wem noch ein deutsches -Herz im Busen schlägt und wer den kräftigen, mutvollen Geist der -Sachsen treu bewahrt hat im Drange der Ereignisse, der hört mit lauter -Freude den Ruf der Ehre und des Vaterlandes. Schon strömen von allen -Seiten mutige Jünglinge und Männer in die Reihen der Freiwilligen, und -bald erhebt sich der Sachsen Banner in dichten Haufen der Edlen, Blut -und Leben dem heiligen Kampfe weihend. - -Biedere Bewohner des Erzgebirges! -- stets brav und treu der Ehre und -dem Vaterlande -- eilt, den ersten Preis des mutigen Sinnes für die -gerechte Sache zu gewinnen. Sorgt, daß der alte Ruhm des Biedersinns -und der Vaterlandsliebe nicht unserem Kreise entrissen werde! Wer -von Euch könnte es ertragen, einst sagen zu hören, daß die Söhne des -Gebirges schmachvoll zurückgeblieben seien im großen Kampfe für die -gute Sache? Was Ihr jetzt thut für diese, wie Ihr jetzt Euch zeigt vor -den Augen der Völker, das entscheidet für Jahrhunderte hinaus über Eure -Ehre, das Glück Eurer Enkel, den Ruhm unseres Kreises! - -Und Ihr werdet -- wir verbürgen das mit Stolz im voraus -- kräftig und -mutvoll Euch zeigen, werdet tapfere Beschützer des Rechts und willige -Förderer der guten Sache sein; Ihr werdet ruhmvoll kämpfen oder, wenn -die Umstände Euch diese Ehre versagen, eifrigst sorgen, daß das große -Werk des Volkes durch jedes Hilfsmittel, durch willige Opfer, That, -Kraft und warme Teilnahme mächtig gefördert und erleichtert werde. - -Wir werden deshalb in den nächsten Tagen näher zu Euch reden. Um -indes im voraus dem edlen Drange derer, die bereits freiwillige -Beiträge zur Ausrüstung der unbemittelten Landesverteidiger bei uns -gemeldet haben und noch melden wollen, zu begegnen, haben wir eine -Kreiskasse zur Aufnahme solcher Beiträge bestimmt und ein offenes -Buch anlegen lassen, worin der Name und der Beitrag jedes edelmütigen -Vaterlandsfreundes, der auf diese ehrenvolle Weise seinen Eifer für die -gute Sache an den Tag legt, eingetragen wird. Diese schöne Liste soll -öffentlich bekannt gemacht werden, damit das Vaterland die Förderer -seiner Ehre und seiner Wohlfahrt kennen lerne. Diese Beiträge können -hier unmittelbar oder durch die Bezirksämter gemeldet werden. - - Ausschuß des Erzgebirgischen Kreises zur Landes-Bewaffnung.« - - -2. Die Einrichtung des Banners. - -Das sächsische Banner sollte aus 5 Schwadronen Reiterei, 2 Regimentern -Jäger, 1 Kompanie Sappeurs und aus einem verhältnismäßigen -Artilleriekorps bestehen. Die Mitglieder des Banners erhielten den -Rang eines Gefreiten, Befreiung von körperlicher Züchtigung und wurden -mit »Sie« angeredet. Wer aus bürgerlichem Dienste in das Banner trat, -behielt sein Amt und die Einkünfte desselben. Nach Beendigung des -Krieges konnte jedes Banner in seine vorigen Verhältnisse zurücktreten. -Jeder, der den Feldzug mitgemacht hatte, sollte bei seiner Beförderung -im Dienste berücksichtigt werden. Die Freiwilligen des Banners mußten -sich selbst kleiden, beritten machen und womöglich auch bewaffnen. -Anfang Dezember war die Anzahl der Freiwilligen bereits auf 1500 -gestiegen. Die angesehensten Männer traten in die Reihen der Gemeinen. -Einer der ersten Freiwilligen war der Professor +Krug+ in Leipzig, -der das Jahr zuvor Rektor Magnifikus gewesen war. Ebenso folgte der -Professor ~Dr.~ +Tzschirner+ in Leipzig als Feldprobst. - -Aus +Schwarzenberg+ und dem Hammerwerke +Erla+ traten 17 junge Männer -zum Banner. - -Aller Orten und Enden wurden zahllose Scharen von Rekruten geübt, um -geschickt zu werden, an der feierlichst verkündigten und versprochenen -Freiheit des deutschen Vaterlandes mit aller Macht kämpfen und arbeiten -zu helfen. Das Erzgebirge blieb nicht zurück. Mehrere Abteilungen -Landwehr bildeten sich auf den Bergen und in den Thälern desselben. -Auch das Banner erhielt manchen Gebirger in seinen stattlichen -Reihen. Das erste Bataillon des Banners empfing sogar eine Fahne von -+Schneeberg+. - - Nach Karl Lehmann. - - -47. Die Pest im Erzgebirge. - - -1. Wie die Pest in Annaberg auftritt. - -Zu den Drangsalen durch den Feind gesellten sich die Verheerungen, -welche die Pest über das ganze obere Gebirge brachte. Sie wütete -besonders im August und September 1633 in +Annaberg+, +Marienberg+, -+Zöblitz+, +Altenberg+, +Zwickau+ und Umgegend. +Annaberg+ hatte -eine Menge der wegen Kriegsdrangsale flüchtigen Landleute nur eben -aufgenommen, als fast gleichzeitig die Pest ihren grauenhaften Einzug -hielt und in kürzester Zeit die meisten unglücklichen Flüchtlinge -tötete. Ebenso wurden viele Bewohner der Stadt selbst von der Seuche -erfaßt. Im August gab es in 140 Häusern Pestkranke. Es sind deshalb -manchen Sonntag 385 Abendmahlsgäste in der Kirche gewesen, um noch -Trost vor dem nahenden Tode zu suchen. Auch die meisten Schüler der -Lateinschule wurden dahingerafft, daß nur wenige, wie schon 1521, -übrig blieben. +General Holck+ starb auch 1633 zu +Adorf+ an der Pest. -Die an der ansteckenden Krankheit Verstorbenen, deren Särge man nicht -durch die Gottesackerkirche trug, schaffte man durch das von der -Geyersdorfer Straße unmittelbar hineinführende Thor. Es erhielt davon -den Namen »+Pestthor+«. - - Nach Arnold u. a. - - -2. Wie die Krankheit sich zeigt. - -Die Krankheit besteht in einem durch Ansteckungsfähigkeit schnell -fortschreitenden Fieber, welches meist entzündlicher Natur ist und -einen nervösen und fauligen Zustand erzeugt, heftige Entzündung der -Drüsen, besonders in den Weichen, sowie den Blutschwären ähnliche -Beulen bildet, die äußerst schmerzhafte, bald in Brand übergehende -und entzündete Geschwülste in den häutigen und fleischigen Teilen des -Körpers verursachen. Sie tötete in den allermeisten Fällen oft schon in -wenigen Stunden, zuweilen aber auch erst nach einigen Tagen, manchmal -noch später. Sie ist wohl nie in ihrer das Leben und die Gesundheit -zerstörenden Wirkung von einer anderen Seuche übertroffen worden. Das -hauptsächlichste Mittel zur Verbreitung ist unstreitig das Pestgift, -welches durch die Krankheit selbst erzeugt wird und sich besonders -durch unmittelbare Berührung mitteilt. - - Nach ~Dr.~ Köhler. - - -3. Wie schon 1568 kein Geistlicher zu den Pestkranken gehen will. - -Während früher unter allen erzgebirgischen Städten einzig +Schneeberg+ -gänzlich von der Pest verschont blieb, wurde namentlich +Annaberg+ -1568 furchtbar verheert. Das am 17. Juli desselben Jahres daselbst -beobachtete Erdbeben sah man als die Ursache der Krankheit an. Kein -Haus blieb damals verschont, und was sich heute noch, so berichtet -der Geschichtsschreiber, gesund begrüßte, war morgen schon eine -Beute der Pest. Vergeblich verlangten die Sterbenden nach Tröstung -durch das heilige Abendmahl, da die dasigen Geistlichen nicht zu den -Verpesteten gehen durften. Es erschien daher die Anstellung eines -besonderen Pestgeistlichen nötig. Aber niemand fand sich, der den -todbringenden Seelsorgerdienst übernehmen wollte. Damals irrte ein -geächteter sächsischer Geistlicher seit 5 Jahren unstät und flüchtig -in den böhmischen Grenzorten umher, +Wolfgang Uhle+, ein Bürgerssohn -aus +Elterlein+, welcher am 10. Juli 1563 als Pfarrer zu +Clausnitz+ -in wildem Jähzorne den dortigen Dorfrichter Georg Biber mit einem -Hammer erschlagen hatte. Dem Vollzuge des über ihn ausgesprochenen -Todesurteils hatte er sich durch schnelle Flucht nach Böhmen entzogen, -wo er die Bedrängnis der Stadt +Annaberg+ erfuhr. Alsbald ließ er -dem Rate sagen, daß er sein ferneres Leben gern dem Troste und -Beistande der Pestkranken opfern wolle, wenn ihm Begnadigung gewährt -werde. +Kurfürst August+ begnadigte ihn hierauf auch wirklich unter -der Bedingung, daß er seines Berufes als Pestprediger treu warte. -Der Geächtete kehrte nun frei ins Vaterland zurück, begab sich nach -+Annaberg+, wo bereits 2228 Personen an der Pest verstorben waren, -setzte sich mutig der größten Gefahr aus, blieb aber wunderbarerweise -von der schrecklichen Krankheit unberührt. Als die Pest erloschen war, -wurde Uhle als für immer Begnadigter zum Pastor in +Breitenbrunn+ -ernannt, wo er bis 1594 in Segen wirkte und im gedachten Jahre mitten -in der Ausübung seines Amtes am Altar von einem Schlagflusse getroffen -ward, sodaß er nach den Worten des Geschichtsschreibers so schnell zu -Boden sank, wie 30 Jahre zuvor der Unglückliche, den er erschlagen -hatte. - - Nach ~Dr.~ Köhler. - - -4. Wie man an Pestmacher glaubt. - -Da man sich über die Ursache der todbringenden Pestkrankheit nicht -klar war, so vermutete man, die Totengräber wendeten Zaubermittel an, -um nur recht viel Leichen zu haben, damit ihre Einnahme sich mehre. -Sonderbare Sachen werden uns aus den Pestzeiten erzählt. - -Im Jahre 1680 wurde zu +Geyer+ der Totengräber wegen Zauberei auf dem -Gottesacker verhaftet und gefänglich eingezogen. Man hatte ihn auf -den Markt gehen und aus einer Schachtel etwas ausstreuen sehen. Als -nun hernach allerhand Merkmale gesucht wurden, ihn seiner Bosheit zu -überweisen, fand man unter anderm, daß er sein eigenes Weib wieder -ausgegraben, ihr Augen, Nase und Zunge ausgeschnitten und die Teile -zu Pulver verbrannt hatte, welches er also auf die Gasse gestreut. -Er wurde deswegen mit dem Staupenschlag bestraft und ewig des Landes -verwiesen. - -Zu +Wolkenstein+ hat im Jahre 1614 ein Totengräber einer Pestleiche -den Kopf im Grabe abgestoßen, diesen in seiner Stube an einer Schnur -in Teufelsnamen aufgehängt. Darin hat er Hefen, Bier und Blut von -Verstorbenen, ebenso Milch vermischt, warm gemacht und gegessen. -Soviel nun Tropfen aus dem schwitzenden Hirnschädel gefallen, so viele -Pestleichen hat er selbigen Tag gehabt. Dieser Pestzauberer hatte auch -zweierlei Pulver, ein gutes wider die Pest und ein ansteckendes, so er -aus einer Pestdrüse gemacht. Um solcher schrecklichen Übelthaten willen -ist er verbrannt worden. - -Im Jahre 1620 regierte die Pest zu +Gottesgab+, davon der Ort halb -ausstarb. Der Totengräber kam in Verdacht, er habe die Seuche mit bösen -Mitteln verursacht. +Hans Leonhard+, ein verwegener Mühlknecht, der -eben aus dem Kriege gekommen, wagte sich hinein in des Totengräbers -Häuslein und fand einen Totenkopf über dem Ofen hängen. Darüber hat -er sich erbost und den Totengräber samt seinem Weibe krumm und lahm -gehauen. Er holt Feuer und brennt das Spital gar weg. Aus dem sind zwar -die tödlich Geschlagenen gekrochen. Aber dennoch sind sie an ihren -Wunden gestorben. - -Im Jahre 1630 hatte eine gewisse Pittelin zu +Abertham+, einem früher -durch seinen Käse berühmten Dorfe, die Pest durch Zaubermittel -vermehren helfen. Wie sie in der Marter bekannte, hat sie eine Bürste -neben eine Leiche ins Grab geworfen, welche dann auf ihren Rat wieder -herausgenommen werden mußte, denn sonst würde nach ihrer Aussage ganz -Abertham aussterben. Schon 263 Personen waren gestorben. Es hat sich -mit der Bürste auch also befunden und wurde diese Pestzauberin am 18. -November in +Joachimsthal+ an einem Pfahl mit dem Strange erwürgt, die -Tochter von 13 Jahren enthauptet, beide Körper verbrannt und der Sohn -des Landes verwiesen. - - Nach ~Dr.~ Gräße. - - -5. Die letzte Pest im Erzgebirge. - -+Pestopfer+ waren an Zahl 1582 in Großrückerswalde 51, 1585 in -Schwarzenberg 54, 1586 in Geyersdorf 86, in Kleinrückerswalde 61, -1607 in Aue 73, in Wiesenthal 50, in Joachimsthal 204, 1613 in Wiesa -133, 1625 in Zöblitz 323, 1626 in Gottesgab 178, in Breitenbrunn 81, -in Schwarzenberg 205, 1633 in Joachimsthal 800, in Breitenbrunn 145, -in Marienberg 117, 1634 in Wiesa 145, 1636 in Gottesgab 107, 1637 in -Schwarzenberg 262, in Bernsgrün 52, in Lengefeld 80, 1639 in Gottesgab -114, in Fernrückerswalde 205, in Cranzahl von 1582 bis 1640 auf 200. - -1679 wütete in Wien die Pest. Von da aus verbreitete sie sich auch nach -Prag und schritt dann über die Grenze nach Sachsen. - -Am 24. Oktober 1679 wurde ein »Fast-, Bet- und Bußtag um -pestilenzialischer Krankheiten« feierlich begangen. Furchtbar trat -der Würgengel im Erzgebirge auf. In Freiberg sollen 1200 Menschen -dahingestorben sein. - -1680 zeigte sich der erste Pestfall in +Marienberg+, ihm folgten -554 Personen. In Wolkenstein fielen der Krankheit viele zum Opfer. -Annaberg, Schneeberg und Chemnitz wurden abgesperrt. In +Annaberg+ -ließ man einen Spitzenhändler, welcher aus einem angesteckten Orte -kam, durch den Steckenknecht oder Gerichtsdiener gleich nach seinem -Eintritte aus der Stadt bringen. So erging es einem andern, der bald -auf freiem Felde hilflos niederfiel und verstarb. In der Stadt trat -Brotmangel ein. Die Bürger +Lahl+ und +Scheuereck+ setzten das eigene -Leben daran, ihre Leidensgenossen durch den gefahrvollen Ankauf von -Lebensmitteln vom Hungertode zu erretten. ~Dr.~ Macasius besuchte -ohne Scheu die Kranken und starb bald selbst. In Marienberg starben -beide Geistliche. In Rauenstein starben sieben Abendmahlsgäste. Bei -Reifland nahmen die Geängstigten das Abendmahl unter freiem Himmel. An -der Stelle errichtete man einen Denkstein zur Erinnerung an das letzte -Pestjahr in Sachsen. - - Nach Lehmann und B. Schlegel. - - -48. Die Teuerung und Hungersnot im Erzgebirge in den Jahren 1771 und -1772. - -Auch bei dem besten Ertrage der Felder unseres Erzgebirges ist derselbe -nie zur Ernährung der dichten Bevölkerung hinreichend. Wir sind bei dem -Getreideeinkauf auf die Niederungen angewiesen, mit deren Bewohnern -wir gegen unsere Industrieerzeugnisse Brot eintauschen. Jetzt umspannt -das Eisenbahnnetz den ganzen Erdteil, aus den entferntesten Gegenden -kann mit Leichtigkeit Getreide herbeigebracht werden. Wie war es -aber früher, als es noch keine Bahnen gab, die Straßen noch nicht im -besten Zustande waren und oft der verschneite Hohlweg den Verkehr -auf Tage, ja auf Wochen hinaus hemmte? Auch in den Zeiten vor den -Eisenbahnen mußte das Getreide drunten im Niederlande gekauft oder -aus den gesegneten Gefilden des nahen Böhmerlandes herbeigeschafft -werden. Der Haupthandelsplatz war die Stadt Zwickau, hierher brachte -der Altenburger Bauer sein Korn, der Müller und Bäcker aus dem Gebirge -kaufte da ein. Wenn aber auch in den Niederungen Mißernte eingetreten -war, wenn Böhmen die Grenzen sperrte und kein Getreide hereinließ, dann -pochte die drückende Sorge um das tägliche Brot an die Pforten der -Wohnungen der sonst so frohgesinnten Gebirgsbewohner, dann trat wohl -eine Hungersnot ein, wie sie die Altvordern in den Jahren 1771 und 1772 -erlebt haben. - -Schon im Frühjahre 1770, als ein später Schneefall den Wintersaaten -großen Schaden zufügte und darauf anhaltendes Regenwetter folgte, -begann eine allgemeine Besorgnis um die Zukunft sich der Gemüter zu -bemächtigen; sie bestätigte sich in den seit Johannis von Woche zu -Woche steigenden Getreidepreisen und in einer Mißernte, die sich -nicht bloß über das Erzgebirge, nicht bloß über Sachsen, sondern -über die fruchtreichsten Gegenden Deutschlands erstreckte. War die -Bedrängnis schon groß, welche dadurch für die dichte Bevölkerung -unseres Obererzgebirges herbeigeführt wurde, so mußte sie sich zur -höchsten Not steigern, als im nächsten Jahre der späte Schneefall -und die regnerische Witterung sich wiederholte. Die Felder boten den -düstersten Anblick, sie waren von den Eigentümern entweder mit selbst -erbautem geringen oder teuer erkauftem Samen möglichst dünn bestreut, -oder aus Mangel an solchem gar nicht besät, und die Kartoffelsaat -war hier und da von den Armen wieder aufgewühlt. So ließ sich das -Schlimmste befürchten, eine nochmalige Mißernte. Und sie trat ein! -- -trat zu einer Zeit ein, als auch die anderen Nahrungsquellen bei der -herrschenden Gewerblosigkeit versiegten und alle Zufuhren aus Sachsens -Kornkammern, aus Böhmen und Altenburg gehemmt waren. Da entrollte -sich endlich vollständig das Bild der furchtbarsten Hungersnot, die -je erlebt worden war. Man sah ganze Scharen von Bettlern umherziehen, -darunter Greise, die von ihren Angehörigen nicht mehr ernährt, fremde -Unterstützung suchen mußten, Jünglinge, die, sonst kräftig und blühend, -jetzt halb verschmachtet, mehr durch ihren Anblick, als durch Worte -sich Mitleid erflehten; Männer, die nach Verkauf des letzten, was sie -hatten, selbst ihrer Werkzeuge, an den Bettelstab gebracht waren, -viele, die bisher in Wohlstand gelebt, jetzt mit bitteren Thränen -anderer Milde ansprechen mußten. -- Man sah Scharen von Kindern, die, -von Eltern hilflos gelassen, Brot aus reicheren Händen zur Stillung -ihres Hungers zu erlangen suchten. Die Zahl der Bettler war so groß, -daß, wie z. B. Pastor Oesfeld aus Lößnitz versichert, an einem Tage oft -mehr als 400 vor den Thüren die Mildthätigkeit in Anspruch nahmen. - -Der Kornpreis war vom Frühjahr 1770 bis dahin 1772 von 1 Thlr 4 Ggr -auf 14 Thlr gestiegen. Wie vielen Familien mochte es da unmöglich -geworden sein, das tägliche Brot zu kaufen. So nahm man seine Zuflucht -selbst zu den unnatürlichsten Nahrungsmitteln: die gröbsten Kleien, -unreife Waldbeeren, gekochtes Gras, zerriebene Baumrinde als Mehl und -dergleichen mehr mußte zur Stillung des peinigenden Hungers dienen. - -Die unausbleiblichen Folgen waren bösartige, ansteckende Fieber, -die allenthalben die Opfer des Todes im Jahre 1772 ins Unglaubliche -vermehrten. In +Annaberg+ zählte man deren im erwähnten Jahre 490, -während nur 89 Kinder geboren wurden. Auf der Scheerbank starb im -Februar innerhalb vierzehn Tagen ein Haus, welches von 9 Personen -bewohnt war, ganz aus. Nach einer Angabe des +Geyerschen+ Rates -hatte man am 19. Mai schon 192 Leichen, darunter 50 Hausbesitzer. In -+Ehrenfriedersdorf+ konnte man keine Bretter mehr auffinden zu Särgen -für die Verstorbenen. Im Quartalbuch der Fleischer in derselben Stadt -heißt es vom Jahre 1773: »Das ehrsame Handwerk ist so in Verfall -gekommen, daß keiner imstande gewesen ist, etwas zu schlachten. Das -liebe Brot mußte mit Einteilung gegessen werden. Es sind in diesem -Jahre 585 Personen gestorben.« Die meisten Bewohner waren vom Hunger -völlig abgemattet. Manche sanken auf offener Straße um und blieben tot. -Wie es in solcher Zeit um die Ernährung und Pflege der Kinder im Hause -und ihrer Sittlichkeit außer demselben stand, kann man leicht vermuten. - -Das 49. Stück des Dresdner gelehrten Anzeigers vom Jahre 1772 schreibt: -Hier ist ein Auszug aus einem Briefe eines sicheren Mannes, der am -4. September die Gegend nach +Johanngeorgenstadt+ zu durchreist hat: -Ich habe das Elend in +Breitenbrunn+, +Rittersgrün+, +Wiesenthal+, -+Crottendorf+, +Pöhla+, +Wildenthal+, +Eibenstock+ und +Neudorf+ -gesehen. Nie wünsche ich mir und keinem andern, einen so traurigen -Anblick wieder zu erleben. Schon auf der Reise fand ich nicht wenige -unbesäet gebliebene, zum Teil schon zur Aussaat aufgerissene Felder: -auf diesen nichts als etwas Gras, das kaum zur Hutweide nutzen kann. -Auf den Wiesen noch vieles Heu, das nicht hatte eingebracht werden -können und nun verderben mußte, weil das Zugvieh und die erforderlichen -Kosten gemangelt hatten, oder wo der Hauswirt krank oder gar gestorben -war und ein Haus voll hilfloser Waisen hinterlassen hatte; die -Feldfrüchte, die nur in wenig Roggen, meist in Hafer bestunden, -gar dünn und noch hin und wieder grün wie Gras, und bei den schon -einfallenden kalten Nächten nicht viel Hoffnung zu ihrer Reife. Die -im Vergleich mit anderen Jahren wenig eingelegten Erdäpfel waren -schon großenteils ausgegraben und halb unreif verzehrt; die noch in -der Erde liegenden der Dieberei ausgesetzt, und auf allen Fall nur -ein Vorrat auf einige Wochen. Das innere Elend der Orte wage ich -mich gar nicht zu schildern. Traurig war es von vielen sogenannten -Halb- und Viertelgutsbesitzern zu hören, daß sie nicht eine Hand voll -Samen ausgesät hätten, daß ihr Rindvieh größtenteils verstoßen und -die wenigen Pferde aus Mangel an Futter gefallen wären; noch viel -trauriger, die meisten Einwohner nicht so notdürftig bekleidet, daß -sie ihre Blöße bedecken konnten, ihre Wohnungen von allem Hausgerät, -ihr Lager von Betten leer zu sehen. Kleider, Wäsche, Betten, Haus- -und Handwerksgeräte hatten die meisten, so viele die eisernen Töpfe -und bleiernen Röhren aus den Öfen, die Schlösser von den Thüren und -ihre Äxte verstoßen und um ein Geringes verkaufen müssen, viele haben -sogar die Fenster, die Ziegelsteine von den Feueressen etc. aus Not -verkauft. Viele Häuser, die ausgestorben waren, sind von ihren Nachbarn -eingerissen und das Holz verbrannt worden, um ihr und ihrer Kinder -Leben auf einige Tage zu fristen. Handwerker und Gewerbetreibende -hatten keinen Verdienst. Zu der schweren Arbeit in Eisenhämmern und -Holzschlägen, welche sonst den Mannspersonen ihren Verdienst schaffen, -jedoch jetzt auch liegen, sind sehr viele zu entkräftet. Oft müssen -sie von der Arbeit wieder abgehen, oft davon hinweggetragen werden; -ja einige sind tot dabei liegen geblieben. Ich habe Männer in ihren -besten Jahren gesehen, die nicht im stande waren, das ihnen geschenkte -Holz im Walde zu hauen und herein zu holen. Der Winter setzt die -Männer außer allen Verdienst. Der Lohn bei den Fabriken, für welche -die Weibspersonen und Kinder arbeiten, reicht nicht zu, das Brot der -arbeitenden Person zu bezahlen, geschweige ganze Familien zu ernähren, -Kranke zu erquicken, Kleider, Betten, Hausgeräte anzuschaffen. Ja, ich -habe Klöpplerinnen gefunden, die der Hunger dumm und blind gemacht -hatte; andere, die wegen zurückgebliebener Mattigkeit und blöden -Gesichts wie die Kinder, wieder mit kleinen Zäckchen und schmalen -Borten zu arbeiten anfangen mußten. Ich erstaunte über die Gelassenheit -der vielen Elenden, die mir allenthalben entgegenkamen, aber selbst -zu Kummer und Klagen schon zu empfindungslos, zum Teil auch schon -sorglos für sich und die Ihrigen waren, weil sie, wie mir einige -selbst sagten, sich auf den bevorstehenden Winter weder zu raten noch -zu helfen wußten. Viele haben sich schon des Lebens begeben. Die -Krankheiten hatten auch wieder sehr überhand genommen, vornehmlich -durch den Genuß unreifer Erdfrüchte und durch die Erkältung wegen -Mangels hinlänglicher Bedeckung am Tage sowohl, als besonders des -Nachts. Die meisten Genesenden können sich wegen der schweren Kost -nicht wieder erholen. -- Mit Nahrungsmitteln, die im Niederlande zu dem -notdürftigsten Unterhalte gehören, kann man hier Sterbende retten. Doch -habe ich in Breitenbrunn etliche vor Hunger schon halb Verschmachtete -gesehen, die keine Gabe mehr retten, sondern ihnen den Tod nur weniger -peinlich machen konnte. Viele wissen über keine Krankheit noch Schmerz -zu klagen, aber geschwollen, keuchend, ganz verschmachtet taumeln sie -umher, vermutlich sind ihre Eingeweide zusammengeschrumpft. -- Nur erst -vor vierzehn Tagen hatte man in der Gegend von Eibenstock zwei Kinder, -die in den Wald gegangen waren, um sogenannte Schwarzbeeren zu holen, -auf der Straße aus Mattigkeit umgefallen und tot gefunden. Die fremden -Almosen nehmen ab und die Kollekten jedes Ortes sind, wenn gleich -diejenigen, die noch wohlhabend heißen, über ihr Vermögen thun, doch -ein weniges für so viele Arme, die sich täglich vermehren. Mancher, der -noch vor etlichen Monaten Almosen gab, bittet jetzt um Almosen, und -dadurch wächst die Zahl der Armen, so viel auch hinwegsterben, doch -immer wieder so sehr, daß die an sich beträchtlichen Gnadengeschenke -nur kleine Gaben werden. 150 Scheffel Korn mußten jüngst unter 12800 -Arme verteilt werden. - -Ferner teilt die erwähnte Zeitung später mehr mit: Bei einem Bereisen -einiger Dorfschaften im Monat März fand ein gebirgischer Medikus zu -+Rittersgrün+ in einem Hause den Wirt mit seiner Frau und sechs Kindern -in äußerster Armut, das siebente, eine Tochter von neunzehn Jahren, die -für sich und die übrigen noch Brot verdienen konnte, war vor etlichen -Wochen gestorben, eine Tochter von sechzehn Jahren lag seit einigen -Tagen vor Hunger, ein Kind von neun Jahren an Hitze und Geschwulst, -eins von sieben Jahren an der Auszehrung darnieder. Von zwei Broten, -die der Hausvater in einer Woche noch verdienen konnte, und etwas Milch -von seiner Kuh mußten sie alle leben. Seine Kinder zu retten hatte er -diese Kuh verkaufen wollen, aber nirgends einen Käufer gefunden. In -einem andern Hause waren drei Genesene, aber der Hunger warf sie aufs -neue nieder. Ein Hausgenosse war vor zwei Tagen verhungert, lag aber -noch in dem Bette, in dem er gestorben war, weil Witwe und Kinder, alle -ganz unbedeckt, nichts zum Sarge auftreiben konnten. Nicht weit davon -lag der Wirt vom Hause abgemattet auf dem Boden, ohne etwas klagen zu -können. Dessen Bruder mit seiner Frau nebst sechs Kindern waren seit -sechs Wochen eins nach dem andern verhungert. -- In +Crottendorf+ fand -man einen Hausgenossen, dem in der Nacht vorher ein Kind verhungert -war, und zwei Kinder nebst der Mutter lagen verschmachtet dem Tode -nahe. Aus eben diesem Hause war ein Knabe betteln ausgegangen, aber -abends nicht heimgekommen. Tags darauf, da man das Haus öffnete, lag er -tot vor der Thüre, ohne Geld, ohne Brot etc. - -Der Notschrei, welcher vom Gebirge her erklang, fand im ganzen -Sachsenlande und darüber hinaus Widerhall, durch Spenden suchte man -die Not zu lindern. Seit dem 12. Januar 1771 bis zu Ende 1773 sind -allein aus dem Leipziger privil. Intelligenz Comtoir 25726 Thlr 6 -Gr 9 Pfg bares Geld, 300 Scheffel Getreide, 37 Zentner Reis, auch -viele Bücher und Kleidungsstücke an eingegangenen Wohlthaten in unser -Gebirge zu verzeichnen. Bereits im Januar 1772 bekam der Stadtrat zu -+Annaberg+ 100 Thaler von einem unbekannten Wohlthäter in Leipzig, -wovon 644 Brote, jedes zu 3 Pfund an 399 Familien oder an 1052 Personen -verteilt wurden. Chemnitz, Ehrenfriedersdorf, Eibenstock, Geyer, -Johanngeorgenstadt und Schneeberg werden als die Schauplätze des -größten Elends damaliger Zeit genannt. - -Die immer hoffnungsreicher hervortretende Ernte des Jahres 1773 -richtete endlich die fast bis zur Verzweiflung niedergebeugten -Gebirgsbewohner wieder auf und half durch ihre gesegneten Gaben die -letzte Not überwinden. Der Scheffel Korn, welcher 1772 mit 14 bis 15 -Thalern bezahlt wurde, galt 1773 nur 4 Thaler und Anfang des Jahres -1777 nur 2 Thaler. Die Kartoffeln kosteten während der Hungerjahre -der Scheffel 2 Thaler 18 Groschen, am Anfang des Jahres 1774 nur 6 -bis 8 Groschen. In einigen Städten ließ man Gedenkmünzen schlagen, -auf welchen die Getreidepreise in den Zeiten der großen Teuerung -verzeichnet stehen. Das +Annaberger Museum erzgebirgischer Altertümer+ -besitzt deren mehrere, eine solche Bleimedaille aus dem Jahre 1772 -zeigt z. B. auf der Vorderseite: Sachsens Denckmahl 1771. 1772. große -Theurung, schlechte Nahrung. Die Rückseite besagt: im Gebürge galt -1 Sch: Korn 13 Th: 1 Sch: Weitze 14 Th: 1 Sch: Gerste 9 Th: 1 Sch: -Haber 6 Th: 1 Pfd. Butter 8 gr. 1 Pfd. Brodt 2 gr. In Geyer ward am -16. August 1773 mit dem Erntedankfest das ausgeschriebene allgemeine -Dankfest für Rettung aus der großen Drangsal verbunden. Mit welcher -Rührung und Inbrunst mögen die Geretteten daran teilgenommen haben! - -Im September des Jahres 1773 bereiste der damalige Kurfürst und spätere -König Friedrich August I. nebst Gemahlin und Gefolge das Gebirge, -überall reiche Mittel und infolge seiner Teilnahme Trost spendend. - -Von Marienberg ging am 1. September die Reise zu Pferde über -Ehrenfriedersdorf, Geyer, Zwönitz, Lößnitz, Schlema nach Schneeberg und -von da an demselben Tage wieder zurück nach Marienberg. Am 2. September -war der hohe Herr in Annaberg. Dort wäre er beinahe verunglückt, weil -das Pferd vor den Schüssen scheute, die man am Pöhlberge ertönen ließ, -als er die Pöhlbergstraße aufwärts ritt. - - Nach Lungwitz. - - - - -Fünfter Abschnitt. - -Das Wirtschaftsleben des Obererzgebirges. - - -49. Die obererzgebirgische Kohlenbrennerei. - - -~a.~ Die Entstehung des Gewerbes. - -Der Name +Köhler+ gehört so recht dem Erzgebirge an, wo das -Kohlenbrennen seit Jahrhunderten für zahlreiche Bewohner einen -Erwerbszweig bildete, der noch in der Gegenwart, freilich bedeutend -sparsamer, in den oberen Waldbezirken, bei Zöblitz, Hirschenstand, -Carlsfeld und Morgenröte, bei Göttersdorf in Böhmen und anderwärts -angetroffen wird. - -In der Geschichte und in den Sagen treten wiederholt Köhler auf. -Der Köhler Georg Schmidt befreite am Fürstenberge bei Schwarzenberg -den Prinzen Albert aus den Händen des Kunz von Kaufungen; ein -Köhler soll im Jahre 1458 im Walde beim Abräumen seines Meilers -ausgeschmolzenes Zinn gefunden haben, was Veranlassung zur Gründung -der Bergstadt Altenberg gab. Köhler haben sich nach der Sage zur -Zeit der Hussitenkriege im Walde, da wo jetzt +Crandorf+ liegt, -ihren Kohlenkram, d. h. Hütten aufgebaut, weshalb man den daselbst -entstandenen Ort zuerst Kram- und später +Crandorf+ genannt habe. - -Als im Gebirge an zahlreichen Orten Eisenhütten entstanden, brannte -man auch überall in deren Nähe das Holz zu Kohlen, da diese -zum Ausschmelzen der Erze nötig waren. In der 1697 erneuerten -kurfürstlichen Holzordnung von 1560 wurde aber bestimmt, daß die -Köhler das Holz nicht mehr selbst schlagen lassen durften und das -Kohlenbrennen nur noch vom 25. März bis 16. Oktober zu gestatten sei. - -In früherer Zeit wurden die Kohlen da und dort auch in muldenförmigen, -ungefähr einen Meter tiefen Gruben gebrannt, in welche man Reisig -und Holzabgänge warf, diese dann anzündete und mit Erde bedeckte. -Man erhielt auf diese Weise die sogenannten Grubenkohlen. Das -gebräuchlichste Verfahren bestand aber, wie noch jetzt, im Verkohlen -aufgebauter Meiler. Die größeren Kohlen wurden zur Verwendung für die -Zerrennfeuer, durch welche das Schmelzen des Eisens, um es weicher und -geschmeidiger zu machen, wiederholt ward, mit Dreschflegeln in kleinere -Stücke zerschlagen. - -Es wird den Köhlern das Verdienst zugeschrieben, den Wald nach -und nach urbar gemacht und das Dorf +Ansprung+, welches im 16. -Jahrhundert +Aschberg+ hieß, gegründet zu haben. Es haben aber gewiß -auch die +Aschebrenner+ ihren Anteil an der Besiedelung der Gegend; -der Name dürfte auf das frühere Äschern, d. h. Aschebrennen zu -Pottaschebereitung, zurückzuführen sein. - -Ehemalige Meilerstätten trifft man noch häufig im Gebirge an; manche -derselben stammen jedenfalls aus sehr alter Zeit. In der Mitte einer -Meilerstätte ward eine Stange eingeschlagen. Unten hin legte man -trockenes »Zünderholz«, dann wurden Stöcke rundum aufgeschichtet; -obenauf legte man schräg Scheitholz, sodaß das Ganze wie ein gewölbter -Backofen erschien. Die Eindeckung erfolgte mit Fichtenreisig, Erde und -Rasen. Der Köhler hat mittels der Zündlöcher für Gleichmäßigkeit im -Brande zu sorgen. Mit dem Schürbaum stößt er Löcher in die Decke, um -nachzufüllen. 10 Tage dauert die Arbeit. Einfach ist die Köhlerhütte in -seiner Nähe. - - Nach ~Dr.~ Köhler. - - -~b.~ Eine Köhlerwohnung in alter Zeit. - -Umkränzt von riesigen Fichten rauchten und dampften kegelförmig -gebildete Meiler, und an die gewaltigen Baumstämme lehnten sich -niedrige, kunst- und schmucklos von eigner Hand erbaute Lehmhütten, vor -den brausenden Waldstürmen der Höhe Schutz suchend, an. - -Höchst einfach, nach unseren Begriffen mehr als ärmlich, sah es in -diesen Hütten aus. Von Dielen erblickte man keine Spur, nur in der -Mitte erhob sich ein Tisch von ungehobelten Brettern auf vier in die -Erde eingeschlagenen Pfählen, umgeben von einigen gleichartigen Bänken -und Holzschemeln. - -In einer Ecke stand der Ofen, wenn man eine Vertiefung im steinigen -Boden, von einigen Mauersteinen umgeben, so nennen will, in welchem -fast beständig ein helles Feuer brannte, bei dem die einfachen Gerichte -gekocht oder gebraten wurden. Einige rußige Töpfe und unförmliche -Tiegel, sowie hölzerne Teller und Löffel waren das einzige Haus- und -Küchengeräte. Schlösser an den Thüren wären unnötig gewesen; denn -wer sollte aus jenen Lehmhütten in finsterer Nacht etwas Erhebliches -stehlen? -- Unter dem Dache standen die Betten, unter welchen man sich -kunstlose Lagerstätten von Waldmoos, Heu oder Stroh auf rohen Dielen -zu denken hat. Eine Esse hielt man ebenfalls für überflüssig, denn der -Rauch fand durch die verschiedenen Ritze in der Thür und in den Wänden -einen ganz gemütlichen Ausweg. Die Stelle der Fenster ersetzten einige -viereckige Löcher in der Wand, durch die der goldene Sonnenstrahl die -inneren Herrlichkeiten erleuchtete und welche bei stürmischem Schnee- -und Regenwetter mit einem Brette verschlossen wurden. - - Nach Müller. - - -~c.~ Das Harzen in früherer Zeit. - -Lehmann berichtet: »Es heißt insgemein der ganze böhmische gegen -Meißen zu an der Zschopau und an dem Schwarzwasser bis über den -Wiesenthalischen Fichtelberg Harz- oder Schwarzwald, davon jährlich -1000 Zentner Pech abgeharzt wurden.« Besonders die Crottendorfer -harzten viel und zogen handelnd in die Fremde und blieben oft Jahre -aus. Das Harzen erpachteten die Schwarzenberger im 16. Jahrhundert -von den Tettaus. 1648 wurde das Zinspech in Geld verwandelt. Die -Pechgewerken hatten 80 fl Zins abzustatten. Vor alters mußte der -fünfzehnte Zentner Zinspech ins kurfürstliche Amt geliefert werden. -1666 waren die Hölzer so verhauen und verkohlt, daß man kaum zwei -Zentner Pech herstellen konnte. - -Die Rinden der Bäume wurden mit dem Harzeisen der Länge nach -aufgerissen. Im folgenden Jahre wurde das ausgetriebene Harz -abgeschabt. In der Pechhütte ward es in Kesseln gesotten und dann in -Formen gegossen. - - -50. Der ehemalige Zinnbergbau. - -Gegenwärtig beobachtet man noch an manchen Orten unseres -Obererzgebirges +Raithalden+, das sind Anhäufungen tauben -Trümmergesteins, das nach dem Zinnseifen oder Auswaschen des Zinnerzes -übrig geblieben ist. Diese Halden sind durchwühlt worden. Durch -Zuführung von Wasser wurde aus ihnen nicht nur das Zinnerz, sondern -auch die Feinerde ausgeschieden. Nach Mathesius in Joachimsthal -führte der Zinnwäscher Wasser in zinnhaltige Gebiete und stach eine -torfähnliche Masse. Grobe Stoffe und Steine warf man mit der Gabel -heraus. Der gute Stein setzte sich dann zu Boden. Man reiniget ihn, -um dann das Zinn zu gewinnen. Diese Seifen befanden sich besonders in -flachen Thalmulden. Außer Zinnstein fand man auch Topas, Opal, Beryll, -letzten besonders im Denitzgrunde bei Eibenstock. Auch Goldkörner fand -man, so 1733 am Auersberge eins von 13 Aß Gewicht, das in demselben -Jahre dem Kurfürsten bei der Huldigung in Freiberg überreicht wurde. - -Sehr zahlreich waren die Seifenwerke im Gebiete von Schneeberg und -Eibenstock. Zahlreich waren auch im 17. und 18. Jahrhundert die Seifen -in der Umgegend des Dorfes Bockau. Da hat man in jedem Thälchen -nach Zinnerzen gesucht. Das geschah im ganzen Gebirge bis nach -Johanngeorgenstadt hinauf. - -Besonders bemerkenswert sind die Seifen bei Geyer und Umgebung, die zu -den ältesten gehören. Der jetzt durch seine Spielwaren weit bekannte -Ort Seiffen verdankt seine Entstehung auch dem Zinnbergbau. - - Nach ~Dr.~ Köhler. - - -51. Der ehemalige Silberbergbau. - - -~a.~ Altes Berglied. - -+Ein Bergmann:+ - - Wenn der Schacht erst eingesenket, - Fahrt und Sprossen wohlverwahrt, - Seil und Kübel eingehenket, - Ist des edlen Bergmanns Art, - Daß er mit Schlegel und Eisen - Mag seine Kunst erweisen! - -+Der volle Chor:+ - - Daß er mit Schlägel und Eisen - Mag seine Kunst erweisen! - Hurra! -- Glückauf! - -+Ein Bergmann:+ - - Wenn das Glöcklein drei thut läuten, - So heißt's: Bergmann, steh' auf mit Freuden, - Es heißt: Bergmann, geh' auf die Zech, - Dann wirst du wohl finden - Steiger, Häuer und die Knecht! - -+Chor:+ - - Steiger, Häuer und die Knecht! - Hurra! -- Glückauf! - -+Ein Bergmann:+ - - Zünd' ich an mein Grubenlicht, - So heißt's: Bergmann, fahr an die Schicht, - Fahr ein die Schächtlein tief und lang, - Dann wirst du wohl finden - Einen schönen Silbergang. - -+Chor:+ - - Einen schönen Silbergang. - Hurra! -- Glückauf! - -+Ein Bergmann:+ - - Und als ich kam vor meinen Ort, - Da saßen die lieben Engelein und wachten dort. - Sie thun mich recht lehren und weisen, - Wo ich soll ansetzen mit meinem Eisen. - Schlag ich darauf mit allem Fleiß, - Daß von mir abdringt der Schweiß, - So bin ich doch derhalben nicht - Verzaget, dieweil ich schönes Silber sah, - Das Herzlein darauf thät lachen. - -+Chor:+ - - Das Herzlein darauf thät lachen. - Hurra! -- Glückauf! - -+Ein Bergmann:+ - - Wenn die Schicht verfahren ist, - Ruf' ich zu dir, Herr Jesu Christ, - Befehl' Leib' und Seel' in deine Hände. - Du wirst mich wohl führen - In das himmlische Zelt. - -+Chor:+ - - Du wirst mich wohl führen - In das himmlische Zelt. - -+Chor:+ - - Du wirst mich wohl führen - In das himmlische Zelt. - Hurra! -- Glückauf! - - -~b.~ Die Namen der Zechen. - -Was die Namen der Zechen nach ihrer Entstehung und Bedeutung -anlangt, so ist zu merken, nur die wenigsten knüpfen an die -ursprüngliche Benennung des Ortes an, wo sie entstanden, oder an -bestimmte Eigentümlichkeiten der Zeche selbst und der bei ihrer -Eröffnung maßgebenden Umstände. Die meisten erklären sich aus dem -dem Bergmannsstande namentlich in früheren Jahrhunderten vor anderen -eigenen +frommen Glauben+ an die göttliche Allmacht, zum Teil auch -aus seinem Aberglauben. Frommer Glaube war maßgebend bei den überaus -zahlreichen Benennungen der Gruben nach Heiligen und anderem, der -Aberglaube in Namen wie Wilder Mann, Wilde Frau, Einhorn, Löwe, Wolf, -Rabe, Molch, Hase, Goldner Esel. Riesen und Einhörnern schrieb man die -Kraft zu, gewisse »Bergsäfte«, namentlich das Quecksilber, zu edlem -Erze zu verdichten. Der Molch sollte seinen Winterschlaf in der Nähe -geheimer Schätze halten. Wolf und Rabe galten als »weisende« Tiere. -Der Hase schien als fruchtbarstes Tier von guter Vorbedeutung zu sein. -Im Goldnen Esel hat man wohl gar eine Erinnerung an das Märchen vom -»Eselein, streck' dich« zu erblicken. - - Nach ~Dr.~ Bachmann. - - -~c.~ Obererzgebirgische Bergleute in der Fremde. - -Bekannt und gut beglaubigt ist die Überlieferung, daß im 12. -Jahrhundert in unserem Sachsen zunächst der +Freiberger+ Bergbau durch -den Zuzug +Goslaer+ Bergleute aus dem +Harz+ begründet worden sei. Nach -seinen ursprünglichen Bewohnern, sächsischen Bergleuten aus dem Harz, -heißt heute noch ein Teil von Freiberg die »Sächsstadt«. Es steht fest, -daß umgekehrt im 16. Jahrhunderte Bewohner unseres Landes, Bergleute -aus dem +Obererzgebirge+ und namentlich aus dem westlichen Teile -desselben, der Gegend von +Freiberg+, +Annaberg+ und +Schneeberg+, -nach dem Oberharz gezogen sind und dort Anlaß zur Gründung namentlich -der Bergstädte +Andreasberg+, +Clausthal+, +Zellerfeld+, +Wildemann+, -+Lautenthal+ und +Altenau+ gegeben haben. Zwar war schon im 13. -Jahrhundert, von Goslar aus dahin verpflanzt, auch auf dem Oberharz -um das Kloster Celle her der Bergbau in Blüte gekommen, aber dieser -verfiel bald wieder, wie das Kloster selbst, bis bald kaum noch -eine Spur davon in dem wieder verödenden Lande sich zeigte. Erst im -Zeitalter der Reformation lockten reiche Silberanbrüche in der Gegend -des heutigen Andreasberg und anderswo eine bergbaulustige Bevölkerung -wieder herbei, nur konnte diese nicht aus der Nähe kommen, nicht aus -+Goslar+, das vielmehr selbst des Zuzuges bedurfte und zudem mit den -im Oberharz gebietenden Fürsten verfehdet war, und nicht aus dem -+Mansfeldischen+, sondern man mußte sie anderswo suchen. Daß man sich -zu diesem Zweck nach dem Erzgebirge gewendet, daß von dort her die -ohnedies stets wanderlustigen und auf jedes »neue Geschrei« hin leicht -beweglichen Bergknappen zugeströmt seien, das wird, soweit es nicht -urkundlich bezeugt ist, durch folgendes bewiesen. - -Zunächst handelte es sich bei der Errichtung des neuen Bergwerks auf -dem Oberharz um +Stollenbau+, auf welchen sich damals eigentlich nur -»Meißnische Bergleute« aus dem oberen Gebirge, die deshalb auch in -aller Welt gesucht waren, verstanden. Die Chroniken von Freiberg, -Schneeberg, Annaberg etc. wissen zu erzählen, wie Bergleute aus -diesen Gegenden nach allen Teilen Europas gekommen seien und dorthin -ihr Bergrecht mitgebracht hätten, ja selbst in +Calcutta+, im fernen -Indien, finden wir solche und kaum 40 Jahre nach der Entdeckung -Amerikas im Dienste der +Welser+ auf dem fernen +San Domingo+. Die -Sendung einzelner hervorragender Bergverständiger, Bergmeister etc. -aus dem Erzgebirge nach dem Harz wird ausdrücklich bezeugt, und es -versteht sich ganz von selbst, daß diese nicht allein kamen, sondern -zur Ausführung der ihnen übertragenen Arbeiten Bergleute in größerer -Zahl mit sich führten. Diese ließen dann wieder, wie es heute noch -Sitte der Auswanderer ist, dafern es ihnen anders in der neuen Heimat -gefiel und daselbst wohlging, ihre Angehörigen und Freunde nachkommen, -und so entstand in dem Jahrhundert von 1520--1620 etwa eine größere -Kolonie von aus dem Meißnischen eingewanderten Bewohnern und damit -eine +Sprachinsel mit oberdeutscher Mundart+ mitten in dem sonst -niederdeutsch sprechenden Gebiet. Diese oberdeutsche Mundart aber ist -die des Erzgebirges, und zwar des westlichen Teiles desselben, und das -ist der Hauptbeweis für die Herkunft der ursprünglichen Bewohner jener -Harzstädte aus unserem Erzgebirge. - -Es ist zu bemerken, daß die Ähnlichkeit des Oberharzischen und -Obererzgebirgischen in der That ganz außerordentlich groß und -gemeinsame Abstammung unabweisbar ist. - -Ferner ist bemerkenswert das überaus häufige Vorkommen derselben -+Grubennamen+ im Oberharz und Erzgebirge und daß mindestens die große -Hälfte der im Oberharz vorkommenden Namen den älteren Bergwerken des -Erzgebirges entnommen ist. Da es sich bei der Namengebung namentlich -auch um solche von guter Vorbedeutung handelte, so sind Namen besondere -häufig, die als Benennungen solcher Zechen, welche im Erzgebirge -reiche Ausbeute gebracht hatten, bekannt waren, wie z. B. der Name der -stolzesten Schneeberger Zeche, »St. Georg«, deren ausgebrachtes Silber -auf 40 Tonnen Goldes, d. i. 4000000 Thaler, geschätzt wurde, auch im -Harz vorkommt, ebenso die »St. Anna«, die in Schneeberg schon 1478 -gewaltig »schüttete« und 1528 von allen Gruben die größte Ausbeute gab. - - Nach ~Dr.~ Bochmann. - - -~d.~ Die bergmännischen Werkzeuge und sonstige Einrichtungen in -früherer Zeit. - -Im Jahre 1497 findet man schon Spuren von den Kunstgezeugen in -der Schneeberger Gegend. 1504 bestand ebenda der erste bekannte -Pferdegöpel. 1512 führte Sigismund von Maltitz auf Dippoldiswalde die -+nassen Pochwerke+ zuerst daselbst ein. Seit 1529 waren gedruckte -Ausbeutebogen, seit 1533 sind Anschnittzettel statt der Kerbhölzer -üblich. 1550 wurden die Stangenkünste eingeführt, 1551 die Bergquartale -statt der vorherigen Drittale, mit Ausschluß des Obergebirges, wo -man schon seit 1477 nach Quartalen rechnete. Im Jahre 1555 wurde das -Rohschmelzen erfunden; in die Jahre 1540 bis 1560 fällt die Aufkunft -der Blaufarbenwerke. Im Jahre 1561 nahm die Stollnmaurung ihren -Anfang, 1567 die Grubenmaurung durch den Bergmeister Martin Plauer in -Freiberg. Vom Jahre 1578 schreibt sich die Anordnung des Gebets auf -den Gruben her. 1613 wurde das Sprengen mit Pulver eingeführt. Seit -1649 stiftete man Quartal-Bergpredigten. In den Jahren 1710--1717 wurde -die General-Schmelz-Administration eingeführt. Mit dem Bergbohren -machte damals man die ersten bekannten Versuche. 1731 schaffte man -beim Rechnungswesen die Meißnischen Gülden ab. 1765 ist die Freiberger -Bergakademie gegründet worden. Im Jahre 1768 ward das Tragen der -Berguniform verordnet und 1788 die Entführung der Amalgamation -versucht. - -Der erzgebirgische Bergstaat zerfiel am Anfange unsern Jahrhunderts -in das Oberbergamt und in das Oberhüttenamt zu Freiberg. Unter -ersterem standen die Oberzehntner- und Austeilämter in Freiberg -und im Obergebirge, wo wir finden die Bergämter Annaberg, Geyer, -Ehrenfriedersdorf, Johanngeorgenstadt mit Schwarzenberg und Eibenstock, -Marienberg, Scheibenberg mit Oberwiesenthal. - -Außer den Steigern giebt es: Kunstarbeiter, Ganghäuer, Helfersknechte, -Zimmerlinge, Doppelhäuer, Lehrhäuer, Siebsetzer, Treibeleute, -Haspelmeister, Nachtpocher, Gruben-, Wasch- und Scheidejungen. Eine -Schicht umfaßt 4, 6 oder 8 Stunden. Im Annaberger Bergamte gab es 5 -Schichten die Woche, weil Sonnabend frei war. - -Die Häuerglocke forderte zum Anfange auf. Seit 1595 wurde im Hut- -oder Zechenhause vor Beginn Betstunde gehalten. Im Huthause wohnt der -Steiger, der das Werkzeug bewahrt. - -Ist ein Arbeiter alt oder krank, so heißt er bergfertig. Die -Büchsenpfennige fließen in die Knappschaftskasse. - -Ehemals gab es in jedem Bergamte einen verpflichteten Rutengänger. Für -die Bergleute sind auch Getreidemagazine angelegt worden. Sie sind frei -von allen Abgaben. - -Schon der Bergknabe vom 6. Jahre an kennt und übt den Fleiß als eine -der ersten Tugenden, und dadurch wird sie dem Bergmanne gleichsam zur -andern Natur. Die Poch- und Scheidejungen müssen bei Karbatschenstrafe -oder Vogelbolzen täglich ihre bestimmte Zahl Körbe voll Erz pochen, -ja sogar die Feiertage in den Wochentagen nach und nach mit -einbringen. Sie treiben einander häufig durch Wetten an. Wer z. B. -zum Johannisfeste am ersten mit der bestimmten Arbeit fertig ist oder -Schicht hat, heißt +König+ oder +Staatslümmel+ und wird, mit Blumen -oder Kränzen behangen, unter dem Vorantragen einer roten Fahne mit -Ehrenbezeigungen nach Hause geführt. Den aber, der zuletzt Schicht hat, -nennt man den +faulen Lümmel+ und begleitet ihn, ihn mit diesem Namen -neckend, nach seiner Wohnung. - -Ein Schacht ist eine viereckige Öffnung, die senkrecht in die Erde -führt. Dahinein führen Fahrten oder Leitern. Die Absätze zum Ruhen -heißen Böhnen. Das Innere ist ausgezimmert oder ausgemauert. Die Stolln -führen wagerecht ins Gebirge und dienen zum Wasserabfluß, zur Zuführung -frischer Luft und Abfuhr des Erzes auf Hunden. - -Gänge nennt der Bergmann nach ihrem Gehalte edel oder taub, mächtig -oder leer. - -Fäustel, Schlägel, Bohrer sind Werkzeuge des Bergmanns. Das -Zutagefördern geschieht mit dem Haspel, an dem durch einen an dem Seile -hängenden Kübel die Erze emporgewunden werden. Tiefe Gruben brauchen -den Göpel, welchen Pferde oder Wasser treiben. Das Wasser heben die -»Künste« empor, deren Pumpen durch Räder getrieben werden. - -Bergbauanteilscheine heißen Kuxe. - -Im Berggebiete war das Holz ein wichtiges Bedürfnis. Das Auszimmern der -Schächte und Stolln, der Wasser- und Maschinenbau, die Schmelzöfen, -Schmiedehammer, Siedewerke, Pechhütten und dergleichen verschlangen -viel Holz. Schon im Anfange des 15. Jahrhunderts merkte man das. Der -Bergbau, das damalige weit stärkere Brauwesen, die häufigen Brände -nagten um die Wette an dem Kern der Waldungen. Hierdurch wurden die -ersten Flößen aus holzreichen in holzärmere Gegenden veranlaßt. - -Steinkohlen benutzte man erst in der Mitte des 16., Torf im Anfange des -17. Jahrhunderts. - -Der erste sächsische Fürst, der vom Bergsegen den besten Gebrauch -machte, war der Kurfürst August. Er ließ herrliche Schlösser bauen, -kaufte große Güter an, richtete nützliche Anstalten ein, rief Künstler -und Handwerker ins Land und sorgte bei alledem noch für seinen Schatz. -Unter ihm erhielt das Bergwesen weit bessere Einrichtung, und er ist -als der eigentliche +Gesetzgeber+ des Bergwesens zu betrachten. - - -~e.~ Die Verbreitung des obererzgebirgischen Bergbaues. - - -1. In seiner Blütezeit. - -Erwiesenermaßen ist der +Freiberger Bergbau+ der älteste unseres -Landes, und zwar fällt die Entdeckung der Freiberger Erzgänge in -die Zeit zwischen 1162 und 1170. Die Sage von dem Goslarer Fuhrmann -weist auf Bergleute aus dem Harze hin, von wo auch eine Einwanderung -bergbaukundiger Sachsen in unser Erzgebirge in den Jahren 1167 und 1181 -im Zusammenhang mit den Kämpfen zwischen +Heinrich dem Löwen+ und den -niedersächsischen Fürsten und Städten erfolgte. Um diese Zeit regierte -+Otto der Reiche+ in Sachsen. Die beginnende Ausbreitung des Bergbaues -tritt im ganzen in Wechselbeziehung zu der fortschreitenden Besiedelung -unserer Gegend, das heißt, entweder begann man da, wo deutsche -Niederlassungen auf dem Waldgebirge entstanden, nach Erz zu graben oder -der Erzsucher schweifte mit seiner Wünschelrute durch die Bergwildnis, -und da, wo er Erzgänge erschloß, entstanden neue Niederlassungen. - -Im 13. Jahrhunderte finden wir die +Herren von Waldenburg+ bereits -im Besitze von Silberbergwerken zu +Wolkenstein+ und von Zinn- und -Silbergruben auf dem Sauberge bei +Ehrenfriedersdorf+. Mit dem Tode -+Heinrichs des Erlauchten+, 1288, schließt die erste Glanzzeit des -Freiberger Bergbaues. Dann kommt die Zeit, in welcher die Menschen -in den Schoß der Erde eindringen müssen. Der beschwerliche Schacht- -und Stollenbau ward nun erforderlich. Aus den Jahren 1335 und 1339 -stammen dann die ersten Nachrichten über den Bergbau in dem unter die -+Burggrafen von Meißen+ gehörigen Gerichte +Frauenstein+, sowie in dem -zur Grafschaft +Hartenstein+ gehörigen Gebiete des Klosters +Grünhain+. - -Im 15. Jahrhunderte kam neues Leben in den Bergbaubetrieb durch das -Fündigwerden der mächtigen Erzgänge auf dem +Schneeberg+. Damit beginnt -die zweite Blütezeit des erzgebirgischen Bergbaues. 1606 wurde eine -neue Bergordnung von den Landesherren erlassen. - -Im Gebiete der +Herren von Waldenburg+ fand ein lebhafter -Bergbaubetrieb um das Jahr 1407 bei +Wolkenstein+, +Ehrenfriedersdorf+, -+Thum+, +Geyer+ und +Zschopau+ statt. Als 1470 bei +Schneeberg+ -das Hauptsilberlager erschlossen wurde, da verließ der Bauer Acker -und Pflug, der Handwerker Werkstatt und Heimatsort; alles strömte -hinauf nach dem Schneeberg, um dort das erträumte Glück zu erjagen. -Einzelnen gelang es; Hunderte kehrten als Bettler, getäuscht und -verspottet, nach Hause zurück. Am Schneeberg sanken die uralten -Fichten- und Eichen-, Buchen- und Ahornwälder unter der Köhleraxt -dahin; sie alle verschwanden in den gierigen Schloten zahlloser -Schmelzhütten. Am Anfange des nächsten Jahrzehntes begann ein +Herr -von Schönburg-Glauchau+ in +Beierfeld bei Schwarzenberg+ nach Silber -zu graben und den schon früher betriebenen Bergbau am Galgenberge -bei +Elterlein+ fortzusetzen. Im Jahre 1484 sehen wir weiter ein -Bergwerk, die »Mönchsgrube« bei +Wüstenschletta+, später +Marienberg+, -in Betrieb, während ein Jahr später eine ältere, am +Eisenberg bei -Geyer+ gelegene Fundgrube wieder aufgethan wird. Schließlich werden -in derselben Zeit noch die Orte +Breitenbrunn+, +Breitenbach+, +Ober- -und Niederjugel+ in Urkunden erwähnt. Nicht minder zahlreich sind -endlich aber die Zeugnisse von einem lebhaften Bergbaubetriebe zu -+Ehrenfriedersdorf+, +Wolkenstein+, +Grünhain+ u. a. - -Aber alle die genannten Bergwerke erlangten nicht die Bedeutung, wie -der gleichfalls inzwischen erschlossene +Annaberger Bergbau+. Am -Pöhlberge ist schon 1442 auf +St. Briccius+ Silber gefunden worden. -Die erste sichere Nachricht stammt aus dem Jahre 1483. Der eigentliche -Annaberger Bergbau aber knüpft sich ja an den +Schreckenberg+. Erst -vom 31. Juli 1492 hat sich eine Urkunde erhalten, in der den Gewerken -am Schreckenberge eine Münzfreiheit auf 6 Jahre gewährt wird. Die -entstehende Ansiedelung erhielt unterm 28. Oktober 1497 Stadt- und -Bergrecht und am 22. März 1501 den Namen St. Annaberg. Es entstanden -alsbald zahlreiche Zechen; allein in den Jahren 1496--1499 waren es 51; -in der Zeit von 1496--1530 sind nicht weniger als 380 Zechen in Betrieb -gewesen. Neben dem Schreckenberge werden aber auch schon 1497 Bergwerke -zu +Buchholz+ genannt. - -Der +Eisenbergbau+ blühte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, -namentlich im Gebiete des Klosters +Grünhain+, sodaß sich der Abt -dieses Klosters einen eigenen Bergmeister hielt und zu +Elterlein+ -und +Waschleite+ seine Eisenhämmer besaß. Schließlich mag zum 15. -Jahrhundert auch noch des beginnenden Kohlenbaues gedacht werden, -insofern, als das schon genannte Kloster +Grünhain+ um die Mitte -dieses Jahrhunderts im Gemeindewald zu +Bockwa+ bei Zwickau ein -+Kohlenbergwerk+ besaß, von dem es den Kohlenzehnten erhob. - -Das darauffolgende, das 16. Jahrhundert, war der Entwickelung -des erzgebirgischen Bergbaues im allgemeinen günstig, indem die -Landesfürsten, wie +Herzog Georg der Bärtige+, +Heinrich der -Fromme+ und +Moritz+ in den zuständigen Gebieten, nachmals aber -+Kurfürst August I.+, der große Volkswirt des 16. Jahrhunderts, im -ganzen Lande dem Bergbau eine vorzügliche Pflege angedeihen ließen. -1515 wird das Bergstädtchen +Brand+ gegründet, 1517 +Gottesgab+, -+Eibenstock+, +Jöhstadt+, 1521 +Marienberg+; gleichzeitig wird -+Schlettau+ zur Bergstadt erhoben. 1522 ist +Scheibenberg+ gegründet, -1526 +Wiesenthal+, 1532 +Platten+. 1534 werden wir durch eine -landesherrliche Bergordnung mit dem Bergbau zu +Schwarzenberg+, -+Gottesgab+ und dem Zinnbau zu +Platten+ bekannt gemacht; während -in den Jahren 1515--1537 nach einem Annaberger Silberbuche zu -+Annaberg+ 86, +Marienberg+ 17, +Elterlein+ 4, +Wiesenthal+ 2 und zu -+Scheibenberg+ 8 Zechen in Erzlieferung waren. Gleichzeitig deutet -eine Urkunde vom Jahre 1538 auf den auch zu +Olbernhau+ betriebenen -Bergbau. In den 50er Jahren finden sich dann Zechen zu +Lauterstein+, -zu +Drehbach+, zu +Scharfenstein+ und 1556 der Zinnbau zu +Eibenstock+ -erwähnt. 1578 erfahren wir etwas vom Bergbau zu +Wildenau+, +Dörfel+ -und +Jugel+. Seit 1573 wird dann die Stahlfabrikation erwähnt, und 1561 -schon begegnen wir zahlreichen Eisen- und Blechhämmern, namentlich in -der +Schwarzenberger+ und +Eibenstocker+ Gegend. Seit 1561 finden wir -die Torfstecherei im oberen Erzgebirge erwähnt. In der zweiten Hälfte -des 16. Jahrhunderts wurden die +Marmorbrüche+ bei +Crottendorf+, 1583 -die +Serpentinsteinbrüche+ zu +Zöblitz+ begonnen. Auch hatte man im -Jahre 1577 noch den Versuch gemacht, zu +Wolkenstein+ ein +Salzwerk+ -anzulegen, ohne damit jedoch einen Erfolg zu erzielen. - -Im nächsten Jahrhunderte vernichtete der Dreißigjährige Krieg den -Bergbau im Obererzgebirge fast ganz. - - Nach W. Zöller. - - -2. In späteren Jahrhunderten. - -Anfang des 19. Jahrhunderts zählte man auf dem Erzgebirge etwa 700 -Gruben mit gegen 12000 Bergleuten, während 50000 Menschen vom Bergbau -lebten. - -Der Erzgebirgische Bergstaat bestand 1815 aus dem Oberbergamt und dem -Oberhüttenamt zu Freiberg. - -Unter dem Oberbergamt standen die beiden Oberzehntner- und -Austeilerämter in Freiberg und im Obergebirge, die Bergakademie -und die Bergämter Altenberg mit Berggießhübel und Glashütte, -Annaberg, Freiberg, Geyer mit Ehrenfriedersdorf, Johanngeorgenstadt -mit Schwarzenberg und Eibenstock, Marienberg, Scheibenberg mit -Oberwiesenthal und Hohenstein, Neugeysing, Bärenstein, Seiffen. - -Unter dem Oberhüttenamte standen alle Schmelzhütten und das Halsbrücker -Amalgamirwerk. Dagegen waren die Saigerhütte Grünthal, das doppelte -Blaufarbenwerk in Oberschlema, die Blaufarben-Kommunfaktorei in -Schneeberg, das Pfannenstieler, Zschopauthaler und Schindlersche -Blaufarbenwerk unmittelbar unter dem Geheimen Finanz-Kollegium. - -Unter der Verwaltung des Oberberghauptmanns Freiherr von Herder, 1821 -Berghauptmann, 1826 Oberberghauptmann, entwickelte sich auf Grund der -alten Verfassung und eines edlen Standesgeistes ein außerordentlich -reges bergmännisches Leben. Neue Maschinen wurden in Anwendung -gebracht, das Schmelzwesen bedeutend verbessert, besonders seit der -Einführung der Koaks im Hüttenwesen 1820, und das Ausbringen bedeutend -erhöht, wenn es auch noch nicht den Umfang der neuesten Zeit erreichte. - -Im Freiberger Revier baute man auf Silber und Blei, im Altenberger auf -Zinn und Eisen, im Glashütter auf Silber und Vitriol, schwefelsaure -Metallsalze, im Marienberger auf Silber, etwas Arsenik und Zinn, in -Geyer und Ehrenfriedersdorf auf Zinn, Vitriol und Arsenik, in Annaberg -auf Silber und Kobalt, im Scheibenberger Revier, welches jedoch in -dieser Zeit schon einging, auf Silber, Kobalt, Eisen, Arsenik, im -Johanngeorgenstädter auf Silber, Eisen, Zinn, Vitriol, Schwefel, und im -Schneeberger auf Silber, Kobalt, Wismut, Eisen, Vitriol, Schwefel und -Arsenik. - - Nach Süßmilch. - - -52. Die erzgebirgische Eisenindustrie. - - -~a.~ Die Eisenhämmer. - -Die Hammerschmiede gehörten in früherer Zeit zu den Besonderheiten -des Erzgebirges. Heute noch ist der Beiname »Hammer« bei manchem Orte -gang und gäbe. Die »Hämmer« schmiedeten das Eisen nicht nur, wenn es -heiß, sondern auch, wo es zu Hause war; sie waren bodenwüchsig, diese -Eisenhämmer. St. Johann am Rotenberge bei Schwarzenberg, Irrgang an der -böhmischen Grenze, Rehhübel und Henneberger Zug bei Johanngeorgenstadt, -Vier Gesellen und Altermann beim Auersberge, Urbanus, Spitzleite bei -Eibenstock, Schwalbener Zug und Roter Kamm bei Schneeberg, das sind die -mächtigsten Eisenerzgangzüge, auf denen die Gewinnung jahrhundertelang -bergmännisch betrieben wurde. Vielfach sind diese Gänge zu Tage -ausgegangen: Frühzeitig hat man schon das Erz verwertet. Es ist -wahrscheinlich, daß der Aufschwung der Eisenhüttenwerke im 16. und 17. -Jahrhundert zu suchen ist. Im 16. Jahrhundert entstanden Muldenhammer, -Unter- und Oberblauenthal, Wildenthal, Breitenbach, die Hämmer von -Pöhla und Raschau. Im 17. Jahrhundert sind gegründet Carlsfeld und -Wittigsthal. Vom Jahre 1660 stammt ferner die »Hammerordnung« Kurfürst -Johann Georgs II. für die Blechhämmer in den Ämtern Schwarzenberg, -Wolkenstein und Lauterstein. 1775 sind im Bezirke des Kreisamtes -Schwarzenberg allein 18 Eisenhämmer, ohne die Waffen- und Drahthämmer, -im Gange gewesen. Heutzutage sind von den alten Eisenhämmern -noch Pöhla, Obermittweida, Erlahammer, Morgenröte, Rautenkranz, -Schönheiderhammer als Eisengießereien vorhanden. Der Hohofenbetrieb hat -ganz und gar aufgehört. - -Es muß in der Zeit der Blüte dieser Eisenhämmer ein gar reges Leben -in den Gebirgsthälern gewesen sein. Da dampften die Hohöfen, die -Gebläse pfauchten, und hell erklang der Schall der mit der Hand -geschwungenen Hämmer zwischen den vereinzelteren dumpfen Schlägen -des großen Hammers, den Wasserkraft in Hub setzte. In den niederen -schwarzen Hütten rührten sie sich emsig, die rußigen Gestalten der -Hammerschmiede, die um die Frischfeuer, die Ambosse und Gießstätten -herum thätig waren. Sie bildeten eine echte und gerechte Zunft. -Manche der ersten von ihnen im wilden Waldgebirge werden stellenweise -ihr bißchen Eisenstein selbst erst gegraben haben, um es dann zu -verschmelzen. Meist hatten sie jedoch nur sogenannte »Zerrennfeuer« -und »Blauöfen«. Erstere sind Gebläseöfen gewesen, in denen nur Eisen -geschmolzen werden konnte, auch in letzteren konnte nur Harteisen -geschmolzen werden, doch sind die Blauöfen gewissermaßen als Vorstufe -der Hohöfen anzusehen. Ende des 16. Jahrhunderts scheinen die ersten -Hohöfen gebaut worden zu sein. Hammerschmiede hießen die Gesellen -dieser Hammermeister. Mitte des 18. Jahrhunderts stellte man schon -eiserne Kessel, Öfen, Ofentöpfe und dergleichen Gußwerke her. Im 17. -Jahrhundert, im Jahre 1683, hat man zu Carlsfeld ein Eisenschmiedewerk -angerichtet. Auch ein Pfannenschmiedewerk erstand. Die Hauptsache war -aber die Herstellung der Bleche. An die Blechhämmer schlossen sich die -zahlreichen Löffelschmiedereien an. Von diesem Gewerbe hat sich noch -ein bedeutender Rest erhalten. - - Nach ~Dr.~ Jacobi. - - -~b.~ In einer obererzgebirgischen Eisenhütte vor 50 Jahren. - -Jedes Hammerwerk hat wenigstens einen Leiter, welcher ein technisch -gebildeter Mann sein muß, und einen Schichtmeister, dem das -Rechnungswesen anvertraut ist, während ersterem die technische -Leitung des Werkes obliegt. Zu dem Hohofen, in welchem der Eisenstein -geschmolzen wird, gehören 1 Steinpocher, 2 Aufgeber, 2 Hohöfner und 1 -Schlacken- oder Wascheisenpocher. Ehe der Hohofen angeht, wird durch -den Leiter der untere Teil des Hohofens eingebaut, was man Zustellen -nennt; früher besorgte dies der Hohofenmeister. Bei einem Stabhammer -oder Frischfeuer, in welchem das rohe, durch den Hohofen gewonnene -Eisen ausgeschmiedet wird, arbeiten der Meister oder Frischer, der -Vorschmied, der Einschmelzer und ein Junge; zuweilen bei französischen -Feuern noch ein Fröner, welcher Vorschmiedsstelle dann mit versehen -muß. Die Arbeit der Hammerschmiede ist und bleibt wohl eine der -schwersten und schweißvollsten. Der Aufgeber muß in die Mündung des -Hohofens, wo die Flamme hoch in die Höhe schlägt, Kohlen und Eisenstein -schütten. Der Arbeiter in dem Frischfeuer steht neben dem Feuer, wo -das Roheisen gefrischt und geschmolzen wird, und muß das glühende -Eisen, mehrere Zentner schwer, herausnehmen, auf dem Amboß teilen und -die Teile ausschmieden. Während des Schmelzprozesses verdient ein -Hohöfner wöchentlich 3 Thaler, ein Aufgeber und Steinpocher 2 Thaler. -Der Meister erhält rohes Eisen und Kohlen und muß dafür eine bestimmte -Anzahl Stabeisen liefern. Hat er Überschuß, so ist der Gewinn sein, -allein er darf den Überschuß nur an den Hammerherrn verkaufen. Liefert -der Frischer nicht so viel Eisen, als er sich verbindlich gemacht hat -zu liefern, so muß er das Fehlende bezahlen. Seinen Arbeitslohn erhält -er nach dem Gewichte des ausgebrachten Stabeisens. In dem Zainhammer -wird das Arbeitslohn nach der Wage bezahlt, d. h. je mehr Wagen Eisen -die Arbeiter auszainen, desto mehr erhalten sie. Sie können ebensoviel -verdienen, als die Arbeiter beim Frischfeuer oder Stabhammer. Da die -Hammerschmiede während ihrer Arbeit einer großen Hitze ausgesetzt sind, -so ist ihre Kleidung sehr einfach. Sie gehen meist nur im blauen Hemde -und in leichten Hosen, welche ein langes Schurzfell festhält; früher -gingen sie meist nur im bloßen Hemde, weil der glühende Sinter, der -während der Arbeit herumspringt und mithin dem Arbeiter sehr oft auf -den Leib gerät, leichter auf die Erde fällt, wenn er das Schurzfell -lüftet. Das Rohschmelzen im Hohofen, das Toben der Hämmer, das Heulen -und Pfeifen der Gebläse und dabei das pausenweise Aufschlagen der -Gichtflamme, welches zur Nachtzeit dem Wetterleuchten ähnlich ist, die -von Kohlenstaub geschwärzten Arbeiter mit starken, ausdrucksvollen -Gesichtszügen, Zähnen wie Elfenbein, das Innere der Hände mit -hufartiger Rinde, an welche sich die krummen, wenig gelenkigen Finger -anschließen, kann uns das Gemälde des Dichters versinnlichen, wenn -er von der Werkstätte des Vulkans und seiner Cyclopen schreibt. -Ein königlicher Hammer-Inspektor führt die Aufsicht über sämtliche -sächsischen Hammerwerke, geht den Werksbesitzern mit Rat an die Hand, -nimmt etwaige Beschwerden entgegen und sieht die Betriebstabellen ein. - -Das Eisen, welches sich in 12stündiger Schicht im Hohofen angesammelt -hat, fließt einem Feuerstrom gleich in einen trogartigen Sandgraben, -welches Ablaufen, »Abstechen« heißt. Diese Masse erstarrt sehr bald und -heißt eine »Ganz«, weil es eine ganze rohe Eisenmasse ist. Eine solche -Ganz wiegt 3 bis 4 Zentner. Diese Gänze, sowie überhaupt das Roheisen, -werden, wie erwähnt, verfrischt. Das Walzen der Stäbe geschieht, um -aus den gefrischten, höchstens nur unter dem »Stirnhammer« etwas -vorgeschmiedeten Eisenmassen die Stäbe herzustellen, oder um die schon -unter dem »Aufwerfhammer« weiter ausgestreckten Kolben oder dicken -Stöcke zu verfeinern. Im ersten Falle wendet man erst Präparierwalzen -und nachher das eigentliche Stabwalzwerk an, im zweiten Falle -gebraucht man letzteres allein. Die dünnsten Stäbe werden oft durch -eine das Auswalzen an Schnelligkeit noch übertreffende Verfahrungsart -dargestellt, indem man 3 bis 5 Zoll breite und 30 bis 40 Fuß lange -gewalzte Schienen nach ihrer ganzen Länge in Streifen zerschneidet. -Hierzu bedient man sich des Eisenspaltwerkes, der Schneidewalzen. - - Nach Elfried v. Taura. - - -~c.~ Die Blechlöffelfabrikation. - -Man darf nicht glauben, als würde der Löffel mit einem Male vollendet; -es gehen da eine Masse Arbeiten voraus, ehe er als solcher verkauft -werden kann. Zunächst bezieht die Fabrik das Eisen für alle Gattungen -von Löffeln von den Hammerwerken, wo es unter dem Namen Löffeleisen -in Stäbe geschmiedet und nach der Wage verkauft wird. Der Fabrikant -liefert dasselbe nach dem Gewichte an die Plattenschmiede, welche -zerstreut in nahen und entfernt liegenden Ortschaften wohnen; diese -verfertigen daraus die Platten, d. h. die ebenen, plattausgehenden -Eisenstücke, die noch keine Vertiefung haben. Zwei solche -Plattenschmiede können täglich gegen 24 und aus einer Wage etwa 36 -Dutzend Platten schmieden, die sie an den Fabrikanten wieder nach dem -Gewichte abliefern. Nun kommen die Platten wieder in die Hände der -zerstreut wohnenden Löffelmacher, welche sie austeufen, wozu sie einen -Amboß, worauf die stählernen Modelle oder Formen befestigt und nach -verschiedenen Größen und Gestalten eingelassen sind, und verschiedene -Teufhämmer haben. Dann bringt man sie wieder zur Ablieferung. Täglich -kann ein Löffelmacher 25 Dutzend abteufen. Endlich werden die Löffel -ins Zinnhaus abgegeben, da verzinnt, dann mit Kleie gescheuert, -sortiert und so vollendet aufs Lager und in den Handel gebracht. - - Nach Elfried v. Taura. - - -53. Die Blaufarbenwerke. - - -~a.~ Besuch eines alten Blaufarbenwerkes. - -Elfried von Taura schildert den Besuch eines Blaufarbenwerkes zu -seiner Zeit wie folgt. Bei den Gesamt-Blaufarbenwerken, dem Schlemaer -und beiden gewerkschaftlichen zu Pfannenstiel und dem Schindlerschen -zwischen Aue und Schwarzenberg, ist die Einrichtung getroffen gewesen, -daß kein Werk seine gefertigten Farben für sich verkaufte, sondern -solche in das gemeinschaftliche Lager nach Leipzig und Schneeberg -lieferte. Diese Bestimmung der gleichen Absendung der Farben besorgte -der in Schneeberg wohnende Kommunfaktor. Die Ablieferung geschieht -demnach von allen Werken zu gleichen Teilen, sodaß das Ganze als ein -⁵/₅ betrachtet wird, wovon das königliche als Doppelwerk ⅖ und das -Gesamt Privatwerk ⅗ abliefert. Die Werke haben das Recht, daß alle -Kobalte, die im Lande gefunden werden, an sie verkauft werden müssen, -und darum kommen in jedem Quartal Berg- und Blaufarbenwerk-Offizianten, -zu welchen letztern die Faktore und Farbenmeister gehören, nach -Schneeberg, um die Kobalte chemisch zu untersuchen und nach dem -ausgefallenen Werte den Gruben die Kobalte zu bezahlen. Alle -Kobalterze werden geröstet, gepocht, kalziniert und mit andern -Materialien verschmolzen, um die blauen Farben zu bereiten. Jedes -Farbenwerk hat seine nötigen Schürer oder Schmelzer, Gemengmacher, -Kalzinierer, Waschstübner, Farbereiber, Oxydmacher u. s. w., die alle -den gemeinschaftlichen Namen Farbearbeiter oder Farbebursche führen. -Ihre Erzeugnisse sind Smalte, Safflor, Zaffers, Ultramarin. Zum -Schmelzen des Kobaltglases dient ein besonders eingerichteter Ofen, -in welchen Häfen aus festem, gutem Thon hineingebracht, in welche das -Gemenge eingelegt wird, um dies eben darin zu Glas zu verschmelzen. -Das Kobaltoxyd giebt mit Säure Salze, welche rot gefärbt sind. -Die zur Herstellung der Farben nötigen Hauptmaterialien sind: die -Kobalterze, Pottasche, Quarz, Arseniksäure als Zuschlag. Die Kobalterze -sind entweder schon oxydiert oder müssen oxydiert werden. Dieselben -werden zuvörderst gesaigert und dann geröstet, was in besondern -Öfen geschieht; das geröstete Erz wird gesiebt und so zur weiteren -Verarbeitung aufbewahrt. Der Quarz wird »gebrannt« und dann »gepocht«. -Das Gemenge wird im Schmelzofen geschmolzen, was gewöhnlich 8 Stunden -dauert. Ist die Masse flüssig, so schöpft man das Glas mit eisernen -Löffeln und bringt es in einen daneben stehenden Trog mit Wasser zum -»Abschrecken«. Unter dem Glase befindet sich im Schmelzhafen die -leichter flüssige »Speise«, welche nicht »abgeschreckt«, sondern in -eisernen Eingüssen, in Form von Schüsseln, hart an dem Ofen eingesenkt, -aufgesammelt wird. Die abgeschreckten blanken Gläser werden aus dem -Troge genommen und unter Pochstempeln gepocht, dann gesiebt, auf Mühlen -mit Wasser vermahlen. Der so gewonnene Schlamm kommt in ein Waschfaß, -wo die Abscheidung der Farben durch Niederschlagen erfolgt. Die über -dem Niederschlage stehende Flüssigkeit wird in die »Eschelfässer« -abgezapft, in denen man den »Eschel« gewinnt. Die gewonnene Farbe -sowohl als der Eschel werden wiederholt von den Waschstübnern -verwaschen, bis alles rein ist. Das trübe Wasser, vom Verwaschen der -Eschel bläulichgrau aussehend, setzt zuletzt den schlechtesten Eschel -in den »Sumpf« ab, d. i. »Sumpfeschel«, der den Glasgemengen wieder -beigesetzt wird. Die Farben und Eschel werden getrocknet, sowohl in den -geheizten Trockenstuben als auch von der Luft in Trockenhäusern, dann -zerrieben und gesiebt. - -Jedes Werk wird verwaltet vom Faktor, dem bei dem königlichen Werke -noch ein Chemiker, bei dem Privatwerke zu Pfannenstiel noch ein -technischer Faktor (zugleich mit für das Schindlersche Werk) beigegeben -ist. Die Farbenbereitung leiten die Blaufarbenmeister. Sämtliche -Blaufarbenwerker müssen beim Läuten des Hüttenglöckleins punkt 5 Uhr -im Werke eintreffen: zuerst wird gebetet und gesungen, um 6 Uhr ist -alles in voller Thätigkeit. Abends um 6 Uhr, nachdem wieder gebetet und -gesungen worden, wird Schicht gemacht. Die Arbeiter haben bei Paraden -ihre besondere Tracht, bestehend in einem weißen Leinwandbergkittel -mit blauem Steh- und Hängekragen, weißen Leinwandhosen, blauem Schurz, -schwarzem Schachthut, den die Sachsenkokarde ziert. Die Offizianten -haben nach ihrem Range ganz die Uniform wie die Bergoffizianten. Ihr -Gruß ist »Glück auf«, ihre Zeichen sind Krücke und Kratze. -- Jeder -Arbeiter beginnt seine Laufbahn als Taglöhner. Zeigt er sich als -Taglöhner brav und brauchbar, so wird er »wirklicher Arbeiter« und darf -nun als Auszeichnung die weiße Schürze bei der Arbeit tragen. - - -~b.~ Sage von der Erfindung der Blaufarbenbereitung. - -Als im 16. Jahrhundert der Bergsegen des Obererzgebirges jährlich -sich verminderte und überall ein Wehgeschrei über den Silberräuber, -so oder Kobold nannte man das taube Erz, welches das Silberausbringen -erschwerte, sich erhob, da kam Christoph Schürer, eines Apothekers Sohn -aus Westfalen, landesflüchtig seines evangelischen Glaubens wegen, nach -Schneeberg, wo er, als ein in der Chemie und Naturlehre wohlerfahrener -junger Mann, bald eine Anstellung bei den Hütten fand. Schon wenige -Tage nach seiner Ankunft gewann er die Liebe Annas, der Tochter des -Hüttenmeisters Rauh, und bald auch durch sein einnehmendes Betragen -das Jawort ihres Vaters, sodaß die Hochzeit auf das nächste Bergfest -bestimmt wurde. Ehe aber das Bergfest kam, drohte Schürers Unstern -alle seine Hoffnungen zu vernichten. Nämlich in seiner Forschgier war -er auf den Gedanken geraten, den vielverrufenen Kobold, den verhaßten -Silberräuber, durch chemische Zubereitungen zu etwas Nützlichem -umzugestalten. Er machte demnach insgeheim in einer Schmelzhütte in -Oberschlema vielfache Versuche, und trieb es damit oft die ganze Nacht -hindurch, so eifrig, daß er bald in den Verdacht der Alchymisterei und -Schwarzkünstelei geriet. Als daher aus Platten in Böhmen, wo er sich -bei seinem früheren Aufenthalte daselbst durch seinen Glauben Feinde -und durch seine Kenntnisse und sein Ansehen Neider gemacht hatte, -mehrfache Klagen einliefen, daß er ein Zauberer, Dieb und Glaspartierer -gewesen sei und man seine Auslieferung forderte, gebot der -Bürgermeister, ihn zu verhaften. Eben war Schürer in der Schmelzhütte -mit seinen Versuchen beschäftigt, da kam der Fron, ihn festzunehmen, -fand aber die äußere Thür verschlossen und meldete es dem Bergmeister. -Diesen, sowie den Hüttenmeister Rauh und einige Geschworne trieb -jetzt die Neugier, mitzugehen. Die Thür wurde aufgesprengt, und mit -freudefunkelnden Augen trat der gesuchte Verbrecher den Eintretenden -entgegen. Aber wie staunte er, als der Fron ihn griff und ihn einen -Zauberer, Dieb und Partierer schalt! »Männer,« rief er, schnell sich -fassend, mit fester Stimme, »Männer, prüfet, ehe Ihr entscheidet! -Meint Ihr, ich treibe bösen Unfug hier mit schwarzer Kunst, so tretet -her! Seht, dies wollte ich gewinnen und, Gott sei Dank, endlich ist's -gelungen! Ich meine, es soll dem Lande von großem Nutzen sein!« Somit -reichte er ihnen eine Mulde voll feinen, schönblauen Staubmehles hin. -Die Bergherren staunten und begehrten zu wissen, wie und woraus er -solche schöne Farbe bereitet habe. Schürer zeigte ihnen alles willig -und reinigte sich so von dem Verdachte, daß er ein Schwarzkünstler sei. -Auch machte es dem Bergmeister so große Freude, daß derselbe versprach, -alles zu thun, um Schürers Unschuld gegen die Anklagen der Böhmen zu -erweisen. Dies gelang auch dem wackern Manne bald, und Schürer erhielt -nun seine Freiheit wieder und kam durch die Erfindung der schönen -blauen Farbe, die man anfangs nur blaues Wunder nannte, zu großen -Ehren, und als das Bergfest gekommen war, wurde er des Hüttenmeisters -glücklicher Eidam! - - -54. Torfstecherei im Erzgebirge. - -Neben dem Filzteiche befindet sich eine beträchtliche Torfstecherei. -Man hat schon ums Jahr 1708 im obern Erzgebirge Versuche mit Torfgraben -gemacht, z. B. am Kranichsee bei Carlsfeld, bei Scheibenberg und -Schneeberg. Aber kein Mensch wollte Torf kaufen, denn man hatte des -Holzes genug; und so blieb es bei dem Versuche, der im Jahre 1756 fast -ebenso erfolglos wiederholt wurde. Man gab da für 1000 Torfziegel zu -stechen 10½ Groschen und verkaufte solche zu 21 Groschen. Aber die -Macht des Vorurteils war so groß, daß man den Torf nicht einmal umsonst -haben wollte, sodaß viele hunderttausend Stück Ziegel verdarben und -zerfielen. Erst seit dem Jahre 1789 wurde auf wiederholte Anordnung des -Finanzkollegiums die Torfstecherei am Filzteiche ordentlich in Gang -gebracht, und im Jahre 1790 wurden auch Trockenhäuser und Kohlenschauer -angelegt. Ein einziger Arbeiter konnte täglich über 1000 Stück stechen; -sogar Kinder verdienten dabei ihr Brot, denn man bediente sich ihrer -zum Zählen und Aufschlichten der Ziegel. Der Torf, ein aus Wurzeln -bestehender Filz, ist schwarzbraun. Die Ziegel wurden in den 4 großen -Trockenhäusern gedörrt und dann nach Schneeberg ins Torfmagazin -geschafft. Man verkohlte deren viele Hunderttausende in Meilern zu -36000 Stück. Im Jahre 1795 wurden 1000 Stück zu 8 Groschen verkauft. --- Nicht weit vom Filzteiche ist auf Johannisgrüner Revier im Jahre -1791 eine zweite Torfstecherei angelegt worden. Die Torffeuerung ist in -Sachsen schon seit dem Jahre 1560 bekannt. - - Nach Schumann. - - -55. Die Auer Porzellanerde. - -Bei Aue wurde noch am Anfange dieses Jahrhunderts in der +Fundgrube -des Weißen St. Andreas+ weiße Thonerde bergwerksmäßig gewonnen und -zur Verfertigung des Meißener Porzellans verwendet. Es fuhren außer -dem Steiger täglich 32 Bergleute an. Die Erde oder das »Weiße Zeug« -wurde getrocknet, von wilden Arten oder Beimischungen geschieden, -und fässerweise wurden aller 14 Tage gegen 120 Zentner durch zwei -verpflichtete Fuhrleute nach Meißen geschafft. Die Fässer waren -umschnürt und wohlversiegelt. Die Erde durfte nicht außer Lande -geschafft werden, ja auf der Zeche selbst bekam man sie kaum zu -sehen. In die Gruben, Trocken- und Vorratshäuser durfte niemand ohne -Erlaubnis. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Ausfuhr des -weißen Thons der Auer Gegend anfänglich bei großer Geldstrafe und -im Jahre 1745 sogar beim Strange verboten. Im 7jährigen Kriege ließ -Friedrich der Große mehrere Wagen voll Auer Erde nach Berlin schaffen, -um sie untersuchen zu lassen, damit er in seinen Ländern nach ähnlicher -graben lasse. Es entstand auch daraufhin die Berliner Porzellanfabrik. - - Nach Schumann. - - -56. Die Spitzenklöppelei im Erzgebirge. - - -~a.~ Barbara Uttmann. - - O rauhes Erzgebirge, von Sturm und Frost gewiegt, - Wohl klagt die Armut, weinend an deine Brust geschmiegt. - Doch reich wie du im Innern an stufigblankem Erz, - Schmückt dich auch, gottergeben, manch treues Menschenherz. - - Doch all dein Seelenreichtum und all dein Herzenswert - In einer Frauenblume ward wunderhold verklärt. - Sie stieg aus deinen Gründen als tröstend mildes Licht, - Das um den Herd des Elends das Band der Liebe flicht. - - Das Band der Menschenliebe: denn sieh, da Nächte lang - Sie still in Mitleidsthränen nach Kraft von oben rang, - Gott bittend, sie zu lehren ein Werk, das fromm und frei, - Die fleiß'ge Hand belohnend, der Armut Labung sei. - - Sie, als sie stand früh morgens im kalten Kämmerlein, - Durch winterliche Scheiben umhaucht von Frührotschein, - Ihr dämmerdunkles Sinnen ward plötzlich auch zum Tag: - »Ich hab's, ich hab's gefunden, wenn Gott mir helfen mag! - - Du blumiges Gewebe an dir, lieb Fensterlein, - Du bist der Hauch des Engels, der mir will gnädig sein! - Lehr' mich, gefrorner Odem, nachahmen dein Gewand -- - Gewonnen sei den Bergen die Kunst vom Niederland!« - - Und emsig, fromm und freudig regt Hand und Nadel sich. - Vergeblich mancher Anfang, umsonst wohl mancher Stich! - Doch endlich, fest und sicher, gelingt's dem treuen Fleiß. - Es ranken sich zu Blumen die Spitzen fein und weiß! - - Und aus den Hütten jubelnd herbei kommt klein und groß. - Welch emsig Müh'n und Schaffen rings um der Mutter Schoß! - Herdflammen knistern fröhlich, die Müh lohnt fern und nah: - Das kam vom Segenswirken der edlen Barbara! - - Zu Annaberg, im Kirchhof, leis' rauscht der Lindenbaum, - In schlanken Wipfeln flüstert's, wie sel'ger Geister Traum. - Treu dankbar netzt den Hügel der Armut Thränentau - Und preist des Erzgebirges verklärte Engelsfrau! - - Richard v. Meerheimb. - - -~b.~ Das Spitzenklöppeln im Obererzgebirge. - -Aus früherer Zeit wird uns über das Spitzenklöppeln im Erzgebirge -folgendes Bild von +Berthold Sigismund+ entworfen: - -Im Obererzgebirge sieht man fast hinter jedem Hüttenfenster -eifrige Klöpplerinnen. In der schönen Jahreszeit trifft man ganze -Gesellschaften von klöppelnden Frauen, Mädchen und Kindern im Freien. -Im Winter kommen die Klöppelmädchen abends zusammen und arbeiten -gemeinschaftlich, wie anderwärts die Spinnerinnen. Die Haltung der -Klöpplerinnen ist allerdings nicht sonderlich anmutig, indem sie beim -Arbeiten den Oberkörper, ähnlich wie beim Schreiben, etwas vorbeugen. -Die gewandten Bewegungen der Hände aber lassen sich ebenso schwer -darstellen, wie der flüchtige Tanz der Finger des Klavierspielers. -Die Handhabung der Nadeln beim Stricken ist nichts im Vergleiche zum -Gebrauche der Klöppel beim Spitzenanfertigen. Die Verwunderung über die -Kunstfertigkeit der Klöppelhände wird noch gesteigert, wenn man das -äußerst schlichte Werkzeug sieht, dessen die Klöpplerin sich bedient. -Sie sitzt vor einem walzenförmigen, einen Fuß langen, mit Kattun -umhüllten Polster, dem sogenannten Klöppelsack oder Klöppelkissen, -das mit einer großen Anzahl von Stecknadeln gespickt ist. Der -Klöppel selbst ist ein 10 ~cm~ langes, zur Form eines Trommelstockes -gedrechseltes Holzstück, über welches das »Tütle«, eine dünne hölzerne -Hülse von 4 cm Länge, gesteckt ist, damit der um den Klöppel gewickelte -Faden nicht beschmutzt wird. Einen solchen Klöppel mit Tütle kauft man -um einige Pfennige. Das Köpfchen ziert eine Perle. Jede Klöpplerin -sucht ihren Stolz in einer bunten Mannigfaltigkeit der letzteren. Zu -schmalen Spitzen gehören 2--4, zu breiten wohl 100 Paare. Um die Mitte -des Kissens ist ein Streifen starken Papiers, auf welchen das Muster -durch Nadelstiche vorgezeichnet ist, der sogenannte Klöppelbrief, -geschlungen. Zunächst werden soviele Fäden, als das Muster erfordert, -auf ebensoviele Klöppel aufgewunden, die freien Enden in einen Knoten -geschürzt und auf dem Kissen befestigt. Dann beginnt das Klöppeln, -welches im wesentlichen nicht anders ist, als eine kunstvolle Art zu -flechten. Die Arbeiterin faßt mit den Fingerspitzen bald der rechten, -bald der linken Hand mehrere Klöppel, wickelt durch gewandte Drehung -derselben etwas Faden ab und kreuzt die Fäden durch einen »Schlag« zu -einer Art Knoten. Die so gebildeten Maschen werden zeitweilig durch -bunte, glasköpfige Stecknadeln an dem Klöppelbriefe festgehalten. -Rasch beseitigt nun die Hand diejenigen Klöppelpaare, welche eben -gebraucht wurden und bis auf weiteres entbehrlich sind, dadurch, -daß sie dieselben mit einer großen Aufstecknadel seitlich am Kissen -feststeckt. Dann nimmt sie mit bewunderungswürdiger Sicherheit aus der -Menge der Klöppel, die alle gleich aussehen und nicht an Nummern oder -sonstigen Zeichen kenntlich sind, andere Paare heraus, um damit weiter -zu arbeiten. -- Es ist begreiflich, daß die Fertigkeit, mit welcher die -Klöpplerin für jede Nadel den rechten Klöppel findet und benutzt, nur -durch Übung von frühester Jugend an errungen werden kann, weshalb auch -Kinder schon im vierten und fünften Lebensjahre zu klöppeln anfangen. -Auch sorgen für Erlernung der erzgebirgischen Kunst außer den Familien -mehrere vom Staate unterstützte Klöppelschulen. - - Nach Berthold Sigismund. - - -~c.~ Die Namen der Spitzenmuster. - - Erbsgrund, Batzen, Wickelkind, - Töpfe, worin Blumen sind, - Rohrstuhl, Mücken, Steingeränder, - Wanzen und auch Schlangenbänder, - Auch Pantoffeln, Hirschgeweih, - Quärche, Schwanzbirn, Stickerei, - Hummeln, türkisch zahm gemacht, - Schneeball gar in schwarzer Pracht, - Himmelswägel, Stiefelknecht, - Maul vom Frosch -- ist auch nicht schlecht --, - Katzenbuckel, Kuchenschieber, - Wässerle, bald hell, bald trüber, - Hacke, um das Kraut zu reißen, - Kirchenfenster und Hufeisen - Derart nennen, die da schwitzen - An den Klöppeln, ihre Spitzen. - - Nach ~Dr.~ Otto Krause. - - -~d.~ Maria im Erzgebirge. - -Ein armes Mädchen mußte durch Klöppeln für sich und die alte Mutter -das kärgliche tägliche Brot erwerben. Da wurde ihm einst von der -reichen Edelfrau, der Besitzerin ausgedehnter Güter und ihrer Herrin, -der Auftrag erteilt, für sie in einer bestimmten kurzen Frist ein -reiches Spitzenkleid zu fertigen. Wenn die arme Klöpplerin ihre Aufgabe -pünktlich und zur Zufriedenheit ihrer Herrin löste, sollte ihr reicher -Lohn werden; beim Gegenteile erwartet sie dagegen Spott und bitterer -Hohn. Die arme Klöpplerin saß Tag und Nacht bei ihrer Arbeit. Doch -als die sechste Nacht kam, da konnte sie sich nicht mehr des Schlafes -erwehren, und sie wankte todmüde an das Bett der Mutter hin. Aber -wunderbare Träume zogen jetzt wie ein Frühlingshauch durch ihre Seele. -Die ärmliche Stube erglühte in rosenrotem Schein, und leise trat eine -holde Frau ein mit einer goldenen Krone auf dem Haupte. Es war die -Himmelskönigin Maria. Dieselbe setzte sich an das Klöppelkissen, und -die Klöppel flogen so zauberhaft, wie es dem Mädchen nie gelungen -war, sodaß vor Anbruch des Tages das reichste Spitzenkleid vollendet -dalag. Als das also träumende Mädchen aus dem Schlafe erwachte, stand -bereits die Sonne hoch am Himmel. In Wirklichkeit aber, wie der Traum -es gezeigt hatte, war das Spitzenkleid fertig und die Klöpplerin trug -es frohen Mutes hinauf zum Schlosse. Da freute sich die stolze Herrin -und belohnte die Arbeit so reichlich, wie nie zuvor. In dem Kleide -jedoch war Gottes Segen eingewoben, welcher in der Folge nicht nur der -strengen Edelfrau, sondern auch der armen Klöpplerin zu teil wurde. - - Nach Bowitsch und ~Dr.~ Köhler. - - -~e.~ Die jetzigen Klöppelschulen. - -In der Kreishauptmannschaft Zwickau bestehen 27 vom Staate -beaufsichtigte und unterstützte Spitzenklöppelschulen. Die Orte, in -denen sich die Schulen befinden, sind: Albernau, Aue, Bermsgrün, -Breitenbrunn, Crandorf, Elterlein, Grünhain, Hammerunterwiesenthal, -Haßlau (I und II), Hundshübel, Jöhstadt, Neustädtel, Oberwiesenthal, -Planitz (I und II), Pöhla, Rittersgrün (I, II und III), Rothenkirchen, -Schlema, Schneeberg, Schwarzenberg, Unterwiesenthal, Wilkau (Abteilung -~A~ und ~B~) und Zschorlau. Diese Schulen wurden im Jahre 1896 von -1303 Schülerinnen besucht. Der gesamte Arbeitsverdienst betrug -30177 M 48 Pf, durchschnittlich 23 M 16 Pf. Die gesamten Einnahmen -beliefen sich auf 22718 M 36 Pf und die Ausgaben auf 20717 M 51 Pf. -Als Staatsbeihilfen wurden 15580 M gewährt. Das Gesamtsparguthaben -der Klöppelschülerinnen bestand am Schlusse des Jahres 1896 in -29935 M 45 Pf. In der Kreishauptmannschaft Dresden besteht nur eine -Spitzenklöppelschule, nämlich in Brand bei Freiberg. Außerdem besteht -in Schneeberg die Königl. Spitzenklöppelmusterschule. - - -57. Der ehemalige Hausierhandel im Erzgebirge. - -Zahlreiche Erzgebirger früherer Zeit wanderten in jedem Jahre -monatelang gleich Zugvögeln in die Fremde, um dann wieder zur -heimischen Scholle zurückzukehren, die ihnen als das schönste -Erdenfleckchen erschien und darum über alles teuer war. - -Die im Anschlusse an den erzgebirgischen Bergbau auf Eisen und andere -Metalle betriebenen Gewerbe erzeugten eine mannigfaltige Menge von -Gegenständen. Zahlreiche Bewohner fanden nicht nur unmittelbar beim -Eisenbergbau, sondern auch in den Hammerwerken, Walz- und Drahtwerken, -sowie bei der weiteren Bearbeitung des Eisens und Stahls zu Löffeln, -Nägeln, Nadeln, Schneidewerkzeugen Beschäftigung und Brot. Neben -den Waren aus verzinntem Blech wurden auch solche aus Schwarzblech -gefertigt. Im Raschauer Grunde war die Nagelfabrikation ein -Jahrhunderte alter Erwerbszweig. - -Alle die genannten Erzeugnisse der Handarbeit unserer Erzgebirger -wurden nun von zahlreichen Personen im Kleinhandel vertrieben. So -bildete sich ein Wanderleben, das lange Zeit eine Eigentümlichkeit -vieler Bewohner des Erzgebirges gewesen ist. Schon 1628 besuchten die -+Bockauer+ mit hölzernen und blechernen Waren die Jahrmärkte viele -Meilen weit. Im 17. Jahrhunderte führten die Händler auch Eisenwaren -mit sich. - -Die mit Blechwaren hausierenden +Schönheider+ nannte man -»Röhrenschieber«. Mit ihnen waren es auch +Bärenwalder+, +Bernsbacher+ -und +Beierfelder+, welche auf Schiebkarren oder kleinen selbstgezogenen -Wagen die schwarzen Blech- und Eisenwaren von Ort zu Ort fuhren und so -lange von ihrem Dorfe fortblieben, bis sie alles verkauft hatten. - -Neben den Haarnadeln und anderen in das Nadlergewerbe einschlagenden, -aus Stahl gefertigten Gegenständen lieferte Oberwiesenthal vor etwa -100 Jahren besonders auch Stecknadeln, zu denen der Messingdraht aus -Rodewisch bezogen wurde. - -Unter den von erzgebirgischen Hausierern geführten Waren sind auch -Farben aus den obererzgebirgischen Blaufarbenwerken gewesen. - -Als Landreisende können wir die Bergfertigen, alten oder kranken -Bergleute bezeichnen, welche mit Nachbildungen von Berg- und Pochwerken -umherzogen, um sie bei Jahrmärkten auf den Straßen, in Wirtsstuben oder -in den Schulen zu zeigen und zu erklären. - -Als der Bergbau erlag, wandte man sich vielfach anderer Beschäftigung -zu. Zunächst bot der Wald mit seinem billigen Holze dazu Gelegenheit. -Aus kleinen Anfängen entstand die Holzwarenindustrie. »Seiffner -Waren« nannte man die Schachteln, Nadelbüchsen, Knöpfe, Spindeln und -dergleichen. Im Vogtlande nicht nur, auch im Erzgebirge und besonders -im Amte Schwarzenberg fanden viele Bewohner durch Pechsieden und -Rußbrennen Beschäftigung und Verdienst. - -Die Rußbuttenmänner zogen Handel treibend im Lande umher. 1501 erhielt -Wilhelm von Tettau durch den Kurfürsten Friedrich den Weisen die -Belehnung über die Pechwälder der Herrschaft Schwarzenberg. In der -Neuzeit ist das Pechsieden untersagt. - -Wie die Rußbuttenmänner, so sind auch die Bernsbacher, Beierfelder, -Neuhausener, Oberwiesenthaler und Wolkensteiner Händler mit -Feuerschwamm verschwunden. Der aus Buchenschwämmen bereitete -Feuerschwamm wurde nicht nur auf Messen und Jahrmärkten, sondern auch -im Hausierhandel verkauft. - -In +Lauter+ bildet noch gegenwärtig die Korbflechterei einen -hervorragenden Erwerbszweig. Nicht nur aus Weidenruten, auch aus -Holzspänen und Wurzeln verfertigt man Körbe. - -Besonders zahlreich waren die mit allerhand Arzneien, Ölen -umherziehenden Händler. Ihre Absatzgebiete waren außer den sächsischen -Erblanden die Ober- und Niederlausitz, Thüringen, Bayern, Mecklenburg, -Polen, Schwaben, Schweden, selbst die Türkei. Ausgedehnt war besonders -der Handel mit Schneeberger Schnupftabak. Der Hauptort seiner -Herstellung war Bockau. Aus heilkräftigen Kräutern wurden allerhand -Arzneien von den »Laboranten« hergestellt. 1782 waren in Bockau 20 -»Laboratorien« im Gange. Noch 1799 beschäftigten sich 41 Personen mit -Herstellung von Arzneien oder dem Wurzel- und Kräuterhandel. Der Handel -blühte besonders am Anfange unseres Jahrhunderts in Bockau, Eibenstock, -Sosa, Jöhstadt, Jugel, Neudorf, Crottendorf, Johanngeorgenstadt, -Hundshübel, Lauter, Schneeberg. - -Von dem Boden und seinen Erzeugnissen unabhängig entstanden die -Spitzenklöppelei, Posamenten- und Bürstenfabrikation. Auch diese -Erwerbszweige waren auf die Hausierer angewiesen, welche die Waren an -den Mann brachten. - -Viele Hunderte zogen noch am Anfange unseres Jahrhunderts fast den -größten Teil des Jahres mit Blechwaren, blauer Farbe, Schwefel, mit -Spielzeug, Bändern und Spitzen, mit Schneeberger Schnupftabak, Pillen -und Pflastern, Schönheider Pinseln und Bürsten umher. Aber zum Winter -kehrten sie heim, wie die Strichvögel, und verzehrten, umnebelt von -Dünsten des vaterländischen Bodens, von Hütten und Hohofendampf, und -oft in verschneiter Heimat den sauer erworbenen Verdienst mit Weib und -Kind. - - Nach ~Dr.~ Köhler und Engelhardt. - - -58. Die erste Baumwollspinnerei Sachsens. - -Die Zeiten, in welchen die Hausfrau mit ihren Töchtern und Mägden -während der langen Winterabende am Spinnrade saß und spann, -sind vorüber; nur dem Namen nach hat sich das Andenken daran in -verschiedenen Gegenden erhalten. »Sie geht zu Rocken,« sagt man wohl -noch heutzutage im Gebirge, wenn die Nachbarin die andere besucht; -indes hier ist an Stelle des Spinnrades und des Rockens oder der -Kunkel das »Böckel« getreten, worauf die »schwarze Arbeit«, welche zum -Verzieren der Frauenkleider dient, aufgerollt wird. In den Dörfern -des oberen Vogtlandes wird noch immer fleißig Leinengarn gesponnen, -von den ländlichen Webern gewebt und gebleicht, zu Leib-, Tisch- und -Bettwäsche, sowie indigoblau gefärbt, zu Schürzen und Taschentüchern -verwendet. Das in den altdeutschen Einrichtungen unseres Jahrzehntes -aufgestellte Spinnrad ist bloß ein stilvolles Zierstück. Das Spinnen -der Baumwolle dagegen besorgen die großen Spinnereien, die sich überall -in unserem Gebirge, wo irgend eine genügende Wasserkraft vorhanden war, -angesiedelt haben. Und doch sind noch nicht hundert Jahre verstrichen, -seitdem es überhaupt in Sachsen Spinnereien giebt! - -Die Erfindung der Maschinenspinnerei ist bekanntlich eine englische; -man schreibt sie gewöhnlich Richard Arkwright zu. Doch haben spätere -Nachforschungen ergeben, daß Arkwright wohl ein großer Verbesserer, -aber nicht der Erfinder der Spinnerei gewesen ist. Schon im Jahre -1730 spann Wyatt in Litchfield einen Baumwollfaden ohne Hilfe der -Finger; doch hatte sein Versuch keine weiteren Folgen. Im Königreiche -Sachsen waren in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts -kleine Handmaschinen zum Spinnen der Baumwolle in Gebrauch. Gegen -Ende des Jahrhunderts führte Karl Friedrich Bernhard das englische -Spinnereisystem in Sachsen ein. Seine Maschinen waren Mulemaschinen; -sie wurden in einem dazu errichteten Gebäude in Harthau bei Chemnitz -durch einen Engländer, Namens Watson, aufgestellt. Da Watson als -bloßer Maschinenbauer die Maschinen nicht in Gang zu bringen wußte, -namentlich, so wird erzählt, die Trommelschnur nicht aufzuziehen -verstand, wurde im März des Jahres 1802 der englische Spinner Evan -Evans herübergezogen, der auch alsbald auf den Maschinen Garn spann. -K. F. Bernhard hatte sich im Jahre 1801 mit seinem Bruder Ludwig -vereinigt, und sie führten die Firma: Gebrüder Bernhard. - -Evan Evans war 1765 in Llangeblidt in Caernavonshire in Nord-Wales, -Großbritannien, geboren und kam aus Manchester 1802 im März als -Werkmeister nach Harthau. Bei Gebrüder Bernhard, denen das Verdienst -des Unternehmens gebührt, spann er auf neu von ihm hergestellten -Maschinen die ersten Mulgarne, erfand hier die so weit verbreitete -Spindelschleifmaschine, ehe eine dergleichen in England vorhanden -war, erhielt auch dafür von der sächsischen Staatsregierung außer 400 -Thalern Prämie eine Verdienstmedaille. Er war zugleich der Lehrer der -ersten Spinner in Sachsen. Im Jahre 1806 fing er an, zu Dittersdorf -selbständig sich mit Maschinenbauen zu beschäftigen, wählte aber 1809 -Geyer zur Fortsetzung seiner zu immer höherer Anerkennung gelangenden -Arbeiten. Evan Evans fertigte die Maschinen für eine Menge neu -entstehender Fabriken in Erfenschlag, Wolkenburg, Wegefahrt, Mühlau, -Lugau, Plaue, Schlettau u. a., auch für viele kleinere Unternehmungen -im Erzgebirge und im Vogtlande, sowie in und um Chemnitz. Im Jahre 1810 -brachte er die selbsterfundene, später vielfach nachgeahmte Maschine -zum Cylinderreifeln am Wasser in Gang, während man sich damals selbst -in England noch der Handarbeit dazu bediente. Zwei Jahre später legte -Evans den Grund zu seiner eigenen Fabrik in Siebenhöfen. 1823 brachte -er die erste sächsische Spulmaschine (Flyer) nach eigener Erfindung -in Gang und empfing dafür von der Regierung eine Belohnung von 500 -Thalern. Ebenso erfand er eine andere Spulmaschine zum Abwickeln des -Garns, deren Nachahmungen weit verbreitet waren. Auf der Dresdener -Ausstellung von sächsischen Gewerbeerzeugnissen erhielt der rührige -Spinnmeister und Fabrikbesitzer die Große silberne Medaille auf ein -Bündel von baumwollenem, rohem, zweidrähtigem Zwirn. Der amtliche -Bericht meldet darüber, daß die ausgezeichnete Beschaffenheit des -Fadens, sowohl hinsichtlich der Gleichmäßigkeit, als auch der -Haltbarkeit alles zu übertreffen scheine, was bisher in dieser Art in -Sachsen geleistet worden sei. Evan Evans ist in einem Alter von 79 -Jahren am 9. Dezember 1844 gestorben und auf dem Friedhofe neben der -Hauptkirche zu Geyer beerdigt worden. - -Der Ruhm der Evansschen Spinnerei lebte unter Eli Evans, einem Sohne -des Gründers, lange Zeit fort. 1845 erhielt die Spinnerei auf der -Dresdener Ausstellung die goldene Medaille für die zweidrähtigen Zwirne -(~Lacedreath~) Nr. 70 bis Nr. 120. Sie erschienen nicht nur an sich -vollkommen, sondern auch in dieser Vollkommenheit und in Darstellung -der höheren Nummern in ganz Deutschland als einzig in ihrer Art, und -auch die Preise stellten sich verhältnismäßig billig. Eli Evans war -Mitglied der sächsischen Kammer und des deutschen Parlaments. - -Evan Evans war im Kreise seiner Bekannten geschätzt und verehrt als ein -Mann von seltener Redlichkeit und Hoheit der Gesinnung, bewährt unter -allen Wechseln der Zeit. Pastor Blüher hat in der »Leipziger Zeitung« -zur Errichtung eines +Denkmals+ für Evan Evans aufgefordert. Dasselbe -sollte an der Stelle, wo der um Sachsen hochverdiente Mann seinen -letzten Schlummer schläft, in Geyer, errichtet werden, wo er sich -durch Thätigkeit seines rastlosen Geistes die Mittel zur Begründung -der eigenen Fabrik in dem angrenzenden Siebenhöfen erworben, in Geyer, -welches ihm immer als seine zweite Heimat galt, und wo er sich neben -Gattin und Enkeln seine Ruhestätte gewählt hatte. - -Die erwerbslosen Jahre ließen den Vorschlag Blühers nicht zur Reife -gedeihen. Der gesammelte Betrag wurde zu einer +Evansstiftung+ an den -technischen Staatslehranstalten in Chemnitz verwendet. Die Saat, die -Evans gestreut, grünt und blüht noch heute im Erzgebirge und im ganzen -Königreiche Sachsen fort. Zwar ist in dem mächtigen, von dorischen -Halbsäulen flankierten Baue in Siebenhöfen jetzt eine Pappenfabrik und -Prägeanstalt untergebracht, aber es haben sich doch an den Ufern der -Zschopau und ihrer Zuflüsse, zu denen auch der Geyersche Stadtbach zu -rechnen ist, der kurz unterhalb der »Evansschen« Fabrik einmündet, die -größten und bedeutendsten Spinnereien des Sachsenlandes angesiedelt. - -Zu den beiden Faktoren, Steinkohle und Eisen, welche die Welt regieren, -ist als dritter die Baumwolle hinzugekommen. Der dünne, baumwollene -Faden bildet eine starke Kette von Erdteil zu Erdteil, von Volk zu -Volk, von Werkstatt zu Werkstatt. Tausend fleißige Hände müssen sich -regen, ehe die Baumwolle verarbeitet zu dem Pflanzer und Erbauer -derselben zurückkehrt. Ein Neger z. B. arbeitet in einer Plantage -Brasiliens. Die gewonnene Baumwolle wird dem Händler eingeliefert, -wandert über den Ozean und kommt in eine erzgebirgische Spinnerei. -Als gesponnenes Garn geht sie nach Thum, wird hier gewirkt, und eine -Chemnitzer Weltfirma schickt sie über das Weltmeer zurück nach Amerika, -und hier gelangt sie schließlich als Strumpf wieder in die Hände -desjenigen Negers, welcher sie seiner Zeit als Wolle in der Kapsel von -der Staude pflückte. - - Nach Lungwitz. - - -59. Die gegenwärtigen Industriezweige im oberen Erzgebirge. - -Im 16. Jahrhunderte verpflanzten ausgewanderte Schweizer die Musselin- -und Schleierweberei nach dem Vogtlande und dem daranliegenden -Erzgebirge. Nach den Drangsalen des Dreißigjährigen Krieges vermehrte -sich die Bevölkerung hier eher wieder, als in anderen, weit besser -gelegenen Landschaften. Wesentlich trug dazu die Einwanderung von -böhmischen Protestanten bei, welche, ihres Glaubens wegen aus der -Heimat vertrieben, sich in den verödeten erzgebirgischen Orten -ansiedelten und neuen Unternehmungsgeist und neue Arbeitskraft -mitbrachten. Während in anderen Bezirken damals manches zerstörte -Dorf als Wüstung liegen blieb, entstand im Erzgebirge sogar eine neue -Stadt, Johanngeorgenstadt; denn dieses ist nur wenige Jahre nach -dem Westfälischen Friedensschlusse, im Jahre 1654, von böhmischen -Vertriebenen angelegt worden. - -Doch half auch zur Hebung des Gebirges, daß in den nächsten Jahrzehnten -neue Erwerbszweige aufkamen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde -Chemnitz und Umgegend der Sitz einer bedeutenden Baumwoll-Industrie, -der sich später die Wollindustrie anschloß. Der damalige Faden war -Handgespinst, und es mußten Tausende von Leuten sich rühren, um -den Bedarf an Garn zu decken. Später fertigte man den Faden auf -Handmaschinen, von denen jede 10--30 Spulen zählte. Noch zu Anfange -unseres Jahrhunderts gab es 18000 Menschen, welche auf solche Art -Baumwolle spannen. -- Zu der Spinnerei gesellte sich die Weberei und -Strumpfwirkerei. Vor dem Dreißigjährigen Kriege hatte in Chemnitz -außer der Leinweberei die von Niederländern eingebürgerte Tuchmacherei -geblüht. Nunmehr wandte man sich mit Erfolg der Baumwollweberei zu und -fertigte anfangs 1717 Barchent und dann 1725 Musseline und Kattune und -allerlei bunte Waren. Fünfzig Jahre nach dem Betreten der neuen Bahn -mögen in und um Chemnitz 2000 Handstühle in Thätigkeit gewesen sein. -Die Strumpfwirkerei war in Chemnitz schon 1728 eingeführt worden. Sie -gewann aber erst große Bedeutung, als es dem Kaufmann Esche in Limbach -1776 gelungen war, mit Hilfe zweier geschickter Arbeiter den von dem -Engländer Lee erfundenen Strumpfwirkerstuhl nachzubauen. - -Auch das erzgebirgische Frauengewerbe erhielt im Laufe des 18. -Jahrhunderts eine Zugabe. Die aus Bialystock gebürtige +Klara -Angermann+, welche sich mit dem Förster Nollain in Eibenstock -vermählte, hatte in einem polnischen Kloster das Tambourieren oder -Sticken mit einer Häkelnadel gelernt und verpflanzte es 1775 nach -Eibenstock. - -Rechnet man zu dem allen, daß der Bergbau durch die 1765 in Freiberg -errichtete Bergakademie zur Wissenschaft erhoben wurde und man nun -im stande war, einen größeren »Teufen« abzubauen und minder edle -Erze zu verhütten, so wird man begreifen, daß schon im verflossenen -Jahrhunderte das Erzgebirge ein Hauptindustriegebiet für Sachsen, ja -für ganz Deutschland wurde. Dabei ist jedoch anzuerkennen, daß die -Großindustrie erst seit Anwendung der Maschinen und der Einführung des -fabrikmäßigen kaufmännischen Betriebes entstanden ist. Der Gebrauch der -Spinnmaschine, die 1775 durch +Richard Arkwright+ in England verbessert -wurde, die Anwendung des Jacquard- und des Kraft- oder mechanischen -Webstuhles wirkten entscheidend. Trotzdem daß die Handspinnmaschinen in -die Rumpelkammer verwiesen, das Weberschifflein der Hand des Arbeiters -entzogen und der gewöhnliche Strumpfwirkerstuhl auf gewisse Arbeiten -beschränkt wurde, so wuchs die Erzeugung von Waren doch ungemein und -wurden überhaupt viel mehr Leute beschäftigt denn früher. - -Auch bei der Klöppelei und Stickerei traten Maschinen auf, so die -1809 von Heathcoat in Nottingham erfundene und rasch vervollkommnete -Bobbinetmaschine, welche einfache Spitzen sehr billig herstellt, und -ferner die von den Schweizern aufgebrachte Stickmaschine, welche -200--500 Nadeln durch einen Hebeldruck in Bewegung setzt und darum -nicht zu verwickelte Muster um einen geringen Preis liefert. Beide -Maschinen machten der Frauenarbeit gefährlichen Wettbewerb, drückten -die Löhne herab und drohten, der weiblichen Hand, welche früher das -Spinnrad und neuerdings durch die Strick- und Nähmaschine fast das -Strick- und Nähzeug verloren hat, auch den Klöppel und die Sticknadel -zu entwinden. Aber durch den Übergang zu künstlicheren Mustern und die -Verbindung von Maschinen- und Handarbeit ist es ihr dennoch gelungen, -sich neben und mit den Maschinen zu behaupten. - -Im Sehmathale herrscht die Posamentenerzeugung als Hausindustrie und -zieht sich in starkbevölkerten Dörfern über Annaberg und Buchholz -bis zu dem Fichtelberge hinauf, an dessen Fuße die vier Städtlein -Wiesenthal liegen. Die Mannigfaltigkeit der Posamentenerzeugung läßt -sich nur andeuten; alles, was Kleiderbesatz und Garnitur heißt, -Ornamente, Knopf, Borte, Franse, Quaste, Schnur, wird gewirkt und -geschlungen, gedreht und genäht. Geht das Geschäft flott, wie -1844--1849, in den 60er Jahren, auch in den ersten 70er Jahren -noch, dann sind Tausende von Posamentierstühlen, Hunderte von -Mühlstühlen und Chenillemaschinen im Gange. Im Jahre 1863 hat ein -Annaberger Geschäft für 600000 Mark umgesetzt. Die Jahresausfuhr -nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, welches ein Konsulat -in Annaberg unterhält, beträgt ungefähr 5½ Mill. Mark. Annaberg hat -über 100, Buchholz 30 Posamenten- und Spitzenhandlungen, Buchholz -100 Posamentenfabrikanten und Verleger. In Annaberg wohnen über -600, in Buchholz über 450 Posamentierer. In beiden Städten giebt es -zusammen 20 Schnurenfabriken. Besonders merkwürdige Erzeugnisse sind -Gold- und Silberspitzen in Annaberg und Kleinrückerswalde, sowie -gedrehte und geklöppelte Theater- und Uniformschnüre. Je nach der -herrschenden Mode werden fast auf dem ganzen Gebirge durch Frauen- -und Kinderhände Zwirn-, Woll- und Seidenspitzen geklöppelt. Der -Verdienst der Klöpplerinnen ist sehr gering, dennoch mögen manchmal -im Annaberg-Buchholzer Arbeitsbezirke 20000 Klöppelkissen in -Thätigkeit gewesen sein. Neue Geschäftszweige, welche bei gänzlichen -Modeveränderungen und umfänglichen Geschäftsstockungen allgemeine -Notstände nicht mehr aufkommen lassen, sind beispielsweise in -Buchholz durch 8 Kartonnagenfabriken und 6 Prägeanstalten vertreten. -Da werden Pappkartons, von den einfachsten Apothekerschächtelchen -bis zu den feinsten Bonbonnieren und Ostereiern, mit kostbaren -Stickereien und Gemälden, Holzkästen, von den billigsten Sparbüchsen -und Federkästchen bis zu den schönsten Schreibschatullen, Zigarren- -und Nähkästen hergestellt. Die Prägeanstalten liefern aus Gold- und -Silberpapier Sargverzierungen, welche das letzte Haus der Sterblichen -mit Randschmuck und sinnigen Bildern und Inschriften bedecken und in -teueren Formen besonders in Österreich, Ungarn, Spanien und Südamerika -beliebt sind, und fertigen aus Silber- und Papierkanevas tausenderlei -Unterlagen zu Stickereien, von den Buch- und Lesezeichen an bis zu -Lampen-Tellern und -Schirmen, Papierlaternen, Puppenstubenmöbeln und -dergleichen. Sie bringen »papierne Zinnsoldaten«, unter dem Christbaume -aufzustellende »Krippen«, »Christgeburten«, Jagden u. a. in den -Handel. Holzbildhauerwerkstätten liefern Schrankgesimse und Leisten, -Sargfüße und Flaschenpfropfen und dergleichen. -- Andere Geschäfte -versenden Kränze von Moos und trockenen Blumen, andere wieder Sträuße, -Borten und Kartons, Papier-Manschetten und -Spitzen. Auf eigenartigen -Stühlen werden Perlengewebe, Sessel, Kissen, Ofenschirme und Fußbänke -angefertigt, ein Ersatz kostspieliger Stickereien. - -In der ganzen Umgegend von Annaberg und Buchholz ist denn auch -die Landwirtschaft von untergeordneter, die Industrie von weit -überwiegender Bedeutung. Ja, bezeichnend genug für die späte und doch -so schnelle Entwickelung des Obererzgebirges ist es, daß man auf der -alten Poststraße, ohne mehr als zwei Dörfer zu berühren, zwölf Städte -besuchen kann: Annaberg, Buchholz, Schlettau, Scheibenberg, Elterlein, -Zwönitz, Geyer, Thum, Ehrenfriedersdorf (Stadt), Wolkenstein, -Marienberg, Zöblitz. - - Nach Prof. Berlet und ~Dr.~ Manke. - - -60. Ehrentafel berühmter Obererzgebirger. - -Das obere Erzgebirge ist die Heimat oder der längere Aufenthaltsort -einer Reihe bedeutender Persönlichkeiten gewesen, die für die -Kulturentwickelung unseres engeren und weiteren Vaterlandes nicht -ohne Bedeutung geblieben sind. Zu ihnen gehören +Barbara Uttmann+, -die das Spitzenklöppeln 1561 in +Annaberg+ bekannt machte, und +Klara -Angermann+, welche in +Eibenstock+ 1775 das Tambourieren einführte. -1589 schon hat +Georg Einenkel+, angeblich aus +Dünkelsbühl+ in -Schwaben, das Posamentiergewerbe in +Buchholz+ eingeführt. 1776 -gelang es dem Kaufmann +Esche+ in +Limbach+, den Strumpfwirkerstuhl -den Engländern nachzubauen. In der Nähe von +Geyer+ errichtete 1812 -in +Siebenhöfen+ der um die sächsische +Baumwollenspinnerei+ sehr -verdiente +Evan Evans+ die erste Baumwollenspinnerei in Sachsen. - -Aber außerdem giebt es noch eine Anzahl bekannter Männer des -Obererzgebirges, die auf Kunst und Wissenschaft, auf das ganze -Geistesleben des sächsischen Volkes nicht ohne Einfluß geblieben -sind. Wir gedenken des 1492 geborenen Rechenmeisters +Adam Ries+ aus -+Staffelstein+, der seine Rechenwerke in Annaberg als Bergbeamter -schuf. Ferner haben wir den berühmten Rektor der Annaberger -Lateinschule, +Johannes Rivius+, der 1552 in Meißen starb, zu nennen. -In +Grünhain+ wurde 1586 +Johann Hermann Schein+ geboren, der Dichter -des Liedes: »Mach's mit mir, Herr, nach deiner Güt'.« 1619 ist der -Dichter des Liedes: »Liebster Jesu, wir sind hier, dich und dein Wort -anzuhören«, +Tobias Clausnitz+, in +Thum+ geboren worden. 1726 wurde -zu +Annaberg+ der berühmte Kinderfreund +Felix Weiße+ geboren. 1674 -stellte in +Annaberg+ auf der Münzgasse in dem ihm vom Kurfürsten -+Johann Georg II.+ überlassenen Münzgewölbe der Chemiker +Kunkel+, als -einer der allerersten, +Phosphor+ her. - -Zu den erwähnten fügen wir hier noch die Namen eines +Mykonius+, -+Sarcerius+, +Pufendorf+, +Gottfried Arnold+, +Kramer+ und +Duflos+. - - -1. Mykonius, ein Geschichtsschreiber der Reformation. - -+Friedrich Mykonius+, eigentlich Mekum genannt, gehört zu der Reihe -der deutschen Kirchenreformatoren. Am 24. Dezember 1491 ist er zu -+Lichtenfels+ in Oberfranken geboren. Er gehört zu den bekanntesten -Schülern der Annaberger Lateinschule und ist als solcher schon berühmt -geworden durch sein bekanntes Gespräch mit Tetzel. 1510 trat er ins -Annaberger Franziskanerkloster ein, später in das zu Weimar. Er -gehört zu den ersten und eifrigsten Anhängern Luthers. 1524 ward er -evangelischer Pfarrer in Gotha. Am 2. Juli desselben Jahres predigte er -in Buchholz unter großem Andrange. Am 4. Mai 1539 hielt er in Annaberg -die erste evangelische Predigt. Als Superintendent von Gotha wirkte -er für die Einführung der Reformation in Thüringen, sowie in Leipzig, -wohin er 1539 berufen ward. Er nahm am Marburger Religionsgespräche -1529, an dem Schmalkaldner Tage 1537 und auch am Hagenauer -Religionsgespräche 1540 teil. Gestorben ist er 1546. Seine Geschichte -der Reformation erschien erst 1715 zu Gotha. - - Nach Ledderhose. - - -2. Sarcerius, der Reformator Nassaus. - -Am 28. November 1501 wurde in +Annaberg+ einem schlichten Bergmanne -Namens +Scheurer+ ein Sohn geboren; das war der ehedem berühmte -+Erasmus Sarcerius+, wie sein Name lateinisch lautet. Der junge -Sarcerius besuchte die Lateinschulen Annabergs und Freibergs. In -Leipzig und Wittenberg studierte er Philosophie und Theologie. -Er gehört zu den eifrigsten Anhängern Luthers und seines -Reformationswerkes. Mehreren Schulen hat später Sarcerius entweder -als Konrektor oder Rektor vorgestanden; es waren Schulen in Rostock, -Lübeck, Dillenburg, Wien und Graz. In Österreich hielt er sich nicht -dauernd auf, weil er wegen seines Glaubens Anfeindungen ausgesetzt war. -Er kehrte nach Lübeck zurück, wo seit 1531 die Reformation eingeführt -worden war. Der Graf +Wilhelm der Reiche von Nassau+ berief ihn -in sein Land als Oberpfarrer, weil er die Reformation einzuführen -gedachte. Sarcerius wirkte in Nassau erfolgreich zu diesem Zwecke. Da -er sich aber dem 1548 von Kaiser +Karl V.+ aufgestellten »Interim« -nicht fügte, ging er, seines Amtes entsetzt, nach Annaberg. 1549 ward -er Pfarrer an der Leipziger Thomaskirche, 1554 Pfarrer in Eisleben und -1559 Superintendent in Magdeburg. Am 28. November 1559 starb er. Er hat -zahlreiche Schriften hinterlassen. - - Nach ~Dr.~ Röselmüller. - - -3. Pufendorf, ein Mitbegründer der Wissenschaft des Natur- und -Völkerrechtes. - -Freiherr +Samuel von Pufendorf+, einer der Gründer der Wissenschaft -des Natur- und Völkerrechtes, ist am 8. Januar 1632 zu +Dorfchemnitz+ -geboren. Er besuchte die Fürstenschule zu Grimma, widmete sich dann in -Leipzig und Jena dem Studium der Rechte und wurde 1658 Hofmeister im -Hause des schwedischen Gesandten +Coyet+ in Kopenhagen. Die Schrift -»Elemente der allgemeinen Rechtswissenschaft«, welche 1660 in Haag -erschien, bewirkte 1661 seine Berufung zum Professor des Natur- und -Völkerrechts an die Universität +Heidelberg+. Doch schon 1670 folgte -Pufendorf einem Rufe an die neue schwedische Universität +Lund+. Durch -weitere Schriften erhob er das Naturrecht zu einer selbständigen -Wissenschaft. Für das Verhältnis des Staates zur Kirche schuf er die -von allen gegenwärtigen Staaten angenommene Theorie des Kollegialismus. -1686 wurde er nach +Stockholm+ berufen und zum Staatssekretär, -königlichen Hofrat und Historiographen ernannt. 1688 begab er sich nach -+Berlin+, wo er von dem Kurfürsten +Friedrich Wilhelm+ von Brandenburg -als Historiograph und Kammergerichtsbeisitzer angestellt und 1690 -zum Geheimrat ernannt wurde. König +Karl XI.+ von Schweden erhob ihn -1694 in den Freiherrnstand. Er starb am 26. Oktober 1694 in +Berlin+. -Pufendorfs älterer Bruder, +Esaias Pufendorf+, starb am 26. Oktober -1689 als dänischer Gesandter in Regensburg. Derselbe hat mehrere -theologische und historische Schriften veröffentlicht. - - Nach Meyers Lexikon. - - -4. Gottfried Arnold, der Kirchen- und Ketzerhistoriker. - -Der lutherische Theologe +Gottfried Arnold+ ist am 5. September 1666 -zu +Annaberg+ geboren. Seine Studien machte er in +Wittenberg+. Im -Jahre 1697 ward er Professor der Geschichte in +Gießen+. Sein Verkehr -mit +Spener+ in Dresden regte ihn pietistisch an. In Frankfurt und -Quedlinburg kam er durch persönliche Verbindungen zu einem mystischen -Separatismus. Er enthielt sich des Kirchenbesuches und verschmähte -das heilige Abendmahl. 1698 legte er seine Professur nieder. Später, -1700, hat er sich verheiratet. Da er seine Ansichten geändert hatte, -wurde er Hofprediger der verwitweten +Herzogin von Sachsen-Eisenach+ -in +Allstedt+. 1714 starb er in +Perleberg+ als Prediger, nachdem er -seit 1707 dort gelebt hatte. Vorher wirkte er seit 1704 als Prediger in -+Werben+. Von Arnold rühren mehrere mystische Schriften her. Geistliche -Lieder hat er auch gedichtet. Sein Hauptwerk aber ist die ihrer Zeit -schon durch die Darstellung Aufsehen erregende »Unparteiische Kirchen- -und Ketzerhistorie«, worin er der Ketzerei ein Streben nach wahrem -Christentume zuschrieb und ihre Berechtigung durch die Mängel und die -Ausbreitung der Kirche nachwies. - - Nach ~Dr.~ Röselmüller. - - -5. Kramer, der Kirchenliederdichter. - -Der berühmte Kanzelredner und Kirchenliederdichter +Johannes Andreas -Kramer+ wurde 1723 in +Jöhstadt+ geboren. Er wurde 1748 Prediger zu -Krollwitz bei Magdeburg. 1750 schon treffen wir ihn als Oberhofprediger -in +Quedlinburg+. Seit 1754 ist er deutscher Hofprediger in -+Kopenhagen+ und seit 1765 zugleich Professor der Theologie ebenda -gewesen. +Lübeck+ berief ihn 1771 zum Superintendenten. Dann ward er -1774 erster Professor der Theologie in Kiel. Hier wurde er 1784 zum -Universitätskanzler und Rektor ernannt. Am 12. Juni 1788 starb er in -Kiel. -- Er stiftete ein homiletisches Institut und ist der Gründer -des ersten Schullehrerseminars für +Schleswig-Holstein+ geworden. Auch -gab er den Herzogtümern einen verbesserten Katechismus und ein neues -Gesangbuch. Am bekanntesten sind unter seinen Werken seine »Sämtlichen -Gedichte« und seine »Hinterlassenen Gedichte«, woraus viele Lieder in -die Gesangbücher übergegangen sind. - - Nach Meyers Lexikon. - - -6. Duflos, der Vater der Pharmazie. - -Im Jahre 1889 starb zu +Annaberg+ der Geheime Rat Professor ~Dr.~ -Adolf Ferdinand +Duflos+, Ritter u. s. w. Er stammt aus +Artenay+ -bei Orleans in Frankreich und ist am 2. Februar 1802 daselbst -geboren. In den Napoleonischen Kriegen kam er mit seinem Vater nach -+Torgau+. Er fand ein Unterkommen bei dem dortigen Rektor Benedict, -welcher später die Waise bei seiner Übersiedelung als Rektor der -Lateinschule nach +Annaberg+ mit sich nahm. +Duflos+ trat als Lehrling -in die Annaberger Apotheke ein. Als einst, den 27. Februar 1817, -Apotheker Hertel einen Vortrag über die Beleuchtung durch Gaslicht -aus Steinkohlen nebst einigen erläuternden physikalischen Versuchen -in der Museumsgesellschaft zu Annaberg hielt, bereitete der damalige -Apothekerlehrling +Duflos+ das Gas dazu. Niemand mochte ahnen, zu -welcher Bedeutung der 15jährige noch in ganz Deutschland gelangen -würde. Er gilt in ganz Deutschland als »Vater der Pharmazie« und ist -Verfasser vieler hochgeschätzter chemischer Werke. Seit 1866 lebte -er in stiller Zurückgezogenheit in Annaberg. Sein Grab wird zu den -berühmtesten des schönen Friedhofes gezählt werden. Er liegt im -Brodengeyerschen Schwibbogen. - - Nach Fr. Brodengeyer und Ruhsam. - -[Illustration] - - - - -Inhaltsverzeichnis. - - - Das Obererzgebirge. - - - Erster Abschnitt. - - Seite - - =Die Landschaft des Obererzgebirges= 1 - - 1. Unera Hamet 1 - - 2. Das Lied vom Erzgebirge 1 - - 3. Die Bedeutung des Erzgebirges für das Vaterland 2 - - 4. Das Obererzgebirge 3 - - 5. Ehemaliges Landschaftsbild des Obererzgebirges 4 - - 6. Erzgebirgische Jagden 5 - - ~a.~ Eine Jagd im Erzgebirge im Jahre 1 nach - Christo 5 - - ~b.~ Kurfürstliche Jagden im oberen Erzgebirge 6 - - ~e.~ Jagdfronden der Obererzgebirger 8 - - ~d.~ Ein Jagdaufzug mit erzgebirgischen wilden - Tieren in Dresden 9 - - ~e.~ Die Wildschützen 10 - - 7. Eishöhlen im Erzgebirge 10 - - 8. Die obererzgebirgischen Mineralquellen und Bäder 11 - - 9. Fischreichtum erzgebirgischer Flüsse 13 - - 10. Die Kartoffeln im Erzgebirge 14 - - 11. Reihenfolge der Städte Sachsens bezüglich ihrer - Lage über der Ostsee 15 - - 12. De Stähd in'n Öber-Ärzgebärg 16 - - - Zweiter Abschnitt. - - =Das Volkstum des Obererzgebirgers= 17 - - 13. Die Mundart des Obererzgebirgers 17 - - 14. Arzgebergsche Sprichwörter 18 - - 15. Der Volkscharakter der Erzgebirger 19 - - 16. Die obererzgebirgische Kirmes 21 - - 17. Weihnachten im Obererzgebirge 22 - - 18. Die Weihnachtsspiele im Obererzgebirge 24 - - 19. Erzgebirgische Heilige Christfahrt aus der Zeit - des 30jährigen Krieges 26 - - 20. Erzgebirgische Weihnachtslieder 27 - - ~a.~ Dr Weihnachts-Heiligohmd 27 - - ~b.~ Ä annersch Weihnachtslied 28 - - 21. Michels Erzählung vom Annaberger Vogelschießen 29 - - 22. Dos arzgebergische Mädl 29 - - 23. Erzgebirger beim ersten sächsischen - Volkstrachtenfest 30 - - 24. Der Streittag 30 - - - Dritter Abschnitt. - - =Die Besiedelung des Obererzgebirges= 33 - - 25. Die Besiedelung des Erzgebirges 33 - - ~a.~ Die Besiedelung des Erzgebirges in - vorwettinischer Zeit 33 - - ~b.~ Die Besiedelung des oberen Erzgebirges in - wettinischer Zeit 34 - - 1. Die wilde Ecke 34 - - 2. Entstehung der Orte in Annabergs - Umgegend 34 - - 3. Entstehung Annabergs und anderer - Bergstädte des Obererzgebirges 35 - - 4. Jüngere Gründungen im Obererzgebirge 36 - - 26. Die Urbarmachung des Gebirges 36 - - 27. Die obererzgebirgischen Ortsnamen 36 - - 28. Die Dörfer 40 - - ~a.~ Slawische Dörfer 40 - - ~b.~ Deutsche Dörfer 40 - - ~c.~ Reste der sorbischwendischen Sprache 41 - - 29. Einzelansiedelungen im Obererzgebirge 42 - - 30. Die Bauart des Erzgebirgshauses 42 - - 31. Der erzgebirgische Kirchenbau 43 - - 32. Die Wappen der Erzgebirgsstädte 45 - - 33. Uralte Verkehrswege im Erzgebirge 46 - - 34. Die Pässe des Erzgebirges 47 - - 35. Die Verkehrswege 48 - - ~a.~ Die obererzgebirgischen Eisenbahnen 48 - - ~b.~ Die alten Postsäulen 49 - - 36. Die Bevölkerung des Obererzgebirges sonst und - jetzt 49 - - - Vierter Abschnitt. - - =Die Kriegszeiten des Obererzgebirges= 51 - - 37. Der Kriegszug Kaiser Heinrichs II. über das - Erzgebirge 51 - - 38. Raubritterunwesen im Obererzgebirge 52 - - 39. Der obererzgebirgische Schauplatz des - Prinzenraubes 52 - - ~a.~ Altes Volkslied 52 - - ~b.~ Der Fürstenberg bei Grünhain 53 - - 1. Wie der Berg den Namen erhält 53 - - 2. Herzog Albrecht besucht seinen - Befreiungsort 53 - - ~c.~ Wie das jetzige Brunnendenkmal geweiht wird 54 - - ~d.~ Das Köhlerhaus am Fürstenbrunnen 54 - - ~e.~ König Friedrich August II. und seine - Gemahlin am Fürstenbrunnen 54 - - ~f.~ Sagen und Geschichten zum Prinzenraube 55 - - 1. Die große Glocke in Geyer 55 - - 2. Der Fürstenbrunn bei Raschau 55 - - 3. Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei - Neudorf a. d. Sehma 56 - - 4. Die Prinzenkleider in der Kirche zu - Ebersdorf 56 - - 40. Die Hussitenkämpfe im Erzgebirge unter - Friedrich dem Streitbaren 57 - - ~a.~ Der Ausbruch des Krieges 57 - - ~b.~ Schrecknisse im Obererzgebirge während - des Krieges 57 - - ~c.~ Wüste Marken im Obererzgebirge aus der - Zeit der Hussitenkriege 60 - - 41. Das Obererzgebirge im Bauernkriege 61 - - ~a.~ Die Kriegsereignisse 61 - - ~b.~ Die 12 Artikel der Bauern 63 - - ~c.~ Anzeichen für den Bauernkrieg 63 - - 42. Das Obererzgebirge im Schmalkaldischen Kriege 64 - - ~a.~ Der Kriegsschauplatz im Obererzgebirge 64 - - ~b.~ Kriegsdrangsale in Zwickau 64 - - ~c.~ Drangsale in Schneeberg 67 - - 43. Der Dreißigjährige Krieg im oberen Erzgebirge 68 - - ~a.~ Kurfürst Johann Georgs I. - Verteidigungswerk 68 - - ~b.~ Wie in Böhmen der Krieg ausbricht 69 - - ~c.~ Wie dem Obererzgebirge das Kriegsunglück - naht 69 - - ~d.~ Wie wichtige Obererzgebirgspässe - besetzt werden 70 - - ~e.~ Die ersten Kriegsdrangsale in Marienberg 71 - - ~f.~ Wallensteins Truppen kommen 71 - - ~g.~ Oberst Preuß vor Marienberg 72 - - ~h.~ Wie die Kaiserlichen nach der Lützner - Niederlage im Gebirge hausen 73 - - ~i.~ Wie Bauern die Kaiserlichen vertreiben 74 - - ~k.~ Das Kriegsjahr 1634 75 - - ~l.~ Zschopau wird niedergebrannt 76 - - ~m.~ Die Sachsen in Marienberg 77 - - ~n.~ Wie die Schweden ins Gebirge kommen 77 - - 1. Der Beginn der Schwedengreuel 77 - - 2. Die Schweden werden aus Marienberg - vertrieben 78 - - 3. Das Schreckensjahr 1639 79 - - 4. Kriegsgreuel in Cranzahl 81 - - ~o.~ Wie General Wrangel nach Schlettau kommt 82 - - ~p.~ Wie die Bewohner des Gebirges als - Flüchtlinge leben 82 - - ~q.~ Wie die Landwirtschaft darniederliegt 83 - - ~r.~ Die letzte Schlacht auf - sächsischem Gebiete 84 - - ~s.~ Wie es nach dem Kriege im Gebirge aussah 84 - - 44. Im nordischen Kriege 85 - - 45. Das Obererzgebirge im Siebenjährigen Kriege 86 - - 1. Beginn des Krieges 86 - - 2. Die Preußen im Erzgebirge 86 - - 3. Die ersten Lieferungen 87 - - 4. Aushebungen im Erzgebirge 87 - - 5. Nach der Schlacht bei Kolin 1757 87 - - 6. Nach der Niederlage bei Hochkirch 88 - - 7. Die Auer Schlacht 1759 88 - - 8. Die Jahre 1760 und 1761 88 - - 9. Das Ende des Kriege 89 - - 10. Ein Beispiel der Vaterlandsliebe aus dem - Siebenjährigen Kriege 90 - - 46. Die Freiheitskriege 91 - - Das Banner der sächsischen Freiwilligen 91 - - 1. Der Aufruf 91 - - 2. Die Einrichtung des Banners 92 - - 47. Die Pest im Erzgebirge 92 - - 1. Wie die Pest in Annaberg auftritt 92 - - 2. Wie die Krankheit sich zeigt 93 - - 3. Wie schon 1568 kein Geistlicher mehr zu - den Pestkranken gehen will 93 - - 4. Wie man an Pestmacher glaubt 93 - - 5. Die letzte Pest im Erzgebirge 94 - - 48. Die Teuerung und Hungersnot im Erzgebirge - 1771 und 1772 95 - - - Fünfter Abschnitt. - - =Das Wirtschaftsleben des Obererzgebirges= 100 - - 49. Die obererzgebirgische Kohlenbrennerei 100 - - ~a.~ Die Entstehung des Gewerbes 100 - - ~b.~ Eine Köhlerwohnung in alter Zeit 101 - - ~c.~ Das Harzen in früherer Zeit 101 - - 50. Der ehemalige Zinnbergbau 101 - - 51. Der ehemalige Silberbergbau 102 - - ~a.~ Altes Berglied 102 - - ~b.~ Die Namen der Zechen 103 - - ~c.~ Obererzgebirgische Bergleute in der Fremde 103 - - ~d.~ Die bergmännischen Werkzeuge etc. - in früherer Zeit 104 - - ~e.~ Die Verbreitung des obererzgebirgischen - Bergbaues 106 - - 1. In seiner Blütezeit 106 - - 2. In späteren Jahrhunderten 108 - - 52. Die erzgebirgische Eisenindustrie 108 - - ~a.~ Die Eisenhämmer 108 - - ~b.~ In einer obererzgebirgischen Eisenhütte - vor 50 Jahren 109 - - ~c.~ Die Blechlöffelfabrikation 110 - - 53. Die Blaufarbenwerke 111 - - ~a.~ Besuch eines alten Blaufarbenwerkes 111 - - ~b.~ Sage von der Erfindung der - Blaufarbenbereitung 112 - - 54. Torfstecherei im Erzgebirge 113 - - 55. Die Auer Porzellanerde 114 - - 56. Die Spitzenklöppelei im Erzgebirge 114 - - ~a.~ Barbara Uttmann 114 - - ~b.~ Das Spitzenklöppeln im Obererzgebirge 115 - - ~c.~ Die Namen der Spitzenmuster 115 - - ~d.~ Maria im Erzgebirge 116 - - ~e.~ Die jetzigen Klöppelschulen 116 - - 57. Der ehemalige Hausierhandel im Erzgebirge 116 - - 58. Die erste Baumwollspinnerei Sachsens 118 - - 59. Die gegenwärtigen Industriezweige im oberen - Erzgebirge 120 - - 60. Ehrentafel berühmter Obererzgebirger: - 1. Mykonius 2. Sarcerius. 3. Pufendorf. - 4. Gottfried Arnold. 5. Kramer. 6. Duflos 122 - - -Druck von +C. G. Roßberg+ in Frankenberg i. Sa. - - - - -Verlags-Verzeichnis - -der Graser'schen Buchhandlung (Richard Liesche) in Annaberg. - - -I. Das Erzgebirge betreffend: - - =Das Erzgebirge.= Gemeinverständliche wissenschaftliche Aufsätze. - Herausgegeben vom Erzgebirgs-Zweigverein Chemnitz. Band I M. 1,50: - - Die Namen des Erzgebirges. Von Professor ~Dr.~ S. +Ruge+. - - Über die Entstehung des Erzgebirges. Von ~Dr.~ T. +Sterzel+. - - Die räumliche Ausbreitung des erzgebirgischen Bergbaues im - Mittelalter. Von W. +Zöllner+. - - Die Spielwaren-Industrie des Erzgebirges. Von H. +Gebauer+. - - Das Klima des Erzgebirges. Von ~Dr.~ H. +Hoppe+. - - Ein botanischer Frühlingsspaziergang von Chemnitz nach - Lichtenwalde. Von ~Dr.~ E. R. +Zimmermann+. - - -- Band II M. 1,50: - - Erzgebirgisches Volks- und Wirtschaftsleben im 16. Jahrhundert. - Von ~Dr.~ H. +Jacobi+. - - Flurnamen aus dem Erzgebirge. 1. und 2. Teil. Von E. +Weinhold+. - - Ausflug von Chemnitz nach Wildenthal und dem Kranichsee. - Von Prof. ~Dr.~ +Zimmermann+. - - Thum während des dreißigjährigen Krieges. Von Paul +Schneider+. - - -- Band III. 1. Die Unruhen im Erzgebirge während des Bauernkrieges. - Von ~Dr.~ +Paul Uhle+. M. --,50. - - =Album vom Obererzgebirge.= Visit M. 1,20. - - =Album des historischen Festzugs zum Jubiläum der Stadt Annaberg. - 1896.= M. 1,50. - - =Annaberger Bergmannsmarsch.= Nach alten Weisen gesetzt von - E. +Stahl+ - - für Pianoforte oder Zither je M. --,60, - für Hornmusik M. 1,20. - für Orchester oder Harmonikamusik. je M. 1,80, - für Kavalleriemusik M. 1,--. - - =Aus dem Zwönitzthale.= Herausgegeben vom Erzgebirgszweigverein - Zwönitz, 1895/96. M. 1,--. - - +Bartusch+, P., Seminar-Oberlehrer, =Die Annaberger Lateinschule - im 16. Jahrhundert=. Ein schulgeschichtliches Kulturbild. 1897. - M. 2,50. - - +Berlet+, B., Professor, =Wegweiser durch das sächs.-böhm. - Erzgebirge=. 1900. 9. von E. Prasse und ~Dr.~ Köhler - bearbeitete Auflage, geb. M. 2,--. - - +Böthig+, B., =Hymnus auf Annaberg=, für Pianoforte M. 1,--. - - +Carl Crüwell+, =Das Stadttheater zu Annaberg=. Ein Gedenkblatt - zum Tage der vierhunderjährigen Jubelfeier der Gründung der - Stadt Annaberg. 1896. Komm.-Verlag. M. 2,--. - - +Ficker+, B., =Annaberg vom Jahre 1843--68=. (M. 2,50) für M. 1,25. - - +Finck+, =Barbara Uttmann, die Begründerin der Spitzen-Industrie - im Erzgebirge=. M. --,50. - - =Führer durch Eibenstock, Wildenthal, Carlsfeld, Rautenkranz, - Morgenröthe und Umgebungen.= Mit Karte, Panorama vom Auersberg - und Bildern. M. --,50. - - +Frisch+, ~Dr. phil.~, =Die Flora des Pöhlberggebietes=. M. 1,50. - - =Gedichte und Geschichten in erzgebirgischer Mundart.= - 4 elegante Leinwandbände je 2,50 und 5 Hefte je --,70 - geheftet, --,80 kart. - - Die Sammlung erzgebirg. Gedichte und Geschichten spiegelt - mit ihrem innig-sinnigen, ernstheiteren, herzerfreuenden - Inhalt getreu den Sinn des Erzgebirgers wieder. Die Bändchen - bieten Ernst und Scherz in bunter Reihe; voll tiefen Gemütes - und oft zwerchfellerschütternden Humors sind sie eine - kräftige, kerngesunde Kost und von Heft zu Heft finden sie - erfreulicherweise immer mehr Anklang und Teilnahme bei den - Freunden und Bewohnern unseres Erzgebirges. - - +Göpfert+, ~Dr.~, E., Prof., =Über den Unterricht in der - Heimatkunde=. M. --,90. - - -- =Der Greifenstein zu Ehrenfriedersdorf und seine Sagen.= - M. --,40. - - +Grohmann, Max+, =Das Obererzgebirge und seine Städte in Sage - und Geschichte=. 2. erweiterte Auflage. 1900. ~a~) Gesamt-Ausgabe. - ~b~) In Sonder-Ausgaben für jede Stadt einzeln. - - -- =Die St. Annenkirche als Mittelpunkt kirchlicher Kunst und - religiösen Lebens in Annaberg.= M. --,50. - - +Herrig+, Seminar-Oberlehrer, =Geognostisch-geologische Beschreibung - von Annaberg und Umgegend=. Kommissions-Verlag, M. 1,--. - - A. +Israel+ und J. +Ruhsam+, =Schlüssel zum Bestimmen der in der - Umgegend von Annaberg-Buchholz wildwachsenden Pflanzen=. M. 2,80. - - Separat-Abdruck daraus: =Abbildungen der Pflanzen=. M. --,50. - - +Krauß+, P., =Touristenkarte vom Zentral-Erzgebirge.= 1 : 75000. - M. --,90, aufgez. auf Lwd. M. 1,80. - - +Lindner+, =Wanderungen durch die interessantesten Gegenden - des sächsischen Obererzgebirges.= Mit 12 Lithographien. - 1848. M. 2,40. - - +Lungwitz+, H., =Altes und Neues über Karl Stülpner, - den Raubschützen des Obererzgebirges=. Komm.-Verlag. - M. --,75. - - -- =Geschichte des Rittersgutes Tannenberg bei Geyer.= 1897. - M. 1,--. - - +Metzner, Osk.+, =Das Erzgebirge und seine Bedeutung für die - Kulturentwicklung Sachsens=. M. --,40. - - +Metzners+ =Führer durch das gesamte Vogtland=. 4. Auflage. - Gesamtausgabe M. 2,50. - - -- 1. Teil: +Plauen und die vogtländische Schweiz+, - mit 25 Illustrationen, einer Karte und Stadtplan. - 4. Auflage. M. --,50. - - -- 2. Teil: +Das Saalethal und das untere Elsterthal+, - mit Illustrationen und einer Wegekarte. - 4. Auflage. M. 1,20. - - -- 3. Teil: +Das obere Vogtland und die Übergangstouren - nach dem Erzgebirge.+ Mit Illustrationen, - einer Wegekarte, Rundsicht vom Friedrich-Auguststein - u. s. w. M. 1,20. - - =Mitteilungen des Vereins für Geschichte von Annaberg und Umgeg.= - Komm.-Verlag. Jahrbuch 1--6, je M. --,80 bis 1,50. - - +Peschel+, C., Pfarrer in Buchholz, =Aarzgebergsches Wiengliedl= - für 4-stimmigen Männerchor oder Quartett. - Partitur und Stimmen M. 1,60. - - =Prinzenraub, der sächsische=, nebst einer Beschreibung des Denkmals - am Fürstenberge bei Grünhain. M. --,80. - - =Rückblicke auf Annabergs und seiner Umgebungen Vorzeit.= - Hauptquellenwerk der Geschichte Annabergs und des - Obererzgebirges. M. 2,--. - - =Rundsicht= vom Fichtelberg und Keilberg M. --,30, vom Auersberg - M. --,30, vom Pöhlberg bei Annaberg M. --,30. - - +Schwerdtner+, E., Schulrat, =Vierter Bericht über das Königl. - Lehrer-Seminar zu Annaberg. 1889--1896.= Komm.-Verlag, M. 2,50. - - +Siegel+, E., =Zur Geschichte des Posamentier-Gewerbes, besonders - der erzgebirg. Posamentier-Industrie=. Geh. M. 2,50, geb. M. 3,--. - - +Siegert+, Hans, =A bieser Traam.= Schwank in erzgebirgischer - Mundart. M. --,60. - - +Straumer+, F., Prof., =Allerlei aus dem Erzgebirge=. Bilder und - Geschichten. Zwei Bände, geh. je M. 1,50, geb. M. 2,--. - - +Süßmilch-Hörnig+, M. v., Oberst z. D., =Das Erzgebirge in Vorzeit, - Vergangenheit und Gegenwart=. Geh. M. 4,50, geb. M. 6,--. - - Dem von Süßmilch'schen Werke ist von den wissenschaftlichen - wie politischen Zeitungen, von den besten Kennern - unseres Gebirgslandes, von den Leitern des sächsischen - Schulwesens glänzende Anerkennung zu teil geworden. Das - Hohe Kultusministerium von Sachsen hat den Volks- und - Schulbibliotheken, das Hohe Kriegsministerium den Truppenteilen - und Militärbibliotheken der Königl. Sächs. Armee das Werk zur - Anschaffung warm empfohlen. - - =Volkslieder aus dem Erzgebirge.= Gesammelt von ~Dr.~ A. Müller. - M. 1,--. - - =Wanderungen durch das obere Zschopauthal (Crottendorf und - Umgegend).= Komm.-Verlag, M. --,50. - - +Wildenhahn+, J., Prof., ~Dr.~, =Vortrag über Felix Weise - aus Annaberg=. M. --,60. - - +Zabel+, H. P., =Chronik von Zöblitz=. Geh. M. 4,--. - - -- =Geschichte der Serpentinstein-Industrie von Zöblitz.= - Geh. M. --,80. - - +Ziehnert+, W., =Sachsens Volkssagen. Balladen, Romanzen und - Legenden=. 5. Aufl. Geh. M. 3,--, geb. M. 4,--. - - +Zimmermann+, K. E., =Aus Annabergs Vergangenheit=. M. --,60. - - -II. Verschiedenes: - - +Bothe+, Prof., ~Dr.~, =Sammlung von Rechenaufgaben für höhere - Schulen=. 3. Auflage. 3 Hefte, je M. 1,-- bis M. 1,50. - - +Damm+, O., =Schopenhauers Ethik im Verhältnis zu seiner - Erkenntnislehre=. M. 2,--. - - +Hahnemann+, B., =Praxis des Zeichen-Unterrichts=. M. 1,80. - - +Hartmann+, B., Direktor, ~Dr.~, =Das volkstümliche deutsche - Kinderlied=. M. 1,--. - - =Jahresberichte des Annaberg-Buchholzer Vereins für Naturkunde.= - Komm.-Verlag. 9 Hefte, je M. 1,25 bis M. 2,40. - - +Israel+, A., Schulrat, =Erfahrungen auf Alpenreisen=. M. --,60. - - +Israel+, G. A., Seminardirektor, =Einführung in das Gesangbuch - für die evang.-luth. Landeskirche Sachsens=. M. 1,--. - - +Kaden+, Edmund, =Aus Höhen und Tiefen=. Gedichte. M. 1,75. - - +Krug+, J., =Rechnung mit gemeinen Brüchen=. M. --,80. - - +Lubrich+, Fritz, =Psalm 21=. Für gemischten Chor. Partitur und - Stimmen, M. 1,60. - - =Naturgeschichtliche Tafeln für Schule und Haus.= 1) Eßbare Pilze, - M. --,90. 2) Giftige Pilze, M. 1,20. 3) Die wichtigsten - Schmetterlinge, M. 1,20. Großfolio-Wandtafeln in 10farbigem - Buntdruck. - - =Mixtur, Musikalische=. M. --,50. - - +Röselmüller+, A. W., ~Dr.~, =Gottfried Arnold als - Kirchenhistoriker, Mystiker und geistl. Liederdichter=. - Komm.-Verlag, M. 1,--. - - -- =Das Leben und Wirken des Erasmus Sarcerius.= Komm.-Verlag, - M. 1,--. - - =Sammlung christlicher Festspiele.= - - 1. +Mosen+, =Christi Geburt=. In 7 Handlungen. 3. Auflage. - M. --,60. Das beliebteste Weihnachtsspiel des Erzgebirges. - - 2. +Schultze+, Pastor, =Joseph=. Biblisches Festspiel in - 5 Abteilungen und 17 Bildern. M. --,70. - - 3. -- =Ruth=. Biblisches Festspiel. M. --,70. - - 4. -- =Absalom=. Trauerspiel. M. --,90. - - 5. +Wächter+, Archidiakonus, Annaberg, =Paulus in Ephesus=. - Ein biblisches Drama. M. --,60. - - 6. -- =Elis Söhne=. Biblisches Schauspiel. M --,70. - - +Schreyer+, W., Schulrat, =Entwurf zu Stoff- und Stundenplänen - für die einfachen Volks- und allgemeinen Fortbildungsschulen, - sowie eine Schulordnung=. M. 2,--. - - +Stiehler+, Kgl. Bezirksarzt, ~Dr.~, =Zur Schulgesundheitspflege=. - M. --,25. - - +Stößner+, Prof., ~Dr.~, =Elemente der Geographie in Karten und - Text=. 15. Auflage, geh. M. 1,50, geb. M. 2,--. - - +Vogel+, F. W., =Fibel für den vereinigten heimatkundlichen - Anschauungs-, Sprech-, Schreib- und Leseunterricht=. M. --,60. - - -- =Die Forderungen der Gegenwart an die Volksschulfibel.= M. --,50. - - +Voigt+, G., ~Dr.~, =Friedrich Rückerts Gedankenlyrik=. M. 1,--. - - +Zeißig+, E., =Zur Reform des Geometrieunterrichts in der - Volksschule=. M. --,60. - - +Zienert+, G., =Hochzeit beim Wastl-Wirth=. Schwank, M. 1,50, - Klavierauszug, M. 3,--. - - -- =Im Wastlwirthshäusl=. Schwank, M. 1,50, Klavierauszug, M. 3,--. - - -Eine Anzahl kleiner Hefte und älterer Schriften ist nicht mit -aufgenommen. - -Die Verlagsbuchhandlung sieht Angeboten neuer Manuskripte gern entgegen. - -Graser'sche Buchhandlung (Richard Liesche) Verlag. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Satzfehler wurden stillschweigend korrigiert. - Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten. - - Korrekturen (das korrigierte Wort ist in {} eingeschlossen): - - S. 64: 1625 → 1525 - am 15. Februar {1525} des Nachts - - S. 81: Trauung → Beerdigung - mußte eine {Beerdigung} bis Sonntag Estomihi - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Geyer und das Obererzgebirge in Sage -und Geschichte, by Max Grohmann and Hermann Lungwitz - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEYER UND DAS OBERERZGEBIRGE *** - -***** This file should be named 52916-0.txt or 52916-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/2/9/1/52916/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This file was produced from images -generously made available by SLUB: Sächsische -Landesbibliothek - Staats - und Universitätsbibliothek -Dresden at http://www.slub-dresden.de ) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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It exists -because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from -people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. -To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 -and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive -Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at -http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent -permitted by U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. -Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered -throughout numerous locations. Its business office is located at -809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email -business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact -information can be found at the Foundation's web site and official -page at http://pglaf.org - -For additional contact information: - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To -SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any -particular state visit http://pglaf.org - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. 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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte - -Author: Max Grohmann - Hermann Lungwitz - -Release Date: August 28, 2016 [EBook #52916] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEYER UND DAS OBERERZGEBIRGE *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This file was produced from images -generously made available by SLUB: Sächsische -Landesbibliothek - Staats - und Universitätsbibliothek -Dresden at http://www.slub-dresden.de ) - - - - - - -</pre> - -<div class="transnote"> -<p class="h2">Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Das Original ist in Fraktur gesetzt.</p> - -<p>Im Original in Fraktur gesetzter Text ist <em class="antiqua">so ausgezeichnet</em>.</p> - -<p>Im Original gesperrter Text ist <em class="gesperrt">so ausgezeichnet</em>.</p> - -<p>Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am <a href="#tnextra">Ende des -Buches</a>.</p> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<div class="figcenter"> -<img src="images/cover.jpg" alt="Cover" /> -</div> - -<h1>Geyer und das Obererzgebirge</h1> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p class="h1">Das Obererzgebirge.</p> - -<p class="h2">Heimatkundliche Geschichtsbilder</p> - -<p class="center">für</p> - -<p class="center larger">Haus und Schule</p> - -<p class="center">von</p> - -<p class="h2">Max Grohmann,</p> - -<p class="center">Schuldirektor.</p> - -<p class="center">Zweite veränderte und erweiterte Auflage.</p> - -<p class="center">Annaberg 1900.<br /> -Graser'sche Buchhandlung (Richard Liesche).<br /> -Verlag. -</p> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="figcenter"> -<img src="images/illu-003.jpg" alt="Geyer" /> -<div class="caption">Geyer</div> -</div> -</div> - -<div class="chapter"> -<p class="h1">Geyer.</p> - -<p class="h2">Heimatkundliche Geschichtsbilder</p> - -<p class="center">für</p> - -<p class="center larger">Haus und Schule</p> - -<p class="center">von</p> - -<p class="h2">H. Lungwitz,</p> - -<p class="center">Oberlehrer.</p> - -<p class="center">Geyer.<br /> -Buchhandlung von Otto Stopp. -</p> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<h2><a id="Inhaltsverzeichnis">Inhaltsverzeichnis.</a></h2> - -<p class="h2">Geyer:</p> - -<ul class="index"> -<li class="indx"><a href="#g1">1</a>. Gründung und Wappen der Stadt Geyer.</li> -<li class="indx"><a href="#g2">2</a>. Die große Glocke in Geyer.</li> -<li class="indx"><a href="#g3">3</a>. Hieronymus Lotter.</li> -<li class="indx"><a href="#g4">4</a>. Geyer während des 30jährigen Krieges.</li> -<li class="indx"><a href="#g5">5</a>. Salzburger Emigranten ziehen durch Geyer.</li> -<li class="indx"><a href="#g6">6</a>. Evan Evans, der erste Baumwollspinner Sachsens.</li> -<li class="indx"><a href="#g7">7</a>. Die Binge auf dem Geyersberge bei Geyer.</li> -<li class="indx"><a href="#g8">8</a>. Das Steinkreuz auf dem Ziegelsberg in Geyer.</li> -<li class="indx"><a href="#g9">9</a>. Sage: Die Geyerschen Stadtpfeifer werden vom Greifenstein beschenkt.</li> -<li class="indx"><a href="#g10">10</a>. Kurzer Abriß der Geschichte des Rittergutes Geyersberg.</li> -</ul> - -<hr class="tb" /> - -<p class="h2">Das Obererzgebirge:</p> - -<ul class="index"> -<li class="indx"><a href="#o1">Erster Abschnitt</a>: Die Landschaft des Obererzgebirges.</li> - -<li class="indx"><a href="#o2">Zweiter Abschnitt</a>: Das Volkstum des Obererzgebirges.</li> - -<li class="indx"><a href="#o3">Dritter Abschnitt</a>: Die Besiedelung des Obererzgebirges.</li> - -<li class="indx"><a href="#o4">Vierter Abschnitt</a>: Die Kriegszeiten des Obererzgebirges.</li> - -<li class="indx"><a href="#o5">Fünfter Abschnitt</a>: Das Wirtschaftsleben des Obererzgebirges.</li> -</ul> - -<p class="center">Ausführliches Inhaltsverzeichnis befindet sich am <a href="#toc">Schlusse des Buches</a>.</p> - -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_i">[i]</a></span></p> - -<h2 id="g1">1. Gründung und Wappen der Stadt Geyer.</h2> -</div> - -<p>Zweifellos ist die alte Bergstadt Geyer nach den Geiern benannt worden, -jenen Raubvögeln, die früher in dem waldreichen Erzgebirge häufig nisteten. Die -Sage schreibt ihnen die Veranlassung zur Gründung der Stadt zu. Sie berichtet:</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>»Einst hatten Geier dem Hühnerhofe des Rittergutes Tannenberg -argen Schaden zugefügt. Da bestieg der geschädigte Edelmann sein Jagdroß, -um den Raubvögeln nachzuspüren. Das Gestrüpp der bewaldeten -Höhe hinderte ihn am weiteren Vordringen; er band daher sein Pferd -an einen Baum, schritt zu Fuß weiter und fand den Horst der Geier -auf, zerstörte das Nest und erlegte auch die alten Vögel. Als er zu -seinem Rosse zurückkam, hatte es mit seinen Hufen Zinnstein entblößt. -Der Edelmann steckte einige Erzstücke zu sich, zeigte sie Kundigen, und -auf deren Anraten schlug man an dieser Fundstelle ein. So wurde der -Geyersberg fündig. Es geschah dies zu Anfang des 14. Jahrhunderts.«</p></div> - -<p>So entstand das Bergwerk im Geyersberge, dessen Größe wir noch erkennen -und bewundern, wenn wir am Rande der gewaltigen Binge stehen, welche durch -den Einsturz dieses Bergwerkes entstanden ist.</p> - -<p>Die Bergleute siedelten sich im Thale des Geyerbaches am Fuße des Berges -an, und immer mehr zogen herzu. Es bildete sich nach und nach eine Stadt. -Diese wurde Geyer genannt, weil Geier die Entdeckung des Erzes und somit die -Gründung der Stadt veranlaßt hatten.</p> - -<p>Eine andere Überlieferung sagt, im Neste der Geier seien Zinngraupen gewesen, -das habe die Bergleute angeregt, in der Nähe zu schürfen, und so seien -die Erzschätze entdeckt worden.</p> - -<p>So verdankt die Stadt Geyer der Sage nach Gründung und Namen den -Geiern. Der Name der Stadt ließe sich jedoch auch erklären, wenn jene Gründungssagen -nicht auf Wahrheit beruhten. Manche Stadt ist nach einem nahen Berge -benannt worden, man denke an Scheibenberg oder Schneeberg. Geyer liegt an -einem Berge, der früher mit undurchdringlichem Waldgestrüpp und Felsblöcken -bedeckt war, sodaß er einen Zufluchtsort für die Geier bot und darum wohl schon -in ältester Zeit »der Geyersberg« genannt wurde. Geyer kann demnach den -Namen auch von dem nahen Geyersberge erhalten haben.</p> - -<p>Da nun die Stadt Geyer ihren Namen, wenn nicht sogar ihre Entstehung, -den Geiern verdankt, führt sie diese Vögel auch in ihrem Wappen. Drei Geierköpfe -sind darauf zu sehen. Leider wissen wir nicht genau, wie das Stadtwappen -von Geyer ursprünglich aussah. In der Handschrift von <em class="gesperrt">Tschran</em> (1775 beendet) -heißt es:</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>»Was das Wappen der Stadt anlanget, so ist darüber kein Document -ausfindig zu machen. Am Rathause befindet sich das Stadtwappen, -nach alter Bildhauer- und Wappenart in Stein gehauen, welches 3 -Geyersköpfe in einem besonderen Schilde hat, darüber ein offener Helm -mit 3 Spriegeln, und darauf ein Geyer befindlich, unter demselben aber -die Jahreszahl 1496 in Mönchsschrift stehet.«</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_ii">[ii]</a></span></p> - -<p>Das hier geschilderte Wappen ist noch erhalten, freilich arg beschädigt. Der -Verfasser dieses Abschnittes giebt auf der Bildertafel die Zeichnung davon. Er hat -darauf die fehlenden Teile ergänzt, soweit sich ihre einstige Gestalt aus den Resten erkennen -ließ. Es fehlten das oberste Stück des Wappens mit dem Kopfe des Geiers -auf dem Helme, sowie fast alle Verzierungen um Helm und Schild. Gut erhalten -ist der Stein mit der Jahreszahl: <em class="antiqua">Anno dm (= domini) MCCCCXCVI</em>.</p> - -<p>Im Jahre 1496, zur Zeit der Gründung Annabergs, hat demnach Geyer -schon ein großes Rathaus besessen. Dasselbe ist aber 1844 durch ein neues ersetzt -worden, wobei das Wappen entfernt wurde. Es steht zu erwarten, daß -dieses nächstens wieder vervollständigt und an einen ihm gebührenden Platz gebracht -wird. Noch ist zu erkennen, daß das Wappen vergoldet war und blauen -Grund hatte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Tschran</em> berichtet weiter, daß in der Hauptkirche über dem Ratschore ein -hölzernes Wappen in verändertem Aussehen angebracht gewesen sei. Leider konnten -wir dieses nicht ausfindig machen. Es wird folgendermaßen beschrieben:</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>»Im Schilde siehet man einen viereckigten Thurm im blauen Felde, -mit offnem Thore, daran ein Schild mit 3 Geyersköpfen hängt. Der -Helm darüber ist offen, mit einer goldnen Crone, und oben darauf ein -Rittelgeyer befindlich.«</p></div> - -<p>Auch das größere und kleinere Stadtsiegel, sowie das Bergamtsiegel werden -geschildert. Aus ersterem hat sich fast ohne Veränderung das heutige Stadtwappen -entwickelt. (Siehe die Bildertafel!) Die Farben sind folgendermaßen angegeben: -Der Turm im blauen Felde ist rötlich. Auf jeder Seite stehen sieben -goldene Sterne. Das Dach ist schieferfarben und trägt zwei goldene Knöpfe mit -Fähnlein. Der Schild ist silbern und zeigt drei Geierköpfe in ihrer natürlichen -Farbe.</p> - -<p>Das Wappen von Geyer ist außerdem noch auf dem sogenannten Dreilagensteine -zu finden. Dieser ist ein uralter Grenzstein. Auf ihm sieht man das -Wappen von Geyer, das des Abtes von Grünhain und dasjenige der Herren -von Schönburg. Das Wappen von Geyer besteht darauf nur aus drei Geierköpfen.</p> - -<p class="right"> -Albert Major. -</p> - -<h2 id="g2">2. Die große Glocke in Geyer.</h2> - -<p>Schon in früher Morgenstunde nach der Nacht, in welcher Kunz von Kaufungen -die Prinzen geraubt hatte, begann die allgemeine Verfolgung der Räuber. Da -erklang auch vom Turm der Niklaskirche zu Geyer die große Glocke, laut das -geschehene Unheil kündend. Die Glocke zersprang. Urban, der Neffe von Georg -Schmidt, welcher zu dieser Zeit in Geyer anwesend war, teilte bei seiner Rückkehr -seinem Oheim das Ereignis mit.</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Im Walde dort wert Cunz ertapt,<br /></span> -<span class="i0">Da wollt he Beeren naschen«<br /></span> -</div></div> - -<p>berichtet der uralte Berg-Reihen weiter. Der Kurfürst aber ließ später aus Dankbarkeit -gegen Gott für die glückliche Errettung seiner Söhne auf seine Kosten die -große Glocke in Geyer umgießen. Ungefähr in dieser Weise wird in der landläufigen -Art bei der Erzählung des Prinzenraubes der Geyerschen Glocke gedacht.</p> - -<p>Zunächst muß festgestellt werden, daß weder die Nikolaikirche, noch die bald -nach dem Prinzenraub umgegossene Glocke zur Zeit noch vorhanden sind. Die -große Nikolaikirche, welche östlich von der Stadt, links von der Ehrenfriedersdorferstraße -– die Pflugschar durchschneidet jetzt das Land – stand, wird bereits<span class="pagenum"><a id="Seite_iii">[iii]</a></span> -1491 urkundlich als nicht mehr vorhanden bezeichnet, wahrscheinlich war sie -durch Brand zerstört worden. Bezüglich des Glockengusses fehlen allerdings gleichzeitige -Nachrichten; auch ist in dem bekannten Manifest, welches der Kurfürst am -Jakobitage (26. Juli) 1455 erließ, vom Glockenläuten nicht die Rede. Peter -Albinus ist der älteste bekannte Chronist, der den Prinzenraub ausführlich erzählt, -und er sagt in seiner Neuen Meißnischen Chronik (1580): »Es haben sich die -Hofleute nicht gesäumet, sondern von Stund an in alle Gegenden geschickt und -sind zum Teil selbst ausgeritten, den Sturmschlag in allen Städten und Dörfern -angehen lassen, daß also das ganze Land rege wurde.« Albinus, als geborner -Schneeberger, kannte die Gebräuche des Erzgebirges; er wird wohl nicht ohne -Grund vom Sturmläuten berichtet haben.</p> - -<p>Das wichtigste Zeugnis giebt uns der um die Geschichtsforschung in Geyer -so hochverdiente Pastor Blüher, der der Prinzenglocke eine besondere Aufmerksamkeit -gewidmet hat und der den Umguß der Glocke auf Kosten des Kurfürsten für -wahr hält. Nach demselben waren auf der einen Seite der Glocke die Bildnisse -der beiden jungen Fürsten angebracht, auf der andern Seite sah man Kunz auf -der Erde liegend und das Pferd am Zügel haltend, daneben den Fürsten Albrecht -und den Köhler. Oben um die Glocke stand der Vers:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0"><em class="antiqua">Filios Curt abripiebat Saxonis: Ergo</em><br /></span> -<span class="i0"><em class="antiqua">Redditionem hoc aes Christiparae memorat.</em><br /></span> -</div></div> - -<p>und unten:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0"><em class="antiqua">Aufugiente Ducum plagiario rupta, sed Almi</em><br /></span> -<span class="i0"><em class="antiqua">Ensiferi sumtu sum reparata Patris.</em><br /></span> -<span class="i0"><em class="antiqua">A. MCCCCLVI.</em><br /></span> -</div></div> - -<p>Blüher hat beide Distichen in folgender Übersetzung wiedergegeben:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Kurt entführte die fürstlichen Prinzen, die himmlische Jungfrau –<br /></span> -<span class="i6">Diese Glocke bezeugt's – gab sie uns gnädig zurück.<br /></span> -<span class="i0">Ob des fliehenden Räubers der Prinzen laut stürmend zersprang ich,<br /></span> -<span class="i6">Doch aus fürstlichem Schatz ward ich wieder verjüngt.<br /></span> -</div></div> - -<p>Im Jahre 1580 besichtigte Herzog Albrecht die Prinzenglocke. Sie wurde -nach der Zerstörung der St. Niklaskirche im Turme der Lorenzkirche aufgehängt. -Die Freude über die schöne Glocke ist nicht von langer Dauer gewesen, schon -1535 ist sie abermals zersprungen. Der Umguß der neuen großen Glocke hat -im Jahre 1539 stattgefunden, ob mit Beisteuer Heinrichs des Frommen, wie -vermutet wird, ist nicht erwiesen, er geschah jedoch unzweifelhaft in der berühmten -Hilligerschen Gießhütte in Freiberg. Die große Glocke ist 1,60 <em class="antiqua">m</em> hoch, ihr -Durchmesser beträgt 1,80 <em class="antiqua">m</em>, ihr Ton gilt allgemein als ausgezeichnet. In dem -breiten Laubwerkfries, das sie umgiebt, sind kleine Medaillons angebracht, die -Karl V., Ferdinand I. nebst Gemahlinnen etc. darstellen. Vorzüglich gelungen ist das -Rundbildnis Heinrichs des Frommen, wovon wir auf der Bildertafel eine Abbildung -bringen. Außerdem ist noch der Bibelspruch Johannes 3: Also hat Gott die -Welt etc. und die Jahreszahl 1539 auf der Glocke angebracht. Die Angaben -über die Schwere der Glocke sind schwankend, ein Glockengießer versicherte mir, -daß sie über 100 Zentner wiegen müsse. Sei dem, wie ihm wolle, die Geyersche -Gemeinde hängt mit großer Liebe an ihrer Glocke. Dies zeigte sich besonders -im Jahre 1839, als die dreihundertjährige Geburtstagsfeier derselben feierlich -begangen wurde. Und noch heute ruft der eherne Mund der großen Prinzenglocke -die Gemeinde zum Gotteshause und begleitet mit ihrem Schwunge des Lebens -wechselvolle Stunden!</p> - -<p class="right"> -Hermann Lungwitz. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_iv">[iv]</a></span></p> - -<h2 id="g3">3. Hieronymus Lotter.</h2> - -<p>Von den Bildern, welche die Brüstung der Empore der St. Annenkirche in -Annaberg zieren, trug das 28. Bild, Kains Brudermord darstellend, die Inschrift -der Stifter »Michael Lotter und Barbara, dessen Ehefrau«. Dies waren die -Eltern des berühmten kurfürstlichen Baumeisters Hieronymus Lotter. Michael -Lotter war mit seiner Familie 1509 von Nürnberg nach dem rasch emporblühenden -Annaberg eingewandert und hatte es hier durch seine Rührigkeit zu Ansehen und -Wohlstand gebracht, sodaß ihm seine Mitbürger das Amt eines Bürgermeisters -übertrugen. Sein Sohn Hieronymus hatte sich dem Baufach gewidmet und -Leipzig als Schauplatz seiner Thätigkeit gewählt. Hier baute er das Kornhaus -auf dem Brühl, das Badstubenhaus am Ranstädter Thor, erhöhte den Nikolaikirchturm -und versah ihn mit einer Wächterwohnung, brach das alte Rathaus ab -und vollendete den Neubau bis zur Bewohnbarkeit innerhalb 9 Monaten. Fremde -Kaufleute, die zur Ostermesse den Anfang des Neubaues mit angesehen hatten, -waren, als sie zur Michaelismesse wiederkehrten, »mit Verwunderung über so -unverhofften Fortgang fast erstarret«. Kurfürst Moritz übertrug dem Baumeister -Lotter, die Pleißenburg als Schloß und Festungsbau neu herzustellen. Sein -Nachfolger, Kurfürst Vater August, ehrte seinen Baumeister auch dadurch, daß -er, so oft er in Leipzig allein oder in Begleitung seiner Gemahlin erschien, in -Lotters Behausung abstieg. Die Leipziger Bürger wählten den hervorragenden -Baumeister zu ihrem Bürgermeister.</p> - -<p>Mit dem Jahre 1560 finden wir Hieronymus Lotter in der Bergstadt -Geyer. Er kaufte den Preußerhof, einen mit »Gerichten über Hals und Hand« -versehenen Freihof. Der Freihof stand an der Stelle, an welcher sich die frühere -Bürgerschule, die jetzige Posamentenfabrik des Herrn Hermann Dietzsch, befindet. -Später erwarb Lotter das Rittergut Geyersberg mit etlichen nahestehenden -Bürgerhäusern, die er zum Teil abtrug, als er sein Wohnhaus von Grund aus -neu aufführte. Dieses Wohnhaus steht heute noch und befindet sich im Besitz des -Herrn C. M. Schürer. Überhaupt begann mit Lotter in Geyer ein neues Leben. -Durch seine Kunstfertigkeit zur Baulust angeregt, ließ der Rat die beiden damals -vorhandenen Brauhäuser und den Rathausturm neu herstellen, den Wachtturm -mit einer Türmerwohnung und mit Glocken versehen. Letztere waren besonders -dazu bestimmt, die Bergleute nach achtstündiger Schicht zum Gebet und zur Arbeit -zu rufen. Lotter unterhielt allein 300 Bergleute; denn er besaß den größten -Teil des Geyerschen Zinnbergbaues nebst 8 Pochwerken, die teils in der Stadt, -teils am Greifenbache lagen.</p> - -<p>Wie in Leipzig, so war auch auf dem Lotterhofe, so hieß das Rittergut von -nun an, der Kurfürst nebst Gemahlin, so oft sie im Gebirge weilten, Lotters -Gast. Hier im kleinen Schreibstüblein suchte Kurfürst August seinen Baumeister -zu bestimmen, ihm auf dem Schellenberge ein Schloß, die spätere Augustusburg, -zu erbauen. Als ob Lotter geahnt hätte, wie viel Beschwerlichkeit, Kümmernis -und Undank gerade dieser Bau ihm einbringen werde, ging er anfangs nicht auf -den Plan ein, sondern schob sein hohes Alter – er stand damals in seinem -69. Lebensjahre – vor. Erst durch die Kurfürstin ließ Lotter sich bestimmen, -ihrem Herrn und Gemahl die Bitte nicht abzuschlagen.</p> - -<p>Lotter hat den größten und schwierigsten Bau seines Lebens nicht vollendet. -Es wurde ihm die schmerzliche Demütigung, daß man den Bau kurz vor seiner -Vollendung dem Grafen Rochus von Linar übertrug. Dem ungeduldigen und -äußerst sparsamen Kurfürsten ging der Bau zu langsam und verschlang zu große<span class="pagenum"><a id="Seite_v">[v]</a></span> -Summen. Dazu mag noch gekommen sein, daß Neider dem Kurfürsten ins Ohr -flüsterten, Lotter bereichere sich an den Baugeldern, während es doch Thatsache -ist, daß er von der kurfürstlichen Kasse 15 000 Gulden zu fordern hatte, die ihm -nie ausgezahlt worden sind, und ferner Thatsache ist, daß der reiche Leipziger -Bürgermeister und Bauherr wenige Jahre nach der Vollendung der Augustusburg -ein armer Mann war.</p> - -<p>Tiefgekränkt zog sich Lotter auf seinen Geyersbergischen Hof zurück. Aber -auch hier erwartete ihn wenig Freude. Die bergmännischen Unternehmungen waren -mißglückt, die Seinigen drängten ihn um Herausgabe des Erbes, kurz, der 82jährige -Greis sah nur trübe Tage. Am 24. Juli 1580 legte er sein müdes Haupt für -immer zur Ruhe. Auf dem Altarplatz der St. Lorenzkirche zu Geyer ist Lotter -begraben worden.</p> - -<p>Und heute!</p> - -<p>Eine der schönsten Straßen Geyers führt nach dem kurfürstlichen Baumeister -den Namen: Hieronymus Lotter-Straße. Am 8. Oktober 1893 brachte der Verein -der Leipziger Architekten an Lotters Sterbehause, das ist das von ihm erbaute -Wohnhaus des Rittergutes, eine Gedenktafel an, welche folgende Inschrift trägt:</p> - -<p class="center"> -In diesem Hause starb<br /> -Leipzigs großer Baumeister<br /> -Hieronymus Lotter<br /> -im 83. Lebensjahre 1580.<br /> -Dem alten Meister<br /> -zu seinem Gedächtnis<br /> -Leipzigs Architekten 1893. -</p> - -<p class="right"> -Hermann Lungwitz. -</p> - -<h2 id="g4">4. Geyer während des dreißigjährigen Krieges.</h2> - -<p>Mit dem Jahre 1632 begann der dreißigjährige Krieg auch seine Schrecknisse -in unser sächsisches Erzgebirge zu verbreiten. Während die kurfürstlichen -Truppen in der Lausitz und in Schlesien standen, sandte der kaiserliche Feldherr -Wallenstein den General Holk mit seinen raub- und blutgierigen Banden über -Eger und Neudeck ab, um das sächsische Land für die Verbindung seines Fürsten -mit den Schweden zu strafen. Alles auf das Wildeste verheerend, breiteten sie -sich im August des Jahres 1632 von Schneeberg durch den sogenannten Grund -kommend auch in der Umgegend von Annaberg aus. Das Geyersche Rittergut -wurde in dieser Zeit zweimal ausgeplündert und alles Vieh hinweggetrieben; drei -Jahre lang, nämlich bis zum Jahre 1635, mußte es in wüstem Zustande und -die Felder unbestellt bleiben. Ludwig Lotter, der damalige Besitzer des Gutes -und Enkel des großen kurfürstlichen Baumeisters und Bürgermeisters zu Leipzig, -Hieronymus Lotter, ward – wie späterhin seine Erben in ihrem Belehnungsgesuch -vom 31. August 1649 dem Kurfürsten klagen – auf seinem Rittergute -öfter »mit unerhörten Schlägen traktiert, mit Stricken um Kopf und Hals gelegt -gerädelt und so henkermäßig gepeinigt, daß sein Leben mehr als einmal nur an -einem Faden hing«.</p> - -<p>Fehlen auch leider die genaueren Zeitangaben jener Erlebnisse, so hat man doch -besondere Nachrichten über die Schicksale der Stadt in diesen schrecklichen Zeiten, -welche zur Aufhellung und Bestätigung des obigen mitgeteilt zu werden verdienen.</p> - -<p>Als General Holk im August 1632, um sich den Paß nach Böhmen zu -erhalten, Schwarzenberg durch den Hauptmann Ullersdorf mit seinen Kroaten -hatte besetzen lassen, schickte sie dieser in der Umgegend weit und breit zu Kriegsforderungen,<span class="pagenum"><a id="Seite_vi">[vi]</a></span> -Brandschatzungen und Plünderungen aus. Die Orte, welche das -geforderte Geld nicht brachten oder aus Armut nicht bringen konnten, ließ -er pfänden, Vieh und Menschen wegführen, jenes wurde wieder verhandelt oder -nach Böhmen getrieben, die gefangenen Personen aber bis zur Erlangung eines -stattlichen Lösegeldes behalten. So verfuhr man zu Hermannsdorf, Thum, Ehrenfriedersdorf -u. s. w., so auch zu Geyer. Hier fielen die Kroaten am 23. August -1633 ein, brandschatzten und plünderten noch überdies, wobei sie große Grausamkeiten -verübten. Ein zweiundachtzigjähriger Greis, der Zehntner Elias Hammann, -mußte viel Schläge und Martern erdulden; der Viertelsmeister Puzscher ward -vor seiner Hausthüre erschossen. Ein gleicher Überfall erfolgte am 25. November. -Bereits war die Stadt bei den Durchmärschen total ausplündert und die Bewohner -zu entfliehen genötigt worden, sodaß Geyer fast wüste stand und nichts -liefern konnte. Doch hatte Hauptmann Ullersdorf durch seinen Schreiber Samuel -Metzler ausgekundschaftet, wenn die Entflohenen in ihre Wohnungen zurückkehrten. -So ließ er am 25. November früh 7 Uhr eine Abteilung Kroaten -in Geyer einfallen und 3 Personen gefänglich wegführen, den Stadtrichter Georg -Klauß, den Pfarrer Johann Andrä (einen Flüchtling aus Kaden) und einen -schottischen Bergherrn Paul Northofen, ließ sie nach Schwarzenberg bringen, um -für erstere beide 1000 Thaler Lösegeld zu erpressen, letzteren aber, weil er auf -einen über Kroaten gesetzten Leutnant geschossen haben sollte, mit einem schmählichen -Tod bedrohen. Der Pfarrer löste sich mit Geld und Geschmeide von -400 Thaler an Wert, die beiden anderen wurden gerettet durch sächsische Truppen, -die unter Oberst von Taube über Chemnitz anrückten, in Verbindung mit dem in -Zwickau liegenden Bosenschen Regimente das Schwarzenberger Schloß eroberten -und die Besatzung nebst ihrem Kommandanten Ullersdorf gefangen nahmen. Dies -geschah am 4. Dezember 1633.</p> - -<p>Die Taubeschen und Bosenschen Regimenter besetzten nun auch die hiesige -Umgegend, in Annaberg blieben bis August 1634 4 Kompanien Reiter unter -Oberst Bodenhausen. Doch dauerten die feindlichen Streifzüge von Böhmen aus -fort, und endlich, nach dem Sieg bei Nördlingen über die Schweden, erhielten -die Kaiserlichen völlig die Oberhand in unserm Gebirge, während die sächsischen -Truppen sich auf Zschopau zurückziehen mußten. Namentlich wiederholte der -kaiserliche Oberstleutnant Schütz von Schützky seinen schon im Mai versuchten -Einfall am 28. September, wobei er Annaberg und Umgebung mit unbarmherzigen -Brandschatzungen und Plünderungen heimsuchte, bis er, den Hauptmann -Kurt Reinicke von Kallenberg mit 30 Reitern zurücklassend, den 14. Oktober nach -Zwickau abzog. Dieser Hauptmann ließ Geyer von der angedrohten Plünderung -mit 230 Thaler loskaufen und nachher dennoch plündern. Am 27. Oktober -erfolgte der Durchmarsch des kaiserlichen Obersten Schönickel, der, mit 5000 Mann -auf seinem Rückzuge von Zwickau über Annaberg nach Böhmen begriffen, in -Geyer den Stadtrichter wegführen ließ und erst freigab, als die Stadt ihn mit -37 Thaler eingelöst hatte. Diese letztere Nachricht fand sich in einer hiesigen -Gemeinderechnung; wie viel Not und Jammer aber dabei verbreitet worden, läßt -sich vermuten, wenn man weiß, daß Schönickel, obwohl Chemnitzer von Geburt, -doch fern von aller Schonung gegen sein Vaterland war und durch Viehraub, -Plünderung, Sengen und Brennen (namentlich bei Zwickau, wo man eines Tages -15 Schadenfeuer zugleich sah) Furcht und Schrecken verbreitete.</p> - -<p>Die heißersehnte Ruhe von solchem Ungemach trat für unser Gebirge und -das ganze Land erst ein, als der Kurfürst am 24. Juni 1635 Friede mit dem -Kaiser schloß und sich somit von den Schweden trennte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_vii">[vii]</a></span></p> - -<p>Über die Zeit vom 24. August 1632 bis 25. Juni 1635 bemerkt erwähnte -Gemeinderechnung: »An Kontribution, Brandschatzung u. s. w. habe Geyer 2973 -Thaler 4 Neugroschen 6 Pfennige aufbringen müssen, außer 200 Stück Rindvieh, -das kleine ungerechnet, 24 Pferde, 4 Gebräude Bier, die zunichte gemacht worden.« -Zwei Männer und eine Frau seien niedergemacht worden, und wie viele verwundet -oder des Ihrigen beraubt worden, sei gar nicht zu ermessen.</p> - -<p>Neue Drangsale brachte das Jahr 1639, als die Schweden unter General -Baner das Erzgebirge heimsuchten, um mit unmenschlicher Grausamkeit Rache -an den Bewohnern für des Kurfürsten Verbindung mit dem Kaiser zu nehmen. -Aber auch die kaiserlichen Scharen, die bald als Verfolgende, bald als Verfolgte -erschienen, verfuhren nicht viel milder. Damals erlangte Geyer wenigstens bei -den schwedischen Truppen Schonung durch den hiesigen Pfarrer Hollenhagen, der -denselben, wenn sie einbrechen wollten, entgegen zu reiten pflegte und mit seiner -Fürbitte für die Gemeinde um so leichter Gehör fand, da er früher schwedischer -Feldprediger gewesen war. Bei Annäherung der Kaiserlichen verbarg er sich mit -der Gemeinde im Walde. Nach einer andern Geschichtsquelle wird erzählt, daß -dann die Frauen aus Furcht vor dem Feinde auf Bäumen Platz genommen -hätten und hier Zäckchen u. s. w. gefertigt hätten. Ein Zeichen, daß auch schon -zur Zeit des dreißigjährigen Krieges die Frauen von Geyer durch Handarbeit zum -Erlangen des täglichen Brotes beitrugen.</p> - -<p>Als die Kaiserlichen von der Saale her durch das Erzgebirge gegen die in -Schlesien vordringenden Schweden zogen und die Durchzüge seit Anfang des -Februars 4 Monate lang dauerten, waren die Einwohner (wie ein Zeitgenosse, -der Scheibenberger Pfarrer Lehmann, in seiner Kriegschronik erzählt) genötigt, -von Haus und Hof zu fliehen, wenn sie nicht den übertriebenen Forderungen -genügen wollten oder konnten, nämlich sich von Plünderung loskaufen, Salvegarde -lösen, Proviant liefern, Wege bessern, Vorspann leisten u. s. w. Bei ihrer Rückkehr -fanden die Geflüchteten dann gewöhnlich ihre Häuser niedergebrannt oder -ausgeplündert, die Mobilien zerschlagen, die Kirchen erbrochen und für Stallung -der Pferde benutzt, die Feldfrüchte teils abgeweidet, teils abgemäht und weggebracht. -Menschen und Vieh, wo sich dergleichen treffen ließ, ward mit fortgenommen, -ganze Dörfer wurden wüste, so Jahnsbach, Schönfeld, Tannenberg.</p> - -<p>Auch Geyer muß damals einen erbarmungswerten Anblick gewährt haben, -sagt <em class="antiqua">P.</em> Blüher in seinen Aufzeichnungen, und fährt derselbe in seiner Beschreibung -der Stadt, allerdings vor den Bränden in den Jahren 1854, 1862 und 1863 fort:</p> - -<p>Wer vom alten Schießhausplatz aus über die Schützenhofgasse herab durch -die Badergasse an der Marktschmiede vorüber bis zum Bergamtshaus ging, der -sah zur Linken und vom Bergamtshause bis zur Tannenberger Grenze zu seiner -Rechten eine fast ununterbrochene Reihe in Asche liegender Häuser und außerdem -waren 8 Brandstätten in der Zinngasse, in der Gegend, in welcher sich der große, -freie Platz der ersten aufsteigenden Straße gegenüber sich befindet. Noch im -Jahre 1661 zählte man 118 Brandstätten und nur 83 bewohnte Häuser.</p> - -<p>Der Friedensschluß, welcher den dreißigjährigen, unerhörten Trübsalen ein -Ziel setzte, erfolgte am 14. Oktober 1648 zu Osnabrück. Ganz Deutschland -erlangte dadurch die heißersehnte Ruhe. Das Friedensfest wurde zwischen Kaiserlichen -und Schweden im großen Saale des Rathauses zu Nürnberg gefeiert. -Während die Abgesandten in der hochgewölbten, glänzend erleuchteten Halle ein -Fest abhielten, waren für die Armen der Stadt zwei Ochsen geschlachtet und viel -Brot ausgeteilt worden, und aus einem Löwenrachen lief sechs Stunden lang<span class="pagenum"><a id="Seite_viii">[viii]</a></span> -weißer und roter Wein herab. Aus einem größeren Löwenrachen waren dreißig -Jahre lang im ganzen deutschen Reich Blut und Thränen geflossen!</p> - -<p class="right"> -Hermann Lungwitz. -</p> - -<h2 id="g5">5. Salzburger Emigranten ziehen durch Geyer.</h2> - -<p>Als im Jahre 1732 der Erzbischof von Salzburg, Leopold Anton, Graf -von Firmian, die religiöse Unduldsamkeit bis auf das Äußerste trieb, wanderten -30 000 friedfertige, arbeitsame Protestanten aus und fanden in dem Lande des -Königs Friedrich Wilhelm I. von Preußen gastliche Aufnahme. Auf verschiedenen -Wegen zogen die Emigranten ihrer neuen Heimat zu, und so geschah es auch, -daß ein Trupp Emigranten seinen Weg durch Geyer nahm. Anfangs wollte der -Kommissar Balzig die Vertriebenen nicht durch unsere Stadt führen, da dieselbe -sich zu dieser Zeit infolge des Niederganges des Bergbaues in mißlichen Verhältnissen -befand. Doch, berichtet eine im Besitz des königlich sächsischen Altertumsvereins -befindliche Handschrift, gab sich der damalige Geyersche Stadtrichter Neubert -selbst die Mühe, am 5. August 1732 nach Zwönitz zu schicken, wo die Vertriebenen -ihr Nachtlager hätten und sich den Durchzug von ihnen auszubitten. -Als die Bürger Geyers dieses hörten, wurden sie ungemein erfreut, daß sie das -Glück genießen sollten, den Salzburgern Gutes zu erweisen. Sie machten sich -daraufhin für den kommenden Tag bereit, dieselben mit möglicher Liebe aufzunehmen. -Die Schule, der Prediger, der ganze Rat und die Bürgerschaft gingen -ihnen entgegen und empfingen sie mit einer Rede. Sie führten die Vertriebenen -bei vollem Geläute in die Stadt, wobei dieselben bewegliche Lieder sangen und auf -dem Markte Betstunde hielten; verlesen wurde Jerem. Kap. 51, welches von Babels -Zerstörung handelt. Nach der Beendigung des Gottesdienstes verschwanden gleichsam -die Emigranten, denn die Einwohner nahmen sie in der größten Geschwindigkeit -mit sich, daß man auch für Geld keinen mehr bekommen konnte. Der Priester -der Stadt war ein wenig abgetreten, um einen kranken Salzburger mit Trost -aufzurichten. Er hätte gewiß leer ausgehen müssen, wenn sich nicht der Kommissar -über ihn erbarmet und ihm zu zwei Personen geholfen hätte. Nach eingenommenem -Mittagsmahle fing man wieder an, mit der großen und weitberühmten -Glocke zu läuten. Darauf versammelten sich unsere Emigranten und man führte -sie ebenso aus der Stadt, wie man sie eingeholet hatte. Die Abschiedsrede -gründete sich auf Offenbarung St. Johannis 2, 10. Dies alles schrieb man -in die Kirchenmatricul, damit es zum ewigen Andenken beibehalten würde. Sonntags -darauf sammelte man auch hier die Kollekte, welche man in Sachsen für -die Salzburger zusammengelegt hatte, sie betrug 19 Thaler 7 Groschen; vorher -war keine Kollekte so reichlich, so lange Geyer gestanden hat. Die Emigranten -zogen von hier aus nach Wolkenstein weiter.</p> - -<p class="right"> -Hermann Lungwitz. -</p> - -<h2 id="g6">6. Evan Evans, der erste Baumwollspinner Sachsens.</h2> - -<p>Unter den Prunkgeräten aus den früheren herzoglichen Schlössern, welche im -Museum zu Braunschweig aufbewahrt werden, findet sich auch ein schmuckloses -Spinnrad, das von Georg Jürgens, einem Braunschweiger, gefertigt sein soll, der -zur Zeit Luthers das Spinnrad erfand und damit die seit Jahrtausenden zum -Spinnen dienende Spindel außer Gebrauch setzte. Geyer hätte ebenfalls Ursache, -eine Maschinenspindel im Rathaus aufzuhängen, denn Evan Evans, ein Geyerscher -Bürger, war es, der das Spinnrad durch das Einführen des Maschinenspinnens<span class="pagenum"><a id="Seite_ix">[ix]</a></span> -in Sachsen verdrängte. Die Maschinenspinnerei ist eine englische Erfindung. -Man schreibt sie gewöhnlich Richard Arkwright zu; doch haben spätere Nachforschungen -ergeben, daß er wohl ein großer Verbesserer, aber nicht der Urerfinder -des Maschinenspinnens gewesen ist. In Sachsen waren in den 80er und 90er -Jahren des vorigen Jahrhunderts kleine Handmaschinen von 10 bis 20 Spulen -zum Spinnen der Baumwolle in Gebrauch. Gegen Ende desselben führte Karl -Friedrich Bernhard das englische Spinnereisystem in Sachsen ein. Seine -Maschinen waren Mulemaschinen; sie wurden in einem dazu errichteten Gebäude -in Harthau bei Chemnitz durch einen Engländer, Namens Watson, aufgestellt. -Da er aber als bloßer Maschinenbauer die Maschinen nicht in Gang zu bringen -wußte, namentlich, wird erzählt, die Trommelschnur nicht aufzuziehen verstand, so -wurde ein englischer Spinner, Evan Evans, aus England herübergerufen, der -auch alsbald auf den Maschinen Garn spann. Der Vater des sächsischen Maschinenspinnens, -besonders der Baumwollspinnerei, ist Evan Evans. Er ist 1765 in -New-Wales in England geboren und kam im März 1802 auf erhaltene Veranlassung -aus Manchester nach Sachsen. Nachdem er sich in Harthau als Spinnmeister -bewährt hatte, ging er nach Dittersdorf, um sich mit Maschinenbauen zu -beschäftigen. Mit dem Jahre 1809 siedelte er nach Geyer über und legte drei -Jahre später den Grund zu seiner eigenen großen Fabrik im benachbarten Siebenhöfen. -Evans zeichnete sich als Erfinder auf dem Gebiete des Maschinenspinnens -aus und wurde auch als solcher wiederholt von der sächsischen Regierung ausgezeichnet. -Er fertigte die Maschinen für eine Menge neu entstehender Fabriken -in Erfenschlag, Wolkenburg, Wegefahrt, Mühlau, Lugau, Plaue, Schlettau etc., -auch für viele kleinere Werkstätten im Erzgebirge und im Vogtland, sowie in und -um Chemnitz. Evan Evans ist am 9. Dezember 1844 in einem Alter von -79 Jahren gestorben und liegt auf dem Friedhofe bei der Hauptkirche in Geyer -begraben. Die Saat aber, die der von groß und klein hochgeachtete Bürger -von Geyer gesät hat, grünt und blüht heute noch fort, denn am Geyersbach, der -der Zschopau zufließt, hat er seine erste Spinnerei gegründet und längs des -Zschopauflusses haben sich die größten Spinnereien des Sachsenlandes angesiedelt.</p> - -<p class="right"> -Hermann Lungwitz. -</p> - -<h2 id="g7">7. Die Binge auf dem Geyersberge bei Geyer.</h2> - -<p>Einst hätten, so erzählt die Sage, Geier dem Hühnerhof des Rittergutes -Tannenberg argen Schaden zugefügt. Da bestieg der geschädigte Edelmann sein -Jagdroß, um den Raubvögeln nachzuspüren. Das Gestrüpp auf der bewaldeten -Höhe hinderte ihn am weiteren Vordringen, er band daher sein Pferd an einen -Baum, schritt zu Fuß weiter und fand den Horst der Rittelgeier auf, er zerstörte -denselben, ebenso gelang es ihm, die alten Vögel zu erlegen. Als er zu seinem -Roß zurückkam, hatte es mit seinen Hufen Zwitter und Zinngraupen entblößt. -Der Edelmann steckte das Erz zu sich, zeigte es Kundigen und auf deren Anraten -schlug man auf derselben Stelle ein. So wurde der Geyersberg fündig. Es -geschah dies nach Tschrans Vermutung zu Anfange des 14. Jahrhunderts. Die -Ansiedelung aber, welche sich wegen der schon früher aufgefundenen reichen Silber- -und Kupfererze in dem Thale gebildet hatte, bekam nach den Raubvögeln den -Namen Geyer, und noch heute führt diese Stadt drei Geierköpfe im Wappen.</p> - -<p>Die Ausbeute des Geyersberges scheint eine sehr reiche gewesen zu sein, sind -doch aus den Gruben nach einer vom Bergamt zu Freiberg gemachten Zusammenstellung -von der Auffindung bis zum Jahre 1845 (die Ausbeute nach diesem -Jahre ist ohne Belang) im ganzen rund 72 600 Zentner Zinn gefördert worden,<span class="pagenum"><a id="Seite_x">[x]</a></span> -die einen Wert von 7 bis 8 Millionen Mark darstellen. Das Werk im -Geyersberg wurde Zwitterstockwerk genannt. Unter Zwitter verstand der Bergmann -den Zinnstein, ein dem Gneise verwandtes oder mit ihm durch Übergänge -verknüpftes Gestein, hauptsächlich aus eisenschüssigen Quarzen, mit Chlorit, Arsenkies -und Zinnstein gemengt. Der Zinnstein in Gängen wurde zuweilen, wie Charpentier -berichtet, so reich befunden, daß drei Zentner Zinnerz zwei Zentner Zinn beim -Schmelzen gaben. Mit dem Bergbau im Geyersberg ist die Geschichte der Stadt -auf das Innigste verknüpft, kein Wunder, daß auch die Sage die Erwerbsquelle -umrankt wie der Epheu das verfallene Bergschloß. Es berichtet eine alte Handschrift, -auf dem Geyersberge hätte sich ein Paar Raben aufgehalten, welche durch ihren hohen -oder niederen Flug Anzeichen von einer bevorstehenden Veränderung gaben, bestünde -dieselbe entweder in der kommenden teuren Zeit oder auch in einem Unfalle, welcher -dem Bergmann im Schoße der Erde zustieße. Das Rabenpaar habe nie ein anderes -neben sich geduldet, selbst die eigenen Jungen habe es, sobald der Hafer begann, -gegen den Schuß hin gelb zu werden, mit Schnabelhieben davongetrieben. Ob -sie auch im Herbst 1704 ein Anzeichen gaben, darüber schweigt die erwähnte -Handschrift, wohl aber geschah es, »daß eine große Wand oder Tagklippe niederging, -durch welchen Bergfall viel Holz verstürzet und die Häuser im Geyer erschüttert -worden, wie von einem Erdbeben«. Es mag eine furchtbare Erschütterung -gewesen sein, als die möglicherweise mit nicht allzu großer Vorsicht angelegten -Höhlen in sich zusammenbrachen, wodurch der große Tagebruch, die Binge, entstand. -Schon nach der ersten Senkung muß die entstandene Vertiefung eine -mächtige gewesen sein; denn als im Herbste 1773 der Kurfürst und spätere König -Friedrich August sein durch die große Hungersnot heimgesuchtes Gebirge besuchte -und auch am 7. September nach Geyer kam, zeigte man demselben den Geyersberg -»und bezeugte Ihro Churfürstliche Durchlaucht nicht undeutlich Höchstdero -Wohlgefallen an dessen grauen Altertume und Seltenheit«. Leider hatte es mit -dem einen Zusammenbruch nicht sein Bewenden, denn der Hauptbruch erfolgte -am 11. Mai 1803. Während die Grubenarbeiter bei dem Bruch von 1704 -durch vorherige Anzeichen in den Gruben gewarnt und daher geflohen waren, -wurden 1803 die beiden Bergleute Christian Gottlieb Schramm und Johann -Gotthilf Zimmermann, welche nach der Senkung das Werk untersuchen wollten, -ob weiterer Broterwerb möglich sei, verschüttet. Ihre Leichen ruhen noch jetzt -im Schoße der Binge. In dem am Neujahrstage 1804 ausgetragenen Zettel -klagt der Kirchner Hofmann:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Zum neuen Jahr sei neues Glück,<br /></span> -<span class="i0">Mein Geyer, dir beschieden;<br /></span> -<span class="i0">Vergiß das alte Mißgeschick –<br /></span> -<span class="i0">Nur Stückwerk ist's hienieden!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Der Geyersberg erzeugte zwar<br /></span> -<span class="i0">Uns bittre Thränen-Tage,<br /></span> -<span class="i0">Und Teurung blieb im alten Jahr<br /></span> -<span class="i0">Der Armen stete Klage.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Ja Kirche, Schule, Rat und Euch,<br /></span> -<span class="i0">Geliebte Bürger, schütze<br /></span> -<span class="i0">Der gute Gott, er segne Euch<br /></span> -<span class="i0">Und sei der Knappschaft Stütze.<br /></span> -</div></div> - -<p>Obwohl der Betrieb des Bergbaues im Stockwerk vorläufig infolge weiterer -Brüche eingestellt werden mußte, nahm man ihn später, wenn auch in geringerem -Maße, wieder auf, bis mit dem Jahre 1855 das letzte Zinnschmelzen stattfand. -Die Förderkosten belaufen sich zu hoch im Vergleich zum Preis des Zinnes, die -reichen Gruben des Auslandes gaben zu große Ausbeute.</p> - -<p>Etwas Unheimliches über den Geyersberg berichtet M. Metzler in seinen -Totennachrichten von 1692. Da heißt es: Den 24. Novembris starb Gregor<span class="pagenum"><a id="Seite_xi">[xi]</a></span> -Schneider, ein Kärner, welchem ein Spectrum am Geyersberge unter die Augen -gespeiet, daß ihm das ganze Angesicht verbrannt und das eine Auge durch die -Nasen ausgeschworen ist.</p> - -<p>Heutzutage fürchtet man kein Gespenst mehr am Geyersberge; die Binge ist -vielmehr ein von nah und fern gern besuchter Ausflugspunkt in unserem Erzgebirge. -Nachdem der Wanderer sich an der köstlichen Fernsicht geweidet hat, -schaut er in die grausige Tiefe; das Werk, welches fleißige Hände im Laufe von -Jahrhunderten schufen, ist zusammengestürzt. Da sieht man noch Spuren von -früheren Förder- und Abbaugängen, von Strecken etc. Die große Binge ist 70 <em class="antiqua">m</em> -tief, gegen 200 <em class="antiqua">m</em> lang und 160 <em class="antiqua">m</em> breit. Aus der Ferne gesehen, gleicht sie -einem gewaltigen Krater, das dunkle Gestein ähnelt den Lavablöcken.</p> - -<h2 id="g8">8. Das Steinkreuz auf dem Ziegelsberg in Geyer.</h2> - -<p>An Weichbildsgemarkungen, an Kreuzwegen, an Stadtthoren, vor Kirchthüren, -auf Gemeindeplätzen, an Ackerrainen, auf früheren Richtstätten etc. findet man im -Sachsenlande hier und da Steinkreuze errichtet, deren Zweck im allgemeinen war, -die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen und die Erinnerung der Nachkommen festzuhalten. -Kreuze stellte man in alten Zeiten auf Märkten, wo sonst Gericht gehalten -wurde, auf zum Zeichen, daß ein jeder hier vor Unrecht und Gewalt gesichert -sei und in Frieden wandeln könne, und zur Versicherung des königlichen -Willens hing man in den Städten, welchen Weich- oder Stadtfriede gegeben war, -des Königs Handschuh daran. Doch nicht allein auf der Stelle, wo der Markt -oder Gerichtsplatz war, errichtete man derartige Kreuze, man setzte sie auch, soweit -der Gerichtsbezirk des Ortes sich erstreckte; daraus entstanden die unter dem Namen -Weichbilder bekannten Grenzsteine. Findet man jedoch an solchen Orten Kreuze, -die auf nichts, was zum Amte der weltlichen Obrigkeit gehört, Beziehungen haben, -jedoch außerhalb der gewöhnlichen Begräbnisstätten stehen, so sind sie zum Andenken -oder zur Förderung der Seelenruhe gemordeter Personen von schuldigen, -obgleich nicht vorsätzlichen Totschlägern, die ihre That dadurch mit verbüßen -mußten, errichtet worden. Wenn ein Totschlag aus Zorn, Trunkenheit oder -auf andere unvorsätzliche Weise erfolgt war, so schloß in alter Zeit der Mörder -einen gerichtlichen Vergleich mit der Familie des Ermordeten ab, worin er derselben -eine Summe Geldes zu entrichten gelobte, wogegen er das Versprechen -erhielt, daß er wegen seiner That keine Verfolgung oder Rache zu fürchten haben -solle. Oft mußte sich außerdem der Mörder noch zu einer kirchlichen Bußübung -oder zur Errichtung eines Kreuzsteines verpflichten.</p> - -<p>Nach Blühers Aufzeichnungen ist in Geyer ein solcher Fall vorgekommen. -Im Jahre 1530 ward nämlich am Montag nach Michaelis von Balzer Bach in -Gemeinschaft von seinen Geschwistern und nächsten Verwandten Bestimmung über -50 Gulden sogenanntes Blutgeld getroffen, welches sie zur Sühne ihres vor 15 -Jahren ermordeten Bruders erhalten hatten. Ob von diesem Gelde auch ein -Sühnekreuz errichtet oder ob es vollständig dem »Gestifte unserer lieben Frau« -zugewendet wurde, läßt sich aus der beregten Quelle nicht ersehen. Ein Steinkreuz -stand früher an der alten Zolltafel, wie sich wohl die ältesten Bewohner -der Stadt Geyer erinnern können. Die Zolltafel war an der Ehrenfriedersdorfer -Straße aufgestellt, da, wo jetzt rechts der Weg nach der Binge abbiegt.</p> - -<p>Ein Sühnekreuz mag aber das im Sommer 1890 zufällig aufgefundene -Steinkreuz auf der Verlängerung des Ziegelsberges sein. Wie kommt aber das<span class="pagenum"><a id="Seite_xii">[xii]</a></span> -Richtschwert hinzu, dessen Umrisse ganz deutlich auf der einen Seite des granitnen -Kreuzes zu sehen sind? Auf der bekannten Dillichschen Federzeichnung der Stadt -Geyer findet sich der Galgen zwar an dem Fußsteige, wo das Kreuz aufgefunden -wurde, doch etwas weiter hinauf nach dem Schlegelswald zu. Da jedoch von -einer Bebauung mit Häusern auf dem Ziegelsberg auf erwähnter Zeichnung noch -keine Andeutung vorhanden ist, da ferner das Steinkreuz in einer vom Silberbergbau -herrührenden Halde aufgefunden wurde, so schließt dies durchaus nicht -aus, daß an der Fundstelle in Geyers frühester Zeit der Richtplatz zu suchen sei, -und daß derselbe nur erst infolge des Bergbaues und der Bebauung des Ziegelsberges -weiter dem Walde zu angelegt worden ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach stand -vielmehr das Kreuz auf der alten Richtstätte; das darauf gemeißelte Richtschwert -deutete an, daß der Mörder eigentlich an dieser Stelle sein Grab habe finden -müssen; denn bekanntlich wurden in früheren Zeiten die Gerichteten an Ort und -Stelle verscharrt.</p> - -<p>Der hiesige Verschönerungsverein hat unter der Leitung des Herrn Kaufmann -Max Päßler das alte Steinkreuz wieder aufrichten und im Grunde -befestigen lassen. Es ist dies wohl das einzige in unserer Amtshauptmannschaft, -wenigstens führt <em class="antiqua">Dr.</em> R. Steche in seiner »Beschreibenden Darstellung -der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen«, viertes Heft, -keins auf, während in anderen Amtshauptmannschaften verschiedene erwähnt werden -und 1885 bei Ausgabe des Heftes noch das Geyersche nicht bloßgelegt war. -Der Verschönerungsverein fühlt sich übrigens den beiden Herren Gustav Morgenstern -und Karl Einenkel zum Dank verpflichtet, da ersterer das Kreuz, welches -auf seinem Grund und Boden gefunden wurde, bereitwilligst dem Verein übergab -und letzterer die Aufstellung auf seinem Eigentume gestattete.</p> - -<p>Ein ähnliches Kreuz liegt umgestürzt und vergessen am Fußwege, welcher -von der Ehrenfriedersdorfer Hauptstraße links von der Großschen Wirtschaft im -Grunde des Greifenbaches abzweigt, einige hundert Schritte oberhalb des Röhrgrabens. -Der rührige Verschönerungsverein unserer Nachbarstadt wird hoffentlich -dieses Denkmal aus vergangenen Tagen vor Überackerung und Einsinken schützen.</p> - -<p class="right"> -Hermann Lungwitz. -</p> - -<h2 id="g9">9. Sage.<br /> -Die Geyerschen Stadtpfeifer werden vom Greifenstein beschenkt.</h2> - -<p>Einst hatten die Geyerschen Stadtpfeifer den Tanzenden im Thumer Ratssaale -bis tief in die Nacht hinein aufgespielt und traten, nachdem der Reigen geendet, -den Heimweg über den Greifenstein an. Als sie in die Nähe der alten -Felsen kamen, schien es ihnen, als ob dieselben in einem besonderen Lichte erglänzten. -Ein Spielmann machte den Vorschlag, zu Ehren des Greifensteins eine -muntere Weise zu blasen. Wie gesagt, so gethan. Beim Abstieg nach Geyer -sahen die Stadtpfeifer im Scheine des Mondes große Zinnstufen am Wege liegen, -sie meinten, der letzte heftige Gewitterregen habe sie ausgewaschen. Ohne Säumen -hoben sie die Stufen auf und steckten sie in ihren Rucksack. Als die Frauen und -Kinder am andern Morgen die Rucksäcke nach einem Wurstzipfel oder sonst einer -Gabe durchsuchten, wurden sie die Stufen gewahr und brachten sie zum Schmelzmeister. -Der erkannte sie als reines Silber und lohnte die Frauen reichlich. -Nutzen hingegen habe die reiche Spende des Greifensteins den Stadtpfeifern nicht -gebracht, es sei alles wieder durch die Musikantenkehle geflossen.</p> - -<p class="right"> -Hermann Lungwitz. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_xiii">[xiii]</a></span></p> - -<h2 id="g10">10. Kurzer Abriß der Geschichte des Rittergutes Geyersberg.</h2> - -<p>Bereits mit dem Jahre 1510 erscheint im Erbbuch der Stadt Geyer das -Besitztum Kaspar Thieles als ein ansehnliches Gut aufgeführt. Nachdem das -Gut im Jahre 1535 in den Besitz <em class="gesperrt">Christoph Schnees</em> übergegangen war, ließ -es derselbe mit Genehmigung des Herzogs Heinrich zu einem Ritterlehen oder -sogenannten Freihof erheben, um es dadurch der Stadtobrigkeit zu entziehen. Überhaupt -scheint Schnee infolge seines hochfahrenden und willkürlichen Wesens zu -dem Stadtrat von Geyer in sehr gespanntem Verhältnis gestanden zu haben, was -aus den vielen Streitigkeiten hervorgeht. Nach dem im Jahre 1556 erfolgten -Tode Schnees gestalteten sich die Verhältnisse des Freihofs »aufm Geyer« insofern -ungünstig, als der nunmehrige Besitzer desselben, <em class="gesperrt">Heinrich von Etzdorf</em>, als -Amtmann von Koburg genötigt war, einen Verwalter, Lorenz von Wolnitz, auf -dem Gute einzusetzen, der so wenig Aufsicht führte, daß der Rat in einem Schreiben -vom Jahre 1564 über die durch unvorsichtige Gebaren der Gutsinsassen verursachte -Feuersgefahr sich beschwerte und zugleich das Gemeindekapital von 247 fl. -kündigte. Darauf sahen sich Schnees Erben nach einem Käufer um, den sie im -Jahre 1565 in dem kurfürstlichen Landbaumeister Hieronymus Lotter fanden. -Unter Lotters Verwaltung erreichte nicht nur das Rittergut seine Blütezeit, sondern -es begann überhaupt in Geyer ein neues Leben, da Lotter den größten Teil des -Geyerschen Zinnbergbaues besaß, den er schwunghaft betrieb. Von ihm erhielt -das Gut den Namen »Geyersbergscher Hof« oder »Rittergut Geyersberg«, wie -er es auch durch kurfürstlichen Lehnbrief vom Jahre 1569 erlangte, daß dasselbe -auch auf die weibliche Linie forterben durfte. Doch trotz aller Erfolge sollte er -gegen Ende seines Lebend noch in eine recht traurige Lage geraten, da er bei -seinem Landesfürsten in Ungnade fiel und durch unglückliche Unternehmungen sein -ganzes Vermögen verlor. Nach vierjährigem Elende starb er 1580 und hinterließ -seinen 3 Söhnen ein zerrüttetes Erbe. Sie verkauften das Gut nach achtjährigem -Besitze an ihren Hauptgläubiger <em class="gesperrt">Philipp Bruck</em>, und dieser überließ es bereits -1590 für 1300 fl. an <em class="gesperrt">Paul Tanner</em> und dessen Schwägerin <em class="gesperrt">Anna Buchner</em>, -die bereits vorher den Zinnhandel und Bergbau um Geyer in ihre Hände gebracht -hatten. Da aber seit dem Jahre 1599, in welchem der letzte Sohn Lotters -gestorben war, die Enkel des alten Lotter wieder Erbansprüche auf das großväterliche -Gut erhoben, so kam es zu einem recht langwierigen Streit zwischen -ihnen und den Tannerschen und Buchnerschen Erben, woraus der häufige Wechsel -der Besitzer des Geyersberges erklärlich wird. Es folgten nämlich auf die Anna -Buchner im Jahre 1615 zunächst deren Erben bis 1617, dann Paul Tanner -auf Neunhof, von welchem es im Jahre 1619 der Hauptmann und Bergrat -<em class="gesperrt">Samson von Hohenwald</em> in Preßnitz kaufte. Letzterer suchte besonders durch -Bierbrauerei und Holzverkauf Nutzen aus dem Rittergute zu ziehen, obwohl er -die Kaufsumme für das Gut nie erlegte, sondern nur ein Angeld von 600 fl. -an Tanner entrichtet hatte. Inzwischen wußten die Enkel des alten Lotter durch -kurfürstlichen Bescheid den Kauf des genannten Hohenwald rückgängig zu machen -und verglichen sich bald darauf mit den Tannerschen und Buchnerschen Erben, -sodaß das Rittergut samt Zinnbergwerk im Jahre 1627 in den Besitz <em class="gesperrt">Ludwig -Lotters</em> gegen Zahlung von 5000 fl. überging. Alle Bemühungen des neuen -Besitzers um Hebung des arg vernachlässigten Gutes waren erfolglos in der -Schreckenszeit des 30jährigen Krieges; denn zweimal wurde der Geyersberg geplündert, -sodaß er 3 Jahre lang im wüsten Zustande blieb. Lotter selbst wurde -öfter von den Feinden mißhandelt und gepeinigt. Als er kurz nach dem Friedensschlusse<span class="pagenum"><a id="Seite_xiv">[xiv]</a></span> -aus dem Leben schied, hatte der Besitz des Gutes so wenig Verlockendes -für seine Erben, daß das Gut bereits 1652 an einen böhmischen Exulanten, -<em class="gesperrt">Edeslaw von Stampach</em>, verkauft wurde, der bereits das benachbarte Rittergut -Tannenberg besaß. Er erlebte ruhigere Zeiten bis zu seinem Tode im Jahre -1666. Seine beiden Töchter verkaufen schon 1669 das väterliche Erbe an den -Obersten <em class="gesperrt">Heinrich von Bünau</em> für 1000 Mfl., welchem aber nur eine zehnmonatliche -Verwaltung desselben beschieden war. Auch seine Erben, 2 Töchter, -dachten bald wieder an Veräußerung des Gutes und verkauften es 1678 für -1200 Mfl. an den böhmischen Exulanten und damaligen Besitzer des Rittergutes -Tannenberg, <em class="gesperrt">Felix Friedrich Hruschka</em> von Briexen. Auch dieser konnte in -26jähriger Bewirtschaftung das Gut nicht heben, sondern hinterließ es bei seinem -Tode 1704 in ganz verfallenem und trostlosem Zustande, sodaß seine 4 Töchter -das Kaufgebot des Georg Erasmus <em class="gesperrt">von Hartitzsch</em> in Lichtenberg bei Freiberg -gern annahmen. Da aber das Gut mit großen Schulden belastet und in schwere -Händel mit dem Stadtrat verflochten war, wurde von den Gläubigern und vom -Rate Einspruch gegen den Kauf erhoben. So geschah es, daß Erasmus von -Hartitzsch 1709 starb, ohne überhaupt in den Besitz des Geyersbergs gelangt zu -sein. Erst der nächste Kauf des Oberstleutnants <em class="gesperrt">von Haß</em> wurde rechtskräftig. -Haß, »ein Ordnung und Frieden liebender Mann«, vermochte den Stadtrat zur -Ausfertigung einer Urkunde über Gerechtsame und Grenzen des Rittergutes, in -welcher als Zubehör desselben genannt werden: ein Brauhaus, ein Malzhaus, die -2 Türme der Kirchhofmauer und ein überbautes Erbbegräbnis mit Kirchenchor. -Trotz eines Testamentes entstanden nach dem Tode des alten Haß 1736 Streitigkeiten -unter den Erbberechtigten, wobei sich gelegentlich der Erörterungen über die -eigentümlichen Verhältnisse des Gutes ergab, daß es seit 1602 auf Bitten der -<em class="gesperrt">Anna Buchner</em> in ein Erbgut – doch mit Vorbehalt der Lehensfolge – verwandelt, -demnach unter dem Namen eines Erblehngutes fortgeführt worden sei. -Das Gut ward nunmehr 1744 einem Erben des letzten Besitzers, dem Hauptmann -<em class="gesperrt">von Reitzenstein</em>, verlehnt. Unter seiner Verwaltung steigerte sich der -Wert desselben dergestalt, daß er es im Jahre 1754 für 3700 Thaler an <em class="gesperrt">Julius -Heinrich von Schütz</em> auf Thum, Hauptmann der Ämter Stollberg, Wolkenstein, -Lauterstein und Frauenstein, verkaufen konnte. Bald aber begannen die Leiden -und Drangsale des 7jährigen Krieges, während dessen Stadt und Rittergut Geyer -durch Einquartierung und Kontributionen stark litten. Amtshauptmann von Schütz -starb in der Zeit, da der Notstand seine höchste Stufe erreicht hatte, Anfang des -Jahres 1763. Seine Witwe verkaufte das Gut für 3400 Thaler an den Oberstleutnant -<em class="gesperrt">Friedrich Theodor von Peterkowsky</em>. Der neue Besitzer hatte noch -unter den schweren Folgen des Krieges zu leiden, welche durch die Teurung und -Hungersnot der Jahre 1771 und 1772 noch verschlimmert wurden. Als er -1781 starb, hinterließ er seinen Erben das Gut mit einer schweren Schuldenlast. -Mit Mühe behaupteten sich die Erben 6 Jahre im Besitz, worauf Konkurs ausbrach. -Bei der hierauf folgenden öffentlichen Versteigerung wurde es dem Posamentiermeister -und Handelsmann <em class="gesperrt">Johann Georg Thierfelder</em> aus Thum für -3520 Thaler zugesprochen. Er hätte es am liebsten bald wieder veräußert, wenn -sich ein Käufer gefunden hätte. So aber bewirtschaftete er es bis zu seinem im -Jahre 1813 erfolgten Tode. Erbin war seine einzige Tochter <em class="gesperrt">Frau Schulz</em>, -welche wieder schwerere Zeiten erlebte, infolge deren sie Teile ihres Grundstückes -an den Tannenberger Rittergutsbesitzer, Kaufmann <em class="gesperrt">Hänel</em> in Annaberg, verkaufte. -Unter ihrem Sohne und Nachfolger <em class="gesperrt">Friedrich August Schulz</em> gingen die mit -dem Lehngute von jeher verbundenen Ober- und Niedergerichte auf den Staat<span class="pagenum"><a id="Seite_xv">[xv]</a></span> -über; ebenso machte sich das neue Grundsteuersystem bei dem Geyerschen Rittergute -geltend. Schulz verkaufte das Gut 1859 an <em class="gesperrt">Karl Heinrich Zimmermann</em> -für 6420 Thaler. Derselbe nahm mit größter Energie die Verbesserung -des Gutes in Angriff, ließ die Gebäude neu herstellen und errichtete eine Brauerei. -Nachdem Herr Zimmermann das Gut eine lange Reihe von Jahren vorzüglich -bewirtschaftet hatte, wurde es im Jahre 1891 an Herrn Hugo Diendorf zu einem -Preis von 77 000 Mark verkauft. Herr Zimmermann ist am 6. Dezember 1891 -gestorben. Herr Diendorf veräußerte die Grundstücke, und die Gebäude gingen -am 8. September 1894 an Herrn Karl Wilhelm Moritz Schürer über. Der -genannte Herr verwendete die Nebengebäude zur Errichtung einer Holzwarenfabrik, -bekannt unter der Firma: Erste Sächsische Waschbretterfabrik C. M. Schürer. -Die Brauerei hatte bereits vorher Herr Franz Naumann erworben. Noch schaut -das im wesentlichen unverändert gebliebene Wohnhaus des Hieronymus Lotter -auf die alte Bergstadt Geyer herab.</p> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/deco1.png" alt="" /> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_1">[1]</a></span></p> - -<h2 id="o1">Erster Abschnitt.<br /> -Die Landschaft des Obererzgebirges.</h2> -</div> - -<h3 id="sec01">1. Unera Hamet.</h3> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Wenn anr ins Gebörg rauf kimmt<br /></span> -<span class="i0">Dort aus n Niedrland,<br /></span> -<span class="i0">Do möcht r alles ah su sah,<br /></span> -<span class="i0">Wie sinst in Bichrn stahnd.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Do sölln da altn Hammerschmied<br /></span> -<span class="i0">In gedn Nast rim stih<br /></span> -<span class="i0">Un Klipplmad mit Klipplsöck<br /></span> -<span class="i0">När eitl hutzn gih.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">A Wammes un da Pudelmitz<br /></span> -<span class="i0">Un ah da Ladrhus,<br /></span> -<span class="i0">Dos sölln da ganzn Leit noch trong,<br /></span> -<span class="i0">Geleich, öb kla, öb gruß.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Do söll, wenn ah schuh Summer is,<br /></span> -<span class="i0">Dr Schnee zemstrim noch lieng,<br /></span> -<span class="i0">Da Kuhlnbrenner patznweis<br /></span> -<span class="i0">In dickn Wald rim krieng.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Na, na, ihr Leit, su is fei net,<br /></span> -<span class="i0">Es is viel anrsch wurn,<br /></span> -<span class="i0">Es wärd in darer itzing Zeit<br /></span> -<span class="i0">Ka setts als Zeig geburn.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Gebliem sei när da altn Barg,<br /></span> -<span class="i0">Es Wassr un dr Wind,<br /></span> -<span class="i0">Da Menschn sei was Anrsch wurn,<br /></span> -<span class="i0">Dos waß gedwedig Kind.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Gebliem is ah da alta Sproch<br /></span> -<span class="i0">Noch bun a feins paar Leit,<br /></span> -<span class="i0">Sa schnadln odr egal dra<br /></span> -<span class="i0">In darer itzing Zeit.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Gebliem is ah dr viela Rehng<br /></span> -<span class="i0">Un is halt egal reg,<br /></span> -<span class="i0">Is gu wos lus in Annebarg,<br /></span> -<span class="i0">Do hot's ah Niederschlög.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Gebliem is odr ah noch wos<br /></span> -<span class="i0">In unrn wing Geblit,<br /></span> -<span class="i0">Un söll ah bleim wie unra Barg:<br /></span> -<span class="i0">A orndlich guts Gemit!<br /></span> -</div></div> - -<p class="right"> -Röder-Johanngeorgenstadt. -</p> - -<h3 id="sec02">2. Das Lied vom Erzgebirge.</h3> - -<p class="center smaller">Weise: Gott sei mit dir, mein Sachsenland.</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Macht uns die Sorge still und matt<br /></span> -<span class="i0">Auf harter Lebensbahn,<br /></span> -<span class="i0">Sind wir des Kohlendunstes satt,<br /></span> -<span class="i0">Dann zieh'n wir flugs bergan:<br /></span> -<span class="i0">Hinauf, wo reine Lüfte weh'n,<br /></span> -<span class="i0">Im blauen Duft die fernen Gipfel steh'n,<br /></span> -<span class="i0">Hinauf, hinauf ins Bergrevier!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">O Greifenstein, o Morgenleit',<br /></span> -<span class="i0">Ihr locket mit Gewalt!<br /></span> -<span class="i0">O Auersberg im grünen Kleid,<br /></span> -<span class="i0">Du hoher Spiegelwald,<br /></span> -<span class="i0">Des Sonnenwirbels mächt'ger Thron:<br /></span> -<span class="i0">Ihr gebt dem Steiger schönsten Lohn;<br /></span> -<span class="i0">Seid uns gegrüßt vieltausendmal!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Aus dunklen Forsten, treu gepflegt,<br /></span> -<span class="i0">Rinnt froh der reine Quell,<br /></span> -<span class="i0">Der Kuckuck ruft, der Finke schlägt,<br /></span> -<span class="i0">Die Amsel jubelt hell.<br /></span> -<span class="i0">Wie beut dem Aug' ein lieblich Bild<br /></span> -<span class="i0">Am steilen Hang das edle Wild.<br /></span> -<span class="i0">Wie schön bist du, o Erzgebirg'!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Mit Felsenboden mutig ringt,<br /></span> -<span class="i0">Nicht achtend Sturm und Eis,<br /></span> -<span class="i0">Bis er zur kargen Frucht ihn zwingt,<br /></span> -<span class="i0">Des Erzgebirgers Fleiß.<br /></span> -<span class="i0">Dein zahlreich Volk auf magerm Land,<br /></span> -<span class="i0">Wie rührt es froh und flink die Hand:<br /></span> -<span class="i0">Glückauf, Glückauf, du wackerer Stamm!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Orangen wachsen dir nicht wild,<br /></span> -<span class="i0">Auch Myrte schwer gedeiht,<br /></span> -<span class="i0">Dafür belebet dein Gefild<br /></span> -<span class="i0">Lust und Zufriedenheit.<br /></span> -<span class="i0">Und wird auch rar dein glänzend Erz:<br /></span> -<span class="i0">Du machst gesund ein jeglich Herz:<br /></span> -<span class="i0">Behüt dich Gott, du fröhlich Land!<br /></span> -</div></div> - -<p class="right"> -T. S. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_2">[2]</a></span></p> - -<h3 id="sec03">3. Die Bedeutung des Erzgebirges für das Vaterland.</h3> - -<p>Das Erzgebirge ist seinem Hauptteile nach ein Kammgebirge. Untergegangen -sind die Erinnerungen an die Wenden, bis auf einige Ortsnamen in ihrer Sprache. -Auch sind im Aberglauben noch schwache Spuren des kleinen, schwarzhaarigen, -fremdsprechenden Volkes, das im verschwiegenen Waldthale dem wenig freigebigen -Boden mühsam Nahrung abrang, sich in selbstgewebte grobe Leinen kleidete und -vielleicht mit dem behaarten Fell des bekämpften und erlegten Waldtieres gegen -das rauhfeuchte Klima des Miriquidiwaldes schützte.</p> - -<p>Germanen bewohnten das Gebirge erst vom 14. Jahrhundert an. Im -15. Jahrhundert werden Neustädtel, Schlema, Grünhain außer wendisch benannten -Orten schon erwähnt. Da nur wenige zum Kamme vordrangen, blieb das wilde -Waldgebirge eine Scheidewand zwischen den Wohnplätzen der Slaven in Böhmen -und derer in Sachsen. Die Scheidewand erleichterte die Erhaltung und Einführung -des Deutschtums und damit einer höheren Entwicklungsstufe.</p> - -<p>Diese schützende Rolle spielte das Gebirge auch im Hussitenkriege. Die -Gebirgsmauer hinderte die Unternehmungen der Hussiten sehr, indem sie von -einem eigentlichen Besitzergreifen des Landes abgehalten wurden.</p> - -<p>Als im 30jährigen Kriege Sachsen Kriegsschauplatz wurde, da hinderte das -Gebirge den österreichischen Kaiser, das für ihn als Wiege der Reformation -wichtige Land zu behaupten und unmittelbar Einfluß zu gewinnen.</p> - -<p>Wie in geschichtlicher, so ist auch in natürlicher Beziehung das Gebirge -wichtig für Sachsen. Noch heute finden wir stattliche Wälder. Der Wald aber -ist der Vermittler zwischen Luft und Erde. Den rasenden Lauf der Stürme -weiß der Wald zu besänftigen, die gefahrdrohende Gewitterelektrizität leitet er -ab, das Wasser lenkt er in die Tiefe, aus der es in dem Seitenthale als Quelle -hervorbricht, die Fluren des Landmanns tränkt er, dem Müller treibt er die Mühle -und günstige Gelegenheit zur Ansiedlung bietet er allen denen, die der Wasserkraft -bedürfen. Solche Ansiedlungen bergen die Thäler der Mulde, der Zschopau, -der Sehma, der Chemnitz. Im Sommer dient das Gebirge als die Sparbüchse, -die bei Wassermangel noch die Not lindern kann. Außer dem Wasser spendet -das Gebirge auch dem Lande Holz, das als Brenn- und Bauholz verwertet -wird. Zu erwähnen sind besonders die auf den Holzreichtum sich stützenden -bodenständigen Gewerbe, so früher die Glasfabrikation, jetzt die Holzschleiferei -und Spielwarenfabrikation. Auch die Eisenindustrie, die früher im Gebirge -blühte, war auf den Holzreichtum zurückzuführen. Das Erlöschen derselben folgte -auf die Verteuerung des Holzes. Wichtig sind auch die Torflager.</p> - -<p>Aber auch im Innern birgt das Erzgebirge Schätze fürs Land. Im -steinernen Gebirgskörper schlummerten Silberadern. Die Reichtümer verhalfen -den Landesfürsten zur Hebung der Macht und des Einflusses unseres Landes. -Es entstanden neue Bergorte, die vielfach für die Entwicklung des Landes auch -in geistiger Beziehung wichtig geworden sind: wie Freiberg, Annaberg und -andere Städte.</p> - -<p>Mit dem Erzbergbau in Verbindung stehen die Blaufarbenwerke, die von -bedeutendem Einfluß auf Handelsbeziehungen zum Auslande wurden. Ihren -eigentlichen Ursprung haben die großartigen chemischen Fabriken in den Glashütten -gehabt, die der Holzreichtum des Gebirges in Begleitung der Bergwerke entstehen -ließ. 1822 erfand in Schneeberg <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Geitner</em> die Bereitung des wichtigen -Argentans oder Neusilbers. Eine Grube bei <em class="gesperrt">Aue</em> lieferte <em class="gesperrt">Böttcher</em> den Stoff -zu seinen Versuchen, deren Ergebnis die Porzellanerzeugung in Sachsen wurde.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_3">[3]</a></span></p> - -<p>Da die Bergleute Freunde des Bergmannssohnes Luther waren, so steht -auch mit dem Bergbau in Verbindung die Einwanderung Vertriebener aus -katholischen Ländern. Die Einwanderer brachten Gewerbefleiß und neue Beschäftigungsarten -ins Gebirge. Selbst nach dem Erliegen des Bergbaues finden -wir noch die Bodenbeschaffenheit wesentlich. Die dichte Bevölkerungszahl im -Bergbaugebiete erleichterte das Entstehen der Hausindustrie, wie der Spitzenklöppelei -und der Posamentenfabrikation.</p> - -<p>Erst in neuerer Zeit sind die Kohlen, die am Fuße des Erzgebirges reichlich -vorhanden sind, von so weittragender Bedeutung geworden. Im Zeitalter der -Dampfkraft sind Kohle und Eisen Träger und Stützen der Industrie.</p> - -<p>Aus alledem geht hervor, daß unser heimisches Gebirge bedeutenden Einfluß -auf die Entwicklung unseres gesamten Vaterlandes geübt hat.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Jacobi. -</p> - -<h3 id="sec04">4. Das Obererzgebirge.</h3> - -<p>Das Erzgebirge zerfällt in das westliche, mittlere und östliche Erzgebirge. -Das mittlere liegt zwischen Schwarzwasser und Freiberger Mulde. Elster und -Gottleuba begrenzen das ganze Gebirge im Westen und Osten.</p> - -<p>In der Richtung von Süd nach Nord unterscheidet man das <em class="gesperrt">Obere</em> und -das <em class="gesperrt">Niedere Erzgebirge</em>; jenes reicht von dem zusammenhängenden Kamme, -der eine durchschnittliche Höhe von 800 m hat, etwa bis Falkenstein, Schneeberg, -Thum, Wolkenstein, Frauenstein und Schmiedeberg; dieses von den genannten -Orten bis in die Gegend von Zwickau, Lichtenstein, Chemnitz, Frankenberg, -Hainichen, Nossen, Tharandt. Im mittleren Teile des Erzgebirges kommt -der jähe Absturz nach Süden und die sanfte Abdachung nach Norden am meisten -zur Geltung.</p> - -<p>Das Gebirge besteht aus Urgebirgsarten: Thon- und Glimmerschiefer, -Gneis und Granit. Gneis herrscht im Osten vor und reicht bis weit ins -mittlere Erzgebirge nach Schlettau, Wolkenstein, Schellenberg. Der Gneis -ist die wahre Erzmutter. Um Eibenstock herrscht der Granit. Besonders bemerkenswert -sind die Basaltberge des Obererzgebirges: Pöhlberg, Bärenstein, -Scheibenberg.</p> - -<p>Aus Urgebirge bestehen: Keilberg (1238 m), Fichtelberg (1213 m), der -Spitzberg bei Gottesgab (1107 m), der Auersberg bei Wildenthal (1021 m), -der Kupferhügel bei Kupferberg (906 m), der Schneckenstein bei Gottesgab -(874 m), die Morgenleite bei Schwarzenberg (808 m), der Greifenstein bei -Geyer (731 m).</p> - -<p>Die Basaltberge sind: der Haßberg bei Preßnitz (991 m), der Bärenstein -bei Weipert (898 m), der Pöhlberg bei Annaberg (832 m), der Scheibenberg -bei gleichnamiger Stadt (805 m), letztere drei in Grabhügelform.</p> - -<p>Bei Eibenstock, Schwarzenberg und Crottendorf befinden sich große Staatsforsten. -Fichtenwald herrscht vor, doch finden sich bei Marienberg und Steinbach -auch zusammenhängende Buchenbestände.</p> - -<p>Die wichtigsten Flußthäler des Obererzgebirges sind: das Schwarzwasserthal, -das Zschopauthal, das Flöhathal, das Sehmathal. Das wildeste ist das -der schwarzen Pockau.</p> - -<p>Im Obererzgebirge sind folgende meteorologische Stationen zu merken: -Annaberg, Oberwiesenthal, Reitzenhain. Dem Obererzgebirge ist bisher die -Cholera fern geblieben. Bei Gottesgab und Oberwiesenthal erntet man nur -Hafer und Kartoffeln.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_4">[4]</a></span></p> - -<p>Bei der Urbarmachung des Gebirges verfuhr man nach dem Grundsatze: -»Wo der Pflug kann gehn, soll der Wald nicht stehn.« Am Kamme des -Gebirges beträgt die Bevölkerungsdichtigkeit 90–95 auf den Quadratkilometer, -am Abhange 145–155.</p> - -<p>Wie anderwärts, so hat sich auch im Obererzgebirge jede Industrie in bestimmten -Bezirken festgesetzt, demgemäß giebt es bestimmte Industriebezirke. -Holzschleifereien, Sägemühlen, Baumwoll-, Woll- und Flachsspinnereien, also -alles Fabriken, welche Wasserkraft brauchen, finden sich in den Thälern der -Sehma, der Pöhla, der Preßnitz, der Zschopau, der Flöha.</p> - -<p>Bei Eibenstock und Schwarzenberg finden sich <em class="gesperrt">Hohöfen</em> mit Gießereien, -Hammer- und Walzwerken verbunden. Zinnhütten bestehen im Marienberger -Gebiete, Blaufarbenwerke zu Oberschlema, Niederpfannenstiel und Zschorlau.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Posamentierbezirk</em> umfaßt die Ortschaften Annaberg, Buchholz, -Schlettau, Scheibenberg, Geyer, Ehrenfriedersdorf, Wolkenstein.</p> - -<p>Der Spitzenklöppelbezirk erstreckt sich von Marienberg über Drehbach und -Zwönitz bis Schneeberg und Eibenstock, und von da über Johanngeorgenstadt, -Wiesenthal und Kupferberg bis Reitzenhain und Pobershau.</p> - -<p>Eibenstock ist obererzgebirgischer Mittelpunkt des Näh- und Stickereibezirkes.</p> - -<p>Noch sind einzelne Orte mit besonderen Erzeugnissen zu erwähnen: Annaberg, -Buchholz, Scheibenberg fertigen Schnürleiber; Annaberg und Buchholz -Sargverzierungen; Buchholz besondere Kartonagen; Johanngeorgenstadt Handschuhe; -Karlsfeld Schwarzwälder Uhren. Annaberg liefert auch Leonische Waren, -das sind unechte Gold- und Silbertressen. Wiesenthal fertigt Stecknadeln; -Schönheide allerlei Bürsten, Pinsel und Kardätschen; Lauter, Beierfeld, Bernsbach, -Grünhain stellen Blechwaren, besonders Blechlöffel, her; Zöblitz hat seine -Serpentindrechselei; Bernsbach seine Feuerschwamm- und Bockau seine Medizinbereitung.</p> - -<h3 id="sec05">5. Ehemaliges Landschaftsbild des Obererzgebirges.</h3> - -<p>Das <em class="gesperrt">Obererzgebirge</em> war nach <em class="gesperrt">Lehmann</em> ehedem allenthalben mit dicken -Wäldern bedeckt, mit Felsen und Bergen angefüllt, nach denen ihre Namen -haben: Rauen-, Harten-, Wolken-, Lauter-, Bären-, Katzen-, Frauen-, Greifenstein, -Pöhl-, Schwarzen-, Scheiben-, Keil-, Schotten-, Zechenberg u. s. w. Ferner -waren unzählige Moräste, Sümpfe, Moosräume, Bruchwerke und Weiher in -Räumen und Wäldern um und unter Platten, Gottesgab, Johanngeorgenstadt, -um Scheibenberg, Grünhain, Elterlein, Schlettau, Geyer, Buchholz, Zöblitz, -Lengefeld, Kühnhaide, bis die Wälder abgetrieben, die Waldpässe gebrückt, die -Wildberge nach ihren Flügeln und Rundungen abgezogen, Floß- und andere -Teiche angelegt und durch Röschen und Stolln die Wasser abgezapft wurden. -An diese Beschaffenheit erinnern die Namen Moosraum, Rote Pfütze, Sauschwemme, -Thörichter See, Filzsumpf.</p> - -<p>Wilde Katzen, Marder, Wiesel, Fischottern, Iltisse, Bären, Hirsche, Wölfe, -Wildschweine und Raubvögel bevölkerten die Gegend. Daher kommen vor im -Crottendorfer Revier die Namen: Vogelleite, Hirsch- und Auerhahnpfalz, Sau- -und Bärenfang, Lachsbach, Tier- und Saugarten; im Grünhainer aber: Bärenacker, -Fuchs- und Wolfstein; im Lauterschen: Wolfslager, Dachslöcher, Hirschstein, -Habichtsbüchel, Bärenstallung, Wolfsgarten, Rabenberg.</p> - -<p>Nach den schauerlichen Wäldern und Gründen sind benannt: Teufelsgrund, -Drachenleite, Teufelsstein u. a.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_5">[5]</a></span></p> - -<p>Nach feindlichen Einfällen und Kämpfen sind genannt: Streitknochen, -Kriegwald, Hundsmarder, Haderwinkel.</p> - -<p><em class="gesperrt">Lehmann</em> berichtet von den erzgebirgischen Wäldern: »Da hörte man -nichts als der Raben Rappen, der Bären Brummen, der Wölfe Heulen, der -Hirsche Börlen, der Füchse Bellen, der Auerhähne Pfalzen, der Ottern Zischen, -der Frösche Quaken und Racken; das machte einen Reisenden so lustig, als -hätte er Fliegenschwämme und Krähen gefressen. Das waren damals die Lauten, -Zithern, Violen, Posaunen, Trompeten, Zinken, Flöten, Schalmeien, Schuarien, -Baßgeigen, Clavicimbeln, Trommeln, Heerpauken, Sackpfeifen, Orgeln, Glocken -und musikalische Waldinstrumente, welche unter dem Sausen der Winde, Grollen -der Donner, Gebrülle der Bestien, Geschnatter der Enten, Geächze der Hohlkrähe, -Uhuhen der Eulen, Schnarren der Schnarrer, Geschrei und Geschwirre der -Buchfinken, der Quäker, der Zippen, der Schneppen und anderen Gevögels eine -gräßliche Harmonie gegeben.«</p> - -<p>Johann <em class="gesperrt">Salianus</em> verwundert sich in einem dem Rate 1507 gewidmeten -Gedichte, daß die Stadt Annaberg innerhalb 10 Jahren in dieser Wildnis mit -Mauern, Wällen und Gräben, mit herrlichen Häusern, mit verständigen Ratsverwandten -und bürgerlichen Rechten versehen und von einer so volkreichen -Gemeinde bewohnt werde. Diese Stadt sei auf einem wilden, unfruchtbaren -Boden, in Bergen und unter rauhem Himmel angelegt, da vormals Herzog -Georg unter lauter rohem Wald viel hundert Stück Bären, Hirsche, Wölfe und -andere wilde Tiere gejagt und niemand vermeint, daß daselbst eine Stadt sollte -angelegt werden.</p> - -<p>Unsere Berge sind nach Lehmanns Benennung Warten, Wetterpropheten, -Zufluchtsorte, Jagdhausstellen, Grenzscheiden, Bollwerke, Wasserständer, Futterkästen, -Schatzkästen, Lustplätze, Denkpfeiler Gottes!</p> - -<h3 id="sec06">6. Erzgebirgische Jagden.</h3> - -<h4><em class="antiqua">a.</em> Eine Jagd im Erzgebirge im Jahre 1 nach Christo.</h4> - -<p>Über die <em class="gesperrt">Urzeit</em> unseres Gebirges mag uns folgendes <em class="gesperrt">Märchen</em> eines -Naturforschers ein Bild entrollen. Das heutige Erzgebirge, etwa in der Gegend -von Olbernhau, bildete ehemals einen großen Sumpf und See, in welchem die -Bewohner auf Pfählen ihre Wohnungen errichtet hatten. In ihren Pfahlbauten -übten die Männer das Töpfergewerbe aus, die Frauen fertigten Webstoffe an. -Tauschhandel trieb man mit wandernden Phöniziern, die von dem Erzgebirge -Zinn holten, dagegen Bernstein und Feuerstein aus dem Norden, sowie aus -Griechenland Bronze, gefertigt aus Zinn und dem von Cypern kommenden -Kupfer, brachten. Die Kleidung der Urbewohner war sonderbar genug; so bestanden -die Beinlinge oder Hosen aus Birkenrinde. Wichtig waren die Waffen; -sie bestanden aus Bogen von Taxus oder Eibenbaumholz und aus Pfeilen mit -Spitzen von Knochen, Feuerstein, Bronze oder Eisen. Gewaltige Wurfspieße -bildeten im Vereine mit diesen Waffen die Ausrüstung zur Jagd, bei welcher -große Brakenhunde die Begleiter waren, während kläffende Nachkommen der -Schakale zu Hause Wache hielten. Die Jagdbeute bestand in gewaltigen Tieren -des Waldes: Elentieren oder Elch, Urochsen oder Wiesen- und Auerochsen; auch -der grimme Schalch oder Riesenhirsch fand sich neben Bären und Wölfen in -den ausgedehnten Waldungen vor. Hatte der Ansiedler Beute gemacht, so grub -er die Rune, die er selbst auf seinem Körper hatte, in das erlegte Stück Wild -und kennzeichnete es als sein Eigentum; dann nahm der kühne Jäger Leber<span class="pagenum"><a id="Seite_6">[6]</a></span> -und Herz, sowie den Herzknochen, welcher sich zwischen den Herzkammern befindet, -mit nach Hause, wo er von seinen Angehörigen festlich empfangen wurde. -Auch die Nachbarn fanden sich ein und es entwickelte sich das Gelage nach der -Jagd, bei welchem mächtige Braten und eine Unmenge von Bier, Met oder -Birkenschnaps vertilgt und dem alten Laster der Germanen, dem Würfelspiele, -gefrönt wurde. Bei dieser Gelegenheit verspielte man oft Haus und Hof, Weib -und Kind, sowie die Tiere und andere Habseligkeiten. Aber nicht zu ernst war -der Verlust zu nehmen; denn am andern Morgen war alles wieder vergessen.</p> - -<p class="right"> -Nach Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Marshall. -</p> - -<h4><em class="antiqua">b.</em> Kurfürstliche Jagden im oberen Erzgebirge.</h4> - -<p>Unser <em class="gesperrt">oberes Erzgebirge</em> hat von jeher als <em class="gesperrt">ergiebiges Jagdgebiet</em> -gegolten. Freilich ist es seit den Jahren 1831 und namentlich seit 1849 anders -geworden, denn auch bei uns gehört es nun zu den Seltenheiten, einen Hirsch -im Freien beobachten zu können, dieses stattliche Tier, den Stolz der Wälder -und die Krone der Jagd. Die Kurfürsten von Sachsen waren seit den Tagen -des landwirtlichen August Freunde der Jagd. Namentlich war Kurfürst Johann -Georg I., welcher von 1611–1656 regierte, einer der gewaltigsten Jäger seiner -Zeit. In der Königlichen öffentlichen Bibliothek zu Dresden befindet sich ein -Verzeichnis in altsächsischer, schöner Schriftart, als ein stattlicher Band in -grünem Samt gebunden mit prächtig gravierten goldenen Beschlägen, Ecken und -Schließen versehen, es ist dies das Jagdbuch des Kurfürsten Johann Georg I. -Nach demselben hat der Kurfürst in der Zeit von 1611–1653 u. a. 15 228 -Hirsche, 29 196 Eber, 203 Bären, 1543 Wölfe, 200 Luchse, 11 811 Hasen und -18 957 Füchse erlegt. Der Kurfürst hatte sich in einem der Giebel des Residenzschlosses -zu Dresden ein besonderes Zimmer eingerichtet, welches das Paradies -genannt wurde. Die Wände waren mit Waldgegenden bemalt, dabei die Felsen -der Bastei, auf denen Gemsen zu sehen waren. In der Mitte waren zwei die -Decke stützende Säulen als Bäume mit ledernen Blättern geschmückt. Hier trieb -der Kurfürst anatomische Studien an dem erlegten Wild. Schon die Vorgänger -von Johann Georg hielten sich wegen der Jagd in unserem Gebirge auf, getreulich -hat es Christian Lehmann in seinem Historischen Schauplatz berichtet. -Herzog Heinrich fing in einer Stallung, also in einem umfriedigten Raum, in -<em class="gesperrt">Wolkenstein</em> am 14. September 1516 nicht weniger als 43 Stück Wild, was -zu jener Zeit als ein wahres Wunder angestaunt wurde. Das Wild kam zum -Kindtaufsschmaus, den der glückliche Waidmann seinem Töchterlein, der Prinzessin -Sibylle, in Freiberg ausrichtete. 1542 jagte Herzog Moritz im Gebirge -und fing in <em class="gesperrt">Grumbach</em> drei »schreckliche« Bären. Wegen der Nutzbarkeit an -Fleisch, Fett und Haut und wegen der mit seiner Erlegung verbundenen Gefahr -gehörte die Bärenjagd zur wichtigsten Jagdart. Übrigens berichtet ein Augenzeuge -weiter, daß Herzog Moritz außer den Bären in einer Stunde 7 Hirsche -geschossen habe, er sei grün gekleidet gewesen, habe einen englischen Hund bei -sich gehabt und seine Gemahlin habe mit 14 Frauenspersonen neben ihm gestanden. -Nach der Bärenhetze ließ er den Bauern ein Faß Bier und den -Bergleuten zwei Faß geben, weil sie das Beste gethan hatten. Die Lust an -der Jagd führte auch den Kurfürsten Vater August in unser Gebirge, er scheint -sich hauptsächlich in <em class="gesperrt">Crottendorf</em> aufgehalten zu haben, da der Chronist sagt: -»<em class="antiqua">Anno</em> 1567 kam er (Kurfürst August) zu Crottendorf an, lag daselbst in -Hackebeils Mühle, bejagte die Wälder, schoß auch eine Stallung ab zu Crottendorf -auf David Georgens Feld, ließ das Wild da auswirken.« Als Friedrich<span class="pagenum"><a id="Seite_7">[7]</a></span> -Wilhelm, Fürst zu Weimar, zehn Jahre lang Administrator in Kursachsen war, -ließ er alles Wild im Gebirge, jung und alt, wegschießen, sodaß viele Jahre -hindurch die Landleute zum Schutz ihrer Felder keiner Wildzäune mehr bedurften. -Das sah der alte Jägermeister von Rabenstein nicht gern, denn er -rief seinen Jägern zu: »Treibt fort, wenn gleich etliche Stücke auf die Seite -springen, denn die jungen Herren müssen auch etwas behalten.« Herzog Johann -Georg jagte im Jahre 1609 im Gebirge und hielt sich auf dem Fichtelberg -auf, da kam ein grausam Wetter, daß auch der Donner in eine Tanne schlug, -da zog der Herzog den Hut ab und sagte: »Gott ist ein Herr!« Den Tag -hernach gastierte ihn Junker Rüdiger auf Sachsenfeld, und da ihn Nikol Klinger, -Rüdigers Schwähervater, fußfällig empfing, sagte er mit Darreichung der Hand: -»Alter, stehet auf!« Im Jahre 1609 im August lag dieser Herzog nieder auf -dem Hirschpfalz in der Hauerwiesen hinter dem Fichtelberg, da mußte der -Pfarrer aus <em class="gesperrt">Wiesenthal</em> am 19. August eine Wald- und Jagdpredigt thun. -<em class="antiqua">Anno</em> 1613 lag der Kurfürst Johann Georg acht Tage lang in <em class="gesperrt">Crottendorf</em>, -fischte und jagte nur in den Vorbüschen und schoß bei der Richterin Bretmühle -ab, obgleich die Pest im Dorfe grassierte. Im Jahre 1625 kam der Kurfürst -Johann Georg mit seiner Gemahlin, den jungen Prinzen und Fräulein am -11. Mai in <em class="gesperrt">Annaberg</em> an und schoß den 7. Juni den Vogel ab. Der jungen -Herrschaft wurde auch eine Vogelstange zur Lust in Wiesenbad aufgerichtet, -woselbst sie den Vogel den 12. Juni abschossen. Der Kurfürst hielt auch ein -Abschießen bei <em class="gesperrt">Annaberg</em> im Hüttengrunde zwischen der Stadt und Frohnau, -darunter war ein so großer und starker Hirsch, daß er unter 2300 Tieren, die -in unterschiedlichen Stallungen auf dem Gebirge waren abgeschossen worden, das -allerschwerste gewesen ist.</p> - -<p>Im August desselben Jahres und, wie es scheint, noch auf derselben Jagdreise -begriffen, wurde dem Kurfürsten und seiner Gemahlin angesagt, daß der -Hammerherr Heinrich von Elterlein auf dem Löwenthal so schöne Fische in -seinem Teiche und sonderlich große Forellen hätte, die er lange gemästet habe. -Da ließ der Kurfürst mit seiner Familie sich anmelden, daß er dem Fischzug -beiwohnen und denselben sehen wolle. Um 10 Uhr früh kam der Kurfürst selbst -mit seinem Jägermeister und anderen Hofoffizieren und bestellte die Mahlzeit, -mittlerweile wurde der Teich gefischt; von dem Fischzug bekam der Kurfürst -3 Mandel der schönsten Forellen, darunter war eine, die 8 Pfund wog. Es -wurden die Fische in Gegenwart des Fürsten von Darmstadt, der um ein -Fräulein aus dem kurfürstlichen Hause freite, gesotten und zu <em class="gesperrt">Crottendorf</em> -auf die Tafel getragen, darüber sich alle verwundert haben. In des Hammerherren -Stube wurde auf zwei Tafeln gespeist unter grünen Birken, doch war -der Fehler begangen worden, ehe sie sich zu Tische setzten, hatte man zwar -Kannen und Gießbecken aufgesetzt, aber kein Wasser drein gethan. Da nun der -Jägermeister dem Kurfürsten Wasser aufgießen wollte, war keins drinnen, da -gab es ein gutes Gelächter. Der Kurfürst zeigte sich fröhlich, ritt spät von -dannen, dankte mit der Hand, auch der Wirtin, die in der Küche geschäftig war. -»Ei,« sagte er, »habt Ihr nicht eine räucherige Küche, doch die Küchen sind -nicht anders. Gute Nacht!« Den 23. August hielt der Kurfürst ein Abschießen -bei <em class="gesperrt">Neudorf</em>, und es war kurzweilig dabei, denn die <em class="gesperrt">Crottendorfer</em> hatten -einen Bauern auf die Wache gestellt, damit er aufmerke, wenn der Kurfürst -aufsäße und wieder nach Crottendorf wolle. Der Kurfürst allein und zu Fuß -traf den Bauern auf einem Hügel sitzend an; letzterer aß ein Stück Brot und -der Kurfürst setzte sich zu ihm. »Hast Du den Kurfürsten schon gesehen?«<span class="pagenum"><a id="Seite_8">[8]</a></span> -fragte er ihn. »Nein, ich soll aufsehen, wenn er wird auf sein.« »Wer, denkst -denn Du, wer ich bin?« Der Bauer sieht ihn an, ohne den Hut zu ziehen -und ohne eine Reverenz zu machen und spricht endlich: »Ich sehe wohl, daß -Ihr ein Herr seid, Ihr habt doch Stiefel an.« Während des weiteren Gespräches -kommen die Jäger hinzu und verwundern sich. Der Kurfürst aber -lacht und spricht: »Einen solchen tölpischen Fichtelberger habe ich im Gebirge -noch nicht gesehen«, und läßt ihm venedische Seife geben, d. i. ergänzt der -Chronist, die Haare ein wenig zausen. Von Crottendorf schickte der Kurfürst -zwei Waldhüter mit drei Wildtauben nach <em class="gesperrt">Annaberg</em> und verehrte dem Superintendenten, -dem Kapellenprediger und dem Hospitalpfarrer jedem eine. Als er -in <em class="gesperrt">Steinbach</em> 300 Stück Wild abgeschossen und auch ein Abschießen in -<em class="gesperrt">Mauersberg</em> gehalten hatte, kam er von Crottendorf nach <em class="gesperrt">Schlettau</em> und -fischte daselbst zwei Teiche. Hier ereignete sich's, daß der Bäcker Auersbach auf -dem Teichdamm einen Fußfall vor dem Kurfürsten that und um Verzeihung -seinen Herrn anflehete. Er hatte nämlich an seinem Krautzaun ein Stück Wild -am Fuß in einer Schlinge gefangen. Kurfürst: Was wolltest Du damit machen? -Bäcker: Ach, gnädigster Kurfürst und Herr, ich wollte dem Stück Wild nichts -am Leben thun, sondern nur ein paar Schläge geben, weil es mir das Kraut abgefressen -hatte. Kurfürst: Ja, Dir sollte man Schläge geben. Wenn ich Deines -grauen Kopfes nicht scheute, wollte ich Dir weisen, wie Du mein Vieh hegen -solltest, laß ich doch Dein Vieh auf meinem Grund und Boden gehen und -zürne nicht darum, gehe und hüte Dich.</p> - -<p>Am 9. August 1628 hielt der Kurfürst ein Abschießen zwischen <em class="gesperrt">Steinbach</em> -und <em class="gesperrt">Grumbach</em>, er erlegte dabei 570 Stück Wild. Er ließ auch den Herrn -Peter Versmann, Pfarrer zu Arnsfeld, vor sich predigen, und da ihm seine -Gaben wohl gefielen, versorgte er nicht allein sein Haus mit Wildbret, sondern -er befahl auch seinen Leibärzten, sie sollten den armen Mann, weil er wassersüchtig -war, doch heilen. Die Ärzte versuchten ihr Heil, trieben zwar das -Wasser heraus, aber der Pfarrer fiel in die Schwindsucht, woran er starb. -»Gesegne euch Gott, ihr Hölzer, ich sehe euch nicht wieder,« waren die Abschiedsworte -des Kurfürsten an sein erzgebirgisches Jagdgebiet.</p> - -<p>Die Fanfaren der kurfürstlichen Jäger sind in unserem Erzgebirge schon -seit langer Zeit verstummt, der Reichtum an Wild ist verschwunden, dennoch -ist die Poesie in unseren Wäldern nicht ganz dahin, denn noch hört man, wenn -auch vereinzelt, in unseren Staatsforsten auf dem Kamme des Gebirges den -Schrei des Hirsches und noch lacht in hoher Krone der Auerhahn!</p> - -<p class="right"> -Nach Lungwitz. -</p> - -<h4><em class="antiqua">c.</em> Jagdfronden der Obererzgebirger.</h4> - -<p>Eine große Last waren die Jagddienste, welche die Unterthanen zu leisten -hatten. Im Amte <em class="gesperrt">Crottendorf</em> hatten von 302 Mann die eine Hälfte die -Seile in die Wildhecken einzubinden, wieder aufzuheben und vor den Seilen -aufs Wild zu warten; die andere Hälfte hatte die Netze, Tücher und Seile -aufzuhängen und zu trocknen, sowie das Jagdzeug auf die Wolfsjagd zu fahren. -Zu den Netzfuhren mußten auch die Hammermeister Vorspann leisten und erhielten -dann von den dienstpflichtigen Dorfschaften für 4 Pferde 16 Groschen, -für 2 Pferde 8 Groschen. Außerdem hatten die Dorfschaften noch die Wildbretfuhren, -die Abfuhr des erlegten Wildes, zu leisten, die Hammermeister, zwei -Jäger mit Jägerburschen, Hundebuben und Hunden, nach Gelegenheit der angestellten -Jagden mit Herberge und Mahl zu versorgen. Zu einer im Jahre -1564 beabsichtigten kurfürstlichen Jagd im Erzgebirge wurden erfordert: im<span class="pagenum"><a id="Seite_9">[9]</a></span> -Amte <em class="gesperrt">Lauenstein</em> 6 Wagen und 268 Mann, im Amte <em class="gesperrt">Altenberg</em> 36 Wagen -und 352 Mann, im Amte <em class="gesperrt">Dippoldiswalde</em> 17 Geschirre ohne Lohn, 13 für -12 Groschen täglich und 64 Mann, im Amte <em class="gesperrt">Stollberg</em> 77 Geschirre und -293 Mann, im ganzen also 155 Geschirre und 1277 Mann zu Fuß. Im -Amte <em class="gesperrt">Lauterstein</em> waren 700 Mann zu Jagddiensten verpflichtet. Von den -Dorfschaften des Amtes <em class="gesperrt">Augustusburg</em> mußten im Jahre 1585 Dorfschellenberg, -Grünberg und Marbach zu den Netz- und Zeugfuhren jede zwei Wagen -stellen. Genügte das nicht, so mußten die 482 Anspanner der anderen Amts-Dorfschaften -helfen und erhielten dann für jeden Wagen täglich 1 Gulden. -Die Gemeinden zu Krummhennersdorf, Dorfschellenberg, Euba, welche die Wolfsnetze -und das im Amte gepirschte Wildbret auf die Augustusburg oder nach -Zschopau fuhren, erhielten für jeden Schlitten 5 Groschen, eine Kanne Bier -und ein Hofbrot. Die Richter zu Flöha, Gornau, Metzdorf mußten jeder einen -Wagen stellen, die Anspanner von Hennersdorf im Winter für das Wild Heu -in die Mörbitz und hinter das Schloß fahren und jährlich zweimal hinter dem -Schlosse die Hirschlecken schlagen und erneuern, den Lehm dazu schlagen und -erneuern. Sie erhielten täglich ein Hofbrot. Alle Einwohner des Amtes -mußten zur Wolfsjagd als Läufer dienen, bei jeder dritten Reihe die Häusler, -doch waren 100 Mann aus verschiedenen Dorfschaften ganz befreit.</p> - -<p>Zur Erleichterung dieser Beschwerden, zur Verschonung der armen Unterthanen -und Ersparung großer Kosten errichtete der Kurfürst 1560 in allen -Kreisen Jagdzeughäuser, in welchen das für den betreffenden Kreis notwendige -Jagdzeug verwahrt und wodurch die Nachführung desselben auf zu große Entfernungen -vermieden wurde. Andere Erleichterungen suchten sich manche Gemeinden -selbst zu verschaffen. So erboten sich die Untertanen des Amtes -<em class="gesperrt">Grünhain</em>, wenn ihnen die Fronen bei der Wolfsjagd erlassen würden, 100 -Mann jährlich 5 Wochen lang zur Räumung der Wege im Amte <em class="gesperrt">Schwarzenberg</em> -auf eigene Kosten zu stellen und zu unterhalten. Auch die Erhaltung -der Jagdhunde führte Belästigungen mit sich. Während der Zeit, in welcher -die Hunde zur Jagd nicht gebraucht wurden, ließ der <em class="gesperrt">Kurfürst August</em> sie in die -Ämter zur unentgeltlichen Verpflegung verteilen.</p> - -<p class="right"> -Nach Schlegel. -</p> - -<h4><em class="antiqua">d.</em> Ein Jagdaufzug mit erzgebirgischen wilden Tieren in Dresden.</h4> - -<p>Im Jahre 1662 hielt <em class="gesperrt">Christian Ernst, Markgraf zu Brandenburg</em>, -mit <em class="gesperrt">Erdmute Sophia, Kurfürstl. Prinzessin zu Sachsen</em>, in <em class="gesperrt">Dresden</em> -Hochzeit, bei welcher der damalige Kurprinz <em class="gesperrt">Johann Georg</em> III. und nachmalige -Kurfürst einen Jägeraufzug ausführte.</p> - -<p>Vor dem Oberhofjägermeister schritten drei Waidmänner mit Leithunden. -Nachher kamen dreißig, je drei und drei, Oberförster, Forstburschen, Wildmeister, -Hof- und Landjäger. Zwei Riesen traten in Gestalt wilder Männer auf. Ihnen -zunächst folgten auf einem Festwagen, der einen künstlichen Berg darstellte, gleich -einem Walde mit Tieren und Vögeln geziert, vier Personen mit Schalmeien. -Seine prinzliche Durchlaucht ritt in Dianengestalt auf einem weißen Hirsche. -Nymphen schritten an Lakeien statt vorauf, nebenher und hintennach. Dreißig -nun folgende Jäger trugen Schweineisen und Birschbüchsen. Drei Personen -waren als Löwenwärter in grüner Tracht und zwei Pfeifer wie Wilde gekleidet. -Auf ihrem Wagen befanden sich fünf junge Bären. Es folgte ein Kasten mit -zwei Tigertieren, je ein Käfig mit einem Löwen, einer Löwin, einem weißen -Bären. Jägerburschen führten englische Hunde. Vier Oberförster begleiteten<span class="pagenum"><a id="Seite_10">[10]</a></span> -den größten, den brandenburgischen versinnbildlichenden Bären. Hernach führte -man <em class="gesperrt">Herzog Moritzens</em> Bären. Auch die wilden Schweine fehlten nicht. -Luchse, Wölfe und Füchse, Hasen, wilde Kaninchen und Eichhörnchen, Fischottern, -Wildkatzen, Marder und Hamster zogen alle an den Augen der Schaulustigen -vorüber. Auf Birschwagen waren Hirsche geladen, der Wendewagen mit Hasen -und Füchsen behangen. Im ganzen Zuge befanden sich 265 Personen und -139 Pferde.</p> - -<p class="right"> -Nach Chr. Lehmann. -</p> - -<h4><em class="antiqua">e.</em> Wildschützen.</h4> - -<p>Die <em class="gesperrt">Wildschützen</em> haben nach Lehmann »auf dem Gebirge«, besonders -auf den hohen Wäldern um und hinter dem Fichtelberge großen Schaden verübt. -Sie haben das Wild haufenweise weggeschossen, die Häute in Böhmen -verkauft und sind so sicher gewesen, daß sie des Nachts bei den Köhlern im -Kohlkram gelegen, gesotten und gebraten, ihnen ihr Brot mit Gewalt genommen -haben und ihnen mit dem Tode drohten, wenn sie Verrat üben würden.</p> - -<p>Die Strafen waren hart. Zur Zeit des Herzogs Moritz band man einen -Wilderer auf einen lebendigen Hirsch und jagte das Tier in die Wildnis, sodaß -er jämmerlich ausstehen mußte. Das geschah, weil vorherige Strafdrohungen -nichts genützt hatten.</p> - -<p>Als 1559 die Wälder mit der Herrschaft Crottendorf an Kursachsen kamen, -wurde Wolf Windreuter zum Oberförster nach Crottendorf gesetzt, der 1566 -einen Wildzaun um die Grenzen bauen ließ, worüber man ein Jahr brauchte -und außer der Fron 1000 Thaler aufwendete. 1570 bis 1578 mußten kurfürstliche -Trabanten die Wäldner bei ihren Umgängen um den Grenzzaun begleiten, -um den Wildschützen gewachsen zu sein. Für jeden erschossenen Wilddieb -erhielten sie 30, 40 bis 80 Thaler. Erschossene hing man an den ersten -besten Baum auf und nagelte über das Haupt ein Hirschgeweih.</p> - -<h3 id="sec07">7. Eishöhlen im Erzgebirge.</h3> - -<p>Als Eishöhlen im Erzgebirge sind bekannt: der Garische Stollen, die -Ritterhöhle und die Stülpnerhöhle bei Ehrenfriedersdorf, die Binge bei Geyer -und die »Alte Thiele« bei Buchholz im sächsischen, die Schneebinge bei Platten -im böhmischen Erzgebirge. Diese Eishöhlen sind natürliche oder künstliche Hohlräume -im Felsgestein, welche das ganze Jahr hindurch oder wenigstens während -eines größeren Teiles desselben Eis enthalten, das sich in ihnen selbst gebildet -hat. Die Stülpnerhöhle und die Ritterhöhle sind statische oder eigentliche Eishöhlen, -auch Sackhöhlen genannt, indem sie, nach hinten zu sich senkend, am -unteren Ende abgeschlossen sind, so daß die von außen eindringende kalte Luft -nach der Tiefe sinkt und dort die Eisbildung bewirkt; beim Eintritt der wärmeren -Jahreszeit aber hält sich durch das Schmelzen des Eises die Temperatur lange -Zeit in der Nähe des Nullpunktes, der Eisvorrat geht daher nur ganz langsam -seinem Ende entgegen. Der Garische Stollen gehört zu den dynamischen Eishöhlen -oder den Windröhren, bei denen ein Spaltensystem, das vom Hintergrunde -aus den Berg durchzieht, eine unterirdische Verbindung mit höher gelegenen -Stollen ermöglicht, was zur Folge hat, daß sofort eine Luftströmung -entsteht, wenn die Temperatur innerhalb und außerhalb der Höhle verschieden -ist, und dadurch das Innere im Winter abgekühlt, im Sommer nur allmählich -erwärmt wird, das Eis also lange erhalten bleibt. In den Windröhren herrscht -meist ein starker Luftzug, während es in den Sackhöhlen im Sommer vollkommen -windstill ist. Die »Alte Thiele« stellt sich als Übergang von den<span class="pagenum"><a id="Seite_11">[11]</a></span> -Sackhöhlen zu den Windröhren dar, indem sie nach ihrer ganzen Anlage zu -den ersteren gerechnet werden muß, aber durch ihre hintere Kammer, welche die -Verbindung mit anderen Gängen herstellt, sich dem Charakter der letzteren -nähert. Alle die genannten Eishöhlen des Erzgebirges verdanken ihren Ursprung -dem Bergbau; denn sie befinden sich in Einsenkungen, welche durch den -Zusammenbruch vom Bergbau geschaffener unterirdischer Hohlräume entstanden -sind. Bis in den Mai und Juni hinein findet sich in ihnen Eis vor, in der -Schneebinge bei Platten, der eisreichsten dieser Höhlen, noch länger. Dort -wurde am 21. Juli 1894 die Tiefe des den Boden bedeckenden Firns auf -1,5 bis 3,00 Meter bestimmt. Schon lange ist die Schneebinge wegen ihres -Eisreichtums im Sommer bekannt. In eisarmen Zeiten wird von ihr Eis -nach Karlsbad geführt; im Jahre 1863 soll sogar nach Leipzig zum Turnfest -Eis aus der Binge versendet worden sein. Gegenwärtig ist sie an eine Bierbrauerei -in Platten verpachtet.</p> - -<p class="right"> -Nach Fitzner. -</p> - -<h3 id="sec08">8. Die obererzgebirgischen Mineralquellen und Bäder.</h3> - -<p>Im Zusammenhange mit den reichen Erzgängen des Obererzgebirges, welche -Quarz, Hornstein, Jaspis, Chalcedon, Amethyst, Eisen- und Manganerze enthalten, -stehen eine Anzahl von Mineralquellen. Solche Gänge, die als Quellengänge -bezeichnet werden, sind die Wege, auf denen die verschiedenen mineralischen -Wässer unserer Gegend aus der Tiefe hervorquellen.</p> - -<h4>1.</h4> - -<p>Im freundlichen Zschopauthale bricht in einer Meereshöhe von 434 Meter -aus dem Gneisgebiete auf dem Ausstriche eines fast eine Meile verfolgbaren -Quarz- und Hornsteinganges, der häufig Amethyst führt, eine Mineralquelle -hervor, die zur Gründung des gutbesuchten Ortes <em class="gesperrt">Wiesenbad</em> bei Annaberg -führte. Das Wasser befindet sich in einem großen, einige Meter tiefen, überbauten -Behälter und zeichnet sich durch außerordentliche Klarheit aus. Die -fast fortwährend aufsteigenden Kohlensäureblasen vermögen beinahe den Eindruck -hervorzurufen, als ob das Wasser siede. Es ist vollständig geruchlos. Die -Quelle gehört zu den warmen alkalischerdigen Säuerlingen und hat eine Wärme -von 21,75° C. Sie hat einen angenehmen, frischen Geschmack. In ihrer -Wirkung entspricht die Quelle dem Warmbade bei Wolkenstein und Warmbrunnen -in Schlesien. Überraschend sind die Wirkungen dieses Wassers bei skrophulösen -Krankheiten, besonders wenn mit dem Baden eine Milchkur verbunden wird. -Die Quelle wird besonders gegen Nervenschwäche, Gicht, Rheumatismus, Lähmungen -und Hautkrankheiten empfohlen. Der alte berühmte Scheibenberger -Geschichtsschreiber Christian Lehmann erzählt in seinem 1699 erschienenen »Schauplatz -des Obererzgebirges« 70 Krankheiten auf, gegen die das Wasser helfen -sollte. Die Entdeckung des Heilbrunnens soll sich von einem armen Manne -herschreiben, der seine ungesunden Schenkel in dem Wasser in der sogenannten -Rosenaue gewaschen hat und dann heil geworden ist.</p> - -<p>Hans <em class="gesperrt">Friedrich</em>, ein reicher Fundgrübner und Bergherr aus Geyer, der -das Dorf Wiesa besaß, faßte 1501 das Wasser in einem Kasten, ließ ein -Badehaus erbauen und dasselbe durch ein Röhrwerk mit dem Quell verbinden. -Er soll auch neben dem Bade ein Kirchlein zu Ehren des heiligen Jobs oder -Hiobs, des Helfers der Kranken und Schwachen, errichtet haben, das vom -Meißner Bischofe 1505 geweiht und vom Fürsten Georg reich begabt wurde.<span class="pagenum"><a id="Seite_12">[12]</a></span> -Ein Meßpriester mußte den Badegästen, ehe sie ins Bad gingen, eine Messe -lesen. Im Jahre 1602 ließ sich die Kurfürstin <em class="gesperrt">Sophie</em> ein eignes Haus -bauen, wahrscheinlich an Stelle der Kapelle, und man nannte darauf das Bad -Sophienbad. Im Jahre 1699 aber finden wir auch die Bezeichnung Wiesenbad -oder St. Jobsbad.</p> - -<h4>2.</h4> - -<p>In einem Nebenthale des Zschopauthales, eine halbe Stunde von der -Stadt Wolkenstein entfernt, 458 Meter über dem Meeresspiegel liegt ebenfalls -in den Gneisformationen sehr geschützt <em class="gesperrt">Warmbad Wolkenstein</em>. Die Quelle -ist die wärmste Sachsens mit einer Wärme von 31 °C. Man nimmt an, daß -sie auf dem im zweiglimmerigen Gneise aufsetzenden Eisensteingange »Neugeboren -Kindlein« ihren Ursprung habe und bei dessen Abbau zufällig entdeckt worden -sei. Sie bricht aus Drusen eines Erzganges hervor. Nach einer älteren Zeichnung -soll sich daselbst ein Silbergang mit zwei Eisensteingängen kreuzen. Die -ziemlich tief liegende Quelle ist in neuerer Zeit frisch gefaßt und dadurch gegen -Zufluß von »wilden Wässern« geschützt worden. Mittels eines Hebewerkes -wird das Wasser nach dem Badehause geleitet, von wo es nach weiterer Erwärmung -in die einzelnen Zellen abfließt. Die Quelle spendet in jeder Minute -150 Liter warmen Wassers. Das Wasser ist ebenfalls den Säuerlingen zuzuzählen -und hat große Ähnlichkeit mit dem Wiesenbader, wie mit den berühmten -Warmquellen von Wildbad in Württemberg, Gastein und Pfeffers. Seine -Wirkungen entsprechen dem Wiesenbader. Die Quelle war schon im 14. Jahrhundert -als heilkräftig bekannt. Es fanden starke Wallfahrten nach dem Bade statt.</p> - -<h4>3.</h4> - -<p>Das Bad <em class="gesperrt">Ottenstein</em> bei Schwarzenberg liegt in einer Meereshöhe von -424 Meter im Glimmerschieferthale des Schwarzwassers. Die Anstalt ist nach -Nordosten und Nordwesten durch hohe Felsmassen gegen kalte Winde geschützt. -Die Quelle ist ein kaltes, an Kohlensäure nicht sehr reiches Eisenwasser mit -mittlerem Eisengehalte, das in Form von Trink- und Badekuren Anwendung -findet. Erfolgreich wurde das Bad bei Blutarmut, Reißen, Nervenkrankheiten, -Lähmungen, Magen- und Lungenkrankheiten gebraucht.</p> - -<h4>4.</h4> - -<p>Außer diesen genannten Bädern gedenken wir noch derjenigen Mineralquellen -unserer Gegend, die ehemals zu Bädern benutzt wurden. Manche erfreute -sich sogar eines gewissen Rufes.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">Niederzwönitz</em> entspringen 580 Meter über dem Meere auf einer -von Fichten- und Kiefernwald umschlossenen Wiese nebeneinander 3 Quellen, -denen der Volksmund die Namen der »Gute Brunnen«, der »Krätzbrunnen« -und der »Augenbrunnen« gegeben hat. Die Wirkungen des Guten Brunnen -wurden bereits 1498 oder 1501 erkannt. 1608 wurde dieser Quell, nachdem -er in Vergessenheit gekommen, wieder gereinigt. Den Krätzbrunnen entdeckte -man 1646 und die Wirkungen des Augenbrunnens kamen 1717 zur Anerkennung. -In der Nähe des »Guten Brunnens« soll ehemals eine der heiligen Anna -geweihte Kapelle gestanden haben, weshalb man ihn auch »Annenbrunnen«, -später aber »Tannenbrunnen« oder »Zu den drei Tannen« nannte. Man -sagt, Kenner hätten versichert, daß die Kanne dieses Wassers einen Dukaten -wert sei, wenn man das wilde Wasser davon scheiden könnte.</p> - -<p>Das <em class="gesperrt">Marienberger</em> Bad hatte die Quelle »Frischer Brunnen«, die 1553<span class="pagenum"><a id="Seite_13">[13]</a></span> -bekannt wurde. In der Nähe des Zschopauer Thores in Marienberg giebt es -heute noch einen »Frischen Quell«, dessen Wasser jedoch nur als Trinkwasser -benutzt wird.</p> - -<p>Das Bad <em class="gesperrt">Raschau</em> wurde 1808 eingerichtet. Nach ihm führt noch ein -Gasthaus in Raschau seinen Namen. Auch in der Nähe von <em class="gesperrt">Ehrenfriedersdorf</em> -giebt es einen Mineralquell, der bald als Stahl-, bald als Sauerbrunnen -bezeichnet wird. Im Jahre 1646 wurde in Grumbach bei Jöhstadt am Walde -nahe dem »Thumshirn-Brunnen« ein Heilbrunnen entdeckt, dessen Wasser zu -warmen Bädern gebraucht ward. Nach ihm war eine Zeit lang großer Zulauf -aus Meißen und Böhmen. Es wurden bei ihm selbst Betstunden abgehalten. -Auch in Neudorf und Crottendorf hat man aus einer nicht mehr vorhandenen -Quelle zur Kur getrunken. Zwei eisenhaltige Quellen sollen vom Fichtelberge -in den Zechengrund abfließen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Mathesius</em> sagt über die Gesundbrunnen und warmen Bäder des Erzgebirges: -»Unser Herr Gott ist ein weiser Hausvater. Weil er denn weiß, -daß arme Bergleute in Gruben und Hütten viel böses Wetter, koblichten Stank, -kalte Dämpfe, feuchten Brodel und giftigen Rauch in sich ziehen, pflegt er neben -die Bergwerke gemeiniglich eine eigene Apotheke anzurichten, damit die Bergleute -eine Bergarznei hätten wider die Lähme und verschleimte Lunge, erkältete Mägen -und verlähmte Glieder und was der Bergsucht und Beschwerungen mehr sind.«</p> - -<p class="right"> -Nach Köhler u. a. -</p> - -<h3 id="sec09">9. Fischreichtum erzgebirgischer Flüsse.</h3> - -<p>Die Flüsse und Bäche Sachsens enthielten zu der Zeit, wo Petrus <em class="gesperrt">Albinus</em> -aus <em class="gesperrt">Schneeberg</em> seine 1590 erschienene »Meißnische Land- und Bergchronik« -schrieb, noch einen <em class="gesperrt">Fischreichtum</em>, wie derselbe trotz unserer künstlichen Fischzucht -und Fischereigesetze bei den durch Fabrikanlagen verunreinigten Gewässern, -ihren Uferbauten und Regulierungen, den Entwaldungen unserer Berge und -anderen schädigenden Einflüssen mehr, wohl kaum wieder erzielt werden dürfte.</p> - -<p>Man fing in der Elbe bis zu 2 Zentner schwere Störe, und zwar galt -als die beste Fangzeit die Zeit der Rosenblüte; ebenso fehlten auch die Welse -nicht, die um Johannis am besten waren, »darnach,« so meldet Albinus, »verbargen -sie sich in die Felsen, darinnen verhielten sie sich, bis sie die »Eglen«, -d. h. wahrscheinlich die gemeinen Fischegel, stachen, hernach machten sie sich -wieder heraus«. Brassen und selbst die noch jetzt aus der Ostsee in die Oder -kommenden Zährten, ferner Barben, Hechte, Aale, Aalraupen, Lampreten und -Neunaugen, sowie Lachse bevölkerten damals unsere Gewässer; in der Mulde -fing man Barben bis zu 10 bis 15 Pfund, Lachse bis zu 18 Pfund, und zuweilen -wurden 18pfündige Hechte gefangen. Erwähnt wird dabei, daß man -1544 in der Ill bei Straßburg einen Hecht von 26 Pfund und in dem Filzteiche -bei Schneeberg einen so großen fing, daß derselbe nicht Raum in einem -Bierfasse hatte. Dazu kamen noch in den Bächen zahlreiche Forellen, Steinbeißer -und Schmerlen, Gründlinge und Kaulbarsche vor, so daß die Fische vor -300 Jahren einen nicht unwesentlichen Teil der Ernährung, selbst des ärmeren -Volkes bilden konnten. Mit besonderer Vorliebe verweilt daher auch Albinus -bei diesem Kapitel seiner Landeschronik, und er begnügt sich nicht, dabei nur -die Namen der einzelnen Fische zu nennen, sondern durch verschiedene beigefügte -Bemerkungen über Laichzeit, Nahrungswert, Schmackhaftigkeit und anderes mehr -weiß er für seinen Gegenstand ein noch größeres Interesse zu erregen. So<span class="pagenum"><a id="Seite_14">[14]</a></span> -meint er, daß der Hecht von etlichen für den besten Fisch gehalten werde, doch -scheint er der Forelle, von welcher eine schwarzgefleckte Art aus dem Schwarzwasser -bei <em class="gesperrt">Schwarzenberg</em> und aus Bächen um <em class="gesperrt">Crottendorf</em> und <em class="gesperrt">Annaberg</em> -angeführt wird, den Vorzug zu geben, indem er sie den gesündesten und -nahrhaftesten Fisch nennt, den man sogar in Wasserkästen groß ziehen könne, -so daß er darin 4- und 5pfündig werde. Von dem Salm oder Lachs wird -die Meinung damaliger Ärzte mitgeteilt, nach welcher dieser Fisch »stärkerer und -gröberer Nahrung sei und gesalzen dem Magen schädlich sein solle«.</p> - -<p>Im 16. Jahrhundert »sind die Bäche im Gebirge so fischreich gewesen, daß -die Köhler und Holzhauer, wenn sie sich bei Sommerzeit in Bächen gebadet, -sie die Waldforellen mit Händen gefangen haben. Nachdem aber das Seifen -aufgekommen war und Erze gewaschen wurden, sind die Bäche verdorben, daß -die Fische nicht mehr drinnen aufkommen mochten.«</p> - -<h3 id="sec10">10. Die Kartoffeln im Erzgebirge.</h3> - -<p>Bereits zu Anfange des 18. Jahrhunderts finden wir die Erdäpfel auch -im Erzgebirge. In unserer Gegend sind dieselben zuerst in <em class="gesperrt">Crottendorf</em> angepflanzt -worden. Bewohner dieses Dorfes brachten in den Jahren 1712 oder -1713 von <em class="gesperrt">Stützengrün</em> und <em class="gesperrt">Bärenwalde</em> Samenkartoffeln dahin. Bereits -in den dreißiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde eine -gewaltige Menge dieses Gewächses daselbst erbaut. In dem benachbarten -<em class="gesperrt">Schlettau</em> hat dann der Anbau der Kartoffeln zunächst Anklang gefunden, da -dieses Städtchen bereits in jener Zeit einen nicht unbedeutenden Feldbau betrieb. -Besondere Verdienste um die dortige Heimischwerdung derselben erwarb sich der -<em class="gesperrt">Amtshauptmann Alexander Christian von Beulwitz</em>, der daselbst 1715 -bis 1725 wohnte und von dem ihm gehörigen <em class="gesperrt">Erlbach</em> im Vogtlande den erforderlichen -Samen einführte. Von <em class="gesperrt">Schlettau</em> ging der Anbau über nach -<em class="gesperrt">Elterlein</em>, <em class="gesperrt">Grünhain</em>, <em class="gesperrt">Zwönitz</em> und deren Nachbarschaft. Eine Teuerung, -die im Jahre 1719 das Obergebirge drückte, wurde die Veranlassung zu immer -ausgedehnterem Anbau. Der damalige <em class="gesperrt">Superintendent</em> zu <em class="gesperrt">Annaberg</em>, <em class="antiqua">Dr.</em> -<em class="gesperrt">Andreas Kunad</em>, forderte sogar in dem genannten Jahre in einer Predigt -auf, die Kartoffeln häufig zu bauen, »welches auch soviel ausgerichtet, daß man -sich allhier mit mehrerem Ernste der Sache beflissen«. Namentlich im zweiten -Viertel des vorigen Jahrhunderts wurden die Kartoffelfelder immer zahlreicher -auch um <em class="gesperrt">Annaberg</em>. Der Ertrag war ein sehr reichlicher, indem man zehn- -bis fünfzehnfältig erntete.</p> - -<p>So war bereits vor der Mitte des vorigen Jahrhunderts der Anbau der -Erdäpfel im Obergebirge ein verbreiteter, und die gebirgischen Kartoffeln galten -schon damals als durch Geschmack und Größe ausgezeichnet. Sie verdrängten -von den Fluren und aus dem Haushalte mehr und mehr die Erbsen, Linsen -und andere trockene Gemüse. Der Preis war nach dem damaligen Geldwerte -ein mittlerer. Der Scheffel kostete von den geringeren Sorten 8, 9 und 10, -von den besseren 16, 18 und 20 gute Groschen.</p> - -<p>Schon damals, um 1740, baute man verschiedene Sorten, von denen -namentlich drei angeführt und beschrieben werden. Die sogenannten <em class="gesperrt">Jobsäpfel</em>, -die ihren Namen davon hatten, daß sie bereits zu Jakobi, 25. Juli, reif wurden; -sie galten für die beste Sorte. Sie haben ziemlich große Knollen, eine dünne, -gelbe Schale und in der Mitte eine kleine Höhlung mit ein wenig Feuchtigkeit. -Die <em class="gesperrt">andere</em> Sorte ist kleiner, gleichfalls mit gelber Schale versehen, worüber<span class="pagenum"><a id="Seite_15">[15]</a></span> -sich noch ein dünnes Häutchen befindet. Auch diese werden als mild und -schmackhaft bezeichnet. Die <em class="gesperrt">dritte</em> Sorte hat eine rötliche Haut und eine -etwas eckige Form, von Geschmack sind sie streng und unangenehm, sodaß sie -lediglich als Viehfutter benutzt werden.</p> - -<p>Ebenso allmählich wie die Verbreitung der Kartoffeln geschah, ebenso brach -sich nur nach und nach der mannigfache Nutzen und Gebrauch derselben Bahn. -Man baute sie zunächst mehr zur Mästung und zur Mehlbereitung. Das -daraus gewonnene Mehl mischte man unter das Brotmehl und erlangte dadurch -ein billigeres Gebäck. Man verwendete es als Stärke oder zu dem damals -vielgebrauchten Puder. Das grün abgeschnittene Kraut gab man den Kühen -zu fressen, und die Butter bekam dadurch, wie gesagt wird, einen guten Geschmack; -getrocknet wurde es im Winter in die Schafe gefüttert. Zeitig benutzte -man natürlich auch die besseren Sorten als Nahrungsmittel für die Menschen; -aber es ging ziemlich langsam, ehe man entweder durch eigenen Scharfsinn oder -durch Nachahmung fremder, namentlich bei den Engländern und Holländern -angewendeter Zubereitungsarten anfing, die Kartoffel zu braten und zu rösten, -mit Eiern zu vermischen und Klöße, Kuchen und »Strützel« daraus zu backen, -sowie Branntwein daraus zu brennen.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Spieß. -</p> - -<h3 id="sec11">11. Reihenfolge der Städte Sachsens bezüglich ihrer Lage über -der Ostsee.</h3> - -<p>Es sind gelegen: Riesa 108 <em class="antiqua">m</em>, Meißen 110 <em class="antiqua">m</em>, Leipzig 111 <em class="antiqua">m</em>, Dresden -113,4 <em class="antiqua">m</em>, Pirna 116 <em class="antiqua">m</em>, Strehla 118 <em class="antiqua">m</em>, Wurzen 120 <em class="antiqua">m</em>, Großenhain und -Wehlen 123 <em class="antiqua">m</em>, Markranstädt und Schandau 125 <em class="antiqua">m</em>, Königstein 127 <em class="antiqua">m</em>, Oschatz -129 <em class="antiqua">m</em>, Grimma und Taucha 130 <em class="antiqua">m</em>, Zwenkau und Trebsen 131 <em class="antiqua">m</em>, Rötha -132 <em class="antiqua">m</em>, Pegau 133 <em class="antiqua">m</em>, Naunhof 134 <em class="antiqua">m</em>, Groitzsch 137 <em class="antiqua">m</em>, Nerchau 138 <em class="antiqua">m</em>, -Borna 142 <em class="antiqua">m</em>, Regis 144 <em class="antiqua">m</em>, Mügeln 147 <em class="antiqua">m</em>, Brandis, Dahlen und Radeburg -150 <em class="antiqua">m</em>, Colditz 155 <em class="antiqua">m</em>, Frohburg 162 <em class="antiqua">m</em>, Rochlitz 166 <em class="antiqua">m</em>, Döbeln 170 <em class="antiqua">m</em>, -Königsbrück 171 <em class="antiqua">m</em>, Lommatzsch 173 <em class="antiqua">m</em>, Lausigk 175 <em class="antiqua">m</em>, Dohna 177 <em class="antiqua">m</em>, -Lunzenau 179 <em class="antiqua">m</em>, Waldheim 186 <em class="antiqua">m</em>, Mutzschen 189 <em class="antiqua">m</em>, Weißenberg 198 <em class="antiqua">m</em>, -Roßwein 205 <em class="antiqua">m</em>, Kamenz 206 <em class="antiqua">m</em>, Ostritz 207 <em class="antiqua">m</em>, Tharandt 215 <em class="antiqua">m</em>, Leisnig -und Elster 218 <em class="antiqua">m</em>, Bautzen 220 <em class="antiqua">m</em>, Geithain 229 <em class="antiqua">m</em>, Penig und Kohren 231 <em class="antiqua">m</em>, -Bernstadt 234 <em class="antiqua">m</em>, Crimmitschau 236 <em class="antiqua">m</em>, Radeberg 242 <em class="antiqua">m</em>, Zittau und Meerane -246 <em class="antiqua">m</em>, Nossen 256 <em class="antiqua">m</em>, Waldenburg 257 <em class="antiqua">m</em>, Geringswalde 259 <em class="antiqua">m</em>, Mittweida -und Hartha 260 <em class="antiqua">m</em>, Frankenberg 262 <em class="antiqua">m</em>, Glauchau 264 <em class="antiqua">m</em>, Wilsdruff 265 <em class="antiqua">m</em>, -Zwickau und Schirgiswalde 267 <em class="antiqua">m</em>, Löbau 268 <em class="antiqua">m</em>, Pulsnitz 270 <em class="antiqua">m</em>, Sebnitz -274 <em class="antiqua">m</em>, Elsterberg 277 <em class="antiqua">m</em>, Werdau 280 <em class="antiqua">m</em>, Bischofswerda 290 <em class="antiqua">m</em>, Berggießhübel -292 <em class="antiqua">m</em>, Burgstädt 298 <em class="antiqua">m</em>, Mylau 302 <em class="antiqua">m</em>, Chemnitz und Hainichen 304 <em class="antiqua">m</em>, -Hohnstein 308 <em class="antiqua">m</em>, Rabenau 311 <em class="antiqua">m</em>, Lichtenstein 315 <em class="antiqua">m</em>, Callnberg 318 <em class="antiqua">m</em>, -Siebenlehn und Neusalza 326 <em class="antiqua">m</em>, Glashütte 330 <em class="antiqua">m</em>, Neustadt und Liebstadt -333 <em class="antiqua">m</em>, Zschopau und Gottleuba 338 <em class="antiqua">m</em>, Aue 348 <em class="antiqua">m</em>, Dippoldiswalde, Ernstthal -und Hartenstein 350 <em class="antiqua">m</em>, Plauen und Wildenfels 352 <em class="antiqua">m</em>, Stolpen 360 <em class="antiqua">m</em>, -Kirchberg 363 <em class="antiqua">m</em>, Limbach 371 <em class="antiqua">m</em>, Hohenstein 374 <em class="antiqua">m</em>, Oederan und Netzschkau -380 <em class="antiqua">m</em>, Reichenbach 390 <em class="antiqua">m</em>, Freiberg 401 <em class="antiqua">m</em>, Oelsnitz und Lengenfeld 404 <em class="antiqua">m</em>, -Lößnitz 422 <em class="antiqua">m</em>, Stollberg 423 <em class="antiqua">m</em>, Pausa 446 <em class="antiqua">m</em>, Auerbach 450 <em class="antiqua">m</em>, Neustädtel -468 <em class="antiqua">m</em>, Brand, Schneeberg und Wolkenstein 470 <em class="antiqua">m</em>, Treuen und Schwarzenberg -471 <em class="antiqua">m</em>, Lengefeld 481 <em class="antiqua">m</em>, Adorf 482 <em class="antiqua">m</em>, Mühltroff 483 <em class="antiqua">m</em>, Bärenstein -490 <em class="antiqua">m</em>, Markneukirchen 500 <em class="antiqua">m</em>, Thum und Schellenberg 505 <em class="antiqua">m</em>, Zwönitz 520 <em class="antiqua">m</em>, -Lauenstein 526 <em class="antiqua">m</em>, Ehrenfriedersdorf 533 <em class="antiqua">m</em>, Buchholz 557 <em class="antiqua">m</em>, Schlettau 564 <em class="antiqua">m</em>, -Falkenstein 567 <em class="antiqua">m</em>, Geising 590 <em class="antiqua">m</em>, Geyer 592 <em class="antiqua">m</em>, Zöblitz 600 <em class="antiqua">m</em>, Annaberg<span class="pagenum"><a id="Seite_16">[16]</a></span> -602 <em class="antiqua">m</em>, Marienberg und Elterlein 610 <em class="antiqua">m</em>, Grünhain 630 <em class="antiqua">m</em>, Eibenstock 643 <em class="antiqua">m</em>, -Frauenstein 650 <em class="antiqua">m</em>, Scheibenberg 669 <em class="antiqua">m</em>, Sayda 677 <em class="antiqua">m</em>, Schöneck 735 <em class="antiqua">m</em>, -Johanngeorgenstadt 750 <em class="antiqua">m</em>, Altenberg 751 <em class="antiqua">m</em>, Jöhstadt 789 <em class="antiqua">m</em>, Unterwiesenthal -868 <em class="antiqua">m</em>, Oberwiesenthal 913 <em class="antiqua">m</em>. Daraus geht hervor, daß 40 Städte zwischen -100 und 200 <em class="antiqua">m</em>, 33 zwischen 200 und 300, 27 zwischen 300 und 400, 17 -zwischen 400 und 500, 11 zwischen 500 und 600, 9 zwischen 600 und 700, -4 zwischen 700 und 800, 1 zwischen 800 und 900 und 1 zwischen 900 und -1000 <em class="antiqua">m</em> gelegen sind. Chemnitz liegt z. B. 196 <em class="antiqua">m</em> höher als die am tiefsten -gelegene Stadt (Riesa) und 609 <em class="antiqua">m</em> tiefer als die am höchsten gelegene Stadt -(Oberwiesenthal). Bautzen ist zweimal, Glashütte dagegen dreimal so hoch als -Meißen gelegen. Neustadt und Liebstadt sind dreimal so hoch als Leipzig gelegen. -Aue ist dreimal so hoch als Pirna gelegen. Stolpen ist dreimal so -hoch als Wurzen gelegen. Zittau und Meerane sind zweimal so hoch als -Großenhain und Wehlen gelegen. Markneukirchen ist viermal so hoch als -Markranstädt und Schandau gelegen. Crimmitschau ist zweimal und Geising -fünfmal so hoch als Strehla gelegen. Mittweida und Hartha sind zweimal, -Reichenbach ist dreimal, Zwönitz viermal und Frauenstein fünfmal so hoch als -Grimma und Taucha gelegen. Frankenberg ist zweimal so hoch als Zwenkau -und Trebsen gelegen. Glauchau ist zweimal so hoch als Röda gelegen. Löbau -ist zweimal so hoch als Naunhof gelegen. Sebnitz ist zweimal so hoch als -Groitzsch gelegen. Zöblitz ist viermal und Johanngeorgenstadt ist fünfmal so -hoch als Brandis, Dahlen und Radeburg gelegen. Dippoldiswalde, Ernstthal -und Hartenstein sind zweimal so hoch als Lausigk gelegen. Falkenstein ist dreimal -so hoch als Mutzschen gelegen. Neustädtel ist zweimal so hoch als Bernstadt -und Zwönitz zweimal so hoch als Mittweida und Hartha gelegen. Von -den höchstgelegenen Städten nimmt Oberwiesenthal die 1., Unterwiesenthal die -2., Jöhstadt die 3., Scheibenberg die 8., Elterlein die 12., Annaberg die 13., -Geyer die 15., Schlettau die 18. und Buchholz die 19. Stelle ein.</p> - -<h3 id="sec12">12. De Stähd in'n Öber-Ärzgebärg.</h3> - -<p class="center smaller">Weise: Kimmt ä Bugerl u. s. w.</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i2">In'n Gebärg hot's viel Stähdeln,<br /></span> -<span class="i0">Gruß' un kleene, gor fei.<br /></span> -<span class="i0">Ich will dir'sche auffädeln;<br /></span> -<span class="i0">Guck när sälberst ä nei!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Aus der Zwick' thun se regieren<br /></span> -<span class="i0">Us un's Vugtland derzu;<br /></span> -<span class="i0">In der Ah' giehn se spazieren,<br /></span> -<span class="i0">Wenn se nischt hamm ze thu?<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Ach Herr, Jehstadt is gruslig,<br /></span> -<span class="i0">Thum un Geyer wuhl meh;<br /></span> -<span class="i0">Wiesenthal macht een'n duslig,<br /></span> -<span class="i0">Wenn mer stieht uf der Heh'.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">In Eimstock, do gibbt's Läben,<br /></span> -<span class="i0">In Kanngorngstadt härt's auf;<br /></span> -<span class="i0">Aber Neistähdl thut sich heben,<br /></span> -<span class="i0">Schniebärg is net neidsch drauf.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Annebärg leit huch uben,<br /></span> -<span class="i0">Buchhuls glei nebenbei;<br /></span> -<span class="i0">Besser luhnt, als sinst Gruben,<br /></span> -<span class="i0">Pusementiererei.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Schwarzenbärg is rumanisch,<br /></span> -<span class="i0">Wulkensteen is es ooch;<br /></span> -<span class="i0">Schlett' un Grienhahn is kumpanisch,<br /></span> -<span class="i0">Elterlein hot e Loch.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Scheibenbärg hot en Hiegel,<br /></span> -<span class="i0">Där'n nischt eibringe thut;<br /></span> -<span class="i0">In Marienbärg kriegste Schniegel;<br /></span> -<span class="i0">Säller Zehbels hot's gut.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Altenbärg häßt siwirisch,<br /></span> -<span class="i0">Doch 's is gor net su toll;<br /></span> -<span class="i0">Schmiedebärg wärd nu riehrisch;<br /></span> -<span class="i0">Sayd' un Frauensteen – pascholl.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Kumm när 'rauf, 's is net iebel;<br /></span> -<span class="i0">Alleng wird hie geärbt't;<br /></span> -<span class="i0">Freilich hot's ville Hiedel;<br /></span> -<span class="i0">Doch kah mer lähm, bis mer stärbt.<br /></span> -</div></div> - -<p class="right"> -H. in F. -</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_17">[17]</a></span></p> - -<h2 id="o2">Zweiter Abschnitt.<br /> -Das Volkstum des Obererzgebirgers.</h2> -</div> - -<h3 id="sec13">13. Die Mundart des Obererzgebirgers.</h3> - -<p>Die erzgebirgische Mundart, die als ein ostfränkisch-obersächsischer Mischdialekt -bezeichnet wird, kann als eine einheitliche Mundart aufgefaßt werden, -da sie gewisse gemeinsame Züge hat, die nur ihr eigen sind und durch die sie -sich von allen Nachbarmundarten wesentlich und bemerkbar unterscheidet. Aber -innerhalb der Mundart sind die Verschiedenheiten und Abweichungen, die besondern -Eigentümlichkeiten und unterscheidenden Merkmale so zahlreich und -augenfällig, daß man gut und gerne eine ziemliche Anzahl von Untermundarten -unterscheiden könnte. Ein tiefgreifender Unterschied macht sich zunächst geltend -zwischen der Sprechweise des östlichen Gebirges, wo die ostfränkischen Bestandteile -noch vorherrschen, und dem Westen, wo sie seltener und meist verschliffen -sind; fast ebenso bedeutend ist der Unterschied zwischen dem oberen Gebirge und -dem mittleren Höhenlande, wo ein allmähliches Verblassen und Verwischen der -weiter oben schärfer hervortretenden Züge der Eigenart stattfindet. Aber auch -sonst sind die Unterschiede, die Besonderheiten häufig. Jede Gegend, jedes Thal, -ja jede Stadt hat ihre Eigentümlichkeiten, die als solche empfunden werden und -die Quelle gegenseitiger Hänseleien zu sein pflegen.</p> - -<p>Wir wollen betrachten, »wies Vulk redt«, und das redet anders in Kamms -(Chemnitz), als in Edern (Oederan), anders in Griehah (Grünhain), als in -Zwehnz (Zwönitz).</p> - -<p>Der Erzgebirger, besonders der Obererzgebirger, hat eine Vorliebe für -dumpfe Vokale und harte Konsonanten. So werden au, ä, eu und ei zu aa -(a), z. B. Fraa, Baar, Fraad, Staan; – ei, eu und ö zu ä, z. B. lächt, -lächt'n, schännsta; – e zu a, z. B. har; – a zu oo, z. B. Soog'; – o zu -uu (u), z. B. Luus. So wird aus j: g, z. B. gän'r (jener), Gahr, Gung, -Gag'r (Jäger); – aus g: k, z. B. genunk, Bark (Berg), Kelick (Glück): – -aus h: k, z. B. Fluk (Floh).</p> - -<p>Fälle von Lauterzeugungen, insbesondere Vokalerzeugungen zwischen gewissen -Konsonanten, sind nicht selten, so beispielsweise: Gelut = Glut, geleich = gleich, -Gelanz = Glanz, Gelaaben = Glauben, Galied'r = Glieder, ferner: d'rkannt -= erkannt, ahamm = heim, noochert = nachher, weiter: Rumpes = Rumpf, -Kupes = Kopf, ähnlich: Millich = Milch, Lärig = Lerche, endlich: Taafet -= Taufe, Garmerich = Jahrmarkt (vergl. in Thüringen Almerich = Altenburg).</p> - -<p>Weit häufiger aber sind die Ausstoßungen von Vokalen, die Verschleifungen -von Silben und Wörtern. Gewöhnlich ist der Vokal in den unbetonten Vorsilben -ge, ver u. s. w. kaum hörbar, z. B. g'triem = getrieben. Manche Vorsilben -verschwinden ganz, wie: 'rei = herein, 'ro = heran, 'nunger = hinunter. -Die unbetonten Endsilben werden entweder ganz abgestoßen oder verschmelzen -mit der Stammsilbe, z. B. bleim = bleiben, proom = proben, uhm = oben, -Laam = Leben, Oomd = Abend, gaehmt = geebnet, wink = wenig, Kuhng -= Kuchen, gebung = gebogen, Seng = Segen, Kerng = Kirchen, aang = eigen,<span class="pagenum"><a id="Seite_18">[18]</a></span> -fluung = fluchen, werng = würgen, v'rlaang = verleugnen, d'rwang = deswegen, -Toong = Tagen, hiesing = hiesigen, Kann'r = Kantor, Rutkaat = -Rotkehlchen, geha = gehauen, laen = legen, wer = würde, wurn = geworden. -Die Verkleinerungsendung lein erscheint in der Form: la (le). Für die Adjektiv-Endung -ig wird manchmal et gebraucht, z. B. schaaket = scheckig, baanet = beinig. -– Aber nicht allein unbetonte Silben werden abgestoßen und verschliffen, -sondern auch solche mit einem Nebentone, z. B. Nupr = Nachbar, schawern -= scharwerken, Handschch = Handschuh, Echerla = Eichhörnchen, Gahlich'n -und Gahl'chen = gelbe Hühnchen, arb'n = arbeiten, nong = nachher. Auch -kurze Wörter werden mit einander verschmolzen, z. B. wemmer = wenn wir, -gimm'r = geh'n wir, vunna = von ihm, hottene = hat er ihn, nu'ch = nun -sich, ing = ich ihnen, Bornkinnel = gebornes Kindlein, gippt'r = giebt ihrer, -allezamm = alle zusammen, immadim = um und um, ka'sn = kann es ihnen, -guttegor = ganz und gar, epps'n = ob sie ihn, würrerch = würde er sich.</p> - -<p>Aus der Wortbeugung mögen nur die besondern Steigerungen serner von -sehr (= mehr) und ehnder von ehe, die eigentümlichen Zeitformen: huhl für -hielt, fuhl für fiel, fuhng für fing, gehatten für gehabt und maanet für meinte -erwähnt werden.</p> - -<p>Die Sprache des Erzgebirgers weist noch manche Eigentümlichkeit auf. -So mischt er seiner Rede gern selbstgeschmiedete Wörter bei und verunstaltet -fremde aufs grausamste. Aus Larifari macht er »Larefar«, das Korsett wird -zu einem »Kartschetl«, das Porzellan zu »Porzelih«, eine Guirlande zur »Gorlande«. -Etwas ganz Neues ist »nieglnoglnei«, wem man den Standpunkt klar -machen will, den »laxenirt« man, und ein ungezogener Junge wird nicht bei -den Haaren, sondern »bun (beim) Wisch« genommen. Während der Bauer des -Niederlandes den ganzen Tag im Hofe und Felde »scharwerkt«, »schabrt« der -erzgebirgische; er heimst nicht ein so viel als möglich, sondern er »schobert«, -geht auch nicht zum Nachbar auf Besuch, sondern »hutzn«. Ein lediger »Puß« -(Bursche) macht im Erzgebirge zwar keinen Lärm, aber großen »Teebes« oder -»Teebs«. Als Verkleinerungssilbe braucht der Erzgebirger statt chen und lein -»la« (»Kihla« = Kühchen, »Seila« = Schweinchen); außerdem ist er ein -Freund der Flickwörter »fei« und »eppr«. Auch die Namen pflegt er zu verunstalten. -Aus einem Ludwig macht er einen »Lud« oder »Wig« und Gottlob, --fried, -lieb verkürzt er zu »Lub«, »Fried« und »Lieb«. Ebenso sind im Erzgebirge -die Spitznamen mehr denn anderswo daheim. Jeder im Dorfe weiß -z. B., wo der »Mahlhenner« wohnt, während ihm der mit Mehl handelnde -Heinrich so und so unbekannt ist. Auch fügt man den Taufnamen gern dem -Familiennamen bei. Man macht aus dem Gottlob Schulze einen »Schulzenlob«, -und sein Sohn Eduard wird zum »Schulzenlobward«, ja selbst ein »Hansenfritzenkarlfried« -ist keine so seltene Erscheinung. Es bedingt schon einiges Nachdenken, -um z. B. aus »Mahlhennerwigs Puß« den Sohn von Mehlheinrichs -Sohn Ludwig und aus »Fuchsdavidkordel« die Tochter Konkordia des Gutsbesitzers -David so und so, der zufällig fuchsfarbige Pferde liebt, herauszufinden.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Oertel u. a. -</p> - -<h3 id="sec14">14. Arzgebergsche Sprichwörtr.</h3> - -<p class="center smaller">('n Baur Hansgörg sei Lieblingsredn.)</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i2">'s hot jedr, sei ar, wos ar sei, es hot a jedr Stand,<br /></span> -<span class="i0">Ob im Gebörg, im Vugtland uhm, un ob im Niedrland,<br /></span> -<span class="i0">Sei eigne Red, sei eigne Sproch, sei eigne Lieblingssprich. –<br /></span> -<span class="i0">Wos Hansgörg denkt un wie ar schpricht, dos mächt derzahln heit iech. –<br /></span><span class="pagenum"><a id="Seite_19">[19]</a></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Dr Hansgörg is net arm, net reich, 's is a gemachtr Maa,<br /></span> -<span class="i0">Ar guckt siech's 's Laam (wär jedr su!) su racht gemietlich a:<br /></span> -<span class="i0">Drim labt ar gut un reichlich a. »Dä wos mer spart am Mund,«<br /></span> -<span class="i0">(Dos is sei Red, schpricht mer dervu,) »dos kimmt ner für de Hund!«<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Kimmt mittigs vun dar Arb't ar rei zer Arntezeit vum Fald,<br /></span> -<span class="i0">Do warn de Pfahre ausgeschärrt un's Futtr hiegestallt.<br /></span> -<span class="i0">»Karline,« schpricht ar zu sei Fraa, »heit wor de Arbet schwer;<br /></span> -<span class="i0">Schaff's Assen rei, miech hungerts heit, su daß iech's haußen här!«<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Ja, 's Assen, dos is su sei Sach! Do ka ar wos vertrag'n.<br /></span> -<span class="i0">»Ach hätt« (su schpricht ar, wenn's 'ne schmeckt) »dr Buckel a en Mag'n!«<br /></span> -<span class="i0">Doch gibbts net viel und a nischt guts, denkt ar: »De bist betrug'n,<br /></span> -<span class="i0">Hansgörg, se ham dr wiedr mol a Halmel dorch's Maul gezug'n.«<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Im Abziehlich<a id="FNAnker_1_1"></a><a href="#Fussnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a> do gieht ar noch, wie sist de Leit sei gang:<br /></span> -<span class="i0">In Laderhus'n, Bliemelwest, im Ruck miet Schößeln lang.<br /></span> -<span class="i0">»Miet setten neimodschen Gekrahm, do bleibt mer ner hibsch farn;<br /></span> -<span class="i0">Zög iech dos ah, iech säß dodrin, wie dr Fluk<a id="FNAnker_2_2"></a><a href="#Fussnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a> in der Lotarn.«<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Dos Stodtvulk (na dos wißt'r schu!) dos ka ar net dersahn:<br /></span> -<span class="i0">»Weil dos de Fliegn niesen härt un a de Mickn gahn!«<a id="FNAnker_3_3"></a><a href="#Fussnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a><br /></span> -<span class="i0">Wenn su a Harrchen aus dr Stodt im Dorfe rimstulziert,<br /></span> -<span class="i0">Do denkt ar: »Du host ah noch nich en Maikafer bolwiert!«<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Nischt ka 'n mehr in de Wulle breng, als wenn zer Summrszeit<br /></span> -<span class="i0">De Stodtleit miet ihrn Rimgelaaf tutschlahn<a id="FNAnker_4_4"></a><a href="#Fussnote_4_4" class="fnanchor">[4]</a> de schiene Zeit;<br /></span> -<span class="i0">Un frögt su aner nach'n Wag, – ar sogts, – dä die sei schlimm!<br /></span> -<span class="i0">Doch denkt ar: »Su a Faullenzer, dar laaft meitog nischt im!«<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Noch en Maa kenn'ch, miet dan dr Görg nischt mehr mag ham za thu;<br /></span> -<span class="i0">Dos is dr neie Harr Schandarm! ('s is wagn dr Sunntigsruh!)<br /></span> -<span class="i0">Wenn ieber dan ward hargezug'n, do hilft ar orndlich miet;<br /></span> -<span class="i0">'s is aner (dos is seine Red) »su vun dr siemten Bitt«.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Ze Mittig sitzen Gung un Maad am Tisch in langer Reih;<br /></span> -<span class="i0">Un zählt sei Fraa de Orgelpfeif'n, mächt angst ihr warn derbei;<br /></span> -<span class="i0">Doch Hansgörg schpricht: »Ner net verzogt, ner fruh sein im Gemiet, –<br /></span> -<span class="i0">Wenn unser Harrgott 's Hasl gibbt, gibbt ar ah 's Grasl miet!«<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">De Liesel, wos sei ältste is (se ward nu achtzah Gahr),<br /></span> -<span class="i0">Die is derpicht (mer sullt's net glaam) uffs Hochzichmachen gar;<br /></span> -<span class="i0">Dr Hansgörg schpricht: Do gibbts noch nischt; kriegst Manner noch wieviel, –<br /></span> -<span class="i0">A jedes Tippel kriegt sei Starz, a jede Barn<a id="FNAnker_5_5"></a><a href="#Fussnote_5_5" class="fnanchor">[5]</a> ihrn Stiel! –<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Su kännt iech viel noch niedrschreim aus Hansgörgs Lexikun,<br /></span> -<span class="i0">Doch mark iech schuh, 's ward eich zeviel, ihr habt schu sott dervun!<br /></span> -<span class="i0">'s is lauter ungehubelts Zeig, – ja, ja, 's is doch racht schlimm,<br /></span> -<span class="i0">Wenn aner net is gut beschlohn su unn'r de Nose<a id="FNAnker_6_6"></a><a href="#Fussnote_6_6" class="fnanchor">[6]</a> rim!<br /></span> -</div></div> - -<p class="right"> -Th. Krausch. -</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_1_1"></a><a href="#FNAnker_1_1"><span class="label">[1]</span></a> In der Kleidung.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_2_2"></a><a href="#FNAnker_2_2"><span class="label">[2]</span></a> Floh.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_3_3"></a><a href="#FNAnker_3_3"><span class="label">[3]</span></a> gähnen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_4_4"></a><a href="#FNAnker_4_4"><span class="label">[4]</span></a> totschlagen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_5_5"></a><a href="#FNAnker_5_5"><span class="label">[5]</span></a> Birnen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_6_6"></a><a href="#FNAnker_6_6"><span class="label">[6]</span></a> Nase.</p></div> -</div> - -<h3 id="sec15">15. Der Volkscharakter der Erzgebirger.</h3> - -<p>Der Erzgebirger ist höflich, gefällig und äußerst genügsam. Gern steht er -dem Fremden Rede, und im Zwiegespräche sucht er unaufgefordert das Beste -zur Unterhaltung beizutragen. Von seiner Genügsamkeit zeugen die einfache -Wohnung und die noch einfachere Kost. Dazu kommt Frohsinn, eine ungemeine -Verträglichkeit und große Liebe zur Reinlichkeit. Im Erzgebirge wird eifrig -gesungen und noch eifriger musiziert. Klostergrab und Breitenbrunn, Kupferberg -und Gottesgab, vor allem aber Preßnitz senden Scharen von Musikern -hinaus in die Welt. Während es anderwärts oft nicht gut thut, wenn zwei<span class="pagenum"><a id="Seite_20">[20]</a></span> -Familien in demselben Hause wohnen, so hausen im Erzgebirge oft drei bis -vier Familien in einer Stube, ohne daß man viel von unfriedfertigen Auftritten -hört; sicherlich ein Beweis, daß die Bewohner sanft und schmiegsam sind. -Der Sinn für Reinlichkeit tritt dem Fremden ungesucht entgegen. Die Gebäude -gefallen meist schon durch ihren gut erhaltenen Bewurf und Anstrich, und das -Innere der Häuser und Hütten erfreut noch mehr durch die daselbst herrschende -Sauberkeit. Die Zimmerwände sind reinlich getüncht, die Dielen weiß gescheuert, -die Haus- und Küchengeräte blank geputzt! Und wenn der Maßstab Liebigs -richtig ist, daß man die Kultur von Volksgruppen nach dem von ihnen verbrauchten -Quantum Seife beurteilen könne, so wird den Erzgebirgern eine bevorzugte -Stellung einzuräumen sein; denn nirgends wird wohl mehr als bei -ihnen gewaschen und gescheuert. In der That macht auch der geringe Mann -im Erzgebirge eher den Eindruck eines verarmten Gebildeten, denn eines armen -Natursohnes. Fragt man den Erzgebirger selbst, was er für die wesentlichste -Eigenschaft seiner Landsleute halte, so wird man sicher zur Antwort bekommen: -»Die Gemütlichkeit!« Ein vieldeutiges Wort, worunter man aber im allgemeinen -das Streben zu verstehen hat, sich und anderen das Leben angenehm zu machen. -Im Gebirge wird eben aufmerksam beachtet, nicht nur was man sagt und was -man thut. Gewandte Personen gelten als »manierlich« und erhalten leicht -Beifall; eckige Naturen werden mit zweifelhaftem Auge, Störenfriede mit Widerwillen -betrachtet. Durch die genannte »Gemütlichkeit« wird allerdings die Geselligkeit -erhöht und ein angenehmer Ton im gegenseitigen Umgang geschaffen, -doch auch die Thatkraft und der Trieb zur Selbsterhaltung abgeschwächt.</p> - -<p>Ganz besonders vor dem Niederländer zeichnet sich der Erzgebirger durch -seine Vorliebe für Tanzvergnügen aus; selbst in den kleinsten Dörfern trifft -man oft mehrere, ziemlich groß angelegte Tanzsäle an. Diese Tanzlust ist -vielleicht die Folge sowohl der zum Sitzen zwingenden Hausindustrie, als auch -der Grundlosigkeit der im Winter verschneiten, im Frühjahr und Herbst aber -aufgeweichten Wege; der Tanz bietet dann oft allein Gelegenheit zu der nötigen -Bewegung.</p> - -<p>An den alten Resten verschwindenden Volkstums und Volksglaubens hängt -der Erzgebirger mit wunderbarer Festigkeit; Sagen und Mären, die sonst verschwunden -sind, haben sich hier erhalten.</p> - -<p>In den erzgebirgischen Familien ist die Überlieferung noch lebendig. Die -alte Ahne im Lehnstuhle, die nicht mehr klöppeln kann, weil ihre Finger zittern, -erzählt den Kleinen die Wundersagen und die besonderen Geschichten des Thals -und des Dorfs, und die bleiben lebendig in den Herzen und Köpfen und werden -von den altgewordenen Hörern weiter vererbt.</p> - -<p>Hier oben ist noch manches lebendig, das anderwärts schon lange tot ist -und mit Moder bedeckt. Hier leben in den langen Winterabenden die Gestalten -der altdeutschen Sagen wieder auf, und leuchtenden Auges lauschen die Kleinen -den Mären von dem reichen Silberherrn, den der Satan geholt, von dem -Bergmann, der die Silberstufen gefunden hat, von dem grauen Männchen in -Schneeberg und dem Schwarzkünstler zu Geyer. Die erzgebirgische Tracht ist -zwar fast ganz verschwunden, – nur vereinzelt sieht man noch den roten -Brustlatz mit blanken Knöpfen, öfter noch die schwarzledernen Hosen und den -Sammetbartel, – aber mit ihr nicht die eigenartige Sitte des Gebirges. Besonders -mächtig ist noch die christliche Sitte. Was im Niederlande schon als -überlebt beiseite geworfen ist, ist in den Bergen noch lebendig. Die christliche -Sitte ist aber nicht nur Äußerlichkeit, sie ist auch ein Ausdruck des christlichen<span class="pagenum"><a id="Seite_21">[21]</a></span> -Sinns des Erzgebirges, der sich nicht nur in seinem Thun und Treiben, nicht -nur in seinem Verhältnisse zur Kirche, sondern auch in seinen Sprichwörtern -und seinen sprichwörtlichen Redensarten kundgiebt. Gemeinsam mit dem Vogtländer -ist ihm die sinnige Feier des Weihnachtsfestes. Was bei jenem die -Krippe, ist bei ihm das Bethlehem, eine Darstellung des Weihnachtswunders, -oft vom Vater geschnitzt, oft auch in den Familien forterbend, um das sich die -Familie zum Feste sammelt. Die Stelle des Lichterbaumes wird, besonders in -den Bergwerksgegenden, durch einen Bergmann vertreten, der ein Licht hält, -oder auch durch einen großen Leuchter.</p> - -<p class="right"> -Nach Prof. Berlet und Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Oertel. -</p> - -<h3 id="sec16">16. Die obererzgebirgische Kirmes.</h3> - -<p>Kahl stehen die Bäume, öde die Felder, der Herbst ist eingezogen und -mischt sich bereits mit den Anfängen des Winters. Da naht das Hauptfest des -Landmanns, die Kirmes. Es setzt schon lange voraus Herzen und Hände in -Bewegung. Alle wollen am Feste geschmückt erscheinen. Die Kinder erbitten -von den Eltern, dort ein neues Paar Hosen, hier eine neue Jacke. Auch die -jungen Leute machen bei dem Dorfschneider ihre Bestellungen, der kaum allen -Aufträgen genügen kann, und die Botenfrau muß den jungen Mädchen bunte, -seidene Bänder und andere Schmucksachen häufiger als sonst aus der Stadt -mitbringen. Auch die Hausfrau hat ihre Pläne für das nahende Fest. Lange -vorher hat sie schon den Rahm gesammelt, um genug Butter zum Kuchenbacken -zu haben, und bereitet nun Käse, läßt Rosinen, Mandeln, Zucker, Hefen u. s. w. -holen, auf daß nichts fehle. Die Kuchen sind bereit und wandern zum Bäcker, -um nach einigen Stunden, fertig und noch rauchend, unter dem Jubel der -Kinder ihren Einzug wieder in das Haus zu halten. – Aber noch andere -Opfer sind nötig. Ein Schwein soll geschlachtet, Sauleed oder Krumbeh, -Schlachtfest gehalten werden. Der Fleischer ist bestellt, der Schlachtzettel besorgt, -Gewürz, Wasser und Brennholz sind schon am Abend vorher herbeigeschafft. -Der späte Herbsttag bricht an, schon knistert das Feuer unter dem Wurstkessel: -da klingelt die Thüre und herein tritt der Fleischer, Brust und Beine bedeckt -die weiße, frisch gemandelte Schürze. Der breite Ledergürtel unter derselben ist -mit Perlen oder Silberplättchen verziert, und an der Seite hängt ein Köcher -mit Messer, Gabel und Wetzstahl. Er verrichtet sein Werk und bald ruht das -tote Schwein in dem bereitstehenden Troge. Mit Hilfe des heißen Wassers -und des Schabeisens sind die Borsten entfernt, das Schwein wird geteilt und -Stücken Fleisch in den brodelnden Kessel geworfen. Endlich ertönt der Ruf: -»Das Wurstfleisch ist fertig« und alles eilt herbei, um an dem leckern Genuß -sich zu laben. Das Schwertelfleisch wird an die Hausgenossen und Nachbarn -verschickt. Nun folgt das Bereiten und Kochen der Würste, das Einsalzen des -aufzuhebenden Fleisches, ein tüchtiges Bratstück ist zur Kirmes ausgesucht und -der Abend schließt mit dem Verzehren der Wurstsuppe und frischer Wurst, als -eine Art Vorfeier des immer näher rückenden Festes. Die ärmeren Nachbarn -holen sich die Wurstbrühe. Nun wird auch das ganze Haus gerüstet, überall -wäscht und kehrt, scheuert und putzt man. Der Kirmessonntag ist da. Beim -Aufgange der Sonne weckt das Blasen eines Chorals vom Thurme durch die -Dorfmusikanten die schlummernden Bewohner. Bald sind alle in der Wohnstube -beim Kaffeetisch versammelt. Die gute Kaffeekanne dampft in der Mitte -der Tassen und daneben locken Teller mit Türmen von Kuchenstücken. Man -thut dem ersehnten Gebäck die möglichste Ehre an, und Teller und Kanne sind -schnell geleert. Der heutige Gottesdienst wird nur spärlich besucht, denn erst<span class="pagenum"><a id="Seite_22">[22]</a></span> -am morgenden Tage, am Montag, ist der eigentliche Kirchweihtag. Ist er -endlich angebrochen und rufen die Glocken zur Kirche, so eilen die festlich geschmückten -Landleute in einzelnen Trupps von allen Seiten nach der lieben -Ortskirche, deren Weihtag ja heute gefeiert wird. Heute darf die Kirchenmusik -nicht fehlen. Wieder ertönt Glockenklang und heraus strömt die Menge, jeder -seiner Wohnung zu. – Welche Freude giebt es bei der Heimkunft. Der Vetter -aus der benachbarten Stadt, die Frau Gevatterin aus einem entfernten Dorfe -und andere geladene Gäste sind eingetroffen. Endlich ist der Tisch gedeckt. -Auf dem Tischtuch von selbsterbautem Flachs prangen Schweine- und Hühnerbraten, -daneben die beliebten Kartoffelklöße und Sauerkraut, weißes Brot und -Bier, vielleicht auch eine Flasche Wein. Alles setzt sich. Auch der zitternde -Großvater im silberweißen Haar rückt seinen altertümlichen Lehnstuhl heran und -von seinem wirtlichen Sohne gebeten, nimmt er das Sammtkäppchen von dem -ehrwürdigen Haupte in die gefalteten Hände und spricht das Tischgebet. Jeder -läßt sich die guten Gerichte wohlschmecken, deren Schluß mächtige Kuchenteller -bilden. Nach Tische machen die Männer einen Gang ins Freie, die Kinder -haben ebenfalls draußen ihre Lust, wo auf Wegen und Stegen ein fröhliches -Leben herrscht. Nur die Frauen bleiben sitzen und erzählen sich bei Kuchen -und Kaffee die neuesten Geschichten. Die rückkehrenden Männer gesellen sich -auch zu ihnen und unter Gespräch und Genuß vergeht die erste Hälfte des -Nachmittags. Später geht man wohl in die Schenke, wo der Tanz der -jüngeren Leute bereits um 3 Uhr begonnen hat. Dort setzt man sich zum -Glase Bier, man spielt einen Skat, auch Schafkopf oder schaut der unermüdlichen -Jugend zu. Um 7 Uhr geht man zum Abendessen nach Hause, das von -der Hausmutter festlich zugerüstet ist. Alt und jung nimmt Platz, die Teller -werden gefüllt und bald ist alles in reger Arbeit. Ist die Rosinensuppe gegessen, -folgt Schweinefleisch mit Zwiebelbrühe, oder Schinken mit Sauerkraut, -dann Karpfen mit Krautsalat, zuletzt wieder Kuchen. An Bier, Branntwein, -selbst an Wein ist kein Mangel. Nach aufgehobener Tafel bleibt man noch -eine Weile beisammen sitzen oder man wandert wieder zur Schenke, wo nun -auch die Verheirateten am Tanz sich beteiligen, bald einen Walzer, bald einen -Rutscher, einen Dreher u. s. w. verlangend. Spät wird die Kirmeslust beschlossen -und mit Kuchenpäckchen beladen ziehen die Gäste dankend heim. – -Dienstag bildet noch eine Art Nachfeier, bis endlich an der Mittwoch Haus -und Arbeit allmählich wieder in das ruhigere Gleis einlenken. – Am nächsten -Sonntag verhallen in der Klein-Kirmes die letzten Klänge und Freuden des -Festes: nur die Erinnerung tröstet noch und die Hoffnung, daß nächstes Jahr -wieder Kirmes ist.</p> - -<p class="right"> -Nach Spieß. -</p> - -<h3 id="sec17">17. Weihnachten im Obererzgebirge.</h3> - -<p>Unter allen Festen des Jahres nimmt im Gebirge unstreitig das Weihnachtsfest -die erste Stelle ein. Bereits einige Tage vor dem heiligen Abend -reinigt die Hausfrau mit ihren Töchtern das ganze Haus, putzt Fenster und -Gefäße und fegt die Stube. Auf die Dielen der Wohnstube streut sie Stroh, -welches auch, so lange die Zwölfnächte dauern, liegen bleibt. Der heilige Abend -gilt schon als halber Feiertag. Erwachsene und Kinder haben ihr Sonntagskleid -angelegt. Aus der Kammer oder aus dem Keller werden die am Andreasabend -gebrochenen Reiser geholt, sie haben in der kurzen Zeit Schößlinge getrieben. -Kaum ist die Sonne zur Rüste gegangen, so vereinigen sich die Familienglieder -zum frohen Mahl, denn heute giebt es »Neunerlei«. Die sonst so sparsame<span class="pagenum"><a id="Seite_23">[23]</a></span> -Hausfrau hat den Ihrigen Klöße, Bratwurst und Linsen, Sauerkraut, Heidelbeeren -und sonstige erzgebirgische Feiertagsspeisen, sodaß sie neun Gerichte bilden, -aufgetischt. Nach dem Essen bestreut der Hausvater einige Brotschnitten mit -Salz und Nußkernen und giebt sie dem Vieh im Stalle, auch dieses soll wissen, -daß heute Weihnachten ist. Auch die Obstbäume im Garten beschenkt er am -Christabend, indem er sie mit einem Strohseile umwindet, aus Dankbarkeit -tragen sie im kommenden Jahre besser. Brot und Salz bleibt im Tischtuche -eingeschlagen auf dem Speisetisch während der Nacht liegen, denn nur dann -geht das ganze Jahr hindurch der Segen nicht aus. Viele verbringen die -Christnacht wachend, um, wie sie sagen, die Metten nicht zu verschlafen. Das -junge Volk vertreibt sich die Zeit durch allerhand Kurzweil. In ein mit Wasser -gefülltes Gefäß gießen die Mädchen durch einen Erbschlüssel flüssiges Blei, aus -der Form des plötzlich erstarrten Tropfens suchen sie die Beschäftigung des zukünftigen -Bräutigams zu erraten. Drei Silberpfennige läßt man in einer mit -Wasser gefüllten Schüssel schwimmen, nähern sie sich, so findet noch im Laufe -des Jahres Hochzeit statt, wozu der Pfarrer, welchen der dritte Pfennig darstellt, -seinen Segen giebt. Ein Auseinanderschwimmen bedeutet die Lösung der -angeknüpften Liebschaft. Die Zwölfzahl, nach den zwölf Monaten, ist bedeutungsvoll -bei all diesen abergläubischen Gebräuchen. Zwölf Schüsseln stellt -man auf den Tisch, worin in der einen ein Brautkranz, in der andern ein -Totenkranz, in der dritten ein Gevattersträußchen u. s. w. liegt, in die vorletzte -aber hat man helles und in die letzte trübes Wasser gegossen. Mit verbundenen -Augen nahet sich die fragende Person; je nach dem Wasser, wonach dieselbe -greift, wird das Jahr trüb oder heiter für sie sein, wehe, wenn sie nach der -Schüssel mit dem Totenkranze die Hand ausstreckte! Zwölf Häufchen Salz -formt der Landmann in der Christnacht und stellt sie in Zwiebelschalen; nach -der Feuchtigkeit, welche sie in der Nacht angezogen haben, läßt sich bestimmen, -welcher Monat trocken oder feucht sein wird. Sind mehrere Töchter im Hause, -so nimmt eine nach der andern einen Schuh und wirft ihn nach der Thür; -zeigt er mit der Spitze nach dem Ausgange, so verläßt das Mädchen im Laufe -des kommenden Jahres das väterliche Haus.</p> - -<p>Man achte auf die durch das Kochen des Wassers im Ofentopf entstandene -Musik, sie prophezeit das kommende Jahr. Um Mitternacht aber, so lange die -Turmuhr die zwölfte Stunde verkündet, spendet das Brunnenrohr draußen im -Hofe lautren Wein! Verschiedene Mitglieder der Kantoreibrüderschaft steigen -nach Mitternacht die steilen Stufen im alten Wachtturme bis zur Türmerwohnung -empor und singen da Weihnachtslieder. Durch die offenen Fenster -schallt der Choral: »Vom Himmel hoch, da komm' ich her etc.« in die schweigende -Winternacht hinaus. Noch ist das Licht der Sterne nicht erblichen, da rufen -die Kirchenglocken zur Christmette. Reich und arm, groß und klein geht zum -Gotteshaus, wohl das ganze Jahr hindurch sieht dasselbe selten eine so zahlreiche -Menge Andächtiger, als an diesem Morgen. Vom Chore herab ertönt -das alte lateinische Weihnachtslied, das in der Übersetzung lautet:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i2">Den die Hirten lobten sehre,<br /></span> -<span class="i0">und die Engel noch viel mehre,<br /></span> -<span class="i0">fürcht euch fürbaß nimmermehre,<br /></span> -<span class="i0">euch ist geboren der König der Ehre.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Zu dem Kön'ge kam'n geritten,<br /></span> -<span class="i0">Gold, Weihrauch, Myrrhen brachten sie mite,<br /></span> -<span class="i0">sie fielen nieder auf ihre Knie,<br /></span> -<span class="i0">gelobt seist du, Herr, allhie!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Freut euch alle mit Maria<br /></span> -<span class="i0">in des Himmels Hierarchia,<br /></span> -<span class="i0">da die Engel singen alle,<br /></span> -<span class="i0">In dem höchsten Thron mit Schalle.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Lobet alle Leut' zugleiche<br /></span> -<span class="i0">Gottes Sohn vom Himmelreiche,<br /></span> -<span class="i0">uns zu Trost ist er geboren,<br /></span> -<span class="i0">Lob und Ehr' sei Gott dem Herrn!<br /></span> -</div></div> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_24">[24]</a></span></p> -<p>Auch die Weissagung aus dem Propheten Jesaias, welche im 9. Kapitel -steht und mit den Worten anhebt: »Das Volk, so im Finstern wandelt, sieht -ein großes Licht etc.« wird gesungen. Ein jeder Kirchgänger hat sein eigenes -Mettenlicht mitgebracht, der Lichtstumpf wird später daheim heilig aufbewahrt, -denn zündet man denselben während eines Gewitters an, so schlägt der Blitz -nicht ein, so behauptet wenigstens der Aberglaube. Die letzten Klänge der -Orgel sind kaum verklungen, so eilt schon die frohe Kinderschar den elterlichen -Wohnungen zu, in ihrer Abwesenheit hat ja das Christkind seine Gaben ausgebreitet. -Der Leuchter, welcher auch in der ärmsten Hütte nicht fehlt, ist angezündet, -die Pyramide dreht sich, der »Berg« strahlt im hellsten Kerzenlicht. -Der Berg ist ein in der Stubenecke terrassenförmig aufgebauter Paradiesgarten -mit Hirsch und Jäger, mit Stall und Krippe, mit Engel und Stern, kurz mit -allem, was der Vater in den langen Winterabenden für seine Lieblinge zusammenbaute. -Heller jedoch als die Lichtlein strahlen die Augen der beglückten -Kleinen.</p> - -<p>Die Christnacht ist die erste Nacht der Zwölfnächte. Da muß man auf -die Träume achten, da sie in Erfüllung gehen. Die Zwölfnächte werden im -Erzgebirge auch wohl Innert- oder Internächte genannt, also Zwischennächte, -da sie zwischen dem heiligen Abend vor der Christnacht und demjenigen vom -Hohenneujahrstage liegen.</p> - -<p>In Geyer knüpft sich an den Mettenbesuch folgende Sage: Ein altes -Mütterchen, welches von Kindheit an gewöhnt war, die Christmetten zu besuchen, -legte sich nicht schlafen, damit sie den Ruf der Glocken nicht überhöre. Die -Wanduhr war stehen geblieben, da schien es ihr, als riefen die Glocken zur -Kirche. Rasch macht sie sich zum Kirchgange auf, die großen Bogenfenster der -Kirche waren auch schon hell erleuchtet. Wie früher hatte ein jeder Kirchgänger -sein Mettenlicht angezündet, die Weissagung wurde gesungen, so auch das <em class="antiqua">Quem -pastores</em>. Nur däuchte es ihr, als ob die Andächtigen bleicher als sonst aussähen -und als sie näher hinschaute, waren es lauter Verstorbene. Eine Nachbarin -zupfte sie am Kleid und wisperte ihr ins Ohr: »Gevatterin, Ihr seid zu -früh und deshalb in die Totenmetten gekommen, dort seht Ihr die Schattenbilder -derer, die in dem kommenden Jahre die unseren werden. Damit Ihr -nicht auch dazu kommt, so werft beim Verlassen der Kirche Euern Mantel ab.« -Erschreckt verließ das Mütterchen die Kirche, that aber, wie ihr die Gevatterin -geheißen. Am andern Morgen fanden die Kirchgänger auf jedem Grabe des -Friedhofes, welcher die Kirche umgiebt, ein Stückchen von dem Mantel, den die -alte Frau beim Besuch der Totenmetten getragen hatte.</p> - -<p class="right"> -Nach Spieß. -</p> - -<h3 id="sec18">18. Die Weihnachtsspiele im Obererzgebirge.</h3> - -<p>Weihnachtsspiele gab es noch in den beiden ersten Jahrzehnten unseres -Jahrhunderts im Erzgebirge und in dessen Nähe allenthalben, vorzüglich aber -waren sie da heimisch, wo Bergbau getrieben wird, und Bergleute waren auch -meist die Darsteller. Es gab zwei verschiedene Arten von Christspielen, die -Engelschar und die Königschar. Eigentlich hießen so die Gesellschaften, welche -sich gebildet hatten, um die Geburt Christi darzustellen, aber man bezeichnete -die Spiele selbst auch mit diesem Namen. Die Engelschar bildeten zwei Engel in -weißen Kleidern, mit Flügeln und hohen goldpapiernen Kronen; dann der heilige -Christ selbst, der hier seltsamer Weise in Mannesgestalt auftritt, während die -Geschichte von seiner Geburt aufgeführt wird, der Bischof Martin und der<span class="pagenum"><a id="Seite_25">[25]</a></span> -heilige Nikolaus, statt dessen an andern Orten Petrus auftrat, welche ebenfalls -in langen, weißen Gewändern gingen und Kronen trugen, während Christus -das Zepter, Martin eine Rute, Nikolaus einen grünen Zweig, Petrus einen -großen, gelben Schlüssel in der Hand hielt; ferner Josef, Maria, der Wirt, -zwei Hirten und der Knecht Ruprecht. Diese zogen von Haus zu Haus. Der -heilige Christ fragte nach dem Fleiß und der Folgsamkeit der Kinder, Martin -mußte sie im Katechismus prüfen und Gebete aufsagen lassen, Ruprecht schreckte -die Ungehorsamen durch seine Drohungen, der heilige Christ aber beschenkte die -Artigen; dann wurden die Geburt Christi im Stalle zu Bethlehem, die Verkündigung -an die Hirten auf dem Felde und die Anbetung der Hirten im Stalle -dargestellt und an passenden Stellen Weihnachtslieder gesungen; zuletzt verabschiedete -sich Christus und die ganze Schar mit einer Ermahnung an die Kinder.</p> - -<p>Diese Art der Weihnachtsspiele ist wahrscheinlich die älteste. Als unsere -Vorfahren noch Heiden waren, so glaubten sie, daß in den zwölf Nächten nach -dem heidnischen Feste der Wintersonnenwende die Götter sichtbar auf Erden -herumzögen, und viele der noch heute üblichen Weihnachtsgebräuche deuten noch -auf diesen Glauben hin; selbst die zu Weihnachten und zum neuen Jahre in -manchen Gegenden vorgeschriebenen Speisen sollen ursprünglich Opfermahlzeiten -gewesen sein. Es ist leicht möglich, daß in dieser Zeit die heidnischen Priester -als Götter verkleidet umherzogen, um das Volk oder wenigstens die Kinder in -Ehrfurcht vor den Göttern zu erhalten. Als aber die Deutschen Christen -wurden, behielt man die alte Sitte bei, nur traten an die Stelle der alten -Götter Christus, Maria und andere heilige Personen; nur der Ruprecht, dessen -Name »der Ruhmesprächtige« bedeutet und der eigentlich der Gott Thor der -alten Deutschen gewesen sein soll, der Gott des Donners, blieb noch bei der -Schar, aber nicht als Gott, sondern als schreckende Knechtsgestalt, wie wir ja -wissen, daß die Geistlichen, da sie die Furcht vor den alten Göttern nicht ausrotten -konnten, sie wenigstens als böse oder finstere Mächte darstellten. Bemerkenswert -ist auch der Umstand, daß die Engelschar, wie die Leute sich ausdrücken, -»das Recht zu gehen«, d. h. herumzuziehen, vom ersten Advent bis -zum Neujahr oder Hohenneujahr hatte; vom Hohenneujahr bis zur Lichtmeß -hielt dann die Königschar ihre Umzüge. Diese bestand aus zwei Engeln, Josef, -Maria, dem Wirt, zwei oder drei Hirten, den drei Weisen oder Königen aus -dem Morgenlande, Herodes, seinem Diener und einem Schriftgelehrten und -führte die ganze Geschichte von der Geburt Christi bis zum Kindermord in -Bethlehem auf, und zwar in der Regel nicht von Haus zu Haus ziehend, -sondern in einem größeren Zimmer oder Saal, wo die Zuschauer sich vorher -versammelt hatten. An einigen Orten kennt man die Engelschar gar nicht, man -nennt dann die Spieler auch nicht die Königschar, sondern die Heiligenchristspieler.</p> - -<p>Das Obererzgebirge war früher der eigentliche Mittelpunkt der Weihnachtsspiele. -In Annaberg gab es selbst eine Gesellschaft, meist aber kamen die Gesellschaften -der umliegenden Ortschaften, die in der Stadt ihre Christspiele aufführten. -In der Umgegend von Annaberg giebt es fast keinen Ort, der nicht -früher seine Engel- oder Königschar oder beide zugleich hatte. Noch in den -50er Jahren bestand eine Königschar in Frohnau. 1838 wurde dieselbe das -letzte Mal in Wiesa aufgeführt. In <em class="gesperrt">Hermannsdorf</em> hat die Engelschar am -Anfange dieses Jahrhunderts ihr letzte Weihnachtsspiel aufgeführt. 1850 -spielte man in Königswalde das letzte Mal. In <em class="gesperrt">Raschau</em> gab es noch 1850 -das Dreikönigsspiel; ebenso in Grünhain und Crottendorf. In Geyer spielte -die Engelschar etwa 1810 zum letzten Male. In Grumbach spielte man noch<span class="pagenum"><a id="Seite_26">[26]</a></span> -1836–40. In den 40er Jahren bestand die Bärensteiner Engelschar noch. -Die allerjüngste Aufführung der Engelschar geschah 1857 in Mildenau. – In -neuester Zeit sind mehrfach Weihnachtsspiele veröffentlicht und mit Erfolg aufgeführt -worden.</p> - -<p class="right"> -Nach Mosen. -</p> - -<h3 id="sec19">19. Erzgebirgische Heilige Christfahrt aus der Zeit des -30jährigen Krieges.</h3> - -<p>Die älteste Form des erzgebirgischen Weihnachtsspieles waren die einfachen -Hirtenspiele, welche die Verkündigung der Geburt Christi auf dem Felde und -die Anbetung des Christkindes durch die Hirten behandelten. Hierzu kamen -dann die »Heilige Christfahrten« und die »Drei Königsspiele«. Aus der Verbindung -der »Heiligen Christfahrt« mit dem altüblichen Hirtenspiele ging die -»Engelschar«, aus der Verbindung des »Drei Königsspiels« mit demselben die -»Königsschar« hervor. Während »Engelscharen« und »Königsschar« vielfach -erhalten sind, finden sich »Heilige Christfahrten« nur selten.</p> - -<h4>Eine Komödia, -welche am heiligen Weihnachtsabend die Lengenfelder Jugend aufführt.</h4> - -<p class="center">1631</p> - -<p><em class="gesperrt">Personen</em>:</p> - -<ul class="index"> -<li>Gabriel.</li> -<li>Der Heiland.</li> -<li>Nikolaus.</li> -<li>Raphael.</li> -<li>Uriel.</li> -<li>Michael.</li> -</ul> - -<p><em class="gesperrt">Der Engel Gabriel.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Fried, Freud und ewig Seligkeit<br /></span> -<span class="i2">Sei euch allen von Gott bereit,<br /></span> -<span class="i0">Auch ein glückselig neues Jahr<br /></span> -<span class="i2">Geb euch Gott und immerdar!<br /></span> -<span class="i0">Weil heut zu dieser Abendzeit<br /></span> -<span class="i2">Die ganze werte Christenheit<br /></span> -<span class="i0">Sich freuen thut des heil'gen Christ,<br /></span> -<span class="i2">Der jetzt gar noch vorhanden ist,<br /></span> -<span class="i0">Insonderheit die Kinderlein<br /></span> -<span class="i2">An diesem Abend die frömmsten sein,<br /></span> -<span class="i0">Indem sie nach den schönen Gaben<br /></span> -<span class="i2">Ein herzliches Verlangen haben,<br /></span> -<span class="i0">So hat mich das Christkindelein<br /></span> -<span class="i2">Jetzt selbst zu euch gesandt herein,<br /></span> -<span class="i0">Daß ich euch seine Gegenwart<br /></span> -<span class="i2">Anzeigen soll zu dieser Fahrt,<br /></span> -<span class="i0">Und ihm bereite seinen Thron,<br /></span> -<span class="i2">Darauf sich setz der Gottessohn.<br /></span> -<span class="i0">Darum, ihr lieben Kinderlein,<br /></span> -<span class="i2">Seid still, merkt auf und lernet fein<br /></span> -<span class="i0">Alles, was euch der heil'ge Christ<br /></span> -<span class="i2">Befehlen wird zu dieser Frist.<br /></span> -</div></div> - -<div class="regie"> -<p>Hierauf klopft ein anderer Engel oder auch -statt des Engels ein Bauer draußen an die -Thür und spricht:</p></div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Glück denen, die darinnen sein,<br /></span> -<span class="i2">Macht auf, macht auf und laßt uns ein!<br /></span> -</div></div> - -<div class="regie"> - -<p>Dann tritt der Heiland ein, dem der Engel -Michael vorangeht.</p></div> - -<p><em class="gesperrt">Der Heiland.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Eine kurze Zeit verlaufen ist,<br /></span> -<span class="i2">Daß ich, genannt der heil'ge Christ,<br /></span> -<span class="i0">Mein' treuen Diener in alle Land<br /></span> -<span class="i2">Nicolaum hab' ausgesandt,<br /></span> -<span class="i0">Daß er zum Gebet und Frömmigkeit<br /></span> -<span class="i2">Die kindlich Jugend mach bereit.<br /></span> -<span class="i0">Weil aber die Zeit vorhanden ist,<br /></span> -<span class="i2">In welcher beschert der heil'ge Christ,<br /></span> -<span class="i0">So bin ich selber kommen rein,<br /></span> -<span class="i2">Zu sehen, ob die Kinderlein<br /></span> -<span class="i0">Gelebt han nach mein' Gebot,<br /></span> -<span class="i2">Ob sie auch treulich gefürchtet Gott,<br /></span> -<span class="i0">Ob sie auch meinen Namen geehrt<br /></span> -<span class="i2">Und fleißig Gottes Wort gehört,<br /></span> -<span class="i0">Ob sie Vater und Mutter fein<br /></span> -<span class="i2">Gehorcht und gehorsam gewest sein.<br /></span> -<span class="i0">Darum, ihr Eltern, so saget an,<br /></span> -<span class="i2">Wie sich die Kinder gehalten han.<br /></span> -</div></div> - -<div class="regie"> - -<p>Beklagen sich die Eltern über ihre Kinder, so -spricht der Heiland:</p></div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Der Eltern kläglicher Bericht<br /></span> -<span class="i2">Erfreut mich itzund wahrlich nicht.<br /></span> -<span class="i0">Darum ich billig Ursach hab,<br /></span> -<span class="i2">Diesen Kindern durchaus keine Gab<br /></span> -<span class="i0">Zu geben. Drum nehmt, ihr Diener mein,<br /></span> -<span class="i2">Die Gaben, so ihr bracht herein.<br /></span> -<span class="i0">Ich weiß noch frömmer Kinderlein,<br /></span> -<span class="i2">Da woll'n wir jetzund kehren ein<br /></span> -<span class="i0">Und ihnen geben die schönen Gaben,<br /></span> -<span class="i2">Die sie gar wohl verdienet haben.<br /></span> -</div></div> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_27">[27]</a></span></p> -<div class="regie"> - -<p>Beklagen sie sich aber nicht, so hebt Uriel an -zu klagen:</p></div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ja, lieben Eltern, es wäre fein,<br /></span> -<span class="i2">Wenn eure lieben Kinderlein<br /></span> -<span class="i0">Sich so verhielten, wie ihr bericht,<br /></span> -<span class="i2">Mein Mund aber ein andres spricht.<br /></span> -<span class="i0">Als ich und der vor wenig Tagen<br /></span> -<span class="i2">Vor diesem Haus vorüber zogen,<br /></span> -<span class="i0">War ein groß Geschrei und großer Saus<br /></span> -<span class="i2">Von euern Kindern in euerm Haus.<br /></span> -<span class="i0">Sie schrien und blökten so schrecklich,<br /></span> -<span class="i2">Daß wir beide entsetzten sich.<br /></span> -<span class="i0">Solchs ich nun nicht verschweigen kann,<br /></span> -<span class="i2">Sondern dem heil'gen Christ zeigen an.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Darauf der Heiland</em>:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Meines Knechts kläglicher Bericht<br /></span> -<span class="i2">Erfreut mich itzund wahrlich nicht<br /></span> -<span class="i10">u. s. w. (wie oben).<br /></span> -</div></div> - -<div class="regie"> - -<p>Nikolaus tritt für die Kinder ein und spricht:</p></div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">O frommer Christe, Gottes Sohn,<br /></span> -<span class="i2">Der armen Kindlein doch verschon.<br /></span> -<span class="i0">Siehe doch, wie ihre Äugelein<br /></span> -<span class="i2">Und Mündlein auf dich gerichtet sein.<br /></span> -<span class="i0">Ach sieh, wie stehen sie so traurig,<br /></span> -<span class="i2">Ach sollt es nicht erbarmen dich,<br /></span> -<span class="i0">Bist du doch sonst gütig und milde,<br /></span> -<span class="i2">Freundlich und rechter Lieb ein Bilde,<br /></span> -<span class="i0">Insonderheit den Kindelein<br /></span> -<span class="i2">Pflegst du hold und gewogen sein,<br /></span> -<span class="i0">Sie sein unverständig und klein,<br /></span> -<span class="i2">Wissen noch nicht, was recht mag sein.<br /></span> -<span class="i0">Drum laß dein Zorn bald vergehen<br /></span> -<span class="i2">Und bleib allhier bei ihnen stehen.<br /></span> -<span class="i0">Thu anhören die Kinderlein!<br /></span> -<span class="i2">Vielleicht sie frömmer werden sein.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Der Heiland.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Nikolaus, du treuer Knecht,<br /></span> -<span class="i2">Du erinnerst mich jetzund recht,<br /></span> -<span class="i0">Drum geh jetzt hin und stell vor dich<br /></span> -<span class="i2">Die Kinderlein fein ordentlich.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Nikolaus.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Das der heil'ge Christ befohl'n allzeit<br /></span> -<span class="i2">Treulich zu thun bin ich bereit.<br /></span> -<span class="i0">Darum, ihr lieben Kinderlein,<br /></span> -<span class="i2">Stellt euch hier in die Ordnung fein<br /></span> -<span class="i0">Und thut hersagen, was ihr habt<br /></span> -<span class="i2">Gelernt nach meinem Mandat.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Der Heiland.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Für mich dürft ihr euch fürchten nicht,<br /></span> -<span class="i2">Euch guts zu thun bin ich verpflicht.<br /></span> -<span class="i0">Mein Nam' ist Gott, mein Thun ist gut,<br /></span> -<span class="i2">Mein Feind ist der, so Schaden thut.<br /></span> -<span class="i0">Ich hab mit mir viel schöner Gaben<br /></span> -<span class="i2">Für Mägdlein und für junge Knaben,<br /></span> -<span class="i0">Welche ich denen thu geben,<br /></span> -<span class="i2">Die schön und hübsch können beten.<br /></span> -<span class="i0">Drum kommt, ihr lieben Kinderlein,<br /></span> -<span class="i2">Heran zu mir und betet fein!<br /></span> -</div></div> - -<div class="regie"> - -<p>Nachdem die Kinder ihre Gebete hergesagt, -spricht der Heiland:</p></div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Das gefällt mir aus der Maßen wohl,<br /></span> -<span class="i2">Drum ich euch billig lohnen soll.<br /></span> -<span class="i0">Wohlan, Nikolaus, Diener mein,<br /></span> -<span class="i2">Teil aus die Gaben den Kinderlein!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Nikolaus.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Es soll geschehen, drum nehmet jetzt<br /></span> -<span class="i2">Die Gaben, die der heil'ge Christ<br /></span> -<span class="i0">Jetzt geben thut euch Kinderlein,<br /></span> -<span class="i2">Dieweil ihr noch könnt beten fein.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Der Heiland.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ihr Kinderlein, nehmt so vor gut<br /></span> -<span class="i2">Und habt damit ein' guten Mut.<br /></span> -<span class="i0">Wenn ihr hinfort werd't frömmer sein,<br /></span> -<span class="i2">So will ich thun den Dienern mein<br /></span> -<span class="i0">Befehl'n, daß sie euch viel mehr<br /></span> -<span class="i2">Gaben heut diese Nacht bescher'n.<br /></span> -<span class="i0">Ich will euch auch geben allzeit<br /></span> -<span class="i2">Langes Leben und gute Gesundheit.<br /></span> -<span class="i0">Desgleichen all mein Engelein<br /></span> -<span class="i2">Soll'n euer Hüter und Wächter sein.<br /></span> -<span class="i0">Wohlauf, ihr Diener, allzumal<br /></span> -<span class="i2">Singt und lobt Gott mit Freudenschall.<br /></span> -</div></div> - -<div class="regie"> - -<p>Dann singt man ein Lied und Michael sagt -zum Schluß:</p></div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Hiermit von hinnen scheiden wir<br /></span> -<span class="i2">Und wünsche, daß mögt erleben ihr<br /></span> -<span class="i0">In Fried und guter Gesundheit<br /></span> -<span class="i2">Das künftig Jahr und allezeit.<br /></span> -<span class="i0">Darzu auch denn der Engel Schar<br /></span> -<span class="i2">Wünscht ein glückselig neues Jahr.<br /></span> -<span class="i0">Ihr Kindlein habt ein gute Nacht,<br /></span> -<span class="i2">Was ihr gehört, fleißig betracht.<br /></span> -<span class="i0">Der Segen Gottes sei mit euch,<br /></span> -<span class="i2">Zu teil werd euch das Himmelreich.<br /></span> -<span class="i0">Guter Fried sei stets in dem Haus<br /></span> -<span class="i2">Allen, die gehen ein und aus!<br /></span> -</div></div> - -<p class="right"> -Nach den Kirchl. Mitteilungen aus Zwickau und Umgegend. -</p> - -<h3 id="sec20">20. Erzgebirgische Weihnachtslieder.</h3> - -<h4><em class="antiqua">a.</em> Dr Weihnachts-Heiligohmd.</h4> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Heit is dr Heil'ge Ohmd! Ihr Maad,<br /></span> -<span class="i2">Kommt rei! mr gießn Blei!<br /></span> -<span class="i0">Rick', laaf geschwind zor Hanne-Christ:<br /></span> -<span class="i2">Se soll bei Zeitn rei!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Mr hoom ne Lächter a'gebrannt!<br /></span> -<span class="i2">Satt nauf, ihr Maad! die Pracht!<br /></span> -<span class="i0">Do drihm bei eich is a racht fei:<br /></span> -<span class="i2">Ihr hatt ä Sau geschlacht!<br /></span><span class="pagenum"><a id="Seite_28">[28]</a></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Iech ho mr ah ä Licht gekaaft<br /></span> -<span class="i2">Fer zwee-ä-zwanzig Pfeng.<br /></span> -<span class="i0">Gih, Hanne, hul' ä Tippl rei:<br /></span> -<span class="i2">Mei Lächter is ze eng!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Kaar! zind ä Weihrauchkerzl a',<br /></span> -<span class="i2">Doß 's nooch Weihnachten riecht!<br /></span> -<span class="i0">Und stell's neer off dos Scherbel hie,<br /></span> -<span class="i2">Dos unnern Uf'n liegt!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Lott'! dortn off der Hühnersteig,<br /></span> -<span class="i2">Do liegt menn Lob sei Blei:<br /></span> -<span class="i0">Na, rafl neer net su dort rim,<br /></span> -<span class="i2">Sist werd dr Krienerts schei!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Denn 's Mannvolk hot sei Fraad an wos,<br /></span> -<span class="i2">Sei's ah an wos neer will:<br /></span> -<span class="i0">Mei Voter hot's an Vuglstelln,<br /></span> -<span class="i2">Dr Kaar, dar hot's an Spiel.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Iech gieß fei erscht! … Wann krieg iech dä?<br /></span> -<span class="i2">Satt har! … enn Zwacknschmied! …<br /></span> -<span class="i0">De Kaarlin' lacht: – die denkt gewieß,<br /></span> -<span class="i2">Iech meen ihrn Richter-Fried!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Mr hoom ah sachzn Butterstolln<br /></span> -<span class="i2">Su lank wie de Ufnbank:<br /></span> -<span class="i0">Ihr Maad, do werd gefrassn warn!<br /></span> -<span class="i2">Mr warn noch alle krank!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Mr hoom ah Neinerleer gekocht!<br /></span> -<span class="i2">Ah Worscht mit Sauerkraut!<br /></span> -<span class="i0">Mei Mutter hot sich o'geplogt,<br /></span> -<span class="i2">Die ale gute Haut!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Rick'! brock de Sammlmillich ei!<br /></span> -<span class="i2">Nasch ober net drvu!<br /></span> -<span class="i0">Ihr Gunge, werft känn Respl ro'<br /></span> -<span class="i2">In's Heilig-Ohm'nd-Struh!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">War giht dä iber'n Schwammetopp?!<br /></span> -<span class="i2">Nu Henner! ruhst de net?<br /></span> -<span class="i0">Nu wart neer: wenn dr Voter kimmt,<br /></span> -<span class="i2">Mußt warlich glei ze Bett!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Nä horcht neer mol in Uf'ntopp<br /></span> -<span class="i2">Dos Rumpln und dos Geing!<br /></span> -<span class="i0">Na, weil es neer net winsln thut!<br /></span> -<span class="i2">– Denn sist bedätt's noch Leing.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Ne Heiling Ohmd im Mitternacht,<br /></span> -<span class="i2">Do läfft statt Wasser Wei.<br /></span> -<span class="i0">Wenn iech mich neer net färchtn thät,<br /></span> -<span class="i2">Iech hult' enn Topp voll rei.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Denn drihm an Nachbersch Wassertrug,<br /></span> -<span class="i2">Do stiht ä grußer Ma',<br /></span> -<span class="i0">Und war net rachte Tatzn hot,<br /></span> -<span class="i2">Dann läßt er gar net na'!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Lob'! hul' drweil benn Hanne-Lieb<br /></span> -<span class="i2">Ne Votr ä Kannl Bier!<br /></span> -<span class="i0">Und wenn de kimmst, do singe mr:<br /></span> -<span class="i2">»Ich freue mich in dir –«.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Ihr Kinner, gitt in's Bett nu nauf:<br /></span> -<span class="i2">Dr Seeger zeigt schu Ees.<br /></span> -<span class="i0">Epp mir Weihnachtn widr erlaam? …<br /></span> -<span class="i2">– wie Gott will, su gescheh's!<br /></span> -</div></div> - -<h4><em class="antiqua">b.</em> Ä annersch Weihnachtslied.</h4> - -<p class="center smaller">('n Hannerl sei Liedl.)</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Schwenzelenz! heit bie iech fruh!<br /></span> -<span class="i0">'s wor mr lange Zeit net su!<br /></span> -<span class="i2">Will heit Teewes machn!<br /></span> -<span class="i0">Kinner, iech ho Gald wie Hei,<br /></span> -<span class="i0">'s känne lächt zwee Tholer sei:<br /></span> -<span class="i2">Ja, drim ka' iech lachn!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Satt dos Heiligohmd-Licht a'!<br /></span> -<span class="i0">'s sei fei ruthe Bliemle dra'<br /></span> -<span class="i2">Und ä klaans Gesprichl!<br /></span> -<span class="i0">Ho zwee Grosch drfür bezohlt,<br /></span> -<span class="i0">Salwer 's su schie a'gemolt<br /></span> -<span class="i2">Wie ä Taffet-Tichl!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Fix! ne Krunelächter ro',<br /></span> -<span class="i0">Dann iech zammgebitzlt ho<br /></span> -<span class="i2">Und vergoldt su machtig!<br /></span> -<span class="i0">Satt die golding Engele!<br /></span> -<span class="i0">Zwischen Sträuchle wackeln se!<br /></span> -<span class="i2">A! dos sieht su prachtig! –<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Su! nu is er a'gezündt:<br /></span> -<span class="i0">Ei wie schie dr Lächter brinnt!<br /></span> -<span class="i2">'s kloppt mrsch Harz vor Fraadn!<br /></span> -<span class="i0">Ach, die Schwarzbeer-Sträuchle sei,<br /></span> -<span class="i0">A'gesah bei Licht, su fei!<br /></span> -<span class="i2">Thunne racht schie klaadn!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Söll de ganze Sach wos taang,<br /></span> -<span class="i0">Müssmr ah ä Pfeifl raang:<br /></span> -<span class="i2">Drim will iech aans stoppn!<br /></span> -<span class="i0">Do – dr Kopp von Porzelie:<br /></span> -<span class="i0">Is dar epper net racht schie?<br /></span> -<span class="i2">Muß ne erscht auskloppn.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Noochert will iech hutzn gih.<br /></span> -<span class="i0">Heit beschert ne Kinnern schie!<br /></span> -<span class="i2">'s is ju heit Bornkinnl!<br /></span> -<span class="i0">Komme ah de Maadle nooch!<br /></span> -<span class="i0">Bie dann Grethn gut mei Tog:<br /></span> -<span class="i2">'s is ä lus's Gesinnl!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Bie ä led'ger Boss und ho<br /></span> -<span class="i0">Nooch enn Schatz ball dort, ball do<br /></span> -<span class="i2">Schu gestrabt von Harzn: –<br /></span> -<span class="i0">Ober dos is wunnerlich!<br /></span> -<span class="i0">Kaane thut, als will se mich!<br /></span> -<span class="i2">– na, iech ka's vrschmarzn! –<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Gute Nacht drweil, ihr Leit!<br /></span> -<span class="i0">Weckt miech morng ze rachter Zeit!<br /></span> -<span class="i2">Morng giht's in de Mettn!<br /></span> -<span class="i0">Wemmer su de halbe Nacht<br /></span> -<span class="i0">Hot fei lustig zugebracht,<br /></span> -<span class="i2">Kreicht mr in de Bettn.<br /></span> -</div></div> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_29">[29]</a></span></p> - -<h3 id="sec21">21. Michel's Erzählung vom Annaberger Vogelschießen.</h3> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Doletzt wor iech in Annebarg,<br /></span> -<span class="i2">(Gevatter, losst Eich grißn!)<br /></span> -<span class="i0">Do ho iech's Maul weit aufgesperrt:<br /></span> -<span class="i2">Do war ä Vuglschießn!<br /></span> -<span class="i0">Wos mr fer Zeich in Stedn macht! …<br /></span> -<span class="i0">Ze Schanden ho iech miech gelacht.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Frih Morngs, wie de Sonn aufgieng,<br /></span> -<span class="i2">Do fieng ah a' dr Rummel:<br /></span> -<span class="i0">Zwee Grenadierer ranntn rim<br /></span> -<span class="i2">Off'n Gassn mit dr Trummel;<br /></span> -<span class="i0">Die schlu'ng ganz drbarmlich drauf<br /></span> -<span class="i0">Und wecktn do de Herr'n auf.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Nu mochtn welche drunner sei,<br /></span> -<span class="i2">Die's gar verschlofn hattn:<br /></span> -<span class="i0">Drim pumpertn se nochmol nei,<br /></span> -<span class="i2">Und dos off all'n Gassn.<br /></span> -<span class="i0">Nooch liefn d'Herrn in's Rothaus nei;<br /></span> -<span class="i0">Kä Fraa war oder net drbei.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Do brachtn se enn Ma' gefihrt<br /></span> -<span class="i2">(Dacht', 's wär ä armer Sinder –),<br /></span> -<span class="i0">Dann hattn se schie ausgeziert,<br /></span> -<span class="i2">Glaabt mir'sch, ihr Harznskinder!<br /></span> -<span class="i0">Ne ganzn Rock mit Blach behängt! …<br /></span> -<span class="i0">Möcht wissn, war setts Zeich drdenkt! –<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Nu liefn alle Leit drzu<br /></span> -<span class="i2">Und freetn sich net wenig.<br /></span> -<span class="i0">Dar Ma' sooch schwarz und gar net fruh:<br /></span> -<span class="i2">Se sahtn, 's wär dr »König«!<br /></span> -<span class="i0">Iech wollt eich schwörn bei meiner Seel:<br /></span> -<span class="i0">Dar Kienig hält sist Knöppln feel.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Dann fihrtn se de Gassn nauf<br /></span> -<span class="i2">Mit Pfeifn und mit Trummeln<br /></span> -<span class="i0">Un alt und gung lief ah vurauf …<br /></span> -<span class="i2">Dos war ä Lärm un Tummeln!<br /></span> -<span class="i0">Ä Ma' ä Stangl hot imwundn<br /></span> -<span class="i0">Und ene Schärz schie na'gebundn.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Und vornewack do gieng ä Ma',<br /></span> -<span class="i2">Dar trug enn hölzern Vugl;<br /></span> -<span class="i0">Off'n Schießhaus trof mr noch enn a':<br /></span> -<span class="i2">Dar sooch eich erscht racht nubel!<br /></span> -<span class="i0">Dar war, su wahr dr Himmel labt,<br /></span> -<span class="i0">Mit Gold un Silber ganz beklabt!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Iech meent': se würn dann Vugl wuhl<br /></span> -<span class="i2">Dann gnading Kienig schenken;<br /></span> -<span class="i0">Da wür ne noochert in de Kerch<br /></span> -<span class="i2">Neihänge zon A'denkn …<br /></span> -<span class="i0">Do oder wur eich gar nischt draus:<br /></span> -<span class="i0">Se spießt'ne off ne Stang uhm naus.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Nu dacht' iech oder ganz gewieß:<br /></span> -<span class="i2">Neer deshalb wär'sch geschah,<br /></span> -<span class="i0">Doß alle Leit racht u'schennirt<br /></span> -<span class="i2">Dann Vugl könntn sah.<br /></span> -<span class="i0">Denn weil dos Dink viel Arwett kust,<br /></span> -<span class="i0">Sääch jeder dodra seine Lust.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Doch – denkt eich neer dos Kinnerspiel:<br /></span> -<span class="i2">Se hattn gruße Bügel!<br /></span> -<span class="i0">Do schnelltn se gar grasslich viel<br /></span> -<span class="i2">Nauf kläne, gruße Prügel!<br /></span> -<span class="i0">Korzrim: es wurn Kopp, Flügel, Schwanz<br /></span> -<span class="i0">In ener Stund gottgar zmoranzt!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Nu sogt mr neer! … die tolle Walt! …<br /></span> -<span class="i2">Ä setts Dink ze zerschmeißn! …<br /></span> -<span class="i0">– Ä Voter, dar off Ordning hält,<br /></span> -<span class="i2">Läßt Kinnern nischt zerreißn:<br /></span> -<span class="i0">De Altn wolln gescheidter sei?! …<br /></span> -<span class="i0">Und schmeißn gar mit Prügeln drei?! …<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Nu sooch iech eich zon Stadt-Thur raus<br /></span> -<span class="i2">Viel gruße Weibsn kumme.<br /></span> -<span class="i0">Iech dacht: »Wenn die dann Vugl sah …<br /></span> -<span class="i2">Do warn se tichtig brumme!«<br /></span> -<span class="i0">Zerbricht mol Unner-eens enn Topp,<br /></span> -<span class="i0">Do zankt de Fraa: »Du Duselkopp!«<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Doch käne, käne saht ä Wort!<br /></span> -<span class="i2">Se hattn neer Vergnieng! …<br /></span> -<span class="i0">War eich ä Stick von Vugl hatt,<br /></span> -<span class="i2">Dar gieng und ließ sich's wieng.<br /></span> -<span class="i0">De Weibsn schossn mit enn Ding<br /></span> -<span class="i0">Von Eisn, dos an Schnür'l hing.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Aus ener Bud do bliesn raus<br /></span> -<span class="i2">Ä dutznd Mussegantn;<br /></span> -<span class="i0">Grod-rüber stahnd ä Leimet-Haus<br /></span> -<span class="i2">Fer Kienigs A'verwandtn.<br /></span> -<span class="i0">Do gienge gar viel Weiber nei: –<br /></span> -<span class="i0">Sölln Die dä alle seine sei? …<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">De Aa'ng hattn nu genunk,<br /></span> -<span class="i2">Doch net es Maul, dr Moong;<br /></span> -<span class="i0">Denn alles, wos mr ooß und trunk,<br /></span> -<span class="i2">Hatt' schrackich aufgeschloong!<br /></span> -<span class="i0">Von Frassn gob's de schwere Meng,<br /></span> -<span class="i0">… Neer fahlet'n mr aam de Pfeng!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Wos wetter sich noch zugetroong? …<br /></span> -<span class="i2">Wess net! – mir wursch ze lang!<br /></span> -<span class="i0">Miech that dr Dorscht und Hunger ploong,<br /></span> -<span class="i2">Drim bie iech ball gegang.<br /></span> -<span class="i0">Dos wußt iech nu: – Trotz teiern Brud<br /></span> -<span class="i0">Hot's doch in Annebarg kä Nut!<br /></span> -</div></div> - -<p class="right"> -J. G. Grund. -</p> - -<h3 id="sec22">22. Dos arzgebergische Mädl.</h3> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i2">Iech bi a gebergsch Mädl,<br /></span> -<span class="i0">Bi frumm un bi ah gut<br /></span> -<span class="i0">Und dreh zun Klippeln mei Fädl,<br /></span> -<span class="i0">:/: So arm iech bi, ho iech doch Muth. :/:<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Ho Ardeppln of men Tischl,<br /></span> -<span class="i0">Ka Schminkel Buttr drbei<br /></span> -<span class="i0">Un bi gesund wie a Fischl<br /></span> -<span class="i0">:/: Un trog ah kän Dokt'r wos ei. :/:<br /></span><span class="pagenum"><a id="Seite_30">[30]</a></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Un ka iech net huchgelehrt redn<br /></span> -<span class="i0">Su wie's in Kerngbuch stieht,<br /></span> -<span class="i0">Su ka ich doch singe un batn<br /></span> -<span class="i0">:/: Un ah monch gebergsch Lied. :/:<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">S' Karschettl, es Tichl, es Schärzl<br /></span> -<span class="i0">Is olles neiwaschn un schie',<br /></span> -<span class="i0">De schwäbischn Aermln an Leiwl,<br /></span> -<span class="i0">:/: Die ho iech gemanglt heit frieh. :/:<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">N' Sunntig do thu iech mich putzn,<br /></span> -<span class="i0">No her iech de Predig mit oh,<br /></span> -<span class="i0">Nooch gieh iech zun Schwasterle hutzn,<br /></span> -<span class="i0">:/: Do sanne mer enannr när ah. :/:<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Wenn ohm'sd nooch häm werd gange,<br /></span> -<span class="i0">Sieht Schatzl mich sehnetlich oh,<br /></span> -<span class="i0">Un frogt mich: he host ke Verlange,<br /></span> -<span class="i0">:/: He, Schatzel, he brauchste kän Mo? :/:<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i2">Wos latschte, wos patzschte mer wiedr,<br /></span> -<span class="i0">Mach mir ner kän Meerettig noh,<br /></span> -<span class="i0">De brauchst mich doch net erst ze froong,<br /></span> -<span class="i0">De sist marsch an Aange schieh oh.<br /></span> -</div></div> - -<h3 id="sec23">23. Erzgebirger beim ersten sächsischen Volkstrachtenfest.</h3> - -<p>An dem Festzuge des ersten sächsischen Volkstrachtenfestes am 5. Juli 1896 -in Dresden haben auch die Erzgebirger sich beteiligt und manche ihnen noch -eigentümliche Tracht aufgewiesen. Die erste Abteilung des erzgebirgischen Zuges -bildeten die Bergleute, und zwar zunächst die Farbenwerk- und Hüttenleute mit -Zimmerlingen und Maurern mit Musikkorps, sodann die Gruppe aus den Blaufarbwerken -in Oberschlema und Pfannenstiel. Der Gruppe aus dem Kupferhammer -»Grünthal« folgte die Gruppe der Kohlenbergleute. Dem Bergmannszug -schlossen sich noch Bauern und Hausierer aus dem Erzgebirge an. Hierzu -gehörten Löffelhändler aus Beyerfeld, Spielwarenhändler aus Grünhainichen -und Kastenleute aus Jöhstadt. Den Schluß des Zuges bildete ein vollständig -ausgerüsteter erzgebirgischer Lastwagen, der vom Fuhrwerksbesitzer Israel in -Löbtau gestellt wurde.</p> - -<h3 id="sec24">24. Der Streittag.</h3> - -<p>Streiten ist an sich keine löbliche Eigenschaft, und am allerwenigsten scheint -ein sittlicher Grund vorzuliegen, die Erinnerung an einen Streit in einem -alljährlich wiederkehrenden, festlich begangenen Tage festzuhalten und auf die -kommenden Geschlechter zu vererben. Und doch haben unsere biederen sächsischen -Bergleute dies Ungeheuerliche fertig gebracht und sie feiern alljährlich ihren -»Streittag« als einziges und höchstes Bergfest, im Schneeberger Bergrevier und -auch wohl in anderen am Tage Maria Magdalena, den 22. Juli. Die Grundlage -dieses Festes bildet das gewiß begreifliche Verlangen der geplagten Bergleute, -wenigstens an einem Tage im Jahre von ihrer saueren Arbeit »tief unter der -Erd'« ausruhen zu dürfen. Denn im Dienste der Sicherheit und Regelmäßigkeit -des Betriebes giebt es bekanntlich im Bergbau keine eigentliche »Sonntagsruhe«, -sondern unablässig arbeitet im Schachte das sogenannte »Kunstgezeug« -weiter, wie das von dem auf der Halde stehenden Zechenhäuschen erklingende -Bergglöckchen mit seinem regelmäßigen »Kling« anzeigt. Zur Bedienung des -»Kunstgezeugs« aber, das den gesamten für den Grubenbau unentbehrlichen -Maschinenbetrieb zur Entfernung bez. Nutzbarmachung der Grubengewässer, der -Förderung des Gesteins, Beförderung der Belegschaft, d. h. der Mannschaften, -u. s. w. zu ordnen hat, sind Menschenkräfte unentbehrlich, und würde einmal -plötzlich das Bergglöckchen sein eintöniges »Kling« nicht vernehmen lassen, so -wäre die bange Furcht, daß die finsteren Mächte des Abgrundes wieder einmal -ihr unheimliches Zerstörungswerk begonnen haben, leider nur allzusehr begründet. -Da haben nun vor Zeiten – urkundlich läßt sich das Datum nicht genau feststellen<span class="pagenum"><a id="Seite_31">[31]</a></span> -– die Bergleute sich jenen Tag »erstritten«, um frei von den Sorgen -ihres schweren Berufs einmal sich und ihren Familien ganz angehören zu können. -Damit soll nicht gesagt sein, daß an diesem Tage der Bergwerksbetrieb gänzlich -eingestellt sei, das ist eben nach unseren obigen Darlegungen undenkbar. Aber -die nur irgendwie abkömmlichen Mannschaften feiern an diesem Tage, und wer -sonst, um seinen Verdienst zu erhöhen, neben der Nacht- noch eine Tagschicht -verfuhr – jede annähernd 10 Stunden umfassend – der verzichtet heute gewiß -auf letztere und jede anderweite Nebenbeschäftigung (Holzschnitzerei, Musikmachen, -Garten- und Feldbau u. a.). Daß man aber den Tag als höchstes Fest begeht, -zeigt auch die Paradeuniform, die heute selbst den einfachsten Ganghäuer schmückt. -Die schönste Zierde des Festes aber, will uns bedünken, und zugleich ein rührendes -Ueberbleibsel aus der oft zu Unrecht verspotteten »guten, alten Zeit« bildet die -feierliche Kirchenparade der Belegschaft des Reviers mit nachfolgendem Festgottesdienst -in der Hauptkirche. Die Bergleute waren es bekanntlich, deren -unverfälschter frommer Sinn frühzeitig die Irrlehren der römischen Kirche -erkannte und sich dem evangelischen Glauben zuwandte. Noch heute erinnert -ein mit einem Bibelbuch und einem Kelche (aus Eisen) geschmückter gewaltiger -Granitwürfel inmitten des Schneeberger Grubenreviers auf dem »hohen Gebirge« -an die Knappschaftskapelle zu »St. Anna«, in der schon im Jahre der Uebergabe -der Augsburger Konfession (1530) evangelisch gepredigt wurde.</p> - -<p>Die Kirchenparade der Bergleute am 22. Juli gestaltet sich besonders in -der ehrwürdigen Bergstadt Schneeberg zu einem hervorragend merkwürdigen und -glänzenden Schauspiele. Nicht nur, daß sich die Bergleute in ihrer altertümlichen -Tracht hier auch in größerer Anzahl beteiligen – jetzt etwa 500 -Mann, vor 20 Jahren mochten es über 800 gewesen sein –, sondern auch -des gewaltigen Gotteshauses wegen, wohin sich der Zug zur Festfeier bewegt. -Die Schneeberger Hauptkirche, auf dem höchsten Gipfel des Berges gelegen, -welcher der Stadt ihren Namen gab, ist, aus dem Ertrage der Gruben erbaut, -schon in ihrem gewaltigen Umfange ein Zeugnis frommen Bergmannssinnes -und dem Bergheiligen St. Wolfgang geweiht. Weit und licht, ohne beengende -Emporen, an deren Stelle ein in drittel Höhe um das ganze Gotteshaus herumlaufender -Prozessionsgang tritt – der Bau wurde im Jahre 1516 katholisch -begonnen, im Jahre 1540 aber vollendet und die Kirche evangelisch eingeweiht –, -gehört das Gotteshaus, das entsprechend seiner spätgotischen Bauart vor nicht -zu langer Zeit innerlich prächtig erneuert ward, zu Sachsens größten Kirchen, -dem nicht einmal die St. Annakirche in Annaberg trotz ihrer gewaltigen Größe -gleichkommt. Die ehernen Zungen des harmonischen Geläutes (<em class="antiqua">G-dur</em>), darunter -Sachsens größte Glocke, die weit über 100 Zentner schwere »Donnerglocke«, -begrüßen die in festlichem Zuge Nahenden. Eine besondere Gruppe, die wegen -ihrer kleidsamen und eigenartigen Tracht stets ungeteilteste Aufmerksamkeit -erregt, sind die Blaufarbenarbeiter. Ihre blinkend weißen, faltigen Blusenhemden, -geschmückt mit den nötigen Rang- und Arbeitsabzeichen, stehen seltsam -mit den schwarzen, grün gesäumten Paradeuniformen der übrigen Bergleute, -deren Lederzeug (Berg- und Knieleder) heute blankgeputzt ist. Altertümlich -nimmt sich bei allen auch der federgeschmückte Tschacko aus, während die bergmännischen -Werkzeuge – Hammer, Schlägel, Fäustel, Spitzhacke etc. – dem -Ganzen ein etwas militärisches Gepräge verleihen. Weniger soldatisch mutet -uns die eigenartige Gangart der Bergleute an, die ihnen offenbar infolge ihrer -Berufsarbeit zur andern Natur geworden ist: wir meinen das Vorbeugen der -Knie bei jedem Schritt. Der Volkswitz nennt daher den uralten Marsch, nach<span class="pagenum"><a id="Seite_32">[32]</a></span> -dessen getragenen Klängen der Einzug erfolgt, nicht übel den »Kniebiegel«. Im -Gotteshause gebührt der Berggemeinde an diesem Tage der unbedingte Vorrang, -ja, in früheren Jahren mußten ihr sogar die sogenannten »gelösten« Kirchenstühle -aufgeschlossen und freigegeben werden. Als Zeugnis für die festliche Bedeutung -des Tages mag endlich noch der Hinweis dienen, daß, wie an hohen -Festen, auch der jeweilige Oberpfarrer und Superintendent die »Bergpredigt« -zu halten hat. Nach beendetem Festgottesdienst zerstreut sich die Berggemeinde, -die sich übrigens nur aus den männlichen Familiengliedern zusammensetzt, soweit -diese beim Bergbau beschäftigt sind, in alle vier Winde.</p> - -<p>Leider hat selbst unter den einst ihrer Frömmigkeit wegen bekannten Bergleuten -die Vergnügungssucht weit mehr Platz gegriffen, als bei der einfachen -Lebensführung, zu der die meisten dieser Familien genötigt sind, erwartet werden -dürfte und ihnen gut ist. Das junge Volk begiebt sich zu Spiel und Tanz -bei Bier und Branntwein und nur wenige der Bergleute von altem Schrot -und Korn ziehen es vor, daheim bei Weib und Kind zu feiern und beim Klange -der immer mehr in Vergessenheit geratenden, teilweise recht anmutigen Bergmannslieder, -die höchstens noch um Weihnachten allgemeiner gehört werden, -oder im harmlosen Gespräch über des liebgewonnenen Standes Würde und -Bürde die schönere Vergangenheit zu neuem Leben zu erwecken. Einige suchen -wohl auch die benachbarten schattigen Wälder auf, um die gerade ihnen so -überaus nötige ozonreiche, würzige Luft zu genießen. Denn im allgemeinen ist -der Bergmann wie der Erzgebirger ein Stubenhocker, der beim geringsten Luftzug -zu erkranken fürchtet und daher äußerst selten, und auch dann nur mit wohlverwahrtem -Hals und Kopf, das Freie aufsucht, wobei ihn manchmal selbst im -Hochsommer ein Bedauern überkommen mag, daß nicht auch hier, wie daheim, -ein lustiges Feuer im Ofen prasselt. Gleichwohl bildet der »Streittag« als -einziges wirkliches Bergfest einen der seltenen Lichtblicke im Leben des anspruchslosen -schwarzen Völkchens droben, und wenn es an demselben mit sprichwörtlicher -Zähigkeit festhält, so begreifen und billigen wir das nicht bloß vom -materiellen, sondern weit mehr vom idealen Standpunkte aus. Denn gerade in -dieser Zeit der Ernüchterung und des platten Materialismus ist es mehr denn -je geboten, die spärlichen Reste von Poesie und idealem Sinn, die unser Volks- -und Berufsleben noch aufweist, sorgsam zu hüten und zu bewahren. Ein solcher -Hauch von Poesie verklärte auch dereinst das harte Bergmannsleben, und wer -nur ein einziges Mal Anackers leider jetzt so selten gewordenen »Bergmannsgruß«, -der, wie Verfasser sich wohl entsinnt, früher selbst in den Schulbüchern -zu finden war, mit seiner mächtig ergreifenden »Steiger-Arie«, seinen zarten -Familienszenen u. s. w. gehört hat, der wird auch verstehen, warum der echte -und rechte Bergmann selbst heute noch mit Begeisterung an seinem schweren -Berufe hängt; es ist etwas von dem Himmelssegen, den auch dieser Beruf in -sich trägt, wenn anders nur die, welche ihm angehören, sich aus der Tiefe nach -oben zu erheben wissen. Und das bedeutet auch der alte sinnige Bergmannsgruß: -»Glück auf!«</p> - -<p class="right"> -Nach dem Wochenblatte. -</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_33">[33]</a></span></p> - -<h2 id="o3">Dritter Abschnitt.<br /> -Die Besiedelung des Obererzgebirges.</h2> -</div> - -<h3 id="sec25">25. Die Besiedelung des Erzgebirges.</h3> - -<h4><em class="antiqua">a.</em> Die Besiedelung des Erzgebirges in vorwettinischer Zeit.</h4> - -<p>Im 4. Jahrhundert rückten die <em class="gesperrt">slawischen Stämme</em> von Osten her vor. -Zwischen 454 und 495 drangen die Tschechen in Böhmen ein. Ungefähr zu -gleicher Zeit kamen aus der Weichsel- und Odergegend die Milczener, Lutizier, -Obotriten und Sorben bis in die später sächsischen, mecklen- und brandenburgischen -Länder. Von diesen rückten die Sorben oder Serben, deren Name -sie ganz besonders als ackerbautreibendes Volk bezeichnet, in das spätere Meißnische -und, da 531 von den Franken und Sachsen das mächtige Reich der -Thüringer vernichtet wurde, westwärts bis zur Saale vor. Die <em class="gesperrt">Sorben</em> -waren demnach die unmittelbar nördlichen Nachbarn des alten Miriquidi. Sie -gründeten sehr bald in den fruchtbaren Niederungen und Thälern Orte und -bebauten das Land. Aber noch wurde dieses Volk von der Ansiedelung auf -den rauhen, unwirtlichen Waldhöhen abgeschreckt, bis endlich nach den langen -Vernichtungskämpfen der mächtigen deutschen Kaiser im 9. Jahrhundert, denen -die Erbauung der Burg Meißen folgte, und ganz besonders, als unter <em class="gesperrt">Otto I.</em> -die Grafen Hermann Billung und Gero glücklich die letzte Erhebung an der -niederen Elbe und in den Lausitzen niederschlagen, die Macht der Slaven -völlig gebrochen war. Der Zinspflichtigkeit zu entgehen, festhaltend an dem -Glauben ihrer Väter, erfüllt mit tiefem Haß gegen die christliche Geistlichkeit, -welche von ihren Einkünften an Getreide und Vieh, Leinwand, Honig und -Wachs den zehnten Teil forderte, zogen sich nun nach den für ihr Volk unglücklichen -Kämpfen zahlreiche sorbische Familien in das unfreundliche und von wilden -Tieren bevölkerte, aber ihnen doch Freiheit und Sicherheit gegen ihre Besieger -verheißende Erzgebirge zurück. So wurden bereits gegen Ende des 10. Jahrhunderts -von diesen slawischen Einwanderern daselbst einzelne feste Niederlassungen -gegründet. Immer höher stiegen sie, vorzugsweise wohl in den Thälern und -so dem Laufe der Gewässer entgegen, auf der nordwestlichen Senkung des -Gebirges bis ungefähr zur Linie Eibenstock-Schlettau-Zöblitz-Sayda auf. Erst -vom 12. Jahrhundert an, da das Gebirge durch die Entdeckung reicher Silbererze -zum Erzgebirge wurde, drangen auch die <em class="gesperrt">Deutschen</em> zahlreicher vor, -gründeten Städte und Dörfer. Das germanische Element verschlang sehr bald -die slavischen Reste, wo sich dieselben bis dahin noch in einiger Selbständigkeit -erhalten hatten. Wohl erhielt sich noch, wenigstens am Fuße des eigentlichen -Gebirges, ihre Sprache; denn im Jahre 1327 wurde der Gebrauch derselben -bei den Zwickauer Gerichten und in Meißen sogar erst 1424 verboten; jedoch -auch in den höher gelegenen slavischen Ansiedelungen wird die Muttersprache -nach Berührung mit den später vorgedrungenen Deutschen nicht sobald erloschen -sein, da viele slavische Wörter, die selbst in der Gegenwart nicht verschwunden -sind, von den Deutschen festgehalten wurden.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Köhler. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_34">[34]</a></span></p> - -<h4><em class="antiqua">b.</em> Die Besiedelung des oberen Erzgebirges in wettinischer Zeit.</h4> - -<h5>1. Die wilde Ecke.</h5> - -<p>Vor über 400 Jahren, bis zum Jahre 1496, wo man <em class="gesperrt">Annaberg</em> gründete, -war die Stelle, an der jetzt die Stadt steht, nichts denn dicker, finsterer Wald -voll Steinblöcke und Felsen, überragt gleich einer Warte von dem Pöhlberge. -In den dichten Wäldern hauste mancherlei unzähliges Getier. Des Nachts -erklang das gellende Geschrei des Uhus und am Tage krächzten Raubvögel -und Unglück verkündende Raben massig in der Luft und horsteten auf den -hohen Fichten. Der Bär brummte, der Wolf heulte und die Wildkatze schlich -nach Beute. Der Fuchs und der Dachs führten ihre Baue auf und auch das -Wildschwein grunzte in den geringen grünen Eichenwaldungen. Scheuen Blickes -und eilenden Fußes umgingen die bewaffneten Bewohner der benachbarten Häuerdorfer -die »wilde Ecke«, um nicht eine Beute der Raubtiere zu werden. Da -die Gegend noch wenig angebaut war, so mußte man die Nahrungsmittel weit -herholen. Die »wilde Ecke« führte darum auch noch den Namen »Hungerloch«.</p> - -<p>Noch heute erinnert uns manches an die ehemalige Wildheit. Von Süden -grüßt uns der Bärenstein, im Norden liegen rechts vom Sehmaflusse die Wolfshöhle -und links der Sauwald. Auch die Fuchsgasse mag mit genannt werden.</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Sehr wild und felsicht war's in diesen Wald-Sudöden;<br /></span> -<span class="i0">Da hauste Wolf und Bär mehr als ein Menschenkind;<br /></span> -<span class="i0">Man sahe nichts von Feld, von Handelschaft und Städten;<br /></span> -<span class="i0">Die Luft war angestrengt mit Nebel, Frost und Wind.«<br /></span> -</div></div> - -<p class="right"> -Nach Arnold und M. Chr. Lehmann. -</p> - -<h5>2. Entstehung der Orte in Annabergs Umgegend.</h5> - -<p>Die Ansiedelungen im oberen Erzgebirge sind von sehr verschiedenem Alter. -Es läßt sich die Zeit der Gründung der einzelnen Städte und Dörfer nur -annähernd bestimmen. Im allgemeinen gilt, daß die Bebauung für das Gebirge -später eintrat, als für das Niederland und der Bergbau auch in ältester Zeit -Anlaß gab, die sonst gemiedene Wald- und Berggegend zur Wohnstätte zu -wählen. Aus der Benennung, welche man den Ansiedelungen gab, läßt sich -schließen, daß z. B. die Städte des oberen Gebirges: <em class="gesperrt">Lößnitz</em>, <em class="gesperrt">Zwönitz</em>, -<em class="gesperrt">Zöblitz</em>, <em class="gesperrt">Schlettau</em> bereits während der Zeit der Sorben-Wenden, also vor -dem 10. Jahrhundert gegründet worden sind.</p> - -<p>Um das Jahr 1173 wurde das Kloster <em class="gesperrt">Zelle</em> bei Aue durch Mönche -aus dem Kloster zu Zelle bei Freiberg gegründet. – Vorher, im 11. Jahrhundert, -mögen zum Schutz und Trutz die Burgen <em class="gesperrt">Wolkenstein</em> und <em class="gesperrt">Schwarzenberg</em> -mit den sich anschließenden Stadtgründungen entstanden sein. <em class="gesperrt">Elterlein</em> -scheint seine Entstehung dem Bergbaue auf Eisen im 12. Jahrhundert zu -verdanken.</p> - -<p>Unter Markgraf <em class="gesperrt">Heinrich dem Erlauchten</em>, vielleicht auch früher, entstand -westlich von Elterlein die Ansiedelung von <em class="gesperrt">Grünhain</em>. Daselbst stiftete, -wahrscheinlich 1238, <em class="gesperrt">Meinherr II.</em>, Graf zu Hartenstein und Burggraf zu -Meißen, das Kloster Grünhain und stattete dasselbe 1240 mit zehn Dörfern der -Umgegend aus. Später kamen teils durch Kauf, teils durch Schenkung noch -andere Besitzungen hinzu, sodaß eine große Anzahl Städte und Dörfer dem -Kloster gehörten und sein Gebiet im 15. Jahrhundert sich bis unterhalb Zwickau -und einige Meilen nach Böhmen hinein erstreckte. – Außer dem Kloster Grünhain -gehört dem 13. Jahrhundert noch die Entstehung der Stadt <em class="gesperrt">Ehrenfriedersdorf</em>, -d. i. Herrenfriedersdorf, um 1240 an.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_35">[35]</a></span></p> - -<p>Das Städtchen <em class="gesperrt">Geyer</em> ist um 1395 infolge der reichen Anbrüche auf -Zinn, Silber und Kupfer von Ehrenfriedersdorf aus angelegt worden. – Bald -nach der Ansiedelung in Geyer soll zu Anfang des 15. Jahrhunderts ebenfalls -infolge des Bergbaues die benachbarte Stadt <em class="gesperrt">Thum</em> entstanden sein.</p> - -<p>Die um Annaberg gelegenen Dörfer <em class="gesperrt">Frohnau</em>, <em class="gesperrt">Kleinrückerswalde</em>, -<em class="gesperrt">Geyersdorf</em> u. a. sind früheren Ursprungs als Annaberg und Buchholz.</p> - -<h5>3. Entstehung Annabergs und anderer Bergstädte -des Obererzgebirges.</h5> - -<p>In dem bei der Teilung 1485 von <em class="gesperrt">Albert</em> gewählten Meißnerlande war -nach dem Tode dieses Fürsten im Jahre 1500 sein Sohn <em class="gesperrt">Georg der Bärtige</em> -(1500–1539) gefolgt. Dieser war der eigentliche Gründer von Annaberg, da -sein Vater zu jener Zeit als »des Kaisers gewaltiger Marschall und Bannermeister« -Krieg mit den Niederländern führte und seinem Sohne während seiner -Abwesenheit die Regierung des Meißnerlandes übertragen hatte. Als Georg -1500 zur selbständigen Regierung gelangte, bewies er der durch ihn gegründeten -Stadt vor allen seine Gunst und Zuneigung und besuchte die reiche Bergstadt -mehrmals von Dresden aus. Er spendete bedeutende Beihilfen zum Bau der -schönen Annenkirche (1499–1525), ließ das Franziskaner-Kloster (1502–1512) -erbauen und begnadigte die Stadt mit vielen Rechten und Freiheiten.</p> - -<p>Bald nach der Gründung der beiden sächsischen Städte <em class="gesperrt">Annaberg</em> und -<em class="gesperrt">Buchholz</em> entdeckte man auch Silber auf der böhmischen Seite des Erzgebirges. -Im Jahre 1516 ward <em class="gesperrt">Joachimsthal</em> in Böhmen gegründet und 1520 zur -freien Bergstadt erhoben. Gewöhnlich nimmt man an, daß die dort vom Jahre -1519 an geprägten Münzen abgekürzt »Thaler« genannt worden seien und -dadurch dieser Name für jede Münze von gleichem Werte in Gebrauch kam, -was aber von Sachkundigen bezweifelt wird. Man leitet richtiger den Münznamen -von <em class="antiqua">talentum</em> ab.</p> - -<p>Was die Gründung anderer Städte des Obererzgebirges infolge reicher -Erzanbrüche betrifft, so merke man noch: Im Jahre 1517 wurden <em class="gesperrt">Gottesgab</em>, -<em class="gesperrt">Eibenstock</em> und <em class="gesperrt">Jöhstadt</em>, eigentlich Josephsstadt, gegründet, 1521 <em class="gesperrt">Marienberg</em>, -1522 <em class="gesperrt">Scheibenberg</em>, 1526 <em class="gesperrt">Wiesenthal</em>, 1532 <em class="gesperrt">Platten</em>.</p> - -<p>Das Gebiet, wo die Städte Gottesgab und Platten damals erbaut wurden, -gehörte 1459–1547 durch den Vertrag zu Eger zur Mark Meißen, fiel aber -infolge des Wittenberger Vertrages an Böhmen zurück.</p> - -<p><em class="gesperrt">Jenesius</em> sagt in seiner Geschichte Annabergs: »Die Bergstädte haben -ihren Namen nicht von ohngefähr, sondern aus reifem Nachdenken bekommen. -Meine Vaterstadt ist anfangs <em class="gesperrt">Schreckenberg</em> genannt worden. Aber es wurde -kurz hernach, auf Ansuchen des Herzogs Georg und der Bürgerschaft durch den -Kaiser Maximilian I. bewilligt, daß dieselbe <em class="gesperrt">Sankt Annaberg</em> heißen sollte. -Die böhmischen Grafen von Schlick nahmen von der Benennung dieser Stadt -Veranlassung, die von ihnen erbaute Stadt nach dem Ehemanne der Anna -<em class="gesperrt">Joachimsthal</em> zu nennen. Dies bewog ferner den sächsischen Fürsten Heinrich -den Frommen, den Bruder Georgs, daß er der von ihm gegründeten Stadt -den Namen <em class="gesperrt">Marienberg</em> beilegte und den Flecken, welcher an der äußersten -Grenze des Meißener Landes in waldiger Gegend liegt, <em class="gesperrt">Jöhstadt</em>, d. i. -Josephsstadt, benannte. Es gefiel also den Herren dieser Länder, die Städte -nach denen zu benennen, die die Voreltern des Heilandes nach dem Fleische -waren, damit die Einwohner zur Verkündigung der Wohlthaten Christi entzündet -würden und sich ihnen mit Seele und Leib, mit Hab' und Gut weihten.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_36">[36]</a></span></p> - -<h5>4. Jüngere Gründungen im Obererzgebirge.</h5> - -<p>Der Bergbau in Buchholz war durch einen furchtbaren Wolkenbruch am -21. Juli 1565 fast ganz vernichtet worden, und im Jahre 1568 hatte die Pest -Annaberg und die Umgegend verheert. Auf Anregung des <em class="gesperrt">Kurfürsten August</em> -ward damals überall im Lande nach neuen Schätzen des Erdbodens geforscht. -So wurde 1546 der Serpentin bei <em class="gesperrt">Zöblitz</em> entdeckt. In den Kalkbrüchen von -<em class="gesperrt">Crottendorf</em> fand man 1575 abbauwürdige Marmorlager. Der daselbst gebrochene -Marmor ist bis auf die Gegenwart herab vielfach zu Bauwerken und -Kunstgegenständen verwendet worden. Seit einigen Jahren hat jedoch die Ausbeute -an Marmor aufgehört und es wird nur Kalk gefunden.</p> - -<p class="right"> -Nach Schulrat <em class="antiqua">Dr.</em> Spieß. -</p> - -<h3 id="sec26">26. Die Urbarmachung des Gebirges.</h3> - -<p>Das wilde Gebirge ist auf mannigfaltige Weise urbar gemacht worden. -Es geschah durch Räumung und Abziehung der Wälder, Anlegung geraumer -Wege und Pässe, Brückung und Austrocknung der Moräste, Ausbrennung der -Heiden, Ebnung der struppichten und wilden Beerhübel. Auch geschah es durch -Ausrottung der Stockräume, Ablesung der Steine und mühsame Wegschaffung -der Wacken, womit die Berge und Felder überhäuft waren. Das ist besonders -bei so vielen mitten im wilden Walde angelegten und erbauten Dörfern, Flecken -und Städten geschehen. Ferner trug der Bergbau zur Urbarmachung bei, indem -dadurch vermöge der Bergfreiheit viele hunderttausend Stämme und Schragen -Holz weggetrieben und verbaut wurden. Die Hammerwerke, welche durch ihre -Holzbauer und Kohlenbrenner die allergrößten Wälder sehr gelichtet haben, -hatten auch daran Teil.</p> - -<p>Bis tief in das 13. Jahrhundert hinein, dann wieder zu Ende des 15. -und Anfang des 16. Jahrhunderts, stellenweise selbst bis in die neueste Zeit -ist das Ausroden des Waldes, um Ackerland und auch Wiesenland für neue -Ansiedelungen zu gewinnen, im umfangreichsten Maße betrieben worden. Jahrhunderte -lang bildete der Wald den unerschöpflich erscheinenden Vorrat, durch -dessen Niederschlagen man Raum für Feld, Holz für Bauten, Bergwerks- und -Hüttenanlagen, Geld für Zinsen und Steuern u. s. w. erlangen konnte, ohne -an die Wiederaufforstung kahl geschlagener Höhenzüge und Abhänge denken zu -müssen. Der Wald war die unerschöpfliche Geldquelle für den fortschreitenden -Anbau. Erst Jahrhunderte später, nachdem das Land durch die länger als ein -halbes Jahrtausend fortgesetzte Urbarmachung und Zerstörung des Waldgebietes -seine gegenwärtige Oberflächengestalt und Bedeckung gewonnen hat, ist man zu -der Überzeugung gekommen, der Waldvernichtung nicht bloß Einhalt thun zu -müssen, sondern auch das Waldgebiet durch Neuanpflanzung erhalten und vergrößern -zu sollen.</p> - -<p>Mit dem Vordringen des deutschen Stammes in das Gebiet der Slaven -und in das Gebiet des waldbedeckten Gebirges beginnt erst die geschichtliche -Zeit diesem Landes. Wenn auch die Vorgänge, besonders auf dem letzteren, -vielfach unbekannt geblieben oder verschleiert und entstellt auf die Nachwelt gekommen -sind, lassen sich doch die allgemeinen Grundzüge dieser Entwickelung -noch erkennen.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">M.</em> Lehmann und Süßmilch. -</p> - -<h3 id="sec27">27. Die obererzgebirgischen Ortsnamen.</h3> - -<p>Bei der anzutretenden Wanderung durch das Gebiet der Ortsnamen des -Obererzgebirges halten wir zuerst eine Umschau über die <em class="gesperrt">Berge</em>. Die Namen<span class="pagenum"><a id="Seite_37">[37]</a></span> -derselben tragen fast durchgehends deutsches Gepräge und sind nach den verschiedensten -Gesichtspunkten gegeben. Auf die Gestalt weisen hin: Spitzberg, -Ochsenkopf, Hut- und Kanzelberg, Hirnschädel; auf das Klima oder die Unfruchtbarkeit -einzelner Höhen: Kaltes Feld, Kalter Muff, Kahler Berg, Kahle -Höhe und Thürmrich, d. i. Dürrer Berg (bei Frauenstein); nach den Pflanzen, -die auf ihnen wuchsen oder noch wachsen, sind benannt: Buch-, Eichel-, Ahorn-, -Kiefern- und Fichtelberg; nach den Tieren, die häufig dort angetroffen wurden: -Bären-, Wiesel- und Wolfsstein, Krahstein, d. i. Krähenstein und Adlerstein; -nach Erzen: der Kupferhübel und der Eisenberg. Einzelne, wie der Kapellenberg, -der Hofberg, der Zechenberg verdanken ihren Namen bestimmten auf ihnen -errichteten Gebäuden, andere, wie Andreasberg, Gastberg, Geringsberg, Richterberg -dem Besitzer der Fluren, auf denen sie lagen. Einer ausdrücklichen Erwähnung -verdient noch der Name der bei Schwarzenberg sich erhebenden Morgenleite. -Der zweite Teil dieses Worten ist das ahd. <em class="antiqua">hlita</em>, mhd. <em class="antiqua">lite</em>, in Norwegen -noch in der Form <em class="antiqua">Lid</em> bekannt. Derselbe bezeichnet eine Berglehne oder einen -Abhang und kommt in dieser Bedeutung im Erzgebirge außerordentlich häufig -vor. Man unterscheidet die Süd- und Nordseite eines Berges als Sommer- -und Winterleite: den ersteren Namen tragen in Annaberg zwei an der Sommerseite -eines Abhanges angelegte Gassen, den letzteren ein Teil des Geyerschen -Waldes; an der unteren Preßnitz heißt ein Abhang die Hirschleite; in der Nähe -von Dorfchemnitz bei Sayda finden sich Buch- und Thonleite, bei Oederan die -Hammerleite. In der sächsischen Holz- und Forstordnung von 1560 werden -aufgeführt: Habichts-, Pech-, Grase-, Brand- und Trachenleite, und bei Elterlein -heißt ein Dorf, in welchem sich früher eine Bergwäsche befand, Waschleite. -Von dem in vielen unserer Bergnamen hervortretenden Grundworte Hübel, wie -bei Lerchen-, Zeisig- und Hahnenhübel, begegnet uns in oberdeutschen Gegenden -in Orts- und Bergnamen die umgestellte Form Bühel, ahd. <em class="antiqua">puhil</em>. In unserem -Gebirge ist der Ausdruck unbekannt. Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, -daß der ehrwürdige Annaberger Geschichtsschreiber Jenisius auf dem richtigen -Wege ist, wenn er Pöhlberg auf jenes Bühel zurückführt, aus welchem dann -Pihl und Pehl als entstellte Formen hervorgegangen sein würden.</p> - -<p>Zwei bekannte Bergnamen, Auersberg und Rammelsberg, haben insofern -noch eine besondere Bedeutung, als sie auf die Frage nach der Besiedelung -unseres Gebirges führen. Wie die in andere Erdteile Ausgewanderten ihre -neuen Ansiedelungen mit Vorliebe nach heimatlichen Orten benennen, so haben -auch die durch Krieg und Hungersnot leidenden Harzer Bergleute, die einst -massenhaft in die silberhegenden Berge unseres Vaterlandes einwanderten, Namen -aus ihrer alten Heimat auf Wohnsitze und Örtlichkeiten übertragen. Noch heute -finden sich im Harze nicht nur die erwähnten beiden Bergnamen, sondern auch -zahlreiche Ortsnamen des Gebirges wie Hohenstein, Kirchberg, Stollberg und -der bekannte Name Quedlinburg, den einmal unser Elterlein geführt haben soll. -Ein anderer heute noch im Harze vorkommender Bergname, der Eibenberg, läßt -es kaum zweifelhaft erscheinen, daß auch die Stadt Eibenstock als eine Niederlassung -jener Harzer Bergleute zu gelten habe und daß der Name derselben -wie der jenes Eibenberges auf die in Norddeutschland und auch im Harze -heimische Eibe oder den Taxusbaum zurückzuführen sei.</p> - -<p>Wir steigen von den Höhen herab und wenden uns nach den <em class="gesperrt">Waldungen</em> -und <em class="gesperrt">Fluren</em>. Wir beschränken uns namentlich auf Hervorhebung einiger aus -älterer Zeit überlieferter, jetzt unverständlich gewordener Benennungen von Waldbezirken. -Dahin gehören vor allem die mit »Struth« bezeichneten Waldungen<span class="pagenum"><a id="Seite_38">[38]</a></span> -bei Bernsbach, Flöha und Plaue, sowie die obere und niedere Struth im Westen -von Langenau bei Freiberg. In diesem Ausdrucke lebt noch ein altes deutsches -Wort für Wald, Buschwerk oder Dickicht, das heute nur noch in Hessen gebräuchliche, -mhd. die <em class="antiqua">strut</em> oder <em class="antiqua">struot</em>, fort. Der von Chemnitzer Geschichtsschreibern -aufgeführte Name Bramenwald, der heutige Zeisigwald bei Chemnitz, -erklärt sich aus dem ahd. der <em class="antiqua">prâmo</em> und die <em class="antiqua">prâmà</em>, d. h. Dornstrauch, Dorngebüsch, -insbesondere Brombeerstrauch. Daß der bei Zöblitz wie bei Satzung -vorkommende Name Kriegwald in Beziehung steht zu den in diesen Wäldern -ausgefochtenen Kämpfen im Hussitenkriege, daran ist wohl um so weniger zu -zweifeln, als man dort noch im 17. Jahrhundert aufgeschichtete Haufen von -Totengebeinen und Waffen gefunden hat. Nicht an den Krieg, wohl aber an -die um Grenze und Rainung geführten Rechtsstreitigkeiten einzelner Personen -oder ganzer Gemeinden mag die in verschiedenen Gegenden erscheinende Bezeichnung -Streitwald erinnern. Die meisten dieser Wald- und Flurbezeichnungen -lehnen sich wiederum an <em class="gesperrt">Tiernamen</em> an: von diesen Bildungen seien nur die -in Lehmanns »Schauplatz« angeführten erwähnt: Aus den Lautersteinschen -Wäldern: der Drachenwald, Rabenberg, die Dachslöcher; auf dem Crottendorfer -Oberforstgebiete: die Vogelleite, Hirsch- und Auerhahnpfalz, der Säu- und -Bärenfang, Tier- und Saugarten; im Grünhainer Gebiete: der Bärenacker, -Fuchs- und Wolfsstein; auf dem Lauterschen: das Wolfslager, der Hirschstein, -Habichtshübel, die Bärenstallung, der Wolfsgarten, Rabenberg, die Drachenleite, -Bärenlage und Sauwiese.</p> - -<p>Von den Höhen steigen wir herab in die <em class="gesperrt">Thäler</em> und gelangen so zu -den <em class="gesperrt">Flüssen</em>. Bei ihnen ist die Namengebung ausgegangen vom Laufe und -der Gestalt derselben, der Farbe des Wassers, den anstehenden Pflanzen, der -Umgebung und zuweilen wohl auch von anliegenden Ortschaften. Die Namen -der größeren Flüsse Elbe, Elster und Mulde lassen ohne weiteres ihren deutschen -Ursprung erkennen. Auch die kleineren Gebirgsbäche wie das Schwarzwasser, -der Saubach, Rauschenbach, Sandbach, Schindelbach, Goldkrönlebach, die zwei -letzteren bei Großrückerswalde und Pobershau, und andere sind von den Deutschen -benannt worden. Für eine größere Anzahl unserer Gebirgswässer läßt sich -dagegen eine Ableitung aus dem Deutschen nicht gewinnen. Aus der slawischen -oder sorbenwendischen Zeit stammen denn auch die zahlreichen slawischen Orts- -und Flußnamen unseres Gebirges. Der Name der Zschopau, nach welchem auch -die Stadt genannt ist, wird zurückgeführt auf slawisch <em class="antiqua">Sapawa</em> = die Reißende, -Zischende, Tosende; gleiche Bedeutung hat das tschechische <em class="antiqua">bistry</em>, von welchem -die in Urkunden als <em class="antiqua">flumen Bistrice</em>, später <em class="antiqua">Wistricz</em> aufgeführte Weißeritz den -Namen hat; nach der Buche, slawisch <em class="antiqua">buky</em>, tschechisch <em class="antiqua">buk</em> ist die Bockau, nach -der Birke, slawisch <em class="antiqua">briza</em> oder <em class="antiqua">brschiza</em> die Preßnitz, nach dem Biber, slawisch -<em class="antiqua">bibra</em>, tschechisch <em class="antiqua">bobr</em> die Bobritzsch, nach dem Wildschwein, slawisch <em class="antiqua">svisnija</em> -die Zwönitz benannt. Die Chemnitz, urkundlich <em class="antiqua">flumen Caminizi</em>, heißt Steinbach, -nach dem slawischen <em class="antiqua">Kameni</em> = Stein, und Lößnitz, urkundlich <em class="antiqua">Lessenitz</em> -aus slawisch <em class="antiqua">lêsu</em>, tschechisch <em class="antiqua">les</em> = der Wald oder Busch, bedeutet der Waldbach.</p> - -<p>Unsere Wanderung in den Flußthälern auf- und abwärts und über die -Scheiden der Wasserläufe führt uns weiter zu den verschiedenen <em class="gesperrt">Ortschaften</em>, -den freundlichen Städten und Städtchen und den friedlichen, sauberen Dörfern -unseres Gebirges.</p> - -<p>Das Dorf Drebach bei Wolkenstein erscheint urkundlich als <em class="antiqua">Träte-</em>, <em class="antiqua">Tretebach</em>, -<em class="antiqua">Dratbach</em>. Der erste Teil diesem Namens, <em class="antiqua">Drat</em> oder <em class="antiqua">Träte</em>, ist ein gutes -deutsches Wort, ahd. <em class="antiqua">drâti</em>, mhd. <em class="antiqua">draete</em> mit der Bedeutung schnell, rasch. Dasselbe<span class="pagenum"><a id="Seite_39">[39]</a></span> -bezog sich auf den raschen Lauf des durch den Ort eilenden Baches. Aber -da es längst schon dem Sprachbewußtsein entschwunden ist, suchte man sich den -Namen Trätebach durch Anlehnung an das geläufige Zeitwort drehen verständlich -zu machen und bildete mit Unterdrückung des inlautenden t Drehbach. -Daß der Volksgeist oft mit recht kühnen Deutungen bei der Hand ist, beweist -eine Mitteilung über das Städtchen Geyer, wonach dasselbe seinen Namen vom -Teufel haben soll, der auf einem Spaziergange beim Anblick der unwirtlichen -Gegend ausgerufen habe: »Pfui Geyer!«</p> - -<p>Noch 1402 heißt der Ort Cappel bei Chemnitz zu der Capelln, das heißt -zu der zur Nikolaikirche gehörigen Kapelle. Die Namen Altenberg, Breitenbrunn, -Weißenborn heißen dementsprechend ursprünglich zu dem alten Berge, -dem breiten Brunnen, dem weißen Born. Gleiche Bedeutung haben Neundorf, -Naundorf, Neudorf, nämlich zu dem neuen Dorfe. Siebenhöfen heißt eigentlich -zu den sieben Höfen und ist benannt nach den sieben Wirtschaftsgebäuden, aus -welchen der zwischen Tannenberg und Geyer liegende Ort anfangs bestand. -Bei Lengefeld zeigt nur noch die urkundliche Form Langenfeld die eigentliche -Bedeutung.</p> - -<p>Nun ist noch auf die äußeren Gründe einzugehen, von welchen sich die -einstigen Ansiedler bei der Benennung ihrer <em class="gesperrt">Wohnplätze</em> haben leiten lassen. -Als natürlichster Ausgangspunkt erscheint zunächst die <em class="gesperrt">Bodenerhebung</em>, das -heißt, ob ein Ort auf oder an dem Berge, im Thale oder in der Ebene angelegt -wurde. Zahlreich sind die Zusammensetzungen, wie die Städtenamen: -Schneeberg, Schwarzenberg, Freiberg, und die Dorfnamen: Grünthal, Blauenthal, -Rothenthal. Auf die Höhenlage weisen hin: Steinhübel, Berggießhübel, -Scharfenstein, Wolkenstein. Höhen- und Thallage zugleich deuten an Ober- -und Unterwiesenthal. Nach der Bodenbeschaffenheit ist benannt der Ort Sand -bei Freiberg. Auch die beiden Dörfer Grießbach bei Wolkenstein und Schneeberg -haben ihren Namen von dem Sande erhalten, den die hier fließenden -Bäche an ihren Ufern absetzen; denn der Ausdruck Grieß (mhd. <em class="antiqua">griez</em>) bedeutet -den Sand am Ufer oder Grunde des Wassers. Bei den mit Haide gebildeten -Namen müssen wir an Orte denken, die im Heidelande gegründet wurden. Kühnhaide -oder <em class="antiqua">Kienhain</em> heißt eigentlich Fichtenheide.</p> - -<p>Namengebend dient auch der <em class="gesperrt">Wald</em>. Bildungen wie in Königswalde, -Fürstenwalde u. a. lassen sich schon seit dem 8. Jahrhundert nachweisen. Ein -Wäldchen nennen wir jetzt Hain; früher bedeutete das aus <em class="antiqua">hagan</em> zusammengezogene -Wort einen Dornbusch. Hierher gehören Namen wie Grünhain, Altenhain, -Pfaffenhain. Eine weitere Gruppe lehnt sich an <em class="gesperrt">Tier-</em> und <em class="gesperrt">Pflanzennamen</em> -an. Dem Worte Gablenz liegt zu Grunde das Wort <em class="antiqua">jablu</em>, der Apfelbaum, -Geyer stammt von <em class="antiqua">jawor</em>, der Ahorn, Gelenau von <em class="antiqua">jeleni</em>, der Hirsch. -Zahlreiche Orte verdanken dem Wasser ihre Namen. Flußnamen kehren als -Ortsnamen wieder: Sehma, Pöhla, Preßnitz. Dorfschaften wie Krumbach, Steinbach, -Lauterbach sind nach dem Laufe oder der besondern Eigentümlichkeit des -sie berührenden Gewässers benannt. Benennung wie Furth bei Chemnitz weisen -auf Übergangsstellen über die Gewässer hin.</p> - -<p>Auch auf Personennamen sind Ortsnamen zurückzuführen. So ist es bei -den vier Städten, die nach der heiligen Familie genannt sind: Annaberg, Marienberg, -Jöhstadt, Joachimsthal; Johanngeorgenstadt, Ober- und Niederneuschönberg -sind in Anknüpfung an Johann Georg I. und Caspar von Schönberg auf -Pfaffroda benannt. Ohne weiteres verständlich sind: Hermannsdorf, Erdmannsdorf. -Cunersdorf weist auf <em class="antiqua">Cunradisdorf</em> und dies auf einen Konrad. Leukersdorf<span class="pagenum"><a id="Seite_40">[40]</a></span> -bei Zwönitz wird noch 1306 <em class="antiqua">Leutgersdorf</em> genannt. Leutger ist der alte -Namen <em class="antiqua">Liutger</em>. Seifersdorf bei Dippoldiswalde, 1312 <em class="antiqua">Syvirdisdorf</em>, führt -auf Siegfried, Röhrsdorf bei Chemnitz, urkundlich <em class="antiqua">Rudigersdorf</em> auf Rüdiger, -Hilbersdorf, um 1290 <em class="antiqua">Hillebrandisdorf</em> auf Hildebrand und Dittersbach bei -Frankenberg, ehemals <em class="antiqua">Dyterychsbach</em>, auf den vielberühmten Namen Dietrich. -Die letzten fünf Namen finden sich sämtlich in Volksepos der Nibelungen; ihnen -ließe sich leicht eine Reihe anderer erzgebirgischer Ortsnamen anfügen, in denen -uns Personennamen aus der ältesten Zeit unserer deutschen Geschichte entgegentreten.</p> - -<p class="right"> -Nach Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Göpfert. -</p> - -<h3 id="sec28">28. Die Dörfer.</h3> - -<h4><em class="antiqua">a.</em> Slawische Dörfer.</h4> - -<p>Das slawische oder sorbenwendische Dorf, für dessen Anlage noch zahlreiche -Beispiele nördlich vom Erzgebirgsfuße zu finden sind, bildet ein geschlossenes -Ganze und bestätigt schon in seiner äußeren Form und seinem Grundrisse die -Verbindung des Gemeindewesens. Die vorwiegende Form, gewissermaßen die -Urgestalt des altslawischen Dorfes, ist die <em class="gesperrt">Kreisform</em>. Die sämtlichen Höfe -desselben liegen aneinandergeschlossen in einem Kreise, und nur ein Eingang -führt in das Innere des Dorfes; während die äußere Umfassung von Hecken -oder Lehmwänden gewissermaßen die erste Verteidigungslinie bildet. In der -Mitte des Dorfes liegt in der Regel ein Teich. Ein von Linden umfaßter -Platz bildet die Stätte der Gemeindeversammlungen und Beratungen. Häufig -ist eine kleine Kapelle neben demselben; während die Kirche in der Reihe der -Höfe liegt. Man kann für diese Dorfform noch zahlreiche Beispiele sorbenwendischen -Ursprungs auf dem unteren Rande und am Fuße des Erzgebirgsabhanges -nachweisen, häufig selbst da, wo die ursprüngliche Form durch das -Anwachsen des Ortes schon bedeutend verändert ist. Auf dem eigentlichen Gebirgsabhange -kommen sie über 250 <em class="antiqua">m</em> Meereshöhe nicht mehr vor.</p> - -<p>Als oberster Grundsatz allen Besitzes galt, daß die ganze Feldmark -des Dorfes an Äckern, Wiesen, Weiden, Waldung, Umland und Wüstungen, -Bächen, Teichen u. s. w. der Gemeinde als Gesamtbesitz angehörte und daß der -einzelne Hofbesitzer nur als Mitglied der Gemeinde gewissermaßen den Nießbrauch -eines entsprechenden Teiles des Gesamtbesitzes hatte.</p> - -<p class="right"> -Nach M. v. Süßmilch. -</p> - -<h4><em class="antiqua">b.</em> Deutsche Dörfer.</h4> - -<p>Anders als bei dem slawischen war es bei der Anlage der deutschen Dörfer -im Waldgebiete. Hier wurde das Gesamtgebiet des anzulegenden Dorfes in so -viele Teile geteilt, als Höfe gegründet werden sollten, und der dieser Zahl entsprechende -Raum in so viele geschlossene aneinander stoßende Hufen zerlegt, als -die Dorfgemeinde Höfe zählen sollte. Daher bildeten die mit dem Gehöfte besetzten -Hufe ein geschlossenes Ganze. Garten, Feld, Wiese, Wald reihten sich -im Zusammenhange aneinander, wenn auch die Reihenfolge dieser Teile des -Ganzen in den einzelnen Fällen eine verschiedene war.</p> - -<p>In der Regel wurden die einzelnen Höfe innerhalb der Gemeindeflur -<em class="gesperrt">längs des Hauptweges</em> mit entsprechendem Abstande aneinander gereiht. Da -die Niederlassung vorwiegend in breiteren Thalmulden erfolgte, so wurde auf -jeder Seite des Wasserlaufes in entsprechender Höhe über der Thalsohle ein -Hauptweg geführt, längs dessen die Höfe erbaut wurden. Bei dieser Art von -Ansiedelungen in den Thälern, wie sie im Erzgebirge die vorwiegende ist, lagen<span class="pagenum"><a id="Seite_41">[41]</a></span> -innerhalb der Waldungen, welche die verschiedene Thalgebiete trennenden Höhenrückenzüge -bedeckten, die Grenzlinien zwischen den in gleicher oder ähnlicher Weise -angeordneten Nachbargemeinden.</p> - -<p>Ein jeder der Höfe lag in seinem ein unzertrenntes Ganze bildenden Besitz. -In der mehr oder weniger breiten Sohle der Thäler waren die Wiesen, weiter -oben auf dem Abhange und dessen weniger steiler Fläche das Ackerfeld und auf -dem Rande zwischen beiden der Hof mit seinen Gebäuden und dem Garten. -Weiter aufwärts lagen die Hutungen und oben auf der Höhe der Wald.</p> - -<p>Diese Art der Hufenteilung ist die im Erzgebirge bei seiner Besiedelung -vorwiegende gewesen. Weniger gebräuchlich, aber doch auch vorkommend, ist die -z. B. in Thüringen vorherrschende, mit der slawischen oder sorbenwendischen -Hufeneinteilung im Grundgedanken übereinstimmende Hufengattung, bei welcher -die Hufe aus einer großen Anzahl einzelner Ackerstücke besteht, welche durch die -Feldflur der Dorfgemeinde verstreut liegen. Das gesamte Pflugland wird in -eine Anzahl von Vierecken dergestalt geteilt, daß der Boden eines jeden dieser -Vierecke von möglichst gleicher Beschaffenheit ist. Nun wird ein jedes dieser -Vierecke in so viele Streifen oder Gewende zerlegt, als die Flur Hufen oder -Höfe zählt, sodaß eine Hufe wie die andere aus ganz gleichen Teilen zusammengesetzt -ist.</p> - -<p>Die Wiesen werden auch bei dieser Hufengattung besonders verteilt. In -der Regel erhielt eine jede Hufe Wiesenanteile in den drei schon im frühesten -Mittelalter unterschiedenen Wiesenlagen, und zwar Thal- oder Bewässerungswiesen, -Wiesen an den Hängen oder Thalhängen und Berg- oder Höhenwiesen. -Jede aus dieser Hufengattung bestehende Dorfflur bildet ebenfalls ein geschlossenes -Ganzes; die Hufe ist sogar vollständig abgeschlossen, wie bei der ersten Hufengattung: -denn jedes neugerodete Stück Land liegt außerhalb der Hufe. Daher -kommen neben der Hufe häufig noch einzelne Äcker vor, besonders dann, wenn -der Wald ursprünglich geschlossenes Gemeindeeigentum war. – Die zu dieser -Hufengattung gehörigen Hoferaithen liegen stets zu einem geschlossenen Dorfe -vereinigt beisammen.</p> - -<p>Für die große Mehrzahl aller Dörfer im Erzgebirge, wenigstens soweit -sie mit Ackerbau und Viehzucht in Verbindung stehen oder wenigstens in Verbindung -gestanden haben, kann man die Ansiedelung der Dorfgemeinde im ganzen -als die Regel annehmen. Dies schließt jedoch nicht aus, daß eine kleine Ansiedelung -durch Zuzug einer geschlossenen Menge neuer Ansiedler mit einem -Male oder durch allmählichen Zuwachs nach und nach im Laufe der Jahrhunderte -wesentlich vergrößert worden ist.</p> - -<p class="right"> -Nach M. v. Süßmilch. -</p> - -<h4><em class="antiqua">c.</em> Reste der sorbischwendischen Sprache.</h4> - -<p>Noch heuzutage sind auf dem Abhange des Erzgebirges mancherlei Wörter -und Bezeichnungen inmitten einer vollkommen deutsch erscheinenden Bevölkerung -gebräuchlich, welche auf sorbenwendischen Ursprung zurückweisen. In der bergmännischen -Sprache begegnen wir den Wörtern »Halde« für eine Aufschüttung -von Gesteinen, was auf <em class="antiqua">halda</em> = der Weiler führt; »Perl«, der Breithammer, -auf <em class="antiqua">perlik</em>; »Kaue«, das Stollenhaus, auf <em class="antiqua">kavna</em> = die Hütte; »Tscherper«, -das Messer der Bergleute, auf <em class="antiqua">serp</em> = die Sichel; »Nusche«, das schlechte -Messer (auch Kutternusche), auf <em class="antiqua">nuz</em> = das Messerchen; »Schragen«, Holzschragen, -ein bestimmtes Maß Holz auf <em class="antiqua">srak</em> = das Gestell (zum Messen des -Holzes); »Bähnert«, ein runder Korb, auf <em class="antiqua">bane</em> = der Flechtkorb. Unter<span class="pagenum"><a id="Seite_42">[42]</a></span> -anderen Benennungen deuten »Latschen«, schlechte oder geringe Schuhe, auf -<em class="antiqua">hlacice</em> = Strümpfe; »Hütsche« auf <em class="antiqua">hecna</em> = die niedere Bank; »Hurkel« -auf <em class="antiqua">hurka</em> = der Hügel, Buckel; »Zieche« auf <em class="antiqua">cicha</em> = der Bettüberzug. -Ferner »Schlottig« auf <em class="antiqua">slota</em> = Lumpengesindel; »Klike«, die Gesellschaft, auf -<em class="antiqua">klika</em> = das Gespann, Joch; »Schmant« auf <em class="antiqua">smanta</em> = Schmutz; ferner weist -»Wischka« auf <em class="antiqua">miska</em> = der Eber; »Kunzen« auf <em class="antiqua">cunce</em> = das männliche -Spanferkel. An Orts- und Richtungsbezeichnungen und dergl. kann man aufführen: -»Nische« von <em class="antiqua">nize</em> = schrägüber; »lätsch« von <em class="antiqua">lezny</em> = falsch; »quatsch« -von <em class="antiqua">kvaz</em> = das Gekrächze; »pritsch« von <em class="antiqua">pric</em> = fort; dergleichen an Zeitwörtern -»hätscheln« von <em class="antiqua">hejckám</em> = auf dem Arme schaukeln; »bischen«, -das Kind auf dem Arme tragen und einsingen, von <em class="antiqua">pisenka</em> = das Lied; -»dahlen« von <em class="antiqua">dal</em> = weitläufig (sprechen); »tatschen« von <em class="antiqua">tacim</em> = im Kreise -drehen (mit seiner Rede); »pesteln« von <em class="antiqua">pestam</em> = vorsorgen, pflegen; »pitzeln« -von <em class="antiqua">piclam</em> = mit stumpfem Messer schneiden; »anfuzen«, jemand grob anreden, -von <em class="antiqua">fucim</em> = sausen; »balzen« von <em class="antiqua">palcivy</em> = hitzig sein; »Husche« -von <em class="antiqua">husa</em> (Hus) = Gans; »Kaluppe« oder Schaluppe (schlechte Hütte) von -<em class="antiqua">chalupa</em> = Hütte; »paddeln« von <em class="antiqua">padlám</em> = in der Erde wühlen; »pomäle« -(behaglich, bequem) von <em class="antiqua">pomalu</em> = langsam; »ketscheln« von <em class="antiqua">kecam</em> = spritzen, -sudeln, besudeln u. a.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Göpfert u. M. v. Süßmilch. -</p> - -<h3 id="sec29">29. Einzelansiedelungen im Obererzgebirge.</h3> - -<p>Der Einzelansiedler hatte vollständig freie Hand, sich anzubauen, wo es -ihm gefiel. Da gab es bis in die neueste Zeit Einzelhäuser im Walde und -Einzelgehöfte vor dem Walde und an dessen Rande, ungerechnet die zahlreichen -Mühlen, welche einsam an den Wasserläufen und in den prächtigsten Thalstrecken -entlang verstreut liegen. Die verschiedenen Häusergruppen auf dem Gebirgszuge -zwischen Freiberg und Brand, die Höfe von Drachenwald und Neusorge, die -Gehöfte und Häusergruppen »Auf dem Gebirge« bei Marienberg, die verschiedenen -Vorwerke bei Ehrenfriedersdorf und Geyer, sowie im Nordosten von -Annaberg und im Norden von Buchholz, die Höfe am Bärenstein, die Vorwerke -bei Oberwiesenthal, die Berghäuser bei Unterwiesenthal, die Tellerhäuser -bei Oberwiesenthal, die verschiedenen Vorwerke bei Schwarzenberg, Brünnlaß -am Gleesberge, die Sonnenwirbelhäuser, die Unruhe, die Spitzberghäuser, die -Försterhäuser und andere geben sämtlich Beispiele für die Einzelansiedelungen, -sei es als Jäger, Wilddieb, Kohlenbrenner, Bergmann, Viehzüchter und Ackerbauer.</p> - -<p class="right"> -Nach M. v. Süßmilch. -</p> - -<h3 id="sec30">30. Die Bauart des Erzgebirgshauses.</h3> - -<p>Das für das Erzgebirge eigentümliche Wohnhaus ist das Blockhaus. Das -ursprüngliche Blockhaus ist allerdings nur noch in mäßiger Anzahl zu finden, -da bei allen neuen Bauten die gesteigerten Holzpreise, sowie staatliche und örtliche -Bauvorschriften die Errichtung von wirklichen Blockhäusern verbieten. Das -Blockhaus, wie man es in der ursprünglichen Bauweise an einzelnen Stellen -noch vortrefflich erhalten findet, und zwar für eine Familie, ist die Grundform -für alle Hausbauten auf dem Gebirge.</p> - -<p>Auf einem Viereck von großen Steinen in Trockenmauer, seltener in Lehm- -oder Kalkbau, steht das aus zweikantig beschlagenen, auf den beiden übrigen -Seiten nur geschälten Balken errichtete Haus. Die Balken liegen wagerecht;<span class="pagenum"><a id="Seite_43">[43]</a></span> -ihre Enden sind über einander geschnitten und ragen etwa eine Hand breit vor. -Die Balken waren 30 bis 35 <em class="antiqua">cm</em> starke Bohlen, und man fügte dieselben -zwischen stehende Säulen von 30 <em class="antiqua">cm</em> Stärke. Für Thüre und Fenster sind entsprechende -Öffnungen gelassen. Die inneren Zwischenwände sind ebenfalls Blockwände. -Nur zur Aufnahme der Esse und Abgrenzung einer kleinen, schwarzberußten -Sommerküche ist Mauerwerk von mehr oder weniger hart gebrannten -Ziegeln aufgeführt. Die Fugen zwischen den Balken sind mit Moos, Erde -oder Lehm ausgestopft und das Innere ist mit Kalkfarbe gestrichen, bei wohlhäbigeren -Bauten aber mit Holzverkleidung bedeckt. Die Stuben- und Kammerdecke -ist mit Brettern zwischen den Balken verschlagen; die Fenster sind mit -Läden versehen. Die Holzverkleidungen sind meist in Felder geteilt; aber eigentliche -Holzschnitzereien sind nirgends zu treffen. Zunächst der kleinen Hausflur -befindet sich eine ungefähr 5 <em class="antiqua">m</em> im Gevierte haltende Stube, an dieser eine -Kammer. In der Stube steht ein großer Kachelofen, in der kleinen Küche ein -Herd. Das zweiseitige, mit Schindeln gedeckte Dach bildet ein gleichseitiges -Dreieck über den niederen Außenwänden. Die über das Dach wenig aufragende -Esse ist von Lehmsteinen oder Ziegeln gebaut, mit einer Holzverkleidung umfaßt -und mit einem Wetter- und Schneedache überdeckt. Zu dem Dachboden -führt eine offene Stiege. Dem Verlaufe der Ansiedelung entsprechend, liegen -die Häuser vereinzelt, mitten im Lande, am Wege oder in Gruppen über oder -nebeneinander, am Abhange oder auf dem Bergvorsprunge.</p> - -<p class="right"> -Nach M. v. Süßmilch. -</p> - -<h3 id="sec31">31. Der erzgebirgische Kirchenbau.</h3> - -<p>Die Grundrisse der erzgebirgischen Kirchen verraten eine gemeinsame Kunstanschauung. -Die zu Annaberg besteht aus drei Schiffen, von welchen das -mittlere nur wenig breiter ist als die äußeren. Gegen Osten sind drei aus dem -Achteck gebildete Chorbauten angeordnet. Der Bau bildet im übrigen ein Rechteck, -welches etwa doppelt so lang als breit ist.</p> - -<p>Die Kirche zu Pirna entspricht der Annaberger fast völlig. In dieser -Planbildung sehen wir die ältere Schule jener Gegend; denn die Pirnaer Kirche -entstand seit 1504. Ihr Meister dürfte jener <em class="gesperrt">Peter von Pirna</em> sein, von -dem wir wissen, daß er vor <em class="gesperrt">Jakob von Schweinfurt</em> in Annaberg baute.</p> - -<p>Diese Grundrißform war keine neue. Ihre Wahl war vielleicht durch -Jerusalem beeinflußt; dort stand die Abtei St. Anna, die im 12. Jahrhunderte -von den Kreuzfahrern über der Gruft der Großmutter Christi errichtet worden -war. Auch sie zeigt jene Form und war eine jener Heilstätten, die damals -kein Wallfahrer unberührt ließ. Schwerlich ist aber die Annenkirche in Jerusalem -allein maßgebend gewesen. Das Vorbild der Teynkirche zu Prag und -verwandter Bauten wirkte jedenfalls mit. Das dortige Chor findet sich schon -1388 an der Moritzkirche zu Halle wiederholt.</p> - -<p>Aber zwischen allen diesen Bauten und dem Annaberger besteht ein sehr -einschneidender Unterschied. Dort sind die Umfassungsmauern zwischen die inneren -Endungen der Strebepfeiler gestellt, sodaß diese nach außen die Wandfläche -gliedern; hier ist die Außenwand völlig glatt gebildet, sind die Streben ganz -nach innen gezogen. Ursprünglich war die Hallenkirche geplant. Die folgenden -Meister gingen erst zur Emporenkirche über, wie in der Wolfgangskirche zu -Schneeberg und der Kirche zu Laun. Der Emporenumgang über den eingebauten -Kapellen erstreckte sich in Brüx nun auch über das Chor. Die reiche, -bildnerische Ausschmückung der Emporenbrüstungen, die feine Gliederung der<span class="pagenum"><a id="Seite_44">[44]</a></span> -Pfeiler, die die Decke zu einem ganzen zusammenfassende Bildung der sich -durchdringenden Kurvenrippen, die Stellung der Kanzel – alles dies giebt -solchen Kirchen im hohen Grade den Eindruck des Saalartigen, des Gemeindebaues, -der Predigtkirche, soweit dies bei gotischen Formen überhaupt erreichbar -ist. Ähnlich ist die Schneeberger Kirche gestaltet. Schon hielt man hier nicht -mehr für nötig, dem Mittelschiffe einen chorartigen Abschluß zu geben. Der -Altar steht frei vor der ringsumlaufenden, den Eindruck des Raumes künstlerisch -beherrschenden Empore. Diese Form war entlehnt von der Marienkirche zu -Zwickau, welche 1465–1475 erbaut wurde.</p> - -<p>In der Kirche zu Oederan aber, wie in jenen zu Penig und Geithain und -sämtlichen kleineren Orten des Erzgebirges, ließ man auch die Pfeiler als Dachstützen -fort und schuf lediglich den von den Emporen umgebenen Saal, an den -das Chor als etwas Selbständiges sich anlegt. Am entschiedensten und merkwürdigsten -zeigt sich die neue Richtung an der Kirche zu Joachimsthal, die erst -nach dem Beginne der lutherischen Reformation angelegt wurde. Die böhmische -Bergstadt ist in vielen Beziehungen eine Tochter Annabergs. Die ganze Anlage -der Kirche ist sehr nüchtern. Sie ist durchaus protestantisch, durchaus -zweckmäßig, durchaus im bewußten Gegensatze zu der Altarkirche des alten -Glaubens errichtet, sodaß hier dem Katholizismus ernste Schwierigkeiten erwuchsen, -als er den Bau für seinen Gottesdienst einrichten ließ.</p> - -<p>War also das Aufgeben der malerisch reizvollen Grundrißformen der Gotik -zu Gunsten einer möglichst klaren, einheitlichen Raumgestaltung ein Werk des -Bestrebens, Predigt- und Gemeindekirchen zu schaffen, so zeigt sich dies auch in -der Pfeilerbildung. Die Pfeiler wurden nun fast notwendige Übel. Man bildete -sie deshalb so einfach als möglich und suchte einen Stolz darin, die Zahl der -Stützen unter den Gewölben thunlichst zu beschränken. In Schneeberg ist die -sehr nüchterne Führung der Gewölblinien in allen drei Schiffen dieselbe; in -Laun tritt eine Eigentümlichkeit der Spätzeit der Gotik auf, nämlich die, daß -die Rippennetze aus Bogen gebildet sind, eine Erscheinung, die sich in Brüx, -am Hauptchor in Pirna, am Chor der Stadtkirche zu Lommatzsch und an der -Annaberger Kirche wiederholt. Diese Formen finden sich auch wieder am -Wradislavsaale des Schlosses auf dem Hradschin und in dem erst durch <em class="gesperrt">Jakob -von Schweinfurt</em> errichteten Wappensaale der Albrechtsburg in Meißen. – -Von besonderer Wichtigkeit ist, zu sehen, wie die Baumeister sich den Emporen -gegenüber verhielten. Man errichtete neben den Pfeilern des Mittelschiffes der -alten Kirche die neuen, schwächeren Pfeiler, spannte die Gewölbe ein und konnte -dann die alte Kirche aus dem Innern der neuen entfernen. So geschah es in -Annaberg. In Annaberg entwickelte sich der Emporenbau nur schrittweise; der -älteste Teil ist die »Musika«, die Orgelempore. In der Marienberger Kirche -(1558–1564 erbaut) liegt die Sakristei hinter der Empore, welche den ganzen -Bau umzieht. Das Chor als solches ist ganz aus dem Plane gestrichen. In -der Bergkirche zu Annaberg ruhen die Emporen auf Säulen und ziehen sich -ringsum. Jemehr die Strebepfeiler nach innen rückten, desto ungegliederter -wurde das Äußere. In Laun, Freiberg, Schneeberg, Oederan, Buchholz erscheinen -die Streben als mehr oder minder schwache Wandstreifen. In Brüx -und Annaberg sind die Umfassungswände ebenso glatt wie an den meisten -Schloßkapellen. Die Art der Gotik ist umgewendet.</p> - -<p>Während an dem Dome zu Köln, wie an den großen französischen Kirchen -eine gewaltige Zahl von Nebenkapellen, Strebepfeilern und Bogen, Fialen,<span class="pagenum"><a id="Seite_45">[45]</a></span> -Brüstungen und Wimpergen sich äußerlich zeigt, die ein schmales, schlank aufsteigendes -Mittelschiff als eigentlichen Hauptraum der Kirche umrahmen, erscheint -hier ein äußerlich schmuckloser, ganz nach innen gekehrter Hallenbau; während -dort das Ganze in seinen zahlreichen Teilen, seinen verschiedenen Schiffen und -Kapellen dem Wesen der Heiligen-, Klerikerkirche entspricht, ist hier der Predigtbau -bei allem Bauaufwande doch in seiner zweckdienlichen Einfachheit ausgebildet, -ein durchaus neues, zwar aus der Gotik entwickeltes, aber keineswegs mehr -mittelalterliches Werk geschaffen.</p> - -<p>Licht! lautet eine Grundforderung der erzgebirgischen Bauten. Die Meister -der erzgebirgischen Predigtkirche fanden auch statt der Abteilung des Baues in -verschieden heilige Teile eine einheitliche Form durch unbefangene Ausgestaltung -der Forderungen des neuen Gottesdienstes.</p> - -<p class="right"> -Nach Gurlitt. -</p> - -<h3 id="sec32">32. Die Wappen der Erzgebirgsstädte.</h3> - -<p>Es ist lehrreich, die Städtewappen des Erzgebirges zu vergleichen. Dieselben -trennen sich in zwei große Gruppen: in die Wappen der Städte, welche -vor 1500 bestanden, und in die der Städte, welche nach 1500 gegründet -wurden. Diese letzteren sind alles Bergstädte, wie auch ihre Bergmannswappen -bezeugen.</p> - -<p>Der größte Teil der alten Städte führt eine Stadtmauer mit Thor und -Türmen als Beleg ihrer Wehrhaftigkeit im Wappen. Diese Städte sind sämtlich -im 13. Jahrhundert, jedenfalls zu Anfang desselben, wo nicht schon früher, am -Ausgang des 12. Jahrhunderts, gegründet worden. So haben Colditz, Leisnig, -Döbeln, die drei alten Städte vor dem Fuße des Erzgebirges, eine Mauer mit -offenem Thor, Döbeln sogar drei, und drei Türme. Colditz hat über dem -mittelsten Turme einen Schild mit dem Meißener Löwen, Leisnig vor dem -Thore den Wappenschild der Burggrafen von Leisnig. Freiberg führt eine -Mauer mit Thor und drei Türmen, vor dem Thore den Schild mit dem -Meißener Löwen; Lößnitz eine Mauer mit drei Türmen, vor deren mittelsten -den Schild der Burggrafen von Meißen; Elterlein eine Mauer mit Thor und -zwei Türmen, rechts oben an der Mauer den Schild der Burggrafen von -Meißen mit dem Andreaskreuz, links oben den Schild der Grafen von Schönburg -mit seinen zwei roten Schrägstreifen. Wolkenstein führt eine Mauer mit -offenem Thor und drei Türmen, auf dem rechten bläst der Wächter ins Horn. -Später hat man das Wappen durch zwei zwischen die Türme gesetzte Schilderhäuschen -verunziert. Frankenberg hat eine Mauer mit Thor und zwei Türmen, -zwischen denen eine Jungfrau mit Kranz steht. Kirchberg, sowie Zschopau hat -eine Mauer mit Thor und drei Türmen; Chemnitz ebenfalls, an dem mittelsten -Turme jedoch den Schild mit dem Reichsadler. Öderan hat eine Mauer mit -Thor und zwei Türmen, zwischen denen sich ein Wagenrad als Wahrzeichen der -Heerstraße befindet. Die uralte Stadt Sayda hat nur den Schönburgschen -Löwen.</p> - -<p>Die Ansiedelung im Waldgebiete bezeugen die Wappen von Geringswalde -oder Gerungiswalde, eine Tanne, an welcher sich ein Eber reibt, von Grünhain -mit drei Tannen, vor welchen ein Auerhahn steht. Hainichen führt zwei umgeschlagene -Tannen, auf dem einen Zweige sitzt ein Vogel. Nossen hat drei große -Bäume, zwischen denen ein Turm steht. Dippoldiswalde zeigt zwei gekreuzte<span class="pagenum"><a id="Seite_46">[46]</a></span> -Eichen und das Brustbild eines Mannes mit Bart. Zöblitz führt einen Bärenkopf -in goldenem Schilde.</p> - -<p>Die Wappen von Dohna und Frauenstein haben keine geschichtlichen Beziehungen; -ebensowenig das am Rathause von Geyer 1496 angebrachte Stadtwappen -mit den drei Geiersköpfen.</p> - -<p>Ein uraltes, redendes Bergmannswappen führt Eibenstock, nämlich Rechen -und Radehaue als Wahrzeichen des Zinnseifens.</p> - -<p>Die Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts gegründeten Bergstädte -Altenberg, Schneeberg, Aue, Annaberg, Buchholz, Sebastiansberg, Marienberg, -Scheibenberg, Oberwiesenthal, Sonneberg, Kupferberg, Gottesgab, Platten, -Jöhstadt, sowie das weit später gegründete Johanngeorgenstadt führen sämtlich -Bergmannswappen mit Schlägel und Eisen, Hacken, Hauen, Keilen u. a. mit -Heiligen- oder anderen Schmuckbildern oder ohne solche.</p> - -<p class="right"> -Nach M. v. Süßmilch. -</p> - -<h3 id="sec33">33. Uralte Verkehrswege im Erzgebirge.</h3> - -<p>Die ersten Pfadmacher in den unwirtlichen, waldigen Schluchten und -Bergen unseres Gebirges sind jene großen Säugetiere gewesen, welche in alter -Zeit zahlreich unsere Gegenden durchstreiften. Die ersten, die Wege herstellten, -sind slavische Ansiedler gewesen. Es entstanden eine Reihe von Burgen und -Grenzfestungen, welche teils zum Schutz der Straßen dienten, teils aber wohl -auch allerlei Raubgesindel Unterschlupf gewährten. So hören wir schon aus -dem Jahre 968 von der Burg Schellenberg, weiter von Rauenstein, Nieder- -und Oberlauterstein, Purschenstein, Sayda, Scharfenstein, Wolkenstein, Tannenberg, -Stein, Hartenstein, Schlettau, Schwarzenberg. Ums Jahr 923 wird -bereits die Burg Wildeck erwähnt, von deren Vorhandensein heute noch der -Berchfrit, der einen wesentlichen Bestandteil des Schlosses in Zschopau bildet, -Zeugnis ablegt. Ebenso soll bei Rittersgrün und Rübenau eine Burg gestanden -haben. Rauenstein wird zuerst urkundlich 1289 erwähnt, Niederlauterstein 1315, -während Sayda und Purschenstein im Jahre 1240 aus böhmischem in sächsischen -Besitz kamen und Scharfenstein, Wolkenstein und Schlettau im 12. Jahrhundert -entstanden sein dürften. Von der Burg Tannenberg, von der nur noch der -bekannte alte viereckige Turm übrig geblieben ist, wird in zeitgenössischen Quellen -nichts erwähnt. Alle diese Burgen lagen in der Nähe der großen Straßen, -welche am Gebirge entlang oder über dasselbe führten. Da ist zunächst die -alte Frankenstraße, welche vom Vogtlande durch das niedere Erzgebirge nach -Osten ging und von Plauen aus Reichenbach, Zwickau, Lichtenstein, Chemnitz, -Flöha und Freiberg berührte. Hier teilte sich die Straße, indem die obere über -Wilsdruff, die untere über Bobritzsch nach Dresden führte. Parallel zu ihr -hatte schon frühzeitig eine große Handelsstraße im Egerthale Bedeutung, welche -von Eger über Falkenau, Karlsbad, Kaden, Komotau, Brüx nach Aussig lief. -In die ersterwähnte Frankenstraße mündeten von Norden mehrere Straßenzüge -ein. So kreuzten dieselbe in Plauen und Zwickau Straßen von Leipzig, welch -letztere sich über Kloster Grünhain, das ja früh schon mit Zwickau in enger -Verbindung stand, Elterlein, Schlettau nach Böhmen zog. Eine dritte Straße -von Leipzig fand in Chemnitz Anschluß an die Frankenstraße, welche von hier -aus nach dem Egerthale weiterführte. Ob diese Straße Karl der Große bei -seinem Zug nach Böhmen im Jahre 805 und Heinrich II. im Jahre 1004 -benutzte, ist nicht genau festzustellen, aber nicht ausgeschlossen. Die Straße ist<span class="pagenum"><a id="Seite_47">[47]</a></span> -in ihrem Vorhandensein bis Zschopau urkundlich festgestellt, wie sie weiter verlief, -ist nicht genau bekannt. Andere Straßen führten von Zöblitz über Rübenau nach -Görkau, von Marienberg über Reitzenhain, Bastelberg (Sebastiansberg) nach -Komotau, von Zschopau über Mildenau, Jöhstadt nach Preßnitz. Auch Kühberg -war schon frühzeitig ein wichtiger Straßenpunkt. Alle diese Straßen -dienten nicht nur friedlichen Zwecken, oft sind Kriegsheere auf ihnen hin gezogen -und haben sich plündernd in die nächsten Marken ergossen. Ferner wird -Wolkenstein als an einer Straße nach Preßnitz liegend erwähnt, welche vielleicht -von Wolkenstein nach Chemnitz über Erfenschlag ging. Christian Lehmann -gedenkt auch eines Weges nach Satzung. Von der Frankenstraße zweigte in -Oederan die sogenannte alte Salzstraße nach Süden ab, welche Freiberg und -Sayda berührte und in Brüx Anschluß an die nordböhmische Handelsstraße -fand. Sayda war schon 1210 eine Zoll- und Gerichtsstätte und das nahe -gelegene Schloß Purschenstein findet schon 1213 Erwähnung. Eine andere -Straße ging schon in alter Zeit von Freiberg über Frauenstein nach Teplitz. -Freilich waren dies alles nicht Straßen im heutigen Sinne, sie folgten meist -weder den Höhenzügen, noch den Thälern, sondern gingen bergauf, bergab, wie -gerade das Gebiet es ergab. Infolgedessen waren die Wege sehr beschwerlich, -und die Gefahren, die sie an sich boten, wurden noch durch die Unsicherheit -vermehrt, die durch allerlei Räuber und Buschklepper entstand. So blieb es -bis in das 15. Jahrhundert. Allmählich wurden die Straßen besser, sie wurden -vermessen und ordentlich in Stand gehalten, bis aus ihnen die prächtigen -Kunststraßen wurden, deren wir uns heute erfreuen.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Simon. -</p> - -<h3 id="sec34">34. Die Pässe des Erzgebirges.</h3> - -<p>Die größeren Städte und Verkehrsmittelpunkte am Fuße des höheren -Erzgebirges verdanken ihre Entstehung nicht den Verkehrsstraßen. Es haben -vielmehr die Städte, die ursprünglich Mittelpunkte der Kultur fruchtbarer Landstriche -oder ergiebiger Bergbaugebiete waren, mit der Zeit bewirkt, daß sich aus -der Fülle möglicher Straßen bestimmte Gruppen ausschieden.</p> - -<p>Über den Kamm des Erzgebirges bestanden schon sehr früh verschiedene -Übergangspunkte. So bestand ein wichtiger Gebirgsübergang des Passes von -Dohna am Mückenberge. Der Name des »Langenbrückeberges« bei Häselich -scheint darauf hinzuweisen, daß sumpfige Strecken durch Knüppeldämme wegsam -gemacht waren. Die Pirnaer Straße kreuzte das Gottleubathal und erreichte -Nollendorf. Die Straßen bestanden, bevor Dresden 1455 das Niederlagsrecht -für die nach Böhmen gehenden Güter erhalten hatte. Freiberg ist ebenfalls -jünger als die Gebirgsübergänge im Quellgebiete der östlichen Mulde und -Flöha. Der Verkehr zog sich hier über den Paß von Sayda. Diese auf dem -hohen Gebirge gelegene Stadt mußte als ein Ruhepunkt und wahrscheinlich auch -als ehemalige Grenz- und Zollstätte einzig durch die Straße nach Böhmen an -Bedeutung gewinnen. Übergangspunkte von Chemnitzer Straßen waren die -Pässe von Reitzenhain und Preßnitz. Es gab noch eine Anzahl Straßen, in -der sich die Chemnitzer Straße fächerartig spaltete.</p> - -<p>Während im östlichen Gebirge auf böhmischer Seite die Stadt Teplitz -einen Teil der Straßen auf sich lenkte, fehlte nach Westen ein solcher Mittelpunkt. -So überschritten die von Chemnitz kommenden und nach Prag Reisenden -die Eger an einem andern Punkte als die, welche das restliche Böhmen besuchten.<span class="pagenum"><a id="Seite_48">[48]</a></span> -Die Prager Straße lief über Reitzenhain und überschritt bei Saaz -oder Bostelberg die Eger, der westliche Paß dagegen, der von Preßnitz, führte -auf Kaaden.</p> - -<p>Das westliche Erzgebirge haben immer nachbarliche Beziehungen mit Böhmen -verbunden. Wenn auch infolge der Silberfunde von Annaberg, Joachimsthal, -Schneeberg und Marienberg und dem Anwachsen der Einwohner neue Straßen -entstanden, so hat sich die Zahl der eigentlichen Pässe nicht vermehrt, da der -Abfluß des Silbers nach Norden in die Münze des Landesherrn stattfand und -so der Austausch der Waren auch dorthin wies. Jedoch hat es weder vor -noch nach der Blütezeit des Bergbaues ganz an Verkehrsstraßen über das Gebirge -gefehlt. So führte eine solche von Zwickau über Eibenstock, Wildenthal, -Sauersack, Frühbuß und Schönlind. Eine Ablenkung von dieser Richtung von -Wildenthal über Johanngeorgenstadt, Platten und Bäringen nach Karlsbad ist -erst durch Aufblühen Johanngeorgenstadts veranlaßt worden.</p> - -<p>Von Zwickau führte außerdem eine Straße über Lindenau, Zschorlau, -Bockau und Konradswiese nach Schwarzenberg und spaltete sich hier in zwei -Linien, deren eine über Bermsgrün, Crandorf, Breitenbrunn, Wittigsthal, -Platten und Bäringen sich nach Karlsbad wandte, die andere dagegen den Paß -aufsuchte, der dem Chemnitzer Straßenzuge angehörte, also die Ortschaften Grünstädtel, -Raschau, Crottendorf, Cranzahl, Pleil, Preßnitz berührte. Karlsbad als -Endpunkt der Zwickauer Straßenzüge kommt erst seit dem Aufblühen der Stadt -nach 1347 in Betracht, vorher dürften Elbogen oder Falkenau die Straßenausgänge -beherrscht haben.</p> - -<p>Die Pässe des Erzgebirges werden nur in Einzelheiten durch das Gelände -bestimmt. Die Flußthäler werden im Gebirge sorgfältig vermieden. Die Eisenbahnen -dringen meist bis zum Kamme in den Thälern vor. Die alten Straßen -teilen sich auf dem Kamme gewöhnlich in mehrere Züge. Sie sind vom Verkehr -zäh festgehalten worden.</p> - -<p class="right"> -Nach Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Schurtz. -</p> - -<h3 id="sec35">35. Die Verkehrswege.</h3> - -<h4><em class="antiqua">a.</em> Die obererzgebirgischen Eisenbahnen.</h4> - -<p>Ihrer Eröffnungszeit nach durchziehen das Obererzgebirge zur Zeit folgende -Eisenbahnlinien: seit 1858 Zwickau-Schwarzenberg, 1859 Niederschlema-Schneeberg, -1866 Chemnitz-Annaberg, 1872 Annaberg-Weipert, 1875 Flöha-Reitzenhain -mit Pockau-Olbernhau, Chemnitz-Aue-Adorf, 1883 Schwarzenberg-Johanngeorgenstadt, -1886 Wilischthal-Ehrenfriedersdorf, Thum-Herold, 1888 Schönfeld-Geyer, -1889 Buchholz-Schwarzenberg mit Zweigbahn nach Obercrottendorf und Oberrittersgrün, -Zwönitz-Stollberg, 1892 Wolkenstein-Jöhstadt, 1897 Wilzschhaus-Carlsfeld, -Mulda-Sayda, Cranzahl-Oberwiesenthal. – Auf böhmischer Seite -sind folgende Linien zu merken: 1872 Komotau-Weipert, 1875 Krima-Reitzenhain, -1899 Johanngeorgenstadt-Neudeck.</p> - -<p>Die Eisenbahnlinie Zwickau-Glauchau-Chemnitz-Flöha-Freiberg-Hainsberg-Dresden -ist die Hauptlinie, an welche sich fast sämtliche erzgebirgische Eisenbahnlinien -anschließen.</p> - -<p>Längs des Südfußes des Gebirges führt die Linie Tellnitz-Ossegg-Komotau -und Komotau-Karlsbad-Falkenau hin.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_49">[49]</a></span></p> - -<h4><em class="antiqua">b.</em> Die alten Postsäulen.</h4> - -<p>Wenn in der alten guten Zeit jemand eine größere Reise unternahm, so -machte er wohl sein Testament, versammelte seine Familie um sich und nahm -rührend Abschied. Dann vertraute er sich dem Postillon an, der ihm die anstrengende -Fahrt durch die lustigen Weisen seinem Hornes etwas angenehmer -machte. An größeren Haltestellen besichtigten die Reisenden die in der Nähe -der Postmeisterei aufgestellten <em class="gesperrt">Postsäulen</em>, welche in Stein geschriebene Auskunft -erteilten. Sie waren Spitzsäulen, auf deren Seiten die Orte der Poststraße -samt Entfernungszahl in Meilen eingetragen waren. Viele solcher Säulen -sind unter <em class="gesperrt">August dem Starken</em> errichtet worden. Sie trugen das kurfürstlich -sächsische und königlich polnische Wappen. Manchenorts trifft man noch -diese Reste einer guten alten Zeit, über welche die Gegenwart mit Unrecht bei -ihren Verkehrserleichterungen lächelt.</p> - -<p>Diese Säulen sind gewissermaßen Denkmale für die frühere Bedeutung der -Orte als Verkehrshauptpunkte.</p> - -<p class="right"> -Nach dem Glückauf. -</p> - -<h3 id="sec36">36. Die Bevölkerung des Obererzgebirges sonst und jetzt.</h3> - -<p>Die Einwohnerzahl erzgebirgischer Städte vor 100 Jahren unter Beifügung -der Ergebnisse der letzten Volkszählung im Jahre 1859 zeigt folgende Zusammenstellung:</p> - -<p>Es zählten im Jahre</p> - -<table summary="Einwohnerzahlen"> -<tr> -<td></td> - <td colspan="2" class="tdc">1796</td><td class="tdc">1895</td> -</tr> -<tr> -<td></td> -<td class="tdr">Einwohner</td><td class="tdr">Wohnhäuser</td><td class="tdr">Einwohner</td> -</tr> -<tr> -<td>Annaberg</td> - <td class="tdr">4500</td><td class="tdr">600</td><td class="tdr">15025</td> -</tr> -<tr> -<td>Buchholz</td> - <td class="tdr">1400</td><td class="tdr">180</td><td class="tdr">7989</td> -</tr> -<tr> -<td>Ehrenfriedersdorf</td> - <td class="tdr">1000</td><td class="tdr">200</td><td class="tdr">5123</td> -</tr> -<tr> -<td>Eibenstock</td> - <td class="tdr">2000</td><td class="tdr">300</td><td class="tdr">7216</td> -</tr> -<tr> -<td>Elterlein</td> - <td class="tdr">900</td><td class="tdr">150</td><td class="tdr">2105</td> -</tr> -<tr> -<td>Geyer</td> - <td class="tdr">1300</td><td class="tdr">250</td><td class="tdr">5764</td> -</tr> -<tr> -<td>Grünhain</td> - <td class="tdr">900</td><td class="tdr">250</td><td class="tdr">1813</td> -</tr> -<tr> -<td>Jöhstadt</td> - <td class="tdr">1300</td><td class="tdr">200</td><td class="tdr">2358</td> -</tr> -<tr> -<td>Johanngeorgenstadt</td> - <td class="tdr">3000</td><td class="tdr">380</td><td class="tdr">5313</td> -</tr> -<tr> -<td>Lengefeld</td> - <td class="tdr">1600</td><td class="tdr">280</td><td class="tdr">3431</td> -</tr> -<tr> -<td>Marienberg</td> - <td class="tdr">3000</td><td class="tdr">600</td><td class="tdr">6574</td> -</tr> -<tr> -<td>Oberwiesenthal</td> - <td class="tdr">1200</td><td class="tdr">200</td><td class="tdr">2031</td> -</tr> -<tr> -<td>Scheibenberg</td> - <td class="tdr">800</td><td class="tdr">130</td><td class="tdr">2567</td> -</tr> -<tr> -<td>Schlettau</td> - <td class="tdr">800</td><td class="tdr">100</td><td class="tdr">3175</td> -</tr> -<tr> -<td>Schneeberg</td> - <td class="tdr">4400</td><td class="tdr">600</td><td class="tdr">8284</td> -</tr> -<tr> -<td>Schwarzenberg</td> - <td class="tdr">1300</td><td class="tdr">162</td><td class="tdr">3738</td> -</tr> -<tr> -<td>Stollberg</td> - <td class="tdr">1600</td><td class="tdr">400</td><td class="tdr">7028</td> -</tr> -<tr> -<td>Thum</td> - <td class="tdr">1000</td><td class="tdr">130</td><td class="tdr">4134</td> -</tr> -<tr> -<td>Wolkenstein</td> - <td class="tdr">1200</td><td class="tdr">200</td><td class="tdr">2099</td> -</tr> -<tr> -<td>Zöblitz</td> - <td class="tdr">800</td><td class="tdr">110</td><td class="tdr">2386</td> -</tr> -<tr> -<td>Zschopau</td> - <td class="tdr">3700</td><td class="tdr">550</td><td class="tdr">6962</td> -</tr> -<tr> -<td>Zwickau</td> - <td class="tdr">5000</td><td class="tdr">900</td><td class="tdr">50391</td> -</tr> -<tr> -<td>Zwönitz</td> - <td class="tdr">1200</td><td class="tdr">200</td><td class="tdr">2925</td> -</tr> -</table> - -<p>Wie schnell die Bevölkerungszahl unserer sächsischen Städte gewachsen ist, -dürften folgende Ergebnisse der <em class="gesperrt">Volkszählung aus dem Jahre 1830</em> darthun. -Vor 70 Jahren hatte Dresden 63 000 Einwohner; Freiberg 10 000; -Chemnitz 16 500; Zschopau 5000: Annaberg 4500; Buchholz 2000; Ehrenfriedersdorf -2000; Elterlein 1750; Geyer 2650; Grünhain 1500; Jöhstadt -1500; Johanngeorgenstadt 3000; Lengefeld 1200; Marienberg 3000; Oberwiesenthal -1800; Scheibenberg 1400; Schlettau 1180; Schwarzenberg 1800; -Thum 1150; Wolkenstein 1600; Zöblitz 1150; Leipzig 40 000; Schneeberg -6200; Zwickau 5500; Zwönitz 1600; Plauen 6600; Oelsnitz 3200 etc.</p> - -<p>Die Ergebnisse der <em class="gesperrt">letzten Volkszählungen</em> sind nach erfolgter Zusammenstellung -in Sachsen für die Stadtgemeinden bis zu 5000 Einwohnern -folgende:</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_50">[50]</a></span></p> - -<table summary="Einwohnerzahlen"> -<tr> -<td></td><td class="tdr">1895</td><td class="tdr">1890</td> - -</tr> -<tr> -<td>Leipzig</td><td class="tdr">399969</td><td class="tdr">293525</td> -</tr> -<tr> -<td>Dresden</td><td class="tdr">336440</td><td class="tdr">276085</td> -</tr> -<tr> -<td>Chemnitz</td><td class="tdr">161018</td><td class="tdr">138955</td> -</tr> -<tr> -<td>Plauen</td><td class="tdr">55197</td><td class="tdr">47008</td> -</tr> -<tr> -<td>Zwickau</td><td class="tdr">50391</td><td class="tdr">44202</td> -</tr> -<tr> -<td>Freiberg</td><td class="tdr">29282</td><td class="tdr">28954</td> -</tr> -<tr> -<td>Zittau</td><td class="tdr">28133</td><td class="tdr">25394</td> -</tr> -<tr> -<td>Glauchau</td><td class="tdr">24885</td><td class="tdr">23404</td> -</tr> -<tr> -<td>Reichenbach</td><td class="tdr">24411</td><td class="tdr">21498</td> -</tr> -<tr> -<td>Bautzen</td><td class="tdr">23668</td><td class="tdr">21517</td> -</tr> -<tr> -<td>Crimmitschau</td><td class="tdr">23554</td><td class="tdr">19975</td> -</tr> -<tr> -<td>Meerane</td><td class="tdr">23003</td><td class="tdr">22429</td> -</tr> -<tr> -<td>Meißen</td><td class="tdr">18828</td><td class="tdr">17874</td> -</tr> -<tr> -<td>Werdau</td><td class="tdr">17356</td><td class="tdr">16256</td> -</tr> -<tr> -<td>Döbeln</td><td class="tdr">15763</td><td class="tdr">13890</td> -</tr> -<tr> -<td>Wurzen</td><td class="tdr">15674</td><td class="tdr">14627</td> -</tr> -<tr> -<td>Pirna</td><td class="tdr">15672</td><td class="tdr">13848</td> -</tr> -<tr> -<td>Annaberg</td><td class="tdr">15025</td><td class="tdr">14959</td> -</tr> -<tr> -<td>Mittweida</td><td class="tdr">13451</td><td class="tdr">11299</td> -</tr> -<tr> -<td>Großenhain</td><td class="tdr">12024</td><td class="tdr">11946</td> -</tr> -<tr> -<td>Frankenberg</td><td class="tdr">11915</td><td class="tdr">11369</td> -</tr> -<tr> -<td>Riesa</td><td class="tdr">11768</td><td class="tdr">9389</td> -</tr> -<tr> -<td>Oelsnitz</td><td class="tdr">11557</td><td class="tdr">9427</td> -</tr> -<tr> -<td>Limbach</td><td class="tdr">11429</td><td class="tdr">11832</td> -</tr> -<tr> -<td>Radeberg</td><td class="tdr">10295</td><td class="tdr">8739</td> -</tr> -<tr> -<td>Oschatz</td><td class="tdr">10012</td><td class="tdr">9382</td> -</tr> -<tr> -<td>Waldheim</td><td class="tdr">9935</td><td class="tdr">9215</td> -</tr> -<tr> -<td>Grimma</td><td class="tdr">9803</td><td class="tdr">8935</td> -</tr> -<tr> -<td>Löbau</td><td class="tdr">8694</td><td class="tdr">7522</td> -</tr> -<tr> -<td>Aue</td><td class="tdr">8415</td><td class="tdr">6007</td> -</tr> -<tr> -<td>Schneeberg</td><td class="tdr">8284</td><td class="tdr">8212</td> -</tr> -<tr> -<td>Borna</td><td class="tdr">8251</td><td class="tdr">7485</td> -</tr> -<tr> -<td>Sebnitz</td><td class="tdr">8199</td><td class="tdr">7956</td> -</tr> -<tr> -<td>Auerbach</td><td class="tdr">8133</td><td class="tdr">7481</td> -</tr> -<tr> -<td>Hainichen</td><td class="tdr">8066</td><td class="tdr">8258</td> -</tr> -<tr> -<td>Roßwein</td><td class="tdr">8062</td><td class="tdr">7602</td> -</tr> -<tr> -<td>Falkenstein</td><td class="tdr">8004</td><td class="tdr">7068</td> -</tr> -<tr> -<td>Buchholz</td><td class="tdr">7989</td><td class="tdr">7812</td> -</tr> -<tr> -<td>Kirchberg</td><td class="tdr">7910</td><td class="tdr">7729</td> -</tr> -<tr> -<td>Leisnig</td><td class="tdr">7761</td><td class="tdr">7946</td> -</tr> -<tr> -<td>Kamenz</td><td class="tdr">7694</td><td class="tdr">7748</td> -</tr> -<tr> -<td>Netzschkau</td><td class="tdr">7538</td><td class="tdr">6585</td> -</tr> -<tr> -<td>Hohenstein</td><td class="tdr">7534</td><td class="tdr">7549</td> -</tr> -<tr> -<td>Mylau</td><td class="tdr">7379</td><td class="tdr">6354</td> -</tr> -<tr> -<td>Markneukirchen</td><td class="tdr">7270</td><td class="tdr">6652</td> -</tr> -<tr> -<td>Eibenstock</td><td class="tdr">7216</td><td class="tdr">7166</td> -</tr> -<tr> -<td>Stollberg</td><td class="tdr">7028</td><td class="tdr">6937</td> -</tr> -<tr> -<td>Zschopau</td><td class="tdr">6962</td><td class="tdr">7441</td> -</tr> -<tr> -<td>Rochlitz</td><td class="tdr">6847</td><td class="tdr">6186</td> -</tr> -<tr> -<td>Treuen</td><td class="tdr">6784</td><td class="tdr">6472</td> -</tr> -<tr> -<td>Penig</td><td class="tdr">6582</td><td class="tdr">6560</td> -</tr> -<tr> -<td>Marienberg</td><td class="tdr">6574</td><td class="tdr">6301</td> -</tr> -<tr> -<td>Lichtenstein</td><td class="tdr">6468</td><td class="tdr">5837</td> -</tr> -<tr> -<td>Burgstädt</td><td class="tdr">6458</td><td class="tdr">6693</td> -</tr> -<tr> -<td>Bischofswerda</td><td class="tdr">5969</td><td class="tdr">5512</td> -</tr> -<tr> -<td>Lößnitz</td><td class="tdr">5902</td><td class="tdr">5887</td> -</tr> -<tr> -<td>Markranstädt</td><td class="tdr">5879</td><td class="tdr">4991</td> -</tr> -<tr> -<td>Geyer</td><td class="tdr">5764</td><td class="tdr">5302</td> -</tr> -<tr> -<td>Oederan</td><td class="tdr">5516</td><td class="tdr">5665</td> -</tr> -<tr> -<td>Groitzsch</td><td class="tdr">5451</td><td class="tdr">5390</td> -</tr> -<tr> -<td>Lengenfeld</td><td class="tdr">5139</td><td class="tdr">5213</td> -</tr> -<tr> -<td>Ehrenfriedersdorf</td><td class="tdr">5123</td><td class="tdr">4599</td> -</tr> -<tr> -<td>Colditz</td><td class="tdr">5121</td><td class="tdr">4681</td> -</tr> -<tr> -<td>Johanngeorgenstadt</td><td class="tdr">5113</td><td class="tdr">5124</td> -</tr> -<tr> -<td>Pegau</td><td class="tdr">5084</td><td class="tdr">5286</td> -</tr> -</table> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_51">[51]</a></span></p> - -<h2 id="o4">Vierter Abschnitt.<br /> -Die Kriegszeiten des Obererzgebirges.</h2> - -<h3 id="sec37">37. Der Kriegszug Kaiser Heinrichs II. über das Erzgebirge.</h3> - -<p>Von 999 bis 1002 regierte in Böhmen Herzog <em class="gesperrt">Boleslaw III.</em>, Rothaar. -Dieser gab bei Antritt seiner Regierung Befehl, seine Brüder Jaromir und -Udalrich zu töten. Sie flohen hilfesuchend zu Kaiser Heinrich II. Die Schwäche -des Böhmenherzogs erkannte auch der Polenherzog Boleslaw Chrobri, der, -nachdem er früher schon Schlesien, Mähren und die Slowakei erobert hatte, -in Böhmen einrückte, Boleslaw entthronte und seinen jüngsten Bruder zum -Herzoge machte. Das war ein Tyrann und Trunkenbold; er starb 1003. -Nach ihm nötigte der Polenherzog den Böhmen Rothaar wieder auf, welcher -nun an seinen Feinden Rache nehmen wollte. Am 10. Februar 1003 lud er -die Vornehmsten des Reiches zu einer Hoffestlichkeit ein, bei welcher er die -Nichtsahnenden niedermetzeln ließ. Das Volk rief den Polenherzog, der gern -kam, Rothaar gefangen nahm und ihn mit glühenden Blechen blenden ließ. -Er starb in Polen in der Gefangenschaft. Der Polenherzog kümmerte sich nicht -um die Brüder des Entthronten und dachte, ein großes Reich gegründet zu -haben durch die Vereinigung Polens und Böhmens.</p> - -<p>Da er nicht dem Kaiser huldigte, brach sofort der Reichskrieg gegen -Polen aus.</p> - -<p>Kaiser <em class="gesperrt">Heinrich</em>, auch von den vertriebenen Prinzen gedrängt, ließ für -die Mitte August 1004 in Sachsen, Thüringen und Franken den Heerbann -nach Merseburg ausschreiben. Man glaubte, er werde in Polen einfallen, er -wandte sich aber plötzlich nach Süden und brach auf gänzlich unbekanntem Wege -über das Erzgebirge in Böhmen ein.</p> - -<p>Als man Boleslaw Chrobri bei einem Gastmahl nach Prag die Nachricht -brachte, sagte er in anbetracht der bekannten Wildheit, Unwegsamkeit und der -Sümpfe des Erzgebirges: »Ja, wenn sie Frösche wären, könnten sie wohl da -hereinkommen, so aber nicht.«</p> - -<p>Heinrich II. aber stand plötzlich vor Saaz, dessen polnische Besatzung er -mit Hilfe der Saazer selbst leicht bezwang. Er rückte gegen Prag vor, das -rasch erstürmt wurde. Jaromir ward auf Böhmens Thron erhoben. Der kühne -Zug Heinrichs über das Erzgebirge bleibt eine denkwürdige geschichtliche That.</p> - -<p>Man nimmt an, daß der Kriegszug über Chemnitz, Zschopau, Zöblitz, -Göttersdorf, Görkau stattgefunden haben müsse.</p> - -<p>Chemnitz war eine kaiserliche Stadt, wo auch wie auf der Burg Schellenberg -kaiserliche Beamte und Vögte waren. Von dort aus trat der Kaiser, der -mit kundigen Führern versehen war, seinen für damalige Zeit unerhörten Marsch -durch die dichtesten Waldungen an, rückte über Zschopau gegen Zöblitz, einen -kleinen, von den Sorben angelegten Weiler, vor. Von dort aus mögen einzelne -Kühne bis zum Kamme vorgedrungen sein, bis wohin Jäger wohl schon einen -Pfad nach Böhmen gebahnt hatten. Von solchen Führern unterstützt, muß der -kühne Kriegszug von Zöblitz über Beerhübel, Göttersdorf, einen unzweifelhaft<span class="pagenum"><a id="Seite_52">[52]</a></span> -alten heidnischen Opferplatz, durchs »tiefe Thal« nach Görkau stattgefunden -haben. Da Kaiser Heinrich von einer Seite in Böhmen einfallen wollte, wo -noch nie zuvor ein Überfall geschehen war, so mußte er vorher sorgfältige -Erkundigungen einziehen, wo der Zug durch den fast endlosen Wald am sichersten -zu ermöglichen sein mochte. Selbstverständlich mußte ihm von seinen Beamten -in der kaiserlichen Stadt Chemnitz, sowie dem Burgvogte von Schellenberg dieser -Weg gegen Böhmen genannt worden sein.</p> - -<p>Dieser Kriegszug war es, der Böhmen für die Dauer mit dem angrenzenden -Meißenerlande in Verbindung brachte, wodurch die alte bekannte Meißener -Straße entstand, die von Meißen über Natschung nach Böhmen, über den Beerhübel -nach Göttersdorf, durchs »tiefe Thal« nach Görkau und von da über -Buschenpelz nach Prag führte. Dieser Straßenzug verlor wieder an Bedeutung -nach Eröffnung der Straße über Reitzenhain und Sebastiansberg.</p> - -<p class="right"> -Nach Fischer. -</p> - -<h3 id="sec38">38. Raubritterunwesen im Obererzgebirge.</h3> - -<p>Ein sächsischer Ritter, Dietrich von Vitzthum, beherbergte auf dem uralten -Schlosse zu Frauenstein eine Rotte von Raubgesindel und würdigte sich zum -Räuberhauptmann herab, indem er mit seinen Leuten, größtenteils aus böhmischem -Auswurf bestehend, am hellen Tage auf Raub und Mord ausging und -die ganze Gegend bis unter Freiberg, sowie die Ortschaften, welche unter dem -Kloster Altenzella standen, wie z. B. Erbisdorf, Nossen u. s. w., unsicher machte. -Da die Klagen über den verwegenen Raubritter bis zum Kurfürsten von Sachsen -drangen, so sendete dieser, damals Friedrich der Sanftmütige, einen Truppenteil -nach Frauenstein. Die Räuber verteidigten sich tapfer; allein die Soldaten -belagerten das Schloß und erstürmten es nach blutigem Kampfe. Das Raubschloß -ging in Feuer auf und wurde zerstört bis auf zwei Türme, die zum -Teil heute noch stehen. Dietrich von Vitzthum wurde auf dem Schloßhofe nach -Urtel und Recht mit dem Schwert hingerichtet, die noch lebenden Räuber aber -wurden an den Bäumen des Waldes aufgehenkt. Dies geschah im Dezember 1438. -Die adelige Familie von Vitzthum warf aber seit jener Zeit einen unvertilgbaren -Haß auf den Kurfürsten, der später eine Veranlassung zu dem verheerenden -Bruderkrieg wurde.</p> - -<p class="right"> -Nach Müller. -</p> - -<h3 id="sec39">39. Der obererzgebirgische Schauplatz des Prinzenraubes.</h3> - -<h4><em class="antiqua">a.</em> Altes Volkslied.</h4> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Wir wollen ein Liedel heben an,<br /></span> -<span class="i0">Was sich hat angespunnen,<br /></span> -<span class="i0">Wie's in dem Meißnerlande gar schlecht war bestallt,<br /></span> -<span class="i0">Als sein jungen Fürsten geschah groß Gewalt<br /></span> -<span class="i0">Durch den Kunzen von Kaufungen, ja Kaufungen.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Der Adler hat uf den Fels gebaut<br /></span> -<span class="i0">Ein schönes Nest mit Jungen,<br /></span> -<span class="i0">Und wie er einst war geflogen aus,<br /></span> -<span class="i0">Holete ein Geier die jungen Vögel raus,<br /></span> -<span class="i0">Drauf wards Nest leer gefungen, ja gefungen.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Wo der Geier uf dem Dache sitzt,<br /></span> -<span class="i0">Da trugen die Küchlein selten;<br /></span> -<span class="i0">Es wären mein weele ein seltsam Narrenspiel,<br /></span> -<span class="i0">Welcher Fürst sein Räten getrauet soviel,<br /></span> -<span class="i0">Muß oft der Herrschaft entgelten, ja entgelten.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Altenburg, du bist zwar eine feine Stadt,<br /></span> -<span class="i0">Dich thät er mit Untreu meinen,<br /></span> -<span class="i0">Da in dir waren all Hofleut rauschend voll,<br /></span> -<span class="i0">Kam Kunze mit Leitern und Buben toll<br /></span> -<span class="i0">Und holte die Fürsten so kleine, ja so kleine.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Seite_53">[53]</a></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Was blies Dich, Kunz, für Unlust an,<br /></span> -<span class="i0">Da Du ins Schloß mir steigest,<br /></span> -<span class="i0">Und stiehlst die zarten Herren raus<br /></span> -<span class="i0">Als der Kurfürst aber war nicht zu Haus',<br /></span> -<span class="i0">Die zarten Fürstenzweige, ja Fürstenzweige.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Es war wohl als ein Wunderding,<br /></span> -<span class="i0">Wie sich das Land beweget,<br /></span> -<span class="i0">Was uf allen Straßen warn für Leut,<br /></span> -<span class="i0">Die den Räubern nachfolgeten in Zeit,<br /></span> -<span class="i0">Alles wibbelt, kribbelt, sich bereget, ja bereget.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Im Walde dort ward Kunz ertappt,<br /></span> -<span class="i0">Da wollt he Beeren naschen,<br /></span> -<span class="i0">Were he in der Hast sacken fortgeritten,<br /></span> -<span class="i0">Das ihm die Köhler nit geleppischt hätten,<br /></span> -<span class="i0">Hett he sie kunt verpaschen, ja verpaschen.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Aber sie wurden ihm wieder abgejagt<br /></span> -<span class="i0">Und Kunz mit seinen Gesellen<br /></span> -<span class="i0">Uf Grünhain in unsers Herrn Abt Gewalt<br /></span> -<span class="i0">Gebracht und darnoch auch uf Zwickau gestalt,<br /></span> -<span class="i0">Und mußten sich lan prellen, ja lan prellen.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Davon fiel ab gar mancher Kopf,<br /></span> -<span class="i0">Und keiner, der gefangen,<br /></span> -<span class="i0">Kam aus der Haft ganzbeinigt davon;<br /></span> -<span class="i0">Schwert, Rad, Zangen und Strick, die waren ihr Lohn,<br /></span> -<span class="i0">Man sah die Rümper hangen, ja hangen.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">So geht's, wer wider die Obrigkeit<br /></span> -<span class="i0">Sich unbesonnen empöret;<br /></span> -<span class="i0">Wer es nicht meint, der schau an Kunzen,<br /></span> -<span class="i0">Sein Kopf thu zu Freiberg noch herußen schwungen,<br /></span> -<span class="i0">Und jedermann davon lehret, ja lehret.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Gott thu der frommen Kurfürsten alls Guts<br /></span> -<span class="i0">Und laß die jungen Herren<br /></span> -<span class="i0">In keines Feindes Hand mehr also komm,<br /></span> -<span class="i0">Geb auch der Frau Kurfürstin viel fromm,<br /></span> -<span class="i0">Das sie sich in Ruhe vermehren, ja vermehren.<br /></span> -</div></div> - -<p class="right"> -Herder, Stimmen der Völker. -</p> - -<h4><em class="antiqua">b.</em> Der Fürstenberg bei Grünhain.</h4> - -<h5>1. Wie der Berg den Namen erhält.</h5> - -<p>Der jetzige <em class="gesperrt">Fürstenberg</em> trug vor dem Prinzenraube 1455 den Namen -<em class="gesperrt">Schmiedewald</em>, welcher von den Geyerschen Schmieden herrührt, die das Holz -darauf kauften und zu Kohlen brennen ließen. In Geyer war als einer alten -Bergstadt das Schmiedehandwerk zahlreich und wohlhabend. Am Fürstenberge -befanden sich Bergwerksgruben, so rechts von der Quelle die Fürstenberger -Fundgrube, die auch Eisenstein baute, links von der Quelle Himmlisch Heer, -der Frischglückstolln, der Mohrenstolln. Auf der Spitze der Berge befand sich -ein Marmorbruch, dessen Marmor zu Kalk gebrannt wurde.</p> - -<p>Auf dem Schmiedewalde hauste der Köhler <em class="gesperrt">Georg Schmidt</em>, als <em class="gesperrt">Kunz -von Kaufungen</em> mit dem geraubten Prinzen <em class="gesperrt">Albrecht</em> nahe der böhmischen -Grenze bei Schwarzenberg sich sicher fühlte und im Walde rastete. Am Brunnen -trank der Prinz. <em class="gesperrt">Georg Schmidt</em> gelang es, denselben zu befreien und mit -seinen Gehilfen die Räuber gefangen zu nehmen und nach Grünhain ins Kloster -zu bringen, wo der Abt <em class="gesperrt">Liborius</em> das weitere besorgte. Seit diesem Ereignisse -am Schmiedewalde führt der Berg den Namen Fürstenberg.</p> - -<h5>2. Herzog Albrecht besucht seinen Befreiungsort.</h5> - -<p>1480 besuchte Herzog Albrecht den Berg, um selbst an dem Orte seiner -Errettung der Vorsehung zu danken. Zu jener Zeit lebten zu <em class="gesperrt">Elterlein</em> noch -Urban Schmidt, sowie die Köhler Wiland und Fischer. Ersterer war es, der -als Köhlerbursche am Tage der Befreiung des Prinzen mit Lebensmitteln aus -Geyer kam und den alten Schmidt mit der Ursache des Glockenstürmens bekannt -machte; letztere halfen den Ritter Kunz mit überwältigen. Diese drei -Männer mußten Herzog Albrecht nach dem Fürstenberge führen, um ihm daselbst -den Ort seiner Befreiung zu zeigen. Albrecht beschenkte seine schwarzen Führer -reichlich, kam auch nach Geyer und sah die zersprungene Glocke an.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_54">[54]</a></span></p> - -<h4><em class="antiqua">c.</em> Wie das jetzige Brunnendenkmal geweiht wird.</h4> - -<p>Am 8. Juli des Jahres 1822 fand auf dem Fürstenberge zwischen <em class="gesperrt">Grünhain</em> -und <em class="gesperrt">Raschau</em> eine merkwürdige Feier der hier am 8. Juli 1455 erfolgten -Rettung des von Kunz von Kaufungen entführten Prinzen Albrecht statt.</p> - -<p>An der Feierlichkeit der Weihe des errichteten Denkmals zur Erinnerung -an die schöne That des Köhlers Schmidt nahm die ganze Umgegend teil. Die -Schwarzenberger Bürgergarde marschierte schon vormittags 10 Uhr auf den -Platz. Mehr als 10 000 Menschen drängten sich um die Pyramide herum, -erkletterten Bäume, erstiegen die Dächer der erbauten Buden. Die Schützen -von Crottendorf stellten sich auf dem Brunnenplatze auf. Diesen folgten 230 -Bergleute mit Fahnen und Bergmusik. Um 1 Uhr donnerten Kanonen durch -das Waldthal. Schon vorher waren Zwickauer und Schneeberger Offiziere -angekommen. Wie am 8. Juli des Jahres 1455 in der Umgegend die Sturmglocken -ertönten, um alles zur Rettung der Prinzen aufzubieten, so ertönten -jetzt die Glocken der benachbarten Orte zum Dank- und Freudenfeste der Rettung -für Erhaltung des Fürstenhauses.</p> - -<p>Die Feier begann mit einem Weihelied und schloß mit einem solchen. Die -Predigt hielt Superintendent <em class="antiqua">Dr.</em> Lommatzsch aus Annaberg. Die Sachsenhymne -schloß die Feier.</p> - -<p>Das Denkmal hat die Gestalt einer Pyramide, die auf einem Sockel von -in Jaspis übergehenden braunrotem Thoneisenstein steht. Das Denkmal ist aus -Granit in 13 Stufen und bei Schwarzenberg gehauen. Das Ganze umschließt -an der Hinterseite eine steinerne Mauer, an der sich Ruhebänke befinden und -die in der Mitte das Denkmal mit dem in dessen Sockel entspringenden Fürstenbrunnen -einfaßt.</p> - -<h4><em class="antiqua">d.</em> Das Köhlerhaus am Fürstenbrunnen.</h4> - -<p>Zur Beaufsichtigung des Denkmals und der dasselbe umgebenden Waldungen -errichtete man am Fürstenbrunnen für einen Köhler eine Hütte. Dazu -hatte auch König Friedrich August II. samt seiner Gemahlin beigetragen. Am -27. September 1838 erfolgte die Hebung des Köhlerhauses. Die Bergmusikanten -der benachbarten Grube »Gottesgeschick« hatten sich eingefunden. Pastor -Richter aus Grünhain hielt die Rede. Schon am 1. November konnte es bezogen -werden. Auch erhielt der Ort Schankerlaubnis. Die Vollendung des -Baues erfolgte 1839.</p> - -<h4><em class="antiqua">e.</em> König Friedrich August II. und seine Gemahlin am Fürstenbrunnen.</h4> - -<p>Der Fürstenbrunnen erhielt noch vor Vollendung des Köhlerhauses landesherrlichen -Besuch. Nachdem König Friedrich August II. samt seiner Gemahlin -am 10. September 1838 in Annaberg übernachtet hatte, kam der König am -11. September über Schlettau, Scheibenberg, Elterlein, Zwönitz nach Grünhain -mit Gefolge geritten, geruhte daselbst den Klostergarten in Augenschein zu nehmen, -wo noch das Gefängnis, Fuchsturm genannt, zu sehen war, in dem Kunz von -Kaufungen vom Abte Liborius festgehalten wurde, und ritt sodann nach »Gottesgeschick«, -um daselbst höchstdero Frau Gemahlin, die von Scheibenberg kam -und das Bergwerk besichtigt hatte, abzuholen, um gemeinsam nach dem Fürstenbrunnen -zu fahren. Hier hatten sich zum Empfange die Schuljugend und der -Frauenverein samt einer großen Menschenmenge versammelt. Die hohen Herrschaften -geleitete der Amtshauptmann des Bezirks, Domherr Freiherr von Biedermann<span class="pagenum"><a id="Seite_55">[55]</a></span> -auf Niederforchheim. 12 Grünhainer Mädchen streuten Blumen. Die -Bergleute brachten am Brunnen ein »Glückauf!« Einer von sieben Köhlern -sprach ein Gedicht. Zwei Mädchen reichten dem Könige einen Teller mit Waldbeeren -und der Königin einen Becher mit Wasser. In einer geschmückten Bude -speisten die hohen Herrschaften. Unter Hochrufen setzte das Herrscherpaar die -weitere Reise über Schwarzenberg nach Schneeberg fort.</p> - -<h4><em class="antiqua">f.</em> Sagen und Geschichten zum Prinzenraube.</h4> - -<h5>1. Die große Glocke in Geyer.</h5> - -<p>Von der großen Glocke in dem alten Bergstädtchen Geyer, welche früher -in einem uralten viereckigen Turme an der Kirche hing, erzählt die Sage, sie -sei auf dem Geyersberge, an dessen Fuße die Stadt liegt, durch eine Sau -mehrere Ellen tief aus der Erde herausgewühlt und von den Bürgern, welche -sich dieses Fundes freuten, aufgehängt worden. Sie soll aber nicht eher einen -reinen und vollen Klang gegeben haben, als bis ein Priester sie zu ihrer heiligen -Bestimmung geweiht hatte.</p> - -<p>Mit dem Reformationsfeste 1885 wurden es 350 Jahre, daß die jetzige -Glocke der protestantischen Gemeinde zu Geyer ihre eherne Stimme geliehen hat. -Sie trägt ein vortrefflich geschnittenes Rundbildnis des <em class="gesperrt">Herzogs Heinrich -des Frommen</em>. Ihr erstes, majestätisches Geläute hat sicher dem anwesenden -Herzog Heinrich als Beförderer der evangelischen Wahrheit und dem Feste der -vollendeten Reformation in Geyer zugleich gegolten. Die große Glocke hält -1,80 <em class="antiqua">m</em> im Durchmesser und ist 1,60 <em class="antiqua">m</em> hoch. Sie stammt höchst wahrscheinlich -aus der Hilligerschen Gießhütte zu Freiberg. Sie trägt die ausgezeichnet -geschnittene Umschrift:</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>»Also hot got dy welt geliebt, daß ehr seinen einigen son gab uf -das alle dy an yn glauben nicht verloren werden sondern haben das ewige -leben. Johann am III.</p> - -<p class="center">MDXXXIX.«</p></div> - -<p>Das Metall zum Guß der Glocke, die nach der Schätzung von Sachverständigen -gegen 63, nach dem Volksmunde aber 100 Zentner wiegt, lieferte -seinerzeit die berühmte Prinzenglocke, welche vom Kurfürsten wegen des erfolgreichen -Sturmläutens beim bekannten Prinzenraube der Stadt geschenkt wurde. -Auf dieser Glocke waren die Bildnisse der beiden jungen Fürsten angebracht; -auf der andern Seite sah man Kunz auf der Erde liegend und das Pferd -haltend, daneben den Fürsten Albrecht und den Köhler. In der freieren -Blüherschen Übersetzung lauten die Glockenverse:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">1. »Kurt entführte die fürstlichen Prinzen; die himmlische Jungfrau –<br /></span> -<span class="i4">Diese Glocke bezeugt's – gab sie uns gnädig zurück.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">2. Ob des fliehenden Räubers der Prinzen laut stürmend zersprang ich,<br /></span> -<span class="i4">Doch aus fürstlichem Schatz ward ich wieder verjüngt.«<br /></span> -</div></div> - -<p>Im Jahre 1480 besichtigte <em class="gesperrt">Herzog Albrecht</em> die Glocke, die leider 1535 -sprang. Wahrscheinlich auf Kosten des <em class="gesperrt">Herzogs Heinrich</em> des Frommen ist -die jetzige Glocke umgegossen worden.</p> - -<p class="right"> -Nach dem Annaberger Wochenblatte. -</p> - -<h5>2. Der Fürstenbrunn bei Raschau.</h5> - -<p>Zwischen den Gebirgsstädtchen Schwarzenberg, Elterlein und Grünhain, -unweit der Dörfer Waschleite und Haide, bei der Dudels- oder Oswaldkirche, -liegt der geschichtlich merkwürdige <em class="gesperrt">Fürstenbrunn</em> am Fürstenberge, der so genannt<span class="pagenum"><a id="Seite_56">[56]</a></span> -ist, weil in dessen Gegend die Befreiung des Prinzen <em class="gesperrt">Albert</em> aus den -Händen des Ritters Kunz von Kaufungen am 8. Juli 1455 stattgefunden haben -soll. Zur Erinnerung an diese Begebenheit wurde am 8. Juli 1822 über dem -sogenannten Fürstenbrunnen, einer Waldquelle, ein Granitobelisk mit eiserner -Inschriften-Tafel errichtet. Auf dieser steht geschrieben:</p> - -<p class="center"> -Fürstenbrunn.<br /> -Hier wurde Prinz Albert, Ahnherr des Kgl. S. Fürstenhauses,<br /> -am 8. Juli 1455<br /> -durch den Köhler Georg Schmidt, hernach<br /> -Triller genannt, aus Kunzens von<br /> -Kaufungen Räuberhand befreit.<br /> -<br /> -Angebracht, den 8. Juli 1822. -</p> - -<p>In einer Nische des Fußgestelles ergießt sich über Kristalldrusen der genannte -Brunnen. Im Jahre 1838 wurde hier zum Schutze des Denkmals -eine Wohnung für eine Bergmannsfamilie erbaut. Jetzt ladet ein Wirtshaus -den Wanderer zur Ruhe ein.</p> - -<p class="right"> -Nach Elfried von Taura. -</p> - -<h5>3. Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei Neudorf an der Sehma.</h5> - -<p>Neudorfs oberes Ende stößt an den Kretscham, welchen Namen der tiefere -Teil des angrenzenden Ortes <em class="gesperrt">Rothensehma</em> führt. Im engsten Sinne ist der -Kretscham ein Gasthof mit Freigut, einer Mühle und vielen Vorrechten, auch -zum Teil sehr altertümlicher Bauart. Nach einer Volkssage soll hier und nicht -am Fürstenberge bei Grünhain des <em class="gesperrt">Prinzen Alberts</em> Errettung aus den -Händen Kunzens von Kaufungen 1455 geschehen sein. Noch zeigt man im -Westen, diesseits eines alten Marmorbruches, den Fürstenbrunnen und im Süden -die Stätte des Kohlkrams, wo der mutige Köhler Schmidt, der Triller genannt, -sich aufhielt, welcher später die Erlaubnis erhielt, hier an der böhmischen Straße -den Kretscham oder Gasthof anzulegen.</p> - -<p class="right"> -Nach Herm. Grimm. -</p> - -<h5>4. Die Prinzenkleider in der Kirche zu Ebersdorf.</h5> - -<p>Nachdem die beiden sächsischen Prinzen Ernst und Albert ihrem Räuber, -dem Ritter Kunz von Kaufungen, durch Gottes Hilfe glücklich entronnen waren, -machte der ganze Hof eine Wallfahrt nach der Ebersdorfer Kirche bei Chemnitz, -und der Kurfürst ließ daselbst die Kleider der beiden jungen Herrlein, so sie bei -ihrer Entführung angehabt, wie auch des Köhlers Schmidt, der sie errettet -hatte, Kittel und Kappe aufhängen. Bei den Kleidern wurden folgende Verse -angeschrieben:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Kunz Kaufung, der viel wilde Mann,<br /></span> -<span class="i0">Im Meißnerland ist kommen an,<br /></span> -<span class="i0">Wohl auf das Schloß zu Altenborg,<br /></span> -<span class="i0">Sehr frech und kühn ohn' alle Sorg',<br /></span> -<span class="i0">Dem Fürsten allda seine Kind<br /></span> -<span class="i0">Entführt hat listig und geschwind,<br /></span> -<span class="i0">Der Kleider noch sie hängen seht,<br /></span> -<span class="i0">Ein jeder der fürüber geht,<br /></span> -<span class="i0">Die dazumal bald nach der That,<br /></span> -<span class="i0">Der Vater hergehänget hat.<br /></span> -</div></div> - -<p>Die gegenwärtig in der Pfarre zu Ebersdorf aufbewahrten Kleider der -Prinzen Ernst und Albert sind nur getreue Nachbildungen.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Köhlers Sagenbuch. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_57">[57]</a></span></p> - -<h3 id="sec40">40. Die Hussitenkämpfe im Erzgebirge unter Friedrich dem -Streitbaren.</h3> - -<h4><em class="antiqua">a.</em> Der Ausbruch des Krieges.</h4> - -<p>Der Kampf gegen die Hussiten, dessen Last <em class="gesperrt">Kaiser Sigismund</em> auf -<em class="gesperrt">Kurfürst Friedrich</em> hauptsächlich abgewälzt hatte, begann nicht glücklich. 1425 -erlitten die Meißner unter großen Verlusten eine Niederlage, sodaß »das Geschrei -kam, wie die Hussiten willens wären, ins Meißner Land einzufallen. -Darüber erhub sich ein großer Schrecken. Allenthalben wurde man rege, besserte -Thore und Mauern aus, baute Schläge und Brustwehren.«</p> - -<p>Die zweite große Niederlage des Kurfürsten bei <em class="gesperrt">Außig</em> 1426 vermehrte -die allgemeinen Besorgnisse. Nach der von Kurfürst Friedrich aufgegebenen -Belagerung von <em class="gesperrt">Mieß</em>, wo auf dem Rückzuge an zehntausend Mann erschlagen -worden sein sollen, drangen 1429 die Hussiten über das Gebirge in das Meißner -Land. <em class="antiqua">M.</em> <em class="gesperrt">Chr. Lehmann</em> berichtet, die Hussiten seien durch den Komotauer -Paß und den Kriegwald nach Zöblitz und durch den Satzunger Paß und den -Kriegwald an die Preßnitz gekommen. Sie haben Lößnitz angegriffen; ob aber -dieses der hussitischen Tyrannei sich erwehrt, habe er nicht erfahren. Dagegen -seien ringsum die Dörfer verwüstet worden. Stadt und Kloster Grünhain, -Klösterlein, Aue, Schwarzenberg am Peler Passe sei ganz eingeäschert, seine -drei Ellen dicke Stadtmauer abgebrochen, Crottendorf ganz ausgeplündert, Kraxdorf -zerstört und als Neudorf wieder aufgebaut, Zwönitz verwüstet, Burgstädtel, -Elterlein, Schlettau, Sehma, Cranzahl, die Waldhäuser am Bärensteine, in der -Gegend des späteren Annaberg einige Dörfer, von der Schmalzgrube an bis -Preßnitz 26 Hammerhütten zerstört, Flecken und Dörfer ringsum verwüstet, alles -mit Brand, Zerstörung, Raub und Mord heimgesucht worden. Nur Zschopau -und Scharfenstein haben sie nicht viel anhaben können.</p> - -<p class="right"> -Nach Chr. Lehmann. -</p> - -<h4><em class="antiqua">b.</em> Schrecknisse im Obererzgebirge während des Krieges.</h4> - -<p>1. Die Schrecknisse, welche die Züge der Hussiten mit sich brachten, leben -noch vielfach in unserer Gegend in der Überlieferung fort, und die Sage hat -manches dichtend hinzugefügt. So hat man die Begebenheiten in der Schlacht -bei Außig auch in die Gegend von Preßnitz verlegt.</p> - -<p>Im Osten von <em class="gesperrt">Jöhstadt</em> verbreitet sich über steiles und hohes Gebirge -zwischen dem Schwarzwasser und der Preßnitz der Kriegwald, dessen Name nicht -ohne Wahrscheinlichkeit auf ein den Hussiten geliefertes, doch für Sachsen unglücklich -ausgefallenes Treffen bezogen wird. Man hat ganze Haufen von -Totengebeinen gefunden, die mit Moos so verwachsen waren, daß sie gleichsam -wie Stücke alter Mauern erschienen. Ferner fand man daselbst viele Hufeisen, -Pfeilspitzen, Hacken u. s. w. Das »rote Wässerchen« an der böhmischen Landstraße -wurde nach der Volkssage von dem Blute benannt, das in jener Schlacht -darin floß.</p> - -<p>Wie die Hussiten sich Meister im Felde sahen, rüsteten sie sich 1426, um -die entfremdeten Städte wieder zu erobern. Die Kurfürstin von Sachsen ließ, -inzwischen ihr Gemahl, der Kurfürst Friedrich, in Ungarn war, bei Freiberg -ein großes Heer sammeln, und als dasselbe über den Wald kam, fand man bei -dem Dorfe Preslitz (Preßnitz) den Feind wohlgerüstet ihrer warten. Die Böhmen -deckten sich mit ihren Schilden und hatten ihr Lager mit einer Burg von 500 -Wagen mit Ketten umschlossen, führten auch lange Haken, mit denen sie die<span class="pagenum"><a id="Seite_58">[58]</a></span> -Reiter von den Pferden zogen. Wiewohl nun die Sächsischen sie tapfer angriffen, -ihnen die Schilde mit Hellebarden vom Leibe zogen und lange fochten, -mußten sie doch endlich, von der Hitze noch mehr ermüdet und vom Staube -geblendet, die Flucht ergreifen. Der Graf von Gleichen und sein Leutnant, der -Graf von Thun, wurden mit 9000 Mann erschlagen, darunter noch 12 Grafen, -4 Freiherren, viel Ritter und Edle, 21 derer von Köckeritz und einer von -Schönborn mit 5 Söhnen, da der sechste daheim in der Wiege lag. Konrad -von Einsiedel ward gefangen, kam in die Türkei, ward nach 30 Jahren vor -Belgrad wieder gefunden und daheim von den Seinen fast nicht wieder erkannt. -Es ward nachmals eine Kapelle gebaut an einem Bächlein, das mit dem Blute -der Erschlagenen soll geflossen sein.</p> - -<p>2. An die schreckliche Zeit der Hussiten erinnert uns auch die Erzählung -von dem <em class="gesperrt">Mönchsgesichte an der Schlettauer Kirche</em>. Der Pater Benno -rettete vor dem mit Unheil drohenden Zuge der Hussiten ein silbernes Kruzifix, das -noch allein auf dem Altar stehen geblieben war, indem er es um Mitternacht -in die Kirchmauer vergrub; denn Altäre, Bilder und ander heilig Gerät zerstörten -die Horden. Am andern Morgen wurde der Pater von den wilden -Ketzern erschlagen. Dies träumte einem Priester, welcher die Stelle dem Küster -offenbarte, der aber Diebstahl verübte und nun zur Strafe in der Mauer zu -sehen ist. In einer Mauernische der Elterleiner Kirche steht ein Kästchen, welches -drei Hussitenpfeile enthält.</p> - -<p>3. Ebenso erinnern an die Züge der Hussiten das <em class="gesperrt">Kreuz und der Kelch</em> -in der Mitte der etwa 60 <em class="antiqua">m</em> hohen, steilen Felsenwand, welche sich an der -Zschopau erhebt und das Schloß <em class="gesperrt">Wolkenstein</em> trägt. Die beiden Wahrzeichen -sind in Stein gehauen und sollen nach dem Volksmunde daran erinnern, daß -im Jahre 1428 die Hussiten einen katholischen Priester töteten. Sie bedrohten -ihn mit dem Tode. Er wollte aber gleichwohl seinen Glauben nicht abschwören. -Da schleppten sie ihn an den Rand der steilen Felswand und stießen ihn dort -hinab, von wo er in die Zschopau zerschmettert stürzte.</p> - -<p>4. Als im Sommer 1427 ein starker Haufe Hussiten über <em class="gesperrt">Olbernhau</em> -und <em class="gesperrt">Sayda</em> durch das Gebirge herunter nach <em class="gesperrt">Oederan</em> zog, galt es besonders -dem Ottomar von Schönberg, welcher den Hussiten aus der Gefangenschaft entwichen -war und nun in seinem Schlosse Reinsberg wohnte. Täglich wurde -jetzt dieses Schloß drei Wochen lang von den Hussiten gestürmt. Da rettete -den geängstigten Schönberg sein Knappe durch einen unterirdischen Gang, der -sich in einem Busche vor dem Schlosse öffnete. Diese Stelle soll noch heute -mit einem Denksteine, auf dem ein Kreuz eingehauen ist, bezeichnet sein. Ein -bereit gehaltenes Roß trug den Ritter in der dunklen Nacht durch den Forst -auf die nahe Straße nach Freiberg. Hier setzten ihm die wachsamen Hussiten -nach, und hart vor Freiberg hatten sie den fast zum Tode Gehetzten beinahe -eingeholt. Der Turmwächter auf dem Meißner Thore gewahrte in der Morgendämmerung -diese Menschenjagd. Er öffnete dem nahenden Ritter, welcher ihm -sein weißes Tuch entgegenschwang, einen Thorflügel, den er vor den heransprengenden -Hussiten schnell wieder zuschlug. Innerhalb des Thores aber verließen -den Ritter die Kräfte. Auf der Meißner Gasse stürzte er mit dem -Pferde und wurde tot in das nächste Haus getragen. Auch diese Stelle ward -mit einem Steine, den man später an die Stadtmauer gelehnt hat, zum traurigen -Andenken bezeichnet.</p> - -<p>5. 1429 zog <em class="gesperrt">Prokopius</em> mit 300 der edelsten Hussiten aus der Lausitz -nach Basel zu einem Friedensversuche. Unangefochten zog dabei der Furchtbare,<span class="pagenum"><a id="Seite_59">[59]</a></span> -vor dem die Kinder auf der Gasse davonliefen, über Dresden und Freiberg -durch Oederan. Einer von seinem Gefolge, Bodowin von Horomirz wird er -genannt, kam zwei Tage nachher ganz allein durch Oederan. Da wurde er -sogleich von den Oederanern ergriffen, hinaus an das Weichbild an der Nossener -Straße geschleppt, lebendig gespießt und ihm ein silberner Helm oben auf den -Pfahl genagelt, an dem der Unglückliche verblutete. Weithin schimmerte in der -Sonne diese Silberkappe, an der sich niemand zu vergreifen wagte. Erst zur -Zeit der Reformation verschwand sie zugleich mit dem daneben errichteten Heiligenbilde.</p> - -<p>6. Zur Zeit der Hussitenkriege zogen die Scharen des gefürchteten <em class="gesperrt">Ziska</em>, -nachdem sie die Stadt Komotau in Asche gelegt hatten, auch auf die Stadt -<em class="gesperrt">Görkau</em> und das Schloß <em class="gesperrt">Rotenhaus</em> los, um unter den dortigen katholischen -Bewohnern ebenfalls mit Blut und Mord aufzuräumen. Es war am Schutzengelfeste, -als sie durch einen äußerst dichten Nebel auf ihrem Zuge dahin aufgehalten -wurden und sich erst dann wieder in Bewegung setzten, als sie ein -aus der Ferne herschallendes Hahnengeschrei vernahmen, welchem sie irre führte. -Sie gelangten in die Gegend östlich von der Stadt und kehrten nicht zurück. -Zur Erinnerung an diese wunderbare Errettung ließen die Bewohner von Görkau -ein Kreuz anfertigen und auf dem Friedhofe aufstellen. Jetzt steht es an der -Straße von Udwitz nach Görkau und bei ihm eine Linde.</p> - -<p>7. Auf dem Schlosse <em class="gesperrt">Hartenberg</em> lebte im Hussitenkriege eine schöne, -achtzehnjährige Jungfrau. Der mutterlosen Waise entriß auch das Schwert -eines wütenden Hussiten den Vater. Der noch vorhandene Anverwandte, Jodok -von Pichlberg, war eifriger Kelchdiener und wollte sie, als sie ihn um Schutz -anflehte, zum Übertritt bewegen. Sie wollte die Lehren ihrer Mutter nicht -abschwören und vertraute Gott, dem Beschützer ihres Glaubens. Sie versah -die Burg mit Lebensmitteln, ließ Mauern, Streittürme und Befestigungen ausbessern -und Schießpulver herbeischaffen. – In einer finstern Nacht rötete sich -der Himmel von mächtigen Feuersäulen, die aus den benachbarten, von den -Hussiten in Brand gesteckten Dörfern emporstiegen. Bald begehrte ein Hussitenschwarm -mit drohend grimmigen Worten Einlaß und Übergabe. Auf die Verweigerung -aber schrien hundert Stimmen schimpfend nach Sturm, Pfeilen und -Pechkränzen. Zdenka von Hartenberg ließ die Feuerschlünde donnern; Steinregen -fiel auf die Stürmenden; heißes Pech troff auf sie herab. Da wiederholter -Sturm nichts nützte, sollte die Burg ausgehungert werden. Bald trat -Nahrungsmangel ein; denn das verzagte Landvolk, welches eine gegen die -Wasserseite ausgesteckte Notfahne herbeirufen sollte, hatte die Gegend verlassen. -In höchster Not ging die Jungfrau in die Burgkapelle und stärkte sich im -Gebete. Das letzte Rehviertel wurde vors Thor geworfen, und durch Hornrufe -wurden die Belagerer ins Schloß gelockt. Man wollte bei freiem Abzuge die -Burg ergeben. Als die Brücke niederrasselte, zogen sechzehn alte, bleiche Männer -mit der alten Wärterin ab, und der Hussitenführer stürzte herein mit seinen -Horden. An einer Halle blieben sie stehen; denn in einem Gemache stand -Zdenka in bräutlichem Schmucke mit lodernder Fackel neben einem Pulverfasse. -Sie wollte die Burg in die Luft sprengen, um nicht den Feinden in die Hände -zu fallen. Da wälzte sich ein brausendes Getöse gegen die Burg heran. Ein -Haufen bewaffneten Landvolkes eilte zum Entsatze herbei und überwältigte die -Feinde. Gott dankend, sank Zdenka auf die Knie.</p> - -<p>8. In einem Gange des ehemaligen Benediktinerklosters zu Chemnitz befand -sich ein hölzernes <em class="gesperrt">Christusbild</em> mit einem krummen oder schiefen Munde.<span class="pagenum"><a id="Seite_60">[60]</a></span> -Da nun die Hussiten in das Kloster einfielen und alles darin verwüsteten, soll -einer von ihnen das Bild verspottet haben. Von Stund' an hatte derselbe -nun einen solchen Mund und ist stumm geworden.</p> - -<p class="right"> -Nach Chr. Lehmann, <em class="antiqua">Dr.</em> Spieß, <em class="antiqua">Dr.</em> Köhler. -</p> - -<h4><em class="antiqua">c.</em> Wüste Marken im Obererzgebirge aus der Zeit der Hussitenkriege.</h4> - -<p>1. Mancher Ort ist durch die Hussiten zerstört worden, und nur noch -wüste Marken erinnern an sein einstiges Vorhandensein. Wo jetzt das Dorf -<em class="gesperrt">Waschleite</em> bei <em class="gesperrt">Schwarzenberg</em> liegt, hat ehedem das Dorf Gleßberg am -Fuße des Gleßberges oder des Schatzensteines gestanden. Es erstreckte sich am -oberen Teile des Oswaldbaches hin. Die Hussiten haben es zerstört. Auf -einem Teile der Gleßberger Fluren entstand das jetzige Dorf Waschleite. Seinen -Ursprung und Namen hat es von den Erzwäschereien genommen, welche der -reiche Hammerherr Kaspar Klinger 1500 nebst einer Schmelzhütte am Oswaldbache -anlegte.</p> - -<p>2. Vor der Gründung von <em class="gesperrt">Neudorf</em> an der Sehma, das mitten im -Walde aus Holzarbeiter-, Köhler- und Flößerhütten entstand, soll in seiner Nähe -nach Crottendorf zu ein Dorf mit Namen Kraxdorf oder Kraftsdorf gestanden -haben, wovon früher, und zwar auf dem westlich im Walde gelegenen Morgenberge, -noch Mauerreste, alte Schlösser und Schlüssel gefunden wurden.</p> - -<p>In einem kleinen Thale, welches Neudorf oberhalb der Kirche von West -nach Ost durchschneidet, hat man beim Wegräumen von Teichdämmen auf dem -Grunde derselben berußte Steine gefunden, die ihre Schwärze sehr wahrscheinlich -einst von einem Feuerherde erhalten hatten.</p> - -<p>3. Unweit der Stadt Zöblitz, an den Ufern der Pockau, liegen die Ruinen -der alten Burgen <em class="gesperrt">Ober-</em> und <em class="gesperrt">Niederlauterstein</em>. Die Burg Oberlauterstein, -welche eine Viertelstunde westlich von Zöblitz über dem rechten Pockauufer auf -einer felsigen Bergecke liegt, wurde im Jahre 1430 von den Hussiten, die eben -von der Verwüstung der Schneeberger Bergwerke herkamen, geschleift. Das -Schloß Niederlauterstein, das nur einige Minuten unterhalb davon am linken -Pockauufer liegt, erhielt sich über 20 Jahre länger. Vieles erzählt man sich -von den früheren Besitzern desselben, den Herren von Berbisdorf, deren einer -1520 bei einem Brande des Schlosses auf schreckliche Weise sein Leben verlor. -Es war Georg von Berbisdorf, ein gebrechlicher Greis von 90 Jahren. Um -ihn vom Flammentode zu retten, wollte man ihn, in Tücher gewickelt, zu einem -Fenster herablassen; allein die in Eile nicht festgeknüpften Knoten lösten sich -und der unglückliche Alte wurde an den Felsen zerschmettert. 1559 kaufte -<em class="gesperrt">Kurfürst August</em> das Schloß von Kaspar von Berbisdorf und bestimmte es -zum Sitze eines Amtes. Im dreißigjährigen Kriege wurde es zerstört.</p> - -<p>4. Sachsens »Kirchengallerie« erzählt, daß man in der Gegend von <em class="gesperrt">Johnsgrün</em> -öfters alte Schlüssel gefunden hat. Man schließt daraus, daß die Gegend -von Johnsgrün vor der Zeit des Hussitenkrieges stark bevölkert gewesen sei.</p> - -<p>5. Bei <em class="gesperrt">Augustusburg</em> giebt es wüste Marken, die auch an Hussitengreuel -erinnern. Zwischen Hennersdorf und Dorf Schellenberg verbreitet sich der von -Augustusburg bis in die Nähe von Waldkirchen reichende, große <em class="gesperrt">Mörbitzwald</em>, -welcher von einem darin gestandenen Dorfe seinen Namen haben soll. – Der -zwischen Borstendorf, Eppendorf, Lippersdorf, Reifland in der dortigen Gegend -gelegene Staatswald <em class="gesperrt">Röthenbach</em> enthält eine Wüstung und einen Bach gleichen -Namens, an welchem das im Hussitenkriege verschwundene, nach Borstendorf -gepfarrt gewesene Dorf Röthenbach lag. – In dem im Staatsforste zwischen<span class="pagenum"><a id="Seite_61">[61]</a></span> -Euba, Bernsdorf und Flöha gelegenen »<em class="gesperrt">Strutwald</em>« soll auch vor dem -Hussitenkriege ein Dorf gestanden haben. Man hat dort beim Nachgraben Überreste -von Häusern und selbst von Gassen, sowie Brunnen und andere Spuren -gefunden.</p> - -<p>6. Da wo Wüstenbrand bei Hohenstein-Ernstthal liegt, hat das Dorf -<em class="gesperrt">Gecksdorf</em> der Sage nach gelegen, welches auch im Hussitenkriege zerstört -worden sein soll.</p> - -<p>7. Der Sage nach ist der Anbau von <em class="gesperrt">Mittel-</em> mit <em class="gesperrt">Ober-</em> und <em class="gesperrt">Niedersayda</em> -in der Zeit des Hussitenkrieges unter Ziska und Prokopius zwischen -1419 und 1435 geschehen, da viele der bedrängten Hussiten auswanderten und -sich in den waldigen Gegenden des Erzgebirges anbauten. Noch in diesem -Jahrhunderte lebten in Obersayda zwei Familien, die Seyfertsche und Zimmermannsche, -deren Vorfahren zu den Ausgewanderten gehörten. Das wäre also -ein seltenes Beispiel, wonach auch die Hussiten einen Ort errichteten, anstatt -zu zerstören.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Herzog, <em class="antiqua">Dr.</em> Köhler u. a. -</p> - -<h3 id="sec41">41. Das Obererzgebirge im Bauernkriege.</h3> - -<h4><em class="antiqua">a.</em> Die Kriegsereignisse.</h4> - -<p>Den Bauern drückten am Ende des Mittelalters allerhand Lasten weltlicher -wie geistlicher Herren. Er hatte Frondienste, Zehnten, Zinsen und Abgaben -aller Art zu leisten. Luther sagt: »Wenn der Acker eines Bauern so viel -Thaler wie Ähren trüge, es würde nur die Ansprüche der Herren vergrößern.« -Die Reformation sollte ihnen auch ihre Menschenrechte vor die Seele führen. -Mannigfache Flugschriften erschienen, und bald entstand unter den Bauern eine -Bewegung, die man den <em class="gesperrt">Bauernkrieg</em> nannte. In 12 Artikeln waren die -Forderungen der Bauern zusammengefaßt.</p> - -<p>An der allgemeinen Bewegung nahm auch das Sachsenland und unser -Obererzgebirge teil. Durch sein tyrannisches Wesen hatte sich besonders Ernst -von Schönburg hervorgethan, der damals im oberen Erzgebirge ausgedehnte -Besitzungen hatte. Ließ er doch zwei Annaberger Bürgern, die in seinem Gebiete -Fischdiebstahl begangen hatten, die Augen ausstechen.</p> - -<p>Wolf Göftel aus Buchholz und Andreas Ziehner, beides Bergknappen in -Marienberg, machten den vogtländischen Aufrührern zu Waldkirchen bei Reichenbach -die Artikel. Wir sehen, daß auch die Bergleute mit fortgerissen wurden -von der Bewegung. Größere Ansammlungen von Bauern entstanden zunächst -in Zwickau und Stollberg. Daher ist der Amtmann von Annaberg und Schellenberg, -Anton von Kospoth, der in letzterem Orte seinen Wohnsitz hatte, bald in -Annaberg, bald in Chemnitz, um Ruhe zu stiften. Er gab dem Herzog Georg -den Rat, die Schätze der Annenkirche auf Schellenberg zu verwahren. Die -Stadt aber blieb still und erklärte, zum Herzoge zu halten. An Annaberg erging -von diesem das Ersuchen, sich dem Herzoge zum Kriegsdienste zu stellen. -Feldhauptmann Utz von Solgau aus Annaberg sollte das Werbegeschäft besorgen. -In Thum, Geyer und Ehrenfriedersdorf, auch in Joachimsthal forderten -Maueranschläge zum Kriegsdienste auf. Kospoth schrieb über die Annaberger -wegen ihrer Weigerung: »Es sei ein teuflisch Volk unter die Annaberger -gekommen.«</p> - -<p>Nachdem die aufrührerischen Bauern von Schneeberg, Aue, Schwarzenberg -und Zwönitz, von Raschau, Steinberg, Kühnheide und anderen Orten Zuzug<span class="pagenum"><a id="Seite_62">[62]</a></span> -erhalten hatten, wandten sie sich gegen Klösterlein und Aue, tranken dem Probst -das Bier weg, führten 16 Stück Vieh und sämtliches Getreide davon. Dann -wandten sie sich gegen das Kloster Grünhain. Der Abt schickte eiligst zum -Bergvogte Matthis Busch nach Buchholz um Hilfe. Dieser ritt mit wenigen -nach Grünhain, wo er gegen 700 Bauern die Bewachung des Klosters übernahm. -Abt und Mönche wandten sich nach Annaberg. Als das Kloster dem -Richter und den Schöffen zu Grünhain zur Verwahrung gegeben war, wurde -es bald eine Beute der Aufrührer, die es plünderten. Von Grünhain wandten -sich die Haufen nach Schlettau, bemächtigten sich der Stadt und des Schlosses. -Ein anderer Haufe zog nach Raschau und zerstörte die Kirche.</p> - -<p>Herzog Heinrich verließ nach solchen Ereignissen Wolkenstein und siedelte -nach Freiberg über.</p> - -<p>Als in Annaberg Bergvogt Hans Rühling die Bergleute nach ihren Plänen -fragte, erfuhr er, daß sie mit Leib und Leben für den Herzog einstehen wollten. -Bürgerwachen an den Thoren hielten Zuzug fern.</p> - -<p>In Joachimsthal hatten sich die Leute der Grafen von Schlick in gefahrdrohender -Weise erhoben, das Schloß eingenommen und geplündert. Da vermittelte -der Rat von Annaberg mit Glück durch Abgesandte zwischen den -Streitenden.</p> - -<p>Wolf Göftel und Andreas Ziehner waren immer unterwegs, um aufzuregen. -Sie machten den erzgebirgischen Bauern die Artikel und verpflichteten sie, indem -sie jeden eine Hand aufheben ließen, zum Zeichen, daß er bei ihnen stehen wolle.</p> - -<p>Den Geyerschen versprach Göftel mit den Bauern Hilfe. Das Bestreben -der Führer ging dahin, den Edelleuten ihre Sitze zu stürmen, den Fürsten ins -Land zu fallen, die Obrigkeit zu vertreiben, Wildbret und anderes frei zu haben, -die Klöster zu stürmen. Wenn sie in Grünhain, Marienberg und Wolkenstein -Glück gehabt hätten, wollten sie nach Chemnitz und Kloster Zelle.</p> - -<p>Zuerst fiel ihnen die Pfarre zu Mildenau zum Opfer. Die Mildenauer -teilten den Königswaldern mit, daß die Pfarre leer stehe, da der Pfarrer geflohen -sei; da zog der unternehmungslustige Richter Rebentisch mit einer Anzahl -Gesellen Sonntag, den 14. Mai, nach Mildenau. Er kehrte um, aber die -übrigen drangen in die Pfarre ein, plünderten und zerschlugen alles und tranken -dem Pfarrer das Bier aus. Kospoth war auf diese Nachricht sofort mit 12 -Pferden aufgebrochen. Bei seinem Erscheinen verliefen sich die Aufrührer, sodaß -er nur einige von ihnen gefangen nehmen konnte. Weidenbach, der Wolkensteiner -Amtmann, dem sie übergeben wurden, ließ sie frei. Da wurden die -Marienberger nötig und überfielen die Rückerswalder Pfarre. Die Mildenauer -zogen nach Schönbrunn. Sie nahmen die Pfarre ein und trieben allerlei Unfug. -Lukas Merten aus Wolkenstein machte Butter in der Pfarre; dessen Sohn -schlachtete eine Kuh und kochte auch sogleich das Fleisch; Eulner aus Neundorf -zerschlug mit dem Berghammer ein Kruzifix und warf es ins Wasser; Petzold -aus Neundorf hieb dem Johannisbilde, das in der Schönbrunner Pfarre hing, -den Kopf ab, hing es an den Füßen auf und trug es im warmen Bade umher -zur Freude des Wirtes.</p> - -<p>In Geyer unterblieb die Erstürmung der Pfarre, da es zum Ausgleich -kam. Die Drehbacher wollten sich gegen ihre Herren, die von Stangen auf -Drehbach, erheben. Gegen 400 Mann zogen vor das Schloß und verlangten -Freisprechung. Rudtloff von Stangen aber, ein furchtloser Mann, erklärte, -würden sie ihm und seiner Mutter etwas nehmen, so würde er sie in Haus -und Hof verbrennen. Da zogen sie ab.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_63">[63]</a></span></p> - -<p>In Zöblitz suchten zwei Häuer aus Marienberg Unruhe zu stiften. Sie -fanden Anhang. Die Aufständischen hatten vor, die Zöblitzer Pfarre zu -plündern, die aber geschützt wurde. Um diese Zeit ward auch die Pfarre zu -Lauterbach geplündert.</p> - -<p>Am 17. Mai ließen die Gemeinden, die Herzog Heinrich unterthan waren, -als Schönbrunn, Neundorf, Wiesa, Drehbach, Venusberg, damals Feuchberg genannt, -und Hilbersdorf ihre Beschwerden durch den Wolkensteiner Amtmann -Balthasar von Weidenbach an den Herzog gelangen.</p> - -<p>Erfüllt wurden die Forderungen der Bauern nicht. Nach der Niederlage -bei Frankenhausen zerstreuten sich die Unruhestifter. Viele flohen, um harter -Strafe zu entgehen, die auch nicht ausblieb. Herzog Georg erschien bald im -Erzgebirge. Am härtesten verfuhr Ernst von Schönberg gegen die Aufständischen. -Milde war Kurfürst Johann.</p> - -<p>In Annaberg wurden vom Herzog Georg viele ausgewiesen oder in Gefangenschaft -gesetzt. Andere mußten die Mauern um Annaberg bauen helfen. -Herzog Heinrich ließ die Richter zu Mildenau, Arnsfeld und Schönbrunn köpfen. -Die Geringswalder und Rückerswalder wurden gespießt, viele verloren ihre Güter.</p> - -<p>Wolf Göftel, der Hauptführer im Erzgebirge, war entflohen. Ernst von -Schönburg schrieb an Herzog Georg, er habe dem Pfarrer zu Penitz die Ohren -abschneiden lassen. Zu Hartenstein ließ er einen henken und fünf köpfen. In -Elterlein büßten ebenfalls sieben die Köpfe ein, fünf ließ er in der Scheibe -einziehen, einen bei Rotensehma spießen und viele andere an Geld und Freiheit -strafen. Das war das Ergebnis der bäuerlichen Bewegung.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Wolf. -</p> - -<h4><em class="antiqua">b.</em> Die 12 Artikel der Bauern.</h4> - -<p>Eine allgemeine Gährung hatte sich der Gemüter bemächtigt. Wanderprediger -und Flugschriften trugen die Gedanken in das Volk hinaus. Auf der -einen Seite war lästig der Druck der Kirche und des verderbten Pfaffenwesens, -auf der anderen der Druck der weltlichen Herren und die Vorrechte der Städte. -Man darf sich nicht wundern, wenn die Bewegung nächst der religiösen auch -bald eine politische und soziale Färbung annahm.</p> - -<p>Die »zwölf Artikel« der Bauern geben ein Bild ihrer Forderungen. »Die -Gemeinde soll das Recht haben, den Prediger zu wählen und zu entsetzen … -Der Prediger soll das reine Evangelium lehren … Der große Zehnte vom -Getreide soll dem Pfarrer zum Unterhalte dienen; der kleine Zehnte von den -übrigen ländlichen Erzeugnissen und das Ehegeld soll abgeschafft sein … Sie -wollen nicht unfrei sein, nicht Hörige, Lite, Lassen, sondern freie Männer … -Die Frondienste sollen aufhören und mit ihnen die Belastung der Güter und -die Hutungsrechte … Gemeindeäcker, Wiesen und Forsten sollen an die Gemeinden -zurückgegeben werden … Jagd und Fischerei frei sein.« Allen auf -die 12 Artikel gegründeten Forderungen war das Örtliche und Persönliche in -reichem Maße beigemischt.</p> - -<p>Das Thun und Treiben der Bauern stand in vollem Widerspruche zu -ihren Erklärungen von Gehorsam, Gesetzlichkeit und Willigkeit, sich eines besseren -belehren zu lassen. Lärmen, Toben, Saufen, Fressen, Unbotmäßigkeit, Plündern, -Rauben, Verwüsten, Sengen und Brennen: das waren ihre Heldenthaten.</p> - -<h4><em class="antiqua">c.</em> Anzeichen für den Bauernkrieg.</h4> - -<p><em class="gesperrt">Lehmann</em> erzählt von einem Sturme, der für Abergläubische als Anzeichen -des Bauernkrieges galt. Ein Anzeichen war es, als am 15. Februar<span class="pagenum"><a id="Seite_64">[64]</a></span> -<span id="corr064">1525</span> des Nachts das mit Riegeln, Ketten und Schlössern stark verwahrte -Schloßthor in Joachimsthal von einem fast unnatürlich gewaltsamen Winde -aufgestoßen und geöffnet wurde. Es wurde so getrennt, daß das Hinterteil des -mittleren Riegels samt dem starken Thornagel und der eisernen Feder geborsten -und das Vorlegeschloß samt dem Kloben, der das Thor mit einer starken -eisernen Kette über dem Thorriegel geschränkt, eine Stube weit davon auf dem -Schloßplatze verschlossen gelegen. Dieser ungemeine Sturm hat den damaligen -Bauernkrieg nach sich gezogen.</p> - -<h3 id="sec42">42. Das Obererzgebirge im Schmalkaldischen Kriege.</h3> - -<h4><em class="antiqua">a.</em> Der Kriegsschauplatz im Obererzgebirge.</h4> - -<p>Als der <em class="gesperrt">Schmalkaldische Bund</em> siegreich gegen <em class="gesperrt">Kaiser Karl V.</em> zog, -fiel <em class="gesperrt">Herzog Moritz</em> in das Kurfürstentum Sachsen ein. Da trennte sich am -23. November 1546 <em class="gesperrt">Kurfürst Johann Friedrich</em> von seinen Bundesgenossen, -um sein eigenes Land wiederzuerobern. Nachdem er Leipzig vom 9. bis 27. -Januar 1547 vergeblich belagert hatte, zog er mit seinem Hauptheere in die -Gegend von Borna und Altenburg. Von da aus entsendete er einzelne Truppenabteilungen -gegen die von <em class="gesperrt">Moritz</em> besetzten Landesteile und Städte, sowohl des -herzoglichen als aus kurfürstlichen Gebietes. Es gewannen Mitte Mai seine -Heerhaufen die Bergstädte <em class="gesperrt">Annaberg</em>, <em class="gesperrt">Marienberg</em> und einige andere Orte -dieser Gegend und drangen bis <em class="gesperrt">Joachimsthal</em> vor.</p> - -<p>In dem Schmalkaldischen Kriege scheint die Stadt <em class="gesperrt">Geyer</em> durch ihre -Doppelstellung zu dem albertinischen und ernestinischen Hause, die auch in betreff -des Bergbaues Schwierigkeiten machte, wenigstens auf kurze Zeit in eine gefährliche -Lage gekommen zu sein. Der Kurfürst <em class="gesperrt">Johann Friedrich</em> war im -Anfang März 1547 mit seinem Heere gegen Rochlitz aufgebrochen und hatte -hier den Markgrafen <em class="gesperrt">Albrecht von Brandenburg-Kulmbach</em>, damals des -Herzogs Moritz Verbündeten, in einem Treffen geschlagen. Während <em class="gesperrt">Moritz</em> -und <em class="gesperrt">August</em> auf Dresden zurückgingen, wandte sich der Kurfürst gegen das -erzgebirgische Oberland und nahm hier eine Stadt nach der andern, ohne aber -seine glücklichen Erfolge thatkräftig genug auszubeuten. In dieser für das -albertinische Haus gefahrvollen Zeit schrieb am 29. März <em class="gesperrt">Katharina</em>, die -Witwe des Herzogs Heinrich, die sich gleichfalls nach Dresden geflüchtet hatte, -an ihre erzgebirgischen Städte <em class="gesperrt">Geyer</em>, <em class="gesperrt">Ehrenfriedersdorf</em>, <em class="gesperrt">Wolkenstein</em> -und warnte dieselben ernstlich, daß sie sich nicht wider ihre Landesherren <em class="gesperrt">Moritz</em> -und <em class="gesperrt">August</em> durch den Kurfürsten <em class="gesperrt">Johann Friedrich</em> gebrauchen lassen sollten, -von dessen Kriegsvolk sie vor etlichen Tagen überzogen worden seien.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Spieß und <em class="antiqua">Dr.</em> Falke. -</p> - -<h4><em class="antiqua">b.</em> Kriegsdrangsale in Zwickau.</h4> - -<p>Daß sich dieser Krieg, dessen Fäden beim Ausbruch in der Hauptsache -nach Süddeutschland führten, im weiteren Verlaufe nach Sachsen spielen und -dort zur Entscheidung kommen würde, hatte wohl niemand, die beteiligten Führer -nicht ausgenommen, geahnt. Auch unser Erzgebirge mußte manche Sturzwelle -desselben über sich ergehen sehen. Ganz besonders hatte die Stadt Zwickau zu -leiden. Diese galt in der damaligen Zeit für eine ziemlich bedeutende Festung -und wurde als Schlüssel zum Vogtland und zur böhmischen Grenze angesehen. -Ihre Bürger waren gut kurfürstlich gesinnt. Ferdinand von Böhmen, der<span class="pagenum"><a id="Seite_65">[65]</a></span> -Bruder des Kaisers, sollte zunächst die böhmischen Lehen des Kurfürsten Johann -Friedrich einnehmen und dann dem kaiserlichen Bundesgenossen Herzog Moritz -von Sachsen bei der Einnahme Zwickaus Hilfe leisten. Die Zwickauer hatten -schon im Sommer ihre Stadt gerüstet; durch den kurfürstlichen Obristen Thumshirn -waren Adelige, Bürger und Bauern der Gegend gemustert worden. Die -großen Geschütze der Stadt wurden auf dem Anger vor der Stadtmauer versucht. -Der Kurfürst schickte den Zwickauern 1000 Scheffel Korn zur Versorgung für eine -voraussichtliche Belagerung. Die Besatzung bestand aus 7 Fähnlein Knechten, die -sich aus einem Fähnlein wirklichem Kriegsvolk und 6 Fähnlein Bauern zusammensetzten. -Die wohlgerüsteten Bürger sahen kampfesmutig der Gefahr entgegen. -Herzog Johann Wilhelm, der Sohn des Kurfürsten, wurde um Hilfe angegangen, -leider vergeblich. Er tröstete die Bittenden in einem Schreiben mit den Worten, -Gott werde den boshaften Anschlägen wehren. Unterdessen zeigten sich die ersten -Feinde im Erzgebirge. Die Bergwerke von Platten und Gottesgab wurden -durch wilde Horden böhmischen Kriegsvolkes heimgesucht. Am 23. Oktober 1546 -tauchten dort die gefürchteten und berüchtigten Husaren, vom Volke Hussern genannt, -auf. Schrecken ging ihrem Erscheinen voraus, Schrecken verbreiteten sie -allenthalben, wo sie sich zeigten. Es waren aber zumeist kroatische, walachische -und polnische Grenzer. Leicht und ungerüstet saßen sie zu Roß, nur mit Spieß -und Tartsche, einem kleinen Schilde, bewaffnet. Dem deutschen Landsknechte -war nach Schilderungen der damaligen Zeit dieses wüste Raubgesindel in seinen -viehischen Gelüsten über. Wie mögen die armen Gebirgler unter solchen Barbaren -gelitten haben! Von diesen aus dem Gebirge anrückenden Truppen -Ferdinands erging die erste Aufforderung an die Zwickauer, sich zu ergeben, -wurde aber abgewiesen. Da nahte Herzog Moritz. Er hatte Dresden mit nur -wenigen Reitern verlassen und eilte nach Annaberg. Dorthin rief er seine -9 Fähnlein Fußvolk, die während des Sommers in Chemnitz Quartier genommen -hatten. Auf dem Zuge nach Lößnitz verstärkten sich diese so, daß Moritz vor -Zwickau mit 12 Fähnlein Knechten und 600 Reitern ankam. Dort gedachte -er sich mit den Böhmen zu vereinigen, die über Eger in das Vogtland eingefallen -waren und dort unterdessen greulich hausten. Am 2. November ließ -Moritz die Zwickauer zur Ergebung auffordern. Die Besatzung befand sich in -verzweifelter Lage. Bei Adorf waren bereits sechs Stück der Stadt Zwickau -gehörige Büchsen unter dem Hauptmann Erhard Zölchner verloren gegangen. -Moritz stand wohlgerüstet vor den Thoren, und die Böhmen und Hussern -rückten aus dem Vogtlande an. Der Kurfürst schickte Trostbriefe, aber die ersehnte -Hilfe blieb aus. Dennoch dachten die Bürger nicht an Unterwerfung. -Die Stadt wurde gegen ihren Willen durch die Befehlshaber Dolzig und Planitz -übergeben. Am 6. November überreichte eine Abordnung von Ratsherren die -Schlüssel der Stadt an Moritz, am 8. leisteten ihm die Bürger auf dem Kaufhause -die Zwangshuldigung. Die Bauern verließen die Stadt, die kurfürstliche -Besatzung erhielt dem Vertrage gemäß freien Abzug, sie rückte mit fliegenden -Fahnen nach Wittenberg.</p> - -<p>Moritz zog am andern Tage über Altenburg in nördlicher Richtung weiter, -auf seinem Zuge die Zwangshuldigung der Werdauer und Crimmitschauer -empfangend. Für die Bergstädte trat nun in gewissem Sinne Ruhe ein, abgesehen -von den Reibungen, die fortgesetzt zwischen der evangelischen Bevölkerung -und der katholischen Besatzung stattfanden; die Städte des Herzogs Moritz -machten hierin keine Ausnahme, weil der Herzog allgemein als Judas an der -guten lutherischen Sache angesehen wurde.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_66">[66]</a></span></p> - -<p>Unterdessen war der Kurfürst aus Süddeutschland über Naumburg, Jena, -Weimar, Langensalza und Halle gekommen und hatte im Sturme seine verlorenen -Städte wiedergenommen. Moritz geriet in Not. Seine einzige Hoffnung -beruhte auf den festen Punkten Leipzig, Dresden, Freiberg und Zwickau, -welche er noch in den Händen hatte. Aber von Zwickau trafen täglich Nachrichten -ein, wie der gemeine Mann gegen die Besatzung »ganz seltsam und aufwägig« -sei und durchaus dem alten Herrn anhinge. Der Annaberger Stadthauptmann -schickte einige hundert Knechte für Moritz nach Zwickau, die Zwickauer -weigerten sich, diese einzulassen. Der Stadtoberst Wolf von Ende sandte eine -Klage über die andere an Moritz, bis dieser selbst in der Nacht zum 15. Januar -1547 über Freiberg und Chemnitz in Zwickau ankam.</p> - -<p>Er besichtigte die Befestigungen, legte noch ein Fähnlein Hakenschützen und -ein Geschwader Reiter in die Stadt und zwang die Bürger, ihm und dem -Böhmenkönig noch einmal zu huldigen. Da traf die Nachricht ein, der Kurfürst, -welcher 21 Tage vor Leipzig gelegen hatte, wolle in das Gebirge rücken. -In seiner Bedrängnis befahl Moritz, das Landvolk solle sich in Dresden, -Annaberg und Freiberg in seiner besten Wehr sammeln und für einen Monat -Versorgung mitbringen. Die Gebirgler waren zumeist durch die Geistlichen gegen -Moritz gestimmt und stellten sich nur in geringer Zahl. Anfang Februar waren -5 Fähnlein böhmischer Knechte nach Freiberg gekommen, um nach kurzer Rast -weiterzuziehen, blieben aber liegen, weil sie ihren Sold, den die Offiziere in -Dresden verspielt hatten, nicht bekamen. Natürlich mußten darunter die Freiberger -bitter leiden. Zwischen den Berghäuern und Soldknechten kam es dort -zu Thätlichkeiten, die selten unblutig abliefen. Als wenige Wochen darauf die -Freiberger Besatzung gemustert wurde, waren nicht weniger als 150 Knechte -entlaufen.</p> - -<p>Schrecklich war es während dieser Zeit den Zwickauern ergangen. Dort -war der Markgraf Albrecht von Brandenburg-Culmbach zur Sicherung der von -den Bürgern bedrohten Besatzung eingerückt. Als er aber am 31. Januar -nach Chemnitz beordert wurde, ließ er ohne weiteres die Bürger aus der Stadt -ausweisen. Nur die zur Arbeit nötigen wurden zurückbehalten. Die Bürgerschaft -zog an diesem Tage unter entsetzlichem Jammer der Weiber und Kinder -bei großer Kälte aus der Heimat in die Nachbarstadt Schneeberg. In Zwickau -wurde zum Zeichen des Kriegsregiments auf dem Markte der Galgen aufgerichtet. -Die Vorstädte und 18 Dörfer der Umgegend legte die Besatzung in -Asche. Die Plünderung war allgemein. Als Gegenstück, angeblich aus Rache -gegen den Zwickauer Befehlshaber Wolf von Ende, Besitzer von Rochsburg, -ließ der Kurfürst Rochsburg verbrennen und die Höfe von Kriebstein ausbrennen. -Furchtbar litt das arme Sachsenland unter dem Vetternkriege, der sich immer -mehr zu Ungunsten des Herzogs neigte. Dieser zog sich deshalb nach Freiberg -zurück, um im Falle einer Niederlage Dresden oder Böhmen nahe zu sein. -Ja, selbst in Freiberg fühlte er sich nicht sicher; er lebte in beständiger Furcht, -daß ihm die Wege nach Böhmen versperrt werden könnten. Am 8. März -wurde Chemnitz durch eine kurfürstliche Abteilung zur Übergabe aufgefordert, -die Chemnitzer gaben gar keine Antwort und blieben vorläufig unbehelligt. Im -Erzgebirge aber wurde der kurfürstliche Obrist Thumshirn, welcher von einem -Streifzuge aus Franken her anrückte, mit offenen Armen aufgenommen.</p> - -<p>Die Annaberger empfingen ihn mit Freude, die Wolkensteiner und Marienberger -ergaben sich auf bloße Aufforderung. Die Ratsherren dieser Städte -waren zwar gegen sofortige Ergebung, allein das Volk, das Moritz als Verräter<span class="pagenum"><a id="Seite_67">[67]</a></span> -ansah, riß die Gewalt an sich. Oederan und Zschopau wurden am 27. und -28. März durch Thumshirn nach Annaberg zur Huldigung befohlen. Auch -Joachimsthal nahm dieser ein und veranlaßte dadurch den Aufstand in Böhmen -gegen Kaiser und König, der dort schon lange gärte. Wäre Thumshirn in der -eingeschlagenen Richtung weiter vorgerückt, so hätte er Ferdinand und Moritz, -die mit ihren Truppen von Freiberg über Lauenstein nach Teplitz und Brüx -zogen, um sich in Eger mit dem Kaiser zu vereinigen, den Weg abschneiden -können. Moritz selbst war als letzter aus Freiberg am 24. März abgezogen, -um den üblen Eindruck seines fluchtartigen Aufbruchs zu verwischen. Sein -Zug ging über Frauenstein, Sayda und Klostergrab nach Brüx. Thumshirn -aber benutzte seinen Vorteil nicht, sondern plünderte das herzogliche Schloß zu -Marienberg und zog weiter brandschatzend durch das sächsische Erzgebirge. Am -3. April fiel Chemnitz, am 8. Freiberg und das Amt Schellenberg bei Chemnitz.</p> - -<p>Trotz dieser Erfolge zog sich das Verderben dunkel und drohend über die -Kurfürstlichen zusammen. Lange hatte der Kaiser gezögert, ob er sich um seiner -Krankheit willen pflegen oder ins Feld ziehen solle. Da verbreitete sich plötzlich -die Nachricht, daß der Zug nach Sachsen beschlossen sei. In Eger war -noch in Gegenwart des Kaisers das Osterfest feierlich begangen worden. Am -10. April rückte Herzog Moritz, dem das ganze kaiserliche Heer folgte, mit -einem Vortrab im Vogtlande ein. Am 16. April unternahm der Obrist Kruda -mit 800 Reitern, einigem Fußvolk und Geschütz einen Ausfall von Zwickau -nach Schneeberg, das sich nach kurzer Gegenwehr ergab, worauf der Obrist das -Ratskollegium und die höheren Bergbeamten mit fortschleppte und erst nach -Erlegung einer Summe von 500 Gulden wieder losgab. Am 16. April war -der Kaiser selbst in Werdau. Das nachbarliche Zwickau vermied er absichtlich, -weil dort eine fürchterliche Seuche wütete. – Der weitere Verlauf des schmalkaldischen -Krieges bis zu dem Unglückstage auf der Lochauer Haide bei Mühlberg -an der Elbe ist allenthalben bekannt. Als die aufrührerischen Böhmen -von der Niederlage des Kurfürsten hörten, unterwarfen sie sich kläglich und -ließen Thumshirn mit seinen 4000 Fußknechten und 600 Reitern im Erzgebirge -im Stich. Moritz beeilte sich nun, diesem Rest der kurfürstlichen Truppen die -Erzgebirgspässe zu verlegen. Es gelang ihm nicht. Thumshirn brach durch -und vereinigte sich mit des Kaisers Feinden. Bald ertönten die Friedensglocken -auch im Erzgebirge, aber der ersehnte Frieden mochte nicht kommen. Lange -noch raubten und plünderten die unbezahlten Söldnerscharen im armen, unglücklichen -Lande.</p> - -<h4><em class="antiqua">c.</em> Drangsale in Schneeberg.</h4> - -<p>Obgleich nun am 24. April schon der Kurfürst Johann Friedrich auf der -Lochauer Haide Schlacht und Kurhut verloren hatte, so schwärmten doch noch -später kurfürstliche Truppen unter dem bekannten Obersten von Thumshirn -hier im Gebirge umher. Es war, wie es scheint, die Kunde von des Kurfürsten -Mißgeschick sogar da noch nicht bis hierher gedrungen, als an einem schönen -Frühlingstag, Sonntag Jubilate am 1. Mai um 10 Uhr vormittags, eine -stattliche Reiterschar von Zwickau her durch die Zwickauer Gasse nach der sogenannten -Fürstengasse, dem heutigen Fürstenplatz in Schneeberg, hereingetrabt -kam. Es waren vornehme Kavaliere, unter ihnen ein Kaspar von Stadion, -also wohl ein Württemberger. Die Schneeberger aber, die etwa bei der Hand -waren, um die glänzenden Reiter anzustaunen, mögen thatsächlich wohl Mund -und Nase aufgesperrt haben, denn von den lauten Reden, die die Herren<span class="pagenum"><a id="Seite_68">[68]</a></span> -wechselten, als sie sich vor Wenzel Gassauers Gasthof – dem späteren Fürstenhaus, -einem Gebäude, das wechselvolle Schicksale gehabt – von den Rossen -schwangen, haben die Zuschauer wenig verstanden, da hauptsächlich Spanier und -Italiener sich darunter befanden. Vielleicht ist einer von den Bergleuten, die -in der Umgegend wohnten, dann später den Leuten des Thumshirn in die -Hände gelaufen, oder es hat ein treuer Anhänger des Kurfürsten – und das -scheint bei der damals in den Bergstädten vorhandenen Gesinnung gegenüber -den katholischen Hilfstruppen des Herzogs Moritz wahrscheinlicher – Botschaft -hinüber in die Annaberger Gegend, wo die kurfürstlichen Völker streiften, gesendet. -Fast möchte man der Zeit nach freilich glauben, daß diese schon nach -unserer Gegend her unterwegs waren, denn gerade als die 28 kaiserlichen Offiziere -unter fröhlichem Scherzen und Lachen beim stattlichen Mahle waren, -»etwan nach Mittags um 1 Uhr« heißt es in der Chronik, da kam ein starker -Haufe der Thumshirnschen Reiter zum Hartensteiner Thor herein. Sie mögen -wohl durch Nebengassen heranschleichend das Haus umstellt haben, einen Warner -für die Schmausenden hat es aber nicht gegeben, denn urplötzlich brach das -Verhängnis über sie herein. Kaum hatten sie Zeit, nach der Wehr zu eilen, -ein fürchterliches Getöse entstand. Die Überraschten und vom Wein vielleicht -schon etwas Bemeisterten vermochten nichts gegen die Übermacht. Ob sie sich -auch tapfer zur Wehr setzten, einige auch die Thür gewannen und die Treppe -hinab mit wuchtigen Hieben sich Bahn brachen, die Gegner waren zu stark, -hier und da brach einer blutend zusammen, zwölf wurden ihrer niedergemacht -und einer, der sich auf die Oberstube des Nebenhauses gerettet, dort zum Fenster -heruntergestürzt; die übrigen gaben sich gefangen.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Jakobi. -</p> - -<h3 id="sec43">43. Der Dreißigjährige Krieg im oberen Erzgebirge.</h3> - -<h4><em class="antiqua">a.</em> Kurfürst Johann Georgs I. Verteidigungswerk.</h4> - -<p>Schon im Jahre 1613, als die in Böhmen ausgebrochenen Religionsstreitigkeiten -und Unruhen immer bedenklicher wurden, errichtete <em class="gesperrt">Kurfürst Johann -Georg I.</em> von Sachsen für sein ganzes Land, um dasselbe möglichst -wehr- und kriegsfähig zu machen, ein sogenanntes <em class="gesperrt">Verteidigungswerk</em>, d. h. -eine Art von Land- und Bürgerwehr, wozu durch besondere Ausmusterungen -die kriegstüchtigen Männer aus den Städten und Dörfern ausgehoben und in -besondere Haufen gebracht wurden.</p> - -<p>So bestand das <em class="gesperrt">Freiberger</em> Verteidigungswerk aus der Mannschaft, die -nicht allein aus der Stadt und dem Amtsbezirke, sondern auch aus dem -<em class="gesperrt">Wolkensteiner</em>, <em class="gesperrt">Grünhainer</em> und <em class="gesperrt">Tharandter</em> Amte genommen war und -zusammen 520 Mann ausmachte. Diese Mannschaften mußten von den betreffenden -Städten mit den nötigen Waffen und den vorgeschriebenen Ausrüstungsstücken, -nämlich grauen Röcken mit roten Aufschlägen, roten Tuchstrümpfen -und schwarzen Hüten versehen werden. Zum Unterhalte dieser Verteidiger -wurde im ganzen Lande eine Steuer ausgeschrieben, wozu jede Stadt -nach Verhältnis beizutragen hatte. Die <em class="gesperrt">Marienberger</em> Stadtgeschichte berichtet, -daß von diesem Orte allein im Jahre 1631 nicht weniger als 513 Gld -9 Gr 2 Pf Angeld und 43 Scheffel 9½ Metze Hafer an das Amt <em class="gesperrt">Augustusburg</em> -abgegeben werden mußten. Im genannten Jahre, wo die Kriegsunruhen -die sächsischen Grenzen bereits aufs schlimmste bedrohten, wurden von den erwähnten -Verteidigern viele an die sächsisch-böhmische Grenze geschickt, um da -in Gemeinschaft mit den gebirgischen Bewohnern alle Pässe zu verhauen oder<span class="pagenum"><a id="Seite_69">[69]</a></span> -wenigstens zu bewachen und das Eindringen von feindlichen Streifhorden aus -Böhmen zu verhindern.</p> - -<p class="right"> -Nach Donat-Holzhaus. -</p> - -<h4><em class="antiqua">b.</em> Wie in Böhmen der Krieg ausbricht.</h4> - -<p>Kaum hatten sich die unglücklichen Bürger <em class="gesperrt">Annabergs</em> von den Schäden -des großen Brandes 1604 notdürftig erholt, da hatten sie um die gerettete -Habe wegen des in Böhmen 1618 ausgebrochenen Dreißigjährigen Krieges zu -fürchten. Von 1622 an suchten verschiedene böhmische Protestanten in Annabergs -Mauern eine Freistatt ihres bedrückten und verfolgten Glaubens. Dieser -Zuzug steigerte sich wesentlich 1625–26. Namentlich viele Edelleute waren -es, die sich hier niederließen. Zu ihnen gehörte <em class="gesperrt">Sidonie von Hassenstein</em>. -Das gewöhnliche Volk bezog die Dörfer oder gründete neue Ansiedelungen. -So ließen sich in damaliger Zeit eine Anzahl Flüchtiger in <em class="gesperrt">Cranzahl</em>, <em class="gesperrt">Bärenstein</em>, -<em class="gesperrt">Stahlberg</em> und anderen Orten nieder. Aus einem Dorfe bei Elbogen -hinter Karlsbad flüchtete ein vertriebener Bauer, Barthel Leibelt, in die <em class="gesperrt">Cranzahler</em> -Richterschmiede. Bei dem glaubensfrischen Steiger Christian Päßler in -<em class="gesperrt">Stahlberg</em>, der an seiner Kirche sein Paradies gehabt hat, ließen sich sehr -viele nieder und bauten sich an. Wie groß die Glaubenstreue gewesen ist, ersieht -man daraus, daß Georg Wagner, Richter am <em class="gesperrt">Weipert</em>, 1643 als Apostata -oder Abtrünniger erwähnt ist. Insbesondere mußten auch die Geistlichen, in -<em class="gesperrt">Joachimsthal</em> sogar 3, katholischen Priestern und Mönchen weichen. Der -Weiperter Pfarrer vermochte sich bis 1625 zu halten. Als er da der Macht -wich, zog er nach <em class="gesperrt">Cranzahl</em>. Seine Gemeinde ging mit ihm hier zur Kirche. -Erwähnt sei noch, daß 1620 Michael Mahn und Joachim Petzelt von <em class="gesperrt">Cranzahl</em> -in Böhmen von Kriegsleuten angegriffen und ums Leben gebracht worden -sind. Ihnen wurden wenigstens in Cranzahl Leichenreden gehalten.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">P.</em> Schultze und Finck. -</p> - -<h4><em class="antiqua">c.</em> Wie dem Obererzgebirge das Kriegsunglück naht.</h4> - -<p>Im Jahre 1629 wurde am 6. März zu Annaberg das <em class="gesperrt">Restitutionsedikt</em>, -das die Herausgabe sämtlicher Kirchengüter forderte, veröffentlicht. Bis -zum Jahre 1629 hatte man im Erzgebirge von dem großen Kriege in den -deutschen Landen nur wenig bemerkt. Einige Durchmärsche der Kaiserlichen -über das Gebirge brachten nur vorübergehende Unzuträglichkeiten. 1630 feierte -man in allen protestantischen Kirchen das Jubeljahr der Übergabe des <em class="gesperrt">Augsburgischen -Bekenntnisses</em>. Die entscheidende Wendung brachte das Jahr -1631, nach <em class="gesperrt">Gustav Adolfs</em> Sieg bei <em class="gesperrt">Breitenfeld</em> am 7. September. Kurfürst -<em class="gesperrt">Johann Georg I.</em> ließ nun Truppen werben. Die Erzgebirgspässe -wurden besetzt. Der alte <em class="gesperrt">Slavenpaß</em>, der über <em class="gesperrt">Weipert</em> und <em class="gesperrt">Komotau</em> in -das Egerthal führt, bildete nun in dem wechselvollen Kriege eine viel benutzte -Heerstraße. »Das gute Gebirge mußte alle Parteien von Freund und Feind -erdulden, sie speisen, auslösen, fördern und hausen lassen.«</p> - -<p><em class="gesperrt">Meltzer</em> erzählt in seiner Stadtgeschichte Schneebergs von Wunderzeichen -am Himmel, welche den Krieg anzeigten. Am 25. Januar oder Pauli Bekehrungstage -1630 hat man überall im Gebirge ein Feuer- und Wunderzeichen -am Himmel gesehen, als wenn unterschiedene Kriegstruppen miteinander im -Gefechte wären. Dergleichen hat man gehöret, als wenn Musketen losgingen, -zur Begrüßung geschossen würde. Dies haben unzählige Personen mit Verwunderung -und Schrecken beobachtet, aber auch mit seiner Bedeutung in erfolgten -feindlichen Einfällen und Kriegsbewegungen erkannt.</p> - -<p class="right"> -Nach Meltzer u. a. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_70">[70]</a></span></p> - -<h4><em class="antiqua">d.</em> Wie wichtige Obererzgebirgspässe besetzt werden.</h4> - -<p>Drei Hauptpässe, erzählt <em class="gesperrt">Chr. Lehmann</em> in seinem »Schauplatze«, gehen -über dieses Gebirge nach Böhmen, nämlich der <em class="gesperrt">Rittersgrüner</em>, <em class="gesperrt">Preßnitzer</em> -und <em class="gesperrt">Reitzenhainer</em>. Der <em class="gesperrt">Rittersgrüner</em> liegt in einer festen Enge, daß -man den ganzen Grund mit einer Schanze sperren konnte, und hat Holck viel -Mühe und Beschwerden gekostet, ehe er durch das enge und morastige Waldgebirge -hat brechen können. Der Preßnitzer geht über <em class="gesperrt">Kühberg</em>, <em class="gesperrt">Paßberg</em> -und ist ein gut Stück gebrücket. Die 10 Minuten langen Schanzen am <em class="gesperrt">Blechhammer</em> -sind noch jetzt zu erkennen. Der <em class="gesperrt">Reitzenhainer</em> geht über <em class="gesperrt">Stollberg</em>, -<em class="gesperrt">Zschopau</em> und <em class="gesperrt">Marienberg</em> hin, liegt mitten im Walde eine halbe -Meile von <em class="gesperrt">Paßberg</em> und hat der reisenden Leute halber einen Gasthof.</p> - -<p>Durch diese Pässe haben die Gebirger im Dreißigjährigen Kriege großen -Schaden erlitten. Diese Waldpässe wurden im Jahre 1631 im September weit -und breit verhauen, viel tausend Bäume gefället, daß sie meist mannshoch übereinander -lagen, weder Roß noch Wagen durch konnten und Korn, Malz und -Mehl, alles herübergetragen oder geschleppt und kümmerlich durchgezogen werden -mußte.</p> - -<p>Vor dem <em class="gesperrt">Reitzenhainer Paß</em> war eine böhmische Schanze und ein -Vorratshaus von Böhmen besetzt, welche der sächsische <em class="gesperrt">Oberst Taube</em> mit -1500 Mann zerstörte. An dem <em class="gesperrt">Preßnitzer Paß</em> hatte man zwei Schanzen -angelegt. Die eine war nahe an <em class="gesperrt">Weipert</em> am Grenzwasser beim Gasthofe. -Man hatte den Hof und das Haus mit hohen Pfählen verschanzt, Schießlöcher -durch die Ställe gemacht und den hohlen Weg zum Laufgraben gebraucht. Das -Wachhaus war mit Pfählen hoch verschanzt und darüber eine kleine viereckige -Schanze. Diesen Paß besetzte der auf <em class="gesperrt">Preßnitz</em> liegende <em class="gesperrt">Hauptmann Krebs</em> -mit 50 Musketieren, setzte die nächsten Dörfer umher in Kriegskosten, gab -Schutzwachen aus nach <em class="gesperrt">Crottendorf</em>, <em class="gesperrt">Sehma</em>, <em class="gesperrt">Cranzahl</em>.</p> - -<p>Ehe diese Pässe verhauen wurden, mußten die Gebirger vier Wochen lang -in großer Anzahl davorliegen. Die <em class="gesperrt">Wolkensteiner</em> bewachten den Paß von -<em class="gesperrt">Reitzenhain</em> und <em class="gesperrt">Kriegwald</em>, die <em class="gesperrt">Annaberger</em> und <em class="gesperrt">Grünhainer</em> den <em class="gesperrt">Preßnitzer</em>, -das Amt <em class="gesperrt">Schwarzenberg</em> den Paß bei <em class="gesperrt">Wiesenthal</em> und <em class="gesperrt">Rittersgrün</em>.</p> - -<p>Vor alters hatte man von <em class="gesperrt">Freiberg</em> die Pässe von <em class="gesperrt">Frauenstein</em>, <em class="gesperrt">Reitzenhain</em>, -<em class="gesperrt">Preßnitz</em>. Durch diese sehr wilden und engen Pässe ist man nach -<em class="gesperrt">Halle</em>, <em class="gesperrt">Leipzig</em> und dem <em class="gesperrt">Harze</em> gefahren und zwar nicht ohne große Mühe -und Gefahr wegen des Morastes, des tiefen Schnees und der Räuber. Sie -sind aber auf viertel, halbe und dreiviertel Meilen gebessert und gebrücket, auch -darum mit Zöllen und Geleitgeldern beleget worden. Überdies findet man auch -richtige Wege zur Jägerei und Anführung der Zeugwagen. Bei <em class="gesperrt">Joachimsthal</em> -ließ <em class="gesperrt">General Holck</em> einen neuen Weg durch Aufhauung des Waldes -räumen.</p> - -<p>Ein Lichtungsweg oder Paß berührte also auch die <em class="gesperrt">Bärensteiner</em> und -<em class="gesperrt">Weiperter</em> Flur. Eine Fortsetzung der Handelsstraße von Prag nach <em class="gesperrt">Laun</em>, -<em class="gesperrt">Saaz</em>, <em class="gesperrt">Kralup</em> und <em class="gesperrt">Kaden</em> darstellend, zog er sich durch <em class="gesperrt">Reischdorf</em> nach -<em class="gesperrt">Preßnitz</em>, wo ein Schloß mit drei Türmen stand, von einem Wassergraben -umgeben und geschützt durch eine Zugbrücke. Von dieser mutmaßlichen Zollstätte -führte der Paß nach <em class="gesperrt">Pleil</em> und <em class="gesperrt">Sorgenthal</em>, dem <em class="gesperrt">Weißen Hirsch</em> -und durch die nördliche Spitze <em class="gesperrt">Weiperts</em> nach dem <em class="gesperrt">Blechhammer</em> herunter. -Hier überschritt er den Grenzbach, die Pöhla, und ging über <em class="gesperrt">Kühberg</em> und<span class="pagenum"><a id="Seite_71">[71]</a></span> -<em class="gesperrt">Zollhaus Berghäusel</em> nach <em class="gesperrt">Cranzahl</em> herein, von hier aber auf der »alten -Schlettauer Straße« nach <em class="gesperrt">Schlettau</em> und weiter nach <em class="gesperrt">Elterlein</em>, <em class="gesperrt">Zwönitz</em>, -<em class="gesperrt">Stollberg</em>, <em class="gesperrt">Leipzig</em> und <em class="gesperrt">Halle</em>, woher die Böhmen das unentbehrliche Salz -holten, das ihr Kesselland nicht besitzt. Noch heute sind an vielen Stellen die -tief und breit in Felsboden ausgefahrenen Hohlwege sichtbar, wie am <em class="gesperrt">Blechhammer</em>, -in <em class="gesperrt">Kühberg</em>, vor dem Erbgerichte und auf der »alten Straße« nach -Schlettau, das übrigens noch im Jahre 1807 zur Wiederherstellung der Grenzbrücke -am Blechhammer 72 M beitragen mußte.</p> - -<p class="right"> -Nach Chr. Lehmann und <em class="antiqua">P.</em> Schultze. -</p> - -<h4><em class="antiqua">e.</em> Die ersten Kriegsdrangsale in Marienberg.</h4> - -<p>Am 16. September 1631 wurden 1500 Mann kaiserliches Fußvolk, das -bei Leipzig nach der Schlacht bei <em class="gesperrt">Breitenfeld</em>, am 7. September, sich ergeben -hatte und nun freien Abzug nach Böhmen erhielt, durch sächsische Reiterei und -Infanterie bis <em class="gesperrt">Reitzenhain</em> geführt, bei welcher Gelegenheit die Stadt Marienberg -die genannten Truppenteile aufzunehmen hatte und derselben ein Kostenaufwand -von 425 Gld 20 Gr erwuchs.</p> - -<p>Sehr verhängnisvoll sollte das Jahr 1632 für <em class="gesperrt">Marienberg</em> werden. -Dies erfuhr die Stadt schon, als am 4. Mai die <em class="gesperrt">Fürsten von Anhalt</em> und der -von Altenburg auf dem Durchmarsche nach Böhmen mit zwei Regimentern einrückten -und einige Wochen später der sächsische <em class="gesperrt">Oberst Vitzthum von Eckstädt</em> -mit einem Reiterregimente die Stadt als Musterungsplatz wählte. in beiden Fällen -hatte dieselbe für Verpflegung u. a. 825 Thlr 5 Gr, sowie später noch 1435 Gld -9 Gr 8 Pf zu zahlen.</p> - -<p class="right"> -Nach Donat-Holzhaus. -</p> - -<h4><em class="antiqua">f.</em> Wallensteins Truppen kommen.</h4> - -<p>In großen Schrecken sollte das Obererzgebirge versetzt werden, als <em class="gesperrt">Wallenstein</em> -seine dem Laster ergebenen und aus allerlei Volk zusammengelesenen -Truppen nach Sachsen führte. Der <em class="gesperrt">General Holck</em>, Wallensteins Oberstfeldmarschall, -ein Protestant aus Dänemark, sowie der <em class="gesperrt">Kroatenoberst Corbitz</em> -führten ihre Banden über <em class="gesperrt">Altenberg</em>, <em class="gesperrt">Schneeberg</em> und <em class="gesperrt">Annaberg</em> durch -unser Gebirge, wodurch dieses aufs höchste geängstigt ward. Am 10. August -1632 rückte der Vortrab des Holckschen Heeres unter <em class="gesperrt">Oberst Isaak von -Brandenstein</em> vor <em class="gesperrt">Annaberg</em>, wo nicht nur 2000 Thaler Brandschatzung -gezahlt werden mußten, sondern auch, trotz des gegebenen Ehrenwortes, die -Stadt vor aller Unbill zu schonen, in schrecklichster Weise geplündert und alles -Vieh weggetrieben wurde.</p> - -<p>Nach dieser Heldenthat ging es weiter, und mitten in der Nacht kam die -Bande vor <em class="gesperrt">Marienberg</em> an. Ein kaiserlicher Trompeter sprengte vor das -verschlossene Annaberger Thor und begehrte im Namen des Kaisers Öffnung -und Übergabe der Stadt. Der <em class="gesperrt">Bürgermeister Franke</em> bat um einen Tag -Bedenkzeit; der Trompeter ritt zurück und nach einer in großer Angst durchwachten -Nacht öffnete man das Thor und – nirgends war ein feindlicher -Soldat mehr zu erblicken. Die Gefahr war für diesmal abgewendet; aber die -Angst stieg wieder aufs höchste, als man vernahm, daß der grausame <em class="gesperrt">General -Holck</em> selbst bereits in <em class="gesperrt">Schneeberg</em> angekommen sei und sein Heer dort nicht -nur alles geplündert und zerstört, sondern auch Fliehende und Flehende unbarmherzig -niedergeschossen, viele Bürger getötet oder bis auf den Tod gequält, -ja den Stadtrichter vor der Thür seines Hauses und einen 90jährigen Greis, -den früheren <em class="gesperrt">Bürgermeister von Schlackenwerth</em>, niedergemetzelt hatte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_72">[72]</a></span></p> - -<p>Von <em class="gesperrt">Eger</em> kommend, drang 1632, Mitte August, der <em class="gesperrt">General Holck</em> -mit seinen Scharen über <em class="gesperrt">Elbogen</em>, <em class="gesperrt">Neudeck</em> nach <em class="gesperrt">Eibenstock</em> und von da -gegen <em class="gesperrt">Schneeberg</em> vor. Gar übel haben die Kroaten überall gehaust. <em class="gesperrt">Schwarzenberg</em>, -<em class="gesperrt">Schneeberg</em>, <em class="gesperrt">Lößnitz</em>, <em class="gesperrt">Grünhain</em>, <em class="gesperrt">Elterlein</em>, <em class="gesperrt">Geyer</em> wurden -geplündert und niedergebrannt. Schreckliche Zeiten waren gekommen. Das -liebe Getreide wurde zertreten, viele hundert Stück Vieh wurden geraubt, von -den Marketendern teuer verkauft, Brot und Bier wurde durch dieselben abgeführt -und dadurch Hunger, Brotmangel, Zagen und Wehklagen verursacht.</p> - -<p class="right"> -Nach Donat-Holzhaus u. a. -</p> - -<h4><em class="antiqua">g.</em> Oberst Preuß vor Marienberg.</h4> - -<p>Am 21. August rückte <em class="gesperrt">Oberst Preuß</em> vor <em class="gesperrt">Marienberg</em>, nachdem ihm -<em class="gesperrt">Holck</em>, in Rücksicht darauf, daß die Stadt noch vom großen Brande her zum -Teil in Schutt lag, einige Schonung anempfohlen hatte. Am genannten Tage -früh 10 Uhr reitet ein Trompeter vor das verschlossene Thor und verlangt, -daß man öffne. Niemand hört ihn und erbittert reitet er zum Heerhaufen -zurück. Als auch auf eine erneute Aufforderung keine Antwort erfolgte, ward -Sturm geblasen, das Thor gesprengt, und vorsichtig rückte man auf den großen, -weiten Markt vor. Zwei volle Stunden läßt der Oberst, der einen Hinterhalt -vermutet, seine ungeduldigen Soldaten hier stehen. Ringsum herrscht aber die -Stille des Kirchhofs – kein Mensch zeigt sich! Da wird das Rathaus gewaltsam -geöffnet; aber auch hier ist kein Mensch zu finden. Selbst der Rat -hatte den Mut verloren und mit zuerst die Flucht ergriffen; alle Einwohner -waren samt den Geistlichen in den Wald geflohen und nur einige Arme und -Kranke zurückgeblieben. Der Ratsdiener aber und einige Bürger wurden noch -in der Nähe der Stadt ergriffen und von den Kroaten niedergeschossen.</p> - -<p>Als die Bande sah, daß die Stadt aus Furcht vor der Gefahr preisgegeben -worden war, begann sofort die Plünderung, welche zehn volle Tage hindurch -fortgesetzt wurde. Mit einem unglaublichen Spürsinne wußten die Soldaten -in Kellern und Bergschächten, wohin man das Beste der Habe vergraben und -verborgen hatte, diese aufzufinden. Auf dem Rathause fand man so viel Gold- -und Silberzeug, daß damit allein die Stadt hätte von der Plünderung befreit -werden können, wenn der zweite Bürgermeister, <em class="gesperrt">Adam Genser</em>, nicht ganz und -gar den Kopf verloren gehabt hätte. Als derselbe sich nach einigen Tagen -wieder aus dem <em class="gesperrt">Reitzenhainer Walde</em> hervor in die Stadt wagte, nahmen -ihn die Kroaten gefangen und ließen ihn nicht eher los, bis die Kämmerei -100 Thaler für ihn bezahlt hatte.</p> - -<p>Hunger und Elend nahmen unter den unglücklichen Bewohnern überhand, -welche neun Tage in Höhlen und Klüften der Wälder gelebt hatten, weshalb -sich eine Anzahl mutiger Bürger entschloß, beim <em class="gesperrt">Oberst Preuß</em> um sichere -Rückkehr in die Stadt zu bitten. Die Erlaubnis ward gegeben und sogar eine -Abteilung zur Deckung des traurigen Einzugs beordert, und so kehrten am 30. -August sämtliche Bewohner zurück, fanden aber bald genug zu ihrem größten -Schrecken, daß ihre so sicher geglaubte Habe geraubt war. Der Stadtgeschichtsschreiber -berichtet hierüber: »38 Fähnlein Fußvolk sind auf dem Markte, als -der Marsch wieder fortgegangen, gestanden; die Reiterei ist aber bei der Stadt -vorüber nach <em class="gesperrt">Freiberg</em> zu marschiert; es ist weder Brot noch einiger Trunk -in der Stadt zu bekommen gewesen, und hat nach diesem Unglücke ein Brot -– sonst einen Groschen – 5 Groschen und eine Kanne Bier 3 Groschen gegolten.« -Auch wird noch weiter hinzugefügt: »Es sind auch 325 Personen an<span class="pagenum"><a id="Seite_73">[73]</a></span> -der Soldatenkrankheit gestorben, welche die kaiserlichen Völker für Ausplünderung -der armen Stadt als Trinkgeld hinterlassen. Unter den Verstorbenen waren -auch die Stadtschreiber Joachim Frank und Josephus Collmann, sowie der -Stadtrichter Heinrich von der Feldt.« Übrigens lagen noch bis zum 25. September -Soldaten in der Stadt, wo sie bis auf 15 Mann, welche als Schutzgarde -zurückgeblieben, abzogen. Ehe aber der Aufbruch geschah, sollte zuvor -einer, der einen Mönch erschlagen, stranguliert werden, »hatte sich aber, als ein -seltsamer Abenteurer, vom Galgen wieder losgemacht«.</p> - -<p class="right"> -Nach Donat-Holzhaus. -</p> - -<h4><em class="antiqua">h.</em> Wie die Kaiserlichen nach der Lützner Niederlage im Gebirge hausen.</h4> - -<p>Früher ward in der gewölbten Sakristei der <em class="gesperrt">Zwickauer Marienkirche</em> -ein in Gold gefaßtes Stücklein vom Kreuze Christi verwahrt, welches der Hauptmann -Martin <em class="gesperrt">Römer</em> im Jahre 1479 der Kapelle geschenkt hatte. An dieses -Kreuz heftete sich der Fluch: »Wer ein Stücklein von diesem Holze mit Gewalt -nehmen wird, der sei verflucht und das heilige Kreuz bringe ihn um.« Nun -hat <em class="gesperrt">Herzog von Friedland</em> oder <em class="gesperrt">Wallenstein</em> am 1. September 1632 -dieses Kleinod durch seine Vettern <em class="gesperrt">Graf Maximilian von Wallenstein</em> und -<em class="gesperrt">Graf Paul von Lichtenstein</em> abholen und dem Kaiser eigenmächtig im Namen -der Stadt <em class="gesperrt">Zwickau</em> anbieten lassen. Nachdem dies am 14. September geschehen, -hat <em class="gesperrt">Wallenstein</em> am 6. November die große <em class="gesperrt">Schlacht bei Lützen</em> -verloren und seit dieser Zeit kein Glück mehr gehabt, also daß er schließlich zu -<em class="gesperrt">Eger</em> umgekommen ist. Auch die beiden Grafen sind eines unnatürlichen Todes -gestorben. So erzählt die Sage. In der <em class="gesperrt">Lützner Schlacht</em> hat auch auf -Seite der Kaiserlichen <em class="gesperrt">Herzog Franz von Sachsen-Lauenburg</em> mit gekämpft. -Es ist derselbe, welcher die <em class="gesperrt">Kapelle</em> auf dem <em class="gesperrt">Kupferhügel</em> in Böhmen -gründete. Er weihte sie der Maria. Man hat jeden Freitag zur Zeit -der Blüte des dortigen Bergbaues Gottesdienst darin gehalten. Später verfiel -sie und ward erst 1821 wieder hergestellt. Der Gründer, <em class="gesperrt">Franz von Sachsen-Lauenburg</em>, -ist derjenige, welchem der Tod des Schwedenkönigs <em class="gesperrt">Gustav -Adolf</em> in der Schlacht bei <em class="gesperrt">Lützen</em> zugeschrieben wird. Die kaiserliche Besatzung -vor <em class="gesperrt">Leipzig</em> fiel den Schweden in die Hände, wurde entwaffnet und von -schwedischen Reitern auf dem <em class="gesperrt">Weiperter Paß</em> nach Böhmen geführt. Kaum -war die schwedische Bedeckung fort, so fielen die in die Wälder geflüchteten -Bauern am <em class="gesperrt">Kühberge</em> über Wagen und Rosse her und hieben die Begleitung -der Rosse nieder.</p> - -<p>Der Rückzug der Kaiserlichen nach der Schlacht bei <em class="gesperrt">Lützen</em> verbreitete von -neuem Schrecken, Elend und Not. Die Kaiserlichen trieben alles Vieh, was -sie überhaupt noch in den Ställen fanden, mit fort. Als einigermaßen wieder -Ruhe wurde, kamen die geflüchteten Landesbewohner aus den Bergschluchten -und Wäldern wieder hervor. Kaum elendes Kleienbrot und Salz konnten sie -auftreiben, als der Landmann wieder zum Pfluge griff. – Sogar <em class="gesperrt">Bernhard -von Weimar</em> ließ <em class="gesperrt">Wolkenstein</em>, <em class="gesperrt">Lauterstein</em>, <em class="gesperrt">Augustusburg</em>, sowie die -<em class="gesperrt">Bergstädte</em> brandschatzen. Am 16. Dezember rückte er vor <em class="gesperrt">Zwickau</em>, beschoß -die sich lebhaft verteidigende, von Kaiserlichen besetzte Stadt und legte mit dem -Feuer von acht halben Kanonen die Stadtmauer am Rößleinturme nieder, sodaß -die Kaiserlichen mit fliegenden Fahnen, Kugeln im Munde, brennender Lunte -und viel Vorratswagen abzogen.</p> - -<p>Im nächsten Jahre 1633 kam <em class="gesperrt">Holck</em> wieder ins Gebirge. 16 000 Kaiserliche -zogen über den <em class="gesperrt">Weiperter</em> Paß nach Böhmen. Zwei Jahre lang blieb<span class="pagenum"><a id="Seite_74">[74]</a></span> -derselbe besetzt. Alles wurde zu nichte gemacht. In <em class="gesperrt">Schneeberg</em> raubt er -den Altar, heilige Geräte, Meßgewänder, vernichtete die Bilder von Luther und -Melanchthon. <em class="gesperrt">Aue</em> wurde niedergebrannt, <em class="gesperrt">Lößnitz</em> geplündert und ausgeraubt. -Dazumal ist auch das Getreide im Felde an vielen Orten niedergetreten worden. -Wochenlang brachten die Bewohner der Orte in den Wäldern zu.</p> - -<p>Später befreite der sächsische <em class="gesperrt">Oberst von Taube</em> das Land von den -Kaiserlichen. Aber die eigene verwilderte Soldatenhorde hauste nicht minder -schrecklich. Es waren sächsische Dragoner, welche die Thore von <em class="gesperrt">Marienberg</em> -stürmten und die Stadt, wie später auch <em class="gesperrt">Annaberg</em>, plünderten.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Köhler, M. v. Süßmilch u. a. -</p> - -<h4><em class="antiqua">i.</em> Wie die Bauern die Kaiserlichen vertreiben.</h4> - -<p>Als im Jahre 1632 die Kaiserlichen die Ausgänge der Pässe von <em class="gesperrt">Preßnitz</em> -und <em class="gesperrt">Reitzenhain</em> besetzt hielten, thaten sich die Bauern zusammen, vertrieben -die Kaiserlichen aus den Schanzen und lauerten ihnen auf, wenn sie -mit Beute durchs Gebirge zogen. Der Anführer der Bauern war der <em class="gesperrt">Amtsschösser</em> -von <em class="gesperrt">Grünhain</em>, <em class="gesperrt">Friedrich Türck</em>. Als nun von allen Seiten -Klagen über die Bauern beim <em class="gesperrt">General Gallas</em>, welcher um Freiberg lag, -einliefen, schickte dieser wiederholt Boten an <em class="gesperrt">Türck</em> mit Warnungen und Drohungen -und verlangte Kriegskosten. <em class="gesperrt">Friedrich Türck</em> wollte davon nichts -wissen und ließ den Kaiserlichen entbieten, er wollte ihnen Pestilenz, Pulver -und Blei und alle katholischen Steine aus dem Kloster Grünhain auf die Köpfe -geben. Dies konnte nicht ungestraft bleiben. <em class="gesperrt">Gallas</em> entsandte 2000 Pferde -mit 20 Standarten unter dem <em class="gesperrt">Obersten Kehreuß</em> gegen die Bauern ins Gebirge. -Am 7. November kamen sie auch durch <em class="gesperrt">Kühnhaide</em>. Von <em class="gesperrt">Friedrich -Türck</em> wird gerühmt, »er habe seine Bauern dermaßen begeistert und abgerichtet, -daß sie frisch vorm Feinde standen, keine Gefahr scheuten und sich trefflich -wehrten, sonderlich, wenn er dabei war und ihnen zusprach«. – Es drängt sich -die Vermutung auf, daß die »<em class="gesperrt">Türckenheide</em>« bei Kühnhaide ihren Namen von -jenem Bauernführer erhalten hat.</p> - -<p>Auch in andern Gegenden wehrten sich die Bauern erfolgreich. Das berichtet -die Erzählung von den sechs Brüdern bei <em class="gesperrt">Geyer</em>. Als nämlich in demselben -Jahre, 1632, kaiserliche Truppen von der Burg <em class="gesperrt">Scharfenstein</em> die -ganze Umgegend durchstreiften und plünderten, war es einem Trupp herzhafter -Burschen aus <em class="gesperrt">Elterlein</em> und <em class="gesperrt">Zwönitz</em> gelungen, in der Nähe von <em class="gesperrt">Scharfenstein</em> -sechs Österreicher, welche im dichten Walde schliefen, zu überfallen und -gefangen zu nehmen. Was nun mit den Gefangenen zu beginnen sei, darüber -entstand bei den Siegern heftiger Streit. Die von <em class="gesperrt">Elterlein</em> meinten, daß -es das beste sei, sie sämtlich totzuschlagen. Die von <em class="gesperrt">Zwönitz</em> wollten nichts -davon wissen und brachten es dahin, daß man beschloß, sie zum Heere zu -bringen. Sie zogen fort. Als sie in die Nähe von <em class="gesperrt">Geyer</em> kamen, erhob sich -der Streit von neuem, und weil die <em class="gesperrt">Elterleiner</em> mit Gewalt drohten, so -wurden die Zwönitzer voll Ärger und schieden von ihnen, die Gefangenen ihrem -Schicksale überlassend. Dieses war ein trauriges. Denn kaum waren die -<em class="gesperrt">Zwönitzer</em> im Walde verschwunden, so fielen die mordlustigen Elterleiner über -die wehrlosen Opfer ihrer Wut her und ermordeten fünf Österreicher auf die -grausamste Weise, den sechsten aber warfen sie in ein tiefes Loch, in welchem -ihn die Vorübergehenden noch am andern Tage jammern hörten. Zum Gedächtnisse -dieser Greuelthat heißt jene Stelle der Wiesen bei Geyer noch jetzt<span class="pagenum"><a id="Seite_75">[75]</a></span> -»<em class="gesperrt">Sechs Brüder</em>«, ohne daß man bestimmen kann, ob wirklich die sechs unglücklichen -Österreicher Brüder gewesen sind.</p> - -<p>Die unmenschliche Behandlung, welche die friedlichen Bewohner von Freund -und Feind zu erdulden hatten, brachte es so weit, daß eben jeder Soldat, -gleichviel, welcher Seite er angehörte, als Feind betrachtet wurde. Daher -herrschte zwischen den Bürgern und den Söldnerhorden ein fortwährender Kriegszustand. -Die Soldaten brannten, plünderten, mordeten und schändeten; die -Bewohner wehrten sich ihrer Haut und wagten nicht selten auch den Angriff. -Versprengte Soldaten wurden unerbittlich niedergehauen. So lockten die Bauern -von <em class="gesperrt">Dorf-Chemnitz</em> nach der Leipziger Schlacht sechs hungrige Soldaten und -ein Soldatenweib in den Wald, erschlugen sie und raubten alles, selbst die -Kleider. Als die Leichen verscharrt werden sollten, findet man einen Halbtoten -und macht ihn noch vollends nieder. Der <em class="gesperrt">Jahnmartin</em> am <em class="gesperrt">Kühberge</em> klagte -oft, seine Hände röchen so nach Menschenfleisch; denn er hatte viel Soldaten -helfen erschlagen. 1641 erschlugen die gebirgischen Bauern bei <em class="gesperrt">Unterwiesenthal</em> -9 Flüchtige von dem Heere <em class="gesperrt">Baners</em>, entkleideten sie und bedeckten sie -mit Reisig: davon hat sich einer wieder ermuntert und ist halbnackt nach Wiesenthal -gekommen.</p> - -<p class="right"> -Nach Chr. Lehmann und <em class="antiqua">Dr.</em> Pöschel. -</p> - -<h4><em class="antiqua">k.</em> Das Kriegsjahr 1634.</h4> - -<p>Alle Schrecken des Kriegen kehrten im Jahre 1634 wieder. Namentlich -wütete zu jener Zeit der kaiserliche <em class="gesperrt">Oberstleutnant Schutz von Schutzky</em> -in unserem Gebirge, setzte unter anderm <em class="gesperrt">Sayda</em> in Flammen, brandschatzte -<em class="gesperrt">Annaberg</em> mit 1200 Thalern und rückte auch vor die Stadt <em class="gesperrt">Marienberg</em>. -Hierüber berichtet die Stadtgeschichte: »Den 29. September rückte ein kaiserlicher -Oberstleutnant Hans Heinrich von und zu Schutz zu Roß um 2 Uhr nachmittags -vor die Stadt; solchem ging der Rat entgegen und bat für die arme -Stadt, da sich's denn etwas besser angelassen als im ersten Einfall; er kam -mit etlichen Pferden in die Stadt und nahm sein Quartier bei Georg Löven. -Da er nun eingelassen worden war, begehrte er von der Stadt für die Plünderung -und als Lösegeld 6000 Thaler; es blieb auf der Geistlichen und des -Rats Bitten bei 1000 Thaler. Ingleichen wurden dem Oberst 65 Thaler -Tafelgeld und dem Regimentsquartiermeister 35 Thaler verehrt. Das Lösegeld -wurde halb, nämlich 500 Thaler, den folgenden Morgen ausgezahlt, die anderen -500 Thaler sollten innerhalb 14 Tagen abgestattet werden. Obgleich aber der -Rat wegen dieser 500 Thaler einen Schuldschein von sich ausstellte, haben sie doch -um mehrerer Versicherung den ältesten Ratsherrn Michael Seeliger mitgenommen. -Bei diesem ankommenden Volke entstand auch am Michaelistage abends 7 Uhr -eine von den Soldaten angelegte Feuersbrunst vor dem Annaberger Thore und -verderbte in solcher ein Haus und eine Scheune und ward ein großes Geschrei -in der Stadt, weil es sehr nahe an der Stadtmauer war.« Die letzte Abzahlung -der obengenannten Brandschatzungssumme leistete die Stadt am 31. -Oktober durch den Bürgermeister Augustin Eckstein, und mußte dieselbe, da alle -Geldmittel erschöpft waren, zum größten Teile in Naturallieferungen, worunter -auch Heringe und Stockfische aufgeführt werden, geschehen.</p> - -<p>In die bedenklichste Lage sollte die Stadt geraten, als im Oktober 1634 -der österreichische <em class="gesperrt">Major Beck</em> den bisher verhauen gewesenen <em class="gesperrt">Paß bei Reitzenhain</em> -in einer Nacht öffnen ließ, sodaß nun diese Heerstraße von hin- und herziehenden -Heereshaufen wimmelte und es auch zuweilen zu Gefechten zwischen -sächsischen und kaiserlichen Truppen kam. So entstand etwa eine halbe Stunde<span class="pagenum"><a id="Seite_76">[76]</a></span> -von der Stadt entfernt, auf den <em class="gesperrt">Lautaer</em> und <em class="gesperrt">Hilmersdorfer Höhen</em>, ein -Treffen, später auch an dem ganz nahen <em class="gesperrt">Kaiserteiche</em>, wobei <em class="gesperrt">Marienberg</em> -in die größte Gefahr geriet. Täglich mit Brand und Plünderung bedroht und -von Kroaten und Spaniern umringt, sollte es immer und immer wieder für -die in der Nähe lagernden Truppen Lebensmittel schaffen. Es war der Mangel -so groß, daß der Rat das Brot von Haus zu Haus in einzelnen Stücken zusammentragen -ließ und es manche Eltern im Augenblicke, wo sie es essen -wollten, den hungernden Ihrigen entreißen mußten. Aus jenen trüben Tagen -erzählt der Geschichtsschreiber: »Es haben sich die Kroaten und spanischen Regimenter -vor die Stadt am Walde geleget, da denn die Offiziere auf den Tag -hereinkamen und mußten gespeiset werden, dem Volke aber alle Tage 2 Faß -Bier, Fleisch und Brot und wöchentlich jedem Regimente 20 Thaler Kriegskosten, -welche 12 Tage gewährt, wobei das <em class="gesperrt">Götzsche Regiment</em> noch dazukommt, -welches gleichsam seine Verpflegung hat haben müssen. Der <em class="gesperrt">Kroatenoberst -Joh. Tischler</em> hat die Einquartierung in der Stadt haben sollen, weil -aber keine Möglichkeit, vornehmlich auch wegen des sächsischen Volkes, welches -in <em class="gesperrt">Zschopau</em> gelegen, da dann groß Unglück der Stadt hätte entstehen sollen. -So hat der Oberst <em class="gesperrt">Tischler</em> 200 Thaler und 6 Paar Stiefel für die Einquartierung -begehrt, ist aber bei dem halben Teile verblieben, und ist damals -große Not wegen des lieben Brotes gewesen; denn man hat weder aus noch -ein können und vielmals die Ratspersonen und Bürger das Brot von Haus -zu Haus stückweis von Bürgern einbringen und korbweise nausschicken müssen. -Dieses aber alles mußte man dulden, daß die Stadt nicht in Brand gestecket -wurde.«</p> - -<p class="right"> -Nach Donat-Holzhaus. -</p> - -<h4><em class="antiqua">l.</em> Zschopau wird niedergebrannt.</h4> - -<p>Am 21. November 1634 war es, als die Bewohner <em class="gesperrt">Marienbergs</em> zu -ihrem größten Schrecken mitten in der Nacht den Himmel hoch gerötet sahen. -<em class="gesperrt">Zschopau</em> stand in Flammen, dessen Besatzung von 4 Regimentern kaiserlicher -Truppen unter dem <em class="gesperrt">Obersten Colloredo</em> überfallen worden war. Sie richteten -in der Stadt, welche mit Menschen überfüllt war, da sich außer den Soldaten -und Bürgern auch die Landleute darin aufhielten, ein schreckliches Blutbad an. -<em class="gesperrt">Hering</em> schildert das Ereignis in folgender Weise: »Die Schlafenden schreckten -plötzlich durch den Ruf der Kriegstrompeten empor. Zschopau ist umringt; -Frauen, Kinder, Greise flüchten in die Keller; die Männer stürzen sich mit -hinaus und alle Schrecken der Schlacht erhöhen sich durch die dichte, nur durch -die tötenden Blitze der gelösten Gewehre erleuchtete Finsternis. Es rast die -Schlacht – es wütet der Tod in allen Gassen; es häufen sich Leichen von -gefallenen Soldaten, Bürgern und Bauern, und jetzt schlagen die Flammen -empor – rechts und links und fern und nah steht die Stadt in Feuer. Dem -Tode in den Flammen entfliehend, stürzen die Versteckten hervor und suchen -sich zu retten. Aber ach, wie viele hatten dem Schutze der Keller sich lieber -vertrauen wollen als der würgenden Schlacht und waren hier erstickt. Außer -den im Kampfe Gefallenen zählte man am Morgen nach dieser schaudervollen -Nacht 90 Leichen von Erstickten.</p> - -<p>In Angst und Mitleid schloß sich in jener Nacht auch in <em class="gesperrt">Marienberg</em> -kein Auge zum Schlummer. – Da brauste nach Mitternacht das rückkehrende -Heer heran; alles wollte, nach Brot schreiend, in die Stadt stürzen. <em class="gesperrt">Oberst -Colloredo</em> aber ließ die Thore besetzen und nur die Offiziere hinein, sodaß<span class="pagenum"><a id="Seite_77">[77]</a></span> -die schreckensreiche Nacht für die Stadt ebenso glücklich endete, als sie über die -Nachbarstadt unbeschreibliches Elend und Unheil gebracht hatte.«</p> - -<p class="right"> -Nach Hering-Holzhaus. -</p> - -<h4><em class="antiqua">m.</em> Die Sachsen in Marienberg.</h4> - -<p>Auch der Anfang des Jahres 1635 war für die Stadt noch trübe genug, -und zwar kam diesmal die Bedrängnis nicht von feindlicher Seite, sondern von -sächsischen Truppen her. Am 2. Januar ritt der sächsische <em class="gesperrt">Oberstleutnant -Unger</em> mit 300 Dragonern vor die Stadt, wo die Thore Tag und Nacht verschlossen -gehalten wurden. Er begehrte Einlaß. Man fürchtete sich aber vor -den Sachsen ebenso, wie vor den Kaiserlichen, und der Rat zögerte, ob er -öffnen lassen sollte oder nicht. Da verbreitete sich plötzlich allgemeiner Schrecken; -denn krachend ertönten die Schläge der Hämmer und Äxte, womit das Freiberger -Thor aufgehauen wurde. Gleich einem feindlichen Heere strömten die -Krieger herein. Von den zwei Mann, welche der Rat von der kaiserlichen Besatzung -in <em class="gesperrt">Reitzenhain</em> als Schutzwache erhalten hatte, war nichts zu sehen. -Man suchte nach ihnen, und der eine hatte sich in einen Gasthof geflüchtet, -während der andere glücklich nach <em class="gesperrt">Reitzenhain</em> entkommen war. Derjenige, -welcher sich versteckt hatte, wurde von einem Dragoner bemerkt, herunter geholt -und auf den Markt vor den Oberstleutnant gebracht; die Ratsherren baten für -ihn, aber vergebens. »Hund, knie nieder!« war die Antwort auf die inständigen -Bitten, und der Arme wurde sofort erschossen. Die Soldaten quartierten sich -selbst ein, und ist es nach den Worten des Geschichtsschreibers »zuletzt übel hergegangen, -indem sie geplündert; alle Pferde, so auch sind bei den feindlichen -Einfällen erhalten worden, haben sie mitgenommen, so haben die Bürger damals -ihren Schaden über 1700 Thlr angegeben, welches nichts Geringes gewesen und -die Stadt für die erschossene Schutzwache auf große Bitte noch 28 Thlr bezahlen -müssen, ohne, was sonsten an Verheerung und anderem aufgegangen ist.«</p> - -<p class="right"> -Nach Donat-Holzhaus. -</p> - -<h4><em class="antiqua">n.</em> Wie die Schweden ins Gebirge kommen.</h4> - -<h5>1. Der Beginn der Schwedengreuel.</h5> - -<p>Kurfürst <em class="gesperrt">Johann Georg I.</em> hatte am 30. Mai 1635 den <em class="gesperrt">Prager -Frieden</em> geschlossen. Aber dieser Friede hatte die größten Drangsale für Kursachsen -im Gefolge. Verödung, Hungersnot und Pest waren schon da. Nun -brachte die gesteigerte Verwilderung und vor allem die Rachsucht gegen die -verlassenen Bundesgenossen die fürchterlichsten Greuel. Hatten vorher nur die -Kaiserlichen im Lande gehaust, so wurden von nun an auch die Schweden zu -Feinden und übertrumpften die Kaiserlichen an Ingrimm und Wut.</p> - -<p>Raub und Erpressungen bezeichneten ihren Weg. Städte und Dörfer -wurden verheert und niedergebrannt, Wohnungen und Eigentum zerstört. Keine -Kirche und Schule, kein Hospital, keine milde Stiftung wird verschont, und die -Bewohner werden aufs grausamste gequält, gemartert und getötet. Die Verstorbenen -in den Gräbern haben keine Ruhe vor ihnen. Die Kruzifixe an den -Wegen werden mutwillig zerhauen und verstümmelt. Das Land war bis aufs -Mark ausgesaugt. <em class="gesperrt">Baner</em> marschierte nach den Bergstädten. Vor <em class="gesperrt">Annaberg</em> -nahmen die Schweden allenthalben die besten Pferde weg, ließen sich mit -Kleidung, Schuhen, Stiefeln, Sätteln, Hufeisen, Nägeln versehen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_78">[78]</a></span></p> - -<p>Am südlichen Ende des zwischen <em class="gesperrt">Chemnitz</em> und <em class="gesperrt">Schellenberg</em> gelegenen -Dorfes <em class="gesperrt">Euba</em> erhebt sich eine kleine Anhöhe. Auf dieser befindet sich eine einfache, -hölzerne Säule, welche der Eigentümer der Anhöhe zu erhalten hat. -Man hält sie für einen ehemaligen Galgen, an dem eine Abteilung Schweden, -welche da ihrem Feinde gegenübergestanden hat, einen gefangenen Spion aufgehängt -haben soll.</p> - -<h5>2. Die Schweden werden aus Marienberg vertrieben.</h5> - -<p>Den 26. Februar 1639 nahte das schwedische Unheil auch der Stadt -Marienberg; denn der Geschichtsschreiber teilt folgendes mit: »Ein schwedischer -Fähnrich kam mit seinen Reitern und begehrte alsobald die schwedischen 2000 -Rthlr, so ihnen vor zwei Jahren sein Rest geblieben, davon uns aber nichts -wissend. Ist schwer hergegangen und hat der halbe Teil an Geld, Pferden, -Speisen, Schuhen, Stiefeln und Tuchen an 500 Rthlr zusammengelaufen, und -500 Rthlr alsdann Rest geblieben, haben's aber doch bezahlen müssen, daher -auch Stücke verpfändet worden, so den Vermächtnissen und dem Armenkasten -zuständig, weil sonst kein ander Mittel gewesen.«</p> - -<p>Im Februar 1639 floh alles, was fliehen konnte, in die Städte <em class="gesperrt">Freiberg</em>, -<em class="gesperrt">Annaberg</em> und <em class="gesperrt">Marienberg</em>; die Landgeistlichen schafften ihre Frauen und -Kinder wenigstens dahin in Sicherheit, um bei wirklicher Gefahr schneller mit -dem Reste der Kirchenkinder in die Wälder flüchten zu können. Die Nähe der -großen Waldungen ist damals für das Gebirge die Rettung aus tausend Todesgefahren -gewesen. Vom Februar an streiften bereits schwedische Banden überall -im Gebirge umher, und es wurde damals auch von nur drei schwedischen Reitern -das Schloß <em class="gesperrt">Lauterstein</em> angezündet und in Asche gelegt.</p> - -<p>Am 12. April, es war Karfreitag, kamen etwa 500 solcher schwedischer -Brandstifter, nachdem sie <em class="gesperrt">Zöblitz</em> geplündert und angezündet, sowie dessen Bewohner -in jeder Weise mißhandelt hatten, auch nach <em class="gesperrt">Marienberg</em>. Es heißt -hierüber: »Dieselbigen kamen vor das Annabergische Thor, wollen dasselbe aufhauen, -gaben auch Feuer darauf. Da man sie aber mit Gottes Hilfe durch -hinausgeworfene Steine abgetrieben, mußten sie weichen. Sie zündeten aber -das Schießhaus an und die Hilligersche Scheune, da denn die Bürgerschaft in -sehr großer Gefahr war.« Am ersten Osterfeiertage kehrten die Erbitterten in -noch größerer Anzahl zurück, aber ein gleicher Steinhagel lehrte ihre verwundeten -Köpfe, daß die Bürger hier fest wie ihre Steine wären. Einige Tage -darauf wurde erneuter Sturm dadurch glücklich abgewehrt, daß die Bürger anstatt -der Steine – Brot hinauswarfen.</p> - -<p>Glücklich sollte das fast täglich in Angst und Schrecken gesetzte Marienberg -am 10. August desselben Jahres wegkommen, als der schwedische Oberst <em class="gesperrt">Holck</em> -mit 250 Reitern und 200 Infanteristen Einlaß in die Stadt verlangte. Zagend -öffnete man die Thore, und drohend ziehen die Schweden ein. Es fehlte Brot -und Bier so ganz in der armen Stadt, und diese wilden Gäste verlangten doch -so viel und drohten, die Stadt aufs äußerste zu quälen. Sie verteilen sich -bereits in die Häuser, wo Jungfrauen und Kinder sich verkrochen haben und -angst- und hungerbleich der Bürger die Räuber empfängt, die unter gräßlichen -Verwünschungen Geld, Brot und Bier und was nicht alles, fordern. Da – -ruft plötzlich die Trompete; die Soldaten stürzen auf den Markt vor; dieser -füllt sich mit sächsischen Dragonern; ein wütendes Gemetzel beginnt; die Schweden -ergeben sich; einzelne entfliehen; der Oberst mit mehreren Offizieren und Frauen<span class="pagenum"><a id="Seite_79">[79]</a></span> -wird gefangen genommen, und es werden gegen 6000 Rthlr Wert erbeutet. Der -sächsische Oberst <em class="gesperrt">Stritzky</em> hatte der Stadt Rettung gebracht.</p> - -<p class="right"> -Nach Donat-Holzhaus. -</p> - -<h5>3. Das Schreckensjahr 1639.</h5> - -<p>Das schrecklichste Jahr war das Jahr 1639.</p> - -<p>Sobald die Schweden <em class="gesperrt">Zwickau</em> und <em class="gesperrt">Chemnitz</em> genommen hatten, teilte -<em class="gesperrt">Baner</em> wie das ganze Land, also auch den Obererzgebirgischen Kreis unter -seine Obersten und Regimenter. Das Amt <em class="gesperrt">Schwarzenberg</em> und Amt <em class="gesperrt">Grünhain</em> -kamen unter <em class="gesperrt">Oberst Leßle</em>. Da war kein Amt, Stadt, Flecken, Dorf -oder Schloß im Gebirge, das nicht geplündert oder gebrandschatzt wurde, von -<em class="gesperrt">Marienberg</em> an im Gebirge hinunter bis an die <em class="gesperrt">Flöha</em> und <em class="gesperrt">Olbernhau</em>, -ja gar nach Böhmen hinein.</p> - -<p>Den 25. Februar kamen zwei Unteroffiziere vom <em class="gesperrt">Leßlischen Regiment</em>. -Einer, <em class="gesperrt">Barthel Moth</em>, kam ins Amt <em class="gesperrt">Schwarzenberg</em>, der teilte Sicherheitswachen -aus. Das waren unberittene Reiter, die die Gemeinden mußten verpflegen -und versehen mit Pferden und Roßzeug, Stiefeln, Kleidern, Röcken, -Mänteln. Es wurde das ganze Amt gebrandschatzt um 6000 Thaler.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Leutnant Peter Kupfer</em> legte sich aufs Schloß in <em class="gesperrt">Schlettau</em> -und plünderte das Amt <em class="gesperrt">Grünhain</em> und was hineingehörte um 5000 Thaler, -auch <em class="gesperrt">Schlettau</em>, auf welches allein 1250 Thaler kamen, nahm viel an Geschmeide -und auch den silbernen Schützenvogel, mitsamt den Schulden 80 Thaler wert. -Das Vieh mußten die <em class="gesperrt">Schlettauer</em> samt den <em class="gesperrt">Scheibenbergern</em> nach -<em class="gesperrt">Schwarzenberg</em> treiben. Das Volk war arm, konnte nichts erwerben; daher -konnten die Richter die Kriegssteuer nicht eintreiben und zur rechten Zeit abstatten.</p> - -<p>Der Richter <em class="gesperrt">Hans Schwaner</em> zu <em class="gesperrt">Walthersdorf</em> war nicht zu finden, -als die Boten <em class="gesperrt">Kupfers</em> erschienen. Da wurde der Ort zum großen Teile -niedergebrannt. Nichtsdestoweniger mußte das Dörflein seinen Teil abstatten, -alle Wochen 14 Thaler und Nahrungsmittel ohne Gnade geben.</p> - -<p>Das Städtchen <em class="gesperrt">Scheibenberg</em> wollte der oben erwähnte Barthel Moth -wegbrennen lassen; doch es wurde durch Bitten und Versprechungen der Bürger -abgewendet. – Es fehlte wenig, daß das ganze Amt <em class="gesperrt">Wolkenstein</em> von dem -<em class="gesperrt">Obersten Höcking</em>, der in <em class="gesperrt">Annaberg</em> auf Vorwache lag, vernichtet worden -wäre, weil dessen Vetter unterwegs von einer Rotte loser Burschen erschlagen -worden war. Das kurfürstliche Vorwerk und die Schäferei zu <em class="gesperrt">Geringswalde</em>, -sowie der Försterhof zu <em class="gesperrt">Hilmersdorf</em>, die <em class="gesperrt">Heinzebank</em> genannt, waren bereits -in Asche gelegt, da griff man einen der Burschen auf, einen der harmlosesten, -der nur das Pferd des Ermordeten gehalten, prügelte ihn solange, bis -er 21 Thaler und alle seine Sachen, die er im Felde versteckt hatte, herausgab, -und lieferte ihn an den erzürnten Obersten ab. Dieser ließ ihn am 25. März -vor dem Thore vom Henker enthaupten und seinen Kopf aufs Rad legen. Das -Haupt eines <em class="gesperrt">Buckauers</em>, der sich eines ähnlichen Vergehens schuldig gemacht -haben sollte, wurde zur Warnung für andere vor dem Thore auf eine Stange -gesteckt. Auch in <em class="gesperrt">Wiesa</em> war ein Soldat erschlagen worden; da ließ der Oberst -<em class="gesperrt">Höcking</em> die Edelfrau, der das Dorf gehörte, in Annaberg einsperren, bis sie -den Getöteten teuer bezahlte.</p> - -<p>Aus dem gleichen Grunde wurden in <em class="gesperrt">Königswalde</em> elf Güter samt dem -Gerichte angezündet. Auch wurden im Dorfe <em class="gesperrt">Olbernhau</em> an der Flöha Kirche, -Pfarre, Schule, Försterhof und viele Bauernhäuser niedergebrannt.</p> - -<p>Nachdem <em class="gesperrt">Baner</em> im April die vereinigten Kaiserlichen und Kursachsen bei -<em class="gesperrt">Chemnitz</em> geschlagen, wobei fast das ganze sächsische Heer aufgerieben worden<span class="pagenum"><a id="Seite_80">[80]</a></span> -war, gingen die Drangsale im Gebirge aufs neue an. In <em class="gesperrt">Annaberg</em> lag ein -schwedischer <em class="gesperrt">Leutnant</em>, <em class="gesperrt">Christian Zastro</em>, ein Pommerischer von Adel, mit -einer Sicherheitswache. Derselbe konnte es nicht hindern, daß eine Abteilung -Schweden am Palmsonntage einfiel und vor ihrem Abzuge am nächsten Tage -3000 Thaler verpraßte. Als er acht Tage später, am dritten Ostertage, den -16. April, 250 Mann vom <em class="gesperrt">Regimente Königsmark</em>, welche durch das -Wolkensteiner Thor einfallen wollten, nicht in die Stadt einließ, zündeten sie -<em class="gesperrt">Veit Wolfens</em> Vorwerk an, schossen dessen Sohn, sowie den eines anderen -Bürgers, <em class="gesperrt">Kaspar Enderlein</em>, die zum Löschen herbeieilten, nieder und stifteten -noch sonst viel Unglück.</p> - -<p><em class="gesperrt">Zöblitz</em> war am Gründonnerstage ganz ausgeplündert worden, und am -Karfreitage brannten es gar 500 Reiter weg. Da wurde auch von <em class="gesperrt">Baners</em> -Scharen das Schloß <em class="gesperrt">Niederlauterstein</em> bei Zöblitz an der Pockau von drei -schwedischen Reitern in Brand gesteckt und von seinen Bewohnern verlassen.</p> - -<p>Vor <em class="gesperrt">Marienberg</em> erschien ein Trupp nach dem andern und begehrte -Einlaß, sodaß die Sicherheitswachen kaum Steine genug hatten, um die Zudringlichen -zurückzutreiben. Friedens halber mußte man ihnen Brot und Bier -hinausschicken. <em class="gesperrt">Lößnitz</em> und <em class="gesperrt">Aue</em> wurden wiederholt geplündert. Am 19. April -wurden die <em class="gesperrt">Leßlischen Offiziere</em> samt den Sicherheitswachen abgefordert. -Die Durchzüge der schwedischen Regimenter nach Böhmen und ihre Kämpfe -dauerten bis August. Den 23. Mai wurden vier Regimenter unter den -<em class="gesperrt">Obersten</em> und dem <em class="gesperrt">Herzoge von Holstein</em> in <em class="gesperrt">Annaberg</em> untergebracht, die -es so arg gemacht als auf dem Lande, also daß mancher arme Landmann im -Gebirge nicht einen Löffel wiedergefunden, und viele feine Bürger mußten nach -dem lieben Brot gehen, weil es sehr teuer war und doch nichts zu erwerben war.</p> - -<p><em class="gesperrt">Baner</em> ließ nach dem ausgesogenen Böhmen Vorräte aus Sachsen herbeischaffen. -Ein solcher Vorratszug war unter starker Bedeckung am 19. August -abends um 5 Uhr von <em class="gesperrt">Chemnitz</em> aus in <em class="gesperrt">Marienberg</em> eingetroffen. Da erschien -plötzlich der kurfürstliche Befehlshaber von Freiberg, <em class="gesperrt">Florian Stritzky</em>, -mit vier Kompanien Dragonern und einer starken Reiterabteilung aus <em class="gesperrt">Dresden</em>, -drang durch drei Thore in die Stadt ein und fiel über die vom langen Marsche -ermüdeten Schweden her.</p> - -<p>Ein Major und acht Soldaten wurden erschossen, der gefürchtete <em class="gesperrt">Oberst -Höcking</em>, vier Oberstleutnants, sieben Rittmeister, vier Hauptleute, zwei Reiterfähnriche, -zwei Fähnriche, viele Unteroffiziere und Mannschaften gefangen genommen -und samt ihrem Vorrate, ihren Weibern und Sachen nach <em class="gesperrt">Freiberg</em> -abgeführt. Auch der <em class="gesperrt">Leutnant Zastro</em> mit seinem eigenen Schatze und -20 000 Thalern Kriegskosten, die er für seinen <em class="gesperrt">Obersten Leßli</em> eingetrieben -hatte, befand sich unter den Gefangenen. Viele Bürger von <em class="gesperrt">Annaberg</em>, welche -sich dem Obersten Höcking angeschlossen hatten, um in dem schwedischen Lager -ihre Waren zu verhandeln, kamen bei dieser Gelegenheit ebenfalls um das -Ihrige. Es wurde ihnen alles als schwedische Beute mit abgenommen.</p> - -<p>Seit <em class="gesperrt">Gustav Adolfs</em> Tode völlig im Kriege verwildert, brachen die -Schweden 1639 über das Erzgebirge in Böhmen ein und warfen Feuer in -jeden Ort, sodaß das <em class="gesperrt">Egerland</em> vom Gebirge aus einem riesigen Flammenmeere -glich. Vor den Unholden waren die Bewohner des Gebirges wieder in -die Wälder geflüchtet. Auf dem <em class="gesperrt">Bärensteine</em> war ein Wächter bei einer -hohen Stange. Nahte von irgend einer Seite ein Feind, so warf er seine -Stange um. Das war das verabredete Zeichen, auf das sich alle ins Dickicht -warfen. 1640 wurden die Schweden wieder nach Sachsen getrieben. Sie<span class="pagenum"><a id="Seite_81">[81]</a></span> -deckten den Rückzug für ihre Geschütze und ihre Beute in den Pässen auf dem -Gebirgskamme. Auf diesem Rückzuge wohnte <em class="gesperrt">Baner</em> in Annaberg. Schon -im nächsten Jahre erschien er wieder, verfolgt von den Sachsen. Wie durch -ein Wunder entkam er auf Eilmärschen. Sein verschanztes Lager hielt die -Kaiserlichen lange auf. Endlich steckte er es in Brand und vernichtete seine -500 Vorratswagen. Nachzügler zündeten <em class="gesperrt">Hassenstein</em>, <em class="gesperrt">Preßnitz</em>, den -<em class="gesperrt">Weiperter</em> Grund an. 1643 gingen 600 Reiter <em class="gesperrt">Torstensons</em> durch die -Pässe nach <em class="gesperrt">Kaden</em>. 1644 waren Pässe und Schanzen in den Händen der -Kaiserlichen. Im Herbste stand <em class="gesperrt">Torstenson</em> davor und erzwang im Januar -1645 den Durchbruch nach Böhmen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Christian Lehmann</em> erzählt, daß die Befreiung <em class="gesperrt">Freibergs</em> von den -Schweden zu Neujahr 1643 in <em class="gesperrt">Elterlein</em> einem Mädchen, das sich vor den -schwedischen Einfällen sehr geängstigt hat, im Traume sei geoffenbaret worden. -Sie hat im Traume gesehen, daß zwar <em class="gesperrt">Torstenson</em> die Stadt an einer Kette -hatte; aber es kam ein vornehmer Reiter mit einem bloßen Schwerte geritten, -der hieb die Kette mit einem Streiche entzwei, daß der Torstenson mit der -halben Kette zurückfiel. Darüber sind seine Soldaten erschrocken und ausgerissen.</p> - -<p>Nach sieben Wochen ging der Traum in Erfüllung, und der Feind -mußte abziehen.</p> - -<p>Die Greuel nahmen im Gebirge erst ein Ende, als 1645 der Kurfürst -mit den Schweden den Waffenstillstand zu <em class="gesperrt">Kötzschenbroda</em> schloß.</p> - -<p class="right"> -Nach Chr. Lehmann, <em class="antiqua">Dr.</em> Pöschel und <em class="antiqua">P.</em> Schultze. -</p> - -<h5>4. Kriegsgreuel in Cranzahl.</h5> - -<p>Im Herbste 1640 mußte eine <span id="corr081">Beerdigung</span> bis Sonntag Estomihi, also Ende -Februar, 1641 verschoben werden. Als am 18. Januar 1640 Georg Ottens -84jährige Witwe begraben wurde, lief, nachdem die Einleitung der Predigt -vorüber war und soeben zur Erklärung geschritten werden sollte, die Nachricht -ein, es seien <em class="gesperrt">Banersche</em> Reiter mit etlichem Vieh in der Nähe. Alle eilen -aus der Kirche. Man bringt schnell den Leichnam ins Ruhekämmerlein. Die -Predigt ist nachher am Sonntage Estomihi gehalten worden. Am 24. Januar -ist ein 74jähriger Greis von Cranzahl von den Soldaten des <em class="gesperrt">Schwedengenerals -Königsmarck</em>, die hier, in Crottendorf, Neudorf, Weipert, der -Sehma und diesem Gebirge herum drei Tage und Nächte in Quartier gelegen, -im Walde ertappt und so mißhandelt worden, daß er am 30. desselben Monats -starb und am 1. Februar in des Pfarrers Abwesenheit, der sich verborgen -halten mußte, zugleich mit noch einem 78jährigen Manne mit Sang und Klang -beerdigt ward. Beiden ist am Sonntage Invocavit die Predigt gehalten worden. -Den 28. Februar fielen gegen Sonnenuntergang etliche <em class="gesperrt">Banersche</em> Reiter so -plötzlich ein, daß die meisten es nicht gewahr wurden, bis schon das Pfarrvieh -auf den Platz bei der Brücke getrieben war. Daher war niemand entwichen -und weder Kuh noch Pferd, noch Samengetreide in Wälder geborgen. Als -nun diese Reiter fast alle Ställe geplündert, kamen sie auch zu <em class="gesperrt">Kaspar -Schmiedel</em>, der sich seine zwei Pferde und Kühe nicht nehmen lassen wollte, -aber von ihnen mit einem Hammer so auf den Arm geschlagen wurde, daß -er ihn wenig mehr würde haben gebrauchen können; sie hätten ihn auch erschossen, -wenn das Gewehr nicht versagt hätte. Als nun diese Horden das -Vieh zusammengeraubt hatten, trieben sie es nach Preßnitz zu. Um es auszulösen, -liefen viele bis nach Preßnitz nach. Da aber die Reiter weiterziehen -und die Nacht anbricht, bleiben sie dort. Nur Kaspar Schmiedel und Jakob<span class="pagenum"><a id="Seite_82">[82]</a></span> -Gruner laufen bis nach Brunnersdorf. Da haben sich aber etliche böhmische -Bauern in einem Verstecke zusammengerottet und schießen auf die Reiter. Ein -Trupp eilt auf die Seite, zu erspähen, woher die Schüsse fallen, und wird -unserer Ortskinder gewahr. Sie eilen auf sie zu und fragen, wo sie das -Rohr hätten? Als sie sich aber entschuldigen, sie hätten nicht geschossen, sondern -wollten das Vieh von ihnen einlösen, glaubten es die Reiter nicht, und flugs -schießt einer auf Schmiedel, der, ins Herz getroffen, tot niedersinkt. Auf Gruner -aber, den Sohn des 1634 erschossenen Martin Gruner, schoß ein zweiter Reiter, -fehlte ihn jedoch; aber der Reiter stieg vom Pferde, schlug ihn auf den rechten -Arm, daß derselbe fast herunter war, und stach ihn dermaßen in die Seite, -daß er auch starb. Sie blieben am Wege liegen. Geschehen war's nachts -zwischen 12 und 1 Uhr. Am Morgen, einem Sonnabende, wurden sie von -den in Preßnitz Zurückgebliebenen gefunden, auf einen Schlitten aufgebahrt -und am Sonntag Reminiscere früh nach Hause gebracht. Welch Reminiscere! -Montag, den 2. März, hat man sie christlich und ehrlich vor überaus großem -Zudrange Einheimischer und Auswärtiger mit Predigt bestattet. Schmiedel war -33, Gruner 30 Jahre alt.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">P.</em> Schultze. -</p> - -<h4><em class="antiqua">o.</em> Wie General Wrangel nach Schlettau kommt.</h4> - -<p>Am 23. Februar 1646 lief der Waffenstillstand zwischen Kursachsen und -den Schweden zu Ende. Da kam <em class="gesperrt">General Wrangel</em> mit 20 Regimentern -über den Preßnitzer Paß und hatte das Hauptlager in <em class="gesperrt">Schlettau</em> bezogen. -Der linke Flügel lag im Felde und im Grunde bei den Teichen. Da standen -viele Oberste zu Roß und Fuß bei einem frischen Brünnlein, zogen ihre silbernen -und vergoldeten Becher heraus, schöpften Wasser, löschten den Durst -auf das Annaberger Bier. Sie lobten dabei das gute, gesunde Wasser viel -höher als Bier. Der Brunnen heißt der süße Kühl- und Löschbrunnen.</p> - -<p>An der Straße, die von Schlettau nach Scheibenberg führt, stand -früher ein altes, stark verwittertes Steinkreuz. Dasselbe soll die Stelle bezeichnen, -an welcher im Dreißigjährigen Kriege ein schwedischer Offizier begraben -wurde.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Köhler. -</p> - -<h4><em class="antiqua">p.</em> Wie die Bewohner des Gebirges als Flüchtlinge leben.</h4> - -<p>Im Jahre 1620 waren 250 Menschen in einem Stollen am Wolfssteine -bei <em class="gesperrt">Cranzahl</em> verborgen. Die Wohnungen, die man während des Krieges in -den Wäldern aufschlug, konnten nur ganz dürftige sein und boten daher wenig -Schutz gegen die Witterung. Häufig benutzte man auch gleich natürliche Tannenzelte, -wie man sie von ästereichen oder ineinander verwachsenen Bäumen gebildet -fand. Wenn nun ein Sturmwind kam mit Sausen und Brausen und -mächtige Stämme rings um die Geflüchteten zu Boden geschlagen wurden, da -mußten die Flüchtigen jeden Augenblick darauf gefaßt sein, von den stürzenden -Bäumen zerschmettert zu werden. Am 14. Oktober 1630 wütete ein furchtbarer -Sturm. Da erwies der gütige Gott seinen allgewaltigen Schutz an -flüchtigen Gebirgern. 21 Personen hatten ihre Hütten unter eine dicke Tanne -gebaut. Sie fielen unter dem Heulen des Sturmes auf ihre Knie und beteten. -Um 9 Uhr warf der Wind eine zweiklafterige Tanne auf ihr Obdach. Diese -blieb aber eine Elle hoch über ihrer Hütte am Baume lehnen, und die andächtigen -Flüchtlinge kamen alle mit dem Leben davon.</p> - -<p>Das Elend der in die Wälder Geflüchteten war, wenn größere feindliche<span class="pagenum"><a id="Seite_83">[83]</a></span> -Scharen ihren Aufenthalt ausgespürt hatten, überaus schrecklich. Im Walde -wurden Betstunden und Predigten von den Priestern gehalten, auf Baumstümpfen -die unter so traurigen Umständen geborenen Kinder getauft; sogar -Eheschließungen fanden statt. 1639 ist am 8. April im Walde bei <em class="gesperrt">Cranzahl</em>, -wo sich auch Wölfe und Bären so mehrten, daß sie in Rudeln von 10 -bis 20 den Soldaten nachliefen, um die Überreste vom geschlachteten Vieh zu -verschlingen, in dieser rauhen Jahreszeit ein Kind getauft worden. Ähnliches -wird auch von andern Gegenden berichtet. Als die Bewohner von <em class="gesperrt">Rabenau</em> -in die nahen Waldungen flüchteten, hielten sie auch Gottesdienste im Freien -ab. Es heißt der Felsen, von dem herab die Pfarrer predigten, noch jetzt der -<em class="gesperrt">Predigtstuhl</em> oder die Kanzel. Im Gebirge hörte alle Gerechtigkeit, Andacht -auf, und aller Gottesdienst verfiel. In <em class="gesperrt">Scheibenberg</em> ist in 10 Wochen -keine Beichte gewesen. Auch sind wenig Predigten verrichtet worden wegen -der Unsicherheit vor den Feinden. Alles Volk hatte sich verlaufen.</p> - -<p>Ebenso wurde für die leiblichen Bedürfnisse gesorgt, so gut es ging. Wie -als Taufsteine, so mußten die Baumstöcke auch als Verkaufstische für Fleischer -und Brotträger dienen. Der Markt mit den Nahrungsmitteln fand also im -Walde statt.</p> - -<p>Der Scheibenberger Pfarrer <em class="gesperrt">Chr. Lehmann</em> erzählt sehr eingehend von -den Drangsalen des Krieges. Er sagt unter anderem: »Ich habe mit meinen -Augen gesehen, daß im Jahre 1640, da die Schweden die <em class="gesperrt">Gottesgaber -Wälder</em> plünderten, einem vermögenden Handelsmanne nachjagten. Der ist -in einen stehenden, hohlen Baum gekrochen. Sein Weib hat die Öffnung mit -Moos artig verdeckt, damit er sicher bliebe. Mein Priesterrock ist sechs Wochen -lang in einem hohlen Baume gesteckt. Um <em class="gesperrt">Steinbach</em> und <em class="gesperrt">Wolkenstein</em> -wachsen viele Eschen, daraus Lanzenschäfte zur Kriegsrüstung acht und mehr -Ellen lang gemacht wurden. Im Jahre 1633 fand der kaiserliche <em class="gesperrt">Oberst -Brandstein</em> in <em class="gesperrt">Preßnitz</em> viel gesottenes Harz. Er ließ daraus viel Pechkränze -machen und damit den <em class="gesperrt">Annabergern</em> alle ihre Güter am <em class="gesperrt">Bärensteine</em> -wegbrennen.«</p> - -<p>Eine halbe Meile über <em class="gesperrt">Satzungen</em> an einem wilden, mit Kiefern bewachsenen -rauhen Ort ist ins Gevierte 30 Schritt breit und lang ein Pfuhl -mit rotem Moos bewachsen. Niemand soll sich früher gern allein an diesen -Ort gewagt haben. Im dreißigjährigen Kriege sind aber die Leute auch dorthin -geflohen, um sicher vor den Feinden zu sein. Doch haben sie daselbst von -den Gespenstern des Sees manche Anfechtung erdulden müssen.</p> - -<p class="right"> -Nach Chr. Lehmann. -</p> - -<h4><em class="antiqua">q.</em> Wie die Landwirtschaft darniederliegt.</h4> - -<p>Während des Dreißigjährigen Krieges unterblieb das Bestellen der Felder -oft gänzlich. Man warf den Samen gleich auf die Stoppeln aus und mußte -ihn dort aus Furcht vor umherstreifenden feindlichen Abteilungen oft vier bis -fünf Wochen lang uneingeeggt liegen lassen. Höchstens wagte man sich bei -Nacht einmal an die Arbeit; dann spannten sich Männer und Weiber an die -Eggen. Mit dem Vieh lagen sie am Tage im Walde. Häufig aber ersparten -ihnen das Eggen, freilich auch das Einernten, die wilden Schweine, welche -nachts in Haufen kamen und den Samen »aufleckten«. Zum Schutze gegen -sie wurden die Zäune anderthalb Ellen hoch, fest und dicht gemacht; aber es -half doch nichts. Brachen die Tiere einmal im Herbste in einen Acker ein, so -verdarben sie in einer einzigen Nacht ein großes Stück.</p> - -<p class="right"> -Nach Chr. Lehmann. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_84">[84]</a></span></p> - -<h4><em class="antiqua">r.</em> Die letzte Schlacht auf sächsischem Gebiete.</h4> - -<p>Für Sachsen endigte im allgemeinen 1645 mit dem <em class="gesperrt">Waffenstillstande</em> -zu <em class="gesperrt">Kötzschenbroda</em> die persönliche Gefahr der Einwohner, sowie Raub und -Brand. Dagegen sah das sächsische Hochland noch an mehreren Orten die -früheren Greuel erneuert, indem die Schweden, die in Böhmen hausten, die -Flüchtlinge oft bis nach Sachsen verfolgten. <em class="gesperrt">Annaberg</em>, das mit seiner Umgebung -seit 1632 fort und fort alljährlich teils von kaiserlichen, teils von -schwedischen Heerhaufen vielfach gelitten, hatte in dieser ganzen Zeit des Waffenstillstandes -eine sächsische Besatzung. Eine Abteilung derselben traf am 15. -Januar 1648 auf eine kaiserliche Streifhorde bei dem Städtchen <em class="gesperrt">Thum</em>, wo -sofort ein hitziges Reitergefecht entstand, weil man vergeblich die Kaiserlichen -für Schweden hielt. Die Leichen der Gefallenen blieben längere Zeit liegen -und davon heißt noch heute der Wiesengrund zwischen Thum und Herold -»<em class="gesperrt">Das Elend</em>«. Dies war der letzte Kampf des Dreißigjährigen Krieges auf -sächsischem Boden. Zum Andenken daran hat man an der Straße von <em class="gesperrt">Thum</em> -nach <em class="gesperrt">Ehrenfriedersdorf</em> im Jahre 1848 eine Spitzsäule mit Inschrift errichtet.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Spieß. -</p> - -<h4><em class="antiqua">s.</em> Wie es nach dem Kriege im Gebirge aussah.</h4> - -<p>Wie es am Ende des Krieges in Sachsen und fast in jedem Orte desselben -aussah, schildert ein Zeitgenosse jenes Elends in folgender ergreifenden Weise: -»Ihr wisset, wie über Euch fliegende Drachen, zerreißende Bären und Löwen -gekommen sind, die Eure Städte ausgebrannt, Eure Ernten, Ochsen und Schafe -vor Euren Augen verzehrt, viele Tausende Bürger und Bauern zu Tode gemartert -und so barbarisch gehaust haben, daß aller Menschen Sinne es nicht -begreifen können. Wie jämmerlich stehen Eure Städte und Flecken; da liegen -sie verbrannt, zerstört, daß weder Dach, Gesperr, Thüren oder Fenster zu -sehen sind. Man wandert oft zehn Meilen und sieht nicht einen Menschen, -nicht ein Vieh, nicht einen Sperling. In allen Dörfern sind die Häuser voller -Leichname, Mann, Weib, Kinder, Gesinde, Pferde, Schweine, Kühe und Ochsen, -neben und unter einander von Pest und Hunger erwürgt, voller Maden und -Würmer und von Wölfen, Hunden und Krähen zerfressen, weil niemand ist, -der sie begraben hat. Ihr wisset, wie Lebendige sich unter einander in Kellern -und Winkeln zerrissen, totgeschlagen und gegessen haben; daß Eltern ihre toten -Kinder, und Kinder ihre toten Eltern gegessen, daß viele um einen toten Hund -oder eine Katze gebettelt und das Aas aus den Schindergruben genommen und -verzehret haben.«</p> - -<p>Zehn Jahre nach Beendigung des Krieges schrieb der Rat der Stadt -<em class="gesperrt">Buchholz</em>: »Dieses offene Städtlein ist bei dem verderblichen Kriegswesen -durch vielfältige Einfälle, Ausplünderung, Durchzüge, Einquartierung, hohe und -schwere Kriegskosten und Auflagen gänzlich verderbt und ruiniert worden, also, -daß öfters in keinem Hause ein Schloß, Band, Fenster, Ofen und anderer -Hausrat gelassen, sondern alles weggenommen, eingeschlagen und verbrannt, -ja auch eine große Anzahl Häuser und öffentliche Gebäude ganz und gar verwüstet -und eingerissen worden, sodaß sie noch jetzt öde und wüste liegen.«</p> - -<p>Auch sind im Dreißigjährigen Kriege im Erzgebirge manche Orte von -Grund aus zerstört worden und als <em class="gesperrt">wüste Marken</em> liegen geblieben. Westlich -vom Morgenberge bei <em class="gesperrt">Neudorf</em> an der Sehma kamen die Waldarbeiter -nach einem Orte im Walde, wo früher ein Dorf mit Namen <em class="gesperrt">Eibendorf</em> gestanden<span class="pagenum"><a id="Seite_85">[85]</a></span> -hat, das in jener Zeit zerstört worden sein soll. Ein nach <em class="gesperrt">Frankenstein</em> -gepfarrtes Dorf <em class="gesperrt">Ailitz</em> soll vor dem Kriege zwischen Frankenstein, Memmendorf -und Hartha gestanden haben. Ebenso bezeichnet man unterhalb -Wingendorf eine Stelle am Kemnitzbache als diejenige, wo das Dorf <em class="gesperrt">Kuhren</em> -zerstört worden ist. Zwischen dem Städtchen <em class="gesperrt">Bärenstein</em> und den Dörfern -<em class="gesperrt">Falkenhain</em> und <em class="gesperrt">Jahnsbach</em> lag einst das Dorf <em class="gesperrt">Greifenbach</em>. Ebenso -liegt zwischen Bärenstein und Börnichen die Wüstung des Dorfes <em class="gesperrt">Elend</em>.</p> - -<p>Nach dem Dreißigjährigen Kriege trieben sich in den Wäldern, wie anderwärts -so auch in <em class="gesperrt">Scharfenstein</em> Räuber und Wildschützen umher, welche entlassene -Söldlinge waren, denen das wüste Leben nun Gewohnheit war. Ein -<em class="gesperrt">Herr von Einsiedel</em>, welchem Scharfenstein gehörte, beschloß, den Wildschützen -mit aller Macht nachzugehen, um sein Gebiet von ihnen zu säubern. -Es gelang ihm endlich, zwei derselben gefangen zu nehmen. Es gab damals -noch eine furchtbare Strafe für die auf der That ertappten Wilddiebe: das -Hirschreiten. Der Schloßherr hatte einen starken, lebenden Hirsch einfangen -lassen. Die Diebe sollten auf ihn gebunden werden. Das war einem zehnfachen -Tode gleich zu achten. Man hatte Beispiele, daß nach Tagen und -Wochen die geängstigten Tiere ihre schreckliche Last zerfleischt und doch noch -lebend mit sich herumschleppten. Die Missethäter flehten da inständig um -Gnade. Die soll ihnen gewährt worden sein, weil sie versprochen haben, in -drei Tagen und Nächten einen Stollen durch die Felsenrippe am Fuße des -Schloßberges zu treiben, damit das Zschopauwasser mit viel Fall eine Mühle -treiben könne.</p> - -<p class="right"> -Nach Holzhaus, <em class="antiqua">Dr.</em> Spieß und <em class="antiqua">Dr.</em> Köhler. -</p> - -<h3 id="sec44">44. Im Nordischen Kriege.</h3> - -<p>Die Kriege und Durchmärsche, die in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts -verheerend über das Kurfürstentum Sachsen gingen, erstreckten auch -auf die Stadt <em class="gesperrt">Geyer</em> ihre niederschlagenden Wirkungen, wovon sich vereinzelte -Nachrichten auch in den Akten erhalten haben. Zum Jahre 1701 bringt -<em class="gesperrt">Meltzer</em> die Nachricht, daß ansteckende Krankheiten durch dänische Soldaten -nach <em class="gesperrt">Annaberg</em> wie auch <em class="gesperrt">Geyer</em> getragen seien. Im Jahre 1706 wurde -eine Kompanie Schweden nach <em class="gesperrt">Geyer</em> gelegt, deren Feldprediger am Freitage -und Sonntage in der Hospitalkirche und am Weihnachtsfeste der Schweden in -der Hauptkirche predigte. Ein schwedischer Fähnrich, <em class="gesperrt">Israel Hall</em>, wurde im -Jahre 1707 in der Halle dieser Kirche begraben.</p> - -<p>Am 23. Mai 1707 hielten die Büchsenschützen zu <em class="gesperrt">Geyer</em> zu den gewöhnlichen -Übungen ihren Auszug, wobei auch ein schwedischer Feldwebel, -<em class="gesperrt">N. Topf</em>, Sohn des in Buchholz einquartierten Leutnants, mit schoß und das -Unglück hatte, einen unvorsichtigen Knaben zu treffen. Vor Schrecken fiel er -in Ohnmacht; doch zeigte sich die Verwundung als nicht tödlich, da die Kugel -durch den hohlen Leib gegangen war. Am 23. August desselben Jahres zogen -die Schweden wieder ab. Am 30. August bat der Rat in einer besonderen -Bittschrift um Wiedererstattung der von den Schweden aus der Geleitskasse -mitgenommenen 13 fl 16 Gr oder um einen Nachlaß an dem Geleits- und -Gerichtspachtgeld, wurde aber mit solchem Ansuchen gänzlich ab und zur Ruhe -verwiesen. Da der Rat aber in seinen Bitten nicht nachließ, erhielt er im -Jahre 1709 die Erlaubnis, diese Summe, die er beschwören mußte, bei der -Bezahlung des Pachtgeldes in Anrechnung zu bringen.</p> - -<p>Von <em class="gesperrt">Tannenberg</em> wird aus jener Zeit berichtet, daß am 27. November<span class="pagenum"><a id="Seite_86">[86]</a></span> -1706 an 25 schwedische Soldaten mit einem Leutnant, einem Feldwebel und -einem Fahnenjunker einquartiert wurden. Dieselben haben alle Tage zweimal -Betstunden gehabt. Zu Weihnachten und am neuen Jahre 1707 haben schwedische -Feldprediger in der Tannenberger Kirche Predigt gehalten. Nach Lichtmeß, -den 4. Februar, 1707 hat sich ein schwedischer Student in derselben -Kirche als künftiger Feldprediger hören lassen. Es haben zu dieser Zeit auf -einmal »über die 400 Schweden und mehr in der kleinen Kirche« Gottesdienst -gehabt. »Das schwedische Volk ist von hier aus dem Lande wieder weggekommen -am 23. August 1707.«</p> - -<p>Außer den genannten Orten <em class="gesperrt">Annaberg</em>, <em class="gesperrt">Geyer</em> und <em class="gesperrt">Tannenberg</em> -hatten auch <em class="gesperrt">Schneeberg</em>, <em class="gesperrt">Wolkenstein</em>, <em class="gesperrt">Marienberg</em> und andere Städte -des Gebirges ebenfalls schwedische Besatzung. Bis zum Sommer 1707 blieben -die Schweden im Lande. Trotz des <em class="gesperrt">Altranstädter</em> Friedens vom 24. September -1706 ruhte die Hand des Schwedenkönigs, <em class="gesperrt">Karls XII.</em>, schwer auf -Sachsen. Die Schweden lagen in allen Städten. Sie hielten zwar strenge -Manneszucht, mußten aber von den hart gedrückten Einwohnern beköstigt und -gekleidet werden.</p> - -<p>Die gesamten Kosten dieser schwedischen Besatzungen in Sachsen werden -auf 23 Millionen Thaler berechnet, und lange seufzten unsere Vorfahren über -diese neue »Schwedenangst«. Endlich im August 1707 verließen die Schweden -neugekleidet und wohlgenährt Sachsen, um gegen <em class="gesperrt">Peter den Großen</em> von -Rußland zu ziehen. Dort wurden sie im Jahre 1709 bei <em class="gesperrt">Pultawa</em> geschlagen. -Der größte Teil fiel, ein anderer wurde nach <em class="gesperrt">Sibirien</em> geschickt und -sehnte sich vergebens nach den Fleischtöpfen Sachsens und den warmen Öfen -des Erzgebirges zurück. Sie konnten recht deutlich die Unwahrheit der Bezeichnung -des Erzgebirges als »sächsisches Sibirien« an sich erleben.</p> - -<p>Die Schweden waren im September 1706 in einer Stärke von 19 000 -Mann nicht im besten Zustande nach Sachsen gekommen. Viele Sachsen, auch -Erzgebirger, wurden dem schwedischen Heere einverleibt, sodaß das schwedische -Heer 32 000 Mann stark, neugekleidet und wohlgerüstet, das Land verließ.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Falke, Zippert, <em class="antiqua">Dr.</em> Spieß. -</p> - -<h3 id="sec45">45. Das Obererzgebirge im Siebenjährigen Kriege.</h3> - -<h4>1. Beginn des Krieges 1756.</h4> - -<p>Zehn Jahre des tiefsten Friedens waren seit dem zweiten Schlesischen -Kriege vergangen. Da brach plötzlich der König von Preußen 1756 auf drei -Punkten in Sachsen ein. Österreich und Rußland hatten ein Schutz- und -Trutzbündnis gegen Preußen geschlossen und sich alle Mühe gegeben, den König -von Polen und König von Sachsen mit in dies Bündnis zu ziehen. <em class="gesperrt">August</em> -weigerte sich, demselben beizutreten. Friedrich legte die Unterhandlungen, die -ihm durch den bestochenen Vaterlandsverräter Menzel bekannt geworden waren, -für eine Verschwörung zu seinem Untergange aus und begann sofort den Krieg.</p> - -<p><em class="gesperrt">Torgau</em> wurde auf Befehl des preußischen Königs befestigt und daselbst -eine preußische Behörde eingesetzt, an welche alle Einkünfte aus den besetzten -sächsischen Landesteilen abgeliefert werden mußten.</p> - -<h4>2. Die Preußen im Erzgebirge.</h4> - -<p>Die Preußen waren bereits im September 1756 bis <em class="gesperrt">Chemnitz</em> vorgerückt -und begannen von da aus Anforderungen zu machen und Lieferungen auszuschreiben -im ganzen Gebirge, daß den Ortschaften, denen noch kein feindlicher<span class="pagenum"><a id="Seite_87">[87]</a></span> -Krieger zu Gesicht gekommen war, das Dasein feindlicher Soldaten mehr als -zu sehr fühlbar wurde. Für sich durften übrigens die Preußen nicht wirtschaften, -sondern mußten ausgezeichnet gute Manneszucht halten.</p> - -<h4>3. Die ersten Lieferungen.</h4> - -<p>Die erste Lieferung, welche nach dem Einrücken der Preußen in <em class="gesperrt">Chemnitz</em> -im ganzen Erzgebirge ausgeschrieben wurde, bestand darin, daß jede Hufe im -Gebirge täglich liefern mußte: 6 Pfund Brot, 3 Pfund Fleisch, 3 Kannen -Bier, 12 Pfund Hafer, 13 Pfund Heu, 3 Metzen Häckerling und 20 Pfund -Stroh. Es wurden bald Lieferanten angestellt, ein Hauptlieferant und ein -Aufkäufer für das Gebirge verordnet. Anfänglich wurde zwar alles bezahlt, -aber im Monate Oktober mußte alles unentgeltlich in das zu <em class="gesperrt">Freiberg</em> für -die Preußen errichtete Vorratslager abgeliefert werden.</p> - -<h4>4. Aushebungen im Erzgebirge.</h4> - -<p>Die 16 000 Mann Sachsen, welche unter die preußischen Regimenter gesteckt -worden waren, entliefen scharenweise dem aufgedrungenen, widernatürlichen -Joche. Da gab der preußische König Befehl, daß die sächsischen Landstände -10 000 Rekruten für das Heer schaffen sollten. Am 23. November -rückten 100 preußische Husaren nach <em class="gesperrt">Schneeberg</em> ins Winterquartier. Am -25. desselben Monats wurden in aller Stille alle ledigen Männer von 18 -bis 30 Jahren aufgeschrieben und am 30. November nachts aus den Betten -geholt und zur Aushebung abgeführt. Man kaufte in Städten und in Dörfern, -man fing sich gegenseitig die Leute weg. Es entstanden tausenderlei Beschwerden -und Feindschaften. Wenn aber ein Ort mit seinen Rekruten in Rest blieb, so -drangen Abteilungen preußischer Krieger ein und griffen schonungslos auf, wen -sie tauglich fanden, nicht achtend, ob er Familienvater oder durch seine bürgerliche -Stellung vom Soldatendienste frei sei. Um das häufige Ausreißen zu -verhindern, erging aus dem zu <em class="gesperrt">Torgau</em> errichteten Kriegs-Direktorium der -Befehl, daß kein Sachse, welcher vom Regiment gewichen sei, in seiner Heimat -geduldet, sondern an den nächsten preußischen Truppenteil abgeliefert werden -solle. Wer einen solchen Flüchtigen verberge oder ihm zur Flucht behilflich -sei, sollte selbst als ein Ausreißer behandelt werden. Dagegen sollten alle, -welche sich freiwillig wieder stellten, Begnadigung erhalten.</p> - -<p>Ungestört vom Feinde blieb von der 146 157 Mann starken preußischen -Armee der größte Teil während des Winters in Sachsen stehen. Wenn wir -hören, daß zu ihrer Erhaltung monatlich 911 080 Thaler nötig waren, so kann -man sich denken, welche Kosten unserem Vaterlande entstanden.</p> - -<p>Vorzüglich konnte es nicht fehlen, daß Lebensmittel aller Art im Preise -stiegen, besonders im Erzgebirge, da aus Böhmen nichts heraus durfte. Als -die preußischen Husaren im November in <em class="gesperrt">Schneeberg</em> zum Winteraufenthalt -einrückten, kostete ein Brot bereits 4 Groschen.</p> - -<h4>5. Nach der Schlacht bei Kolin 1757.</h4> - -<p>1757 im Frühlinge begann das preußische Heer zum Teil durch das Erzgebirge -in Böhmen einzubrechen. Kleinere Abteilungen blieben zur Eintreibung -der Lieferungen zurück. Allein nach der Schlacht von <em class="gesperrt">Kolin</em> verfolgten die -Österreicher ihre fliehenden Gegner nach Sachsen. Das Gebirge bekam nun -plötzlich auch einzelne Heeresteile seiner Freunde und Beschützer zu Gesicht, die -aber wie die eigentlichen Feinde schalteten und walteten. Bei den Preußen<span class="pagenum"><a id="Seite_88">[88]</a></span> -war lobenswerte Manneszucht. Bei den Österreichern ging das aber anders. -Da waren die Husaren, Kroaten und Panduren noch ganz so wie in den -Zeiten des Dreißigjährigen Krieges. Rauben und Plündern bei Freund und -Feind blieb diesen immer die Hauptsache.</p> - -<p>Doch im August bemächtigte sich Friedrich wieder des Gebirges. In -<em class="gesperrt">Schneeberg</em> verordnete er am 2. Januar, daß sich die sächsischen Stände am -14. Januar in Leipzig einfinden sollten bei 1000 Dukaten Strafe, wer nicht -erscheine. Das Ergebnis war: Sachsen mußte sofort 6000 Rekruten, 600 -Artillerieknechte, 1200 Pferde schaffen und Kriegskosten bezahlen. Auf den -erzgebirgischen Kreis kam davon: 286 875 Thaler 17 Groschen, 800 Rekruten, -67 Artillerieknechte und 150 Pferde, was an den <em class="gesperrt">Feldmarschall von Keith</em> -nach <em class="gesperrt">Chemnitz</em> abgeliefert werden mußte. Als die Rekruteneinführung begann, -nahmen die Preußen nur die tüchtigsten Leute und Männer von ansehnlicher -Größe.</p> - -<h4>6. Nach der Niederlage bei Hochkirch.</h4> - -<p>Nach der Niederlage bei <em class="gesperrt">Hochkirch</em> 1758 drangen die Österreicher und -die Reichsarmee zugleich in Sachsen ein. Ende November beherrschte es aber -doch wieder Friedrich. Am 20. November wurde ein Befehl erlassen, daß -800 Wagen vom <em class="gesperrt">erzgebirgischen Kreis</em> nach <em class="gesperrt">Chemnitz</em> für die Preußen -geliefert werden sollten. Oft trafen auch von beiden Seiten Befehle zum -Liefern zugleich ein. Wenn mit unsäglicher Mühe die Gemeinden das Verlangte -zusammengewürgt hatten und es an den bestimmten Ort abliefern wollten, -da überkam sie gar oftmals unterwegs der Gegner von dem, für den die -Lieferung bestimmt war, und nahm alles als gute Beute oder ließ sich vielleicht -durch ein ziemliches Lösegeld abfinden.</p> - -<h4>7. Die Auer Schlacht 1759.</h4> - -<p>Preußen, Österreicher und das Reichsheer belästigten auch 1759 unsere -Gegend. Friedrichs Bruder, <em class="gesperrt">Heinrich</em>, lag in Sachsen. Dies erzeugte eine -Reihe von Durchzügen, die den armen Gebirgern namentlich große Beschwerung -brachten, da der österreichische <em class="gesperrt">General Daun</em> mit 30 000 Mann durch das -Gebirge von Böhmen aus in Sachsen einzubrechen drohte. Am 1. Mai mußte -der erzgebirgische Kreis 300 Wagen nach Chemnitz und Zwickau stellen, auf -jedem Wagen 12 Säcke.</p> - -<p>Am Sonntage Exaudi, den 27. Mai, stießen Österreicher und Preußen -aufeinander. Der preußische <em class="gesperrt">Oberst von Wolfersdorf</em> trieb die Österreicher, -Husaren und Kroaten, unter <em class="gesperrt">Generalmajor von Brentano</em>, aus <em class="gesperrt">Aue</em> -heraus. Den Kaiserlichen mußten die Lebensmittel auf Schiebkarren nachgefahren -werden, weil die wenigen noch vorhandenen Wagen zum Fortschaffen -der Verwundeten verwendet werden mußten. Das ist die sogenannte <em class="gesperrt">Auer -Schlacht</em>.</p> - -<h4>8. Die Jahre 1760 und 1761.</h4> - -<p>Auch das Jahr 1760 brachte dem Gebirge eine Menge Drangsale. Die -Neigung des Volkes war für die an Manneszucht gewöhnten Preußen. Zu -Anfange des Jahres 1761 waren die Kaiserlichen von den Preußen ganz aus -dem Erzgebirge bis an die böhmische Grenze zurückgedrängt. Die Preußen -stellten jetzt viel ärgere Forderungen als früher. <em class="gesperrt">Zwickau</em> mußte 18 000, -<em class="gesperrt">Annaberg</em> 16 000, <em class="gesperrt">Schneeberg</em> 16 600, <em class="gesperrt">Aue</em> 3000 Thaler Brandschatzung -geben. Einquartierungen und alle anderen Steuern und Abgaben waren noch<span class="pagenum"><a id="Seite_89">[89]</a></span> -außerdem zu leisten. Die Preußen verfuhren mit einer Strenge, wie man sie -nicht von ihnen gewohnt war. Mord und Brand waren sofort die Losung, -wenn das Geforderte nicht geschafft werden konnte. Im Mai kamen die Kaiserlichen -wieder, die sich als Retter geehrt wissen wollten.</p> - -<h4>9. Das Ende des Krieges.</h4> - -<p>Im Juli 1762 hatten aber die Preußen unter dem <em class="gesperrt">General Kleist</em> -schon wieder bei <em class="gesperrt">Zwickau</em> ein Lager aufgeschlagen. Die Kaiserlichen zogen -sich zurück, ohne den Angriff abzuwarten.</p> - -<p>Die Kriege zwischen Österreich und Preußen drückten mit Einquartierungen -und Kosten schwer auch auf <em class="gesperrt">Geyer</em> und schlugen die Nahrung der Stadt -vollends nieder. In einer Urkunde von 1762 bekannte der Stadtrichter Christian -Porges mit den Ratsherren, Viertelsmeistern und einem Bürgerausschusse, -daß die Gemeinde, um die von den Preußen auferlegte Brandschatzung von -6000 Thalern, die in 3 Teilen von 8 zu 8 Tagen gezahlt werden sollte, aufzubringen, -von Hofrat Karl Friedrich Trier, Oberhofgerichtsassessor in Leipzig, -6000 Thaler aufgenommen habe, unter der Bedingung, daß die anderen 3000 -Thaler durch jährliche Lieferung von 100 Schragen Holz, jeder Schragen drei -Ellen hoch und neun Ellen breit, an das Geyersche Vitriol- und Schwefelwerk -vom Jahre 1763 an verzinst und abgezahlt werden sollten. Schon im folgenden -Jahre fand eine neue Anleihe statt. Ein Eintrag vom 15. Januar 1763 berichtet, -daß die Preußen binnen wenigen Tagen wieder eine Summe von -6265 Thalern verlangt hätten; um dieses Geld aufzubringen, hätten sich die -Bürger insgesamt verbindlich gemacht, alle bei währenden Kriegsdrangsalen -erborgten und zu erborgenden Gelder samt Zinsen künftig aus eigenen Mitteln -und Vermögen wieder zu bezahlen, insoweit solches nicht durch Holz, Stöcke -und Kohlen geschehen könnte. Dieser öffentlichen Verpflichtung der gesamten -Bürgerschaft folgte, um der gedrohten Ausplünderung zu entgehen, am 19. -Januar 1763 das Bekenntnis einer neuen Anleihe von 2000 Thalern bei -Hofrat Trier mit 112 Thaler Zinsen, die durch Lieferung von Stöcken an -das Vitriolwerk bezahlt werden sollten. Dieser Urkunde folgte am 3. Februar -das Bekenntnis der Gemeinde über eine Gesamtschuld von 10 000 Thaler bei -Hofrat Trier mit dem Versprechen, die kurfürstliche Anerkennung binnen ¾ -Jahr bei Personalarrest zu beschaffen. Die letzten 2000 Thaler waren infolge -einer dritten Kriegsforderung von 3480 Thaler unter denselben Bedingungen -aufgenommen worden.</p> - -<p>Im Juli 1762 ist ein preußischer Truppenteil unter <em class="gesperrt">Generalleutnant -von Seydlitz</em>, gegen 7000 Mann Kavallerie, Infanterie und Husaren, teils -durch <em class="gesperrt">Tannenberg</em> durchmarschiert, teils haben sie auf den Feldern gerastet. -Das ganze Kriegsvolk marschierte durch den Pfarrhof und hat der damalige -Geistliche 3 Schock Korn, ein Fuder Heu und 1½ Schragen Holz eingebüßt. -Vom 28. Dezember 1762 bis zum 2. Februar 1763 hat eine Eskadron -schwarzer Husaren unter <em class="gesperrt">Rittmeister Franz v. Sorini</em> in <em class="gesperrt">Tannenberg</em> und -in <em class="gesperrt">Dörfel</em> gelegen. Auch haben zu dieser Zeit zwölf Husaren in Tannenberg -das heilige Abendmahl genommen. Von einem Husaren ist sogar ein Altartuch -der Kirche verehrt worden.</p> - -<p>Am 24. November 1762 schloß <em class="gesperrt">Friedrich II.</em> mit den Österreichern einen -Waffenstillstand, worauf ein Teil des Obergebirges in der Gewalt der Kaiserlichen -blieb. Am Fastnachtstage, den 15. Februar 1763, kam endlich der ersehnte<span class="pagenum"><a id="Seite_90">[90]</a></span> -Frieden zu <em class="gesperrt">Hubertusburg</em> zustande. Auch in unserer Gegend hatte -man Veranlassung, Gott in besonderer kirchlicher Feier zu danken.</p> - -<p class="right"> -Nach Karl Lehmann, Zippert und <em class="antiqua">Dr.</em> Falke. -</p> - -<h4>10. Ein Beispiel der Vaterlandsliebe aus dem Siebenjährigen Kriege.</h4> - -<p>Es war in einer stürmischen Nacht in der Zeit des Siebenjährigen Krieges, -als in einem Hirtenhause zwischen Pichelberg und Thein bei Bleistadt Vater -und Sohn vor einem Kienfeuer sitzend in einem lauten Gespräch begriffen -waren. Dieses war besonders für letzteren unterhaltend, denn oft ließ der -fünfzehnjährige Michel seine Hände, welche sich mit Kieferspäneschnitzen beschäftigten, -sinken und hörte lange Zeit mit gespanntester Aufmerksamkeit auf -das, was sein Vater, ein alter, verdienter Soldat, von seinen Feldzügen gegen -den hartnäckigsten Feind <em class="gesperrt">Maria Theresias</em> mit großem Eifer und gewisser -Lebendigkeit zu erzählen wußte. Besonders heute war sein Mund gesprächiger -als je; denn eine österreichische Truppenabteilung, bei deren Anblick sich des -Alten Erinnerungen neu belebten und gestalteten, war seit wenigen Stunden -an der Hütte vorbeimarschiert und lagerte sich für die Nacht eine kurze Strecke -davon. Immer und immer wieder wurde Michel zu bewundernden Ausrufen -hingerissen, und es wäre ihm am liebsten gewesen, wenn er gleich als Soldat -mit Säbel und Gewehr hätte Bekanntschaft machen können.</p> - -<p>»Aufgemacht!« schrie da plötzlich eine rauhe Stimme und begleitete den -Befehl mit einem Kolbenschlage, der das Fenster zertrümmert in die Stube -warf. »Heraus mit Euch, oder das Feuer wird schnelle Beine machen!«</p> - -<p>Auf seinem Stelzfuß hinausgehumpelt, sah sich der alte Soldat einem -Haufen preußischen Fußvolkes gegenüber, dessen Anführer von ihm zu erfahren -wünschte, wenn die kaiserliche Truppe hier vorbeigezogen, wie stark sie sei und -wo dieselbe liege. Der Alte erwiderte, daß er dieses alles nicht wisse, und -weder Versprechungen, noch harte Drohungen und arge Mißhandlungen, welche -Michel zum Widerstande bewogen, konnten den braven Mann veranlassen, zum -Verräter zu werden, sodaß die Preußen diesen verschlossenen Leuten gegenüber -einen anderen Weg einschlugen, um zum Ziele zu gelangen.</p> - -<p>Zwei Mann mußten den alten Hirten bewachen, während Michel gezwungen -wurde, den Weg zu zeigen. Man warf um seinen Leib einen Strick, dessen -Ende der Befehlshaber selber in die Hand nahm, wobei er drohend und nachdrücklich -sagte: »Du, Bursche, gehst links zwei Schritte neben mir und wirst -weder husten, noch scharf auftreten. Zwei Mann mit gezogenen Säbeln gehen -vier Schritte voraus, ebensoviele hinten und an den Seiten, die Mannschaft -folgt sechs Schritte entfernt nach. Du führst uns den nächsten Weg zu dem -Lager der Österreicher, und wenn irgend ein Wort meiner Befehle übertreten -wird, so werden Dich meine Leute augenblicklich niederstoßen.« Der arme -bedauernswerte Michel leistete anfangs mit stürmischem Herzpochen, was man -von ihm verlangte; allmählich wurde er aber ruhiger, dachte nach und machte -endlich den Versuch, die verhaßten Preußen irrezuführen, um die Soldaten -seiner Kaiserin zu retten. Die Absicht wurde aber von dem Offizier bald gemerkt; -denn dieser zog ihn an sich und zischelte dem Burschen ins Ohr: »Wenn -wir in einer halben Stunde die Österreicher nicht haben, stirbst Du eines -martervollen Todes.« Nun wußte Michel keinen Ausweg mehr und entschlossen -bog er links in einen Hohlweg ein, der gerade auf das Lager der kaiserlichen -Truppen führte. Die schwarze Nacht, die unheimliche Stille, das raubtierartige -Gebaren seiner schlagfertigen Begleiter hatten etwas Fürchterliches, was im<span class="pagenum"><a id="Seite_91">[91]</a></span> -Vereine mit den heute von seinem Vater erzählten Kriegserlebnissen seine Thatkraft -zeitigte und den kühn gefaßten Entschluß zur Reife brachte. Plötzlich -entdeckten die Vordermänner eine Schildwache, welche, als sie den Werdaruf -geben wollte, lautlos zu Boden sank. Die Kaiserlichen mußten in der Nähe -sein, weshalb der Führer sich wendete und ein leises Zeichen zum Stillstande -gab. Diesen Augenblick benutzte der Bursche, sprang wie ein Luchs auf den -Befehlshaber und, ihn am Halse fest umschlingend, schrie er aus allen Leibeskräften: -»Auf! auf! die Preußen! Holla! die Feinde!« Der Heldenmütige -blutete schon aus vielen Wunden, bevor der Todesstoß auf ewig seinen Mund -verstummen machte, dessen Rufe die kaiserliche Mannschaft rettete und ihr über -die durch den unverhofften Verrat betäubten Preußen einen leichten Sieg -verschaffte.</p> - -<p class="right"> -Nach Joh. Böhm. -</p> - -<h3 id="sec46">46. Die Freiheitskriege.</h3> - -<h4>Das Banner der sächsischen Freiwilligen.</h4> - -<h5>1. Der Aufruf.</h5> - -<p>Unter dem Namen »<em class="gesperrt">Das Banner der Freiwilligen</em>« sollte dem gebildeten -Teile des sächsischen Volkes, wie in Preußen durch die Jägerkorps, -Gelegenheit gegeben werden, seine Teilnahme an dem großen Werke der Befreiung -Deutschlands werkthätig an den Tag zu legen. Der Ausschuß des -<em class="gesperrt">Erzgebirgischen Kreises</em> zur Landesbewaffnung erließ deshalb folgenden -Aufruf:</p> - -<p>»Das Vaterland erhebt sich zum heiligen Kampfe für Ehre, Recht und -eine bessere Zeit, die mutig erzwungen werden muß. Wem noch ein deutsches -Herz im Busen schlägt und wer den kräftigen, mutvollen Geist der Sachsen -treu bewahrt hat im Drange der Ereignisse, der hört mit lauter Freude den -Ruf der Ehre und des Vaterlandes. Schon strömen von allen Seiten mutige -Jünglinge und Männer in die Reihen der Freiwilligen, und bald erhebt sich -der Sachsen Banner in dichten Haufen der Edlen, Blut und Leben dem heiligen -Kampfe weihend.</p> - -<p>Biedere Bewohner des Erzgebirges! – stets brav und treu der Ehre -und dem Vaterlande – eilt, den ersten Preis des mutigen Sinnes für die -gerechte Sache zu gewinnen. Sorgt, daß der alte Ruhm des Biedersinns -und der Vaterlandsliebe nicht unserem Kreise entrissen werde! Wer von Euch -könnte es ertragen, einst sagen zu hören, daß die Söhne des Gebirges schmachvoll -zurückgeblieben seien im großen Kampfe für die gute Sache? Was Ihr -jetzt thut für diese, wie Ihr jetzt Euch zeigt vor den Augen der Völker, das -entscheidet für Jahrhunderte hinaus über Eure Ehre, das Glück Eurer Enkel, -den Ruhm unseres Kreises!</p> - -<p>Und Ihr werdet – wir verbürgen das mit Stolz im voraus – kräftig -und mutvoll Euch zeigen, werdet tapfere Beschützer des Rechts und willige -Förderer der guten Sache sein; Ihr werdet ruhmvoll kämpfen oder, wenn die -Umstände Euch diese Ehre versagen, eifrigst sorgen, daß das große Werk des -Volkes durch jedes Hilfsmittel, durch willige Opfer, That, Kraft und warme -Teilnahme mächtig gefördert und erleichtert werde.</p> - -<p>Wir werden deshalb in den nächsten Tagen näher zu Euch reden. Um -indes im voraus dem edlen Drange derer, die bereits freiwillige Beiträge zur -Ausrüstung der unbemittelten Landesverteidiger bei uns gemeldet haben und -noch melden wollen, zu begegnen, haben wir eine Kreiskasse zur Aufnahme<span class="pagenum"><a id="Seite_92">[92]</a></span> -solcher Beiträge bestimmt und ein offenes Buch anlegen lassen, worin der Name -und der Beitrag jedes edelmütigen Vaterlandsfreundes, der auf diese ehrenvolle -Weise seinen Eifer für die gute Sache an den Tag legt, eingetragen wird. -Diese schöne Liste soll öffentlich bekannt gemacht werden, damit das Vaterland -die Förderer seiner Ehre und seiner Wohlfahrt kennen lerne. Diese Beiträge -können hier unmittelbar oder durch die Bezirksämter gemeldet werden.</p> - -<p class="right"> -Ausschuß des Erzgebirgischen Kreises zur Landes-Bewaffnung.« -</p> - -<h5>2. Die Einrichtung des Banners.</h5> - -<p>Das sächsische Banner sollte aus 5 Schwadronen Reiterei, 2 Regimentern -Jäger, 1 Kompanie Sappeurs und aus einem verhältnismäßigen Artilleriekorps -bestehen. Die Mitglieder des Banners erhielten den Rang eines Gefreiten, -Befreiung von körperlicher Züchtigung und wurden mit »Sie« angeredet. Wer -aus bürgerlichem Dienste in das Banner trat, behielt sein Amt und die Einkünfte -desselben. Nach Beendigung des Krieges konnte jedes Banner in seine -vorigen Verhältnisse zurücktreten. Jeder, der den Feldzug mitgemacht hatte, -sollte bei seiner Beförderung im Dienste berücksichtigt werden. Die Freiwilligen -des Banners mußten sich selbst kleiden, beritten machen und womöglich auch -bewaffnen. Anfang Dezember war die Anzahl der Freiwilligen bereits auf -1500 gestiegen. Die angesehensten Männer traten in die Reihen der Gemeinen. -Einer der ersten Freiwilligen war der Professor <em class="gesperrt">Krug</em> in Leipzig, der das -Jahr zuvor Rektor Magnifikus gewesen war. Ebenso folgte der Professor -<em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Tzschirner</em> in Leipzig als Feldprobst.</p> - -<p>Aus <em class="gesperrt">Schwarzenberg</em> und dem Hammerwerke <em class="gesperrt">Erla</em> traten 17 junge -Männer zum Banner.</p> - -<p>Aller Orten und Enden wurden zahllose Scharen von Rekruten geübt, -um geschickt zu werden, an der feierlichst verkündigten und versprochenen Freiheit -des deutschen Vaterlandes mit aller Macht kämpfen und arbeiten zu helfen. -Das Erzgebirge blieb nicht zurück. Mehrere Abteilungen Landwehr bildeten -sich auf den Bergen und in den Thälern desselben. Auch das Banner erhielt -manchen Gebirger in seinen stattlichen Reihen. Das erste Bataillon des Banners -empfing sogar eine Fahne von <em class="gesperrt">Schneeberg</em>.</p> - -<p class="right"> -Nach Karl Lehmann. -</p> - -<h3 id="sec47">47. Die Pest im Erzgebirge.</h3> - -<h4>1. Wie die Pest in Annaberg auftritt.</h4> - -<p>Zu den Drangsalen durch den Feind gesellten sich die Verheerungen, -welche die Pest über das ganze obere Gebirge brachte. Sie wütete besonders -im August und September 1633 in <em class="gesperrt">Annaberg</em>, <em class="gesperrt">Marienberg</em>, <em class="gesperrt">Zöblitz</em>, -<em class="gesperrt">Altenberg</em>, <em class="gesperrt">Zwickau</em> und Umgegend. <em class="gesperrt">Annaberg</em> hatte eine Menge der -wegen Kriegsdrangsale flüchtigen Landleute nur eben aufgenommen, als fast -gleichzeitig die Pest ihren grauenhaften Einzug hielt und in kürzester Zeit die -meisten unglücklichen Flüchtlinge tötete. Ebenso wurden viele Bewohner der -Stadt selbst von der Seuche erfaßt. Im August gab es in 140 Häusern -Pestkranke. Es sind deshalb manchen Sonntag 385 Abendmahlsgäste in der -Kirche gewesen, um noch Trost vor dem nahenden Tode zu suchen. Auch die -meisten Schüler der Lateinschule wurden dahingerafft, daß nur wenige, wie -schon 1521, übrig blieben. <em class="gesperrt">General Holck</em> starb auch 1633 zu <em class="gesperrt">Adorf</em> an -der Pest. Die an der ansteckenden Krankheit Verstorbenen, deren Särge man -nicht durch die Gottesackerkirche trug, schaffte man durch das von der Geyersdorfer<span class="pagenum"><a id="Seite_93">[93]</a></span> -Straße unmittelbar hineinführende Thor. Es erhielt davon den Namen -»<em class="gesperrt">Pestthor</em>«.</p> - -<p class="right"> -Nach Arnold u. a. -</p> - -<h4>2. Wie die Krankheit sich zeigt.</h4> - -<p>Die Krankheit besteht in einem durch Ansteckungsfähigkeit schnell fortschreitenden -Fieber, welches meist entzündlicher Natur ist und einen nervösen -und fauligen Zustand erzeugt, heftige Entzündung der Drüsen, besonders in -den Weichen, sowie den Blutschwären ähnliche Beulen bildet, die äußerst schmerzhafte, -bald in Brand übergehende und entzündete Geschwülste in den häutigen -und fleischigen Teilen des Körpers verursachen. Sie tötete in den allermeisten -Fällen oft schon in wenigen Stunden, zuweilen aber auch erst nach einigen -Tagen, manchmal noch später. Sie ist wohl nie in ihrer das Leben und die -Gesundheit zerstörenden Wirkung von einer anderen Seuche übertroffen worden. -Das hauptsächlichste Mittel zur Verbreitung ist unstreitig das Pestgift, welches -durch die Krankheit selbst erzeugt wird und sich besonders durch unmittelbare -Berührung mitteilt.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Köhler. -</p> - -<h4>3. Wie schon 1568 kein Geistlicher zu den Pestkranken gehen will.</h4> - -<p>Während früher unter allen erzgebirgischen Städten einzig <em class="gesperrt">Schneeberg</em> -gänzlich von der Pest verschont blieb, wurde namentlich <em class="gesperrt">Annaberg</em> 1568 furchtbar -verheert. Das am 17. Juli desselben Jahres daselbst beobachtete Erdbeben -sah man als die Ursache der Krankheit an. Kein Haus blieb damals verschont, -und was sich heute noch, so berichtet der Geschichtsschreiber, gesund begrüßte, -war morgen schon eine Beute der Pest. Vergeblich verlangten die Sterbenden -nach Tröstung durch das heilige Abendmahl, da die dasigen Geistlichen nicht -zu den Verpesteten gehen durften. Es erschien daher die Anstellung eines -besonderen Pestgeistlichen nötig. Aber niemand fand sich, der den todbringenden -Seelsorgerdienst übernehmen wollte. Damals irrte ein geächteter sächsischer -Geistlicher seit 5 Jahren unstät und flüchtig in den böhmischen Grenzorten -umher, <em class="gesperrt">Wolfgang Uhle</em>, ein Bürgerssohn aus <em class="gesperrt">Elterlein</em>, welcher am -10. Juli 1563 als Pfarrer zu <em class="gesperrt">Clausnitz</em> in wildem Jähzorne den dortigen -Dorfrichter Georg Biber mit einem Hammer erschlagen hatte. Dem Vollzuge -des über ihn ausgesprochenen Todesurteils hatte er sich durch schnelle Flucht -nach Böhmen entzogen, wo er die Bedrängnis der Stadt <em class="gesperrt">Annaberg</em> erfuhr. -Alsbald ließ er dem Rate sagen, daß er sein ferneres Leben gern dem Troste -und Beistande der Pestkranken opfern wolle, wenn ihm Begnadigung gewährt -werde. <em class="gesperrt">Kurfürst August</em> begnadigte ihn hierauf auch wirklich unter der Bedingung, -daß er seines Berufes als Pestprediger treu warte. Der Geächtete -kehrte nun frei ins Vaterland zurück, begab sich nach <em class="gesperrt">Annaberg</em>, wo bereits -2228 Personen an der Pest verstorben waren, setzte sich mutig der größten -Gefahr aus, blieb aber wunderbarerweise von der schrecklichen Krankheit unberührt. -Als die Pest erloschen war, wurde Uhle als für immer Begnadigter -zum Pastor in <em class="gesperrt">Breitenbrunn</em> ernannt, wo er bis 1594 in Segen wirkte -und im gedachten Jahre mitten in der Ausübung seines Amtes am Altar von -einem Schlagflusse getroffen ward, sodaß er nach den Worten des Geschichtsschreibers -so schnell zu Boden sank, wie 30 Jahre zuvor der Unglückliche, den -er erschlagen hatte.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Köhler. -</p> - -<h4>4. Wie man an Pestmacher glaubt.</h4> - -<p>Da man sich über die Ursache der todbringenden Pestkrankheit nicht klar -war, so vermutete man, die Totengräber wendeten Zaubermittel an, um nur<span class="pagenum"><a id="Seite_94">[94]</a></span> -recht viel Leichen zu haben, damit ihre Einnahme sich mehre. Sonderbare -Sachen werden uns aus den Pestzeiten erzählt.</p> - -<p>Im Jahre 1680 wurde zu <em class="gesperrt">Geyer</em> der Totengräber wegen Zauberei auf -dem Gottesacker verhaftet und gefänglich eingezogen. Man hatte ihn auf den -Markt gehen und aus einer Schachtel etwas ausstreuen sehen. Als nun hernach -allerhand Merkmale gesucht wurden, ihn seiner Bosheit zu überweisen, -fand man unter anderm, daß er sein eigenes Weib wieder ausgegraben, ihr -Augen, Nase und Zunge ausgeschnitten und die Teile zu Pulver verbrannt -hatte, welches er also auf die Gasse gestreut. Er wurde deswegen mit dem -Staupenschlag bestraft und ewig des Landes verwiesen.</p> - -<p>Zu <em class="gesperrt">Wolkenstein</em> hat im Jahre 1614 ein Totengräber einer Pestleiche -den Kopf im Grabe abgestoßen, diesen in seiner Stube an einer Schnur in -Teufelsnamen aufgehängt. Darin hat er Hefen, Bier und Blut von Verstorbenen, -ebenso Milch vermischt, warm gemacht und gegessen. Soviel nun -Tropfen aus dem schwitzenden Hirnschädel gefallen, so viele Pestleichen hat er -selbigen Tag gehabt. Dieser Pestzauberer hatte auch zweierlei Pulver, ein -gutes wider die Pest und ein ansteckendes, so er aus einer Pestdrüse gemacht. -Um solcher schrecklichen Übelthaten willen ist er verbrannt worden.</p> - -<p>Im Jahre 1620 regierte die Pest zu <em class="gesperrt">Gottesgab</em>, davon der Ort halb -ausstarb. Der Totengräber kam in Verdacht, er habe die Seuche mit bösen -Mitteln verursacht. <em class="gesperrt">Hans Leonhard</em>, ein verwegener Mühlknecht, der eben -aus dem Kriege gekommen, wagte sich hinein in des Totengräbers Häuslein -und fand einen Totenkopf über dem Ofen hängen. Darüber hat er sich erbost -und den Totengräber samt seinem Weibe krumm und lahm gehauen. Er holt -Feuer und brennt das Spital gar weg. Aus dem sind zwar die tödlich Geschlagenen -gekrochen. Aber dennoch sind sie an ihren Wunden gestorben.</p> - -<p>Im Jahre 1630 hatte eine gewisse Pittelin zu <em class="gesperrt">Abertham</em>, einem früher -durch seinen Käse berühmten Dorfe, die Pest durch Zaubermittel vermehren -helfen. Wie sie in der Marter bekannte, hat sie eine Bürste neben eine Leiche -ins Grab geworfen, welche dann auf ihren Rat wieder herausgenommen werden -mußte, denn sonst würde nach ihrer Aussage ganz Abertham aussterben. Schon -263 Personen waren gestorben. Es hat sich mit der Bürste auch also befunden -und wurde diese Pestzauberin am 18. November in <em class="gesperrt">Joachimsthal</em> an einem -Pfahl mit dem Strange erwürgt, die Tochter von 13 Jahren enthauptet, beide -Körper verbrannt und der Sohn des Landes verwiesen.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Gräße. -</p> - -<h4>5. Die letzte Pest im Erzgebirge.</h4> - -<p><em class="gesperrt">Pestopfer</em> waren an Zahl 1582 in Großrückerswalde 51, 1585 in -Schwarzenberg 54, 1586 in Geyersdorf 86, in Kleinrückerswalde 61, 1607 -in Aue 73, in Wiesenthal 50, in Joachimsthal 204, 1613 in Wiesa 133, -1625 in Zöblitz 323, 1626 in Gottesgab 178, in Breitenbrunn 81, in Schwarzenberg -205, 1633 in Joachimsthal 800, in Breitenbrunn 145, in Marienberg -117, 1634 in Wiesa 145, 1636 in Gottesgab 107, 1637 in Schwarzenberg -262, in Bernsgrün 52, in Lengefeld 80, 1639 in Gottesgab 114, in Fernrückerswalde -205, in Cranzahl von 1582 bis 1640 auf 200.</p> - -<p>1679 wütete in Wien die Pest. Von da aus verbreitete sie sich auch -nach Prag und schritt dann über die Grenze nach Sachsen.</p> - -<p>Am 24. Oktober 1679 wurde ein »Fast-, Bet- und Bußtag um pestilenzialischer -Krankheiten« feierlich begangen. Furchtbar trat der Würgengel im Erzgebirge -auf. In Freiberg sollen 1200 Menschen dahingestorben sein.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_95">[95]</a></span></p> - -<p>1680 zeigte sich der erste Pestfall in <em class="gesperrt">Marienberg</em>, ihm folgten 554 -Personen. In Wolkenstein fielen der Krankheit viele zum Opfer. Annaberg, -Schneeberg und Chemnitz wurden abgesperrt. In <em class="gesperrt">Annaberg</em> ließ man einen -Spitzenhändler, welcher aus einem angesteckten Orte kam, durch den Steckenknecht -oder Gerichtsdiener gleich nach seinem Eintritte aus der Stadt bringen. -So erging es einem andern, der bald auf freiem Felde hilflos niederfiel und -verstarb. In der Stadt trat Brotmangel ein. Die Bürger <em class="gesperrt">Lahl</em> und <em class="gesperrt">Scheuereck</em> -setzten das eigene Leben daran, ihre Leidensgenossen durch den gefahrvollen -Ankauf von Lebensmitteln vom Hungertode zu erretten. <em class="antiqua">Dr.</em> Macasius besuchte -ohne Scheu die Kranken und starb bald selbst. In Marienberg starben beide -Geistliche. In Rauenstein starben sieben Abendmahlsgäste. Bei Reifland -nahmen die Geängstigten das Abendmahl unter freiem Himmel. An der Stelle -errichtete man einen Denkstein zur Erinnerung an das letzte Pestjahr in Sachsen.</p> - -<p class="right"> -Nach Lehmann und B. Schlegel. -</p> - -<h3 id="sec48">48. Die Teuerung und Hungersnot im Erzgebirge in den Jahren -1771 und 1772.</h3> - -<p>Auch bei dem besten Ertrage der Felder unseres Erzgebirges ist derselbe -nie zur Ernährung der dichten Bevölkerung hinreichend. Wir sind bei dem -Getreideeinkauf auf die Niederungen angewiesen, mit deren Bewohnern wir -gegen unsere Industrieerzeugnisse Brot eintauschen. Jetzt umspannt das Eisenbahnnetz -den ganzen Erdteil, aus den entferntesten Gegenden kann mit Leichtigkeit -Getreide herbeigebracht werden. Wie war es aber früher, als es noch -keine Bahnen gab, die Straßen noch nicht im besten Zustande waren und oft -der verschneite Hohlweg den Verkehr auf Tage, ja auf Wochen hinaus hemmte? -Auch in den Zeiten vor den Eisenbahnen mußte das Getreide drunten im -Niederlande gekauft oder aus den gesegneten Gefilden des nahen Böhmerlandes -herbeigeschafft werden. Der Haupthandelsplatz war die Stadt Zwickau, hierher -brachte der Altenburger Bauer sein Korn, der Müller und Bäcker aus dem -Gebirge kaufte da ein. Wenn aber auch in den Niederungen Mißernte eingetreten -war, wenn Böhmen die Grenzen sperrte und kein Getreide hereinließ, -dann pochte die drückende Sorge um das tägliche Brot an die Pforten der -Wohnungen der sonst so frohgesinnten Gebirgsbewohner, dann trat wohl eine -Hungersnot ein, wie sie die Altvordern in den Jahren 1771 und 1772 erlebt -haben.</p> - -<p>Schon im Frühjahre 1770, als ein später Schneefall den Wintersaaten -großen Schaden zufügte und darauf anhaltendes Regenwetter folgte, begann -eine allgemeine Besorgnis um die Zukunft sich der Gemüter zu bemächtigen; -sie bestätigte sich in den seit Johannis von Woche zu Woche steigenden Getreidepreisen -und in einer Mißernte, die sich nicht bloß über das Erzgebirge, -nicht bloß über Sachsen, sondern über die fruchtreichsten Gegenden Deutschlands -erstreckte. War die Bedrängnis schon groß, welche dadurch für die dichte Bevölkerung -unseres Obererzgebirges herbeigeführt wurde, so mußte sie sich zur -höchsten Not steigern, als im nächsten Jahre der späte Schneefall und die -regnerische Witterung sich wiederholte. Die Felder boten den düstersten Anblick, -sie waren von den Eigentümern entweder mit selbst erbautem geringen -oder teuer erkauftem Samen möglichst dünn bestreut, oder aus Mangel an -solchem gar nicht besät, und die Kartoffelsaat war hier und da von den Armen -wieder aufgewühlt. So ließ sich das Schlimmste befürchten, eine nochmalige -Mißernte. Und sie trat ein! – trat zu einer Zeit ein, als auch die anderen<span class="pagenum"><a id="Seite_96">[96]</a></span> -Nahrungsquellen bei der herrschenden Gewerblosigkeit versiegten und alle Zufuhren -aus Sachsens Kornkammern, aus Böhmen und Altenburg gehemmt -waren. Da entrollte sich endlich vollständig das Bild der furchtbarsten Hungersnot, -die je erlebt worden war. Man sah ganze Scharen von Bettlern umherziehen, -darunter Greise, die von ihren Angehörigen nicht mehr ernährt, fremde -Unterstützung suchen mußten, Jünglinge, die, sonst kräftig und blühend, jetzt -halb verschmachtet, mehr durch ihren Anblick, als durch Worte sich Mitleid erflehten; -Männer, die nach Verkauf des letzten, was sie hatten, selbst ihrer -Werkzeuge, an den Bettelstab gebracht waren, viele, die bisher in Wohlstand -gelebt, jetzt mit bitteren Thränen anderer Milde ansprechen mußten. – Man -sah Scharen von Kindern, die, von Eltern hilflos gelassen, Brot aus reicheren -Händen zur Stillung ihres Hungers zu erlangen suchten. Die Zahl der -Bettler war so groß, daß, wie z. B. Pastor Oesfeld aus Lößnitz versichert, -an einem Tage oft mehr als 400 vor den Thüren die Mildthätigkeit in Anspruch -nahmen.</p> - -<p>Der Kornpreis war vom Frühjahr 1770 bis dahin 1772 von 1 Thlr -4 Ggr auf 14 Thlr gestiegen. Wie vielen Familien mochte es da unmöglich -geworden sein, das tägliche Brot zu kaufen. So nahm man seine Zuflucht -selbst zu den unnatürlichsten Nahrungsmitteln: die gröbsten Kleien, unreife -Waldbeeren, gekochtes Gras, zerriebene Baumrinde als Mehl und dergleichen -mehr mußte zur Stillung des peinigenden Hungers dienen.</p> - -<p>Die unausbleiblichen Folgen waren bösartige, ansteckende Fieber, die -allenthalben die Opfer des Todes im Jahre 1772 ins Unglaubliche vermehrten. -In <em class="gesperrt">Annaberg</em> zählte man deren im erwähnten Jahre 490, während nur 89 -Kinder geboren wurden. Auf der Scheerbank starb im Februar innerhalb -vierzehn Tagen ein Haus, welches von 9 Personen bewohnt war, ganz aus. -Nach einer Angabe des <em class="gesperrt">Geyerschen</em> Rates hatte man am 19. Mai schon -192 Leichen, darunter 50 Hausbesitzer. In <em class="gesperrt">Ehrenfriedersdorf</em> konnte man -keine Bretter mehr auffinden zu Särgen für die Verstorbenen. Im Quartalbuch -der Fleischer in derselben Stadt heißt es vom Jahre 1773: »Das ehrsame -Handwerk ist so in Verfall gekommen, daß keiner imstande gewesen ist, -etwas zu schlachten. Das liebe Brot mußte mit Einteilung gegessen werden. -Es sind in diesem Jahre 585 Personen gestorben.« Die meisten Bewohner -waren vom Hunger völlig abgemattet. Manche sanken auf offener Straße -um und blieben tot. Wie es in solcher Zeit um die Ernährung und Pflege -der Kinder im Hause und ihrer Sittlichkeit außer demselben stand, kann man -leicht vermuten.</p> - -<p>Das 49. Stück des Dresdner gelehrten Anzeigers vom Jahre 1772 schreibt: -Hier ist ein Auszug aus einem Briefe eines sicheren Mannes, der am 4. September -die Gegend nach <em class="gesperrt">Johanngeorgenstadt</em> zu durchreist hat: Ich habe -das Elend in <em class="gesperrt">Breitenbrunn</em>, <em class="gesperrt">Rittersgrün</em>, <em class="gesperrt">Wiesenthal</em>, <em class="gesperrt">Crottendorf</em>, -<em class="gesperrt">Pöhla</em>, <em class="gesperrt">Wildenthal</em>, <em class="gesperrt">Eibenstock</em> und <em class="gesperrt">Neudorf</em> gesehen. Nie wünsche ich -mir und keinem andern, einen so traurigen Anblick wieder zu erleben. Schon -auf der Reise fand ich nicht wenige unbesäet gebliebene, zum Teil schon zur -Aussaat aufgerissene Felder: auf diesen nichts als etwas Gras, das kaum zur -Hutweide nutzen kann. Auf den Wiesen noch vieles Heu, das nicht hatte eingebracht -werden können und nun verderben mußte, weil das Zugvieh und die -erforderlichen Kosten gemangelt hatten, oder wo der Hauswirt krank oder gar -gestorben war und ein Haus voll hilfloser Waisen hinterlassen hatte; die Feldfrüchte, -die nur in wenig Roggen, meist in Hafer bestunden, gar dünn und<span class="pagenum"><a id="Seite_97">[97]</a></span> -noch hin und wieder grün wie Gras, und bei den schon einfallenden kalten -Nächten nicht viel Hoffnung zu ihrer Reife. Die im Vergleich mit anderen -Jahren wenig eingelegten Erdäpfel waren schon großenteils ausgegraben und -halb unreif verzehrt; die noch in der Erde liegenden der Dieberei ausgesetzt, -und auf allen Fall nur ein Vorrat auf einige Wochen. Das innere Elend -der Orte wage ich mich gar nicht zu schildern. Traurig war es von vielen -sogenannten Halb- und Viertelgutsbesitzern zu hören, daß sie nicht eine Hand -voll Samen ausgesät hätten, daß ihr Rindvieh größtenteils verstoßen und die -wenigen Pferde aus Mangel an Futter gefallen wären; noch viel trauriger, -die meisten Einwohner nicht so notdürftig bekleidet, daß sie ihre Blöße bedecken -konnten, ihre Wohnungen von allem Hausgerät, ihr Lager von Betten leer zu -sehen. Kleider, Wäsche, Betten, Haus- und Handwerksgeräte hatten die meisten, -so viele die eisernen Töpfe und bleiernen Röhren aus den Öfen, die Schlösser -von den Thüren und ihre Äxte verstoßen und um ein Geringes verkaufen -müssen, viele haben sogar die Fenster, die Ziegelsteine von den Feueressen etc. -aus Not verkauft. Viele Häuser, die ausgestorben waren, sind von ihren -Nachbarn eingerissen und das Holz verbrannt worden, um ihr und ihrer Kinder -Leben auf einige Tage zu fristen. Handwerker und Gewerbetreibende hatten -keinen Verdienst. Zu der schweren Arbeit in Eisenhämmern und Holzschlägen, -welche sonst den Mannspersonen ihren Verdienst schaffen, jedoch jetzt auch -liegen, sind sehr viele zu entkräftet. Oft müssen sie von der Arbeit wieder -abgehen, oft davon hinweggetragen werden; ja einige sind tot dabei liegen -geblieben. Ich habe Männer in ihren besten Jahren gesehen, die nicht im stande -waren, das ihnen geschenkte Holz im Walde zu hauen und herein zu holen. -Der Winter setzt die Männer außer allen Verdienst. Der Lohn bei den -Fabriken, für welche die Weibspersonen und Kinder arbeiten, reicht nicht zu, -das Brot der arbeitenden Person zu bezahlen, geschweige ganze Familien zu -ernähren, Kranke zu erquicken, Kleider, Betten, Hausgeräte anzuschaffen. Ja, -ich habe Klöpplerinnen gefunden, die der Hunger dumm und blind gemacht -hatte; andere, die wegen zurückgebliebener Mattigkeit und blöden Gesichts wie -die Kinder, wieder mit kleinen Zäckchen und schmalen Borten zu arbeiten anfangen -mußten. Ich erstaunte über die Gelassenheit der vielen Elenden, die -mir allenthalben entgegenkamen, aber selbst zu Kummer und Klagen schon zu -empfindungslos, zum Teil auch schon sorglos für sich und die Ihrigen waren, -weil sie, wie mir einige selbst sagten, sich auf den bevorstehenden Winter weder -zu raten noch zu helfen wußten. Viele haben sich schon des Lebens begeben. -Die Krankheiten hatten auch wieder sehr überhand genommen, vornehmlich durch -den Genuß unreifer Erdfrüchte und durch die Erkältung wegen Mangels hinlänglicher -Bedeckung am Tage sowohl, als besonders des Nachts. Die meisten -Genesenden können sich wegen der schweren Kost nicht wieder erholen. – Mit -Nahrungsmitteln, die im Niederlande zu dem notdürftigsten Unterhalte gehören, -kann man hier Sterbende retten. Doch habe ich in Breitenbrunn etliche vor -Hunger schon halb Verschmachtete gesehen, die keine Gabe mehr retten, sondern -ihnen den Tod nur weniger peinlich machen konnte. Viele wissen über keine -Krankheit noch Schmerz zu klagen, aber geschwollen, keuchend, ganz verschmachtet -taumeln sie umher, vermutlich sind ihre Eingeweide zusammengeschrumpft. – -Nur erst vor vierzehn Tagen hatte man in der Gegend von Eibenstock zwei -Kinder, die in den Wald gegangen waren, um sogenannte Schwarzbeeren zu -holen, auf der Straße aus Mattigkeit umgefallen und tot gefunden. Die -fremden Almosen nehmen ab und die Kollekten jedes Ortes sind, wenn gleich<span class="pagenum"><a id="Seite_98">[98]</a></span> -diejenigen, die noch wohlhabend heißen, über ihr Vermögen thun, doch ein -weniges für so viele Arme, die sich täglich vermehren. Mancher, der noch -vor etlichen Monaten Almosen gab, bittet jetzt um Almosen, und dadurch -wächst die Zahl der Armen, so viel auch hinwegsterben, doch immer wieder so -sehr, daß die an sich beträchtlichen Gnadengeschenke nur kleine Gaben werden. -150 Scheffel Korn mußten jüngst unter 12 800 Arme verteilt werden.</p> - -<p>Ferner teilt die erwähnte Zeitung später mehr mit: Bei einem Bereisen -einiger Dorfschaften im Monat März fand ein gebirgischer Medikus zu <em class="gesperrt">Rittersgrün</em> -in einem Hause den Wirt mit seiner Frau und sechs Kindern in äußerster -Armut, das siebente, eine Tochter von neunzehn Jahren, die für sich und die -übrigen noch Brot verdienen konnte, war vor etlichen Wochen gestorben, eine -Tochter von sechzehn Jahren lag seit einigen Tagen vor Hunger, ein Kind -von neun Jahren an Hitze und Geschwulst, eins von sieben Jahren an der -Auszehrung darnieder. Von zwei Broten, die der Hausvater in einer Woche -noch verdienen konnte, und etwas Milch von seiner Kuh mußten sie alle leben. -Seine Kinder zu retten hatte er diese Kuh verkaufen wollen, aber nirgends -einen Käufer gefunden. In einem andern Hause waren drei Genesene, aber -der Hunger warf sie aufs neue nieder. Ein Hausgenosse war vor zwei Tagen -verhungert, lag aber noch in dem Bette, in dem er gestorben war, weil Witwe -und Kinder, alle ganz unbedeckt, nichts zum Sarge auftreiben konnten. Nicht -weit davon lag der Wirt vom Hause abgemattet auf dem Boden, ohne etwas -klagen zu können. Dessen Bruder mit seiner Frau nebst sechs Kindern waren -seit sechs Wochen eins nach dem andern verhungert. – In <em class="gesperrt">Crottendorf</em> -fand man einen Hausgenossen, dem in der Nacht vorher ein Kind verhungert -war, und zwei Kinder nebst der Mutter lagen verschmachtet dem Tode nahe. -Aus eben diesem Hause war ein Knabe betteln ausgegangen, aber abends nicht -heimgekommen. Tags darauf, da man das Haus öffnete, lag er tot vor der -Thüre, ohne Geld, ohne Brot etc.</p> - -<p>Der Notschrei, welcher vom Gebirge her erklang, fand im ganzen Sachsenlande -und darüber hinaus Widerhall, durch Spenden suchte man die Not zu -lindern. Seit dem 12. Januar 1771 bis zu Ende 1773 sind allein aus dem -Leipziger privil. Intelligenz Comtoir 25 726 Thlr 6 Gr 9 Pfg bares Geld, -300 Scheffel Getreide, 37 Zentner Reis, auch viele Bücher und Kleidungsstücke -an eingegangenen Wohlthaten in unser Gebirge zu verzeichnen. Bereits im -Januar 1772 bekam der Stadtrat zu <em class="gesperrt">Annaberg</em> 100 Thaler von einem unbekannten -Wohlthäter in Leipzig, wovon 644 Brote, jedes zu 3 Pfund an -399 Familien oder an 1052 Personen verteilt wurden. Chemnitz, Ehrenfriedersdorf, -Eibenstock, Geyer, Johanngeorgenstadt und Schneeberg werden als -die Schauplätze des größten Elends damaliger Zeit genannt.</p> - -<p>Die immer hoffnungsreicher hervortretende Ernte des Jahres 1773 richtete -endlich die fast bis zur Verzweiflung niedergebeugten Gebirgsbewohner wieder -auf und half durch ihre gesegneten Gaben die letzte Not überwinden. Der -Scheffel Korn, welcher 1772 mit 14 bis 15 Thalern bezahlt wurde, galt 1773 -nur 4 Thaler und Anfang des Jahres 1777 nur 2 Thaler. Die Kartoffeln -kosteten während der Hungerjahre der Scheffel 2 Thaler 18 Groschen, am -Anfang des Jahres 1774 nur 6 bis 8 Groschen. In einigen Städten ließ -man Gedenkmünzen schlagen, auf welchen die Getreidepreise in den Zeiten der -großen Teuerung verzeichnet stehen. Das <em class="gesperrt">Annaberger Museum erzgebirgischer -Altertümer</em> besitzt deren mehrere, eine solche Bleimedaille aus -dem Jahre 1772 zeigt z. B. auf der Vorderseite: Sachsens Denckmahl 1771.<span class="pagenum"><a id="Seite_99">[99]</a></span> -1772. große Theurung, schlechte Nahrung. Die Rückseite besagt: im Gebürge -galt 1 Sch: Korn 13 Th: 1 Sch: Weitze 14 Th: 1 Sch: Gerste 9 Th: 1 Sch: -Haber 6 Th: 1 Pfd. Butter 8 gr. 1 Pfd. Brodt 2 gr. In Geyer ward am -16. August 1773 mit dem Erntedankfest das ausgeschriebene allgemeine Dankfest -für Rettung aus der großen Drangsal verbunden. Mit welcher Rührung und -Inbrunst mögen die Geretteten daran teilgenommen haben!</p> - -<p>Im September des Jahres 1773 bereiste der damalige Kurfürst und -spätere König Friedrich August I. nebst Gemahlin und Gefolge das Gebirge, -überall reiche Mittel und infolge seiner Teilnahme Trost spendend.</p> - -<p>Von Marienberg ging am 1. September die Reise zu Pferde über Ehrenfriedersdorf, -Geyer, Zwönitz, Lößnitz, Schlema nach Schneeberg und von da -an demselben Tage wieder zurück nach Marienberg. Am 2. September war -der hohe Herr in Annaberg. Dort wäre er beinahe verunglückt, weil das -Pferd vor den Schüssen scheute, die man am Pöhlberge ertönen ließ, als er -die Pöhlbergstraße aufwärts ritt.</p> - -<p class="right"> -Nach Lungwitz. -</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_100">[100]</a></span></p> - -<h2 id="o5">Fünfter Abschnitt.<br /> -Das Wirtschaftsleben des Obererzgebirges.</h2> -</div> - -<h3 id="sec49">49. Die obererzgebirgische Kohlenbrennerei.</h3> - -<h4><em class="antiqua">a.</em> Die Entstehung des Gewerbes.</h4> - -<p>Der Name <em class="gesperrt">Köhler</em> gehört so recht dem Erzgebirge an, wo das Kohlenbrennen -seit Jahrhunderten für zahlreiche Bewohner einen Erwerbszweig bildete, -der noch in der Gegenwart, freilich bedeutend sparsamer, in den oberen Waldbezirken, -bei Zöblitz, Hirschenstand, Carlsfeld und Morgenröte, bei Göttersdorf -in Böhmen und anderwärts angetroffen wird.</p> - -<p>In der Geschichte und in den Sagen treten wiederholt Köhler auf. Der -Köhler Georg Schmidt befreite am Fürstenberge bei Schwarzenberg den Prinzen -Albert aus den Händen des Kunz von Kaufungen; ein Köhler soll im Jahre -1458 im Walde beim Abräumen seines Meilers ausgeschmolzenes Zinn gefunden -haben, was Veranlassung zur Gründung der Bergstadt Altenberg gab. -Köhler haben sich nach der Sage zur Zeit der Hussitenkriege im Walde, da -wo jetzt <em class="gesperrt">Crandorf</em> liegt, ihren Kohlenkram, d. h. Hütten aufgebaut, weshalb -man den daselbst entstandenen Ort zuerst Kram- und später <em class="gesperrt">Crandorf</em> genannt -habe.</p> - -<p>Als im Gebirge an zahlreichen Orten Eisenhütten entstanden, brannte man -auch überall in deren Nähe das Holz zu Kohlen, da diese zum Ausschmelzen -der Erze nötig waren. In der 1697 erneuerten kurfürstlichen Holzordnung -von 1560 wurde aber bestimmt, daß die Köhler das Holz nicht mehr selbst -schlagen lassen durften und das Kohlenbrennen nur noch vom 25. März bis -16. Oktober zu gestatten sei.</p> - -<p>In früherer Zeit wurden die Kohlen da und dort auch in muldenförmigen, -ungefähr einen Meter tiefen Gruben gebrannt, in welche man Reisig und Holzabgänge -warf, diese dann anzündete und mit Erde bedeckte. Man erhielt auf -diese Weise die sogenannten Grubenkohlen. Das gebräuchlichste Verfahren bestand -aber, wie noch jetzt, im Verkohlen aufgebauter Meiler. Die größeren -Kohlen wurden zur Verwendung für die Zerrennfeuer, durch welche das -Schmelzen des Eisens, um es weicher und geschmeidiger zu machen, wiederholt -ward, mit Dreschflegeln in kleinere Stücke zerschlagen.</p> - -<p>Es wird den Köhlern das Verdienst zugeschrieben, den Wald nach und -nach urbar gemacht und das Dorf <em class="gesperrt">Ansprung</em>, welches im 16. Jahrhundert -<em class="gesperrt">Aschberg</em> hieß, gegründet zu haben. Es haben aber gewiß auch die <em class="gesperrt">Aschebrenner</em> -ihren Anteil an der Besiedelung der Gegend; der Name dürfte auf das -frühere Äschern, d. h. Aschebrennen zu Pottaschebereitung, zurückzuführen sein.</p> - -<p>Ehemalige Meilerstätten trifft man noch häufig im Gebirge an; manche -derselben stammen jedenfalls aus sehr alter Zeit. In der Mitte einer Meilerstätte -ward eine Stange eingeschlagen. Unten hin legte man trockenes »Zünderholz«, -dann wurden Stöcke rundum aufgeschichtet; obenauf legte man schräg<span class="pagenum"><a id="Seite_101">[101]</a></span> -Scheitholz, sodaß das Ganze wie ein gewölbter Backofen erschien. Die Eindeckung -erfolgte mit Fichtenreisig, Erde und Rasen. Der Köhler hat mittels -der Zündlöcher für Gleichmäßigkeit im Brande zu sorgen. Mit dem Schürbaum -stößt er Löcher in die Decke, um nachzufüllen. 10 Tage dauert die -Arbeit. Einfach ist die Köhlerhütte in seiner Nähe.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Köhler. -</p> - -<h4><em class="antiqua">b.</em> Eine Köhlerwohnung in alter Zeit.</h4> - -<p>Umkränzt von riesigen Fichten rauchten und dampften kegelförmig gebildete -Meiler, und an die gewaltigen Baumstämme lehnten sich niedrige, kunst- und -schmucklos von eigner Hand erbaute Lehmhütten, vor den brausenden Waldstürmen -der Höhe Schutz suchend, an.</p> - -<p>Höchst einfach, nach unseren Begriffen mehr als ärmlich, sah es in diesen -Hütten aus. Von Dielen erblickte man keine Spur, nur in der Mitte erhob -sich ein Tisch von ungehobelten Brettern auf vier in die Erde eingeschlagenen -Pfählen, umgeben von einigen gleichartigen Bänken und Holzschemeln.</p> - -<p>In einer Ecke stand der Ofen, wenn man eine Vertiefung im steinigen -Boden, von einigen Mauersteinen umgeben, so nennen will, in welchem fast -beständig ein helles Feuer brannte, bei dem die einfachen Gerichte gekocht oder -gebraten wurden. Einige rußige Töpfe und unförmliche Tiegel, sowie hölzerne -Teller und Löffel waren das einzige Haus- und Küchengeräte. Schlösser an -den Thüren wären unnötig gewesen; denn wer sollte aus jenen Lehmhütten -in finsterer Nacht etwas Erhebliches stehlen? – Unter dem Dache standen die -Betten, unter welchen man sich kunstlose Lagerstätten von Waldmoos, Heu -oder Stroh auf rohen Dielen zu denken hat. Eine Esse hielt man ebenfalls -für überflüssig, denn der Rauch fand durch die verschiedenen Ritze in der Thür -und in den Wänden einen ganz gemütlichen Ausweg. Die Stelle der Fenster -ersetzten einige viereckige Löcher in der Wand, durch die der goldene Sonnenstrahl -die inneren Herrlichkeiten erleuchtete und welche bei stürmischem Schnee- -und Regenwetter mit einem Brette verschlossen wurden.</p> - -<p class="right"> -Nach Müller. -</p> - -<h4><em class="antiqua">c.</em> Das Harzen in früherer Zeit.</h4> - -<p>Lehmann berichtet: »Es heißt insgemein der ganze böhmische gegen Meißen -zu an der Zschopau und an dem Schwarzwasser bis über den Wiesenthalischen -Fichtelberg Harz- oder Schwarzwald, davon jährlich 1000 Zentner Pech abgeharzt -wurden.« Besonders die Crottendorfer harzten viel und zogen handelnd -in die Fremde und blieben oft Jahre aus. Das Harzen erpachteten die -Schwarzenberger im 16. Jahrhundert von den Tettaus. 1648 wurde das -Zinspech in Geld verwandelt. Die Pechgewerken hatten 80 fl Zins abzustatten. -Vor alters mußte der fünfzehnte Zentner Zinspech ins kurfürstliche Amt geliefert -werden. 1666 waren die Hölzer so verhauen und verkohlt, daß man -kaum zwei Zentner Pech herstellen konnte.</p> - -<p>Die Rinden der Bäume wurden mit dem Harzeisen der Länge nach aufgerissen. -Im folgenden Jahre wurde das ausgetriebene Harz abgeschabt. In -der Pechhütte ward es in Kesseln gesotten und dann in Formen gegossen.</p> - -<h3 id="sec50">50. Der ehemalige Zinnbergbau.</h3> - -<p>Gegenwärtig beobachtet man noch an manchen Orten unseres Obererzgebirges -<em class="gesperrt">Raithalden</em>, das sind Anhäufungen tauben Trümmergesteins, das<span class="pagenum"><a id="Seite_102">[102]</a></span> -nach dem Zinnseifen oder Auswaschen des Zinnerzes übrig geblieben ist. Diese -Halden sind durchwühlt worden. Durch Zuführung von Wasser wurde aus -ihnen nicht nur das Zinnerz, sondern auch die Feinerde ausgeschieden. Nach -Mathesius in Joachimsthal führte der Zinnwäscher Wasser in zinnhaltige Gebiete -und stach eine torfähnliche Masse. Grobe Stoffe und Steine warf man -mit der Gabel heraus. Der gute Stein setzte sich dann zu Boden. Man -reiniget ihn, um dann das Zinn zu gewinnen. Diese Seifen befanden sich -besonders in flachen Thalmulden. Außer Zinnstein fand man auch Topas, -Opal, Beryll, letzten besonders im Denitzgrunde bei Eibenstock. Auch Goldkörner -fand man, so 1733 am Auersberge eins von 13 Aß Gewicht, das in -demselben Jahre dem Kurfürsten bei der Huldigung in Freiberg überreicht wurde.</p> - -<p>Sehr zahlreich waren die Seifenwerke im Gebiete von Schneeberg und -Eibenstock. Zahlreich waren auch im 17. und 18. Jahrhundert die Seifen in -der Umgegend des Dorfes Bockau. Da hat man in jedem Thälchen nach -Zinnerzen gesucht. Das geschah im ganzen Gebirge bis nach Johanngeorgenstadt -hinauf.</p> - -<p>Besonders bemerkenswert sind die Seifen bei Geyer und Umgebung, die -zu den ältesten gehören. Der jetzt durch seine Spielwaren weit bekannte Ort -Seiffen verdankt seine Entstehung auch dem Zinnbergbau.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Köhler. -</p> - -<h3 id="sec51">51. Der ehemalige Silberbergbau.</h3> - -<h4><em class="antiqua">a.</em> Altes Berglied.</h4> - -<p><em class="gesperrt">Ein Bergmann:</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Wenn der Schacht erst eingesenket,<br /></span> -<span class="i0">Fahrt und Sprossen wohlverwahrt,<br /></span> -<span class="i0">Seil und Kübel eingehenket,<br /></span> -<span class="i0">Ist des edlen Bergmanns Art,<br /></span> -<span class="i0">Daß er mit Schlegel und Eisen<br /></span> -<span class="i0">Mag seine Kunst erweisen!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Der volle Chor:</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Daß er mit Schlägel und Eisen<br /></span> -<span class="i0">Mag seine Kunst erweisen!<br /></span> -<span class="i6">Hurra! – Glückauf!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Ein Bergmann:</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Wenn das Glöcklein drei thut läuten,<br /></span> -<span class="i0">So heißt's: Bergmann, steh' auf mit Freuden,<br /></span> -<span class="i0">Es heißt: Bergmann, geh' auf die Zech,<br /></span> -<span class="i0">Dann wirst du wohl finden<br /></span> -<span class="i0">Steiger, Häuer und die Knecht!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Chor:</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Steiger, Häuer und die Knecht!<br /></span> -<span class="i6">Hurra! – Glückauf!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Ein Bergmann:</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Zünd' ich an mein Grubenlicht,<br /></span> -<span class="i0">So heißt's: Bergmann, fahr an die Schicht,<br /></span> -<span class="i0">Fahr ein die Schächtlein tief und lang,<br /></span> -<span class="i0">Dann wirst du wohl finden<br /></span> -<span class="i0">Einen schönen Silbergang.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Chor:</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Einen schönen Silbergang.<br /></span> -<span class="i6">Hurra! – Glückauf!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Ein Bergmann:</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Und als ich kam vor meinen Ort,<br /></span> -<span class="i0">Da saßen die lieben Engelein und wachten dort.<br /></span> -<span class="i0">Sie thun mich recht lehren und weisen,<br /></span> -<span class="i0">Wo ich soll ansetzen mit meinem Eisen.<br /></span> -<span class="i0">Schlag ich darauf mit allem Fleiß,<br /></span> -<span class="i0">Daß von mir abdringt der Schweiß,<br /></span> -<span class="i0">So bin ich doch derhalben nicht<br /></span> -<span class="i0">Verzaget, dieweil ich schönes Silber sah,<br /></span> -<span class="i0">Das Herzlein darauf thät lachen.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Chor:</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Das Herzlein darauf thät lachen.<br /></span> -<span class="i6">Hurra! – Glückauf!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Ein Bergmann:</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Wenn die Schicht verfahren ist,<br /></span> -<span class="i0">Ruf' ich zu dir, Herr Jesu Christ,<br /></span> -<span class="i0">Befehl' Leib' und Seel' in deine Hände.<br /></span> -<span class="i0">Du wirst mich wohl führen<br /></span> -<span class="i0">In das himmlische Zelt.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Chor:</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Du wirst mich wohl führen<br /></span> -<span class="i0">In das himmlische Zelt.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Chor:</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Du wirst mich wohl führen<br /></span> -<span class="i0">In das himmlische Zelt.<br /></span> -<span class="i6">Hurra! – Glückauf!<br /></span> -</div></div> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_103">[103]</a></span></p> - -<h4><em class="antiqua">b.</em> Die Namen der Zechen.</h4> - -<p>Was die Namen der Zechen nach ihrer Entstehung und Bedeutung anlangt, -so ist zu merken, nur die wenigsten knüpfen an die ursprüngliche Benennung -des Ortes an, wo sie entstanden, oder an bestimmte Eigentümlichkeiten -der Zeche selbst und der bei ihrer Eröffnung maßgebenden Umstände. Die -meisten erklären sich aus dem dem Bergmannsstande namentlich in früheren -Jahrhunderten vor anderen eigenen <em class="gesperrt">frommen Glauben</em> an die göttliche Allmacht, -zum Teil auch aus seinem Aberglauben. Frommer Glaube war maßgebend -bei den überaus zahlreichen Benennungen der Gruben nach Heiligen -und anderem, der Aberglaube in Namen wie Wilder Mann, Wilde Frau, -Einhorn, Löwe, Wolf, Rabe, Molch, Hase, Goldner Esel. Riesen und Einhörnern -schrieb man die Kraft zu, gewisse »Bergsäfte«, namentlich das Quecksilber, -zu edlem Erze zu verdichten. Der Molch sollte seinen Winterschlaf in -der Nähe geheimer Schätze halten. Wolf und Rabe galten als »weisende« -Tiere. Der Hase schien als fruchtbarstes Tier von guter Vorbedeutung zu -sein. Im Goldnen Esel hat man wohl gar eine Erinnerung an das Märchen -vom »Eselein, streck' dich« zu erblicken.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Bachmann. -</p> - -<h4><em class="antiqua">c.</em> Obererzgebirgische Bergleute in der Fremde.</h4> - -<p>Bekannt und gut beglaubigt ist die Überlieferung, daß im 12. Jahrhundert -in unserem Sachsen zunächst der <em class="gesperrt">Freiberger</em> Bergbau durch den Zuzug -<em class="gesperrt">Goslaer</em> Bergleute aus dem <em class="gesperrt">Harz</em> begründet worden sei. Nach seinen -ursprünglichen Bewohnern, sächsischen Bergleuten aus dem Harz, heißt heute -noch ein Teil von Freiberg die »Sächsstadt«. Es steht fest, daß umgekehrt -im 16. Jahrhunderte Bewohner unseres Landes, Bergleute aus dem <em class="gesperrt">Obererzgebirge</em> -und namentlich aus dem westlichen Teile desselben, der Gegend -von <em class="gesperrt">Freiberg</em>, <em class="gesperrt">Annaberg</em> und <em class="gesperrt">Schneeberg</em>, nach dem Oberharz gezogen -sind und dort Anlaß zur Gründung namentlich der Bergstädte <em class="gesperrt">Andreasberg</em>, -<em class="gesperrt">Clausthal</em>, <em class="gesperrt">Zellerfeld</em>, <em class="gesperrt">Wildemann</em>, <em class="gesperrt">Lautenthal</em> und <em class="gesperrt">Altenau</em> gegeben -haben. Zwar war schon im 13. Jahrhundert, von Goslar aus dahin verpflanzt, -auch auf dem Oberharz um das Kloster Celle her der Bergbau in -Blüte gekommen, aber dieser verfiel bald wieder, wie das Kloster selbst, bis -bald kaum noch eine Spur davon in dem wieder verödenden Lande sich zeigte. -Erst im Zeitalter der Reformation lockten reiche Silberanbrüche in der Gegend -des heutigen Andreasberg und anderswo eine bergbaulustige Bevölkerung wieder -herbei, nur konnte diese nicht aus der Nähe kommen, nicht aus <em class="gesperrt">Goslar</em>, das -vielmehr selbst des Zuzuges bedurfte und zudem mit den im Oberharz gebietenden -Fürsten verfehdet war, und nicht aus dem <em class="gesperrt">Mansfeldischen</em>, sondern -man mußte sie anderswo suchen. Daß man sich zu diesem Zweck nach dem -Erzgebirge gewendet, daß von dort her die ohnedies stets wanderlustigen und -auf jedes »neue Geschrei« hin leicht beweglichen Bergknappen zugeströmt seien, -das wird, soweit es nicht urkundlich bezeugt ist, durch folgendes bewiesen.</p> - -<p>Zunächst handelte es sich bei der Errichtung des neuen Bergwerks auf -dem Oberharz um <em class="gesperrt">Stollenbau</em>, auf welchen sich damals eigentlich nur -»Meißnische Bergleute« aus dem oberen Gebirge, die deshalb auch in aller -Welt gesucht waren, verstanden. Die Chroniken von Freiberg, Schneeberg, -Annaberg etc. wissen zu erzählen, wie Bergleute aus diesen Gegenden nach -allen Teilen Europas gekommen seien und dorthin ihr Bergrecht mitgebracht -hätten, ja selbst in <em class="gesperrt">Calcutta</em>, im fernen Indien, finden wir solche und kaum<span class="pagenum"><a id="Seite_104">[104]</a></span> -40 Jahre nach der Entdeckung Amerikas im Dienste der <em class="gesperrt">Welser</em> auf dem -fernen <em class="gesperrt">San Domingo</em>. Die Sendung einzelner hervorragender Bergverständiger, -Bergmeister etc. aus dem Erzgebirge nach dem Harz wird ausdrücklich -bezeugt, und es versteht sich ganz von selbst, daß diese nicht allein kamen, -sondern zur Ausführung der ihnen übertragenen Arbeiten Bergleute in größerer -Zahl mit sich führten. Diese ließen dann wieder, wie es heute noch Sitte der -Auswanderer ist, dafern es ihnen anders in der neuen Heimat gefiel und -daselbst wohlging, ihre Angehörigen und Freunde nachkommen, und so entstand -in dem Jahrhundert von 1520–1620 etwa eine größere Kolonie von aus -dem Meißnischen eingewanderten Bewohnern und damit eine <em class="gesperrt">Sprachinsel mit -oberdeutscher Mundart</em> mitten in dem sonst niederdeutsch sprechenden Gebiet. -Diese oberdeutsche Mundart aber ist die des Erzgebirges, und zwar des westlichen -Teiles desselben, und das ist der Hauptbeweis für die Herkunft der -ursprünglichen Bewohner jener Harzstädte aus unserem Erzgebirge.</p> - -<p>Es ist zu bemerken, daß die Ähnlichkeit des Oberharzischen und Obererzgebirgischen -in der That ganz außerordentlich groß und gemeinsame Abstammung -unabweisbar ist.</p> - -<p>Ferner ist bemerkenswert das überaus häufige Vorkommen derselben -<em class="gesperrt">Grubennamen</em> im Oberharz und Erzgebirge und daß mindestens die große -Hälfte der im Oberharz vorkommenden Namen den älteren Bergwerken des -Erzgebirges entnommen ist. Da es sich bei der Namengebung namentlich auch -um solche von guter Vorbedeutung handelte, so sind Namen besondere häufig, -die als Benennungen solcher Zechen, welche im Erzgebirge reiche Ausbeute gebracht -hatten, bekannt waren, wie z. B. der Name der stolzesten Schneeberger -Zeche, »St. Georg«, deren ausgebrachtes Silber auf 40 Tonnen Goldes, d. i. -4 000 000 Thaler, geschätzt wurde, auch im Harz vorkommt, ebenso die »St. -Anna«, die in Schneeberg schon 1478 gewaltig »schüttete« und 1528 von -allen Gruben die größte Ausbeute gab.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Bochmann. -</p> - -<h4><em class="antiqua">d.</em> Die bergmännischen Werkzeuge und sonstige Einrichtungen -in früherer Zeit.</h4> - -<p>Im Jahre 1497 findet man schon Spuren von den Kunstgezeugen in der -Schneeberger Gegend. 1504 bestand ebenda der erste bekannte Pferdegöpel. -1512 führte Sigismund von Maltitz auf Dippoldiswalde die <em class="gesperrt">nassen Pochwerke</em> -zuerst daselbst ein. Seit 1529 waren gedruckte Ausbeutebogen, seit -1533 sind Anschnittzettel statt der Kerbhölzer üblich. 1550 wurden die Stangenkünste -eingeführt, 1551 die Bergquartale statt der vorherigen Drittale, mit -Ausschluß des Obergebirges, wo man schon seit 1477 nach Quartalen rechnete. -Im Jahre 1555 wurde das Rohschmelzen erfunden; in die Jahre 1540 bis -1560 fällt die Aufkunft der Blaufarbenwerke. Im Jahre 1561 nahm die -Stollnmaurung ihren Anfang, 1567 die Grubenmaurung durch den Bergmeister -Martin Plauer in Freiberg. Vom Jahre 1578 schreibt sich die Anordnung -des Gebets auf den Gruben her. 1613 wurde das Sprengen mit Pulver -eingeführt. Seit 1649 stiftete man Quartal-Bergpredigten. In den Jahren -1710–1717 wurde die General-Schmelz-Administration eingeführt. Mit dem -Bergbohren machte damals man die ersten bekannten Versuche. 1731 schaffte -man beim Rechnungswesen die Meißnischen Gülden ab. 1765 ist die Freiberger -Bergakademie gegründet worden. Im Jahre 1768 ward das Tragen -der Berguniform verordnet und 1788 die Entführung der Amalgamation -versucht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_105">[105]</a></span></p> - -<p>Der erzgebirgische Bergstaat zerfiel am Anfange unsern Jahrhunderts in -das Oberbergamt und in das Oberhüttenamt zu Freiberg. Unter ersterem -standen die Oberzehntner- und Austeilämter in Freiberg und im Obergebirge, -wo wir finden die Bergämter Annaberg, Geyer, Ehrenfriedersdorf, Johanngeorgenstadt -mit Schwarzenberg und Eibenstock, Marienberg, Scheibenberg mit -Oberwiesenthal.</p> - -<p>Außer den Steigern giebt es: Kunstarbeiter, Ganghäuer, Helfersknechte, -Zimmerlinge, Doppelhäuer, Lehrhäuer, Siebsetzer, Treibeleute, Haspelmeister, -Nachtpocher, Gruben-, Wasch- und Scheidejungen. Eine Schicht umfaßt 4, 6 -oder 8 Stunden. Im Annaberger Bergamte gab es 5 Schichten die Woche, -weil Sonnabend frei war.</p> - -<p>Die Häuerglocke forderte zum Anfange auf. Seit 1595 wurde im Hut- -oder Zechenhause vor Beginn Betstunde gehalten. Im Huthause wohnt der -Steiger, der das Werkzeug bewahrt.</p> - -<p>Ist ein Arbeiter alt oder krank, so heißt er bergfertig. Die Büchsenpfennige -fließen in die Knappschaftskasse.</p> - -<p>Ehemals gab es in jedem Bergamte einen verpflichteten Rutengänger. -Für die Bergleute sind auch Getreidemagazine angelegt worden. Sie sind frei -von allen Abgaben.</p> - -<p>Schon der Bergknabe vom 6. Jahre an kennt und übt den Fleiß als -eine der ersten Tugenden, und dadurch wird sie dem Bergmanne gleichsam zur -andern Natur. Die Poch- und Scheidejungen müssen bei Karbatschenstrafe -oder Vogelbolzen täglich ihre bestimmte Zahl Körbe voll Erz pochen, ja sogar -die Feiertage in den Wochentagen nach und nach mit einbringen. Sie treiben -einander häufig durch Wetten an. Wer z. B. zum Johannisfeste am ersten mit -der bestimmten Arbeit fertig ist oder Schicht hat, heißt <em class="gesperrt">König</em> oder <em class="gesperrt">Staatslümmel</em> -und wird, mit Blumen oder Kränzen behangen, unter dem Vorantragen -einer roten Fahne mit Ehrenbezeigungen nach Hause geführt. Den -aber, der zuletzt Schicht hat, nennt man den <em class="gesperrt">faulen Lümmel</em> und begleitet -ihn, ihn mit diesem Namen neckend, nach seiner Wohnung.</p> - -<p>Ein Schacht ist eine viereckige Öffnung, die senkrecht in die Erde führt. -Dahinein führen Fahrten oder Leitern. Die Absätze zum Ruhen heißen Böhnen. -Das Innere ist ausgezimmert oder ausgemauert. Die Stolln führen wagerecht -ins Gebirge und dienen zum Wasserabfluß, zur Zuführung frischer Luft und -Abfuhr des Erzes auf Hunden.</p> - -<p>Gänge nennt der Bergmann nach ihrem Gehalte edel oder taub, mächtig -oder leer.</p> - -<p>Fäustel, Schlägel, Bohrer sind Werkzeuge des Bergmanns. Das Zutagefördern -geschieht mit dem Haspel, an dem durch einen an dem Seile hängenden -Kübel die Erze emporgewunden werden. Tiefe Gruben brauchen den Göpel, -welchen Pferde oder Wasser treiben. Das Wasser heben die »Künste« empor, -deren Pumpen durch Räder getrieben werden.</p> - -<p>Bergbauanteilscheine heißen Kuxe.</p> - -<p>Im Berggebiete war das Holz ein wichtiges Bedürfnis. Das Auszimmern -der Schächte und Stolln, der Wasser- und Maschinenbau, die Schmelzöfen, -Schmiedehammer, Siedewerke, Pechhütten und dergleichen verschlangen viel Holz. -Schon im Anfange des 15. Jahrhunderts merkte man das. Der Bergbau, -das damalige weit stärkere Brauwesen, die häufigen Brände nagten um die -Wette an dem Kern der Waldungen. Hierdurch wurden die ersten Flößen -aus holzreichen in holzärmere Gegenden veranlaßt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_106">[106]</a></span></p> - -<p>Steinkohlen benutzte man erst in der Mitte des 16., Torf im Anfange -des 17. Jahrhunderts.</p> - -<p>Der erste sächsische Fürst, der vom Bergsegen den besten Gebrauch machte, -war der Kurfürst August. Er ließ herrliche Schlösser bauen, kaufte große -Güter an, richtete nützliche Anstalten ein, rief Künstler und Handwerker ins -Land und sorgte bei alledem noch für seinen Schatz. Unter ihm erhielt das -Bergwesen weit bessere Einrichtung, und er ist als der eigentliche <em class="gesperrt">Gesetzgeber</em> -des Bergwesens zu betrachten.</p> - -<h4><em class="antiqua">e.</em> Die Verbreitung des obererzgebirgischen Bergbaues.</h4> - -<h5>1. In seiner Blütezeit.</h5> - -<p>Erwiesenermaßen ist der <em class="gesperrt">Freiberger Bergbau</em> der älteste unseres Landes, -und zwar fällt die Entdeckung der Freiberger Erzgänge in die Zeit zwischen -1162 und 1170. Die Sage von dem Goslarer Fuhrmann weist auf Bergleute -aus dem Harze hin, von wo auch eine Einwanderung bergbaukundiger -Sachsen in unser Erzgebirge in den Jahren 1167 und 1181 im Zusammenhang -mit den Kämpfen zwischen <em class="gesperrt">Heinrich dem Löwen</em> und den niedersächsischen -Fürsten und Städten erfolgte. Um diese Zeit regierte <em class="gesperrt">Otto der -Reiche</em> in Sachsen. Die beginnende Ausbreitung des Bergbaues tritt im -ganzen in Wechselbeziehung zu der fortschreitenden Besiedelung unserer Gegend, -das heißt, entweder begann man da, wo deutsche Niederlassungen auf dem -Waldgebirge entstanden, nach Erz zu graben oder der Erzsucher schweifte mit -seiner Wünschelrute durch die Bergwildnis, und da, wo er Erzgänge erschloß, -entstanden neue Niederlassungen.</p> - -<p>Im 13. Jahrhunderte finden wir die <em class="gesperrt">Herren von Waldenburg</em> bereits -im Besitze von Silberbergwerken zu <em class="gesperrt">Wolkenstein</em> und von Zinn- und Silbergruben -auf dem Sauberge bei <em class="gesperrt">Ehrenfriedersdorf</em>. Mit dem Tode <em class="gesperrt">Heinrichs -des Erlauchten</em>, 1288, schließt die erste Glanzzeit des Freiberger Bergbaues. -Dann kommt die Zeit, in welcher die Menschen in den Schoß der Erde eindringen -müssen. Der beschwerliche Schacht- und Stollenbau ward nun erforderlich. -Aus den Jahren 1335 und 1339 stammen dann die ersten Nachrichten -über den Bergbau in dem unter die <em class="gesperrt">Burggrafen von Meißen</em> gehörigen -Gerichte <em class="gesperrt">Frauenstein</em>, sowie in dem zur Grafschaft <em class="gesperrt">Hartenstein</em> -gehörigen Gebiete des Klosters <em class="gesperrt">Grünhain</em>.</p> - -<p>Im 15. Jahrhunderte kam neues Leben in den Bergbaubetrieb durch das -Fündigwerden der mächtigen Erzgänge auf dem <em class="gesperrt">Schneeberg</em>. Damit beginnt -die zweite Blütezeit des erzgebirgischen Bergbaues. 1606 wurde eine neue -Bergordnung von den Landesherren erlassen.</p> - -<p>Im Gebiete der <em class="gesperrt">Herren von Waldenburg</em> fand ein lebhafter Bergbaubetrieb -um das Jahr 1407 bei <em class="gesperrt">Wolkenstein</em>, <em class="gesperrt">Ehrenfriedersdorf</em>, <em class="gesperrt">Thum</em>, -<em class="gesperrt">Geyer</em> und <em class="gesperrt">Zschopau</em> statt. Als 1470 bei <em class="gesperrt">Schneeberg</em> das Hauptsilberlager -erschlossen wurde, da verließ der Bauer Acker und Pflug, der Handwerker -Werkstatt und Heimatsort; alles strömte hinauf nach dem Schneeberg, -um dort das erträumte Glück zu erjagen. Einzelnen gelang es; Hunderte -kehrten als Bettler, getäuscht und verspottet, nach Hause zurück. Am Schneeberg -sanken die uralten Fichten- und Eichen-, Buchen- und Ahornwälder unter -der Köhleraxt dahin; sie alle verschwanden in den gierigen Schloten zahlloser -Schmelzhütten. Am Anfange des nächsten Jahrzehntes begann ein <em class="gesperrt">Herr von -Schönburg-Glauchau</em> in <em class="gesperrt">Beierfeld bei Schwarzenberg</em> nach Silber zu<span class="pagenum"><a id="Seite_107">[107]</a></span> -graben und den schon früher betriebenen Bergbau am Galgenberge bei <em class="gesperrt">Elterlein</em> -fortzusetzen. Im Jahre 1484 sehen wir weiter ein Bergwerk, die »Mönchsgrube« -bei <em class="gesperrt">Wüstenschletta</em>, später <em class="gesperrt">Marienberg</em>, in Betrieb, während ein -Jahr später eine ältere, am <em class="gesperrt">Eisenberg bei Geyer</em> gelegene Fundgrube wieder -aufgethan wird. Schließlich werden in derselben Zeit noch die Orte <em class="gesperrt">Breitenbrunn</em>, -<em class="gesperrt">Breitenbach</em>, <em class="gesperrt">Ober- und Niederjugel</em> in Urkunden erwähnt. -Nicht minder zahlreich sind endlich aber die Zeugnisse von einem lebhaften -Bergbaubetriebe zu <em class="gesperrt">Ehrenfriedersdorf</em>, <em class="gesperrt">Wolkenstein</em>, <em class="gesperrt">Grünhain</em> u. a.</p> - -<p>Aber alle die genannten Bergwerke erlangten nicht die Bedeutung, wie -der gleichfalls inzwischen erschlossene <em class="gesperrt">Annaberger Bergbau</em>. Am Pöhlberge -ist schon 1442 auf <em class="gesperrt">St. Briccius</em> Silber gefunden worden. Die erste sichere -Nachricht stammt aus dem Jahre 1483. Der eigentliche Annaberger Bergbau -aber knüpft sich ja an den <em class="gesperrt">Schreckenberg</em>. Erst vom 31. Juli 1492 hat -sich eine Urkunde erhalten, in der den Gewerken am Schreckenberge eine Münzfreiheit -auf 6 Jahre gewährt wird. Die entstehende Ansiedelung erhielt unterm -28. Oktober 1497 Stadt- und Bergrecht und am 22. März 1501 den Namen -St. Annaberg. Es entstanden alsbald zahlreiche Zechen; allein in den Jahren -1496–1499 waren es 51; in der Zeit von 1496–1530 sind nicht weniger -als 380 Zechen in Betrieb gewesen. Neben dem Schreckenberge werden aber -auch schon 1497 Bergwerke zu <em class="gesperrt">Buchholz</em> genannt.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Eisenbergbau</em> blühte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, -namentlich im Gebiete des Klosters <em class="gesperrt">Grünhain</em>, sodaß sich der Abt dieses -Klosters einen eigenen Bergmeister hielt und zu <em class="gesperrt">Elterlein</em> und <em class="gesperrt">Waschleite</em> -seine Eisenhämmer besaß. Schließlich mag zum 15. Jahrhundert auch noch -des beginnenden Kohlenbaues gedacht werden, insofern, als das schon genannte -Kloster <em class="gesperrt">Grünhain</em> um die Mitte dieses Jahrhunderts im Gemeindewald zu -<em class="gesperrt">Bockwa</em> bei Zwickau ein <em class="gesperrt">Kohlenbergwerk</em> besaß, von dem es den Kohlenzehnten -erhob.</p> - -<p>Das darauffolgende, das 16. Jahrhundert, war der Entwickelung des erzgebirgischen -Bergbaues im allgemeinen günstig, indem die Landesfürsten, wie -<em class="gesperrt">Herzog Georg der Bärtige</em>, <em class="gesperrt">Heinrich der Fromme</em> und <em class="gesperrt">Moritz</em> in den -zuständigen Gebieten, nachmals aber <em class="gesperrt">Kurfürst August I.</em>, der große Volkswirt -des 16. Jahrhunderts, im ganzen Lande dem Bergbau eine vorzügliche -Pflege angedeihen ließen. 1515 wird das Bergstädtchen <em class="gesperrt">Brand</em> gegründet, -1517 <em class="gesperrt">Gottesgab</em>, <em class="gesperrt">Eibenstock</em>, <em class="gesperrt">Jöhstadt</em>, 1521 <em class="gesperrt">Marienberg</em>; gleichzeitig -wird <em class="gesperrt">Schlettau</em> zur Bergstadt erhoben. 1522 ist <em class="gesperrt">Scheibenberg</em> gegründet, -1526 <em class="gesperrt">Wiesenthal</em>, 1532 <em class="gesperrt">Platten</em>. 1534 werden wir durch eine landesherrliche -Bergordnung mit dem Bergbau zu <em class="gesperrt">Schwarzenberg</em>, <em class="gesperrt">Gottesgab</em> -und dem Zinnbau zu <em class="gesperrt">Platten</em> bekannt gemacht; während in den Jahren -1515–1537 nach einem Annaberger Silberbuche zu <em class="gesperrt">Annaberg</em> 86, <em class="gesperrt">Marienberg</em> -17, <em class="gesperrt">Elterlein</em> 4, <em class="gesperrt">Wiesenthal</em> 2 und zu <em class="gesperrt">Scheibenberg</em> 8 Zechen in -Erzlieferung waren. Gleichzeitig deutet eine Urkunde vom Jahre 1538 auf -den auch zu <em class="gesperrt">Olbernhau</em> betriebenen Bergbau. In den 50er Jahren finden -sich dann Zechen zu <em class="gesperrt">Lauterstein</em>, zu <em class="gesperrt">Drehbach</em>, zu <em class="gesperrt">Scharfenstein</em> und -1556 der Zinnbau zu <em class="gesperrt">Eibenstock</em> erwähnt. 1578 erfahren wir etwas vom -Bergbau zu <em class="gesperrt">Wildenau</em>, <em class="gesperrt">Dörfel</em> und <em class="gesperrt">Jugel</em>. Seit 1573 wird dann die -Stahlfabrikation erwähnt, und 1561 schon begegnen wir zahlreichen Eisen- und -Blechhämmern, namentlich in der <em class="gesperrt">Schwarzenberger</em> und <em class="gesperrt">Eibenstocker</em> Gegend. -Seit 1561 finden wir die Torfstecherei im oberen Erzgebirge erwähnt. In -der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden die <em class="gesperrt">Marmorbrüche</em> bei<span class="pagenum"><a id="Seite_108">[108]</a></span> -<em class="gesperrt">Crottendorf</em>, 1583 die <em class="gesperrt">Serpentinsteinbrüche</em> zu <em class="gesperrt">Zöblitz</em> begonnen. Auch -hatte man im Jahre 1577 noch den Versuch gemacht, zu <em class="gesperrt">Wolkenstein</em> ein -<em class="gesperrt">Salzwerk</em> anzulegen, ohne damit jedoch einen Erfolg zu erzielen.</p> - -<p>Im nächsten Jahrhunderte vernichtete der Dreißigjährige Krieg den Bergbau -im Obererzgebirge fast ganz.</p> - -<p class="right"> -Nach W. Zöller. -</p> - -<h5>2. In späteren Jahrhunderten.</h5> - -<p>Anfang des 19. Jahrhunderts zählte man auf dem Erzgebirge etwa 700 -Gruben mit gegen 12 000 Bergleuten, während 50 000 Menschen vom Bergbau -lebten.</p> - -<p>Der Erzgebirgische Bergstaat bestand 1815 aus dem Oberbergamt und -dem Oberhüttenamt zu Freiberg.</p> - -<p>Unter dem Oberbergamt standen die beiden Oberzehntner- und Austeilerämter -in Freiberg und im Obergebirge, die Bergakademie und die Bergämter -Altenberg mit Berggießhübel und Glashütte, Annaberg, Freiberg, Geyer mit -Ehrenfriedersdorf, Johanngeorgenstadt mit Schwarzenberg und Eibenstock, -Marienberg, Scheibenberg mit Oberwiesenthal und Hohenstein, Neugeysing, -Bärenstein, Seiffen.</p> - -<p>Unter dem Oberhüttenamte standen alle Schmelzhütten und das Halsbrücker -Amalgamirwerk. Dagegen waren die Saigerhütte Grünthal, das -doppelte Blaufarbenwerk in Oberschlema, die Blaufarben-Kommunfaktorei in -Schneeberg, das Pfannenstieler, Zschopauthaler und Schindlersche Blaufarbenwerk -unmittelbar unter dem Geheimen Finanz-Kollegium.</p> - -<p>Unter der Verwaltung des Oberberghauptmanns Freiherr von Herder, -1821 Berghauptmann, 1826 Oberberghauptmann, entwickelte sich auf Grund -der alten Verfassung und eines edlen Standesgeistes ein außerordentlich reges -bergmännisches Leben. Neue Maschinen wurden in Anwendung gebracht, das -Schmelzwesen bedeutend verbessert, besonders seit der Einführung der Koaks -im Hüttenwesen 1820, und das Ausbringen bedeutend erhöht, wenn es auch -noch nicht den Umfang der neuesten Zeit erreichte.</p> - -<p>Im Freiberger Revier baute man auf Silber und Blei, im Altenberger -auf Zinn und Eisen, im Glashütter auf Silber und Vitriol, schwefelsaure -Metallsalze, im Marienberger auf Silber, etwas Arsenik und Zinn, in Geyer -und Ehrenfriedersdorf auf Zinn, Vitriol und Arsenik, in Annaberg auf Silber -und Kobalt, im Scheibenberger Revier, welches jedoch in dieser Zeit schon -einging, auf Silber, Kobalt, Eisen, Arsenik, im Johanngeorgenstädter auf Silber, -Eisen, Zinn, Vitriol, Schwefel, und im Schneeberger auf Silber, Kobalt, -Wismut, Eisen, Vitriol, Schwefel und Arsenik.</p> - -<p class="right"> -Nach Süßmilch. -</p> - -<h3 id="sec52">52. Die erzgebirgische Eisenindustrie.</h3> - -<h4><em class="antiqua">a.</em> Die Eisenhämmer.</h4> - -<p>Die Hammerschmiede gehörten in früherer Zeit zu den Besonderheiten des -Erzgebirges. Heute noch ist der Beiname »Hammer« bei manchem Orte gang -und gäbe. Die »Hämmer« schmiedeten das Eisen nicht nur, wenn es heiß, -sondern auch, wo es zu Hause war; sie waren bodenwüchsig, diese Eisenhämmer. -St. Johann am Rotenberge bei Schwarzenberg, Irrgang an der böhmischen -Grenze, Rehhübel und Henneberger Zug bei Johanngeorgenstadt, Vier Gesellen -und Altermann beim Auersberge, Urbanus, Spitzleite bei Eibenstock, Schwalbener -Zug und Roter Kamm bei Schneeberg, das sind die mächtigsten Eisenerzgangzüge,<span class="pagenum"><a id="Seite_109">[109]</a></span> -auf denen die Gewinnung jahrhundertelang bergmännisch betrieben -wurde. Vielfach sind diese Gänge zu Tage ausgegangen: Frühzeitig hat man -schon das Erz verwertet. Es ist wahrscheinlich, daß der Aufschwung der -Eisenhüttenwerke im 16. und 17. Jahrhundert zu suchen ist. Im 16. Jahrhundert -entstanden Muldenhammer, Unter- und Oberblauenthal, Wildenthal, -Breitenbach, die Hämmer von Pöhla und Raschau. Im 17. Jahrhundert sind -gegründet Carlsfeld und Wittigsthal. Vom Jahre 1660 stammt ferner die -»Hammerordnung« Kurfürst Johann Georgs II. für die Blechhämmer in -den Ämtern Schwarzenberg, Wolkenstein und Lauterstein. 1775 sind im Bezirke -des Kreisamtes Schwarzenberg allein 18 Eisenhämmer, ohne die Waffen- -und Drahthämmer, im Gange gewesen. Heutzutage sind von den alten Eisenhämmern -noch Pöhla, Obermittweida, Erlahammer, Morgenröte, Rautenkranz, -Schönheiderhammer als Eisengießereien vorhanden. Der Hohofenbetrieb hat -ganz und gar aufgehört.</p> - -<p>Es muß in der Zeit der Blüte dieser Eisenhämmer ein gar reges Leben -in den Gebirgsthälern gewesen sein. Da dampften die Hohöfen, die Gebläse -pfauchten, und hell erklang der Schall der mit der Hand geschwungenen Hämmer -zwischen den vereinzelteren dumpfen Schlägen des großen Hammers, den -Wasserkraft in Hub setzte. In den niederen schwarzen Hütten rührten sie sich -emsig, die rußigen Gestalten der Hammerschmiede, die um die Frischfeuer, die -Ambosse und Gießstätten herum thätig waren. Sie bildeten eine echte und -gerechte Zunft. Manche der ersten von ihnen im wilden Waldgebirge werden -stellenweise ihr bißchen Eisenstein selbst erst gegraben haben, um es dann zu -verschmelzen. Meist hatten sie jedoch nur sogenannte »Zerrennfeuer« und -»Blauöfen«. Erstere sind Gebläseöfen gewesen, in denen nur Eisen geschmolzen -werden konnte, auch in letzteren konnte nur Harteisen geschmolzen werden, doch -sind die Blauöfen gewissermaßen als Vorstufe der Hohöfen anzusehen. Ende -des 16. Jahrhunderts scheinen die ersten Hohöfen gebaut worden zu sein. -Hammerschmiede hießen die Gesellen dieser Hammermeister. Mitte des 18. -Jahrhunderts stellte man schon eiserne Kessel, Öfen, Ofentöpfe und dergleichen -Gußwerke her. Im 17. Jahrhundert, im Jahre 1683, hat man zu Carlsfeld -ein Eisenschmiedewerk angerichtet. Auch ein Pfannenschmiedewerk erstand. Die -Hauptsache war aber die Herstellung der Bleche. An die Blechhämmer schlossen -sich die zahlreichen Löffelschmiedereien an. Von diesem Gewerbe hat sich noch -ein bedeutender Rest erhalten.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Jacobi. -</p> - -<h4><em class="antiqua">b.</em> In einer obererzgebirgischen Eisenhütte vor 50 Jahren.</h4> - -<p>Jedes Hammerwerk hat wenigstens einen Leiter, welcher ein technisch gebildeter -Mann sein muß, und einen Schichtmeister, dem das Rechnungswesen -anvertraut ist, während ersterem die technische Leitung des Werkes obliegt. -Zu dem Hohofen, in welchem der Eisenstein geschmolzen wird, gehören 1 Steinpocher, -2 Aufgeber, 2 Hohöfner und 1 Schlacken- oder Wascheisenpocher. Ehe -der Hohofen angeht, wird durch den Leiter der untere Teil des Hohofens -eingebaut, was man Zustellen nennt; früher besorgte dies der Hohofenmeister. -Bei einem Stabhammer oder Frischfeuer, in welchem das rohe, durch den -Hohofen gewonnene Eisen ausgeschmiedet wird, arbeiten der Meister oder -Frischer, der Vorschmied, der Einschmelzer und ein Junge; zuweilen bei französischen -Feuern noch ein Fröner, welcher Vorschmiedsstelle dann mit versehen -muß. Die Arbeit der Hammerschmiede ist und bleibt wohl eine der schwersten<span class="pagenum"><a id="Seite_110">[110]</a></span> -und schweißvollsten. Der Aufgeber muß in die Mündung des Hohofens, wo -die Flamme hoch in die Höhe schlägt, Kohlen und Eisenstein schütten. Der -Arbeiter in dem Frischfeuer steht neben dem Feuer, wo das Roheisen gefrischt -und geschmolzen wird, und muß das glühende Eisen, mehrere Zentner schwer, -herausnehmen, auf dem Amboß teilen und die Teile ausschmieden. Während -des Schmelzprozesses verdient ein Hohöfner wöchentlich 3 Thaler, ein Aufgeber -und Steinpocher 2 Thaler. Der Meister erhält rohes Eisen und Kohlen und -muß dafür eine bestimmte Anzahl Stabeisen liefern. Hat er Überschuß, so ist -der Gewinn sein, allein er darf den Überschuß nur an den Hammerherrn verkaufen. -Liefert der Frischer nicht so viel Eisen, als er sich verbindlich gemacht -hat zu liefern, so muß er das Fehlende bezahlen. Seinen Arbeitslohn erhält -er nach dem Gewichte des ausgebrachten Stabeisens. In dem Zainhammer -wird das Arbeitslohn nach der Wage bezahlt, d. h. je mehr Wagen Eisen die -Arbeiter auszainen, desto mehr erhalten sie. Sie können ebensoviel verdienen, -als die Arbeiter beim Frischfeuer oder Stabhammer. Da die Hammerschmiede -während ihrer Arbeit einer großen Hitze ausgesetzt sind, so ist ihre Kleidung -sehr einfach. Sie gehen meist nur im blauen Hemde und in leichten Hosen, welche -ein langes Schurzfell festhält; früher gingen sie meist nur im bloßen Hemde, -weil der glühende Sinter, der während der Arbeit herumspringt und mithin -dem Arbeiter sehr oft auf den Leib gerät, leichter auf die Erde fällt, wenn er -das Schurzfell lüftet. Das Rohschmelzen im Hohofen, das Toben der Hämmer, -das Heulen und Pfeifen der Gebläse und dabei das pausenweise Aufschlagen -der Gichtflamme, welches zur Nachtzeit dem Wetterleuchten ähnlich ist, die von -Kohlenstaub geschwärzten Arbeiter mit starken, ausdrucksvollen Gesichtszügen, -Zähnen wie Elfenbein, das Innere der Hände mit hufartiger Rinde, an welche -sich die krummen, wenig gelenkigen Finger anschließen, kann uns das Gemälde -des Dichters versinnlichen, wenn er von der Werkstätte des Vulkans und seiner -Cyclopen schreibt. Ein königlicher Hammer-Inspektor führt die Aufsicht über -sämtliche sächsischen Hammerwerke, geht den Werksbesitzern mit Rat an die -Hand, nimmt etwaige Beschwerden entgegen und sieht die Betriebstabellen ein.</p> - -<p>Das Eisen, welches sich in 12stündiger Schicht im Hohofen angesammelt -hat, fließt einem Feuerstrom gleich in einen trogartigen Sandgraben, welches -Ablaufen, »Abstechen« heißt. Diese Masse erstarrt sehr bald und heißt eine -»Ganz«, weil es eine ganze rohe Eisenmasse ist. Eine solche Ganz wiegt -3 bis 4 Zentner. Diese Gänze, sowie überhaupt das Roheisen, werden, wie -erwähnt, verfrischt. Das Walzen der Stäbe geschieht, um aus den gefrischten, -höchstens nur unter dem »Stirnhammer« etwas vorgeschmiedeten Eisenmassen -die Stäbe herzustellen, oder um die schon unter dem »Aufwerfhammer« weiter -ausgestreckten Kolben oder dicken Stöcke zu verfeinern. Im ersten Falle wendet -man erst Präparierwalzen und nachher das eigentliche Stabwalzwerk an, im -zweiten Falle gebraucht man letzteres allein. Die dünnsten Stäbe werden oft -durch eine das Auswalzen an Schnelligkeit noch übertreffende Verfahrungsart -dargestellt, indem man 3 bis 5 Zoll breite und 30 bis 40 Fuß lange gewalzte -Schienen nach ihrer ganzen Länge in Streifen zerschneidet. Hierzu -bedient man sich des Eisenspaltwerkes, der Schneidewalzen.</p> - -<p class="right"> -Nach Elfried v. Taura. -</p> - -<h4><em class="antiqua">c.</em> Die Blechlöffelfabrikation.</h4> - -<p>Man darf nicht glauben, als würde der Löffel mit einem Male vollendet; -es gehen da eine Masse Arbeiten voraus, ehe er als solcher verkauft werden<span class="pagenum"><a id="Seite_111">[111]</a></span> -kann. Zunächst bezieht die Fabrik das Eisen für alle Gattungen von Löffeln -von den Hammerwerken, wo es unter dem Namen Löffeleisen in Stäbe geschmiedet -und nach der Wage verkauft wird. Der Fabrikant liefert dasselbe -nach dem Gewichte an die Plattenschmiede, welche zerstreut in nahen und entfernt -liegenden Ortschaften wohnen; diese verfertigen daraus die Platten, d. h. -die ebenen, plattausgehenden Eisenstücke, die noch keine Vertiefung haben. -Zwei solche Plattenschmiede können täglich gegen 24 und aus einer Wage etwa -36 Dutzend Platten schmieden, die sie an den Fabrikanten wieder nach dem -Gewichte abliefern. Nun kommen die Platten wieder in die Hände der zerstreut -wohnenden Löffelmacher, welche sie austeufen, wozu sie einen Amboß, -worauf die stählernen Modelle oder Formen befestigt und nach verschiedenen -Größen und Gestalten eingelassen sind, und verschiedene Teufhämmer haben. -Dann bringt man sie wieder zur Ablieferung. Täglich kann ein Löffelmacher -25 Dutzend abteufen. Endlich werden die Löffel ins Zinnhaus abgegeben, -da verzinnt, dann mit Kleie gescheuert, sortiert und so vollendet aufs Lager -und in den Handel gebracht.</p> - -<p class="right"> -Nach Elfried v. Taura. -</p> - -<h3 id="sec53">53. Die Blaufarbenwerke.</h3> - -<h4><em class="antiqua">a.</em> Besuch eines alten Blaufarbenwerkes.</h4> - -<p>Elfried von Taura schildert den Besuch eines Blaufarbenwerkes zu seiner -Zeit wie folgt. Bei den Gesamt-Blaufarbenwerken, dem Schlemaer und beiden -gewerkschaftlichen zu Pfannenstiel und dem Schindlerschen zwischen Aue und -Schwarzenberg, ist die Einrichtung getroffen gewesen, daß kein Werk seine gefertigten -Farben für sich verkaufte, sondern solche in das gemeinschaftliche Lager -nach Leipzig und Schneeberg lieferte. Diese Bestimmung der gleichen Absendung -der Farben besorgte der in Schneeberg wohnende Kommunfaktor. Die -Ablieferung geschieht demnach von allen Werken zu gleichen Teilen, sodaß das -Ganze als ein ⁵/₅ betrachtet wird, wovon das königliche als Doppelwerk ⅖ -und das Gesamt Privatwerk ⅗ abliefert. Die Werke haben das Recht, daß -alle Kobalte, die im Lande gefunden werden, an sie verkauft werden müssen, -und darum kommen in jedem Quartal Berg- und Blaufarbenwerk-Offizianten, -zu welchen letztern die Faktore und Farbenmeister gehören, nach Schneeberg, -um die Kobalte chemisch zu untersuchen und nach dem ausgefallenen Werte -den Gruben die Kobalte zu bezahlen. Alle Kobalterze werden geröstet, gepocht, -kalziniert und mit andern Materialien verschmolzen, um die blauen Farben zu -bereiten. Jedes Farbenwerk hat seine nötigen Schürer oder Schmelzer, Gemengmacher, -Kalzinierer, Waschstübner, Farbereiber, Oxydmacher u. s. w., die -alle den gemeinschaftlichen Namen Farbearbeiter oder Farbebursche führen. -Ihre Erzeugnisse sind Smalte, Safflor, Zaffers, Ultramarin. Zum Schmelzen -des Kobaltglases dient ein besonders eingerichteter Ofen, in welchen Häfen aus -festem, gutem Thon hineingebracht, in welche das Gemenge eingelegt wird, um -dies eben darin zu Glas zu verschmelzen. Das Kobaltoxyd giebt mit Säure -Salze, welche rot gefärbt sind. Die zur Herstellung der Farben nötigen -Hauptmaterialien sind: die Kobalterze, Pottasche, Quarz, Arseniksäure als Zuschlag. -Die Kobalterze sind entweder schon oxydiert oder müssen oxydiert -werden. Dieselben werden zuvörderst gesaigert und dann geröstet, was in -besondern Öfen geschieht; das geröstete Erz wird gesiebt und so zur weiteren -Verarbeitung aufbewahrt. Der Quarz wird »gebrannt« und dann »gepocht«.<span class="pagenum"><a id="Seite_112">[112]</a></span> -Das Gemenge wird im Schmelzofen geschmolzen, was gewöhnlich 8 Stunden -dauert. Ist die Masse flüssig, so schöpft man das Glas mit eisernen Löffeln -und bringt es in einen daneben stehenden Trog mit Wasser zum »Abschrecken«. -Unter dem Glase befindet sich im Schmelzhafen die leichter flüssige »Speise«, -welche nicht »abgeschreckt«, sondern in eisernen Eingüssen, in Form von Schüsseln, -hart an dem Ofen eingesenkt, aufgesammelt wird. Die abgeschreckten blanken -Gläser werden aus dem Troge genommen und unter Pochstempeln gepocht, -dann gesiebt, auf Mühlen mit Wasser vermahlen. Der so gewonnene Schlamm -kommt in ein Waschfaß, wo die Abscheidung der Farben durch Niederschlagen -erfolgt. Die über dem Niederschlage stehende Flüssigkeit wird in die »Eschelfässer« -abgezapft, in denen man den »Eschel« gewinnt. Die gewonnene Farbe -sowohl als der Eschel werden wiederholt von den Waschstübnern verwaschen, -bis alles rein ist. Das trübe Wasser, vom Verwaschen der Eschel bläulichgrau -aussehend, setzt zuletzt den schlechtesten Eschel in den »Sumpf« ab, d. i. »Sumpfeschel«, -der den Glasgemengen wieder beigesetzt wird. Die Farben und Eschel -werden getrocknet, sowohl in den geheizten Trockenstuben als auch von der -Luft in Trockenhäusern, dann zerrieben und gesiebt.</p> - -<p>Jedes Werk wird verwaltet vom Faktor, dem bei dem königlichen Werke -noch ein Chemiker, bei dem Privatwerke zu Pfannenstiel noch ein technischer -Faktor (zugleich mit für das Schindlersche Werk) beigegeben ist. Die Farbenbereitung -leiten die Blaufarbenmeister. Sämtliche Blaufarbenwerker müssen -beim Läuten des Hüttenglöckleins punkt 5 Uhr im Werke eintreffen: zuerst wird -gebetet und gesungen, um 6 Uhr ist alles in voller Thätigkeit. Abends um -6 Uhr, nachdem wieder gebetet und gesungen worden, wird Schicht gemacht. -Die Arbeiter haben bei Paraden ihre besondere Tracht, bestehend in einem -weißen Leinwandbergkittel mit blauem Steh- und Hängekragen, weißen Leinwandhosen, -blauem Schurz, schwarzem Schachthut, den die Sachsenkokarde ziert. -Die Offizianten haben nach ihrem Range ganz die Uniform wie die Bergoffizianten. -Ihr Gruß ist »Glück auf«, ihre Zeichen sind Krücke und Kratze. -– Jeder Arbeiter beginnt seine Laufbahn als Taglöhner. Zeigt er sich als -Taglöhner brav und brauchbar, so wird er »wirklicher Arbeiter« und darf -nun als Auszeichnung die weiße Schürze bei der Arbeit tragen.</p> - -<h4><em class="antiqua">b.</em> Sage von der Erfindung der Blaufarbenbereitung.</h4> - -<p>Als im 16. Jahrhundert der Bergsegen des Obererzgebirges jährlich sich -verminderte und überall ein Wehgeschrei über den Silberräuber, so oder Kobold -nannte man das taube Erz, welches das Silberausbringen erschwerte, sich erhob, -da kam Christoph Schürer, eines Apothekers Sohn aus Westfalen, landesflüchtig -seines evangelischen Glaubens wegen, nach Schneeberg, wo er, als ein in der -Chemie und Naturlehre wohlerfahrener junger Mann, bald eine Anstellung bei -den Hütten fand. Schon wenige Tage nach seiner Ankunft gewann er die -Liebe Annas, der Tochter des Hüttenmeisters Rauh, und bald auch durch sein -einnehmendes Betragen das Jawort ihres Vaters, sodaß die Hochzeit auf das -nächste Bergfest bestimmt wurde. Ehe aber das Bergfest kam, drohte Schürers -Unstern alle seine Hoffnungen zu vernichten. Nämlich in seiner Forschgier war -er auf den Gedanken geraten, den vielverrufenen Kobold, den verhaßten Silberräuber, -durch chemische Zubereitungen zu etwas Nützlichem umzugestalten. Er -machte demnach insgeheim in einer Schmelzhütte in Oberschlema vielfache Versuche, -und trieb es damit oft die ganze Nacht hindurch, so eifrig, daß er bald<span class="pagenum"><a id="Seite_113">[113]</a></span> -in den Verdacht der Alchymisterei und Schwarzkünstelei geriet. Als daher aus -Platten in Böhmen, wo er sich bei seinem früheren Aufenthalte daselbst durch -seinen Glauben Feinde und durch seine Kenntnisse und sein Ansehen Neider -gemacht hatte, mehrfache Klagen einliefen, daß er ein Zauberer, Dieb und -Glaspartierer gewesen sei und man seine Auslieferung forderte, gebot der -Bürgermeister, ihn zu verhaften. Eben war Schürer in der Schmelzhütte mit -seinen Versuchen beschäftigt, da kam der Fron, ihn festzunehmen, fand aber -die äußere Thür verschlossen und meldete es dem Bergmeister. Diesen, sowie -den Hüttenmeister Rauh und einige Geschworne trieb jetzt die Neugier, mitzugehen. -Die Thür wurde aufgesprengt, und mit freudefunkelnden Augen trat -der gesuchte Verbrecher den Eintretenden entgegen. Aber wie staunte er, als -der Fron ihn griff und ihn einen Zauberer, Dieb und Partierer schalt! -»Männer,« rief er, schnell sich fassend, mit fester Stimme, »Männer, prüfet, -ehe Ihr entscheidet! Meint Ihr, ich treibe bösen Unfug hier mit schwarzer -Kunst, so tretet her! Seht, dies wollte ich gewinnen und, Gott sei Dank, -endlich ist's gelungen! Ich meine, es soll dem Lande von großem Nutzen -sein!« Somit reichte er ihnen eine Mulde voll feinen, schönblauen Staubmehles -hin. Die Bergherren staunten und begehrten zu wissen, wie und woraus -er solche schöne Farbe bereitet habe. Schürer zeigte ihnen alles willig und -reinigte sich so von dem Verdachte, daß er ein Schwarzkünstler sei. Auch -machte es dem Bergmeister so große Freude, daß derselbe versprach, alles zu -thun, um Schürers Unschuld gegen die Anklagen der Böhmen zu erweisen. -Dies gelang auch dem wackern Manne bald, und Schürer erhielt nun seine -Freiheit wieder und kam durch die Erfindung der schönen blauen Farbe, die -man anfangs nur blaues Wunder nannte, zu großen Ehren, und als das -Bergfest gekommen war, wurde er des Hüttenmeisters glücklicher Eidam!</p> - -<h3 id="sec54">54. Torfstecherei im Erzgebirge.</h3> - -<p>Neben dem Filzteiche befindet sich eine beträchtliche Torfstecherei. Man -hat schon ums Jahr 1708 im obern Erzgebirge Versuche mit Torfgraben -gemacht, z. B. am Kranichsee bei Carlsfeld, bei Scheibenberg und Schneeberg. -Aber kein Mensch wollte Torf kaufen, denn man hatte des Holzes -genug; und so blieb es bei dem Versuche, der im Jahre 1756 fast ebenso -erfolglos wiederholt wurde. Man gab da für 1000 Torfziegel zu stechen 10½ -Groschen und verkaufte solche zu 21 Groschen. Aber die Macht des Vorurteils -war so groß, daß man den Torf nicht einmal umsonst haben wollte, sodaß -viele hunderttausend Stück Ziegel verdarben und zerfielen. Erst seit dem Jahre -1789 wurde auf wiederholte Anordnung des Finanzkollegiums die Torfstecherei -am Filzteiche ordentlich in Gang gebracht, und im Jahre 1790 wurden auch -Trockenhäuser und Kohlenschauer angelegt. Ein einziger Arbeiter konnte täglich -über 1000 Stück stechen; sogar Kinder verdienten dabei ihr Brot, denn man -bediente sich ihrer zum Zählen und Aufschlichten der Ziegel. Der Torf, ein -aus Wurzeln bestehender Filz, ist schwarzbraun. Die Ziegel wurden in den -4 großen Trockenhäusern gedörrt und dann nach Schneeberg ins Torfmagazin -geschafft. Man verkohlte deren viele Hunderttausende in Meilern zu 36 000 -Stück. Im Jahre 1795 wurden 1000 Stück zu 8 Groschen verkauft. – -Nicht weit vom Filzteiche ist auf Johannisgrüner Revier im Jahre 1791 eine -zweite Torfstecherei angelegt worden. Die Torffeuerung ist in Sachsen schon -seit dem Jahre 1560 bekannt.</p> - -<p class="right"> -Nach Schumann. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_114">[114]</a></span></p> - -<h3 id="sec55">55. Die Auer Porzellanerde.</h3> - -<p>Bei Aue wurde noch am Anfange dieses Jahrhunderts in der <em class="gesperrt">Fundgrube -des Weißen St. Andreas</em> weiße Thonerde bergwerksmäßig gewonnen -und zur Verfertigung des Meißener Porzellans verwendet. Es fuhren außer -dem Steiger täglich 32 Bergleute an. Die Erde oder das »Weiße Zeug« -wurde getrocknet, von wilden Arten oder Beimischungen geschieden, und fässerweise -wurden aller 14 Tage gegen 120 Zentner durch zwei verpflichtete Fuhrleute -nach Meißen geschafft. Die Fässer waren umschnürt und wohlversiegelt. -Die Erde durfte nicht außer Lande geschafft werden, ja auf der Zeche selbst -bekam man sie kaum zu sehen. In die Gruben, Trocken- und Vorratshäuser -durfte niemand ohne Erlaubnis. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde -die Ausfuhr des weißen Thons der Auer Gegend anfänglich bei großer Geldstrafe -und im Jahre 1745 sogar beim Strange verboten. Im 7jährigen Kriege -ließ Friedrich der Große mehrere Wagen voll Auer Erde nach Berlin schaffen, -um sie untersuchen zu lassen, damit er in seinen Ländern nach ähnlicher graben -lasse. Es entstand auch daraufhin die Berliner Porzellanfabrik.</p> - -<p class="right"> -Nach Schumann. -</p> - -<h3 id="sec56">56. Die Spitzenklöppelei im Erzgebirge.</h3> - -<h4><em class="antiqua">a.</em> Barbara Uttmann.</h4> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">O rauhes Erzgebirge, von Sturm und Frost gewiegt,<br /></span> -<span class="i0">Wohl klagt die Armut, weinend an deine Brust geschmiegt.<br /></span> -<span class="i0">Doch reich wie du im Innern an stufigblankem Erz,<br /></span> -<span class="i0">Schmückt dich auch, gottergeben, manch treues Menschenherz.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Doch all dein Seelenreichtum und all dein Herzenswert<br /></span> -<span class="i0">In einer Frauenblume ward wunderhold verklärt.<br /></span> -<span class="i0">Sie stieg aus deinen Gründen als tröstend mildes Licht,<br /></span> -<span class="i0">Das um den Herd des Elends das Band der Liebe flicht.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Das Band der Menschenliebe: denn sieh, da Nächte lang<br /></span> -<span class="i0">Sie still in Mitleidsthränen nach Kraft von oben rang,<br /></span> -<span class="i0">Gott bittend, sie zu lehren ein Werk, das fromm und frei,<br /></span> -<span class="i0">Die fleiß'ge Hand belohnend, der Armut Labung sei.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Sie, als sie stand früh morgens im kalten Kämmerlein,<br /></span> -<span class="i0">Durch winterliche Scheiben umhaucht von Frührotschein,<br /></span> -<span class="i0">Ihr dämmerdunkles Sinnen ward plötzlich auch zum Tag:<br /></span> -<span class="i0">»Ich hab's, ich hab's gefunden, wenn Gott mir helfen mag!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Du blumiges Gewebe an dir, lieb Fensterlein,<br /></span> -<span class="i0">Du bist der Hauch des Engels, der mir will gnädig sein!<br /></span> -<span class="i0">Lehr' mich, gefrorner Odem, nachahmen dein Gewand –<br /></span> -<span class="i0">Gewonnen sei den Bergen die Kunst vom Niederland!«<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Und emsig, fromm und freudig regt Hand und Nadel sich.<br /></span> -<span class="i0">Vergeblich mancher Anfang, umsonst wohl mancher Stich!<br /></span> -<span class="i0">Doch endlich, fest und sicher, gelingt's dem treuen Fleiß.<br /></span> -<span class="i0">Es ranken sich zu Blumen die Spitzen fein und weiß!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Und aus den Hütten jubelnd herbei kommt klein und groß.<br /></span> -<span class="i0">Welch emsig Müh'n und Schaffen rings um der Mutter Schoß!<br /></span> -<span class="i0">Herdflammen knistern fröhlich, die Müh lohnt fern und nah:<br /></span> -<span class="i0">Das kam vom Segenswirken der edlen Barbara!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Zu Annaberg, im Kirchhof, leis' rauscht der Lindenbaum,<br /></span> -<span class="i0">In schlanken Wipfeln flüstert's, wie sel'ger Geister Traum.<br /></span> -<span class="i0">Treu dankbar netzt den Hügel der Armut Thränentau<br /></span> -<span class="i0">Und preist des Erzgebirges verklärte Engelsfrau!<br /></span> -</div></div> - -<p class="right"> -Richard v. Meerheimb. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_115">[115]</a></span></p> - -<h4><em class="antiqua">b.</em> Das Spitzenklöppeln im Obererzgebirge.</h4> - -<p>Aus früherer Zeit wird uns über das Spitzenklöppeln im Erzgebirge -folgendes Bild von <em class="gesperrt">Berthold Sigismund</em> entworfen:</p> - -<p>Im Obererzgebirge sieht man fast hinter jedem Hüttenfenster eifrige -Klöpplerinnen. In der schönen Jahreszeit trifft man ganze Gesellschaften von -klöppelnden Frauen, Mädchen und Kindern im Freien. Im Winter kommen -die Klöppelmädchen abends zusammen und arbeiten gemeinschaftlich, wie anderwärts -die Spinnerinnen. Die Haltung der Klöpplerinnen ist allerdings nicht -sonderlich anmutig, indem sie beim Arbeiten den Oberkörper, ähnlich wie beim -Schreiben, etwas vorbeugen. Die gewandten Bewegungen der Hände aber -lassen sich ebenso schwer darstellen, wie der flüchtige Tanz der Finger des -Klavierspielers. Die Handhabung der Nadeln beim Stricken ist nichts im Vergleiche -zum Gebrauche der Klöppel beim Spitzenanfertigen. Die Verwunderung -über die Kunstfertigkeit der Klöppelhände wird noch gesteigert, wenn man das -äußerst schlichte Werkzeug sieht, dessen die Klöpplerin sich bedient. Sie sitzt -vor einem walzenförmigen, einen Fuß langen, mit Kattun umhüllten Polster, -dem sogenannten Klöppelsack oder Klöppelkissen, das mit einer großen Anzahl -von Stecknadeln gespickt ist. Der Klöppel selbst ist ein 10 <em class="antiqua">cm</em> langes, zur -Form eines Trommelstockes gedrechseltes Holzstück, über welches das »Tütle«, -eine dünne hölzerne Hülse von 4 cm Länge, gesteckt ist, damit der um den -Klöppel gewickelte Faden nicht beschmutzt wird. Einen solchen Klöppel mit -Tütle kauft man um einige Pfennige. Das Köpfchen ziert eine Perle. Jede -Klöpplerin sucht ihren Stolz in einer bunten Mannigfaltigkeit der letzteren. -Zu schmalen Spitzen gehören 2–4, zu breiten wohl 100 Paare. Um die -Mitte des Kissens ist ein Streifen starken Papiers, auf welchen das Muster -durch Nadelstiche vorgezeichnet ist, der sogenannte Klöppelbrief, geschlungen. -Zunächst werden soviele Fäden, als das Muster erfordert, auf ebensoviele -Klöppel aufgewunden, die freien Enden in einen Knoten geschürzt und auf -dem Kissen befestigt. Dann beginnt das Klöppeln, welches im wesentlichen -nicht anders ist, als eine kunstvolle Art zu flechten. Die Arbeiterin faßt mit -den Fingerspitzen bald der rechten, bald der linken Hand mehrere Klöppel, -wickelt durch gewandte Drehung derselben etwas Faden ab und kreuzt die -Fäden durch einen »Schlag« zu einer Art Knoten. Die so gebildeten Maschen -werden zeitweilig durch bunte, glasköpfige Stecknadeln an dem Klöppelbriefe -festgehalten. Rasch beseitigt nun die Hand diejenigen Klöppelpaare, welche -eben gebraucht wurden und bis auf weiteres entbehrlich sind, dadurch, daß sie -dieselben mit einer großen Aufstecknadel seitlich am Kissen feststeckt. Dann -nimmt sie mit bewunderungswürdiger Sicherheit aus der Menge der Klöppel, -die alle gleich aussehen und nicht an Nummern oder sonstigen Zeichen kenntlich -sind, andere Paare heraus, um damit weiter zu arbeiten. – Es ist begreiflich, -daß die Fertigkeit, mit welcher die Klöpplerin für jede Nadel den rechten Klöppel -findet und benutzt, nur durch Übung von frühester Jugend an errungen werden -kann, weshalb auch Kinder schon im vierten und fünften Lebensjahre zu klöppeln -anfangen. Auch sorgen für Erlernung der erzgebirgischen Kunst außer den Familien -mehrere vom Staate unterstützte Klöppelschulen.</p> - -<p class="right"> -Nach Berthold Sigismund. -</p> - -<h4><em class="antiqua">c.</em> Die Namen der Spitzenmuster.</h4> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Erbsgrund, Batzen, Wickelkind,<br /></span> -<span class="i0">Töpfe, worin Blumen sind,<br /></span> -<span class="i0">Rohrstuhl, Mücken, Steingeränder,<br /></span> -<span class="i0">Wanzen und auch Schlangenbänder,<br /></span> -<span class="i0">Auch Pantoffeln, Hirschgeweih,<br /></span> -<span class="i0">Quärche, Schwanzbirn, Stickerei,<br /></span><span class="pagenum"><a id="Seite_116">[116]</a></span> -<span class="i0">Hummeln, türkisch zahm gemacht,<br /></span> -<span class="i0">Schneeball gar in schwarzer Pracht,<br /></span> -<span class="i0">Himmelswägel, Stiefelknecht,<br /></span> -<span class="i0">Maul vom Frosch – ist auch nicht schlecht –,<br /></span> -<span class="i0">Katzenbuckel, Kuchenschieber,<br /></span> -<span class="i0">Wässerle, bald hell, bald trüber,<br /></span> -<span class="i0">Hacke, um das Kraut zu reißen,<br /></span> -<span class="i0">Kirchenfenster und Hufeisen<br /></span> -<span class="i0">Derart nennen, die da schwitzen<br /></span> -<span class="i0">An den Klöppeln, ihre Spitzen.<br /></span> -</div></div> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Otto Krause. -</p> - -<h4><em class="antiqua">d.</em> Maria im Erzgebirge.</h4> - -<p>Ein armes Mädchen mußte durch Klöppeln für sich und die alte Mutter -das kärgliche tägliche Brot erwerben. Da wurde ihm einst von der reichen -Edelfrau, der Besitzerin ausgedehnter Güter und ihrer Herrin, der Auftrag -erteilt, für sie in einer bestimmten kurzen Frist ein reiches Spitzenkleid zu -fertigen. Wenn die arme Klöpplerin ihre Aufgabe pünktlich und zur Zufriedenheit -ihrer Herrin löste, sollte ihr reicher Lohn werden; beim Gegenteile erwartet -sie dagegen Spott und bitterer Hohn. Die arme Klöpplerin saß Tag und -Nacht bei ihrer Arbeit. Doch als die sechste Nacht kam, da konnte sie sich -nicht mehr des Schlafes erwehren, und sie wankte todmüde an das Bett der -Mutter hin. Aber wunderbare Träume zogen jetzt wie ein Frühlingshauch -durch ihre Seele. Die ärmliche Stube erglühte in rosenrotem Schein, und leise -trat eine holde Frau ein mit einer goldenen Krone auf dem Haupte. Es war -die Himmelskönigin Maria. Dieselbe setzte sich an das Klöppelkissen, und die -Klöppel flogen so zauberhaft, wie es dem Mädchen nie gelungen war, sodaß -vor Anbruch des Tages das reichste Spitzenkleid vollendet dalag. Als das -also träumende Mädchen aus dem Schlafe erwachte, stand bereits die Sonne -hoch am Himmel. In Wirklichkeit aber, wie der Traum es gezeigt hatte, war -das Spitzenkleid fertig und die Klöpplerin trug es frohen Mutes hinauf zum -Schlosse. Da freute sich die stolze Herrin und belohnte die Arbeit so reichlich, -wie nie zuvor. In dem Kleide jedoch war Gottes Segen eingewoben, welcher -in der Folge nicht nur der strengen Edelfrau, sondern auch der armen Klöpplerin -zu teil wurde.</p> - -<p class="right"> -Nach Bowitsch und <em class="antiqua">Dr.</em> Köhler. -</p> - -<h4><em class="antiqua">e.</em> Die jetzigen Klöppelschulen.</h4> - -<p>In der Kreishauptmannschaft Zwickau bestehen 27 vom Staate beaufsichtigte -und unterstützte Spitzenklöppelschulen. Die Orte, in denen sich die Schulen -befinden, sind: Albernau, Aue, Bermsgrün, Breitenbrunn, Crandorf, Elterlein, -Grünhain, Hammerunterwiesenthal, Haßlau (I und II), Hundshübel, Jöhstadt, -Neustädtel, Oberwiesenthal, Planitz (I und II), Pöhla, Rittersgrün (I, II und -III), Rothenkirchen, Schlema, Schneeberg, Schwarzenberg, Unterwiesenthal, -Wilkau (Abteilung <em class="antiqua">A</em> und <em class="antiqua">B</em>) und Zschorlau. Diese Schulen wurden im Jahre -1896 von 1303 Schülerinnen besucht. Der gesamte Arbeitsverdienst betrug -30 177 M 48 Pf, durchschnittlich 23 M 16 Pf. Die gesamten Einnahmen -beliefen sich auf 22 718 M 36 Pf und die Ausgaben auf 20 717 M 51 Pf. -Als Staatsbeihilfen wurden 15 580 M gewährt. Das Gesamtsparguthaben der -Klöppelschülerinnen bestand am Schlusse des Jahres 1896 in 29 935 M 45 Pf. -In der Kreishauptmannschaft Dresden besteht nur eine Spitzenklöppelschule, -nämlich in Brand bei Freiberg. Außerdem besteht in Schneeberg die Königl. -Spitzenklöppelmusterschule.</p> - -<h3 id="sec57">57. Der ehemalige Hausierhandel im Erzgebirge.</h3> - -<p>Zahlreiche Erzgebirger früherer Zeit wanderten in jedem Jahre monatelang -gleich Zugvögeln in die Fremde, um dann wieder zur heimischen Scholle<span class="pagenum"><a id="Seite_117">[117]</a></span> -zurückzukehren, die ihnen als das schönste Erdenfleckchen erschien und darum -über alles teuer war.</p> - -<p>Die im Anschlusse an den erzgebirgischen Bergbau auf Eisen und andere -Metalle betriebenen Gewerbe erzeugten eine mannigfaltige Menge von Gegenständen. -Zahlreiche Bewohner fanden nicht nur unmittelbar beim Eisenbergbau, -sondern auch in den Hammerwerken, Walz- und Drahtwerken, sowie bei der -weiteren Bearbeitung des Eisens und Stahls zu Löffeln, Nägeln, Nadeln, -Schneidewerkzeugen Beschäftigung und Brot. Neben den Waren aus verzinntem -Blech wurden auch solche aus Schwarzblech gefertigt. Im Raschauer Grunde -war die Nagelfabrikation ein Jahrhunderte alter Erwerbszweig.</p> - -<p>Alle die genannten Erzeugnisse der Handarbeit unserer Erzgebirger wurden -nun von zahlreichen Personen im Kleinhandel vertrieben. So bildete sich ein -Wanderleben, das lange Zeit eine Eigentümlichkeit vieler Bewohner des Erzgebirges -gewesen ist. Schon 1628 besuchten die <em class="gesperrt">Bockauer</em> mit hölzernen und -blechernen Waren die Jahrmärkte viele Meilen weit. Im 17. Jahrhunderte -führten die Händler auch Eisenwaren mit sich.</p> - -<p>Die mit Blechwaren hausierenden <em class="gesperrt">Schönheider</em> nannte man »Röhrenschieber«. -Mit ihnen waren es auch <em class="gesperrt">Bärenwalder</em>, <em class="gesperrt">Bernsbacher</em> und -<em class="gesperrt">Beierfelder</em>, welche auf Schiebkarren oder kleinen selbstgezogenen Wagen die -schwarzen Blech- und Eisenwaren von Ort zu Ort fuhren und so lange von -ihrem Dorfe fortblieben, bis sie alles verkauft hatten.</p> - -<p>Neben den Haarnadeln und anderen in das Nadlergewerbe einschlagenden, -aus Stahl gefertigten Gegenständen lieferte Oberwiesenthal vor etwa 100 Jahren -besonders auch Stecknadeln, zu denen der Messingdraht aus Rodewisch bezogen -wurde.</p> - -<p>Unter den von erzgebirgischen Hausierern geführten Waren sind auch -Farben aus den obererzgebirgischen Blaufarbenwerken gewesen.</p> - -<p>Als Landreisende können wir die Bergfertigen, alten oder kranken Bergleute -bezeichnen, welche mit Nachbildungen von Berg- und Pochwerken umherzogen, -um sie bei Jahrmärkten auf den Straßen, in Wirtsstuben oder in den -Schulen zu zeigen und zu erklären.</p> - -<p>Als der Bergbau erlag, wandte man sich vielfach anderer Beschäftigung -zu. Zunächst bot der Wald mit seinem billigen Holze dazu Gelegenheit. Aus -kleinen Anfängen entstand die Holzwarenindustrie. »Seiffner Waren« nannte -man die Schachteln, Nadelbüchsen, Knöpfe, Spindeln und dergleichen. Im -Vogtlande nicht nur, auch im Erzgebirge und besonders im Amte Schwarzenberg -fanden viele Bewohner durch Pechsieden und Rußbrennen Beschäftigung -und Verdienst.</p> - -<p>Die Rußbuttenmänner zogen Handel treibend im Lande umher. 1501 -erhielt Wilhelm von Tettau durch den Kurfürsten Friedrich den Weisen die -Belehnung über die Pechwälder der Herrschaft Schwarzenberg. In der Neuzeit -ist das Pechsieden untersagt.</p> - -<p>Wie die Rußbuttenmänner, so sind auch die Bernsbacher, Beierfelder, -Neuhausener, Oberwiesenthaler und Wolkensteiner Händler mit Feuerschwamm -verschwunden. Der aus Buchenschwämmen bereitete Feuerschwamm wurde nicht -nur auf Messen und Jahrmärkten, sondern auch im Hausierhandel verkauft.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">Lauter</em> bildet noch gegenwärtig die Korbflechterei einen hervorragenden -Erwerbszweig. Nicht nur aus Weidenruten, auch aus Holzspänen und Wurzeln -verfertigt man Körbe.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_118">[118]</a></span></p> - -<p>Besonders zahlreich waren die mit allerhand Arzneien, Ölen umherziehenden -Händler. Ihre Absatzgebiete waren außer den sächsischen Erblanden die Ober- -und Niederlausitz, Thüringen, Bayern, Mecklenburg, Polen, Schwaben, Schweden, -selbst die Türkei. Ausgedehnt war besonders der Handel mit Schneeberger -Schnupftabak. Der Hauptort seiner Herstellung war Bockau. Aus heilkräftigen -Kräutern wurden allerhand Arzneien von den »Laboranten« hergestellt. 1782 -waren in Bockau 20 »Laboratorien« im Gange. Noch 1799 beschäftigten sich -41 Personen mit Herstellung von Arzneien oder dem Wurzel- und Kräuterhandel. -Der Handel blühte besonders am Anfange unseres Jahrhunderts in -Bockau, Eibenstock, Sosa, Jöhstadt, Jugel, Neudorf, Crottendorf, Johanngeorgenstadt, -Hundshübel, Lauter, Schneeberg.</p> - -<p>Von dem Boden und seinen Erzeugnissen unabhängig entstanden die -Spitzenklöppelei, Posamenten- und Bürstenfabrikation. Auch diese Erwerbszweige -waren auf die Hausierer angewiesen, welche die Waren an den Mann -brachten.</p> - -<p>Viele Hunderte zogen noch am Anfange unseres Jahrhunderts fast den -größten Teil des Jahres mit Blechwaren, blauer Farbe, Schwefel, mit Spielzeug, -Bändern und Spitzen, mit Schneeberger Schnupftabak, Pillen und -Pflastern, Schönheider Pinseln und Bürsten umher. Aber zum Winter kehrten -sie heim, wie die Strichvögel, und verzehrten, umnebelt von Dünsten des vaterländischen -Bodens, von Hütten und Hohofendampf, und oft in verschneiter -Heimat den sauer erworbenen Verdienst mit Weib und Kind.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Köhler und Engelhardt. -</p> - -<h3 id="sec58">58. Die erste Baumwollspinnerei Sachsens.</h3> - -<p>Die Zeiten, in welchen die Hausfrau mit ihren Töchtern und Mägden -während der langen Winterabende am Spinnrade saß und spann, sind vorüber; -nur dem Namen nach hat sich das Andenken daran in verschiedenen Gegenden -erhalten. »Sie geht zu Rocken,« sagt man wohl noch heutzutage im Gebirge, -wenn die Nachbarin die andere besucht; indes hier ist an Stelle des Spinnrades -und des Rockens oder der Kunkel das »Böckel« getreten, worauf die -»schwarze Arbeit«, welche zum Verzieren der Frauenkleider dient, aufgerollt -wird. In den Dörfern des oberen Vogtlandes wird noch immer fleißig Leinengarn -gesponnen, von den ländlichen Webern gewebt und gebleicht, zu Leib-, -Tisch- und Bettwäsche, sowie indigoblau gefärbt, zu Schürzen und Taschentüchern -verwendet. Das in den altdeutschen Einrichtungen unseres Jahrzehntes aufgestellte -Spinnrad ist bloß ein stilvolles Zierstück. Das Spinnen der Baumwolle -dagegen besorgen die großen Spinnereien, die sich überall in unserem -Gebirge, wo irgend eine genügende Wasserkraft vorhanden war, angesiedelt -haben. Und doch sind noch nicht hundert Jahre verstrichen, seitdem es überhaupt -in Sachsen Spinnereien giebt!</p> - -<p>Die Erfindung der Maschinenspinnerei ist bekanntlich eine englische; man -schreibt sie gewöhnlich Richard Arkwright zu. Doch haben spätere Nachforschungen -ergeben, daß Arkwright wohl ein großer Verbesserer, aber nicht -der Erfinder der Spinnerei gewesen ist. Schon im Jahre 1730 spann Wyatt -in Litchfield einen Baumwollfaden ohne Hilfe der Finger; doch hatte sein -Versuch keine weiteren Folgen. Im Königreiche Sachsen waren in den 80er -und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts kleine Handmaschinen zum Spinnen -der Baumwolle in Gebrauch. Gegen Ende des Jahrhunderts führte Karl<span class="pagenum"><a id="Seite_119">[119]</a></span> -Friedrich Bernhard das englische Spinnereisystem in Sachsen ein. Seine -Maschinen waren Mulemaschinen; sie wurden in einem dazu errichteten Gebäude -in Harthau bei Chemnitz durch einen Engländer, Namens Watson, aufgestellt. -Da Watson als bloßer Maschinenbauer die Maschinen nicht in Gang zu bringen -wußte, namentlich, so wird erzählt, die Trommelschnur nicht aufzuziehen verstand, -wurde im März des Jahres 1802 der englische Spinner Evan Evans -herübergezogen, der auch alsbald auf den Maschinen Garn spann. K. F. Bernhard -hatte sich im Jahre 1801 mit seinem Bruder Ludwig vereinigt, und sie -führten die Firma: Gebrüder Bernhard.</p> - -<p>Evan Evans war 1765 in Llangeblidt in Caernavonshire in Nord-Wales, -Großbritannien, geboren und kam aus Manchester 1802 im März als Werkmeister -nach Harthau. Bei Gebrüder Bernhard, denen das Verdienst des -Unternehmens gebührt, spann er auf neu von ihm hergestellten Maschinen die -ersten Mulgarne, erfand hier die so weit verbreitete Spindelschleifmaschine, ehe -eine dergleichen in England vorhanden war, erhielt auch dafür von der sächsischen -Staatsregierung außer 400 Thalern Prämie eine Verdienstmedaille. Er -war zugleich der Lehrer der ersten Spinner in Sachsen. Im Jahre 1806 -fing er an, zu Dittersdorf selbständig sich mit Maschinenbauen zu beschäftigen, -wählte aber 1809 Geyer zur Fortsetzung seiner zu immer höherer Anerkennung -gelangenden Arbeiten. Evan Evans fertigte die Maschinen für eine Menge -neu entstehender Fabriken in Erfenschlag, Wolkenburg, Wegefahrt, Mühlau, -Lugau, Plaue, Schlettau u. a., auch für viele kleinere Unternehmungen im -Erzgebirge und im Vogtlande, sowie in und um Chemnitz. Im Jahre 1810 -brachte er die selbsterfundene, später vielfach nachgeahmte Maschine zum Cylinderreifeln -am Wasser in Gang, während man sich damals selbst in England -noch der Handarbeit dazu bediente. Zwei Jahre später legte Evans den -Grund zu seiner eigenen Fabrik in Siebenhöfen. 1823 brachte er die erste -sächsische Spulmaschine (Flyer) nach eigener Erfindung in Gang und empfing -dafür von der Regierung eine Belohnung von 500 Thalern. Ebenso erfand -er eine andere Spulmaschine zum Abwickeln des Garns, deren Nachahmungen -weit verbreitet waren. Auf der Dresdener Ausstellung von sächsischen Gewerbeerzeugnissen -erhielt der rührige Spinnmeister und Fabrikbesitzer die Große -silberne Medaille auf ein Bündel von baumwollenem, rohem, zweidrähtigem -Zwirn. Der amtliche Bericht meldet darüber, daß die ausgezeichnete Beschaffenheit -des Fadens, sowohl hinsichtlich der Gleichmäßigkeit, als auch der -Haltbarkeit alles zu übertreffen scheine, was bisher in dieser Art in Sachsen -geleistet worden sei. Evan Evans ist in einem Alter von 79 Jahren am -9. Dezember 1844 gestorben und auf dem Friedhofe neben der Hauptkirche -zu Geyer beerdigt worden.</p> - -<p>Der Ruhm der Evansschen Spinnerei lebte unter Eli Evans, einem Sohne -des Gründers, lange Zeit fort. 1845 erhielt die Spinnerei auf der Dresdener -Ausstellung die goldene Medaille für die zweidrähtigen Zwirne (<em class="antiqua">Lacedreath</em>) -Nr. 70 bis Nr. 120. Sie erschienen nicht nur an sich vollkommen, sondern -auch in dieser Vollkommenheit und in Darstellung der höheren Nummern in -ganz Deutschland als einzig in ihrer Art, und auch die Preise stellten sich -verhältnismäßig billig. Eli Evans war Mitglied der sächsischen Kammer und -des deutschen Parlaments.</p> - -<p>Evan Evans war im Kreise seiner Bekannten geschätzt und verehrt als -ein Mann von seltener Redlichkeit und Hoheit der Gesinnung, bewährt unter -allen Wechseln der Zeit. Pastor Blüher hat in der »Leipziger Zeitung« zur<span class="pagenum"><a id="Seite_120">[120]</a></span> -Errichtung eines <em class="gesperrt">Denkmals</em> für Evan Evans aufgefordert. Dasselbe sollte -an der Stelle, wo der um Sachsen hochverdiente Mann seinen letzten Schlummer -schläft, in Geyer, errichtet werden, wo er sich durch Thätigkeit seines rastlosen -Geistes die Mittel zur Begründung der eigenen Fabrik in dem angrenzenden -Siebenhöfen erworben, in Geyer, welches ihm immer als seine zweite Heimat -galt, und wo er sich neben Gattin und Enkeln seine Ruhestätte gewählt hatte.</p> - -<p>Die erwerbslosen Jahre ließen den Vorschlag Blühers nicht zur Reife gedeihen. -Der gesammelte Betrag wurde zu einer <em class="gesperrt">Evansstiftung</em> an den -technischen Staatslehranstalten in Chemnitz verwendet. Die Saat, die Evans -gestreut, grünt und blüht noch heute im Erzgebirge und im ganzen Königreiche -Sachsen fort. Zwar ist in dem mächtigen, von dorischen Halbsäulen flankierten -Baue in Siebenhöfen jetzt eine Pappenfabrik und Prägeanstalt untergebracht, -aber es haben sich doch an den Ufern der Zschopau und ihrer Zuflüsse, zu -denen auch der Geyersche Stadtbach zu rechnen ist, der kurz unterhalb der -»Evansschen« Fabrik einmündet, die größten und bedeutendsten Spinnereien -des Sachsenlandes angesiedelt.</p> - -<p>Zu den beiden Faktoren, Steinkohle und Eisen, welche die Welt regieren, -ist als dritter die Baumwolle hinzugekommen. Der dünne, baumwollene Faden -bildet eine starke Kette von Erdteil zu Erdteil, von Volk zu Volk, von Werkstatt -zu Werkstatt. Tausend fleißige Hände müssen sich regen, ehe die Baumwolle -verarbeitet zu dem Pflanzer und Erbauer derselben zurückkehrt. Ein -Neger z. B. arbeitet in einer Plantage Brasiliens. Die gewonnene Baumwolle -wird dem Händler eingeliefert, wandert über den Ozean und kommt in -eine erzgebirgische Spinnerei. Als gesponnenes Garn geht sie nach Thum, -wird hier gewirkt, und eine Chemnitzer Weltfirma schickt sie über das Weltmeer -zurück nach Amerika, und hier gelangt sie schließlich als Strumpf wieder in -die Hände desjenigen Negers, welcher sie seiner Zeit als Wolle in der Kapsel -von der Staude pflückte.</p> - -<p class="right"> -Nach Lungwitz. -</p> - -<h3 id="sec59">59. Die gegenwärtigen Industriezweige im oberen Erzgebirge.</h3> - -<p>Im 16. Jahrhunderte verpflanzten ausgewanderte Schweizer die Musselin- -und Schleierweberei nach dem Vogtlande und dem daranliegenden Erzgebirge. -Nach den Drangsalen des Dreißigjährigen Krieges vermehrte sich die Bevölkerung -hier eher wieder, als in anderen, weit besser gelegenen Landschaften. -Wesentlich trug dazu die Einwanderung von böhmischen Protestanten bei, -welche, ihres Glaubens wegen aus der Heimat vertrieben, sich in den verödeten -erzgebirgischen Orten ansiedelten und neuen Unternehmungsgeist und neue Arbeitskraft -mitbrachten. Während in anderen Bezirken damals manches zerstörte -Dorf als Wüstung liegen blieb, entstand im Erzgebirge sogar eine neue Stadt, -Johanngeorgenstadt; denn dieses ist nur wenige Jahre nach dem Westfälischen -Friedensschlusse, im Jahre 1654, von böhmischen Vertriebenen angelegt worden.</p> - -<p>Doch half auch zur Hebung des Gebirges, daß in den nächsten Jahrzehnten -neue Erwerbszweige aufkamen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts -wurde Chemnitz und Umgegend der Sitz einer bedeutenden Baumwoll-Industrie, -der sich später die Wollindustrie anschloß. Der damalige Faden war Handgespinst, -und es mußten Tausende von Leuten sich rühren, um den Bedarf an -Garn zu decken. Später fertigte man den Faden auf Handmaschinen, von -denen jede 10–30 Spulen zählte. Noch zu Anfange unseres Jahrhunderts -gab es 18 000 Menschen, welche auf solche Art Baumwolle spannen. – Zu<span class="pagenum"><a id="Seite_121">[121]</a></span> -der Spinnerei gesellte sich die Weberei und Strumpfwirkerei. Vor dem Dreißigjährigen -Kriege hatte in Chemnitz außer der Leinweberei die von Niederländern -eingebürgerte Tuchmacherei geblüht. Nunmehr wandte man sich mit Erfolg -der Baumwollweberei zu und fertigte anfangs 1717 Barchent und dann 1725 -Musseline und Kattune und allerlei bunte Waren. Fünfzig Jahre nach dem -Betreten der neuen Bahn mögen in und um Chemnitz 2000 Handstühle in -Thätigkeit gewesen sein. Die Strumpfwirkerei war in Chemnitz schon 1728 -eingeführt worden. Sie gewann aber erst große Bedeutung, als es dem -Kaufmann Esche in Limbach 1776 gelungen war, mit Hilfe zweier geschickter -Arbeiter den von dem Engländer Lee erfundenen Strumpfwirkerstuhl nachzubauen.</p> - -<p>Auch das erzgebirgische Frauengewerbe erhielt im Laufe des 18. Jahrhunderts -eine Zugabe. Die aus Bialystock gebürtige <em class="gesperrt">Klara Angermann</em>, -welche sich mit dem Förster Nollain in Eibenstock vermählte, hatte in einem -polnischen Kloster das Tambourieren oder Sticken mit einer Häkelnadel gelernt -und verpflanzte es 1775 nach Eibenstock.</p> - -<p>Rechnet man zu dem allen, daß der Bergbau durch die 1765 in Freiberg -errichtete Bergakademie zur Wissenschaft erhoben wurde und man nun im stande -war, einen größeren »Teufen« abzubauen und minder edle Erze zu verhütten, -so wird man begreifen, daß schon im verflossenen Jahrhunderte das Erzgebirge -ein Hauptindustriegebiet für Sachsen, ja für ganz Deutschland wurde. Dabei -ist jedoch anzuerkennen, daß die Großindustrie erst seit Anwendung der Maschinen -und der Einführung des fabrikmäßigen kaufmännischen Betriebes entstanden -ist. Der Gebrauch der Spinnmaschine, die 1775 durch <em class="gesperrt">Richard -Arkwright</em> in England verbessert wurde, die Anwendung des Jacquard- und -des Kraft- oder mechanischen Webstuhles wirkten entscheidend. Trotzdem daß -die Handspinnmaschinen in die Rumpelkammer verwiesen, das Weberschifflein -der Hand des Arbeiters entzogen und der gewöhnliche Strumpfwirkerstuhl auf -gewisse Arbeiten beschränkt wurde, so wuchs die Erzeugung von Waren doch -ungemein und wurden überhaupt viel mehr Leute beschäftigt denn früher.</p> - -<p>Auch bei der Klöppelei und Stickerei traten Maschinen auf, so die 1809 -von Heathcoat in Nottingham erfundene und rasch vervollkommnete Bobbinetmaschine, -welche einfache Spitzen sehr billig herstellt, und ferner die von den -Schweizern aufgebrachte Stickmaschine, welche 200–500 Nadeln durch einen -Hebeldruck in Bewegung setzt und darum nicht zu verwickelte Muster um einen -geringen Preis liefert. Beide Maschinen machten der Frauenarbeit gefährlichen -Wettbewerb, drückten die Löhne herab und drohten, der weiblichen Hand, welche -früher das Spinnrad und neuerdings durch die Strick- und Nähmaschine fast -das Strick- und Nähzeug verloren hat, auch den Klöppel und die Sticknadel -zu entwinden. Aber durch den Übergang zu künstlicheren Mustern und die -Verbindung von Maschinen- und Handarbeit ist es ihr dennoch gelungen, sich -neben und mit den Maschinen zu behaupten.</p> - -<p>Im Sehmathale herrscht die Posamentenerzeugung als Hausindustrie und -zieht sich in starkbevölkerten Dörfern über Annaberg und Buchholz bis zu dem -Fichtelberge hinauf, an dessen Fuße die vier Städtlein Wiesenthal liegen. Die -Mannigfaltigkeit der Posamentenerzeugung läßt sich nur andeuten; alles, was -Kleiderbesatz und Garnitur heißt, Ornamente, Knopf, Borte, Franse, Quaste, -Schnur, wird gewirkt und geschlungen, gedreht und genäht. Geht das Geschäft -flott, wie 1844–1849, in den 60er Jahren, auch in den ersten 70er -Jahren noch, dann sind Tausende von Posamentierstühlen, Hunderte von Mühlstühlen<span class="pagenum"><a id="Seite_122">[122]</a></span> -und Chenillemaschinen im Gange. Im Jahre 1863 hat ein Annaberger -Geschäft für 600 000 Mark umgesetzt. Die Jahresausfuhr nach den Vereinigten -Staaten von Nordamerika, welches ein Konsulat in Annaberg unterhält, beträgt -ungefähr 5½ Mill. Mark. Annaberg hat über 100, Buchholz 30 Posamenten- -und Spitzenhandlungen, Buchholz 100 Posamentenfabrikanten und -Verleger. In Annaberg wohnen über 600, in Buchholz über 450 Posamentierer. -In beiden Städten giebt es zusammen 20 Schnurenfabriken. Besonders -merkwürdige Erzeugnisse sind Gold- und Silberspitzen in Annaberg -und Kleinrückerswalde, sowie gedrehte und geklöppelte Theater- und Uniformschnüre. -Je nach der herrschenden Mode werden fast auf dem ganzen Gebirge -durch Frauen- und Kinderhände Zwirn-, Woll- und Seidenspitzen geklöppelt. -Der Verdienst der Klöpplerinnen ist sehr gering, dennoch mögen manchmal im -Annaberg-Buchholzer Arbeitsbezirke 20 000 Klöppelkissen in Thätigkeit gewesen -sein. Neue Geschäftszweige, welche bei gänzlichen Modeveränderungen und -umfänglichen Geschäftsstockungen allgemeine Notstände nicht mehr aufkommen -lassen, sind beispielsweise in Buchholz durch 8 Kartonnagenfabriken und 6 -Prägeanstalten vertreten. Da werden Pappkartons, von den einfachsten Apothekerschächtelchen -bis zu den feinsten Bonbonnieren und Ostereiern, mit kostbaren -Stickereien und Gemälden, Holzkästen, von den billigsten Sparbüchsen -und Federkästchen bis zu den schönsten Schreibschatullen, Zigarren- und Nähkästen -hergestellt. Die Prägeanstalten liefern aus Gold- und Silberpapier -Sargverzierungen, welche das letzte Haus der Sterblichen mit Randschmuck -und sinnigen Bildern und Inschriften bedecken und in teueren Formen besonders -in Österreich, Ungarn, Spanien und Südamerika beliebt sind, und -fertigen aus Silber- und Papierkanevas tausenderlei Unterlagen zu Stickereien, -von den Buch- und Lesezeichen an bis zu Lampen-Tellern und -Schirmen, -Papierlaternen, Puppenstubenmöbeln und dergleichen. Sie bringen »papierne -Zinnsoldaten«, unter dem Christbaume aufzustellende »Krippen«, »Christgeburten«, -Jagden u. a. in den Handel. Holzbildhauerwerkstätten liefern Schrankgesimse -und Leisten, Sargfüße und Flaschenpfropfen und dergleichen. – Andere Geschäfte -versenden Kränze von Moos und trockenen Blumen, andere wieder -Sträuße, Borten und Kartons, Papier-Manschetten und -Spitzen. Auf eigenartigen -Stühlen werden Perlengewebe, Sessel, Kissen, Ofenschirme und Fußbänke -angefertigt, ein Ersatz kostspieliger Stickereien.</p> - -<p>In der ganzen Umgegend von Annaberg und Buchholz ist denn auch die -Landwirtschaft von untergeordneter, die Industrie von weit überwiegender Bedeutung. -Ja, bezeichnend genug für die späte und doch so schnelle Entwickelung -des Obererzgebirges ist es, daß man auf der alten Poststraße, ohne mehr als -zwei Dörfer zu berühren, zwölf Städte besuchen kann: Annaberg, Buchholz, -Schlettau, Scheibenberg, Elterlein, Zwönitz, Geyer, Thum, Ehrenfriedersdorf -(Stadt), Wolkenstein, Marienberg, Zöblitz.</p> - -<p class="right"> -Nach Prof. Berlet und <em class="antiqua">Dr.</em> Manke. -</p> - -<h3 id="sec60">60. Ehrentafel berühmter Obererzgebirger.</h3> - -<p>Das obere Erzgebirge ist die Heimat oder der längere Aufenthaltsort -einer Reihe bedeutender Persönlichkeiten gewesen, die für die Kulturentwickelung -unseres engeren und weiteren Vaterlandes nicht ohne Bedeutung geblieben sind. -Zu ihnen gehören <em class="gesperrt">Barbara Uttmann</em>, die das Spitzenklöppeln 1561 in -<em class="gesperrt">Annaberg</em> bekannt machte, und <em class="gesperrt">Klara Angermann</em>, welche in <em class="gesperrt">Eibenstock</em> -1775 das Tambourieren einführte. 1589 schon hat <em class="gesperrt">Georg Einenkel</em>, angeblich<span class="pagenum"><a id="Seite_123">[123]</a></span> -aus <em class="gesperrt">Dünkelsbühl</em> in Schwaben, das Posamentiergewerbe in <em class="gesperrt">Buchholz</em> -eingeführt. 1776 gelang es dem Kaufmann <em class="gesperrt">Esche</em> in <em class="gesperrt">Limbach</em>, den Strumpfwirkerstuhl -den Engländern nachzubauen. In der Nähe von <em class="gesperrt">Geyer</em> errichtete -1812 in <em class="gesperrt">Siebenhöfen</em> der um die sächsische <em class="gesperrt">Baumwollenspinnerei</em> sehr -verdiente <em class="gesperrt">Evan Evans</em> die erste Baumwollenspinnerei in Sachsen.</p> - -<p>Aber außerdem giebt es noch eine Anzahl bekannter Männer des Obererzgebirges, -die auf Kunst und Wissenschaft, auf das ganze Geistesleben des -sächsischen Volkes nicht ohne Einfluß geblieben sind. Wir gedenken des 1492 -geborenen Rechenmeisters <em class="gesperrt">Adam Ries</em> aus <em class="gesperrt">Staffelstein</em>, der seine Rechenwerke -in Annaberg als Bergbeamter schuf. Ferner haben wir den berühmten -Rektor der Annaberger Lateinschule, <em class="gesperrt">Johannes Rivius</em>, der 1552 in Meißen -starb, zu nennen. In <em class="gesperrt">Grünhain</em> wurde 1586 <em class="gesperrt">Johann Hermann Schein</em> -geboren, der Dichter des Liedes: »Mach's mit mir, Herr, nach deiner Güt'.« -1619 ist der Dichter des Liedes: »Liebster Jesu, wir sind hier, dich und dein -Wort anzuhören«, <em class="gesperrt">Tobias Clausnitz</em>, in <em class="gesperrt">Thum</em> geboren worden. 1726 -wurde zu <em class="gesperrt">Annaberg</em> der berühmte Kinderfreund <em class="gesperrt">Felix Weiße</em> geboren. 1674 -stellte in <em class="gesperrt">Annaberg</em> auf der Münzgasse in dem ihm vom Kurfürsten <em class="gesperrt">Johann -Georg II.</em> überlassenen Münzgewölbe der Chemiker <em class="gesperrt">Kunkel</em>, als -einer der allerersten, <em class="gesperrt">Phosphor</em> her.</p> - -<p>Zu den erwähnten fügen wir hier noch die Namen eines <em class="gesperrt">Mykonius</em>, -<em class="gesperrt">Sarcerius</em>, <em class="gesperrt">Pufendorf</em>, <em class="gesperrt">Gottfried Arnold</em>, <em class="gesperrt">Kramer</em> und <em class="gesperrt">Duflos</em>.</p> - -<h4>1. Mykonius, ein Geschichtsschreiber der Reformation.</h4> - -<p><em class="gesperrt">Friedrich Mykonius</em>, eigentlich Mekum genannt, gehört zu der Reihe -der deutschen Kirchenreformatoren. Am 24. Dezember 1491 ist er zu <em class="gesperrt">Lichtenfels</em> -in Oberfranken geboren. Er gehört zu den bekanntesten Schülern der -Annaberger Lateinschule und ist als solcher schon berühmt geworden durch sein -bekanntes Gespräch mit Tetzel. 1510 trat er ins Annaberger Franziskanerkloster -ein, später in das zu Weimar. Er gehört zu den ersten und eifrigsten -Anhängern Luthers. 1524 ward er evangelischer Pfarrer in Gotha. Am 2. Juli -desselben Jahres predigte er in Buchholz unter großem Andrange. Am 4. Mai -1539 hielt er in Annaberg die erste evangelische Predigt. Als Superintendent -von Gotha wirkte er für die Einführung der Reformation in Thüringen, sowie -in Leipzig, wohin er 1539 berufen ward. Er nahm am Marburger Religionsgespräche -1529, an dem Schmalkaldner Tage 1537 und auch am Hagenauer -Religionsgespräche 1540 teil. Gestorben ist er 1546. Seine Geschichte der -Reformation erschien erst 1715 zu Gotha.</p> - -<p class="right"> -Nach Ledderhose. -</p> - -<h4>2. Sarcerius, der Reformator Nassaus.</h4> - -<p>Am 28. November 1501 wurde in <em class="gesperrt">Annaberg</em> einem schlichten Bergmanne -Namens <em class="gesperrt">Scheurer</em> ein Sohn geboren; das war der ehedem berühmte -<em class="gesperrt">Erasmus Sarcerius</em>, wie sein Name lateinisch lautet. Der junge Sarcerius -besuchte die Lateinschulen Annabergs und Freibergs. In Leipzig und Wittenberg -studierte er Philosophie und Theologie. Er gehört zu den eifrigsten Anhängern -Luthers und seines Reformationswerkes. Mehreren Schulen hat später -Sarcerius entweder als Konrektor oder Rektor vorgestanden; es waren Schulen -in Rostock, Lübeck, Dillenburg, Wien und Graz. In Österreich hielt er sich -nicht dauernd auf, weil er wegen seines Glaubens Anfeindungen ausgesetzt war. -Er kehrte nach Lübeck zurück, wo seit 1531 die Reformation eingeführt worden<span class="pagenum"><a id="Seite_124">[124]</a></span> -war. Der Graf <em class="gesperrt">Wilhelm der Reiche von Nassau</em> berief ihn in sein Land -als Oberpfarrer, weil er die Reformation einzuführen gedachte. Sarcerius -wirkte in Nassau erfolgreich zu diesem Zwecke. Da er sich aber dem 1548 -von Kaiser <em class="gesperrt">Karl V.</em> aufgestellten »Interim« nicht fügte, ging er, seines Amtes -entsetzt, nach Annaberg. 1549 ward er Pfarrer an der Leipziger Thomaskirche, -1554 Pfarrer in Eisleben und 1559 Superintendent in Magdeburg. -Am 28. November 1559 starb er. Er hat zahlreiche Schriften hinterlassen.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Röselmüller. -</p> - -<h4>3. Pufendorf, ein Mitbegründer der Wissenschaft des Natur- und -Völkerrechtes.</h4> - -<p>Freiherr <em class="gesperrt">Samuel von Pufendorf</em>, einer der Gründer der Wissenschaft -des Natur- und Völkerrechtes, ist am 8. Januar 1632 zu <em class="gesperrt">Dorfchemnitz</em> geboren. -Er besuchte die Fürstenschule zu Grimma, widmete sich dann in Leipzig -und Jena dem Studium der Rechte und wurde 1658 Hofmeister im Hause -des schwedischen Gesandten <em class="gesperrt">Coyet</em> in Kopenhagen. Die Schrift »Elemente -der allgemeinen Rechtswissenschaft«, welche 1660 in Haag erschien, bewirkte -1661 seine Berufung zum Professor des Natur- und Völkerrechts an die -Universität <em class="gesperrt">Heidelberg</em>. Doch schon 1670 folgte Pufendorf einem Rufe an -die neue schwedische Universität <em class="gesperrt">Lund</em>. Durch weitere Schriften erhob er das -Naturrecht zu einer selbständigen Wissenschaft. Für das Verhältnis des Staates -zur Kirche schuf er die von allen gegenwärtigen Staaten angenommene Theorie -des Kollegialismus. 1686 wurde er nach <em class="gesperrt">Stockholm</em> berufen und zum -Staatssekretär, königlichen Hofrat und Historiographen ernannt. 1688 begab -er sich nach <em class="gesperrt">Berlin</em>, wo er von dem Kurfürsten <em class="gesperrt">Friedrich Wilhelm</em> von -Brandenburg als Historiograph und Kammergerichtsbeisitzer angestellt und 1690 -zum Geheimrat ernannt wurde. König <em class="gesperrt">Karl XI.</em> von Schweden erhob ihn -1694 in den Freiherrnstand. Er starb am 26. Oktober 1694 in <em class="gesperrt">Berlin</em>. -Pufendorfs älterer Bruder, <em class="gesperrt">Esaias Pufendorf</em>, starb am 26. Oktober 1689 -als dänischer Gesandter in Regensburg. Derselbe hat mehrere theologische und -historische Schriften veröffentlicht.</p> - -<p class="right"> -Nach Meyers Lexikon. -</p> - -<h4>4. Gottfried Arnold, der Kirchen- und Ketzerhistoriker.</h4> - -<p>Der lutherische Theologe <em class="gesperrt">Gottfried Arnold</em> ist am 5. September 1666 -zu <em class="gesperrt">Annaberg</em> geboren. Seine Studien machte er in <em class="gesperrt">Wittenberg</em>. Im -Jahre 1697 ward er Professor der Geschichte in <em class="gesperrt">Gießen</em>. Sein Verkehr mit -<em class="gesperrt">Spener</em> in Dresden regte ihn pietistisch an. In Frankfurt und Quedlinburg -kam er durch persönliche Verbindungen zu einem mystischen Separatismus. Er -enthielt sich des Kirchenbesuches und verschmähte das heilige Abendmahl. 1698 -legte er seine Professur nieder. Später, 1700, hat er sich verheiratet. Da -er seine Ansichten geändert hatte, wurde er Hofprediger der verwitweten -<em class="gesperrt">Herzogin von Sachsen-Eisenach</em> in <em class="gesperrt">Allstedt</em>. 1714 starb er in <em class="gesperrt">Perleberg</em> -als Prediger, nachdem er seit 1707 dort gelebt hatte. Vorher wirkte er -seit 1704 als Prediger in <em class="gesperrt">Werben</em>. Von Arnold rühren mehrere mystische -Schriften her. Geistliche Lieder hat er auch gedichtet. Sein Hauptwerk aber -ist die ihrer Zeit schon durch die Darstellung Aufsehen erregende »Unparteiische -Kirchen- und Ketzerhistorie«, worin er der Ketzerei ein Streben nach wahrem -Christentume zuschrieb und ihre Berechtigung durch die Mängel und die Ausbreitung -der Kirche nachwies.</p> - -<p class="right"> -Nach <em class="antiqua">Dr.</em> Röselmüller. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_125">[125]</a></span></p> - -<h4>5. Kramer, der Kirchenliederdichter.</h4> - -<p>Der berühmte Kanzelredner und Kirchenliederdichter <em class="gesperrt">Johannes Andreas -Kramer</em> wurde 1723 in <em class="gesperrt">Jöhstadt</em> geboren. Er wurde 1748 Prediger zu -Krollwitz bei Magdeburg. 1750 schon treffen wir ihn als Oberhofprediger in -<em class="gesperrt">Quedlinburg</em>. Seit 1754 ist er deutscher Hofprediger in <em class="gesperrt">Kopenhagen</em> -und seit 1765 zugleich Professor der Theologie ebenda gewesen. <em class="gesperrt">Lübeck</em> berief -ihn 1771 zum Superintendenten. Dann ward er 1774 erster Professor der -Theologie in Kiel. Hier wurde er 1784 zum Universitätskanzler und Rektor -ernannt. Am 12. Juni 1788 starb er in Kiel. – Er stiftete ein homiletisches -Institut und ist der Gründer des ersten Schullehrerseminars für <em class="gesperrt">Schleswig-Holstein</em> -geworden. Auch gab er den Herzogtümern einen verbesserten -Katechismus und ein neues Gesangbuch. Am bekanntesten sind unter seinen -Werken seine »Sämtlichen Gedichte« und seine »Hinterlassenen Gedichte«, woraus -viele Lieder in die Gesangbücher übergegangen sind.</p> - -<p class="right"> -Nach Meyers Lexikon. -</p> - -<h4>6. Duflos, der Vater der Pharmazie.</h4> - -<p>Im Jahre 1889 starb zu <em class="gesperrt">Annaberg</em> der Geheime Rat Professor <em class="antiqua">Dr.</em> -Adolf Ferdinand <em class="gesperrt">Duflos</em>, Ritter u. s. w. Er stammt aus <em class="gesperrt">Artenay</em> bei -Orleans in Frankreich und ist am 2. Februar 1802 daselbst geboren. In -den Napoleonischen Kriegen kam er mit seinem Vater nach <em class="gesperrt">Torgau</em>. Er fand -ein Unterkommen bei dem dortigen Rektor Benedict, welcher später die Waise -bei seiner Übersiedelung als Rektor der Lateinschule nach <em class="gesperrt">Annaberg</em> mit sich -nahm. <em class="gesperrt">Duflos</em> trat als Lehrling in die Annaberger Apotheke ein. Als einst, -den 27. Februar 1817, Apotheker Hertel einen Vortrag über die Beleuchtung -durch Gaslicht aus Steinkohlen nebst einigen erläuternden physikalischen Versuchen -in der Museumsgesellschaft zu Annaberg hielt, bereitete der damalige -Apothekerlehrling <em class="gesperrt">Duflos</em> das Gas dazu. Niemand mochte ahnen, zu welcher -Bedeutung der 15jährige noch in ganz Deutschland gelangen würde. Er gilt -in ganz Deutschland als »Vater der Pharmazie« und ist Verfasser vieler hochgeschätzter -chemischer Werke. Seit 1866 lebte er in stiller Zurückgezogenheit -in Annaberg. Sein Grab wird zu den berühmtesten des schönen Friedhofes -gezählt werden. Er liegt im Brodengeyerschen Schwibbogen.</p> - -<p class="right"> -Nach Fr. Brodengeyer und Ruhsam. -</p> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/deco2.png" alt="" /> -</div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 id="toc">Inhaltsverzeichnis.</h2> -</div> - -<table summary="Inhalt"> -<tr> -<td colspan="2" class="tdh1">Das Obererzgebirge.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td colspan="2" class="tdc">Erster Abschnitt.</td><td class="tdr">Seite</td> -</tr> -<tr> -<td colspan="2" class="tdh2">Die Landschaft des Obererzgebirges</td> - <td class="tdr"><a href="#o1">1</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">1.</td><td class="tdh3">Unera Hamet</td> - <td class="tdr"><a href="#sec01">1</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">2.</td><td class="tdh3">Das Lied vom Erzgebirge</td> - <td class="tdr"><a href="#sec02">1</a></td> - -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">3.</td><td class="tdh3">Die Bedeutung des Erzgebirges für das Vaterland</td> - <td class="tdr"><a href="#sec03">2</a></td> - -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">4.</td><td class="tdh3">Das Obererzgebirge</td> - <td class="tdr"><a href="#sec04">3</a></td> - -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">5.</td><td class="tdh3">Ehemaliges Landschaftsbild des Obererzgebirges</td> - <td class="tdr"><a href="#sec05">4</a></td> - -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">6.</td><td class="tdh3">Erzgebirgische Jagden</td> - <td class="tdr"><a href="#sec06">5</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">a.</em> Eine Jagd im Erzgebirge im Jahre 1 nach Christo</td> - <td class="tdr">5</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">b.</em> Kurfürstliche Jagden im oberen Erzgebirge</td> - <td class="tdr">6</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">e.</em> Jagdfronden der Obererzgebirger</td> - <td class="tdr">8</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">d.</em> Ein Jagdaufzug mit erzgebirgischen wilden Tieren in Dresden</td> - <td class="tdr">9</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">e.</em> Die Wildschützen</td> - <td class="tdr">10</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">7.</td><td class="tdh3">Eishöhlen im Erzgebirge</td> - <td class="tdr"><a href="#sec07">10</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">8.</td><td class="tdh3">Die obererzgebirgischen Mineralquellen und Bäder</td> - <td class="tdr"><a href="#sec08">11</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">9.</td><td class="tdh3">Fischreichtum erzgebirgischer Flüsse</td> - <td class="tdr"><a href="#sec09">13</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">10.</td><td class="tdh3">Die Kartoffeln im Erzgebirge</td> - <td class="tdr"><a href="#sec10">14</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">11.</td><td class="tdh3">Reihenfolge der Städte Sachsens bezüglich ihrer Lage über der Ostsee</td> - <td class="tdr"><a href="#sec11">15</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">12.</td><td class="tdh3">De Stähd in'n Öber-Ärzgebärg</td> - <td class="tdr"><a href="#sec12">16</a></td> -</tr> -<tr> -<td colspan="2" class="tdc">Zweiter Abschnitt.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td colspan="2" class="tdh2">Das Volkstum des Obererzgebirgers</td> - <td class="tdr"><a href="#o2">17</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">13.</td><td class="tdh3">Die Mundart des Obererzgebirgers</td> - <td class="tdr"><a href="#sec13">17</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">14.</td><td class="tdh3">Arzgebergsche Sprichwörter</td> - <td class="tdr"><a href="#sec14">18</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">15.</td><td class="tdh3">Der Volkscharakter der Erzgebirger</td> - <td class="tdr"><a href="#sec15">19</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">16.</td><td class="tdh3">Die obererzgebirgische Kirmes</td> - <td class="tdr"><a href="#sec16">21</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">17.</td><td class="tdh3">Weihnachten im Obererzgebirge</td> - <td class="tdr"><a href="#sec17">22</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">18.</td><td class="tdh3">Die Weihnachtsspiele im Obererzgebirge</td> - <td class="tdr"><a href="#sec18">24</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">19.</td><td class="tdh3">Erzgebirgische Heilige Christfahrt aus der Zeit des 30jährigen Krieges</td> - <td class="tdr"><a href="#sec19">26</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">20.</td><td class="tdh3">Erzgebirgische Weihnachtslieder</td> - <td class="tdr"><a href="#sec20">27</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">a.</em> Dr Weihnachts-Heiligohmd</td> - <td class="tdr">27</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">b.</em> Ä annersch Weihnachtslied</td> - <td class="tdr">28</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">21.</td><td class="tdh3">Michels Erzählung vom Annaberger Vogelschießen</td> - <td class="tdr"><a href="#sec21">29</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">22.</td><td class="tdh3">Dos arzgebergische Mädl</td> - <td class="tdr"><a href="#sec22">29</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">23.</td><td class="tdh3">Erzgebirger beim ersten sächsischen Volkstrachtenfest</td> - <td class="tdr"><a href="#sec23">30</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">24.</td><td class="tdh3">Der Streittag</td> - <td class="tdr"><a href="#sec24">30</a></td> -</tr> -<tr> -<td colspan="2" class="tdc">Dritter Abschnitt.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td colspan="2" class="tdh2">Die Besiedelung des Obererzgebirges</td> - <td class="tdr"><a href="#o3">33</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">25.</td><td class="tdh3">Die Besiedelung des Erzgebirges</td> - <td class="tdr"><a href="#sec25">33</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">a.</em> Die Besiedelung des Erzgebirges in vorwettinischer Zeit</td> - <td class="tdr">33</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">b.</em> Die Besiedelung des oberen Erzgebirges in wettinischer Zeit</td> - <td class="tdr">34</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">1. Die wilde Ecke</td> - <td class="tdr">34</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">2. Entstehung der Orte in Annabergs Umgegend</td> - <td class="tdr">34</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">3. Entstehung Annabergs und anderer Bergstädte des Obererzgebirges</td> - <td class="tdr">35</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">4. Jüngere Gründungen im Obererzgebirge</td> - <td class="tdr">36</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">26.</td><td class="tdh3">Die Urbarmachung des Gebirges</td> - <td class="tdr"><a href="#sec26">36</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">27.</td><td class="tdh3">Die obererzgebirgischen Ortsnamen</td> - <td class="tdr"><a href="#sec27">36</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">28.</td><td class="tdh3">Die Dörfer</td> - <td class="tdr"><a href="#sec28">40</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">a.</em> Slawische Dörfer</td> - <td class="tdr">40</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">b.</em> Deutsche Dörfer</td> - <td class="tdr">40</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">c.</em> Reste der sorbischwendischen Sprache</td> - <td class="tdr">41</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">29.</td><td class="tdh3">Einzelansiedelungen im Obererzgebirge</td> - <td class="tdr"><a href="#sec29">42</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">30.</td><td class="tdh3">Die Bauart des Erzgebirgshauses</td> - <td class="tdr"><a href="#sec30">42</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">31.</td><td class="tdh3">Der erzgebirgische Kirchenbau</td> - <td class="tdr"><a href="#sec31">43</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">32.</td><td class="tdh3">Die Wappen der Erzgebirgsstädte</td> - <td class="tdr"><a href="#sec32">45</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">33.</td><td class="tdh3">Uralte Verkehrswege im Erzgebirge</td> - <td class="tdr"><a href="#sec33">46</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">34.</td><td class="tdh3">Die Pässe des Erzgebirges</td> - <td class="tdr"><a href="#sec34">47</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">35.</td><td class="tdh3">Die Verkehrswege</td> - <td class="tdr"><a href="#sec35">48</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">a.</em> Die obererzgebirgischen Eisenbahnen</td> - <td class="tdr">48</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">b.</em> Die alten Postsäulen</td> - <td class="tdr">49</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">36.</td><td class="tdh3">Die Bevölkerung des Obererzgebirges sonst und jetzt</td> - <td class="tdr"><a href="#sec36">49</a></td> -</tr> -<tr> -<td colspan="2" class="tdc">Vierter Abschnitt.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td colspan="2" class="tdh2">Die Kriegszeiten des Obererzgebirges</td> - <td class="tdr"><a href="#o4">51</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">37.</td><td class="tdh3">Der Kriegszug Kaiser Heinrichs II. über das Erzgebirge</td> - <td class="tdr"><a href="#sec37">51</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">38.</td><td class="tdh3">Raubritterunwesen im Obererzgebirge</td> - <td class="tdr"><a href="#sec38">52</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">39.</td><td class="tdh3">Der obererzgebirgische Schauplatz des Prinzenraubes</td> - <td class="tdr"><a href="#sec39">52</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">a.</em> Altes Volkslied</td> - <td class="tdr">52</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">b.</em> Der Fürstenberg bei Grünhain</td> - <td class="tdr">53</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">1. Wie der Berg den Namen erhält</td> - <td class="tdr">53</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">2. Herzog Albrecht besucht seinen Befreiungsort</td> - <td class="tdr">53</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">c.</em> Wie das jetzige Brunnendenkmal geweiht wird</td> - <td class="tdr">54</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">d.</em> Das Köhlerhaus am Fürstenbrunnen</td> - <td class="tdr">54</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">e.</em> König Friedrich August II. und seine Gemahlin am Fürstenbrunnen</td> - <td class="tdr">54</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">f.</em> Sagen und Geschichten zum Prinzenraube</td> - <td class="tdr">55</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">1. Die große Glocke in Geyer</td> - <td class="tdr">55</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">2. Der Fürstenbrunn bei Raschau</td> - <td class="tdr">55</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">3. Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei Neudorf a. d. Sehma</td> - <td class="tdr">56</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">4. Die Prinzenkleider in der Kirche zu Ebersdorf</td> - <td class="tdr">56</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">40.</td><td class="tdh3">Die Hussitenkämpfe im Erzgebirge unter Friedrich dem Streitbaren</td> - <td class="tdr"><a href="#sec40">57</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">a.</em> Der Ausbruch des Krieges</td> - <td class="tdr">57</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">b.</em> Schrecknisse im Obererzgebirge während des Krieges</td> - <td class="tdr">57</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">c.</em> Wüste Marken im Obererzgebirge aus der Zeit der Hussitenkriege</td> - <td class="tdr">60</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">41.</td><td class="tdh3">Das Obererzgebirge im Bauernkriege</td> - <td class="tdr"><a href="#sec41">61</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">a.</em> Die Kriegsereignisse</td> - <td class="tdr">61</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">b.</em> Die 12 Artikel der Bauern</td> - <td class="tdr">63</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">c.</em> Anzeichen für den Bauernkrieg</td> - <td class="tdr">63</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">42.</td><td class="tdh3">Das Obererzgebirge im Schmalkaldischen Kriege</td> - <td class="tdr"><a href="#sec42">64</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">a.</em> Der Kriegsschauplatz im Obererzgebirge</td> - <td class="tdr">64</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">b.</em> Kriegsdrangsale in Zwickau</td> - <td class="tdr">64</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">c.</em> Drangsale in Schneeberg</td> - <td class="tdr">67</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">43.</td><td class="tdh3">Der Dreißigjährige Krieg im oberen Erzgebirge</td> - <td class="tdr"><a href="#sec43">68</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">a.</em> Kurfürst Johann Georgs I. Verteidigungswerk</td> - <td class="tdr">68</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">b.</em> Wie in Böhmen der Krieg ausbricht</td> - <td class="tdr">69</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">c.</em> Wie dem Obererzgebirge das Kriegsunglück naht</td> - <td class="tdr">69</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">d.</em> Wie wichtige Obererzgebirgspässe besetzt werden</td> - <td class="tdr">70</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">e.</em> Die ersten Kriegsdrangsale in Marienberg</td> - <td class="tdr">71</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">f.</em> Wallensteins Truppen kommen</td> - <td class="tdr">71</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">g.</em> Oberst Preuß vor Marienberg</td> - <td class="tdr">72</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">h.</em> Wie die Kaiserlichen nach der Lützner Niederlage im Gebirge hausen</td> - <td class="tdr">73</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">i.</em> Wie Bauern die Kaiserlichen vertreiben</td> - <td class="tdr">74</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">k.</em> Das Kriegsjahr 1634</td> - <td class="tdr">75</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">l.</em> Zschopau wird niedergebrannt</td> - <td class="tdr">76</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">m.</em> Die Sachsen in Marienberg</td> - <td class="tdr">77</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">n.</em> Wie die Schweden ins Gebirge kommen</td> - <td class="tdr">77</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">1. Der Beginn der Schwedengreuel</td> - <td class="tdr">77</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">2. Die Schweden werden aus Marienberg vertrieben</td> - <td class="tdr">78</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">3. Das Schreckensjahr 1639</td> - <td class="tdr">79</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">4. Kriegsgreuel in Cranzahl</td> - <td class="tdr">81</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">o.</em> Wie General Wrangel nach Schlettau kommt</td> - <td class="tdr">82</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">p.</em> Wie die Bewohner des Gebirges als Flüchtlinge leben</td> - <td class="tdr">82</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">q.</em> Wie die Landwirtschaft darniederliegt</td> - <td class="tdr">83</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">r.</em> Die letzte Schlacht auf sächsischem Gebiete</td> - <td class="tdr">84</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">s.</em> Wie es nach dem Kriege im Gebirge aussah</td> - <td class="tdr">84</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">44.</td><td class="tdh3">Im nordischen Kriege</td> - <td class="tdr"><a href="#sec44">85</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">45.</td><td class="tdh3">Das Obererzgebirge im Siebenjährigen Kriege</td> - <td class="tdr"><a href="#sec45">86</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4">1. Beginn des Krieges</td> - <td class="tdr">86</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4">2. Die Preußen im Erzgebirge</td> - <td class="tdr">86</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4">3. Die ersten Lieferungen</td> - <td class="tdr">87</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4">4. Aushebungen im Erzgebirge</td> - <td class="tdr">87</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4">5. Nach der Schlacht bei Kolin 1757</td> - <td class="tdr">87</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4">6. Nach der Niederlage bei Hochkirch</td> - <td class="tdr">88</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4">7. Die Auer Schlacht 1759</td> - <td class="tdr">88</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4">8. Die Jahre 1760 und 1761</td> - <td class="tdr">88</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4">9. Das Ende des Kriege</td> - <td class="tdr">89</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4">10. Ein Beispiel der Vaterlandsliebe aus dem Siebenjährigen Kriege</td> - <td class="tdr">90</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">46.</td><td class="tdh3">Die Freiheitskriege</td> - <td class="tdr"><a href="#sec46">91</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4">Das Banner der sächsischen Freiwilligen</td> - <td class="tdr">91</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">1. Der Aufruf</td> - <td class="tdr">91</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">2. Die Einrichtung des Banners</td> - <td class="tdr">92</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">47.</td><td class="tdh3">Die Pest im Erzgebirge</td> - <td class="tdr"><a href="#sec47">92</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4">1. Wie die Pest in Annaberg auftritt</td> - <td class="tdr">92</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4">2. Wie die Krankheit sich zeigt</td> - <td class="tdr">93</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4">3. Wie schon 1568 kein Geistlicher mehr zu den Pestkranken gehen will</td> - <td class="tdr">93</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4">4. Wie man an Pestmacher glaubt</td> - <td class="tdr">93</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh3">5. Die letzte Pest im Erzgebirge</td> - <td class="tdr">94</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">48.</td><td class="tdh3">Die Teuerung und Hungersnot im Erzgebirge 1771 und 1772</td> - <td class="tdr"><a href="#sec48">95</a></td> -</tr> -<tr> -<td colspan="2" class="tdc">Fünfter Abschnitt.</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td colspan="2" class="tdh2">Das Wirtschaftsleben des Obererzgebirges</td> - <td class="tdr"><a href="#o5">100</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">49.</td><td class="tdh3">Die obererzgebirgische Kohlenbrennerei</td> - <td class="tdr"><a href="#sec49">100</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">a.</em> Die Entstehung des Gewerbes</td> - <td class="tdr">100</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">b.</em> Eine Köhlerwohnung in alter Zeit</td> - <td class="tdr">101</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">c.</em> Das Harzen in früherer Zeit</td> - <td class="tdr">101</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">50.</td><td class="tdh3">Der ehemalige Zinnbergbau</td> - <td class="tdr"><a href="#sec50">101</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">51.</td><td class="tdh3">Der ehemalige Silberbergbau</td> - <td class="tdr"><a href="#sec51">102</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">a.</em> Altes Berglied</td> - <td class="tdr">102</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">b.</em> Die Namen der Zechen</td> - <td class="tdr">103</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">c.</em> Obererzgebirgische Bergleute in der Fremde</td> - <td class="tdr">103</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">d.</em> Die bergmännischen Werkzeuge etc. in früherer Zeit</td> - <td class="tdr">104</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">e.</em> Die Verbreitung des obererzgebirgischen Bergbaues</td> - <td class="tdr">106</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">1. In seiner Blütezeit</td> - <td class="tdr">106</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh5">2. In späteren Jahrhunderten</td> - <td class="tdr">108</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">52.</td><td class="tdh3">Die erzgebirgische Eisenindustrie</td> - <td class="tdr"><a href="#sec52">108</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">a.</em> Die Eisenhämmer</td> - <td class="tdr">108</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">b.</em> In einer obererzgebirgischen Eisenhütte vor 50 Jahren</td> - <td class="tdr">109</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">c.</em> Die Blechlöffelfabrikation</td> - <td class="tdr">110</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">53.</td><td class="tdh3">Die Blaufarbenwerke</td> - <td class="tdr"><a href="#sec53">111</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">a.</em> Besuch eines alten Blaufarbenwerkes</td> - <td class="tdr">111</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">b.</em> Sage von der Erfindung der Blaufarbenbereitung</td> - <td class="tdr">112</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">54.</td><td class="tdh3">Torfstecherei im Erzgebirge</td> - <td class="tdr"><a href="#sec54">113</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">55.</td><td class="tdh3">Die Auer Porzellanerde</td> - <td class="tdr"><a href="#sec55">114</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">56.</td><td class="tdh3">Die Spitzenklöppelei im Erzgebirge</td> - <td class="tdr"><a href="#sec56">114</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">a.</em> Barbara Uttmann</td> - <td class="tdr">114</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">b.</em> Das Spitzenklöppeln im Obererzgebirge</td> - <td class="tdr">115</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">c.</em> Die Namen der Spitzenmuster</td> - <td class="tdr">115</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">d.</em> Maria im Erzgebirge</td> - <td class="tdr">116</td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdh4"><em class="antiqua">e.</em> Die jetzigen Klöppelschulen</td> - <td class="tdr">116</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">57.</td><td class="tdh3">Der ehemalige Hausierhandel im Erzgebirge</td> - <td class="tdr"><a href="#sec57">116</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">58.</td><td class="tdh3">Die erste Baumwollspinnerei Sachsens</td> - <td class="tdr"><a href="#sec58">118</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">59.</td><td class="tdh3">Die gegenwärtigen Industriezweige im oberen Erzgebirge</td> - <td class="tdr"><a href="#sec59">120</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdrt">60.</td><td class="tdh3">Ehrentafel berühmter Obererzgebirger: 1. Mykonius 2. Sarcerius. -3. Pufendorf. 4. Gottfried Arnold. 5. Kramer. 6. Duflos</td> - <td class="tdr"><a href="#sec60">122</a></td> -</tr> -</table> - -<hr class="chap" /> - -<p class="center">Druck von <em class="gesperrt">C. G. Roßberg</em> in Frankenberg i. Sa.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 id="Verlags-Verzeichnis">Verlags-Verzeichnis</h2> -</div> -<p class="center">der Graser'schen Buchhandlung (Richard Liesche) in Annaberg.</p> - -<h3>I. Das Erzgebirge betreffend:</h3> - -<div class="hang"> - -<p><b>Das Erzgebirge.</b> Gemeinverständliche wissenschaftliche Aufsätze. Herausgegeben vom Erzgebirgs-Zweigverein -Chemnitz. Band I M. 1,50:</p> - -<ul class="index"> -<li>Die Namen des Erzgebirges. Von Professor <em class="antiqua">Dr.</em> S. <em class="gesperrt">Ruge</em>.</li> -<li>Über die Entstehung des Erzgebirges. Von <em class="antiqua">Dr.</em> T. <em class="gesperrt">Sterzel</em>.</li> -<li>Die räumliche Ausbreitung des erzgebirgischen Bergbaues im Mittelalter. Von W. <em class="gesperrt">Zöllner</em>.</li> -<li>Die Spielwaren-Industrie des Erzgebirges. Von H. <em class="gesperrt">Gebauer</em>.</li> -<li>Das Klima des Erzgebirges. Von <em class="antiqua">Dr.</em> H. <em class="gesperrt">Hoppe</em>.</li> -<li>Ein botanischer Frühlingsspaziergang von Chemnitz nach Lichtenwalde. Von <em class="antiqua">Dr.</em> E. R. <em class="gesperrt">Zimmermann</em>.</li> -</ul> - -<p>– Band II M. 1,50:</p> - -<ul class="index"> -<li>Erzgebirgisches Volks- und Wirtschaftsleben im 16. Jahrhundert. Von <em class="antiqua">Dr.</em> H. <em class="gesperrt">Jacobi</em>.</li> -<li>Flurnamen aus dem Erzgebirge. 1. und 2. Teil. Von E. <em class="gesperrt">Weinhold</em>.</li> -<li>Ausflug von Chemnitz nach Wildenthal und dem Kranichsee. Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Zimmermann</em>.</li> -<li>Thum während des dreißigjährigen Krieges. Von Paul <em class="gesperrt">Schneider</em>.</li> -</ul> - -<p>– Band III. 1. Die Unruhen im Erzgebirge während des Bauernkrieges. Von <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Paul Uhle</em>. M. –,50.</p> - -<p><b>Album vom Obererzgebirge.</b> Visit M. 1,20.</p> - -<p><b>Album des historischen Festzugs zum Jubiläum der Stadt Annaberg. 1896.</b> M. 1,50.</p> - -<p><b>Annaberger Bergmannsmarsch.</b> Nach alten Weisen gesetzt von E. <em class="gesperrt">Stahl</em></p> - -<table summary="Instrumente"> -<tr> -<td>für Pianoforte oder Zither</td><td class="tdr">je M. –,60,</td> -</tr> -<tr> -<td>für Hornmusik</td><td class="tdr">M. 1,20.</td> -</tr> -<tr> -<td>für Orchester oder Harmonikamusik</td><td class="tdr">je M. 1,80,</td> -</tr> -<tr> -<td>für Kavalleriemusik</td><td class="tdr">M. 1,–.</td> -</tr> -</table> - -<p><b>Aus dem Zwönitzthale.</b> Herausgegeben vom Erzgebirgszweigverein Zwönitz, 1895/96. M. 1,–.</p> - -<p><em class="gesperrt">Bartusch</em>, P., Seminar-Oberlehrer, <b>Die Annaberger Lateinschule im 16. Jahrhundert</b>. Ein schulgeschichtliches -Kulturbild. 1897. M. 2,50.</p> - -<p><em class="gesperrt">Berlet</em>, B., Professor, <b>Wegweiser durch das sächs.-böhm. Erzgebirge</b>. 1900. 9. von E. Prasse und <em class="antiqua">Dr.</em> -Köhler bearbeitete Auflage, geb. M. 2,–.</p> - -<p><em class="gesperrt">Böthig</em>, B., <b>Hymnus auf Annaberg</b>, für Pianoforte M. 1,–.</p> - -<p><em class="gesperrt">Carl Crüwell</em>, <b>Das Stadttheater zu Annaberg</b>. Ein Gedenkblatt zum Tage der vierhunderjährigen Jubelfeier -der Gründung der Stadt Annaberg. 1896. Komm.-Verlag. M. 2,–.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ficker</em>, B., <b>Annaberg vom Jahre 1843–68</b>. (M. 2,50) für M. 1,25.</p> - -<p><em class="gesperrt">Finck</em>, <b>Barbara Uttmann, die Begründerin der Spitzen-Industrie im Erzgebirge</b>. M. –,50.</p> - -<p><b>Führer durch Eibenstock, Wildenthal, Carlsfeld, Rautenkranz, Morgenröthe und Umgebungen.</b> Mit -Karte, Panorama vom Auersberg und Bildern. M. –,50.</p> - -<p><em class="gesperrt">Frisch</em>, <em class="antiqua">Dr. phil.</em>, <b>Die Flora des Pöhlberggebietes</b>. M. 1,50.</p> - -<p><b>Gedichte und Geschichten in erzgebirgischer Mundart.</b> 4 elegante Leinwandbände je 2,50 und 5 Hefte je –,70 -geheftet, –,80 kart.</p> - -<p class="ind">Die Sammlung erzgebirg. Gedichte und Geschichten spiegelt mit ihrem innig-sinnigen, ernstheiteren, -herzerfreuenden Inhalt getreu den Sinn des Erzgebirgers wieder. Die Bändchen bieten Ernst und Scherz -in bunter Reihe; voll tiefen Gemütes und oft zwerchfellerschütternden Humors sind sie eine kräftige, -kerngesunde Kost und von Heft zu Heft finden sie erfreulicherweise immer mehr Anklang und Teilnahme -bei den Freunden und Bewohnern unseres Erzgebirges.</p> - -<p><em class="gesperrt">Göpfert</em>, <em class="antiqua">Dr.</em>, E., Prof., <b>Über den Unterricht in der Heimatkunde</b>. M. –,90.</p> - -<p>– <b>Der Greifenstein zu Ehrenfriedersdorf und seine Sagen.</b> M. –,40.</p> - -<p><em class="gesperrt">Grohmann, Max</em>, <b>Das Obererzgebirge und seine Städte in Sage und Geschichte</b>. 2. erweiterte Auflage. -1900. <em class="antiqua">a</em>) Gesamt-Ausgabe. <em class="antiqua">b</em>) In Sonder-Ausgaben für jede Stadt einzeln.</p> - -<p>– <b>Die St. Annenkirche als Mittelpunkt kirchlicher Kunst und religiösen Lebens in Annaberg.</b> M. –,50.</p> - -<p><em class="gesperrt">Herrig</em>, Seminar-Oberlehrer, <b>Geognostisch-geologische Beschreibung von Annaberg und Umgegend</b>. Kommissions-Verlag, -M. 1,–.</p> - -<p>A. <em class="gesperrt">Israel</em> und J. <em class="gesperrt">Ruhsam</em>, <b>Schlüssel zum Bestimmen der in der Umgegend von Annaberg-Buchholz -wildwachsenden Pflanzen</b>. M. 2,80.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Separat-Abdruck daraus: <b>Abbildungen der Pflanzen</b>. M. –,50.</p></div> - -<p><em class="gesperrt">Krauß</em>, P., <b>Touristenkarte vom Zentral-Erzgebirge.</b> 1 : 75 000. M. –,90, aufgez. auf Lwd. M. 1,80.</p> - -<p><em class="gesperrt">Lindner</em>, <b>Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächsischen Obererzgebirges.</b> Mit 12 -Lithographien. 1848. M. 2,40.</p> - -<p><em class="gesperrt">Lungwitz</em>, H., <b>Altes und Neues über Karl Stülpner, den Raubschützen des Obererzgebirges</b>. Komm.-Verlag. -M. –,75.</p> - -<p>– <b>Geschichte des Rittersgutes Tannenberg bei Geyer.</b> 1897. M. 1,–.</p> - -<p><em class="gesperrt">Metzner, Osk.</em>, <b>Das Erzgebirge und seine Bedeutung für die Kulturentwicklung Sachsens</b>. M. –,40.</p> - -<p><em class="gesperrt">Metzners</em> <b>Führer durch das gesamte Vogtland</b>. 4. Auflage. Gesamtausgabe M. 2,50.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>– 1. Teil: <em class="gesperrt">Plauen und die vogtländische Schweiz</em>, mit 25 Illustrationen, einer Karte und Stadtplan. -4. Auflage. M. –,50.</p> - -<p>– 2. Teil: <em class="gesperrt">Das Saalethal und das untere Elsterthal</em>, mit Illustrationen -und einer Wegekarte. 4. Auflage. M. 1,20.</p> - -<p>– 3. Teil: <em class="gesperrt">Das obere Vogtland und die Übergangstouren nach dem Erzgebirge.</em> Mit Illustrationen, -einer Wegekarte, Rundsicht vom Friedrich-Auguststein u. s. w. M. 1,20.</p></div> - -<p><b>Mitteilungen des Vereins für Geschichte von Annaberg und Umgeg.</b> Komm.-Verlag. Jahrbuch 1–6, je -M. –,80 bis 1,50.</p> - -<p><em class="gesperrt">Peschel</em>, C., Pfarrer in Buchholz, <b>Aarzgebergsches Wiengliedl</b> für 4-stimmigen Männerchor oder Quartett. -Partitur und Stimmen M. 1,60.</p> - -<p><b>Prinzenraub, der sächsische</b>, nebst einer Beschreibung des Denkmals am Fürstenberge bei Grünhain. M. –,80.</p> - -<p><b>Rückblicke auf Annabergs und seiner Umgebungen Vorzeit.</b> Hauptquellenwerk der Geschichte Annabergs -und des Obererzgebirges. M. 2,–.</p> - -<p><b>Rundsicht</b> vom Fichtelberg und Keilberg M. –,30, vom Auersberg M. –,30, vom Pöhlberg bei Annaberg -M. –,30.</p> - -<p><em class="gesperrt">Schwerdtner</em>, E., Schulrat, <b>Vierter Bericht über das Königl. Lehrer-Seminar zu Annaberg. 1889–1896.</b> -Komm.-Verlag, M. 2,50.</p> - -<p><em class="gesperrt">Siegel</em>, E., <b>Zur Geschichte des Posamentier-Gewerbes, besonders der erzgebirg. Posamentier-Industrie</b>. -Geh. M. 2,50, geb. M. 3,–.</p> - -<p><em class="gesperrt">Siegert</em>, Hans, <b>A bieser Traam.</b> Schwank in erzgebirgischer Mundart. M. –,60.</p> - -<p><em class="gesperrt">Straumer</em>, F., Prof., <b>Allerlei aus dem Erzgebirge</b>. Bilder und Geschichten. Zwei Bände, geh. je M. 1,50, -geb. M. 2,–.</p> - -<p><em class="gesperrt">Süßmilch-Hörnig</em>, M. v., Oberst z. D., <b>Das Erzgebirge in Vorzeit, Vergangenheit und Gegenwart</b>. -Geh. M. 4,50, geb. M. 6,–.</p> - -<p class="ind">Dem von Süßmilch'schen Werke ist von den wissenschaftlichen wie politischen Zeitungen, von den -besten Kennern unseres Gebirgslandes, von den Leitern des sächsischen Schulwesens glänzende Anerkennung -zu teil geworden. Das Hohe Kultusministerium von Sachsen hat den Volks- und Schulbibliotheken, -das Hohe Kriegsministerium den Truppenteilen und Militärbibliotheken der Königl. Sächs. Armee -das Werk zur Anschaffung warm empfohlen.</p> - -<p><b>Volkslieder aus dem Erzgebirge.</b> Gesammelt von <em class="antiqua">Dr.</em> A. Müller. M. 1,–.</p> - -<p><b>Wanderungen durch das obere Zschopauthal (Crottendorf und Umgegend).</b> Komm.-Verlag, M. –,50.</p> - -<p><em class="gesperrt">Wildenhahn</em>, J., Prof., <em class="antiqua">Dr.</em>, <b>Vortrag über Felix Weise aus Annaberg</b>. M. –,60.</p> - -<p><em class="gesperrt">Zabel</em>, H. P., <b>Chronik von Zöblitz</b>. Geh. M. 4,–.</p> - -<p>– <b>Geschichte der Serpentinstein-Industrie von Zöblitz.</b> Geh. M. –,80.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ziehnert</em>, W., <b>Sachsens Volkssagen. Balladen, Romanzen und Legenden</b>. 5. Aufl. Geh. M. 3,–, -geb. M. 4,–.</p> - -<p><em class="gesperrt">Zimmermann</em>, K. E., <b>Aus Annabergs Vergangenheit</b>. M. –,60.</p></div> - -<h3>II. Verschiedenes:</h3> - -<div class="hang"> - -<p><em class="gesperrt">Bothe</em>, Prof., <em class="antiqua">Dr.</em>, <b>Sammlung von Rechenaufgaben für höhere Schulen</b>. 3. Auflage. 3 Hefte, je -M. 1,– bis M. 1,50.</p> - -<p><em class="gesperrt">Damm</em>, O., <b>Schopenhauers Ethik im Verhältnis zu seiner Erkenntnislehre</b>. M. 2,–.</p> - -<p><em class="gesperrt">Hahnemann</em>, B., <b>Praxis des Zeichen-Unterrichts</b>. M. 1,80.</p> - -<p><em class="gesperrt">Hartmann</em>, B., Direktor, <em class="antiqua">Dr.</em>, <b>Das volkstümliche deutsche Kinderlied</b>. M. 1,–.</p> - -<p><b>Jahresberichte des Annaberg-Buchholzer Vereins für Naturkunde.</b> Komm.-Verlag. 9 Hefte, je -M. 1,25 bis M. 2,40.</p> - -<p><em class="gesperrt">Israel</em>, A., Schulrat, <b>Erfahrungen auf Alpenreisen</b>. M. –,60.</p> - -<p><em class="gesperrt">Israel</em>, G. A., Seminardirektor, <b>Einführung in das Gesangbuch für die evang.-luth. Landeskirche -Sachsens</b>. M. 1,–.</p> - -<p><em class="gesperrt">Kaden</em>, Edmund, <b>Aus Höhen und Tiefen</b>. Gedichte. M. 1,75.</p> - -<p><em class="gesperrt">Krug</em>, J., <b>Rechnung mit gemeinen Brüchen</b>. M. –,80.</p> - -<p><em class="gesperrt">Lubrich</em>, Fritz, <b>Psalm 21</b>. Für gemischten Chor. Partitur und Stimmen, M. 1,60.</p> - -<p><b>Naturgeschichtliche Tafeln für Schule und Haus.</b> 1) Eßbare Pilze, M. –,90. 2) Giftige Pilze, M. 1,20. -3) Die wichtigsten Schmetterlinge, M. 1,20. Großfolio-Wandtafeln in 10farbigem Buntdruck.</p> - -<p><b>Mixtur, Musikalische</b>. M. –,50.</p> - -<p><em class="gesperrt">Röselmüller</em>, A. W., <em class="antiqua">Dr.</em>, <b>Gottfried Arnold als Kirchenhistoriker, Mystiker und geistl. Liederdichter</b>. -Komm.-Verlag, M. 1,–.</p> - -<p>– <b>Das Leben und Wirken des Erasmus Sarcerius.</b> Komm.-Verlag, M. 1,–.</p> - -<p><b>Sammlung christlicher Festspiele.</b></p> - -<ul class="index"> -<li>1. <em class="gesperrt">Mosen</em>, <b>Christi Geburt</b>. In 7 Handlungen. 3. Auflage. M. –,60. Das beliebteste Weihnachtsspiel des Erzgebirges.</li> -<li>2. <em class="gesperrt">Schultze</em>, Pastor, <b>Joseph</b>. Biblisches Festspiel in 5 Abteilungen und 17 Bildern. M. –,70.</li> -<li>3. – <b>Ruth</b>. Biblisches Festspiel. M. –,70.</li> -<li>4. – <b>Absalom</b>. Trauerspiel. M. –,90.</li> -<li>5. <em class="gesperrt">Wächter</em>, Archidiakonus, Annaberg, <b>Paulus in Ephesus</b>. Ein biblisches Drama. M. –,60.</li> -<li>6. – <b>Elis Söhne</b>. Biblisches Schauspiel. M –,70.</li> -</ul> - -<p><em class="gesperrt">Schreyer</em>, W., Schulrat, <b>Entwurf zu Stoff- und Stundenplänen für die einfachen Volks- und -allgemeinen Fortbildungsschulen, sowie eine Schulordnung</b>. M. 2,–.</p> - -<p><em class="gesperrt">Stiehler</em>, Kgl. Bezirksarzt, <em class="antiqua">Dr.</em>, <b>Zur Schulgesundheitspflege</b>. M. –,25.</p> - -<p><em class="gesperrt">Stößner</em>, Prof., <em class="antiqua">Dr.</em>, <b>Elemente der Geographie in Karten und Text</b>. 15. Auflage, geh. M. 1,50, -geb. M. 2,–.</p> - -<p><em class="gesperrt">Vogel</em>, F. W., <b>Fibel für den vereinigten heimatkundlichen Anschauungs-, Sprech-, Schreib- und -Leseunterricht</b>. M. –,60.</p> - -<p>– <b>Die Forderungen der Gegenwart an die Volksschulfibel.</b> M. –,50.</p> - -<p><em class="gesperrt">Voigt</em>, G., <em class="antiqua">Dr.</em>, <b>Friedrich Rückerts Gedankenlyrik</b>. M. 1,–.</p> - -<p><em class="gesperrt">Zeißig</em>, E., <b>Zur Reform des Geometrieunterrichts in der Volksschule</b>. M. –,60.</p> - -<p><em class="gesperrt">Zienert</em>, G., <b>Hochzeit beim Wastl-Wirth</b>. Schwank, M. 1,50, Klavierauszug, M. 3,–.</p> - -<p>– <b>Im Wastlwirthshäusl</b>. Schwank, M. 1,50, Klavierauszug, M. 3,–.</p></div> - -<hr class="tb" /> -<p class="center">Eine Anzahl kleiner Hefte und älterer Schriften ist nicht mit aufgenommen.</p> - -<p class="center larger">Die Verlagsbuchhandlung sieht Angeboten neuer Manuskripte gern entgegen.</p> - -<p class="h2">Graser'sche Buchhandlung (Richard Liesche) Verlag.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="transnote chapter" id="tnextra"> -<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Offensichtliche Satzfehler wurden stillschweigend korrigiert. Unterschiedliche -Schreibweisen wurden beibehalten.</p> - -<p>Korrekturen:</p> - -<div class="corr"> -<p> -S. 64: 1625 → 1525<br /> -am 15. Februar <a href="#corr064">1525</a> des Nachts</p> -<p> -S. 81: Trauung → Beerdigung<br /> -mußte eine <a href="#corr081">Beerdigung</a> bis Sonntag Estomihi</p> -</div></div> - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Geyer und das Obererzgebirge in Sage -und Geschichte, by Max Grohmann and Hermann Lungwitz - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEYER UND DAS OBERERZGEBIRGE *** - -***** This file should be named 52916-h.htm or 52916-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/2/9/1/52916/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This file was produced from images -generously made available by SLUB: Sächsische -Landesbibliothek - Staats - und Universitätsbibliothek -Dresden at http://www.slub-dresden.de ) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License (available with this file or online at -http://gutenberg.org/license). - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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It exists -because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from -people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. -To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 -and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive -Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at -http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent -permitted by U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. -Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered -throughout numerous locations. Its business office is located at -809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email -business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact -information can be found at the Foundation's web site and official -page at http://pglaf.org - -For additional contact information: - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. 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Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. -To donate, please visit: http://pglaf.org/donate - - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic -works. - -Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. 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