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Massjutin - -Translator: Alexander Eliasberg - -Release Date: December 14, 2016 [EBook #53731] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER PERSISCHE ORDEN *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This book was produced from images -made available by the HathiTrust Digital Library.) - - - - - - - - - -[Illustration] - - - - - ANTON TSCHECHOW - - Der Persische Orden - - und andere Grotesken - - Mit - - acht Holzschnitten - - von - - W. N. MASSJUTIN - - 1922 - - Welt-Verlag / Berlin - - - - -Deutsch von Alexander Eliasberg - - - Alle Rechte vorbehalten - Copyright by the Welt-Verlag 1922 - Gedruckt bei Otto v. Holten, Berlin C. - - - - -Inhaltsverzeichnis - - - Seite - - Der Persische Orden 9 - - Die Simulanten 14 - - Aus dem Tagebuch des zweiten Buchhalters 20 - - Ein böser Junge 25 - - Es war sie! 30 - - Ein jähzorniger Mensch 37 - - Eine problematische Natur 50 - - Intrigen 55 - - - - -Der Persische Orden - - -In einer der diesseits des Urals gelegenen Städte verbreitete sich das -Gerücht, daß dieser Tage im Hotel »Japan« der persische Würdenträger -Rachat-Chelam abgestiegen sei. Dieses Gerücht machte auf die Bürger -nicht den geringsten Eindruck: ein Perser ist angekommen, was ist -denn dabei? Nur das Stadthaupt Stepan Iwanowitsch Kuzyn wurde, als er -vom Sekretär des Magistrats über die Ankunft des Orientalen erfuhr, -nachdenklich und fragte: - -»Wohin reist er denn?« - -»Ich glaube, nach Paris oder nach London.« - -»Hm! ... Ist also ein großes Tier?« - -»Das weiß der Teufel.« - -[Illustration] - -Als das Stadthaupt aus dem Magistrat heimgekommen war und zu Mittag -gegessen hatte, wurde es wieder nachdenklich und dachte diesmal bis -zum Abend durch. Die Ankunft des vornehmen Persers intrigierte ihn -außerordentlich. Er glaubte, das Schicksal selbst habe ihm diesen -Rachat-Chelam gesandt und endlich sei der günstige Augenblick -zur Verwirklichung seines sehnlichsten und leidenschaftlichsten -Wunsches gekommen. Kuzyn besaß nämlich schon zwei Medaillen, den -Stanislaus-Orden III. Klasse, die Denkmünze des Roten Kreuzes und das -Abzeichen des »Vereins zur Rettung Schiffbrüchiger«; außerdem hatte -er sich ein Anhängsel für die Uhrkette machen lassen, das ein mit -einer Gitarre gekreuztes goldenes Gewehr darstellte und das, aus dem -Knopfloch seines Uniformrocks heraushängend, aus der Ferne wie etwas -Besonderes aussah und als ein Ehrenzeichen angesehen werden konnte. Es -ist bekannt, daß je mehr Orden und Medaillen einer hat, er um so mehr -weitere haben möchte, -- das Stadthaupt wollte aber schon längst den -Persischen Sonnen- und Löwenorden haben, er wollte es leidenschaftlich, -wahnsinnig. Er wußte sehr gut, daß man zur Erlangung dieses Ordens -weder kämpfen, noch Gelder für Waisenanstalten spenden, noch ein -Ehrenamt bekleiden muß, sondern bloß einer günstigen Gelegenheit -bedarf. Nun schien es ihm, daß diese Gelegenheit eingetreten sei. - -Am anderen Tag, um die Mittagsstunde, legte er alle seine Ehrenzeichen -und die Uhrkette an und begab sich ins Hotel »Japan«. Das Schicksal war -ihm günstig. Als er das Zimmer des vornehmen Persers betrat, war jener -allein und unbeschäftigt. Rachat-Chelam, ein riesengroßer Asiate mit -einer langen Schnepfennase und hervorstehenden Glotzaugen, saß, einen -Fez auf dem Kopfe, auf dem Fußboden und wühlte in seinem Koffer. - -»Entschuldigen Sie gütigst die Belästigung«, begann Kuzyn mit einem -Lächeln. »Habe die Ehre, mich vorzustellen: erblicher Ehrenbürger und -Ritter verschiedener Orden, Stepan Iwanowitsch Kuzyn, der Bürgermeister -dieser Stadt. Ich halte es für meine Pflicht, in Ihrer Person den -Vertreter einer uns sozusagen freundnachbarlichen Großmacht zu -begrüßen.« - -Der Perser wandte sich um und murmelte etwas in einem sehr schlechten -Französisch, das wie Klopfen von Holz gegen Holz klang. - -»Die Grenzen Persiens«, fuhr Kuzyn in seiner vorher zurechtgelegten -Ansprache fort, »berühren eng die Grenzen unseres ausgedehnten -Vaterlandes, und die gegenseitigen Sympathien bewegen mich daher, Ihnen -unsere Solidarität auszusprechen.« - -Der vornehme Perser erhob sich und murmelte wieder etwas, in seiner -hölzernen Sprache. Kuzyn, der keine fremden Sprachen beherrschte, -schüttelte den Kopf, um ihm zu bedeuten, daß er nichts verstehe. - --- Wie soll ich mit ihm reden? -- dachte er sich. -- Es wäre gut, einen -Dolmetscher kommen zu lassen, aber es ist eine heikle Angelegenheit, -und vor Zeugen kann ich darüber nicht gut sprechen. Der Dolmetscher -wird es in der ganzen Stadt ausposaunen. -- - -Und Kuzyn fing an, alle Fremdworte zusammenzukramen, die er aus den -Zeitungen wußte. - -»Ich bin Stadthaupt ...« stammelte er. »Das heißt, Lord-Maire ... -Municipalé ... Wui? Komprené?« - -Er wollte durch Worte und Mienenspiel seine gesellschaftliche Stellung -erklären und wußte nicht, wie es zu machen. Zur Hilfe kam ihm das Bild -mit der Unterschrift »Stadt Venedig«, das an der Wand hing. Er zeigte -mit dem Finger auf die Stadt und dann auf seinen Kopf und glaubte auf -diese Weise den Satz »Ich bin das Stadthaupt« ausgedrückt zu haben. Der -Perser verstand absolut nichts, lächelte aber und sagte: - -»Bon, monsieur ... bon ...« - -Eine halbe Stunde später klopfte das Stadthaupt den Perser bald aufs -Knie, bald auf die Schulter und sprach: - -»Komprené? Wui? Als Lord-Maire und Municipalé ... schlage ich Ihnen -vor, eine kleine Promenade zu machen ... Komprené? Promenade ...« - -Kuzyn wandte sich wieder der Ansicht Venedigs zu und stellte mittelst -zweier Finger ein Paar schreitende Beine dar. Rachat-Chelam, der keinen -Blick von seinen Medaillen wandte und offenbar ahnte, daß er die -wichtigste Person der Stadt vor sich habe, begriff das Wort »Promenade« -und grinste höflich. Dann zogen die beiden ihre Mäntel an und verließen -das Zimmer. Unten vor der Tür zum Restaurant »Japan« sagte sich Kuzyn, -daß es gar nicht schaden würde, den Perser zu bewirten. Er blieb -stehen, zeigte auf die Tische und sagte: - -»Nach russischer Sitte, es wäre nicht schlecht ... Ich meine: Purée, -entre-côte ... Champagne usw. ... Komprené?« - -Der vornehme Gast kapierte es, und eine Weile später saßen die beiden -im besten Extrazimmer des Restaurants, tranken Sekt und aßen. - -»Wollen wir auf das Gedeihen Persiens trinken!« sagte Kuzyn. »Wir -Russen lieben die Perser. Wir sind zwar verschiedenen Glaubens, aber -die gemeinsamen Interessen, sozusagen die gegenseitigen Sympathien -... der Fortschritt ... die asiatischen Märkte ... sozusagen die -friedlichen Eroberungen ...« - -Der vornehme Perser aß mit großem Appetit. Er bohrte seine Gabel in -einen Störrücken, nickte mit dem Kopf und sagte: - -»Gut! Bien!« - -»Gefällt das Ihnen?« fragte das Stadthaupt erfreut. »Bien? -Wunderschön!« Dann wandte er sich an den Kellner und sagte: »Luka, laß -seiner Exzellenz zwei Störrücken aufs Zimmer bringen, von den besten!« - -Das Stadthaupt und der persische Würdenträger fuhren darauf die -Menagerie besichtigen. Die Bürger sahen, wie ihr Stepan Iwanowitsch, -rot vom getrunkenen Sekt, lustig und sehr zufrieden den Perser durch -die Hauptstraßen der Stadt und auf den Markt führte und ihm die -Sehenswürdigkeiten zeigte; er bestieg mit ihm auch den Feuerwachtturm. - -Die Bürger sahen u. a., wie er vor einem löwenflankierten steinernen -Tore stehen blieb und dem Perser erst einen der Löwen und dann die -Sonne am Himmel zeigte, sich dann auf die Brust tippte, dann wieder auf -den Löwen und auf die Sonne wies, worauf der Perser bejahend mit dem -Kopfe nickte und lächelnd seine weißen Zähne zeigte. Am Abend saßen die -beiden im Hotel »London« und hörten einem Damenchor zu; wo sie aber in -der Nacht waren, ist unbekannt. - -Am nächsten Morgen kam das Stadthaupt in den Magistrat; die -Angestellten schienen schon etwas zu ahnen: der Sekretär ging auf ihn -zu und sagte ihm mit einem spöttischen Lächeln: - -»Die Perser haben folgende Sitte: wenn zu Ihnen ein vornehmer Gast -kommt, sind Sie verpflichtet, für ihn eigenhändig einen Hammel zu -schlachten.« - -Etwas später reichte man ihm aber einen Brief, der mit der Post -gekommen war. Kuzyn öffnete den Umschlag und fand darin eine Karikatur. -Sie stellte Rachat-Chelam dar und das Stadthaupt, das vor ihm auf den -Knien lag und, die Hände zu ihm emporstreckend, sagte: - - Um Rußlands und des Perserreichs - Freundschaftsbeziehungen zu achten, - Würd' ich, Herr Botschafter, respektvoll grenzenlos - Mich selber gern als einen Hammel schlachten, - Doch Sie verzeih'n: ein Esel bin ich bloß! - -Das Stadthaupt empfand ein unangenehmes Gefühl in der Herzgrube, es -hielt aber nicht lange an. Um die Mittagsstunde war er schon wieder -beim vornehmen Perser, bewirtete ihn wieder im Restaurant, zeigte ihm -die Sehenswürdigkeiten der Stadt, führte ihn wieder vor das Löwentor -und wies wieder bald auf den Löwen, bald auf die Sonne und bald auf -seine Brust. Sie speisten im Hotel »Japan« und bestiegen nach dem -Essen, mit Zigarren im Munde und geröteten strahlenden Gesichtern, -wieder den Feuerwachtturm. Das Stadthaupt wollte wohl dem Gast ein -seltenes Schauspiel bieten und rief von oben dem unten auf und ab -gehenden Wächter zu: - -»Leute, Alarm!« - -Aber aus dem Alarm wurde nichts, da alle Feuerwehrleute sich um diese -Stunde im Dampfbade befanden. - -Sie soupierten im Hotel »London«, und gleich darauf reiste der Perser -ab. Stepan Iwanowitsch küßte ihn beim Abschied nach russischer Sitte -dreimal und vergoß sogar einige Tränen. Als der Zug sich in Bewegung -setzte, rief er ihm nach: - -»Grüßen Sie von uns Persien. Sagen Sie ihm, daß wir es lieben!« - -Ein Jahr und vier Monate waren vergangen. Es herrschten ein strenger -Frost von etwa fünfunddreißig Grad, begleitet von einem durchdringenden -Wind. Stepan Iwanowitsch ging durch die Straße, den Pelzmantel an der -Brust geöffnet, und ärgerte sich furchtbar darüber, daß niemand ihm -begegnete und seinen Sonnen- und Löwenorden sah. So ging er im offenen -Pelz bis zum Abend und war ganz erfroren; in der Nacht aber wälzte er -sich von der einen Seite auf die andere und konnte keinen Schlaf finden. - -Es war ihm schwer zumute, in seinem Innern brannte es, und sein -Herz klopfte unruhig: jetzt gelüstete es ihn nach dem Serbischen -Takowo-Orden. Es gelüstete ihn qualvoll und leidenschaftlich. - - - - -Die Simulanten - - -Die Generalin Marfa Petrowna Petschonkina oder, wie die Bauern -sie nennen, die Petschonkin'sche, die schon seit zehn Jahren die -homöopathische Praxis ausübt, empfängt an einem Maidienstag in ihrem -Kabinett Kranke. Sie hat vor sich auf dem Tisch einen homöopathischen -Arzneikasten, ein Handbuch der Homöopathie und Rechnungen von der -homöopathischen Apotheke. An der Wand hängen in goldenen Rahmen die -Briefe irgendeines Petersburger Homöopathen, eines nach Ansicht Marfa -Petrownas sehr berühmten und sogar großen Mannes und das Bildnis des -Priesters P. Aristarch, dem die Generalin ihre Rettung zu verdanken -hat: die Lossagung von der schädlichen Allopathie und die Erkenntnis -der Wahrheit. Im Vorzimmer warten die Patienten, zum größten Teil -Bauern. Sie alle sind mit Ausnahme von zwei oder drei barfuß, da die -Generalin befohlen hat, die stinkenden Stiefel draußen zu lassen. - -Marfa Petrowna hat schon zehn Patienten abgefertigt und ruft den elften: - -»Gawrila Grusdj!« - -Die Tür geht auf, und statt des Gawrila Grusdj tritt ins Zimmer der -Nachbar der Generalin, der verarmte Gutsbesitzer Samuchrischin, ein -kleines altes Männchen mit trüben Augen und einer Mütze mit rotem Rand. -Er stellt seinen Stock in die Ecke, geht auf die Generalin zu und sinkt -vor ihr stumm auf ein Knie. - -»Was fällt Ihnen ein! Was fällt Ihnen ein, Kusjma Kusjmitsch!« entsetzt -sich die Generalin, über und über rot. »Um Gottes Willen!« - -[Illustration] - -»Solange ich lebe, stehe ich nicht auf!« sagt Samuchrischin, die -Lippen an ihre Hand drückend. »Soll das ganze Volk sehen, wie ich -vor Ihnen niederknie, Sie unser Schutzengel, Sie Wohltäterin des -Menschengeschlechts! Sollen sie nur! Vor der wohltätigen Fee, die -mir das Leben geschenkt, den wahren Weg gewiesen und mein skeptisches -Klügeln erleuchtet hat, will ich nicht nur auf den Knien, sondern auch -in Flammen liegen, Sie unsere wunderbare Ärztin, Mutter der Armen und -Verwitweten! Ich bin gesund geworden! Ich bin auferstanden, Zauberin!« - -»Es ... es freut mich ...!« murmelt die Generalin, vor Vergnügen -errötend. »Es ist angenehm, so etwas zu hören ... Setzen Sie sich -bitte! Am vorigen Dienstag waren Sie aber so schwer krank!« - -»Ja, so schwer! Es wird mir bange, wenn ich daran zurückdenke!« sagt -Samuchrischin, Platz nehmend. »In allen Körperteilen und Organen saß -mir der Rheumatismus. Acht Jahre habe ich mich gequält und keine -Ruhe gehabt ... Weder bei Tag, noch bei Nacht, meine Wohltäterin! -Ich habe mich von Ärzten behandeln lassen, habe Professoren in -Kasan konsultiert, Moorbäder genommen und Brunnen getrunken, alles, -alles habe ich ausprobiert! Mein ganzes Vermögen ist draufgegangen, -Mütterchen. Die Ärzte haben mir aber nur geschadet, sie haben mir -meine Krankheit ins Innere getrieben. Hineintreiben können sie wohl, -aber wieder heraustreiben -- das können sie nicht, so weit ist ihre -Wissenschaft noch nicht ... Sie lieben nur Geld zu nehmen, diese -Räuber, was aber das Wohl der Menschheit betrifft, so kümmern sie -sich darum nicht viel. Er verschreibt mir irgendeine Chiromantie, und -ich muß sie trinken. Mit einem Worte, es sind Mörder. Wenn Sie nicht -wären, mein Engel, so läge ich schon im Grabe! Wie ich am vorigen -Dienstag von Ihnen heimkomme und mir diese Streukügelchen ansehe, die -Sie mir gegeben haben, denke ich mir: ›Was können die nützen? Können -denn diese kaum sichtbaren Sandkörnchen meine schwere, alte Krankheit -heilen?‹ So denke ich mir, Kleingläubiger, und lächele; kaum habe -ich aber so ein Kügelchen eingenommen, als meine ganze Krankheit im -Nu verschwunden ist. Meine Frau glotzt mich an und traut ihren Augen -nicht. ›Bist du es, Kolja?‹ -- ›Ja, ich bin es.‹ Wir knieten beide vor -dem Heiligenbilde nieder und beteten für unseren Engel: Herr, gib ihr -alles, was wir ihr wünschen!« - -Samuchrischin wischt sich mit dem Ärmel die Augen ab, erhebt sich von -seinem Stuhl und zeigt die Absicht, wieder niederzuknien, aber die -Generalin hindert ihn daran und läßt ihn wieder Platz nehmen. - -»Danken Sie nicht mir,« sagt sie, vor Erregung errötend, mit einem -Blick auf das Bildnis des P. Aristarch. »Nein, nicht mir! Ich bin -hier nur ein gefügiges Werkzeug ... Es ist wirklich ein Wunder! Ein -vernachlässigter achtjähriger Rheumatismus ist nach einer einzigen -Pille Skrophuloso vergangen!« - -»Sie waren so gütig, mir drei Kügelchen zu geben. Das eine nahm ich -zu Mittag, und es wirkte sofort! Das andere nahm ich am Abend und das -dritte am nächsten Tag, und seitdem spüre ich nichts mehr! Wenn es mich -auch nur irgendwo zwicken wollte! Ich dachte aber schon an den Tod und -hatte sogar meinem Sohne nach Moskau geschrieben, daß er kommen solle! -Eine solche Weisheit hat Ihnen der Herr beschieden, Sie Wundertäterin! -Jetzt fühle ich mich wie im Paradies ... Am vorigen Dienstag, als ich -bei Ihnen war, hinkte ich noch, jetzt könnte ich aber wie ein Hase -hüpfen ... Ich kann auch noch hundert Jahre leben. Nur eines bedrückt -mich noch -- meine große Armut. Ich bin zwar gesund, aber was taugt mir -meine Gesundheit, wenn ich nicht habe, wovon zu leben? Die Not bedrückt -mich noch schwerer als die Krankheit ... Zum Beispiel eine solche Sache -... Jetzt ist Zeit, Hafer zu säen, wie soll ich ihn aber säen, wenn ich -keine Saat habe? Ich müßte welche kaufen, aber das Geld dazu ... woher -soll ich welches haben?« - -»Ich will Ihnen Hafer geben, Kusjma Kusjmitsch ... Bleiben Sie nur -sitzen! Sie haben mich so sehr erfreut, Sie haben mir solches Vergnügen -bereitet, daß ich Ihnen danken muß, und nicht Sie mir!« - -»Sie, unsere Freude! Was für eine Herzensgüte der liebe Gott manchmal -in die Welt setzt! Freuen Sie sich, Mütterchen, Ihrer guten Werke! -Wir Sünder haben aber nichts, dessen wir uns freuen könnten ... Wir -sind kleine, kleinmütige, unnütze Menschen ... Ameisen ... Wir nennen -uns nur Gutsbesitzer, in materieller Beziehung sind wir aber wie die -Bauern, sogar noch schlimmer ... Wir wohnen zwar in steinernen Häusern, -aber es ist nur eine Fata Morgana, denn das Dach ist undicht, so daß es -hineinregnet ... Ich habe kein Geld, um Schindeln zu kaufen.« - -»Ich will Ihnen Schindeln geben, Kusjma Kusjmitsch.« - -Samuchrischin erbittet sich noch eine Kuh, einen Empfehlungsbrief -für seine Tochter, die er ins Institut geben will, und ist von der -Freigebigkeit der Generalin so gerührt, daß er vor Überfluß an -Gefühlen aufschluchzt, den Mund verzieht und sein Tuch aus der Tasche -holt ... Die Generalin sieht, wie zugleich mit dem Tuch aus seiner -Tasche ein rotes Papierchen zum Vorschein kommt und lautlos auf den -Boden fällt. - -»Mein Lebtag vergesse ich es nicht ...« stammelt er. »Ich werde es -auch meinen Kindern befehlen, auch meinen Enkeln ... von Geschlecht zu -Geschlecht ... Kinder, das ist sie, die mich vom Tode errettet hat, -sie, die ...« - -Nachdem die Generalin den Patienten hinausbegleitet hat, sieht sie eine -Minute lang mit tränenfeuchten Augen auf das Bild des P. Aristarch, -läßt dann ihren freundlichen, andächtigen Blick über den Arzneikasten, -die Handbücher, die Rechnungen und den Sessel schweifen, in dem eben -der von ihr vom Tode errettete Mensch gesessen hat, und bemerkt -schließlich das vom Patienten fallengelassene Papier. Die Generalin -hebt das Papier auf und findet darin drei Streukügelchen, die gleichen -Kügelchen, die sie am letzten Dienstag Samuchrischin gegeben hat. - -»Es sind dieselben ...« sagt sie sich erstaunt. »Es ist sogar dasselbe -Papier ... Er hat es nicht mal entfaltet! Was hat er dann eingenommen? -Sonderbar ... Er wird mich doch nicht betrügen.« - -In die Seele der Generalin schleicht sich zum ersten Male in ihrer -zehnjährigen Praxis ein Zweifel ein ... Sie nimmt die folgenden Kranken -vor und merkt, während sie mit ihnen über ihre Leiden spricht, manches, -was sie bisher seltsamerweise überhört hat. Alle Kranken ohne Ausnahme -preisen erst wie auf Verabredung ihre wunderbare Heilkunst, entzücken -sich über ihre medizinische Weisheit, schimpfen auf die allopathischen -Ärzte und beginnen dann, wenn sie vor Erregung rot geworden ist, mit -der Schilderung ihrer Nöte. Der eine bittet um ein Stück Ackerland, -der andere um Brennholz, der dritte um Erlaubnis, in ihren Waldungen -zu jagen usw. Sie schaut auf das breite, gutmütige Antlitz des P. -Aristarch, der ihr die Wahrheit offenbart hat, und eine neue Wahrheit -beginnt ihr am Herzen zu nagen. Es ist eine unangenehme, schwere -Wahrheit. - -Listig ist der Mensch! - - - - -Aus dem Tagebuch des zweiten Buchhalters - - -1863, d. 11. Mai. Unser sechzigjähriger Buchhalter Glotkin hat -anläßlich seines Hustens Milch mit Kognak getrunken und ist -infolgedessen an Delirium tremens erkrankt. Die Ärzte behaupten mit der -ihnen eigenen Sicherheit, daß er morgen sterben wird. Endlich werde ich -erster Buchhalter werden! Diese Stelle ist mir schon längst versprochen. - -Der Sekretär Kleschtschow kommt vors Gericht, weil er einen Bittsteller -verprügelt hat, der ihn einen Bürokraten nannte. Das scheint -beschlossene Sache zu sein. - -Ich nahm eine Kräuterabkochung gegen Magenkatarrh ein. - -1865, d. 3. August. Der Buchhalter Glotkin ist wieder brustkrank. Er -hustet und trinkt Milch mit Kognak. Wenn er stirbt, kriege ich seine -Stelle. Ich hoffe darauf, aber meine Hoffnung ist schwach, denn das -Delirium tremens scheint nicht immer tödlich zu sein! - -Kleschtschow hat einem Armenier einen Wechsel aus der Hand gerissen und -vernichtet. Vielleicht kommt er deswegen vors Gericht. - -Eine Alte (Gurjewna) sagte mir gestern, ich hätte keinen Magenkatarrh, -sondern versteckte Hämorrhoiden. Es ist sehr möglich! - -1867, d. 30. Juni. In Arabien herrscht, wie man berichtet, die Cholera. -Vielleicht kommt sie auch nach Rußland, und dann wird es viel Vakanzen -geben. Vielleicht wird der alte Glotkin sterben, und dann werde ich -erster Buchhalter. Zäh ist der Mensch! So lange zu leben, ist, meiner -Ansicht nach, sogar sträflich! - -Was soll ich noch gegen meinen Magenkatarrh einnehmen? Vielleicht -Zitwersamen? - -[Illustration] - -1870, d. 2. Januar. Im Hofe bei Glotkin hat die ganze Nacht ein Hund -geheult. Meine Köchin Pelageja sagt, dies sei ein sicheres Zeichen, und -ich sprach mit ihr bis zwei Uhr nachts darüber, daß ich mir, wenn ich -erster Buchhalter geworden bin, einen Waschbärpelz und einen Schlafrock -anschaffen werde. Vielleicht werde ich auch heiraten. Natürlich kein -Mädchen, denn das steht mir bei meinem Alter nicht an, sondern eine -Witwe. - -Gestern wurde Kleschtschow aus dem Klub hinausgeworfen, weil er einen -unanständigen Witz erzählt und sich über den Patriotismus des Mitglieds -der Handelsdeputation Ponjuchow lustig gemacht hat. Der letztere will -ihn, wie man sagt, verklagen. - -Ich will mit meinem Magenkatarrh zu Doktor Botkin gehen. Man sagt, er -behandele seine Patienten mit Erfolg ... - -1878, d. 4. Juni. In Wetljanka herrscht, wie man schreibt, die Pest. -Die Leute sterben wie die Fliegen. Glotkin trinkt aus diesem Grunde -Pfefferschnaps. Aber einem solchen Greis wird der Pfefferschnaps kaum -helfen. Wenn die Pest herkommt, werde ich sicher erster Buchhalter -werden. - -1883, d. 4. Juni. Glotkin liegt im Sterben. Ich habe ihn besucht -und ihn unter Tränen um Verzeihung gebeten, weil ich seinen Tod mit -Ungeduld erwartet hatte. Er vergab es mir mit Tränen in den Augen und -riet mir, gegen den Magenkatarrh Eichelkaffee zu trinken. - -Kleschtschow ist aber wieder beinahe vors Gericht gekommen: er hat -ein entliehenes Klavier bei einem Juden versetzt. Trotzalledem hat er -schon den Stanislausorden und den Rang eines Kollegienassessors. Es ist -merkwürdig, was in dieser Welt nicht alles möglich ist! - -Ingwer 2 Solotnik, Galgant 1½ Solotnik, Königswasser 1 Solotnik, -Drachenblut 5 Solotnik; mischen, mit einer Flasche Schnaps ansetzen und -jeden Morgen ein Weinglas nüchtern gegen den Magenkatarrh einnehmen. - -1883, d. 7. Juni. Gestern wurde Glotkin beerdigt. Der Tod dieses -Greises gereichte mir nicht zum Segen! Er erscheint mir jede Nacht -in einem weißen Gewand und winkt mit dem Finger. Wehe, wehe mir -Verruchtem: erster Buchhalter bin nicht ich, sondern Tschalikow. Die -Stelle bekam nicht ich, sondern ein junger Mann, der von der Tante der -Geheimrätin protegiert wird. Alle meine Hoffnungen sind dahin! - -1886, d. 10. Juni. Tschalikow ist seine Frau durchgebrannt. Der Ärmste -ist außer sich. Vielleicht wird er vor Kummer Hand an sich legen. Wenn -er es tut, bin ich erster Buchhalter. Man spricht schon darüber. Also -ist die Hoffnung noch nicht verloren, man kann noch leben, vielleicht -erlebe ich auch noch den Waschbärpelz. - -Was die Verheiratung betrifft, so bin ich nicht abgeneigt. Warum soll -ich nicht heiraten, wenn sich eine gute Partie bietet, nur müßte ich -mich mit jemand beraten; denn der Schritt ist ernst. - -Kleschtschow hat gestern mit dem Geheimrat Lirmans die Gummischuhe -vertauscht. Ein Skandal! - -Der Portier Pajissij rät mir gegen den Magenkatarrh Sublimat -einzunehmen. Ich will es versuchen. - - - - -Ein böser Junge - - -Iwan Iwanowitsch Lapkin, ein junger Mann von angenehmem Äußeren, -und Anna Ssemjonowna Samblizkaja, ein junges Mädchen mit einer -Stupsnase, gingen das steile Ufer hinunter und setzten sich auf die -Bank. Die Bank stand am Wasser, im dichten jungen Weidengebüsch. Ein -herrliches Plätzchen! Wenn man sich hersetzt, ist man von der ganzen -Welt verborgen, nur die Fische und die Spinnen, die blitzschnell über -das Wasser laufen, sehen einen. Die jungen Leute waren mit Angeln, -Handnetzen, Regenwürmerbehältern und sonstigen Fischereigeräten -ausgerüstet. Sie setzten sich und machten sich sofort an den Fischfang. - -»Ich bin so froh, daß wir endlich allein sind,« begann Lapkin, sich -umsehend. »Ich habe Ihnen viel zu sagen, Anna Ssemjonowna ... Sehr viel -... Als ich Sie zum ersten Male sah ... Eben beißt es bei Ihnen an ... -Ich begriff damals, wozu ich lebe, ich begriff, wo das Idol ist, dem -ich mein ehrliches Arbeitsleben weihen muß ... Ist wohl ein großer -Fisch ... er beißt an ... Als ich Sie erblickte, lernte ich zum ersten -Male die Liebe kennen, ich gewann Sie leidenschaftlich lieb! Ziehen Sie -noch nicht ... lassen Sie ihn noch einmal anbeißen ... Sagen Sie mir, -meine Teure, ich beschwöre Sie: darf ich auf Gegenliebe hoffen -- nein, -nicht auf Gegenliebe, das verdiene ich gar nicht, ich wage daran nicht -mal zu denken, -- sondern auf ... Ziehen Sie!« - -Anna Ssemjonowna hob die Hand mit der Angelrute, zog sie mit einem -Ruck heraus und schrie auf. In der Luft blitzte ein silberig-grünes -Fischchen. - -»Mein Gott, ein Barsch! Ach, ach ... Schneller! Er hat sich -losgerissen!« - -Der Barsch riß sich vom Haken los, hüpfte über den Rasen zu seinem -heimatlichen Element ... und patsch -- da war er schon im Wasser! - -Auf der Jagd nach dem Fisch ergriff Lapkin, statt des Fisches, aus -Versehen die Hand Anna Ssemjonownas und drückte sie, gleichfalls aus -Versehen, an seine Lippen ... Sie versuchte, die Hand zurückzuziehen, -aber es war schon zu spät: ihre Lippen trafen sich aus Versehen in -einem Kuß. Das kam irgendwie ganz von selbst. Auf den ersten Kuß folgte -ein zweiter, dann kamen Liebesschwüre und Versicherungen ... Glückliche -Augenblicke! In diesem Erdenleben gibt es übrigens kein absolutes -Glück. Das Glück trägt gewöhnlich das Gift in sich selbst oder wird -durch irgend etwas von außen vergiftet. So war es auch diesmal. Als die -jungen Leute sich küßten, ertönte plötzlich ein Lachen. Sie blickten -auf den Fluß und erstarrten: Im Flusse stand bis an die Hüften im -Wasser ein nackter Junge. Es war der Gymnasiast Kolja, der Bruder Anna -Ssemjonownas. Er stand im Wasser, sah die jungen Leute an und lächelte -giftig. - -»Aha ... ihr küßt euch?« sagte er. »Schön! Ich will es der Mama sagen.« - -»Ich hoffe, daß Sie als anständiger Mensch ...« stammelte Lapkin -errötend. - -»Spionieren ist gemein, denunzieren ist aber niederträchtig, häßlich -und abscheulich ... Ich nehme an, daß Sie als edler und anständiger -Mensch ...« - -»Geben Sie mir einen Rubel, dann sage ich es nicht!« antwortete der -anständige Mensch. »Sonst sage ich es.« - -Lapkin holte aus der Tasche einen Rubel und gab ihn Kolja. Jener -drückte den Rubel in der nassen Faust zusammen, stieß einen Pfiff aus -und schwamm davon. Aber die jungen Leute küßten sich diesmal nicht mehr. - -Am anderen Tage brachte Lapkin Kolja aus der Stadt einen Tuschkasten -und einen Ball, die Schwester schenkte ihm aber alle ihre leeren -Pillenschachteln. Dann mußte man ihm auch noch die Manschettenknöpfe -mit den Hundeköpfen schenken. Dem bösen Jungen gefiel es wohl sehr gut, -und er fing an, um noch mehr zu kriegen, zu beobachten. Wohin sich -auch Lapkin und Anna Ssemjonowna wandten, er folgte ihnen überall. Für -keinen Augenblick ließ er sie allein. - -»Schuft«, sagte Lapkin zähneknirschend. »So klein und ein so großer -Schuft! Was wird noch aus ihm werden?!« - -[Illustration] - -Kolja ließ den ganzen Juni den armen Verliebten keine Ruhe. Er drohte -mit einer Anzeige, beobachtete sie und forderte Geschenke; alles war -ihm zu wenig, und zuletzt brachte er die Rede auf eine Taschenuhr. -Nun, man mußte ihm die Taschenuhr versprechen. - -Einmal beim Mittagessen, als eben Waffeln gereicht wurden, lachte er -plötzlich auf, blinzelte mit einem Auge und fragte Lapkin: - -»Soll ich es sagen? Was?« - -Lapkin errötete furchtbar und begann statt an der Waffel an der -Serviette zu kauen. - -Anna Ssemjonowna sprang auf und lief ins andere Zimmer. - -In dieser Lage blieben die jungen Leute bis Ende August, bis zu dem -Tag, als Lapkin Anna Ssemjonowna endlich den Antrag machte. Was war -das für ein glücklicher Tag! Nachdem er mit den Eltern der Braut alles -besprochen und ihre Einwilligung erhalten hatte, lief Lapkin sofort -in den Garten und begann Kolja zu suchen. Als er ihn fand, brach er -vor Freude schier in Tränen aus und packte den bösen Jungen am Ohr. -Auch Anna Ssemjonowna, die gleichfalls Kolja suchte, kam herbei und -packte ihn am anderen Ohr. Man muß das Entzücken gesehen haben, das die -Gesichter der Verliebten ausdrückten, als Kolja weinte und flehte: - -»Meine Lieben, meine Guten, ich tue es nicht mehr! Au, au, verzeiht -mir!« - -Die beiden gestanden später, daß sie, solange sie heimlich verliebt -gewesen waren, kein einziges Mal solches Glück, solche atembeklemmende -Seligkeit empfunden hätten, wie in den Augenblicken, als sie den bösen -Jungen an den Ohren rissen. - - - - -Es war sie! - - -»Erzählen Sie uns etwas, Pjotr Iwanowitsch!« sagten die jungen Mädchen. - -Der Oberst drehte seinen ergrauten Schnurrbart, räusperte sich und -begann: - -»Es war im Jahre 1843, als unser Regiment bei Czenstochowa lag. Ich -muß Ihnen sagen, meine Damen, der Winter war in jenem Jahre so streng, -daß kein Tag verging, wo sich die Wachtposten nicht die Nasen abfroren -oder der Sturm die Straßen nicht mit Schnee verschüttete. Der Frost -hatte Ende Oktober eingesetzt und hielt bis zum April an. Damals, -müssen Sie wissen, war ich nicht der alte verrauchte Pfeifenkopf -wie jetzt, sondern ein junger Bursche wie Blut und Milch, mit einem -Worte, ein schöner Mann. Ich zierte mich wie ein Pfau, gab das Geld -mit beiden Händen aus und drehte meinen Schnurrbart wie kein anderer -Fähnrich auf der Welt. Ich brauchte oft nur mit einem Auge zu blinzeln, -mit der Spore zu klirren und einmal den Schnurrbart zu streichen, -damit die stolzeste Schöne sich sofort in ein sanftes Lamm verwandle. -Ich war scharf auf die Weiber, wie eine Spinne auf die Fliegen, und -wenn ich jetzt Ihnen, meine Damen, alle die Polinnen und Jüdinnen -aufzählen wollte, die mir seinerzeit an den Hals flogen, so würden, -ich versichere Sie, alle Zahlen der Mathematik nicht reichen ... Fügen -Sie dem noch hinzu, daß ich Regimentsadjutant war, vorzüglich die -Mazurka tanzte und mit einer allerliebsten Frau verheiratet war, Gott -hab sie selig. Was ich für ein Taugenichts und ausgelassener Kerl war, --- davon können Sie sich keinen Begriff machen! Wenn im Landkreise -irgendeine tolle Liebesgeschichte passierte, wenn jemand einem Juden -die Schläfenlocken ausriß oder einem polnischen Edelmann in die Fresse -haute, so wußten alle sofort, daß Leutnant Wywertow es angestellt -hatte. - -»Als Regimentsadjutant mußte ich mich viel im ganzen Landkreise -herumtreiben. Bald kaufte ich Hafer oder Heu ein, bald verkaufte ich -den Juden und Gutsbesitzern unsere ausgemusterten Pferde, meistens -aber fuhr ich, meine Damen, eine Dienstreise vortäuschend, zu einem -Stelldichein mit irgendeinem polnischen Edelfräulein oder zu einem -reichen Gutsbesitzer, bei dem man Karten spielte ... In der Nacht -vor Weihnachten fuhr ich einmal, ich erinnere mich, als wäre es eben -gewesen, aus Czenstochowa ins Dorf Schewelki, wohin man mich in einer -dienstlichen Angelegenheit geschickt hatte ... Der Frost war so -grimmig, daß sogar die Pferde husteten und ich und mein Fuhrmann in -einer halben Stunde zu zwei Eiszapfen geworden waren ... Mit dem Frost -konnte man sich noch befreunden, aber denken Sie sich nur, auf dem -halben Wege erhebt sich plötzlich ein Schneesturm. Der Schnee wirbelte -und kreiste wie der Teufel vor der Ostermesse, der Wind heulte, als -hätte man ihm seine Frau genommen, die Straße war verschwunden ... In -kaum zehn Minuten waren wir alle -- ich, der Fuhrmann und die Pferde -- -über und über mit Schnee bedeckt. - -›Euer Wohlgeboren, wir haben den Weg verloren!‹ sagte der Fuhrmann. - -›Hol dich der Teufel! Wie hast du aufgepaßt, du Tölpel? Nun, fahre -jetzt geradeaus, vielleicht stoßen wir auf eine Menschenwohnung!‹ - -»Wir fuhren und fuhren, immer im Kreise herum, und so gegen Mitternacht -stießen unsere Pferde an das Tor eines Gutshofes, der, ich erinnere -mich noch, einem Grafen Bojadlowski, einem reichen Polen gehörte. Die -Polen und die Juden sind für mich dasselbe wie Meerrettich nach dem -Essen, aber ich muß die Wahrheit sagen: die polnischen Edelleute sind -gastfreundlich, und es gibt keine heißeren Weiber als junge Polinnen ... - -»Man ließ uns ein ... Der Graf Bojadlowski lebte damals in Paris, und -uns empfing sein Verwalter, der Pole Kasimir Chapzinski. Ich erinnere -mich, es war keine Stunde vergangen, als ich schon in der Wohnung des -Verwalters saß, seiner Frau den Hof machte, trank und Karten spielte. -Als ich fünf Dukaten gewonnen und genug getrunken hatte, bat ich um ein -Nachtlager. Da es im Verwalterflügel keinen Platz gab, wies man mir ein -Zimmer im gräflichen Herrenhause an. - -›Fürchten Sie Gespenster?‹ fragte mich der Verwalter, mich in ein -kleines Zimmer geleitend, das neben einem riesengroßen Saal voller -Kälte und Finsternis lag. - -›Gibt es denn hier Gespenster?‹ fragte ich, während ein dumpfes Echo -meine Worte und Schritte wiederholte. - -›Ich weiß es nicht,‹ antwortete der Pole lachend, ›aber mir scheint, -daß es ein für Gespenster und unsaubere Geister außerordentlich -geeigneter Ort ist.‹ - -»Ich hatte ordentlich getrunken und war besoffen wie vierzigtausend -Schuster, aber diese Worte machten mich, offen gestanden, erschauern. -Hol mich der Teufel, lieber sind mir hundert Tscherkessen als ein -einziges Gespenst! Es war aber nichts zu machen, ich zog mich aus und -legte mich hin ... Meine Kerze erleuchtete die Wände mit schwachem -Lichte, an den Wänden hingen aber, stellen Sie es sich nur vor, -Ahnenbilder, eines schrecklicher als das andere, altertümliche Waffen, -Jagdhörner und ähnliche phantastische Dinge ... Es herrschte eine -Grabesstille, nur im Nebensaale piepsten die Mäuse und knisterten die -trockenen Möbel. Draußen war aber die Hölle los ... Der Wind sang -jemand die Totenmesse, die Bäume bogen sich heulend und weinend; -irgendein Teufelsding, wahrscheinlich ein Laden, quietschte jämmerlich -und klopfte gegen den Fensterrahmen. Denken Sie sich hinzu, daß mir -der Kopf schwindelte und sich zugleich mit meinem Kopf die ganze Welt -drehte ... Wenn ich die Augen schloß, war es mir, als flöge mein Bett -durch das ganze leere Haus und tanze mit den Gespenstern einen Reigen. -Um meine Angst zu vermindern, blies ich vor allen Dingen die Kerze aus, -da die leeren Zimmer bei Licht viel schrecklicher erscheinen als im -Finsteren ...« - -Die drei jungen Mädchen, die dem Oberst zuhörten, rückten zu ihm näher -heran und bohrten in ihn ihre unbeweglichen Blicke. - -[Illustration] - -»Nun«, fuhr der Oberst fort, »wie sehr ich mich auch bemühte, -einzuschlafen, der Schlaf floh meine Lider. Bald schien es mir, daß -Diebe durchs Fenster eindringen, bald hörte ich ein Flüstern, bald -berührte jemand meine Schulter, -- kurz, mir schwebte der ganze -Teufelsspuk vor, den jedermann kennt, der einmal nervös erregt war. Nun -stellen Sie sich vor, daß ich plötzlich mitten in diesem Teufelsspuk -und Chaos von Tönen deutlich ein Geräusch erkenne, das wie Schlürfen -von Pantoffeln klingt. Ich spitze die Ohren und, -- was glauben Sie -wohl? -- ich höre, wie jemand vor meine Türe tritt, hustet, die Türe -aufmacht ... - -›Wer ist da?‹ frage ich, mich aufrichtend. - -›Ich bin es ... fürchte dich nicht!‹ antwortet eine weibliche Stimme. - -»Ich ging zur Tür ... Es vergingen einige Sekunden, und plötzlich -fühlte ich, wie sich mir zwei Frauenarme, so weich wie Eiderdaunen, auf -die Schultern legten. - -›Ich liebe dich ... Du bist mir teurer als das Leben,‹ sagte eine -melodische Frauenstimme. - -»Heißer Atem berührte meine Wange ... Ich vergaß den Schneesturm, die -Gespenster und alles in der Welt und umschlang mit meiner Hand eine -Taille ... was für eine Taille! Eine solche Taille kann die Natur nur -auf besondere Bestellung, einmal in zehn Jahren anfertigen ... Schlank, -wie gedrechselt, heiß und leicht wie der Atem eines Säuglings! Ich -konnte mich nicht beherrschen und drückte sie fest in meinen Armen -zusammen ... Unsere Lippen vereinigten sich in einem festen, langen -Kusse, und ... ich schwöre Ihnen bei allen Frauen der Welt, ich werde -jenen Kuß bis an mein Ende nicht vergessen.« - -Der Oberst verstummte, trank ein halbes Glas Wasser aus und fuhr mit -gedämpfter Stimme fort: - -»Als ich am nächsten Morgen zum Fenster hinausblickte, sah ich, -daß der Schneesturm noch stärker geworden war ... Weiterfahren war -ganz unmöglich. So mußte ich den ganzen Tag beim Verwalter sitzen, -Karten spielen und trinken. Abends war ich wieder im leeren Hause und -umschlang Schlag Mitternacht wieder die mir bekannte Taille ... Ja, -meine Damen, wenn nicht die Liebe, so wäre ich wohl vor Langeweile -verreckt. Oder hätte mich zu Tode gesoffen.« - -Der Oberst seufzte, stand auf und ging schweigend durchs Zimmer. - -»Nun ... und weiter?« fragte eines der jungen Mädchen, ganz atemlos vor -Erwartung. - -»Gar nichts. Am anderen Tage war ich schon unterwegs.« - -»Aber ... wer war denn die Dame?« fragten die jungen Mädchen zögernd. - -»Es versteht sich doch von selbst, wer es war!« - -»Nein, nichts versteht sich von selbst!« - -»Es war meine Frau!« - -Alle drei junge Mädchen sprangen wie von einer Schlange gebissen auf. - -»Das heißt ... wieso denn?« fragten sie. - -»Ach, mein Gott, was ist denn daran so unverständlich?« fragte der -Oberst ärgerlich und zuckte die Achseln. »Ich glaube, ich habe mich -klar genug ausgedrückt! Ich war doch mit meiner Frau nach Schewelki -gefahren ... Sie übernachtete im leeren Hause im Nebenzimmer ... Es ist -doch vollkommen klar!« - -»Hm ...« versetzten die jungen Mädchen und ließen enttäuscht die Arme -sinken. - -»Die Geschichte hat so schön angefangen, aber das Ende ist Gott -weiß wie ... Ihre Frau ... Entschuldigen Sie, es ist so gar nicht -interessant und ... auch gar nicht geistreich.« - -»Sonderbar! Sie wollen also, daß es nicht meine rechtmäßige Frau -gewesen sei, sondern irgendeine Fremde! Ach, meine Damen! Wenn -Sie jetzt so urteilen, was werden Sie erst sagen, wenn Sie einmal -verheiratet sind?« - -Die jungen Mädchen wurden verlegen und verstummten. Sie machten -unzufriedene Mienen, zogen die Stirnen kraus und fingen an, gänzlich -enttäuscht, laut zu gähnen ... Beim Abendbrot aßen sie nichts, kneteten -Kügelchen aus Brot und schwiegen. - -»Nein, es ist sogar ... gewissenslos!« platzte eine von ihnen heraus. -»Was brauchten Sie es uns erzählen, wenn die Geschichte ein solches -Ende hat? Es ist gar nicht schön ... Es ist sogar unerhört!« - -»Sie haben so vielversprechend angefangen und plötzlich abgebrochen -...« fügte eine andere hinzu. »Es ist einfach Hohn und sonst nichts.« - -»Na, na, na ... ich habe nur gescherzt ...« versetzte der Oberst. -»Seien Sie nicht böse, meine Damen, ich habe nur Spaß gemacht. Es war -nicht meine Frau, sondern die des Verwalters ...« - -»Ja?!« - -Die jungen Mädchen wurden plötzlich lustig, ihre Augen fingen zu -leuchten an ... Sie rückten zum Obersten heran, schenkten ihm immer -neuen Wein ein und überschütteten ihn mit Fragen. Die Langweile war -verschwunden, auch das Abendbrot war bald verschwunden, denn die jungen -Mädchen aßen plötzlich mit großem Appetit. - - - - -Ein jähzorniger Mensch - - -Ich bin ein ernster Mensch, und mein Geist hat eine philosophische -Richtung. Von Beruf bin ich Finanzwissenschaftler, ich studiere -Finanzrecht und schreibe eine Dissertation über das Thema: -»Vergangenheit und Zukunft der Hundesteuer«. Man wird mir zugeben -müssen, daß mich alle die jungen Mädchen, die Lieder, der Mond und -sonstige Dummheiten absolut nichts angehen. - -Zehn Uhr früh. Meine Mama schenkt mir Kaffee ein. Ich trinke ihn aus -und gehe auf den Balkon, um mich sofort an meine Dissertation zu -machen. Ich nehme einen reinen Bogen, tauche die Feder ins Tintenfaß -und male die Überschrift: »Vergangenheit und Zukunft der Hundesteuer«. -Ich überlege eine Weile und schreibe: »Historischer Überblick. Aus -einigen Andeutungen bei Herodot und Xenophon zu schließen, datieren die -Anfänge der Hundesteuer ...« - -In diesem Augenblick höre ich aber höchst verdächtige Schritte. Ich -schaue von meinem Balkon hinunter und erblicke ein junges Mädchen mit -langem Gesicht und langer Taille. Sie heißt, glaube ich, Nadenjka oder -Warenjka; übrigens ist es mir vollkommen gleich. Sie sucht etwas, tut -so, als sähe sie mich nicht und summt vor sich hin: - -»Gedenkst du noch der Weise voller Sehnsucht ...« - -Ich lese das Geschriebene durch und will fortfahren, aber das junge -Mädchen tut so, als hätte sie mich plötzlich bemerkt und spricht mit -trauriger Stimme: - -»Guten Morgen, Nikolai Andrejewitsch! Denken Sie sich nur, dieses -Unglück! Gestern beim Spazierengehen verlor ich ein Anhängsel von -meinem Armband.« - -Ich lese den Anfang meiner Dissertation noch einmal durch, korrigiere -die Öse beim Buchstaben »b« und will weiter schreiben, aber das junge -Mädchen läßt nicht locker. - -»Nikolai Andrejewitsch,« sagt sie, »seien Sie so gut und begleiten Sie -mich nach Hause. Die Karelins haben einen großen Hund, und ich kann -mich nicht entschließen, allein vorbeizugehen.« - -Nichts zumachen. Ich lege die Feder weg und gehe hinunter. Nadenjka -oder Warenjka nimmt mich unter den Arm, und wir schlagen den Weg zu -ihrer Landwohnung ein. - -Wenn mich die Pflicht trifft, mit einer Dame oder mit einem Mädchen -Arm in Arm zu gehen, so fühle ich mich aus irgendeinem Grunde immer -wie ein Haken, an den man einen schweren Pelz gehängt hat; Nadenjka -oder Warenjka ist aber, unter uns gesagt, leidenschaftlicher Natur (ihr -Großvater war Armenier), sie hat die Fähigkeit, sich mit der ganzen -Schwere ihres Körpers an meinen Arm zu hängen und schmiegt sich an -meine Seite wie ein Blutegel. So gehen wir ... - -Wie wir am Landhause der Karelins vorbeikommen, sehe ich einen großen -Hund, und dieser ruft mir die Hundesteuer in Erinnerung. Ich denke mit -Sehnsucht an die angefangene Arbeit und seufze. - -»Warum seufzen Sie?« fragt mich Nadenjka oder Warenjka und stößt auch -selbst einen Seufzer aus. - -Hier muß ich etwas einschalten. Nadenjka oder Warenjka (jetzt besinne -ich mich, daß sie Maschenjka heißt) hat sich aus irgendeinem Grunde -eingebildet, daß ich in sie verliebt sei, und hält es daher für eine -Pflicht der Menschenliebe, mich immer mitleidsvoll anzublicken und -meine Herzenswunde durch Worte zu heilen. - -»Hören Sie einmal,« sagt sie stehenbleibend, »ich weiß, warum Sie -seufzen. Sie sind verliebt, ja! Aber ich bitte Sie bei unserer -Freundschaft, versichert zu sein, daß das Mädchen, das Sie lieben, Sie -tief achtet! Sie kann Ihnen Ihre Liebe nicht mit dem gleichen Gefühl -beantworten, aber ist es denn ihre Schuld, daß ihr Herz schon längst -einem anderen gehört?« - -[Illustration] - -Maschenjkas Nase wird rot und schwillt an, ihre Augen füllen sich mit -Tränen; sie scheint auf meine Antwort zu warten, aber zum Glück sind -wir schon am Ziel ... Auf der Veranda sitzt Maschenjkas Mama, eine gute -Frau, doch voller Vorurteile; als sie das erregte Gesicht ihrer Tochter -sieht, heftet sie einen langen Blick auf mich und seufzt, als wollte -sie sagen: »Ach, diese Jugend versteht sich nicht mal zu verstellen!« -Außer ihr sitzen auf der Veranda mehrere junge bunte Mädchen und unter -ihnen mein Sommernachbar, der verabschiedete Offizier, der im letzten -Kriege an der linken Schläfe und an der rechten Hüfte verwundet worden -ist. Dieser Unglückliche will gleich mir den Sommer einer literarischen -Arbeit weihen. Er schreibt an den »Memoiren eines Militärs«. Gleich mir -macht er sich jeden Morgen an seine jede Achtung verdienende Arbeit, -aber kaum hat er die Worte geschrieben: »Ich bin geboren im Jahre ...«, -als unter seinem Balkon irgendeine Warenjka oder Maschenjka erscheint -und den armen Kerl mit Beschlag belegt. - -Alle, die auf der Veranda sitzen, sind mit dem Putzen irgendwelcher -dummer, zum Einkochen bestimmter Beeren beschäftigt. Ich grüße und will -mich entfernen, aber die bunten jungen Mädchen nehmen mir quietschend -meinen Hut und Stock weg und verlangen, daß ich bleibe. Ich setze mich. -Man gibt mir einen Teller mit Beeren und eine Haarnadel. Ich beginne zu -putzen. - -Die bunten jungen Mädchen sprechen über die Männer. Der eine sei nett, -der andere hübsch, aber unsympathisch, der dritte häßlich, der vierte -wäre nicht übel, wenn seine Nase nicht einem Fingerhut gliche usw. - -»Und Sie, Monsieur Nicolas,« wendet sich an mich Maschenjkas Mama, -»sind nicht hübsch, aber sympathisch ... In Ihrem Gesicht ist etwas -... Übrigens,« seufzt sie, »ist die Hauptsache am Manne nicht die -Schönheit, sondern der Geist.« - -Die jungen Mädchen seufzen und schlagen die Augen nieder. Auch sie sind -damit einverstanden, daß die Hauptsache am Manne nicht die Schönheit, -sondern der Geist sei. Ich schiele nach dem Spiegel, um mich zu -überzeugen, inwiefern ich sympathisch bin. Ich sehe einen zerzausten -Kopf, einen zerzausten Bart und Schnurrbart, Augenbrauen, Haare an den -Wangen, Haare unter den Augen, ein ganzer Wald, aus dem wie ein Turm -meine solide Nase ragt. Hübsch, das muß man sagen! - -»Dafür schlagen Sie die anderen mit dem Seelischen, Nicolas,« seufzt -Maschenjkas Mama, als bekräftige sie einen heimlichen Gedanken. - -Maschenjka leidet mit mir mit, zugleich scheint ihr aber das -Bewußtsein, daß ihr gegenüber ein in sie verliebter Mensch sitzt, einen -großen Genuß zu verschaffen. - -Als die Männer erledigt sind, beginnen die jungen Mädchen über die -Liebe zu sprechen. Nachdem dieses Gespräch eine Weile gedauert hat, -steht eines der jungen Mädchen auf und geht. Die Zurückgebliebenen -beginnen sie sofort durchzuhecheln. Alle finden, sie sei dumm, -unerträglich und abstoßend häßlich und eines ihrer Schulterblätter -sitze nicht an der richtigen Stelle. - -Da kommt aber, Gott sei Dank, das von meiner Mama geschickte -Dienstmädchen und ruft mich zum Essen. Nun darf ich die unangenehme -Gesellschaft verlassen und heimgehen, um meine Dissertation weiter zu -schreiben. Ich stehe auf und mache eine Verbeugung. Maschenjkas Mama, -Maschenjka selbst und alle die bunten jungen Mädchen umringen mich und -erklären, daß ich kein Recht habe, heimzugehen, da ich ihnen gestern -mein Ehrenwort gegeben hätte, mit ihnen zu Mittag zu essen und nach dem -Essen in den Wald auf die Pilzsuche zu gehen. Ich verbeuge mich und -setze mich wieder ... In meiner Seele kocht der Haß, und ich fühle, daß -ich bald für mich nicht mehr einstehen können werde, daß es gleich zu -einer Explosion kommen müsse, aber meine Höflichkeit und die Angst, den -guten Ton zu verletzen, zwingen mich, mich den Damen zu fügen. Und ich -füge mich. - -Wir setzen uns an den Tisch. Der verwundete Offizier, der infolge der -Verwundung an der Schläfe eine Kontraktion der Kiefern hat, ißt mit -einer Miene, als wäre er aufgezäumt und hätte eine Kandare im Munde. -Ich knete Kügelchen aus Brot, denke an die Hundesteuer und bemühe mich, -da ich meinen jähzornigen Charakter kenne, zu schweigen. Maschenjka -blickt mich voller Mitleid an. Es gibt eine kalte Sauerampfersuppe, -Zunge mit jungen Erbsen, Brathuhn und Kompott. Ich habe keinen Appetit, -esse aber aus Höflichkeit. Wie ich nach dem Essen allein auf der -Veranda stehe und rauche, kommt auf mich Maschenjkas Mama zu, drückt -mir die Hände und spricht um Atem ringend: - -»Verzweifeln Sie aber nicht, Nicolas ... Sie hat ein so empfindsames -Herz ... ein solches Herz!« - -Wir gehen in den Wald auf die Pilzsuche ... Maschenjka hängt an meinem -Arm und saugt sich an meiner Seite fest. Ich leide unmenschlich, dulde -es aber. - -Wir kommen in den Wald. - -»Hören Sie einmal, Monsieur Nicolas,« beginnt Maschenjka seufzend: -»Warum sind Sie so traurig? Warum schweigen Sie?« - -Ein sonderbares Mädchen: worüber könnte ich denn mit ihr sprechen? Was -haben wir gemein? - -»Sagen Sie doch etwas ...« bittet sie. - -Ich bemühe mich, etwas Populäres auszudenken, was ihren Begriffen -zugänglich wäre. Nachdem ich eine Weile nachgedacht habe, sage ich: - -»Die Ausrottung der Wälder fügt Rußland einen großen Schaden zu ...« - -»Nicolas!« seufzt Maschenjka, und ihre Nase wird rot. »Nicolas, ich -sehe, Sie weichen einer offenen Aussprache aus ... Sie wollen mich -wohl durch Ihr Schweigen strafen ... Ihr Gefühl bleibt unerwidert, und -Sie wollen den Schmerz stumm, in der Einsamkeit tragen ... das ist -schrecklich. Nicolas!« ruft sie aus und packt mich plötzlich bei der -Hand, und ich sehe, wie ihre Nase zu schwellen beginnt. »Was würden Sie -sagen, wenn das Mädchen, das Sie lieben, Ihnen die ewige Freundschaft -anbieten würde?« - -Ich murmele etwas Zusammenhangloses, denn ich weiß absolut nicht, was -ich ihr sagen könnte ... Erlauben Sie doch: erstens liebe ich kein -Mädchen in der Welt, zweitens, was brauche ich die ewige Freundschaft? -Drittens bin ich sehr jähzornig. Maschenjka oder Warenjka bedeckt das -Gesicht mit den Händen und sagt leise, wie zu sich selbst: - -»Er schweigt ... Offenbar verlangt er ein Opfer von mir. Aber ich kann -ihn doch nicht lieben, wenn ich immer noch den anderen liebe! Übrigens -... ich will es mir überlegen ... Gut, ich werde es mir überlegen ... -Ich werde alle Kräfte meiner Seele sammeln und vielleicht um den Preis -meines Glückes diesen Menschen von seinen Leiden erlösen!« - -Ich verstehe nichts. Es ist eine Art Kabbala für mich. Wir gehen weiter -und sammeln Pilze. Wir schweigen die ganze Zeit. Maschenjkas Gesicht -drückt einen inneren Kampf aus. Ich höre Hundegebell: das bringt mir -meine Dissertation in Erinnerung, und ich seufze laut auf. Zwischen den -Baumstämmen erblicke ich den verwundeten Offizier. Der Ärmste hinkt -schmerzvoll rechts und links: rechts hat er seine verwundete Hüfte, -links hängt eines der bunten jungen Mädchen. Sein Gesicht drückt Demut -vor dem Schicksal aus. - -Aus dem Walde kehren wir ins Haus zurück und trinken Tee. Dann spielen -wir Krocket und hören zu, wie eines der bunten jungen Mädchen das Lied -singt: »Nein, du liebst mich nicht, nein, nein!« Beim Worte »nein« -verzieht sie den Mund bis zu den Ohren. - -»Charmant!« stöhnen die übrigen Mädchen. »Charmant!« - -Der Abend bricht an. Hinter dem Gebüsch kommt ein ekelhafter Mond -zum Vorschein. Die Luft ist still, und es riecht unangenehm nach -frischgemähtem Heu. Ich nehme meinen Hut und will gehen. - -»Ich muß Ihnen etwas sagen,« flüstert mir Maschenjka bedeutungsvoll zu. -»Gehen Sie nicht.« - -Mir schwant etwas übles. Aber aus Höflichkeit bleibe ich doch. -Maschenjka ergreift meinen Arm und führt mich die Allee entlang. -Jetzt drückt schon ihre ganze Figur einen Kampf aus. Sie ist blaß, -atmet schwer und scheint die Absicht zu haben, mir meinen rechten Arm -abzureißen. Was hat sie bloß? - -»Hören Sie ...« murmelt sie. »Nein, ich kann nicht ... Nein ...« - -Sie will etwas sagen, kann sich aber nicht entschließen. Da sehe ich -es aber ihrem Gesicht an, daß sie sich doch entschlossen hat. Mit -funkelnden Augen und geschwollener Nase ergreift sie plötzlich meine -Hand und sagt schnell: - -»Nicolas, ich bin die Ihre! Lieben kann ich Sie nicht, aber ich -verspreche Ihnen Treue!« - -Dann schmiegt sie sich an meine Brust und prallt plötzlich zurück. - -»Da kommt wer ...« flüstert sie. »Leb wohl ... Morgen um elf werde ich -im Gartenhäuschen sein ... Leb wohl!« - -Und sie verschwindet. Ohne etwas zu verstehen, klopfenden Herzens -gehe ich heim. Mich erwartet die »Vergangenheit und Zukunft der -Hundesteuer«, aber ich bin nicht mehr imstande zu arbeiten. Ich rase. -Man darf wohl sagen, ich bin erschreckend. Hol der Teufel, ich werde -es nicht dulden, daß man mich wie einen grünen Jungen behandelt! Ich -bin jähzornig, und es ist gefährlich, mit mir zu spaßen! Als das -Dienstmädchen hereinkommt, um mich zum Abendbrot zu rufen, schreie ich -sie an: »Hinaus!« Mein jähzorniger Charakter verspricht wenig Gutes. - -Der nächste Morgen. Es ist ein echtes Sommerfrischenwetter, d. h. -Temperatur unter Null, durchdringender kalter Wind, Regen, Schmutz -und Naphthalingeruch, da meine Mama ihre warmen Mäntel aus dem Korb -geholt hat. Ein teuflischer Morgen. Es ist der 7. August 1887, als die -berühmte Sonnenfinsternis stattfand. Ich muß bemerken, daß bei einer -Sonnenfinsternis ein jeder von uns, auch ohne Astronom zu sein, großen -Nutzen bringen kann. So kann ein jeder: 1) den Durchmesser der Sonne -und des Mondes bestimmen, 2) die Korona skizzieren, 3) die Temperatur -messen, 4) während der Verfinsterung die Tiere und die Pflanzen -beobachten, 5) seine eigenen Empfindungen aufschreiben u. s. w. Das -alles ist so wichtig, daß ich mich entschloß, die »Vergangenheit und -Zukunft der Hundesteuer« beiseite zu lassen und die Sonnenfinsternis -zu beobachten. Wir alle standen sehr früh auf. Die ganze bevorstehende -Arbeit verteilte ich auf folgende Weise: ich bestimme den Durchmesser -der Sonne und des Mondes, der verwundete Offizier zeichnet die Korona, -alles übrige übernehmen aber Maschenjka und die bunten jungen Mädchen. -Nun sind wir alle versammelt und warten. - -»Wieso entsteht eine Sonnenfinsternis?« fragt mich Maschenjka. - -Ich antworte: - -»Eine Sonnenfinsternis kommt zustande, wenn der Mond, die Ebene -der Ekliptik durchlaufend, auf die Linie zu stehen kommt, die die -Mittelpunkte der Sonne und des Mondes verbindet.« - -»Was ist die Ekliptik?« - -Ich erkläre es ihr. Maschenjka hört mir aufmerksam zu und fragt: - -»Kann man durch ein angerußtes Glas die Linie sehen, die die -Mittelpunkte der Sonne und des Mondes verbindet?« - -Ich antworte ihr, daß es eine gedachte Linie ist. - -»Wenn sie nur gedacht ist,« wundert sich Maschenjka, »wie kann dann der -Mond auf ihr Platz finden?« - -Ich gebe ihr keine Antwort. Ich fühle, wie diese naive Frage meine -Leber schwellen macht. - -»Es ist lauter Unsinn,« sagt Maschenjkas Mama. »Man kann doch nicht -wissen, was kommen wird, auch sind Sie noch nie im Himmel gewesen; -woher wollen Sie dann wissen, was mit dem Monde und der Sonne geschehen -wird? Hirngespinste!« - -Da rückt aber ein schwarzer Fleck über die Sonne. Allgemeiner Aufruhr. -Kühe, Schafe und Pferde rasten mit erhobenen Schwänzen, vor Angst -brüllend, über das Feld. Die Hunde heulten. Die Wanzen bildeten -sich ein, daß die Nacht angebrochen sei: sie kamen aus ihren Ritzen -gekrochen und fingen an, die noch Schlafenden zu beißen. Der Diakon, -der gerade mit einer Ladung Gurken heimfuhr, erschrak, sprang aus dem -Wagen und verkroch sich unter die Brücke, sein Pferd fuhr aber mit dem -Wagen in einen fremden Hof, wo die Gurken von den Schweinen gefressen -wurden. Ein Akzisebeamter, der nicht bei sich zu Hause, sondern bei -einer Sommerfrischlerin übernachtete, sprang in Unterwäsche aus dem -Hause, lief in die Menge und schrie mit wilder Stimme: - -»Rette sich, wer kann!« - -Viele Sommerfrischlerinnen, selbst junge und hübsche, stürzten, vom -Lärm geweckt, ohne Schuhe auf die Straße. Es passierte noch manches -andere, was ich gar nicht wiedergeben kann. - -»Ach, wie schrecklich!« kreischen die bunten jungen Mädchen. »Ach, wie -schrecklich!« - -»Meine Damen, beobachten Sie doch!« rufe ich ihnen zu, »die Zeit ist -kostbar!« - -Ich selbst beeile mich, die Durchmesser festzustellen ... Ich besinne -mich auf die Korona und suche mit den Blicken den verwundeten Offizier. -Er steht da und tut nichts. - -»Was haben Sie?« schreie ich. »Was ist denn mit der Korona?« - -Er zuckt die Achseln und weist mit den Blicken hilflos auf seine -Arme. Der Ärmste hat an beiden Armen je ein junges Mädchen hängen; -sie schmiegen sich an ihn voller Angst und lassen ihn nicht arbeiten. -Ich nehme einen Bleistift und notiere die Stunde mit den Sekunden. -Das ist wichtig. Ich notiere auch die geographische Lage des -Beobachtungspunktes. Auch das ist wichtig. Nun will ich den Durchmesser -bestimmen, da ergreift aber Maschenjka meine Hand und sagt: - -»Vergessen Sie also nicht: heute um elf!« - -Ich befreie meine Hand und will, jede Sekunde ausnützend, meine -Beobachtungen fortsetzen, aber Maschenjka hängt sich mir krampfhaft an -den Arm und schmiegt sich an meine Seite. Der Bleistift, die Gläser, -die Zeichnungen, -- alles fällt ins Gras. Teufel nocheinmal! Dieses -Mädchen könnte doch wirklich endlich begreifen, daß ich jähzornig bin -und, wenn ich einmal rasend geworden, für mich nicht einstehe. - -Ich will fortfahren, die Sonnenfinsternis ist aber schon zu Ende! - -»Schauen Sie mich doch an!« flüstert sie zärtlich. - -Oh, das ist schon der Gipfel der Verhöhnung! Man wird doch zugeben, daß -ein solches Spiel mit der menschlichen Geduld nur ein übles Ende nehmen -kann. Man mache mir keine Vorwürfe, wenn etwas Schreckliches geschieht! -Ich werde es niemand gestatten, mich zu verhöhnen, Teufel nocheinmal, -und wenn ich rasend bin, möchte ich niemand raten, mir nahe zu kommen! -Ich bin zu allem fähig! - -Eines der jungen Mädchen sieht es wohl meinem Gesicht an, daß ich -rasend bin und sagt, offenbar mit der Absicht, mich zu besänftigen: - -»Nikolai Andrejewitsch, ich habe Ihren Auftrag ausgeführt. Ich habe die -Säugetiere beobachtet. Ich sah, wie vor der Sonnenfinsternis ein grauer -Hund einer Katze nachlief und hinterher lange mit dem Schweif wedelte.« - -So ist aus der Sonnenfinsternis nichts geworden. Ich begebe mich -nach Hause. Da es regnet, gehe ich nicht auf den Balkon arbeiten. -Der verwundete Offizier hat sich aber auf seinem Balkon hinausgewagt -und sogar geschrieben: »Ich bin geboren im Jahre ...«; nun sehe -ich aus meinem Fenster, wie eines der jungen Mädchen ihn zu sich -in die Landwohnung schleppt. Ich kann nicht arbeiten, denn ich bin -noch immer rasend und habe Herzklopfen. Ins Gartenhäuschen gehe ich -nicht. Es ist zwar unhöflich, aber ich kann doch nicht bei Regen -hingehen! Um die Mittagstunde bekomme ich einen Brief von Maschenjka; -er enthält Vorwürfe, die Bitte, ins Gartenhäuschen zu kommen und ist -per »du« geschrieben. Um eins bekomme ich einen zweiten Brief, um -zwei einen dritten ... Ich muß gehen. Bevor ich hingehe, muß ich mir -aber überlegen, worüber ich mit ihr sprechen werde. Ich will wie ein -anständiger Mensch handeln. Erstens werde ich ihr sagen, sie habe gar -keinen Grund sich einzubilden, daß ich sie liebe. Solche Sachen sagt -man übrigens einer Dame nicht. Einer Dame zu sagen: »Ich liebe Sie -nicht,« ist dasselbe, wie einem Schriftsteller zu sagen: »Sie verstehen -nicht zu schreiben.« Ich will Maschenjka lieber meine Ansichten -über die Ehe darlegen. Ich ziehe einen warmen Mantel an, nehme den -Regenschirm und gehe ins Gartenhäuschen. Da ich mein jähzorniges Wesen -kenne, fürchte ich, zu viel zu sagen. Ich werde mir Mühe geben, mich zu -beherrschen. - -Im Gartenhäuschen werde ich erwartet. Maschenjka ist blaß und hat -verweinte Augen. Als sie mich erblickt, schreit sie freudig auf, fällt -mir um den Hals und sagt: - -»Endlich! Du spielst mit meiner Geduld. Hör, ich habe die ganze Nacht -nicht geschlafen ... Habe immer überlegt. Mir scheint, daß ich dich, -wenn ich dich näher kennen lerne, ... lieb gewinnen werde ...« - -Ich setze mich hin und beginne ihr meine Ansichten über die Ehe -darzulegen. Um nicht zu weit zu gehen und mich kürzer zu fassen, -beginne ich mit einem historischen Überblick. Ich spreche von der -Ehe bei den Indern und den Ägyptern und komme dann auf die späteren -Perioden zu sprechen; bringe auch einige Gedanken Schopenhauers. -Maschenjka hört mir aufmerksam zu, hält es aber plötzlich, gegen jede -Logik verstoßend, für nötig, mich zu unterbrechen. - -»Nicolas, küsse mich!« sagt sie mir. - -Ich bin verdutzt und weiß nicht, was ich ihr sagen soll. Sie wiederholt -ihre Aufforderung. Nichts zu machen, ich stehe auf und drücke meine -Lippen auf ihr langes Gesicht, wobei ich dasselbe empfinde, was ich -als Kind empfunden habe, als ich bei der Totenmesse meine verstorbene -Großmutter küssen mußte. Aber Maschenjka begnügt sich nicht mit dem -Kuß, sondern steht auf und umarmt mich sehr leidenschaftlich. In -diesem Augenblick erscheint in der Tür des Gartenhäuschens Maschenjkas -Mama. Sie macht ein erschrockenes Gesicht, sagt zu jemand: »Pst!« und -verschwindet wie Mephistopheles in der Versenkung. - -Ratlos und rasend gehe ich heim. Zu Hause treffe ich Maschenjkas Mama, -die mit Tränen in den Augen meine Mama umarmt, während meine Mama -weinend sagt: - -»Ich habe es selbst gewünscht!« - -Dann -- wie gefällt Ihnen das? -- dann geht Maschenjkas Mama auf mich -zu, umarmt mich und sagt: - -»Gott wird euch segnen! Pass auf, hab sie lieb ... Vergiß nicht, daß -sie sich dir zum Opfer bringt ...« - -Nun werde ich verheiratet. Während ich dies schreibe, stehen vor mir -die Trauzeugen und treiben mich zur Eile an. Diese Menschen kennen -meinen Charakter wirklich nicht! Ich bin ja jähzornig und kann für mich -nicht einstehen! Hol der Teufel, ihr werdet sehen, was noch kommen -wird! Einen jähzornigen Menschen zum Traualtar zu schleppen ist meiner -Ansicht nach ebenso gescheit, wie die Hand zu einem rasenden Tiger in -den Käfig zu stecken. Wir werden sehen, wir werden sehen, was noch -kommen wird! - - * * * * * - -So bin ich verheiratet. Alle gratulieren mir, und Maschenjka schmiegt -sich immer an mich und spricht: - -»Begreife doch, daß du jetzt mein bist! Sag doch, daß du mich liebst! -Sag!« - -Dabei schwillt ihr die Nase. - -Von den Trauzeugen erfuhr ich, daß der verwundete Offizier auf eine -höchst geschickte Weise den Ehebanden entronnen ist. Er stellte dem -bunten jungen Mädchen ein ärztliches Zeugnis bei, welches besagte, daß -er infolge der Verwundung an der Schläfe geistig unnormal sei und daher -laut Gesetz nicht heiraten dürfe. Eine Idee! Auch ich könnte so ein -Zeugnis beistellen. Ein Onkel von mir war Quartalsäufer, ein anderer -Onkel war auffallend zerstreut (einmal stülpte er sich statt einer -Mütze einen Damenmuff über den Kopf), eine Tante spielte viel Klavier -und zeigte bei Begegnungen mit Männern ihnen die Zunge. Zudem ist -mein außerordentlich jähzorniger Charakter -- ein höchst verdächtiges -Symptom. Warum kommen aber die guten Ideen so spät? Ja, warum? - - - - -Eine problematische Natur - - -Ein Coupé erster Klasse. - -Auf dem mit himbeerrotem Samt bezogenen Divan liegt ein hübsches junges -Dämchen. - -Der kostbare befranste Fächer kracht in ihrer krampfhaft -zusammengedrückten Hand, der Zwicker rutscht jeden Augenblick von -ihrem hübschen Näschen, die Brosche an ihrer Brust hebt und senkt sich -wie ein Nachen inmitten der Wellen. Sie ist sehr aufgeregt ... Ihr -gegenüber sitzt der Beamte für besondere Aufträge beim Gouverneur, -ein junger angehender Schriftsteller, der im Gouvernements-Amtsblatte -kleine Novellen aus den höheren Kreisen erscheinen läßt ... Er schaut -ihr unverwandt mit einer Kennermiene ins Gesicht. Er beobachtet, -er studiert, er sucht diese exzentrische, problematische Natur zu -ergründen, er hat sie schon beinahe erfaßt ... Ihre Seele, ihre ganze -Psychologie sind ihm vollkommen klar. - -»Oh, ich verstehe Sie!« sagt der Beamte für besondere Aufträge, -ihre Hand in der Nähe des Armbandes küssend. »Ihre empfindliche, -empfängliche Seele sucht einen Ausgang aus dem Labyrinth ... Gewiß! Es -ist ein ungeheuer schrecklicher Kampf, aber ... verzagen Sie nicht! Sie -werden siegen! Ganz bestimmt!« - -»Beschreiben Sie mich doch, Woldemar!« spricht das Dämchen mit einem -traurigen Lächeln. »Mein Leben ist so voll, so abwechselungsreich, so -bunt ... Die Hauptsache aber ist, daß ich unglücklich bin! Ich bin eine -Märtyrerin im Stile Dostojewskijs ... Zeigen Sie der Welt meine Seele, -Woldemar, zeigen Sie ihr diese arme Seele! Sie sind ein Psycholog. Es -ist kaum eine Stunde her, daß wir hier im Coupé sitzen und sprechen, -Sie aber haben mich schon ganz erfaßt!« - -[Illustration] - -»Sprechen Sie! Ich beschwöre Sie, sprechen Sie doch!« - -»Hören Sie. Ich stamme aus einer armen Beamtenfamilie. Mein Vater war -ein guter Kerl, gescheit, aber ... der Geist der Zeit und des Milieus -... vous comprenez, ich klage meinen armen Vater nicht an. Er trank, -spielte Karten ... nahm Bestechungsgelder an ... Auch die Mutter ... -Was soll ich davon sprechen! Die Not, der Kampf um ein Stück Brot, das -Bewußtsein seiner Nichtigkeit ... Ach, zwingen Sie mich nicht, diese -Erinnerungen aufzufrischen! Ich mußte mir selbst meinen Weg bahnen -... Die entsetzliche Institutserziehung, die Lektüre dummer Romane, -die Verirrungen der Jugend, die erste scheue Liebe ... Und der Kampf -mit dem Milieu? Schrecklich! Und die Zweifel? Und die Qualen der -beginnenden Enttäuschung am Leben und an sich selbst? ... Ach! Sie sind -Schriftsteller und kennen uns Frauen. Sie werden es begreifen ... Zu -meinem Unglück bin ich mit einer breiten Natur begabt ... Ich wartete -auf ein Glück, und auf was für eines! Ich lechzte danach, Mensch zu -sein! Ja! Mensch zu sein, darin sah ich mein Glück!« - -»Sie Herrliche!« stammelt der Schriftsteller, ihr die Hand in der Nähe -des Armbandes küssend. »Nicht Sie küsse ich, Sie wunderbares Geschöpf, -sondern das menschliche Leid! Erinnern Sie sich an Raskolnikow? Er -küßte so.« - -»Oh, Woldemar! Ich lechzte nach Ruhm ... nach rauschendem Leben und -Glanz wie jede -- warum soll ich bescheiden sein? -- wie jede nicht -ganz gewöhnliche Natur. Ich lechze nach Ungewöhnlichem ... gar nicht -Weiblichem! Und ... Und ... ich stieß auf meinem Wege auf einen -reichen alten General ... Begreifen Sie mich doch, Woldemar! Es war -ja Selbstaufopferung, Entsagung, begreifen Sie mich! Ich konnte nicht -anders. Ich versorgte meine Angehörigen, ich machte Reisen, ich tat -Gutes ... Wie litt ich aber dabei, wie unerträglich und erniedrigend -gemein erschienen mir die Umarmungen jenes Generals, obwohl er, das -muß man ihm lassen, seinerzeit im Kriege große Tapferkeit gezeigt -hat. Es gab Minuten ... schreckliche Minuten! Mich hielt aber der -Gedanke aufrecht, daß der Alte heute oder morgen stirbt, daß ich dann -nach meinem Wunsche leben, mich einem geliebten Menschen hingeben -und glücklich sein werde ... Ich habe aber einen solchen Menschen, -Woldemar! Gott weiß es, daß ich einen solchen habe!« - -Das Dämchen schwingt energisch den Fächer. Ihr Gesicht nimmt einen -weinerlichen Ausdruck an. - -»Nun ist der Alte tot ... Er hat mir einiges Vermögen hinterlassen, -ich bin so frei wie ein Vogel. Nun kann ich glücklich werden ... Nicht -wahr, Woldemar? Das Glück klopft an meine Tür. Ich brauche es nur -hereinlassen, aber ... nein! Woldemar, hören Sie, ich beschwöre Sie! -Jetzt sollte ich mich doch dem geliebten Menschen hingeben, seine -Freundin werden, seine Helferin, die Trägerin seiner Ideale, glücklich -sein ... ausruhen ... Aber wie gemein, häßlich und dumm ist doch -alles in dieser Welt! So niederträchtig ist alles, Woldemar! Ich bin -unglücklich, unglücklich, unglücklich! Auf meinem Wege erhebt sich ein -neues Hindernis! Wieder fühle ich, daß mein Glück fern, ach, so fern -ist! Ach, diese Qual, wenn Sie nur wüßten, welch eine Qual!« - -»Was ist es denn? Was ist es für ein Hindernis? Ich beschwöre Sie, -sagen Sie es mir! Was ist es?« - -»Ein anderer reicher Alter ...« - -Der zerbrochene Fächer verdeckt das hübsche Gesicht. Der Schriftsteller -stützt seinen gedankenschweren Kopf in die Hand, seufzt und beginnt -mit der Miene eines Kenners und Psychologen zu grübeln. Die Lokomotive -pfeift und faucht, die Fenstervorhänge röten sich im Lichte der -untergehenden Sonne ... - - - - -Intrigen - - - a) Wahl des Vereinsvorsitzenden. - b) Erörterung des Zwischenfalles vom 2. Oktober. - c) Referat des ordentlichen Vereinsmitgliedes Dr. M. N. von Bronn. - d) Laufende Vereinsangelegenheiten. - -Doktor Schelestow, der Urheber des Zwischenfalles vom 2. Oktober, -macht sich bereit, in diese Sitzung zu gehen; er steht schon lange vor -dem Spiegel und bemüht sich, seinem Gesicht einen matten Ausdruck zu -verleihen. Wenn er in der Sitzung mit einem aufgeregten, gespannten, -roten oder allzublassen Gesicht erscheint, werden sich seine Feinde -einbilden können, daß er ihren Intrigen allzuviel Bedeutung beimesse; -wenn aber sein Gesicht kalt, leidenschaftslos, gleichsam verschlafen -sein wird, wie bei Menschen, die über der Menge stehen und vom Leben -ermüdet sind, so werden diese Feinde bei seinem Anblick Respekt vor ihm -empfinden und sich denken: - - Sein unbeugsames Haupt ragt höher als das Denkmal - Des Siegers, der Napoleon bezwang! - -Als ein Mensch, der sich für seine Feinde und ihre Ränke sehr wenig -interessiert, wird er in die Sitzung später als alle kommen. Er wird -lautlos in den Saal treten, sich mit einer müden Gebärde das Haar -zurechtstreichen und sich, ohne jemand anzublicken, ans äußerste Ende -des Tisches setzen. Er wird die Pose eines gelangweilten Zuhörers -annehmen, kaum merklich gähnen, irgendeine Zeitung vom Tische nehmen -und lesen ... Alle werden reden, streiten, sich ereifern, einander -zur Ordnung rufen, er aber wird schweigen und in die Zeitung blicken. -Endlich wird aber sein Name immer häufiger genannt werden und die -brennende Frage in Weißglut übergehen; er wird seine gelangweilten, -müden Augen auf die Kollegen heben und wie widerwillig sagen: - -»Man zwingt mich zu sprechen ... Ich habe mich darauf nicht -vorbereitet, meine Herren, verzeihen Sie mir darum, wenn meine Rede -etwas mangelhaft ausfallen wird. Ich will ab ovo anfangen ... In der -letzten Sitzung haben gewisse verehrte Kollegen erklärt, daß ich mich -bei Konsilien nicht so benehme, wie sie es gerne möchten, und von mir -Erklärungen verlangt. Da ich alle Erklärungen für überflüssig und die -gegen mich erhobenen Vorwürfe für unbegründet hielt, bat ich, mich -aus dem Verein auszuschließen, und verließ die Sitzung. Aber jetzt, -wo gegen mich eine neue Serie von Anklagen erhoben wird, sehe ich zu -meinem Leidwesen ein, daß ich dennoch zu Erklärungen greifen muß. Ich -will also solche abgeben.« - -Dann wird er, zerstreut mit dem Bleistifte oder mit der Uhrkette -spielend, sagen, daß er bei den Konsilien oft tatsächlich die Stimme -erhoben und die Kollegen unterbrochen habe, ohne sich um die Gegenwart -Fremder zu kümmern; es sei auch wahr, daß er bei einem Konsilium den -Patienten in Gegenwart der Ärzte und der Angehörigen gefragt habe: -»Welcher Dummkopf hat Ihnen Opium verschrieben?« Fast kein einziges -Konsilium sei ohne einen Zwischenfall abgelaufen ... Aber warum? Sehr -einfach. Bei jedem Konsilium müsse er, Schelestow, über das tiefe -Niveau der Fachkenntnisse seiner Kollegen staunen. Es gäbe in der Stadt -zweiunddreißig Ärzte, und die meisten von ihnen wüßten weniger als -jeder Student im ersten Semester. Nach Beispielen brauche man nicht -weit zu gehen. Nomina sunt, natürlich, odiosa, aber in der Sitzung sei -man doch unter sich, also könne er, um nicht abstrakt zu sein, die -Namen nennen. Allen sei es z. B. bekannt, daß der verehrte Herr Kollege -von Bronn der Beamtenfrau Sserjoschkina mit einer Sonde die Speiseröhre -durchbohrt habe ... - -Der Kollege von Bronn wird in diesem Augenblick aufspringen, die Hände -über dem Kopfe zusammenschlagen und aufschreien: - -»Herr Kollege, Sie haben sie durchbohrt und nicht ich! Sie! Und ich -werde es Ihnen beweisen!« - -Schelestow wird ihm nicht die geringste Beachtung schenken und -fortfahren: - -»Es ist auch allen bekannt, daß der verehrte Kollege Schila bei der -Schauspielerin Semiramidina eine Wanderniere für einen Abszeß angesehen -und einen Probedurchstich gemacht hat, was sehr bald zu einem exitus -letalis führte. Der verehrte Kollege Besstrunko hat, statt einen Nagel -an der großen Zehe des linken Fußes zu exstirpieren, den gesunden Nagel -am rechten Fuß exstirpiert. Ich darf auch nicht den Fall unerwähnt -lassen, wo unser verehrter Herr Kollege Tercharjanz dem Soldaten -Iwanow die Eustachischen Röhren mit solchem Eifer katheterisierte, -daß dem Patienten beide Trommelfelle platzten. Bei dieser Gelegenheit -will ich noch erwähnen, daß derselbe Kollege einem Patienten beim -Zahnziehen den Unterkiefer ausgerenkt hat und ihn nicht früher wieder -einrenken wollte, als bis der Patient sich bereit erklärte, ihm für -das Einrenken fünf Rubel zu bezahlen. Der verehrte Kollege Kurizyn ist -mit einer Nichte des Apothekers Grummer verheiratet und hat mit ihm -ein gewisses Abkommen getroffen. Es ist auch allen bekannt, daß unser -Vereinssekretär, der junge Kollege Skoropalitelnyj mit der Gattin -unseres verehrten Herrn Vorsitzenden Gustav Gustavowitsch Prechtel ein -Verhältnis hat ... - -Vom tiefen Niveau des Wissens bin ich allmählich auf Verstöße gegen -die ethischen Grundsätze zu sprechen gekommen. Um so besser. Die -Ethik ist unser wunder Punkt, meine Herren, und um nicht abstrakt zu -sprechen, will ich Ihnen unseren verehrten Kollegen Pusyrkow nennen, -der bei einer Namenstagsfeier bei der Oberstenwitwe Treschtschinskaja -erzählt hat, daß nicht Skoropalitelnyj das Verhältnis mit der Gattin -unseres Vorsitzenden habe, sondern ich! Das wagt derselbe Herr Pusyrkow -zu sagen, den ich im vorigen Jahre mit der Gattin unseres verehrten -Kollegen Snobisch erwischt habe! Übrigens, Dr. Snobisch ... Wer -genießt das Renommee eines Arztes, von dem sich behandeln zu lassen -für die Damen nicht ganz ungefährlich ist? -- Snobisch ... Wer hat -eine Kaufmannstochter wegen der Mitgift geheiratet? -- Snobisch! Was -aber unseren verehrten Vorsitzenden betrifft, so treibt er heimlich -Homöopathie und bekommt von den Preußen Geld für Spionage. Ein -preußischer Spion -- das ist schon wirklich ultima ratio!« - -Ärzte, die klug und als gewandte Redner erscheinen möchten, gebrauchen -immer diese beiden lateinischen Ausdrücke: »nomina sunt odiosa« und -»ultima ratio«. Schelestow wird nicht nur lateinisch, sondern auch -französisch und deutsch, in jeder beliebigen Sprache sprechen! Er wird -alle bezichtigen und allen Intriganten die Masken herunterreißen; der -Vorsitzende wird müde werden, die Glocke zu schwingen, die verehrten -Kollegen werden von ihren Plätzen aufspringen und mit den Händen -fuchteln ... Die Kollegen mosaischer Konfession werden sich zu einem -Haufen zusammendrängen und ein Geschrei erheben. - -Schelestow wird aber, ohne jemand anzublicken, fortfahren: - -»Was aber unseren Verein betrifft, so muß er bei dem jetzigen -Mitgliederbestand und den jetzt herrschenden Ordnungen unbedingt -zugrunde gehen. Alles ist darin ausschließlich auf Intrigen begründet. -Intrigen, Intrigen und Intrigen! Als eines der Opfer dieser einen -großen, teuflischen Intrige halte ich mich für verpflichtet, folgendes -zu erklären:« - -Er wird reden, und seine Partei wird applaudieren und sich -triumphierend die Hände reiben. Unter einem unbeschreiblichen Lärm und -Donner wird man zur Wahl des Vorsitzenden schreiten. Von Bronn & Co. -werden ihren ganzen Einfluß für Prechtel einsetzen, aber das Publikum -und die wohlgesinnten Ärzte werden sie auszischen und schreien: - -»Nieder mit Prechtel! Wir wollen Schelestow! Schelestow!« - -Schelestow nimmt die Wahl an, aber unter der Bedingung, daß Prechtel -und von Bronn sich bei ihm wegen des Zwischenfalls vom 2. Oktober -entschuldigen. Wieder erhebt sich ein ohrenbetäubender Lärm, wieder -drängen sich die verehrten Kollegen mosaischer Konfession zu einem -Haufen zusammen und schreien ... Prechtel und von Bronn sind empört -und bitten schließlich, sie nicht mehr als Mitglieder des Vereins -anzusehen. Um so besser! - -[Illustration] - -Schelestow ist Vorsitzender. Vor allen Dingen reinigt er den -Augiasstall. Snobisch muß hinaus! Tercharjanz muß hinaus! Die verehrten -Kollegen mosaischer Konfession müssen hinaus! Mit seiner Partei -wird er es erreichen, daß bis zum Januar im Verein kein einziger -Intrigant übrig bleibt. Im Ambulatorium des Vereins wird er zunächst -die Wände streichen lassen und ein Plakat anbringen: »Rauchen -strengstens verboten«; dann wird er den Feldscher und die Feldscherin -hinausschmeißen, die Medikamente nicht von Grummer, sondern von -Chrasczebicki beziehen, den Ärzten vorschlagen, keine einzige Operation -ohne seine Aufsicht auszuführen usw. Vor allen Dingen wird aber auf -seinen Visitkarten stehen: »Vorsitzender des Ärztevereins zu N.« - -So träumt Schelestow, bei sich zu Hause vor dem Spiegel stehend. Da -schlägt aber die Uhr sieben und erinnert ihn daran, daß er in die -Sitzung muß. Er erwacht aus seinen süßen Träumen und beeilt sich, -seinem Gesicht den matten Ausdruck zu verleihen, aber das Gesicht will -ihm nicht gehorchen und nimmt einen sauren und stumpfen Ausdruck an, -wie bei einem erfrorenen jungen Hofhund; er will, daß es solid sei, es -wird aber lang und drückt Bestürztheit aus, und nun scheint es ihm, daß -er nicht mehr einem Hund, sondern einem Gänserich gleiche. Er senkt -die Lider, kneift die Augen zusammen, bläht die Backen, runzelt die -Stirne, aber es ist zum Verzweifeln: es kommt dabei etwas ganz anderes -heraus als er möchte. Die natürlichen Eigenschaften dieses Gesichts -sind wohl derart, daß mit ihm nichts anzufangen ist. Die Stirne ist -niedrig, die kleinen Äuglein schweifen unruhig umher wie bei einer -unreellen Händlerin, der Unterkiefer steht so dumm und blöd hervor, und -die Wangen und die Frisur sehen so aus, als hätte man den »verehrten -Kollegen« soeben aus einem Billardlokal hinausgeschmissen. - -Schelestow betrachtet sein Gesicht, ärgert sich, und es kommt ihm schon -vor, daß auch das Gesicht gegen ihn intrigiere. Er geht ins Vorzimmer -und macht sich fertig, und es scheint ihm, als intrigierten auch der -Pelz, die Gummischuhe und die Mütze gegen ihn. - -»Kutscher, ins Ambulatorium!« schreit er. - -Er bietet zwanzig Kopeken, aber der Intrigant von einem -Droschkenkutscher verlangt fünfundzwanzig ... Er setzt sich in die -Droschke und fährt, aber der kalte Wind weht ihm ins Gesicht, der -nasse Schnee blendet ihm die Augen, und das elende Pferd schleppt sich -unerträglich langsam. Alles hat sich verschworen und intrigiert ... -Intrigen, Intrigen und Intrigen! - - - - - ZWEIHUNDERT EXEMPLARE DIESER AUSGABE - SIND VOM KÜNSTLER HANDSCHRIFTLICH - SIGNIERT, NUMERIERT UND - IN HALBLEDER GEBUNDEN. - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die - Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. - - Korrekturen: - - S. 36: sogar → so gar - Entschuldigen Sie, es ist {so gar} nicht interessant - - S. 37 überlege mir → überlege - Ich {überlege} eine Weile und schreibe - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der persische Orden, by Anton Tschechow - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER PERSISCHE ORDEN *** - -***** This file should be named 53731-0.txt or 53731-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/3/7/3/53731/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This book was produced from images -made available by the HathiTrust Digital Library.) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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