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-The Project Gutenberg EBook of Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche., by
-Wilhelm Winter
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
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-
-Title: Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche.
-
-Author: Wilhelm Winter
-
-Release Date: March 13, 2017 [EBook #54357]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LEHRBUCH DER PHYSIK ZUM ***
-
-
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-
-Produced by Peter Becker, Ottokar Lang, Harry Lamé and the
-Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
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- Anmerkungen zur Transkription
-
- _Text_, #Text# und ^Text^ repräsentieren im Originalwerk (Antiqua)
- kursiven, fett gedruckten bzw. gesperrten Text. Das Originalwerk wurde
- in Fraktur gedruckt, außer den hier als ~Text~ oder _Text_ markierten
- Texten. Für Sekunde und Minute wurden " bzw. ' benutzt.
-
- Weitere Anmerkungen befinden sich am Ende dieses Textes.
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-
- ^Lehrbuch der Physik^
- zum
- ^Schulgebrauche^.
-
- Bearbeitet von
- Wilhelm Winter,
- K. Gymnasialprofessor in München.
-
- Mit 370 eingedruckten Abbildungen.
-
- ^Sechste Auflage^.
-
- München
- ^Theodor Ackermann^
- Königlicher Hof-Buchhändler.
- 1905.
-
-
- Druck von C. Brügel u. Sohn in Ansbach.
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-
-Vorrede.
-
-
-Die Entwicklung der bayerischen Realschulen, wie sie sich auf der
-sprachlich-historischen und mathematisch-naturwissenschaftlichen
-Grundlage vollzogen hat, legte mir den Entschluß nahe, für den
-Unterricht in der Physik ein Lehrbuch zusammenzustellen, welches gerade
-für solche realistische Mittelschulen geeignet wäre. Sowohl die
-Erfolglosigkeit bei der Auswahl eines passenden Buches unter den
-vorhandenen als auch die Aufforderung befreundeter Fachgenossen
-veranlaßten mich dann, meine mehrjährigen Erfahrungen im physikalischen
-Unterrichte zur Herstellung dieses Buches zu benützen, das ich nun der
-wohlwollenden Beurteilung meiner verehrten Herren Fachgenossen übergebe.
-Bei Abfassung desselben leitete mich nur der eine Gedanke, all das und
-nur das aufzunehmen, was in Mittelschulen gelehrt werden kann und
-entweder zur allgemeinen Bildung notwendig oder zur praktischen
-Verwertung fähig ist, und die Darstellung stets so zu wählen, wie sie
-der jeweiligen Fassungskraft der Schüler, sowie insbesondere ihrem
-Vorrat von mathematischem Wissen entspricht. Man wird deshalb wohl auf
-der ersten Stufe nur einfache Gedankenfolgen und etwas breite
-Ausführung, auf der mittleren Stufe ein tieferes Eingehen in die
-Einzelheiten der Vorgänge und Gesetze, wozu sich ja Elektrizität und
-Akustik ganz vorzugsweise eignen, und auf der dritten Stufe eine strenge
-Behandlung der Optik und Mechanik mit ausgiebiger Benützung und
-Anwendung der mathematischen Kenntnisse finden.
-
-Derselbe Wunsch nach Anpassung des Lehrstoffes an die Fassungskraft der
-Schüler veranlaßte mich insbesondere, die Mechanik in zwei Teile zu
-spalten und den einen Teil, soweit er mit Hilfe einfacher Arithmetik
-behandelt werden kann, gleich auf der ersten Stufe durchzunehmen, da er
-die Grundlehren über Kraft, Arbeit und einfache Maschinen enthält, ohne
-welche in die Physik nicht eingedrungen werden kann; der zweite Teil
-erfährt dann auf der dritten Stufe eine eingehende, mathematische
-Behandlung.
-
-Der Abschnitt über Akustik dürfte für gewöhnliche Mittelschulen etwas zu
-reich sein; doch habe ich denselben deshalb so ausführlich behandelt, um
-das Buch auch für Lehrerbildungsanstalten passend zu machen, an denen ja
-die Akustik eine ganz besondere Durchbildung erfahren muß.
-
-Bei der Behandlung des Lehrstoffes dem Umfange nach habe ich innerhalb
-der Schranken, welche durch die Fassungskraft der Schüler gezogen sind,
-stets nur dasjenige aufzunehmen mich bemüht, was zum Verständnis der
-Vorgänge und Gesetze notwendig ist, und dies durch die einfachsten
-Experimente zu beweisen gesucht; ein Hinausgehen über diesen engsten
-Rahmen durch Anfügung weiterer Beispiele, Anwendung der erkannten
-Gesetze auf ähnliche Vorgänge, Erklärung von weiteren Erscheinungen
-mittels der vorhandenen Kenntnisse ist und bleibt der Tätigkeit des
-Lehrers im Unterrichte vorbehalten. Doch glaubte ich weder Zeit noch
-Raum sparen zu sollen, wenn es sich darum handelte, den physikalischen
-Gesetzen in ihren Anwendungen für praktische Bedürfnisse zu folgen und
-zu zeigen, wie die einfachen und leichtverständlichen Eigenschaften und
-Kräfte in der mannigfaltigsten Weise benützt werden für die Zwecke der
-Technik und Industrie, des Handels und Gewerbes. Denn neben der einen
-Hauptaufgabe, die Naturgesetze zu erkennen, die Beobachtungsgabe
-auszubilden, den Verstand an der Erklärung komplizierter Erscheinungen
-zu schärfen und dadurch eine allgemeine Geistesbildung zu vermitteln,
-hat der Unterricht in der Physik gerade an den realistischen
-Mittelschulen noch die besondere Aufgabe, den Schülern ein möglichst
-klares und umfassendes Verständnis mitzugeben für all die
-tausendfältigen Vorkommnisse, Erscheinungen und Verwendungen im
-technischen Leben unserer Zeit, in das sie nach der Schule einzutreten
-berufen sind.
-
-Möge das Buch angesehen werden als das, was es sein soll, ein Lehrbuch
-der Physik an realistischen Mittelschulen, und möge es als solches
-wohlwollende Beurteilung und freundliche Aufnahme finden!
-
- #Kaiserslautern,# im Mai 1886.
-
- #W. Winter,#
- Kgl. Reallehrer.
-
-
-
-
-Vorrede zur sechsten Auflage.
-
-
-Nachdem das Buch besonders in der vierten und fünften Auflage einige
-Änderungen erlitten hatte, besonders um es den neuen Lehrplänen
-anzupassen, die Figuren durch bessere zu ersetzen und die Aufgaben zu
-vermehren, war ich bei der vorliegenden Auflage bestrebt, es dem Umfang
-nach zu verringern. Ich folgte dabei auch dem Rate befreundeter
-Fachgenossen und war bemüht, in allem die Ausdrucksweise zu
-vereinfachen, die Erscheinungen in möglichster Kürze zu beschreiben und
-die Gesetze möglichst klar und leicht verständlich zu fassen. Doch bin
-ich dabei nicht unter eine gewisse Grenze gegangen, da meiner Ansicht
-nach der Schüler im Buche selbst noch eine Darstellung finden soll,
-welche ihm über manches, was ihm im Unterricht nicht ganz klar geworden
-ist, eine leicht faßliche Aufklärung gibt. Die Aufgaben wurden vermehrt
-und den einzelnen Kapiteln angefügt, jedoch ohne die bisherige
-Numerierung zu ändern.
-
-Ich hege die Hoffnung, daß das Buch auch fernerhin wohlwollende
-Beurteilung finden und zum Gedeihen des physikalischen Unterrichtes
-beitragen wird.
-
- #München,# Februar 1905.
-
- Der Verfasser.
-
-
-
-
-Inhalts-Übersicht.
-
-
- #Erster Abschnitt.#
-
- ^Allgemeine Eigenschaften. Lehre von den Kräften^.
-
- Aufgabe der Physik. Undurchdringlichkeit, Zusammendrückbarkeit,
- Porosität, Teilbarkeit, Molekül; Schwere, Trägheit, Kraft;
- Zusammensetzung und Zerlegung der Kräfte; Hebel, Rolle, Wellrad;
- Arbeit; Schwerpunkt, Elastizität, Kohäsion, Adhäsion.
-
-
- #Zweiter Abschnitt.#
-
- ^Lehre von den flüssigen Körpern^.
-
- Allgemeine Eigenschaften. Gleichmäßige Fortpflanzung des Druckes,
- Bodendruck, Seitendruck, Auftrieb, Archimedisches Gesetz, spezifisches
- Gewicht. Kommunizierende Röhren, Brunnen und Quellen; Kapillarität.
-
-
- #Dritter Abschnitt.#
-
- ^Lehre von den luftförmigen Körpern^.
-
- Allgemeine Eigenschaften. Luftdruck, Barometer. Ausdehnungsbestreben.
- Luftpumpe. Zusammendrückbarkeit, Mariottesches Gesetz. Spezifisches
- Gewicht, Luftballon. Kompressionspumpe. Pumpen, Spritzen, Heber.
-
-
- #Vierter Abschnitt.#
-
- ^Wärme^.
-
- Wärmezustand, Thermometer. Ausdehnung durch die Wärme. Erhöhung der
- Expansivkraft der Luft durch die Wärme. Wärmeleitung; Wärmemenge,
- Wärmequellen. Schmelzen; Sieden; Lehre von den Dämpfen. Dampfmaschine,
- Gaskraftmaschine. Luftfeuchtigkeit. Mechanische Gastheorie.
-
-
- #Fünfter Abschnitt.#
-
- ^Magnetismus^.
-
- Grundgesetze, Mitteilung, Stahlmagnete, Erdmagnetismus.
-
-
- #Sechster Abschnitt.#
-
- ^Reibungselektrizität^.
-
- Grundgesetze, Elektroskop, Influenz, Elektrophor; Verteilung auf einem
- Leiter; Elektrisiermaschinen. Kondensation, Leydner Flasche; Wirkung
- der Entladung. Atmosphärische Elektrizität, Gewitter, Blitz,
- Blitzableiter.
-
-
- #Siebenter Abschnitt.#
-
- ^Galvanische Elektrizität^.
-
- Erregung. Elektromotorische Kraft, Zambonische Säule. Galvanischer
- Strom, Elemente. Wirkung des Stromes auf die Magnetnadel,
- Galvanometer. Gefälle, Leitungswiderstand; Stromstärke; Batterie.
- Galvanis Grundversuch, Voltas Kontaktelektrizität. Wirkung zweier
- Stromteile aufeinander, Erdstrom, Solenoid, Elektromagnet; elektrische
- Klingel, Haustelegraph; Telegraph, Morsescher Schreibtelegraph, Nadel-
- und Zeigertelegraph, Leitung; elektrische Uhr. Chemische Wirkung des
- Stromes; Elektrolyse von Wasser und von Salzen; elektrolytisches
- Gesetz; Polarisation. Galvanoplastik und Galvanostegie.
-
-
- #Achter Abschnitt.#
-
- ^Induktions-Elektrizität^.
-
- Fundamental-Versuche und -Gesetze. Induktionsapparate. Induktion auf
- eigene Leitung. Induktion im magnetischen Feld, magnetelektrischer
- Induktionsapparat. Dynamomaschine. Grammescher Ringinduktor.
- Wärmewirkung des Stromes, Bogenlicht, Glühlicht; elektrodynamische
- Maschine, Kraftübertragung. Sekundärelemente, Akkumulatoren. Telephon,
- Mikrophon; Thermoelektrizität.
-
-
- #Neunter Abschnitt.#
-
- ^Wellenlehre und Akustik^.
-
- Entstehung, Form, Bedeutung, Reflexion der Wellen; Entstehung des
- Schalles, Form der Schallwellen; Geschwindigkeit, Stärke, Reflexion
- des Schalles. Ton, Schwingungszahl, Schwingungsverhältnisse der Töne.
- Schwingende Saiten, Obertöne. Schwingende Stäbe und Platten. Gedeckte
- und offene Pfeifen. Mitschwingen, Resonatoren, Interferenz.
- Menschliche Sprache; Ohr.
-
-
- #Zehnter Abschnitt.#
-
- ^Optik^.
-
- Wesen des Lichtes. Durchsichtigkeit, Schatten. Geschwindigkeit des
- Lichtes. Photometer. Reflexion. Planspiegel; sphärische Spiegel.
- Brechung des Lichtes. Atmosphärische Strahlenbrechung. Grenzwinkel,
- Totale Reflexion. Prisma. Sphärische Linsen. Auge. Lupe.
- Projektionsapparate. Fernrohr, Operngucker; Mikroskop; Stereoskop.
- Zerstreuung des Lichtes, Spektrum. Achromatische Linsen;
- Fraunhofersche Linien. Spektralanalyse. Farbenlehre. Phosphoreszenz,
- Fluoreszenz. Wärmestrahlen, chemische Strahlen.
-
-
- #Elfter Abschnitt.#
-
- ^Mechanik^.
-
- Hebel. Schwerpunkt. Räderwerk, Uhr. Wage. Schiefe Ebene. Keil,
- Schraube. Fall; Wurf, gleichförmig beschleunigte Bewegung.
- Zentralbewegung; Pendel; Stoß; lebendige Kraft. Mechanisches
- Äquivalent der Wärme; elektrische Energie. Allgemeine Lehre von der
- Energie. Verwandlung, Erhaltung der Energie.
-
-
- #Zwölfter Abschnitt.#
-
- ^Anhang^.
-
- Interferenz der Wellen, des Lichtes. Beugung der Wellen, des Lichtes.
- Polarisation. Doppelbrechung des Lichtes.
-
- Die absoluten Maßeinheiten: die mechanischen, elektrostatischen,
- elektromagnetischen, praktischen Einheiten.
-
- Elektrische Wellen, drahtlose Telegraphie, Röntgenstrahlen.
-
- Aufgaben.
-
-
-
-
-Erster Abschnitt.
-
-Allgemeine Eigenschaften der Körper. Lehre von den Kräften.
-
-
-1. Aufgabe der Physik.
-
-Die Physik ist die Lehre von den Naturerscheinungen. Die Vorgänge oder
-Erscheinungen werden zunächst genau ^beobachtet^ und ^beschrieben^, und
-dann werden die ^Ursachen^ dieser Vorgänge erforscht. #Ursachen, welche
-Veränderungen im Zustande eines Körpers hervorbringen, nennt man Kräfte,
-Naturkräfte.# Die Physik untersucht, wie mehrere Kräfte zusammenwirken,
-und sucht dann nach ^Gesetzen^, nach welchen diese Ursachen eine Wirkung
-hervorbringen. Schließlich lehrt die Physik auch, wie die Kräfte
-^nutzbar^ gemacht werden zu den verschiedenen Arbeiten im gewöhnlichen
-Leben, sowie in Gewerbe und Industrie.
-
-
-Allgemeine Eigenschaften der Körper.
-
-^Allgemeine Eigenschaften^ sind solche, welche allen Körpern zukommen.
-Manche Eigenschaften sind so wichtig, daß ohne sie ein Körper nicht
-einmal gedacht werden kann; sie sind zum Begriffe eines Körpers
-notwendig.
-
-
-2. Undurchdringlichkeit oder Raumerfüllung.
-
-#Jeder Körper nimmt einen Raum ein# und erfüllt ihn; dort, wo ein Körper
-ist, kann nicht zugleich ein anderer sein.
-
-Beispiele: Der Nagel, der ins Holz geschlagen wird, verdrängt die
-Holzmasse. Wenn man zwei pulverförmige Körper vermischt, so nimmt jeder
-seinen Raum ein; die Teilchen des einen Körpers befinden sich neben
-denen des anderen Körpers. Auch beim Auflösen von Zucker in Wasser
-dringen die Teilchen des Zuckers zwischen die des Wassers und erfüllen
-also auch noch einen Raum. Doch tritt hiebei meist eine Volumänderung
-(-Verminderung) ein.
-
-Auch die ^Luft^ ist raumerfüllend und schon deshalb als Körper
-anzusehen. Wenn man ein Becherglas mit der Öffnung nach abwärts ins
-Wasser taucht, so dringt das Wasser nicht ganz in die Höhlung des Glases
-ein.
-
-Da wir oft einen Körper seinen Platz verlassen sehen, ohne daß ein
-anderer sichtbarer Körper seinen Platz einnimmt, so hat es für uns
-nichts widersinniges, uns einen ^leeren Raum^ vorzustellen.
-
-[Abbildung: Fig. 1.]
-
-Weil jeder Körper seine Stelle verlassen kann, so schreiben wir dem Raum
-eine #Ausdehnung# zu, und da jeder Körper nach jeder Richtung sich
-bewegen kann, so ist #der Raum allseitig ausgedehnt#. Nehmen wir aber
-drei beliebige Richtungen als Hauptrichtungen, z. B. die Richtung nach
-vorn ~OB~, nach der Seite ~OA~ und nach oben ~OC~, so kann man von einer
-beliebigen Stelle ~O~ des Raumes zu einer beliebigen anderen Stelle ~Q~
-gelangen, indem man nacheinander in den drei Hauptrichtungen um passende
-Strecken fortgeht. Um von ~O~ nach ~Q~ zu kommen (Fig. 1), geht man in
-der Richtung ~OA~ um die Strecke ~OJ = x~, dann in der Richtung ~OB~ um
-die Strecke ~JK = y~, dann in der Richtung ~OC~ um die Strecke ~KQ = z~
-fort. Deshalb sagt man, #der Raum ist nach drei Hauptrichtungen
-ausgedehnt#. Wegen der allseitigen Ausdehnung des Raumes können die drei
-Hauptrichtungen beliebig gewählt werden.
-
-Da ein Körper einen begrenzten Raum erfüllt, so sagt man, auch der
-Körper ist (innerhalb seiner Grenzen) allseitig ausgedehnt und hat drei
-Hauptausdehnungen.
-
-
-3. Zusammendrückbarkeit und Ausdehnbarkeit.
-
-#Jeder Körper läßt sich durch Druck auf einen kleineren Raum
-zusammenpressen und durch Zug auf einen größeren Raum ausdehnen.#
-
-Wird eine Silberplatte durch sehr großen Druck zur Münze geprägt, oder
-Eisen zur Platte gewalzt, so nimmt es einen kleineren Raum ein als
-zuerst. Doch beträgt die Verkleinerung bei allen festen Körpern nur sehr
-wenig. Ein stabförmiger Körper wird durch Zug länger und auch sein
-Volumen wird dabei größer.
-
-
-4. Die Porosität.
-
-Kein Körper nimmt seinen Raum ^vollständig^ ein, sondern jeder hat in
-seinem Innern kleine Löcher, Gänge und Höhlungen, die mit einem anderen
-Stoffe ausgefüllt sind, meist mit Luft oder Wasser. Diese Hohlräume sind
-die #Poren#, und die Eigenschaft heißt #Porosität#. Sehr stark porös und
-^großporig^ sind: Schwamm, Brot, Bimsstein, das Mark von Binsen.
-
-Sehr porös aber ^kleinporig^ sind Kreide, Gips, Mörtel, Ton,
-Ziegelsteine, Sandsteine, manche Kalksteine, Holz, Zucker u. s. w. Ihre
-Poren sind so fein, daß man sie mit freiem Auge nicht sehen kann. Taucht
-man einen solchen Körper ins Wasser, so dringt es in die Poren des
-Körpers ein und macht ihn auch im Innern feucht. Die meisten dieser
-Körper sind dadurch porös geworden, daß bei ihrer Bildung oder zu ihrer
-Herstellung Wasser verwendet wurde, und daß beim Austrocknen an dessen
-Stelle Luft eintrat.
-
-Tönerne Gefäße lassen die Flüssigkeit auch in ihr Inneres eindringen und
-durchsickern; um das zu verhindern, glasiert man sie, d. h. man
-überzieht sie mit einer Glasschichte, welche die Poren verstopft.
-Ähnlichen Zweck hat das Auspichen der Fässer, das Versiegeln der
-Weinflaschen, Zementieren der Ställe, Wasserbehälter und Abtrittgruben,
-das Ölen und Firnissen hölzerner Gegenstände u. s. w.
-
-In porösen Wänden steigt das Wasser des Erdbodens empor und hält das
-Haus feucht (Einlegen von Asphalt- oder Bleiplatten).
-
-Feinporige Körper kleben an der Zunge, weil sie die Feuchtigkeit
-aufsaugen. Poröse Gesteine verwittern leicht.
-
-Holz, obwohl sehr porös, läßt das Wasser doch nur langsam eindringen;
-denn die meisten Poren des Holzes bestehen nicht aus Gängen, die das
-Holz durchsetzen, sondern aus abgeschlossenen Hohlräumen (Zellen).
-Ebenso Kork, welcher sogar einen luft- und wasserdichten Verschluß gibt.
-
-Manche Stoffe zeigen sich unporös; man nennt sie #dicht# oder #kompakt#.
-Solche sind Marmor, Basalt, Elfenbein, dann die Kristalle und solche
-Körper, welche aus einem dichten Gefüge kleiner Kristalle bestehen
-(kristallinische Gesteine), dann solche, welche aus ruhigem Schmelzfluß
-in den festen Zustand übergegangen sind, wie die Metalle, Glas, Pech,
-Schwefel, Kautschuk, Porzellan, Klinkersteine u. s. w. Glas ist selbst
-bei hohem Drucke undurchlässig für Wasser und Luft.
-
-Wasser, jede Flüssigkeit und jede Luftart sind nicht porös in dem Sinne
-wie die festen Körper.
-
-
-Aufgaben:
-
-~a~) Wodurch wird Brot porös? ~b~) Durch welchen Versuch kann man
-erkennen, daß das Holz Poren hat, die es der Länge nach durchsetzen?
-~c~) Welche Papiersorten sind porös? ~d~) Inwiefern kann man Tuch porös
-nennen? ~e~) Welche Gesteine aus der nächsten Umgebung sind porös?
-
-
-5. Teilbarkeit.
-
-Jeder Körper ist teilbar, d. h. er läßt sich durch Anwendung einer Kraft
-in ^kleinere Stücke zerteilen^. Bedarf es hiezu nur geringer Kraft, so
-nennt man den Körper ^weich^, bedarf es großer Kraft, so heißt der
-Körper ^hart^. Auch der härteste Körper, der Diamant, ist teilbar; denn
-er läßt sich nach gewissen Richtungen spalten, und mittels seines
-eigenen Pulvers schleifen. Ein Körper ist härter als ein zweiter, wenn
-man mit dem ersten Körper den zweiten ritzen kann; so ist Diamant härter
-als Rubin, dann folgen der Härte nach Stahl, Glas, Eisen, Kupfer u. s.
-w.
-
-Manche Körper lassen sich ungemein fein zerteilen, besonders die
-Farbstoffe. So genügt die geringe Menge Farbstoff, die in einer
-Cochenillelaus enthalten ist, um ein ganzes Glas Wasser rot zu färben,
-was nur durch äußerst feine Zerteilung des Karmins möglich ist. Je
-feiner sich ein Farbstoff zerreiben läßt, desto besser ^deckt^ er. Gut
-deckt Tusch, Berlinerblau, Zinnober, Schweinfurtergrün; schlecht deckt
-Bleiweiß (Kremserweiß), Ocker und Veronesergrün.
-
-Riechstoffe müssen sich wohl in ungemein kleine Teile zerlegen; denn ein
-erbsengroßes Stück Moschus kann ein ganzes Jahr hindurch die oft
-wechselnde Luft eines Zimmers mit seinem Geruche erfüllen, ohne daß es
-an Größe merklich abnimmt. Der ^Kieselgur^, ein feiner Sand der
-Lüneburger Heide, besteht aus den Kieselpanzern einer einzelligen
-Pflanze, welche mikroskopisch klein ist.
-
-
-Aufgaben:
-
-~a~) Nenne Körper, welche sich mit dem Fingernagel ritzen lassen! ~b~)
-Wie ordnen sich die Stoffe: Stahl, Glas, Marmor, Quarz und Gips der
-Härte nach? ~c~) Warum deckt Tusch besser als zerriebene Kohle? ~d~)
-Welche Organismen sind dir aus der Naturkunde als sehr klein bekannt?
-
-
-6. Zusammensetzung der Körper aus Molekülen.
-
-Trotz der weitgehenden Teilbarkeit der Stoffe nimmt man an, daß die
-Stoffe aus sehr kleinen Teilchen zusammengesetzt sind, die an sich
-^unteilbar^ sind. Man hat sich also vorzustellen, daß jeder Körper aus
-ungemein vielen, ungemein kleinen Teilchen besteht, die durch kein
-Mittel in noch kleinere Teile zerlegt werden können; man nennt ein
-solches Teilchen #Molekül# oder Massenteilchen. Ein einzelnes Molekül
-ist auch bei der stärksten Vergrößerung nicht zu sehen, und wir sind
-wohl nicht imstande, einen festen Körper durch Zerreiben oder ein
-ähnliches mechanisches Mittel in seine Moleküle zu zerlegen. Ein
-Stäubchen, das in der Luft schwebt, das kleinste Lebewesen, das nur bei
-stärkster Vergrößerung eben noch wahrgenommen wird, besteht doch noch
-aus sehr vielen Molekülen. In der Luft sind eine Million Moleküle
-nebeneinander auf der Länge eines Millimeters, also ca. 1 Trillion in
-einem Kubikmillimeter enthalten. Die Chemie lehrt, daß jedes Molekül aus
-mehreren gleichartigen oder verschiedenen Stoffteilchen besteht, daß es
-in diese zerlegt und in vielen Fällen aus ihnen wieder zusammengesetzt
-werden kann, daß die Stoffteilchen sich aber (bis jetzt) nicht weiter
-zerlegen lassen. Die Stoffteilchen nennt man #Atome# (Atom = das
-Unteilbare).
-
-
-Aufgaben:
-
-~a~) Wie viele Moleküle enthält 1 ~cbm~ Wasser, wenn dessen Moleküle
-nach jeder Richtung je ein Zehntausendstel Millimeter groß sind? ~b~)
-Wenn man die Luft eine millionmal dünner macht, wie viele Moleküle sind
-dann immer noch in 1 _cbm_? ~c~) Wenn man Zucker in Wasser auflöst, oder
-Wasser mit Weingeist vermischt, so tritt eine Volumverminderung ein. Wie
-ist das möglich?
-
- Man nimmt ferner an, daß auch bei festen und flüssigen Körpern die
- Moleküle sich nicht berühren, sondern in Abständen nebeneinander
- liegen, welche ca. 10 mal größer sind als ihre Durchmesser. Die
- Entfernung zwischen den Mittelpunkten benachbarter Moleküle beträgt
- bei gewöhnlichen festen oder flüssigen Körpern nicht mehr als ein
- Zehnmilliontel und nicht weniger als zwei Hundertmilliontel eines
- Millimeters, so daß ein Kubikmillimeter wenigstens 1000 Trillionen und
- höchstens 125 000 Trillionen Moleküle enthält. „Dehnt sich eine
- erbsengroße Glaskugel oder ein Wassertropfen bis zur Größe der
- Erdkugel aus, so ist jedes Molekül größer als ein Schrotkorn und
- kleiner als ein Krocketball” (Thomson). Von den kleinsten bekannten
- Lebewesen (Mikroben), den Spaltpilzen, gehen ca. 3000 Millionen auf 1
- Kubikmillimeter, so daß jedes aus vielen Hunderttausend Millionen
- Molekülen bestehen kann; deshalb können auch sehr kleine Lebewesen
- noch einen komplizierten Bau haben.
-
-
-7. Schwere oder Gravitation.
-
-#Jeder Körper ist schwer#, das heißt, er wird von der Erde angezogen.
-Infolge dieser ^Anziehung^ übt er einen #Druck# auf seine Unterlage oder
-einen #Zug# an seinem Aufhängepunkte aus; ist er durch nichts
-aufgehalten, so folgt er der Schwere und #fällt# zur Erde.
-
-Schwere ist demnach auch eine Kraft. Man nennt sie #Schwerkraft#. Die
-^Richtung^ der Schwere geht auf den Mittelpunkt der Erde zu und wird
-gefunden durch einen Faden, an dem ein schwerer Körper ruhig hängt.
-(Senkel, Senkblei, Bleilot.) Sie heißt lotrecht, scheitelrecht oder
-#vertikal#, wohl auch senkrecht. Jede zur vertikalen Richtung senkrechte
-Richtung heißt #horizontal#.
-
-Je größer die ^Masse^ eines Körpers ist, desto mehr wird er von der Erde
-angezogen, desto größer ist seine Schwere oder sein Gewicht. Man
-vergleicht die Massen zweier Körper, indem man ihre Gewichte vergleicht.
-Das geschieht mit der Wage, denn sie steht dann im Gleichgewicht, wenn
-die Gewichte auf beiden Wagschalen gleich sind. Dann sind auch die
-Massen gleich.
-
-#Einheit der Masse ist die Masse von 1 _ccm_ destilliertem, d. h. ganz
-reinem Wasser#; man nennt diese Masse 1 Gramm.
-
-#Die Eigenschaft der Anziehung ist eine ganz allgemeine Eigenschaft
-aller Körper.# Die Erde zieht auch den Mond an, der Mond zieht aber auch
-die Erde an; Erde und Mond ziehen sich also gegenseitig an. Die Sonne
-zieht jeden Planeten an. Jeder Himmelskörper übt auf jeden anderen
-eine solche Anziehung aus. Diese allgemeine gegenseitige Anziehung
-aller Körper nennt man die #allgemeine Gravitation#, die
-#Universalgravitation#; die Erdschwere eines Körpers, d. h. die
-Anziehung eines Körpers durch die Erde ist nur ein besonderer Fall
-davon.
-
-
-Aufgaben:
-
-~a~) Warum fühlen wir nichts davon, daß wir von einem Körper, in dessen
-Nähe wir uns befinden, angezogen werden? ~b~) Was muß sich an einem
-Bleilot zeigen, das in der Nähe eines mächtigen Berges aufgehängt wird?
-~c~) Welche Bedeutung hat die Aussage: ein Körper wiegt 26 _g_?
-
-
-8. Trägheit oder Beharrungsvermögen.
-
-#Trägheit oder Beharrungsvermögen ist das Bestreben jedes Körpers, den
-Zustand der Bewegung oder Ruhe, in dem er sich eben befindet,
-unverändert beizubehalten.#
-
-Man beobachtet stets, daß ein Körper, wenn er in Ruhe ist, auch in Ruhe
-bleibt, und nicht von selbst oder aus eigenem inneren Antrieb eine
-Bewegung anfängt; es muß vielmehr von außen eine Ursache auf ihn wirken,
-damit er anfängt sich zu bewegen.
-
-Ist ein Körper in Bewegung, so bemerkt man, daß er nach und nach an
-Bewegung verliert; z. B. eine auf einer Eisfläche rollende Kugel läuft
-immer langsamer und bleibt schließlich liegen, ein in Umdrehung
-versetztes Rad geht langsamer, wenn keine Kraft mehr darauf wirkt, eine
-an einem Faden aufgehängte und in Schwingung versetzte Kugel schwingt
-immer langsamer und kommt zur Ruhe. Man ^möchte^ demnach schließen, daß
-der Körper seine Bewegung nach und nach aufgibt und in die Ruhe
-zurückkehrt.
-
-Dies ist jedoch nicht richtig, wie man aus folgendem ersehen kann. Eine
-Kugel rollt auf der Straße nicht weit, auf einer glatten Holzbahn rollt
-sie weiter, auf der spiegelglatten Eisfläche eines Sees läuft sie noch
-viel weiter. Die Kugel hat also nicht etwa das Bestreben immer langsamer
-zu gehen; denn sonst müßte sie dieses Bestreben auf allen Bahnen in
-gleichem Maße äußern. Nur die ^Hindernisse^, welche die Rauheiten und
-Unebenheiten der Bahn ihr bereiten, ^nehmen ihr die Bewegung^; denn je
-glatter die Bahn ist, um so weniger gibt die Kugel von ihrer
-Geschwindigkeit her und um so weiter läuft sie. Deshalb schließt man,
-^wenn gar keine Hindernisse vorhanden wären, so würde der Körper gar
-nichts von seiner Geschwindigkeit hergeben, also seine Bewegung
-unverändert fortsetzen^.
-
-Dieser Schluß bleibt bestehen, obwohl wir bei keiner Bewegung alle
-Hindernisse beseitigen können. Also folgt: Ein in Bewegung befindlicher
-Körper kann nicht von selbst oder aus eigenem Antriebe seine Bewegung
-verändern, er kann nicht die Geschwindigkeit größer oder kleiner machen,
-er kann auch nicht die Richtung der Bewegung verändern. #Jeder Körper
-beharrt in dem Bewegungszustande, in dem er sich eben befindet#
-(Galilei).
-
-Das beste Beispiel und der sicherste Beweis für die Richtigkeit des
-Gesetzes der Trägheit ist die Bewegung unserer ^Erde^. Sie schwebt frei
-im leeren Himmelsraume, dreht sich um ihre Achse, braucht hiezu einen
-Tag, und behält seit Menschengedenken diese Bewegung unverändert bei.
-Ebenso findet sie bei ihrem jährlichen Laufe um die Sonne keine
-Hindernisse und setzt deshalb auch diese Bewegung unverändert fort.
-
-
-Aufgaben:
-
-~a~) Gib Beispiele von bewegten Körpern, welche ihre Bewegung nach und
-nach verlieren! ~b~) Gib Beispiele von bewegten Körpern, welche ihre
-Bewegung um so langsamer verlieren, je geringer die Hindernisse sind!
-~c~) Gib Beispiele von bewegten Körpern, welche ihre Bewegung sehr rasch
-verlieren!
-
-
-Lehre von den Kräften.
-
-
-9. Erklärung der Kraft.
-
-Nach dem Trägheitsgesetze ändert ein Körper nicht von selbst seinen
-Bewegungszustand. ^Zur Änderung seines Bewegungszustandes ist eine
-äußere Ursache notwendig, welche wir Kraft nennen^. #Kraft ist die
-Ursache einer Veränderung des Bewegungszustandes eines Körpers.#
-Beispiel. Wenn wir einen Stein fallen lassen, so geht er aus der Ruhe in
-Bewegung über. Wir schließen, daß auf ihn eine Kraft von außen wirkt,
-die ihm eine Bewegung gibt. Da diese Bewegung sogar immer schneller
-wird, so schließen wir, daß die Kraft ^beständig^ und fortwährend auf
-den Körper wirkt, indem sie ihm zu seiner erlangten Geschwindigkeit, die
-er vermöge des Trägheitsgesetzes beibehält, immer noch mehr
-Geschwindigkeit dazu gibt. Die hier wirkende Kraft ist die
-Anziehungskraft oder ^Schwerkraft^ der Erde.
-
-Wenn wir einen Stein ^in die Höhe werfen^, so sehen wir, daß er immer
-höher, aber auch immer langsamer fliegt, bald ganz stehen bleibt, und
-dann anfängt herunterzufallen. Wir schließen, daß auf ihn eine Kraft
-nach abwärts wirkt, die ihm von seiner Geschwindigkeit, die er nach dem
-Trägheitsgesetze beibehalten will, immerfort etwas hinwegnimmt, bis er
-keine Geschwindigkeit mehr hat. Auch diese Kraft ist die ^Schwerkraft^.
-Hat der Stein den höchsten Punkt erreicht, so fällt er wie im vorigen
-Beispiel.
-
-Ähnliches geht vor, wenn die in der Lokomotive tätige Dampfkraft den Zug
-in Bewegung setzt und diese Bewegung immer rascher macht.
-
-Da die ^Reibung^ die Bewegung jedes Körpers verlangsamt, so ist auch die
-Reibung als eine Kraft anzusehen.
-
-Außer den schon angeführten Kräften, der Schwerkraft, der Dampfkraft und
-der Reibung gibt es noch folgende Arten: die Kraft des fließenden
-Wassers und des Windes, sowie überhaupt jeder bewegten Masse, die Kraft
-des Magnetes und der Elektrizität, die elastische Kraft, die Kraft der
-Wärme im allgemeinen und die Muskelkraft von Menschen und Tieren, u. a.
-m.
-
-Wenn wir aber auch die Wirkungen der Kräfte beobachten, untersuchen und
-verstehen können, so ist uns das Wesen der Kräfte doch unbekannt. Wir
-wissen nicht, warum die Erde den Stein anzieht.
-
-
-Aufgaben:
-
-~a~) Beschreibe den Vorgang, wenn eine Lokomotive den Zug in Bewegung
-setzt, wenn sie ihn auf der Strecke in Bewegung hält, und wenn der Zug
-zum Stehen gebracht wird ohne und mit Bremsen! ~b~) Wo bringen
-elastische Kräfte eine Bewegung hervor? ~c~) Auf welche Weise nützen wir
-die Kraft des Windes aus?
-
-
-10. Allgemeiner Kraftbegriff, Maß der Kräfte.
-
-[Abbildung: Fig. 2.]
-
-#Wirkt eine Kraft auf einen Körper, der sich nicht frei bewegen kann, so
-ändert sich seine Form.# Eine Schnur wird länger, eine Säule kürzer, ein
-Brett, eine Reißschiene wird gebogen.
-
-Bei der ^Federwage^ (Fig. 2) hängt eine Drahtspirale längs einer Skala
-herunter. Durch Ziehen verlängert sie sich, losgelassen kehrt sie in die
-ursprüngliche Lage zurück.
-
-Merkt man sich den Stand der Federwage bei 1 _g_, 2 _g_, 3 _g_ u. s. f.,
-so wird sie auch das Gewicht eines anderen Körpers durch ihren Stand
-angeben, ebenso auch die Größe irgend einer anderen an ihr wirkenden
-Kraft, indem sie sich entsprechend ausdehnt.
-
-#Einheit der Kraft ist der Zug, mit dem die Erde 1 _ccm_ Wasser, die
-Masseneinheit, anzieht#; diese Kraft heißt auch 1 Gramm. Unter 1 _g_
-Kraft ist also nicht die Masse von 1 _g_ zu verstehen, sondern die
-Kraft, mit welcher die Erde 1 _ccm_ Wasser anzieht, oder eine gleich
-große Kraft.
-
-Will man an einem Punkte eine Kraft wirken lassen, so kann man das oft
-dadurch machen, daß man an den Punkt einen schweren Körper hängt. Durch
-Anhängen von Gewichten prüft man die Kraft, welche zum Zerreißen eines
-Drahtes notwendig ist, oder die Zugkraft eines Pferdes, oder die
-Tragkraft eines Magnetes, die Kraft der Reibung und ähnliches.
-
-Wenn man an die Federwage ein Gewicht hängt, so ändert sie in bestimmter
-Art ihren Zustand. Entfernt man das Gewicht, so kehrt sie in den
-ursprünglichen Zustand zurück. Es muß demnach in der verlängerten
-Spirale eine Kraft vorhanden sein, vermöge deren sie in die
-ursprüngliche Gestalt zurückkehrt. Dadurch also, daß eine Kraft den
-Zustand der Spirale ändert, entsteht in der Spirale infolge der
-Zustandsänderung selbst eine Kraft, welche gerade in entgegengesetzter
-Richtung wirkt; zudem dürfen wir beide Kräfte, da sie sich in ihren
-Wirkungen aufheben, einander ^gleich^ nennen. Der Druck des Steines auf
-den Tisch oder auf die Reißschiene bewirkt einen Gegendruck des Tisches
-oder der Schiene nach aufwärts. Diese Erscheinungen verallgemeinert man
-zu dem #Prinzip von Wirkung und Gegenwirkung, Aktion und Reaktion#:
-
-#Jede Kraft, welche keine Bewegung hervorruft, bringt eine ihr gleiche
-und entgegengesetzt wirkende Kraft hervor.#
-
-Die Wirkung einer Kraft hängt nur ab von der ^Größe^ der Kraft und von
-ihrer ^Richtung^, sonst aber von nichts weiter, also nicht etwa davon,
-welcher Art die Kraft ist, ob Schwerkraft, oder magnetische Kraft, oder
-Kraft einer gebogenen Feder, oder sonst irgend eine.
-
-[Abbildung: Fig. 3.]
-
-Geht von einem Punkt eine Strecke aus, so kommt es dabei auch bloß auf
-die ^Größe^ der Strecke und ihre ^Richtung^ an. Wegen dieser
-Gleichartigkeit der Bestimmungsmerkmale von Kraft und Strecke kann man
-#eine Kraft durch Zeichnung darstellen#, indem man eine Strecke in der
-Richtung der Kraft anbringt, und ihr eine Länge von so vielen beliebig
-gewählten Längeneinheiten gibt, als die Kraft Krafteinheiten hat. Gemäß
-Figur 3 wirkt im Punkte ~A~ eine Kraft ~P₁ = 8 g~ in der Richtung ~AB~
-und eine Kraft ~P₂ = 6 g~ in der Richtung ~AC~.
-
-Wie bei jeder bildlichen Darstellung bezeichnet man diese Strecken
-abkürzend selbst als Kräfte.
-
-
-Aufgaben:
-
-~a~) Wenn eine Federwage unbelastet bei 72,3 _cm_, mit 5 _g_ belastet
-bei 84,5 _cm_, mit 8 _g_ belastet bei 91,7 _cm_ steht, ist dann die
-Ausdehnung der Federwage bei jedem Gramm gleich groß? ~b~) Wenn ein
-Gewicht auf eine Säule drückt, oder ein Gewicht an einem Faden hängt,
-welche Kraft stellt die Reaktion vor? ~c~) Gib Aktion und Reaktion an
-bei einer zusammengedrückten Spiralfeder, beim Dampfkessel, beim Stemmen
-einer Hantel!
-
-
-11. Zusammensetzung der Kräfte.
-
-Wirken auf einen Körper mehrere Kräfte, so bleibt er entweder in Ruhe
-oder er kommt in Bewegung. #Statik# ist die Lehre von den Bedingungen,
-unter welchen zwei oder mehrere Kräfte auf einen Körper so wirken, daß
-er in Ruhe bleibt; #Dynamik# ist die Lehre von der Bewegung, welche ein
-Körper unter der Wirkung einer oder mehrerer Kräfte macht.
-
-Wirken ^zwei Kräfte^ auf einen Punkt, so sollte er zwei Bewegungen
-zugleich machen, was nicht möglich ist; er macht deshalb nur eine
-^einzige Bewegung^, bewegt sich also so, wie wenn auf ihn nur ^eine
-Kraft^ wirken würde. Man kann deshalb die zwei Kräfte durch eine einzige
-ersetzen; ebenso ist es bei mehreren Kräften. #Mehrere auf einen Punkt
-wirkende Kräfte können stets durch eine einzige Kraft ersetzt werden.#
-Die Kräfte, welche auf den Körper wirken, nennt man ^Seitenkräfte oder
-Komponenten^; die eine Kraft, welche imstande ist, dasselbe zu leisten
-wie die Seitenkräfte zusammen, heißt die ^Resultierende^, ^Resultante
-oder Mittelkraft^. Die Größe und Richtung dieser Mittelkraft findet man
-nach folgenden Gesetzen:
-
-1) #Wirken die Kräfte in derselben Richtung, so ist die Resultierende
-gleich der Summe der Kräfte und wirkt auch in derselben Richtung.# Z. B.
-ziehen 5 Arbeiter an einem Wagen, so ist ihre Kraft gleich der eines
-Pferdes. Wird ein Schiff durch Dampf und Wind getrieben, so ist seine
-Bewegung so groß, wie wenn es von einer Kraft getrieben würde, die
-gleich der des Dampfes und Windes zusammengenommen ist. Die Balken einer
-Brücke müssen so stark gemacht werden, daß sie nicht bloß ihr eigenes
-Gewicht und die auf ihnen liegenden Querbalken, sondern auch noch die
-schwersten Lastwagen gut tragen können.
-
-[Abbildung: Fig. 4.]
-
-2) #Wirken zwei Kräfte in entgegengesetzter Richtung und sind sie gleich
-groß, so halten sie sich das Gleichgewicht#, ihre Resultierende ist = 0;
-#sind sie nicht gleich, so ist ihre Resultierende gleich der Differenz
-der beiden Kräfte und wirkt in der Richtung der größeren Kraft#. Z. B.
-fahrt ein Dampfschiff stromaufwärts, und ist die Kraft des Dampfes
-größer als der Druck des fließenden Wassers, so kommt das Schiff
-wirklich vorwärts, aber nur langsam, wie wenn es in einem See wäre und
-nur eine schwache Dampfmaschine hätte. Läßt die Kraft des Dampfes nach,
-so daß sie nur gleich dem Drucke des Wassers ist, so bleibt das Schiff
-stehen, wie wenn es ohne Dampfkraft in einem See wäre; wird die Kraft
-des Dampfes kleiner als die des Wassers, so geht es zurück, wie wenn es
-ohne Dampfkraft in einem langsam fließenden Flusse wäre.
-
-3) Wirken zwei Kräfte unter einem #Winkel# auf einen Punkt, so findet
-man die Resultierende, wenn man die zwei Kräfte ~P₁~ und ~P₂~ der Größe
-und Richtung nach durch Linien darstellt, zu diesen zwei Strecken ein
-^Parallelogramm^ vervollständigt, und in diesem die vom Angriffspunkte
-der Kräfte ausgehende ^Diagonale^ ~R~ zieht. #Die Diagonale des
-Kräfteparallelogramms gibt die Größe und Richtung der Resultierenden
-an.# Beweis durch den Versuch (Fig. 5). Man läßt eine Schnur über zwei
-Rollen gehen, hängt an die Enden zwei Gewichte, ~P₁~ und ~P₂~, und
-zwischen die Rollen in ~A~ noch ein Gewicht, ~P₃~, welches die Schnur
-etwas herunterzieht, so daß die zwei seitlichen Gewichte unter einem
-Winkel auf den Punkt ~A~ wirken.
-
-[Abbildung: Fig. 5.]
-
-Da die Wirkung der Seitenkräfte ~P₁~ und ~P₂~ aufgehoben wird durch die
-Kraft ~P₃~, so wirken die zwei Seitenkräfte ~AB~ und ~AC~ ebensoviel,
-wie eine der Kraft ~P₃~ gleiche, aber entgegengesetzt, also nach
-aufwärts gerichtete Kraft. Sucht man durch Zeichnung des
-Kräfteparallelogramms ~ABCD~ die Resultante ~AD~, so findet man, daß sie
-wirklich diese Größe und Richtung hat. Ändert man die Gewichte ab, so
-findet man, daß das Gesetz allgemein gilt.
-
-[Abbildung: Fig. 6.]
-
-Beispiele: Wenn man mit einem Kahne über einen Fluß rudert (Fig. 6), so
-wirkt auf den Kahn die Kraft des ^Flusses^ ~AB~ und die Kraft des
-^Ruders^ ~AC~; beide bilden einen Winkel. Der Kahn bewegt sich in der
-Richtung der durch das Kräfteparallelogramm bestimmten Diagonale ~AD~
-und trifft das jenseitige Ufer dort, wo es die verlängerte Diagonale
-trifft, in ~J~. (Besprich auch das zweite Beispiel in Fig. 6.)
-
-Aus dem Kräfteparallelogramm folgt: Wenn die Seitenkräfte gleich groß
-sind, so halbiert die Resultierende deren Winkel; sind sie ungleich, so
-bildet die Resultierende mit der größeren Kraft den kleineren Winkel.
-Ist der Winkel zwischen beiden Kräften sehr klein (spitz), so ist die
-Resultierende verhältnismäßig groß, kann aber höchstens gleich der Summe
-der beiden Kräfte werden; ist der Winkel sehr groß (stumpf), so ist die
-Resultierende klein, kann aber nicht kleiner werden als die Differenz
-der beiden Kräfte. Eine große Kraft wird durch eine kleine immer nur
-wenig aus ihrer Richtung abgelenkt. Die Resultierende hat eine solche
-Richtung, daß jede der zwei Seitenkräfte den Punkt um gleichviel aus der
-Richtung der Resultierenden ablenken möchte. (Die Senkrechten von ~B~
-und ~C~ auf ~AD~ in Fig. 5 sind gleich groß.)
-
-
-Aufgaben:
-
-#1.# Zeichne die Resultierende zweier Kräfte ~P₁~ = 7, ~P₂~ = 5, wenn
-sie einen Winkel von 90°, von 45°, von 120° einschließen!
-
-#2.# Zwei Kräfte ~P₁~ = 11 und ~P₂~ = 27 wirken unter einem gegebenen
-Winkel. Suche durch Zeichnung die Größe und Richtung einer Kraft, welche
-noch hinzugefügt werden muß, damit alle drei sich im Gleichgewichte
-halten!
-
-#3.# Wie muß Figur 5 ausschauen, wenn links 3 _kg_, rechts 4 _kg_ und in
-der Mitte 5 _kg_ hängen?
-
-#4.# Bei welcher Stellung des Bootes in Figur 6 braucht man länger, um
-es über den Fluß zu rudern? ~a~) Wie groß ist die Resultierende zweier
-gleichen Seitenkräfte von je 22 _kg_, wenn ihr Winkel 60°, 90°, 120°,
-135° ist? ~b~) Wie groß ist eine Kraft, welche senkrecht zu einer Kraft
-von 30 _kg_ wirkt und sie um 10° aus ihrer Richtung ablenkt? ~c~) Zwei
-Kräfte von 17 und 23 _kg_ werden durch eine Kraft von 30 _kg_ im
-Gleichgewicht gehalten. Suche durch Zeichnung deren Richtungen!
-
-
-12. Zerlegung der Kräfte.
-
-[Abbildung: Fig. 7.]
-
-Es kommt häufig vor, daß in der Natur eine Kraft zwei Wirkungen zugleich
-hervorbringt; es sieht dann aus, als wären an ihre Stelle zwei Kräfte
-getreten; auch kann sich eine Kraft in mehrere Kräfte zerlegen. #Die
-Zerlegung folgt denselben Gesetzen wie die Zusammensetzung der Kräfte#;
-die eine Kraft, welche sich zerlegt, spielt die Rolle der
-Resultierenden, die zwei Kräfte, in welche sie sich zerlegt, sind die
-Seitenkräfte. #Die Zerlegung tritt stets ein, wenn der Körper sich nicht
-in der Richtung der Kraft bewegen kann.# Von den zwei Komponenten wirkt
-dann die eine in der ^Richtung^, in welcher der Körper sich bewegen
-kann, die andere ^in der dazu senkrechten Richtung^.
-
-[Abbildung: Fig. 8.]
-
-Liegt ein Körper auf einer ^schiefen Ebene^, so wirkt auf ihn die
-Schwerkraft in vertikaler Richtung; da er sich in dieser Richtung nicht
-bewegen kann, so zerlegt sich die Schwerkraft ~Q~ in zwei Kräfte: ~P~
-wirkt ^parallel^ der schiefen Ebene, ~D~ wirkt in einer dazu senkrechten
-Richtung, also ^senkrecht^ zur schiefen Ebene. Durch das
-Kräfteparallelogramm, in welchem die Schwerkraft die Diagonale ist,
-findet man die Größe der Seitenkräfte. Die Bewegungskomponente ~P~
-bewegt den Körper über die schiefe Ebene hinunter und ist um so größer,
-je steiler die schiefe Ebene ist. Die Druckkomponente ~D~ übt einen
-Druck auf die schiefe Ebene aus.
-
-Um den Körper über die schiefe Ebene hinaufzubewegen, muß man parallel
-der Ebene nach aufwärts eine Kraft anbringen, die der Komponente ~P~
-gleich ist, sie also aufhebt, und dazu noch eine Kraft, um die Reibung
-zu überwinden. Geht es bergab, so vereinigt sich die Seitenkraft ~P~ der
-Schwerkraft mit der Zugkraft, weshalb letztere nur klein zu sein
-braucht, damit beide vereinigt die Reibung überwinden.
-
-Ein an einem Faden aufgehängtes Gewicht bleibt nur dann in Ruhe, wenn
-der Faden vertikal hängt. Hängt der Faden schräg, so zerlegt sich die
-Schwerkraft ~Q~ in zwei Komponenten. ~P~ setzt den Körper wirklich in
-Bewegung, während ~S~ den Faden spannt.
-
-Weitere Beispiele für solche Kräftezerlegung bieten: ein Wagen oder
-Schlitten, den man schräg nach vorn zieht, ein Schiff, das man vom Ufer
-aus mittels eines Seiles stromaufwärts zieht, das Rad an der Drehbank,
-Nähmaschine oder Lokomotive, das durch eine hin- und hergehende Stange
-in Umdrehung versetzt wird, u. s. w. Ähnlich ist es beim Segel, bei der
-Windmühle, bei der Fähre und dem Papierdrachen.
-
-
-Aufgaben:
-
-#5.# Auf einer schiefen Ebene von 30° liegt eine Last von 80 _kg_; in
-welche Seitenkräfte zerlegt sie sich?
-
-#6.# Zeichne Figur 8 mehrmals, wobei ~E~ verschiedene Entfernungen von
-~D~ hat.
-
-
-13. Hebel.
-
-[Abbildung: Fig. 9.]
-
-Eine starre Stange, die in einem Punkte drehbar befestigt oder
-unterstützt ist, heißt ein #Hebel#. Jede Kraft, welche nicht gerade im
-Stützpunkt selbst angreift, sucht den Hebel zu drehen, und wenn zwei
-Kräfte ihn nach verschiedenen Richtungen zu drehen suchen, so kann es
-wohl kommen, daß sich ihre Wirkungen aufheben, daß also der Hebel im
-Gleichgewicht bleibt.
-
-Der Versuch lehrt folgendes:
-
-1) #Wirken zwei gleiche Kräfte an gleichlangen Hebelarmen, so bleibt der
-Hebel in Ruhe.#
-
-2) Wirken zwei Kräfte an verschieden langen Hebelarmen, so zeigt sich:
-je länger der Hebelarm ist, desto kleiner muß die an ihm wirkende Kraft
-sein, damit der Hebel im Gleichgewichte ist. Oder:
-
-#Der Hebel ist im Gleichgewichte, wenn die Kräfte sich umgekehrt
-verhalten wie die Hebelarme.#
-
-[Abbildung: Fig. 10.]
-
-[Abbildung: Fig. 11.]
-
-[Abbildung: Fig. 12.]
-
-Wirken die zwei Kräfte auf entgegengesetzten Seiten vom
-Unterstützungspunkte aus und nach derselben Richtung, so heißt der Hebel
-#zweiarmig# (Fig. 10); wirken die Kräfte auf derselben Seite, so heißt
-er #einarmig# (Fig. 11); in diesem Falle müssen die Kräfte nach
-entgegengesetzten Richtungen wirken, also die eine etwa abwärts, die
-andere aufwärts. Doch bleibt das Gesetz bestehen: ^die Kräfte müssen
-sich verhalten umgekehrt wie die Hebelarme^; hiebei ist jeder Hebelarm
-vom Unterstützungspunkte aus zu messen. Der einarmige Hebel wird auch
-^Druckhebel^ genannt.
-
-#Winkelhebel.# Die Hebelstange braucht nicht gerade zu sein, sie kann
-auch gebogen sein oder einen Winkel bilden; die Kräfte müssen nur so
-wirken, daß sie den Hebel in entgegengesetztem Sinn zu drehen versuchen.
-Man nennt dann den Hebel einen ^Winkelhebel^, und es gilt für ihn das
-nämliche Gesetz, wenn man unter Länge eines Hebelarmes versteht die
-Länge der Senkrechten vom Stützpunkte auf die Richtung der Kraft.
-
-
-Aufgaben:
-
-#7.# Wenn in Figur 10 der Hebelarm links 15 _cm_, rechts 40 _cm_ lang
-ist, und links 100 _kg_ hängen, welche Kraft muß rechts wirken?
-
-#8.# An einem Hebelarm von 5 _cm_ hängt eine Last von 340 ~℔~; wie lang
-muß man den andern Arm machen, um mit einer Kraft von 12 ~℔~ das
-Gleichgewicht herzustellen?
-
-#9.# Ein Baumstamm von 3 Ztr. Gewicht liegt auf einer 2,8 _m_ langen
-Stange 50 _cm_ von ihrem einen Ende. Mit welcher Kraft muß man das
-andere Ende heben, um den Baumstamm zu heben? Wo muß der Baumstamm
-aufliegen, damit man mit 15 _kg_ ausreicht?
-
-#10.# Warum hat die Papierschere kurze Arme und lange Backen, und warum
-hat die Blechschere lange Arme und kurze Backen?
-
-
-14. Anwendung des Hebels.
-
-Der Hebel findet vielfach Anwendung, um eine Last, die für unsere Kraft
-zu groß ist, durch eine kleinere Kraft zu heben. Beispiele. Das
-^Hebeeisen^: (Fig. 13). Man benutzt es etwa, um schwere Steine etwas zu
-heben. Ist dabei etwa der lange Arm der Stange 10 mal so lang wie der
-kürzere, so darf die Last 10 mal so groß sein wie die Kraft. Drückt man
-mit der Kraft von 30 _kg_ auf das obere Ende, so kann man eine Last von
-300 _kg_ heben, also darf der Stein, der ja nur auf der einen Seite zu
-heben ist, 600 _kg_ = 12 Ztr. schwer sein. Am ^Pumpbrunnen^ soll die
-schwere Pumpenstange und zugleich das Wasser gehoben werden. Man hängt
-deshalb die Pumpenstange an einen kurzen Hebelarm und zieht selbst an
-einem langen Hebelarme; dann ist die Kraft, die man dort braucht, viel
-kleiner (5-10 mal). Bei der Beißzange drückt man die Griffe mit der Hand
-zusammen, um dadurch deren Backen mit viel größerer Kraft
-zusammenzudrücken, so daß sie dann einen Nagel festhalten oder einen
-Draht abzwicken.
-
-[Abbildung: Fig. 13.]
-
-Eine ^Druckpumpe^ wird durch einen ^einarmigen^ Hebel niedergedrückt;
-der Kolben ist mittels der Kolbenstange nahe am Drehpunkte des Hebels
-angebracht, also an einem kurzen Hebelarme; drückt man am langen
-Hebelarme, so hat man einen entsprechenden Kraftgewinn. Schere,
-Brecheisen, Schlüssel, Türklinke, Futterschneidmaschine u. s. w. beruhen
-alle auf dem Hebel, auch die Knochen unserer Gliedmaßen dienen als
-Hebel. Beim Glockenzug werden viele Winkelhebel verwendet, um der Kraft
-eine andere Richtung zu geben. Schaufel und Hacke liegen als Hebel in
-unseren Händen; Messer, Gabel und Löffel, Schreibstift und Kaffeetasse
-liegen beim Gebrauch als Hebel zwischen den Fingern.
-
-
-Aufgaben:
-
-~a~) Wenn bei einer Beißzange die Griffe 30 _cm_ lang sind, vom
-Scharnier aus gemessen, die Backen aber nur 2½ _cm_ lang, und durch
-einen Druck von 50 _kg_ ein Draht abgezwickt wird, welcher Druck ist
-erforderlich, um den Draht direkt abzuzwicken?
-
-~b~) Inwiefern wird eine Beißzange häufig auch zum Ausziehen eines
-Nagels als Hebel benützt?
-
-~c~) Inwiefern dienen die Knochen des Vorderarmes als Hebel?
-
-~d~) Wenn man eine Pfanne mit beiden Händen vom Feuer hebt, inwiefern
-liegt sie als Hebel zwischen den Händen? In welcher Richtung hat jede
-Hand eine Kraft auszuüben?
-
-[Abbildung: Fig. 14.]
-
-
-15. Rolle und Flaschenzug.
-
-[Abbildung: Fig. 15.]
-
-Eine Rolle (Fig. 14) ist eine kreisrunde Scheibe, die in ihrem
-Mittelpunkte drehbar befestigt ist. An einem herumgelegten Seile hängt
-einerseits die Last und zieht andererseits die Kraft, um die Last zu
-heben. #Die Rolle ist im Gleichgewichte, wenn Kraft und Last gleich
-sind.# Man kann die Rolle ansehen als einen zweiarmigen Hebel; ihr
-Mittelpunkt ~c~ ist der Stützpunkt; die Punkte, an welchen das Seil die
-Rolle eben noch berührt, sind die Angriffspunkte von Kraft und Last;
-die Radien ~r~ sind die Hebelarme; da diese gleich sind, sind auch die
-Kräfte gleich.
-
-Die Seile können auch beliebige Richtungen haben; gleichwohl bleibt das
-Gesetz dasselbe; denn die Rolle ist dann anzusehen als Winkelhebel mit
-gleichen Hebelarmen. ^Die feste Rolle verändert bloß die Richtung der
-Kraft^.
-
-#Die lose Rolle# (Fig. 15). Sie besteht aus einer Rolle, welche sich in
-einem Bügel dreht; am Bügel ist die Last befestigt; die Rolle hängt
-dabei in einem Seile, dessen eines Ende oben festgemacht ist, und an
-dessen anderem Ende die Kraft ~P~ nach aufwärts wirkt, um die am Bügel
-hängende Last ~Q~ zu heben; beide Teile des Seiles sind parallel. Die
-lose Rolle kann als ein einarmiger Hebel aufgefaßt werden. Der
-Berührungspunkt ~c~ des festen Seiles ist der Stützpunkt, die Mitte der
-Rolle ist der Angriffspunkt der Last, der Berührungspunkt des freien
-Seiles ist der Angriffspunkt der Kraft. Daraus folgt: #die lose Rolle
-ist im Gleichgewichte, wenn die Kraft gleich ist der Hälfte der Last#.
-
-[Abbildung: Fig. 16.]
-
-Oder: die Last hängt in zwei Seilen; verteilt sich also gleichmäßig auf
-beide; deshalb trifft auf ein Seil bloß die Hälfte der Last.
-
-#Der Flaschenzug# (^Archimedes^). Er besteht aus mehreren festen und
-losen Rollen, die in zwei Hülsen (Flaschen) drehbar befestigt sind; jede
-Flasche enthält gleichviele, etwa drei Rollen. Die obere Flasche hängt
-an einem Gerüste, an die untere ist die Last angehängt, und ihre Rollen
-sind durch ein Seil verbunden (eingefädelt), wie aus der Figur 16 zu
-ersehen ist. #Die Kraft ist so vielmal kleiner als die Last, als die
-Anzahl der in beiden Flaschen befindlichen Rollen beträgt#, also 4 mal,
-6 mal u. s. w. Denn die Last hängt in 4 (6) Seilen, also verteilt sie
-sich gleichmäßig auf diese; also trifft auf jedes Seil bloß ¼ (¹/₆) der
-Last; da die Kraft bloß an einem Seile zieht, so braucht sie bloß ¼
-(¹/₆) der Last zu sein.
-
-
-Aufgabe:
-
-#11.# Am freien Seilende eines Flaschenzuges von je 3 Rollen ziehen 4
-Männer mit je 34 ~℔~ Zugkraft. Wie schwer darf die Last sein, wenn ¹/₅
-der Zugkraft verloren geht?
-
-#11~a~.# Wenn man sich in einen an Stelle der Last ~Q~ (Fig. 15)
-angebrachten Korb setzt, und das freie Seilende oben über eine feste
-Rolle führt, wie stark muß ein anderer an diesem Seilende ziehen, um den
-Korb schwebend zu erhalten? Wie stark muß man selbst an diesem Seile
-ziehen? Kann man sich so selbst in die Höhe ziehen?
-
-
-16. Wellrad.
-
-[Abbildung: Fig. 17.]
-
-Das Wellrad besteht aus der ^Welle^ und dem darauf befestigten ^Rade^.
-Die Welle ruht mit Zapfen drehbar in den Zapfenlagern; um sie schlingt
-sich ein Seil, das am herabhängenden Ende die ^Last^ trägt. Die ^Kraft^
-greift am Umfange des Rades an, um durch Drehen desselben die Last zu
-heben. Die Last wirkt also am Ende des Radius der Welle, senkrecht zum
-Radius, und sucht das Wellrad nach der einen Seite zu drehen; die Kraft
-wirkt am Ende des Radius des Rades, senkrecht zum Radius, und sucht das
-Wellrad nach der anderen Seite zu drehen. Kraft und Last wirken also wie
-die Kräfte an einem Hebel; es gilt also auch das Hebelgesetz: #die Kraft
-verhält sich zur Last wie der Radius der Welle zum Radius des Rades#,
-oder: sovielmal der Radius der Welle kleiner ist als der Radius des
-Rades, sovielmal muß die Kraft kleiner sein als die Last.
-
-Die ^Erdwinde^ (Fig. 18) wird angewandt, um Erde oder Wasser
-heraufzuziehen. Anstatt des Rades ist dabei oft bloß eine einzige
-Speiche (Radius) vorhanden (Kurbel), die am Ende mit einem Handgriffe
-versehen ist; oder es sind zwei gekreuzte Stäbe angebracht (Drehkreuz).
-Die Kraft ist dabei nur 2-5 mal kleiner als die Last, weil man weder die
-Seiltrommel zu dünn machen darf, da sich sonst das Seil nicht
-vollständig aufwickeln könnte, noch die Kurbel zu lang, da man sonst
-nicht bequem drehen kann.
-
-Will man die Wirkung eines Wellrades verstärken, so nimmt man mehrere
-Wellräder, die durch Zähne passend ineinander eingreifen und es
-ermöglichen, daß man mit sehr kleiner Kraft sehr große Lasten heben
-kann; solche Maschinen heißen dann ^zusammengesetzte Räderwerke^. Manche
-Aufzugswinden, der Krahnen, die Uhr und all die vielen Zahnräder, die
-wir in Fabriken sehen, gehören hieher und beruhen alle auf dem
-einfachen Wellrad. Ihre Einrichtung wird später besprochen werden.
-
-[Abbildung: Fig. 18.]
-
-
-Aufgaben:
-
-#12.# Bei der Erdwinde, Fig. 18, ist die Welle 28 _cm_ dick; die Kurbel
-45 _cm_ lang. Welche Kraft kann eine Last von 2½ Ztr. heben?
-
-#13.# An einem Drillbaum drehen 3 Männer an Armen von je 2,2 _m_ Länge
-mit einer Kraft von je 35 ~℔~, während das Seil um eine Welle von 80
-_cm_ Durchmesser geschlungen ist. Welche Last können sie heben, wenn ¹/₆
-ihrer Kraft durch Reibung verloren geht?
-
-
-17. Arbeit.
-
-Unter Kraft versteht man, wie früher gesagt, jede Ursache, welche an
-einem Körper eine Bewegungsänderung hervorrufen kann. Wenn der Körper
-sich nicht bewegen kann, weil ein Hindernis die Bewegung unmöglich
-macht, so äußert sich die Kraft nur als Zug oder Druck; man sagt dann
-wohl, die ^Kraft ruht^. Ist aber kein solches Hindernis vorhanden, so
-kommt die Kraft zur Wirkung, sie erteilt dem Körper eine
-Geschwindigkeitsänderung, schiebt ihn eine Strecke weit fort, und man
-sagt dann, ^die Kraft arbeitet^ oder leistet eine Arbeit. #Arbeit ist
-die Wirkung einer Kraft längs einer gewissen Strecke.#
-
-Eine Kraft arbeitet auch, wenn sie einen Körper dadurch in Bewegung
-erhält, daß sie die der Bewegung entgegenstehenden Hindernisse und
-Widerstände überwindet.
-
-Wenn der Steinträger die Last auf dem Rücken hat und stehen bleibt, so
-arbeitet er nicht, er ruht; wenn er sie aber auch das Baugerüst
-hinaufträgt, so arbeitet er, seine Kraft wirkt auf eine gewisse Höhe
-hin. Zieht das Pferd an einem Seile, das an einem Pflocke befestigt ist,
-so arbeitet es nicht, denn es legt keinen Weg zurück; zieht es aber am
-Wagen, indem es zunächst dem Wagen eine Bewegung gibt und dann die
-Reibung überwindet, so arbeitet es, es wirkt mit seiner Kraft längs
-einer gewissen Strecke. Der Dampf im Dampfkessel drückt mit großer Kraft
-beständig auf die Wände des Kessels, aber er legt keinen Weg zurück, er
-arbeitet nicht; läßt man ihn in den Cylinder der Dampfmaschine
-einströmen, so schiebt er den dort befindlichen Kolben vorwärts, legt
-mit seiner Kraft einen Weg zurück und arbeitet.
-
-Um verschiedenartige Arbeiten vergleichen zu können, wählt man eine
-möglichst einfache Arbeit als #Arbeitseinheit#. Dies ist das
-Meterkilogramm, _mkg_, oder Kilogrammeter, _kgm_; das ist die Arbeit,
-bei der die Krafteinheit, also das _kg_, die Wegeinheit, also 1 _m_
-zurücklegt. #Ein Kilogrammeter ist die Arbeit, welche 1 _kg_ Kraft
-verrichtet, wenn es längs der Strecke von 1 _m_ wirkt.# Man verrichtet 1
-_kgm_ Arbeit, wenn man 1 _kg_ ein Meter hoch hebt; ebenso, wenn man
-einen kleinen Wagen, zu dessen Fortbewegung gerade 1 _kg_ Kraft nötig
-ist, 1 _m_ weit fortschiebt.
-
-Leicht ist folgendes ersichtlich. Hebe ich nicht bloß 1 _kg_, sondern
-etwa 6 _kg_ 1 _m_ hoch, so ist, da ich 6 mal so viel Kraft anwende, auch
-die Arbeit 6 mal so groß, also = 6 _kgm_; hebe ich diese 6 _kg_ nicht
-bloß 1 _m_, sondern etwa 5 _m_ hoch, so ist, da ich 5 mal so viel Weg
-zurücklege, auch die Arbeit 5 mal so groß = 5 · 6 _kgm_ = 30 _kgm_. Man
-findet demnach die Anzahl der Arbeitseinheiten _kgm_, indem man die
-Kraft, die in _kg_ ausgedrückt ist, mit dem Weg, der in _m_ ausgedrückt
-ist, multipliziert. Also
-
- #Arbeit = Kraft. Weg.#
-
-^Man mißt die Arbeit einer Maschine, wenn man angibt, wie viele^ _kgm_
-^Arbeit sie in jeder Sekunde leistet^. Wenn durch ein Pumpwerk in jeder
-Minute 450 _l_ Wasser 26 _m_ hoch gehoben werden, so ist dessen Arbeit
-in 1 Sekunde =
-
- 450 · 26
- -------- = 195 _kgm_.
- 60
-
-Da dies die von der Maschine nach außen wirklich abgegebene Arbeit ist,
-ohne Rücksicht auf die im Innern der Maschine noch nebenher etwa zur
-Überwindung der Reibung, zum Bewegen der Ventile etc. geleistete Arbeit
-ist, so nennt man sie die wirkliche oder ^effektive Arbeit^ oder
-Leistung der Maschine, oder kurz den ^Effekt^. Der Effekt wird stets auf
-1" bezogen.
-
-Unter einer #Pferdekraft# versteht man #die Arbeit, die ein Pferd
-verrichten kann#; man nimmt sie an gleich 70 _kgm_ in jeder Sekunde; so
-viel kann ein kräftiges Pferd bei schwerer Arbeit 8 Stunden des Tages
-leisten; jedoch leistet ein gewöhnliches Arbeitspferd kaum halb so viel.
-Auch die Arbeit von Dampfmaschinen, Wasserkräften, elektrischen
-Maschinen, Gasmotoren etc., kurz die Arbeit, welche die ^Motoren
-liefern^, sowie die Arbeit, welche ^Arbeitsmaschinen brauchen^, rechnet
-man nach Pferdekräften, setzt aber dabei #eine Pferdekraft = 75 _kgm_#.
-Die Arbeit eines kräftigen Mannes setzt man ungefähr = ¹/₅ bis ¹/₇
-Pferdekraft.
-
- Ähnlich wie das _kgm_ ist definiert: das frühere Fußpfund, die
- Metertonne = 1000 _kgm_, das engl. Fußpfund, wobei, da 1 _kg_ = 2,2
- englische Pfund und 1 _m_ = 3,28 engl. Fuß, 1 _kgm_ = 2,2 · 3,28 =
- 7,23 englische Fußpfund ist.
-
-Wenn im gewöhnlichen Leben eine Arbeit verrichtet werden soll, so kann
-sie häufig auf verschiedene Arten geleistet werden. So kann man sich, um
-Schutt fortzuschaffen, eines kleineren oder größeren Karrens bedienen,
-und man sieht leicht, daß je kleiner die Ladung ist, desto öfter der Weg
-gemacht werden muß. #Je größer die Kraft ist, desto kleiner ist der Weg,
-die Arbeit ist jedoch stets dieselbe.#
-
-^Das nämliche Gesetz gilt bei allen Maschinen. Maschine ist eine
-Vorrichtung, durch welche man imstande ist, eine Arbeit zu leisten,
-indem man Kraft auf sie verwendet^.
-
-[Abbildung: Fig. 19.]
-
-So ist der Hebel eine einfache Maschine. Denn wenn ich etwa den Kolben
-einer Pumpe emporziehen will und mit meiner Kraft am langen Hebelarme
-ziehe, so verrichte ich doch die verlangte Arbeit; denn ich hebe den
-Kolben, dessen Belastung etwa 80 _kg_ beträgt, etwa 10 _cm_ hoch. Diese
-Arbeit verrichte ich aber nicht so, wie sie vorliegt, sondern ich ziehe
-an einem etwa 5 mal längeren Hebelarme, brauche also dort eine 5 mal
-kleinere Kraft, 16 _kg_. Soll aber der Kolben 10 _cm_ hoch gehoben
-werden, so muß ich am langen Hebelarme einen 5 mal längeren Weg machen,
-50 _cm_. Die von mir ^verrichtete^ oder ^aufgewendete Arbeit^ besteht
-darin, daß ich die Kraft von 16 _kg_ auf eine Strecke von 50 _cm_
-ausübe; die von mir ^verlangte oder geleistete^ Arbeit war: 80 _kg_ 10
-_cm_ hoch zu heben. Beide Arbeiten sind der Größe nach einander gleich;
-denn 80 · 0,1 = 8 = 16 · 0,5 _kgm_. #Die Arbeit der Kraft ist gleich der
-Arbeit der Last.#
-
-Beim Hebel ^gewinne ich an Kraft^; denn die Kraft ist kleiner als die
-Last; ^aber ich verliere an Weg^; denn der Weg der Kraft ist größer als
-der Weg der Last, und zwar: #Was man an Kraft gewinnt, geht an Weg
-verloren#. Da hiebei der längere Hebelarm sich auch mit größerer
-Geschwindigkeit bewegt als die Last, so kann man auch sagen: was man an
-Kraft gewinnt, verliert man an Geschwindigkeit oder an Zeit. Dies Gesetz
-gilt bei allen Maschinen, und man nennt es wegen seiner Allgemeinheit
-und Wichtigkeit #die goldene Regel der Mechanik#.
-
-Man findet dieses Gesetz beim ^Wellrad^ bestätigt: will man die Last um
-so viel heben, als der Umfang der Welle beträgt, so muß man das Wellrad
-einmal herumdrehen; die Kraft muß also einen Weg zurücklegen gleich dem
-Umfange des Rades; dieser ist aber größer als der Umfang der Welle, und
-zwar ebensovielmal als der Radius des Rades größer ist als der Radius
-der Welle; ebensovielmal ist aber die Kraft kleiner als die Last. Die
-Kraft ist also ebensovielmal kleiner, als ihr Weg größer ist.
-
-Benützt man zum Emporheben eines Körpers eine ^schiefe Ebene^, so ist
-die Kraft kleiner als die Last; dafür ist aber der Weg der Kraft,
-nämlich die Länge der schiefen Ebene, größer als der Weg der Last,
-nämlich die Höhe der schiefen Ebene.
-
-Hebel und schiefe Ebene nennt man die ^einfachen^ Maschinen; alle
-anderen werden aus ihnen zusammengesetzt, und deshalb gilt bei allen
-Maschinen die goldene Regel. Besonders leicht ist dies ersichtlich am
-^Flaschenzug^; denn hat er in jeder Flasche etwa 2 (3) Rollen, so ist
-die Kraft 4 (6) mal so klein wie die Last; dafür muß aber der Weg der
-Kraft 4 (6) mal so groß sein wie der der Last; denn um die Last etwa 1
-_m_ hoch zu heben, muß man 4 (6) _m_ Seil am freien Ende herausziehen.
-Gerade an diesem Beispiele des Flaschenzuges hat ~Descartes~ um 1660 das
-Gesetz der goldenen Regel zuerst entwickelt. Wir werden später sehen,
-daß dieses Gesetz sich durch die ganze Physik hindurchzieht, daß es das
-^wichtigste, keine Ausnahme erleidende Grundgesetz der ganzen Natur
-ist^. Eine Maschine dient nicht dazu, um uns Arbeit zu ^sparen^, denn
-wir müssen stets soviel _kgm_ leisten als die von uns verlangte Arbeit
-beträgt, gleichgültig, welche Maschine wir anwenden. Die Maschine dient
-jedoch dazu, die verlangte Arbeit auf ^bequemere^ Weise zu leisten, also
-etwa die erforderliche ^große^ Kraft durch eine ^kleinere^ zu ersetzen,
-oder die erforderliche ^rasche^ Bewegung (großen Weg) durch eine
-^langsamere^ Bewegung (kleineren Weg) zu ersetzen.
-
-
-Aufgaben:
-
-#14.# Ein Mann hat in achtstündiger Arbeit einen Wasserbehälter von 300
-_hl_ aus einem 7 _m_ tiefen Brunnen gefüllt. Wie groß ist seine ganze,
-seine stündliche, seine sekundliche Arbeit?
-
-#15.# Ein Pferd zieht einen Wagen von 12 Ztr. Gewicht und braucht dazu
-eine Kraft, welche gleich ¹/₈ der Last ist. Es zieht ihn in einer Stunde
-2,5 _km_ weit. Wie groß ist die ganze Arbeit und die Leistung in einer
-Sekunde?
-
-#16.# Wie viel Wasser kann ein Pumpwerk von 4 Pferdekräften in 9 Stunden
-aus einem Brunnen von 6 _m_ Tiefe schöpfen und noch 15 _m_ hoch heben?
-
-#17.# Wenn ein Arbeiter eine Pumpenstange 8 Stunden lang je 35 mal in
-der Minute mit einer Kraft von 40 ~℔~ 25 _cm_ tief niederdrückt, wie
-groß ist seine Gesamtarbeit? Wie groß ist die Leistung in 1", und wie
-groß ist der Nutzeffekt, wenn durch Reibung 12% verloren gehen? Wie viel
-Wasser wird er in 5 Stunden auf 6 _m_ Höhe befördern können?
-
-#18.# Wie viel Pferdestärken muß eine Dampfmaschine haben, wenn durch
-sie in jeder Minute 4½ _hl_ Wasser 80 _m_ hoch gehoben werden sollen,
-und für Arbeitsverlust 20% in Anschlag gebracht werden?
-
-
-18. Zusammensetzung paralleler Kräfte.
-
-Wir haben beim Hebel als einfachsten Fall den betrachtet, wenn zwei
-^parallele^ Kräfte auf ihn wirken. #Zwei parallele Kräfte haben eine
-Resultierende, welche im Unterstützungspunkte angreift, parallel den
-Kräften und gleich ihrer Summe ist.#
-
-[Abbildung: Fig. 20.]
-
-Hängt man den wie in Fig. 20 durch Gewichte beschwerten Hebel am
-Stützpunkte auf, führt die Schnur über eine Rolle, so braucht man dort
-ein Gewicht, welches der Resultierenden, also der Summe der vorhandenen
-Kräfte gleich ist.
-
-Auch mehrere Kräfte haben eine Resultierende, welche der Summe der
-vorhandenen Kräfte gleich ist und an einem Punkte angreift, den man auch
-den ^Mittelpunkt oder Schwerpunkt der parallelen Kräfte^ nennt.
-
-[Abbildung: Fig. 21.]
-
-Es kann sich auch eine Kraft in zwei oder mehrere parallele Kräfte
-^zerlegen^, wenn sie auf einen Körper wirkt, der in zwei oder mehreren
-Punkten gestützt ist. So zerlegt sich in Fig. 21 die Kraft in zwei
-parallele Kräfte, die auf die beiden Stützpunkte wirken. Diese Kräfte
-berechnen sich aus den zwei Gesetzen: ihre Summe ist gleich der
-gegebenen Kraft, und ihre Größen verhalten sich umgekehrt wie die
-Entfernungen ihrer Angriffspunkte vom Angriffspunkte der gegebenen
-Kraft.
-
-
-Aufgabe:
-
-#19.# Welche Kräfte treffen in Figur 21 auf die Stützen, wenn die Last
-statt 30 _kg_ 40 _kg_ beträgt, und wie verteilt sich letztere, wenn sie
-die Stange in 2 _cm_ und 8 _cm_ teilt, oder in 4 _cm_ und 6 _cm_ teilt?
-
-
-19. Schwerkraft.
-
-Die Schwerkraft wirkt auf ^jedes einzelne Teilchen eines Körpers mit
-einer Kraft, die dessen Gewicht entspricht^. Diese vielen parallelen
-kleinen Kräfte haben eine ^Resultierende^. Ihre Größe ist dem Gewichte
-des Körpers gleich, und ihr #Angriffspunkt wird Schwerpunkt des Körpers
-genannt#. Es sieht dann so aus, wie wenn nicht mehr die einzelnen Teile
-des Körpers schwer wären, sondern wie wenn die ganze Masse des Körpers
-in seinem Schwerpunkt vereinigt wäre.
-
-Ein in seinem Schwerpunkte unterstützter Körper kann nicht fallen
-und sich nicht drehen; denn die Resultierende der Schwerkraft,
-die das Fallen und Drehen hervorbringen sollte, geht durch den
-Unterstützungspunkt.
-
-Die Lage des Schwerpunktes ist in vielen Fällen leicht zu finden; #bei
-jeder geraden, überall gleich dicken Stange liegt der Schwerpunkt in der
-Mitte#, ebenso bei Rechteck, Parallelogramm, Kreis und Kugel; bei allen
-Körpern, die symmetrisch sind in bezug auf eine Linie oder Fläche, liegt
-er in dieser Linie oder Fläche. Bei einem Halbkreise liegt er auf dem
-mittleren Halbmesser, bei einem Schiffe, bei einem gleichmäßig beladenen
-Wagen in der mittleren Ebene, welche von vorn nach hinten geht, und
-ähnliches. Im allgemeinen liegt der Schwerpunkt in der Nähe desjenigen
-Teiles des Körpers, der die größte Masse hat.
-
-Soll ein Körper stehen, so muß er in mindestens 3 Punkten unterstützt
-sein; dreibeiniger Stuhl, vierbeiniger Tisch; verbindet man die
-Unterstützungspunkte durch eine Linie, so begrenzt diese die
-#Unterstützungsfläche#. Wenn man nun vom Schwerpunkte des Körpers ~S~
-(Fig. 23) eine vertikale Linie ~SJ~ nach abwärts zieht, und wenn
-diese ^vertikale Schwerlinie^ das Innere der Unterstützungsfläche
-~ABC~ trifft, so steht der Körper, trifft sie außerhalb der
-Unterstützungsfläche, so fällt der Körper um.
-
-[Abbildung: Fig. 22.]
-
-[Abbildung: Fig. 23.]
-
-Wenn der Körper steht, so braucht man eine gewisse Kraft, um ihn
-umzuwerfen; er hat eine gewisse #Standfestigkeit#; diese ist um so
-größer, je schwerer der Körper ist, je näher der Schwerpunkt an der
-Unterstützungsfläche selbst liegt, also je tiefer er liegt, und je
-weiter er von den Seiten der Unterstützungsfläche entfernt liegt. So hat
-der Körper in Figur 22 in der Richtung der Kraft ~P~ eine größere
-Standfestigkeit als in der Richtung der Kraft ~P′~, weil ~a > b~. Eine
-Pyramide, (Fig. 23) hat eine große, ein Obelisk (Fig. 24) eine geringe
-Standfestigkeit. Die geringe Standfestigkeit einer Mauer, eines Turmes
-wird bedeutend erhöht, wenn man den Körper unten breiter macht. Ein
-schiefer Turm, ein schräg stehender Wagen (Fig. 25) können noch stehen
-bleiben, wenn die vertikale Schwerlinie noch innerhalb der
-Unterstützungsfläche trifft; doch haben sie nach dieser Seite hin eine
-geringe Standfestigkeit, d. h. eine kleine Kraft genügt, sie nach dieser
-Seite hin umzuwerfen.
-
-[Abbildung: Fig. 24.]
-
-[Abbildung: Fig. 25.]
-
-[Abbildung: Fig. 26.]
-
-Wenn ein Körper auf die angegebene Weise steht, so sagt man, er ist im
-#stabilen Gleichgewichte#: wenn man den Körper ein wenig aus dieser Lage
-bringt, so zeigt er das Bestreben, in dieselbe zurückzukehren.
-
-Ein ^aufgehängter^ Körper kommt zur Ruhe, wenn der Schwerpunkt senkrecht
-unter dem Aufhängepunkt liegt; wenn man ihn ein wenig aus dieser Lage
-bringt, so zeigt er das Bestreben, in die ursprüngliche Lage
-zurückzukehren. Er ist auch im ^stabilen^ Gleichgewichte.
-
-Den Schwerpunkt eines unregelmäßigen Körpers kann man auf folgende Weise
-finden: man hängt den Körper an einem Punkte ~A~ auf und bezeichnet sich
-auf ihm die vom Aufhängepunkt vertikal nach abwärts gehende Linie, die
-man mittels eines Bleilots ~CG~ findet; dann liegt in dieser
-^Schwerlinie^ der Schwerpunkt. Hängt man ihn nun an einem anderen Punkte
-~B~ auf, so findet man noch eine Schwerlinie; #der Schnittpunkt ~S~
-beider Schwerlinien ist der Schwerpunkt#. (Fig. 26.)
-
-[Abbildung: Fig. 27.]
-
-Wenn ein Körper bloß in einem oder in zwei Punkten gestützt ist, so kann
-er gerade noch stehen bleiben, wenn die vertikale Schwerlinie genau
-durch den Unterstützungspunkt oder durch die Unterstützungslinie geht.
-Aber die geringste Kraft reicht hin, den Schwerpunkt etwas beiseite zu
-schieben, und dann zeigt der Körper keineswegs das Bestreben, in die
-ursprüngliche Lage zurückzukehren, sondern er fällt ganz um, bis er eine
-neue Gleichgewichtslage gefunden hat. Ein solcher Körper ist im #labilen
-Gleichgewichte#. Will man eine Stange vertikal auf die Fingerspitze
-stellen und stehend erhalten, so muß man den Finger so bewegen, daß der
-Schwerpunkt stets vertikal über dem Finger liegt.
-
-Wenn ein Körper im Schwerpunkte selbst unterstützt ist, so ist er im
-#indifferenten Gleichgewichte#. Wenn man ihn dreht, so zeigt er nicht
-das Bestreben, in seine ursprüngliche Lage zurückzukehren, er fällt auch
-nicht um, sondern bleibt ruhig in jeder Lage, die man ihm gibt.
-Beispiele: ein Rad, das in seiner Mitte unterstützt ist, eine Stange,
-die in ihrem Schwerpunkte unterstützt ist u. s. w. Wenn eine Kugel, ein
-Cylinder, eine Walze, ein kegelförmiger Körper auf einer horizontalen
-Fläche liegen, sind sie auch in einem indifferenten Gleichgewichte; denn
-wie man sie auch legen mag, in jeder Stellung bleiben sie liegen.
-
-
-20. Elastizität, Elastizitätsgrenze, Festigkeit.
-
-Zu den allgemeinen Eigenschaften der festen Körper rechnet man auch die
-Elastizität. Wird ein Körper durch ^Druck^ auf ein kleineres Volumen
-gebracht, so kommt in dem Körper eine Kraft zum Vorschein, vermöge
-welcher der Körper sein ursprüngliches Volumen und seine frühere Gestalt
-wieder anzunehmen bestrebt ist. Hört der Druck auf, so kehrt der Körper
-wirklich in die ursprüngliche Gestalt zurück.
-
-Auch wenn ein Körper durch Zug vergrößert, oder wenn ein stabförmiger
-Körper gebogen oder gedreht wird, sucht er in die frühere Form
-zurückzukehren.
-
-#Elastizität ist die Eigenschaft eines Körpers, bei erlittener
-Formveränderung wieder in die ursprüngliche Form zurückzukehren.# Da die
-Richtung der elastischen Kraft stets der von außen einwirkenden Kraft
-entgegengesetzt ist, so nennt man sie auch ^elastische Rückwirkung^,
-elastische Reaktion.
-
-Die Größe der elastischen Änderung ist für die verschiedenen Körper sehr
-ungleich und ist bei kleinen Änderungen der wirksamen Kraft direkt
-proportional, wird also doppelt so groß, wenn man eine doppelt so große
-Kraft einwirken läßt.
-
-Die Elastizität hat ihren Sitz wohl in den Molekülen selbst und kommt
-zum Vorschein, wenn die Moleküle gezwungen werden, ihre gegenseitige
-Lage zu ändern.
-
-
-Elastizitätsgrenze.
-
-Wenn man einen Körper zu stark drückt oder zieht, so hört plötzlich die
-elastische Kraft ganz auf; die Moleküle sind so weit voneinander
-gekommen, daß sie sich gar nicht mehr anziehen; der Körper ist zerrissen
-oder zerdrückt.
-
-Auch bei Biegung, Drehung oder Dehnung kehrt der Körper oft nicht mehr
-ganz in die frühere Gestalt zurück, und man bezeichnet deshalb #als
-Elastizitätsgrenze diejenige Größe der Formänderung, aus welcher ein
-Körper eben noch in die frühere Form zurückkehrt#.
-
-Ein Körper ^ist gut elastisch^, wenn die Elastizitätsgrenze sehr weit
-entfernt ist, z. B. Gummielastikum, Stahl (die Uhrfedern, Degenklingen),
-dünne Holzstäbe u. s. w. Manche Körper haben eine ziemlich nahe liegende
-Elastizitätsgrenze, sind aber innerhalb derselben sehr gut elastisch, z.
-B. Glas oder Elfenbein; wird die Biegung aber nur einigermaßen groß, so
-bricht er entzwei; solche Körper nennt man auch ^spröde^. Sie werden
-scheinbar besser elastisch, wenn sie sehr dünn sind, z. B. Glasfäden.
-Sehr spröde sind Gips, Ton, Sandstein, Kolophonium und ähnliche.
-
-Manche Körper haben eine naheliegende Elastizitätsgrenze, brechen aber
-bei Überschreitung derselben nicht entzwei, sondern behalten die neue
-Form fast vollständig. Solche Körper nennt man ^weich^, auch ^bildsam^
-oder ^plastisch^. Solche sind: Blei, Zinn, weiches Eisen, Kupfer,
-Silber, Gold, Wachs und andere.
-
-Auch flüssige Körper sind in gewissem Sinne elastisch. Wenn man sie
-durch Druck auf ein kleineres Volumen bringt, so kehren sie, wenn der
-Druck nachläßt, wieder vollständig in die ursprüngliche Größe zurück,
-sind also in diesem Sinne vollständig elastische Körper. Inwiefern auch
-Gase elastisch sind, wird später besprochen werden.
-
-
-Festigkeit.
-
-#Unter Festigkeit versteht man die Kraft, welche ein Körper dem
-Zerreißen entgegensetzt.# Zerreißt ein Eisendraht bei einem Zug von 223
-_kg_, so sagt man, seine Festigkeit beträgt 223 _kg_.
-
-Man unterscheidet hiebei drei Arten von Festigkeit:
-
-1. Die ^absolute^ Festigkeit, Zugfestigkeit oder der Widerstand gegen
-das Zerreißen,
-
-2. die ^relative^ Festigkeit, der Widerstand gegen das Zerbrechen,
-
-3. die ^rückwirkende^ Festigkeit, der Widerstand gegen das Zerdrücken
-(z. B. bei einer Säule, die von oben gedrückt wird).
-
-Die absolute Festigkeit beträgt für jeden _qcm_ Querschnitt bei:
-
- Tannenholz 450-700 _kg_
- Buchenholz 400-600 „
- Eschenholz 700-900 „
- Stabeisen (bestes) 5000 „
- „ (mittleres) 3600 „
- Eisendraht 7000 „
- „ (ausgeglüht) 4500 „
- Gußeisen 1150 „
- Gußstahl 10000 „
- Stahlblech 7000 „
- Kupfer (gewalzt) 2100 „
- „ (geschlagen) 2500 „
- „ (gegossen) 1340 „
- Zinn 300 „
- Zink 600 „
- Blei 130 „
- Hanftau 390 „
- Hanfseil 600 „
-
-Die Gesetze der relativen und rückwirkenden Festigkeit können hier nicht
-besprochen werden.
-
-
-21. Kohäsion und Adhäsion.
-
-Die Moleküle der festen Körper ziehen sich gegenseitig an; will man also
-die Moleküle voneinander trennen, d. h. den Körper zerreißen, so setzt
-er dem Zerreißen eine gewisse Kraft entgegen. #Die gegenseitige
-Anziehungskraft der Moleküle nennt man die Kohäsionskraft.# Die
-Kohäsionskraft wirkt aber nur auf sehr kleine Entfernung: wenn man die
-Moleküle etwas zu weit voneinander entfernt, so hört die Kohäsionskraft
-plötzlich ganz auf, der Körper ist zerrissen. Die Kohäsionskraft ist
-zugleich die Ursache der elastischen Kraft, sowie der Festigkeit.
-
-Wenn man die zwei Stücke eines zerbrochenen Körpers mit den Bruchflächen
-zusammenbringt, so ist es nicht möglich, die Moleküle einander so zu
-nähern, daß die Kohäsionskraft wieder zum Vorschein kommt; man kann also
-die Stücke eines zerbrochenen Körpers nicht wieder vereinigen durch
-bloßes Aneinanderhalten oder -drücken.
-
-Wenn man jedoch zwei glatt geschliffene Metallplatten aneinander bringt,
-so haften sie etwas aneinander. Man schließt, daß wenigstens einige
-Moleküle einander so nahe gekommen sind, daß sie sich, wenn auch nicht
-mit voller, so doch mit merkbarer Kraft anziehen. Das ist die
-#Adhäsionskraft#. Sie wirkt nicht bloß zwischen Molekülen desselben
-Stoffes, sondern auch zwischen Molekülen verschiedener Stoffe; es haftet
-oder adhäriert eine Glasplatte an einer Messingplatte oder Stahlplatte
-u. s. w. #Adhäsion ist die Anziehung zwischen den Molekülen zweier
-verschiedenen Körper.# Die Adhäsion kann sehr kräftig werden, wenn die
-Moleküle einander sehr stark genähert werden; zwei polierte Glasplatten,
-aufeinander gedrückt, haften so stark, daß es nicht mehr möglich ist,
-sie zu trennen, außer man zerbricht sie; wenn man zwei blanke
-Bleiplatten recht stark zusammendrückt, so nähern sich wegen der
-Weichheit des Bleies die Moleküle so sehr, daß die Adhäsion übergeht in
-Kohäsion und die Bleiplatten nicht mehr zu trennen sind, ebenso wenn man
-eine Kupfer- und eine Silberplatte aufeinanderwalzt.
-
-
-
-
-Zweiter Abschnitt.
-
-Lehre von den flüssigen Körpern.
-
-
-22. Allgemeine Eigenschaften der flüssigen Körper.
-
-Die Lehre von den flüssigen Körpern heißt ^Hydraulik^, die Lehre vom
-Gleichgewichte derselben heißt ^Hydrostatik^, die von der Bewegung
-derselben ^Hydrodynamik^.
-
-Die flüssigen Körper unterscheiden sich von den festen durch die
-#leichte Verschiebbarkeit ihrer Teilchen#. Bei einem festen Körper sind
-die Teilchen nicht verschiebbar, stehen in starrem Verband. Man kann
-wohl die Teilchen gegenseitig etwas nähern oder entfernen, oder durch
-Biegung aus einer geraden Anordnung eine krummlinige machen, aber all
-dies nicht so weit, daß die Anordnung eine andere würde, oder die
-Teilchen andere Nachbarn bekämen.
-
-Bei den flüssigen Körpern kann man den Teilchen leicht ^jede beliebige
-Anordnung^ geben. Durch Umrühren der Flüssigkeit bekommen die Teilchen
-immer andere ^Nachbarn und zeigen dann keineswegs das Bestreben, in die
-ursprüngliche Lage zurückzukehren^. Die Teilchen lassen sich leicht
-voneinander trennen, zeigen also geringe Kohäsion und ^vereinigen sich
-beim Zusammenbringen wieder so vollständig wie zuerst^. Flüssige Körper
-befinden sich demnach in einem anderen #Aggregatszustande# als feste
-Körper. Beim festen Aggregatszustande befinden sich die Moleküle im
-stabilen Gleichgewichte, #beim flüssigen Aggregatszustande im
-indifferenten Gleichgewichte#.
-
-^Die Schwerkraft allein genügt, die Verschiebung der Teilchen
-hervorzubringen^. Wasser nimmt durch den Druck der Schwere die Form des
-Gefäßes an und erfüllt alle Teile. #Ein flüssiger Körper hat keine
-selbständige Gestalt.# Eine Flüssigkeit benetzt einen Körper, wenn die
-^Adhäsionskraft^ zwischen dem festen und flüssigen Körper stärker ist
-als die ^Kohäsion^ des flüssigen Körpers; die Glasteilchen an der
-Oberfläche des Glases ziehen die Wasserteilchen stärker an als die
-Wasserteilchen sich selbst anziehen; deshalb bleibt eine Schichte Wasser
-an dem Glase hängen und die Schwerkraft allein ist nicht imstande, sie
-loszureißen. Hierauf beruht das Leimen, Kleistern, Kitten, Löten,
-Schweißen, Mörteln u. s. w. Man bringt stets zwischen die zwei festen
-Körper, die vereinigt werden sollen, einen flüssigen, der an beiden gut
-adhäriert und läßt den flüssigen Körper dann fest werden. Quecksilber
-benetzt fast alle Metalle, jedoch nicht Eisen und die nicht metallischen
-Körper.
-
-
-23. Gleichmäßige Fortpflanzung des Druckes, hydraulische Presse.
-
-Eine weitere wichtige Eigenschaft flüssiger Körper ist die ^gleichmäßige
-Fortpflanzung des Druckes^.
-
-[Abbildung: Fig. 28.]
-
-Wenn man auf einen festen Körper einen Druck ausübt, so pflanzt sich der
-Druck in der Richtung fort, in welcher er ausgeübt wird: #im flüssigen
-Körper pflanzt sich der Druck gleichmäßig nach allen Seiten fort#. Man
-sieht dies an folgendem Versuche. Wird bei dem in Fig. 28 abgebildeten
-Gefäße ein Kolben nach einwärts gedrückt, so geht jeder andere Kolben
-nach auswärts. Man schließt also: #ein auf die Flüssigkeit ausgeübter
-Druck pflanzt sich in ihr nach allen Richtungen fort#.
-
-Kann man die Kolben mit Gewichten belasten und dadurch einen Druck auf
-die Flüssigkeit ausüben, so findet man folgendes: Belastet man den
-einen Kolben mit 1 _kg_, so wird der andere mit der Kraft von 1 _kg_
-nach aufwärts gedrückt, wenn seine Grundfläche gleich groß ist. Ist aber
-seine Fläche größer, etwa viermal größer, so wird er mit der Kraft von 4
-_kg_ nach aufwärts gedrückt; man findet, daß man jetzt 4 _kg_ auf ihn
-legen muß, damit er sich nicht bewegt. Man schließt: #ein auf die
-Flüssigkeit ausgeübter Druck pflanzt sich in ihr auch mit gleicher
-Stärke auf gleiche Flächen, also mit _n_ facher Stärke auf eine _n_ mal
-so große Fläche fort#. Es findet sich hiebei die ^goldene Regel^
-bestätigt. Denn wenn der erste Kolben durch die Kraft von 1 _kg_ etwa 1
-_dm_ herabgedrückt wird, so wird ein zweiter Kolben, welcher eine
-viermal größere Fläche hat, nicht 1 _dm_ hoch gehoben, sondern bloß ¼
-_dm_; sein Weg ist viermal kleiner, dafür ist aber auch die Kraft, die
-auf ihn wirkt, viermal größer, nämlich 4 _kg_.
-
-Dies Gesetz von der gleichmäßigen Fortpflanzung des Druckes ist das
-#Grundgesetz der flüssigen Körper#; es lassen sich aus ihm alle anderen
-Gesetze der flüssigen Körper ableiten (~Pascal~ 1649).
-
-Warum zerspringt eine Weinflasche, wenn der Stopfen unmittelbar auf dem
-Weine sitzt und nun durch leichte Schläge weiter hineingetrieben wird?
-
-[Abbildung: Fig. 29.]
-
-Die #hydraulische Presse# (auch hydrostatische oder Bramah-Presse
-genannt). In einem ^Druckcylinder^, einer engen Röhre, befindet sich ein
-dicht anschließender ^Kolben^, der mit der Hand oder mittels eines
-^Druckhebels^ niedergedrückt werden kann. Vom Druckcylinder führt unten
-eine Röhre zum ^Preßzylinder^, einer weiten, dickwandigen, sehr starken
-Röhre; in ihr befindet sich auch ein dicht anschließender Kolben, der
-^Preßkolben^, auf den oben die ^Preßplatte^ aufgesetzt ist. Die beiden
-Cylinder sind mit Wasser oder Öl gefüllt.
-
-Ein auf den Druckkolben ausgeübter Druck pflanzt sich im Wasser
-gleichmäßig fort, und drückt deshalb den Preßkolben mit einer #sovielmal
-größeren Kraft als die Fläche des Preßkolbens größer ist als die des
-Druckkolbens#. Ist diese etwa 400 mal größer (wobei der Durchmesser des
-Preßkolbens 20 mal größer sein muß als der des Druckkolbens), und drückt
-eine Kraft von 50 _kg_ auf das Ende eines Druckhebels, dessen kurzer
-Hebelarm etwa sechsmal kürzer ist, so ist der Druck auf den Druckkolben
-= 6 · 50 _kg_ = 300 _kg_; dieser Druck bewirkt am Preßkolben einen 400
-mal stärkeren Druck, also 300 · 400 _kg_ = 120 000 _kg_ = 2400 Ztr.
-
-Man verwendet diese Presse entweder zum Heben von sehr schweren Lasten
-oder zum Pressen. In letzterem Falle ist etwas oberhalb der Preßplatte
-eine starke Platte angebracht, die durch starke eiserne Stangen mit der
-Grundplatte verbunden ist. Zwischen die Preßplatte und das obere
-Widerlager wird der Gegenstand gelegt, der gepreßt werden soll. Man
-benützt solche Pressen zum Pressen von Papier oder Leder, zum Verpacken
-der Baumwolle und Holzwolle, zum Biegen starker Eisen- und Stahlstangen,
-um ihre Festigkeit zu prüfen oder ihnen eine gewünschte Form zu geben
-(Biegen der Panzerplatten der Kriegsschiffe), zum Pressen von Tonwaren,
-um sie dichter zu machen und ihnen größere Festigkeit zu geben u. s. w.
-
-Hydraulische Pressen vergrößern den Druck mehr als jede andere Sorte von
-Pressen, so daß sie zur Hervorbringung des stärksten Druckes und zum
-Heben der schwersten Lasten gebraucht werden. Am Druckcylinder ist eine
-Vorrichtung angebracht, mittels deren man den Druckkolben oftmals
-nacheinander herabdrücken und so den Preßcylinder immer höher heben
-kann; sie wird später als Druckpumpe beschrieben werden.
-
-
-Aufgabe:
-
-#20.# An der hydraulischen Presse, Fig. 28, wirkt am Hebelende eine
-Kraft von 80 _kg_, während der kurze Hebelarm fünfmal so kurz ist; der
-Querschnitt des Preßkolbens ist 250 mal so groß wie der des
-Druckkolbens. Mit welcher Kraft wird der Preßkolben gehoben?
-
-
-24. Bodendruck des Wassers.
-
-[Abbildung: Fig. 30.]
-
-Befindet sich Wasser in einem Gefäße, so übt es wegen seines Gewichtes
-einen Druck auf den Boden aus. Man möchte glauben, daß dieser Druck
-gleich sei dem Gewichte des im Gefäß enthaltenen Wassers; das ist jedoch
-nicht der Fall, und da das Gesetz anders lautet, als man wohl glauben
-möchte, so nennt man es das #hydrostatische Paradoxon#.
-
-Man findet dieses Gesetz durch folgenden Versuch: Auf eine
-Messingfassung können verschiedene Glasröhren aufgeschraubt werden;
-unten wird sie verschlossen durch eine Messingplatte, welche durch einen
-am anderen Ende belasteten Hebel angedrückt wird. So entsteht ein #Gefäß
-mit beweglichem Boden#. Gießt man nun vorsichtig soviel Wasser in die
-Röhre, bis der Druck des Wassers gleich ist dem Druck des Hebels, so
-zeigt sich, daß #bei cylindrischer Röhre das Gewicht des Wassers gleich
-ist dem Druck des Hebels#. Wenn man diesen Versuch nacheinander mit
-verschiedenen Glasröhren macht, welche sich oben #erweitern# oder
-#verengen#, so findet man, daß man das Wasser in allen #bis zur gleichen
-Höhe# einfüllen muß, damit sein Druck dem Druck des Hebels gleich ist.
-
-Man schließt also: #der Bodendruck des Wassers ist nicht abhängig von
-der Form oder Größe des Gefäßes, sondern nur abhängig von der Größe des
-Bodens und von der Höhe des Wasserspiegels über dem Boden#.
-
-[Abbildung: Fig. 31.]
-
-Ableitung aus dem Satze über die gleichmäßige Fortpflanzung des Druckes.
-Man denke sich das im Gefäße befindliche Wasser in horizontale Schichten
-zerschnitten, deren Höhe so klein sei, daß die Flächen zweier
-benachbarten Schichten nur um wenig verschieden sind. Bei ~h~ _cm_ Höhe
-seien es ~h~ solche Schichten. Der Boden habe ~q~ _qcm_ Fläche. Eine
-beliebige Schichte habe eine Grundfläche von etwa 240 _qcm_, ihre Höhe
-ist 1 _cm_, also ihr Inhalt 240 _ccm_ Wasser. Diese wiegen 240 _g_ und
-drücken auf eine Fläche von 240 _qcm_; also trifft auf 1 _qcm_ ein Druck
-von 1 _g_. Dieser Druck pflanzt sich mit gleicher Stärke auf den Boden
-fort, also trifft dort auf jedes _qcm_ auch ein Druck von 1 _g_, also
-auf den ganzen Boden, der ja ~q~ _qcm_ Fläche hat, treffen ~q~ _g_
-Druck. Da dies von jeder andern Schichte gilt, und es ~h~ solche
-Schichten sind, so ist der Druck aller Schichten = ~h · q~ Gramm. Aber
-~h · q~ Gramm ist auch das Gewicht einer Wassersäule, welche den
-gedrückten Boden als Grundfläche (~q~ _qcm_) und den Abstand des Bodens
-vom Wasserspiegel (~h~ _cm_) zur Höhe hat. #Der Bodendruck ist so groß
-wie das Gewicht einer Wassersäule, welche vom Boden aus senkrecht in die
-Höhe geht bis zum Wasserspiegel# = ~q · h~. (^Paskal^’scher Satz.)
-
-Der Bodendruck ist demnach leicht zu berechnen. Bei einer Tiefe von 10
-_m_ beträgt der Bodendruck auf jedes _qcm_ 1 _kg_, was man sich merken
-mag. Er wächst mit der Tiefe; in einer Meerestiefe von 1000 _m_ beträgt
-er 100 _kg_ auf jedes _qcm_ (sogar noch etwas mehr, weil das Meerwasser
-etwas schwerer ist als das reine Wasser). Ein Mensch kann nicht
-sonderlich tief unter Wasser tauchen; denn durch den Druck des Wassers
-wird das Blut aus Armen und Füßen ins Herz zurückgepreßt und der
-Brustkorb stark zusammengedrückt, was innere Verletzungen zur Folge hat;
-ohne weitere Vorrichtungen kann man nicht tiefer als 20 _m_ tauchen;
-Perl- und Schwammfischer tauchen bis höchstens 25 _m_.
-
-
-Aufgabe:
-
-#21.# Wie groß ist der Bodendruck des Wassers auf eine rechteckige
-Fläche von 50 _cm_ Länge und 36 _cm_ Breite bei 5½ _m_ Wasserhöhe?
-
-
-25. Seitendruck des Wassers. Wasserräder.
-
-[Abbildung: Fig. 32.]
-
-Da der Druck sich allseitig fortpflanzt, so drückt das Wasser auch auf
-die ^Seitenwände^ des Gefäßes und zwar wird jedes kleine Flächenstück so
-stark gedrückt, wie wenn es ^horizontal läge^. #Der Seitendruck ist
-gleich dem Gewichte einer Wassersäule, die das Seitenstücklein als
-Grundfläche und seinen Abstand vom Wasserspiegel als Höhe hat.# Die
-Richtung dieses Seitendruckes ist bei jedem Flächenteil #senkrecht auf
-die Fläche nach auswärts gerichtet#. Bei einer ^Wasserleitung^ erleiden
-die Wände der Röhren, die vom großen Reservoir (^Hochreservoir^) in die
-Straßen und Häuser führen, einen bedeutenden Druck, bei etwa 50 _m_ Höhe
-5 _kg_ auf jedes _qcm_.
-
-[Abbildung: Fig. 33.]
-
-Der Seitendruck wird vielfach angewandt, um Maschinen zu treiben. In
-einem gewöhnlichen Gefäße bringt der Seitendruck keine Bewegung hervor;
-denn der Seitendruck auf die eine Wand wird aufgehoben durch den gleich
-großen Druck auf die gegenüber liegende. Wenn man aber etwa rechts ein
-Loch in die Wand macht, so nimmt man damit auch den Seitendruck weg;
-folglich kommt der Seitendruck auf dem gegenüberliegenden Flächenteil
-zur Geltung. Wenn man wie in Fig. 33 ein Gefäß an einer Schnur aufhängt,
-voll Wasser gießt und rechts ein Loch anbringt, so wird das Gefäß etwas
-nach links verschoben, während das Wasser nach rechts herausfließt.
-
-Hierauf beruht das #Segner’sche Wasserrad# (1750). In eine hohe, leicht
-drehbar aufgestellte Röhre wird oben Wasser hineingeleitet, so daß sie
-beständig voll ist. Unten gehen mehrere Arme heraus, die ^nicht nach
-auswärts, sondern nach seitwärts^ und zwar nach derselben Seite hin
-Öffnungen haben, aus denen das Wasser herausfließt. Das Wasser drückt
-auf die diesen Öffnungen gegenüberliegenden Teile der Röhren und ^dreht
-das Rad^, entgegengesetzt der Richtung des ausfließenden Wassers.
-Fließen etwa in jeder Sekunde 90 _l_ in der 6 _m_ hohen Röhre herunter,
-so ist die Arbeit des Wassers = 90 · 6 _kgm_ = 540 _kgm_ pro Sekunde.
-Mißt man auch die Arbeit, die durch das Rad verrichtet wird, so findet
-man bei gut eingerichteten Maschinen, daß diese bis 75% der Arbeit des
-Wassers beträgt, daß also bloß 25% verloren gehen. Die Wasserkraft wird
-also gut ausgenützt.
-
-Die Segner’schen Wasserräder sind jetzt ersetzt durch die ^Turbinen^,
-welche bei ähnlicher Einrichtung nach demselben Gesetz bewegt werden.
-
-Die Sätze vom Boden- und Seitendruck gelten ^von jeder Flüssigkeit^, und
-lauten allgemein: #der Bodendruck einer Flüssigkeit ist gleich dem
-Gewichte einer Flüssigkeitssäule, die den Boden als Grundfläche und
-seinen Abstand vom Niveau als Höhe hat#.
-
-[Abbildung: Fig. 34.]
-
-
-Die Wasserräder.
-
-Die gewöhnlichen Wasserräder, durch welche man die Kraft des Wassers
-benützt, um Arbeitsmaschinen (Mühlen, Sägen, Hammer- und Stampfwerke u.
-s. w.) zu bewegen, beruhen einerseits auf dem Drucke und dem Gewichte
-des Wassers, anderseits auf dem hydraulischen oder hydrodynamischen
-Drucke, welchen bewegtes Wasser (Fluß) hervorbringt, wenn es auf einen
-festen Körper trifft. Man unterscheidet drei Arten von Wasserrädern:
-
-[Abbildung: Fig. 35.]
-
-[Abbildung: Fig. 36.]
-
-~a~) das #oberschlächtige# Wasserrad. (Fig. 35.) Es hat am Radkranze
-zellenförmige Schaufeln, welche alle nach derselben Seite hin gerichtet
-sind. Das Wasser wird von oben in die Zellen geleitet, füllt sie an und
-fließt, wenn die Zellen unten ankommen, wieder aus. Das Wasser bringt
-das Rad in Drehung durch sein ^Gewicht^. Es wird nur in gebirgigem Lande
-angewandt, wo das Wasser leicht in der erforderlichen Höhe (2 bis 8 _m_)
-erhalten werden kann. Bei großer Höhe genügt schon eine scheinbar
-geringfügige Menge Wassers (Quelle) um eine Mühle zu treiben.
-
-~b~) Das #unterschlächtige# Wasserrad. (Fig. 36.) Es hat am Radkranz
-breite Schaufeln, mit denen es in fließendes Wasser (Fluß) eintaucht.
-Der ^Stoß^ des fließenden Wassers setzt es in Bewegung. Es wird bei
-Flüssen angewandt, die nicht gestaut werden können (Schiffmühlen). Durch
-Vergrößerung der Schaufeln erhält man auch bei schwach fließendem Wasser
-hinreichende Kraft.
-
-[Abbildung: Fig. 37.]
-
-~c~) Das #mittelschlächtige# Rad. (Fig. 37.) Es hat am Radkranze
-Schaufeln, die mit Vorteil schwach gebogen sind. Das Wasser wird etwas,
-1 bis 2 _m_, gestaut, schießt dann unter der Schleuse hervor in eine
-Rinne, welche genau den Radkranz umschließt, übt zuerst schon durch
-seine ^Geschwindigkeit^ und dann noch durch sein ^Gewicht^ einen Druck
-auf die Schaufeln, bis es unten die Rinne verläßt; es kann als eine
-Verbindung des ober- und unterschlächtigen Rades angesehen werden und
-wird da angewandt, wo man Bäche oder Abzweigungen von Flüssen nicht
-besonders hoch (1-2 _m_) stauen kann.
-
-
-Aufgaben:
-
-#22.# Eine Turbine wird mit 370 Sekundenlitern Wasser von 4,25 _m_
-Stauhöhe gespeist. Sie liefert 15 Pferdestärken. Wie viel Prozent
-Nutzeffekt hat sie?
-
-#23.# Für ein oberschlächtiges Wasserrad steht ein Wasserlauf zur
-Verfügung, welcher in der Minute 15 _hl_ führt und eine Stauhöhe von 5½
-_m_ ermöglicht. Wie viel Pferdestärken läßt es erhoffen bei 70%
-Nutzeffekt?
-
-[Abbildung: Fig. 38.]
-
-#24.# Ein unterschlächtiges Wasserrad hat ca. 4½ _m_, die Welle 40 _cm_
-Durchmesser; an ein um die Welle geschlungenes Seil muß man 180 _kg_
-hängen, damit ihr Gegendruck den Druck des Wassers aufhebt. Wie groß ist
-letzterer?
-
-
-26. Auftrieb des Wassers, Archimedisches Gesetz. Folgerungen und
-Anwendungen.
-
-Da die oberen Wasserschichten vermöge ihres Gewichtes auf die unteren
-drücken (siehe Fig. 31) und letztere dadurch zusammengedrückt werden, so
-entsteht in ihnen als Gegenwirkung ein ^nach aufwärts gerichteter
-Druck^, der sich nach allen Seiten fortpflanzt.
-
-Man nimmt eine Glasröhre (Fig. 38), hält an deren unteren Rand eine
-Messingplatte angedrückt und taucht beides in Wasser. Die Platte fällt
-dann nicht mehr von der Röhre weg, da sie durch den Druck des Wassers
-nach aufwärts gepreßt wird. Dieser Druck heißt ^Auftrieb^ und folgt den
-Gesetzen über den Bodendruck.
-
-Ist ein Körper ganz in Wasser getaucht, so wird er durch den Gegendruck
-des Wassers ^nach aufwärts^ getrieben; dieser Druck wirkt dem Gewichte
-des Körpers entgegen, ^verringert das Gewicht des Körpers^ und wird auch
-^Auftrieb^ genannt. Die Größe dieses Auftriebes ergibt sich aus
-folgendem Gesetze, das von ^Archimedes^ gefunden wurde und nach ihm das
-#Archimedische Gesetz# (#oder Prinzip#) genannt wird. ^Der Auftrieb ist
-gleich dem Gewicht einer Flüssigkeitsmasse, die so groß ist, wie der
-eingetauchte Körper^, oder: ^Der Auftrieb ist gleich dem Gewichte der
-vom Körper verdrängten Flüssigkeitsmasse^; oder: #in einer Flüssigkeit
-verliert ein Körper soviel an Gewicht, als die von ihm verdrängte
-Flüssigkeitsmasse wiegt#.
-
-[Abbildung: Fig. 39.]
-
-#Versuch:# In ein cylindrisches ^Messingeimerchen^ paßt genau ein
-^Messingcylinder^, der unten an das Eimerchen angehängt werden kann. Man
-hängt so das Eimerchen nebst dem Cylinder an den einen Wagbalken und
-legt auf die andere Wagschale ein Gegengewicht, bis die Wage horizontal
-steht. Läßt man nun den Messingcylinder in ein Glas Wasser eintauchen,
-so geht er in die Höhe, getrieben durch den Auftrieb des Wassers. Um das
-Gleichgewicht wieder herzustellen, muß man das ^Eimerchen gerade voll
-Wasser^ füllen. Der Auftrieb, den der Messingcylinder erleidet, wird
-aufgehoben durch ^das Gewicht eines gleich großen Volumens Wasser^.
-
-[Abbildung: Fig. 40.]
-
-#Ableitung# des Gesetzes bei rechtwinklig begrenzten Körpern (Fig. 40).
-Ist er ganz untergetaucht, so werden alle Flächen vom Wasser gedrückt.
-Die Druckkräfte auf die Seitenflächen ^heben sich auf, weil sie gleich
-groß und entgegengesetzt gerichtet sind^. Seine obere Fläche wird nach
-abwärts, die untere nach aufwärts gedrückt; ^diese Kräfte heben sich
-nicht ganz auf^, sondern es bleibt ein nach aufwärts gerichteter Druck
-übrig, da der Druck auf die ^untere^ Fläche ^größer^ ist.
-
-Hat die Grundfläche des Körpers ~q~ _qcm_, seine Höhe ~h~ _cm_, und ist
-der Abstand der oberen Fläche vom Wasserspiegel ~a~ _cm_, so ist der
-Druck auf die untere Fläche = ~q (h + a)~ Gramm, der Druck auf die obere
-Fläche = ~q · a~ Gramm. ^Der Auftrieb ist gleich der Differenz beider
-Kräfte^ = ~q (h + a) - q · a = q h~ Gramm; ^aber^ ~q · h~ ^Gramm
-bedeutet auch das Gewicht eines Wasserkörpers, der ebensogroß ist als
-der eingetauchte Körper^.
-
-
-^Folgerungen aus dem Archimedischen Gesetze und Anwendungen desselben^.
-
-Jeder im Wasser befindliche Körper verliert an Gewicht, und zwar 1 _kg_
-für jedes _cdm_; der Gewichtsverlust ist bloß vom Volumen, nicht vom
-Gewichte des eingetauchten Körpers abhängig. Die im Wasser liegenden
-Steine sind nahezu um die Hälfte leichter als in der Luft; daraus
-erklärt sich auch, daß die Flüsse eine große Masse von Steinen als
-Gerölle, Geschiebe, Kies und Sand mit sich führen und leicht immer
-weiter fortschieben. Da Eisen bei gleichem Gewichte ein kleineres
-Volumen hat als Stein, so verliert es im Wasser weniger an Gewicht; es
-verliert etwa ein Siebentel; Blei verliert noch weniger, Gold noch
-weniger, weil es bei gleichem Gewichte noch weniger Volumen hat. Gold
-sinkt also rascher zu Boden und wird vom Wasser weniger leicht
-fortgeschwemmt als Sand (Goldwäsche).
-
-[Abbildung: Fig. 41.]
-
-Wenn das Gewicht eines Körpers ^kleiner^ ist als das Gewicht eines
-gleich großen Volumens Wasser, also ^der Auftrieb größer ist als das
-Gewicht des Körpers^, so wird der Körper vom Wasser nach aufwärts
-getrieben und ^schwimmt^ dann auf dem Wasser. Nur der unter dem Wasser
-befindliche Teil gibt Anlaß zum Auftrieb. #Der schwimmende Körper taucht
-so tief ein, bis das Gewicht des von ihm verdrängten Wassers so groß ist
-als sein eigenes Gewicht.# Ist das Gefäß ~A~ (Fig. 41) genau bis zur
-Ausflußöffnung voll Wasser, und taucht man nun den Schwimmkörper ein,
-dessen Gewicht ~Q~ ist, so verdrängt er Wasser, welches im Auffanggefäß
-~B~ gesammelt wird. Das Gewicht des verdrängten Wassers in ~B~ erweist
-sich als gleich dem Gewicht des Schwimmkörpers ~Q~. Aus einem Stoff, der
-schwerer ist als Wasser, kann man einen Körper herstellen, der auf dem
-Wasser schwimmt, wenn man ihm eine hohle Form gibt, und ihn so auf das
-Wasser legt, daß das Wasser nicht in den Hohlraum eindringen kann
-(eisernes Schiff). Holz ist nur wegen seiner vielen mit Luft gefüllten
-Poren leichter als Wasser; sind die Poren mit Wasser gefüllt, oder durch
-starkes Pressen entfernt, so geht es im Wasser unter.
-
-Das archimedische Gesetz kann dazu dienen, um das #Volumen# eines
-Körpers zu finden. Man wägt den Körper in der Luft, er wiegt etwa 36,8
-_g_, hängt ihn an die Wagschale, läßt ihn in Wasser tauchen, und wägt
-ihn wieder; er wiegt etwa 24,3 _g_. Er hat 12,5 _g_ an Gewicht verloren,
-also nach dem archimedischen Gesetz 12,5 _ccm_ Wasser verdrängt. Also
-ist sein Volumen 12,5 _ccm_.
-
-
-Aufgabe:
-
-#25.# Ein Standglas mit Wasser wiegt 580 _g_; ich lege noch einen Stein
-von 90 _g_ Gewicht ins Wasser, so wiegt es jetzt 670 _g_, obwohl der
-Stein wegen des Auftriebes nur einen Druck von 50 _g_ auf den Boden des
-Standglases ausübt. Warum? Ich lasse den Stein an einem Faden in das
-Wasser dieses Standglases hängen, so wiegt es jetzt 620 _g_. Warum?
-
-
-27. Spezifisches Gewicht.
-
-Jeder Stoff kann seinem Gewichte nach mit dem Gewichte eines gleich
-großen Volumens Wasser verglichen werden. #Die Zahl, welche angibt,
-wieviel mal ein Stoff schwerer ist als ein gleich großes Volumen Wasser,
-heißt sein spezifisches Gewicht# (abgekürzt sp. G.; deutsch:
-artbildendes Gewicht, ein Gewichtsverhältnis, durch das sich dieser
-Stoff von anderen Stoffen unterscheidet, ein dem Stoffe eigentümliches
-Gewichtsverhältnis).
-
-Wenn das sp. G. des Eisens 7,5 ist, so ist das Eisen oder jedes Stück
-Eisen ist 7,5 mal so schwer wie ein gleich großes Volumen Wasser. Auch
-für Körper, die in Wirklichkeit leichter sind als Wasser, gilt dieselbe
-Erklärung des sp. G. Das sp. G. des Holzes ist 0,5; d. h. Holz ist 0,5
-mal so schwer wie Wasser; 1 _cdm_ Wasser wiegt 1 _kg_, 1 _cdm_ Holz
-wiegt demnach 0,5 · 1 _kg_ = 0,5 _kg_.
-
-Um das spezifische Gewicht zu bestimmen, hat man verschiedene Methoden,
-von denen die meisten auf dem archimedischen Gesetze beruhen.
-
-1. #Methode mittels Eintauchens.# Man wägt den Körper in der Luft, er
-wiegt 26,4 _g_ (~a~), dann hängt man ihn mittels eines feinen Fadens an
-die Wagschale, läßt ihn so in Wasser tauchen, und wägt ihn wieder; er
-wiegt 22,6 _g_ (~b~); also hat er an Gewicht verloren 3,8 _g_ (~a - b~);
-nach dem archimedischen Gesetze wiegt ein gleich großer Wasserkörper 3,8
-_g_ (~a - b~). Nun kann man angeben, wieviel mal der Körper (26,4)
-schwerer ist als Wasser (3,8), nämlich:
-
- 26,4 ( a )
- sp. G. = ---- = 6,95; (sp. G. = ~-----~).
- 3,8 ( a - b )
-
-Diese Methode paßt für feste Körper, die schwerer sind als Wasser und
-sich in Wasser nicht auflösen.
-
-2. #Methode des Eingießens#, passend für flüssige Körper. Man nimmt ein
-Fläschlein mit engem Halse, an dem eine Marke eingraviert ist.
-
- Ich wäge das Fläschlein leer = 37,5 _g_ = ~a~
- „ „ „ „ mit der Flüssigkeit
- z. B. Petroleum bis an die Marke gefüllt, = 147,8 _g_ = ~b~
- ich wäge das Fläschlein mit Wasser ebenfalls
- bis zur Marke gefüllt, = 162,7 _g_ = ~c~
- so finde ich durch Abziehen:
- das Gewicht des Petroleums = 110,3 _g_ = ~b - a~
- „ „ des gleich großen Volumens Wasser = 125,2 _g_ = ~c - a~
- 110,3 ( b - a )
- also sp. G. des Petroleums = ----- = 0,88; (= ~-----~)
- 125,2 ( c - a )
-
-3. #Methode mittels eines Hilfskörpers#, passend für flüssige Körper:
-ich wähle einen Körper, der sich weder im Wasser, noch in der zu
-untersuchenden Flüssigkeit (z. B. Spiritus) auflöst und in jeder
-untersinkt, also etwa ein Stück Glas, wäge nun
-
- das Glas in der Luft = 75,5 _g_ = ~a~
- „ „ „ dem Spiritus hängend = 51,6 _g_ = ~b~
- „ „ „ dem Wasser hängend = 45,4 _g_ = ~c~
-
-Durch Abziehen finde ich den Gewichtsverlust in
-
- Spiritus = 23,9 _g_ = ~a - b~, und den in
- Wasser = 30,1 _g_ = ~a - c~; nach dem archimedischen Prinzip
-
-bedeutet das erste das Gewicht eines Volumens Spiritus, das so groß ist
-wie der eingetauchte Glaskörper; das zweite das Gewicht eines
-ebensogroßen Volumens Wasser; folglich ist das sp. G. des
-
- 23,9 ( a - b )
- Spiritus = ---- = 0,794; (sp. G. = ~-----~).
- 30,1 ( a - c )
-
-4. #Methode mit Hilfe eines anderen spezifischen Gewichtes#, passend für
-feste Körper, die sich in Wasser auflösen. Diese Methode beruht auf
-folgendem Satz: Das sp. G. eines Körpers in bezug auf Wasser ist gleich
-dem sp. G. des Körpers in bezug auf einen Hilfskörper mal dem sp. G. des
-Hilfskörpers in bezug auf Wasser, was man so schreiben kann:
-
- +-+ +-+ +-+
- |K| |K| |H|
- K K H +-+ +-+ +-+
- ~sp G = sp G · sp G ~; oder: ~--- --- ---~.
- W H W +-+ +-+ +-+
- |W| |H| |W|
- +-+ +-+ +-+
-
-Beispiel: Das sp. G. von Kupfervitriol in bezug auf Petroleum nach der
-Methode des Eintauchens ist 1,84; das sp. G. von Petroleum in bezug auf
-Wasser nach der Methode des Eingießens ist 0,88, also ist das sp. G. von
-Kupfervitriol = 1,84 · 0,88 = 1,62.
-
-[Abbildung: Fig. 42.]
-
-5. #Methode des Zusammenbindens#, passend für feste Körper, die leichter
-sind als Wasser. Um das sp. G. des Holzes zu finden, wählt man ein
-passendes Stück Blei, so daß Holz und Blei zusammen im Wasser
-untersinken, und bestimmt den Auftrieb von Blei allein, dann den
-Auftrieb von Holz und Blei zusammengebunden. Durch Abziehen erhält man
-den Auftrieb des Holzes. Hieraus und aus dem Gewicht des Holzes ergibt
-sich dessen sp. G.
-
-6. Das #Nicholson’sche Aräometer# (1787.) Ein Cylinder aus Messingblech,
-der oben und unten spitz zuläuft und ganz geschlossen ist, trägt unten
-ein Schälchen, das so schwer ist, daß der Cylinder vertikal im Wasser
-schwimmt, oben einen Drahthals mit einer Marke und einem Teller. Man
-taucht den Apparat in Wasser und legt so viele Gewichte auf, bis er bis
-zur Marke einsinkt, z. B. 3,046 _g_ = ~a~; man entfernt die Gewichte,
-legt den Körper, dessen sp. G. man bestimmen will, auf den Teller und so
-viele Gewichte dazu, bis er wieder zur Marke einsinkt, 1,241 _g_ = ~b~,
-so ist das Gewicht des Körpers durch Abziehen = 1,805 _g_ (~a - b~). Man
-legt den Körper in das Schälchen und legt auf den Teller so viel
-Gewichte, bis der Apparat wieder bis zur Marke einsinkt = 2,179 _g_ =
-~c~. Der Unterschied, nämlich 2,179 - 1,241 = 0,938 _g_ (= ~c - b~) gibt
-den Auftrieb; also das Gewicht des gleich großen Volumens Wasser;
-demnach ist
-
- 1,805 ( a - b )
- das sp. G. = ----- = 1,92; (= ~-----~).
- 0,938 ( c - b )
-
-Diese Methode paßt für feste Körper, die sich im Wasser nicht auflösen
-(sind sie leichter als Wasser, so kann man sie am Schälchen anbinden);
-sie macht die Wage entbehrlich.
-
-[Abbildung: Fig. 43.]
-
-7. #Das Skalenaräometer.# Sind Stoffe in Wasser aufgelöst oder mit
-Wasser vermischt (Spiritus, Schwefelsäure, Salzwasser), so ist das
-spezifische Gewicht einer solchen Flüssigkeit von dem des Wassers
-verschieden und zwar um so mehr, je mehr von diesen Stoffen im Wasser
-enthalten ist. Wenn man also das sp. G. der Flüssigkeit kennt, so kann
-man daraus auf den Gehalt an solchen Stoffen schließen und dadurch ihren
-Wert bestimmen. Dies geschieht leicht mittels des ^Skalenaräometers^.
-
-Eine Glasröhre, die in der Mitte cylindrisch ausgebaucht ist, endigt
-unten in eine kleine Kugel, die mit Schrotkörnern oder Quecksilber
-gefüllt ist, damit das Aräometer vertikal im Wasser schwimmt, und oben
-läuft sie aus in den Hals, eine lange, überall gleich dicke Glasröhre,
-die oben geschlossen ist und in deren Innern eine Papierskala angebracht
-ist. Taucht man das Aräometer nun in eine Flüssigkeit, so taucht es
-stets so tief ein, ^bis das Gewicht der verdrängten Flüssigkeitsmasse
-gleich dem Gewichte des Aräometers ist^; je leichter also die
-Flüssigkeit ist, desto mehr muß das Aräometer verdrängen, desto tiefer
-sinkt es ein; je schwerer die Flüssigkeit ist, desto weiter steigt es
-heraus.
-
-~a~) ^Das Alkoholometer oder die Spirituswage^ dient dazu, den Gehalt
-des gewöhnlichen Spiritus an reinem Spiritus (absolutem Alkohol) zu
-bestimmen. Das sp. G. des reinen Spiritus ist 0,794, das des Wassers =
-1; deshalb taucht das Alkoholometer in reinem Spiritus fast ganz ein und
-dort steht an der Skala, also oben, 0,794; in Wasser sinkt es so wenig
-ein, daß fast der ganze Hals herausschaut, deshalb steht dort unten 1.
-An dieser von 1 bis 0,794 laufenden Skala kann das sp. G. des Spiritus
-abgelesen werden. Für jedes sp. G. des Spiritus ist auch der Gehalt an
-reinem Spiritus bestimmt worden (zuerst von Tralles) und zwar in % des
-Volumens; deshalb ist auf der Skala neben dem sp. G. auch der Gehalt
-angegeben, laufend von 0% unten bis 100% oben. Sinkt also das Aräometer
-bis 75 ein, so bedeutet das, in 100 _l_ dieses Spiritus sind enthalten
-75 _l_ reiner Spiritus und 25 _l_ Wasser. Man nennt diese Prozente auch
-^Volumprozente^, ^Literprozente oder Prozente nach Tralles^. Im Handel
-und bei der Versteuerung dienen sie als Grundlage der Wertbestimmung.
-Man sagt 100 _l_ à 100% = 10 000 _l%_ (Literprozent), also 340 _l_ à 82%
-= 27 880 _l%_; 10 000 _l%_ kosten etwa 38,4 ~ℳ~, oder 10 000 _l%_ müssen
-so und so viel ~ℳ~ Steuer entrichten; damit ist der Preis oder die
-Steuer leicht zu berechnen. An manchen Alkoholometern sind auch noch die
-Gewichtsprozente angegeben, nach ^Richter^; 75% bedeuten: in 100 _kg_
-sind 75 _kg_ Spiritus und 25 _kg_ Wasser.
-
-~b~) ^Salzwage^ oder Salzspindel, Aräometer für Salzwasser, gibt an, wie
-viel Gewichtsteile Kochsalz in 100 _l_ Salzwasser enthalten sind; wird
-verwendet in den Salinen, um nachzusehen, ob die Sole schon genug Salz
-enthält, also sudwürdig ist. ~c~) ^Laugenwage^ gibt an, wie viel
-Gewichtsteile Ätznatron oder Ätzkali in 100 _l_ Lauge enthalten sind;
-wird vom Seifensieder benützt. ~d~) ^Bierwage^ gibt an, wie viel
-Gewichtsteile Malzzucker in der Würze enthalten sind, die man durch
-Kochen des Malzes erhält. ~e~) ^Mostwage^ gibt ungefähr an, wie viel
-Traubenzucker im Moste enthalten ist. Die verbreitetste ist die von
-Öchsle (in Pforzheim); 0 ist Wasser, 100 bedeutet guten Most; dient
-dazu, ungefähr die Güte des Mostes zu prüfen, und den Käufer gegen
-nachträgliches Verdünnen des Mostes mit Wasser zu schützen. ~f~)
-^Milchwage^, gibt das sp. G. der Milch an; wenn sie auf 31 steht, so
-bedeutet das, das sp. G. der Milch ist 1,031. Die Milch ist im
-allgemeinen um so gehaltreicher an Milchzucker, Käsestoff und Butter, je
-größer das sp. G. ist; Verdünnen mit Wasser macht sie leichter, die
-Milchwage sinkt tiefer; Abrahmen macht sie schwerer. ~g~) Für
-Schwefelsäure, Salzsäure, Salpetersäure, Essig etc. hat man je ein
-besonderes Aräometer, das den Gehalt derselben an reiner Säure angibt.
-
-Bemerkenswert sind die Aräometer von ~^Baumé^~, von denen eines für
-leichte, das andere für schwere Flüssigkeiten bestimmt ist. Die
-Skaleneinteilung ist eine willkürliche, so daß sie weder sp. G. noch
-Gehalt direkt angeben. Da aber alle derartigen Aräometer mit derselben
-Skala versehen sind, so geben sie wenigstens direkt vergleichbare
-Angaben; sie waren früher vielfach gebräuchlich, werden aber jetzt durch
-die Aräometer, welche zugleich einen Gehalt angeben, verdrängt. Das
-^Volumeter^ von Gaylüssac hat ein bestimmtes Gewicht (etwa 100 _g_) und
-läßt an seiner Skala erkennen, wie viele Volumteile (etwa _ccm_) einer
-Flüssigkeit es beim Schwimmen verdrängt.
-
-#Tabelle der spezifischen Gewichte.#
-
- Platin (gezogen) 23,00
- „ (gehämmert) 21,36
- Gold (gehämmert) 19,36
- „ (gegossen) 19,26
- Quecksilber 13,596
- Blei (gegossen) 11,35
- Palladium 11,30
- Silber (gehämmert) 10,51
- „ (gegossen) 10,47
- Wismut (gegossen) 9,82
- Kupfer (gehämmert) 9,00
- „ (gegossen) 8,788
- Glockenmetall 8,81
- Kobalt 8,51
- Messing 8,39
- Nickel 8,28
- Stahl 7,82
- Schmiedeisen 7,79
- Gußeisen 7,21
- Zinn 7,26
- Zink (gegossen) 6,86
- Mangan 6,85
- Antimon (gegossen) 6,71
- (Diese Stoffe bis hieher nennt man
- die Schwermetalle.)
- Aluminium 2,57
- Magnesium 1,75
- Natrium 0,972
- Kalium 0,862
- Lithium 0,59
- (Diese Stoffe heißen Leichtmetalle.)
- Chrom 5,90
- Jod 4,95
- Diamant 3,53
- Graphit 1,8-2,23
- Schwefel 2,03
- Phosphor 1,77
-
- Schwerspat 4,47
- Flintglas 3,20-3,70
- Glas 2,49
- Flußspat 3,14
- Turmalin 3,08
- Alabaster 2,87
- Granit 2,80
- Marmor (carrarisch) 2,72
- Gneis 2,71
- Bergkristall 2,69
- Smaragd 2,68
- Tonschiefer 2,67
- Basalt 2,66
- Quarz 2,62
- Porphyr 2,60
- Feldspat 2,57
- Kalkstein (dichter) 2,45
- Sandstein 2,35
- Porzellan 2,38-2,15
- Zement 3,05
- Mörtel 1,6-1,9
- Backstein 1,47
- Gips (gegossen u. getrocknet) 0,97
- Potasche 2,26
- Glaubersalz 2,25
- Steinsalz 2,14-2,41
- Kochsalz 2,08
- Eisenvitriol 1,84
- Alaun 1,71
- Bittersalz 1,66
- Salpeter 1,62
-
- Elfenbein 1,92
- Knochen 1,8-2
- Bernstein 1,08
- Pech 1,15
- Harz 1,06
- Honig 1,46
- Wachs 0,97
-
- Ebenholz 1,19
- Eichenholz (frisch) 0,95
- „ (trocken) 0,75
- Buchenholz 0,75
- Birkenholz 0,74
- Ahornholz 0,65
- Kiefernholz (frisch) 0,64
- „ (trocken) 0,55
- Lindenholz 0,56
- Lärchenholz 0,47
- Tannenholz (frisch) 0,54
- „ (trocken) 0,45
- Pappelholz 0,38
- Kork 0,24
-
- Äther 0,71
- Alkohol reiner bei 0° 0,807
- „ „ „ 15° 0,794
- Olivenöl 0,915
- Terpentinöl 0,872
- Mohnöl 0,91
- Repsöl 0,91
- Steinöl 0,75-0,84
- Meerwasser 1,026
- Schwefelsäure 1,843
- Salpetersäure 1,51
- Salzsäure 1,21
- Essigsäure 1,063
- Milch 1,029-1,034
- Fette 0,92-0,94
-
- Kalkstein (roh) 1,44
- „ (gebrannt) 0,884
- „ gelöscht [trocken] 0,5
- „ „ [fester Teig] 1,33
- Dammerde, locker trocken 1,32
- „ nat. feucht 1,6
- „ naß 1,91
- Sand trocken 1,4-1,74
- „ nat. feucht 1,66
- „ durchnäßt 1,95
- Lehm trocken 1,50
- „ nat. feucht 1,87
- „ naß 1,98
- Kies, trocken 1,73
- „ feucht 1,80
- Roggen, gehäuft 0,69-0,78
- Weizen, „ 0,71-0,81
-
-
-28. Anwendung des spezifischen Gewichtes.
-
-Außer den schon angegebenen Anwendungen des sp. G. zur Bestimmung des
-Gehaltes von Flüssigkeiten gibt es noch viele andere Anwendungen. So
-dient es dazu, zwei Stoffe, die dem Anblicke nach einander ^ähnlich^
-sind, von einander zu unterscheiden, insbesondere manche Gesteinsarten;
-oder, um zu untersuchen, ob eine Münze ^ächt^ ist, ob sie z. B. ganz aus
-Gold besteht, oder aus einem andern Metall und bloß vergoldet ist. Man
-bestimmt zu diesem Zwecke das sp. G. der Münze und vergleicht es mit dem
-bekannten sp. G. des Goldes.
-
-Man kann ferner mittels des sp. G. das wirkliche oder ^absolute Gewicht
-eines Körpers berechnen^ nach der Regel:
-
- #Gewicht = Volumen × sp. G.#
-
-Um das Gewicht eines Steinblockes zu berechnen, mißt man sein Volumen,
-es sei 548 _cdm_, und schließt dann: ein Wasserkörper, so groß wie der
-Steinblock, also 548 _cdm_ groß, wiegt 548 _kg_; der Stein aber, dessen
-sp. G. 2,6, ist 2,6 mal so schwer wie ein gleich großer Wasserkörper,
-wiegt also 548 · 2,6 _kg_. Ist das Volumen in _cdm_ ausgedrückt, so
-ergibt sich das Gewicht in _kg_, ebenso entsprechen sich _ccm_ und _g_,
-_cbm_ und _t_. Wenn das sp. G. des Eisens 7,5 ist, so wiegt 1 _cdm_
-Eisen 7,5 _kg_, wenn das sp. G. des Holzes 0,6 ist, so wiegt 1 _cdm_
-Holz 0,6 _kg_ etc. Deshalb sagt man auch häufig, #das sp. G. gibt das
-Gewicht einer Raumeinheit eines Körpers#, oder das sp. G. gibt an, wie
-viel _kg_ oder _g_ 1 _cdm_ oder 1 _ccm_ eines Körpers wiegt.
-
-^Beispiele^: Was wiegt ein Eisenstab von 2,4 _m_ Länge, 4,5 _cm_ Breite,
-8,1 _mm_ Dicke, sp. G. 7,6?
-
- ~G~ = 240 · 4,5 · 0,81 · 7,6 _g_.
-
-Bei Mehl bezieht sich das sp. G. auf das in einem Raume befindliche Mehl
-mit Einschluß der zwischen den Mehlstäubchen befindlichen Luft, nicht
-auf das Gewicht des Mehlstoffes selbst. Das sp. G. der Getreidekörner
-ist größer als 1, denn sie sinken im Wasser unter; aber das Gewicht des
-in einem _hl_ enthaltenen Getreides, wobei offenbar nicht der ganze Raum
-mit Getreide angefüllt ist, ist kleiner als das Gewicht des Wassers
-(durch die Methode des Eingießens, Einfüllens). Es ist also das sp. G.
-des Getreides kleiner als 1, etwa 0,81. Ähnliches gilt für Sand, Kies,
-Steinkohlen, Erde und ähnliche in einem Raum mit Zwischenräumen
-geschüttelte Körper. Bezieht sich das sp. G. auf den Körper mit
-Zwischenräumen, so sagt man statt sp. G. wohl auch Volumgewicht.
-
-Umgekehrt: #das Volumen findet man, wenn man das Gewicht durch das sp.
-G. dividiert#. Um das Volumen eines Eisenblockes von 358 _kg_ zu
-bestimmen, wenn das sp. G. des Eisens 7,6 ist, weiß man, 1 _cdm_ Eisen
-wiegt 7,6 _kg_, also hat der Eisenblock so viele _cdm_, als 7,6 _kg_ in
-358 _kg_ enthalten sind, also
-
- 358
- Vol. = --- _cdm_.
- 7,6
-
-Beide Gesetze, so wie das frühere:
-
- Gew.
- sp. G. = -------
- Volumen
-
-hängen algebraisch zusammen.
-
-Das sp. G. dient dazu, das Gewicht zu berechnen, wenn man den Körper
-nicht auf die Wage legen kann, wie Erdmassen, große Balken und
-Metallstücke; oder wenn es unbequem wäre, sie zu wägen, wie
-Flüssigkeiten, Getreide, welche man leichter dem Volumen nach messen
-kann; oder wenn der Körper noch gar nicht vorhanden ist, und man nur
-sein Volumen und sein sp. G. kennt; z. B. beim Ausheben eines Grabens
-soll im voraus das Gewicht der Erde berechnet werden, oder beim Bau
-eines Hauses, einer Brücke soll im voraus das Gewicht der Materialien
-berechnet werden. Ähnlich ist es, wenn das Volumen eines Körpers
-berechnet werden soll.
-
-
-Aufgaben:
-
-#26.# Wie groß ist das spezifische Gewicht eines Körpers, der in Luft
-38,7 _g_, in Wasser 20,9 _g_ wiegt?
-
-#27.# Ein Glasballon wiegt leer 2,4 _kg_, faßt 23½ _l_ Wasser und wiegt
-mit Schwefelsäure gefüllt 45,7 _kg_. Wie groß ist das sp. G. der
-Schwefelsäure?
-
-#28.# Wenn das sp. G. des Alkohols 0,795, das des Äthers 0,71 ist, wie
-groß ist das sp. G. des Alkohols inbezug auf Äther, und wie groß ist das
-sp. G. des Äthers inbezug auf Alkohol?
-
-#29.# Ein Stück Butter wiegt in der Luft 14,56 _g_, ein Stück Eisen im
-Wasser 80,4 _g_; beide zusammen wiegen im Wasser 78,69 _g_; wie groß ist
-das sp. G. der Butter?
-
-#30.# Was wiegt ein Zinkdach von 38,5 _m_ Länge und 7,2 _m_ Breite,
-hergestellt aus Zinkblech von 0,8 _mm_ Dicke, sp. G. 6,92, wenn für
-Überfalzen der Bleche ca. 3% gerechnet werden?
-
-#31.# Was wiegt eine Granitplatte von 2,64 _m_ Länge, 1,04 _m_ Breite,
-16 _cm_ Dicke und dem sp. G. 2,8?
-
-#32.# Wie viel Zentner Mehl faßt eine Truhe von 2,16 _m_ Länge, 85 _cm_
-Breite und 64 _cm_ Tiefe? Sp. G. 0,92.
-
-#33.# Welches Volumen hat wohl der große Eisenhammer von Krupp in Essen,
-welcher ca. 1000 Ztr. wiegt, und wie hoch muß er etwa sein, wenn er 1
-_m_ breit und 1 _m_ dick ist?
-
-#34.# Wie viel Liter Öl muß man aus einem Fasse nehmen, um 37½ ~℔~ zu
-haben? Sp. G. = 0,915.
-
-#35.# Wie hoch muß ein Bleigewicht werden, das bei 3 _cm_ Breite und 2,4
-_cm_ Dicke 2½ ~℔~ wiegen soll?
-
-#36.# In eine viereckige Grube von 4,27 _m_ Länge und 3,25 _m_ Breite
-werden 16 Fuhren Erde à 30 Ztr. gefüllt. Wie hoch wird sie voll? Sp. G.
-= 1,4.
-
-#37.# In ~A~ kostet der Doppelhektoliter Korn 27 ~ℳ~ 30 ~₰~, in ~B~ der
-Doppelzentner 15 ~ℳ~ 70 ~₰~; um wie viel Prozent ist es in ~B~ teurer
-als in ~A~? Sp. G. = 0,72.
-
-#38.# Welches sp. G. hat eine Mischung von 68 _g_ Zinn und 40 _g_ Blei?
-In welchem Verhältnis müssen die Stoffe gemischt werden, damit das sp.
-G. 8,1 wird?
-
-#39.# Was geschieht, wenn ein Alkoholometer in einem Standglas mit
-Wasser schwimmt, und auf das Wasser Petroleum gegossen wird? Was
-geschieht, wenn eine Salzspindel in Wasser schwimmt, und darauf Öl
-gegossen wird?
-
-
-29. Kommunizierende Röhren oder Gefäße.
-
-[Abbildung: Fig. 44.]
-
-Wenn zwei Röhren oder Gefäße unten durch eine Röhre verbunden sind, so
-sagt man, sie ^kommunizieren^. #In kommunizierenden Gefäßen steht das
-Wasser beiderseits gleich hoch;# die Verbindungslinie der beiden
-Oberflächen ist ^horizontal^; dabei ist es gleichgültig, welche Form
-oder Größe die Röhren oder Gefäße haben. In irgend einem Querschnitt der
-Verbindungsröhre wird das Wasser von beiden Seiten gedrückt nach den
-Gesetzen des Seitendruckes, und ist dann in Ruhe, wenn die Kräfte ~s~
-von rechts und links gleich groß sind; diese Kräfte hängen aber, da die
-Fläche ~g~ beiderseits dieselbe ist, bloß ab von der Höhe des Wassers,
-sind also gleich, wenn die Wasserhöhen ~h~ rechts und links gleich sind.
-
-Steht das Wasser in beiden Röhren ungleich hoch, so fließt so lange
-Wasser von der höheren in die niedrigere, bis es gleich hoch steht. In
-einem Gefäß ist das Wasser nur dann in Ruhe, wenn seine Oberfläche
-horizontal ist, weil nur dann sämtliche Punkte der Oberfläche von einem
-beliebigen unten liegenden Punkte, gleich weit in vertikaler Richtung
-abstehen, also gleichen Druck auf ihn ausüben. Ist die Oberfläche des
-Wassers nicht horizontal, so fließt das Wasser von der höheren Stelle
-zur niedrigeren.
-
-Große Wasserflächen, wie das Meer oder große Meeresteile sind zwar auch
-an jedem Punkte ihrer Oberfläche horizontal, d. h. ihre Oberfläche steht
-senkrecht zur Richtung der Schwerkraft; aber sie sind nicht mehr eben,
-sondern gekrümmt, und sind Teile der kugeligen Oberfläche der Erde.
-Schon bei ziemlich kleinen Seen wie beim Bodensee ist die Krümmung des
-Wasserspiegels deutlich erkennbar. Bei kleineren Wasserflächen ist
-diese Krümmung so gering, daß man sie nicht merkt, weshalb man die
-Fläche als eben ansehen kann.
-
-
-30. Anwendungen der kommunizierenden Röhren.
-
-[Abbildung: Fig. 45.]
-
-Die #Wasserwage oder Kanalwage# dient dazu, um zu messen, um wie viel
-eine Straße, ein Kanal etc. steigt oder fällt. Eine auf einem Dreifuß
-horizontal befestigte Blechröhre, an deren Enden zwei Glasröhren
-vertikal nach aufwärts gehen, ist mit Wasser so weit gefüllt, daß auch
-die Glasröhren noch etwa halb voll sind. Die beiden Wasserspiegel in den
-Glasröhren stehen gleich hoch; schaut man längs derselben fort, ^so ist
-die Gesichtslinie horizontal^. Mißt man den Abstand des einen
-Wasserspiegels vom Boden, etwa 136 _cm_, und schaut dann längs beider
-Wasserspiegel auf eine in _cm_ geteilte Meßlatte, die in einiger
-Entfernung senkrecht auf den Boden gestellt ist, und trifft die
-Gesichtslinie dort 49 _cm_ vom Boden, so ist die Straße von meinem
-Standpunkte bis zur Meßlatte um 136 - 49 = 87 _cm_ gestiegen. So fährt
-man von Strecke zu Strecke weiter. Dies nennt man ^nivellieren^, d. h.
-die Form der Oberfläche oder des Niveaus aufsuchen.
-
-[Abbildung: Fig. 46.]
-
-Die #Libelle# (^Hooke^ 1703). Die Röhrenlibelle besteht aus einer
-Glasröhre, die ^sehr schwach gekrümmt^ oder gegen die Mitte ein wenig
-ausgebaucht ist. Sie ist mit ^Weingeist^ gefüllt (weil dieser nicht
-gefriert und leichtflüssiger ist), jedoch nur so weit, daß noch eine
-^Luftblase^ vorhanden ist. Sie wird horizontal, die Krümmung nach oben
-gerichtet, auf ein Lineal so festgeschraubt, daß, wenn das Lineal
-horizontal steht, die Luftblase in der Mitte der Röhre steht. Da die
-Luftblase immer den höchsten Teil der Röhre einzunehmen sucht, rückt die
-Luftblase gegen ein Ende der Röhre, auch wenn es nur um ein kleines
-höher ist. Man benützt sie zum Horizontalstellen von Tischen, Stativen
-von Wagen, Billards, Meßtischen etc. und die Handwerker benützen
-^Setzlatten^, in welche eine Libelle eingesetzt ist. Libellen werden
-auch auf Fernrohre aufgesetzt, um sie horizontal zu stellen, und ein
-solches Fernrohr (^Nivellierinstrument^) dient dann ähnlich wie die
-Wasserwage zum Nivellieren. Dosenlibelle.
-
-#Wasserleitung:# Man leitet durch einen Kanal von einem hochgelegenen
-Orte (Gebirge) das Wasser in ein großes Reservoir, das höher liegt als
-der höchste Punkt der Stadt, oder man schafft es durch Pumpen dorthin.
-Von diesem Hochreservoir führen Röhren in die Stadt, die sich vielfach
-verzweigen und in die einzelnen Häuser führen. Das Wasser sucht in
-diesen Leitungsröhren so hoch zu steigen, als es im Hochreservoir ist,
-fließt also selbst bei den höchsten Ausflußhähnen heraus, wofern diese
-niedriger liegen als das Reservoir.
-
-#Springbrunnen.# Von einem hoch gelegenen Reservoir führt eine Röhre
-herunter, läuft weiter bis zum Springbrunnen, und endigt dort in einer
-feinen nach oben gerichteten Öffnung. Wenn diese Öffnung tiefer liegt
-als der Wasserspiegel im Reservoir, so sucht das Wasser in diesem kurzen
-Schenkel ^eben so hoch^ zu steigen, als im Reservoir, springt deshalb
-aus der Öffnung heraus und würde ^eben so hoch steigen^, als es im
-Reservoir steht, wenn es nicht durch den Luftwiderstand etwas
-zurückgehalten würde.
-
-[Abbildung: Fig. 47.]
-
-[Abbildung: Fig. 48.]
-
-In kommunizierenden Röhren steht die Flüssigkeit nur dann gleich hoch,
-wenn beiderseits dieselbe Flüssigkeit sich befindet. Sind aber
-verschiedene Flüssigkeiten von ^verschiedenem^ sp. G. in den Röhren, so
-#steht die leichtere Flüssigkeit höher#. Denn betrachten wir den
-Querschnitt ~BD~ (Fig. 47), in welchem beide Flüssigkeiten
-zusammenstoßen, so hält sich das, was unterhalb ist, selbst das
-Gleichgewicht; der Querschnitt also ist in Ruhe, wenn auch der Druck der
-Flüssigkeitssäulen, die rechts und links über ihm stehen, beiderseits
-derselbe ist. Diese Drücke sind gleich den Gewichten der
-Flüssigkeitssäulen; da aber die sp. G. der Flüssigkeiten verschieden
-sind, so müssen auch die Höhen derselben verschieden sein, damit die
-Gewichte einander gleich sind, ^und zwar^: #die Höhen verhalten wie
-umgekehrt die sp. G.# Diesen Satz kann man benützen, um die sp. G. von
-Flüssigkeiten zu bestimmen, die sich nicht mischen. Ist in der einen
-Röhre Wasser 12 _cm_ hoch, in der anderen Öl 13,6 _cm_ hoch, so ist 13,6
-: 12 = 1 : ~x~; also
-
- 12
- ~x~ = ---- = 0,88;
- 13,6
-
-das ist das sp. G. des Öles.
-
-
-31. Brunnen und Quellen.
-
-Auf dem Gesetze der kommunizierenden Röhren beruhen auch die ^Brunnen^
-und ^Quellen^.
-
-1. Die ^Grundwasserbrunnen^. Fließt ein Fluß oder Bach in einem Tale, so
-ist es dort meist mit großen Mengen Kies und Sand aufgefüllt, die den
-Boden des Tales bilden und oft tief hinabreichen.
-
-[Abbildung: Fig. 49.]
-
-Die Zwischenräume zwischen den Steinen des Gerölles sind ^mit Wasser
-gefüllt^ bis hinab zum festen Gestein und bis zu einer Höhe, die gleich
-ist der Höhe des Wassers im Flusse. Diese Wassermasse wird das
-^Grundwasser^ genannt. Sein ^Spiegel^ steigt, wenn der Fluß steigt,
-und fällt auch mit ihm, jedoch nicht gleichmäßig, sondern langsamer,
-weil das Wasser sich nur schwer zwischen den Sandkörnchen fortbewegt.
-Die über dem Grundwasserspiegel liegende Erd- und Sandmasse
-ist nur ^feucht^. Einen ^Grundwasserbrunnen^ macht man, indem
-man einen Brunnenschacht gräbt bis unter den tiefsten Stand des
-Grundwasserspiegels. In Figur 49 bei ~v~. Das Wasser dringt unten von
-allen Seiten in den Brunnenschacht, ^stellt sich so hoch, als der
-Grundwasserspiegel ist, steigt und fällt mit ihm^.
-
-2. ^Die Quellbrunnen und Quellen^. Unterhalb des angeschwemmten Landes
-befindet sich festes Gestein ~S~; auch die Berge bestehen aus solchem
-und sind nur außen mit einer meist nicht dicken Schichte von
-verwittertem Gestein und Erde überdeckt. Die ganze feste Erdkruste
-besteht aus Steinen. Diese sind meist zerrissen, zerspalten, zerklüftet
-und deshalb ^durchlässig^ für einsickerndes Regenwasser. Einige
-Gesteinsarten haben keine Risse und Spalten, sind also ^undurchlässig^.
-Das Wasser fließt demnach in den Rissen des durchlässigen Gesteines nach
-abwärts, bis es auf eine undurchlässige Schichte ~C~ kommt, ^staut sich
-dann^, und füllt so die Risse des durchlässigen Gesteines immer höher
-an. Solche Risse sind manchmal ziemlich dick und heißen dann
-^Wasseradern^. Wenn ein solcher Spalt an die Oberfläche der Erde tritt,
-und diese Stelle tiefer liegt als die Höhe, bis zu welcher die Risse im
-Berge mit Wasser gefüllt sind, so läuft das Wasser aus und bildet eine
-natürliche ^Quelle^ (bei ~x~). Quellen finden sich demnach zumeist am
-Fuße von Bergen und Hügeln. Einen ^Quellbrunnen^ bekommt man, wenn man
-ein 1-2 _m_ breites Loch in den Felsen gräbt oder sprengt bis auf einen
-wasserführenden Spalt (bei ~p~). ^Quellwasser ist meist sehr gut^, da es
-beim Durchsickern durch die lockere Erdschichte und durch die langen
-Gänge im Felsen nicht nur von den schlechten Beimischungen gereinigt
-wird, sondern von den Steinen noch etwas auflöst, insbesondere Kalk, was
-ihm dann einen angenehmen Geschmack verleiht. Kommt das Wasser durch
-Gesteinsschichten, die ^leicht auflösbare^ Stoffe enthalten, so werden
-diese vom Wasser aufgelöst, so besonders ^Kochsalz^, viele ähnliche
-Salze, schwefelhaltige, eisenhaltige Stoffe u. s. f. Solche Quellen sind
-dann besonders gesucht als ^Salzquellen oder als Heilquellen^
-(Schwefelquellen, Stahlquellen, Bitterquellen, Säuerlinge etc.).
-
-3. ^Artesische Brunnen^; so genannt von der Grafschaft Artois in
-Frankreich, weil sie dort zuerst gebohrt wurden. Nicht überall auf der
-Erde kann man solche Brunnen herstellen, denn es ist dazu eine
-^eigentümliche Lagerung der Gesteinsschichten^ erforderlich, nämlich
-folgende: Zuoberst liegt ein durchlässiges Gestein ~S~, unter diesem
-etwas schräg nach abwärts führend eine undurchlässige Schichte ~C~, die
-aber nicht durch den ganzen Berg geht, sondern einen großen Teil für die
-durchlässige Schichte noch frei läßt bei ~m~. Auf die undurchlässige
-Schichte folgt eine sehr gut durchlässige ~D~, die mit der oberen
-durchlässigen Schichte ~S~ in Verbindung steht, so daß das einsickernde
-Wasser bis zu ihr herabkommt. Liegt nun weiter nach abwärts noch eine
-undurchlässige Schichte ~F~, so staut sich das Wasser zwischen den zwei
-undurchlässigen Schichten an. Führt zufällig ein Spalt durch die obere
-durchlässige Schichte bis zur Oberfläche der Erde, so wird das Wasser in
-ihm in die Höhe steigen und kommt als Quelle zum Vorschein (bei ~h~),
-möglicherweise in großer Entfernung von dem Berge, auf dem das Wasser
-eingedrungen ist, da diese Gesteinsschichten oft weit fort ziehen. Will
-man dieses Wasser mittels eines Brunnens erhalten, so bohrt man ein etwa
-faustdickes Loch durch die obere durchlässige und durch die
-undurchlässige Schichte, bis man auf die sehr gut durchlässige,
-wasserführende Schichte kommt (bei ~a~). Dann stellt sich das Wasser in
-diesem Bohrloche ebensohoch als im Innern des Berges bei ~m~ und es kann
-durch Pumpen heraufgeschafft werden. Bisweilen liegt die Bohrmündung
-tiefer als der Wasserstand in der durchlässigen Schichte; dann springt
-das Wasser in Form eines ^natürlichen Springbrunnens^ heraus. ^Solche
-Artesische Brunnen führen meist ein vorzügliches Wasser^; manchmal hat
-es ^Salze^ aufgelöst, hie und da, wenn es aus sehr großer Tiefe kommt,
-ist es merklich ^warm, ja sogar heiß^; auch die ^Petroleumquellen^, sind
-solche Artesische Brunnen.
-
-
-32. Kapillarität.
-
-Eine merkwürdige Abweichung vom Gesetze der kommunizierenden Röhren
-zeigt sich, wenn eine Röhre sehr eng ist; sie wird dann ein
-^Haarröhrchen^ oder ^Kapillarrohr^ genannt. Wenn die Röhre von der
-Flüssigkeit benetzt wird, wie Glas von Wasser, so steht das Wasser in
-der Haarröhre höher als in der weiten Röhre und ist an der oberen Fläche
-nach abwärts gekrümmt, es hat einen ^konkaven Meniskus^. Wird die Röhre
-von der Flüssigkeit nicht benetzt (Glas und Quecksilber), so steht die
-Flüssigkeit im Haarröhrchen tiefer als im weiten Rohr und ist an der
-oberen Fläche nach aufwärts gekrümmt, hat einen ^konvexen Meniskus^.
-
-[Abbildung: Fig. 50.]
-
-[Abbildung: Fig. 51.]
-
-Durch Versuche fand man: die Höhe, um welche die Flüssigkeit im Rohre
-höher (oder tiefer) steht als im Gefäße, ist um so größer, je kleiner
-der Durchmesser ist, und ist dem Durchmesser umgekehrt proportional; sie
-ist fast gar nicht abhängig von dem Stoffe, aus welchem die Röhre
-besteht, wenn nur die Röhre vollkommen (oder gar nicht) benetzt wird;
-wohl aber ist sie abhängig von der Kraft, mit welcher die Flüssigkeit an
-der Röhre adhäriert; schließlich ist sie vom sp. G. der Flüssigkeit
-abhängig, demselben umgekehrt proportional; je geringer das sp. G. ist,
-desto größer ist die Steighöhe.
-
-Damit verwandt ist die Erscheinung des gekrümmten Randes einer
-Flüssigkeitsoberfläche. Das Wasser (Öl etc.) in einem weiten Glase
-(benetzten Gefäße) hat eine ebene Oberfläche; aber an den Rändern ist
-sie nach aufwärts gekrümmt; Quecksilber in einem Glasgefäß (wenn keine
-Benetzung stattfindet) ist am Rand nach abwärts gekrümmt.
-
-Man nennt diese in einer Haarröhre zum Vorschein kommende Kraft auch
-Kapillarattraktion, wenn sie die Flüssigkeit hebt, oder
-Kapillardepression, wenn sie die Flüssigkeit herabdrückt.
-
-Aus der Kapillarität erklärt sich die Erscheinung, daß in porösen
-Körpern die Flüssigkeit in die Höhe steigt, wobei die Poren die
-Haarröhrchen sind; da dieselben oft sehr fein sind, so steigt in ihnen
-die Flüssigkeit oft sehr hoch (feuchte Wände).
-
-Bringt man Öl in eine Mischung von Wasser und Spiritus, welche genau das
-gleiche sp. G. hat, so bleibt das Öl schwebend in Ruhe, indem es weder
-steigt noch fällt; es ist ^äquilibriert^.
-
-Dabei nimmt das Öl, sich selbst überlassen, stets die ^Kugelform^ an,
-und wenn man diese stört, kehrt sie in die Kugelform zurück. Der Grund
-liegt in der Oberflächenspannung. Die Moleküle des Öls haben eine, wenn
-auch geringe, Kohäsion, vermöge deren sie sich gegenseitig anziehen. Die
-anziehenden Kräfte halten sich bei einem im Innern liegenden Ölteilchen
-im Gleichgewicht, da es von allen Seiten gleich stark angezogen wird.
-Bei den an der Oberfläche liegenden Teilchen aber, die nur von den gegen
-das Innere zu liegenden Molekülen angezogen werden, bleibt eine nach
-innen gerichtete Kraft übrig. Die Folge ist, daß alle Teile der
-Oberfläche gegen die Mitte zu streben, demnach nur ins Gleichgewicht
-kommen, wenn die Oberfläche Kugelform hat. Es ist dabei gerade so, wie
-wenn an der Oberfläche ein elastisches Häutchen vorhanden wäre, das
-infolge der Spannung auch nur zur Ruhe kommt, wenn die Spannung
-gleichmäßig und am geringsten ist; beides tritt bei der Kugelform ein.
-Man spricht demnach von der Oberflächenspannung einer Flüssigkeit.
-Auch schon die Fettaugen auf der Suppe erinnern an solche
-Oberflächenspannung, ebenso die runde Form der Regentropfen.
-
-
-
-
-Dritter Abschnitt.
-
-Lehre von den luftförmigen Körpern.
-
-
-33. Gewicht luftförmiger Körper.
-
-Die luftförmigen Körper oder ^Gase^ besitzen wie die flüssigen Körper
-die ^leichte Verschiebbarkeit der Teilchen^ und die ^Fortpflanzung des
-Druckes nach allen Richtungen^; deshalb bringen sie auch einen ^Boden-
-und Seitendruck^, sowie einen ^Auftrieb^ hervor.
-
-Das ^Gewicht^ luftförmiger Körper findet man auf folgende Weise. Man
-nimmt einen Glasballon, dessen Hals mit einer Messingfassung versehen
-und durch einen Hahn verschließbar ist, wägt ihn mit Luft gefüllt,
-entfernt nun die Luft aus ihm, was, wie später gezeigt wird, mittels der
-Luftpumpe geschieht, und wägt ihn wieder; er wiegt dann weniger, der
-Unterschied ergibt das Gewicht der in ihm enthaltenen Luft. Man füllt
-ihn nun mit Wasser, wägt ihn, und bestimmt so sein Volumen. Daraus
-ergibt sich das #sp. G. der Luft = 0,00129#. Ein Liter Luft wiegt
-0,00129 _kg_ = 1,29 _g_, 1 _cbm_ Luft wiegt 1,29 _kg_, und die Luft in
-einem geräumigen Zimmer wiegt schon einige Zentner. Die Luft ist 773 mal
-leichter als Wasser.
-
-
-Aufgaben:
-
-#40.# Wie viel Zentner Luft enthält ein Zimmer von 8,4 _m_ Länge, 6,2
-_m_ Breite und 3,5 _m_ Höhe?
-
-#41.# Wie viel Liter Luftzufuhr braucht ein Ofen in jeder Minute, wenn
-in ihm in der Stunde 6 _kg_ Kohlen verbrennen sollen, und je 12 _g_
-Kohlen zum Verbrennen 32 _g_ Sauerstoff brauchen, der Sauerstoff nur ¹/₅
-der atmosphärischen Luft ausmacht, und die Luft mit 15% Überschuß
-vorhanden sein soll?
-
-
-34. Luftdruck.
-
-Unsere Erde ist rings umgeben mit einer Luftschichte, die man die
-^Atmosphäre^ nennt. Da die Luft schwer ist, wird sie von der Erde
-angezogen und übt deshalb auf die Oberfläche der Erde und auf alle dort
-befindlichen Gegenstände nach den Gesetzen des Bodendruckes einen
-^Druck^ aus, den man den ^Luftdruck^ nennt. Wir fühlen den Luftdruck
-nicht, und es war auch lange Zeit sein Vorhandensein den Menschen
-unbekannt, bis Torricelli, ein Schüler Galileis, denselben (1643) durch
-folgenden Versuch, den #Torricellischen Versuch#, nachwies.
-
-[Abbildung: Fig. 52.]
-
-Eine etwa 80 _cm_ lange Glasröhre füllt man ganz mit Quecksilber,
-verschließt das offene Ende mit dem Finger, kehrt sie um und stellt sie
-so in ein Schälchen (Wanne) mit Quecksilber; dann entfernt man den
-Finger und hält die Röhre vertikal. Man sollte meinen, das Quecksilber
-würde aus der Röhre nun herauslaufen, bis es nach dem Gesetz der
-kommunizierenden Röhren eben so hoch steht als im Schälchen; man findet
-aber, daß es wohl etwas in der Röhre heruntersinkt, aber doch in der
-Röhre um ca. 76 _cm_ höher stehen bleibt als im Schälchen. Man schließt,
-daß eine Kraft vorhanden sein muß, welche das Quecksilber so hoch
-hinaufdrückt, und erkennt, ^daß es der Druck der Luft ist, welcher auf
-das Quecksilber im Schälchen drückt, sich in der Flüssigkeit nach allen
-Seiten fortpflanzt und so das Quecksilber^ 76 _cm_ ^hoch in der Röhre
-hinaufdrückt^. Der Raum in der Röhre über dem Quecksilber ist
-^luftleer^, wird deshalb ein Vakuum und nach seinem Entdecker das
-^Torricelli^’sche ^Vakuum^ genannt. #Der äußere Luftdruck hebt das
-Quecksilber 76 _cm_ hoch.#
-
-Weil der Luftdruck dem Druck einer Quecksilbersäule von 76 _cm_ Höhe das
-Gleichgewicht halten kann, so ist die Größe des Luftdruckes gleich dem
-Druck einer Quecksilbersäule von 76 _cm_ etwa auf 1 _qcm_. Da ihr
-Gewicht 1 · 76 · 13,596 = 1033 _g_ ist, so #beträgt der Luftdruck ca. 1
-_kg_ auf jedes _qcm_.# Das Gewicht der ganzen Luftmasse der Erde ist
-nahezu = 80 000 Billionen Zentner.
-
-Füllt man beim Torricellischen Versuch die Röhre mit Wasser, so wird es,
-da es 13,5 mal leichter ist als das Quecksilber, 13,5 mal höher gehoben.
-In kurzen Röhren bleibt es also ganz oben stehen, erst bei ca. 10 _m_
-Länge sinkt das Wasser. #Der Luftdruck kann das Wasser 10 _m_ hoch
-heben.#
-
-Da der Bodendruck der Luft gleich dem Gewicht einer Wassersäule von 10
-_m_ ist, so müßte die Luft, um vermöge ihres geringen Gewichtes (773 mal
-leichter als Wasser) einen solchen Druck hervorbringen zu können, eine
-Höhe von 7730 _m_ haben, vorausgesetzt, daß sie nach oben hin immer
-gleich dicht bleibt. Da aber die Luft nach oben hin immer dünner wird,
-so ist die Höhe der Lufthülle oder Atmosphäre viel beträchtlicher. Man
-kann zwar nicht angeben, wie hoch sie wirklich ist, doch ist sie bei 15
-Meilen Höhe schon ca. eine Million mal dünner als bei uns.
-
-Als flüssiger Körper übt die Luft auch einen ^Seitendruck^ aus und
-drückt nach allen Seiten eben so stark wie auf den Boden; die unteren
-Luftschichten, zusammengedrückt durch das Gewicht der oberen, üben
-ihrerseits einen gleich großen ^Gegendruck^ nach aufwärts aus. Daher
-kommt es, daß wir den Luftdruck nicht als eine auf uns liegende Last
-empfinden.
-
-Man nennt den #Druck der Luft# auch den #Druck der oder einer
-Atmosphäre#, nimmt ihn #normal gleich dem Druck einer Quecksilbersäule
-von 76 _cm_ Höhe,# also #1,033 _kg_ auf 1 _qcm_#, also auch #gleich dem
-Druck einer Wassersäule von 10,33 _m_ Höhe# an. Man vergleicht auch
-andere Drucke messend mit dem Luftdruck, sagt also, der Bodendruck des
-Wassers beträgt bei 30 _m_ Tiefe 3 Atmosphären (ca.), oder der Druck des
-Dampfes in einem Dampfkessel beträgt 5 Atm., wenn nämlich der Dampf auf
-jedes _qcm_ mit einer Kraft von 5 · 1,033 _kg_ drückt.
-
-
-Aufgaben:
-
-#42.# Wie groß ist der Luftdruck auf 1 _qcm_ bei 723 _mm_
-Barometerstand? Sp. G. des Quecksilbers = 13,6.
-
-#43.# Wie hoch kann der Luftdruck bei 630 _mm_ Barometerstand das Wasser
-heben?
-
-[Abbildung: Fig. 53.]
-
-[Abbildung: Fig. 54.]
-
-
-35. Barometer.
-
-Zur Messung des Luftdruckes dienen die ^Barometer, die im wesentlichen
-Torricelli^’sche ^Röhren^ sind.
-
-1. Das #Normalbarometer# oder Gefäßbarometer. Es ist eine
-Torricelli’sche Röhre, die in einem Gefäß mit Quecksilber steht. Die
-Röhre muß #vollständig luftleer# sein; man erreicht dies, wenn man die
-mit Quecksilber gefüllte Röhre zuerst ^auskocht^, wobei die
-Quecksilberdämpfe die noch in der Röhre enthaltenen, insbesondere an den
-Wänden anhängenden Luftteilchen mit hinausreißen. Das Quecksilber muß
-#ganz rein# (chemisch rein) sein: gewöhnliches Quecksilber enthält meist
-Blei, Silber und andere Metalle aufgelöst, hat deshalb ein geringeres
-sp. G. und würde somit höher stehen, als es sollte. Die Röhre muß
-wenigstens oben, wo das Quecksilber aufhört, #ziemlich weit# sein (etwa
-1 _cm_), weil sie sonst wie eine Kapillarröhre wirkt, also eine
-Kapillardepression hervorbringt, weshalb das Quecksilber tiefer steht,
-als es sollte. Weiter unten darf die Röhre eng sein.
-
-Die Röhre muß #genau vertikal# stehen; das wird erreicht, indem man sie
-aufhängt, zur Ruhe kommen läßt und dann festklemmt. Die Skala muß stets
-an der Oberfläche des Quecksilbers im Gefäß anfangen. Wenn der Luftdruck
-größer wird, so steigt das Quecksilber in der Röhre, es tritt
-Quecksilber aus dem Gefäß in die Röhre, folglich sinkt es im Gefäß und
-umgekehrt, wenn der Barometer fällt. Man muß also entweder die #Skala
-verschiebbar# machen, so daß ihr Anfang auf das Niveau des Quecksilbers
-im Gefäß eingestellt werden kann, oder man nimmt als Boden des Gefäßes
-einen Lederbeutel, bringt unter ihm eine Schraube an, durch welche man
-das Quecksilber im Gefäß ^stets so hoch stellen^ kann, daß es den Anfang
-der Skala berührt.
-
-2. Das #Birn-# oder #Phiolenbarometer#. Die Torricelli’sche Röhre biegt
-sich unten um, führt etwas nach aufwärts und endigt in einem
-birnförmigen, oben offenen Gefäße. Da die Röhren meist zu eng sind, das
-Niveau des Quecksilbers in der Birne sich verändert, und sie häufig auch
-schlecht ausgekocht sind, so sind die Angaben dieser Barometer ^sehr
-ungenau^; doch kann man an ihnen mit ^genügender^ Genauigkeit die
-täglichen Schwankungen des Barometerstandes erkennen. Solche
-Birnbarometer sind die gewöhnlichen käuflichen Barometer (Akademie in
-Florenz 1657).
-
-3. Das #Heber-Barometer# (v. Boyle 1694, von Fortin als Reisebar.
-eingerichtet). Die Torricelli’sche Röhre biegt sich unten um und geht
-noch etwa 30 _cm_ weit nach aufwärts und ist dort verschlossen durch
-einen eingeriebenen Glasstöpsel; zwischen ihm und der Röhre ist wegen
-der Rauhigkeit desselben hinreichend Platz, um die Luft durchgehen zu
-lassen, jedoch sind diese Kanälchen viel zu klein, als daß Quecksilber
-herauslaufen könnte. Der obere Teil der Torricelli’schen Röhre und der
-untere nach aufwärts gehende Schenkel müssen ^genau gleich weit^ sein.
-Wird der Luftdruck stärker, etwa um 1 _cm_, so sinkt es im unteren
-Schenkel um ½ _cm_ und steigt in der Röhre um ½ _cm_. Die Skala ist
-infolge dessen in halbe _cm_ geteilt und fest; macht man sie
-verschiebbar, so wird sie immer auf das untere Niveau eingestellt, und
-ist dann in ganze _cm_ eingeteilt.
-
-[Abbildung: Fig. 55.]
-
-[Abbildung: Fig. 56.]
-
-4. Das #Metallbarometer# (Vidi 1847), auch ^Aneroid^- oder
-^Holosterik^-Barometer genannt, hat eine wesentlich andere Einrichtung.
-Es besteht aus einer runden ^Blechdose^ ~D~ (deshalb Dosenbarometer
-gen.), deren Deckel aus sehr gut elastischem, ^ringförmig gewelltem^
-Blech besteht. Die Dose ist vollständig ^verschlossen[1] und luftleer^.
-Die Luft drückt den elastischen Deckel nach einwärts, und zwar um so
-weiter, je größer der Luftdruck ist; wird der Luftdruck geringer, so
-geht das Blech durch seine Elastizität wieder entsprechend nach
-auswärts. Diese ungemein kleine Bewegung wird auf folgende Art größer
-gemacht. Auf der Mitte des gewellten Bleches ist ein Stift, welcher in
-~J~ gegen einen ^einarmigen^ Hebel ~KL~ drückt, und zwar sehr nahe an
-seinem Stützpunkte ~K~, also an einem sehr kurzen Hebelarme ~KJ~;
-deshalb macht das Ende ~L~ des Hebels eine viel größere Bewegung. Dieses
-Ende drückt mittels einer Stange ~LC~ auf einen zweiten ^Hebel^, einen
-^Winkelhebel^ ~CEF~, und zwar auf das Ende des kurzen Hebelarmes, so daß
-das Ende ~F~ des langen Hebelarmes wieder eine größere Bewegung macht.
-An diesem Ende ist ein ^Kettchen^ ~S~ befestigt, das mit seinem anderen
-Ende um einen ^drehbaren Stift^ ~R~ gewickelt ist, und auf diesen Stift
-ist ein ^Zeiger^ ~OZ~ aufgesteckt, der über einem ^Kreise^ spielt, der
-durch Vergleich mit dem Normalbarometer geteilt wird. Die
-Aneroidbarometer eignen sich für ^Reisebarometer^ und für den häuslichen
-Gebrauch. Man kann jedoch mit ihnen den wirklichen Barometerstand nicht
-genau angeben; denn sie haben meist ziemliche Ungenauigkeit in der
-Konstruktion, sind etwas von der Temperatur abhängig und folgen auch
-nicht ganz genau den Schwankungen des Barometers; jedoch geben sie die
-täglichen Schwankungen des Luftdruckes mit meist hinreichender
-Genauigkeit an.
-
- [1] Ein Gefäß, das so vollständig verschlossen ist, daß die Luft nicht
- eindringen kann, nennt man auch ^hermetisch^ verschlossen.
-
-
-36. Anwendung des Barometers.
-
-1. ^Barometrische Höhenmessungen^. Trägt man das Barometer auf einen
-Berg, so findet man, daß es sinkt, um so tiefer, je höher man steigt;
-denn das Barometer gibt nur den Druck der ^über^ ihm befindlichen
-Luftsäule an; da diese auf dem Berge geringer ist als im Tale, #so steht
-das Barometer auf dem Berge niedriger als im Tale#. (Perier 1648). Nur
-auf dem Meeresspiegel steht das Barometer 76 _cm_ hoch. Steigt man 10
-_m_, so sinkt das Barometer um ca. 1 _mm_, bei 20 _m_ um ca. 2 _mm_. Das
-geht jedoch nicht so einfach fort; denn wenn man höher hinaufkommt, so
-wird die Luft dünner, infolgedessen leichter, und man muß dann um mehr
-als 10 _m_ steigen, wenn das Barometer wieder um 1 _mm_ sinken soll. Man
-hat nun berechnet, wie hoch das Barometer bei den verschiedenen Höhen
-über dem Meere stehen muß, und findet dies in den ^hypsometrischen
-Tabellen^. Kennt man den mittleren Barometerstand eines Ortes, so kann
-man mit großer Genauigkeit dessen Meereshöhe angeben. ^Der mittlere
-Barometerstand^ ergibt sich als Mittel aus vielen Beobachtungen.
-
-Will man die Höhe eines Berges messen, so muß man möglichst zu derselben
-Zeit den Unterschied der Barometerstände am Fuß und am Gipfel bestimmen
-und hieraus mittels der hypsometrischen Tafel die Höhe des Berges
-berechnen; sie ergibt sich jedoch etwas ungenau.
-
-2. ^Das Barometer in der Witterungskunde (Meteorologie)^. Das Barometer
-zeigt ein unregelmäßiges Fallen und Steigen, welches mit der ^Witterung^
-zusammenhängt. Bei tiefem Barometerstand bringen westliche Winde uns
-Wolken und Regen oder Schnee, im Sommer Kälte, im Winter Wärme;
-insbesondere auf rasches und tiefes Fallen des Barometers tritt oft
-stürmisches Wetter ein. Bei hohem Barometerstand dagegen herrschen
-leichte bis mäßige östliche Winde, geringe Bewölkung und im Sommer große
-Hitze, im Winter strenge Kälte. Wegen dieses Zusammenhanges benützte man
-das Barometer zur Vorherbestimmung des Wetters und nannte es auch
-^Wetterglas^.[2] Die Wetterprophezeiungen (^Prognosen^) zeigten sich
-aber als sehr unzuverlässig.
-
- [2] Es mag hier erwähnt werden, daß Guericke schon vor Torricelli ein
- Barometer erfunden hatte; es war ein Wasserbarometer, also eine ca. 10
- _m_ lange mit Wasser gefüllte Röhre; erst auf dem Reichstage zu
- Regensburg 1654 erhielt er Kunde von Torricellis Entdeckung. Dies
- Wasserbarometer benützte er schon als Wetterglas und prophezeite einen
- Sturm (1660). Andererseits hatte die Akademie von Florenz keine
- Kenntnis von Guerickes Luftpumpe und untersuchte doch schon das
- Verhalten verschiedener Körper und Erscheinungen im luftleeren Raum,
- indem sie Torricellische Vakua von großen Volumen herstellte. Auch
- Paskal erforschte 1646 die Gesetze des Luftdruckes durch barometrische
- Versuche.
-
-[Abbildung: Fig. 57.]
-
-[Abbildung: Fig. 58.]
-
-Man fand jedoch andere mit dem Luftdrucke zusammenhängende Gesetze, die
-ebenso sicher, als für die Wetterprognosen wichtig sind. Sie sind: 1.
-^das Gesetz der barometrischen Minima und Maxima^. Wenn man an vielen
-Orten Europas täglich zu gleicher Zeit (etwa 8 Uhr morgens) den
-Barometerstand beobachtet[3], diese Beobachtungen sammelt und
-vergleicht, indem man sie auf eine Landkarte einträgt (^synoptische^
-Karte), so findet sich stets eine gesetzmäßige Verteilung des
-Barometerstandes. Ein Punkt hat den tiefsten Barometerstand; dort liegt
-das ^barometrische Minimum^; von diesem Punkte nach ^allen^ Richtungen
-auswärts steigt das Barometer, und zwar ziemlich gleichmäßig; verbindet
-man alle diejenigen Punkte, die gleich hohen Barometerstand haben, so
-haben diese Linien, Isobaren, eine ^nahezu kreisförmige^ Gestalt und
-umgeben in immer größeren Ringen das barometrische Minimum. Den ganzen
-Bereich, den diese zum Minimum gehörigen Isobaren einschließen, nennt
-man eine ^barometrische Depression^. (Fig. 57.)
-
- [3] Diese Barometerstände müssen zuerst auf das Meeresniveau reduziert
- werden, d. h. man muß berechnen, wie hoch das Barometer an diesem Orte
- stehen müßte, wenn der Ort auf dem Meeresniveau läge. Z. B. zu 740,6
- _mm_ müssen bei 220 _m_ Lokalhöhe 21,6 _mm_ addiert werden.
-
-Das barometrische Minimum beträgt in Europa meistens an 730 _mm_, geht
-hie und da bis 710 _mm_, in der heißen Zone bis 700 _mm_ herunter. Die
-barometrischen Depressionen rücken bei uns in der Hauptrichtung von
-^West nach Ost^ vor, sie kommen vom atlantischen Ozean, ziehen über
-England, die Nordsee, Dänemark, die Ostsee nach Rußland, oder sie
-dringen von den Faröerinseln gegen Norwegen und über Schweden nach
-Rußland, oder sie ziehen zwischen Island und Norwegen ins nördliche
-Eismeer und streifen bloß Europa. ^Auf diesen Wegen sind sie am
-tiefsten^. Einige dringen in Frankreich ein und durchziehen Europa,
-andere dringen über Dänemark nach Deutschland ein, manche durchstreifen
-das Mittelmeer, kommen wohl auch vom nordadriatischen Meer nach
-Österreich; ^alle ins Innere des Kontinentes eindringenden Depressionen
-verlieren meist rasch an Tiefe^, verflachen sich, füllen sich aus und
-verschwinden. Auf der nördlichen Halbkugel schreiten die Depressionen in
-den Tropen in der Richtung nach _WNW_, außer den Tropen nach _ENE_ fort;
-auf der südlichen Halbkugel hat man _S_ statt _N_ zu setzen. Innerhalb 6
-Breitengraden zu beiden Seiten des Äquators wurden nie Depressionen
-beobachtet (Kalmenzone). Das Fortschreiten der Depressionen beträgt in
-Europa ca. 27 _km_ in einer Stunde.
-
-In dem Gebiete, das dem Bereiche des Minimums nicht angehört, ist das
-^barometrische Maximum^: dort befindet sich ein Ort, der den höchsten
-Barometerstand hat, und von ihm nach allen Richtungen auswärts nimmt der
-Barometerstand ab: die ^Isobaren^ laufen auch ^kreisförmig^ um das
-Maximum, sind aber der Form nach lange ^nicht so regelmäßig^ und liegen
-stets viel weiter voneinander entfernt als beim Minimum. (Fig. 58.) Der
-Bereich des Minimums ist vergleichbar einem trichterförmigen Tale mit
-steilen Abhängen, das Maximum einem flachen Hügel mit sanft ansteigenden
-Rändern. Auch die Maxima verändern ihre Lage, jedoch ^unregelmäßig^,
-bilden sich meist über großen Ländermassen aus (Rußland, Mitteleuropa)
-und bleiben oft ^lange ruhig^ stehen.
-
-2. ^Das Windgesetz^ (von Buijs Ballot): Alle Winde sind Luftströmungen,
-welche von einem Gebiete höheren Luftdruckes zu einem solchen
-niedrigeren Luftdruckes fließen. Diese Luftströmungen folgen hiebei
-nicht der kürzesten Verbindungslinie, sondern erleiden infolge der
-Achsendrehung der Erde eine Ablenkung, so daß sie in Spiralen laufen.
-#Die Winde laufen auf der nördlichen Halbkugel um das barometrische
-Minimum herum entgegengesetzt dem Zeiger der Uhr.# Von dieser Richtung
-weichen die Winde jedoch derart ab, daß sie etwas ^gegen das Minimum
-zugewendet^ sind; so hat ein Ort südlich vom Minimum meist
-Westsüdwestwind, sogar Südwestwind. Es kommt aber nie vor, daß die
-Windrichtung von dieser Hauptrichtung ganz abweicht; der Wind läuft nie
-in entgegengesetzter Richtung um das Minimum und nie vom Minimum weg.
-Auf der ^südlichen Halbkugel^ läuft der Wind in ^entgegengesetzter
-Richtung^ um das Minimum, also ^gerade wie der Zeiger der Uhr^, aber
-auch dem Minimum zugewendet.
-
-Jede solche wirbelförmige Luftbewegung nennt man einen ^Cyklon^. ^Auch
-um das Maximum laufen die Winde, aber gerade umgekehrt, also bei uns wie
-der Zeiger der Uhr^ (^Anticyklon^), und sind dabei etwas vom Maximum
-abgewendet; doch sind diese Richtungen im allgemeinen größeren
-Abweichungen ausgesetzt als beim Minimum.
-
-Die ^Windstärke^ hängt mit der Nähe der Isobaren zusammen; je ^näher^
-die Isobaren aneinander liegen, desto ^stärker^ ist der Wind, und gerade
-dort, wo sie am ^nächsten^ beieinander liegen, ist der Wind am
-^stärksten^. ^Stürmische Winde^, volle Stürme und Orkane kommen nur im
-Bereich der barometrischen Depressionen vor (ausgenommen rasch
-vorübergehende Gewitterstürme), und zwar sind sie um so stärker, je
-tiefer das Minimum ist; deshalb kommen Orkane fast nur in der heißen
-Zone vor. Da beim Maximum die Isobaren stets verhältnismäßig weit
-auseinander liegen, so sind die in seinem Bereich auftretenden Winde
-meist schwach, höchstens an den Rändern stark, nie stürmisch.
-
-3. ^Einfluß auf das Wetter^. Wenn ein barometrisches Minimum vom Meere
-her ins Land eindringt, so führt der Wind Luft vom Meere herein, die
-feucht ist und deshalb viel Regen bringt; diese Luft ist im Sommer
-kälter und im Winter wärmer als das Land. Da in bezug auf Deutschland
-die meisten Depressionen nördlich vorüberziehen, so erhalten wir durch
-sie südwestliche, dann westliche Winde mit Bewölkung und Regen. Im
-Bereich des Maximums, insbesondere wenn es über einer großen Ländermasse
-steht, herrschen schwache bis mäßige Winde, bei uns meist östlicher
-Richtung, heiterer Himmel und Trockenheit, im Sommer infolge des
-Sonnenscheins große Hitze, im Frühjahre und Herbst in den hellen Nächten
-oft Frost, im Winter in den langen, hellen Nächten große Kälte, die
-durch den kurzen täglichen Sonnenschein nicht beseitigt werden kann.
-
-4. ^Die Wetterprognosen^. Wenn an vielen Orten zu gleicher Zeit täglich
-Barometer, Thermometer, Windrichtung und -Stärke, Bewölkung, Regen oder
-Schnee beobachtet werden, und diese Beobachtungen sofort alle an eine
-meteorologische Zentralstation telegraphiert werden, so ist man dort
-imstande, die Witterungslage zu überblicken und auf Grund der
-angegebenen Gesetze das künftige Wetter ^vorherzusagen^
-(^prognostizieren^), wenn auch nur für den nächsten Tag und für einen
-ziemlich kleinen Bezirk. Auch Sturmwarnungen werden ausgegeben.
-
-
-37. Ausdehnungsbestreben der Luft.
-
-Die luftförmigen Körper unterscheiden sich von den flüssigen Körpern
-wesentlich durch die #sehr beträchtliche Zusammendrückbarkeit# und ein
-#unbegrenztes Ausdehnungsbestreben#. Beide Eigenschaften faßt man auch
-durch den Ausdruck #Elastizität# zusammen und nennt sie
-#elastisch-flüssige# Körper, obwohl der Ausdruck Elastizität in etwas
-anderem Sinne gemeint ist.
-
-#Luftförmige Körper haben ein unbegrenztes Ausdehnungs- oder
-Expansionsbestreben#, d. h. sie suchen sich so weit als möglich
-auszudehnen; ^sie nehmen den dargebotenen Raum stets vollständig ein^.
-Bringt man 1 _l_ Luft in einen 1 _cbm_ großen und luftleeren Raum, so
-dehnt sie sich auf den Raum von 1 _cbm_ aus und füllt ihn vollständig
-aus. Nimmt man aus einem Gefäße, das 1 _l_ Luft enthält, ½ _l_ Luft
-heraus, so füllt der darin bleibende ½ _l_ dadurch, daß er sich
-ausdehnt, den ganzen Raum von 1 _l_ aus; es ist also in dem Gefäße
-wieder 1 _l_ Luft, die natürlich jetzt dünner ist als zuerst. Ebenso
-kann man in ein Gefäß von etwa 1 _l_ Inhalt zu der schon vorhandenen
-Luft noch 1 _l_ hineinpressen; denn die beiden Luftmengen pressen sich
-zusammen, so daß sie miteinander nur den Raum von 1 _l_ einnehmen.
-#Luftförmige Körper haben keine selbständige Gestalt, auch kein
-selbständiges Volumen; sie richten sich in ihrem Volumen stets nach dem
-dargebotenen Raume.#
-
-
-38. Luftpumpe.
-
-#Die Luftpumpe beruht auf dem Expansionsbestreben der Luft#. Sie dient
-dazu, um die Luft immer mehr aus einem Gefäße zu entfernen, das Gefäß
-^auszupumpen^ oder zu ^evakuieren^. Sie wurde erfunden von Otto v.
-Guericke (um 1635), wobei er auch das bis dahin unbekannte
-Expansionsbestreben der Luft entdeckte.
-
-[Abbildung: Fig. 59.]
-
-Die ^einstiefelige^ Luftpumpe: Im ^Pumpenstiefel^, einem genau
-ausgedrehten Messingrohr, befindet sich ein luftdicht anschließender
-^Kolben^, der durch einen Handgriff auf und ab bewegt werden kann. Der
-Stiefel mündet in ein enges Metallrohr, das sich nach aufwärts biegt und
-in einen eben abgeschliffenen Glasteller mündet. Auf den Glasteller kann
-eine ^Glasglocke^ luftdicht aufgesetzt werden. Ganz nahe am untern Ende
-des Stiefels befindet sich ein ^Hahn^, der zweifach durchbohrt ist;
-durch die eine, gerade Bohrung kann der Stiefel mit dem Rezipienten
-verbunden werden, durch die andere, krumme Bohrung kann entweder der
-Stiefel oder bei anderer Stellung der Rezipient mit der äußeren Luft
-verbunden werden.
-
-Man stellt den Hahn so, daß der Stiefel mit dem Rezipienten verbunden
-ist, und zieht den Kolben in die Höhe; dadurch wird der Luft im
-Rezipienten auch noch der Raum des Stiefels dargeboten; sie dehnt sich
-also auch auf diesen Raum aus, indem ein Teil der Luft des Rezipienten
-in den Stiefel hinüberströmt; ^dadurch ist die Luft im Rezipienten schon
-dünner geworden^. Man stellt nun den Hahn in die zweite Stellung, so daß
-er den Stiefel mit der freien Luft verbindet, und drückt den Kolben
-hinunter; dadurch wird die im Stiefel enthaltene Luft ^hinausgeschafft^.
-Man stellt den Hahn wieder in die erste Stellung, macht dasselbe
-nochmals und fährt so weiter. So oft man den Kolben in die Höhe zieht,
-dehnt sich die im Rezipienten enthaltene Luft auch auf den Raum des
-Stiefels aus, ^wird also wieder mehr verdünnt^. Aber da die Luft nur
-dadurch herausgeht, daß sie sich ausdehnt, so kann man einen wirklich
-luftleeren Raum durch die Luftpumpe nicht herstellen, sondern nur einen
-luftverdünnten.
-
-[Abbildung: Fig. 60.]
-
-Die ^zweistiefelige Luftpumpe^ hat zwei nebeneinander stehende Stiefel;
-die Kolbenstangen sind mit Zähnen versehen, in welche ein Zahnrad
-beiderseits eingreift; wird dieses mittels eines Kurbelkreuzes gedreht,
-so geht der eine Kolben nach abwärts, der andere nach aufwärts und
-umgekehrt, wenn man das Rad nach der anderen Richtung dreht. Die Stiefel
-sind unten durch eine kurze Röhre verbunden, von deren Mitte das Rohr
-abzweigt, das zum Rezipienten führt. Ein dort steckender Hahn hat zwei
-krumme Bohrungen, durch welche der eine Stiefel mit dem Rezipienten, der
-andere mit der äußeren Luft verbunden ist; durch Drehen des Hahnes
-können die Stiefel in umgekehrter Ordnung mit Rezipient und äußerer Luft
-verbunden werden. ^Man kann so stets den Stiefel, dessen Kolben in die
-Höhe gezogen wird, mit dem Rezipienten verbinden, so daß die Stiefel
-abwechselnd den Rezipienten auspumpen^.
-
-
-39. Versuche mit der Luftpumpe.
-
-Die Versuche mit der Luftpumpe erläutern insbesondere das
-Expansionsbestreben der Luft und die Wirkung des Luftdrucks. Schon nach
-einigen Kolbenzügen ^haftet die Glocke fest auf dem Teller^, sodaß man
-sie nicht losreißen kann; denn von oben drückt der gewöhnliche, äußere
-Luftdruck auf die Glocke nach abwärts; und von unten der Gegendruck auf
-die untere Fläche des Tellers nach aufwärts; im Innern ist aber nur
-wenig Luft, die schwächer drückt und dem äußeren Luftdruck nicht mehr
-das Gleichgewicht hält; deshalb müßte man, um die Glocke loszureißen,
-eine Kraft anwenden, die fast so groß ist, als der Druck der Luft auf
-die obere Fläche.
-
-[Abbildung: Fig. 61.]
-
-Die #Magdeburger Halbkugeln# sind zwei Halbkugeln aus starkem Metall,
-deren Ränder gut abgeschliffen sind und luftdicht aneinander passen;
-macht man den Raum im Innern derselben luftleer, so können sie nicht
-mehr auseinander gerissen werden. Erklärung wie vorher. Da der Luftdruck
-auf 1 _qcm_ 1 _kg_, also auf 1 _qdm_ 100 _kg_ beträgt, so müßte man bei
-einer Querschnittsfläche von nur 1 _qdm_ schon eine Kraft von 100 _kg_
-anwenden, um die Halbkugeln voneinander zu reißen.
-
- Diesen berühmten Versuch machte Otto v. Guericke auf Einladung des
- Kaisers Ferdinand vor dem versammelten Reichstage zu Regensburg 1654.
- Der Durchmesser der Halbkugeln betrug 0,67 Magdeburger Ellen und
- obwohl sie nicht ganz ausgepumpt werden konnten, waren doch 16 Pferde
- nicht imstande, sie voneinander zu reißen. Dieser Versuch war damals
- so interessant, weil man die Luft bis dahin für nichts angeschaut
- hatte, oder doch nur für einen Stoff, der leicht und kraftlos ist, den
- man mit den Händen beiseite schieben kann, und von dem man nicht gut
- glauben konnte, daß er eine einigermaßen beträchtliche Wirkung
- hervorbringen könne. Um so interessanter und lehrreicher war es, durch
- diesen Versuch zu sehen, daß die Luft einen so ungemein großen Druck
- hervorbringen kann.
-
-Wenn man eine Hohlkugel evakuiert, an eine mit Luft gefüllte Hohlkugel
-anschraubt und nun die Verbindung zwischen beiden herstellt, so zeigen
-sich beide Kugeln gleichmäßig mit Luft gefüllt. (Guericke.)
-
-Legt man eine nur halb mit Luft gefüllte, zugebundene Schweinsblase
-unter den Rezipienten und pumpt aus, so schwillt die Blase an: denn die
-Luft in ihr dehnt sich aus, sobald die äußere Luft weggeschafft wird.
-(Guericke.)
-
-Stellt man auf den Teller der Luftpumpe eine abgeschliffene weite
-Glasröhre, bindet sie oben mit einem elastischen Kautschukblatt zu und
-pumpt die Luft aus, so wird durch den äußeren Luftdruck der Kautschuk
-nach abwärts gedrückt, dehnt sich immer mehr aus und platzt zuletzt.
-Legt man auf die Glasröhre eine Glasplatte und pumpt die Luft unten weg,
-so wird die Glasscheibe zerdrückt.
-
-Stellt man unter den Rezipienten ein Aneroidbarometer, so sieht man
-sofort, wenn man den Kolben in die Höhe zieht, wie der Zeiger sich
-bewegt und dadurch das Abnehmen des Luftdruckes anzeigt; denn je dünner
-die Luft ist, desto schwächer drückt sie.
-
-Mittels der Luftpumpe kann man auch nachweisen, daß ^alle Körper gleich
-rasch fallen^. Leichte, lockere Körper wie Papier, Flaumfedern etc.
-fallen ja in der Luft langsamer als schwere, dichte Körper; im
-luftleeren Raum sieht man aber den lockeren und den dichten Körper
-gleich rasch fallen. Galilei bewies dies dadurch, daß er einen leichten
-Körper (Papierschnitzel) auf den schweren (Münze) legte, und beide
-zusammen fallen ließ.
-
-Jeder Körper bekommt in der Luft einen Auftrieb. An einer kleinen Wage
-hängt eine große, hohle, aber verschlossene Glaskugel und ein
-Messinggewicht, das ihm das Gleichgewicht hält, also eben so schwer zu
-sein scheint. Bringt man die Wage unter den Rezipienten und pumpt aus,
-so senkt sich die Glaskugel; denn da ihr Volumen größer ist als das des
-Messinggewichtes, so erhält sie in der Luft einen Auftrieb; im
-luftleeren Raum fehlt dieser, deshalb sinkt sie herab.
-
-#Der Gewichtsverlust in der Luft# beträgt nach dem archimedischen Gesetz
-1,29 _g_ für jedes _cdm_. Bei gewöhnlichen Wägungen vernachlässigt man
-diesen Auftrieb, bei feinen physikalischen Wägungen muß er aber
-berücksichtigt werden.
-
-[Abbildung: Fig. 61~a.~]
-
-
-40. Die Quecksilberluftpumpe.
-
-Bei der Quecksilberluftpumpe (Fig. 61~a~) sind die zwei geräumigen
-Gefäße ~A~ und ~B~ durch einen Kautschukschlauch verbunden und halb mit
-Quecksilber gefüllt. Hebt man ~B~ bis zur Höhe des ~A~, so füllt sich
-~A~ mit Quecksilber, worauf man den Hahnen schließt. Senkt man ~B~, so
-entsteht in ~A~ ein Torricellisches Vakuum, das durch andere Stellung
-des Hahnes dazu verwendet wird, einen Raum zu evakuieren. Sie
-ermöglicht, die höchsten Verdünnungen herzustellen.
-
-Bei der ^Wasserstrahl-Luftpumpe^ läßt man Wasser in heftigem Strahle
-durch den Innenraum einer Röhre spritzen; der Wasserstrahl reißt dann
-die im Rohre befindliche Luft mit sich fort und evakuiert so einen damit
-kommunizierenden Raum. Sie evakuiert sehr rasch und bequem, aber nur bis
-zu einem bestimmten Grade.
-
-
-41. Zusammendrückbarkeit der Luft. Mariottesches Gesetz.
-
-Die ^Mariottesche Röhre^: Längs einer vertikalen Säule sind zwei
-Holzstücke verschiebbar angebracht, deren jedes eine vertikale Glasröhre
-trägt. Von diesen ist die eine oben offen, die andere durch Hahn
-verschließbar, und beide sind unten durch einen langen Gummischlauch
-verbunden. Dieser ist so mit Quecksilber gefüllt, daß es auch noch in
-den Glasröhren bis etwa zu deren Mitte reicht.
-
-[Abbildung: Fig. 62.]
-
-Man bringt die Röhren auf gleiche Höhe und öffnet den Hahn, worauf sich
-das Quecksilber gleich hoch stellt; darauf schließt man den Hahn,
-wodurch man in der Röhre ein bestimmtes Volumen Luft absperrt, welches
-unter dem Druck der äußeren Luft, also einer Atmosphäre steht.
-
-Hebt man nun die offene Röhre, und damit das in ihr befindliche
-Quecksilber, so übt die überstehende Quecksilbersäule auf die Luft in
-der geschlossenen Röhre einen Druck aus, durch welchen die Luft auf ein
-kleineres Volumen zusammengepreßt wird. Die Messung ergibt, daß, wenn
-das Volumen der Luft zweimal kleiner geworden ist, die überstehende
-Quecksilbersäule eine Höhe von ca. 76 _cm_ hat; genauer: die Höhe ist
-gleich der Höhe des jeweiligen Barometerstandes.
-
-Da der Druck einer solchen Quecksilbersäule gleich dem einer Atmosphäre
-ist, und auf das Quecksilber im offenen Schenkel noch die äußere Luft
-mit einer Atmosphäre drückt, ^so drückt nun auf die Luft im
-geschlossenen Schenkel ein Druck von zwei Atmosphären, und sie ist
-dadurch auf ein zweimal kleineres Volumen zusammengedrückt^.
-
-Man hebt den offenen Schenkel, bis die Luft im geschlossenen Schenkel
-auf ein Drittel ihres ursprünglichen Volumens zusammengepreßt ist,
-findet, daß dann das Quecksilber im offenen Schenkel um 2 · 76 _cm_
-übersteht, und schließt, daß nun der Druck dreimal so groß ist als wie
-zuerst, und daß dadurch das Volumen der Luft dreimal so klein geworden
-ist.
-
-Durch solche Versuche findet man, daß das Volumen der Luft stets
-ebensovielmal kleiner wird, als man den Druck größer macht.
-
-Um zu zeigen, daß dies Gesetz auch bei ^Verdünnung^ der Gase gilt,
-stellt man die beiden Röhren gleich hoch und schließt den Hahnen. Dann
-senkt man den offenen Schenkel, so zeigt sich, daß auch im geschlossenen
-Schenkel das Quecksilber etwas sinkt, daß also die Luft sich ausdehnt.
-Ist hiebei das Volumen der Luft zweimal so groß geworden, so steht das
-Quecksilber im offenen Schenkel um 38 _cm_ = ½ · 76 _cm_ tiefer als im
-geschlossenen; dies macht ½ Atmosphäre. Auf die Luft im geschlossenen
-Schenkel drückt also nicht mehr eine ganze Atmosphäre (äußere Luft),
-sondern davon subtrahiert sich der Druck der Quecksilbersäule von ½
-Atmosphäre, so daß nur ein Druck von ½ Atmosphäre übrig bleibt. Der
-Druck ist demnach zweimal kleiner, das Volumen der Luft zweimal größer
-geworden.
-
-Senkt man den Schenkel so weit, daß das Volumen der Luft dreimal so groß
-wird, so steht das Quecksilber um ²/₃ · 76 _cm_ tiefer. Auf die Luft im
-geschlossenen Schenkel drückt also nur mehr ¹/₃ Atmosphäre. So fährt man
-weiter und findet: je kleiner der Druck, desto größer das Volumen des
-Gases. Man erhält so das Gesetz: ^je größer der Druck ist, den man auf
-ein Gas ausübt, desto kleiner ist sein Volumen und umgekehrt^; oder:
-#die Volumina eines Gases verhalten sich umgekehrt wie die Druckkräfte#;
-bezeichnet man die Druckkräfte mit ~P~ und ~P´~, die Volumina mit ~V~
-und ~V´~, so ist:
-
- ~P : P′ = V′ : V. (I)~.
-
-Dieses wichtige Gesetz lehrt, wie das Volumen eines Gases bloß von dem
-Drucke abhängt, und heißt das #Mariottesche Gesetz#. (^Robert Boyle^
-1666, Mariotte 1684.)
-
-#Unter Expansivkraft oder Spannung der Luft versteht man den Druck, den
-eingeschlossene Luft auf die Wände des Gefäßes ausübt.# Sie ist die
-Folge des Ausdehnungsbestrebens der Luft. Hat man etwa unter dem
-Rezipienten ein Aneroidbarometer stehen, und ist der Rezipient noch mit
-der äußeren Luft verbunden, so drückt sie nach dem Gesetze des Boden-
-und Seitendruckes auf das Barometer. Aber auch wenn man den Hahn
-absperrt, bleibt dieser Druck bestehen und ist nun anzusehen als Folge
-des Ausdehnungsbestrebens der Luft. Er hängt nicht ab vom Gewicht der im
-Rezipienten enthaltenen Luft, sondern nur von ihrer Dichte. Wenn man
-nämlich durch Auspumpen die Dichte der Luft geringer macht, so wird ihr
-Druck geringer, was man am Zurückgehen des Barometerzeigers sieht. Bei
-den Versuchen an der Mariotteschen Röhre übt die im geschlossenen
-Schenkel abgesperrte Luft auf die Oberfläche des Quecksilbers einen
-Druck aus, der offenbar so groß ist als der von außen wirkende Druck, da
-sich beide Drücke das Gleichgewicht halten; man sieht gerade an diesen
-Versuchen: wenn das Volumen der eingesperrten Luft 2, 3 . . . . mal
-kleiner wird, so wird auch ihre Expansivkraft 2, 3 . . . . mal größer
-und umgekehrt: ^die Expansivkräfte eines Gases verhalten sich umgekehrt
-wie seine Volumina^. Bezeichnet man die Expansivkräfte mit ~E~ und ~E´~,
-so ist
-
- ~E : E′ = V′ : V. (Ia)~.
-
-Unter ^Dichte^ eines Körpers versteht man die ^Anzahl der in einer
-Raumeinheit, etwa^ 1 _ccm_, ^enthaltenen Moleküle^. Wenn man diese Zahl
-auch nicht berechnen, also die Dichte nicht wirklich finden kann, so
-kann man doch die Dichten mancher Körper miteinander vergleichen;
-insbesondere ist klar, daß, wenn man einen Körper auf einen kleineren
-Raum zusammenpreßt, seine Dichte größer wird, derart, daß #die Dichten
-sich verhalten umgekehrt wie die Volumina#; bezeichnet man also die
-Dichten dieses Körpers mit ~D~ und ~D′~, so ist
-
- ~D : D′ = V′ : V~. (~H~ = Hilfssatz, gültig für alle Körper.)
-
-Verbindet man diesen Satz mit dem ersten Mariotteschen Satz, nach
-welchem die Druckkräfte sich verhalten wie umgekehrt die Volumina, so
-folgt: #Die Dichten eines Gases verhalten sich wie die Druckkräfte#:
-
- ~P : P′ = D : D′ (II)~,
-
-und in Verbindung mit dem Satz ~Ia~ folgt: #die Expansivkräfte eines
-Gases verhalten sich wie seine Dichten:#
-
- ~E : E′ = D : D′ (IIa)~.
-
-Ferner: ^je größer die Dichte eines Körpers ist^, desto größer ist sein
-sp. G., also ~D : D′ = S : S′~ (~H~). Dieser Satz gilt auch von allen
-Körpern; verbindet man ihn mit ~II~, so folgt: #Die spezifischen
-Gewichte eines Gases verhalten sich wie die äußeren Druckkräfte#:
-
- ~P : P′ = S : S′ (III)~,
-
-und verbunden mit ~IIa~ folgt: #Die Expansivkräfte eines Gases verhalten
-sich wie die spezifischen Gewichte#:
-
- ~E : E′ = S : S′ (IIIa)~.
-
-Dies sind die wichtigsten Fassungen des Mariotteschen Gesetzes. Sie sind
-so aufgestellt, daß die Druckkräfte als die von außen wirkenden Ursachen
-erscheinen, welche die Zustände des Gases, nämlich sein Volumen und
-seine Dichte beeinflussen (~I~, ~II~, ~III~) und daß anderseits die
-Expansivkraft als abhängig erscheint von den Zuständen (Volumen und
-Dichte), in welchen das Gas sich befindet, oder in welche man es
-gebracht hat.
-
-Sollen zwei Gasmassen in einen einzigen Raum vereinigt werden, so kann
-man zur Berechnung die Sätze verwenden: Bei gleichem Volumen addieren
-sich die Dichten also auch die Druckkräfte. Bei gleichem Druck addieren
-sich die Volumina.
-
-
-42. Spezifisches Gewicht der Gase. Luftballon.
-
-Da der Luftdruck auf einem Berge kleiner ist als im Tale, so ist auch
-^die Dichte und das sp. G. der Luft auf dem Berge kleiner als im Tale^;
-die Luft auf dem Montblanc ist nahezu zweimal dünner als am Meere.
-Streicht die Luft über ein Gebirge, so dehnt sie sich beim Aufsteigen
-aus und wird beim Absteigen wieder zusammengedrückt (Guericke). Da auch
-das sp. G. der Luft in der Höhe kleiner ist, so muß man dort mit dem
-Barometer um mehr als 10 _m_ steigen, damit es um 1 _mm_ sinkt; denn die
-(kleinen) Höhen, um welche man steigen muß, verhalten sich umgekehrt wie
-das sp. G. der Luft, also auch umgekehrt wie die Barometerstände.
-
-#Das spezifische Gewicht der Luft wird stets bei einem Barometerstande
-von 760 _mm_ angegeben#; es ist 0,001293. Das sp. G. bei einem andern
-Barometerstande wird berechnet nach dem Satze: ~(III) P : P′ = S : S′~.
-
-Dies Gesetz gilt bei allen Gasen.
-
-Man gibt meistens das sp. G. der Gase nicht in bezug auf Wasser, sondern
-^in bezug auf Luft^ an. Ist das sp. G. der Kohlensäure = 1,5291, so
-heißt das: Kohlensäure ist 1,53 mal so schwer wie Luft; will man hieraus
-das sp. G. der Kohlensäure in bezug auf Wasser haben, so muß man es mit
-0,00129 multiplizieren nach dem Satze:
-
- Kohlens. Kohlens. Luft
- ~sp G = sp G · sp G ~
- Wasser Luft Wasser
-
- ~sp G~ = 1,5291 · 0,001293 = 0,001977.
-
-
-Der Luftballon.
-
-Jeder Körper bekommt in der Luft einen Auftrieb, der gleich dem Gewichte
-der verdrängten Luftmasse ist. Dieser Auftrieb, nicht beträchtlich bei
-festen und flüssigen Körpern, ist von wesentlichem Einfluß bei
-luftförmigen. Denn da z. B. Wasserstoffgas ein sp. G. von 0,06926 hat,
-also ein _cbm_ Wasserstoff 0,089 _kg_ wiegt, in der Luft aber einen
-Auftrieb von 1,293 _kg_ erfährt, so wird jedes _cbm_ Wasserstoff von der
-Luft nach aufwärts getrieben mit der Kraft von 1,204 _kg_. Dasselbe
-gilt von jedem Gase, das spezifisch leichter ist als die Luft, also auch
-von warmer Luft, die von kälterer umgeben ist, da die warme Luft
-leichter ist als kalte.
-
-Füllt man einen aus leichtem Stoffe gefertigten Ballon mit einem
-leichten Gas, also Wasserstoff, Leuchtgas, warmer Luft, und ist der
-Auftrieb des Gases noch größer als das Gewicht des Gases nebst dem
-Gewicht des Stoffes, aus dem der Ballon gefertigt ist, so steigt der
-Ballon in die Höhe; es ist ein Luftballon.
-
- Der erste Luftballon wurde von Montgolfier 1783 gefertigt und mit
- erwärmter Luft gefüllt, in demselben Jahre füllte Charles einen Ballon
- mit Wasserstoff; bald darauf füllte man sie mit dem billigen
- Leuchtgas. Vielfach werden sie von Naturforschern benutzt, um den
- Zustand der Luft und manche Erscheinungen in höheren Luftschichten zu
- untersuchen, so zuerst von ~Pilastre du Rocier~ und ~Marquis
- d’Arlandes~ 1783, ~Gay-Lussac~ 1804. Die größte Höhe (9000 m)
- erreichte ~Glaisher~ 1864. Viele Versuche wurden schon gemacht, den
- Luftballon lenkbar zu machen.
-
-
-Aufgaben:
-
-#44.# Wie viel Centner Leuchtgas vom sp. G. 0,894 enthält ein Gasometer
-von 870 _cbm_ Inhalt bei einem Druck von 716 _mm_?
-
-#45.# Welches Volumen haben 32 _g_ Wasserstoffgas bei einem Druck von 2¼
-Atmosphären, wenn das sp. Gewicht des Wasserstoffes = 0,0693 ist?
-
-#46.# Welchen Druck würde Luft ausüben, wenn sie auf ein sp. G. von
-0,027 verdichtet ist?
-
-#47.# Ein Behälter von 12 _l_ Größe, gefüllt mit Luft von 760 _mm_
-Druck, wird mit einem Behälter von 18 _l_ Größe, gefüllt mit Luft von
-520 _mm_ Druck, in Verbindung gesetzt. Welcher Druck stellt sich ein?
-
-#48.# 10 _l_ Luft von 720 _mm_ Druck werden in einen Behälter von 30 _l_
-Größe, welcher schon Luft von 850 _mm_ Druck enthält, hineingepreßt.
-Welcher Druck entsteht dadurch?
-
-#49.# In einen Behälter von 10 _l_ Rauminhalt, der schon Luft von 2¾
-Atm. enthält, werden viermal nacheinander je 6 _l_ gewöhnlicher Luft
-hineingepreßt. Welcher Druck ist schließlich vorhanden?
-
-#50.# ~a~ Liter Luft vom Drucke ~p₁~ und ~c~ Liter Luft vom Drucke ~p₂~
-werden in einen Raum von ~d~ Liter Inhalt gebracht. Welcher Druck
-herrscht dort?
-
-#51.# In einen Raum von 15 _l_ Größe, gefüllt mit Luft von 1 Atm.,
-bringt man 4 _l_ Kohlensäure auch von 1 Atm. Welcher Druck ist dann
-vorhanden und was wiegt 1 _l_ der Mischung?
-
-
-43. Kompressionspumpe. Taucherglocke.
-
-Will man Luft in einen Raum hineinpressen, so benützt man eine
-^Kompressionspumpe^, die ähnlich wie eine Evakuationspumpe eingerichtet
-ist, nur werden die Hähne stets umgekehrt gestellt; zieht man den Kolben
-in die Höhe, so füllt sich der Stiefel mit äußerer Luft; drückt man den
-Kolben hinunter, so verbindet der Hahn den Stiefel mit dem Rezipienten,
-in welchen die Luft gepreßt wird.
-
-Man benützt komprimiertes Leuchtgas zur Beleuchtung der Eisenbahnzüge
-und bei Leuchtbojen.
-
-Eine ^Taucherglocke^ ist ein großer, glockenförmiger Kasten aus starkem
-Eisenblech; sie wird mittels Ketten auf den Grund des Meeres
-hinabgelassen. Durch den Druck des Wassers wird aber die Luft in der
-Glocke stark zusammengepreßt, bei 10 _m_ Tiefe auf die Hälfte, bei 20
-_m_ Tiefe auf ¹/₃ des Volumens. Um also die Glocke mit Luft gefüllt zu
-halten, wird schon während des langsamen Herablassens vom Schiffe aus
-durch Kompressionspumpen Luft in die Glocke gepreßt, so daß die
-Arbeiter, am Meeresgrunde angekommen, nur in ganz seichtem Wasser
-stehen. Weiteres Pumpen versorgt sie beständig mit frischer Luft, so daß
-sie einige Stunden an der Arbeit bleiben können. Von dem starken Drucke
-der Luft haben die Arbeiter keine weiteren Beschwerden, da sich auch in
-ihren Lungen solche Luft befindet, und sich deshalb innerer und äußerer
-Druck das Gleichgewicht halten.
-
-Auf dem großen Drucke komprimierter Luft beruht auch die Wirkung des
-^Schießpulvers^ und anderer Sprengstoffe (Schießbaumwolle, Dynamit). Der
-Sprengstoff verwandelt sich durch die Entzündung rasch und fast
-vollständig in Gas, welches, wenn es nur unter dem Drucke einer
-Atmosphäre stände, einen viel größeren Raum einnehmen würde als der
-Stoff, aus dem es entstanden ist. Da es aber im Momente der Entzündung
-nur denselben Raum hat wie das Pulver, so ist es komprimiert, es hat
-eine sehr große Expansivkraft, die durch die Verbrennungshitze noch
-gesteigert wird, und treibt deshalb die Kugel aus dem Geschütze oder
-sprengt den Felsen. Der Druck der Pulvergase bei groben Geschützen
-beträgt 1500-2500 Atm.
-
-
-44. Die Luft als elastischer Körper.
-
-#Ist eine Luftmasse allseitig von gewöhnlicher Luft umgeben, so zeigt
-sie ein ähnliches Verhalten wie elastische Körper.#
-
-Wenn man etwa bei der Luftpumpe den Kolben in die Mitte stellt und den
-Stiefel unten verschließt, so ist der untere Teil mit gewöhnlicher Luft
-gefüllt. Drückt man nun den Kolben nach abwärts, so wird er nachher
-durch die ^Expansivkraft^ der komprimierten Luft wieder bis zur Mitte
-zurückgeschoben; zieht man den Kolben nach aufwärts, so wird er nachher
-durch den ^Druck der äußeren Luft^ wieder nach abwärts gedrückt bis zu
-seiner ersten Stellung. Die Luft zeigt demnach ein ^ähnliches^
-Verhalten wie elastische Körper; man hat deshalb die Gase
-elastisch-flüssige Körper genannt, und nennt sie sogar ^vollkommen^
-elastisch, weil sie sich ^beliebig stark^ zusammendrücken und ausdehnen
-lassen und doch wieder ihr ursprüngliches Volumen unverändert annehmen,
-also nicht an eine Grenze der Elastizität gebracht werden können. Sie
-sind aber nicht elastisch in dem Sinne wie man feste und flüssige Körper
-elastisch nennt; ^denn ein Bestreben bei Ausdehnung wieder in die
-ursprüngliche kleinere Gestalt zurückzukehren, haben die luftförmigen
-Körper überhaupt nicht, sondern sie haben das Bestreben, sich immer
-weiter auszudehnen^.
-
-
-45. Die Pumpen.
-
-[Abbildung: Fig. 63.]
-
-Die #Saugpumpe# dient dazu, um Wasser aus einem Brunnen
-herauszuschaffen. Sie hat einen ^Pumpenstiefel^, ein gut ausgedrehtes
-Metallrohr, das nach unten als ^Saugrohr^ sich bis zum Wasser fortsetzt.
-Am unteren Ende des Stiefels befindet sich ein nach auswärts sich
-öffnendes Ventil, das ^Saug- oder Bodenventil^. Im Stiefel befindet sich
-der ^Kolben^, der mittels der Kolbenstange auf und ab bewegt werden
-kann. Der Kolben ist durchbohrt und hat oben ein nach oben sich
-öffnendes Ventil, das ^Kolben- oder Druckventil^. Oben setzt sich der
-Stiefel in das nach aufwärts führende ^Steigrohr^ fort, das zum
-^Ausflußrohre^ führt.
-
-Zieht man den Kolben aufwärts, so wird die zwischen den beiden Ventilen
-befindliche Luft verdünnt, das Kolbenventil bleibt geschlossen, weil der
-äußere Luftdruck stärker darauf drückt als die verdünnte Luft; dagegen
-öffnet sich das Saugventil, weil die im Saugrohr befindliche gewöhnliche
-Luft stärker drückt als die verdünnte Luft, und es strömt Luft aus dem
-Saugrohr in den Stiefel; die Luft im Saugrohr wird dadurch dünner,
-drückt nicht mehr so stark auf das Wasser als der äußere Luftdruck,
-folglich steigt das Wasser im Saugrohr etwas in die Höhe.
-
-Drückt man nun den Kolben nach abwärts, so hat sich zunächst das
-Bodenventil durch sein eigenes Gewicht geschlossen, die Luft im Stiefel
-wird zusammengedrückt, bekommt eine größere Expansivkraft als die äußere
-Luft, hebt deshalb das Kolbenventil und strömt dort hinaus. Die Pumpe
-hat zunächst als Luftpumpe gewirkt, indem sie einen Teil der im Saugrohr
-enthaltenen Luft entfernt hat.
-
-Pumpt man weiter, so wiederholt sich derselbe Vorgang, wodurch die Luft
-im Saugrohr immer dünner wird; deshalb steigt auch das Wasser im
-Saugrohr wegen des äußeren Luftdruckes immer höher und kommt so in den
-Stiefel; drückt man nun nach abwärts, so strömt das im Stiefel
-befindliche Wasser durch das Kolbenventil auf die obere Seite des
-Kolbens; zieht man wieder in die Höhe, so wird einerseits das über dem
-Kolben befindliche Wasser nach aufwärts gehoben, anderseits würde im
-Stiefel zwischen den beiden Ventilen ein luftleerer Raum entstehen,
-weshalb durch den äußeren Luftdruck wieder Wasser in den Stiefel
-gedrückt wird. Ist das Wasser in der angegebenen Weise angesaugt, und
-schließen die Ventile gut, so bleibt die Pumpe mit Wasser gefüllt, und
-gibt, wenn man später wieder pumpt, schon beim ersten Zuge Wasser.
-(Diese Erklärung zuerst von ^Robert Boyle^ 1666.)
-
-Da das Wasser im Saugrohr bis zum Kolbenventil nur durch den äußeren
-Luftdruck gehoben wird, so darf man den Stiefel nicht höher als 10 _m_
-über dem Wasserspiegel anbringen, nimmt sogar in der Regel höchstens 8
-_m_. Bei tiefen Brunnen ist dies oft unangenehm, aber nicht zu
-vermeiden.
-
-[Abbildung: Fig. 64.]
-
-Die #Druckpumpe# dient dazu, das Wasser aus dem Brunnen herauszupumpen,
-und es dann noch auf eine gewisse Höhe zu heben. Sie besteht wie die
-Saugpumpe aus ^Pumpenstiefel, Saugrohr und Saugventil^; der Kolben aber
-ist ^massiv^. Am unteren Ende des Pumpenstiefels zweigt sich nach der
-Seite die ^Steigröhre^ ab, an deren Anfang ein nach auswärts schlagendes
-Ventil, das ^Druck- oder Steigventil^, sich befindet, und die dann nach
-aufwärts zur ^Ausflußöffnung^ führt.
-
-Geht der Kolben aufwärts, so öffnet sich das Saugventil, die Luft strömt
-aus dem Saugrohr in den Stiefel, und das Wasser steigt im Saugrohr; geht
-der Kolben abwärts, so wird die Luft im Stiefel zusammengepreßt; öffnet
-das Steigventil und tritt dort aus; durch weiteres Pumpen wird die Luft
-im Saugrohr immer mehr verdünnt, so daß das Wasser immer höher steigt,
-bis es in den Stiefel selbst gelangt; beim Herabdrücken des Kolbens wird
-es dann in die Steigröhre getrieben und kann in ihr beliebig hoch
-emporgetrieben werden.
-
-Bei der Saugpumpe wird das Wasser nur gehoben, wenn der Kolben nach
-aufwärts geht; bei der Druckpumpe wird sowohl beim Aufwärts- als auch
-beim Abwärtsgehen des Kolbens Wasser gehoben, und die Arbeit ist dadurch
-^gleichmäßiger verteilt^; deshalb wendet man mit Vorliebe eine
-Druckpumpe an, wenn die Pumpe durch eine Maschine getrieben werden soll.
-
-
-Aufgaben:
-
-#52.# Bei einer Saugpumpe ist der Kolben 6 _m_ über dem Wasserspiegel
-und noch 7,2 _m_ von der Ausflußöffnung entfernt; sein Querschnitt
-beträgt 0,9 _qdm_. Welche Kraft hat man zum Aufziehen nötig und welche
-Arbeit leistet man pro 1", wenn man 45 Züge in der Minute macht und die
-Hubhöhe 18 _cm_ beträgt; beidesmal werden für innere Arbeit 15%
-dazugerechnet. Wie viel Wasser fördert man in einer Stunde?
-
-#53.# Bei einer Druckpumpe ist der Kolben 8 _m_ über dem Wasserspiegel
-und das Steigrohr reicht noch 13 _m_ in die Höhe. Der Kolben hat 1,4
-_qdm_ Querschnitt und 20 _cm_ Hubhöhe. Welche Kraft hat man beim Hub,
-welche beim Druck nötig? Wie schwer muß man den Kolben durch
-Zusatzgewicht machen, damit beide Kräfte gleich werden? Welche Arbeit
-verrichtet man bei 25 Kolbenzügen pro Minute? Wie viel Wasser wird
-dadurch gefördert?
-
-
-46. Die Spritzen.
-
-[Abbildung: Fig. 65.]
-
-Der #Heronsball#: Ein ballonartiges starkwandiges ^Metallgefäß^ wird
-etwa halb mit Wasser gefüllt, dann wird in seine obere Öffnung eine
-^Röhre^ luftdicht eingeschraubt, die fast bis an den Boden des Gefäßes
-reicht und oben einen Hahn und eine feine ^Ausflußöffnung^ hat. Man
-preßt durch eine ^Kompressionspumpe^ noch mehr Luft in den Ballon,
-wodurch sie eine große Expansivkraft bekommt. Öffnet man nun den Hahn,
-so drückt die Luft im Innern des Ballons stärker auf das Wasser als die
-äußere Luft, und treibt es in Form eines starken Strahles heraus.
-
-Die Steighöhe des Strahles nimmt ab, je mehr die Luft durch Ausdehnung
-an Expansivkraft verliert und verschwindet, wenn ihre Expansivkraft
-gleich dem äußeren Luftdruck geworden ist.
-
-Hat die Luft im Ballon eine Spannkraft von 2 Atmosphären, so wirkt
-diesem Druck der äußere Luftdruck entgegen, so daß ein ^Überdruck^ von
-einer Atmosphäre vorhanden ist; dieser treibt das Wasser auf ca. 10 _m_.
-Bei einer Spannung von 3 Atmosphären ist die Steighöhe ca. 20 _m_ u. s.
-f. Diese Steighöhe wird ^nicht ganz^ erreicht, weil das
-herausspringende Wasser in der Luft einen ^Reibungswiderstand^ erfährt.
-
-Stellt man einen Heronsball unter den Rezipienten der Luftpumpe, so
-fängt er beim Evakuieren zu springen an. (^Robert Boyle^.)
-
-[Abbildung: Fig. 66.]
-
-Der #Heronsbrunnen#: zwei geschlossene Gefäße ~A~ und ~B~ sind durch die
-Röhren ~R~ und ~S~ in der aus Fig. 66 ersichtlichen Art verbunden. Auf
-~A~ steht noch ein Auffanggefäß ~C~ und aus ~A~ reicht eine Röhre mit
-feiner Mündung (Spritzenöffnung) heraus. ~A~ wird mit Wasser gefüllt,
-~B~ ist leer. Wird nun etwas Wasser in ~C~ geschüttet, so springt das
-Wasser aus ~A~ durch die Spritzenöffnung in Form eines kleinen
-Springbrunnens heraus. Denn das Wasser von ~C~ dringt durch ~R~ in ~B~
-ein, verdichtet durch seinen Druck (Höhe ~cb~) die Luft in ~B~, also
-auch durch die Röhre ~S~ die Luft in ~A~; diese treibt das Wasser durch
-ihren Überdruck (gleich der Höhe ~cb~) aus der Spritzenöffnung, und das
-Wasser erreicht eine Höhe, welche, von ~s~ aus gemessen, um ~as~ kleiner
-ist als ~bc~. Es springt, so lange das Wasser in ~A~ reicht, oder bis
-~B~ sich mit Wasser gefüllt hat; dann muß ~A~ gefüllt und ~B~ entleert
-werden. Dieser Apparat bietet ein gutes Beispiel dafür, daß eine
-Wassersäule einen Druck ausübt, daß sich dieser Druck in der Luft
-fortpflanzt und selbst wieder einen Druck ausübt. Durch Herabsinken des
-Wassers von ~C~ nach ~B~ kann Wasser von ~A~ aus gehoben werden. Er wird
-zu kleinen Zimmerfontänen verwendet.
-
-Eine #Spritze# besteht aus einer ^Druckpumpe^ und einem #Windkessel#.
-Letzterer ist ein starkwandiges, ^ballonnartiges Gefäß^, das in das
-^Steigrohr^ eingeschaltet ist (Fig. 67); das Steigrohr mündet in einer
-^Spritzenöffnung^, dem Mundstück.
-
-[Abbildung: Fig. 67.]
-
-Wird nun gepumpt und verschließt man die Spritzenöffnung zuerst mit
-einem Hahne oder bloß mit dem Daumen, so sammelt sich das Wasser im
-Windkessel, indem es die dort befindliche Luft zusammendrückt. Läßt man
-nun die Spritzenöffnung frei, so drückt die Luft im Windkessel das
-Wasser in Form eines starken Strahles heraus, ähnlich wie beim
-Heronsball.
-
-Wenn man immer so viel Wasser in den Windkessel pumpt, als
-herausspritzt, so erhält man einen ^gleichmäßigen Wasserstrahl, der
-stets nahezu gleich hoch und gleich weit geht und beständig andauert,
-oder kontinuierlich ist^. Der Strahl springt ^auch in der Zeit, in
-welcher der Kolben in die Höhe geht^, in der also kein Wasser in den
-Windkessel gepreßt wird, da in dieser Zeit das im Windkessel vorhandene
-Wasser durch die komprimierte Luft herausgedrückt wird; ^je geräumiger^
-der Windkessel ist, desto ^gleichmäßiger^ ist der Strahl.
-(^Gartenspritzen^, ^Handfeuerspritzen^.)
-
-Die #Feuerspritze# hat zwei Druckpumpen, deren Kolbenstangen an den
-beiden Armen eines Hebels so angebracht sind, daß sie ^abwechselnd^
-wirken, also dem Windkessel abwechselnd Wasser zuführen; unten am
-Windkessel führt ein ^Rohr^ nach auswärts, an das der ^Steigschlauch^
-angeschraubt wird, an dessen Ende die Spritzenöffnung, das ^Mundstück^
-sich befindet. Aus ihr spritzt dann das Wasser heraus, getrieben durch
-den Überdruck der im Windkessel befindlichen Luft; ihr Strahl ist noch
-gleichförmiger als der der einfach wirkenden Spritze.
-
-[Abbildung: Fig. 68.]
-
-Häufig laufen beide Saugrohre in ein Rohr zusammen, und an dieses wird
-ein langer Saugschlauch angeschraubt. Läßt man diesen ins Wasser
-hinabhängen, so wird durch die Pumpen das Wasser direkt in die Stiefel
-gesaugt, und man hat nicht nötig, es herbei zu tragen. Ein solcher
-Saugschlauch muß sehr fest sein; denn von außen drückt die Luft, während
-innen ein nahezu luftleerer Raum, also fast kein Druck ist. Der
-Luftdruck würde ihn also zusammenquetschen, drosseln; man macht deshalb
-den Saugschlauch aus starken Eisenringen, die durch Kautschuk verbunden
-und mit Segeltuch umwickelt sind. Der Steigschlauch dagegen, der durch
-den Druck des Wassers auseinander getrieben wird, besteht bloß aus
-Segeltuch.
-
-Wasserleitungsanlagen, welche kein Hochreservoir besitzen, ersetzen
-dieses durch mächtige Windkessel.
-
-
-Aufgaben:
-
-#54.# Ein Heronsball von 5 _l_ Inhalt ist halb mit Wasser gefüllt. Man
-pumpt noch 3½ _l_ Luft hinein. Wie hoch wird dann das Wasser steigen und
-wie hoch schließlich, wenn der letzte Rest die Mündung verläßt?
-
-#55.# Eine Feuerspritze schickt das Wasser 24 _m_ hoch. Die
-Pumpenstiefel haben je 1¼ _qdm_ Querschnitt und 2 _dm_ Hubhöhe und sind
-an 45 _cm_ langen Druckarmen angebracht, während die Spritzenleute an
-135 _cm_ langen Armen arbeiten. Wie groß ist die Arbeit der Männer pro
-1", wenn in einer Minute 70 Pumpenzüge erfolgen, und ¹/₃ durch Reibung
-verloren geht? Welcher Druck herrscht im Windkessel, und wie groß ist
-der Effekt des gehobenen Wassers?
-
-
-47. Die Heber.
-
-[Abbildung: Fig. 69.]
-
-[Abbildung: Fig. 70.]
-
-Ein #Heber# ist ein in starkem Knie ^gebogenes Rohr^, dessen Schenkel
-^verschiedene Länge^ haben. Er dient dazu, eine Flüssigkeit aus einem
-höheren Gefäß in ein niedriger stehendes zu leiten. Man taucht den Heber
-mit dem kürzeren Schenkel in die Flüssigkeit, so daß der längere
-Schenkel nach abwärts gerichtet ist, und saugt dann mit dem Munde am
-längeren Schenkel (Saugheber); dadurch entfernt man die Luft aus ihm,
-und ^die Flüssigkeit wird durch den äußeren Luftdruck in den Heber
-getrieben^ und füllt ihn an. Ist der Heber angesaugt und gibt man dann
-das untere Ende des Hebers frei, so fließt die Flüssigkeit aus dem
-oberen Gefäß durch den Heber in das untere; denn ^da im längeren
-Schenkel eine höhere Flüssigkeitssäule ist als im kürzeren^, so übt
-diese einen ^stärkeren Druck^ aus als die im kürzeren.
-
-Beim #Giftheber# ist nahe am untern Ende des langen Schenkels ein
-Saugrohr angebracht, das sich zu einer Kugel ausbaucht. Er wird
-angesaugt, indem man den langen Schenkel unten verschließt und nun am
-Saugrohr mit dem Munde saugt; dadurch wird die Luft aus dem Heber
-entfernt, und er füllt sich mit Flüssigkeit, bevor solche in den Mund
-gelangen kann.
-
-Der #Stechbecher# ist eine weite Glasröhre, die oben so eng ist, daß man
-sie mit dem Finger verschließen kann, und unten wie zu einer Spritze
-ausgezogen, in eine feine Öffnung ausläuft. Taucht man ihn in eine
-Flüssigkeit, so füllt er sich, soweit er eingetaucht ist. Schließt man
-oben und zieht ihn heraus, so kann die Flüssigkeit nicht herauslaufen,
-weil sie getragen wird durch den auf die untere Öffnung nach aufwärts
-wirkenden Druck der äußeren Luft. Es läuft beim Herausziehen wohl etwas
-Flüssigkeit heraus; dadurch dehnt sich dann die innere Luft aus und
-bekommt einen kleineren Druck, welcher eben gerade so groß wird, daß er
-in Verbindung mit dem Drucke der darin bleibenden Flüssigkeit gleich
-wird dem äußeren Drucke. Noch dazu ist die untere Öffnung so eng, daß
-Luft und Wasser sich nicht ausweichen können, also auch das Wasser auf
-diese Weise nicht herausfließen kann. Er wird benützt, um Proben einer
-Flüssigkeit aus Fässern herauszunehmen.
-
-[Abbildung: Fig. 71.]
-
-
-
-
-Vierter Abschnitt.
-
-Die Wärme.
-
-
-48. Wärmezustand, Temperatur.
-
-Wir unterscheiden schon durch unser ^Gefühl^, ob ein Körper kalt, warm
-oder heiß ist, finden also einen gewissen Unterschied im Zustande eines
-Körpers und nennen die Ursache dieses Unterschiedes ^Wärme^. #Der
-Zustand der Wärme, in dem ein Körper sich eben befindet, heißt seine
-Temperatur.# Zwei Körper haben gleiche Temperatur, wenn sie in Berührung
-gebracht ihre Temperatur nicht verändern. Sie haben ungleiche
-Temperatur, wenn sie bei Berührung ihre Temperatur verändern und zwar
-wird dabei der kältere Körper wärmer, seine Temperatur ^steigt^, der
-wärmere wird kälter, seine Temperatur ^sinkt^.
-
-Unser Gefühl ist aber ein ziemlich unzuverlässiges Mittel zur Bestimmung
-der Temperatur, denn häufig erscheinen uns zwei gleich warme Körper
-verschieden warm, z. B. Eisen fühlt sich kälter an als Holz, wenn beide
-sehr kalt sind, dagegen wärmer als Holz, wenn beide sehr warm sind; ja
-sogar ein und derselbe Körper kann uns verschieden warm erscheinen;
-taucht man nämlich zugleich die rechte Hand in sehr warmes, die linke in
-kaltes Wasser, und dann beide zugleich in ein und dasselbe lauwarme
-Wasser, so findet es die rechte Hand kalt, die linke warm.
-
-
-49. Die Thermometer.
-
-#Das Thermometer dient zur Bestimmung der Temperatur eines
-Körpers.# Das bekannteste, zugleich einfachste und beste ist das
-#Quecksilberthermometer#; es beruht darauf, daß das Quecksilber, wie
-jeder andere Körper, sich ^ausdehnt^, wenn es ^wärmer^ wird, und sich
-^zusammenzieht^, wenn es ^kälter^ wird. An eine ^enge Glasröhre^ ist
-unten eine Kugel angeblasen; die Kugel und ein Teil der Röhre sind mit
-^Quecksilber^ gefüllt. Bei der Erwärmung dehnt es sich aus, hat in der
-Kugel nicht mehr Platz und steigt deshalb in der Röhre; beim Abkühlen
-zieht es sich zusammen, sinkt also in der Röhre, indem es wieder in die
-Kugel zurückgeht. #Durch den Stand des Quecksilbers in der Röhre wird
-die Temperatur bestimmt.#
-
-[Abbildung: Fig. 72.]
-
-Ein ^gutes^ Thermometer muß folgende Eigenschaften haben. Das Glas der
-Kugel muß sehr ^dünn^ sein, damit die Wärme leicht in das Quecksilber
-eindringen kann; man macht das Gefäß häufig ^länglich^, damit die Wärme
-bei einer größeren Fläche eindringen kann. Die Kugel sollte eigentlich
-^groß^ sein, damit sie viel Quecksilber faßt; weil aber eine große Masse
-Quecksilber lange braucht, bis sie die Wärme des sie umgebenden Körpers
-angenommen hat, macht man die Kugel meist klein und dafür die ^Röhre
-recht eng^. Das Quecksilber muß ^ganz rein sein^, weil sonst beim
-Abkühlen häufig das Quecksilber nicht in die Kugel zurückgeht, indem der
-Quecksilberfaden abreißt. Die Kugel und Röhre müssen ^luftleer sein^;
-man erreicht dies wie beim Barometer durch Auskochen. Ist die Kugel
-ausgekocht, so erwärmt man sie bis zu dem Grade, bei dem das Quecksilber
-die ganze Röhre ausfüllen soll, und schmilzt dann die Röhre oben zu, so
-daß beim Sinken des Quecksilbers in der Röhre ein ^luftleerer^ Raum
-entsteht.
-
-Die #Röhre muß überall gleich weit sein# ^oder dasselbe Kaliber haben^,
-damit das Quecksilber bei gleicher Ausdehnung auch um gleich viel in der
-Röhre steigt. Nur Normalthermometer haben kalibrierte Röhren.
-
-[Abbildung: Fig. 73.]
-
-Zur ^Einteilung der Skala^ bestimmt man die zwei ^Fixpunkte^. Man steckt
-das Thermometer in ^gestoßenes Eis, besser in frisch gefallenen Schnee^,
-der in langsamem Schmelzen begriffen ist. So lange die Kugel von
-schmelzendem Schnee umgeben ist, bleibt das Quecksilber in der Röhre
-beständig auf demselben Punkte, gleichgültig, wie warm die Umgebung ist.
-Diesen Punkt bezeichnet man auf der Skala mit 0, und nennt ihn den
-#Nullpunkt, Eis- oder Gefrier- oder Schmelzpunkt#.
-
-Man hält das Thermometer ^in den Dampf kochenden Wassers^, bezeichnet
-den Stand des Quecksilbers und nennt diesen Punkt den #Siedepunkt#. Es
-findet sich, daß hiebei das Quecksilber auch beständig auf derselben
-Stelle steht, gleichgültig wie stark das Wasser kocht; jedoch werden wir
-hierüber später noch genaueres erfahren. Die zwei Fixpunkte sind stets
-leicht und sicher zu bestimmen.
-
-Den Abstand zwischen beiden Punkten teilt man in 100 gleiche Teile oder
-Grade, so daß der Gefrierpunkt mit 0°, der Siedepunkt mit 100°
-bezeichnet ist, nennt sie ^Grade^ nach #Celsius# (1742) oder
-^Centesimalgrade^, trägt ebensogroße Grade über 100 an, indem man
-einfach weiterzählt, und unter 0, indem man sie dort mit - bezeichnet
-und ^Kältegrade^ nennt.
-
-Diese Einteilung ist jetzt fast allgemein gebräuchlich. Zur Angabe der
-Temperatur der Luft und des Wassers (an Badeplätzen) benützt man auch
-noch die ältere Einteilung nach #Réaumur#, nach welcher der Raum
-zwischen beiden Fixpunkten in 80 Teile geteilt ist, also auf dem
-Siedepunkt 80° steht: es sind demnach ~100° C = 80° R~, ~5° C = 4° R~,
-~n° C = 0,8 n° R~.
-
-In England und Nordamerika bedient man sich meist noch der Einteilung
-nach #Fahrenheit#. Man teilt den Abstand beider Fixpunkte in 180 Teile,
-trägt noch 32 solche Teile vom Gefrierpunkt nach abwärts an und
-bezeichnet diesen Punkt mit 0°, so daß am Gefrierpunkt 32°, am
-Siedepunkt 212° steht; es sind also ~100° C = 180° + 32° F~, ~5° C = 9°
-+ 32° F~, ~30° C = 54° + 32° F = 86° F~, 100° F = (100 - 32) · ⁵/₉ =
-37,77° C~ (Bluttemperatur des Menschen).
-
- Die Akademie von Florenz stellte seit 1657 die ersten wirklichen
- Thermometer her, die mit Wasser oder Weingeist gefüllt waren, aber
- noch keine Fixpunkte hatten. Erst Renaldini schlug 1694 den Schmelz-
- und Siedepunkt als Fixpunkte vor. Die ersten vergleichbaren
- Thermometer machte Fahrenheit (1714) und benutzte zuerst Weingeist,
- dann Quecksilber; als Fixpunkte nahm er eine Kältemischung für 0° und
- die Temperatur der Mundhöhle für 100°.
-
-Wenn die Thermometerröhre nicht überall gleich weit ist, so sind die
-Angaben des Thermometers ^ungenau^. Man vergleicht dieses Thermometer
-etwa von 10 zu 10° mit den Angaben des ^Normalthermometers^, stellt die
-^Abweichungen^ in eine Tabelle zusammen und korrigiert damit die Angaben
-des Thermometers.
-
-Bei jedem Thermometer verändert sich mit der Zeit die ^Lage^ des
-^Nullpunktes^ dadurch, daß durch den äußeren Luftdruck die Glaskugel
-etwas zusammengedrückt wird. Man #kontrolliert# deshalb von Zeit zu Zeit
-die #Lage des Nullpunktes#, indem man das Thermometer in schmelzendes
-Eis steckt. (Das Jenaer Normalthermometerglas ist frei von diesem
-Übelstande.) Nur wenn ein Thermometer so korrigiert und kontrolliert
-wird, sind seine Angaben zuverlässig und brauchbar; gewöhnliche
-Thermometer zeigen meist sehr unregelmäßig und oft bis 2° unrichtig.
-
-Das Quecksilberthermometer geht bloß von -39° bis 357°; denn bei -39°
-gefriert das Quecksilber und bei 357,2° kocht es und entwickelt Dämpfe,
-die die Kugel zersprengen.
-
-Meistens umfaßt ein Thermometer nur diejenigen Grade, innerhalb deren es
-benützt werden soll. Für Luftwärme geht es von -30° bis 50°, für
-kochendes Wasser von 80 bis 102°, andere gehen von 0° bis 100°, oder von
-100° bis 200° u. s. w. Man kann dann die Röhre ziemlich kurz machen,
-ohne daß die Grade zu klein werden.
-
-Für Temperaturen unter -30° benützt man das #Weingeistthermometer#, das
-wie ein Quecksilberthermometer eingerichtet, aber mit wasserfreiem
-Weingeist, ^absolutem Alkohol^, gefüllt ist; dieser gefriert nicht,
-sondern wird bei sehr niedriger Temperatur nur etwas dickflüssig. Es
-wird durch Vergleich mit anderen Thermometern geteilt. Für Temperaturen
-über 350° hat man verschiedene Apparate von geringerer Zuverlässigkeit
-(Pyrometer).
-
-Das #Maximumthermometer# gibt die höchste Temperatur an, die es im Laufe
-einer gewissen Zeit angenommen hat. Es ist ein Quecksilberthermometer
-mit etwas weiter Röhre; in der Röhre befindet sich über dem Quecksilber
-ein ^Eisenstäbchen^, Zeiger oder ^Index^ genannt. Steigt das
-Quecksilber, und ist die Röhre horizontal gestellt, so schiebt es den
-Index vor sich her; fällt es, so läßt es den Index an der vordersten
-Stelle liegen, woran man die höchste Temperatur erkennen kann. Durch
-Erheben des Rohres rutscht der Index wieder zum Quecksilberfaden zurück.
-
-Eine andere Einrichtung ist folgende: Man schmilzt in den unteren Teil
-der Röhre einen kleinen Glassplitter ein; dieser hindert nicht das
-Steigen des Quecksilbers beim Erwärmen, aber bei der Abkühlung ^reißt^
-der Quecksilberfaden am Splitter ab, bleibt in der Röhre und gibt so das
-Maximum an; durch Schwingen des Thermometers tritt das Quecksilber
-wieder in die Kugel zurück. Es kann in jeder Lage (nicht bloß in
-horizontaler) benützt werden, und wird deshalb vom Arzte benützt, um die
-Bluttemperatur des Kranken zu bestimmen.
-
-[Abbildung: Fig. 74.]
-
-Das #Minimumthermometer# gibt die niedrigste Temperatur an, welche es im
-Verlaufe einer gewissen Zeit angenommen hat. Es ist ein
-Weingeistthermometer; im Weingeist der Röhre befindet sich ein kleines
-Glasstäbchen, Index. Neigt man das Rohr, so läuft der Index bis an das
-vordere Ende des Weingeistfadens, ist aber wegen der Oberflächenspannung
-nicht imstande, die Grenzfläche des Weingeistes zu durchbrechen. Sinkt
-die Temperatur, so nimmt bei horizontal gelegtem Rohre der
-zurückweichende Weingeist vermöge der Spannung seiner Oberfläche den
-Index mit zurück; steigt die Temperatur, so fließt der vordringende
-Weingeist am Glasstäbchen vorbei, ohne es mitzunehmen; der Index liegt
-also an der hintersten Stelle, bis zu welcher der Weingeist
-zurückgegangen war.
-
-
-50. Ausdehnung fester Körper durch die Wärme.
-
-#Jeder Körper dehnt sich bei Erwärmung aus.# Da die Ausdehnung bei
-festen Körpern ziemlich gering ist, so bedient man sich des Apparates
-von ^Muschenbrook^. Der zu untersuchende Stab wird horizontal auf zwei
-Träger gelegt; mit dem einen Ende berührt er eine ^Stellschraube^, mit
-dem andern drückt er gegen einen ^beweglichen Stift^ (^Druckhebel^), und
-zwar sehr nahe an dessen Drehpunkt. Wenn der Stab durch die Erwärmung
-sich ein wenig ausdehnt, also sein Ende eine kleine Bewegung macht, so
-macht das Ende des Stiftes eine vielmal (etwa 20 mal) größere Bewegung.
-Das Ende des Stiftes drückt gegen einen ^beweglichen Zeiger^, sehr nahe
-an dessen Drehpunkt, so daß die Zeigerspitze wieder eine vielmal größere
-Bewegung macht (etwa 10 mal); sie macht also eine 200 mal größere
-Bewegung als das Ende des Eisenstabes, so daß sie sichtbar und an einem
-geteilten Kreise meßbar ist.
-
-[Abbildung: Fig. 75.]
-
-#Unter den festen Körpern dehnen sich die Metalle am stärksten aus#, und
-unter ihnen #besonders Zink#; ein 1 _m_ langer Zinkstab dehnt sich bei
-Erwärmung um 100° um 3 _mm_, ein Eisenstab bloß um ca. 1 _mm_ aus.
-
-#Linearer Ausdehnungskoeffizient# oder spezifische Längenausdehnung ist
-die Länge (in Bruchteilen des Meters), um welche sich ein Stab von 1 _m_
-Länge ausdehnt bei einer Erwärmung von 1° (oder auch das Verhältnis der
-Ausdehnung bei 1° zur ursprünglichen Länge).
-
- Platin 0,000 009
- Eisen 0,000 0116-126
- Gold 0,000 014
- Kupfer 0,000 017
- Silber 0,000 020
- Blei 0,000 0284
- Zink 0,000 0294-0,000 0311
- Stahl ungehärtet 0,000 0108
- „ gehärtet 0,000 0137
- Gußstahl 0,000 0122
- Gußeisen 0,000 0111
- Messing 0,000 0187
- Messingdraht 0,000 0193
- Hartlot(1 Znk, 2 Ku.) 0,000 0126
- Zinn 0,000 0194-248
-
- Zement 0,000 0143
- Granit 0,000 00868
- Holz (Tannen) 0,000 00352
- Marmor 0,000 00426
- Mauerziegel 0,000 0055
- Glas 0,000 007-0,000 009
-
-Die Ausdehnung ist der Länge des Stabes proportional, beträgt also bei l
-Meter Länge l mal so viel wie bei 1 Meter Länge, und ist der
-Temperaturerhöhung proportional, beträgt also bei ~t~° ~t~ mal so viel
-wie bei 1°. Bezeichnet man den Ausdehnungskoeffizienten mit ~c~, so
-dehnt sich 1 Meter bei 1° Erwärmung um ~c~ Meter aus; also dehnen sich
-~l~ Meter bei ~t~° Erwärmung um ~c l t~ Meter aus, und da die
-ursprüngliche Länge ~l~ Meter war, so ist die durch die Ausdehnung
-erhaltene Länge
-
- ~#l′ = l + c l t = l (1 + c t)#~.
-
-Bei höheren Temperaturen dehnen sich die Körper im allgemeinen etwas
-stärker aus als bei niedrigen; die angegebenen Koeffizienten gelten nur
-zwischen 0° und 100°, und auch da nicht ganz genau.
-
-Wenn auch die Größe der Ausdehnung bei festen Körpern nicht beträchtlich
-ist, so ist doch ^die Kraft, mit welcher sie sich ausdehnen, ungemein
-groß^, so daß ihr für gewöhnlich kein Widerstand unüberwindlich ist. Ein
-eiserner Tragbalken, zwischen zwei Mauern angebracht, drückt dieselben
-durch, wenn er sich ausdehnt; man läßt deshalb an seinen Enden einen
-Spielraum. Die Schienen der Eisenbahn werden nicht ganz aneinander
-gestoßen, damit sie sich ausdehnen können. Daß der Kitt, der zwei
-Gegenstände verbindet, so selten hält, kommt besonders davon her, daß
-Kitt und Gegenstand sich verschiedenartig ausdehnen, also entweder eine
-Pressung oder Zerreißung entsteht.
-
-[Abbildung: Fig. 76.]
-
-Bei Uhren ist die Ausdehnung der ^Pendelstange^ durch die Wärme störend
-für den gleichmäßigen Gang; denn je länger die Pendelstange wird, desto
-langsamer geht die Uhr; eine Turmuhr würde also ^im Sommer nach, im
-Winter vorgehen^. Diesem Mißstande hilft man ab durch das
-#Kompensations- oder Rostpendel#, das auf der ungleichmäßigen Ausdehnung
-der Metalle beruht. (~Graham~ 1715.) Man macht das Pendel oben aus einer
-kurzen Eisenstange ~ab~, die bei ~b~ einen Querbalken trägt; von diesem
-führen zwei Eisenstangen nach abwärts, dann zwei Zinkstangen nach
-aufwärts und von da führt eine Eisenstange nach abwärts bis zur Linse.
-Durch die Erwärmung geht die Linse nach abwärts infolge der Ausdehnung
-der Eisenstäbe ~ab~, ~bc~, ~de~, aber nach aufwärts durch die Ausdehnung
-des Zinkstabes ~cd~; sind beide Ausdehnungen gleich groß, so bleibt die
-Linse ~e~ gleich weit von ~a~ entfernt, also die Pendellänge gleich
-groß. Da sich Zink dreimal stärker ausdehnt als Eisen, so muß hiebei die
-Zinkstange ~cd~ dreimal kleiner sein, als die Summe der Eisenstäbe ~ab +
-bc + de~.
-
-[Abbildung: Fig. 77.]
-
-#Metallthermometer#: Zwei Streifen von Metallen, die sich sehr ungleich
-ausdehnen, z. B. Eisen und Zink, werden der ganzen Länge nach auf
-einander gelötet, und dieser Stab, #Thermostreifen#, mit dem einen Ende
-festgeklemmt; dann biegt er sich bei Erwärmung so, daß das Zink außen
-ist, da sich Zink stärker ausdehnt als Eisen; bei Abkühlung krümmt er
-sich nach der anderen Seite. Jedoch sind diese Bewegungen des Stabendes
-sehr gering, werden deshalb durch Übersetzung größer gemacht, und man
-erhält so ein ^Metallthermometer^. Es wird graduiert durch Vergleich mit
-einem Normalthermometer. Wegen der großen Masse des Stabes nimmt es die
-Temperatur nur langsam an, ist träge und wird deshalb nur für bestimmte
-Zwecke benützt (Thermograph).
-
-Der #kubische Ausdehnungskoeffizient# eines Stoffes gibt an,
-um wie viele Volumeinheiten sich die Volumeinheit des Stoffes
-ausdehnt bei 1°; er ist sehr nahe gleich dem dreifachen linearen
-Ausdehnungskoeffizienten, also = 3 ~c~; ist deshalb das Volumen eines
-Körpers = ~v~, und erwärmt man ihn um ~t~°, so ist sein neues Volumen
-~#v′ = v + 3 c v t = v (1 + 3 c t)#~.
-
-Ein Hohlkörper (Glaskugel, Blechkörper) dehnt sich dem Volumen nach
-ebenso aus, wie wenn sein Hohlraum auch mit der Masse der Hülle
-ausgefüllt wäre.
-
-
-Aufgaben:
-
-#46.# Welchen Druck würde Luft ausüben, wenn sie auf ein sp. G. von
-0,027 verdichtet ist?
-
-#47.# Ein Behälter von 12 _l_ Größe, gefüllt mit Luft von 760 _mm_
-Druck, wird mit einem Behälter von 18 _l_ Größe, gefüllt mit Luft von
-520 _mm_ Druck, in Verbindung gesetzt. Welcher Druck stellt sich ein?
-
-#48.# Wie lang wird ein Eisendraht von 25,6 _m_ Länge bei 60° Erwärmung?
-
-#49.# Ein Blechgefäß aus Messing faßt bei 0° 7,426 _l_;~ wie viel faßt
-es, wenn es um 50° oder um 100° erwärmt wird?
-
-#50.# Ein Glasballon hat 480 _ccm_ Inhalt bei 0°. Wie viel faßt er bei
-100°?
-
-
-51. Ausdehnung flüssiger Körper durch die Wärme.
-
-^Flüssige^ Körper dehnen sich bei Erwärmung auch aus. Das Quecksilber
-hat einen kubischen Ausdehnungskoeffizienten von 0,00018; da Glas aber
-einen viel kleineren hat, nämlich ca. 0,000027, so ergibt sich hieraus
-die Möglichkeit der Konstruktion des Quecksilberthermometers.
-Quecksilber dehnt sich als Metall sehr gleichmäßig aus, die andern
-Flüssigkeiten dehnen sich aber so ^unregelmäßig^ aus, daß man ein
-einfaches Gesetz nicht angeben kann: der Ausdehnungskoeffizient wächst
-bei steigender Temperatur beträchtlich.
-
-#Wasser# zeigt eine merkwürdige Ausnahme; es #zieht sich von 0° an
-zusammen bis 4° ~C~, hat bei 4° ~C~ seine größte Dichte# und dehnt sich
-von da an wieder aus (Rumford). Enthält das Wasser andere Stoffe
-aufgelöst, so zeigt es ein anderes Verhalten; Meerwasser, das 3,7% Salz
-enthält, hat die größte Dichte bei ca. -2°, gefriert bei -2° bis -2,4°.
-Ähnliche Unregelmäßigkeit in der Ausdehnung findet auch bei anderen
-Körpern in der Nähe des Schmelzpunktes statt.
-
-Ein _cdm_ Wasser von 4° ~C~ hat folgende Volumina:
-
- Temp. ~C~° _cdm_
- 0 1,000 136
- 10 1,000 257
- 20 1,000 732
- 30 1,004 234
- 40 1,007 627
- 50 1,011 877
- 60 1,016 954
- 70 1,022 384
- 80 1,029 003
- 90 1,035 829
- 100 1,043 116
- 200 1,058 99
-
-Man nimmt als #Masseneinheit die Masse von 1 _ccm_ Wasser im Zustand
-seiner größten Dichte, also bei 4° ~C~#. Auch die spezifischen Gewichte
-der Körper beziehen sich alle auf Wasser von 4°. Da sich Wasser von 4°
-an ausdehnt, so erhält es ein kleineres sp. G.; so ist bei 100° sein sp.
-G. = 0,9586; 1 _l_ Wasser von 100° wiegt um 41,4 _g_ weniger als 1 _kg_.
-Daraus folgt: #warmes Wasser bekommt einen Auftrieb, wenn es von kaltem
-umgeben ist#, infolgedessen es in die Höhe zu steigen bestrebt ist.
-
-[Abbildung: Fig. 78.]
-
-Wenn man einen Topf mit Wasser auf das Feuer stellt, so wird das Wasser
-zunächst am Boden erwärmt, wird leichter und steigt in die Höhe, während
-das kalte Wasser an den Seitenwänden nach abwärts sinkt; es entsteht ein
-Kreislauf, eine ^Zirkulation^, welche wesentlich zur gleichmäßigen
-Durchwärmung beiträgt; ähnliches findet nicht statt, wenn der Topf etwa
-mit Sand gefüllt ist.
-
-Ähnlich ist folgende Erscheinung: wenn man eine im Viereck gebogene mit
-Wasser gefüllte Glasröhre an einem untern Eck erwärmt, so steigt das
-erwärmte Wasser aufwärts, während das kältere im andern Teile der Röhre
-herabsinkt. Das Wasser kommt so in eine Zirkulation, und da es im oberen
-Laufe sich abkühlt und unten immer wieder erwärmt wird, so bleibt es in
-Zirkulation. Hierauf beruht die #Wasserheizung#: Von einem
-starkwandigen, mit Wasser gefüllten Kessel, der durch eine Feuerung
-erhitzt wird, führt eine Röhre bis ins oberste Stockwerk, biegt sich
-heberförmig um und taucht in das in einem offenen ^Kupferblechkasten^
-(^Wasserofen^) befindliche Wasser. Aus ihm führt unten eine Röhre
-heraus, die alle Räume durchzieht, und dann in den unteren Teil des
-Kessels mündet. Wird das Wasser im Kessel erhitzt, so steigt es in der
-aufwärts führenden Röhre in die Höhe, und sinkt vom Behälter durch die
-abwärts führenden Röhren wieder in den Kessel zurück.
-
-Wird Wasser von oben abgekühlt, so geht die Zirkulation in umgekehrter
-Richtung vor sich: die kälteren Teilchen sinken zu Boden, die wärmeren
-steigen auf. Dies tritt ein, wenn ein ruhiger See sich abkühlt; ist die
-Temperatur aber bis 4° gesunken und sinkt sie oben noch tiefer, so
-dehnen sich die oberen Schichten aus und bleiben oben, da sie leichter
-sind; die Kälte dringt daher nur langsam nach abwärts; so kommt es, daß
-sich oben sogar eine Eisdecke bildet, #während von einiger Tiefe an eine
-gleichmäßige Temperatur von 4° herrscht#.
-
-
-Aufgaben:
-
-#61.# Eine Thermometerkugel faßt bei 0° genau 1 _ccm_. Was wiegt das
-austretende Quecksilber, wenn man sie bis 100° erwärmt? Wie hoch steigt
-es in einer Röhre von 0,1 _qmm_ Querschnitt?
-
-#62.# Wie groß ist das sp. G. des Wassers bei 50°?
-
-
-52. Ausdehnung luftförmiger Körper durch die Wärme.
-
-#Der Ausdehnungskoeffizient ist bei allen Luftarten nahezu gleich groß#
-(~Dalton~); #die Ausdehnung ist sehr beträchtlich#, nämlich 0,00367 für
-1° von 0° an; sie ist #nahezu gleichförmig#. 1 _l_ Luft von 0° dehnt
-sich, wenn man ihn um 1° erwärmt, um 0,00367 _l_ aus, bis 100° um 0,367
-_l_, bis 200° um 0,734 _l_, bis 273° um 1 _l_, ist also doppelt so groß
-geworden, und wird für je weitere 273° wieder um 1 _l_ größer.
-
-Bezeichnet man das Volumen der Luft bei 0° mit ~v₀~, den
-Ausdehnungskoeffizienten mit ~k~ = 0,00367 und die Anzahl der Grade mit
-~t₁~, so ist die Ausdehnung = ~v₀ k t₁~, also das neue, vergrößerte
-Volumen ~v₁ = v₀ + v₀ k t₁~,
-
- ~#v₁ = v₀ (1 + k t₁)#~.
-
-Das sp. G. der Gase bezieht sich stets auf 0° und das der Luft beträgt
-0,00129. Da bei Erwärmung auf ~t₁~° das Volumen der Luft (1 + ~k t₁~)
-mal größer geworden ist, so ist ihre Dichte und auch ihr sp. G. (1 + ~k
-t₁~) mal kleiner geworden, folglich ist das sp. G. ~s₁~:
-
- 0,00129
- ~s₁ = ---------~.
- 1 + k t₁
-
-Hat man ~v₁~ Liter Gas vom sp. G. ~s~ (~s~ bei 0°), einer Temperatur von
-~t₁~° und einem Druck (Barometerstand) von ~b~ _mm_ Quecksilber, so ist
-dessen Gewicht:
-
- v₁ · s · 0,00129 · b
- Gewicht = ~--------------------~ _kg_.
- (1 + k t₁) · 760
-
-#Warme Luft, von kalter umgeben, hat das Bestreben, in die Höhe zu
-steigen.# Wir sehen die durch das Feuer erwärmte Luft aufsteigen und die
-Rußteilchen (Rauch) mit sich emporführen; die Luft über dem geheizten
-Ofen steigt in die Höhe. Ein Kamin dient nicht bloß dazu, dem Rauche
-einen Abzug zu verschaffen, sondern insbesondere dazu, einen ^Luftzug^
-herzustellen, um das Brennen zu unterhalten. Auf die Öffnungen des
-Rostes drückt von innen die warme Luft des Kamines nach den Gesetzen des
-Bodendruckes, von außen der Druck einer gleich hohen Säule kalter Luft;
-der Unterschied beider bewirkt den Luftzug; dieser ist um so größer, je
-höher der Kamin und je größer der Unterschied in der Temperatur, also im
-sp. G. ist. Deshalb haben große Feuerungsanlagen auch sehr hohe Kamine,
-und ist der Luftzug im Sommer schwächer als im Winter.
-
-Auf dem Aufsteigen der erwärmten Luft beruht auch die #Ventilation
-geheizter Zimmer#; Ventilation heißt ^Luftwechsel oder Lufterneuerung^.
-Da der Mensch beim Atmen gute Luft einatmet und schlechte, besonders mit
-Kohlensäure stark vermischte Luft ausatmet, so muß in einem bewohnten
-Raume die Luft allmählich und beständig erneuert werden. Dies erreicht
-man im Sommer leicht durch Öffnen von Fenstern und Türen. Im Winter
-^ventiliert sich das Zimmer von selbst, wenn es geheizt ist^; denn die
-wärmere Zimmerluft hat das Bestreben aufzusteigen, und die kalte äußere
-Luft hat das Bestreben, unten hereinzuströmen. Die Wände, sowie Boden
-und Decke sind aber ^porös^, und wenn auch die Poren sehr klein sind, so
-sind sie dafür in sehr großer Anzahl vorhanden, so daß die Luft ziemlich
-leicht durch sie hindurchgehen kann. Dazu kommen noch die Ritzen in
-Böden, Fenstern und Türen.
-
-Diese ^Selbstventilation^ genügt vollständig, wenn die
-Temperaturdifferenz ziemlich groß ist, in dem Zimmer nur mäßig viele
-Personen sich befinden, die Wände porös und trocken sind, das Haus
-selbst ziemlich frei liegt und nicht zu dicht bewohnt ist. ^Das ist aber
-nur sehr selten der Fall^. Wo sie nicht ausreicht, um die Luft eines
-Zimmers stets rein genug zu erhalten, muß man durch andere Mittel
-nachhelfen; solche sind: fleißiges Lüften der Zimmer; Öfen, die vom
-Zimmer aus, nicht vom Gange aus geheizt werden, denn diese entnehmen
-alle Luft, die sie brauchen, vom Zimmer, so daß wieder ebensoviel Luft
-von außen hereinströmen muß; zweckmäßig angebrachte Öffnungen, z. B.
-Öffnen einer ganzen Fensterscheibe möglichst hoch oben; dadurch daß nun
-die obere Luft leichter hinausströmen kann, strömt unten mehr herein;
-schließlich das Anbringen einer ^künstlichen Ventilation^. Eine solche
-besteht meistens aus einem kaminähnlichen Schachte, der vom Fußboden aus
-durch das ganze Haus in die Höhe führt bis über das Dach hinaus; unten
-brennt in diesem Schachte beständig eine ^Gasflamme^, welche die Luft in
-ihm erwärmt. Er wirkt dann wie ein Kamin und entnimmt dem Zimmer viel
-verdorbene Luft.
-
-
-53. Erhöhung der Expansivkraft der Luft durch Wärme.
-
-Wir haben gesehen, daß sich Luft ausdehnt, wenn sie erwärmt wird, und
-dabei vorausgesetzt, daß sie sich auch wirklich ausdehnen kann, sich
-also in einem ^offenen^ Gefäße befindet, das mit der gewöhnlichen Luft
-in Verbindung steht. Da die ausgedehnte Luft auch dem äußeren Luftdrucke
-das Gleichgewicht hält, so hat sie auch noch die Spannkraft von einer
-Atmosphäre, obwohl sie sich ausgedehnt hat. ^Das Mariotte’sche Gesetz,
-demgemäß ein Gas eine geringere Spannkraft bekommt, wenn es sich
-ausdehnt, gilt also nur, wenn das Gas dieselbe Temperatur beibehält^.
-
-Wenn die Luft in einem ^verschlossenen^ Gefäße erwärmt wird, so kann sie
-sich nicht ausdehnen, und die Wirkung der Erwärmung zeigt sich dann
-darin, daß ^die erwärmte Luft eine größere Spannkraft bekommt^. Diese
-größere Spannkraft ist so groß, wie wenn man die Luft durch Erwärmung
-zuerst sich hätte ausdehnen lassen, und sie dann unter Beibehaltung
-ihrer Temperatur wieder auf das ursprüngliche Volumen zusammengepreßt
-hätte. Bei der Ausdehnung wird aber das Volumen der Luft (1 + ~k t~) mal
-größer. Drückt man das vergrößerte Volumen auf das ursprüngliche
-zusammen, macht es also (1 + ~k t~) mal kleiner, so wird nach dem
-Mariotte’schen Gesetz ihre Spannkraft (1 + ~k t~) mal größer, demnach
-ist die durch Erwärmung vergrößerte Spannkraft der eingeschlossenen Luft
-= ~p₀ (1 + k t)~. Man erkennt ebenso wie früher, daß die Spannkraft der
-Luft bei 100° 1,367 Atmosphären, bei 200° 1,734 Atm., bei 270° 2 Atm.,
-bei 546° 3 Atm. beträgt, und daß sie für je weitere 273° um 1 Atm.
-wächst.
-
-Die Formeln ~#v₁ = v₀ (1 + k t₁)#~ und ~#p₁ = p₀ (1 + k t₁)#~ enthalten
-das #Gay Lussac’sche Gesetz: das Volumen oder der Druck des Gases wird
-~(1 + k t₁)~ mal größer, wenn man das Gas von 0° auf ~t₁~ Grad erwärmt#.
-
-#Umgekehrt: Das Volumen oder der Druck des Gases wird ~1 + k t~ mal
-kleiner, wenn man es von ~t~° auf 0° abkühlt.#
-
-Hat ein Gas vom Volumen ~v₀~ bei 0° einen Druck ~p₀~, und setzt man es
-einem anderen Druck ~p₁~ aus, wobei man dafür sorgt, daß die Temperatur
-0° beibehalten wird, so bekommt es ein anderes Volumen ~v~ und es ist
-nach dem ^Mariotte’schen^ Gesetz:
-
- p₀
- ~v : v₀ = p₀ : p₁~; ~v = v₀ · --~.
- p₁
-
-Erwärmt man dieses Volumen ~v~ von 0° auf ~t₁~°, wobei man dafür sorgt,
-daß der jetzige Druck ~p₁~ unverändert bleibt, und das Gas sich
-ungehindert ausdehnen kann, so wird das Volumen (1 + ~k t₁~) mal größer
-nach dem ^Gay Lussac^’schen Gesetz; demnach ist sein neues Volumen
-
- v₀ p₀ v₁ p₁
- ~v₁ = ----- (1 + k t₁)~, oder ~v₀ p₀ = --------~.
- p₁ 1 + k t₁
-
-Bringt man dasselbe Gas vom Volumen ~v₀~ und dem Druck ~p₀~ auf den
-Druck ~p₂~ und die Temperatur ~t₂~, so ist ebenso
-
- v₂ p₂
- ~v₀ p₀ = ---------~;
- (1 + k t₂)
-
-daher ist durch Vergleichung:
-
- v₁ p₁ v₂ p₂
- #~-------- = --------~.#
- 1 + k t₁ 1 + k t₂
-
-Diese Formel enthält das #vereinigte Mariotte-Gay-Lussac’sche Gesetz#;
-sie zeigt, daß das ^Volumen^ eines Gases bloß vom Druck und von der
-Temperatur abhängig ist, ebenso, daß der ^Druck^ eines Gases (durch
-~v₁~, ~p₁~, ~t₁~ bestimmt) nur vom Volumen (~v₂~) und der Temperatur
-(~t₂~) abhängt, ebenso daß die ^Temperatur^ eines Gases (durch ~v₁~,
-~p₁~, ~t₁~ bestimmt) nur vom Volumen (~v₂~) und dem Druck (~p₂~)
-abhängt, d. h. daß man dem Gas (~v₁~, ~p₁~, ~t₁~) eine ganz bestimmte
-Temperatur ~t₂~ geben muß, wenn es bei vorgeschriebenem Volumen (~v₂~)
-einen vorgeschriebenen Druck (~p₂~) ausüben soll.
-
-Die Formel zeigt allgemein, wie ein Element des neuen Zustandes (~v₂~
-oder ~p₂~ oder ~t₂~) aus den Elementen des früheren Zustandes (~v₁ p₁
-t₁~) und zwei gegebenen Elementen des neuen Zustandes berechnet werden
-kann.
-
-Diese Formel enthält sowohl das Mariotte’sche Gesetz als auch die beiden
-Arten des Gay-Lussac’schen Gesetzes als Spezialfälle in sich.
-
-Es muß bemerkt werden, daß es für den zweiten Zustand (~v₂ p₂ t₂~)
-gleichgültig ist, in welcher Reihenfolge die Elemente des ersten
-Zustandes (~v₁ p₁ t₁~) in den zweiten übergeführt worden sind, ob sie
-gleichzeitig oder nacheinander geändert wurden, oder ob sogar Umwege
-gemacht wurden.
-
-Auf der Ausdehnung der Luft beruht das #Luftthermometer#, wie es vor
-Erfindung der Weingeistthermometer benützt wurde. Zuerst von Drebbel
-erfunden, stellte sich Guericke ein Luftthermometer her, bestehend aus
-einer kupfernen mit Luft gefüllten Kugel, an die sich unten eine
-~U~-Röhre anschloß, mit Wasser gefüllt; bei Erwärmung der Luft schob sie
-das Wasser nach abwärts, so daß es im anderen Schenkel stieg. Die
-heutigen Luftthermometer sind ähnlich eingerichtete Apparate von hoher
-Vollkommenheit, und dienen dazu, die Angabe der Quecksilberthermometer
-zu kontrollieren.
-
-
-Aufgaben:
-
-#63.# Was wiegen 7 _cbm_ Luft von 23° ~R~?
-
-#64.# Welches Volumen nehmen 250 _l_ Luft von 40° bei 0° ein?
-
-#65.# Um wie viel dehnen sich 40 _cbm_ Luft aus, wenn sie von 0° auf
-180° erwärmt werden?
-
-#66.# Welches Volumen bekommen ~v~ _cbm_ Luft, wenn man sie von ~t₁~°
-auf ~t₂~° erwärmt?
-
-#67.# Welches Volumen haben 6 _kg_ Leuchtgas (sp. G.= 0,894) bei 18°?
-
-#68.# Was wiegen 25 _l_ Luft von 30° und 720 _mm_ Druck?
-
-#69.# Was wiegt 1 _cbm_ Leuchtgas bei 12° und 71 _cm_ Barometerstand?
-
-#70.# Welches Volumen hat 1 Ztr. Kohlensäure bei -10° und 1¼ Atm. Druck?
-
-#71.# Welches Volumen nimmt 1 _cbm_ Luft von 26° und 754 _mm_ Druck ein
-(Italien), wenn er auf -5° und 485 _mm_ Druck (Alpen) kommt?
-
-#72.# Welche Expansivkraft bekommen 80 _l_ Luft von 10° und 73 _cm_
-Druck, wenn man sie auf 30 _l_ von 100° bringt?
-
-#73.# In einer Flasche von 3¾ _l_ Inhalt, welche Kohlensäure von 20° und
-71 _cm_ Druck enthält, werden noch 15 _l_ ebensolches Gas hineingepreßt.
-Welcher Druck besteht schließlich in der Flasche, wenn man sie auf 0°
-abkühlt? Wie viel _g_ Kohlensäure sind nun darin und welches ist in
-diesem Zustand ihr sp. G.?
-
-#74.# 2,6 _l_ Gas wiegen bei 17° und 744 _mm_ Barometerstand 4,785 _g_;
-wie groß ist dessen sp. G. bei 0° und 760 _mm_?
-
-#75.# Welches Volumen nehmen ~v₁~ _l_ Luft von ~p₁~ Druck und ~t₁~
-Temperatur an, wenn man sie auf 1 Druck und 0° Temperatur bringt?
-
-#76.# Welchen Druck nehmen ~v₁~ _l_ Luft von ~p₁~ Druck und ~t₁~
-Temperatur an, wenn man sie auf 1 _l_ von 0° Temperatur bringt? Was
-ergibt sich aus dem Vergleich von 75 und 76?
-
-
-54. Wärmeleitung.
-
-Wenn man einen Körper an einer Stelle erwärmt, so verbreitet sich die
-Wärme von dieser Stelle aus nach den kälteren Teilen; diesen Vorgang
-nennt man #Wärmeleitung#. Ein Körper ist ein #guter# Wärmeleiter, wenn
-er große Mengen Wärme in kurzer Zeit von einer Stelle zu einer
-entfernten leitet, oder ein #schlechter# Wärmeleiter, wenn er nur wenig
-Wärme und langsam leitet. Man unterscheidet auch noch #Halbleiter#, die
-in ihrem Leitungsvermögen zwischen den guten und schlechten Leitern
-stehen.
-
-Gute Wärmeleiter sind nur die ^Metalle^; jedoch ist ihre
-Leitungsfähigkeit sehr verschieden. Bezeichnet man die Leitungsfähigkeit
-von Silber willkürlich mit 100, so hat Kupfer 74, Gold 53, Messing 23,
-Zink 19, Zinn 14, Eisen 12, Blei 8, Platin 8, Wismut 2. Von den
-billigeren Metallen leitet besonders Kupfer die Wärme sehr gut, 6 mal so
-gut als Eisen, weshalb es gern zu Kochgefäßen, Kesseln, Braupfannen und
-Wasserheizungsröhren verwendet wird.
-
-Unter die ^Halbleiter^ rechnet man die Steine, Glas, Porzellan, Ton. Sie
-leiten die Wärme viel schlechter als die Metalle, so erwärmt sich ein
-irdener Ofen viel langsamer als ein eiserner; gibt aber auch seine Wärme
-viel langsamer an die Luft ab, erwärmt demnach gleichmäßiger und noch
-lange Zeit, nachdem das Feuer ausgegangen ist. Sehr große irdene Öfen
-(Kachelöfen, Porzellanöfen) heizen gut; denn die große Masse Ton, aus
-der sie bestehen, nimmt sehr viel Wärme auf und gibt sie dann langsam an
-das Zimmer ab.
-
-Zu den ^schlechten^ Leitern gehören zunächst Wasser und Luft.
-
-Man erkennt dies, wenn man Wasser ^oben erwärmt^, so daß die erwärmten
-und deshalb leichten Wasserteilchen oben bleiben und nicht in
-Zirkulation kommen, so daß nur durch Leitung sich die Wärme nach abwärts
-fortpflanzen kann.
-
-Zu den schlechten Wärmeleitern gehören dann noch Kautschuk, Schwefel,
-Bein, Horn u. s. w.; dann eine große Anzahl ^lockerer Körper^, wie
-Sägspäne, Stroh, Laubwerk, Asche, Wolle, Tuch, Haare, Pelz, Federn,
-Schnee, Asbest, Glaswolle und ähnliche. Diese leiten die Wärme schlecht,
-weil schon ihre Masse schlecht leitet, dann weil zwischen ihren fein
-zerteilten Teilen eine große Menge Luft vorhanden ist, die ja die Wärme
-an sich schlecht leitet, und noch dazu in so engen Räumen enthalten ist,
-daß sie nicht zirkulieren, also auch so die Wärme nicht fortpflanzen
-kann.
-
-Will man einen kalten Körper gegen das Eindringen der Wärme, oder einen
-warmen Körper gegen das Ausströmen seiner Wärme, also gegen Abkühlung
-schützen, so umgibt man ihn mit einer Schichte lockerer Körper,
-^Isolatoren^ (isolieren = allein stellen, außer Verbindung mit der
-Umgebung setzen). Beispiele: man schützt Mistbeete gegen Frost durch
-leichte Strohmatten; Strohdächer halten im Sommer kühl, im Winter warm.
-Eis verpackt man in Kisten mit doppelten Wänden, wobei der Zwischenraum
-durch Sägspäne ausgefüllt ist. Feuerfeste Geldschränke haben doppelte
-Wände, deren Zwischenraum durch Holzasche angefüllt ist.
-
-Die Tiere sind durch Pelz oder Federn hinreichend gegen Kälte geschützt,
-wir schützen uns durch die Kleider, bei denen es weniger auf die Schwere
-als auf die Feinheit des Stoffes ankommt; auch bei Federn kommt es nicht
-auf das Gewicht, sondern darauf an, daß sie leicht und locker (flaumig)
-sind, und so eine dicke Luftschicht bilden.
-
-Dampfkessel umhüllt man zum Schutz gegen Abkühlung mit Mauerwerk aus
-besonders porösen Steinen (Korksteine) oder mit Filz, Asbest, Glaswolle
-u. s. w., ebenso Dampfröhren.
-
-
-55. Wärmemenge und Wärmequellen.
-
-Die Temperatur eines Körpers mißt man mittels des Thermometers. Damit
-könnte man auch die ^Wärmemenge^ messen, die in einem warmen Körper
-enthalten ist, wenn alle Körper zu ihrer Erwärmung gleich viel Wärme
-brauchen würden. Dies ist jedoch nicht der Fall. Man muß sich also an
-einen bestimmten Stoff halten und definiert:
-
-#Die Einheit der Wärmemenge oder eine Kalorie ist diejenige Wärmemenge,
-welche 1 _kg_ Wasser braucht, damit es um 1° ~C~ wärmer wird.# Um also
-etwa 6 _kg_ Wasser um 5° ~C~ zu erwärmen, braucht man 30 Kalorien. Eine
-^kleine Kalorie^ = 0,001 ~Cal.~ ist die Wärmemenge, welche 1 _g_ Wasser
-aufnimmt, wenn es um 1° ~C~ wärmer wird.
-
-#Verbrennungswärme ist die Anzahl Kalorien, welche 1 _kg_ eines Stoffes
-beim Verbrennen liefert.#
-
- Holz, ganz trocken 3800
- „ mit 25% Wasser 2675
- Holzkohlen, ganz trocken 7580
- Torf, guter, trocken 5000
- „ schlechter (0,2 Asche 0,15 Wasser) 3140
- Braunkohlen 1. Qual. 6000
- „ 2. „ 5000
- Steinkohlen 1. Qual. (0,03 Asche) 7500
- „ 2. Qual. (0,1 Asche) 6900
- „ 3. Qual. (0,2 Asche) 6100
- Anthrazit 7800
- Koks, 0,1 Asche 7000
- „ 0,2 „ 6250
- Wasserstoffgas 34500
- Kohlenoxydgas 2400
- Sumpfgas 13000
- Ölbildendes Gas 12000
- Leuchtgas 11600
- Baumöl 11200
- Rüböl 9300
- Steinöl, sp. G. 0,827 7338
- Terpentinöl 10850
- Weingeist 7200
- Talg 8370
- Schwefel 2200
- Phosphor 5747
-
-Die ^Heizkraft^ der Brennmaterialien ist demnach sehr verschieden;
-jedoch liefert jeder Brennstoff stets gleich viel Kalorien,
-gleichgültig, ob man ihn rasch oder langsam verbrennt, wenn nur die
-Verbrennung jedesmal eine vollständige ist. Es kommen auch andere
-Vorgänge vor, die man als Verbrennungen bezeichnen muß, obwohl der dabei
-auftretende Temperaturgrad ein niedriger bleibt, also keineswegs die
-gewöhnliche Verbrennungstemperatur erreicht. Z. B. beim ^Atmen^
-verbinden sich die in unser Blut übergegangenen Speisestoffe mit dem
-Sauerstoffe der Luft wie bei der Verbrennung; dabei entwickelt sich der
-Menge nach ebensoviel Wärme, ^ebensoviel Kalorien, wie wenn der Stoff
-direkt in der Luft verbrennt^. Diese Wärme ersetzt die Abgänge unserer
-Körperwärme.
-
-Bei unseren Feuerungsanlagen geht die größte Menge der erzeugten Wärme
-unbenützt verloren.
-
-Unsere mächtigste Wärmequelle, die #Sonne#, liefert uns soviel Wärme,
-daß ein an der oberen Grenze der Atmosphäre befindliches senkrecht
-beschienenes Quadratzentimeter in jeder Minute 4 kleine Kalorien (=
-0,004 Kal.) erhält (Solarkonstante).
-
-Eine weitere Wärmequelle ist die #Reibung#. Bei jeder Reibung entsteht
-Wärme, weshalb sich Säge und Bohrer erwärmt, eine schlecht geschmierte
-Achse wohl auch zum Glühen erhitzt.
-
-Da bei Überwindung der Reibung einerseits Arbeit aufgewendet werden muß,
-andererseits Wärme erzeugt wird, so sagt man, die aufgewandte Arbeit hat
-sich in Wärme verwandelt; man fand, daß durch Aufwand von 425 _kgm_
-Arbeit 1 Kalorie erzeugt wird, und nennt deshalb diese Arbeitsgröße das
-#mechanische Äquivalent der Wärme#.
-
-Auch durch #Stoß# wird Wärme erzeugt, insofern durch den Stoß eine
-Bewegung verschwindet, also die zur Bewegung des stoßenden Körpers
-aufgewandte Arbeit verschwindet. Durch Hammerschläge kann Blei erhitzt,
-ein eiserner Nagel sogar zum Glühen gebracht werden.
-
-
-Aufgaben:
-
-#77.# Wieviel trockenes Holz müßte genügen, um 3 _hl_ Wasser von 8° auf
-100° zu erwärmen, wenn nur 20% Wärme verloren gingen?
-
-#78.# Wenn zur Erwärmung von 60 _l_ Wasser von 12° auf 80° 5 ~℔~
-Steinkohlen verbraucht wurden, wieviel % Wärme wurden nutzbar gemacht?
-
-
-56. Spezifische Wärme.
-
-#Wärmekapazität oder spezifische Wärme ist die Menge Wärme, welche 1
-_kg_ eines Stoffes braucht, wenn es um einen Grad erwärmt wird.# Man
-kann sie bestimmen durch die ^Mischungsmethode^. Mischt man etwa 3 _kg_
-Wasser von 12° mit 5 _kg_ Eisen von 100°, wobei das Eisen fein zerteilt
-ist, rührt rasch um und findet die Temperatur des Gemisches etwa = 25°,
-so hat das Wasser um 13° zugenommen, das Eisen um 75° abgenommen; beide
-Wärmemengen müssen einander gleich sein; also, wenn ~x~ die Kapazität
-des Eisens ist, so ist: 13 · 3 = 75 · ~x~ · 5; hieraus
-
- 13 · 3
- ~x~ = ------ = 0,104,
- 75 · 5
-
-d. h. 1 _kg_ Eisen braucht zu seiner Erwärmung 0,104 Kalorien. Die
-Wärmekapazität des Eisens = 0,1138.
-
-Die Metalle haben eine sehr kleine Wärmekapazität, Wasser hat eine viel
-größere, Wasserstoffgas hat weitaus die größte. Wegen der großen
-Wärmekapazität erwärmt sich Wasser nur langsam; insbesondere große
-Wassermassen, wie Flüsse, Seen, das Meer erwärmen sich untertags nur
-wenig, kühlen sich auch nachts nur wenig ab.
-
-Tabelle der Wärmekapazität.
-
- Kupfer 0,0939
- Zinn 0,0555
- Blei 0,0314
- Zink 0,0956
- Nickel 0,1092
- Platin 0,0324
- Quecksilber 0,0319
- Silber 0,0570
- Wismut 0,0308
- Eis 0,502
- Holz 0,6
- Holzkohle 0,2415
- Graphit 0,2040
- Diamant 0,1469
- Glas 0,177
- Olivenöl 0,31
- Alkohol 0,70
- Luft 0,2377
- Ätherdampf 0,4810
- Kohlensäure 0,2164
- Kohlenoxyd 0,2479
- Sauerstoff 0,2182
- Wasserstoff 3,4046
- Wasserdampf 0,4750
-
-
-Aufgaben:
-
-#79.# Wie viel Wärme ist erforderlich, um 80 _cbm_ Luft von 0° auf 20°
-zu erwärmen?
-
-#79a.# Wenn man 3 _l_ Wasser von 40° mit 4 _l_ Alkohol von 15° mischt,
-welche Temperatur stellt sich ein?
-
-#79b.# In 1½ _l_ Wasser von 10° werden 5 ~℔~ Bleischrot von 200°
-geschüttet. Welche Mitteltemperatur entsteht?
-
-#79c.# Um wieviel erwärmt sich 1 _l_ Quecksilber, wenn man es mit 1 _l_
-Wasser von 100° schüttelt?
-
-
-57. Schmelztemperatur.
-
-Wenn man einen festen Körper, wie Eis, Blei, Schwefel u. s. w. stark
-genug erwärmt, so schmilzt er, d. h. er verwandelt sich in einen
-flüssigen Körper, und diese Veränderung des Aggregatszustandes ist eine
-der wichtigsten Wirkungen der Wärme.
-
-#Das Schmelzen fester Körper findet stets bei einer bestimmten
-Temperatur statt, Schmelztemperatur oder Schmelzpunkt.# In folgender
-Tabelle findet man die Schmelzpunkte einiger Körper.
-
- Die leichtschmelzbaren oder leichtflüssigen Metalle:
-
- Zinn 230
- Wismut 262
- Blei 326
- Zink 415
- Antimon 432
-
- Die schwerschmelzbaren oder strengflüssigen Metalle:
-
- Aluminium 700
- Silber 1000
- Kupfer 1050
- Gold 1250
- Gußeisen 1050-1200
- Stahl 1300-1400
- Schmiedeeisen 1600
- Platin über 1600
-
- Olivenöl 4
- Palmöl 26
- Butter 33
- Schweinefett 41
- Talg 43
- Stearin 49
- Phosphor (weißer) 44
- Wachs 61
- Asphalt 100
- Schwefel 110
- Harz 135
- Meerwasser -2,5
- Terpentinöl -10
- Mohnöl -18
- Leinöl -20
- Alkohol -90
-
-Bei manchen Körpern liegt der Schmelzpunkt so hoch, daß man ihn durch
-unsere gewöhnlichen Heizmethoden gar nicht erreichen kann. Solche Körper
-heißen #feuerfeste Körper#, wie ^reiner Ton^, aus dem deshalb die
-Schmelzöfen, Hochöfen, Herdfütterungen, Tiegel zum Schmelzen des Glases
-und der Metalle (Hessische Tiegel) hergestellt werden. Auch ^Kohle^ ist
-unschmelzbar, und aus ^Graphit^ stellt man Schmelztiegel für Metalle
-(Passauer-Tiegel) her. Man hat Grund anzunehmen, daß auch die scheinbar
-unschmelzbaren Körper bei genügend hoher Temperatur schmelzen oder sich
-zersetzen, und man hat jetzt schon Mittel, um Tonerde in größeren Mengen
-zu schmelzen.
-
-Wird die Temperatur eines geschmolzenen Körpers wieder bis unter die
-Schmelztemperatur erniedrigt, so wird er wieder ^fest, er erstarrt oder
-gefriert^. #Dabei ist die Erstarrunsgstemperatur gleich der
-Schmelztemperatur.#
-
-^Die Schmelztemperatur eines Metalles wird niedriger, wenn ihm leichter
-schmelzbare Metalle beigemischt sind^. Eine Legierung von Silber oder
-Gold mit Kupfer schmilzt bei niedrigerer Temperatur als reines Silber
-oder Gold; Messing schmilzt früher als Kupfer, weil Messing aus Kupfer
-und Zink gemischt ist. ^Bei manchen Metallegierungen ist die
-Schmelztemperatur der Mischung sogar niedriger als die des
-leichtflüssigsten^. Das Lot oder Weichlot der Klempner, 2 Teile Blei und
-3 Teile Zinn schmilzt schon bei 169°. Noch ^leichtflüssigeres Lot^
-benützen die Uhrmacher und Goldarbeiter; es besteht aus 5 Teilen Wismut,
-3 Teilen Zinn, 5 Teilen Blei und schmilzt bei 100°. Eine Legierung aus 2
-Tl. Wism., 1 Tl. Blei, 1 Tl. Zinn schmilzt schon bei 94° (Rosesches
-Metall).
-
-#Wenn Wasser gefriert, dehnt es sich aus#, und zwar mit sehr großer
-Kraft. Es zersprengt eine eiserne Kugel, in der es eingeschlossen ist
-(Akademie in Florenz). Gefriert Wasser in den Ritzen der Felsen, so
-zersprengt es dieselben und trägt dadurch zum Verwittern und Abbröckeln
-der Felsen bei. Starker Winterfrost lockert die Erde.
-
-Wenn Wasser vor jeder Erschütterung bewahrt ist, so kann man es tief
-unter 0° abkühlen, ohne daß es gefriert, z. B. wenn es in Form kleiner,
-runder Tropfen auf Samt oder einer bestaubten Fläche liegt; Berühren mit
-einer Nadelspitze reicht dann hin, um den Tropfen zum Teil erstarren zu
-machen (Fahrenheit 1721). Auch sinkt der Gefrierpunkt bei großem Drucke
-etwas, nämlich bei jeder Atmosphäre um ¹/₁₃₅° ~C~.
-
-^Sind im Wasser fremde Stoffe aufgelöst, so liegt der Gefrierpunkt unter
-0° und zwar um so tiefer, je mehr Stoffe darin sind^. Meerwasser
-gefriert erst bei -2,5°, Wasser mit Kochsalz gesättigt erst bei -21°.
-Früchte enthalten Wasser, in welchem viel Zucker, Gummi, Essigsäure,
-Apfelsäure und ähnliches aufgelöst ist; sie gefrieren erst einige Grade
-unter 0°, können also einen leichten ^Frost^ aushalten. Die Bäume,
-Knospen, Gräser und Getreidekeime sind im Winter sehr saftarm, d. h. ihr
-Saft enthält sehr viele fremde Stoffe aufgelöst, so daß er dickflüssig
-ist; er gefriert also auch bei sehr strenger Kälte nicht, weshalb diese
-Gewächse auch im Winter ausdauern.
-
-
-58. Die Schmelzwärme.
-
-Die Regel, daß ein Körper wärmer wird, wenn man ihm Wärme zuführt, gilt
-nicht, wenn er seinen Aggregatszustand verändert, wenn er also aus dem
-festen Zustand in den flüssigen übergeht, schmilzt, oder wenn er aus dem
-flüssigen Zustand in den luftförmigen übergeht, verdampft. Wenn man
-eine Schüssel voll Schnee oder Eis ins warme Zimmer bringt oder sogar
-auf das Feuer stellt, so schmilzt es wohl, aber ein hineingestecktes
-Thermometer zeigt beständig 0°, bis alles Eis geschmolzen ist. Alle
-Wärme, die während des Schmelzens dem Schnee zugeführt wurde, hat nicht
-dazu gedient, um den Schnee zu erwärmen, sondern nur, um ihn zu
-schmelzen. #Die zum Schmelzen verwendete Wärmemenge nennt man die
-Schmelzwärme des Wassers#, das ist die beim Schmelzen aufgenommene
-Wärme, oder auch #latente oder gebundene Wärme# des Wassers, sofern sie
-beim Schmelzen verschwunden ist, sich verborgen hat (latent), gebunden
-oder verbraucht worden ist, eben um das Eis zu schmelzen. Die
-Schwelzwärme beträgt bei Wasser 80 Kal. (genauer 79,25), bei Phosphor 5
-Kal., Schwefel 9,4, Zinn 14,3, Blei 5,4, Zink 28,1, Silber 21,1,
-Quecksilber 2,8 Kal.
-
-Mischt man 1 _kg_ Wasser von 80° und 1 _kg_ Eis von 0°, so schmilzt das
-Eis und man erhält 2 _kg_ Wasser von 0°; die ganze Wärme des Wassers von
-80°, 80 Kal. sind verbraucht worden, um 1 _kg_ Eis zu schmelzen. Die
-Schmelzwärme des Wassers spielt in der Natur eine große Rolle: sie
-verzögert zu Ende des Winters die Erwärmung; denn es bedarf
-beträchtlicher Mengen Sonnenwärme, um die großen Massen Schnee und Eis
-abzuschmelzen. Ist ein Teich zugefroren und es tritt im Frühjahr Wärme
-ein, so erwärmt sich die umliegende Erde ziemlich rasch, während die
-Eisdecke des Teiches noch nicht geschmolzen ist. Eisberge schwimmen weit
-in die gemäßigte Zone, Gletscher reichen tief ins Tal herab; die
-Eiskeller erhalten sich im Sommer kühl, dem Kranken wird durch Eisbeutel
-Kühlung verschafft.
-
-#Wenn ein flüssiger Körper wieder fest wird, so gibt er seine latente
-Wärme wieder her.# Wirft man ein Stück Blei, das viele Grade unter 0°
-erkaltet ist, in Wasser von 0°, so überzieht es sich mit einer
-Eiskruste, während seine Temperatur auf 0° steigt; das hiebei
-gefrierende Wasser gibt seine latente Wärme her und erwärmt dadurch das
-Blei. Wenn man in einem Zimmer, das mehrere Grade unter 0 kalt ist,
-nasse Wäsche von 0° aufhängt, so gefriert die Wäsche und die Temperatur
-der Zimmerluft steigt. Wasserreichtum eines Landes mildert demnach die
-Strenge des Winters, denn für jedes _kg_ Wasser, das gefriert, werden 80
-Kalorien frei, die der Luftwärme zu gute kommen.
-
-#Wenn ein fester Körper sich im Wasser auflöst, so wird dadurch das
-Wasser kälter#; denn der feste Körper, wie Salz, Zucker geht aus dem
-festen in den flüssigen Aggregatszustand über und verbraucht dabei
-Wärme. Umgekehrt muß man gerade aus diesem Wärmeverbrauch schließen, daß
-sich das Salz hiebei wirklich in einen flüssigen Körper verwandelt, also
-schmilzt. Manche Salze lösen sich in sehr großer Menge in Wasser auf; z.
-B. 1 _kg_ salpetersaures ^Ammoniak^ in 1 _l_ Wasser; dabei sinkt die
-Temperatur von +10° auf -15,5° ~C~.
-
-#Kältemischung:# Wenn man Schnee oder feingestoßenes Eis mit Salz
-vermischt, so geschieht folgendes: das Salz hat eine so große Begierde
-sich in Wasser aufzulösen, daß es das Eis flüssig macht, um sich in ihm
-aufzulösen; es bildet sich in dem Gemische viel Salzwasser. #Weil sowohl
-Eis als Salz sich in flüssige Körper verwandeln, so verbrauchen sie
-Wärme, weshalb das Gemisch kalt wird#; ^seine Temperatur sinkt bis^ -21°
-(Robert Boyle). Wenn man in das Gemisch ein Gefäß mit Wasser stellt, so
-gefriert das Wasser. Mittels solcher ^Kältemischung^ macht man
-Gefrornes. Ebenso erhält man Kältemischungen, wenn man Schnee oder Eis
-mit konzentrierter Schwefelsäure oder Salzsäure mischt. 1,3 _kg_
-kristallisiertes Chlorcalcium mit 1 _kg_ Schnee gemischt, gibt sogar
--49°.
-
-Ähnliche Kältemischungen sind: 1 _kg_ Schnee, 4 _kg_ Vitriolöl, 1 _l_
-Wasser (-32,5°); 1 _kg_ Schnee, 0,625 _kg_ Salzsäure (-33°); 1 _kg_
-Schnee, 0,4 _kg_ Kochsalz, 0,2 _kg_ Salmiak (-24°).
-
-
-Aufgaben:
-
-#80.# Wie viel Eis schmilzt, wenn man einen Eisenblock von 5 _kg_
-Gewicht und 560° Temperatur in Eis packt?
-
-#81.# Welche Wärmemenge ist erforderlich, um 12 _kg_ Eis von -10° zu
-schmelzen und auch noch auf 15° ~C~ zu erwärmen?
-
-#82.# 140 _g_ Holz wurden so verbrannt, daß die gesamte
-Verbrennungswärme zum Schmelzen von Eis verwandt wurde. Wenn nun dadurch
-6,3 _kg_ Eis geschmolzen wurden, wie groß ist die Verbrennungswärme von
-1 _kg_ Holz?
-
-#83.# 270 _g_ Blei von 85° haben 9 _g_ Eis von 0° zum Schmelzen
-gebracht. Wie groß ist die sp. Wärme des Bleies?
-
-
-59. Siedetemperatur, Dampfwärme.
-
-Wenn man eine Flüssigkeit stark genug in einem offenen Gefäße erwärmt,
-so kocht sie, d. h. an den erwärmten Stellen ^verwandelt sich die
-Flüssigkeit in Dampf^, der in Form von Dampfblasen in die Höhe steigt.
-#Dampf ist ein luftförmiger Körper, meistens auch durchsichtig und
-farblos#, z. B. bei Wasser, Weingeist und Quecksilber. #Die Temperatur,
-bei welcher eine Flüssigkeit kocht, heißt ihre Siedetemperatur oder ihr
-Siedepunkt#; sie ist bei Wasser 100°, Terpentinöl 157°, Leinöl 316°,
-konzentr. Schwefelsäure 325°, Quecksilber 357,1°, Schwefel 448°, Benzin
-80°, Alkohol 78,4°, Schwefelkohlenstoff 46,8°, Äther 34,9°. Wir
-vermuten, daß jeder Stoff bei hinreichender Erhitzung sich in Dampf
-verwandelt, daß also etwa Gold, Eisen, Platin, Kohle u. s. w., genügend
-hoch erhitzt, verdampfen. Doch kann es dabei vorkommen, daß ein Körper
-sich zersetzt, d. h. sich in zwei oder mehrere chemisch einfacher
-zusammengesetzte Stoffe zerlegt (dissoziiert).
-
-Während des Kochens behält das Wasser seine Temperatur unverändert bei.
-#Alle dem Wasser während des Kochens zugefügte Wärme wird nicht dazu
-verwendet, um die Temperatur zu erhöhen, sondern dazu, um das Wasser in
-Dampf zu verwandeln.# Man nennt diese Wärmemenge die #latente oder
-gebundene Wärme des Dampfes# oder die #Dampfwärme#. Die Dampfwärme des
-Wassers bei 100° ist 537 Kalorien für 1 _kg_.
-
-Wasserdampf hat eine Temperatur von 100° ~C~ ebenso wie das Wasser,
-enthält aber um 537 Kalorien mehr Wärme als das Wasser von 100°. Deshalb
-dauert es lange, bis das in einem Topfe befindliche Wasser ganz
-verdampft ist. Auch wenn Wasser an der Luft verdampft, ohne zu kochen,
-wird Wärme verbraucht, wodurch der verdunstende Stoff sich abkühlt.
-#Verdunstungskälte.# Eine Thermometerkugel mit Leinwand umwickelt und
-dann mit Äther befeuchtet, wird bis unter 0° abgekühlt.
-
-
-60. Kondensation der Dämpfe.
-
-#Wird der Dampf wieder abgekühlt, so verwandelt er sich wieder in eine
-Flüssigkeit, er verdichtet oder kondensiert sich.# Ein kalter Deckel
-über kochendem Wasser beschlägt sich mit Wasser. Darauf beruht das
-#Destillieren#. Um eine Flüssigkeit, die mit anderen Stoffen
-verunreinigt ist, rein zu erhalten, ^verwandelt man sie in Dampf und
-kondensiert diesen wieder durch Abkühlung^.
-
-[Abbildung: Fig. 79.]
-
-Ein #Destillierapparat# besteht aus einem geräumigen Gefäße
-(#Destillierblase#, -kolben), in das die Flüssigkeit gebracht wird;
-darauf wird ein luftdicht schließender Deckel, der Helm oder Hut,
-geschraubt. Aus dem Helme führt ein Rohr heraus, das in vielen Windungen
-als #Schlangenrohr# durch ein großes Faß, das #Kühlfaß#, nach abwärts
-führt, unten heraustritt und in eine #Vorlage# mündet. Das Kühlfaß ist
-mit ^kaltem^ Wasser gefüllt, das beständig erneuert wird.
-
-Wird die Flüssigkeit in der Blase zum Kochen gebracht, so steigen die
-Dämpfe ins Kühlrohr, und werden dort wieder in Flüssigkeit verwandelt,
-die im Kühlrohre zur Vorlage abläuft.
-
-Man ^destilliert Wasser^, um es zu reinigen. Brunnen-, Fluß- und
-Meerwasser enthalten fremde Stoffe aufgelöst, welche beim Destillieren
-als feste Körper in der Blase bleiben. Auch das Regenwasser ist
-destilliertes Wasser, jedoch durch Staubteilchen verunreinigt. Spiritus
-wird gewonnen, indem man die gegorene, spiritushaltige Maische
-destilliert, wobei bloß der Spiritus und etwas Wasser überdestilliert
-(verdampft), die unvergorenen Stoffe aber in der Blase zurückbleiben.
-Man erhält reines Quecksilber durch Destillation des unreinen.
-
-#Wenn ein Dampf sich wieder in Flüssigkeit verwandelt, so gibt er die
-latente Wärme des Dampfes wieder her, seine Dampfwärme wird wieder
-frei.# Man muß deshalb das Kühlfaß mit einer entsprechenden Menge kalten
-Wassers versehen und es rasch erneuern, damit es die Dampfwärme
-aufnehmen kann, ohne zu warm zu werden.
-
-#Dampfheizung:# In einem Kessel wird Dampf entwickelt und in Röhren
-durch die Räume geleitet, die erwärmt werden sollen. Die Röhren geben
-die Wärme durch Leitung an die umliegende Luft ab; dadurch kondensiert
-sich in ihnen der Dampf, wobei er seine latente Wärme abgibt. Auch
-werden oft Stoffe dadurch erwärmt, daß man sie in verschlossene Gefäße
-bringt und nun Dampf einströmen läßt, der sich an den kalten Stoffen
-kondensiert und seine latente Wärme freigibt, so lange bis die Stoffe
-sich auf die Temperatur des Dampfes, 100°, erwärmt haben.
-
-
-Aufgaben:
-
-#84.# Bei einem Verbrennungsversuch haben 2 _kg_ Steinkohle gerade
-hingereicht, um 1,6 _kg_ Wasser von 100° zu verdampfen. Wie viel
-Kalorien der Verbrennungswärme wurden hiebei pro 1 _kg_ Steinkohle
-nutzbar gemacht, und wie viel % sind das, wenn 120 _g_ derselben Kohlen
-imstande sind 10,4 _kg_ Eis zu schmelzen?
-
-#85.# Ein Destillierapparat liefert pro Stunde 8 _l_ Wasser von 60°. Mit
-wieviel Wasser von 10° ist das Kühlfaß in jeder Minute zu speisen, wenn
-es das Kühlfaß mit 40° verlassen soll?
-
-
-61. Spannkraft der Dämpfe.
-
-[Abbildung: Fig. 80.]
-
-#Dampf besitzt als luftförmiger Körper die Eigenschaften der Gase:# er
-besitzt ^Expansionskraft^; das ersieht man schon am kochenden Wasser;
-denn wenn sich ein Wassertröpfchen in Dampf verwandeln soll, so muß es
-sich, da der Dampf viel leichter ist als Wasser (1696 mal, sp. G. bei
-100° = 0,000591), bedeutend ausdehnen, muß deshalb nicht bloß das über
-ihm liegende Wasser heben, also den ^Bodendruck^ des Wassers überwinden,
-sondern insbesondere den auf dem Wasser liegenden ^Luftdruck^
-überwinden; ^der sich entwickelnde Dampf muß also eine Expansivkraft
-besitzen, die etwas größer ist als 1 Atmosphäre^; #an der Oberfläche des
-Wassers hat der Dampf eine Spannkraft von einer Atmosphäre#.
-
-Füllt man eine Glasröhre, wie beim Torricellischen Versuche mit
-Quecksilber und etwas Wasser, so hat man ein Barometer, bei welchem sich
-im luftleeren Raum etwas Wasser befindet. Ein Teil des Wassers
-verwandelt sich in Dampf, dieser erfüllt den luftleeren Raum, #übt einen
-Druck auf das Quecksilber aus, weshalb das Quecksilber tiefer steht als
-im Barometer#. #Dampfbarometer.#
-
-Erwärmt man das Wasser im Dampfbarometer, so sinkt das Quecksilber
-tiefer. Zugleich sieht man, daß bei rascher Erwärmung das Wasser kocht,
-daß sich also aus dem Wasser neue Dämpfe entwickeln. #Bei der Erwärmung
-erhalten die Dämpfe eine größere Spannkraft dadurch, daß sich noch neue
-Dämpfe entwickeln, die zu den vorhandenen Dämpfen hinzutreten und
-dadurch deren Dichte und Spannkraft erhöhen.# Bringt man in das
-Dampfbarometer zum Quecksilber andere Flüssigkeiten, wie Spiritus,
-Benzin, Schwefeläther, so sinkt das Quecksilber bei ihnen tiefer als
-beim Wasserdampfbarometer, da die ^Dämpfe des Spiritus bei gleicher
-Temperatur eine größere Spannkraft^ besitzen, als die Wasserdämpfe.
-Durch genaue Ausführung solcher Versuche findet man die Spannkräfte der
-Dämpfe bei verschiedenen Temperaturen.
-
-#Wasser verwandelt sich, wenn es sich in einem sonst leeren Raum
-befindet, bei jeder Temperatur in Dampf, dessen Spannkraft und Dichte
-von der Temperatur abhängt.# Die Spannung des Wasserdampfes ist
-insbesondere von Regnault (früher von Dalton 1766) bei verschiedenen
-Temperaturen gemessen worden und in folgender Tabelle angegeben, deren
-über 100° liegender Teil erst später erklärt werden wird, und aus Figur
-81 ist das Anwachsen der Spannkraft des Wasserdampfes von 0° bis 100°
-ersichtlich.
-
- _t_ | _mm_ | _Atm_
- -30° | 0,39 | 0,0005
- -20° | 0,93 | 0,0012
- -10° | 2,09 | 0,0027
- 0° | 4,60 | 0,0061
- 10° | 9,16 | 0,012
- 20° | 17,39 | 0,023
- 30° | 31,55 | 0,041
- 40° | 54,90 | 0,072
- 50° | 91,98 | 0,121
- 60° | 148,79 | 0,197
- 70° | 233,09 | 0,307
- 80° | 354,64 | 0,477
- 90° | 525,45 | 0,691
- 100° | 760,00 | 1,000
- 110° | 1075 | 1,41
- 120° | 1491 | 1,96
- 130° | 2030 | 2,67
- 140° | 2718 | 3,6
- 150° | 3581 | 4,7
- 160° | 4651 | 6,1
- 170° | 5962 | 7,8
- 180° | 7546 | 9,9
- 190° | 9442 | 12,4
- 200° | 11689 | 15,4
- 210° | 14325 | 18,8
- 220° | 17390 | 22,9
- 230° | 20926 | 27,5
-
-[Abbildung: Fig. 81.]
-
-#Wenn man einen Dampf abkühlt, so verdichtet sich ein Teil desselben
-wieder zu Wasser, so daß die Spannkraft des übrigbleibenden, also
-dünneren Dampfes der neuen niedrigen Temperatur entspricht.# Auch das
-findet man am Dampfbarometer bestätigt, denn man sieht bei der Abkühlung
-das Quecksilber steigen, und kann besonders beim Wasserdampfbarometer
-ziemlich gut sehen, wie sich die oberen Glaswände mit Wassertröpfchen
-beschlagen, die davon herkommen, daß sich ein Teil des Dampfes wieder in
-Wasser verwandelt.
-
-
-62. Sieden bei niedriger Temperatur.
-
-#Jede Flüssigkeit kann bei jeder Temperatur kochen, kocht aber nur dann,
-wenn der auf der Flüssigkeit lastende Druck kleiner ist, als die
-Spannkraft der Dämpfe, die sich bei der vorhandenen Temperatur aus der
-Flüssigkeit entwickeln können.# Wasser kann schon bei 83° kochen, aber
-nicht bei gewöhnlichem Luftdruck, sondern nur, wenn man die Luft
-teilweise weggenommen hat, so daß der Druck nur ½ Atmosphären beträgt;
-denn da das Wasser bei 83° einen Dampf von etwas stärkerer Expansivkraft
-zu entwickeln imstande ist, so können sich diese Dämpfe wirklich
-entwickeln.
-
-Man findet dies am Ätherdampfbarometer bestätigt: 1) #Man erwärmt den
-Äther in der Röhre#, so kann er Dämpfe entwickeln von höherer
-Spannkraft, als die oben befindlichen kälteren Dämpfe besitzen; also
-kocht er. 2) #Man kühlt die oben befindlichen Ätherdämpfe ab#, indem man
-um die Röhre etwas Fließpapier wickelt und auf dieses Äther tröpfelt;
-denn dieser Äther ^verdampft^ sehr rasch, ^verbraucht^ dabei viel Wärme
-und ^kühlt^ dadurch den obern Teil der Röhre und die darin befindlichen
-Ätherdämpfe ab. Deshalb ^kondensieren^ sich die ^Ätherdämpfe^ teilweise
-und bekommen eine ^geringere Spannkraft^; aber der Äther in der Röhre,
-der noch die ^höhere Temperatur^ hat, kann noch ^Dämpfe von höherer
-Spannkraft^ hergeben, kocht also.
-
-3) #Man erwärmt den Äther in der Röhre und kühlt zugleich die Dämpfe in
-der Röhre durch Aufsetzen der Ätherkappe ab#; der Äther in der Röhre
-kocht dann sehr stark, da nun beide Ursachen zusammenwirken.
-
-Kochen des Wassers bei niedriger Temperatur. Man bringt in eine
-#Kochflasche# etwas Wasser, bringt es zum Kochen, läßt es einige Zeit
-kochen, bis die Dämpfe alle Luft aus der Flasche verdrängt haben,
-verschließt die Flasche mit einem Korke und nimmt sie nun vom Feuer. Man
-sieht dann das Wasser weiterkochen, sogar stark, wenn man die Flasche
-mit kaltem Wasser übergießt, denn durch das kalte Wasser werden die
-Dämpfe kondensiert, erhalten einen niedrigeren Druck, während das Wasser
-in der Flasche noch heiß ist und deshalb noch Dämpfe von höherem Drucke
-hergeben kann. Wenn man lauwarmes Wasser in einem Schälchen unter den
-Rezipienten der Luftpumpe bringt, und rasch evakuiert, so kocht das
-Wasser. (Robert Boyle 1660.)
-
-#Bei einem Druck von 760 _mm_ kocht das Wasser bei 100°# (Definition).
-#Ist der Luftdruck geringer, so kocht das Wasser schon bei niedrigerer
-Temperatur#; auf dem Montblanc, wo der Luftdruck bloß ½ Atmosphäre
-beträgt, kocht das Wasser schon bei 82°. ^Der Siedepunkt des Wassers
-ist vom Barometerstand abhängig^. Dies muß man bei der #Bestimmung des
-Siedepunktes eines Thermometers# berücksichtigen.
-
-Weil der Siedepunkt des Wassers vom Luftdruck abhängt, so kann man das
-#Thermometer anstatt des Barometers zu Höhenmessungen# benützen. Man
-hält das Thermometer in die Dämpfe kochenden Wassers, findet etwa 87,6°,
-erfährt aus der Tabelle, daß der dieser Temperatur entsprechende
-Dampfdruck = 479,2 _mm_ ist, und weiß, daß der vorhandene Luftdruck eben
-so hoch ist, und kann hieraus auf die Höhe des Berges schließen.
-
-
-63. Der Vakuumkondensator.
-
-#Der Vakuumkondensator oder die Vakuumpfanne dient dazu, einen
-wasserhaltigen Stoff einzudampfen, ohne daß man den Stoff auf 100°
-erwärmen muß.# Er ist ähnlich eingerichtet wie ein Destillierapparat,
-nur mündet das Kühlrohr ^luftdicht^ in einer ^verschlossenen Vorlage^,
-welche mit einer ^Luftpumpe^ in Verbindung steht.
-
-Die Flüssigkeit z. B. Milch wird in den Kessel gebracht und erwärmt;
-zugleich wird durch die Luftpumpe die Luft aus Vorlage, Kühlrohr und
-Helm entfernt, so daß die Milch schon bei niedriger Temperatur, etwa 60°
-(¹/₅ Atmosphäre) zu kochen beginnt; die sich entwickelnden Dämpfe
-treiben die noch vorhandene Luft vor sich her, so daß sie vollständig
-durch die Luftpumpe entfernt werden kann. Setzt man dann das Kühlfaß in
-Tätigkeit, so dauert das Kochen der Milch bei niedriger Temperatur fort;
-denn die Milch hat etwa 60°, gibt also Dämpfe her, deren Spannkraft
-dieser Temperatur entspricht; im Kühlrohr ist aber etwa bloß eine
-Temperatur von 40°, folglich haben die dort befindlichen Dämpfe eine
-niedrigere Spannkraft; deshalb strömen beständig Dämpfe vom Helm ins
-Kühlrohr und zugleich entwickeln sich einerseits aus der Milch neue
-Dämpfe, während andererseits die ins Kühlrohr übergetretenen Dämpfe
-abgekühlt und kondensiert werden; das Kondensationswasser sammelt sich
-in der Vorlage, und die Milch im Kessel verliert ihr Wasser und wird so
-kondensiert. Auch der aus dem Zuckerrohr oder den Zuckerrüben gewonnenen
-Zuckersaft wird mit solchen Apparaten bei niedriger Temperatur
-kondensiert, ebenso Eiweiß aus Eiern oder Blutwasser.
-
-
-64. Spannkraft der Wasserdämpfe über 100°.
-
-Wenn Wasser im ^offenen^ Gefäß kocht, so steigt seine Temperatur nicht
-über 100° (genauer: nicht über die dem jeweiligen Luftdruck
-entsprechende Temperatur); alle weiter zugeführte Wärme wird nicht dazu
-verwendet, um das Wasser weiter zu erwärmen, sondern bloß dazu, um Dampf
-zu bilden; je mehr man Wärme zuführt, desto rascher kocht das Wasser.
-
-Wenn man aber Wasser im ^geschlossenen^ Gefäße erhitzt, so daß die
-entstehenden Dämpfe nicht entweichen können, so wächst durch das
-Hinzutreten der neu gebildeten Dämpfe die Spannkraft der schon
-vorhandenen; es liegt dann auf dem Wasser ein höherer Druck, als seiner
-Temperatur entspricht; deshalb hört die Dampfentwicklung etwas auf, und
-die hinzukommende Wärme wird nun dazu verwendet, um das Wasser weiter zu
-erwärmen, bis die Temperatur des Wassers höher ist, als der Spannkraft
-der Dämpfe entspricht; dann entwickelt es wieder Dämpfe, und so geht es
-fort. Jedoch treten diese Vorgänge nicht sprungweise, sondern
-gleichzeitig ein: ^das Wasser erwärmt sich immer weiter, entwickelt
-stets Dämpfe, die zu den schon vorhandenen hinzutreten und deren
-Spannkraft stets so erhöhen, daß sie der Temperatur des Wassers
-entspricht^. #Man kann das Wasser in einem geschlossenen Gefäße über
-100° erhitzen, wobei die Spannkraft der Dämpfe immer höher wird.# Die
-Spannkraft wächst sogar sehr stark, und später immer rascher. Man nennt
-solches Wasser ^überhitztes Wasser^, solchen Dampf ^gespannten Dampf^.
-Siehe Tabelle Seite 105.
-
-Der #Papin’sche Topf# ist ein starkwandiger eiserner Topf, dessen Deckel
-luftdicht aufgeschraubt werden kann. Man füllt ihn mit Wasser und
-solchen Stoffen, die man weichkochen will, die aber beim gewöhnlichen
-Kochen nicht gut weich werden, z. B. zähem Fleisch; in dem überhitzten
-Wasser erweicht es leichter. So kann man Knorpeln und Knochen kochen,
-daß sie zu Brei zerfallen, und in den ^Papierfabriken^ werden starre
-Lumpen, alte Stricke und Säcke, sogar Holz in solchen Papinschen Töpfen,
-^Digestoren^, gekocht, so daß sie in die einzelnen Fasern zerfallen, aus
-denen man dann das Papier macht. Die Digestoren werden häufig durch
-Einleiten gespannten Dampfes erhitzt; hievon kondensiert sich zuerst ein
-Teil an den kalten Stoffen, macht sie naß und warm, der folgende erwärmt
-sie bis zur Temperatur des Dampfes. Auch Dampfheizungen werden oft mit
-gespanntem Dampf gespeist; das Ende der Leitung ist dann verschlossen
-oder führt wieder in den Kessel zurück; die Röhren können dann eine
-Temperatur annehmen, die über 100° liegt, etwa 152° bei 5 Atmosphären.
-
-
-^Dampfmaschine^.
-
-
-65. Die Dampfkessel.
-
-Die wichtigste Anwendung findet der Dampf bei den Dampfmaschinen. Im
-#Dampfkessel# wird der zur Speisung der Maschine erforderliche Dampf
-entwickelt. Es gibt zwei Hauptarten von Dampfkesseln: die eingemauerten
-Kessel und die Siederöhrenkessel. Die #eingemauerten Kessel# (Kessel mit
-äußerer Feuerung) Fig. 82 und 83 bestehen aus einem großen überall
-verschlossenen ^Cylinder^ aus starkem Eisenblech; er liegt horizontal,
-stützt sich seitlich auf ^Mauerwerk^, und ist oben mit schlecht
-leitenden Steinen eingedeckt; unten ist der ^Feuerungskanal^, an dessen
-vorderem Teile das Feuer brennt, so daß die heiße Luft die ganze Länge
-des Kessels bestreicht. Um die vom Feuer bestrichene Fläche des Kessels
-zu vergrößern, sind oft unterhalb desselben zwei kleinere Cylinder
-parallel dem Kessel angebracht und durch 2 oder 3 aufwärtsführende
-Röhren mit ihm verbunden (Bouilleurkessel). Fig. 84. Dabei ist die
-Einmauerung meist so gemacht, daß die heiße Luft vom Feuer zunächst an
-den zwei Siederöhren entlang streicht und dann längs des Kessels zieht.
-Oder es wird die Feuerluft durch zwei Rohre geleitet, welche den
-Wasserraum des Kessels durchziehen (^Flammrohrkessel^).
-
-[Abbildung: Fig. 82.]
-
-[Abbildung: Fig. 83.]
-
-[Abbildung: Fig. 84.]
-
-[Abbildung: Fig. 85.]
-
-[Abbildung: Fig. 86.]
-
-Die #Siederöhrenkessel# (Kessel mit innerer Feuerung) Fig. 85 werden
-angewandt bei fahrenden oder fahrbaren Maschinen, Lokomotiven,
-Lokomobilen und auch bei solchen stehenden Maschinen, welche wenig Platz
-einnehmen sollen. Sie sind cylindrisch geformt, die vordere und hintere
-Verschlußplatte sind mit vielen symmetrisch angebrachten Löchern
-versehen (Fig. 86), und jedes Paar entsprechender Löcher ist durch eine
-den Kessel der Länge nach durchziehende Röhre (^Siederöhre^) verbunden.
-Das Feuer befindet sich vor der vorderen Platte in der von allen Seiten
-von Wasser umgebenen Feuerbüchse, so daß die heiße Luft, da sie keinen
-anderen Ausweg hat, gezwungen ist, durch die Siederöhren zu gehen, um
-zum Kamin zu gelangen. Es wird so die heiße Luft gleichsam mitten durch
-das Wasser geleitet, und durch die große Anzahl der Siederöhren eine
-große Heizfläche hergestellt. Auch schon an den Wänden der Feuerbüchse
-wird viel Dampf erzeugt. #Jeder Dampfkessel ist vollständig
-verschlossen, einem Papin’schen Topfe vergleichbar; deshalb entwickeln
-sich in ihm Dämpfe, die eine immer höhere Spannkraft erlangen, während
-die Temperatur des Wassers und Dampfes entsprechend steigt.#
-
-
-66. Dampfkesselgarnitur.
-
-[Abbildung: Fig. 87.]
-
-An jedem Kessel ist eine Reihe von Apparaten angebracht, die man die
-^Dampfkesselgarnitur^ nennt, und von denen die folgenden die wichtigsten
-sind.
-
-1) Der #Wasserstandsmesser#. Ein starkes Glasrohr ist oben und unten in
-Messingfassungen eingekittet und durch dieselben oben mit dem
-Dampfraume, unten mit dem Wasserraume des Kessels in Verbindung. Nach
-dem Gesetze der kommunizierenden Röhren ist der Wasserstand im Glasrohre
-gleich hoch wie im Kessel. Außerdem muß der Kessel noch mit zwei
-#Probierhähnen# versehen sein, welche an der obern und untern Grenze des
-Wasserstandes angebracht sind. Sie dienen einerseits als Kontrolle der
-Angabe der Wasserröhre, andrerseits als Notbehelf, wenn die Glasröhre
-zerspringen sollte.
-
-2) #Speisepumpe#. Eine Druckpumpe, die durch die Maschine selbst
-getrieben wird, pumpt Wasser in den Kessel als Ersatz für den
-ausströmenden Dampf. Der Maschinist kann die Kolbenhübe nach Bedarf
-regulieren.
-
-3) Das #Sicherheitsventil#, das sich durch den Druck des Dampfes öffnet,
-wenn der Dampfdruck eine gefährliche Höhe erreichen sollte. Auf der
-oberen Kesselwand ist eine kurze Ansatzröhre angebracht; auf ihr
-befindet sich eine genau passende Messingplatte, die durch einen mit
-Gewichten belasteten Druckhebel niedergedrückt wird. Bei zu großem
-Dampfdrucke wird die Platte gehoben, so daß der Dampf massenhaft
-ausströmt und seine große Spannkraft schnell verliert.
-
-[Abbildung: Fig. 88.]
-
-[Abbildung: Fig. 89.]
-
-4) #Das Manometer oder der Dampfdruckmesser#, wovon es verschiedene
-Arten gibt. Das #offene Quecksilbermanometer# oder Freiluftmanometer.
-Aus dem Dampfraume führt eine Röhre in ein verschlossenes Eisenkästchen,
-in dem sich Quecksilber befindet; in dasselbe reicht eine in den Deckel
-des Kästchens luftdicht eingesetzte hohe Glasröhre, in der das
-Quecksilber um so höher steigt, je höher der Dampfdruck ist, nämlich bei
-2 Atmosphären Dampfdruck, also bei 1 Atmosphäre Überdruck 76 _cm_, bei 3
-Atm. 2 · 76 = 152 _cm_ u. s. w. Nimmt man der Dauerhaftigkeit halber
-statt der gläsernen Röhre eine eiserne, so bringt man in die Röhre ein
-cylindrisches Eisenstäbchen an, das dann auf dem Quecksilber schwimmt
-(Schwimmer); von ihm läuft eine Schnur oben über eine Rolle, und ein
-kleines an ihr befestigtes Gewichtchen gibt an einer Skala den
-Quecksilberstand an. Obwohl die Angaben dieses Manometers sehr deutlich
-sind, so ist es doch nur für sehr mäßige Dampfspannungen anwendbar, weil
-sonst die Röhre zu hoch werden müßte.
-
-[Abbildung: Fig. 90.]
-
-Das #Differenzialmanometer#. Aus dem Kessel führt eine eiserne Röhre,
-die sich mehrmals nach abwärts und aufwärts biegt, überall gleich weit
-ist und mit einem gläsernen aufsteigenden Schenkel endigt. Die unteren
-Hälften der Windungen sind mit Quecksilber, die oberen mit Wasser
-gefüllt, so daß bei 1 Atm. Dampfdruck das Quecksilber in allen Schenkeln
-gleich hoch steht. Steigt nun der Dampfdruck, so muß, da sich der Druck
-durch das Wasser auf alle Schenkel fortpflanzt, das Quecksilber in allen
-abwärtsgehenden Schenkeln sinken und in den aufwärtsgehenden um je
-ebensoviel steigen. Da aber hiebei nicht bloß eine, sondern mehrere
-Quecksilbersäulen gehoben werden, so beträgt die Niveaudifferenz in
-jeder Windung nicht so viel als dem Überdrucke entspricht, sondern so
-viel mal weniger als die Anzahl der Windungen beträgt. Es bleibt somit
-die Steighöhe des Quecksilbers bei großer Windungszahl (bis 8) nur
-mäßig, weshalb die Höhe der Windungen verhältnismäßig klein genommen
-werden kann und doch für einige Atmosphären ausreicht. (Fig. 90.)
-
-Das #Kompressionsmanometer# ^ist wie eine Mariotte^’sche ^Röhre
-eingerichtet^. Der Dampf drückt auf das in einem Eisenkästchen
-befindliche Quecksilber; die durch den Deckel eingelassene und ins
-Quecksilber tauchende Glasröhre ist aber oben geschlossen und mit Luft
-gefüllt. Bei einem Dampfdruck von 1 Atm. steht das Quecksilber
-beiderseits gleich hoch, bei 2 Atm. steigt es in der Röhre und preßt
-die Luft auf den halben Raum zusammen, genauer: so weit, daß der Druck
-der gehobenen Quecksilbersäule und der Druck der komprimierten Luft
-zusammen gerade 2 Atm. betragen; bei 3 Atm. auf ¹/₃, bei 4 auf ¼ des
-ursprünglichen Raumes u. s. f. Es ist wenig benützbar, weil besonders
-bei hohen Drücken die Quecksilberhöhen nur sehr wenig voneinander
-verschieden sind. (Fig. 91.)
-
-[Abbildung: Fig. 91.]
-
-[Abbildung: Fig. 92.]
-
-Am besten und am meisten angewandt ist das #Metallmanometer#, das
-ähnlich wie ein Metallbarometer eingerichtet ist. Ein gewelltes,
-elastisches Metallblech ist zwischen die Ränder zweier Metallschalen
-eingeklemmt; von unten drückt der Dampf das Blech nach aufwärts um so
-höher, je stärker sein Druck ist. Die Bewegung des Bleches, die sehr
-klein ist, wird größer und deutlich sichtbar gemacht, etwa indem der auf
-der Mitte des Bleches aufsitzende Stift gegen den kurzen Arm eines
-Winkelhebels drückt, dessen langer Arm ein Stück eines gezahnten Rades
-trägt; dies greift in die Zähne eines kleinen Rädchens, das einen Zeiger
-trägt; dieser spielt auf einer Skala, auf der die Atmosphären direkt
-beobachtet werden können. Der Apparat ist sehr dauerhaft, geht für
-höheren Dampfdruck fast so gut wie für niedrigen, läßt ¼ Atm. noch mit
-Sicherheit ablesen, geht hinreichend genau und ist auch bei fahrenden
-Maschinen anwendbar. (Fig. 92.)
-
-5) Zu den Kesselgarnituren gehört noch das #Luftventil#, ein nach
-einwärts schlagendes Ventil, das, wenn Dampfspannung vorhanden ist,
-geschlossen ist; wenn aber der Kessel nicht mehr geheizt wird, sich
-abkühlt, und deshalb der Dampfdruck unter 1 Atm. sinkt, so wird es durch
-den äußeren Luftdruck geöffnet, und Luft strömt in den Kessel.
-
-6) Eine #Dampfpfeife#, um Signale zu geben.
-
-
-67. Dampfkesselexplosion.
-
-Wenn ein Dampfkessel aus irgend einer Ursache den Druck des Dampfes
-nicht mehr auszuhalten vermag, so zerspringt er, es entsteht eine
-^Dampfkesselexplosion^. Ihre ^Ursachen^ sind: 1) ^Teilweise Zerstörung
-des Kesselbleches durch Rost^. Man untersucht von Zeit zu Zeit die
-Festigkeit des Kessels durch Wasserdruck, und sucht nach verrosteten
-Stellen durch Abklopfen des Kessels mittels eines Hammers mit stumpfer
-Spitze. 2) ^Zu niedriger Wasserstand^. Das Wasser soll stets höher
-stehen, als das Feuer hinaufreicht (die Wasserlinie soll höher liegen
-als die Feuerlinie), so daß die dem Kesselblech mitgeteilte Wärme vom
-Wasser aufgenommen werden kann. Wenn aber durch schlechte
-Beaufsichtigung der Wasserstand zu nieder geworden ist, so wird ein
-Streifen des Kesselbleches außen erwärmt, innen aber nicht stark
-abgekühlt und wird deshalb leicht glühend. 3) ^Bildung von
-Kesselstein^. Zur Speisung des Kessels wird meist Brunnen- oder
-Flußwasser verwendet; dies enthält stets erd- und steinartige Stoffe
-aufgelöst, die bei der Verdampfung des Wassers sich ausscheiden und die
-innere Wand des Kessels mit einer immer dicker werdenden Kruste, dem
-^Kesselstein^, überziehen. Je nach der Beschaffenheit des Wassers ist
-der Kesselstein locker, schwammig, kann leicht entfernt werden und ist
-dann unschädlich. Doch ist er auch, besonders wenn das Wasser viel Kalk
-aufgelöst enthält (hartes Wasser), sehr dicht, hart und festhaftend.
-Dann heizt sich der Kessel schlecht, weil der Stein die Wärme langsam
-leitet, und das Kesselblech wird leicht glühend, weil es mit dem Wasser
-nicht mehr direkt in Berührung steht; an solchen Stellen springt dann
-der Kesselstein plötzlich in großen Massen weg, das Wasser trifft auf
-glühende Metallflächen, und entwickelt plötzlich Dampf von sehr hoher
-Spannung, der den Kessel zersprengt, bevor das Sicherheitsventil Zeit
-hatte, sich zu öffnen. ^All diese Ursachen kann man durch gehörige
-Beaufsichtigung und Instandhaltung der Kessel vermeiden^.
-
-
-68. Die atmosphärische Dampfmaschine.
-
-Die erste Dampfmaschine wurde von ^Newcomen^ und ^Cawley^ 1705
-konstruiert, und fand bald Verbreitung in Bergwerken. In einem vertikal
-stehenden Cylinder befindet sich der luftdicht anschließende Kolben; er
-ist durch eine Kette an einem Hebel befestigt, dessen anderer Arm durch
-eine zweite Kette die Pumpenstange einer Saugpumpe trägt. Durch ein
-Übergewicht wird die Gesamtbelastung auf Seite der Pumpe etwas größer
-gemacht als auf Seite des Kolbens.
-
-[Abbildung: Fig. 93.]
-
-Wenn nun der Dampfkolben sich unten befindet, wird durch ein Rohr der
-Dampf in den Cylinder geleitet; der Dampf hat einen Druck von einer
-Atmosphäre, trägt also den auf dem Kolben lastenden Luftdruck, weshalb
-der Pumpenkolben das Übergewicht bekommt und nach abwärts geht; hiebei
-füllt sich der Dampfcylinder mit Dampf. Nun wird das Dampfzuleitungsrohr
-abgesperrt, und ein anderes Rohr geöffnet, das auch unten in den
-Cylinder mündet, und von einem mit kaltem Wasser gefüllten, etwas höher
-stehenden Reservoir herkommt. Es spritzt dann durch die mit vielen
-kleinen Löchern versehene Mündung dieses Rohres das Wasser fein zerteilt
-in den Dampf und kühlt ihn ab; dadurch kondensiert er sich und bekommt
-eine niedrige Spannkraft, etwa ¹/₈ Atmosphäre (51°). Auf die obere
-Fläche des Kolbens drückt aber die äußere Luft mit 1 Atmosphäre, also
-mit einem Überdruck von ⁷/₈ Atm.; #dieser Druck bewegt den Kolben nach
-abwärts und hebt dadurch den Kolben der Pumpe# und dadurch das Wasser.
-Ist der Kolben unten angelangt, so läßt man durch eine dritte kurze
-Röhre das im Cylinder befindliche Wasser ablaufen, und beginnt wieder
-von neuem, läßt also wieder Dampf einströmen u. s. w. Da bei diesen
-Maschinen nicht der Druck des Dampfes eigentlich die Arbeit leistet,
-sondern der äußere Luftdruck, so nennt man sie auch #atmosphärische
-Maschinen#; ^der Dampf ermöglicht, durch seine Kondensation einen
-luftleeren Raum, richtiger, einen Raum von geringem Drucke
-herzustellen^.
-
-
-69. Die Watt’sche Dampfmaschine.
-
-James Watt konstruierte unter Benützung der bei der atmosphärischen
-Maschine auftretenden Vorgänge eine Dampfmaschine, die er so vorzüglich
-einrichtete, daß sie auch jetzt noch in ihren wesentlichen Teilen
-beibehalten ist, und die so bedeutend von der früheren Maschine
-verschieden war, daß man Watt den Erfinder der Dampfmaschine nennt[4].
-
- [4] James Watt lebte 1736-1819; die erste Dampfmaschine wurde fertig
- 1784.
-
-Die wesentlichen Teile dieser Watt’schen und ebenso jeder anderen
-Dampfmaschine werden im folgenden beschrieben:
-
-
-70. Cylinder und Steuerung.
-
-[Abbildung: Fig. 94.]
-
-Der #Dampfcylinder#. Er kann in jeder Lage angebracht werden; in ihm
-bewegt sich der luftdicht anschließende Kolben ~K~; an diesem ist die
-^Kolbenstange^ ~S~ befestigt, welche die eine ^Verschlußplatte^ ~Z~ des
-Cylinders luftdicht durchdringt in einer Stopfbüchse ~B~. Auf dem
-Cylinder sitzt der ^Schieberkasten^ ~C~, in welchen der Dampf durch das
-^Dampfzuleitungsrohr^ ~L~ geleitet wird; vom Schieberkasten führen zwei
-breite Röhren ~G~ zu den Enden des Cylinders. Damit der Dampf nicht
-gleichzeitig auf beiden Seiten, sondern abwechselnd erst auf der einen,
-dann auf der andern Seite des Cylinders einströmt, ist das
-^Schieberventil^ ~V~ vorgelegt. Das ist ein kleines im Schieberkasten
-befindliches Kästchen, welches so steht, daß es die eine Röhre verdeckt,
-und dann mittels einer nach außen führenden Stange, der
-^Schieberstange^ ~M~, so verschoben werden kann, daß es die andere Röhre
-verdeckt. #Durch die Stellung des Schieberventils kann der Dampf
-gesteuert, das heißt so geleitet werden, daß er bald auf die eine, bald
-auf die andere Seite des Kolbens drückt, und ihn so hin- und herbewegt.#
-Zwischen den beiden Mündungen der Dampfkanäle ~G~ befindet sich eine
-Öffnung ~P~, die nach aufwärts führt. Sie steht durch das Schieberventil
-mit der ^Abdampfseite des Cylinders^ in Verbindung, so daß der auf der
-Rückseite des Kolbens befindliche Dampf, der Abdampf, durch sie
-abströmen kann.
-
-[Abbildung: Fig. 95.]
-
-Dadurch wird erreicht, daß der Kolben abwechselnd vorwärts und rückwärts
-bewegt wird. Eine solche Einrichtung genügt z. B. beim #Dampfhammer#.
-Auf einem starken Gerüste steht oben der Cylinder vertikal, die
-Kolbenstange geht nach abwärts und trägt den als Hammer dienenden
-Eisenblock, unter welchem sich der Amboß befindet. Man läßt den Dampf
-unter dem Kolben einströmen, so wird der Kolben und somit der Hammer
-gehoben; nun läßt man den im Cylinder befindlichen Dampf in die freie
-Luft hinausströmen, dann fällt der Hammer durch sein Gewicht herab. Bei
-einem Kolbendurchmesser von 40 _cm_ und einem Dampfdruck von 8 Atm. darf
-das Gewicht des Hammers nebst Kolbenstange und Kolben 170 Ztr. betragen.
-#Der schwere Hammer wird durch die Kraft des Dampfes gehoben und
-schwebend erhalten.# Eine ähnliche Einrichtung hat die Dampframme. Bei
-den meisten Dampfmaschinen wird ^die hin- und hergehende^,
-#oscillierende# Bewegung des Kolbens in eine #rotierende# auf folgende
-Weise verwandelt. Die Kolbenstange ist mit ihrem Ende beweglich mit
-einer ^Schub-^ oder ^Pleuelstange^ verbunden und diese greift an einer
-^Kurbel^ an, welche an der ^Achse, der Hauptachse^ der Maschine,
-angebracht ist. Wenn der Kolben hin- und herbewegt wird, so wird die
-Achse umgedreht.
-
-[Abbildung: Fig. 96.]
-
-Auf dieser Hauptachse ist meist ein ^Schwungrad^ angebracht, ein sehr
-großes und schweres Rad, das den Gang der Maschine gleichmäßig macht und
-insbesondere über die ^toten Punkte^ hinweghilft. Wenn der Kolben am
-vorderen oder hinteren Ende angelangt ist, so stehen Pleuelstange und
-Kurbel in derselben Richtung; es kann also die Kraft des Kolbens nicht
-umdrehend wirken, und zudem hat der Dampf in dieser Stellung meistens
-keine Kraft, weil hiebei das Schieberventil eben umgestellt oder
-verschoben wird. ^Toter Punkt^. Das Schwungrad bewegt sich aber infolge
-seines Beharrungsvermögens weiter und hilft der Maschine über den toten
-Punkt hinweg. Zudem macht das Schwungrad den Gang der Maschine
-gleichmäßig. Vom Schwungrad aus wird die Bewegung durch ^Zahnräder^ oder
-durch die ^Treibriemen^ auf eine ^Welle^ geleitet, die ^Hauptwelle^, und
-von da aus zur Bewegung der verschiedenen ^Arbeitsmaschinen^ verwendet.
-
-#Der Excenter oder die excentrische Scheibe dient zur Selbststeuerung
-des Dampfes.# Auf der Hauptachse ist eine Scheibe so angebracht, daß ihr
-Mittelpunkt etwas außerhalb des Mittelpunktes der Hauptachse liegt, also
-^excentrisch^. Um die Scheibe ist ein Messingring gelegt, an welchem die
-Schieberstange befestigt ist; dreht sich die Hauptachse, so kommt der
-weiter herausragende Teil des Excenters bald nach vorn, bald nach
-hinten, schiebt also den Ring, und damit auch das Schieberventil vor-
-und rückwärts, und es ist leicht, den Excenter so anzubringen, daß das
-Schieberventil seine Bewegungen auch zur rechten Zeit macht.
-
-An der Hauptachse ist noch ein Excenter oder eine kleine Kurbel
-angebracht, durch welche die Speisepumpe bewegt wird.
-
-[Abbildung: Fig. 97.]
-
-Der #Centrifugalregulator# soll bewirken, daß die Maschine in ihrer
-Geschwindigkeit sich nur wenig ändert, wenn der Dampfdruck im Kessel
-sich ändert oder auch, wenn zeitweise von der Maschine mehr Arbeit
-gefordert wird. Von der Hauptachse aus wird durch Zahnrad oder
-Treibriemen eine vertikale Stange ~A~ umgedreht; an ihr sind oben zwei
-nach abwärts hängende Stangen beweglich eingelenkt, die an den unteren
-Enden zwei schwere Kugeln ~B~ tragen. Je rascher die Maschine geht,
-desto weiter fliegen die Kugeln durch die sogenannte ^Centrifugalkraft^
-auseinander. Etwa in der Mitte der Stangen sind zwei andere Stangen
-beweglich eingelenkt, die mit ihren unteren Enden an einer Hülse ~H~
-angreifen, welche die vertikale Stange umgibt; je rascher die Maschine
-geht, desto höher steigt die Hülse. Diese hat nun unten zwei
-hervorragende ringförmige Wülste, und zwischen diese greift das
-gegabelte Ende ~c~ eines Winkelhebels, so daß dies Hebelende um so
-höher gehoben wird, je rascher die Maschine geht. Das andere Ende
-~k~ des Hebels geht dann nach einwärts und dreht dabei eine im
-Dampfzuleitungsrohre angebrachte Scheibe oder Klappe (die
-^Drosselklappe^) so, daß sie das Dampfzuleitungsrohr mehr versperrt, so
-daß nicht mehr so viel Dampf zum Cylinder kommen kann. Das Umgekehrte
-findet statt, d. h. die Drosselklappe öffnet sich und läßt mehr Dampf in
-den Cylinder, wenn die Maschine zu langsam geht.
-
-
-71. Der Kondensator.
-
-[Abbildung: Fig. 98.]
-
-Der ^Kondensator^. Auf die eine Seite des Kolbens drückt der Dampf vom
-Kessel her, während auf der andern Seite der Dampf mit der freien Luft
-in Verbindung steht, also ausströmt und nur eine Spannkraft von 1 Atm.
-(besser ca. 1¼ Atm. wegen der Reibung) hat. #Um den Druck des Abdampfes
-vermindert sich der wirksame Druck des Dampfes.# Um diesen schädlichen
-Druck des ^Abdampfes^ wegzuschaffen und damit den Druck des
-Kesseldampfes besser auszunützen, dazu dient der ^Kondensator^. Er ist
-ein ziemlich geräumiger Behälter ~D~ aus Kesselblech, in welchen durch
-eine Röhre ~A~ der Abdampf eingeleitet wird. Ferner führt in ihn eine
-Röhre, die von einem Behälter kalten Wassers, einem Flusse, Bache u. s.
-w. herkommt und mit vielen feinen Öffnungen (Brause) endigt: #durch
-Einspritzen von kaltem Wasser wird der im Kondensator befindliche Dampf
-abgekühlt und kondensiert und erhält dadurch eine niedrige Spannkraft;
-es strömt dann vom Abdampfraume so viel Dampf in den Kondensator, bis
-der Druck des Abdampfes fast gleich ist dem des Kondensators.# Das
-Hinunterströmen des Dampfes geschieht ^sehr rasch^, schon während der
-Kolben in der Nähe des toten Punktes steht und umgekehrt, so daß
-sogleich beim Wiederbeginne und während seiner Bewegung auf der
-Abdampfseite nur ein geringer Dampfdruck von ¼ bis ¹/₃ Atm. vorhanden
-ist.
-
-Zur Kondensation des Dampfes bedarf es großer Mengen Wasser; diese
-werden, weil im Kondensator der Druck ein geringer ist, durch den
-äußeren Luftdruck hineingetrieben. Um die Abkühlung des Dampfes noch zu
-beschleunigen, steht der Kondensator in einem geräumigen Gefäß (~J~)
-(Cisterne), das man stets mit frischem Wasser versieht.
-
-Um das Wasser aus dem Kondensator zu entfernen, braucht man eine
-^Saugpumpe^ (~S~), die an den Kondensator angesetzt ist und auch von der
-Maschine selbst getrieben wird.
-
-
-72. Die Arten der Dampfmaschinen.
-
-Man unterscheidet hauptsächlich drei Arten von Dampfmaschinen:
-
-1) #Die Niederdruckmaschine.# ^Sie benützt einen Dampf von 1-3
-Atmosphären und hat Kondensator^. Es ist das die eigentliche Wattsche
-Maschine. Da der Druck des Dampfes nur gering ist, so muß, damit große
-Arbeit erzielt wird, der Cylinder groß sein, und man benützt wohl auch
-zwei oder drei Cylinder. Man braucht deshalb viel Dampf und demnach
-große Kessel. Wegen des niedrigen Dampfdruckes dürfen die Kessel aus
-verhältnismäßig dünnem Blech bestehen; dieses leitet die Wärme gut,
-folglich wird das Brennmaterial gut ausgenützt. Da durch den Kondensator
-auch der Druck des Abdampfes weggeschafft wird, so ist ihre Wirkung eine
-gute. Sie werden nicht mehr gebaut.
-
-2) Die #Mitteldruckmaschine.# ^Sie benützt einen Dampf von 3-5 Atm.; der
-Abdampf wird nicht kondensiert^, sondern geht in die freie Luft; sie
-nützt demnach den Dampf nicht gut aus. Sie werden nur als kleine
-Maschinen bis zu etwa 10 Pferdekräften konstruiert, zeichnen sich dann
-durch ihre Einfachheit und Billigkeit aus und werden benutzt bei
-kleineren Betrieben, sowie auch als transportable Maschinen, sogenannte
-^Lokomobilen^, bei den Dampfdreschmaschinen. Letztere sind sehr einfach
-eingerichtet; der Siederöhrenkessel steht auf Rädern; auf ihm ist der
-Cylinder mit Kolben, Kolbenstange, Pleuelstange, Hauptachse, Schwungrad
-und den zwei Excentern angebracht. Bei solchen Maschinen ist die
-Feuerungsanlage auch meist recht einfach, und die Hitze des
-Brennmaterials wird schlecht ausgenützt.
-
-3) #Die Hochdruckmaschinen#, solche sind alle ^Eisenbahnlokomotiven^,
-deren Erfinder Stephenson ist. Er erfand den transportabeln
-Siederöhrenkessel und brachte den Dampf auf hohen Druck. Die beiden
-Cylinder sind am Kessel selbst angebracht, und die Kolben- resp.
-Pleuelstange greift an einer mit dem Rade verbundenen Kurbel an. Die
-^Hochdruckmaschine benützt Dampf von 8-10 Atm.^; deshalb darf der
-Cylinder klein sein; man braucht also nur wenig Dampf und also einen
-kleinen Kessel, der aber sehr stark sein muß. Wegen der Unmöglichkeit
-bei fahrenden Maschinen das zur Kondensation nötige Wasser mitzuführen,
-^haben solche Maschinen keinen Kondensator^. Auch bei stehenden
-Maschinen wäre der Kondensator nur von geringem Nutzen; denn wenn etwa
-bei 9 Atmosphären Dampfdruck nur die eine Atmosphäre Abdampfdruck durch
-Kondensation weggeschafft werden kann, so ist der Gewinn nur gering und
-wird fast aufgezehrt durch den Arbeitsverlust, den die Kondensatorpumpe
-verursacht.
-
- ^Tabelle^
- über Temperatur, Spannkraft, Dichte und Wärmegehalt
- des gesättigten Dampfes.
-
- ======+===============+==========+=======+==========================
- | Dampf- | |Gewicht| Wärme bei Bildung
- Tempe-| spannung | Volumen | von | 1 _kg_ Dampf
- ratur +---------------+von 1 _kg_|1 _cbm_+--------+----------+------
- C° |Atmo- | Queck- | Dampf | Dampf |Freie W.|Latente W.|Gesamt
- |sphäre|silberh.| _cbm_ | _kg_ | Kal. | Kal. | Kal.
- | | _m_ | | | | |
- ------+------+--------+----------+-------+--------+----------+------
- 0° | 0,006| 0,0046 | 205,222 | 0,0049| 0 | 606,50 | 606,5
- 17,86 | 0,020| 0,0152 | 66,145 | 0,0151| 17,86 | 594,04 | 611,9
- 33,30 | 0,050| 0,0360 | 27,852 | 0,0359| 33,30 | 583,40 | 616,7
- 46,25 | 0,100| 0,0760 | 14,516 | 0,0680| 46,25 | 574,35 | 620,6
- 53,35 | 0,143| 0,1086 | 10,392 | 0,0962| 53,35 | 569,45 | 622,8
- 60,40 | 0,20 | 0,1518 | 7,583 | 0,1319| 60,40 | 564,50 | 624,9
- 65,36 | 0,25 | 0,190 | 6,157 | 0,1624| 65,36 | 560,94 | 626,3
- 81,72 | 0,50 | 0,380 | 3,227 | 0,3098| 81,72 | 549,58 | 631,3
- 92,18 | 0,75 | 0,570 | 2,215 | 0,4514| 92,18 | 542,42 | 634,6
- 100 | 1 | 0,760 | 1,696 | 0,5913| 100 | 537,00 | 637,0
- ------+------+--------+----------+-------+--------+----------+------
- 106,33| 1,25| 0,95 | 1,380 | 0,7243| 106,33 | 532,57 | 638,9
- 111,83| 1,50| 1,14 | 1,167 | 0,8567| 111,83 | 528,77 | 640,6
- 116,50| 1,75| 1,33 | 1,013 | 0,9875| 116,50 | 525,50 | 642,0
- 120,64| 2 | 1,52 | 0,895 | 1,1157| 120,64 | 522,66 | 643,3
- 127,83| 2,50| 1,90 | 0,729 | 1,3709| 127,83 | 517,57 | 645,4
- 133,91| 3 | 2,28 | 0,617 | 1,6204| 133,91 | 513,19 | 647,3
- 139,29| 3,50| 2,66 | 0,535 | 1,8658| 139,29 | 509,61 | 648,9
- 144,00| 4 | 3,04 | 0,474 | 2,1083| 144 | 506,40 | 650,4
- 148,44| 4,50| 3,42 | 0,426 | 2,3468| 148,44 | 503,26 | 651,7
- 152,26| 5 | 3,80 | 0,387 | 2,5842| 152,26 | 500,64 | 652,9
- ------+------+--------+----------+-------+--------+----------+------
- 155,94| 5,50| 4,18 | 0,455 | 2,8122| 155,94 | 498,06 | 654,0
- 159,25| 6 | 4,56 | 0,328 | 3,0508| 159,25 | 495,75 | 655,0
- 165,40| 7 | 5,32 | 0,285 | 3,5093| 165,40 | 491,50 | 656,9
- 170,84| 8 | 6,08 | 0,252 | 3,9706| 170,84 | 487,66 | 658,5
- 175,77| 9 | 6,84 | 0,227 | 4,4077| 175,77 | 484,23 | 660,0
- 180,30| 10 | 7,60 | 0,206 | 4,8484| 180,30 | 481,20 | 661,5
- 184,60| 11 | 8,36 | 0,189 | 5,2832| 184,60 | 478,20 | 662,8
- 188,54| 12 | 9,12 | 0,175 | 5,7142| 188,54 | 475,46 | 664,0
- 200 | 15,36| 11,69 | 0,139 | 7,3172| 200 | 467,50 | 667,5
- 215 | 20,26| 15,80 | 0,107 | 9,3690| 215 | 457,10 | 672,1
-
-
-73. Vergleich der Leistung der Dampfmaschinen.
-
-Vergleicht man die Wirkung einer Hoch- und Niederdruckmaschine von etwa
-8 und 2 Atm. und nimmt an, beide haben Kondensator, so möchte es
-scheinen, als ob die Hochdruckmaschine bedeutend im Vorteil wäre, weil
-auf den Kolben eine 4 mal größere Kraft drückt. Doch ist das nicht der
-Fall, wie man aus folgender Überlegung ersieht. Wir nehmen an, daß der
-Betrieb beider Maschinen gleich viel Geld kosten soll, so muß bei beiden
-gleich viel Brennmaterial verwendet werden, und es gilt da der wichtige
-Satz: #eine gewisse Menge Wasser verbraucht zum Verdampfen gleich viel
-Wärme gleichgültig ob es in Dampf von hohem oder von niedrigem Druck
-verwandelt wird.# (Watt.) Dieser Satz ist zwar nicht ganz genau richtig
-(Regnault), aber die Abweichung ist so gering, daß sie bei der folgenden
-Betrachtung vernachlässigt werden kann. Laut obiger Tabelle
-(Gesamt-Kalorien) braucht man um 1 _kg_ Wasser von 0° in Dampf zu
-verwandeln, 643,3 Kal. bei 2 Atm. und 658,5 Kal. bei 8 Atm.; der
-Unterschied beträgt noch nicht 2½%. Man kann also bei gleichem
-Kohlenverbrauch gleich viel Wasser in Dampf verwandeln. Da aber der
-Dampf seine hohe Spannkraft insbesondere daher hat, daß er dichter ist,
-also der Dampf von 8 Atmosphären (nahezu) 4 mal dichter ist als der von
-2 Atm., so ^ist das Volumen des Dampfes von 8 Atm. nahezu^ 4 mal (3,55
-mal) ^kleiner als das des Dampfes von 2 Atm^. (1 _kg_ Dampf hat bei 8
-Atm. 0,252 _cbm_, bei 2 Atm. 0,895 _cbm_, ist also 3,55 mal kleiner und
-dichter, sollte also auch nur eine 3,55 mal größere Spannung haben; was
-ihm noch fehlt, ersetzt er durch die höhere Temperatur.) Soll nun bei
-beiden Maschinen der Cylinder gleich lang sein und in derselben Zeit
-gleich oft, also gleich schnell hin und hergehen, ^so muß der
-Querschnitt des Hochdruckcylinders^ (nahezu) ^4 mal kleiner sein als der
-des Niederdruckcylinders. Dann ist aber der Druck des Dampfes auf die
-Kolben in beiden Maschinen wieder gleich groß^, z. B. 8 · 100 = 800 _kg_
-im Hochdruckcylinder, 2 · 400 = 800 _kg_ im Niederdruckcylinder; die
-Kraft ist somit dieselbe, und da beide Kolben auch in derselben Zeit
-denselben Weg machen, ^so ist auch die Arbeit dieselbe^. Beide Maschinen
-liefern ^für gleichen Kohlenverbrauch gleiche Arbeit^.
-
-
-74. Expansionsmaschine.
-
-[Abbildung: Fig. 99.]
-
-Die Hochdruckmaschinen haben noch eine wesentliche Verbesserung erfahren
-durch #Anwendung der Expansion, d. h. durch Verwendung der bedeutenden
-Expansivkraft der hoch gespannten Dämpfe: Expansionsmaschinen#. Durch
-eine besondere Art von Steuerung läßt man nicht den ganzen Cylinder voll
-Dampf anströmen, sondern #sperrt den Dampfzustoß schon ab, wenn ein Teil
-des Cylinders z. B. ein Viertel voll# ist. Dieser Dampf von etwa 8
-Atmosphären #schiebt den Kolben vermöge seiner Ausdehnungs- oder
-Expansionskraft bis ans Ende#. Dabei verliert er naturgemäß an
-Spannkraft; denn wenn der Kolben in der Mitte ist, ist die Spannkraft
-schon auf 4 Atm., und wenn er am Ende ist, bis auf 2 Atm. gesunken. In
-Fig. 99 bedeutet ~a-f~ die Länge des Cylinders, die vertikalen Linien
-bedeuten die Dampfspannung; von ~a~ bis ~b~ strömt der Dampf voll ein,
-hat also die ganze Spannung; von ~b~ bis ~c~ sinkt er auf die Hälfte,
-bis ~d~ auf ¹/₃, bis ~e~ auf ¼, bis ~f~ auf ¹/₅ seiner ersten Spannung.
-Indem man also den stark gespannten Dampf veranlaßt, durch seine
-Expansivkraft noch Arbeit zu leisten, erzielt man einen beträchtlichen
-Gewinn, wie aus folgendem Vergleiche ersichtlich ist.
-
-Eine Hochdruckmaschine und eine Expansionsmaschine sollen gleich viel
-Dampf von je 8 Atmosphären erhalten; die Cylinder sollen gleich lang
-sein und die Kolben sich gleich schnell bewegen. Wird in der
-Expansionsmaschine der Dampf schon beim ersten Viertel abgesperrt, so
-darf der Cylinder einen 4 mal größeren Querschnitt haben, um dieselbe
-Dampfmenge zu verbrauchen; folglich drückt auf seinen Kolben eine 4 mal
-größere Kraft, #er leistet also im ersten Viertel seines Weges schon
-dieselbe Arbeit wie der Hochdruckkolben auf seinem ganzen Wege#. Es sei
-nämlich dieser Weg = 60 _cm_, die Hochdruckkolbenfläche = 300 _qcm_, so
-ist die Arbeit im Hochdruckcylinder = 8 · 300 · 0,6 = 1440 _kgm_; die
-Arbeit im ersten Viertel der Expansionsmaschine =
-
- 8 · 1200 · 0,6
- -------------- = 1440 _kgm_.
- 4
-
-#Die ganze Arbeit, die im Expansionscylinder in den folgenden ¾ seiner
-Länge geleistet wird, ist reiner Gewinn#, und dieser ist so groß, daß
-die Leistung der Expansionsmaschine bei demselben Dampf-
-(Geld-)verbrauch 2-, sogar 3 mal so groß ist wie der der einfachen
-Hochdruckmaschine. Es werden demnach die meisten, insbesondere die
-größeren Maschinen als Expansionsmaschinen konstruiert. Mit Vorteil läßt
-man den Dampf seine Expansionsarbeit nicht auf einmal, sondern in zwei
-Cylindern verrichten, welche er nacheinander durchströmt.
-#Compoundmaschinen# (Verbundmaschinen). Sie haben 2 Cylinder: der erste,
-kleinere, wirkt als Expansionsmaschine, der Abdampf dieses Cylinders,
-der nur mehr eine geringe Spannkraft hat (3-4 Atm.), wird, indem er
-durch einen größeren Behälter (^Reciver^, daher ^Recivermaschine^) geht,
-in den größeren Niederdruckcylinder geleitet, wo er nochmals expandiert,
-und dann als Abdampf kondensiert wird. Solche Maschinen verbinden die
-Vorteile des hohen Druckes, der Expansion und der Kondensation und sind
-deshalb die besten. Statt zweier Cylinder verwendet man auch 3, sogar 4,
-welche der Dampf der Reihe nach durchströmt, und in deren jedem er einen
-Teil seiner Spannkraft durch Expansion abgibt. Diese Maschinen mit
-mehrfacher (geteilter) Expansion sind jetzt die besten.
-
-
-Aufgaben:
-
-#86.# Ein Dampfkesselventil von 10 _cm_ Durchmesser soll sich bei einem
-Dampfdruck von 6 Atm. öffnen. Wie stark ist es zu belasten? Mit welchem
-Gewicht ist der lange Hebelarm zu belasten, wenn der kurze 9 mal kürzer
-ist?
-
-#87.# Mit welchem Druck wird bei der Dampfmaschine Fig. 93 der Kolben
-niedergedrückt, wenn sein Durchmesser 86 _cm_ und der innere Druck durch
-Abkühlen auf ¹/₃ Atm. gebracht wird?
-
-#88.# Bei einem Dampfhammer ist der Kolbendurchmesser 36 _cm_, der
-Durchmesser der Kolbenstange (Hammerstiel) ist 16 _cm_, die
-Dampfspannung ist 8 Atm. Wie schwer darf der Hammer sein?
-
-#89.# Wenn eine Dampframme 40 Ztr. wiegt, wie groß muß der Durchmesser
-des Kolbens bei 5 Atm. Dampfspannung sein, und welcher Nutzeffekt wird
-erzielt, wenn die Ramme in der Minute 52 Hübe ~à~ 24 _cm_ macht?
-
-#90.# Wie viele Pferdekräfte leistet eine Dampfmaschine, welche bei 32
-_cm_ Kolbendurchmesser und 35 _cm_ Hubhöhe in jeder Minute 64 Doppelhübe
-bei 6 Atm. Dampfspannung macht, wenn 10% für innere Arbeit abzurechnen
-sind?
-
-#91.# Eine Zwillingsmaschine hat Kolben von 40 _cm_ Durchmesser und 46
-_cm_ Hubhöhe und macht bei 2,4 Atm. Kesseldampfdruck und einer
-Kondensatorspannung von 12 _cm_ Quecksilberhöhe in jedem Cylinder 54
-Doppelhübe pro Minute. Welchen Nutzeffekt kann man von ihr erwarten,
-wenn 15% ihrer Leistung für innere Arbeit verbraucht werden?
-
-#92.# Eine Lokomotive macht bei 28 _cm_ Kolbendurchmesser und 32 _cm_
-Hubhöhe in jeder Minute 64 Turen. Welchen Effekt hat sie bei 8½ Atm.
-Dampfspannung, wenn für innere Arbeit 8% abzuziehen sind?
-
-#93.# Eine Dampfdreschmaschine arbeitet bei 5½ Atm. Dampfdruck; von den
-zwei Cylindern hat jeder 11 _cm_ Durchmesser und 14 _cm_ Hubhöhe.
-Welchen Effekt hat sie bei 84 Turen pro Minute, wenn 10% für innere
-Arbeit abgerechnet werden? Wie viel Dampf verbraucht sie in der Stunde
-und wie groß ist dessen Wärmeinhalt? (Siehe Tabelle Seite 121.)
-
-#94.# Eine Wasserhaltungsmaschine arbeitet mit 7½ Atm. Druck bei 40 _cm_
-Kolbendurchmesser und 45 _cm_ Hubhöhe. Wie groß ist bei 52 Turen in der
-Minute die sekundliche Leistung der Maschine, und wie groß ist die
-Nutzleistung, wenn 8% für innere Arbeit abgerechnet werden müssen? Wie
-viel Wasser kann in der Stunde auf die Höhe von 24 _m_ gehoben werden,
-wenn bei der Pumpe 12% der Arbeit verloren gehen?
-
-#95.# Ein Kilogramm Steinkohle liefert 7000 Kalorien. Seine Wärme wird
-ohne Verlust dazu verwendet, um Wasser von 100° in Dampf von 1 Atm. zu
-verwandeln, wobei die latente Wärme des Wasserdampfes = 537 Kal. ist.
-Welche äußere Arbeit leistet der Dampf durch Überwindung des
-Luftdruckes, wenn 1 _kg_ Wasser hiebei 1,696 _cbm_ Dampf liefert?
-(Vergleiche Tabelle Seite 121.) Man vergleiche diese Arbeit mit dem
-mechanischen Äquivalent der aufgewandten 7000 Kalorien.
-
-
-75. Die Gaskraftmaschine.
-
-Die ^Gaskraftmaschine^ oder der ^Gasmotor^ besteht aus Cylinder, Kolben,
-Kolbenstange, Pleuelstange, Krummzapfen und Schwungrad, wird durch Gas
-gespeist, und hat eine etwas komplizierte Steuerung, durch welche
-folgende Vorgänge ermöglicht werden. Der Kolben geht vorwärts, dabei
-strömt Leuchtgas und Luft in den Cylinder; der Kolben geht zurück und
-preßt dies Gasgemisch in eine am Cylinderende angebrachte Ausbuchtung,
-Vorkammer. In dem Moment, in welchem der Kolben wieder umkehrt, öffnet
-sich auf kurze Zeit eine kleine Röhre an der Vorkammer, so daß sich das
-Gasgemisch an einer vor dieser Röhre brennenden Gasflamme entzündet.
-#Das Gasgemisch explodiert#, indem das Leuchtgas in der beigemischten
-Luft rasch verbrennt; #dadurch bekommen die Gase eine große
-Expansivkraft und treiben den Kolben vorwärts#. Der Kolben geht zurück
-und treibt die Verbrennungsgase aus dem Cylinder. Nun beginnt derselbe
-Vorgang wieder. Unter 4 Kolbengängen ist demnach nur ein wirksamer,
-nämlich wenn die Kraft des explodierten Gasgemisches den Kolben vorwärts
-treibt. Die Maschine hat also nicht bloß tote Punkte, sondern immer je 3
-tote Gänge zu überwinden; ein verhältnismäßig mächtiges Schwungrad hilft
-darüber hinweg. Die Gasmotoren haben manche Vorteile; sie brauchen
-keinen Dampfkessel, sind klein und können überall leicht aufgestellt
-werden, können jederzeit in Betrieb gesetzt werden und sind auch im
-andauernden Betriebe nicht teurer als die Dampfmaschinen, bei
-unterbrochenem Betriebe sogar billiger. Sie erfordern fast keine
-Beaufsichtigung und nur wenig Arbeit zur Reinigung und Instandhaltung;
-die Bedienung derselben ist leicht erlernt.
-
-Bei der ^Petroleummaschine^ wird das Leuchtgas ersetzt durch Petroleum
-(auch Benzin), welches beim Einspritzen in den heißen Cylinder sofort
-verdampft.
-
-
-76. Feuchtigkeit der Luft.
-
-^Die gewöhnliche Luft enthält stets eine gewisse Menge Wasserdampf^. Er
-gelangt in die Luft durch ^Verdunsten^ von Wasser. Beim Kochen
-entwickeln sich Dämpfe auch im Innern der Flüssigkeit, und zwar
-hauptsächlich an der Stelle, welcher die Wärme zugeführt wird; beim
-Verdunsten bildet sich der Dampf bloß an der Oberfläche des Wassers.
-#Das Verdunsten findet bei jeder Temperatur statt#; auch Eis verdunstet,
-sogar noch bei vielen Graden unter 0.
-
-Die Menge des in der Luft enthaltenen Wasserdampfes mißt man entweder
-nach der Anzahl von Gramm Wasser, die in 1 _cbm_ Luft dampfförmig
-enthalten sind, oder ^nach dem Drucke, den der in der Luft vorhandene
-Wasserdampf ausübt^, ausgedrückt in _mm_ Quecksilberhöhe; z. B. der
-Dunstdruck beträgt 6,8 _mm_ d. h. der Druck des in der Luft enthaltenen
-Wasserdampfes beträgt 6,8 _mm_ Quecksilberhöhe. #Der Druck der feuchten
-Luft ist gleich dem der trockenen plus dem des Wasserdampfes.#
-(Dalton.)
-
-#Luft kann gerade so viel Wasserdampf aufnehmen, als ein luftleerer Raum
-bei derselben Temperatur aufnehmen würde#; so beträgt die Spannkraft des
-Wasserdampfes bei 20° 17,39 _mm_; also kann Luft von 20° so viel Dampf
-aufnehmen, daß sein Druck 17,39 _mm_ beträgt.
-
-Die Menge Wasserdampf, welche die Luft bei einer gewissen Temperatur
-aufnehmen kann, nennt man die #Feuchtigkeitskapazität#. Sie ist bei
-niedriger Temperatur gering, bei hoher Temperatur größer (siehe
-Spannungstabelle des Wasserdampfes). Wenn die Luft so viel Feuchtigkeit
-enthält, als sie vermöge ihrer Temperatur aufnehmen kann, so nennt man
-sie ^absolut feucht^ oder ^gesättigt^. Meistens hat sie weniger, ist
-also nicht gesättigt. #Die Menge Feuchtigkeit, welche die Luft wirklich
-hat, nennt man die absolute Feuchtigkeit#, und mißt sie auch durch ihren
-Druck in _mm_. Beträgt die absolute Feuchtigkeit der Luft 11,63 _mm_, so
-heißt das, der in der Luft wirklich vorhandene Wasserdampf hat eine
-Spannkraft von 11,63 _mm_ Quecksilberhöhe. #Das Verhältnis der absoluten
-Feuchtigkeit zur Feuchtigkeitskapazität nennt man die relative
-Feuchtigkeit,# und drückt sie aus in #Prozenten der Kapazität#. Wenn z.
-B. die Luft 20° hat, also 17,39 _mm_ enthalten könnte, aber bloß 11,63
-_mm_ enthält, so enthält sie
-
- 11,63 · 100
- ----------- = 67% Feuchtigkeit.
- 17,39
-
-Bei einer relativen Feuchtigkeit zwischen 0 und 40% nennt man die Luft
-trocken, von 40-70% normal, von 70-100% feucht.
-
-
-77. Hygrometer und Psychrometer.
-
-Apparate, durch welche man den Feuchtigkeitsgehalt der Luft messen kann,
-nennt man Hygrometer.
-
-[Abbildung: Fig. 100.]
-
-#Das Hygrometer von August# (1828) wird Psychrometer (Naßkältemesser)
-genannt. Es besteht aus zwei Thermometern, die an einem Gestelle
-nebeneinander angebracht sind; das eine mißt die Temperatur der Luft und
-heißt das ^trockene^ Thermometer; die Kugel des anderen, des feuchten,
-ist mit dünnem Zeuge umwickelt, das mit Wasser befeuchtet wird durch
-einen dicken Baumwollfaden, der in ein untergestelltes Schälchen
-destillierten Wassers hängt. #Das feuchte Thermometer steht meist tiefer
-als das trockene.# Denn das Wasser am feuchten Thermometer verdunstet,
-verbraucht dabei Wärme (latente Wärme des Wasserdampfes), und wird
-deshalb kälter. Dieser Unterschied beträgt um so mehr, je relativ
-trockener die Luft ist, weil in trockener Luft das Wasser rascher
-verdampft als in feuchter. Aus Tabellen kann man dann die zugehörige
-absolute und relative Feuchtigkeit ablesen. Die Angaben dieses
-Psychrometers sind sehr zuverlässig.
-
-[Abbildung: Fig. 101.]
-
-#Das Daniell’sche Hygrometer# (1820) dient zur Bestimmung des
-#Taupunktes, d. h. derjenigen Temperatur, bei der die Luft mit der eben
-in ihr enthaltenen Feuchtigkeit gesättigt ist#. Die Kugel eines
-Thermometers befindet sich in einem Gefäße aus ^poliertem Silber^- oder
-^Nickelblech^. Das Gefäß setzt sich oben in eine Glasröhre fort, die
-seitwärts führt und in einer Glaskugel endigt. Im Gefäße befindet sich
-etwas Äther; Röhre und Kugel sind durch Auskochen luftleer gemacht und
-zugeschmolzen, also bloß mit ^Ätherdampf gefüllt^, und die Kugel ist mit
-Zeug umwickelt. Tröpfelt man auf dieses Zeug etwas Äther, so kühlt er
-ähnlich wie beim Ätherdampfbarometer durch seine Verdunstungskälte den
-Ätherdampf in der Kugel ab. Deshalb kommt der Äther im Gefäß ins Kochen
-und kühlt so die Silberwand ab. Die Luft an der Silberwand wird deshalb
-auch kalt, und bald so kalt, daß sie mit Feuchtigkeit gesättigt ist; bei
-der geringsten weiteren Abkühlung scheidet sie Wasserdampf aus, dieser
-schlägt sich in feinen Tautröpfchen an die Silberwand nieder, trübt
-dadurch deren Glanz und macht sich so bemerklich. Sobald man diese
-Trübung wahrnimmt, liest man den Stand des Thermometers ab und findet so
-den Taupunkt. An einem daneben befindlichen Thermometer liest man die
-Lufttemperatur ab. Aus Tabellen findet man dann die zugehörige absolute
-und relative Feuchtigkeit. Je (relativ) trockener die Luft ist, desto
-weiter ist der Taupunkt von der Lufttemperatur entfernt. Beide Apparate
-können bei genauen und richtigen Feuchtigkeitsbestimmungen nicht
-entbehrt werden.
-
-#Hygrometrische Substanzen haben die Eigenschaft, den in der Luft
-enthaltenen Wasserdampf aufzunehmen und in Wasser zu verwandeln.# Manche
-Stoffe, wie konzentrierte Schwefelsäure, ausgeglühte Potasche,
-Chlorcalcium nehmen mit großer Begierde den Wasserdampf der Luft auf, so
-daß man sie dazu verwenden kann, die ^Luft zu trocknen^; sie geben erst
-bei hoher Temperatur das Wasser wieder her. Manche Körper, die aus
-getrocknetem tierischen oder pflanzlichen Zellgewebe bestehen, wie Holz,
-Stroh, Haar, Fischbein, Darmsaiten, Wolle u. s. w. haben auch die
-Fähigkeit, Wasserdampf aus der Luft aufzunehmen; ^sie nehmen jedoch nur
-eine Menge auf, die der relativen Feuchtigkeit der sie umgebenden Luft
-proportional ist^ und geben auch bei gewöhnlicher Temperatur, wenn sie
-in trockenere Luft kommen, einen entsprechenden Teil ihres Wassers
-wieder her. ^Dabei erleiden sie eine Formveränderung^, Holz quillt auf
-und wird größer, das Haar wird länger, ebenso Fischbein, und die
-Darmsaite dreht sich auf. ^Darauf beruht die Verwendung dieser Körper zu
-Hygrometern^.
-
-[Abbildung: Fig. 102.]
-
-Das #Haarhygrometer#. Ein entfettetes Haar ist oben festgemacht, unten
-um einen drehbaren Stift gewickelt, der einen Zeiger trägt; durch ein
-kleines Gewicht, das den Stift zu drehen sucht, wird das Haar gespannt
-erhalten. Es ändert mit der Feuchtigkeit seine Länge, dreht den Stift
-und den Zeiger, der dann auf einer Skala die relative Feuchtigkeit in
-Prozenten angibt. Ähnlich ist beim Fischbeinhygrometer an Stelle des
-Haares ein Streifen Fischbein, quer zur Faser geschnitten, angebracht.
-
-Das ^Wolpert^’sche #Strohhalmhygrometer# besteht aus einem schmalen
-Streifen eines Strohhalms, der am einen Ende festgeklemmt ist und mit
-dem anderen Ende vor einer Skala spielt; der Strohhalm ist in ganz
-feuchter Luft gerade, krümmt sich in trockener Luft so, daß seine
-glänzende Seite außen ist.
-
-Solche Hygrometer benützt man in Fabriken, Krankenzimmern, Schul- und
-Wohnräumen, um die Feuchtigkeit der Luft zu messen. Luft zwischen 40 und
-70% ist für den Menschen am zuträglichsten, feuchtere Luft erscheint
-schwül und dumpf, trockene greift die Lunge zu stark an. Da die kalte
-Luft an sich nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen kann, bei 0° 4,6 _mm_, so
-wird sie, wenn sie im Winter in das Zimmer kommt und dort erwärmt wird,
-relativ sehr trocken, weshalb man oft durch aufgestellte Verdampfschalen
-der Zimmerluft Feuchtigkeit zuführen muß.
-
-
-78. Meteorologische Erscheinungen der Luftfeuchtigkeit.
-
-Aus dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft erklären sich viele Erscheinungen
-in der Witterung. ^Wolkenbildung^ geschieht meistens nach folgendem
-Gesetze: #Wenn man Luft zusammendrückt, so wird sie dadurch allein schon
-wärmer#; ^umgekehrt^: #wenn man sie ausdehnt, so wird sie dadurch allein
-schon kälter#. ^Der Betrag der Temperaturänderung ist sehr
-beträchtlich^. #Das pneumatische Feuerzeug#: Es besteht aus einer
-Metallbüchse, in die ein Stempel luftdicht paßt; an dessen unterer
-Fläche befestigt man ein Stückchen Feuerschwamm und stößt den Stempel
-rasch und stark in die Büchse; dadurch erhitzt sich die Luft so stark,
-daß sie den Feuerschwamm entzündet, so daß bei raschem Herausziehen des
-Stempels der Feuerschwamm noch glimmt.
-
-#Wolkenbildung#: Wenn feuchte Luft aus irgend einer Ursache in die Höhe
-steigt, dehnt sie sich aus, und wird dadurch kälter; deshalb wird ihre
-relative Feuchtigkeit größer, sie überschreitet den Taupunkt, kann nicht
-mehr alle Feuchtigkeit bei sich behalten und scheidet dann Wasser in
-Form von kleinen Tröpfchen aus. Diese erscheinen uns als Wolke. Wenn
-solche Luft wieder tiefer sinkt, so wird sie wieder wärmer, kann also
-die Wasserteilchen wieder verdampfen und als Dampf aufnehmen.
-
-Versuch: Man schwenkt einen Glasballon mit Wasser aus, so daß die Luft
-in ihm feucht ist, und verschließt ihn mit einem Kork, durch den eine
-Glasröhre gesteckt ist (bringt auch etwas Zigarrenrauch in die Flasche).
-Bläst man durch die Röhre Luft in den Ballon, so wird sie verdichtet,
-wärmer, und nimmt noch mehr Feuchtigkeit auf: läßt man die eingeblasene
-Luft wieder ausströmen, ^so dehnt sich die Luft im Ballon aus, und
-scheidet Nebel aus^, der die Luft trübt; wenn man wieder Luft einbläst,
-verschwindet die Trübung vollständig u. s. f.
-
-Wenn feuchte Luft vom Meere her gegen das Land weht, so muß sie sich
-erheben, um so mehr, je höher das Land ist. Daher tritt Abkühlung,
-Wolkenbildung und infolgedessen Regen ein; ^deshalb regnet es in
-Gebirgen mehr als im Flachlande^. Die Alpen kondensieren fast allen
-Wasserdampf der über sie hinstreichenden Luft; besonders regnerisch ist
-deshalb die steil ansteigende Küste Norwegens, das isoliert stehende
-Harzgebirge, ebenso Röhn, Eifel, Fichtelgebirge, Spessart. Die
-Regenmengen in allen deutschen Mittelgebirgen sind größer als in den
-Tälern. Wenn die Luft wieder ins Tal herabsteigt, löst sie die Wolken
-oft vollständig auf, so daß im Tale weniger Regen, mehr Sonnenschein und
-schon wegen der Zusammendrückung der Luft mehr Wärme ist.
-
-Daß es ^auf Bergen kälter^ ist als im Tale, erklärt sich einerseits
-daraus, daß die Wärme des Bodens leichter in den Himmelsraum ausstrahlen
-kann, da die darüber liegende Luftschichte dünner ist, insbesondere aber
-auch daraus, daß, wenn Luft vom benachbarten Tiefland über das Gebirge
-weht, sie sich ^durch die Ausdehnung abkühlt^, umsomehr, je höher sie
-steigt. Beim Herabsteigen wird sie durch das Zusammenpressen wieder
-wärmer. Trockene Luft nimmt bei je 100 _m_ Höhe um 1° ~C~ ab, feuchte
-langsamer. Wenn Luft von Italien her 20° warm ist und über die Alpen
-etwa nach der Schweiz geht, so hat sie auf der Kammhöhe etwa nur 0°, auf
-den Bergspitzen aber tief unter 0°. Steigt sie in die Schweiz herunter,
-so hat sie etwa 15°, weil ja die Schweiz höher liegt als Italien. Dies
-würde der Fall sein bei trockener Luft. Feuchte Luft scheidet aber auf
-den Bergen Wasser aus, das als Regen oder Schnee auf die Berge fällt.
-(Luft von 20° und 86% scheidet bei 3700 _m_ 6,6 Gramm Wasserdampf aus
-jedem _cbm_ aus.) Durch die Kondensation des Wasserdampfes wird aber die
-latente Wärme des Wasserdampfes frei; diese kommt der Luft zugute, so
-daß sie sich etwas erwärmt, also schon auf den Bergen nicht so kalt ist,
-als sie infolge der Höhe hätte sein sollen, also auf der Kammhöhe etwa
-6° anstatt 0°, auf den Bergspitzen etwa -5° anstatt -12°. Steigt die
-Luft nun in die Täler herab, so erwärmt sie sich anstatt bloß auf 15°
-auf 30°, und da sie zudem ihre Feuchtigkeit größtenteils verloren hat,
-so erscheint sie trocken (30%).
-
-Man übersieht diese Verhältnisse aus folgender Tabelle:[5]
-
- Italien, Kammhöhe Schweiz.
- (2500 _m_),
-
- Luftdruck 760 _mm_ 564,3 _mm_ 755,2 _mm_
- Temperatur 20° 5,9° 30,5°
- Dunstdruck 15,0 _mm_ 7,0 _mm_ 9,4 _mm_
- Relative Feucht. 86% 100% 29%
-
- [5] Aus „Mohn, Grundzüge der Meteorologie“.
-
-Ähnliche Verhältnisse trifft man in den Ländern, welche im Bereiche
-eines herrschenden Windes, etwa des Passatwindes liegen; trifft dieser
-auf eine Gebirgskette, so verliert er beim Überschreiten derselben seine
-Feuchtigkeit und erscheint auf der Westseite des Gebirges als sehr
-trockene Luft. Deshalb findet man z. B. an der Westküste von Südamerika,
-Südafrika, sowie in dem Teil von Australien, der westlich von seinem an
-der Ostküste gelegenen Küstengebirge liegt, regenarme, trockene
-Gegenden: die Guanoinseln, Lüderitzland und die australische Wüste.
-
-Die ^großen Haufenwolken^ (~cumulus~), die sich besonders hoch bei
-Gewittern bilden, entstehen auf folgende Weise. Wenn durch irgend welche
-Ursache ein Landstrich stärker erwärmt ist als die umliegenden
-Landstriche, so steigt die auf ihm liegende Luftmasse in die Höhe, indem
-von allen Seiten die etwas kältere Luft hinzuströmt. Dies Aufsteigen
-würde sehr bald ein Ende nehmen, (bei 3-400 _m_), weil durch die
-Ausdehnung die Luft sich abkühlt. Wenn aber die aufwärts treibende Kraft
-nur so weit reicht, daß die Temperatur der Luft unter den Taupunkt
-sinkt, so tritt etwas Neues hinzu, was das weitere Aufsteigen befördert.
-Sie scheidet Wasser in Form von Nebel aus, wodurch die latente Wärme des
-Wasserdampfes der Luft zugute kommt. Sie ist deshalb wärmer als sie
-infolge der Höhe sein sollte und als die umliegende Luft ist, fährt
-deshalb fort, in die Höhe zu steigen, wobei wieder das nämliche
-eintritt. Erst wenn sie sehr hoch gestiegen ist, und fast allen
-Wasserdampf ausgeschieden hat, kann sie beim weiteren Steigen nur mehr
-wenig Wasserdampf ausscheiden, und die frei werdende latente Wärme
-genügt nicht mehr, um den durch das Aufsteigen verursachten
-Kälteverlust zu ersetzen. Die Luft wird deshalb so kalt, als sie infolge
-der Höhe sein muß, ist noch dazu erschwert mit dem Gewichte der
-ausgeschiedenen Wassertropfen und hört deshalb in einer gewissen Höhe
-auf, noch weiter zu steigen.
-
-Eine solche Wolke ist unten scharf abgeschnitten in einer Höhe, in
-welcher der Taupunkt liegt (Nebelgrenze, bei Gewittern in 1400 _m_
-Höhe). Nach oben zeigt sie sich geballt, aufgetrieben, mit abgerundeten,
-scharf gezeichneten Rändern. Sie ist nicht etwa durch Vermischen zweier
-Luftmassen entstanden, sondern durch Aufsteigen der unteren Luft unter
-gleichzeitiger Ausscheidung von Wasser (Gipfel der Gewitterwolken in
-3600 _m_ Höhe).
-
-Je feuchter die Luft ist, zu um so größerer Höhe kann sie steigen. Diese
-Wolken bilden sich oft sehr rasch, in einer oder einigen Stunden, und da
-die Luft dabei zu sehr bedeutender Höhe aufsteigt, demnach fast alle
-Feuchtigkeit ausscheidet, so enthalten sie große Mengen Wasser und geben
-starke Regengüsse.
-
-^Nebel^ entsteht, wenn feuchte Luft sich unter den Taupunkt abkühlt und
-Wasser ausscheidet. Er entsteht häufig auf dem Meere, wenn die Luft sich
-am Tage erwärmt und mit Feuchtigkeit gesättigt hat und sich nachts
-abkühlt; ebenso zu Lande, besonders in wasserreichen Tälern im Frühjahre
-und Herbste, wenn auf einen warmen, windstillen Tag eine helle Nacht
-kommt, in der sich die Luft rasch abkühlt. Ebenso entstehen starke
-Nebel, wenn warme Luft, die sich auf dem Meere mit Feuchtigkeit
-gesättigt hat, über einen kalten Meeresteil oder über ein kälteres Land
-streicht.
-
-
-79. Kondensation der Gase.
-
-^Wenn ein Dampf eine Dichte und Spannkraft hat, die seiner Temperatur
-entspricht, so ist er gesättigt^, er kann nicht mehr Wasser (oder
-überhaupt Flüssigkeit) aufnehmen; wenn seine Temperatur wächst, kann er
-wieder Wasser aufnehmen, wenn sie sinkt, muß er Wasser ausscheiden.
-^Überhitzter Dampf ist Dampf, dessen Dichte und Spannkraft kleiner ist,
-als sie vermöge der Temperatur sein sollten^; man erhält ihn am
-einfachsten, wenn man im verschlossenen Gefäße gesättigten Wasserdampf
-etwa von 100° bei Abwesenheit von Wasser ^weiter erwärmt^, etwa auf
-200°. Dabei steigt seine Dichte gar nicht, seine Spannkraft nur wenig
-nach dem Gay-Lussak’schen Gesetz; sie steigt etwa auf 1¹/₃ Atm., während
-sie bei 200° 15 Atm. betragen sollte. Der Dampf ist überhitzt. #Durch
-Abkühlung wird er wieder gesättigt.#
-
-#Die gewöhnlichen Gase sind anzusehen als überhitzte Dämpfe.# Wenn man
-Kohlensäure sehr tief abkühlt, so wird sie flüssig, besonders wenn man
-sie zugleich zusammenpreßt. Wenn man durch eine Kompressionspumpe immer
-mehr Kohlensäure in ein starkes Gefäß preßt, das durch herumgelegtes
-Eis auf 0° erhalten wird, so wächst nach dem Mariotte’schen Gesetz die
-Spannkraft der Kohlensäure bis 40 Atmosphären. Dann aber steigt die
-Spannkraft nicht mehr, sondern wenn man noch mehr Kohlensäure
-hineinpumpt, so verwandelt sich stets ebensoviel Kohlensäure in eine
-Flüssigkeit. Kohlensäure von 0° und 1 Atm. ist also nicht gesättigt: sie
-ist anzusehen als der überhitzte Dampf einer Flüssigkeit. Ebenso lassen
-sich viele Gase flüssig machen, z. B. schwefelige Säure, Ammoniak,
-Schwefelwasserstoff, Kohlensäure, Stickoxyd u. s. w. Solche Gase nannte
-man koerzible Gase. Manche Gase ließen sich aber nicht flüssig machen;
-man nannte sie deshalb #inkoerzibel# oder #permanent#; solche sind:
-Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, Leuchtgas. In neuester Zeit hat man
-auch sie flüssig gemacht.
-
-Wenn man flüssige Kohlensäure bei einer feinen Öffnung ausströmen läßt,
-so verwandelt sie sich wieder in luftförmige; aber hiebei verbraucht sie
-so viel Wärme, daß die noch weiter herausspritzende in dem erzeugten
-kalten Raume sogar gefriert und als Schnee zu Boden fällt. Die gefrorene
-Kohlensäure zeigt eine Kälte von etwa -79° und mit Äther gemischt von
--100° (ca.). Hineingegossenes Quecksilber gefriert und wird fest wie
-Silber.
-
- ----------------+---------+----------+-----------+-----------
- |Kritische|Kritischer|Siedepunkt.|Flüssig bei
- |Temperat.| Druck. | | 0° und
- ================+=========+==========+===========+===========
- Sauerstoff | -119° | 51 | -184° |
- Wasserstoff | -234° | 20 | -243° |
- Wasser | 370° | 196 | 100° |
- Stickstoff | -146° | 35 | -194° |
- Ammoniak | | -- | -33,7° | 4,2
- Schweflige Säure| -- | -- | -8° | 1,4
- Chlor | +146° | | -33,6° | 6
- Chlorwasserstoff| +52° | 86 | -80° | 29
- Kohlensäure | +31° | 72 | -78° | 36
- Kohlenoxyd | -139° | 36 | -190° | --
- Äthylen | -- | -- | -103° | 45
- Acetylen | | | | 21½
-
-Für jedes Gas gibt es eine gewisse Temperatur, #die kritische
-Temperatur# (Andrews 1874), oberhalb welcher es durch keinen noch so
-hohen Druck in eine Flüssigkeit verwandelt werden kann. Derjenige Druck,
-welcher das Gas bei der kritischen Temperatur verflüssigt, heißt der
-#kritische Druck#. Unterhalb der kritischen Temperatur läßt sich jedes
-Gas in eine Flüssigkeit verwandeln, und es ist der hiezu nötige Druck um
-so kleiner, je niedriger die Temperatur ist. Diejenige Temperatur, bei
-welcher sich ein flüssiger Stoff (flüssiges Gas) unter gewöhnlichem
-Druck in gesättigten Dampf verwandelt und umgekehrt, heißt der
-Siedepunkt. Gelingt es, ein Gas etwas unter seinem Siedepunkt
-abzukühlen, so wird es schon bei gewöhnlichem Druck flüssig. In obiger
-Tabelle ist in der letzten Spalte derjenige Druck in Atmosphären
-angegeben, welcher ein Gas bei 0° flüssig macht.
-
-
-80. Mechanische Gastheorie.
-
-Man hat, um sich die Eigenschaften der luftförmigen Körper zu erklären,
-folgende Annahme (Hypothese) über den luftförmigen Aggregatszustand
-gemacht. Die Moleküle der festen und flüssigen Körper liegen ruhig
-nebeneinander; zwar machen sie schwingende, hin- und hergehende aber
-keine fortschreitende Bewegungen. #Die Moleküle der gasförmigen Körper
-besitzen eine fortschreitende Bewegung von großer Geschwindigkeit.# Da
-aber gewöhnlich, z. B. in der gewöhnlichen Luft, die Moleküle sehr dicht
-beisammen liegen (ca. 1 Trillion in einem _cmm_, 1 000 000 neben
-einander auf der Länge eines _mm_), so kann keines seinen Weg
-unbehindert, geradlinig fortsetzen, sondern sehr oft treffen sie auf
-einander und prallen dann von einander zurück wie elastische Kugeln
-(Billardbälle), ohne etwas von ihrer Geschwindigkeit zu verlieren.
-Trifft ein Molekül auf einen festen oder flüssigen Körper, so prallt es
-von diesem ab wie ein Ball von der Wand. Auf dieser Annahme beruht
-folgende Theorie (Anschauungsweise) der Gase, welche man eine
-mechanische nennt, weil sich alle Erscheinungen erklären lassen bloß
-mittels mechanischer Eigenschaften (Bewegung, Elastizität etc.) der
-Moleküle.
-
-1) ^Die Gase haben das Bestreben, sich auszudehnen^. Wenn ein Gas in
-einem Gefäße mit einem luftleeren Gefäße verbunden wird, so setzen die
-Gasmoleküle ihre Bewegung ungehindert fort, kommen so in das zweite
-Gefäß und füllen es an.
-
-2) ^Die Gase üben einen Druck auf die Gefäßwände aus, der ihrer Dichte
-proportional ist^.
-
-Jedes einzelne Molekül, das gegen die Wand stößt, übt einen kleinen
-Druck aus, und da beständig eine sehr große Anzahl von Molekülen in
-rascher Aufeinanderfolge auf die Gefäßwand trifft, so bewirken diese
-ungemein vielen Schläge einen gleichbleibenden, kontinuierlichen Druck
-auf die Gefäßwand.
-
-Macht man die Dichte des Gases etwa 2 mal größer, so treffen in
-derselben Zeit 2 mal mehr Moleküle die Gefäßwand; also ist auch ihr
-Druck 2 mal größer.
-
-3) ^Ein Gas verbreitet sich gleichmäßig über den Raum, in dem es
-enthalten ist^.
-
-Ist das Gas ungleichmäßig verteilt, so daß von einer gewissen Stelle aus
-nach links die Moleküle dichter sind als nach rechts, so wird diese
-Stelle von links her von mehr Molekülen getroffen als von rechts, also
-von links mehr gedrückt, als von rechts; deshalb bewegen sich die an
-dieser Stelle befindlichen Moleküle von links nach rechts. Gleichgewicht
-zwischen den Teilen des Gases ist vorhanden, wenn jedes Molekül von
-allen Seiten her von gleich vielen Molekülen getroffen wird, wenn also
-die Dichte des Gases im ganzen Raume dieselbe ist. Dann ist auch die
-Spannkraft überall dieselbe.
-
-4) ^Zwei Gase mischen sich nur langsam mit einander^. Weil ja die Anzahl
-der Moleküle auch in einem kleinen Raume ungemein groß ist, also die
-Moleküle sich ungemein oft begegnen und von ihrer geradlinigen Bahn
-ablenken, so kommen sie trotz ihrer großen Geschwindigkeit nicht
-vorwärts. Schon einem Moleküle, das sich im Innern eines
-Kubikmillimeters befindet, wird es deshalb schwer, eine Wand zu
-erreichen. Sind in einem Gefäße zweierlei Arten von Gas getrennt, das
-eine (schwerere) unten, das andere (leichtere) oben, so wird es dem
-Molekül des unteren Gases nicht leicht, in den oberen Raum zu gelangen,
-weil es hiebei beständig von den Molekülen des oberen Gases gestoßen und
-so von seiner geradlinigen Bahn abgelenkt wird, und umgekehrt.
-Gleichwohl mischen sich die Gase bei genügend langer Zeit sogar entgegen
-dem Gesetze der Schwere. Daß zwei Gase von verschiedenem spezifischem
-Gewicht doch denselben Druck hervorbringen, erklärt sich folgendermaßen.
-Sauerstoff und Wasserstoff, deren sp. G. sich wie 16:1 verhalten, üben
-beide denselben Druck aus. Nach dem Gesetz von Avogadro befinden sich in
-jedem Liter bei demselben Drucke und derselben Temperatur (etwa 0°)
-gleich viel Gasmoleküle. Da nun das Liter Sauerstoff 16 mal mehr wiegt
-als das Liter Wasserstoff, so folgt, daß jedes Molekül Sauerstoff 16 mal
-mehr wiegt als ein Molekül Wasserstoff. Hätten nun beide Gasmoleküle
-dieselbe Geschwindigkeit, so würden beide gleich oft an die Wände
-anprallen. Der Druck des Sauerstoffes wäre 16 mal größer als der des
-Wasserstoffes. Da aber beide denselben Druck ausüben, so nimmt man an,
-daß die Wasserstoffmoleküle eine größere Geschwindigkeit besitzen und
-deshalb 1) öfter gegen die Fläche treffen, 2) wegen der größeren
-Geschwindigkeit auch mit größerer Wucht gegen die Fläche treffen. So
-ersetzen sie das, was ihnen an Masse abgeht, durch größere
-Geschwindigkeit, öfteres und stärkeres Anschlagen. #Ein
-Sauerstoffmolekül hat bei 0° eine Geschwindigkeit von 461 _m_,
-Stickstoff 492 _m_, Wasserstoff 1844 _m_.#
-
-Wenn ein Gas erwärmt wird im geschlossenen Gefäß, so behält es sein
-Volumen und bekommt eine größere Spannkraft; befindet es sich im offenen
-Gefäß, so bekommt es ein größeres Volumen und behält dieselbe
-Spannkraft. Beides erklärt man dadurch, daß #durch die Erwärmung die
-Geschwindigkeit der Gasmoleküle größer wird#. Im geschlossenen Raum
-schlagen nun die Moleküle öfter und mit größerer Wucht gegen die Wände
-und bringen dadurch den größeren Druck hervor. Im offenen Gefäß dehnt
-sich das Gas aus, ist aber nun doch imstande, denselben Druck auszuüben
-wie vorher; denn es ist zwar dünner geworden, es befinden sich also vor
-einer Fläche (_qcm_) nicht mehr so viele Moleküle; aber diese haben
-dafür eine größere Geschwindigkeit und schlagen öfter und mit größerer
-Wucht gegen die Wand. Was ihnen also an Zahl (Dichte) abgeht, ersetzen
-sie nun durch größere Geschwindigkeit und bringen so denselben Druck
-wieder hervor.
-
-Kühlt man ein Gas immer mehr ab, so nimmt auch die Geschwindigkeit der
-Moleküle immer mehr ab. Da das Gas bei -274° keine Expansionskraft mehr
-hat, so schließt man, daß #die Moleküle bei -274° keine Geschwindigkeit
-mehr haben#. Man nennt deshalb diese Temperatur von -274° #den absoluten
-Nullpunkt der Temperatur#.[6]
-
- [6] Man bemerke jedoch, daß die mechanische Gastheorie, obwohl sie
- eine einfache und leichtverständliche Erklärung sämtlicher
- Eigenschaften der Gase liefert, doch nur den Wert einer Theorie
- (Anschauungsweise) hat, weil sie auf der nicht bewiesenen Hypothese
- (Annahme) der fortschreitenden Bewegung der Moleküle beruht.
-
-
-
-
-Fünfter Abschnitt.
-
-Magnetismus.
-
-
-81. Einfache Gesetze des Magnetismus.
-
-Man findet in der Natur ein Eisenerz, ^Magneteisenstein^, von welchem
-manche Stücke die Eigenschaft haben, kleine Eisenstückchen anzuziehen.
-Diese Eigenschaft nennt man Magnetismus und das Mineral einen
-^natürlichen Magnet^; beide waren schon den Alten bekannt.
-
-#Ein künstlicher Magnet ist ein Stück Stahl, welches die Eigenschaft
-besitzt, ein anderes Stück Eisen oder Stahl anzuziehen#; ^magnetische
-Kraft^. Wenn man einen Magnet auf eine Spitze leicht drehbar und frei
-beweglich stellt, so sucht sich das eine Ende nach ^Norden^, das andere
-nach ^Süden^ zu richten; #Magnetnadel#; Nordpol, Südpol.
-
-Durch Nähern der Pole zweier Magnetnadeln findet man, daß Nord- und
-Nordpol sich abstoßen, ebenso Süd- und Südpol, daß aber Nord- und Südpol
-sich anziehen: #Gleichnamige Pole stoßen sich ab, ungleichnamige ziehen
-sich an.# Es scheinen demnach in einem Magnete ^zwei Arten magnetischer
-Kraft^ vorhanden zu sein, die nordmagnetische und die südmagnetische
-Kraft.
-
-Wie in einem stabförmigen Magnete die magnetische Kraft ^verteilt^ ist,
-ersieht man ungefähr, wenn man ihn auf Eisenfeilspäne legt und
-emporhebt; an der Menge der angezogenen Späne erkennt man: der
-Magnetismus ist an den Enden des Stabes, den Polen, am größten, nimmt
-gegen die Mitte zu rasch ab, und verschwindet dort; ^neutrale^ oder
-^indifferente^ Zone.
-
-[Abbildung: Fig. 103.]
-
-#Jeder Magnet hat stets beide Pole und in gleicher Stärke.# Versucht
-man, die beiden magnetischen Kräfte zu trennen, durch Zerbrechen des
-Magnetstabes, so ist jedes selbst wieder ein vollständiger Magnet,
-dessen Pole in derselben Richtung liegen, wie die des ursprünglichen
-Magnetes.
-
-
-82. Magnetische Influenz.
-
-[Abbildung: Fig. 104.]
-
-#Wenn man einem Magnetpole ein Stück weiches Eisen nähert, so wird es
-angezogen und dabei selbst magnetisch#; in ihm wird durch das Annähern
-magnetische Kraft erregt, #influenziert#, und zwar bekommt es am
-^genäherten^ Ende einen dem einwirkenden Pole ^ungleichnamigen^, am
-^entfernten^ Ende einen ^gleichnamigen^ Magnetismus: beides ist leicht
-nachzuweisen.
-
-Das magnetische Doppelpendel besteht aus zwei Stäbchen Eisen, die an
-gleich langen Fäden an einem Punkte aufgehängt sind. Nähert man ihnen
-einen Magnetpol, so werden sie angezogen; zugleich aber stoßen sie sich
-gegenseitig ab, da sie an den benachbarten Enden gleichen Magnetismus
-haben.
-
-Hängt man an einen Magnetpol ein Stück weiches Eisen, so kann man an
-dessen freies Ende, weil es jetzt selbst magnetisch ist, ein zweites
-Eisenstück hängen; dies wird auch magnetisch; deshalb kann man an dessen
-freies Ende ein drittes Stück hängen, und so mehrmals nacheinander. Bei
-einem hufeisenförmigen Magnet kann man zwischen dessen Polen leicht eine
-Kette von vielen Eisenstückchen bilden, deren Enden sich um so stärker
-anziehen, als sie von den beiden Magnetpolen magnetisch erregt werden.
-
-[Abbildung: Fig. 105.]
-
-#Die Erregung der magnetischen Kraft in einem Stück Eisen durch
-Annäherung an einen Magnetpol nennt man magnetische Influenz.# Sie
-wächst mit der Annäherung, nimmt ab und verschwindet mit der Entfernung.
-
-
-83. Stahlmagnete.
-
-Nähert man ein Stück Stahl einem Magnetpole, so wird es angezogen und
-magnetisch influenziert. #Entfernt man es vom Pole, so behält es
-Magnetismus#; es ist ein bleibender, #permanenter Magnet# geworden.
-
-Weiches Eisen behält in diesem Falle wenigstens eine Spur Magnetismus,
-#remanenter Magnetismus#, aber um so weniger, je weicher das Eisen ist.
-
-Weiches Eisen wird stärker magnetisch als Stahl; letzterer um so
-schwächer, je härter er ist; er wird deshalb auch schwächer angezogen.
-Glasharter Stahl wird nur sehr schwach angezogen. Aber je besser der
-Stahl ist, um so besser behält er den Magnetismus.
-
-Zur ^Herstellung künstlicher Magnete^ benützt man Stahl von mäßiger
-Härte, geringer Sprödigkeit und hoher Elastizität. Bei ^kleinen^ Nadeln
-genügt ein Anlegen an die beiden Pole eines Hufeisenmagnetes, um sie
-genügend zu magnetisieren. ^Größere^ Stahlstäbe werden der Länge nach
-mit einem Pole eines kräftigen Magnetes ^bestrichen^. Man setzt den
-einen Pol auf die Mitte und streicht gegen das eine Ende, hebt den Pol
-ab und kehrt in großem Bogen zur Mitte zurück und wiederholt denselben
-^Strich^ mehrmals; dann setzt man den anderen Pol auf die Mitte und
-streicht gegen das andere Ende und wiederholt auch das mehrmals. Einen
-Hufeisenmagneten setzt man mit beiden Polen auf die Mitte des Stabes,
-streicht von da zum linken Ende, dann zum rechten und so mehrmals und
-hebt das Hufeisen von der Mitte ab. Wenn man mit demselben Pole nach
-^rückwärts^ streicht, ^schwächt^ man den schon influenzierten
-Magnetismus, ^hebt ihn auf^ und ruft dann den entgegengesetzten hervor.
-Eine Magnetnadel, so an die Pole eines kräftigen Magnetes gehalten, daß
-sich gleichnamige Pole berühren, wird nicht weggestoßen, sondern erhält
-durch Influenz umgekehrte Pole, wird angezogen und behält die
-umgekehrten Pole.
-
-
-84. Stärke des Magnetismus.
-
-[Abbildung: Fig. 106.]
-
-[Abbildung: Fig. 107.]
-
-#Absolute Tragkraft eines Magnetes ist das Gewicht, das ein Pol tragen
-kann.# Sie ist bei großen Magneten größer als bei kleinen, hängt auch ab
-von der ^Güte^ des Stahles und von der ^Stärke^ des Magnetisierens. Man
-kann jedoch die Tragkraft eines Magnetes nicht beliebig hoch steigern,
-sondern sie nähert sich einer Grenze, über welche hinaus der Magnetismus
-nicht wachsen kann. Dieser Grenze, dem #Sättigungsgrade#, kann man sich
-um so mehr nähern, je kleiner der Magnet ist; große bleiben stets weit
-von ihr entfernt.
-
-Ist ein Magnet hufeisenförmig gestaltet, und hängt man an seine beiden
-Pole ein einziges Stück weiches Eisen (Anker), so trägt er mehr als an
-den einzelnen Polen zusammen, da beide Pole in demselben Sinne
-influenzierend auf den Anker wirken.
-
-#Relative Tragfähigkeit ist das Verhältnis des getragenen Gewichtes zum
-Gewichte des tragenden Magnetes.# Sie ist bei kleinen Magneten viel
-beträchtlicher als bei großen. So kann ein kleiner Magnet wohl sein
-sechsfaches, ein großer kaum sein eigenes Gewicht tragen.
-
-Dies kommt wohl daher, daß bei kleinen Stücken die Influenzwirkung auch
-die Innenteile beeinflussen kann, was bei großen nicht der Fall ist; ein
-großes (dickes) Stahlstück wird beim Streichen nur in den äußeren
-Schichten magnetisch, während der Kern unmagnetisch bleibt. Sehr starke
-Magnete setzt man deshalb aus einzelnen Stücken zusammen, indem man
-mehrere Stäbe von geringer Dicke (Blätter, Lamellen) einzeln magnetisch
-macht und mit gleichen Polen aufeinander legt (^Lamellenmagnet^ Fig.
-106), oder durch geringe Zwischenräume getrennt mit gleichen Polen in
-zwei weiche Eisenstücke (Polschuhe) einsteckt (^Magnetisches Magazin^,
-Fig. 107).
-
-
-85. Theorie des Magnetismus.
-
-Um die Erscheinungen des Magnetismus zu erklären, stellte Ampère
-folgende Theorie auf.
-
-Man nimmt an, jedes Eisenmolekül sei selbst ein vollständiger Magnet. Im
-unmagnetischen Eisen liegen sie mit ihren Achsen so regellos, daß nach
-außen sich keine Wirkung zeigt. Die Moleküle seien drehbar. Sind die
-Moleküle alle so gedreht, daß alle gleichnamigen Pole nach derselben
-Richtung schauen, ^polar^ angeordnet oder ^polarisiert^ sind, so wirken
-sie nach außen wie ein Magnet, und zwar am Pol am stärksten, weil auf
-den Pol zu alle Molekularmagnete in gleichem Sinne wirken, gegen die
-Mitte zu schwächer, weil dort rechts und links liegende Stücke sich in
-ihrer Wirkung aufheben.
-
-[Abbildung: Fig. 108.]
-
-Ein Magnet wirkt auf weiches Eisen dadurch, daß er dessen
-Molekularmagnete polarisiert; doch kehren beim Entfernen des Magnetes
-die Moleküle des weichen Eisens wieder fast vollständig in die regellose
-Anordnung zurück, während die des Stahles fast vollständig in der
-polaren Anordnung bleiben. Je vollständiger die Molekularmagnete in
-polare Lage gebracht sind, desto stärker ist der Magnetismus; ein Magnet
-ist gesättigt, wenn alle Moleküle vollständig polarisiert sind.
-
-[Abbildung: Fig. 109.]
-
-[Abbildung: Fig. 110.]
-
-In neuester Zeit hat man, ohne die Erscheinungen des Magnetismus
-erklären zu wollen, die Wirkung des Magnetes nach außen auf folgende
-Weise veranschaulicht.
-
-Wenn ein Magnet nach außen wirkt, so geschieht dies längs der
-#Kraftlinien#. Bei einem Stabmagnete strahlen die Kraftlinien
-vorzugsweise von den Polflächen aus, und ihre Richtung wird an jeder
-Stelle angegeben durch die Richtung einer dort befindlichen kleinen
-Magnetnadel. Streut man Eisenfeilspäne auf ein Blatt Papier und legt
-unter das Papier einen Magnetstab, so dreht sich jeder Feilspan in die
-Richtung der zugehörigen Kraftlinie, so daß deren strahlenförmige
-Anordnung ein gutes Bild vom Verlauf der Kraftlinien gibt. Stellt man
-sich vor, daß die Kraftlinien auch im Innern des Magnetstabes verlaufen,
-so erkennt man, daß sie alle den Magnetstab der Länge nach durchsetzen
-und dann büschelförmig in die Luft ausstrahlen.
-
-#Eine Fläche, welche senkrecht zu den Kraftlinien steht, wird ein
-magnetisches Feld genannt.# Die Stärke eines magnetischen Feldes wird
-bemessen nach der Anzahl der Kraftlinien, welche die Flächeneinheit des
-Feldes treffen. Beim Stabmagnet ist das Feld am stärksten an den
-Polflächen, und die Stärke nimmt mit der Entfernung ab, nahezu wie das
-Quadrat der Entfernung zunimmt.
-
-Bei einem Hufeisenmagneten laufen die meisten Kraftlinien direkt oder
-mit geringer Krümmung von Pol zu Pol. Es liegt deshalb zwischen den
-Polen ein starkes magnetisches Feld.
-
-Ein in der Nähe eines Poles, also in einem magnetischen Feld
-befindliches Stück Eisen wird selbst magnetisch, #Feldmagnet#; es übt
-gleichsam eine anziehende und ansammelnde Kraft auf die in seiner Nähe
-verlaufenden Kraftlinien aus, so daß durch seinen Raum mehr Kraftlinien
-gehen, als wenn es nicht da wäre. Es sieht so aus, wie wenn die
-Kraftlinien leichter durch Eisen als durch Luft gingen, und deshalb
-lieber den widerstandslosen Weg durch das Eisen wählten.
-
-Ein Stück Eisen, welches die Pole eines Hufeisenmagnetes verbindet,
-zieht fast alle Kraftlinien durch sein Inneres, so daß ein solches
-Viereck nach außen keine oder fast keine Wirkung hervorbringt,
-#Ringmagnet#.
-
-
-86. Kompaß, Deklination, Inklination.
-
-Zur Auffindung der Himmelsrichtung benützt man eine auf einer feinen
-Spitze leicht drehbar aufgesetzte Magnetnadel und nennt sie ^Kompaß^
-oder ^Bussole^. Die Nadel befindet sich dabei meist in einem mit
-Glasdeckel versehenen Kästchen (~boussole~ heißt Kapsel) und spielt über
-einem Kreise, der in Grade oder in die Himmelsrichtungen geteilt ist.
-Auf einem Schiffe würde die Nadel wegen der Schwankungen des Schiffes an
-der freien Bewegung verhindert sein; man wendet deshalb die ^kardanische
-Aufhängung an^: die Kapsel ist mit zwei gegenüberstehenden Stiften in
-einem Ringe drehbar befestigt, und der Ring selbst ist auch in zwei
-gegenüberstehenden Stiften drehbar befestigt, wobei deren
-Verbindungslinie senkrecht steht zu der der beiden anderen Stifte.
-Dadurch stellt sich der Boden der Kapsel, deren Schwerpunkt ziemlich
-tief liegt, stets horizontal, wie sich auch das Schiff dreht oder neigt.
-
-[Abbildung: Fig. 111.]
-
-[Abbildung: Fig. 112.]
-
-Die Magnetnadel weicht von der Nordrichtung etwas nach Westen ab. Die
-Richtung der Magnetnadel, sowie auch eine durch sie gelegte
-Vertikalebene nennt man den #magnetischen Meridian#. Diese Abweichung
-der Magnetnadel von der Nordrichtung nennt man #magnetische
-Deklination#. Sie ist bei uns ca. 10° westlich und von Ort zu Ort
-verschieden. Durch das östliche Amerika verläuft eine Linie ungefähr von
-~N~ nach ~S~, auf welcher die Deklination gleich Null ist; sie heißt die
-^agonische^ Linie; westlich von ihr wird die Deklination östlich, ist in
-Asien meist sehr gering bis zur zweiten agonischen Linie, welche vom
-östlichen Europa schräg gegen Australien zieht; westlich dieser Linie
-ist die Deklination westlich. Verbindet man alle Punkte der
-Erdoberfläche, welche denselben Betrag der Deklination haben, durch
-Linien, ^Isogonen^, Linien gleicher Deklination, so gehen diese Linien
-in der Hauptrichtung von Nord nach Süd. (Fig. 113.) Ihr Schnittpunkt auf
-~Boothia felix~ heißt der #magnetische Nordpol der Erde# (Rooß 1831);
-der im südlichen Eismeer vermutete magnetische Südpol der Erde ist noch
-nicht erreicht worden.
-
-[Abbildung: Fig. 113.]
-
-Die Deklination ändert sich beständig, nimmt bei uns jetzt eben ab,
-jährlich um etwa 0,16°, während sie früher zunahm und im Jahre 1814
-ihren größten westlichen Betrag hatte. Diese Änderung heißt die
-^säkulare Änderung der Deklination^. Ferner ändert sich die Deklination
-täglich; indem sie täglich eine kleine Schwankung von 8-15' nach Ost und
-West macht: ^tägliche Variation^ (Graham 1722). Schließlich ändert sie
-sich hie und da unregelmäßig, plötzlich und stark, und kehrt dann zur
-normalen Größe zurück; diese Störungen treten meist gleichzeitig mit
-Nordlichtern auf, weshalb man dieselben auch ^magnetische Gewitter
-nennt^. (Zuerst beobachtet von Halley 1716.)
-
-[Abbildung: Fig. 114.]
-
-Wenn man eine in ihrem Schwerpunkte befestigte Magnetnadel um eine
-^horizontale^ Achse frei schwingen läßt und in die Richtung des
-magnetischen Meridians bringt, so neigt sich bei uns das ^Nordende nach
-abwärts^; #magnetische Inklination#. Sie beträgt bei uns über 60°, ist
-gegen den magnetischen Nordpol zu größer, beträgt dort 90° und ist gegen
-den Äquator zu kleiner. Sie wird gleich Null auf einer Linie, die in
-der Nähe des Äquators läuft, ^magnetischer Äquator^, und ist südlich
-derselben auch südlich, d. h. die Nadel neigt das Südende nach abwärts.
-Linien, welche Punkte gleicher Inklination verbinden, heißen Isoklinen.
-
-[Abbildung: Fig. 115.]
-
-Wie die magnetische Kraft auf der Erde verteilt ist, sieht man an Fig.
-115. Die dort verzeichneten Linien geben an, in welcher Richtung an
-jedem Punkt die magnetische Kraft (wenigstens in horizontalem Sinne)
-wirkt. Die Richtung einer Linie in irgend einem Punkte gibt die Richtung
-des magnetischen Meridians, das ist die Richtung, welche eine
-horizontale Magnetnadel annimmt. Der Verlauf jeder Linie gibt an,
-welchen Weg man machen würde, wenn man stets in der Richtung der
-Magnetnadel weitergehen würde. Sie geben (in horizontalem Sinne) den
-Verlauf der magnetischen Kraftlinien auf der Erdoberfläche.
-
-
-87. Erdmagnetismus. Magnetismus der Lage.
-
-#Die Erde wirkt wie ein großer Magnet#, dessen Pole ungefähr in den
-kältesten Gegenden der Erde liegen. Die Erde besitzt an ihrem ^Nordpole
-Südmagnetismus^, weil dieser den Nordmagnetismus unserer Magnetnadel
-anzieht. Die Ursache des Erdmagnetismus ist unbekannt.
-
-Aus dem Erdmagnetismus erklärt sich, daß vertikal gestellte Eisenstäbe
-an eisernen Gittern, eiserne Träger u. s. w. sich als magnetisch
-erweisen, und zwar bei uns am unteren Ende Nordpol besitzen, da das dem
-Nordpol der Erde nähere, untere Ende nordmagnetisch influenziert wird,
-am stärksten, wenn man den Stab im magnetischen Meridian in der Richtung
-der Inklinationsnadel hält. Eine Stricknadel, die man in dieser Lage
-durch Schläge erschüttert, wird bleibend magnetisch. Man nennt diesen
-Magnetismus den ^Magnetismus^ der Lage.
-
-
-88. Stärke der magnetischen Anziehung.
-
-Die magnetische Anziehung nimmt ab, wenn die beiden Magnete, oder Magnet
-und influenziertes Eisen, von einander entfernt werden; #sie nimmt ab,
-so wie das Quadrat der Entfernung zunimmt#. Wenn also ein Magnetpol auf
-einen etwa 10 _cm_ entfernten (kleinen) Magnet eine gewisse Anziehung
-ausübt, so übt er auf denselben 2, oder 3 mal weiter entfernten
-(kleinen) Magnet eine 4 oder 9 mal kleinere Anziehung aus. Die
-magnetische Anziehung scheint bei einigermaßen großer Entfernung
-verschwunden zu sein, d. h. sie ist mit unseren Apparaten nicht mehr
-nachweisbar.
-
-#Die magnetische Anziehung wird nicht geschwächt durch
-Dazwischenschieben anderer Körper, die nicht selbst magnetisch werden.#
-Deshalb darf die Magnetnadel des Kompasses von der Kapsel ganz
-umschlossen sein. Das Dazwischenschieben eines Körpers, der selbst
-magnetisch wird, hat dagegen einen wesentlichen Einfluß auf die
-Fernewirkung, da nun nicht bloß der Magnetismus des Poles, sondern auch
-noch die Magnetismen der influenzierten Pole auf den Magnet wirken. Eine
-Taschenuhr wird in der Nähe kräftiger Magnete magnetisch in ihren
-Stahlteilen und dadurch am gleichmäßigen Gange verhindert. Umgibt man
-die Taschenuhr mit einem Gehäuse aus Eisenblech, so bleibt sie
-unmagnetisch, denn die Wirkung des Magnetpoles und die der
-influenzierten Pole des Gehäuses heben sich auf.
-
-
-
-
-Sechster Abschnitt.
-
-Reibungselektrizität.
-
-
-89. Elektrizität durch Reibung entwickelt.
-
-Wenn man Harz, Siegellack, Bernstein, Kautschuk oder Schwefel mit Wolle
-reibt, oder wenn man Glas mit Seide oder Leder reibt, so erhalten diese
-Körper ^die Kraft, andere Körper anzuziehen^; diese Kraft nennt man
-Elektrizität; #manche Körper werden durch Reiben elektrisch und befinden
-sich dann in elektrischem Zustande#.
-
-Das ^elektrische Pendel^, ein an einem Seidenfaden aufgehängtes
-Korkkügelchen, wird angezogen, wenn man ihm einen elektrischen Körper
-nähert.
-
-#Ein elektrischer Körper zieht jeden unelektrischen an#; Stücke von
-beliebigen Stoffen, leicht drehbar aufgestellt oder aufgehängt, werden
-von elektrischen Körpern gezogen. Der elektrische Körper wird auch vom
-unelektrischen angezogen; wenn man eine geriebene Kautschukstange auf
-eine Spitze drehbar befestigt, so dreht sie sich, sobald man ihr einen
-unelektrischen Körper nähert. #Die elektrische Anziehung ist eine
-gegenseitige wie die magnetische.#
-
-Prüft man das Verhalten zweier elektrischen Körper zueinander, indem man
-eine Glasstange und eine Kautschukstange, ähnlich wie eine Magnetnadel,
-auf einer Spitze drehbar aufstellt, sie durch Reiben elektrisch macht
-und ihnen nun ebenfalls geriebene Glas- und Kautschukstangen nähert, so
-findet man, daß die ^elektrischen Glasstangen sich abstoßen^, ebenso die
-elektrischen Kautschukstangen: zwei elektrische Kräfte derselben Art
-stoßen sich ab. ^Die elektrische Glasstange und die elektrische
-Kautschukstange ziehen sich an^. Die auf Glas und Kautschuk befindlichen
-Elektrizitäten können deshalb nicht von gleicher Art sein. Man erkennt
-so: #es gibt zwei Arten von Elektrizität#, die Glaselektrizität und die
-Kautschukelektrizität, und spricht ^das erste Grundgesetz der
-Elektrizität^ aus: #Gleichartige Elektrizitäten stoßen sich ab,
-ungleichartige ziehen sich an.#
-
-Prüft man alle anderen Körper, wie Siegellack, Schwefel u. s. w., indem
-man sie der elektrischen Glas- und Kautschukstange nähert, so findet
-man, daß jeder elektrische Körper entweder die Glasstange anzieht und
-die Kautschukstange abstößt, also so ^elektrisch wird wie Kautschuk^,
-oder die Glasstange abstößt und die Kautschukstange anzieht, also ^so
-elektrisch wird wie Glas^. #Es gibt nur zwei Arten von Elektrizität#
-(1733); man nennt die Glaselektrizität die #positive# (+), die
-Kautschukelektrizität die #negative# (-) Elektrizität (Lichtenberg
-1777).
-
-Auf Glas und Kautschuk bleibt die Elektrizität an der Stelle sitzen, an
-welcher sie durch Reiben hervorgerufen wurde; diese Stoffe können die
-Elektrizität ^nicht leiten^, sie sind #Nichtleiter der Elektrizität#.
-Zieht man aber die Glasstange etwa durch die feuchte Hand, durch den
-feuchten Schwamm, durch Stanniol, so hat sie ihre Elektrizität verloren;
-sie ist durch die Hand und den menschlichen Körper in die Erde geleitet
-worden. Der menschliche Körper, das Wasser, der Stanniol sind #Leiter
-der Elektrizität# (Gray 1729). Zu den Leitern gehören insbesondere alle
-Metalle und Wasser, zu den Nichtleitern gehören noch Seide, Harz,
-besonders Schellack und (trockene) Luft. Halbleiter sind lufttrockenes
-Holz, Papier, Fischbein.
-
-Wenn ein Leiter mit lauter Nichtleitern umgeben ist, so ist er
-#isoliert#, z. B. eine Messingkugel auf einem Glasfuße.
-
-Wenn man eine isolierte Messingstange am einen Ende mit einem
-elektrischen Glasstabe bestreicht, so tritt von den Berührungsstellen
-aus die Elektrizität vom Glase auf die Messingstange und verbreitet sich
-gleichmäßig auf derselben, wie man daran sehen kann, daß sie nun mit
-jedem, auch dem nicht bestrichenen Teile die elektrische Glasnadel
-abstößt.
-
-
-90. Elektroskop.
-
-Das Elektroskop besteht aus einem Messingstift, der oben eine
-Messingkugel, unten zwei nebeneinanderhängende feine Goldblättchen
-trägt; der Stift ist durch den Stopfen einer Glasflasche gesteckt, so
-daß die Blättchen im Innern der Flasche sich befinden. Die Luft wird
-durch eingelegtes geschmolzenes Chlorkalzium trocken erhalten, so daß
-der Metallkörper des Elektroskops isoliert ist.
-
-[Abbildung: Fig. 117.]
-
-Teilt man dem Kopfe des Elektroskops etwas Elektrizität durch Berühren
-(Bestreichen) mit der elektrischen Glasstange mit, so stoßen sich die
-Goldblättchen ab und divergieren; denn die Elektrizität hat sich auch
-auf die Blättchen verbreitet; sie haben gleiche Elektrizität und stoßen
-sich ab.
-
-Wenn man nun dem Knopfe auch noch - E mitteilt durch Bestreichen mit dem
-elektrischen Kautschukstabe, so klappen die Blättchen wieder zusammen,
-und zwar ganz, wenn man die richtige Menge Elektrizität hinzubringt; man
-schließt also, daß + und - Elektrizität sich aufheben. Nennt man solche
-Mengen Elektrizität einander gleich, welche sich gerade aufheben, so
-heißt der ^zweite Hauptsatz der Elektrizität^:
-
-#Gleiche Mengen positiver und negativer Elektrizität heben sich auf,
-neutralisieren sich.#
-
-[Abbildung: Fig. 118.]
-
-Man hat zwei Metallcylinder mit Doppelpendeln von Holundermarkkugeln.
-Man teilt dem einen Stabe + ~E~ mit durch Bestreichen mit der
-elektrischen Glasstange und dem anderen - ~E~ mittels der
-Kautschukstange, wo möglich gleich viel, so daß die Doppelpendel gleich
-stark divergieren. Nähert man nun die elektrischen Cylinder einander,
-bis sie sich berühren, so klappen die Doppelpendel zusammen, da sich +
-und - ~E~ ausgleichen.
-
-Teilt man dem Knopfe des Elektroskopes durch Berührung mit der
-elektrischen Glasstange + ~E~ mit, so ist es „geladen“ mit positiver
-Elektrizität. Nähert man ihm eine elektrische Glasstange, so gehen die
-Blättchen weiter auseinander; nähert man ihm eine elektrische
-Kautschukstange, so klappen sie mehr zusammen. Hiedurch kann man mittels
-eines geladenen Elektroskopes leicht erkennen, welche Art Elektrizität
-ein Körper hat.
-
-
-91. Elektrische Influenz.
-
-#Ein Leiter wird durch Annähern eines elektrischen Körpers elektrisch
-influenziert, und zwar am genäherten Ende ungleichnamig, am entfernten
-gleichnamig. Elektrische Influenz.#
-
-[Abbildung: Fig. 119.]
-
-Einem auf einem Glasfuße stehenden Metall-Cylinder (Fig. 119) mit
-Doppelpendeln nähert man eine elektrische Glasstange, so divergieren
-beide Doppelpendel. Stellt man die in Fig. 118 beschriebenen
-Metallstangen so zusammen, daß sie sich berühren, also einen einzigen
-Leiter vorstellen, und nähert die Glasstange, so divergieren die
-Doppelpendel wie vorher; rückt man nun die Metallcylinder etwas
-voneinander weg, so bleiben sie elektrisch, auch wenn man die Glasstange
-entfernt, die eine, welche dem Glasstabe genähert war, hat - ~E~, die
-andere + ~E~. Durch Influenz entstehen beide Arten von Elektrizität, und
-zwar am genäherten Ende die ungleichnamige, die Influenzelektrizität 1.
-Art, am entfernten Ende die gleichnamige, die Influenzelektrizität 2.
-Art.
-
-Nähert man die so geladenen Metallstangen wieder, so klappen die
-Doppelpendel zusammen, da sich + ~E~ und - ~E~ neutralisieren, und da
-sie ganz zusammenklappen, so folgt: #die Influenzelektrizitäten beider
-Arten sind an Menge gleich#.
-
-Nähert man einem Elektroskop einen negativ elektrischen Körper, so wird
-dessen Metallkörper influenziert, und zwar am Kopfe ungleichnamig (+),
-an dem Blättchen gleichnamig (-), weshalb dieselben divergieren.
-Entfernt man den elektrischen Körper wieder, so vereinigen sich die
-getrennten Influenzelektrizitäten wieder, weshalb die Blättchen
-zusammenklappen. Da die Blättchen leicht divergieren, so dient das
-Elektroskop dazu, um zu untersuchen, ob ein Körper elektrisch ist.
-
-Auch bei der elektrischen Influenz findet wie bei der magnetischen kein
-Hinüberfließen der Elektrizität vom einen Körper zum andern statt,
-sondern sie ist eine Wirkung in die Ferne; #der influenzierende Körper
-ruft Influenzelektrizität hervor, ohne etwas von seiner Elektrizität
-herzugeben#.
-
-[Abbildung: Fig. 120.]
-
-Man kann einen Leiter durch Influenzelektrizität elektrisch machen oder
-elektrisch laden auf folgende Art: Man nähert dem isolierten Leiter die
-+ Glasstange, so wird er influenziert; berührt man ihn nun mit dem
-Finger, so fließt die positive Influenzelektrizität zweiter Art durch
-den Finger zur Erde, weil sie von der + Glasstange abgestoßen wird; es
-bleibt auf ihm die negative Influenzelektrizität erster Art, weil sie
-von der + Glasstange angezogen wird. Entfernt man nun zuerst den Finger
-und dann die Glasstange, so verbreitet sich die - Influenzelektrizität
-erster Art auf dem Leiter, #er ist elektrisch geladen durch
-Influenzieren und Ableiten der Influenzelektrizität zweiter Art#. Macht
-man den Versuch mit der - Kautschukstange, so wird er positiv geladen.
-Ebenso kann man ein ^Elektroskop laden mit Influenzelektrizität erster
-Art^.
-
-[Abbildung: Fig. 121.]
-
-#Wenn man einem geladenen Leiter einen elektrischen Körper nähert, so
-wird der Leiter gerade so influenziert, wie wenn er noch gar keine
-Elektrizität hätte.# Ist das Elektroskop + geladen und ich nähere einen
-+ Glasstab, so wird der Knopf negativ, die Blättchen positiv
-influenziert; auf dem Knopfe wird die schon vorhandene + durch die
-hinzukommende - Elektrizität geschwächt, auf den Blättchen wird die
-schon vorhandene + durch die influenzierte + Elektrizität verstärkt; die
-Blättchen gehen ^noch weiter auseinander^. Nähert man aber dem +
-geladenen Elektroskope einen - elektrischen Körper, so wird der Knopf +,
-die Blättchen - influenziert; auf dem Knopfe wird also die schon
-vorhandene + durch die influenzierte + verstärkt, auf den Blättchen
-kommt zu der vorhandenen + noch - Influenzelektrizität dazu; es wird
-also zunächst die vorhandene + geschwächt, weshalb die Blättchen
-^etwas zusammengehen^; bei stärkerer Influenz wird sie ganz aufgehoben,
-weshalb die Blättchen ^ganz zusammenklappen^, und wenn die -
-Influenzelektrizität sogar stärker ist als die schon vorhandene +, so
-bleibt in den Blättchen - Influenzelektrizität übrig, weshalb die
-Blättchen ^wieder divergieren^, aber jetzt mit - Elektrizität.
-Entsprechendes findet man bei einem - geladenen Elektroskop. ^Das
-Elektroskop dient somit auch dazu, um zu untersuchen, welche Art
-Elektrizität der genäherte Körper hat^.
-
-
-92. Elektrizität geriebener Körper.
-
-Wenn man Glas mit Leder reibt, so zeigt sich Glas + elektrisch, das
-Leder unelektrisch, weil seine Elektrizität durch die Hand abgeleitet
-wird. Wenn man aber ein Stückchen ^Leder auf einer isolierenden
-Siegellackstange befestigt^, und nun mit dem Leder das Glas reibt, so
-zeigt sich das ^Glas^ +, das ^Leder^ - ^elektrisch^. Dasselbe kann man
-mit jedem Paare von Körpern tun: #stets werden beide Körper
-entgegengesetzt elektrisch. Die Mengen der dabei erzeugten positiven und
-negativen Elektrizität sind gleich.#
-
-Welche Art Elektrizität ein Stoff bekommt, hängt auch davon ab, mit
-^welchem^ Stoffe er gerieben wird, ja sogar, ^wie^ er gerieben wird;
-Ebonit[7] wird mit Raubtierfell und Wolle -, mit Leder + elektrisch. Ein
-Metall, auf einer Siegellackstange befestigt, wird durch Reiben
-elektrisch; insbesondere ein ^Amalgam^, d. i. eine durch
-Zusammenschmelzen erhaltene Legierung ^von Quecksilber^ (2 Teile) ^mit
-Zink^ (1 T.) und Zinn (1 T.), erhält mit Glas, englischem Flintglas,
-gerieben stets - Elektrizität; man streicht solches pulverförmiges
-Amalgam auf Leder, das man zuerst mit etwas Fett eingerieben hat, und
-benützt es so vielfach als Reibzeug. Auch zwei chemisch gleich
-beschaffene Körper geben aneinander gerieben meistens Elektrizität, wenn
-nur ihre Oberflächen etwas voneinander verschieden sind, oder ihre Wärme
-etwas verschieden ist (der wärmere wird negativ). Die Art des
-elektrischen Zustandes ist also nicht mit der Natur des Stoffes
-verknüpft, sondern von den jeweiligen Umständen abhängig.
-
- [7] Ebonit ist vulkanisierter, d. h. mit Schwefel versetzter
- Kautschuk.
-
-In folgender #Spannungsreihe# sind die Stoffe so geordnet, daß jeder
-Stoff, mit einem der folgenden gerieben, + elektrisch wird, um so
-stärker, je weiter die Stoffe voneinander abstehen.
-
- +
- Engl. Flintglas,
- Glimmer,
- Raubtierfell,
- Gewöhnl. Glas,
- Flanell,
- Mattes Glas,
- Seide,
- Baumwolle,
- Leinen,
-
- Metalle,
- Kork,
- Harze,
- Ebonit,
- amalg. Leder,
- Speckstein.
- -
-
-
-93. Elektrophor (Volta 1775).
-
-[Abbildung: Fig. 122.]
-
-Der ^Elektrophor^ besteht aus einem ^Harzkuchen^ oder einer
-^Ebonitplatte^, die durch Reiben oder Peitschen mit einem Fuchsschwanze
-- elektrisch gemacht wird, und aus einem ^Deckel^ oder ^Schild^, das ist
-ein rundes Stück Blech oder mit Stanniol beklebter Pappendeckel, also
-ein Leiter, der an drei isolierenden Seidenfäden gehalten werden kann.
-Setzt man den Deckel auf die elektrische Platte, so wird er
-influenziert, unten +, oben -; berührt man ihn nun mit dem Finger, so
-läuft die abgestoßene - Influenzelektrizität zweiter Art fort, und der
-Deckel behält die angezogene + Influenzelektrizität erster Art; entfernt
-man nun auch den Finger und hebt den Deckel am Seidenfaden in die Höhe,
-so hat er die + Influenzelektrizität, und zwar in ziemlich großer Menge,
-so daß sie schon in Form eines Funkens auf den genäherten Finger
-überspringt. Nimmt man dem Deckel seine Elektrizität, so kann man
-denselben Versuch vielmals wiederholen. #Der Elektrophor dient dazu, um
-größere Mengen Elektrizität zu erzeugen durch Influenz und Ableiten der
-Influenzelektrizität zweiter Art.#
-
-Die Platte verliert dabei nichts von ihrer Elektrizität, oder doch nicht
-viel; denn nur in den wenigen Punkten, in denen der Deckel die Platte
-wirklich berührt, geht die negative Elektrizität der Platte auf den
-Deckel über, geht also verloren. Der Versuch gelingt auch, wenn man den
-Schild nicht bis zur Berührung nähert; jedoch ist dann die influenzierte
-Elektrizität schwächer.
-
-Bedeckt man den Elektrophor mit dem Schild und läßt ihn so an einem
-trockenen Orte stehen, so behält er wochen-, ja monatelang seine
-Elektrizität. Denn die Elektrizität der Platte wird einerseits von der
-Elektrizität des Deckels, anderseits von der auch influenzierten
-Elektrizität der (leitenden) Unterlage gegenseitig angezogen und so
-festgehalten.
-
-
-94. Stärke der elektrischen Anziehung.
-
-Die Kraft, mit welcher sich zwei elektrische Massen anziehen (oder
-abstoßen), hängt ab von der Menge der auf den Körpern befindlichen
-Elektrizität und ist dem Produkte dieser Mengen proportional. Wenn sich
-zwei gleiche Mengen Elektrizität gegenüberstehen und mit einer gewissen
-Kraft anziehen, so ziehen sich zwei Mengen, von denen die eine 3 mal,
-die andere 5 mal so groß ist wie die zuerst gewählten, mit einer Kraft
-an, die 3 · 5 = 15 mal so groß ist wie die zuerst vorhandene Kraft.
-Zudem nimmt die Anziehung ab, wie das Quadrat des Abstandes zunimmt.
-#Die elektrische Anziehung ist also proportional dem Produkte der
-elektrischen Mengen und umgekehrt proportional dem Quadrate ihres
-Abstandes# (Coulomb.) Die #Einheit der Menge# oder Quantität der
-Elektrizität ist diejenige Menge, welche eine ihr gleich große Menge,
-welche 1 _cm_ von ihr entfernt ist, mit der Krafteinheit 1 ~Dyn~ (=
-¹/₉₈₁ _g_) abstößt. (Siehe Anhang.)
-
-#Die elektrische Anziehung wird durch Dazwischenschieben eines
-Nichtleiters nicht gehindert.# Sie durchdringt gleichsam die
-Nichtleiter, weshalb man dieselben auch ^dielektrische^ Massen nennt.
-Dazwischenschieben von Leitern bringt eine wesentliche Änderung in der
-elektrischen Anziehung hervor, da die Leiter selbst elektrisch
-influenziert werden und mit diesen elektrischen Mengen nun selbst
-anziehend wirken.
-
-Gerade diese Fernewirkung der Elektrizität, sowie die Fähigkeit, hiebei
-manche Stoffe zu durchdringen, manche aber selbst elektrisch zu erregen,
-lassen uns das Wesen der Elektrizität, sowie der elektrischen Anziehung
-rätselhaft erscheinen.
-
-
-95. Verteilung der Elektrizität auf einem Leiter. Wirkung der Spitze.
-
-[Abbildung: Fig. 123.]
-
-Wenn auf einem ^Leiter^ Elektrizität vorhanden ist, ^so verbreitet sie
-sich^, da die einzelnen Teilmengen der Elektrizität sich gegenseitig
-abstoßen, ^über die ganze Oberfläche^. Aber nur auf einer Kugel ist sie
-gleichmäßig verteilt, d. h. so, daß auf jedem gleich großen
-Flächenstückchen gleich viel Elektrizität sitzt; ^auf jedem anderen
-Leiter ist sie ungleichmäßig verteilt und zwar so, daß an den stärker
-gekrümmten Stellen die Elektrizität dichter ist^; je stärker also eine
-Stelle gekrümmt ist, um so mehr Elektrizität sitzt auf ihr.
-(Elektrisches Verteilungsgesetz.) Die Figur 123 stellt einen isolierten
-Leiter vor, dessen Oberfläche verschiedene Krümmung besitzt. Die
-gestrichelte Linie soll durch ihren Abstand von der Oberfläche angeben,
-wie groß etwa die Dichte der Elektrizität an jeder Stelle ist.
-
-Wenn auf einem Leiter eine ^Spitze^ angebracht ist, so ist, weil die
-Fläche an der Spitze ungemein stark gekrümmt ist, #die Dichte der
-Elektrizität auf der Spitze sehr groß#.
-
-Mit der Dichte der Elektrizität wächst ihre ^Spannung^, das ist die nach
-außen gerichtete abstoßende Kraft der gleichnamig elektrischen Teilchen;
-damit wächst auch das Bestreben und die Fähigkeit, von dem Leiter
-wegzugehen, die Luft zu durchbrechen und auf einen benachbarten Leiter
-überzuspringen, #elektrischer Funke#. Da aber auf einer Spitze die
-Dichte und damit auch die Spannung der Elektrizität sehr groß ist, so
-kann die Elektrizität ^durch eine Spitze leicht ausströmen^. Hiebei
-werden die der Spitze zunächst liegenden Luftteilchen elektrisch
-geladen, als gleichnamig elektrisch von der Spitze abgestoßen und
-entführen so der Spitze die Elektrizität.
-
-Bringt man auf dem Knopfe des Elektroskops eine Spitze an, und nähert
-ihr die elektrische Glasstange, so wird das Elektroskop influenziert, an
-den Blättchen +, an der Spitze -; die - Elektrizität strömt durch die
-Spitze leicht aus, geht durch die Luft zur Glasstange und neutralisiert
-sich mit der dort befindlichen + Elektrizität; die Elektrizität der
-Blättchen bleibt im Elektroskope; es ist + geladen: #Ein Elektroskop
-kann gleichnamig geladen werden durch Influenz und Ausströmen der
-Influenzelektrizität erster Art durch eine Spitze.# Da einerseits die
-influenzierten Mengen + und - Elektrizität gleich sind, anderseits nur
-so viel freie + ~E~ im Elektroskop zurückbleibt, als - ~E~ bei der
-Spitze ausströmt, und schließlich die ausströmende - ~E~ eine gleiche
-Menge + ~E~ der Glasstange neutralisiert, so verliert die Glasstange so
-viel + ~E~, als schließlich im Elektroskop freie + ~E~ vorhanden ist. Es
-^schaut also so aus, als sei ein Teil der + ~E~ von der Glasstange weg
-durch die Luft und die Spitze in das Elektroskop gegangen^; man sagt
-abkürzend: #die Spitze saugt die Elektrizität auf#.
-
-Man kann jeden isolierten Leiter elektrisch machen, wenn man auf ihm
-eine Spitze anbringt und dieser einen elektrischen Körper nähert.
-
-Umgekehrt, wenn man einem isolierten Leiter, der eine Spitze besitzt,
-Elektrizität mitteilt, #so strömt fast alle Elektrizität durch die
-Spitze aus#; nur ein kleiner Rest bleibt auf dem Leiter, so daß die
-Elektrizität auf ihm nur eine geringe Spannung bekommt. An einem Leiter,
-dem man größere Mengen Elektrizität mitteilen will, müssen demnach
-Spitzen, scharfe Ecken und Kanten vermieden werden; er muß möglichst
-schwach gekrümmte, glatte Flächen haben.
-
-Von Wichtigkeit sind noch folgende Sätze:
-
-Der Sitz der Elektrizität auf einem isolierten Leiter ist dessen äußere
-Oberfläche; im Innern eines geschlossenen oder nur nahezu geschlossenen,
-hohlen Leiters gibt es keine freie Elektrizität. Nachweis mittels eines
-biegsamen Drahtnetzes.
-
-Ein elektrischer Leiter, welcher in das Innere eines metallischen
-Hohlkörpers gebracht wird, gibt bei Berührung mit der Innenwand seine
-ganze Ladung an die umschließende Metallhülle ab.
-
-Bei gleichbleibender Ladung nimmt die elektrische Dichte eines Körpers
-in dem Maße ab, als seine Oberfläche vergrößert wird. Nachweis durch
-Aufrollen eines Drahtnetzes, sowie durch Seifenblase.
-
-Ist die Elektrizität auf einem Leiter nach dem Flächengesetz in
-verschiedener Dichte verteilt, so hat sie doch auf der ganzen Oberfläche
-denselben Zustandsgrad; denn ein Elektroskop gibt, mit beliebigen
-Punkten der Oberfläche leitend verbunden, stets denselben Ausschlag.
-Dieser Zustandsgrad heißt das #Potenzial# der Elektrizität. #Die
-Elektrizität hat auf der ganzen Oberfläche des Leiters dasselbe
-Potenzial.# Als ^Einheit^ des Elektrizitätsgrades oder des ^Potenzials^
-ist eingeführt das ~^Volt^~. Man kann ein Elektroskop nach ~Volt~
-eichen, so daß am Grad des Ausschlages direkt die Anzahl der ~Volt~
-abgelesen werden können.
-
-Die durch Reibung hervorgebrachte Elektrizität kann leicht einen sehr
-hohen Zustandsgrad erreichen; so kann die Hartgummiplatte des
-Elektrophors durch Peitschen mit dem Fuchsschwanz einen
-Elektrizitätsgrad von ca. 30 000 ~Volt~ erreichen. Die Höhe des
-Potenzials ist aber von der Natur der verwendeten Stoffe abhängig; sie
-erreicht bei bestimmter Stärke des Reibens ein ^Maximum^ und kann durch
-noch heftigeres Peitschen nicht weiter erhöht werden.
-
-Ein Potenzial von ca. 1000 ~Volt~ liefert einen Funken von ca. 1 _mm_
-Länge, weshalb mittels des Elektrophors Funken von ca. 30 _mm_ Länge
-erhalten werden können.
-
-#Das Potenzial wächst auf ein und demselben Leiter mit der Dichte.# Gibt
-man dem Leiter eine doppelte Ladung, so zeigt er einen entsprechend
-größeren Ausschlag am Elektroskop: er hat doppeltes Potenzial.
-
-Wenn man drei isolierte aber leitend verbundene Kugeln gemeinsam ladet,
-so haben sie dasselbe Potenzial; denn sowohl verbunden, als auch jede
-für sich, geben sie denselben Ausschlag am Elektroskop. Prüft man die
-Dichten, so verhalten sie sich umgekehrt wie die Radien, wie es dem
-Flächengesetz entspricht. Die zweimal größere Kugel hat also eine
-zweimal kleinere Dichte, aber eine viermal größere Oberfläche, demnach
-eine zweimal größere Ladung. #Bei gleichem Potenzial verhalten sich die
-auf zwei Kugeln befindlichen Mengen Elektrizität wie die Radien der
-Kugeln.#
-
-#Die Elektrizität ist der Menge nach unzerstörbar.# Wenn man die auf
-einem Leiter befindliche Elektrizität auf beliebige andere Leiter
-verbreitet und schließlich wieder auf dem ersten Leiter ansammelt, so
-hat sie dieselben Eigenschaften wie zuerst, ist also unverändert
-geblieben. Daß die Elektrizität, wenn man sie auf einen ungemein großen
-Körper verbreitet, also etwa zur Erde ableitet, für unsere Wahrnehmung
-verschwunden ist, spricht nicht gegen ihre Unzerstörbarkeit.
-
-Wegen der Unzerstörbarkeit kann man die Elektrizität wie eine Masse
-betrachten, welche sich von den gewöhnlichen Massen jedoch dadurch
-unterscheidet, daß sie, mit einer gleich großen Menge entgegengesetzter
-Elektrizität zusammengebracht, verschwindet. Wenn man eine Kugel von 1
-_cm_ Radius auf den Elektrizitätsgrad 1 ~Volt~ ladet, so ist die Menge
-der auf der Kugel vorhandenen Elektrizität = ¹/₃₀₀ der Mengeneinheit.
-Eine Kugel von ~r~ _cm_ Radius enthält also bei demselben Grade ~r~ .
-¹/₃₀₀ Mengeneinheit. Dieselbe Kugel enthält dann bei ~n~ ~Volt~ eine
-Elektrizitätsmenge ~n~ · ~r~ · ¹/₃₀₀ Mengeneinheiten.
-
-Man nennt eine Menge von 3000 Millionen Elektrizitätseinheiten 1
-~^Coulomb^~. Sie ist von solcher Größe, daß wir für gewöhnlich keinen
-Leiter mit 1 ~Coulomb~ laden können; denn eine Kugel von 100 _cm_
-Durchmesser enthält bei 30 000 ~Volt~ nur 100 · 30 000 · ¹/₃₀₀ = 10 000
-Mengeneinheiten, also nur ¹/₃₀₀ ₀₀₀ ~Coulomb~.
-
-Bringt man gleiche Mengen Elektrizität auf Leiter von verschiedener Form
-und Größe, so zeigen sie am Elektroskop verschiedenen Ausschlag, also
-verschiedenen Zustandsgrad, verschiedenes Potenzial. Diese Leiter haben
-verschiedene #Kapazität#. Ein Leiter hat die zweifache Kapazität, wenn
-man auf ihn zweimal so viel Elektrizität bringen muß, damit er dasselbe
-Potenzial hat.
-
-Die #Kapazität# wird gemessen durch die #Menge# Elektrizität, welche man
-einem Leiter geben muß, damit er ein bestimmtes Potenzial erreicht.
-Nimmt ein Leiter bei 1 ~Volt~ eine Elektrizitätsmenge von 1 ~Coulomb~
-auf, so sagt man, er hat die ^Kapazität^ von 1 ~^Farad^~. Da die
-Kapazität der gewöhnlichen Konduktoren eine viel geringere ist, so nennt
-man die Kapazität von ein Milliontel ~Coulomb~ ein ~^Mikrofarad^~.
-
-Soll Elektrizität auf einen Leiter gebracht werden, so daß er ein
-bestimmtes Potenzial erhält, so ist dazu eine gewisse Arbeit
-erforderlich, und umgekehrt: Fließt Elektrizität von einem Leiter zur
-Erde ab, so leistet sie dabei eine gewisse Arbeit. Das #Potenzial# einer
-Ladung kann gemessen werden durch die #Arbeit#, welche eine gewisse
-Menge Elektrizität, die auf einem Leiter von bestimmter Kapazität ist,
-beim Abfließen leistet. Geht hiebei die Menge von 1 ~Coulomb~ von
-Zustandsgrad 1 ~Volt~ auf die Spannung Null zurück, oder geht sie von
-der Spannung ~n~ ~Volt~ auf die Spannung ~n - 1 Volt~ zurück, so leistet
-sie die Arbeit von 1 ~^Watt^~. Geht aber eine Menge von ~M~ ~Coulomb~ in
-der Spannung um ~V~ ~Volt~ zurück, so leistet sie die Arbeit von ~M · V
-Watt~. Hiebei ist 1 ~Watt~ = ¹/₉,₈₁ _kgm_.
-
-Beispiel. Ein Konduktor von Kugelform und 10 _cm_ Radius enthält bei
-60 000 ~Volt~
-
- 1 2
- 10 · 60 000 · --- = 2000 Mengeneinheiten = --------- ~Coulomb~.
- 300 3 000 000
-
-Diese Elektrizität leistet beim Abfließen zur Erde
-
- 2 · 60 000 4
- ---------- = --- ~Watt~ = 0,004 _kgm_ ca.
- 3 000 000 100
-
-Ebensoviel Arbeit ist erforderlich, um diese Menge Elektrizität auf der
-Kugel anzuhäufen.
-
-
-96. Elektrisiermaschine.
-
-Auf der Wirkung der Spitzen beruht auch die ^Elektrisiermaschine^. Sie
-besteht aus dem Reibzeug, dem Aufsaugeapparat und dem Konduktor. Das
-#Reibzeug# besteht 1. aus einer großen, dicken, gut polierten
-#Glasscheibe#, die durch eine Kurbel gedreht werden kann, 2. aus #zwei
-Reibkissen#, die mit Seide oder Leder überzogen und mit Amalgam
-bestrichen sind. Sie sind zu beiden Seiten der Glasscheibe angebracht
-und durch Federn angedrückt, so daß die Glasscheibe beim Drehen sich an
-ihnen reibt und + elektrisch wird, während die Kissen - elektrisch
-werden. Zum #Aufsaugeapparat# gehören zwei #Spitzenrechen#, die zu
-beiden Seiten der Glasscheibe so aufgestellt sind, daß die elektrisch
-gewordene Scheibe zwischen ihnen durchgeht. Die Spitzenrechen sind durch
-Messingarme mit dem Konduktor leitend verbunden. Der #Konduktor#, ein
-isolierter Leiter, ist gewöhnlich eine ^Messingkugel auf einem Glasfuß^.
-
-Die Glasscheibe wird positiv elektrisch, kommt so zwischen die Holzringe
-und influenziert die Spitzen -, den Konduktor +; die - ~E~ der Spitzen
-strömt aus, vereinigt sich mit der + ~E~ der Glasscheibe und
-neutralisiert sie; die + ~E~ des Konduktors wird dadurch frei. Durch
-fortgesetztes Drehen strömt immer mehr - ~E~ aus den Spitzen aus, es
-wird also immer mehr + ~E~ auf den Konduktor frei, sie bekommt eine
-immer größere Dichte und man sieht sie bald in Form langer Funken auf
-genäherte Leiter überspringen.
-
- Als Erfinder der Elektrisiermaschine gilt Otto von Guericke. Seine
- Maschine bestand aus einer Schwefelkugel, die auf einer Achse
- befestigt war und so gedreht wurde; hielt man dabei die trockene Hand
- daran, so wurde sie elektrisch. Später wurde die Schwefelkugel durch
- Glaskugel und Glasscheibe, die Hand durch ein Reibzeug ersetzt und
- Konduktor und Spitzenrechen dazugefügt.
-
-Man kann selbst durch fortgesetztes Drehen nicht beliebig viel
-Elektrizität auf dem Konduktor ansammeln, also die Dichte nicht beliebig
-hoch steigern; #sie wächst nur so lange, bis das Potenzial gleich dem
-der Scheibe geworden ist#.
-
-[Abbildung: Fig. 124.]
-
-Da beim Reiben zweier Körper stets gleiche Mengen entgegengesetzter
-Elektrizität erzeugt werden, so kommt auch auf den ^Reibkissen^ - ~E~
-zum Vorschein; man kann auch diese ansammeln, indem man die Reibkissen
-durch einen Glasfuß isoliert, und an ihnen einen Konduktor anbringt.
-Gewöhnlich leitet man die - ~E~ der Reibkissen durch ein ^Kettchen^ zur
-Erde (an die Gasleitung) ab.
-
-
-97. Versuche mit der Elektrisiermaschine.
-
-Wenn man dem geladenen Konduktor einen Leiter nähert, dessen anderes
-Ende abgeleitet, d. h. mit der Erde leitend verbunden ist, so sieht man
-einen #glänzenden Funken# vom Konduktor zum Leiter überspringen und hört
-einen #Knall#. Auf dem genäherten Teil des Leiters ist entgegengesetzte
-Elektrizität influenziert; diese und die Elektrizität des Konduktors
-ziehen sich an, und wenn ihre Spannung groß genug ist, ^verlassen sie
-ihre Leiter, durchbrechen die Luft, vereinigen sich und heben sich auf^.
-#Die Lichterscheinung entsteht nicht etwa da, oder bloß da, wo die
-Elektrizitäten zusammentreffen, sondern auf dem ganzen Wege, den sie
-durchlaufen; der Ausgleichspunkt ist durch keinerlei besondere Wirkung
-ausgezeichnet#. Der Weg des Funkens ist vielfach ^gezackt^, weil die
-Elektrizität die Luft nicht bloß durchbricht, sondern auch vor sich
-herschiebt, also verdichtet, und dann seitlich ausweicht. Der Funke
-teilt sich oft in zwei oder mehrere Zweige, die sich wieder vereinigen,
-oder es spalten sich von ihm Verästelungen ab, die sich nicht mehr mit
-ihm vereinigen.
-
-Beim elektrischen Funken werden von den Körpern Stoffteilchen
-weggerissen, welche sich verflüchtigen oder verbrennen.
-
-Der Funke springt nie ^auf^ einen genäherten Nichtleiter, weil dieser
-nicht influenziert ist, also auf ihm keine entgegengesetzte Elektrizität
-vorhanden ist. Wohl aber springt ein Funke ^durch^ einen Nichtleiter,
-wenn er dünn genug ist (Blatt Papier) und hinter ihm ein Leiter sich
-befindet, welcher influenziert ist. #Der Nichtleiter wird dabei
-durchbohrt.#
-
-Springt ein Funke auf einen isolierten Leiter über, so gleicht er sich
-mit dessen Influenzelektrizität 1. Art aus. Es wird also auf dem Leiter
-so viel Elektrizität frei, als den Konduktor verlassen hat. Dadurch ist
-die Menge der vorhandenen Elektrizität nicht verringert, sondern nur
-anders verteilt worden. ^Das Potenzial ist kleiner geworden^.
-
-Steckt man auf den Konduktor einen Draht und läßt von dessen oberem Ende
-mehrere ^schmale Streifen leichten Papiers^ herunterhängen, ^so fliegen
-die Papierstreifen auseinander^ (wie die Stäbe eines ausgespannten
-Regenschirmes), weil sie elektrisch geworden sind, sich also gegenseitig
-abstoßen und auch vom Konduktor abgestoßen werden.
-
-[Abbildung: Fig. 125.]
-
-Befestigt man auf dem Konduktor eine ^Spitze^, so strömt dort die
-Elektrizität aus und es ist nicht möglich, den Konduktor stark zu laden.
-Dieses Ausströmen ist mit einer #Lichterscheinung# verbunden; es zeigt
-sich ein von der Spitze ausgehendes #Büschel# von schwach leuchtenden
-#rötlichen und violetten# Strahlen, wenn + ~E~ ausströmt, Büschellicht,
-dagegen ein #kleiner heller Lichtpunkt#, wenn - ~E~ ausströmt,
-Glimmlicht. Das Ausströmen geschieht, wie früher erwähnt, dadurch, daß
-die nächstliegenden Luftteilchen, besonders Wasserdampf, von der Spitze
-elektrisch gemacht und dann abgestoßen werden; es entsteht also ein von
-der Spitze ausgehender Luftstrom, den man durch die Verdunstungskälte
-fühlt, wenn man den befeuchteten Finger davor hält. Die Spitze selbst
-erleidet einen Rückstoß, den man am ^elektrischen Flugrad^ wahrnehmen
-kann.
-
-Der #Funkenzieher#, Figur 125, besteht aus einem langen Draht, welcher
-am oberen Ende zugespitzt, am unteren Ende mit einer Kugel versehen und
-durch einen Glasfuß isoliert ist. Unter der Kugel ist in kurzem Abstande
-eine zweite Kugel angebracht, die zur Erde abgeleitet ist. Nähert man
-diesen Apparat mit der Spitze dem Konduktor einer tätigen
-Elektrisiermaschine, so erkennt man die Wirkung der Spitze, indem von
-ihr negative Influenzelektrizität ausströmt und zum Konduktor übergeht;
-dadurch wird + ~E~ auf der Kugel frei und springt in Funken auf die
-benachbarte abgeleitete Kugel über.
-
-Ähnlich wie eine Spitze wirkt eine ^Flamme^, da sie die auf dem Leiter
-befindliche Elektrizität durch die Verbrennungsgase fortführt. Befestigt
-man ein Wachslicht auf dem Konduktor, so behält der Konduktor gar keine
-Elektrizität. Befestigt man das Wachslicht an der Spitze des
-Funkenziehers, so wirkt es wie die Spitze, sogar noch auf viel größere
-Entfernung. Ein in der Nähe der Elektrisiermaschine brennendes Gaslicht
-entzieht dem Konduktor alle Elektrizität, so daß jeder Versuch mißlingt,
-u. s. w.
-
-
-98. Influenzmaschine.
-
-Die ^Influenzmaschine^ (erfunden von Holz 1865), auch
-^Elektrophormaschine^ genannt, hat kein Reibzeug, und hat ihren Namen
-davon, daß bei ihr, ähnlich wie beim Elektrophor, die Elektrizität durch
-Influenz hervorgebracht wird.
-
-[Abbildung: Fig. 126.]
-
-Zwei gut gefirnißte Glasscheiben sind parallel in geringem Abstand
-aufgestellt; die kleinere ist auf einer Achse befestigt und kann mittels
-Schnurlaufes gedreht werden; die andere steht fest, hat in der Mitte
-einen Ausschnitt, um die erwähnte Achse durchzulassen, und rechts und
-links noch je einen Ausschnitt, außerdem hat sie rechts unterhalb und
-links oberhalb des Ausschnittes auf ihrer Rückseite ein Stück Papier
-aufgeklebt. Von jedem Papierbelege geht auf den Ausschnitt zu ein
-Papierstreifen, biegt sich nach vorn durch den Ausschnitt und berührt
-wohl auch mit seiner Spitze die drehbare Scheibe. Diese wird so gedreht,
-daß ihre Teile immer zuerst zum Ausschnitte und dann zum Papierbelege
-kommen; es wird also „gedreht gegen die Papierspitzen“.
-
-Vor der drehbaren Scheibe sind zwei Saugkämme angebracht, so daß sie den
-Papierbelegen gegenüberstehen. Von den Saugkämmen führen zwei
-Messingarme zu Polhaltern; durch diese führen zwei verschiebbare
-Messingstangen, die gegeneinander gerichtet sind und dort zwei Kugeln,
-die Pole, tragen; an den anderen Enden sind Kautschukhandgriffe
-angebracht.
-
-^Wirkung der Maschine^. Nachdem man dem einen Papierbeleg Elektrizität
-mitgeteilt hat, etwa durch Annähern einer geriebenen Kautschukplatte,
-dreht man in der angegebenen Weise gegen die Papierspitzen und entfernt
-die Pole etwas voneinander; man sieht zwischen ihnen eine erstaunliche
-Menge elektrischer Funken überspringen.
-
-Auf welche Weise die Maschine so „erregt“ wird, werden wir nachher
-besprechen; jetzt betrachten wir den Vorgang, nachdem die Maschine
-erregt ist. Die beiden Belege haben Elektrizität, der rechts liegende
-etwa -, der linke +. Der rechts liegende influenziert durch die sich
-drehende Scheibe hindurch den Saugkamm, an den Spitzen +, am Pol -, die
-+ ~E~ der Spitzen strömt aus und kommt auf die sich drehende
-Glasscheibe; diese ist also dort, wo sie sich von dem Saugkamme rechts
-entfernt (der Figur gemäß im untern Laufe vorn), + elektrisch. So kommt
-sie zum Papierbelege links, der + geladen ist, und auch zum Saugkamme.
-Sie selbst und der Papierbeleg influenzieren den Saugkamm, an den
-Spitzen -, am Pol +; es strömt die - ~E~ an den Spitzen aus auf die
-Scheibe, neutralisiert dort die + ~E~ und ladet sie noch mit - ~E~; es
-ist also die Scheibe dort, wo sie den Saugkamm links verläßt (also im
-oberen Laufe), - elektrisch. So kommt sie wieder zwischen Papierbeleg
-und Saugkamm rechts, wodurch sich derselbe Vorgang wiederholt. Die
-Vorgänge sind wegen der Kontinuität der Drehung selbst kontinuierlich.
-Es tritt deshalb an den Polen beständig rechts - ~E~, links + ~E~ auf,
-und diese gleichen sich im Funkenstrome aus.
-
-[Abbildung: Fig. 127.]
-
-Die drehbare Scheibe ist in ihrem unteren Laufe + elektrisch und kommt
-so, bevor sie zwischen Saugkamm und Papierbeleg links kommt, an den
-Ausschnitt und die Papierspitze, die sie von hinten berührt. Die + ~E~
-der Glasscheibe influenziert nun das Papier [Papier ist hiebei ein
-Leiter] und zwar an der Spitze - und auf dem Papierbelege +; so wird die
-+ Ladung des Papierbeleges verstärkt. Die - ~E~ der Papierspitze strömt
-auf die Rückseite der sich drehenden Scheibe und bleibt dort, ist aber
-an Menge gering. Im oberen Laufe hat die drehbare Scheibe vorn - ~E~ und
-nun auch hinten - ~E~ (wenig). So kommt sie an den Ausschnitt rechts,
-influenziert den berührenden Papierstreifen an der Spitze +, und am
-Papierbeleg -; dadurch wird einerseits die - Ladung des Papierbeleges
-ergänzt und verstärkt, anderseits strömen aus dem Papierstreifen + ~E~
-auf die Rückseite der drehenden Scheibe, neutralisiert die dort
-befindliche (geringe) - ~E~ und erteilt ihr noch etwas + ~E~. So geht es
-fort.
-
-Der Vorgang auf der Rückseite der Scheibe ist also sehr nahe verwandt
-mit dem auf der Vorderseite, tritt jedoch viel schwächer auf, und dient,
-die Verluste der Papierbelege an die Luft zu ersetzen. Er schwächt die
-Wirkung des Vorganges bei den Saugkämmen; deshalb ist in feuchter Luft,
-wenn die Verluste sehr groß sind, der Vorgang an den Saugkämmen schwach,
-also der Funkenstrom an den Polen gering.
-
-^Die Erregung^: Man schließt die Pole, teilt dem einen Papierbeleg (etwa
-dem linken) + Elektrizität mit, und beginnt zu drehen, so wirkt sofort
-diese Elektrizität, ladet die Scheibe vorn -, den anderen Saugkamm +,
-und die Scheibe ladet, sobald sie eine halbe Drehung gemacht hat, den
-anderen Beleg, -; es beginnt die Verstärkung der Ladungen auf den
-Papierbelegen, und nach wenig Drehungen ist die Maschine erregt, so daß
-beim Öffnen der Pole der Funkenstrom sich zeigt.
-
-Die Maschine liefert mehr Elektrizität als die
-Reibungselektrisiermaschinen. Bei der Reibungselektrisiermaschine wird
-keineswegs die ganze Arbeit, welche man beim Umdrehen aufwendet, in
-Elektrizität verwandelt, sondern nur ein verhältnismäßig kleiner
-Bruchteil, gewiß weniger als ¹/₁₀₀; der größte Teil dieser Arbeit wird
-in Wärme verwandelt (Reibungswärme). Bei der Influenzmaschine braucht
-man, wenn sie nicht erregt ist, nur wenig Kraft, um die Reibung zu
-überwinden; ist sie erregt, so braucht man, wie man leicht fühlt, mehr
-Kraft; dieser Mehraufwand an Kraft wird vollständig in Elektrizität
-verwandelt; denn er dient dazu, um links die Abstoßung der auf der
-unteren Hälfte der drehenden Scheibe ankommenden + ~E~ und der + ~E~ des
-Beleges und dann die Anziehung der - ~E~ der oben fortgehenden Scheibe
-und der + ~E~ des Beleges zu überwinden (ähnlich rechts). Die Folge
-davon, daß diese anziehenden und abstoßenden Kräfte überwunden werden,
-ist eben das Freiwerden der Elektrizität, und es tritt hiebei nur ein
-kleiner Verlust ein, um die Ladung der Belege zu ergänzen.
-
-
-99. Elektrische Kondensation.
-
-Ein isolierter Leiter, mit dem Konduktor der Elektrisiermaschine
-verbunden, ^kann wie der Konduktor selbst, nur bis zu einem gewissen
-Grade mit Elektrizität geladen werden^. Man kann aber auf ihm noch
-^größere Mengen Elektrizität ansammeln^, also gleichsam die Elektrizität
-verdichten oder ^kondensieren^ auf folgende Weise: Der mit dem Konduktor
-verbundene Leiter sei eine Metallplatte (~A~), sie heißt
-^Kollektorplatte^; dieser parallel stellt man in mäßigem Abstande eine
-zweite Metallplatte (~B~) auf, sie heißt die ^Kondensatorplatte^.
-
-[Abbildung: Fig. 128.]
-
-#Ohne Anwesenheit der Kondensatorplatte kommt auf die Kollektorplatte
-eine gewisse Menge Elektrizität#, die dem Potenzial auf dem Konduktor
-entspricht: ihre Menge sei ausgedrückt durch + 16, + 8 auf jeder Seite.
-
-#Wird der Kondensator genährt, so wird er influenziert#, und zwar vorn,
-d. i. auf der zugewendeten Seite -, hinten, d. i. auf der abgewandten
-+; die letztere leiten wir zur Erde ab, weil sie die Wirkung der - ~E~
-stören würde. #Die Elektrizität des Kondensators influenziert
-rückwärtswirkend den Kollektor#, und zwar vorn +, hinten -, beidesmal
-etwa 6; dadurch wird die + Elektrizität auf dem Kollektor vorn
-verstärkt, 8 + 6 = 14, hinten geschwächt 8 - 6 = 2. #Durch die Nähe der
-Kondensatorplatte wird zunächst nur eine andere Verteilung der auf dem
-Kollektor befindlichen Elektrizität erreicht, während ihre Gesamtmenge
-dieselbe geblieben ist#, 8 + 8 = 14 + 2.
-
-Stets wenn man einem elektrischen Leiter einen Leiter nähert, wird
-dessen Ladung anders verteilt; sie begibt sich mehr auf die Seite,
-welche dem genäherten Leiter zugewendet ist.
-
-Bleibt nun die Rückseite des Kollektors mit dem Konduktor einer tätigen
-Elektrisiermaschine verbunden, ^so entspricht nun die auf der Rückseite
-befindliche Menge + 2 nicht mehr dem Potenzial der Elektrizität auf dem
-Konduktor^, sondern ist viel zu klein; #es kann jetzt vom Konduktor neue
-Elektrizität auf den Kollektor herüberströmen#. Nehmen wir an, es
-fließen wieder + 16 ~E~ herüber, so verteilen sich diese aus denselben
-Gründen so, daß auf die Vorderseite 14 ~E~, auf die Rückseite 2 ~E~
-hinkommen; es sind nun auf der Rückseite des Kollektors + 4 ~E~. Da
-deren Menge noch nicht dem Potenzial des Konduktors entspricht, so kann
-noch weitere Elektrizität vom Konduktor zum Kollektor gehen; #jede neu
-herüberkommende Menge wird wieder ebenso verteilt wie die schon
-vorhandene#. Es strömen noch so oft 16 ~E~ herüber, bis auf der
-Rückseite des Kollektors wieder + 8 ist, wie es dem Potenzial des
-Konduktors entspricht. Da nun, so oft auf der Rückseite des Kollektors +
-2 ~E~ ist, auf der Vorderseite + 14 ~E~ ist, auf der Rückseite aber + 8
-~E~ sein können, so können auf der Vorderseite 4 · 14 ~E~ sein; #deshalb
-kann sich auf dem Kollektor mehr Elektrizität ansammeln# (4 mal mehr)
-#als ohne Anwesenheit des Kondensators#. Auf dem Kondensator ist
-natürlich eine entsprechende Menge - Elektrizität, also 4 · 13 ~E~.
-
-Die Zahl 4 heißt die ^Verstärkungszahl^, sie gibt an, wie viel mal die
-Menge der Elektrizität auf dem Kollektor größer wird durch die
-Anwesenheit des Kondensators. Sie ^wächst, wenn der Abstand der Platten
-kleiner wird^; denn dadurch wird die Wirkung der Influenz und
-Rückwärtsinfluenz größer.
-
-Es ist jedoch nicht nur der Abstand des influenzierenden Körpers,
-sondern -- aus einem uns noch ganz unbekannten Grunde -- in hohem Grade
-die Natur des umgebenden dielektrischen Stoffes maßgebend (Faraday). Ist
-statt Luft ein anderes Dielektrikum vorhanden, so wird die
-Verstärkungszahl und damit die Menge der angesammelten Elektrizität
-größer: bei Schwefel 3,84, Ebonit 3,15, Glas 3,01-3,24, Vakuum 0,999,
-Wasserstoff 0,995, Kohlensäure 1,0003 mal so groß wie bei Luft.
-
-Bringt man die Platten einander einigermaßen nahe, so wächst infolge der
-Elektrizitätsansammlung die Spannung bald so stark, daß beide
-Elektrizitäten in Form eines Funkens sich ausgleichen und ^die
-beabsichtigte Ansammlung vereiteln^. #Um den Ausgleich zu verhindern,
-bringt man zwischen beide Platten einen starren Nichtleiter#, also etwa
-eine Ebonitplatte oder eine Glasplatte. Sodann kann man die beiden
-Platten einander sehr stark nähern, also auch sehr viel Elektrizität auf
-ihnen ansammeln, ohne daß sie das Glas zu durchbrechen im stande wäre.
-
-
-100. Die Franklin’sche Tafel.
-
-Die Franklin’sche Tafel ist eine Glasplatte, die auf beiden Seiten mit
-Stanniol beklebt ist bis einige _cm_ vom Rande entfernt. Setzt man die
-eine Stanniolplatte mit dem Konduktor einer Elektrisiermaschine in
-leitende Verbindung, so ist sie die Kollektorplatte; die andere
-Stanniolplatte ist die Kondensatorplatte und wird mit der Erde in
-leitende Verbindung gesetzt, damit die + Influenzelektrizität 2. Art
-abfließen kann (tut man das nicht, so kann man sie in Funkenform auf
-einen genäherten Leiter überspringen sehen). #Es sammelt sich auf dem
-Kollektor viel positive, auf dem Kondensator viel negative Elektrizität,
-und die Tafel ist geladen.# Verbindet man durch einen Leiter beide
-Platten, so springt ein Funke über, an dessen ^starkem Glanze^ und
-^lautem Knalle^ man erkennt, daß eine ^große Menge Elektrizität^ ihn
-verursacht hat.
-
-
-101. Die Leydener Flasche.
-
-Die ^Leydener Flasche oder Kleist’sche Flasche^ besteht aus einem
-Becherglas, das innen und außen bis einige _cm_ vom Rande mit Stanniol
-beklebt ist; sie ist bedeckt mit einem Holzdeckel, durch welchen ein
-Metallstift gesteckt ist; dieser trägt oben eine Messingkugel, unten ein
-Messingkettchen, das bis auf den Boden reicht.
-
-[Abbildung: Fig. 129.]
-
-Sie wird geladen, indem man die Kugel und somit den inneren
-Stanniolbeleg mit dem Konduktor einer Elektrisiermaschine verbindet;
-dann ist der innere Beleg die Kollektorplatte, der äußere die
-Kondensatorplatte und meist hinreichend abgeleitet dadurch, daß man ihn
-auf den Tisch stellt. Sie wird entladen, indem man den äußeren Beleg mit
-der Kugel verbindet (Auslader).
-
-Eine kleine Leydener Flasche faßt 30 mal, eine große 5-600 mal so viel
-Elektrizität wie eine Kugel von 10 _cm_ Radius.
-
-Ist die Leydener Flasche geladen, so sind die auf den Belegen
-vorhandenen Elektrizitäten #gebunden, sie ziehen sich gegenseitig an#,
-so daß nicht eine ohne die andere fortfließen kann. Dies erkennt man an
-der - ~E~ des äußeren Beleges unmittelbar, ersieht es aber auch am
-innern Belege, wenn man die geladene Flasche auf einen ^Isolierschemel^
-(Schemel mit Glasfuß) stellt; berührt man nun den Knopf ableitend, so
-fließt nur wenig Elektrizität ab (schwacher Funke). Denn die - ~E~ des
-äußeren Beleges ist, da sie Influenzelektrizit ist, an sich schon an
-Menge geringer als die influenzierende + ~E~ des inneren Beleges, kann
-also nur eine Menge influenzierend anziehen, die kleiner ist als sie
-selbst; es läuft also so viel von der + ~E~ des inneren Beleges fort,
-daß der zurückbleibende Rest gerade noch durch die anziehende Kraft der
-- ~E~ gehalten oder gebunden werden kann. Nun hat der äußere Beleg
-Überschuß, den man ableiten kann, dann wieder der innere; man kann so
-eine Leydener Flasche auch ^ruckweise entladen^. Ist die Leydener
-Flasche isoliert aufgestellt, so kann man sie auch durch den äußeren
-Beleg laden.
-
-Wenn man eine Leydener Flasche so konstruiert, daß man den ^inneren
-Beleg herausnehmen^ kann, ^so zeigt sich der Beleg sehr wenig
-elektrisch^. ^Die größte Menge Elektrizität ist auf der inneren
-Glasfläche sitzen geblieben^, da sie von der äußeren - ~E~ angezogen
-wird und sich vom Beleg leicht trennt. Kann man auch den äußeren Beleg
-abheben, so zeigt sich auch dieser sehr wenig elektrisch; fast alle
-Elektrizität sitzt auf dem Glase. Entladet man die abgehobenen Belege
-und fügt sie wieder an das Glas, so zeigt sich die Flasche wieder
-geladen, wenn auch etwas schwächer als zuerst.
-
-#Elektrischer Rückstand.# Eine Leydener Flasche zeigt sich ^kurze Zeit
-nach der Entladung wieder geladen^, jedoch schwach; sie gibt einen
-kleinen Funken und dann noch mehrere, immer schwächer werdende.
-
-
-102. Elektrische Batterie.
-
-Um noch größere Mengen Elektrizität anzusammeln, nimmt man mehrere
-Leydener Flaschen, verbindet die inneren Belege, indem man die Knöpfe
-verbindet, und die äußeren Belege, indem man sie auf eine
-gemeinschaftliche Stanniolunterlage stellt: #elektrische Batterie#.
-
-Größere und kleinere Flaschen unterscheiden sich nicht bloß dadurch, daß
-in den größeren mehr Elektrizität angesammelt werden kann, sondern auch
-durch die Spannung der Ladung. Ist das Glas gleich dick, so ist die
-Verstärkungszahl dieselbe; aber auf den kleineren Beleg setzt sich schon
-ohne Kondensation eine dichtere Elektrizität, entsprechend dem
-Flächengesetz, da eine kleinere Fläche wirkt wie eine Fläche von
-stärkerer Krümmung. Da also auf dem kleineren Belege die Dichte größer
-ist, in beiden Flaschen aber gleich vielmal vergrößert wird, #so ist die
-Dichte und somit die Spannung der Elektrizität in der kleinen Flasche
-stärker als in der größeren Flasche#. Der Entladungsfunke der kleineren
-Flasche ist demnach länger, bis mehrere _cm_ lang, jedoch entsprechend
-der nicht beträchtlichen Gesamtmenge der Elektrizität nicht besonders
-glänzend; bei größeren Flaschen ist der Entladungsfunke wegen der
-geringen Spannung nur kurz, oft bloß 1 _cm_, dagegen wegen der
-bedeutenden Menge der Elektrizität sehr kraftvoll, stark knallend und
-stark glänzend, so daß er dem Auge als dick erscheint.
-
-
-103. Wirkungen der elektrischen Entladung.
-
-Läßt man mehrere kräftige Funken durch die Luft gehen, so entsteht ein
-eigentümlicher #stechender Geruch#; dieser rührt wohl von dem Ozon her,
-das sich dabei aus dem Sauerstoff der Luft bildet.
-
-Läßt man starke Funken durch ^dünne Drähte^ gehen, so werden die Drähte
-^warm, oft glühend^, sogar ^geschmolzen^; dünner Eisendraht zerstiebt
-bei kräftiger Entladung in ungemein viele Teilchen, die durch die Luft
-sprühen und mit hellem Glanze verbrennen. Man nimmt hiezu Batterien von
-großen Flaschen, welche große Mengen Elektrizität ansammeln. Ein Leiter
-wird durch den Durchgang der Elektrizität meist nicht beschädigt, nur
-#um so stärker erwärmt, je dünner er ist#. Wenn der Leiter nur geringen
-Widerstand bietet, so ist die Entladung eine plötzliche, fast momentane,
-und es tritt dann neben der Wärmewirkung wohl auch eine mechanische
-Wirkung ein: der Draht wird geknickt, zerrissen, oder zerstiebt sogar.
-Schaltet man aber in den Weg der Elektrizität einen schlechten Leiter
-ein, z. B. ein Stückchen feuchte Schnur, so daß die Elektrizität sich
-etwas langsamer ausgleicht, so erfolgt nur Wärmewirkung. (Entzündung von
-Minen.)
-
-Läßt man den elektrischen Funken durch den ^menschlichen Körper^ gehen,
-so fühlt man einen durch die Glieder #zuckenden Schlag#, der die Muskeln
-zusammenzieht. Dieser Schlag wird schon schmerzhaft, wenn man die
-Flasche auch nur schwach geladen hat (3-4 maliges Umdrehen der
-Maschine). Stärkere Entladungen können für den menschlichen Körper
-gefährlich werden; sie führen Lähmung einzelner Gliedmaßen oder größerer
-Körperteile, Taubheit, Lähmung der Sprache, ja sogar den Tod herbei.
-Läßt man einen elektrischen Funken durch das geschlossene Auge
-eindringen (natürlich wählt man einen sehr schwachen), so empfindet man
-eine Lichterscheinung.
-
-#Durchgang durch einen Nichtleiter.# Wenn der Stoff die Elektrizität
-nicht leitet, so wird er ^durchbohrt, durchbrochen oder zertrümmert^;
-starkes Papier, Glas. Die Löcher im Papiere haben dabei auf beiden
-Seiten aufgeworfene Ränder, wie wenn im Innern des Papieres eine
-Explosion stattgefunden und die Papiermasse beiderseits herausgeworfen
-hätte. Im Glase ist das Loch oft so fein, daß es nur mit dem
-Vergrößerungsglase gesehen werden kann. Pulver und Schießbaumwolle
-werden entzündet, ein lose hingelegtes Häufchen Pulver aber meist nur
-zerstreut. Holz wird durchbohrt, oft zersplittert, wohl auch entzündet.
-
-
-104. Atmosphärische Elektrizität.
-
-Die Luft in höheren Schichten (meistens von 300-400 _m_ über dem Boden
-an) ist stets elektrisch: #atmosphärische Elektrizität#. Ihre Spannung
-ist meist sehr gering, so daß es besonders empfindlicher und eigens
-eingerichteter Elektroskope bedarf, um sie nachzuweisen. Man leitet vom
-Knopfe des Elektroskopes einen Draht isoliert zu einer Stange, läßt ihn
-in einer feinen Spitze oder kleinen Flamme endigen und hebt nun mittelst
-der Stange diese Spitze rasch nach aufwärts; sie wird nun von der
-atmosphärischen Elektrizität, da sie ihr etwas näher gekommen ist, etwas
-stärker influenziert, die Influenzelektrizität erster Art strömt aus der
-Spitze aus; die Influenzelektrizität zweiter Art wird im Elektroskop
-frei.
-
-Die atmosphärische Elektrizität ist meist positiv, jedoch vielen
-Schwankungen (auch ziemlich regelmäßigen, täglichen und jährlichen)
-unterworfen. Ihre Entstehung ist unbekannt.
-
-
-105. Elektrizität der Gewitter.
-
-Die Gewitterwolke ist mit großen Massen Elektrizität von hoher Spannung
-geladen. #Franklin# ließ (1752) beim Herannahen eines Gewitters einen
-Papierdrachen steigen, an welchem eine nach aufwärts gerichtete Spitze
-angebracht war; das Ende der Schnur bestand aus Seide. Er bemerkte, wie
-die Fasern der Hanfschnur sich sträubten (weil sie elektrisch geworden
-waren) und sah, als die Schnur durch den Regen naß geworden war, Funken
-aus einem an der Hanfschnur hängenden Schlüssel herausspringen. Drache,
-Spitze und Hanfschnur stellen einen isolierten Leiter vor, aus der
-Spitze strömt die Influenzelektrizität erster Art aus, und in der Schnur
-wird deshalb die Influenzelektrizität zweiter Art frei. Seit Franklin
-wurde dieser (sehr gefährliche) Versuch öfters und stets mit demselben
-Erfolge wiederholt. Art und Stärke der Elektrizität prüft man
-ungefährlich mit dem Elektroskop. Man findet die Elektrizität meist
-positiv, sie wächst an Stärke, bis es blitzt, nimmt dann sprungweise ab,
-wird wohl auch negativ und wächst dann wieder. Über die Art der
-Entstehung und Ansammlung der Elektrizität in der Gewitterwolke weiß man
-nichts Sicheres.
-
-
-106. Der Blitz.
-
-#Der Blitz ist der Entladungsfunke der in der Gewitterwolke vorhandenen
-Elektrizität.# Man unterscheidet dreierlei Arten von Blitzen, die
-Strahlen-, Flächen- und Kugelblitze. Die #Strahlenblitze# verlaufen
-entweder bloß in den Gewitterwolken, oder gehen auch zur Erde. Sie haben
-eine gezackte Form, entstehen oft aus mehreren Teilen, spalten sich auch
-wieder, beschreiben, wenn sie zur Erde gehen, einen der Hauptrichtung
-nach geraden und in der Wolke einen vielfach gebrochenen Weg, der aber
-nicht wieder rückwärts führt.
-
-Durch den in der Wolke verlaufenden Blitz verteilt sich die in einem
-Teile der Wolkenmasse entstehende und zu großer Spannung angewachsene
-Elektrizität auf die anderen Teile (Ballen) der ganzen Wolkenmasse.
-Durch den zur Erde gehenden Blitz gelangt sie zu der auf der Erde
-influenzierten Elektrizität und gleicht sich mit ihr aus, während die
-Influenzelektrizität zweiter Art, die auf der entgegengesetzten Seite
-der Erde (bei den Antipoden) entsteht, schon wegen ihrer Verteilung auf
-eine sehr große Fläche als nicht mehr vorhanden angesehen werden darf.
-
-Die Blitze in der Wolke haben oft eine Länge von mehreren Kilometern;
-der einschlagende Blitz hat nur eine Länge von einigen hundert Metern
-(Abstand der Wolke vom Boden). Gleichwohl hat der in der Wolke
-verlaufende Blitz keine höhere Spannung der Elektrizität; er fährt von
-Ballen zu Ballen, durchdringt die Wolkenmassen, welche durch die
-Wasserteile einen, wenn auch schlechten Leiter bilden, setzt sich also
-aus mehreren Teilen zusammen, und durchläuft so mittels derselben
-Spannung einen viel längeren Weg, als wenn er durch die Luft zur Erde
-geht.
-
-#Flächenblitze# verlaufen nur in den Wolken; man sieht einen Teil, eine
-Fläche der Wolken, plötzlich in hellem, grell-weißem Lichte aufleuchten,
-jedoch keinen Strahl. Näheres über ihre Entstehung und ihren Verlauf ist
-nicht bekannt, doch ist ihre Anzahl verhältnismäßig groß, oft größer als
-die der Strahlenblitze.
-
-#Kugelblitze# sind sehr selten. Es sind Strahlenblitze, die zur Erde
-gehen; wenn sie aber in die Nähe der Erde oder eines hohen Gegenstandes
-gekommen sind, gehen sie langsam, so daß man ihren Weg mit dem Auge
-verfolgen kann, erscheinen dann als eine glänzende Lichtkugel
-(Feuerkugel), laufen als solche sogar noch durch den Blitzableiter,
-einen Baum und ähnliches und verschwinden dann in der Erde. Das
-^Wetterleuchten^ rührt von fernen Blitzen her und kann bis zu 400 bis
-500 _km_ Entfernung wahrgenommen werden, oft als Wiederschein an sehr
-hohen Wolken.
-
-Ziemlich selten ist auch das #St. Elmsfeuer#. Steht das Gewitter gerade
-über uns, so beobachtet man manchmal Lichtbüschel, flackernde, zuckende,
-auch ziemlich ruhige Lichtstrahlen von gelblichem und rötlichem Lichte,
-die an hervorragenden spitzigen Gegenständen, Blitzableiterspitzen,
-Helm-, Lanzen-, Masten- und Kirchturmspitzen, den emporgehaltenen
-Fingern, den Spitzen von Bäumen und Sträuchern zum Vorschein kommen. Es
-ist dies das elektrische Büschellicht (oder Glimmlicht), das dadurch
-entsteht, daß die Influenzelektrizität erster Art der Erde bei den
-Spitzen von Leitern ausströmt, durch die Luft zur Wolke geht und dort
-die entgegengesetzte Elektrizität neutralisiert. Es bewirkt so anstatt
-der raschen Entladung durch den Blitz eine langsame und ungefährliche
-Entladung durch Ausströmen.
-
-
-107. Weg des Blitzes.
-
-Der zur Erde gehende Blitz sucht ins ^Grundwasser^ zu kommen; hat er
-dies erreicht, so gleicht er sich mit der influenzierten Elektrizität
-aus und ist verschwunden. Beim Einschlagen bevorzugt er besonders
-folgende Gegenstände. 1. ^Größere Wassermassen^, wie einen Fluß, Teich,
-See; da die Wassermasse ein guter Leiter ist, so wird sie besser
-influenziert als das benachbarte (trockene) Erdreich, und zieht deshalb
-die Elektrizität der Wolke an. Die Ufer größerer Wasserflächen sind fast
-frei von Blitzgefahr. 2. Größere ^Metallmassen^, wie Metalldächer,
-eiserne Brücken, größere Lager von Eisenbahnschienen etc. aus demselben
-Grunde. Doch ist es wohl eine törichte Furcht, zu glauben, kleine
-Metallgegenstände, wie das Geld in der Tasche, ein Gewehr, ein
-Regenschirm mit Metallgestell, der Reif am Wagenrad etc. ziehe den Blitz
-an. 3. ^Gegenstände, welche hoch über ihre Umgebung hervorragen^; als
-solche sind besonders anzuführen: Kirchtürme, Schornsteine (die durch
-den Ruß dem Blitze einen bequemen Weg bieten), die Masten der Schiffe,
-einzeln stehende Bäume und Häuser, die Auffangstangen der Blitzableiter,
-ja schon ein Mensch auf freiem Felde. Solche hervorragende Gegenstände
-bevorzugt der Blitz, insofern durch sie der Weg zum Grundwasser
-abgekürzt wird; anstatt nämlich diesen Weg ganz durch die Luft zu
-machen, wählt er im unteren Teile seines Laufes den hohen Gegenstand,
-weil und soferne ihm dieser weniger Widerstand bietet als die Luft. Ein
-guter Leiter wird hierbei noch besonders vom Blitze bevorzugt; denn in
-manchen Fällen, in denen die Spannung der Gewitterelektrizität nicht
-stark genug ist, um die ganze Strecke durch die Luft bis zum Boden zu
-durchbrechen, genügt die Spannung, um die kürzere Strecke durch die Luft
-bis zur Spitze des hohen Gegenstandes zu durchbrechen. Das Aufstellen
-eines Blitzableiters erhöht also die Blitzgefahr etwas, und in diesem
-Sinne ist es richtig, wenn man sagt, der Blitzableiter zieht den Blitz
-an. 4. Eine wesentliche Rolle spielt der ^Untergrund^; eine trockene,
-undurchlässige Schichte (Lehm, kompakter Felsen) schützt gegen
-Blitzschlag, da der Blitz, um zum Grundwasser zu gelangen, die schlecht
-leitende Erd- oder Felsschichte durchbrechen müßte; ist der Untergrund
-aber feucht und durchlässig, so stellt er eine leitende Verbindung mit
-dem Grundwasser her, und wird deshalb vom Blitz bevorzugt.
-
-
-108. Blitzableiter.
-
-Der Blitzableiter beseitigt die Gefahren des einschlagenden Blitzes,
-indem er den einschlagenden Blitz ^auffängt^ (Auffangstangen) und dann
-zur Erde ^ableitet^ (Ableitung). Die #Auffangstangen# sind (2-3 _m_)
-hohe, dicke, eiserne Stangen, die auf den höchsten Teilen des Hauses
-aufrecht befestigt werden. Da sie weit über die anderen Teile des Hauses
-hervorragen, so trifft der Blitz in sie und nicht in das Haus. Die
-auffangende Wirkung der Stange erstreckt sich aber nur über einen Kreis,
-dessen Radius 2 mal so groß ist wie die Höhe der Stange. Ist ein Gebäude
-groß, so bringt man mehrere Auffangstangen an, so daß die Auffangkreise
-die ganze Dachfläche bedecken. Bei einem Turme läßt man von der
-Auffangstange mehrere (4) Ableitungsstangen herabgehen und verbindet sie
-in mäßigen Abständen durch Metallringe, die um den Turm laufen, so daß
-der Turm gleichsam in ein Metallnetz eingehüllt ist (Straßburger
-Münster).
-
-Die Auffangstangen werden oben spitzig gemacht und zum Schutze gegen das
-Verrosten vergoldet oder mit Platinspitze versehen. Man hat den Zweck
-der Spitzen darin gesucht, daß durch sie viel Influenz-Elektrizität
-gegen die Wolke ausströme und dadurch deren Elektrizität schwäche, und
-in der Tat zeigen sich große Städte fast frei von Blitzgefahr; doch
-einerseits ist man nur selten imstande, ein solches Ausströmen durch ein
-Büschel- oder Glimmlicht wahrzunehmen, und andererseits mögen die viel
-zahlreicheren Schornsteine durch die Verbrennungsgase Elektrizität
-ausströmen lassen und so die Schwächung der Gewitterelektrizität
-herbeiführen.[8] Trifft ein Blitz in die Spitze, so kann wohl während
-des Herunterfahrens eine erhebliche Masse Elektrizität durch die Spitze
-dem Blitze entgegenströmen, dadurch seine Gewalt verringern und auf eine
-größere Zeit verteilen, und darin liegt wohl ein Nutzen der Spitze.
-
- [8] „Die die Blitzgefahr verhütende Wirkung der Spitzen ist den
- großartigen Vorgängen in der Atmosphäre gegenüber so gering, daß sie
- fast vollständig verschwindet“ (~Académie française~). „Die Wirkung
- der Spitzen erscheint in hohem Grade zweifelhaft“ (Akademie in
- Berlin).
-
-Die #Ableitung# soll den durch die Auffangstange aufgenommenen Blitz zur
-Erde, oder die Influenzelektrizität der Erde ungefährlich zur Spitze
-leiten. Die Ableitungsstangen führen deshalb von den Auffangstangen
-ohne Unterbrechung bis tief in die Erde. Eiserne Ableitungsstangen
-müssen sehr dick sein, zusammenstoßende Enden müssen gut aneinander
-geschweißt sein; kupferne dürfen, da Kupfer ca. 6 mal so gut leitet wie
-Eisen, viel dünner sein, und sind, da Kupfer nicht von Rost zerfressen
-wird, dauerhafter als Eisen. Die Ableitungsstangen werden auf kürzestem
-Wege zur Erde geführt, wobei scharfe Ecken vermieden werden; in die Erde
-werden sie so tief geführt, bis das Erdreich beständig feucht ist; dort
-läßt man sie in Kupferstreifen oder -Platten endigen, die man mit Kohle
-umgibt, um mit dem Grundwasser eine möglichst innige, großflächige,
-widerstandslose Verbindung herzustellen. Von jeder Auffangstange soll
-wenigstens eine Ableitung zur Erde gehen, außerdem werden alle
-Auffangstangen unter sich verbunden, da dann der Blitz sich auf alle
-Ableitungen verteilt. Große Metallmassen am Hause, wie Metalldächer,
-Dachrinnen, eiserne Gitter u. s. w. werden in die Ableitung
-eingeschaltet, indem man sie am oberen und unteren Ende mit der nächsten
-Stelle der Ableitung verbindet; der Blitz durchläuft dann auch diese
-Metallmassen, aber ungefährlich, da er aus dem unteren Ende wieder in
-die Leitung übergeht.
-
-#Ein guter Blitzableiter schützt das Gebäude vor den Gefahren des
-Blitzschlages#; wenn auch die Wahrscheinlichkeit des Blitzschlages durch
-den Blitzableiter etwas erhöht wird. ^Sehr gefährlich ist eine schlechte
-Ableitung^, da leicht der Blitz von ihr abspringt und dann in das Haus
-fährt, oder einen Zweig in das Haus sendet. Dies tritt ein: wenn die
-Leitungsdrähte zu dünn sind, oder zwei Drahtenden schlecht geschweißt
-oder gelötet sind, oder wenn scharfe Ecken in der Leitung sind, denn sie
-wird an solchen Stellen zerrissen; oder wenn die Ableitung nahe an
-Metallmassen vorübergeht, die nicht in die Leitung eingeschaltet sind,
-denn es springt dann wohl ein Teil des Blitzes auf die Metallmasse und
-durch sie ins Haus; oder wenn die Ableitung nicht ganz ins feuchte
-Erdreich führt, denn der Blitz sucht sich dann auch einen vielleicht
-bequemeren Weg durch das Haus.
-
-
-109. Wirkungen des Blitzes.
-
-Wenn der Blitz in einen Gegenstand schlägt, so bringt er vielfach
-zerstörende Wirkungen hervor; nur im Wasser verschwindet er schadlos.
-Nichtleiter werden durchbohrt: Holz wird zersplittert, ein Baum
-zerspalten, die Rinde abgeschält, die Äste werden abgeschlagen und oft
-weit herumgeschleudert; Mauern werden zersprengt oder gespalten, Steine
-losgerissen, Mauerstücke verschoben oder umgeworfen. Durch Metallteile
-läuft er oft, ohne sie zu beschädigen; sogar ganz dünne Drähte,
-Klingelzüge, ja sogar die dünnen Metallüberzüge vergoldeter Leisten
-werden oft vom Blitze durchlaufen, ohne daß er eine Spur hinterläßt.
-Doch werden Metalle oft auch glühend gemacht, abgeschmolzen oder
-zersprengt. Durch Glas geht er selten, weil er an den Fenstern meist
-Metallteile findet; doch werden die Fensterscheiben oft durch den
-Luftdruck zersprengt. Häuser, Scheunen, Strohhaufen u. s. w. werden
-manchmal entzündet, doch sind die zündenden Blitze viel seltener als die
-nicht zündenden. Der Weg, den der Blitz in einem Gebäude nimmt,
-erscheint oft sehr unregelmäßig; doch scheint er dabei dem Gesetze zu
-folgen: #der Blitz nimmt stets den Weg, auf welchem die Summe aller von
-ihm zu überwindenden Widerstände am kleinsten ist#; er macht demgemäß
-oft scheinbar einen Umweg, wenn er dabei gute Leiter trifft, die nur
-durch geringere Lücken getrennt sind; bei einer Telegraphenleitung läuft
-er meist nicht an der Stange herunter, sondern durchläuft eine wohl
-meilenlange Leitung, weil ihn diese mit geringerem Widerstande in den
-Boden führt. In trockenem Sand (Lüneburger Heide, Sahara) bilden sich
-sogenannte Blitzröhren; die Sandkörner werden geschmolzen und bilden
-dann eine Röhre, die innen ziemlich glatt ist, aber außen durch
-angeschmolzene Sandkörner rauh erscheint; manchmal gabelt sich eine
-solche Blitzröhre.[9]
-
- [9] Die Blitzgefahr hat sich in Deutschland in den letzten 25-30
- Jahren verdreifacht (Bezold); der jährliche Blitzschaden an Gebäuden
- beträgt jetzt 6-8 Millionen Mark.
-
-Sehr gefährlich wird der Blitz, wenn er durch den menschlichen (oder
-tierischen) Körper geht. Sehr oft ist plötzlicher Tod die Folge; oft
-aber betäubt er den Menschen nur vorübergehend oder durchfährt ihn unter
-Verursachung eines heftigen zuckenden Schmerzes. Vielfach führt er
-bleibende oder nur schwer heilbare Schädigung der Gesundheit herbei, wie
-Lähmung einzelner Gliedmaßen oder der Sprache, Taubheit, Geistesstörung,
-Zerrüttung des Nervensystems etc. Manche Leute mögen auch schon durch
-den großen Schrecken, den diese überwältigende Naturerscheinung
-hervorbringt, Schaden leiden. Ein- und Austrittsstelle des Blitzes sind
-meist nur durch kleine Brandwunden, versengte Haare oder Kleidungsstücke
-bezeichnet, oft gar nicht mehr erkennbar. Gröbere Zerreißung der Gewebe
-im Innern des Menschen kommt nicht vor.
-
-
-
-
-Siebenter Abschnitt.
-
-Galvanische Elektrizität.
-
-
-110. Erregung der galvanischen Elektrizität.
-
-Wenn man Zink in verdünnte Schwefelsäure bringt, so bildet sich
-Zinksulfat und freier Wasserstoff.
-
- ~SO₄H₂ + Zn = SO₄Zn + H₂.~
-
-[Abbildung: Fig. 130.]
-
-Hiebei wird das aus der Flüssigkeit herausragende Zinkende negativ
-elektrisch, und die Flüssigkeit positiv elektrisch. Zink ist imstande,
-in Berührung mit Schwefelsäure Elektrizität zu erregen; #es wirkt
-elektromotorisch, es hat eine elektromotorische Kraft#.
-
-Ebenso wirkt Zink in Salz- oder Salpetersäure elektromotorisch. Ebenso
-wie Zink wirken auch andere Metalle und man findet allgemein: #Wenn ein
-Metall mit einer Flüssigkeit in Berührung kommt, auf die es chemisch
-einwirkt, so tritt infolge der chemischen Einwirkung auch eine
-elektrische Wirkung auf derart, daß das Metall negativ, die Flüssigkeit
-positiv elektrisch wird.#
-
-Wirkt das Metall nicht auf die Flüssigkeit wie Platin auf Wasser oder
-Schwefelsäure, so tritt auch keine elektrische Wirkung ein.
-
-Diese Elektrizitäten unterscheidet man von der Reibungselektrizität
-durch die Bezeichnung: ^galvanische Elektrizität^ nach ihrem Entdecker
-^Galvani^, einem italienischen Arzte 1789. Sie ist aber nur nach ihrer
-Entstehungsart und Entstehungsursache von der Reibungselektrizität
-verschieden, in ihrem Wesen, ihren Wirkungen und Gesetzen aber mit ihr
-identisch.
-
-Die Ursache der Elektrizitätserzeugung liegt in folgendem: wenn sich
-Zink in Schwefelsäure auflöst, so entsteht dabei auch eine gewisse Menge
-Wärme, ähnlich einer ^Verbrennungswärme^. Es entsteht aber hiebei nicht
-so viel Verbrennungswärme, als entstehen sollte, sondern anstatt eines
-Teiles derselben tritt Elektrizitätserregung auf.
-
-
-111. Stärke der elektromotorischen Kraft.
-
-#Je stärker ein Metall auf eine Flüssigkeit einwirkt#, je größer die
-Wärmemenge ist, welche bei der Zersetzung zum Vorschein kommen sollte,
-#desto größer ist das Potenzial der frei werdenden Elektrizitäten#,
-desto größer ist die elektrische Potenzialdifferenz zwischen Metall und
-Flüssigkeit.
-
-Jedes Molekül ~Zn~, das sich mit ~SO₄~ verbindet und ~H₂~ ausscheidet,
-bringt eine gewisse Menge ± ~E~ von bestimmtem Potenzial hervor. Diese
-sammeln sich auf dem Zink und der Flüssigkeit, bis auch diese dieselbe
-Potenzialdifferenz haben. Dann hört der chemische Prozeß auf, da die
-durch ihn hervorgebrachten elektrischen Mengen nicht mehr imstande sind,
-die schon vorhandene Elektrizität zu verdichten. #Die elektrische
-Potenzialdifferenz wächst nur bis zu einer gewissen Grenze.#
-
-Wenn man chemisch reines Zink oder sehr gut amalgamiertes Zink (Zink,
-das man mit einer anhaftenden Schichte Quecksilber überzogen hat), in
-die Schwefelsäure taucht, so bemerkt man, daß sich wohl einige Bläschen
-~H₂~ bilden, daß damit aber der chemische Prozeß ebenso wie der
-elektrische aufhört. Bei gewöhnlichem Zink ladet sich auch Zink und
-Flüssigkeit mit Elektrizität von ebenso großer Potenzialdifferenz, aber
-der chemische Prozeß dauert fort; es entsteht aber dann keine
-Elektrizität mehr, sondern die Verbrennungswärme wird als solche frei.
-
-#Die elektromotorische Kraft# zweier Substanzen, z. B. Zink und
-Schwefelsäure #wird gemessen durch die Potenzialdifferenz der getrennten
-Elektrizitäten#. Prüft man nun verschiedene Metalle und verschiedene
-erregende Flüssigkeiten, so zeigt sich: je stärker die Stoffe auf
-einander einwirken, desto größer ist die Potenzialdifferenz, desto
-größer also die elektromotorische Kraft.
-
-
-112. Gesetze für die elektromotorische Kraft.
-
-#Die elektromotorische Kraft wirkt unabhängig vom elektrischen Zustande
-der beiden Stoffe.# Wenn etwa beide Stoffe, Zink und Schwefelsäure,
-schon elektrisch sind, etwa durch eine Elektrisiermaschine geladen sind,
-etwa mit dem Potenzial + 17, und es wirkt nun die elektromotorische
-Kraft etwa so, daß das Zink - 8 und die Flüssigkeit + 3 an elektrischem
-Potenzial bekommen sollte, so erhält das Zink ein Potenzial = 17 - 8 =
-9, die Flüssigkeit ein Potenzial = 17 + 3 = 20. Es ist dann dieselbe
-Potenzialdifferenz = 11 vorhanden, wie wenn beide Stoffe zu Anfang gar
-keine Elektrizität gehabt hätten.
-
-#Die durch die elektromotorische Kraft hervorgebrachte
-Potenzialdifferenz ist unabhängig von der Größe der verwendeten Stoffe.#
-Sind beide Stoffe klein, so zersetzen sich nur wenig Moleküle und die
-Elektrizität ist an Menge gering, aber ausreichend um an den kleinen
-Flächen eine entsprechende Potenzialdifferenz hervorzubringen. Sind
-beide Stoffe sehr groß oder mit sehr großen isolierten Leitern
-verbunden, so müssen sich entsprechend viele Moleküle zersetzen. Bei den
-gewöhnlichen Versuchen, wobei ein Zinkstab in eine Tasse Schwefelsäure
-gesenkt wird, genügt eine ungemein kurze Zeit, um so viele Moleküle zu
-zersetzen, bis beide Stoffe vollständig geladen sind. Nur wenn beide
-Stoffe sehr groß sind, wenn etwa das Zink mit einem sehr langen Drahte,
-die Flüssigkeit mit der Erde in Verbindung gesetzt wird, verfließt eine
-meßbare Zeit bis beide Stoffe mit entsprechendem Potenzial geladen sind.
-
-#Sind beide Stoffe der Größe nach verschieden, so sind die Potenziale
-der auf ihnen befindlichen freien Elektrizitäten auch verschieden#, da
-durch den chemischen Prozeß stets gleiche Mengen ± ~E~ erzeugt werden.
-
-Verbindet man das Zink mit der Erde, macht es also dadurch zu einem
-ungemein großen Leiter, so hat es das Potenzial = 0, also hat die
-isolierte Flüssigkeit ein Potenzial, das der elektromotorischen Kraft
-entspricht, etwa + 11; wenn man die Flüssigkeit (durch einen
-Platindraht) mit der Erde verbindet, so hat die Flüssigkeit ein
-Potenzial = 0, also das Zink - 11. #Wird einer der beiden Stoffe zur
-Erde abgeleitet, so ist sein Potenzial = 0, das des anderen gleich der
-ganzen Potenzialdifferenz, welche der elektromotorischen Kraft des
-Systems entspricht.#
-
-Wenn zwei Metalle zugleich in derselben Flüssigkeit wirken, so schwächen
-sich ihre elektromotorischen Kräfte, indem jede unabhängig von der
-andern wirkt, aber in entgegengesetztem Sinne. Ist etwa ein Zink- und
-ein Kupferdraht zugleich in Schwefelsäure, so wirkt einerseits das Zink
-und bringt auf sich - 100 ~E~, auf dem Kupfer, das ja mit der
-Flüssigkeit in Berührung steht, + 100 ~E~ hervor, andrerseits wirkt aber
-auch das Kupfer und bringt auf sich - 37 ~E~, auf dem Zink + 37 ~E~
-hervor; die Folge ist, daß auf dem Zink - 63 ~E~, auf dem Kupfer + 63
-~E~ vorhanden ist.
-
-
-113. Elektromotorische Kraft mehrerer Elemente.
-
-[Abbildung: Fig. 131.]
-
-[Abbildung: Fig. 132.]
-
-[Abbildung: Fig. 133.]
-
-Eine Zusammenstellung eines Zink- und Kupferstabes (oder -Bleches) in
-Schwefelsäure heißt ein ^Volta’sches Element^, die herausragenden
-Metallenden sind die ^Pole^. Bezeichnen wir die elektromotorische Kraft
-mit 2 ~E~, so daß etwa Zink - ~E~, Kupfer + ~E~ hat, und verbinden nun
-zwei solche Elemente derart, daß man das Kupfer des ersten mit dem Zink
-des zweiten Elementes verbindet, so haben die verbundenen Metalle ein
-Potenzial = 0, da + ~E~ und - ~E~ sich aufheben; das freie Zink des
-ersten hat also - 2 ~E~, das freie Kupfer des zweiten + 2 ~E~. Hat man 3
-Elemente und verbindet stets das Kupfer des vorhergehenden mit dem Zink
-des folgenden, so haben je zwei verbundene Metalle dieselbe
-Elektrizität, und zwischen zwei durch die Flüssigkeit getrennten
-Metallen muß eine elektrische Potenzialdifferenz von 2 ~E~ vorhanden
-sein; demnach hat man etwa die Verteilung wie in Fig. 131. Oder wenn man
-etwa das freie Kupferende zur Erde ableitet, so ist seine Elektrizität =
-0, demnach die Verteilung wie in Fig. 132. Bei 4 Elementen hat man die
-Verteilung wie in Fig. 133. Die Spannungsdifferenz der beiden freien
-Pole bei 4 Elementen = 8 ~E~ = 4 · 2 ~E~; eine Zusammenstellung von n
-gleichen Elementen wirkt gerade so, wie ein Element von ~n~ mal so
-großer elektromotorischer Kraft. #Die elektromotorische Kraft mehrerer
-mit ungleichen Polen verbundener Elemente ist gleich der Summe der
-elektromotorischen Kräfte der einzelnen Elemente#.
-
-
-114. Die Zamboni’sche Säule und deren Anwendung.
-
-[Abbildung: Fig. 134.]
-
-Auf der Summierung der elektromotorischen Kräfte beruht die
-^Zamboni’sche^ oder die ^trockene Säule^. Wenn man unechtes Gold- und
-Silberpapier (Kupfer- und Zinkpapier) mit den Papierflächen auf einander
-klebt und daraus etwa talergroße Scheibchen schneidet, so stellt jedes
-Scheibchen ein Element dar, bei dem die Schwefelsäure vertreten ist
-durch die Feuchtigkeit des Kleisters. Wenn man viele Scheibchen auf
-einander legt, so daß immer die Kupferseite des vorhergehenden und die
-Zinkseite des folgenden sich berühren, Zambonische Säule (1812), so ist
-bei mehreren Hundert, ja Tausend solcher Scheibchen das Potenzial der
-freien Elektrizität auf den Polen meist so groß, daß sie schon mit einem
-gewöhnlichen Goldblatt-Elektroskope nachgewiesen werden kann.
-
-[Abbildung: Fig. 135.]
-
-#Das Bohnebergersche Elektroskop#: Man schließt die Säule in eine
-Glasröhre ein, legt auf beide Pole Messingplatten und führt von diesen
-Drähte weg, die sich mit ihren Enden nähern und in geringem Abstand in
-zwei Messingplatten endigen; diese sind nun die Pole. Über ihnen
-befindet sich der Stift eines Elektroskopes, von welchem ein langes,
-schmales ^Goldblättchen^ herunterhängt gerade zwischen die beiden
-Polplatten. Da beide Polplatten gleich stark und entgegengesetzt
-elektrisch sind, so wird das zwischen ihnen hängende Goldblättchen von
-keiner angezogen und hängt ruhig in der Mitte. Teilt man nun dem Knopfe
-etwas Elektrizität, z. B. negative, mit, so wird das Goldblatt auch -,
-also vom + Pole angezogen und vom - Pole abgestoßen. Schon sehr geringe
-Mengen Elektrizität bewirken einen Ausschlag.
-
-#Das Fechner’sche Elektroskop# benützt auch noch Kondensation der
-Elektrizität. Man schraubt auf den Knopf dieses Elektroskopes eine gut
-abgeschliffene Messingplatte, die oben mit einer dünnen Firnisschichte
-versehen ist und die Rolle der Kolektorplatte spielt. Auf sie setzt man
-mittels eines isolierenden Handgriffes eine eben solche, unten
-gefirnißte Messingplatte, die Kondensatorplatte; die Firnisschichte
-zwischen beiden ist der Isolator. Wenn man nun die untere Platte mit
-einer Elektrizitätsquelle in Verbindung setzt, deren Potenzial so
-gering ist, daß sie am gewöhnlichen Elektroskope keinen Ausschlag gibt,
-zugleich aber die obere Platte aufsetzt und ableitend mit dem Finger
-berührt, so sammelt sich auf beiden Platten vielmal mehr Elektrizität,
-da wegen der großen Annäherung der Platten die Verstärkungszahl groß
-ist. Entfernt man zunächst die Elektrizitätsquelle, dann die obere
-Platte, so verbreitet sich die auf der unteren Platte angesammelte
-Elektrizität auf dem Elektroskop, das Goldblättchen bekommt also eine
-stärkere Elektrizität und gibt nun einen Ausschlag. Mit guten Apparaten
-dieser Art kann man nachweisen, daß Zink in Schwefelsäure negativ
-elektrisch ist: Fundamentalversuch des Galvanismus. Der Kondensator kann
-auch auf ein gewöhnliches Goldblatt-Elektroskop aufgeschraubt werden,
-und wurde so von Volta 1783 erfunden und zum Nachweise der galvanischen
-Elektrizität benutzt 1794.
-
-
-115. Der galvanische Strom.
-
-[Abbildung: Fig. 136.]
-
-Sollen die durch die elektromotorische Kraft getrennten Elektrizitäten
-sich wieder vereinigen, so muß man das herausragende Zinkende durch
-einen Draht mit der Flüssigkeit in Verbindung bringen, am einfachsten
-dadurch, daß man eine Zink- und eine Kupferplatte in die Schwefelsäure
-taucht, ohne daß sie sich berühren, und die herausragenden Enden durch
-einen Draht verbindet. Es entsteht dann der ^galvanische Strom^, indem
-einerseits vom Zinkpole die negative Elektrizität, andrerseits vom
-Kupferpole die positive Elektrizität in den Draht läuft; beide begegnen
-sich irgendwo auf dem Draht und heben sich auf. Der Prozeß hört damit
-aber nicht auf, da sich durch die elektromotorische Kraft des Systems
-immer neue Elektrizitäten entwickeln. #Das beständige Fließen der
-Elektrizität nennt man einen elektrischen oder galvanischen Strom.# Sind
-beide Pole verbunden, so sagt man, der Strom ist ^geschlossen^, er
-fließt; sind sie nicht verbunden, so sagt man, der Strom ist ^offen^, er
-fließt nicht.
-
-Bei Stromschluß dauert der chemische Prozeß fort. Der durch die
-chemische Zersetzung ^frei werdende Wasserstoff steigt nicht am Zink
-auf, sondern am Kupfer^. Er wandert unsichtbar zum Kupfer und man bildet
-sich hierzu folgende Vorstellung. Das ~Zn~ zersetzt das nächstliegende
-Molekül Schwefelsäure, indem es sich mit dem Radikal ~SO₄~ verbindet zu
-~ZnSO₄~; dadurch wird ~H₂~ frei; das verbindet sich mit dem ~SO₄~ des
-nächstliegenden ~SO₄H₂~ und bildet somit wieder ~H₂SO₄~; dadurch wird
-wieder ~H₂~ frei; dies tauscht sich ebenso aus gegen das ~H₂~ des
-nächsten ~SO₄H₂~, und so geht es fort, bis schließlich das letzte ~H₂~
-am Kupfer frei wird, als Träger der positiven Elektrizität diesem seine
-positive Elektrizität mitteilt, und dann als freies Gas entweicht. In
-Figur 137 ist oben die Reihe der Moleküle vor dem chemischen Angriff,
-unten nach demselben durch Zeichnung angedeutet. Das Wandern des ~H₂~
-und das damit verbundene gegenseitige Zersetzen der Moleküle tritt in
-raschester Aufeinanderfolge, bei allen Molekülen (fast) zur selben Zeit
-ein.
-
-[Abbildung: Fig. 137.]
-
-
-116. Die galvanischen Elemente.
-
-Das #Volta’sche# Element, Zink- und Kupferblech in verdünnter
-Schwefelsäure, hat wesentliche Mängel. Es entwickelt sich Wasserstoff
-auch am Zink; ^wenn aber die Produkte einer chemischen Zersetzung an
-derselben Stelle zum Vorschein kommen, wird nur Wärme und keine
-Elektrizität produziert^; das Zink wird unnütz verbraucht; #nur wenn die
-Produkte einer chemischen Zersetzung an verschiedenen Orten zum
-Vorschein kommen, entsteht statt der Wärme Elektrizität#. Durch
-Amalgamieren des Zinkbleches sucht man sich gegen diesen Verlust zu
-schützen, erreicht das aber oft nur unvollkommen. Ferner wirkt der
-Wasserstoff selbst elektromotorisch, und zwar dem Zink entgegengesetzt,
-so daß er die elektromotorische Kraft des Zinkes schwächt: #der
-Wasserstoff polarisiert# oder ^wirkt polarisierend^. Man sucht den
-Wasserstoff wegzuschaffen, indem man ihn mit Sauerstoff sich verbinden
-läßt.
-
-Galvanische Elemente, welche ihre Stoffe nicht unnütz verbrauchen, und
-den positiven Pol depolarisieren, nennt man #konstante Elemente#, weil
-sie einen Strom von konstanter Stärke liefern. Solche sind:
-
-Das #Daniell’sche# Element (1836). In ein Becherglas stellt man einen
-engeren Becher, aus porösem, unglasiertem Tone [Tonzelle, Diaphragma];
-füllt man das Glas mit einer gesättigten Lösung von Kupfersulfat,
-~SO₄Cu~ (Kupfervitriol, blauer Vitriol) und die Tonzelle mit verdünnter
-Schwefelsäure, so stehen beide Flüssigkeiten durch die Poren des Tones
-in Verbindung, ohne sich (rasch) mischen zu können. Man stellt in die
-Schwefelsäure einen Zinkcylinder oder Zinkblock und in das Kupfersulfat
-ein Kupferblech.
-
-Chemischer Vorgang: ~Zn~ verbindet sich mit dem nächsten ~SO₄~ zu
-~ZnSO₄~; dadurch wird ~H₂~ frei; dieses wandert durch die
-Schwefelsäureschichte (wie beim Voltaschen Elemente). Trifft nun
-schließlich das ~H₂~ auf das erste Molekül ~SO₄Cu~ außerhalb des
-Diaphragmas, so verbindet es sich mit dessen ~SO₄~ zu ~SO₄H₂~; es wird
-also die verbrauchte Schwefelsäure wieder gebildet; das ~Cu~ dieses
-~SO₄Cu~ wandert nun ebenso durch die ganze Schichte des ~SO₄Cu~; das
-letzte ~Cu~ Molekül wird am Kupferbleche frei und schlägt sich dort als
-metallisches Kupfer nieder. Natürlich geschehen alle diese Vorgänge in
-raschester Aufeinanderfolge, innerhalb der kleinen Dimensionen solcher
-Elemente geradezu gleichzeitig. In Zeichen kann man diesen Vorgang so
-darstellen:
-
- ~| Zn | --v-- --v-- : : --v-- --v-- | Cu |
- | | SO₄H₂ ..... SO₄H₂ :....: SO₄Cu .... SO₄Cu | |~
-
-Das Produkt links ist ~SO₄Zn~, das Produkt rechts ist ~Cu~, die Menge
-des freien ~SO₄H₂~ bleibt erhalten, die Menge des ~SO₄Cu~ nimmt ab.
-Hiebei wird ~Zn~ -, ~Cu~ + elektrisch.
-
-Das Element ist nicht sparsam; denn ein großer Teil des Zinkes läßt das
-~H₂~ direkt entweichen; dabei wird nicht nur keine Elektrizität erzeugt,
-sondern auch keine Schwefelsäure neu gebildet, weshalb diese meist bald
-verbraucht ist. Die elektromotorische Kraft des Elementes ist größer als
-die des Volta’schen, da nicht ~H₂~, sondern ~Cu~ sich ausscheidet,
-welches weniger stark polarisiert als ~H₂~. Das Element bleibt tätig bis
-alles ~SO₄Cu~ verbraucht ist; man nimmt also große Mengen desselben,
-legt wohl auch noch Kupfervitriolkrystalle ein, die sich dann nach
-Bedarf auflösen. Mit gewissen Abänderungen wird es noch heute benützt.
-
-[Abbildung: Fig. 138.]
-
-[Abbildung: Fig. 139.]
-
-Das #Grove#’sche Element (1839). In ein Becherglas stellt man eine
-Tonzelle, füllt das Glas mit verdünnter Schwefelsäure, die Zelle mit
-konzentrierter Salpetersäure und stellt in erstere ein Zinkblech und in
-letztere ein Platinblech. Chemischer Vorgang:
-
- ~| Zn | --v-- --v-- : : --v-- --v-- | Pt |
- | | SO₄H₂ .... SO₄H₂ : .... : ONO₂H .... ONO₂H | |~
-
-Es geht ~Zn~ in Lösung und bildet Zinksulfat. Die Salpetersäure zerlegt
-sich in Untersalpetersäure ~NO₂H~ und ~O~, das sich mit ~H₂~ zu Wasser
-verbindet. Die Untersalpetersäure steigt als brauner, zum Husten
-reizender Dampf auf, weshalb man das Element mit einem Glasdeckel
-verschließt.
-
-Das Element ist nicht sparsam aus demselben Grunde wie früher; aber
-seine elektromotorische Kraft ist sehr groß; da die entstehende
-Untersalpetersäure am Platin nicht elektromotorisch wirkt, also das
-Element die ganze elektromotorische Kraft des Zinkes besitzt.
-
-Das Element ist teuer im Betrieb, weil es zwei Säuren verbraucht, wird
-aber für manche Zwecke noch angewandt.
-
-Das #Bunsen#’sche Element (1842) ist ebenso eingerichtet, nur ist das
-Platinblech durch einen Block ^galvanischer Kohle ersetzt^; das ist eine
-harte, poröse Kohle, welche sich bei der Gasfabrikation an den Wänden
-der Retorten ansetzt; sie wird pulverisiert, mit Syrup zu einem steifen
-Teig angemacht, geformt und geglüht.
-
-Das #Chromsäure#-Element (Bunsen). Man bereitet sich eine Mischung aus
-0,765 _kg_ Kaliumbichromat (saurem chroms. Kal.), 0,832 _l_
-Schwefelsäure (sp. G. 1,836) und 9,2 _l_ Wasser und bringt in diese
-Mischung eine Zink- und eine Kohlenplatte ohne Diaphragma.
-
-Die Mischung erhält Chromsäure als depolarisierende, Kaliumsulfat als
-neutrale und Schwefelsäure als erregende Substanz. Zn bildet damit
-~SO₄Zn~; das ~H₂~ reduziert die Chromsäure zu Chromoxyd, letzteres
-bildet mit ~SO₄H₂~ Chromsulfat, das sich mit dem Kaliumsulfat zu einem
-Doppelsalz, Chromalaun, zusammensetzt. Diesen und Zinksulfat hat man
-dann schließlich in Lösung.
-
- ~Cr₂O₇K₂ + 7 SO₄H₂ + 3 Zn = (K₂SO₄ + Cr₂ (SO₄)₃) + 3 SO₄Zn + 7 OH₂~
-
-[Abbildung: Fig. 140.]
-
-Das Element hat eine hohe elektromotorische Kraft, weil ~H₂~ beseitigt
-wird; es ist einfach zusammengesetzt, weil es keine Tonzelle hat, es ist
-zwar nicht sparsam, weil die Zersetzung auch bei offenen Polen andauert,
-wird jedoch so eingerichtet, daß die Zink- (und Kohlen)platten beim
-Nichtgebrauch aus der Flüssigkeit bequem herausgehoben und beim Gebrauch
-eingetaucht werden können (^Tauchelement^), und wird so besonders von
-Ärzten vielfach gebraucht.
-
-Das #Meidinger#-Element: In ein geräumiges Becherglas wird oben ein
-dickwandiger Zinkcylinder eingehängt und auf den Boden ein Kupferblech
-gelegt, von dem ein durch Kautschuk isolierter Draht nach oben
-herausführt. Das Glas wird gefüllt mit Wasser, in dem etwas Zinksulfat
-(etwa ¹/₆ gesättigt) oder etwas (5%) Bittersalz (Magnesiumsulfat)
-aufgelöst ist. Man wirft einige Kupfervitriolkrystalle hinein, die sich
-rasch auflösen, und das Kupferblech mit einer gesättigten Lösung von
-Kupfersulfat bedecken. Die Lösung bleibt wegen ihres größeren
-spezifischen Gewichtes am Boden und gelangt, wenn das Element ruhig
-steht, nur sehr langsam nach oben durch Diffusion.
-
-Man kann nicht gut annehmen, daß der chemische Angriff vom Zink aus
-geschehe, da dasselbe nicht im stande ist, ~SO₄Zn~ oder ~SO₄Mg~ zu
-ersetzen, sondern man muß annehmen, daß der Angriff dort erfolgt, wo die
-zwei Flüssigkeitsschichten von ~SO₄Zn~ und ~SO₄Cu~ aneinander grenzen.
-Chemischer Vorgang:
-
- ~| Zn | --v-- --v-- --v-- --v-- | Cu |
- | | SO₄Zn .... SO₄Zn SO₄Cu .... SO₄Cu | |~
-
-Es geht also ~Zn~ in Lösung, bis die Flüssigkeit damit gesättigt ist,
-was sehr lange dauert; ~Cu~ geht aus der Lösung und der vorhandene
-Kupfervitriol wird verbraucht, kann aber leicht ersetzt werden, indem
-man nach Bedarf weitere Kupfervitriolkrystalle hineinwirft.
-
-[Abbildung: Fig. 141.]
-
-Noch bequemer sind die Meidinger ^Ballon-Elemente^ eingerichtet. Ein
-geräumiges Becherglas hat in der Mitte eine Einschnürung, auf dieser
-steht in der oberen Hälfte der Zinkzylinder und am Boden ist das
-Kupferblech, von dem der Draht nach aufwärts führt; das Glas wird mit
-schwacher Zinkvitriollösung gefüllt. Ferner wird ein geräumiger
-Glasballon mit Krystallen und gesättigter Lösung von Kupfersulfat
-gefüllt, mit einem Korke verschlossen und durch denselben ein Federkiel
-(Glasröhre) gesteckt. Der gefüllte Ballon wird dann umgekehrt und so in
-das Becherglas gestellt, daß die Öffnung des Federkiels nahe am Boden
-ist. Es strömt nun durch Diffusion Kupfersulfat aus dem Glasballon und
-bedeckt das Kupfer mit einer gesättigten Lösung. Der chemische Prozeß
-ist derselbe. Das Element dauert, ohne weiterer Aussicht zu bedürfen,
-bis zu einem Jahre und wird deshalb besonders zu Haustelegraphen
-benützt.
-
-Das #Leclanché#’sche Element. In einem Becherglase steht eine Tonzelle,
-gefüllt mit Braunsteinpulver und etwas Kohle; im Braunsteinpulver steckt
-ein Kohlenblock. Im Glase befindet sich gesättigte Salmiaklösung, etwa
-¹/₃ voll, und darin steckt ein fingerdicker Zinkstab. Chemischer Prozeß:
-Das Zink zersetzt den Salmiak und verbindet sich mit Chlor; Ammonium
-wird frei, wandert zum Braunstein und entreißt ihm Sauerstoff; das gibt
-Ammoniak, das sich bald verflüchtigt, und Manganoxyd. Die
-elektromotorische Kraft ist ziemlich groß = 1,3 Daniell, und das Element
-empfiehlt sich durch seine einfache Zusammensetzung.
-
-Bei allen Elementen ist Zink der negative Pol. Es gibt noch andere
-Elemente von geringerer Wichtigkeit.
-
-
-117. Wirkung des Stromes auf die Magnetnadel.
-
-^Entdeckung^ #Örstedt’s# (1820). Leitet man den galvanischen Strom durch
-einen Draht über eine Magnetnadel, etwa von Süd nach Nord, ^so wird die
-Magnetnadel abgelenkt^; beim Aufhören (Öffnen) oder Entfernen des
-Stromes kehrt die Nadel in ihre ursprüngliche Richtung zurück. Man kann
-den Draht auf verschiedene Art der Nadel nähern, von oben, unten, vorn
-und hinten, kann jedesmal die Richtung des Stromes umkehren und so fort,
-so wird jedesmal die Nadel abgelenkt, und zwar nach folgender #Regel#:
-^Schwimmt man im positiven Strome, den Kopf voran, das Gesicht der Nadel
-zugekehrt, so wird der Nordpol der Nadel nach links abgelenkt^. Oder man
-halte die rechte Hand so, daß die innere Fläche der Nadel zugekehrt ist,
-und der Zeigefinger die Richtung angibt, wohin der positive Strom geht,
-so zeigt der Daumen, nach welcher Richtung der Nordpol der Nadel
-abgelenkt wird -- #Daumenregel#. Also nur wenn der Strom quer über die
-Nadel geht von West nach Ost, wird die Nadel nicht abgelenkt.
-
-
-118. Galvanometer.
-
-Diese Eigenschaft benützt man zur Herstellung von Galvanometern, durch
-welche das Vorhandensein eines Stromes nachgewiesen und dessen Stärke
-gemessen werden kann.
-
-[Abbildung: Fig. 142.]
-
-1) Die #Tangentenbussole#: ein Kupferring ist vertikal gestellt und
-unten offen, so daß dort der Strom eingeleitet werden kann. Eine
-Magnetnadel ist so an einem Seidenfaden aufgehängt, daß sie im
-Mittelpunkte des Ringes schwebt und über einer Kreisteilung sich dreht.
-Man stellt den Apparat so, daß die Ebene des Kupferringes mit der
-Richtung der Magnetnadel übereinstimmt, also im magnetischen Meridian
-liegt. Bei Stromschluß wird die Nadel abgelenkt. Aus der Größe der
-Ablenkung schließt man auf die Stärke des Stromes. Wie das geschieht,
-und warum der Apparat Tangentenbussole heißt, kann erst später erklärt
-werden.
-
-[Abbildung: Fig. 143.]
-
-2) ^Das Galvanometer mit dem^ #Schweigger’schen Multiplikator# (1820).
-Kupferdraht, der zur Isolierung mit Seide umsponnen ist, wird in vielen
-Windungen um eine passende Holzspule gewickelt, in deren Innerem die
-Magnetnadel frei hängt oder leicht drehbar aufgestellt ist. Jede
-Windung, welche den Strom durchläuft, wirkt für sich ablenkend auf die
-Nadel in demselben Sinne, deshalb verstärken sich ihre Wirkungen; #das
-Drahtgewinde heißt Multiplikator#. In Fig. 143 sind die vielen
-Drahtwindungen, die bei empfindlichen Apparaten oft viele Hunderte, ja
-Tausende sind, bloß durch deren zwei angedeutet, und in Figur 144 ist
-ein Vertikalgalvanometer dargestellt, welches die Bewegung der
-Magnetnadel an einem Zeiger zu beobachten erlaubt.
-
-[Abbildung: Fig. 144.]
-
-[Abbildung: Fig. 145.]
-
-Zum Nachweise sehr schwacher Ströme nimmt man eine #astatische
-Doppelnadel#. Eine solche besteht aus zwei Magnetnadeln, die in ihren
-Mitten durch ein Stäbchen so verbunden sind, daß sie über einander
-stehen und ihre Pole nach entgegengesetzten Richtungen schauen. Sind
-ihre Nadeln gleich stark magnetisch, so ist sie nicht mehr dem Einflusse
-des Erdmagnetismus unterworfen und bleibt in jeder Richtung stehen; denn
-die Erde sucht jede Nadel mit gleicher Kraft nach einer anderen
-Richtung zu drehen. Nun werden beide Nadeln mit Multiplikatorwindungen
-umgeben, so daß sie in #demselben# Sinne abgelenkt werden, und reagieren
-schon auf die schwächsten Ströme.
-
-
-119. Verteilung der Elektrizität in einem Strome.
-
-
-Ohmsches Gesetz über das Gefälle.
-
-Durch die elektromotorische Kraft bildet sich auf der Grenzfläche
-zwischen Zink und Flüssigkeit einerseits negative, andrerseits positive
-Elektrizität; beide fließen durch den Schließungsdraht und gleichen sich
-aus. ^Es ist deshalb auf der ganzen Strecke zwischen Zink und der
-Ausgleichstelle freie negative Elektrizität, und auf der Strecke vom
-Zink durch die Flüssigkeit bis zur Ausgleichstelle freie positive
-Elektrizität vorhanden, beidesmal in abnehmender Stärke^. Die Abnahme
-des Potenzials der freien Elektrizität von den Polen bis zur
-Ausgleichstelle nennt man nach Ohm ^das Gefälle des Stromes^. Man kann
-es darstellen durch eine Linie, deren Punkte von einer geraden Linie,
-welche den Verbindungsdraht vorstellt, um so weiter entfernt sind, je
-größer das Potenzial ist, wie in Fig. 146.
-
-[Abbildung: Fig. 146.]
-
-#Indem jede Stelle von der benachbarten Stelle, welche höheres Potenzial
-hat, Elektrizität erhält, andererseits an die benachbarte Stelle
-niedrigeren Potenzials Elektrizität abgibt, fließt durch jede Stelle des
-Drahtes Elektrizität,# während gleichzeitig das Gefälle sich erhält. An
-den Polen wird die abfließende Elektrizität durch die elektromotorische
-Kraft wieder ersetzt.
-
-Leicht ist zu sehen, daß an keiner Stelle das Gefälle = 0 (horizontal)
-oder gar in entgegengesetztem Sinn vorhanden sein kann, da beidesmal
-durch weiteres Fließen der Elektrizität sofort das normale Gefälle
-wieder hergestellt werden würde.
-
-
-Ohm’sches Gesetz über das Gefälle.
-
-^Jede Stelle des Stromkreises erhält so viel Elektrizität von der einen
-Seite, als sie nach der andern Seite abgibt^; denn gäbe sie weniger ab,
-so würde sie Elektrizität ansammeln, ihr Potenzial müßte steigen, so daß
-sie einerseits von links nichts bekommen könnte, andrerseits nach rechts
-mehr abgeben würde. Da dieser Satz für jede Stelle gilt, so folgt: #Die
-Mengen der durch jeden Querschnitt des Stromkreises fließenden
-Elektrizität sind alle einander gleich. Die Menge der in einer Sekunde
-durch einen Querschnitt fließenden Elektrizität nennt man die
-Stromstärke#; die Stromstärke ist in jedem Teile des Stromquerschnittes
-dieselbe. Man vergleiche den galvanischen Strom mit einem Flusse, bei
-dem auch trotz Stromschnellen und Stromerweiterungen die Stromstärke in
-jedem Querschnitte dieselbe ist, d. h. bei dem auch in jeder Sekunde
-durch jeden Querschnitt gleich viel Wasser läuft.
-
-[Abbildung: Fig. 147.]
-
-Besteht der Stromweg aus gleichmäßigem Material, gleich dickem
-Kupferdraht, so ist auch das Gefälle gleichmäßig. Besteht der Stromweg
-aus verschiedenartigem Material, z. B. verschieden dicken Drähten
-verschiedener Metalle, Flüssigkeitsschichten u. s. w., so bieten diese
-dem Durchgange der Elektrizität einen verschiedenen ^Widerstand^. Durch
-eine Stelle ^größeren^ Widerstandes (dünneren Drahtes) könnte nur
-^weniger^ Elektrizität fließen als durch eine Stelle geringeren
-Widerstandes (dickeren Drahtes). Da aber in ^demselben^ Stromkreise
-durch ^jede^ Stelle ^gleichviel^ Elektrizität fließen muß, so muß das
-Gefälle ein ^ungleichmäßiges^ sein: an den Stellen ^größeren^
-Widerstandes muß das Gefälle ^größer^ sein und umgekehrt: #das Gefälle
-in einem Stromkreis ist proportional den Widerständen#. Siehe Fig. 147.
-
-Die Potenzialdifferenz verteilt sich auf den Stromkreis proportional den
-Widerständen.
-
-
-120. Leitungswiderstand. Rheostat und Rheochord.
-
-#Leitungswiderstand ist der Widerstand, welchen ein Stoff dem Durchgange
-der Elektrizität entgegensetzt.# Man fand folgende Gesetze:
-
- #Der Leitungswiderstand ist 1) proportional der Länge, _l_,#
-
- #2) umgekehrt proportional dem Querschnitte, _q_,#
-
- #3) proportional dem spezifischen Leitungswiderstand, _c_.#
-
-Letzteres zieht man in Rechnung, indem man einen beliebigen Stoff als
-Vergleichsstoff annimmt, z. B. ^Quecksilber^, und den Widerstand jedes
-Stoffes mit dem eines Quecksilberkörpers von gleicher Lange und gleichem
-Querschnitt vergleicht. ^Diese Zahl ist der spezifische Widerstand des
-Stoffes^.
-
-Als ^Widerstandseinheit^ war gebräuchlich ^der Widerstand einer
-Quecksilbersäule von 1 _m_ Länge und 1 _qmm_ Querschnitt bei 0° ~C~^;
-sie heißt die #Siemens-Einheit# = ~SE~. Jetzt ist das #Ohm# eingeführt,
-das um etwa 6% größer ist als eine ~SE~; 1 ~SE~ = 0,9413 Ohm.
-
-Bezeichnet man allgemein die Länge in Metern mit ~l~, den Querschnitt in
-_qmm_ mit ~q~, den sp. W. mit ~c~, so ist der Widerstand
-
- l l
- ~w = c · - SE = c · - · 0,9413 Ohm~.
- q q
-
-[Abbildung: Fig. 149.]
-
-Apparate, welche ermöglichen, eine beliebige Anzahl gemessener
-Widerstände in den Stromkreis einzuschalten, sind:
-
-[Abbildung: Fig. 148.]
-
-1) der #Rheostat#, z. B. der ^Stöpselrheostat^. Mehrere Messingblöcke
-sind neben einander in kurzen Zwischenräumen angebracht. Der erste und
-zweite Block sind durch einen Draht verbunden, dessen Widerstand genau
-ein ~Ohm~ ist; ebenso der 2. und 3. Block durch einen Widerstand von 2
-~Ohm~ und so folgen Widerstände, die man = 2, 5, 10, 20, 20, 50, 100,
-200, 200, 500 ~Ohm~ macht. Außerdem kann man benachbarte Blöcke
-verbinden durch Einstecken eines Messingstöpsels. Man leitet den Strom
-in den ersten Block und aus dem letzten Block heraus. Sind alle Stöpsel
-eingesteckt, so durchläuft der Strom nur die Blöcke und Stöpsel ohne
-Widerstand. Zieht man irgend einen Stöpsel aus, so muß der Strom den
-Widerstand zwischen den getrennten Blöcken durchlaufen. #Durch Ausziehen
-der Stöpsel kann man beliebige Widerstände einschalten.#
-
-2) Das #Rheochord#. Zwei Messingblöcke sind auf einem Brette in geringer
-Entfernung befestigt. Von ihnen aus sind 2 Platindrähte parallel über
-das Brett gespannt, laufen dabei durch ein Kästchen aus Eisen, das mit
-Quecksilber gefüllt ist, und stehen dadurch in leitender Verbindung.
-Leitet man den Strom in die Blöcke und zieht zwischen ihnen den Stöpsel
-aus, so muß der Strom die Stücke der Platindrähte von den Blöcken bis
-zum Kästchen durchlaufen. #Durch Verschieben des Kästchens kann man den
-Widerstand verändern#, und auf einer Skala neben der Schiene sind die
-Bruchteile von Widerstands-Einheiten angegeben, die diesem Widerstande
-gleich sind. Rheostat und Rheochord sind gewöhnlich nach „Ohm“ geteilt
-(Ohmkasten).
-
-
-121. Messung von Widerständen.
-
-Rheostat und Rheochord dienen auch dazu, um Widerstände zu messen.
-Einfaches Verfahren: Man schaltet in einen Stromkreis zuerst den zu
-messenden Widerstand, und dann so viel Rheostatwiderstand ein, bis die
-Galvanometernadel wieder dieselbe Stellung hat, wie zuerst, dann ist der
-eingeschaltete Rheostatwiderstand gleich dem zu messenden Widerstand.
-Dies Verfahren ist nicht genau, weil schon während der kurzen Dauer des
-Versuches sich die elektromotorische Kraft des Elements geändert haben
-kann.
-
-[Abbildung: Fig. 150.]
-
-Die #Wheatstone’sche Brücke#. Sie beruht auf dem Gesetz der
-#Stromverzweigung#. Findet der Strom zwei Wege, so verteilt er sich auf
-beide und zwar so, daß durch den Zweig mit kleinerem Widerstande ein
-Zweigstrom von größerer Stärke fließt: #Die Stromstärken der Zweige
-verhalten sich umgekehrt wie die Widerstände der Zweige.# Sind die
-Widerstände der Zweige gleich, so sind auch die Ströme in beiden Zweigen
-gleich stark.
-
-Die Wheatstone’sche Brücke ist folgendermaßen eingerichtet: Der Strom
-führt zum Stifte ~A~ und verzweigt sich dort: der eine Zweig führt zum
-Stifte ~B~ und von da zum Stifte ~C~, wobei die Drähte ~AB~ und ~BC~
-^genau gleichen Widerstand^ haben. Der andere Zweig führt von ~A~ nach
-dem Stifte ~D~, dieser Teil ist der zu messende Widerstand ~w~, dann von
-~D~ nach ~C~, dieser Teil ist ein Rheostat mit Rheochord. Schließlich
-sind ~B~ und ~D~ durch die ^Brücke^, ein empfindliches Galvanometer,
-verbunden.
-
-Dem Strom bieten sich zwischen ~A~ und ~C~ vier Wege:
-
- 1) . . . . ~A~, ~B~, ~C~ . . . .
- 2) . . . . ~A~ (~w~) ~D~ (~Rh~) ~C~ . . . . .
- 3) . . . . ~A~ ~B~ (~g~) ~D~ (~Rh~) ~C~ . . . .
- 4) . . . . ~A~ (~w~) ~D~ (~g~) ~B~ ~C~ . . . .
-
-Die beiden letzten Ströme, welche das Galvanometer (~G~) in
-^entgegengesetzter Richtung durchfließen, lenken die Nadel gar nicht ab,
-wenn sie gleich stark sind^. Ihre Widerstände sind:
-
-3) Draht ~AB~, Galvanometerwiderstand ~g~, Rheostatwiderstand ~Rh~,
-also: ~AB + g + Rh~.
-
-4) Eingeschalteter Widerstand ~W~, Galvanometerwiderstand ~G~, Draht
-~BC~, also: ~W + G + BC~. Da ~G = G~, ~BC = AB~, so sind die beiden
-Zweigwiderstände einander gleich, wenn ~W = Rh~; dann sind aber auch die
-Zweigströme einander gleich und die Nadel steht auf 0. ^Schaltet man am
-Rheostat so viele Widerstände ein, daß die Nadel auf 0 steht, so ist der
-zu messende Widerstand ~W~ gleich dem Widerstande des Rheostaten und
-Rheochordes^.
-
- Dabei ist zu bemerken, daß, wenn die Nadel auf 0 steht, nicht wirklich
- zwei Ströme von entgegengesetzter Richtung durch das Galvanometer
- fließen, sondern daß in diesem Falle gar kein Strom das Galvanometer
- durchfließt; es ist das ebenso, wie wenn ein Wasserstrom sich in die
- Zweige ~ABC~ und ~ADC~ teilt und diese Zweige unterwegs durch den
- Kanal ~BD~ verbunden werden; in ihm ist das Wasser dann ruhig, wenn
- der Punkt ~D~ das Gefälle des Zweiges ~ADC~ ebenso halbiert, wie ~B~
- das Gefälle des ~ABC~ halbiert.
-
-#Tabelle der spezifischen Leitungswiderstände.#
-
- Quecksilber = 1
- Wismut = 1,33
- Antimon = 0,36
- Neusilber = 0,21
- Blei = 0,20
- Zinn = 0,13
- Eisen = 0,099
- Platin = 0,092
- Zink = 0,057
- Messing = 0,051
- Gold = 0,021
- Kupfer = 0,016
- Silber = 0,015
-
- Verdünnte Schwefelsäure sp. G. 1,01 131 600
- „ 1,05 34 300
- „ 1,10 18 400
- „ 1,23 12 600
- Salpetersäure 16 000
- Kupfervitriol 2 Teile in 10 Tl. Wasser gelöst 170 000
- Zinkvitriol 3 Tl. in 10 Tl. Wasser gelöst 220 000
- Kochsalzlösung gesättigt 57 000
- Wasser 14 000 000
- Graphit 17,7
- Gaskohle 32,6
-
-Bei wachsender Temperatur nimmt der Widerstand bei Metallen zu, bei
-Flüssigkeiten ab.
-
-Da unter den billigen Metallen ^Kupfer^ den geringsten Widerstand hat,
-so wird es zu kurzen Leitungen, Multiplikatorwindungen etc. stets
-verwendet. Bei langen Leitungen (Telegraph) benützt man Eisen, das
-jedoch einen 6 mal so großen Widerstand hat. Das Leitungsvermögen der
-Metalle für Elektrizität ist annähernd proportional dem für Wärme.
-Verunreinigung oder Legieren der Metalle erhöht im allgemeinen ihren
-Widerstand beträchtlich (Messing). Flüssigkeiten (außer Quecksilber)
-haben alle einen ^viel größeren^, reines Wasser hat einen ^ungemein
-hohen^ Widerstand. Löst man im Wasser Salze auf, oder vermischt es mit
-Säuren, so wird sein Widerstand ^beträchtlich kleiner^, bei
-Schwefelsäure mehr als tausendmal. Doch haben nicht gerade die
-konzentrierten Lösungen den kleinsten Widerstand; so hat z. B.
-Kochsalzlösung bei 30 _g_ Salz auf 100 _g_ Wasser, Schwefelsäure bei 13
-Äquivalenten ~H₂O~ auf ein ~SO₄H₂~ (sp. G. 1,23) den geringsten
-Widerstand. Sollen Flüssigkeitsschichten einen geringen Widerstand
-haben, so müssen sie ^kurz^ sein und ^großen Querschnitt^ haben. Z. B.
-die Schwefelsäureschichte in einem Grove’schen Element bei 1 _cm_ Länge
-(Abstand der Zinkplatte vom Diaphragma) und 20 _cm_ Breite (der
-Zinkplatte) und 15 _cm_ Tiefe (des Eintauchens) hat einen Widerstand:
-
- c l 18 000 · 0,01
- ~W = --- = ------------- = 0,006 SE = 0,056 O~.
- q (200 · 150)
-
-Die Zinkvitriolschichte beim einfachsten Meidingerelement bei einer
-Länge (Höhe) von 10 _cm_ und einem Becherdurchmesser von 10 _cm_ hat
-einen Widerstand von ca.
-
- 220 000 · 0,1
- ~W = -------------- = 2,8 SE = 2,64 O~.
- 50 · 50 · 3,14
-
-Telegraphendraht von 4 _mm_ Durchmesser hat für jedes Kilometer ca. 8
-Ohm, der menschliche Körper von Hand zu Hand ca. 1000 Ohm Widerstand.
-
-
-Aufgaben:
-
-#96.# Welchen elektrischen Widerstand hat ein Draht von 5 _qmm_
-Querschnitt und 6,4 _km_ Länge?
-
-#97.# Wie groß ist der Widerstand einer Schwefelsäureschichte zwischen
-zwei Platten von 84 _cm_ Länge und 62 _cm_ Breite bei einem Abstand von
-1,2 _cm_, wenn der sp. Widerstand 184 000 ist?
-
-
-122. Ohm’sche Gesetze über die Stromstärke. (1827.)
-
-Die von einem Elemente hervorgebrachte Stromstärke hängt ab von der
-elektromotorischen Kraft und vom Widerstande, und zwar: #die Stromstärke
-ist direkt proportional der elektromotorischen Kraft und umgekehrt
-proportional dem Widerstande.# (^Ohm’sches Gesetz^.)
-
-#Als Einheit der elektromotorischen Kraft oder der durch die
-elektromotorische Kraft hervorgebrachten Potenzialdifferenz nimmt man
-das Volt# (abgekürzt aus Volta), das ist eine elektromotorische Kraft,
-die um ca. 5% geringer ist, als die eines Daniell-Elementes. #Die
-Stromeinheit ist 1 Ampère, d. h. derjenige Strom, den die Einheit der
-elektromotorischen Kraft, also 1 Volt liefert, wenn der Widerstand auch
-eine Einheit also 1 Ohm beträgt, kurz:#
-
-#1 Volt liefert in 1 Ohm 1 Ampère.# Dabei beträgt diejenige
-Elektrizitätsmenge, welche bei 1 ~Amp.~ in 1 Sekunde durch den
-Stromquerschnitt fließt, gerade 1 ~Coulomb~. Bezeichnet man die
-Stromstärke mit ~J~, die elektromotorische Kraft mit ~E~, den Widerstand
-mit ~W~, so ist:
-
- E Volt
- ~J = -~ oder ~Amp. = ----~.
- W Ohm
-
-Unter Widerstand ist der gesamte Widerstand zu verstehen, also nicht
-bloß der ^äußere^ Widerstand ~a~ von Pol zu Pol, sondern auch der
-^innere^ Widerstand ~i~, welchen die Flüssigkeitsschichte zwischen den
-beiden Polplatten bietet.
-
-Von den gebräuchlichsten Elementen haben:
-
- Elektromot. Inneren
- Kraft. Widerstand.
- Meidinger 0,95 Volt 9-10 Ohm.
- Daniell 1,06 „ 2-5 „
- Leclanché 1,48 „ 2 „
- Grove und Bunsen 1,81 „ 0,25 „
-
-Um starke Ströme zu bekommen, muß man beide Widerstände klein machen,
-den innern dadurch, daß man die Platten groß macht, nahe an einander
-bringt, tief eintaucht und Flüssigkeiten von geringem sp. Widerstand
-anwendet, den äußeren dadurch, daß man kurzen und dicken
-Schließungsdraht anwendet. Ist der äußere Widerstand von selbst schon
-groß, etwa 1000 Ohm, also ein langer dünner Draht, den man nicht
-verkürzen kann, so ist der Strom schwach und es macht dann wenig
-Unterschied, ob der innere Widerstand klein (0,1) oder verhältnismäßig
-groß ist (1 oder 4).
-
-[Abbildung: Fig. 151.]
-
-Wenn man von den Polklemmen Zweigdrähte zu einem Galvanometer leitet,
-dessen Widerstand vielmal größer ist, als der äußere Widerstand des
-Stromkreises, so fließt durch das Galvanometer ein Zweigstrom von
-geringer Stärke; seine Stärke ist bloß abhängig von der an den Polen
-vorhandenen Potenzialdifferenz; deshalb kann letztere durch den
-Ausschlag der Galvanometernadel erkannt werden. Die Kreisteilung gibt
-dabei meist die Potenzialdifferenz direkt in Volts: #Voltmeter#. Gerade
-diese Potenzialdifferenz wird in der praktischen Anwendung ausgenützt
-und als #Polspannung# oder #Klemmspannung# bezeichnet.
-
-Schaltet man irgendwo in den äußeren Stromkreis ein Galvanometer ein mit
-so geringem Widerstand, daß dadurch der Gesamtwiderstand des
-Stromkreises nur unmerklich verändert wird, so kann daran die im
-Stromkreis vorhandene Stromstärke erkannt werden: #Ampèremeter#.
-
-
-Aufgaben:
-
-~a~) Berechne die Stromstärke eines Daniell-Elementes, dessen elektrom.
-Kraft = 1,05 ~V~, innerer Widerstand = 2 ~O~, und dessen äußerer
-Widerstand gebildet wird: 1. durch einen Kupferdraht von 5 _m_ Länge und
-1,4 _mm_ Durchmesser, oder 2. durch einen Eisendraht von 800 _m_ Länge
-und 0,8 _mm_ Durchmesser.
-
-~b~) Berechne die Stromstärke eines Chromsäure-Elementes, dessen
-elektrom. Kraft = 2,2 ~V~, dessen innerer Widerstand 0,25 ~O~ und dessen
-äußerer Widerstand gebildet wird 1. durch einen 12 _m_ langen
-Kupferdraht von 1 _qmm_ Querschnitt und einen 20 _m_ langen Kupferdraht
-von ½ _qmm_ Querschnitt, oder 2. durch einen 1200 _m_ langen Kupferdraht
-von 0,1 _qmm_ Querschnitt. Berechne ferner, wie viele Meter eines 1 _mm_
-dicken Kupferdrahtes als äußerer Schließungskreis genommen werden
-müssen, damit die Stromstärke gerade 1 ~A~ oder gerade 2 ~A~ ist.
-
-~c~) Berechne die Stromstärke eines Meidingerelements, dessen elektrom.
-Kraft = 0,8 ~V~, dessen innerer Widerstand 10 ~O~ und dessen äußerer
-Widerstand 1. 1 ~O~ oder 2. 10 ~O~, oder 3. 100 ~O~ ist.
-
-
-123. Galvanische Batterie.
-
-Genügt ein Element nicht, um eine gewünschte Stromstärke herzustellen,
-so nimmt man deren mehrere und verbindet sie zu einer Batterie, was auf
-dreierlei Arten geschehen kann.
-
-[Abbildung: Fig. 152.]
-
-1. #Serienschaltung#: ^Verbindung auf elektromotorische Kraft^,
-^Verbindung der ungleichnamigen Pole^, Verbindung auf Intensität oder
-Spannung. Man läßt den + Pol des ersten Elementes frei und verbindet
-seinen - Pol mit dem + Pol des zweiten, den - Pol des zweiten mit dem +
-Pol des dritten u. s. f., bis der - Pol des letzten frei bleibt. Die
-freien Pole der äußersten Elemente sind die Pole der Batterie. Auch
-hiefür gilt das Ohmsche Gesetz
-
- E
- ~J = -~,
- W
-
-jedoch ist unter ~E~ die ^Summe aller elektromotorischen Kräfte der
-einzelnen Elemente^ zu verstehen; wenn man also ~n~ gleiche Elemente von
-der elektromotorischen Kraft ~e~ nimmt, so ist ~E = n e~; unter dem
-Widerstande ist zu verstehen ^der äußere Widerstand ~a~ und die Summe
-sämtlicher inneren Widerstände^; ist der innere Widerstand eines
-Elementes = ~i~, so ist bei ~n~ gleichen Elementen ~W = a + n i~.
-
-Die Stromstärke einer Batterie von ~n~ gleichen Elementen ist also
-
- n e
- ~J = -------~.
- a + n i
-
-Serienschaltung nützt bei großem äußeren Widerstande. Die Stromstärke
-ist, wenn der innere Widerstand sehr klein ist im Verhältnis zum
-äußeren, nahezu proportional der Anzahl der Elemente oder der
-elektromotorischen Kraft. Die Verbindung geschieht nach dem Schema von
-Fig. 152.
-
-[Abbildung: Fig. 153.]
-
-2) #Parallelschaltung:# ^Verbindung auf Widerstandsverminderung^,
-Verbindung gleichnamiger Pole, Schaltung auf Quantität: Man verbindet
-sowohl alle + Pole als auch alle - Pole durch je einen Draht; diese
-beiden Drähte sind dann die Pole der Batterie. Verbindet man sie, so ist
-der Strom geschlossen. Es schaut dann so aus, als wären alle Zinkplatten
-zu einer einzigen Platte verbunden und ebenso alle Kupfer (oder +)
-Platten. Es gilt das Ohm’sche Gesetz; dabei ist die ^elektromotorische
-Kraft dieselbe, wie bei einem Elemente^, aber der ^innere Widerstand ist
-kleiner^; denn während er bei ^einem^ Element aus dem Widerstande ~i~
-der zwischen beiden Platten liegenden Flüssigkeitsschichte besteht, ist
-bei ~n~ Elementen diese Flüssigkeitsschichte ~n~ mal breiter, der
-Querschnitt der Flüssigkeitsschichte ~n~ mal größer, der Widerstand ~n~
-mal kleiner, also
-
- i e
- ~-~; demnach die Stromstärke ~J = -----~.
- n i
- a + -
- n
-
-Diese Zusammenstellung ist von Nutzen, wenn der innere Widerstand groß
-ist im Verhältnis zum äußeren.
-
-3) #Gemischte Schaltung.# Man teilt die vorhandenen Elemente, z. B. 12,
-in Gruppen von je gleich viel Elementen, z. B. je 3, also 4 Gruppen,
-schaltet die Elemente jeder Gruppe unter sich auf Quantität, so stellt
-jede Gruppe gleichsam ein Element vor, und verbindet die Gruppen nun auf
-elektromotorische Kraft.
-
-[Abbildung: Fig. 154.]
-
-Das Ohmsche Gesetz hat dieselbe Form, also ist bei ~n~ Gruppen ~à~ ~m~
-Elementen die Stromstärke
-
- n e 4 e
- ~J = -------- = -------~.
- n i 4 i
- a + --- a + ---
- m 3
-
-Man kann nach Belieben mehr oder weniger Gruppen bilden, doch liefert in
-jedem besonderen Falle gerade diejenige Schaltung den #stärksten Strom,
-bei welcher der innere Widerstand gleich dem äußeren ist#.
-
-
-Aufgaben:
-
-~a~) Wie groß ist die Stromstärke bei einem Meidingerelement von der
-elektromotorischen Kraft 0,9 ~V~, wenn der innere Widerstand 7 ~O~, der
-äußere 1 ~O~ ist? Wie groß wird die Stromstärke, wenn man 6 solche
-Elemente in Serie schaltet?
-
-~b~) Wie groß ist die Stromstärke bei einem ~Leclanché~-Element, dessen
-elektromotorische Kraft = 1,4 ~V~, innerer Widerstand = 3 ~O~, äußerer
-Widerstand = 50 ~O~. Wie groß ist die Stromstärke, wenn man 10 solche
-Elemente in Serie schaltet?
-
-~c~) Welche Stromstärke liefert ein Bunsen-Element von 2,5 ~V~ und 0,1
-~O~ innerem Widerstand, wenn der äußere 0,01 ~O~ ist? Wie groß ist die
-Stromstärke, wenn man 5 solche Elemente parallel schaltet?
-
-~d~) Welche Stromstärke liefert ein Daniell-Element von 1,05 ~V~ und 0,5
-~O~ innerem Widerstand, wenn der äußere 1 ~O~ ist? Wie groß wird die
-Stromstärke, wenn man 4 solche Elemente parallel, oder wenn man sie in
-Serie schaltet?
-
-~e~) Von 18 Daniell-Elementen, deren elektromotorische Kraft = 1,05 ~V~
-und deren innerer Widerstand je 3 ~O~ ist, macht man bei einem äußeren
-Widerstand von 2 ~O~ 1. Serienschaltung, 2. Parallelschaltung, 3.
-gemischte Schaltung von 6 Gruppen ~à~ 3 Elementen, 4. gemischte
-Schaltung von 3 Gruppen ~à~ 6 Elementen. Wie groß ist in jedem Falle die
-Stromstärke?
-
-#98.# Ein Element hat bei 0,30 ~Ohm~ äußerem Widerstand eine Stromstärke
-von 3 ~Amp.~, bei 10 ~O~ äußerem Widerstand aber nur 1¼ ~A~. Wie groß
-ist seine elektromotorische Kraft und der innere Widerstand?
-
-#99.# Welche Stromstärke erhält man, wenn man 4 galvanische Elemente von
-je 1,8 ~V~ hintereinander schaltet, wenn der innere Widerstand bei jedem
-0,3 ~O~ und der äußere 2 ~O~ beträgt? Wie groß muß man den äußeren
-Widerstand nehmen, um eine Stromstärke von 3 ~A~ zu erhalten?
-
-#100.# Wie viele ~Leclanché~-Elemente von 1,5 ~V~ Spannung und 2 ~O~
-innerem Widerstand muß man hintereinander schalten, um bei einem äußeren
-Widerstand von 40 ~O~ eine Stromstärke von 0,2 ~A~ zu erhalten?
-
-#101.# Welche Stromstärke erhält man, wenn man 3 Bunsen-Elemente von 1,8
-~V~ und 0,3 ~O~ parallel schaltet, bei einem äußeren Widerstand von 1
-~O~?
-
-
-124. Galvanis Grundversuch.
-
- Der Entdecker der galvanischen Elektrizität, Galvani, fand (1789), daß
- ein frisch abgeschnittener Froschschenkel Zuckungen macht, wenn man
- den Funken einer Leydener Flasche durchgehen läßt und daß eben solche
- Zuckungen zum Vorschein kamen, als der Froschschenkel mit einem
- kupfernen Haken an einem eisernen Gitter hing und durch den Wind an
- die Stäbe des Gitters anschlug. Indem er die Bedingungen dieses
- „Froschexperimentes“ untersuchte, wurde er der Entdecker der nach ihm
- benannten Elektrizität. Er deutete die Erscheinung jedoch nicht
- richtig, und erst Volta behauptete 1794, daß durch Berührung zweier
- verschiedener Metalle Elektrizität erzeugt werde. Wenn man nämlich
- eine Zink- und eine Kupferplatte mit isolierenden Handgriffen (aus
- Glas) versieht, aneinander drückt und wieder voneinander entfernt, so
- zeigen beide Platten am Kondensationselektroskop Elektrizität. Volta
- behauptete, die Elektrizität sei nur durch die Berührung der zwei
- verschiedenen Metalle entstanden, und nannte sie deshalb auch
- ^Berührungs- oder Kontaktelektrizität^. Dieser Versuch war der
- Fundamentalversuch der galvanischen Elektrizität (1800). Das Zucken
- des Froschschenkels kommt, meinte Volta, davon her, daß die getrennten
- Elektrizitäten sich durch den Froschschenkel ausgleichen. Dieser
- Erklärung schloß sich Galvani nicht an, da sich fand, daß die
- Zuckungen auch eintreten, wenn nur ^ein^ Metall, ja wenn nur ein
- feuchter Leiter vorhanden war; deshalb blieb Galvani bei seiner
- Ansicht stehen, daß hier tierische Elektrizität vorhanden sei, wovon
- die eine Art Elektrizität in den Nerven, die andere in den Muskeln
- sei, und daß der Leiter, der beide berührt, bloß den Ausgleich beider
- Elektrizitäten ermöglicht, und so die Zuckung verursacht. In der Tat
- gibt es eine ^tierische^ Elektrizität, die auf ähnliche Weise im
- tierischen Organismus vorhanden ist, und Galvani wurde so zugleich der
- Entdecker der tierischen Elektrizität.
-
-
-125. Voltas Kontaktelektrizität.
-
- Aber auch Volta blieb, nachdem durch den Fundamentalversuch der
- Nachweis der Elektrizität gelungen war, bei seiner Meinung stehen und
- bekräftigte sie durch weitere Versuche. Er behauptete, stets bei der
- Berührung zweier verschiedener Leiter werde Elektrizität erregt, und
- unterschied zwei Klassen von Elektromotoren, die festen (metallischen)
- und die flüssigen, wovon die der ersten Klasse weitaus die wirksamsten
- sind. Wenn man also eine Zink- und eine Kupferplatte in Schwefelsäure
- taucht und oben verbindet, so wirkt die Berührung von ~Zn~ und ~Cu~
- elektromotorisch; allerdings wirkt auch die Berührung jedes Metalles
- mit der Flüssigkeit elektromotorisch, jedoch sehr schwach, so daß es
- die elektromotorische Kraft von ~Zn~ ~Cu~ wenig schwächt; der flüssige
- Leiter ermöglicht also das Zustandekommen eines Stromes.
-
- Diese Theorie, der zufolge die ^Berührung^ zweier verschiedener
- Metalle elektromotorisch wirkt, wird die ^Kontakttheorie^ genannt; sie
- wurde von Volta und seinen Anhängern weiter ausgebildet und auf einen
- hohen Stand der Vollkommenheit gebracht, so daß sämtliche
- Erscheinungen und Gesetze des Stromes durch dieselbe erklärt werden
- konnten.
-
- Dieser Theorie gegenüber steht die „^chemische Theorie^“, wie wir sie
- bisher entwickelt haben. Ihr zufolge entsteht die Elektrizität durch
- Berührung heterogener (stofflich verschiedener) Körper infolge
- chemischer Einwirkung der beiden Körper aufeinander und als Ersatz für
- die Wärme, welche beim chemischen Prozeß zum Vorschein kommen sollte,
- aber nicht zum Vorschein kommt.
-
-[Abbildung: Fig. 155.]
-
-
-126. Die Voltasche Säule.
-
- Im Verfolg seiner Untersuchungen kam Volta zur Konstruktion der
- berühmten ^Volta’schen Säule^ 1800. Nimmt man eine Zink- und eine
- Kupferscheibe (etwa talergroß) und legt zwischen beide eine Tuch- oder
- eine Filzscheibe, die mit Salzwasser oder verdünnter Schwefelsäure
- getränkt ist, so stellt diese Zusammenstellung ähnlich wie bei der
- Zambonischen Säule ein Element dar. Schlichtet man nun mehrere solche
- Elemente übereinander auf, so daß jede Kupferplatte eines
- vorhergehenden Elementes von der Zinkplatte des folgenden berührt wird
- (ähnlich wie bei der trockenen Säule), so hat man die Voltasche Säule.
- Fig. 155.
-
- Die Säule stellt eine auf elektromotorische Kraft geschaltete Batterie
- von vielen Elementen dar. Mit ihr wurden die ersten Untersuchungen
- über galvanische Elektrizität angestellt und wesentliche Eigenschaften
- und Wirkungen des galvanischen Stromes entdeckt. Der Aufbau der Säule
- ist aber mühselig, da die Metallscheiben stets blank geputzt werden
- müssen; zudem ist der Strom nur kurze Zeit nach dem Aufbaue kräftig,
- nimmt rasch ab, wenn die geringe Menge Flüssigkeit in den Filzscheiben
- verbraucht ist und hört bald ganz auf; zur praktischen Verwendung ist
- sie ganz untauglich. Sie ist deshalb bald verdrängt worden durch die
- galvanischen Elemente und Batterien, und schon Volta stellte einen
- Becher oder Tassenapparat zusammen, die ursprünglichste Form unserer
- heutigen galvanischen Batterien.
-
-
-127. Wirkung zweier Stromteile aufeinander.
-
-Der galvanische Strom bringt mannigfache Wirkungen hervor, die im
-folgenden besprochen werden. Diese Wirkungen sind höchst eigentümlicher
-Art, und es fehlt uns bei den meisten die Kenntnis, wie sie
-hervorgebracht werden. Eine wesentliche Eigenschaft haben aber alle
-gemeinsam: Wenn wir bei Betrachtung der Ohmschen Gesetze den Stromkreis
-gleichsam in zwei Teile geteilt haben, den Teil, in welchem die positive
-Elektrizität fließt, und den, in welchem die negative fließt, so können
-wir nun diese Abteilung wieder fallen lassen; denn ^beide Teile
-unterscheiden sich in ihren Wirkungen nicht voneinander^. Es ist ganz
-gleichgültig, ob die positive Elektrizität von rechts oder die negative
-von links durch den Draht läuft; teilt man dem Elemente mitsamt dem
-ganzen Stromkreise etwa durch die Elektrisiermaschine eine gewisse Menge
-positiver Elektrizität mit, so ist im ganzen Stromkreise keine negative
-Elektrizität vorhanden, sondern nur ^ungleich verteilte^ positive
-Elektrizität; die ^Stromstärke und Stromwirkung bleibt genau dieselbe^.
-Nicht das Vorhandensein der freien Elektrizität verursacht die
-Stromwirkung, sondern #das durch die ungleichmäßige Verteilung, das
-Gefälle, hervorgebrachte Fließen der Elektrizität bringt die Wirkung
-hervor#.
-
-[Abbildung: Fig. 156.]
-
-Man betrachtet den ganzen Stromkreis als einen einzigen Strom und
-versteht unter ^„Richtung des Stromes“ diejenige Richtung, in welcher
-die positive Elektrizität^ fließt.
-
-Auch die ^Ausgleichstelle^ ist durch ^keinerlei besondere Wirkung^
-ausgezeichnet.
-
-^Ampères Gesetze^: #Zwei parallele und gleich gerichtete Ströme ziehen
-sich an, zwei parallele und entgegengesetzt gerichtete Ströme stoßen
-sich ab, zwei gekreuzte Ströme suchen sich so zu drehen, daß sie
-parallel und gleichgerichtet sind.#
-
-Zum Beweise bedient man sich des ^Ampère^schen ^Gestelles^, Fig. 156,
-bei welchem der Strom einen leicht beweglichen Leiter durchfließt.
-
-[Abbildung: Fig. 157.]
-
-[Abbildung: Fig. 158.]
-
-Betrachtet man bei gekreuzten Strömen die Stromteile bis zum
-Kreuzungspunkte, Fig. 157, so ziehen sich ~BA~ und ~DA~ an, ebenso ~AE~
-und ~AC~, während die Stromteile ~AB~ und ~AE~ sich abstoßen, ebenso
-~DA~ und ~AC~. Man kann also auch sagen: Zwei sich kreuzende Stromteile
-ziehen sich an, wenn sie beide zum Kreuzungspunkte hin- oder beide von
-ihm weglaufen; zwei solche Ströme stoßen sich ab, wenn der eine zum
-Kreuzungspunkte hin- der andere davon wegläuft.
-
-Daraus ergibt sich eine wichtige Folgerung: es sei ~BAC~ (Fig. 158) ein
-Strom und ~DE~ ein Stromteil, der so auf ihn zufließt, daß er ihn in ~A~
-kreuzen würde, so ziehen sich ~BA~ und ~DE~ an mit einer Kraft, deren
-Größe und Richtung in ~P~ gezeichnet ist, aber ~AC~ und ~DE~ stoßen sich
-ab mit einer Kraft ~P′~. ~P~ und ~P′~ geben nach dem Satze vom
-Kräfteparallelogramm eine Resultierende ~R~, welche den Leiter ~DE~ zu
-bewegen sucht in einer Richtung, die der Stromrichtung ~BAC~
-entgegengesetzt ist. Ist also etwa ~DE~ um ~D~ drehbar, so muß sich ~E~
-(unserer Zeichnung gemäß) nach links drehen.
-
-Man hat Apparate konstruiert, in denen ein Stromteil durch einen
-kreuzenden Strom in kontinuierliche Drehung versetzt wird; doch fehlt
-ihnen praktische Anwendung.
-
-Die anziehende und abstoßende Wirkung zweier Stromteile nimmt mit der
-Entfernung ab, wie das Quadrat der Entfernung zunimmt.
-
-
-128. Der Erdstrom.
-
-Ist das Rechteck auf dem Ampèreschen Gestelle aufgestellt und von einem
-Strome durchflossen, so ^dreht es sich^, bis der Strom ^in der unteren
-Seite von Ost nach West^ läuft, genauer, in einer Richtung, welche zur
-Richtung der Magnetnadel senkrecht steht. Man schließt: #in der Erde
-fließt ein Strom in der Richtung von Ost nach West, senkrecht zur
-Richtung der Magnetnadel: Erdstrom#.
-
-[Abbildung: Fig. 159.]
-
-Diese Einwirkung des Erdstromes auf das bewegliche Rechteck darf man
-nicht so erklären, daß der von ~O~ nach ~W~ laufende Erdstrom den
-Stromteil ~JF~ (Fig. 159) so dreht, daß ~JF~ parallel und gleich
-gerichtet ~OW~ wird; denn der Erdstrom wirkt auch auf die obere Seite
-des Rechteckes und sucht den Strom ~SN~ nach entgegengesetzter Richtung
-zu drehen. Hat der das Rechteck kreuzende Strom nur eine mäßige
-Entfernung von ihm, so ist die Wirkung des kreuzenden Stromes auf die
-nähere Seite stärker und das Rechteck dreht sich. Den Erdstrom müssen
-wir aber weit entfernt annehmen, so daß er von ~FJ~ und ~NS~ gleichweit
-entfernt ist; deshalb sind beide Kräfte gleich und heben sich auf.
-
-Aber auf den Stromteil ~NJ~ wirkt der Erdstrom ziehend in der Richtung
-~P~ (Osten) und auf den Stromteil ~FS~ wirkt er ziehend in der Richtung
-~P′~ (Westen); beide suchen also das Rechteck so zu drehen, daß der
-Nordpunkt ~N~ nach Osten, der Südpunkt ~S~ nach Westen geht. Nach dieser
-Drehung fließt der Strom in der unteren Seite des Rechteckes von Osten
-nach Westen.
-
-^Man muß annehmen, die ganze Erde sei beständig von einem elektrischen
-Strome, dem Erdstrom, umflossen, dessen Richtung senkrecht zur
-freischwebenden Magnetnadel steht^.
-
-Im Erdstrome ist umgekehrt auch die Ursache des Erdmagnetismus zu
-suchen. Das heißt, die Erde hat Magnetismus wohl nicht deshalb, weil in
-ihr große Massen permanenter Magnete vorhanden sind, sondern sie lenkt
-die Magnetnadel ab, weil sie von einem elektrischen Strome umflossen
-wird.
-
-Die Ursache des Erdstromes ist uns unbekannt. Er wird hervorgebracht
-wahrscheinlich nicht von Kräften, welche in der Erde selbst ihren Sitz
-haben (terrestrische oder tellurische Kräfte), sondern von Kräften,
-welche von außen, vom Weltraume, etwa von der Sonne her auf die Erde
-einwirken (kosmische Kräfte).
-
-
-129. Das Solenoid.
-
-[Abbildung: Fig. 160.]
-
-[Abbildung: Fig. 161.]
-
-Ein in Form eines Kreises laufender Stromteil heißt ein ^Kreisstrom^.
-Eine Verbindung mehrerer Kreisströme derart, daß alle ihre Mittelpunkte
-in einer geraden Linie, der Achse, liegen, alle ihre Ebenen auf der
-Achse senkrecht stehen, und alle Kreise in derselben Richtung
-durchlaufen werden, heißt ein ^Solenoid^. Ein solches kann man mit
-großer Annäherung herstellen, wenn man einen Draht in engen Spirallinien
-um einen Cylinder wickelt. Man versieht die Enden mit Haken und hängt es
-an einem Ampèreschen Gestelle auf: frei bewegliches Solenoid. Der
-Erdstrom wirkt auf jeden Kreisstrom des Solenoides drehend in demselben
-Sinne; das Solenoid dreht sich deshalb, bis die Ströme unten von Ost
-nach West laufen, also ^die Achse die Richtung der Magnetnadel hat^.
-Man nennt die Enden des Solenoides auch ^Nordpol^ und ^Südpol^; am
-Nordpol läuft der Strom ^entgegengesetzt^ dem Zeiger der Uhr, am Südpol
-^geradeso^ wie der Zeiger der Uhr. Leitet man einen Strom in der
-Richtung der Achse über ein Solenoid, so dreht es sich wie eine
-Magnetnadel (der Nordpol weicht links aus), und man erkennt die Ursache
-darin, daß der Strom und die Kreisströme des Solenoids gekreuzt sind und
-sich parallel und gleich gerichtet zu stellen suchen. Nähert man zwei
-Pole zweier Solenoide einander, so stoßen sich ^gleichnamige Pole ab,
-ungleichnamige ziehen^ sich an; dies erklärt sich aus der Wirkung
-paralleler Ströme.
-
-Die Pole eines Magnetes wirken auf die Pole des Solenoides wie auf
-Magnetpole. ^Ein magnetischer Nordpol zieht den Südpol des Solenoides an
-und stößt den Nordpol desselben ab^:
-
-[Abbildung: Fig. 162.]
-
-#Ein Solenoid wirkt nach außen wie ein Magnet.#
-
-Bringt man einen Stab weiches Eisen in ein Solenoid in der Richtung der
-Achse, ^so wird das Eisen selbst magnetisch und erhält dieselben Pole,
-wie das Solenoid^.
-
-Dies erklärt man durch die Annahme, daß jedes Molekül Eisen beständig
-von einem Kreisstrom umflossen sei, daß im unmagnetischen Eisen die
-Achsen der Molekularkreisströme nach allen möglichen Richtungen liegen,
-daß sie aber durch die richtende Wirkung eines darumgelegten Solenoides
-parallel gerichtet werden, so daß die Molekularkreisströme sich
-gegenseitig verstärken; deshalb wird das Eisen magnetisch, indem es
-wirkt wie ein Solenoid. #Ein Magnet kann angesehen werden als ein
-Solenoid, dessen Kreisströme am Nordpol laufen entgegengesetzt dem
-Zeiger der Uhr.#[10]
-
- [10] Die Auffindung all dieser Gesetze, des Erdstroms, des Solenoids,
- des Elektromagnetes gelang Ampère 1820; von ihm stammt auch die
- Bezeichnung Solenoid (röhrenförmig).
-
-
-130. Der Elektromagnet. Stärke des Elektromagnetismus.
-
-[Abbildung: Fig. 163.]
-
-[Abbildung: Fig. 164.]
-
-#Ein Elektromagnet ist ein Stück Eisen, das durch die Wirkung eines
-Solenoids magnetisch geworden ist.# ^Er erhält den^ #Nordpol# ^an dem
-Ende, wo der + Strom läuft^ #entgegengesetzt dem Zeiger der Uhr#: kehrt
-man den Strom um, so vertauschen sich auch die Pole. Oft gibt man dem
-Elektromagnete eine ^Hufeisenform^; er besteht dann aus zwei parallel
-gestellten Eisenstäben, den Eisenkernen, die unten durch ein eisernes
-Querstück verbunden sind. Man steckt über die Kerne je eine Holzspule
-und umwickelt beide mit übersponnenem Kupferdraht, jedoch in
-entgegengesetzter Richtung, um entgegengesetzte Pole zu erhalten. Bei
-Stromschluß werden die Eisenkerne magnetisch, beim Öffnen werden sie
-wieder unmagnetisch.
-
-^Elektromagnete werden verhältnismäßig stärker magnetisch als
-Stahlmagnete^, da beim weichen Eisen sich die Moleküle leichter und
-vollständiger drehen, polarisieren lassen als beim Stahle. #Die Stärke
-des Magnetismus hängt ab von der Masse der Eisenkerne#; je größer deren
-Masse, desto stärker ist der Magnetismus; ferner von der polarisierenden
-Kraft, also #von der Stärke des Stromes und der Anzahl der Windungen#.
-Jedoch kann ein Stück Eisen nicht beliebig stark magnetisiert werden;
-sind alle Moleküle vollständig oder nahezu vollständig polarisiert, so
-ist der Magnet #gesättigt#, seine Kraft wird nicht mehr verstärkt, wenn
-man den Strom oder die Anzahl Windungen vergrößert.
-
-Bei starkem Strome genügen schon wenig Windungen dicken Drahtes, um den
-Eisenkern genügend zu magnetisieren.
-
-Ist der Strom schwach, etwa weil er schon einen großen äußeren
-Widerstand überwinden mußte, so nimmt man dünnen Draht und macht sehr
-viele Windungen; die dadurch erfolgte Vergrößerung des äußeren
-Widerstandes schadet der Stromstärke nicht mehr viel, während die
-Vergrößerung der Windungszahl den Magnetismus verstärkt.
-
-Die Eisenkerne müssen aus möglichst weichem Eisen bestehen, damit sie
-den Magnetismus leicht annehmen und beim Öffnen des Stromes möglichst
-vollständig wieder verlieren.
-
-Wird der Strom um Stahl geleitet, so wird der Stahl auch magnetisch,
-wenn auch nicht so gut als weiches Eisen; aber er behält seinen
-Magnetismus fast vollständig. ^Man kann so sehr kräftige permanente
-Stahlmagnete machen^, wendet aber doch hiebei meist die Streichmethode
-an, indem man den zu magnetisierenden Stahl an den Polen eines kräftigen
-Elektromagnetes streicht.
-
-
-131. Die elektrische Klingel und ihre Anwendung.
-
-Die elektrische Klingel hat folgende Einrichtung: vor den Polen eines
-#Elektromagnetes# befindet sich ein Stück weiches Eisen, der #Anker#; er
-ist befestigt an einem #federnden Stahlblech#, welches ihn etwas von den
-Polen wegzieht. Der Anker trägt an einem Fortsatz einen #Klöppel#, der
-an eine #Glocke# schlägt, wenn der Anker zu den Polen hinbewegt wird.
-Das am Anker befestigte Stahlblech hat auch einen Fortsatz, welcher eine
-#Stellschraube# berührt, wenn der Anker von den Polen entfernt wird,
-dagegen die Stellschraube nicht mehr berührt, wenn der Anker den Polen
-genähert wird.
-
-Der Strom durchläuft die Windungen des Elektromagnetes, geht dann in das
-federnde Stahlblech und durch die berührende Stellschraube zur Batterie
-zurück. Hält man den Strom geschlossen, so werden die Magnete erregt,
-ziehen den Anker an und bewirken so einen Glockenschlag. Durch die
-Bewegung des Ankers hat sich aber auch die Stahlfeder von der
-Stellschraube entfernt und hat den Strom dadurch unterbrochen
-(#Selbstunterbrechung#); die Magnete verlieren dadurch ihre Kraft und
-lassen den Anker los, der durch die Federkraft sich wieder von den Polen
-entfernt. Dadurch kommt aber die Stahlfeder wieder in Berührung mit der
-Stellschraube, stellt also den Strom wieder her, und es beginnt derselbe
-Vorgang und wiederholt sich, solange man den Strom geschlossen hält; es
-entstehen also infolge der Selbstunterbrechung in rascher
-Aufeinanderfolge Schläge an die Glocke, ein Klingeln, dessen Tempo durch
-die Stellung der Stellschraube etwas reguliert werden kann.
-
-[Abbildung: Fig. 165.]
-
-[Abbildung: Fig. 166.]
-
-[Abbildung: Fig. 167.]
-
-Um den Strom bequem schließen zu können, bedient man sich eines
-#Drückers#, bei dem man mittels eines Porzellan- (Bein-)Knopfes ein
-etwas in die Höhe gebogenes, elastisches Blechstück auf ein festes
-Blechstück niederdrückt.
-
-Beim #Haustelegraphen#, wie er besonders in Gasthäusern vielfach
-verwendet wird, kann man durch den im Zimmer befindlichen Drücker den
-Strom schließen und so durch Klingeln ein Zeichen geben. Um aber zu
-erfahren, in welchem Zimmer gerufen wird, werden die Drähte von den
-Drückern durch einen ^Nummernkasten^ geleitet, in welchem für jedes
-Zimmer ein ^Nummernapparat^ (Fig. 167) sich befindet. Dieser besteht im
-wesentlichen aus einem kleinen Elektromagnet, der einen Anker anzieht;
-dieser läßt dabei eine kleine Falltüre los, welche herunterklappt und
-dadurch die betreffende Zimmernummer sichtbar macht. Die Art der
-Drahtführung ist aus Fig. 168 ersichtlich; man reicht für alle Zimmer
-mit nur einer Batterie von einigen Meidingerelementen aus.
-
-[Abbildung: Fig. 168.]
-
-[Abbildung: Fig. 169.]
-
-[Abbildung: Fig. 170.]
-
-Das Schema Fig. 169 zeigt eine Einrichtung, bei welcher man von einem
-Orte aus nach verschiedenen Richtungen hin Klingelsignale geben kann;
-sie wird in Fabriken, größeren Geschäften etc. benützt.
-
-Der #elektrische Feuermelder#. Er besteht aus einem Thermostreifen
-(Streifen aus Zink und Eisen), der am einen Ende festgeklemmt ist und
-bei Temperaturänderungen mit dem anderen Ende kleine Bewegungen macht.
-Er berührt dann eine Stellschraube und schließt dadurch den Strom, der
-von der Batterie in den Thermostreifen geleitet und dann von der
-Stellschraube zur Klingel geführt wird. Durch Drehen der Stellschraube
-kann bewirkt werden, daß der Strom stets dann geschlossen wird, wenn die
-Temperatur eine gewisse Höhe (oder Tiefe) erreicht hat. Man verwendet
-sie so etwa in Warenlagern, damit ein ausbrechender Brand sich durch
-Erwärmung des Thermostreifens signalisiert, und in Gewächshäusern, um
-besonders nachts zu hohe und zu niedrige Temperaturen signalisieren zu
-lassen. (Fig. 170.)
-
-Der #Einbruchsmelder#, elektrische Sicherung gegen Einbruch. Man bringt
-an der Türe des Kassaschrankes oder des Zimmers oder Ladens etc. einen
-Kontakt an, der sich von selbst schließt, sobald die Türe nur ein wenig
-geöffnet wird. Die geschlossene Tür drückt auf einen Hebel; dieser
-schnappt beim Öffnen durch eine Feder zurück, berührt mit seinem anderen
-Ende ein Platinplättchen und schließt dadurch den Strom, der zu einer
-elektrischen Klingel führt und so das Öffnen der Türe signalisiert. Um
-unterwegs unnötigen Lärm zu verhindern, kann man etwa durch Ausziehen
-eines Stöpsels zwischen zwei Backen den Strom unterbrechen.
-
-
-Die elektrischen Telegraphen.
-
-
-132. Der Morsesche Schreibtelegraph.
-
-Der Telegraph (Fernschreiber) ermöglicht, Zeichen, welche die Bedeutung
-von Buchstaben haben, in sehr kurzer Zeit an einen weit entfernten Ort
-zu signalisieren.
-
- Schon im Jahre 1809, kurz nachdem Volta seine Säule gebaut hatte,
- schlug Sömmering vor, mittels Wasserzersetzung zu telegraphieren; doch
- hat diese Einrichtung niemals praktische Verwendung gefunden.
- Schilling konstruierte 1832 das Modell eines Telegraphen und Gauß und
- Weber stellen 1833 die erste größere Telegraphenleitung in Göttingen
- her. Doch kann deren Einrichtung auch erst später erklärt werden.
- Steinheil in München verbesserte den Apparat (1838), so daß schon
- geschriebene Zeichen übermittelt wurden. Morse, ein Amerikaner,
- konstruierte 1837 ein Modell und etwas später den Schreibtelegraphen,
- welcher noch gegenwärtig in Verwendung steht.
-
-
-Der Morsesche Schreibtelegraph.
-
-[Abbildung: Fig. 171.]
-
-Der #Zeichengeber# hat den Zweck, den Strom nach Belieben und bequem
-schließen und öffnen zu können. Auf der Aufgabestation ~A~ befindet sich
-als Zeichengeber der #Taster# ^oder Drücker, auch Schlüssel genannt^. Er
-besteht aus einem Hebel, der mittels eines Elfenbeinknopfes
-niedergedrückt werden kann und dann durch eine Feder wieder
-zurückschnellt. Beim Niederdrücken berührt er mittels eines
-hervorragenden Daumens einen Stift und schließt dadurch den Strom. Man
-ist imstande, durch den Zeichengeber den Strom kurze oder längere Zeit
-zu schließen.
-
-[Abbildung: Fig. 172.]
-
-Der Zeichenempfänger besteht aus einem #Elektromagnet# ~M~, dessen
-Windungen vom Strome durchflossen werden, so daß er beim Schließen des
-Stromes magnetisch, beim Öffnen unmagnetisch wird. Etwas oberhalb ist
-ein #Hebel# ~AS~ angebracht; dieser trägt am einen Ende ein Stück
-weiches Eisen, das als #Anker# ~A~ gerade über den Polen des
-Elektromagnetes liegt; wird der Elektromagnet magnetisch, so zieht er
-den Anker an, wird er unmagnetisch, so reißt eine #Abreißfeder# ~F~ den
-Anker wieder von den Polen weg. Stellschrauben, welche ober- und
-unterhalb des Hebels angebracht sind, begrenzen die Bewegung. Das andere
-Hebelende trägt einen #Schreibstift# ~S~ (Bleistift oder Stahlstift),
-welcher, wenn der Anker angezogen ist, auf einen #Papierstreifen# drückt
-und auf ihm Zeichen macht. Der Papierstreifen kommt von einer
-Papierrolle ~R~ und läuft zwischen zwei rauhen Walzen durch; die Walzen
-werden durch ein Triebwerk (Uhrwerk, das von Zeit zu Zeit aufgezogen
-wird) in mäßige Drehung versetzt, ziehen dabei den Papierstreifen heraus
-und führen ihn in der Nähe des Schreibstiftes vorbei. Bei kurzem
-Stromschlusse macht der Schreibstift nur einen Punkt, bei längerem einen
-Strich auf den fortlaufenden Papierstreifen. Morse setzte aus Punkten
-und Strichen ein Alphabet zusammen, das von allen Nationen angenommen
-wurde und nun ^internationale Gültigkeit^ hat, so daß z. B. der
-Buchstabe ~a~ in allen Sprachen durch dasselbe Zeichen telegraphiert
-wird. Den Schreibstift hat man durch eine Färbevorrichtung ersetzt und
-nennt einen damit versehenen Apparat einen #Farbenschreiber#. An Stelle
-des Schreibstiftes ist am Hebelende eine kleine Platte angebracht,
-welche, wenn der Anker angezogen wird, das Papier etwas nach aufwärts
-drückt. Dadurch kommt das Papier in Berührung mit dem #Schreibrädchen#;
-das ist eine Scheibe, die am Rande eine stumpfe Schneide besitzt, durch
-das Uhrwerk beständig gedreht wird, dabei eine Farbwalze berührt und von
-derselben mit zähflüssiger Farbe versehen wird.
-
-[Abbildung: Fig. 173.]
-
-
-133. Der Nadel- und der Zeiger-Telegraph.
-
-[Abbildung: Fig. 174.]
-
-Der #Nadeltelegraph# (Wheatstone). Der Zeichengeber besteht aus einem
-Drücker, durch den man imstande ist, nach Belieben den positiven oder
-den negativen Strom in die Telegraphenleitung zu schicken (Kommutator,
-Stromwender). Der Zeichenempfänger besteht aus einer #Magnetnadel#, die
-mit #Multiplikatorwindungen# umgeben ist. Da nun je nach der Richtung
-des Stromes die Nadel nach der einen oder anderen Seite abgelenkt wird,
-so kann man nach Belieben #Ausschläge nach rechts oder links#
-hervorbringen, und damit ein Alphabet zusammensetzen.
-
-Ein großer Vorteil des Nadeltelegraphen ist seine fast unbegrenzte
-Empfindlichkeit, da auch sehr schwache Ströme, wie sie bei sehr langen
-(überseeischen) Leitungen vorkommen, durch Benützung von Multiplikatoren
-mit großer Windungszahl doch noch imstande sind, eine leichte, am
-Seidenfaden aufgehängte Magnetnadel zu drehen.
-
-[Abbildung: Fig. 175.]
-
-Der #Zeigertelegraph#. Der Zeichengeber besteht aus einem ^Rade^, das
-durch eine Kurbel gedreht werden kann. Am Umfange des Rades sind
-^Steigzähne^ angebracht, zwischen denen ebenso breite ^Lücken^ sind.
-Beim Drehen des Rades drückt ein Steigzahn das Ende eines federnden
-Bleches nach auswärts, so daß es gegen ein anderes federndes Blech
-drückt und dadurch den Strom schließt. Ist der Zahn vorübergegangen, so
-springt die Feder in die nächste Lücke und der Strom ist offen. #Durch
-Umdrehen des Rades wird in regelmäßiger Folge der Strom geschlossen und
-wieder geöffnet.# Neben den Zähnen und Lücken stehen die Buchstaben des
-Alphabetes.
-
-Der Zeichenempfänger besteht aus einem #Elektromagnete#, welcher bei
-Stromschluß einen #Anker# anzieht. Dieser greift mit einem gabelförmigen
-Fortsatz in ein #Steigrad# ein und dreht es je um einen Zahn weiter;
-dadurch rückt auch der #Zeiger# um einen Buchstaben weiter. Indem man
-beim Zeichengeber ziemlich rasch herumdreht, rückt beim Empfänger der
-Zeiger gleich rasch weiter. Indem man beim gewünschten Buchstaben
-anhält, signalisiert man ihn.
-
-
-134. Der Typendrucktelegraph.
-
-Der Typendrucktelegraph wurde vom Amerikaner Hughes (1859) erfunden und
-bewirkt durch eine sinnreiche aber sehr komplizierte Einrichtung, daß
-die Depesche vom Zeichenempfänger selbst auf den Papierstreifen in
-gewöhnlicher Schrift gedruckt wird.
-
-Die Typendrucktelegraphen wirken vollkommen sicher, arbeiten etwa 3 mal
-so schnell wie die Morseschen Schreibtelegraphen und ersparen in der
-Empfangsstation die Mühe des Abschreibens der Depesche, da dem
-Adressaten die bedruckten Papierstreifen unmittelbar übergeben werden
-können. Auf allen bedeutenderen Stationen sind schon solche
-Typendrucktelegraphen in Gebrauch.
-
-
-135. Das Relais.
-
-[Abbildung: Fig. 176.]
-
-Wenn man von einer Hauptstation mit mehreren, hintereinander liegenden
-Nebenstationen in Verbindung treten will, so müßte der Strom so stark
-sein, daß er in sämtlichen Stationen zugleich das Anziehen der Anker
-bewirkt. Hiezu müßte der Strom eine beträchtliche Stärke haben. Man
-erzielt eine Ersparnis durch Einrichtung des #Relais#. Dies besteht aus
-einem Elektromagnet mit leicht beweglichem Anker. Wird dieser angezogen,
-so schließt er durch Berührung einer Stellschraube den Strom einer
-#Lokalbatterie#, die den Elektromagnet ~M~ des Zeichenempfängers erregt.
-Da der Elektromagnet des Relais keine Arbeit zu leisten hat, so kann er
-sehr leicht gemacht werden, so daß eine #Linienbatterie# von mäßiger
-Elementenzahl hinreicht, alle Relais der Nebenstationen zu bedienen.
-Die Lokalbatterie jeder Station braucht, da sie bloß einen
-Elektromagneten zu versehen hat und keine lange Leitung hat, nur 2 oder
-3 Elemente.
-
-
-136. Telegraphenleitung.
-
-Der Strom wird vom Zeichengeber der einen Station zum Zeichenempfänger
-der anderen Station geleitet durch die bekannten Telegraphendrähte,
-verzinkte Eisendrähte. Sie werden von hohen Stangen getragen und, damit
-sie von der Erde #isoliert# sind, auf Glas- oder Porzellanglocken
-befestigt. Es sollte eine ebensolche Leitung vom Zeichenempfänger zum
-andern Pole der Batterie zurückführen. Aber bald nach Erfindung der
-Telegraphen fand Steinheil (1837), daß man diese #Rückleitung# sparen
-und an ihrer Stelle mit Vorteil die #Erde# benützen könne (Erdleitung).
-Man führt von dem einen, etwa dem - Pole der Batterie einen Draht in die
-feuchte Erde und läßt ihn dort in eine Platte (Bodenplatte) endigen.
-Dadurch ist dieser Pol abgeleitet. Man führt nun vom andern, dem + Pole
-der Batterie, den Draht zum Drücker, dann zur Telegraphenleitung
-(Linie), zum Elektromagnet des Zeichenempfängers und dann auch sofort
-zur Erde in eine Bodenplatte; dadurch ist auch der positive Pol
-abgeleitet. Wenn nun durch den Drücker der Strom geschlossen wird, so
-läuft einerseits die - ~E~ direkt zur Erde, anderseits läuft die + ~E~
-durch Leitung und Empfänger zur Erde. Von beiden Bodenplatten aus
-fließen die Elektrizitäten zur Erde ab, verbreiten sich auf ihr und sind
-dadurch verschwunden. Die Erdleitung ist nicht bloß praktisch wichtig,
-sondern auch theoretisch interessant, weil man erkennt, daß zum
-Zustandekommen des galvanischen Stromes nicht der wirkliche Ausgleich
-von ± ~E~ notwendig ist, sondern daß etwa die positive Elektrizität
-allein schon dadurch, daß sie durch den Draht fließt, alle Wirkungen des
-galvanischen Stromes hervorbringen kann; denn auf dem ganzen Drahte vom
-+ Pole bis zur weit entfernten Erdplatte ist nur positive Elektrizität
-vorhanden, am Pole von hoher Spannung, an der Erdplatte von sehr
-geringer Spannung (= 0). Diese ungleiche Verteilung der Elektrizität
-bringt den Strom hervor, wenn durch Ableitung des - Poles dafür gesorgt
-ist, daß auch der - Pol keine hohe Spannung bekommen kann.
-
-Telegraphenleitungen, welche durch das #Meer# gelegt werden, werden
-durch eine Hülle aus #Guttapercha isoliert#. Um dieser Leitung
-Festigkeit zu verleihen, wird sie mit Hanf und dann mit einem Kranze
-dicker Eisendrähte umgeben, nochmal mit Hanf umsponnen (worauf beim
-Küstenkabel noch ein Kranz von Eisenstäben folgt) und geteert. Auf
-ähnliche Art werden #Erdleitungen# eingerichtet.
-
-[Abbildung: Fig. 177.]
-
-
-137. Die elektrischen Uhren.
-
-[Abbildung: Fig. 178.]
-
-Der galvanische Strom wird auch dazu benützt, den Gang einer Uhr auf ein
-weit entferntes Zeigerwerk zu übertragen, so daß beide stets dieselbe
-Zeit angeben. Eine solche Einrichtung nennt man eine #elektrische Uhr#.
-Hat eine Uhr ein Sekundenpendel, so versieht man dessen Ende mit einer
-#Platinspitze#, welche bei jeder Schwingung einen #Quecksilbertropfen#
-berührt, der aus einer Vertiefung eines Eisenblockes herausragt. Dadurch
-wird der Strom in jeder Sekunde geschlossen.
-
-Das #elektrische Zeigerwerk# ist ähnlich eingerichtet wie der
-Zeichenempfänger des Zeigertelegraphen. Der Strom durchläuft den
-#Elektromagnet#, vor dessen Polen sich der bewegliche #Anker# befindet;
-dieser trägt oben einen #Haken#, welcher in die Zähne eines #Steigrades#
-eingreift und es bei jedem Stromschluß um einen Zahn weiter dreht. Der
-Zeiger des Steigrades bewegt sich somit wie ein Sekundenzeiger.
-
-Will man etwa nur die Minuten übermitteln, oder bloß nach je 5 oder 10
-Minuten den Strom schließen, so wählt man auf der Normaluhr ein Rad, das
-sich etwa in der Stunde 10 mal herumdreht, und schlägt auf ihm 6 Stifte
-ein, oder man schlägt auf dem Stundenrade 12 resp. 6 Stifte ein. Bringt
-man ferner einen Hebel ~J~ so an, daß sein eines Ende ~c~ von den
-Stiften nach aufwärts gedrückt wird, so wird sein anderes Ende ~a~ nach
-abwärts gedrückt, berührt mit seiner Platinspitze ein federndes Blech
-~FF′~ und schließt dadurch den Strom. Ist der Stift am Hebelende
-vorbeigegangen, so wird es durch eine Abreißfeder wieder nach abwärts
-gezogen, bis der nächste Stift kommt und wieder einen Stromschluß
-bewirkt. So wird in regelmäßigen Zwischenräumen der Strom geschlossen.
-
-[Abbildung: Fig. 179.]
-
-
-Chemische Wirkungen des galvanischen Stromes.
-
-
-138. Elektrolyse.
-
-Manche Flüssigkeiten leiten die Elektrizität. Ein- und Austritt des
-elektrischen Stromes in die Flüssigkeit geschieht stets nur unter
-^chemischer Zersetzung^ der Flüssigkeit. #Eine durch den galvanischen
-Strom verursachte chemische Zersetzung einer Flüssigkeit in ihre
-einfacheren Bestandteile nennt man Elektrolyse.# Die beiden Drahtenden
-oder Metallplatten, durch welche der Strom in die Flüssigkeit geleitet
-wird, heißen #Elektroden# (Elektrizitätswege), die Platte, durch welche
-die + Elektrizität eingeleitet wird, heißt #Anode# (aufsteigender Weg),
-die andere, negative Platte, heißt #Kathode# (absteigender Weg). Der der
-Zersetzung unterliegende Körper heißt das ^Elektrolyt^; die
-Zersetzungsprodukte heißen ^Ionen^; #die Ionen kommen stets an
-getrennten Stellen zum Vorschein;# der an der Anode ausgeschiedene Stoff
-heißt #Anion# oder der elektronegative Bestandteil, der an der Kathode
-ausgeschiedene Stoff heißt #Kation# oder der elektropositive Körper,
-weil er im Sinne des + Stromes wandert. Diese Benennungen stammen von
-Faraday 1833.
-
-
-139. Elektrolyse des Wassers.
-
-[Abbildung: Fig. 180.]
-
-Taucht man zwei ^Platinbleche^ als Elektroden in Wasser, so #geschieht
-die Zersetzung des Wassers derart, daß der Sauerstoff an der Anode, der
-Wasserstoff an der Kathode zum Vorschein kommt#: beide können getrennt
-in pneumatischen Wannen aufgefangen werden.[11] Man erklärt den Vorgang
-auf folgende Art: Durch die Kathode kommt die negative Elektrizität an
-der Grenze des Wassers und trennt durch ihren Einfluß die chemisch
-verbundenen Stoffe ~H₂~ und ~O~. Dabei wird Elektrizität produziert, und
-zwar wird ~H₂~ +, ~O~ - elektrisch. ~H~ gleicht seine + ~E~ mit der -
-~E~ der Kathode aus, wird frei und steigt als Gas in die Höhe; das ~O~
-verbindet sich mit dem ~H₂~ des nächstliegenden Wassermoleküls und
-gleicht seine - ~E~ mit dessen + ~E~ aus; dadurch wird das nächste ~O~
-frei und - elektrisch und wandert so weiter, bis schließlich das letzte
-~O~ mit - ~E~ geladen an der Anode anlangt, dort seine - ~E~ mit der +
-~E~ der Anode ausgleicht und als freies Gas aufsteigt. Es ist das ein
-ebensolcher Austausch (Wanderung) der einzelnen Bestandteile von Molekül
-zu Molekül wie bei den galvanischen Elementen. Ebenso wie in den
-galvanischen Elementen Elektrizität nur dadurch frei wird, daß die
-Zersetzungsprodukte an verschiedenen Stellen zum Vorschein kommen, so
-#wird bei der Elektrolyse Elektrizität verbraucht, weil die
-Zersetzungsprodukte an verschiedenen Stellen zum Vorschein kommen#.
-
- [11] Die erste Wasserzersetzung beobachteten Nicholson und Carlisle,
- als sie (1800) bei einer Voltaschen Säule den vom Kupfer kommenden
- Draht in einen auf der obersten Zinkplatte liegenden Wassertropfen
- tauchten.
-
-[Abbildung: Fig. 181.]
-
-Durch Zerreißung von ~H₂O~ sind beide Teile elektrisch geworden und
-haben ihre Elektrizitäten mit denen der Elektroden ausgeglichen; es ist
-also von den Elektroden Elektrizität weggeschafft worden, gerade so, wie
-wenn diese Elektrizität durch die Flüssigkeit gewandert wäre.
-#Flüssigkeiten leiten die Elektrizität nur, insofern und weil sie vom
-Strom zersetzt werden# (~De la Rive~). Außer der Elektrizitätsbewegung
-durch die Ionen findet keine Elektrizitätsbewegung durch die Masse des
-Leiters ähnlich wie bei den Metallen statt. Daraus folgt: #die Menge der
-in die Flüssigkeit übertretenden Elektrizität, also die Stromstärke, ist
-proportional der Menge des ausgeschiedenen Wasserstoffes.# Für jedes
-Molekül ~H₂~ wird auch ein Atom ~O~ ausgeschieden, deshalb sind auch die
-ausgeschiedenen Mengen ~H₂~ und ~O~ einander chemisch äquivalent, auf 2
-_g_ ~H~ treffen 16 _g_ ~O~ oder auf 2 _ccm_ ~H~ trifft 1 _ccm_ ~O~, also
-3 _ccm_ Knallgas. Man benützt deshalb auch die Wasserzersetzung, um die
-Stromstärke zu messen. Bei dem dazu geeigneten Apparat, dem #Voltameter#
-werden die erzeugten Gasmengen entweder gemeinsam oder getrennt in
-#graduierten Glascylindern aufgefangen#. Man verzichtet hiebei oft
-darauf, auch den Sauerstoff aufzufangen, weil er nicht in ganzer Menge
-als Gas aussteigt; denn ein Teil wird vom Wasser absorbiert, ein anderer
-Teil bildet Wasserstoffsuperoxyd und bleibt so auch in Wasser gelöst,
-und ein Teil bildet Ozon, das eine größere Dichte hat als Sauerstoff.
-Ein Strom von 1 Ampère zersetzt in der Minute 0,00552 _g_ Wasser, in der
-Stunde 0,331 _g_ Wasser.
-
-
-140. Elektrolyse von Salzen.
-
-Ebenso wie Wasser lassen sich viele andere Stoffe elektrolytisch
-zersetzen, insbesondere die meisten ^Metallsalze^, am leichtesten die
-^Salze der Schwermetalle^, wobei diese Salze meist in Wasser gelöst
-sind. Wenn man den Strom z. B. durch eine Lösung von Kupfer- oder
-Zinksulfat oder Silbernitrat leitet, so wird das Metall an der Kathode
-ausgeschieden; das Säureradikal ~SO₄~ oder ~NO₃~ verbindet sich mit dem
-nächstliegenden Metallatom; dadurch wird dessen Säureradikal frei und
-wandert so fort, bis es an die Anode kommt; dort entreißt es einem
-Wassermoleküle den Wasserstoff und bildet damit freie Säure, während der
-Sauerstoff sich als Gas entwickelt. #An der Kathode scheidet sich das
-Metall, an der Anode die Säure und Sauerstoff aus.#
-
-Auch bei der Elektrolyse der Salze wird Elektrizität frei, das ^Metall^
-wird + und heißt deshalb das ^positive Elektrolyt^, das ^Säureradikal^
-wird - und heißt das ^negative Elektrolyt^; beide gleichen ihre
-Elektrizität mit der der Elektroden aus. Die Flüssigkeit wird dabei
-immer ärmer an Metallsalz und reicher an freier Säure und zwar von der
-Anode aus. Ist alles Metall aus der Flüssigkeit ausgeschieden, so
-beginnt eine einfache Wasserzersetzung, bei starken Strömen und kleinen
-Elektrodenflächen auch schon früher.
-
-[Abbildung: Fig. 182.]
-
-Wird bei der Elektrolyse eines Salzes als Anode nicht ein Platinblech,
-sondern eine Platte von demselben Metalle, welches als Salz in der
-Flüssigkeit gelöst ist, verwendet, ist also etwa eine Kupferanode in
-Kupfersulfatlösung, so verbindet sich das Säureradikal (~SO₄~), das an
-der Anode zum Vorschein kommen sollte, mit dem Metall (~Cu~) der Anode,
-löst also die Anode auf und bildet damit wieder dasselbe Salz (~SO₄Cu~),
-welches in der Flüssigkeit gelöst ist. In diesem Falle, bei #löslicher
-Anode#, bleibt die Flüssigkeit stets gleich reich an Salz, und #soviel
-sich an der Kathode Metall niederschlägt, ebensoviel wird von der Anode
-Metall weggenommen#. Ähnliches findet stets statt, wenn das Anodenmetall
-mit dem sich ausscheidenden Säureradikal eine lösliche Verbindung
-eingehen kann. Ist z. B. Kupferanode in Zinksulfatlösung, so wird an der
-Kathode ~Zn~ ausgeschieden, und an der Anode verbindet sich ~SO₄~ mit
-~Cu~, so daß ~Zn~ aus der Lösung verdrängt und durch ~Cu~ ersetzt wird.
-
- ^Davy entdeckte 1807 durch Elektrolyse die Metalle Kalium und
- Natrium^. Man gräbt in ein Stück Ätzkali ein Loch, füllt es mit
- Quecksilber, in welches man den Kathodendraht taucht, und das Ätzkali
- stellt man in Quecksilber, in das man den Anodendraht taucht. Bei sehr
- starkem Strome geschieht die Zersetzung des Ätzkali in ~Ka~ und ~O~,
- das Kalium entsteht an der Kathode und bildet mit Quecksilber ein
- Amalgam, aus welchem es durch Destillation gewonnen werden kann.
-
- Berzelius fand, daß bei Elektrolyse von manchen Salzen der Alkali- und
- alkalischen Erdmetalle sich ~H₂~ und ~O~ ausscheiden, und daß daneben
- sich die Salze zerlegen in die Säure, welche an der Kathode, und in
- die basischen Stoffe (Hydroxyde), welche an der Anode sich
- ausscheiden.
-
- ^Aluminium^ wird jetzt durch Elektrolyse der feuerflüssigen Tonerde
- gewonnen. Tonerde wird im Kohlentiegel sehr stark erhitzt, dann wird
- durch sie ein Strom geleitet, welcher die Tonerde zunächst bis zum
- Schmelzen erhitzt und dann zersetzt. An der oben befindlichen
- Kohlenanode scheidet sich Sauerstoff aus, der sich mit der Anode zu
- Kohlenoxydgas verbindet. An der Kathode scheidet sich Aluminium aus.
- Natrium wird technisch durch Elektrolyse von geschmolzenem
- Chlornatrium dargestellt.
-
-
-141. Das elektrolytische Gesetz.
-
-^Auch die Elektrolyse von Salzen benützt man zur Messung der
-Stromstärke^; man benützt Kupfer- oder Zinksulfatlösung mit Kupfer-
-resp. Zink-Anoden, oder Silbernitratlösung mit Silberanoden, ^bestimmt
-durch Wägung die Menge des an der Kathode niedergeschlagenen Metalles^
-und schließt daraus auf die Stromstärke: 1 ~Amp.~ scheidet in einer
-Stunde 1,166 _g_ ~Cu~ oder 3,974 _g_ ~Ag~ aus.
-
-Faraday fand 1834 hierüber folgende Gesetze:
-
-1) Die Elektrolyse eines und desselben Stoffes ist der Stromstärke
-proportional (schon erwähnt).
-
-2) #Bei Elektrolyse verschiedener Stoffe werden# (bei gleicher
-Stromstärke und in gleichen Zeiten) #solche Mengen von Stoffen
-ausgeschieden, welche sich chemisch vertreten können# (äquivalent
-sind). Äquivalente Mengen verschiedener Stoffe brauchen zu
-ihrer elektrolytischen Ausscheidung gleich viel Elektrizität. Läßt
-man also gleiche Ströme oder denselben Strom durch einen
-Wasserzersetzungsapparat, eine Kupfer-, Silberlösung u. s. w. gehen, so
-verhalten sich die ausgeschiedenen Gewichtsmengen
-
- ~H₂ : O : Cu : Ag₂ : Zn~ = 2 : 16 : 63,4 : 216 : 65,2.
-
-Derselbe Strom, welcher in einer Stunde 1 _g_ Wasserstoff ausscheidet,
-scheidet in einer Stunde 8 _g_ Sauerstoff, 31,7 _g_ Kupfer, 108 _g_
-Silber, 32,6 _g_ Zink aus.
-
-
-Aufgaben:
-
-#102.# Wie viel ~Amp.~ hat ein Strom, welcher in 2½ Std. 116 _g_ Wasser
-zersetzt? Wie viel _ccm_ Wasserstoff entstehen dabei?
-
-#103.# In einem Kupfervoltameter wurden in 10 Minuten 3,62 _g_ Kupfer
-niedergeschlagen. Wie groß war die Stromstärke?
-
-#104.# Welche Stromstärke ist im stande, in 24 Std. 5 Ztr. Kupfer
-auszuscheiden?
-
-
-142. Anwendung des elektrolytischen Gesetzes auf galvanische Elemente
-und Batterien.
-
-#Das elektrolytische Gesetz gilt in jedem galvanischen Elemente.# Wenn
-sich in einem Elemente 65,2 _g_ ~Zn~ auflösen, so produzieren sie so
-viel Elektrizität, als 2 _g_ ~H~ zum Freiwerden nötig haben, und es
-werden im Element selbst 63,4 _g_ Kupfer ausgeschieden. Leitet man
-diesen Strom durch eine Kupferlösung, so werden darin auch 63,4 _g_ ~Cu~
-aufgelöst und abgesetzt, und wenn man den Strom nacheinander durch
-mehrere Kupfer- oder Silberlösungen leitet, so werden in jeder 63,4 _g_
-~Cu~ oder 216 _g_ ~Ag~ ausgeschieden, die genau den 65,2 _g_ ~Zn~
-entsprechen, welche sich im Elemente auflösen.
-
-Ähnliches gilt auch bei einer ^auf elektromotorische Kraft verbundenen
-Batterie^. Das erste Element liefert eine Elektrizitätsmenge, welche der
-in Lösung gehenden Menge ~Zn~ entspricht (1 ~Amp.~ für je 0,0205 _g_
-~Zn~ pro Min.). Vom + Pole läuft die Elektrizität zum - Pole des zweiten
-Elementes; deshalb ist das Zink des zweiten Elementes Anode in Bezug auf
-den Strom des ersten Elementes, also löst sich Zink des zweiten
-Elementes auf in einer Menge, die der durchfließenden Elektrizitätsmenge
-entspricht (0,0205 _g_ ~Zn~ pro Min. für je 1 ~Amp.~), die also der
-gelösten Menge Zink des ersten Elementes gleich ist.
-
-Die im ersten Elemente erzeugte Elektrizität wird also beim Durchgang
-durch das zweite Element weder vermehrt noch vermindert, sondern ^bleibt
-der Quantität nach dieselbe^; wohl aber wird sie verstärkt, wie wir bald
-sehen werden. Dasselbe gilt von allen folgenden Elementen. Sind also
-beliebig viele, der Art und Größe nach sogar beliebig verschiedene
-Elemente in demselben Stromkreise auf Intensität verbunden, so ist die
-im Stromkreise zirkulierende Menge Elektrizität nur so groß, als der in
-^einem^ Elemente sich auflösenden Menge Zink entspricht, und #in jedem
-Elemente wird gleich viel Zink gelöst#. Leitet man den Strom der
-Batterie durch einen Silbervoltameter oder Wasserzersetzer etc., so
-entspricht die Menge des niedergeschlagenen Silbers etc. der Menge des
-in ^einem^ Elemente sich auflösenden Zinkes, also 0,06624 _g_ ~Ag~ oder
-0,00552 _g_ Wasser oder 0,00492 ~O~ oder 0,0006 ~H~ pro Min. für jedes
-Ampère.
-
-Sind die ^Elemente auf Quantität geschaltet^, so läuft sämtliche in den
-einzelnen Elementen produzierte Menge Elektrizität durch denselben
-Draht; #die Stromstärke entspricht der Summe all der Zinkmengen, welche
-in den einzelnen Elementen gelöst werden#, im Voltameter scheidet sich
-deshalb eine dieser Gesamtmenge entsprechende Menge Elektrolyt aus, und
-es ist wohl möglich, daß in den einzelnen Elementen in gleichen Zeiten
-verschiedene Mengen ~Zn~ gelöst werden.
-
-
-143. Polarisationsstrom.
-
-#Bei der Elektrolyse tritt stets eine elektromotorische Kraft auf,
-welche dem zersetzenden Strome entgegenwirkt, ihn also schwächt.# Leitet
-man den Strom einer Batterie durch einen Wasserzersetzer, so wird durch
-das Zersetzen des Wassers in ~H₂~ und ~O~ eine elektromotorische Kraft
-tätig, welche den Strom schwächt; denn dort, wo ~H₂~ auftritt, also an
-der Kathode, entsteht ein positiver Pol, und an der Anode ein negativer.
-
-[Abbildung: Fig. 183.]
-
-Benützt man als Elektroden in Wasser zwei Platinbleche, so bleiben von
-den ausgeschiedenen Gasen ~H₂~ und ~O~ ^kleine Mengen am Platin haften^.
-Entfernt man nun den ursprünglichen, primären Strom und verbindet die
-Platinbleche mit einem Galvanometer (indem man das Drahtstück ~ab~ rasch
-nach ~ac~ verlegt), so erkennt man das Vorhandensein des sekundären oder
-Polarisationsstromes. Er läuft so, als wäre das Blech, welches als
-Kathode gedient hat, nun der negative Pol; wo also zuerst die negative
-Elektrizität hineinlief, da läuft sie beim Polarisationsstrom heraus.
-#Die Richtung des Polarisationsstromes ist der des ursprünglichen
-entgegengesetzt.# Auch hiebei geht ein chemischer Prozeß vor sich,
-indem das am Platin haftende ~H₂~ durch Vermittelung des Wassers
-wandert und sich mit dem an der Anode haftenden ~O~ verbindet. Der
-^Polarisationsstrom entsteht also durch Wiedervereinigung^ von ~H₂~ und
-~O~.
-
-[Abbildung: Fig. 184.]
-
-Geht der Strom durch den Wasserzersetzer, so ist der Polarisationsstrom
-als solcher nicht vorhanden, wohl aber dessen elektromotorische Kraft.
-Diese wirkt in entgegengesetztem Sinne wie die Batterie und schwächt
-sie. Deshalb zeigt das ^Gefälle^, das auf dem metallischen oder
-flüssigen Leiter ein ^kontinuierliches^ ist, beim Übergang vom
-metallischen Leiter in die Flüssigkeit einen ^Sprung^, einen ^Absprung,
-der auf einmal ein ganzes Stück des Gefälles verbraucht^. Fig. 184.
-Dieser Betrag elektrischer Kraft wird aber gerade dazu verwendet, um die
-chemische Verwandtschaft von ~H₂~ und ~O~ zu lösen; es bedarf einer
-Arbeit, die chemisch verbundene Moleküle ~H₂~ und ~O~ zu trennen, und
-^diese Arbeit wird geleistet von der Elektrizität, indem sie einen Teil
-ihres Potenzials dazu verwendet^.
-
-
-144. Polarisation bei Elementen.
-
-Ein ^Sprung im Gefälle^ findet auch ^bei jeder auf elektromotorische
-Kraft zusammengesetzten Batterie^ statt, ^insofern in jedem Elemente das
-Potenzial erhöht wird^. Durch das erste Element (Fig. 185) wird eine
-Potenzialdifferenz geschaffen an der Grenzfläche von Zink und
-Flüssigkeit; die + Elektrizität geht mit Gefälle durch die Flüssigkeit
-des Elementes und durch den Verbindungsdraht zum Zink des zweiten
-Elementes; dort wirkt die elektromotorische Kraft des zweiten Zinkes und
-erhöht dies elektrische Potenzial um den Betrag ~b′c′ (= bc)~, wenn das
-zweite Element dieselbe elektromotorische Kraft hat wie das erste; dann
-folgt Gefälle zum - Pole des dritten Elementes; dort wieder Erhöhung des
-Potenzials u. s. f.
-
-[Abbildung: Fig. 185.]
-
-#Sind in einem Stromkreise mehrere elektromotorische Kräfte tätig, so
-ist die elektromotorische Kraft des Stromes gleich der algebraischen
-Summe sämtlicher elektromotorischen Kräfte#, wobei die in dem einen
-Sinne wirkenden Kräfte als +, die in dem andern Sinne wirkenden Kräfte
-als - anzusetzen sind, ^die Aufeinanderfolge der Kräfte aber eine
-beliebige ist^. In jedem Elemente geschieht eine chemische Verbindung,
-es verschwindet chemische Verwandtschaft, dafür wird eine elektrische
-Potenzialdifferenz hergestellt, oder eine schon vorhandene erhöht. Bei
-jeder Elektrolyse wird eine chemische Verbindung gelöst, es wird
-chemische Verwandtschaft hergestellt; dazu wird elektrische Kraft
-verbraucht, d. h. eine vorhandene elektrische Potenzialdifferenz wird
-verbraucht, und so entsteht der Absprung im Gefälle.
-
-Wenn bei der Elektrolyse eines Metallsalzes ^die Anode aus dem
-entsprechenden Metalle besteht^, sich also auflöst, ^so kommt keine
-elektromotorische Kraft zum Vorschein; denn es wird hiebei keine
-chemische Verbindung gelöst^, sondern es findet nur ein gegenseitiger
-Austausch ^derselben^ Stoffe von Molekül zu Molekül statt. Es genügt in
-diesem Falle die geringste elektromotorische Kraft, um die Elektrolyse
-hervorzubringen.
-
-
-145. Galvanoplastik. Herstellung dicker Metallniederschläge.
-
-Die Galvanoplastik zerfällt in zwei Teile, 1) die ^eigentliche
-Galvanoplastik^, die Herstellung dicker Metallniederschläge, um einen
-Gegenstand in Metall abzuformen, 2) ^die Galvanostegie^, das Überziehen
-eines Gegenstandes mit einer dünnen festhaftenden Metallschichte.
-
-#Galvanoplastik in Kupfer.# (Jakobi 1838.) Will man eine Münze in Kupfer
-nachbilden, so macht man von ihr einen ^Abdruck^ etwa in Blei, das
-^Negativ^, welches die Erhabenheiten der Münze vertieft enthält. Hängt
-man das Negativ an einem Kupferdrahte in ^eine Lösung^ von #Kupfersulfat
-als Kathode#, ihm gegenüber als #Anode ein Kupferblech# und schließt den
-Strom, so löst sich Kupfer von der Anode und schlägt sich auf dem Blei
-als #metallischer fester Niederschlag# ab, der immer dicker wird. Ist er
-stark genug, so kann man das Blei entfernen, und das Kupfer zeigt ein
-getreues Abbild der Münze.
-
-Hiezu genügt auch eine ^Abänderung des Daniellschen Elementes^. Man
-füllt einen großen Trog (Steingut oder Holz mit Blei ausgeschlagen), mit
-Kupfervitriollösung, die mit etwas Schwefelsäure angesäuert ist und
-stellt mehrere Tonzellen mit Schwefelsäure und Zinkblöcken ein. Die
-Zinkblöcke werden durch Drähte mit einem Kupferstab verbunden, und von
-diesem aus hängt das Negativ in die Kupfervitriollösung. So stellt das
-Ganze gleichsam ein Daniellsches Element vor; ^Zink löst sich auf,
-Kupfer wird an den hineingehängten Negativen niedergeschlagen^.
-
-[Abbildung: Fig. 186.]
-
-Als Material für das Negativ benützt man leichtflüssige Metalle, Wachs,
-Stearin, besonders auch Guttapercha. Bei nichtmetallischen Stoffen muß
-das Negativ leitend gemacht werden durch Einreiben mit Graphit- oder
-Bronzepulver.
-
-Auf diese Weise macht man Kopien von Münzen, Medaillen,
-Schmuckgegenständen, besonders auch von Kupferstichplatten und
-Holzschnitten (Cliché).
-
-
-146. Herstellung dünner Metallniederschläge.
-
-Die #Galvanostegie# oder galvanische Metallisierung wird angewandt, #um
-einen metallenen Gegenstand mit einer dünnen Schichte eines edleren
-Metalles zu überziehen#, um ihm ein schöneres Aussehen zu geben oder ihn
-gegen Rost zu schützen. Am gebräuchlichsten sind:
-
-~a~) Das galvanische #Versilbern#: ein passendes Bad macht man aus 10
-_l_ destilliertem Wasser, darin löst man 250 _g_ Cyankalium auf und fügt
-100 _g_ Silber (in Silbernitrat verwandelt und dann in etwas Wasser
-aufgelöst) hinzu. Es findet Wechselzersetzung statt, indem sich
-Kaliumnitrat und Cyansilber bildet, welch letzteres in dem überschüssig
-vorhandenen Cyankalium gelöst bleibt.
-
-Man versilbert mit einer Batterie, indem man den Gegenstand als Kathode
-und ein Silberblech als Anode ins Bad bringt. Das Bad bleibt gesättigt,
-da sich von der Anode so viel Silber löst, als sich an der Kathode
-niederschlägt.
-
-~b~) #Vergolden.# (Zuerst gefunden von ~de la Rive~ 1841). Es gibt eine
-große Anzahl von Vorschriften für Vergoldungsbäder. Ein ^kalt^
-angewandtes Bad hat folgende Zusammensetzung: Wasser 1 _l_, Cyankalium
-40 _g_, Gold 10 _g_ (in Chlorid verwandelt), Ammoniak 2 _g_.
-
-Ein ^warm^ (bei 60-80°) angewandtes Bad hat folgende Zusammensetzung: In
-8 _l_ Wasser werden 600 _g_ krystallisiertes phosphorsaures Natrium
-gelöst, in 1 _l_ Wasser werden 10 _g_ Gold (als Chlorid) gelöst und
-beide Lösungen gemischt. In 1 _l_ Wasser löst man 100 _g_ zweifach
-schwefligsaures Natrium und 15-20 _g_ Cyankalium und fügt diese Lösung
-zu der zuerst bereiteten.
-
-Als Anoden verwendet man entweder Goldblech, von dem sich beim
-Stromschlusse Gold im Bade auflöst, jedoch meist nicht so viel, als sich
-an der Kathode niederschlägt, weshalb das Bad sich erschöpft; oder man
-nimmt ein Platinblech, von welchem sich nichts ablöst, so daß sich das
-Bad erschöpft; es wird dann durch weiteren Zusatz von Goldsalz wieder
-aufgebessert, oder durch ein neues ersetzt.
-
-~c~) #Verkupfern.# Eisen und Zink lassen sich nicht gut direkt
-versilbern oder vergolden, man muß sie zuerst verkupfern, und auch sonst
-will man manche aus Eisen oder Zink gefertigte Gegenstände verkupfern,
-um ihnen ein schöneres Aussehen zu geben oder sie gegen Rost zu
-schützen. Man benützt als Anode einer starken Batterie ein Kupferblech
-in folgendem Bade. Man löst in 20 _l_ Regenwasser 300 _g_
-schwefligsaures Natrium und 500 _g_ Cyankalium, löst in 5 _l_ Wasser 350
-_g_ essigsaures Kupfer und 200 _g_ Ammoniak und mischt nun beide
-Flüssigkeiten, wobei sie sich vollständig entfärben.
-
-~d~) Kupferne und eiserne Gegenstände (eisernes Küchengeschirr,
-Eisendraht) werden auch oft #verzinnt#; ein Bad, das meist heiß
-angewandt wird, ist folgendes: 300 _l_ Regenwasser, 3 _kg_ Weinstein,
-300 _g_ Zinnchlorür.
-
-~e~) #Vernickeln.# Man verwendet als Bad eine gesättigte Lösung von
-schwefelsaurem Nickeloxydul, als Anode ein Nickelblech, und vernickelt
-Gegenstände aus Kupfer, Messing und Eisen.
-
-
-Aufgaben:
-
-#105.# In welcher Zeit werden sich bei 2,6 ~Amp.~ 10 _g_ Silber
-ausscheiden, und wie viel Zink wird dabei im Element verbraucht?
-
-#106.# Wie lange muß ein Negativ im galvanischen Bad sein, damit es sich
-bei 30 _cm_ Länge und 18 _cm_ Breite mit einer 0,8 _mm_ dicken
-Kupferschichte überzogen hat, wenn die Stromstärke 12 ~Amp.~ beträgt?
-
-
-
-
-Achter Abschnitt.
-
-Induktions-Elektrizität.
-
-
-147. Fundamental-Versuche und -Gesetze.
-
-[Abbildung: Fig. 187.]
-
-Die Induktionselektrizität wird nach folgendem Gesetze hervorgebracht.
-#Wird ein Teil eines geschlossenen Leiters einem Teil eines galvanischen
-Stromes genähert, oder von ihm entfernt, so entsteht jedesmal in dem
-geschlossenen Leiter ein elektrischer Strom, der Induktionsstrom.#
-
-Die Richtung des Induktionsstromes ist stets eine solche, daß durch die
-Einwirkung des induzierten Stromes auf den induzierenden nach den
-Ampèreschen Gesetzen ^die Bewegung verlangsamt^ würde (Gesetz von Lenz);
-es hat also der beim ^Annähern^ induzierte Strom ~L′L~ die
-^entgegengesetzte^ Richtung, wie der induzierende Strom ~BD~, so daß
-diese beiden, in entgegengesetzter Richtung laufenden Ströme sich
-abstoßen, demnach die Bewegung des Annäherns verlangsamen würden; es hat
-ferner der beim ^Entfernen^ induzierte Strom ~LL′~ die gleiche Richtung
-wie der induzierende Strom ~BD~, so daß also die beiden in gleicher
-Richtung laufenden Ströme sich anziehen, also die Bewegung des
-Entfernens verlangsamen würden.
-
-Man erregt diese Induktionsströme und weist sie leicht nach auf folgende
-Art.
-
-Man benützt: 1) die #induzierende Rolle# (~P~), das ist ein in vielen
-Windungen auf eine Spule gewickelter, isolierter Kupferdraht, durch
-welchen der Strom einer Batterie geleitet werden kann.
-
-2) Die #induzierte oder Induktionsrolle# (~J~); das ist ein über eine
-größere Spule in sehr vielen Windungen gewickelter, meist viel feinerer,
-isolierter Kupferdraht: die Induktionsrolle kann so über die
-induzierende geschoben werden, daß letztere von ersterer ganz umhüllt
-wird. Die beiden Enden der Induktionsrolle ~J~ führen zu Klemmschrauben,
-von denen Drähte zu einem empfindlichen Galvanometer führen, so daß die
-#Induktionsrolle mit den Galvanometerwindungen einen geschlossenen
-Leiter bildet#.
-
-[Abbildung: Fig. 188.]
-
-~a~) #Elektrische Induktion.# Man leitet den Strom der Batterie durch
-die induzierende Rolle und schiebt dann die Induktionsrolle über die
-induzierende, ^so entsteht in der Induktionsrolle durch die Annäherung
-des geschlossenen Leiters an den Stromteil ein Strom^, welcher die Nadel
-des Galvanometers ablenkt. Dieser Strom ist dem induzierenden oder
-primären Strome entgegengesetzt gerichtet und heißt #Schließungsstrom#.
-
-Man zieht die Induktionsrolle von der induzierenden weg, so entsteht in
-der Induktionsrolle ein Strom, der die Nadel des Galvanometers nach der
-entgegengesetzten Richtung ablenkt; dieser Strom ist dem induzierenden
-Strome gleichgerichtet und heißt #Öffnungsstrom#. #Die beiden
-Induktionsströme sind der Richtung nach verschieden.#
-
-Die Ströme dauern nur so lange, als die Bewegung des Annäherns und
-Entfernens dauert; #sobald die Bewegung aufhört, hört der
-Induktionsstrom auf#, weshalb die Nadel des Galvanometers auf 0
-zurückgeht.
-
-Wenn man die Induktionsrolle über die induzierende gesteckt hat, und nun
-erst den Strom in der primären Rolle schließt, so entsteht ein
-Induktionsstrom von derselben Richtung, wie beim Annähern, also ein
-^Schließungsstrom^; wenn man den Strom in der primären Rolle öffnet, so
-entsteht ebenso ein ^Öffnungsstrom^. Diese Ströme sind von derselben
-Richtung wie die zuerst gefundenen, haben auf sie ihren Namen
-übertragen, haben ganz ähnliche Entstehungsursache, aber, dem raschen
-Hineinlaufen des Stromes in die primäre Rolle entsprechend, eine ^sehr
-kurze, fast momentane Dauer^, und verlaufen deshalb mit ^größerer
-Kraft^.
-
-~b~) #Magnetelektrische Induktion.# Schiebt man in die Induktionsrolle
-einen permanenten Magnet, so entsteht ein Strom; beim Herausziehen des
-Magnetstabes entsteht ein entgegengesetzt gerichteter Strom. Der Magnet
-wirkt ja nach Ampères Theorie wie ein Solenoid, und da der vorher
-benützte primäre Strom die Form eines Solenoides hatte, so kann er durch
-einen Magnet ersetzt werden. #Durch Annähern und Entfernen des Magnetes
-können Ströme induziert werden.#
-
-Auch die Richtung dieser Ströme kann leicht gefunden werden, da beim
-Magnete am Nordpole, d. h. wenn man den Nordpol dem Auge zukehrt, die
-Ströme entgegengesetzt dem Zeiger der Uhr laufen. Steckt man den Magnet
-mit dem Nordpol voran in die Induktionsrolle, so ist der Induktionsstrom
-diesen Ampère-Strömen entgegengesetzt, und läuft wie die Uhr; zieht man
-den Magnet wieder heraus, so läuft der Strom gegen die Uhr. Bei
-Benützung des Südpoles entstehen Ströme von je entgegengesetzter
-Richtung.
-
-~c~) #Elektromagnetische Induktion.# Wenn man in das Innere der
-induzierenden Rolle ein Stück weiches Eisen oder besser ein Bündel
-weicher Eisenstäbe steckt, und nun dieselben Versuche wie in ~a~
-wiederholt, so erhält man Ströme von gleicher Richtung wie vorher,
-jedoch von größerer Stärke. Denn der in der primären Rolle steckende
-Eisenkern wird bei Stromschluß magnetisch, beim Öffnen wieder
-unmagnetisch; die Kreisströme dieses ^Elektromagnetes^ sind aber gleich
-gerichtet den Kreisströmen der primären Rolle; beide wirken induzierend
-in demselben Sinne, weshalb die Induktionsströme der Summe beider
-Wirkungen entsprechen.
-
-Alle diese wichtigen Gesetze wurden von Faraday 1813 entdeckt.
-Besonderes Interesse erregen die Magnetinduktionsströme deshalb, weil
-man, ähnlich wie man mittels des Stromes Magnetismus hervorrufen kann
-(Elektromagnet), so nun mittels des Magnetes auch wieder den
-elektrischen Strom hervorrufen kann, weil man ferner, ohne eine Batterie
-nötig zu haben, mittels des Magnetstabes allein Ströme erzeugen kann,
-und schließlich weil gerade diese magnetelektrischen Induktionsströme in
-jüngster Zeit eine ungeahnte Entwicklung erfahren und vielfache und
-großartige Anwendung gefunden haben. Man erhält diese magnetelektrischen
-Ströme als Äquivalent für die Kraft, die man aufwenden muß zur
-Überwindung der Kraft, mit welcher die induzierten Ströme die Magnetpole
-anziehen resp. abstoßen.
-
-[Abbildung: Fig. 189.]
-
-
-148. Der elektrische Induktionsapparat.
-
-Der elektrische Induktionsapparat hat eine #induzierende Rolle# von
-wenig Windungen eines ziemlich dicken Drahtes, so daß der Widerstand
-gering ist. In ihr steckt ein #Bündel weicher Eisenstäbe#, beiderseits
-etwas hervorschauend. Um die induzierende Rolle ist die
-#Induktionsrolle# gelegt, bestehend aus sehr vielen Windungen eines sehr
-dünnen Kupferdrahtes. ^Isolierung^ desselben mit Seide allein würde
-nicht genügen; deshalb wird der Draht mehrmals mit Schellack
-überstrichen. Man richtet es nun so ein, daß #der primäre Strom sich
-selbst unterbricht#, und benützt dazu den #Neef’schen# oder
-#Wagner’schen# ^Hammer^. Man leitet den primären Strom durch eine Klemme
-(~K~) in ein ^federndes Messingblech^, das an seinem freien Ende einen
-^eisernen Knopf, den Hammer^ (~H~) trägt, der dem etwas herausragenden
-Ende des Bündels weicher Eisenstäbe gegenübersteht. In der Mitte wird
-das federnde Blech von einer ^Stellschraube^ (~J~) berührt, von welcher
-der Strom in die primäre Rolle und dann in die Batterie zurückgeht. Der
-Strom unterbricht sich wie bei einer elektrischen Klingel und es
-^erfolgt rasch nacheinander Stromschluß und Stromöffnung, und
-infolgedessen jedesmal in der Induktionsrolle ein Strom^. Zum Anziehen
-des Hammers verwendet man auch (Fig. 190) einen eigenen kleinen
-Elektromagnet (~E~) der auch vom Batteriestrom durchflossen wird. Diese
-Induktionsströme können leicht in solcher Stärke erzeugt werden, daß
-zwischen den Enden der Induktionsrolle glänzende Funken überspringen;
-denn #die elektromotorische Kraft des Induktionsstromes wächst wie die
-Anzahl der Windungen#. Demnach ist bei sehr vielen Windungen auch die
-#Spannung# der an den freien Enden der Induktionsrolle auftretenden
-Elektrizitäten ^sehr groß^, so daß sie sich sogar durch die Luft
-ausgleichen. Man kann mit dieser Induktionselektrizität auch ^Leydener
-Flaschen laden^.
-
-[Abbildung: Fig. 190.]
-
-Sehr mächtige solche Apparate wurden zuerst von ^Rhumkorff^ (1851)
-gemacht; die Induktionsrollen haben bis 30 000 Windungen und geben
-Funken von 20 _cm_, ja bis 30 _cm_ Länge. Die Funken verlaufen in
-gezackten Linien wie gewöhnliche elektrische Funken, sind imstande,
-starre Nichtleiter, wie Glas, Holz, Kautschuk etc. zu durchlöchern,
-Papier, Gas und Pulver zu entzünden, und werden deshalb auch zu
-Minenzündungen verwendet.
-
-Solche Induktionsströme, sowie auch konstante Ströme werden auch zu
-^Heilzwecken^ benützt (^Elektrotherapie^).
-
-
-149. Induktion des Stromes auf seine eigene Leitung.
-
-Wenn man den Strom in einem Leiter schließt, so wirkt jeder vom Strome
-schon durchflossene Teil des Leiters auf jeden folgenden Teil
-induzierend, bringt also darin einen Schließungsstrom hervor. Besonders
-kräftig ist diese Wirkung, wenn im Schließungsdrahte parallele Windungen
-vorhanden sind. #Da der Schließungsstrom dem primären Strom
-entgegengesetzt gerichtet ist, so schwächt er ihn#; der Batteriestrom
-fließt deshalb nicht sofort in seiner ganzen (den Ohmschen Gesetzen
-entsprechenden) Stärke, sondern wächst allmählich auf diese Höhe an.
-Dieser beim Stromschluß in der eigenen Leitung induzierte Strom heißt
-#Gegenstrom#.
-
-Ähnliches findet statt, wenn der Strom geöffnet wird; dadurch daß der
-Strom in der ersten Windung aufhört, induziert er in den folgenden einen
-Strom von gleicher Richtung, der also den noch vorhandenen Strom stärkt
-und dadurch auch dessen Aufhören verzögert. Dasselbe findet in jeder
-folgenden Windung statt. Diese beim Öffnen entstehende Induktion auf die
-eigene Leitung bewirkt also, daß, ^nachdem der Hauptstrom schon
-unterbrochen ist, in der Leitung noch ein Strom läuft, der^
-#Öffnungsextrastrom#, auch bloß #Extrastrom# oder #Extrakurrent#
-genannt, der dem Hauptstrom gleichgerichtet ist, und sogar #mit noch
-höherer elektromotorischer Kraft# verläuft.
-
-Der Öffnungsstrom zeichnet sich durch besondere Wirkungen aus. Wenn man
-einen Strom dadurch unterbricht, daß man zwei Drahtenden trennt, so
-springt ein ^Funke^ über, hervorgebracht durch die hohe
-elektromotorische Kraft des Extrastromes, welche Elektrizitäten von
-hoher Spannung an die Drahtenden bringt. Der Funke reißt dabei Teilchen
-der Leiter weg, die dann in der Luft verbrennen.
-
-Bei der elektrischen Uhr, bei der elektrischen Klingel, beim Telegraphen
-entsteht bei jedem Öffnen des Stromes der Extrastrom, bringt einen
-Funken hervor und ^beschädigt dadurch den Kontakt^. Man macht die
-Kontaktteile deshalb meist aus ^Platin^, da dies stets blank bleibt.
-
-[Abbildung: Fig. 191.]
-
-Man beseitigt diese Funkenbildung durch Einschaltung eines
-#Kondensators.# Der Kondensator besteht aus mehreren über einander
-geschichteten Stanniolblättern, die durch Wachstuchblätter isoliert
-sind. Alle in der Ordnungszahl ^ungeraden^ Stanniolblätter werden unter
-sich und mit dem einen Teile des Kontaktes, die ^geraden^
-Stanniolblätter mit dem andern Teile des Kontaktes verbunden. Wenn nun
-in ~a~ der Strom geöffnet wird und der Öffnungsstrom entsteht, so daß
-etwa von rechts +, von links - ~E~ zur Kontaktstelle hinläuft, so laufen
-die Elektrizitäten auch in die Stanniolblätter und werden an deren
-großen Flächen kondensiert. Deshalb bekommt die freie Elektrizität an
-der Trennungsstelle keine hohe Spannung, und es entsteht kein Funke.
-Später kann der Funke auch nicht mehr entstehen, da die Entfernung der
-Kontaktstücke bald zu groß geworden ist. Die in den Stanniolblättern
-aufgespeicherte Elektrizität gleicht sich dann, rückwärts fließend,
-durch die Batterie aus.
-
-Auf diesen Extraströmen beruht der #Selbstinduktionsapparat#. Er besteht
-aus einem #Elektromagnet# von sehr vielen Windungen, vor dessen Polen
-sich ein #Wagner’scher Hammer# befindet, der den Strom in rascher Folge
-unterbricht. Jeder Öffnungsstrom bewirkt nun einen Funken am Kontakte;
-leitet man aber von den zwei Kontaktstücken wie in Fig. 192 Drähte fort,
-zwischen welche eine Leiter von großem Widerstande, also etwa der
-menschliche Körper, ein Wasserzersetzer oder ähnliches, eingeschaltet
-ist, so geht der Öffnungsstrom durch diesen Leiter und nicht durch die
-Luftschichte am geöffneten Kontakt. Schon in dieser einfachen Form,
-gespeist von nur einem Elemente, wird dieser Induktionsapparat vielfach
-von Ärzten benützt. Durch diesen Apparat gelingt auch die
-Wasserzersetzung, wenn sie auch mit einem Elemente allein wegen dessen
-geringer elektromotorischen Kraft nicht eintreten könnte; denn der durch
-den Wasserzersetzer fließende Extrakurrent hat eine hohe
-elektromotorische Kraft.
-
-[Abbildung: Fig. 192.]
-
-
-150. Induktion im magnetischen Feld.
-
-Die Gesetze der magnetelektrischen Induktion werden einfach und
-anschaulich durch ^Betrachtung der magnetischen Kraftlinien und durch
-Anwendung des dynamischen Prinzips^. Das dynamische Prinzip, eine
-Erweiterung des Gesetzes von Lenz lautet: ^Die Richtung eines durch
-eine Bewegung induzierten Stromes ist stets so, daß durch Rückwirkung
-des induzierten Stromes auf den induzierenden Pol die Geschwindigkeit
-der Bewegung verlangsamt würde^; #den Induktionsstrom erhält man als
-Ersatz oder Äquivalent für den Aufwand derjenigen Kraft (Dynamis), durch
-welche man das Verlangsamen verhindert#.
-
-Wird ^ein Draht vor dem Pol eines Magnetes bewegt, so entsteht ein
-Induktionsstrom nur dann, wenn der Draht magnetische Kraftlinien
-durchschneidet^. Die Induktion ist am stärksten, wenn der Draht im
-magnetischen Feld selbst liegt und bei der Bewegung die Kraftlinien
-senkrecht durchschneidet.
-
-[Abbildung: Fig. 193.]
-
-Es sei in Fig. 193 ~AB~ ein Drahtstück, das im magnetischen Feld vor
-einem Nordpol ~N~ vorbeigeführt wird, so daß es dessen Kraftlinien
-durchschneidet, so wird in ihm, solange es sich dem Pole nähert, ein
-Strom induziert, der den Pol (nach Örstedts Regel) abstößt, der also die
-Richtung ~A′B′~ hat; wenn sich dann der Draht vom Pol entfernt (von
-~A′′B′′~ nach ~A′′′B′′′~), so wird in ihm ein Strom induziert, der den
-Pol anzieht, der also die Richtung ~B′′A′′~ hat. Während also ein
-Drahtstück vor dem Nordpol vorbeigeführt wird und die aus dem Nordpol
-ausstrahlenden Kraftlinien durchschneidet, hat der Induktionsstrom eine
-während dieser Bewegung unveränderliche Richtung. Führt man den Draht
-vor einem Südpol vorbei, so hat der Induktionsstrom die entgegengesetzte
-Richtung.
-
-Man nimmt nach Ampère an, daß im Magnete jedes Molekül Eisen von einem
-Kreisstrom umflossen sei, welcher am Nordpol läuft entgegengesetzt dem
-Zeiger der Uhr. Stellt man sich vor, daß auch jede Kraftlinie an jedem
-Punkte von solchen Ampèreströmen umflossen sei, so ergibt sich die
-einfache Regel:
-
-#Wenn ein Drahtstück eine Kraftlinie durchschneidet, so hat der
-Induktionsstrom dieselbe Richtung wie der Ampèrestrom an der zuerst
-getroffenen Seite.#
-
-[Abbildung: Fig. 194.]
-
-Wenn ein Solenoid an einem Pol vorbei oder zwischen zwei
-entgegengesetzten Polen durchbewegt wird, so müssen beim Annähern
-Induktionsströme entstehen wie an gleichartigen Polen. Nach der vorher
-aufgestellten Regel: die bei der Bewegung vorangehenden Teile der
-Drahtwindungen durchschneiden die Kraftlinien und erhalten
-Induktionsströme von derselben Richtung wie der Ampèrestrom an der
-zuerst getroffenen Stelle. Diese Richtung behält der Induktionsstrom,
-bis das Solenoid vor dem Pol oder zwischen den Polen angekommen ist.
-Wird das Solenoid wieder von den Polen entfernt, indem man es etwa in
-derselben oder in einer anderen Richtung bewegt, so entstehen nun
-Induktionsströme von entgegengesetzter Richtung wie vorher, denn sie
-müssen nun laufen wie auf ungleichnamigen Polen. Oder nach der vorher
-aufgestellten Regel: man berücksichtige, daß, während das Solenoid
-zwischen den Polen steht, alle oder doch fast alle Kraftlinien durch
-sein Inneres laufen, besonders, wenn im Innern des Solenoides ein Kern
-weiches Eisen (Feldmagnet) steckt; bei der Entfernung vom Pol
-durchschneiden also die Drähte des Solenoides nur die hinteren Teile die
-Kraftlinien und erhalten Induktionsströme. Das gibt dieselbe Richtung
-der Induktionsströme; sie laufen wie auf entgegengesetzten Polen.
-
-^Wenn ein^ #Drahtstück# ^an einem Pol vorbeigeführt wird, so entsteht in
-ihm nur^ #ein einziger# ^Induktionsstrom; wenn ein^ #Solenoid# ^an einem
-Pol vorbeigeführt wird, so entstehen in ihm^ #zwei Ströme# ^von
-verschiedener Richtung, der eine beim Annähern, der andere beim
-Entfernen^. Wenn man ein Solenoid vom Nordpol entfernt und zugleich
-einem Südpol nähert, wenn also das Solenoid einen ^Polwechsel^ ausführt,
-so entstehen, wie leicht zu sehen ist, zwei Ströme von gleicher
-Richtung, welche sich zu einem einzigen Strom aneinander schließen.
-Führt das Solenoid dann den entgegengesetzten Polwechsel aus, indem es
-vom Südpol zum Nordpol geht, so entsteht ein Strom von entgegengesetzter
-Richtung.
-
-Die elektromotorische Kraft dieser Induktionsströme ist abhängig von der
-Stärke des magnetischen Feldes und von der Geschwindigkeit der Bewegung;
-#die elektromotorische Kraft ist um so größer, je mehr Kraftlinien in
-einer Zeiteinheit durchschnitten werden#.
-
-
-151. Der magnetelektrische Induktionsapparat.
-
-Der magnetelektrische Induktionsapparat hat einen #kräftigen
-Stahlmagnet# von Hufeisenform, vor dessen Polen sich zwei
-#Induktionsspulen ~J~# mit Eisenkernen befinden. Die Induktionsspulen
-sind auf einer ^drehbaren Achse^ so befestigt, daß sie sich beim Drehen
-der Achse von einem Pole des Magnetes zum andern Pole hinbewegen, also
-einen #Polwechsel# ausführen. Dadurch entstehen Induktionsströme, welche
-dadurch verstärkt werden, daß die Eisenkerne die magnetischen
-Kraftlinien in sich hineinziehen.
-
-[Abbildung: Fig. 195.]
-
-#Die Induktionsströme sind Wechselströme#, welche ihre Richtung
-wechseln, wenn die Rollen vor den Polen sind.
-
-[Abbildung: Fig. 196.]
-
-Man verbindet die zwei Rollen wie zwei Elemente auf Intensität
-(Spannung) oder auf Quantität, und hat dann zwei freie Drahtenden,
-aus welchen die Ströme ^herausgeleitet^ werden müssen. Man bringt
-auf der Achse zwei Messingscheiben, die #Kollektoren# oder
-#Stromsammler#, isoliert an und führt zu ihnen die Drahtenden. Man
-läßt dann an den Scheiben zwei #kupferne Federn# schleifen, die zu
-#Klemmschrauben# führen und so die Ströme herausleiten: Es ist eine
-#Wechselstrommaschine#.
-
-Will man die Ströme #gleichgerichtet# herausleiten, so bringt man als
-Kollektor den #Kommutator# (Stromwender) an. Auf der Achse werden zwei
-halbkreisförmige isolierte Scheiben so befestigt, daß sie eine ganze
-Scheibe zu bilden scheinen, und die Poldrähte der Induktionsrolle werden
-zu den Halbscheiben geführt. Zwei Federn berühren die Halbscheiben und
-sind so angebracht, daß, wenn die Induktionsrollen vor den Polen stehen,
-jede Feder gerade die Trennungslinie der beiden Halbscheiben berührt,
-also beim Umdrehen in diesem Momente von der einen Halbscheibe auf die
-andere übertritt. Da nun in demselbem Momente auch die Richtung des
-Induktionsstromes wechselt, so kommen aus den Schleiffedern die
-Induktionsströme gleichgerichtet heraus. Es ist eine #Einstrom-# oder
-#Gleichstrommaschine#.
-
-[Abbildung: Fig. 197.]
-
-Um größere Wirkung zu erzielen, bringt man mehrere Magnete mit
-wechselnden Polen in einem Kreise an, und läßt eine gleiche Anzahl von
-Induktionsspulen, die auf einer gemeinsamen Achse befestigt sind, vor
-ihnen vorbei gehen, so daß in jeder Rolle bei jedem Polwechsel ein Strom
-entsteht. Die Drahtenden der Rollen verbindet man nach Bedarf auf
-Intensität oder auf Quantität und leitet sie zu Schleiffedern wie
-früher.
-
-Besser und einfacher ist die von #Siemens# erfundene Induktionsspule
-(#Cylindermagnet#); sie besteht aus einem stabförmigen Stück weichen
-Eisens, in welches der Länge nach zwei tiefe und breite Rinnen
-eingegraben sind; längs dieser Rinnen wird nun der Länge nach isolierter
-Draht eingewickelt, so daß er sie fast ausfüllt. Die Spule ist drehbar
-um die Längsachse, und ihre Enden führen zu Kollektoren wie früher.
-
-Der Eisenkern hat den Zweck, die Kraftlinien durch den Raum zu leiten,
-in welchem sich die Drähte bewegen. Diejenigen Teile der Drahtwindungen,
-welche eben am Nordpol vorbeigehen und dort die Kraftlinien
-durchschneiden, erhalten einen gewissen Strom, die anderen Teile, welche
-dabei eben am Südpol vorbeigehen, erhalten entgegengesetzten Strom;
-beide Ströme durchlaufen aber die Windungen in derselben Richtung. Wenn
-die Windungen die Mittelebene zwischen Nord- und Südpol überschreiten,
-wechselt der Strom in den Drahtwindungen seine Richtung. Die
-Siemens’sche Induktionsspule liefert demnach Wechselstrom, welcher aber
-in Gleichstrom verwandelt werden kann.
-
-
-152. Die dynamoelektrische Maschine.
-
-Die Stärke des bei magnetelektrischen Maschinen induzierten Stromes
-hängt ab von der #Anzahl der Windungen# und der #Geschwindigkeit der
-Umdrehung#, und zwar ist die ^elektromotorische Kraft des Stromes jeder
-dieser Ursachen nahezu direkt proportional^. Sie ist aber auch
-proportional der ^Stärke des verwendeten Magnetes^. Man ersetzt deshalb
-den Stahlmagnet der magnetelektrischen Maschine durch den kräftigeren
-Elektromagnet.
-
-[Abbildung: Fig. 198.]
-
-Um aber den Elektromagnet magnetisch zu machen, dazu hat man einen Strom
-nötig; diesen durch eine Batterie zu erzeugen, ist teuer und
-umständlich. ~Dr.~ Werner Siemens verdankt man den glücklichen
-Gedanken, den durch die Umdrehung der Induktionsspule erhaltenen
-gleichgerichteten Strom sogleich auch dazu zu verwenden, um den
-Elektromagnet zu speisen. Man nimmt also eine Siemens’sche Spule, steckt
-sie zwischen die Pole eines großen Elektromagnetes, dessen Eisenkerne
-entsprechend der Länge der Spule, breite Eisenplatten sind, leitet von
-der einen Schleiffeder der Spule den Draht in die Windungen des
-Elektromagnetes und verbindet deren Ende mit der anderen Schleiffeder.
-
-Läßt man, nachdem der Apparat so konstruiert ist, einen Batteriestrom
-durch den Elektromagnet gehen, so wird er magnetisch; entfernt man den
-Batteriestrom, so behalten die Eisenkerne einen kleinen Rest
-Magnetismus, den #remanenten Magnetismus#. Dieser genügt, um fernerhin
-die #Selbsterregung# der Maschine zu veranlassen; denn schon bei der
-^ersten^ Umdrehung induziert der remanente Magnetismus einen wenn auch
-^schwachen^ Strom; dieser wird durch den Kommutator gleichgerichtet und
-durchläuft den Elektromagnet und zwar so, daß er den vorhandenen
-remanenten Magnetismus ^verstärkt^. Bei der zweiten Umdrehung erregt der
-nun ^stärkere^ Elektromagnet einen ^stärkeren^ Strom, der auch wieder
-durch den Elektromagnet läuft und diesen ^verstärkt^. So geht es nun
-fort, #Strom und Elektromagnet verstärken sich gegenseitig und die
-Maschine erregt sich durch fortgesetzte Multiplikation des anfangs
-vorhandenen schwachen Magnetismus#. Hört man auf zu drehen, so
-verschwindet der Strom und damit der Magnetismus; aber es bleibt eine
-Spur Magnetismus zurück, genügend, um beim Wiederbeginn des Umdrehens
-die ^Selbsterregung^ der Maschine wieder einzuleiten. Die Maschine
-erregt sich hiebei sehr rasch, so daß wenige Umdrehungen genügen, um sie
-in volle Tätigkeit zu setzen. Die Stärke des Stromes und des
-Elektromagnetes wachsen bis zu einer Grenze, welche dem
-#Sättigungsgrade# des Magnetes entspricht.
-
-Diese Maschinen sind deshalb besonders interessant, weil sie zuerst
-keinen Strom und auch keinen, wenigstens keinen beträchtlichen
-Magnetismus haben, sondern bloß aus totem Material bestehen
-(Kupferdrähte und Eisenstücke), das nicht verbraucht wird, und daß sie
-doch ungemein viel Energie elektrischer und magnetischer Art liefern.
-Diese Energie, welche insbesondere im elektrischen Strom liegt, bekommt
-man aber ^nicht umsonst^, sondern man erhält sie nur ^dadurch, daß man
-Kraft aufwendet, um die Spule umzutreiben^; weil mittels dieser Maschine
-die mechanische Arbeit verwandelt wird in Elektrizität, so nennt man sie
-#dynamoelektrische# Maschine (Dynamis = Kraft) oder bloß
-#Dynamomaschine#, oder #Dynamo#. #Sie erregt sich selbst, und wirkt nach
-dem dynamischen Prinzip.#
-
-
-153. Der Gramme’sche Ringinduktor.
-
-[Abbildung: Fig. 199.]
-
-^Gramme^ ersetzte die Siemens’sche Spule durch einen ^ringförmigen
-Induktionsapparat^, den #Gramme’schen Ring#. Dieser besteht ^aus einem^
-#Ring# von weichem Eisen, der die Gestalt eines hohlen Cylinders hat; er
-ist mit isoliertem #Kupferdrahte# bewickelt, und zwar geht der Draht an
-der äußeren Fläche des Ringes längs einer Cylinderkante, kehrt auf der
-zugehörigen inneren Kante zurück, geht dann wieder längs der äußeren
-Kante, dann längs der inneren Kante zurück u. s. f. bis der ganze Ring
-bewickelt ist. Die Drahtwindungen sind in #Gruppen# abgeteilt, etwa 12
-wie in der Figur, und das Ende jeder Gruppe ist mit dem Anfange der
-nächsten verbunden. Von jeder Verbindungsstelle führt ein ^Drahtstück^
-in der Richtung des Radius gegen die Achse des Ringes zum #Kollektor#;
-dieser besteht aus Kupferstäben, die auf einem cylindrischen Holzstück
-parallel zu dessen Achse isoliert eingelassen sind. Auf diesen
-Kupferstreifen schleifen zwei #Kupferdrahtbürsten#, durch Federn
-angedrückt, die eine oben, die andere unten. Rechts und links vom Ringe
-stehen #die Pole eines kräftigen Elektromagnetes#, der durch den Strom
-des Ringes selbst gespeist wird; dann erregt sich auch diese Maschine
-selbst durch den remanenten Magnetismus und wirkt nach dem dynamischen
-Prinzip.
-
-Die Induktionsströme kommen auf folgende Weise zustande. Die Kraftlinien
-gehen vom Nordpol in den nächstliegenden Teil des Ringes, durchlaufen
-den Eisenkörper des Rings, ^ohne ihn unterwegs zu verlassen^, und
-treten auf der gegenüberliegenden Seite in den Südpol über. Diejenigen
-Gruppen, welche eben dem Südpol zugekehrt sind, stellen eine Drahtspule
-vor, die nur am oberen und unteren Ende mit den Schleiffedern in
-Verbindung steht. In jeder Windung wird also ein Strom von gleicher
-Richtung induziert, und zwar immer nur auf der äußeren Seite des Ringes,
-da nur dort Kraftlinien durchschnitten werden; der auf der Innenseite
-des Ringes laufende Teil jeder Drahtwindung ist inaktiv. Die Gesamtheit
-der Windungen dieser Ringhälfte liefert also einen Strom, der seine +
-~E~ etwa nach der oberen, seine - ~E~ nach der unteren Schleiffeder
-schickt. In den Windungen der anderen Ringhälfte entsteht ein Strom von
-entgegengesetzter Richtung, da die Kraftlinien von der entgegengesetzten
-Seite her durchschnitten werden. Da aber die Windungen dieser Seite auch
-nach entgegengesetzter Richtung laufen (was sich auf der einen Seite
-nach aufwärts windet, windet sich auf der andern Seite nach abwärts), so
-liefert auch diese Seite + ~E~ zur oberen, - ~E~ zur unteren
-Schleiffeder.
-
-[Abbildung: Fig. 200.]
-
-^Beide Hälften sind anzusehen als zwei Elemente, deren positive Pole zur
-oberen, deren negative Pole zur unteren Schleiffeder führen, die also
-auf Quantität verbunden sind^.
-
-Da bei der Drehung die gegenseitige Stellung der Windungen stets
-dieselbe bleibt, indem für jede Windung, die aus ihrer Stellung rückt,
-die folgende nachrückt, und für jede Gruppe, die von der rechten Seite
-oben auf die linke übertritt, auch unten eine Gruppe von der linken auf
-die rechte Seite tritt, ^so ist der Strom fast gleichmäßig, nie
-unterbrochen und verändert seine Stärke nicht^, wenn man gleich rasch
-weiter dreht.
-
-Wenn der Gramme’sche Ring rasch gedreht wird, so müssen seine
-Eisenteile, wenn sie an den Elektromagnetpolen vorübergehen, rasch
-Magnetismus annehmen und wieder verlieren; es ist aber dazu doch einige
-Zeit erforderlich; deshalb hat der sich drehende Ring seine Pole nicht
-gerade den Magnetpolen gegenüber, sondern im Sinne der Drehung erst
-etwas später, also links etwas weiter unten, rechts etwas weiter oben.
-Damit verschieben sich auch die Stellen, in denen die Induktionsströme
-ihre Richtung wechseln, etwas im Sinne der Drehung. Diese Stellen nennt
-man auch die neutralen Punkte. Es werden deshalb die Schleiffedern im
-Sinne der Drehung etwas verschoben, möglichst genau an die neutralen
-Punkte. Daß wirklich Kraft verwendet werden muß, um die Maschine zu
-treiben, erkennt man leicht an dem folgenden Versuche. Verbindet man die
-Pole der Maschine nicht miteinander, so geht das Umdrehen der Maschine
-^verhältnismäßig leicht^; denn weil der Strom nicht geschlossen ist,
-erregt sich die Maschine nicht, die Elektromagnete bleiben schwach
-magnetisch, und es ist beim Umdrehen nur die ^Reibung^ zu überwinden.
-Sobald man aber die Pole verbindet, fühlt man, daß nun ^viel mehr Kraft^
-nötig ist; denn nun erregt sich die Maschine, #es wird ein elektrischer
-Strom produziert, und gerade dazu wird die Kraft verwendet#.
-
-Häufig benützt man nicht den ganzen Strom zur Erregung der
-Elektromagnete, sondern nur einen Zweig desselben. Von der einen
-Polklemme führt ein Draht zu den Windungen des Elektromagnetes und dann
-zur anderen Polklemme; das ist der eine, innere Zweig, welcher den
-Elektromagnet erregt. Von der einen Polklemme führt ein zweiter Draht
-dorthin, wo man den Strom benützen will, und von da zurück zur anderen
-Polklemme; das ist der äußere Zweig. Diese Verzweigung hat den Vorteil,
-daß auch dann, wenn der äußere Kreis nicht geschlossen ist, oder wenn im
-äußeren Kreise ein großer Widerstand vorhanden ist, doch der innere
-Kreis geschlossen bleibt, und deshalb die Elektromagnete stets erregt
-sind.
-
-Einem umfangreichen Gramme’schen Ring kann man auch mehr Magnetpole
-gegenüberstellen, muß dann auch entsprechend mehr Schleiffedern
-anbringen und hat dann eine #mehrpolige# Maschine.
-
-Man kann diese Maschine leicht den verschiedensten Zwecken anpassen.
-Soll sie Ströme von hoher Spannung liefern, so bringt man im
-Induktionsring viele Windungen an; da der Draht dabei ziemlich dünn
-genommen werden muß, so erhöht sich der innere Widerstand. Will man
-Ströme von niedriger Spannung, so genügen wenige Windungen im
-Induktionsring; diese kann man dann aus dicken Drähten, dicken Stäben
-anfertigen, so daß der innere Widerstand gering ist; ist dabei auch der
-äußere Widerstand gering, so hat man große Stromstärke von niedriger
-Spannung.
-
-#Man mißt die Leistung einer Dynamomaschine nach Ampère-Volt.# Liefert
-eine Maschine einen Strom von 1 Amp. Stärke, und ist dabei die
-Potenzialdifferenz an den Polklemmen 1 Volt, so sagt man, sie liefert
-ein #Ampère-Volt#, 1 ~A V~; sie ist imstande, die ganze
-Elektrizitätsmenge, welche bei 1 ~A~ Stromstärke durch die eine
-Polklemme hereinfließt, bei der andern Polklemme mit einer um 1 ~V~
-höheren Spannung hinauszuliefern. Gibt eine andere Maschine einen Strom
-von 5 ~A~ auch bei 1 ~V~, so ist, da sie eine 5 mal so große
-Elektrizitätsmenge in ihrer Spannung erhöht, ihre Leistung 5 mal so
-groß; ihre Leistung ist 5 ~A V~. Liefert eine 3. Maschine einen Strom
-von 5 ~A~ bei 6 ~V~, so ist, da sie die Elektrizitätsmenge auf eine 6
-mal so hohe Spannung bringt, oder 6 mal nacheinander die Spannung um 1
-~V~ erhöht, ihre Leistung 6 mal so groß wie die der zweiten Maschine;
-ihre Leistung ist demnach = 5 · 6 = 30 ~A V.~ Dies gibt den Satz: #Die
-Leistung einer elektrischen Maschine wird gemessen durch das Produkt aus
-Stromstärke (~A~) mal Potenzialdifferenz (~V~):#
-
- #Leistung = Amp. Volt#.
-
-Da bei einer Stromstärke von 1 ~Amp.~ in einer Sekunde eine
-Elektrizitätsmenge von 1 ~Coulomb~ durchfließt und diese Menge in der
-Spannung um 1 ~Volt~ erhöht wird, so ist die dazu erforderliche Arbeit 1
-~Amp. Volt = 1 Watt~ = ¹/₉,₈₁ _kgm_. Umgekehrt muß auf eine elektrische
-Maschine, welche Strom liefern soll, für jedes ~Amp. Volt~ pro Sekunde
-eine Arbeit von 1 ~Watt~ = ¹/₉,₈₁ _kgm_ verwendet werden. Demgemäß
-sollte eine elektrische Maschine für jede Pferdekraft einen Strom von
-735 ~A V~ geben; in Wirklichkeit liefert sie ca. 600 ~A V~, die besten
-liefern bis 700 ~A V~. Bedarf demnach eine Maschine 10 Pferdekräfte, so
-liefert sie einen Strom von 10 · 600 = 6000 ~A V~; je nach ihrer
-Einrichtung liefert sie einen Strom von niedriger Spannung (etwa 3 ~V~),
-der aber dann eine große Stromstärke hat (2000 ~A~) #Quantitätsstrom#;
-oder sie liefert einen Strom von hoher Spannung (100 ~V~, 500 ~V~), der
-aber dann nur eine mäßige oder geringe Stromstärke besitzt (60 ~A~ bezw.
-12 ~A~), #Spannungsstrom#.
-
-Man hat an diesen Maschinen noch manche abgeänderte Konstruktionen
-versucht, von denen die ^Siemens’sche Trommelmaschine^ und die
-^Schuckert’sche Flachringmaschine^ genannt sein mögen, weil bei ihnen
-die inaktiven Teile der Drahtwindungen möglichst vermieden sind. Man
-konstruiert jetzt Dynamos von jeder gewünschten Stärke.
-
-
-Aufgaben:
-
-#107.# Eine Dynamomaschine gibt einen Strom von 60 ~Amp.~ ~à~ 80 ~V~.
-Wie viel Pferdekräfte beansprucht sie, wenn 8% für innere Arbeit
-verloren gehen?
-
-#108.# Wie viel ~Amp.~ ~à~ 88 ~V~ kann eine Dynamomaschine liefern, wenn
-sie 12 Pferdestärken verbraucht und 12% verloren gehen?
-
-
-154. Verwendung der Dynamomaschine zur Galvanoplastik.
-
-Man verwendet solche Maschinen zur ^Galvanoplastik^ in großen Anstalten
-für galvanisches ^Versilbern^, ^Vergolden^, ^Vernickeln^, ^Verkupfern^
-etc. anstatt der Batterien. Da es hiebei darauf ankommt, möglichst viel
-Metall niederzuschlagen, die Menge des Metalles aber direkt proportional
-ist der Menge der durchfließenden Elektrizität (Faraday), so sucht man
-eine möglichst große Stromstärke zu erzielen; da nun der äußere
-Widerstand in den kurzen Zuleitungsdrähten und in den großen Bädern mit
-den breiten Elektroden sehr klein ist, so macht man auch den ^inneren
-Widerstand sehr klein^; man macht also wenig Windungen am Gramme’schen
-Ringe, etwa bloß 24 Gruppen ~à~ 1 oder 2 Windungen, macht dafür die
-Drähte sehr dick, so daß sie wie Kupferstäbe oder -barren aussehen, und
-gibt auch den Elektromagneten nur wenige Windungen, aus dicken
-Kupferstäben bestehend. Die elektromotorische Kraft ist dann nicht
-bedeutend, aber, da der Gesamtwiderstand sehr klein ist, ist die
-Stromstärke doch sehr groß, und auch die Elektromagnete werden trotz der
-wenigen Windungen stark magnetisch.
-
-Mittels solcher durch Dampfmaschinen betriebener Maschinen scheidet man
-metallisches Kupfer aus dem bergmännisch gewonnenen Kupfersulfat aus,
-und erhält dabei sehr reines Kupfer, da es frei ist von Schlacken und
-anderen Metallen. Man gewinnt durch eine Maschine, die 6-8 Pferdekräfte
-erfordert, täglich 5-6 Ztr. Kupfer. Mit solchen Maschinen wird
-fabrikmäßig versilbert, vergoldet oder vernickelt, und nur die
-Billigkeit des dadurch erzeugten Stromes ermöglicht die weite
-Verbreitung und allgemeine Verwendung galvanisch versilberter und
-vernickelter Gegenstände.
-
-
-155. Wärmewirkung des elektrischen Stromes.
-
-#Stets wenn ein elektrischer Strom einen Leiter durchfließt, erzeugt er
-in ihm Wärme#; feiner Draht wird durch den Strom glühend gemacht, ja
-sogar geschmolzen. Sind in demselben Stromkreise mehrere Leiter von
-verschiedenem Widerstande nacheinander eingeschaltet, wie etwa dünnere
-und dickere Drähte, so wird in den Teilen, welche den größeren
-Widerstand besitzen, auch mehr Wärme erzeugt. Wie sich das Gefälle auf
-die einzelnen Teile des Leiters verteilt, so daß derjenige Leiter, der
-den größeren Widerstand hat, auch das größere Gefälle hat, ebenso
-verteilt sich auch die erzeugte Wärmemenge; ^die in zwei Teilen
-desselben Stromkreises erzeugten Wärmemengen (Kalorien) verhalten sich
-gerade so, wie die auf diesen Teilen verbrauchten Beträge des Gefälles^.
-Die Wärmemengen erscheinen als Äquivalente für die im Gefälle
-verschwundenen Potenzialdifferenzen. Da aber das Gefälle dem Widerstande
-proportional ist, so folgt: #In demselben Stromkreise verhalten sich die
-Wärmemengen zweier Leitungsstücke wie deren Widerstände.# Dies gilt in
-demselben Stromkreise, also bei derselben Stromstärke oder bei Strömen
-von gleicher Stärke.
-
-Um zu untersuchen, wie die Wärme von der Stromstärke abhängt, wenn das
-Gefälle dasselbe ist, verzweigt man den Strom zwischen den Punkten ~a~
-und ~b~, so daß der Widerstand des Zweiges ~acb~ etwa halb so groß ist
-wie der Widerstand des Zweiges ~adb~; es ist dann das Gefälle auf beiden
-Zweigen dasselbe, die Stromstärke aber im Zweige ~acb~ zweimal so groß
-wie im Zweige ~adb~. Man findet dann, daß auch die Wärmemenge (Kalorien)
-im Zweige ~acb~ zweimal so groß ist wie im Zweige ~adb~, schließt also,
-#bei demselben Gefälle ist die Wärmemenge der Stromstärke proportional#.
-Verbindet man beide Sätze, so ergibt sich folgendes: Soll in einem
-Drahtstücke die Stromstärke doppelt so groß werden, so muß, da der
-Widerstand nicht geändert wird, das Gefälle doppelt so groß werden. Es
-wird also erstens eine zweimal so große Potenzialdifferenz verbraucht,
-deshalb also zweimal so viel Wärme erzeugt; aber zweitens, es fließt
-nicht bloß dieselbe Elektrizitätsmenge durch, sondern eine zweimal so
-große; also nicht bloß ^von einer^ Elektrizitätsmenge wird eine
-^doppelte^ Potenzialdifferenz verbraucht, sondern von einer ^doppelten^
-Elektrizitätsmenge wird je die ^doppelte^ Potenzialdifferenz verbraucht;
-deshalb ist die Wärme viermal so groß = 2². Allgemein: #die in einem
-Drahtstücke erzeugte Wärmemenge ist dem Quadrate der Stromstärke
-proportional#. (Joule.) Dieser Satz kann auch auf einen ganzen
-Stromkreis ausgedehnt werden. Hat man ein Element in einem Stromkreise
-von gewissem Widerstand ~a + i~, so liefert sein Strom eine gewisse
-Menge Wärme, die der Menge des verbrauchten Zinkes entspricht. Nimmt man
-2 Elemente, verbindet sie auf elektromotorische Kraft und bewirkt, daß
-der Gesamtwiderstand, ~2 i + a′~, gerade so groß ist wie vorher ~i + a~,
-so hat man doppelten Strom (Ohmsches Gesetz) und erhält vierfache
-Wärmemenge (Joule). Dies entspricht der verbrauchten Menge Zink; denn
-bei doppelter Stromstärke wird in jedem Elemente ^doppelt^ so viel Zink
-verbraucht; also vierfache Menge Zink, daher vierfache Wärmemenge. #Die
-in einem Stromkreise oder einem Stromteile erzeugte Wärmemenge ist dem
-Quadrat der Stromstärke proportional.#
-
-[Abbildung: Fig. 201.]
-
-
-156. Das elektrische Bogen- oder Kohlenlicht.
-
-Das elektrische Licht wurde erfunden von Davy 1808. Man leitet den Strom
-in zwei Stäbe aus dichter Gaskohle (Retortenkohle, galvanische Kohle),
-bringt diese in Berührung und entfernt sie nun ein wenig, so wird
-dadurch der Strom nicht unterbrochen, sondern er besteht weiter, und es
-bildet sich zwischen den Enden der Kohlenstäbe ein ^intensiv glänzendes
-Licht, das elektrische Licht^. Durch den elektrischen Strom werden
-feinste Teilchen von den Kohlenstäben losgerissen, durch die Luft von
-Pol zu Pol geführt, und bilden so den Leiter, durch welchen der Strom
-fließt.
-
-Der Widerstand dieses Leiters ist aber sehr hoch, gewöhnlich ca. 6 Ohm;
-deshalb ist das Gefälle auf ihm sehr groß, also die Wärmemenge groß; und
-da die Wärme noch dazu nur zur Erhitzung der an Masse geringen
-Kohlenteilchen verwendet wird, so werden diese ungemein hoch erhitzt und
-senden ein sehr helles Licht aus. Da die Kohlenteilchen in etwas
-gebogener Linie von einem Kohlenstücke zum andern laufen, so nennt man
-das Licht auch das elektrische ^Bogenlicht^, oder den elektrischen
-^Lichtbogen^. Die Hitze ist so groß, daß Platin und Tonerde in ihm
-schmelzen. Das Licht selbst ist sehr stark; schon das schwächste hat ca.
-200 Normalkerzen. Gewöhnlich wendet man es in der Stärke von ca. 1000
-NK. an, kann aber seine Leuchtkraft bis 100 000 NK. steigern. Beim
-Abbrennen höhlt sich die positive Kohle trichterförmig aus (Krater),
-wird dort heftig weißglühend und wirft viel Licht nach abwärts. So gibt
-eine Siemenslampe bei 4-5 _mm_ Lichtbogen horizontal 580 Kerzen, unter
-45° nach abwärts 3830 Kerzen und liefert für eine Pferdekraft 344 bezw.
-2300 NK.
-
-Erst seit der Erfindung der magnetelektrischen Maschinen, besonders der
-Dynamomaschinen, ist es möglich, den Strom so billig zu liefern, daß das
-elektrische Bogenlicht sogar billiger kommt als Gaslicht von gleicher
-Lichtstärke. Je 0,7 Pferdekraft reicht für je ein Bogenlicht ~à~ 1000
-NK. aus.
-
-[Abbildung: Fig. 202.]
-
-[Abbildung: Fig. 203.]
-
-Sollen durch eine Dynamomaschine mehrere elektrische Lampen gespeist
-werden, so schaltet man die Lampen entweder hintereinander,
-#Serienschaltung#, wobei dann die Dynamomaschine, da jede Lampe ca. 50
-~V~ Spannung verbraucht, so vielmal 50 ~V~ Spannungsdifferenz an den
-Polklemmen geben muß, als Lampen eingeschaltet sind; die Stromstärke
-braucht aber nur 8-9 ~Amp.~ zu sein. Oder man verzweigt den Strom in so
-viele Zweige als Lampenpaare vorhanden sind; jeder Zweig speist dann
-zwei hintereinander geschaltete Lampen oder nur eine Lampe von
-doppelter Lichtstärke; die Lampenpaare sind parallel geschaltet,
-#Parallelschaltung#; die Maschine liefert 100-110 ~V~, aber so vielmal
-8-9 ~A~, als Lampenpaare vorhanden sind. Fig. 202 und 203 geben die in
-der Technik gebräuchliche Art dieser Schaltungen.
-
-Die beiden Kohlenstäbe werden dadurch, daß von ihnen Teilchen
-weggerissen werden, kürzer, und brennen auch deshalb ab, weil sie
-besonders an den Enden sehr heiß sind. Dadurch wird ihr Abstand immer
-größer, der Lichtbogen länger, sein Widerstand größer und bald so groß,
-daß die Stromstärke nicht mehr hinreicht, ihn zu erhalten; die Lampe
-erlischt dann plötzlich. Um dies zu verhindern, müssen die Kohlenstäbe
-immer wieder genähert werden, und da noch dazu der positive Kohlenstab
-doppelt so rasch abbrennt als der negative, so muß, wenn man das Licht
-immer in demselben Punkte haben will, die Bewegung des + Stabes doppelt
-so groß sein als die des - Stabes. Vorrichtungen, durch welche der die
-Lampe speisende Strom nach Bedarf selbst die Bewegung der Kohlenstäbe
-hervorbringt, also den Abstand und Ort der Kohlenenden immer nahezu
-unverändert erhält, nennt man ^Regulatoren^. Einer der ersten ist der
-^Siemens’sche Differenzialregulator^ (^Differenziallampe^, 1878).
-
-Das elektrische Licht eignet sich durch seine große Stärke besonders zur
-Beleuchtung großer Räume, Straßen, Plätze, Bahnhöfe, Fabriksäle u. s. w.
-besonders auch für Leuchttürme. Seine Farbe ist, verglichen mit dem
-gelben und rötlichen Gas- und Öllicht, eine weiße, ähnlich dem
-Sonnenlicht.
-
-
-157. Das elektrische Glühlicht.
-
-[Abbildung: Fig. 204.]
-
-Die ^Glühlampe^ (Edison): In ein kugel- oder birnförmiges Glasgefäß
-führen zwei eingeschmolzene Platindrähte, deren innere Enden durch eine
-dünne #Kohlenfaser# verbunden sind. Die Glaskugel ist verschlossen und
-#luftleer#. Leitet man den Strom mittels der Platindrähte durch die
-Kohlenfaser, so wird sie glühend, ohne zu verbrennen, weil keine Luft
-vorhanden ist. Die glühende Kohlenfaser strahlt dabei ein schönes,
-mildes, einem guten Gaslichte vergleichbares Licht aus, gewöhnlich in
-der Stärke von 16 NK. (Edisons ~A~ Lampe), also etwa gleich einem guten
-Gaslicht.
-
-[Abbildung: Fig. 205.]
-
-Soll durch eine Maschine eine größere Anzahl Glühlichter gespeist
-werden, so werden sie stets parallel geschaltet; die zwei
-Zuleitungsdrähte laufen nebeneinander her, und von ihnen zweigen kurze
-Drähte zu jeder Lampe ab. Die gewöhnlichen Glühlampen erfordern eine
-Spannungsdifferenz von 100-110 ~V~. Man richtet es deshalb meist so ein,
-daß die Maschine 110 ~V~ liefert; dann kann man wie in Fig. 206
-angedeutet, mehrere Leitungen mit parallel geschalteten Glühlichtern
-abzweigen, nach Bedarf entweder zwei hintereinander geschaltete
-Bogenlampen, oder eine 16 ~A~ Lampe oder eine 8 ~A~ Lampe
-mit Zusatzwiderstand einschalten, oder eigene Leitungen zu
-solchen Lampenpaaren abzweigen, und erhält eine ^gemischte^
-Beleuchtungseinrichtung.
-
-Die Glühlampen stellen sich im Betrieb teurer als die Bogenlichter; mit
-einer Pferdekraft erzeugt man einen Strom, der bloß für 10 bis 13 ~A~
-Lampen ausreicht, also bloß 10 · 16 = 160 NK. Licht gibt (bei großen
-Maschinen bis 200 NK. pro Pferdekraft), während die Pferdekraft beim
-Bogenlichte ca. 1400 NK. liefert. Dafür hat das Glühlicht den Vorteil,
-daß es besser verteilt und so seine Leuchtkraft besser ausgenützt werden
-kann.
-
-[Abbildung: Fig. 206.]
-
-Ein großer Vorteil beider Arten elektrischen Lichtes besteht darin, daß
-sie ^nicht feuergefährlich^ sind. Zwar ist der elektrische Lichtbogen
-ungemein heiß, aber die ganze Lampe kann mit einer Glaskugel umgeben
-werden, die fast luftdicht schließt und das Hineinfallen brennbarer
-Körper hindert; die Glaskugel erwärmt sich dabei nur unmerklich. Das
-Glühlicht ist vollständig im Glas verschlossen, und das Glas erwärmt
-sich auch so wenig, daß nicht einmal Schießbaumwolle daran sich
-entzündet.
-
-Ein wichtiger Vorzug ist der, daß die elektrischen Lampen die Luft nicht
-verunreinigen und erhitzen wie Gas- und Öllampen. Sie liefern keine, die
-Bogenlampen nur unbedeutende Verbrennungsprodukte, und die Wärme beträgt
-für je 100 NK. in der Stunde bei Bogenlampen ca. 100, bei Glühlichtern
-ca. 400 Kalorien, während Gas bei derselben Lichtstärke 1500 bis 12 000,
-Petroleum 3400 bis 7000 Kalorien erzeugt.
-
-
-158. Verwandlung von Elektrizität in mechanische Kraft.
-
-[Abbildung: Fig. 207.]
-
- Bald nach Erfindung des Elektromagnetes versuchte man, dessen große
- Kraft zur Hervorrufung von Bewegung zu verwenden, nannte solche
- Maschinen ^elektromagnetische Kraftmaschinen oder elektrische Motoren^
- und konstruierte mehrere Arten.
-
-[Abbildung: Fig. 208.]
-
- Bei den einfachsten befindet sich vor den Polen des Elektromagnetes
- ein Anker von weichem Eisen, der beweglich aufgestellt ist, vom
- Elektromagnete angezogen wird, und diese Bewegung einem Schwungrade
- mitteilt. Hat der Anker die Pole erreicht, so wird der Strom
- unterbrochen, und das Schwungrad zieht den Anker wieder von den
- unmagnetischen Polen weg. Nun wird der Strom wieder geschlossen, und
- es beginnt dasselbe Spiel.
-
- Oder man nahm einen kräftigen Hufeisenmagnet, stellte ihn vertikal,
- und brachte zwischen die Pole einen stabförmigen Elektromagnet ~E~,
- der um eine vertikale Achse leicht drehbar aufgestellt wurde. Der
- Strom wird so eingeleitet, daß die Pole des Elektromagnetes
- gleichnamig sind den Polen des Stahlmagnetes; deshalb werden sie
- abgestoßen, der Elektromagnet dreht sich und wird nun von den anderen
- Polen angezogen; sobald die Pole des Elektromagnetes an die
- ungleichnamigen Pole des Stahlmagnetes gekommen sind, bewirkt ein
- einfacher Kommutator ~K~ (Halbscheiben mit Kontaktfedern, wie beim
- Siemens-Induktor), daß der Strom nun in entgegengesetzter Richtung den
- Elektromagnet durchfließt, also seine Pole umkehrt; er wird deshalb
- von den Polen des Stahlmagnetes wieder abgestoßen, macht die zweite
- halbe Drehung, und so geht es fort.
-
- Man ersetzte den Stahlmagnet durch einen kräftigen Elektromagnet und
- erzielte noch kräftigere Wirkungen. Man brachte anstatt zweier
- Elektromagnetpole deren mehrere in einem Kreise an, und brachte ebenso
- auf der Achse eine gleiche Anzahl von Elektromagnetpolen an, sorgte
- ebenso dafür, daß die Pole sich abstoßen und die Ströme zur rechten
- Zeit gewechselt wurden.
-
- Den Strom nahm man aus einer Batterie, konnte leicht eine umdrehende
- Bewegung hervorbringen und damit eine Arbeitsmaschine treiben. So war
- Jakobi in Petersburg (1849) imstande, mittels seines elektrischen
- Motors ein Boot auf der Newa zu bewegen. Man hoffte, durch praktische
- Einrichtung der Motoren es dahin zu bringen, daß die erzeugte Arbeit
- billiger würde als die der Dampfmaschinen. Doch war das nicht zu
- erreichen; denn die galvanischen Batterien verbrauchen ein viel zu
- teures Material (Zink, Schwefelsäure u. s. w.), so daß sie, wenn man
- auch die elektrische Kraft sehr gut ausnützt, doch nur weniger Arbeit
- liefern als für dasselbe Geld die Dampfmaschine, trotzdem sie ihr
- Brennmaterial sehr schlecht ausnützt (Liebig).
-
-
-159. Elektrische Kraftübertragung.
-
-Die elektrische Kraftübertragung beruht auf folgenden Vorgängen. Leitet
-man einen elektrischen Strom in eine Dynamomaschine, ^so wird dadurch
-der Anker^ (Siemensspule oder Grammescher Ring) ^in Umdrehung versetzt^;
-denn durch den Strom wird zunächst der Elektromagnet magnetisch; aber
-auch der Eisenkern des Grammeschen Ringes wird magnetisch und zwar, wenn
-etwa die Schleiffedern oben und unten sich befinden (Fig. 209 ~B~), kann
-man sich den Kern in 2 Hälften, rechts und links, zerlegt denken, und an
-der Art der Bewickelung derselben erkennt man, daß beide oben Südpol und
-unten Nordpol haben. Beide Pole werden von den Elektromagnetpolen
-abgestoßen resp. angezogen, deshalb kommt der Ring in Drehung und kann
-eine Arbeitsmaschine treiben. Es wird also die Energie des elektrischen
-Stromes zu mechanischer Arbeit verwendet. Man nennt diejenige Maschine,
-durch deren Umdrehen man den Strom erzeugt, ^welche also die aufgewandte
-Arbeit in Elektrizität verwandelt, eine^ #dynamoelektrische# ^Maschine^
-(Fig. 209 ~A~), und nennt die Maschine, welche durch den elektrischen
-Strom in Umdrehung versetzt wird, ^mittels welcher also der elektrische
-Strom wieder in Arbeit verwandelt wird, eine^ #elektrodynamische#
-^Maschine^ oder einen #elektrischen Motor# (Fig. 209 ~B~). In der
-Konstruktion ist kein Unterschied zwischen beiden, #jede
-dynamoelektrische oder magnetelektrische Gleichstrommaschine kann auch
-als elektrodynamische verwendet werden#.
-
-Sind zwei Maschinen wie in Fig. 209 verbunden, so daß beide vom Strome
-der Maschine ~A~ in derselben Richtung durchflossen werden, so dreht
-sich ~B~ in entgegengesetzter Richtung, wie ~A~ gedreht wird.
-
-[Abbildung: Fig. 209.]
-
-Es wird wirklich ein Teil der elektrischen Energie dazu verbraucht, um
-die mechanische Kraft zu liefern. Denn wenn die elektrodynamische
-Maschine gesperrt, d. h. am Umdrehen gehindert ist, so werden wohl die
-Eisenkerne magnetisch, der Strom verläuft wie in freier Leitung, das
-Gefälle verteilt sich nach den Ohmschen Gesetzen auf die Drähte der
-Bewickelungen und der Leitung, und die ganze Energie des Stromes wird
-bloß zu Wärmeerzeugung in diesen Drähten verbraucht. Läßt man aber die
-elektrodynamische Maschine gehen, ^so wird ein Teil des Gefälles
-verbraucht, um die umdrehende Kraft zu liefern^. Über die Größe der
-erzeugten Arbeit gilt derselbe Satz wie früher. ^Eine dynamoelektrische
-Maschine liefert für jede Pferdekraft einen Strom von^ 735 ~A V~ (etwas
-weniger); ^jede elektrodynamische Maschine liefert für je^ 735 ~A V~
-^eine Pferdekraft^ (etwas weniger). Z. B. ein elektrischer Motor wird
-von einem Strom von 40 ~A~ gespeist, welcher an seinen Polklemmen noch
-110 ~V~ Spannungsdifferenz zeigt; er verbraucht demnach 40 · 110 ~A V~
-= 4400 ~A V~ und sollte dafür fast 6 Pferdekräfte liefern. Er liefert
-bei guter Konstruktion deren 5.
-
-Wenn die Maschine ~A~ von einer Dampfmaschine oder einer Wasserkraft
-getrieben und die dadurch erzeugte Elektrizität nach ~B~ zu der
-elektrodynamischen Maschine geleitet wird, so sagt man, #die Kraft ist
-elektrisch von ~A~ nach ~B~ übertragen worden#. Es geht naturgemäß von
-der in ~A~ aufgewendeten Arbeit ein Teil verloren; denn zum Fließen von
-~A~ nach ~B~ (und wieder zurück) braucht die Elektrizität ein Gefälle,
-dessen Betrag der durch ~A~ erzeugten Potenzialdifferenz entnommen, in
-den Leitungsdrähten in Wärme verwandelt wird und so verloren geht; der
-übrig bleibende Betrag der Potenzialdifferenz wird in ~B~ in Arbeit
-verwandelt. Bei großen Entfernungen sinkt also der Nutzeffekt.
-
-#Elektrische Eisenbahnen#: An einem Waggon befindet sich die
-elektrodynamische Maschine, welche ihre Bewegung dem Rade des Wagens
-überträgt und diesen dadurch fortbewegt. Der Strom wird erzeugt durch
-eine dynamoelektrische Maschine, die sich auf der Station befindet; er
-wird dann in einen Draht geleitet, der wie ein Telegraphendraht neben
-der Bahn herläuft, von diesem abgenommen durch eine kleine Schleiffeder
-und kommt so in die Maschine. Die Rückleitung geschieht durch die
-Schienen. Solche elektrische Eisenbahnen werden mit Vorteil zu
-Straßenbahnen, für Tunnels, unterirdische Eisenbahnen und Bergwerke,
-wohl auch für Vollbahnen verwendet.
-
-
-160. Die Sekundärelemente der Akkumulatoren.
-
-Schaltet man in den Strom einer Batterie ein Meidingerelement ein mit
-ungleichen Polen wie bei Serienschaltung, so geht ~Zn~ in Lösung, ~Cu~
-aus Lösung; seine elektromotorische Kraft wirkt in demselben Sinne wie
-die der Batterie, verstärkt sie also. Wenn man aber das Meidingerelement
-umgekehrt einschaltet, so ist ~Cu~ Anode, geht also in Lösung, ~Zn~ ist
-Kathode, an ihm wird Zink niedergeschlagen: ^Es tritt jetzt der
-umgekehrte chemische Prozeß ein. Dazu ist aber Arbeit erforderlich^, und
-diese wird genommen von der elektrischen Arbeit des Batteriestromes,
-indem von der durch die Batterie erzeugten Potenzialdifferenz so viel
-genommen, also verbraucht wird, als zur Durchführung des chemischen
-Vorganges erforderlich ist. War hiebei das Meidingerelement schon
-verbraucht, also schon fast alles ~SO₄Cu~ verbraucht, so wird wieder
-~SO₄Cu~ gebildet und ~Zn~ wird metallisch ausgeschieden; ^das Element
-wird wieder leistungsfähig^. Wenn man dann die Batterie entfernt und das
-Meidingerelement in sich schließt, so liefert es wieder einen Strom. Ein
-Gramm ~Zn~, das vorher ausgeschieden wurde, hat dazu eine gewisse
-Quantität ^Elektrizität^ verbraucht; genau dieselbe Quantität
-Elektrizität liefert es nun wieder, wenn es in Lösung geht; zum
-Ausscheiden des ~Zn~ mußte von der elektrischen ^Potenzialdifferenz^ der
-Batterie ein gewisser Betrag weggenommen werden; genau dieselbe
-Potenzialdifferenz liefert dies ~Zn~ wieder, wenn es nun in Lösung geht.
-#Von der elektrischen Energie der Batterie ist durch das Element ein
-Teil weggenommen und in Form der chemischen Energie des freien Zinkes
-aufgespeichert worden.# Man nennt deshalb ein solches Element einen
-#Aufspeicherer#, #Akkumulator der Elektrizität# oder ein #sekundäres
-Element#.
-
-Nach #Gaston Planté#, dem Erfinder der Akkumulatoren, nimmt man #2
-Bleiplatten#, welche mit #Bleioxyd# überzogen sind, stellt sie in
-verdünnte Schwefelsäure, verbindet sie mit den Polen einer Batterie
-(oder einer Dynamomaschine) und ladet sie so: es entsteht zunächst eine
-Wasserzersetzung, an der mit dem - Pol verbundenen Platte, der Kathode,
-entsteht ~H₂~, #desoxydiert# das Bleioxyd und reduziert es zu
-metallischem Blei; an der Anode wird ~O~ frei und verbindet sich mit dem
-Bleioxyd zu #Bleisuperoxyd#. Entfernt man nun die primäre Batterie, und
-verbindet die Pole der Bleiplatten, so liefern sie einen Strom; hiebei
-gibt das Bleisuperoxyd den überschüssigen Sauerstoff ab, welcher durch
-die Flüssigkeit wandert und sich mit dem Blei der andern Platte zu
-Bleioxyd verbindet. Die Platte, die beim Laden Kathode war, wird beim
-Entladen der - Pol, oder, bei der Platte, bei welcher die - ~E~
-hineinkam, kommt sie auch wieder heraus. Der entstandene Strom ist ein
-Polarisationsstrom.
-
-Die Bleiplatten nehmen beim ersten Laden nur sehr wenig Sauerstoff auf.
-Wenn man aber das Laden und Entladen oftmal wiederholt, dabei einigemale
-die Pole umkehrt, und die Elemente auch einige Zeit geladen stehen läßt,
-so können die Platten immer mehr Sauerstoff aufnehmen. Die Platten
-werden dadurch gleichsam aufgelockert und eine immer dicker werdende
-Schichte nimmt am chemischen Prozeß teil, die Platten werden
-„^formiert^“.
-
-In der Anwendung werden die Sekundärelemente zu Batterien
-zusammengestellt und durch Dynamomaschinen geladen. Ihren
-Entladungsstrom verwendet man dann zum Speisen elektrischer Lampen oder
-elektrischer Motoren.
-
-Bei größeren elektrischen Beleuchtungsanlagen sind solche Akkumulatoren
-fast unentbehrlich, da sie ermöglichen, die Maschinen stets in gleicher
-Stärke gehen zu lassen; sie nehmen dann bei geringem Lichtbedarf den
-überschüssigen elektrischen Strom auf und geben ihn bei erhöhtem
-Lichtbedarf (abends) ohne großen Verlust wieder her (Pufferbatterie).
-
-
-Geschichtliches über Dynamomaschinen.
-
- Die erste magnetelektrische Maschine stellte Pixii 1832 her; bei ihr
- rotierte der Magnet vor den Induktionsspulen. Saxton änderte dies
- dahin ab, daß er die leichteren Induktionsspulen vor den Polen des
- festen Magnetes rotieren ließ und einen Kommutator anbrachte. Stöhrer
- verstärkte die Wirkung, indem er mehrere Magnetpole (6) im Kreise
- anbrachte, und vor denselben eine Scheibe rotieren ließ, welche
- ebensoviele Induktionsspulen trug. Nollet vergrößerte diese Maschinen
- durch Anbringung von noch mehr Magnetpolen (64 und 96) und
- entsprechender Anzahl von Induktionsspulen; sie wurden von der
- Gesellschaft l’Alliance gebaut, heißen Alliance-Maschinen, und wurden
- bald zur Erzeugung von elektrischem Bogenlicht auf Leuchttürmen
- verwendet.
-
- ~Dr.~ Werner Siemens erfand 1857 den Cylinder-Induktor, Pacinotti in
- Florenz erfand 1860 den Ring-Induktor; doch wurde derselbe wenig
- bekannt.
-
- Wilde in Manchester verbesserte 1866 die magnetelektrischen Maschinen
- auf folgende Weise: er stellte die elektrische Maschine aus zweien
- zusammen; die eine war eine magnetelektrische, bei der ein
- Siemens’scher Cylinder-Induktor zwischen permanenten Magneten
- rotierte; die andere war größer und ähnlich eingerichtet, nur waren
- die permanenten Magnete ersetzt durch einen mächtigen Elektromagnet,
- zwischen dessen Polen ebenfalls ein Siemens’scher Cylinder-Induktor
- rotierte; die durch die erste Maschine erhaltenen gleichgerichteten
- Ströme verwandte er, um den Elektromagnet der zweiten Maschine zu
- erregen; da derselbe dadurch sehr stark magnetisch wurde, so lieferte
- sein Induktor mächtige Ströme.
-
- Das Prinzip der dynamoelektrischen Maschine, demgemäß der durch
- Rotation des Induktors erhaltene Strom selbst dazu verwendet wird, um
- die Elektromagnete zu erregen, wurde von Werner Siemens 1866 entdeckt,
- und gleichzeitig von Wheatstone. Beide veröffentlichten ihre
- Entdeckung in derselben Sitzung der „Royal Society“ in London am 14.
- Februar 1867.
-
- Gramme erfand 1871, ohne von Pacinotti’s Erfindung Kenntnis zu haben,
- nochmals den Ringinduktor mit verbessertem Kollektor, und seit dem
- stellt man unter Benützung des dynamischen Prinzips viele Maschinen
- von verschiedener Größe und für verschiedene Zwecke her.
-
-[Abbildung: Fig. 210.]
-
-
-161. Telephon.
-
-Das ^Telephon^ oder der Fernsprecher dient dazu, die menschliche Sprache
-auf große Entfernungen zu übertragen. Das erste Telephon wurde von dem
-Lehrer Ph. Reiß (1861) erfunden, fand aber wenig Beachtung und deshalb
-keine Verbesserung. Das von Graham Bell (1876) erfundene
-#Magnettelephon# hat folgende Einrichtung: Ein starker, stabförmiger
-#Stahlmagnet# ist an seinem oberen Ende durch eine #Induktionsspule# von
-sehr vielen Windungen eines feinen, isolierten Kupferdrahtes gesteckt.
-Die Enden des Drahtes führen zu zwei Klemmschrauben. Vor diesem Pole des
-Magnets ist ein dünnes #Eisenblech# so angebracht, daß es an seinen
-Rändern festgeklemmt und mit seiner Mitte nur wenig vom Pole entfernt
-ist. Der zum Festklemmen des Bleches benützte und angeschraubte Deckel
-hat in der Mitte eine Öffnung, durch welche man gegen das Blech sprechen
-kann.
-
-Dies #Sprechtelephon# ist mit einem ganz gleich konstruierten
-#Hörtelephon# verbunden durch isolierte (Telegraphen-)Leitungen, von
-denen eine durch die Erde ersetzt werden kann. Spricht nun die eine
-Person gegen die Öffnung des Telephons, so geschieht folgendes:
-
-Die menschliche Sprache besteht aus Schwingungen der Luft, die nach
-Geschwindigkeit und Art verschieden sind. Diese Luftschwingungen treffen
-auf das Blech und versetzen es in eben solche Schwingungen; dadurch
-kommt das Blech dem Magnetpol bald näher, bald ferner. Jede Annäherung
-hat aber Verstärkung des Magnets, jede Entfernung Schwächung desselben
-zur Folge. Verstärken und Schwächen des Magnetes bringt aber in den
-Drahtwindungen der Spule Induktionsströme hervor, Wechselströme, die
-nach Anzahl und Stärke den Luftschwingungen entsprechen. Dies geschieht
-im Sprechtelephon.
-
-Diese Ströme kommen nun durch die Leitung zum Hörtelephon, durchlaufen
-die Spule und machen dadurch den Magnet bald stärker, bald schwächer
-magnetisch, da sie ja Wechselströme sind; deshalb zieht der Magnet das
-Eisenblech bald stärker, bald schwächer an, das Eisenblech macht deshalb
-Schwingungen, die nach Anzahl und Art denen des Sprechtelephons
-entsprechen. Diese Schwingungen teilen sich der Luft mit und erzeugen
-den Ton, den man aus dem Telephon hören kann.
-
-Das Telephon überträgt die Töne zwar sehr deutlich, aber sehr schwach.
-Man versuchte die Telephone zu verbessern durch Anwendung größerer
-Bleche, Anbringung zweier Magnetpole und hat dadurch wirklich
-kräftigeren Laut erlangt; doch wurde an Deutlichkeit verloren.
-
-[Abbildung: Fig. 211.]
-
-
-162. Mikrophon.
-
-Das ^Mikrophon^, erfunden von Hughes, hat folgende Einrichtung: von
-einem #Resonanzkästchen# geht ein Brettchen nach aufwärts; auf ihm sind
-zwei #Kohlenblöcke# festgeschraubt und mit Klemmschrauben versehen;
-beide Kohlenblöcke haben kleine Vertiefungen. Zwischen ihnen befindet
-sich ein #Kohlenstift#, beiderseits zugespitzt, unten in der Vertiefung
-des unteren Blockes stehend, oben in die Vertiefung des oberen
-hineinragend, so daß er sich leicht an ihn anlehnt. Man leitet den Strom
-von einem Elemente zum unteren Kohlenblocke; dann geht er durch den
-Kohlenstift in den oberen Block; von dort leitet man ihn zu einem
-Telephon und von da zum Elemente zurück; dadurch ist der Strom
-geschlossen, verläuft in stets gleicher Stärke und verursacht kein
-Geräusch im Telephon.
-
-Wenn man aber am Mikrophon ein kleines Geräusch oder einen schwachen Ton
-erzeugt, so kommt auch das Brettchen und damit der obere Kohlenblock in
-Schwingungen. Dieser drückt deshalb gegen den berührenden Kohlenstift
-bald stärker, bald schwächer, dadurch wird der #Widerstand an der
-Berührungsstelle bald schwächer, bald stärker#, und dadurch der #Strom
-des Elementes bald stärker, bald schwächer#, entsprechend den
-Schwingungen des erzeugten Geräusches. Das Stärker- und Schwächerwerden
-des Stromes erzeugt aber im Telephone einen Ton, der ebenfalls dem
-ursprünglichen Geräusch entspricht, und laut genug ist, so daß man ihn
-deutlich hören kann. Der Apparat heißt Mikrophon, weil man damit einen
-schwachen Ton noch hören kann.
-
-
-163. Mikrophontransmitter.
-
-[Abbildung: Fig. 212.]
-
-Eine Abänderung des Mikrophons wird in Verbindung mit einem Telephone
-benützt zum Telephonieren (Fernsprechen) und zwar als Zeichengeber und
-heißt ^Transmitter oder^ #Mikrophontransmitter#. Er hat im wesentlichen
-folgende Einrichtung: Der Deckel eines Kästchens besteht aus einer
-dünnen elastischen Holzplatte (~M~), vor ihr ist eine harte Platte ~P~
-angebracht; diese hat in der Mitte ein Loch mit einem Schalltrichter,
-der den Ton auffängt und gegen die elastische Membran leitet. Auf der
-hinteren Seite der Membran ist in deren Mitte ein Kohlenblock ~A~
-befestigt. Dieser wird berührt von einem Graphitblock ~H~, der in einer
-Messingfassung drehbar so aufgehängt ist, daß er sich nur schwach an den
-Kohlenblock anlehnt.
-
-Diese beiden, oder #Kohlenstifte in Kohlenblöcken# wie beim Mikrophon,
-ersetzen das Mikrophon, wenn man durch die Klemmschraube ~B~ einen Strom
-einleitet.
-
-Ist aber dabei das Hörtelephon weit entfernt, also die Leitung
-lang, und der Widerstand groß, so bewirken die Änderungen des
-Berührungswiderstandes nur sehr geringe Änderungen der Stromstärke, so
-daß der im Telephon erzeugte Ton ungemein schwach wird.
-
-Man leitet deshalb den Strom des Elements nicht durch die „Linie“ ins
-Telephon, sondern nur durch die primäre Rolle eines kleinen
-#Induktionsapparates ~J~# im Innern des Mikrophonkästchens. Da der Strom
-des Elementes geringen Widerstand hat, so ändern die Änderungen des
-Berührungswiderstandes die Stromstärke wesentlich. Dies erzeugt in der
-Induktionsspule ~J~ entsprechende Induktionsströme, welche wegen der
-großen Anzahl der Windungen eine hohe elektromotorische Kraft haben und
-damit bedeutenden Widerstand überwinden können. Diese Induktionsströme
-leitet man bei ~L~ und ~L′~ heraus, führt sie dann durch die „Linie“ zum
-weit entfernten Telephon und kann dort die Töne hören.
-
-Will man auch gegensprechen, so muß jede Station einen Transmitter und
-ein Telephon besitzen und alle 4 Induktionsspulen dieser Apparate sind
-zu einer einzigen Leitung verbunden.
-
-Um den Wunsch nach telephonischer Mitteilung an die andere Station durch
-ein lautes Zeichen zu übermitteln, bedient man sich meist einer
-elektrischen Klingel, die man in Tätigkeit setzt durch die Ströme des
-Magnetinduktionsapparates.
-
-In Städten werden in der Zentralstation auf Wunsch die Drähte zweier
-Abonnenten mit einander verbunden durch einen Zentralumschalter.
-
-
-164. Thermoelektrizität.
-
-^Stets wenn zwei verschiedene Metalle an einer Stelle zusammengelötet
-und an den beiden anderen Enden durch einen Leiter verbunden werden,
-entsteht ein Strom, wenn man die Lötstelle erwärmt^.
-
-[Abbildung: Fig. 213.]
-
-Macht man einen rechteckigen Rahmen aus Wismut und Antimon, so daß zwei
-zusammenstoßende Seiten aus Wismut, die beiden anderen aus Antimon
-bestehen und an gegenüberliegenden Ecken sich die Lötstellen befinden,
-und erhitzt man nun eine Lötstelle, so entsteht in dem Rechteck ein
-Strom, welcher leicht eine Magnetnadel ablenkt.
-
-#Die durch Wärme hervorgebrachte Elektrizität heißt Thermoelektrizität,
-der Strom ein Thermostrom# (Seebeck 1821). Die Thermoströme
-unterscheiden sich von den galvanischen Strömen nur durch die
-Entstehungsursache; sonst folgen sie denselben Gesetzen und bringen
-dieselben Wirkungen hervor. Ein Paar an einer Stelle zusammengelöteter
-Metallstäbe heißt ein #Thermoelement#.
-
-[Abbildung: Fig. 214.]
-
-Ein Thermostrom kommt nur zu stande, wenn die Lötstelle wärmer ist, als
-die anderen Teile des Stromkreises, wenn also von der warmen Lötstelle
-nach beiden Seiten hin die Temperatur abnimmt. Ist dies der Fall, so
-entsteht eine elektromotorische Kraft, deren Größe abhängig von der
-Temperaturdifferenz der beiden Lötstellen und derselben nahezu
-proportional ist.
-
-Die elektromotorische Kraft ist aber auch abhängig von der Natur der
-verwendeten Metalle. Man kann alle Metalle in eine Reihe ordnen, so daß
-jedes Metall mit einem der folgenden verbunden negativ elektrisch wird.
-Diese ^thermoelektrische Reihe^ ist nach Bequerel - Wismut, Nickel,
-Platin, Kobalt, Mangan, Silber, Zinn, Blei, Messing, Kupfer, Gold, Zink,
-Eisen, Antimon +.
-
-Die elektromotorische Kraft der Thermoelemente ist im allgemeinen nicht
-besonders groß; so kann ein Element aus Wismut und Antimon etwa ¹/₁₀
-Volt haben. Ein Element aus Kupfer und Eisen hat, wenn es an der kalten
-Lötstelle 0°, an der warmen 100° hat, nur eine elektromotorische Kraft
-von 0,0011 Volt.
-
-Der Vorteil der Thermoelemente liegt aber darin, daß sie sehr einfach
-konstruiert sind und daß ihr innerer Widerstand meist sehr klein ist; z.
-B. wenn in dem Wismut-Antimonelemente jedes Metall etwa 2 _cm_ lang ist
-und ¹/₁₀ _qcm_ Querschnitt hat, so ist sein innerer Widerstand = 0,0034
-Ohm. Ist demnach der äußere Widerstand auch klein, so ist mit solchen
-Elementen ein verhältnismäßig starker Strom zu erzielen.
-
-[Abbildung: Fig. 215.]
-
-Um mehrere Thermoelemente zu einer Batterie zu vereinigen, verbindet
-(verlötet) man das freie Antimonende des ersten mit dem freien
-Wismutende des zweiten Elementes und so fort; man bringt dabei die Stäbe
-in solche Lage, daß abwechselnd die Lötstellen nach der einen und nach
-der anderen Seite schauen, so daß die nach der einen Seite gerichteten
-Lötstellen von einer gemeinsamen Wärmequelle erwärmt, die andern alle
-zugleich abgekühlt werden können. Die Thermoelemente sind somit auf
-Intensität zu einer Batterie (Thermosäule, Thermokette) verbunden, ihre
-elektromotorische Kraft ist gleich der Summe der elektromotorischen
-Kräfte der einzelnen Elemente.
-
-Die Anwendung der Thermoelektrizität ist beschränkt. Man benützt
-Thermobatterien zu Schulversuchen anstatt der gewöhnlichen galvanischen
-Elemente, und sie sind hiezu bequem, weil sie zur Herrichtung nur das
-Anzünden einer Lampe erfordern.
-
-Thermobatterien dienen zur Messung sehr kleiner Temperaturdifferenzen.
-Man nimmt eine Thermosäule von etwa 20-40 Elementen, ordnet das eine
-System der Lötstellen so an, daß sie ein Quadrat erfüllen, und verbindet
-die Enden mit einem sehr empfindlichen Galvanometer (von geringem
-Widerstande). So lange beide Flächen, welche die Lötstellen enthalten,
-gleich warm sind, zeigt das Galvanometer keinen Ausschlag, sobald aber
-die eine Fläche nur etwas stärker erwärmt wird, entsteht ein
-Thermostrom, der einen Ausschlag hervorbringt. Man benützt sie, nach
-Melloni, besonders zu Untersuchungen über strahlende Wärme, indem man
-auf die eine Fläche die Wärmestrahlen auffallen läßt und die andere
-Fläche durch ein Gehäuse gegen Wärmestrahlen schützt. Mit solchen
-Apparaten kann sogar die von Fixsternen ausgestrahlte Wärme nachgewiesen
-werden.
-
-Zur ^Messung sehr hoher Temperaturen^ (als Pyrometer) dient ein
-Thermoelement aus Platin einerseits und einer Legierung aus Platin und
-Rhodium (9 : 1) andrerseits. Die Lötstelle wird der Hitze ausgesetzt und
-der entstandene Thermostrom am Galvanometer gemessen.
-
-
-
-
-Neunter Abschnitt.
-
-Wellenlehre und Akustik.
-
-
-165. Entstehung der Wellen.
-
-Eine eigentümliche Art von Bewegung und Fortpflanzung derselben ist die
-^wellenförmige Bewegung^, wie sie etwa im Wasser entsteht, wenn man
-einen Stein hineinwirft. Im ruhigen Wasser ist die Oberfläche eben und
-horizontal, und die Wasserteilchen sind im ^Gleichgewichte^, weil sie
-von allen Seiten ^gleich stark gedrückt werden^.
-
-Durch Hineinwerfen des Steines wird das ^Gleichgewicht gestört^; denn
-der Stein schiebt die Wasserteilchen beiseite, so daß sie einen
-ringförmigen Wall bilden, und an der getroffenen Stelle selbst eine
-Vertiefung entsteht. Dadurch ist das Gleichgewicht gestört; an der
-erhöhten Stelle gehen die Wasserteilchen nach abwärts und an der
-vertieften werden sie durch den Überdruck der höher liegenden Teile nach
-aufwärts gedrückt.
-
-Diese beiden Bewegungen setzen sich aber nicht bloß bis zur natürlichen
-Gleichgewichtslage fort, sondern noch darüber hinaus wegen des
-Beharrungsvermögens.
-
-Dadurch, daß die Wasserteilchen an den erhöhten Stellen herabsinken,
-drücken sie auf die benachbarten und heben diese nach aufwärts; während
-also der eine Wall nach abwärts sich bewegt und eine Vertiefung bildet,
-entsteht rings um ihn ein anderer, etwas weiterer, erhöhter Wall. Es hat
-sich somit das Gleichgewicht noch nicht hergestellt; denn es sind nun
-andere Wasserteile einerseits oberhalb, andrerseits unterhalb der
-natürlichen Gleichgewichtslage, daher entsteht derselbe Vorgang wieder;
-der Wall sinkt nach abwärts, die vertieften Teile werden nach aufwärts
-gehoben, und rings um den äußeren herabsinkenden Wall entsteht ein neuer
-Wall und so geht es fort. Wir sehen so, daß der ringförmige Wall sich
-immer weiter ausdehnt, daß neue ringförmige Erhebungen folgen, daß das
-einmal gestörte Gleichgewicht sich auf immer andere und andere Stellen
-überträgt. Bei zunehmender Ausbreitung werden die Wälle immer niedriger,
-bis sie der Wahrnehmung entgehen.
-
-
-166. Form der Wellen.
-
-Die einzelnen Wasserteilchen machen auf- und abgehende Bewegungen oder
-Schwingungen. Wenn sich also die ringförmigen Wälle nach auswärts weiter
-bewegen, so geschieht dies nicht dadurch, daß die in den Wellen
-enthaltene Wassermenge sich nach auswärts bewegt und so gleichsam über
-den ruhigen Wasserspiegel hingleitet, sondern nur dadurch, daß die
-Wasserteilchen auf und ab schwingen, weshalb auch kleine auf dem Wasser
-schwimmende Gegenstände von der Welle nicht nach auswärts fortgeschoben
-werden, sondern nur an der auf- und abwärts gehenden Bewegung
-teilnehmen.
-
-^Gestalt der Oberfläche der Wasserwelle^: derjenige Teil, in welchem die
-Wasserteilchen über der natürlichen Gleichgewichtslage sich befinden,
-heißt ein #Wellenberg#, derjenige, in welchem sie sich unterhalb
-befinden, ein #Wellental#; ein Berg und ein benachbartes Tal bilden eine
-Welle und ihre Länge heißt eine #Wellenlänge#.
-
-[Abbildung: Fig. 216.]
-
-Die Form einer einfachen Welle ist aus Fig. 216 ersichtlich.
-
-Wenn sich die Welle in der Richtung von ~B~ nach ~A~ fortpflanzt, so
-sind die Punkte ~E~ und ~D~ momentan in Ruhe, die Punkte ~C~, ~B~ und
-~A~ haben eben ihre größte Geschwindigkeit, ~A~ und ~B~ nach aufwärts
-und ~C~ nach abwärts; die dazwischen liegenden Punkte haben um so
-geringere Geschwindigkeiten, je näher sie an ~E~ resp. ~D~ liegen, und
-zwar bewegen sich die Punkte zwischen ~B~ und ~E~ nach aufwärts,
-zwischen ~E~ und ~D~ nach abwärts und zwischen ~D~ und ~A~ nach
-aufwärts, und auch die zunächst vor ~A~ liegenden Teile werden, wenn sie
-noch ruhig sind, in die aufwärts gehende Bewegung eingezogen. Macht
-jedes Teilchen eine dieser Angabe entsprechende kleine Bewegung, so ist
-die neue Form der Welle ~B′E′C′D′A′~. Es hat sich somit Berg und Tal in
-der Richtung der Fortpflanzung der Welle etwas vorwärts verschoben.
-
-[Abbildung: Fig. 217.]
-
-In Fig. 217 ist angedeutet, wie sich eine in ~A~ ankommende
-Wellenbewegung nach rechts fortsetzt. Während in ~I~ ~A~ sich zum Gipfel
-des Berges erhebt, erheben sich nach und nach die vor ihm liegenden
-Teile bis ~B~ und bilden einen halben Berg, die erste Viertelwelle.
-Während in ~II~ von ~B~ aus dieselbe Bewegung sich nach ~C~ fortpflanzt,
-steigen nach und nach die zwischen ~A~ und ~B~ liegenden Teile bis zum
-Kamm des Berges, und sinken dann entsprechend herab, so daß der Kamm von
-~A~ nach ~B~ fortgerückt ist. Während auf diese Weise in ~III~ der Berg
-~AC~ fortrückt, sinken die Teile zwischen ~A~ und ~B~ nach abwärts, so
-daß die erste Talhälfte entsteht, und während in ~IV~ dieser Teil sich
-ebenso fortpflanzt, rückt zwischen ~A~ und ~B~ der Grund des Tales von
-~A~ nach ~B~ fort, indem ein Teilchen nach dem andern zum Grund des
-Tales hinabrückt und dann wieder entsprechend nach aufwärts geht.
-
-Während dieser Zeit hat einerseits der Punkt ~A~ eine vollständige
-Schwingung gemacht, andererseits die Welle sich gerade um ihre Länge
-~AE~ fortgepflanzt: #während der Schwingungsdauer eines Teilchens
-pflanzt sich die Welle um ihre eigene Länge fort#.
-
-
-167. Bedeutung der Wellen.
-
-Wellenbewegung ist eine eigentümliche Art von Fortpflanzung der
-Bewegung, weil sie nicht ein Fortschreiten einer bewegten Masse, sondern
-eine sich durch eine Masse fortsetzende schwingende Bewegung einzelner
-Massenteile ist.
-
-Die wellenförmige Bewegung ist deshalb von besonderer Wichtigkeit, weil
-sowohl der Schall als auch Licht und Wärme wellenförmige Bewegungen
-sind, und weil man nur durch das Verständnis der Wellenbewegung einen
-Einblick in den Verlauf und die Gesetze dieser wichtigen
-Naturerscheinungen bekommt.
-
-#Die Wellenbewegung überträgt eine Arbeit#, die an einer Stelle
-geschieht, #an andere Stellen#. Wenn wir im Wasser Wellen erzeugen, so
-ist die hiebei geleistete Arbeit nicht verloren; denn wenn sich die
-Wellen fortpflanzen und etwa an das Ufer gelangen, so sind sie dort
-imstande, selbst wieder Arbeit zu leisten; wir sehen ja, wie die
-Meereswellen die Steine hin- und herrollen, wie sie ein Schiff, ein Floß
-heben und senken, und wenn wir auf dem Floße eine Stange befestigen, die
-durch einen Hebel mit einer Pumpe in Verbindung steht, so kann durch die
-Wellenbewegung die Pumpe getrieben, Wasser gehoben, also Arbeit
-geleistet werden. Die Arbeit, welche aufgewendet wurde, um die
-Wellenbewegung hervorzurufen, hat sich durch die Wellenbewegung nach
-anderen Orten fortgepflanzt und ist dort wieder als Arbeit zum Vorschein
-gekommen. Die ungeheuere Menge Wärme, die wir von der Sonne erhalten,
-ist das Resultat einer Wellenbewegung, welche von der Sonne ausgeht,
-sich bis zur Erde fortpflanzt, dort auf Stoffe trifft, in welchen sie
-sich nicht fortpflanzen kann, deshalb als Wellenbewegung verschwindet
-und dadurch die in ihr befindliche Arbeit leistet, welche als Erwärmung
-des Körpers zum Vorschein kommt.
-
-Bei allseitiger Ausbreitung der Welle wird naturgemäß die Größe oder
-Stärke der Bewegung der einzelnen Teile immer kleiner. Ist dagegen das
-Wasser in einem Kanale von stets gleicher Breite eingeschlossen, so
-behält die Wellenbewegung beim Fortschreiten stets dieselbe Stärke und
-überträgt die in ihr liegende Arbeit ungeschwächt auf eine große
-Entfernung, abgesehen von Reibungsverlusten.
-
-
-168. Reflexion der Wellen.
-
-[Abbildung: Fig. 218.]
-
-[Abbildung: Fig. 219.]
-
-Wenn die Welle an einen Stoff trifft, der seiner Natur nach die
-Wellenbewegung nicht machen kann, z. B. wenn die Wasserwelle an das Ufer
-trifft, so wird die Welle zurückgeworfen oder reflektiert, wenn der
-begrenzende Stoff glatt ist. Trifft die Wasserwelle an eine gerade Wand,
-so wird sie regelmäßig zurückgeworfen, und man unterscheidet hiebei
-leicht zweierlei Fälle: kommt ein System paralleler Wellen (Fig. 218)
-an die Wand, so sind die zurückgeworfenen Wellen auch wieder parallel,
-in der Fortpflanzungsrichtung aber geändert, so daß der Winkel, unter
-welchem die Welle die Mauer trifft, gleich ist dem Winkel, unter welchem
-die Welle die Mauer verläßt. Wenn eine von einem Punkte ~A~ ausgehende
-Welle (oder ein Wellensystem), Fig. 219, eine gerade Wand trifft, so
-wird sie so reflektiert, daß es aussieht, als wäre sie von einem hinter
-der Wand liegenden Punkte ~A′~ hergekommen, der ebensoweit senkrecht
-hinter der Wand liegt, als ~A~ vor der Wand liegt.
-
-
-169. Entstehung und Wesen des Schalles.
-
-Ein Schall entsteht, wenn ein Körper eine sehr rasche hin- und
-hergehende Bewegung macht; wenn sich diese Schwingungen durch die Luft
-bis zu unserem Ohre fortpflanzen, so hören wir den Schall.
-
-Die Fortpflanzung des Schalles in der Luft geschieht durch eine
-wellenförmige Bewegung der Luft, und gerade diese #Wellenbewegung der
-Luft# (oder eines anderen Stoffes) ^nennen wir^ #Schall oder Ton#,
-während wir den schwingenden Körper den schallgebenden oder tönenden
-Körper nennen.
-
-Bei den Wasserwellen ist die ^Schwerkraft^ die Ursache des gestörten
-Gleichgewichts. Bei einem tönenden Körper, z. B. einer Glocke, schiebt
-die vorwärtsgehende Glockenwand die Luft vor sich her, bewirkt also eine
-Verdichtung und damit eine #Drucksteigerung der Luft#; die
-zurückgehende Glockenwand hinterläßt einen luftleeren (oder wegen des
-Nachströmens der Luft nur verdünnten) Raum und bewirkt so eine
-#Druckverminderung#. Beide #Druckänderungen# bedingen eine #Störung im
-Gleichgewichtszustande der Luft#, und verursachen die Luftwelle.
-
-Bei den Wasserwellen bewegen sich die Wasserteilchen in vertikaler
-Richtung, während die Welle sich in horizontaler Richtung ausbreitet;
-die Teilchen schwingen in einer zur Fortpflanzungsrichtung senkrechten
-Richtung: ^transversale Schwingung^, Querschwingung. Bei den Luftwellen
-schwingen die Luftteilchen gerade in der Richtung, in welcher sich die
-Bewegung fortpflanzt: #longitudinale Schwingung#, Längsschwingung.
-
-
-170. Form der Schallwellen.
-
-Wenn ein schwingender, tongebender Körper die benachbarten Luftteilchen
-vorwärts schiebt und ihnen dann wieder Platz macht zum Zurückfließen, so
-entsteht durch das Vorwärtsschieben ein luftverdichteter Raum mit
-Drucksteigerung, und die Folge ist, daß diese Luftteilchen auf die
-benachbarten drücken, auch sie vorwärts schieben und so die
-Drucksteigerung auf die folgenden Stellen fortpflanzen. Beim Zurückgehen
-des schwingenden Körpers werden die Luftteilchen in den entstehenden
-Raum zurückkehren und dadurch eine Luftverdünnung mit Druckverminderung
-hervorbringen, so daß auch die weiter vorwärts liegenden Luftteilchen in
-den luftverdünnten Raum zurückkehren, und sich auch die Luftverdünnung
-nach den folgenden Stellen fortpflanzt. #Die Luftteilchen machen eine
-vor- und rückwärtsgehende Bewegung und pflanzen so die Luftverdichtung
-und -Verdünnung immer weiter fort.# Der Teil, in welchem die Luft
-verdichtet ist, heißt ein ^Wellenberg^ und der Teil, in welchem sie
-verdünnt ist, ein ^Wellental^: ein Berg und ein benachbartes Tal bilden
-zusammen eine ^Luftwelle^, und ihre Länge heißt die ^Wellenlänge^.
-
-[Abbildung: Fig. 220.]
-
-Ist zwischen ~B~ und ~C~ Fig. 220 ein Wellental und zwischen ~C~ und ~A~
-ein Wellenberg, so ist in ~E~ die Luft am dünnsten, in ~D~ am
-dichtesten, in ~B~, ~C~ und ~A~ hat sie die normale Dichte und Spannung.
-In ~B~, ~C~ und ~A~ haben die Luftteilchen die größte Geschwindigkeit
-und zwar stets in der Richtung, daß sie von der Stelle des höheren
-Druckes auf die Stelle des niedrigeren Druckes hinströmen; in ~E~ und
-~D~ haben sie eben keine Bewegung, und die dazwischen liegenden Teilchen
-bewegen sich in dem Sinne, welcher der Druckverteilung entspricht, um so
-schwächer, je näher sie an ~E~ resp. ~D~ liegen. Nachdem jedes Teilchen
-eine entsprechende kleine Bewegung gemacht hat, hat sich sowohl die
-Stelle ~D~ der Luftverdichtung als auch die Stelle ~E~ der
-Luftverdünnung um etwas nach rechts verschoben, die Welle hat sich nach
-rechts fortgepflanzt. Hierauf machen die Teilchen eine der neuen
-Druckverteilung entsprechende Bewegung und die Welle pflanzt sich
-dadurch fort.
-
-[Abbildung: Fig. 221.]
-
-In Figur 221 ist die Lage der Luftteilchen gezeichnet, wenn in ~A~ eine
-Welle (ein Berg) ankommt und sich nach rechts fortpflanzt; durch die
-verschiedenen Lagen eines und desselben Teilchens ist je eine Linie
-gezogen. Während der Punkt ~A~ eine ganze Schwingung macht, hat sich die
-Welle um ihre eigene Länge ~SA = A′ c~ fortgepflanzt.
-
-Befindet sich der tönende Körper in freier Luft, so pflanzt sich auch
-die wellenförmige Bewegung der Luft nach allen Seiten fort. Deshalb wird
-sich nach einer gewissen Zeit die Bewegung fortgepflanzt haben bis zu
-allen Punkten einer ^Kugeloberfläche^, in deren Mitte der tönende Körper
-sich befindet, und wird sich auf immer größer werdende Kugelflächen
-ausbreiten, so daß stets alle Punkte derselben Kugelfläche die Bewegung
-gleichzeitig beginnen und gleichmäßig vollführen.
-
-Eine vom schwingenden Körper ausgehende Gerade, längs deren die
-Schwingungen der Luftteilchen geschehen und längs deren sich der Schall
-fortpflanzt, wird wohl auch ein ^Schallstrahl^ genannt.
-
-
-171. Geschwindigkeit und Stärke des Schalles.
-
-Zur Fortpflanzung des Schalles in der Luft ist eine gewisse Zeit nötig.
-#Die Strecke, längs welcher sich der Schall in einer Sekunde
-fortpflanzt, heißt die Geschwindigkeit des Schalles.# Man mißt sie,
-indem man etwa von einer Kanone sich um eine gemessene Strecke entfernt
-(5 _km_) und nun die Zeit beobachtet, welche zwischen der Wahrnehmung
-des Blitzes und des Kanonendonners verfließt (15 Sek.). Dadurch findet
-man die Geschwindigkeit des Schalles = 333 _m_ in ruhiger Luft. (Zuerst
-gemessen von Gassendi ~†~ 1655.) Wind vergrößert oder verkleinert diese
-Geschwindigkeit um seine eigene Geschwindigkeit, je nachdem er mit oder
-gegen den Schall weht.
-
-#Jeder Schall und jeder Ton pflanzt sich mit derselben Geschwindigkeit
-fort.# Man hört deshalb eine Musik, Militärmusik, in der Entfernung
-ebenso, natürlich schwächer, wie in der Nähe. Der ^Donner^ entsteht
-dadurch, daß in allen Punkten der Blitzbahn zugleich ein Schall (Knall)
-entsteht, daß dessen einzelne Wellen aber verschieden lange Zeit
-brauchen, um zu unserm Ohre zu gelangen, das ja von den einzelnen Teilen
-der Blitzbahn verschieden weit entfernt ist. Da der Schall in den
-einzelnen Teilen der Blitzbahn auch verschiedene Stärke hat, so erklärt
-sich hieraus das Rollen des Donners.
-
-#Der Schall pflanzt sich nicht bloß in der Luft, sondern in allen
-elastischen Körpern fort.# So pflanzt sich der Schall im Wasser fort;
-denn man hört eine Glocke, die unter Wasser angeschlagen wird. Ebenso
-pflanzt sich der Schall in festen Körpern fort; wenn man die Taschenuhr
-an das eine Ende eines Baumstammes halten läßt, so kann man ihr Ticken
-am andern Ende deutlich hören, da sich der Schall hiebei vorzugsweise im
-Baumstamm fortpflanzt. Wenn man sich eine angeschlagene Stimmgabel auf
-den Kopf stellt, hört man sie, indem die Schwingungen der Gabel direkt
-durch die Knochen des Kopfes zum Ohre vordringen. Ebenso erklärt sich
-das Faden- oder Schnurtelephon.
-
-In festen und flüssigen Körpern hat der Schall eine größere
-Geschwindigkeit als in der Luft.
-
-Der Schall pflanzt sich im luftleeren Raume nicht fort, was leicht durch
-einen Versuch an der Luftpumpe gezeigt werden kann.
-
-Wenn ein Schall sich in einem festen oder flüssigen Körper ausbreitet,
-so geschieht dies auch in Form von longitudinalen, nach allen Richtungen
-sich ausbreitenden Wellen. Als Ursache der Fortpflanzung ist hiebei die
-Elastizität der Körper anzusehen, da durch die schwingende Bewegung
-abstoßende und anziehende elastische Kräfte im Körper ausgelöst werden.
-
-#Die Schallstärke nimmt mit der Ausbreitung ab.# Da wir kein bequemes
-Mittel besitzen, um Schallstärken zu messen, so müssen wir uns mit
-folgendem begnügen. Bei allseitiger Ausdehnung hat die Wellenbewegung
-nach einer gewissen Zeit alle Punkte einer Kugelfläche erreicht; nach
-zweimal (3 mal etc.) so langer Zeit hat sich die Wellenbewegung auf eine
-Kugelfläche von 2 mal (3 mal etc.) so großem Radius, also 4 mal (9 mal
-. . . ~n²~ mal) so großer Fläche ausgebreitet, also muß die Intensität
-der Wellenbewegung nun 4 mal (9 mal . . . ~n²~ mal) schwächer sein. Man
-schließt also: #die Schallstärke nimmt bei ungehinderter allseitiger
-Ausbreitung ab, wie das Quadrat der Entfernung zunimmt#. Da wir den
-Pfiff der Lokomotive in 1 _m_ Entfernung noch ertragen, in 10 _km_
-Entfernung, wobei seine Intensität 10 000² = 100 000 000 mal schwächer
-ist, noch hören können, so erkennt man, innerhalb wie großer Grenzen
-unser Ohr noch empfindlich ist.
-
-
-172. Reflexion des Schalles.
-
-#Trifft der Schall auf einen festen Körper, so wird er zurückgeworfen,
-reflektiert#, wie jede Wellenbewegung. Der Schall wird unter demselben
-Winkel reflektiert, unter welchem er auffällt; also nur wenn er
-senkrecht auffällt, geht er auf demselben Wege zurück.
-
-Darauf beruht ^das^ #Echo# ^oder der^ #Widerhall#, das Zurückkommen des
-Schalles, wenn er auf eine Wand trifft. Auch ein Wald gibt ein Echo,
-wirkt also wie eine feste Wand, obwohl er aus einzelnen Blättern,
-Zweigen etc. besteht, die nicht in derselben Ebene liegen; ein Teil des
-Schalles dringt dabei in das Innere des Waldes ein.
-
-Ein #mehrfaches Echo# entsteht, wenn mehrere reflektierende Flächen in
-verschiedenen Entfernungen sich befinden; die nächstliegende Fläche
-liefert das erste, stärkste Echo, die ferner liegende gibt den Ton etwas
-später und schwächer zurück u. s. f. Um das Echo zu hören, muß man so
-weit von der Wand entfernt sein, daß man den Schall und sein Echo
-getrennt unterscheiden kann. Für ein einsilbiges Echo oder
-Händeklatschen beträgt die Entfernung etwa 15 _m_, für ein zweisilbiges
-mindestens doppelt so viel etc.
-
-Auf der Reflexion des Schalles beruht auch der #Nachhall in
-geschlossenen Räumen#, Zimmern, Sälen, Kirchen etc. Da der Ton von den
-Wänden, von der Decke und dem Boden vielfach reflektiert wird, so hört
-man außer dem direkt zum Ohr gelangenden Tone auch noch Nachklänge, die
-wegen des größeren Weges etwas später ankommen. Beträgt diese Verspätung
-nur sehr wenig, so hört man Ton und Nachklang fast zu derselben Zeit;
-der Nachklang verstärkt dann den direkten Ton. Deshalb kann man sich in
-Zimmern und geschlossenen Räumen leichter verständlich machen als im
-Freien, und die Schallstärke nimmt nicht ab, wie das Quadrat der
-Entfernung zunimmt, sondern in viel kleinerem Verhältnisse.
-
-Wenn aber der Nachklang infolge mehrmaliger Reflexion auch noch zu
-^merklich späterer Zeit^ kommt, so vermischt er sich mit dem folgenden
-Worte, mit den folgenden Tönen der Musik, so daß beides nur undeutlich,
-unklar und verschwommen gehört wird. Bringt ein Raum nur einen kurzen
-Nachhall hervor, der die direkten Wellen verstärkt, so nennt man den
-Raum #gut akustisch#, sagt, er hat eine #gute Akustik#; ist der Nachhall
-aber lange dauernd, so daß man eine Rede nicht gut verstehen und die
-Musik nicht rein und klar vernehmen kann, so daß aufeinanderfolgende
-Töne sich zu einem Tongewirr vermischen, so nennt man den Raum ^schlecht
-akustisch^.
-
-[Abbildung: Fig. 222.]
-
-[Abbildung: Fig. 223.]
-
-Wie man den Raum zu bauen hat, damit er eine gute Akustik bekommt, ist
-bis jetzt noch nicht genau bekannt; man empfiehlt eine möglichst reiche
-Gliederung der Wände, Vermeidung glatter Flächen, Bekleidung der Wände
-mit weichem Material, also Holz und Tuch, anstatt mit harten Stoffen,
-wie Stein, wie ja auch ein leerer Saal stets schlechter akustisch wirkt,
-als ein mit Menschen gefüllter. Jedoch verhindert das nur, daß der
-Nachhall lang dauernd wird, bewirkt aber nicht, daß er stark ist und
-zugleich rasch aufhört, wie es am besten wäre.
-
-Auf der Reflexion beruht auch das #Sprachrohr# (Moreland 1670). Es
-besteht aus einem Rohr aus Blech oder Pappe, welches am einen Ende eine
-der Mundweite entsprechende Öffnung hat, zu welcher man hineinspricht,
-und sich gegen das andere Ende derart erweitert, daß der
-Längsdurchschnitt die in Fig. 222 gezeichnete Form einer #Parabel# hat.
-Die Schallwellen, welche in das Rohr eindringen, werden dann von den
-Wänden des Rohres so reflektiert, daß sie alle nahezu der Längsachse des
-Rohres parallel werden. Sie pflanzen sich dann auch, wenn sie das Rohr
-verlassen, vorzugsweise in dieser Richtung fort, treffen demnach eine
-entfernte Stelle in viel größerer Stärke, als bei ungehinderter
-Ausbreitung. Deshalb lassen gute Sprachrohre das Gesprochene bei sonst
-stiller Luft bis auf ½ Stunde Entfernung noch deutlich vernehmen.
-
-Das #Hörrohr# dient dazu, um einen ankommenden schwachen Ton deutlich
-hörbar zu machen. Es ist trichterförmig gebogen, so daß die bei der
-weiten Öffnung eindringenden Wellen durch Reflexion an den Wänden des
-Hörrohres so abgelenkt werden, daß sie (nahezu) alle durch die
-gegenüberliegende kleine Öffnung desselben gehen und sich so
-verstärken. Hält man diese kleine Öffnung ans Ohr, so ist die Stärke des
-Tones (nahezu) so vielmal größer, als der Querschnitt der weiten Öffnung
-des Hörrohres größer ist als der natürliche Eingang des Ohres.
-
-
-173. Der Ton. Schwingungszahl des Tones.
-
-Wenn die Luftschwingungen in #unregelmäßiger# Aufeinanderfolge
-entstehen, so hört man einen #Schall#, dessen verschiedene Arten man
-durch die Bezeichnungen: Knall, Klirren, Brausen, Zischen, Rasseln etc.
-zu unterscheiden sucht.
-
-[Abbildung: Fig. 224.]
-
-Ein #Ton# entsteht, wenn die Luftschwingungen #regelmäßig# erfolgen, so
-daß jede Schwingung gleich viel Zeit braucht. Die #Sirene# (nach
-Seebeck). Auf einer Metallscheibe bringt man in konzentrischen Kreisen
-eine Anzahl Löcher an in gleichen Abständen. Bläst man nun, während die
-Scheibe gedreht wird, durch ein Rohr gegen eine Lochreihe, so kann der
-Luftstrom bald durch ein Loch hindurchgehen, bald wird er von der
-Scheibe aufgehalten; es entstehen also abwechselnd Luftstöße, welche, da
-sie in rascher und gleichmäßiger Aufeinanderfolge entstehen, einen Ton
-hervorbringen. #Dadurch ist auch bewiesen, daß der Ton aus
-Luftschwingungen besteht#, ^und daß zu deren Hervorbringung ein
-schwingender Körper nicht notwendig ist^. Bei raschem Drehen wird der
-Ton höher, bei langsamerem tiefer: #Die Höhe des Tones ist abhängig von
-der Schwingungszahl.#
-
-Dreht man mit gleichmäßiger Geschwindigkeit, so daß ein Ton von
-gleichbleibender Höhe entsteht, so kann man aus der Anzahl der Löcher im
-Kreise und aus der Anzahl der Umdrehungen der Scheibe in 1" finden, wie
-viele Schwingungen der Ton in 1" macht. #Schwingungszahl des Tones.#
-
-In der Zeit, in welcher ein Luftteilchen eine Schwingung macht, pflanzt
-sich die Welle um ihre eigene Länge fort. Wenn also ein Ton in einer
-Sekunde n Schwingungen macht und sich dabei um 333 _m_ fortpflanzt, so
-folgt, daß die Länge der Welle =
-
- 333
- ---
- ~n~
-
-Meter ist. Ist die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Schalles ~c~ und
-die Wellenlänge ~l~, so ist
-
- c
- ~l = -~, oder ~c = n · l~.
- n
-
-Man kann also aus der Schwingungszahl eines Tones auch #die Länge
-seiner Welle berechnen#. Je tiefer der Ton, desto länger ist seine
-Welle.
-
-Jeder musikalische Ton ist seiner Höhe nach bestimmt durch seine
-Schwingungszahl, und kann durch sie wieder gefunden werden, wozu die
-Sirene von ^Cagniard Latour^, dem Erfinder der Sirenen (1819) dient. Der
-tiefste, in der Musik gebräuchliche Ton, das Kontra-~C~, macht 33
-Schwingungen, der höchste, das fünfgestrichene ~c~ macht 4224
-Schwingungen, doch kann man noch 3 Oktaven darüber bis zum
-achtgestrichenen ~c~ mit 32 770 Schwingungen die Töne wahrnehmen, jedoch
-an dieser oberen Grenze, ebenso wie an der unteren, nicht mehr gut
-unterscheiden. Der Ton ~a~ der Stimmgabeln macht 435 Schwingungen bei
-15°: Normalstimmung.
-
-
-174. Schwingungsverhältnisse musikalischer Töne.
-
-Besonders wichtig sind die #Schwingungsverhältnisse# derjenigen Töne,
-welche in der Musik gebräuchlich sind. Bringt man auf der Sirenenscheibe
-außer der ersten Lochreihe noch eine mit #doppelt so vielen# Löchern an,
-so gibt bei gleicher Umdrehungsgeschwindigkeit die zweite Reihe die
-#obere Oktave# des Tones der ersten Reihe. Es ist dabei gleichgültig,
-wie rasch man die Scheibe dreht; wenn nur beide Reihen bei derselben
-Geschwindigkeit angeblasen werden. Da sich hiebei die Schwingungszahlen
-wie 1:2 verhalten, so sagt man: #Grundton und Oktave haben das
-Schwingungsverhältnis 1 : 2#, oder die Oktave macht in derselben Zeit
-doppelt so viele Schwingungen wie der Grundton. Aus dem Satze über die
-Wellenlänge folgt dann, ^daß die^ #Wellenlänge# der ^Oktave 2 mal^
-#kleiner# ^ist als die des Grundtons^.
-
-Ähnlich findet man das Schwingungsverhältnis von Grundton zu Quinte,
-also etwa: ~c : g~ = 2 : 3,
-
- das von Grundton zu Quarte, also etwa: ~g : c̅~ = 3 : 4,
-
- das von Grundton zur (großen) Terz, also: ~c̅ : e̅~ = 4 : 5.
-
-[Abbildung: Fig. 225.]
-
-Der ~Dur~-Dreiklang hat also folgende Schwingungsverhältnisse: ~c : e :
-g : c̅~ = 4 : 5 : 6 : 8, und diese Schwingungsverhältnisse gelten nicht
-bloß von dem hier als Beispiel angegebenen von ~c~ zu ~c̅~ gehenden
-Dreiklang, sondern von ^jedem über einem beliebigen Grundton liegenden
-Dreiklang^.
-
-In Fig. 225 sind die Wellen angedeutet, welche einem ~Dur~-Dreiklang
-entsprechen.
-
-Den Musiker werden noch folgende Verhältnisse interessieren.
-
-Man kann die Schwingungszahlen der Töne einer ~Dur~-Tonleiter durch
-folgende Zahlen darstellen:
-
- ~c d e f g a h c̅~
- 24 27 30 32 36 40 45 48.
-
-Das Schwingungsverhältnis der ganzen Töne ist
-
- c 24 8 f 32 8 a 40 8
- ~- = -- = -; - = -- = -; - = -- = -~.
- d 27 9 g 36 9 h 45 9
-
-Diese Intervalle nennt man ^große ganze Töne^; ferner ist
-
- d 27 9 g 36 9
- ~- = -- = --, - = -- = --;~
- e 30 10 a 40 10
-
-diese Intervalle sind ^kleine ganze Töne^. Das Verhältnis beider ist
-
- 8 10 80
- - · -- = --,
- 9 9 81
-
-und heißt ein ^Komma^.
-
-Das Schwingungsverhältnis der halben Töne ist
-
- e 30 15 h 45 15
- ~- = -- = --~ und ~- = -- = --~.
- f 32 16 c 48 16
-
-Schaltet man zwischen ~c~ und ~d~ einen halben Ton ein, ~cis~, so ist
-seine Schwingungszahl
-
- 16
- 24 · -- = 25,6
- 15
-
-und setzt man nach ~cis~ wieder einen halben Ton vom Verhältnis
-
- 16
- --,
- 15
-
-so würde seine Schwingungszahl
-
- 16
- 25,6 · -- = 27,3
- 15
-
-also höher als ~d~; es sind also die Intervalle der zwei halben Töne
-zwischen ~c~ und ~d~, ~f~ und ~g~, ^a^ und ~h~ kleiner als der halbe Ton
-zwischen ~e~ und ~f~.
-
-Noch größer wird der Unterschied, wenn man zwischen die kleinen ganzen
-Töne halbe Töne einschaltet.
-
-Die Schwingungsverhältnisse der Töne der ~Dur~-Tonleiter sind:
-
- ~c d e f g a h c̅~
- 9 10 16 9 10 9 16
- Grundton, -, --, --, -, --, -, --,
- 8 9 15 8 9 8 15
-
-und diese Verhältnisse gelten nicht bloß für die ~c-dur~-Tonleiter,
-sondern für jede über einem beliebigen Grundton aufgebaute Tonleiter.
-Wenn also der Musiker rein spielen will, so muß die diesen Verhältnissen
-entsprechende Aufeinanderfolge von großen und kleinen ganzen Tönen und
-von halben Tönen der angegebenen Größe stattfinden. Der Musiker achtet
-auch hierauf beim Singen und Geigen; aber bei Klavier und Orgel,
-wo die Bildung der Tonhöhe nicht in seiner Hand liegt, würden
-Unzuträglichkeiten entstehen, sobald man aus einer anderen Tonart
-spielt. Ist z. B. auf der Orgel die ~c-dur~-Tonleiter den angegebenen
-Verhältnissen gemäß gestimmt, so kann man auf ihr in ~c-dur~ rein
-spielen; geht man aber nach ~g-dur~ über, so muß zunächst ~f~ um einen
-halben Ton erhöht und durch ~fis~ ersetzt werden.
-
-Aber die Tonleiter wäre noch nicht rein; denn schon das erste Intervall
-~g : a~ ist ein kleiner ganzer Ton, während es ein großer sein sollte,
-und das umgekehrte findet beim nächsten Intervall ~a : h~ statt.
-Ähnliches findet statt, wenn man auf noch andere Tonarten übergeht. Wenn
-man also auf der Orgel die Töne für eine Tonleiter genau richtig macht,
-so passen sie nicht ganz für die anderen Tonarten.
-
-Diesen Übelstand kann man vermindern dadurch, daß man auf ganz reine
-Stimmung überhaupt verzichtet und eine Universalskala einführt, welche
-für jede Tonart gleich gut, wenn auch für keine vollkommen paßt. Man
-teilt nämlich das Schwingungsverhältnis der Oktave (2 : 1) in 12 gleiche
-Intervalle, so daß jeder folgende halbe Ton gleich vielmal öfter
-schwingt als der vorhergehende, also ^gleichschwebende Temperatur^ hat.
-Ein halber Ton hat also das konstante Schwingungsverhältnis ¹²√2,
-welches nahezu =
-
- 16 147
- -- · ---
- 15 148
-
-ist, sich also auch vom halben Tone sehr wenig unterscheidet. Die so
-erhaltenen halben Töne benützt man zur Bildung jeder Tonart. Hiebei
-werden die Oktaven natürlich alle ganz rein, und die Quinten und Quarten
-fast vollkommen rein; dagegen weichen die Terzen und Sexten von den
-reinen Intervallen beträchtlicher ab, jedoch um weniger als ein Komma.
-
-Aus den angegebenen Schwingungsverhältnissen musikalischer Töne erkennt
-man das Gesetz, daß uns das Zusammenklingen zweier oder mehrerer
-Töne nur dann eine angenehme Empfindung verursacht, wenn die
-Schwingungszahlen in einem durch kleine ganze Zahlen ausdrückbaren
-Verhältnisse stehen (oder nur sehr wenig davon abweichen wie
-bei der gleichschwebenden Temperatur). Zwei Töne, welche im
-Schwingungsverhältnis 1 : 2 stehen, wie Grundton und Oktave geben also
-den einfachsten Zusammenklang, die vollkommenste Harmonie.
-Quinte, Quarte und Terz, als Zweiklänge, und den bekannten
-~Dur~-Dreiklang fühlen wir als harmonische Zusammenklänge und ihre
-Schwingungsverhältnisse sind auch durch einfache Zahlen ausgedrückt. Je
-größer diese Verhältniszahlen werden, um so unangenehmer wirkt der
-Zusammenklang auf unser Ohr, derart, daß wir den Zusammenklang als
-unbefriedigend empfinden, als etwas, das der Auflösung bedarf, oder daß
-wir ihn sogar als Disharmonie empfinden, die das Ohr beleidigt.
-
-
-175. Schwingende Saiten.
-
-Wird eine Saite zwischen zwei festen Punkten gespannt, wie bei den
-Geigen, der Zither, dem Klavier u. s. w., so gibt sie einen Ton, wenn
-man sie mit einem Bogen streicht oder zupft oder mit einem „Hammer“
-schlägt. Sie wird dadurch aus ihrer Gleichgewichtslage gebracht,
-wird gebogen, erhält eine größere Länge und kehrt vermöge ihrer
-Elastizität in die Gleichgewichtslage zurück, schwingt vermöge des
-Beharrungsbestrebens darüber hinaus nach der anderen Seite,
-kehrt zurück u. s. f.; sie macht #regelmäßige Schwingungen um die
-Gleichgewichtslage#, und bringt so einen Ton hervor.
-
-Die Höhe des Tones ist abhängig von der #Spannung# der Saite; je stärker
-die Spannung, desto höher der Ton; ferner vom Gewicht der Saite; je
-schwerer die Saite ist, desto langsamer sind die Schwingungen; deshalb
-werden bei Saiteninstrumenten für die tieferen Töne die Saiten mit Draht
-umsponnen. Schließlich ist die Tonhöhe abhängig von der #Länge# der
-Saite und zwar sind die #Schwingungszahlen den Längen umgekehrt
-proportional#.
-
-[Abbildung: Fig. 226.]
-
-Macht man eine Saite zweimal kürzer, so gibt sie die Oktave, dreimal
-kürzer, die obere Quinte, viermal kürzer, die zweite Oktave etc.
-(Violinspieler).
-
-Sehr wichtig für alle Saiteninstrumente ist die #Resonanz#, das ist das
-Mitschwingen eines festen elastischen Körpers, um den Ton der Saite zu
-verstärken. Zwischen den zwei Händen gespannt und angezupft, gibt eine
-Saite kaum einen hörbaren Ton. Zur Verstärkung dient der Resonanzboden
-oder -kasten. Befestigt man die Saite an zwei Punkten auf einer sehr
-gut elastischen Holzplatte, dem #Resonanzboden#, so teilt sich ihre
-Schwingung der Holzplatte mit, und diese setzt große Massen von Luft in
-Bewegung und bringt dadurch einen starken Ton hervor. Bei der Geige
-teilt die Saite ihre Schwingungen durch den Steg dem Resonanzboden mit.
-Auch das Klavier hat einen Resonanzboden aus Tannenholz von
-gleichmäßiger Struktur und frei von Ästen.
-
-Ein physikalischer Apparat dieser Art ist das #Monochord#. Es besteht
-aus einem einfachen langen Kasten aus Holz, dessen obere Platte den
-Resonanzboden vorstellt; über ihn wird eine Saite gespannt, die vorn und
-hinten über keilförmige Holzschneiden (Stege) geht. Die Länge zwischen
-beiden Schneiden ist die Länge der schwingenden Saite. Durch einen
-beweglichen Steg kann man der Saite verschiedene Längen geben und
-dadurch obiges Gesetz bestätigen. (Siehe Figur 226.)
-
-
-176. Obertöne.
-
-[Abbildung: Fig. 227.]
-
-Wenn man die Saite in der Mitte zwischen den festen Stegen durch den
-beweglichen Steg unterstützt, und die eine Hälfte anstreicht, so gibt
-sie die Oktave; zugleich schwingt auch die andere Hälfte der Saite mit,
-und zwar ebenso rasch. Beide Hälften machen dabei ihre Schwingungen
-stets in entgegengesetzter Richtung. Wenn man die Saite im ersten
-Drittel unterstützt und das erste Drittel anstreicht, so schwingt auch
-der andere Teil der Saite mit, aber nicht als ganzes, sondern indem er
-sich in zwei Teile, die zwei anderen Drittel, teilt, deren jedes so
-rasch schwingt wie das angestrichene Drittel. Der Punkt zwischen den
-beiden Teilen schwingt hiebei nicht, bleibt in Ruhe und wird
-#Schwingungsknoten# genannt. Setzt man auf die Saite kleine
-Papierschnitzel (Reiterchen), so werden durch die Schwingungen der Saite
-alle Reiterchen abgeworfen, nur das am Schwingungsknoten sitzende bleibt
-ruhig. Ähnliches tritt ein, wenn man die Saite im ersten Viertel,
-Fünftel, Sechstel etc. unterstützt, oder leicht mit dem Finger berührt.
-Man sagt: die Saite teilt sich in #aliquote Teile# und gibt #Obertöne#
-statt des Grundtones, wobei ^unter Oberton ein Ton zu verstehen ist, der
-eine ganze Anzahl Mal so oft schwingt als der Grundton^. Diese Versuche
-sowie die Benennung „Knoten und Bäuche“ rühren von Saveur (~†~ 1716)
-her.
-
-Aber auch wenn man die Saite nicht mit dem Finger berührt, sondern frei
-anstreicht, teilt sie sich stets zugleich in aliquote Teile und zwar in
-mehrere Arten. ^Es entstehen somit stets außer dem Grundtone zugleich
-ein oder mehrere Obertöne^. Diese Obertöne sind meist einzeln nicht
-hörbar, einerseits weil sie zu schwach sind, andrerseits weil unser Ohr
-nicht geübt ist, auf sie zu achten; ^wohl aber beeinflussen sie je nach
-ihrer Anzahl, Art und Stärke den Klang des Grundtones^.
-
-
-177. Schwingende Stäbe und Platten.
-
-[Abbildung: Fig. 228.]
-
-Wird ein elastischer Stab am einen Ende festgeklemmt und am anderen Ende
-angeschlagen, so macht er Schwingungen und erzeugt einen Ton. Ähnlich
-wie eine Saite kann er sich dabei auch in mehrere Teile teilen. Die
-#Stimmgabel# teilt sich in drei Teile, so daß die beiden Zinken je nach
-entgegengesetzten Richtungen schwingen und der mittlere (krumme) Teil
-der Gabel auch entsprechende Schwingungen macht; letztere gehen, wenn
-die Gabel vertikal gehalten wird, auf und ab, teilen sich demnach leicht
-einer Platte mit, auf welche die Stimmgabel gestellt wird. Doch liegen
-bei einer Stimmgabel die Knotenpunkte viel näher am Bügel als in Fig.
-228 gezeichnet.
-
-Nur wenn die #Platte# längs einer ganzen Seite befestigt ist, kann sie
-als Ganzes schwingen wie ein elastischer Stab; ist sie nur in einem
-Punkte befestigt, so #teilt sie sich in mehrere Teile#, ^von denen jeder
-für sich schwingt^. Wenn man eine Glasscheibe an einem Punkte, etwa in
-der Mitte, festklemmt, sie mit etwas Sand bestreut und nun am Rande
-anstreicht, etwa in der Mitte einer Seite, so gibt sie einen Ton, die
-Sandkörner werden von den schwingenden Teilen der Platte weggeschleudert
-und sammeln sich an den ruhigen Stellen. Streicht man andere Stellen der
-Platte, unterstützt eine Stelle mit dem Finger, oder klemmt die Platte
-an einer anderen Stelle fest, so erhält man andere Einteilungen der
-Platte, der Sand sammelt sich längs anderer Knotenlinien und es
-entstehen so die #Chadnischen Klangfiguren#. Zwei benachbarte, durch
-eine solche Linie getrennte Felder schwingen stets gleich rasch und nach
-entgegengesetzten Richtungen.
-
-Ebenso wie Platten schwingen die Glocken; bei ihnen ist der oberste
-Punkt der feste Punkt; durch ihn gehen die Knotenlinien; die zwischen
-ihnen liegenden, gleich großen Teile der Glocke schwingen jeder für
-sich, jeder stets entgegengesetzt wie der benachbarte; die Anzahl der
-Teile ist daher stets eine gerade, am einfachsten 4. Ähnlich wie eine
-Saite zerlegt sich aber auch eine Glocke zugleich noch in eine andere
-Anzahl Teile, z. B. 6 oder 8, und bringt dadurch noch Obertöne hervor;
-von diesen sind manchmal einer oder einige so deutlich, daß sie als
-eigene Töne gehört werden.
-
-
-178. Stehende Wellen in gedeckten Pfeifen.
-
-Dringt eine Luftwelle ins Innere einer Röhre ein, so wird sie vom
-verschlossenen Ende reflektiert; deshalb müßte jedes Luftteilchen
-zweierlei Bewegungen machen; diese setzen sich zusammen zu einer
-resultierenden Bewegung; beide Wellen, die direkte und die reflektierte,
-#interferieren# sich und bilden eine #stehende Welle#.
-
-An der #Verschlußplatte# bleiben die Luftteilchen ruhig, sind aber
-abwechselnd verdichtet und verdünnt. In einem Punkte, welcher vom Ende
-um eine #halbe Wellenlänge# entfernt ist, ist stets zugleich der Anfang
-oder irgend ein Teil des Wellenberges und der Anfang oder der
-entsprechende Teil des Wellentales. Da die Bewegungen hiebei
-entgegengesetzt sind, so heben sie sich auf; der Punkt bleibt auch in
-Ruhe, und in ihm ist auch die Luft abwechselnd verdichtet und verdünnt.
-Beide Punkte nennt man #Knotenpunkte#. Je nach der Länge der Röhre
-können deren noch mehrere vorhanden sein im Abstand von je einer halben
-Wellenlänge. Der Punkt zwischen dem Ende und dem nächsten Knotenpunkt
-ist vom Ende um ¼ Wellenlänge entfernt. In ihm sind die vorhandenen
-Wellenteile stets um ½ Wellenlänge verschieden, also ist in ihm die Luft
-weder verdünnt noch verdichtet, und er macht eine hin- und hergehende
-Bewegung. Solche Stellen nennt man #Wellenbäuche#. Zwischenliegende
-Punkte machen eine der Art und Größe nach ähnliche Bewegung.
-
-[Abbildung: Fig. 229.]
-
-Am offenen Ende der Röhre muß die Luft die Bewegung des schwingenden
-Körpers mitmachen können, muß sich also wie in einem Wellenbauch bewegen
-können; es muß deshalb die Länge der Röhre sich nach der Wellenlänge
-richten oder umgekehrt. Die Länge der Röhre muß also entweder = ¼ der
-Wellenlänge des erzeugten Tones sein oder = ¼ ~l~ + ½ ~l~, wobei ein
-freier Knoten entsteht (Fig. 229) oder = ¼ ~l~ + 2 · ½ ~l~, wobei 2
-freie Knoten oder = ¼ ~l~ + 3 · ½ ~l~, wobei 3 freie Knoten entstehen.
-
-In Fig. 229 ist in 8 Phasen die Bewegung der Luftteilchen in einer
-stehenden Welle gezeichnet.
-
-[Abbildung: Fig. 230.]
-
-Hierauf beruhen die #gedeckten Orgelpfeifen#. Ein Rohr von gewisser
-Länge (= ¼ der gewünschten Wellenlänge) ist am oberen Ende geschlossen,
-ebenso am unteren Ende; doch ist dort ein feiner Spalt längs einer
-Seitenwand offen gelassen, durch welchen Luft eingeblasen wird. Von der
-Seitenwand, welche an diesen Spalt grenzt, ist unten ein Teil mit
-scharfer Schneide weggenommen. Von der eindringenden Luft geht ein Teil
-in die Röhre und bringt dort eine Luftverdichtung hervor. Diese bewirkt,
-daß die Luft sich dann ausdehnt, bei der Öffnung austritt und zugleich
-die aus dem Spalt kommende Luft seitwärts nach außen drückt. Dann strömt
-wieder Luft vom Spalt in das Innere, die Luft verdichtet sich wieder und
-so geht es fort. Die Luft in der Pfeife bewegt sich wie eine stehende
-Welle von ¼ Wellenlänge und dadurch, daß bei der unteren Öffnung bald
-Luft heraus- und hineingeht, entstehen in der äußeren Luft Schwingungen,
-also ein Ton. In gewissen Fällen (bei stärkerem Blasen, geringerer Weite
-des Rohres) kann sich die Luft in der Pfeife auch so bewegen, daß ein
-freier Knoten entsteht, die Wellenlänge ist dann dreimal kürzer, der Ton
-hat dreimal so viel Schwingungen.
-
-
-179. Stehende Wellen in offenen Pfeifen. Blasinstrumente.
-
-_Ist die Röhre (Pfeife) offen, so können auch stehende Wellen
-entstehen_, doch muß mindestens ein freier Knoten da sein. Dieser liegt
-in der Mitte und die Wellenlänge ist gleich der doppelten Pfeifenlänge;
-bilden sich zwei Knoten oder mehrere, so sind sie stets um ½
-Wellenlänge entfernt und liegen so, daß die Enden der Röhre
-Schwingungsbäuche sind; bei zwei Schwingungsknoten ist die Wellenlänge
-gleich der Pfeifenlänge, und die Schwingungszahl doppelt so groß als bei
-einem Knoten. Bei gleicher Pfeifenlänge ist die Wellenlänge in der
-offenen zweimal kürzer, also die Schwingungszahl zweimal größer als in
-der gedeckten; #die offene Pfeife gibt die Oktave der gedeckten#.
-
-Eine offene Pfeife ist die #Flöte#, bei welcher durch Öffnen der Löcher
-die Länge der Pfeife und damit die Tonhöhe geändert werden kann.
-
-#Klarinett#, Hoboe und Fagott haben am Anfang ein elastisches
-Holzblättchen, #weiche Zunge#, das der einströmenden Luft nur einen
-schmalen Spalt offen läßt, selbst in Schwingungen gerät und so die Luft
-bald einläßt, bald nicht einläßt. Seine Schwingungen richten sich nach
-den Schwingungen der Luft in der Röhre und durch kräftigeres oder
-schwächeres Andrücken der Lippen unterstützt der Bläser diese Wirkung.
-
-#Harte Zungen#, wie federnde Metallbleche können sich in ihrer
-Schwingungszahl nicht nach der Länge des Rohres richten; deshalb wird
-die Länge des Rohres entsprechend der Schwingungszahl der Feder gemacht;
-oder es ist eine solche harte Zunge gerade vor einem Ausschnitt in einem
-Stück Holz angebracht, so daß sie diesen Ausschnitt gerade bedeckt
-(Mundharmonika); bläst man durch das Loch, so gerät die Zunge (Feder) in
-Schwingungen, verschließt und öffnet abwechselnd den Ausschnitt, und
-bringt so Stöße in der Luft hervor, die einen Ton erzeugen. Frei in der
-Luft schwingend wäre der von der Feder allein erzeugte Ton sehr schwach.
-Ziehharmonika, Harmonium und einige Orgelregister.
-
-Die #Blechblasinstrumente# sind lange, offene Pfeifen von geringer
-Weite. Die Luftschwingung wird erzeugt, indem der Bläser die
-geschlossenen Lippen gegen das Mundstück preßt und nun durchbläst.
-Ähnlich wie bei weichen Zungen geraten die Lippen des Bläsers in
-schwingende Bewegung; die Luft im Rohre schwingt wie in einem offenen
-Rohre, indem sich ein oder mehrere freie Knoten bilden. Indem man das
-Rohr bald länger, bald kürzer macht durch Ausziehen (Posaune) oder durch
-Klappen, bekommt man verschiedene Töne. Aber auch schon bei derselben
-Rohrlänge versteht es der Bläser, verschiedene Töne hervorzubringen,
-indem er durch Spannung der Lippen die Wellenlänge im Rohre beeinflußt,
-so daß sich mehr oder weniger Knoten bilden. So bildet er leicht zu
-jedem Ton die Oktave (zweimal mehr Knoten) oder wie bei den
-Signaltrompeten 4 oder 5 Töne, die in naher Verwandtschaft stehen, deren
-Schwingungszahlen sich etwa wie 2 : 3 : 4 : 5 : 6 : 8 verhalten, die
-also 2, 3, 4, 5, 6, 8 Knoten haben.
-
-
-180. Das Mitschwingen.
-
-Treffen die Luftschwingungen eines Tones eine Saite, welche auf
-denselben Ton gestimmt ist, so wird die Saite selbst in Schwingungen
-versetzt, sie ^schwingt mit^.
-
-Denn wenn die Tonwelle an der Saite ankommt, so wird diese durch den
-Druck der verdichteten Luft beiseite gedrückt und schwingt bei der
-folgenden Luftverdünnung zurück. Wenn nun jede folgende Luftverdichtung
-gerade zu der Zeit kommt, in welcher die Saite wieder die Bewegung in
-der ersten Richtung macht, so wird diese Bewegung verstärkt, so daß sie
-bald wahrnehmbare Schwingungen macht. Sind jedoch der ankommende Ton und
-der Eigenton der Saite verschieden, so wird es bald dahin kommen, daß
-die Saite, welche nach dem ersten Impulse infolge ihrer Spannung
-schwingt, eine Bewegung macht, die der Wirkung der Luftwelle gerade
-entgegengesetzt ist, wird dann in ihrer Bewegung wieder gehemmt und
-kommt nicht in fühlbare Schwingungen.
-
-Man beobachtet das Mitschwingen, wenn man gegen eine Geige oder ein
-Klavier bei aufgehobenem Dämpfer singt.
-
-#Das Mitschwingen ist ein Beispiel von Kraftübertragung durch
-Wellenbewegung.#
-
-
-181. Die Resonatoren.
-
-Wenn man eine tönende Stimmgabel über die Öffnung eines (ziemlich engen)
-cylindrischen Glasgefäßes hält, so schwingt die Luft im Glase mit, wenn
-sie schwingen kann wie in einer gedeckten Pfeife, wenn also die Länge
-des Gefäßes gleich ¼ Wellenlänge des erregenden Tones ist. Dann entsteht
-nämlich eine stehende Luftwelle, welche den Ton der Stimmgabel verstärkt
-durch Mitschwingen. Ist das Gefäß nicht auf den Ton der Stimmgabel
-abgestimmt, so tönt sie nicht mit.
-
-[Abbildung: Fig. 231.]
-
-Resonatoren sind #trichterförmige# oder bauchige #Gefäße# aus Blech oder
-Glas, welche vorn eine weite Öffnung haben, durch welche sie den
-ankommenden Ton auffangen und gegenüber eine kleine, ins Ohr passende
-Öffnung. Wenn nun ein Ton eindringt, der die Luftmasse des Resonators in
-Schwingungen zu versetzen vermag, für welchen also der Resonator seiner
-Größe nach paßt, für welchen er gestimmt ist, so verstärkt sich durch
-Mittönen der eingeschlossenen Luft der Ton und wird dadurch im Ohre
-deutlich vernehmbar. Dringt ein anderer Ton ein, so kommt die Luft des
-Resonators nicht in Schwingungen, so daß man den Ton fast nicht hört.
-
-Mit solchen Resonatoren kann man #die Obertöne eines Tones
-untersuchen#. Hält man den Resonator, der etwa auf den ersten Oberton
-(die Oktave) gestimmt ist, ans Ohr, so hört das Ohr den Grundton nicht
-oder nur schwach, den Oberton aber verstärkt. So untersucht man den Ton
-dann für die folgenden Obertöne, indem man Resonatoren benützt, die für
-diese Obertöne abgestimmt sind.
-
-Auf solche Weise ist es Helmholtz gelungen, die #Klangfarbe zu
-analysieren#, d. h. zu untersuchen, welcher Art und Stärke die
-Obertöne bei bestimmten Klängen sind, und nachzuweisen, daß die
-Verschiedenartigkeit der Klänge nur darin ihren Grund hat, daß dem
-Grundtone bestimmte Obertöne beigemischt sind. Umgekehrt gelang ihm auch
-die #Synthese# (Zusammensetzung) der Klänge, indem er einem Grundton,
-welcher keine Obertöne besitzt, gewisse Obertöne in entsprechender
-Stärke beimischte.
-
-
-182. Interferenz der Schallwellen.
-
-[Abbildung: Fig. 232.]
-
-Wenn wellenförmige Bewegungen von verschiedenen Orten her an demselben
-Punkte ankommen, so heben sie sich auf, oder schwächen sich wenigstens,
-wenn sie den Punkt zugleich nach entgegengesetzten Richtungen zu bewegen
-suchen. #Die Wellen interferieren oder stören sich.#
-
-Man hält ein Rohr, das oben mit einer elastischen Membran überspannt ist
-und nach unten sich gabelt (Fig. 232) mit den unteren Enden über
-benachbarte Teile einer in aliquoten Teilen schwingenden Saite, die ja
-stets nach entgegengesetzten Richtungen schwingen, so heben sich die in
-die Röhren eindringenden Wellen derart auf, daß die Membran oben gar
-nicht schwingt, was man daran sieht, daß aufgestreute Sandkörner in Ruhe
-bleiben.
-
-Wenn zwei Saiten oder Orgelpfeifen nahezu auf denselben Ton gestimmt
-sind, so daß sie nur um 1 oder 2 Schwingungen in der Sekunde
-differieren, so hört man nur ^einen^ Ton, aber man bemerkt ein
-gleichmäßiges Anschwellen und Nachlassen der Tonstärke, was man
-#Schwebung# nennt.
-
-Differieren beide Saiten um eine Schwingung in der Sekunde, und
-schwingen beide eben in derselben Richtung, so verstärken sich ihre
-Wellen, und man hört den Ton stark. Aber die eine Saite wird mit ihren
-Schwingungen vorauseilen, so daß nach einer halben Sekunde die Saiten
-gerade nach entgegengesetzten Richtungen schwingen; ihre Wellen
-schwächen sich oder heben sich ganz auf, so daß der Ton verschwindet. Am
-Ende der Sekunde machen die Saiten ihre Schwingungen wieder in derselben
-Richtung, ihre Töne verstärken sich also wieder, und so geht es fort.
-Es entsteht durch Interferenz dieser Wellen ein beständiges Anschwellen
-und Nachlassen der Tonstärke. Ist die Schwingungszahl der 2. Saite um 2
-pro 1" größer als die der ersten, so hört man zwei Schwebungen in der
-Sekunde, u. s. f. ^Die Anzahl der Schwebungen in 1" ist also gleich der
-Differenz der Schwingungszahlen in 1"^. Die Figur 233 zeigt die Bahn
-eines schwingenden Punktes, welcher von zwei Wellen ~à~ 9 resp. 10
-Schwingungen getroffen wird, der also bei je 10 Schwingungen eine
-Schwebung macht. Wächst die Zahl der Schwebungen in 1" über 12, so kann
-man sie nicht mehr gut einzeln wahrnehmen, es entsteht bei etwa 20
-Schwebungen ein Schwirren, bei noch mehr der Eindruck einer schreienden
-Dissonanz.
-
-[Abbildung: Fig. 233.]
-
-Steigt die Anzahl der Schwebungen in 1" über 48, so hört man nicht nur
-die beiden erzeugenden Töne getrennt, jeden für sich, sondern man hört
-^noch einen tieferen Ton, dessen Schwingungszahl eben dieser Anzahl der
-Schwebungen entspricht^. Da nun das Ohr von einer großen Anzahl
-Schwebungen getroffen wird, die in ihrem Anschwellen und Nachlassen
-ebenso regelmäßig verlaufen wie die Schwingungen eines Tones, so
-erzeugen diese Schwebungen selbst den Eindruck eines Tones, den man den
-^Differenzton^ nennt. Läßt man an Orgelpfeifen einen Grundton (~c~) und
-die Quinte (~g~) zugleich tönen, so hört man zugleich die untere Oktave
-(~C~) des Grundtones (~c~) als Differenzton.
-
-
-183. Die menschliche Sprache.
-
-Der Ton der menschlichen Sprache wird hervorgebracht im Kehlkopfe, einem
-knorpeligen Ansatz am oberen Ende der Luftröhre. Er ist durch zwei
-elastische Membranen, die #Stimmbänder# oder #Stimmlippen#, verschlossen
-bis auf einen schmalen Spalt, die #Stimmritze#. Gewöhnlich sind die
-Stimmbänder nicht gespannt, sondern schlaff und gewähren der Luft beim
-Atmen freien Durchgang. Beim Sprechen werden durch Muskeln des
-Kehlkopfes die Stimmbänder angespannt, die Stimmritze schließt sich bis
-auf einen schmalen Spalt und #die durchgehende Luft setzt die
-Stimmbänder in schwingende Bewegung#. ^Dadurch kommt die Luft selbst in
-Schwingungen^ und erzeugt so den Ton. Die Stimmbänder schwingen
-alternierend; je stärker sie gespannt werden, um so höher wird der Ton.
-Vor dem Kehlkopf bis zur freien Luft befindet sich noch die Rachenhöhle
-und die Mundhöhle; beide bilden ^ein eigentümlich geformtes Ansatzrohr^,
-dem durch die verschiedene Lage der Zunge, Wangen, Zähne und Lippen die
-verschiedenartigste Form gegeben werden kann. Dies beeinflußt nicht die
-Tonhöhe, denn diese wird nur durch die Spannung der Stimmbänder
-hervorgebracht, wohl aber ^die Tonfarbe, den Klang des Tones^, und
-bildet so die Sprache. Es bilden sich nämlich je nach dieser
-verschiedenartigen ^Mundstellung^ Obertöne, die nach Art, Höhe und
-Stärke verschieden sind, sich dem Grundton beimischen und so dessen
-Klang verändern. Zwei verschiedene Vokale, z. B. ~a~ und ~e~, in
-derselben Tonhöhe gesprochen oder gesungen, unterscheiden sich nur durch
-die verschiedene Art, Höhe, Anzahl und Stärke der demselben Grundton
-beigemischten Obertöne. Bei manchen Vokalen ist es (Helmholtz) sogar
-gelungen, die wichtigsten dieser Obertöne zu finden. Gleich hohe Töne
-verschiedener Instrumente z. B. Geige, Flöte, Horn, Trompete u. s. w.,
-die ja das Ohr als ^gleich hohe^ anerkennt, aber doch als ^verschieden
-klingende^ empfindet, unterscheiden sich nur durch die verschiedene
-Anzahl, Art und Stärke der beigemischten Obertöne.
-
-
-184. Das Ohr.
-
-Das Ohr hat außen die #Ohrmuschel#, welche wie ein Hörrohr zum Auffangen
-der Schallschwingungen dient; sie setzt sich fort in den #äußeren
-Gehörgang#, der am Ende durch eine elastische Membran, das
-#Trommelfell#, geschlossen ist; da dieses stets gespannt ist, so wird es
-durch die Schwingungen der Luft in entsprechende Schwingungen versetzt.
-Hinter dem Trommelfell ist die #Paukenhöhle#, die mit Luft gefüllt ist
-und durch die ^Eustachische Röhre^, die in die Rachenhöhle mündet, mit
-der äußern Luft in Verbindung steht. In der Paukenhöhle sind die vier
-#Gehörknöchelchen#: der ^Hammer^ ist mit dem Stiel am Trommelfell
-angewachsen und liegt mit dem dicken Ende auf dem Amboß; der ^Amboß^ ist
-mit einem Fortsatz am Kopfknochen (Felsenbein) angewachsen, berührt mit
-dem andern Ende das kleine ^Linsenbein^ und dies berührt den
-^Steigbügel^; letzterer ist mit seiner breiten Fläche am ^ovalen
-Fensterchen^ angewachsen; das ist eine Membran, welche dem Trommelfell
-gegenüberliegt und den Eingang bildet zum letzten Teile des Ohres, dem
-#Labyrinthe#. Durch die Gehörknöchelchen wird die Schwingung des
-Trommelfelles auf das ovale Fensterchen übertragen und gelangt so in das
-Labyrinth. Das Labyrinth besteht aus mehreren Gängen im Knochen, ist mit
-einer wäßrigen Flüssigkeit angefüllt, und in ihm verbreiten und
-verteilen sich die Fasern des vom Gehirn kommenden #Gehörnerves#. Im
-Labyrinth befinden sich drei #kreisförmige Bogengänge#, deren Ebenen
-nahezu aufeinander senkrecht stehen, und deren Bedeutung noch wenig klar
-ist, ferner die #Schnecke#. Diese ist ein schneckenförmiger Gang, in
-welchem kleine #Stäbchen# (die Cortischen Fasern) wie die Stufen einer
-Wendeltreppe übereinander liegen: die untersten sind die längsten und
-dicksten; nach oben werden sie immer kürzer und dünner; sie sind von
-Nervenfasern durchzogen. Man glaubt nun, daß diese Fasern für
-Schwingungen von verschiedener Schwingungszahl eingerichtet sind, so daß
-jede nur dann mitschwingt, wenn ein Ton ankommt, der dieselbe
-Schwingungszahl hat; dadurch wird dann das in dem Stäbchen liegende
-Nervenende gereizt und so der Ton empfunden.
-
-Da nun die meisten Töne mit Obertönen vermischt sind, so muß man
-annehmen, daß nicht bloß diejenigen Fasern mitschwingen, welche dem
-Grundtone, sondern auch diejenigen, welche den Obertönen entsprechen.
-Daß das möglich ist, ersieht man, wenn man in ein Klavier einen Vokal
-~a~, oder ~e~ singt; man hört dann nicht bloß einen Ton von gleicher
-Höhe aus dem Klavier wiederklingen, sondern der Ton hat den Klang des
-Vokales ~a~ oder ~e~. Da nun die Klangfarbe dadurch entsteht, daß dem
-Grundtone gewisse Obertöne beigemischt sind, so muß man annehmen, daß im
-Klavier auch alle die Saiten mitschwingen, welche den vorhandenen
-Obertönen entsprechen. Ebenso schwingen von den Gehörfasern in der
-Schnecke auch alle diejenigen mit, welche den vorhandenen Obertönen
-entsprechen. Da die Anzahl der Corti’schen Fasern sehr groß ist, ca.
-3000, so ist die Möglichkeit vorhanden, daß bei dem bekannten Umfange
-der wahrnehmbaren Töne (ca. 10 Oktaven = 120 halbe Töne) jeder Ton mit
-all seinen Obertönen durch Mitschwingen von entsprechenden Fasern im
-Ohre nachgebildet und so empfunden wird.
-
-Wenn unser Ohr eine große Anzahl verschiedener Töne, etwa eine
-Orchestermusik aufnimmt, so gelangt nur die Resultierende all dieser
-Wellenbewegungen durch die Gehörknöchelchen ins Labyrinth. Daß dort die
-Resultierende wieder in ihre einzelnen Komponenten, die einzelnen Töne,
-zerlegt wird, ja daß jeder solche Ton selbst wieder in seine Obertöne
-zerlegt, einzeln von den Corti’schen Fasern aufgenommen und doch wieder
-vereinigt dem Bewußtsein zugeführt wird, daß wir nach Klang, Höhe,
-Stärke und auch nach Richtung jeden einzelnen Ton wahrnehmen, daß wir
-von zwei Sängern, welche denselben Ton singen, jedes einzelnen Stimme
-erkennen: all das würde wohl auch dann noch unser höchstes Staunen
-erregen, wenn wir genauer wüßten, wie es dabei zugeht.
-
-
-
-
-Zehnter Abschnitt.
-
-Optik.
-
-
-185. Wesen des Lichtes.
-
-#Licht ist eine von einem Körper ausgehende Tätigkeit, welche, wenn sie
-in unser Auge gelangt, die Empfindung des Sehens hervorbringt.# Man nahm
-früher an, von dem leuchtenden Körper werde ein ungemein feiner Stoff
-ausgesandt, ^Lichtstoff^, der nach allen Richtungen hin gradlinig
-weiterfliegt und so auch in unser Auge kommt, ^Emissionstheorie^, und
-insbesondere Newton (1704) gelang es, durch sie alle damals bekannten
-Erscheinungen zu erklären.
-
-Man fand aber später noch einige Erscheinungen, welche sich durch
-die Emissionstheorie nicht erklären ließen, und stellte deshalb
-eine neue Theorie auf, die ^Undulationstheorie^, ^Wellen-^ oder
-^Schwingungstheorie^ (Huyghens 1665, Thomas Young 1802 und Fresnel). Man
-nimmt an: Das ganze Weltall ist angefüllt mit einem äußerst feinen
-Stoffe, dem ^Äther^; dieser hat kein wahrnehmbares Gewicht, ist so fein,
-daß er jeden Körper durchdringt, so daß auch zwischen den Molekülen des
-Glases, Wassers etc. Ätherteilchen sind. ^Der Äther ist elastisch^; wenn
-ein Ätherteilchen seine Stelle verläßt, so wirkt es ziehend und drückend
-auf die benachbarten, so daß diese auch in Bewegung kommen, und nun
-ihrerseits wieder ebenso auf ihre Nachbarn einwirken, so daß die
-Bewegung eines Ätherteilchens sich auf sämtliche vorhandenen
-Ätherteilchen fortpflanzt. #Das Licht besteht in einer wellenförmigen
-Bewegung des Äthers.# Ein leuchtender Körper ist imstande, die
-Ätherteilchen in schwingende Bewegung zu versetzen, und diese pflanzt
-sich nach allen Richtungen hin in geraden Linien auf alle andern
-Ätherteilchen fort. ^Eine in Schwingungen befindliche Reihe von
-Ätherteilchen oder auch ein ganzes Bündel paralleler Ätherreihen nennt
-man einen Lichtstrahl^.
-
-Die Bewegung der Ätherteile ist eine ^transversale^: die Ätherteile
-schwingen senkrecht zur Richtung des Lichtstrahles.
-
-
-186. Durchsichtigkeit.
-
-#Das Licht pflanzt sich in gerader Linie fort.# Trifft es auf einen
-Körper, so durchdringt es ihn; dann nennen wir ihn #durchsichtig#, wie
-Luft, Wasser, Glas, Diamant etc.; oder es ist nicht imstande, den Körper
-zu durchdringen; dann nennen wir den Körper #undurchsichtig# (opak), wie
-die Metalle, Steine, Holz etc.
-
-Es gibt weder einen vollständig durchsichtigen, noch einen vollständig
-undurchsichtigen Körper. Auch die klarsten Stoffe lassen nicht alles
-Licht durchdringen, sondern verschlucken, vernichten (absorbieren) immer
-mehr Licht, je tiefer es eindringt. Meerwasser ist stellenweise sehr
-klar; aber in Tiefen von 3-400 _m_ dringt kein Sonnenlicht mehr. Es gibt
-auch keinen ganz undurchsichtigen Körper; jeder läßt das Licht
-wenigstens in geringe Tiefen eindringen. Gold läßt, zu einem sehr dünnen
-Blättchen ausgeschlagen, wenigstens etwas (grünliches) Licht hindurch
-(Robert Boyle). Körper, die bei mäßiger Dicke etwas Licht durchdringen
-lassen, nennt man #durchscheinend# (transparent); solche sind: Fett,
-Wachs, Alabaster, weißer Marmor, Milchglas, Achat etc. Bei geringer
-Dicke sind solche Körper fast ganz durchsichtig, bei großer Dicke
-undurchsichtig.
-
-[Abbildung: Fig. 234.]
-
-Auf der gradlinigen Fortpflanzung des Lichtes beruht die hübsche
-Erscheinung in einer Dunkelkammer, einem Zimmer, das man ganz
-verfinstert hat. Bringt man in einem Fensterladen eine kleine Öffnung (1
-_mm_ weit) an, so dringen von den außenliegenden Gegenständen
-Lichtstrahlen in das Zimmer, treffen dort einen Papierschirm oder die
-Wand und erzeugen so ein Bild der äußeren Gegenstände. Das Bild ist
-verkehrt, lichtschwach, aber deutlich. Durch Vergrößerung der Öffnung
-wird das Bild lichtstärker, aber undeutlicher. Sonnenstrahlen, die
-zwischen den Blättern eines Baumes zu Boden fallen, erzeugen dort
-kreisrunde oder rundlich begrenzte Bilder; bei einer Sonnenfinsternis
-dagegen Bilder, die der Form der verfinsterten Sonne entsprechen.
-
-
-187. Schatten.
-
-Wegen der gradlinigen Fortpflanzung des Lichtes erhält der Raum hinter
-einem undurchsichtigen Körper kein Licht vom leuchtenden Körper; ^dieser
-lichtleere Raum heißt der Schatten^. Wir befinden uns nachts im
-Erdschatten; bei einer Mondsfinsternis tritt der Mond in den
-Erdschatten, bei einer Sonnenfinsternis befinden wir uns im
-Mondschatten.
-
-Ist der leuchtende Körper ein Punkt, so hat der Schatten die ^Form eines
-Kegels^, der vom undurchsichtigen Körper nach rückwärts sich immer mehr
-erweitert (Schattenkegel).
-
-[Abbildung: Fig. 235.]
-
-Ist der leuchtende Gegenstand selbst einigermaßen ausgedehnt, so
-entsteht außer dem Haupt- oder Kernschatten noch ein Halbschatten, d. h.
-ein Raum, in welchem nur ein Teil des Lichtes des leuchtenden
-Gegenstandes eindringt.
-
-[Abbildung: Fig. 236.]
-
-In Fig. 236 ist ~SUOS′~ der Kernschatten, welcher rings umgeben ist vom
-Halbschatten ~HUS~, ~H′OS′~. Eine Stelle des Halbschattens erhält um so
-weniger Licht, je näher sie dem Kernschatten liegt.
-
-[Abbildung: Fig. 237.]
-
-Ist der schattengebende Körper ~UO~ kleiner als der leuchtende
-Gegenstand (Fig. 237), so ist der Kernschatten begrenzt, da er sich in
-~OSU~ kegelförmig zuspitzt, ist jedoch umgeben von einem sich
-kegelförmig erweiternden Halbschatten.
-
-So gibt die Erde, von der Sonne beschienen, einen Kernschatten, der in
-eine Spitze ausläuft, also kegelförmig ist (weil ja die Erde kleiner ist
-als die Sonne), und einen diesen Kernschatten umgebenden Halbschatten,
-der außen noch am meisten Licht enthält und um so dunkler, tiefer wird,
-je mehr man sich dem Kernschatten nähert. Bei einer Mondsfinsternis
-zeigt der Erdschatten auf dem Monde keine scharfe Grenze, sondern einen
-verwaschenen Rand, den Halbschatten.
-
-
-188. Geschwindigkeit des Lichtes.
-
-Das Licht braucht, wie jede Bewegung, eine gewisse Zeit, um sich von
-einem Orte zu einem andern fortzupflanzen. Diese Zeit ist für irdische
-Erscheinungen so kurz, daß man sie für gewöhnlich vernachlässigen kann;
-in demselben Momente, in welchem der Blitz in der Wolke aufleuchtet,
-sehen wir ihn schon; den Blitz der Kanone sieht man im Moment des
-Abfeuerns.
-
-[Abbildung: Fig. 238.]
-
-Die Geschwindigkeit des Lichtes wurde zuerst gemessen durch ^Olaf
-Römer^, einen dänischen Astronomen, und zwar durch Beobachtung der
-^Verfinsterung der Jupitertrabanten^ (1676). Der Planet Jupiter ~J~ wird
-von 4 Monden umkreist, vom innersten ~M~ sehr rasch, in 42½ Stunden,
-wobei er jedesmal in den Schatten des Jupiter kommt und verfinstert
-wird, was von der Erde aus leicht beobachtet werden kann. Die Zeit
-zwischen dem Beginne einer Verfinsterung und dem Beginne der nächsten
-ist gleich der (synodischen) Umlaufszeit des Trabanten, und sollte
-demnach stets dieselbe sein. Nun fand O. Römer: Wenn die Erde in
-Konjunktion oder Opposition mit dem Jupiter, also in ~E~ oder ~E₂~
-steht, so beträgt diese Zeit 42½ Stunden (ca.), befindet sich aber
-Jupiter im Quadranten, also die Erde in ~E₁~ oder ~E₃~, so ist diese
-Zeit um 14 Sekunden länger oder kürzer, je nachdem sich die Erde vom
-Jupiter weg oder auf ihn zu bewegt. Erklärung: Wenn die Erde sich in ~E~
-oder ~E₂~ befindet, so hat sie sich in den 42½ Stunden nahezu parallel
-zum Laufe des Jupiter bewegt, also ist ihre Entfernung von ihm nahezu
-gleich geblieben. Befindet sich die Erde aber in ~E₁~, so bewegt sie
-sich gerade vom Jupiter weg, entfernt sich also in 42½ Stunden um ca.
-590 000 geogr. Meilen von ihm. Da nun beim Beginne der zweiten
-Verfinsterung das Licht die Erde nicht mehr an demselben Orte, sondern
-an einem weiter entfernten Orte trifft, so braucht es eine gewisse Zeit,
-um diese 590 000 g. M. zurückzulegen, und um soviel erscheint der
-Eintritt der zweiten Verfinsterung verzögert. Diese Verzögerung beträgt
-14", also legt das Licht in 14 Sekunden 590 000 g. M. zurück, also in 1"
-42 100 g. M. Daß in ~E₃~, wo sich die Erde gerade auf den Jupiter zu
-bewegt, die Verfinsterung um 14" verfrüht erscheint, erklärt sich
-ähnlich.
-
-Dem französischen Physiker ^Fizeau^ gelang es, die Geschwindigkeit des
-Lichtes zu messen, durch Verwendung von verhältnismäßig kurzen
-^irdischen^ Entfernungen. Er fand eine Geschwindigkeit von 315 364 _km_
-pro 1".
-
-Wegen der großen Geschwindigkeit des Lichtes werden irdische
-Entfernungen stets in ungemein kleinen Zeiten durchlaufen. Zu den großen
-Entfernungen des Weltraumes braucht es eine entsprechend große Zeit: von
-der Sonne zur Erde 8' 11", und bis zum äußersten Planeten Neptun 4 St.
-19 M. Bis zum nächsten Fixstern, welcher 223 000 Erdweiten entfernt ist,
-braucht das Licht 3 J. 6 M.
-
-
-189. Stärke des Lichtes und deren Messung. Photometer.
-
-[Abbildung: Fig. 239.]
-
-Während das Licht sich von einem Punkt aus nach allen Seiten ausbreitet,
-nimmt es an Stärke ab. Diejenige Lichtmenge, welche von ~L~ ausgehend
-die Fläche ~f~ trifft, breitet sich, wenn man eine Fläche in 2 mal (~n~
-mal) größerer Entfernung aufstellt, auf eine 4 mal (~n²~ mal) größere
-Fläche ~F~ (Fig. 109). Es trifft also auf eine kleine Flächeneinheit von
-~F~ nur mehr 4 mal (~n²~ mal) weniger Licht als auf die gleiche
-Flächeneinheit von ~f~, oder ~F~ wird 4 mal (~n²~ mal) weniger stark
-beleuchtet als ~f~. #Die Beleuchtungsstärke einer Fläche ist dem Quadrat
-ihrer Entfernung von der Lichtquelle umgekehrt proportional#, oder: #die
-Lichtstärke nimmt ab, wie das Quadrat der Entfernung zunimmt#. Das
-Sonnenlicht ist auf dem Mars 2,3 mal, auf dem Neptun ca. 900 mal
-schwächer, auf der Venus 1,9 mal, auf dem Merkur zwischen 4,6 und 10,6
-mal stärker als bei uns.
-
-Daß wir ein Gaslicht in einer Entfernung von ½ _m_ ohne Schaden, und in
-einer Entfernung von 10 _km_ (bei reiner Luft noch viel weiter), also
-bei 400 000 000 mal geringerer Stärke noch sehen können, zeugt von der
-vorzüglichen Einrichtung unseres Auges.
-
-Unter ^Lichtstärke einer Flamme^ oder eines leuchtenden Körpers
-überhaupt versteht man die Menge Licht, welche die Flamme aussendet. Um
-die Lichtstärke zweier Flammen zu vergleichen, entfernt man die stärkere
-so weit, bis eine gewisse Fläche von ihr eben so stark beleuchtet wird
-als von der schwächeren Flamme. Ist hiebei die stärkere Flamme 2 mal
-(~n~ mal) so weit von der Fläche entfernt, wie die schwächere, so folgt
-nach dem ersten Satz, daß ihre Lichtstärke 4 mal (~n²~mal) so groß ist
-wie die der schwächeren. #Die Lichtstärken zweier Flammen, welche ein
-und dieselbe Fläche auf verschiedenen Entfernungen gleich stark
-beleuchten, verhalten sich wie die Quadrate ihrer Abstände von der
-Fläche.#
-
-[Abbildung: Fig. 240.]
-
-Af diuesem Satze beruhen die ^Photometer^, ^Apparate^, durch welche man
-die Lichtstärken zweier Flammen vergleicht. Beim #Photometer von
-Rumford# (Fig. 240) werden durch zwei Flammen ~L~ und ~L′~ von einem
-Stabe ~K~ auf einem Schirm zwei Schattenbilder ~S~ und ~S′~ entworfen,
-von denen jedes von der andern Flamme beleuchtet wird. Entfernt man die
-eine Flamme so weit, daß die Schatten gleich hell erscheinen, so
-verhalten sich die Lichtstärken wie die Quadrate der Entfernungen der
-Flammen vom Schirm.
-
-Beim #Photometer von Bunsen# ist auf einem Schirm von Seidenpapier ein
-kleiner Stearinfleck angebracht; dieser ist durchscheinend, so daß er,
-wenn hinter dem Schirm eine Flamme brennt, hell auf dunklem Grunde
-erscheint. Nähert man nun auch von vorn ein Licht ~A~, so sieht man bei
-einer bestimmten Annäherung den Stearinfleck verschwinden. Entfernt man
-~A~ und nähert ein anderes Licht ~B~ von vorn, bis wieder der
-Stearinfleck verschwindet, so erhält nun der Schirm von ~B~ ebensoviel
-Licht als vorher von ~A~, also verhalten sich die Lichtstärken von ~A~
-und ~B~ wie die Quadrate ihrer Entfernungen vom Schirm.
-
-Die gebräuchlichste #Lichteinheit# ist die ^Normalkerze^ oder ^deutsche
-Vereinskerze^, das Licht einer Paraffinkerze von 22 _mm_ Durchmesser und
-30 _mm_ Flammenhöhe. Es liefert z. B. ein Petroleumrundbrenner von 25
-_mm_ Durchmesser bei 54 _g_ Ölverbrauch pro Stunde 16 Kerzen
-Lichtstärke.
-
-Unter 1 #Meterkerze# versteht man die Beleuchtungsstärke, welche eine
-kleine Fläche von 1 Normalkerze in 1 _m_ Entfernung bei senkrechter
-Beleuchtung empfängt. Eine Flamme von ~N~ Normalkerzen Lichtstärke
-liefert demnach in ~a~ _m_ Entfernung bei senkrechtem Einfallen eine
-Beleuchtung von
-
- N
- ~--~ Meterkerzen,
- a²
-
-bei schiefem:
-
- N
- ~-- cos α~ Meterkerzen.
- a²
-
-
-Aufgaben:
-
-#109.# Bei einem Photometer von Rumford ist eine deutsche Vereinskerze
-64 _cm_, eine Petroleumlampe 1,53 _m_ vom Schirm entfernt, so daß die
-Schatten gleich dunkel erscheinen. Wie viele Normalkerzen beträgt die
-Leuchtkraft dieser Lampe?
-
-#110.# Wie viele Meterkerzen beträgt im vorigen Beispiel die Beleuchtung
-des Schirmes durch die Lampe allein?
-
-#111.# In welcher Entfernung beleuchten 3 Argandbrenner ~à~ 22 N.K. eine
-Wand ebenso stark als eine Vereinskerze in ½ _m_ Entfernung? Wie viele
-Meterkerzen hat die Beleuchtung?
-
-
-190. Reflexion des Lichtes.
-
-Trifft das Licht auf die Grenzfläche zweier Stoffe (Medien), so teilt es
-sich in zwei Teile; der eine Teil dringt in das zweite Medium ein (und
-wird entweder durchgelassen oder verschluckt, wovon später), der andere
-Teil kehrt in das erste Medium zurück, wird ^zurückgeworfen oder
-reflektiert^.
-
-Ist diese Grenzfläche rauh und uneben wie bei Holz, Stein, Erde, Papier,
-so wird das auffallende Licht nach allen Seiten hin zurückgeworfen,
-gleichgültig, wie es einfällt: ^zerstreute Zurückwerfung oder diffuse
-Reflexion^. Sie bewirkt, daß wir solche Gegenstände überhaupt sehen, da
-die reflektierten Lichtstrahlen in unser Auge fallen, wo es sich auch
-befinden mag. Wir nennen einen Gegenstand ^hell^, wenn er
-verhältnismäßig viele Lichtstrahlen zurückwirft (weißes Papier), dagegen
-dunkel, wenn er sehr wenig Licht zurückwirft (braune Stoffe, Erde u. s.
-w.) und ^schwarz^, wenn er fast gar kein Licht zurückwirft. Einen
-^absolut schwarzen^ Körper, der gar kein Licht zurückwirft, gibt es
-nicht; ein solcher müßte auch bei der stärksten Beleuchtung ganz
-unsichtbar sein; sehr schwarz ist Tusch und Lampenruß.
-
-
-191. Definition des optischen Bildes.
-
-Das Auge sieht einen Punkt, wenn von den Lichtstrahlen, die von dem
-Punkte ausgehen, ein (kegelförmiges) Bündel ins Auge fällt.
-
-[Abbildung: Fig. 241.]
-
-Werden alle Strahlen eines solchen Bündels durch irgend welche Ursachen
-von ihrer Bahn abgelenkt, so daß sie nachher wieder in einem Punkte ~A′~
-oder ~A′′′~ (Fig. 241) zusammentreffen, so nennt man diesen Punkt ~A′~
-oder ~A′′′~ ein #optisches Bild# des Punktes ~A~. Denn die Lichtstrahlen
-setzen dann ihren geradlinigen Weg fort und bilden wieder ein
-kegelförmiges Strahlenbündel. Trifft dieses Bündel in das Auge, so hat
-es denselben Eindruck, wie wenn es vom Strahlenbündel des leuchtenden
-Punktes getroffen würde; das Auge glaubt in ~A′~ den leuchtenden Punkt
-zu sehen. Deshalb nennt man ~A′~ das Bild von ~A~, und zwar ein #reelles
-Bild#; ebenso ~A′′′~.
-
-Werden jedoch die Strahlen eines solchen Bündels so abgelenkt, daß sie
-sich nicht wirklich in einem Punkte schneiden, aber doch so laufen, als
-wenn sie alle von einem Punkte ~A′′~ herkämen, so nennt man diesen Punkt
-~A′′~ ein #virtuelles Bild#. Wird ein Auge in den Gang dieser
-Lichtstrahlen gebracht, so hat es den Eindruck, wie wenn die Strahlen
-wirklich von ~A′′~ herkämen, es glaubt, in ~A′′~ den leuchtenden Punkt
-~A~ zu sehen.
-
-Werden aber die Strahlen so abgelenkt, daß sie nach der Ablenkung keinen
-Vereinigungsort (weder einen reellen, noch virtuellen) haben, so hat das
-Auge, das man in den Gang solcher Lichtstrahlen bringt, wohl noch den
-Eindruck von Licht, Helligkeit, Farbe, aber nicht mehr den Eindruck, als
-sehe es den Punkt ~A~. Es entsteht kein optisches Bild.
-
-
-192. Reflexionsgesetze.
-
-Ist die Grenzfläche zweier Medien glatt, so erfolgt die Reflexion nach
-den Reflexionsgesetzen (regelmäßige Reflexion):
-
-[Abbildung: Fig. 242.]
-
-1) #Jeder Lichtstrahl wird nur nach einer Richtung reflektiert.#
-
-2) #Der einfallende Strahl, der reflektierte und das Einfallslot liegen
-in einer Ebene, Reflexionsebene.# ^Die Reflexionsebene steht senkrecht
-auf der reflektierenden Ebene^.
-
-[Abbildung: Fig. 243.]
-
-3) #Der Einfallswinkel ist gleich dem Reflexionswinkel#, d. h. der
-Winkel, welchen der einfallende Strahl mit dem Einfallslot bildet, ist
-gleich dem Winkel, welchen der reflektierte Strahl mit dem Einfallslot
-bildet.
-
-Der ^Reflexionsapparat^: Auf einem Brettchen ist ein im Halbkreise
-gebogenes Blech befestigt, in Grade geteilt und in der Mitte mit einem
-Spalte versehen. Im Mittelpunkte des Kreises (Fig. 243) ist ein kleiner
-Spiegel drehbar aufgestellt und mit einem Zeiger verbunden, welcher auf
-ihm senkrecht steht, also die ^Spiegelnormale^ oder das ^Einfallslot^
-darstellt, und mit seinem Ende längs des Halbkreises sich bewegt. Läßt
-man durch den Spalt einen Lichtstrahl auf den Spiegel fallen, dreht
-diesen, so daß der Zeiger etwa auf 32° zeigt, also der Einfallswinkel
-32° beträgt, so wird das Licht reflektiert, und trifft den Halbkreis bei
-64°; demnach ist auch der Reflexionswinkel 32°. Durch Versuche mit
-verschiedenen Einfallswinkeln findet man das Gesetz bestätigt.
-
-
-193. Planspiegel.
-
-^Eine glatte Grenzfläche zweier Medien nennt man Spiegel, und zwar
-Planspiegel, wenn die Fläche eben ist^.
-
-Wenn ein Bündel paralleler Lichtstrahlen auf einen Planspiegel fällt, so
-sind auch die reflektierten Strahlen unter sich parallel.
-
-^Treffen Lichtstrahlen von einem leuchtenden Punkte aus divergent den
-Spiegel, so divergieren auch die reflektierten Strahlen und zwar so, als
-ob sie von einem Punkte herkämen, der hinter dem Spiegel liegt eben so
-weit wie der leuchtende Punkt vor demselben und zwar in der Verlängerung
-der vom leuchtenden Punkte auf den Spiegel gezogenen Senkrechten
-(Spiegelnormale)^.
-
-[Abbildung: Fig. 244.]
-
-Ableitung: Es sei (Fig. 244) ~SS′~ der ebene Schnitt des Spiegels und
-~L~ der leuchtende Punkt; ich mache ~LS ⊥ SS′~, verlängere ~LS~, so daß
-~L′S = LS~, und beweise, daß jeder reflektierte Strahl durch ~L′~ geht.
-Sei ~LA~ ein beliebiger Strahl, so ziehe ich ~L′A~ und verlängere ihn
-nach ~AA′~, so ist ~△ LAS ≅ △ L′AS~; [denn ~SL = SL′~, ~SA = SA~, ~∢ LSA
-= ∢ L′SA = R~]; also ~∢ LAS = ∢ L′AS~; aber ~∢ L′AS = S′AA′~, demnach ~∢
-LAS = ∢ S′AA′~ also auch, wenn ~MA ⊥ SS′~ (Einfallslot), ~∢ LAM = ∢
-A′AM~; ~AA′~ ist also, da Einfallsw. = Reflexionsw., der reflektierte
-Strahl von ~LA~. Was von ~LA~ bewiesen wurde, kann ebenso von jedem
-beliebigen anderen Strahle ~LB~, ~LC~ etc. bewiesen werden; also gehen
-die reflektierten Strahlen wirklich so, als wenn sie von ~L′~ herkämen.
-Man sagt: #Der Planspiegel entwirft von dem leuchtenden Punkte ~L~ ein
-virtuelles Bild in ~L′~, das in der Verlängerung der Spiegelnormale eben
-so weit hinter dem Spiegel liegt als der leuchtende Punkt vor dem
-Spiegel.# Das angegebene Gesetz gilt nicht bloß von Strahlen, welche in
-der Ebene ~LSS′~ liegen. Läßt man, wie in Figur 245 angedeutet, von ~L~
-Strahlen ausgehen, die nicht in einer Ebene liegen, so werden sie auch
-so reflektiert, als wenn sie vom Punkte ~L′~ herkämen, dessen Lage dem
-angegebenen Gesetze entspricht. Beweis ebenso.
-
-[Abbildung: Fig. 245.]
-
-
-Aufgaben:
-
-#112.# Unter welchem Gesichtswinkel sieht man einen 1,2 _m_ hohen
-Gegenstand in 15 _m_ Entfernung?
-
-#113.# Unter welchem Gesichtswinkel sieht man sich selbst, wenn man 4
-_m_ vor einem Spiegel steht, bei 1,7 _m_ Größe? Wie groß muß der Spiegel
-sein, um die ganze Figur zu zeigen?
-
-#114.# Dreht man einen Spiegel um den Winkel ~α~, so dreht sich jeder
-von ihm reflektierte Strahl um den Winkel 2~α~. Beweis?
-
-#115.# Wenn man 3,6 _m_ vor einem Spiegel steht, unter welchem
-Gesichtswinkel sieht man dann das Spiegelbild eines 60 _cm_ großen
-Gegenstandes, der 2 _m_ (10 _m_) vor dem Spiegel steht?
-
-#115 ~a~.# Welche Bewegung macht das Bild eines Punktes, der sich einem
-Spiegel nähert?
-
-#115 ~b~.# Wenn bei einem Glasspiegel nicht nur die hintere mit Metall
-belegte Fläche, sondern auch die vordere Glasfläche spiegelt, um wie
-viel scheinen die zwei Bilder eines Punktes voneinander entfernt zu
-sein?
-
-
-194. Winkelspiegel.
-
-[Abbildung: Fig. 246.]
-
-Zwei unter einem Winkel gegeneinander geneigte Planspiegel bilden einen
-^Winkelspiegel^. Befindet sich ein leuchtender Punkt zwischen beiden, so
-entstehen von ihm mehrere Bilder. Es sei ~A~ der leuchtende Punkt (Fig.
-246), so entwirft Spiegel ~I~ das Bild ~A′~; da dies Bild vor Spiegel
-~II~ liegt, so entwirft dieser das Bild ~A′′~; dies Bild liegt vor ~I~,
-also entwirft ~I~ das Bild ~A′′′~; dies liegt vor ~II~, also entwirft
-~II~ das Bild ~A′′′′~; ~A′′′′~ liegt hinter ~I~, also spiegelt es sich
-nicht mehr. Nun spiegelt sich ~A~ auch in ~II~; ~II~ entwirft also das
-Bild ~B~; von ihm entwirft ~I~ das Bild ~B′~; von ihm entwirft ~II~ das
-Bild ~B′′~; von ihm ~I~ das Bild ~B′′′~, das bei der in der Figur
-angenommenen Anordnung (~∢~ v. 45°) mit ~A′′′′~ zusammenfällt.
-
-Die Bilder liegen in einem ^Kreise^, dessen Ebene senkrecht zur
-Schnittlinie der Spiegel ist; ihre Anzahl, den Gegenstand mitgerechnet,
-ist 8, allgemein =
-
- 360
- ---,
- ~a~
-
-wenn die Neigung der beiden Spiegel ~a~° ist. Die Anzahl der Bilder
-wächst, wenn der Winkel kleiner wird. Das ^Kaleidoskop^ besteht aus drei
-unter je 60° gegen einander geneigten spiegelnden Glasstreifen, die in
-eine Röhre gefaßt sind; vor derselben zwischen zwei Deckgläsern liegen
-kleine Stückchen farbigen Glases, welche durch Drehen und Schütteln
-immer in andere Lage gebracht werden können. Durch die Spiegelung setzen
-sich aus den Glasstückchen und deren Spiegelbildern sechsseitige
-Sternfiguren zusammen, die durch ihre Regelmäßigkeit gefallen und durch
-ihre Wandelbarkeit ergötzen.
-
-Das ^Debuskop^ ist ein Winkelspiegel aus zwei Silberspiegeln
-zusammengestellt; sein Winkel kann beliebig verändert werden; stellt man
-es auf eine Zeichnung, so sieht man sie zu einem regelmäßigen Stern
-vervielfältigt, und kann sich so aus unregelmäßigen Strichen Motive zu
-gefälligen Sternmustern suchen.
-
-
-Aufgaben:
-
-#116.# Bei einem Winkelspiegel von 45° ist ein Strahl nach zweimaliger
-Brechung senkrecht zu seiner ursprünglichen Richtung.
-
-#116 a.# Bei einem Winkelspiegel von 90° ist ein Strahl nach zweimaliger
-Brechung seiner ursprünglichen Richtung parallel.
-
-
-195. Sphärische Spiegel.
-
-Ein ^sphärischer Spiegel^ ist gekrümmt wie die ^Oberfläche einer Kugel^;
-ist dabei die ^innere, hohle^ Seite spiegelnd, so heißt er ein
-^Hohlspiegel oder konkaver sphärischer Spiegel^; ist die ^äußere^ Seite
-spiegelnd, so heißt er ein ^konvexer Spiegel^.
-
-
-Brennpunkt des Hohlspiegels.
-
-^Die Hohlspiegel^ sind gewöhnlich rund, und die Verbindungslinie des
-Krümmungsmittelpunktes mit der Mitte des Spiegels, also ~OM~, ist die
-^Hauptachse^; jede andere durch ~O~ gehende Linie heißt eine Nebenachse
-des Spiegels.
-
-[Abbildung: Fig. 247.]
-
-Wir lassen ein Bündel paralleler Lichtstrahlen der Hauptachse ~MO~
-parallel auf den Spiegel fallen (Fig. 247) und untersuchen den ^Gang der
-reflektierten Strahlen^. Es sei ~LJ~ ein solcher Strahl, so kann man das
-in ~J~ liegende Flächenstückchen des Spiegels als eben betrachten; das
-Einfallslot ist dann der Krümmungsradius ~JO~, da er senkrecht auf der
-Fläche steht. Macht man den Reflexionswinkel gleich dem Einfallswinkel,
-und nennt den Schnittpunkt des reflektierten Strahles mit der Achse ~F~,
-so ist ~LJO = OJF~ (Reflexionsges.), ~LJO = JOF~ (Wechselwinkel), also
-~OJF = JOF~, somit ~△ FJO~ gleichschenklig, oder ~JF = FO~. Wir nehmen
-nun an, ~J~ liege so nahe an ~M~, daß man ohne nennenswerten Fehler ~JF
-= FM~ setzen kann, so ist auch ~FM = FO~, d. h. der reflektierte Strahl
-schneidet die Achse in der Mitte des Radius. Für jeden anderen
-parallelen Strahl ~L′J′~ gilt dieselbe Ableitung und das gleiche
-Resultat, ebenso auch für jeden Strahl, der in einem andern
-Achsenschnitte des Spiegels liegt.
-
-Folglich: #Alle parallel der Hauptachse auffallenden Strahlen gehen nach
-der Reflexion durch denselben Punkt ~F~# um so genauer, je näher sie an
-der Mitte ~M~ auffallen, ^Zentralstrahlen^.
-
-Läßt man Sonnenlicht auf den Hohlspiegel fallen, so wird es in einen
-kleinen Fleck vereinigt, ebenso aber auch alle ^Wärmestrahlen^; es ist
-deshalb in diesem Punkte (Flecke) sehr viel Wärme vereinigt, so daß ein
-leicht entzündlicher Körper dort entzündet wird. Man nennt deshalb
-diesen Punkt ~F~ den ^Brennpunkt^ oder ^Fokus^, seinen Abstand vom
-Spiegel, also ~FM~, die ^Brennweite^ oder ^Fokaldistanz^, ~f~, und den
-Hohlspiegel auch ^Brennspiegel^.
-
-[Abbildung: Fig. 248.]
-
-Ist die Öffnung eines Hohlspiegels einigermaßen groß im Verhältnis zum
-Radius, so weichen die reflektierten Strahlen beträchtlich von dem eben
-beschriebenen Gange ab, gehen also nicht mehr alle durch den Brennpunkt,
-sondern berühren eine krumme Linie, welche im Brennpunkte eine Spitze
-hat, Brennlinie oder katakaustische Linie.
-
-Betrachtet man nicht nur den in der Figur gezeichneten Achsenschnitt,
-sondern alle Achsenschnitte, so liefert jeder eine Brennlinie; sie
-erfüllen eine Brennfläche, die katakaustische Fläche.
-
-
-196. Bildgleichung des Hohlspiegels.
-
-Wir lassen das Licht ausgehen von einem auf der Hauptachse im Endlichen
-liegenden Punkte ~L~ und untersuchen den Gang der reflektierten
-Strahlen (Fig. 249). Ist ~LJ~ der einfallende Strahl, ~OJ~ das
-Einfallslot, ~JB~ der reflektierte Strahl, so daß ~LJO = OJB~, und ~B~
-dessen Schnittpunkt mit der Achse, so ist in ~△ BJL~ der Winkel an der
-Spitze halbiert, daher
-
- ~LJ : JB = LO : OB~.
-
-[Abbildung: Fig. 249.]
-
-Betrachten wir nur ^Zentralstrahlen^, so daß ohne nennenswerten Fehler
-~LJ = LM~ und ~BJ = BM~, so ist
-
- ~LM : BM = LO : OB~.
-
-Bezeichnet man den Abstand des leuchtenden Punktes vom Spiegel, also
-~LM~, mit ~a~, den Abstand des Punktes ~B~ vom Spiegel mit ~b~ und setzt
-~r = 2 f~, so wird aus obiger Proportion:
-
- ~a : b = (a - 2 f) : (2 f - b)~; hieraus
-
- ~2 a f - a b = a b - 2 b f~,
-
- ~2 a f + 2 b f = 2 a b~, und durch Division mit 2 ~a b f~
-
- 1 1 1
- ~- + - = -~.
- a b f
-
-Aus dieser Gleichung kann ~b~ berechnet werden. Für jeden anderen
-Zentralstrahl ~LJ~ gilt dieselbe Ableitung, folglich gehen alle
-reflektierten Strahlen durch denselben Punkt ~B~. Man hat also den Satz:
-#Liegt der leuchtende Punkt auf der Hauptachse, so gehen die
-reflektierten Strahlen alle durch einen Punkt ~B~ der Hauptachse.#
-Dieser Punkt ~B~ ist deshalb ein reelles Bild des leuchtenden Punktes
-~L~, und sein Abstand ~b~ vom Spiegel berechnet sich aus der Gleichung
-
- 1 1 1
- ~- + - = -~ (^Bildgleichung^).
- a b f
-
- Lichtpunkt ~L~ und Bildpunkt ~B~ liegen harmonisch zu ~O~ und ~M~,
- oder Lichtpunkt und Bildpunkt teilen den Radius äußerlich und
- innerlich in demselben Verhältnisse.
-
-
-197. Größe, Art und Lage der Bilder beim Hohlspiegel.
-
-Hält man in ~B~ einen kleinen Schirm, so wird ein Punkt desselben von
-allen reflektierten Strahlen getroffen, also beleuchtet: das Bild ist
-auf einem Schirm ^auffangbar^.
-
-[Abbildung: Fig. 250.]
-
-Liegt der leuchtende Punkt nicht in ~L~ (Fig. 250), sondern senkrecht
-zur Achse etwas entfernt in ~L′~, so kann man ~L′O~ als dessen Achse
-ansehen und findet sein Bild in ~B′~, wobei auch ~B′B~ senkrecht zur
-Achse. Besteht der leuchtende Körper aus der Linie ~LL′~, so ist das
-Bild ~BB′~.
-
-Vergleicht man die Größe des Bildes ~BB′~ mit der Größe des Gegenstandes
-~LL′~, so hat man ~LL′ : BB′ = LO : BO~; aber ~LO : BO = LM : BM = a :
-b~ (siehe Ableitung), also ~LL′ : BB′ = a : b~; d. h. #die Größen von
-Gegenstand und Bild verhalten sich wie ihre Abstände vom Spiegel#.
-
-[Abbildung: Fig. 251.]
-
-Wir betrachten an der Hand der Bildgleichung
-
- 1 1 1
- ~- = - - -~
- b f a
-
-die Bilder, welche entstehen, wenn der leuchtende Punkt vom Unendlichen
-immer näher an den Spiegel rückt, und kontrollieren die Richtigkeit
-durch einfache Versuche mittels eines Hohlspiegels, einer Flamme und
-eines beweglichen Papierschirmes.
-
-Liegt der Punkt im Unendlichen, so ist ~a = ∞~,
-
- 1 1 1
- ~- = 0~, also ~- = -~,
- a b f
-
-also ~b = f~; das Bild liegt im Brennpunkte. Rückt ~L~ vom Unendlichen
-gegen den Spiegel (Fig. 251), so wird ~a~ kleiner,
-
- 1 1
- ~-~ größer, demnach ~-~ kleiner,
- a b
-
-also ~b~ größer; das Bild rückt vom Brennpunkte aus vom Spiegel weg,
-anfangs sehr langsam, später rascher. Rückt ~L~ bis in den Mittelpunkt
-~O~, so ist ~a = 2 f~, also ~b = 2 f~, d. h. auch das Bild ist im
-Mittelpunkt angekommen und ist so groß wie der Gegenstand. #Während der
-leuchtende Punkt vom Unendlichen bis zum Mittelpunkt rückt, rückt das
-Bild vom Brennpunkte bis zum Mittelpunkte; die Bilder sind dabei
-verkehrt, reell, verkleinert, aber wachsend.#
-
-[Abbildung: Fig. 252.]
-
-Rückt ~L~ noch näher an den Spiegel (Fig. 252), so wird ~a~ noch
-kleiner,
-
- 1 1
- ~-~ größer, somit ~-~ kleiner,
- a b
-
-also ~b~ größer, d. h. das Bild rückt noch weiter vom Spiegel. Kommt der
-leuchtende Punkt in den Brennpunkt, so ist ~a = f~, also
-
- 1
- ~-~ = 0
- b
-
-und ~b = ∞~, d. h. das Bild liegt im Unendlichen; die reflektierten
-Strahlen laufen parallel. #Während der leuchtende Punkt vom Mittelpunkte
-bis zum Brennpunkte rückt, rückt das Bild vom Mittelpunkte ins
-Unendliche; die Bilder sind verkehrt, reell, vergrößert und wachsend.#
-Der Brennpunkt selbst bekommt dadurch noch eine weitere Bedeutung: #die
-vom Brennpunkt ausgehenden Strahlen sind nach der Reflexion parallel der
-Achse#.
-
-[Abbildung: Fig. 253.]
-
-Rückt ~L~ noch näher an den Spiegel (Fig. 253), so wird ~a < f~, also
-
- 1 1
- ~- > -~,
- a f
-
-somit ~b~ negativ; das bedeutet, das Bild liegt ^hinter dem Spiegel^
-(wie beim Planspiegel), ist demnach ^virtuell, d. h. die Lichtstrahlen
-laufen nach der Reflexion so, als wenn sie von einem hinter dem Spiegel
-liegenden Punkte herkämen^. Die Bilder können nicht auf dem Schirme
-aufgefangen werden. So lange ~a~ noch nahezu = ~f~ ist, ist ~b~ sehr
-groß, die Bilder liegen sehr weit hinter dem Spiegel und sind deshalb
-stark vergrößert. Rückt der leuchtende Punkt ganz an den Spiegel, ist
-also ~a~ = 0, also
-
- 1 1
- ~- = ∞~, so ist ~- = - ∞~,
- a b
-
-also ~b~ = 0, d. h. auch das Bild liegt am Spiegel. #Während der
-leuchtende Punkt vom Brennpunkte an den Spiegel rückt, liegt das Bild
-hinter dem Spiegel und rückt vom Unendlichen auch bis zum Spiegel: die
-Bilder sind dabei virtuell, aufrecht und vergrößert, aber abnehmend.#
-
-
-198. Konstruktion der Bilder beim Hohlspiegel.
-
-[Abbildung: Fig. 254.]
-
-Man kann Ort, Art und Größe dieser Bilder auch durch eine ^geometrische
-Konstruktion^ finden durch Benützung der beiden Sätze: ~#I.~ Ein
-parallel der Achse ausfallender Strahl geht nach der Reflexion durch den
-Brennpunkt, ~II.~ ein durch den Krümmungsmittelpunkt gehender Strahl
-geht auf demselben Wege zurück#, da er den Spiegel senkrecht trifft. Man
-kann noch den dritten dazu nehmen: #ein durch den Brennpunkt gehender
-Strahl wird nach der Reflexion parallel der Achse#. Man wählt zu dem
-gegebenen leuchtenden Punkte ~L~ einen senkrecht zur Achse etwas
-seitwärts gelegenen Punkt ~L′~, zieht die zwei eben angegebenen Strahlen
-und ihre reflektierten, so ist der Schnittpunkt ~B′~ dieser
-reflektierten Strahlen das Bild von ~L′~; zieht man noch ~B′B~ senkrecht
-zur Achse, so ist ~BB′~ das Bild von ~LL′~. Auf solche Weise sind die
-Konstruktionen in Fig. 254 ausgeführt unter Benützung aller drei Sätze.
-Jedoch ist zu beachten, daß man nur Zentralstrahlen benützen darf, wenn
-man eine einigermaßen brauchbare Konstruktion bekommen will, daß aber
-gerade bei Benützung von Zentralstrahlen der Schnittpunkt der
-reflektierten Strahlen sehr unsicher wird. Die Ausführung solcher
-Konstruktionen ist deshalb zwar gut, wenn man sich den Gang der
-Lichtstrahlen klar machen will; aber für praktische Zwecke zieht man die
-leichte Berechnung mittels der Bildgleichung vor.
-
- Man kann auch leicht eine geometrische Konstruktion angeben, so daß
- ~b~ dem aus der Bildgleichung entspringenden Wert
-
- a f
- ~-----~
- a - f
-
- entspricht. Z. B. Auf den Schenkeln eines beliebigen Winkels ~XOY~
- trage man von ~O~ aus ~OF = OF′ = f~, vervollständige damit den
- Rhombus ~OFMF′~ und zieht durch ~M~ eine beliebige Gerade, welche ~OX~
- in ~A~, ~OY~ in ~B~ schneidet, so ist, wenn ~OA = a~, ~OB = b~.
- Beweis?
-
-
-Aufgaben:
-
-#117.# Vor einem Hohlspiegel von 80 _cm_ Brennweite befindet sich in 12
-_m_ Entfernung ein Gegenstand von 1,4 _m_ Höhe. Wo liegt das Bild und
-wie groß ist es?
-
-#118.# Vor einem Hohlspiegel von 2 _m_ Krümmungsradius befindet sich in
-40 _cm_ Abstand ein Gegenstand. Wo liegt das Bild?
-
-#118~a~.# Wie groß ist der Krümmungsradius eines Hohlspiegels, welcher
-von einem 160 _cm_ entfernten Punkt ein Bild in 40 _cm_ Entfernung
-entwirft?
-
-
-199. Anwendung des Hohlspiegels; Brennspiegel.
-
-Der Hohlspiegel wird als ^Brennspiegel^ verwendet. Die Sonne hat einen
-Durchmesser von 185 640 geogr. M. und eine Entfernung von 19 936 000
-geogr. M.; das Bild der Sonne, das der Hohlspiegel erzeugt, liegt im
-Brennpunkte; ist die Brennweite etwa 100 _cm_, so ist der Durchmesser
-des Sonnenbildes = ~x~ zu berechnen aus 19 936 000 : 185 640 = 100 :
-~x~; ~x~ = 0,93 _cm_. Alle auf den Spiegel fallenden Sonnenstrahlen
-werden demnach auf eine Kreisfläche von 0,93 _cm_ Durchmesser vereinigt.
-Hat der runde Hohlspiegel etwa einen Durchmesser von 50 _cm_, so ist
-seine Fläche
-
- 50² · 3,14
- ---------- _qcm_,
- 4
-
-die Fläche des Bildes ist
-
- 0,93² · 3,14 50²
- ------------ _qcm_, also ----- mal kleiner;
- 4 0,93²
-
-die Brennfläche erhält also ca. 2900 mal so viel Licht und Wärme wie
-eine direkt von der Sonne beschienene gleichgroße Fläche. Davon geht
-etwa die Hälfte bei der Reflexion verloren; doch bleibt genug übrig, um
-eine intensive Erhitzung zu erzielen. Mit solchen Hohlspiegeln kann man
-Platin schmelzen, sogar verdampfen.
-
- Man verwendet die durch große Brennspiegel gesammelte Sonnenwärme auch
- zum Heizen eines kleinen Dampfkessels. Dabei ist der Hohlspiegel
- drehbar aufgestellt, um dem Gang der Sonne folgen zu können.
- Tschirnhaus machte 1687 zuerst einen großen Brennspiegel aus Kupfer
- mit drei Leipziger Ellen Durchmesser, zwei Ellen Brennweite und
- erzielte mächtige Wirkung. Als die Akademie von Florenz vor dem
- Brennspiegel große Eismassen aufstellte und in den Brennpunkt ein
- Thermometer brachte, sank dieses; warum?
-
-
-200. Beleuchtungsspiegel.
-
-Der Arzt verwendet den Hohlspiegel, um das Innere des Auges oder des
-Ohres oder den hintern Teil der Rachenhöhle oder den Kehlkopf stark zu
-beleuchten und so auf Krankheit untersuchen zu können, indem er durch
-ein kleines in der Mitte des Spiegels angebrachtes Loch blickt; ein
-solcher Spiegel heißt dann je nach seinem Zwecke Augenspiegel u. s. w.
-(Helmholtz, 1851.)
-
-^Beleuchtung fern liegender Gegenstände^. Stellt man eine stark
-leuchtende Lampe in den Brennpunkt des Hohlspiegels, so wird alles auf
-den Hohlspiegel fallende Licht (das nicht absorbiert wird) in einer zur
-Achse parallelen Richtung reflektiert, kann demnach einen fern liegenden
-Gegenstand gut beleuchten. Das vom Hohlspiegel reflektierte Licht ist
-jedoch nicht vollkommen parallel, sondern divergiert etwas; denn 1) ist
-es nicht möglich, die Lampe genau in den Brennpunkt zu stellen; 2) die
-Flamme ist nicht nur ein leuchtender Punkt, sondern ein leuchtender
-Fleck; die von den verschiedenen Punkten derselben ausgehenden
-Lichtstrahlen werden demnach auch nach verschiedenen Richtungen
-reflektiert; 3) um möglichst viel Licht mit einem solchen ^Reflektor^
-aufzufangen und fortzuschicken, macht man den Hohlspiegel möglichst
-groß; aber die nahe am Rande ausfallenden Strahlen werden dann nicht
-mehr in derselben (zur Achse parallelen) Richtung reflektiert wie die
-Zentralstrahlen. Das vom Hohlspiegel reflektierte Licht beleuchtet
-demnach nicht bloß eine dem Hohlspiegel gleich große, sondern eine
-verhältnismäßig viel größere Fläche, etwa ein ganzes Haus.
-
-[Abbildung: Fig. 255.]
-
-Man wendet deshalb sphärische Hohlspiegel von mehr als etwa 60° Weite
-nicht an; will man noch mehr Licht auffangen, so benützt man
-#parabolische Hohlspiegel# (Fig. 255). Solche sind ^gekrümmt wie das
-Rotationsparaboloid^; das ist die Fläche, welche entsteht, wenn man eine
-Parabel um ihre Achse dreht. ^Die Parabel hat die Eigenschaft, daß alle
-vom Brennpunkte ausgehenden Lichtstrahlen parallel der Achse reflektiert
-werden^. Ist das Licht eine Flamme, deren Punkte nicht alle im
-Brennpunkte stehen können, so divergiert das reflektierte Licht auch
-beträchtlich. Benützt man aber elektrisches Licht, indem man die
-positive Kohle mit ihrem „Krater“ dem Spiegel zukehrt, so hat ja das
-elektrische Licht nur geringe Ausdehnung (einige _mm_), deshalb
-divergiert das reflektierte Licht nur wenig, und sehr weit entfernte
-Gegenstände können noch sehr gut beleuchtet werden. So wendet man das
-elektrische Licht auf Leuchttürmen, im Kriege u. s. w. an.
-
-Die ^Stirnlampen^ der Lokomotiven sind meist aus sehr vielen kleinen
-Planspiegeln zusammengesetzt, die so auf einer gekrümmten Fläche
-festgekittet sind, daß sie möglichst gut mit einer Parabelfläche
-übereinstimmen. Der Beleuchtungszweck wird dadurch recht gut erreicht.
-
-Hohlspiegel von geringer Krümmung benützt man als ^Toilette-^,
-^Rasierspiegel^ u. s. w., indem man sich so nahe vor den Spiegel stellt,
-daß man sich zwischen Brennpunkt und Spiegel befindet und nun, ähnlich
-wie beim Planspiegel sein eigenes, virtuelles, aufrechtes, aber nun
-^vergrößertes^ Bild betrachtet.
-
-
-201. Konvexe Spiegel.
-
-[Abbildung: Fig. 256.]
-
-Beim konvexen Spiegel spiegelt die ^äußere^ Fläche einer sphärischen
-Fläche. Da die Anwendung sehr unbedeutend ist, so genügen folgende
-Andeutungen. Der Brennpunkt liegt in der Brennweite ~f = ½ r~, liegt
-aber hinter dem Spiegel und ist virtuell; d. h. nach der Reflexion gehen
-die Strahlen so auseinander, als wenn sie von dem hinter dem Spiegel
-liegenden Punkte ~F~ herkämen. In der mathematischen Ableitung setze man
-den Krümmungsradius, der diesmal die entgegengesetzte Richtung hat wie
-beim konkaven Spiegel, = -~r~, so wird auch ~f~ negativ.
-
-Man findet dieselbe Bildgleichung
-
- 1 1 1
- ~- = - + -~,
- f a b
-
-wobei aber ~f~ negativ zu nehmen ist; tun wir dies, so ist
-
- 1 1 1
- ~- = - - - -~,
- b f a
-
-also ~b~ stets negativ und dem absoluten Betrag nach kleiner als ~f~;
-#wenn der leuchtende Punkt vom Unendlichen bis an den Spiegel rückt, so
-befindet sich das Bild stets hinter dem Spiegel und rückt vom
-Brennpunkte gegen den Spiegel; die Bilder sind virtuell, aufrecht und
-verkleinert#, können also von einem vor dem Spiegel befindlichen Auge
-als solche wahrgenommen werden.
-
-[Abbildung: Fig. 257.]
-
-Auf dieselbe Weise wie früher können die Bilder auch konstruiert werden.
-(Fig. 257.) Man benützt konvexe Spiegel als kleine ^Toilettenspiegel^,
-da man in ihnen trotz ihres kleinen Umfangs doch das ganze Gesicht, wenn
-auch verkleinert, auf einmal sehen kann. ^Spiegelnde Glaskugeln^ in
-Gärten, an Aussichtspunkten.
-
-
-Aufgabe:
-
-#119.# Vor einem Konvexspiegel von 20 _cm_ Radius befindet sich ein 5
-_cm_ hoher Gegenstand in 50 _cm_ Entfernung. Wo liegt das Bild, wie groß
-ist es, und wie groß erscheint es vom Gegenstand aus betrachtet?
-
-[Abbildung: Fig. 258.]
-
-
-202. Brechung des Lichtes. Brechungsgesetze.
-
-Wenn das Licht auf die Grenzfläche zweier Stoffe, Medien, trifft, so
-wird ein Teil desselben reflektiert, ^der andere Teil dringt in das
-zweite Medium^ ein. Ist dasselbe durchsichtig, so geht er im zweiten
-Medium weiter. Dabei verändert er beim Übergange in das zweite Medium
-seine Richtung, d. h. er wird ^gebrochen^, erfährt eine Brechung,
-Refraktion.
-
-#Brechungsgesetze: 1) Der einfallende, der gebrochene Strahl und das
-Einfallslot liegen in einer Ebene, Brechungsebene, die auf der
-Grenzfläche, der brechenden Fläche, senkrecht steht.#
-
-#2) Das Verhältnis des sinus des Einfallswinkels zum sinus des
-Brechungswinkels ist für jedes Paar Medien eine Konstante und wird der
-Brechungskoeffizient oder Brechungsexponent genannt# (Snell 1620,
-Descartes 1649).
-
-Beispiel: Geht Licht von Luft in Wasser, so ist der Brechungsexponent
-1,33; d. h. zu jedem Einfallswinkel ~i~ gehört ein Brechungswinkel ~r~,
-so daß ~sin i : sin r = 1,33~. Bei Öl gehört zu jedem Einfallswinkel ein
-anderer, etwas kleinerer Brechungswinkel, so daß ~sin i : sin r = 1,47~.
-
-^Jede Substanz hat einen besonderen Brechungskoeffizienten^. Ist er groß
-so sagt man, die Substanz bricht das Licht ^stark^; ist er klein, d. h.
-nahe an 1, so bricht sie ^schwach^.
-
-Brechungskoeffizienten.
-
- Diamant 2,47-2,75
- Phosphor 2,22
- Schwefel (kryst.) 2,11
- Rubin 1,78
- Topas 1,61
- Quarz 1,54
- Steinsalz 1,54
- Flußspat 1,43
- Kronglas 1,53
- Flintglas 1,70
- Schwefelkohlenstoff 1,63
- Kanadabalsam 1,53
- Olivenöl 1,47
- Schwefelsäure 1,43
- Alkohol 1,37
- Äthyläther 1,36
- Wasser 1,33
- Luft 1,00029
- Sauerstoff 1,00027
- Stickstoff 1,00030
- Wasserstoff 1,00014
- Chlor 1,00077
- Schwefelkohlenstoffdampf 1,0015
-
-Geht das Licht umgekehrt aus Wasser in Luft, so wird es so gebrochen,
-daß es ausschaut, als wäre es auf demselben Wege zurückgegangen. #Das
-Licht legt vorwärts und rückwärts denselben Weg zurück.# Wenn also das
-Licht (Fig. 258) den Weg ~AJB~ von Luft in Wasser macht, so macht es den
-Weg ~BJA~ von Wasser in Luft. Der Brechungskoeffizient von Wasser in
-Luft ist also
-
- 1
- ~sin r : sin i = -~.
- n
-
-Ist (wie beim Eintritt aus Luft in Wasser) der Brechungswinkel kleiner
-als der Einfallswinkel, so sagt man: das zweite Medium ist #optisch
-dichter# als das erste, das Licht wird #zum# Einfallslot gebrochen und
-der Brechungskoeffizient ist #größer als eins#. Ist (wie beim Austritt
-von Wasser in Luft) der Brechungswinkel größer als der Einfallswinkel,
-so sagt man, das zweite Medium ist #optisch dünner# als das erste oder
-das Licht wird #vom# Einfallslot gebrochen und der Brechungskoeffizient
-ist #kleiner als eins#.
-
-Kennt man den Brechungskoeffizienten, so kann man den ^gebrochenen
-Strahl durch^ #Konstruktion# finden auf folgende Arten:
-
-[Abbildung: Fig. 259.]
-
-1. Art: Es sei ~WW~ in Grenzfläche zwischen Luft und Wasser, der
-Brechungskoeffizient also = 1,33 = ⁴/₃ (~ca~). Ist nun (Fig. 259) ~OK~
-das Einfallslot und ~OJ~ ein beliebiger einfallender Lichtstrahl, so
-beschreibt man um ~O~ einen Kreis mit beliebigem Radius, den man mit 1
-bezeichnet. Zieht man ~JK ⊥ OK~, so ist ~JK = sin i~. Da nun ~sin r = ¾
-· sin i~ sein muß, so teilt man ~JK~ in 4 Teile, nimmt 3 davon, und
-trägt sie in ~OL~ auf, zieht ~LM ∥ ON~ bis zum Kreis, so ist ~OM~ der
-gebrochene Strahl; denn zieht man noch ~MN~, so ist ~MN = sin r = ¾ sin
-i~.
-
-[Abbildung: Fig. 260.]
-
-2. Art: Es sei ~WW~ die Grenzfläche der Medien (Fig. 260), ~RS~ das
-Einfallslot, so beschreibe man um ~O~ zwei Kreise ~C₁~ und ~Cₙ~ mit den
-Radien ~OU = 1~, ~OV = n~. Ist ~JO~ ein Lichtstrahl, ~J~ sein
-Schnittpunkt mit dem Kreis ~C₁~, so ziehe ~JK ⊥ WW~, verlängere es bis
-zum Schnittpunkt ~L~ mit ~Cₙ~, und ziehe ~LO~, so ist das die Richtung
-des gebrochenen Strahles, also dessen Verlängerung ~OM~ der gebrochene
-Strahl. Es ist zu beweisen, daß ~sin i : sin r = n~; aber ~i = i′~, ~r =
-r′~ und
-
- KO KO LO
- ~sin i′ = --~, ~sin r′ = --~, demnach ~sin i′ : sin r′ = --~,
- JO LO JO
-
-oder ~sin i : sin r = n~.
-
-
-Aufgaben:
-
-#120.# Ein Lichtstrahl fällt unter ~i~ = 56° auf Wasser (Olivenöl);
-unter welchem Winkel wird er gebrochen?
-
-#121.# Wenn Licht unter 32° die Wasserfläche von unten trifft, unter
-welchem Winkel tritt es in Luft aus?
-
-#121~a~.# Suche zu mehreren einfallenden Strahlen durch Konstruktion die
-gebrochenen Strahlen in Glas, Rubin und Diamant.
-
-#121~b~.# Suche umgekehrt den Gang der Lichtstrahlen von Wasser oder
-Glas in Luft.
-
-[Abbildung: Fig. 261.]
-
-[Abbildung: Fig. 262.]
-
-
-203. Gang des Lichtes durch Platten.
-
-#Geht Licht durch eine von zwei parallelen, ebenen Flächen begrenzte
-Substanz# (Fensterscheibe) #und befindet sich vor und hinter der
-Substanz derselbe Stoff# (Luft), #so hat der austretende Lichtstrahl
-dieselbe Richtung wie der eintretende, nur ist er ein wenig verschoben#.
-Geht der Strahl ~AJ~ (Fig. 261) aus Luft in Glas, so ist
-
- sin i
- ~----- = n~.
- sin r
-
-Bei ~J′~ tritt er aus Glas in Luft, wird also vom Einfallslot gebrochen,
-so daß
-
- sin r′ 1 sin r
- ~------ = - = -----~;
- sin i′ n sin i
-
-da aber ~r′ = r~ als Wechselwinkel, so ist auch ~i′ = i~, also ~J′A′ ∥
-AJ~. Die kleine Verschiebung, welche der Strahl dabei erfährt, ist bei
-Fensterscheiben wegen ihrer geringen Dicke ganz unbedeutend, bei dicken
-Glasplatten kann sie leicht wahrgenommen werden.
-
-Ein in Wasser liegender Gegenstand scheint uns ^höher^ zu liegen, als er
-in Wirklichkeit liegt. Das in ~A~ befindliche Auge (Fig. 262) sieht den
-Punkt ~P~ nicht in der Richtung ~AP~, sondern der Strahl ~PJ~ wird, wenn
-er von Wasser in Luft geht, vom Einfallslot gebrochen und kommt ins Auge
-in der Richtung ~JA~; das Auge glaubt daher, der Punkt ~P~ befinde sich
-in der Verlängerung von ~JA~, etwa in ~P′~.
-
-Ähnlich erklärt sich folgendes (Fig. 262): Man nimmt ein leeres Gefäß
-(Schüssel etc.) und hält das Auge so, daß es, über den Rand wegblickend,
-eine auf dem Boden liegende Münze ~P~ nicht sehen kann. Man gießt Wasser
-in das Gefäß, so wird man bei derselben Stellung des Auges die Münze
-sehen können, wenn man das Gefäß etwa bis ~NN′~ gefüllt hat. Wenn wir in
-einen klaren Bach oder See vom Ufer aus hineinsehen, so halten wir ihn
-für weniger tief als er in Wirklichkeit ist. Eine schräg ins Wasser
-gestellte Stange erscheint gebrochen; man trifft einen Fisch nicht, wenn
-man in der Richtung auf ihn schießt, in der man ihn sieht; man muß etwas
-tiefer zielen.
-
-#Liegen mehrere Substanzen hinter einander, durch parallele, ebene
-Flächen begrenzt, und ist die letzte Substanz dieselbe wie die erste, so
-hat das Licht in der letzten Substanz wieder dieselbe Richtung wie in
-der ersten# (Fig. 263). Geht Licht von Luft in Wasser, dann in Glas,
-dann wieder in Luft, so hat es wieder dieselbe Richtung, ~AJ ∥ MA′~.
-Bezeichne ich den Brechungsexponent von Luft in Wasser mit
-
- L
- ~n ~,
- W
-
-und ähnlich die anderen, so ist
-
- sin i L sin r W sin r′ G
- ~----- = n , ------ = n , ------ = n ~,
- sin r W sin r′ G sin i L
-
-also durch Multiplikation:
-
- L W G G L L W L
- ~n · n · n = 1~; oder da ~n = 1 : n ~, so ist ~n · n = n ~.
- W G L L G W G G
-
-[Abbildung: Fig. 263.]
-
-Aus diesem Satze folgt: Geht Licht aus einem Medium ~I~ (Luft) durch
-mehrere, parallel begrenzte Medien in ein Medium ~II~, so hat es in
-Medium ~II~ dieselbe Richtung, wie wenn es direkt vom Medium ~I~ in das
-Medium ~II~ gegangen wäre; z. B. der aus Luft durch Wasser in Glas
-gegangene Strahl ~KM~ hat dieselbe Richtung, wie wenn er direkt aus der
-Luft in Glas gegangen wäre.
-
-
-204. Atmosphärische Strahlenbrechung.
-
-Das Licht der Himmelskörper geht aus dem leerem Weltraum (aus dem Äther)
-in die atmosphärische Luft und wird dabei gebrochen. Die Luft ist nach
-oben zu immer dünner; zerlegen wir sie in horizontale Schichten, so wird
-der Lichtstrahl von Schichte zu Schichte je ein klein wenig abgelenkt;
-beschreibt also eine krummlinige Bahn; ^die Richtung, die er schließlich
-hat, ist dieselbe, wie wenn er direkt aus dem Äther in die unterste
-Schichte der Luft übergetreten wäre^.
-
-Diese #atmosphärische Strahlenbrechung# bewirkt, daß wir die Gestirne
-^höher^ sehen, als sie in Wirklichkeit stehen, besonders wenn sie noch
-nahe am Horizonte stehen; da hiebei auch noch die Kugelgestalt der Erde
-mitwirkt, so kommt es, ^daß wir Sonne und Mond schon sehen, wenn sie
-noch unter dem mathematischen Horizont liegen^, oder daß wir sie noch
-sehen, wenn sie schon untergegangen sind. In besonders günstigen Fällen
-ist es sogar möglich, bei einer totalen Mondsfinsternis den
-verfinsterten, eben aufgehenden Mond und die eben untergehende Sonne
-zugleich zu sehen (^Galileische Mondsfinsternis^). Der Mond ist deshalb
-auch bei totaler Verfinsterung nicht ganz finster, da etwas Sonnenlicht
-durch die Erdatmosphäre aus seiner Bahn abgelenkt wird, ihn trifft, und
-ihm oft ein blutrotes Ansehen gibt.
-
-Unter #absolutem Brechungskoeffizient# eines Mediums versteht man den
-Brechungskoeffizient vom leeren Raum (Äther) in das Medium. Man mißt
-aber gewöhnlich den Brechungskoeffizient von Luft in das Medium; beide
-hängen durch die Gleichung zusammen:
-
- Äther Äther Luft
- ~n = n · n ~.
- Stoff Luft Stoff
-
-
-Aufgaben:
-
-~a~) Berechne den Brechungsexponent von Wasser in Glas und von Olivenöl
-in Alkohol.
-
-~b~) Welche Verschiebung erfährt ein Lichtstrahl, welcher eine 1 _cm_
-dicke Glasscheibe unter einem Einfallswinkel von 70° durchdringt?
-
-
-205. Grenzwinkel. Totale Reflexion.
-
-[Abbildung: Fig. 264.]
-
-Geht Licht vom ^dünneren ins dichtere^ Medium, so wird es zum
-Einfallslot gebrochen. Zum Einfallswinkel von 90° gehört ein
-Brechungswinkel ~r~, bestimmt aus
-
- sin 90 1
- ~------ = n~, also ~sin r = -~;
- sin r n
-
-^dies ist der größte Winkel, unter dem das Licht in das zweite Medium
-gelangt, er wird deshalb Grenzwinkel genannt^. Dringt Licht von allen
-Seiten her durch eine kleine Öffnung in das zweite Medium, so wird es in
-einen Lichtkegel vereinigt, dessen Kante mit der Achse den Grenzwinkel
-bildet (Strahl 6 in Fig. 264); jenseits dieses Winkels dringt kein Licht
-in das zweite Medium.
-
-Geht Licht vom dichteren ins dünnere Medium, so wird es vom Einfallslote
-gebrochen. Da der Brechungswinkel höchstens 90° sein kann, und hiezu ein
-Einfallswinkel ~i~ gehört, so daß
-
- sin i 1 1
- ~------ = -~, also ~sin i = -~,
- sin 90 n n
-
-so folgt, daß ^alles^ Licht, ^das unter einem noch größeren
-Einfallswinkel auffällt, nicht in das dünnere Medium gelangt. Auch
-dieser Winkel wird Grenzwinkel genannt und ist derselbe wie der vorher
-so benannte^. Der Grenzwinkel beträgt im Diamant (gegen Luft) 23°, Quarz
-40° 29', Flintglas 36°, Kronglas 40° 49', Wasser 48° 45', und in Luft
-(gegen den luftleeren Raum) 88° 24'. Alles jenseits des Grenzwinkels
-auffallende Licht wird reflektiert nach den gewöhnlichen
-Reflexionsgesetzen (Strahl 7 in Fig. 264). Man nennt dies ^innere
-Reflexion^ oder #totale Reflexion#, ^da das ganze Licht reflektiert
-wird^. (Welche Konstruktion im Sinne der Fig. 260 ergibt den
-Grenzwinkel.)
-
-[Abbildung: Fig. 265.]
-
-[Abbildung: Fig. 266.]
-
-[Abbildung: Fig. 267.]
-
-Totale Reflexion an einem dreiseitigen Glasprisma (Fig. 265). Das Licht
-tritt bei der ersten Prismenfläche ein, wird etwas gebrochen, trifft so
-die untere Fläche, und wird, da es jenseits des Grenzwinkels auffällt,
-total reflektiert, trifft dann die dritte Prismenfläche, wird etwas
-gebrochen und kommt so ins Auge. Das Auge sieht daher die jenseits des
-Prismas liegenden Gegenstände in der unteren Prismenfläche gespiegelt,
-und zwar sehr lichtstark, da alles Licht reflektiert wird. Hält man ein
-leeres Reagenzglas schräg ins Wasser (Fig. 266) und blickt von oben
-darauf, so werden die von der Seite (vom Fenster) her einfallenden
-Lichtstrahlen total reflektiert. Deshalb spiegeln und glänzen auch
-Luftbläschen im Wasser so stark.
-
-[Abbildung: Fig. 268.]
-
-^Diamant hat einen sehr großen Brechungsexponenten; deshalb^ ist der
-Grenzwinkel sehr klein. Diamanten werden geschliffen, so daß sie die
-Form zweier mit den Grundflächen auf einander sitzenden Pyramiden haben
-(Fig. 267), die obere ist stumpfer, die untere spitzer. Fast alles oben
-einfallende Licht trifft die unteren Flächen so, daß es jenseits des
-Grenzwinkels auffällt, also total reflektiert und bei den oberen Flächen
-wieder in die Luft zurückgeworfen wird; darauf beruht das Blitzen,
-Funkeln, ^Brillieren^ des Diamanten; schleift man Glas, Bergkrystall u.
-s. w. ebenso, so funkeln sie weniger, weil der Grenzwinkel größer ist,
-also viele Strahlen unten nicht zurückgeworfen, sondern durchgelassen
-werden, also verloren gehen.
-
-Bei der ~camera lucida~ (Wollaston) dringt das Licht (Fig. 268) bei
-einer Prismenfläche ein, wird an den zwei folgenden Flächen total
-reflektiert und tritt bei der 4. Fläche aus. Ein dort befindliches Auge
-sieht den Gegenstand gespiegelt, und, an der Kante des Prismas
-vorbeischauend, zugleich den Zeichenstift, der nun den Gegenstand
-nachzeichnet (Zeichenprisma).
-
-
-Aufgaben:
-
-#122.# Kann Licht, das von außen her in das Innere eines kugelförmigen
-Wassertropfens eingedrungen ist, im Innern des Tropfens total
-reflektiert werden?
-
-#122~a~.# Auf ein Glasprisma, dessen Querschnitt ein rechtwinklig
-gleichschenkliges Dreieck ist, fällt ein Lichtstrahl parallel der
-Hypotenuse; verfolge durch Konstruktion seinen Gang durch das Prisma.
-
-#122~b~.# Auf eine kugelförmige Luftblase in Wasser fällt paralleles
-Licht. Welcher Bereich der Kugelfläche reflektiert total?
-
-
-206. Brechung durch ein Prisma.
-
-Ist ein durchsichtiger Stoff von zwei gegen einander geneigten Flächen
-begrenzt, so nennt man ihn ein #optisches Prisma# (Fig. 269). Trifft der
-Lichtstrahl unter dem Winkel ~i~ die erste Fläche, so wird er unter dem
-Winkel ~r~ gebrochen, so daß
-
- sin i
- ~----- = n~;
- sin r
-
-er trifft dann unter dem Winkel ~i′ (= α - r)~ die zweite Fläche, wird
-dort nochmals gebrochen, so daß
-
- sin i′ 1
- ~------ = -~,
- sin r′ n
-
-hat also beim Austritte eine andere Richtung; der Lichtstrahl ist
-durch das Prisma abgelenkt worden. Der Winkel ~α~ heißt der ^brechende
-Winkel^ des Prismas. Man benützt Prismen zur Bestimmung des
-Brechungskoeffizienten nach folgenden zwei Methoden:
-
-[Abbildung: Fig. 269.]
-
-[Abbildung: Fig. 270.]
-
-1) ^Methode der senkrechten Inzidenz^ (Fig. 270). Man läßt den
-Lichtstrahl senkrecht auf die erste Fläche fallen, so wird er nur von
-der zweiten gebrochen. Man mißt den brechenden Winkel ~α~ und die
-Ablenkung ~δ~, so ist ~i = α~, ~r = α + δ~, also
-
- sin i 1 sin (α + δ)
- ~----- = -~, also ~n = -----------~.
- sin r n sin α
-
-[Abbildung: Fig. 271.]
-
-2) ^Methode durch das Minimum der Ablenkung^ (Fig. 271). Stellt man das
-Prisma so, daß der Lichtstrahl beim Ein- und Austritt gleiche Winkel
-mit den Prismenflächen macht, so findet man, daß er dann gerade am
-wenigsten abgelenkt ist; dreht man das Prisma ein wenig nach der einen
-oder anderen Seite, so wird der Lichtstrahl stärker abgelenkt. Stellt
-man das Prisma so, daß der Lichtstrahl das Minimum der Ablenkung zeigt,
-und mißt den brechenden Winkel ~α~ des Prismas und die Ablenkung ~δ~, so
-ist
-
- sin i α δ α sin ½ (α + δ)
- ~----- = n~, aber ~i = - + -~, ~r = -~, also ~n = -------------~.
- sin r 2 2 2 sin (½ α)
-
-[Abbildung: Fig. 272.]
-
-Konstruktion: Ist ~POP′~ der senkrechte Querschnitt des Prismas (Fig.
-272) und ist ~SX~ ein einfallender Strahl, so wird er gebrochen, kommt
-nach ~Y~ und wird dort nach ~Z~ gebrochen. Der Gang dieser Lichtstrahlen
-kann mit Hilfe der früheren ^Konstruktion^ gefunden werden. Wir
-beschreiben um ~O~ die Kreise ~C₁~ und ~Cₙ~, ziehen ~JO ∥ SX~, dann ~JK
-⊥ OP~, so ist ~LO~ die Richtung des gebrochenen Strahles ~XY~.
-
-Für die Brechung von Glas in Luft bei der Fläche ~OP′~ haben wir zu
-machen ~LK′ ⊥ OP′~ finden dadurch ~J′~, also ~J′O~ als Richtung des
-gebrochenen Strahles; demnach ~YZ ∥ J′O~. Der einfallende Strahl ~SX~
-wird also durch die Brechung an den zwei Flächen des Prismas um den
-Winkel ~δ = JOJ′~ abgelenkt.
-
-
-Aufgaben:
-
-#123.# Auf ein Prisma mit dem brechenden Winkel ~α~ = 33° fällt ein
-Lichtstrahl unter ~i~ = 53°. Unter welchem Winkel verläßt er das Prisma
-und um welchen Winkel wird er im ganzen abgelenkt, wenn ~n~ = 1,6 ist?
-Wie stellt sich die Lösung für ~i~ = 20° oder für ~α~ = 42°?
-(Konstruktion und Berechnung.)
-
-#124.# Auf ein Prisma vom brechenden Winkel ~α~ = 10° fällt in einer zur
-brechenden Kante senkrechten Ebene ein Lichtstrahl unter ~i~ = 17°,
-jedoch von der Seite her, auf welcher die brechende Kante liegt. Unter
-welchem Winkel verläßt er das Prisma, und wie groß ist die Ablenkung,
-wenn ~n~ = 1,592 ist? Wie stellt sich die Lösung für ~i~ = 30° oder für
-~α~ = 20°?
-
-#125.# Unter welchem Winkel müßte das Licht nach den Bedingungen der
-Aufgabe 124 einfallen, damit es die zweite Prismenfläche gerade im
-Grenzwinkel trifft?
-
-#126.# Ein Glasprisma hat als Querschnitt ein gleichschenkliges Dreieck
-mit dem Winkel ~α~ = 120° an der Spitze. In der Ebene dieses Dreiecks
-fällt ein Lichtstrahl parallel der Basis auf die eine Seite. Welchen Weg
-macht der Lichtstrahl (~n~ = 1,5)?
-
-#127.# Wie stellt sich die Lösung von 126, wenn der Lichtstrahl die
-erste Seitenfläche unter einem Einfallswinkel von 50° trifft?
-
-#128.# Ein Lichtstrahl trifft senkrecht auf die eine Fläche eines
-Prismas von ~α~ = 20° 37'; unter welchem Winkel verläßt er die zweite
-Fläche?
-
-
-Sphärische Linsen.
-
-
-207. Brennpunkt der positiven Linsen.
-
-#Eine optische Linse ist ein durchsichtiger Stoff, der von zwei
-sphärisch gekrümmten Flächen begrenzt ist.# Die Verbindungslinie der
-Mittelpunkte beider Krümmungen ist die ^Achse^ der Linse.
-
-[Abbildung: Fig. 273.]
-
-Wir betrachten einen ^Querschnitt^ der optischen Linse und lassen
-Lichtstrahlen auffallen ^parallel der Achse^. Denken wir uns den
-Querschnitt selbst wieder in Stücke zerschnitten parallel der Achse
-(Fig. 273), so kann jedes Stück, etwa ~NORQ~ als ein Prismenabschnitt
-betrachtet werden; deshalb wird das Licht abgelenkt. Je weiter ein
-solches Prismenstück von der Achse entfernt ist, desto größer ist die
-Neigung der brechenden Flächen, desto größer ist die Ablenkung des
-Lichtes. Dies zeigt die ^Möglichkeit^, daß die gebrochenen Strahlen
-sich alle wieder in einem Punkte der Achse vereinigen. Das ^Experiment^
-zeigt, daß dies wirklich der Fall ist.
-
-Fällt paralleles Licht, etwa Sonnenlicht auf eine Linse parallel der
-Achse, so gehen die Strahlen nach der Brechung alle durch einen Punkt
-der Achse.
-
-Weil sich in diesem Punkte auch die Wärmestrahlen der Sonne sammeln, und
-dort eine große Hitze erzeugen, so wird er der #Brennpunkt#, ~Focus~,
-genannt. Seine Entfernung von der Linse heißt #Brennweite#.
-
-[Abbildung: Fig. 274.]
-
-Die Linse ist #in der Mitte dicker# als am Rand, die gebrochenen
-Strahlen werden wirklich in einem Punkte ~F₁~ vereinigt (Fig. 274), die
-Linse hat einen ^reellen^ Brennpunkt und wird auch #positive Linse# oder
-#Sammellinse# genannt. Sind beide Flächen nach außen konvex, so heißt
-sie ^bikonvex^ (~a~); ist eine Fläche eben, so heißt sie ^plankonvex^
-(~b~); ist eine Fläche nach außen konkav, jedoch schwächer gekrümmt als
-die konvexe, so heißt sie ^konkavkonvex^ (~c~).
-
-Läßt man das Licht von der anderen Seite auf die Linse fallen, so zeigt
-sie ebenso einen Brennpunkt in gleicher Brennweite.
-
-[Abbildung: Fig. 275.]
-
-Da das Licht vorwärts und rückwärts denselben Weg zurücklegt, so ergibt
-sich: #das von einem Brennpunkt ausgehende Licht wird nach der Brechung
-der Achse parallel# (Fig. 275). Kommt das Licht nur von einer Seite,
-(links) so nennt man den hinter der Linse liegenden Brennpunkt den
-^ersten^ Brennpunkt ~F₁~; den vor der Linse liegenden, von welchem das
-Licht ausgehen muß, um nach der Berechnung der Achse parallel zu werden,
-nennt man den ^zweiten^ Brennpunkt ~F₂~.
-
-[Abbildung: Fig. 276.]
-
-
-208. Brennpunkt der negativen Linsen.
-
-Ist eine Linse in #der Mitte dünner# als am Rand (Fig. 276), so sind
-entweder beide Flächen nach außen konkav -- #bikonkave# Linse --, oder
-es ist eine davon eben -- ^plankonkav^ -- oder es ist zwar eine davon
-konvex, jedoch schwächer gekrümmt, als die konkave -- ^konvexkonkav^.
-
-Wir zerlegen den Querschnitt wieder in einzelne Stücke, so sind (Fig.
-277) deren Grenzflächen die Flächen von Prismen, deren brechende Kante
-diesmal der Achse zugekehrt ist.
-
-[Abbildung: Fig. 277.]
-
-Läßt man nun ein Bündel ^paralleler Lichtstrahlen parallel der Achse^
-einfallen, so werden sie so gebrochen, daß sie sich von der Achse
-entfernen, um so mehr, je größer der Abstand des Teilprismas von der
-Achse ist. Hieraus erkennt man die ^Möglichkeit^, daß die gebrochenen
-Strahlen so divergieren, als wenn sie von einem vor der Linse liegenden
-Punkt herkämen.
-
-Betrachtet man einen hinter einer bikonkaven Linse liegenden Gegenstand,
-so sieht man ihn deutlich, wenn auch verkleinert. Dies beweist, daß die
-Linse von ihm ein #virtuelles#, wenn auch verkleinertes Bild erzeugt
-hat. Wir schließen aus diesem Versuch:
-
-Parallel der Achse einfallende Lichtstrahlen werden von einer konkaven
-Linse so gebrochen, wie wenn die gebrochenen Strahlen von einem vor der
-Linse liegenden Punkte herkämen. Dieser Punkt heißt #erster Brennpunkt#
-und ist ein ^virtueller^ Bildpunkt eines im Unendlichen liegenden
-Lichtpunktes. Konkave Linsen heißen auch Zerstreuungsgläser oder
-negative Linsen.
-
-[Abbildung: Fig. 278.]
-
-Läßt man das Licht von der andern Seite einfallen, so erhält man einen
-^zweiten Brennpunkt^ in gleicher Entfernung auf der andern Seite der
-Linse.
-
-In Fig. 278 ist dargestellt, wie die Strahlen ~I~ und ~II~ von links her
-parallel der Achse einfallen, und so gebrochen werden, als ~I′~ und
-~II′~, wie wenn sie vom Brennpunkt ~F₁~ herkämen. Ferner kommen die
-Strahlen ~III~ und ~IV~ von links her so, wie wenn sie auf den zweiten
-Brennpunkt ~F₂~ hin wollten, und werden so gebrochen, daß sie als ~III′~
-und ~IV′~ der Achse parallel werden.
-
-
-209. Größe der Brennweite.
-
-Die Brennweite ~f~ berechnet sich aus der #Brennpunktsgleichung#:
-
- 1 ( 1 1)
- ~- = (n - 1) (-- - --)~,
- f (r₁ r₂)
-
-wobei ~n~ den Brechungskoeffizient, ~r₁~ und ~r₂~ die Krümmungsradien
-der zwei sphärischen Flächen bedeuten und jeder als positiv genommen
-wird, wenn das Licht die konvexe Seite der Krümmung trifft.
-
-[Abbildung: Fig. 279.]
-
-[Abbildung: Fig. 280.]
-
-Ergibt sich ~f~ als positiv, so hat man eine Sammellinse; wird ~f~
-negativ, so hat man eine Zerstreuungslinse.
-
-Soll eine Linse eine sehr kurze Brennweite haben, also ~f~ klein sein,
-so gibt man dem ~r₁~ und ~r₂~ verschiedene Zeichen, so daß ihre Werte
-addiert werden (also bikonvex oder bikonkav) und sucht ~r₁~ und ~r₂~
-möglichst klein zu machen. Dann muß aber auch die Linse sehr klein sein.
-^Linsen von kurzer Brennweite haben meist entgegengesetzt gerichtete
-Krümmungsflächen, sehr kleine Krümmungsradien und können nicht groß
-sein^ (Fig. 280).
-
-Soll die Linse eine große Brennweite haben, also ~f~ groß sein, ^so
-macht man die Krümmungsradien^ ~r₁~ ^und^ ~r₂~ ^beide sehr groß. Hiebei
-ist es möglich, die Linse selbst groß zu machen^, ohne daß ihre Dicke
-verhältnismäßig zu groß wird. ^Linsen von großer Brennweite haben sehr
-große Krümmungsradien und können (aber müssen nicht) groß sein^ (Fig.
-279).
-
- Brennversuche wurden bald nach Erfindung der Brenngläser gemacht;
- Mariotte machte positive Linsen aus Eis und entzündete damit
- Schießpulver; Tschirnhaus machte Linsen von 90 _cm_ Durchmesser und
- 4,34 _m_ Brennweite, in deren Brennpunkt alle Metalle schmolzen,
- Wasser ins Kochen kam und die Verbrennlichkeit des Diamanten
- nachgewiesen wurde (1687). Für optische Zwecke waren diese Linsen ganz
- unbrauchbar, denn sie waren voll „Schlieren“.
-
-
-210. Ableitung der Bildgleichung.
-
-Fällt Licht von einem in mäßiger Entfernung liegenden leuchtenden Punkt
-auf eine positive Linse, so werden die Lichtstrahlen auch in einen Punkt
-vereinigt, der aber vom Brennpunkt verschieden ist.
-
-Die Lage dieses Bildpunktes findet man auf folgende Art. Liegt der
-leuchtende Punkt in der Achse, so liegt auch das Bild in der Achse.
-Rückt man den leuchtenden Punkt senkrecht zur Achse etwas seitwärts, so
-rückt auch der Bildpunkt senkrecht zur Achse etwas seitwärts. Beides
-bestätigt der Versuch, das letztere auch dadurch, daß man die Linse
-etwas dreht.
-
-[Abbildung: Fig. 281.]
-
-Ist nun in Fig. 281 ~L′~ ein leuchtender Punkt, so geht 1) der parallel
-der Achse gehende Strahl ~I~ nach der Brechung durch den ersten
-Brennpunkt ~F₁~; 2) der durch die Mitte der Linse gehende Strahl ~II~
-geht ungebrochen durch, da er dort, besonders wenn man die Dicke der
-Linse sehr klein nimmt, parallele Flächen trifft. Der Schnittpunkt ~B′~
-beider Strahlen bestimmt somit die Lage des Bildpunktes ~B~, welcher dem
-leuchtenden Punkte ~L~ zugehört. Somit ist auch ~B~ das Bild von ~L~.
-
-Bezeichnet man den Abstand des leuchtenden Punktes von der Linse, ~LM~,
-mit ~a~, den Abstand des Bildpunktes ~B~ von der Linse, ~BM~, mit ~b~,
-die Brennweite ~F₁M~ mit ~f~, so ist
-
- ~△ B′BM # △ L′LM~, also ~BB′ : LL′ = b : a~; ferner
-
- ~△ B′BF₁ # △ JMF₁~, also ~BB′ : MJ = b - f : f~; da nun
-
- ~LL′ = MJ~, so folgt durch Vergleichung:
-
- ~b : a = b - f : f~; hieraus ~a · (b - f) = b f~, oder
-
- ~a b = b f + a f~. Dividiert man beiderseits mit ~a b f~, so wird
-
- 1 1 1
- ~- = - + -~. (Bildpunktsgleichung.)
- f a b
-
-
-211. Bilder positiver Linsen.
-
-In Bezug auf die Größe der Bilder folgt aus Fig. 281:
-
- ~LL′ : BB′ = a : b~;
-
-d. h. #Gegenstand und Bild verhalten sich wie ihre Abstände von der
-Linse.#
-
-Liegt das Bild #hinter# der Linse, so ist es #reell#, liegt es #vor# der
-Linse, so ist es #virtuell#.
-
-Liegen Gegenstand und Bild auf #verschiedenen# Seiten der Linse, so sind
-sie der Stellung nach verschieden, das Bild ist #verkehrt#; liegen beide
-auf #derselben# Seite der Linse, so haben sie gleiche Stellung, das Bild
-ist #aufrecht#.
-
-[Abbildung: Fig. 282.]
-
-Zur Untersuchung der Lage der Bilder benützen wir die Bildgleichung
-
- 1 1 1 1 1 1
- ~- = - + -~, woraus ~- = - - -~.
- f a b b f a
-
-Wir nehmen an, das Licht komme von links, so liegt der erste Brennpunkt
-~F₁~ rechts, der zweite Brennpunkt ~F₂~ links von der Linse. Wir teilen
-den Raum vom Unendlichen bis zur Linse in drei Räume: der erste Raum
-reicht vom Unendlichen bis zum zweiten Gegenpunkt im Endpunkt der
-doppelten zweiten Brennweite (~G₂~), der zweite Raum reicht von da bis
-zum zweiten Brennpunkt (~F₂~), der dritte Raum reicht von da bis zur
-Linse. Ebenso wird der Raum hinter der Linse geteilt; der dritte Raum
-von der Linse bis ~F₁~, der zweite von ~F₁~ bis ~G₁~, der erste von ~G₁~
-bis ins Unendliche.
-
-Liegt der leuchtende Punkt im Unendlichen, ist ~a = ∞~, so liegt das
-Bild im ersten Brennpunkt, ~b = f~, und ist reell. Das Bild eines
-endlichen Gegenstandes (Sternes) wäre demnach ein Punkt. Zwei Sterne
-geben Bilder von meßbarem Abstand. Ihre Bilder liegen dort, wo die
-Achsen der von ihnen ausgehenden Büschel paralleler Strahlen die in ~F₁~
-zur Achse senkrechte Ebene (Brennpunktsebene) treffen.
-
-Rückt (Fig. 283) der leuchtende Punkt vom Unendlichen gegen ~G₂~, so
-wird ~a~ kleiner, also
-
- 1
- ---
- ~a~
-
-größer, also wird aus der Bildgleichung
-
- 1
- ---
- ~b~
-
-kleiner, also ~b~ größer; das Bild rückt demnach von ~F₁~ gegen ~G₁~ zu
-in den zweiten Raum. Ist der l. P. in ~G₂~ angekommen, so ist ~a = 2 f~,
-also auch ~b = 2 f~, deshalb liegt das Bild in ~G₁~. #Während der
-leuchtende Punkt den ersten Raum vom Unendlichen bis ~G₂~ durchläuft,
-durchläuft das Bild von ~F₁~ aus den zweiten Raum bis ~G₁~ und ist
-reell. Das Bild ist dabei verkleinert und verkehrt.# Liegt der
-Gegenstand in ~G₂~, so liegt sein Bild in ~G₁~, ist verkehrt, reell und
-gleich groß.
-
-[Abbildung: Fig. 283.]
-
-In Fig. 283 ist zuerst dargestellt, wie die Lichtstrahlen vom Punkt ~L~
-ausgehen, durch die Linse (zweimal) gebrochen und dann in einen Punkt
-~B~ vereinigt werden. Liegt ~L′~ seitwärts der Achse, so liegt auch ~B′~
-seitwärts der Achse. In der dritten Figur ist dargestellt, wie man das
-Bild durch eine Konstruktion finden kann. Man benützt 3 von ~L′~
-ausgehende Strahlen: ~I~ parallel der Achse, geht dann durch ~F₁~; ~II~
-geht durch die Mitte der Linse ungebrochen weiter; ~III~ geht durch ~F₂~
-und wird nach der Brechung parallel der Achse. In der vierten Figur sind
-für mehrere Lagen des leuchtenden Gegenstandes ~L₁~, ~L₂~ . . . . ~G₂~
-die Bilder ~B₁~, ~B₂~ . . . . ~G₁~ gezeichnet.
-
-Rückt (Fig. 284) der l. P. von ~G₂~ in den zweiten Raum, so wird ~a~
-noch kleiner,
-
- 1
- ---
- ~a~
-
-größer, also
-
- 1
- ---
- ~b~
-
-noch kleiner, demnach ~b~ noch größer; das Bild rückt von ~G₁~ aus von
-der Linse weg in den ersten Raum. Ist der l. P. in ~F₂~ angekommen, so
-ist ~a = f~, also
-
- 1
- --- = 0,
- ~b~
-
-also ~b = ∞~: das Bild liegt im Unendlichen, die Lichtstrahlen sind nach
-der Brechung parallel der Achse. #Während der leuchtende Punkt den
-zweiten Raum von ~G₂~ nach ~F₂~ durchläuft, durchläuft das Bild den
-ersten Raum von ~G₁~ bis ins Unendliche und ist reell. Die Bilder sind
-dabei vergrößert und verkehrt.#
-
-[Abbildung: Fig. 284.]
-
-In Fig. 284 ist zuerst dargestellt, wie die von ~L~ ausgehenden
-Lichtstrahlen durch die Linse (zweimal) so gebrochen werden, daß sie
-sich in einem Punkt ~B~ vereinigen. In der zweiten Figur wird das Bild
-~BB′~ durch Konstruktion gefunden, indem man drei Strahlen ~I~, ~II~,
-~III~ von denselben Eigenschaften wie vorher benützt. In der dritten
-Figur ist für mehrere Lagen des leuchtenden Gegenstandes ~G₂~, ~L₁~,
-~L₂~ . . . . das zugehörige Bild ~G₁~, ~B₁~, ~B₂~ . . . . gezeichnet.
-
-Rückt (Fig. 285) der l. P. vom ~F₂~ in den dritten Raum, so wird ~a <
-f~, also
-
- 1 1
- ~- > -~;
- a f
-
-deshalb ergibt sich
-
- 1
- ---
- ~b~
-
-negativ. Das bedeutet, daß das Bild nicht hinter, sondern vor der Linse
-liegt. So lange dabei ~a~ noch nahezu = ~f~ ist, ist auch ~b~ noch sehr
-groß; wird ~a~ noch kleiner und schließlich = 0, so wird auch ~b~
-kleiner und schließlich = 0. #Während der leuchtende Punkt von ~F₂~ aus
-den dritten Raum durchläuft bis zur Linse, durchläuft das Bild den
-ganzen Raum vor der Linse vom Unendlichen bis zur Linse und ist
-virtuell. Die Bilder sind dabei vergrößert und aufrecht.#
-
-[Abbildung: Fig. 285.]
-
-In Fig. 285 ist zuerst gezeichnet, wie die von ~L~ herkommenden Strahlen
-durch die positive Linse (zweimal) so gebrochen werden, daß sie nach der
-Brechung divergieren, wie wenn sie von dem vor der Linse liegenden
-Punkte ~B~ herkämen. In der zweiten Figur ist das Bild ~BB′~
-konstruiert: ~I~ parallel der Achse geht dann durch ~F₁~, ~II~ geht
-durch die Mitte der Linse ungebrochen weiter, ~III~, welches so geht,
-als wenn es von ~F₂~ herkäme, wird nach der Brechung parallel der Achse;
-die drei gebrochenen Strahlen ~I′~, ~II′~, ~III′~ divergieren so, wie
-wenn sie von ~B′~ herkämen. In der dritten Figur ist für verschiedene
-Lagen des leuchtenden Gegenstandes ~L₁~, ~L₂~ etc. das virtuelle Bild
-~B₁~, ~B₂~ etc. gezeichnet.
-
-Mit einer Kerzenflamme und einer positiven Linse kann man leicht die
-reellen Bilder erzeugen, auf einem Schirme auffangen und ihre Lage, Art
-und Größe ersehen.
-
-
-Aufgaben:
-
-#129.# 5,4 _m_ vor einer positiven Linse von 90 _cm_ Brennweite befindet
-sich ein leuchtender Gegenstand von 37 _cm_ Durchmesser. Wo erscheint
-das Bild, welcher Art und wie groß ist es?
-
-#130.# Vor einer positiven Linse von 30 _cm_ Brennweite befinden sich
-zwei leuchtende Punkte in 2,4 _m_ bezw. 2,5 _m_ Entfernung. Wie weit
-stehen ihre Bilder von einander ab?
-
-#131.# 120 _cm_ vor einer positiven Linse steht eine Kerzenflamme; 40
-_cm_ hinter der Linse entsteht das reelle Bild der Flamme. Wie läßt sich
-hieraus die Brennweite der Linse berechnen?
-
-#132.# Wenn zwei Sterne einen scheinbaren Abstand von 2' 38" haben, wie
-weit sind dann ihre Bilder von einander entfernt, welche durch eine
-positive Linse von 3,8 _m_ Brennweite erzeugt werden? Unter welchem
-Gesichtswinkel erscheint dieses Bildpaar aus der deutlichen Sehweite von
-18 _cm_ betrachtet?
-
-#133.# Berechne Art, Lage und Größe des Bildes aus folgenden Angaben,
-wobei ~G~ die Größe des Gegenstandes bedeutet:
-
- ~a) f = 1,4 _m_, a = 3,5 _m_, G = 20 _cm_;~
- ~b) f = 0,6 _m_, a = 4 _mm_, G = 0,3 _mm_;~
- ~c) f = 3 _cm_, a = 5 _cm_, G = 1,4 _cm_;~
- ~d) f = 30 _cm_, a = 2 _m_, G = 2,4 _cm_;~
- ~e) f = 10 _cm_, a = 6 _cm_, G = 0,20 _cm_;~
- ~f) f = 10 _cm_, a = 12 _cm_, G = 0,2 _cm_.~
-
-
-212. Bilder negativer Linsen.
-
-[Abbildung: Fig. 286.]
-
-Für Linsen mit ^negativer^ Brennweite gilt dieselbe Gleichung, nur hat
-~f~ einen negativen Wert. Demnach
-
- 1 1 1
- ~- = - - - -~.
- b f a
-
-Hieraus folgt: Solange ~a~ positiv ist, also #wenn der leuchtende Punkt
-vom Unendlichen bis zur Linse rückt#, ist ~b~ stets negativ, das Bild
-liegt vor der Linse und ist virtuell; und da für ~a = ∞~, ~b = - f~, und
-für ~a = 0~, ~b = 0~ wird, #so rückt das Bild vom Brennpunkt an die
-Linse; es ist verkleinert und aufrecht#. In Fig. 286 ist zuerst
-gezeichnet, wie die von ~L~ herkommenden Strahlen durch die negative
-Linse (zweimal) so gebrochen werden, daß sie nach der Brechung
-divergieren, wie wenn sie von einem Punkte ~B~ vor der Linse herkämen.
-
-In der zweiten Figur ist das Bild ~BB′~ konstruiert: ~I~ parallel der
-Achse, geht nach der Brechung so, wie wenn es von ~F₁~ herkäme; ~II~
-geht durch die Mitte der Linse ungebrochen weiter; ~III~ geht so, wie
-wenn es durch ~F₂~ gehen wollte und wird so gebrochen, daß es parallel
-der Achse wird.
-
-In der dritten Figur ist dargestellt, wie Lichtstrahlen, welche
-konvergent auf die Linie treffen, so wie wenn sie auf einen hinter der
-Linse zwischen der Linse und ~F₂~ liegenden Punkt ~L~ hingehen wollten,
-so gebrochen werden, daß sie sich in einem Punkte ~B~ treffen. In diesem
-Fall ist ~a~ negativ und kleiner als ~f~; dann wird ~b~ + und größer als
-~f~. Z. B. ~f~ = -27, ~a~ = -21,7; dann ist ~b~ = 110.
-
-In der vierten Figur ist dargestellt, wie Lichtstrahlen, welche auf
-einen hinter der Linse hinter ~F₂~ liegenden Punkt ~L~ konvergieren, so
-gebrochen werden, daß sie divergieren, wie wenn sie von einem vor der
-Linie liegenden Punkte ~B~ herkämen. In diesem Falle ist ~a~ negativ und
-größer als ~f~, dann wird ~b~ negativ, z. B. ~f~ = -27; ~a~ = -60, gibt
-~b~ = -40.
-
- Barrow (~†~ 1677) gab eine geometrische Methode an, um bei jeder Linse
- die Lage des Bildes zu finden für jede Lage des l. P. Cavalieri
- stellte 1647 die erste Brennpunktsgleichung für Glaslinsen auf.
-
-
-213. Das Auge als optischer Apparat.
-
-[Abbildung: Fig. 287.]
-
-Der ^Augapfel^ ist eingehüllt von der ^harten Haut^, welche
-undurchsichtig, außen weiß, innen geschwärzt und lederartig hart ist.
-Vorn ist ein Teil derselben ersetzt durch die ^Hornhaut^, welche
-durchsichtig und etwas stärker gewölbt ist. Das Innere des Auges ist
-durch die ^Regenbogenhaut^ in zwei Teile geschieden: die vordere,
-kleinere ^Augenkammer^ ist angefüllt mit einer klaren, ^wässerigen
-Flüssigkeit^, die ^hintere, größere Augenkammer^ ist mit einer
-gallertartigen Masse gefüllt, die ganz klar ist, das Licht stark bricht
-und ^Glaskörper^ heißt. In der hinteren Augenkammer sitzt gleich hinter
-der Regenbogenhaut die ^Kristallinse^, eine klare, das Licht stark
-brechende, positive Linse von kurzer Brennweite, bestehend aus einer
-knorpelähnlichen durchsichtigen Masse. Die Regenbogenhaut, ^Iris^, ist
-undurchsichtig, vorn braun oder blau oder grau, und hat in der Mitte
-eine Öffnung, das ^Sehloch oder die Pupille^, durch welches Licht ins
-Auge dringt. Sieht man ins Dunkle, so erweitert sich die Pupille, um
-viel Licht eindringen zu lassen; sieht man ins Helle, so verengt sie
-sich, spielt also die Rolle einer ^Blende^. Die hintere Wand der
-Augenkammer ist mit der Netzhaut (~retina~) ausgekleidet, in welcher
-sich der ^Sehnerv^ verbreitet; dieser kommt vom Gehirne, dringt
-seitwärts ins Auge ein, zerteilt sich in seine einzelnen, sehr
-zahlreichen Fasern, und diese endigen in sehr dünnen Stäbchen und
-Zapfen, die dicht neben einander stehend dem Lichte ihre Enden
-zukehren. Werden diese Nervenenden vom Lichte getroffen, so empfinden
-wir das Licht, wir sehen.
-
-Die Lichtstrahlen werden durch Hornhaut und Kristallinse gebrochen und
-in einem Punkt hinter der Linse vereinigt. Liegt der Bildpunkt genau auf
-der Netzhaut, so sehen wir den Punkt klar und deutlich, liegt aber das
-Bild vor oder hinter der Netzhaut, so wird nicht bloß ein Punkt, sondern
-eine ganze Fläche (^Zerstreuungskreis^) der Netzhaut von den
-Lichtstrahlen getroffen; das Auge empfindet noch Licht und Farbe, aber
-nicht mehr deutlich, sondern verwaschen, verschwommen.
-
-#Wir sehen einen Gegenstand nur dann deutlich, wenn das Bild genau auf
-der Netzhaut liegt.# Dieses Bild ist verkleinert, reell und verkehrt
-(Scheiner). Nur der Teil der Netzhaut, der von der Augenachse getroffen
-wird, sieht scharf und deutlich, dort stehen die Nervenfasern am
-engsten; er heißt der ^gelbe Fleck^, ~macula lutea~. Weiter entfernte
-Teile der Netzhaut sehen weniger scharf; um also einen Gegenstand
-deutlich zu sehen, richten wir die ^Augenachse^ auf ihn, z. B. wir
-folgen mit den Augen den Buchstaben, wenn wir lesen.
-
- Dort, wo der Sehnerv ins Auge tritt, ist er noch nicht verzweigt, dort
- sind keine Nervenenden, an dieser Stelle ist also das Auge blind.
- Macht man auf ein Papier zwei (dicke) Punkte horizontal etwa 5 _cm_
- entfernt, betrachtet mit dem rechten Auge den links liegenden,
- senkrecht auf die Papierfläche sehend, so findet man, wenn man näher
- hin oder weiter weg geht, daß man den rechts liegenden Punkt nicht
- mehr sieht, sein Bild liegt dann an dieser Eintrittsstelle des
- Sehnerves. (Mariotte.)
-
-
-214. Akkommodation.
-
-Die brechenden Flächen des Auges, Hornhaut und Kristallinse wirken wie
-eine einzige Linse oder Fläche. Da eine solche von Gegenständen in
-verschiedenen Entfernungen auch Bilder erzeugt, die in verschiedenen
-Entfernungen hinter der Linse liegen, und wir den Gegenstand nur dann
-deutlich sehen, wenn das Bild genau auf der Netzhaut liegt, so folgt,
-^daß wir Gegenstände, die in verschiedenen Entfernungen liegen, nicht
-zugleich deutlich sehen können^, ja daß, wenn das Auge sonst keine
-Vorrichtung hätte, wir nur Gegenstände in ganz bestimmter Entfernung
-deutlich sehen könnten.
-
-Das Auge kann sich innerhalb gewisser Grenzen so einrichten, daß es
-Gegenstände in verschiedenen Entfernungen nacheinander deutlich sehen
-kann, das Auge kann ^akkommodieren^ (sich anbequemen, anpassen). Die
-Kristallinse ist befestigt an einem sie rings umgebenden Band, und
-dessen Spannung kann durch den im Auge befindlichen, ringsum am Rand der
-Hornhaut entspringenden Muskel, den ^Ciliarmuskel^, verringert werden.
-Dann wölben sich die Flächen der Linse, namentlich die vordere stärker,
-und die Brennweite wird kürzer. Befindet sich nun der betrachtete Punkt
-im Unendlichen, so bleibt der Muskel ganz schlaff, die Linse ist
-möglichst flach, ihre Brennweite möglichst groß, sie reicht gerade bis
-zur Netzhaut. Rückt der leuchtende Punkt gegen das Auge, so würde das
-Bild hinter die Netzhaut fallen; durch Anspannung des Muskels wird nun
-die Brennweite kürzer, so daß das hinter dem Brennpunkte liegende Bild
-wieder gerade auf der Netzhaut liegt. Je näher der Punkt ans Auge rückt,
-um so stärker wirkt der Muskel, um so kürzer wird die Brennweite. Auf
-diese Weise richtet das Auge seine Brennweite stets genau entsprechend
-der Entfernung des betrachteten Punktes, eine staunenswerte Einrichtung.
-(Thomas Young 1800.)
-
-Das Auge kann nicht auf zwei Punkte in verschiedenen Entfernungen (Hand-
-und Schultafel) zugleich akkommodieren.
-
-Die Akkommodationsfähigkeit des Auges ist nicht unbeschränkt. Ein
-normales Auge sieht die unendlich fernen Punkte (die Sterne) deutlich,
-Fernpunkt, und auch alle Punkte bis in eine Nähe von ca. 20 _cm_,
-Nahpunkt.
-
-
-215. Fehler in der Akkommodation. Brillen.
-
-#Das kurzsichtige Auge.# Durch angestrengtes, lange dauerndes Sehen in
-großer Nähe, besonders in der Jugend, wird das Auge kurzsichtig, es kann
-nicht mehr auf ferne Gegenstände akkommodieren; der Fernpunkt liegt sehr
-nahe 2 _m_, 1 _m_, 50 _cm_ am Auge. Dies kommt daher, daß infolge
-angestrengten und andauernden Sehens in die Nähe im Auge Blutandrang
-entsteht, der die in der Jugend noch weichen Teile der Netzhautgrube (am
-gelben Flecke) nach auswärts drückt, so daß die Entfernung der Netzhaut
-von der Linse größer, die Augenachse länger wird. Deshalb können die
-Bilder fern liegender Gegenstände nicht mehr auf der Netzhaut liegen.
-Einen (kleinen) Vorteil hat das kurzsichtige Auge dadurch, daß es auch
-noch Gegenstände näher als 20 _cm_ sehen kann, der Nahepunkt rückt näher
-ans Auge (bis 5 _cm_). Die Akkommodationsbreite eines kurzsichtigen
-Auges reicht also etwa von 1 _m_ bis 5 _cm_.
-
-Man hilft dem kurzsichtigen Auge durch eine #Brille mit negativen
-Linsen# und wählt deren Brennweite gleich dem Abstand des Fernpunktes
-vom Auge; denn dann entwirft diese Brille von den Punkten, die zwischen
-dem Unendlichen und dem Fernpunkte (Brennpunkte) liegen, Bilder, die
-zwischen dem Brennpunkte (Fernpunkte) und dem Auge liegen; das Auge kann
-dann auf diese Bilder akkommodieren. Für Punkte innerhalb des
-Nahepunktes braucht das Auge die Brille nicht, weshalb empfohlen wird,
-bei Betrachtung naher Gegenstände die Brille zu entfernen.
-
-#Das weitsichtige Auge.# Bei vorgerücktem Alter von 40 bis 50 Jahren
-wird manchmal die Kristallinse etwas härter, so daß sie sich bei
-Betrachtung naheliegender Punkte nicht mehr stark genug wölben kann,
-wohl auch wird die Wölbung der Hornhaut etwas flacher; dadurch wird das
-Auge ^weitsichtig^, d. h. es verliert die Fähigkeit, auf ^naheliegende^
-Punkte zu akkommodieren; der Nahepunkt rückt weiter weg, bis 40, bis 60,
-bis 100 _cm_. Fernliegende Gegenstände sieht das Auge noch ganz gut, oft
-ausgezeichnet, denn der Fernpunkt liegt im Unendlichen.
-
-Zur Betrachtung naheliegender Gegenstände (zum Lesen und Schreiben)
-bedient sich der Fernsichtige einer #Brille mit positiven Linsen#, hält
-sie so, daß der Gegenstand im dritten Raume der Linse liegt, also
-zwischen zweitem Brennpunkt und Linse; dann entwirft die Linse ein
-vergrößertes, virtuelles, aufrechtes Bild vor der Linse, das aber in
-größerer Entfernung liegt; wird nun die Brennweite der Linse so gewählt,
-daß das Bild jenseits des Nahepunktes liegt, so kann das Auge darauf
-akkommodieren. Bei Betrachtung fernliegender Punkte muß die Brille stets
-entfernt werden.
-
-
-216. Das scharfe Sehen.
-
-Will man einen Gegenstand möglichst gut sehen, d. h. die einzelnen Teile
-gut unterscheiden können, so muß der Gegenstand jedenfalls in der
-Akkommodationsbreite liegen. Sind aber zwei Punkte recht nahe beisammen,
-z. B. 1 _mm_, und vom Auge recht weit entfernt z. B. eine Meile, so
-liegen die Bilder wohl klar auf der Netzhaut, aber so nahe beisammen,
-daß sie etwa auf dasselbe oder auf sehr benachbarte Nervenenden treffen;
-man hat also auch nur ^eine^ Empfindung, man sieht die Punkte nicht
-getrennt. Sie müssen näher am Auge liegen, damit ihre Bilder auf
-verschiedenen oder ziemlich entfernten Nervenenden der Netzhaut liegen.
-Man sieht daher um so mehr Einzelheiten (Details) an dem betrachteten
-Gegenstand, je näher er dem Auge ist, also unter je größerem
-^Gesichtswinkel^ man ihn sieht. Für ein gutes Auge ist eine Schrift von
-1 _mm_ Höhe der kleinen Buchstaben in 1 _m_ Entfernung noch lesbar also
-bei 2 _mm_ Höhe in 2 _m_ Entfernung u. s. w.
-
-
-217. Die Lupe oder das einfache Mikroskop.
-
-Um einen Gegenstand möglichst gut zu sehen, muß man ihn möglichst nahe
-ans Auge halten, um den Sehwinkel groß zu machen; aber wir können ihn
-nicht näher als bis an den Nahepunkt bringen. Um den Gegenstand
-gleichwohl näher ans Auge bringen zu können, benützt man die #Lupe#
-^oder das Vergrößerungsglas^, eine #positive Linse von sehr kurzer
-Brennweite# (etwa 1 _cm_).
-
-[Abbildung: Fig. 288.]
-
-Man hält den Gegenstand zwischen den zweiten Brennpunkt und die Linse
-(Fig. 288); dann entsteht ein Bild, welches vergrößert, virtuell,
-aufrecht, vor der Linse und weiter entfernt ist. Hält man nun das Auge
-hinter die Lupe und liegt das Bild in der Akkommodationsbreite des
-Auges, so kann man dieses Bild deutlich sehen.
-
-[Abbildung: Fig. 289.]
-
-#Stärke der Vergrößerung.# Würde man den Gegenstand ohne Lupe
-betrachten, so müßte man ihn mindestens in den Nahepunkt halten nach
-~L₁L′₁~ (Fig. 289), 20 _cm_ vom Auge; er erscheint dann unter einem
-kleinen Gesichtswinkel, etwa 1°. Betrachtet man ihn aber mit einer Lupe
-von 4 _cm_ Brennweite, so ist er 4 _cm_ (oder etwas weniger) von der
-Lupe entfernt in ~LL′~, also auch, wenn das Auge sich unmittelbar hinter
-der Lupe befindet, 4 _cm_ (ca.) vom Auge entfernt, ist also fünfmal so
-nahe am Auge, erscheint demnach unter (nahezu) fünfmal so großem
-Gesichtswinkel ~β~, etwa 5°, also fünfmal vergrößert. #Der Gegenstand
-erscheint# (nahezu) #so vielmal größer, als die Brennweite in der
-Entfernung des Nahepunktes enthalten ist#.
-
-Dabei ist jedoch folgendes zu beachten:
-
-1. #Man halte das Auge möglichst nahe an die Lupe#; denn das von der
-Linse entworfene Bild ~BB′~ sieht man vom Punkte ~A~ aus offenbar unter
-größerem Gesichtswinkel als von einem weiter entfernten Punkte.
-
-2. #Die Lupe verändert den Gesichtswinkel nicht# (nur unmerklich). Denn
-allerdings entwirft die Lupe ein vergrößertes Bild; aber so vielmal es
-größer ist, ebensovielmal ist es weiter entfernt; ein in ~A~
-befindliches Auge sieht also den Gegenstand ~LL′~ ohne Lupe unter
-demselben Gesichtswinkel ~β~, unter welchem es das Bild ~BB′~ sieht.
-Durch die Lupe wird der Gesichtswinkel ~β~ des in der Entfernung ~LA~
-vor dem Auge befindlichen Gegenstandes nicht verändert, ^wohl aber wird
-die Akkommodation ermöglicht^.
-
-3. #Man halte den Gegenstand so, daß das Bild gerade im Nahepunkt
-liegt#; denn je näher man den Gegenstand an die Lupe hält, unter um so
-größerem Gesichtswinkel erscheint er, (vergleiche Fig. 285, 3); um aber
-noch auf ihn akkommodieren zu können, muß das Bild noch in der
-Akkommodationsbreite liegen, darf also höchstens in den Nahepunkt
-rücken. Liegt etwa in Fig. 285, 3 der Nahepunkt in ~B₄~, so sieht man
-den Gegenstand in ~L₄~ größer als in ~L₃~ oder ~L₁~, obwohl ~B₄~ kleiner
-ist als ~B₃~ oder ~B₁~; den Gegenstand noch näher an die Linse zu
-halten, nach ~L₅~, ist unzulässig, weil dann das Bild ~B₅~ nicht mehr in
-der Akkommodationsbreite liegt.
-
- Besonders Leeuwenhoek ~†~ 1723 verstand es, einfache Mikroskope von
- bedeutender Kraft herzustellen und erzielte dabei bis 160 fache
- Vergrößerung. Er machte beiderseits sehr stark gekrümmte,
- stecknadelkopfgroße Linsen. Man verwendet gegenwärtig nur Lupen von
- mäßiger Vergrößerung (Uhrmacher, Xylograph u. s. w.). Sind stärkere
- Vergrößerungen erwünscht, so bedient man sich des Mikroskopes. Lupen
- von starker Vergrößerung also kurzer Brennweite sind stets sehr klein.
- Statt ihrer nimmt man zwei positive Linsen von etwas größerer
- Brennweite, welche also ziemlich groß sein können, und befestigt sie
- in kurzem Abstande hinter einander in einer Hülse; sie wirken dann wie
- eine Lupe von kurzer Brennweite (^zusammengesetzte Lupe^).
-
-
-Aufgaben:
-
-#134.# Wie weit muß bei einer Lupe von 3 _cm_ Brennweite der Gegenstand
-vor die Linse gehalten werden, damit sein virtuelles Bild in der
-deutlichen Sehweite von 20 _cm_ erscheint?
-
-#135.# Wie weit muß bei einer Lupe von 3 _cm_ Brennweite der Gegenstand
-vor die Linse gehalten werden, damit sein virtuelles Bild in der
-deutlichen Sehweite von 18 _cm_ erscheint? Wie vielmal ist es größer,
-wie vielmal erscheint es dem Auge vergrößert?
-
-#136.# Welche Brennweite muß eine Lupe haben, damit das in der
-deutlichen Sehweite (20 _cm_) erscheinende Bild viermal so groß
-erscheint?
-
-
-Optische Projektionsapparate.
-
-
-218. Die ~Camera obscura~, Dunkelkammer.
-
-Die Dunkelkammer ist ein innen geschwärzter Holzkasten. In die vordere
-Seitenwand ist eine positive Linse von mäßiger Brennweite, das Objektiv,
-eingelassen, so daß sie in einer Hülse etwas verschoben werden kann. Die
-gegenüberliegende Wand fängt das Bild auf (matt geschliffene Glastafel).
-
-[Abbildung: Fig. 290.]
-
-Von ferne liegenden #Gegenständen im ersten Raume# entwirft die Linse
-ein #reelles, verkehrtes verkleinertes Bild# hinter der Linse #im
-zweiten Raume#, das bei passender Stellung genau auf der Glastafel liegt
-und so auf ihr gesehen werden kann. Sind mehrere Gegenstände in
-verschiedenen Entfernungen vom Objektiv vorhanden, so können nicht alle
-zugleich deutlich auf der Glastafel aufgefangen werden; man stellt auf
-das wichtigste Bild scharf ein; die anderen sind verschwommen.
-
-Legt man auf die Glastafel ein mit Öl getränktes Papier, so kann das
-Bild leicht nachgezeichnet werden.
-
-Anwendung beim ^Photographieren^. Der Photograph stellt die Dunkelkammer
-(den photographischen Apparat) so ein, daß das Bild genau auf der
-Glastafel erscheint; dann wird die Glastafel durch eine andere Glastafel
-ersetzt, die mit einer ^lichtempfindlichen^ Schichte (Kollodium mit Jod-
-oder Bromsilber) versehen ist. Diese Glastafel wird nun in der
-Dunkelkammer dem Lichte ausgesetzt, ^exponiert^. An den vom Lichte
-getroffenen Stellen wird das Jodsilber zersetzt, um so mehr, je stärker
-das Licht einwirkt. Die Platte wird nun aus der Dunkelkammer genommen
-und mit Eisensulfatlösung übergossen; dadurch wird an den vom Lichte
-angegriffenen Stellen das Jodsilber zu metallischem (undurchsichtigem)
-und wegen seiner feinen, staubförmigen Verteilung dunkel erscheinendem
-Silber reduziert um so mehr, je stärker das Licht eingewirkt hat. Das
-unzersetzt zurückgebliebene Jodsilber wird durch Eintauchen in
-unterschwefligsaures Natron aufgelöst und entfernt. Man hat nun ein
-^negatives Bild^, an welchem die hellen Stellen des Gegenstandes dunkel
-erscheinen wegen des metallischen Silbers, und die dunklen Stellen
-durchsichtig sind. Die Platte wird gewaschen, getrocknet retouchiert und
-gefirnißt. Vom Negativ werden nun die Bilder abgezogen (kopiert). Man
-nimmt photographisches Papier (mit Albumin, Eiweiß getränkt und mit
-einer Schichte Chlorsilber überzogen), legt es auf die Bildfläche des
-Negativs und läßt durch das Glas der negativen Platte das zerstreute
-Tageslicht auf das Papier wirken, so wird dadurch das Chlorsilber
-zersetzt, geschwärzt, dort am stärksten, wo das Negativ am hellsten,
-durchsichtigsten ist; es entsteht auf dem Papier ^ein positives Bild^.
-Dies wird fixiert, d. h. durch Eintauchen in unterschwefligsaures Natron
-von dem unzersetzten Chlorsilber befreit, gewaschen, vergoldet (um ihm
-eine schönere Farbe zu geben), gewaschen, getrocknet, aufgeklebt,
-retouchiert und satiniert. Vom Negativ kann man beliebig viele Bilder
-(Abzüge) machen.
-
-
-Aufgaben:
-
-#137.# Welche Brennweite hat das Objektiv einer ~Camera obscura~, wenn
-das Bild eines 2,4 _m_ entfernten Gegenstandes achtmal verkleinert
-erscheint?
-
-#138.# Die Linse eines Phothographenapparates hat 20 _cm_ Brennweite. Wo
-muß man das Objekt aufstellen, damit das Bild viermal verkleinert
-erscheint?
-
-
-219. Die ~Laterna magica~. Zauberlaterne.
-
-Die Zauberlaterne besteht aus einem Beleuchtungs- und dem
-Projektionsapparate. Der ^Beleuchtungsapparat^ besteht nur aus einer
-stark leuchtenden Flamme (Petroleumlicht), in einem innen geschwärzten
-Kasten befindlich. An einer Seite des Kastens ist eine Öffnung
-angebracht, und an der gegenüberliegenden Seite ist als Reflektor ein
-Hohlspiegel angebracht, der das auf ihn fallende Licht auch zu der
-Öffnung schickt. Dort wird es durch eine große Sammellinse parallel
-gemacht, und trifft dann auf ein auf Glas gemaltes, gezeichnetes oder
-photographiertes Bild, das durchsichtig, an den farbigen Stellen
-mindestens durchscheinend ist; durch die auffallenden Lichtstrahlen wird
-es selbstleuchtend.
-
-[Abbildung: Fig. 291.]
-
-Vor diesem leuchtenden Gegenstand wird nun die #Projektionslinse, eine
-positive Linse von mäßiger Brennweite#, so aufgestellt, daß der
-Gegenstand im zweiten Raume und zwar gewöhnlich dem zweiten Brennpunkte
-ziemlich nahe liegt. Dann entwirft die Linse von dem Gegenstande ein
-reelles, verkehrtes, vergrößertes und weiter entferntes Bild. Dies wird
-auf einem Schirme aufgefangen und kann von vielen Personen zugleich
-betrachtet werden. Man stellt die Zeichnung verkehrt ein. Figur 292
-zeigt den Gang der Lichtstrahlen.
-
-[Abbildung: Fig. 292.]
-
-Bei der Vergrößerung muß man, um deutliche und scharf begrenzte Bilder
-zu erhalten, innerhalb gewisser Entfernungen bleiben. Ist in einem
-Zimmer der Abstand des Apparates vom Schirm etwa = 4 _m_, und hat die
-Linse eine Brennweite etwa von 20 _cm_, so ist der Abstand des
-Gegenstandes von der Linse auch nahezu 20 _cm_ (die Berechnung ergibt 21
-_cm_); also ist die Vergrößerung ca. 20 fach; hat man Linsen von 10 _cm_
-Brennweite, so ist die Vergrößerung 40 fach u. s. w. #So viel mal der
-Abstand des Schirmes größer ist als die Brennweite, so viel mal#
-(^nahezu^) #ist das Bild größer als der Gegenstand#. Auch die
-^Lichtstärke^ ist zu berücksichtigen, denn bei 10 maliger Vergrößerung
-wird das durch das transparente Bild gehende Licht auf eine 100 mal so
-große Fläche, (bei ~n~maliger. Vergrößerung auf eine ~n²~mal so große
-Fläche) ausgebreitet.
-
-In einfachster Form dient der Apparat als Spielzeug (^Zauberlaterne^),
-verbessert als Lehrmittel, #Skioptikon#. Zur Beleuchtung dient eine
-starke Lichtquelle, Drummondsches Kalklicht oder elektrisches Licht.
-
-
-220. Das Sonnenmikroskop.
-
-[Abbildung: Fig. 293.]
-
-Der ^Beleuchtungsapparat^ des Sonnenmikroskopes besteht aus einem
-#Planspiegel#, der durch ein Loch im Fensterladen eines verfinsterten
-Zimmers so ins Freie hinausgesteckt wird, daß auf ihn die Sonne scheint.
-Er wird so gestellt, daß die reflektierten Strahlen auf eine Sammellinse
-fallen parallel der Achse, und kann durch Schrauben oder ein Uhrwerk so
-reguliert werden, daß er dem Lauf der Sonne folgt und die Strahlen stets
-in der gewünschten Richtung reflektiert. Durch die #Sammellinse# werden
-die Sonnenstrahlen im Brennpunkte vereinigt. Eben dorthin wird ein
-#mikroskopisches Präparat# gestellt, ein kleiner interessanter
-Gegenstand zwischen zwei Glasplatten eingeschlossen; für starkes Licht
-ist es meist durchsichtig, wenigstens durchscheinend. Er wird, von dem
-vereinigten Sonnenlichte beschienen, selbst zum leuchtenden Gegenstand.
-Die #Projektionslinse#, eine positive Linse von sehr kurzer Brennweite,
-wird so gestellt, daß das Präparat im zweiten Raum liegt; dann entwirft
-die Linse ein reelles, verkehrtes, vergrößertes Bild, das im
-verfinsterten Zimmer auf dem Schirme aufgefangen werden kann.
-
-Macht man die Brennweite der Projektionslinse sehr klein, dann kann
-schon bei mäßiger Entfernung des Schirmes (Zimmerbreite), eine sehr
-starke Vergrößerung erzielt werden, insbesondere da durch das
-Sonnenlicht eine starke Lichtquelle zur Verfügung steht. Für sehr kurze
-Brennweiten benützt man meist eine #zusammengesetzte Linse# (Fig. 294),
-bestehend aus zwei oder drei positiven Linsen von etwas größerer
-Brennweite, nahe hintereinander gestellt; diese wirken wie eine Linse
-von sehr kurzer Brennweite, ohne deren Mängel zu haben.
-
-[Abbildung: Fig. 294.]
-
-Anstatt des Sonnenlichtes benützt man auch andere starke Lichtquellen,
-sammelt sie (verstärkt durch Reflektoren) durch die Sammellinse auf das
-Präparat und projiziert wie vorher.
-
-Durch solche Apparate können Bilder von ungemeiner Vergrößerung (bis
-5000 fach) erhalten werden; doch erlangen sie bei weitem nicht die
-Deutlichkeit der Bilder eines Mikroskopes und dienen nur zur
-Demonstration.
-
-
-Aufgaben:
-
-#139.# Welche Brennweite muß die Linse eines Projektionsapparates haben,
-damit man auf einer 6 _m_ entfernten Wand 10 fach vergrößerte Bilder
-erhält?
-
-#140.# Zwei positive Linsen von gleicher Brennweite stehen unmittelbar
-hintereinander. Wie kann man ersehen, daß die Brennweite dieses Systems
-gleich der Hälfte der Brennweite einer Linse ist?
-
-
-221. Das astronomische oder Keplersche Fernrohr.
-
-[Abbildung: Fig. 295.]
-
-Das astronomische Fernrohr besteht aus der Objektivlinse und dem
-Okulare. #Die Objektivlinse ist eine große, positive Linse von großer
-Brennweite.# Sie entwirft von fern liegenden Gegenständen im ersten
-Raume ein verkleinertes, reelles, verkehrtes Bild in oder nahe dem
-ersten Brennpunkte. Das #Okular ist eine starke#, meistens
-zusammengesetzte #Lupe#, mit der man dieses Bild betrachtet. Da die Lupe
-das vom Objektiv erzeugte verkehrte Bild nicht noch einmal umkehrt, so
-sieht man die Gegenstände verkehrt.
-
-Die Objektivlinse muß möglichst groß sein, damit sie möglichst viel
-Licht auffängt und so das Bild ^lichtstark^ macht. Viele lichtschwache
-Sterne werden dadurch sichtbar.
-
-Die Brennweite des Objektives muß möglichst groß sein; das von den
-Himmelskörpern entworfene Bild, naturgemäß sehr klein, wird um so
-größer, je größer die Brennweite ist. Das Bild der Sonne (des Mondes)
-bei 1 _m_ Brennweite hat einen Durchmesser von 9,2 _mm_ (9 _mm_), bei 5
-_m_ Brennweite 46 _mm_ (45 _mm_), bei 10 _m_ Brennweite 92 _mm_ (90
-_mm_). Betrachtet man diese Bilder von der Mitte der Objektivlinse aus,
-so sieht man sie unter demselben Winkel wie die Gegenstände selbst.
-Betrachtet man sie aus der Sehweite von 20 _cm_, so erscheinen sie schon
-größer, bei 1 _m_ Brennweite 5 mal so groß, bei 5 _m_ ca. 25 mal so
-groß. Vom Nahpunkte aus erscheinen sie so vielmal so groß, als die
-Entfernung des Nahepunktes in der Brennweite enthalten ist, ~F : n~.
-
-Betrachtet man aber diese Bilder mittels einer Lupe (des Okulars), über
-deren Stellung und Wirkung dieselben Sätze gelten wie früher, so sieht
-man die Bilder noch mehr vergrößert, noch so vielmal, als die Brennweite
-der Lupe in der Entfernung des Nahepunktes enthalten ist, ~n : f~, also
-bei 1 _cm_ Brennweite noch 20 mal größer.
-
-Durch Verbindung beider Sätze erhält man: #Das Bild erscheint so vielmal
-größer, als die Brennweite der Lupe in der des Objektivs enthalten ist.#
-~F : f~. Sind diese 1 _cm_ und 1 _m_, so ist die Vergrößerung 100 fach,
-d. h. der Gesichtswinkel erscheint 100 mal größer; der Himmelskörper
-erscheint 100 mal näher.
-
-Solche astronomische Fernrohre sind die größten, besten und schärfsten
-Fernrohre; sie werden auf den Sternwarten zur Beobachtung der
-Himmelskörper benützt und geben Vergrößerung bis 5000 fach.
-
-Verwandt sind die ^Ablesefernrohre^, wie man sie zum Betrachten
-fernstehender Maßstäbe (Meßlatten) bei manchen Apparaten
-(Nivellierinstrumenten) benützt. Sie bestehen aus Objektiv und Okular,
-geben nur mäßige Vergrößerung und zeigen die Bilder auch verkehrt.
-
-
-Aufgabe:
-
-#141.# Bei einem astronomischen Fernrohr ist die Brennweite des
-Objektives = 90 _cm_, die des Okulars 4 _cm_, das Objekt ist 300 _m_
-entfernt und 8 _m_ hoch. Wie weit müssen die Linsen voneinander entfernt
-sein, damit das Bild in der deutlichen Sehweite von 20 _cm_ erscheint,
-und wie stark ist dann die Vergrößerung?
-
-
-222. Das terrestrische oder Erd-Fernrohr.
-
-[Abbildung: Fig. 296.]
-
-Im astronomischen Fernrohr sieht man die Gegenstände verkehrt, da man
-mit der Lupe das umgekehrte Bild betrachtet, und die Lupe dasselbe
-nicht nochmal umkehrt. Dies stört nicht viel, wenn man etwa
-Himmelskörper betrachtet. Bei Betrachtung irdischer Gegenstände kehrt
-man das Bild nochmal um, bevor man es durch die Lupe betrachtet. Das
-Erdfernrohr hat demnach ein Objektiv, wie das astronomische Fernrohr; es
-entwirft ein verkehrtes, verkleinertes Bild nahe dem Brennpunkt; hinter
-dies Bild wird eine positive Linse von mäßiger Brennweite, #die
-Umkehrlinse#, gestellt, so daß das Bild im Endpunkte ihrer doppelten
-zweiten Brennweite (~G₂~) liegt; dann entwirft sie ein Bild, das im
-Endpunkte der doppelten ersten Brennweite (~G₁~) liegt, reell,
-ebensogroß und nochmal umgekehrt, also nun aufrecht ist. Dies betrachtet
-man mittels des Okulars wie früher. Anstatt nur einer Umkehrlinse
-verwendet man auch zwei positive Linsen von gleicher Brennweite, von
-denen die erste vom Bilde um die Brennweite absteht, und die zweite von
-der ersten auch um die Brennweite absteht. Dies Bild ist dann aufrecht
-und liegt im Brennpunkte (Fig. 297).
-
-[Abbildung: Fig. 297.]
-
-Erdfernrohre sollen meist Handfernrohre sein, dürfen demnach weder
-besonders lang noch schwer sein, können deshalb in der Objektivlinse
-keine besonders große Brennweite haben und liefern meist nur mäßige
-Vergrößerung (10-20 fach).
-
-
-223. Das galileische oder holländische Fernrohr.
-
-Es wird gewöhnlich als Operngucker, Feldstecher, Jagdfernrohr u. s. w.
-gebraucht.[12]
-
- [12] Erfunden vom Brillenmacher Hans Lipperhey in Middelburg (Holland)
- 1608, verbessert von Galilei.
-
-Es besitzt als #Objektiv# eine #positive Linse von mäßiger Brennweite#,
-die ein reelles, verkehrtes, verkleinertes Bild erzeugt; aber bevor das
-Bild zustande kommt, wird in den Gang dieser Lichtstrahlen als #Okular
-eine negative Linse von kurzer Brennweite# gestellt; diese bricht dann
-die einfallenden Lichtstrahlen so, daß ein virtuelles, vergrößertes,
-aufrechtes Bild vor ihr entsteht, das man mit dem Auge betrachtet.
-
-[Abbildung: Fig. 298.]
-
-Das Bild kommt auf die in Fig. 286, 4 dargestellte Art zustande. In Fig.
-298 ist zuerst dargestellt, wie die durch das Objektiv gebrochenen
-Lichtstrahlen auf den Punkt ~B~ hin konvergieren, dann aber durch das
-Okular so gebrochen werden, daß sie nun divergieren, wie wenn sie von
-~B₁~ herkämen. Hiezu ist notwendig, daß ~B~ noch jenseits des zweiten
-Brennpunktes ~F₂~ des Okulars liege. Zur Konstruktion betrachten wir 2
-Strahlen, welche vom Objektiv herkommen und nach ~B′~ hin konvergieren.
-Der Strahl ~I~ geht parallel der Achse und wird so gebrochen nach ~I′~,
-wie wenn er vom ersten Brennpunkte ~F₁~ herkäme; der Strahl ~II~,
-welcher durch die Mitte der Linse geht, geht ungebrochen weiter nach
-~II′~. Die Strahlen ~I′~ und ~II′~ divergieren, wie wenn sie von dem vor
-der Linse liegenden Punkte ~B′₁~ herkämen. Anstatt des verkehrten,
-reellen, verkleinerten Bildes ~BB′~ entsteht das aufrechte, virtuelle
-vergrößerte Bild ~B₁B′₁~. Liegt dieses jenseits des Nahepunktes, so kann
-es vom Auge deutlich gesehen werden.
-
-Dies Fernrohr läßt keine bedeutenden Vergrößerungen zu, ist aber für
-Operngucker (2 bis 4 malige Vergr.), Feldstecher (5 bis 8 malige Vergr.)
-u. s. w., wegen seiner einfachen Zusammensetzung, der Kürze des Rohres
-und der Helligkeit und Größe des Gesichtsfeldes vorzüglich geeignet.
-
-
-Aufgabe:
-
-#142.# Bei einem Operngucker ist die Brennweite des Objektives = 15
-_cm_, die des Okulars = -4 _cm_. Wie weit müssen beide voneinander
-entfernt sein, wenn das Bild eines 6 _m_ entfernten Gegenstandes in der
-deutlichen Sehweite von 18 _cm_ erscheinen soll?
-
-
-224. Das Spiegelteleskop oder Newtonsche Fernrohr.
-
-[Abbildung: Fig. 299.]
-
-Anstatt des Objektivs ist ein ^großer Hohlspiegel^ (Silberspiegel) am
-Grunde des Rohres angebracht. Dieser entwirft von fernen Gegenständen
-verkleinerte, reelle, verkehrte Bilder in oder nahe dem Brennpunkte. Aus
-denselben Gründen wie bei dem astronomischen Fernrohre macht man den
-Hohlspiegel möglichst groß und von sehr großer Brennweite. Man setzt ihn
-auch etwas geneigt in den Grund der Röhre, so daß die Bilder nahe an der
-Seitenwand der Röhre entstehen; etwas vor diesem Bildpunkte wird ein
-^kleiner Planspiegel^ unter einem Winkel von 45° angebracht, der das
-Bild durch eine Öffnung der Röhre herauswirft; dort wird es dann mittels
-eines Okulars, einer starken Lupe, betrachtet.
-
- Solche Spiegelteleskope stehen den großen astronomischen Fernrohren
- weder an Helligkeit noch an Vergrößerung, sondern nur an
- Dauerhaftigkeit nach, da der Silberspiegel auch bei sorgfältigster
- Behandlung mit der Zeit erblindet. Der berühmte Astronom J. Herschel
- hatte sich ein Riesenfernrohr dieser Art hergestellt und machte damit
- die großartigen Entdeckungen am Sternhimmel über Mond- und
- Planetenoberfläche, Doppelsterne, Nebelflecke etc. zu einer Zeit, in
- der man Keplersche Fernrohre von ähnlicher Kraft noch nicht zu machen
- verstand. Sein Spiegel hatte einen Durchmesser von 125 _cm_ und eine
- Brennweite von 12,5 _m_. Auch heutzutage sind sie noch nicht verdrängt
- durch die astronomischen Fernrohre. Ein Keplersches Fernrohr wird auch
- ^Refraktor^, ein Newtonsches auch ^Reflektor^ genannt.
-
-
-225. Das Mikroskop.
-
-Das Mikroskop dient dazu, um kleine naheliegende Gegenstände stark
-vergrößert zu sehen und hat folgende Einrichtung. Sein #Objektiv ist
-eine positive Linse von sehr kurzer Brennweite#; sie wird so gestellt,
-daß der zu betrachtende Gegenstand ~L~ (das Objekt, das mikroskopische
-Präparat) im zweiten Raum liegt, also zwischen ~G₂~ und ~F₂~; dann
-entwirft die Linse ein reelles, verkehrtes, vergrößertes Bild ~BB′~
-zwischen ~G₁~ und dem Unendlichen. Dies Bild betrachtet man mit dem
-#Okular, einer starken Lupe#, sieht es also in ~B₁B′₁~ nochmals
-vergrößert, aber verkehrt.
-
-[Abbildung: Fig. 300.]
-
-[Abbildung: Fig. 301.]
-
-Man richtet es gewöhnlich so ein, daß das Bild vom Objektiv nur eine
-mäßige Entfernung hat etwa 10 _cm_; soll also dies Bild selbst schon
-bedeutend vergrößert sein, so muß die Brennweite des Objektives
-möglichst klein sein; bei einer Brennweite von 1 _cm_ ist die
-Vergrößerung ca. 10 fach, bei 1 _mm_ ca. 100 fach u. s. w. Dieses Bild
-würde aus der deutlichen Sehweite (20 _cm_) schon unter einem 10 (resp.
-100) mal größerem Gesichtswinkel erscheinen. Betrachtet man das Bild mit
-einer Lupe, die nochmals 5 mal (oder etwa 20 mal) vergrößert, so
-erscheint es 50 mal (resp. 2000) mal vergrößert.
-
-Objektiv und Okular sind gewöhnlich an den Enden einer Röhre angebracht,
-so daß ihr Abstand nicht geändert werden kann. Damit aber das durch das
-Objektiv erzeugte Bild den richtigen Abstand vom Okular hat, kann man
-diese Röhre und somit das Objektiv dem Objekte näher und ferner stellen
-(einstellen).
-
-Die Objektivlinse wird wie beim Sonnenmikroskop aus zwei oder drei oder
-noch mehr Linsen zusammengesetzt.
-
-Da die betrachteten Objekte sehr klein sind, so senden sie wenig Licht
-aus, und da dies durch die Vergrößerung noch dazu auf bedeutend größere
-Flächen ausgebreitet wird, so muß man das Objekt #beleuchten#. Dies
-geschieht bei durchsichtigen und durchscheinenden Objekten (und das sind
-die meisten) durch einen kleinen #Hohlspiegel#, der unterhalb des
-Objektes so angebracht wird, daß er die vom Himmel, einer hellen Wolke
-oder einer Lampe kommenden Lichtstrahlen alle auf das Objekt
-reflektiert; ist das Objekt undurchsichtig, so beleuchtet man es von
-oben durch eine Sammellinse.
-
- Das Mikroskop wurde in Holland erfunden. Daß Zacharias Janssen es
- erfunden habe, hat sich als unrichtig herausgestellt.
-
-
-Aufgabe:
-
-#143.# Bei einem Mikroskop ist die Brennweite des Objektives = 2 _mm_,
-die des Okulars = 1,4 _cm_; der Abstand beider Linsen beträgt 12 _cm_.
-Wie weit muß das Objekt von der Objektivlinse entfernt sein, damit das
-Bild in der deutlichen Sehweite von 20 _cm_ erscheint, und wievielmal
-erscheint es vergrößert?
-
-
-226. Das Stereoskop.
-
-Betrachten wir einen körperlichen Gegenstand mit beiden Augen, so sind
-die beiden Netzhautbilder nicht identisch, sondern wegen der
-verschiedenen Stellung der Augen zum Gegenstande selbst etwas
-verschieden und zwar nicht bloß durch die gegenseitige Lage der Punkte
-und die verschiedene Beleuchtung der Flächen, sondern es kommt auch vor,
-daß wir manche Flächen oder Flächenteile mit dem einen Auge noch sehen,
-während wir sie mit dem anderen Auge nicht mehr sehen. Diese
-Verschiedenartigkeit kommt uns meistens nicht zum Bewußtsein, vermittelt
-aber das körperliche, räumliche Sehen.
-
-Wenn wir eine Abbildung eines Körpers, eine Zeichnung oder ein Gemälde
-betrachten, so schließen wir nur aus der Art der Darstellung, daß die
-Punkte im Raume verschieden verteilt sind; aber den Eindruck, als wenn
-ein solcher Körper wirklich vor uns wäre, bekommen wir nicht. Jedoch
-können wir den Eindruck des körperlichen Sehens hervorrufen, wenn wir
-dafür sorgen, daß in jedem Auge gerade ein solches Bild entsteht, wie es
-entstehen würde, wenn jedes Auge für sich den Körper betrachten würde.
-Man verschafft sich zwei Abbildungen des Körpers, so, wie er mit dem
-einen Auge betrachtet aussieht, und so, wie er mit dem anderen Auge
-erscheint, stereoskopische Bilder, und betrachtet sie mit dem Stereoskop
-(Wheatstone 1838, verbessert von Brewster).
-
-[Abbildung: Fig. 302.]
-
-In ein Kästchen werden unten die beiden Bilder nebeneinander gelegt,
-oben sind zwei schwach prismatische Gläser angebracht mit bikonvexen
-Flächen; sie bewirken (als Prismen), daß wir die beiden Bilder gegen die
-Mitte gerückt sehen so, als wenn sie von demselben Orte herkämen, und
-(als schwache Lupen) daß wir die Bilder zugleich etwas vergrößert und in
-der Akkommodationsweite sehen. Da hiedurch in beiden Augen
-Netzhautbilder entstehen, welche einem wirklich vorhandenen Körper
-entsprechen, so hat man den Eindruck, als wenn man den Körper selbst vor
-sich sähe, man sieht körperlich oder stereoskopisch.
-
-In Figur 302 ist durch die Lage von drei Punkten angedeutet, wie die
-stereoskopischen Bilder des erhabenen Gegenstandes aussehen, und wie
-deren Lichtstrahlen von den Prismen abgelenkt werden, als kämen sie vom
-Gegenstande selbst her.
-
-
-227. Zerstreuung des Lichtes, Spektrum.
-
-[Abbildung: Fig. 303.]
-
-Wenn man Sonnenlicht durch ein Prisma gehen läßt, so wird es nicht bloß
-gebrochen, sondern auch ^zerstreut^. Man läßt im verfinsterten Zimmer
-durch einen feinen ^Spalt^ (Fig. 303) Sonnenlicht eintreten und auf ein
-Glasprisma fallen, dessen brechende Kante dem Spalte parallel steht. Das
-Licht wird gebrochen und kann auf dem Schirme aufgefangen werden und
-zeigt dann ein ^farbiges Band^, das #Spektrum#, das stark in die Breite
-gezogen ist, während die Länge der des Spaltes noch entspricht.
-
-Das Sonnenlicht ist ein Gemisch ungemein vieler Lichtsorten, die sich
-durch Farbe und Brechbarkeit unterscheiden. So enthält Sonnenlicht
-zunächst dunkelrotes Licht; es wird am wenigsten gebrochen; deshalb
-entsteht auf dem Schirme ein roter Streifen, an Länge und Breite dem
-Spalt entsprechend. Diesem fügen sich an Streifen von etwas hellerem
-Rot, an Länge und Breite dem Spalt entsprechend, aber nicht an derselben
-Stelle wie der erste Streifen, sondern der Breite nach an den ersten
-angesetzt; dann kommen Streifen von immer hellerem Rot und immer
-größerer Brechbarkeit. Dann kommen orangefarbige Streifen, dann gelbe,
-grüne, blaue, tiefblaue (ultramarin), schließlich violette.
-
-Man sagt wohl, daß das Spektrum aus diesen sieben Hauptfarben rot,
-orange, gelb etc. bestehe. In Wirklichkeit besteht es aus unzählbar
-vielen Farbensorten, von denen zwei benachbarte sich nur sehr wenig
-unterscheiden, und die so aufeinander folgen, daß sie den Hauptfarben
-nach ineinander übergehen, wie rot in orange etc. Je enger man den Spalt
-macht, um so besser werden die einzelnen Farbensorten voneinander
-geschieden.
-
-#Das weiße Sonnenlicht ist gemischt aus einer Unzahl verschiedener
-Lichtsorten, welche sich durch verschiedene Farbe und Brechbarkeit
-unterscheiden und durch ein Prisma getrennt werden können.# (Newton.)
-Wenn man durch eine Sammellinse die getrennten Lichtstrahlen wieder
-vereinigt, so entsteht wieder ein weißer Streifen. Wenn man in den
-Schirm etwa dort, wo die grünen Strahlen sich befinden, einen feinen
-Spalt macht, so wird das durchgehende grüne Licht durch ein zweites
-Prisma wieder gebrochen, aber nicht mehr zerstreut, höchstens etwas in
-die Breite gezogen; denn durch den Spalt gehen mehrere verwandte grüne
-Lichtsorten, die bei der zweiten Brechung noch etwas zerstreut werden.
-
-Man nennt daher dieses grüne Licht #einfaches Licht#. Jede Stelle eines
-gut entwickelten Spektrums enthält nur einfaches, homogenes Licht.
-
-#Die mit Lichtbrechung stets verbundene Zerlegung des Lichtes in die
-einzelnen Farben nennt man Zerstreuung des Lichtes oder Dispersion#; sie
-wurde zuerst von Newton genau untersucht.
-
-
-228. Folgerungen aus der Zerstreuung des Lichtes.
-
-Unter Brechungskoeffizient haben wir verstanden das Verhältnis ~sin i :
-sin r~; da aber das Licht bei der Brechung auch zerstreut wird, und
-rotes Licht am wenigsten abgelenkt wird, so ist der Brechungswinkel für
-rotes Licht größer als für gelbes. Wir erhalten also für die
-verschiedenen Farbensorten verschiedene Brechungskoeffizienten.
-Z. B. eine bestimmte Glassorte, Crownglas (Kronglas) hat als
-Brechungskoeffizient für rote Strahlen 1,526, für violette 1,547.
-
-Die Farbenzerstreuung erklärt, daß, wenn wir durch ein Prisma das durch
-den Spalt einfallende Licht oder irgendwelche andere Gegenstände
-betrachten, wir sie besonders an den Rändern mit Spektralfarben
-eingesäumt sehen.
-
-[Abbildung: Fig. 304.]
-
-Der #Regenbogen# (Erklärung zuerst von Descartes 1637). Einen Regenbogen
-können wir sehen, wenn wir die Sonne hinter uns, herabfallende
-Regentropfen (eine Regenwand) vor uns haben, und die Sonne auf diese
-Regentropfen scheint. Diejenigen Lichtstrahlen, welche uns den
-Regenbogen bilden, machen dabei folgenden Weg (Fig. 304). Sonnenstrahlen
-dringen etwas seitwärts in den (kugelförmigen) Regentropfen, werden also
-gebrochen und etwas zerstreut; sie treffen nun die hintere Wand des
-Tropfens und werden dort reflektiert; sie treffen dann die andere
-seitwärts liegende Stelle, werden dort nochmals gebrochen und wieder
-zerstreut, so daß sie doppelt so stark zerstreut sind. Befindet sich
-unser Auge in dem Raume, welchen diese zerstreuten Strahlen einnehmen,
-so treffen in unser Auge etwa bloß die grünen Strahlen dieses Spektrums;
-wir sehen diesen Regentropfen grün; von Tropfen, die sich weiter
-auswärts befinden, sehen wir nur die gelben bis roten, von Tropfen, die
-sich weiter nach einwärts befinden, bloß die blauen, violetten Strahlen;
-deshalb sehen wir ein Farbenband mit all den Spektralfarben, die man
-deshalb auch Regenbogenfarben nennt. Da für alle Regentropfen, die in
-bezug auf uns und die Sonne dieselbe Lage haben, dasselbe stattfindet,
-solche Regentropfen aber in einem Kreisbogen liegen, so sehen wir den
-Regenbogen kreisförmig; sein Mittelpunkt liegt in der Linie, die durch
-die Sonne und unser Auge geht. Da die Sonne nicht bloß ein leuchtender
-Punkt, sondern ein verhältnismäßig großer Fleck ist, so sind die
-Spektralfarben im Regenbogen nicht rein, sondern vielfach ineinander
-geschoben, was zur Helligkeit des Regenbogens wesentlich beiträgt.
-
-Häufig sieht man außer dem inneren noch einen weniger hellen, ^äußeren
-Regenbogen^, dessen Farben in umgekehrter Reihenfolge angeordnet sind
-(rot innen); er entsteht auf ähnliche Weise, nur werden die
-Lichtstrahlen im Innern der Tropfen zweimal reflektiert, wodurch sie an
-Helligkeit verlieren.
-
-Auch ^Tautropfen^ sieht man, wenn sie von der Sonne beschienen werden,
-oft in Farben funkeln; bewegt man das Auge etwas nach rechts und links,
-so kann man leicht denselben Tropfen nacheinander in allen prismatischen
-Farben funkeln sehen. Auch in der Wolke von Wasserstaub (runden kleinen
-Wassertropfen), die sich bei einem Wasserfalle oder einer starken
-Fontäne bildet, kann man leicht einen Regenbogen beobachten.
-
-Die hier gegebene Erklärung des Regenbogens ist nicht vollständig; aber
-das noch fehlende kann ohne größere mathematische Hilfsmittel nicht
-gegeben werden.
-
-
-229. Zerstreuung des Lichtes bei Linsen.
-
-Die Brennweite einer Linse ist wesentlich vom Brechungskoeffizienten
-abhängig; sie wird kleiner, wenn er größer wird; daraus folgt, daß bei
-einer Linse die gelben Lichtstrahlen sich in einem der Linse näheren
-Punkte vereinigen als die roten u. s. w., die violetten in einem Punkte,
-welcher der Linse am nächsten liegt. Dies bewirkt, daß wir auch durch
-die Linse alles mit ^farbigen Rändern^ sehen (starke Lupe); dies stört
-viel bei Linsen mit großer Brennweite; z. B. bei einer Linse ist die
-Brennweite der roten Strahlen 9,501 _m_, die der violetten 9,148 _m_; im
-Brennpunkt der violetten Strahlen haben sich erst die violetten Strahlen
-vereinigt, die anderen aber noch nicht; diese gehen großenteils an
-diesem Punkte vorbei und bilden auf dem Schirm einen Zerstreuungskreis
-von farbigen Ringen, deren äußerster rot ist, und dessen Durchmesser 6
-_mm_ beträgt, wenn der Linsendurchmesser 20 _cm_ ist. Ein Stern
-erscheint also nicht als scharfer Punkt, sondern als Mittelpunkt eines
-verhältnismäßig sehr großen Kreises von farbigen Ringen. Ein solches
-Fernrohr wäre vollständig unbrauchbar. Auch das Auge ist mit diesem
-Fehler behaftet und hat Farbenzerstreuung; ein Auge, welches für rote
-Strahlen auf unendliche Entfernung eingestellt ist, hat im Violett nur
-eine Sehweite von ca. 60 _cm_; jedoch ist im weißen Lichte diese
-Farbenzerstreuung nicht merklich und nicht störend.
-
-
-230. Achromatische Prismen und Linsen.
-
-[Abbildung: Fig. 305.]
-
-[Abbildung: Fig. 306.]
-
-Man ist imstande, ^Linsen herzustellen, welche das Licht wohl brechen,
-aber nicht mehr zerstreuen^. Man findet, daß verschiedene Glassorten das
-Licht verschieden stark brechen und auch verschieden stark zerstreuen.
-Für optische Apparate sind besonders zwei Glassorten im Gebrauche, das
-#Kronglas#, ein Natron-Kalkglas, und das #Flintglas#, ein farbloses
-schweres Kali-Bleiglas. Bei einem Prisma von etwa 60° brechendem Winkel
-beträgt beim Kronglas die Ablenkung der roten Strahlen 39° 26', die der
-violetten 41° 19', also die Zerstreuung (Winkel zwischen den roten und
-den violetten Strahlen) 1° 53'; beim Flintglasprisma beträgt die
-Ablenkung der roten Strahlen 55° 32', die der violetten 59° 36', die
-Zerstreuung also 4° 4'. Es ist demnach die Brechung im Flintglasprisma
-nur etwas, die Zerstreuung aber bedeutend größer. Macht man den
-brechenden Winkel des Flintglasprismas kleiner (35° 11'), so kann man es
-dahin bringen, daß die Ablenkung der roten Strahlen kleiner (28° 30'),
-aber doch die Zerstreuung dieselbe (1° 53') ist. ^Ein solches
-Flintglasprisma^ (von 35°) ^bricht also die Strahlen weniger als das
-Kronglasprisma^ (von 60°), ^zerstreut sie aber noch eben so stark^.
-Stellt man nun beide Prismen so nebeneinander, daß ihre brechenden
-Kanten nach verschiedenen Richtungen schauen, so daß das Flintglas die
-Strahlen nach entgegengesetzter Richtung bricht, so bleibt eine Brechung
-von 10° 47' übrig, während die Zerstreuung aufgehoben ist. Es verlassen
-also die roten und violetten Strahlen das Prisma unter demselben Winkel,
-also parallel, und sind nicht mehr zerstreut; ähnliches gilt, wenn auch
-nicht vollständig genau, für die zwischen Rot und Violett liegenden
-Strahlen. #Das Licht wird also durch ein solches Prismenpaar wohl noch
-abgelenkt, aber nicht mehr zerstreut.# Ein solches Prismenpaar nennt man
-ein #achromatisches# (nicht färbendes) Prisma (Fig. 305). Auf ähnliche
-Weise wird #die achromatische Linse# (Fig. 306) aus einer #positiven
-Kronglaslinse# und einer #negativen Flintglaslinse# von größerer
-Brennweite, aber derselben zerstreuenden Kraft hergestellt. Durch die
-negative Flintglaslinse wird die Brechung der Kronglaslinse nicht ganz
-aufgehoben, so daß das Linsenpaar noch wie eine ^positive Linse wirkt,
-aber die Zerstreuung wird fast ganz aufgehoben^. Solche achromatische
-Linsen verwendet man bei allen besseren optischen Instrumenten,
-Fernrohren, Mikroskopen und photographischen Apparaten.
-
- Vor der Erfindung dieser achromatischen Linsen durch Dollond
- (Engländer 1858) konnte man wegen der starken Farbenzerstreuung keine
- Fernrohre mit starker Vergrößerung machen. Man gab vordem den
- Objektivlinsen sehr große Brennweiten; Toricelli stellte eine her von
- 10 _m_ Brennweite (noch vorhanden). Huygens verbesserte die
- Objektivlinsen und entdeckte den sechsten Saturnmond und den
- Saturnring. Campani führte im Auftrage Ludwig ~XIV~. Teleskope aus von
- 86, 100, 136 Pariser Fuß. Newton, der an der Möglichkeit
- achromatischer Linsen verzweifelte, stellte das Spiegelteleskop her
- 1668 (schon 1664 von Gregory angegeben), das bei viel kürzerer
- Rohrlänge viel bessere Bilder erzeugt. Erst ^Fraunhofer^ hat erfunden,
- wie man die Glasmassen insbesondere des Flintglases in größeren
- Stücken und in der erforderlichen absoluten Reinheit herstellt, und
- hat es verstanden, Linsenpaare zu berechnen und herzustellen, die
- möglichst gut achromatisch waren, über die bis dahin gebräuchlichen
- Größen weit hinaus gingen und auch jetzt noch zu den vorzüglichsten
- gehören.
-
-Außer der chromatischen Abweichung leiden größere Linsen auch noch stark
-an der ^sphärischen^ Abweichung, welche darin besteht, daß wegen der
-rein sphärischen Gestalt der Krümmungsflächen die Randstrahlen nicht
-genau in demselben Punkt vereinigt werden wie die Zentralstrahlen. Man
-kann (nach Steinheil) bei achromatischen Linsen dafür sorgen, daß diese
-Abweichung, wenn nicht ganz beseitigt, so doch möglichst klein gemacht
-wird. Eine so konstruierte achromatische Linse heißt eine ^aplanatische^
-Linse oder ein ^Aplanat^.
-
-
-231. Fraunhofersche Linien.
-
-[Abbildung: Fig. 307.]
-
-Wenn man den Spalt sehr eng macht, paralleles (Sonnen-) Licht durchgehen
-läßt und es sehr stark zerstreut, indem man es mehrmals in demselben
-Sinne durch Prismen brechen läßt, so zeigt sich, daß das Spektrum des
-Sonnenlichtes kein kontinuierliches ist, sondern durch eine ^große
-Anzahl dunkler Linien^ (parallel dem Spalte) unterbrochen ist. Diese von
-(Wollastone und) Fraunhofer entdeckten Linien heißen die
-#Fraunhoferschen Linien#. Man schließt, ^daß diejenige Lichtsorte, die
-bei der Brechung auf die Stelle der dunklen Linien treffen sollte, im
-Sonnenlichte nicht vorhanden ist^. Fraunhofer hat die 8 auffallendsten
-(breitesten) dieser Linien (besser Liniengruppen) mit den Buchstaben
-~A~, ~B~, ~C~, ~D~, ~E~, ~F~, ~G~, ~H~ bezeichnet, aber noch eine große
-Anzahl (500) feinerer Linien gefunden 1814, und von anderen
-(insbesondere Kirchhoff) ist noch eine große Anzahl gefunden und nach
-ihrer gegenseitigen Lage und Entfernung gemessen worden.
-
-
-232. Spektra glühender Stoffe.
-
-Läßt man Licht eines #weißglühenden festen# (oder flüssigen) Körpers
-durch ein Prisma zerstreuen, so erhält man ein #kontinuierliches
-Spektrum ohne dunkle Linien#; man schließt: jeder weißglühende, feste
-oder flüssige Körper sendet Lichtstrahlen von allen möglichen Sorten
-aus. Fängt der Körper erst an zu glühen (rotglühend), so sendet er bloß
-rote Lichtstrahlen aus; wächst seine Hitze, so treten die
-nächstfolgenden Strahlen orange, dann gelb und so fort dazu; erst bei
-Weißglut sendet er alle Lichtstrahlen aus.
-
-Anders verhalten sich glühende Dämpfe. Solche verschafft man sich
-folgendermaßen: Hält man in eine Spiritusflamme oder einen Bunsenschen
-Brenner, die beide wenig leuchten, mittels eines Platindrahtes etwas
-Kochsalz oder Potasche oder ein Kupfersalz oder irgend welche Salze von
-Metallen, so zeigt die Flamme eine gewisse Farbe, bei Kochsalz gelb, bei
-Potasche rot, bei Kupfer grün etc., da ein Teil des Salzes in der Hitze
-der Flamme verdampft, sich zersetzt, und das Metall, als Dampf glühend,
-eine gewisse Lichtart ausstrahlt.
-
-Wenn man solches Licht durch ein Prisma zerlegt, so erhält man kein
-kontinuierliches Spektrum, sondern nur eine oder einige helle Linien von
-ganz bestimmter Farbe, bei Kochsalz eine Linie (zwei sehr benachbarte)
-in Gelb; man nennt sie die Natriumlinie, weil sie herrührt von den in
-der Flamme glühenden Natriumdämpfen. Ein Kaliumsalz liefert eine helle
-Linie in Rot, Lithion eine in orange u. s. f. Allgemein #jedes in
-Dampfform glühende Metall liefert ein bloß aus einzelnen Linien
-bestehendes Spektrum#.
-
-Gase oder Dämpfe macht man glühend in den von Geißler erfundenen
-^Geißlerschen Röhren^. Diese Glasröhren sind in der Mitte zu einer
-dünnen Röhre ausgezogen und an ihren Enden sind Platindrähte
-eingeschmolzen; die Röhren werden mit einer gewissen Gasart gefüllt,
-dann bis auf einen kleinen Rest (¹/₁₀₀) wieder ausgepumpt und
-zugeschmolzen. Läßt man nun mittels der Platindrähte ^die
-Induktionsfunken eines kräftigen Rumkorffschen Induktionsapparates durch
-das Gas schlagen, so wird das Gas glühend^. Durch das Prisma untersucht,
-liefert jedes Gasspektrum eine oder einige helle Linien; man schließt:
-#glühendes Gas sendet nur Lichtstrahlen von bestimmter Art und
-bestimmter Brechbarkeit aus#.
-
-Die Kenntnis dieser, für die glühenden Dämpfe insbesondere der Metalle
-charakteristischen hellen Linien kann dazu dienen, um das Vorhandensein
-eines solchen Metalles in irgend einem Stoffe nachzuweisen; denn bringt
-man etwas von dem Stoffe mittels des Platindrahtes in die
-Weingeistflamme, untersucht deren Licht durch Zerlegung mittels des
-Prismas und findet in dem Spektrum die ^charakteristischen hellen
-Linien^ etwa des Natriums, so ist zu schließen, daß Natrium in dem
-Stoffe enthalten ist. Auf diesem Wege sind vier bis dahin unbekannte
-Metalle entdeckt worden. Als sich nämlich in einem Spektrum helle Linien
-zeigten, die keinem der bisher bekannten Metalle angehörten, war zu
-schließen, daß sie einem neuen Metalle angehören; so fand man das
-Rubidium, Cäsium (Kirchhoff und Bunsen), Thallium und Indium, sowie
-manche Gase.
-
-
-233. Spektralanalyse.
-
-^Die meisten der hellen Linien der Metallspektra befinden sich gerade an
-den Stellen, wo im Sonnenspektrum dunkle Linien vorhanden sind^
-(Kirchhoff). Der nächstliegende Schluß, daß diese Stoffe auf der Sonne
-nicht vorhanden sind, ist jedoch falsch und gerade das umgekehrte ist
-richtig, wie aus folgendem ersichtlich ist.
-
-Eine Natriumflamme zeigt im Spektrum die helle Linie in Gelb. Wenn man
-aber hinter die Natriumflamme einen weißglühenden Körper, z. B. einen
-Platindraht bringt, das Licht dieses Platindrahtes durch die
-Natriumflamme gehen läßt und nun mit dem Prisma untersucht, so erhält
-man im kontinuierlichen Spektrum des glühenden Platins eine ^dunkle
-Linie gerade dort, wo die helle Linie des Natriums sein sollte^.
-Erklärung: Die Natriumflamme läßt alle Lichtstrahlen des glühenden
-Platins durch, deshalb erscheint dessen kontinuierliches Spektrum; aber
-^gerade diejenigen (gelben) Strahlen^ des Platins, ^welche die Flamme
-selbst ausstrahlt, läßt sie nicht durch^, sondern sie absorbiert sie;
-^ein glühendes Gas absorbiert alle die Strahlen, die es selbst
-aussendet^. Deshalb erscheint im Spektrum an Stelle dieser gelben
-Strahlen eine dunkle Linie, Absorptionslinie; sie ist jedoch nicht ganz
-dunkel, da sie doch noch das viel schwächere Licht der glühenden Flamme
-erhält. So sind auch die Fraunhoferschen Linien im Sonnenspektrum nicht
-schwarz, sondern nur dunkler als die benachbarten Stellen.
-
-Da nun das Sonnenspektrum im allgemeinen ein kontinuierliches ist, so
-folgt, daß die Sonne ein glühender fester oder glühendflüssiger Körper
-sei; da sich aber sehr viele dunkle Linien zeigen, so folgt, daß der
-glühende Sonnen-Kern mit einer Hülle dampfförmiger glühender Gase von
-niedrigerer Temperatur umgeben sei, die gerade diejenigen Strahlen des
-glühenden Kernes absorbiert, die sie selbst ausstrahlt, und so die
-dunklen Linien (Absorptionslinien) hervorbringt. Da nun an der Stelle
-der Natriumlinie im Sonnenspektrum eine dunkle Linie ist, so folgt, daß
-Natriumdämpfe in der Sonnenatmosphäre enthalten sind; ebenso sind
-Kalium, Kalcium, Magnesium, Nickel, Eisen, Mangan und Chrom auf der
-Sonne anwesend. Auch Wasserstoff ist in der Sonnenatmosphäre enthalten,
-dagegen fehlt im Spektrum der Nachweis von Gold, Silber, Blei, Zinn,
-Antimon, Quecksilber, Silicium, Lithium u. a. m.
-
-Die Spektra der Fixsterne zeigen meist ähnliche dunkle Linien wie bei
-der Sonne; man fand so, daß Sirius und Aldebaran sicher Natrium,
-Magnesium und Eisen enthalten. Nebelflecke, welche sich im Fernrohre als
-Sternhaufen auflösen lassen, zeigen stets ein kontinuierliches Spektrum,
-man schließt, daß sie aus einzelnen glühenden, flüssigen Körpern
-bestehen; von den Nebeln aber, die sich nicht auflösen lassen, zeigen
-manche die hellen Linien glühender Gase.
-
-
-234. Farben dunkler Körper. Komplementäre Farben.
-
-Wir nennen einen Körper weiß, wenn er von allen auf ihn fallenden
-Lichtstrahlen einen gleichen Bruchteil reflektiert, so daß das
-zurückgeworfene Licht dieselbe Zusammensetzung hat wie das auffallende;
-im Sonnenlicht erscheint er weiß, in blauem Lichte blau, und von der
-Natriumflamme beleuchtet erscheint er gelb.
-
-#Wenn ein dunkler Körper nicht alle auf ihn auffallenden Lichtstrahlen
-in demselben Verhältnis zurückwirft, so erscheint er uns farbig#, z. B.
-rot, wenn er vorzugsweise die roten Strahlen reflektiert, die übrigen
-aber absorbiert. Da jeder Stoff hiebei zwar eine Farbe besonders gut,
-aber auch noch alle andern Farben, wenn auch schwach reflektiert, so
-sind die Farben solcher Körper unrein.
-
-Wird ein Stoff mit einfarbigem Licht beleuchtet, so kann er natürlich
-nur solches Licht reflektieren und erscheint demnach in dieser Farbe,
-und zwar stark leuchtend, wenn er diese Farbe reflektieren kann, dunkel,
-wenn er diese nicht oder nur schwach reflektieren kann.
-
-Werden die Lichtstrahlen des Spektrums durch eine Sammellinse vereinigt,
-so erhält man Weiß. Schließt man hiebei eine Farbe von der Vereinigung
-aus, indem man etwa durch einen Streifen Papier die grünen Strahlen
-abhält, so geben die übrigen eine Farbe, die mit einer Spektralfarbe
-verglichen werden kann, in unserem Falle Rot. Dieses Rot ist keine
-reine, sondern eine Mischfarbe. Ausschließen von Orange gibt Blau und
-Ausschließen von Gelb gibt Violett und umgekehrt.
-
-Da Rot aus Weiß entsteht durch Ausschließen von Grün, so muß Rot und
-Grün gemischt wieder Weiß geben, ebenso Orange und Blau, Gelb und
-Violett. ^Man nennt zwei Farben, welche miteinander gemischt Weiß
-geben^, #Komplementär- oder Ergänzungsfarben#. Man zeigt dies, entweder
-indem man zwei Farben aus dem Spektrum auswählt und vereinigt, oder
-durch den #Farbenkreisel#, einen schweren scheibenförmigen Kreisel.
-Befestigt man auf ihm eine Papierscheibe, bei welcher ein Sektor rot,
-der andere grün bemalt ist, so mischen sich bei der Rotation im Auge die
-Farbeneindrücke und er erscheint weiß, je besser nach Intensität und Ton
-die Farben gewählt sind. Sind die Farben hiebei komplementär, so
-erscheint eine Mischfarbe.
-
-Wenn man vor einen großen weißen Schirm ein Stück farbigen Papiers hält,
-etwa grünes, dieses bei guter Beleuchtung lange und stark fixiert, es
-dann rasch vom Schirm entfernt und nun den Schirm anblickt, so sieht
-man auf dem Schirm ein #farbiges Nachbild# des entfernten Papieres und
-zwar ^in der Komplementärfarbe^, also rot. Denn durch das lange
-Betrachten des grünen Papieres wird unser Auge unempfindlich oder doch
-weniger empfindlich für Grün. Betrachtet man mit dem so geschwächten
-Auge den weißen Schirm, so empfindet das Auge noch alle Farben des Weiß,
-mit Ausnahme des Grün; die Vereinigung dieser Farben gibt aber die
-Komplementärfarbe Rot. Das Nachbild verschwindet bald, da das Auge sich
-wieder erholt. Da die rote Farbe des Nachbildes in Wirklichkeit nicht
-vorhanden ist, sondern durch die besondere Beschaffenheit (Ermüdung)
-unseres Auges bedingt ist, so nennt man sie eine #subjektive Farbe#. Der
-Versuch gelingt ebenso mit jeder anderen Farbe, sowie mit Hell und
-Dunkel.
-
-Legt man eine kleine grüne Papierscheibe auf einen roten Schirm, fixiert
-das Grüne, und entfernt es, so erblickt man auf dem roten Schirm ein
-viel lebhafter rotes Nachbild der grünen Scheibe; auch dies erklärt man
-durch das komplementäre rote Nachbild des Grünen, das sich aus den nicht
-roten Farben des unreinen Rot zusammensetzt und sich mit dem schon
-vorhandenen Rot zu lebhafter Farbe zusammensetzt. Der Versuch gelingt
-ebenso mit jeder Farbe, die auf einem Hintergrund von komplementärer
-Farbe ruht. Da jede solche Farbe im stande ist, die benachbarte
-komplementäre Farbe durch das gleichfarbige subjektive Nachbild zu
-heben, so nennt man zwei komplementäre Farben auch #Kontrastfarben#.
-Orangefarbige oder goldgelbe Streifen auf blauem Grund erscheinen
-deshalb leuchtender und glänzender, rote Streifen auf grünem Grund
-treten hervor. Sind solche Streifen nicht in der Kontrastfarbe
-ausgeführt, so werden sie durch die Grundfarbe nicht gehoben, bleiben
-schwach, erscheinen sogar noch matter. So erscheint eine grüne Zeichnung
-auf gelbem Grunde oder eine blaue Zeichnung auf rotem Grunde matt und
-erdig. Denn das Grüne wird durch das blaue Nachbild des gelben Grundes
-zu einer matten Farbe abgeschwächt, ebenso die blaue Zeichnung durch das
-grüne Nachbild des roten Grundes.
-
-
-235. Phosphoreszenz.
-
-Manche Stoffe erlangen, wenn sie einige Zeit dem Lichte ausgesetzt
-waren, die Fähigkeit, selbst zu leuchten; sie strahlen im Dunkeln ein
-schwaches Licht aus, das ^Phosphoreszenzlicht^, da man es wegen seines
-schwachen Schimmers vergleichen kann mit dem Lichte, das ein Stückchen
-Phosphor im Dunkeln abgibt. Der Art nach ist es jedoch davon
-verschieden; denn das Licht des Phosphors rührt von einer langsamen
-Verbrennung her, und dieselbe Ursache hat auch das Leuchten von faulem
-Holze, und eine ähnliche Ursache hat wohl das Glühen der
-Johanniswürmchen, Leuchtkäfer u. s. w. sowie das Meeresleuchten;
-derartiges Leuchten wird nur uneigentlich Phosphoreszenz genannt.
-
-Die Phosphoreszenz, das eigentliche Nachleuten, ist besonders stark bei
-den Sulfiden von Kalcium, Barium und Strontium, sowie beim Flußspat. Das
-Licht ist rötlich, bläulich, grünlich, je nach der chemischen
-Zusammensetzung des Stoffes, enthält aber außer diesen noch alle
-Spektralfarben.
-
-Die Dauer des Nachleuchtens ist sehr verschieden; es dauert bei manchen
-Stoffen in abnehmender Stärke mehrere Stunden, bei manchen dagegen nur
-sehr kurze Zeit. Fast alle Körper phosphoreszieren, wenn auch bei
-manchen die Dauer des Nachleuchtens nur einige Hundertel einer Sekunde
-beträgt.
-
-Lange und stark phosphoreszierende Stoffe benützt man als „Leuchtfarbe“
-zum Anstreichen mancher Gegenstände (Zündholzschachtel, Leuchter,
-Glockenzug), um sie nachts leicht sehen zu können.
-
-
-236. Fluoreszenz.
-
-Wenn man Sonnenlicht auf einen Flußspatkristall fallen läßt, und ihn von
-der Seite betrachtet, so sieht man, daß die ersten Schichten des
-Kristalles, die von der Sonne getroffen werden, ein bläuliches Licht
-nach allen Seiten hin ausstrahlen.
-
-Man nennt diese Erscheinung ^Fluoreszenz^. Ähnliche Erscheinungen nimmt
-man an manchen anderen Stoffen war, insbesondere auch an Flüssigkeiten,
-wie Chininlösung, Curcuma- und Chlorophyll-Lösung, auch an Petroleum.
-Betrachtet man Petroleum in einem Glase etwas schräg von der Seite, von
-welcher auch das Sonnenlicht (auch zerstreutes) auffällt, so erscheint
-es violett, während das durchgelassene Licht die gewöhnliche gelbe Farbe
-des Petroleums zeigt.
-
-Diese Erscheinung, obwohl theoretisch sehr interessant, hat praktisch
-keine Verwendung.
-
-
-237. Wärmestrahlen.
-
-Von der Sonne kommen nicht bloß Lichtstrahlen, sondern auch
-^Wärmestrahlen^. Sie werden durch ein Prisma ebenso gebrochen und
-zerstreut wie die Lichtstrahlen.
-
-Untersucht man das durch ein Prisma (aus Steinsalz) erhaltene Spektrum
-mit dem Thermometer, so zeigt sich die Wärme nicht gleichmäßig über das
-Spektrum verteilt. Sie ist am violetten Ende gering, wächst gegen das
-rote Ende hin, ja noch darüber hinaus, nimmt dann ab und verschwindet
-erst in einer Entfernung von Rot, die etwa so groß ist als die sichtbare
-Länge des Spektrums. (W. Herschel 1800.)
-
-Im Sonnenlichte sind also Wärmestrahlen vorhanden, welche so stark
-brechbar sind wie die Lichtstrahlen, #helle Wärmestrahlen#, und zudem
-noch eine beträchtliche Menge Wärmestrahlen, die weniger brechbar sind
-als die roten Lichtstrahlen, #dunkle oder ultrarote Wärmestrahlen#, weil
-sie jenseits des Rot im dunklen Teil des Spektrums liegen. Die „dunklen“
-Wärmestrahlen der Sonne sind etwa doppelt so viel, als die „hellen“.
-
-Die Wärmestrahlen irdischer Wärmequellen sind um so weniger brechbar, je
-niedriger deren Temperatur ist, und bei wachsender Temperatur kommen
-immer mehr Strahlen höherer Brechbarkeit dazu. Dunkle Wärmequellen, wie
-etwa die Wand eines Blechgefäßes, in dem sich heißes Wasser befindet,
-oder eine Ofenplatte, die noch nicht glüht, senden nur dunkle
-Wärmestrahlen aus; erst nach Beginn der Rotglut, ca. 500°, treten auch
-noch helle Wärmestrahlen dazu, zunächst im Rot, und je mehr der Körper
-glühend wird, desto mehr verbreiten sich die hellen Wärmestrahlen vom
-Rot aus über das ganze Spektrum. Erst bei 2000° treten auch die
-violetten Strahlen auf, so daß erst nach 2000° reines Weiß eintritt.
-Doch sind stets die hellen Wärmestrahlen viel weniger als die dunklen;
-sie betragen bei einer Öl- oder Gasflamme nur 1 resp. 2% der
-Gesamtstrahlung, und bei elektrischem Licht nur 10%. Da im Sonnenlichte
-ca. 33% helle Strahlen vorhanden sind, so möchte man schließen, daß die
-Temperatur der Sonne viel höher sei als die des elektrischen
-Lichtbogens, denn je heißer die Quelle, um so größer ist der Prozentsatz
-der hellen Strahlen. Allein die Sonnenstrahlen kommen nicht unverändert
-zu uns, sondern beim Durchgange durch die Atmosphäre werden vorzugsweise
-die dunklen Wärmestrahlen absorbiert. Das Licht leuchtender Insekten
-besteht fast nur aus hellen Strahlen im Gelb.
-
-
-238. Durchgang der Wärmestrahlen.
-
-Sehr eigentümlich verhalten sich die Stoffe beim Durchgange der
-Wärmestrahlen. Farblose Stoffe lassen die hellen Wärmestrahlen ebensogut
-durch wie die Lichtstrahlen. Wesentlich anders verhalten sie sich aber
-gegenüber den dunklen Wärmestrahlen. Nur ^Steinsalz^ läßt auch nahezu
-alle dunklen Wärmestrahlen durch: alle anderen ^absorbieren
-beträchtliche Mengen der Wärmestrahlen^ und zwar anfangend von den am
-wenigsten brechbaren Strahlen; sie verkürzen demnach das Wärmespektrum.
-Glas läßt z. B. von den dunklen Wärmestrahlen einer Flamme oder eines
-weißglühenden Platindrahtes nur etwa ein Viertel durch, von den dunklen
-Wärmestrahlen eines dunklen Körpers von 100° aber gar keine. Noch
-weniger dunkle Wärmestrahlen läßt Alaun, Wasser, Eis u. s. w. durch.
-
-Von den farblosen, einfachen Gasen lassen Sauerstoff, Wasserstoff und
-Stickstoff nicht bloß alle hellen, sondern auch fast alle dunklen
-Wärmestrahlen durch. Zusammengesetzte Gase absorbieren jedoch viel mehr
-von den dunklen Wärmestrahlen; z. B. Kohlensäure absorbiert 90 mal so
-viel wie die atmosphärische (trockene) Luft, Sumpfgas 403 mal,
-ölbildendes Gas 970 mal so viel. Die Absorption in einem Gase ist im
-allgemeinen um so bedeutender, je komplizierter seine Zusammensetzung
-ist; Wasserdampf absorbiert 60 mal so viel Wärmestrahlen wie eine
-gleiche Masse von Sauerstoff- und Wasserstoffgas; Ammoniak 150 mal so
-viel wie seine Elemente.
-
-Sehr viel dunkle Wärme absorbiert auch der in der Luft enthaltene
-Wasserdampf; sie wird direkt zur Erwärmung der Luft verwendet. Wenn
-andrerseits die Gegenstände auf der Erde Wärme ausstrahlen, die ja nur
-dunkle Wärme ist, so wird diese zum größten Teil von der
-Luftfeuchtigkeit absorbiert, und zwar um so stärker, je feuchter die
-Luft ist.
-
-
-239. Die chemischen Strahlen.
-
-Die Sonnenstrahlen können auch eine ^chemische Wirkung^ hervorbringen;
-beim Photographieren wird dadurch Jodsilber zersetzt. Läßt man das
-Spektrum des Sonnenlichtes auf eine photographische Platte fallen, so
-zeigt sich die Stärke der chemischen Wirkung nicht gerade der Helligkeit
-der Farben proportional, sondern sie ist im Rot verschwindend klein, nur
-wenig merklich, doch wachsend von Gelb bis Blau, wächst sehr stark im
-Dunkelblau und ist im Violett am stärksten. Aber auch noch jenseits des
-sichtbaren Violett ist chemische Wirkung vorhanden in abnehmender Stärke
-und verschwindet erst in einer Entfernung vom Violett, die ungefähr der
-Breite des sichtbaren Spektrums gleich ist.
-
-[Abbildung: Fig. 308.]
-
-Man schließt daraus, daß #die Strahlen je nach ihrer Brechbarkeit in
-verschiedenem Grade Licht- und chemische Wirkungen hervorbringen#. Es
-bringen also die Strahlen, die wir als rot, gelb, grün wahrnehmen,
-lebhafte Farbenempfindung in unserem Auge, aber nur schwache chemische
-Wirkung hervor, während blaue und besonders violette Strahlen nur
-schwachen Lichteindruck, aber starke chemische Wirkung ausüben, und die
-#ultravioletten# Strahlen bringen gar keine Lichtempfindung aber noch
-chemische Wirkung hervor. Man nennt alle diejenigen Strahlen, welche
-eine chemische Wirkung hervorbringen, #chemische Strahlen#.
-
-Die chemischen Strahlen verlängern das sichtbare Spektrum über das
-violette Ende hinaus, ebenso wie die dunklen Wärmestrahlen über das rote
-Ende hinaus. In Fig. 308 ist in der Kurve ~I~ die Intensivität der
-Wärmestrahlen, in ~II~ die der Lichtstrahlen, in ~III~ die der
-chemischen Strahlen gezeichnet. Auch im ultraroten Wärmespektrum hat man
-Lücken nachgewiesen, welche Fraunhoferschen Linien analog sind; ebenso
-im ultravioletten, chemischen Spektrum.
-
-Irdische Wärmequellen sind auch arm an den chemisch wirksamen Strahlen
-höherer Brechbarkeit. Je intensiver die Hitze, desto größer ist auch die
-Menge der chemisch wirksamen Strahlen, und es besitzt z. B. das
-elektrische Bogenlicht deren eine große Menge. Es ist deshalb nicht gut
-möglich, bei Lampen- oder Gaslicht zu photographieren, während
-elektrisches Bogenlicht sich recht gut dazu eignet.
-
-Die bisher besprochenen Wirkungen beziehen sich jedoch nur auf die
-Zersetzung von Chlorsilber. Bei anderen chemischen Wirkungen haben
-andere Strahlen größere Energie; bei grünem Chlorophyll wirken die roten
-Strahlen am meisten. Im allgemeinen wirken gerade die Strahlen auf einen
-Stoff am stärksten, welche von dem Stoffe absorbiert werden.
-
-Unentbehrlich ist die chemische Wirkung der Sonnenstrahlen für das
-Wachstum der Pflanzen. Die Pflanzen nehmen nämlich aus der Luft (die
-Wasserpflanzen aus dem Wasser) Kohlensäure auf; in den grünen
-Pflanzenteilen (Blättern, Nadeln, grünen Stengeln) wird durch die
-chemische Wirkung der Sonnenstrahlen die Kohlensäure zerlegt, Sauerstoff
-ausgeschieden, und unter Hinzunahme von Wasserstoff aus Wasser, das auch
-zerlegt wird, werden dann die verschiedenen, an Kohle und Wasserstoff
-reichen Stoffe gebildet, aus denen die Pflanze besteht.
-
-
-
-
-Elfter Abschnitt.
-
-Mechanik.
-
-
-240. Der Hebel.
-
-Das Gesetz des einfachen Hebels heißt: #Der Hebel ist im Gleichgewichte,
-wenn die Kräfte sich verhalten wie umgekehrt die Längen der Hebelarme#,
-also wenn:
-
- ~P : Q = b : a~.
-
-[Abbildung: Fig. 309.]
-
-Man bildet hieraus nach arithmetischen Sätzen ~P · a = Q · b~, und sagt:
-Der Hebel ist im Gleichgewichte, ^wenn das Produkt aus der Kraft mal
-ihrem Hebelarme gleich ist dem Produkte aus der Last mal ihrem
-Hebelarme^.
-
-#Ein solches Produkt aus einer Kraft und ihrem zugehörigen Hebelarme
-nennt man das statische Moment oder Drehmoment der Kraft.#
-
-Dann heißt das Hebelgesetz: #Ein Hebel ist im Gleichgewichte, wenn die
-Momente beider Kräfte einander gleich sind und nach verschiedenen
-Richtungen wirken.#
-
-Das Moment ~P · a~ einer Kraft ~P~ gibt zugleich die Größe einer ^Kraft^
-an, welche im Abstande 1 vom Drehpunkt dasselbe leistet, wie die Kraft
-~P~ im Abstande ~a~. Man ersetzt demnach die Kraft ~P~ im Abstande ~a~
-durch die Kraft ~P · a~ im Abstande 1, und die Kraft ~Q~ im Abstande ~b~
-durch die Kraft ~Q · b~ im Abstande 1. Dann tritt Gleichgewicht ein,
-wenn die Kräfte gleich sind, also wenn ~P · a = Q · b~.
-
-[Abbildung: Fig. 310.]
-
-Wirken mehrere Kräfte auf den Hebel, so bringt jede an ihm ein
-Drehmoment hervor, dessen Größe gleich ist dem Produkte aus der Kraft
-mal ihrem Hebelarme. Denkt man sich die Kräfte wieder ersetzt durch
-Kräfte, die je im Abstande 1 mit gleichem Moment wirken, so hat man wie
-in Fig. 310 links vom Drehpunkte im Abstand 1 die Kräfte ~P₁ a₁~,
-~P₂ a₂~, ~P₃ a₃~ anzubringen; ihre Resultierende ist, da ~P₃ a₃~ nach
-der entgegengesetzten Richtung wirkt ~= P₁ a₁ + P₂ a₂ - P₃ a₃~; ebenso
-hat man rechts vom Drehpunkt im Abstand 1 Kräfte anzubringen, deren
-Resultierende ~= - P₄ a₄ + P₅ a₅ - P₆ a₆ + P₇ a₇~. Dann tritt
-Gleichgewicht ein, wenn ~P₁ a₁ + P₂ a₂ - P₃ a₃ = - P₄ a₄ + P₅ a₅ - P₆ a₆
-+ P₇ a₇~.
-
-Ordnet man diese Momente nach positiven Gliedern, also:
-
- ~a₁ P₁ + a₂ P₂ + a₄ P₄ + a₆ P₆ = a₃ P₃ + a₅ P₅ + a₇ P₇~,
-
-so heißt das Gesetz: #Der Hebel ist im Gleichgewichte, wenn die Summe
-der Momente der Kräfte, welche den Hebel nach der einen Richtung zu
-drehen suchen, gleich ist der Summe der Momente der Kräfte, welche den
-Hebel nach der anderen Richtung zu drehen suchen.#
-
-Bringt man alle Momente auf eine Gleichungsseite, also:
-
- ~a₁ P₁ + a₂ P₂ - a₃ P₃ + a₄ P₄ - a₅ P₅ + a₆ P₆ - a₇ P₇ = 0~,
-
-so heißt das Gesetz: #Der Hebel ist im Gleichgewichte, wenn die
-algebraische Summe aller Momente = 0 ist#; dabei sind die Momente mit
-dem + oder - Zeichen zu nehmen, je nachdem sie den Hebel nach der einen
-oder nach der anderen Richtung zu drehen suchen.
-
-[Abbildung: Fig. 311.]
-
-^Beispiel^: An einem Hebel wirken die aus Fig. 311 ersichtlichen Kräfte;
-welche Kraft ist anzubringen, damit der Hebel im Gleichgewichte ist?
-
-Antwort: Die Momentengleichung gibt:
-
- 18 · 30 + 10 · 14 - 26 · 3 - 14 · 15 - ~x~ · 35 = 0;
-
-hieraus ~x~ = 11,2 _kg_.
-
-
-Aufgaben:
-
-#144.# Wenn an einem Hebel auf der einen Seite in den Entfernungen von
-18 _cm_ und 33 _cm_ vom Stützpunkte die Kräfte 9 und 11 _kg_, und auf
-der anderen Seite die Kraft 15 _kg_ in 20 _cm_ Entfernung wirkt, wo muß
-noch die Kraft von 10 _kg_ dazugefügt werden, damit Gleichgewicht
-stattfindet?
-
-#145.# An einer horizontalen Stange von 64 _cm_ Länge, die an einem Ende
-in einem Scharnier drehbar ist, hängt am andern Ende eine Last von 20
-_kg_. Mit welcher Kraft drückt sie auf einen Punkt, der 15 _cm_ vom
-Scharnier entfernt ist, und mit welcher Kraft drückt sie auf das
-Scharnier selbst?
-
-
-241. Resultante von Parallelkräften.
-
-#Parallelkräfte, welche an einer starren Stange angreifen, haben eine
-Resultierende, welche den Parallelkräften parallel, und gleich ihrer
-algebraischen Summe ist.#
-
-[Abbildung: Fig. 312.]
-
-Wirken in zwei starr verbundenen Punkten ~B~ und ~C~ (Fig. 312) zwei
-^parallele^ Kräfte ~P₁~ und ~P₂~, so findet man die Mittelkraft auf
-folgende Art. Man fügt die gleichen und entgegengesetzt wirkenden Kräfte
-~S₁~ in ~B~ und ~S₂~ in ~C~ hinzu, wodurch, da ~S₁~ und ~S₂~ sich
-aufheben, die Wirkung von ~P₁~ und ~P₂~ nicht geändert wird. Man bilde
-aus ~S₁~ und ~P₁~ die Mittelkraft ~R₁~, ebenso ~R₂~ aus ~S₂~ und ~P₂~,
-verlege ihren Angriffspunkt in den Schnittpunkt ~A~ ihrer Richtungen,
-zerlege dort wieder ~R₁~ in ~P₁~ und ~S₁~, ~R₂~ in ~P₂~ und ~S₂~, so
-heben sich ~S₁~ und ~S₂~ auf, ~P₁~ und ~P₂~ geben eine Mittelkraft ~R =
-P₁ + P₂~; ihren Angriffspunkt verlegt man nach ~D~, so ist ~D~ der
-Angriffspunkt der Mittelkraft der zwei Parallelkräfte ~P₁~ und ~P₂~.
-
-Bezeichnet man ~BD~ mit ~x~, ~DC~ mit ~y~, ~DA~ mit ~h~, so ist
-
- ~x : S₁ = h : P₁~; also ~S₁ h = x P₁~; ebenso
- ~y : S₂ = h : P₂; also ~S₂ h = y P₂~; hieraus durch Vergleichung:
- ~x P₁ = y P₂~ oder
- ~P₁ : P₂ = y : x = CD : BD~.
-
-Dies ergibt den Satz: ^Wirken zwei Parallelkräfte an den Endpunkten
-einer starren Strecke, so ist die Mittelkraft parallel den Kräften,
-gleich der Summe der Kräfte, und^ ihr #Angriffspunkt teilt die Strecke
-so, daß sich die Teile verhalten umgekehrt wie die Kräfte#.
-
-Daraus folgt auch: der Angriffspunkt der Mittelkraft der Parallelkräfte
-ist auch der Stützpunkt des Hebels ~BC~ mit den Kräften ~P₁~ und ~P₂~.
-
-[Abbildung: Fig. 313.]
-
-Wirken die Parallelkräfte nicht in gleicher, sondern in
-^entgegengesetzter^ Richtung, so ändert sich die Ableitung wie aus Fig.
-313 ersichtlich ist.
-
-Man fügt wie vorher die gleichen Kräfte ~S₁~ und ~S₂~ hinzu, bildet die
-Mittelkräfte ~R₁~ und ~R₂~, verlegt ihre Angriffspunkte in den
-Schnittpunkt ~A~ ihrer Richtungen, zerlegt sie dort wieder in ihre
-Komponenten, so heben sich ~S₁~ und ~S₂~ auf, während die Komponenten
-~P₁~ und ~P₂~ nun in entgegengesetzten Richtungen wirken, also eine
-^Mittelkraft^ geben gleich ihrer ^Differenz^ ~R = P₁ - P₂~. Die Richtung
-von ~R~ schneidet die Strecke ~BC~ außerhalb der Angriffspunkte der
-Kräfte und zwar auf Seite der größeren Kraft in ~D~. Bezeichnet man
-wieder ~DB~ mit ~x~, ~DC~ mit ~y~, ~DA~ mit ~h~, so ist ebenso
-
- ~x : S₁ = h : P₁~; hieraus ~x P₁ = S₁ h~;
- ~y : S₂ = h : P₂~; hieraus ~y P₂ = S₂ h~; durch Vergleichung:
- ~x P₁ = y P₂~, oder
-
-~P₁ : P₂ = y : x = DC : DB~. Der Angriffspunkt ~D~ der Mittelkraft teilt
-also die Strecke ~BC~ ^äußerlich^ so, daß die Teilstrecken ~DC~ und ~DB~
-sich umgekehrt verhalten wie die Kräfte.
-
-[Abbildung: Fig. 314.]
-
-Gleichgewicht kann hergestellt werden, indem man in ~D~ eine der
-Mittelkraft gleiche und entgegengesetzte Kraft anbringt; doch muß ~D~
-noch starr mit ~B~ und ~C~ verbunden sein.
-
-Sind die zwei Kräfte ~P₁~ und ~P₂~ (Fig. 314) entgegengesetzt gerichtet
-und noch dazu einander gleich und macht man dieselbe Ableitung, so
-ergibt sich, daß die Mittelkräfte ~R₁~ und ~R₂~ parallel gerichtet sind.
-Deshalb ergeben ihre Richtungen keinen Schnittpunkt ~A~, also auch keine
-Mittelkraft. Nennt man „zwei gleiche an zwei starr verbundenen Punkten
-angreifende und in entgegengesetztem Sinn gerichtete Kräfte ein
-#Kräftepaar#“, so hat man den Satz: Ein Kräftepaar hat keine
-Mittelkraft, kann also durch eine einzige Kraft allein nicht aufgehoben
-werden.
-
-Erweiterung der vorigen Sätze: die Resultierende beliebig vieler
-Parallelkräfte ist den Kräften parallel und gleich ihrer algebraischen
-Summe.
-
-Der Angriffspunkt der Mittelkraft muß so liegen, daß das #Drehungsmoment
-der Mittelkraft gleich ist der Summe der Momente der einzelnen Kräfte#,
-und zwar gleichgültig, wo auch der Drehungspunkt der Stange liege.
-
-Ob es möglich ist, einen Angriffspunkt unter diesen Bedingungen zu
-finden, ist nicht von vornherein klar. Wir suchen daher zunächst den
-Angriffspunkt ~J~ der Mittelkraft, indem wir einen bestimmten Punkt ~O~
-als Drehungspunkt annehmen. (Fig. 315.)
-
-[Abbildung: Fig. 315.]
-
-Es seien ~P₁~, ~P₂~, ~P₃~, ~- P₄~ die Kräfte, so ist die Mittelkraft
-
- ~R = P₁ + P₂ + P₃ - P₄~.
-
-Sind ~a₁~, ~a₂~, ~a₃~, ~a₄~ die Entfernungen dieser Kräfte vom
-Drehungspunkte ~O~ und ~OJ = x~ die Entfernung der Mittelkraft von ~O~,
-und soll das Moment der Mittelkraft gleich der Summe der Momente der
-einzelnen Kräfte sein, so muß
-
- ~R · x = a₁ P₁ + a₂ P₂ + a₃ P₃ - a₄ P₄~; hieraus
-
- a₁ P₁ + a₂ P₂ + a₃ P₃ - a₄ P₄
- ~OJ = x = ---------------------------~.
- P₁ + P₂ + P₃ - P₄
-
-Es läßt sich nun zeigen, daß, wenn die Mittelkraft in dem so bestimmten
-Punkte ~J~ angreift, ihr Moment auch gleich ist der Summe der Momente
-der Einzelkräfte in bezug auf einen beliebigen anderen Punkt ~O′~. Denn
-es sei ~OO′ = c~, so ist
-
- ~R x = a₁ P₁ + a₂ P₂ + a₃ P₃ - a₄ P₄~; aber es ist
- ~R c = c P₁ + c P₂ + c P₃ - c P₄~; also durch Addition
- ~R (x + c) = P₁ (a₁ + c) + P₂ (a₂ + c) + P₃ (a₃ + c) - P₄ (a₄ + c)~.
-
-Aber links steht das Moment der Mittelkraft in bezug auf ~O′~, und
-rechts steht die Summe der Momente der einzelnen Kräfte auch in bezug
-auf ~O′~; beide sind gleich.
-
-Der Angriffspunkt ~J~ der Mittelkraft mehrerer Parallelkräfte oder deren
-Schwerpunkt kann demnach auf obige Art gefunden werden, indem man
-zunächst einen beliebigen Punkt ~O~ als Drehpunkt annimmt; die
-Gleichheit der Momente gilt dann von selbst für jeden anderen Punkt
-~O′~.
-
-Rückt man nun den Punkt ~O~ nach ~J~, nimmt man also den Angriffspunkt
-der Mittelkraft als Drehpunkt, so ist in bezug auf ihn das Moment der
-Mittelkraft gleich Null, da die Mittelkraft durch den Punkt selbst geht,
-also keinen Hebelarm, einen Hebelarm = 0 hat. Folglich ist auch die
-Summe der Momente der einzelnen Kräfte in bezug auf ~J~ gleich Null. Das
-bedeutet aber, daß der Hebel in bezug auf ~J~ als Drehpunkt im
-Gleichgewichte ist. Wir schließen also: der Schwerpunkt mehrerer
-paralleler Kräfte ist zugleich Stützpunkt des Hebels und umgekehrt.
-
-
-Aufgaben:
-
-#146.# An den Enden einer Stange von ~a~ = 80 _cm_ Länge wirken die
-Parallelkräfte ~P~ = 56 _kg_ und ~Q~ = 72 _kg_. Wo ist die Stange zu
-stützen?
-
-#147.# Eine Stange von der Länge ~l~ ist an beiden Endpunkten gestützt.
-Wenn sie nun in der Entfernung ~a~ vom einen Ende mit ~Q~ _kg_ belastet
-ist, wie verteilt sich diese Last auf die beiden Stützen? Wo muß die
-Last angebracht werden, damit sich die Belastungen wie 2 : 3, wie ~p :
-q~ verhalten?
-
-#148.# Eine Last von 100 _kg_ soll auf eine horizontale, an beiden Enden
-gestützte Stange von 1,5 _m_ Länge so gelegt werden, daß der eine
-Stützpunkt nur einen Druck von 20 _kg_ erfährt. Wo ist die Last
-anzubringen?
-
-#149.# Ein Balken hat bei 5,2 _m_ Länge 128 ~℔~ Gewicht, die in seiner
-Mitte angreifen, ist an beiden Enden fest aufgelegt und 2,4 _m_ vom
-einen Ende noch mit 280 ~℔~ belastet. Welchen Druck übt er auf jede
-Stütze aus?
-
-#150.# An einem Balken von der Länge ~l~, der an beiden Enden gestützt
-ist, wirken in den Abständen ~a₁~, ~a₂~, ~a₃~, ~a₄~ je vom linken
-Endpunkt aus gerechnet die Gewichte ~P₁~, ~P₂~, ~P₃~, ~P₄~. Welchen
-Druck hat jede Stütze auszuhalten?
-
-#151.# An einem Hebel wirken folgende Kräfte: Am einen Ende 50 _kg_, 20
-_cm_ davon entfernt 60 _kg_, weitere 15 _cm_ davon 125 _kg_, weitere 30
-_cm_ davon 4 _kg_ und weitere 16 _cm_ davon 80 _kg_. Wo muß der Hebel
-gestützt werden, wenn alle Kräfte in derselben Richtung wirken, und wo,
-wenn die 2. und 4. Kraft nach entgegengesetzten Richtungen wirken?
-
-#152.# An einer Stange wirken folgende Parallelkräfte: am einen Ende 40
-_kg_, 12 _cm_ davon 70 _kg_, weitere 20 _cm_ davon 50 _kg_ nach
-aufwärts, weitere 23 _cm_ davon 60 _kg_ nach abwärts und weitere 23 _cm_
-davon 35 _kg_ nach abwärts. Wo und wie stark muß sie gestützt werden?
-
-#153.# Ein Balken von 4,8 _m_ Länge ist an beiden Enden unterstützt. Er
-ist in mehreren Punkten belastet, und zwar 0,6 _m_, 1,4 _m_, 2,2 _m_, 3
-_m_ je vom linken Endpunkt mit 120 _kg_, 250 _kg_, 75 _kg_, 140 _kg_. An
-welchem Punkte dürfen diese Belastungen vereinigt werden, wenn der
-Druck auf die Stützen sich nicht ändern soll?
-
-#154.# Ein an beiden Enden unterstützter Balken von 3,6 _m_ Länge ist
-1,2 _m_ vom linken Ende schon mit 100 _kg_ belastet. Wo muß eine weitere
-Last von 150 _kg_ angebracht werden, damit die Belastungen der beiden
-Stützen gleich werden?
-
-
-242. Starres System.
-
-Wenn auf einen festen Körper eine Kraft wirkt, so bewegt er sich wegen
-der gegenseitigen Anziehung der Moleküle so, daß all seine Teile in
-Bewegung kommen. Man nennt deshalb einen festen Körper ein #starres
-System materieller Punkte#. Diese Bezeichnung gilt auch für einen festen
-Körper, der aus mehreren Teilen so zusammengesetzt ist, daß die
-gegenseitige Lage der Teile durch äußere Kräfte nicht geändert wird. Man
-sieht dabei ab von den unausbleiblichen kleinen Änderungen, Biegungen,
-Verkürzungen und ähnlichem.
-
-Die Erfahrung lehrt: #die Wirkung einer Kraft auf ein starres System
-ändert sich nicht, wenn man den Angriffspunkt der Kraft in der Richtung
-der Kraft an einen andern Punkt des Systems verlegt#.
-
-Wir betrachten ein ^ebenes^ starres System und lassen an ihm beliebige
-Kräfte wirken, deren Richtungen alle in der Ebene des Systems selbst
-liegen. Wir suchen die Resultierende.
-
-Wir ziehen in der Ebene eine beliebige Gerade, verlegen den
-Angriffspunkt jeder Kraft in diese Gerade, und haben somit eine starre
-Gerade, an welcher an verschiedenen Punkten Kräfte ~P₁~, ~P₂~, ~P₃~
-. . . . . . unter verschiedenen Winkeln ~α₁~, ~α₂~, ~α₃~, . . . . . .
-wirken. Dabei seien alle Winkel in demselben Sinne gemessen, etwa nach
-rechts und abwärts bis 180°, und nach rechts und aufwärts auch bis 180°,
-letztere jedoch als negativ betrachtet.
-
-Wir zerlegen jede Kraft in zwei Komponenten, von denen die eine (~x~) in
-der Richtung der Geraden, die andere (~y~) senkrecht dazu wirkt. Dann
-ist
-
- ~x₁ = P₁ cos α₁~; ~x₂ = P₂ cos α₂~; . . . . . . ~xₙ = Pₙ cos αₙ~.
- ~y₁ = P₁ sin α₁~; ~y₂ = P₂ sin α₂~; . . . . . . ~yₙ = Pₙ sin αₙ~.
-
-Man vereinigt die ~x₁~, ~x₂~ . . . . . . zu einer Resultierenden
-
- ~X = x₁ + x₂ + x₃ + . . . . . . xₙ~; ebenso
- ~Y = y₁ + y₂ + y₃ + . . . . . . yₙ~.
-
-Man bestimmt ferner den Angriffspunkt ~O~ von ~Y~ als den Angriffspunkt
-der Resultierenden von Parallelkräften, so wirken in ~O~ die zwei Kräfte
-~Y~ und ~X~. Man bildet die Resultierende ~R = √(X₂ + Y₂)~ und die
-Richtung derselben
-
- Y
- ~tang ω = -~.
- X
-
-Man weiß dann, daß an einem beliebigen Punkt dieser Richtung die
-Resultierende ~R~ eben in dieser Richtung wirkt.
-
-Ist das starre ebene System dabei in einem Punkte ~C~ drehbar befestigt,
-so findet man das Moment der Resultierenden in bezug auf diesen
-Drehpunkt, indem man von ~C~ auf die Richtung von ~R~ eine Senkrechte
-fällt, und diesen Abstand als Hebelarm mit ~R~ multipliziert.
-
-Soll bloß das Moment der Resultierenden in bezug auf einen gegebenen
-Drehpunkt ~C~ gefunden werden, so fällt man von ~C~ auf jede
-Kraftrichtung eine Senkrechte, ~a₁~, ~a₂~, ~a₃~ . . . . .; dann ist das
-Moment der Resultierenden gleich der algebraischen Summe der Momente der
-einzelnen Kräfte. ~M = P₁ a₁ + P₂ a₂ = P₃ a₃ +~ . . . . .
-
-Da das Starrsein eines Systems nur durch die gegenseitige Anziehung der
-Moleküle bedingt ist, so hört ein System auf, starr zu sein, wenn die
-Kraft zu heftig auf den Körper wirkt, wie bei einem starken Stoß, Ruck
-und Schlag. Es werden dann die getroffenen Teile aus dem Verband des
-starren Systems losgerissen. Man sagt, ^eine dem festen Körper
-mitzuteilende Bewegung bedarf hiezu einer gewissen Zeit^. Beispiele:
-Durch Druck kann man ein Brett umwerfen, eine abgeschossene Flintenkugel
-schlägt ein Loch durch. Eine Münze auf einem Kartenblatt folgt einer
-langsamen Bewegung desselben, einer raschen nicht. Ein an zwei schwachen
-Fäden horizontal aufgehängter Stab wird durch raschen Schlag zerbrochen,
-ohne daß die Fäden reißen. Langsame oder wuchtige Schläge treiben den
-Pfahl in den Boden; heftige Hammerschläge zersplittern ihn oben.
-
-
-Aufgaben:
-
-#155.# Ein horizontaler Balken ~AB~ ruht in ~A~ in der Wand; in ~B~ ist
-eine unter 30° geneigte Zugstange ~BC~ angebracht, welche in ~C~ in der
-Mauer befestigt ist. Welchen Zug hat die Zugstange auszuhalten, wenn der
-Balken 2,8 _m_ lang, 70 _kg_ schwer und 1 _m_ von ~B~ entfernt noch mit
-240 _kg_ belastet ist?
-
-#156.# Ein horizontaler Balken ~AB~ ist in ~A~ mit der Mauer
-verklammert, und in ~B~ durch eine unter 15° geneigte Stütze ~BC~ gegen
-die Mauer in ~C~ gestützt. Welchen Druck hat die Stütze auszuhalten,
-wenn ~AB~ 3 _m_ lang, 120 _kg_ schwer, in ~B~ mit 100 _kg_ und 1 _m_ vor
-~B~ noch mit 150 _kg_ belastet ist?
-
-
-243. Bestimmung des Schwerpunktes.
-
-#Schwerpunkt ist der Angriffspunkt der Resultierenden all der kleinen
-Schwerkräfte, die auf die einzelnen Teilchen des Körpers wirken.#
-
-[Abbildung: Fig. 317.]
-
-
-Schwerpunkt einer geraden Linie.
-
-Eine physikalische Linie ist ein der Länge nach ausgedehnter Körper, der
-so dünn ist, daß man von seiner Breite und Dicke absehen kann
-(Molekülreihe). Ist eine starre #gerade Linie# überall gleich schwer, so
-liegt der #Schwerpunkt in der Mitte#; denn von diesem Punkte aus nach
-rechts und links liegen in je gleichen Entfernungen gleich schwere
-Massenteilchen. Ein steifen, dünner, gerader Draht bietet annähernd ein
-Beispiel dafür.
-
-
-Schwerpunkt des Rechtecks.
-
-[Abbildung: Fig. 318.]
-
-Eine physikalische Fläche ist ein der Länge und Breite nach ausgedehnter
-Körper, der so dünn ist, daß man von seiner Dicke absehen kann
-(Molekülschichte).
-
-Denkt man sich das Rechteck parallel einer Seite in ungemein viele, sehr
-schmale und gleich schmale Streifen zerschnitten, so daß jeder Streifen
-etwa bloß eine Molekülreihe enthält, so liegt der Schwerpunkt jedes
-solchen Streifens in seiner Mitte; diese Schwerpunkte erfüllen als
-geometrischen Ort eine Linie, welche, wie aus geometrischen Gründen
-leicht ersichtlich ist, die gerade Verbindungslinie der Mitten der zwei
-Gegenseiten ist; auch liegen die Schwerpunkte auf dieser Linie gleich
-weit von einander entfernt, weil die Streifen gleich breit sind. Denkt
-man sich nun das Gewicht jedes Streifens in seinem Schwerpunkte
-angebracht, so sind diese Gewichte gleich groß, weil die Streifen gleich
-lang und breit sind und aus gleicher Masse bestehen. ^Wir haben also auf
-der Schwerlinie in Punkten von gleichen Entfernungen gleich große
-Kräfte; die Resultierende^ geht durch die ^Mitte der Schwerlinie^, und
-dort liegt der ^Schwerpunkt des Rechtecks^. Aus geometrischen Gründen
-ist ersichtlich, daß dieser #Schwerpunkt im Schnittpunkte der
-Diagonalen# liegt und so am leichtesten gefunden werden kann. Ähnliche
-Ableitung und gleiches Resultat gilt über den Schwerpunkt des
-Parallelogramms, Rhombus und Quadrates.
-
-
-Schwerpunkt des Dreiecks.
-
-[Abbildung: Fig. 319.]
-
-Man zerlegt das Dreieck, ähnlich wie das Rechteck, in Streifen, die
-einer Seite parallel sind; ihre Schwerpunkte liegen in ihren Mitten und
-erfüllen, wie aus geometrischen Gründen ersichtlich ist, eine gerade
-Linie, welche die Mitte der Dreiecksseite mit der Spitze verbindet, also
-die ^Seitenhalbierungslinie^. Denkt man sich nun wieder das Gewicht
-jedes einzelnen Streifens in seinem Schwerpunkte vereinigt, so hat man
-auf der Schwerlinie auch wieder Punkte von gleicher Entfernung; aber in
-ihnen wirken nicht gleiche Kräfte, weil die Streifen nicht gleich lang
-sind, sondern gegen die Spitze zu immer kürzer werden. Der Angriffspunkt
-der Resultierenden liegt also wohl auf, aber nicht in der Mitte dieser
-Linie.
-
-Zerlegt man aber das Dreieck parallel einer anderen Seite in Streifen,
-so findet man die zweite Seitenhalbierungslinie als eine Schwerlinie.
-^Der Schwerpunkt liegt im Schnittpunkt beider Schwerlinien^. Der
-Schwerpunkt des Dreiecks liegt also im Schnittpunkte der
-Seitenhalbierungslinien, von welchem geometrisch bekannt ist, daß er #im
-ersten Drittel jeder Seitenhalbierungslinie# liegt.
-
-
-Schwerpunkt von Vielecken.
-
-[Abbildung: Fig. 320.]
-
-Man teilt das Viereck ~ABCD~ durch die Diagonale ~AC~ in zwei Dreiecke,
-bestimmt deren Schwerpunkte ~s~ und ~s′~, denkt sich das Gewicht jedes
-Dreiecks in seinem Schwerpunkte vereinigt und schließt, daß der
-Angriffspunkt der Resultierenden beider Gewichte, also der Schwerpunkt,
-auf der Geraden ~ss′~ selbst liegen muß; ~ss′~ ^ist also Schwerlinie des
-Vierecks^. Man teilt das Viereck durch die Diagonale ~BD~ in zwei andere
-Dreiecke, bestimmt deren Schwerpunkte ~s₁~ und ~s₁′~ und schließt, daß
-auch die Gerade ~s₁s₁′~ ^eine Schwerlinie des Vierecks ist^; daraus
-folgt dann, daß der ^Schwerpunkt^ ~S~ ^im Schnittpunkte^ von ~ss′~ und
-~s₁s₁′~ liegt. (Welche besondere Lage haben die Geraden ~ss′~ und
-~s₁s₁′~?)
-
-Der Schwerpunkt des Fünfecks wird ähnlich gefunden, indem man es durch
-eine Diagonale in ein Dreieck und ein Viereck zerlegt und von jedem den
-Schwerpunkt sucht; die Verbindungslinie der Schwerpunkte ist dann eine
-Schwerlinie. Zerlegt man das Fünfeck durch eine andere Diagonale und
-verfährt ebenso, so erhält man noch eine Schwerlinie; der Schnittpunkt
-beider ist der Schwerpunkt. Ähnlich kann man bei einem Sechseck,
-Siebeneck u. s. w. verfahren, doch wird das Verfahren bald unleidlich
-langwierig.
-
-
-244. Schwerpunkt einfach zusammengesetzter Flächen.
-
-Ist eine ebene Figur aus einfachen Stücken zusammengesetzt, so kann man
-den Schwerpunkt auf folgende Art berechnen. Man berechnet das ^Gewicht
-jedes Flächenstückes^, wobei man, wenn alle Stücke aus demselben Stoffe
-bestehen, die Flächenzahl als Gewichtszahl benützen, also etwa setzen
-kann: Rechteck = 12 · 48 = 576 _g_.
-
-[Abbildung: Fig. 321.]
-
-Man denkt sich diese Gewichte in den zugehörigen Schwerpunkten
-angebracht und läßt sie, indem man ihre Angriffspunkte in den Richtungen
-der Kräfte verlegt, auf eine gerade Linie z. B. auf die untere
-Grenzlinie wirken. Die Resultierende ist in unserer Figur = 576 + 416 +
-400 = 1392. Nimmt man etwa den linken Endpunkt als Drehpunkt an und
-setzt die Entfernung des Angriffspunktes der Resultierenden vom linken
-Endpunkt = ~x~, so hat man die Momentengleichung: 576 · 6 + 416 · 25 +
-400 · 43 = 1392 · ~x~; ~x~ = 22,3.
-
-Eine in dieser Entfernung gezogene Parallele kann man als Schwerlinie
-~I~ ansehen.
-
-Nun denkt man sich die Schwerkraft nach einer anderen Richtung wirkend,
-etwa nach links und erhält die Momentengleichung:
-
- 400 · 20 + 576 · 24 + 416 · 32 = 1392 · ~y~; ~y~ = 25,2.
-
-In der Entfernung ~y~ = 25,2 liegt die Schwerlinie ~II~. Im Schnittpunkt
-beider Schwerlinien liegt der Schwerpunkt ~S~ der Figur.
-
-
-Aufgaben:
-
-#157.# Zeichne ein beliebiges Fünfeck (Sechseck) und bestimme dessen
-Schwerpunkt ähnlich wie in Figur 320 Seite 351.
-
-#158.# Auf die Seite eines rechtwinkligen Dreiecks von den Katheten 6
-und 8 _cm_ (5 und 9 _cm_) sind nach außen gerichtete Rechtecke von je 5
-_cm_ Höhe aufgesetzt. Berechne den Schwerpunkt der ganzen Figur.
-
-#159.# Von einem Trapez sind gegeben die beiden Parallelen ~a~ und ~b~
-und ihr Abstand ~h~. Zeige, daß der Schwerpunkt von ~a~ aus den Abstand
-
- h a + 2 b h b + 2 a
- ~x = - · -------~, von ~b~ aus ~y = - · -------~ hat.
- 3 a + b 3 b + a
-
-#160.# An ein Rechteck von den Seiten 7 _cm_ und 30 _cm_ sind an den
-langen Seiten als Grundlinien gleichschenklige Dreiecke von 42 _cm_ und
-12 _cm_ Höhe angesetzt. Berechne die Lage des Schwerpunktes.
-
-#161.# Suche den Schwerpunkt einer beliebigen krummlinig begrenzten
-Figur durch Zerlegung derselben in sehr schmale Parallelstreifen.
-
-
-245. Schwerpunkt der Körper.
-
-
-Schwerpunkt des Prismas.
-
-Man denke sich das Prisma parallel zur Grundfläche in sehr viele, sehr
-dünne Schichten von gleicher Dicke zerschnitten, so daß jede Schichte
-etwa bloß eine Molekülschichte enthält, also jede Schichte anzusehen ist
-als eine Fläche; die Schwerpunkte derselben erfüllen als geometrischen
-Ort eine gerade Linie, welche die Schwerpunkte der Grund- und Deckfläche
-verbindet, ^Schwerachse^. Denkt man sich das Gewicht jeder Schichte in
-ihrem Schwerpunkte vereinigt, so hat man auf dieser Linie Punkte, die
-gleich weit voneinander entfernt sind, und an denen gleiche Kräfte
-wirken; die Resultierende dieser Kräfte geht demnach durch die Mitte
-dieser Linie. #Der Schwerpunkt des Prismas liegt in der Mitte der
-Verbindungslinie der Schwerpunkte der beiden Gegenflächen des Prismas,
-also in der Mitte der Schwerachse.#
-
-
-Schwerpunkt der Pyramide.
-
-[Abbildung: Fig. 322.]
-
-Ist die Pyramide dreiseitig, so zerlegt man sie parallel der Basis,
-ähnlich wie beim Prisma in Schichten, sucht deren Schwerpunkte und
-findet aus geometrischen Gründen, daß sie als geometrischen Ort die
-Gerade erfüllen, welche den Schwerpunkt der Grundfläche mit der Spitze
-verbindet. Diese Gerade ist deshalb eine Schwerlinie der Pyramide. Man
-zerlegt die Pyramide parallel einer Seitenfläche in Schichten, sucht die
-Schwerpunkte und findet ebenso als Ort derselben die Gerade, welche den
-Schwerpunkt dieser Seitenfläche mit der gegenüberliegenden Ecke
-verbindet, also eine zweite Schwerlinie. Beide Schwerlinien schneiden
-sich, und ihr Schnittpunkt ist der Schwerpunkt der Pyramide. Man beweist
-geometrisch, daß dieser Schwerpunkt im ersten Viertel der Schwerlinie,
-von der Fläche aus gerechnet, liegt.
-
-Den Schwerpunkt der mehrseitigen Pyramiden findet man, indem man den
-Schwerpunkt der Grundfläche mit der Spitze verbindet und auf dieser
-Schwerlinie das erste Viertel von der Basis aus nimmt.
-
-Ebenso findet man den Schwerpunkt eines Kegels.
-
-
-246. Schwerpunkt zusammengesetzter Körper.
-
-Ist ein Körper in Prismen und Pyramiden zerlegbar, so verfährt man
-ähnlich, wie bei den aus Drei- und Vierecken bestehenden Flächen. Man
-berechnet die Gewichte der einzelnen Teile und bringt diese Gewichte als
-Kräfte in den Schwerpunkten der einzelnen Körperteile an. Wirken nun
-diese Kräfte auf eine Ebene, die zu ihrer Richtung senkrecht steht, so
-kann man den Angriffspunkt der Resultierenden auf dieser Ebene suchen,
-ähnlich wie man den Schwerpunkt einer Fläche sucht. Zieht man durch
-diesen Angriffspunkt eine Parallele zur Richtung der Kräfte, so ist dies
-eine Schwerlinie. Denkt man sich nun die Schwerkraft noch in einer
-anderen Richtung wirkend, etwa senkrecht zu dieser Schwerlinie, und so
-die Gewichte der einzelnen Teile auf dieser Schwerlinie angreifend, so
-kann man auch hier den Angriffspunkt der Resultierenden suchen; dieser
-ist dann der Schwerpunkt.
-
-[Abbildung: Fig. 323.]
-
-Wesentlich erleichtert wird eine solche Berechnung, wenn der Körper
-symmetrisch ist in bezug auf eine Ebene oder eine Gerade, weil sein
-Schwerpunkt in dieser Ebene oder Geraden liegt.
-
-Auch vereinfacht sich die Berechnung, wenn die Schwerpunkte aller Teile
-in einer Ebene oder in einer Geraden liegen.
-
-Lehrreich ist noch folgender Versuch: Wenn ein Körper etwa von der Form
-~ABC~ (Fig. 323) zwei in ~A~ und ~C~ fest verbundene nach abwärts
-führende Stangen hat, die an ihren Enden die Gewichte ~P~ und ~P~
-tragen, so kann er recht gut auf einer Spitze stabil balanzieren, wenn
-der Schwerpunkt ~s~ des ganzen festen Systems vertikal unter dem
-Stützpunkt liegt. Entfernt man aber die Stangen in ~A~ und ~C~ und
-ersetzt sie durch Schnüre, welche die Gewichte ~P~ und ~P~ tragen, so
-fällt der Körper sofort um, denn der Schwerpunkt ~s′~ liegt nun oberhalb
-des Stützpunktes. Die Gewichte ~P~ und ~P~ wirken nämlich jetzt so, wie
-wenn sie in ~A~ und ~C~ selbst lägen, wie wenn in ~A~ und ~C~ schwere
-Punkte von den Gewichten ~P~ und ~P~ wären, und nur mit diesen
-Angriffspunkten beteiligen sie sich an der Bildung des Schwerpunktes.
-Man sieht daraus: eine an einem festen System hängende schwere Masse
-beteiligt sich an der Bildung des Schwerpunktes so, wie wenn sie in
-ihrem Angriffspunkte vereinigt wäre.
-
-
-247. Zusammengesetzter Hebel.
-
-Da der Hebel dazu dient, um mittels einer kleinen Kraft eine große Last
-zu heben, liefert er einen ^Kraftgewinn^, z. B. vierfachen Kraftgewinn,
-wenn die Kraft 4 mal kleiner ist, als die Last. #Kraftgewinn ist das
-Verhältnis von Last zu Kraft, wird also beim Hebel gemessen durch das
-(umgekehrte) Verhältnis der Hebelarme.# Ein Hebel, dessen einer Arm 5
-mal so lang ist wie der andere, liefert also 5 fachen Kraftgewinn.
-
-In der Anwendung kann man nun nicht gut einen Hebel von beträchtlich
-großem oder beliebig großem Kraftgewinne machen; denn schon um etwa
-einen 1000 fachen Kraftgewinn zu erzielen, müßten die Hebelarme 1 _mm_
-und 1 _m_, oder 1 _cm_ und 10 _m_ sein, was beides praktisch nicht wohl
-gemacht werden kann. Dagegen ist ein Hebel von 10 fachem Kraftgewinne
-etwa mit den Hebelarmen von 10 _cm_ und 100 _cm_ noch ein handliches
-Instrument.
-
-Für größeren Kraftgewinn dient der ^zusammengesetzte Hebel^; er besteht
-aus mehreren Hebeln, die so angebracht sind daß immer das Ende des
-einen Hebels auf den Anfang des folgenden drückt. Es bleibt der Anfang
-des ersten und das Ende des letzten frei, und an diesen wirken Kraft und
-Last.
-
-[Abbildung: Fig. 324.]
-
-Haben wir etwa einen dreifach zusammengesetzten Hebel (Fig. 324), und es
-wirkt an ~a~ die Last ~Q~, so muß an ~b~ die Kraft ~P′~ wirken, so daß:
-
- 1) ~Q : P′ = b : a~.
-
-Wird die Kraft ~P′~ nicht wirklich angebracht, so wirkt sie als Last an
-~a′~; also muß an ~b′~ die Kraft ~P′′~ wirken, so daß:
-
- 2) ~P′ : P′′ = b′ : a′~.
-
-Wird die Kraft ~P′′~ nicht wirklich angebracht, so wirkt sie als Last in
-~a′′~; also muß an ~b′′~ die Kraft ~P~ wirken, so daß:
-
- 3) ~P′′ : P = b′′ : a′′~.
-
-Wenn ~Q~ und die Hebelarme bekannt sind, so kann ich aus diesen drei
-Gleichungen nacheinander die unbekannten ~P′~, ~P′′~, ~P~ berechnen;
-wenn nur ~P~ gefunden werden soll, so kann man durch Multiplikation der
-drei Gleichungen sofort erhalten:
-
- ~Q : P = b b′ b′′ : a a′ a′′~.
-
-Nennen wir die der Kraft ~P~ zugewendeten Hebelarme ~b~, ~b′~, ~b′′~ die
-Kraftarme, die anderen die Lastarme, so heißt dieser Satz: #Der
-zusammengesetzte Hebel ist im Gleichgewichte, wenn sich die Last zur
-Kraft verhält wie das Produkt aller Kraftarme zum Produkt aller
-Lastarme#; oder wenn:
-
-~Q · a a′ a′′ = P · b b′ b′′~, d. h. ^wenn die Last mal allen Lastarmen
-gleich ist der Kraft mal allen Kraftarmen^. Das Gesetz gilt ebenso, wenn
-man eine andere Anzahl als drei Hebel nimmt. Der Kraftgewinn
-
- Q
- ~-~
- P
-
-ist aus obiger Gleichung:
-
- Q b b′ b′′ b b′ b′′
- ~- = -------- = - · -- · ---~;
- P a a′ a′′ a a′ a′′
-
-aber
-
- b
- ~-~
- a
-
-ist der Kraftgewinn des ersten Hebels,
-
- b′
- ~--~
- a′~
-
-der des zweiten,
-
- b′′
- ~---~
- a′′
-
-der des dritten; also #der Kraftgewinn des zusammengesetzten Hebels ist
-gleich dem Produkte der Kraftgewinne der einzelnen Hebel#. Man kann
-einen tausendfachen Kraftgewinn erzielen, wenn man drei Hebel
-zusammensetzt, deren jeder einen zehnfachen Kraftgewinn hat; ^man kann
-also großen Kraftgewinn erzielen, ohne daß die einzelnen Hebel
-unpraktische Verhältnisse bekommen^.
-
-Man macht von dem zusammengesetzten Hebel auch eine wichtige Anwendung,
-^um eine kleine, kaum sichtbare, nicht meßbare Bewegung in eine größere,
-deutlich sichtbare, gut meßbare zu verwandeln^; denn auch die Wege,
-welche ~Q~ und ~P~ beim Drehen zurücklegen, verhalten sich wie: ~a a′
-a′′ : b b′ b′′~. Wenn also das Ende von ~a~ nur eine ganz kleine
-Bewegung macht, so macht das von ~b′′~ eine viel größere. Eine solche
-Vorrichtung nennt man dann #Fühlhebel#, wie beim Aneroidbarometer und
-beim Muschenbrookschen Apparat.
-
-[Abbildung: Fig. 325.]
-
-Wir betrachten die Arbeiten, welche die zwei an einem Hebel angreifenden
-Kräfte verrichten. Da die Kräfte sich verhalten umgekehrt wie die
-Hebelarme
-
- ~P : Q = b : a~
-
-und die Kraftwege sich verhalten gerade so wie die Hebelarme
-
- (Weg ~P~) : (Weg ~Q~) = ~a : b~,
-
-so folgt durch Multiplikation beider Proportionen:
-
- ~P~ · (Weg ~P~) = ~Q~ · (Weg ~Q~).
-
-Da aber Kraft mal Weg das Maß der Arbeit ist, so heißt das: #die Arbeit
-der Kraft ist gleich der Arbeit der Last#.
-
-Da beim zusammengesetzten Hebel ebenso ist:
-
- ~P : Q = a · a′ · a′′ : b · b′ · b′′~ (Fig. 324)
-
-und die Kraftwege sich verhalten, wie die Produkte der Hebelarme
-
- (Weg ~P~) : (Weg ~Q~) = ~b · b′ · b′′ : a · a′ · a′′~,
-
-so folgt durch die Multiplikation beider Proportionen
-
-~P~ · (Weg ~P~) = ~Q~ · (Weg ~Q~), d. h. #auch beim zusammengesetzten
-Hebel ist die Arbeit der Kraft gleich der Arbeit der Last#.
-
-Dieser Satz von der ^Gleichheit der Arbeit^ findet sich bei allen
-Maschinen bestätigt, ^Gesetz der Maschinen^; es ist derselbe Satz, den
-wir früher die ^goldene Regel der Mechanik^ genannt haben.
-
-
-Aufgabe:
-
-#162.# Bei einem dreifach zusammengesetzten Hebel gibt der erste Hebel
-einen 5 fachen, der zweite einen 6 fachen, der dritte einen 2½ fachen
-Kraftgewinn. Welche Last kann durch eine Kraft von 12 _kg_ gehoben
-werden?
-
-
-248. Das zusammengesetzte Räderwerk.
-
-Wie beim einfachen Hebel ist auch beim Wellrad der Kraftgewinn in der
-Anwendung meist nur bescheiden, 2 bis 5 fach, da man weder die Kurbel
-zu lang, noch die Welle zu dünn machen darf. Für größeren Kraftgewinn
-benützt man das #zusammengesetzte Räderwerk#, das nach Einrichtung und
-Wirksamkeit mit dem zusammengesetzten Hebel verwandt ist.
-
-[Abbildung: Fig. 326.]
-
-Dreifach zusammengesetztes Räderwerk (Fig. 326): das erste Wellrad
-besteht aus der Welle (~r~), an der die Last ~Q~ angreift (etwa an einem
-Seil hängend, #Seiltrommel#), und einem Rade (~R~); #dies Rad ist
-gezahnt#. Das zweite Wellrad besteht aus einer #gezahnten Welle# (~r′~),
-deren Zähne in die des ersten Rades (~R~) eingreifen und einem
-#gezahnten Rade# (~R′~). Das dritte Wellrad besteht aus der #gezahnten
-Welle# (~r′′~), deren Zähne in die des Rades (~R′~) eingreifen, und der
-#Kurbel# ~R′′~, an der die Kraft ~P~ wirkt. Wir können das
-zusammengesetzte Räderwerk als zusammengesetzten Hebel betrachten. Die
-Mittelpunkte der Wellräder sind die Drehpunkte, die Radien der Wellen
-(~r~, ~r′~, ~r′′~) sind die Lastarme, die Radien der Räder (~R~, ~R′~
-und die Kurbel ~R′′~) sind die Kraftarme der Hebel, zwei Zähne, die sich
-eben berühren, sind die Enden der Hebel, die aufeinander drücken. Nach
-dem Gesetz vom zusammengesetzten Hebel folgt:
-
-Das zusammengesetzte Räderwerk ist im Gleichgewichte, wenn ~P : Q = r r′
-r′′ : R R′ R′′~; der Kraftgewinn ist
-
- Q R R′ R′′
- ~- = --------~.
- P r r′ r′′
-
-Diesen Ausdruck für den Kraftgewinn kann man in bequemere Form bringen;
-es ist:
-
- Q R R′ R′′ 2 R π · 2 R′ π · R′′ U U′ R′′
- ~- = -------- = -------------------- = --------~
- P r r′ r′′ r · 2 r′ π · 2 r′′ π r u′ u′′
-
-wobei mit ~U~, ~U′~, ~u′~, ~u′′~ die Umfänge der entsprechenden Räder
-und gezahnten Wellen bezeichnet sind. Greift man aus diesem Bruche das
-Verhältnis ~U : u′~ heraus, so sind auf ~U~ und ~u′~ Zähne, welche
-ineinander greifen sollen, also gleich weit voneinander abstehen
-müssen; folglich müssen sich ^ihre Zahnzahlen^ ~Z~ ^und^ ~z′~ ^wie die
-Umfänge verhalten^, also
-
- U Z U′ Z′
- ~-- = --~; ebenso ~--- = ---~;
- u′ z′ u′′ z′′
-
-beides oben eingesetzt gibt:
-
- Q Z Z′ R′′
- ~- = --------~.
- P r z′ z′′
-
-Diese Form für den Kraftgewinn entspricht der zuerst aufgestellten, nur
-sind statt der Radien derjenigen Räder und Wellen, die gezahnt sind, die
-Zahnzahlen eingesetzt. Es ist dadurch an einer fertigen Maschine leicht,
-den Kraftgewinn zu bestimmen. Eine gezahnte Welle wird auch ^Trieb^
-genannt, und zwar Vierertrieb, Sechser-, Achter-, Zwölfertrieb u. s. w.,
-wenn sie 4, 6, 8, 12, . . . Zähne hat.
-
-
-249. Anwendungen der zusammengesetzten Räderwerke.
-
-[Abbildung: Fig. 327 ~a~.]
-
-[Abbildung: Fig. 327 ~b~.]
-
-#Die Aufzugswinde#, wie sie bei Bauten, Magazinen u. s. w. zur Anwendung
-kommt, ist gewöhnlich zweifach zusammengesetzt: Das erste Wellrad
-besteht aus ^Seiltrommel^ und Zahnrad; der Kraftgewinn ist gering, zwei-
-bis dreifach, weil die Seiltrommel ziemlich dick sein muß. Das zweite
-Wellrad besteht aus Trieb und Kurbel oder Doppelkurbel; Kraftgewinn
-fünf- bis zehnfach; also Kraftgewinn der Maschine zehn- bis dreißigfach.
-#Der Kran#, eine größere Aufzugsmaschine, ist meist dreifach
-zusammengesetzt und wird bei großen Bauten, sowie beim Ein- und Ausladen
-der Schiffe verwendet. Seine Einrichtung ist meist wie die schon
-beschriebene dreifach zusammengesetzte Maschine; der Kraftgewinn beim
-ersten Wellrad ist etwa 2-3 fach, beim zweiten 6-10 fach, beim dritten
-4-8 fach, also im ganzen 48-240 fach.
-
-Das Seil läuft hiebei von der Seiltrommel nicht direkt nach abwärts,
-sondern ist über ein schräg aufwärts führendes Gerüst gelegt, auf Rollen
-laufend, und hängt dann nach abwärts. Die ganze Maschine ist auf einer
-starken, scheibenförmigen Unterlage befestigt; diese Unterlage ruht mit
-drei Rädern auf einer kreisförmigen Eisenschiene, so daß damit der ganze
-Kran gedreht werden kann. Dies ist bequem bei Bauten, da die schweren
-Quadersteine sogleich auf die Stelle der Mauer niedergelassen werden
-können, auf welche sie zu liegen kommen sollen, ferner beim Verladen der
-Waren auf Schiffe und Eisenbahnwagen.
-
-[Abbildung: Fig. 328.]
-
-[Abbildung: Fig. 329.]
-
-#Die Fuhrmannswinde.# Aus einem starken Eichenholzkasten ragt eine
-Stange heraus, die oben mit Eisenzacken versehen ist. Die Stange ist
-gezahnt und soll durch ein Triebwerk gehoben werden. In die Zähne
-derselben greifen die Zähne eines Triebes (meist Vierertrieb); auf
-dessen Achse sitzt ein Zahnrad; beide stellen das erste Wellrad vor mit
-4-6 fachem Kraftgewinn. In die Zähne des Rades greifen die Zähne eines
-Triebes (meist Vierertrieb), der durch eine Kurbel gedreht wird; sein
-Kraftgewinn ist 6-10 fach, also ist er im ganzen 24-60 fach.
-
-
-Aufgaben:
-
-#163.# Bei einer Aufzugswinde hat der Durchmesser der Seiltrommel 32
-_cm_, das Zahnrad hat 90 Zähne, der Trieb 8 Zähne und die Kurbel hat
-eine Länge von 46 _cm_. Wie groß ist der Kraftgewinn? Welche Kraft
-braucht man, um eine Last von 4¼ Ztr. zu heben, wenn für Reibung ¹/₅
-dazu zu rechnen ist? Welche Arbeit leistet man, wenn man die Last 12
-_m_ hoch hebt und wie oft ist hiezu die Kurbel zu drehen?
-
-#164.# Wie viel Ziegelsteine à 1⁷/₈ _kg_ Gewicht kann ein Pferd mittels
-eines Flaschenzuges von je 3 Rollen auf einmal emporziehen, wenn seine
-Zugkraft 60 _kg_ beträgt und ¼ für Reibung verloren geht?
-
-#165.# An einem Kranen drehen 4 Männer mit je 12 _kg_ Kraft an Kurbeln
-von 42 _cm_ Länge; die zwei Triebe haben 8 bezw. 12 Zähne, die zwei
-Zahnräder haben 144 bezw. 150 Zähne; die Seiltrommel hat 35 _cm_
-Durchmesser; die Last hängt zudem an einer losen Rolle und für Reibung
-geht etwa ¹/₆ verloren. Wie groß darf die Last sein?
-
-
-250. Die Uhr.
-
-Die Uhr ist ein Mechanismus, der in beständige und gleichmäßige Bewegung
-gesetzt werden soll; sie braucht dazu zunächst eine ^Kraft^, welche,
-wenn die Uhr sonst keine Arbeit leisten soll, die Reibung überwindet.
-Diese Kraft wird hervorgebracht entweder durch ein ^Gewicht^, das an
-einer Schnur oder Kette hängt, die um eine Welle gewickelt ist
-(Gewichtsuhr), oder durch eine ^Spiralfeder^, die mit dem inneren Ende
-festgemacht ist, mit dem äußeren am Umfange einer Welle angreift und,
-wenn sie gespannt, aufgezogen ist, diese Welle zu drehen sucht
-(Federuhr).
-
-Die durch die treibende Kraft hervorgebrachte Bewegung soll ^vielmal
-größer^ gemacht werden; dies geschieht durch ein mehrfach
-zusammengesetztes Räderwerk, ^das Triebwerk^: mit der Welle ist ein
-Zahnrad verbunden; dies greift in den Trieb des zweiten Wellrades; das
-Rad desselben ist auch gezahnt, und so geht es fort, so daß im ganzen
-4-7 Achsen verwendet sind, jede mit Trieb und Zahnrad versehen; das
-letzte Rad macht deshalb eine viel größere Bewegung und würde, wenn es
-durch nichts gehindert wäre, sehr rasch laufen. Die Bewegung des letzten
-Rades wird nun langsamer gemacht durch die ^Hemmung^ (~Echappement~).
-
-Das letzte Rad ist ein ^Steigrad^ mit schräg geschnittenen Zähnen. In
-diese greift ein ^Anker^ ein mit zwei keilförmigen Zacken. Wenn sich nun
-das Steigrad zu drehen sucht, so stößt es mit einem Zahne gegen den
-einen Zacken des Ankers und drückt ihn beiseite, bis es vorbei kann;
-aber dadurch ist der andere Zacken in eine Lücke des Steigrades
-eingedrungen; das Steigrad wird also schon wieder in seiner Bewegung
-gehemmt, und muß nun diesen Zacken nach auswärts drücken, bis es vorbei
-kann; dadurch ist aber wieder der erste Zacken in eine Lücke des
-Steigrades eingedrungen, und das Spiel beginnt von neuem. Das Steigrad
-wird bald rechts, bald links von den Zacken des Ankers in seiner
-Bewegung aufgehalten und die treibende Kraft (des Gewichtes oder der
-Feder) liefert dem Steigrad die Kraft, um das Wegdrücken des Ankers
-auszuführen. Ähnlich wie die ^Ankerhemmung^ ist die ^Zylinderhemmung^.
-Dadurch ist die Bewegung des Steigrades wohl verlangsamt, aber noch
-nicht gleichmäßig.
-
-[Abbildung: Fig. 330.]
-
-^Die Regulierung des Ganges^ wird bewirkt entweder durch das ^Pendel^
-(Perpendikel) oder durch die Balance (Unruhe). Das ^Pendel^ ist eine
-Stange, welche unten durch ein Gewicht (Linse) beschwert und oben, etwas
-oberhalb der Achse des Ankers, drehbar aufgehängt ist. An der Achse des
-Ankers ist eine nach abwärts führende Stange befestigt, welche sich mit
-dem Anker hin- und herbewegt; an ihrem Ende ragt ein Stift heraus,
-welcher in einen Spalt der Pendelstange eingreift, so daß Pendel und
-Anker ihre Bewegung gleichzeitig zu machen gezwungen sind. Ein Pendel
-macht aber seine Schwingungen stets in derselben Zeit, hat also einen
-gleichmäßigen Gang und zwingt dadurch den Anker, auch diesen
-gleichmäßigen Gang mitzumachen, reguliert also den Gang der Uhr;
-umgekehrt aber erhält der Anker bald am rechten, bald am linken Zapfen
-von den Zähnen des Steigrades einen nach auswärts wirkenden Druck,
-überträgt diesen auf das Pendel und bewirkt so, daß das Pendel nicht
-stehen bleibt.
-
-Mittels des Pendels kann man den Gang der Uhr nun auch ^richtig^ machen;
-denn wenn man das Pendel länger oder kürzer macht, so schwingt es
-langsamer oder schneller, und man kann es leicht dahin bringen, daß ein
-Rad des Triebwerkes sich in einer Stunde gerade einmal herumdreht
-(Stundenrad). Man steckt auf die verlängerte Achse dieses Rades einen
-Zeiger, läßt ihn vor einem Zifferblatte (geteiltem Kreise) sich drehen
-und kann dann an seinem Stande sehen, wie viel Teile einer Stunde schon
-verflossen sind (Minutenzeiger). Macht man diese Bewegung 12 mal
-langsamer, so hat man den Stundenzeiger. Hat man im Triebwerk ein Rad,
-das sich 60 mal so rasch dreht, wie das Stundenrad, das sich also in
-einer Minute herumdreht, so kann man auf demselben einen Zeiger
-befestigen, an welchem man die Sekunden ablesen kann (Sekundenzeiger).
-
-Der Erfinder der Pendeluhr ist Huyghens (1655); er erfand die
-Ankerhemmung, die Anwendung des Pendels und der Unruhe.
-
-
-251. Die Wage.
-
-Die Wage dient zum Wägen, d. h. zum Vergleichen der Gewichte, also der
-Massen zweier Körper.
-
-Die einfachste, zugleich beste ist die #gleicharmige Wage#.
-
-Der Wagbalken ist ein Hebel, dessen Arme gleich lang und an dessen Enden
-zwei Wagschalen aufgehängt sind, in welche die zu wägenden Körper gelegt
-werden. Da die Arme gleich sind, so sind auch die Gewichte gleich, wenn
-die Wage im Gleichgewichte ist.
-
-Eine gute Wage muß folgende Einrichtung haben: #Sie muß in ihrem
-Stützpunkte leicht drehbar sein#; deshalb macht man den Stützpunkt in
-Form einer #Stahlschneide#, das ist ein keilförmiges Prisma aus
-gehärtetem Stahl, das in den Wagbalken eingelassen ist und mit einer
-genau abpolierten, geraden, nach abwärts gerichteten Kante auf einer
-^Stahl- oder Achatplatte^ oder einer schwach gekrümmten ^Stahlrinne^
-ruht. Auch die Wagschalen hängen mit Stahlrinnen auf ebensolchen
-Stahlprismen, die mit den Schneiden nach oben an den Enden des
-Wagbalkens angebracht sind. Diese drei Schneiden sind ^parallel^,
-^liegen in einer Ebene^ und müssen beim Aufstellen (oder Aufhängen) der
-Wage in ^horizontale Lage^ gebracht werden.
-
-Die beiden Arme, d. h. die Entfernungen der beiden äußeren Schneiden von
-der mittleren müssen gleich lang sein.
-
-#Der Wagbalken soll möglichst leicht sein# und doch genügende
-^Tragfähigkeit^ besitzen; deshalb macht man ihn mehr hoch als breit, und
-oft ^rautenförmig^ und ^durchbrochen^, welch letztere Form die
-vorteilhafteste ist; auch die Wagschalen müssen möglichst leicht sein.
-
-Die Masse des Wagbalkens muß zu beiden Seiten des Stützpunktes
-^gleichmäßig verteilt^ sein, so daß, wenn der Wagbalken horizontal
-steht, sein Schwerpunkt genau vertikal unter dem Stützpunkte liegt; es
-bleibt dann die unbelastete Wage bei ^horizontaler^ Lage des Wagbalkens
-ruhig. Ob der Wagbalken horizontal steht, erkennt man an der Stellung
-eines ^Zeigers^ (Zunge), der senkrecht zum Wagbalken nach abwärts an ihm
-befestigt ist und mit seinem Ende vor einer Marke schwingt.
-
-[Abbildung: Fig. 331.]
-
-Eine so eingerichtete Wage ist ^genau^, d. h. sie steht nur bei gleichen
-Belastungen horizontal und gibt dadurch die Gleichheit der Gewichte an.
-
-Ob die Wagbalken #gleich lang# sind, erfährt man durch folgendes
-Verfahren. Man legt auf die Wagschalen beliebige Gewichte, bis die Wage
-horizontal steht (einspielt), und vertauscht dann die Gewichte. Sind die
-Arme auch nur sehr wenig an Länge verschieden, so hängt nun das größere
-Gewicht am größeren Hebelarme und dreht deshalb den Balken. Durch
-diesen Versuch kann man auch den #Grad der Genauigkeit# erfahren; legt
-man nämlich noch so viele Gewichte zu, bis die Wage wieder einspielt,
-etwa ½ _g_ (~a~ ~g~) und vergleicht das mit der Belastung einer Schale,
-etwa 500 _g_ (~b~ ~g~), so ist die Genauigkeit =
-
- 1 ( a )
- ---- (= ~---~);
- 2000 ( 2 b )
-
-um diesen Teil der Belastung wird das Gewicht falsch angegeben.
-
-Man kann auch mit einer ungenauen Wage richtig wägen durch Tarieren.
-Legt man nämlich auf die eine Schale den zu wägenden Körper, auf die
-andere beliebige Körper (die Tara) z. B. Steine, Schrotkörner, Sand
-etc., bis die Wage einspielt, entfernt dann den zu wägenden Körper und
-legt an seine Stelle so viele Gewichte, bis die Wage wieder einspielt,
-so sind diese Gewichte gleich dem Gewichte des Körpers; denn sie wirken
-an demselben Hebelarm und bringen dasselbe Moment hervor.
-
-Außer der Genauigkeit muß die Wage auch #Empfindlichkeit# besitzen, d.
-h. die Eigenschaft, schon bei einem kleinen Übergewichte einen merkbaren
-Ausschlag zu geben. Empfindlichkeit ist bedingt durch #geringere Reibung
-in den Stützpunkten#, weshalb für gute Schneiden und Unterlagen gesorgt
-wird, ferner durch die #Lage des Schwerpunktes#.
-
-[Abbildung: Fig. 332.]
-
-Hängt links das Gewicht ~P~, rechts ~P + p~, wobei ~p~ das Übergewicht
-ist, und ist ~A~ der Stützpunkt, so liegt unter diesem senkrecht zum
-Wagbalken der Schwerpunkt ~S~ des Wagbalkens; in ~S~ ist vereinigt das
-Gewicht des Wagbalkens, das der Schalen und das der beiden Belastungen;
-diese Summe sei = ~Q~. Dadurch, daß ~Q~ etwas seitwärts vom Stützpunkt
-gerückt ist und so einen Hebelarm gewonnen hat, bringt es ein Moment
-hervor, welches dem Moment des Übergewichts das Gleichgewicht hält. Die
-Wage dreht sich also so weit bis ~Q · JA = p · l~, wenn ~l~ die Länge
-eines Armes ist.
-
-Nun ist ~JA = SA · tang α~, dies eingesetzt gibt
-
- ~Q · SA · tang α = p · l~, also
-
- p · l
- ~tang α = ------~.
- Q · SA
-
-Soll der Ausschlagwinkel groß sein, so muß der Wert dieses Bruches groß
-sein, demnach muß
-
-1. Das Übergewicht ~p~ groß sein; ^für kleine Winkel ist der Ausschlag
-dem Übergewicht proportional^.
-
-2. Die Länge ~l~ des Wagbalkens muß groß sein; den Wagbalken lang zu
-machen hat aber seine Nachteile, denn es wird dadurch entweder die
-Tragfähigkeit geschwächt, oder das Gewicht der Wage vergrößert;
-letzteres ist aber ein Nachteil.
-
-3. Das Gewicht ~Q~ der Wage muß klein sein. Man verringert das Gewicht
-des Balkens dadurch, daß man ihn rautenförmig und durchbrochen macht.
-Bei kleinem und gleichem Ausschlag ist das Übergewicht dem Gewicht der
-Wage proportional und man bezeichnet deshalb #das Verhältnis des
-Übergewichtes, das den kleinsten sichtbaren Ausschlag hervorbringt, zum
-Gewicht der Wage als Empfindlichkeit#. Wenn die Empfindlichkeit einer
-Wage ein Zehntausendstel beträgt, so gibt etwa 1 _dg_ bei 1 _kg_
-Wagengewicht einen eben deutlich erkennbaren Ausschlag. Häufig
-bezeichnet man die absolute Größe dieses Übergewichtes als
-Empfindlichkeit, und sagt, diese Wage hat eine Empfindlichkeit von 1
-_dg_, d. h. sie gibt einen Ausschlag von 1 _dg_ Übergewicht auf
-unbelasteter Wage. Bei belasteter Wage ändert sich die ^relative^
-Empfindlichkeit nicht, d. h. das Übergewicht beträgt stets ein
-Zehntausendstel vom Gewichte der Wage samt der Belastung. Die absolute
-Empfindlichkeit ist aber jetzt viel größer; denn bei 5 _kg_ beiderseits
-ist das Gewicht der Wage 5 + 5 + 1 = 11 _kg_, und hiezu sind nun 11 _dg_
-erforderlich, um den ersten Ausschlag zu geben.
-
-4. Es muß ~SA~, #die Entfernung des Schwerpunktes vom Stützpunkt,
-möglichst klein sein#. Dafür kann der Mechaniker sorgen und so die
-Empfindlichkeit ungemein erhöhen. Bei Krämerwagen ist übergroße
-Empfindlichkeit nicht vorteilhaft, weil die zu empfindliche Wage schon
-bei kleinen Übergewichten ganz herabsinkt, und nicht aus der Größe des
-Ausschlages die Größe des Zuviel abzuschätzen erlaubt. Über
-Genauigkeits- und Empfindlichkeitsgrenzen der Krämerwagen sind
-gesetzliche Vorschriften vorhanden.
-
-
-252. Andere Arten von Wagen.
-
-Die #Dezimalwage#: Der eine Wagbalken ist 10 mal kürzer als der andere.
-Da an den kürzeren Arm die Last gehängt wird, so darf sie 10 mal
-schwerer sein als das Gewicht, was bei schweren Lasten besonders bequem
-ist. Empfindlichkeit und Genauigkeit sind meist gering.
-
-^Die römische Wage^ oder Schnellwage (Fig. 333). Die Last hängt an einem
-kurzen Wagbalken; der längere ist mit Teilstrichen versehen, #deren
-Entfernung gleich der Länge des kurzen Hebelarmes# ist, und an ihm ist
-ein Gewicht verschiebbar (^Laufgewicht^). Man schließt aus der Länge des
-Hebelarmes, an dem das Laufgewicht hängt, auf die Größe des Gewichtes,
-das am anderen Hebelarme hängt z. B. 1 ~℔~ Laufgewicht am Teilstrich 6
-(Hebelarm 6) = 6 ~℔~ in der Schale (Hebelarm 1). Empfindlichkeit und
-Genauigkeit sind meist sehr gering; doch ist sie besonders für Markt-
-und Hausierhandel sehr bequem. Die Teilung beginnt in dem Punkte (~B~),
-wo das Laufgewicht die unbelastete Wagschale im Gleichgewichte hält.
-
-[Abbildung: Fig. 333.]
-
-Die #Zeigerwage#: Auf den einen Arm wird die Last gelegt und dreht
-dadurch einen nach abwärts führenden Stift, der mit einer Kugel
-beschwert ist, nach auswärts, um so weiter, je größer die Last ist. Ein
-Zeiger, der vor einer Skala spielt, zeigt das Gewicht an. Sie wird nur
-zu rohen Wägungen benützt, etwa um zu sehen, ob ein Brief ein
-vorgeschriebenes Gewicht übersteigt.
-
-Die #Federwage#: Sie besteht aus einer starken, elastischen Spiralfeder;
-auf sie ist oben eine Stange aufgesetzt, die auf die Spiralfeder drückt;
-die Stange geht durch eine Führung, damit sie nicht umkippt, und trägt
-oben einen Teller zum Auflegen des zu wägenden Körpers. Zudem ist ein
-Teil dieser Stange gezahnt und greift in einen Trieb, auf dessen Achse
-ein Zeiger befestigt ist. Je mehr Gewichte man auf den Teller legt, um
-so tiefer wird die Stange herabgedrückt, um so mehr dreht sie den Trieb
-und damit den Zeiger, der vor einem geteilten Kreise spielt, und so das
-Gewicht angibt. Genauigkeit und Empfindlichkeit sind meist sehr gering,
-jedoch werden die Wagen in der Küche häufig angewandt.
-
-
-253. Die Brückenwage.
-
-[Abbildung: Fig. 334.]
-
-^Die Brückenwage ist meistens zugleich Dezimalwage^; sie unterscheidet
-sich von der zweiarmigen Wage wesentlich dadurch, daß die Last nicht
-bloß auf einem Punkte, sondern auf zwei (sogar drei) Punkten (Schneiden)
-ruht. An einem Arme ~AD~ hängt die Wagschale für die Gewichte; am
-andern Arme ~AB~ hängt an einem 10 mal kleineren Arme eine Stange ~BE~
-nach abwärts; sie hat unten eine Krümmung, in welcher mittels einer
-Schneide eine Stange ruht, die horizontal verläuft und sich gabelt. Auf
-dieser Gabelung sind Bretter befestigt, ^Brücke^ genannt, auf welche die
-Last gelegt wird. Am anderen Ende stützt sich die Stange mittels
-Schneiden auf einen Hebel im Punkte ~J~; dieser Hebel ist hinten auf
-eine Schneide ~F~ gestützt und hängt am vorderen Ende mit der Schneide
-~G~ in dem gekrümmten Ende einer Stange ~GC~, die mit dem andern oberen
-Ende ~C~ am Wagbalken ~AC~ hängt. #Der Hebel# ~FG~ #muß in demselben
-Verhältnis geteilt sein, wie# ~AC~, so daß ~FJ : FG = AB : AC~, also
-etwa ~JF = ¹/₆ GF~, ~AB = ¹/₆ AC~. Liegt die Last auf der Brücke, ^so
-ist es gerade, als hinge sie in^ ~B~. Denn es sei die Last = ~Q~ (100
-_kg_), so verteilt sie sich auf die beiden Stützpunkte ~E~ und ~J~ der
-Brücke nach dem Hebelgesetze, also umgekehrt proportional den
-Entfernungen; es treffen etwa ~x~ _kg_ (40 _kg_) auf ~E~, ~y~ _kg_ (60
-_kg_) auf ~J~; die ~x~ _kg_ hängen mittels der Stange ~EB~ direkt an
-~C~. Die ~y~ _kg_ (60 _kg_) in ~J~ drücken den Hebel am Arme ~JF~, und
-bewirken, daß ~G~ mit einer Kraft ~z~ niedergedrückt wird, so daß ~z : y
-= FJ : FG~, also
-
- FJ
- ~z = y · --~
- FG
-
-~(z = 60 · ¹/₆ = 10 _kg_)~. Diese ~z~ _kg_ hängen mittels der Stange
-~GC~ am Wagbalken ~AC~, bringen dort dasselbe Moment hervor, wie wenn in
-~B~ eine Kraft ~v~ hinge, für welche ~v : z = AC : AB~, also
-
- AC
- ~v = z · --~
- AB
-
-(~v~ = 10 · ⁶/₁ = 60); setzt man obigen Wert von ~z~ in diese Gleichung
-ein, so ist
-
- FJ · AC
- ~v = y -------~,
- FG · AB
-
-also ~v = y~, da ~FJ · AC = FG · AB~ laut der ersten Bedingung. In ~B~
-wirken also die zwei Kräfte ~x~ und ~y~ (40 _kg_ und 60 _kg_), deren
-Summe wieder = ~Q~ (100 _kg_) ist. ~Q~ kann also gewogen werden durch
-ein 10 mal kleineres Gewicht in ~D~.
-
-Aus der Ableitung ist auch ersichtlich, daß es #gleichgültig ist, auf
-welchem Punkte der Brücke die Last liegt#.
-
-#Bei Drehungen des Wagbalkens bleibt die Brücke horizontal#, und macht
-10 mal kleinere Schwingungen als ~D~. Dies ist für das Wägen leicht
-beweglicher Sachen, Flüssigkeiten, Wagen, lebenden Viehes von Vorteil.
-Bei Prüfung der Wage untersucht man insbesondere auch, ob es
-gleichgültig ist, auf welchen Punkt der Brücke man die Last legt, denn
-davon hängt besonders die Genauigkeit der Wage ab, und es ist dies eine
-Probe dafür, ob die Hebel ~GF~ und ~CA~ genau im gleichen Verhältnisse
-geteilt sind.
-
-
-254. Die Tellerwage.
-
-[Abbildung: Fig. 335.]
-
-Die Tellerwage hat ähnliche Einrichtung wie die Brückenwage. Der
-Wagbalken ist in der Mitte ~S~ gestützt, und trägt an den Enden
-Stahlschneiden, die nach oben gerichtet sind, und auf beiden Seiten des
-Wagbalkens befindet sich dieselbe Einrichtung, nämlich folgende: Auf der
-Stahlschneide ~A~ sitzt der Teller oder eine Platte mit dem einen Ende,
-am anderen Ende (gegen die Mitte zu gerichtet) befindet sich am Teller
-ein nach abwärts gehender Fortsatz; dieser drückt im Punkte ~B~ auf das
-Ende des Hebels ~DB~, der in ~D~ unterstützt ist und in ~C~ durch einen
-Haken mit der Schneide ~J~ des Wagbalkens verbunden ist. ^Dabei muß der
-Hebel^ ~SA~ durch ~J~ ^ebenso geteilt sein, wie^ ~DB~ ^durch^ ~C~, so
-daß ~SJ : SA = DC : DB~, etwa = 3 : 5. Liegt nun die Last an irgend
-einer Stelle des Tellers, so ist es gerade so, als läge sie auf der
-Schneide ~A~. Denn es sei die Last etwa = 20 ~℔~ und sie verteile sich
-so, daß auf ~A~ etwa 11 ~℔~, auf ~B~ also 9 ~℔~ treffen, so bringen
-diese 9 ~℔~ in ~B~ einen Druck in ~C~ von ⁵/₃ · 9 = 15 ~℔~ hervor; da
-~C~ mit ~J~ verbunden ist, so wirken diese 15 ~℔~ in ~J~ und bringen
-deshalb in ~A~ einen Druck von ³/₅ · 15 = 9 ~℔~ hervor; diese 9 ~℔~
-kommen zu den in ~A~ schon vorhandenen 11 ~℔~, gibt 20 ~℔~; ^die auf dem
-Teller liegende Last wirkt demnach gerade so, als wenn sie auf der
-Schneide^ ~A~ ^selbst läge^. (Allgemeine Ableitung wie in 253.)
-
-Es ist wieder leicht zu sehen, ^daß es gleichgültig ist, auf welchen
-Teil des Tellers die Last gelegt wird^ (Probe für die Genauigkeit der
-Wage), sowie daß, wenn der Wagbalken sich dreht, ^der Teller horizontal
-bleibt^. Der Wagbalken ist ein doppelter, bestehend aus zwei parallelen,
-spannweit voneinander entfernten, durch Querstäbe mit einander
-verbundenen Balken; man hat also am Ende zwei Schneiden ~A~, auf denen
-der Teller ruht; dadurch wird ein Umkippen des Tellers vermieden.
-
-
-Aufgaben:
-
-#166.# An einer Wage von 360 _g_ Gesamtgewicht bringt ein Übergewicht
-von 2 Centigramm einen Ausschlag von 8° hervor. Wie weit ist der
-Schwerpunkt vom Stützpunkt entfernt? Wenn dieselbe Wage außerdem
-beiderseits mit 500 _g_ belastet wird, welches Übergewicht bringt dann
-einen Ausschlag von 10° hervor?
-
-#167.# Eine Schnellwage, deren Lastarm = 8 _cm_ ist, ist unbelastet nur
-dann im Gleichgewicht, wenn das Laufgewicht von 1 ~℔~ an einem Arm von
-14 _cm_ hängt; dort ist also 0 eingraviert. Wo muß das Laufgewicht
-hingehängt werden, wenn 1 ~℔~, 2 ~℔~, 3 ~℔~ u. s. w. als Last eingelegt
-sind? Gesetz?
-
-
-255. Kräftepolygon.
-
-Wirken zwei Kräfte unter einem Winkel auf einen Punkt, so findet man die
-Resultierende als Diagonale des aus beiden Kraftlinien gebildeten
-^Kräfteparallelogramms^. Wirken drei oder mehrere Kräfte auf den Punkt,
-so sucht man aus zwei Kraftlinien die Resultierende, aus dieser und der
-dritten Kraftlinie wieder die Resultierende u. s. f. bis alle Kräfte
-benützt sind; ^die letzte ist die Resultierende aller Kräfte^. Ein
-abgekürztes Verfahren hierzu erhält man durch Konstruktion des
-^Kräftepolygons^, wobei man die Kräfte so der Größe und Richtung nach
-zusammensetzt, wie wenn sie nacheinander wirken würden. Verbindet man
-schließlich den Anfang der ersten mit dem Endpunkt der letzten
-Kraftlinie, so stellt diese Linie die Resultierende vor. Dabei ist es
-gleichgültig, in welcher Reihenfolge die vorhandenen Kräfte benützt
-werden.
-
-[Abbildung: Fig. 336.]
-
-Wenn sich hierbei das Polygon schließt, wie in Fig. 336, so ist die
-Resultierende = 0, die den Seiten des Polygons parallelen Kräfte halten
-sich im Gleichgewichte.
-
-Bei der Tangentenbussole wirkt der Erdmagnetismus auf die Nadel wie eine
-Kraft ~M~, welche an der Spitze der Nadel in der Richtung des
-magnetischen Meridians wirkt. Der über die Nadel in der Richtung des
-magnetischen Meridians geleitete Strom wirkt wie eine Kraft ~J~, welche
-an der Spitze der Nadel senkrecht zur Stromrichtung, also senkrecht zur
-magnetischen Kraft angreift. Die Nadel kommt nur dann zur Ruhe, wenn sie
-in der Richtung der Resultierenden des aus beiden Kräften ~J~ und ~M~
-gebildeten Parallelogramms steht. Bezeichnet ~α~ den Ablenkungswinkel,
-so ist
-
- J
- ~- = tg α~;
- M
-
-irgend ein anderer Strom von der Stärke ~J′~ lenkt dieselbe Nadel um
-~α′~° ab, also ist
-
- J′
- ~-- = tg α′~;
- M
-
-hieraus ~J : J′ = tg α : tg α′~; d. h. die Intensitäten zweier Ströme
-verhalten sich wie die Tangenten der Ablenkungswinkel.
-
-
-Aufgaben:
-
-#168.# Gegeben ~P₁~ = 17 _kg_, unter 45° ~P₂~ = 22 _kg_, unter 30° ~P₃~
-= 11 _kg_, unter 75° ~P₄~ = 10 _kg_. Bestimme die Resultierende dieser
-in einem Punkte angreifenden Kräfte durch Zeichnung!
-
-#169.# Gegeben ~P₁~ = 16, unter 90° ~P₂~ = 17, unter 45° ~P₃~ = 15,
-unter 120° ~P₄~ = 21. Unter welchem Winkel muß man ~P₅~ = 40 _kg_ dazu
-fügen, damit die Richtung der Resultierenden gerade entgegengesetzt ~P₁~
-ist?
-
-
-256. Schiefe Ebene.
-
-[Abbildung: Fig. 337.]
-
-Wirkt eine Kraft auf einen Körper in einer Richtung, in der sich der
-Körper nicht bewegen kann, so zerlegt sich die Kraft in zwei
-Seitenkräfte (Komponenten); die eine wirkt in der Richtung, in der sich
-der Körper bewegen kann, die andere wirkt senkrecht dazu. Liegt ein
-Körper auf einer ^schiefen Ebene^, so wirkt auf ihn die Schwerkraft
-~Q~, sein Gewicht; sie zerlegt sich in die ^zwei Komponenten^: ~P~
-^parallel der schiefen Ebene, und^ ~D~ ^senkrecht zu ihr^; die erste
-Komponente bewirkt eine ^Bewegung längs der schiefen Ebene^,
-#Bewegungskomponente#, die zweite einen ^Druck auf die Ebene^,
-#Druckkomponente#. Die Größe der Komponenten findet man durch das
-Kräfteparallelogramm, das mit ~KJ = Q~ als Diagonale zu konstruieren
-ist. Man bezeichnet ~AB~ mit ~l~ (Länge der schiefen Ebene), ~BC~ mit
-~h~ (Höhe), ~AC~ mit ~b~ (Basis), so ist ~△ JKL # △ ABC~ also
-
- ~P : Q = BC : AB = h : l~,
-
-d. h. #es verhält sich die parallel der schiefen Ebene wirkende
-Komponente zur Last wie die Höhe der schiefen Ebene zur Länge#; auch ist
-
- P h
- ~- = - = sin α~;
- Q l
-
-~P = Q sin α~. Ferner: ~D : Q = AC : AB = b : l~, d. h. #der Druck
-verhält sich zur Last wie die Basis zur Länge#, oder
-
- D b
- ~- = - = cos α~; ~D = Q cos α~.
- Q l
-
-Will man den Körper auf der schiefen Ebene ruhig erhalten, so muß man
-eine der Kraft ~P~ gleiche Kraft parallel der schiefen Ebene nach
-aufwärts anbringen. Diese Kraft wächst mit der Steigung. Ist die
-Steigung gering, wie bei Straßen, wo sie nur selten 8% erreicht (~BC :
-AC~ = 8 : 100), so kann man, ohne nennenswerten Fehler statt ~AB~ auch
-~AC~ setzen; dann ist
-
- P BC BC 8 8
- ~- = -- = -- = ---, also ~P = --- Q~.
- Q AB AC 100 100
-
-Zur Überwindung der Steigung von 4% ist demnach bei einem Wagen von 3500
-_kg_ Gewicht eine Kraft von
-
- 4
- ~--- · 3500 _kg_ = 140 _kg_
- 100
-
-erforderlich.
-
-Die ^Arbeit^, die man aufwenden muß, um einen Körper mittels der
-schiefen Ebene auf eine gewisse Höhe zu bringen, ^ist stets dieselbe, ob
-die schiefe Ebene schwach oder stark geneigt ist^. Dies beweist man
-folgendermaßen:
-
-[Abbildung: Fig. 338.]
-
-Ist keine Reibung vorhanden, so ist die erforderliche Kraft
-
- h
- ~P = Q · -~,
- l
-
-der Weg = ~l~; also ist die Arbeit =
-
- h
- ~Q · - · l = Q · h~.
- l
-
-Sie ist nur von ~h~ abhängig, also für jede Größe von ~l~ gleich groß
-und ebenso groß, wie wenn man den Körper von ~C~ nach ~B~ auf die Höhe
-~h~ hebt.
-
-Ist jedoch Reibung vorhanden, so ist sie anzusehen als eine Kraft, die
-der Richtung der Bewegung entgegengesetzt ist; ^sie ist abhängig auch
-vom Drucke und ihm proportional^. Man nennt das ^Verhältnis der Reibung
-zum Druck den Reibungskoeffizienten^ ~c~. Er beträgt für einen Wagen,
-der sich auf einer gewöhnlichen Landstraße bewegt, zka. ¹/₇, so daß zum
-Bewegen eines Wagens von 1200 _kg_ Gewicht eine Kraft von ¹/₇· 1200 =
-170 _kg_ notwendig ist. Wird die Last ~Q~ längs der schiefen Ebene von
-~A~ nach ~B~ bewegt, so ist der Druck auf die schiefe Ebene =
-
- b
- ~Q · -~,
- l
-
-also die Reibung =
-
- Q · b
- ~c · -----~;
- l
-
-dazu kommt die Komponente
-
- Q h
- ~P = ---~;
- l
-
-also ist die Gesamtkraft
-
- Q b h
- ~c · --- + Q -~
- l l
-
-erforderlich; da der Weg = ~l~, so ist die
-
- ( Q b Q h)
- Arbeit ~(AB) = (c --- + ---) · l = c Q b + Q h~.
- ( l l )
-
-Wird nun der Körper von ~A~ nach ~C~ und dann nach ~B~ bewegt, so ist
-von ~A~ nach ~C~ die Reibung zu überwinden = ~c Q~, der Weg = ~b~, also
-Arbeit (~AC~) = ~c Q b~; dann ist die Last ~Q~ über die Höhe ~h~ zu
-heben; also Arbeit (~CB~) = ~Q h~. ^Die Summe beider Arbeiten ist gleich
-der von^ ~A~ ^nach^ ~B~.
-
-Liegt ein Körper auf einer schiefen Ebene, so wirkt die Komponente ~P~
-der Schwerkraft parallel der schiefen Ebene nach abwärts; aber die
-Reibung wirkt dieser Kraft entgegen. Ist diese Komponente kleiner als
-die Reibung, so bleibt der Körper auf der schiefen Ebene liegen und zur
-Bewegung nach abwärts muß noch eine Kraft = ~c Q cos α - Q sin α~
-angebracht werden (nach aufwärts eine Kraft ~c Q cos α + Q sin α~). Ist
-die Komponente größer als die Reibung, so bewegt sich der Körper nach
-abwärts mit der Kraft ~Q sin α - c Q cos α~. Ist die Komponente gleich
-der Reibung, so bleibt der Körper gerade noch auf der schiefen Ebene
-liegen. Der Winkel α, bei dem das stattfindet, berechnet sich aus der
-Gleichung ~c Q cos α - Q sin α = 0~; also ~tg α = c~; diesen Winkel
-nennt man den ^Reibungswinkel^; umgekehrt kann man aus der Größe des
-Reibungswinkels den Reibungskoeffizienten berechnen.
-
-[Abbildung: Fig. 339.]
-
-Man erkennt leicht die Richtigkeit folgenden allgemeinen Satzes: Ist ein
-Körper auf einer Ebene und wirken auf ihn beliebig Kräfte in
-verschiedenen Richtungen, ^so bleibt er in Ruhe, wenn die Resultierende
-sämtlicher Kräfte senkrecht steht auf der Ebene und gegen sie gerichtet
-ist^; denn die Ebene übt dann einen gleich großen Gegendruck in
-entgegengesetzter Richtung aus, wodurch Gleichgewicht hergestellt wird.
-
-Hiermit behandeln wir den Fall, wenn eine Kraft ~P~ angebracht werden
-soll, die ^parallel der Basis^ wirkt (Fig. 339). Die Resultierende von
-~P~ und ~Q~ muß senkrecht stehen zur schiefen Ebene. Man findet
-
- Q h
- ~P = Q tg α = ---~, oder ~P : Q = h : b~;
- b
-
-#Kraft verhält sich zur Last, wie Höhe zur Basis#.
-
-Liegt die Last auf der schiefen Ebene und hält man sie mittels
-eines Strickes, dem man verschiedene Richtung geben kann, so findet
-man die Größe der erforderlichen Kräfte durch Zeichnung der
-Kräfteparallelogramme, deren Diagonale senkrecht zur schiefen Ebene
-steht. (Fig. 340.) Unter diesen Kräften ~P~, ~P′~, ~P′′~ . . . . ^ist
-diejenige die kleinste, die ~∥~ der Ebene wirkt^, die bekannte
-Komponente ~P = Q sin α~.
-
-[Abbildung: Fig. 340.]
-
-[Abbildung: Fig. 340~a~.]
-
-Man kann das Problem der schiefen Ebene auch noch auf folgende Art
-behandeln. Liegt ein Körper auf einer schiefen Ebene, so wirkt auf ihn
-sein Gewicht in vertikaler Richtung, ~Q = KJ~. Er drückt damit auf die
-schiefe Ebene und diese übt einen Gegendruck ~D~ aus, welcher
-erfahrungsgemäß senkrecht zur schiefen Ebene steht. Auf den Körper
-wirken demnach zwei Kräfte, ~Q~ und ~D~, und da die Richtung der
-Resultierenden erfahrungsgemäß längs der schiefen Ebene nach abwärts
-geht, so kann man die Resultierende mittels des Kräfteparallelogramms
-finden. Man macht ~JL ∥ KE~ und ~LC ∥ JK~, so ist die Größe der
-Resultierenden ~P = KL~ und die des Gegendruckes ~D = KC~. Man beweist
-leicht, daß ~P = Q sin α~, ~D = Q cos α~. Die Kraft ~R~ erscheint nun
-als Resultierende der Schwerkraft ~Q~ und des elastischen Gegendruckes
-~D~ der schiefen Ebene.
-
-Ebenso kann man in den zwei folgenden Kapiteln die durch Einwirkung der
-Kraft ~Q~ hervorgerufenen Gegendrücke ~P~ und ~P~ als Kräfte auffassen,
-deren Resultierende im Falle des Gleichgewichtes gleich und
-entgegengesetzt ~Q~ sein muß.
-
-
-Aufgaben:
-
-#170.# Welche Kraft braucht man, um eine Last von 510 _kg_ auf einer
-schiefen Ebene zu halten, welche bei 10 _m_ Länge um 115 _cm_ steigt?
-Wie groß muß diese Kraft sein, wenn sie parallel der Basis wirkt, oder
-wenn sie unter 20° nach aufwärts (oder nach abwärts) gerichtet ist?
-
-#171.# Welche Kraft parallel der schiefen Ebene braucht man, um einen
-Körper von 160 _kg_ Gewicht auf einer schiefen Ebene von 34° Neigung zu
-halten, wenn die Reibung ¹/₈ beträgt? Welche Arbeit leistet man, wenn
-man ihn 260 _m_ längs der schiefen Ebene nach aufwärts bringt?
-
-#172.# Eine Kugel von ~k~ _kg_ Gewicht liegt auf einer schiefen Ebene
-von ~α~° Neigung und lehnt sich dabei an ein Brett, welches am Fuße der
-schiefen Ebene in vertikaler Richtung aufgestellt ist. Welchen Druck
-übt die Kugel auf die schiefe Ebene und welchen auf das Brett aus?
-
-#173.# Eine Last von 145 _kg_ liegt auf einer schiefen Ebene von 20°
-Neigung und wird gehalten durch einen Strick, der unter 45° nach abwärts
-geneigt ist. Welche Kraft muß längs des Strickes wirken und wie stark
-drückt die Last auf die schiefe Ebene?
-
-#174.# Welche Kraft ist erforderlich, und welche Arbeit wird geleistet,
-wenn ein Wagen von 27 Ztr. Gewicht auf einer Straße von 5½% Steigung und
-¹/₈ Reibung 265 _m_ weit nach aufwärts (nach abwärts) gefahren wird?
-
-#175.# Ein Steinblock von 15 Ztr. Gewicht soll über eine schiefe Ebene
-von 20° Steigung heraufgeschleift werden. Er wird an einem Seil
-befestigt, welches parallel der schiefen Ebene läuft und sich an der
-Seiltrommel eines Haspels aufwickelt. Der Durchmesser der Seiltrommel
-ist 28 _cm_, die Kurbellänge 54 _cm_. Mit welcher Kraft wird das Seil
-gespannt, wenn der Stein auf der schiefen Ebene eine Reibung hat, die
-¹/₃ des Druckes beträgt und welche Kraft muß an der Kurbel wirken, um
-den Stein heraufzuschleifen, wenn im Haspel noch 10% durch Reibung
-verloren gehen?
-
-[Abbildung: Fig. 341.]
-
-
-257. Die Kniehebelpresse.
-
-Die Kniehebelpresse hat ein ^Gerüst^ aus zwei starken Platten oben und
-unten, die durch starke Stäbe verbunden sind; das ^Knie^ zwischen ihnen
-wird gebildet aus zwei starken Stäben, die unter sehr großem, nahezu
-gestrecktem Winkel zusammenstoßen; das Ende des oberen Stabes ist von
-der oberen Platte etwas entfernt, so daß der zu pressende Körper
-dazwischen gelegt werden kann.
-
-Übt man nun auf das Knie eine Kraft ~Q~ aus in einer solchen Richtung,
-daß sie den Winkel des Knies in einen gestreckten zu verwandeln sucht,
-so zerlegt sich diese Kraft in die zwei Seitenkräfte ~P~ und ~P~, die in
-den Richtungen der Kniestangen wirken und dadurch den zu pressenden
-Körper zusammendrücken. Dabei ist ~P~ größer als ~Q~ und der
-^Kraftgewinn ist um so größer, je flacher das Knie ist, je näher sein
-Winkel an 180° liegt^. Um die Wirkung noch zu verstärken, drückt man
-mittels eines Druckhebels auf das Knie (Kniehebelpresse).
-
-Man benützt solche Maschinen zum Prägen von Münzen; von beiden Seiten
-der Münze werden negative Formen in Stahl geschnitten, die eine wird auf
-der Gerüstplatte, die andere am Ende der Kniestange angebracht, und
-zwischen sie wird das zu prägende Metallstück gelegt; durch den starken
-Druck der Presse wird das verhältnismäßig weiche Metall des Geldstückes
-in die Vertiefungen der Prägstöcke gepreßt und so die Münze geprägt.
-Ebenso wird sie benützt zum Stanzen von Blechen (Herausschlagen von
-Löchern aus einem Bleche), zum Pressen von Blechen und ähnlichem.
-
-
-258. Der Keil.
-
-[Abbildung: Fig. 342.]
-
-[Abbildung: Fig. 343.]
-
-[Abbildung: Fig. 344.]
-
-Der Keil ist ein dreiseitiges Prisma, von dem 2 Seitenflächen unter sehr
-kleinem Winkel zusammenstoßen; die Seitenflächen sind im Querschnitt
-gleich lang; die dritte Fläche heißt der Rücken.
-
-Ist der Keil zwischen zwei Gegenstände geschoben, die dem weiteren
-Eindringen einen großen Widerstand entgegensetzen, und übt man auf den
-Rücken des Keiles eine Kraft ~Q~ aus, so zerlegt sie sich nach dem
-Kräfteparallelogramm in zwei Seitenkräfte ~P~ und ~P~, welche senkrecht
-stehen zu den Seiten des Keiles. Aus der Ähnlichkeit der Dreiecke folgt:
-^die Kraft^ ~P~ ^verhält sich zum Drucke^ ~Q~ ^wie die Seite des Keiles
-zum Rücken^. Da diese Seitenkräfte ~P~ bei kleinem Winkel vielmal größer
-sind als ~Q~, so sind sie wohl imstande, einen großen Widerstand zu
-überwinden. Der Keil liefert also auch Kraftgewinn. Ist der Winkel des
-Keiles = 60°, so ist jede Kraft ~P = Q~.
-
-Ein Holzklotz wird durch Eintreiben eines Keiles zersprengt. Ein solcher
-Keil hat meist etwas gekrümmte Flächen, so daß besonders später, wenn
-der Keil immer tiefer eindringt, und der Widerstand mit der Entfernung
-der klaffenden Ränder größer wird, sich solche Teile der Keilseiten
-zwischen den Rändern befinden, deren Winkel sehr klein ist, so daß der
-Kraftgewinn nun sehr groß ist.
-
-Auch zum Befestigen dient der Keil; z. B. man spaltet das eine Ende
-eines hölzernen Stieles eines Hammers, steckt es in das Öhr des Hammers
-und treibt nun einen Keil aus hartem Holze in den Spalt; dieser drückt
-die zwei Teile des gespaltenen Stieles sehr stark an die Wände des Öhres
-und bewirkt so eine starke Befestigung.
-
-
-259. Die Schraube.
-
-Die ^Schraubenlinie^ ist eine doppelt gekrümmte Linie, welche entsteht,
-wenn man ein rechtwinkliges Dreieck mit einer Kathete längs der Kante
-eines Cylinders befestigt und nun um den Cylinder wickelt; die
-Hypotenuse hat dann die Form der Schraubenlinie. Sie entsteht auch, wenn
-ein Punkt sich auf einem Cylindermantel so bewegt, daß er um den
-Cylinder herumgeht und zugleich sich längs des Cylinders bewegt. Sie
-entsteht auch, wenn ein Cylinder um seine Achse gedreht und zugleich
-längs der Achse verschoben wird; ein während dieser Bewegung des
-Cylinders ruhig gehaltener Punkt, etwa die Spitze eines Bleistiftes,
-beschreibt dann auf dem Cylindermantel eine Schraubenlinie; sie entsteht
-auch, wenn ein Cylinder um seine Achse gedreht wird, und ein Punkt sich
-längs einer Cylinderkante bewegt. Diese letzten Arten benützt der
-Mechaniker, um eine Schraubenspindel herzustellen, das ist ein Cylinder,
-auf dessen Mantel eine längs einer Schraubenlinie laufende Erhöhung sich
-befindet. Die ^Schraubenmutter^ ist ein Stück Holz oder Metall, das
-durchbohrt ist und in dieser Durchbohrung eine fortlaufende Vertiefung
-von der Art hat, daß die Erhöhungen der Spindel gerade hineinpassen.
-
-[Abbildung: Fig. 345.]
-
-Es sei die Mutter so befestigt, daß die Spindel vertikal steht; unten an
-der Spindel sei die Last ~Q~ befestigt, so wirkt sie in der Richtung der
-Spindel, und ruht als Last auf den nach oben gerichteten Flächen der
-Schraubengänge der Schraubenmutter; diese stellen aber gleichsam eine
-^schiefe Ebene^ dar, deren ^Höhe^, wenn wir bloß einen Umgang
-betrachten, ^gleich dem Abstande zweier Schraubengänge ist^ (Ganghöhe),
-^und deren Basis gleich dem Umfange der Spindel ist. Die Last sucht sich
-nach abwärts zu bewegen^, indem sie die Spindel längs der Schraubengänge
-dreht. Will man diese Bewegung hindern, also die Schraube ins
-Gleichgewicht setzen, so muß man die Spindel oben drehen, also eine
-^Kraft^ ~P~ ^anbringen, die senkrecht zum Radius der Spindel wirkt, die
-also parallel der Basis der schiefen Ebene wirkt^. Man kann sonach die
-Schraube als schiefe Ebene ansehen, bei der die Last senkrecht zur
-Basis, die Kraft parallel zur Basis wirkt; #also verhält sich Kraft zur
-Last wie Höhe zur Basis, also wie Ganghöhe zum Umfang der Spindel#;
-
- ~P : Q = h : 2 r π~.
-
-Meist bringt man nicht die Kraft ~P~ am Ende des Spindelradius ~r~ an,
-sondern verlängert diesen Radius stabförmig bis zur Länge ~R~
-(^Schlüssel^), und bringt am Ende des Schlüssels die Kraft ~p~ an; man
-sieht, daß ~P~ und ~p~ wie Kräfte an einem Hebel wirken, also:
-
- ~p : P = r : R~;
-
-dies verbunden mit
-
- ~P : Q = h : 2 r π~
-
-gibt:
-
- ~p : Q = h : 2 R π~
-
-also: #Kraft zu Last wie Ganghöhe zum Umfange des vom
-Schraubenschlüsselende beschriebenen Kreises.#
-
-Der Kraftgewinn kann leicht bedeutend groß gemacht werden, denn die
-Ganghöhe ist stets klein (z. B. 1 _cm_); den Schlüssel kann man lang
-wählen (z. B. 50 _cm_), dann ist der Umfang = ~2 R π~ = 2 · 50 · 3,14 =
-314 _cm_, also der Kraftgewinn = 314. Hiervon geht stets ein
-beträchtlicher Teil durch die Reibung verloren.
-
-^Goldene Regel^: Dreht man die Spindel einmal herum, so ist der Weg der
-Kraft gleich dem Umfang des Schraubenschlüsselkreises (314 _cm_), der
-Weg der Last ist eine Ganghöhe (1 _cm_) d. h. die Last ist nur um eine
-Ganghöhe (1 _cm_) gehoben; sovielmal also die Kraft kleiner ist als die
-Last (314 mal), ebensovielmal ist ihr Weg größer als der Weg der Last
-(314 mal). Demnach ist auch bei der Schraube die Arbeit der Kraft = der
-Arbeit der Last (Gesetz der Maschinen).
-
-
-260. Anwendung der Schrauben.
-
-Die Schraube wird angewandt zum ^Heben schwerer Lasten^, besonders wenn
-dieselben nicht hoch gehoben werden müssen, z. B. zum Aufziehen von
-Schleusen. Die Schleuse ist an einer vertikalen Schraubenspindel
-befestigt (Fig. 346), welche durch ein Loch eines oben angebrachten
-Querbalkens geht; auf die Spindel ist die Mutter gesteckt und bis zum
-Querbalken heruntergedreht. Dreht man die Mutter mittels eines
-Schlüssels noch weiter, so geht die Spindel und somit die Schleuse nach
-aufwärts. (Heben der Schienenträger an den Zufahrtstellen der
-Schiffbrücken.)
-
-[Abbildung: Fig. 346.]
-
-[Abbildung: Fig. 347.]
-
-[Abbildung: Fig. 348.]
-
-Die ^Schraubenpresse^ (Fig. 347). Mit einer starken Unterlage ist ein
-starker Eisenbügel verbunden, welcher oben die Schraubenmutter enthält;
-durch diese geht die Spindel, welche oben getrieben wird durch einen
-Schlüssel und unten auf eine Platte drückt; zwischen diese und die
-Unterlage wird der zu pressende Körper gelegt; der Widerstand, den
-dieser dem Zusammenpressen entgegensetzt, ist gleichsam die in der
-Richtung der Spindel wirkende Last, die überwunden wird. Hat die
-Maschine etwa 2 _cm_ Ganghöhe und 60 _cm_ Schlüssellänge, also einen
-Kraftgewinn =
-
- 2 · 60 · 3,14
- ------------- = 188,4
- 2
-
-und drückt man mit der Kraft von 20 _kg_, so gibt das einen Spindeldruck
-von 188,4 · 20 _kg_ = 3768 _kg_ = 75 Ztr.; der Körper wird von der
-Spindel gepreßt, wie wenn auf ihm 75 Ztr. lägen. Stempel-, Buchbinder-,
-Kelterpresse, ^Schraubenzwinge^, Schraubstock, ^Klemmschrauben^. Sehr
-mannigfach ist die Anwendung von Schrauben zum ^Befestigen von
-Gegenständen^ aneinander. Sollen etwa zwei Metallplatten aufeinander
-befestigt werden, so werden beide durchbohrt und durch dieses Loch wird
-ein ^Schraubenbolzen^ gesteckt, ein runder Eisenstab, der an einem Ende
-einen hervorragenden Kopf hat und am anderen Ende mit Schraubengewinde
-versehen ist. Auf dies Gewinde wird eine Mutter eingedreht, bis sie die
-Platte berührt, und mittels eines Schlüssels fest angezogen. Dadurch
-werden beide Platten sehr stark aneinander gedrückt.
-
-[Abbildung: Fig. 349.]
-
-[Abbildung: Fig. 350.]
-
-Auch um Metall auf Holz, oder Holz auf Holz zu befestigen, bedient man
-sich der Schraube; es wird das Metall durchbohrt, so daß die Spindel gut
-durchgeht, und ins Holz wird ein Loch gebohrt. Die Holzschraube (Fig.
-349) bohrt sich dann mit ihren scharfen Gängen selbst die Mutter ins
-Holz und dient zum Befestigen von Gegenständen auf Holz.
-
-Das ^Schraubenmikrometer^ dient dazu, um die Dicke von dünnen
-Gegenständen z. B. Blechen, Drähten, dünnen Achsen und Zapfen u. s. w.
-zu messen, ^Kalibermaß^. Ein Eisenbügel hat an einem Arme eine
-Schraubenmutter, durch welche eine Schraubenspindel, die
-^Mikrometerschraube^, geht, beide müssen sehr exakt gearbeitet sein. Dem
-Schraubenspindelende gegenüber ist am anderen Arm des Bügels ein
-Vorsprung (Daumen) angebracht. Auf der Schraubenspindel ist oben ein
-^Kreis^ oder eine Trommel angebracht, die in etwa 100 gleiche Teile
-geteilt ist; neben ihr steht ein am Bügel befestigter ^Zeiger^, so daß
-man am Zeiger sehen kann, wie viele ganze Schraubenumgänge, und an der
-Stellung der Kreisteilung gegen den Zeiger, wie viel Hundertel des
-folgenden Umgangs die Spindel gemacht hat; aus der Ganghöhe der Spindel,
-z. B. 1 _mm_, kann man mit großer Genauigkeit die Dicke des Bleches
-erfahren.
-
-Stellschrauben dienen vielfach dazu, um einen Punkt, das Ende der
-Spindel, genau an eine gewünschte Stelle zu bringen.
-
-^Schiffsschraube^. Die Spindel oder Welle ragt hinten aus dem Schiffe
-horizontal heraus und wird durch die Dampfmaschine in rasche Umdrehung
-versetzt. Auf der Welle sind 3 oder 4 Flügel angebracht, welche wie
-Schraubenflächen gestaltet sind, aber nur je einen Teil eines ganzen
-Umlaufes, etwa nur ¼ oder ¹/₆ darstellen. Das umliegende Wasser bildet
-gleichsam die Schraubenmutter, und da die Schraubenflügel bei der
-Umdrehung einen Druck auf das Wasser ausüben, so übt das Wasser einen
-Gegendruck aus auf die Schraubenflügel, und durch diesen wird das Schiff
-bewegt.
-
-^Die Schraube ohne Ende^. Die Last greift am Umfang einer Welle an etwa
-mittels eines Seiles; das zugehörige Rad ist gezahnt und greift mit
-seinen Zähnen zwischen die Gänge einer in Zapfen liegenden
-Schraubenspindel ein, welche durch eine Kurbel gedreht werden kann. Sie
-ist ein hübsches Beispiel einer zusammengesetzten Maschine, denn sie
-besteht aus einem Wellrad und einer Schraube; die Kraft ~y~, die am
-Umfang des Rades erforderlich ist, wirkt als Last an der Spindel der
-Schraube.
-
-Es ist also
-
- 1) ~Q : y = R : r~,
-
- 2) ~y : P = 2 K π : h~
-
-(~K~ = Kurbel, ~h~ = Ganghöhe), hieraus
-
- Q R · 2 K π R 2 K π
- ~- = --------- = - · -----~;
- P r · h r h
-
-das heißt:
-
- ^auch der Kraftgewinn dieser zusammengesetzten Maschine ist gleich dem
- Produkt der Kraftgewinne der einzelnen einfachen Maschinen^.
-
-
-Aufgaben:
-
-#176.# Welchen Druck übt eine Schraubenspindel von 8 _mm_ Ganghöhe aus,
-wenn an einem Schlüssel von 40 _cm_ Länge eine Kraft von 25 _kg_ wirkt?
-
-#177.# Wie lange muß man den Schlüssel einer Schraube von 13 _mm_
-Ganghöhe wählen, damit eine Kraft von 15 _kg_ einen Druck von 50 Ztr.
-hervorbringt?
-
-#178.# Eine Schraubenspindel von 18 _mm_ Ganghöhe soll gehoben werden
-durch Umdrehung der Mutter; die Mutter hat am Rande 60 Zähne, in welche
-ein Trieb von 8 Zähnen eingreift; dieser wird durch eine Kurbel von je
-32 _cm_ Radius gedreht, an welcher zwei Männer mit je 15 _kg_ Kraft
-angreifen. Welche Last darf an der Spindel hängen, wenn ¹/₃ durch
-Reibung verloren geht?
-
-
-261. Gleichförmige Bewegung.
-
-^Eine gleichförmige Bewegung ist eine solche, bei welcher in gleichen
-Zeiten gleiche Wege zurückgelegt werden^. ^Geschwindigkeit^ ist der Weg,
-den der Körper in einer Zeiteinheit (meistens in 1") zurücklegt.
-Bezeichnet man die Geschwindigkeit mit ~c~, die Zeit mit ~t~, so ist der
-Weg ~s~:
-
- ~s = c t~.
-
-Eine gleichförmige Bewegung findet unter folgenden Verhältnissen statt:
-1. Wenn ein Körper eine Geschwindigkeit hat und sonst auf ihn weder eine
-Kraft noch ein Hindernis einwirkt; er behält dann nach dem
-Trägheitsgesetze die Geschwindigkeit unverändert bei; die Bewegung ist
-dabei gradlinig, da ein Körper auch die Richtung der Bewegung nicht
-selbständig zu verändern vermag. 2. Wenn ein Körper schon eine
-Geschwindigkeit hat, und auf ihn eine Kraft wirkt, welche gerade
-imstande ist, die der Bewegung entgegenwirkenden Kräfte oder
-entgegenstehenden Hindernisse zu überwinden. Beispiele: ein auf der
-Straße fahrender Wagen, der Eisenbahnzug, wenn er auf ebener Strecke im
-Laufen ist, das Schiff, das durch Wind oder Dampf (oder Strömung) oder
-beides in gleichförmiger Bewegung erhalten wird u. s. f. Bei dieser
-Bewegung muß Arbeit aufgewendet werden, da eine Kraft längs eines Weges
-wirkt; ihre Größe wird gemessen durch das Produkt aus Kraft mal Weg. 3.
-Man nennt eine Bewegung auch dann noch gleichförmig, wenn in einer der
-vorigen Arten die Richtung der Bewegung beständig so verändert wird, daß
-statt der geradlinigen eine krummlinige Bewegung eintritt, die
-Geschwindigkeit aber unverändert bleibt. Hierüber mag vorderhand die
-Bemerkung genügen, daß eine von außen auf den Körper einwirkende Kraft
-notwendig ist, um diese Richtungsänderung hervorzubringen.
-
-
-Aufgaben:
-
-#179.# Welche Geschwindigkeit hat ein Körper, der in 1 Std. 37 Min. 28,6
-_km_ zurücklegt?
-
-#180.# Welchen Weg legt ein Dampfer bei 11 Knoten Geschwindigkeit in 3
-Tg. 6 Std. zurück? (Ein Knoten = ¹/₆₀ engl. Seemeile in 1 Min.)
-
-
-262. Der freie Fall.
-
-Nach dem Trägheitsgesetz verharrt jeder Körper in seinem Zustand der
-Ruhe oder der gleichförmigen geradlinigen Bewegung, solange nicht eine
-Kraft auf ihn wirkt. Wirkt eine Kraft auf ihn, so ändert sie den
-Bewegungszustand, indem sie die Bewegung langsamer oder rascher macht,
-oder auch deren Richtung ändert. Die einfachste Art einer solchen
-Wirkung ist die einer ^konstanten^, d. h. ^der Größe oder Intensität
-nach gleichbleibenden^ Kraft. Wir wählen dazu als Beispiel die
-^Schwerkraft^, die ja innerhalb der gewöhnlich vorkommenden Grenzen als
-konstant angenommen werden darf.
-
-Ist der Körper anfangs in Ruhe, so erteilt ihm die Schwerkraft eine
-Bewegung, und zwar erhält er im Laufe einer Sekunde eine
-^Geschwindigkeit^ von ca. 10 _m_; d. h. wenn am Ende der ersten Sekunde
-die Schwerkraft aufhören würde zu wirken, und der Körper bloß dem
-Beharrungsvermögen folgen würde, so würde er in jeder folgenden Sekunde
-einen Weg von 10 _m_ zurücklegen.
-
-In der zweiten Sekunde behält er die erlangte Geschwindigkeit von 10 _m_
-bei und bekommt durch die Schwerkraft, welche während der zweiten
-Sekunde ebenso wirkt wie in der ersten, noch eine Geschwindigkeit von 10
-_m_ dazu, so daß er am Ende der zweiten Sekunde eine Geschwindigkeit von
-20 _m_ hat. Während der dritten Sekunde behält er die Geschwindigkeit
-von 20 _m_ bei und bekommt wieder eine Geschwindigkeit von 10 _m_ dazu,
-so daß er am Ende der dritten Sekunde eine Geschwindigkeit von 30 _m_
-hat. So geht es fort; nach ~n~ Sekunden ist seine Geschwindigkeit = ~n~
-· 10 _m_. Der Betrag von 10 _m_ ist nicht genau, sondern ist in
-Wirklichkeit 9,809 _m_; er wird mit ~g~ bezeichnet und heißt die
-^Beschleunigung der Schwerkraft^. Da eine konstante Kraft in jeder
-Sekunde dieselbe Beschleunigung hervorbringt, so verursacht sie ^eine
-gleichförmig beschleunigte Bewegung^; der freie Fall eines schweren
-Körpers ist eine solche. Bezeichnen wir die Sekundenzahl mit ~t~, und
-die in dieser Zeit erlangte Geschwindigkeit mit ~v~, so ist
-
- ~v = g t (I)~.
-
-Wir betrachten nun die ^Wege, die der Körper in den einzelnen Sekunden
-zurücklegt^. Am Anfang der ersten Sekunde hat der Körper noch keine
-Geschwindigkeit, am Ende der ersten Sekunde hat er eine Geschwindigkeit
-= 10 _m_; da seine Geschwindigkeit hiebei gleichmäßig von 0 bis 10 _m_
-wächst, so kommt er dabei ebensoweit, wie wenn er sich mit der mittleren
-Geschwindigkeit von 5 _m_ bewegt hätte. Dies bestätigt der Versuch. In
-der zweiten Sekunde hat er am Anfang 10 _m_, am Ende 20 _m_
-Geschwindigkeit; man fand, daß der Weg in der zweiten Sekunde 15 _m_,
-gleich dem Mittel aus beiden Geschwindigkeiten ist. Ebenso hat er in der
-dritten Sekunde am Anfang 20 _m_, am Ende 30 _m_ Geschwindigkeit; der
-Weg in der dritten Sekunde beträgt 25 _m_; so geht es fort, der Weg in
-der vierten Sekunde ist 35 _m_ etc. Man fand also: ^Die Wege, welche der
-Körper in den einzelnen Sekunden zurücklegt, bilden eine arithmetische
-Reihe^, deren Anfangsglied ~a~ = 5 _m_, genauer = ½ ~g~ ist, und von
-denen jedes folgende Glied um 10 _m_, genauer um ~g~, größer ist als das
-vorhergehende; also die Differenz aufeinanderfolgender Glieder ~d~ = 10
-_m_, genauer = ~g~.
-
-Um die Höhe zu berechnen, die der Körper in ~t~ Sekunden durchfällt, so
-kann man als das einfachste schließen, daß der Körper ebensoweit kommt,
-wie wenn er ~t~ Sekunden lang sich mit der mittleren Geschwindigkeit
-
- 0 + g t g t
- ~------- = ---~
- 2 2
-
-bewegt hätte, daß also sein Weg ~s = ½ g t²~ ist. Dasselbe findet man
-auch, wenn man die Wege der einzelnen Sekunden addiert, also die ^Summe
-dieser arithmetischen Reihe bildet^; dies geschieht nach der Formel
-
- d
- ~s = n a + n · (n - 1) -~,
- 2
-
-wobei
-
- g
- ~n = t~, ~a = -~, ~d = g~
- 2
-
-zu setzen ist; also ist:
-
- g g t g t² g t g
- ~s = t · - + t (t - 1) - = --- + ---- - ---~
- 2 2 2 2 2
-
- t²
- ~s = g -- (II)~.
- 2
-
-
-263. Beweis der Fallgesetze.
-
-Diese zwei Formeln
-
- g t²
- ~#v = g t (I), s = ---- (II)#~
- 2
-
-[Abbildung: Fig. 351.]
-
-enthalten die ^Fallgesetze^ und wir betrachten jetzt, wie sie ihr
-berühmter Entdecker ^Galilei^ gefunden und bewiesen hat. Der ^schiefe
-Turm zu Pisa^ gab ihm Gelegenheit, zu untersuchen, von welcher Höhe er
-eine Bleikugel fallen lassen müsse, damit sie nach einer oder nach zwei
-oder nach drei Sekunden zu Boden fällt, und er fand, daß die Höhe bei
-zwei Sekunden 4 mal, bei drei Sekunden 9 mal so groß sein muß wie bei
-einer Sekunde: ^die Fallhöhen verhalten sich wie die Quadrate der
-Zeiten^ (~II~). Hieraus das Fallgesetz ahnend, untersuchte er es durch
-den Fall auf der schiefen Ebene: Er nahm eine lange Holzrinne, mit
-glattem Pergament ausgekleidet, neigte sie etwas (schiefe Ebene) und
-ließ Elfenbeinkugeln herabrollen. Hiebei ist die Masse der Kugel
-dieselbe wie beim freien Falle, aber während beim freien Falle die ganze
-Schwerkraft auf die Masse bewegend wirkt, ^wirkt auf der schiefen Ebene
-bloß die parallel der schiefen Ebene wirkende Komponente^ ~P = Q · sin
-α~ bewegend. Diese ist aber kleiner (~sin α~ mal größer), deshalb bringt
-diese Kraft auch eine kleinere Beschleunigung hervor (eine ~sin α~ mal
-größere Beschleunigung). Die Bewegung ist also auch eine gleichförmig
-beschleunigte Bewegung, nur statt ~g~ steht überall ~g · sin α~; so fand
-Galilei, daß stets der Weg ~s~ ausdrückbar war durch
-
- t²
- ~s = g · sin α · --~,
- 2
-
-wie er auch die Neigung ~α~, die Zeit ~t~ oder den Weg ~s~ veränderte.
-So fand und bewies Galilei nicht bloß das Gesetz vom freien Falle,
-sondern auch das vom Falle auf der schiefen Ebene; bei letzterer ist
-also die Beschleunigung = ~#g sin α#~, demnach ~#v = g t · sin α#~, und
-~#s = ½ g t² · sin α#~.
-
-Die ^Atwoodsche Fallmaschine^ (1784) besteht aus einer vertikalen Säule,
-auf welcher oben eine sehr leicht ^drehbare leichte Rolle^ angebracht
-ist; um sie ist ein Faden gelegt, an dessen Enden cylindrische Gewichte
-von etwa je 200 _g_ hängen; diese halten sich das Gleichgewicht. Legt
-man auf ein Gewicht ein Übergewicht etwa von 10 _g_, so sinkt dieses,
-während das andere steigt; aber diese Bewegung ist sehr langsam. Würde
-man nämlich das Übergewicht, 10 _g_, frei fallen lassen, so würde die
-Kraft von 10 _g_ dazu verwendet werden, um eine Mass von 10 _g_ in
-Bewegung zu setzen, das gäbe die Beschleunigung ~g~ = 10 _m_. Liegen
-aber die 10 _g_ Übergewicht auf dem einen Gewichte, so wird nun die
-Kraft von 10 _g_ dazu verwendet, um die Masse von 410 _g_ in Bewegung zu
-setzen, also eine 41 mal größere Masse; ^deshalb bekommt diese 41 mal
-größere Masse auch nur eine 41 mal kleinere Beschleunigung^, ~g′~ =
-¹⁰/₄₁ _m_, ^macht also eine verhältnismäßig langsame Bewegung^. Man
-bringt ein passendes Übergewicht an und untersucht, ob die Fallräume dem
-Gesetz entsprechen; man macht mehrere Versuche mit verschiedenen
-Übergewichten, wohl auch mit verschiedenen Massen, und findet, daß auch
-diese Bewegungen dem Gesetz entsprechen.
-
-Mit diesem Apparat kann man auch die Richtigkeit des ersten Gesetzes ~v
-= g t~ beweisen durch Messung der Endgeschwindigkeiten. Man gibt dem
-Übergewichte die Form eines Stäbchens, das horizontal auf das Gewicht
-gelegt wird, so daß seine Enden herausragen; man beobachtet dann, wie
-weit das Gewicht in einer Sekunde heruntersinkt, und bringt an dieser
-Stelle einen Ring an, der das Gewicht durchgehen läßt, das herausragende
-Übergewicht aber auffängt. Die Gewichte bewegen sich dann mit der ihnen
-eigentümlichen Geschwindigkeit weiter, ohne daß die Schwerkraft an ihnen
-beschleunigend wirkt, sie legen also in den folgenden Sekunden Räume
-zurück, die der Endgeschwindigkeit der ersten Sekunde entsprechen. Man
-mißt diese Räume und findet so das Gesetz der Endgeschwindigkeit
-bestätigt. Wenn etwa das Gewicht in der ersten Sekunde 12 _cm_
-zurücklegt (~s₁~ = ½ · 24 · 1²), so findet man, daß es, vom Übergewichte
-befreit, in jeder folgenden Sekunde 24 _cm_ zurücklegt (~v₁~ = 24 · 1).
-Hat es in den ersten zwei Sekunden 48 _cm_ zurückgelegt (~s₂~ = 24 · 2²)
-so findet man, daß es, vom Übergewichte befreit, in jeder folgenden
-Sekunde 48 _cm_ zurücklegt (~v₂~ = 24 · 2) u. s. f.
-
-Bei der Wirkung einer konstanten Kraft, also auch beim freien Falle, ist
-die ^Beschleunigung konstant^, d. h. der Geschwindigkeitszuwachs ist in
-gleichen Zeiten gleich groß. ^Die Endgeschwindigkeit ist proportional
-der Zeit^ (~v = g t~), ^und der Weg oder die Fallhöhe ist proportional
-dem Quadrate der Zeit^ (~s~ = ½ · ~g t~²). Aus beiden Gleichungen
-folgt: ~v = √(2 g s)~, #die Endgeschwindigkeit ist proportional der
-Quadratwurzel der Fallhöhe# (und proportional der Quadratwurzel aus der
-Beschleunigung).
-
-
-Aufgaben:
-
-#181.# Wie lange braucht ein Körper, um eine Höhe von 68 _m_ (274 _m_)
-zu durchfallen, und welche Endgeschwindigkeit erlangt er?
-
-#182.# Mit welcher Endgeschwindigkeit kommt das Wasser am Fuße eines 23
-_m_ hohen Wasserfalles, oder einer 2,4 _m_ hohen Schleuse an?
-
-#183.# Von welcher Höhe muß ein Körper herunterfallen, um eine
-Endgeschwindigkeit von 1 _m_ (30 _m_, 50 _m_) zu erlangen?
-
-
-264. Fall auf der schiefen Ebene.
-
-Für die schiefe Ebene gelten die Gesetze:
-
- ~#v = g t sin α#~,
-
- g t²
- ~#s = ---- sin α#~,
- 2
-
- ~#v = √(2 g s sin α)#~.
-
-Wir beweisen: Wenn ein Körper über eine schiefe Ebene von der Höhe ~h~
-und beliebiger Neigung ~α~ herunterläuft, so erlangt er dieselbe
-Endgeschwindigkeit, wie wenn er die Höhe der schiefen Ebene frei
-durchfällt.
-
-[Abbildung: Fig. 352.]
-
-Beim freien Fall über die Höhe ~h~ ist seine Endgeschwindigkeit ~v = √(2
-g h)~. Beim Fall auf der schiefen Ebene ist ~v = √(2 g s sin α)~; aber
-~s~ ist hiebei die Länge ~l~ der schiefen Ebene: diese ist
-
- h h
- ~l = -----~; also ~v = √(2 g ----- · sin α) = √(2 g h)~
- sin α sin α
-
-wie vorher. Es ist also auch gleichgültig, ob die schiefe Ebene ihre
-Neigung verändert (krumme Bahn). ^Die Endgeschwindigkeit ist auf allen
-in der Fig. 352 gezeichneten und ähnlichen Wegen dieselbe, und zwar die
-durch den freien Fall über die Höhe erlangte^.
-
-Beweise: Ein Körper durchfällt den Durchmesser eines Kreises in
-derselben Zeit, in welcher er irgend eine vom oberen Ende des
-Durchmessers ausgehende (oder zum unteren Ende führende) Sehne des
-Kreises durchläuft.
-
-
-Aufgaben:
-
-#184.# Wie lange braucht ein Körper, um eine schiefe Ebene von 84 _m_
-(200 _m_) Länge und von 16° (22½°) Steigung zu durchlaufen, und welche
-Endgeschwindigkeit erlangt er dabei?
-
-#185.# Wie hoch muß eine schiefe Ebene von ~α~° (25°) Steigung sein,
-damit ein Körper mit der Endgeschwindigkeit ~v~ = 16 _m_ unten ankommt?
-
-#186.# Um eine Rinne von 30 _m_ Länge zu durchlaufen, braucht das Wasser
-5"; wie groß ist deren Steigung, und mit welcher Geschwindigkeit kommt
-das Wasser unten an?
-
-
-265. Bewegung eines vertikal geworfenen Körpers.
-
-Bewegung eines ^vertikal abwärts geworfenen Körpers^. Der Körper hat
-eine Anfangsgeschwindigkeit = ~a~ und bekommt durch die Schwerkraft
-einen Geschwindigkeitszuwachs ~g~ in 1", ~g t~ in ~t"~. ^Durch die
-Wirkung der Schwerkraft bekommt der Körper in gleichen Zeiten stets
-dieselbe Geschwindigkeitsänderung gleichgültig, welche Bewegung er
-anfangs hatte^. Diese Geschwindigkeit ~g t~ tritt zur schon vorhandenen
-~a~ hinzu, also
-
- ~#v = a + g t#~.
-
-Weg in der ersten Sekunde: Am Anfang der ersten Sekunde hat er eine
-Geschwindigkeit ~a~, am Ende eine Geschwindigkeit ~a + g~; der Weg in
-der ersten Sekunde ist demnach wie früher gleich dem Mittel aus beiden
-Geschwindigkeiten, = ~a + ½ g~; ebenso findet man den Weg in der zweiten
-Sekunde = ~a + ½ g + g~, in der dritten Sekunde = ~a + ½ g + 2 g~ etc.
-^Die Wege in den einzelnen Sekunden bilden wieder eine arithmetische
-Reihe^, deren Anfangsglied = ~a + ½ g~, deren Differenz = ~g~, deren
-Summe also
-
- ( g) g t g t² g t g
- ~s = t (a + -) + t · (t - 1) · -~ = ~a t + --- + ---- - ---~
- ( 2) 2 2 2 2
-
- g t²
- ~#s = a t + -----#~.
- 2
-
-Der Weg ist gleich der Summe der Wege, die durch die einzelnen Ursachen
-hervorgebracht würden.
-
-^Bewegung eines senkrecht nach aufwärts geworfenen Körpers^. Hiebei
-^verringert^ die Schwerkraft die vorhandene Geschwindigkeit in jeder
-Sekunde um ~g~, also in ~t"~ um ~g t~, also ist
-
- ~#v = a - g t#~.
-
-Der Weg in der ersten Sekunde ist, ähnlich wie früher, = ~a - ½ g~, in
-der zweiten = ~a - ½ g - g~, in der dritten = ~a - ½ g - 2 g~ u. s. w.;
-^diese Wege bilden wieder eine arithmetische Reihe^, deren Differenz =
-~- g~, also ist der in ~t"~ durchlaufende Weg, oder die Summe:
-
- ( g) g
- ~s = t (a - -) - t · (t - 1) -~,
- ( 2) 2
-
-oder vereinfacht:
-
- g t²
- ~#s = a t - ----#~.
- 2
-
-Der Weg ist gleich der Differenz der Wege, die durch die einzelnen
-Ursachen hervorgebracht würden.
-
-#Der vertikal geworfene Körper steigt so lange, bis seine
-Endgeschwindigkeit = 0 ist#, also 0 = ~a - g t~; hieraus
-
- a
- ~#t = -#~.
- g
-
-Der zurückgelegte Weg, die ^Steighöhe^, berechnet sich aus
-
- g t²
- ~s = a t - ----~,
- 2
-
-wenn man
-
- a
- ~t = -~
- g
-
-setzt. Es ist
-
- a² g a²
- ~s = -- - ----~;
- g 2 g²
-
- a²
- ~#s = ---~.
- 2 g
-
-#Die Steighöhe ist dem Quadrat der Anfangsgeschwindigkeit proportional#;
-wird der Körper mit doppelt so großer Anfangsgeschwindigkeit geworfen,
-so steigt er 4 mal so hoch.
-
-Ist der Körper an diesem höchsten Punkte angelangt, so hat er einen
-Moment lang die Geschw. = 0; dann fällt er nach den gewöhnlichen
-Fallgesetzen. Die Zeit, die er braucht, um die erreichte Höhe wieder
-herabzufallen, berechnet sich aus
-
- t² a² a² g t²
- ~s = g --~, wobei ~s = ---~; das gibt --- = ----~,
- 2 2 g 2 g 2
-
-hieraus ist
-
- a
- ~t = -~,
- g
-
-d. h. #der Körper braucht zum Herabfallen dieselbe Zeit wie zum
-Hinaufsteigen#. Die Endgeschw., mit der er am Boden ankommt, berechnet
-sich aus ~v = g t~, wo
-
- a a
- ~t = -, also ~v = g · -~,
- g g
-
-~#v = a~; er kommt mit derselben Geschwindigkeit an, mit der er geworfen
-wurde#.
-
-Die Zeit, welche ein Körper braucht, um einen Punkt ~B~ in der Höhe ~h~
-zu erreichen, berechnet sich aus ~h = a t - ½ g t²~, und ist
-
- 1
- ~t = - (a ± √(-2 g h + a²))~.
- g
-
-Der eine Wert, entsprechend - √, gibt an, in welcher Zeit der Körper den
-Punkt ~B~ erreicht; der andere Wert, entsprechend + √, gibt an, welche
-Zeit der Körper braucht, um bis zum höchsten Punkte zu gelangen und von
-dort aus wieder herunterzufallen, bis er den Punkt ~B~ von oben her
-trifft. Die Geschwindigkeit, die er in ~B~ hat, berechnet sich aus
-
- 1
- ~v = a - g t~ für ~t = - (a ± √(-2 g h + a²))~; also
- g
-
- ~v = a - a ∓ √(-2 g h + a²)~
-
- ~v = ∓ √(-2 g h + a²)~.
-
-Der positive Wert bedeutet die nach ^aufwärts gerichtete^
-Geschwindigkeit, mit welcher er den Punkt ~B~ erreicht; der negative
-bedeutet die ^abwärts gerichtete^ Geschwindigkeit, mit der er beim
-Herunterfallen wieder im Punkte ~B~ anlangt; ^beide Geschwindigkeiten
-sind gleich groß^ und zwar für jeden Wert von ~h~; #der Körper
-durchläuft jeden Punkt seiner Bahn zweimal, einmal beim Hinauf-, einmal
-beim Heruntergehen, beidesmal mit derselben Geschwindigkeit#. Die Werte
-von ~t~ und ~v~ werden imaginär, wenn ~2 g h > a²~, oder wenn
-
- a²
- ~h > ---~,
- 2 g
-
-also wenn ~B~ höher liegt als der höchste Punkt, den der Körper
-erreichen kann.
-
-
-Aufgaben:
-
-#187.# Wie hoch fliegt eine Kanonenkugel, welche mit 440 _m_
-Anfangsgeschwindigkeit aufwärts geworfen wird, und mit welcher
-Geschwindigkeit müßte sie abgeschossen werden, um die Höhe des Montblanc
-(= 4810 _m_) oder die des Gaurisankar (= 8840 _m_) zu erreichen?
-
-#188.# Ein Körper fällt frei herab. Am Schlusse der 3. Sekunde wird ihm
-ein anderer Körper nachgeworfen, welcher am Ende der 5. Sek. von ihm
-einen Abstand von 40 _m_ hat. Wann treffen die Körper zusammen?
-
-#189.# Ein Körper wird mit 156,8 _m_ Anfangsgeschwindigkeit senkrecht
-auswärts geworfen. 18 Sek. später wird ihm ein zweiter mit 186,2 _m_
-Anfangsgeschwindigkeit nachgeworfen. Wann und wo treffen sie sich? Wenn
-sie nach dem Zusammentreffen wie beim zentralen Stoße mit vertauschten
-Geschwindigkeiten voneinander zurückprallen, wann kommt dann jeder
-wieder auf den Boden? (~g~ = 9,8 _m_.)
-
-#190.# Ein lotrecht in die Höhe geworfener Körper hat eine Höhe ~a~ =
-80,35 _m_ mit einer Geschwindigkeit ~b~ = 1,68 _m_ erreicht. Mit welcher
-Geschwindigkeit ist er ausgegangen und welche Zeit hat er gebraucht, um
-bis zu jener Höhe zu gelangen (~g~ = 9,81 _m_)?
-
-#191.# Ein Körper wird senkrecht in die Hohe geworfen mit 75 _m_
-Anfangsgeschwindigkeit. Mit welcher Anfangsgeschwindigkeit muß ihm 4"
-später ein zweiter folgen, wenn er den ersten in dessen höchstem Punkte
-(in seinem eigenen h. P.) erreichen soll?
-
-#192.# Wie hoch wird ein Körper gestiegen sein, der nach 12" (15", 40")
-wieder zur Erde kommt? Wie groß war seine Anfangsgeschwindigkeit?
-
-
-266. Ausflußgeschwindigkeiten von Flüssigkeiten.
-
-Beim Springbrunnen erlangt das ausfließende Wasser seine Geschwindigkeit
-dadurch, daß es von den benachbarten Wasserteilen gedrückt wird. Sobald
-es aber die Röhre verlassen hat, steht es nicht mehr unter diesem
-Drucke, sondern ist anzusehen als ein mit Geschwindigkeit begabter
-Körper, der vermöge dieser Geschwindigkeit eine gewisse Steighöhe
-erreicht, und diese Steighöhe ist nach dem Gesetz des Springbrunnens
-gleich der Höhe des Wassers im Gefäße.
-
-Da aber die Geschwindigkeit, welche ein nach aufwärts geworfener
-Körper haben muß, um eine gewisse Steighöhe ~h~ zu erreichen, gleich
-ist der Geschwindigkeit, welche der Körper erlangen würde, wenn er
-frei über dieselbe Höhe ~h~ herunterfallen würde, so folgt: #die
-Ausflußgeschwindigkeit ist so groß, wie wenn das Wasser den vertikalen
-Abstand vom Niveau des Wassers im Gefäße bis zur Mündung frei
-durchfallen hätte# (Torricelli).
-
- ~v = √(2 g h)~.
-
-[Abbildung: Fig. 353.]
-
-Die Ausflußgeschwindigkeit ist proportional der Quadratwurzel aus der
-Höhe; eine Öffnung, welche 2 mal so tief unter dem Niveau liegt, liefert
-√2 mal so viel Wasser, und eine Öffnung, welche 2 mal so viel Wasser
-liefern soll, muß 4 mal so tief unter dem Niveau liegen.
-
-Die Menge des in einer gewissen Zeit ausfließenden Wassers ist gleich
-dem Produkt aus Querschnitt mal Geschwindigkeit, also = ~q · v~, oder =
-~q · √(2 g h)~ in jeder Sekunde.
-
-In Wirklichkeit ist die Ausflußmenge stets geringer als eben berechnet.
-Dies rührt her von einer ^Zusammenziehung des ausfließenden Strahles^,
-welche beginnt, sobald das Wasser die Mündung verläßt, so daß nicht der
-Querschnitt der Mündung sondern der Querschnitt der dünnsten Stelle des
-ausfließenden Strahles als Ausflußöffnung anzusehen ist.
-
- Ist die Ausflußöffnung in einer dünnen Wand ohne Ausflußrohr, so ist
- die wirkliche Ausflußmenge nur 0,6 der berechneten. Bei konischem
- Ansatzrohre, dessen Form dem sich zusammenziehenden Strahle
- entspricht, ist die Ausflußmenge so groß, wie berechnet, wenn man den
- vordersten engsten Querschnitt des Rohres als Ausflußöffnung
- betrachtet. Ein cylindrisches (kurzes) Ansatzrohr liefert mehr Wasser
- als die bloße Öffnung von gleichem Querschnitt, jedoch weniger als ein
- konisches Rohr von gleichem vorderen Querschnitt.
-
-Wenn das Wasser aus einer Öffnung fließt, so ist es gleichgültig, ob der
-das Ausfließen bewirkende Druck herrührt von einer Wassersäule oder von
-einer anderen Kraft, etwa dem ^Drucke komprimierter Luft^, wie beim
-Heronsballe oder dem Windkessel einer Feuerspritze. Da ein Überdruck von
-1 Atmosphäre gleich ist dem Druck einer Wassersäule von 10 _m_ Höhe
-(genauer 10,33 _m_ Höhe = 76 · 13,596 _cm_), so muß das Wasser so rasch
-ausfließen, daß es eine Steighöhe von 10,33 _m_ erreichen kann; seine
-Geschwindigkeit ist √(2~g~ · 10,33) = 14,23 _m_.
-
-Bei einem Überdruck von ~p~ Atmosphären ist die Ausflußgeschwindigkeit =
-~√(2 g · p · 10,33)~ _m_; #die Ausflußgeschwindigkeiten sind den
-Quadratwurzeln ans den Überdrücken proportional#.
-
-Ist der Heronsball mit Spiritus (sp. G. = ~s~, etwa = 0,81) beschickt,
-so entspricht einem Überdrucke von einer Atmosphäre eine Höhe von
-
- 10,33 10,33
- ----- _m_ = ----- = 12,7 _m_
- s 0,81
-
-Spiritus. Es muß also der ausfließende Spiritus eine Steighöhe von
-
- 10,33
- ----- _m_ = 12,7 _m_
- s
-
-erreichen. (Vergl. § 30.) Entsprechend dieser Steighöhe ist die
-Ausflußgeschwindigkeit
-
- ( 10,33)
- ~v = √(2 g -----) _m_ = 15,8 _m_.
- ( s )
-
-Dasselbe gilt von anderen Flüssigkeiten, wie Öl, Quecksilber u. s. w.
-mit anderen spezifischen Gewichten ~s′~, ~s′′~ u. s. w. #Bei demselben
-Überdrucke verhalten sich die Ausflußgeschwindigkeiten zweier
-Flüssigkeiten wie umgekehrt die Quadratwurzeln aus ihren spezifischen
-Gewichten.#
-
-
-Aufgaben:
-
-#193.# Wie tief muß eine Ausflußöffnung von 1,4 _qcm_ Querschnitt unter
-dem Wasserniveau liegen, wenn sie in der Minute 80 _l_ Wasser liefern
-soll? und welchen Querschnitt muß sie haben, um bei halber Tiefe die
-nämliche Wassermenge zu liefern?
-
-#194.# Zwei große Wasserbehälter sind unten durch eine Röhre verbunden.
-Mit welcher Geschwindigkeit bewegt sich in ihr das Wasser, wenn eine
-Niveaudifferenz von 38 _cm_ vorhanden ist?
-
-#195.# Mit welcher Geschwindigkeit fließt Wasser aus einem Windkessel,
-wenn in diesem die Luft einen Überdruck von 26 _cm_ Quecksilberhöhe hat?
-
-#195~a~.# Mit welcher Geschwindigkeit fließt Quecksilber bei einem
-Überdruck von 1 Atm.?
-
-
-267. Ausflußgeschwindigkeit von Gasen.
-
-Demselben Gesetze gehorchen auch die luftförmigen Körper. Es ist z. B.
-die gewöhnliche Luft 773 mal leichter (0,001293 mal schwerer) als
-Wasser, also ist ihre Ausflußgeschwindigkeit √773 = 27,81 mal größer als
-die des Wassers. Wasser hat aber bei einem Überdruck von 1 Atm. eine
-Ausflußgeschwindigkeit von √(2 ~g~ · 10,33) = 14,23 _m_; also hat Luft,
-wenn sie in einem Behälter unter einem konstanten Druck von 1 Atmosphäre
-steht, und von diesem aus in einen luftleeren (und beständig luftleer
-gehaltenen) Raum ausströmt, eine Ausflußgeschwindigkeit von
-
- ( 10,33 )
- ~27,8 · 14,23 = 396 _m_ = √(2 g · --------)~.
- ( 0,001293)
-
-Strömt Luft aus einem Behälter, in dem sie einen konstanten Druck von 5
-Atmosphären hat, in die freie Luft aus, so ist ihre Geschwindigkeit
-
- ( 10,33 )
- ~v = √(2 g · p · ------)~;
- ( s )
-
-hierbei ist ~p~ = 4 Atmosphären Überdruck, ~s~ = 0,00129 · 5, weil das
-sp. G. dieser komprimierten Luft 5 mal so groß ist wie das der
-gewöhnlichen Luft (Mariottescher Satz).
-
-Demnach
-
- ( 10,33 )
- ~v = √(2 · 9,809 · 4 · -----------) = 354 _m_.
- ( 0,00129 · 5)
-
-Läßt man diese Luft in einen luftleeren Raum ausströmen, so ist der
-Überdruck = 5 Atmosphären, also
-
- ( 10,33 )
- ~v = √(2 · 9,809 · 5 · -----------)~ =
- ( 0,00129 · 5)
-
- ( 10,33 )
- √(2 · 9,809 · -------) = 396 _m_.
- ( 0,00129)
-
-Die Luft strömt bei jedem Drucke mit gleicher Geschwindigkeit (396 _m_)
-gegen den luftleeren Raum aus, liefert also in gleichen Zeiten gleiche
-Volumina. Da aber die Dichten und Gewichte derselben sich wie die Drücke
-verhalten, so folgt, daß hierbei die Luftmengen dem Gewichte nach sich
-wie die Druckkräfte verhalten.
-
-Ferner folgt: die Ausflußgeschwindigkeiten zweier Gase verhalten sich
-umgekehrt wie die Quadratwurzeln aus ihren spezifischen Gewichten. Da
-das sp. G. des Wasserstoffes in bezug auf Luft = 0,06926 ist, so ist
-dessen Ausflußgeschwindigkeit √0,06926 = 0,263 mal kleiner, also 3,8 mal
-größer, als die der Luft.
-
-Da Wasserstoff 16 mal leichter ist als Sauerstoff, so ist seine
-Ausflußgeschwindigkeit 4 mal größer als die des Sauerstoffes; es würden
-also gleichgroße Öffnungen 4 mal mehr Wasserstoff als Sauerstoff
-liefern. Zu Knallgas in richtiger Mischung muß aber Wasserstoff 2 mal
-mehr (dem Volumen nach) sein als Sauerstoff; deshalb muß die Öffnung der
-Röhre des Wasserstoffes 2 mal kleiner, ihr Durchmesser also √2 mal
-kleiner sein als beim Sauerstoff.
-
-
-Aufgaben:
-
-#196.# Mit welcher Geschwindigkeit strömt Luft von 2 Atm. Druck in Luft
-von 1 Atm. Druck?
-
-#197.# Mit welcher Geschwindigkeit strömt Luft von 758,4 _mm_
-Quecksilberdruck in Luft von 752,4 _mm_ Druck?
-
-#198.# Mit welcher Geschwindigkeit strömt Luft aus einem Behälter, in
-welchem sie 8 _cm_ Wasserhöhe Überdruck hat, in die freie Luft aus, wenn
-der Barometerstand 760 _mm_ (742 _mm_, 718 _mm_) ist?
-
-#199.# Mit welcher Geschwindigkeit strömt unter den Bedingungen von
-Aufgabe 198 Leuchtgas (sp. G. = 0,87), Kohlensäure (sp. G. = 2,4) aus?
-
-
-268. Bewegung der schiefen Ebene.
-
-Hat ein Körper auf der schiefen Ebene schon eine Anfangsgeschwindigkeit
-in der Richtung der schiefen Ebene = ~a~, so ist, wenn ~a~ nach abwärts
-gerichtet ist:
-
- ~v = a + g t sin α~; ~s = a t + ½ g t² · sin α~;
-
-wenn ~a~ nach aufwärts gerichtet ist, so ist:
-
- ~v = a - g t sin α~; ~s = a t - ½(g t²) · sin α~.
-
-Er steigt im letzteren Falle so lange, bis
-
- a
- ~0 = a - g t sin α~, also ~t = -------~,
- g sin α
-
-und durchläuft dabei den Weg
-
- a² g sin α a²
- ~s = ------- - ------- · ---------~
- g sin α 2 g² sin² α
-
-
- a²
- ~s = ---------~.
- 2 g sin α
-
-
-Aufgaben:
-
-#200.# Wasser schießt unter einer Schleuse von 1,4 _m_ Stauhöhe
-heraus in eine Rinne von 12 _m_ Länge und 16° Neigung. Welche
-Endgeschwindigkeit erlangt es?
-
-#201.# Wie hoch kommt ein Körper auf einer schiefen Ebene von 15° bei 8
-_m_ Anfangsgeschwindigkeit?
-
-#202.# Von einem Turme fällt ein Körper in 4" frei herab, während er auf
-der schiefen Ebene in 10" ohne Reibung vom Turme aus heruntergleiten
-würde. Wie hoch ist der Turm, wie lang die schiefe Ebene, wie groß ihre
-Neigung, und wie groß die Endgeschwindigkeit des Körpers?
-
-#203.# Auf einer ~l~ = 1500 _m_ langen um ~α~ = 12° geneigten Ebene
-bewegen sich zwei Körper, der eine vom untern Ende nach aufwärts mit
-einer Anfangsgeschwindigkeit ~c~ = 60 _m_, der andere gleichzeitig ohne
-Anfangsgeschwindigkeit von oben nach abwärts. Wo und mit welchen
-Geschwindigkeiten treffen sie sich?
-
-#204.# Zwei Körper werden auf zwei schiefen Ebenen von den Neigungen
-~α₁~ und ~α₂~ mit derselben Anfangsgeschwindigkeit nach aufwärts
-geworfen. Wie verhalten sich die auf beiden zurückgelegten Wege bis
-dorthin, wo die Körper zur Ruhe kommen?
-
-#205.# Ein Körper rollt über eine schiefe Ebene von 12 _m_ Höhe und 22½%
-Neigung, kommt dann auf eine horizontale Ebene, auf welcher er die
-horizontale Komponente seiner Geschwindigkeit beibehält; nach wie viel
-Sekunden erreicht er das Ende der 100 _m_ langen horizontalen Bahn?
-
-
-269. Der schiefe Wurf.
-
-Wirkt eine Kraft unter einem Winkel auf einen bewegten Körper, so setzt
-sich die durch die Kraft hervorgebrachte Beschleunigung mit der schon
-vorhandenen Geschwindigkeit zu einer resultierenden Geschwindigkeit
-zusammen, deren Richtung und Größe durch die Diagonale eines
-^Geschwindigkeitsparallelogrammes^ gefunden wird, das ebenso konstruiert
-wird wie das Kräfteparallelogramm.
-
-[Abbildung: Fig. 354.]
-
-Umgekehrt kann eine Geschwindigkeit in zwei Geschwindigkeiten mittels
-des Parallelogramms zerlegt werden.
-
-Soll ein Körper aus zweierlei Ursachen zweierlei Wege zu gleicher Zeit
-zurücklegen, so kann man aus den zwei Wegen ein ^Parallelogramm^
-konstruieren (Fig. 354), und im Endpunkt der Diagonale befindet sich der
-Körper nach Ablauf der Zeit. Jedoch gibt die Diagonale nicht immer den
-Weg an, auf welchem sich der Körper wirklich bewegt, insbesondere dann
-nicht, wenn die Bewegungsursachen der Art nach verschieden sind. Hat z.
-B. der in ~A~ befindliche Körper eine Geschwindigkeit, vermöge deren er
-in ~t′′~ nach ~B~ kommen würde, und wirkt auf ihn zugleich die
-Schwerkraft, welche ihn in ~t′′~ von ~A~ nach ~C~ bringen würde, so
-befindet er sich nach ~t′′~ in ~D~, hat jedoch nicht den geraden Weg
-~AD~ gemacht, sondern eine krummlinige Bahn beschrieben.
-
-Wenn auf einen frei beweglichen Körper, der eine Geschwindigkeit hat,
-eine Kraft wirkt, welche hiermit einen Winkel bildet, so nennt man die
-entstehende Bewegung eine zusammengesetzte.
-
-Der schiefe Wurf ist eine ^zusammengesetzte Bewegung^ und wurde zuerst
-von Galilei untersucht.
-
-[Abbildung: Fig. 355.]
-
-Wird ein Körper schräg nach aufwärts geworfen, so beschreibt er
-bekanntlich eine ^krummlinige^ Bahn. Die einzelnen Punkte der Bahn kann
-man dadurch bestimmen, daß man von jedem Punkte eine vertikale Linie bis
-zur Erde (bis zu der durch den Anfangspunkt gelegten Horizontalen)
-zieht, und sowohl die Länge dieser Senkrechten, als auch die Entfernung
-ihres Fußpunktes vom Anfangspunkte der Bewegung mißt.
-
-Die Bewegung selbst und auch die Geschwindigkeit kann man zweckmäßig in
-zwei ^Komponenten^ zerlegen, nach horizontaler und vertikaler Richtung.
-Hat der Körper die Anfangsgeschwindigkeit ~a~, so bewegt er sich gerade
-so, wie wenn er in horizontaler Richtung eine Geschwindigkeit = ~a cos
-α~ und gleichzeitig in vertikaler Richtung eine solche = ~a sin α~
-hätte.
-
-Da in horizontaler Richtung die Geschwindigkeit durch die Schwerkraft
-nicht beeinflußt wird, so ist ~#vₕ = a cos α#~. In vertikaler Richtung
-wird die Geschwindigkeit durch die Schwerkraft vermindert in jeder
-Sekunde um ~g~ wie beim senkrechten Wurf; also ist
-
- ~#vᵥ = a sin α - g t#~.
-
-Mit der Zeit ~t~ ändert sich demnach auch die Richtung der
-Geschwindigkeit. Bezeichnet man sie mit ~β~, so ist
-
- vᵥ a sin α - g t
- ~tg β = -- = -------------~.
- vₕ a cos α
-
-Wird der Zähler = 0, so ist ~tg β~ = 0, also ~β~ = 0, d. h. ^der Körper
-läuft horizontal^ in ~H~. Dies ist der Fall, wenn ~a sin α - g t~ = 0,
-also nach
-
- a sin α
- ~t = -------~ Sekunden.
- g
-
-Wird ~t~ noch größer, so wird der Zähler und damit auch ~tg β~ negativ,
-also ~β~ ^negativ^; ^die Richtung der Bahn geht nach abwärts^. Man nennt
-den ersten Teil ~AH~ den ^aufsteigenden^ Ast der Bahn, den andern ~HW~
-den ^absteigenden^.
-
-Die krumme Linie, die der geworfene Körper beschreibt, ist eine
-^Parabel^, ~AHW~, deren Achse vertikal steht (Galilei).
-
-Die ^wirkliche Größe der Geschwindigkeit^, die er in einem bestimmten
-Punkte der Bahn, also nach bestimmter Zeit hat, setzt sich zusammen als
-Hypotenuse eines Dreieckes, dessen Katheten ~vᵥ~ und ~vₕ~ sind, also ist
-~v = √(vᵥ² + vₕ²)~.
-
- ~v = √((a sin α - g t)² + (a² cos² α))~.
-
-Auch dieser Wert wird anfangs kleiner, wenn ~t~ wächst, aber nur so
-lange bis ~a sin α - g t = 0~; also nach
-
- a · sin α
- ~T = ---------~ Sekunden
- g
-
-hat er die ^geringste Geschwindigkeit^ in ~H~. Von da an wird ~v~ wieder
-größer.
-
-Wir betrachten die ^Wegstrecken^, die er in horizontaler (~sₕ~) und
-vertikaler (~sᵥ~) Richtung zurücklegt. In horizontaler Richtung hat er
-die unveränderliche Geschwindigkeit ~a · cos α~, legt also in ~t′′~ den
-Weg ~#Sₕ = a · cos α · t#~ zurück. (~AB~). In vertikaler Richtung hat er
-die Geschwindigkeit ~a sin α~, und legt deshalb den Weg ~a · sin α · t~
-zurück nach aufwärts (~AC~); aber die Schwerkraft bewirkt zugleich einen
-Weg von ~½ g t²~ nach abwärts (~DE~); also ist der Weg in vertikaler
-Richtung gleich der Differenz beider Strecken ~DB - DE = EB~; also ~#Sᵥ
-= a · sin α · t - ½ g t²#~.
-
-Wir berechnen, wo sich der Körper befindet, wenn er den höchsten Punkt
-erreicht hat, also nach
-
- a sin α
- ~t = -------~ Sekunden;
- g
-
-es ist dann
-
- a sin α a² sin α · cos α
- ~sₕ = a cos α · ------- = ---------------- = AJ~.
- g g
-
- a sin α g a² sin² α
- ~sᵥ = a sin α · ------- - -----------~ =
- g 2 g²
-
- a² sin² α a² sin² α
- ~--------- - ---------~.
- g 2 g
-
- a² sin² α
- ~#sᵥ = ---------- = Wₕ = JH#~.
- 2 g
-
-^Die Wurfhöhe ist proportional dem Quadrat der Anfangsgeschwindigkeit^.
-
-Wir berechnen, in welcher horizontalen Entfernung ~AW~ der Körper den
-(horizontalen) Boden wieder erreicht. ^Er hat den Boden erreicht, wenn
-seine vertikale Entfernung = 0^ ist, also
-
- g t²
- ~sᵥ = 0 = a sin α t - ----~,
- 2
-
-also nach
-
- 2 a sin α
- ~t = --------- = 2 T~.
- g
-
-Der zugehörige horizontale Weg berechnet sich aus
-
- 2 a sin α
- ~sₕ = a cos α t~ für ~t = ---------~, also
- g
-
- 2 a sin α a²
- ~sₕ = a cos α · ---------- = -- 2 sin α · cos α~.
- g g
-
- a² sin 2 α
- ~#sᵥ = ----------- = Ww#~ (Wurfweite).
- g
-
-Also ~AW = 2 · AJ~. Auch die ^Wurfweite ist proportional dem Quadrate
-der Anfangsgeschwindigkeit^. Setzt man die Zeit bis zur Erreichung der
-Wurfweite
-
- 2 a sin α
- ~= ---------~
- g
-
-in die Gleichung für die Geschwindigkeit, so findet man, daß der Körper
-die horizontale Ebene wieder unter demselben Winkel und mit derselben
-Geschwindigkeit trifft, mit der er sie verlassen hat.
-
-Soll die Wurfweite
-
- a² sin 2 α
- ~Ww = -------------~
- g
-
-^möglichst groß werden^, so muß ~sin 2 α~ möglichst groß werden; da aber
-~sin 2 α~ höchstens = 1 sein kann und dies ist, wenn 2 ~α~ = 90° ist, so
-muß ~α~ = 45° sein. ^Ein unter dem Winkel von 45° geworfener Körper
-fliegt am weitesten^; dies gilt nur, wenn ein Luftwiderstand nicht
-vorhanden oder verhältnismäßig sehr klein ist. Bei Kanonenkugeln ist
-aber der Luftwiderstand beträchtlich groß; deshalb wird die größte
-Wurfweite bei zirka 30° erzielt.
-
-Der Winkel, unter welchem der Körper mit der Geschwindigkeit ~a~
-geworfen werden muß, um die Wurfweite ~w~ zu erreichen, berechnet sich
-aus
-
- a² sin 2 α g · w
- ~w = ----------~ als ~sin 2 α = -----~.
- g a²
-
-Da man den zugehörigen Winkel ~2 α~ ^spitz oder stumpf^ wählen kann (z.
-B. ~2 α~ = 70° oder 110°, beide sind um gleich viel von 90°
-verschieden), so erhält man auch 2 Winkel ~α~, (z. B. ~α~ = 35°, oder
-~α~ = 55°, beide sind um gleich viel von 45° verschieden; Galilei). Man
-kann also eine Wurfweite auf zweierlei Arten erreichen, durch Flachschuß
-und Hochschuß.
-
-Beim ^horizontalen Wurf^ mit der Anfangsgeschwindigkeit ~a~ hat man nach
-den bisherigen Bezeichnungen:
-
- ~vₕ = a~; ~vᵥ = g t~ (nach abwärts gerichtet)
-
- ~sₕ = a t~; ~sᵥ = ½ g t²~ (nach abwärts gerichtet).
-
-Der Körper beschreibt den absteigenden Ast einer Parabel.
-
- Wenn man, während das Schiff fährt, von der Spitze des Mastes einen
- Stein fallen läßt, so trifft er den Fuß des Mastes. Warum? Wie ist es
- im Eisenbahnwagen?
-
- Das Infanteriegewehr ~M~ 96, Kaliber 7 _mm_, gibt eine
- Anfangsgeschwindigkeit von 728 _m_ und eine größte Schußweite von über
- 4000 _m_ bei 32° Erhöhung; bis 600 _m_ Schußweite ist der höchste
- Punkt der Bahn nicht über Mannshöhe.
-
-
-Aufgaben:
-
-#206.# In welcher Entfernung vom Fuße eines 120 _m_ hohen Turmes fällt
-ein Stein zu Boden, der mit 16 _m_ Geschwindigkeit horizontal
-geschleudert wird, und unter welchem Winkel fällt er auf?
-
-#207.# Mit welcher Geschwindigkeit muß ein Körper horizontal
-geschleudert werden, damit er gerade den Fuß eines 216 _m_ hohen Berges
-von 39° Neigung trifft?
-
-#208.# Mit einer Flinte, deren Kugel eine Anfangsgeschwindigkeit von 400
-_m_ bekommt, schieße ich auf einen 500 _m_ entfernten, in gleicher Höhe
-befindlichen Punkt; um wie viel Grad muß ich die Flinte erheben (um wie
-viel Meter muß ich das Ziel höher annehmen) um das Ziel zu treffen?
-
-#209.# Wie groß ist die Anfangsgeschwindigkeit eines horizontal
-geworfenen Körpers, der sich auf die Länge von 160 _m_ um 12 _m_ senkt?
-
-#210.# Welche Wurfweite und Wurfhöhe erreicht ein Körper, der mit 52 _m_
-Anfangsgeschwindigkeit unter 33° geworfen wird, und welche Zeit braucht
-er dazu?
-
-#211.# Mit welcher Anfangsgeschwindigkeit muß ein Körper unter 28°
-geworfen werden, damit er eine Steighöhe von 68 _m_ erreicht, und welche
-Wurfweite erreicht er dann?
-
-#212.# Unter welchem Winkel muß ein Körper geworfen werden, damit er bei
-144 _m_ Anfangsgeschwindigkeit eine Steighöhe von 250 _m_ erreiche, und
-welche Wurfweite erreicht er?
-
-#213.# Unter welchem Winkel muß ein Körper geworfen werden, um bei einer
-Anfangsgeschwindigkeit von 280 _m_ eine Wurfweite von 2000 _m_ zu
-erreichen?
-
-#214.# Unter welchem Winkel muß ein Geschoß von ~a~ _m_ (50, 77, 80 _m_)
-Anfangsgeschwindigkeit abgeschossen werden, um eine Scheibe zu treffen,
-die in ~c~ _m_ (120, 290, 400 _m_) horizontaler Entfernung ~h~ _m_ (15,
-36, 45 _m_) vertikal über dem Boden steht?
-
-#215.# Wo und unter welchem Winkel trifft eine unter 45° abgeschossene
-Kugel von 120 _m_ (250 _m_) Anfangsgeschwindigkeit ein Plateau von 150
-_m_ (180 _m_) Höhe?
-
-#216.# Ein Körper erreicht eine Wurfhöhe von 120 _m_ (32, 540 _m_) und
-eine Wurfweite von 400 _m_ (850, 65 _m_); mit welcher Geschwindigkeit
-und Elevation wurde er geworfen?
-
-#217.# Unter welchem Winkel muß ein Körper geworfen werden, damit seine
-Wurfweite ebensogroß (3 mal, ²/₃ mal, 10 mal so groß) ist als seine
-Wurfhöhe?
-
-#218.# Ein Körper rollt über ein Dach von ~l~ (8 _m_) Länge und ~α~°
-(36°) Neigung und durchfällt dann die Luft; in welcher horizontalen
-Entfernung vom Fuße des Hauses erreicht er den Boden, wenn die Höhe des
-Hauses bis zum Dache ~b~ (12 _m_) ist? Mit welcher horizontalen
-Geschwindigkeit muß derselbe Körper geschleudert werden, wenn er gerade
-an der Dachkante vorbeikommen soll, und wo erreicht er dann das
-Pflaster?
-
-#219.# Eine Feuerspritze sendet einmal unter ~α~ = 30° (40°), ein
-andermal unter ~β~ = 52° (50°) ihren Strahl schräg nach oben. In welchem
-Verhältnis stehen die Sprunghöhen der Wasserstrahlen, in welchem die
-Sprungweiten?
-
-#220.# Mit welcher Anfangsgeschwindigkeit muß eine Kugel abgeschossen
-werden, um bei einem gegebenen Elevationswinkel ~α~ = 5° ein Ziel zu
-treffen, dessen horizontale Entfernung ~a~ = 1632 _m_ beträgt, und
-welches um den Depressionswinkel ~β~ = 10° tiefer liegt als der
-Ausgangspunkt? Welches ist der höchste Punkt der Flugbahn?
-
-#221.# Durch ein Geschoß von 600 _m_ Anfangsgeschwindigkeit und der
-Elevation ~α~ = 30° wurde eine 100 _m_ über dem Horizonte liegende
-Turmspitze getroffen. Wie weit ist der Turm horizontal vom Geschütz
-entfernt und mit welcher Geschwindigkeit wurde er getroffen?
-
-
-270. Gleichförmig beschleunigte Bewegung.
-
-^Wenn eine konstante Kraft auf einen frei beweglichen Körper wirkt,
-entsteht eine gleichförmig beschleunigte oder verzögerte Bewegung^; die
-Größe ~φ~ der Beschleunigung (beim freien Falle = ~g~ = 9,809 _m_) hat
-andere Werte, welche von der ^Größe der wirksamen Kraft^ und von der
-^Größe der zu bewegenden Masse^ abhängen.
-
-Man erhält die nämlichen Gleichungen ~v = φ t~; ~s = ½ φ t²~.
-
-Bei Betrachtung des Falles über die schiefe Ebene haben wir gefunden,
-daß die ^Beschleunigung direkt proportional der Kraft^ ist, und bei der
-Atwoodschen Fallmaschine, daß sie ^umgekehrt proportional der Masse
-ist^. Beim freien Falle wirkt nun die Kraft von 1 _kg_ auf die Masse von
-1 _kg_ und bewirkt eine Beschleunigung = ~g~; wirkt aber die Kraft von
-~P~ _kg_, so ist die Beschleunigung ~P~ mal größer, also = ~P · g~;
-wirkt sie aber nicht bloß auf die Masse von 1 _kg_, sondern auf die
-Masse von ~Q~ _kg_, so ist die Beschleunigung ~Q~ mal kleiner, also
-
- P · g
- ~#φ = -----#~.
- Q
-
-Das _kg_ (resp. _g_) ist wohl die Masseneinheit für das bürgerliche
-Leben und auch für die Physik, sofern man die Masse nur als etwas
-ruhendes, stoffliches betrachtet. Betrachtet man aber die Masse unter
-dem Einfluß einer Kraft, welche ihr eine Bewegung erteilt, als etwas
-träges, zu beschleunigendes, so benützt man folgende Massendefinition:
-^Masseneinheit ist diejenige Masse, welche durch die Krafteinheit^ (1
-_kg_) ^in der Zeiteinheit (1 Sekunde) eine Geschwindigkeitseinheit^ (1
-_m_ pro 1") erhält. Da nun die Masse eines Kilogramms von der
-Krafteinheit (1 _kg_) in 1" eine Geschwindigkeit von ~g~ = 9,809 _m_
-erhält (freier Fall) so muß diejenige Masse, welche bloß 1 _m_
-Geschwindigkeit erhält, ~g~ mal so groß sein wie die Masse eines
-Kilogramms. Die Masse von ~g~ _kg_ repräsentiert eine Masseneinheit;
-^man findet daher die Masse eines Körpers ausgedrückt in
-Masseneinheiten, wenn man sein Gewicht, ausgedrückt in^ _kg_, ^durch^
-~g~ ^dividiert^. Wiegt ein Körper ~Q~ _kg_, so ist die Anzahl seiner
-Masseneinheiten
-
- Q
- ~M = -~.
- g
-
-Die Masseneinheit bekommt durch die Krafteinheit die
-Beschleunigungseinheit, also bekommen ~M~ Masseneinheiten durch ~K~ _kg_
-Kraft eine Beschleunigung
-
- K Kraft
- ~φ = - _m_; Beschleunigung = -----.
- M Masse
-
- Man bekommt eine gute Vorstellung von dieser Masseneinheit, wenn man
- eine Masse von 10 _kg_ (ca.) auf eine schiefe Ebene von der Neigung 1
- : 10 legt; auf sie wirkt beschleunigend nur eine Kraft von 1 _kg_ und
- erteilt ihr eine Beschleunigung von 1 _m_.
-
-Hat der Körper schon die Geschwindigkeit ~a~, wenn die Kraft zu wirken
-anfängt, so erhält man analog die Gleichungen
-
- ~#v = a + φ t#~; ~#s = a t + ½ φ t²#~.
-
-Für die ^gleichförmig verzögerte Bewegung^ hat man:
-
- P Kraft
- ~φ = -~ = -----;
- M Masse
-
- ~#v = a - φ t#~; ~#s = a t - ½ φ t²#~.
-
-Der Körper bewegt sich, bis
-
- a
- ~t = -~,
- φ
-
-und legt den Weg ~S~ zurück:
-
- a²
- ~#S = ---#~.
- 2 φ
-
-
-Aufgaben:
-
-#222.# Bei der Atwood’schen Fallmaschine sind die Gewichte 36 _g_ und 39
-_g_. Wie groß ist die Beschleunigung und wie lange dauert die Bewegung
-bei 1,80 _m_ Fallhöhe?
-
-#223.# Welche Geschwindigkeit bekommt eine frei bewegliche Masse von 320
-_kg_, wenn auf sie 40" lang eine konstante Kraft von 6 _kg_ wirkt? Wie
-weit läuft sie dabei, und wie weit läuft sie dann noch, wenn sich ihr
-dann ein Widerstand in den Weg stellt, zu dessen Überwindung sie eine
-Kraft von 10 _kg_ anwenden muß?
-
-#224.# Auf eine frei bewegliche Masse von 280 _kg_ Gewicht und 2 _m_
-Geschwindigkeit wirkt in der Richtung ihrer Geschwindigkeit eine Kraft
-von 8 _kg_ beschleunigend. Wie lange braucht sie um einen Weg von 1000
-_m_ zurückzulegen, und welche Endgeschwindigkeit hat sie dann?
-
-#225.# Ein mit einer Geschwindigkeit von 9 _m_ laufender Eisenbahnzug
-läuft ungebremst noch 1200 _m_, gebremst noch 150 _m_ weit; wie lange
-braucht er in jedem Falle dazu, und wie groß ist die Verzögerung?
-
-#226.# Eine Flintenkugel von 450 _m_ Geschwindigkeit und 25 _g_ Gewicht
-dringt in Holz 33 _cm_ tief ein; welchen Widerstand leistet dabei das
-Holz?
-
-#227.# Ein Körper läuft über eine schiefe Ebene von 17° Neigung und 88
-_m_ Länge. Welche Geschwindigkeit hat er am Ende, wenn die Reibung 7%
-vom Drucke beträgt? Mit welcher Geschwindigkeit muß er von unten aus
-nach aufwärts bewegt werden, wenn er bis oben kommen soll?
-
-#228.# Ein Körper wird über eine schiefe Ebene von 12° Neigung aufwärts
-geworfen mit einer Anfangsgeschwindigkeit von 15 _m_; die Reibung
-beträgt 4% vom Druck. Wie hoch kommt er und mit welcher Geschwindigkeit
-kommt er wieder unten an?
-
-#229.# Ein Körper legt mit der Anfangsgeschwindigkeit ~c~ = 40 _m_ auf
-einer schiefen Ebene, deren Neigung ~α~ = 10° ist, bis zum Stillstand 38
-_m_ zurück. Wie groß ist der Reibungskoeffizient?
-
-#230.# Ein Eisenbahnzug von ~P~ = 15 000 _kg_ soll auf wagrechter
-Strecke von der Haltestelle aus in ~t~ = 40" in die Geschwindigkeit ~c~
-= 8 _m_ versetzt werden; der Reibungskoeffizient ist ~ε~ = ½00. Welchen
-Weg legt der Zug in den 40" zurück? Wie groß ist die Kraft der Maschine
-und die in den 40" zu leistende Gesamtarbeit? Wieviel Pferdekräfte sind
-dazu erforderlich?
-
-#231.# Ein Körper hat 9 _m_ Anfangsgeschwindigkeit und erleidet eine
-gleichförmige Verzögerung von 0,2 _m_. Wie lange braucht er, bis die
-Geschwindigkeit sich auf 3 _m_ reduziert hat? Welchen Weg hat er dabei
-zurückgelegt und welche Arbeit geleistet, wenn er 80 _kg_ wiegt?
-
-
-271. Zentrifugalbewegung.
-
-Ein Körper habe eine Geschwindigkeit und werde zugleich von einer Kraft
-angezogen, die stets von einem Punkte (Zentrum) ausgeht, welcher nicht
-in der Richtung der Geschwindigkeit liegt.
-
-[Abbildung: Fig. 356.]
-
-Es sei ~AB~ der Weg, welchen der Körper vermöge seiner Geschwindigkeit
-in einem kleinen Zeitteilchen durchlaufen würde, und ~AD~ der Weg,
-welchen er infolge der von ~C~ aus wirkenden Kraft (Zentripetalkraft) in
-demselben Zeitteilchen zurücklegen würde, so durchläuft er die Diagonale
-~AA′~ des Parallelogramms ~ABA′D~. Nach dem Trägheitsgesetz sucht er
-seinen jetzigen Bewegungszustand beizubehalten und würde im nächsten
-Zeitteilchen den Weg ~A′B′~ (= ~AA′~) zurücklegen; zugleich wirkt aber
-die Zentralkraft und würde den Körper von ~A′~ nach ~D′~ bringen; der
-Körper bewegt sich wieder längs der Diagonale ~A′A′′~ und kommt nach
-~A′′~. Im nächsten Zeitteilchen würde er ebenso von ~A′′~ nach ~B′′~
-kommen; aber wegen der Zentralkraft kommt er nach ~A′′′~ und so geht es
-fort. Der Körper legt also den Weg ~AA′A′′A′′′~, etc. zurück. Wenn wir
-die Zeitteilchen, während welcher wir die Bewegung immer als
-gleichmäßige betrachten, sehr klein (unendlich klein) denken, so
-beschreibt der Körper nicht eine gebrochene Linie, sondern eine krumme
-Linie um das Zentrum; er macht eine ^Zentralbewegung^.
-
-
-272. Kreisbewegung.
-
-Wir können nur diejenige Art von Zentralbewegung elementar behandeln,
-bei welcher der Körper ^um das Kraftzentrum einen Kreis^ (von Radius
-~r~) ^mit gleichförmiger Geschwindigkeit^ (~v~) ^durchläuft^; denn dabei
-können wir ableiten, wie groß die ^Zentralkraft^ ~F~ und die von ihr in
-der Richtung auf das Zentrum hin hervorgebrachte Beschleunigung ~f~,
-^Zentralbeschleunigung^, sein muß, damit der Körper auf der Kreisbahn
-bleibe.
-
-[Abbildung: Fig. 357.]
-
-In irgend einem Punkte ~A~ ist die Richtung der Geschwindigkeit gleich
-der Richtung der ^Tangente^; der Körper würde also in einer Zeit ~t~ den
-Weg ~AB = v t~ durchlaufen. In derselben Zeit würde er infolge der
-Zentralkraft, welche ihm eine Beschleunigung ~f~ erteilt, einen Weg ~AD
-= ½ f t²~ durchlaufen. Soll nun der Körper durch das Zusammenwirken
-beider Ursachen auf dem Kreise bleiben, so muß die Diagonale beider
-Bewegungselemente, nämlich ~AA′~ selbst wieder zu einem Punkte des
-Kreises führen. ~A~ liegt aber auf dem Kreis, wenn ~AA′² = 2 r · AD~. Da
-nun ~AA′~ für kleine Bewegungen (kleinste Werte von ~t~) mit ~AB = v t~
-vertauscht werden kann, und ~AD = ½ f t²~ ist, so erhält man die
-Gleichung
-
- ~v² t² = 2 r · ½ f t²~, oder
-
- v²
- ~#f = --#~.
- r
-
-D. h. wenn die Zentralbeschleunigung gerade diesen Wert hat, so ist ~A′~
-wieder auf dem Kreis; hat ~f~ einen größeren oder kleineren Wert, so
-liegt ~A′~ innerhalb oder außerhalb des Kreises. Behält ~f~ den
-angegebenen Wert, so liegt auch jeder folgende Punkt der Bahn auf dem
-Kreis, ~A~ beschreibt die Kreisbahn mit gleichförmiger Geschwindigkeit.
-
-Soll also ein Körper einen Kreis vom Radius ~r~ mit gleichförmiger
-Geschwindigkeit ~v~ durchlaufen, so ist notwendig und hinreichend, daß
-auf ihn eine vom Zentrum ausgehende oder auf das Zentrum hin gerichtete
-Kraft wirke, welche ihm eine Beschleunigung erteilt, deren Größe
-
- v²
- ~f = --~.
- r
-
-^Die Zentralbeschleunigung ist bei gleichen Radien den Quadraten der
-Geschwindigkeit direkt, und bei gleicher Geschwindigkeit den Radien
-umgekehrt^ proportional.
-
-Hat der Körper die Masse ~M~, so muß die ^Zentralkraft^ ~F~, damit sie
-der Masse ~M~ die Beschleunigung ~f~ erteilen kann, die Größe ~F = M f~
-haben; also ist
-
- M v²
- ~#F = ----~#.
- r
-
-Die einfachste Art dieser Bewegung erhält man, wenn der Körper ~A~ mit
-dem Punkte ~M~ durch einen Faden verbunden ist, und man ihm eine zur
-Richtung des Fadens senkrechte Geschwindigkeit ~v~ erteilt. Er läuft
-dann, wenn kein Bewegungshindernis (Reibung, Schwere u. s. w.)
-vorhanden ist, mit stets gleichbleibender Geschwindigkeit in Kreisform
-um ~M~. Der Faden übt hiebei an dem Körper einen Zug in der Richtung
-~AM~, ^Zentripetalkraft^. Umgekehrt hat der Körper bei dieser Bewegung
-(Zwangsbewegung) das Bestreben, stets in der Richtung der Tangente der
-Bahn weiterzulaufen und dadurch sich vom Zentrum zu entfernen; er äußert
-dies Bestreben dadurch, daß er seinerseits am Faden in der Richtung des
-Fadens zieht (Reaktion); diese Kraft heißt ^Mittelpunktsfliehkraft^ oder
-^Zentrifugalkraft^. Sie ist der Zentripetalkraft gleich.
-
-Wenn sich die Masse 1 (eine Masseneinheit) auf dem Kreise vom Radius 1
-_m_ mit der gleichförmigen Geschwindigkeit von 1 _m_ in 1" bewegen soll,
-so muß auf sie eine Zentralkraft von 1 _kg_ wirken, welche ihr eine
-Beschleunigung von 1 _m_ erteilt.
-
-
-273. Zentrifugalmaschine.
-
-Die Zentrifugalmaschine hat folgende Einrichtung. Auf einem Brette sind
-zwei Achsen drehbar und senkrecht befestigt. Die eine Achse trägt ein
-Rad von großem, die andere eine Welle von kleinem Durchmesser. Über Rad
-und Welle läuft ein Riemen. Dreht man das Rad mittels einer Kurbel, so
-macht die Welle so vielmal mehr Umdrehungen, als ihr Durchmesser kleiner
-ist, und kann leicht in rasche Rotation versetzt werden. Befestigt man
-nun auf der Achse der Welle verschiedene Apparate, so unterliegen
-dieselben der beim Drehen zum Vorschein kommenden Zentrifugalkraft.
-
-^Die Zentralbewegung bringt die Zentrifugalkraft hervor^, d. h. sie
-bringt in dem Körper das Bestreben hervor, sich in der Richtung des
-Radius vom Mittelpunkt zu entfernen.
-
-[Abbildung: Fig. 358.]
-
-Befestigt man das Brettchen ~BB′~ in ~A~ auf der Maschine, so sieht man,
-daß die Kugel ~C~, die auf der Stange ~MM′~ aufgesteckt ist, beim
-Umdrehen der Maschine bald nach ~M′~ hinausrückt, wenn nämlich die
-Zentrifugalkraft etwas größer als die Reibung geworden ist. Bemerke,
-daß, obwohl die Zentrifugalkraft in der Richtung ~CM~ wirkt, ~C~ sich
-nicht in der Richtung ~CM~ bewegt, sondern in der Richtung der Tangente
-des Kreises, und da diese Bewegung zugleich mit der Umdrehung
-geschieht, so sieht es so aus, als wenn der Körper sich von ~C~ nach ~M~
-bewegt hätte.
-
-Hierauf beruht die Honig- und Sirupschleuder, die
-Zentrifugaltrockenmaschine und die gewöhnliche Schleuder.
-
-Wenn der Eisenbahnzug im raschen Fahren eine starke Kurve beschreibt, so
-werden wir durch die Zentrifugalkraft nach der äußeren Seite der
-Krümmung hingedrückt und schwanken nach dieser Seite.
-
-^Die Zentrifugalkraft ist der Masse proportional^ (~F = M · f~). Auf die
-Messingstange des vorher beschriebenen Apparates werden zwei
-Messingkugeln von verschiedenem Gewicht gesteckt, durch einen Faden
-verbunden und so gestellt, daß beide in gleicher Entfernung vom
-Mittelpunkte sich befinden, dann haben beide die gleiche Beschleunigung
-(~f = v² : r~), bloß die Masse ~m~ ist verschieden. Beim Umdrehen geht
-die größere Kugel nach auswärts und nimmt die kleinere nach ihrer Seite
-hin mit.
-
-Bringt man auf die Zentrifugalmaschine ein Gefäß mit etwas Wasser, so
-setzt sich bei jedem Wasserteilchen die Zentrifugalkraft mit der
-Schwerkraft zu einer Resultierenden zusammen, welche schräg nach außen
-gerichtet ist; deshalb bleibt die Oberfläche des Wassers nicht
-horizontal, sondern sie krümmt sich so, daß in jedem Punkte diese
-Resultierende senkrecht zur Wasseroberfläche steht; je weiter die Fläche
-vom Zentrum entfernt ist, desto steiler wird sie. Da bei raschem Drehen
-diese Resultierende nahezu horizontal wird, so sammelt sich das Wasser
-in fast vertikaler Schichte an der Wand des Gefäßes. Wie in einem Gefäß
-mit zwei Flüssigkeiten die schwerere sich unten sammelt, weil 1 _ccm_
-mehr Masse enthält und deshalb mehr Gewicht hat, so sammelt sich beim
-Drehen die schwerere Flüssigkeit nach außen, um so mehr als 1 _ccm_ von
-ihr mehr Masse enthält und deshalb mehr Zentrifugalkraft bekommt.
-
-Hierauf beruht das Entrahmen der Milch in der ^Milchzentrifuge^. Der
-Rahm sammelt sich innen, da er leichter ist als die Milch.
-
-
-274. Abhängigkeit der Zentrifugalkraft von Masse und Umlaufszeit.
-
-Wird bei der Drehung der ganze Kreis ~2 R π~ in der Zeit ~T"~
-durchlaufen mit der Geschwindigkeit ~v~, so ist ~v T = 2 R π~, also
-
- 2 R π
- ~v = -----~;
- T
-
-setzt man dies in den Ausdruck für ~F~ ein, so wird
-
- 4 π² R M 4 π² R
- ~#F = --------#~, und ~#f = ------#~.
- T² T²
-
-^Bei gleicher Umlaufszeit ist die Zentrifugalkraft dem Radius
-proportional, und bei gleichem Radius dem Quadrat der Umlaufszeit
-umgekehrt proportional^. Ist die Masse eines Körpers bekannt, so kann
-man die Zentripetalkraft angeben, die notwendig ist, damit er um einen
-Mittelpunkt in gegebenem Abstand in gegebener Zeit rotiert.
-
-Wenn bei gleichen Umlaufszeiten zwei verschiedene Massen ~m₁~ und ~m₂~
-sich in solchen Entfernungen vom Mittelpunkte befinden, daß diese
-Abstände ~R₁~ und ~R₂~ sich verhalten wie umgekehrt die Massen, also daß
-~R₁ : R₂ = m₂ : m₁~, oder daß ~m₁ R₁ = m₂ R₂~, so sind die
-Zentrifugalkräfte gleich. Bringt man beim früheren Versuch die zwei
-durch eine Schnur verbundenen Kugeln so an, daß bei gespannter Schnur
-sich die Gewichte verhalten wie umgekehrt ihre Abstände vom
-Drehungsmittelpunkt, so daß also der Drehpunkt der Schwerpunkt beider
-Massen ist, so bleiben bei jeder Rotationsgeschwindigkeit beide Kugeln
-in Ruhe, weil sie gleiche Zentrifugalkräfte bekommen.
-
-Befindet sich ein Körper (etwa von der Masseneinheit) auf der
-Erdoberfläche, so bekommt er eine Beschleunigung = ~g~ = 9,809 _m_.
-Befindet er sich aber in einer Entfernung gleich der des Mondes, und
-läuft er in dieser Entfernung um die Erde kreisförmig, wie es ja der
-Mond nahezu wirklich tut, so braucht er dazu die Zeit von 27 Tg. 7 Std.
-43' 11" (siderischer Monat). Die Zentralbeschleunigung, die hiezu
-erforderlich ist, berechnet sich aus
-
- 4 π² · R
- ~f = ---------~,
- T²
-
-wobei ~T~ = 2 360 501" und ~R~ = 382 000 000 _m_ setzen. Es ist dann
-
- 4 · 3,14² · 382 000 000
- ~f~ = ----------------------- = 0,00274 _m_.
- 2 360 500²
-
-Vergleicht man diese Zentralbeschleunigung mit der Beschleunigung ~g~,
-welche der Körper auf der Erdoberfläche bekommt, also mit ~g~ = 9,809
-_m_, so findet man, daß sie nahezu 3600 = (60²)mal so klein ist, und da
-die Entfernung des Mondes von der Erde 60 mal so groß ist, wie der
-Erdradius, so schließt man: Die Kraft, die den Mond zwingt, kreisförmig
-um die Erde zu laufen in der Zeit von 27 Tg. 4 Std. u. s. w. ist
-dieselbe Kraft, welche den Körper auf der Erdoberfläche zum Fallen
-bringt, nur nimmt diese Kraft ab, wie das Quadrat der Entfernung
-zunimmt. Durch solche Betrachtungen kam Newton zur Entdeckung des nach
-ihm benannten ^Newtonschen Gravitationsgesetzes^ (1666), welches heißt:
-^Die Anziehungskraft, Attraktion, der Erde^ wirkt nicht bloß auf der
-Erdoberfläche, sondern auch in beliebiger Entfernung, und die Kraft
-^nimmt ab, wie das Quadrat der Entfernung zunimmt^.
-
-Indem dann Newton das Gesetz auch auf die Bewegung anderer Himmelskörper
-anwandte, auf die Bewegung der Planeten um die Sonne, der Monde um die
-Planeten, erkannte er, daß es ganz allgemein gültig sei, und daß ^die
-Anziehung auch dem Produkt der beiden sich anziehenden Massen
-proportional ist^. Also: #Die gegenseitige Anziehung zweier
-Himmelskörper ist proportional dem Produkte beider Massen und umgekehrt
-proportional dem Quadrat ihres Abstandes.#
-
-
-Aufgaben:
-
-#232.# Ein Körper von 50 _kg_ Gewicht bewegt sich mit der
-Geschwindigkeit von 6 _m_ im Kreise von 10 _m_ Radius. Welche
-Zentrifugalkraft bringt er hervor und wie groß ist die
-Zentralbeschleunigung?
-
-#233.# Welche Zentrifugalkraft bringt die Masse von 7,2 _kg_ hervor,
-wenn sie den Kreis von 10 _m_ Radius in 8 Sekunden durchläuft?
-
-#234.# Wie schnell muß ein Körper sich auf einem vertikalen Kreise mit
-dem Radius ~r~ = 0,8, 1,4 _m_ bewegen, wenn die Schwerkraft durch die
-Zentrifugalkraft aufgehoben werden soll?
-
-#235.# Mit welcher Umlaufszeit muß sich die Masse von 12 _kg_ im Kreise
-von 6 _m_ Radius bewegen, um 2 _kg_ Kraft hervorzubringen?
-
-#236.# Wie groß ist die Zentrifugalbeschleunigung am Rande eines
-rotierenden Zubers von 110 _cm_ Durchmesser bei 340 Touren in der Minute
-(Sirupschleuder)?
-
-#237.# Wie groß ist die Zentrifugalkraft und die
-Zentrifugalbeschleunigung bei einem Waggon von 250 Zentner Gewicht, wenn
-er auf einer Kurve von 170 _m_ Radius mit 7 _m_ Geschwindigkeit sich
-bewegt; um welchen Winkel wird dadurch die Schwerkraft abgelenkt; mit
-welcher Geschwindigkeit dürfte der Zug sich bewegen, wenn die
-Zentrifugalkraft höchstens 2% vom Gewicht betragen sollte?
-
-#238.# Wie rasch müßte die Erde sich drehen, damit am Äquator die
-Schwerkraft durch die Zentrifugalbeschleunigung der Erde gerade
-aufgehoben wird?
-
-#239.# Auf eine frei bewegliche Masse von 300 _kg_ Gewicht und 4 _m_
-Geschwindigkeit soll senkrecht zur Richtung der Geschwindigkeit eine
-Kraft angebracht werden, so daß die Masse sich im Kreis von 40 _m_
-Radius bewegt. Wie groß muß diese Kraft sein, und wie lange dauert ein
-Umlauf?
-
-#240.# Auf eine frei bewegliche Masse von 60 _kg_ und 1,5 _m_
-Geschwindigkeit wirkt senkrecht zur Richtung der Geschwindigkeit eine
-Kraft von 2 _kg_. Welchen Krümmungsradius hat ihre Kreisbahn und wie
-groß ist die Umlaufszeit?
-
-#241.# Auf eine frei bewegliche Masse von 70 _kg_ Gewicht und 3 _m_
-Geschwindigkeit soll senkrecht zur Richtung der Geschwindigkeit eine
-Kraft wirken, so daß die Masse eine Umlaufszeit von 12" bekommt. Wie
-groß ist die Kraft und der Radius der Krümmung?
-
-
-275. Planetenbewegung.
-
-Aus dem Gesetz der allgemeinen Massenanziehung oder der
-^Universalgravitation^ lassen sich die Bewegungen der Himmelskörper
-erklären und berechnen; aus ihm folgen auch die Keplerschen Gesetze.
-
-[Abbildung: Fig. 359.]
-
-Es sei ~S~ die Sonne, in ~A~ der Planet, und ~AB~ dessen
-Geschwindigkeit. Ist die Anziehung der Sonne kleiner, als sie sein
-müßte, um eine kreisförmige Bahn zu veranlassen, so kommt der Planet
-nach ~A′~ außerhalb des Kreises. ~A′~ findet man, indem man aus der
-Eigenbewegung ~AB~ und aus dem Weg ~AC~, den er infolge der Anziehung
-der Sonne machen würde, das Wegparallelogramm konstruiert.
-
-~AA′~ stellt zugleich die Geschwindigkeit des Planeten während dieser
-Zeit annähernd dar. Im nächsten Zeitteil würde der Planet demnach den
-Weg ~A′B′ = AA′~ zurücklegen; zugleich würde ihn die Sonne nach ~AC′~
-bewegen, er kommt deshalb nach ~A′′~. Fährt man so fort, indem man für
-jeden folgenden Zeitteil die Bahn des Planeten bestimmt, so bekommt man
-annähernd die Bahn des Planeten.
-
-Eine mathematische Ableitung der Bahn wie etwa beim schiefen Wurf kann
-auf elementarem Wege nicht gegeben werden.
-
-Die Form der Bahn ist eine ^Ellipse^. Die Sonne steht in dem einen
-^Brennpunkt^. (1. Kepler’sches Gesetz.) Die Anziehung ist am
-^stärksten^, wenn der Planet sich am nächsten an der Sonne befindet, im
-^Perihelium^ ~A~, jedoch ist sie dort kleiner, als sie sein müßte, um
-eine Kreisbewegung um ~S~ zu veranlassen, da die Geschwindigkeit des
-Planeten in ~A~ verhältnismäßig groß ist; der Planet entfernt sich
-demnach von der Sonne. Die Anziehung ist am ^schwächsten^, wenn sich der
-Planet im ^Aphelium^ befindet. Doch ist die Anziehung dort größer, als
-sie sein müßte, um eine Kreisbewegung um ~S~ zu veranlassen, da die
-Geschwindigkeit des Planeten in ~X~ verhältnismäßig klein ist; der
-Planet nähert sich demnach jetzt der Sonne.
-
-Die Geschwindigkeit ist in ~A~ am größten und nimmt immer mehr ab, je
-mehr sich der Planet von der Sonne entfernt; sie ist im Aphelium am
-kleinsten und wächst dann wieder mit der Annäherung an die Sonne. Die
-Geschwindigkeiten richten sich dabei nach dem 2. Kepler’schen Gesetz.
-Der Radiusvektor ~SA~ bestreicht in gleichen Zeiten gleiche Sektoren. Es
-ist also etwa der Sektor ~SAA′~ an Fläche gleich dem Sektor ~SA′A′′~ u.
-s. w. gleich dem Sektor ~SDD′~.
-
-Die Planetenbahnen sind tatsächlich alle sehr schwach gedrückte Ellipsen
-von geringer Exzentrizität, nahezu kreisförmig.
-
-Betrachten wir die Planetenbahnen als kreisförmig, so berechnet sich die
-Umlaufszeit eines Planeten aus
-
- 4 π² R (4 π² R)
- ~f = ------~ als ~T = √(------)~.
- T² ( f )
-
-Die Umlaufszeit ~T′~ eines anderen Planeten, der in der Entfernung ~R′~
-die Zentralbeschleunigung ~f′~ bekommt, ist ebenso:
-
- (4 π² R′)
- ~T′ = √(-------)~.
- ( f′ )
-
-Durch Division beider Gleichungen hat man:
-
- T² Rf′
- ~-- = ---~.
- T′² R′f
-
-Nach dem Newton’schen Attraktionsgesetz ist aber ~f : f′ = R′² : R²~,
-oder
-
- f′ R² T² R³
- ~-- = ---~; dies eingesetzt gibt: ~--- = ---~;
- f R′² T′² R′³
-
-das ist das dritte Kepler’sche Gesetz, demzufolge die Quadrate der
-Umlaufszeiten zweier Planeten sich verhalten wie die dritten Potenzen
-ihrer mittleren Abstände von der Sonne. Man bemerke, daß die
-Umlaufszeiten der Planeten nicht abhängig sind von ihrer Masse.
-
-
-276. Pendel.
-
-Hängt man einen schweren Körper an einem Faden auf, so bleibt er in
-Ruhe, wenn der Faden vertikal ist. Wird der Körper etwas seitwärts
-gerückt um den Winkel ~α~ (Elongation), so zerlegt sich die auf den
-Körper wirkende Schwerkraft in die zwei Komponenten ~P = Q sin α~, und
-~S = Q cos α~. Die zweite, ~S~, spannt den Faden und bringt keine
-Bewegung hervor, da sie durch den Gegenzug des Fadens aufgehoben wird;
-die erste, ~P~, wirkt in der Richtung, in der sich der Körper bewegen
-kann; sie erteilt also dem Körper eine Geschwindigkeit, und er bewegt
-sich gegen die Mitte zu. Da hiebei der Winkel ~α~ immer kleiner wird, so
-wird die Komponente ~P~, welche die Bewegung hervorbringt, immer kleiner
-und ist = 0 geworden, wenn der Punkt in der Mitte ~D~ angekommen ist.
-Die Bewegung des Punktes ist also keine gleichförmig beschleunigte
-Bewegung, da die Kraft beständig ihre Größe und Richtung ändert, und
-kann mit den Hilfsmitteln der Elementarmathematik allein nicht
-abgeleitet werden. In ~D~ angekommen hat der Körper seine größte
-Geschwindigkeit und bewegt sich deshalb über ~D~ hinaus nach der anderen
-Seite. Durch die nun eintretende Zerlegung der Schwerkraft kommt aber
-eine Komponente ~P′~ zum Vorschein, welche der Bewegung entgegenwirkt;
-deshalb wird die Bewegung nun ebenso verzögert, wie sie vorher
-beschleunigt wurde. Der Körper erreicht eine Entfernung, Elongation,
-welche so groß ist, als die Elongation auf der anderen Seite war. Die
-Bewegung von ~E~ nach ~E′~ nennt man eine ^Schwingung^. Dieser folgt
-eine eben solche Schwingung von ~E′~ nach ~E~ und so fort.
-
-Einen solchen schwingenden Körper nennt man ein Pendel und zwar ein
-^mathematisches Pendel^, wenn der schwere Körper bloß ein Punkt und der
-Faden gewichtlos ist. (Bleikugel an einem möglichst dünnen Faden.)
-
-Man fand folgende Gesetze (Galilei): ^Die Schwingungsdauer ist
-unabhängig von der Elongation^, so lange letztere selbst nur ziemlich
-klein ist. ^Die Schwingungsdauer ist proportional der Quadratwurzel aus
-der Pendellänge^; ~t₁ : t₂ = √l₁ : √l₂~. Ein 2 mal (4 mal) längeres
-Pendel braucht also zu einer Schwingung √2, (2) mal mehr Zeit.
-
-Die ^Anzahl der Schwingungen^, welche ein Pendel in einer gewissen Zeit,
-etwa einer Minute, ausführt, ist aber offenbar umgekehrt proportional
-der Dauer einer Schwingung ~t₁ : t₂ = n₂ : n₁~. ^Demnach sind die
-Schwingungszahlen zweier Pendel den Quadratwurzeln aus den Pendellängen
-umgekehrt proportional^, also ~t₁ : t₂ = n₂ : n₁ = √l₁ : √l₂~.
-
-Macht man also ein Pendel 2 mal (4 mal) länger, so macht es in derselben
-Zeit √2 mal (2 mal) weniger Schwingungen (Galilei).
-
-Die Dauer einer Pendelschwingung wird dargestellt durch die Formel
-
- (l)
- ~t = π √(-)~.
- (g)
-
-Die Schwingungsdauer hängt demnach auch von der Größe der auf den Körper
-wirkenden Kraft, und der durch sie hervorgebrachten Beschleunigung ~g~
-ab. Wird die Kraft ~Q~ größer, so wird auch die Komponente ~P~ größer,
-also die Bewegung rascher und somit die Schwingungsdauer kürzer. Die
-Schwingungsdauer ist umgekehrt proportional der Quadratwurzel aus der
-Kraft resp. der Beschleunigung.
-
-
-277. Das physische Pendel.
-
-Ein ^physisches Pendel^ ist jeder Körper, der in einem Punkte so
-aufgehängt ist, daß sein Schwerpunkt vertikal unter dem Aufhängepunkte
-liegt und nun etwas aus dieser Lage gebracht wird. Die gewöhnlich bei
-Uhren verwendeten Pendel bestehen aus einer am oberen Endpunkte drehbar
-befestigten Stange und einem am unteren Ende befestigten schweren Körper
-von Kugel- oder Linsenform. Unter der Pendellänge eines solchen Pendels
-ist zu verstehen die Länge eines mathematischen Pendels, das eben so
-rasch schwingt wie das physische Pendel.
-
-Unter ^Sekundenpendel^ versteht man ein Pendel, das in einer Sekunde
-eine Schwingung macht, setzt man ~t~ = 1, so ist
-
- (l) g
- ~1 = π √(-)~; also ~l = --~
- (g) π²
-
-ist die Länge des Sekundenpendels. Diese Länge ist bloß von der
-Beschleunigung ~g~ der Schwere abhängig, man kann also eine Größe durch
-die andere bestimmen. Mißt man die Länge des Sekundenpendels, so kann
-man daraus ~g~ berechnen, und es ist dies die genaueste Methode zur
-Bestimmung von ~g~. Nun ist aber die Schwerkraft am Äquator kleiner als
-bei uns, einerseits weil wegen der Abplattung der Erde die Punkte am
-Äquator weiter vom Erdmittelpunkte entfernt sind, andererseits weil die
-Zentrifugalkraft, die durch die Achsendrehung der Erde hervorgebracht
-wird, auch am Äquator größer ist und die Schwerkraft um mehr vermindert.
-Gegen die Pole nimmt die Schwerkraft noch weiter zu und die
-Zentrifugalkraft nimmt ab. Deshalb ist sowohl die Länge des
-Sekundenpendels als die Größe von ~g~ abhängig von der geographischen
-Breite.
-
-Man fand:
-
- Geographische Breite. Länge des Sekundenpendels. Wert von ~g~.
- 0° 0,99103 9,78103
- 45° 0,99356 9,80606
- 90° 0,99610 9,83109
-
-Auch bei der Erhebung über die Meeresoberfläche ändert sich die Länge
-des Sekundenpendels und der Wert von ~g~ aus denselben Gründen; beide
-nehmen ab.
-
-
-Aufgaben:
-
-#242.# Wie lang muß ein Pendel sein, das in der Sekunde 2, 3, 4, 10
-Schwingungen, das in der Minute 15, 10, 5 Schwingungen macht? (~g~ =
-9,81.)
-
-#243.# Eine Pendeluhr geht täglich um 3 Minuten vor (stündlich um 7"
-nach). In welchem Verhältnis (um wie viel %) muß das Pendel verändert
-werden, damit die Uhr richtig geht?
-
-#244.# Ein Sekundenpendel, das an einem Ort mit der Beschleunigung ~g~ =
-9,8088 richtig geht, macht am Äquator täglich 126 Schwingungen zu wenig,
-an einem andern Ort täglich 44 Schwingungen zu viel. Wie groß ist dort
-die Erdbeschleunigung?
-
-#245.# Wie groß ist die Erdbeschleunigung, wenn ein Pendel von
-0,9926 _m_ Länge genau in Sekunden schwingt? Wie groß ist die
-Erdbeschleunigung, wenn ein Pendel von 0,99 _m_ Länge in der Stunde um
-14 Schwingungen mehr macht als das Sekundenpendel?
-
-#246.# Eine Uhr, deren Pendel eine Länge von 0,682 _m_ hat, geht in der
-Stunde um 1' 16" nach; um wieviel muß man die Pendellänge verändern,
-damit sie recht geht?
-
-#247.# Um wieviel wird eine Uhr im Tage falsch gehen, wenn man ihr
-Pendel um ½% verlängert?
-
-#248.# Zwei Turmuhren haben eiserne Pendel von verschiedener Länge. Wenn
-nun beide Pendel um gleich viel Grad erwärmt werden, gehen dann beide
-Uhren um gleichviel falsch?
-
-
-278. Stoß.
-
-Wenn von einem Körper ~A~ eine Kraft ausgeht, welche auf einen Körper
-~B~ wirkt, so unterliegt auch ~A~ selbst dem Einflusse einer von ~B~ aus
-zurückwirkenden gleich großen Kraft; wird ~B~ durch die Kraft nach der
-einen Richtung bewegt, so wird ~A~ nach der anderen Richtung bewegt,
-^Wirkung^ und ^Gegenwirkung^. Ist z. B. eine elastische Feder zwischen
-zwei Kugeln ~A~ und ~B~ gespannt und man läßt beide zugleich los, so
-bewegen sich beide nach entgegengesetzten Richtungen.
-
-Wirken die Kräfte dabei auf gleiche, frei bewegliche Massen, so erhalten
-diese dieselbe Geschwindigkeit; wirken sie auf verschiedene Massen, so
-erhalten sie verschiedene Geschwindigkeiten, welche sich verhalten
-umgekehrt wie die Massen; denn die gleichen Kräfte bringen
-Beschleunigungen hervor, welche sich umgekehrt wie die Massen verhalten,
-
- ~m₁ : m₂ = g₂ : g₁~;
-
-die erlangten Geschwindigkeiten sind aber den Beschleunigungen
-proportional,
-
- ~g₂ : g₁ = v₂ : v₁~; also folgt
-
-~m₁ : m₂ = v₂ : v₁~; d. h. ^die in derselben Zeit erlangten
-Geschwindigkeiten sind den Massen umgekehrt proportional^.
-
-Solche Wirkungen entstehen beim Stoße, d. h. beim Zusammentreffen zweier
-in Bewegung befindlicher Massen. Sind die Massen unelastisch, so tritt
-beim Zusammentreffen eine Geschwindigkeitsänderung und eine bleibende
-Formveränderung ein, bis beide Massen dieselbe Geschwindigkeit haben.
-Es seien die Massen ~m₁~ und ~m₂~, ihre Geschwindigkeiten ~v₁~ und
-~v₂~, beide nach derselben Seite gerichtet, und ~v₂ > v₁~, so daß
-das folgende ~m₂~ das vorangehende ~m₁~ einholt, es sei dann ~v~
-die schließliche gemeinschaftliche Geschwindigkeit so, bekommt
-~m₁~ einen Geschwindigkeitszuwachs = ~v - v₁~ und ~m₂~ einen
-Geschwindigkeitsverlust = ~v₂ - v~, beide verhalten sich umgekehrt wie
-die Massen, also (~v - v₁) : (v₂ - v) = m₂ : m₁~; hieraus ist:
-
- v₁ m₁ + v₂ m₂
- ~v = -------------~.
- m₁ + m₂
-
-Laufen die Massen einander entgegen, so ist eine Geschwindigkeit, etwa
-~v₂~ negativ zu nehmen, also ist
-
- v₁ m₁ - v₂ m₂
- ~v = -------------~.
- m₁ + m₂
-
-Sind die Massen einander gleich, so ist im ersten Falle ~v = ½ (v₁ +
-v₂)~, im zweiten Falle ~v = ½ (v₁ - v₂)~, ist hiebei ~v₁ = v₂~, so ist
-~v~ = 0, d. h. treffen gleiche unelastische Massen mit gleichen
-Geschwindigkeiten aufeinander, so heben sich ihre Bewegungen auf, sie
-sind nach dem Stoße beide in Ruhe.
-
-Wenn zwei ^elastische^ Massen aufeinander stoßen, so tritt zuerst auch
-eine Zusammendrückung der getroffenen Stellen ein und eine
-Geschwindigkeitsänderung bis beide Körper dieselbe Geschwindigkeit
-haben; aber dann kehren die einwärts gedrückten Stellen in die
-ursprüngliche Lage zurück und bringen einen gegenseitigen Druck hervor,
-welcher den Massen wieder eine Geschwindigkeitsänderung erteilt, welche
-ebenso groß ist wie die beim Zusammendrücken erhaltene.
-
-Es seien die Massen ~m₁~ und ~m₂~, ihre Geschwindigkeiten ~v₁~ und ~v₂~,
-so ist die Geschwindigkeitsänderung beim Zusammendrücken wie vorher ~v -
-v₁~ beim ersten und ~v₂ - v~ beim zweiten, wobei
-
- v₁ m₁ + v₂ m₂
- ~v = -------------~.
- m₁ + m₂
-
-Beim Ausdehnen erhält jeder Körper dieselbe Geschwindigkeitsänderung;
-deshalb hat ~m₁~ die schließliche Geschwindigkeit
-
- (v₁ m₁ + v₂ m₂ )
- ~c₁ = v₁ + 2 (------------- - v₁)~ also
- ( m₁ + m₂ )
-
- v₁ (m₁ - m₂) + 2 v₂ m₂
- ~c₁ = ----------------------~;
- m₁ + m₂
-
-ebenso hat ~m₂~ die schließliche Geschwindigkeit
-
- ( v₁ m₁ + v₂ m₂)
- ~c₂ = v₂ - 2 (v₂ - ------------)~ also
- ( m₁ + m₂ )
-
- v₂ (m₂ - m₁) + 2 v₁ m₁
- ~c₂ =-----------------------~.
- m₁ + m₂
-
-Bewegen sich die Körper gegeneinander, so ist eine Geschwindigkeit, etwa
-~v₂~, als negativ zu nehmen, dann ist:
-
- v₁ (m₁ - m₂) - 2 v₂ m₂
- ~c₁ = ----------------------
- m₁ + m₂
-
-und
-
- v₂ (m₁ - m₂) + 2 v₁ m₁
- ~c₂ = ---------------------~.
- m₁ + m₂
-
-Sind beide Massen einander gleich, so ist im ersten Falle ~c₁ = v₂~ und
-~c₂ = v₁~ d. h. die Massen gehen mit vertauschten Geschwindigkeiten
-weiter; im zweiten Falle ist ~c₁ = -v₂~, ~c₂ = v₁~ d. h. die Massen
-gehen mit vertauschten Geschwindigkeiten und nach entgegengesetzten
-Richtungen auseinander. Ist hiebei ein Körper zuerst in Ruhe, also im
-ersten Falle ~v₁~ = 0, so ist ~c₁ = v₂~, ~c₂~ = 0, d. h. es kommt der
-zweite, stoßende Körper in Ruhe, und der erste geht mit dessen
-Geschwindigkeit fort.
-
-Stößt ein Körper gegen eine feste Wand, so kann man deren Masse als
-unendlich groß ansehen, also etwa im ersten Fall ~m₁ = ∞~, ~v₁~ = 0
-setzen; um die Werte von ~c₁~ und ~c₂~ zu finden, dividiere man Zähler
-und Nenner mit ~m₁~, setze dann ~m₁ = ∞~, also
-
- 1
- ~-- = 0~,
- m₁
-
-so wird ~c₁~ = 0, ~c₂~ = -~v~; der Körper ~m₂~ geht also von der Wand
-mit derselben Geschwindigkeit wieder zurück.
-
-Sind die Massen nicht vollständig elastisch, so geschieht die Ausbiegung
-der getroffenen Stellen nicht vollständig und nicht mit derselben Kraft
-wie die Einbiegung, es sind also auch die Geschwindigkeitsänderungen
-während des Ausbiegens kleiner als die beim Einbiegen.
-
-
-279. Lebendige Kraft.
-
-Wenn eine Kraft von ~P~ _kg_ durch eine Strecke von ~s~ Meter auf einen
-frei beweglichen Körper gewirkt hat, so hat sie eine ^Arbeit^ geleistet
-= ~P · s~. Der Erfolg besteht darin, daß ^eine gewisse Masse^ (~M~),
-^auf welche die Kraft gewirkt hat, eine gewisse Geschwindigkeit^ (~v~)
-^erhalten hat^.
-
-Nun ist ~v = √(2 φ s)~; aber
-
- P
- ~φ = -~, sonach
- M
-
- ( P )
- ~v = √(2 - · s)~.
- ( M )
-
-Diese Gleichung bringen wir in die Form
-
- ~#P s = ½ M v²#~.
-
-In dieser Form zeigt die Gleichung, wie die ^Ursache^, daß nämlich die
-Kraft ~P~ längs des Weges ~s~ wirkt, zusammenhängt mit der Wirkung, daß
-nämlich eine Masse ~M~ eine Geschwindigkeit ~v~ erhalten hat.
-
-Ebenso kann ~M~ aus dieser Gleichung berechnet werden, wenn die anderen
-Größen bekannt sind.
-
-Wenn die Kraft ~P~ längs des Weges ~s~ gewirkt hat, so ist diese
-^Energie^ (~P s~) nicht mehr vorhanden; sie ist aber nicht aus der Natur
-verschwunden, sondern als Ersatz derselben ist eine Geschwindigkeit ~v~
-vorhanden, welche eine Masse ~M~ erhalten hat. #Die mit der
-Geschwindigkeit ~v~ behaftete Masse ~M~ stellt das Äquivalent für die
-verschwundene Energie ~P s~ dar.# Diese Masse ~M~ behält nun nach dem
-Trägheitsgesetz ihre Geschwindigkeit unverändert und immerfort bei, in
-ihr ^lebt^ gleichsam (daher der Ausdruck lebendige Kraft) die vorher in
-^ruhender Form^ vorhanden gewesene Energie ~P s~.
-
-Stellt sich der Masse ~M~ auf ihrer Bahn früher oder später ein
-Hindernis in den Weg, zu dessen Überwindung sie eine gewisse Kraft ~P~
-braucht, so kann sie dies Hindernis überwinden auf die Wegstrecke ~s~
-hin, welche sich berechnet aus
-
- α²
- ~s = ---~, wobei ~α = v~,
- 2 φ
-
- P
- ~φ = -~, also
- M
-
- v² · M
- ~s = ------~, oder in anderer Form
- 2 P
-
- ½ ~M v² = P s~.
-
-Dies ist dieselbe Gleichung wie vorher, und sie gibt an, wie nun die
-Ursache, nämlich daß eine Masse eine Geschwindigkeit hat, zusammenhängt
-mit der Wirkung, daß nämlich eine Kraft längs eines Weges ausgeübt wird.
-
-Eine mit der Geschwindigkeit ~v~ behaftete Masse ~M~ besitzt also
-Arbeitsfähigkeit, und stellt also eine ^Energie^ dar, ihre Größe ist
-ausgedrückt durch ½ ~M v²~; d. h. #die Energie eines in Bewegung
-befindlichen Körpers ist proportional der Masse und proportional dem
-Geschwindigkeitsquadrate#. Diese Energie einer in Bewegung befindlichen
-Masse nennt man die ^lebendige Kraft^ dieser Masse. (Leibnitz, 1646.)
-
-
-Aufgaben:
-
-#249.# Wie lange muß eine konstante Kraft von 20 _kg_ auf einen frei
-beweglichen 840 _kg_ schweren Körper wirken, bis er eine Geschwindigkeit
-von 4 _m_ erlangt hat; welche Strecke hat er dabei durchlaufen und
-welche Arbeit wurde aufgewendet?
-
-#250.# Welche Geschwindigkeit bekommt ein Körper von 700 _kg_ Gewicht,
-wenn auf ihn eine Kraft von 30 _kg_ längs eines Weges von 65 _m_ wirkt;
-welche Beschleunigung erhält er und wie lange braucht er dazu?
-
-#251.# Welcher Masse kann eine Kraft von 60 _kg_, welche längs eines
-Weges von 2 _m_ wirkt, eine Geschwindigkeit von 100 _m_ erteilen?
-
-#252.# Welche Kraft übt eine Masse von 400 _kg_ und 3½ _m_
-Geschwindigkeit aus, wenn sie 1220 _m_ weit läuft, bis sie stehen
-bleibt; welche Verzögerung hat sie und wie lange braucht sie?
-
-#253.# Auf welche Länge kann eine Masse von 750 _kg_ bei 40 _m_
-Geschwindigkeit eine konstante Kraft von 9 _kg_ hervorbringen; wie groß
-ist die Verzögerung und wie lange bewegt sich der Körper?
-
-#254.# Ein Geschoß von 7,7 _kg_ Gewicht verläßt das 1,4 _m_ lange Rohr
-mit 440 _m_ Geschwindigkeit, wie groß ist der Druck der Pulvergase,
-welche Beschleunigung erfährt das Geschoß und wie lange braucht es, um
-das Rohr zu durchlaufen?
-
-
-280. Mechanisches Äquivalent der Wärme.
-
-Mechanische Arbeit kann in Wärme verwandelt werden; wenn man mit einem
-Hammer oft auf ein Stück Blei schlägt, so wird es warm; es verschwindet
-dabei Energie, nämlich die lebendige Kraft des Hammers, da er beim
-Aufschlagen seine Bewegung verliert; als Ersatz kommt Wärme zum
-Vorschein. Es hat sich die mechanische Energie (~P s~) zuerst in
-Bewegungsenergie ½ ~M v²~ (des Hammers) verwandelt, und ^diese
-Bewegungsenergie verwandelt sich in Wärme^. Ähnlich: ein Bohrer, eine
-Säge erhitzen sich. Jede ^Reibung erzeugt Wärme^. Graf Rumford fand in
-der Geschützgießerei in München, daß ein stumpfer Kanonenbohrer sich
-stark erhitzt, und daß dazugegossenes Wasser ins Kochen kommt und weiter
-kocht, so lange gebohrt wird. Er schloß daraus nicht nur, daß Reibung
-Wärme erzeugt, sondern auch, ^daß Wärme nicht ein Stoff^ sein könne, da
-er sonst nicht in beliebiger Menge aus einem Stoffe (Bohrer)
-herausgenommen werden könne, sondern daß ^Wärme selbst eine Art
-Bewegung^ sein müsse, da sie aus Bewegung entsteht.
-
-R. Mayer, Arzt in Heilbronn, und der Engländer Joule untersuchten,
-^welche Quantitäten mechanischer Energie und Wärme sich entsprechen^,
-also insbesondere, wie viele _kgm_ aufgewendet werden müssen, um 1
-Kalorie zu erzeugen. Dies fand R. Mayer, dem man die wichtigsten
-Aufklärungen über die Verwandlung von Energien verdankt, auf folgende
-Art (1842). Man wußte schon längere Zeit, daß ^Luft verschiedene
-Wärmekapazität^ hat, je nachdem man sie in ^offenem oder verschlossenem
-Gefäße^ erwärmt. Um Luft in ^verschlossenem^ Gefäße von 0° auf 100° zu
-erwärmen, sind für jedes _kg_ Luft 16,86 Kal. erforderlich; um sie aber
-in ^offenem^ Gefäße zu erwärmen, ^wobei sie sich ausdehnt^, sind für 1
-_kg_ 23,77 Kal. erforderlich; R. Mayer sagte nun: Hiebei sind 16,86 Kal.
-erforderlich, um die Luft zu erwärmen, der Überschuß von 6,91 Kal. kommt
-aber nicht als Wärme zum Vorschein, sondern ist dazu verwendet worden,
-um Arbeit zu leisten; denn wenn die Luft sich ausdehnt, so muß der auf
-ihr liegende Luftdruck überwunden (die Luftsäule gehoben) werden. Die
-Größe dieser Arbeit ist aber leicht zu berechnen. 1 _kg_ Luft hat bei 0°
-ein Volumen von 775 _l_; wenn es sich in einem Raume befindet, der 1
-_qm_ Grundfläche hat, so hat es eine Höhe von 7,75 _dm_. Erwärmt man
-diese Luft, so dehnt sie sich aus, der Höhe nach um 7,75 · 0,366 = 2,84
-_dm_ = 0,284 _m_. Dabei muß sie den Luftdruck von 10 000 · 1,033 =
-10 330 _kg_ überwinden, leistet also eine Arbeit von 10 330 · 0,284
-_kgm_ = 2934 _kgm_. Zu dieser Arbeit sind 6,91 Kal. verwendet worden,
-also treffen auf 1 Kal. 424 _kgm_.
-
-^Joule^ machte viele Versuche, um durch Reibung und Stoß Wärme zu
-erzeugen, und fand (später) die Richtigkeit des von R. Mayer errechneten
-Wärmeäquivalents auch für die umgekehrte Verwandlung von Arbeit in Wärme
-bestätigt. ^Helmholtz^ verallgemeinerte und begründete die Lehre von der
-Umwandlung und Erhaltung der Kraft (Arbeit, Energie) 1847.
-
-Diese Zahl, 425 _kgm_ (wie man jetzt annimmt), nennt man #das
-mechanische Äquivalent der Wärme; sie gibt an, wie viele Einheiten der
-mechanischen Energie gleichwertig oder äquivalent sind einer
-Wärmeeinheit, einer Einheit der kalorischen Energie#. Ebenso ist ¼25
-Kalorie das Wärmeäquivalent von 1 _kgm_.
-
-Besonders gut läßt sich die Verwandlung von Arbeit in Wärme und deren
-Umkehrung bei Gasen verfolgen. Wenn man Luft komprimiert, so muß man, um
-die Expansivkraft der Luft zu überwinden, Arbeit aufwenden, indem man
-etwa den Kolben der Kompressionspumpe niederdrückt. Die Folge ist ^nicht
-bloß eine Drucksteigerung, sondern auch eine sehr beträchtliche
-Erwärmung^. Die Berechnung derselben kann nicht auf elementarem Weg
-erfolgen; doch ersieht man aus folgender Tabelle, wenn man 1 _cbm_ Luft
-von 0° und 1 Atm. Druck (760 _mm_) bis auf 2, 3 . . . . Atmosphären
-zusammendrückt, welche Arbeit hiezu erforderlich ist, welche Temperatur
-die Luft dann hat (vorausgesetzt, daß sie keine Wärme an die Gefäßwände
-abgibt), und welches Volumen sie dann hat.
-
-Kompression von 1 _cbm_ Luft von 0° und 1 Atm.
-
- |Kompressionsarbeit|Temperatur|Volumen
- Atmosph.| in _kgm_ | in ~C~°. |in _cbm_
- --------+------------------+----------+--------
- 2 | 5639 | 60,4 | 0,611
- 3 | 9505 | 101,8 | 0,457
- 4 | 12 517 | 134,2 | 0,373
- 5 | 15 099 | 161,3 | 0,318
- 6 | 17 248 | 184,7 | 0,280
- 7 | 19 186 | 205,3 | 0,251
- 8 | 20 938 | 224,3 | 0,228
- 9 | 22 552 | 241,5 | 0,210
- 10 | 24 034 | 357,4 | 0,194
-
-Dehnt sich die Luft sofort wieder aus, bevor sie etwas von ihrer Wärme
-abgegeben hat, so kehrt sie vollständig in ihren Anfangszustand zurück;
-sie leistet aber dabei eine Arbeit, denn sie übt einen ihrer jeweiligen
-Expansivkraft entsprechenden Druck längs des Ausdehnungsweges aus; dies
-geschieht aber auf Kosten der Wärme, denn sie kühlt sich dabei von
-selbst wieder auf 0° ab; es hat sich die Wärme (ein Teil ihres
-Wärmeinhaltes) in mechanische Arbeit verwandelt, und zwar leistet sie
-genau ebensoviel Arbeit als vorher zu ihrer Kompression aufgewendet
-wurde.
-
-Läßt man jedoch die vorher komprimierte Luft zuerst abkühlen bis 0°,
-wobei man dafür sorgt, daß sie ihre Spannkraft beibehält, und läßt sie
-nun sich vermöge ihrer Spannkraft ausdehnen, so leistet sie Arbeit, aber
-wieder auf Kosten der Wärme, und es zeigt sich, daß sie sich
-beträchtlich abkühlt. Aus folgender Tabelle ist die hiebei
-wiedergewinnbare Arbeit und die Temperaturerniedrigung zu ersehen, wenn
-man die komprimierte Luft zuerst auf 0° abkühlt und dann erst sich bis
-zu einer Atm. Spannkraft ausdehnen läßt.
-
- Atmosph.|Expansionsarb.|Temperaturerniedrigung.
- | in _kgm_ |
- --------+--------------+-----------------------
- 2 | 3347 | -36,2°
- 3 | 5146 | -55,1
- 4 | 6312 | -67,6
- 5 | 7172 | -78,8
- 6 | 7845 | -84,0
- 7 | 8394 | -89,9
- 8 | 8856 | -94,8
- 9 | 9253 | -99,1
- 10 | 9602 | -102,8
-
-Wir sahen, daß 1 _kg_ Steinkohle beim Verbrennen zka. 7500 Kalorien
-liefert; könnte man diese ganze Wärmemenge in Arbeit verwandeln, so
-würde das 7500 · 425 _kgm_ = 3 187 500 _kgm_ liefern. Würde diese
-Arbeit während einer Stunde verrichtet, so würden zka. 12 Pferdekräfte
-geleistet werden. 1 _kg_ Steinkohle müßte also hinreichen, um 1 Stunde
-lang zwölf Pferdekräfte zu liefern. Tatsächlich liefern unsere
-Dampfmaschinen kaum 10%, die besten nur 12-15%. Von diesem
-Gesichtspunkte aus betrachtet sind also die Dampfmaschinen sehr
-unvollkommene Maschinen, sie arbeiten nicht sparsam, sie verwandeln bei
-weitem nicht alle Wärme in Arbeit, die meiste Wärme geht durch den
-Schornstein und durch den Abdampf verloren.
-
-
-281. Elektrische Energie.
-
-Wenn man eine Dynamomaschine umtreibt, so wendet man außer der Reibung
-noch eine gewisse Arbeit ~P s~ auf; diese wird verwandelt in
-^elektrische Energie^, indem ^eine entsprechende Quantität Elektrizität
-von gewissem Potenzialunterschied^ hervorgebracht wird. Wenn sich dann
-der Potenzialunterschied durch das Fließen im Stromkreise wieder
-ausgleicht, verschwindet die elektrische Energie; aber dafür kommen dann
-andere Energien zum Vorschein. #Man mißt die elektrische Energie durch
-das Produkt aus Stromstärke mal Potenzialdifferenz#; wird in jeder
-Sekunde 1 _kgm_ aufgewendet, so kann man einen Strom erhalten von zka.
-10 ~Amp. Volt.~, also etwa einen Strom von 5 ~Amp.~ Quantität (Stärke)
-bei einer Potenzialdifferenz an den Erregungsstellen von 2 ~Volt.~ oder
-von 2 ~Amp.~ bei 5 ~Volt.~ oder entsprechend. Eine durch eine
-Pferdekraft getriebene Dynamomaschine sollte also einen konstanten Strom
-von 735 ~Amp. Volt.~ geben; in Wirklichkeit ist die Leistung nicht ganz
-so groß; aber bei guten, insbesondere großen Dynamomaschinen geht nur
-wenig (5-10%) verloren, so daß die Dynamomaschinen als vorzügliche,
-keiner wesentlichen Verbesserung fähige Maschinen anzusehen sind. ^Die
-elektrische Energie liefert dadurch, daß sie im Stromkreis wieder
-verschwindet, wieder andere Energie^: entweder kalorische Energie durch
-Erwärmung des durchlaufenen Leiters, und zwar 1 Kal. pro 425 _kgm_ oder
-pro 4227 ~Amp. Volt.~; oder es wird selbst wieder mechanische Energie
-erzeugt; denn wenn der Strom durch eine zweite Dynamomaschine geleitet
-wird, so liefert diese Arbeit unter Verbrauch der elektrischen Energie
-und zwar liefern auch wieder zka. 10 ~Amp. Volt.~ 1 _kgm_ per Sekunde
-oder 735 ~Amp. Volt.~ eine Pferdekraft. Auch hiebei geht ein Teil
-verloren, doch liefern gute Maschinen bis 90% Nutzeffekt, die besten bis
-97%. Nur wenn der Abstand beider Maschinen groß, also auch der
-Leitungswiderstand zwischen ihnen groß ist, so verlegt sich ein großer
-Teil des Gefälles in die Leitung selbst, ein großer Teil der
-elektrischen Energie wird in der Leitung in kalorische Energie
-verwandelt und geht für uns verloren, so daß der wirklich übertragene
-Betrag mechanischer Arbeit verhältnismäßig klein ist, 50%, oder bloß 25%
-zka.
-
-
-282. Allgemeine Lehre von der Energie.
-
-#Energie ist ein Zustand der Materie, demzufolge eine Kraft Gelegenheit
-und Fähigkeit hat, längs eines gewissen Weges zu wirken, also eine
-Arbeit zu leisten.# Jede solche Energie heißt eine #Energie der Lage#
-oder eine #potenzielle Energie#.
-
-Hieher gehört die ^Energie der Schwerkraft^ oder #Gravitationsenergie#:
-sie ist vorhanden, wenn ein schwerer Körper einen Abstand von einem ihn
-anziehenden Körper hat; ferner die #Energie der Elastizität#; sie ist
-vorhanden, wenn ein elastischer Körper eine Formveränderung erlitten hat
-(eine Feder zusammengedrückt ist) und nun in die ursprüngliche Gestalt
-zurückkehren will; ferner die #Energie eines Gases# (oder Dampfes), die
-Energie des Magnetes, die Energie der statischen Elektrizität und die
-Energie der elektrodynamischen Anziehung eines Stromteiles.
-
-#Die potenzielle Energie wird gemessen durch das Produkt aus Kraft und
-Weg# = ~P · s~. Ein Stein von 5 _kg_ Gewicht, welcher von der Erde 6 _m_
-entfernt ist, hat oder repräsentiert eine Energie von 5 · 6 _kgm_. In
-manchen Fällen ändert sich die Kraft wesentlich, während der Weg
-zurückgelegt wird; z. B. die elastische Kraft der Feder nimmt ab, wenn
-die Feder in die ursprüngliche Gestalt zurückkehrt; auch die Spannkraft
-des Gases oder Dampfes nimmt bei der Ausdehnung ab. Um die Größe der
-Energie zu berechnen, muß man den ganzen Weg in sehr viele kleine
-Strecken zerlegen und berechnen, wie groß die Kraft am Anfang jeder
-Strecke ist; dann kann man, ohne einen großen Fehler zu begehen,
-annehmen, daß die Kraft längs der kleinen Strecke konstant bleibt,
-demnach jede Kraft mit der zugehörigen Strecke multiplizieren und
-sämtliche Produkte addieren.
-
-Die Energie, welche ein in Bewegung befindlicher Körper besitzt, heißt
-#die Bewegungsenergie, kinetische Energie oder lebendige Kraft#; auch
-ein solcher Körper befindet sich in einem Zustand, demzufolge er die
-Fähigkeit besitzt, eine Kraft längs eines Weges auszuüben. Wir haben
-gesehen, daß eine Masse ~M~, welche die Geschwindigkeit ~v~ besitzt,
-eine Kraft ~P~ längs des Weges ~s~ ausüben kann, so daß ½ ~M v² = P s~.
-Es kann also auch die Energie einer bewegten Masse ausgedrückt werden
-durch _kgm_, und sie wird gemessen durch das Produkt ½ ~M v²~.
-
-Auch die Wärme ist eine Energie, da sie ein Zustand ist, vermöge dessen
-ein Körper eine Kraft längs eines Weges ausüben kann. Eine Kal. liefert
-425 _kgm_. Nach der mechanischen Gastheorie hat ein Gas seine
-Spannkraft nur dadurch, daß die Gasmoleküle eine gewisse Geschwindigkeit
-haben; da nun bei gleichem Volumen die Spannkraft von der Wärme abhängig
-ist, so schließt man, daß mit zunehmender Temperatur die Geschwindigkeit
-der Gasmoleküle wächst. Demgemäß kann man die ^Wärme als kinetische
-Energie, als lebendige Kraft der Moleküle ansehen^. Nimmt man ferner an,
-daß auch in festen und flüssigen Körpern die Moleküle nicht ruhig neben
-einander liegen, sondern schwingende Bewegungen um ihre
-Gleichgewichtslage machen und daß die Größe dieser Bewegungen mit
-steigender Temperatur wachse, so kann man auch die Wärme eines festen
-oder flüssigen Körpers als kinetische Energie, als lebendige Kraft der
-schwingenden Moleküle auffassen.
-
-Da beim Schmelzen und Sieden Wärme verbraucht wird (latente Wärme), so
-kann man sich vorstellen, daß hiebei die Wärme nicht dazu verwendet
-wird, um die schon vorhandene Bewegung der Moleküle zu vergrößern,
-sondern um ihnen eine ganz neue Art von Bewegungen zu erteilen, etwa um
-ihnen eine fortschreitende Bewegung zu erteilen beim Verdampfen. So kann
-auch die latente Wärme als kinetische Energie aufgefaßt werden.
-
-Die ^elektrische Energie^: eine elektrische Menge, welche eine gewisse
-Spannkraft hat, hat eine Energie; denn sie kann dadurch, daß sie ihre
-Spannkraft vermindert (etwa zur Erde abfließt), eine Arbeit leisten. Im
-galvanischen Strome findet ein beständiges Fließen der Elektrizität und
-damit ein beständiges Herabsinken von Elektrizität von höherer Spannung
-auf niedrigere Spannung statt. Die freien Mengen ± Elektrizität, welche
-an den Polen (Erregungsstellen) auftreten, stellen infolge ihres
-Spannungsunterschiedes eine Energie vor. Die Energie wird gemessen durch
-das Produkt aus ihrer Menge mal ihrer Spannungsdifferenz. Im
-galvanischen Strome verschwindet ~pro~ 1" eine gewisse Menge Energie,
-die durch das Produkt aus Menge (Stromstärke, ~Amp.~) mal
-Spannungsdifferenz (~Volt~) gemessen wird. Im galvanischen Strome findet
-also ein beständiges Verwandeln einer elektrischen Energie in eine
-andere (mechanische, kalorische etc.) Energie statt.
-
-^Chemische Energie^. Wenn zwei chemisch miteinander verwandte Körper, z.
-B. Kohle und Sauerstoff sich verbinden, entwickeln sie Wärme, bringen
-also eine andere Energie hervor. Man mißt die chemische Energie durch
-den Betrag, der bei der chemischen Verbindung zum Vorschein kommenden
-Wärmemenge, also durch Kalorien und kann sie, da 1 Kal. = 425 _kgm_ ist,
-auch durch _kgm_ messen. Da etwa 1 _kg_ Wasserstoff, wenn es sich mit
-der entsprechenden Menge (8 _kg_) Sauerstoff verbindet, 34 197 Kal.
-erzeugt, diese aber 34 179 · 425 _kgm_ = 14 526 000 _kgm_ äquivalent
-sind, so repräsentiert das System ~H₂ | O~ eine chemische Energie von
-14 526 000 _kgm_ für 1 _kg_ Wasserstoff. Will man umgekehrt 9 _kg_
-Wasser wieder in ~H₂~ und ~O~ zerlegen, also die chemische Energie
-herstellen, so ist hiezu ein Aufwand von 14 526 000 _kgm_ Energie
-notwendig. Allgemein: #Jede chemische Änderung ist mit Energieänderung
-verbunden, meistens thermischer, oft auch elektrischer Art.#
-
-Die Energie der ^strahlenden Wärme^, etwa der Sonnenwärme. In den Licht-
-und Wärmestrahlen überträgt sich die Wärmeenergie der Sonne zu uns. Die
-Sonne strahlt Wärme aus (jedes _qm_ Sonnenoberfläche zka. 20 000 Kal.
-~pro~ 1 Sek.) und verliert dadurch Wärme; treffen die Sonnenstrahlen auf
-die Erdoberfläche, so wird die Wärme wieder frei, zka. 4 kl. Kal pro 1
-_qcm_ in 1 Min.
-
-
-283. Umwandlung der Energie.
-
-Wir haben schon vielfach erkannt, daß ^sich Energien ineinander
-umwandeln lassen^; die Physik enthält die Lehre von der Umwandlung der
-Energien. Energie der Lage, z. B. Gravitationsenergie, verwandelt sich
-in Bewegungsenergie, wenn ein Körper zur Erde fällt. Umgekehrt, wenn der
-Körper aufwärts geworfen wird, so verwandelt sich seine Bewegungsenergie
-½ ~M v²~ wieder in Gravitationsenergie, ~P · s~. Wärme bringt eine
-Spannungsenergie, die Energie des Dampfes, diese wieder Bewegungsenergie
-hervor, Bewegungsenergie kann sich in Wärme verwandeln (Reibung).
-Besonders die elektrische Energie kann durch die verschiedenartigsten
-Ursachen hervorgebracht werden; denn sie entsteht durch mechanische
-Energie (Reibung, Aufheben des Elektrophordeckels), chemische Energie
-(galvanisches Element), Wärme (Thermoelement), magnetische oder
-elektrische Energie (Induktion), Bewegungsenergie (dynamoelektrische
-Maschine). Umgekehrt kann sich elektrische Energie wieder in die
-verschiedensten Energien verwandeln; im galvanischen Strome entsteht
-Wärme (in jedem Leiter), chemische Energie (bei der Elektrolyse),
-mechanische Energie oder Energie der Lage (Elektromagnet,
-elektrodynamische Anziehung), Bewegungsenergie (elektrodynamische
-Maschine). Durch chemische Energie entsteht Wärme; aber auch strahlende
-Wärme kann sich in chemische Energie verwandeln; denn in den lebenden
-Pflanzen, wenn sie vom Sonnenlicht (oder elektrischen Licht) getroffen
-werden, wird die von den Pflanzen eingeatmete Kohlensäure zerlegt in
-Kohle und Sauerstoff und zwar wird diese Zerlegung nur dadurch
-hervorgebracht, daß ein Teil der Energie der Sonnenstrahlen
-verschwindet, also nicht als freie Wärme zum Vorschein kommt.
-
-Viele Energien lassen sich ineinander verwandeln, jede mindestens in
-eine andere.
-
-^Aufgespeicherte Energie^. Eine Energiemenge, welche man einem
-Massensystem gegeben hat, und welche ihm durch Verwandlungen und
-Übertragungen wieder entzogen werden kann, nennen wir eine
-aufgespeicherte. Die Uhr wird in Gang erhalten durch die aufgespeicherte
-Energie des gehobenen Gewichtes oder der gespannten, aufgezogenen Feder.
-Bei den ^elektrischen Akkumulatoren^ wird elektrische Energie in
-chemische verwandelt, aufbewahrt und wieder in elektrische verwandelt.
-
-
-284. Erhaltung der Energie.
-
-#Wenn ein gewisser Betrag einer Energie verschwindet, so ist stets die
-Summe der Beträge derjenigen Energien, welche dadurch zum Vorschein
-kommen, dem verschwundenen Betrag gleich.# (R. Mayer.) Eine in der Natur
-vorhandene Energie kann also nicht zu nichts werden, sondern kann sich
-nur in eine oder mehrere andere Energien verwandeln derart, daß beide
-Beträge einander gleich sind. Die Energie verschwindet nicht, sondern
-verwandelt sich nur in andere Energien, wobei die Größe der vorhandenen
-Energie ungeändert bleibt: #Satz von der Erhaltung der Energie.#
-
-Dieser Satz spricht zugleich aus, daß ^eine Energie nicht aus nichts
-entstehen kann^, daß durch Aufwand einer Energie nicht eine dem Betrag
-nach größere Energie hervorgebracht werden kann, daß also die
-Gesamtsumme der in der Natur vorhandenen Energien weder vergrößert noch
-verkleinert werden kann. Es ist dieser Satz der allgemeinste, oberste
-und alle Vorgänge der Natur beherrschende Satz, der sich würdig und
-ebenbürtig dem durch die Wissenschaft der Chemie gefundenen Satz
-anschließt, daß der ^Stoff sich erhält^, daß die Menge des in der Natur
-vorhandenen Stoffes weder verringert noch vermehrt werden kann.
-
-Beispiele. Bei den einfachen Maschinen (Hebel, Rolle, Wellrad, schiefe
-Ebene, Schraube), sowie bei allen zusammengesetzten Maschinen (Kran,
-Räderwerk etc.) gilt ^die goldene Regel^, daß die Kräfte sich verhalten
-wie umgekehrt die Wege, oder daß die Arbeit der Kraft gleich ist der
-Arbeit der Last. Diesen Satz, dessen Richtigkeit und Wichtigkeit man
-schon früher erkannte, nannte man den Satz von der ^Erhaltung der Kraft^
-oder der ^Erhaltung der Arbeit^. Bei all diesen Maschinen verschwindet
-eine Energie, da eine Kraft längs eines Weges wirkt, dafür kommt eine
-andere Energie zum Vorschein, z. B. eine Gravitationsenergie. #Bei allen
-mechanischen von Stoß und Reibung freien Vorgängen ist immer die Summe
-der vorhandenen lebendigen und Spann-Kräfte konstant# (Helmholtz).
-
-In Wirklichkeit zeigt sich stets ein Verlust an gewonnener Energie: ein
-Teil der aufgewendeten Energie scheint ^verloren gegangen^ zu sein.
-Dieser Teil hat sich durch die Reibung in eine andere Energie, etwa
-Wärme, verwandelt, er hat sich #zerstreut#.
-
-Wenn im galvanischen Elemente Zink verbraucht wird, so wird dadurch eine
-gewisse Menge chemischer Energie verbraucht, indem sich ~Zn~ mit ~O~
-verbindet. Dafür entstehen nun andere Energien; es wird Wasserstoff
-frei, der selbst noch eine chemische Energie (Verwandtschaft zu ~O~)
-hat; dann wird Wärme im Elemente frei; ferner entsteht elektrische
-Energie, die aber im galvanischen Strome sofort wieder verschwindet und
-dadurch Wärme (im Draht), Energie der Lage oder Bewegung (Umtreiben
-einer elektrischen Maschine, Treiben einer elektrischen Klingel)
-vielleicht auch noch chemische Energie (Ausscheiden von ~Cu~ aus ~SO₄Cu~
-bei unlöslicher Anode) hervorbringt. Wenn man all diese Energien der
-Größe nach mißt und addiert, so ist ihr Gesamtbetrag genau gleich der
-aufgewendeten chemischen Energie, nämlich der chemischen Verwandtschaft
-des ~Zn~ zu ~O~.
-
-Wenn wir verbrennliche Speisestoffe (Mehl, Zucker, Fett etc.) in uns
-aufnehmen, und dieselben durch die Verdauung ins Blut kommen, so
-verbinden sie sich dort mit dem durch die Lungen aufgenommenen
-Sauerstoff, d. h. sie verbrennen, ihre chemische Energie verschwindet.
-Dafür entsteht Wärme, wovon ein Erwachsener täglich zka. 2700 Kal. nach
-außen abgibt; ferner entsteht die Kraft unserer Muskeln, mittels deren
-wir andere Energien hervorbringen, z. B. Bewegungsenergien; ein
-arbeitender Mensch leistet täglich zka. 50 000 _kgm_ bloß durch die
-willkürlichen Muskelbewegungen; noch größere Arbeit leisten gewöhnlich
-die unwillkürlichen. Die Summe der Beträge beider Energien ist gleich
-dem Betrage der aufgewendeten chemischen Energie, also gleich dem Betrag
-der durch die wirkliche Verbrennung der Speisestoffe entwickelten Wärme.
-Die Speisestoffe, z. B. Fett, entwickeln gleich viel Wärmemenge (gleich
-viel Kalorien), ob sie direkt in der Luft verbrennen, oder ob sie sich
-im Körper mit Sauerstoff verbinden, wenn nur in beiden Fällen die
-Verbrennung eine gleich vollständige ist.
-
-In all diesen Fällen findet also stets der Vorgang statt, daß eine
-Energie verschwindet und dafür eine oder mehrere Energien zum Vorschein
-kommen, daß sich also eine Energie in eine oder mehrere andere Energien
-umwandelt und bei jedem solchen Vorgang gilt der ^Satz von der Erhaltung
-der Energie als der allgemeinste und oberste Grundsatz der Physik^.
-
-Diesem Grundsatz gemäß ist die Energie des Weltalls ein der Größe nach
-unveränderliches Ganzes.
-
-
-
-
-Zwölfter Abschnitt: Anhang.
-
-Interferenz, Beugung und Polarisation der Wellen.
-
-
-285. Interferenz der Wellen.
-
-[Abbildung: Fig. 360.]
-
-Das Licht wird angesehen als eine wellenförmige Bewegung des Äthers,
-eines feinen Stoffes, der das ganze Weltall erfüllt, die Körper
-durchdringt, der Schwerkraft nicht unterworfen ist und als vollkommen
-elastisch anzunehmen ist. Die gewöhnlichen Erscheinungen der Reflexion
-und Refraktion haben zu ihrer Erklärung diese Wellentheorie
-(Undulationstheorie) nicht gerade notwendig; doch gibt es einige
-Erscheinungen, die sich nur aus dieser Theorie erklären lassen, die zur
-Aufstellung dieser Theorie geführt haben.
-
-Wenn im Wasser zwei Wellen sich begegnen, so durchdringen sie sich und
-laufen dann so weiter, als wenn sie keine Störung gefunden hätten. Dort
-wo sie sich durchdringen, ist ihre Gestalt merklich gestört; an den
-Stellen, wo zwei Wellenberge sich treffen, ist ein erhöhter Wellenberg,
-an den Stellen, wo zwei Täler sich treffen, ein vertieftes Tal, und
-dort, wo Berg und Tal sich treffen, heben sich beide auf, so daß das
-Wasser dort im natürlichen Niveau liegt. (Fig. 360.)
-
-
-286. Interferenz des Lichtes.
-
-Die ^Interferenz des Lichtes^ wurde von Fresnel durch dessen berühmten
-^Spiegelversuch^ nachgewiesen.
-
-[Abbildung: Fig. 361.]
-
-Läßt man das Licht von ~L~ aus sehr schräg auf zwei Glasspiegel ~I~ und
-~II~, die unter einem sehr stumpfen Winkel (fast 180°) geneigt sind,
-auffallen, so werden die Lichtstrahlen so reflektiert, als wenn sie von
-zwei hinter den Spiegeln liegenden Punkten ~L′~ und ~L′′~ herkämen. Wenn
-also von ~L~ eine Lichtwelle ausgeht, so ist es gerade so, als wenn von
-~L′~ und ~L′′~ gleichzeitig zwei gleiche Lichtwellen ausgingen. Bringt
-man in den Gang dieser Lichtwellen einen Schirm, so erblickt man
-auf ihm eine Reihe abwechselnd heller und dunkler Streifen,
-^Interferenzstreifen^, die man auf folgende Weise erklärt. Im Punkte
-~a~, der von ~L′~ und ~L′′~ gleich weit entfernt ist, treffen auch die
-Wellen stets gleichzeitig ein, verstärken sich also, in ihm ist es
-doppelt so hell, wie wenn bloß ein Spiegel da wäre. Der Punkt ~b~ aber
-ist von ~L′~ und ~L′′~ verschieden weit entfernt; beträgt dieser
-Unterschied (Gangunterschied) gerade eine halbe Wellenlänge, so treffen
-in ~b~ stets Wellenberg und Wellental zusammen; beide heben sich stets
-vollständig auf, in ~b~ ist keine Wellenbewegung, also kein Licht, ~b~
-ist ganz dunkel. Beträgt in ~c~ der Unterschied gerade eine ganze
-Wellenlänge, so treffen dort stets wieder die Wellenberge zusammen und
-dann die Wellentäler, sie verstärken sich, ~c~ hat helles Licht. So geht
-es fort, in ~d~ ist es dunkel, in ~e~ hell etc.
-
-Diese Interferenzerscheinungen sieht man als einen zwingenden Beweis für
-die Richtigkeit der Undulationstheorie an.
-
-So treten die Interferenzerscheinungen auf, wenn man einfarbiges
-homogenes Licht, etwa rotes oder violettes, oder das gelbe Licht einer
-Natriumflamme benützt. Bei rotem Lichte liegen die Interferenzstellen
-weiter voneinander entfernt als bei violettem; man schließt also, daß
-der Wegunterschied ein größerer ist, daß also auch die ^Wellenlänge des
-roten Lichtes größer ist als die des violetten^.
-
-Bei weißem Licht erzeugt jede Farbe entsprechend der Wellenlänge ihrer
-Strahlen ein anderes System von Streifen; diese Streifen lagern
-übereinander, die Farben mischen sich und man erhält ein System ^von
-farbigen Streifen^.
-
-Durch Interferenz erklären sich auch ^die Farben dünner Blättchen^, das
-sind die bunten, meist ringförmig angeordneten Farben und
-Farbenstreifen, die man an Seifenblasen, Sprüngen im Eis, dünnen
-Ölschichten auf Wasser, dünnen Oxydschichten auf blanken Metallen
-(angelassenem Stahl) etc. wahrnimmt. Das auf die Seifenblase auffallende
-Licht wird teilweise von der äußeren Fläche reflektiert, der andere Teil
-durchdringt das Häutchen und wird von der inneren Fläche teilweise
-reflektiert: beide reflektierten Teile gelangen ins Auge, aber da sie
-hiezu verschieden lange Wege machen, haben sie einen Gangunterschied,
-die Lichtwellen interferieren sich deshalb, erzeugen Interferenzstreifen
-und dadurch die verschiedenen Farben.
-
-Mittels des Spiegelversuches gelang es ^Fresnel^, die Länge der Wellen
-der verschiedenen einfachen (Spektral-) Farben zu berechnen.
-
- ============+================+==================
- Farbe | Wellenlänge in |Schwingungszahl in
- |Tausendstel _mm_| Billionen pro 1"
- ============+================+==================
- | |
- Rot ~B~ | 0,6878 | 448
- Rot ~C~ | 0,6564 | 472
- Gelb ~D~ | 0,5888 | 526
- Grün ~E~ | 0,5620 | 589
- Hellblau ~F~| 0,4843 | 640
- Tiefblau ~G~| 0,4291 | 722
- Violett ~H~ | 0,3929 | 790
-
-Da jede Welle sich in demselben Medium gleich rasch fortpflanzt (308 000
-_km_ in 1"), so hat die kürzeste Welle (violett) auch die größte
-Schwingungszahl.
-
- Die sichtbare rote Grenze des Sonnenspektrums hat 0,81 ~μ~ (~μ~ =
- Mikron = Tausendstelmillimeter); die äußerste Grenze des Ultrarot des
- Sonnenspektrums hat 2,7 ~μ~. Alle jenseits dieser Grenze liegenden
- Strahlen kommen von der Sonne nicht bis zu uns, sondern werden
- absorbiert; umgekehrt: alle solche von der Erde ausgehenden Strahlen
- gehen nicht in den Weltraum. Das Intensitätsmaximum einer Wärmequelle
- von 100° liegt bei 7,5 ~μ~, das einer Wärmequelle von 0° bei 11 ~μ~;
- es wurden schon Wellenlängen von 20-30 ~μ~ nachgewiesen (solche Länge
- haben Pilzsporen).
-
-
-287. Beugung der Wellen.
-
-[Abbildung: Fig. 362.]
-
-Geht paralleles Licht durch einen schmalen Spalt, dessen Breite in der
-Figur 364 in ~AB~ gezeichnet ist, in einen dunklen Raum, so sollte es
-eigentlich nur den Teil des Schirmes erhellen, der von der gradlinigen
-Verlängerung des Lichtes getroffen wird. Man findet aber, daß dieser
-Teil noch eingefaßt ist mit abwechselnd hellen und dunklen Streifen,
-ähnlich den Interferenzstreifen, sieht also, daß das Licht von seiner
-gradlinigen Bahn abgelenkt ist, und nennt diesen Vorgang Beugung des
-Lichtes.
-
-Erklärung: Wenn in einem Punkte eine wellenförmige Bewegung ankommt, so
-pflanzt sie sich nicht bloß in der Richtung fort, in der sie diesen
-Punkt erreicht hat, sondern von diesem Punkte geht, wie von einem
-Mittelpunkte aus, ein System kugelförmiger Wellen aus. So lange die
-Bewegung im unbegrenzten Raume geschieht, schaut es so aus, als wenn die
-Wellenbewegung sich geradlinig fortgepflanzt hätte, denn wenn eine von
-~A~ ausgehende Wellenbewegung, Fig. 362, sich bis zum Kreise ~BC~
-fortgepflanzt hat und es entstehen nun um ~B~ und ~C~ und die dazwischen
-liegenden Punkte selbst wieder kreisförmige Wellen, so haben sich diese
-nach einer gewissen Zeit so weit fortgepflanzt, daß ihre Wellenberge bis
-zur unteren Linie fortgerückt sind. Die vordersten Teile dieser
-Wellenberge verstärken sich zu einem Hauptwellenberg, der gerade so
-aussieht, wie wenn der Berg ~BC~ sich zur unteren Linie fortgepflanzt
-hätte. Es kommen also die in jedem Punkte entstehenden Wellen nicht
-einzeln zum Vorschein, sondern nur als Gesamtwirkung, wie wenn sich die
-Welle von ~BC~ einfach fortgepflanzt hätte. Wenn aber der Raum, durch
-welchen die Welle eindringt, einseitig begrenzt ist, wie bei einem
-Schleusentor (Fig. 363), so setzt sich hinter dem Tore nach rechts und
-links die Wellenbewegung fort, wie wenn auf der ganzen Torbreite eine
-wellenförmige Bewegung erregt würde; die Welle wird gebeugt und dringt
-so auch in den Raum ein, der nicht in der gradlinigen Fortsetzung der
-ankommenden Welle liegt. Die Welle geht also auch um die Ecke.
-
-[Abbildung: Fig. 363.]
-
-
-288. Beugung des Lichtes.
-
-[Abbildung: Fig. 364.]
-
-Kommt das Licht am Spalte ~AB~ an und hält man an der Vorstellung fest,
-daß nun von ~A~ und von ~B~, sowie von allen zwischenliegenden Punkten
-sich kreis- (kugel-) förmige Wellensysteme ausbreiten, so werden sich
-diese interferieren. Im Punkte ~a~ treffen die von ~A~ und ~B~ kommenden
-Wellen nicht gleichzeitig ein, sondern mit einem Gangunterschied,
-welcher der ungleichen Entfernung ~aA > aB~ entspricht. Ist dieser
-Unterschied etwa eine ganze Wellenlänge, so ist der Gangunterschied von
-~Aa - aC~ eine halbe Wellenlänge und es gibt zu jedem Punkte zwischen
-~A~ und ~B~ einen zweiten, so daß die von ihnen ausgehenden Wellen in
-~a~ gerade einen Gangunterschied von einer halben Wellenlänge haben.
-Solche Wellen heben sich auf, in ~a~ ist es also ganz dunkel. In ~b~
-jedoch, wo der Unterschied ~bA - bB~ gleich zwei Wellenlängen ist, wo
-also ~bA - bC~ = 1 Wellenlänge ist, kommen stets Wellenpaare an, die
-sich durch eine ganze Wellenlänge unterscheiden, die sich also
-verstärken; es ist also in ~b~ hell, ^das Licht ist nach ~b~ hin gebeugt
-worden^. So findet man, daß es in ~c~ dunkel, in ~e~ hell ist, und man
-kann leicht noch mehrere solche ^Interferenzstreifen^ unterscheiden. So
-ist die Erscheinung bei einfarbigem Lichte. Sie kann auch benützt
-werden, um die Wellenlänge des Lichtes zu berechnen (Fraunhofer). Bei
-violettem Lichte sind die Streifen schmäler, bei rotem Lichte breiter.
-Auch werden die Streifen um so breiter, je schmäler der Spalt wird. Bei
-weißem Lichte entstehen Streifensysteme, die sich übereinander lagern,
-ihre Farben mischen und so ein System von farbigen Streifen erzeugen
-(Fresnel 1815).
-
-Nimmt man statt eines Spaltes deren mehrere, indem man sehr nahe
-nebeneinander parallele Striche auf Glas graviert, so sieht man die
-Beugungserscheinung, die farbigen Fransen, schon wenn man durch das Glas
-auf eine Kerzenflamme sieht. Ähnlich, wenn man durch eine Federfahne
-oder feinmaschiges Gewebe (Musselin) gegen das Licht blickt.
-
-
-289. Polarisation des Lichtes.
-
-[Abbildung: Fig. 365.]
-
-Die Erscheinungen der Interferenz und Beugung haben erwiesen, daß das
-Licht eine Wellenbewegung ist. Die Erscheinungen der ^Polarisation^
-lehren, daß die ^Lichtwellen transversal schwingen^. (Huyghens 1678.)
-
-Läßt man Licht unter einem Einfallswinkel von 55° auf eine Glasfläche
-fallen, so zeigt der reflektierte Strahl folgende Eigentümlichkeit; läßt
-man ihn auf einen zweiten Spiegel auch unter 55° auffallen, so daß die
-Ebenen beider Spiegel parallel sind, oder daß wenigstens die
-Reflexions-Ebenen beider Spiegel zusammenfallen, so wird er vom zweiten
-Spiegel auch reflektiert; dreht man aber den zweiten Spiegel so, daß die
-Reflexionsebenen beider Spiegel aufeinander senkrecht stehen, so wird er
-vom zweiten Spiegel nicht mehr reflektiert. Während der Drehung des
-zweiten Spiegels aus der ersten in die zweite Lage nimmt die Stärke des
-von ihm reflektierten Lichtes ab. (Nörrembergs Polarisationsapparat,
-Fig. 365.) Der vom ersten Spiegel reflektierte Lichtstrahl ist demnach
-nicht mehr gewöhnliches Licht, da seine Reflexionsfähigkeit von der Lage
-des zweiten Spiegels abhängig ist; man nennt ihn deshalb ^polarisiert^.
-
-Im gewöhnlichen Lichte erfolgen die Schwingungen der Ätherteilchen
-senkrecht zur Richtung des Lichtstrahles, transversal, aber nach allen
-Seiten hin; wenn also in einem Lichtstrahle die Äthermoleküle jetzt eben
-in einer gewissen Richtung schwingen, so schwingen sie an dieser Stelle
-im nächsten Moment nach einer anderen Richtung und wechseln so in
-raschester Folge ihre Schwingungsrichtung. Wenn aber die Moleküle stets
-nur in einer Richtung schwingen, so sagt man, das Licht ist polarisiert;
-eine Ebene, welche den Lichtstrahl enthält und senkrecht steht zur
-Schwingungsrichtung, nennt man die ^Polarisationsebene^. Wenn also
-die Moleküle in der Ebene dieses Papieres schwingen, so ist das
-Licht polarisiert senkrecht zu dieser Papierfläche, denn die
-Polarisationsebene geht durch ~AB~ (Fig. 366) und steht senkrecht zur
-Papierfläche.
-
-[Abbildung: Fig. 366.]
-
-^Wird das Licht von Glas unter 55° reflektiert, so ist es polarisiert^;
-man weiß zwar nicht, ob in der Einfallsebene oder senkrecht zu ihr, doch
-nimmt man an, es sei in der Einfalls- (Reflexions-) Ebene polarisiert;
-die Schwingungen geschehen also senkrecht zur Einfallsebene, also
-senkrecht zur Papierfläche der Fig. 365.
-
-Solches polarisiertes Licht wird von einem zweiten Spiegel nur dann am
-stärksten reflektiert, wenn die Einfallsebene wieder mit der
-Polarisationsebene zusammenfällt; ist aber die Einfallsebene senkrecht
-zur Polarisationsebene (zweite Stellung des 2. Spiegels), so wird das
-Licht gar nicht mehr reflektiert. In dieser Zwischenstellung reflektiert
-der 2. Spiegel weniger als in der ersten Stellung, und dies reflektierte
-Licht ist nun auch wieder in der Reflexionsebene polarisiert.
-
-[Abbildung: Fig. 367.]
-
-Von dem auf den ersten Spiegel fallenden Lichte wird nur ein Teil
-reflektiert, der andere Teil wird durchgelassen (vorausgesetzt, daß der
-Glasspiegel unbelegt ist). ^Auch das durchgelassene, gebrochene Licht
-ist polarisiert^, aber senkrecht zur Einfallsebene, d. h. seine
-Schwingungen geschehen in der Einfalls-(Papier-)ebene. Fig. 367.
-
-Wenn der Einfallswinkel des natürlichen Lichtes bei Glas mehr oder
-weniger als 55° beträgt, so wird das Licht nicht vollständig
-polarisiert, d. h. sowohl das einfallende als das gebrochene verhält
-sich so, als wenn es bestände aus einem Teil polarisierten und einem
-Teil unpolarisierten Lichtes.
-
-Die Polarisation des reflektierten Lichtes ist bei durchsichtigen
-Substanzen nur dann vollständig, wenn der reflektierte Strahl senkrecht
-steht auf dem gebrochenen Strahle. Ist also ~n~ der Brechungsexponent
-und ~α~ dieser Einfallswinkel (oder Reflexionswinkel), so ist ~tg α =
-n~. Dieser Einfallswinkel wird ^Polarisationswinkel^ genannt. Bei vielen
-Substanzen, zu denen auch Diamant, Schwefel und die Metalle gehören,
-wird nie alles reflektierte Licht polarisiert, jedoch liefert der
-Polarisationswinkel das Maximum des polarisierten Lichtes.
-
-Das durchgelassene Licht ist nie vollständig polarisiert, denn es
-enthält nur so viel polarisiertes als das reflektierte, ist ihm aber an
-Quantität überlegen; der Überschuß ist unpolarisiert. Wird dies
-durchgelassene Licht nochmal durch eine parallele Platte gelassen, so
-wird der schon polarisierte Teil ganz durchgelassen, vom unpolarisierten
-wird ein Teil polarisiert; das durchgelassene ist also jetzt
-vollständiger polarisiert und kann, wenn man es oftmals durch solche
-Platten durchgehen läßt, immer vollständiger polarisiert werden.
-
-
-290. Doppelbrechung des Lichtes.
-
-Aus den natürlichen Kalkspatkristallen lassen sich durch Spaltung
-Rhomboeder herstellen, und wenn man ein Bündel paralleler Lichtstrahlen
-sogar senkrecht auf eine Seitenfläche des Rhomboeders fallen läßt, so
-treten auf der gegenüberliegenden Fläche zwei getrennte Lichtstrahlen
-heraus. Der eine ist die Fortsetzung des einfallenden Lichtes, wie er
-sich bei senkrechter Incidenz bilden muß, und wird der ordentliche
-Strahl genannt; der andere ist etwas seitlich verschoben, und wird der
-außerordentliche Strahl genannt. ^Doppelbrechung^.
-
-Wenn man ein Kalkspatrhomboeder auf Papier legt, so sieht man die auf
-dem Papier befindlichen Zeichen doppelt.
-
-Die 6 Rhomben, welche das Rhomboeder begrenzen, haben stumpfe Winkel von
-je 105,5°, und nur an zwei gegenüberliegenden Ecken stoßen je 3 stumpfe
-Winkel zusammen; die Verbindungslinie dieser Ecken ist die
-kristallographische und zugleich die optische Achse des Kalkspates, und
-jede Ebene, welche durch sie gelegt wird, heißt ein Hauptschnitt. Liegt
-das Rhomboeder, wie vorhin, auf dem Papier mit einer Fläche, so steht
-die Achse schief zur Papierfläche; der Hauptschnitt, welcher hier in
-Betracht kommt, enthält diese Achse und steht senkrecht auf der
-Papierfläche; der außerordentliche Strahl ist im Hauptschnitt
-verschoben, sogar bei senkrechter Incidenz um 6° 14' und wird beim
-Austritt dem ordentlichen wieder parallel. Wenn man demnach das auf dem
-Papier liegende Rhomboeder dreht, so ändert der Hauptschnitt seine
-Richtung und damit auch der außerordentliche Strahl. Ist auf dem Papier
-ein Punkt gezeichnet, so sieht man durch das Rhomboeder zwei Punkte, und
-beim Drehen desselben bleibt der eine Punkt, der dem ordentlichen
-Strahle entspricht, ruhig, während der andere, welcher dem
-außerordentlichen Strahle entspricht, in einem kleinen Kreise um ihn
-herumwandert.
-
-^Jede Doppelbrechung ist zugleich mit Polarisation verbunden^ derart,
-daß der ordentliche Strahl im Hauptschnitt, der außerordentliche Strahl
-senkrecht zum Hauptschnitt polarisiert ist. Die Polarisation ist stets
-vollständig. (Huyghens 1678.)
-
-Zur Erklärung nimmt man an, daß infolge der besonderen Anordnung der
-Moleküle im Kristalle die Ätherteilchen überhaupt nur in zwei Richtungen
-schwingen können, parallel dem Hauptschnitt und senkrecht dazu, daß
-deshalb, wenn gewöhnliches Licht in den Kristall eindringt, jeder
-Lichtstrahl, welcher nicht schon in einer dieser Richtungen schwingt, in
-zwei Strahlen zerlegt wird, die eben in diesen Richtungen schwingen. Da
-nun im unpolarisierten Lichte die Teilchen nach allen möglichen
-Richtungen schwingen, so entstehen durch die Zerlegung zwei polarisierte
-Strahlen von gleicher Stärke. Nun hat der Kalkspat aber auch noch
-verschiedenes Brechungsvermögen für beide polarisierte Strahlen und
-daher kommt es, daß sie sich im Kristalle trennen und gesondert zum
-Vorschein kommen.
-
-Alle nicht dem regulären System angehörigen Kristalle zeigen
-Doppelbrechung; unter ihnen ist besonders der Turmalin ausgezeichnet
-dadurch, daß er den außerordentlichen Strahl besser durchläßt, als den
-ordentlichen, so daß oft schon eine einzige Turmalinplatte genügt, den
-ordentlichen Strahl ganz auszulöschen. Legt man zwei solche
-Turmalinplatten so aufeinander, daß die Hauptschnitte parallel sind, so
-erscheint beim Durchsehen das Gesichtsfeld hell, weil der
-außerordentliche Strahl der ersten auch als solcher die zweite
-durchdringt; dreht man die zweite um 90°, so erscheint das Gesichtsfeld
-dunkel, weil nun der außerordentliche Strahl der ersten Platte die
-zweite als ordentlicher durchdringen sollte, hiebei aber ganz absorbiert
-wird.
-
-
-Die absoluten Maßeinheiten.
-
-
-291. Die mechanischen Einheiten.
-
-Man hat in neuester Zeit zur Messung physikalischer Größen Maßeinheiten
-eingeführt, welche möglichst wenige willkürliche Annahmen haben und aus
-den einfachsten Einheiten auf die einfachste Weise abgeleitet sind.
-
-Man hat nur 3 Einheiten willkürlich angenommen, nämlich
-
- 1) das Centimeter ~C~ als Längeneinheit,
-
- 2) das Gramm ~G~ als Maßeinheit und
-
- 3) die Sekunde ~S~ als Zeiteinheit.
-
-Diese 3 Einheiten heißen die ^absoluten^ Einheiten; aus ihnen werden
-alle anderen Maßeinheiten abgeleitet und heißen deshalb ^abgeleitete^
-Einheiten, und das ganze System von Maßeinheiten, das man auf
-diese Weise erhält, heißt das ^absolute^ Maßsystem oder das
-Centimeter-Gramm-Sekunden-System (~CGS~-System).
-
-^Geschwindigkeitseinheit^ ist diejenige Geschwindigkeit, bei welcher in
-der Zeiteinheit ~S~ die Wegeinheit ~C~ zurückgelegt wird.
-
-^Krafteinheit^ ist diejenige Kraft, welche, wenn sie konstant
-während 1 Sekunde auf die Masse von 1 ~G~ wirkt, diesem die
-Geschwindigkeitseinheit (1 ~C~ pro 1 ~S~) erteilt. (Die Kraft 1 gibt der
-Masse 1 in der Zeit 1 die Geschwindigkeit 1.)
-
-Diese Krafteinheit, auch Dyne genannt, ist verhältnismäßig sehr klein;
-denn wenn, wie beim freien Falle, die Kraft von 1 _g_ auf die Masse von
-1 _g_ während 1" wirkt, so erteilt sie dem Gramm eine Geschwindigkeit
-von 9,81 _m_ (ca.), also von 981 _cm_ (ca.); die Krafteinheit soll aber
-dem Gramm bloß eine Geschwindigkeit von 1 _cm_ erteilen, also ist die
-Krafteinheit 981 mal kleiner als das Gewicht von 1 _g_. Die Krafteinheit
-ist also ungefähr so groß wie die Kraft, mit welcher die Erde ein
-Milligramm anzieht. Die Kraft von 1 _kg_ enthält also ca. 981 000
-Krafteinheiten.
-
-Die ^Arbeitseinheit^ ist die Arbeit, welche die Krafteinheit verrichtet,
-wenn sie längs der Wegeinheit (_cm_) wirkt.
-
-Auch diese Arbeitseinheit ist recht klein, denn die Arbeit von 1 _kgm_
-enthält ca. 981 000 · 100 = 98 100 000 Arbeitseinheiten.
-
-
-292. Die elektrostatischen Einheiten.
-
-Die absoluten Einheiten sind insbesondere zur Messung elektrischer und
-magnetischer Größen eingeführt und dafür ganz besonders passend. Man
-unterscheidet zweierlei Arten elektrischer Maßeinheiten, nämlich die
-^elektrostatischen^ und die ^elektromagnetischen^ Einheiten; dazwischen
-werden wir noch die ^magnetischen^ Einheiten einschieben.
-
-1. Einheit der ^Menge^ oder ^Quantität^ der Elektrizität ist diejenige
-Menge, welche eine gleich große Menge, welche 1 _cm_ von ihr entfernt
-ist, mit der Krafteinheit abstößt. (Die Mengeeinheit zieht eine gleich
-große Menge in der Abstandseinheit mit der Krafteinheit an.)
-
-2. Einheit der ^Potenzialdifferenz^. Sind zwei Leiter nicht mit
-Elektrizität von derselben Spannung geladen, so daß also wenn man die
-Leiter durch einen Draht verbindet, Elektrizität vom einen zum andern
-Leiter überfließt, bis beide gleiche Spannung haben, so sagt man, es ist
-zwischen den beiden Leitern eine ^Potenzialdifferenz^ vorhanden, oder
-sie haben verschiedenes ^Potenzial^. ^Da durch das Fließen die
-Elektrizität Arbeit leistet^, so kann durch diese Arbeit die
-Potenzialdifferenz gemessen werden. Zwischen zwei Punkten herrscht die
-^Einheit der Potenzialdifferenz^, wenn die elektrische Mengeneinheit
-gerade die Arbeitseinheit leistet.
-
-3. ^Widerstandseinheit^ ist derjenige Widerstand, welcher zwischen zwei
-Punkten von der Potenzialdifferenz 1 vorhanden sein muß, damit die
-Mengeneinheit gerade in der Zeiteinheit (1 Sek.) herüberfließt.
-
-4. Der hiebei entstandene Strom ist die ^Stromeinheit^. Haben also zwei
-Punkte die Potenzialdifferenz 1, zwischen sich den Widerstand 1, so
-läuft in der Zeit 1 die Quantität 1 herüber, liefert die Arbeit 1 und
-stellt den Strom 1 vor.
-
-Aus folgenden Beispielen gewinnt man eine ungefähre Vorstellung von der
-Größe der eben definierten Einheiten. Wenn man 268 Daniellsche Elemente
-hintereinander (auf elektromotorische Kraft) schaltet, den einen freien
-Pol zur Erde ableitet und den anderen mit der Kugel von 2 _cm_
-Durchmesser verbindet, so erhält diese Kugel die elektrische
-Mengeneinheit zugleich auf der Einheit des Potenzials. Die
-Widerstandseinheit ist gleich dem einer Quecksilbersäule von 100 000 000
-Kilometer Länge und ¹/₁₀₀₀ Quadratmillimeter Querschnitt, ist also ca.
-10¹⁴ ~S. E.~ Werden die Pole obiger Batterie durch diesen Widerstand
-verbunden, so fließt durch ihn die Stromeinheit, es wird also pro Sek.
-eine Arbeitseinheit geleistet.
-
-
-Die magnetischen Einheiten.
-
-Einheit der ^magnetischen Menge^ besitzt ein Magnetpol, wenn er einen
-gleich starken, in 1 _cm_ Entfernung befindlichen Pol mit der
-Krafteinheit anzieht (oder abstößt).
-
-Ein Magnetpol beherrscht den ihn umgebenden Raum derart, daß er jeden in
-seinen Bereich kommenden anderen Magnetpol abstößt (oder anzieht). Die
-Größe dieser Anziehung ist abhängig von der Stärke des anziehenden
-Magnetismus und von der Entfernung des angezogenen. Sucht man in der
-Umgebung eines Magnetpoles alle Stellen, in denen die Größe oder
-Intensität der magnetischen Anziehung dieselbe ist, so findet man als
-geometrischen Ort eine Fläche, welche den Pol einhüllt. Sucht man für
-jeden Intensitätsbetrag eine solche Fläche, so erhält man eine Anzahl
-Flächen von je gleicher Anziehung oder magnetischer Intensität und nennt
-diese Flächen ^magnetische Felder^. Ein ^Feld^ hat die ^Intensität^ 1,
-wenn ein in diesem Feld befindlicher Pol 1 vom anziehenden Magnetpol mit
-der Kraft 1 angezogen wird.
-
-
-293. Die elektromagnetischen Einheiten.
-
-Sie werden benützt zur Messung des galvanischen Stromes.
-
-1) ^Stromstärkeeinheit^ hat der Strom, welcher, indem er die
-Längeneinheit durchfließt, auf einen 1 _cm_ entfernten Magnetpol von der
-Stärke 1 die Krafteinheit ausübt. Man denke sich also einen Draht von 1
-_cm_ Länge so gebogen, daß er einen Kreisbogen von 1 _cm_ Radius bildet.
-Im Zentrum dieses Kreises sei ein Magnetpol von der Stärke 1 angebracht.
-Fließt nun durch den Draht ein galvanischer Strom, so wirkt er abstoßend
-auf den Magnetpol mit einer gewissen Kraft; ist diese Kraft 1, so ist
-auch der Strom 1.
-
-2) ^Elektrische Mengeneinheit^ ist diejenige Menge, welche in einer
-Sekunde durch den Strom von der Stärke 1 geliefert wird.
-
-3) ^Elektromotorische Krafteinheit^ herrscht zwischen zwei Punkten, wenn
-die zwischen ihnen herüberfließende Mengeneinheit gerade die
-Arbeitseinheit leistet.
-
-4) ^Widerstandseinheit^ ist der Widerstand, der zwischen zwei Punkten
-von der Potenzialdifferenz 1 gerade den Strom 1 herüberfließen läßt.
-
-Liefert also ein Element gerade die elektromotorische Kraft 1 und ist
-der Widerstand 1, so fließt in 1 Sekunde die Menge 1 herüber, leistet
-die Arbeit 1 und stellt den Strom 1 vor.
-
-Diese Einheiten sind von denen des elektrostatischen Systems ^der Größe
-nach wesentlich verschieden^, und zwar ist die Mengeneinheit des
-elektromagnetischen Systems 28 800 000 000 mal so groß (~v~ mal so groß)
-als die des elektrostatischen Systems; ebenso ist die Stromstärke v mal
-so groß, dagegen die elektromotorische Kraft ~v~ mal so klein und der
-Widerstand ~v²~ mal so klein.
-
-
-294. Die praktischen Einheiten.
-
-Die bisher besprochenen Einheiten sind ^für praktische Anwendungen sehr
-unbequem^, weil sie der Größe nach zu sehr verschieden sind von den
-gewöhnlich der Messung unterliegenden Größen. Man hat deshalb sogenannte
-^praktische Einheiten^ eingeführt. Diese sind:
-
-1) Das ~^Weber^~, die praktische Einheit für die ^magnetische
-Quantität^, sie ist = 10⁸ absolute Einheiten der magnetischen Quantität.
-
-2) Das ~^Ohm^~, die praktische Einheit für den ^Widerstand^; sie ist =
-10⁹ Widerstandseinheiten des elektromagnetischen Systems: das Ohm ist
-nahe verwandt mit der Siemens-Einheit; 1 ~Ohm~ = 1,06 ~S. E.~ Die
-Widerstandseinheit des elektromagnetischen Systems ist also sehr klein,
-ca. 1 Tausendmillionstel von 1 ~S. E.~
-
-3) Das ~Volt~ (abgekürzt von ~Volta~), die praktische Einheit der
-^elektromotorischen Kraft^; sie ist = 10⁸ elektromotorischen
-Krafteinheiten des elektromagnetischen Systems. Das ~Volt~ ist nahe
-verwandt mit der elektromotorischen Kraft eines Daniellelementes, es ist
-ca. 5-10% kleiner als ein Daniell. Die elektromotorische Krafteinheit
-des elektromagnetischen Systems ist also sehr klein, ca. 1
-Hundertmillionstel eines Daniell.
-
-4) Das ~Ampère~, die praktische Einheit der ^Stromstärke^, sie ist =
-¹/₁₀ der Stromstärkeeinheit des elektromagnetischen Systems.
-
-Das ~^Coulomb^~, die praktische Einheit der ^Quantität^; sie ist = ¹/₁₀
-Quantitätseinheit des elektromagnetischen Systems.
-
-Diese praktischen Einheiten sind so gewählt, daß bei 1 ~Volt~
-elektromotorischer Kraft und 1 ~Ohm~ Widerstand eine Stromstärke von 1
-~Ampère~ entsteht, also eine Menge von 1 ~Coulomb~ pro 1" durchfließt.
-(1 ~Volt~ gibt in 1 ~Ohm~ 1 ~Amp.~ und liefert 1 ~Coulomb~). Die dadurch
-erzeugte Arbeit beträgt 10⁷ Arbeitseinheiten des absoluten Systems und
-wird 1 ~^Watt^~ genannt. 1 ~Watt~ = 10⁷ Arbeitseinheiten. Da nun 1 _kgm_
-= 10⁷ · 9,81 Arbeitseinheiten ist, so ist 1 _kgm_ = 9,81 ~Watt~.
-
-^Die Arbeitsleistung eines galvanischen Stromes wird gemessen durch das
-Produkt aus Stromstärke mal elektromotorischer Kraft^. Mißt man diese
-durch ~Amp.~ und ~Volt~, so ist die Arbeit = ~Amp. Volt.~ für jede
-Sekunde; und da 1 ~Amp. Volt.~ = 1 ~Watt~, so findet man die Arbeit
-eines galvanischen Stromes in ~Watt~ durch das Produkt aus ~Amp. Volt.~
-Wenn z. B. die Stromstärke einer Dynamomaschine 30 ~Amp.~ und die
-Spannungsdifferenz an den Klemmschrauben 54 ~Volts~ beträgt, so ist die
-Arbeit, die dieser Strom im äußeren Schließungskreis (von Klemme zu
-Klemme) leistet = 30 · 54 = 1620 ~Watt~ in jeder Sekunde. Es gehen nun
-735 ~Watt~ auf eine Pferdekraft, also ist die äußere Arbeit dieser
-Maschine =
-
- 1620 Amp. Volt
- ---- = 2, . . Pferdekräfte. Also Pferdekr. = ~---------~.
- 735 735
-
-(Die englische Pferdekraft (~horse power = HP~) = 746 ~Watts~, also
-
- Amp. Volts
- ~HP = ----------~).
- 746
-
-Wir haben gesehen, daß Wärme durch Arbeit erzeugt werden kann, und zwar
-ist:
-
-1 Kalorie = 424 _kgm_ = 41 590 000 000 absol. Arbeitseinheiten.
-
-Man nimmt im absoluten Maßsystem als Wärmeeinheit diejenige Wärmemenge,
-welche 1 _g_ Wasser um 1° ~C~ erwärmt; dann ist 1 Wärmeeinheit = 41 590
-000 abs. Arb. einh. = 0,424 _kgm_.
-
-
-Drahtlose Telegraphie.
-
-
-295. Elektrische Wellen.
-
-Der Entladungsfunke einer Leydener Flasche besteht nicht aus einem
-einzigen Funken eines einmaligen Ausgleiches, sondern aus mehreren
-oszillatorischen Entladungen. Dies sieht man am rotierenden Spiegel,
-welcher den Funken in die einzelnen Entladungsfunken auflöst, und da der
-elektrische Rückstand bald positiv, bald negativ ist, so schließt man,
-daß die Elektrizität in der Funkenstrecke hin und her wogt, ähnlich wie
-eine Flüssigkeit, die sich in einem ~U~-Rohre ins Gleichgewicht setzt.
-
-Die Anzahl dieser Oszillationen beträgt bei einer Leydener Flasche etwa
-20 mit rasch abnehmender Stärke, und die Zeitdauer einer Oszillation ist
-etwa ein Milliontel einer Sekunde.
-
-Wie bei einer Flamme die Ätherteilchen in schwingende Bewegung versetzt
-werden, so werden durch diese oszillatorischen Entladungen ebenfalls
-Ätherwellen erzeugt, welche sich mit Lichtgeschwindigkeit fortpflanzen.
-
-Treffen die elektrischen Wellen auf einen Leiter, so sind sie im stande,
-ihn elektrisch zu erregen. Dies beweist man auf folgende Art.
-
-[Abbildung: Fig. 368.]
-
-Man nimmt zwei Leydener Flaschen, welche gleichsam aufeinander
-abgestimmt sind, so daß sich in ihnen die oszillatorischen Entladungen
-gleich rasch vollziehen, und stellt sie in mäßiger Entfernung, etwa ½
-_m_, auf. Wird nun die eine entladen, so entstehen auch bei der anderen
-kleine Funken. Der Vorgang ist vergleichbar dem Mitschwingen, der
-Resonanz, einer gleichgestimmten Saite oder Stimmgabel.
-
-Auch der Entladungsfunke eines Rhumkorff’schen Induktoriums besteht aus
-oszillatorischen Entladungen und erzeugt elektrische Wellen.
-
-Die elektrischen Wellen breiten sich wie die Lichtwellen nach allen
-Richtungen des Raumes aus und folgen denselben Gesetzen wie die
-Lichtwellen.
-
-Sie durchdringen die Luft und alle Nichtleiter, wie die elektrischen
-Stoffe. Von den Leitern werden sie teilweise reflektiert, teilweise
-dringen sie in dieselben ein, indem sie sie elektrisch erregen.
-
-Man hat bei den elektrischen Wellen nachgewiesen: Reflexion an Leitern,
-Brechung an Isolatoren, in welche sie unter Ablenkung eindringen (Prisma
-aus Pech), Interferenz und Polarisation. Mit letzterem ist auch
-nachgewiesen, daß sie Transversalwellen sind wie die des Lichtes:
-gegenüber den Lichtwellen haben sie eine viel geringere Schwingungszahl
-und deshalb eine viel größere Wellenlänge, nämlich einige Centimeter bis
-mehrere Meter.
-
-
-296. Der Kohärer.
-
-Die elektrischen Wellen können auch auf folgende Art nachgewiesen
-werden.
-
-[Abbildung: Fig. 369.]
-
-In eine Glasröhre werden Feilspäne eingelegt und zwei Drähte eingeführt,
-so daß die lose eingelegten Feilspäne gleichsam eine Verbindung der
-Drahtenden bilden. Die zwei Drähte sind außerdem mit einigen Elementen
-und einem Galvanometer verbunden. Die Röhre wird ^Kohärer^ genannt. Der
-Widerstand der Feilspäne ist so groß, daß das Galvanometer keinen
-Ausschlag zeigt. Sobald aber der Kohärer von elektrischen Wellen
-getroffen wird, verringert sich der Widerstand der Feilspäne derart, daß
-das Galvanometer abgelenkt wird. Dies kommt wohl daher, daß durch die
-Wellen zwischen den Feilspänen kleine Funken erzeugt werden, wodurch die
-Feilspäne oberflächlich zusammenschmelzen (zusammenfritten, daher auch
-Frittröhre) und nun zusammenhängen (daher Kohärer). Der einmal durch die
-elektrischen Wellen hergestellte Zusammenhang bleibt bestehen, auch wenn
-die elektrischen Wellen aufhören. Jedoch ist der Zusammenhang der
-Feilspäne so schwach, daß eine geringe Erschütterung der Röhre die
-Feilspäne wieder trennt, und der ursprüngliche Zustand wieder
-hergestellt wird. Neue Wellen verursachen wiederum Ablenkung der
-Galvanometernadel.
-
-
-297. Die drahtlose Telegraphie.
-
-Hierauf beruht die Telegraphie ohne Draht.
-
-Der Aufgabeapparat, ^Sender^, besteht aus zwei Messingkugeln, zwischen
-welchen man die Funken eines Rhumkorff’schen Induktoriums überspringen
-läßt, längere oder kürzere Zeit wie bei den Strichen und Punkten des
-Morse’schen Alphabetes.
-
-Der Empfangsapparat besteht aus einem Kohärer, dessen Drähte mit einigen
-Elementen und etwa einer elektrischen Klingel verbunden sind. Läßt man
-nun den Sender spielen, so treffen die elektrischen Wellen den Kohärer,
-und die Klingel ertönt. Der Klöppel der Klingel schlägt zugleich an den
-Kohärer, erschüttert die Feilspäne und unterbricht den Strom. Solange
-aber im Sender Funken überspringen, wird der Kohärer immer wieder in
-Tätigkeit versetzt und man hört deshalb je nach dem Spiel des Senders
-auf der Empfangsstation längere oder kürzere Klingelzeichen.
-
-[Abbildung: Fig. 370.]
-
-Will man den Empfänger noch empfindlicher machen, so schaltet man bei
-ihm noch ein Relais ein, wie in Fig. 370 dargestellt ist.
-
-Die Drähte des Kohärers ~C~ sind mit einem Element und dem Elektromagnet
-~R~ des Relais verbunden. Sowie der Kohärer erregt wird, zieht der
-Elektromagnet ~R~ einen Anker an, welcher den zweiten Stromkreis
-schließt. Dieser wird von einigen Elementen gespeist und verzweigt sich;
-der eine Zweig führt zum Elektromagnet ~K~ eines Klopfers, welcher den
-Kohärer erschüttert, der andere Zweig führt zu einem Morse’schen
-Schreibtelegraph, welcher, an Stelle der Klingel, eine kürzere oder
-längere Punktreihe aufzeichnet.
-
-Da die elektrischen Wellen des Senders sich wie Lichtwellen nach allen
-Richtungen ausbreiten, so ist eine Drahtverbindung mit dem Empfänger
-nicht notwendig; doch dürfen in der geraden Verbindungslinie keine
-festen Gegenstände vorhanden sein. Man führt wohl auch sowohl von den
-Kugeln des Senders, als von den Drähten des Kohärers parallele Drähte
-hoch in die Luft, um so die „Sicht“ herzustellen.
-
-Die drahtlose Telegraphie funktioniert bereits über Strecken von 100
-Kilometer.
-
-
-298. Röntgenstrahlen.
-
-^Geislersche Röhren^ sind sehr stark evakuierte Glasröhren, durch welche
-man mittels eingeschmolzener Platindrähte die Entladungen eines
-kräftigen Rhumkorff’schen Induktoriums gehen läßt. Hiebei ist der
-Schließungsstrom so schwach, daß er den Widerstand der evakuierten Röhre
-nicht überwinden kann, während der Öffnungsstrom die verdünnte Luft
-durchströmt. Derjenige Platindraht, bei welchem hiebei die negative
-Elektrizität in die Röhre eindringt, wird Kathode genannt.
-
-In den Geislerschen Röhren zeigt sich an der Kathode ein bläulicher
-Lichtschein, herrührend von Strahlen, die sich von der Kathode aus nach
-allen Richtungen geradlinig ausbreiten. Von der Anode geht ein Strom
-schichtenweise unterbrochenen Lichtes aus, welches auch den Krümmungen
-der Röhre folgt und bis nahe an die Kathode hinreicht.
-
-^Kathodenstrahlen^. Wird die Geislersche Röhre bis unter ein Milliontel
-Atmosphäre evakuiert, so zieht sich der positive Lichtstrom bis auf die
-Anode zurück, und das bläuliche negative Licht breitet sich mit
-abnehmender Stärke immer weiter aus. Seine Strahlen, die
-Kathodenstrahlen, gehen senkrecht von der Kathode weg, bilden demnach
-ein Bündel paralleler Strahlen, wenn sie von einem ebenen Scheibchen
-weggehen, und treffen die Wände des birnförmigen Gefäßes unbekümmert um
-die Lage des positiven Poles.
-
-Die Kathodenstrahlen werden wie ein elektrischer Strom vom Magneten
-abgelenkt, sie üben eine Stoßwirkung aus, indem sie etwa ein Schaufelrad
-drehen, und sie bringen an der Glaswand ein grünliches Fluoreszenzlicht
-hervor.
-
-^Röntgenstrahlen^. Eine von Kathodenstrahlen getroffene Fläche strahlt
-nach allen Richtungen eine andere Art Strahlen aus, die Röntgenstrahlen.
-Sie sind unsichtbar, durchdringen Glas, werden vom Magnet nicht
-abgelenkt und breiten sich in der Luft geradlinig aus, wobei sie jedoch
-auch eine diffuse Dispersion erleiden (wie Lichtstrahlen bei verdünnter
-Milch). Man nimmt als Kathode eine als Hohlspiegel gekrümmte Fläche und
-bringt in ihrem Brennpunkt ein unter 45° gegen die Achse geneigtes
-kleines Platinblech an. Von diesem Punkt, in welchem die
-Kathodenstrahlen vereinigt werden, gehen dann die Röntgenstrahlen aus,
-durchdringen das Glas der Birne und kommen so in die Luft.
-
-Die Röntgenstrahlen erregen manche Körper zur Fluoreszenz, wie Flußspat,
-Steinsalz, Schwefelkalzium, besonders Bariumplatincyanür. Sie
-durchdringen manche undurchsichtige Körper wie Papier, Holz, Leder,
-Fleisch, werden jedoch von dichteren Stoffen, wie Steinen, Knochen,
-besonders aber von Schwermetallen um so mehr aufgehalten, je dicker
-diese sind.
-
-Bringt man in den Gang der Röntgenstrahlen einen mit Bariumplatincyanür
-getränkten Schirm, so kommt dieser ins Leuchten. Hält man die Hand
-dazwischen, so bilden sich die Knochen und der Fingerring als Schatten
-auf dem Schirm ab, während die Fleischteile nur wenig die
-Röntgenstrahlen aufhalten. Der Arzt kann auf solche Weise Knochenbrüche
-oder Fremdkörper, wie eine Nadel, ein Schrotkorn leicht erkennen.
-
-Röntgenstrahlen wirken auf photographische Trockenplatten. Man kann
-deshalb die durch Röntgenstrahlen erzeugten Schattenbilder
-photographisch festhalten. Die Trockenplatte befindet sich dabei im
-Innern der Kassette oder ist in schwarzes Papier eingeschlagen, da
-beides den Durchgang der Röntgenstrahlen nicht hindert. Kommen hiebei
-die Röntgenstrahlen von einer ganz kleinen Fläche, so sind die Bilder
-hinreichend scharf begrenzt, um etwa die Gräten eines Fisches oder die
-Knochen eines Sperlings gut unterscheiden zu können, und indem man ihre
-Stärke passend auswählt, erhält man auch etwa von den Fleischteilen
-passende Halbschattenbilder.
-
-Das Wesen der Röntgenstrahlen ist noch nicht genügend aufgeklärt.
-
-
-
-
-Vermischte Aufgaben.
-
-
-#255.# Wenn ein Eisberg mit ca. 50 000 _cbm_ über das Meerwasser
-herausragt, wieviel _cbm_ sind unter Wasser?
-
-#256.# Ein cylindrisches Gefäß von ~a~ _cm_ Durchmesser verengt sich in
-~b~ _cm_ Höhe durch eine horizontale Fläche bis auf einen ~c~ _cm_
-dicken Hals und ist ~d~ _cm_ (~d > b~) hoch mit Wasser gefüllt. Wo groß
-ist das Gewicht und der Bodendruck des Wassers? Woher kommt es, daß
-nicht der ganze Bodendruck als Gewicht auf die Wagschale drückt?
-
-#257.# In ein cylindrisches Gefäß von 12 _cm_ Durchmesser, das Weingeist
-(sp. G. = 0,81) enthält, wird eine Holzkugel von 10 _cm_ Durchmesser
-gelegt. Wenn diese nun schwimmt, indem sie bis zu ²/₃ des Durchmessers
-eintaucht, wie groß ist das sp. G. des Holzes und um wieviel _cm_ steigt
-der Weingeist?
-
-#258.# Bei einer hydraulischen Presse drückt man auf einen Hebelarm von
-35 _cm_ Länge mit 12 _kg_ Kraft; der andere Hebelarm von 6 _cm_ Länge
-drückt auf einen Kolben von 1½ _cm_ Durchmesser. Welchen Druck erleidet
-der Preßkolben, wenn sein Durchmesser 27 _cm_ beträgt? Um wieviel steigt
-das Quecksilber in einer oben verschlossenen, unter 45° geneigten
-Glasröhre von 80 _cm_ Länge, welche mit Luft gefüllt ist und unten in
-ein Quecksilberreservoir mündet, welches mit der hydraulischen Presse
-kommuniziert.
-
-#259.# Ein Stück Holz und ein 10 mal kleineres Stück Eisen sind gleich
-schwer und wiegen zusammengebunden in der Luft 48 _g_ und im Wasser 12,8
-_g_. Wie groß sind die sp. Gewichte von Holz und Eisen?
-
-#260.# Ein Rezipient von 6 _l_ Inhalt (1 _l_, 20 _ccm_, _v_) wird 8 mal
-(~n~ mal) nach einander mittels eines Stiefels von 6 _cm_ Durchmesser
-und 14 _cm_ Hubhöhe ausgepumpt. Wie groß ist schließlich der Druck, wenn
-er anfangs 730 _mm_ (~b~ _mm_) war? Wie oft muß man pumpen, damit der
-Druck kleiner als 4 _mm_ (~c~ _mm_) oder damit die Dichte 50 mal (~p~
-mal) kleiner ist als zuerst?
-
-#261.# Beim Kompressionsmanometer (siehe Fig. 90) ist die Glasröhre 42
-_cm_ lang. Wie hoch steigt in ihr das Quecksilber bei 2, bei 3 Atm.
-Dampfdruck?
-
-#262.# Bei einem Mariotte’schen Apparat ist im geschlossenen Schenkel
-eine Strecke von 20 _cm_ Luft abgesperrt bei einem Barometerstand von 72
-_cm_. Es wird nun der offene Schenkel um 50 _cm_ gehoben. Wie hoch steht
-dann das Quecksilber im geschlossenen Schenkel, wenn beide gleich weit
-sind?
-
-#263.# Beim Mariotte’schen Versuch sind zuerst 20 _cm_ Luft unter einem
-Barometerstand von 23 _cm_ abgesperrt. Der offene Schenkel wird nun um
-45 _cm_ gesenkt. Um wieviel hat sich die Luft ausgedehnt?
-
-#264.# Beim Mariotte’schen Versuch nimmt die Luft im geschlossenen
-Schenkel ~a~ _cm_ ein, während im offenen Schenkel das Quecksilber um
-~c~ _cm_ höher steht, bei ~b~ _cm_ Barometerstand. Welches Volumen wird
-die Luft einnehmen, wenn man den geschlossenen Schenkel um ~d~ _cm_
-hebt, oder um 2 ~d~ _cm_ senkt? Der Querschnitt der offenen Röhre ist
-~q~ mal größer.
-
-#265.# Ein wie ein Stechheber geformtes Glasgefäß von 80 _cm_ Länge ist
-durch Eintauchen 50 _cm_ hoch mit Wasser (Weingeist) gefüllt. Auf
-welcher Höhe wird die Flüssigkeit stehen, nachdem der Heber
-herausgehoben ist?
-
-#266.# Bei einem Versuch über das Mariotte’sche Gesetz nimmt die Luft im
-geschlossenen Schenkel eine Höhe von 12 _cm_ (~a~ _cm_) ein, während im
-offenen Schenkel das Quecksilber um 30 _cm_ (~c~ _cm_) höher steht, bei
-einem Barometerstande von 70 _cm_ (~b~ _cm_). Welche Höhe wird die Luft
-im geschlossenen Schenkel einnehmen, wenn man den offenen Schenkel noch
-um 50 _cm_ (~d~ _cm_) hebt, oder um 50 _cm_ (~d~ _cm_) senkt? Der
-Querschnitt der offenen Röhre soll dabei entweder ebensogroß oder 2 mal
-(~q~ mal) größer angenommen werden, als der der geschlossenen.
-
-#267.# Bei einem Versuch über das Mariotte’sche Gesetz befinden sich 12
-_cm_ Luft von und bei 70 _cm_ Barometerstand in der geschlossenen Röhre.
-Um wieviel muß der offene Schenkel gesenkt werden, damit das Quecksilber
-im geschlossenen Schenkel um 8 _cm_ fällt, und um wieviel muß er gehoben
-werden, damit es um 4 _cm_ steigt?
-
-#268.# Eine ~U~ förmig gebogene Glasröhre ist überall gleichweit und am
-einen Ende verschlossen. Sie ist bei 72 _cm_ Barometerstand so mit
-Quecksilber gefüllt, daß im geschlossenen Schenkel eine Luftsäule von 30
-_cm_ Länge abgesperrt ist, während das Quecksilber beiderseits gleich
-hoch steht. Wie hoch wird das Quecksilber im geschlossenen Rohre
-steigen, wenn der offene Schenkel, welcher ebenso hoch ist als der
-geschlossene, gerade voll Quecksilber gefüllt wird? Wie hoch wird es
-steigen, wenn der offene Schenkel länger ist als der geschlossene und
-noch 40 _cm_ über das Ende des geschlossenen hinaus voll Quecksilber
-gefüllt wird?
-
-#269.# Der Stiefel einer Kompressionspumpe hat ~a~ _cdm_ Inhalt und ist
-gefüllt mit Luft von ~b~ _cm_ Druck. Er kann durch einen Hahn in
-Verbindung gesetzt werden mit einem Gefäß, welches ~c~ _cdm_ Luft vom
-Drucke ~d~ _cm_ enthält. Wenn man nun den Hahn öffnet, welcher
-gemeinschaftliche Druck stellt sich her? Welcher Druck entsteht, wenn
-man den Kolben halb, wenn man ihn ganz herunterdrückt? Welcher Druck
-kommt schließlich zum Vorschein, wenn man das letzte Verfahren ~n~ mal
-nacheinander wiederholt?
-
-#270.# In einem Rezipienten befinden sich 5 _l_ Luft von 2½ Atm. Man
-führt nun einen Kolbenzug aus, wie wenn man den Rezipienten auspumpen
-wollte. Nach wie viel Kolbenzügen ist der Druck unter eine Atm.
-gesunken, wenn der Durchmesser des Stiefels 5,2 _cm_ und die Hubhöhe 20
-_cm_ ist?
-
-#271.# Zu ~a~ Liter Luft von der Dichte ~d₁~ werden noch ~v~ Liter Luft
-von der Dichte ~d₂~ hinzugefügt. Wie groß ist schließlich die Dichte,
-~α~) wenn der gemeinsame Raum ~a + v~ Liter, ~β~) wenn er ~a~ Liter,
-~γ~) wenn er ~v~ Liter, ~δ~) wenn er ~c~ Liter beträgt?
-
-#272.# Zu ~a~ Liter Luft werden 3 mal nach einander ~v~ Liter
-atmosphärische Luft durch Hineinpressen hinzugetan und nach jedem
-Hineinpressen werden ~w~ Liter des Gemisches durch Expansion
-weggenommen. Wie groß ist der Druck nach dem dritten Verfahren?
-
-#273.# Ein Gefäß enthält ~a~ Liter Luft von ~d~ _cm_ Druck; ich lasse
-aus ihm in einen luftleeren Behälter von ~v~ Liter Rauminhalt so viel
-Luft (durch eine enge Röhre) einströmen, daß sie dort den Druck ~d~ hat.
-Welchen Druck hat sie dann noch im ersten Gefäß?
-
-#274.# Bei einer Feuerspritze soll das Wasser durch ein 1,4 _cm_ weites
-Strahlrohr 25 _m_ emporspringen; wie groß ist der Druck im Windkessel
-und der Arbeitseffekt der Männer und der Pumpe?
-
-#275.# Eine einerseits offene Glasröhre von der Länge _l_ wird bei einem
-Luftdrucke ~b~ um die Strecke ~a~ mit dem offenen Ende vertikal in
-Wasser getaucht. Wie hoch steht das Wasser in der Röhre? ~l~ = 1,45 _m_,
-~b~ = 10,34 _m_ Wasser, ~a~ = 0,71 _m_.
-
-#276.# Das Volumen eines Gases beträgt bei 16° Wärme und einem
-Barometerstand von 753 _mm_ 20 _cbm_. Um wie viel wird es zunehmen bei
-25° Wärme und 740 _mm_ Barometerstand?
-
-#277.# Bei 36° ~R~ und 700 _mm_ Druck wurde in einer cylindrischen
-Glasröhre von 3 _cm_ Durchmesser ein Raum von 20 _cm_ Luft abgesperrt.
-Was wiegt diese, wenn ein _ccm_ Luft bei 0° und 760 _mm_ Druck 0,00129
-_g_ wiegt?
-
-#278.# Welche äußere Arbeit leistet ein Kubikmeter Luft von 15°, wenn
-man ihn auf 80° erwärmt, dadurch, daß er einen Luftdruck von 730 _mm_
-überwindet?
-
-#279.# Wenn 14 _l_ Luft von 76 _cm_ Druck und 20 _l_ Luft von 92 _cm_
-Druck und gleicher Temperatur unter Beibehaltung der Temperatur in ein
-Gefäß von 25 _l_ Rauminhalt vereinigt werden, welche Expansivkraft haben
-sie dann?
-
-#280.# In 3,36 _l_ Wasser von 16° ~R~ wird ein Stück Eisen von 5 _kg_
-Gewicht und 131° ~F~ gelegt; wieviel Grad ~C~ beträgt die Endtemperatur,
-wenn die spez. Wärme des Eisens 0,112 ist?
-
-#281.# Durch eine bikonvexe Linse erhält man von einem 3 _m_ entfernten
-Punkte ein reelles Bild in 13 _cm_ Entfernung. Wo erscheint das Bild,
-wenn der leuchtende Punkt nur 5 _cm_ von der Linse absteht, und welcher
-Art ist es?
-
-#282.# 180 _cm_ vor einer positiven Linse von 60 _cm_ Brennweite
-befindet sich ein leuchtender Punkt. Wo muß hinter dieser ersten Linse
-eine zweite positive Linse von 30 _cm_ Brennweite eingeschaltet werden,
-damit das reelle Bild 70 _cm_ hinter der ersten Linse entsteht?
-
-#283.# Vor einem Hohlspiegel steht ein Körper in 120 _cm_ Entfernung.
-Wird er dem Spiegel um 30 _cm_ näher gerückt, so entfernt sich das Bild
-um 5 _cm_ vom Spiegel. Wo lag das Bild zuerst und wie groß ist die
-Brennweite des Hohlspiegels?
-
-#284.# Durch eine bikonvexe Linse erhält man von einem 3 _m_ entfernten
-Punkte ein reelles Bild in 13 _cm_ Entfernung; wo erscheint das Bild,
-wenn der leuchtende Punkt nur 5 _cm_ von der Linse absteht, und welcher
-Art ist es?
-
-#285.# Bei einem astronomischen Fernrohr hat die Objektivlinse 90 _cm_
-Brennweite, das Okular 5 _cm_ Brennweite; wie weit müssen beide
-voneinander abstehen, damit das Bild unendlich ferner Gegenstände in der
-deutlichen Sehweite _l_ = 20 _cm_ entsteht, und wie stark ist dann die
-Vergrößerung?
-
-#286.# Berechne dasselbe, wenn der Gegenstand 2 _m_ hoch und 50 _m_
-entfernt ist.
-
-#287.# Bei einem Operngucker ist die Brennweite des Objektivs 12 _cm_,
-die des Okulars - 3 _cm_. In welcher Entfernung voneinander müssen die
-Linsen gehalten werden, damit das Bild unendlich ferner Gegenstände in
-der deutlichen Sehweite ~β~ = 20 _cm_ erscheint, und wie stark ist die
-Vergrößerung?
-
-#288.# Berechne dasselbe, wenn das Objektiv 6 _m_ entfernt ist, und der
-Operngucker auf ~β~ = 30 _cm_ bequeme Sehweite eingestellt ist.
-
-#289.# Bei einem Mikroskop beträgt die Brennweite des Objektivs 4 _mm_,
-die des Okulars 2 _cm_; beide sind 12 _cm_ von einander entfernt. In
-welchem Abstand vom Objektiv muß das Objekt gehalten werden, damit das
-Bild in einer Sehweite von ~β~ = 18 _cm_ erscheint?
-
-#290.# Auf der Hauptachse eines Hohlspiegels von ~r~ = 11 _cm_
-Krümmungsradius befindet sich ein leuchtender Punkt, ~a~ = 30 _cm_ vom
-Spiegel entfernt. Ein von ihm ausgehender Lichtstrahl trifft einen Punkt
-des Spiegels, welcher um 30° von der Hauptachse absteht. Wo schneidet
-der reflektierte Strahl die Hauptachse?
-
-#291.# Dadurch, daß man auf den 24 _cm_ langen Arm eines Druckhebels
-einen Druck von 32 _kg_ ausübt, drückt man den am 5 _cm_ langen Arm
-angebrachten Kolben in eine Röhre von 6 _cm_ Durchmesser, und übt
-dadurch einen Druck auf Quecksilber aus. Wie hoch wird dieses dadurch in
-einer kommunizierenden Röhre gehoben?
-
-#292.# Durch eine Maschine wird in 4 Stunden eine gewisse Menge Wasser
-auf eine gewisse Höhe geschafft. In 3 Stunden kann durch dieselbe
-Maschine nur eine um 1000 _l_ geringere Menge auf dieselbe Höhe, oder
-dieselbe Menge auf eine um 8 _m_ geringere Höhe geschafft werden.
-Wieviel Liter wurden zuerst gefördert und wie hoch und wie viele
-Pferdekräfte liefert die Maschine?
-
-#293.# Eine horizontale Stange ~AD~ von 100 _cm_ Länge und 27 _kg_
-Gewicht, das in der Mitte ~M~ angreift, ist in ~A~ drehbar befestigt. An
-ihr wirkt in ~B~ (~AB~ = 38 _cm_) eine Kraft ~P₁~ = 85 _kg_ unter einem
-Winkel ~ABP₁~ = 117°, im Punkt ~C~ (~AC~ = 63 _cm_) wirkt ~P₂~ = 20 _kg_
-senkrecht nach aufwärts. Welche Kraft ist im Endpunkte ~D~ senkrecht zur
-Stange anzubringen, damit sie sich nicht dreht?
-
-#294.# Eine unter 20° nach aufwärts geneigte Stange ~AB~ von 48 _cm_
-Länge ist am untern Ende ~A~ drehbar befestigt, während in ~B~ eine Last
-von 80 _kg_ vertikal abwärts wirkt. Welche Kraft muß im Punkte ~C~
-horizontal angebracht werden, wenn ~AC~ = 30 _cm_ ist und die Stange im
-Gleichgewichte sein soll?
-
-#295.# An den Enden ~A~ und ~B~ einer Stange wirken die Kräfte ~P₁~ = 65
-_kg_ und ~P₂~ = 93 _kg_ unter den Winkeln ~P₁ AB~ = 102° und ~P₂ BA~ =
-127°. Wo, in welcher Richtung und wie stark ist die Stange zu stützen,
-damit Gleichgewicht vorhanden ist?
-
-#296.# Wie stellt sich die Lösung der vorigen Aufgabe, wenn das Gewicht
-der Stange, 40 _kg_, in ihrer Mitte angreift und berücksichtigt wird?
-
-#297.# Eine Stange ist in ~A~ drehbar befestigt und von da an unter 45°
-nach aufwärts geneigt. An ihr wirken in den Abständen ~AB~ = 2, ~AC~ =
-5, ~AD~ = 6 die Kräfte ~P₁~ = 9, ~P₂~ = 17, ~P₃~ = 14 alle in vertikaler
-Richtung. Welche Kraft muß in der Mitte der Stange senkrecht zu ihr
-(welche in horizontaler Richtung) noch hinzugefügt werden, damit sie
-sich nicht dreht?
-
-#298.# Eine Stange ist in ~A~ drehbar befestigt und schräg nach abwärts
-geneigt. An ihr wirken im Abstand ~AB~ = 17 _cm_ und ~AC~ = 39 _cm_ die
-vertikalen Kräfte ~P₁~ = 51 und ~P₂~ = 42, und im Abstand ~AD~ = 45 _cm_
-wirkt die Kraft ~P₃~ = 60 in horizontaler Richtung. Welche Neigung wird
-die Stange annehmen, um im Gleichgewicht zu sein?
-
-#299.# Ein Kegel, dessen Seitenkante mit der Achse einen Winkel ~α~
-bildet, ruht längs einer Seitenkante auf einer horizontalen Ebene; wo
-trifft die von seinem Schwerpunkt auf die Ebene gefällte Senkrechte die
-Seitenkante und wie groß muß der Winkel ~α~ sein, damit jener Fußpunkt
-gerade in der Mitte der Seitenkante liegt?
-
-#300.# Ein Körper fällt 45 _m_ hoch herunter und trifft dann auf eine
-Platte, welche unten 30° gegen den Horizont geneigt ist. Von der Platte
-wird er nach den Gesetzen des elastischen Stoßes zurückgeworfen. Wie
-hoch steigt er wieder, wann und wo erreicht er den Boden?
-
-#301.# Als ein Körper mit der Anfangsgeschwindigkeit ~a~ über eine
-schiefe Ebene von der Länge ~l~ herunterlief, hatte er die
-Endgeschwindigkeit ~v~. Wie groß war die Reibung, wenn der
-Neigungswinkel ~α~ = 8° war? (~a~ = 40 _m_, ~v~ = 30 _m_, ~l~ = 100
-_m_.)
-
-#302.# Welche Neigung muß ein über einer gegebenen Hausbreite
-errichtetes Dach haben, damit das Regenwasser möglichst rasch abläuft?
-(Auf Reibung wird keine Rücksicht genommen.)
-
-#303.# Wasser fließt aus einem vertikalen Gefäß bei einer horizontalen
-Öffnung aus und trifft die um ~a~ _m_ tiefer liegende Tischfläche ~b~
-_m_ von der Gefäßwand entfernt. Mit welcher Geschwindigkeit fließt es
-aus und wie hoch ist die überstehende Wassersäule?
-
-#304.# Mit welcher Geschwindigkeit fließt Wasser unten aus einem
-cylindrischen Gefäß aus, wenn es im Gefäß 38 _cm_ hoch steht und oben
-noch mit einem 15 _cm_ hohen cylindrischen Eisenkörper von der Weite des
-Cylinders beschwert ist? Wie groß ist die Steighöhe des Wassers?
-
-#305.# Ein Eisenbahnwagen wird von einer Lokomotive mit einer
-Geschwindigkeit von ~a~ = 20 _m_ eine schiefe Ebene von ~α~ = 5°
-hinaufgestoßen. Wie lange und wie weit bewegt sich der Wagen 1) ohne
-Reibung, 2) mit dem Reibungskoeffizient ~c~ = 0,005?
-
-#306.# Ein Körper wird über eine schiefe Ebene von ~α~° Neigung auswärts
-geworfen und soll, wenn er wieder unten ankommt, die Hälfte seiner
-lebendigen Kraft verloren haben. Wie groß ist die Reibung auf der
-schiefen Ebene?
-
-#307.# Ein Wagen von 200 Ztr. Gewicht hat auf einem Geleise eine
-Geschwindigkeit von 6,2 _m_ und eine Reibung von 0,005; wie weit darf er
-laufen, bis er nur mehr die halbe lebendige Kraft hat, oder bis er ³/₅
-von seiner lebendigen Kraft verloren hat?
-
-#308.# Ein Körper von der Masse ~Q~ fällt frei über eine Höhe von ~h~
-_m_ und dringt dann in einem Stoff ~c~ _cm_ tief ein. Wie groß ist der
-Widerstand des Stoffes?
-
-#309.# Eine Masse ~Q~ hat ~a~ _m_ Geschwindigkeit und wird so
-beschleunigt, daß sie nach ~t~ Sekunden eine lebendige Kraft
-(Bewegungsenergie) von ~L~ _kgm_ hat. Wie groß ist die beschleunigende
-Kraft und welchen Weg hat die Masse zurückgelegt?
-
-#310.# Mit welcher Geschwindigkeit muß ein Körper aufwärts geworfen
-werden, damit er in ~t′′~ seine lebendige Kraft zur Hälfte verliert und
-wie hoch ist er dabei gekommen?
-
-#311.# Wirft man einen Körper ein zweitesmal unter einem doppelt so
-großen Elevationswinkel wie zuerst, so wird seine Wurfweite 1²/₅ mal
-kleiner als zuerst. Wie groß war sie zuerst?
-
-#312.# Eine in Bewegung befindliche Masse hat eine lebendige Kraft von
-780 _kgm_. Als sich ihr ein Widerstand von 3 _kg_ entgegenstellte, legte
-sie die folgenden 130 _m_ in 12" zurück. Wie groß war die Masse und ihre
-Geschwindigkeit?
-
-#313.# Bewegt sich ein Körper von 15 _m_ Anfangsgeschwindigkeit zuerst
-gleichförmig und dann noch mit einer Verzögerung von 2 _m_, so kommt er
-134 _m_ weit. Bewegt er sich aber die ganze Zeit mit der Verzögerung von
-2 _m_, so kommt er nur 50 _m_ weit. Wie lange bewegt er sich mit, wie
-lange ohne Verzögerung?
-
-#314.# Aus einer Feuerspritze springt der Wasserstrahl 24 _m_ hoch.
-Welcher Druck herrscht im Windkessel, wenn der Strahl um ¼ weniger hoch
-springt als er der Theorie nach springen sollte? Wie rasch muß gepumpt
-werden, wenn das Strahlrohr 1 _cm_ Durchmesser hat und wenn jeder
-Pumpenstiefel 10 _cm_ Durchmesser und 12 _cm_ Hubhöhe hat und wie groß
-ist in jeder Sekunde die Arbeit, welche zur Bedienung der Spritze nötig
-ist?
-
-#315.# Ein Körper wird mit 60 _m_ Anfangsgeschwindigkeit über eine
-schiefe Ebene von 120 _m_ Länge und 30° Steigung hinaufgeworfen und
-fliegt am Ende derselben frei durch die Luft. Wo wird er den Boden
-wieder erreichen?
-
-#316.# Eine Masse von ~Q~ _kg_ soll auf einer schiefen Ebene von der
-Länge ~l~ und der Neigung ~α~ hinaufgeschafft werden dadurch, daß an sie
-ein Seil parallel der schiefen Ebene gebunden ist, welches oben über
-eine Rolle läuft und dann durch ein Gewicht von ~P~ _kg_ beschwert ist.
-Wie lange braucht ~Q~, um die schiefe Ebene zu durchlaufen?
-
-#317.# Ein Körper wird von der Spitze eines ~h~ _m_ hohen Turmes
-horizontal geworfen. Wann, wo, unter welchem Winkel und mit welcher
-lebendigen Kraft trifft er den Boden, wenn seine Anfangsgeschwindigkeit
-~a~ _m_ und sein Gewicht ~Q~ _kg_ beträgt?
-
-#318.# Über einen beiderseits unter ~α~° ansteigenden Berg von ~h~ _m_
-Höhe soll vom Fuß aus ein Körper so geworfen werden, daß er die Spitze
-knapp überfliegt und den jenseitigen Fuß trifft. Mit welcher
-Geschwindigkeit und Elevation ist er zu werfen?
-
-#319.# Wo und unter welchem Winkel trifft eine mit ~a~ _m_
-Anfangsgeschwindigkeit und der Elevation ~α~ abgeschossene Kugel eine
-~b~ _m_ entfernte vertikale Wand?
-
-#320.# Eine Masse von ~Q~ _kg_ Gewicht hat ~a~ _m_
-Anfangsgeschwindigkeit. Wie weit wird sie horizontal noch laufen, ~α~)
-bis sie stehen bleibt, ~β~) bis ihre Geschwindigkeit um 20% abgenommen
-hat, ~γ~) bis ihre lebendige Kraft um 40% abgenommen hat, wenn der
-Reibungskoeffizient jedesmal ~c~ ist?
-
-#321.# Eine Masse von ~Q~ _kg_ und ~a~ _m_ Anfangsgeschwindigkeit hat in
-~t′′~ einen Weg von ~s~ _m_ zurückgelegt. Wie groß ist die Verzögerung
-und wann wird sie stehen bleiben?
-
-#322.# Wie rasch muß ein cylindrisches Gefäß von 20 _cm_ Durchmesser
-gedreht werden, damit ein an seinem Rand befindlicher Punkt eine
-Zentrifugalkraft bekommt, welche 30 mal so groß ist als die Schwerkraft?
-
-#323.# Wenn ein zylindrisches Gefäß von 60 _cm_ Durchmesser so rasch
-gedreht wird, daß es in der Sekunde 4 Umdrehungen macht, in welcher
-Richtung wirkt dann auf einen in seinem Umfang befindlichen Punkt die
-Resultierende aus der Schwerkraft und der Zentrifugalkraft?
-
-#324.# Ein Sekundenpendel aus Eisen von ~l~ = 993 _mm_ Länge geht bei
-14° richtig. Um wie viele Sekunden geht es im Winter bei -10° in 24
-Stunden vor? (Ausdehnungskoeffizient des Eisens = 0,000012.)
-
-#325.# Welche Schwingungszeit hat ein eisernes Pendel von 1,42 _m_ Länge
-und um wie viel wird eine durch dieses Pendel regulierte Uhr in der
-Stunde nachgehen, wenn die Temperatur um 20° steigt?
-
-#326.# Auf einen Körper von 50 _kg_ Gewicht und 6 _m_ Geschwindigkeit
-trifft ein ihm folgender Körper von 20 _kg_ Gewicht und 10 _m_
-Geschwindigkeit in zentralem Stoße. Welche Geschwindigkeit haben sie
-nach einem unelastischen Stoß und welche hat jeder nach dem elastischen
-Stoße?
-
-#327.# Zwei Körper von 15 _kg_ und 8 _kg_ Gewicht laufen einander
-entgegen mit 3 _m_ bezw. 2 _m_ Geschwindigkeit. Wie groß sind die
-Geschwindigkeiten ~a~ nach dem unelastischen, ~b~ nach dem elastischen
-Stoße?
-
-#328.# Von links her kommt eine Masse ~M~ = 12 _kg_ mit der
-Geschwindigkeit ~v₁~ = 2 _m_; von rechts kommt die Masse ~m~ = 5 _kg_
-mit der Geschwindigkeit ~v₂~ = 7 _m_. Man berechne ihre Geschwindigkeit
-nach zentralem Stoß, ~a~ unelastisch, ~b~ elastisch.
-
-#329.# Eine Masse ~m~ = 5 hat die Geschwindigkeit ~v₁~ = 6 nach rechts;
-sie wird verfolgt und eingeholt von einer Masse ~M~ = 8 mit der
-Geschwindigkeit ~v₂~ = 11 nach rechts. Welche Geschwindigkeiten haben
-beide nach dem unelastischen und nach dem elastischen Stoße?
-
-#330.# Ein Becherglas mit Spiritus (sp. G. 0,8) wiegt 165 _g_. Wie viel
-wird es wiegen, wenn ich ein Stück Stein von 80 _g_ Gewicht und 2,4 sp.
-G. ~a~) an einem Faden hineinhänge, ~b~) ganz hineinlege, ~c~) dann so
-viel Spiritus entferne, daß er so hoch steht wie zuerst, und dies sowohl
-bei ~a~ als bei ~b~ tue.
-
-#331.# Ein Litergefäß wiegt 242 _g_, mit Weizen gefüllt wiegt es 1007
-_g_; gießt man die Zwischenräume auch noch voll Wasser, so wiegt es nun
-1369,5 _g_. Man berechne hieraus das sp. G. des gehäuften Weizens und
-des Weizenkornes.
-
-#332.# Unter welchem Winkel steigen die Gänge einer Schraube, welche bei
-7,2 _cm_ Spindellänge 9 Umgänge macht, wenn der Spindeldurchmesser 3
-_cm_ beträgt? Welchen Kraftgewinn liefert sie bei einem Schlüssel von 30
-_cm_ Länge?
-
-#333.# Ein Schraubengang hat 3° Steigung. Welche Ganghöhe hat er bei 1,4
-_cm_ Spindeldurchmesser und welchen Kraftgewinn liefert er bei einem
-Schlüssel von 12 _cm_ Länge?
-
-#334.# Wie viele Umgänge muß eine Schraube von 8 _cm_ Spindelgänge
-bekommen, wenn der Spindelradius 2 _cm_, die Schlüssellänge 18 _cm_ und
-der Kraftgewinn ein 75 facher sein soll?
-
-#335.# Ein rechtwinkliger Körper von 30 _cm_ Höhe ruht auf seiner
-unteren Fläche von 14 _cm_ Länge und 5 _cm_ Breite. Welche Kraft muß man
-anwenden, um ihn um die eine oder die andere Unterstützungskante zu
-drehen, wenn die Kraft jedesmal am oberen Ende des Körpers angreift, und
-der Körper das sp. G. 2,5 hat?
-
-#336.# Bestimme den Kraftgewinn des in Fig. 29 dargestellten Modelles
-einer hydraulischen Presse durch Ausmessung. Wird der Kraftgewinn ein
-anderer, wenn das Modell in einem anderen Maßstabe ausgeführt wird?
-
-#337.# Bei kommunizierenden Röhren wird auf der einen Seite mittels
-eines Kolbens von 3,4 _cm_ Durchmesser auf das Wasser ein Druck
-ausgeübt, indem der Kolben durch den 5 _cm_ langen Arm eines einarmigen
-Hebels niedergedrückt wird, dessen 40 _cm_ langer Arm mit 2,6 _kg_
-belastet wird. Wie hoch darf dann im anderen Schenkel das Wasser stehen,
-um diesem Druck das Gleichgewicht zu halten? Wie stark muß die Belastung
-des langen Hebelarmes sein, damit die im anderen Schenkel überstehende
-Wassersäule eine Höhe von 20 _m_ haben darf?
-
-#338.# Wenn durch eine Pumpe Wasser (Petroleum) auf eine Höhe von 42 _m_
-(7,4 _m_) gehoben werden soll, welcher Druck muß auf den Kolben von 20
-_cm_ Durchmesser ausgeübt werden? Welche Arbeit wird geleistet, wenn die
-Pumpe in der Minute 42 Stöße von 25 _cm_ Länge ausführt, und wie groß
-ist die in der Stunde geförderte Wassermenge?
-
-#339.# Ein Blecheimer wiegt 10 ~℔~ und faßt genau 30 _l_ Wasser. Füllt
-man ihn mit grobem Kies und Wasser auch wieder eben voll, so wiegt er
-nun 70,2 _kg_. Wenn nun das sp. G. der Kieselsteine 2,6 ist, wie viel
-_kg_ Kies sind im Eimer?
-
-#340.# Ein Becherglas mit Wasser wiegt 250 _g_. Ich lege ein Stück Holz
-ins Wasser und entferne so viel Wasser, daß es schließlich wieder eben
-so hoch steht wie zuerst. Was wiegt nun das Becherglas nebst Inhalt?
-
-#341.# Wenn ich 460 _g_ Stein mit 420 _g_ Holz vom sp. G. 0,6
-zusammenbinde, so schwimmen sie im Wasser gerade noch. Wie groß ist
-demnach das sp. G. des Steines?
-
-#342.# Wenn ich 340 _g_ Stein vom sp. G. 2,6 und 706 _g_ Holz vom sp. G.
-0,6 zusammenbinde, so schwimmen sie in Spiritus eben noch. Wie groß ist
-demnach das sp. Gewicht des Spiritus?
-
-#343.# Einen rechteckigen Block Buchenholz von 50 _cm_ Länge, 50 _cm_
-Breite, 20 _cm_ Dicke und 0,75 sp. G. lasse ich auf Wasser schwimmen.
-Ich belaste nun die obere Fläche, indem ich in jeder Ecke einen
-rechteckigen Granitblock von 10 _cm_ Länge, 20 _cm_ Breite und 14 _cm_
-Höhe auflege. Was wird geschehen? Was wird eintreten, wenn die
-Granitblöcke an der unteren Fläche des Holzblockes (etwa mit Schnüren)
-befestigt werden?
-
-#344.# Ein verschlossener Behälter von 60 _l_ Inhalt ist mit Luft
-gefüllt und bis auf einen Druck von 120 _mm_ Quecksilber ausgepumpt. Er
-wird mit einem geschlossenen Behälter atmosphärischer Luft (760 _mm_)
-verbunden, wodurch der Druck auf 275 _mm_ steigt. Wie groß war der
-zweite Behälter?
-
-#345.# In einen Behälter von 15 _l_ Inhalt, welcher mit Luft von 71 _cm_
-Druck gefüllt ist, presse ich 3 mal nacheinander je 2 _l_ Kohlensäuregas
-à 75 _cm_ Druck und 1,51 sp. G., dann noch 4 mal nacheinander je 3 _l_
-Wasserstoffgas à 80 _cm_ Druck und 0,069 sp. G. Wenn man nun nach
-gleichmäßiger Mischung der Gase den Behälter mit einem Behälter von 10
-_l_ Inhalt, gefüllt mit Luft von 71 _cm_ Druck, in Verbindung setzt,
-welcher gemeinsame Druck stellt sich her und was wiegt das Gas
-schließlich in jedem Behälter? (Beim letzten Vorgang strömt nur so viel
-vom Gasgemisch in den zweiten Behälter, bis sich der Druck ausgeglichen
-hat; ein weiterer Austausch der Gase findet durch das enge Rohr zunächst
-nicht statt.)
-
-#346.# Ein Blechgefäß wird mit der offenen Seite voran unter Wasser
-getaucht (Taucherglocke). Welche Zustandsänderungen erleidet die
-eingeschlossene Luft, wenn man das Gefäß immer tiefer untertaucht? In
-welchem Zustand befindet sich die Luft, wenn das Gefäß ca. 10 _m_ unter
-Wasser sich befindet? Welchen Auftrieb erleidet es hiebei ungefähr, wenn
-es bei cylindrischer Form eine Deckfläche von 20 _cm_ Durchmesser und
-eine Höhe von 60 _cm_ hat? Wo greift der Auftrieb an und wodurch
-entsteht er?
-
-#347.# Ein Luftballon von 1000 _cbm_ Inhalt wiegt 540 _kg_ und wird mit
-Wasserstoffgas gefüllt. Welche Tragkraft hat er? Man läßt ihn so hoch
-steigen, bis der Luftdruck auf 520 _mm_ gesunken ist. Welche Tragkraft
-hat er nun? Welcher Teil des zuerst vorhandenen Wasserstoffes ist bis
-dahin infolge der Ausdehnung entwichen? Wenn man nun, um ihn zum Sinken
-zu bringen, 100 _cbm_ Gas durch das Ventil entweichen läßt, wie ändert
-sich dann während des Sinkens seine Tragfähigkeit? Mit welcher
-Tragfähigkeit erreicht er die Erde?
-
-Wo greift beim Luftballon der Auftrieb an? Warum?
-
-#348.# Um wie viel dehnt sich der Hohlraum einer Thermometerkugel von ½
-_ccm_ Inhalt bei Erwärmung um 100° aus? Um wie viel dehnt sich eben dann
-½ _ccm_ Quecksilber aus? Wenn nun das überschüssige Quecksilber im
-Thermometerrohr emporsteigt, wie weit muß dieses sein, damit das
-Quecksilber bei 1° ~C~ um 3 _mm_ steigt, und wie lang ist dann 1° ~R~,
-1° ~F~?
-
-#349.# Ein Radreif von 84 _cm_ Durchmesser wird, während er zka. 300°
-heiß ist, um das Rad gelegt. Um wie viel zieht sich der Umfang, um wie
-viel der Durchmesser zusammen bis 0°?
-
-#350.# Wie viel _kg_ Eis von 0° muß man zu 7 _hl_ Wasser von 23°
-zusetzen, um die Temperatur auf 15° herunterzubringen?
-
-#351.# Wenn man zu 40 _l_ Wasser von 65° 20 _l_ Wasser von 5° und noch 8
-_kg_ Eis von 0° hinzusetzt, welche Temperatur stellt sich nach dem
-Schmelzen des Eises ein?
-
-#352.# Eine Lampe von 5 Normalkerzen Lichtstärke beleuchtet eine Fläche
-in 76 _cm_ Abstand ebensostark, wie eine andere Lampe in 1,80 _cm_
-Abstand. Wie groß ist die Lichtstärke der zweiten Flamme ~a~) im
-Verhältnis zu der der ersten, ~b~) in Normalkerzen?
-
-#353.# Wie viel Meterkerzen Beleuchtungsstärke erhält eine Fläche,
-welche aus 7 _m_ Entfernung von einer Flamme von 25 N.K. beleuchtet
-wird? Wie weit müßte die Flamme entfernt sein, um 3 Meterkerzen
-Beleuchtungsstärke hervorzubringen?
-
-#354.# Auf eine Fläche fällt unter einem Einfallswinkel von 50° das
-Licht einer Lampe von 48 N.K. aus einer Entfernung von 2,1 _m_. Welche
-Beleuchtungsstärke erhält die Fläche?
-
-#355.# Ein rechteckiger Tisch ~ABCD~ ist in ~AB~ 1,3 _m_, in ~BC~ 1 _m_
-lang. In ~A~ steht eine Lampe von 16 N.K., in ~C~ eine solche von 26
-N.K. In welcher Richtung ist in ~B~ und ~D~ eine vertikale Fläche
-aufzustellen, damit sie von jeder Lampe gleich stark beleuchtet wird?
-
-#356.# Wie stellt sich die Lösung, wenn die zweite Lampe von ~C~ nach
-~B~ gestellt, und die beleuchtete Fläche in ~C~ oder ~D~ aufgestellt
-wird? Wie groß ist in jedem Falle die Gesamtbeleuchtung?
-
-#357.# Zwei elektrische Bogenlampen von je 1000 N.K. sind 80 _m_ weit
-voneinander entfernt und stehen 10 _m_ über dem Boden. Welche
-Beleuchtung erhält derjenige Teil des Erdbodens, welcher zwischen ihnen
-in der Mitte liegt?
-
-#358.# Wenn Licht aus Wasser in Luft übertritt, so berechne für einen
-Einfallswinkel (Winkel im Wasser) von 7° den zugehörigen Brechungswinkel
-(Winkel in Luft). Erläutere an einer zugehörigen Zeichnung, warum ein
-Gegenstand (Fisch), wenn er tief unter dem Wasserspiegel sich befindet,
-uns größer erscheint, als wenn er nahe an der Oberfläche ist, wie etwa,
-wenn wir von einer Brücke aus ins Wasser schauen, oder wenn wir durch
-die ebenen Glaswände des Aquariums dessen Inhalt betrachten.
-
-#359.# Ein Bündel paralleler Lichtstrahlen in Wasser trifft auf eine
-kugelförmige Luftblase. Welche Teile der Blase reflektieren das Licht
-total? Konstruiere einen der total reflektierten Strahlen! Konstruiere
-ferner den Gang eines Lichtstrahles, welcher in die Luftblase eindringt
-und sie auf der anderen Seite wieder verläßt!
-
-#360.# Eine planparallele Glasplatte hat 1 _cm_ Durchmesser. Konstruiere
-den Gang eines Lichtstrahles, der sie unter 70° (80°) Einfallswinkel
-trifft und sie dann durchdringt. Konstruiere und berechne, um wie viel
-der aus der Platte austretende Strahl gegenüber dem eintretenden
-parallel verschoben erscheint.
-
-#361.# Bei einem zusammengesetzten Mikroskop hat das Objektiv 4 _mm_,
-das Okular 4 _cm_ Brennweite, und ihr Abstand soll 25 _cm_ betragen. Wo
-muß das mikroskopische Präparat angebracht werden, damit das schließlich
-durch das Okular entworfene Bild 20 _cm_ vor dem Okular liegt? Bestimme
-die Vergrößerung. (Lösung nur durch Zeichnung und zwar in natürlicher
-Größe.)
-
-#362.# Eine Kraft von 12 _kg_ wirkt an einer Kurbel von 40 _cm_ Länge
-und dreht dadurch eine Riemenscheibe von 10 _cm_ Durchmesser. Diese ist
-durch einen Treibriemen mit einer Riemenscheibe von 45 _cm_ Durchmesser
-verbunden, und auf deren Achse ist eine Seiltrommel von 15 _cm_
-Durchmesser befestigt. Wenn nun um die Seiltrommel das Seil geschlungen
-ist, an welchem die Last hängt, wie groß darf dann die Last sein und wie
-viel Umdrehungen muß die Kurbel machen, damit die Last einen Meter hoch
-gehoben wird?
-
-#363.# Ein Körper von 6 _kg_ Gewicht liegt ohne Reibung auf horizontaler
-Bahn; an ihm zieht mittels einer horizontalen und dann über eine Rolle
-geführten Schnur ein Gewicht von 1 ~℔~. Welche Beschleunigung bekommt
-das System, welche Geschwindigkeit bekommt es in 4" und welchen Weg legt
-es dabei zurück?
-
-#364.# Um eine Rolle ist ein Seil geschlungen, an dessen einem Ende
-unten ein Korb mit 36 _kg_ Gewicht hängt, während an dessen anderem Ende
-oben ein Korb mit 42 _kg_ Gewicht hängt. Wie lange wird es dauern, bis
-der schwere Korb den leichten um 30 _m_ emporgezogen hat, wenn 2 _kg_
-Zugkraft für Überwindung der Reibung in Abzug zu stellen sind?
-
-#365.# Wie viel Energie ist im Radkranz eines Schwungrades
-aufgespeichert, wenn das Gewicht des Kranzes 120 Ztr., sein Durchmesser
-5,4 _m_ und seine Tourenzahl 52 pro Minute ist? Es wird dazu verwendet,
-um rasch eine große Arbeit zu leisten, wodurch schon in einer Minute
-seine Geschwindigkeit auf 30 Touren in der Minute heruntergeht. Wie viel
-Energie hat es während dieser Minute abgegeben?
-
-#366.# Bestimme durch Ausmessen der in Fig. 96 dargestellten
-Dampfmaschine deren Nutzeffekt, wenn der Maßstab der Zeichnung 1 : 10,
-die Dampfspannung im Kessel 6 Atm., im Abdampf 1¼ Atm. und die Anzahl
-der Doppelhübe 40 in der Minute beträgt. Der Durchmesser der
-Kolbenstange darf vernachlässigt werden und für innere Arbeit sind 10%
-in Abzug zu bringen. Bestimme den Nutzeffekt ebenso, wenn der Maßstab
-der Zeichnung 1 : 20 beträgt.
-
-#367.# Zwei Planspiegel sind unter 90° gegeneinander geneigt. In einer
-auf ihrem Durchschnitt senkrechten Ebene (in der Ebene ihres
-Neigungswinkels) fallen parallele Sonnenstrahlen auf jeden Spiegel. Die
-von jedem Spiegel reflektierten Strahlen laufen in entgegengesetzten
-parallelen Richtungen. (Heliotrop von Gauß.)
-
-#368.# Ein Körper bekommt die nämliche Endgeschwindigkeit, wenn er über
-die Länge ~l~ einer schiefen Ebene, oder wenn er über die Höhe ~h~ der
-nämlichen sch. E. herunterfällt.
-
-#369.# Ein Körper bewegt sich mit der Anfangsgeschwindigkeit ~a~ über
-die Länge ~l~ einer schiefen Ebene von der Steigung ~α~ herunter.
-Derselbe Körper fällt mit der Anfangsgeschwindigkeit ~a~ über die Höhe
-~h~ der nämlichen sch. E. herunter. Zeige, daß er jedesmal denselben
-Zuwachs an lebendiger Kraft bekommt, und gib dessen Größe an. Formuliere
-hieraus einen Lehrsatz über den Zuwachs an lebendiger Kraft beim
-Übergang eines Körpers von einer Niveauschichte zu einer anderen!
-
-#370.# Wenn beim schiefen Wurf (Anfangsgeschw. ~a~, Steigungswinkel ~α~)
-der Körper den höchsten Punkt seiner Bahn erreicht hat, um wie viel hat
-seine lebendige Kraft seit Beginn der Bewegung abgenommen? Vergleiche
-den Betrag dieser Größe mit dem Betrag derjenigen Arbeit, welche
-erforderlich wäre, um denselben Körper vom Ausgangspunkte an bis auf die
-Höhe des Gipfelpunktes zu heben, und füge wie im vorigen Beispiel einen
-entsprechenden Lehrsatz bei! (Gewicht des Körpers = ~P~ _kg_.)
-
-
-
-
-Alphabetisches Sachregister.
-
-
- Absolute Maßeinheiten 433.
- Achromatische Linsen und Prismen 331.
- Adhäsion 28.
- Aggregatszustand, flüssiger 30.
- Akkommodation 312.
- Akkumulatoren 240.
- Akustik 247.
- Alkoholometer 43.
- Allgemeine Eigenschaften der Körper 1.
- Allgemeine Eigenschaften flüssiger Körper 29.
- Ampèresches Gesetz 195.
- Aneroidbarometer 58.
- Aräometer 43.
- Arbeit 19.
- Arbeitseinheit 20.
- Archimedisches Prinzip 37.
- Artesische Brunnen 52.
- Atmosphärische Elektrizität 166.
- Atmosphärische Strahlenbrechung 296.
- Atwoodsche Fallmaschine 305.
- Auge 311.
- Auftrieb des Wassers 37.
- Aufzugswinde 359.
- Ausdehnbarkeit 2.
- Ausdehnung fester Körper durch Wärme 84.
- Ausdehnung flüssiger Körper durch Wärme 88.
- Ausdehnung luftförmiger Körper durch Wärme 90.
- Ausdehnungsbestreben der Luft 63.
- Ausdehnungskoeffizient 85.
- Ausflußgeschwindigkeit von Flüssigkeiten 391.
- Ausflußgeschwindigkeit von Gasen 393.
-
- Barometer 57.
- Barometer in der Witterungskunde 60.
- Barometrische Höhenmessung 59.
- Batterie, elektrische 164.
- Batterie, galvanische 190.
- Baumé Aräometer 44.
- Beharrungsvermögen 6.
- Beleuchtungsspiegel 290.
- Beugung der Wellen 428.
- Beugung des Lichtes 429.
- Bewegung, gleichförmige 382.
- Bewegung, gleichförmig beschleunigte 400.
- Bierwage 44.
- Bild, optisches 279.
- Bild des Planspiegels 280.
- Bild des Hohlspiegels 284.
- Bild positiver Linsen 306.
- Bild negativer Linsen 310.
- Bildgleichung der Linsen 305.
- Birnbarometer 58.
- Blitz 167.
- Blitzbahn 168.
- Blitzableiter 169.
- Blitzschlag 170.
- Bodendruck des Wassers 32.
- Bogenlicht, elektrisches 234.
- Brechung des Lichtes 292.
- Brechung durch Prismen 299.
- Brechungsgesetz 292.
- Brechungsexponent 293.
- Brechungsexponent, absoluter 296.
- Brennpunkt der Linsen 301.
- Brennweite, Größe der 304.
- Brennspiegel 289.
- Brillen 314.
- Brückenwage 367.
- Brunnen 51.
- Bunsensches Element 179.
-
- ~Camera lucida~ 298.
- ~Camera obscura~ 317.
- Chemische Strahlen 340.
-
- Dampfcylinder 116.
- Dampfhammer 117.
- Dampfheizung 103.
- Dampfkessel 108.
- Dampfkesselgarnitur 110.
- Dampfkesselexplosion 113.
- Dampfmaschine 108.
- Dampfmaschine, atmosphärische 114.
- Dampfmaschine, Wattsche 115.
- Dampfmaschinen, Arten der 120.
- Dampfmaschinen, Leistung der 121.
- Dampfsteuerung 117.
- Dampfwärme 101.
- Daniellsches Element 177.
- Dezimalwage 366.
- Deklination, magnetische 141.
- Destillierapparat 102.
- Doppelbrechung des Lichtes 432.
- Druckpumpe 75.
- Durchsichtigkeit 272.
- Dynamomaschine 226.
-
- Echo 255.
- Elastizität 26.
- Elastizität der Luft 73.
- Elastizitätsgrenze 27.
- Elektrische Energie 422.
- Elektrische Wellen 438.
- Elektrisiermaschine 155.
- Elektrizität, Grundgesetz der 144.
- Elektrizität geriebener Körper 149.
- Elektrizität, Verteilung auf einem Leiter 151.
- Elektrolyse 207.
- Elektrolyse des Wassers 208.
- Elektrolyse von Salzen 209.
- Elektrolytisches Gesetz 211.
- Elektromagnet 199.
- Elektromotorische Kraft 172.
- Elektromotorische Kraft mehrerer Elemente 174.
- Elektrophor 150.
- Elektroskop 146.
- Elektroskop von Bohneberger 175.
- Elektroskop von Fechner 175.
- Energie, allgemeine Lehre 420.
- Energie, Umwandlung der 423.
- Energie, Erhaltung der 424.
- Entladung, elektrische 165.
- Erdmagnetismus 143.
- Erdstrom 196.
- Erdwinde 19.
- Expansionsmaschine 123.
- Expansivkraft der Luft 69.
-
- Fall, freier 383.
- Fall, auf der schiefen Ebene 387.
- Fallgesetze, Beweis der 385.
- Farben dunkler Körper 336.
- Farben, komplementäre 336.
- Farben, subjektive 337.
- Federwage 9, 367.
- Fernrohr, astronomisches 321.
- Fernrohr, terrestrisches 322.
- Fernrohr, galileisches 323.
- Festigkeit 28.
- Feuchtigkeit der Luft 126.
- Feuermelder, elektrischer 201.
- Feuerspritze 78.
- Flaschenzug 17.
- Fluorescenz 395.
- Fortpflanzung des Druckes im Wasser 30.
- Franklinsche Tafel 163.
- Fraunhofer’sche Linien 333.
- Fuhrmannswinde 360.
- Funken, elektrischer 165.
-
- Galvanis Grundversuch 193.
- Galvanismus 171.
- Galvanischer Strom 176.
- Galvanisches Element 177.
- Galvanometer 181.
- Galvanoplastik 215.
- Gaskraftmaschine 125.
- Gay-Lussacsches Gesetz 92.
- Gefälle, elektrisches 183.
- Geislersche Röhren 441.
- Gewitterelektrizität 166.
- Gleichgewicht, stabiles 25.
- Gleichgewicht, labiles 26.
- Gleichgewicht, indifferentes 26.
- Gleichstrommaschine 225.
- Glühlicht, elektrisches 236.
- Goldene Regel der Mechanik 22.
- Grammesche Maschine 228.
- Gravitation 5.
- Gravitationsgesetz 407.
- Grenzwinkel 297.
- Grovesches Element 178.
- Grundwasser 51.
-
- Haustelegraph 201.
- Hebeeisen 15.
- Hebel 14, 341.
- Hebelgesetz 14.
- Hebel, zusammengesetzter 355.
- Hebel, einarmiger 14.
- Hebel, Anwendung des 15.
- Heber 79.
- Heberbarometer 58.
- Heronsball 76.
- Heronsbrunnen 77.
- Hochdruckmaschine 121.
- Hohlspiegel 283.
- Hohlspiegel, Bildgleichung des 284.
- Hohlspiegel, Bilder des 285.
- Hohlspiegel, Konstruktion der Bilder 288.
- Hörrohr 256.
- Hydraulische Presse 31.
- Hygrometer 127.
-
- Indifferentes Gleichgewicht 26.
- Induktions-Elektrizität 217.
- Induktionsapparat 220.
- Induktionsapparat, magnetelektrischer 224.
- Induktion in der eigenen Leitung 221.
- Induktion im magnetischen Feld 222.
- Influenz, elektrische 147.
- Influenz, magnetische 137.
- Influenzmaschine 158.
- Inklination, magnetische 142.
- Interferenz der Schallwellen 268.
- Interferenz der Wellen 426.
- Interferenz des Lichtes 426.
-
- Kathodenstrahlen 441.
- Kältemischung 101.
- Kanalwage 49.
- Kapillarität 53.
- Keil 377.
- Klingel, elektrische 200.
- Kniehebelpresse 376.
- Kohärer 439.
- Kohäsion 28.
- Kompaß 141.
- Kommunizierende Röhren 48.
- Kompressionspumpe 72.
- Kondensation der Dämpfe 102.
- Kondensation der Gase 132.
- Kondensation, elektrische 161.
- Kondensator der Dampfmaschine 119.
- Konkavspiegel 283.
- Kontaktelektrizität Voltas 194.
- Konvexspiegel 291.
- Kraft, Erklärung der 7.
- Kraft, Maß der 8.
- Kraft, Zusammensetzung der 10.
- Kraft, Zerlegung der 12.
- Kräfteparallelogramm 11.
- Kräftepolygon 370.
- Kraftübertragung, elektrische 238.
- Kraftlinien, magnetische 140.
- Kran 360.
- Kreisbewegung 403.
- Kritische Temperatur 133.
-
- Labiles Gleichgewicht 26.
- ~Laterna magica~ 318.
- Lebendige Kraft 415.
- Leitungswiderstand, elektrischer 184.
- Leitungswiderstand, Messung des 186.
- Leydener Flasche 163.
- Libelle 49.
- Licht, Wesen des 272.
- Licht, Geschwindigkeit des 275.
- Licht, Stärke des 276.
- Licht, Reflexion des 278.
- Lichtstärkeeinheit 278.
- Linsen, optische 301.
- Luftballon 71.
- Luftdruck 55.
- Luftförmige Körper 54.
- Luftpumpe 64.
- Luftpumpe, zweistiefelige 65.
- Luftpumpenversuche 65.
- Luftthermometer 193.
- Lupe 315.
-
- Magdeburger Halbkugeln 66.
- Magnetismus 136.
- Magnetismus, Stärke des 138.
- Magnetismus, Theorie des 139.
- Mariottesches Gesetz 68.
- Maximumthermometer 84.
- Mechanik 341.
- Mechanische Gastheorie 134.
- Mechanisches Äquivalent der Wärme 96, 417.
- Meidinger Element 179.
- Metallbarometer 58.
- Metallthermometer 87.
- Mikrophon 243.
- Mikrophontransmitter 244.
- Mikroskop, einfaches 315.
- Mikroskop, zusammengesetztes 325.
- Minimumthermometer 84.
- Mitschwingen 267.
- Mitteldruckmaschine 121.
- Molekül 4.
- Moment, statisches 17.
- Monochord 261.
- Morsescher Schreibtelegraph 202.
- Mostwage 44.
- Motor, elektrischer 237.
-
- Nadeltelegraph 204.
- Nicholsons Aräometer 42.
- Niederdruckmaschine 120.
- Normalbarometer 57.
-
- Obertöne 262.
- Ohm, das 185.
- Ohmsches Gesetz über das Gefälle 183.
- Ohmsches Gesetz über die Stromstärke 188.
- Ohr 270.
- Operngucker 323.
- Optik 272.
-
- Papinscher Topf 108.
- Paskalscher Satz vom Bodendruck 32.
- Pendel 411.
- Pendel, physisches 413.
- Pfeifen, gedeckte 265.
- Pfeifen, offene 265.
- Phosphorescenz 337.
- Photometer 276.
- Planetenbewegung 409.
- Planspiegel 280.
- Polarisation bei Elementen 214.
- Polarisation des Lichtes 430.
- Polarisationsstrom 212.
- Porosität 2.
- Potenzial der Elektrizität 153.
- Prisma, optisches 299.
- Psychrometer 127.
- Pumpen 74.
-
- Quellen 51.
- Quecksilberluftpumpe 67.
-
- Räderwerk, zusammengesetztes 357.
- Raumerfüllung 1.
- Reflexion der Wellen 250.
- Reflexion des Schalles 255.
- Reflexion des Lichtes 278.
- Reflexionsgesetz 280.
- Reflexionsapparat 280.
- Regenbogen 330.
- Reibung 373.
- Reibungselektrizität 144.
- Relais 205.
- Resonanz 267.
- Resonator 267.
- Resultante von Parallelkräften 343.
- Rheochord 185.
- Rheostat 185.
- Rolle, feste und lose 16.
- Röntgenstrahlen 441.
- Rostpendel 87.
-
- Saite, schwingende 261.
- Saugpumpe 74.
- Schall 247.
- Schall, Geschwindigkeit u. Stärke 254.
- Schalles, Reflexion des 255.
- Schallwellen 252.
- Schatten 273.
- Schiefe Ebene 13, 371, 394.
- Schmelztemperatur 98.
- Schmelzwärme 99.
- Schraube 378.
- Schraube, Anwendung der 379.
- Schwere 5.
- Schwerpunkt 24, 349.
- Schwerpunkt zusammengesetzter Flächen 352.
- Schwerpunkt der Körper 353.
- Schwimmen 39.
- Schwingende Saiten 261.
- Schwingende Stäbe und Platten 263.
- Schwingungszahl des Tones 257.
- Schwingungsverhältnisse der Töne 258.
- Segners Wasserrad 35.
- Seitendruck des Wassers 34.
- Sieden bei niedriger Temperatur 106.
- Siedetemperatur 101.
- Siemens Cylinderinduktor 226.
- Siemens-Einheit 185.
- Sirene 257.
- Skalenaräometer 43.
- Solenoid 197.
- Sonnenmikroskop 320.
- Spannkraft der Dämpfe 103.
- Spannkraft der Dämpfe über 100° 107.
- Spezifische Wärme 97.
- Spektralanalyse 335.
- Spektrum 328.
- Spektrum glühender Gase 333.
- Spezifisches Gewicht 40.
- Spezifisches Gewicht, Anwendung 46.
- Spezifisches Gewicht der Gase 71.
- Spiegel, ebener 280.
- Spiegel, sphärischer 283.
- Spiegelteleskop 325.
- Spitzenwirkung der Elektrizität 151.
- Sprache, menschliche 269.
- Sprachrohr 256.
- Springbrunnen 50.
- Stabiles Gleichgewicht 25.
- Stahlmagnet 138.
- Stärke der elektrischen Anziehung 150.
- Stärke der magnetischen Anziehung 144.
- Starres System 348.
- Stechheber 80.
- Stehende Wellen 264, 265.
- Stereoskop 327.
- Stoß 413.
- Strom, galvanischer 176.
-
- Tabelle der spezifischen Gewichte 44.
- Tangentenbussole 181.
- Taucherglocke 73.
- Teilbarkeit 4.
- Telegraph 202.
- Telegraphie, drahtlose 438.
- Telegraphenleitung 206.
- Telephon 242.
- Tellerwage 369.
- Temperatur 80.
- Thermoelektrizität 245.
- Thermometer 81.
- Ton 257.
- Tones, Schwingungszahl des 257.
- Tone, Schwingungsverhältnisse der 258.
- Totale Reflexion 297.
- Torricellischer Versuch 55.
- Trägheit 6.
-
- Uhr 361.
- Uhr, elektrische 206.
- Undurchdringlichkeit 1.
-
- Vakuumkondensator 107.
- Ventilation 90.
- Verbrennungswärme 95.
- Verteilung der Elektrizität 151.
- Voltasche Säule 194.
- Voltasches Element 177.
- Volumeter, Gay Lussac 44.
-
- Wage 363.
- Wage, römische 366.
- Wärme 80.
- Wärmekapazität 97.
- Wärmeleitung 94.
- Wärmemenge 95.
- Wärmequellen 95.
- Wärmestrahlen 338.
- Wärmewirkung des elektr. Stromes 233.
- Wasserheizung 89.
- Wasserleitung 50.
- Wasserräder 36.
- Wasserstrahlluftpumpe 67.
- Wasserwage 49.
- Wasserzersetzung 208.
- Wechselstrommaschine 225.
- Wellenlehre 247.
- Wellen, Form der 248.
- Wellen, Bedeutung der 250.
- Wellen, Reflexion der 250.
- Wellen, stehende 264, 265.
- Wellrad 18.
- Wetterprognosen 63.
- Wheatstonesche Brücke 186.
- Windgesetz 62.
- Winkelhebel 15.
- Winkelspiegel 282.
- Witterungskunde 60.
- Wolkenbildung 130.
- Wurf, vertikaler 388.
- Wurf, schiefer 395.
-
- Zambonische Säule 175.
- Zauberlaterne 318.
- Zeigertelegraph 204.
- Zeigerwage 367.
- Zentralbewegung 404.
- Zentrifugalkraft 406.
- Zentrifugalmaschine 405.
- Zentrifugalregulator 118.
- Zerlegung der Kräfte 12.
- Zerlegung paralleler Kräfte 23.
- Zerstreuung des Lichtes 328.
- Zerstreuung des Lichtes bei Linsen 331.
- Zusammendrückbarkeit 2.
- Zusammendrückbarkeit der Luft 68.
- Zusammensetzung der Kräfte 10.
- Zusammensetzung paralleler Kräfte 23.
-
-
-
-
- Anmerkungen zur Transkription.
-
-
- Der gedruckte Text des Originalwerkes ist wörtlich beibehalten,
- einschließlich inkonsistenter und ungewöhnlicher Rechtschreibung,
- außer wenn unten erwähnt (siehe Änderungen). Auch die inkorrekte und
- inkonsistente Verwendung von Einheiten (z. B. Geschwindigkeit,
- Gravitationskonstante und Beschleunigung in m; Arbeit in Watt; usw.)
- ist nicht korrigiert worden.
-
- In Abhängigkeit von der verwendeten Hard- und Software und deren
- Einstellungen werden möglicherweise nicht alle Elemente des Textes
- gezeigt wie beabsichtigt.
-
- Die Abbildungen 116 und 316 fehlen im Originalwerk.
-
- Einzige Aufgaben wurden auch im Originalwerke wiederholt.
-
- S. 45, Porzellan: das spezifisches Gewicht sollte möglicherweise als
- 2,15-2,38 gegeben sein.
-
- S. 253, ihre eigene Länge SA = A´c: nur das A ist sichtbar in der
- Abbildung.
-
- S. 357, Fig. 325: Die Buchstaben in der Abbildung entsprechen nicht
- denen des Textes.
-
-
- Änderungen:
-
- Anstatt einzelner Zeichen wurden Formeln und Gleichungen vollständig
- in Antiqua Markup (~Text~) eingeschlossen.
-
- Einige offensichtliche Interpunktions- bzw. typografische Fehler
- sind stillschweigend korrigiert worden.
-
- Abkürzungen von Einheiten wie Liter (l), Millimeter (mm),
- Kubikdezimeter (cdm) usw. sind kursiv vereinheitlicht worden.
- Ausdrücke wie n fach und nfach, n mal und nmal usw. wurden hier immer
- n fach oder n mal usw. geschrieben.
-
- In diesem Text wurden Buchstaben, welche Linien, Ebenen, Winkel usw.
- beschreiben, ohne Leerzeichen geschrieben (A B C wurde ABC); in
- Berechnungen, Gleichungen, Ausdrücken usw. wurden die unterschiedenen
- Elemente durch Leerzeichen getrennt (a·b wurde a · b, a+b wurde a + b,
- usw.).
-
- In einzige Formeln und Berechnungen wurden, wenn notwendig, Klammern
- eingefügt.
-
- S. 232, 283, 299: Überschrift Aufgaben eingefügt.
-
- S. VII: Leydner -> Leydener
- S. 13: Die Druckkomponente Q -> Die Druckkomponente D
- S. 17: Die lose Rolle (Fig. 16) -> Die lose Rolle (Fig. 15)
- S. 20: 450 · 62 -> 450 · 26
- S. 51: Fig. 40 -> Fig. 49
- S. 77: (Fig. 64) -> (Fig. 67)
- S. 125: Siehe Tabelle Seite 140 -> Siehe Tabelle Seite 121 (2x)
- S. 129: Fig. 108 -> Fig. 102 (Bildunterschrift)
- S. 150: Spannungsreihe rotiert um 90°; Fig. 112. -> Fig. 122.
- S. 155: M · V · Watt -> M · V Watt
- S. 169: Academie française -> Académie française
- S. 178: die Menge des freien SOH₂ -> die Menge des freien SO₄H₂
- S. 187: welche das Galvanometer (~g~) -> welche das Galvanometer (~G~)
- S. 281: verlängerte -> verlängere
- S. 286: LO´ -> L´O; Fig. 250: C -> O
- S. 300: C₁ und Cn -> C₁ und Cₙ
- S. 303: hinter einer bikonvexen Linse liegenden Gegenstand -> hinter
- einer bikonkaven Linse liegenden Gegenstand; von einer konvexen Linse
- -> von einer konkaven Linse
- S. 305: die Lage des Bildpunktes B′ -> die Lage des Bildpunktes B
- S. 343, Fig. 311 oben: 6 -> 3
- S. 346: P₂ (a₂ + c) P₃ (a₃ + c) -> P₂ (a₂ + c) + P₃ (a₃ + c)
- S. 382: Nummer 2) eingefügt
- S. 394: 760 m -> 760 mm; 718 m -> 718 mm (beide Aufgabe 198)
- S. 398: sin a -> sin α
- S. 399: 70°; oder 100° -> 70°; oder 110°.
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche., by
-Wilhelm Winter
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LEHRBUCH DER PHYSIK ZUM ***
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-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
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