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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-01-27 13:09:48 -0800 |
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If you are not located in the United States, you'll -have to check the laws of the country where you are located before using -this ebook. - - - -Title: Schein und Sein - Nachgelassene Gedichte - -Author: Wilhelm Busch - -Release Date: October 19, 2019 [EBook #60522] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHEIN UND SEIN *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - - - - - Anmerkungen zur Transkription. - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text - ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist - ~so markiert~. - - - - -Schein und Sein - - - - -[Illustration] - - - - - Wilhelm Busch - - Schein und Sein - - Nachgelassene Gedichte - - [Illustration] - - Zweite Auflage - - München - - Lothar Joachim Verlag - - 1909 - - - - -~Published April 15 1909, Privilege of Copyright in the U. S. reserved -by Lothar Joachim, Munich under the Act approved March 3 1905.~ - - -Alle Rechte vorbehalten. - - - - -Inhalts-Verzeichnis. - -[Illustration] - - - Seite - - Schein und Sein 1 - 1899 - - Woher, wohin? 2 - 1899 - - Der Stern 3 - - Leider! 4 - - Selbstgefällig 5 - - Zum Geburtstag im Juni 6 - - Unbeliebtes Wunder 9 - 1895 - - Waldfrevel 12 - 1899 - - Abschied 13 - - Der Renommist 14 - 1899 - - Doppelte Freude 16 - 1899 - - So und So 17 - 1899 - - Greulig 18 - 1899 - - Empfehlung 19 - 1899 - - Zum Geburtstag 20 - 1898 - - Modern 22 - 1899 - - Der fremde Hund 23 - 1899 - - So war's 24 - 1899 - - Die Nachbarskinder 25 - 1899 - - Von selbst 26 - 1899 - - Beneidenswerth 27 - 1899 - - Auch er 28 - 1899 - - Die alte Sorge 29 - 1899 - - Eitelkeit 30 - 1899 - - Gedankenvoll 31 - - Vielleicht 33 - 1899 - - Niemals 34 - 1899 - - Wanderlust 35 - 1899 - - Beruhigt 36 - 1899 - - Fehlgeschossen 37 - 1899 - - Unbillig 38 - 1899 - - Er ist mal so 39 - 1899 - - Verzeihlich 40 - 1899 - - Befriedigt 41 - 1899 - - Gestört 42 - 1899 - - Armer Haushalt 43 - 1899 - - Ärgerlich 44 - 1899 - - Gedrungen 45 - 1899 - - Im Sommer 46 - 1899 - - Künftig 47 - 1899 - - Vergeblich 48 - 1899 - - Versäumt 49 - 1899 - - Wassermuhmen 50 - 1899 - - Das Blut 51 - 1899 - - So nicht 52 - 1899 - - Laß ihn 53 - 1899 - - Bis auf weiters 54 - 1899 - - Gründer 55 - 1899 - - Entrüstet 56 - 1899 - - Wiedergeburt 58 - 1899 - - Frisch gewagt 59 - 1899 - - Glückspilz 60 - 1899 - - Immerfort 61 - 1899 - - Verfrüht 62 - 1899 - - Nörgeln 63 - 1899 - - Vertraut 64 - 1900 - - Tröstlich 65 - 1900 - - Unfrei 66 - 1900 - - Zwei Jungfern 67 - 1900 - - Unbequem 68 - 1900 - - Rechthaber 69 - 1900 - - Bös und gut 70 - 1902 - - Immerhin 71 - 1905 - - Erbauliche Bescheidenheit 73 - 1906 - - Ich bin Papa 74 - 1907 - - Gründliche Heilung 76 - 1907 - - Frühlingslied 78 - 1907 - - Zu Neujahr 80 - 1907 - - In trauter Verborgenheit 81 - 1907 - - Was Großmütterlein sang 83 - - Am Vorabend von Rosens - Geburtstag 85 - 1893 - - Peinlich berührt 91 - 1907 - - Das traurige Röslein 92 - - Der Thürmer 93 - 1907 - - Buch des Lebens 95 - -[Illustration] - - - - -Schein und Sein. - - -[Illustration: Faksimile] - - Mein Kind, es sind allhier die Dinge, - Gleichviel, ob große, ob geringe, - Im Wesentlichen so verpackt, - Daß man sie nicht wie Nüsse knackt. - - Wie wolltest du dich unterwinden, - Kurzweg die Menschen zu ergründen. - Du kennst sie nur von außerwärts. - Du siehst die Weste, nicht das Herz. - - W. B. - 1899. - - - - -Woher, wohin? - - - Wo sich Ewigkeiten dehnen, - Hören die Gedanken auf, - Nur der Herzen frommes Sehnen - Ahnt, was ohne Zeitenlauf. - - Wo wir waren, wo wir bleiben, - Sagt kein kluges Menschenwort; - Doch die Grübelgeister schreiben: - Bist du weg, so bleibe fort. - - Laß dich nicht auf's Neu gelüsten. - Was geschah, es wird geschehn. - Ewig an des Lebens Küsten - Wirst du scheiternd untergehn. - - - - -Der Stern. - - - Hätt Einer auch fast mehr Verstand, - Als wie die drei Weisen aus Morgenland, - Und ließe sich dünken, er wär wohl nie - Dem Sternlein nachgereist, wie sie; - Dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest - Seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt, - Fällt auch auf sein verständig Gesicht, - Er mag es merken oder nicht, - Ein freundlicher Strahl - Des Wundersternes von dazumal. - - - - -Leider! - - - So ist's in alter Zeit gewesen, - So ist es, fürcht ich, auch noch heut. - Wer nicht besonders auserlesen, - Dem macht die Tugend Schwierigkeit. - - Aufsteigend mußt du dich bemühen, - Doch ohne Mühe sinkest du. - Der liebe Gott muß immer ziehen, - Dem Teufel fällt's von selber zu. - - - - -Selbstgefällig. - - - Mein Büdelein - Is noch so tlein, - Is noch so dumm, - Ein ames Wum, - Muß tille liegen - In seine Wiegen - Und hat noch keine Hos'. - Ätsch, ätsch! - Und ich bin schon so goß. - - - - -Zum Geburtstag im Juni. - - - Den Jahreszeiten allen - Selbviert sei Preis und Ehr! - Nur sag ich: Mir gefallen - Sie minder oder mehr. - - Der Frühling wird ja immer - Gerühmt, wie sich's gebührt, - Weil er mit grünem Schimmer - Die graue Welt verziert. - - Doch hat in unsrer Zone - Er durch den Reif der Nacht - Schon manche grüne Bohne - Und Gurke umgebracht. - - Stets wird auch Ruhm erwerben - Der Herbst, vorausgesetzt, - Daß er mit vollen Körben - Uns Aug und Mund ergötzt. - - Indeß durch leises Tupfen - Gemahnt er uns bereits: - Bald, Kinder, kommt der Schnupfen - Und's Gripperl seinerseits. - - Der Winter kommt. Es blasen - Die Winde scharf und kühl; - Roth werden alle Nasen, - Und Kohlen braucht man viel. - - Nein, mir gefällt am besten - Das, was der Sommer bringt, - Wenn auf belaubten Ästen - Die Schaar der Vöglein singt. - - Wenn Rosen, zahm und wilde, - In vollster Blüthe stehn, - Wenn über Lustgefilde - Zephire kosend wehn. - - Und wollt' mich Einer fragen, - Wann's mir im Sommer dann - Besonders thät behagen, - Den Juni gäb ich an. - - Und wieder dann darunter - Den selben Tag gerad, - Wo einst ein Kindlein munter - Zuerst zu Tage trat. - - Drum flattert dies Gedichtchen - Jetzt über Berg und Thal - Und grüßt das liebe Nichtchen - Vom Onkel tausendmal. - - - - -Unbeliebtes Wunder. - - - In Tours, zu Martin Bischofs Zeit, - Gab's Krüppel viel und Bettelleut. - Darunter auch ein Ehepaar, - Was glücklich und zufrieden war. - Er, sonst gesund, war blind und stumm; - Sie sehend, aber lahm und krumm - An jedem Glied, bis auf die Zunge - Und eine unverletzte Lunge. - Das paßte schön. Sie reitet ihn - Und, selbstverständlich, leitet ihn - Als ein geduldig Sattelthier, - Sie obenauf, er unter ihr, - Ganz einfach mit geringer Müh, - Bloß durch die Worte Hott und Hüh, - Bald so bald so, vor allen Dingen - Dahin, wo grad die Leute gingen. - Fast Jeder, der's noch nicht gesehn, - Bleibt unwillkürlich stille stehn, - Ruft: »Liebergott, was ist denn das?« - Greift in den Sack, giebt ihnen Was - Und denkt noch lange gern und heiter - An dieses Roß und diesen Reiter. - So hätten denn gewiß die zwei - Durch fortgesetzte Bettelei, - Vereint in solcherlei Gestalt, - Auch ferner ihren Unterhalt, - Ja, ein Vermögen, sich erworben, - Wär' Bischof Martin nicht gestorben. - Als dieser nun gestorben war, - Legt man ihn auf die Todtenbahr - Und thät' ihn unter Weheklagen - Fein langsam nach dem Dome tragen - Zu seiner wohlverdienten Ruh. - Und sieh, ein Wunder trug sich zu. - Da, wo der Zug vorüber kam, - Wer irgend blind, wer irgend lahm, - Der fühlte sich sogleich genesen, - Als ob er niemals krank gewesen. - Oh, wie erschrak die lahme Frau! - Von weitem schon sah sie's genau, - Weil sie hoch oben, wie gewohnt, - Auf des Gemahles Rücken thront. - »Lauf, rief sie, laufe schnell von hinnen, - Damit wir noch beizeit entrinnen.« - Er läuft, er stößt an einen Stein, - Er fällt und bricht beinah ein Bein. - Die Prozession ist auch schon da. - Sie zieht vorbei. Der Blinde sah, - Die Lahme, ebenfalls kuriert, - Kann gehn, als wie mit Öl geschmiert, - Und beide sind wie neu geboren - Und kratzen sich verdutzt die Ohren. - Jetzt fragt es sich: Was aber nun? - Wer leben will, der muß was thun. - Denn wer kein Geld sein eigen nennt - Und hat zum Betteln kein Talent - Und hält zum Stehlen sich zu fein - Und mag auch nicht im Kloster sein, - Der ist fürwahr nicht zu beneiden. - Das überlegten sich die Beiden. - Sie, sehr begabt, wird eine fesche - Gesuchte Plätterin der Wäsche. - Er, mehr beschränkt, nahm eine Axt - Und spaltet Klötze, daß es knackst, - Von morgens früh bis in die Nacht. - Das hat Sankt Martin gut gemacht. - - - - -Waldfrevel. - - - Ein hübsches Pärchen ging einmal - Tief in des Waldes Gründe. - Sie pflückte Beeren ohne Zahl, - Er schnitt Was in die Rinde. - - Der pflichtgetreue Förster sieht's. - Was sind das für Geschichten? - Er zieht sein Buch, er nimmt Notiz - Und wird den Fall berichten. - - - - -Abschied. - - - Die Bäume hören auf zu blühn, - Mein Schatz will in die Fremde ziehn; - Mein Schatz der sprach ein bittres Wort: - Du bleibst nun hier, aber ich muß fort. - - Leb wohl, mein Schatz, ich bleib dir treu, - Wo du auch bist, wo ich auch sei. - Bei Regen und bei Sonnenschein, - So lang ich lebe, gedenk ich dein. - - So lang ich lebe, lieb ich dich, - Und wenn ich sterbe, bet für mich, - Und wenn du kommst zu meinem Grab, - So denk, daß ich dich geliebet hab. - - Einst in München geschrieben als Ergänzung zu der letzten - Strophe, die Freund Krempelsetzer, der das Ganze componirte aus - dem Volksmunde behalten hatte. - - - - -Der Renommist. - - - In einem Winkel, genannt die Butze, - Wo allerlei Kram, - Der nichts mehr nutze, - Zusammenkam; - Bei alten Hüten, alten Vasen, - Bei Töpfen, ohne Henkel und Nasen, - Befand sich ein Reiterstiefel auch, - Jetzt nur noch ein faltiger Lederschlauch. - Großmächtig hat er das Wort geführt - Und ganz gewaltiglich renommirt: - »Ha, damals! Ich und mein Kamerad! - Immer fein gewichst von hinten und vorn, - Blitzblank der Sporn, - Durch die Straßen geklirrt, - Alle Herzen verwirrt, - Es war ein Staat! - Hurrah, der Krieg, - Maustodt oder Sieg! - Unser Herr Leutenant, - Schneidig, Schwert in der Hand; - Doch hätt ich nicht gespornt sein Pferd, - Verloren wär die Schlacht von Wörth.« - In dem Moment, zu aller Schrecke, - Trat plötzlich hervor aus seiner Ecke - Ein strammer Reiserbesen. - »Hinaus! rief er, du alter Renommist! - Was schert es uns, was du gewesen; - Wir sehen, was du bist!« -- - Ein Schubbs. Ein Schwung. - Der Stiefel liegt draußen auf dem Dung. - - - - -Doppelte Freude. - - - Ein Herr warf einem Bettelmann - Fünf Groschen in den Felber. - Das that dem Andern wohl, und dann - That es auch wohl ihm selber. - - Der Eine, weil er gar so gut, - Kann sich von Herzen loben; - Der Andre trinkt sich frischen Muth - Und fühlt sich auch gehoben. - - - - -So und so. - - - Zur Schenke lenkt mit Wohlbehagen - Er jeden Abend seinen Schritt - Und bleibt, bis daß die Lerchen schlagen. - Er singt die letzte Strophe mit. - - Dagegen ist es zu beklagen, - Daß er die Kirche nie betritt. - Hier, leider, kann man niemals sagen: - Er singt die letzte Strophe mit. - - - - -Greulig. - - - Er hatte, was sich nicht gehört, - Drei Bräute an der Zahl - Und nahm, nachdem er sie bethört, - 'ne vierte zum Gemahl. - - Allein, es war ein kurzes Glück. - Kaum waren sie getraut, - So hat der Hund auch diesen Strick - Schon wieder abgekaut. - - - - -Empfehlung. - - - Du bist nervös. Drum lies doch mal - Das Buch, das man dir anempfahl. - Es ist beinah, wie eine Reise - Im alten wohlbekannten Gleise. - Der Weg ist grad und flach das Land, - Rechts, links und unten nichts wie Sand. - Kein Räderlärm verbittert dich, - Kein harter Stoß erschüttert dich, - Und bald umfängt dich sanft und kühl - Ein Kaumvorhandenseinsgefühl. - Du bist behaglich eingenickt. - Dann, wenn du angenehm erquickt, - Kehrst du beim »stillen Wirthe« ein. - Da giebt es weder Bier noch Wein. - Du schlürfst ein wenig Äpfelmost, - Ißt eine leichte Löffelkost - Mit wenig Fett und vieler Grütze, - Gehst früh zu Bett in spitzer Mütze - Und trinkst zuletzt ein Gläschen Wasser. - Schlaf wohl, und segne den Verfasser! - - - - -Zum Geburtstag. - - - Der Juni kam. Lind weht die Luft. - Geschoren ist der Rasen. - Ein wonnevoller Rosenduft - Dringt tief in alle Nasen. - - Manch angenehmes Vögelein - Sitzt flötend auf den Bäumen, - Indeß die Jungen, zart und klein, - Im warmen Neste träumen. - - Flugs kommt denn auch dahergerennt, - Schon früh im Morgenthaue, - Mit seinem alten Instrument - Der Musikant, der graue. - - Im Juni, wie er das gewohnt, - Besucht er einen Garten, - Um der Signora, die da thront, - Mit Tönen aufzuwarten. - - Er räuspert sich, er macht sich lang, - Er singt und streicht die Fiedel, - Er singt, was er schon öfter sang; - Du kennst das alte Liedel. - - Und wenn du gut geschlafen hast - Und lächelst hold hernieder, - Dann kommt der Kerl, ich fürchte fast, - Zum nächsten Juni wieder. - - - - -Modern. - - - Hinweg mit diesen alten Herrn, - Sie sind zu nichts mehr nütz! - So rufen sie und nähmen gern - Das Erbe in Besitz. - - Wie andre Erben, die in Noth, - Vergeblich warten sie. - Der alte reiche Hoffetodt - Der stirbt bekanntlich nie. - - - - -Der fremde Hund. - - - Was fällt da im Boskettgesträuch - Dem fremden Hunde ein? - Geht man vorbei, so bellt er gleich - Und scheint wie toll zu sein. - - Der Gärtner holt die Flinte her. - Es knallt im Augenblick. - Der arme Hund, getroffen schwer, - Wankt in's Gebüsch zurück. - - Vier kleine Hündchen liegen hier - Nackt, blind und unbewußt. - Sie saugen emsig alle vier - An einer todten Brust. - - - - -So war's. - - - Der Theetopf war so wunderschön, - Sie liebt ihn, wie ihr Leben. - Sie hat ihm leider aus Versehn - Den Todesstoß gegeben. - - Was sie für Kummer da empfand, - Nie wird sie es vergessen. - Sie hielt die Scherben an einand - Und sprach: So hat's gesessen! - - - - -Die Nachbarskinder. - - - Wer Andern gar zu wenig traut, - Hat Angst an allen Ecken; - Wer gar zu viel auf Andre baut, - Erwacht mit Schrecken. - - Es trennt sie nur ein leichter Zaun, - Die beiden Sorgengründer; - Zu wenig und zu viel Vertraun - Sind Nachbarskinder. - - - - -Von selbst. - - - Spare deine guten Lehren - Für den eigenen Genuß. - Kaum auch wirst du Wen bekehren, - Zeigst du, wie man's machen muß. - - Laß ihn im Galoppe tollen, - Reite ruhig deinen Trab. - Ein zu ungestümes Wollen - Wirft von selbst den Reiter ab. - - - - -Beneidenswerth. - - - Sahst du noch nie die ungemeine - Und hohe Kunstgelenkigkeit, - Sowohl der Flügel, wie der Beine, - Im Thierbereich mit stillem Neid? - - Sieh nur, wie aus dem Felsgeklüfte - Auf seinen Schwingen wunderbar - Bis zu den Wolken durch die Lüfte - In stolzen Kreisen schwebt der Aar. - - Sieh nur das Thierchen, das geringe, - Das zu benennen sich nicht ziemt, - Es ist durch seine Meistersprünge, - Wenn nicht beliebt, so doch berühmt. - - Leicht zu erlegen diese beiden, - Das schlag dir lieber aus dem Sinn. - Wer es versucht, der wird bescheiden, - Sei's Jäger oder Jägerin. - - - - -Auch er. - - - Rührend schöne Herzgeschichten, - Die ihm vor der Seele schweben, - Weiß der Dichter zu berichten. - Wovon aber soll er leben? - - Was er fein zusammen harkte, - Sauber eingebundne Werklein, - Führt er eben auch zu Markte, - Wie der Bauer seine Ferklein. - - - - -Die alte Sorge. - - - Er kriegte Geld. Die Sorge wich - Die ihn bisher beklommen. - Er hat die Jungfer Fröhlich sich - Zu seinem Schatz genommen. - - Sie tranken Wein, sie aßen fein, - Sie sangen zum Klaviere; - Doch wie sie sich so recht erfreun, - Da klopft es an die Thüre. - - Die alte Sorge war's, oweh, - Die magerste der Sorgen. - Sie setzte sich in's Kanapee - Und wünschte Gutenmorgen. - - - - -Eitelkeit. - - - Ein Töpfchen stand im Dunkeln - An stillverborgener Stelle. - Ha, rief es, wie wollt ich funkeln, - Käm ich nur mal in's Helle. - - Ihm geht es, wie vielen Narren. - Säß Einer auch hinten im Winkel, - So hat er doch seinen Sparren - Und seinen aparten Dünkel. - - - - -Gedankenvoll. - - - Ich weiß ein stilles Fensterlein - Liegt heimlich und versteckt, - Das hat mit Laub der grüne Wein - Und Ranken überdeckt. - - Im Laube spielt der Sommerwind, - Die Rebe schwankt und nickt, - Dahinter sitzt ein hübsches Kind - Gedankenvoll und stickt. - - Im jugendklaren Angesicht - Blüht wundersüß der Mund - Als wie ein Rosenknösplein licht - Früh in der Morgenstund. - - Im Netzgeflecht das blonde Haar - Umfaßt ein braunes Band, - Das liebe blaue Augenpaar - Blickt sinnend auf die Hand. - - Und's Köpfchen scheint so still zu sein. - Ist doch ein Taubenschlag. - Gedanken fliegen aus und ein - Den lieben langen Tag. - - Sie fliegen über Wald und Flur - In's weite Land hinaus. - Ach, käm ein einzig Täubchen nur - Und flöge in mein Haus. - - - - -Vielleicht. - - - Sage nie: Dann soll's geschehen! - Öffne dir ein Hinterpförtchen - Durch »Vielleicht«, das nette Wörtchen, - Oder sag: Ich will mal sehen! - - Denk an des Geschickes Walten. - Wie die Schiffer auf den Plänen - Ihrer Fahrten stets erwähnen: - Wind und Wetter vorbehalten! - - - - -Niemals. - - - Wonach du sehnlich ausgeschaut, - Es wurde dir beschieden. - Du triumphirst und jubelst laut: - Jetzt hab ich endlich Frieden! - - Ach, Freundchen, rede nicht so wild, - Bezähme deine Zunge. - Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, - Kriegt augenblicklich Junge. - - - - -Wanderlust. - - - Die Zeit, sie orgelt emsig weiter, - Sein Liedchen singt dir jeder Tag, - Vermischt mit Tönen, die nicht heiter, - Wo Keiner was von hören mag. - - Sie klingen fort. Und mit den Jahren - Wird draus ein voller Singverein. - Es ist, um aus der Haut zu fahren. - Du möchtest gern wo anders sein. - - Nun gut. Du mußt ja doch verreisen. - So fülle denn den Wanderschlauch. - Vielleicht vernimmst du neue Weisen, - Und Hühneraugen kriegst du auch. - - - - -Beruhigt. - - - Zwei mal zwei gleich vier ist Wahrheit. - Schade, daß sie leicht und leer ist, - Denn ich wollte lieber Klarheit - Über das, was voll und schwer ist. - - Emsig sucht ich aufzufinden, - Was im tiefsten Grunde wurzelt, - Lief umher nach allen Winden - Und bin oft dabei gepurzelt. - - Endlich baut ich eine Hütte. - Still nun zwischen ihren Wänden - Sitz ich in der Welten Mitte, - Unbekümmert um die Enden. - - - - -Fehlgeschossen. - - - Fritz war ein kecker Junge - Und sehr geläufig mit der Zunge. - Einstmals ist er beim Ährenlesen - Draußen im Felde gewesen, - Wo die Weizengarben, je zu zehn, - Wie Häuslein in der Reihe stehn. - Ein Wetter zog herauf. - Da heißt es: Lauf! - Und flink, wie ein Mäuslein - Schlüpft er in's nächste Halmenhäuslein. - Krach! -- Potztausendnochmal! - Dicht daneben zündet der Wetterstrahl. - Ätsch! rief der Junge, der nicht bange, - Und streckt die Zunge aus, die lange: - Fehlgeschossen, Herr Blitz! - Hier saß der Fritz! - - - - -Unbillig. - - - Nahmst du in diesem großen Haus - Nicht selbst Quartier? - Mißfällt es dir, so zieh doch aus. - Wer hält dich hier? - - Und schimpfe auf die Welt, mein Sohn, - Nicht gar zu laut. - Eh du geboren, hast du schon - Mit dran gebaut. - - - - -Er ist mal so. - - - Zwar mit seinem losen Mund - Neigt er zum Krakeele. - Dabei ist er doch im Grund - Eine treue Seele. - - Die er seine Freunde nennt, - Dulden seine Witze, - Denn ein Jeder, der ihn kennt, - Kennt auch seine Mütze. - - - - -Verzeihlich. - - - Er ist ein Dichter, also eitel. - Und, bitte, nehmt es ihm nicht krumm, - Zieht er aus seinem Lügenbeutel - So allerlei Brimborium. - - Juwelen, Gold und stolze Namen, - Ein hohes Schloß im Mondenschein - Und schöne höchstverliebte Damen, - Dies alles nennt der Dichter sein. - - Indessen ist ein enges Stübchen - Sein ungeheizter Aufenthalt. - Er hat kein Geld, er hat kein Liebchen, - Und seine Füße werden kalt. - - - - -Befriedigt. - - - Er 'hört, als eines von den Lichtern, - Die höher stets und höher steigen, - Bereits zu unsern besten Dichtern, - Das läßt sich leider nicht verschweigen. - - Was weiß man von den Sittenrichtern? -- - Er lebt von seiner Frau geschieden, - Hat Schulden, ist nicht immer nüchtern -- - Aha, jetzt sind wir schon zufrieden! - - - - -Gestört. - - - Ich gedachte still zu sitzen, - Doch sogleich begann das Treiben: - Du mußt gehen, laufen, schwitzen, - Um so forsch, wie wir, zu bleiben. - - Und sie wollten mir nach ihrer - Mode keine Ruhe gönnen, - Gleich wie Boten und Hausierer - Sollt ich hin und wieder rennen. - - Ich besah mir diese Geister, - Diese ungestümen Treiber. - Oft sind solche weisen Meister - Grad die ärgsten Klageweiber. - - - - -Armer Haushalt. - - - Weh, wer ohne rechte Mittel - Sich der Poesie vermählt. - Täglich dünner wird der Kittel, - Und die Milch im Hause fehlt. - - Aengstlich schwitzend muß er sitzen, - Fort ist seine Seelenruh, - Und vergeblich an den Zitzen - Zupft er seine magre Kuh. - - - - -Ärgerlich. - - - Aus der Mühle schaut der Müller, - Der so gerne mahlen will. - Stiller wird der Wind und stiller, - Und die Mühle stehet still. - - So geht's immer, wie ich finde, - Rief der Müller voller Zorn. - Hat man Korn, so fehlt's am Winde, - Hat man Wind, so fehlt das Korn. - - - - -Gedrungen. - - - Schnell wachsende Keime - Welken geschwinde; - Zu lange Bäume - Brechen im Winde. - - Schätz nach der Länge - Nicht das Entsprungne; - Fest im Gedränge - Steht das Gedrungne. - - - - -Im Sommer. - - - In Sommerbäder - Reist jetzt ein jeder - Und lebt famos. - Der arme Docter, - Zu hause hockt er - Patientenlos. - - Von Winterscenen, - Von schrecklich schönen, - Träumt sein Gemüth, - Wenn, Dank Ihr Götter, - Bei Hundewetter - Sein Weizen blüht. - - - - -Künftig. - - - Oh komm herbei, du goldne Zeit, - Wenn alle, die jetzt bummeln, - In schöner Unparteilichkeit - Sich bei der Arbeit tummeln. - - Der Lärm, womit der Musikant - Uns stört, wird dann geringer. - Wer Dünger fuhr, wer Garben band, - Dem krümmen sich die Finger. - - - - -Vergeblich. - - - Schon recht. Du willst als Philosoph - Die Wahrheit dir gewinnen; - Du machst mit Worten ihr den Hof, - Um so sie einzuspinnen. - - Nur sage nicht, daß zwischen dir - Und ihr schon alles richtig. - Sie ist und bleibt, das wissen wir, - Jungfräulich, keusch und züchtig. - - - - -Versäumt. - - - Zur Arbeit ist kein Bub geschaffen, - Das Lernen findet er nicht schön; - Er möchte träumen, möchte gaffen - Und Vogelnester suchen gehn. - - Er liebt es, lang im Bett zu liegen. - Und wie es halt im Leben geht: - Grad zu den frühen Morgenzügen - Kommt man am leichtesten zu spät. - - - - -Wassermuhmen. - - - In dem See die Wassermuhmen - Wollen ihr Vergnügen haben, - Fangen Mädchen sich und Knaben, - Machen Frösche draus und Blumen. - - Wie die Blümlein zierlich knicksen, - Wie die Fröschlein zärtlich quacken, - Wie sie flüstern, wie sie schnacken, - So was freut die alten Nixen. - - - - -Das Blut. - - - Wie ein Kranker, den das Fieber - Heiß gemacht und aufgeregt, - Sich herüber und hinüber - Auf die andre Seite legt -- - - So die Welt. Vor Haß und Hader - Hat sie niemals noch geruht. - Immerfort durch jede Ader - Tobt das alte Sünderblut. - - - - -So nicht. - - - Um's Paradies ging eine Mauer - Hübsch hoch vom besten Marmelstein. - Der Kain, als ein Bub ein schlauer, - Denkt sich: Ich komme doch hinein. - - Er stieg hinauf zu diesem Zwecke - An einer Leiter mäuschenstumm. - Da schlich der Teufel um die Ecke - Und stieß ihn samt der Leiter um. - - Der Vater Adam, der's gesehen, - Sprach, während er ihn liegen ließ: - Du Schlingel! Dir ist recht geschehen. - So kommt man nicht in's Paradies. - - - - -Laß ihn. - - - Er ist verliebt, laß ihn gewähren, - Bekümmre dich um dein Pläsir, - Und kommst du gar, ihn zu bekehren, - Wirft er dich sicher vor die Thür. - - Mit Gründen ist da nichts zu machen. - Was Einer mag, ist seine Sach, - Denn kurz gesagt: In Herzenssachen - Geht Jeder seiner Nase nach. - - - - -Bis auf weiters. - - - Das Messer blitzt, die Schweine schrein, - Man muß sie halt benutzen, - Denn Jeder denkt: Wozu das Schwein, - Wenn wir es nicht verputzen? - - Und Jeder schmunzelt, Jeder nagt - Nach Art der Kannibalen, - Bis man dereinst Pfui Teufel! sagt - Zum Schinken aus Westfalen. - - - - -Gründer. - - - Geschäftig sind die Menschenkinder, - Die große Zunft von kleinen Meistern, - Als Mitbegründer, Miterfinder - Sich diese Welt zurecht zu kleistern. - - Nur leider kann man sich nicht einen, - Wie man das Ding am besten mache. - Das Bauen mit belebten Steinen - Ist eine höchst verzwickte Sache. - - Welch ein Gedrängel und Getriebe - Von Lieb und Haß bei Nacht und Tage, - Und unaufhörlich setzt es Hiebe, - Und unaufhörlich tönt die Klage. - - Gottlob, es giebt auch stille Leute, - Die meiden dies Gewühl und hassen's - Und bauen auf der andern Seite - Sich eine Welt des Unterlassens. - - - - -Entrüstet. - - - Zu gräßlich hatt er mich geneckt. - Wie weh war mir zu Sinn. - Und tief gekränkt und aufgeschreckt - Zum Kirchhof lief ich hin. - - Ich saß auf einem Leichenstein, - Die Augen weint ich roth. - Ach lieber Gott, erbarm dich mein - Und mach mich endlich todt. - - Sieht er mich dann in meinem Sarg, - So wird er lebenssatt - Und stirbt vor Gram, weil er so arg - Mein Herz behandelt hat. - - Kaum war's gesagt, so legten sich - Zwei Arme um mich her, - Und auf der Stelle fühlte ich, - Wer das gethan, war er. - - Wir kehrten Arm in Arm zurück. - Ich sah ihn an bei Licht. - Nein, solchen treuen Liebesblick - Hat doch kein Bösewicht. - - - - -Wiedergeburt. - - - Wer nicht will, wird nie zunichte, - Kehrt beständig wieder heim. - Frisch herauf zum alten Lichte - Dringt der neue Lebenskeim. - - Keiner fürchte zu versinken, - Der in's tiefe Dunkel fährt. - Tausend Möglichkeiten winken - Ihm, der gerne wiederkehrt. - - Dennoch seh ich dich erbeben, - Eh du in die Urne langst. - Weil dir bange vor dem Leben, - Hast du vor dem Tode Angst. - - - - -Frisch gewagt. - - - Es kamen mal zwei Knaben - An einen breiten Graben. - Der erste sprang hinüber, - Schlankweg je ehr je lieber. - War das nicht keck? - Der zweite, fein besonnen, - Eh er das Werk begonnen, - Sprang in den Dreck. - - - - -Glückspilz. - - - Geboren ward er ohne Wehen - Bei Leuten, die mit Geld versehen. - Er schwänzt die Schule, lernt nicht viel, - Hat Glück bei Weibern und im Spiel, - Nimmt eine Frau sich, eine schöne, - Erzeugt mit ihr zwei kluge Söhne, - Hat Appetit, kriegt einen Bauch, - Und einen Orden kriegt er auch, - Und stirbt, nachdem er aufgespeichert - Ein paar Milliönchen, hochbetagt; - Obgleich ein jeder weiß und sagt: - Er war mit Dummerjan geräuchert! - - - - -Immerfort. - - - Das Sonnenstäubchen fern im Raume, - Das Tröpfchen, das im Grase blinkt, - Das dürre Blättchen, das vom Baume - Im Hauch des Windes niedersinkt -- - - Ein jedes wirkt an seinem Örtchen - Still weiter, wie es muß und mag, - Ja selbst ein leises Flüsterwörtchen - Klingt fort bis an den jüngsten Tag. - - - - -Verfrüht. - - - Papa, nicht wahr, - Im nächsten Jahr, - Wenn ich erst groß - Und lesen kann und schreiben kann, - Dann krieg ich einen hübschen Mann - Mit einer Ticktackuhr - An einer goldnen Schnur. - Der nimmt mich auf den Schooß - Und sagt zu mir: Mein Engel, - Und giebt mir Zuckerkrengel - Und Kuchen und Pasteten. - Nicht wahr, Papa? - Der Vater brummt: Na na, - Was ist das für Gefabel. - Die Vögel, die dann flöten, - Die haben noch keinen Schnabel. - - - - -Nörgeln. - - - Nörgeln ist das Allerschlimmste, - Keiner ist davon erbaut; - Keiner fährt, und wär's der Dümmste, - Gern aus seiner werthen Haut. - - - - -Vertraut. - - - Wie liegt die Welt so frisch und thauig - Vor mir im Morgensonnenschein. - Entzückt vom hohen Hügel schau ich - Ins frühlingsgrüne Thal hinein. - - Mit allen Kreaturen bin ich - In schönster Seelenharmonie. - Wir sind verwandt, ich fühl es innig, - Und eben darum lieb ich sie. - - Und wird auch mal der Himmel grauer; - Wer voll Vertraun die Welt besieht, - Den freut es, wenn ein Regenschauer - Mit Sturm und Blitz vorüberzieht. - - - - -Tröstlich. - - - Die Lehre von der Wiederkehr - Ist zweifelhaften Sinns. - Es fragt sich sehr, ob man nachher - Noch sagen kann: Ich bins. - - Allein was thut's, wenn mit der Zeit - Sich ändert die Gestalt? - Die Fähigkeit zu Lust und Leid - Vergeht wohl nicht so bald. - - - - -Unfrei. - - - Ganz richtig, diese Welt ist nichtig. - Auch du, der in Person erscheint, - Bist ebenfalls nicht gar so wichtig, - Wie deine Eitelkeit vermeint. - - Was hilft es dir, damit zu prahlen, - Daß du ein freies Menschenkind? - Mußt du nicht pünktlich Steuern zahlen, - Obwohl sie dir zuwider sind? - - Wärst du vielleicht auch, so zu sagen, - Erhaben über gut und schlecht, - Trotzdem behandelt dich dein Magen - Als ganz gemeinen Futterknecht. - - Lang bleibst du überhaupt nicht munter. - Das Alter kommt und zieht dich krumm - Und stößt dich rücksichtslos hinunter - Ins dunkle Sammelsurium. - - Daselbst umfängt dich das Gewimmel - Der Unsichtbaren, wie zuerst, - Eh du erschienst, und nur der Himmel - Weiß, ob und wann du wiederkehrst. - - - - -Zwei Jungfern. - - - Zwei Jungfern giebt es in Dorf und Stadt, - Sie leben beständig im Kriege, - Die Wahrheit, die Niemand gerne hat, - Und die scharmante Lüge. - - Vor jener, weil sie stolz und prüd - Und voll moralischer Mücken, - Sucht Jeder, der sie nur kommen sieht, - Sich schleunigst weg zu drücken. - - Die andre, obwohl ihr nicht zu traun, - Wird täglich beliebter und kecker, - Und wenn wir sie von hinten beschaun, - So hat sie einen Höcker. - - - - -Unbequem. - - - Ernst und dringend folgt mir eine - Mahnung nach auf Schritt und Tritt: - Sorge nicht nur für das Deine, - Sondern für das Andre mit. - - Demnach soll ich unterlassen - Was mir von Natur genehm, - Um das Gute zu erfassen? - Ei, das ist mal unbequem. - - Zu einem Wohlthätigkeitsbazar in Berlin geschickt. - Dezember 1905. - - - - -Rechthaber. - - - Seine Meinung ist die rechte, - Wenn er spricht, müßt ihr verstummen, - Sonst erklärt er euch für Schlechte, - Oder nennt euch gar die Dummen. - - Leider sind dergleichen Strolche - Keine seltene Erscheinung. - Wer nicht taub, der meidet solche - Ritter von der eignen Meinung. - - - - -Bös und gut. - - - Wie kam ich nur aus jenem Frieden - In's Weltgetös? - Was einst vereint, hat sich geschieden, - Und das ist bös. - - Nun bin ich nicht geneigt zum Geben, - Nun heißt es: Nimm! - Ja, ich muß tödten, um zu leben, - Und das ist schlimm. - - Doch eine Sehnsucht blieb zurücke, - Die niemals ruht. - Sie zieht mich heim zum alten Glücke, - Und das ist gut. - - - - -Immerhin. - - - Mein Herz, sei nicht beklommen, - Noch wird die Welt nicht alt. - Der Frühling ist wiedergekommen, - Frisch grünt der deutsche Wald. - - Seit Ururvätertagen - Stehen die Eichen am See, - Die Nachtigallen schlagen, - Zur Tränke kommt das Reh. - - Die Sonne geht auf und unter[1] - Schon lange vieltausendmal, - Noch immer eilen so munter - Die Bächlein in's blühende Thal. - - Hier lieg ich im weichen Moose - Unter dem rauschenden Baum, - Die Zeit, die wesenlose, - Verschwindet als wie ein Traum. - - Von kühlen Schatten umdämmert, - Versink ich in selige Ruh; - Ein Specht, der lustig hämmert, - Nickt mir vertraulich zu. - - Mir ist, als ob er riefe: - Heija, mein guter Gesell, - Für ewig aus dunkler Tiefe - Sprudelt der Lebensquell. - - [1] An Paul Lindau gegeben für Wilbrandts Gedenkbuch 1907. - - - - -Erbauliche Bescheidenheit. - - - Sehr schlecht befand sich Mutter Klöhn. - Sie kann nicht gehn, - Ist krumm und lahm - Und liegt zubett und rührt sich nicht. - Seit zwanzig Jahren hat sie schon die Gicht. - Herr Küster Bötel, welcher häufig kam, - Um gute Bessrung ihr zu wünschen, - Erzählt ihr auch des weitern, - Um sie ein wenig zu erheitern, - Die Mordgeschichte, die man jüngst verbrochen. - Ja, denken Sie nur mal, - Der Präsident von Frankreich ist erstochen - Von einem Strolch - Mit einem Dolch. - Ist das nicht ein Skandal? - Oh, Lü und Kinners, rief sie voller Graun, - Wat gift et doch vär Minschen. - Sau wat könn _eck_ doch nich e daun!! - Herr Bötel sprach und sah sie freundlich an: - Dies Wort von Ihnen mag ich leiden. - Ein guter Mensch ist niemals unbescheiden - Und thut nicht mehr als was er kann. - Adieu, Frau Klöhn! - Auf fröhlich Wiedersehn! - - - - -Ich bin Papa. - - - Mitunter schwitzen muß der Schreiner, - Er stößt auf manchen harten Ast. - So geht es auch, wenn unsereiner - Sich mit der Grübelei befaßt. - Zum Glück hat meine gute Frau, - Die liebevoll an alles denkt, - Mir einen kleinen Fritz geschenkt, - Denn oft erfreut mich dieser Knabe - Durch seinen kindlichen Radau, - Wenn ich so meine Schrullen habe. - Heut mittag gab es wieder mal - Mein Leibgericht, gespickten Aal, - Und wie ich dann zur Körperpflege, - Die Weste auf, die Augen zu, - Die Hände friedlich auf dem Magen - Im Polsterstuhl mich niederlege, - Oh weh, ein Schwarm von dummen Fragen - Verscheucht die heißersehnte Ruh. - Ach, wird es mir denn niemals klar, - Wo ich gewesen, eh ich war? - Schwamm ich, verkrümelt in Atome, - Gedankenlos im Wirbelstrome, - Bis ich am Ende mich verdichtet - Zu einer denkenden Person? - Und jetzt, was hab ich ausgerichtet? - Was war der Mühe karger Lohn? - Das Geld ist rar, die Kurse sinken, - Dagegen steigt der Preis der Schinken. - Fast jeden Morgen klagt die Mutter: - Ach Herr, wie theuer ist die Butter! - Ja, selbst der Vater wird gerührt, - Wenn er sein kleines Brödchen schmiert. - Und doch, trotz dieser Seelenleiden, - Will keiner gern von hinnen scheiden. - Wer weiß? - Ei sieh, wer kommt denn da? - Hallo, der Fritz! Nun wird es heiter, - Nun machen wir den Eselreiter. - Flugs stell ich mich auf alle Viere, - Indem ich auf und ab marschiere, - Und rufe kräftig mein Ih -- ah! - Vor Wähligkeit und Uebermuth. - Ih -- ah! Die Welt ist nicht so übel. - Wozu das närrische Gegrübel? - Ich bin Papa, und damit gut. - - - - -Gründliche Heilung. - - - Es saß der fromme Meister - Mit Weib und Kind bei Tisch. - Ach, seine Lebensgeister - Sind nicht wie sonst so frisch. - - Er sitzt mit krummem Nacken - Vor seinem Leibgericht, - Er hält sich beide Backen, - Worin es heftig sticht. - - Das brennt wie heiße Kohlen. - Au, schreit er, au, verdammt! - Der Teufel soll sie holen, - Die Zähne allesammt! - - Doch gleich, wie es in Nöthen - Wohl öfter schon geschah, - Begann er laut zu beten: - Hilf, Apollonia! - - Kaum daß aus voller Seele - Er diesen Spruch gethan, - Fällt aus des Mundes Höhle - Ihm plötzlich jeder Zahn. - - Und schmerzlos, Dank dem Himmel, - Schmaust er, wie sonst der Brauch, - Nur war es mehr Gemümmel, - Und lispeln thät er auch. - - Pohsit! Wie klingt so niedlich - Des Meisters Säuselton. - Er trank, entschlummert friedlich, - Und horch, da schnarcht er schon. - - 3. August 1907 an die »Lustige Woche« gegeben. - - - - -Frühlingslied. - - - In der Laube von Syringen, - Oh, wie ist der Abend fein. - Brüder, laßt die Gläser klingen, - Angefüllt mit Maienwein. - - Heija, der frische Mai - Er bringt uns mancherlei. - Das Schönste aber hier auf Erden - Ist lieben und geliebt zu werden, - Heija, im frischen Mai. - - Ueber uns die lieben Sterne - Blinken hell und frohgemuth, - Denn sie sehen schon von ferne, - Auch hier unten geht es gut. - - Wer sich jetzt bei trüber Kerzen - Der Gelehrsamkeit befleißt, - Diesem wünschen wir von Herzen, - Daß er bald Professor heißt. - - Wer als Wein- und Weiberhasser - Jedermann im Wege steht, - Der genieße Brod und Wasser, - Bis er endlich in sich geht. - - Wem vielleicht sein altes Hannchen - Irgendwie abhanden kam, - Nur getrost, es gab schon Manchen, - Der ein neues Hannchen nahm. - - Also, eh der Mai zu Ende, - Aufgeschaut und umgeblickt, - Keiner, der nicht eine fände, - Die ihn an ihr Herze drückt. - - Jahre steigen auf und nieder; - Aber, wenn der Lenz erblüht, - Dann, ihr Brüder, immer wieder - Töne unser Jubellied. - - Heija, der frische Mai, - Er bringt uns mancherlei, - Das Schönste aber hier auf Erden - Ist lieben und geliebt zu werden, - Heija, im frischen Mai. - - - - -Zu Neujahr. - - - Will das Glück nach seinem Sinn - Dir was Gutes schenken, - Sage Dank und nimm es hin - Ohne viel Bedenken. - - Jede Gabe sei begrüßt, - Doch vor allen Dingen: - Das, warum du dich _bemühst_, - Möge dir gelingen. - - - - -In trauter Verborgenheit. - - - Ade, ihr Sommertage, - Wie seid ihr so schnell enteilt, - Gar mancherlei Lust und Plage - Habt ihr uns zugetheilt. - - Wohl war es ein Entzücken, - Zu wandeln im Sonnenschein, - Nur die verflixten Mücken - Mischten sich immer darein. - - Und wenn wir auf Waldeswegen - Dem Sange der Vögel gelauscht, - Dann kam natürlich ein Regen - Auf uns hernieder gerauscht. - - Die lustigen Sänger haben - Nach Süden sich aufgemacht, - Bei Tage krächzen die Raben, - Die Käuze schreien bei Nacht. - - Was ist das für Gesause! - Es stürmt bereits und schneit. - Da bleiben wir zwei zuhause - In trauter Verborgenheit. - - Kein Wetter kann uns verdrießen. - Mein Liebchen, ich und du, - Wir halten uns warm und schließen - Hübsch feste die Thüren zu. - - - - -Was das Großmütterlein sang. - - - Surre surre surre! - Mein gutes Rädchen schnurre! - Für unser kleines Kätchen - Dreh mir ein feines Fädchen - So lang von hier bis Köllen - Wohl mehr als tausend Ellen. - Wir wollen es winden - Und Docken von binden, - Meister Weber es geben, - Soll Leinen uns weben, - Das breiten wir beide - Auf blumige Heide - Auf Anger und Wiesen - Und wollen es sonnen - Benetzen und gießen - Aus Bächen und Bronnen. - Ach, komm du lieber Sonnenschein - Und bleiche unser Leinen rein. - Dann kriegt mein Herzenstäubchen - Wohl manch ein feines Hemd - Und Tüchlein oder Häubchen, - Bis daß der Freier kömmt. - Schön guten Tag, Herr Freiersmann! - Was schaut er so mein Kätchen an? - Das Kätchen geben wir nicht her, - Und wenn's für Tausend Thaler wär. - Ei, Mutter, nur nicht gleich geschmält! - Den hübschen jungen Knaben - Den will und muß ich haben; - Den Krauskopf, den Krauskopf - Hab ich mir auserwählt. - Und willst du denn ein Bräutchen sein, - So geb ich meinen Segen drein. - So manches Blümlein wachsen mag - Von Ostern bis Michelistag, - So manches Körnlein, als man sät, - So mancher Halm in Aehren steht, - So vielmal Gutes wünsch ich dir - Aus meines Herzens Grund herfür. - Und wenn die Pfeifen klingen, - Dann tanzen wir und springen; - Dann spring ich wohl und tanz ich - Von Danzig bis nach Nanzig -- - Knipp knapp! - Da reißt mein Faden ab! - - - - -Am Vorabend von Rosens Geburtstag. - - - Lauschend am Fenster sitzt der Poet. -- - Draußen die Blumen und Pflänzchen - Halten ihr Abendkränzchen - Auf dem Gartenbeet. - Der Mond in Silberlivree, - Leise geschäftig, - Kredenzt den Thau, den Blüthenthee, - Anregend und kräftig. - Und von Kelch zu Kelche - Geht ein Geflüster: - Also morgen ist er! - -_Frau Ehrenpreis_ (Veronika). - - Ja, morgen feiert sie - Ihren werthen Entsprießungstag -- - -_Taubnessel_ (mit dem Hörrohr). - - Hä was? Hä welche? - -_Frau Ehrenpreis_ (lauter). - - -- -- Drüben im Garten die schöne Frau Rose -- -- - -_Taubnessel._ - - Ah! mit den zwei Knospen die! - -_Frau Ehrenpreis._ - - -- -- die tadel- und dornenlose -- -- - -_Distel_ (für sich). - - Wer's glauben mag! - -_Frau Ehrenpreis._ - - -- Von Duft und Glanz umwoben. - -_Distel._ - - Man weiß, man weiß! - Die gute Frau Ehrenpreis - Muß immer loben. - Und doch hat unser Röschen, das feine - Allerlei kleine - Grillen und Räupchen - Unter dem zierlichen Häubchen. - -_Gänseblümchen._ - - Oh wie reizend! - -_Distel._ - - Bald steht sie da so mildiglich - Und senkt die Blätter, - Bald rüttelt, schüttelt und spreizt sie sich, - Je nach dem Wetter. - -_Gänseblümchen._ - - Oh wie reizend! - -_Klatschrose._ - - Ja reizend, das wollt ich meinen! - Drum sieht man auch häufig den Löwenzahn, - Den Rittersporn und den Baldrian - Dort wachsen und erscheinen. - -_Gänseblümchen._ - - Oh wie reizend! - -_Klatschrose._ - - Ja reizend, ganz recht! - Und dann dieser Musenknecht, - Dieser Dichter -- - -_Distel._ - - Der Versetrichter -- - -_Klatschrose._ - - -- mit den langen Locken -- - -_Distel._ - - -- mit dem Loch im Socken. - -_Gänseblümchen._ - - Oh wie reizend! - -_Klatschrose._ - - Alltäglich kläglich mit Gefühl - In ihrer Nähe - Entlockt er seinem Saitenspiel - Lieblich Getön - Und singt so schön -- - -_Distel._ - - -- wie 'ne Mantelkrähe. - -_Klatschrose._ - - Zum Beispiel, noch gestern -- -- - -_Lilie_ (sanft). - - Geliebte Schwestern! -- - -_Frau Ehrenpreis._ - - Ihr Muster der Milde! - Ihr Tugendgebilde! - -_Lilie._ - - Wen sollte der festliche Tag nicht rühren! - Ich denke doch -- -- - -_Levkoje_, _Tulpe_, _Päonie_, _Flox_ etc. - - Ja ja, wir alle gratuliren!! - -_Frau Ehrenpreis._ - - Ein Schöngeist blüht in unsrer Mitte, - Ein hochgeschickter -- - Fräulein Federnelke -- - -_Federnelke._ - - Oh, bitte! - -_Distel_ (für sich). - - Blaustrumpf, verrückter! - -_Frau Ehrenpreis._ - - -- -- Federnelke, die wundersame, - So lautet ihr holder botanischer Name. - Vielleicht läßt sie sich freundlich erweichen - Und schreibt und dichtet ein Billet, - Duftend, geistvoll und nett. - Das möge dann die dienende Biene, - Unsere süße geflügelte Schleckerkathrine, - Hinschwebend im frühesten Morgenwind, - Dem hohen Geburtstagskind - Ehrfurchtsvoll sumsend überreichen. - -_Gänseblümchen._ - - Oh wie reizend! - -_Federnelke_ (schreibt und liest). - - »Veredelte Rose und Nachbarin! - »Nehmet dies Brieflein gnädig hin, - »Sintemalen dasselbe geschrieben - »Von allerlei Pflanzen, welche Euch lieben. - »Verleihe der Himmel Euer Gnaden - »Beständig ein sanftes Sonnenlicht - »Und frischen Thau und meinetwegen - »Auch hie und da ein wenig Regen, - »Nur Sturmwind nicht, - »Denn dieser thut der Schönheit Schaden. - »Ergebenst mit Herz und Honigmund - »Das Blumenkränzchen: Tugendbund.« - -_Gänseblümchen._ - - Oh wie reizend! - -_Federnelke._ - - Ich denke, es macht sich so! - -_Alle._ - - Bravo bravissimo! - -_Mond._ - - Noch 'n Täßchen Thee gefällig? - -_Levkoje._ - - Ich trank schon drei. - -_Flox._ - - Ich fünf. - -_Tulpe._ - - Ich acht. - -_Päonie._ - - Mein Mieder kracht! - -_Alle._ - - Gute Nacht, gute Nacht! - - (Die Blumen nicken. Der Mond geht unter. Der Poet, nachdem er - noch einen Blick in die Nacht hinaus gebohrt, schließt leise - das Fenster.) - - - - -Peinlich berührt. - - - Im Dorfe wohnt ein Vetter, - Der gut versichert war - Vor Brand und Hagelwetter - Nun schon im zehnten Jahr. - - Doch nie seit dazumalen - Ist ein Malör passiert, - Und so für nichts zu zahlen, - Hat peinlich ihn berührt. - - Jetzt, denkt er, überlasse - Dem Glück ich Feld und Haus. - Ich pfeife auf die Kasse. - Und schleunig trat er aus. - - Oweh, nach wenig Tagen - Da hieß es: Zapperment! - Der Weizen ist zerschlagen - Und Haus und Scheune brennt. - - Ein Narr hat Glück in Masse, - Wer klug, hat selten Schwein. - Und schleunig in die Kasse - Trat er halt wieder ein. - - - - -Das traurige Röslein. - - - Ein Röslein war gar nicht munter, - Weil es im Topfe stand, - Sah immer traurig hinunter - Auf die Blumen im freien Land. - Die Blumen nicken und winken. - Wie ist es im Freien so schön - Zu tanzen und Thau zu trinken - Bei lustigem Windeswehn. - Von bunten Schmetterlingen - Umgaukelt, geschmeichelt, geküßt; - Dazwischen der Vöglein Singen - Anmuthig zu hören ist. - Wir preisen dich und loben - Dich, fröhliche Sommerzeit; - Ach, Röslein am Fenster droben - Du thust uns auch gar zu leid. - Da ist ins Land gekommen - Der Winter mit seiner Noth. - In Schnee und Frost verklommen - Die Blumen sind alle todt. - Ein Mägdlein hört es stürmen, - Macht fest das Fenster zu. - Jetzt will ich dich pflegen und schirmen, - Du liebes Röslein du. - - - - -Der Thürmer. - - - Der Thürmer steht auf hohem Söller - Und raucht sein Pfeifchen echten Kneller, - Wobei der alte Invalid - Von oben her die Welt besieht. - Es kommt der Sommer allgemach. - Die Schwalben fliegen um das Dach, - Derweil schon manche stillbeglückt - Im Neste sitzt und fleißig drückt. - Zugleich tritt aus dem Gotteshaus - Ein neuvermähltes Paar heraus, - Das darf sich nun in allen Ehren - Getreulich lieben und vermehren. -- - Der Sommer kam, und allenthalben - Schwebt ungezählt das Heer der Schwalben, - Die, wenn sie flink vorüberflitzen, - Des Thürmers alten Hut beschmitzen. - Vom Platze unten tönt Juchhei, - Die Klosterschüler haben frei, - Sie necken, schrecken, jagen sich, - Sie schlagen und vertragen sich - Und grüßen keck mit Hohngelächter - Des Thurmes hochgestellten Wächter. -- - Der Sommer ging, die Schwalben setzen - Sich auf das Kirchendach und schwätzen. - Sie warten, bis der Abend da, - Dann flogen sie nach Afrika. - Doch unten, wo die Fackeln scheinen, - Begraben sie mal wieder Einen - Und singen ihm nach frommer Weise - Ein Lebewohl zur letzten Reise. - Bedenklich schaut der Thürmer drein. - Still geht er in sein Kämmerlein - Zu seinem großen Deckelkrug, - Und als die Glocke zehne schlug, - Nahm er das Horn mit frischem Muth - Und blies ein kräftiges Tuhuht. - - - - -Buch des Lebens. - - - Haß, als minus und vergebens, - Wird vom Leben abgeschrieben. - Positiv im Buch des Lebens - Steht verzeichnet nur das Lieben. - Ob ein Minus oder Plus - Uns verblieben, zeigt der Schluß. - -[Illustration] - - - - -[Illustration] - -Von diesem Buche ist zugleich mit dieser Ausgabe auch - - eine Luxusausgabe - in 1200 numerirten Exemplaren erschienen. - -Sie ist auf handgeschöpftes Büttenpapier gedruckt, in Leder gebunden -und kostet Mk. 8.--. - - -Im September 1908 erschien im gleichen Verlage: - -»Hernach« - -von - -Wilhelm Busch. - -Ein stattlicher Band mit 95 zum Theil farbigen Zeichnungen nebst Versen. - - ~A.~ Facsimile-Ausgabe in 1000 numerirten Exemplaren, die - Zeichnungen in Lichtdruck, die Texte in des Dichters Handschrift - reproduzirt, auf 60 Cartons gelegt. Gebunden in Kalbleder - - Preis Mk. 16.--. - - ~B.~ Gewöhnliche Ausgabe, in Buchdruck hergestellt auf starkem, - getöntem Papier. In Leinwand gebunden - - Preis Mk. 5.--. - -[Illustration] - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Schein und Sein, by Wilhelm Busch - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHEIN UND SEIN *** - -***** This file should be named 60522-0.txt or 60522-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/0/5/2/60522/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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If you are not located in the United States, you'll -have to check the laws of the country where you are located before using -this ebook. - - - -Title: Schein und Sein - Nachgelassene Gedichte - -Author: Wilhelm Busch - -Release Date: October 19, 2019 [EBook #60522] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHEIN UND SEIN *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - -</pre> - -<div class="transnote"> -<p class="h2">Anmerkungen zur Transkription.</p> - -<p>Das Original ist in Fraktur gesetzt. -Im Original gesperrter Text ist <em class="gesperrt">so ausgezeichnet</em>. -Im Original in Antiqua gesetzter Text ist <em class="antiqua">so markiert</em>.</p> -</div> - -<p class="h2">Schein und Sein</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<div class="figcenter"> -<img src="images/illu-004.jpg" alt="Porträt" /> -</div> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p class="h2"> -Wilhelm Busch</p> - -<h1>Schein und Sein</h1> -<p class="center p2"> -Nachgelassene Gedichte</p> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/signet.png" alt="Signet" /> -</div> - -<p class="center smaller"> -Zweite Auflage</p> - -<p class="center p2"> -München</p> -<p class="center smaller"> -Lothar Joachim Verlag</p> -<p class="center"> -1909 -</p> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter blockquot"> -<p class="center"><em class="antiqua">Published April 15 1909, Privilege of Copyright in the U. S. -reserved by Lothar Joachim, Munich under the Act approved -March 3 1905.</em></p> - -<p class="center p2">Alle Rechte vorbehalten.</p> - -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<h2 id="Inhalts-Verzeichnis">Inhalts-Verzeichnis.</h2> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/illu-007.png" alt="Dekoration" /> -</div> -</div> - -<table summary="Inhalt"> -<tr> -<td></td><td class="tdr">Seite</td> -</tr> -<tr> -<td>Schein und Sein</td> - <td class="tdr"><a href="#Schein_und_Sein">1</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Woher, wohin?</td> - <td class="tdr"><a href="#Woher_wohin">2</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Der Stern</td> - <td class="tdr"><a href="#Der_Stern">3</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Leider!</td> - <td class="tdr"><a href="#Leider">4</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Selbstgefällig</td> - <td class="tdr"><a href="#Selbstgefallig">5</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Zum Geburtstag im Juni</td> - <td class="tdr"><a href="#Zum_Geburtstag_im_Juni">6</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Unbeliebtes Wunder</td> - <td class="tdr"><a href="#Unbeliebtes_Wunder">9</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1895</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Waldfrevel</td> - <td class="tdr"><a href="#Waldfrevel">12</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Abschied</td> - <td class="tdr"><a href="#Abschied">13</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Der Renommist</td> - <td class="tdr"><a href="#Der_Renommist">14</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Doppelte Freude</td> - <td class="tdr"><a href="#Doppelte_Freude">16</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>So und So</td> - <td class="tdr"><a href="#So_und_so">17</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Greulig</td> - <td class="tdr"><a href="#Greulig">18</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Empfehlung</td> - <td class="tdr"><a href="#Empfehlung">19</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Zum Geburtstag</td> - <td class="tdr"><a href="#Zum_Geburtstag">20</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1898</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Modern</td> - <td class="tdr"><a href="#Modern">22</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Der fremde Hund</td> - <td class="tdr"><a href="#Der_fremde_Hund">23</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>So war's</td> - <td class="tdr"><a href="#So_wars">24</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Die Nachbarskinder</td> - <td class="tdr"><a href="#Die_Nachbarskinder">25</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Von selbst</td> - <td class="tdr"><a href="#Von_selbst">26</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Beneidenswerth</td> - <td class="tdr"><a href="#Beneidenswerth">27</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Auch er</td> - <td class="tdr"><a href="#Auch_er">28</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Die alte Sorge</td> - <td class="tdr"><a href="#Die_alte_Sorge">29</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Eitelkeit</td> - <td class="tdr"><a href="#Eitelkeit">30</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Gedankenvoll</td> - <td class="tdr"><a href="#Gedankenvoll">31</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Vielleicht</td> - <td class="tdr"><a href="#Vielleicht">33</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Niemals</td> - <td class="tdr"><a href="#Niemals">34</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Wanderlust</td> - <td class="tdr"><a href="#Wanderlust">35</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Beruhigt</td> - <td class="tdr"><a href="#Beruhigt">36</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Fehlgeschossen</td> - <td class="tdr"><a href="#Fehlgeschossen">37</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Unbillig</td> - <td class="tdr"><a href="#Unbillig">38</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Er ist mal so</td> - <td class="tdr"><a href="#Er_ist_mal_so">39</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Verzeihlich</td> - <td class="tdr"><a href="#Verzeihlich">40</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Befriedigt</td> - <td class="tdr"><a href="#Befriedigt">41</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Gestört</td> - <td class="tdr"><a href="#Gestort">42</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Armer Haushalt</td> - <td class="tdr"><a href="#Armer_Haushalt">43</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Ärgerlich</td> - <td class="tdr"><a href="#Argerlich">44</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Gedrungen</td> - <td class="tdr"><a href="#Gedrungen">45</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Im Sommer</td> - <td class="tdr"><a href="#Im_Sommer">46</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Künftig</td> - <td class="tdr"><a href="#Kunftig">47</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Vergeblich</td> - <td class="tdr"><a href="#Vergeblich">48</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Versäumt</td> - <td class="tdr"><a href="#Versaumt">49</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Wassermuhmen</td> - <td class="tdr"><a href="#Wassermuhmen">50</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Das Blut</td> - <td class="tdr"><a href="#Das_Blut">51</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>So nicht</td> - <td class="tdr"><a href="#So_nicht">52</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Laß ihn</td> - <td class="tdr"><a href="#Lass_ihn">53</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Bis auf weiters</td> - <td class="tdr"><a href="#Bis_auf_weiters">54</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Gründer</td> - <td class="tdr"><a href="#Grunder">55</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Entrüstet</td> - <td class="tdr"><a href="#Entrustet">56</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Wiedergeburt</td> - <td class="tdr"><a href="#Wiedergeburt">58</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Frisch gewagt</td> - <td class="tdr"><a href="#Frisch_gewagt">59</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Glückspilz</td> - <td class="tdr"><a href="#Gluckspilz">60</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Immerfort</td> - <td class="tdr"><a href="#Immerfort">61</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Verfrüht</td> - <td class="tdr"><a href="#Verfruht">62</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Nörgeln</td> - <td class="tdr"><a href="#Norgeln">63</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1899</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Vertraut</td> - <td class="tdr"><a href="#Vertraut">64</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1900</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Tröstlich</td> - <td class="tdr"><a href="#Trostlich">65</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1900</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Unfrei</td> - <td class="tdr"><a href="#Unfrei">66</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1900</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Zwei Jungfern</td> - <td class="tdr"><a href="#Zwei_Jungfern">67</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1900</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Unbequem</td> - <td class="tdr"><a href="#Unbequem">68</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1900</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Rechthaber</td> - <td class="tdr"><a href="#Rechthaber">69</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1900</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Bös und gut</td> - <td class="tdr"><a href="#Bos_und_gut">70</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1902</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Immerhin</td> - <td class="tdr"><a href="#Immerhin">71</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1905</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Erbauliche Bescheidenheit</td> - <td class="tdr"><a href="#Erbauliche_Bescheidenheit">73</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1906</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Ich bin Papa</td> - <td class="tdr"><a href="#Ich_bin_Papa">74</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1907</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Gründliche Heilung</td> - <td class="tdr"><a href="#Grundliche_Heilung">76</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1907</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Frühlingslied</td> - <td class="tdr"><a href="#Fruhlingslied">78</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1907</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Zu Neujahr</td> - <td class="tdr"><a href="#Zu_Neujahr">80</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1907</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>In trauter Verborgenheit</td> - <td class="tdr"><a href="#In_trauter_Verborgenheit">81</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1907</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Was Großmütterlein sang</td> - <td class="tdr"><a href="#Was_das_Grossmutterlein_sang">83</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Am Vorabend von Rosens Geburtstag</td> - <td class="tdr"><a href="#Am_Vorabend_von_Rosens_Geburtstag">85</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1893</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Peinlich berührt</td> - <td class="tdr"><a href="#Peinlich_beruhrt">91</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1907</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Das traurige Röslein</td> - <td class="tdr"><a href="#Das_traurige_Roslein">92</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Der Thürmer</td> - <td class="tdr"><a href="#Der_Thurmer">93</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdind">1907</td><td></td> -</tr> -<tr> -<td>Buch des Lebens</td> - <td class="tdr"><a href="#Buch_des_Lebens">95</a></td> -</tr> -</table> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/illu-009.png" alt="Dekoration" /> -</div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_1">[1]</a></span></p> - -<h2 id="Schein_und_Sein">Schein und Sein.</h2> -</div> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/illu-011.jpg" alt="Faksimile" /> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Mein Kind, es sind allhier die Dinge,<br /></span> -<span class="i2">Gleichviel, ob große, ob geringe,<br /></span> -<span class="i0">Im Wesentlichen so verpackt,<br /></span> -<span class="i2">Daß man sie nicht wie Nüsse knackt.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Wie wolltest du dich unterwinden,<br /></span> -<span class="i2">Kurzweg die Menschen zu ergründen.<br /></span> -<span class="i0">Du kennst sie nur von außerwärts.<br /></span> -<span class="i2">Du siehst die Weste, nicht das Herz.<br /></span> -</div></div> - -<p class="center"> -W. B.<br /> -1899. -</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_2">[2]</a></span></p> - -<h2 id="Woher_wohin">Woher, wohin?</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Wo sich Ewigkeiten dehnen,<br /></span> -<span class="i2">Hören die Gedanken auf,<br /></span> -<span class="i0">Nur der Herzen frommes Sehnen<br /></span> -<span class="i2">Ahnt, was ohne Zeitenlauf.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Wo wir waren, wo wir bleiben,<br /></span> -<span class="i2">Sagt kein kluges Menschenwort;<br /></span> -<span class="i0">Doch die Grübelgeister schreiben:<br /></span> -<span class="i2">Bist du weg, so bleibe fort.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Laß dich nicht auf's Neu gelüsten.<br /></span> -<span class="i2">Was geschah, es wird geschehn.<br /></span> -<span class="i0">Ewig an des Lebens Küsten<br /></span> -<span class="i2">Wirst du scheiternd untergehn.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_3">[3]</a></span></p> - -<h2 id="Der_Stern">Der Stern.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Hätt Einer auch fast mehr Verstand,<br /></span> -<span class="i0">Als wie die drei Weisen aus Morgenland,<br /></span> -<span class="i0">Und ließe sich dünken, er wär wohl nie<br /></span> -<span class="i0">Dem Sternlein nachgereist, wie sie;<br /></span> -<span class="i0">Dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest<br /></span> -<span class="i0">Seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt,<br /></span> -<span class="i0">Fällt auch auf sein verständig Gesicht,<br /></span> -<span class="i0">Er mag es merken oder nicht,<br /></span> -<span class="i0">Ein freundlicher Strahl<br /></span> -<span class="i0">Des Wundersternes von dazumal.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_4">[4]</a></span></p> - -<h2 id="Leider">Leider!</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">So ist's in alter Zeit gewesen,<br /></span> -<span class="i2">So ist es, fürcht ich, auch noch heut.<br /></span> -<span class="i0">Wer nicht besonders auserlesen,<br /></span> -<span class="i2">Dem macht die Tugend Schwierigkeit.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Aufsteigend mußt du dich bemühen,<br /></span> -<span class="i2">Doch ohne Mühe sinkest du.<br /></span> -<span class="i0">Der liebe Gott muß immer ziehen,<br /></span> -<span class="i2">Dem Teufel fällt's von selber zu.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_5">[5]</a></span></p> - -<h2 id="Selbstgefallig">Selbstgefällig.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Mein Büdelein<br /></span> -<span class="i0">Is noch so tlein,<br /></span> -<span class="i0">Is noch so dumm,<br /></span> -<span class="i0">Ein ames Wum,<br /></span> -<span class="i0">Muß tille liegen<br /></span> -<span class="i0">In seine Wiegen<br /></span> -<span class="i0">Und hat noch keine Hos'.<br /></span> -<span class="i4">Ätsch, ätsch!<br /></span> -<span class="i0">Und ich bin schon so goß.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_6">[6]</a></span></p> - -<h2 id="Zum_Geburtstag_im_Juni">Zum Geburtstag im Juni.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Den Jahreszeiten allen<br /></span> -<span class="i2">Selbviert sei Preis und Ehr!<br /></span> -<span class="i0">Nur sag ich: Mir gefallen<br /></span> -<span class="i2">Sie minder oder mehr.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Der Frühling wird ja immer<br /></span> -<span class="i2">Gerühmt, wie sich's gebührt,<br /></span> -<span class="i0">Weil er mit grünem Schimmer<br /></span> -<span class="i2">Die graue Welt verziert.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Doch hat in unsrer Zone<br /></span> -<span class="i2">Er durch den Reif der Nacht<br /></span> -<span class="i0">Schon manche grüne Bohne<br /></span> -<span class="i2">Und Gurke umgebracht.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Stets wird auch Ruhm erwerben<br /></span> -<span class="i2">Der Herbst, vorausgesetzt,<br /></span> -<span class="i0">Daß er mit vollen Körben<br /></span> -<span class="i2">Uns Aug und Mund ergötzt.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_7">[7]</a></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Indeß durch leises Tupfen<br /></span> -<span class="i2">Gemahnt er uns bereits:<br /></span> -<span class="i0">Bald, Kinder, kommt der Schnupfen<br /></span> -<span class="i2">Und's Gripperl seinerseits.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Der Winter kommt. Es blasen<br /></span> -<span class="i2">Die Winde scharf und kühl;<br /></span> -<span class="i0">Roth werden alle Nasen,<br /></span> -<span class="i2">Und Kohlen braucht man viel.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Nein, mir gefällt am besten<br /></span> -<span class="i2">Das, was der Sommer bringt,<br /></span> -<span class="i0">Wenn auf belaubten Ästen<br /></span> -<span class="i2">Die Schaar der Vöglein singt.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Wenn Rosen, zahm und wilde,<br /></span> -<span class="i2">In vollster Blüthe stehn,<br /></span> -<span class="i0">Wenn über Lustgefilde<br /></span> -<span class="i2">Zephire kosend wehn.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Und wollt' mich Einer fragen,<br /></span> -<span class="i2">Wann's mir im Sommer dann<br /></span> -<span class="i0">Besonders thät behagen,<br /></span> -<span class="i2">Den Juni gäb ich an.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Und wieder dann darunter<br /></span> -<span class="i2">Den selben Tag gerad,<br /></span> -<span class="i0">Wo einst ein Kindlein munter<br /></span> -<span class="i2">Zuerst zu Tage trat.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_8">[8]</a></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Drum flattert dies Gedichtchen<br /></span> -<span class="i2">Jetzt über Berg und Thal<br /></span> -<span class="i0">Und grüßt das liebe Nichtchen<br /></span> -<span class="i2">Vom Onkel tausendmal.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_9">[9]</a></span></p> - -<h2 id="Unbeliebtes_Wunder">Unbeliebtes Wunder.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i2">In Tours, zu Martin Bischofs Zeit,<br /></span> -<span class="i0">Gab's Krüppel viel und Bettelleut.<br /></span> -<span class="i0">Darunter auch ein Ehepaar,<br /></span> -<span class="i0">Was glücklich und zufrieden war.<br /></span> -<span class="i0">Er, sonst gesund, war blind und stumm;<br /></span> -<span class="i0">Sie sehend, aber lahm und krumm<br /></span> -<span class="i0">An jedem Glied, bis auf die Zunge<br /></span> -<span class="i0">Und eine unverletzte Lunge.<br /></span> -<span class="i2">Das paßte schön. Sie reitet ihn<br /></span> -<span class="i0">Und, selbstverständlich, leitet ihn<br /></span> -<span class="i0">Als ein geduldig Sattelthier,<br /></span> -<span class="i0">Sie obenauf, er unter ihr,<br /></span> -<span class="i0">Ganz einfach mit geringer Müh,<br /></span> -<span class="i0">Bloß durch die Worte Hott und Hüh,<br /></span> -<span class="i0">Bald so bald so, vor allen Dingen<br /></span> -<span class="i0">Dahin, wo grad die Leute gingen.<br /></span> -<span class="i2">Fast Jeder, der's noch nicht gesehn,<br /></span> -<span class="i0">Bleibt unwillkürlich stille stehn,<br /></span> -<span class="i0">Ruft: »Liebergott, was ist denn das?«<br /></span> -<span class="i0">Greift in den Sack, giebt ihnen Was<br /></span> -<span class="i0">Und denkt noch lange gern und heiter<br /></span> -<span class="i0">An dieses Roß und diesen Reiter.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_10">[10]</a></span> -<span class="i2">So hätten denn gewiß die zwei<br /></span> -<span class="i0">Durch fortgesetzte Bettelei,<br /></span> -<span class="i0">Vereint in solcherlei Gestalt,<br /></span> -<span class="i0">Auch ferner ihren Unterhalt,<br /></span> -<span class="i0">Ja, ein Vermögen, sich erworben,<br /></span> -<span class="i0">Wär' Bischof Martin nicht gestorben.<br /></span> -<span class="i2">Als dieser nun gestorben war,<br /></span> -<span class="i0">Legt man ihn auf die Todtenbahr<br /></span> -<span class="i0">Und thät' ihn unter Weheklagen<br /></span> -<span class="i0">Fein langsam nach dem Dome tragen<br /></span> -<span class="i0">Zu seiner wohlverdienten Ruh.<br /></span> -<span class="i2">Und sieh, ein Wunder trug sich zu.<br /></span> -<span class="i0">Da, wo der Zug vorüber kam,<br /></span> -<span class="i0">Wer irgend blind, wer irgend lahm,<br /></span> -<span class="i0">Der fühlte sich sogleich genesen,<br /></span> -<span class="i0">Als ob er niemals krank gewesen.<br /></span> -<span class="i2">Oh, wie erschrak die lahme Frau!<br /></span> -<span class="i0">Von weitem schon sah sie's genau,<br /></span> -<span class="i0">Weil sie hoch oben, wie gewohnt,<br /></span> -<span class="i0">Auf des Gemahles Rücken thront.<br /></span> -<span class="i0">»Lauf, rief sie, laufe schnell von hinnen,<br /></span> -<span class="i0">Damit wir noch beizeit entrinnen.«<br /></span> -<span class="i0">Er läuft, er stößt an einen Stein,<br /></span> -<span class="i0">Er fällt und bricht beinah ein Bein.<br /></span> -<span class="i2">Die Prozession ist auch schon da.<br /></span> -<span class="i0">Sie zieht vorbei. Der Blinde sah,<br /></span> -<span class="i0">Die Lahme, ebenfalls kuriert,<br /></span> -<span class="i0">Kann gehn, als wie mit Öl geschmiert,<br /></span> -<span class="i0">Und beide sind wie neu geboren<br /></span> -<span class="i0">Und kratzen sich verdutzt die Ohren.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_11">[11]</a></span> -<span class="i2">Jetzt fragt es sich: Was aber nun?<br /></span> -<span class="i0">Wer leben will, der muß was thun.<br /></span> -<span class="i0">Denn wer kein Geld sein eigen nennt<br /></span> -<span class="i0">Und hat zum Betteln kein Talent<br /></span> -<span class="i0">Und hält zum Stehlen sich zu fein<br /></span> -<span class="i0">Und mag auch nicht im Kloster sein,<br /></span> -<span class="i0">Der ist fürwahr nicht zu beneiden.<br /></span> -<span class="i0">Das überlegten sich die Beiden.<br /></span> -<span class="i2">Sie, sehr begabt, wird eine fesche<br /></span> -<span class="i0">Gesuchte Plätterin der Wäsche.<br /></span> -<span class="i0">Er, mehr beschränkt, nahm eine Axt<br /></span> -<span class="i0">Und spaltet Klötze, daß es knackst,<br /></span> -<span class="i0">Von morgens früh bis in die Nacht.<br /></span> -<span class="i2">Das hat Sankt Martin gut gemacht.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_12">[12]</a></span></p> - -<h2 id="Waldfrevel">Waldfrevel.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ein hübsches Pärchen ging einmal<br /></span> -<span class="i2">Tief in des Waldes Gründe.<br /></span> -<span class="i0">Sie pflückte Beeren ohne Zahl,<br /></span> -<span class="i2">Er schnitt Was in die Rinde.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Der pflichtgetreue Förster sieht's.<br /></span> -<span class="i2">Was sind das für Geschichten?<br /></span> -<span class="i0">Er zieht sein Buch, er nimmt Notiz<br /></span> -<span class="i2">Und wird den Fall berichten.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_13">[13]</a></span></p> - -<h2 id="Abschied">Abschied.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Die Bäume hören auf zu blühn,<br /></span> -<span class="i2">Mein Schatz will in die Fremde ziehn;<br /></span> -<span class="i0">Mein Schatz der sprach ein bittres Wort:<br /></span> -<span class="i2">Du bleibst nun hier, aber ich muß fort.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Leb wohl, mein Schatz, ich bleib dir treu,<br /></span> -<span class="i2">Wo du auch bist, wo ich auch sei.<br /></span> -<span class="i0">Bei Regen und bei Sonnenschein,<br /></span> -<span class="i2">So lang ich lebe, gedenk ich dein.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">So lang ich lebe, lieb ich dich,<br /></span> -<span class="i2">Und wenn ich sterbe, bet für mich,<br /></span> -<span class="i0">Und wenn du kommst zu meinem Grab,<br /></span> -<span class="i2">So denk, daß ich dich geliebet hab.<br /></span> -</div></div> - -<div class="blockquot"> - -<p class="center">Einst in München geschrieben als Ergänzung zu der letzten -Strophe, die Freund Krempelsetzer, der das Ganze componirte -aus dem Volksmunde behalten hatte.</p></div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_14">[14]</a></span></p> - -<h2 id="Der_Renommist">Der Renommist.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">In einem Winkel, genannt die Butze,<br /></span> -<span class="i0">Wo allerlei Kram,<br /></span> -<span class="i0">Der nichts mehr nutze,<br /></span> -<span class="i0">Zusammenkam;<br /></span> -<span class="i0">Bei alten Hüten, alten Vasen,<br /></span> -<span class="i0">Bei Töpfen, ohne Henkel und Nasen,<br /></span> -<span class="i0">Befand sich ein Reiterstiefel auch,<br /></span> -<span class="i0">Jetzt nur noch ein faltiger Lederschlauch.<br /></span> -<span class="i0">Großmächtig hat er das Wort geführt<br /></span> -<span class="i0">Und ganz gewaltiglich renommirt:<br /></span> -<span class="i2">»Ha, damals! Ich und mein Kamerad!<br /></span> -<span class="i0">Immer fein gewichst von hinten und vorn,<br /></span> -<span class="i0">Blitzblank der Sporn,<br /></span> -<span class="i0">Durch die Straßen geklirrt,<br /></span> -<span class="i0">Alle Herzen verwirrt,<br /></span> -<span class="i0">Es war ein Staat!<br /></span> -<span class="i0">Hurrah, der Krieg,<br /></span> -<span class="i0">Maustodt oder Sieg!<br /></span> -<span class="i0">Unser Herr Leutenant,<br /></span> -<span class="i0">Schneidig, Schwert in der Hand;<br /></span> -<span class="i0">Doch hätt ich nicht gespornt sein Pferd,<br /></span> -<span class="i0">Verloren wär die Schlacht von Wörth.«<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_15">[15]</a></span> -<span class="i2">In dem Moment, zu aller Schrecke,<br /></span> -<span class="i0">Trat plötzlich hervor aus seiner Ecke<br /></span> -<span class="i0">Ein strammer Reiserbesen.<br /></span> -<span class="i0">»Hinaus! rief er, du alter Renommist!<br /></span> -<span class="i0">Was schert es uns, was du gewesen;<br /></span> -<span class="i0">Wir sehen, was du bist!« –<br /></span> -<span class="i2">Ein Schubbs. Ein Schwung.<br /></span> -<span class="i0">Der Stiefel liegt draußen auf dem Dung.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_16">[16]</a></span></p> - -<h2 id="Doppelte_Freude">Doppelte Freude.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ein Herr warf einem Bettelmann<br /></span> -<span class="i2">Fünf Groschen in den Felber.<br /></span> -<span class="i0">Das that dem Andern wohl, und dann<br /></span> -<span class="i2">That es auch wohl ihm selber.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Der Eine, weil er gar so gut,<br /></span> -<span class="i2">Kann sich von Herzen loben;<br /></span> -<span class="i0">Der Andre trinkt sich frischen Muth<br /></span> -<span class="i2">Und fühlt sich auch gehoben.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_17">[17]</a></span></p> - -<h2 id="So_und_so">So und so.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Zur Schenke lenkt mit Wohlbehagen<br /></span> -<span class="i2">Er jeden Abend seinen Schritt<br /></span> -<span class="i0">Und bleibt, bis daß die Lerchen schlagen.<br /></span> -<span class="i2">Er singt die letzte Strophe mit.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Dagegen ist es zu beklagen,<br /></span> -<span class="i2">Daß er die Kirche nie betritt.<br /></span> -<span class="i0">Hier, leider, kann man niemals sagen:<br /></span> -<span class="i2">Er singt die letzte Strophe mit.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_18">[18]</a></span></p> - -<h2 id="Greulig">Greulig.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Er hatte, was sich nicht gehört,<br /></span> -<span class="i2">Drei Bräute an der Zahl<br /></span> -<span class="i0">Und nahm, nachdem er sie bethört,<br /></span> -<span class="i2">'ne vierte zum Gemahl.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Allein, es war ein kurzes Glück.<br /></span> -<span class="i2">Kaum waren sie getraut,<br /></span> -<span class="i0">So hat der Hund auch diesen Strick<br /></span> -<span class="i2">Schon wieder abgekaut.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_19">[19]</a></span></p> - -<h2 id="Empfehlung">Empfehlung.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Du bist nervös. Drum lies doch mal<br /></span> -<span class="i0">Das Buch, das man dir anempfahl.<br /></span> -<span class="i2">Es ist beinah, wie eine Reise<br /></span> -<span class="i0">Im alten wohlbekannten Gleise.<br /></span> -<span class="i2">Der Weg ist grad und flach das Land,<br /></span> -<span class="i0">Rechts, links und unten nichts wie Sand.<br /></span> -<span class="i0">Kein Räderlärm verbittert dich,<br /></span> -<span class="i0">Kein harter Stoß erschüttert dich,<br /></span> -<span class="i0">Und bald umfängt dich sanft und kühl<br /></span> -<span class="i0">Ein Kaumvorhandenseinsgefühl.<br /></span> -<span class="i0">Du bist behaglich eingenickt.<br /></span> -<span class="i0">Dann, wenn du angenehm erquickt,<br /></span> -<span class="i0">Kehrst du beim »stillen Wirthe« ein.<br /></span> -<span class="i0">Da giebt es weder Bier noch Wein.<br /></span> -<span class="i0">Du schlürfst ein wenig Äpfelmost,<br /></span> -<span class="i0">Ißt eine leichte Löffelkost<br /></span> -<span class="i0">Mit wenig Fett und vieler Grütze,<br /></span> -<span class="i0">Gehst früh zu Bett in spitzer Mütze<br /></span> -<span class="i0">Und trinkst zuletzt ein Gläschen Wasser.<br /></span> -<span class="i2">Schlaf wohl, und segne den Verfasser!<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_20">[20]</a></span></p> - -<h2 id="Zum_Geburtstag">Zum Geburtstag.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Der Juni kam. Lind weht die Luft.<br /></span> -<span class="i0">Geschoren ist der Rasen.<br /></span> -<span class="i0">Ein wonnevoller Rosenduft<br /></span> -<span class="i0">Dringt tief in alle Nasen.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Manch angenehmes Vögelein<br /></span> -<span class="i0">Sitzt flötend auf den Bäumen,<br /></span> -<span class="i0">Indeß die Jungen, zart und klein,<br /></span> -<span class="i0">Im warmen Neste träumen.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Flugs kommt denn auch dahergerennt,<br /></span> -<span class="i0">Schon früh im Morgenthaue,<br /></span> -<span class="i0">Mit seinem alten Instrument<br /></span> -<span class="i0">Der Musikant, der graue.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Im Juni, wie er das gewohnt,<br /></span> -<span class="i0">Besucht er einen Garten,<br /></span> -<span class="i0">Um der Signora, die da thront,<br /></span> -<span class="i0">Mit Tönen aufzuwarten.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_21">[21]</a></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Er räuspert sich, er macht sich lang,<br /></span> -<span class="i0">Er singt und streicht die Fiedel,<br /></span> -<span class="i0">Er singt, was er schon öfter sang;<br /></span> -<span class="i0">Du kennst das alte Liedel.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Und wenn du gut geschlafen hast<br /></span> -<span class="i0">Und lächelst hold hernieder,<br /></span> -<span class="i0">Dann kommt der Kerl, ich fürchte fast,<br /></span> -<span class="i0">Zum nächsten Juni wieder.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_22">[22]</a></span></p> - -<h2 id="Modern">Modern.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Hinweg mit diesen alten Herrn,<br /></span> -<span class="i2">Sie sind zu nichts mehr nütz!<br /></span> -<span class="i0">So rufen sie und nähmen gern<br /></span> -<span class="i2">Das Erbe in Besitz.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Wie andre Erben, die in Noth,<br /></span> -<span class="i2">Vergeblich warten sie.<br /></span> -<span class="i0">Der alte reiche Hoffetodt<br /></span> -<span class="i2">Der stirbt bekanntlich nie.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_23">[23]</a></span></p> - -<h2 id="Der_fremde_Hund">Der fremde Hund.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Was fällt da im Boskettgesträuch<br /></span> -<span class="i2">Dem fremden Hunde ein?<br /></span> -<span class="i0">Geht man vorbei, so bellt er gleich<br /></span> -<span class="i2">Und scheint wie toll zu sein.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Der Gärtner holt die Flinte her.<br /></span> -<span class="i2">Es knallt im Augenblick.<br /></span> -<span class="i0">Der arme Hund, getroffen schwer,<br /></span> -<span class="i2">Wankt in's Gebüsch zurück.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Vier kleine Hündchen liegen hier<br /></span> -<span class="i2">Nackt, blind und unbewußt.<br /></span> -<span class="i0">Sie saugen emsig alle vier<br /></span> -<span class="i2">An einer todten Brust.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_24">[24]</a></span></p> - -<h2 id="So_wars">So war's.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Der Theetopf war so wunderschön,<br /></span> -<span class="i2">Sie liebt ihn, wie ihr Leben.<br /></span> -<span class="i0">Sie hat ihm leider aus Versehn<br /></span> -<span class="i2">Den Todesstoß gegeben.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Was sie für Kummer da empfand,<br /></span> -<span class="i2">Nie wird sie es vergessen.<br /></span> -<span class="i0">Sie hielt die Scherben an einand<br /></span> -<span class="i2">Und sprach: So hat's gesessen!<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_25">[25]</a></span></p> - -<h2 id="Die_Nachbarskinder">Die Nachbarskinder.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Wer Andern gar zu wenig traut,<br /></span> -<span class="i2">Hat Angst an allen Ecken;<br /></span> -<span class="i0">Wer gar zu viel auf Andre baut,<br /></span> -<span class="i2">Erwacht mit Schrecken.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Es trennt sie nur ein leichter Zaun,<br /></span> -<span class="i2">Die beiden Sorgengründer;<br /></span> -<span class="i0">Zu wenig und zu viel Vertraun<br /></span> -<span class="i2">Sind Nachbarskinder.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_26">[26]</a></span></p> - -<h2 id="Von_selbst">Von selbst.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Spare deine guten Lehren<br /></span> -<span class="i2">Für den eigenen Genuß.<br /></span> -<span class="i0">Kaum auch wirst du Wen bekehren,<br /></span> -<span class="i2">Zeigst du, wie man's machen muß.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Laß ihn im Galoppe tollen,<br /></span> -<span class="i2">Reite ruhig deinen Trab.<br /></span> -<span class="i0">Ein zu ungestümes Wollen<br /></span> -<span class="i2">Wirft von selbst den Reiter ab.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_27">[27]</a></span></p> - -<h2 id="Beneidenswerth">Beneidenswerth.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Sahst du noch nie die ungemeine<br /></span> -<span class="i2">Und hohe Kunstgelenkigkeit,<br /></span> -<span class="i0">Sowohl der Flügel, wie der Beine,<br /></span> -<span class="i2">Im Thierbereich mit stillem Neid?<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Sieh nur, wie aus dem Felsgeklüfte<br /></span> -<span class="i2">Auf seinen Schwingen wunderbar<br /></span> -<span class="i0">Bis zu den Wolken durch die Lüfte<br /></span> -<span class="i2">In stolzen Kreisen schwebt der Aar.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Sieh nur das Thierchen, das geringe,<br /></span> -<span class="i2">Das zu benennen sich nicht ziemt,<br /></span> -<span class="i0">Es ist durch seine Meistersprünge,<br /></span> -<span class="i2">Wenn nicht beliebt, so doch berühmt.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Leicht zu erlegen diese beiden,<br /></span> -<span class="i2">Das schlag dir lieber aus dem Sinn.<br /></span> -<span class="i0">Wer es versucht, der wird bescheiden,<br /></span> -<span class="i2">Sei's Jäger oder Jägerin.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_28">[28]</a></span></p> - -<h2 id="Auch_er">Auch er.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Rührend schöne Herzgeschichten,<br /></span> -<span class="i2">Die ihm vor der Seele schweben,<br /></span> -<span class="i0">Weiß der Dichter zu berichten.<br /></span> -<span class="i2">Wovon aber soll er leben?<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Was er fein zusammen harkte,<br /></span> -<span class="i2">Sauber eingebundne Werklein,<br /></span> -<span class="i0">Führt er eben auch zu Markte,<br /></span> -<span class="i2">Wie der Bauer seine Ferklein.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_29">[29]</a></span></p> - -<h2 id="Die_alte_Sorge">Die alte Sorge.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Er kriegte Geld. Die Sorge wich<br /></span> -<span class="i2">Die ihn bisher beklommen.<br /></span> -<span class="i0">Er hat die Jungfer Fröhlich sich<br /></span> -<span class="i2">Zu seinem Schatz genommen.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Sie tranken Wein, sie aßen fein,<br /></span> -<span class="i2">Sie sangen zum Klaviere;<br /></span> -<span class="i0">Doch wie sie sich so recht erfreun,<br /></span> -<span class="i2">Da klopft es an die Thüre.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Die alte Sorge war's, oweh,<br /></span> -<span class="i2">Die magerste der Sorgen.<br /></span> -<span class="i0">Sie setzte sich in's Kanapee<br /></span> -<span class="i2">Und wünschte Gutenmorgen.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_30">[30]</a></span></p> - -<h2 id="Eitelkeit">Eitelkeit.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ein Töpfchen stand im Dunkeln<br /></span> -<span class="i2">An stillverborgener Stelle.<br /></span> -<span class="i0">Ha, rief es, wie wollt ich funkeln,<br /></span> -<span class="i2">Käm ich nur mal in's Helle.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Ihm geht es, wie vielen Narren.<br /></span> -<span class="i2">Säß Einer auch hinten im Winkel,<br /></span> -<span class="i0">So hat er doch seinen Sparren<br /></span> -<span class="i2">Und seinen aparten Dünkel.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_31">[31]</a></span></p> - -<h2 id="Gedankenvoll">Gedankenvoll.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ich weiß ein stilles Fensterlein<br /></span> -<span class="i0">Liegt heimlich und versteckt,<br /></span> -<span class="i0">Das hat mit Laub der grüne Wein<br /></span> -<span class="i0">Und Ranken überdeckt.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Im Laube spielt der Sommerwind,<br /></span> -<span class="i0">Die Rebe schwankt und nickt,<br /></span> -<span class="i0">Dahinter sitzt ein hübsches Kind<br /></span> -<span class="i0">Gedankenvoll und stickt.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Im jugendklaren Angesicht<br /></span> -<span class="i0">Blüht wundersüß der Mund<br /></span> -<span class="i0">Als wie ein Rosenknösplein licht<br /></span> -<span class="i0">Früh in der Morgenstund.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Im Netzgeflecht das blonde Haar<br /></span> -<span class="i0">Umfaßt ein braunes Band,<br /></span> -<span class="i0">Das liebe blaue Augenpaar<br /></span> -<span class="i0">Blickt sinnend auf die Hand.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_32">[32]</a></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Und's Köpfchen scheint so still zu sein.<br /></span> -<span class="i0">Ist doch ein Taubenschlag.<br /></span> -<span class="i0">Gedanken fliegen aus und ein<br /></span> -<span class="i0">Den lieben langen Tag.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Sie fliegen über Wald und Flur<br /></span> -<span class="i0">In's weite Land hinaus.<br /></span> -<span class="i0">Ach, käm ein einzig Täubchen nur<br /></span> -<span class="i0">Und flöge in mein Haus.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_33">[33]</a></span></p> - -<h2 id="Vielleicht">Vielleicht.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Sage nie: Dann soll's geschehen!<br /></span> -<span class="i2">Öffne dir ein Hinterpförtchen<br /></span> -<span class="i2">Durch »Vielleicht«, das nette Wörtchen,<br /></span> -<span class="i0">Oder sag: Ich will mal sehen!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Denk an des Geschickes Walten.<br /></span> -<span class="i2">Wie die Schiffer auf den Plänen<br /></span> -<span class="i2">Ihrer Fahrten stets erwähnen:<br /></span> -<span class="i0">Wind und Wetter vorbehalten!<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_34">[34]</a></span></p> - -<h2 id="Niemals">Niemals.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Wonach du sehnlich ausgeschaut,<br /></span> -<span class="i2">Es wurde dir beschieden.<br /></span> -<span class="i0">Du triumphirst und jubelst laut:<br /></span> -<span class="i2">Jetzt hab ich endlich Frieden!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Ach, Freundchen, rede nicht so wild,<br /></span> -<span class="i2">Bezähme deine Zunge.<br /></span> -<span class="i0">Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt,<br /></span> -<span class="i2">Kriegt augenblicklich Junge.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_35">[35]</a></span></p> - -<h2 id="Wanderlust">Wanderlust.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Die Zeit, sie orgelt emsig weiter,<br /></span> -<span class="i2">Sein Liedchen singt dir jeder Tag,<br /></span> -<span class="i0">Vermischt mit Tönen, die nicht heiter,<br /></span> -<span class="i2">Wo Keiner was von hören mag.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Sie klingen fort. Und mit den Jahren<br /></span> -<span class="i2">Wird draus ein voller Singverein.<br /></span> -<span class="i0">Es ist, um aus der Haut zu fahren.<br /></span> -<span class="i2">Du möchtest gern wo anders sein.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Nun gut. Du mußt ja doch verreisen.<br /></span> -<span class="i2">So fülle denn den Wanderschlauch.<br /></span> -<span class="i0">Vielleicht vernimmst du neue Weisen,<br /></span> -<span class="i2">Und Hühneraugen kriegst du auch.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_36">[36]</a></span></p> - -<h2 id="Beruhigt">Beruhigt.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Zwei mal zwei gleich vier ist Wahrheit.<br /></span> -<span class="i2">Schade, daß sie leicht und leer ist,<br /></span> -<span class="i0">Denn ich wollte lieber Klarheit<br /></span> -<span class="i2">Über das, was voll und schwer ist.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Emsig sucht ich aufzufinden,<br /></span> -<span class="i2">Was im tiefsten Grunde wurzelt,<br /></span> -<span class="i0">Lief umher nach allen Winden<br /></span> -<span class="i2">Und bin oft dabei gepurzelt.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Endlich baut ich eine Hütte.<br /></span> -<span class="i2">Still nun zwischen ihren Wänden<br /></span> -<span class="i0">Sitz ich in der Welten Mitte,<br /></span> -<span class="i2">Unbekümmert um die Enden.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_37">[37]</a></span></p> - -<h2 id="Fehlgeschossen">Fehlgeschossen.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i2">Fritz war ein kecker Junge<br /></span> -<span class="i0">Und sehr geläufig mit der Zunge.<br /></span> -<span class="i2">Einstmals ist er beim Ährenlesen<br /></span> -<span class="i0">Draußen im Felde gewesen,<br /></span> -<span class="i0">Wo die Weizengarben, je zu zehn,<br /></span> -<span class="i0">Wie Häuslein in der Reihe stehn.<br /></span> -<span class="i2">Ein Wetter zog herauf.<br /></span> -<span class="i2">Da heißt es: Lauf!<br /></span> -<span class="i0">Und flink, wie ein Mäuslein<br /></span> -<span class="i0">Schlüpft er in's nächste Halmenhäuslein.<br /></span> -<span class="i2">Krach! – Potztausendnochmal!<br /></span> -<span class="i0">Dicht daneben zündet der Wetterstrahl.<br /></span> -<span class="i2">Ätsch! rief der Junge, der nicht bange,<br /></span> -<span class="i0">Und streckt die Zunge aus, die lange:<br /></span> -<span class="i2">Fehlgeschossen, Herr Blitz!<br /></span> -<span class="i0">Hier saß der Fritz!<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_38">[38]</a></span></p> - -<h2 id="Unbillig">Unbillig.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Nahmst du in diesem großen Haus<br /></span> -<span class="i2">Nicht selbst Quartier?<br /></span> -<span class="i0">Mißfällt es dir, so zieh doch aus.<br /></span> -<span class="i2">Wer hält dich hier?<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Und schimpfe auf die Welt, mein Sohn,<br /></span> -<span class="i2">Nicht gar zu laut.<br /></span> -<span class="i0">Eh du geboren, hast du schon<br /></span> -<span class="i2">Mit dran gebaut.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_39">[39]</a></span></p> - -<h2 id="Er_ist_mal_so">Er ist mal so.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Zwar mit seinem losen Mund<br /></span> -<span class="i2">Neigt er zum Krakeele.<br /></span> -<span class="i0">Dabei ist er doch im Grund<br /></span> -<span class="i2">Eine treue Seele.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Die er seine Freunde nennt,<br /></span> -<span class="i2">Dulden seine Witze,<br /></span> -<span class="i0">Denn ein Jeder, der ihn kennt,<br /></span> -<span class="i2">Kennt auch seine Mütze.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_40">[40]</a></span></p> - -<h2 id="Verzeihlich">Verzeihlich.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Er ist ein Dichter, also eitel.<br /></span> -<span class="i2">Und, bitte, nehmt es ihm nicht krumm,<br /></span> -<span class="i0">Zieht er aus seinem Lügenbeutel<br /></span> -<span class="i2">So allerlei Brimborium.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Juwelen, Gold und stolze Namen,<br /></span> -<span class="i2">Ein hohes Schloß im Mondenschein<br /></span> -<span class="i0">Und schöne höchstverliebte Damen,<br /></span> -<span class="i2">Dies alles nennt der Dichter sein.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Indessen ist ein enges Stübchen<br /></span> -<span class="i2">Sein ungeheizter Aufenthalt.<br /></span> -<span class="i0">Er hat kein Geld, er hat kein Liebchen,<br /></span> -<span class="i2">Und seine Füße werden kalt.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_41">[41]</a></span></p> - -<h2 id="Befriedigt">Befriedigt.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Er 'hört, als eines von den Lichtern,<br /></span> -<span class="i2">Die höher stets und höher steigen,<br /></span> -<span class="i0">Bereits zu unsern besten Dichtern,<br /></span> -<span class="i2">Das läßt sich leider nicht verschweigen.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Was weiß man von den Sittenrichtern? –<br /></span> -<span class="i2">Er lebt von seiner Frau geschieden,<br /></span> -<span class="i0">Hat Schulden, ist nicht immer nüchtern –<br /></span> -<span class="i2">Aha, jetzt sind wir schon zufrieden!<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_42">[42]</a></span></p> - -<h2 id="Gestort">Gestört.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ich gedachte still zu sitzen,<br /></span> -<span class="i2">Doch sogleich begann das Treiben:<br /></span> -<span class="i0">Du mußt gehen, laufen, schwitzen,<br /></span> -<span class="i2">Um so forsch, wie wir, zu bleiben.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Und sie wollten mir nach ihrer<br /></span> -<span class="i2">Mode keine Ruhe gönnen,<br /></span> -<span class="i0">Gleich wie Boten und Hausierer<br /></span> -<span class="i2">Sollt ich hin und wieder rennen.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Ich besah mir diese Geister,<br /></span> -<span class="i2">Diese ungestümen Treiber.<br /></span> -<span class="i0">Oft sind solche weisen Meister<br /></span> -<span class="i2">Grad die ärgsten Klageweiber.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_43">[43]</a></span></p> - -<h2 id="Armer_Haushalt">Armer Haushalt.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Weh, wer ohne rechte Mittel<br /></span> -<span class="i2">Sich der Poesie vermählt.<br /></span> -<span class="i0">Täglich dünner wird der Kittel,<br /></span> -<span class="i2">Und die Milch im Hause fehlt.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Aengstlich schwitzend muß er sitzen,<br /></span> -<span class="i2">Fort ist seine Seelenruh,<br /></span> -<span class="i0">Und vergeblich an den Zitzen<br /></span> -<span class="i2">Zupft er seine magre Kuh.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_44">[44]</a></span></p> - -<h2 id="Argerlich">Ärgerlich.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Aus der Mühle schaut der Müller,<br /></span> -<span class="i2">Der so gerne mahlen will.<br /></span> -<span class="i0">Stiller wird der Wind und stiller,<br /></span> -<span class="i2">Und die Mühle stehet still.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">So geht's immer, wie ich finde,<br /></span> -<span class="i2">Rief der Müller voller Zorn.<br /></span> -<span class="i0">Hat man Korn, so fehlt's am Winde,<br /></span> -<span class="i2">Hat man Wind, so fehlt das Korn.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_45">[45]</a></span></p> - -<h2 id="Gedrungen">Gedrungen.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Schnell wachsende Keime<br /></span> -<span class="i2">Welken geschwinde;<br /></span> -<span class="i0">Zu lange Bäume<br /></span> -<span class="i2">Brechen im Winde.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Schätz nach der Länge<br /></span> -<span class="i2">Nicht das Entsprungne;<br /></span> -<span class="i0">Fest im Gedränge<br /></span> -<span class="i2">Steht das Gedrungne.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_46">[46]</a></span></p> - -<h2 id="Im_Sommer">Im Sommer.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">In Sommerbäder<br /></span> -<span class="i0">Reist jetzt ein jeder<br /></span> -<span class="i2">Und lebt famos.<br /></span> -<span class="i0">Der arme Docter,<br /></span> -<span class="i0">Zu hause hockt er<br /></span> -<span class="i2">Patientenlos.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Von Winterscenen,<br /></span> -<span class="i0">Von schrecklich schönen,<br /></span> -<span class="i2">Träumt sein Gemüth,<br /></span> -<span class="i0">Wenn, Dank Ihr Götter,<br /></span> -<span class="i0">Bei Hundewetter<br /></span> -<span class="i2">Sein Weizen blüht.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_47">[47]</a></span></p> - -<h2 id="Kunftig">Künftig.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Oh komm herbei, du goldne Zeit,<br /></span> -<span class="i2">Wenn alle, die jetzt bummeln,<br /></span> -<span class="i0">In schöner Unparteilichkeit<br /></span> -<span class="i2">Sich bei der Arbeit tummeln.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Der Lärm, womit der Musikant<br /></span> -<span class="i2">Uns stört, wird dann geringer.<br /></span> -<span class="i0">Wer Dünger fuhr, wer Garben band,<br /></span> -<span class="i2">Dem krümmen sich die Finger.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_48">[48]</a></span></p> - -<h2 id="Vergeblich">Vergeblich.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Schon recht. Du willst als Philosoph<br /></span> -<span class="i2">Die Wahrheit dir gewinnen;<br /></span> -<span class="i0">Du machst mit Worten ihr den Hof,<br /></span> -<span class="i2">Um so sie einzuspinnen.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Nur sage nicht, daß zwischen dir<br /></span> -<span class="i2">Und ihr schon alles richtig.<br /></span> -<span class="i0">Sie ist und bleibt, das wissen wir,<br /></span> -<span class="i2">Jungfräulich, keusch und züchtig.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_49">[49]</a></span></p> - -<h2 id="Versaumt">Versäumt.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Zur Arbeit ist kein Bub geschaffen,<br /></span> -<span class="i2">Das Lernen findet er nicht schön;<br /></span> -<span class="i0">Er möchte träumen, möchte gaffen<br /></span> -<span class="i2">Und Vogelnester suchen gehn.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Er liebt es, lang im Bett zu liegen.<br /></span> -<span class="i2">Und wie es halt im Leben geht:<br /></span> -<span class="i0">Grad zu den frühen Morgenzügen<br /></span> -<span class="i2">Kommt man am leichtesten zu spät.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_50">[50]</a></span></p> - -<h2 id="Wassermuhmen">Wassermuhmen.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">In dem See die Wassermuhmen<br /></span> -<span class="i2">Wollen ihr Vergnügen haben,<br /></span> -<span class="i2">Fangen Mädchen sich und Knaben,<br /></span> -<span class="i0">Machen Frösche draus und Blumen.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Wie die Blümlein zierlich knicksen,<br /></span> -<span class="i2">Wie die Fröschlein zärtlich quacken,<br /></span> -<span class="i2">Wie sie flüstern, wie sie schnacken,<br /></span> -<span class="i0">So was freut die alten Nixen.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_51">[51]</a></span></p> - -<h2 id="Das_Blut">Das Blut.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Wie ein Kranker, den das Fieber<br /></span> -<span class="i2">Heiß gemacht und aufgeregt,<br /></span> -<span class="i0">Sich herüber und hinüber<br /></span> -<span class="i2">Auf die andre Seite legt –<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">So die Welt. Vor Haß und Hader<br /></span> -<span class="i2">Hat sie niemals noch geruht.<br /></span> -<span class="i0">Immerfort durch jede Ader<br /></span> -<span class="i2">Tobt das alte Sünderblut.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_52">[52]</a></span></p> - -<h2 id="So_nicht">So nicht.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Um's Paradies ging eine Mauer<br /></span> -<span class="i2">Hübsch hoch vom besten Marmelstein.<br /></span> -<span class="i0">Der Kain, als ein Bub ein schlauer,<br /></span> -<span class="i2">Denkt sich: Ich komme doch hinein.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Er stieg hinauf zu diesem Zwecke<br /></span> -<span class="i2">An einer Leiter mäuschenstumm.<br /></span> -<span class="i0">Da schlich der Teufel um die Ecke<br /></span> -<span class="i2">Und stieß ihn samt der Leiter um.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Der Vater Adam, der's gesehen,<br /></span> -<span class="i2">Sprach, während er ihn liegen ließ:<br /></span> -<span class="i0">Du Schlingel! Dir ist recht geschehen.<br /></span> -<span class="i2">So kommt man nicht in's Paradies.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_53">[53]</a></span></p> - -<h2 id="Lass_ihn">Laß ihn.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Er ist verliebt, laß ihn gewähren,<br /></span> -<span class="i2">Bekümmre dich um dein Pläsir,<br /></span> -<span class="i0">Und kommst du gar, ihn zu bekehren,<br /></span> -<span class="i2">Wirft er dich sicher vor die Thür.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Mit Gründen ist da nichts zu machen.<br /></span> -<span class="i2">Was Einer mag, ist seine Sach,<br /></span> -<span class="i0">Denn kurz gesagt: In Herzenssachen<br /></span> -<span class="i2">Geht Jeder seiner Nase nach.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_54">[54]</a></span></p> - -<h2 id="Bis_auf_weiters">Bis auf weiters.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Das Messer blitzt, die Schweine schrein,<br /></span> -<span class="i2">Man muß sie halt benutzen,<br /></span> -<span class="i0">Denn Jeder denkt: Wozu das Schwein,<br /></span> -<span class="i2">Wenn wir es nicht verputzen?<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Und Jeder schmunzelt, Jeder nagt<br /></span> -<span class="i2">Nach Art der Kannibalen,<br /></span> -<span class="i0">Bis man dereinst Pfui Teufel! sagt<br /></span> -<span class="i2">Zum Schinken aus Westfalen.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_55">[55]</a></span></p> - -<h2 id="Grunder">Gründer.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Geschäftig sind die Menschenkinder,<br /></span> -<span class="i2">Die große Zunft von kleinen Meistern,<br /></span> -<span class="i0">Als Mitbegründer, Miterfinder<br /></span> -<span class="i2">Sich diese Welt zurecht zu kleistern.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Nur leider kann man sich nicht einen,<br /></span> -<span class="i2">Wie man das Ding am besten mache.<br /></span> -<span class="i0">Das Bauen mit belebten Steinen<br /></span> -<span class="i2">Ist eine höchst verzwickte Sache.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Welch ein Gedrängel und Getriebe<br /></span> -<span class="i2">Von Lieb und Haß bei Nacht und Tage,<br /></span> -<span class="i0">Und unaufhörlich setzt es Hiebe,<br /></span> -<span class="i2">Und unaufhörlich tönt die Klage.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Gottlob, es giebt auch stille Leute,<br /></span> -<span class="i2">Die meiden dies Gewühl und hassen's<br /></span> -<span class="i0">Und bauen auf der andern Seite<br /></span> -<span class="i2">Sich eine Welt des Unterlassens.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_56">[56]</a></span></p> - -<h2 id="Entrustet">Entrüstet.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Zu gräßlich hatt er mich geneckt.<br /></span> -<span class="i2">Wie weh war mir zu Sinn.<br /></span> -<span class="i0">Und tief gekränkt und aufgeschreckt<br /></span> -<span class="i2">Zum Kirchhof lief ich hin.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Ich saß auf einem Leichenstein,<br /></span> -<span class="i2">Die Augen weint ich roth.<br /></span> -<span class="i0">Ach lieber Gott, erbarm dich mein<br /></span> -<span class="i2">Und mach mich endlich todt.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Sieht er mich dann in meinem Sarg,<br /></span> -<span class="i2">So wird er lebenssatt<br /></span> -<span class="i0">Und stirbt vor Gram, weil er so arg<br /></span> -<span class="i2">Mein Herz behandelt hat.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Kaum war's gesagt, so legten sich<br /></span> -<span class="i2">Zwei Arme um mich her,<br /></span> -<span class="i0">Und auf der Stelle fühlte ich,<br /></span> -<span class="i2">Wer das gethan, war er.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_57">[57]</a></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Wir kehrten Arm in Arm zurück.<br /></span> -<span class="i2">Ich sah ihn an bei Licht.<br /></span> -<span class="i0">Nein, solchen treuen Liebesblick<br /></span> -<span class="i2">Hat doch kein Bösewicht.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_58">[58]</a></span></p> - -<h2 id="Wiedergeburt">Wiedergeburt.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Wer nicht will, wird nie zunichte,<br /></span> -<span class="i2">Kehrt beständig wieder heim.<br /></span> -<span class="i0">Frisch herauf zum alten Lichte<br /></span> -<span class="i2">Dringt der neue Lebenskeim.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Keiner fürchte zu versinken,<br /></span> -<span class="i2">Der in's tiefe Dunkel fährt.<br /></span> -<span class="i0">Tausend Möglichkeiten winken<br /></span> -<span class="i2">Ihm, der gerne wiederkehrt.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Dennoch seh ich dich erbeben,<br /></span> -<span class="i2">Eh du in die Urne langst.<br /></span> -<span class="i0">Weil dir bange vor dem Leben,<br /></span> -<span class="i2">Hast du vor dem Tode Angst.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_59">[59]</a></span></p> - -<h2 id="Frisch_gewagt">Frisch gewagt.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Es kamen mal zwei Knaben<br /></span> -<span class="i0">An einen breiten Graben.<br /></span> -<span class="i0">Der erste sprang hinüber,<br /></span> -<span class="i0">Schlankweg je ehr je lieber.<br /></span> -<span class="i2">War das nicht keck?<br /></span> -<span class="i0">Der zweite, fein besonnen,<br /></span> -<span class="i0">Eh er das Werk begonnen,<br /></span> -<span class="i2">Sprang in den Dreck.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_60">[60]</a></span></p> - -<h2 id="Gluckspilz">Glückspilz.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Geboren ward er ohne Wehen<br /></span> -<span class="i0">Bei Leuten, die mit Geld versehen.<br /></span> -<span class="i0">Er schwänzt die Schule, lernt nicht viel,<br /></span> -<span class="i0">Hat Glück bei Weibern und im Spiel,<br /></span> -<span class="i0">Nimmt eine Frau sich, eine schöne,<br /></span> -<span class="i0">Erzeugt mit ihr zwei kluge Söhne,<br /></span> -<span class="i0">Hat Appetit, kriegt einen Bauch,<br /></span> -<span class="i0">Und einen Orden kriegt er auch,<br /></span> -<span class="i0">Und stirbt, nachdem er aufgespeichert<br /></span> -<span class="i0">Ein paar Milliönchen, hochbetagt;<br /></span> -<span class="i0">Obgleich ein jeder weiß und sagt:<br /></span> -<span class="i0">Er war mit Dummerjan geräuchert!<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_61">[61]</a></span></p> - -<h2 id="Immerfort">Immerfort.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Das Sonnenstäubchen fern im Raume,<br /></span> -<span class="i2">Das Tröpfchen, das im Grase blinkt,<br /></span> -<span class="i0">Das dürre Blättchen, das vom Baume<br /></span> -<span class="i2">Im Hauch des Windes niedersinkt –<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Ein jedes wirkt an seinem Örtchen<br /></span> -<span class="i2">Still weiter, wie es muß und mag,<br /></span> -<span class="i0">Ja selbst ein leises Flüsterwörtchen<br /></span> -<span class="i2">Klingt fort bis an den jüngsten Tag.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_62">[62]</a></span></p> - -<h2 id="Verfruht">Verfrüht.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i2">Papa, nicht wahr,<br /></span> -<span class="i0">Im nächsten Jahr,<br /></span> -<span class="i0">Wenn ich erst groß<br /></span> -<span class="i0">Und lesen kann und schreiben kann,<br /></span> -<span class="i0">Dann krieg ich einen hübschen Mann<br /></span> -<span class="i0">Mit einer Ticktackuhr<br /></span> -<span class="i0">An einer goldnen Schnur.<br /></span> -<span class="i0">Der nimmt mich auf den Schooß<br /></span> -<span class="i0">Und sagt zu mir: Mein Engel,<br /></span> -<span class="i0">Und giebt mir Zuckerkrengel<br /></span> -<span class="i0">Und Kuchen und Pasteten.<br /></span> -<span class="i0">Nicht wahr, Papa?<br /></span> -<span class="i2">Der Vater brummt: Na na,<br /></span> -<span class="i0">Was ist das für Gefabel.<br /></span> -<span class="i0">Die Vögel, die dann flöten,<br /></span> -<span class="i0">Die haben noch keinen Schnabel.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_63">[63]</a></span></p> - -<h2 id="Norgeln">Nörgeln.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Nörgeln ist das Allerschlimmste,<br /></span> -<span class="i2">Keiner ist davon erbaut;<br /></span> -<span class="i0">Keiner fährt, und wär's der Dümmste,<br /></span> -<span class="i2">Gern aus seiner werthen Haut.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_64">[64]</a></span></p> - -<h2 id="Vertraut">Vertraut.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Wie liegt die Welt so frisch und thauig<br /></span> -<span class="i2">Vor mir im Morgensonnenschein.<br /></span> -<span class="i0">Entzückt vom hohen Hügel schau ich<br /></span> -<span class="i2">Ins frühlingsgrüne Thal hinein.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Mit allen Kreaturen bin ich<br /></span> -<span class="i2">In schönster Seelenharmonie.<br /></span> -<span class="i0">Wir sind verwandt, ich fühl es innig,<br /></span> -<span class="i2">Und eben darum lieb ich sie.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Und wird auch mal der Himmel grauer;<br /></span> -<span class="i2">Wer voll Vertraun die Welt besieht,<br /></span> -<span class="i0">Den freut es, wenn ein Regenschauer<br /></span> -<span class="i2">Mit Sturm und Blitz vorüberzieht.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_65">[65]</a></span></p> - -<h2 id="Trostlich">Tröstlich.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Die Lehre von der Wiederkehr<br /></span> -<span class="i2">Ist zweifelhaften Sinns.<br /></span> -<span class="i0">Es fragt sich sehr, ob man nachher<br /></span> -<span class="i2">Noch sagen kann: Ich bins.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Allein was thut's, wenn mit der Zeit<br /></span> -<span class="i2">Sich ändert die Gestalt?<br /></span> -<span class="i0">Die Fähigkeit zu Lust und Leid<br /></span> -<span class="i2">Vergeht wohl nicht so bald.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_66">[66]</a></span></p> - -<h2 id="Unfrei">Unfrei.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ganz richtig, diese Welt ist nichtig.<br /></span> -<span class="i2">Auch du, der in Person erscheint,<br /></span> -<span class="i0">Bist ebenfalls nicht gar so wichtig,<br /></span> -<span class="i2">Wie deine Eitelkeit vermeint.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Was hilft es dir, damit zu prahlen,<br /></span> -<span class="i2">Daß du ein freies Menschenkind?<br /></span> -<span class="i0">Mußt du nicht pünktlich Steuern zahlen,<br /></span> -<span class="i2">Obwohl sie dir zuwider sind?<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Wärst du vielleicht auch, so zu sagen,<br /></span> -<span class="i2">Erhaben über gut und schlecht,<br /></span> -<span class="i0">Trotzdem behandelt dich dein Magen<br /></span> -<span class="i2">Als ganz gemeinen Futterknecht.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Lang bleibst du überhaupt nicht munter.<br /></span> -<span class="i2">Das Alter kommt und zieht dich krumm<br /></span> -<span class="i0">Und stößt dich rücksichtslos hinunter<br /></span> -<span class="i2">Ins dunkle Sammelsurium.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Daselbst umfängt dich das Gewimmel<br /></span> -<span class="i2">Der Unsichtbaren, wie zuerst,<br /></span> -<span class="i0">Eh du erschienst, und nur der Himmel<br /></span> -<span class="i2">Weiß, ob und wann du wiederkehrst.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_67">[67]</a></span></p> - -<h2 id="Zwei_Jungfern">Zwei Jungfern.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Zwei Jungfern giebt es in Dorf und Stadt,<br /></span> -<span class="i2">Sie leben beständig im Kriege,<br /></span> -<span class="i0">Die Wahrheit, die Niemand gerne hat,<br /></span> -<span class="i2">Und die scharmante Lüge.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Vor jener, weil sie stolz und prüd<br /></span> -<span class="i2">Und voll moralischer Mücken,<br /></span> -<span class="i0">Sucht Jeder, der sie nur kommen sieht,<br /></span> -<span class="i2">Sich schleunigst weg zu drücken.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Die andre, obwohl ihr nicht zu traun,<br /></span> -<span class="i2">Wird täglich beliebter und kecker,<br /></span> -<span class="i0">Und wenn wir sie von hinten beschaun,<br /></span> -<span class="i2">So hat sie einen Höcker.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_68">[68]</a></span></p> - -<h2 id="Unbequem">Unbequem.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ernst und dringend folgt mir eine<br /></span> -<span class="i2">Mahnung nach auf Schritt und Tritt:<br /></span> -<span class="i0">Sorge nicht nur für das Deine,<br /></span> -<span class="i2">Sondern für das Andre mit.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Demnach soll ich unterlassen<br /></span> -<span class="i2">Was mir von Natur genehm,<br /></span> -<span class="i0">Um das Gute zu erfassen?<br /></span> -<span class="i2">Ei, das ist mal unbequem.<br /></span> -</div></div> - -<div class="blockquot"> - -<p class="center">Zu einem Wohlthätigkeitsbazar in Berlin geschickt.<br /> -Dezember 1905. -</p></div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_69">[69]</a></span></p> - -<h2 id="Rechthaber">Rechthaber.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Seine Meinung ist die rechte,<br /></span> -<span class="i2">Wenn er spricht, müßt ihr verstummen,<br /></span> -<span class="i0">Sonst erklärt er euch für Schlechte,<br /></span> -<span class="i2">Oder nennt euch gar die Dummen.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Leider sind dergleichen Strolche<br /></span> -<span class="i2">Keine seltene Erscheinung.<br /></span> -<span class="i0">Wer nicht taub, der meidet solche<br /></span> -<span class="i2">Ritter von der eignen Meinung.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_70">[70]</a></span></p> - -<h2 id="Bos_und_gut">Bös und gut.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Wie kam ich nur aus jenem Frieden<br /></span> -<span class="i8">In's Weltgetös?<br /></span> -<span class="i0">Was einst vereint, hat sich geschieden,<br /></span> -<span class="i8">Und das ist bös.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Nun bin ich nicht geneigt zum Geben,<br /></span> -<span class="i8">Nun heißt es: Nimm!<br /></span> -<span class="i0">Ja, ich muß tödten, um zu leben,<br /></span> -<span class="i8">Und das ist schlimm.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Doch eine Sehnsucht blieb zurücke,<br /></span> -<span class="i8">Die niemals ruht.<br /></span> -<span class="i0">Sie zieht mich heim zum alten Glücke,<br /></span> -<span class="i8">Und das ist gut.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_71">[71]</a></span></p> - -<h2 id="Immerhin">Immerhin.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Mein Herz, sei nicht beklommen,<br /></span> -<span class="i2">Noch wird die Welt nicht alt.<br /></span> -<span class="i0">Der Frühling ist wiedergekommen,<br /></span> -<span class="i2">Frisch grünt der deutsche Wald.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Seit Ururvätertagen<br /></span> -<span class="i2">Stehen die Eichen am See,<br /></span> -<span class="i0">Die Nachtigallen schlagen,<br /></span> -<span class="i2">Zur Tränke kommt das Reh.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Die Sonne geht auf und unter<a id="FNanchor_1_1"></a><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a><br /></span> -<span class="i2">Schon lange vieltausendmal,<br /></span> -<span class="i0">Noch immer eilen so munter<br /></span> -<span class="i2">Die Bächlein in's blühende Thal.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Hier lieg ich im weichen Moose<br /></span> -<span class="i2">Unter dem rauschenden Baum,<br /></span> -<span class="i0">Die Zeit, die wesenlose,<br /></span> -<span class="i2">Verschwindet als wie ein Traum.<br /></span> -<span class="pagenum"><a id="Page_72">[72]</a></span></div><div class="stanza"> -<span class="i0">Von kühlen Schatten umdämmert,<br /></span> -<span class="i2">Versink ich in selige Ruh;<br /></span> -<span class="i0">Ein Specht, der lustig hämmert,<br /></span> -<span class="i2">Nickt mir vertraulich zu.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Mir ist, als ob er riefe:<br /></span> -<span class="i2">Heija, mein guter Gesell,<br /></span> -<span class="i0">Für ewig aus dunkler Tiefe<br /></span> -<span class="i2">Sprudelt der Lebensquell.<br /></span> -</div></div> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Footnote_1_1"></a><a href="#FNanchor_1_1"><span class="label">[1]</span></a> An Paul Lindau gegeben für Wilbrandts Gedenkbuch 1907.</p></div> -</div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_73">[73]</a></span></p> - -<h2 id="Erbauliche_Bescheidenheit">Erbauliche Bescheidenheit.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i2">Sehr schlecht befand sich Mutter Klöhn.<br /></span> -<span class="i0">Sie kann nicht gehn,<br /></span> -<span class="i0">Ist krumm und lahm<br /></span> -<span class="i0">Und liegt zubett und rührt sich nicht.<br /></span> -<span class="i0">Seit zwanzig Jahren hat sie schon die Gicht.<br /></span> -<span class="i2">Herr Küster Bötel, welcher häufig kam,<br /></span> -<span class="i0">Um gute Bessrung ihr zu wünschen,<br /></span> -<span class="i0">Erzählt ihr auch des weitern,<br /></span> -<span class="i0">Um sie ein wenig zu erheitern,<br /></span> -<span class="i0">Die Mordgeschichte, die man jüngst verbrochen.<br /></span> -<span class="i2">Ja, denken Sie nur mal,<br /></span> -<span class="i0">Der Präsident von Frankreich ist erstochen<br /></span> -<span class="i0">Von einem Strolch<br /></span> -<span class="i0">Mit einem Dolch.<br /></span> -<span class="i0">Ist das nicht ein Skandal?<br /></span> -<span class="i2">Oh, Lü und Kinners, rief sie voller Graun,<br /></span> -<span class="i0">Wat gift et doch vär Minschen.<br /></span> -<span class="i0">Sau wat könn <em class="gesperrt">eck</em> doch nich e daun!!<br /></span> -<span class="i2">Herr Bötel sprach und sah sie freundlich an:<br /></span> -<span class="i0">Dies Wort von Ihnen mag ich leiden.<br /></span> -<span class="i0">Ein guter Mensch ist niemals unbescheiden<br /></span> -<span class="i0">Und thut nicht mehr als was er kann.<br /></span> -<span class="i0">Adieu, Frau Klöhn!<br /></span> -<span class="i0">Auf fröhlich Wiedersehn!<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_74">[74]</a></span></p> - -<h2 id="Ich_bin_Papa">Ich bin Papa.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i2">Mitunter schwitzen muß der Schreiner,<br /></span> -<span class="i0">Er stößt auf manchen harten Ast.<br /></span> -<span class="i0">So geht es auch, wenn unsereiner<br /></span> -<span class="i0">Sich mit der Grübelei befaßt.<br /></span> -<span class="i2">Zum Glück hat meine gute Frau,<br /></span> -<span class="i0">Die liebevoll an alles denkt,<br /></span> -<span class="i0">Mir einen kleinen Fritz geschenkt,<br /></span> -<span class="i0">Denn oft erfreut mich dieser Knabe<br /></span> -<span class="i0">Durch seinen kindlichen Radau,<br /></span> -<span class="i0">Wenn ich so meine Schrullen habe.<br /></span> -<span class="i2">Heut mittag gab es wieder mal<br /></span> -<span class="i0">Mein Leibgericht, gespickten Aal,<br /></span> -<span class="i0">Und wie ich dann zur Körperpflege,<br /></span> -<span class="i0">Die Weste auf, die Augen zu,<br /></span> -<span class="i0">Die Hände friedlich auf dem Magen<br /></span> -<span class="i0">Im Polsterstuhl mich niederlege,<br /></span> -<span class="i0">Oh weh, ein Schwarm von dummen Fragen<br /></span> -<span class="i0">Verscheucht die heißersehnte Ruh.<br /></span> -<span class="i2">Ach, wird es mir denn niemals klar,<br /></span> -<span class="i0">Wo ich gewesen, eh ich war?<br /></span> -<span class="i0">Schwamm ich, verkrümelt in Atome,<br /></span> -<span class="i0">Gedankenlos im Wirbelstrome,<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_75">[75]</a></span> -<span class="i0">Bis ich am Ende mich verdichtet<br /></span> -<span class="i0">Zu einer denkenden Person?<br /></span> -<span class="i0">Und jetzt, was hab ich ausgerichtet?<br /></span> -<span class="i0">Was war der Mühe karger Lohn?<br /></span> -<span class="i0">Das Geld ist rar, die Kurse sinken,<br /></span> -<span class="i0">Dagegen steigt der Preis der Schinken.<br /></span> -<span class="i0">Fast jeden Morgen klagt die Mutter:<br /></span> -<span class="i0">Ach Herr, wie theuer ist die Butter!<br /></span> -<span class="i0">Ja, selbst der Vater wird gerührt,<br /></span> -<span class="i0">Wenn er sein kleines Brödchen schmiert.<br /></span> -<span class="i0">Und doch, trotz dieser Seelenleiden,<br /></span> -<span class="i0">Will keiner gern von hinnen scheiden.<br /></span> -<span class="i0">Wer weiß?<br /></span> -<span class="i2">Ei sieh, wer kommt denn da?<br /></span> -<span class="i0">Hallo, der Fritz! Nun wird es heiter,<br /></span> -<span class="i0">Nun machen wir den Eselreiter.<br /></span> -<span class="i0">Flugs stell ich mich auf alle Viere,<br /></span> -<span class="i0">Indem ich auf und ab marschiere,<br /></span> -<span class="i0">Und rufe kräftig mein Ih – ah!<br /></span> -<span class="i0">Vor Wähligkeit und Uebermuth.<br /></span> -<span class="i2">Ih – ah! Die Welt ist nicht so übel.<br /></span> -<span class="i0">Wozu das närrische Gegrübel?<br /></span> -<span class="i0">Ich bin Papa, und damit gut.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_76">[76]</a></span></p> - -<h2 id="Grundliche_Heilung">Gründliche Heilung.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Es saß der fromme Meister<br /></span> -<span class="i2">Mit Weib und Kind bei Tisch.<br /></span> -<span class="i0">Ach, seine Lebensgeister<br /></span> -<span class="i2">Sind nicht wie sonst so frisch.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Er sitzt mit krummem Nacken<br /></span> -<span class="i2">Vor seinem Leibgericht,<br /></span> -<span class="i0">Er hält sich beide Backen,<br /></span> -<span class="i2">Worin es heftig sticht.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Das brennt wie heiße Kohlen.<br /></span> -<span class="i2">Au, schreit er, au, verdammt!<br /></span> -<span class="i0">Der Teufel soll sie holen,<br /></span> -<span class="i2">Die Zähne allesammt!<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Doch gleich, wie es in Nöthen<br /></span> -<span class="i2">Wohl öfter schon geschah,<br /></span> -<span class="i0">Begann er laut zu beten:<br /></span> -<span class="i2">Hilf, Apollonia!<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_77">[77]</a></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Kaum daß aus voller Seele<br /></span> -<span class="i2">Er diesen Spruch gethan,<br /></span> -<span class="i0">Fällt aus des Mundes Höhle<br /></span> -<span class="i2">Ihm plötzlich jeder Zahn.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Und schmerzlos, Dank dem Himmel,<br /></span> -<span class="i2">Schmaust er, wie sonst der Brauch,<br /></span> -<span class="i0">Nur war es mehr Gemümmel,<br /></span> -<span class="i2">Und lispeln thät er auch.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Pohsit! Wie klingt so niedlich<br /></span> -<span class="i2">Des Meisters Säuselton.<br /></span> -<span class="i0">Er trank, entschlummert friedlich,<br /></span> -<span class="i2">Und horch, da schnarcht er schon.<br /></span> -</div></div> - -<div class="blockquot"> - -<p>3. August 1907 an die »Lustige Woche« gegeben.</p></div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_78">[78]</a></span></p> - -<h2 id="Fruhlingslied">Frühlingslied.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">In der Laube von Syringen,<br /></span> -<span class="i2">Oh, wie ist der Abend fein.<br /></span> -<span class="i0">Brüder, laßt die Gläser klingen,<br /></span> -<span class="i2">Angefüllt mit Maienwein.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i4">Heija, der frische Mai<br /></span> -<span class="i4">Er bringt uns mancherlei.<br /></span> -<span class="i2">Das Schönste aber hier auf Erden<br /></span> -<span class="i2">Ist lieben und geliebt zu werden,<br /></span> -<span class="i4">Heija, im frischen Mai.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Ueber uns die lieben Sterne<br /></span> -<span class="i2">Blinken hell und frohgemuth,<br /></span> -<span class="i0">Denn sie sehen schon von ferne,<br /></span> -<span class="i2">Auch hier unten geht es gut.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Wer sich jetzt bei trüber Kerzen<br /></span> -<span class="i2">Der Gelehrsamkeit befleißt,<br /></span> -<span class="i0">Diesem wünschen wir von Herzen,<br /></span> -<span class="i2">Daß er bald Professor heißt.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_79">[79]</a></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Wer als Wein- und Weiberhasser<br /></span> -<span class="i2">Jedermann im Wege steht,<br /></span> -<span class="i0">Der genieße Brod und Wasser,<br /></span> -<span class="i2">Bis er endlich in sich geht.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Wem vielleicht sein altes Hannchen<br /></span> -<span class="i2">Irgendwie abhanden kam,<br /></span> -<span class="i0">Nur getrost, es gab schon Manchen,<br /></span> -<span class="i2">Der ein neues Hannchen nahm.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Also, eh der Mai zu Ende,<br /></span> -<span class="i2">Aufgeschaut und umgeblickt,<br /></span> -<span class="i0">Keiner, der nicht eine fände,<br /></span> -<span class="i2">Die ihn an ihr Herze drückt.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Jahre steigen auf und nieder;<br /></span> -<span class="i2">Aber, wenn der Lenz erblüht,<br /></span> -<span class="i0">Dann, ihr Brüder, immer wieder<br /></span> -<span class="i2">Töne unser Jubellied.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i4">Heija, der frische Mai,<br /></span> -<span class="i4">Er bringt uns mancherlei,<br /></span> -<span class="i2">Das Schönste aber hier auf Erden<br /></span> -<span class="i2">Ist lieben und geliebt zu werden,<br /></span> -<span class="i4">Heija, im frischen Mai.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_80">[80]</a></span></p> - -<h2 id="Zu_Neujahr">Zu Neujahr.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Will das Glück nach seinem Sinn<br /></span> -<span class="i2">Dir was Gutes schenken,<br /></span> -<span class="i0">Sage Dank und nimm es hin<br /></span> -<span class="i2">Ohne viel Bedenken.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Jede Gabe sei begrüßt,<br /></span> -<span class="i2">Doch vor allen Dingen:<br /></span> -<span class="i0">Das, warum du dich <em class="gesperrt">bemühst</em>,<br /></span> -<span class="i2">Möge dir gelingen.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_81">[81]</a></span></p> - -<h2 id="In_trauter_Verborgenheit">In trauter Verborgenheit.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ade, ihr Sommertage,<br /></span> -<span class="i2">Wie seid ihr so schnell enteilt,<br /></span> -<span class="i0">Gar mancherlei Lust und Plage<br /></span> -<span class="i2">Habt ihr uns zugetheilt.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Wohl war es ein Entzücken,<br /></span> -<span class="i2">Zu wandeln im Sonnenschein,<br /></span> -<span class="i0">Nur die verflixten Mücken<br /></span> -<span class="i2">Mischten sich immer darein.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Und wenn wir auf Waldeswegen<br /></span> -<span class="i2">Dem Sange der Vögel gelauscht,<br /></span> -<span class="i0">Dann kam natürlich ein Regen<br /></span> -<span class="i2">Auf uns hernieder gerauscht.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Die lustigen Sänger haben<br /></span> -<span class="i2">Nach Süden sich aufgemacht,<br /></span> -<span class="i0">Bei Tage krächzen die Raben,<br /></span> -<span class="i2">Die Käuze schreien bei Nacht.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_82">[82]</a></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Was ist das für Gesause!<br /></span> -<span class="i2">Es stürmt bereits und schneit.<br /></span> -<span class="i0">Da bleiben wir zwei zuhause<br /></span> -<span class="i2">In trauter Verborgenheit.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Kein Wetter kann uns verdrießen.<br /></span> -<span class="i2">Mein Liebchen, ich und du,<br /></span> -<span class="i0">Wir halten uns warm und schließen<br /></span> -<span class="i2">Hübsch feste die Thüren zu.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_83">[83]</a></span></p> - -<h2 id="Was_das_Grossmutterlein_sang">Was das Großmütterlein sang.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i6">Surre surre surre!<br /></span> -<span class="i0">Mein gutes Rädchen schnurre!<br /></span> -<span class="i0">Für unser kleines Kätchen<br /></span> -<span class="i0">Dreh mir ein feines Fädchen<br /></span> -<span class="i0">So lang von hier bis Köllen<br /></span> -<span class="i0">Wohl mehr als tausend Ellen.<br /></span> -<span class="i6">Wir wollen es winden<br /></span> -<span class="i6">Und Docken von binden,<br /></span> -<span class="i6">Meister Weber es geben,<br /></span> -<span class="i6">Soll Leinen uns weben,<br /></span> -<span class="i6">Das breiten wir beide<br /></span> -<span class="i6">Auf blumige Heide<br /></span> -<span class="i6">Auf Anger und Wiesen<br /></span> -<span class="i6">Und wollen es sonnen<br /></span> -<span class="i6">Benetzen und gießen<br /></span> -<span class="i6">Aus Bächen und Bronnen.<br /></span> -<span class="i0">Ach, komm du lieber Sonnenschein<br /></span> -<span class="i0">Und bleiche unser Leinen rein.<br /></span> -<span class="i6">Dann kriegt mein Herzenstäubchen<br /></span> -<span class="i6">Wohl manch ein feines Hemd<br /></span> -<span class="i6">Und Tüchlein oder Häubchen,<br /></span> -<span class="i6">Bis daß der Freier kömmt.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_84">[84]</a></span> -<span class="i0">Schön guten Tag, Herr Freiersmann!<br /></span> -<span class="i0">Was schaut er so mein Kätchen an?<br /></span> -<span class="i0">Das Kätchen geben wir nicht her,<br /></span> -<span class="i0">Und wenn's für Tausend Thaler wär.<br /></span> -<span class="i4">Ei, Mutter, nur nicht gleich geschmält!<br /></span> -<span class="i6">Den hübschen jungen Knaben<br /></span> -<span class="i6">Den will und muß ich haben;<br /></span> -<span class="i6">Den Krauskopf, den Krauskopf<br /></span> -<span class="i6">Hab ich mir auserwählt.<br /></span> -<span class="i0">Und willst du denn ein Bräutchen sein,<br /></span> -<span class="i0">So geb ich meinen Segen drein.<br /></span> -<span class="i0">So manches Blümlein wachsen mag<br /></span> -<span class="i0">Von Ostern bis Michelistag,<br /></span> -<span class="i0">So manches Körnlein, als man sät,<br /></span> -<span class="i0">So mancher Halm in Aehren steht,<br /></span> -<span class="i0">So vielmal Gutes wünsch ich dir<br /></span> -<span class="i0">Aus meines Herzens Grund herfür.<br /></span> -<span class="i6">Und wenn die Pfeifen klingen,<br /></span> -<span class="i6">Dann tanzen wir und springen;<br /></span> -<span class="i6">Dann spring ich wohl und tanz ich<br /></span> -<span class="i6">Von Danzig bis nach Nanzig –<br /></span> -<span class="i10">Knipp knapp!<br /></span> -<span class="i6">Da reißt mein Faden ab!<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_85">[85]</a></span></p> - -<h2 id="Am_Vorabend_von_Rosens_Geburtstag">Am Vorabend von Rosens Geburtstag.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Lauschend am Fenster sitzt der Poet. –<br /></span> -<span class="i2">Draußen die Blumen und Pflänzchen<br /></span> -<span class="i2">Halten ihr Abendkränzchen<br /></span> -<span class="i2">Auf dem Gartenbeet.<br /></span> -<span class="i6">Der Mond in Silberlivree,<br /></span> -<span class="i2">Leise geschäftig,<br /></span> -<span class="i2">Kredenzt den Thau, den Blüthenthee,<br /></span> -<span class="i2">Anregend und kräftig.<br /></span> -<span class="i6">Und von Kelch zu Kelche<br /></span> -<span class="i2">Geht ein Geflüster:<br /></span> -<span class="i2">Also morgen ist er!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Frau Ehrenpreis</em> (<span class="smaller">Veronika</span>).</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ja, morgen feiert sie<br /></span> -<span class="i0">Ihren werthen Entsprießungstag –<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Taubnessel</em> (<span class="smaller">mit dem Hörrohr</span>).</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Hä was? Hä welche?<br /></span> -</div></div> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_86">[86]</a></span></p> -<p><em class="gesperrt">Frau Ehrenpreis</em> (<span class="smaller">lauter</span>).</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">– – Drüben im Garten die schöne Frau Rose – –<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Taubnessel.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i6">Ah! mit den zwei Knospen die!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Frau Ehrenpreis.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">– – die tadel- und dornenlose – –<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Distel</em> (<span class="smaller">für sich</span>).</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i2">Wer's glauben mag!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Frau Ehrenpreis.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">– Von Duft und Glanz umwoben.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Distel.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i4">Man weiß, man weiß!<br /></span> -<span class="i0">Die gute Frau Ehrenpreis<br /></span> -<span class="i0">Muß immer loben.<br /></span> -<span class="i0">Und doch hat unser Röschen, das feine<br /></span> -<span class="i8">Allerlei kleine<br /></span> -<span class="i4">Grillen und Räupchen<br /></span> -<span class="i0">Unter dem zierlichen Häubchen.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Gänseblümchen.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Oh wie reizend!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Distel.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Bald steht sie da so mildiglich<br /></span> -<span class="i0">Und senkt die Blätter,<br /></span> -<span class="i0">Bald rüttelt, schüttelt und spreizt sie sich,<br /></span> -<span class="i0">Je nach dem Wetter.<br /></span> -</div></div> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_87">[87]</a></span></p> -<p><em class="gesperrt">Gänseblümchen.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Oh wie reizend!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Klatschrose.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ja reizend, das wollt ich meinen!<br /></span> -<span class="i0">Drum sieht man auch häufig den Löwenzahn,<br /></span> -<span class="i0">Den Rittersporn und den Baldrian<br /></span> -<span class="i0">Dort wachsen und erscheinen.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Gänseblümchen.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Oh wie reizend!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Klatschrose.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i4">Ja reizend, ganz recht!<br /></span> -<span class="i0">Und dann dieser Musenknecht,<br /></span> -<span class="i10">Dieser Dichter –<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Distel.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i6">Der Versetrichter –<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Klatschrose.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">– mit den langen Locken –<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Distel.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">– mit dem Loch im Socken.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Gänseblümchen.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Oh wie reizend!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Klatschrose.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Alltäglich kläglich mit Gefühl<br /></span> -<span class="i10">In ihrer Nähe<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_88">[88]</a></span> -<span class="i0">Entlockt er seinem Saitenspiel<br /></span> -<span class="i0">Lieblich Getön<br /></span> -<span class="i0">Und singt so schön –<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Distel.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">– wie 'ne Mantelkrähe.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Klatschrose.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Zum Beispiel, noch gestern – –<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Lilie</em> (<span class="smaller">sanft</span>).</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Geliebte Schwestern! –<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Frau Ehrenpreis.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ihr Muster der Milde!<br /></span> -<span class="i0">Ihr Tugendgebilde!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Lilie.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Wen sollte der festliche Tag nicht rühren!<br /></span> -<span class="i0">Ich denke doch – –<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Levkoje</em>, <em class="gesperrt">Tulpe</em>, <em class="gesperrt">Päonie</em>, <em class="gesperrt">Flox</em> etc.</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ja ja, wir alle gratuliren!!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Frau Ehrenpreis.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ein Schöngeist blüht in unsrer Mitte,<br /></span> -<span class="i0">Ein hochgeschickter –<br /></span> -<span class="i0">Fräulein Federnelke –<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Federnelke.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i10">Oh, bitte!<br /></span> -</div></div> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_89">[89]</a></span></p> -<p><em class="gesperrt">Distel</em> (<span class="smaller">für sich</span>).</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Blaustrumpf, verrückter!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Frau Ehrenpreis.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">– – Federnelke, die wundersame,<br /></span> -<span class="i0">So lautet ihr holder botanischer Name.<br /></span> -<span class="i0">Vielleicht läßt sie sich freundlich erweichen<br /></span> -<span class="i0">Und schreibt und dichtet ein Billet,<br /></span> -<span class="i0">Duftend, geistvoll und nett.<br /></span> -<span class="i0">Das möge dann die dienende Biene,<br /></span> -<span class="i0">Unsere süße geflügelte Schleckerkathrine,<br /></span> -<span class="i0">Hinschwebend im frühesten Morgenwind,<br /></span> -<span class="i0">Dem hohen Geburtstagskind<br /></span> -<span class="i0">Ehrfurchtsvoll sumsend überreichen.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Gänseblümchen.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Oh wie reizend!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Federnelke</em> (<span class="smaller">schreibt und liest</span>).</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Veredelte Rose und Nachbarin!<br /></span> -<span class="i0">»Nehmet dies Brieflein gnädig hin,<br /></span> -<span class="i0">»Sintemalen dasselbe geschrieben<br /></span> -<span class="i0">»Von allerlei Pflanzen, welche Euch lieben.<br /></span> -<span class="i0">»Verleihe der Himmel Euer Gnaden<br /></span> -<span class="i0">»Beständig ein sanftes Sonnenlicht<br /></span> -<span class="i0">»Und frischen Thau und meinetwegen<br /></span> -<span class="i0">»Auch hie und da ein wenig Regen,<br /></span> -<span class="i0">»Nur Sturmwind nicht,<br /></span> -<span class="i0">»Denn dieser thut der Schönheit Schaden.<br /></span> -<span class="i4">»Ergebenst mit Herz und Honigmund<br /></span> -<span class="i4">»Das Blumenkränzchen: Tugendbund.«<br /></span> -</div></div> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_90">[90]</a></span></p> -<p><em class="gesperrt">Gänseblümchen.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Oh wie reizend!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Federnelke.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ich denke, es macht sich so!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Alle.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Bravo bravissimo!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Mond.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Noch 'n Täßchen Thee gefällig?<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Levkoje.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ich trank schon drei.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Flox.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i10">Ich fünf.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Tulpe.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i12">Ich acht.<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Päonie.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Mein Mieder kracht!<br /></span> -</div></div> - -<p><em class="gesperrt">Alle.</em></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Gute Nacht, gute Nacht!<br /></span> -</div></div> - -<div class="blockquot"> - -<p>(Die Blumen nicken. Der Mond geht unter. Der Poet, nachdem er -noch einen Blick in die Nacht hinaus gebohrt, schließt leise das Fenster.)</p></div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_91">[91]</a></span></p> - -<h2 id="Peinlich_beruhrt">Peinlich berührt.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Im Dorfe wohnt ein Vetter,<br /></span> -<span class="i2">Der gut versichert war<br /></span> -<span class="i0">Vor Brand und Hagelwetter<br /></span> -<span class="i2">Nun schon im zehnten Jahr.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Doch nie seit dazumalen<br /></span> -<span class="i2">Ist ein Malör passiert,<br /></span> -<span class="i0">Und so für nichts zu zahlen,<br /></span> -<span class="i2">Hat peinlich ihn berührt.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Jetzt, denkt er, überlasse<br /></span> -<span class="i2">Dem Glück ich Feld und Haus.<br /></span> -<span class="i0">Ich pfeife auf die Kasse.<br /></span> -<span class="i2">Und schleunig trat er aus.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Oweh, nach wenig Tagen<br /></span> -<span class="i2">Da hieß es: Zapperment!<br /></span> -<span class="i0">Der Weizen ist zerschlagen<br /></span> -<span class="i2">Und Haus und Scheune brennt.<br /></span> -</div><div class="stanza"> -<span class="i0">Ein Narr hat Glück in Masse,<br /></span> -<span class="i2">Wer klug, hat selten Schwein.<br /></span> -<span class="i0">Und schleunig in die Kasse<br /></span> -<span class="i2">Trat er halt wieder ein.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_92">[92]</a></span></p> - -<h2 id="Das_traurige_Roslein">Das traurige Röslein.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ein Röslein war gar nicht munter,<br /></span> -<span class="i0">Weil es im Topfe stand,<br /></span> -<span class="i0">Sah immer traurig hinunter<br /></span> -<span class="i0">Auf die Blumen im freien Land.<br /></span> -<span class="i2">Die Blumen nicken und winken.<br /></span> -<span class="i2">Wie ist es im Freien so schön<br /></span> -<span class="i2">Zu tanzen und Thau zu trinken<br /></span> -<span class="i2">Bei lustigem Windeswehn.<br /></span> -<span class="i2">Von bunten Schmetterlingen<br /></span> -<span class="i2">Umgaukelt, geschmeichelt, geküßt;<br /></span> -<span class="i2">Dazwischen der Vöglein Singen<br /></span> -<span class="i2">Anmuthig zu hören ist.<br /></span> -<span class="i2">Wir preisen dich und loben<br /></span> -<span class="i2">Dich, fröhliche Sommerzeit;<br /></span> -<span class="i2">Ach, Röslein am Fenster droben<br /></span> -<span class="i2">Du thust uns auch gar zu leid.<br /></span> -<span class="i0">Da ist ins Land gekommen<br /></span> -<span class="i0">Der Winter mit seiner Noth.<br /></span> -<span class="i0">In Schnee und Frost verklommen<br /></span> -<span class="i0">Die Blumen sind alle todt.<br /></span> -<span class="i0">Ein Mägdlein hört es stürmen,<br /></span> -<span class="i0">Macht fest das Fenster zu.<br /></span> -<span class="i0">Jetzt will ich dich pflegen und schirmen,<br /></span> -<span class="i0">Du liebes Röslein du.<br /></span> -</div></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_93">[93]</a></span></p> - -<h2 id="Der_Thurmer">Der Thürmer.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i2">Der Thürmer steht auf hohem Söller<br /></span> -<span class="i0">Und raucht sein Pfeifchen echten Kneller,<br /></span> -<span class="i0">Wobei der alte Invalid<br /></span> -<span class="i0">Von oben her die Welt besieht.<br /></span> -<span class="i2">Es kommt der Sommer allgemach.<br /></span> -<span class="i0">Die Schwalben fliegen um das Dach,<br /></span> -<span class="i0">Derweil schon manche stillbeglückt<br /></span> -<span class="i0">Im Neste sitzt und fleißig drückt.<br /></span> -<span class="i0">Zugleich tritt aus dem Gotteshaus<br /></span> -<span class="i0">Ein neuvermähltes Paar heraus,<br /></span> -<span class="i0">Das darf sich nun in allen Ehren<br /></span> -<span class="i0">Getreulich lieben und vermehren. –<br /></span> -<span class="i2">Der Sommer kam, und allenthalben<br /></span> -<span class="i0">Schwebt ungezählt das Heer der Schwalben,<br /></span> -<span class="i0">Die, wenn sie flink vorüberflitzen,<br /></span> -<span class="i0">Des Thürmers alten Hut beschmitzen.<br /></span> -<span class="i0">Vom Platze unten tönt Juchhei,<br /></span> -<span class="i0">Die Klosterschüler haben frei,<br /></span> -<span class="i0">Sie necken, schrecken, jagen sich,<br /></span> -<span class="i0">Sie schlagen und vertragen sich<br /></span> -<span class="i0">Und grüßen keck mit Hohngelächter<br /></span> -<span class="i0">Des Thurmes hochgestellten Wächter. –<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_94">[94]</a></span> -<span class="i2">Der Sommer ging, die Schwalben setzen<br /></span> -<span class="i0">Sich auf das Kirchendach und schwätzen.<br /></span> -<span class="i0">Sie warten, bis der Abend da,<br /></span> -<span class="i0">Dann flogen sie nach Afrika.<br /></span> -<span class="i0">Doch unten, wo die Fackeln scheinen,<br /></span> -<span class="i0">Begraben sie mal wieder Einen<br /></span> -<span class="i0">Und singen ihm nach frommer Weise<br /></span> -<span class="i0">Ein Lebewohl zur letzten Reise.<br /></span> -<span class="i2">Bedenklich schaut der Thürmer drein.<br /></span> -<span class="i0">Still geht er in sein Kämmerlein<br /></span> -<span class="i0">Zu seinem großen Deckelkrug,<br /></span> -<span class="i0">Und als die Glocke zehne schlug,<br /></span> -<span class="i0">Nahm er das Horn mit frischem Muth<br /></span> -<span class="i0">Und blies ein kräftiges Tuhuht.<br /></span> -</div></div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_95">[95]</a></span></p> - -<h2 id="Buch_des_Lebens">Buch des Lebens.</h2> -</div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Haß, als minus und vergebens,<br /></span> -<span class="i0">Wird vom Leben abgeschrieben.<br /></span> -<span class="i0">Positiv im Buch des Lebens<br /></span> -<span class="i0">Steht verzeichnet nur das Lieben.<br /></span> -<span class="i0">Ob ein Minus oder Plus<br /></span> -<span class="i0">Uns verblieben, zeigt der Schluß.<br /></span> -</div></div> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/illu-105.png" alt="Dekoration" /> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<div class="figcenter"> -<img src="images/illu-106a.png" alt="Dekoration" /> -</div> -</div> -<p class="center">Von diesem Buche ist zugleich mit dieser Ausgabe auch</p> - -<p class="center"> -<em class="u">eine Luxusausgabe<br /> -in 1200 numerirten Exemplaren erschienen</em>. -</p> - -<p>Sie ist auf handgeschöpftes Büttenpapier gedruckt, in -Leder gebunden und kostet Mk. 8.–.</p> - -<p class="center">Im September 1908 erschien im gleichen Verlage:</p> - -<p class="h2">»Hernach«</p> - -<p class="center smaller">von</p> - -<p class="center larger">Wilhelm Busch.</p> - -<p class="center">Ein stattlicher Band mit 95 zum Theil farbigen Zeichnungen -nebst Versen.</p> - -<div class="hang"> -<p><em class="antiqua">A.</em> <span class="larger">Facsimile-Ausgabe</span> in 1000 numerirten Exemplaren, -die Zeichnungen in Lichtdruck, die Texte in des Dichters -Handschrift reproduzirt, auf 60 Cartons gelegt. Gebunden -in Kalbleder</p> - -<p class="right"> -Preis Mk. 16.–.</p> - -<p><em class="antiqua">B.</em> <span class="larger">Gewöhnliche Ausgabe</span>, in Buchdruck hergestellt -auf starkem, getöntem Papier. In Leinwand gebunden</p> -<p class="right"> -Preis Mk. 5.–.</p></div> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/illu-106b.png" alt="Dekoration" /> -</div> -<hr class="chap" /> - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Schein und Sein, by Wilhelm Busch - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHEIN UND SEIN *** - -***** This file should be named 60522-h.htm or 60522-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/0/5/2/60522/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - - -</pre> - -</body> -</html> diff --git a/old/60522-h/images/cover.jpg b/old/60522-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 6957579..0000000 --- a/old/60522-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/60522-h/images/illu-004.jpg b/old/60522-h/images/illu-004.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 382f96c..0000000 --- a/old/60522-h/images/illu-004.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/60522-h/images/illu-007.png b/old/60522-h/images/illu-007.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 597e9a9..0000000 --- a/old/60522-h/images/illu-007.png +++ /dev/null diff --git a/old/60522-h/images/illu-009.png b/old/60522-h/images/illu-009.png Binary files differdeleted file mode 100644 index e7b82c0..0000000 --- a/old/60522-h/images/illu-009.png +++ /dev/null diff --git a/old/60522-h/images/illu-011.jpg b/old/60522-h/images/illu-011.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 5e6f022..0000000 --- a/old/60522-h/images/illu-011.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/60522-h/images/illu-105.png b/old/60522-h/images/illu-105.png Binary files differdeleted file mode 100644 index dde29b0..0000000 --- a/old/60522-h/images/illu-105.png +++ /dev/null diff --git a/old/60522-h/images/illu-106a.png b/old/60522-h/images/illu-106a.png Binary files differdeleted file mode 100644 index d61a310..0000000 --- a/old/60522-h/images/illu-106a.png +++ /dev/null diff --git a/old/60522-h/images/illu-106b.png b/old/60522-h/images/illu-106b.png Binary files differdeleted file mode 100644 index a67f553..0000000 --- a/old/60522-h/images/illu-106b.png +++ /dev/null diff --git a/old/60522-h/images/signet.png b/old/60522-h/images/signet.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 5b91102..0000000 --- a/old/60522-h/images/signet.png +++ /dev/null |
