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+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
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-The Project Gutenberg EBook of Schein und Sein, by Wilhelm Busch
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll
-have to check the laws of the country where you are located before using
-this ebook.
-
-
-
-Title: Schein und Sein
- Nachgelassene Gedichte
-
-Author: Wilhelm Busch
-
-Release Date: October 19, 2019 [EBook #60522]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHEIN UND SEIN ***
-
-
-
-
-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net
-
-
-
-
-
-
-
-
-
- Anmerkungen zur Transkription.
-
-
- Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text
- ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist
- ~so markiert~.
-
-
-
-
-Schein und Sein
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
- Wilhelm Busch
-
- Schein und Sein
-
- Nachgelassene Gedichte
-
- [Illustration]
-
- Zweite Auflage
-
- München
-
- Lothar Joachim Verlag
-
- 1909
-
-
-
-
-~Published April 15 1909, Privilege of Copyright in the U. S. reserved
-by Lothar Joachim, Munich under the Act approved March 3 1905.~
-
-
-Alle Rechte vorbehalten.
-
-
-
-
-Inhalts-Verzeichnis.
-
-[Illustration]
-
-
- Seite
-
- Schein und Sein 1
- 1899
-
- Woher, wohin? 2
- 1899
-
- Der Stern 3
-
- Leider! 4
-
- Selbstgefällig 5
-
- Zum Geburtstag im Juni 6
-
- Unbeliebtes Wunder 9
- 1895
-
- Waldfrevel 12
- 1899
-
- Abschied 13
-
- Der Renommist 14
- 1899
-
- Doppelte Freude 16
- 1899
-
- So und So 17
- 1899
-
- Greulig 18
- 1899
-
- Empfehlung 19
- 1899
-
- Zum Geburtstag 20
- 1898
-
- Modern 22
- 1899
-
- Der fremde Hund 23
- 1899
-
- So war's 24
- 1899
-
- Die Nachbarskinder 25
- 1899
-
- Von selbst 26
- 1899
-
- Beneidenswerth 27
- 1899
-
- Auch er 28
- 1899
-
- Die alte Sorge 29
- 1899
-
- Eitelkeit 30
- 1899
-
- Gedankenvoll 31
-
- Vielleicht 33
- 1899
-
- Niemals 34
- 1899
-
- Wanderlust 35
- 1899
-
- Beruhigt 36
- 1899
-
- Fehlgeschossen 37
- 1899
-
- Unbillig 38
- 1899
-
- Er ist mal so 39
- 1899
-
- Verzeihlich 40
- 1899
-
- Befriedigt 41
- 1899
-
- Gestört 42
- 1899
-
- Armer Haushalt 43
- 1899
-
- Ärgerlich 44
- 1899
-
- Gedrungen 45
- 1899
-
- Im Sommer 46
- 1899
-
- Künftig 47
- 1899
-
- Vergeblich 48
- 1899
-
- Versäumt 49
- 1899
-
- Wassermuhmen 50
- 1899
-
- Das Blut 51
- 1899
-
- So nicht 52
- 1899
-
- Laß ihn 53
- 1899
-
- Bis auf weiters 54
- 1899
-
- Gründer 55
- 1899
-
- Entrüstet 56
- 1899
-
- Wiedergeburt 58
- 1899
-
- Frisch gewagt 59
- 1899
-
- Glückspilz 60
- 1899
-
- Immerfort 61
- 1899
-
- Verfrüht 62
- 1899
-
- Nörgeln 63
- 1899
-
- Vertraut 64
- 1900
-
- Tröstlich 65
- 1900
-
- Unfrei 66
- 1900
-
- Zwei Jungfern 67
- 1900
-
- Unbequem 68
- 1900
-
- Rechthaber 69
- 1900
-
- Bös und gut 70
- 1902
-
- Immerhin 71
- 1905
-
- Erbauliche Bescheidenheit 73
- 1906
-
- Ich bin Papa 74
- 1907
-
- Gründliche Heilung 76
- 1907
-
- Frühlingslied 78
- 1907
-
- Zu Neujahr 80
- 1907
-
- In trauter Verborgenheit 81
- 1907
-
- Was Großmütterlein sang 83
-
- Am Vorabend von Rosens
- Geburtstag 85
- 1893
-
- Peinlich berührt 91
- 1907
-
- Das traurige Röslein 92
-
- Der Thürmer 93
- 1907
-
- Buch des Lebens 95
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Schein und Sein.
-
-
-[Illustration: Faksimile]
-
- Mein Kind, es sind allhier die Dinge,
- Gleichviel, ob große, ob geringe,
- Im Wesentlichen so verpackt,
- Daß man sie nicht wie Nüsse knackt.
-
- Wie wolltest du dich unterwinden,
- Kurzweg die Menschen zu ergründen.
- Du kennst sie nur von außerwärts.
- Du siehst die Weste, nicht das Herz.
-
- W. B.
- 1899.
-
-
-
-
-Woher, wohin?
-
-
- Wo sich Ewigkeiten dehnen,
- Hören die Gedanken auf,
- Nur der Herzen frommes Sehnen
- Ahnt, was ohne Zeitenlauf.
-
- Wo wir waren, wo wir bleiben,
- Sagt kein kluges Menschenwort;
- Doch die Grübelgeister schreiben:
- Bist du weg, so bleibe fort.
-
- Laß dich nicht auf's Neu gelüsten.
- Was geschah, es wird geschehn.
- Ewig an des Lebens Küsten
- Wirst du scheiternd untergehn.
-
-
-
-
-Der Stern.
-
-
- Hätt Einer auch fast mehr Verstand,
- Als wie die drei Weisen aus Morgenland,
- Und ließe sich dünken, er wär wohl nie
- Dem Sternlein nachgereist, wie sie;
- Dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
- Seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt,
- Fällt auch auf sein verständig Gesicht,
- Er mag es merken oder nicht,
- Ein freundlicher Strahl
- Des Wundersternes von dazumal.
-
-
-
-
-Leider!
-
-
- So ist's in alter Zeit gewesen,
- So ist es, fürcht ich, auch noch heut.
- Wer nicht besonders auserlesen,
- Dem macht die Tugend Schwierigkeit.
-
- Aufsteigend mußt du dich bemühen,
- Doch ohne Mühe sinkest du.
- Der liebe Gott muß immer ziehen,
- Dem Teufel fällt's von selber zu.
-
-
-
-
-Selbstgefällig.
-
-
- Mein Büdelein
- Is noch so tlein,
- Is noch so dumm,
- Ein ames Wum,
- Muß tille liegen
- In seine Wiegen
- Und hat noch keine Hos'.
- Ätsch, ätsch!
- Und ich bin schon so goß.
-
-
-
-
-Zum Geburtstag im Juni.
-
-
- Den Jahreszeiten allen
- Selbviert sei Preis und Ehr!
- Nur sag ich: Mir gefallen
- Sie minder oder mehr.
-
- Der Frühling wird ja immer
- Gerühmt, wie sich's gebührt,
- Weil er mit grünem Schimmer
- Die graue Welt verziert.
-
- Doch hat in unsrer Zone
- Er durch den Reif der Nacht
- Schon manche grüne Bohne
- Und Gurke umgebracht.
-
- Stets wird auch Ruhm erwerben
- Der Herbst, vorausgesetzt,
- Daß er mit vollen Körben
- Uns Aug und Mund ergötzt.
-
- Indeß durch leises Tupfen
- Gemahnt er uns bereits:
- Bald, Kinder, kommt der Schnupfen
- Und's Gripperl seinerseits.
-
- Der Winter kommt. Es blasen
- Die Winde scharf und kühl;
- Roth werden alle Nasen,
- Und Kohlen braucht man viel.
-
- Nein, mir gefällt am besten
- Das, was der Sommer bringt,
- Wenn auf belaubten Ästen
- Die Schaar der Vöglein singt.
-
- Wenn Rosen, zahm und wilde,
- In vollster Blüthe stehn,
- Wenn über Lustgefilde
- Zephire kosend wehn.
-
- Und wollt' mich Einer fragen,
- Wann's mir im Sommer dann
- Besonders thät behagen,
- Den Juni gäb ich an.
-
- Und wieder dann darunter
- Den selben Tag gerad,
- Wo einst ein Kindlein munter
- Zuerst zu Tage trat.
-
- Drum flattert dies Gedichtchen
- Jetzt über Berg und Thal
- Und grüßt das liebe Nichtchen
- Vom Onkel tausendmal.
-
-
-
-
-Unbeliebtes Wunder.
-
-
- In Tours, zu Martin Bischofs Zeit,
- Gab's Krüppel viel und Bettelleut.
- Darunter auch ein Ehepaar,
- Was glücklich und zufrieden war.
- Er, sonst gesund, war blind und stumm;
- Sie sehend, aber lahm und krumm
- An jedem Glied, bis auf die Zunge
- Und eine unverletzte Lunge.
- Das paßte schön. Sie reitet ihn
- Und, selbstverständlich, leitet ihn
- Als ein geduldig Sattelthier,
- Sie obenauf, er unter ihr,
- Ganz einfach mit geringer Müh,
- Bloß durch die Worte Hott und Hüh,
- Bald so bald so, vor allen Dingen
- Dahin, wo grad die Leute gingen.
- Fast Jeder, der's noch nicht gesehn,
- Bleibt unwillkürlich stille stehn,
- Ruft: »Liebergott, was ist denn das?«
- Greift in den Sack, giebt ihnen Was
- Und denkt noch lange gern und heiter
- An dieses Roß und diesen Reiter.
- So hätten denn gewiß die zwei
- Durch fortgesetzte Bettelei,
- Vereint in solcherlei Gestalt,
- Auch ferner ihren Unterhalt,
- Ja, ein Vermögen, sich erworben,
- Wär' Bischof Martin nicht gestorben.
- Als dieser nun gestorben war,
- Legt man ihn auf die Todtenbahr
- Und thät' ihn unter Weheklagen
- Fein langsam nach dem Dome tragen
- Zu seiner wohlverdienten Ruh.
- Und sieh, ein Wunder trug sich zu.
- Da, wo der Zug vorüber kam,
- Wer irgend blind, wer irgend lahm,
- Der fühlte sich sogleich genesen,
- Als ob er niemals krank gewesen.
- Oh, wie erschrak die lahme Frau!
- Von weitem schon sah sie's genau,
- Weil sie hoch oben, wie gewohnt,
- Auf des Gemahles Rücken thront.
- »Lauf, rief sie, laufe schnell von hinnen,
- Damit wir noch beizeit entrinnen.«
- Er läuft, er stößt an einen Stein,
- Er fällt und bricht beinah ein Bein.
- Die Prozession ist auch schon da.
- Sie zieht vorbei. Der Blinde sah,
- Die Lahme, ebenfalls kuriert,
- Kann gehn, als wie mit Öl geschmiert,
- Und beide sind wie neu geboren
- Und kratzen sich verdutzt die Ohren.
- Jetzt fragt es sich: Was aber nun?
- Wer leben will, der muß was thun.
- Denn wer kein Geld sein eigen nennt
- Und hat zum Betteln kein Talent
- Und hält zum Stehlen sich zu fein
- Und mag auch nicht im Kloster sein,
- Der ist fürwahr nicht zu beneiden.
- Das überlegten sich die Beiden.
- Sie, sehr begabt, wird eine fesche
- Gesuchte Plätterin der Wäsche.
- Er, mehr beschränkt, nahm eine Axt
- Und spaltet Klötze, daß es knackst,
- Von morgens früh bis in die Nacht.
- Das hat Sankt Martin gut gemacht.
-
-
-
-
-Waldfrevel.
-
-
- Ein hübsches Pärchen ging einmal
- Tief in des Waldes Gründe.
- Sie pflückte Beeren ohne Zahl,
- Er schnitt Was in die Rinde.
-
- Der pflichtgetreue Förster sieht's.
- Was sind das für Geschichten?
- Er zieht sein Buch, er nimmt Notiz
- Und wird den Fall berichten.
-
-
-
-
-Abschied.
-
-
- Die Bäume hören auf zu blühn,
- Mein Schatz will in die Fremde ziehn;
- Mein Schatz der sprach ein bittres Wort:
- Du bleibst nun hier, aber ich muß fort.
-
- Leb wohl, mein Schatz, ich bleib dir treu,
- Wo du auch bist, wo ich auch sei.
- Bei Regen und bei Sonnenschein,
- So lang ich lebe, gedenk ich dein.
-
- So lang ich lebe, lieb ich dich,
- Und wenn ich sterbe, bet für mich,
- Und wenn du kommst zu meinem Grab,
- So denk, daß ich dich geliebet hab.
-
- Einst in München geschrieben als Ergänzung zu der letzten
- Strophe, die Freund Krempelsetzer, der das Ganze componirte aus
- dem Volksmunde behalten hatte.
-
-
-
-
-Der Renommist.
-
-
- In einem Winkel, genannt die Butze,
- Wo allerlei Kram,
- Der nichts mehr nutze,
- Zusammenkam;
- Bei alten Hüten, alten Vasen,
- Bei Töpfen, ohne Henkel und Nasen,
- Befand sich ein Reiterstiefel auch,
- Jetzt nur noch ein faltiger Lederschlauch.
- Großmächtig hat er das Wort geführt
- Und ganz gewaltiglich renommirt:
- »Ha, damals! Ich und mein Kamerad!
- Immer fein gewichst von hinten und vorn,
- Blitzblank der Sporn,
- Durch die Straßen geklirrt,
- Alle Herzen verwirrt,
- Es war ein Staat!
- Hurrah, der Krieg,
- Maustodt oder Sieg!
- Unser Herr Leutenant,
- Schneidig, Schwert in der Hand;
- Doch hätt ich nicht gespornt sein Pferd,
- Verloren wär die Schlacht von Wörth.«
- In dem Moment, zu aller Schrecke,
- Trat plötzlich hervor aus seiner Ecke
- Ein strammer Reiserbesen.
- »Hinaus! rief er, du alter Renommist!
- Was schert es uns, was du gewesen;
- Wir sehen, was du bist!« --
- Ein Schubbs. Ein Schwung.
- Der Stiefel liegt draußen auf dem Dung.
-
-
-
-
-Doppelte Freude.
-
-
- Ein Herr warf einem Bettelmann
- Fünf Groschen in den Felber.
- Das that dem Andern wohl, und dann
- That es auch wohl ihm selber.
-
- Der Eine, weil er gar so gut,
- Kann sich von Herzen loben;
- Der Andre trinkt sich frischen Muth
- Und fühlt sich auch gehoben.
-
-
-
-
-So und so.
-
-
- Zur Schenke lenkt mit Wohlbehagen
- Er jeden Abend seinen Schritt
- Und bleibt, bis daß die Lerchen schlagen.
- Er singt die letzte Strophe mit.
-
- Dagegen ist es zu beklagen,
- Daß er die Kirche nie betritt.
- Hier, leider, kann man niemals sagen:
- Er singt die letzte Strophe mit.
-
-
-
-
-Greulig.
-
-
- Er hatte, was sich nicht gehört,
- Drei Bräute an der Zahl
- Und nahm, nachdem er sie bethört,
- 'ne vierte zum Gemahl.
-
- Allein, es war ein kurzes Glück.
- Kaum waren sie getraut,
- So hat der Hund auch diesen Strick
- Schon wieder abgekaut.
-
-
-
-
-Empfehlung.
-
-
- Du bist nervös. Drum lies doch mal
- Das Buch, das man dir anempfahl.
- Es ist beinah, wie eine Reise
- Im alten wohlbekannten Gleise.
- Der Weg ist grad und flach das Land,
- Rechts, links und unten nichts wie Sand.
- Kein Räderlärm verbittert dich,
- Kein harter Stoß erschüttert dich,
- Und bald umfängt dich sanft und kühl
- Ein Kaumvorhandenseinsgefühl.
- Du bist behaglich eingenickt.
- Dann, wenn du angenehm erquickt,
- Kehrst du beim »stillen Wirthe« ein.
- Da giebt es weder Bier noch Wein.
- Du schlürfst ein wenig Äpfelmost,
- Ißt eine leichte Löffelkost
- Mit wenig Fett und vieler Grütze,
- Gehst früh zu Bett in spitzer Mütze
- Und trinkst zuletzt ein Gläschen Wasser.
- Schlaf wohl, und segne den Verfasser!
-
-
-
-
-Zum Geburtstag.
-
-
- Der Juni kam. Lind weht die Luft.
- Geschoren ist der Rasen.
- Ein wonnevoller Rosenduft
- Dringt tief in alle Nasen.
-
- Manch angenehmes Vögelein
- Sitzt flötend auf den Bäumen,
- Indeß die Jungen, zart und klein,
- Im warmen Neste träumen.
-
- Flugs kommt denn auch dahergerennt,
- Schon früh im Morgenthaue,
- Mit seinem alten Instrument
- Der Musikant, der graue.
-
- Im Juni, wie er das gewohnt,
- Besucht er einen Garten,
- Um der Signora, die da thront,
- Mit Tönen aufzuwarten.
-
- Er räuspert sich, er macht sich lang,
- Er singt und streicht die Fiedel,
- Er singt, was er schon öfter sang;
- Du kennst das alte Liedel.
-
- Und wenn du gut geschlafen hast
- Und lächelst hold hernieder,
- Dann kommt der Kerl, ich fürchte fast,
- Zum nächsten Juni wieder.
-
-
-
-
-Modern.
-
-
- Hinweg mit diesen alten Herrn,
- Sie sind zu nichts mehr nütz!
- So rufen sie und nähmen gern
- Das Erbe in Besitz.
-
- Wie andre Erben, die in Noth,
- Vergeblich warten sie.
- Der alte reiche Hoffetodt
- Der stirbt bekanntlich nie.
-
-
-
-
-Der fremde Hund.
-
-
- Was fällt da im Boskettgesträuch
- Dem fremden Hunde ein?
- Geht man vorbei, so bellt er gleich
- Und scheint wie toll zu sein.
-
- Der Gärtner holt die Flinte her.
- Es knallt im Augenblick.
- Der arme Hund, getroffen schwer,
- Wankt in's Gebüsch zurück.
-
- Vier kleine Hündchen liegen hier
- Nackt, blind und unbewußt.
- Sie saugen emsig alle vier
- An einer todten Brust.
-
-
-
-
-So war's.
-
-
- Der Theetopf war so wunderschön,
- Sie liebt ihn, wie ihr Leben.
- Sie hat ihm leider aus Versehn
- Den Todesstoß gegeben.
-
- Was sie für Kummer da empfand,
- Nie wird sie es vergessen.
- Sie hielt die Scherben an einand
- Und sprach: So hat's gesessen!
-
-
-
-
-Die Nachbarskinder.
-
-
- Wer Andern gar zu wenig traut,
- Hat Angst an allen Ecken;
- Wer gar zu viel auf Andre baut,
- Erwacht mit Schrecken.
-
- Es trennt sie nur ein leichter Zaun,
- Die beiden Sorgengründer;
- Zu wenig und zu viel Vertraun
- Sind Nachbarskinder.
-
-
-
-
-Von selbst.
-
-
- Spare deine guten Lehren
- Für den eigenen Genuß.
- Kaum auch wirst du Wen bekehren,
- Zeigst du, wie man's machen muß.
-
- Laß ihn im Galoppe tollen,
- Reite ruhig deinen Trab.
- Ein zu ungestümes Wollen
- Wirft von selbst den Reiter ab.
-
-
-
-
-Beneidenswerth.
-
-
- Sahst du noch nie die ungemeine
- Und hohe Kunstgelenkigkeit,
- Sowohl der Flügel, wie der Beine,
- Im Thierbereich mit stillem Neid?
-
- Sieh nur, wie aus dem Felsgeklüfte
- Auf seinen Schwingen wunderbar
- Bis zu den Wolken durch die Lüfte
- In stolzen Kreisen schwebt der Aar.
-
- Sieh nur das Thierchen, das geringe,
- Das zu benennen sich nicht ziemt,
- Es ist durch seine Meistersprünge,
- Wenn nicht beliebt, so doch berühmt.
-
- Leicht zu erlegen diese beiden,
- Das schlag dir lieber aus dem Sinn.
- Wer es versucht, der wird bescheiden,
- Sei's Jäger oder Jägerin.
-
-
-
-
-Auch er.
-
-
- Rührend schöne Herzgeschichten,
- Die ihm vor der Seele schweben,
- Weiß der Dichter zu berichten.
- Wovon aber soll er leben?
-
- Was er fein zusammen harkte,
- Sauber eingebundne Werklein,
- Führt er eben auch zu Markte,
- Wie der Bauer seine Ferklein.
-
-
-
-
-Die alte Sorge.
-
-
- Er kriegte Geld. Die Sorge wich
- Die ihn bisher beklommen.
- Er hat die Jungfer Fröhlich sich
- Zu seinem Schatz genommen.
-
- Sie tranken Wein, sie aßen fein,
- Sie sangen zum Klaviere;
- Doch wie sie sich so recht erfreun,
- Da klopft es an die Thüre.
-
- Die alte Sorge war's, oweh,
- Die magerste der Sorgen.
- Sie setzte sich in's Kanapee
- Und wünschte Gutenmorgen.
-
-
-
-
-Eitelkeit.
-
-
- Ein Töpfchen stand im Dunkeln
- An stillverborgener Stelle.
- Ha, rief es, wie wollt ich funkeln,
- Käm ich nur mal in's Helle.
-
- Ihm geht es, wie vielen Narren.
- Säß Einer auch hinten im Winkel,
- So hat er doch seinen Sparren
- Und seinen aparten Dünkel.
-
-
-
-
-Gedankenvoll.
-
-
- Ich weiß ein stilles Fensterlein
- Liegt heimlich und versteckt,
- Das hat mit Laub der grüne Wein
- Und Ranken überdeckt.
-
- Im Laube spielt der Sommerwind,
- Die Rebe schwankt und nickt,
- Dahinter sitzt ein hübsches Kind
- Gedankenvoll und stickt.
-
- Im jugendklaren Angesicht
- Blüht wundersüß der Mund
- Als wie ein Rosenknösplein licht
- Früh in der Morgenstund.
-
- Im Netzgeflecht das blonde Haar
- Umfaßt ein braunes Band,
- Das liebe blaue Augenpaar
- Blickt sinnend auf die Hand.
-
- Und's Köpfchen scheint so still zu sein.
- Ist doch ein Taubenschlag.
- Gedanken fliegen aus und ein
- Den lieben langen Tag.
-
- Sie fliegen über Wald und Flur
- In's weite Land hinaus.
- Ach, käm ein einzig Täubchen nur
- Und flöge in mein Haus.
-
-
-
-
-Vielleicht.
-
-
- Sage nie: Dann soll's geschehen!
- Öffne dir ein Hinterpförtchen
- Durch »Vielleicht«, das nette Wörtchen,
- Oder sag: Ich will mal sehen!
-
- Denk an des Geschickes Walten.
- Wie die Schiffer auf den Plänen
- Ihrer Fahrten stets erwähnen:
- Wind und Wetter vorbehalten!
-
-
-
-
-Niemals.
-
-
- Wonach du sehnlich ausgeschaut,
- Es wurde dir beschieden.
- Du triumphirst und jubelst laut:
- Jetzt hab ich endlich Frieden!
-
- Ach, Freundchen, rede nicht so wild,
- Bezähme deine Zunge.
- Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt,
- Kriegt augenblicklich Junge.
-
-
-
-
-Wanderlust.
-
-
- Die Zeit, sie orgelt emsig weiter,
- Sein Liedchen singt dir jeder Tag,
- Vermischt mit Tönen, die nicht heiter,
- Wo Keiner was von hören mag.
-
- Sie klingen fort. Und mit den Jahren
- Wird draus ein voller Singverein.
- Es ist, um aus der Haut zu fahren.
- Du möchtest gern wo anders sein.
-
- Nun gut. Du mußt ja doch verreisen.
- So fülle denn den Wanderschlauch.
- Vielleicht vernimmst du neue Weisen,
- Und Hühneraugen kriegst du auch.
-
-
-
-
-Beruhigt.
-
-
- Zwei mal zwei gleich vier ist Wahrheit.
- Schade, daß sie leicht und leer ist,
- Denn ich wollte lieber Klarheit
- Über das, was voll und schwer ist.
-
- Emsig sucht ich aufzufinden,
- Was im tiefsten Grunde wurzelt,
- Lief umher nach allen Winden
- Und bin oft dabei gepurzelt.
-
- Endlich baut ich eine Hütte.
- Still nun zwischen ihren Wänden
- Sitz ich in der Welten Mitte,
- Unbekümmert um die Enden.
-
-
-
-
-Fehlgeschossen.
-
-
- Fritz war ein kecker Junge
- Und sehr geläufig mit der Zunge.
- Einstmals ist er beim Ährenlesen
- Draußen im Felde gewesen,
- Wo die Weizengarben, je zu zehn,
- Wie Häuslein in der Reihe stehn.
- Ein Wetter zog herauf.
- Da heißt es: Lauf!
- Und flink, wie ein Mäuslein
- Schlüpft er in's nächste Halmenhäuslein.
- Krach! -- Potztausendnochmal!
- Dicht daneben zündet der Wetterstrahl.
- Ätsch! rief der Junge, der nicht bange,
- Und streckt die Zunge aus, die lange:
- Fehlgeschossen, Herr Blitz!
- Hier saß der Fritz!
-
-
-
-
-Unbillig.
-
-
- Nahmst du in diesem großen Haus
- Nicht selbst Quartier?
- Mißfällt es dir, so zieh doch aus.
- Wer hält dich hier?
-
- Und schimpfe auf die Welt, mein Sohn,
- Nicht gar zu laut.
- Eh du geboren, hast du schon
- Mit dran gebaut.
-
-
-
-
-Er ist mal so.
-
-
- Zwar mit seinem losen Mund
- Neigt er zum Krakeele.
- Dabei ist er doch im Grund
- Eine treue Seele.
-
- Die er seine Freunde nennt,
- Dulden seine Witze,
- Denn ein Jeder, der ihn kennt,
- Kennt auch seine Mütze.
-
-
-
-
-Verzeihlich.
-
-
- Er ist ein Dichter, also eitel.
- Und, bitte, nehmt es ihm nicht krumm,
- Zieht er aus seinem Lügenbeutel
- So allerlei Brimborium.
-
- Juwelen, Gold und stolze Namen,
- Ein hohes Schloß im Mondenschein
- Und schöne höchstverliebte Damen,
- Dies alles nennt der Dichter sein.
-
- Indessen ist ein enges Stübchen
- Sein ungeheizter Aufenthalt.
- Er hat kein Geld, er hat kein Liebchen,
- Und seine Füße werden kalt.
-
-
-
-
-Befriedigt.
-
-
- Er 'hört, als eines von den Lichtern,
- Die höher stets und höher steigen,
- Bereits zu unsern besten Dichtern,
- Das läßt sich leider nicht verschweigen.
-
- Was weiß man von den Sittenrichtern? --
- Er lebt von seiner Frau geschieden,
- Hat Schulden, ist nicht immer nüchtern --
- Aha, jetzt sind wir schon zufrieden!
-
-
-
-
-Gestört.
-
-
- Ich gedachte still zu sitzen,
- Doch sogleich begann das Treiben:
- Du mußt gehen, laufen, schwitzen,
- Um so forsch, wie wir, zu bleiben.
-
- Und sie wollten mir nach ihrer
- Mode keine Ruhe gönnen,
- Gleich wie Boten und Hausierer
- Sollt ich hin und wieder rennen.
-
- Ich besah mir diese Geister,
- Diese ungestümen Treiber.
- Oft sind solche weisen Meister
- Grad die ärgsten Klageweiber.
-
-
-
-
-Armer Haushalt.
-
-
- Weh, wer ohne rechte Mittel
- Sich der Poesie vermählt.
- Täglich dünner wird der Kittel,
- Und die Milch im Hause fehlt.
-
- Aengstlich schwitzend muß er sitzen,
- Fort ist seine Seelenruh,
- Und vergeblich an den Zitzen
- Zupft er seine magre Kuh.
-
-
-
-
-Ärgerlich.
-
-
- Aus der Mühle schaut der Müller,
- Der so gerne mahlen will.
- Stiller wird der Wind und stiller,
- Und die Mühle stehet still.
-
- So geht's immer, wie ich finde,
- Rief der Müller voller Zorn.
- Hat man Korn, so fehlt's am Winde,
- Hat man Wind, so fehlt das Korn.
-
-
-
-
-Gedrungen.
-
-
- Schnell wachsende Keime
- Welken geschwinde;
- Zu lange Bäume
- Brechen im Winde.
-
- Schätz nach der Länge
- Nicht das Entsprungne;
- Fest im Gedränge
- Steht das Gedrungne.
-
-
-
-
-Im Sommer.
-
-
- In Sommerbäder
- Reist jetzt ein jeder
- Und lebt famos.
- Der arme Docter,
- Zu hause hockt er
- Patientenlos.
-
- Von Winterscenen,
- Von schrecklich schönen,
- Träumt sein Gemüth,
- Wenn, Dank Ihr Götter,
- Bei Hundewetter
- Sein Weizen blüht.
-
-
-
-
-Künftig.
-
-
- Oh komm herbei, du goldne Zeit,
- Wenn alle, die jetzt bummeln,
- In schöner Unparteilichkeit
- Sich bei der Arbeit tummeln.
-
- Der Lärm, womit der Musikant
- Uns stört, wird dann geringer.
- Wer Dünger fuhr, wer Garben band,
- Dem krümmen sich die Finger.
-
-
-
-
-Vergeblich.
-
-
- Schon recht. Du willst als Philosoph
- Die Wahrheit dir gewinnen;
- Du machst mit Worten ihr den Hof,
- Um so sie einzuspinnen.
-
- Nur sage nicht, daß zwischen dir
- Und ihr schon alles richtig.
- Sie ist und bleibt, das wissen wir,
- Jungfräulich, keusch und züchtig.
-
-
-
-
-Versäumt.
-
-
- Zur Arbeit ist kein Bub geschaffen,
- Das Lernen findet er nicht schön;
- Er möchte träumen, möchte gaffen
- Und Vogelnester suchen gehn.
-
- Er liebt es, lang im Bett zu liegen.
- Und wie es halt im Leben geht:
- Grad zu den frühen Morgenzügen
- Kommt man am leichtesten zu spät.
-
-
-
-
-Wassermuhmen.
-
-
- In dem See die Wassermuhmen
- Wollen ihr Vergnügen haben,
- Fangen Mädchen sich und Knaben,
- Machen Frösche draus und Blumen.
-
- Wie die Blümlein zierlich knicksen,
- Wie die Fröschlein zärtlich quacken,
- Wie sie flüstern, wie sie schnacken,
- So was freut die alten Nixen.
-
-
-
-
-Das Blut.
-
-
- Wie ein Kranker, den das Fieber
- Heiß gemacht und aufgeregt,
- Sich herüber und hinüber
- Auf die andre Seite legt --
-
- So die Welt. Vor Haß und Hader
- Hat sie niemals noch geruht.
- Immerfort durch jede Ader
- Tobt das alte Sünderblut.
-
-
-
-
-So nicht.
-
-
- Um's Paradies ging eine Mauer
- Hübsch hoch vom besten Marmelstein.
- Der Kain, als ein Bub ein schlauer,
- Denkt sich: Ich komme doch hinein.
-
- Er stieg hinauf zu diesem Zwecke
- An einer Leiter mäuschenstumm.
- Da schlich der Teufel um die Ecke
- Und stieß ihn samt der Leiter um.
-
- Der Vater Adam, der's gesehen,
- Sprach, während er ihn liegen ließ:
- Du Schlingel! Dir ist recht geschehen.
- So kommt man nicht in's Paradies.
-
-
-
-
-Laß ihn.
-
-
- Er ist verliebt, laß ihn gewähren,
- Bekümmre dich um dein Pläsir,
- Und kommst du gar, ihn zu bekehren,
- Wirft er dich sicher vor die Thür.
-
- Mit Gründen ist da nichts zu machen.
- Was Einer mag, ist seine Sach,
- Denn kurz gesagt: In Herzenssachen
- Geht Jeder seiner Nase nach.
-
-
-
-
-Bis auf weiters.
-
-
- Das Messer blitzt, die Schweine schrein,
- Man muß sie halt benutzen,
- Denn Jeder denkt: Wozu das Schwein,
- Wenn wir es nicht verputzen?
-
- Und Jeder schmunzelt, Jeder nagt
- Nach Art der Kannibalen,
- Bis man dereinst Pfui Teufel! sagt
- Zum Schinken aus Westfalen.
-
-
-
-
-Gründer.
-
-
- Geschäftig sind die Menschenkinder,
- Die große Zunft von kleinen Meistern,
- Als Mitbegründer, Miterfinder
- Sich diese Welt zurecht zu kleistern.
-
- Nur leider kann man sich nicht einen,
- Wie man das Ding am besten mache.
- Das Bauen mit belebten Steinen
- Ist eine höchst verzwickte Sache.
-
- Welch ein Gedrängel und Getriebe
- Von Lieb und Haß bei Nacht und Tage,
- Und unaufhörlich setzt es Hiebe,
- Und unaufhörlich tönt die Klage.
-
- Gottlob, es giebt auch stille Leute,
- Die meiden dies Gewühl und hassen's
- Und bauen auf der andern Seite
- Sich eine Welt des Unterlassens.
-
-
-
-
-Entrüstet.
-
-
- Zu gräßlich hatt er mich geneckt.
- Wie weh war mir zu Sinn.
- Und tief gekränkt und aufgeschreckt
- Zum Kirchhof lief ich hin.
-
- Ich saß auf einem Leichenstein,
- Die Augen weint ich roth.
- Ach lieber Gott, erbarm dich mein
- Und mach mich endlich todt.
-
- Sieht er mich dann in meinem Sarg,
- So wird er lebenssatt
- Und stirbt vor Gram, weil er so arg
- Mein Herz behandelt hat.
-
- Kaum war's gesagt, so legten sich
- Zwei Arme um mich her,
- Und auf der Stelle fühlte ich,
- Wer das gethan, war er.
-
- Wir kehrten Arm in Arm zurück.
- Ich sah ihn an bei Licht.
- Nein, solchen treuen Liebesblick
- Hat doch kein Bösewicht.
-
-
-
-
-Wiedergeburt.
-
-
- Wer nicht will, wird nie zunichte,
- Kehrt beständig wieder heim.
- Frisch herauf zum alten Lichte
- Dringt der neue Lebenskeim.
-
- Keiner fürchte zu versinken,
- Der in's tiefe Dunkel fährt.
- Tausend Möglichkeiten winken
- Ihm, der gerne wiederkehrt.
-
- Dennoch seh ich dich erbeben,
- Eh du in die Urne langst.
- Weil dir bange vor dem Leben,
- Hast du vor dem Tode Angst.
-
-
-
-
-Frisch gewagt.
-
-
- Es kamen mal zwei Knaben
- An einen breiten Graben.
- Der erste sprang hinüber,
- Schlankweg je ehr je lieber.
- War das nicht keck?
- Der zweite, fein besonnen,
- Eh er das Werk begonnen,
- Sprang in den Dreck.
-
-
-
-
-Glückspilz.
-
-
- Geboren ward er ohne Wehen
- Bei Leuten, die mit Geld versehen.
- Er schwänzt die Schule, lernt nicht viel,
- Hat Glück bei Weibern und im Spiel,
- Nimmt eine Frau sich, eine schöne,
- Erzeugt mit ihr zwei kluge Söhne,
- Hat Appetit, kriegt einen Bauch,
- Und einen Orden kriegt er auch,
- Und stirbt, nachdem er aufgespeichert
- Ein paar Milliönchen, hochbetagt;
- Obgleich ein jeder weiß und sagt:
- Er war mit Dummerjan geräuchert!
-
-
-
-
-Immerfort.
-
-
- Das Sonnenstäubchen fern im Raume,
- Das Tröpfchen, das im Grase blinkt,
- Das dürre Blättchen, das vom Baume
- Im Hauch des Windes niedersinkt --
-
- Ein jedes wirkt an seinem Örtchen
- Still weiter, wie es muß und mag,
- Ja selbst ein leises Flüsterwörtchen
- Klingt fort bis an den jüngsten Tag.
-
-
-
-
-Verfrüht.
-
-
- Papa, nicht wahr,
- Im nächsten Jahr,
- Wenn ich erst groß
- Und lesen kann und schreiben kann,
- Dann krieg ich einen hübschen Mann
- Mit einer Ticktackuhr
- An einer goldnen Schnur.
- Der nimmt mich auf den Schooß
- Und sagt zu mir: Mein Engel,
- Und giebt mir Zuckerkrengel
- Und Kuchen und Pasteten.
- Nicht wahr, Papa?
- Der Vater brummt: Na na,
- Was ist das für Gefabel.
- Die Vögel, die dann flöten,
- Die haben noch keinen Schnabel.
-
-
-
-
-Nörgeln.
-
-
- Nörgeln ist das Allerschlimmste,
- Keiner ist davon erbaut;
- Keiner fährt, und wär's der Dümmste,
- Gern aus seiner werthen Haut.
-
-
-
-
-Vertraut.
-
-
- Wie liegt die Welt so frisch und thauig
- Vor mir im Morgensonnenschein.
- Entzückt vom hohen Hügel schau ich
- Ins frühlingsgrüne Thal hinein.
-
- Mit allen Kreaturen bin ich
- In schönster Seelenharmonie.
- Wir sind verwandt, ich fühl es innig,
- Und eben darum lieb ich sie.
-
- Und wird auch mal der Himmel grauer;
- Wer voll Vertraun die Welt besieht,
- Den freut es, wenn ein Regenschauer
- Mit Sturm und Blitz vorüberzieht.
-
-
-
-
-Tröstlich.
-
-
- Die Lehre von der Wiederkehr
- Ist zweifelhaften Sinns.
- Es fragt sich sehr, ob man nachher
- Noch sagen kann: Ich bins.
-
- Allein was thut's, wenn mit der Zeit
- Sich ändert die Gestalt?
- Die Fähigkeit zu Lust und Leid
- Vergeht wohl nicht so bald.
-
-
-
-
-Unfrei.
-
-
- Ganz richtig, diese Welt ist nichtig.
- Auch du, der in Person erscheint,
- Bist ebenfalls nicht gar so wichtig,
- Wie deine Eitelkeit vermeint.
-
- Was hilft es dir, damit zu prahlen,
- Daß du ein freies Menschenkind?
- Mußt du nicht pünktlich Steuern zahlen,
- Obwohl sie dir zuwider sind?
-
- Wärst du vielleicht auch, so zu sagen,
- Erhaben über gut und schlecht,
- Trotzdem behandelt dich dein Magen
- Als ganz gemeinen Futterknecht.
-
- Lang bleibst du überhaupt nicht munter.
- Das Alter kommt und zieht dich krumm
- Und stößt dich rücksichtslos hinunter
- Ins dunkle Sammelsurium.
-
- Daselbst umfängt dich das Gewimmel
- Der Unsichtbaren, wie zuerst,
- Eh du erschienst, und nur der Himmel
- Weiß, ob und wann du wiederkehrst.
-
-
-
-
-Zwei Jungfern.
-
-
- Zwei Jungfern giebt es in Dorf und Stadt,
- Sie leben beständig im Kriege,
- Die Wahrheit, die Niemand gerne hat,
- Und die scharmante Lüge.
-
- Vor jener, weil sie stolz und prüd
- Und voll moralischer Mücken,
- Sucht Jeder, der sie nur kommen sieht,
- Sich schleunigst weg zu drücken.
-
- Die andre, obwohl ihr nicht zu traun,
- Wird täglich beliebter und kecker,
- Und wenn wir sie von hinten beschaun,
- So hat sie einen Höcker.
-
-
-
-
-Unbequem.
-
-
- Ernst und dringend folgt mir eine
- Mahnung nach auf Schritt und Tritt:
- Sorge nicht nur für das Deine,
- Sondern für das Andre mit.
-
- Demnach soll ich unterlassen
- Was mir von Natur genehm,
- Um das Gute zu erfassen?
- Ei, das ist mal unbequem.
-
- Zu einem Wohlthätigkeitsbazar in Berlin geschickt.
- Dezember 1905.
-
-
-
-
-Rechthaber.
-
-
- Seine Meinung ist die rechte,
- Wenn er spricht, müßt ihr verstummen,
- Sonst erklärt er euch für Schlechte,
- Oder nennt euch gar die Dummen.
-
- Leider sind dergleichen Strolche
- Keine seltene Erscheinung.
- Wer nicht taub, der meidet solche
- Ritter von der eignen Meinung.
-
-
-
-
-Bös und gut.
-
-
- Wie kam ich nur aus jenem Frieden
- In's Weltgetös?
- Was einst vereint, hat sich geschieden,
- Und das ist bös.
-
- Nun bin ich nicht geneigt zum Geben,
- Nun heißt es: Nimm!
- Ja, ich muß tödten, um zu leben,
- Und das ist schlimm.
-
- Doch eine Sehnsucht blieb zurücke,
- Die niemals ruht.
- Sie zieht mich heim zum alten Glücke,
- Und das ist gut.
-
-
-
-
-Immerhin.
-
-
- Mein Herz, sei nicht beklommen,
- Noch wird die Welt nicht alt.
- Der Frühling ist wiedergekommen,
- Frisch grünt der deutsche Wald.
-
- Seit Ururvätertagen
- Stehen die Eichen am See,
- Die Nachtigallen schlagen,
- Zur Tränke kommt das Reh.
-
- Die Sonne geht auf und unter[1]
- Schon lange vieltausendmal,
- Noch immer eilen so munter
- Die Bächlein in's blühende Thal.
-
- Hier lieg ich im weichen Moose
- Unter dem rauschenden Baum,
- Die Zeit, die wesenlose,
- Verschwindet als wie ein Traum.
-
- Von kühlen Schatten umdämmert,
- Versink ich in selige Ruh;
- Ein Specht, der lustig hämmert,
- Nickt mir vertraulich zu.
-
- Mir ist, als ob er riefe:
- Heija, mein guter Gesell,
- Für ewig aus dunkler Tiefe
- Sprudelt der Lebensquell.
-
- [1] An Paul Lindau gegeben für Wilbrandts Gedenkbuch 1907.
-
-
-
-
-Erbauliche Bescheidenheit.
-
-
- Sehr schlecht befand sich Mutter Klöhn.
- Sie kann nicht gehn,
- Ist krumm und lahm
- Und liegt zubett und rührt sich nicht.
- Seit zwanzig Jahren hat sie schon die Gicht.
- Herr Küster Bötel, welcher häufig kam,
- Um gute Bessrung ihr zu wünschen,
- Erzählt ihr auch des weitern,
- Um sie ein wenig zu erheitern,
- Die Mordgeschichte, die man jüngst verbrochen.
- Ja, denken Sie nur mal,
- Der Präsident von Frankreich ist erstochen
- Von einem Strolch
- Mit einem Dolch.
- Ist das nicht ein Skandal?
- Oh, Lü und Kinners, rief sie voller Graun,
- Wat gift et doch vär Minschen.
- Sau wat könn _eck_ doch nich e daun!!
- Herr Bötel sprach und sah sie freundlich an:
- Dies Wort von Ihnen mag ich leiden.
- Ein guter Mensch ist niemals unbescheiden
- Und thut nicht mehr als was er kann.
- Adieu, Frau Klöhn!
- Auf fröhlich Wiedersehn!
-
-
-
-
-Ich bin Papa.
-
-
- Mitunter schwitzen muß der Schreiner,
- Er stößt auf manchen harten Ast.
- So geht es auch, wenn unsereiner
- Sich mit der Grübelei befaßt.
- Zum Glück hat meine gute Frau,
- Die liebevoll an alles denkt,
- Mir einen kleinen Fritz geschenkt,
- Denn oft erfreut mich dieser Knabe
- Durch seinen kindlichen Radau,
- Wenn ich so meine Schrullen habe.
- Heut mittag gab es wieder mal
- Mein Leibgericht, gespickten Aal,
- Und wie ich dann zur Körperpflege,
- Die Weste auf, die Augen zu,
- Die Hände friedlich auf dem Magen
- Im Polsterstuhl mich niederlege,
- Oh weh, ein Schwarm von dummen Fragen
- Verscheucht die heißersehnte Ruh.
- Ach, wird es mir denn niemals klar,
- Wo ich gewesen, eh ich war?
- Schwamm ich, verkrümelt in Atome,
- Gedankenlos im Wirbelstrome,
- Bis ich am Ende mich verdichtet
- Zu einer denkenden Person?
- Und jetzt, was hab ich ausgerichtet?
- Was war der Mühe karger Lohn?
- Das Geld ist rar, die Kurse sinken,
- Dagegen steigt der Preis der Schinken.
- Fast jeden Morgen klagt die Mutter:
- Ach Herr, wie theuer ist die Butter!
- Ja, selbst der Vater wird gerührt,
- Wenn er sein kleines Brödchen schmiert.
- Und doch, trotz dieser Seelenleiden,
- Will keiner gern von hinnen scheiden.
- Wer weiß?
- Ei sieh, wer kommt denn da?
- Hallo, der Fritz! Nun wird es heiter,
- Nun machen wir den Eselreiter.
- Flugs stell ich mich auf alle Viere,
- Indem ich auf und ab marschiere,
- Und rufe kräftig mein Ih -- ah!
- Vor Wähligkeit und Uebermuth.
- Ih -- ah! Die Welt ist nicht so übel.
- Wozu das närrische Gegrübel?
- Ich bin Papa, und damit gut.
-
-
-
-
-Gründliche Heilung.
-
-
- Es saß der fromme Meister
- Mit Weib und Kind bei Tisch.
- Ach, seine Lebensgeister
- Sind nicht wie sonst so frisch.
-
- Er sitzt mit krummem Nacken
- Vor seinem Leibgericht,
- Er hält sich beide Backen,
- Worin es heftig sticht.
-
- Das brennt wie heiße Kohlen.
- Au, schreit er, au, verdammt!
- Der Teufel soll sie holen,
- Die Zähne allesammt!
-
- Doch gleich, wie es in Nöthen
- Wohl öfter schon geschah,
- Begann er laut zu beten:
- Hilf, Apollonia!
-
- Kaum daß aus voller Seele
- Er diesen Spruch gethan,
- Fällt aus des Mundes Höhle
- Ihm plötzlich jeder Zahn.
-
- Und schmerzlos, Dank dem Himmel,
- Schmaust er, wie sonst der Brauch,
- Nur war es mehr Gemümmel,
- Und lispeln thät er auch.
-
- Pohsit! Wie klingt so niedlich
- Des Meisters Säuselton.
- Er trank, entschlummert friedlich,
- Und horch, da schnarcht er schon.
-
- 3. August 1907 an die »Lustige Woche« gegeben.
-
-
-
-
-Frühlingslied.
-
-
- In der Laube von Syringen,
- Oh, wie ist der Abend fein.
- Brüder, laßt die Gläser klingen,
- Angefüllt mit Maienwein.
-
- Heija, der frische Mai
- Er bringt uns mancherlei.
- Das Schönste aber hier auf Erden
- Ist lieben und geliebt zu werden,
- Heija, im frischen Mai.
-
- Ueber uns die lieben Sterne
- Blinken hell und frohgemuth,
- Denn sie sehen schon von ferne,
- Auch hier unten geht es gut.
-
- Wer sich jetzt bei trüber Kerzen
- Der Gelehrsamkeit befleißt,
- Diesem wünschen wir von Herzen,
- Daß er bald Professor heißt.
-
- Wer als Wein- und Weiberhasser
- Jedermann im Wege steht,
- Der genieße Brod und Wasser,
- Bis er endlich in sich geht.
-
- Wem vielleicht sein altes Hannchen
- Irgendwie abhanden kam,
- Nur getrost, es gab schon Manchen,
- Der ein neues Hannchen nahm.
-
- Also, eh der Mai zu Ende,
- Aufgeschaut und umgeblickt,
- Keiner, der nicht eine fände,
- Die ihn an ihr Herze drückt.
-
- Jahre steigen auf und nieder;
- Aber, wenn der Lenz erblüht,
- Dann, ihr Brüder, immer wieder
- Töne unser Jubellied.
-
- Heija, der frische Mai,
- Er bringt uns mancherlei,
- Das Schönste aber hier auf Erden
- Ist lieben und geliebt zu werden,
- Heija, im frischen Mai.
-
-
-
-
-Zu Neujahr.
-
-
- Will das Glück nach seinem Sinn
- Dir was Gutes schenken,
- Sage Dank und nimm es hin
- Ohne viel Bedenken.
-
- Jede Gabe sei begrüßt,
- Doch vor allen Dingen:
- Das, warum du dich _bemühst_,
- Möge dir gelingen.
-
-
-
-
-In trauter Verborgenheit.
-
-
- Ade, ihr Sommertage,
- Wie seid ihr so schnell enteilt,
- Gar mancherlei Lust und Plage
- Habt ihr uns zugetheilt.
-
- Wohl war es ein Entzücken,
- Zu wandeln im Sonnenschein,
- Nur die verflixten Mücken
- Mischten sich immer darein.
-
- Und wenn wir auf Waldeswegen
- Dem Sange der Vögel gelauscht,
- Dann kam natürlich ein Regen
- Auf uns hernieder gerauscht.
-
- Die lustigen Sänger haben
- Nach Süden sich aufgemacht,
- Bei Tage krächzen die Raben,
- Die Käuze schreien bei Nacht.
-
- Was ist das für Gesause!
- Es stürmt bereits und schneit.
- Da bleiben wir zwei zuhause
- In trauter Verborgenheit.
-
- Kein Wetter kann uns verdrießen.
- Mein Liebchen, ich und du,
- Wir halten uns warm und schließen
- Hübsch feste die Thüren zu.
-
-
-
-
-Was das Großmütterlein sang.
-
-
- Surre surre surre!
- Mein gutes Rädchen schnurre!
- Für unser kleines Kätchen
- Dreh mir ein feines Fädchen
- So lang von hier bis Köllen
- Wohl mehr als tausend Ellen.
- Wir wollen es winden
- Und Docken von binden,
- Meister Weber es geben,
- Soll Leinen uns weben,
- Das breiten wir beide
- Auf blumige Heide
- Auf Anger und Wiesen
- Und wollen es sonnen
- Benetzen und gießen
- Aus Bächen und Bronnen.
- Ach, komm du lieber Sonnenschein
- Und bleiche unser Leinen rein.
- Dann kriegt mein Herzenstäubchen
- Wohl manch ein feines Hemd
- Und Tüchlein oder Häubchen,
- Bis daß der Freier kömmt.
- Schön guten Tag, Herr Freiersmann!
- Was schaut er so mein Kätchen an?
- Das Kätchen geben wir nicht her,
- Und wenn's für Tausend Thaler wär.
- Ei, Mutter, nur nicht gleich geschmält!
- Den hübschen jungen Knaben
- Den will und muß ich haben;
- Den Krauskopf, den Krauskopf
- Hab ich mir auserwählt.
- Und willst du denn ein Bräutchen sein,
- So geb ich meinen Segen drein.
- So manches Blümlein wachsen mag
- Von Ostern bis Michelistag,
- So manches Körnlein, als man sät,
- So mancher Halm in Aehren steht,
- So vielmal Gutes wünsch ich dir
- Aus meines Herzens Grund herfür.
- Und wenn die Pfeifen klingen,
- Dann tanzen wir und springen;
- Dann spring ich wohl und tanz ich
- Von Danzig bis nach Nanzig --
- Knipp knapp!
- Da reißt mein Faden ab!
-
-
-
-
-Am Vorabend von Rosens Geburtstag.
-
-
- Lauschend am Fenster sitzt der Poet. --
- Draußen die Blumen und Pflänzchen
- Halten ihr Abendkränzchen
- Auf dem Gartenbeet.
- Der Mond in Silberlivree,
- Leise geschäftig,
- Kredenzt den Thau, den Blüthenthee,
- Anregend und kräftig.
- Und von Kelch zu Kelche
- Geht ein Geflüster:
- Also morgen ist er!
-
-_Frau Ehrenpreis_ (Veronika).
-
- Ja, morgen feiert sie
- Ihren werthen Entsprießungstag --
-
-_Taubnessel_ (mit dem Hörrohr).
-
- Hä was? Hä welche?
-
-_Frau Ehrenpreis_ (lauter).
-
- -- -- Drüben im Garten die schöne Frau Rose -- --
-
-_Taubnessel._
-
- Ah! mit den zwei Knospen die!
-
-_Frau Ehrenpreis._
-
- -- -- die tadel- und dornenlose -- --
-
-_Distel_ (für sich).
-
- Wer's glauben mag!
-
-_Frau Ehrenpreis._
-
- -- Von Duft und Glanz umwoben.
-
-_Distel._
-
- Man weiß, man weiß!
- Die gute Frau Ehrenpreis
- Muß immer loben.
- Und doch hat unser Röschen, das feine
- Allerlei kleine
- Grillen und Räupchen
- Unter dem zierlichen Häubchen.
-
-_Gänseblümchen._
-
- Oh wie reizend!
-
-_Distel._
-
- Bald steht sie da so mildiglich
- Und senkt die Blätter,
- Bald rüttelt, schüttelt und spreizt sie sich,
- Je nach dem Wetter.
-
-_Gänseblümchen._
-
- Oh wie reizend!
-
-_Klatschrose._
-
- Ja reizend, das wollt ich meinen!
- Drum sieht man auch häufig den Löwenzahn,
- Den Rittersporn und den Baldrian
- Dort wachsen und erscheinen.
-
-_Gänseblümchen._
-
- Oh wie reizend!
-
-_Klatschrose._
-
- Ja reizend, ganz recht!
- Und dann dieser Musenknecht,
- Dieser Dichter --
-
-_Distel._
-
- Der Versetrichter --
-
-_Klatschrose._
-
- -- mit den langen Locken --
-
-_Distel._
-
- -- mit dem Loch im Socken.
-
-_Gänseblümchen._
-
- Oh wie reizend!
-
-_Klatschrose._
-
- Alltäglich kläglich mit Gefühl
- In ihrer Nähe
- Entlockt er seinem Saitenspiel
- Lieblich Getön
- Und singt so schön --
-
-_Distel._
-
- -- wie 'ne Mantelkrähe.
-
-_Klatschrose._
-
- Zum Beispiel, noch gestern -- --
-
-_Lilie_ (sanft).
-
- Geliebte Schwestern! --
-
-_Frau Ehrenpreis._
-
- Ihr Muster der Milde!
- Ihr Tugendgebilde!
-
-_Lilie._
-
- Wen sollte der festliche Tag nicht rühren!
- Ich denke doch -- --
-
-_Levkoje_, _Tulpe_, _Päonie_, _Flox_ etc.
-
- Ja ja, wir alle gratuliren!!
-
-_Frau Ehrenpreis._
-
- Ein Schöngeist blüht in unsrer Mitte,
- Ein hochgeschickter --
- Fräulein Federnelke --
-
-_Federnelke._
-
- Oh, bitte!
-
-_Distel_ (für sich).
-
- Blaustrumpf, verrückter!
-
-_Frau Ehrenpreis._
-
- -- -- Federnelke, die wundersame,
- So lautet ihr holder botanischer Name.
- Vielleicht läßt sie sich freundlich erweichen
- Und schreibt und dichtet ein Billet,
- Duftend, geistvoll und nett.
- Das möge dann die dienende Biene,
- Unsere süße geflügelte Schleckerkathrine,
- Hinschwebend im frühesten Morgenwind,
- Dem hohen Geburtstagskind
- Ehrfurchtsvoll sumsend überreichen.
-
-_Gänseblümchen._
-
- Oh wie reizend!
-
-_Federnelke_ (schreibt und liest).
-
- »Veredelte Rose und Nachbarin!
- »Nehmet dies Brieflein gnädig hin,
- »Sintemalen dasselbe geschrieben
- »Von allerlei Pflanzen, welche Euch lieben.
- »Verleihe der Himmel Euer Gnaden
- »Beständig ein sanftes Sonnenlicht
- »Und frischen Thau und meinetwegen
- »Auch hie und da ein wenig Regen,
- »Nur Sturmwind nicht,
- »Denn dieser thut der Schönheit Schaden.
- »Ergebenst mit Herz und Honigmund
- »Das Blumenkränzchen: Tugendbund.«
-
-_Gänseblümchen._
-
- Oh wie reizend!
-
-_Federnelke._
-
- Ich denke, es macht sich so!
-
-_Alle._
-
- Bravo bravissimo!
-
-_Mond._
-
- Noch 'n Täßchen Thee gefällig?
-
-_Levkoje._
-
- Ich trank schon drei.
-
-_Flox._
-
- Ich fünf.
-
-_Tulpe._
-
- Ich acht.
-
-_Päonie._
-
- Mein Mieder kracht!
-
-_Alle._
-
- Gute Nacht, gute Nacht!
-
- (Die Blumen nicken. Der Mond geht unter. Der Poet, nachdem er
- noch einen Blick in die Nacht hinaus gebohrt, schließt leise
- das Fenster.)
-
-
-
-
-Peinlich berührt.
-
-
- Im Dorfe wohnt ein Vetter,
- Der gut versichert war
- Vor Brand und Hagelwetter
- Nun schon im zehnten Jahr.
-
- Doch nie seit dazumalen
- Ist ein Malör passiert,
- Und so für nichts zu zahlen,
- Hat peinlich ihn berührt.
-
- Jetzt, denkt er, überlasse
- Dem Glück ich Feld und Haus.
- Ich pfeife auf die Kasse.
- Und schleunig trat er aus.
-
- Oweh, nach wenig Tagen
- Da hieß es: Zapperment!
- Der Weizen ist zerschlagen
- Und Haus und Scheune brennt.
-
- Ein Narr hat Glück in Masse,
- Wer klug, hat selten Schwein.
- Und schleunig in die Kasse
- Trat er halt wieder ein.
-
-
-
-
-Das traurige Röslein.
-
-
- Ein Röslein war gar nicht munter,
- Weil es im Topfe stand,
- Sah immer traurig hinunter
- Auf die Blumen im freien Land.
- Die Blumen nicken und winken.
- Wie ist es im Freien so schön
- Zu tanzen und Thau zu trinken
- Bei lustigem Windeswehn.
- Von bunten Schmetterlingen
- Umgaukelt, geschmeichelt, geküßt;
- Dazwischen der Vöglein Singen
- Anmuthig zu hören ist.
- Wir preisen dich und loben
- Dich, fröhliche Sommerzeit;
- Ach, Röslein am Fenster droben
- Du thust uns auch gar zu leid.
- Da ist ins Land gekommen
- Der Winter mit seiner Noth.
- In Schnee und Frost verklommen
- Die Blumen sind alle todt.
- Ein Mägdlein hört es stürmen,
- Macht fest das Fenster zu.
- Jetzt will ich dich pflegen und schirmen,
- Du liebes Röslein du.
-
-
-
-
-Der Thürmer.
-
-
- Der Thürmer steht auf hohem Söller
- Und raucht sein Pfeifchen echten Kneller,
- Wobei der alte Invalid
- Von oben her die Welt besieht.
- Es kommt der Sommer allgemach.
- Die Schwalben fliegen um das Dach,
- Derweil schon manche stillbeglückt
- Im Neste sitzt und fleißig drückt.
- Zugleich tritt aus dem Gotteshaus
- Ein neuvermähltes Paar heraus,
- Das darf sich nun in allen Ehren
- Getreulich lieben und vermehren. --
- Der Sommer kam, und allenthalben
- Schwebt ungezählt das Heer der Schwalben,
- Die, wenn sie flink vorüberflitzen,
- Des Thürmers alten Hut beschmitzen.
- Vom Platze unten tönt Juchhei,
- Die Klosterschüler haben frei,
- Sie necken, schrecken, jagen sich,
- Sie schlagen und vertragen sich
- Und grüßen keck mit Hohngelächter
- Des Thurmes hochgestellten Wächter. --
- Der Sommer ging, die Schwalben setzen
- Sich auf das Kirchendach und schwätzen.
- Sie warten, bis der Abend da,
- Dann flogen sie nach Afrika.
- Doch unten, wo die Fackeln scheinen,
- Begraben sie mal wieder Einen
- Und singen ihm nach frommer Weise
- Ein Lebewohl zur letzten Reise.
- Bedenklich schaut der Thürmer drein.
- Still geht er in sein Kämmerlein
- Zu seinem großen Deckelkrug,
- Und als die Glocke zehne schlug,
- Nahm er das Horn mit frischem Muth
- Und blies ein kräftiges Tuhuht.
-
-
-
-
-Buch des Lebens.
-
-
- Haß, als minus und vergebens,
- Wird vom Leben abgeschrieben.
- Positiv im Buch des Lebens
- Steht verzeichnet nur das Lieben.
- Ob ein Minus oder Plus
- Uns verblieben, zeigt der Schluß.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-Von diesem Buche ist zugleich mit dieser Ausgabe auch
-
- eine Luxusausgabe
- in 1200 numerirten Exemplaren erschienen.
-
-Sie ist auf handgeschöpftes Büttenpapier gedruckt, in Leder gebunden
-und kostet Mk. 8.--.
-
-
-Im September 1908 erschien im gleichen Verlage:
-
-»Hernach«
-
-von
-
-Wilhelm Busch.
-
-Ein stattlicher Band mit 95 zum Theil farbigen Zeichnungen nebst Versen.
-
- ~A.~ Facsimile-Ausgabe in 1000 numerirten Exemplaren, die
- Zeichnungen in Lichtdruck, die Texte in des Dichters Handschrift
- reproduzirt, auf 60 Cartons gelegt. Gebunden in Kalbleder
-
- Preis Mk. 16.--.
-
- ~B.~ Gewöhnliche Ausgabe, in Buchdruck hergestellt auf starkem,
- getöntem Papier. In Leinwand gebunden
-
- Preis Mk. 5.--.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Schein und Sein, by Wilhelm Busch
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHEIN UND SEIN ***
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- The Project Gutenberg eBook of Schein und Sein, by Wilhelm Busch.
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-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Schein und Sein, by Wilhelm Busch
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
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-this ebook.
-
-
-
-Title: Schein und Sein
- Nachgelassene Gedichte
-
-Author: Wilhelm Busch
-
-Release Date: October 19, 2019 [EBook #60522]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHEIN UND SEIN ***
-
-
-
-
-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net
-
-
-
-
-
-
-</pre>
-
-<div class="transnote">
-<p class="h2">Anmerkungen zur Transkription.</p>
-
-<p>Das Original ist in Fraktur gesetzt.
-Im Original gesperrter Text ist <em class="gesperrt">so ausgezeichnet</em>.
-Im Original in Antiqua gesetzter Text ist <em class="antiqua">so markiert</em>.</p>
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-
-<p class="h2">Schein und Sein</p>
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-<p class="h2">
-Wilhelm Busch</p>
-
-<h1>Schein und Sein</h1>
-<p class="center p2">
-Nachgelassene Gedichte</p>
-
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-
-<p class="center smaller">
-Zweite Auflage</p>
-
-<p class="center p2">
-München</p>
-<p class="center smaller">
-Lothar Joachim Verlag</p>
-<p class="center">
-1909
-</p>
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-
-<div class="chapter blockquot">
-<p class="center"><em class="antiqua">Published April 15 1909, Privilege of Copyright in the U.&nbsp;S.
-reserved by Lothar Joachim, Munich under the Act approved
-March 3 1905.</em></p>
-
-<p class="center p2">Alle Rechte vorbehalten.</p>
-
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-
-<div class="chapter">
-<h2 id="Inhalts-Verzeichnis">Inhalts-Verzeichnis.</h2>
-
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-
-<table summary="Inhalt">
-<tr>
-<td></td><td class="tdr">Seite</td>
-</tr>
-<tr>
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-</tr>
-<tr>
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-</tr>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Der Stern</td>
- <td class="tdr"><a href="#Der_Stern">3</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Leider!</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td>Selbstgefällig</td>
- <td class="tdr"><a href="#Selbstgefallig">5</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Zum Geburtstag im Juni</td>
- <td class="tdr"><a href="#Zum_Geburtstag_im_Juni">6</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Unbeliebtes Wunder</td>
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-</tr>
-<tr>
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-</tr>
-<tr>
-<td>Waldfrevel</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Abschied</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td>Der Renommist</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Doppelte Freude</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>So und So</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Greulig</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Empfehlung</td>
- <td class="tdr"><a href="#Empfehlung">19</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Zum Geburtstag</td>
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-</tr>
-<tr>
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-</tr>
-<tr>
-<td>Modern</td>
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-</tr>
-<tr>
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-</tr>
-<tr>
-<td>Der fremde Hund</td>
- <td class="tdr"><a href="#Der_fremde_Hund">23</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>So war's</td>
- <td class="tdr"><a href="#So_wars">24</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Die Nachbarskinder</td>
- <td class="tdr"><a href="#Die_Nachbarskinder">25</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Von selbst</td>
- <td class="tdr"><a href="#Von_selbst">26</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Beneidenswerth</td>
- <td class="tdr"><a href="#Beneidenswerth">27</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
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-<td>Auch er</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Eitelkeit</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Gedankenvoll</td>
- <td class="tdr"><a href="#Gedankenvoll">31</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Vielleicht</td>
- <td class="tdr"><a href="#Vielleicht">33</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Niemals</td>
- <td class="tdr"><a href="#Niemals">34</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Wanderlust</td>
- <td class="tdr"><a href="#Wanderlust">35</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Beruhigt</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Fehlgeschossen</td>
- <td class="tdr"><a href="#Fehlgeschossen">37</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Unbillig</td>
- <td class="tdr"><a href="#Unbillig">38</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Er ist mal so</td>
- <td class="tdr"><a href="#Er_ist_mal_so">39</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Verzeihlich</td>
- <td class="tdr"><a href="#Verzeihlich">40</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Befriedigt</td>
- <td class="tdr"><a href="#Befriedigt">41</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Gestört</td>
- <td class="tdr"><a href="#Gestort">42</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Armer Haushalt</td>
- <td class="tdr"><a href="#Armer_Haushalt">43</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Ärgerlich</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Gedrungen</td>
- <td class="tdr"><a href="#Gedrungen">45</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Im Sommer</td>
- <td class="tdr"><a href="#Im_Sommer">46</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Künftig</td>
- <td class="tdr"><a href="#Kunftig">47</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Vergeblich</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Versäumt</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Wassermuhmen</td>
- <td class="tdr"><a href="#Wassermuhmen">50</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Das Blut</td>
- <td class="tdr"><a href="#Das_Blut">51</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>So nicht</td>
- <td class="tdr"><a href="#So_nicht">52</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Laß ihn</td>
- <td class="tdr"><a href="#Lass_ihn">53</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Bis auf weiters</td>
- <td class="tdr"><a href="#Bis_auf_weiters">54</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Gründer</td>
- <td class="tdr"><a href="#Grunder">55</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Entrüstet</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Frisch gewagt</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Glückspilz</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Immerfort</td>
- <td class="tdr"><a href="#Immerfort">61</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Verfrüht</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Nörgeln</td>
- <td class="tdr"><a href="#Norgeln">63</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1899</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Vertraut</td>
- <td class="tdr"><a href="#Vertraut">64</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1900</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Tröstlich</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1900</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Unfrei</td>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1900</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1900</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1900</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
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-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1900</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Bös und gut</td>
- <td class="tdr"><a href="#Bos_und_gut">70</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1902</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Immerhin</td>
- <td class="tdr"><a href="#Immerhin">71</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1905</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Erbauliche Bescheidenheit</td>
- <td class="tdr"><a href="#Erbauliche_Bescheidenheit">73</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1906</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Ich bin Papa</td>
- <td class="tdr"><a href="#Ich_bin_Papa">74</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1907</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Gründliche Heilung</td>
- <td class="tdr"><a href="#Grundliche_Heilung">76</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1907</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Frühlingslied</td>
- <td class="tdr"><a href="#Fruhlingslied">78</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1907</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Zu Neujahr</td>
- <td class="tdr"><a href="#Zu_Neujahr">80</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1907</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>In trauter Verborgenheit</td>
- <td class="tdr"><a href="#In_trauter_Verborgenheit">81</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1907</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Was Großmütterlein sang</td>
- <td class="tdr"><a href="#Was_das_Grossmutterlein_sang">83</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Am Vorabend von Rosens Geburtstag</td>
- <td class="tdr"><a href="#Am_Vorabend_von_Rosens_Geburtstag">85</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1893</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Peinlich berührt</td>
- <td class="tdr"><a href="#Peinlich_beruhrt">91</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1907</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Das traurige Röslein</td>
- <td class="tdr"><a href="#Das_traurige_Roslein">92</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Der Thürmer</td>
- <td class="tdr"><a href="#Der_Thurmer">93</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdind">1907</td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Buch des Lebens</td>
- <td class="tdr"><a href="#Buch_des_Lebens">95</a></td>
-</tr>
-</table>
-
-<div class="figcenter">
-<img src="images/illu-009.png" alt="Dekoration" />
-</div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_1">[1]</a></span></p>
-
-<h2 id="Schein_und_Sein">Schein und Sein.</h2>
-</div>
-
-<div class="figcenter">
-<img src="images/illu-011.jpg" alt="Faksimile" />
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Mein Kind, es sind allhier die Dinge,<br /></span>
-<span class="i2">Gleichviel, ob große, ob geringe,<br /></span>
-<span class="i0">Im Wesentlichen so verpackt,<br /></span>
-<span class="i2">Daß man sie nicht wie Nüsse knackt.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wie wolltest du dich unterwinden,<br /></span>
-<span class="i2">Kurzweg die Menschen zu ergründen.<br /></span>
-<span class="i0">Du kennst sie nur von außerwärts.<br /></span>
-<span class="i2">Du siehst die Weste, nicht das Herz.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p class="center">
-W. B.<br />
-1899.
-</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_2">[2]</a></span></p>
-
-<h2 id="Woher_wohin">Woher, wohin?</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Wo sich Ewigkeiten dehnen,<br /></span>
-<span class="i2">Hören die Gedanken auf,<br /></span>
-<span class="i0">Nur der Herzen frommes Sehnen<br /></span>
-<span class="i2">Ahnt, was ohne Zeitenlauf.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wo wir waren, wo wir bleiben,<br /></span>
-<span class="i2">Sagt kein kluges Menschenwort;<br /></span>
-<span class="i0">Doch die Grübelgeister schreiben:<br /></span>
-<span class="i2">Bist du weg, so bleibe fort.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Laß dich nicht auf's Neu gelüsten.<br /></span>
-<span class="i2">Was geschah, es wird geschehn.<br /></span>
-<span class="i0">Ewig an des Lebens Küsten<br /></span>
-<span class="i2">Wirst du scheiternd untergehn.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_3">[3]</a></span></p>
-
-<h2 id="Der_Stern">Der Stern.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Hätt Einer auch fast mehr Verstand,<br /></span>
-<span class="i0">Als wie die drei Weisen aus Morgenland,<br /></span>
-<span class="i0">Und ließe sich dünken, er wär wohl nie<br /></span>
-<span class="i0">Dem Sternlein nachgereist, wie sie;<br /></span>
-<span class="i0">Dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest<br /></span>
-<span class="i0">Seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt,<br /></span>
-<span class="i0">Fällt auch auf sein verständig Gesicht,<br /></span>
-<span class="i0">Er mag es merken oder nicht,<br /></span>
-<span class="i0">Ein freundlicher Strahl<br /></span>
-<span class="i0">Des Wundersternes von dazumal.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_4">[4]</a></span></p>
-
-<h2 id="Leider">Leider!</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">So ist's in alter Zeit gewesen,<br /></span>
-<span class="i2">So ist es, fürcht ich, auch noch heut.<br /></span>
-<span class="i0">Wer nicht besonders auserlesen,<br /></span>
-<span class="i2">Dem macht die Tugend Schwierigkeit.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Aufsteigend mußt du dich bemühen,<br /></span>
-<span class="i2">Doch ohne Mühe sinkest du.<br /></span>
-<span class="i0">Der liebe Gott muß immer ziehen,<br /></span>
-<span class="i2">Dem Teufel fällt's von selber zu.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_5">[5]</a></span></p>
-
-<h2 id="Selbstgefallig">Selbstgefällig.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Mein Büdelein<br /></span>
-<span class="i0">Is noch so tlein,<br /></span>
-<span class="i0">Is noch so dumm,<br /></span>
-<span class="i0">Ein ames Wum,<br /></span>
-<span class="i0">Muß tille liegen<br /></span>
-<span class="i0">In seine Wiegen<br /></span>
-<span class="i0">Und hat noch keine Hos'.<br /></span>
-<span class="i4">Ätsch, ätsch!<br /></span>
-<span class="i0">Und ich bin schon so goß.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_6">[6]</a></span></p>
-
-<h2 id="Zum_Geburtstag_im_Juni">Zum Geburtstag im Juni.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Den Jahreszeiten allen<br /></span>
-<span class="i2">Selbviert sei Preis und Ehr!<br /></span>
-<span class="i0">Nur sag ich: Mir gefallen<br /></span>
-<span class="i2">Sie minder oder mehr.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Der Frühling wird ja immer<br /></span>
-<span class="i2">Gerühmt, wie sich's gebührt,<br /></span>
-<span class="i0">Weil er mit grünem Schimmer<br /></span>
-<span class="i2">Die graue Welt verziert.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Doch hat in unsrer Zone<br /></span>
-<span class="i2">Er durch den Reif der Nacht<br /></span>
-<span class="i0">Schon manche grüne Bohne<br /></span>
-<span class="i2">Und Gurke umgebracht.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Stets wird auch Ruhm erwerben<br /></span>
-<span class="i2">Der Herbst, vorausgesetzt,<br /></span>
-<span class="i0">Daß er mit vollen Körben<br /></span>
-<span class="i2">Uns Aug und Mund ergötzt.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_7">[7]</a></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Indeß durch leises Tupfen<br /></span>
-<span class="i2">Gemahnt er uns bereits:<br /></span>
-<span class="i0">Bald, Kinder, kommt der Schnupfen<br /></span>
-<span class="i2">Und's Gripperl seinerseits.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Der Winter kommt. Es blasen<br /></span>
-<span class="i2">Die Winde scharf und kühl;<br /></span>
-<span class="i0">Roth werden alle Nasen,<br /></span>
-<span class="i2">Und Kohlen braucht man viel.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Nein, mir gefällt am besten<br /></span>
-<span class="i2">Das, was der Sommer bringt,<br /></span>
-<span class="i0">Wenn auf belaubten Ästen<br /></span>
-<span class="i2">Die Schaar der Vöglein singt.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wenn Rosen, zahm und wilde,<br /></span>
-<span class="i2">In vollster Blüthe stehn,<br /></span>
-<span class="i0">Wenn über Lustgefilde<br /></span>
-<span class="i2">Zephire kosend wehn.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und wollt' mich Einer fragen,<br /></span>
-<span class="i2">Wann's mir im Sommer dann<br /></span>
-<span class="i0">Besonders thät behagen,<br /></span>
-<span class="i2">Den Juni gäb ich an.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und wieder dann darunter<br /></span>
-<span class="i2">Den selben Tag gerad,<br /></span>
-<span class="i0">Wo einst ein Kindlein munter<br /></span>
-<span class="i2">Zuerst zu Tage trat.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_8">[8]</a></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Drum flattert dies Gedichtchen<br /></span>
-<span class="i2">Jetzt über Berg und Thal<br /></span>
-<span class="i0">Und grüßt das liebe Nichtchen<br /></span>
-<span class="i2">Vom Onkel tausendmal.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_9">[9]</a></span></p>
-
-<h2 id="Unbeliebtes_Wunder">Unbeliebtes Wunder.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i2">In Tours, zu Martin Bischofs Zeit,<br /></span>
-<span class="i0">Gab's Krüppel viel und Bettelleut.<br /></span>
-<span class="i0">Darunter auch ein Ehepaar,<br /></span>
-<span class="i0">Was glücklich und zufrieden war.<br /></span>
-<span class="i0">Er, sonst gesund, war blind und stumm;<br /></span>
-<span class="i0">Sie sehend, aber lahm und krumm<br /></span>
-<span class="i0">An jedem Glied, bis auf die Zunge<br /></span>
-<span class="i0">Und eine unverletzte Lunge.<br /></span>
-<span class="i2">Das paßte schön. Sie reitet ihn<br /></span>
-<span class="i0">Und, selbstverständlich, leitet ihn<br /></span>
-<span class="i0">Als ein geduldig Sattelthier,<br /></span>
-<span class="i0">Sie obenauf, er unter ihr,<br /></span>
-<span class="i0">Ganz einfach mit geringer Müh,<br /></span>
-<span class="i0">Bloß durch die Worte Hott und Hüh,<br /></span>
-<span class="i0">Bald so bald so, vor allen Dingen<br /></span>
-<span class="i0">Dahin, wo grad die Leute gingen.<br /></span>
-<span class="i2">Fast Jeder, der's noch nicht gesehn,<br /></span>
-<span class="i0">Bleibt unwillkürlich stille stehn,<br /></span>
-<span class="i0">Ruft: »Liebergott, was ist denn das?«<br /></span>
-<span class="i0">Greift in den Sack, giebt ihnen Was<br /></span>
-<span class="i0">Und denkt noch lange gern und heiter<br /></span>
-<span class="i0">An dieses Roß und diesen Reiter.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_10">[10]</a></span>
-<span class="i2">So hätten denn gewiß die zwei<br /></span>
-<span class="i0">Durch fortgesetzte Bettelei,<br /></span>
-<span class="i0">Vereint in solcherlei Gestalt,<br /></span>
-<span class="i0">Auch ferner ihren Unterhalt,<br /></span>
-<span class="i0">Ja, ein Vermögen, sich erworben,<br /></span>
-<span class="i0">Wär' Bischof Martin nicht gestorben.<br /></span>
-<span class="i2">Als dieser nun gestorben war,<br /></span>
-<span class="i0">Legt man ihn auf die Todtenbahr<br /></span>
-<span class="i0">Und thät' ihn unter Weheklagen<br /></span>
-<span class="i0">Fein langsam nach dem Dome tragen<br /></span>
-<span class="i0">Zu seiner wohlverdienten Ruh.<br /></span>
-<span class="i2">Und sieh, ein Wunder trug sich zu.<br /></span>
-<span class="i0">Da, wo der Zug vorüber kam,<br /></span>
-<span class="i0">Wer irgend blind, wer irgend lahm,<br /></span>
-<span class="i0">Der fühlte sich sogleich genesen,<br /></span>
-<span class="i0">Als ob er niemals krank gewesen.<br /></span>
-<span class="i2">Oh, wie erschrak die lahme Frau!<br /></span>
-<span class="i0">Von weitem schon sah sie's genau,<br /></span>
-<span class="i0">Weil sie hoch oben, wie gewohnt,<br /></span>
-<span class="i0">Auf des Gemahles Rücken thront.<br /></span>
-<span class="i0">»Lauf, rief sie, laufe schnell von hinnen,<br /></span>
-<span class="i0">Damit wir noch beizeit entrinnen.«<br /></span>
-<span class="i0">Er läuft, er stößt an einen Stein,<br /></span>
-<span class="i0">Er fällt und bricht beinah ein Bein.<br /></span>
-<span class="i2">Die Prozession ist auch schon da.<br /></span>
-<span class="i0">Sie zieht vorbei. Der Blinde sah,<br /></span>
-<span class="i0">Die Lahme, ebenfalls kuriert,<br /></span>
-<span class="i0">Kann gehn, als wie mit Öl geschmiert,<br /></span>
-<span class="i0">Und beide sind wie neu geboren<br /></span>
-<span class="i0">Und kratzen sich verdutzt die Ohren.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_11">[11]</a></span>
-<span class="i2">Jetzt fragt es sich: Was aber nun?<br /></span>
-<span class="i0">Wer leben will, der muß was thun.<br /></span>
-<span class="i0">Denn wer kein Geld sein eigen nennt<br /></span>
-<span class="i0">Und hat zum Betteln kein Talent<br /></span>
-<span class="i0">Und hält zum Stehlen sich zu fein<br /></span>
-<span class="i0">Und mag auch nicht im Kloster sein,<br /></span>
-<span class="i0">Der ist fürwahr nicht zu beneiden.<br /></span>
-<span class="i0">Das überlegten sich die Beiden.<br /></span>
-<span class="i2">Sie, sehr begabt, wird eine fesche<br /></span>
-<span class="i0">Gesuchte Plätterin der Wäsche.<br /></span>
-<span class="i0">Er, mehr beschränkt, nahm eine Axt<br /></span>
-<span class="i0">Und spaltet Klötze, daß es knackst,<br /></span>
-<span class="i0">Von morgens früh bis in die Nacht.<br /></span>
-<span class="i2">Das hat Sankt Martin gut gemacht.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_12">[12]</a></span></p>
-
-<h2 id="Waldfrevel">Waldfrevel.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ein hübsches Pärchen ging einmal<br /></span>
-<span class="i2">Tief in des Waldes Gründe.<br /></span>
-<span class="i0">Sie pflückte Beeren ohne Zahl,<br /></span>
-<span class="i2">Er schnitt Was in die Rinde.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Der pflichtgetreue Förster sieht's.<br /></span>
-<span class="i2">Was sind das für Geschichten?<br /></span>
-<span class="i0">Er zieht sein Buch, er nimmt Notiz<br /></span>
-<span class="i2">Und wird den Fall berichten.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_13">[13]</a></span></p>
-
-<h2 id="Abschied">Abschied.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Die Bäume hören auf zu blühn,<br /></span>
-<span class="i2">Mein Schatz will in die Fremde ziehn;<br /></span>
-<span class="i0">Mein Schatz der sprach ein bittres Wort:<br /></span>
-<span class="i2">Du bleibst nun hier, aber ich muß fort.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Leb wohl, mein Schatz, ich bleib dir treu,<br /></span>
-<span class="i2">Wo du auch bist, wo ich auch sei.<br /></span>
-<span class="i0">Bei Regen und bei Sonnenschein,<br /></span>
-<span class="i2">So lang ich lebe, gedenk ich dein.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">So lang ich lebe, lieb ich dich,<br /></span>
-<span class="i2">Und wenn ich sterbe, bet für mich,<br /></span>
-<span class="i0">Und wenn du kommst zu meinem Grab,<br /></span>
-<span class="i2">So denk, daß ich dich geliebet hab.<br /></span>
-</div></div>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p class="center">Einst in München geschrieben als Ergänzung zu der letzten
-Strophe, die Freund Krempelsetzer, der das Ganze componirte
-aus dem Volksmunde behalten hatte.</p></div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_14">[14]</a></span></p>
-
-<h2 id="Der_Renommist">Der Renommist.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">In einem Winkel, genannt die Butze,<br /></span>
-<span class="i0">Wo allerlei Kram,<br /></span>
-<span class="i0">Der nichts mehr nutze,<br /></span>
-<span class="i0">Zusammenkam;<br /></span>
-<span class="i0">Bei alten Hüten, alten Vasen,<br /></span>
-<span class="i0">Bei Töpfen, ohne Henkel und Nasen,<br /></span>
-<span class="i0">Befand sich ein Reiterstiefel auch,<br /></span>
-<span class="i0">Jetzt nur noch ein faltiger Lederschlauch.<br /></span>
-<span class="i0">Großmächtig hat er das Wort geführt<br /></span>
-<span class="i0">Und ganz gewaltiglich renommirt:<br /></span>
-<span class="i2">»Ha, damals! Ich und mein Kamerad!<br /></span>
-<span class="i0">Immer fein gewichst von hinten und vorn,<br /></span>
-<span class="i0">Blitzblank der Sporn,<br /></span>
-<span class="i0">Durch die Straßen geklirrt,<br /></span>
-<span class="i0">Alle Herzen verwirrt,<br /></span>
-<span class="i0">Es war ein Staat!<br /></span>
-<span class="i0">Hurrah, der Krieg,<br /></span>
-<span class="i0">Maustodt oder Sieg!<br /></span>
-<span class="i0">Unser Herr Leutenant,<br /></span>
-<span class="i0">Schneidig, Schwert in der Hand;<br /></span>
-<span class="i0">Doch hätt ich nicht gespornt sein Pferd,<br /></span>
-<span class="i0">Verloren wär die Schlacht von Wörth.«<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_15">[15]</a></span>
-<span class="i2">In dem Moment, zu aller Schrecke,<br /></span>
-<span class="i0">Trat plötzlich hervor aus seiner Ecke<br /></span>
-<span class="i0">Ein strammer Reiserbesen.<br /></span>
-<span class="i0">»Hinaus! rief er, du alter Renommist!<br /></span>
-<span class="i0">Was schert es uns, was du gewesen;<br /></span>
-<span class="i0">Wir sehen, was du bist!«&nbsp;–<br /></span>
-<span class="i2">Ein Schubbs. Ein Schwung.<br /></span>
-<span class="i0">Der Stiefel liegt draußen auf dem Dung.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_16">[16]</a></span></p>
-
-<h2 id="Doppelte_Freude">Doppelte Freude.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ein Herr warf einem Bettelmann<br /></span>
-<span class="i2">Fünf Groschen in den Felber.<br /></span>
-<span class="i0">Das that dem Andern wohl, und dann<br /></span>
-<span class="i2">That es auch wohl ihm selber.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Der Eine, weil er gar so gut,<br /></span>
-<span class="i2">Kann sich von Herzen loben;<br /></span>
-<span class="i0">Der Andre trinkt sich frischen Muth<br /></span>
-<span class="i2">Und fühlt sich auch gehoben.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_17">[17]</a></span></p>
-
-<h2 id="So_und_so">So und so.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Zur Schenke lenkt mit Wohlbehagen<br /></span>
-<span class="i2">Er jeden Abend seinen Schritt<br /></span>
-<span class="i0">Und bleibt, bis daß die Lerchen schlagen.<br /></span>
-<span class="i2">Er singt die letzte Strophe mit.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Dagegen ist es zu beklagen,<br /></span>
-<span class="i2">Daß er die Kirche nie betritt.<br /></span>
-<span class="i0">Hier, leider, kann man niemals sagen:<br /></span>
-<span class="i2">Er singt die letzte Strophe mit.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_18">[18]</a></span></p>
-
-<h2 id="Greulig">Greulig.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Er hatte, was sich nicht gehört,<br /></span>
-<span class="i2">Drei Bräute an der Zahl<br /></span>
-<span class="i0">Und nahm, nachdem er sie bethört,<br /></span>
-<span class="i2">'ne vierte zum Gemahl.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Allein, es war ein kurzes Glück.<br /></span>
-<span class="i2">Kaum waren sie getraut,<br /></span>
-<span class="i0">So hat der Hund auch diesen Strick<br /></span>
-<span class="i2">Schon wieder abgekaut.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_19">[19]</a></span></p>
-
-<h2 id="Empfehlung">Empfehlung.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Du bist nervös. Drum lies doch mal<br /></span>
-<span class="i0">Das Buch, das man dir anempfahl.<br /></span>
-<span class="i2">Es ist beinah, wie eine Reise<br /></span>
-<span class="i0">Im alten wohlbekannten Gleise.<br /></span>
-<span class="i2">Der Weg ist grad und flach das Land,<br /></span>
-<span class="i0">Rechts, links und unten nichts wie Sand.<br /></span>
-<span class="i0">Kein Räderlärm verbittert dich,<br /></span>
-<span class="i0">Kein harter Stoß erschüttert dich,<br /></span>
-<span class="i0">Und bald umfängt dich sanft und kühl<br /></span>
-<span class="i0">Ein Kaumvorhandenseinsgefühl.<br /></span>
-<span class="i0">Du bist behaglich eingenickt.<br /></span>
-<span class="i0">Dann, wenn du angenehm erquickt,<br /></span>
-<span class="i0">Kehrst du beim »stillen Wirthe« ein.<br /></span>
-<span class="i0">Da giebt es weder Bier noch Wein.<br /></span>
-<span class="i0">Du schlürfst ein wenig Äpfelmost,<br /></span>
-<span class="i0">Ißt eine leichte Löffelkost<br /></span>
-<span class="i0">Mit wenig Fett und vieler Grütze,<br /></span>
-<span class="i0">Gehst früh zu Bett in spitzer Mütze<br /></span>
-<span class="i0">Und trinkst zuletzt ein Gläschen Wasser.<br /></span>
-<span class="i2">Schlaf wohl, und segne den Verfasser!<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_20">[20]</a></span></p>
-
-<h2 id="Zum_Geburtstag">Zum Geburtstag.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Der Juni kam. Lind weht die Luft.<br /></span>
-<span class="i0">Geschoren ist der Rasen.<br /></span>
-<span class="i0">Ein wonnevoller Rosenduft<br /></span>
-<span class="i0">Dringt tief in alle Nasen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Manch angenehmes Vögelein<br /></span>
-<span class="i0">Sitzt flötend auf den Bäumen,<br /></span>
-<span class="i0">Indeß die Jungen, zart und klein,<br /></span>
-<span class="i0">Im warmen Neste träumen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Flugs kommt denn auch dahergerennt,<br /></span>
-<span class="i0">Schon früh im Morgenthaue,<br /></span>
-<span class="i0">Mit seinem alten Instrument<br /></span>
-<span class="i0">Der Musikant, der graue.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Im Juni, wie er das gewohnt,<br /></span>
-<span class="i0">Besucht er einen Garten,<br /></span>
-<span class="i0">Um der Signora, die da thront,<br /></span>
-<span class="i0">Mit Tönen aufzuwarten.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_21">[21]</a></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Er räuspert sich, er macht sich lang,<br /></span>
-<span class="i0">Er singt und streicht die Fiedel,<br /></span>
-<span class="i0">Er singt, was er schon öfter sang;<br /></span>
-<span class="i0">Du kennst das alte Liedel.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und wenn du gut geschlafen hast<br /></span>
-<span class="i0">Und lächelst hold hernieder,<br /></span>
-<span class="i0">Dann kommt der Kerl, ich fürchte fast,<br /></span>
-<span class="i0">Zum nächsten Juni wieder.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_22">[22]</a></span></p>
-
-<h2 id="Modern">Modern.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Hinweg mit diesen alten Herrn,<br /></span>
-<span class="i2">Sie sind zu nichts mehr nütz!<br /></span>
-<span class="i0">So rufen sie und nähmen gern<br /></span>
-<span class="i2">Das Erbe in Besitz.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wie andre Erben, die in Noth,<br /></span>
-<span class="i2">Vergeblich warten sie.<br /></span>
-<span class="i0">Der alte reiche Hoffetodt<br /></span>
-<span class="i2">Der stirbt bekanntlich nie.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_23">[23]</a></span></p>
-
-<h2 id="Der_fremde_Hund">Der fremde Hund.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Was fällt da im Boskettgesträuch<br /></span>
-<span class="i2">Dem fremden Hunde ein?<br /></span>
-<span class="i0">Geht man vorbei, so bellt er gleich<br /></span>
-<span class="i2">Und scheint wie toll zu sein.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Der Gärtner holt die Flinte her.<br /></span>
-<span class="i2">Es knallt im Augenblick.<br /></span>
-<span class="i0">Der arme Hund, getroffen schwer,<br /></span>
-<span class="i2">Wankt in's Gebüsch zurück.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Vier kleine Hündchen liegen hier<br /></span>
-<span class="i2">Nackt, blind und unbewußt.<br /></span>
-<span class="i0">Sie saugen emsig alle vier<br /></span>
-<span class="i2">An einer todten Brust.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_24">[24]</a></span></p>
-
-<h2 id="So_wars">So war's.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Der Theetopf war so wunderschön,<br /></span>
-<span class="i2">Sie liebt ihn, wie ihr Leben.<br /></span>
-<span class="i0">Sie hat ihm leider aus Versehn<br /></span>
-<span class="i2">Den Todesstoß gegeben.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Was sie für Kummer da empfand,<br /></span>
-<span class="i2">Nie wird sie es vergessen.<br /></span>
-<span class="i0">Sie hielt die Scherben an einand<br /></span>
-<span class="i2">Und sprach: So hat's gesessen!<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_25">[25]</a></span></p>
-
-<h2 id="Die_Nachbarskinder">Die Nachbarskinder.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Wer Andern gar zu wenig traut,<br /></span>
-<span class="i2">Hat Angst an allen Ecken;<br /></span>
-<span class="i0">Wer gar zu viel auf Andre baut,<br /></span>
-<span class="i2">Erwacht mit Schrecken.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Es trennt sie nur ein leichter Zaun,<br /></span>
-<span class="i2">Die beiden Sorgengründer;<br /></span>
-<span class="i0">Zu wenig und zu viel Vertraun<br /></span>
-<span class="i2">Sind Nachbarskinder.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_26">[26]</a></span></p>
-
-<h2 id="Von_selbst">Von selbst.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Spare deine guten Lehren<br /></span>
-<span class="i2">Für den eigenen Genuß.<br /></span>
-<span class="i0">Kaum auch wirst du Wen bekehren,<br /></span>
-<span class="i2">Zeigst du, wie man's machen muß.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Laß ihn im Galoppe tollen,<br /></span>
-<span class="i2">Reite ruhig deinen Trab.<br /></span>
-<span class="i0">Ein zu ungestümes Wollen<br /></span>
-<span class="i2">Wirft von selbst den Reiter ab.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_27">[27]</a></span></p>
-
-<h2 id="Beneidenswerth">Beneidenswerth.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Sahst du noch nie die ungemeine<br /></span>
-<span class="i2">Und hohe Kunstgelenkigkeit,<br /></span>
-<span class="i0">Sowohl der Flügel, wie der Beine,<br /></span>
-<span class="i2">Im Thierbereich mit stillem Neid?<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Sieh nur, wie aus dem Felsgeklüfte<br /></span>
-<span class="i2">Auf seinen Schwingen wunderbar<br /></span>
-<span class="i0">Bis zu den Wolken durch die Lüfte<br /></span>
-<span class="i2">In stolzen Kreisen schwebt der Aar.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Sieh nur das Thierchen, das geringe,<br /></span>
-<span class="i2">Das zu benennen sich nicht ziemt,<br /></span>
-<span class="i0">Es ist durch seine Meistersprünge,<br /></span>
-<span class="i2">Wenn nicht beliebt, so doch berühmt.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Leicht zu erlegen diese beiden,<br /></span>
-<span class="i2">Das schlag dir lieber aus dem Sinn.<br /></span>
-<span class="i0">Wer es versucht, der wird bescheiden,<br /></span>
-<span class="i2">Sei's Jäger oder Jägerin.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_28">[28]</a></span></p>
-
-<h2 id="Auch_er">Auch er.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Rührend schöne Herzgeschichten,<br /></span>
-<span class="i2">Die ihm vor der Seele schweben,<br /></span>
-<span class="i0">Weiß der Dichter zu berichten.<br /></span>
-<span class="i2">Wovon aber soll er leben?<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Was er fein zusammen harkte,<br /></span>
-<span class="i2">Sauber eingebundne Werklein,<br /></span>
-<span class="i0">Führt er eben auch zu Markte,<br /></span>
-<span class="i2">Wie der Bauer seine Ferklein.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_29">[29]</a></span></p>
-
-<h2 id="Die_alte_Sorge">Die alte Sorge.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Er kriegte Geld. Die Sorge wich<br /></span>
-<span class="i2">Die ihn bisher beklommen.<br /></span>
-<span class="i0">Er hat die Jungfer Fröhlich sich<br /></span>
-<span class="i2">Zu seinem Schatz genommen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Sie tranken Wein, sie aßen fein,<br /></span>
-<span class="i2">Sie sangen zum Klaviere;<br /></span>
-<span class="i0">Doch wie sie sich so recht erfreun,<br /></span>
-<span class="i2">Da klopft es an die Thüre.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Die alte Sorge war's, oweh,<br /></span>
-<span class="i2">Die magerste der Sorgen.<br /></span>
-<span class="i0">Sie setzte sich in's Kanapee<br /></span>
-<span class="i2">Und wünschte Gutenmorgen.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_30">[30]</a></span></p>
-
-<h2 id="Eitelkeit">Eitelkeit.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ein Töpfchen stand im Dunkeln<br /></span>
-<span class="i2">An stillverborgener Stelle.<br /></span>
-<span class="i0">Ha, rief es, wie wollt ich funkeln,<br /></span>
-<span class="i2">Käm ich nur mal in's Helle.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ihm geht es, wie vielen Narren.<br /></span>
-<span class="i2">Säß Einer auch hinten im Winkel,<br /></span>
-<span class="i0">So hat er doch seinen Sparren<br /></span>
-<span class="i2">Und seinen aparten Dünkel.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_31">[31]</a></span></p>
-
-<h2 id="Gedankenvoll">Gedankenvoll.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich weiß ein stilles Fensterlein<br /></span>
-<span class="i0">Liegt heimlich und versteckt,<br /></span>
-<span class="i0">Das hat mit Laub der grüne Wein<br /></span>
-<span class="i0">Und Ranken überdeckt.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Im Laube spielt der Sommerwind,<br /></span>
-<span class="i0">Die Rebe schwankt und nickt,<br /></span>
-<span class="i0">Dahinter sitzt ein hübsches Kind<br /></span>
-<span class="i0">Gedankenvoll und stickt.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Im jugendklaren Angesicht<br /></span>
-<span class="i0">Blüht wundersüß der Mund<br /></span>
-<span class="i0">Als wie ein Rosenknösplein licht<br /></span>
-<span class="i0">Früh in der Morgenstund.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Im Netzgeflecht das blonde Haar<br /></span>
-<span class="i0">Umfaßt ein braunes Band,<br /></span>
-<span class="i0">Das liebe blaue Augenpaar<br /></span>
-<span class="i0">Blickt sinnend auf die Hand.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_32">[32]</a></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und's Köpfchen scheint so still zu sein.<br /></span>
-<span class="i0">Ist doch ein Taubenschlag.<br /></span>
-<span class="i0">Gedanken fliegen aus und ein<br /></span>
-<span class="i0">Den lieben langen Tag.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Sie fliegen über Wald und Flur<br /></span>
-<span class="i0">In's weite Land hinaus.<br /></span>
-<span class="i0">Ach, käm ein einzig Täubchen nur<br /></span>
-<span class="i0">Und flöge in mein Haus.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_33">[33]</a></span></p>
-
-<h2 id="Vielleicht">Vielleicht.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Sage nie: Dann soll's geschehen!<br /></span>
-<span class="i2">Öffne dir ein Hinterpförtchen<br /></span>
-<span class="i2">Durch »Vielleicht«, das nette Wörtchen,<br /></span>
-<span class="i0">Oder sag: Ich will mal sehen!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Denk an des Geschickes Walten.<br /></span>
-<span class="i2">Wie die Schiffer auf den Plänen<br /></span>
-<span class="i2">Ihrer Fahrten stets erwähnen:<br /></span>
-<span class="i0">Wind und Wetter vorbehalten!<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_34">[34]</a></span></p>
-
-<h2 id="Niemals">Niemals.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Wonach du sehnlich ausgeschaut,<br /></span>
-<span class="i2">Es wurde dir beschieden.<br /></span>
-<span class="i0">Du triumphirst und jubelst laut:<br /></span>
-<span class="i2">Jetzt hab ich endlich Frieden!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ach, Freundchen, rede nicht so wild,<br /></span>
-<span class="i2">Bezähme deine Zunge.<br /></span>
-<span class="i0">Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt,<br /></span>
-<span class="i2">Kriegt augenblicklich Junge.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_35">[35]</a></span></p>
-
-<h2 id="Wanderlust">Wanderlust.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Die Zeit, sie orgelt emsig weiter,<br /></span>
-<span class="i2">Sein Liedchen singt dir jeder Tag,<br /></span>
-<span class="i0">Vermischt mit Tönen, die nicht heiter,<br /></span>
-<span class="i2">Wo Keiner was von hören mag.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Sie klingen fort. Und mit den Jahren<br /></span>
-<span class="i2">Wird draus ein voller Singverein.<br /></span>
-<span class="i0">Es ist, um aus der Haut zu fahren.<br /></span>
-<span class="i2">Du möchtest gern wo anders sein.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Nun gut. Du mußt ja doch verreisen.<br /></span>
-<span class="i2">So fülle denn den Wanderschlauch.<br /></span>
-<span class="i0">Vielleicht vernimmst du neue Weisen,<br /></span>
-<span class="i2">Und Hühneraugen kriegst du auch.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_36">[36]</a></span></p>
-
-<h2 id="Beruhigt">Beruhigt.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Zwei mal zwei gleich vier ist Wahrheit.<br /></span>
-<span class="i2">Schade, daß sie leicht und leer ist,<br /></span>
-<span class="i0">Denn ich wollte lieber Klarheit<br /></span>
-<span class="i2">Über das, was voll und schwer ist.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Emsig sucht ich aufzufinden,<br /></span>
-<span class="i2">Was im tiefsten Grunde wurzelt,<br /></span>
-<span class="i0">Lief umher nach allen Winden<br /></span>
-<span class="i2">Und bin oft dabei gepurzelt.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Endlich baut ich eine Hütte.<br /></span>
-<span class="i2">Still nun zwischen ihren Wänden<br /></span>
-<span class="i0">Sitz ich in der Welten Mitte,<br /></span>
-<span class="i2">Unbekümmert um die Enden.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_37">[37]</a></span></p>
-
-<h2 id="Fehlgeschossen">Fehlgeschossen.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i2">Fritz war ein kecker Junge<br /></span>
-<span class="i0">Und sehr geläufig mit der Zunge.<br /></span>
-<span class="i2">Einstmals ist er beim Ährenlesen<br /></span>
-<span class="i0">Draußen im Felde gewesen,<br /></span>
-<span class="i0">Wo die Weizengarben, je zu zehn,<br /></span>
-<span class="i0">Wie Häuslein in der Reihe stehn.<br /></span>
-<span class="i2">Ein Wetter zog herauf.<br /></span>
-<span class="i2">Da heißt es: Lauf!<br /></span>
-<span class="i0">Und flink, wie ein Mäuslein<br /></span>
-<span class="i0">Schlüpft er in's nächste Halmenhäuslein.<br /></span>
-<span class="i2">Krach! – Potztausendnochmal!<br /></span>
-<span class="i0">Dicht daneben zündet der Wetterstrahl.<br /></span>
-<span class="i2">Ätsch! rief der Junge, der nicht bange,<br /></span>
-<span class="i0">Und streckt die Zunge aus, die lange:<br /></span>
-<span class="i2">Fehlgeschossen, Herr Blitz!<br /></span>
-<span class="i0">Hier saß der Fritz!<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_38">[38]</a></span></p>
-
-<h2 id="Unbillig">Unbillig.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Nahmst du in diesem großen Haus<br /></span>
-<span class="i2">Nicht selbst Quartier?<br /></span>
-<span class="i0">Mißfällt es dir, so zieh doch aus.<br /></span>
-<span class="i2">Wer hält dich hier?<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und schimpfe auf die Welt, mein Sohn,<br /></span>
-<span class="i2">Nicht gar zu laut.<br /></span>
-<span class="i0">Eh du geboren, hast du schon<br /></span>
-<span class="i2">Mit dran gebaut.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_39">[39]</a></span></p>
-
-<h2 id="Er_ist_mal_so">Er ist mal so.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Zwar mit seinem losen Mund<br /></span>
-<span class="i2">Neigt er zum Krakeele.<br /></span>
-<span class="i0">Dabei ist er doch im Grund<br /></span>
-<span class="i2">Eine treue Seele.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Die er seine Freunde nennt,<br /></span>
-<span class="i2">Dulden seine Witze,<br /></span>
-<span class="i0">Denn ein Jeder, der ihn kennt,<br /></span>
-<span class="i2">Kennt auch seine Mütze.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_40">[40]</a></span></p>
-
-<h2 id="Verzeihlich">Verzeihlich.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Er ist ein Dichter, also eitel.<br /></span>
-<span class="i2">Und, bitte, nehmt es ihm nicht krumm,<br /></span>
-<span class="i0">Zieht er aus seinem Lügenbeutel<br /></span>
-<span class="i2">So allerlei Brimborium.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Juwelen, Gold und stolze Namen,<br /></span>
-<span class="i2">Ein hohes Schloß im Mondenschein<br /></span>
-<span class="i0">Und schöne höchstverliebte Damen,<br /></span>
-<span class="i2">Dies alles nennt der Dichter sein.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Indessen ist ein enges Stübchen<br /></span>
-<span class="i2">Sein ungeheizter Aufenthalt.<br /></span>
-<span class="i0">Er hat kein Geld, er hat kein Liebchen,<br /></span>
-<span class="i2">Und seine Füße werden kalt.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_41">[41]</a></span></p>
-
-<h2 id="Befriedigt">Befriedigt.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Er 'hört, als eines von den Lichtern,<br /></span>
-<span class="i2">Die höher stets und höher steigen,<br /></span>
-<span class="i0">Bereits zu unsern besten Dichtern,<br /></span>
-<span class="i2">Das läßt sich leider nicht verschweigen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Was weiß man von den Sittenrichtern?&nbsp;–<br /></span>
-<span class="i2">Er lebt von seiner Frau geschieden,<br /></span>
-<span class="i0">Hat Schulden, ist nicht immer nüchtern&nbsp;–<br /></span>
-<span class="i2">Aha, jetzt sind wir schon zufrieden!<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_42">[42]</a></span></p>
-
-<h2 id="Gestort">Gestört.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich gedachte still zu sitzen,<br /></span>
-<span class="i2">Doch sogleich begann das Treiben:<br /></span>
-<span class="i0">Du mußt gehen, laufen, schwitzen,<br /></span>
-<span class="i2">Um so forsch, wie wir, zu bleiben.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und sie wollten mir nach ihrer<br /></span>
-<span class="i2">Mode keine Ruhe gönnen,<br /></span>
-<span class="i0">Gleich wie Boten und Hausierer<br /></span>
-<span class="i2">Sollt ich hin und wieder rennen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich besah mir diese Geister,<br /></span>
-<span class="i2">Diese ungestümen Treiber.<br /></span>
-<span class="i0">Oft sind solche weisen Meister<br /></span>
-<span class="i2">Grad die ärgsten Klageweiber.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_43">[43]</a></span></p>
-
-<h2 id="Armer_Haushalt">Armer Haushalt.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Weh, wer ohne rechte Mittel<br /></span>
-<span class="i2">Sich der Poesie vermählt.<br /></span>
-<span class="i0">Täglich dünner wird der Kittel,<br /></span>
-<span class="i2">Und die Milch im Hause fehlt.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Aengstlich schwitzend muß er sitzen,<br /></span>
-<span class="i2">Fort ist seine Seelenruh,<br /></span>
-<span class="i0">Und vergeblich an den Zitzen<br /></span>
-<span class="i2">Zupft er seine magre Kuh.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_44">[44]</a></span></p>
-
-<h2 id="Argerlich">Ärgerlich.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Aus der Mühle schaut der Müller,<br /></span>
-<span class="i2">Der so gerne mahlen will.<br /></span>
-<span class="i0">Stiller wird der Wind und stiller,<br /></span>
-<span class="i2">Und die Mühle stehet still.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">So geht's immer, wie ich finde,<br /></span>
-<span class="i2">Rief der Müller voller Zorn.<br /></span>
-<span class="i0">Hat man Korn, so fehlt's am Winde,<br /></span>
-<span class="i2">Hat man Wind, so fehlt das Korn.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_45">[45]</a></span></p>
-
-<h2 id="Gedrungen">Gedrungen.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Schnell wachsende Keime<br /></span>
-<span class="i2">Welken geschwinde;<br /></span>
-<span class="i0">Zu lange Bäume<br /></span>
-<span class="i2">Brechen im Winde.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Schätz nach der Länge<br /></span>
-<span class="i2">Nicht das Entsprungne;<br /></span>
-<span class="i0">Fest im Gedränge<br /></span>
-<span class="i2">Steht das Gedrungne.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_46">[46]</a></span></p>
-
-<h2 id="Im_Sommer">Im Sommer.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">In Sommerbäder<br /></span>
-<span class="i0">Reist jetzt ein jeder<br /></span>
-<span class="i2">Und lebt famos.<br /></span>
-<span class="i0">Der arme Docter,<br /></span>
-<span class="i0">Zu hause hockt er<br /></span>
-<span class="i2">Patientenlos.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Von Winterscenen,<br /></span>
-<span class="i0">Von schrecklich schönen,<br /></span>
-<span class="i2">Träumt sein Gemüth,<br /></span>
-<span class="i0">Wenn, Dank Ihr Götter,<br /></span>
-<span class="i0">Bei Hundewetter<br /></span>
-<span class="i2">Sein Weizen blüht.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_47">[47]</a></span></p>
-
-<h2 id="Kunftig">Künftig.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Oh komm herbei, du goldne Zeit,<br /></span>
-<span class="i2">Wenn alle, die jetzt bummeln,<br /></span>
-<span class="i0">In schöner Unparteilichkeit<br /></span>
-<span class="i2">Sich bei der Arbeit tummeln.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Der Lärm, womit der Musikant<br /></span>
-<span class="i2">Uns stört, wird dann geringer.<br /></span>
-<span class="i0">Wer Dünger fuhr, wer Garben band,<br /></span>
-<span class="i2">Dem krümmen sich die Finger.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_48">[48]</a></span></p>
-
-<h2 id="Vergeblich">Vergeblich.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Schon recht. Du willst als Philosoph<br /></span>
-<span class="i2">Die Wahrheit dir gewinnen;<br /></span>
-<span class="i0">Du machst mit Worten ihr den Hof,<br /></span>
-<span class="i2">Um so sie einzuspinnen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Nur sage nicht, daß zwischen dir<br /></span>
-<span class="i2">Und ihr schon alles richtig.<br /></span>
-<span class="i0">Sie ist und bleibt, das wissen wir,<br /></span>
-<span class="i2">Jungfräulich, keusch und züchtig.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_49">[49]</a></span></p>
-
-<h2 id="Versaumt">Versäumt.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Zur Arbeit ist kein Bub geschaffen,<br /></span>
-<span class="i2">Das Lernen findet er nicht schön;<br /></span>
-<span class="i0">Er möchte träumen, möchte gaffen<br /></span>
-<span class="i2">Und Vogelnester suchen gehn.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Er liebt es, lang im Bett zu liegen.<br /></span>
-<span class="i2">Und wie es halt im Leben geht:<br /></span>
-<span class="i0">Grad zu den frühen Morgenzügen<br /></span>
-<span class="i2">Kommt man am leichtesten zu spät.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_50">[50]</a></span></p>
-
-<h2 id="Wassermuhmen">Wassermuhmen.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">In dem See die Wassermuhmen<br /></span>
-<span class="i2">Wollen ihr Vergnügen haben,<br /></span>
-<span class="i2">Fangen Mädchen sich und Knaben,<br /></span>
-<span class="i0">Machen Frösche draus und Blumen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wie die Blümlein zierlich knicksen,<br /></span>
-<span class="i2">Wie die Fröschlein zärtlich quacken,<br /></span>
-<span class="i2">Wie sie flüstern, wie sie schnacken,<br /></span>
-<span class="i0">So was freut die alten Nixen.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_51">[51]</a></span></p>
-
-<h2 id="Das_Blut">Das Blut.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Wie ein Kranker, den das Fieber<br /></span>
-<span class="i2">Heiß gemacht und aufgeregt,<br /></span>
-<span class="i0">Sich herüber und hinüber<br /></span>
-<span class="i2">Auf die andre Seite legt&nbsp;–<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">So die Welt. Vor Haß und Hader<br /></span>
-<span class="i2">Hat sie niemals noch geruht.<br /></span>
-<span class="i0">Immerfort durch jede Ader<br /></span>
-<span class="i2">Tobt das alte Sünderblut.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_52">[52]</a></span></p>
-
-<h2 id="So_nicht">So nicht.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Um's Paradies ging eine Mauer<br /></span>
-<span class="i2">Hübsch hoch vom besten Marmelstein.<br /></span>
-<span class="i0">Der Kain, als ein Bub ein schlauer,<br /></span>
-<span class="i2">Denkt sich: Ich komme doch hinein.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Er stieg hinauf zu diesem Zwecke<br /></span>
-<span class="i2">An einer Leiter mäuschenstumm.<br /></span>
-<span class="i0">Da schlich der Teufel um die Ecke<br /></span>
-<span class="i2">Und stieß ihn samt der Leiter um.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Der Vater Adam, der's gesehen,<br /></span>
-<span class="i2">Sprach, während er ihn liegen ließ:<br /></span>
-<span class="i0">Du Schlingel! Dir ist recht geschehen.<br /></span>
-<span class="i2">So kommt man nicht in's Paradies.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_53">[53]</a></span></p>
-
-<h2 id="Lass_ihn">Laß ihn.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Er ist verliebt, laß ihn gewähren,<br /></span>
-<span class="i2">Bekümmre dich um dein Pläsir,<br /></span>
-<span class="i0">Und kommst du gar, ihn zu bekehren,<br /></span>
-<span class="i2">Wirft er dich sicher vor die Thür.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Mit Gründen ist da nichts zu machen.<br /></span>
-<span class="i2">Was Einer mag, ist seine Sach,<br /></span>
-<span class="i0">Denn kurz gesagt: In Herzenssachen<br /></span>
-<span class="i2">Geht Jeder seiner Nase nach.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_54">[54]</a></span></p>
-
-<h2 id="Bis_auf_weiters">Bis auf weiters.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Das Messer blitzt, die Schweine schrein,<br /></span>
-<span class="i2">Man muß sie halt benutzen,<br /></span>
-<span class="i0">Denn Jeder denkt: Wozu das Schwein,<br /></span>
-<span class="i2">Wenn wir es nicht verputzen?<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und Jeder schmunzelt, Jeder nagt<br /></span>
-<span class="i2">Nach Art der Kannibalen,<br /></span>
-<span class="i0">Bis man dereinst Pfui Teufel! sagt<br /></span>
-<span class="i2">Zum Schinken aus Westfalen.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_55">[55]</a></span></p>
-
-<h2 id="Grunder">Gründer.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Geschäftig sind die Menschenkinder,<br /></span>
-<span class="i2">Die große Zunft von kleinen Meistern,<br /></span>
-<span class="i0">Als Mitbegründer, Miterfinder<br /></span>
-<span class="i2">Sich diese Welt zurecht zu kleistern.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Nur leider kann man sich nicht einen,<br /></span>
-<span class="i2">Wie man das Ding am besten mache.<br /></span>
-<span class="i0">Das Bauen mit belebten Steinen<br /></span>
-<span class="i2">Ist eine höchst verzwickte Sache.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Welch ein Gedrängel und Getriebe<br /></span>
-<span class="i2">Von Lieb und Haß bei Nacht und Tage,<br /></span>
-<span class="i0">Und unaufhörlich setzt es Hiebe,<br /></span>
-<span class="i2">Und unaufhörlich tönt die Klage.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Gottlob, es giebt auch stille Leute,<br /></span>
-<span class="i2">Die meiden dies Gewühl und hassen's<br /></span>
-<span class="i0">Und bauen auf der andern Seite<br /></span>
-<span class="i2">Sich eine Welt des Unterlassens.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_56">[56]</a></span></p>
-
-<h2 id="Entrustet">Entrüstet.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Zu gräßlich hatt er mich geneckt.<br /></span>
-<span class="i2">Wie weh war mir zu Sinn.<br /></span>
-<span class="i0">Und tief gekränkt und aufgeschreckt<br /></span>
-<span class="i2">Zum Kirchhof lief ich hin.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich saß auf einem Leichenstein,<br /></span>
-<span class="i2">Die Augen weint ich roth.<br /></span>
-<span class="i0">Ach lieber Gott, erbarm dich mein<br /></span>
-<span class="i2">Und mach mich endlich todt.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Sieht er mich dann in meinem Sarg,<br /></span>
-<span class="i2">So wird er lebenssatt<br /></span>
-<span class="i0">Und stirbt vor Gram, weil er so arg<br /></span>
-<span class="i2">Mein Herz behandelt hat.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Kaum war's gesagt, so legten sich<br /></span>
-<span class="i2">Zwei Arme um mich her,<br /></span>
-<span class="i0">Und auf der Stelle fühlte ich,<br /></span>
-<span class="i2">Wer das gethan, war er.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_57">[57]</a></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wir kehrten Arm in Arm zurück.<br /></span>
-<span class="i2">Ich sah ihn an bei Licht.<br /></span>
-<span class="i0">Nein, solchen treuen Liebesblick<br /></span>
-<span class="i2">Hat doch kein Bösewicht.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_58">[58]</a></span></p>
-
-<h2 id="Wiedergeburt">Wiedergeburt.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Wer nicht will, wird nie zunichte,<br /></span>
-<span class="i2">Kehrt beständig wieder heim.<br /></span>
-<span class="i0">Frisch herauf zum alten Lichte<br /></span>
-<span class="i2">Dringt der neue Lebenskeim.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Keiner fürchte zu versinken,<br /></span>
-<span class="i2">Der in's tiefe Dunkel fährt.<br /></span>
-<span class="i0">Tausend Möglichkeiten winken<br /></span>
-<span class="i2">Ihm, der gerne wiederkehrt.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Dennoch seh ich dich erbeben,<br /></span>
-<span class="i2">Eh du in die Urne langst.<br /></span>
-<span class="i0">Weil dir bange vor dem Leben,<br /></span>
-<span class="i2">Hast du vor dem Tode Angst.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_59">[59]</a></span></p>
-
-<h2 id="Frisch_gewagt">Frisch gewagt.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Es kamen mal zwei Knaben<br /></span>
-<span class="i0">An einen breiten Graben.<br /></span>
-<span class="i0">Der erste sprang hinüber,<br /></span>
-<span class="i0">Schlankweg je ehr je lieber.<br /></span>
-<span class="i2">War das nicht keck?<br /></span>
-<span class="i0">Der zweite, fein besonnen,<br /></span>
-<span class="i0">Eh er das Werk begonnen,<br /></span>
-<span class="i2">Sprang in den Dreck.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_60">[60]</a></span></p>
-
-<h2 id="Gluckspilz">Glückspilz.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Geboren ward er ohne Wehen<br /></span>
-<span class="i0">Bei Leuten, die mit Geld versehen.<br /></span>
-<span class="i0">Er schwänzt die Schule, lernt nicht viel,<br /></span>
-<span class="i0">Hat Glück bei Weibern und im Spiel,<br /></span>
-<span class="i0">Nimmt eine Frau sich, eine schöne,<br /></span>
-<span class="i0">Erzeugt mit ihr zwei kluge Söhne,<br /></span>
-<span class="i0">Hat Appetit, kriegt einen Bauch,<br /></span>
-<span class="i0">Und einen Orden kriegt er auch,<br /></span>
-<span class="i0">Und stirbt, nachdem er aufgespeichert<br /></span>
-<span class="i0">Ein paar Milliönchen, hochbetagt;<br /></span>
-<span class="i0">Obgleich ein jeder weiß und sagt:<br /></span>
-<span class="i0">Er war mit Dummerjan geräuchert!<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_61">[61]</a></span></p>
-
-<h2 id="Immerfort">Immerfort.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Das Sonnenstäubchen fern im Raume,<br /></span>
-<span class="i2">Das Tröpfchen, das im Grase blinkt,<br /></span>
-<span class="i0">Das dürre Blättchen, das vom Baume<br /></span>
-<span class="i2">Im Hauch des Windes niedersinkt&nbsp;–<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ein jedes wirkt an seinem Örtchen<br /></span>
-<span class="i2">Still weiter, wie es muß und mag,<br /></span>
-<span class="i0">Ja selbst ein leises Flüsterwörtchen<br /></span>
-<span class="i2">Klingt fort bis an den jüngsten Tag.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_62">[62]</a></span></p>
-
-<h2 id="Verfruht">Verfrüht.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i2">Papa, nicht wahr,<br /></span>
-<span class="i0">Im nächsten Jahr,<br /></span>
-<span class="i0">Wenn ich erst groß<br /></span>
-<span class="i0">Und lesen kann und schreiben kann,<br /></span>
-<span class="i0">Dann krieg ich einen hübschen Mann<br /></span>
-<span class="i0">Mit einer Ticktackuhr<br /></span>
-<span class="i0">An einer goldnen Schnur.<br /></span>
-<span class="i0">Der nimmt mich auf den Schooß<br /></span>
-<span class="i0">Und sagt zu mir: Mein Engel,<br /></span>
-<span class="i0">Und giebt mir Zuckerkrengel<br /></span>
-<span class="i0">Und Kuchen und Pasteten.<br /></span>
-<span class="i0">Nicht wahr, Papa?<br /></span>
-<span class="i2">Der Vater brummt: Na na,<br /></span>
-<span class="i0">Was ist das für Gefabel.<br /></span>
-<span class="i0">Die Vögel, die dann flöten,<br /></span>
-<span class="i0">Die haben noch keinen Schnabel.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_63">[63]</a></span></p>
-
-<h2 id="Norgeln">Nörgeln.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Nörgeln ist das Allerschlimmste,<br /></span>
-<span class="i2">Keiner ist davon erbaut;<br /></span>
-<span class="i0">Keiner fährt, und wär's der Dümmste,<br /></span>
-<span class="i2">Gern aus seiner werthen Haut.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_64">[64]</a></span></p>
-
-<h2 id="Vertraut">Vertraut.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Wie liegt die Welt so frisch und thauig<br /></span>
-<span class="i2">Vor mir im Morgensonnenschein.<br /></span>
-<span class="i0">Entzückt vom hohen Hügel schau ich<br /></span>
-<span class="i2">Ins frühlingsgrüne Thal hinein.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Mit allen Kreaturen bin ich<br /></span>
-<span class="i2">In schönster Seelenharmonie.<br /></span>
-<span class="i0">Wir sind verwandt, ich fühl es innig,<br /></span>
-<span class="i2">Und eben darum lieb ich sie.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und wird auch mal der Himmel grauer;<br /></span>
-<span class="i2">Wer voll Vertraun die Welt besieht,<br /></span>
-<span class="i0">Den freut es, wenn ein Regenschauer<br /></span>
-<span class="i2">Mit Sturm und Blitz vorüberzieht.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_65">[65]</a></span></p>
-
-<h2 id="Trostlich">Tröstlich.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Die Lehre von der Wiederkehr<br /></span>
-<span class="i2">Ist zweifelhaften Sinns.<br /></span>
-<span class="i0">Es fragt sich sehr, ob man nachher<br /></span>
-<span class="i2">Noch sagen kann: Ich bins.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Allein was thut's, wenn mit der Zeit<br /></span>
-<span class="i2">Sich ändert die Gestalt?<br /></span>
-<span class="i0">Die Fähigkeit zu Lust und Leid<br /></span>
-<span class="i2">Vergeht wohl nicht so bald.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_66">[66]</a></span></p>
-
-<h2 id="Unfrei">Unfrei.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ganz richtig, diese Welt ist nichtig.<br /></span>
-<span class="i2">Auch du, der in Person erscheint,<br /></span>
-<span class="i0">Bist ebenfalls nicht gar so wichtig,<br /></span>
-<span class="i2">Wie deine Eitelkeit vermeint.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Was hilft es dir, damit zu prahlen,<br /></span>
-<span class="i2">Daß du ein freies Menschenkind?<br /></span>
-<span class="i0">Mußt du nicht pünktlich Steuern zahlen,<br /></span>
-<span class="i2">Obwohl sie dir zuwider sind?<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wärst du vielleicht auch, so zu sagen,<br /></span>
-<span class="i2">Erhaben über gut und schlecht,<br /></span>
-<span class="i0">Trotzdem behandelt dich dein Magen<br /></span>
-<span class="i2">Als ganz gemeinen Futterknecht.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Lang bleibst du überhaupt nicht munter.<br /></span>
-<span class="i2">Das Alter kommt und zieht dich krumm<br /></span>
-<span class="i0">Und stößt dich rücksichtslos hinunter<br /></span>
-<span class="i2">Ins dunkle Sammelsurium.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Daselbst umfängt dich das Gewimmel<br /></span>
-<span class="i2">Der Unsichtbaren, wie zuerst,<br /></span>
-<span class="i0">Eh du erschienst, und nur der Himmel<br /></span>
-<span class="i2">Weiß, ob und wann du wiederkehrst.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_67">[67]</a></span></p>
-
-<h2 id="Zwei_Jungfern">Zwei Jungfern.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Zwei Jungfern giebt es in Dorf und Stadt,<br /></span>
-<span class="i2">Sie leben beständig im Kriege,<br /></span>
-<span class="i0">Die Wahrheit, die Niemand gerne hat,<br /></span>
-<span class="i2">Und die scharmante Lüge.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Vor jener, weil sie stolz und prüd<br /></span>
-<span class="i2">Und voll moralischer Mücken,<br /></span>
-<span class="i0">Sucht Jeder, der sie nur kommen sieht,<br /></span>
-<span class="i2">Sich schleunigst weg zu drücken.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Die andre, obwohl ihr nicht zu traun,<br /></span>
-<span class="i2">Wird täglich beliebter und kecker,<br /></span>
-<span class="i0">Und wenn wir sie von hinten beschaun,<br /></span>
-<span class="i2">So hat sie einen Höcker.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_68">[68]</a></span></p>
-
-<h2 id="Unbequem">Unbequem.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ernst und dringend folgt mir eine<br /></span>
-<span class="i2">Mahnung nach auf Schritt und Tritt:<br /></span>
-<span class="i0">Sorge nicht nur für das Deine,<br /></span>
-<span class="i2">Sondern für das Andre mit.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Demnach soll ich unterlassen<br /></span>
-<span class="i2">Was mir von Natur genehm,<br /></span>
-<span class="i0">Um das Gute zu erfassen?<br /></span>
-<span class="i2">Ei, das ist mal unbequem.<br /></span>
-</div></div>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p class="center">Zu einem Wohlthätigkeitsbazar in Berlin geschickt.<br />
-Dezember 1905.
-</p></div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_69">[69]</a></span></p>
-
-<h2 id="Rechthaber">Rechthaber.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Seine Meinung ist die rechte,<br /></span>
-<span class="i2">Wenn er spricht, müßt ihr verstummen,<br /></span>
-<span class="i0">Sonst erklärt er euch für Schlechte,<br /></span>
-<span class="i2">Oder nennt euch gar die Dummen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Leider sind dergleichen Strolche<br /></span>
-<span class="i2">Keine seltene Erscheinung.<br /></span>
-<span class="i0">Wer nicht taub, der meidet solche<br /></span>
-<span class="i2">Ritter von der eignen Meinung.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_70">[70]</a></span></p>
-
-<h2 id="Bos_und_gut">Bös und gut.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Wie kam ich nur aus jenem Frieden<br /></span>
-<span class="i8">In's Weltgetös?<br /></span>
-<span class="i0">Was einst vereint, hat sich geschieden,<br /></span>
-<span class="i8">Und das ist bös.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Nun bin ich nicht geneigt zum Geben,<br /></span>
-<span class="i8">Nun heißt es: Nimm!<br /></span>
-<span class="i0">Ja, ich muß tödten, um zu leben,<br /></span>
-<span class="i8">Und das ist schlimm.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Doch eine Sehnsucht blieb zurücke,<br /></span>
-<span class="i8">Die niemals ruht.<br /></span>
-<span class="i0">Sie zieht mich heim zum alten Glücke,<br /></span>
-<span class="i8">Und das ist gut.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_71">[71]</a></span></p>
-
-<h2 id="Immerhin">Immerhin.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Mein Herz, sei nicht beklommen,<br /></span>
-<span class="i2">Noch wird die Welt nicht alt.<br /></span>
-<span class="i0">Der Frühling ist wiedergekommen,<br /></span>
-<span class="i2">Frisch grünt der deutsche Wald.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Seit Ururvätertagen<br /></span>
-<span class="i2">Stehen die Eichen am See,<br /></span>
-<span class="i0">Die Nachtigallen schlagen,<br /></span>
-<span class="i2">Zur Tränke kommt das Reh.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Die Sonne geht auf und unter<a id="FNanchor_1_1"></a><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a><br /></span>
-<span class="i2">Schon lange vieltausendmal,<br /></span>
-<span class="i0">Noch immer eilen so munter<br /></span>
-<span class="i2">Die Bächlein in's blühende Thal.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Hier lieg ich im weichen Moose<br /></span>
-<span class="i2">Unter dem rauschenden Baum,<br /></span>
-<span class="i0">Die Zeit, die wesenlose,<br /></span>
-<span class="i2">Verschwindet als wie ein Traum.<br /></span>
-<span class="pagenum"><a id="Page_72">[72]</a></span></div><div class="stanza">
-<span class="i0">Von kühlen Schatten umdämmert,<br /></span>
-<span class="i2">Versink ich in selige Ruh;<br /></span>
-<span class="i0">Ein Specht, der lustig hämmert,<br /></span>
-<span class="i2">Nickt mir vertraulich zu.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Mir ist, als ob er riefe:<br /></span>
-<span class="i2">Heija, mein guter Gesell,<br /></span>
-<span class="i0">Für ewig aus dunkler Tiefe<br /></span>
-<span class="i2">Sprudelt der Lebensquell.<br /></span>
-</div></div>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Footnote_1_1"></a><a href="#FNanchor_1_1"><span class="label">[1]</span></a> An Paul Lindau gegeben für Wilbrandts Gedenkbuch 1907.</p></div>
-</div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_73">[73]</a></span></p>
-
-<h2 id="Erbauliche_Bescheidenheit">Erbauliche Bescheidenheit.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i2">Sehr schlecht befand sich Mutter Klöhn.<br /></span>
-<span class="i0">Sie kann nicht gehn,<br /></span>
-<span class="i0">Ist krumm und lahm<br /></span>
-<span class="i0">Und liegt zubett und rührt sich nicht.<br /></span>
-<span class="i0">Seit zwanzig Jahren hat sie schon die Gicht.<br /></span>
-<span class="i2">Herr Küster Bötel, welcher häufig kam,<br /></span>
-<span class="i0">Um gute Bessrung ihr zu wünschen,<br /></span>
-<span class="i0">Erzählt ihr auch des weitern,<br /></span>
-<span class="i0">Um sie ein wenig zu erheitern,<br /></span>
-<span class="i0">Die Mordgeschichte, die man jüngst verbrochen.<br /></span>
-<span class="i2">Ja, denken Sie nur mal,<br /></span>
-<span class="i0">Der Präsident von Frankreich ist erstochen<br /></span>
-<span class="i0">Von einem Strolch<br /></span>
-<span class="i0">Mit einem Dolch.<br /></span>
-<span class="i0">Ist das nicht ein Skandal?<br /></span>
-<span class="i2">Oh, Lü und Kinners, rief sie voller Graun,<br /></span>
-<span class="i0">Wat gift et doch vär Minschen.<br /></span>
-<span class="i0">Sau wat könn <em class="gesperrt">eck</em> doch nich e daun!!<br /></span>
-<span class="i2">Herr Bötel sprach und sah sie freundlich an:<br /></span>
-<span class="i0">Dies Wort von Ihnen mag ich leiden.<br /></span>
-<span class="i0">Ein guter Mensch ist niemals unbescheiden<br /></span>
-<span class="i0">Und thut nicht mehr als was er kann.<br /></span>
-<span class="i0">Adieu, Frau Klöhn!<br /></span>
-<span class="i0">Auf fröhlich Wiedersehn!<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_74">[74]</a></span></p>
-
-<h2 id="Ich_bin_Papa">Ich bin Papa.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i2">Mitunter schwitzen muß der Schreiner,<br /></span>
-<span class="i0">Er stößt auf manchen harten Ast.<br /></span>
-<span class="i0">So geht es auch, wenn unsereiner<br /></span>
-<span class="i0">Sich mit der Grübelei befaßt.<br /></span>
-<span class="i2">Zum Glück hat meine gute Frau,<br /></span>
-<span class="i0">Die liebevoll an alles denkt,<br /></span>
-<span class="i0">Mir einen kleinen Fritz geschenkt,<br /></span>
-<span class="i0">Denn oft erfreut mich dieser Knabe<br /></span>
-<span class="i0">Durch seinen kindlichen Radau,<br /></span>
-<span class="i0">Wenn ich so meine Schrullen habe.<br /></span>
-<span class="i2">Heut mittag gab es wieder mal<br /></span>
-<span class="i0">Mein Leibgericht, gespickten Aal,<br /></span>
-<span class="i0">Und wie ich dann zur Körperpflege,<br /></span>
-<span class="i0">Die Weste auf, die Augen zu,<br /></span>
-<span class="i0">Die Hände friedlich auf dem Magen<br /></span>
-<span class="i0">Im Polsterstuhl mich niederlege,<br /></span>
-<span class="i0">Oh weh, ein Schwarm von dummen Fragen<br /></span>
-<span class="i0">Verscheucht die heißersehnte Ruh.<br /></span>
-<span class="i2">Ach, wird es mir denn niemals klar,<br /></span>
-<span class="i0">Wo ich gewesen, eh ich war?<br /></span>
-<span class="i0">Schwamm ich, verkrümelt in Atome,<br /></span>
-<span class="i0">Gedankenlos im Wirbelstrome,<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_75">[75]</a></span>
-<span class="i0">Bis ich am Ende mich verdichtet<br /></span>
-<span class="i0">Zu einer denkenden Person?<br /></span>
-<span class="i0">Und jetzt, was hab ich ausgerichtet?<br /></span>
-<span class="i0">Was war der Mühe karger Lohn?<br /></span>
-<span class="i0">Das Geld ist rar, die Kurse sinken,<br /></span>
-<span class="i0">Dagegen steigt der Preis der Schinken.<br /></span>
-<span class="i0">Fast jeden Morgen klagt die Mutter:<br /></span>
-<span class="i0">Ach Herr, wie theuer ist die Butter!<br /></span>
-<span class="i0">Ja, selbst der Vater wird gerührt,<br /></span>
-<span class="i0">Wenn er sein kleines Brödchen schmiert.<br /></span>
-<span class="i0">Und doch, trotz dieser Seelenleiden,<br /></span>
-<span class="i0">Will keiner gern von hinnen scheiden.<br /></span>
-<span class="i0">Wer weiß?<br /></span>
-<span class="i2">Ei sieh, wer kommt denn da?<br /></span>
-<span class="i0">Hallo, der Fritz! Nun wird es heiter,<br /></span>
-<span class="i0">Nun machen wir den Eselreiter.<br /></span>
-<span class="i0">Flugs stell ich mich auf alle Viere,<br /></span>
-<span class="i0">Indem ich auf und ab marschiere,<br /></span>
-<span class="i0">Und rufe kräftig mein Ih – ah!<br /></span>
-<span class="i0">Vor Wähligkeit und Uebermuth.<br /></span>
-<span class="i2">Ih – ah! Die Welt ist nicht so übel.<br /></span>
-<span class="i0">Wozu das närrische Gegrübel?<br /></span>
-<span class="i0">Ich bin Papa, und damit gut.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_76">[76]</a></span></p>
-
-<h2 id="Grundliche_Heilung">Gründliche Heilung.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Es saß der fromme Meister<br /></span>
-<span class="i2">Mit Weib und Kind bei Tisch.<br /></span>
-<span class="i0">Ach, seine Lebensgeister<br /></span>
-<span class="i2">Sind nicht wie sonst so frisch.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Er sitzt mit krummem Nacken<br /></span>
-<span class="i2">Vor seinem Leibgericht,<br /></span>
-<span class="i0">Er hält sich beide Backen,<br /></span>
-<span class="i2">Worin es heftig sticht.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Das brennt wie heiße Kohlen.<br /></span>
-<span class="i2">Au, schreit er, au, verdammt!<br /></span>
-<span class="i0">Der Teufel soll sie holen,<br /></span>
-<span class="i2">Die Zähne allesammt!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Doch gleich, wie es in Nöthen<br /></span>
-<span class="i2">Wohl öfter schon geschah,<br /></span>
-<span class="i0">Begann er laut zu beten:<br /></span>
-<span class="i2">Hilf, Apollonia!<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_77">[77]</a></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Kaum daß aus voller Seele<br /></span>
-<span class="i2">Er diesen Spruch gethan,<br /></span>
-<span class="i0">Fällt aus des Mundes Höhle<br /></span>
-<span class="i2">Ihm plötzlich jeder Zahn.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und schmerzlos, Dank dem Himmel,<br /></span>
-<span class="i2">Schmaust er, wie sonst der Brauch,<br /></span>
-<span class="i0">Nur war es mehr Gemümmel,<br /></span>
-<span class="i2">Und lispeln thät er auch.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Pohsit! Wie klingt so niedlich<br /></span>
-<span class="i2">Des Meisters Säuselton.<br /></span>
-<span class="i0">Er trank, entschlummert friedlich,<br /></span>
-<span class="i2">Und horch, da schnarcht er schon.<br /></span>
-</div></div>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>3. August 1907 an die »Lustige Woche« gegeben.</p></div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_78">[78]</a></span></p>
-
-<h2 id="Fruhlingslied">Frühlingslied.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">In der Laube von Syringen,<br /></span>
-<span class="i2">Oh, wie ist der Abend fein.<br /></span>
-<span class="i0">Brüder, laßt die Gläser klingen,<br /></span>
-<span class="i2">Angefüllt mit Maienwein.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i4">Heija, der frische Mai<br /></span>
-<span class="i4">Er bringt uns mancherlei.<br /></span>
-<span class="i2">Das Schönste aber hier auf Erden<br /></span>
-<span class="i2">Ist lieben und geliebt zu werden,<br /></span>
-<span class="i4">Heija, im frischen Mai.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ueber uns die lieben Sterne<br /></span>
-<span class="i2">Blinken hell und frohgemuth,<br /></span>
-<span class="i0">Denn sie sehen schon von ferne,<br /></span>
-<span class="i2">Auch hier unten geht es gut.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wer sich jetzt bei trüber Kerzen<br /></span>
-<span class="i2">Der Gelehrsamkeit befleißt,<br /></span>
-<span class="i0">Diesem wünschen wir von Herzen,<br /></span>
-<span class="i2">Daß er bald Professor heißt.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_79">[79]</a></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wer als Wein- und Weiberhasser<br /></span>
-<span class="i2">Jedermann im Wege steht,<br /></span>
-<span class="i0">Der genieße Brod und Wasser,<br /></span>
-<span class="i2">Bis er endlich in sich geht.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wem vielleicht sein altes Hannchen<br /></span>
-<span class="i2">Irgendwie abhanden kam,<br /></span>
-<span class="i0">Nur getrost, es gab schon Manchen,<br /></span>
-<span class="i2">Der ein neues Hannchen nahm.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Also, eh der Mai zu Ende,<br /></span>
-<span class="i2">Aufgeschaut und umgeblickt,<br /></span>
-<span class="i0">Keiner, der nicht eine fände,<br /></span>
-<span class="i2">Die ihn an ihr Herze drückt.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Jahre steigen auf und nieder;<br /></span>
-<span class="i2">Aber, wenn der Lenz erblüht,<br /></span>
-<span class="i0">Dann, ihr Brüder, immer wieder<br /></span>
-<span class="i2">Töne unser Jubellied.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i4">Heija, der frische Mai,<br /></span>
-<span class="i4">Er bringt uns mancherlei,<br /></span>
-<span class="i2">Das Schönste aber hier auf Erden<br /></span>
-<span class="i2">Ist lieben und geliebt zu werden,<br /></span>
-<span class="i4">Heija, im frischen Mai.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_80">[80]</a></span></p>
-
-<h2 id="Zu_Neujahr">Zu Neujahr.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Will das Glück nach seinem Sinn<br /></span>
-<span class="i2">Dir was Gutes schenken,<br /></span>
-<span class="i0">Sage Dank und nimm es hin<br /></span>
-<span class="i2">Ohne viel Bedenken.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Jede Gabe sei begrüßt,<br /></span>
-<span class="i2">Doch vor allen Dingen:<br /></span>
-<span class="i0">Das, warum du dich <em class="gesperrt">bemühst</em>,<br /></span>
-<span class="i2">Möge dir gelingen.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_81">[81]</a></span></p>
-
-<h2 id="In_trauter_Verborgenheit">In trauter Verborgenheit.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ade, ihr Sommertage,<br /></span>
-<span class="i2">Wie seid ihr so schnell enteilt,<br /></span>
-<span class="i0">Gar mancherlei Lust und Plage<br /></span>
-<span class="i2">Habt ihr uns zugetheilt.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wohl war es ein Entzücken,<br /></span>
-<span class="i2">Zu wandeln im Sonnenschein,<br /></span>
-<span class="i0">Nur die verflixten Mücken<br /></span>
-<span class="i2">Mischten sich immer darein.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und wenn wir auf Waldeswegen<br /></span>
-<span class="i2">Dem Sange der Vögel gelauscht,<br /></span>
-<span class="i0">Dann kam natürlich ein Regen<br /></span>
-<span class="i2">Auf uns hernieder gerauscht.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Die lustigen Sänger haben<br /></span>
-<span class="i2">Nach Süden sich aufgemacht,<br /></span>
-<span class="i0">Bei Tage krächzen die Raben,<br /></span>
-<span class="i2">Die Käuze schreien bei Nacht.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_82">[82]</a></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Was ist das für Gesause!<br /></span>
-<span class="i2">Es stürmt bereits und schneit.<br /></span>
-<span class="i0">Da bleiben wir zwei zuhause<br /></span>
-<span class="i2">In trauter Verborgenheit.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Kein Wetter kann uns verdrießen.<br /></span>
-<span class="i2">Mein Liebchen, ich und du,<br /></span>
-<span class="i0">Wir halten uns warm und schließen<br /></span>
-<span class="i2">Hübsch feste die Thüren zu.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_83">[83]</a></span></p>
-
-<h2 id="Was_das_Grossmutterlein_sang">Was das Großmütterlein sang.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i6">Surre surre surre!<br /></span>
-<span class="i0">Mein gutes Rädchen schnurre!<br /></span>
-<span class="i0">Für unser kleines Kätchen<br /></span>
-<span class="i0">Dreh mir ein feines Fädchen<br /></span>
-<span class="i0">So lang von hier bis Köllen<br /></span>
-<span class="i0">Wohl mehr als tausend Ellen.<br /></span>
-<span class="i6">Wir wollen es winden<br /></span>
-<span class="i6">Und Docken von binden,<br /></span>
-<span class="i6">Meister Weber es geben,<br /></span>
-<span class="i6">Soll Leinen uns weben,<br /></span>
-<span class="i6">Das breiten wir beide<br /></span>
-<span class="i6">Auf blumige Heide<br /></span>
-<span class="i6">Auf Anger und Wiesen<br /></span>
-<span class="i6">Und wollen es sonnen<br /></span>
-<span class="i6">Benetzen und gießen<br /></span>
-<span class="i6">Aus Bächen und Bronnen.<br /></span>
-<span class="i0">Ach, komm du lieber Sonnenschein<br /></span>
-<span class="i0">Und bleiche unser Leinen rein.<br /></span>
-<span class="i6">Dann kriegt mein Herzenstäubchen<br /></span>
-<span class="i6">Wohl manch ein feines Hemd<br /></span>
-<span class="i6">Und Tüchlein oder Häubchen,<br /></span>
-<span class="i6">Bis daß der Freier kömmt.<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_84">[84]</a></span>
-<span class="i0">Schön guten Tag, Herr Freiersmann!<br /></span>
-<span class="i0">Was schaut er so mein Kätchen an?<br /></span>
-<span class="i0">Das Kätchen geben wir nicht her,<br /></span>
-<span class="i0">Und wenn's für Tausend Thaler wär.<br /></span>
-<span class="i4">Ei, Mutter, nur nicht gleich geschmält!<br /></span>
-<span class="i6">Den hübschen jungen Knaben<br /></span>
-<span class="i6">Den will und muß ich haben;<br /></span>
-<span class="i6">Den Krauskopf, den Krauskopf<br /></span>
-<span class="i6">Hab ich mir auserwählt.<br /></span>
-<span class="i0">Und willst du denn ein Bräutchen sein,<br /></span>
-<span class="i0">So geb ich meinen Segen drein.<br /></span>
-<span class="i0">So manches Blümlein wachsen mag<br /></span>
-<span class="i0">Von Ostern bis Michelistag,<br /></span>
-<span class="i0">So manches Körnlein, als man sät,<br /></span>
-<span class="i0">So mancher Halm in Aehren steht,<br /></span>
-<span class="i0">So vielmal Gutes wünsch ich dir<br /></span>
-<span class="i0">Aus meines Herzens Grund herfür.<br /></span>
-<span class="i6">Und wenn die Pfeifen klingen,<br /></span>
-<span class="i6">Dann tanzen wir und springen;<br /></span>
-<span class="i6">Dann spring ich wohl und tanz ich<br /></span>
-<span class="i6">Von Danzig bis nach Nanzig&nbsp;–<br /></span>
-<span class="i10">Knipp knapp!<br /></span>
-<span class="i6">Da reißt mein Faden ab!<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_85">[85]</a></span></p>
-
-<h2 id="Am_Vorabend_von_Rosens_Geburtstag">Am Vorabend von Rosens Geburtstag.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Lauschend am Fenster sitzt der Poet.&nbsp;–<br /></span>
-<span class="i2">Draußen die Blumen und Pflänzchen<br /></span>
-<span class="i2">Halten ihr Abendkränzchen<br /></span>
-<span class="i2">Auf dem Gartenbeet.<br /></span>
-<span class="i6">Der Mond in Silberlivree,<br /></span>
-<span class="i2">Leise geschäftig,<br /></span>
-<span class="i2">Kredenzt den Thau, den Blüthenthee,<br /></span>
-<span class="i2">Anregend und kräftig.<br /></span>
-<span class="i6">Und von Kelch zu Kelche<br /></span>
-<span class="i2">Geht ein Geflüster:<br /></span>
-<span class="i2">Also morgen ist er!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Frau Ehrenpreis</em> (<span class="smaller">Veronika</span>).</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ja, morgen feiert sie<br /></span>
-<span class="i0">Ihren werthen Entsprießungstag&nbsp;–<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Taubnessel</em> (<span class="smaller">mit dem Hörrohr</span>).</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Hä was? Hä welche?<br /></span>
-</div></div>
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_86">[86]</a></span></p>
-<p><em class="gesperrt">Frau Ehrenpreis</em> (<span class="smaller">lauter</span>).</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">–&nbsp;–&nbsp;Drüben im Garten die schöne Frau Rose&nbsp;–&nbsp;–<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Taubnessel.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i6">Ah! mit den zwei Knospen die!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Frau Ehrenpreis.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">–&nbsp;–&nbsp;die tadel- und dornenlose&nbsp;–&nbsp;–<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Distel</em> (<span class="smaller">für sich</span>).</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i2">Wer's glauben mag!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Frau Ehrenpreis.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">–&nbsp;Von Duft und Glanz umwoben.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Distel.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i4">Man weiß, man weiß!<br /></span>
-<span class="i0">Die gute Frau Ehrenpreis<br /></span>
-<span class="i0">Muß immer loben.<br /></span>
-<span class="i0">Und doch hat unser Röschen, das feine<br /></span>
-<span class="i8">Allerlei kleine<br /></span>
-<span class="i4">Grillen und Räupchen<br /></span>
-<span class="i0">Unter dem zierlichen Häubchen.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Gänseblümchen.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Oh wie reizend!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Distel.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Bald steht sie da so mildiglich<br /></span>
-<span class="i0">Und senkt die Blätter,<br /></span>
-<span class="i0">Bald rüttelt, schüttelt und spreizt sie sich,<br /></span>
-<span class="i0">Je nach dem Wetter.<br /></span>
-</div></div>
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_87">[87]</a></span></p>
-<p><em class="gesperrt">Gänseblümchen.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Oh wie reizend!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Klatschrose.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ja reizend, das wollt ich meinen!<br /></span>
-<span class="i0">Drum sieht man auch häufig den Löwenzahn,<br /></span>
-<span class="i0">Den Rittersporn und den Baldrian<br /></span>
-<span class="i0">Dort wachsen und erscheinen.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Gänseblümchen.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Oh wie reizend!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Klatschrose.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i4">Ja reizend, ganz recht!<br /></span>
-<span class="i0">Und dann dieser Musenknecht,<br /></span>
-<span class="i10">Dieser Dichter&nbsp;–<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Distel.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i6">Der Versetrichter&nbsp;–<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Klatschrose.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">–&nbsp;mit den langen Locken&nbsp;–<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Distel.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">–&nbsp;mit dem Loch im Socken.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Gänseblümchen.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Oh wie reizend!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Klatschrose.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Alltäglich kläglich mit Gefühl<br /></span>
-<span class="i10">In ihrer Nähe<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_88">[88]</a></span>
-<span class="i0">Entlockt er seinem Saitenspiel<br /></span>
-<span class="i0">Lieblich Getön<br /></span>
-<span class="i0">Und singt so schön&nbsp;–<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Distel.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">–&nbsp;wie 'ne Mantelkrähe.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Klatschrose.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Zum Beispiel, noch gestern&nbsp;–&nbsp;–<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Lilie</em> (<span class="smaller">sanft</span>).</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Geliebte Schwestern!&nbsp;–<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Frau Ehrenpreis.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ihr Muster der Milde!<br /></span>
-<span class="i0">Ihr Tugendgebilde!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Lilie.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Wen sollte der festliche Tag nicht rühren!<br /></span>
-<span class="i0">Ich denke doch&nbsp;–&nbsp;–<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Levkoje</em>, <em class="gesperrt">Tulpe</em>, <em class="gesperrt">Päonie</em>, <em class="gesperrt">Flox</em> etc.</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ja ja, wir alle gratuliren!!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Frau Ehrenpreis.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ein Schöngeist blüht in unsrer Mitte,<br /></span>
-<span class="i0">Ein hochgeschickter&nbsp;–<br /></span>
-<span class="i0">Fräulein Federnelke&nbsp;–<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Federnelke.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i10">Oh, bitte!<br /></span>
-</div></div>
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_89">[89]</a></span></p>
-<p><em class="gesperrt">Distel</em> (<span class="smaller">für sich</span>).</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Blaustrumpf, verrückter!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Frau Ehrenpreis.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">–&nbsp;–&nbsp;Federnelke, die wundersame,<br /></span>
-<span class="i0">So lautet ihr holder botanischer Name.<br /></span>
-<span class="i0">Vielleicht läßt sie sich freundlich erweichen<br /></span>
-<span class="i0">Und schreibt und dichtet ein Billet,<br /></span>
-<span class="i0">Duftend, geistvoll und nett.<br /></span>
-<span class="i0">Das möge dann die dienende Biene,<br /></span>
-<span class="i0">Unsere süße geflügelte Schleckerkathrine,<br /></span>
-<span class="i0">Hinschwebend im frühesten Morgenwind,<br /></span>
-<span class="i0">Dem hohen Geburtstagskind<br /></span>
-<span class="i0">Ehrfurchtsvoll sumsend überreichen.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Gänseblümchen.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Oh wie reizend!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Federnelke</em> (<span class="smaller">schreibt und liest</span>).</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Veredelte Rose und Nachbarin!<br /></span>
-<span class="i0">»Nehmet dies Brieflein gnädig hin,<br /></span>
-<span class="i0">»Sintemalen dasselbe geschrieben<br /></span>
-<span class="i0">»Von allerlei Pflanzen, welche Euch lieben.<br /></span>
-<span class="i0">»Verleihe der Himmel Euer Gnaden<br /></span>
-<span class="i0">»Beständig ein sanftes Sonnenlicht<br /></span>
-<span class="i0">»Und frischen Thau und meinetwegen<br /></span>
-<span class="i0">»Auch hie und da ein wenig Regen,<br /></span>
-<span class="i0">»Nur Sturmwind nicht,<br /></span>
-<span class="i0">»Denn dieser thut der Schönheit Schaden.<br /></span>
-<span class="i4">»Ergebenst mit Herz und Honigmund<br /></span>
-<span class="i4">»Das Blumenkränzchen: Tugendbund.«<br /></span>
-</div></div>
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_90">[90]</a></span></p>
-<p><em class="gesperrt">Gänseblümchen.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Oh wie reizend!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Federnelke.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich denke, es macht sich so!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Alle.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Bravo bravissimo!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Mond.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Noch 'n Täßchen Thee gefällig?<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Levkoje.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich trank schon drei.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Flox.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i10">Ich fünf.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Tulpe.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i12">Ich acht.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Päonie.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Mein Mieder kracht!<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><em class="gesperrt">Alle.</em></p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Gute Nacht, gute Nacht!<br /></span>
-</div></div>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>(Die Blumen nicken. Der Mond geht unter. Der Poet, nachdem er
-noch einen Blick in die Nacht hinaus gebohrt, schließt leise das Fenster.)</p></div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_91">[91]</a></span></p>
-
-<h2 id="Peinlich_beruhrt">Peinlich berührt.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Im Dorfe wohnt ein Vetter,<br /></span>
-<span class="i2">Der gut versichert war<br /></span>
-<span class="i0">Vor Brand und Hagelwetter<br /></span>
-<span class="i2">Nun schon im zehnten Jahr.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Doch nie seit dazumalen<br /></span>
-<span class="i2">Ist ein Malör passiert,<br /></span>
-<span class="i0">Und so für nichts zu zahlen,<br /></span>
-<span class="i2">Hat peinlich ihn berührt.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Jetzt, denkt er, überlasse<br /></span>
-<span class="i2">Dem Glück ich Feld und Haus.<br /></span>
-<span class="i0">Ich pfeife auf die Kasse.<br /></span>
-<span class="i2">Und schleunig trat er aus.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Oweh, nach wenig Tagen<br /></span>
-<span class="i2">Da hieß es: Zapperment!<br /></span>
-<span class="i0">Der Weizen ist zerschlagen<br /></span>
-<span class="i2">Und Haus und Scheune brennt.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ein Narr hat Glück in Masse,<br /></span>
-<span class="i2">Wer klug, hat selten Schwein.<br /></span>
-<span class="i0">Und schleunig in die Kasse<br /></span>
-<span class="i2">Trat er halt wieder ein.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_92">[92]</a></span></p>
-
-<h2 id="Das_traurige_Roslein">Das traurige Röslein.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ein Röslein war gar nicht munter,<br /></span>
-<span class="i0">Weil es im Topfe stand,<br /></span>
-<span class="i0">Sah immer traurig hinunter<br /></span>
-<span class="i0">Auf die Blumen im freien Land.<br /></span>
-<span class="i2">Die Blumen nicken und winken.<br /></span>
-<span class="i2">Wie ist es im Freien so schön<br /></span>
-<span class="i2">Zu tanzen und Thau zu trinken<br /></span>
-<span class="i2">Bei lustigem Windeswehn.<br /></span>
-<span class="i2">Von bunten Schmetterlingen<br /></span>
-<span class="i2">Umgaukelt, geschmeichelt, geküßt;<br /></span>
-<span class="i2">Dazwischen der Vöglein Singen<br /></span>
-<span class="i2">Anmuthig zu hören ist.<br /></span>
-<span class="i2">Wir preisen dich und loben<br /></span>
-<span class="i2">Dich, fröhliche Sommerzeit;<br /></span>
-<span class="i2">Ach, Röslein am Fenster droben<br /></span>
-<span class="i2">Du thust uns auch gar zu leid.<br /></span>
-<span class="i0">Da ist ins Land gekommen<br /></span>
-<span class="i0">Der Winter mit seiner Noth.<br /></span>
-<span class="i0">In Schnee und Frost verklommen<br /></span>
-<span class="i0">Die Blumen sind alle todt.<br /></span>
-<span class="i0">Ein Mägdlein hört es stürmen,<br /></span>
-<span class="i0">Macht fest das Fenster zu.<br /></span>
-<span class="i0">Jetzt will ich dich pflegen und schirmen,<br /></span>
-<span class="i0">Du liebes Röslein du.<br /></span>
-</div></div>
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_93">[93]</a></span></p>
-
-<h2 id="Der_Thurmer">Der Thürmer.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i2">Der Thürmer steht auf hohem Söller<br /></span>
-<span class="i0">Und raucht sein Pfeifchen echten Kneller,<br /></span>
-<span class="i0">Wobei der alte Invalid<br /></span>
-<span class="i0">Von oben her die Welt besieht.<br /></span>
-<span class="i2">Es kommt der Sommer allgemach.<br /></span>
-<span class="i0">Die Schwalben fliegen um das Dach,<br /></span>
-<span class="i0">Derweil schon manche stillbeglückt<br /></span>
-<span class="i0">Im Neste sitzt und fleißig drückt.<br /></span>
-<span class="i0">Zugleich tritt aus dem Gotteshaus<br /></span>
-<span class="i0">Ein neuvermähltes Paar heraus,<br /></span>
-<span class="i0">Das darf sich nun in allen Ehren<br /></span>
-<span class="i0">Getreulich lieben und vermehren.&nbsp;–<br /></span>
-<span class="i2">Der Sommer kam, und allenthalben<br /></span>
-<span class="i0">Schwebt ungezählt das Heer der Schwalben,<br /></span>
-<span class="i0">Die, wenn sie flink vorüberflitzen,<br /></span>
-<span class="i0">Des Thürmers alten Hut beschmitzen.<br /></span>
-<span class="i0">Vom Platze unten tönt Juchhei,<br /></span>
-<span class="i0">Die Klosterschüler haben frei,<br /></span>
-<span class="i0">Sie necken, schrecken, jagen sich,<br /></span>
-<span class="i0">Sie schlagen und vertragen sich<br /></span>
-<span class="i0">Und grüßen keck mit Hohngelächter<br /></span>
-<span class="i0">Des Thurmes hochgestellten Wächter.&nbsp;–<br /></span><span class="pagenum"><a id="Page_94">[94]</a></span>
-<span class="i2">Der Sommer ging, die Schwalben setzen<br /></span>
-<span class="i0">Sich auf das Kirchendach und schwätzen.<br /></span>
-<span class="i0">Sie warten, bis der Abend da,<br /></span>
-<span class="i0">Dann flogen sie nach Afrika.<br /></span>
-<span class="i0">Doch unten, wo die Fackeln scheinen,<br /></span>
-<span class="i0">Begraben sie mal wieder Einen<br /></span>
-<span class="i0">Und singen ihm nach frommer Weise<br /></span>
-<span class="i0">Ein Lebewohl zur letzten Reise.<br /></span>
-<span class="i2">Bedenklich schaut der Thürmer drein.<br /></span>
-<span class="i0">Still geht er in sein Kämmerlein<br /></span>
-<span class="i0">Zu seinem großen Deckelkrug,<br /></span>
-<span class="i0">Und als die Glocke zehne schlug,<br /></span>
-<span class="i0">Nahm er das Horn mit frischem Muth<br /></span>
-<span class="i0">Und blies ein kräftiges Tuhuht.<br /></span>
-</div></div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_95">[95]</a></span></p>
-
-<h2 id="Buch_des_Lebens">Buch des Lebens.</h2>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Haß, als minus und vergebens,<br /></span>
-<span class="i0">Wird vom Leben abgeschrieben.<br /></span>
-<span class="i0">Positiv im Buch des Lebens<br /></span>
-<span class="i0">Steht verzeichnet nur das Lieben.<br /></span>
-<span class="i0">Ob ein Minus oder Plus<br /></span>
-<span class="i0">Uns verblieben, zeigt der Schluß.<br /></span>
-</div></div>
-
-<div class="figcenter">
-<img src="images/illu-105.png" alt="Dekoration" />
-</div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<div class="figcenter">
-<img src="images/illu-106a.png" alt="Dekoration" />
-</div>
-</div>
-<p class="center">Von diesem Buche ist zugleich mit dieser Ausgabe auch</p>
-
-<p class="center">
-<em class="u">eine Luxusausgabe<br />
-in 1200 numerirten Exemplaren erschienen</em>.
-</p>
-
-<p>Sie ist auf handgeschöpftes Büttenpapier gedruckt, in
-Leder gebunden und kostet Mk.&nbsp;8.–.</p>
-
-<p class="center">Im September 1908 erschien im gleichen Verlage:</p>
-
-<p class="h2">»Hernach«</p>
-
-<p class="center smaller">von</p>
-
-<p class="center larger">Wilhelm Busch.</p>
-
-<p class="center">Ein stattlicher Band mit 95 zum Theil farbigen Zeichnungen
-nebst Versen.</p>
-
-<div class="hang">
-<p><em class="antiqua">A.</em> <span class="larger">Facsimile-Ausgabe</span> in 1000 numerirten Exemplaren,
-die Zeichnungen in Lichtdruck, die Texte in des Dichters
-Handschrift reproduzirt, auf 60 Cartons gelegt. Gebunden
-in Kalbleder</p>
-
-<p class="right">
-Preis Mk.&nbsp;16.–.</p>
-
-<p><em class="antiqua">B.</em> <span class="larger">Gewöhnliche Ausgabe</span>, in Buchdruck hergestellt
-auf starkem, getöntem Papier. In Leinwand gebunden</p>
-<p class="right">
-Preis Mk.&nbsp;5.–.</p></div>
-
-<div class="figcenter">
-<img src="images/illu-106b.png" alt="Dekoration" />
-</div>
-<hr class="chap" />
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Schein und Sein, by Wilhelm Busch
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHEIN UND SEIN ***
-
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