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If you are not located in the United States, you'll -have to check the laws of the country where you are located before using -this ebook. - - - -Title: Schein und Sein - Nachgelassene Gedichte - -Author: Wilhelm Busch - -Release Date: October 19, 2019 [EBook #60522] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHEIN UND SEIN *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - - - - - Anmerkungen zur Transkription. - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text - ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist - ~so markiert~. - - - - -Schein und Sein - - - - -[Illustration] - - - - - Wilhelm Busch - - Schein und Sein - - Nachgelassene Gedichte - - [Illustration] - - Zweite Auflage - - München - - Lothar Joachim Verlag - - 1909 - - - - -~Published April 15 1909, Privilege of Copyright in the U. S. reserved -by Lothar Joachim, Munich under the Act approved March 3 1905.~ - - -Alle Rechte vorbehalten. - - - - -Inhalts-Verzeichnis. - -[Illustration] - - - Seite - - Schein und Sein 1 - 1899 - - Woher, wohin? 2 - 1899 - - Der Stern 3 - - Leider! 4 - - Selbstgefällig 5 - - Zum Geburtstag im Juni 6 - - Unbeliebtes Wunder 9 - 1895 - - Waldfrevel 12 - 1899 - - Abschied 13 - - Der Renommist 14 - 1899 - - Doppelte Freude 16 - 1899 - - So und So 17 - 1899 - - Greulig 18 - 1899 - - Empfehlung 19 - 1899 - - Zum Geburtstag 20 - 1898 - - Modern 22 - 1899 - - Der fremde Hund 23 - 1899 - - So war's 24 - 1899 - - Die Nachbarskinder 25 - 1899 - - Von selbst 26 - 1899 - - Beneidenswerth 27 - 1899 - - Auch er 28 - 1899 - - Die alte Sorge 29 - 1899 - - Eitelkeit 30 - 1899 - - Gedankenvoll 31 - - Vielleicht 33 - 1899 - - Niemals 34 - 1899 - - Wanderlust 35 - 1899 - - Beruhigt 36 - 1899 - - Fehlgeschossen 37 - 1899 - - Unbillig 38 - 1899 - - Er ist mal so 39 - 1899 - - Verzeihlich 40 - 1899 - - Befriedigt 41 - 1899 - - Gestört 42 - 1899 - - Armer Haushalt 43 - 1899 - - Ärgerlich 44 - 1899 - - Gedrungen 45 - 1899 - - Im Sommer 46 - 1899 - - Künftig 47 - 1899 - - Vergeblich 48 - 1899 - - Versäumt 49 - 1899 - - Wassermuhmen 50 - 1899 - - Das Blut 51 - 1899 - - So nicht 52 - 1899 - - Laß ihn 53 - 1899 - - Bis auf weiters 54 - 1899 - - Gründer 55 - 1899 - - Entrüstet 56 - 1899 - - Wiedergeburt 58 - 1899 - - Frisch gewagt 59 - 1899 - - Glückspilz 60 - 1899 - - Immerfort 61 - 1899 - - Verfrüht 62 - 1899 - - Nörgeln 63 - 1899 - - Vertraut 64 - 1900 - - Tröstlich 65 - 1900 - - Unfrei 66 - 1900 - - Zwei Jungfern 67 - 1900 - - Unbequem 68 - 1900 - - Rechthaber 69 - 1900 - - Bös und gut 70 - 1902 - - Immerhin 71 - 1905 - - Erbauliche Bescheidenheit 73 - 1906 - - Ich bin Papa 74 - 1907 - - Gründliche Heilung 76 - 1907 - - Frühlingslied 78 - 1907 - - Zu Neujahr 80 - 1907 - - In trauter Verborgenheit 81 - 1907 - - Was Großmütterlein sang 83 - - Am Vorabend von Rosens - Geburtstag 85 - 1893 - - Peinlich berührt 91 - 1907 - - Das traurige Röslein 92 - - Der Thürmer 93 - 1907 - - Buch des Lebens 95 - -[Illustration] - - - - -Schein und Sein. - - -[Illustration: Faksimile] - - Mein Kind, es sind allhier die Dinge, - Gleichviel, ob große, ob geringe, - Im Wesentlichen so verpackt, - Daß man sie nicht wie Nüsse knackt. - - Wie wolltest du dich unterwinden, - Kurzweg die Menschen zu ergründen. - Du kennst sie nur von außerwärts. - Du siehst die Weste, nicht das Herz. - - W. B. - 1899. - - - - -Woher, wohin? - - - Wo sich Ewigkeiten dehnen, - Hören die Gedanken auf, - Nur der Herzen frommes Sehnen - Ahnt, was ohne Zeitenlauf. - - Wo wir waren, wo wir bleiben, - Sagt kein kluges Menschenwort; - Doch die Grübelgeister schreiben: - Bist du weg, so bleibe fort. - - Laß dich nicht auf's Neu gelüsten. - Was geschah, es wird geschehn. - Ewig an des Lebens Küsten - Wirst du scheiternd untergehn. - - - - -Der Stern. - - - Hätt Einer auch fast mehr Verstand, - Als wie die drei Weisen aus Morgenland, - Und ließe sich dünken, er wär wohl nie - Dem Sternlein nachgereist, wie sie; - Dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest - Seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt, - Fällt auch auf sein verständig Gesicht, - Er mag es merken oder nicht, - Ein freundlicher Strahl - Des Wundersternes von dazumal. - - - - -Leider! - - - So ist's in alter Zeit gewesen, - So ist es, fürcht ich, auch noch heut. - Wer nicht besonders auserlesen, - Dem macht die Tugend Schwierigkeit. - - Aufsteigend mußt du dich bemühen, - Doch ohne Mühe sinkest du. - Der liebe Gott muß immer ziehen, - Dem Teufel fällt's von selber zu. - - - - -Selbstgefällig. - - - Mein Büdelein - Is noch so tlein, - Is noch so dumm, - Ein ames Wum, - Muß tille liegen - In seine Wiegen - Und hat noch keine Hos'. - Ätsch, ätsch! - Und ich bin schon so goß. - - - - -Zum Geburtstag im Juni. - - - Den Jahreszeiten allen - Selbviert sei Preis und Ehr! - Nur sag ich: Mir gefallen - Sie minder oder mehr. - - Der Frühling wird ja immer - Gerühmt, wie sich's gebührt, - Weil er mit grünem Schimmer - Die graue Welt verziert. - - Doch hat in unsrer Zone - Er durch den Reif der Nacht - Schon manche grüne Bohne - Und Gurke umgebracht. - - Stets wird auch Ruhm erwerben - Der Herbst, vorausgesetzt, - Daß er mit vollen Körben - Uns Aug und Mund ergötzt. - - Indeß durch leises Tupfen - Gemahnt er uns bereits: - Bald, Kinder, kommt der Schnupfen - Und's Gripperl seinerseits. - - Der Winter kommt. Es blasen - Die Winde scharf und kühl; - Roth werden alle Nasen, - Und Kohlen braucht man viel. - - Nein, mir gefällt am besten - Das, was der Sommer bringt, - Wenn auf belaubten Ästen - Die Schaar der Vöglein singt. - - Wenn Rosen, zahm und wilde, - In vollster Blüthe stehn, - Wenn über Lustgefilde - Zephire kosend wehn. - - Und wollt' mich Einer fragen, - Wann's mir im Sommer dann - Besonders thät behagen, - Den Juni gäb ich an. - - Und wieder dann darunter - Den selben Tag gerad, - Wo einst ein Kindlein munter - Zuerst zu Tage trat. - - Drum flattert dies Gedichtchen - Jetzt über Berg und Thal - Und grüßt das liebe Nichtchen - Vom Onkel tausendmal. - - - - -Unbeliebtes Wunder. - - - In Tours, zu Martin Bischofs Zeit, - Gab's Krüppel viel und Bettelleut. - Darunter auch ein Ehepaar, - Was glücklich und zufrieden war. - Er, sonst gesund, war blind und stumm; - Sie sehend, aber lahm und krumm - An jedem Glied, bis auf die Zunge - Und eine unverletzte Lunge. - Das paßte schön. Sie reitet ihn - Und, selbstverständlich, leitet ihn - Als ein geduldig Sattelthier, - Sie obenauf, er unter ihr, - Ganz einfach mit geringer Müh, - Bloß durch die Worte Hott und Hüh, - Bald so bald so, vor allen Dingen - Dahin, wo grad die Leute gingen. - Fast Jeder, der's noch nicht gesehn, - Bleibt unwillkürlich stille stehn, - Ruft: »Liebergott, was ist denn das?« - Greift in den Sack, giebt ihnen Was - Und denkt noch lange gern und heiter - An dieses Roß und diesen Reiter. - So hätten denn gewiß die zwei - Durch fortgesetzte Bettelei, - Vereint in solcherlei Gestalt, - Auch ferner ihren Unterhalt, - Ja, ein Vermögen, sich erworben, - Wär' Bischof Martin nicht gestorben. - Als dieser nun gestorben war, - Legt man ihn auf die Todtenbahr - Und thät' ihn unter Weheklagen - Fein langsam nach dem Dome tragen - Zu seiner wohlverdienten Ruh. - Und sieh, ein Wunder trug sich zu. - Da, wo der Zug vorüber kam, - Wer irgend blind, wer irgend lahm, - Der fühlte sich sogleich genesen, - Als ob er niemals krank gewesen. - Oh, wie erschrak die lahme Frau! - Von weitem schon sah sie's genau, - Weil sie hoch oben, wie gewohnt, - Auf des Gemahles Rücken thront. - »Lauf, rief sie, laufe schnell von hinnen, - Damit wir noch beizeit entrinnen.« - Er läuft, er stößt an einen Stein, - Er fällt und bricht beinah ein Bein. - Die Prozession ist auch schon da. - Sie zieht vorbei. Der Blinde sah, - Die Lahme, ebenfalls kuriert, - Kann gehn, als wie mit Öl geschmiert, - Und beide sind wie neu geboren - Und kratzen sich verdutzt die Ohren. - Jetzt fragt es sich: Was aber nun? - Wer leben will, der muß was thun. - Denn wer kein Geld sein eigen nennt - Und hat zum Betteln kein Talent - Und hält zum Stehlen sich zu fein - Und mag auch nicht im Kloster sein, - Der ist fürwahr nicht zu beneiden. - Das überlegten sich die Beiden. - Sie, sehr begabt, wird eine fesche - Gesuchte Plätterin der Wäsche. - Er, mehr beschränkt, nahm eine Axt - Und spaltet Klötze, daß es knackst, - Von morgens früh bis in die Nacht. - Das hat Sankt Martin gut gemacht. - - - - -Waldfrevel. - - - Ein hübsches Pärchen ging einmal - Tief in des Waldes Gründe. - Sie pflückte Beeren ohne Zahl, - Er schnitt Was in die Rinde. - - Der pflichtgetreue Förster sieht's. - Was sind das für Geschichten? - Er zieht sein Buch, er nimmt Notiz - Und wird den Fall berichten. - - - - -Abschied. - - - Die Bäume hören auf zu blühn, - Mein Schatz will in die Fremde ziehn; - Mein Schatz der sprach ein bittres Wort: - Du bleibst nun hier, aber ich muß fort. - - Leb wohl, mein Schatz, ich bleib dir treu, - Wo du auch bist, wo ich auch sei. - Bei Regen und bei Sonnenschein, - So lang ich lebe, gedenk ich dein. - - So lang ich lebe, lieb ich dich, - Und wenn ich sterbe, bet für mich, - Und wenn du kommst zu meinem Grab, - So denk, daß ich dich geliebet hab. - - Einst in München geschrieben als Ergänzung zu der letzten - Strophe, die Freund Krempelsetzer, der das Ganze componirte aus - dem Volksmunde behalten hatte. - - - - -Der Renommist. - - - In einem Winkel, genannt die Butze, - Wo allerlei Kram, - Der nichts mehr nutze, - Zusammenkam; - Bei alten Hüten, alten Vasen, - Bei Töpfen, ohne Henkel und Nasen, - Befand sich ein Reiterstiefel auch, - Jetzt nur noch ein faltiger Lederschlauch. - Großmächtig hat er das Wort geführt - Und ganz gewaltiglich renommirt: - »Ha, damals! Ich und mein Kamerad! - Immer fein gewichst von hinten und vorn, - Blitzblank der Sporn, - Durch die Straßen geklirrt, - Alle Herzen verwirrt, - Es war ein Staat! - Hurrah, der Krieg, - Maustodt oder Sieg! - Unser Herr Leutenant, - Schneidig, Schwert in der Hand; - Doch hätt ich nicht gespornt sein Pferd, - Verloren wär die Schlacht von Wörth.« - In dem Moment, zu aller Schrecke, - Trat plötzlich hervor aus seiner Ecke - Ein strammer Reiserbesen. - »Hinaus! rief er, du alter Renommist! - Was schert es uns, was du gewesen; - Wir sehen, was du bist!« -- - Ein Schubbs. Ein Schwung. - Der Stiefel liegt draußen auf dem Dung. - - - - -Doppelte Freude. - - - Ein Herr warf einem Bettelmann - Fünf Groschen in den Felber. - Das that dem Andern wohl, und dann - That es auch wohl ihm selber. - - Der Eine, weil er gar so gut, - Kann sich von Herzen loben; - Der Andre trinkt sich frischen Muth - Und fühlt sich auch gehoben. - - - - -So und so. - - - Zur Schenke lenkt mit Wohlbehagen - Er jeden Abend seinen Schritt - Und bleibt, bis daß die Lerchen schlagen. - Er singt die letzte Strophe mit. - - Dagegen ist es zu beklagen, - Daß er die Kirche nie betritt. - Hier, leider, kann man niemals sagen: - Er singt die letzte Strophe mit. - - - - -Greulig. - - - Er hatte, was sich nicht gehört, - Drei Bräute an der Zahl - Und nahm, nachdem er sie bethört, - 'ne vierte zum Gemahl. - - Allein, es war ein kurzes Glück. - Kaum waren sie getraut, - So hat der Hund auch diesen Strick - Schon wieder abgekaut. - - - - -Empfehlung. - - - Du bist nervös. Drum lies doch mal - Das Buch, das man dir anempfahl. - Es ist beinah, wie eine Reise - Im alten wohlbekannten Gleise. - Der Weg ist grad und flach das Land, - Rechts, links und unten nichts wie Sand. - Kein Räderlärm verbittert dich, - Kein harter Stoß erschüttert dich, - Und bald umfängt dich sanft und kühl - Ein Kaumvorhandenseinsgefühl. - Du bist behaglich eingenickt. - Dann, wenn du angenehm erquickt, - Kehrst du beim »stillen Wirthe« ein. - Da giebt es weder Bier noch Wein. - Du schlürfst ein wenig Äpfelmost, - Ißt eine leichte Löffelkost - Mit wenig Fett und vieler Grütze, - Gehst früh zu Bett in spitzer Mütze - Und trinkst zuletzt ein Gläschen Wasser. - Schlaf wohl, und segne den Verfasser! - - - - -Zum Geburtstag. - - - Der Juni kam. Lind weht die Luft. - Geschoren ist der Rasen. - Ein wonnevoller Rosenduft - Dringt tief in alle Nasen. - - Manch angenehmes Vögelein - Sitzt flötend auf den Bäumen, - Indeß die Jungen, zart und klein, - Im warmen Neste träumen. - - Flugs kommt denn auch dahergerennt, - Schon früh im Morgenthaue, - Mit seinem alten Instrument - Der Musikant, der graue. - - Im Juni, wie er das gewohnt, - Besucht er einen Garten, - Um der Signora, die da thront, - Mit Tönen aufzuwarten. - - Er räuspert sich, er macht sich lang, - Er singt und streicht die Fiedel, - Er singt, was er schon öfter sang; - Du kennst das alte Liedel. - - Und wenn du gut geschlafen hast - Und lächelst hold hernieder, - Dann kommt der Kerl, ich fürchte fast, - Zum nächsten Juni wieder. - - - - -Modern. - - - Hinweg mit diesen alten Herrn, - Sie sind zu nichts mehr nütz! - So rufen sie und nähmen gern - Das Erbe in Besitz. - - Wie andre Erben, die in Noth, - Vergeblich warten sie. - Der alte reiche Hoffetodt - Der stirbt bekanntlich nie. - - - - -Der fremde Hund. - - - Was fällt da im Boskettgesträuch - Dem fremden Hunde ein? - Geht man vorbei, so bellt er gleich - Und scheint wie toll zu sein. - - Der Gärtner holt die Flinte her. - Es knallt im Augenblick. - Der arme Hund, getroffen schwer, - Wankt in's Gebüsch zurück. - - Vier kleine Hündchen liegen hier - Nackt, blind und unbewußt. - Sie saugen emsig alle vier - An einer todten Brust. - - - - -So war's. - - - Der Theetopf war so wunderschön, - Sie liebt ihn, wie ihr Leben. - Sie hat ihm leider aus Versehn - Den Todesstoß gegeben. - - Was sie für Kummer da empfand, - Nie wird sie es vergessen. - Sie hielt die Scherben an einand - Und sprach: So hat's gesessen! - - - - -Die Nachbarskinder. - - - Wer Andern gar zu wenig traut, - Hat Angst an allen Ecken; - Wer gar zu viel auf Andre baut, - Erwacht mit Schrecken. - - Es trennt sie nur ein leichter Zaun, - Die beiden Sorgengründer; - Zu wenig und zu viel Vertraun - Sind Nachbarskinder. - - - - -Von selbst. - - - Spare deine guten Lehren - Für den eigenen Genuß. - Kaum auch wirst du Wen bekehren, - Zeigst du, wie man's machen muß. - - Laß ihn im Galoppe tollen, - Reite ruhig deinen Trab. - Ein zu ungestümes Wollen - Wirft von selbst den Reiter ab. - - - - -Beneidenswerth. - - - Sahst du noch nie die ungemeine - Und hohe Kunstgelenkigkeit, - Sowohl der Flügel, wie der Beine, - Im Thierbereich mit stillem Neid? - - Sieh nur, wie aus dem Felsgeklüfte - Auf seinen Schwingen wunderbar - Bis zu den Wolken durch die Lüfte - In stolzen Kreisen schwebt der Aar. - - Sieh nur das Thierchen, das geringe, - Das zu benennen sich nicht ziemt, - Es ist durch seine Meistersprünge, - Wenn nicht beliebt, so doch berühmt. - - Leicht zu erlegen diese beiden, - Das schlag dir lieber aus dem Sinn. - Wer es versucht, der wird bescheiden, - Sei's Jäger oder Jägerin. - - - - -Auch er. - - - Rührend schöne Herzgeschichten, - Die ihm vor der Seele schweben, - Weiß der Dichter zu berichten. - Wovon aber soll er leben? - - Was er fein zusammen harkte, - Sauber eingebundne Werklein, - Führt er eben auch zu Markte, - Wie der Bauer seine Ferklein. - - - - -Die alte Sorge. - - - Er kriegte Geld. Die Sorge wich - Die ihn bisher beklommen. - Er hat die Jungfer Fröhlich sich - Zu seinem Schatz genommen. - - Sie tranken Wein, sie aßen fein, - Sie sangen zum Klaviere; - Doch wie sie sich so recht erfreun, - Da klopft es an die Thüre. - - Die alte Sorge war's, oweh, - Die magerste der Sorgen. - Sie setzte sich in's Kanapee - Und wünschte Gutenmorgen. - - - - -Eitelkeit. - - - Ein Töpfchen stand im Dunkeln - An stillverborgener Stelle. - Ha, rief es, wie wollt ich funkeln, - Käm ich nur mal in's Helle. - - Ihm geht es, wie vielen Narren. - Säß Einer auch hinten im Winkel, - So hat er doch seinen Sparren - Und seinen aparten Dünkel. - - - - -Gedankenvoll. - - - Ich weiß ein stilles Fensterlein - Liegt heimlich und versteckt, - Das hat mit Laub der grüne Wein - Und Ranken überdeckt. - - Im Laube spielt der Sommerwind, - Die Rebe schwankt und nickt, - Dahinter sitzt ein hübsches Kind - Gedankenvoll und stickt. - - Im jugendklaren Angesicht - Blüht wundersüß der Mund - Als wie ein Rosenknösplein licht - Früh in der Morgenstund. - - Im Netzgeflecht das blonde Haar - Umfaßt ein braunes Band, - Das liebe blaue Augenpaar - Blickt sinnend auf die Hand. - - Und's Köpfchen scheint so still zu sein. - Ist doch ein Taubenschlag. - Gedanken fliegen aus und ein - Den lieben langen Tag. - - Sie fliegen über Wald und Flur - In's weite Land hinaus. - Ach, käm ein einzig Täubchen nur - Und flöge in mein Haus. - - - - -Vielleicht. - - - Sage nie: Dann soll's geschehen! - Öffne dir ein Hinterpförtchen - Durch »Vielleicht«, das nette Wörtchen, - Oder sag: Ich will mal sehen! - - Denk an des Geschickes Walten. - Wie die Schiffer auf den Plänen - Ihrer Fahrten stets erwähnen: - Wind und Wetter vorbehalten! - - - - -Niemals. - - - Wonach du sehnlich ausgeschaut, - Es wurde dir beschieden. - Du triumphirst und jubelst laut: - Jetzt hab ich endlich Frieden! - - Ach, Freundchen, rede nicht so wild, - Bezähme deine Zunge. - Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, - Kriegt augenblicklich Junge. - - - - -Wanderlust. - - - Die Zeit, sie orgelt emsig weiter, - Sein Liedchen singt dir jeder Tag, - Vermischt mit Tönen, die nicht heiter, - Wo Keiner was von hören mag. - - Sie klingen fort. Und mit den Jahren - Wird draus ein voller Singverein. - Es ist, um aus der Haut zu fahren. - Du möchtest gern wo anders sein. - - Nun gut. Du mußt ja doch verreisen. - So fülle denn den Wanderschlauch. - Vielleicht vernimmst du neue Weisen, - Und Hühneraugen kriegst du auch. - - - - -Beruhigt. - - - Zwei mal zwei gleich vier ist Wahrheit. - Schade, daß sie leicht und leer ist, - Denn ich wollte lieber Klarheit - Über das, was voll und schwer ist. - - Emsig sucht ich aufzufinden, - Was im tiefsten Grunde wurzelt, - Lief umher nach allen Winden - Und bin oft dabei gepurzelt. - - Endlich baut ich eine Hütte. - Still nun zwischen ihren Wänden - Sitz ich in der Welten Mitte, - Unbekümmert um die Enden. - - - - -Fehlgeschossen. - - - Fritz war ein kecker Junge - Und sehr geläufig mit der Zunge. - Einstmals ist er beim Ährenlesen - Draußen im Felde gewesen, - Wo die Weizengarben, je zu zehn, - Wie Häuslein in der Reihe stehn. - Ein Wetter zog herauf. - Da heißt es: Lauf! - Und flink, wie ein Mäuslein - Schlüpft er in's nächste Halmenhäuslein. - Krach! -- Potztausendnochmal! - Dicht daneben zündet der Wetterstrahl. - Ätsch! rief der Junge, der nicht bange, - Und streckt die Zunge aus, die lange: - Fehlgeschossen, Herr Blitz! - Hier saß der Fritz! - - - - -Unbillig. - - - Nahmst du in diesem großen Haus - Nicht selbst Quartier? - Mißfällt es dir, so zieh doch aus. - Wer hält dich hier? - - Und schimpfe auf die Welt, mein Sohn, - Nicht gar zu laut. - Eh du geboren, hast du schon - Mit dran gebaut. - - - - -Er ist mal so. - - - Zwar mit seinem losen Mund - Neigt er zum Krakeele. - Dabei ist er doch im Grund - Eine treue Seele. - - Die er seine Freunde nennt, - Dulden seine Witze, - Denn ein Jeder, der ihn kennt, - Kennt auch seine Mütze. - - - - -Verzeihlich. - - - Er ist ein Dichter, also eitel. - Und, bitte, nehmt es ihm nicht krumm, - Zieht er aus seinem Lügenbeutel - So allerlei Brimborium. - - Juwelen, Gold und stolze Namen, - Ein hohes Schloß im Mondenschein - Und schöne höchstverliebte Damen, - Dies alles nennt der Dichter sein. - - Indessen ist ein enges Stübchen - Sein ungeheizter Aufenthalt. - Er hat kein Geld, er hat kein Liebchen, - Und seine Füße werden kalt. - - - - -Befriedigt. - - - Er 'hört, als eines von den Lichtern, - Die höher stets und höher steigen, - Bereits zu unsern besten Dichtern, - Das läßt sich leider nicht verschweigen. - - Was weiß man von den Sittenrichtern? -- - Er lebt von seiner Frau geschieden, - Hat Schulden, ist nicht immer nüchtern -- - Aha, jetzt sind wir schon zufrieden! - - - - -Gestört. - - - Ich gedachte still zu sitzen, - Doch sogleich begann das Treiben: - Du mußt gehen, laufen, schwitzen, - Um so forsch, wie wir, zu bleiben. - - Und sie wollten mir nach ihrer - Mode keine Ruhe gönnen, - Gleich wie Boten und Hausierer - Sollt ich hin und wieder rennen. - - Ich besah mir diese Geister, - Diese ungestümen Treiber. - Oft sind solche weisen Meister - Grad die ärgsten Klageweiber. - - - - -Armer Haushalt. - - - Weh, wer ohne rechte Mittel - Sich der Poesie vermählt. - Täglich dünner wird der Kittel, - Und die Milch im Hause fehlt. - - Aengstlich schwitzend muß er sitzen, - Fort ist seine Seelenruh, - Und vergeblich an den Zitzen - Zupft er seine magre Kuh. - - - - -Ärgerlich. - - - Aus der Mühle schaut der Müller, - Der so gerne mahlen will. - Stiller wird der Wind und stiller, - Und die Mühle stehet still. - - So geht's immer, wie ich finde, - Rief der Müller voller Zorn. - Hat man Korn, so fehlt's am Winde, - Hat man Wind, so fehlt das Korn. - - - - -Gedrungen. - - - Schnell wachsende Keime - Welken geschwinde; - Zu lange Bäume - Brechen im Winde. - - Schätz nach der Länge - Nicht das Entsprungne; - Fest im Gedränge - Steht das Gedrungne. - - - - -Im Sommer. - - - In Sommerbäder - Reist jetzt ein jeder - Und lebt famos. - Der arme Docter, - Zu hause hockt er - Patientenlos. - - Von Winterscenen, - Von schrecklich schönen, - Träumt sein Gemüth, - Wenn, Dank Ihr Götter, - Bei Hundewetter - Sein Weizen blüht. - - - - -Künftig. - - - Oh komm herbei, du goldne Zeit, - Wenn alle, die jetzt bummeln, - In schöner Unparteilichkeit - Sich bei der Arbeit tummeln. - - Der Lärm, womit der Musikant - Uns stört, wird dann geringer. - Wer Dünger fuhr, wer Garben band, - Dem krümmen sich die Finger. - - - - -Vergeblich. - - - Schon recht. Du willst als Philosoph - Die Wahrheit dir gewinnen; - Du machst mit Worten ihr den Hof, - Um so sie einzuspinnen. - - Nur sage nicht, daß zwischen dir - Und ihr schon alles richtig. - Sie ist und bleibt, das wissen wir, - Jungfräulich, keusch und züchtig. - - - - -Versäumt. - - - Zur Arbeit ist kein Bub geschaffen, - Das Lernen findet er nicht schön; - Er möchte träumen, möchte gaffen - Und Vogelnester suchen gehn. - - Er liebt es, lang im Bett zu liegen. - Und wie es halt im Leben geht: - Grad zu den frühen Morgenzügen - Kommt man am leichtesten zu spät. - - - - -Wassermuhmen. - - - In dem See die Wassermuhmen - Wollen ihr Vergnügen haben, - Fangen Mädchen sich und Knaben, - Machen Frösche draus und Blumen. - - Wie die Blümlein zierlich knicksen, - Wie die Fröschlein zärtlich quacken, - Wie sie flüstern, wie sie schnacken, - So was freut die alten Nixen. - - - - -Das Blut. - - - Wie ein Kranker, den das Fieber - Heiß gemacht und aufgeregt, - Sich herüber und hinüber - Auf die andre Seite legt -- - - So die Welt. Vor Haß und Hader - Hat sie niemals noch geruht. - Immerfort durch jede Ader - Tobt das alte Sünderblut. - - - - -So nicht. - - - Um's Paradies ging eine Mauer - Hübsch hoch vom besten Marmelstein. - Der Kain, als ein Bub ein schlauer, - Denkt sich: Ich komme doch hinein. - - Er stieg hinauf zu diesem Zwecke - An einer Leiter mäuschenstumm. - Da schlich der Teufel um die Ecke - Und stieß ihn samt der Leiter um. - - Der Vater Adam, der's gesehen, - Sprach, während er ihn liegen ließ: - Du Schlingel! Dir ist recht geschehen. - So kommt man nicht in's Paradies. - - - - -Laß ihn. - - - Er ist verliebt, laß ihn gewähren, - Bekümmre dich um dein Pläsir, - Und kommst du gar, ihn zu bekehren, - Wirft er dich sicher vor die Thür. - - Mit Gründen ist da nichts zu machen. - Was Einer mag, ist seine Sach, - Denn kurz gesagt: In Herzenssachen - Geht Jeder seiner Nase nach. - - - - -Bis auf weiters. - - - Das Messer blitzt, die Schweine schrein, - Man muß sie halt benutzen, - Denn Jeder denkt: Wozu das Schwein, - Wenn wir es nicht verputzen? - - Und Jeder schmunzelt, Jeder nagt - Nach Art der Kannibalen, - Bis man dereinst Pfui Teufel! sagt - Zum Schinken aus Westfalen. - - - - -Gründer. - - - Geschäftig sind die Menschenkinder, - Die große Zunft von kleinen Meistern, - Als Mitbegründer, Miterfinder - Sich diese Welt zurecht zu kleistern. - - Nur leider kann man sich nicht einen, - Wie man das Ding am besten mache. - Das Bauen mit belebten Steinen - Ist eine höchst verzwickte Sache. - - Welch ein Gedrängel und Getriebe - Von Lieb und Haß bei Nacht und Tage, - Und unaufhörlich setzt es Hiebe, - Und unaufhörlich tönt die Klage. - - Gottlob, es giebt auch stille Leute, - Die meiden dies Gewühl und hassen's - Und bauen auf der andern Seite - Sich eine Welt des Unterlassens. - - - - -Entrüstet. - - - Zu gräßlich hatt er mich geneckt. - Wie weh war mir zu Sinn. - Und tief gekränkt und aufgeschreckt - Zum Kirchhof lief ich hin. - - Ich saß auf einem Leichenstein, - Die Augen weint ich roth. - Ach lieber Gott, erbarm dich mein - Und mach mich endlich todt. - - Sieht er mich dann in meinem Sarg, - So wird er lebenssatt - Und stirbt vor Gram, weil er so arg - Mein Herz behandelt hat. - - Kaum war's gesagt, so legten sich - Zwei Arme um mich her, - Und auf der Stelle fühlte ich, - Wer das gethan, war er. - - Wir kehrten Arm in Arm zurück. - Ich sah ihn an bei Licht. - Nein, solchen treuen Liebesblick - Hat doch kein Bösewicht. - - - - -Wiedergeburt. - - - Wer nicht will, wird nie zunichte, - Kehrt beständig wieder heim. - Frisch herauf zum alten Lichte - Dringt der neue Lebenskeim. - - Keiner fürchte zu versinken, - Der in's tiefe Dunkel fährt. - Tausend Möglichkeiten winken - Ihm, der gerne wiederkehrt. - - Dennoch seh ich dich erbeben, - Eh du in die Urne langst. - Weil dir bange vor dem Leben, - Hast du vor dem Tode Angst. - - - - -Frisch gewagt. - - - Es kamen mal zwei Knaben - An einen breiten Graben. - Der erste sprang hinüber, - Schlankweg je ehr je lieber. - War das nicht keck? - Der zweite, fein besonnen, - Eh er das Werk begonnen, - Sprang in den Dreck. - - - - -Glückspilz. - - - Geboren ward er ohne Wehen - Bei Leuten, die mit Geld versehen. - Er schwänzt die Schule, lernt nicht viel, - Hat Glück bei Weibern und im Spiel, - Nimmt eine Frau sich, eine schöne, - Erzeugt mit ihr zwei kluge Söhne, - Hat Appetit, kriegt einen Bauch, - Und einen Orden kriegt er auch, - Und stirbt, nachdem er aufgespeichert - Ein paar Milliönchen, hochbetagt; - Obgleich ein jeder weiß und sagt: - Er war mit Dummerjan geräuchert! - - - - -Immerfort. - - - Das Sonnenstäubchen fern im Raume, - Das Tröpfchen, das im Grase blinkt, - Das dürre Blättchen, das vom Baume - Im Hauch des Windes niedersinkt -- - - Ein jedes wirkt an seinem Örtchen - Still weiter, wie es muß und mag, - Ja selbst ein leises Flüsterwörtchen - Klingt fort bis an den jüngsten Tag. - - - - -Verfrüht. - - - Papa, nicht wahr, - Im nächsten Jahr, - Wenn ich erst groß - Und lesen kann und schreiben kann, - Dann krieg ich einen hübschen Mann - Mit einer Ticktackuhr - An einer goldnen Schnur. - Der nimmt mich auf den Schooß - Und sagt zu mir: Mein Engel, - Und giebt mir Zuckerkrengel - Und Kuchen und Pasteten. - Nicht wahr, Papa? - Der Vater brummt: Na na, - Was ist das für Gefabel. - Die Vögel, die dann flöten, - Die haben noch keinen Schnabel. - - - - -Nörgeln. - - - Nörgeln ist das Allerschlimmste, - Keiner ist davon erbaut; - Keiner fährt, und wär's der Dümmste, - Gern aus seiner werthen Haut. - - - - -Vertraut. - - - Wie liegt die Welt so frisch und thauig - Vor mir im Morgensonnenschein. - Entzückt vom hohen Hügel schau ich - Ins frühlingsgrüne Thal hinein. - - Mit allen Kreaturen bin ich - In schönster Seelenharmonie. - Wir sind verwandt, ich fühl es innig, - Und eben darum lieb ich sie. - - Und wird auch mal der Himmel grauer; - Wer voll Vertraun die Welt besieht, - Den freut es, wenn ein Regenschauer - Mit Sturm und Blitz vorüberzieht. - - - - -Tröstlich. - - - Die Lehre von der Wiederkehr - Ist zweifelhaften Sinns. - Es fragt sich sehr, ob man nachher - Noch sagen kann: Ich bins. - - Allein was thut's, wenn mit der Zeit - Sich ändert die Gestalt? - Die Fähigkeit zu Lust und Leid - Vergeht wohl nicht so bald. - - - - -Unfrei. - - - Ganz richtig, diese Welt ist nichtig. - Auch du, der in Person erscheint, - Bist ebenfalls nicht gar so wichtig, - Wie deine Eitelkeit vermeint. - - Was hilft es dir, damit zu prahlen, - Daß du ein freies Menschenkind? - Mußt du nicht pünktlich Steuern zahlen, - Obwohl sie dir zuwider sind? - - Wärst du vielleicht auch, so zu sagen, - Erhaben über gut und schlecht, - Trotzdem behandelt dich dein Magen - Als ganz gemeinen Futterknecht. - - Lang bleibst du überhaupt nicht munter. - Das Alter kommt und zieht dich krumm - Und stößt dich rücksichtslos hinunter - Ins dunkle Sammelsurium. - - Daselbst umfängt dich das Gewimmel - Der Unsichtbaren, wie zuerst, - Eh du erschienst, und nur der Himmel - Weiß, ob und wann du wiederkehrst. - - - - -Zwei Jungfern. - - - Zwei Jungfern giebt es in Dorf und Stadt, - Sie leben beständig im Kriege, - Die Wahrheit, die Niemand gerne hat, - Und die scharmante Lüge. - - Vor jener, weil sie stolz und prüd - Und voll moralischer Mücken, - Sucht Jeder, der sie nur kommen sieht, - Sich schleunigst weg zu drücken. - - Die andre, obwohl ihr nicht zu traun, - Wird täglich beliebter und kecker, - Und wenn wir sie von hinten beschaun, - So hat sie einen Höcker. - - - - -Unbequem. - - - Ernst und dringend folgt mir eine - Mahnung nach auf Schritt und Tritt: - Sorge nicht nur für das Deine, - Sondern für das Andre mit. - - Demnach soll ich unterlassen - Was mir von Natur genehm, - Um das Gute zu erfassen? - Ei, das ist mal unbequem. - - Zu einem Wohlthätigkeitsbazar in Berlin geschickt. - Dezember 1905. - - - - -Rechthaber. - - - Seine Meinung ist die rechte, - Wenn er spricht, müßt ihr verstummen, - Sonst erklärt er euch für Schlechte, - Oder nennt euch gar die Dummen. - - Leider sind dergleichen Strolche - Keine seltene Erscheinung. - Wer nicht taub, der meidet solche - Ritter von der eignen Meinung. - - - - -Bös und gut. - - - Wie kam ich nur aus jenem Frieden - In's Weltgetös? - Was einst vereint, hat sich geschieden, - Und das ist bös. - - Nun bin ich nicht geneigt zum Geben, - Nun heißt es: Nimm! - Ja, ich muß tödten, um zu leben, - Und das ist schlimm. - - Doch eine Sehnsucht blieb zurücke, - Die niemals ruht. - Sie zieht mich heim zum alten Glücke, - Und das ist gut. - - - - -Immerhin. - - - Mein Herz, sei nicht beklommen, - Noch wird die Welt nicht alt. - Der Frühling ist wiedergekommen, - Frisch grünt der deutsche Wald. - - Seit Ururvätertagen - Stehen die Eichen am See, - Die Nachtigallen schlagen, - Zur Tränke kommt das Reh. - - Die Sonne geht auf und unter[1] - Schon lange vieltausendmal, - Noch immer eilen so munter - Die Bächlein in's blühende Thal. - - Hier lieg ich im weichen Moose - Unter dem rauschenden Baum, - Die Zeit, die wesenlose, - Verschwindet als wie ein Traum. - - Von kühlen Schatten umdämmert, - Versink ich in selige Ruh; - Ein Specht, der lustig hämmert, - Nickt mir vertraulich zu. - - Mir ist, als ob er riefe: - Heija, mein guter Gesell, - Für ewig aus dunkler Tiefe - Sprudelt der Lebensquell. - - [1] An Paul Lindau gegeben für Wilbrandts Gedenkbuch 1907. - - - - -Erbauliche Bescheidenheit. - - - Sehr schlecht befand sich Mutter Klöhn. - Sie kann nicht gehn, - Ist krumm und lahm - Und liegt zubett und rührt sich nicht. - Seit zwanzig Jahren hat sie schon die Gicht. - Herr Küster Bötel, welcher häufig kam, - Um gute Bessrung ihr zu wünschen, - Erzählt ihr auch des weitern, - Um sie ein wenig zu erheitern, - Die Mordgeschichte, die man jüngst verbrochen. - Ja, denken Sie nur mal, - Der Präsident von Frankreich ist erstochen - Von einem Strolch - Mit einem Dolch. - Ist das nicht ein Skandal? - Oh, Lü und Kinners, rief sie voller Graun, - Wat gift et doch vär Minschen. - Sau wat könn _eck_ doch nich e daun!! - Herr Bötel sprach und sah sie freundlich an: - Dies Wort von Ihnen mag ich leiden. - Ein guter Mensch ist niemals unbescheiden - Und thut nicht mehr als was er kann. - Adieu, Frau Klöhn! - Auf fröhlich Wiedersehn! - - - - -Ich bin Papa. - - - Mitunter schwitzen muß der Schreiner, - Er stößt auf manchen harten Ast. - So geht es auch, wenn unsereiner - Sich mit der Grübelei befaßt. - Zum Glück hat meine gute Frau, - Die liebevoll an alles denkt, - Mir einen kleinen Fritz geschenkt, - Denn oft erfreut mich dieser Knabe - Durch seinen kindlichen Radau, - Wenn ich so meine Schrullen habe. - Heut mittag gab es wieder mal - Mein Leibgericht, gespickten Aal, - Und wie ich dann zur Körperpflege, - Die Weste auf, die Augen zu, - Die Hände friedlich auf dem Magen - Im Polsterstuhl mich niederlege, - Oh weh, ein Schwarm von dummen Fragen - Verscheucht die heißersehnte Ruh. - Ach, wird es mir denn niemals klar, - Wo ich gewesen, eh ich war? - Schwamm ich, verkrümelt in Atome, - Gedankenlos im Wirbelstrome, - Bis ich am Ende mich verdichtet - Zu einer denkenden Person? - Und jetzt, was hab ich ausgerichtet? - Was war der Mühe karger Lohn? - Das Geld ist rar, die Kurse sinken, - Dagegen steigt der Preis der Schinken. - Fast jeden Morgen klagt die Mutter: - Ach Herr, wie theuer ist die Butter! - Ja, selbst der Vater wird gerührt, - Wenn er sein kleines Brödchen schmiert. - Und doch, trotz dieser Seelenleiden, - Will keiner gern von hinnen scheiden. - Wer weiß? - Ei sieh, wer kommt denn da? - Hallo, der Fritz! Nun wird es heiter, - Nun machen wir den Eselreiter. - Flugs stell ich mich auf alle Viere, - Indem ich auf und ab marschiere, - Und rufe kräftig mein Ih -- ah! - Vor Wähligkeit und Uebermuth. - Ih -- ah! Die Welt ist nicht so übel. - Wozu das närrische Gegrübel? - Ich bin Papa, und damit gut. - - - - -Gründliche Heilung. - - - Es saß der fromme Meister - Mit Weib und Kind bei Tisch. - Ach, seine Lebensgeister - Sind nicht wie sonst so frisch. - - Er sitzt mit krummem Nacken - Vor seinem Leibgericht, - Er hält sich beide Backen, - Worin es heftig sticht. - - Das brennt wie heiße Kohlen. - Au, schreit er, au, verdammt! - Der Teufel soll sie holen, - Die Zähne allesammt! - - Doch gleich, wie es in Nöthen - Wohl öfter schon geschah, - Begann er laut zu beten: - Hilf, Apollonia! - - Kaum daß aus voller Seele - Er diesen Spruch gethan, - Fällt aus des Mundes Höhle - Ihm plötzlich jeder Zahn. - - Und schmerzlos, Dank dem Himmel, - Schmaust er, wie sonst der Brauch, - Nur war es mehr Gemümmel, - Und lispeln thät er auch. - - Pohsit! Wie klingt so niedlich - Des Meisters Säuselton. - Er trank, entschlummert friedlich, - Und horch, da schnarcht er schon. - - 3. August 1907 an die »Lustige Woche« gegeben. - - - - -Frühlingslied. - - - In der Laube von Syringen, - Oh, wie ist der Abend fein. - Brüder, laßt die Gläser klingen, - Angefüllt mit Maienwein. - - Heija, der frische Mai - Er bringt uns mancherlei. - Das Schönste aber hier auf Erden - Ist lieben und geliebt zu werden, - Heija, im frischen Mai. - - Ueber uns die lieben Sterne - Blinken hell und frohgemuth, - Denn sie sehen schon von ferne, - Auch hier unten geht es gut. - - Wer sich jetzt bei trüber Kerzen - Der Gelehrsamkeit befleißt, - Diesem wünschen wir von Herzen, - Daß er bald Professor heißt. - - Wer als Wein- und Weiberhasser - Jedermann im Wege steht, - Der genieße Brod und Wasser, - Bis er endlich in sich geht. - - Wem vielleicht sein altes Hannchen - Irgendwie abhanden kam, - Nur getrost, es gab schon Manchen, - Der ein neues Hannchen nahm. - - Also, eh der Mai zu Ende, - Aufgeschaut und umgeblickt, - Keiner, der nicht eine fände, - Die ihn an ihr Herze drückt. - - Jahre steigen auf und nieder; - Aber, wenn der Lenz erblüht, - Dann, ihr Brüder, immer wieder - Töne unser Jubellied. - - Heija, der frische Mai, - Er bringt uns mancherlei, - Das Schönste aber hier auf Erden - Ist lieben und geliebt zu werden, - Heija, im frischen Mai. - - - - -Zu Neujahr. - - - Will das Glück nach seinem Sinn - Dir was Gutes schenken, - Sage Dank und nimm es hin - Ohne viel Bedenken. - - Jede Gabe sei begrüßt, - Doch vor allen Dingen: - Das, warum du dich _bemühst_, - Möge dir gelingen. - - - - -In trauter Verborgenheit. - - - Ade, ihr Sommertage, - Wie seid ihr so schnell enteilt, - Gar mancherlei Lust und Plage - Habt ihr uns zugetheilt. - - Wohl war es ein Entzücken, - Zu wandeln im Sonnenschein, - Nur die verflixten Mücken - Mischten sich immer darein. - - Und wenn wir auf Waldeswegen - Dem Sange der Vögel gelauscht, - Dann kam natürlich ein Regen - Auf uns hernieder gerauscht. - - Die lustigen Sänger haben - Nach Süden sich aufgemacht, - Bei Tage krächzen die Raben, - Die Käuze schreien bei Nacht. - - Was ist das für Gesause! - Es stürmt bereits und schneit. - Da bleiben wir zwei zuhause - In trauter Verborgenheit. - - Kein Wetter kann uns verdrießen. - Mein Liebchen, ich und du, - Wir halten uns warm und schließen - Hübsch feste die Thüren zu. - - - - -Was das Großmütterlein sang. - - - Surre surre surre! - Mein gutes Rädchen schnurre! - Für unser kleines Kätchen - Dreh mir ein feines Fädchen - So lang von hier bis Köllen - Wohl mehr als tausend Ellen. - Wir wollen es winden - Und Docken von binden, - Meister Weber es geben, - Soll Leinen uns weben, - Das breiten wir beide - Auf blumige Heide - Auf Anger und Wiesen - Und wollen es sonnen - Benetzen und gießen - Aus Bächen und Bronnen. - Ach, komm du lieber Sonnenschein - Und bleiche unser Leinen rein. - Dann kriegt mein Herzenstäubchen - Wohl manch ein feines Hemd - Und Tüchlein oder Häubchen, - Bis daß der Freier kömmt. - Schön guten Tag, Herr Freiersmann! - Was schaut er so mein Kätchen an? - Das Kätchen geben wir nicht her, - Und wenn's für Tausend Thaler wär. - Ei, Mutter, nur nicht gleich geschmält! - Den hübschen jungen Knaben - Den will und muß ich haben; - Den Krauskopf, den Krauskopf - Hab ich mir auserwählt. - Und willst du denn ein Bräutchen sein, - So geb ich meinen Segen drein. - So manches Blümlein wachsen mag - Von Ostern bis Michelistag, - So manches Körnlein, als man sät, - So mancher Halm in Aehren steht, - So vielmal Gutes wünsch ich dir - Aus meines Herzens Grund herfür. - Und wenn die Pfeifen klingen, - Dann tanzen wir und springen; - Dann spring ich wohl und tanz ich - Von Danzig bis nach Nanzig -- - Knipp knapp! - Da reißt mein Faden ab! - - - - -Am Vorabend von Rosens Geburtstag. - - - Lauschend am Fenster sitzt der Poet. -- - Draußen die Blumen und Pflänzchen - Halten ihr Abendkränzchen - Auf dem Gartenbeet. - Der Mond in Silberlivree, - Leise geschäftig, - Kredenzt den Thau, den Blüthenthee, - Anregend und kräftig. - Und von Kelch zu Kelche - Geht ein Geflüster: - Also morgen ist er! - -_Frau Ehrenpreis_ (Veronika). - - Ja, morgen feiert sie - Ihren werthen Entsprießungstag -- - -_Taubnessel_ (mit dem Hörrohr). - - Hä was? Hä welche? - -_Frau Ehrenpreis_ (lauter). - - -- -- Drüben im Garten die schöne Frau Rose -- -- - -_Taubnessel._ - - Ah! mit den zwei Knospen die! - -_Frau Ehrenpreis._ - - -- -- die tadel- und dornenlose -- -- - -_Distel_ (für sich). - - Wer's glauben mag! - -_Frau Ehrenpreis._ - - -- Von Duft und Glanz umwoben. - -_Distel._ - - Man weiß, man weiß! - Die gute Frau Ehrenpreis - Muß immer loben. - Und doch hat unser Röschen, das feine - Allerlei kleine - Grillen und Räupchen - Unter dem zierlichen Häubchen. - -_Gänseblümchen._ - - Oh wie reizend! - -_Distel._ - - Bald steht sie da so mildiglich - Und senkt die Blätter, - Bald rüttelt, schüttelt und spreizt sie sich, - Je nach dem Wetter. - -_Gänseblümchen._ - - Oh wie reizend! - -_Klatschrose._ - - Ja reizend, das wollt ich meinen! - Drum sieht man auch häufig den Löwenzahn, - Den Rittersporn und den Baldrian - Dort wachsen und erscheinen. - -_Gänseblümchen._ - - Oh wie reizend! - -_Klatschrose._ - - Ja reizend, ganz recht! - Und dann dieser Musenknecht, - Dieser Dichter -- - -_Distel._ - - Der Versetrichter -- - -_Klatschrose._ - - -- mit den langen Locken -- - -_Distel._ - - -- mit dem Loch im Socken. - -_Gänseblümchen._ - - Oh wie reizend! - -_Klatschrose._ - - Alltäglich kläglich mit Gefühl - In ihrer Nähe - Entlockt er seinem Saitenspiel - Lieblich Getön - Und singt so schön -- - -_Distel._ - - -- wie 'ne Mantelkrähe. - -_Klatschrose._ - - Zum Beispiel, noch gestern -- -- - -_Lilie_ (sanft). - - Geliebte Schwestern! -- - -_Frau Ehrenpreis._ - - Ihr Muster der Milde! - Ihr Tugendgebilde! - -_Lilie._ - - Wen sollte der festliche Tag nicht rühren! - Ich denke doch -- -- - -_Levkoje_, _Tulpe_, _Päonie_, _Flox_ etc. - - Ja ja, wir alle gratuliren!! - -_Frau Ehrenpreis._ - - Ein Schöngeist blüht in unsrer Mitte, - Ein hochgeschickter -- - Fräulein Federnelke -- - -_Federnelke._ - - Oh, bitte! - -_Distel_ (für sich). - - Blaustrumpf, verrückter! - -_Frau Ehrenpreis._ - - -- -- Federnelke, die wundersame, - So lautet ihr holder botanischer Name. - Vielleicht läßt sie sich freundlich erweichen - Und schreibt und dichtet ein Billet, - Duftend, geistvoll und nett. - Das möge dann die dienende Biene, - Unsere süße geflügelte Schleckerkathrine, - Hinschwebend im frühesten Morgenwind, - Dem hohen Geburtstagskind - Ehrfurchtsvoll sumsend überreichen. - -_Gänseblümchen._ - - Oh wie reizend! - -_Federnelke_ (schreibt und liest). - - »Veredelte Rose und Nachbarin! - »Nehmet dies Brieflein gnädig hin, - »Sintemalen dasselbe geschrieben - »Von allerlei Pflanzen, welche Euch lieben. - »Verleihe der Himmel Euer Gnaden - »Beständig ein sanftes Sonnenlicht - »Und frischen Thau und meinetwegen - »Auch hie und da ein wenig Regen, - »Nur Sturmwind nicht, - »Denn dieser thut der Schönheit Schaden. - »Ergebenst mit Herz und Honigmund - »Das Blumenkränzchen: Tugendbund.« - -_Gänseblümchen._ - - Oh wie reizend! - -_Federnelke._ - - Ich denke, es macht sich so! - -_Alle._ - - Bravo bravissimo! - -_Mond._ - - Noch 'n Täßchen Thee gefällig? - -_Levkoje._ - - Ich trank schon drei. - -_Flox._ - - Ich fünf. - -_Tulpe._ - - Ich acht. - -_Päonie._ - - Mein Mieder kracht! - -_Alle._ - - Gute Nacht, gute Nacht! - - (Die Blumen nicken. Der Mond geht unter. Der Poet, nachdem er - noch einen Blick in die Nacht hinaus gebohrt, schließt leise - das Fenster.) - - - - -Peinlich berührt. - - - Im Dorfe wohnt ein Vetter, - Der gut versichert war - Vor Brand und Hagelwetter - Nun schon im zehnten Jahr. - - Doch nie seit dazumalen - Ist ein Malör passiert, - Und so für nichts zu zahlen, - Hat peinlich ihn berührt. - - Jetzt, denkt er, überlasse - Dem Glück ich Feld und Haus. - Ich pfeife auf die Kasse. - Und schleunig trat er aus. - - Oweh, nach wenig Tagen - Da hieß es: Zapperment! - Der Weizen ist zerschlagen - Und Haus und Scheune brennt. - - Ein Narr hat Glück in Masse, - Wer klug, hat selten Schwein. - Und schleunig in die Kasse - Trat er halt wieder ein. - - - - -Das traurige Röslein. - - - Ein Röslein war gar nicht munter, - Weil es im Topfe stand, - Sah immer traurig hinunter - Auf die Blumen im freien Land. - Die Blumen nicken und winken. - Wie ist es im Freien so schön - Zu tanzen und Thau zu trinken - Bei lustigem Windeswehn. - Von bunten Schmetterlingen - Umgaukelt, geschmeichelt, geküßt; - Dazwischen der Vöglein Singen - Anmuthig zu hören ist. - Wir preisen dich und loben - Dich, fröhliche Sommerzeit; - Ach, Röslein am Fenster droben - Du thust uns auch gar zu leid. - Da ist ins Land gekommen - Der Winter mit seiner Noth. - In Schnee und Frost verklommen - Die Blumen sind alle todt. - Ein Mägdlein hört es stürmen, - Macht fest das Fenster zu. - Jetzt will ich dich pflegen und schirmen, - Du liebes Röslein du. - - - - -Der Thürmer. - - - Der Thürmer steht auf hohem Söller - Und raucht sein Pfeifchen echten Kneller, - Wobei der alte Invalid - Von oben her die Welt besieht. - Es kommt der Sommer allgemach. - Die Schwalben fliegen um das Dach, - Derweil schon manche stillbeglückt - Im Neste sitzt und fleißig drückt. - Zugleich tritt aus dem Gotteshaus - Ein neuvermähltes Paar heraus, - Das darf sich nun in allen Ehren - Getreulich lieben und vermehren. -- - Der Sommer kam, und allenthalben - Schwebt ungezählt das Heer der Schwalben, - Die, wenn sie flink vorüberflitzen, - Des Thürmers alten Hut beschmitzen. - Vom Platze unten tönt Juchhei, - Die Klosterschüler haben frei, - Sie necken, schrecken, jagen sich, - Sie schlagen und vertragen sich - Und grüßen keck mit Hohngelächter - Des Thurmes hochgestellten Wächter. -- - Der Sommer ging, die Schwalben setzen - Sich auf das Kirchendach und schwätzen. - Sie warten, bis der Abend da, - Dann flogen sie nach Afrika. - Doch unten, wo die Fackeln scheinen, - Begraben sie mal wieder Einen - Und singen ihm nach frommer Weise - Ein Lebewohl zur letzten Reise. - Bedenklich schaut der Thürmer drein. - Still geht er in sein Kämmerlein - Zu seinem großen Deckelkrug, - Und als die Glocke zehne schlug, - Nahm er das Horn mit frischem Muth - Und blies ein kräftiges Tuhuht. - - - - -Buch des Lebens. - - - Haß, als minus und vergebens, - Wird vom Leben abgeschrieben. - Positiv im Buch des Lebens - Steht verzeichnet nur das Lieben. - Ob ein Minus oder Plus - Uns verblieben, zeigt der Schluß. - -[Illustration] - - - - -[Illustration] - -Von diesem Buche ist zugleich mit dieser Ausgabe auch - - eine Luxusausgabe - in 1200 numerirten Exemplaren erschienen. - -Sie ist auf handgeschöpftes Büttenpapier gedruckt, in Leder gebunden -und kostet Mk. 8.--. - - -Im September 1908 erschien im gleichen Verlage: - -»Hernach« - -von - -Wilhelm Busch. - -Ein stattlicher Band mit 95 zum Theil farbigen Zeichnungen nebst Versen. - - ~A.~ Facsimile-Ausgabe in 1000 numerirten Exemplaren, die - Zeichnungen in Lichtdruck, die Texte in des Dichters Handschrift - reproduzirt, auf 60 Cartons gelegt. Gebunden in Kalbleder - - Preis Mk. 16.--. - - ~B.~ Gewöhnliche Ausgabe, in Buchdruck hergestellt auf starkem, - getöntem Papier. In Leinwand gebunden - - Preis Mk. 5.--. - -[Illustration] - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Schein und Sein, by Wilhelm Busch - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHEIN UND SEIN *** - -***** This file should be named 60522-0.txt or 60522-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/0/5/2/60522/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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