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Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so - ausgezeichnet~. Im Original fetter Text ist =so dargestellt=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - - Leibniz - - Zu seinem zweihundertjährigen Todestag - - 14. November 1916 - - Von - - Wilhelm Wundt - - [Illustration] - - Alfred Kröner Verlag in Leipzig - 1917 - - - - - Copyright 1916 - by Alfred Kröner Verlag in Leipzig - - - Druck von Metzger & Wittig in Leipzig - - - - -Vorwort. - - -Der Verfasser dieser kleinen Schrift hat sich vor sehr vielen Jahren -einmal mit dem kühnen, vielleicht phantastischen Plan getragen, -eine wissenschaftliche Leibniz-Biographie zu schreiben. Natürlich -ist nichts aus dem Plan geworden, er ist nicht einmal bis zu den -Anfängen seiner Ausführung gediehen. Aber als ich infolge meines -späteren Lehrberufs von Zeit zu Zeit immer wieder veranlaßt war, zur -Beschäftigung mit diesem merkwürdigen Manne zurückzukehren, sammelte -sich mir im Lauf der Jahre eine Anzahl von Bemerkungen an, die mir in -mancher Beziehung das Bild dieser Persönlichkeit in etwas verändertem -Lichte gegenüber dem überlieferten erscheinen ließen. Diese Schrift -beabsichtigt daher nicht, mit den verschiedenen Interpretationen der -Leibnizschen Philosophie in Wettstreit zu treten, und sie hat deshalb -auch nirgends Anlaß gehabt, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Ich bin -überhaupt nicht von seiner Philosophie, sondern zunächst von seinen -mathematisch-physikalischen Arbeiten ausgegangen, die mich dann, so -weit dies möglich war, zu gelegentlichen Beschäftigungen mit seinen -sonstigen wissenschaftlichen und praktischen Interessen geführt haben. -Von hier aus suchte ich endlich den Wegen nachzugehen, auf denen er -zu seinen philosophischen Ideen gelangt ist. Er selbst ist ja, wie -bekannt, im wesentlichen diesen Weg gegangen und darum, hierin nicht -unähnlich seinem großen Nachfolger Kant, erst spät zu der Reihe von -Gedanken gelangt, die man sein System zu nennen pflegt, und die doch -eigentlich mehr den Charakter einer phantasievollen Verknüpfung seiner -wissenschaftlichen Ideen als den eines strengen logischen Systems -besitzen. Ich bekenne, daß mir im Zusammenhang mit dieser Betrachtung -vieles in der Kultur seiner eigenen und der folgenden Zeit sowie in der -weiteren Geschichte der deutschen Philosophie verständlicher geworden -ist, als es zuvor war. - -Ich veröffentliche diese Studie zum zweihundertjährigen Todestag des -Mannes, mit dem die neue deutsche Philosophie begonnen hat. Möge dieser -Tag daran erinnern, daß die deutsche Philosophie, mehr als manche -unserer Zeitgenossen Wort haben wollen, aus eigener Kraft entstanden -ist, und daß sie zu einer Zeit geboren wurde, da die deutsche Nation -ungleich mehr als heute einer ungewissen Zukunft entgegensah. - - Leipzig, im September 1916. - - =W. Wundt.= - - - - -Inhalt. - - - Seite - - I. Leibniz und seine Zeit 1 - - II. Leibniz und die Scholastik 20 - - ~a.~ Leibniz als Mathematiker 24 - - ~b.~ Die dynamische Naturphilosophie 36 - - ~c.~ Die Aktualität der Seele 57 - - ~d.~ Die Einheit der Wissenschaften 66 - - III. Leibniz und die neue Wissenschaft 73 - - ~a.~ Der Wandel der Substanzbegriffe 79 - - ~b.~ Die ~Lex continuitatis~ 90 - - ~c.~ Der neue Idealismus 103 - - ~d.~ Philosophie und Theologie 114 - - IV. Leibniz und die Zukunft der deutschen Philosophie 121 - - Anmerkungen 130 - - - - -I. - -Leibniz und seine Zeit. - - -Daß der gegenwärtige Krieg der größte und furchtbarste sei, den die -Welt jemals gesehen, ist ein in den letzten Monaten oft gehörtes Wort. -Doch für uns Deutsche trifft dieses Wort nicht zu. Das deutsche Volk -hat einen Krieg erlebt, furchtbarer und zerstörender als diesen. Das -war jener Krieg, in welchem dreißig Jahre lang der deutsche Boden zum -Kriegstheater geworden war, auf dem die Völker Europas ihre Kämpfe -ausfochten und der schließlich nur deshalb zu Ende ging, weil die -Söldnerscharen, die hier aus aller Welt zusammenströmten, in den -niedergebrannten Dörfern und verarmten Städten nichts mehr zu plündern -fanden. Unter den Trümmern der von ihr angerichteten Verwüstung hatte -die Kriegsfurie zuletzt sich selber begraben. Zurückgelassen aber hatte -sie an der Stelle einer zuvor blühenden Kultur eine durch Hunger, -Seuchen und Gewalttaten dezimierte, um den kümmerlichen Aufbau ihres -zerstörten Besitzes sich abmühende Bevölkerung. Über ein Jahrhundert, -in manchen Gegenden das Doppelte dieser Zeit, soll nach der Schätzung -der Wirtschaftsstatistik verflossen sein, bis der Wohlstand der Nation -annähernd wieder auf der gleichen Höhe angelangt war, die er vor dem -Kriege erreicht hatte. Doch wer könnte schätzen, was das deutsche -Volk in diesem halben Jahrhundert der Friedlosigkeit versäumt hatte! -Denn auch für ein Volk gilt in gewissem Sinne, was für den einzelnen -Menschen gilt: eine verlorene Lebenszeit läßt sich nicht wieder -ersetzen. Und was für eine gewaltige Zeit europäischer Kultur ist -gerade diese erste Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts gewesen! Es -ist das Zeitalter, in dem sich England zur ersten Seemacht der Welt -zu erheben begann, in dem Frankreich zur unbestritten herrschenden -Landmacht Europas geworden war, und in dem mit dem politischen -Aufschwung in beiden Ländern die Blüte der Kunst und der Wissenschaft -sich verband. Wohl kann man nicht ohne Rührung dessen gedenken, daß -selbst in dieser trostlosen Zeit des deutschen Niedergangs neben den -Nachfolgern Shakespeares und den großen französischen Klassikern -die Stimmen der deutschen Dichtung ihren eigenen Reiz besitzen. Um -so mehr lastete auf einem andern Gebiet geistigen Schaffens, das -mehr als der Ausdruck seelischer Stimmungen in Poesie und Musik von -der Gunst äußerer Bedingungen abhängt, das schwere Schicksal dieses -Krieges. Es ist die _neue Wissenschaft_, die in diesem Jahrhundert -den glänzenden Abschluß des Zeitalters der Renaissance bildet. Zwar -die große Umwälzung der Himmelskunde, die ihr den Weg bereitete, war -vorangegangen. Noch reichte das Leben des großen deutschen Forschers, -der durch die Entdeckung der Gesetze der Planetenbewegungen dem neuen -Weltsystem die Herrschaft gesichert hatte, in die Zeit der Schrecken -des Krieges hinein. Doch Kepler fristete, unstet von Ort zu Ort -wandernd, notdürftig sein Dasein und starb schließlich im Elend. An -jenem Aufschwung auf allen Gebieten der Forschung, der vornehmlich in -diese erste Hälfte des Jahrhunderts fällt, und von dem mit Recht gesagt -worden ist, er sei nicht bloß eine Wiedergeburt, sondern eine völlige -Neuschöpfung, an ihm hat die deutsche Wissenschaft keinen nennenswerten -Anteil genommen. - -Indes die deutschen Universitäten zumeist in der ödesten Spätscholastik -befangen geblieben waren, hatte Richelieu die Pariser Akademie -gegründet, die sich rasch zu einer Art obersten Tribunals der -Wissenschaften erhob. Ihr folgte bald die Königliche Gesellschaft zu -London. Eine Reihe hervorragender Mathematiker und Physiker sammelte -sich um diese neuen Pflanzstätten der Wissenschaft, die auch aus der -Ferne die hervorragendsten Gelehrten in ihren Kreis zogen. Neben den -exakten Wissenschaften sind es die Fragen des Staats- und Völkerrechts, -die in dieser bewegten Zeit besonders die Geister beschäftigen. Vor -allem aber erhebt sich unter dem mächtigen Impuls der Naturwissenschaft -und in grundsätzlicher Abkehr von der aristotelischen Scholastik die -neue Philosophie. Um die Zeit, in der der deutsche Krieg zu einem -Weltkrieg zu werden begann, entwarf Francis Bacon sein großes Werk -»Über den Wert und die Fortschritte der Wissenschaften«, in welchem er -seine Übersicht über alles, was die neue Wissenschaft geleistet und -was sie noch zu leisten habe, mit einer begeisterten Lobpreisung ihres -Wertes für den Fortschritt der Menschheit begleitete. Und zwanzig Jahre -später, als sich das zerstörende Werk des Krieges seinem Ende zuneigte, -verfaßte Descartes jene Reihe seiner Schriften, die seinem und noch dem -größten Teil des folgenden Jahrhunderts als die unbestritten größten -Schöpfungen der Philosophie galten. - -Zwei Jahre vor dem Ende des Krieges ist Leibniz geboren. Seine Jugend -fällt in eine Zeit, in die wir uns heute schwer hineindenken können. -Wie anders mußte doch die Welt einem Geschlecht erscheinen, in welchem -die jugendlichere Hälfte der Lebenden den Frieden noch niemals gesehen -hatte, die ältere aber diesen Frieden nur noch in dem verklärenden -Licht jugendlicher Erinnerungen erblickte, das durch den Kontrast -gegen die Schrecken des seither Erlebten um so heller strahlte. So -falsch es darum wäre, zu meinen, dieses Geschlecht habe nun sofort -sich bemüht, auf dem geradesten Wege nachzuholen, was es bis dahin -verabsäumt, so sehr würde man fehlgehen, wollte man vermuten, dieses -so lange Jahre ohnmächtig der äußeren Gewalt fügsam gewordene Volk sei -auf lange hinaus zu einer Wiedererhebung nicht mehr fähig gewesen. Das -letztere würde womöglich noch irriger sein als das erste. Dies zeigt -vor allem die Literatur dieser Jahre nach dem Krieg. Insbesondere -ist es _eine_ Eigenschaft, die die Menschen dieser Restaurationszeit -auszeichnet: das ist das rastlose Streben, die alten glücklichen -Zustände wiederherzustellen, die den religiösen und politischen -Wirren, auf die man diesen unseligen Krieg zurückführte, vorangegangen -waren. So war denn dieses Geschlecht vor allem praktischen Interessen -zugewandt. Es ist erstaunlich zu sehen, wie sehr in der Literatur -dieser Zeit die politischen Fragen und die Verhandlungen über die -religiösen Streitpunkte und ihre mögliche Ausgleichung vorherrschen. -Der Krieg war ja zu einem guten Teil ein Religionskrieg gewesen. Konnte -man nicht hoffen, daß fernerhin für alle Zeit Friede bleiben werde, -wenn nur erst der Glaubenszwiespalt beseitigt sei? In den weitesten -Volkskreisen gingen Gerüchte um, die von einem nahe bevorstehenden -ewigen Religionsfrieden zu erzählen wußten. Der Erzkanzler Johann -Philipp von Schönborn zu Mainz, ein den Protestanten geneigter Fürst, -und sein Minister Boineburg, der selbst von der protestantischen -zur katholischen Kirche übergetreten war, sollten sich, nach der -Volkssage, mit dem Papste bereits über die wechselseitigen Konzessionen -verständigt haben, unter denen die große Vereinigung der Religionen -ins Werk zu setzen sei. Nicht weniger wie die Kirchenspaltung empfand -man aber die politische Zerklüftung Deutschlands als eine Hauptursache -des hereingebrochenen Unheils. In der Wiederaufrichtung des deutschen -Reichs in alter Herrlichkeit, gefestigt durch ein unauflösliches, jede -fremde Einmischung von den deutschen Grenzen künftighin fernhaltendes -Bündnis der Fürsten, sah man die sichere Bürgschaft eines dauernden -Friedens. Das lebendige Nationalgefühl und sein Widerspiel, der Kampf -gegen welsche Mode und fremden Übermut, die uns bei den Dichtern des -dreißigjährigen Krieges in so erfreuendem Kontrast zur Not dieser -Zeit anmuten, sie setzen sich jetzt, wo der ersehnte Friede wirklich -erreicht ist, in hoffnungsreiche Pläne einer politischen und nationalen -Wiedergeburt um, die sich freilich allzu leicht über die äußeren -Schwierigkeiten und die inneren Hemmungen hinwegtäuschen, denen diese -patriotischen Wünsche begegnen. - -Um die Stellung, die Leibniz in seiner Zeit einnimmt, richtig zu -würdigen, muß man diesen Charakter der Zeit selbst in Betracht -ziehen. Je weniger wir uns aber heute mehr in jene hochgehenden und -schließlich getäuschten Erwartungen zurückdenken können, um so mehr -sind wir geneigt, einen Mann wie diesen, der mit dem, was er Bleibendes -geschaffen, weit über sie hinausreicht, nach seinem Verhältnis zu uns, -nicht nach dem zu seiner eigenen Umgebung und nach denjenigen Seiten -seines Wirkens zu beurteilen, in denen er selbst die Hauptaufgabe -seines Lebens gesehen hat. Wer Leibniz heute liest, der liest seine -philosophischen, zum Teil wohl auch seine mathematischen Schriften, -falls er sich hier nicht mit dem mehr oder weniger oberflächlichen -Bericht in einer Geschichte der Mathematik begnügt. Selten wirft wohl -einmal ein Jurist seinen Blick in die juristischen oder ein Historiker -in die politischen Schriften. So bleibt denn nur der allgemeine -Eindruck, daß wir hier einem Wissen und Können gegenüberstehen, -das überhaupt, um möglich zu sein, nicht bloß einer erstaunlichen -persönlichen Begabung, sondern vielleicht auch einer außerordentlichen -Zeit bedurfte, in der die Kräfte der Nation nach langem Siechtum wieder -zu neuem Leben erwacht waren. Fast ein Jahrhundert lang war ja die -deutsche Wissenschaft nahezu stehen geblieben. Die Traditionen der -älteren Zeit waren verloren gegangen, die deutschen Vorläufer der neuen -Weltanschauung, ein Nikolaus von Kues, ein Paracelsus sind viel später -erst, als das Interesse an ihnen ein rein historisches geworden war, in -ihrer philosophischen Bedeutung wieder entdeckt worden. - -So hatte an der Begründung der neuen Philosophie die deutsche -Wissenschaft bis dahin keinen Anteil genommen. Da ist es denn in der -Tat, als habe der Geist der Nation in dieser einen Persönlichkeit -nachholen wollen, was er bis dahin verabsäumt hatte. Der Reihe der -hervorragenden Denker, die in England und Frankreich von verschiedenen -Seiten, die einen von der empirischen Naturforschung, die anderen -von der abstrakten Mathematik, noch andere von der Theologie oder -der Staatswissenschaft ausgehend, das Gebäude der neuen Philosophie -errichten halfen, tritt dieser deutsche Philosoph als ein einziger, -ganz auf sich selbst gestellt, gegenüber. Er ist ihnen allen überlegen. -Ihm scheinen die Hilfsmittel sämtlich zu Gebote zu stehen, über die -jene nur teilweise verfügen. Er ist Jurist, Historiker und Philologe, -Mathematiker, Physiker, Geologe, wohl bewandert in den verschiedenen -Gebieten der Biologie, daneben unermüdlich bemüht um die theologischen -Streitfragen der Zeit, endlich ein politischer Schriftsteller von -unerreichter Virtuosität juristischer Beweisführung und von einer -Kenntnis konkreter staatsrechtlicher Fragen, in der ihn keiner seiner -Zeitgenossen erreicht. Und seine Philosophie besteht nicht etwa in -beiläufigen Gedanken, die ebensogut unabhängig von diesen mannigfachen -anderen Arbeiten entstanden sein könnten. Einer solchen Meinung hat -Leibniz selbst mehrfach auf das Nachdrücklichste widersprochen. Ihr -widerstreitet zudem seine Überzeugung von dem allgemeinen Zusammenhang -der Wissenschaften, wie er denn auch verhältnismäßig erst spät zu -seinen endgültigen philosophischen Anschauungen gelangt ist. Die -Jurisprudenz und die Mathematik erklärt er für einander nahe verwandte -Gebiete. Jene ist ihm geradezu eine Art Kalkül mit Begriffen, von dem -mathematischen nur dadurch verschieden, daß es bei ihm mehr auf die -Qualität als auf die quantitativen Verhältnisse ankommt. Auch meint er -von der Jurisprudenz, von der seine eigenen Studien ausgingen und mit -der er zeitlebens in enger Fühlung geblieben ist, sie führe zugleich -bei allen ihren Aufgaben von dem abstrakten Begriff zu dem konkreten -Inhalt der Wirklichkeit, so daß der wahre Jurist eigentlich ebensogut -in der Naturwissenschaft wie in der Geschichte und Politik zu Hause -sein müßte. Wie die Idee der Harmonie alles Seins und Geschehens -schließlich das leitende Motiv seiner Philosophie geworden ist, so -gehörte daher der Gedanke einer Harmonie der Wissenschaften, in -der jede berufen sei, die andere zu ergänzen und, wo es nötig sei, -zu erleuchten, zu seinen bleibendsten Überzeugungen. Darum hat es -schwerlich einen Gelehrten gegeben, der mehr gewußt, sicherlich aber -auch keinen, der auf bloße Vielwisserei einen geringeren Wert gelegt -hätte wie Leibniz. - -Schon seine erste Schrift, die »~Dissertatio de arte combinatoria~«, -mit der er als Zwanzigjähriger seine philosophische Magisterwürde -erwarb, ist dafür bezeichnend. Sie behandelt, nach der Sitte der -deutschen Hochschulen jener Zeit mit allerlei scholastischen Exkursen -belastet, im wesentlichen die Aufgaben der heute noch sogenannten -Kombinationsrechnung, allerdings, wie ihr Autor selbst später bemerkt -hat, lückenhaft und unzulänglich. Aber wenn sie ihrem Inhalt nach -eine bloß mathematische zu sein scheint, so ist sie dies doch ihrem -Zweck nach durchaus nicht. Vielmehr möchte der jugendliche Autor die -Grundlagen einer systematischen Methode der Ordnung und Gliederung -der Begriffe überhaupt gewinnen. So ist die Arbeit ein erster Anlauf -zur Verwirklichung jenes Planes einer allgemeinen Begriffsrechnung, -der ihn unter dem Namen einer »~Charakteristica universalis~« sein -Leben lang beschäftigt hat. Mit diesem Plan einer über die Gesamtheit -der Wissenschaften sich ausbreitenden Methode der Forschung stehen -dann noch zwei andere, von ihm von frühe an verfolgte, auf die -äußere Systematisierung der Wissenschaft gerichtete Pläne in engem -Zusammenhang. Der eine, die Gründung gelehrter Gesellschaften, der -an die in Paris und London bereits bestehenden Vorbilder anknüpfte, -ist bekannt. Er ist in der Gründung der Berliner Akademie noch zu -seinen Lebzeiten, in den Akademien zu Wien und Petersburg bald nach -seinem Tode zur Verwirklichung gelangt. Weniger pflegt bekannt zu -sein, daß diese Gründungen von ihm von Anfang an als internationale, -planmäßig zusammenarbeitende Assoziationen gedacht waren und namentlich -auch praktische, volks- und staatswirtschaftliche Zwecke verfolgen -sollten. Hier stehen sie daher zugleich mit seinen politischen und -religiösen Friedensbestrebungen in nahem Zusammenhang. Der zweite, -ebenfalls schon in seine Jugendzeit zurückreichende Plan ist vollends -ganz in Vergessenheit geraten. Es war der Plan einer enzyklopädischen -Vereinheitlichung der Literatur, den man wohl als eine Art Vorausnahme -des Gedankens der neuerlichen Gründung der »Deutschen Bücherei« -bezeichnen kann. An Stelle der vorhandenen Zersplitterung der Literatur -sollte nach seinem Vorschlag der gesamte deutsche Büchermarkt in -_einer_ Stadt, in Mainz, konzentriert, außerdem aber halbjährig ein -vollständiger Katalog aller erschienenen Schriften herausgegeben -werden, zu dessen Herstellung sich Leibniz selbst erbot. - -Überschritten schon diese wissenschaftlichen Pläne weit den -gewöhnlichen Umfang der Wirksamkeit eines Gelehrten, so kamen nun -aber dazu andere, für ihn noch zwingendere Motive, die es erklärlich -machen, daß er nicht erst durch zufällige Begegnungen in die, wie -man denken könnte, seiner Erziehung und Jugendbildung fernliegende -Laufbahn des Staatsmannes und Diplomaten gedrängt wurde, sondern daß -eben dies in der Tat sein früh erstrebter und frei gewählter Beruf war. -Schwerlich würde er auch sonst den ehrenvollen Antrag einer Professur, -den die damals eine angesehene Stellung unter den deutschen Hochschulen -einnehmende Universität Altdorf ihrem zwanzigjährigen Doktoranden -machte, abgelehnt und sich statt dessen vorläufig mit dem etwas -fragwürdigen Amt des Sekretärs eines Nürnberger Rosenkreuzervereins -begnügt haben. Wer die nach den verschiedenen Richtungen seiner -Tätigkeit noch immer vollständigste Ausgabe Leibnizscher Schriften -von Dutens durchblättert, nicht etwa bloß seine philosophischen oder -mathematischen zu Rate zieht, dem muß sofort in die Augen springen: -dieser Autor ist aus eigenstem Antrieb Jurist und Politiker gewesen, -und er hat diesen Beruf mit jener Hingabe auf sich genommen, die nur -da möglich ist, wo freie Wahl und Beruf zusammentreffen. Wer auch nur -probeweise irgendeine seiner Staatsschriften liest, wie die unter dem -Pseudonym »~Caesarinus Fürstenerius~« erschienene über die Souveränität -der deutschen Fürsten und ihr Verhältnis zur Oberhoheit des Kaisers -oder, um ein noch gleichgültigeres, wenn auch heute vielleicht wieder -aktuell gewordenes Beispiel zu nehmen, seine Denkschrift über die Wahl -eines Königs von Polen, dem tritt hier eine so erstaunliche Virtuosität -juristischer und praktisch-politischer Dialektik entgegen, wie einer -solchen niemand fähig ist, der nicht neben einer eminenten Sachkenntnis -und einer unerreichten logischen Begabung zugleich das scharfe Schwert -dieser Logik mit Begeisterung handhabt. Doch selbst die Frage, die -Leibniz als »~Caesarinus Fürstenerius~« behandelt, hat heute auch für -den Historiker nur noch ein mäßiges Interesse; sie gehört einer uns -gleichgültig gewordenen Vergangenheit an. Das bedeutendste dieser -Aktenstücke, die Denkschrift, die er, diesmal sogar ausnahmsweise unter -Nennung seines Namens, im Auftrage des Kurfürsten von Mainz für Ludwig -XIV. ausarbeitete und im Jahre 1672 selbst nach Paris brachte, ist -nicht nur ungedruckt, sondern bis zum Beginn des vorigen Jahrhunderts, -wo sie als Manuskript im Archiv zu Hannover entdeckt wurde, unbekannt -geblieben: es ist die merkwürdige Denkschrift, in der dem französischen -König eine Expedition nach Ägypten zur Bekämpfung der Türkenmacht -vorgeschlagen wird. Der Plan ist wahrscheinlich in Leibniz' eigenem -Kopf entstanden, doch hatte er dem Kurfürsten eingeleuchtet und dieser -ihn daher mit den notwendigen Reisegeldern für einen mehrjährigen -Aufenthalt in der französischen Hauptstadt ausgerüstet. Aber in so -verlockenden Farben der Verfasser den Erfolg eines solchen Feldzugs -schildert, den Frankreich im Namen der gesamten Christenheit führen -und durch den sich der französische König zum unbestrittenen Oberhaupt -der christlichen Fürsten Europas erheben würde, der Vorschlag blieb -nicht weniger erfolglos wie der zur polnischen Königswahl. Ludwig XIV. -empfing den Abgesandten nicht einmal, sondern ließ ihm durch seinen -Minister sagen, seit Ludwig dem Heiligen seien die heiligen Kriege -aus der Mode gekommen. Kurze Zeit nachher aber nahm er Lothringen -weg, und einige Jahre später überfiel er Straßburg. Die Beraubung des -durch den vorangegangenen Krieg erschöpften Deutschen Reichs galt ihm -also zwar nicht, wie den heutigen Franzosen die nochmalige Eroberung -der von ihnen geraubten Provinzen, als ein heiliger Krieg, jedenfalls -hielt er sie aber für gewinnbringender als die ihn vielleicht etwas -phantastisch anmutende Expedition nach Ägypten. Auch mag es sein, daß -den französischen Staatsmännern die geheime Absicht des Autors, die -Eroberungsgelüste ihres Königs von Deutschland abzulenken, nicht ganz -verborgen blieb. - -Konnten diese zum Teil umfangreichen politischen Schriften im Hinblick -auf ihre Erfolglosigkeit leicht in Vergessenheit geraten, um wie -viel mehr gilt das nun aber von der Jahrzehnte sich hinziehenden -Korrespondenz, in der Leibniz über die Frage verhandelte, die ihm mehr -als jede andere, ja anscheinend mehr als seine wissenschaftlichen -Interessen am Herzen lag, die der Wiedervereinigung der beiden -christlichen Kirchen, an deren Stelle dann, als er schließlich auch -hier notgedrungen auf einen Erfolg verzichten mußte, gegen Ende seines -Lebens die andre einer Vereinigung der protestantischen Bekenntnisse -trat. In diesen Unionsbestrebungen ist er eben der hervorragendste -Repräsentant einer der mächtigsten geistigen Strömungen seiner Zeit. -Zugleich galt ihm aber, wie manchen namentlich der weitersehenden -seiner Zeitgenossen, die religiöse als ein wichtiges Mittel zur -politischen Einigung der deutschen Stämme, und in diesem patriotischen -Interesse war er daher, da nun einmal eine Verständigung nur auf dem -Wege des Kompromisses geschehen konnte, überall bemüht, eine solche -durch wechselseitige Zugeständnisse zu erzielen. Das war es aber -schließlich, woran auch hier seine Bemühungen scheiterten und notwendig -scheitern mußten. Wenn ihm der angesehenste Vertreter des französischen -Katholizismus, Bossuet, am Ende eines mit ihm geführten Briefwechsels -bemerkte, Glaubensdifferenzen seien nicht auf diplomatischem Wege zu -beseitigen, so war diese Antwort in der Tat so treffend wie möglich. So -ist es denn auch beinahe tragisch zu nennen, daß gerade die wirksamste -seiner politischen Schriften keine diplomatische, sondern eher das -Gegenteil einer solchen gewesen ist: es ist die kurz nach der mitten im -Frieden erfolgten räuberischen Wegnahme Straßburgs durch die Franzosen -unter dem Titel »~Mars christianissimus~« erschienene Streitschrift -gegen Ludwig XIV. Mit beißendem Spott kennzeichnet ihr Verfasser den -Charakter der Franzosen nicht weniger wie den ihres, wie er sich selbst -nennt, »allerchristlichsten Königs«. Nach jedem der Raubzüge, die -dieser König durch seine Generäle ausführen läßt, errichten ihm die -Pariser Triumphbogen mit der Inschrift »Dem großen Ludwig«, obgleich -sie wohl wissen, daß das einzige, was dieser Große während der Feldzüge -getan hat, darin bestand, daß er sich in Paris amüsierte. Seine -Qualität als allerchristlichster König bekundet er aber dadurch, daß er -seine Feldherren in den eroberten Ländern wie die Mordbrenner hausen -läßt. Leibniz hat damit der aus Empörung und Verachtung gemischten -Volksstimmung Ausdruck gegeben, die noch bis vor wenig Jahrzehnten, -ja vielleicht bis zum heutigen Tage in den süddeutschen Grenzlanden -nachgewirkt hat. Aber auch dieser wirkungsvollsten seiner politischen -Schriften ist nur eine kurze Lebensdauer beschieden gewesen, da sie -durch ihr gelehrtes lateinisches Gewand von vornherein auf engere -Kreise beschränkt blieb. - -Vergeblich getane Arbeit ist aber gerade darum, weil sie vergeblich -ist, nicht selten mühseliger und zeitraubender als fruchtbringende. Das -berühmte Problem der Brachystochrone, der Linie des kürzesten Falls, um -das sich sein Freund Johann Bernoulli vergeblich bemüht hatte, löste -Leibniz auf einer Spazierfahrt von Hannover nach Wolfenbüttel, und das -Resultat dieser Leistung ist noch heute im Gedächtnis der Mathematiker -erhalten geblieben. Die persönlichen Unterredungen, die Reisen und die -Briefe, die er der Frage der Vereinigung der Kirchen gewidmet, haben -Jahrzehnte lang einen großen Teil seiner Zeit in Anspruch genommen; -doch sie sind so gut wie die ergebnislos gebliebenen politischen -Schriften aus dem Gedächtnis der Nachwelt fast ganz verschwunden. -Schon die nächste Generation hat in Leibniz fast nur noch den großen -Philosophen und Mathematiker erblickt. Man hat dabei meist nicht -beachtet, daß dadurch immerhin das Bild, das wir uns auch von dem -Philosophen und Mathematiker machen, der Wirklichkeit nicht entspricht. -Sein Leben ist nicht in erster Linie diesen abstrakten Wissenschaften -gewidmet gewesen, während er nebenbei den Fürsten, an deren Hof er -tätig war, mit seinem Rat an die Hand ging, sondern das Umgekehrte ist -zutreffend: er ist, dem Drang der Zeit und eigenstem Bedürfnis folgend, -Politiker gewesen, er hat sich aus diesem Bedürfnis heraus vor allem -die juristische und staatswissenschaftliche Bildung der Zeit angeeignet -und die äußere Stellung gesucht und gefunden, die ihm die Ausübung -dieses politischen Berufs ermöglichte, ihn aber auch mit einer Last -von Arbeit überhäufte, die für sich allein schon eine ungewöhnliche -geistige Kraft in Anspruch nahm. Die Meisterschaft in der Behandlung -der Fragen des Staats- und besonders des Fürstenrechts, über die er -verfügte, hatte ihn frühe schon zur obersten Autorität nicht nur im -Gebiet des letzteren, sondern in den die Zeit bewegenden politischen -Fragen überhaupt gemacht. Die Verhandlungen über die geplante -Kirchenvereinigung, die teils unter seiner persönlichen Assistenz zu -Hannover, teils durch den von ihm geführten Briefwechsel stattfanden, -haben ihn in den wechselnden Formen zuerst der Reunion der Katholiken -und Protestanten, dann der Union der protestantischen Konfessionen sein -Leben lang beschäftigt. Und daneben fehlte es nicht an fürstlichen -Sukzessions- oder Erbfolgefragen sowie an den damals bei den deutschen -Fürsten leider nicht selten vorkommenden Eheirrungen, bei deren -Ausgleich Leibniz nicht selten als Rechtskonsulent tätig war. Daneben -beschäftigten ihn von früh an allgemeinere Aufgaben des öffentlichen -und privaten Rechts: so schon in Mainz ein nicht zur Vollendung -gelangter »~Codex diplomaticus~«, der die wichtigsten Staatsverträge -zusammenfassen sollte, ein systematisches Kompendium des ~Corpus -juris~, der Entwurf einer Reform des juristischen Studiums und vieles -andere. Wenn Leibniz seine wissenschaftlichen Ergebnisse, insbesondere -die mathematischen und philosophischen, nicht in größeren Werken, -sondern durchgängig in kurzen Mitteilungen und Briefen niederlegte, -so hat man das zuweilen als ein Zeugnis dafür angesehen, daß es ihm -nur um die Sache, wenig um die Geltendmachung seiner Autorschaft zu -tun gewesen sei. Näher liegt es aber doch, daß sein politischer und -diplomatischer Beruf neben den mit diesem zusammenhängenden praktischen -Bestrebungen und privaten Konsultationen seine Zeit allzu sehr in -Anspruch nahm. In Briefen an Freunde klagt er wiederholt, er müsse -eine Menge mathematischer Probleme unerledigt lassen. »Ich wünschte -mir,« sagt er gelegentlich, »um die Aufgaben zu lösen, die mir durch -den Kopf gehen, zehn weitere Köpfe oder mindestens zwölf hilfreiche -Freunde«, ein Ausspruch, der nebenbei zeigt, daß er sich seiner -überragenden Fähigkeiten wohl bewußt war. Sein eigentlicher, den -Hauptinhalt seines Lebens bildender Beruf ist eben der des praktischen -Politikers gewesen. Und darin ist er ein Kind seiner Zeit. Der -Gedanke der Wiederherstellung des Friedens in Staat und Kirche, fand -in ihm ihren genialsten Vertreter. Die sonstigen Arbeiten, besonders -die philosophischen und mathematischen, waren mehr Produkte seiner -Mußestunden, die sich seinem eigentlichen Lebensberuf unterordneten. -Nur zweimal, beidemal bezeichnenderweise auf der Reise, hat er sich -mathematischen und physikalischen Studien in größerer Konzentration der -Arbeit gewidmet. Seine Pariser Mission war nach zwei Jahren bereits -endgültig gescheitert. Er konnte nach Hause zurückkehren; aber er blieb -noch weitere zwei Jahre. In der höheren Mathematik war ihm eine neue -Welt aufgegangen. In ihr völlig heimisch zu werden, empfand er als ein -dringendes Bedürfnis, und er mochte überzeugt sein, daß ihm das nur -hier, an der damals ersten Stätte mathematischer Forschung, möglich -sei. Die Frucht dieser Jahre außerhalb des diplomatischen Dienstes ist -die Erfindung der Differentialrechnung. Zehn Jahre später unternahm -er im Auftrage des Kurfürsten von Hannover eine zweite mehrjährige -Reise. Sie führte ihn nach Wien und Italien, wo er die Archive nach -den Urkunden der Geschichte des Welfischen Hauses durchforschte. Hier -begann er ein großes systematisches Werk über Dynamik, dem er einen -kürzeren Essai bereits vorausgeschickt hatte. Dieses systematische Werk -sollte seine jahrelangen Studien über dieses Gebiet zusammenfassen. -Aber auch dieses Werk ist Fragment geblieben. Die archivalischen -Arbeiten, um derentwillen er die Reise angetreten, mögen doch allzu -sehr seine Zeit in Anspruch genommen haben. - -So hat über seinen wissenschaftlichen Werken das Verhängnis -gewaltet, daß, abgesehen von kleineren Aufsätzen und Briefen, -gerade von den philosophischen nur zwei von ihm vollendet worden -sind. Von ihnen ist noch dazu das eine, die »Theodizee«, die er für -die Königin Sophie Charlotte von Preußen schrieb, vielleicht zu -gleichen Teilen seinen konziliatorischen religiösen Bestrebungen -wie seinen philosophischen Arbeiten zuzurechnen. Wie er in der -jahrelangen Korrespondenz mit dem Jesuitenpater Des Bosses in -Hildesheim diesem einleuchtend zu machen sucht, daß, nötigenfalls -mit einigen ergänzenden Hypothesen, die den Grundgedanken unberührt -lassen sollten, das monadologische System mit dem katholischen -Dogma in Einklang zu bringen sei, so will die Theodizee der für die -kirchlichen Unionsbestrebungen lebhaft interessierten Königin die -vollkommene Übereinstimmung seiner Philosophie mit dem Christentum -überhaupt, besonders mit den der katholischen und protestantischen -Kirche gemeinsamen Glaubensüberzeugungen dartun. Das zweite größere -Werk, die »~Nouveaux Essais sur l'entendement humain~«, eine in -Dialogform niedergeschriebene fortlaufende Kritik der Sätze des in -jenen Tagen einen großen Einfluß ausübenden Werkes von Locke, trägt -durchaus den Charakter von Notizen, die sich der Autor zu persönlichem -Gebrauch gemacht hat. Leibniz soll die Veröffentlichung unterlassen -haben, weil Locke während der Abfassung dieser Notizen starb. Aber -die Anhänger Lockes lebten so gut wie die Schüler Descartes', den -Leibniz, obgleich er längst gestorben war, zeitlebens bekämpfte. Es -ist daher viel wahrscheinlicher, daß er die zu eigener Belehrung -geschriebene Arbeit nicht geeignet zur Veröffentlichung fand. Daß ein -halbes Jahrhundert nach seinem Tode das Manuskript dennoch gedruckt -wurde, war sicherlich ein großer Gewinn für das Verständnis seiner -Philosophie. Dennoch blieb es ein Verhängnis für diese, daß bis über -die Hälfte des 18. Jahrhunderts hinaus die Theodizee sozusagen für -die offizielle Darstellung seiner Philosophie galt. Dies bewirkte -nicht nur, daß die Philosophie des 18. Jahrhunderts unter dem Schein -des Anschlusses an Leibniz in Wahrheit weit hinter diesen zurückging, -sondern daß selbst noch Kant nur ein mangelhaftes Verständnis seiner -Philosophie besaß. Wenn Leibniz, wie nicht zu leugnen ist, durch die -auch in seinen religiösen Unionsbestrebungen hervortretende allzu große -Geneigtheit zu Kompromissen daran zum Teil selber die Schuld trägt, -so hängt das mit zwei Eigenschaften zusammen, die, sonst in der Regel -einander widerstrebend, bei ihm in seltener Weise vereinigt sind: er -ist im höchsten Grade rezeptiv und produktiv zugleich. Er ist stets -geneigt, einen ihm entgegentretenden neuen Gedanken sich anzueignen. -Sagt er doch selbst von sich, in der Diskussion sei er mehr bereit, -anderen zuzustimmen, als ihnen zu widersprechen. Aber seine Zustimmung -ist gewissermaßen immer zugleich ein Widerspruch: er dreht und wendet -den fremden Gedanken so lange, bis er sein eigener, damit aber auch -ein anderer geworden ist. Eigentlich ist das ja nur eine besondere -Anwendung der in den juristischen und politischen so gut wie in den -philosophischen und theologischen Arbeiten zutage tretenden Virtuosität -seiner Dialektik. Aber ohne Gefahr ist natürlich diese dialektische -Gewandtheit nicht. Sie hat ihn gelegentlich zu Konzessionen getrieben, -die er im letzten Augenblick wieder zurücknehmen mußte. So machten -ihn seine katholischen Freunde darauf aufmerksam, nach allem, was -er zugunsten der Wiedervereinigung der Kirchen sage, bleibe ihm -eigentlich nichts übrig als selbst katholisch zu werden. Trotzdem hat -er dreimal der in verlockender Form an ihn herantretenden Versuchung -widerstanden. In Paris konnte er um den Preis des Konfessionswechsels -Mitglied der Akademie, in Rom Bibliothekar beim Vatikan werden, in -Wien eine einflußreiche Stellung am kaiserlichen Hof gewinnen: er -widerstand der Versuchung in allen drei Fällen. »Ich würde,« das -war die charakteristische Antwort, »ich würde, wenn ich katholisch -wäre, nicht Protestant werden, eben darum werde ich aber auch, da ich -Protestant bin, nicht katholisch.« Darum war er nicht bloß genial auf -allen den mannigfaltigen Gebieten der Wissenschaft, denen er sich -zuwandte, sondern er war auch ein genialer Diplomat; aber er war kein -Mann aus dem Holze, aus dem Reformatoren geschnitzt werden. Auch seiner -Philosophie ist diese Eigenschaft verhängnisvoll geworden. Sie hat -nicht nur über seine wirklichen Überzeugungen, über das, was man seine -»esoterische« Philosophie nennen kann, Mißverständnisse erweckt, die -bis zum heutigen Tage nachwirken, sondern sie mag ihn auch bisweilen -veranlaßt haben, Begriffe, die verschiedenen Entwicklungsstufen seines -Denkens angehörten, zu verbinden oder je nach Umständen abwechselnd -zu gebrauchen. So konnte der Schein der Mehrdeutigkeit um so leichter -entstehen, als er vor andern zu den Philosophen gehört, die nur -allmählich zu ihren endgültigen Überzeugungen gelangt sind. - -So vieles man nun aber von allem dem der persönlichen Eigenart -zuschreiben mag, die ja besonders bei einer so hervorragenden -Persönlichkeit stets zugleich einzig in ihrer Art ist, so ist es doch -wiederum der Charakter der Zeit, der in diesem ihrem größten Sohne zum -Ausdruck kommt. Das gilt schließlich auch von derjenigen Eigenschaft, -die dem oberflächlichen Betrachter zunächst auffällt, bei der aber -auch derjenige, der sich die geistige Physiognomie dieses Mannes näher -zu vergegenwärtigen sucht, immer wieder als der bewundernswertesten -und unbegreiflichsten stehen bleibt: von der Universalität seines -Wissens und Könnens. So sehr in der Tat das deutsche Volk zu Leibniz' -Zeit unter der Nachwirkung des furchtbaren Krieges hinter den -Fortschritten, die indessen anderwärts die Wissenschaften gemacht -hatten, zurückgeblieben war, die Spuren der tiefen geistigen Erregung, -die die Reformation ausgeübt, waren ebensowenig erloschen, wie die -Eigenart des deutschen Geistes verloren gegangen war, in der sich -schon innerhalb der scholastischen Theologie und Philosophie die -Reformation vorbereitet hatte, und die zum Teil abseits von der -sonstigen scholastischen Tradition lag. Leibniz war in dieser deutschen -Scholastik aufgewachsen. Als die neue Wissenschaft, vor allem die -neue Naturwissenschaft, auf ihn einzuwirken begann, war er schon -ausgestattet mit einem umfassenden Wissen; doch dieses Wissen war -nach Umfang und Methode das der Scholastik. Und universell nach ihrem -Umfang, einheitlich nach ihrer Methode war die Scholastik von Anfang -an. Wenn Leibniz mit einer gründlichen scholastischen Jugendbildung -der neuen Wissenschaft gegenübertrat, so kam er daher nicht mit -leeren Händen. Was die Scholastik errungen, für die neue Wissenschaft -fruchtbar zu machen, das war sein erstes, die Scholastik durch die neue -Wissenschaft endgültig zu überwinden, das wurde sein letztes Ziel. - - - - -II. - -Leibniz und die Scholastik. - - -In einem seiner späteren Briefe klagt Leibniz, in seiner Jugendzeit -habe in Deutschland noch die Scholastik geherrscht, während anderwärts -bereits überall die neue Wissenschaft sich verbreitet hatte. Gleichwohl -würde es irrig sein, wollte man daraus schließen, Leibniz stimme -dem absprechenden Urteil zu, das zuerst die Humanisten und dann die -Vertreter der neuen Naturwissenschaft gefällt hatten. Dem würde -schon die unbegrenzte Hochachtung widersprechen, mit der er überall -des Aristoteles gedenkt, der doch allezeit der Vater der Scholastik -gewesen ist. Aber auch gegen die eigentliche Scholastik verhält er -sich durchaus nicht ablehnend. Vielmehr kommt jene Neigung, die er -selbst sich zuschreibt, lieber zuzustimmen als zu widersprechen, -auch ihr gegenüber zur Geltung, und den Spuren seiner scholastischen -Jugendbildung begegnet man überall in seinen späteren Schriften. Von -Kindheit auf waren ihm Aristoteles und die Scholastik vertraut, bereits -zu einer Zeit, als ihm nach seinem eigenen Bekenntnis die neuere -Naturwissenschaft und Philosophie noch fremd geblieben. Mochte er -auch, wie er später erzählt, als er auf der Universität mit der damals -auf der Höhe ihres Ansehens stehenden Cartesianischen Philosophie -bekannt wurde, eine Zeitlang schwanken, ob er den »substantiellen -Formen« der Scholastiker oder den mechanischen Prinzipien Descartes' -den Vorzug geben solle, bereits seine akademische Erstlingsschrift -bewegt sich ganz in den Gedankenkreisen der Scholastik. Behandelt sie -doch die damals hauptsächlich den Zankapfel zwischen den sogenannten -Realisten und Nominalisten bildende echt scholastische Streitfrage, -ob die individuellen Unterschiede der Dinge von der Form oder von der -Materie herrührten. Diese scholastische Jugendbildung hat sein Leben -lang in ihm nachgewirkt. Doch die Scholastik ist keine einheitliche -Philosophie. Wir sind heute allzu sehr geneigt, den Eindruck, den -besonders in den späteren Jahrhunderten der formalistische Betrieb der -scholastischen Logik, die Herrschaft eines blinden Autoritätsglaubens -und die Neigung zu leeren Begriffs- und Wortstreitigkeiten erwecken, -auf die Wissenschaft dieses ganzen Zeitalters zu übertragen. Vor allem -aber steht unser heutiges Urteil unter dem Einfluß der vernichtenden, -natürlich einseitig orientierten Polemik der Humanisten und der -bahnbrechenden Philosophen der Neuzeit, die, ähnlich wie dies dereinst -Plato mit der Sophistik getan hatte, nach den abschreckenden Beispielen -scholastischer Wort- und Begriffsklauberei eigentlich erst jenes -typische Bild der Scholastik geschaffen haben, das heute noch das -geläufige ist. Doch so treffend die Satire sein mag, in der schon die -Erfurter Humanisten in den »Briefen der Dunkelmänner« gegen die Kölner -und Leipziger Magister zu Felde zogen, diese Satire trifft eigentlich -nur den vulgären Schulbetrieb einiger Hochschulen, während die -Verfasser jener satirischen Briefe selbst und ihre Gesinnungsgenossen -in wissenschaftlicher Beziehung noch ebenso wie die Reformatoren dem -Gedankenkreis der Scholastik angehören. So hat denn noch über ein -Jahrhundert später Leibniz Jena, Marburg und Helmstädt als die drei -fortgeschrittensten Universitäten gerühmt, und er bekennt dankbar, -daß ihm erst während des kurzen Semesters seiner Studienzeit in Jena -durch Erhard Weigel ein neues Licht aufgegangen sei. Das will aber -nicht bedeuten, daß auf jenen drei Universitäten die Scholastik nicht -geherrscht hätte, oder daß Erhard Weigel ein Vertreter der modernen -Philosophie gewesen wäre. Vielmehr ging das Bestreben gerade dieses -Mannes vornehmlich dahin, die Scholastik mit der neuen Wissenschaft zu -versöhnen, und wenn in irgend einer Richtung er auf Leibniz gewirkt -hat, so ist es in der Tendenz gewesen, die durch die Scholastik -geschaffenen Denkmittel, so weit er ihnen einen bleibenden Wert -zuerkannte, für diese neue Wissenschaft fruchtbar zu machen. - -Außerdem aber gab es in der Scholastik selbst eine Richtung, die -der herrschenden, streng an Aristoteles sich anschließenden fremd -gegenüberstand, und in der ältere gnostische und neuplatonische -Strömungen nachwirkten. Gerade ihr stand auch jener Erhard Weigel, -der sich sein Leben lang mancherlei pythagoreisierenden Spekulationen -und andern phantastischen Plänen hingab, nicht allzu fern. Weit mehr -als in den Gegensätzen der Realisten und Nominalisten, die sich in -ihrem wissenschaftlichen Lehrbetrieb meist wenig unterschieden, sind -es diese mehr von einzelnen Persönlichkeiten ausgehenden mystischen -Richtungen, die der Scholastik niemals fehlten und die besonders auch -in den gelehrten Mönchsorden des 13. Jahrhunderts bedeutende Vertreter -fanden, die sichtlich auf Leibniz in seiner Jugendzeit gewirkt haben. -Zu ihnen gehören Meister Eckhard, der deutsche Dominikaner, zu ihnen -Roger Bacon, der irische Franziskaner. Beide sind die hervorragendsten -Repräsentanten zweier im ganzen heterogener Strömungen, die in dem -Zeitalter der klassischen Scholastik nebeneinander hergehen. In -der Predigt des Meister Eckhard überwiegt die von dem Gedanken der -unmittelbaren Selbstoffenbarung der Gottheit getragene rein religiöse -Mystik; in Roger Bacon verbindet sich dieser mystische Zug mit dem -in dem intellektuellen Universalismus der klassischen Scholastik -wurzelnden Streben nach einer vornehmlich von der wunderbaren Macht -der Mathematik erhofften Welterkenntnis. In der zweiten dieser -Richtungen beginnt sich daher zugleich der Geist der künftigen neuen -Naturwissenschaft und ihres mächtigen Werkzeuges, einer über die -Grenzen der bisherigen Rechenkunst hinausführenden höheren Mathematik, -zu regen. Es ist eine eigenartige, seitdem nie wieder ganz erloschene -Abzweigung der Mystik, die uns hier begegnet. Ein Hauptvertreter dieser -teils mit dem Aberglauben der Zeit, teils mit dem allmählich sich -regenden Gedanken einer neuen Naturerkenntnis sich berührenden Richtung -ist ein zweiter Zeitgenosse des Meister Eckhard, der Spanier Raimundus -Lullus, der vielleicht gerade deshalb, weil in ihm phantastische Mystik -und mathematische Spekulation besonders innig verwebt sind, am längsten -nachgewirkt hat. Noch Jahrhunderte nach ihm galt die »Lullische Kunst« --- so nach dem Titel »~Ars magna~« seines Werkes genannt -- ähnlich der -Alchemie als eine Art wissenschaftlicher Zauberei. Wie die Alchemie -zum Experiment, so verhielt sich diese mystische Zahlenkunst zur -wissenschaftlichen Mathematik. Der überraschende Eindruck, den das -unerwartete Ergebnis einer Rechenoperation auf den Rechnenden selbst -hervorbringen kann, macht es wohl begreiflich, daß dem mathematischen -Denken dieser Zug zur Mystik eigen geblieben ist, und daß sich vollends -in jenen Tagen, in denen der uralte Zahlzauber im Volksglauben noch -eine größere Rolle spielte als heute, die Wissenschaft gelegentlich -auch auf diesem Gebiet sich zur Magie steigerte. Schon der Astrologie -hatte ja die mathematische Beihilfe, deren sie bedurfte, zum Teil -ihr Übergewicht über die anderen sogenannten Geheimwissenschaften -verschafft. So lag die Übertragung dieser Mystik der Zahlen auf die -mathematischen Operationen selbst, wie sie den spezifischen Charakter -der Lullischen Kunst und verwandter Bestrebungen ausmachte, nahe genug, -während zudem der in der Scholastik herrschende logische Formalismus -dieser Tendenz zu Hilfe kam. - - -~a.~ Leibniz als Mathematiker. - -In der Tat ist es durchaus diese Richtung der mathematischen Mystik, -die uns in der Schrift entgegentritt, mit der Leibniz die Reihe -seiner mathematischen Arbeiten eröffnete, in der »~Dissertatio de -arte combinatoria~«. Nach dem Titel ist man geneigt, in ihr eine -Kombinationslehre im heutigen Sinne zu vermuten, und teilweise ist -dies auch zutreffend. Aber ihr eigentlicher Zweck ist ein höherer. -Er ist im wesentlichen der gleiche, den dereinst Raimund Lull mit -seiner »~Ars magna~« verfolgt hatte; und nicht nur der Zweck, sondern -auch die Mittel, ihn zu erreichen, sind im ganzen die nämlichen. -Auch Raimund Lulls Werk war eine Art Kombinatorik gewesen. In der -Verbindung einfacher zu komplexen Begriffen sah er eine »~Ars -inveniendi~«, eine Erfindungskunst, die der theoretischen Erkenntnis -wie ihrer praktischen Anwendung dienen und alle Wissenschaften zu einer -großen Einheit verbinden sollte. Genau so schildert Leibniz später -im Rückblick auf seine eigene Entwicklung die Gedanken, die ihm bei -jener mathematischen Erstlingsschrift vorschwebten. Sein Plan sei -gewesen, die »zusammengesetzten Begriffe der ganzen Welt in wenige -einfache, gleichsam als deren Alphabet, zu zerlegen« und dann durch -deren systematische Kombinationen zu verbinden. Dazu sollte außerdem -ein zweckmäßiges Zeichensystem für die Charakteristik der Begriffe -dienen. Danach ist die »~Ars combinatoria~« ein erster Versuch zur -Ausführung jener »~Charakteristica universalis~«, deren Plan Leibniz -sein Leben lang beschäftigt hat. Sie ist aber zugleich eine Erneuerung -des Unternehmens von Raimund Lull. Ein wesentlicher Unterschied besteht -allerdings zwischen beiden. Mag auch in den Hoffnungen, die Leibniz -an seine ~Charakteristica universalis~ geknüpft hat, noch ein leiser -Hauch mathematischer Mystik zu verspüren sein, von der phantastischen -Mystik eines Raimund Lull, der unter anderem in der Kombinatorik -ein Mittel sah, die Ungläubigen zum Christentum zu bekehren, ist er -vollkommen frei. Er erkennt ihr nur insoweit den Charakter einer -»Erfindungskunst« zu, als die Zerlegung und Verbindung der Begriffe -der systematischen Ordnung derselben dienen kann. Darum bleibt nun -aber auch das Resultat seiner »~Ars combinatoria~« im wesentlichen -ein rein formales; und sie ist später ihrem Urheber selbst höchstens -als eine Art Einleitung zu jener von ihm gesuchten »~Ars inventiva~« -erschienen. Um so mehr ist gerade die Kombinatorik ein echtes Erzeugnis -des scholastischen Formalismus, wie denn auch ihr Verfasser die -Variationen der Urteilsformen in den syllogistischen Figuren als -ein Hauptbeispiel gewählt hat. Gleichwohl spiegeln sich in dieser -mathematischen Erstlingsschrift des Philosophen bereits die in ihm zur -höchsten Ausbildung gelangten Seiten der Scholastik: ihre Universalität -und das mit dieser zusammenhängende Streben nach einer streng logischen -und zugleich einheitlichen Methode. Auf der einen Seite erblickt er in -der Anwendbarkeit der Kombinatorik auf alle möglichen Begriffe eine -Eigenschaft, die sie zu einer universellen Methode geeignet macht; auf -der andern ist ihm ihr mathematischer Charakter eine Bürgschaft ihrer -logischen Exaktheit. - -Doch als die Hoffnungen scheiterten, die Leibniz auf die Kombinatorik -gesetzt hatte, verzichtete er darum noch keineswegs auf den Plan, zu -dessen Verwirklichung sie ihm um ihrer universellen Anwendbarkeit -willen zunächst dienen sollte. Aber man gewinnt den Eindruck, daß nun -dieser Plan eine andere Gestalt annahm. Hatte die »~Ars combinatoria~« -das ungeheure Problem einer universellen Methode mit einem Mal -zu lösen versucht, so sollte nun eine stückweise Bewältigung der -einzelnen mathematischen Aufgaben im Sinne einer die verschiedenen -Gebiete in engere Beziehung zu einander bringenden Behandlung treten. -Sehr bezeichnend tritt uns dieser mutmaßliche Wandel des Planes -der »~Charakteristica universalis~« in einigen die mathematische -Behandlung der Logik betreffenden Blättern entgegen, die J. E. Erdmann -in der Bibliothek zu Hannover aufgefunden und in seiner Ausgabe der -philosophischen Werke veröffentlicht hat. Sie enthalten einen Entwurf, -in dem zum ersten Male der Versuch einer Darstellung der Logik in -der Form eines dem arithmetischen nachgebildeten Algorithmus gemacht -wird. Die Stellung dieser Aufgabe ist sichtlich aus der von Leibniz -des öfteren ausgesprochenen Überzeugung entsprungen, die gesamte -Mathematik sei eigentlich nichts anderes als eine erweiterte Logik. -Er sucht demnach vornehmlich die veränderte Bedeutung festzustellen, -welche den arithmetischen Fundamentaloperationen angewiesen werden -muß, wenn man sie, statt speziell auf Größenbegriffe, auf irgendwelche -logische Begriffe überhaupt anwendet. Ohne von diesem Leibnizschen -Unternehmen etwas zu wissen, haben in neuester Zeit namentlich -englische und amerikanische Mathematiker dasselbe Problem einer -»symbolischen Logik« auf verschiedenen Wegen in Angriff genommen. Aber -der Standpunkt der Behandlung ist dabei durchgängig ein diametral -entgegengesetzter gewesen. Während Leibniz unmittelbar aus den -logischen Denkformen selbst den ihnen eigentümlichen Algorithmus -entwickelt, gehen jene neueren Forscher umgekehrt von der Mathematik -aus, indem sie unter der Voraussetzung der Allgemeingültigkeit der -arithmetischen Operationen einen zur Lösung spezifisch logischer -Aufgaben geeigneten mathematischen Kalkül zu entwickeln suchen. Der -Unterschied zwischen Leibniz und ihnen besteht also darin, daß diese -lediglich den praktischen Zweck einer Gewinnung von mathematischen -Methoden zur Lösung mehr oder weniger verwickelter syllogistischer -Aufgaben verfolgen, ohne sich um die Frage nach dem Verhältnis der -allgemein logischen zu den spezifisch mathematischen Denkoperationen -zu kümmern, wogegen Leibniz ausschließlich diese theoretische -Frage behandelt, ohne sich auf praktische Anwendungen einzulassen. -Gerade dies rein theoretische Interesse an der Frage ist offenbar -von der auf die Anregungen seiner scholastischen Jugendbildung -zurückgehenden Hochschätzung der formalen Logik getragen, die bei -den modernen Bearbeitern des gleichen Themas vielmehr dem Bestreben -Platz gemacht hat, die unvollkommenen logischen Hilfsmittel durch -vollkommenere mathematische zu ersetzen. Diese Wendung des Problems -würde Leibniz wahrscheinlich als einen Versuch betrachtet haben, -die allgemeinen Gesetze des logischen Denkens nicht zu erleuchten, -sondern zu verdunkeln. Dagegen entspricht seine Behandlung durchaus -dem aus der Beziehung zwischen Logik und Mathematik sich ergebenden -theoretischen Problem, und sie liegt außerdem in der Richtung der von -der Scholastik gepflegten Verwendung der aristotelischen Syllogistik -in Geometrie und Arithmetik. Diese Verbindung hatte die Scholastik aus -dem Altertum übernommen; die Elemente des Euklid blieben aber nicht -zum wenigsten deshalb das führende und fast das einzige Lehrgebäude -der Mathematik, weil bei ihnen bereits die aristotelische Syllogistik -Pate gestanden und wesentlich mitgewirkt hatte, in der Wissenschaft -des Abendlandes den Aristoteles jahrhundertelang zur unbestritten -obersten Autorität zu erheben. Wie jedoch die »~Charakteristica -universalis~« bei Leibniz von Anfang an ein Ideal ist, das in -der Logik ihr zugleich die Sicherheit der Mathematik verbürgendes -Vorbild hat, so legt dies den weiteren Gedanken nahe, den Maßstab der -mathematischen Evidenz wiederum an die allgemeinen Operationen des -logischen Denkens anzulegen und damit, wie bisher durch die Syllogistik -eine Stütze für den mathematischen Beweis, so nun umgekehrt aus den auf -eine exakte mathematische Form gebrachten Grundsätzen der logischen -Denkoperationen ein Mittel für die Nachweisung wissenschaftlicher -Wahrheiten überhaupt zu gewinnen. Der Versuch einer solchen in das -Gewand einer mathematischen Symbolik gekleideten Logik erscheint so als -eine Verallgemeinerung jener oben erwähnten Behauptung, Jurisprudenz -und Mathematik seien einander verwandte Wissenschaften. - -Noch bewegten sich jedoch diese Pläne einer die Logik mit der -Mathematik zu einem einheitlichen Ganzen zusammenfassenden -Universalwissenschaft im wesentlichen auf dem Boden der -Elementarmathematik und der überlieferten Logik. Neue und zugleich -fruchtbarere Ausblicke in dieser Richtung eröffneten sich, als Leibniz, -wie er selbst bekennt, zum erstenmal in Paris in den Geist der höheren -Mathematik eindrang. Wenn er Descartes' Geometrie und Pascals Briefe -über die Zykloide als die beiden Werke bezeichnet, deren Studium er -die ersten Anregungen verdankt habe, so geschah dies hier freilich -fast mehr in negativem als in positivem Sinne. Die Lektüre jener Werke -regte ihn an, die Lösung der in ihnen behandelten Probleme auf einer -neuen Grundlage zu versuchen. Dabei zeigt sich aber auch gerade in -diesem Fall, daß er selbst jenen Problemen keineswegs mit leeren Händen -entgegenkommt, sondern daß diejenigen Ideen, die deren ganze Behandlung -auf eine neue Basis stellen sollten, tief in seiner scholastischen -Jugendbildung wurzeln. Doch während seine bisherigen Bemühungen auf -die Herstellung einer engeren Beziehung zwischen Mathematik und Logik -gerichtet sind, veranlassen ihn die schwierigeren Probleme der höheren -Mathematik, tiefer in den Vorrat überlieferter philosophischer Begriffe -zurückzugreifen. Die Logik genügt dazu nicht mehr, die Mathematik -muß zu Hilfe gerufen werden. Da sind es zwei Lücken, die ihm bei dem -Studium der neueren mathematischen Arbeiten begegnen: die eine läßt -ihn Descartes' analytische Geometrie als unzulänglich erkennen; die -andere zeigt sich bei dem in jenen Tagen viel verhandelten Problem -der Quadratur des Kreises, bei dem man immer noch im wesentlichen -auf die alte Archimedische Exhaustionsmethode zurückging. Um diesen -Mängeln abzuhelfen, dazu genügten die Hilfsmittel der in fest begrenzte -Begriffsverhältnisse eingeschlossenen Logik nicht mehr. Wohl aber fand -sich in dem Arsenal der aristotelisch-scholastischen Metaphysik ein -bedeutsamer Begriff, den zwar die Mathematik gelegentlich gestreift, -von dem sie aber nirgends eine folgerichtige Anwendung gemacht hatte. -Das war der Begriff des _Unendlichen_. Fast könnte man sagen: es war -eine Art ~Horror vacui~, der bis dahin die Mathematik wie die Logik -von der Verwendung des Unendlichkeitsbegriffs ferngehalten hatte. -Eine um so wichtigere Rolle hatte er in der Metaphysik gespielt. -Ausgehend von der Voraussetzung einer Unendlichkeit der Zeit, die -Aristoteles für das »Automaton«, jenen ersten Beweger, der für ihn -einerseits mit der Gottesidee, anderseits mit dem Begriff einer -unaufhörlich wirksamen Ursache des kosmischen Geschehens zusammenfiel, -angenommen hatte, war die scholastische Theologie in ihrem Streben, -die Gottesidee über alle denkbaren Grenzen zu erhöhen, zu dem Begriff -einer absoluten Unendlichkeit fortgeschritten, der eben darum -nicht mehr positiv bestimmt, sondern nur durch die Negation aller -endlichen Eigenschaften definiert werden konnte. So entstand aus der -ursprünglich der empirischen Wirklichkeit angehörenden aristotelischen -Substanz (~ousia~), die in dem Einzelding ihre unmittelbare Grundlage -hatte, der Begriff einer _absoluten_ unendlichen Substanz, der bis -tief in die neuere Philosophie hinein fortgewirkt hat. Da dieser -Begriff des Unendlichen von uns zwar als ein notwendiger erkannt -wird, an sich aber die Fähigkeiten unserer begrenzten Erkenntnis -überschreitet, so nennt ihn die Scholastik einen _transzendenten_. -Dieses von ihr geschaffene Wort hat zuerst Leibniz von der Metaphysik -in die Mathematik hinübergetragen, und die Anregung dazu gab ihm das -Studium von Descartes' Geometrie. Descartes hatte in seinem Werk -nur diejenigen geometrischen Gebilde analytisch behandelt, deren -Gleichungen bloß einer begrenzten Zahl arithmetischer Operationen -zu ihrer Lösung bedürfen. Kurven, bei denen diese algebraischen -Hilfsmittel nicht zureichen, nannte er »mechanische Kurven«, insofern -man sie sich gleichwohl durch eine nach irgendeinem Gesetz erfolgende -Bewegung erzeugt denken kann. Sein Werk war also nicht eine analytische -Geometrie im heutigen Sinne des Wortes, obgleich man es meist so zu -bezeichnen pflegt, sondern eine algebraische Geometrie oder, wie man -es vielleicht treffender nennen könnte, eine Theorie der algebraischen -Funktionen und ihrer geometrischen Anwendungen. Dazu muß freilich -bemerkt werden, daß der mathematische Begriff der Funktion, der unter -diesem Namen erst später durch Johann Bernoulli eingeführt wurde, -zu Descartes' Zeit noch nicht oder doch nur latent existierte. Hier -erkannte nun Leibniz sofort in dieser Beschränkung einen Mangel, dem -er durch die Forderung einer analytischen Behandlung auch dieser, -die Hilfsmittel der gewöhnlichen mathematischen Elementaroperationen -überschreitenden Funktionen zu begegnen suchte. Um diese neue, -eine einheitliche Betrachtung aller analytischen Funktionen -vermittelnde Aufgabe auch äußerlich zu kennzeichnen, greift er -aber in den Begriffsschatz der scholastischen Metaphysik, indem er -die »mechanischen Kurven« Descartes', eben weil sie die Grenzen der -bisherigen Arithmetik überschreiten, als transzendente bezeichnet. -Dabei ist freilich ein wichtiger Bedeutungswandel dieses Begriffes -eingetreten. Transzendent in dem metaphysischen Sinne der Scholastik -ist das unendliche, darum dem endlichen Erkennen unzugängliche -Sein; transzendent im mathematischen Sinne ist seit Leibniz eine -Aufgabe, deren Lösung neue, über die Hilfsmittel der gewöhnlichen -Arithmetik hinausreichende mathematische Operationen fordert. Dort -entzieht sich das transzendente Objekt endgültig unserer Erkenntnis, -hier weist der Ausdruck umgekehrt auf neue Hilfsmittel hin, die -das bisher Unerkennbare erkennbar machen. Im Hintergrund steht in -beiden Fällen der Begriff des Unendlichen. Damit ist die Einführung -des neuen Begriffs der transzendenten Funktion zugleich gebunden an -die neue Rechnungsmethode, die man wohl auch eine ins Unendliche -fortgeführte Arithmetik nennen kann, an die Differentialrechnung, -oder, wie Leibniz selbst sie im Hinblick auf die Hilfe, die ihm -dabei der Unendlichkeitsbegriff geleistet, genannt hat, an die -_Infinitesimalrechnung_. - -Hier greift aber in diese von der Beschäftigung mit der Geometrie -ausgehende Erweiterung des Funktionsbegriffs außerdem jenes andere -Problem ein, um das sich zu dieser Zeit wiederholt die Mathematiker -bemühten: die Quadratur des Kreises. Bis dahin ging man von dem uralten -Prinzip der praktischen Feldmessung aus, eine krummlinig begrenzte -ebene Fläche durch parallele Ordinaten in kleine Quadrate zerlegt zu -denken, deren Summe dann das der betreffenden Fläche entsprechende -Quadrat ergab. Je kleiner man sich diese Quadrate denkt, um so näher -kommt natürlich das Resultat der Wirklichkeit. Doch eine bestimmte -Grenze gibt dieses metrische Prinzip nicht an die Hand, und die -Methode bleibt daher unbefriedigend. Leibniz suchte nun nach einem -andern Verfahren, das ein solches absolutes Minimum ergebe. Er hoffte -es zu finden, indem er, statt von dem relativen Unterschied des Großen -und Kleinen, von dem absoluten Gegensatz des unendlich Großen und -des unendlich Kleinen ausging. Dazu mußte vor allem als Maßelement -ein solches gewählt werden, das seinem allgemeinen Begriff nach der -Forderung der Einfachheit entsprach. Die in diesem Sinne einfachste -Figur in der Ebene ist aber das Dreieck als die von der kleinsten Zahl -von Geraden umschlossene Ebene. Leibniz, ohnehin überall geneigt, -bei der Behandlung bestimmter Aufgaben neue Wege einzuschlagen, -versuchte daher, durch die Zerlegung in Dreiecke statt in Quadrate -dieses Ziel zu erreichen. So gelangte er zu der berühmten unendlichen -Reihe 1 – 1/3 + 1/5 – 1/7 ... für den Flächeninhalt des Kreises vom -Durchmesser 1. Indem zur Konstruktion der Dreiecke, die bei dieser -»Arithmetisierung des Kreises«, wie er sein Verfahren nannte, die auf -die Punkte des Kreisumfangs gelegten Tangenten und Sekanten benutzt -wurden, führte aber diese Methode, auf Kurven von beliebiger Gestalt -übertragen, unmittelbar zu dem Gedanken, das Dreieck zur Lösung der -allgemeineren Aufgabe einer solchen Arithmetisierung des Verlaufs -einer Kurve zu verwenden. Er dachte sich also ein zu diesem Zweck -rechtwinkliges Dreieck aus den zu den zwei einander nächsten Punkten -der Kurve gehörigen Koordinaten als Katheten und der für diesen Fall -mit der Kurve selbst zusammenfallenden Tangente als Hypothenuse -gebildet. Dieses Dreieck nannte er das »~Triangulum charakteristicum~«. -Gewiß ist es kein Zufall, daß der Name an die ~Charakteristica -universalis~ erinnert. Eine universelle, den Umkreis der überlieferten -arithmetischen Operationen überschreitende Arithmetik hat Leibniz zu -jeder Zeit unter ihr verstanden. Die Differentialrechnung ist aber -tatsächlich eine solche: sie ist es mehr als alle vorangegangenen -Bemühungen in ähnlicher Richtung, die zumeist erst durch sie ihre -Erledigung fanden. Von der Differentialrechnung kann man darum wohl -sagen: mit ihrer Erfindung hat er im wesentlichen erreicht, was er -in seiner ~Charakteristica universalis~ erstrebt hatte. Wenn er das -selbst nicht direkt anerkannt hat, so mag dies wohl darin seinen -Grund haben, daß er nirgends eingestehen wollte, ein Problem könne -jemals abgeschlossen sein, besonders aber darin, daß zur Anerkennung -der Universalität der Methode ein notwendiges Desiderat fehlte: die -Anwendung auf andere Wissenschaften, die er im Hinblick auf den von ihm -behaupteten Zusammenhang alles Wissens forderte. - -Die Umwandlung, die der Unendlichkeitsbegriff auf seinem Wege von -der aristotelischen Scholastik zu Leibniz und von diesem zur neueren -Mathematik erfahren hat, ist übrigens zugleich eines der bedeutsamsten -Stücke moderner Begriffsgeschichte. Der Scholastik galt, wie noch -jetzt dem populären Bewußtsein, in welchem die scholastische Theologie -heute noch nachwirkt, das Unendliche als oberster Grenzbegriff alles -Denkbaren. Aber latent war darin vermöge des die Wissenschaft seit -Aristoteles beherrschenden Prinzips der Antithetik, nach welchem -jeder selbständige Begriff seinen Gegensatzbegriff fordert, auch der -unterste Grenzbegriff des unendlich Kleinen bereits vorausgesetzt. Wir -werden auf dieses Prinzip unten bei dem direkt auf ihm aufgebauten -Begriffssystem der scholastischen wie der Leibnizschen Naturlehre -zurückkommen. Dabei besteht nun die Selbständigkeit der Begriffe -wesentlich darin, daß jeder unvermischt mit andern gedacht werde, -weil er dann erst in seinem reinen Gegensatz zu dem ihn antithetisch -ergänzenden erscheint. Darum sind solche Begriffe _absolute_ -Gegensätze, nicht bloß relative, und jedes Glied des Gegensatzes -ist selbst ein absoluter Begriff. Dies gilt für das Unendliche in -seinen beiden Formen, für das unendlich Große wie für das unendlich -Kleine. So ist denn auch das »~Triangulum charakteristicum~« in den -ersten Begründungen, die Leibniz der Differentialrechnung gab, das -absolut, nicht das relativ kleinste Dreieck, das man zur Ausmessung -einer Kurve verwendet. Daß es außerhalb dem absolut Kleinsten noch -ein kleineres gebe, ist ihm hier eine widersprechende Annahme. Das -charakteristische Dreieck ist also nicht eines neben andern, sondern -ein einziges. Es ist, wie das Unendliche überhaupt, niemals in der -Anschauung gegeben, wohl aber begrifflich das denkbar kleinste Dreieck -an dem betreffenden Punkt der Kurve. Hier ist die Fluxionsmethode -Newtons der Leibnizschen Infinitesimalmethode von vornherein überlegen. -Indem jene nicht an das geometrische Bild der Funktion, sondern an -das andere einer im gleichförmigen Flusse der Zeit veränderlichen -Geschwindigkeit anknüpft, liegt ihr zwar in der gleichförmig fließenden -Zeit eine metaphysische Voraussetzung zugrunde, die nämliche, deren -sich Newton auch in seiner Naturphilosophie bedient hat; aber das Bild -der Bewegung eines räumlichen Punktes führt doch ohne weiteres zu dem -der Geschwindigkeitsänderung hinüber. Dagegen bietet der Leibnizsche -geometrisch fundierte Differentialbegriff in dem aus dem Verhältnis -der Koordinatenabschnitte des charakteristischen Dreiecks gebildeten -Differentialquotienten von vornherein einen für die Gewinnung eines -konsequent durchgeführten Algorithmus weit geeigneteren Ausgangspunkt. -Dabei erwies sich gerade dieser Begriff eines absoluten, unveränderlich -gedachten Minimums deshalb hilfreich, weil sich von ihm aus um so -zwingender mittels der so eingeführten Symbolik ein Fortschritt zu -weiteren, entsprechend gebildeten Differentialfunktionen ergab. Hierzu -mußte dann freilich die absolute Bedeutung des unendlich Kleinen -beseitigt, und durch die Feststellung einer allzeit nur _relativen_ -ersetzt werden. Das ergab sich aber mit Notwendigkeit aus der weiteren -Aufgabe, einen entsprechenden Ausdruck für die _Richtungsänderung_ -einer Kurve zu finden. Und da konnte es nicht zweifelhaft sein, daß -ein solcher Ausdruck aus einer Wiederholung desselben Verfahrens -bestehen mußte, das zu dem ersten Differentialquotienten als dem -arithmetischen Ausdruck der _Richtung_ geführt hatte. Sobald Leibniz -die Richtungsänderung der Funktion als die reale Bedeutung des -zweiten Differentialquotienten erkannte, konnte er sich aber auch -der Möglichkeit einer unbegrenzten weiteren Fortsetzung der gleichen -Operation nicht mehr entziehen. So verwandelte sich der Begriff des -absoluten in den des _relativen Minimums_, das übrigens immerhin seinen -Zusammenhang mit jenem absoluten Grenzbegriff darin bewahrte, daß die -Grenze, bis zu welcher in der Bildung der Differentialfunktion zu gehen -ist, durch die Natur des Problems jedesmal fest bestimmt wird, was im -Erfolg der Feststellung eines absoluten Minimums gleichkommt. Damit -hat Leibniz selbst schon den Übergang zur sogenannten Grenzmethode -vollzogen, der später Maclaurin und d'Alembert nur eine anschaulichere -Form gaben, und die noch heute, soweit man sich überhaupt auf eine -Begründung der Differentialrechnung einläßt, als die bevorzugte gelten -kann. - -Für Leibniz aber wurde die Erkenntnis der realen Bedeutung des -zweiten Differentialquotienten ein epochemachendes Ereignis, ja sie -ist in ihren Folgen vielleicht das epochemachendste gewesen, das er -überhaupt in seinem Denken erlebt hat. Der Übergang vom absoluten zum -relativen Unendlichkeitsbegriff bezeichnet für ihn eine Katastrophe, -die durchaus nicht auf die Mathematik beschränkt bleibt, sondern sich -von hier aus auf alle Gebiete der Wissenschaft und nicht zum wenigsten -auf seine philosophische Weltanschauung erstreckt. Als das oberste -Prinzip alles Wirklichen gilt ihm von da an die »~Lex continuitatis~«, -das Gesetz der Stetigkeit, das, folgerichtig zu Ende gedacht, alle -absoluten Gegensätze in relative umwandelt, indem es die Starrheit -der alten Substanzbegriffe durch den Fluß aller tätigen Kräfte der -Welt ersetzt. Dies ist der Punkt, bei dem zugleich die Entwicklung der -Naturphilosophie an diesen Wandel der mathematischen Begriffe sich -anschließt. - - -~b.~ Die dynamische Naturphilosophie. - -Es ist eine oft gemachte Bemerkung, daß die späteren epochemachenden -Leistungen bedeutender Männer ihrer allgemeinen Richtung nach nicht -selten in ihren, oft an sich höchst unvollkommenen Erstlingsarbeiten -bereits angedeutet sind. Von wenigen gilt das vielleicht mehr als von -Leibniz und seiner »~Ars combinatoria~«. Wie in ihr zum erstenmal -die »~Charakteristica universalis~« mit der hinter ihr stehenden -Entwicklung seines mathematischen Denkens leise anklingt, so verrät -sie, wenn auch mehr in einzelnen Abschweifungen als in wirklichen -Ausführungen, den Einfluß der Scholastik auf seine Naturphilosophie. -Während aber die Anfänge seines mathematischen Denkens an die -Bestrebungen jener mathematischen Mystik anknüpfen, die namentlich -seit dem 13. Jahrhundert eine Nebenströmung der klassischen Scholastik -gebildet haben, ist es eine andere Seite der in der gleichen Zeit -verbreiteten Bestrebungen, die in jenem Jugendwerk zur Geltung kommt: -es ist der vielfach im Gegensatz zu der vorangegangenen Philosophie -sich regende Versuch, die herrschende Scholastik durch den Rückgang -auf ihre Quelle, die Aristotelische Philosophie, zu reformieren. In -zwei merkwürdigen Beilagen zu jener Schrift tritt dies deutlich -zutage: in einem vorausgeschickten Exkurs über den Beweis des Daseins -Gottes, und in einem als Titelbild beigegebenen Schema der bekannten -vier aristotelischen Elemente, Feuer, Wasser, Luft und Erde. Der -Gottesbeweis sucht an Stelle der in der Scholastik aufgekommenen -ontologischen und kosmologischen Beweise wieder den aristotelischen -aus dem »Automaton« zu erneuern. Leibniz erklärt ihn für den einzigen, -dem mathematische Evidenz innewohne, weil die Reihe der Bewegungen -in der Natur notwendig einen ersten Beweger voraussetze, der selbst -unbewegt sei. Dieser Versuch, in der Ableitung des Gottesbegriffs -auf Aristoteles zurückzugehen, knüpft zwar an die bereits in der -gleichzeitigen Scholastik herrschende Bevorzugung des sogenannten -kosmologischen Beweises an, aber er entfernt aus ihm die Beziehungen -zur Theologie, um ihn als eine rein naturphilosophische Voraussetzung -bestehen zu lassen. Noch bedeutsamer ist die zweite Beigabe: das -Schema der vier Elemente. Es ist weniger der Begriff der Elemente -selbst als die Methode, durch die Aristoteles die Notwendigkeit ihrer -Unterscheidung zu begründen gesucht hatte, worauf es dem Verfasser -offenbar bei diesem Titelbild ankommt. Um die Bedeutung desselben zu -würdigen, muß man sich vor allem die Stellung vergegenwärtigen, die -die Aristotelische Deduktion der vier Elemente in der Geschichte der -Naturphilosophie einnimmt. Nicht die Unterscheidung der Elemente selbst -ist ja die entscheidende Tat, durch die er ihnen bis tief in die neuere -Zeit zuerst eine fast ausschließliche Herrschaft und dann, nachdem die -chemische Atomistik entstanden war, wenigstens eine Art Nebenherrschaft -gesichert hat, sondern ihre logische Ableitung. In der älteren -jonischen Naturphilosophie waren sie als makrokosmische Bestandteile -der Welt schon vorgebildet. Der äußersten, den Gestirnen entsprechenden -Feuersphäre folgt die Luft, dann das Wasser und endlich die feste -Erde. Empedokles hatte sie in mikrokosmische Elemente verwandelt, aus -denen sich die Einzeldinge zusammensetzen sollten. Was Aristoteles -hinzubrachte, das war die logische Deduktion, nach der diese Elemente -selbst wieder aus der Mischung von Urqualitäten hervorgehen sollten, -die aus den allgemeinsten Eigenschaften der Dinge abstrahiert und nach -Gegensätzen geordnet waren: fest und flüssig, kalt und warm. So ergab -sich das Schema: - - Trocken Flüssig - - Kalt _Erde_ _Wasser_ - Warm _Feuer_ _Luft_ - -Dieses Schema ist wohl das glänzendste Beispiel für die Aristotelische -Behandlung der Erfahrungsbegriffe. Das empirisch Gegebene bildet die -Grundlage einer Begriffsscheidung, die nach gegensätzlichen Merkmalen -ausgeführt und, wenn nötig, durch Synthese der zu einander passenden -Teilbegriffe zu einem logisch geschlossenen System geordnet wird. Die -Erfahrung bildet das Material, die dialektische Begriffsgliederung -das Mittel, um die empirischen Begriffe zugleich als logisch -notwendige erscheinen zu lassen. Diese Methode der dualistischen -Begriffsgliederung, welcher jedesmal von dem Philosophen gleichzeitig -logische Notwendigkeit und metaphysische Gültigkeit zugesprochen -wird, wiederholt sich in den mannigfaltigsten Gestaltungen in der -Philosophie des Aristoteles. Sie bildet ein Seitenstück und eine -Ergänzung zu der Methode der Begriffssubsumtion, die das ganze -System des Philosophen beherrscht, und die überall darauf ausgeht, -das Erfahrungsmäßige zugleich als ein begrifflich Notwendiges zu -erweisen. Logisch notwendig ist aber derjenige Begriff, der durch -einen anderen als sein Gegensatz gefordert wird. Hieraus entspringt -jenes Prinzip dualer Begriffsgliederung, das auch anderwärts bei -Aristoteles in der besonders wirkungsvollen Form der Viergliederung -vorkommt: so in der Einteilung der Urteilsformen in bejahende und -verneinende, allgemeine und besondere, oder in der Psychologie in -der Einteilung der Erinnerungsformen in solche nach Ähnlichkeit und -Gegensatz, Gleichzeitigkeit und Aufeinanderfolge des Erinnerten. Ihren -Vorzug für das systematische Denken gewinnen diese aus zwei logischen -Zweigliederungen synthetisch gewonnenen Vierteilungen sichtlich eben -dadurch, daß durch die Verflechtung der beiden Komponenten zu einem -Ganzen nochmals das Prinzip der Dualität wiederkehrt. Wo eine solche -Kombination zweier logischer Zweiteilungen zur Vierzahl nicht möglich -ist, da kann dann auch eine unmittelbar einsetzende Verbindung der -Gegensätze dem Bedürfnis nach logischer Einheit entgegenkommen: so bei -der Aristotelischen Ableitung der Tugendbegriffe aus dem Prinzip der -richtigen Mitte aus entgegengesetzten Fehlern, wie der Freigebigkeit -aus Geiz und Verschwendung usw., oder bei den grundlegenden -metaphysischen Begriffen Stoff und Form, die ebensowohl als Gegensätze -wie als sich ergänzende Begriffe gedacht werden. - -Dieses Prinzip der dualen Gliederung beherrscht nun die Leibnizsche -Naturphilosophie in ihrer ganzen Entwicklung. Den Ausgangspunkt bildet -hier der bei ihm früh sich regende Zweifel an der Haltbarkeit des -Cartesianischen Begriffs der Materie, mit dem seine Opposition gegen -die Cartesianische Naturphilosophie begonnen hat. In einer bis zu -einem gewissen Grade bereits ausgereifteren Gestalt begegnet uns jenes -Schema zuerst in seiner für die ganze Entwicklung seiner Philosophie -überaus bedeutsamen Schrift vom Jahre 1671 »~Hypothesis physica -nova~«. Sie zeigt uns ihren Verfasser mitten auf dem Wege zwischen -der unumschränkten Annahme der Cartesianischen Prinzipien, denen -er sich in einem früheren Stadium zugeneigt hatte, und der vollen -Abwendung von diesen in seinen späteren Arbeiten über Dynamik. In -jener Schrift schließt er sich in der Erklärung der Himmelsbewegungen -noch im wesentlichen an Descartes an, aber dessen Auffassung der -Materie als des durch die einzige Eigenschaft der Ausdehnung im -Raume gekennzeichneten Substrates der Naturerscheinungen bekämpft -er als eine unmögliche. Die Ausdehnung kann, wie er erklärt, nur -aus einer ausdehnenden Kraft begriffen werden, und nur sie macht -jene passiven Eigenschaften der Materie verständlich, die zu Raum -und Bewegung hinzukommen müssen, um den Widerstand eines Körpers -gegenüber einem andern und das Beharren einer ihm mitgeteilten -Bewegung zu erklären. So gelangt er hier bereits zu jener Aufstellung -des Kraftbegriffs als des Grundbegriffs für die Interpretation der -gesamten Naturerscheinungen und zugleich zu einer doppelten Gliederung -dieses Begriffs: zunächst scheidet sich die Kraft in die passive, -die den Körpern fortwährend innewohnt, und in die aktive, die in der -Bewegung sich äußert; die passive Kraft aber scheidet sich wieder -in die Festigkeit (Undurchdringlichkeit) und in die Trägheit, die -Galileische ~Vis inertiae~. Von diesem ersten Entwurf an schreitet -dann in den nach dem Jahr 1680 ausgeführten Arbeiten zur Dynamik diese -Einteilung in folgerichtiger Weiterführung der begonnenen Subsumtion -der Begriffspaare zu dem folgenden endgültigen Schema fort: - - { ~vis primitiva~ = ∞ - ~Vis = vera~ { - ~Substantia~ { { { ~antitypia~ - { ~vis~ { ~vis passiva~ { - { ~derivativa~ { { ~inertia~ - { - { ~vis activa~ { ~vis mortua~ - { ~= const.~ { - { { ~vis viva~ - -Die Analogie dieses Schemas mit den Aristotelischen -Begriffsgliederungen springt in die Augen. Dennoch ist die Beziehung -der Begriffsglieder zu einander offenbar eine wesentlich andere -geworden, und hinter diesem Wandel verbirgt sich der mächtige -Einfluß, den die seit dem Galileischen Zeitalter eingetretene -Umwälzung der Naturanschauungen selbst da hervorgebracht hat, wo man -die neue Anschauung in die alten scholastischen Formen umzuprägen -sucht. In der Tat ist das Schema, in welchem Leibniz seine gesamte -Naturphilosophie zum Ausdruck bringt, ein deutliches Zeugnis dafür, -daß diese Philosophie selbst gewissermaßen eine Resultante aus den -zwei Weltanschauungen ist, die sich hier zu einem Ganzen vereinigen. -In der Form ist dieses System noch in der scholastischen Denkweise -befangen, in seinem Inhalt ist es ganz von den Anschauungen der -neuen mechanischen Naturwissenschaft erfüllt, und es ist zugleich -ein bedeutsamer, zweifellos der Cartesianischen Naturwissenschaft -überlegener Versuch, diese Anschauung in ein einheitliches, von einem -einzigen Grundbegriff, dem der Kraft, getragenes System zu bringen. -Der wesentliche Unterschied in der Anwendung des Prinzips der dualen -Gliederung bei Leibniz gegenüber der aristotelisch-scholastischen, -wie ihn am ausgeprägtesten das von Leibniz selbst dereinst an die -Spitze seiner ~Ars combinatoria~ gestellte Beispiel der vier Elemente -zeigt, besteht darin, daß die Begriffsgliederung der Scholastik auf -dem Prinzip der Subsumtion unter einen Oberbegriff beruht, während -sie bei Leibniz stets zugleich eine kausale Beziehung der einander -gegenübergestellten Begriffe in sich schließt. So sind trocken und -flüssig unter dem allgemeinen Begriff des Aggregatzustandes enthalten, -ohne über die Bedingungen, unter denen etwa die eine in die andere -dieser Eigenschaften übergeht, etwas auszusagen. Die ~Vis primitiva~ -und ~derivativa~, die ~Vis viva~ und ~mortua~ sind dagegen derart in -Beziehung zueinander gesetzt, daß die wegen der im Fortschritt der -Zeit ins Unendliche sich erstreckende Summe aller vorangegangenen, -gegenwärtigen und zukünftigen Kraftwirkungen als die an sich unendlich -zu denkende Quelle der jeweils in der Natur vorhandenen Kräfte -betrachtet wird; ebenso sind die ~Vis viva~ und ~mortua~ durch die -Voraussetzung der Konstanz ihrer Summe nicht bloß Teilbegriffe der ~Vis -activa~, sondern sie stehen derart in kausaler Beziehung, daß sie stets -nur in äquivalenten Werten ineinander übergehen können. - -Aber dieses Schema des Kraftbegriffs enthält nicht bloß, wenngleich -in äußerlich rein subsumierender Form, ~in nuce~ die reichen -Wechselbeziehungen der Naturerscheinungen, die Leibniz durch die -Modifikation seines Kraftbegriffs auszudrücken sucht, sondern es -weist zugleich über das naturwissenschaftliche Gebiet hinaus auf die -universelle philosophische Bedeutung hin, die bei ihm der Kraftbegriff -gewinnt. Dies tritt vor allem in der dem Ganzen vorangestellten -Begriffsbestimmung der Kraft als der »wahren Substanz« hervor. Eine -eigentliche Definition enthält freilich dieses Attribut nicht, oder es -weist doch höchstens indirekt auf eine solche hin, indem es die Kraft -als den Grundbegriff bezeichnet, der künftighin an die Stelle der -bisherigen Substanz zu treten habe. Nun reicht aber der Substanzbegriff -über das Gebiet der Naturphilosophie hinaus. Er hatte sich in der -bisherigen Philosophie zu dem Begriff eines beharrenden Seins -entwickelt, das bald als allgemeines Substrat der Erscheinungswelt, -bald als unendliches göttliches Sein oder auch als beides zugleich, wie -in der Cartesianischen Dreiteilung der Substanzen in Seele, Körperwelt -und Gott, gedacht wurde. Indem Leibniz die Kraft die wahre Substanz -nennt, gibt er also seinem Kraftbegriff von vornherein ebenfalls -eine universelle metaphysische Bedeutung. Da er anderwärts das Wesen -der Kraft, im Gegensatz zu jenem Begriff der beharrenden Substanz, -in die Tätigkeit und, wo diese nicht zur Wirkung gelangt, in das -Streben nach Tätigkeit verlegt, so ist dieser Ersatz der beharrenden -Substanz durch die tätige Kraft wiederum ein wesentlicher Punkt in -seiner fortschreitenden Abkehr von Descartes. So überaus weittragend -dieser neue Substanzbegriff ist, -- er kommt, wie wir sehen werden, -der Aufhebung des Substanzbegriffs überhaupt gleich --, so hat er -jedoch für die Prinzipien der Naturphilosophie auf den ersten Anschein -keine allzu schwer wiegenden Folgen. Da Leibniz immerhin an der -räumlichen Ausdehnung als der unmittelbar in der Anschauung gegebenen -Eigenschaft der Körper festhält, so gilt auch für ihn der Satz, daß -alles Geschehen in der Natur auf Bewegungen der Materie zurückzuführen -ist, und es scheint zunächst wenig zu bedeuten, ob diese Bewegungen -selbst als das Ursprüngliche angesehen werden oder ob man sie auf eine -hinter ihnen stehende tätige Kraft zurückführt. Hat doch das erstere -den Vorteil den, wie sich später d'Alembert ausdrückte, »mystischen« -Kraftbegriff zu vermeiden, indem man sich nur an die Erscheinungen -selbst hält. Auch muß man zugestehen, daß Descartes schwerlich ohne -seine Voraussetzung der Identität von Raum und Materie auf den -Gedanken gekommen wäre, die Eigenschaft der Unveränderlichkeit des -Raumes auf die Bewegungen im Raum anzuwenden und so zur Aufstellung -seines Prinzips der Erhaltung der Quantität der Bewegung zu gelangen, -eines Prinzips, das zwar falsch war, aber immerhin das Verdienst -hatte, den Gedanken der Konstanz von der Materie als dem Substrat der -Naturvorgänge auf diese selbst zu übertragen. Dennoch offenbarte sich -in dem über diese Frage entstandenen Streit zwischen Leibniz und den -Cartesianern bald der gewaltige Unterschied, der zwischen beiden Formen -der mechanischen Naturanschauung, jener eigentlich rein phoronomischen -Betrachtung Descartes' und seiner Schüler und dieser dynamischen -bestand, und der eben darin seinen tieferen Grund hatte, daß das System -der Kraftbegriffe, wie es das obige Schema darstellt, in allen seinen -Gliedern auf kausalen Beziehungen beruht. - -Die bedeutsamsten dieser Beziehungen sind nun die zwischen passiver -und aktiver Kraft und vor allem die zwischen toter und lebendiger -Kraft. Beide Unterscheidungen hängen aber auf das engste zusammen. -Denn die passiven Kräfte, die der Materie außer ihrem Dasein im Raume -zukommen, bewirken, daß die Bewegung Widerstände findet, die die -aktuelle in eine potentielle, in ein bloßes Streben nach Bewegung -umwandeln können, daher denn auch nicht, wie das Cartesianische -Konstanzprinzip voraussetzt, die gesamte Quantität der Bewegung, -sondern nur die _ganze_ ~Vis activa~, also die Summe der toten und der -lebendigen Kräfte, konstant bleibt. Das ist das berühmte Prinzip der -»Erhaltung der Kraft« beinah in demselben Sinne, in dem es fast zwei -Jahrhunderte später von Robert Mayer formuliert wurde. Es ist durch -eine merkwürdige Konfusion der ~Vis viva~ mit der ~Vis activa~ in dem -System der Leibnizschen Kraftbegriffe als eine Vorausnahme und zugleich -unberechtigte Verallgemeinerung des unter gewissen Voraussetzungen -geltenden mechanischen Prinzips der »Erhaltung der lebendigen -Kräfte« gedeutet worden. Das ist falsch, wie ein Blick auf das obige -Schema ohne weiteres zeigt. Leibniz ist bereits im vollen Besitz des -Erhaltungsprinzips, wie es die heutige Physik voraussetzt, wenn er -auch selbstverständlich nach dem damaligen Zustand der Wissenschaft -von den sogenannten Transformationen der Naturkräfte nichts wissen -konnte, die erst durch die Nachweisung der Äquivalenz der Naturkräfte -seine umfassendere empirische Bestätigung und Anwendung möglich -gemacht haben. Jenes Mißverständnis ist aber hauptsächlich dadurch -entstanden, daß der Folgezeit bis zu seiner Wiederentdeckung an der -Hand des Äquivalenzgesetzes der Sinn des Streites, den Leibniz mit -den Cartesianern kämpfte, verlorengegangen war. Man stritt im ganzen -18. Jahrhundert nicht mehr um die Frage der Konstanz der Naturkräfte, -sondern um die andere, ob diese nach Cartesius durch die Quantität der -Bewegung ~m . v~ oder nach Leibniz durch die lebendige Kraft ~m . v²~ -zu messen seien. So kam es, daß im allgemeinen die Mathematiker es -schließlich, der Autorität d'Alemberts folgend, für gleichgültig -erklärten, welchen der beiden Ausdrücke man wähle, da diese Wahl nur -davon abhänge, ob man unter den Gleichungen für die Bewegung schwerer -Körper diejenige bevorzuge, die die Zeit der Bewegung, oder diejenige, -die den zurückgelegten Weg enthalte. Auf die Physiker dagegen machte -im allgemeinen der von Leibniz erbrachte Nachweis der Übereinstimmung -seines Prinzips mit den Galileischen Fallgesetzen den größeren -Eindruck. Da in diesem Beispiel das allgemeine Prinzip der Erhaltung -der Kraft mit dem beschränkteren der »Erhaltung der lebendigen -Kräfte« zusammenfiel, so befestigte sich aber dadurch um so mehr die -Meinung, ~Vis viva~ und ~Vis activa~ bedeuteten eins und dasselbe. -So ereignete es sich, daß die »lebendige Kraft« ein dauernder Besitz -der Physik blieb, die »tote Kraft« dagegen geriet in Vergessenheit, -bis sie unter verschiedenen andern Namen, wie »potentielle Energie«, -»Spannkraft«, »Energie der Lage« durch die neuere Energetik wieder -erweckt wurde. Unter diesen neuen Ausdrücken ist besonders die -»potentielle Energie« bemerkenswert. Das Wort hängt mit dem Bestreben -zusammen, das gute deutsche Wort Kraft wegen der mancherlei außerhalb -der exakten Mechanik und Physik liegenden Bedeutungen, in denen es -gelegentlich gebraucht wird, wie Lebenskraft, Denkkraft, ganz aus der -Wissenschaft auszumerzen und durch ein anderes, in dieser Beziehung -unverfänglicheres zu ersetzen. Damit hat die Geschichte dieses -Begriffs einen merkwürdigen Kreislauf zurückgelegt. Leibniz hatte den -alten Kraftbegriff nach dem Vorbild der Aristotelischen »Energeia« -umgeformt, indem er als sein wesentliches Merkmal die Tätigkeit, oder, -wie wir es modern ausdrücken können, die Leistung, für die mechanischen -Kräfte also, da auch nach Leibniz alle Naturkräfte mechanische -Kräfte sind, die _Arbeitsleistung_, betrachtete. Demgegenüber war -natürlich die Aristotelische Energeia weit vieldeutiger gewesen, wie -es denn noch heute das Wort Energie in der Mannigfaltigkeit seiner -Bedeutungen mindestens mit der Kraft aufnehmen kann. Es dürfte also -fraglich sein, ob der Begriff bei diesem Rückgang von Leibniz zu -Aristoteles etwas gewonnen hat, vollends wenn man ihn außerdem in der -Gegenüberstellung der potentiellen und aktuellen Energie den Umweg -über die aristotelische Scholastik nehmen läßt, in der er mehr als bei -Aristoteles selbst zur formelhaften Begriffsschablone geworden war. -Demgegenüber sind die Ausdrücke tote und lebendige Kraft freilich nur -veranschaulichende Metaphern, nicht abstrakte Begriffe wie ~Potentia~ -und ~Actus~, aber sie besitzen eben deshalb den Vorzug, nur eine -Veranschaulichung der Begriffe, nicht, wie die Ausdrücke Spannkraft, -Lageenergie, Veranschaulichungen und Beispiele zugleich zu sein. - -Immerhin ist der Rückgang der modernen Physik auf die alte -Aristotelische Begriffsgliederung in doppelter Beziehung bedeutsam. -Auf der einen Seite zeigt er, daß jene Neigung zu dualer Gliederung, -mögen die Begriffe nun aus der Erfahrung abstrahiert oder logisch -postuliert oder, wie gewöhnlich, aus einem Zusammenwirken apriorischer -und empirischer Motive hervorgegangen sein, keineswegs mit der -Scholastik verschwunden ist, auch in solchen Fällen, wo man nicht, -wie bei Leibniz, an eine direkte Nachwirkung denken wird. Mag es auch -sein, daß das scholastische Begriffspaar ~Potentia~ und ~Actus~ -durch schwache Fäden unbestimmter Erinnerung noch in die heutige -Naturwissenschaft herabreicht; ein starker Antrieb, der in den Dingen -selbst liegt, mußte doch hinzukommen, wenn solche längst für begraben -gehaltene logischen Produkte wieder lebendig werden sollten. Denn -logische Produkte, wenn nicht Artefakte, sind ja alle derartige nach -dem Prinzip des dualen Gegensatzes ausgeführte Begriffsgliederungen. -Daß sie in der Natur selbst existieren, ist jedenfalls im höchsten -Grad unwahrscheinlich, denn, wo immer die Analyse der Erscheinungen -in die Tiefe zu dringen vermag, da pflegen zahlreiche Vermittlungen -von dem einen Glied des Gegensatzes zum andern zu führen, wie dies für -die ethischen Gegensätze Aristoteles selbst bereits bemerkt hat. Aber -als ein treffliches Hilfsmittel vorläufiger Ordnung der Erscheinungen -bewährt sich tatsächlich jene Scheidung überall. Es ist eben der erste -Schritt zur Ausführung einer begrifflichen Ordnung, wie er freilich -auch niemals der letzte bleiben darf. Indem die aristotelische -Scholastik dieses Prinzip zwar in einseitiger und schließlich zu einem -äußeren Schematismus erstarrender Weise durchgeführt hat, bezeichnet -sie daher nicht, wie noch jetzt, im Zeitalter historischer Würdigung -der Zeiten und Zustände, von manchen geglaubt wird, eine Verirrung -der Wissenschaft, die höchstens durch ihre Dauer bemerkenswert sei, -sondern, geschichtlich betrachtet, ganz wie unsere eigene Zeit, eine -in der vorangegangenen Entwicklung begründete und auf die folgende zum -Teil bis zum heutigen Tage nachwirkende Stufe der Geistesgeschichte. -Für Leibniz aber, der selbst noch aus der Schule der Scholastik -hervorging, war sie mehr: sie bedeutete ihm eine der in seiner -eigenen Zeit einander gegenüberstehenden Richtungen, aus der, wie aus -allen andern, das Gute und Brauchbare zu übernehmen und das Irrige -auszuscheiden sei. - -Wie die von der Scholastik in übertriebenem Maße geübte Distinktion -der Begriffe unter geeigneten Umständen die empirische Analyse der -Erscheinungen fördern kann, dafür bietet nun gerade die Geschichte des -Erhaltungsprinzips einen sprechenden Beleg. Wenn Leibniz wiederholt -hervorhebt, daß seine Formulierung desselben durch die Galileischen -Fallgesetze bestätigt werde, während die Cartesianische diesen -widerstreite, so würde es zunächst irrig sein, wollte man daraus -entnehmen, sein Prinzip sei aus diesen Gesetzen selbst abstrahiert -worden. Sie waren ihm vielmehr nur eine willkommene Bestätigung eines -auf weit zurückgehende Überlegungen gegründeten Schlusses. In der Tat -war Descartes selbst nicht einmal der erste, der die Idee der Konstanz -der bewegenden Kräfte in die Naturbetrachtung einführte, sondern -auch sie hatte sich bereits in der Scholastik und noch weiter zurück -in dem Aristotelischen »Automaton« vorbereitet. Und anknüpfend an -diesen Begriff eines ersten Bewegers und an den der Unveränderlichkeit -der Himmelsbewegungen war schon in der scholastischen Theologie der -Gedanke aufgetaucht, die Schöpfung sei nicht bloß einmal entstanden, -sondern sie wiederhole sich fortwährend in der Unveränderlichkeit des -Wirkens der Gottheit in der Natur. Hier trat nun Descartes in dem -Bestreben, alle Erscheinungen aus mechanischen Ursachen abzuleiten, -dieser Anschauung entgegen, um sich auf die Seite derer zu stellen, -die die Schöpfung als einen _einmaligen_ Akt betrachteten. Gott hat -nach ihm im Anfang der Dinge allen Teilen der Materie die Bewegung -mitgeteilt, die sich nun unverändert in ihr erhält. So war, indem -er die Immanenz Gottes in der Natur wieder in seine Transzendenz -umwandelte, und den Gedanken der Unveränderlichkeit nun von Gott auf -die Natur selbst übertrug, sein Prinzip der Konstanz der Quantität der -Bewegung entstanden. Den allgemeinen Gedanken nahm Leibniz auf, aber -er erkannte, daß er in der ihm von Descartes gegebenen Form unhaltbar -sei, weil dieser die Hemmungen übersehen hatte, die die materiellen -Teile durch ihre Wechselwirkung erfahren müßten. So half er sich -denn mit einer jener scholastischen Unterscheidungen, die sich ihm -sonst schon fruchtbar erwiesen hatten: er stellte den aktuellen die -potentiellen Wirkungen gegenüber. Diese Auskunft nötigte ihn aber zu -einem weiteren Schritt: auch der Anfang der Bewegung mußte in die Natur -selbst verlegt werden, wenn jenes Streben nach Bewegung, das in den im -Gleichgewicht miteinander stehenden materiellen Teilen erhalten blieb, -möglich sein sollte. Dazu half ihm sein universeller Kraftbegriff mit -seiner Scheidung in tote und lebendige Kräfte, wodurch sich von selbst -das Cartesianische Prinzip der Erhaltung der Quantität der Bewegung -in das neue der Erhaltung der Summe der toten und der lebendigen -Kräfte verwandelte. Damit schloß aber dieses zugleich ein Prinzip der -_Selbsterhaltung der Natur_ in sich, machte also jene erste Mitteilung -aller Bewegung durch die Gottheit überflüssig. Hat auch Leibniz -selbst diese Folgerung nicht ausdrücklich gezogen, so hat er doch in -ihrem Sinne prinzipiell die Aufgabe der mechanischen Naturphilosophie -folgerichtig zum erstenmal gelöst. So ist, wie man wohl sagen darf, das -Prinzip der Erhaltung der Kraft an sich rein aus logischen Überlegungen -hervorgegangen, ganz so wie Galilei sein Trägheitsprinzip ursprünglich -lediglich auf solche gegründet hatte, um es dann erst durch seine -Fallversuche zu bestätigen. Und ähnlich hat nun Leibniz sein -Erhaltungsprinzip, nachdem er es durch Spekulation gefunden, durch den -Nachweis der Übereinstimmung mit den Galileischen Gesetzen empirisch -bestätigt. - -Noch blieb aber in der Ableitung des Prinzips eine Lücke, die -die Einheit der Weltbetrachtung beeinträchtigte, und die -bemerkenswerterweise zum Teil noch jetzt besteht, so daß die duale -Begriffsgliederung nach dem Vorbild der Scholastik in der Wissenschaft -noch heute fortlebt. Gleichwohl erkannte schon Leibniz in der späteren -Periode seines Lebens, daß jene Unterscheidung toter und lebendiger -Kräfte eigentlich nur einen provisorischen Wert besitze, da sie auf die -Frage, wie tote in lebendige Kraft übergehen könne, natürlich keine -Antwort gibt. Doch auch darüber, in welcher Richtung die künftige -Lösung dieses Problems liegen müsse, hat er keinen Zweifel gelassen. -Sie erscheint ihm vorgezeichnet durch das Prinzip der Kontinuität, -dessen strenge Anwendung auf alle Gebiete der Erkenntnis ihm im Gefolge -seiner mathematischen Studien als ein unerläßliches Postulat erschien. -In diesem Sinne ist die Ruhe nicht ein Gegensatz zur Bewegung, sondern -eine unendlich kleine Bewegung. Nicht um einen Wechsel absolut -verschiedener Zustände kann es sich also handeln, sondern immer nur -um Transformationen der Bewegung, wobei er sich die toten Kräfte als -Formen einander wechselseitig aufhebender Molekularbewegungen zu denken -scheint, wenn er sie gelegentlich »unsichtbare Bewegungen« nennt. -Indem aber außerdem der Kraftbegriff selbst jene universelle Bedeutung -gewinnt, vermöge deren die Materie überhaupt nur eine Erscheinungsweise -der Kraft ist, greift derselbe Gesichtspunkt auf die sogenannten -passiven Kräfte des obigen Schemas über. Auch die Undurchdringlichkeit -und die Trägheit sind nicht ruhende Eigenschaften der Körper, sondern -Resultanten innerer Bewegungen, wie der Widerstand beweist, den sie -äußeren bewegenden Kräften entgegensetzen. Dies sind Gedanken, die -in der Tat neuere physikalische Spekulationen in gewissem Sinne -vorausnehmen, in denen versucht wird, diese von Leibniz sogenannten -passiven Kräfte nicht als ursprüngliche und darum nicht weiter zu -erklärende Eigenschaften der Materie aufzufassen, sondern sie aus den -allgemeinen Bewegungsgleichungen materieller Systeme abzuleiten. - -In der späteren Entwicklung der Leibnizschen Naturphilosophie ist zu -diesen Studien über die Grundbegriffe der Dynamik noch ein anderes, -davon scheinbar weit abliegendes Problem hinzugetreten, das in -der zweiten Hälfte des Jahrhunderts mehr und mehr die allgemeine -Aufmerksamkeit gefesselt hatte, das aber den Hilfsmitteln der -mechanischen Naturerklärung völlig unzulänglich zu sein schien: das -_biologische_ der Entwicklung lebender Wesen. Wenn sich hier noch auf -lange hinaus die Physiologie mit der Annahme einer zu den mechanischen -Naturkräften hinzukommenden spezifischen Lebenskraft begnügte, als -deren Teilkräfte nach dem Vorbild der Aristotelischen Vermögensbegriffe -die einzelnen Lebensäußerungen betrachtet wurden, so ließ Leibniz -zwar diese Lebenskräfte als höhere Formen der allgemeinen Naturkräfte -gelten; dennoch hielt er die verbreitete Auffassung, die sie in einen -Gegensatz zu den mechanischen Kräften brachte, für ausgeschlossen. -Widersprach sie doch von vornherein dem Gesetz der Kontinuität. -Hatte Aristoteles schon in der Reihe Pflanze, Tier, Mensch eine -aufsteigende Entwicklung erblickt, so ergänzte daher Leibniz diese -nach unten, indem er als deren letzte Glieder die in den leblosen -Körpern wirkenden mechanischen Kräfte voraussetzte, in denen jene -höheren potentiell bereits vorgebildet seien: und auch hier bot ihm -Aristoteles in seiner Gliederung des Formbegriffs um so mehr einen -Anhalt, als der Kraftbegriff ja selbst eigentlich eine Fortbildung -dieses Aristotelischen Formbegriffs war. Gerade in diesem Punkt hatte -die Scholastik die Grundbegriffe der Aristotelischen Metaphysik -mehr verdunkelt als weitergebildet, indem sie beide zu der »~Forma -substantialis~« vereinigte, aus der sich dann der Substanzbegriff der -modernen Metaphysik entwickelt hat. Demgegenüber ging Leibniz auch -hier auf Aristoteles selbst zurück, der in den beiden Begriffen der -Energeia und der Entelecheia, von denen der erste ihm zugleich als -der allgemeinere, den zweiten einschließende, dieser aber als die -höhere Form galt, dem Gedanken der Einheit der Naturkräfte und ihrer -Wertabstufung vorgearbeitet hatte. Auch für Leibniz sind danach die -allgemeinen Naturkräfte Energien, diejenigen Kräfte dagegen, die ihren -Ausdruck in den Lebenserscheinungen finden, Entelechien. Zugleich -aber sieht er sich durch eben jenes Prinzip der Kontinuität, nach -welchem er die Lebenskräfte der Reihe der allgemeinen Naturkräfte -einordnet, genötigt, den in dem Begriff der Entelechie liegenden -Zweckgedanken wieder nach rückwärts auf das Gebiet der allgemeinen -Energien auszudehnen. So sind ihm die Naturkräfte auf ihren höheren -Stufen in der organischen Welt aktuell zwecktätige, in den allgemeinen -Naturerscheinungen latent zwecktätige. Hieraus entspringt für ihn -aber das Motiv, den so geforderten Charakter der Zweckmäßigkeit, der -sich bei den Lebenskräften den Wirkungen entnehmen läßt, hier, in der -toten Natur, in die Ursachen, d. h. in die _Gesetze_ zu verlegen, -durch die die Erscheinungen bestimmt sind. Dazu bietet dann wieder -die scholastische Gliederung des Begriffs der Ursache in die ~Causa -efficiens~ und in die ~Causa finalis~ einen willkommenen Anhalt. Die -Naturkräfte sind allgemein ~Causae efficientes~, diese aber gewinnen -auf ihren höchsten Stufen zugleich den Charakter von ~Causae finales~. -Leibniz mag sich diese letzteren als komplexe Resultanten gedacht -haben, -- ausgesprochen hat er sich hierüber nicht. Um so mehr betont -er, daß allen Naturerscheinungen der Zweck insofern immanent sei, als -die Prinzipien der Naturerklärung sämtlich den Zweckbegriff in sich -schließen. Er beschränkt diese Prinzipien auf _drei_ von universeller -und von axiomatischer Bedeutung, weil sie aus andern nicht abgeleitet -werden können: das der Kontinuität, der Erhaltung der Kraft, der -Gleichheit von Wirkung und Gegenwirkung. Es ist die Dreizahl der -»~Leges naturae~«, die in verschiedener Form bei den Naturphilosophen -des 17. Jahrhunderts, bei Descartes, Leibniz, Newton, wiederkehrt. Bei -Leibniz sind die beiden ersten Gesetze von überwiegender Bedeutung: -das Kontinuitätsprinzip ist eines der fruchtbarsten Denkmittel -seiner gesamten Philosophie, das Erhaltungsprinzip beherrscht seine -Naturphilosophie. Den Zweckgedanken tragen aber diese Prinzipien in -sich selbst: das gilt in der Tat für das Leibnizsche Kraftprinzip -so gut wie noch für das wesentlich mit ihm identische moderne -Energieprinzip. Rein empirisch betrachtet ist es eine Hypothese, deren -Geltung darauf beruht, daß, soweit unsere Erfahrung reicht, diese mit -ihm übereinstimmt. Logisch betrachtet, ist es aber ein teleologisches -Prinzip, da der Begriff des Beharrens eine Regel angibt, nach der -künftige Zustände mit den gegenwärtigen und vorangegangenen verbunden -sind. - -Für Leibniz liefert diese doppelte Erscheinungsform der Teleologie den -Beweis für die Oberherrschaft, die dem Begriff des Zwecks überhaupt -in den allgemeinsten Naturgesetzen und in den höchsten Erzeugnissen -der Naturkausalität zukommt. Denn in dieser Übereinstimmung des ersten -und des letzten Gliedes der Reihe der Entwicklungen liegt nach ihm -ein Zwang, der uns nötigt, auch alle zwischenliegenden Glieder dem -Zweckgedanken unterzuordnen. Darum, wenn er seine Übereinstimmung mit -Aristoteles betont, so ist es vorzugsweise der Begriff der Entelechie, -auf den er hinweist. Hierin liegt aber eine doppelte Übereinstimmung: -die eine besteht in der Auffassung der Natur als einer _aufsteigenden -Stufenfolge_, die andere in der _Einheit der physischen und der -geistigen Welt_, wobei auf den niederen Stufen dieser Einheit -vornehmlich die physische, auf den höheren Stufen die geistige Seite -in die Erscheinung tritt. In beiden Momenten offenbart sich zugleich -der tiefe Gegensatz gegen Descartes, der sich schon in den dynamischen -Arbeiten vorbereitet hatte. Die Cartesianische Philosophie ist -entwicklungslos, eine tiefe Kluft trennt den Menschen von der nur dem -allgemeinen Mechanismus der Natur unterworfenen Tierwelt; sie ist -dualistisch, die menschliche Seele ist nur äußerlich und vorübergehend -mit dem Körper verbunden. Für Leibniz sind körperliches und geistiges -Sein im letzten Grund eins und dasselbe, sie sind Äußerungen einer -allbeherrschenden Kraft, die von Anfang an zwecktätige Kraft ist und -als solche sich ebenso in den Gesetzen der Natur wie in denen des -menschlichen Denkens offenbart. Damit erneuert er den Aristotelischen -Begriff der Seele als der Lebenskraft, zu dem schon, freilich in -mannigfach unter dem Einfluß des religiösen Dogmas veränderter Form, -die Scholastik zurückgekehrt war. - -Wenn nun aber Leibniz überall bemüht war, die rein philosophische -Begründung seiner Anschauungen mit einer religiösen Betrachtung der -Dinge in Einklang zu bringen, so konnte er sich kaum verhehlen, daß -in diesem Punkte der moderne Seelenbegriff Descartes' anscheinend dem -religiösen Bedürfnisse besser gerecht werde als das Aristotelische -Lebensprinzip. Da geschah eine Entdeckung, die die damalige -wissenschaftliche Welt in die größte Aufregung versetzte, weil sie -hier plötzlich eine neue Situation zu schaffen schien: es war die -Entdeckung der sogenannten Spermatozoen durch den Holländer Leuwenhoek. -Sie überraschte um so mehr, als kurz zuvor William Harvey durch -seine sorgfältigen Beobachtungen über die Entwicklung des Hühnchens -im Ei die ohnehin nächstliegende Annahme, daß das Ei der Träger der -Entwicklungsvorgänge sei, vollauf zu bestätigen schien und daher -zu dieser als selbstverständlich bereits geltenden Ansicht bloß -die allerdings wichtige Ergänzung hinzufügte, daß organische Wesen -überhaupt nur aus einem vorhandenen Ei hervorgehen könnten, nach dem -Satze: »~Omne vivum ex ovo!~« Dem stellte nun Leuwenhoek auf Grund -seiner Entdeckung der Spermatozoen, in denen er, wie die meisten -seiner Zeitgenossen, wegen ihrer Bewegung kleinste lebende Tiere sah, -den andern Satz gegenüber: »~Omne vivum ex animalculo!~« So entstand -der berühmte Streit der Ovulisten und der Animalkulisten. Für Leibniz -war aber dieser Streit mehr als eine bloß biologische Frage. Die -Entdeckung der Spermatozoen bedeutete für ihn die Errettung aus einer -schweren philosophischen Verlegenheit. In jenen schien ihm die Einheit -von Seele und Körper augenfällig erwiesen zu sein. Aber es schien -ihm auch, wie manchen andern, im höchsten Grade wahrscheinlich, daß -damit das Problem der organischen Entwicklung überhaupt gelöst sei. -Lag es doch nahe, anzunehmen, in dem Animalkulum sei das künftige -Tier oder der künftige Mensch nicht bloß präformiert wie im Ei das -individuelle künftige Hühnchen, sondern jenes sei das Tier selbst in -einem noch unausgewachsenen Zustande. Damit konnte die Frage nach -dem Ursprung des Lebens für gelöst gelten: das Leben, so lautete -die Antwort, ist überhaupt nicht entstanden, sondern es bewegt sich -für jedes Individuum nur zwischen den Stadien der Involution und -Evolution, und die Entwicklungsgeschichte des individuellen Wesens ist -nicht ein einmaliger, sondern ein periodischer, ins Unendliche sich -wiederholender Vorgang. Wichtiger aber noch war eine weitere Folgerung, -die dieser Anschauung ihre Anhänger schaffte. Der Cartesianischen -Lehre von der bloß äußeren Verbindung von Seele und Körper, die der -ersteren ihre Fortdauer nach dem Tode des Körpers sichere, hatte ihre -Übereinstimmung mit dem religiösen Unsterblichkeitsglauben nicht zum -wenigsten ihren Erfolg verschafft. Begreiflich daher, daß Leibniz die -Hilfe willkommen war, die sich ihm in der Theorie der Animalkulisten -bot, um so willkommener, als ihr die empirische Beobachtung zur Seite -stand. Die Cartesianische Seele konnte niemand sehen, sie war eine -bloß metaphysische Annahme. Die Spermatozoen konnte man jedermann -unter dem Mikroskop demonstrieren. So war es Leibniz, der schließlich -dieser Lehre ihren entscheidenden philosophischen Ausdruck gab: »~Non -solum animae sed animalia sunt immortalia!~« Der Unsterblichkeit war -anscheinend ein empirisches Argument zur Seite getreten, das den -religiösen Glauben selbst zu einer Quelle wissenschaftlicher Erkenntnis -erhob. Für uns, die wir wissen, daß die Spermatozoen keine Tiere, -sondern bewegliche Formelemente sind, wie deren noch unzählig viele -andere im Organismus vorkommen, ist natürlich die animalkulistische -Evolutionshypothese und mit ihr womöglich noch mehr der Leibnizsche -Satz von der Unsterblichkeit der Tiere längst hinfällig geworden. -Dennoch wäre es verfehlt, anzunehmen, Leibniz würde, wenn er seinen -Irrtum erkannt hätte, deshalb seinen Cartesianischen Gegnern das Feld -geräumt haben. Seine Weltanschauung -- und das Verhältnis von Geist -und Körper gehörte zu den wesentlichsten Bestandteilen derselben -- -stand nicht auf den gebrechlichen Füßen der damaligen mikroskopischen -Beobachtung. Es waren ganz andere Stützen, auf die er seine neue -Auffassung vom Wesen der Materie gegründet hatte, dieselben, die -ihm seine dynamischen Untersuchungen an die Hand gaben. Sie sind es -zugleich, die mit seinem neuen Aufbau der Psychologie auf das engste -zusammenhängen. - - -~c.~ Die Aktualität der Seele. - -An zwei Stellen pflegt man sich über Leibniz' psychologische -Anschauungen Rat zu holen: in seiner Monadologie und in seiner -Erkenntnistheorie. In so nahen Beziehungen beide aber auch zu -jenen stehen mögen, so wenig geben sie Aufschluß über den Ursprung -seines psychologischen Denkens. Will man die Ausgangspunkte seiner -mehr und mehr über alle Gebiete sich erstreckenden psychologischen -Überzeugungen erkennen, so muß man vielmehr auf seine physikalischen -Studien zurückgehen, aus denen sich ihm zuerst der Begriff der -Kraft als ein an sich gleichzeitig die physische und die geistige -Welt umfassender Grundbegriff ergab. Da hierauf schließlich vor -allem sein für die ganze neuere Philosophie entscheidend gewordener -Gegensatz zu Descartes beruht, so ist es erforderlich, sich die auf -die antike Philosophie zurückreichenden Quellen dieses Zwiespalts zu -vergegenwärtigen. Dies ist um so nötiger, als durch einen merkwürdigen -Wandel der Begriffe der Gegensatz selbst eine völlig veränderte -Bedeutung gewonnen hat. Der Cartesianische Seelenbegriff hat seinen -Ausgangspunkt in der Platonischen Ideenlehre, mit der ja auch die -Lehre von den »angeborenen Ideen« zusammenhängt. Bei Plato war die -Seele ein zwischen der übersinnlichen Welt der Ideen als der Urbilder -der Begriffe und der Sinnenwelt vermittelndes Wesen, das als solches -zugleich an der Unvergänglichkeit der Ideen teilnahm. Unter dem -Einfluß der christlichen Gottesidee verwandelten sich bei dem großen -Platoniker unter den Kirchenlehrern, dem heil. Augustinus, die Ideen -in Schöpfungsgedanken Gottes, zu denen nun auch die menschliche Seele -selbst gehörte. Alle Dinge hat Gott, ehe er sie schuf, vorausgedacht, -unter ihnen ist aber die Seele dasjenige Wesen, das allein befähigt -ist, sie nachzudenken: »Gott denkt die Dinge, ehe sie sind, unsere -Seele denkt sie, nachdem sie sind.« Demnach ist die Seele ein denkendes -Wesen und als solches befähigt, auch die Gottheit und die Dinge der -Außenwelt zu erkennen. Das ist die Quelle der drei Substanzen der -Cartesianischen Philosophie: Seele, Welt, Gott. Mit ihnen hat sich der -Platonische Idealismus in einen dualistischen Realismus umgewandelt, -zu dem als transzendente Ergänzung der Gottesbegriff hinzutritt. Für -Leibniz ist auch hier Aristoteles der führende Philosoph. Dem neuen -von Descartes unter der Leitung der neuen kirchlichen Philosophie -aufgestellten Begriff der Seele als der denkenden Substanz gegenüber -geht er auf den aristotelisch-scholastischen Begriff der Seele zurück: -sie ist ihm das Prinzip des Lebens überhaupt und die Anlage zu ihren -Fähigkeiten ruhen daher bereits in der allgemeinen Materie. Darum -sagt er schon in seiner ~Hypothesis physica nova~: »Die Körper sind -momentane Geister.« So haben sich anscheinend die Begriffe völlig -umgekehrt: Descartes ist, vom Platonischen Idealismus ausgehend, zum -Realisten, Leibniz, vom Aristotelischen Realismus ausgehend, zum -Idealisten geworden. Freilich hat sich damit zugleich der Charakter des -Idealismus selbst gewandelt: der moderne Idealismus ist nicht mehr der -antike. Den ersten Versuch, diesen modernen Idealismus wissenschaftlich -zu begründen, hat aber ohne Frage Leibniz gemacht. Doch es ist nicht -die Monadologie, diese abschließende Darstellung seiner Metaphysik, und -nicht die Erkenntnislehre der Essays über den Verstand, in denen wir -Aufschluß über die Leibnizsche Psychologie suchen müssen, sondern seine -Naturphilosophie. Denn, wie bei Aristoteles die Untersuchung über die -Seele als »Entelechie des lebenden Körpers« der Physik als ihr letzter -Teil sich anschließt, so führt bei Leibniz die Untersuchung über die -Grundlagen der Physik unmittelbar zu dem Postulat einer idealistischen -Naturauffassung und damit zu einer neuen Grundlegung der Psychologie. - -Das für diese Psychologie und den auf sie gegründeten Idealismus vor -allen andern bedeutsame Werk ist nun jene »~Hypothesis physica nova~« -mit einigen sie vorbereitenden kleineren Aufsätzen. Sie ist sein -abschließendes Jugendwerk. In wesentlichen Punkten steht es noch auf -dem Standpunkt der Cartesianischen Naturphilosophie, aber in dem, worin -es von ihr abweicht, in dem Begriff der Materie, enthält es vieles, was -bereits Gedanken der späteren dynamischen Schriften vorausnimmt, und in -der Rolle, die in diesen Ausführungen der Begriff des unendlich Kleinen -spielt, klingt leise schon die Infinitesimalrechnung an, obgleich die -Probleme, die ihm in den folgenden Jahren seines Pariser Aufenthalts zu -dieser geführt haben, ihm damals noch fern lagen. Die Unmöglichkeit, -die Materie als Ausdehnung im Raum zu definieren, sucht er hier -daraus zu beweisen, daß jedes noch so kleine Teilchen derselben in -andere noch kleinere teilbar gedacht werden könne, so daß schließlich -nichts übrig bleibe. Die Ausdehnung selbst setze daher eine Bewegung -voraus, die sich in einer unendlich kleinen Zeit bereits über mehrere -Teilchen erstrecke, so daß diese Bewegung nicht als ein räumlicher -Vorgang, sondern nur als ein Streben nach Bewegung, als »~Conatus~«, -gedeutet werden könne. Aus diesem Streben erkläre sich einerseits die -Widerstandskraft, anderseits die Kohäsion der Teilchen der Materie. -So entwickelt hier schon Leibniz eine Hypothese, die die geläufigen -korpuskularen und atomistischen Vorstellungen zurückweist, um an ihre -Stelle ein Kontinuum bewegender Kräfte zu setzen, das die selbständige -Existenz einer diese Kräfte tragenden ausgedehnten Substanz -ausschließt. Es erinnert, von der physikalischen Seite betrachtet, -einigermaßen an die Faradayschen »Kraftfelder«. Wichtiger aber ist die -weitere Folgerung, daß die Ausdehnung eine _Erscheinung_ der Materie, -nicht die Materie selbst sei, die vielmehr als ein bloßes Streben nach -Bewegung, demnach eigentlich als ein immaterielles Sein gedacht werden -müsse. Das eben drückt jener Satz aus: »Die Körper sind momentane -Geister!« Sie würden -- so können wir wohl diesen Satz interpretieren --- Geister im vollen Sinne des Wortes sein, wenn die strebenden -Kräfte, aus denen sie bestehen, ein Gedächtnis in sich trügen, das -Vorangehendes und Folgendes verbände. Diese Eigenschaft unseres eigenen -Geistes fehlt den leblosen Körpern. Aber da das Gedächtnis eine -besondere, weitere Bedingungen voraussetzende Eigenschaft ist, so sind -wir berechtigt, die Körper überhaupt als geistige Wesen, freilich, -sofern ihnen die Eigenschaft abgeht, Vorangegangenes mit Zukünftigem -zu verknüpfen, nur als momentane Geister aufzufassen, womit zugleich -die Möglichkeit gegeben ist, die höheren geistigen Vorgänge aus ihnen -entstanden zu denken. - -Diese Auffassung, die bereits deutlich auf das universelle Prinzip -der Kontinuität alles Geschehens hinweist, schließt jedoch noch -eine andere Folgerung ein. Descartes' Psychologie leitet aus dem -Denken die Gesamtheit der geistigen Vorgänge ab. Sie ist nach dem -vorangestellten Begriff der Seele durch und durch intellektualistisch. -Auch die Leidenschaften der Seele beruhen, ebenso wie die Hilfsmittel -zu ihrer Überwindung, im letzten Grunde halb auf logischen halb auf -physischen Vorgängen. Leibniz überträgt hier, treu den Aristotelischen -Begriffen von der Energie und Entelechie in ihrer physisches und -geistiges Leben umfassenden Bedeutung, unmittelbar die leitenden -naturphilosophischen Gesichtspunkte auch auf das Seelenleben. Alles -geistige Geschehen ist ihm immerwährende Tätigkeit, diese wird aber -in der Wechselwirkung ihrer Faktoren zugleich zu einem Streben, das -neben jener Tätigkeit den Gesamtverlauf der psychischen Vorgänge -bestimmt. So ist es die _Aktualität_ des Seelenbegriffs, die sich -bei ihm gegenüber der Cartesianischen Seelensubstanz durchsetzt. -Damit tritt dem Doppelbegriff Tätigkeit und Leiden bei Descartes ein -neuer, Tätigkeit und Streben, gegenüber, -- ein Unterschied, der, -so gering er auf den ersten Blick erscheinen mag, in Wahrheit einen -völligen Wandel der Lebensanschauung in sich schließt. Tätigkeit und -Leiden sind Wechselbegriffe, die beide auf die an sich der Außenwelt -gegenüberstehende, von ihr spezifisch verschiedene, aber fortwährend -ihren Einwirkungen unterworfene Seelensubstanz zurückführen. -Tätigkeit und Streben sind psychische Begriffe, die den allgemeinen -Naturbegriffen durchaus entsprechen, nur daß sie sich im Menschen -zu klarem Bewußtsein erheben, während sie in der allgemeinen Natur -noch latent bleiben und nur aus dem Zusammenhang der Naturvorgänge zu -erschließen sind. In diesem Sinne finden sie in dem späteren, strenger -durchgeführten Dualismus der naturphilosophischen Begriffe in der -Unterscheidung der toten und der lebendigen Kräfte ihren Ausdruck. -Sind doch die toten Kräfte nichts anderes als ein Streben nach -Bewegung, das aber nun unter Zuhilfenahme des Prinzips der Konstanz der -Naturkräfte mit der Tätigkeit selbst oder den lebendigen Kräften in -einem gesetzmäßigen Zusammenhang steht. Von diesem Prinzip der Konstanz -ist nun in der Leibnizschen Psychologie nicht die Rede: da widerstrebt -ihm offenbar das Prinzip der Entelechie als der höheren bewußten Form -der Naturkräfte, welches zugleich das Prinzip der Entwicklung der -niederen zu den höheren, zwecktätigen Kräften in sich schließt. Hier -durchkreuzt sich also sichtlich jenes allgemeine Naturgesetz, welches -für die gesamte physische Welt und damit auch für die allgemeinen -Naturgrundlagen des geistigen Lebens gilt, mit dem Prinzip der dieses -Leben selbst beherrschenden schöpferischen Kausalität des geistigen -Geschehens. Leibniz hat sich freilich über diesen scheinbaren -Widerspruch seines psychologischen Entwicklungsgedankens mit seinen -allgemeinen Naturgesetzen, ebenso wie über den Weg, der über diesen -scheinbaren Widerspruch hinausführt, keine Rechenschaft gegeben. - -Dagegen ist es ein anderer Punkt, der ihn den Cartesianischen -Intellektualismus vermeiden läßt, und in dem seine Auffassung -des geistigen Lebens schließlich bestimmend geworden ist für die -ganze moderne Psychologie. Es ist nicht das Denken, das ihm als -ausschließliche Tätigkeit der Seele gilt, sondern, wie für ihn zwischen -dem Seelenbegriff und dem Naturbegriff überhaupt keine strenge Grenze -zu ziehen ist, so sind es, nur auf einer höheren Stufe, dieselben -Grundkräfte, die die geistigen Vorgänge beherrschen, wie sie in den -materiellen Erscheinungen vorgebildet sind. Unter jenen ist aber das -Denken zwar eine eminent wichtige Äußerung, aber sie ist nicht mehr die -einzige und sie ist vor allem nicht die grundlegende, sondern, wie ihr -als ihre Vorstufen die lebendigen und toten Naturkräfte vorausgehen, -so schließt sie jene einfacheren psychischen Vorgänge ein, die wir -als bewußte Tätigkeit und als Streben unmittelbar in uns wahrnehmen. -Das Bewußtsein, das uns zu dieser Selbstauffassung verhilft, ist aber -hier wieder jene bewußte Kontinuität des psychischen Geschehens, die -wir unter dem Begriff des Gedächtnisses zusammenfassen, während die -leblosen Körper demgegenüber eben als »momentane Geister« betrachtet -werden können. Indem Leibniz die Vorstellung als die Tätigkeit der -Seele, das Begehren als ein Streben nach dieser Tätigkeit auffaßt, -gilt ihm nicht, wie manchen Abirrungen der späteren Psychologie, die -Vorstellung als eine Art subjektiven Spiegelbildes der wirklichen -Dinge, sondern sie ist ihm, wie er wiederholt versichert, selbst -immerwährende Tätigkeit, ebenso wie das Streben und Begehren, das -von den gegebenen Vorstellungen fortwährend zu neuen hindrängt. -Diese völlig veränderte Auffassung des geistigen Lebens ist aber in -doppelter Weise epochemachend geworden für die kommende Psychologie. -Auf der einen Seite ist aus ihr jener Gedanke eines Mechanismus des -Vorstellungsverlaufs entstanden, der an sich gänzlich außerhalb des -durch bestimmte logische Motive geleiteten Denkens liegt, und der von -der Assoziationspsychologie an bis auf Herbart und seine Schule die -Psychologie in weitem Umfang beherrscht hat. Auf der andern Seite -enthält sie die Anfänge jenes »Voluntarismus«, der zu einer bald -bewußt ausgebildeten, bald latent bleibenden Signatur der modernen -Psychologie geworden ist. Denn indem alles Vorstellen mit bestimmten -Gefühlen und in ihnen mit einem Streben nach einem Ziel der seelischen -Tätigkeit verbunden ist, tritt uns bei Leibniz nunmehr bereits der -Wille als der alle andern Seelentätigkeiten zusammenfassende Vorgang -entgegen. Freilich hat er diesen sein psychologisches Denken überall -beherrschenden voluntaristischen Gedanken nicht zu einem klaren -Ausdruck gebracht, sondern, wie sein Aktualitätsprinzip von dem -überlieferten Begriff der Substanz durchkreuzt wird, so hat er seinen -Voluntarismus von der intellektualistischen Gedankenströmung der Zeit -nicht völlig zu befreien vermocht. Wirkten doch hier der scholastische -und der Cartesianische Intellektualismus zusammen, um ihn zum Teil in -widersprechenden Gedanken festzuhalten, die in diesen neuen Zug seines -Denkens als eiserner Bestand der Tradition mit eingehen. Bedenkt man -diese entgegenwirkenden Motive, so ist es in der Tat erstaunlich genug, -daß er, geleitet durch seine scharfe Beobachtungsgabe für die Zustände -des Seelenlebens, trotzdem durch die bis zum heutigen Tage noch -nicht überwundenen Irrungen einer Logik und Psychologie vermengenden -Reflexion so wenig sich irre machen ließ. Im Verein mit dieser -Abkehr von einem in die Wirklichkeit hinübergetragenen künstlichen -Begriffssystem ist es ein anderer, noch bedeutsamerer Gegensatz, der -hier Leibniz ebenso von den Cartesianern wie von Aristoteles und der -Scholastik trennt. Descartes hatte das menschliche Seelenleben ganz, -Aristoteles hatte es wenigstens in seinen höchsten Äußerungen dem der -übrigen lebenden Wesen gegenübergestellt. Descartes hatte zwar eine -Erklärung der physiologischen Funktionen aus den mechanischen Gesetzen -gefordert, hinter den letzteren aber stand doch gerade in diesem Fall -die schöpferische Macht Gottes, die jedem Naturwesen seine, eben in -dem Mechanismus der Lebensvorgänge gesicherten Zwecke gesetzt habe. -Für Aristoteles dagegen bestand zwischen der leblosen und der lebenden -Natur eine Kluft, die das Prinzip der Entwicklung nur auf die letztere -anwendbar machte, während sich ihm die übrigen Naturerscheinungen -einer Anzahl verschiedener allgemeiner Ursachen unterordneten, die -ein buntes Gemisch aus der oberflächlichen Erfahrung geschöpfter -Begriffe gewesen waren, wie die des natürlichen Orts der Körper für die -Fallerscheinungen, der gewaltsamen Bewegungen für den Wurf, endlich -der zufälligen Bewegungen. Hier suchte nun Leibniz wiederum nach einer -Vermittlung zwischen Descartes und der Scholastik. Mit dieser ist -ihm die gesamte Natur bis herauf zum Menschen eine kontinuierliche -Zweckreihe, die sich einem einzigen Prinzip unterordnet, das -schließlich im menschlichen zwecktätigen Handeln seinen bewußten -Ausdruck findet. In dieser universellen Kausalität der Erscheinungen -wiederholt sich die allumfassende mechanische Gesetzmäßigkeit -Descartes'. Nur fordert diese eine ihr entsprechende geistige -Gesetzmäßigkeit, die sich über alle Naturreiche von ihren niederen bis -zu ihren höchsten Formen erstreckt. Hier mag dann zugleich jener oft -wiedergekehrte mystische Gedanke hereinspielen, der Leibniz in seiner -scholastischen Jugendzeit nahegetreten war, und nach dem in seiner -naturphilosophischen Umdeutung ein Jahrhundert vorher Giordano Bruno -die Materie die »schwangere Mutter« der Formen genannt hatte, aus der -die ganze Welt als eine einzige Stufenfolge von Wesen entsprungen sei. -Es ist derselbe universelle Entwicklungsgedanke, von dem auch Leibniz -erfüllt ist, aber er sucht ihn auf der Grundlage der neuen Dynamik und -Biologie als das innere Wesen der Naturvorgänge überhaupt nachzuweisen. -So entnimmt er das Prinzip der Universalität der Naturgesetze -Descartes, aber es umfaßt ihm Natur und Geist zugleich; in dem Prinzip -der »Entelechie« schließt er sich an Aristoteles an, aber er überträgt -es von der lebenden Natur auf die gesamte geistige und physische Welt. -Doch hieraus entspringt ihm eine neue Auffassung des geistigen Lebens -und mit ihm der Natur. Beide, Natur und Geist, sind in Wahrheit eins -und dasselbe: sie sind weder verschiedene Substanzen noch verschiedene -Attribute einer Substanz, sondern sie sind einander ergänzende -Standpunkte in der Auffassung der Welt. Unter ihnen ist an sich der -nach innen gerichtete, der psychologische, der entscheidende. Denn -er umfaßt den Inhalt der uns unmittelbar gegebenen Wirklichkeit, der -damit ebenso für das geistige Leben, das außerhalb des Fokus unserer -eigenen seelischen Erlebnisse liegt, wie für die äußere Natur, die sich -in unserem Bewußtsein spiegelt, die Formen und Gesetze des Geschehens -bestimmt. So führt ihn folgerichtig die psychologische Betrachtung -vom Aristotelischen Realismus zu einem Idealismus, der dem objektiven -Idealismus Platos eine neue Gestalt gibt. Den Cartesianischen Dualismus -aber wandelt er in einen Monismus um, welchem die Natur selbst nichts -anderes als der Geist in seiner Entwicklung ist. - - -~d.~ Die Einheit der Wissenschaften. - -Das Wort »Geisteswissenschaften« ist bekanntlich eine neue, nicht über -das 19. Jahrhundert hinaufreichende Schöpfung der Gelehrtensprache. -Leibniz kennt also das Wort nicht. Aber er verfügt über einen -Begriff, der noch darüber hinausreicht: das ist die _Einheit der -Wissenschaften_. Er umfaßt nicht bloß die zu jener Zeit bereits -konsolidierten Naturwissenschaften, sondern auch jene Gebiete, die wir -heute Geisteswissenschaften nennen, und zu denen noch die abstrakten -Disziplinen hinzukommen, die als allgemeine Grundlagen des Denkens dort -wie hier die methodischen Hilfsmittel der Forschung darbieten: die -Logik und die Mathematik. Beide gehören zusammen; denn die Mathematik -ist nur eine erweiterte Logik, und insofern beide in übereinstimmender -Weise in allen Wissenschaften vorkommen, vermitteln sie zugleich, -abgesehen von den realen Beziehungen, in denen die Bestandteile -unserer Erkenntnis durchgängig zueinander stehen, die Einheit der -Wissenschaften. - -Leibniz hat diesen Gedanken, wie bereits oben bemerkt, vornehmlich -für die Rechtswissenschaft in doppelter Beziehung durchgeführt: -erstens ist sie nach ihm in hohem Grade logisch ausgebildet, darum der -Mathematik nahe verwandt; und zweitens fordert er von dem Juristen eine -gründliche Kenntnis der empirischen Wirklichkeit, wozu ihn das Studium -der Naturwissenschaften vornehmlich anleiten soll. Denn gerade die -Rechtswissenschaft und besonders ihre praktische Anwendung läßt nach -ihm eine fremde Beihilfe in der Regel nicht zu. Hier muß schon in den -Fällen des Zivil- und Kriminalrechts nicht selten der Einzelrichter auf -Grund seiner Kenntnis der Gesetze nicht nur, sondern der sorgfältigen -Erwägung der Tatsachen eine Entscheidung treffen. »~De casibus -perplexis~« lautet schon das Thema der Abhandlung, über die er zur -Erlangung der Doktorwürde in Altdorf disputierte, und es mag daher sein, -daß ihm die Schwierigkeit der Beantwortung komplizierter juristischer -Streitfragen die Vergleichung mit der Lösung mathematischer Probleme -nicht minder wie den andern scheinbar paradoxen Ausspruch nahelegte: -»Je spekulativer eine Wissenschaft ist, desto praktischer ist sie!« -Ist doch die Wirklichkeit der Dinge durchweg verwickelter als unsere -willkürliche Konstruktion, mögen die Dinge nun Rechtsfälle sein, wie -die des Juristen, oder Naturerscheinungen, wie die des mathematischen -Physikers. Was Leibniz juristischen Schriften noch ein besonderes -Interesse verleiht, ist aber dies, daß sie augenfälliger als andere -seiner Arbeiten von der Scholastik ausgehen, um dann später mehr und -mehr aus ihrem Bannkreis herauszutreten. So ist bei der genannten -Schrift über die perplexen Fälle schon die Wahl des Themas bezeichnend. -Die Lust zu zwecklosem Disputieren, wie sie in der alten Hochschule -heimisch war, die Neigung, dem Gegner Fallen zu stellen oder ihn ~ad -absurdum~ zu führen, sie klingen deutlich in dieser Schrift an, deren -Glanzleistung darin besteht, daß sie in dem berühmten Prozeß zwischen -Protagoras und seinem Schüler Euathlos über das von dem letzteren -zu zahlende Honorar eine neue Entscheidung zu geben sucht. Es ist -derselbe Formalismus, der im wesentlichen in den andern juristischen -Jugendschriften nach dem Vorbild der Literatur der Zeit wiederkehrt. -Wo er sich gegen die seitherige Wissenschaft wendet, da ist es weniger -die Scholastik als die Schule der »Ramisten«, die er wegen ihrer -Häufung leerer Begriffsunterscheidungen und scholastischer Dichotomien -bekämpft. Aber auch die Leibnizsche Schrift über die perplexen Fälle -ist ein wahres Musterstück scholastischer Gelehrsamkeit. Schon das -Thema ist kennzeichnend. Es sind nicht sowohl wirkliche Rechtsfälle -als Beispiele jener Dilemmen, die bereits in der antiken Dialektik -halb als scherzhafte logische Aufgaben, halb als ernste Probleme -eine Rolle gespielt haben. Die Form des Rechtsstreites ist auch -sonst für sie als eine besonders geeignete gewählt worden. Schon -die Einleitung ist echt scholastisch. Zuerst wird der Begriff des -Kasus definiert und in seiner Anwendung durch die verschiedenen -Wissenschaften verfolgt, dann der Begriff der ~Perplexitas~, um endlich -festzustellen, was ein ~Casus perplexus~ sei. So ist das Ganze mehr -eine dialektische Verstandesübung als eine juristische Untersuchung. -Nicht viel anders verhält es sich mit den »~Quaestiones philosophicae -amoeniores ex jure~« und andern Arbeiten. Da glaubt man denn mit -der dem Kurfürsten von Mainz zum Willkomm überreichten Schrift über -die notwendige Reform des juristischen Studiums (~Methodus nova -discendae docendaeque jurisprudentiae~, 1668) in eine andere Welt zu -treten. Man fühlt sich in akademische Reformversuche neuester Zeit -versetzt, wenn Leibniz hier den Vorschlag macht, den juristischen -Lehrvortrag dadurch anregender zu gestalten, daß der Rechtslehrer, -indem er die Rollen des Klägers, des Angeklagten, des Sachwalters -und des Richters unter seine Schüler verteilt, eine Art dramatischer -Nachbildung des öffentlichen Gerichtsverfahrens veranstaltet. Freilich -wird man sich bei diesem originellen Vorschlag erinnern dürfen, daß -auch der scholastische Lehrbetrieb beide Seiten vereinigte, ein ödes -Diktieren und Auswendiglernen neben Kolloquien und Disputationen, -die zugleich eine Art Rollenverteilung mit sich führten. Und es war -neben der theologischen vorzugsweise die Artistenfakultät, in der -diese Disputationen geübt wurden, während bei den Juristen wohl der -dogmatische Lehrvortrag ausschließlich herrschend war, wie denn -gerade in der Zeit nach dem großen Krieg die Umständlichkeit des -schriftlichen Rechtsverfahrens ihren äußersten Grad erreicht zu haben -scheint. So mochte Leibniz diesen von ihm selbst vielfach beklagten -Mängeln am wirksamsten zu steuern meinen, wenn er das Übel bei der -Wurzel, bei dem Studium der Rechtswissenschaft, anfaßte. - -Damit bezeichnet aber diese Schrift allerdings einen wichtigen -Wendepunkt auch auf diesem Gebiete einer eigentlichen Fachwissenschaft, -nicht unähnlich demjenigen, den er ungefähr um die gleiche Zeit in -seinem naturwissenschaftlichen Denken erlebte. Es ist der Eintritt -in das öffentliche Leben, die in den folgenden Jahren beginnende -politische Tätigkeit, die diese Wendung von den einzelnen, ihn zum -Teil mehr um ihres logischen Interesses als um ihrer nützlichen Zwecke -willen fesselnden Problemen zu den allgemeinen Fragen des öffentlichen -Rechts und der Gesetzgebung hinüberführt. So beschäftigt ihn vor allem -die Reform des römischen Rechts, dessen logische Ordnung und als -letztes Ziel die Schaffung eines neuen Gesetzbuchs, das die deutschen -Rechtsquellen mit dem römischen Recht in ein der Zeit angemessenes Werk -vereinige. Auch bei der ausführlichsten seiner politischen Schriften, -dem »~Caesarinus Fuerstenerius~«, steht trotz des einzelnen Anlasses im -Hintergrund das große Problem der Verfassung des deutschen oder, wie -Leibniz, der Anhänger des alten Reichsgedankens mit Vorliebe es nennt, -des Römischen Reichs, die Frage der Vereinbarkeit der vollen Autarkie -der Einzelstaaten mit der Unterordnung unter das Reichsoberhaupt, -dieser »~Casus perplexus~« des Staatsrechts damaliger Zeit. - -Zwei Gedanken sind es, die bei allen diesen späteren Arbeiten mehr -und mehr in den Vordergrund treten. Der eine ist die Erkenntnis der -geschichtlichen Bedingtheit des Rechts, den er gegen die unter dem -Einfluß des angesehensten deutschen Juristen der Zeit zur Herrschaft -gelangende Naturrechtstheorie in die Schranken führt. Wohl gibt es -auch für ihn ein natürliches Recht, das in der sittlichen Natur -des Menschen seine Quellen hat. Wirklichkeit hat aber zunächst das -überlieferte Recht, das seinerseits geschichtlich bedingt ist, also -nicht für alle Zeiten und Völker dasselbe sein kann. Der zweite -leitende Gedanke ist der Zusammenhang des Rechts mit der Gesamtheit der -Lebensinteressen, vor allem mit Moral und Religion. Daß sie Recht und -Staat loszulösen gesucht von diesen höchsten menschlichen Gütern, daß -sie die Selbstsucht zu ihrer Ursache und den äußeren Nutzen zu ihrem -Zweck erhoben, das ist es, worin er vor allem seine Zeitgenossen Thomas -Hobbes und Samuel Pufendorf bekämpft. Auch hier geht er auf Aristoteles -zurück, mit dessen Ethik er die berühmten Rechtsideen der großen -römischen Juristen schon in seiner Jugendschrift über die Methode des -juristischen Studiums zu einer Dreiheit von Normen verbindet, die er -dann noch einmal beinahe dreißig Jahre später in seinem Kodex des -Völkerrechts in ihrer Vereinigung als die Grundlagen alles Rechts -bezeichnet. »~Nemimem laedere, suum cuique tribuere, honeste vivere~«: -der ersten und zweiten dieser Regeln entspricht die Aristotelische -Dichotomie des Begriffs der Gerechtigkeit in die »ausgleichende« -(~commutativa~) und in die »verteilende« (~distributiva~); die dritte -aber verwandelt Leibniz aus dem ~honeste~ in ein »~pie vivere~«. -So ergeben sich ihm _drei_ Grade des natürlichen Rechts, die er in -jenen drei Rechtsregeln angedeutet sieht: das strenge Recht (~Jus -strictum~), die Billigkeit (~Aequitas~) und die Frömmigkeit (~Pietas~). -Führt man sie auf die ihnen entsprechenden Tugendbegriffe zurück, so -entspricht aber dem ~Jus strictum~ die Gerechtigkeit im engeren Sinne -des Wortes, der Billigkeit die Liebe. Die Frömmigkeit endlich ist -die Liebe zu Gott, die als solche auch die andern Tugenden in sich -schließt und auf diese Weise die vorangehenden Stufen zur Einheit -verbindet. Gewiß entbehrt diese Zurückführung der Rechtsregeln auf -die Tugendbegriffe nicht eines gewissen Zwangs, und vollends ist -die Umwandlung des »~honeste vivere~« in das »~pie vivere~« eine -geflissentliche Steigerung. Doch so kennzeichnend diese Anlehnung an -das Überlieferte für die Leibnizsche Denkweise überhaupt ist, so wenig -kommt sie hier für die Sache selbst in Betracht; ja vielleicht würde -diese eindringlicher zur Geltung gelangen, wenn er sie als sein eigenes -Werk hinstellte, was sie im Grunde ist, statt sich an Aristoteles und -die alten Juristen anzulehnen. Worauf es ankommt, das ist doch nur, -daß für ihn Recht und Moral eine untrennbare Einheit sind, und daß sie -mit der Religion zusammen eine einzige sittliche Weltordnung bilden. -Eben darum ist ihm aber auch der Staat, wie er in dem »~Monitum~« zu -seinem ~Codex diplomaticus~ ausführt, kein bloßer Schutzvertrag zur -Sicherung von Leben und Eigentum der einzelnen, sondern eine sittliche -Lebensgemeinschaft zur Förderung der Glückseligkeit aller. Deshalb -beziehen sich denn auch die allgemeinen Begriffe der Rechtsordnung -ebenso auf die Staaten selbst wie auf die einzelnen Staatsbürger. -Das Gebot, niemanden zu verletzen wird dort zur Pflicht, den Frieden -zu bewahren, das Gebot, jedem das Seine zu gewähren zur Pflicht der -Berücksichtigung der Interessen anderer Staaten im Verkehr mit ihnen. -Dazu kommt endlich als die Grundlage aller dieser internationalen -Regeln die Frömmigkeit, die in dem christlichen Gebot der allgemeinen -Menschenliebe die Quelle findet, aus der die Pflichten der Staaten -in ihrem wechselseitigen Verkehr entspringen. So verbinden sich -in diesen Gedanken über Völkerrecht die Hauptmotive, die der -Leibnizschen Weltanschauung ihr Gepräge geben. Den Eudämonismus der -Zeit verleugnet auch sie nicht, aber sie vertieft ihn, indem sie das -Glück des einzelnen an die sittliche Gemeinschaft der Menschen und -diese wieder an die religiöse Bestimmung des Menschen bindet. Aus der -sittlich-religiösen Richtung dieses Eudämonismus entspringt der durch -keinerlei Mängel und Schmerzen des Daseins zu trübende Optimismus, und -zu beiden gesellt sich das aus der mathematischen Betrachtung der Dinge -entspringende Vertrauen auf eine gesetzmäßige Weltordnung. - - - - -III. - -Leibniz und die neue Wissenschaft. - - -»~Scienza nuova~«, neue Wissenschaft, hatte Galilei seine Mechanik -und seine Lehre von den Fallgesetzen genannt. ~Scienza nuova~ nannte -noch ein Jahrhundert später Giambattista Vico, Leibnizens jüngerer -Zeitgenosse, seine Philosophie der Geschichte. »~Instauratio magna -scientiarum~« hatte Francis Baron die Sammlung der Werke überschrieben, -in denen er seine neue Philosophie darstellen wollte. ~Instauratio~ -- -nicht ~Restauratio~! Nicht um eine Verbesserung und Fortbildung des -Überlieferten, um eine völlige Neuschöpfung handelte es sich dieser -Zeit. Darin schied sich die Wissenschaft von der vorangegangenen -Erneuerung der Kunst, die sich mit dem bescheideneren Titel einer -»Wiedergeburt« begnügte. War es doch die Kunst des Altertums gewesen, -die der neuen zuerst ihren Weg zurück zur Natur gewiesen hatte. Die -neue Wissenschaft glaubte der überlieferten Weisheit völlig entraten -zu sollen. Die Scholastik samt ihrem Meister Aristoteles erschien -den Jüngern dieser Zeit als ein Hindernis, nicht als eine Förderung -auf dem Wege zur Wahrheit. Eher mochten noch, so meinte Bacon, ein -Plato und der schmählich vergessene Demokrit bisweilen das Richtige -erkannt haben. Die Logik des Aristoteles, der diese seine Vorgänger -in den Hintergrund gedrängt, und vollends die Scholastik war eine -leere Wortkunst ohne theoretischen Wert und ohne praktischen Nutzen -gewesen. So hat das Wort »Neue Wissenschaft« eine weit über jene -einzelnen Werke hinausreichende Bedeutung. Es ist der Jubelruf der -neuen Zeit, eine Absage an die Vergangenheit, die Verkündigung einer -mit den großen Entdeckungen der Naturforschung endlich herangekommenen -wahren Wissenschaft. So selbstbewußt aber die Naturforscher des -Zeitalters diese durch ihre eigene Arbeit herbeigeführte Wendung der -Dinge verkünden, so sind es doch vornehmlich die Philosophen, bei denen -sich der Ruhm der neuen Zeit von jenem abfälligen Urteil über die -Vergangenheit wirksam abhebt. Wie höflich behandelt Galilei in seinen -~Discorsi~ den Aristoteliker Simplicio, wenn man seine rein sachlichen -Richtigstellungen mit den Schmähungen vergleicht, mit denen Bacon -den Aristoteles überhäuft, oder mit den gemäßigteren, aber, soweit -es sich um die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der bisherigen -Philosophie handelt, nicht minder geringschätzigen Bemerkungen -Descartes'. Und soweit auch diese Männer in ihren eigenen Anschauungen -auseinandergehen, in dem Preis der neuen Wissenschaft stimmen sie -derart überein, daß man sich des Gedankens einer Beeinflussung des -jüngeren durch den älteren der beiden Schriftsteller kaum erwehren -kann. »~Antiquitas saeculi juventus mundi~,« sagt Bacon. Das Altertum -ist das Jugendalter der Menschheit. In Wahrheit ist die neuere Zeit -die ältere, die reifere an Wissen und Einsicht. »Die Schriften der -Alten«, sagt Descartes, »erschienen mir zuerst wie prächtige Paläste, -aber ich fand sie auf Sand gebaut.« Darum, nicht einen Fortschritt auf -dem bisherigen Wege, sondern eine völlige Umkehr, einen neuen Anfang -fordern beide, an der Stelle der bisherigen leeren Begriffsgliederungen -neue fruchtbare Methoden. »Der Krüppel auf dem rechten Wege wird es -dem Wettläufer auf dem falschen zuvortun,« oder, wie Descartes dieses -Baconische Bild wiedergibt: »wer auf der richtigen Straße langsam -geht, kommt weiter, als wer auf einem Irrpfade sich beeilt.« Nun -würde es freilich ein Irrtum sein, wollte man hieraus schließen, diese -Philosophen seien wirklich von der Vergangenheit unabhängig gewesen. -Das trifft für Bacon, der es, trotz der tiefen Blicke, die er in -das Wesen der experimentellen Methode getan hat, an scholastischen -Begriffsspaltungen nicht fehlen läßt, so wenig zu wie für Descartes, -der die Grundlagen seiner Metaphysik ebenso wie sein berühmtes »~cogito -ergo sum~« dem Augustin, seinen Gottesbeweis dem Anselm von Canterbury -verdankt. Niemand kann sich eben von der Vergangenheit lösen. Aber die -Berufung auf Autoritäten lag nicht im Sinn einer Generation, die sich -selbst als die Trägerin einer völligen Erneuerung der Wissenschaften -fühlte. - -Wie anders steht hier Leibniz der vorangegangenen Zeit gegenüber! Wohl -hat auch er nicht versäumt den Nutzen zu rühmen, den der Fortschritt -der Wissenschaften der Menschheit gebracht habe. Aber wann wäre es -ihm beigefallen, die neue Wissenschaft als die einzige zu preisen, -die diesen Namen wahrhaft verdiene? Freilich war das vor allem eine -Folge seiner in der Scholastik wurzelnden Jugendbildung. Konnte -er sich auch, als er später mit der neuen Naturwissenschaft näher -bekannt wurde, dem imponierenden Eindruck dieser nicht entziehen, so -stellte sich doch, vornehmlich infolge der Bedenken, die sich gegen -die Cartesianische Naturphilosophie in ihm regten, allmählich ein -gewisses Gleichgewicht ein, das ihn mehr und mehr an dem ohnehin -seiner Denkweise entsprechenden Grundsatze festhalten ließ, aus -allem, was Vergangenheit oder Gegenwart Wertvolles bieten mochten, -das Beste zu behalten. So wurde er in einer Zeit, die im ganzen an -einem merkwürdigen Mangel an historischem Sinn litt, unterstützt durch -seine ausgebreitete Literaturkenntnis, bei aller Selbständigkeit des -Denkens ein Eklektiker im höchsten Sinne des Wortes. Rühmt er sich -doch selbst dieser Eigenschaft, wenn er sagt, es sei sein Bestreben -gewesen, die Atomistik mit den vernünftigen Samen der Stoiker und mit -den Entelechien des Aristoteles zu verbinden. Fast steht er darum auch -in der historischen Würdigung des jeweiligen Zustandes der Wissenschaft -einsam da, nicht nur in seiner eigenen, sondern auch in der folgenden -Zeit. Staunen wir doch noch bei der Lektüre Kants nicht selten über -die merkwürdig oberflächliche Kenntnis, die dieser große Denker von -den bedeutendsten Werken der vorangegangenen Philosophie besitzt. Wenn -der Eifer, mit dem Leibniz eine Zeitlang gerade den Hauptvertretern -der neuen Wissenschaft unter den Philosophen, einem Bacon, Descartes -und Gassendi sich zuwandte, später einer ablehnenden Kritik Platz -machte, um in Naturphilosophie und Psychologie dem Aristoteles, in der -Theologie der Scholastik einen überwiegenden Einfluß zu gestatten, -so war aber sichtlich nicht zum wenigsten die Tatsache schuld, daß -jene begeisterten Verkünder der neuen Naturwissenschaft selbst nicht -zu den führenden Naturforschern gehört und zum Teil sogar mit den -neuen Ergebnissen nur mangelhaft vertraut waren. Dies gilt selbst von -Descartes, der, ein so hervorragender Mathematiker er war, doch dem -gewaltigen Umschwung, den Galileis epochemachende Arbeit in der Physik -hervorbrachte, fremd gegenüberstand. Seine Naturphilosophie trägt daher -ganz das Gepräge eines über die Naturerscheinungen spekulierenden -Geometers. Es konnte nicht ausbleiben, daß dieser Mangel einem Manne, -der, wie Leibniz, die Entwicklung der neueren Dynamik mit dem größten -Interesse verfolgte, auf die Dauer nicht verborgen blieb und daß er -in dem allgemeinen Begriffsschematismus der Aristotelischen Physik -bald ein passenderes Mittel fand, die neuen Resultate ihm einzuordnen, -als in den Hypothesen Descartes'. So traten denn in seiner Würdigung -der Zeitgenossen mehr und mehr an die Stelle jener Naturphilosophen -die Naturforscher, die durch ihre Entdeckungen die neue Wissenschaft -begründet hatten. In Galilei verehrte er vor andern den Entdecker -des Prinzips der Trägheit und der Fallgesetze, der damit zugleich -den empirischen Beweis für die Richtigkeit des wahren Gesetzes der -Erhaltung der Kraft bereits vor der Aufstellung desselben geliefert -hatte; in Kepler den Entdecker der Gesetze der Planetenbewegungen. -Meinte er doch, in diesem Fall wohl nicht ganz gerecht, das eigentliche -Verdienst der Gravitationstheorie gebühre Kepler, nicht Newton, der -sie durch den unmöglichen Gedanken der Wirkung in die Ferne gefälscht -habe, während Kepler, indem er sie aus der Fortpflanzung durch ein -kontinuierliches Medium abzuleiten suchte, auf dem richtigen Wege -gewesen sei. So bewegt sich seine Schätzung der Vertreter der neuen -Wissenschaft einigermaßen parallel der Stellung, die er gleichzeitig -der Scholastik gegenüber einnimmt. Hier war er von dem an seiner -heimischen Universität vorherrschenden, auch von seinem Lehrer Jacob -Thomasius vertretenen Nominalismus ausgegangen. Dann trat in seinen -naturphilosophischen Arbeiten Aristoteles selbst an die Stelle der -Scholastik, um, wo es sich um ethische und theologische Fragen -handelte, durch die ältere klassische Scholastik ergänzt zu werden. -Unter den Vertretern der neuen Wissenschaft sind es zuerst die -mehr als Herolde denn als Forscher wirkenden Philosophen, die sein -Interesse fesseln, dann wendet er sich dem Zweigestirn der beiden -großen Forscher zu, die uns noch heute als die Hauptbegründer der -neuen Naturwissenschaft gelten. Ihr Einfluß kreuzt sich aber mit dem -ihm zeitlebens eigen gebliebenen Aristotelischen Begriffssystem. So -ereignet sich das Merkwürdige, daß, nachdem Galilei die Aristotelische -Physik aus der Naturwissenschaft verwiesen hatte, die Leibnizsche -Dynamik beide verbindet, um das allgemeinste Prinzip der modernen -Naturwissenschaft, das der Erhaltung der Kraft, zu gewinnen. Die -Methode der aristotelischen Begriffsgliederung ergibt ihm die -brauchbare Form dieses Prinzips, aus den Galileischen Fallgesetzen -beweist er seine Übereinstimmung mit der Erfahrung. Je mehr ihn -aber die rechtsphilosophischen und theologischen Probleme zu einem -Abschluß drängen, um so mehr wendet sich sein Blick zur klassischen -Scholastik zurück, die hier vornehmlich in den Werken ihres größten -Vertreters, des heil. Thomas, das Aristotelische System in einer dem -christlichen Glauben entsprechenden Weise zu ergänzen versucht hatte. -So mischen sich in der Leibnizschen Philosophie Gedankenströmungen der -Vergangenheit und Gegenwart, wie sich dies weder früher noch später -jemals wiederholt hat. Eben dadurch spiegelt dieser Philosoph den -Charakter dieser ganzen von so mannigfaltigen geistigen Strömungen -bewegten Zeit in einer Weise, die einzigartig mindestens in der -Geschichte der neueren Wissenschaft dasteht. In nichts aber spricht -sich dies deutlicher aus als in der besonderen Ausprägung, die er -den die Entwicklung der Philosophie beherrschenden Grundbegriffen -gegeben hat. In dieser, der eigentlich philosophischen Seite seiner -Lebensarbeit, die erst in dem letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts -eine festere Gestalt gewinnt, tritt dann zugleich immer offener die -kritische Wendung zutage, die sein Auftreten in der Entwicklung des -neueren Denkens bezeichnet. Wie diese im engeren Sinne philosophische -Periode seines Lebens spät erst begonnen hat, so ist sie freilich -niemals ganz zu Ende gelangt. Der Widerstreit der Motive, die sein -Denken bewegen, ist zu gewaltig, als daß ein abschließendes Ergebnis -möglich wäre. Dem widerstrebt überdies allzusehr sein konziliatorischer -Charakter. So bleiben denn nur zu oft Begriffe nebeneinander -stehen, die sich nicht miteinander vertragen. Neue Gedanken werden -in ein Gewand gekleidet, das eigentlich einer überwundenen Periode -seines eigenen Denkens angehört. Religiöse Einflüsse durchkreuzen -wissenschaftliche Überzeugungen auch da, wo wir heute einen -zureichenden Grund zum Konflikt durchaus nicht mehr sehen können. So -wird es, wollen wir uns der vollen Bedeutung der Wendung, die sich hier -vollzogen hat, bewußt werden, unerläßlich sein, auch den Schwankungen -und Widersprüchen der Begriffe nachzugehen, wenn wir ein Bild der -letzten entscheidenden Grundanschauungen dieses, die Wissenschaft -seiner Zeit wie kein anderer beherrschenden Denkers gewinnen wollen. - - -~a.~ Der Wandel der Substanzbegriffe. - -Das Zeitalter Leibnizens könnte, wenn man die Perioden der Philosophie -nach einzelnen Begriffen, nicht nach Systemen oder ihren Urhebern -benennen wollte, wohl auch das kritische Zeitalter des Substanzbegriffs -genannt werden. Kant hat von diesem Begriff gesagt, er sei zu jeder -Zeit schon von dem gemeinen Verstand als der eines beharrlichen, sogar -in seiner Quantität unverändert bleibenden Trägers der Erscheinungen -gedacht worden. Diese Äußerung ist gewiß eines der merkwürdigsten -Zeugnisse für die Macht, welche Denkgewohnheiten auf uns ausüben; -gleichwohl ist es nicht minder gewiß, daß den Tatsachen gegenüber -diese Behauptung nicht bestehen kann, so oft man auch noch immer, -wenn auch vielleicht nicht dem gemeinen Menschenverstand, so doch -mindestens den alten jonischen Physikern den Besitz des Satzes von der -Konstanz der Materie zuschreibt. Was diese Denker die »Archē«, den -Anfang, nannten, das war sichtlich durchaus nicht das, woraus alles -dauernd besteht, sondern das, woraus alles _ent_steht und in was es -wieder _ver_geht. Wenn z. B. Thales behauptete, das Wasser sei die -Archē der Dinge, so spricht nichts dafür, daß er gemeint habe, die -Erde, das Feuer usw. bestünden aus Wasser. Die Verwandlung eines -Dings in ein anderes ist für ein naiveres Bewußtsein durchaus nichts -Wunderbares, wohl aber würde es einem solchen wahrscheinlich wunderbar -vorkommen, wenn man ihm zumuten wollte, zu glauben, ein Gegenstand -sei ein anderer geworden und doch eigentlich derselbe geblieben. Die -ersten Spuren jenes Gedankens der Konstanz finden sich wohl in der -Empedokleischen Lehre von den vier Elementen und namentlich in der -Atomistik. Wenn aber Kant in der Anschauungsform der Zeit die Quelle -jenes Prinzips sah, da, wie er meinte, der unablässige Fluß der Zeit -ein unveränderliches Beharren fordere, an dem dieses Fließen gemessen -werde, so zeigt gerade die Atomistik, daß das beharrende Substratum -zu dieser fließenden Zeit nicht nochmals die Zeit, sondern der Raum -ist, ohne den es in der Anschauung auch keine Zeit gibt. Darum behält -der Satz Kants, daß der Begriff an die Anschauung gebunden ist, seine -Geltung. Nur ist die Form dieser Anschauung nirgends die Zeit allein -und nirgends der Raum allein, sondern sie besteht aus der Vereinigung -beider, und diese räumlich-zeitliche Anschauung ist nur deshalb die -Form, in die wir alle Inhalte unserer Erfahrung kleiden, weil sie -die Form ist, die bei aller Abstraktion von dem wechselnden Inhalt -unserer Erfahrung immer wieder zurückbleibt. In ihren sich ergänzenden -Eigenschaften trägt aber schließlich diese räumlich-zeitliche -Anschauung das Motiv zur Bildung zweier Gegensatzbegriffe in sich, -die sich ebenso begrifflich ergänzen wie Zeit und Raum anschaulich: -Veränderung und Beharren. Nun gibt es in der empirischen Wirklichkeit -nur ein relatives Beharren und nur eine relative Veränderung, ein -Bleibendes im Wechsel und ein Wechselndes gegenüber dem Bleibenden. -Indem jedoch die aristotelisch-scholastische Naturphilosophie in einer -rein begrifflichen Ordnung der Naturerscheinungen besteht, verzichtet -sie auf die Bedingungen der Anschaulichkeit und setzt demnach die -Begriffe als selbständige und doch überall verbundene Bestandteile -der Dinge einander gegenüber: jeder Gegenstand ist nach ihr beharrend -und veränderlich zugleich. Darum bezeichnet schon Aristoteles das -einzelne Ding als die Substanz in der eigentlichen Bedeutung des -Worts, und die Scholastik vereinigt in dem Begriff der »substantiellen -Form« eben diese Dualität von Beharren und Veränderung, die jedem -Wirklichen zukommt. In diesem Sinne definiert sie die Substanz auch -als das »~Ens perdurabile atque modificabile~«. Nirgends ist hier von -einem absoluten Beharren die Rede, darauf kommt es aber dieser rein -logischen Naturbetrachtung überhaupt nicht an: sie konstatiert nur, daß -beiden Begriffen gleichzeitig jedes wirkliche Ding subsumiert werden -kann. Bei Kant hat sich infolge der Erkenntnis, daß alle Begriffe an -Anschauungen gebunden seien, dieses Verhältnis derart verschoben, daß -er die Veränderlichkeit der Dinge für die Anschauung zurückbehält und -das Beharren in einen apriorischen Begriff umwandelt, dem er mit Hilfe -seines Schemas einer beharrenden Zeit Anschaulichkeit zuschreibt. -Die wirkliche Entstehung des Begriffs der beharrenden Substanz -ist aber nicht auf dem Wege dieser von ihm schon dem natürlichen -Bewußtsein zugeschriebenen künstlichen Konstruktion erfolgt, sondern -sie ist, wie die Geschichte lehrt, im Altertum zunächst in jenen -naturphilosophischen Theorien vorausgenommen worden, die, wie -besonders die Atomistik, von den qualitativen Eigenschaften der Dinge -abstrahierend, die Naturerscheinungen auf ein rein räumlich-zeitliches -Geschehen zurückführten. Dabei ist es offenbar keinerlei apriorische -Notwendigkeit, sondern lediglich der Vorzug der Einfachheit der -Betrachtung gewesen, der die Atomistiker zu dieser der Verbindung -der Begriffe Beharren und Veränderung ein anschauliches Substrat -bietenden Hypothese geführt hat. Dagegen ist die ganze folgende -Entwicklung der Wissenschaft bei der Aristotelischen Definition der -Substanz stehen geblieben, die in dem scholastischen gleichzeitig -beharrenden und veränderlichen Sein ihren treffendsten Ausdruck findet. -Auch haben die mittelalterlichen Alchimisten bei ihren Bemühungen, -wertlose Metalle in Gold zu verwandeln, offenbar in der Materie vor -allem ein »~Ens modificabile~« gesehen. Erst die Renaissance hat der -Substanz als einem nach Begriff und Anschauung beharrenden Substrat -der Naturerscheinungen zum Siege verholfen. Dies ist aber zunächst -durch die Rückkehr zu atomistischen oder in dieser Beziehung ihnen -gleichwertigen korpuskularen Anschauungen geschehen, und hier ist es -vor andern Descartes, der in doppelter Weise die Entwicklung dieses -modernen Substanzbegriffs zu Ende geführt hat. Erstens bringt er in -seinem Satz von der Ausdehnung als der einzigen Eigenschaft der Materie -jene Übertragung der Konstanz des Raumes auf die der Gegenstände im -Raum zu klarem Ausdruck. Zweitens stattet er nun nach dem Vorbild -dieses materiellen Substanzbegriffs auch die zwei andern Substanzen, -die er mit jenem in seinem System vereinigt, die Seele und Gott, -mit dem gleichen Attribut des absoluten Beharrens aus, womit dann -freilich diesen die Anschaulichkeit verloren geht. Dadurch entsteht -aber bei ihnen das Bedürfnis nach einem Ersatz, der wiederum nur in -Eigenschaften gesucht werden kann, mit denen der gleiche Begriff des -Beharrens verbunden gedacht wird, wie bei der materiellen Substanz -mit dem Raum. Das ist bei der Seelensubstanz das Denken, bei Gott die -Unendlichkeit mit allem, was sie in sich schließt. Darum bleibt dieser -vom Raum ausgegangene Substanzbegriff schließlich bei Spinoza, der -diese Übertragung von den, wie Descartes sie schon nannte, endlichen -oder »geschaffenen« Substanzen zu Ende führt, schließlich bei der -_einen_ absoluten Substanz stehen, die Gott, Denken und Ausdehnung -zugleich ist. So endet der in seinem Anfang in der sinnlichen -Anschauung wurzelnde Begriff schließlich im völlig Transzendenten, -das nur im Begriff, niemals in der Anschauung erfaßt werden kann. Das -ist der Punkt gewesen, bei dem zuerst David Hume und dann Kant, indem -sie sich auf die Forderung der Veranschaulichung besannen, vom Ende -dieser Entwicklung wieder zu ihren beiden Ausgangspunkten zurückkehren -mußten: Hume zu dem des Dings, Kant zu dem eines beharrenden Substrats -der Naturerscheinungen, während für die Seele und Gott beide den -Substanzbegriff ablehnten. - -Wie verhält sich nun Leibniz, der der Zeit nach zwischen Descartes -und Hume, jenem näher als diesem steht, zu diesem im Wandel seiner -Gestaltungen die gesamte Entwicklung der neueren Philosophie -bestimmenden zentralen Begriff? Die gewöhnliche Antwort lautet: -den Substanzbegriffen Descartes' und Spinozas hat er einen dritten -gegenübergestellt, der in andere Attribute als beide das Wesen -der Substanz verlegt, nämlich, statt in Ausdehnung und Denken, in -_Selbständigkeit_ und _Einfachheit_. Die Monaden sind einfache Wesen, -also Substanzen, und sie sind überdies selbständige Wesen. Zunächst -springt in die Augen, daß die hier neu eingeführten Attribute reine -Begriffe sind, nicht, wie bei den dogmatischen Begründern der neueren -Philosophie, Tatsachen der äußeren und inneren Erfahrung, die, über -jede Anschauung gesteigert, mit den transzendenten unendlichen -Attributen der Substanz ausgestattet werden. Demgegenüber ist die -Dreiheit der Leibnizschen Attribute, Einfachheit, Selbständigkeit -und Beharrlichkeit, eine rein begriffliche. Wie man sie anschaulich -zu denken habe, bleibt vorläufig ganz dahingestellt. Aber es kommt -ein psychologischer Gesichtspunkt hinzu, der diese Lücke ausfüllt. -Er beruht auf der unmittelbaren Gewißheit unserer inneren Erfahrung. -Doch auch diese wird nicht ohne weiteres in der Form des Denkens -vorausgesetzt, sondern in den allgemeinsten Formen des Verlaufs -seelischer Vorgänge: im Vorstellen und Streben. Damit ist die -gesamte lebende Welt gleichzeitig mit dem Menschen dem Seelenbegriff -untergeordnet, und ihr fügt sich von selbst jener Satz an, den Leibniz -schon in seiner »~Hypothesis physica nova~« ausgesprochen: die Körper -sind momentane Geister. Mit diesem Satz hatte er bereits den Weg zum -Idealismus beschritten, der sich in der Übertragung des seelischen -Lebens auf die Substanz überhaupt vollendete. Darin liegt sein -wesentlicher Gegensatz gegen die von der Naturanschauung ausgehende -Substanzlehre der Cartesianer und Spinozas. Richtet sich doch auch bei -diesem in dem berühmten Satz »die Ordnung und Verbindung der Ideen -ist dasselbe wie die Ordnung und Verbindung der Dinge« die Idee nach -dem Ding, nicht das Ding nach der Idee. Hier hätte Leibniz den Satz -umgekehrt fassen können: die Dinge richten sich nach den Ideen. Damit -verwandeln sich ihm die Dinge in eine Erscheinungswelt, die, wenn sie -als objektive Wirklichkeit bestehen soll, einer philosophischen Prüfung -bedarf: dann erst ist sie nach Leibniz' Ausspruch ein »~Phänomenon bene -fundatum~«. - -Aber ist nicht der Leibnizsche Substanzbegriff willkürlich und -widerspruchsvoll? Wenn seine Monaden einfache Wesen sind, so ist -es undenkbar, daß sie zugleich Spiegel der Welt sind, daß sich in -jeder, auch in der niedersten Monade, nur mit abgestufter Klarheit, -das Universum spiegelt. Der Vorwurf ist so augenfällig, daß man ihn -einem Leibniz eigentlich nicht machen sollte. Auch ist ja »einfach« -kein eindeutiger Begriff, sondern er richtet sich nach dem Gegensatz, -dem er gegenübergestellt ist. Dieser Gegensatz ist aber hier nicht -sowohl das Zusammengesetzte als das Ganze. Nun ist die Monade an sich -unteilbar: sie ist also jedenfalls das Einfachste, was dem Makrokosmos -gegenübersteht. Auch die alten Atomistiker hatten die Atome wegen -ihrer Einfachheit unteilbar genannt, obgleich, da sie räumliche -Gestalten besaßen, an sich eine Teilung denkbar war. Die Monaden, die -ideale Einheiten sind, besitzen überhaupt keine Ausdehnung: der Raum -ist für Leibniz eine Erscheinung geworden, die zu den von ihm bildlich -so genannten Spiegelungen der Welt in der Monade gehört. Es würde ihm -vielleicht absurd erschienen sein, hätte man in die Seele außer ihrem -eigenen Vorstellen und Streben auch noch die Eigenschaften der Welt -außer ihr verlegen wollen. In diesem Sinne konnte er wohl mit größerem -Recht, als die Atomistiker ihre Atome einfach nannten, so seine Monaden -als die letzten unteilbaren Einheiten der Bewußtseinswelt bezeichnen. -Und wenn außerdem noch der Satz »die Monaden haben keine Fenster« so -oft bei ihm wiederkehrt, so hat dies wohl seinen guten Grund darin, daß -er mit diesem Bild jede Annahme eines sogenannten ~Influxus physicus~ -so energisch wie möglich zurückweisen will. Die Monaden würden eben -nicht geistige, an sich selbst unräumliche, aber das räumliche -Vorstellungsbild der Welt erzeugende Wesen, sondern sie würden Atome -sein, wenn sie solchen äußeren Einflüssen ausgesetzt wären. Darum eben -bleibt nichts anderes übrig, als daß die Stufenordnung der Wesen, die -nach dem Kontinuitätsprinzip in stetigen Übergängen vor sich geht, -die ursprünglichste Weltordnung selbst ist. Die empirische Stütze -hierfür findet er aber, wie für die Einfachheit der Wesen in der -Unteilbarkeit, so für die Stufenordnung der Welt in der Stufenordnung -der organischen Natur. Hier liegt dann der große Fortschritt des -deutschen Philosophen gegenüber seinen Vorgängern: es ist der Übergang -zum Entwicklungsgedanken, freilich noch nicht in der Form des -Werdens, sondern, ähnlich wie ein Jahrhundert später in der deutschen -Naturphilosophie, in der Form des _Gewordenseins_. Nach ihm gibt es -nicht _eine_ Substanz und nicht neben der einen ungeschaffenen, -der Gottheit, eine Vielheit von geschaffenen Substanzen, Seelen und -Körpern, sondern alle Substanzen sind einander gleichartige geistige -Wesen, und sie bilden eine stetige Aufeinanderfolge von den niedersten -mit unendlich kleinen bis zu den höchsten mit unendlich großen -seelischen Eigenschaften. Diese Philosophie ist echte transzendente -Metaphysik. Aber den Vorwurf, einfach und zusammengesetzt zu -verwechseln, kann man ihr nicht machen. Herbartsche »Reale« können -und wollen diese Monaden nicht sein, ebensowenig wie Monaden im Sinne -Giordano Brunos oder beseelte Atome. Vielmehr sind sie durchaus -einheitlich als geistige Wesen gedacht, deren Vorstellung die Außenwelt -ist, und die eine kontinuierliche Entwicklungsfolge bilden, in denen -jedes von dem andern verschieden und doch jedes dem andern ähnlich ist. - -Wie verhält es sich nun mit der zweiten Eigenschaft der Leibnizschen -Substanz, mit der _Selbständigkeit_? Gewiß kann hier von keiner -absoluten Selbständigkeit die Rede sein, sondern eben nur von jener -relativen, die beim Menschen an das Selbstbewußtsein gebunden, und -vermöge deren eine Teilung dieses Selbstbewußtseins in einem und -demselben Augenblick undenkbar ist. Es ist der lichte Punkt in -unserer Seele, der diese selbst beleuchtet, jenes später von Fichte -sogenannte »Ich bin Ich«. Für Leibniz ist das Selbstbewußtsein das -Merkmal des Geistes. Er ist der erste, der den Satz der Identität als -das oberste Axiom des Denkens hinstellt. Aber indem sich dasselbe -im Fluß der Entwicklung befindet, setzt es niedrigere Stufen des -Bewußtseins voraus, aus denen es sich entwickelt, und läßt auf höhere -schließen, denen es zustrebt. Metaphysisch bilden daher das unendlich -dunkle und das unendlich klare Bewußtsein die beiden Grenzpunkte der -Weltharmonie. Indem jedes Einzelwesen in dieser unendlichen Reihe -ein Glied bildet, nimmt es seine selbständige Stellung ein. Jenes -»~Principium indiscernibilium~«, welches dereinst schon Nicolaus -von Cues als Grundgesetz der Weltordnung hingestellt hatte, weil -nicht zu unterscheidende Dinge dasselbe Ding sein würden, kommt -hier dem Selbständigkeitsprinzip der Monade zu Hilfe. Es gehört -zu den Bestandteilen mystischer Logik, deren so manche in das -Leibnizsche System aus älterer Überlieferung übergegangen sind. -Demnach ist das metaphysische Selbständigkeitsaxiom ein zunächst auf -das Selbstbewußtsein gegründetes und von ihm aus auf die Gesamtheit -der unter oder über der selbstbewußten Seele vorauszusetzenden -Wesen übertragenes Postulat. Dieses Postulat führt aber seinerseits -wieder auf dasjenige Prinzip zurück, das Leibniz am frühesten und am -dauerndsten unter allen Bestandteilen seines Systems festgehalten hat: -auf das Prinzip der Harmonie und mit diesem auf das große Gesetz der -Kontinuität, das er als das Grundgesetz alles Seins und Geschehens -betrachtet. Darum ist das Prinzip der Selbständigkeit eine in der -gesamten Weltanschauung des Philosophen verankerte Überzeugung. Das -menschliche Selbstbewußtsein liefert den empirischen Ausgangspunkt, -der Entwicklungsgedanke den nach unten wie oben ins Unbegrenzte -führenden Aufbau, endlich die Idee der Harmonie die letzte Grundlage. -So trägt das Ganze auch hier durchaus den Charakter der metaphysischen -Hypothese. Aber vor den Systemen der Zeitgenossen besitzt es zweifellos -den Vorzug der Folgerichtigkeit. Ihn verdankt sie den zwei Gedanken, -die es zum erstenmal in die neuere Philosophie einführt: der strengen -Durchführung der ~Lex continuitatis~ und dem neuen Idealismus. - -Fremdartiger erscheint die dritte Eigenschaft der Substanz, diejenige, -in deren Forderung Leibniz allem Anscheine nach mehr der Tradition, -wie sie sich in seinem Zeitalter entwickelt hatte, als der Konsequenz -seines Systems folgt: die _Beharrlichkeit_. Es ist bemerkenswert, -daß gerade die zu dieser Zeit vorherrschende Philosophie, die -Cartesianische, sich am widerspruchslosesten mit dieser Eigenschaft -abfinden konnte. Die Materie, das Ausgedehnte, ist vermöge der -Eigenschaften des Raumes absolut beharrlich; die Seele kann, da sie nur -in ihren Erscheinungen erkennbar ist, trotz des Wechsels der letzteren -an sich als beharrend vorausgesetzt werden, indem hierbei die Analogie -mit dem Menschen und seinen Handlungen zu Hilfe kommt. Denn da wir nach -dieser Philosophie die Seele selbst nicht kennen, sondern nur ihre -Lebensäußerungen, so steht es natürlich frei, ob man sie beharrend -denken will oder nicht. Anders die Leibnizsche Monade. Sie ist uns -unmittelbar in unserem eigenen Bewußtsein gegeben. Mögen auch in diesem -unendlich viele Strebungen und Vorstellungen, wenngleich zumeist nur -unendlich dunkel, vorhanden sein, unser Selbstbewußtsein bietet uns -klar das eigenste Wesen der Seele. Dieses Wesen ist fortwährende -Tätigkeit, ein unaufhörliches Fließen der geistigen Vorgänge, niemals -und nirgends ein Beharren. Mit dem Satze »~Vis est Substantia~« ist -streng genommen der überlieferten Substanzlehre der Krieg erklärt. -Denn der idealistische Grundgedanke bringt es mit sich, daß nicht etwa -die Kraft an einem spezifischen Träger haftet, sondern, mag dies auch -für die äußere Erscheinungswelt zutreffen, das seelische Geschehen hat -nach Leibniz den Vorzug, daß es das wirkliche Geschehen selbst ist, -so daß hier die Kraft und ihre Wirkung in eins zusammenfallen. Die -Naturerscheinungen dagegen sind nach ihm nicht wirkliche Vorgänge im -Sinne unserer Wahrnehmungen, sondern Erscheinungen. Zwar läßt er im -allgemeinen dahingestellt, wie diese Erscheinungen auf ein hinter ihnen -stehendes wirkliches Geschehen zurückzuführen seien; aber es steht -nichts im Wege, anzunehmen, daß er die Hypothesen der Naturforschung, -sofern sie zureichend durch Beobachtungen und Experimente begründet -sind, als erste Annäherungen an die Lösung dieser Aufgabe betrachtet -habe. Doch, wie er auch sein »~bene fundatum~« gemeint haben mag, fest -steht jedenfalls, daß er das Dogma von der transzendenten beharrenden -Substanz, das in dieser Zeit den Höhepunkt seiner Herrschaft erreicht -hatte, wieder aufhob. Diese scheinbare Umkehr bedeutete freilich in -Wahrheit keine Umkehr. Statt des widerspruchsvollen Mischbegriffs eines -»~Ens perdurabile atque modificabile~«, eines Dings, das gleichzeitig -beharrt und sich verändert, beschreitet er zum erstenmal den Weg, der -auf den einzig unangreifbaren Standpunkt führt: dem eigenen geistigen -Geschehen sind die Urbilder des Wirklichen zu entnehmen, unmittelbar, -nicht auf Grund einer Phantasmagorie transzendenter Substanzen, -sondern in der unaufhörlichen, in keinem Augenblick unseres wachen -Bewußtseins stillehaltenden Tätigkeit, in der die Kraft selbst und ihre -Wirkung in einem einzigen Geschehen zusammenfallen. Indem Leibniz den -Übergang in einen neuen Idealismus vollbringt, wandelt er die Dinge der -Erscheinungswelt wieder in das zurück, was sie vor der Umwandlung aus -relativ in absolut beharrende Substanzen gewesen waren. Er entdeckt -in der geistigen Welt die wirkliche Welt. Für sie gilt ihm aber in -Wahrheit das Prinzip der _Aktualität_, nicht der Substantialität. -Doch Leibniz konnte sich der Herrschaft, die sich der Substanzbegriff -errungen, nicht entziehen. War diese Herrschaft dadurch entstanden, -daß zuerst von dem körperlichen Ding der Begriff des Beharrens auf die -hypothetischen Elemente der Körper und damit aus einem relativen in -einen absoluten Begriff übertragen wurde, so wäre es wohl an der Zeit -gewesen, diesen aus jener über alles, Geistiges und Körperliches und -selbst über die Gottesidee sich ausbreitenden und so schließlich ins -Unbestimmte zerfließenden Stellung zu beseitigen. Aber Leibniz hielt -trotz seinem Idealismus an ihm fest. Nachdem nun einmal die Substanz -die allgemeinere Bedeutung eines letzten Grundes der Dinge angenommen -hatte, ohne daß man den Eigenschaften näher nachfragte, denen sie -diese Bedeutung verdankte, glaubte er auch den Wert der Monaden nicht -eindringlicher hervorheben zu können, als wenn er sie die »wahren -Substanzen« nannte. Doch mag es wohl sein, wie gerade das Wort »wahr« -andeutet, daß sie ihm eben doch nicht eigentliche Substanzen, sondern -vielmehr, wie er sie häufiger nennt, Kräfte, Entelechien, Seelen sind. -Das Wort Substanz hatte, das kam schon bei der Cartesianischen Seele -zum Ausdruck, mit der Übertragung von der Körperwelt auf das geistige -Leben einen Bedeutungswandel erlebt, der an der Stelle der ehemaligen -Attribute nur noch den unbestimmten Begriff einer letzten, nicht weiter -zurückzuverfolgenden Grundlage angenommen hatte. Darum hat sich erst in -dem späteren Idealismus der Gedanke durchgesetzt, daß Substanzbegriff -und geistiges Wirken inadäquate Begriffe seien. So zunächst bei -Kant, der in seiner Erkenntnistheorie die Substanz sogar für die -Naturwissenschaft als einen apriorischen Begriff beansprucht, für die -Psychologie aber ihn gänzlich negiert, um ihn schließlich doch als -religiöses Postulat abermals zuzulassen. Erst Fichte hat die Substanz -als einen dogmatischen Begriff vergangener Zeiten erkannt, der sich -vom Standpunkt des kritischen Idealismus aus in einen hypothetischen -Hilfsbegriff der Naturwissenschaft umwandle. - - -~b.~ Die ~Lex continuitatis~. - -Unter den drei »~Leges naturae~«, die Leibniz nach der Sitte der Zeit -an die Spitze seiner Naturphilosophie stellt, ist das Gesetz der -Stetigkeit das erste und wichtigste. Kein anderer der Zeitgenossen hat -ihm diese beherrschende Stellung gegeben. Bei Leibniz schließt es die -andern Prinzipien in gewissem Sinne als seine notwendigen Ergänzungen -ein. An den stetigen Zusammenhang aller Kräftewirkungen schließt sich -als seine quantitative Anwendung das Prinzip der Erhaltung der Kraft, -an dieses der Satz von der Gleichheit der Wirkung und Gegenwirkung als -seine nächste Folgerung. Nicht minder greift die ~Lex continuitatis~ -auf die geistige Welt über, die sich schließlich zusammen mit dem auch -dieses Gesetz erfüllenden Zweckgedanken als seine eigentliche Heimat -erweist. Von den beiden Quellen, aus denen Leibniz die frühesten -Anregungen seines selbständigen Denkens schöpfte, ist es aber nicht -die Neue Philosophie, aus der ihm dieser Gedanke zufloß. Wohl waren -es hier alte Emanationsideen gewesen, die in der Mystik nachklangen -und durch den Entwicklungsgedanken ihre Verwandtschaft mit dem -Kontinuitätsprinzip bekundeten. Dagegen fehlte einem Descartes und -Spinoza so gut wie einem Bacon und Newton jede ausgebildete Kosmogonie, -und es fehlte ihnen noch mehr eine Vorstellung von der Entwicklung -der lebenden Welt. Hier war es gerade Aristoteles gewesen, der in -seiner die Biologie mit der Psychologie verbindenden Auffassung des -Lebens das Schema einer aufsteigenden Entwicklung bot. Der Scholastik -ist dieser Zug nicht verloren gegangen, sie hat ihn aber nicht bloß -naturphilosophisch nach dem Vorbild des Aristoteles, sondern vorwiegend -im theologischen Interesse verwertet. Die Stufenfolge der Wesen -setzt sich ihr über den Menschen hinaus auf die himmlischen Wesen -fort, oder die Naturkräfte steigern sich nach der Lehre des heil. -Thomas zu übernatürlichen Kräften. Doch diese Ideen bleiben bei einer -willkürlichen Stufenordnung stehen, die von einer Kontinuität der -Entwicklung weit entfernt ist. - -Dies ist nun der große Schritt, den Leibniz getan hat, daß er, wenn -auch vielleicht angeregt durch jene Gedanken, das Kontinuitätsprinzip -folgerichtig auszubauen und exakt durchzuführen versuchte. Das -Hilfsmittel dazu ist ihm aber die Mathematik in ihrer Ausbildung zur -Infinitesimalmethode gewesen. Von ihr aus hat er jenen scholastischen -Begriffsdualismus, der anfänglich sein Denken beherrschte, Schritt für -Schritt überwunden. Die Ruhe wird ihm zur unendlich kleinen Bewegung, -das Gleichgewicht zur Oszillation um eine Gleichgewichtslage, die -bewußtlose Vorstellung zu einer dunkel bewußten, der Körper zum -momentanen Geist. Aber gehören denn nicht -- so könnte man fragen --- diese Begriffe in verschiedene Kontinua, die nicht miteinander -vergleichbar und auf keine Weise aufeinander zurückzuführen sind? -Mag es mit Hilfe der Auffassung der Ruhe oder des Gleichgewichts als -unendlich kleiner Bewegung möglich sein, die dynamischen Begriffe in -ein einziges Kontinuum zu ordnen, die psychologischen Begriffe stehen -jenen anscheinend völlig fremd gegenüber. Heißt das also nicht, den -Cartesianischen Dualismus auf einem Umweg wieder einführen? Doch -Leibniz hat die ~Lex continuitatis~ so oft und so nachdrücklich nicht -bloß als ein allgemeines Naturgesetz, sondern als ein universelles -Weltgesetz in Anspruch genommen, daß es unmöglich ist, ihm einen -so groben Widerspruch aufzubürden. Es scheint unabweisbar, er -denkt sich alles Wirkliche als ein einziges großes Kontinuum, in -dem man von jedem Punkt aus zu jedem beliebigen andern in stetigem -Übergang gelangen kann. Doch für ihn hat, wie wir uns erinnern, der -Unterschied zwischen Sein und Erscheinung ebensogut seine Geltung -wie für Kant. Nur in _einem_, allerdings wesentlichen Punkt trennen -sich beide: Leibniz verlegt das Sein, in der Sprache Kants das »Ding -an sich«, in das geistige Leben, Kant erklärt das Sein überhaupt für -unerkennbar. Und daran ist ein folgenreicher Unterschied geknüpft: -auch das uns unmittelbar gegebene geistige Sein zählt Kant unter -die »Erscheinungen«. So sehen wir uns rettungslos einer reinen -Erscheinungswelt gegenüber, aus der nirgends ein Weg zum Sein führt. -Die Idee dieses Seins ist in uns gelegt, niemand weiß, woher sie -gekommen. Nur in dem Sittengesetz, das sich hier auf den Widerstreit -gegen die sinnliche Natur des Menschen berufen kann, ist das Licht -zu erblicken, das in die übersinnliche ideale Welt des Seins einen -Ausblick eröffnet. Für Kant ist die sinnliche Welt ein gesetzmäßig -geordneter Schein, für Leibniz ist sie ein »~Phaenomenon bene -fundatum~«. - -Die zwei kleinen bedeutungsschweren Worte »~bene fundatum~« bezeichnen -hier deutlich die Kluft zwischen Leibniz und Kant. Die Außenwelt ist -auch nach Leibniz eine gesetzmäßig verbundene Kette von Erscheinungen, -die unter unserer Mitwirkung entstehen, darum nicht die Dinge selbst -sind, jedoch schon um des Gesetzes der Kontinuität willen als ihr -wahres Wesen ein geistiges Sein annehmen lassen, ähnlich dem, das wir -in uns selber finden. Gleichwohl kann uns in seinem wirklichen Sein -nur der Inhalt unserer eigenen Seele gegeben sein, nicht irgendein -fremdes Sein, das uns mit allem, was aus dem Makrokosmos in den -Mikrokosmos der Seele eingeht, als eine Welt bloßer Erscheinungen -gegenübersteht. Als eine solche weist sie hin auf ein Sein, aber sie -ist nicht selbst dieses Sein. Bis dahin begegnen sich Leibniz und -Kant. Beide unterscheiden Schein und Erscheinung. Alle Erkenntnis -bleibt ein System unter Gesetze geordneter Erscheinungen. Diese Gesetze -samt den Begriffen und Anschauungsformen, die sie voraussetzen, -liegen ~a priori~ in uns, wenn auch erst der uns in der Empfindung -gegebene Inhalt der Erfahrung die Wirksamkeit dieser Formen auslöst. -So ist die Erscheinung für Kant das Mischergebnis eines gegebenen -Stoffs und der diesen Stoff gestaltenden Formen. Es ist der alte -Aristotelische Begriffsschematismus, der sich hier in strengerer -logischer Umarbeitung wieder erneuert. Die Wissenschaften, die sich -seitdem um die Probleme der Erscheinungswelt bemüht haben, bleiben -beiseite. In die rein begriffliche Analyse der Erfahrung haben sie -nicht dreinzureden. Ganz anders Leibniz. Ihm ist das seelische Erleben -das wirkliche Sein. Vorstellende und strebende Kräfte sind die -allgemeinen Formen dieses Erlebens, und die Vorstellungen von einer -Außenwelt sind unlöslich an dieses unser eigenes Sein gebunden. Damit -wird jedoch das Sein, das hinter den zu Inhalten unseres Vorstellens -gewordenen Objekten steht, weder zu einem Schein noch auch zu einem -unerkennbaren Ding an sich, sondern der erscheinende Gegenstand ist, -wie Leibniz wiederholt versichert, ein »wohlbegründetes Phänomen«! Was -will dieser Ausdruck sagen? Sollte auch er nur eine transzendente Idee -bedeuten? Diese Vermutung ist schlechthin ausgeschlossen. Begleitet -er doch so regelmäßig den Begriff des Phänomens, daß Leibniz ohne -Frage einen bestimmten Sinn damit verbunden haben muß. Und kann es -zweifelhaft sein, welches dieser Sinn gewesen ist? Es war _nicht_, wie -man wohl gewöhnlich annimmt, das System der Monaden, an das er dabei -dachte. Daß die Naturerscheinungen direkt aus der monadologischen -Hypothese abgeleitet werden sollten, das wäre in der Tat ein so -phantastischer Plan gewesen, daß man einen Leibniz, der inmitten der -physikalisch-mathematischen Forschung seiner Zeit stand, dessen nicht -für fähig halten sollte. Auch ist zu bedenken, daß die Monadologie -in ihrer ausgebildeten Form den dynamischen Arbeiten, in denen er -die festen Grundlagen für den Aufbau der Naturerkenntnis gewonnen -zu haben glaubte, nachgefolgt, nicht vorangegangen ist. Es war aber -schlechterdings unmöglich, daß er sein sorgfältig ausgearbeitetes -System der Dynamik samt dem an seine Spitze gestellten universellen -Prinzip der Kontinuität aus den Voraussetzungen der Monadenlehre -ableitete. Vielmehr bestand der wirkliche Unterschied zwischen ihm und -der späteren Lehre Kants eben darin, daß dieser unbewußt Aristoteliker -blieb, indem er in der Spaltung der Begriffe nach dem Schema der -Anschauungsformen und der Kategorien die spezifische Aufgabe der -Erkenntnistheorie sah, während für Leibniz diese hier direkt _in die -positive wissenschaftliche Aufgabe einmündete_. Für einen Mann, der -insbesondere die von ihm selbst begründete Dynamik als die Vorschule -der Erkenntnislehre schätzen gelernt hatte, konnte das Wort, die Welt -außer uns sei nicht die Welt des Seins selbst, sondern nur eine Welt -»wohlbegründeter Erscheinungen« keinen andern Sinn haben, als eben den, -jede dieser Erscheinungen sei, ehe sie als wirklich angenommen werde, -in ihrer objektiven Wirklichkeit wissenschaftlich sicherzustellen. -Hier eröffnete ihm aber der _Kraftbegriff_ die Pforte, die ihn von -der Physik zur Metaphysik führte. Suchte er doch schon in seiner -»~Hypothesis physica nova~« zu erweisen, daß die Kraft jenes tote -Substrat nach dem Bild der Cartesianischen Materie hinfällig mache, -und daß der Zweckcharakter der Naturgesetze auf den geistigen, den -Naturerscheinungen selbst immanenten Ursprung dieser Gesetze hinweise. -Wenn er aber in der Erscheinungswelt die bewegenden, in der geistigen -Welt die vorstellenden Kräfte als die Grundlagen der Weltordnung -betrachtet, so muß man sich erinnern, daß er auch in Raum, Zeit und -Bewegung Phänomene sieht, hinter denen als das Wirkliche die Kraft -steht. Nicht die Erscheinung gewordene Kraft ist darum das Wirkliche, -sondern das, was in gleicher Weise in der phänomenalen wie in der -geistigen oder wirklichen Welt das Wesen der Kraft ausmacht: die -Gesetze, die für beide Welten zugleich gelten. Denn es sind dieselben -_Gesetze unseres Denkens_, nach denen in der äußeren Anschauung die -bewegenden Kräfte wirken, und die die in uns liegenden geistigen -Kräfte regieren. Hier ist daher der Punkt, wo die Erscheinungswelt und -die Seinswelt, die körperliche und die geistige Welt zu einer Einheit -zusammenfließen. Hier wie dort gelten die Prinzipien der Identität -und des Widerspruchs und für einen großen Teil der Erscheinungswelt -wegen der notwendigen Schranken unserer Erkenntnis das Prinzip des -zureichenden Grundes. Auch dieses ist ein apriorisches Gesetz, aber -infolge der Zuhilfenahme empirischer Erwägungen, deren es zu seinen -Anwendungen bedarf, ist es das empirische Grundgesetz der Erfahrung, -also der Erscheinungswelt. Auch kann es nicht, wie die beiden ersten -jener logischen Gesetze, selbst wieder zu apriorischen, sondern nur -zu empirischen Gesetzen von mehr oder minder großer Allgemeinheit -verhelfen. Daraus, daß es die gleichen Denkgesetze sind, nach denen -wir unsere eigene geistige Tätigkeit, und diejenigen, nach denen wir -die Naturerscheinungen ordnen, wird es nun aber auch verständlich, -daß alle Naturgesetze Zweckgesetze sind, das allgemeine Gesetz der -Erhaltung der Kraft ebenso wie die Gesetze der Lebenserscheinungen. -Hier, wo physische und geistige Welt einander berühren, trägt eben -das Naturgesetz am deutlichsten das Gepräge eines geistigen Gesetzes -an sich, das die von ihm beherrschte Erscheinung durch eine weite -Kluft scheidet von dem Scheine. Wurde darum Leibniz zunächst durch die -Dynamik und dann durch die Biologie in seiner Überzeugung befestigt, -daß die geistige Welt die wirkliche Welt sei, so betrachtet er -schließlich doch als den endgültigen Beweis für diese Auffassung die, -wie er meinte, unmittelbar einleuchtende Tatsache, daß die Gesetze des -logischen Denkens überhaupt die allgemeinsten Gesetze seien, die das -Universum beherrschen. In dieser Überzeugung kommt bei ihm der gleiche -Rationalismus zum Durchbruch, dessen rücksichtslosester Vertreter im -gleichen Zeitalter Spinoza ist. Aber wie wenig im ganzen mit solchen -Schlagwörtern gesagt wird, das zeigt sein Gegensatz zu diesem. Wie weit -ab liegt hier insbesondere der Begriff des wohlbegründeten Phänomens -von Spinozas »inadäquater Erkenntnis«! Diese ist nichts als Schein, -schlimmer als der Irrtum, weil sie der wahren Erkenntnis im Wege steht. -Bei Leibniz ist die Erscheinung auf die gleiche Denknotwendigkeit -gegründet wie das Sein, ja sie gehört im Grunde als ein wesentlicher -Bestandteil zu diesem. Denn in ihr kommt nur die niemals aufzuhebende -Tatsache zum Ausdruck, daß das denkende Subjekt sich verschieden weiß -von der es umgebenden Welt, daß aber diese Welt ebenso notwendig -zu ihm wie es zu ihr gehört. Darum hat nun aber auch die rohe -sinnliche Wahrnehmung, die das Läuterungsfeuer der wissenschaftlichen -Prüfung noch nicht bestanden hat, keinen Anspruch auf den Begriff -der Erscheinung im Leibnizschen Sinne. Sie ist nur Schein. Zur -Erscheinung wird sie erst, wenn sie in dem kausalen Zusammenhang -des Einzelnen und in der logischen Ordnung des Ganzen erkannt ist. -Da übrigens diese gleichzeitig empirische und logische Ordnung der -empirischen Wirklichkeit selbstverständlich eine niemals vollendbare -Aufgabe ist, so liegt die Erscheinung in fortwährendem Kampf mit dem -Schein. Sicheres scheidet sich innerhalb der Erscheinungswelt von dem -Zweifelhaften, und der Fortschritt des Wissens bringt es mit sich, daß -es auch an Zurücknahme von Irrtümern niemals fehlt. - -Leibniz hat dieses Prinzip der Relativität des Erkennens die -»_Schranke_« genannt, die dem Einzelnen vermöge der allgemeinen -Weltordnung zukommt. In dieser unabänderlich an das Wesen des Menschen -gebundenen Schranke liegt ihm ebensosehr das unbegrenzte Streben nach -ihrer Überwindung begründet, wie die Unmöglichkeit, dieses Ziel je ganz -zu erreichen. Gäbe es überall nur ein beschränktes Erkennen, also nur -Erscheinungen, so würde uns auch der Begriff eines Seins versagt sein. -Aber in dem vollkommen klar Erkannten, in den Wahrheiten, die an und -für sich einleuchten, wie in dem Satze ~A = A~ und in andern logischen -und mathematischen Axiomen, sind uns unbedingte, also schrankenlose -Wahrheiten zugänglich. Doch sie sind uns nicht als äußere Erfahrungen, -sondern rein auf Grund unserer unmittelbaren inneren Erfahrung -als an sich evidente Wahrheiten gegeben. Indem aus ihnen durch -Verbindung und Schlußfolgerung andere abgeleitet werden, erweitert -sich dann das Gebiet dieser notwendigen Wahrheiten und damit das des -unbedingten Seins. Immerhin bleibt es ein beschränktes gegenüber -der unerschöpflichen Erscheinungswelt, die mit jenen apriorischen -Wahrheiten in mannigfaltiger Weise in Wechselwirkung tritt. Die beiden -Sätze der Identität und des Widerspruchs betrachtet Leibniz als die -letzten Grundsätze, auf denen die apriorischen Wissenschaften, in -erster Linie die Logik und Mathematik in ihrer reinen, von empirischen -Anwendungen unabhängigen Form beruhen. Doch er geht weit darüber -hinaus, indem er selbst die Moral und die Metaphysik apriorische -Wissenschaften nennt. Natürlich will er damit nicht sagen, diese -gehörten in den Anwendungen auf das praktische Leben oder in ihren -mit den empirischen Lebensverhältnissen zusammenhängenden Problemen -zur Welt des reinen Seins. Das hat er ebensowenig geglaubt, wie er -daran denken konnte, die konkreten mathematischen Aufgaben, mit denen -er sich beschäftigte, in eine überempirische Welt zu verweisen. Nur -die letzten Grundsätze des sittlichen Handelns sind nach ihm nicht -aus der Erfahrung abzuleiten. Sie liegen in uns, wenn sie auch immer -erst im Zusammenwirken mit den Eindrücken der Außenwelt in Aktion -treten können. Hier sind es dann jene eine innere Einheit bildenden -Tugenden der Gerechtigkeit, der Liebe und der Frömmigkeit, die er -als absolute Sittengebote betrachtet. Sie sind ganz in dem Sinne, -in dem später Kant das allgemeine Sittengesetz auffaßte, Normen, die -ein Sollen, nicht Gesetze, die ein Sein oder Geschehen bedeuten, -anders ausgedrückt: sie sind _Willensgesetze_, die die Möglichkeit -der Unterlassung in sich schließen, nicht Seinsgesetze. Es ist Kants -Verdienst, diese doppelte Form der Apriorität klar geschieden zu -haben. Aber schon bei Leibniz ist sie stillschweigend vorausgesetzt. -Nur daß er das Sittengesetz zugleich im Anschluß an die überlieferte -Sittenlehre auf ein System von Tugendbegriffen zurückführt. Kant -löst es erst aus dieser eine empirische Verursachung vortäuschenden -Verbindung, um es in das innere Pflichtgebot, in die reine Form des -»Du sollst« zu verlegen. Es ist ein bedeutsamer Wandel, den dieser im -Laufe des 18. Jahrhunderts erfolgte Übergang von einer eudämonistischen -und optimistischen Tugendlehre zu einer rigorosen und pessimistischen -Pflichtenlehre bezeichnet. Er ist charakteristisch für die Zeit selbst, -in der er sich in seinem Fortschritt von Leibniz über Wolff und seine -Schule bis zu Kant verfolgen läßt. Aber nicht der ethische Gehalt -ist es, der sich dabei geändert hat: auf das strenge Pflichtgebot -ist diese ganze Ethik gegründet; es bildet das auszeichnende Merkmal -der deutschen Moralphilosophie gegenüber dem in dieser Zeit bei den -andern europäischen Nationen zur Herrschaft gelangten englischen -Individualismus und Utilitarismus. Jene Ethik der Pflicht ist es, -die sich bei Leibniz noch in die Form einer weltliche und religiöse -Motive verbindenden Tugendlehre gekleidet hat. Die Lösung aus dieser -Verbindung hat ihr dann bei Kant jene Macht eines sittlichen Pathos -verliehen, das diesen zu ihrem eindrucksvollsten Verkünder erhob. Dazu -war aber auch außerdem die ganze Folgerichtigkeit einer strengen, jeder -Paktierung mit Selbstsucht und Neigungsmotiven abholden sittlichen -Lebensauffassung erforderlich, wie sie Kant vertrat. Hier war daher -die Größe Kants gebunden an seine einseitig moralische Wertung der -Dinge. - -Befremdlicher mag es scheinen, daß Leibniz nicht bloß die Moral, -sondern schließlich auch die _Metaphysik_ zu den apriorischen -Wissenschaften zählt. Dennoch wird man zugestehen müssen, daß ihm kaum -eine andere Wahl blieb. War es doch noch weniger zulässig, sie auf die -Seite der von ihm sogenannten »tatsächlichen Wahrheiten« zu stellen. -Hier zeigt es sich eben, daß es zwischen dem »Notwendigen« und dem -»Tatsächlichen« noch eine Region gibt, die keines von beiden ist und -gleichwohl an der Apriorität der sogenannten notwendigen Wahrheiten -teilnimmt. Das ist die Region des ~a priori~ _Möglichen_. In der -Tat ist eben dies überall der Charakter metaphysischer Hypothesen, -sofern sie überhaupt ein Recht für sich in Anspruch nehmen können. -Sie stützen sich auf apriorische Gründe, aber diese Gründe sind nicht -objektiv zwingend, sondern hypothetischer Art. Auch findet man, so -überzeugt sich Leibniz selbst an vielen Stellen zu seiner Monadologie -bekennt, in dem Briefwechsel, den er über sie geführt, Belege genug -dafür, daß er ihr eine andere als eine solche hypothetische Apriorität -eigentlich nicht beigelegt hat. Bezeichnend ist in dieser Beziehung -seine Hilfshypothese eines »~Vinculum substantiale~«, die er in -der Korrespondenz mit den ihm befreundeten katholischen Theologen -entwickelt, um diesen die Vereinbarkeit des Systems der Monaden mit -dem Dogma der Transsubstantiation plausibel zu machen, und besonders -bezeichnend ist seine beiläufige Äußerung, man könnte sich vielleicht -auch die Monaden selbst durch ein substantielles Band ersetzt denken, -das alle Teile der Welt potentiell miteinander verbinde. An Stelle der -Monaden, die »keine Fenster haben«, würde dann ein einziges geistiges -Kontinuum treten, ein Universum, das eigentlich _nur_ Fenster wäre, -weil es in allen seinen Teilen zusammenhinge. So labil denkt sich -Leibniz metaphysische Hypothesen, trotz ihrer Apriorität. Das Rätsel -löst sich dadurch, daß für ihn die monadologische, wie jede andere -Hypothese, nicht an sich, sondern nur insofern Bedeutung besitzt, als -sie ein geeigneter Ausdruck für das universelle Weltgesetz selbst ist. -Dieses Weltgesetz ist aber die _~Lex continuitatis~_. Auf sie kommt -es an, nicht darauf, ob die Monaden das einzige denkbare Substrat für -die Verwirklichung dieses Gesetzes sind oder nicht. Leibniz hält sie -allerdings im Hinblick auf die seelische Natur der Monade für das am -besten begründete. Ihren Hauptwert hat aber doch die monadologische -Hypothese darin, daß sie ein anschauliches Bild des Gesetzes der -Kontinuität selbst ist, sobald man das geistige Geschehen als den -letzten Inhalt dieses Gesetzes ansieht. Unter diesem Gesichtspunkt -tritt dann aber auch das Bild von der fensterlosen Monade in die -richtige Beleuchtung. Gerade die Kontinuität des Systems bringt es -mit sich, daß jedes einzelne Glied seine fest bestimmte Stelle in -diesem Kontinuum einnimmt: nicht als stabiles Gebilde, sondern als -immerwährende Kraftäußerung, als solche aber verschieden von jeder -anderen und doch in gesetzmäßigem Zusammenhang mit jeder andern. Die -Monaden oder Seelen haben keine Fenster, das bedeutet also: jede ist -mit allen gesetzmäßig verbunden und außerhalb dieses Zusammenhangs der -allgemeinen Weltordnung gibt es keinen ~Influxus physicus~, der von -irgendeinem einzelnen Teil dieser Ordnung auf einen anderen übergehen -könnte. - -Bewegt sich auf diese Weise das Gebiet der apriorischen Erkenntnis, -mit den apodiktischen Sätzen der Logik und Mathematik beginnend, über -die normativen der Moral schließlich bis zu den hypothetischen der -Metaphysik, so umfaßt nun demgegenüber die empirische Erkenntnis die -_Erscheinungswelt_. Leibniz nennt sie geradezu auch das Gebiet des -»Zufälligen«. Damit ist natürlich nicht ein Zufall im objektiven Sinne -des Wortes gemeint, sondern in jenem subjektiven Sinne, in welchem -uns eine Erscheinung tatsächlich gegeben sein muß, wenn sie als wahr -anerkannt werden soll. Darin ist schon ausgesprochen, daß hier jene -apriorischen Axiome versagen, die nur aus uns selbst stammen, darum -aber auch ursprünglich nur auf die in uns selbst liegenden Inhalte -des Denkens angewiesen sind. Nichtsdestoweniger erstreckt sich der in -unserem logischen Denken wurzelnde Erkenntnistrieb auf _alle_ Inhalte -des Bewußtseins, also auch auf jene rein tatsächlichen. So entspringt -hier eine Aufgabe, die in einem _dritten_ Prinzip ihren Ausdruck -findet, das den beiden ersten der Identität und des Widerspruchs als -das empirische oder phänomenologische an die Seite tritt: das Prinzip -des _zureichenden Grundes_. Das Wort »zureichend« ist mit Vorbedacht -gewählt. Es soll aussprechen, daß es sich hier um eine Maxime der -Verknüpfung der Tatsachen handelt, der keine Notwendigkeit innewohnt, -und die daher jederzeit einer Berichtigung zugänglich ist. Es ist, -abweichend von dem in den rein spekulativen Systemen der Philosophie -angewandten Begriff des Grundes, etwa von der »~ratio sive causa~« -des Spinoza, ein empirisches Kausalprinzip, das Leibniz hier den -Gesetzen des apriorischen Denkens gegenüberstellt. Zugleich ist aber -ersichtlich, daß diese Scheidung der Prinzipien auf das engste mit -der Scheidung von Sein und Erscheinung, von Seinswissenschaften und -empirischen Wissenschaften zusammenhängt, die dieser neue Idealismus -entwickelt. Insofern hat Leibniz hier einen Gedanken vorausgenommen, -den später Schopenhauer gegen das Kantische Kategoriensystem einwandte: -die einzige unter den zwölf Kategorien, die ihre Stellung behaupte, sei -die Kausalität. - - -~c.~ Der neue Idealismus. - -Zweimal hat die Geschichte der Philosophie die Begründung eines -eigenartigen, auf lange hinaus die Wissenschaft beherrschenden -Idealismus erlebt: in der Platonischen Ideenlehre und in dem -Leibnizschen System. Für Plato bilden die Ideen eine rein geistige -übersinnliche Welt, bei Leibniz ist diese geistige Welt der sinnlichen -immanent. Dem antiken Idealismus ist die Sinnlichkeit eine Trübung der -Ideen durch die Materie; dem neuen ist die Sinnlichkeit die Erscheinung -des Geistes selbst. Der Platonische Idealismus ist dualistisch, -der moderne ist monistisch. An diesen Gegensatz ist ein anderer -folgenreicher geknüpft: die Platonische Seele ist ein Mittelwesen -zwischen Ideen- und Sinnenwelt, das, in die Sinnlichkeit verstrickt, -der Erhebung zu den Ideen und damit der Rückkehr zu diesen, von denen -sie ausging, fähig ist. Die Leibnizsche Seele oder Monade gehört -selbst zur Ideenwelt. Die Seelen oder Monaden umfassen die geistige -Welt in ihrer ganzen unendlichen Totalität, aber beschränkt, weil sie -als endliche vorstellende und strebende Kräfte nur einzelne unter den -zahllosen Lichtpunkten sind, die das Universum in der unendlichen -Stufenfolge jener Kräfte bilden. So wird der moderne Idealismus zum -Pluralismus und an die Stelle der Zweiheit von Idee und Materie -tritt die andere von Sein und Erscheinung. In dieser Einsetzung -der Erscheinungswelt in ihre Rechte besteht der große Schritt, den -dieser neue Idealismus getan hat, und der in doppelter Beziehung als -die bedeutsamste philosophische Errungenschaft des Zeitalters der -Erneuerung der Wissenschaften gelten kann. Auf der einen Seite ist -es die volle Anerkennung der Erscheinungswelt als der Stätte des -menschlichen Erkennens und Handelns, die sich hier durchgesetzt hat. -Auf der andern Seite ist es die Erkenntnis, daß das geistige Leben -selbst, nicht eine ihm äußerlich gegenüberstehende Welt transzendenter -Ideen, Sein und Erscheinung aneinander bindet. Darum sind beide, -Sein und Erscheinung, gleich wirklich. Wie das Sein die Wirklichkeit -unseres eigenen Geistes, so ist die Erscheinung diejenige Wirklichkeit, -die das Universum für uns besitzt. Damit wird aber auch erst die -wissenschaftliche Erkenntnis, nicht die unmittelbare Wahrnehmung zum -Maß der erscheinenden Wirklichkeit. - -Die neuere Philosophie hat nach Leibniz noch manche Versuche -unternommen, auf der Basis jener Selbstgewißheit des Denkens, die zu -jeder Zeit dem Idealismus seine Stütze gegeben hat, diesen in einer -der modernen Wissenschaft entsprechenden Weise auszubilden. Sie alle -berühren sich irgendwie mit dem Leibnizschen Idealismus. Er aber hat -vor allen andern das Schicksal gehabt, in seiner wahren Bedeutung -verkannt zu werden. Der Zeit nach am nächsten steht ihm Berkeley. -Er stellt nur das eine der beiden idealistischen Argumente in den -Vordergrund: das psychologische, und damit allerdings dasjenige, -das am unmittelbarsten und einleuchtendsten wirkt. Wir können -nicht aus unserer Seele hinaus, es sind immer nur unsere eigenen -Vorstellungen, nicht die Dinge außer uns, die wir wahrnehmen. Ein -Ding außer uns zu sein, ist selbst nur eine Vorstellung in uns. -Das ist das unwiderlegbare Berkeleysche Argument. Aber es liefert -die Welt restlos dem Schein aus. Es verwandelt nicht die Dinge in -subjektive Täuschungen -- dagegen konnte Berkeley mit Recht Verwahrung -einlegen --, aber es macht die Erkenntnis einer von uns unabhängigen -Außenwelt illusorisch und stellt den Wert unseres praktischen Handelns -und Strebens in Frage. Auf Berkeley folgte Kant. Er hat das Verhältnis -von Schein und Erscheinung scharf herausgearbeitet, und sein Nachweis -der Verbindung von Anschauung und Begriff in den Grundgesetzen -der Erfahrungserkenntnis gehört zu den wenigen epochemachenden -Entdeckungen der spekulativen Erkenntnistheorie. Im übrigen liegt -jedoch der Schwerpunkt seiner Leistung in seinem ethischen Idealismus, -in welchem er dem dualistischen Idealismus Platos verwandter ist als -dem theoretisch folgerichtigeren, den Leibniz begründet hat. Eben -deshalb hat aber Kant hier eine Bahn beschritten, die einen zunehmenden -Zwiespalt zwischen Philosophie und positiver Wissenschaft herbeiführen -mußte. Denn statt von der von der positiven Wissenschaft geleisteten -Analyse der Erfahrung auszugehen, legte er die Synthese der sinnlichen -Wahrnehmung mit allen Widersprüchen und subjektiven Täuschungen -zugrunde, die dieser Analyse vorausgehen. So wurde ihm die Außenwelt -nicht zu einer berechtigten und bis zu der jeweils erreichbaren Grenze -auf ihr reales Substrat zurückführbaren Erscheinungswelt, sondern sie -blieb ihm derselbe Schein, der sie gewesen, bevor sich die Wissenschaft -um sie bemüht hatte. Daher denn auch die Grundgesetze, von denen nach -Kant die Sinnenwelt beherrscht wird, mittels der Anschauungs- und -logischen Denkformen ~a priori~ gegeben sind: sie werden von jeder -Wissenschaft auf den Inhalt jeder beliebigen Erfahrung angewandt, auf -den Sinnenschein ebensogut wie auf die Ergebnisse wissenschaftlicher -Analyse. - -Dies ist zugleich der Punkt, wo Kants Vorbild auf die folgende -Entwicklung des deutschen Idealismus trübend eingewirkt hat. Hatte -sich Kant selbst noch vorwiegend in der Schule Newtons eine tiefe, -nur etwas einseitig der mechanischen Naturlehre zugewandte Achtung -vor der positiven Wissenschaft bewahrt, so rückte unter dem Einfluß -der großen politischen Umwälzungen um die Wende der Jahrhunderte -der Schwerpunkt der philosophischen Interessen auf die Seite der -geschichtlichen Wissenschaften. Die nun kommende Generation betrachtete -daher fortan, hierin weit über Kant hinausgehend, einen der -Gesamtheit der Wissenschaften gegenübertretenden spekulativen Aufbau -der Philosophie als ihre eigenste Domäne. Dieser Zwiespalt offenbarte -sich zunächst in der Naturphilosophie, dehnte sich aber allmählich -auch auf die historischen Wissenschaften aus. Die Scheidung hat sich -nicht ausnahmslos durchgesetzt. An Anleihen der einen bei der andern -Seite hat es wohl niemals gefehlt. Nachdem um die Mitte des vorigen -Jahrhunderts die Entfremdung ihr Maximum erreicht haben dürfte, -mag aber die Zeit nicht mehr allzu fern sein, in der der deutsche -Idealismus wieder in die Bahnen ihres Begründers einmündet. - -Zu Leibniz' Zeit war in der Tat im Gegensatz zu dieser späteren -Wendung der Dinge das Einheitsbewußtsein der exakten Wissenschaft -und der Philosophie auf seinem Höhepunkt angelangt. Für Leibniz -selbst standen Mathematik und Naturphilosophie im Vordergrund des -wissenschaftlichen Interesses, und auf beiden Gebieten waren für ihn -die allgemeineren Probleme zugleich philosophische Probleme. Galt das -für dieses ganze Zeitalter, so trennte sich aber Leibniz in einem -sehr wesentlichen Punkte von der vorangegangenen und gleichzeitigen -Philosophie der andern Länder Europas. Die Cartesianische Philosophie -war von der Geometrie, die Newtonsche Naturphilosophie von der Mechanik -ausgegangen: das verlieh beiden einen stark realistischen Zug. Bei -Leibniz verbanden sich vornehmlich die Analysis des Unendlichen und die -Dynamik, um die einzigartige Schöpfung einer idealistischen Philosophie -hervorzubringen, _die selbst von der Naturwissenschaft ausging_. Im -Lichte der Infinitesimalmethode wandelte sich ihm die ausgedehnte -Welt in die Erscheinungsform einer unendlichen Vielheit tätiger -Kräfte um. Die Grundbegriffe der Dynamik gaben diesen Kräften ihren -zwecktätigen Charakter und ließen in ihnen geistige Kräfte erkennen; -und im Hinblick auf die unmittelbare Gewißheit unseres denkenden -Selbstbewußtseins konnten diese geistigen Kräfte nicht wohl anders -denn nach Analogie unseres eigenen Seelenlebens als strebende und -vorstellende Tätigkeiten gedacht werden. - -Wie dieser Idealismus in seiner Eigenart von den früheren wie -den späteren Formen dieser Denkweise abweicht, so auch in seiner -Begründung. Die Natur ist für Leibniz nicht, wie für Plato, eine -Trübung der rein geistigen, in einem übersinnlichen Jenseits -liegenden Ideenwelt, und sie ist für ihn nicht, wie für Kant, eine -gesetzmäßig geordnete, aber niemals innerhalb des sinnlichen Daseins -zu überschreitende Erscheinungswelt, sondern beides zugleich: sie -ist eine gesetzmäßig geordnete Welt, aber ihre Gesetze sind geistige -Gesetze, und sie ist daher mit Notwendigkeit an unser eigenes geistiges -Sein gebunden. Als Erscheinung ist sie aber auf ein System von -Bewegungsgesetzen zurückzuführen, die den Prinzipien der Kontinuität -und der Erhaltung untergeordnet sind. Auch die Begriffe des Raumes -und der Zeit, nicht weniger wie die der Zahl sind daher nicht -unabhängig von uns vorhandene Formen, sondern, wie Leibniz mehrfach -hervorhebt, _ideale_ Formen, in die wir die Dinge ordnen. Demnach -ist ein nach Denkgesetzen und Zweckprinzipien geordnetes System von -Bewegungen offenbar im Sinne von Leibniz das notwendige Substrat der -Erscheinungswelt: es ist nicht das Sein selbst, aber das »~Phänomenon -bene fundatum~«. Dabei nimmt die Bewegung in ihrer räumlich-zeitlichen -Gesetzmäßigkeit schon bei Leibniz eine von den ordnenden Begriffen -und Gesetzen wesentlich verschiedene Stellung ein. Wenn er Raum und -Zeit die Formen nennt, nach denen wir die Dinge im Raum ordnen und in -der Zeit zählen, so ist damit dasselbe ausgedrückt, wofür Kant das -treffende Wort »Anschauungsformen« gebraucht hat. Mit jenem Ordnen im -Raum und jenem Zählen in der Zeit kennzeichnet er eine Tätigkeit des -anschauenden Denkens im Gegensatz zu dem unanschaulichen abstrakten -Begriff. Auch steht er schon auf der Schwelle der Erkenntnis der -Zusammengehörigkeit beider Funktionen, der begrifflichen und der -anschaulichen. In einem aber geht er über Kant hinaus: ihm ist die -objektive Welt ein System nach Zweckgesetzen geordneter Bewegungen ohne -ein anderes Substrat als das der tätigen Kräfte selbst. Das ist der -Unterschied seines »wohlbegründeten Phänomens« von den nach Anleitung -der Urteilsfunktionen geordneten Kategorien Kants. - -Daß Leibniz den neuen Idealismus nicht auf die Psychologie, wie nach -ihm Berkeley, und nicht auf ein logisches Begriffssystem, wie der -spätere spekulative Idealismus, noch endlich auf den Widerstreit -zwischen Naturgesetz und sittlicher Norm gegründet hat, wie Kant, -sondern auf diejenige Wissenschaft, die nach der bisherigen Meinung -vom Idealismus am weitesten entfernt war, auf die Naturwissenschaft, -dies bildet die große, allen andern Richtungen der gleichen Denkweise -überlegene Macht dieses Idealismus. Auch ist sie es, die ihn eigentlich -zum einzigen folgerichtig durchgeführten macht und ihm zu dem -unschätzbaren Vorzug verhilft, daß er nicht außerhalb der positiven -Wissenschaft steht, sondern sich auf diese selbst stützt. Wenn dieser -Sachverhalt zumeist verkannt wird, so liegt das offenbar daran, daß man -sich von der engen Zugehörigkeit der mathematischen und dynamischen -Arbeiten zu seiner Philosophie keine zureichende Rechenschaft zu geben -pflegt. Man orientiert seine Philosophie ganz nach der Monadologie und -nebenbei nach den Essays über den Verstand. Doch die Monadologie gibt -eigentlich nur ein ansprechendes Bild für das Prinzip der Kontinuität. -An die Bedeutung dieses Prinzips selbst reicht sie nicht heran. Kann -ihm, der von der engen Beziehung seiner mathematisch-physischen -zu seinen philosophischen Arbeiten durchdrungen war, an diesem -Mißverständnis kaum die Schuld aufgebürdet werden, so verhält es sich -aber zum Teil anders mit dem Gebiet der _Moral_. Hier bildete später -die Rückkehr zu Plato für Kant einen Vorzug, der ihm Vorgängern wie -Nachfolgern gegenüber eine überragende Stellung gibt. Hier trat aber -auch zutage, daß der gewaltige Umschwung, den als der erste Begründer -des neuen Idealismus Leibniz gegenüber der transzendenten Ideenlehre -bewirkt hatte, unvermeidlich zugleich mit einer Abschwächung des -sittlichen Idealismus verbunden war, der dem Platonischen Gedanken -seine dauernde Macht gegeben hatte. Der neue Idealismus, der das -Geistige und Übersinnliche in ein dem Sinnlichen immanentes Sein -verwandelte, mußte darauf verzichten, zwischen dem Sittlichen und -Sinnlichen jene Kluft bestehen zu lassen, die dem Sittengesetz seinen -höchsten, durch nichts mehr zu steigernden Wert verlieh. Diesen -höchsten Wert brachte Kant zum Ausdruck, indem er das Sittengesetz -selbst zur Gottesidee erhob. Wohl hatte schon Plato die Gottheit der -Idee des Guten gleichgesetzt. Aber Kant erst verband beide zur vollen -Einheit, als er seinen moralischen Gottesbeweis, im Gegensatz zu den -von ihm als unhaltbar erkannten ontologischen und kosmologischen -Beweisen, für den einzigen erklärte, so daß, wie dies später Fichte -offen aussprach, an Stelle der bei Plato der übersinnlichen Welt -angehörigen Idee des Guten das der Welt immanente Sittengesetz trat, -eine Folgerung, die freilich Kant selbst nicht Wort haben wollte. Doch, -wie dem auch sein mochte, dieses auf das Höchste gesteigerte sittliche -Selbstbewußtsein war um so mehr bereit, auf die Erkennbarkeit der -Sinnenwelt zu verzichten, je mehr es mit Plato wiederum darin einig -war, daß die unbedingte Herrschaft des Sittengesetzes nur in einer -idealen übersinnlichen Welt möglich sei. Hier war der Standpunkt -Leibnizens in doppelter Beziehung ein anderer gewesen. Einerseits -war ihm die Begründung der Gottesidee eine metaphysische Aufgabe. Er -glaubte sie in einer Weise gelöst zu haben, die zugleich die Erkenntnis -Gottes als des höchsten moralischen Gesetzgebers in sich schloß. -Anderseits ist nach ihm das Sittengesetz dem Menschen selbst zugleich -mit seinen sinnlichen und intellektuellen Trieben eingepflanzt. -Darin lag für ihn auch das Motiv, dieses Gesetz mit den überkommenen -Tugendbegriffen in Verbindung zu bringen. Darum formuliert er die -Gerechtigkeit, Liebe und Frömmigkeit gleichzeitig als Tugenden und als -Normen, letzteres in Anlehnung an die drei Rechtsnormen der römischen -Jurisprudenz, denen er mit Hilfe jener Tugendbegriffe einen tieferen -ethischen Wert gibt. Entfernt er sich schon darin von dem Eudämonismus -der alten Tugendlehre, so geschieht dies noch weiter durch die die -Strenge des ~Jus strictum~ nicht bloß mildernde ~Aequitas~, sondern -durch die den Menschen an den Menschen bindende Liebe, deren letzte -Wurzel die auf dem Gefühl der Einheit des Menschen mit Gott beruhende -Frömmigkeit ist. - -Man hat es als einen Vorzug der Kantischen Ethik gerühmt, daß sie -das Sittengesetz auf sich selbst stellt. Hat man dabei die vom -scholastischen Nominalismus ausgegangene und bis in die neuere -Orthodoxie sich forterstreckende heteronome Moral im Auge, so kann -dem sicherlich nicht widersprochen werden. Aber die Gerechtigkeit -fordert es doch hervorzuheben, daß die Leibnizsche ~Pietas~ mit diesem -»statutarischen Kirchenglauben«, wie ihn Kant später nannte, nichts -zu tun hat. Gerade diese Veräußerlichung des Sittlichen, wie sie die -unmittelbar vorangegangene theologische Ethik vertreten hatte, wird -bei ihm durch die Verbindung der drei Tugendnormen in ihr Gegenteil -verkehrt, indem diese Einheit von ihm als eine ebenso an das eigene -Wesen des Menschen wie an die göttliche Weltordnung gebundene gedacht -wird. Außerdem muß man sich aber, um die Stellung dieser Ethik in -ihrer Zeit richtig zu würdigen, ihr Verhältnis zu den im allgemeinen -außerhalb dieser kirchlichen Strömungen sich bewegenden politischen -und rechtsphilosophischen Gegensätze des Zeitalters vergegenwärtigen. -Hier hatte zuerst in England der moderne Staatsgedanke Wurzel -geschlagen. Seine Vertreter, mochten sie sonst den verschiedensten -politischen Richtungen zugetan sein, waren in dem Widerstreben gegen -die Gebundenheit des alten Autoritätsglaubens, außerdem aber auch in -der Begründung von Sitte und Recht auf Maximen des äußeren Nutzens, -also im letzten Grunde des Egoismus einig. Leibnizens angesehenster -juristischer Zeitgenosse, Samuel Pufendorf, hatte auch in Deutschland -diesen auf das Prinzip des egoistischen Interesses aufgebauten -Standpunkt zur Geltung gebracht, und in dem überwuchernden Formalismus -der deutschen Jurisprudenz nach dem großen Krieg hatte diese äußerliche -Auffassung des Rechtsstaats eine fruchtbare Stätte gefunden. Da ist -es Leibniz, der dieser Veräußerlichung von Recht und Moral energisch -entgegentritt. Er geht zurück auf die in ihrer sittlichen Bedeutung -verkannte römische Jurisprudenz, vornehmlich aber stützt er sich auf -die in der klassischen Scholastik des 13. Jahrhunderts bereits zur -Herrschaft gelangte Lehre von der Einheit von Recht und Sittlichkeit, -um darauf eine normative Ethik zu gründen, die, mag sie auch von jenen -vorangegangenen Gedankenrichtungen ihre Anregungen empfangen haben, -im wesentlichen doch das eigenste Erzeugnis dieses neuen Idealismus -ist. Eben darum, weil der Mensch ein geistiges und als solches allein -ein sittliches Wesen ist, widerspricht es der eigensten Natur des -Menschen, aus seinen sinnlichen Eigenschaften die sittlichen Motive -und die Grundlagen der Rechtsordnung ableiten zu wollen. Indem sich -so bei ihm der das römische Recht erfüllende Gedanke der Autonomie des -Rechtsstaats mit der religiösen Gesinnung der klassischen Scholastik -verbindet, erhebt sich seine Ethik zugleich über diese, da sie von -der kirchlichen Gebundenheit der Scholastik frei ist. Ihm beruht das -sittliche Wesen der Rechtsordnung nicht wie dieser darauf, daß die -Kirche zu ihrer Aufrechterhaltung dem Staat das weltliche Schwert -übergeben hat, sondern auf dem sittlichen Geist der Rechtsordnung -und demnach auch des Staates selbst, dessen Auffassung als einer dem -Einzelnen übergeordneten sittlichen Gesamtpersönlichkeit in dieser -Leibnizschen Ethik zum erstenmal wieder zum vollen Ausdruck kommt. - -So beginnt mit Leibniz in doppelter Beziehung eine Reform der Ethik. -Aus dem neuen Idealismus entspringt eine neue normative Ethik, und -diese wird durch den Normgedanken zur Grundlage einer von sittlichem -Geiste erfüllten Rechtswissenschaft. Leibniz hat kein System der Ethik -geschrieben. Er hat nur an spärlichen Stellen seine ethischen Gedanken -ausgesprochen, aber seine reiferen juristischen Werke sind überall -von diesem Geiste beseelt. Im Hinblick hierauf kann von ihm gesagt -werden, daß er nicht tiefer, aber umfassender das Problem einer reinen -Ethik der Pflicht aufgenommen, als es später Kant zu Ende geführt -hat. Während dieser sein Sittengesetz als eine durchaus individuell -beschränkte Norm hinstellt, fließen in der Dreieinigkeit der Normen -bei Leibniz individuelle Pflicht und sittliche Gebundenheit an die -Gemeinschaft zusammen, und jedes von beiden Pflichtgebieten ordnet sich -dem andern nach dem Wert seiner Bedeutung unter. Mag daher immerhin -Kants »Metaphysische Rechtslehre« als ein Altersprodukt betrachtet -werden, das der Vergangenheit des großen Ethikers kaum würdig ist, -bezeichnend bleibt es doch, daß Kant hier durchaus den Spuren des -alten individualistischen Naturrechts gefolgt ist, während Leibniz -gerade in seinen Äußerungen über das Verhältnis des Einzelnen zur -Gemeinschaft bereits kommende Zeiten vorausverkündet. Dieser Rückgang -der auf Leibniz zunächst folgenden Zeit wird aber daraus verständlich, -daß nicht bloß Kant, sondern dem ganzen Zeitalter, dem er angehörte, -die Ethik und Rechtstheorie Leibnizens beinahe ein verschlossenes Buch -war. Die mangelhafte Kenntnis, die das 18. Jahrhundert von Leibniz -besaß, wie die allgemeine Geistesrichtung dieser Verstandesaufklärung -brachte es mit sich, daß die Idee der Pflicht nur in ihrer individuell -gerichteten Form auf Christian Wolff und seine Schule überging und in -dieser Beschränkung wieder in die Bahnen der alten eudämonistischen -Tugend- und Wohlfahrtsmoral einmündete. Hier hing dann dieser Wandel -des Normbegriffs mit dem andern, folgeschweren des Zweckbegriffs auf -das engste zusammen. Die Leibnizsche Teleologie war eine _immanente_ -gewesen. Jeder Teil des Universums, jedes lebende Wesen hat seinen -Zweck in sich selbst. Liegt doch dieser Zweck unmittelbar ausgedrückt -in den Gesetzen aller Erscheinungen von dem Mechanismus der leblosen -Natur bis herauf zu dem Sittengesetz. Bei Wolff und seinen Schülern -hat sich der Zweck in eine den Bedürfnissen des Menschen angepaßte -Weltordnung umgewandelt. Eine solche anthropozentrische Teleologie -war natürlich nur mit einer ebenso ausschließlich individualistischen -Ethik vereinbar, und es bildet gegenüber dieser Veräußerlichung der -deutschen Aufklärungsmoral immerhin ein Verdienst, daß sie sich auch -in ihrer Beschränkung so ernst um das Problem der Pflicht bemüht, das -in ihr mehr und mehr als die Zentralfrage der Philosophie hervortritt. -Wenn Wolff auf das eindringlichste die »Selbstvervollkommnung« als -die höchste aller Pflichten hinstellt, so liegt darin ebenso das -Verdienst wie die Schranke dieser individualistischen Pflichtmoral -ausgesprochen. Auch brachte es die Orientierung des Zwecks nach den -Bedürfnissen des Menschen mit sich, daß diese Teleologie wieder in die -Bahnen der theologischen Moral der Scholastik einlenkte, die Leibniz -im Prinzip überwunden hatte. Hier setzt dann Kant ein. Er kehrt zur -Idee des immanenten Zwecks zurück und gründet damit nicht mehr die -Moral auf die Pflicht gegen Gott, sondern den Glauben an Gott auf das -Sittengesetz. Doch rein individualistisch bleibt die Ethik Kants wie -die des ganzen Zeitalters, in welchem die deutsche Pflichtmoral nur -eine ihn vorbereitende Nebenströmung der über ganz Europa verbreiteten -eudämonistischen Nützlichkeitsmoral gewesen war. Den zweiten großen -Schritt, in welchem sich die mit Leibniz beginnende Entwicklung -fortsetzt, den der Gemeinschaftsmoral, hat erst der mit Fichte -beginnende neueste deutsche Idealismus getan. - - -~d.~ Philosophie und Theologie. - -In keinem Jahrhundert ist wohl das Verhältnis der Philosophie zur -Theologie ein vielgestaltigeres gewesen als in dem des großen -Religionskrieges. Mit dem Opfertod Giordano Brunos auf dem -Scheiterhaufen der Inquisition beginnt es, mit dem Auftreten des -englischen Freidenkertums schließt es. Zwiespältig zwischen beiden -stehen die im Lauf des Jahrhunderts auftretenden führenden Philosophen. -Die Schriftsteller, denen Leibniz seine erste Kenntnis der neuen -Philosophie verdankte, Descartes und Gassendi, legten sich in der -Darstellung ihrer materialistischen Naturphilosophie keinen Zwang -auf, aber sie versäumten selten zu versichern, daß sie jederzeit -bereit seien zurückzunehmen, was in ihren Lehren etwa der Kirche -mißfallen sollte. Wohl waren im ganzen die Zeiten vorüber, in denen -das Verhältnis zur Kirche das Schicksal der Philosophen bestimmte, -aber die Macht der Theologie war der Philosophie gegenüber immer noch -die größere. Darum, wer seinen inneren und äußeren Frieden bewahren -wollte, der folgte der Losung Pierre Bayles, des berühmten Skeptikers, -in dem Zwiespalt zwischen Glauben und Wissen dem Glauben zu folgen -und auf das Wissen zu verzichten, da es eine volle Gewißheit ohnehin -nicht gebe. Freilich, was einmal vorüber ist, das läßt sich nicht -unverändert erneuern, im Glauben so wenig wie im Wissen. Die Wahl, die -Bayle stellt, ist selbst schon auf dem Boden der neuen Wissenschaft -entstanden. Hinter ihr liegt bereits weit jener andere Standpunkt, -auf dem es überhaupt keine Wahl gibt: das ist der der klassischen -Scholastik, für den Theologie und Philosophie eins sind, weil die -Philosophie, soweit man sie als ein gesondertes Gebiet anerkennen -will, nur den Beruf hat, die Glaubenswahrheiten für die Vernunft -einleuchtend zu machen und sie durch die bereits dem natürlichen -Verstande zugänglichen Erkenntnisse zu ergänzen. Für Pierre Bayle gibt -es, nachdem sich nun einmal die neue Wissenschaft gebildet hat, nur -_eine_ Gewißheit: die wissenschaftliche; der Glaube ist ein Werk der -Offenbarung. So ist der Standpunkt Bayles der auf dem Boden der neuen -Wissenschaft folgerichtig zu Ende geführte Nominalismus der Scholastik. -Auch Leibniz war von diesem Nominalismus ausgegangen. Hatte er doch -in seiner Jugendschrift über die Kombinatorik den Aufbau der alten -scholastischen Theologie zur Seite gelassen, um zum rein kosmologischen -Gottesbegriff des Aristoteles zurückzukehren. Ganz anders, nachdem -er auf dem Höhepunkt seiner durch Mathematik und Naturwissenschaft -vermittelten idealistischen Denkweise angelangt ist. Jetzt wird ihm -gerade in der Theologie die klassische Scholastik des 13. Jahrhunderts -zur Führerin, und keine Autorität nennt er häufiger und mit größerer -Anerkennung als die des heil. Thomas. Ja fast geht er in der strengen -Durchführung des Systems der Gottesbeweise weiter als dieser. Es ist -die ganze Skala der scholastischen Kausalbegriffe, die er durchmißt, um -aus jedem eine besondere Grundlage für den Gottesbegriff zu gewinnen. -Vor allem hilft ihm die »~Causa formalis~« zu derjenigen Gestalt des -ontologischen Beweises, in deren rein logischer Fassung er sowohl den -alten Anselmus wie Descartes hinter sich läßt. Jener hatte immerhin -nebenbei, dieser sogar ausschließlich dem psychologischen Motiv der -in uns lebenden Gottesidee seine Bedeutung gewahrt. Leibniz operiert -im Sinne seiner Metaphysik als einer ~a priori~ möglichen Auffassung -des Universums ganz mit den Begriffen des Möglichen und Wirklichen. -Er definiert Gott als den Inbegriff aller Möglichkeiten, dem eben -damit auch Wirklichkeit zukommen müsse. Das ist die berühmte Form -des ontologischen Gottesbeweises, die später Kant benutzt, und von -der man mit Recht gesagt hat, sie sei gar nicht die wirkliche. Kant -hat sie in der Tat weder dem Anselm noch Descartes, sondern Leibniz -entnommen, der sie erst durch ihre völlige Loslösung von dem denkenden -Subjekt zu ihrer abstrakten Höhe erhoben hatte. Neben die »~Causa -formalis~« stellt sich sodann die »~Causa efficiens~«, nach der Gott -als die wirkende Ursache aller Dinge gedacht werden müsse. Es ist -der kosmologische Beweis, den auch noch die Scholastik, selbst der -Nominalismus, fast bis zuletzt neben dem Glaubensprinzip festgehalten -hatte. Der dritte, für Leibniz wichtigste Beweis entspringt aber -aus der »~Causa finalis~«: die Welt ist nach Zwecken geordnet, und -nur ein höchstes geistiges Wesen kann als eine letzte Zweckursache -angenommen werden. »Gott regiert«, so faßt er diesen teleologischen -Beweis zusammen, »die Körper wie ein Techniker seine Maschine nach -den Gesetzen der Mechanik, die Menschen aber wie ein Fürst seine -Bürger nach den Gesetzen der Moral.« Er weist damit auf die beiden -großen Zweckgebiete hin, die er in seiner Philosophie einander -gegenüberstellt: die Naturgesetze und die sittlichen Normen. Er sucht -den kennzeichnenden Unterschied beider durch diese Bilder zu beleuchten -und dabei doch als eine unter dem religiösen Gesichtspunkt einheitliche -Gesetzgebung aufzufassen. Diesen drei Argumenten stellt er endlich, -als eine Art Abwandlung des dritten, das auf die Beziehung zu seiner -Metaphysik hinweist, das der »Harmonie der Welt« zur Seite. Die Welt -ist nicht nur zweckmäßig, sondern sie ist harmonisch, weil jedes -Einzelne nicht bloß seiner eigenen Bestimmung, sondern auch der aller -andern angepaßt ist. Hier liegt die hauptsächlichste Bereicherung, die -Leibniz dem teleologischen Gottesbeweis gegeben, und um derentwillen -noch Kant diesen den ehrwürdigsten genannt hat. Er ist in dieser Form -im 18. Jahrhundert besonders verbreitet gewesen, hat aber auch die -Wurzel jener Abirrung in eine äußerliche anthropozentrische Teleologie -gebildet, die später in der Wolffschen Schule um sich griff, bis sie -durch Kant wieder beseitigt wurde. - -Könnte Leibniz angesichts dieses Systems der Gottesbeweise als der -bloße Wiedererneuerer der gesamten vorangegangenen scholastischen -Theologie, insbesondere der klassischen Scholastik angesehen werden, so -gewinnt nun aber diese Behandlung des Gottesproblems eine wesentlich -tiefere Bedeutung im Hinblick auf seine Philosophie. Hier kommt bei -ihm in bevorzugter Weise ein Prinzip zur Geltung, wenn auch freilich -nicht zur folgerichtigen Durchführung, das auch sonst in seinem -Denken eine bedeutende Rolle spielt: wir können es wohl das Prinzip -der _Gleichberechtigung einander ergänzender Standpunkte_ nennen. Es -sind vor allem der philosophische und der theologische Standpunkt, -die bei der Betrachtung der Natur wie des sittlichen Lebens in -diesem Sinne einander ergänzen, zugleich aber auch als Gegensätze -erscheinen können, die erst bei einer tieferen Betrachtung der Dinge -sich aufheben. Nirgends offenbart sich dieses Prinzip deutlicher -als in der Monadologie. Denn aus diesem Ergänzungsprinzip ist das -letzte, vielleicht das entscheidende Motiv des monadologischen -Denkens hervorgegangen. Wohl haben der Infinitesimalbegriff, das -Prinzip der tätigen Kraft, das Selbstbewußtsein als seelische Einheit -ebenfalls wirksame philosophische Motive gebildet, aber entscheidend -für Leibniz war doch, daß kein System so wie das monadologische die -Zusammengehörigkeit des Ganzen zu einer höchsten, die Gottesidee -befriedigenden Einheit in sich schloß. Darum gibt es für den -Grundgedanken, die Harmonie des Universums, zwei Ausdrücke, die -einander gegenüberstehen und doch dasselbe bedeuten: universelle -Harmonie heißt das System philosophisch betrachtet, prästabilierte -heißt es theologisch betrachtet. In streng philosophischen Erörterungen -zieht Leibniz den ersten, in theologischen und in populär religiösen -Schriften den zweiten Ausdruck vor. Dort entschlüpft ihm wohl -gelegentlich das Wort »~Harmonia universalis id est Deus~«, hier -gewinnt durch die Beziehung alles Geschehens auf eine göttliche Fügung -das Universum die Bedeutung eines Schauplatzes unablässiger Tätigkeit -Gottes. In dieser Doppelheit des Ausdrucks lag dann freilich auch der -Anlaß zu einer Abweichung von jenem Prinzip der Gleichwertigkeit, da -unter dem Begriff der prästabilierten Harmonie leicht den Ansprüchen -der Theologie Zugeständnisse gemacht werden konnten, die über das -vom philosophischen Gesichtspunkt der universellen Harmonie aus -Erlaubte weit hinausgingen. Dafür bieten sowohl die Theodizee wie der -theologische Briefwechsel zahlreiche Beweise. Die Neigung, andern -Zugeständnisse zu machen, namentlich in religiösen Dingen, wie nicht -minder die Virtuosität, fremde Gedanken den eigenen anzupassen, -spielen hier nicht selten eine bedenkliche Rolle. Dazu leistet die -Methode der scholastischen Begriffsspaltung eine weitere Hilfe. -Sehen wir aber ab von den Dogmen der Trinität, der Ewigkeit der -Höllenstrafen, der Gegenwart des Leibes Christi im Abendmahl u. a., die -zum Teil bis auf Lessing und Kant herab nach dem Vorbild von Leibniz -Gegenstände philosophischer Erörterungen gebildet haben, so sind es -hier besonders zwei Gesichtspunkte, die unter diesen Zugeständnissen -an die dogmatische Theologie eine gewisse Wirkung auf die Folgezeit -geübt haben: der eine besteht in der aus der Scholastik überkommenen -Unterscheidung des »Widervernünftigen« und des »Übervernünftigen« -zur Erklärung des Wunders, der andere in der wohl von Leibniz selbst -herrührenden Unterscheidung der »metaphysischen« und der »moralischen« -Notwendigkeit zur Erklärung des Übels. Was den ersteren betrifft, so -hat Leibniz höchstens das Verdienst, diese scholastische Distinktion -durch seine Analogie mit einer mathematischen Funktion, die innerhalb -bestimmter Grenzen einen gewissen Verlauf nimmt, darüber hinaus aber -davon abweicht, verdeutlicht, damit aber freilich den Begriff des -Wunders eigentlich überhaupt beseitigt zu haben. Der zweite Gedanke -stammt aus der scholastischen Mystik. Doch durch die Verbindung mit der -ebenfalls echt scholastischen Unterscheidung der metaphysischen und der -moralischen Notwendigkeit hat auch er mehr verloren als gewonnen. Die -Mystiker hatten das Übel als einen zum Heil des Menschen notwendigen -Bestandteil der göttlichen Weltordnung angesehen, da der Weg zum Heil -nur durch Leiden und Prüfungen führen könne. Sie hatten sich damit -vollkommen naiv auf den Boden der Wirklichkeit gestellt, auf dem auch -der Mensch mit den Vorzügen und Mängeln vorausgesetzt werden muß, die -er tatsächlich besitzt. Die Theodizee, die den Schöpfer deshalb glaubt -rechtfertigen zu sollen, weil er den Menschen nicht von vornherein ohne -Fehl geschaffen hat, gehört bereits einer Zeit reflektierender Skepsis -an, die besser täte daran zu zweifeln, ob eine nach menschlichem -Ermessen absolut vollkommene Welt überhaupt einen ethischen Wert haben -würde. Gleichwohl blieb bei Leibniz jenes Prinzip der Harmonie zwischen -Theologie und Philosophie, nach welchem zwar der Gesichtspunkt der -Betrachtung für jede von beiden ein anderer sei, darum aber doch keiner -dem des anderen widersprechen dürfe, der herrschende Gedanke, und nach -Analogie der Übereinstimmung der universellen und der prästabilierten -Harmonie dachte er sich das Verhältnis von Religion und Wissenschaft -überhaupt. Er ist diesem Programm keineswegs selbst nachgekommen, und -noch mehr ist der Scheinrationalismus der folgenden Zeit infolge der -überhandnehmenden theologisierenden Teleologie ihm untreu geworden. -Doch verlorengegangen ist auch hier der Leibnizsche Gedanke nicht. In -wesentlich anderer Form, aber vielleicht am ehesten in gleichem Geiste -hat Hegel das gleiche Prinzip zu einer leitenden Idee seines Systems -gemacht, wenn er die Religion im Reich der Vorstellungen dasselbe -nannte, was die Philosophie im Reich der Begriffe sei. - - - - -IV. - -Leibniz und die Zukunft der deutschen Philosophie. - - -Die deutsche Philosophie ist von Leibniz ausgegangen. Was vor ihm lag, -war nahezu der Vergessenheit anheimgefallen. Wenn er selbst es dereinst -beklagte, in seiner Jugend sei die deutsche Wissenschaft noch in der -Scholastik befangen gewesen, so ist dieses Schicksal vielleicht an -ihm selbst zum Segen geworden. Er ist tiefer als irgend einer seiner -Zeitgenossen wie Nachfolger in die Vergangenheit eingedrungen und hat -aus ihr der neuen Wissenschaft verlorene Schätze wieder zuzuführen -gewußt. So ist seine Philosophie eklektisch und schöpferisch im -höchsten Sinne des Wortes. Niemand wird heute mehr daran denken, seine -Weltanschauung unverändert erneuern zu wollen. Dazu trägt sie allzu -sehr die Spuren seines Zeitalters an sich. Um so mehr lohnt es sich -vielleicht, von diesem kurzen Überblick seiner reichen Gedankenarbeit -ausgehend, noch einmal sich die Hauptmotive zu vergegenwärtigen, die -in ihr zutage treten, und zu deren Fortbildung teils die folgende Zeit -beigetragen, teils aber auch noch Wege offengelassen hat, die weiter -zu verfolgen eine Aufgabe der Zukunft deutscher Philosophie sein -wird. Hier steht in erster Linie seine Neubegründung des Idealismus. -Sie ist in ihrem Aufbau auf der Naturphilosophie und auf der exakten -mathematischen Naturwissenschaft einzig in ihrer Art, und, wenn -nicht alle Anzeichen trügen, so wird ihr noch eine reiche Zukunft -bevorstehen. Ein zweiter für die Zeit epochemachende Gedanke ist die -Idee der Einheit und Harmonie des Universums. Er ist nicht vollkommen -neu wie der vorige, aber Leibniz hat ihn tiefer erfaßt als irgend einer -seiner Vorgänger, und er hat ihm in seinem Gesetz der Kontinuität -eine festere Basis zu geben und ihn dadurch mit dem Grundgedanken -seines Idealismus in Verbindung zu bringen gesucht. Eine Frucht dieser -Verbindung war der Entwicklungsgedanke in seiner Anwendung auf die -organische Natur, die er auf die im letzten Grunde überall gleichzeitig -als mechanische Gesetze und als Zweckgesetze aufzufassenden allgemeinen -Naturgesetze zurückzuführen sucht. Er hat diese Idee in einer -Form theoretisch gestaltet, die an den mangelhaften biologischen -Erkenntnissen des Jahrhunderts scheiterte, aber den Weg zu einer -natürlichen Entwicklungstheorie hat er dem Prinzip nach eingeschlagen. -Über diese Grenze hinaus hat er dann das geistige Leben als ein eng -an das körperliche, das selbst eine Manifestation des geistigen Seins -sei, gebundenes gedacht, um so die Prinzipien zu finden, die, beiden -gemeinsam, notwendig zugleich übereinstimmende sein müßten. Er hat dem -unvermeidlichen Intellektualismus der Zeit seinen Tribut gezollt, indem -er als diese Prinzipien zunächst die logischen Denkgesetze betrachtete, -deren universelle Gültigkeit von niemandem bestritten werde, sodann -aber auf jene großen Zweckgesetze der unorganischen wie der organischen -Welt hinwies, in denen sich die Harmonie des Universums bewähre. - -Die zweite, oft übersehene und an sich doch vielleicht noch -bedeutsamere Leistung ist seine Begründung der Moral- und -Rechtsphilosophie. Hier ist er der Schöpfer der kommenden deutschen -Ethik der Pflicht nicht nur, sondern einer auf diese Ethik gegründeten -Auffassung von Recht und Staat. Nicht als ob auch diese Ideen völlig -neue gewesen wären, aber Leibniz hat als der erste die Fundamente -einer weltlichen, auf die eigenste sittliche Natur des Menschen -gegründeten Moral- und Rechtsphilosophie gelegt. Wenn dies übersehen -worden ist, so beruht es zumeist wohl darauf, daß er die damit -verbundene religiöse Betrachtungsweise durchaus in ihrer Berechtigung -anerkennt, daß er sie aber nicht, wie der vorangegangene scholastische -Nominalismus, für die einzige hält, sondern in der Natur des Menschen -selbst ihre unmittelbaren Quellen zu finden sucht. Wenn darum -irgendein Denker den theoretischen Egoismus und seine Nebenform, den -Utilitarismus der Aufklärungszeit, im Prinzip überwunden hat, so ist es -Leibniz gewesen. - -Der folgenden deutschen Philosophie sind zunächst unter dem -überwiegenden Einfluß, den die englisch-französische Aufklärung auf -das 18. Jahrhundert und seine populäre Philosophie ausübte, diese von -Leibniz gestreuten fruchtbaren Keime zum großen Teil verlorengegangen. -Nur die Pflichtmoral ist so weit erhalten geblieben, daß in Kant -ihr ein Erneuerer erstehen konnte, der, indem er das Sittengesetz -selbst zum höchsten Gesetz einer übersinnlichen Welt erhob, nach -dieser ethischen Seite den Leibnizschen Gedanken in strengerer, aber -auch beschränkterer Form wieder aufnahm. Schritt für Schritt sind -sodann in der Folgezeit zu einem großen Teil die weiteren Motive des -Leibnizschen Denkens hervorgetreten. Der deutsche Idealismus des -19. Jahrhunderts hat so, ohne freilich selbst davon zu wissen, und -zumeist in veränderter Gestalt die Ideen erneuert, die Leibniz in -seinem Prinzip der universellen Harmonie vereinigt hatte. So ist vor -allem der Gedanke, daß die logischen Gesetze die Welt regieren, in der -späteren Geschichtsphilosophie dieses Idealismus wieder zur Herrschaft -gelangt. Damit ist aber auch die Ethik und Rechtsphilosophie der -Romantik abermals in die Bahnen eingelenkt, die Leibniz beschritten. -Daneben sind schließlich in den positiven Wissenschaften in vielen -Fällen Gedanken wieder lebendig geworden, die in ihm zuerst als -allgemeine Konzeptionen in ihren Anfängen entstanden waren. Das -Prinzip der Erhaltung der Kraft ist das glänzendste, die Einlenkung -naturwissenschaftlicher Hypothesen in eine idealistische Weltanschauung -das interessanteste dieser Beispiele. - -Daß ein Gedankensystem, das nach so vielen Seiten mannigfache, -weit über sein eigenes Zeitalter hinausreichende fruchtbare Ideen -hervorbrachte, ein in sich folgerichtiges und widerspruchsloses sei, -wäre auch dann unmöglich, wenn es nicht, wie das Leibnizsche, zumeist -in zerstreuten und zu verschiedenen Zeiten entstandenen Bruchstücken -überliefert, und wenn nicht sein Urheber allzu oft geneigt gewesen -wäre, dem Standpunkt seiner Leser sich anzupassen. Aber auch davon -abgesehen war es unvermeidlich, daß der allgemeine Charakter der -Zeit in den Schriften ihres größten Sohnes seinen Ausdruck fand. So -folgenreich, weit dieser Zeit vorausgreifend der Gedanke war, den -neuen Idealismus auf den Grundlagen der mathematisch-physikalischen -Forschung, dieser seiner früher wie später zumeist hartnäckigsten -Gegnerin, zu errichten, so sah sich doch in den Gesetzen des geistigen -Geschehens, die er als die universellen Weltgesetze nachzuweisen bemüht -war, Leibniz auf die sein Zeitalter beherrschenden Gedanken angewiesen, -und dies waren und blieben schließlich die logischen Denkgesetze. So -wurden ihm einerseits die allgemeinen logischen Axiome, nach denen wir -unsere Begriffe ordnen, anderseits die Zweckprinzipien, unter denen -wir die Erscheinungen der Wirklichkeit zusammenfassen, zu objektiven -Weltgesetzen. Aber woher nahm er, so kann man fragen, die Gewißheit, -daß die Regeln unseres Denkens die Gesetze der Gegenstände selbst sind, -und woraus schöpfte er die Überzeugung, daß diese allgemeinen Denk- -und Zweckprinzipien die unendliche Mannigfaltigkeit des Wirklichen -erschöpfen? Mag man zugeben, jenes Postulat der Übereinstimmung der -Normen des Denkens mit den allgemeinen Bedingungen der Wirklichkeit -sei ein notwendiges, weil auf ihm ebenso die subjektive Entstehung -der Denkgesetze wie die Möglichkeit ihrer objektiven Geltung beruhen -muß, so gehört doch die ganze Einseitigkeit des Intellektualismus -dieser Zeit dazu, um auf die abstrakten Sätze der Identität und des -Widerspruchs und auf ihre Ergänzung durch den »zureichenden Grund« die -ungeheure Mannigfaltigkeit alles Seins und aller Erscheinung begründen -zu wollen. Auch bilden hier die weiter hinzutretenden Zweckbegriffe -um so weniger eine volle Ergänzung, als wiederum dahingestellt -bleibt, ob solche Sätze wie der der Kontinuität oder der Erhaltung -der Kraft wirklich ~a priori~ notwendig sind oder nicht doch erst der -Bestätigung durch die Erfahrung bedürfen. So fruchtbar ferner jene -zum erstenmal von Leibniz einleuchtend dargestellte, der späteren -Kantischen Auffassung ohne Frage überlegene Scheidung der Begriffe -Sein und Erscheinung auch sein mag, so hat ihn doch offenbar wieder -diese Scheidung dazu verführt, auch die allgemeinen Prinzipien des -Denkens und die auf sie gegründeten Wissenschaften in einen Gegensatz -zu bringen, den die wissenschaftliche Logik nicht aufrechterhalten -kann. Es ist der Gegensatz der im engeren Sinne logischen Prinzipien -der Identität und des Widerspruchs und des nach Leibniz die -Erscheinungswelt beherrschenden Satzes vom Grunde. Daß die ersteren -auch für die Erscheinungen gelten, erkennt er selbst an. Dagegen sollen -die apriorischen Gebiete von der Logik und Mathematik an bis herauf -zur Moral und Metaphysik nur von den logischen Axiomen, nicht vom -Prinzip des Grundes beherrscht werden. Und doch kann es keinem Zweifel -unterliegen, daß die Verknüpfung nach Grund und Folge nicht minder eine -unerläßliche Aufgabe der sogenannten apriorischen Gebiete ist, daher -er denn auch des begrenzenden Beisatzes »zureichend« bedarf, um das -Prinzip unzweideutig auf seine empirische Verwendung einzuschränken. -So verdienstlich es daher war, daß er der sonst in dem Rationalismus -der Zeit verbreiteten völligen Vermengung von Erkenntnisgrund und -Ursache zu steuern suchte, so hat ihn doch gerade seine epochemachende -Festlegung des Begriffs der »wohlbegründeten Erscheinung« dazu -verführt, hier noch einmal eine jener scholastischen Gliederungen -einzuführen, die er im Prinzip selbst schon überwunden hatte. - -Aber noch in einer andern Beziehung treten die verschiedenen -grundlegenden Voraussetzungen seines Idealismus miteinander in -Widerstreit. Die logischen, kausalen und finalen Grundsätze bilden -nicht die einzige Basis seines Gedankensystems, sondern neben diesen -alten, wenn auch in neuer Form zu einem Ganzen gefügten Grundlagen -des Rationalismus tritt ein neues Motiv hervor, das eigentlich ganz -jenseits der Sphäre der intellektualistischen Denkweise der Zeit liegt. -Auch ist es direkt von ihm gar nicht mit ihnen in Beziehung gebracht -worden, und es gehört deshalb um so mehr einer neuen Gedankenwelt -an. Es ist merkwürdigerweise gerade die Monadologie, die diese -fremdartigen, an sich der Starrheit der rationalistischen Prinzipien -widerstreitenden Elemente enthält. In ihr wird unaufhörlich betont, -daß Streben und Vorstellen in ihrer fortwährenden Tätigkeit das wahre -Wesen der Dinge selbst seien. Hier tritt dem scharfsinnigen Logiker -der tiefblickende Psychologe zur Seite. Aber diese Bestandteile -seines Denkens sind nicht gegeneinander ausgeglichen, Rationalismus -und Psychologismus durchkreuzen sich, und man kann zweifeln, welche -dieser Seiten, die intellektuale oder die im tiefsten Grunde -emotionale, die überwiegende gewesen sei. Jedenfalls ist die letztere -später hervorgetreten, und es duldet keinen Zweifel, daß neben der -unmittelbaren psychologischen Beobachtung die Dynamik, also wiederum -die naturwissenschaftliche Betrachtung, ihn nach dieser Seite gedrängt -hat. Gerade dadurch aber ist seine abschließende philosophische -Schöpfung, die Monadologie, am allermeisten ein aus heterogenen -und widerspruchsvollen Bestandteilen gemischtes System geworden. -Die Monadologie unternimmt es, den Begriff der Substanz in seiner -abstraktesten Form zu entwickeln, aber in Wirklichkeit führt sie ihn -in das Prinzip einer reinen Aktualität über, das den vollen Gegensatz -zur beharrenden Substanz bildet. Sie will eine apriorische, also auf -die allgemeinen logischen Axiome gegründete metaphysische Wissenschaft -sein, und in Wirklichkeit ist sie doch unter allen spekulativen -Systemen dieses Zeitalters dasjenige, das die rationalistischen -Motive am meisten zurückdrängt, um an ihrer Stelle das unmittelbare -seelische Erleben zum Urbild alles geistigen wie kosmischen Geschehens -zu erheben. Dieser Wendung entspricht es, wenn schließlich nicht -die Weltvernunft, sondern die Weltharmonie, also im Grunde eine -ethisch-ästhetische Idee als der letzte Inhalt des Gottesbegriffs -erscheint. - -In diesem Lichte gesehen gewinnt nun auch die von Leibniz unternommene -Erneuerung der scholastischen Gottesbeweise eine wesentlich veränderte -Bedeutung. Wir alle stehen heute noch unter dem Eindruck der Kritik, -die Kant an diesen Beweisen geübt hat. Wenn dieser zeigte, daß die -Möglichkeit eines Wesens noch nicht seine Wirklichkeit beweist, so wird -dem niemand mehr widersprechen wollen, und wenn er weiterhin ausführte, -daß der kosmologische und der teleologische Gottesbeweis nur besondere -Anwendungen dieses ontologischen seien, so ist auch dieser Bemerkung -unbedingt zuzustimmen. Denn auch bei ihnen handelt es sich um die -Umwandlung einer möglichen in eine wirkliche Weltursache und eines -möglichen in einen wirklichen Weltordner. In Wahrheit gewinnen aber -die drei Beweise durch die Hinzunahme des Leibnizschen Prinzips der -Anwendung verschiedener Standpunkte der Betrachtung auf den gleichen -Gedankeninhalt einen andern Sinn. Es handelt sich bei ihnen überhaupt -nicht um Beweise, sondern um die Betrachtung philosophischer Begriffe -unter religiösen Gesichtspunkten. Wenn Leibniz sein Weltprinzip -»~Harmonia universalis id est Deus~« nennt, so soll die Harmonie -kein Beweis für das Dasein Gottes sein, sondern Harmonie und Gott -sind nur verschiedene Ausdrücke für ein und dieselbe Sache. Harmonie -ist der philosophische Begriff, Gott die ihm entsprechende religiöse -Vorstellung. In dieser Bedeutung bleibt aber die Gottesidee bestehen, -trotz der Kantischen Widerlegung des ontologischen Beweises. Nicht -anders verhält es sich mit dem kosmologischen Beweis. Die Harmonie als -Einheit aller Weltursachen gedacht ist das philosophische Prinzip, der -Weltschöpfer die dem religiösen Gemüt sich aufdrängende persönliche -Vorstellung dieser Ursache. Endlich die Harmonie als zweckvolle -Ordnung des Universums ist der teleologische Begriff, unter dem die -Philosophie auf Grund des inneren Zusammenhangs der Naturgesetze -und der Geistesgesetze die Welt denken muß, ein weltordnender Gott -ist die Vorstellung, in die die Religion diesen Begriff kleidet. Im -Hinblick hierauf darf man wohl zweifeln, ob die Beibehaltung der drei -Gestaltungen der Gottesidee in dieser dem Prinzip der Einheit von -philosophischer und religiöser Weltbetrachtung entsprechenden Form -die tiefere und befriedigendere sei, oder die Kantische Beschränkung -auf den sogenannten moralischen Gottesbeweis, die sich auf einen Teil -der Weltordnung beschränkt, für diesen aber an dem scholastischen -Prinzip des logischen Beweises festhält. Wenn übrigens Kant nebenbei -den sittlichen Imperativ eine »Erkenntnis aller unserer Pflichten -als göttlicher Gebote« nennt, so ist es augenfällig, daß er damit -für dieses besondere Gebiet zu dem gleichen Prinzip der doppelten -Betrachtung zurückkehrt, dessen sich Leibniz zuerst bedient hatte. In -Wahrheit ist es die einzige Form, in der Wissenschaft und Religion -nebeneinander bestehen können, weil es die einzige ist, in der -weder die Religion in die Geschäfte der Wissenschaft noch diese in -die Bedürfnisse jener sich einmischt. Hier besteht aber der Wert -der drei alten in die sogenannten Gottesbeweise gekleideten Formen -der Gottesidee darin, daß sie sich auf die letzten Grundlagen des -religiösen Glaubens beziehen, in denen sie nichts anderes als -Grundlagen der Wissenschaft selbst in ihrer dem religiösen Bewußtsein -adäquaten Form sind. Auch Leibniz hat allerdings ebenso wie später Kant -dem Zeitalter seinen Tribut gezollt, indem er weit über die durch seine -Deutung der Gottesbeweise gezogenen Grenzen hinaus die dogmatischen -Inhalte der verschiedenen christlichen Religionen zu rechtfertigen -unternahm. Hätte er sich dieser Ausschreitungen enthalten, so würde -freilich seine Theodizee ungeschrieben geblieben sein. - - - - -Anmerkungen. - - -I. S. 4. Vgl. hierzu den Kritischen Exkurs G. E. Guhrauers in der -Beilage zu Bd. 1 seiner Ausgabe von Leibniz' Deutschen Schriften. 1839. -S. 5. Am ehesten darf wohl unter den Vertretern der Einzelgebiete, -neben einigen Mathematikern, den Juristen nachgerühmt werden, daß -einzelne Gelehrte begonnen haben, sich eindringender mit Leibniz zu -beschäftigen. Vgl. besonders Gustav Hartmann, Leibniz als Jurist und -Rechtsphilosoph. 1892. S. 8. Die Schriften zur Vereinheitlichung des -Bücherwesens (1668) bei K. Prantl. Art. Leibniz in der Allg. deutschen -Biographie. Daß der Plan der Konzentration des gesamten deutschen -Buchhandels in einer einzigen Stadt und der andere der Herausgabe eines -Halbjahrskatalogs sämtlicher erschienener Schriften zusammen dasselbe -bezweckten, was durch die vor kurzem begründete »Deutsche Bücherei« -in Leipzig erstrebt wird, ist einleuchtend. Wenn L. Mainz als Ort -dieser enzyklopädischen Vereinigung vorschlug, so meinte er vielleicht, -für den Ursprungsort der Buchdruckerkunst am ehesten die maßgebenden -Persönlichkeiten gewinnen zu können. Außerdem hatte er in der gleichen -Zeit bereits Beziehungen zu Mainz angeknüpft, die ihm die Aussicht -eröffneten, hier selbst seinen dauernden Wohnsitz zu nehmen. S. 9. Die -politischen Schriften finden sich am vollständigsten in der Ausgabe -von Onno Klopp. 1864--66, die wichtigeren nebst den juristischen -bei Dutens, ~Opera omnia, Tom. IV.~ 1768. Ausführlich behandelt die -politische und sonstige öffentliche Tätigkeit L.' Edmund Pfleiderer in -seinem Werk: Leibniz als Patriot, Staatsmann und Bildungsträger. 1870. -Ich wundere mich, daß noch niemand auf den Gedanken gekommen ist, den -»~Mars christianissimus~«, mit den nötigen historischen Bemerkungen -versehen, ins Deutsche zu übertragen. S. 11. Der theologische -Briefwechsel, der für die Unionsbestrebungen von besonderem Interesse -ist, findet sich in ~Tom. I~ der Werke von Dutens. - -II. S. 22. Über Leibniz' Beziehungen zu Erhard Weigel vgl. Brucker -~Vita Leibnitii, p. LXI~, Dutens, ~Tom. 1~. Einen kurzen Auszug aus -Weigels Hauptschriften gibt F. Bartholomäi, Zeitschr. f. exakte Philos. -Bd. 9, 250. Über Raimund Lull vgl. K. Prantl, Geschichte der Logik, -III, 145. S. 26. J. E. Erdmann, ~Leibnitii opera philos.~, Nr. XVIII -(~Fundamenta Calculi ratiocinatoris~). Als modernes Gegenbeispiel -vgl. das Werk von G. Boole, ~The Laws of thought~, 1854. S. 27. -~Dissertatio de Arte combinatoria~, Leibnizens Mathem. Schriften von -Gerhardt, Bd. 1. Weitere Fragmente zur ~Characteristica universalis~ -Gerhardt, L.' Philos. Schriften, Bd. 7, 215. S. 28. ~De Quadratura -arithmetica Circuli etc.~, Math. Schriften, Bd. 1, 80. Hauptschriften -zur ~Analysis Infinitesimorum~ ebenda, 229. Dazu der Briefwechsel mit -Joh. und Jac. Bernoulli, ebenda, Bd. 3, Abt. 1 und 2. Äußerungen L.' -aus späterer Zeit (1712) zum Begriff des unendlich Kleinen im Sinne der -Relativitätstheorie, ebenda 387. Vgl. dazu meine Logik II^3 241 ff. -Eine Anzahl der wichtigeren mathematischen Schriften sowie der Briefe -haben mit Recht Buchenau und Cassirer auch in ihre Sammlung von L.' -ausgewählten Schriften in deutscher Übersetzung (Bd. 1 und 2) in der -Kirchmannschen Bibliothek aufgenommen. S. 39 ff. ~Hypothesis physica -nova.~ 1671. Gerhardt, Math. Schriften, Bd. 2. Philos. Schriften, Bd. -4. (~Theoria Motus abstracti~, 61). ~De Causis gravitatis~, Math. -Schriften, Bd. 2, 193. ~De Legibus Naturae~, 204. Als abschließende -Schriften zur Dynamik: ~Essay de Dynamique~, 215. ~Specimen dynamicum -pars I et II~, 234. ~Dynamica~, 284. Zur Geschichte der L.'schen -Dynamik vgl. meine Schrift über die »Physikalischen Axiome« (1866), 2. -Aufl. u. d. T.: »Die Prinzipien der mechanischen Naturlehre«, 1910. S. -53. Zur Entwicklungstheorie: ~Principes de la Nature et de la Grace~, -14. Briefe bei Dutens, ~Tom. II~, 32, 84, 330. Buchenau-Cassirer, L.' -Hauptschr. II, 63, 74. S. 57. L.' Psychologie: ~Hypothesis physica -nova~, Math. Werke, Bd. 2. S. 67. Über die Ramisten in Deutschland: -Stintzing, Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft, Bd. 1, 145. -S. 70. Über Pufendorf und sein Verhältnis zu Leibniz, Landsberg -(Stintzing), ebenda, Abt. III, 1. Der ~Caesarinus Fuerstenerius~ -vereinigt wohl mit seinen andern Tendenzen auch die einer Gegenschrift -gegen die vernichtende Kritik, die Pufendorf in einer pseudonymen -Schrift an der Verfassung des deutschen Reichs geübt hatte. Vor -allem hat aber die Gegnerschaft gegen P.s einseitige Betonung der -Rechtsidee für Leibniz die Anregung zu seiner für die folgende Ethik -epochemachenden Pflichtmoral gegeben. Wenn die abfällige Beurteilung -des individualistischen Naturrechts eines Hobbes und Pufendorf den -springenden Punkt in den rechtsphilosophischen Schriften bildet, so -ist es übrigens nicht das Naturrecht überhaupt, gegen das er sich -wendet, sondern auch ihm steht über allem positiven und historischen -ein natürliches Recht, als notwendige Voraussetzung und Ergänzung des -ersteren im Sinne seiner Definition der Gerechtigkeit als der durch die -Pietas vermittelten »Einheit von Güte und Weisheit«. Bezeichnend für -diese neue, erst in weit späterer Zeit ihre Früchte tragende Richtung -des Naturrechts ist es, daß er die noch lange bei seinen Nachfolgern -herrschende Vertragstheorie bereits gänzlich aus dem Naturrecht -beseitigen will. So bilden überhaupt das Streben nach exakter -Behandlung der Probleme und nach ethischer Begründung der allgemeinen -Rechtsbegriffe, daneben die Verbindung geschichtlicher und logischer -Betrachtung die hervorstechenden Züge der juristischen Arbeiten. Ein -interessantes Beispiel dafür, wie er sich die mathematische Behandlung -juristischer Probleme dachte, bietet eine unter den Manuskripten -gefundene »~Meditatio juridico-mathematica~« über Zinseszinsrechnung -und Rabatt (Mathem. Werke, Bd. 3, 125). Die für die ethische Begründung -des Rechts bedeutsamsten Arbeiten sind die beiden Dissertationen zum -Völkerrecht, Dutens ~Tom. IV, Pars III~, 287. Dazu die ~Observationes -de Principiis Juris~, ebenda, 270. Diese Schriften sollten in keiner -Ausgabe der philosophischen Werke fehlen, sie fehlen aber durchgehends. -Gerhardt hat dagegen in Bd. 7 seiner Ausgabe, 73, eine Sammlung von -Definitionen moralischer Begriffe veröffentlicht, mit ihnen zum Teil -übereinstimmende Guhrauer in Leibniz' deutschen Schriften. Sie sind -ausgeprägt eudämonistisch und rationalistisch gehalten und könnten -ebensogut von Christian Wolff oder einem andern der späteren Aufklärer -geschrieben sein. Leibniz' wirkliche Ethik ist eben nicht diesen -schulmäßigen Definitionen im Stil der Zeit zu entnehmen, sondern den -rechtsphilosophischen Ausführungen zum Kodex des Völkerrechts. - -III. S. 75. J. Jasper hat in seiner Dissert. Leibniz und die Scholastik -(Münster i. W. 1898/99) eine Zusammenstellung zahlreicher Urteile L.' -über die Scholastik gesammelt. Sie bilden äußerlich betrachtet ein -ziemlich buntes Gemisch ablehnender und anerkennender Aussprüche. -Wenn man die Zeiten, denen sie angehören, und die Fragen, auf die sie -sich beziehen, beachtet, so entsprechen sie aber wohl ziemlich treu -dem im Text angegebenen Verhältnis. S. 79. Zur Orientierung über die -Entwicklung des Leibnizschen Idealismus mag folgende chronologische -Aufzählung der wichtigeren hierher gehörigen Schriften dienen: -~Hypothesis physica nova.~ 1671. ~Specimen dynamicum.~ ~Essay de -dynamique.~ ~Dynamica.~ 1685--89. ~De motuum coelestium causis.~ -1689. ~De primae philosophiae emendatione et notione substantiae.~ -1694. ~Nouveaux Essais sur l'entendement humain.~ (Um 1704.) ~Essai -de Théodicée.~ 1710. Monadologie. 1714. ~Principes de la nature et de -la grâce.~ 1714. Aus dieser Chronologie erkennt man unmittelbar eine -Entwicklung, die im wesentlichen in drei Perioden verläuft: einer -naturphilosophischen, einer erkenntnistheoretisch-psychologischen, -einer metaphysisch-ethischen. Unter den Briefen sind nach der Seite -der Naturphilosophie vornehmlich der Briefwechsel mit den Cartesianern -(Gerhardt, Phil. Schriften. Bd. 4) beachtenswert, für die Metaphysik -und Theologie der mit Bayle und dem Pater Des Bosses (ebenda, Bd. -2). Zu S. 112. ~Observationes de principio juris.~ Dutens ~Op. -Tom. IV, P. III~, 270. ~De Actorum publicorum Usu etc.~ 287. S. -114. An die theologischen Schriften schließt sich der umfangreiche -Briefwechsel in Sachen der Reunion der beiden Kirchen und der Union -der protestantischen Konfessionen bei Dutens, ~Tom. I.~ Mit welcher -Vorsicht übrigens der theologische Briefwechsel benutzt werden muß, -dafür legt, wie ich glaube, das Buch von Ed. Dillmann, Eine neue -Darstellung der Monadenlehre, 1891, ein beredtes Zeugnis ab. Der -Verf. hat unleugbar mit großem Scharfsinn aus der in den Briefen -an katholische Theologen, besonders an Des Bosses, entwickelten -Hilfshypothese über das »~Vinculum substantiale~« zur Erklärung des -Wunders der Transsubstantiation eine Auffassung der Monadologie -entwickelt, die jenen Begriff eigentlich zur Grundlage des ganzen -Systems macht. Immerhin kann die Möglichkeit einer solchen Umdeutung -zugleich als eine Art Bestätigung der oben gemachten Bemerkung dienen, -daß die Monadologie für Leibniz selbst keineswegs das dogmatische -System gewesen ist, für das man sie zu nehmen pflegt. Das ausführliche -Werk von A. Pichler, Die Theologie des Leibniz, 2 Bde. 1869--70, ist -für das Thema selbst wenig ergiebig, da die Zeiten und Anlässe, denen -L.' Äußerungen angehören, wohl allzuwenig beachtet sind, wie denn auch -der Verf. durch die Rücksicht auf die kirchlichen Parteiungen seiner -eigenen Zeit vielleicht allzu sehr beeinflußt ist. - - - - -Alfred Kröner Verlag in Leipzig - - -Schriften von Wilhelm Wundt - - =Über die Aufgabe der Philosophie in der Gegenwart.= - Rede, gehalten zum Antritt des öffentl. Lehramtes der - Philosophie an der Hochschule in Zürich, am 31. Okt. - 1874. gr. 8. - - ℳ --.60. - - =Über den Einfluß der Philosophie= auf die - Erfahrungswissenschaften. Akademische Antrittsrede, - gehalten zu Leipzig, am 20. November 1875. gr. 8. - - ℳ --.60. - - =Der Spiritismus=, eine sogenannte wissenschaftliche - Frage. Offener Brief an Herrn Prof. Hermann Ulrici in - Halle. gr. 8. - - ℳ --.50. - - =Essays.= Zweite Auflage. Mit Zusätzen u. Anmerk. gr. 8. - - ℳ 9.--; - in Leinen geb. ℳ 10.50; - in Halbfranz geb. ℳ 12.--. - - =Zur Moral der literarischen Kritik.= Eine - moralphilosophische Streitschrift. gr. 8. - - ℳ 1.20. - - =System der Philosophie.= Dritte, umgearbeitete - Auflage. 2 Bde. gr. 8. - - ℳ 14.--; - in 2 Leinenbänden ℳ 16.--; - in 1 Halbfranzband ℳ 17.--. - - =Hypnotismus und Suggestion.= Zweite, durchgesehene - Auflage. 8. - - ℳ 1.40; - in Leinen geb. ℳ 2.15. - - =Gustav Theodor Fechner.= Rede zur Feier seines - hundertjährigen Geburtstages. Mit Beilagen und einer - Abbildung des Fechner-Denkmals. 8. - - ℳ 2.--. - - =Sprachgeschichte und Sprachpsychologie.= Mit Rücksicht - auf B. Delbrücks Grundfragen der Sprachforschung. gr. - 8. - - ℳ 2.--. - - =Grundzüge der physiologischen Psychologie.= _Erster - Band_: Sechste, umgearbeitete Auflage. Mit 161 - Figuren sowie Sach- und Namenregister. gr. 8. - - ℳ 13.--; - in Halbfranz geb. ℳ 16.--. - - -- -- _Zweiter Band_: Sechste, umgearbeitete Auflage. - Mit 167 Figuren sowie Sach- und Namenregister. gr. 8. - - ℳ 15.--; - in Halbfranz geb. ℳ 18.--. - - -- -- _Dritter Band_: Sechste, umgearbeitete Auflage. - Mit 71 Figuren sowie Sach- und Namenregister. gr. 8. - - ℳ 16.--; - in Halbfranz geb. ℳ 19.--. - - =Naturwissenschaft und Psychologie.= Zweite Auflage. - Sonderausgabe des Schlußabschnitts zur sechsten - Auflage der physiologischen Psychologie. gr. 8. - - ℳ 2.40; - in Leinen geb. ℳ 2.90. - - =Festrede zur fünfhundertjährigen Jubelfeier der - Universität Leipzig.= Mit einem Anhang: Die Leipziger - Immatrikulationen und die Organisation der alten - Hochschule. 8. - - ℳ 1.50. - - =Grundriß der Psychologie.= Zwölfte Auflage. Mit 23 - Figuren. gr. 8. - - ℳ 7.--; - in Leinen geb. ℳ 8.--. - - =Völkerpsychologie.= Eine Untersuchung der - Entwicklungsgesetze von Sprache, Mythus und Sitte. - _Erster Band: Die Sprache. Erster Teil._ Dritte, - neubearbeitete Auflage. Mit 40 Abbildungen. gr. 8. - - ℳ 14.--; - in Halbfranz geb. ℳ 17.--. - - - -- _Zweiter Band: Die Sprache. Zweiter Teil._ Dritte, - neubearbeitete Auflage. Mit 6 Abbildungen. gr. 8. - - ℳ 13.--; - in Halbfranz geb. ℳ 16.--. - - -- _Dritter Band: Die Kunst._ Zweite, neubearbeitete - Auflage. Mit 59 Abbildungen. gr. 8. - - ℳ 12.--; - in Halbfranz geb. ℳ 15.--. - - -- _Vierter Band: Mythus und Religion. Erster Teil._ - Zweite, neubearbeitete Auflage. Mit 8 Abbildungen. - gr. 8. - - ℳ 13.--; - in Halbfranz geb. ℳ 16.--. - - -- _Fünfter Band: Mythus und Religion. Zweiter Teil._ - Zweite, neubearbeitete Auflage. gr. 8. - - ℳ 11.--; - in Halbfranz geb. ℳ 14.--. - - -- _Sechster Band: Mythus und Religion. Dritter Teil._ - Zweite, neubearbeitete Auflage. gr. 8. - - ℳ 12.--; - in Halbfranz geb. ℳ 15.--. - - -- _Siebenter Band: Die Gesellschaft. Erster Teil._ gr. 8. - - ℳ 11.--; - in Halbfranz geb. ℳ 14.--. - - - -- _Achter Band: Die Gesellschaft. Zweiter Teil._ gr. 8. - - ℳ 9.--; - in Halbfranz geb. ℳ 12.--. - - =Kleine Schriften.= 2 Bände. 8. - - ℳ 26.--; - in Leinen geb. ℳ 28.40. - - =Einleitung in die Philosophie.= Sechste Auflage. 8. - - ℳ 8.--; - in Leinen geb. ℳ 9.--. - - =Elemente der Völkerpsychologie.= _Grundlinien - einer psychologischen Entwicklungsgeschichte der - Menschheit._ Zweite Auflage. gr. 8. - - ℳ 12.--; - in Leinen geb. ℳ 14.--. - - =Reden und Aufsätze.= Zweite Auflage. 8. - - ℳ 7.--; - in Leinen geb. ℳ 8.--. - - =Die Psychologie im Kampf ums Dasein.= Zweite Auflage. 8. - - ℳ 1.--. - - =Sinnliche und übersinnliche Welt.= 8. - - ℳ 8.--; - in Leinen geb. ℳ 9.--. - - =Über den wahrhaften Krieg.= Rede, gehalten in der - Alberthalle zu Leipzig am 10. September 1914. kl. 8. - - ℳ --.50. - - =Die Nationen und ihre Philosophie.= Ein Kapitel zum - Weltkrieg. Zweite Auflage. 8. - - ℳ 3.--; - in Leinen geb. ℳ 4.--. - - -- " -- Taschenausgabe - - in Leinen geb. ℳ 1.20. - - =Leibniz.= Zu seinem zweihundertjährigen Todestag. 8. - - ℳ 3.--; - in Leinen geb. ℳ 4.--. - - -Friedrich Nietzsches Werke - -Taschen-Ausgabe - -=11 Bände.= In Leinwand gebunden 55 Mark. - - - Band I. Homer-Rede. =Die Geburt der Tragödie.= - Der griechische Staat. Das griechische Weib. - Musik und Wort. Homers Wettkampf. Zukunft - unserer Bildungsanstalten. Das Verhältnis der - Schopenhauerschen Philosophie zu einer deutschen - Kultur. Philosophie im tragischen Zeitalter der - Griechen. Über Wahrheit und Lüge. - - Band II. =Unzeitgemäße Betrachtungen.= Aus dem Nachlaß - (1874/75). - - Band III. =Menschliches, Allzumenschliches I.= Aus dem - Nachlaß (1874/77). - - Band IV. =Menschliches, Allzumenschliches II.= - Vermischte Meinungen und Sprüche. Der Wanderer und - sein Schatten. Aus dem Nachlaß (1877/79). - - Band V. =Morgenröthe.= Aus dem Nachlaß (1880/86). - - Band VI. Die ewige Wiederkunft. =Die fröhliche - Wissenschaft.= Lieder des Prinzen Vogelfrei. Aus dem - Nachlaß. Dichtungen (1871/88). - - Band VII. =Also sprach Zarathustra.= Aus dem Nachlaß - (1882/85). - - Band VIII. =Jenseits von Gut und Böse.= =Genealogie der - Moral.= Aus dem Nachlaß (1885/86). - - Band IX. =Der Wille zur Macht.= Versuch einer - Umwerthung aller Werthe (1884/88). - - Band X. =Der Wille zur Macht= (Fortsetzung). - =Götzen-Dämmerung.= =Der Antichrist.= - =Dionysos-Dithyramben= (1884/88). - - Band XI. 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Hasse= - - - Die deutsche Dichtung - - Von =Karl Heinemann= - - - Dichtung der Griechen - - Von =Karl Heinemann= - - - Dichtung der Römer - - Von =Karl Heinemann= - - - Selbstbetrachtungen - - Von =Mark Aurel= - - - Philosophisches Wörterbuch - - Von =Heinrich Schmidt= - - - Vom glückseligen Leben - - Von =Seneca= - - - Der Charakter - - Von =Samuel Smiles= - - - Die Erziehung - - Von =Herbert Spencer= - - - Die Nationen und ihre Philosophie - - Von =Wilhelm Wundt= - - -Alfred Kröner Verlag in Leipzig - - - - -Alfred Kröner Verlag in Leipzig - - -Elemente der Völkerpsychologie - -Grundlinien einer psychologischen Entwicklungsgeschichte der Menschheit - -Von - -Wilhelm Wundt - -Zweite Auflage. Geheftet 12 Mark. Gebunden 14 Mark - -Inhalt: - - =Einleitung.= Geschichte und Aufgabe der - Völkerpsychologie. Ihr Verhältnis zur Völkerkunde. - Analytische und synthetische Darstellung. - Die Völkerpsychologie als psychologische - Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Einteilung in - vier Hauptperioden. - -Erstes Kapitel. Der primitive Mensch. - - 1. Die Entdeckung des primitiven Menschen. 2. Die - äußere Kultur des primitiven Menschen. 3. Der - Ursprung der Ehe und der Familie. 4. Die primitive - Gesellschaft. 5. Die Anfänge der Sprache. 6. Das - Denken des primitiven Menschen. 7. Die Urformen - des Zauber- und Dämonenglaubens. 8. Die Anfänge - der Kunst. 9. Die intellektuellen und moralischen - Eigenschaften des Primitiven. - -Zweites Kapitel. Das totemistische Zeitalter. - - 1. Allgemeiner Charakter des Totemismus. 2. Die - Kulturkreise des totemistischen Zeitalters. 3. Die - totemistische Stammesgliederung. 4. Die Entstehung - der Exogamie. 5. Die Formen der Eheschließung. 6. - Die Ursachen der totemistischen Exogamie. 7. Die - Formen der Polygamie. 8. Die Entwicklungsformen - des Totemglaubens. 9. Der Ursprung der - Totemvorstellungen. 10. Die Tabugesetze. 11. Der - Seelenglaube im totemistischen Zeitalter. 12. Der - Ursprung des Fetisch. 13. Tierahne und menschlicher - Ahne. 14. Die totemistischen Kulte. 15. Die Kunst des - totemistischen Zeitalters. - -Drittes Kapitel. Das Zeitalter der Helden und Götter. - - 1. Allgemeiner Charakter des Heldenzeitalters. 2. - Die äußere Kultur des Heldenzeitalters. 3. Die - Entwicklung der politischen Gesellschaft 4. Die - Familie innerhalb der politischen Gesellschaft. - 5. Die Ständescheidung. 6. Die Berufsscheidung. - 7. Der Ursprung der Städte. 8. Die Anfänge der - Rechtsordnung. 9. Die Entwicklung des Strafrechts. - 10. Die Sonderung der Rechtsgebiete. 11. Die - Entstehung der Götter. 12. Die Heldensage. 13. - Die kosmogonischen und theogonischen Mythen. 14. - Der Seelenglaube und die jenseitige Welt. 15. - Der Ursprung der Götterkulte. 16. Die Formen der - Kulthandlungen. 17. Die Kunst des Heldenzeitalters. - -Viertes Kapitel. Die Entwicklung zur Humanität. - - 1. Der Begriff der Humanität 2. Die Weltreiche. 3. - Die Weltkultur. 4. Die Weltreligionen. 5. Die - Weltgeschichte. - - -Zu beziehen durch alle Buchhandlungen - - -Metzger & Wittig, Leipzig. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - Unterschiedliche Schreibweisen, insbesondere der lateinischen - Werkbezeichnungen, wurden beibehalten. - - Die vorderen Werbeseiten wurden ans Buchende verschoben. - - Korrekturen: - - S. 27: überkommen → übernommen - hatte die Scholastik aus dem Altertum {übernommen} - - S. 40: Diagramm wurde gedreht - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Leibniz, by Wilhelm Wundt - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LEIBNIZ *** - -***** This file should be named 60879-0.txt or 60879-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/0/8/7/60879/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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