diff options
Diffstat (limited to 'old/60888-8.txt')
| -rw-r--r-- | old/60888-8.txt | 22626 |
1 files changed, 0 insertions, 22626 deletions
diff --git a/old/60888-8.txt b/old/60888-8.txt deleted file mode 100644 index 1e31d6a..0000000 --- a/old/60888-8.txt +++ /dev/null @@ -1,22626 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst, by -Carl B. Lorck - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and -most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll -have to check the laws of the country where you are located before using -this ebook. - - - -Title: Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst - Zweiter Teil. Wiedererwachen und neue Blüte der Kunst. 1751-1882. - -Author: Carl B. Lorck - -Release Date: December 9, 2019 [EBook #60888] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HANDBUCH DER GESCHICHTE *** - - - - -Produced by Peter Becker, Jens Nordmann and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This -file was produced from images generously made available -by The Internet Archive) - - - - - - - - - - HANDBUCH DER GESCHICHTE - - DER - - BUCHDRUCKERKUNST - - VON - - CARL B. LORCK. - - - ZWEITER TEIL - - WIEDERERWACHEN UND NEUE BLÜTE DER KUNST - - 1751-1882. - - [Illustration] - - LEIPZIG - - VERLAG VON J. J. WEBER - - MDCCCLXXXIII. - - - - -[Illustration] - - _VORBEMERKUNG_ - - _zu dem zweiten Teil._ - - -_Indem ich den Schlussteil meines Handbuches der Geschichte der -Buchdruckerkunst etwas später und nicht unwesentlich umfangreicher, -als es in der ursprünglichen Absicht lag, der Öffentlichkeit übergebe, -geschieht es, trotz der wohlwollenden Aufnahme, welche dem ersten Bande -sowohl seitens der Presse als des Publikums zuteil wurde, nur mit -vermehrter Zaghaftigkeit._ - -_Seite für Seite nähert sich die Darstellung einer Periode, in welcher -jeder dem Fach angehörende Leser nicht nur zu den Zuschauenden, sondern, -durch längere oder kürzere Zeit, in mehr oder weniger hervorragender -Weise zu den Mitwirkenden gehört. Von den Leistungen dieser Periode -wird er sich selbst ein Bild gemacht haben und eine fertige Meinung -mitbringen. Über Einzelheiten wird derselbe nicht selten genauer -unterrichtet sein, als der Verfasser des Buches, und wird deshalb leicht -geneigt sein, streng über letzteren zu Gericht zu sitzen, der genötigt -war, die Leistungen der verschiedenen Völker auf dem typographischen -Gebiete als Gesamtmasse und in ihrem Verhältnis zu einander auf einem -mässigen Raume in gedrängter Übersicht vorzuführen und dem deshalb -manches weniger bedeutend erscheinen könnte, was vielleicht dem Leser -von einem nationalen, lokalen oder persönlichen Standpunkte von -grösserer Bedeutung vorkommt. So kann es leicht geschehen, dass der -Betreffende sein Ideal oder seinen Lieblings-»Meister« nicht oder nur -mit wenigen Worten erwähnt findet oder dass über einen Gegenstand, -welchen die Fachjournale die Pflicht hatten, ausführlich zu erörtern, -nur eine kurze Notiz gegeben ist. Diesen Lesern muss ich zu bedenken -geben, einerseits, dass der vorliegende Band einen Zeitraum von fast -anderthalb Jahrhunderten des mächtigsten Fortschreitens der Kunst in der -alten und neuen Welt umfasst, andererseits, dass ein geschichtliches -Handbuch weder ein technisches Lehrbuch noch ein geschäftliches -Adressbuch oder ein empfehlender Preiscourant für Fabrikanten sein kann -und darf._ - -_In der Innehaltung der richtigen Grenze des zu Besprechenden liegt eben -die Hauptschwierigkeit eines geschichtlichen Handbuches, welches bis auf -den heutigen Tag heranreicht. Dass indes diese Grenze überall richtig -getroffen sein sollte, darf ich nicht behaupten. Missgriffe und Fehler, -sowohl hinsichtlich des Weggelassenen als des Besprochenen, können bei -der grossen Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit des Stoffes und bei der -Unmöglichkeit, überall gleichmässig orientiert zu sein, wohl vorkommen, -nur hoffe ich, dass man ein tendenziöses Hervorheben oder Weglassen mir -nirgends wird nachsagen können._ - -_Über die in diesem Bande befolgte Gruppeneinteilung habe ich mich -bereits in dem Vorwort zum ersten Bande ausgesprochen. Wenn ich auch -bestrebt gewesen bin, jedem der maassgebenden Hauptländer sein Recht -werden zu lassen, so ist es doch selbstverständlich, dass Deutschland -den Anspruch auf eine etwas detailliertere Behandlung als England -und Frankreich hatte, doch hoffe ich, das erlaubte Maass zugunsten -Deutschlands nicht überschritten zu haben._ - -_Obwohl die Bedeutung einer Offizin für die Geschichte sich keineswegs -immer nach Zahl der Pressen oder der beschäftigten Arbeiter messen -lässt -- die berühmte Kunstdruckerei von H. Reiss in Wien arbeitete mit -»einer« Handpresse und »einem« Drucker --, so schien es doch geboten, -zur Vervollständigung eines Gesamtbildes des grossartigen Wirkens der -heutigen Presse den Umfang der grösseren Offizinen anzudeuten, obwohl -bei der Aufzählung einer Reihe von Firmen Monotonie nicht ganz zu -umgehen war. Dasselbe gilt von den statistischen Angaben über ganze -Länder oder einzelne Städte. Sie sind hauptsächlich auf Mitteilungen aus -den Jahren 1880-1882 begründet, ohne sich durchweg an ein und dasselbe -Jahr zu halten, was für den Zweck einer allgemeinen Übersicht ohne -Bedeutung war._ - -_Hätte ich die Gewissheit, das mir gesteckte Ziel, über welches -ebenfalls im Vorworte zum ersten Bande näheres gesagt wurde, erreicht -zu haben: »mit dem enormen aufgespeicherten Material aufzuräumen, -das Nutzlose zu beseitigen und in das zurückbleibende Wertvolle -einigermassen Ordnung und Übersichtlichkeit zu bringen«, so würde ich -mit grosser Befriedigung die Feder nach vollbrachter, jahrelanger -mühsamer Arbeit weglegen; jetzt kann ich es nur mit dem Bewusstsein -thun, dass ich ehrlich bemüht gewesen, nicht gar zu weit hinter der -Aufgabe zurückzubleiben._ - - _Leipzig, den 24. Oktober 1883._ - - _Carl B. Lorck._ - - - - -[Illustration] - - INHALTS-VERZEICHNIS. - - Seite - EINLEITUNG. - - DAS LICHT UND DIE CHEMIE ALS FÖRDERER DER TYPOGRAPHIE. - - Wiederbelebung der Buchdruckerkunst. Das geistige und das - physische Licht. Photographie, Lithographie, Chemigraphie. - -- Alois Senefelder und der chemische Druck, Musiknoten-, - Landkarten-, Ölbild- und Aquarelldruck, anastatischer Druck. - Die Daguerreotypie. Die Silberphotographie, die Photographie - und die Druckkunst, das Woodbury-Verfahren, der Lichtdruck, - die Alberttypie, der photographische Lichtdruck, die - Photolithographie. -- Verschiedene Hochdruckversuche: die - Chemitypie, die Zinkhochätzung, ihre Vorzüge und Mängel, ihre - Zukunftsstellung 3-20 - - - ERSTES BUCH. - - DIE ANGLO-AMERIKANISCHE GRUPPE. - - EINFÜHRUNG IN DAS ERSTE BUCH (23-28). - - I. KAPITEL. - - SCHRIFTGIESSEREI UND SETZMASCHINEN DER ANGLO-AMERIKANISCHEN GRUPPE. - - DIE SCHRIFTGIESSEREI: W. Caslon II., J. Jackson, D. Bruce, - Mac Kellar Smiths & Jordan u. a. Die Holztypen. Der - Blindendruck. Lord Stanhopes Stereotypie. DIE GIESSMASCHINE: - Nicholson, Elihu White, D. & G. Bruce, Johnson und - Atkinson, Westcotts Giessmaschine. DIE SETZMASCHINE, frühere - Versuche: T. Alden, W. Mitchell, A. Fraser u. a. Hattersley, - Kastenbein, Mackie. Der _Matrix compositor_ und ähnliche - Apparate 29-48 - - II. KAPITEL. - - DIE DRUCK- UND HÜLFSMASCHINEN DER ANGLO-AMERIKANISCHEN GRUPPE. - - DIE HANDPRESSE. Lord Stanhope und seine Nachfolger: - Cogger, Clymer u. a. Die Auftragmaschine. Die Glätt- - und Prägmaschine: Bramah. DIE SCHNELLPRESSE: Friedrich - König in England, Bensley, John Walter, der 29. November - 1814, Kränkungen Königs, seine Abreise von London, - Walters Eintreten für ihn. Die Nachfolger Königs: - Napier, Applegath & Cowper, Hoe u. a. Die Endlosen: W. - Bullock, die Walter-Maschine u. a. Die Mehrfarbe-Endlose. - Die Tretmaschine. Die Ausleger, die Anleger. DIE - SATINIERMASCHINE. DIE FEUCHTAPPARATE. DIE BRONCIERMASCHINE. - DIE FALZMASCHINE. DIVERSE HÜLFSMASCHINEN. WALZEN UND FARBE. - DIE MATERIALIENHANDLUNGEN 49-72 - - III. KAPITEL. - - DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE ENGLANDS. - - ENGLAND. AUFBLÜHEN DER TYPOGRAPHIE: J. Baskerville, Bowyer - Vater und Sohn, J. Nichols, Miller-Ritchie, W. Bulmer, Th. - Bensley, Hansard Vater und Sohn. DIE XYLOGRAPHIE: Thom. - Bewick. DER FARBENDRUCK: G. Baxter, W. Savage, W. Congreve. - Oxford, Cambridge, Edinburgh u. a. DIE ZEITUNGSPRESSE: Die - _Times_ und die Familie Walter; Stempel; telegraphischer - Verkehr; Inseratenwesen; Statistisches. DER ACCIDENZDRUCK. - DER BUCHHANDEL: Die illustrierten Blätter, Ch. Knight. Der - Bibeldruck. Die Bibliophilie: Lord Spencer, T. F. Dibdin. DIE - BUCHBINDERKUNST. - ASIEN: Indien, China, Japan, der Indische Archipel. -- - AUSTRALIEN, die Südseeinseln. -- AFRIKA 73-114 - - IV. KAPITEL. - - DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE NORDAMERIKAS. - - WACHSTUM DER PRESSE. DIE ZEITUNGEN: Statistisches, der - _Herald_, Horace Greeley und die _Tribune_, G. Childs - und der _Ledger_, die Familie Harper, Frank Leslie und - die illustrierte Presse. Die Holzschneidekunst. DIE - BUCHDRUCKEREI UND DER BUCHHANDEL: Die Staatsdruckerei und der - Accidenzdruck, Organisation des Buchhandels. Grosse Druck- - und Verlagsfirmen: Appleton, Lippincott, Houghton u. a., - Einfluss des deutschen Elements, Nachdruck deutscher Werke, - deutsche Buchhandlungen und Zeitungen. DAS PAPIER 115-136 - - - ZWEITES BUCH. - - DIE ROMANISCHE GRUPPE. - - EINFÜHRUNG IN DAS ZWEITE BUCH (139-144). - - V. KAPITEL. - - DIE SCHRIFTGIESSEREI UND DIE MASCHINEN IN FRANKREICH. - - DIE SCHRIFTGIESSEREI: Das Schriftsystem Didots, seine - Anglaise, Molé. Orientalia. Notendruck, E. Duverger, Charles - Derriey und das typographische Ornament. HOLZSCHNITT und - Hochätzung. DIE STEREOTYPIE: Daulé, Gaveaux, Jannin. DIE - MASCHINEN: Marinoni, Alauzet, Dutartre u. a. Die Utensilien. - Farbe. Papierfabrikation. DIE BUCHBINDEKUNST 145-162 - - VI. KAPITEL. - - DER STAAT UND DIE PRESSE In FRANKREICH. DIE SCHÖPFER DER NEUERN - TYPOGRAPHIE. - - DER STAAT UND DIE PRESSE unter Ludwig XVI., der Revolution, - Napoleon I., der Restauration, dem Bürgerkönigtum, Napoleon - III. DIE ÄLTEREN BUCHDRUCKEREIEN: Die Staatsdruckerei und - die Didot in ihrem Einflusse auf die Typographie, die - Familien Panckoucke, Barbou, Lottin, Treuttel & Würtz, - Berger-Levrault, Dentu, Crapelet 163-190 - - VII. KAPITEL. - - DIE MODERNE TYPOGRAPHIE FRANKREICHS UND DAS BUCHGEWERBE. - - DAS AUFLEBEN DES BUCHGEWERBES. Die Prachtwerke. Neue - Bahnen. Der _Cercle de la Librairie_. Die Fachlitteratur. - Statistisches. Die Journallitteratur. DIE MODERNE - TYPOGRAPHIE: A. Mame & Co., H. Fournier, P. Dupont, J. - Claye, N. Chaix, H. Plon u. a. DER ILLUSTRIERTE VERLAG: Ch. - Furne, J. Dubochet, J. Paulin. DIE LUXUSBÜCHER: L. Curmer, - G. Silbermann, Engelmann Vater & Sohn. DIE VERSCHIEDENEN - RICHTUNGEN DES BUCHHANDELS: Baillère, Masson, Hachette & - Co. u. a. DER ARCHAÏSTISCHE DRUCK: L. Perrin, D. Jouaust. - DIE BIBLIOGRAPHIE: Die Buchhandlungen für das Ausland. - Statistisches 191-224 - - VIII. KAPITEL. - - DIE ZWEIGE DER ROMANISCHEN GRUPPE. - - DIE NIEDERLANDE: Zurückgehen der Kunst. Der Nachdruck. Die - neuere Typographie Hollands und Belgiens. -- ITALIEN: G. - Bodoni. Langsame Fortschritte. Venedig, die Mechitaristen. - Panfilo Castaldi. Der Buchhandel, die Familie Pomba. Rom, die - Druckerei der Propaganda. Erfreuliche Aussichten. -- SPANIEN: - J. Ibarra. Madrid. Barcelona. PORTUGAL: Die Staatsdruckerei. - SÜDAMERIKA: Buenos Aires, Rio de Janeiro, Lima, Cuba, Mexiko. - -- NORDAFRIKA: Algier, Ägypten. TÜRKEI: Aufblühen und Verfall - der Kunst. Jetzige Lage 225-252 - - - DRITTES BUCH. - - DIE GERMANISCHE GRUPPE. - - EINFÜHRUNG IN DAS DRITTE BUCH (253-260). - - IX. KAPITEL. - - ALLGEMEINER ÜBERBLICK ÜBER DAS DEUTSCHE PRESSGEWERBE. - - Gedrückter Zustand des Pressgewerbes. Nachdruck und - Presspolizei. Die kaiserl. Bücherkommission. Die Presse in - den einzelnen Bundesstaaten. Die nationale Litteratur. Reform - des Buchhandels. Der Börsenverein. Die Bücherproduktion. Der - Buchdrucker-Verband und der Prinzipal-Verein. Statistisches. - Die Papierfabrikation. Die Buchbinderkunst, der Masseneinband - und die Handarbeit 261-280 - - X. KAPITEL. - - DIE SCHRIFT UND DIE ILLUSTRATION IN DEUTSCHLAND-ÖSTERREICH. - - Aufschwung der Schriftgiesserei. Ed. Hänel. Die deutsche - Druckschrift. Walbaum Vater und Sohn. Hamburg, Berlin, - Leipzig, Frankfurt a. M. Österreich. G. Haase, C. Faulmann. - Die Stereotypie, die Galvanoplastik, die Dynamo-Elektrik. - Die Giessmaschine. DIE ILLUSTRATION: Verfall im XVIII. - Jahrhundert, Wiedererwachen des Holzschnittes. Die Unger, - Gubitz, Unzelmann, Kretzschmar u. a. Österreich: Prestel, - Höfel, Knöfler u. a. Die Planotypie. Die Stigmatypie: Carl - Fasol 281-304 - - XI. KAPITEL. - - DIE TYPOGRAPHISCHEN MASCHINEN IN DEUTSCHLAND. - - Fr. König und die Schnellpresse. Die Bedeutung derselben. - Jugendgeschichte Königs. Seine Rückkehr aus England. - Etablissement König & Bauer in Oberzell. Kampf und Sieg. - Die Zweifarbenmaschine. Die Endlose. Die Maschinenfabrik - Augsburg und andere Fabriken Deutschlands. Helbig & Müller in - Wien und andere Fabrikanten Österreichs. Die lithographische - und die zinkographische Schnellpresse. Die Handpressen. Die - Satinier-Schnellpresse. Die Farbenfabrikation 305-320 - - XII. KAPITEL. - - DAS ZENTRUM DER GERMANISCHEN GRUPPE. - - J. G. I. Breitkopf, seine Reformen, der Musiknotendruck - vor Breitkopf und dessen Verbesserungen, Breitkopf & - Härtel. G. J. Göschen. Friedr. Arnold Brockhaus und seine - Nachfolger. B. G. Teubner. Karl Tauchnitz. Fr. Nies und - seine Nachfolger. B. Tauchnitz. Das Jubelfest 1840. Giesecke - & Devrient. Das Bibliographische Institut. Verschiedene - Offizinen Leipzigs. -- Dresden: Meinhold & Söhne u. a. - Halle: Waisenhausdruckerei, Schwetschke & Sohn. -- Weimar: - Hofbuchdruckerei. -- Gotha: Just. Perthes. -- Braunschweig: - Vieweg & Sohn, G. Westermann, Dr. Heinrich Meyer und das - Journal für Buchdruckerkunst 321-356 - - XIII. KAPITEL. - - DER NORDEN DER GERMANISCHEN GRUPPE. - - BERLIN: Wachsende Bedeutung. Die Familie Decker, Unger - Vater und Sohn, Gebr. Unger, Familie Spener, Reimer, - Mittler u. a. Ed. Hänel-Gronau. Die Zeitungsdruckereien. - Die Accidenzdruckereien. Die lithographischen und sonstigen - Kunstanstalten. Breslau. Frankfurt a. O. Posen. Königsberg. - Danzig. Stettin. Lübeck. Hamburg. Bremen. Hannover. Köln: Die - Offizin der »Kölnischen Zeitung« 357-382 - - XIV. KAPITEL. - - DER SÜDEN DER GERMANISCHEN GRUPPE. - - Emporwachsen Stuttgarts: Die Familie Cotta. J. B. Metzler. - Die illustrierte Litteratur. Ed. Hallberger, Gebr. Kröner u. - a. Die Xylographie. Der Buchhandel. Statistisches. Tübingen. - München: Aufschwung aller graphischen Künste: Kasp. Braun, - Fr. Hanfstängl, J. Albert, Fr. Bruckmann u. a. Nürnberg. - Regensburg. Augsburg. Rheinische Städte. Frankfurt a. M. - Mainz und das Einweihungsfest. Freiburg i. Br. Dornach: Ad. - Braun. Strassburg: Das Gutenbergdenkmal, die Bibliothek. - DIE SCHWEIZ. Lokale Schwierigkeiten. Basel: Die Familie Haas. - Zürich: Orell Füssli & Co., Kartographie. St. Gallen: Chr. - Zollikofer. Einsiedeln: Gebr. Benziger. Bern 383-412 - - XV. KAPITEL. - - DER OSTEN DER GERMANISCHEN GRUPPE. - - Presszustände in Österreich. J. T. Trattner. J. G. Trassler. - J. v. Kurzbeck. A. Schmid. Familie Gerold. J. V. Degen. A. - Auer. Die Hof- und Staatsdruckerei. W. v. Braumüller. Das - Museum und die Gesellschaft für vervielfältigende Kunst. - Der Buchdrucker-Verein. Neuere Buchdruckereien Wiens. Die - Druckereien in den Provinzen. UNGARN. Druckereien in Budapest - und an anderen Orten. Statistisches aus Österreich-Ungarn 413-440 - - XVI. KAPITEL. - - DIE ZWEIGE DER GERMANISCHEN GRUPPE. - - DÄNEMARK. Fortschritte der Typographie: B. Luno, Gebr. - Thiele, C. Ferslew & Co. u. a. Die Chemitypie: C. Piil. Die - Giessmaschine: L. Brandt. Die Setzmaschine: C. Sörensen. - Die Schreibkugel: Malling Hansen. Island. Grönland. - NORWEGEN. Geistiges Leben. SCHWEDEN. Norstedt & Söner, - Central-Tryckeriet u. a. FINNLAND. RUSSLAND und POLEN. Die - Staatsdruckerei und andere Offizinen. Das Zeitungswesen. - DIE DONAULÄNDER: Serbien, Rumänien, Bulgarien. GRIECHENLAND 441-464 - - - REGISTER. - - A. Namen- und Sachregister 465-487 - - B. Nachweis der angeführten Quellenschriften 488-493 - - * * * * * - - - - - EINLEITUNG. - - [Illustration] - - DAS LICHT UND DIE CHEMIE - ALS FÖRDERER DER TYPOGRAPHIE - -[Illustration] - - DAS LICHT UND DIE CHEMIE ALS FÖRDERER DER TYPOGRAPHIE. - -Wiederbelebung der Buchdruckerkunst. Das geistige und das physische - Licht. Photographie, Lithographie, Chemigraphie. -- Alois - Senefelder und der chemische Druck, Musiknoten-, Landkarten-, - Ölbild- und Aquarelldruck, anastatischer Druck. Die Daguerreotypie. - Die Silberphotographie, die Photographie und die Druckkunst, - das Woodbury-Verfahren, der Lichtdruck, die Alberttypie, der - photographische Farbendruck, die Photolithographie. -- Verschiedene - Hochdruckversuche: die Chemitypie, die Zinkhochätzung, ihre Vorzüge - und Mängel, ihre Zukunftsstellung. - -[Sidenote: Wiederbelebung der Buchdruckerkunst.] - -Als die Grenze des allmählichen Rückganges, teilweise der Erniedrigung -der Buchdruckerkunst, von welcher der Leser in dem ersten Teil der -Geschichte bereits Kenntnis nahm, zugleich als der Ausgangspunkt einer -neuen Entwickelung zum Besseren kann das dritte Jubeljahr der Erfindung -bezeichnet werden. Nicht lange nach diesem Zeitpunkt beginnt eine, fast -durch mehr als ein Jahrhundert sich erstreckende ununterbrochene Kette -von Verbesserungen und neuen Erfindungen auf dem Gebiete der Druckkunst, -so dass diese um die Zeit der vierten Jubelfeier, begünstigt von dem -überall aufblühenden, frischeren geistigen, politischen und gewerblichen -Leben, ihre zweite Glanzperiode antritt, inmitten welcher wir uns jetzt -noch befinden, von der festen Zuversicht durchdrungen, dass unsere -Nachkommen von einem abermaligen Herabsteigen von der erklommenen Höhe -nicht zu berichten haben werden. - -In der letzten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts knüpften die -Verbesserungen und Erfindungen noch behutsam an das Bestehende an; von -dem Beginn unseres Jahrhunderts an ging es aber mit Sturmschritten auf -neuen Bahnen unaufhaltsam vorwärts. - -[Sidenote: Die Maschinen.] - -»Meister Blutlos« hatte das Scepter in die Hand genommen und je mehr wir -uns unseren Tagen nähern, um so uneingeschränkter wurde die Herrschaft -dieses Meisters, »der aus dem Gedanken des Menschen Leben trank und -Nahrung zog, die seinen eisernen Gliedmassen Kräfte verlieh, welche der -Mensch selbst nicht besitzt«. - -Doch nicht genug hiermit. Der graphischen Kunst entstanden neue mächtige -Bundesgenossen in der alles belebenden Sonne und in den geheimen Kräften -der Natur, in deren nimmer rastende Werkstätte die Chemie uns einen -belehrenden Einblick eröffnet hatte. - -[Sidenote: Das Licht.] - -Indem Gutenbergs Kunst der Menschheit zu dem geistigen Licht der -Kenntnisse verhalf, durch welche es ihr gelang, sich die Kräfte des -physischen Lichts dienstbar zu machen, erreichte sie zugleich, dass -das letztere nunmehr seinerseits eines der wichtigsten Mittel zur -Verbreitung der geistigen Erleuchtung wurde: die Sonne selbst zeigte -sich als eine direkte Förderin der Druckkunst, wennauch zugleich als -eine gefährliche Konkurrentin, deren Macht zu weichen jedoch selbst -unserm Altmeister nicht zur Unehre gereichen würde, denn in der -Photographie mit den vielen in ihr wurzelnden Reproduktionsverfahren -liegen Kräfte, welche denen des Hercules in der Wiege gleichen. Sie -zeigen sich jetzt schon als ganz ausserordentliche, obwohl sie sich noch -in den ersten Stadien ihrer Entwickelung befinden und erst ahnen lassen, -welche Umwälzung sie der Druckkunst in der Zukunft bereiten können. - -[Sidenote: Lithographie.] - -[Sidenote: Chemigraphie.] - -Eine junge, als Förderin der graphischen Kunst jedoch ältere Kraft denn -die ewige Sonne, wuchs in der LITHOGRAPHIE empor. Wennauch diese Kunst -heute bereits aufgehört hat, den hervorragenden Platz zu behaupten, den -sie eine zeitlang als Produzentin künstlerischer Schwarzdrucke einnahm, -so macht sie sich um so mehr im Farben- und Lichtdruck um Wissenschaft -und Kunst, Industrie und Gewerbe verdient; hat jedoch schon eine neue, -nach mehreren Richtungen hin glückliche Mitbewerberin um die Gunst des -Publikums in der CHEMIGRAPHIE gefunden, welcher, wie es scheint, eine -grosse Zukunft bevorsteht. - -[Sidenote: Die typographischen Institute.] - -So sehen wir heute eine Reihe von graphischen Verfahren mit der -Typographie zur Herstellung der mannigfachsten Druckwerke je nach ihrer -Eigenart einträchtig zusammen wirken. Jedes dieser Verfahren kann seine -eigentümlichen Vorzüge geltend machen und zugleich die Kräfte der -anderen benutzen. Deshalb pflegen auch die grösseren typographischen -Institute von heute gewöhnlich gleichzeitig mehrere Verfahren, -wodurch sie imstande sind, Arbeiten für die verschiedensten Zwecke -der Wissenschaft, der Bildung, des Handels, des bürgerlichen und des -staatlichen Lebens in einer Vollendung zu liefern, wie sie durch eine -einzelne dieser Künste nicht zu erreichen gewesen wäre. - -[Sidenote: Zurücktreten der Person.] - -Jedoch, je mächtiger die Technik vorwärts schritt, je allgemeiner -der Dampf, das Licht und die Chemie das Übergewicht erlangten, -um so mehr musste die Biographie aufhören, als Mittelpunkt der -Geschichtschreibung zu dienen, während sich in den früheren Perioden die -Teilnahme vorzugsweise auf hervorragende Männer richtete, die mit dem -historischen, zumteil auch mythischen Nimbus umgeben waren und deren -Stellung in der Geschichte der Typographie von der öffentlichen Meinung -längst bestimmt war. - -Heutzutage, wo die Buchdruckerei hauptsächlich, wennauch im besten -Sinne, eine auf Grossbetrieb angelegte Fabrik geworden, ist die Maschine -und das Fabrikat in den Vordergrund getreten. Der Besitzer einer -vortrefflichen Buchdruckerei ist jetzt nicht immer ein vortrefflicher -Buchdrucker, dessen Name in der Geschichte fortleben wird, sondern oft -nur ein gut rechnender Kaufmann, der imstande war, das beste Material -anzuschaffen, und klug genug, um durch einen tüchtigen Dirigenten -und tüchtige Arbeiter das zu ersetzen, was ihm selbst fehlt. Das -Individuum tritt somit gegen die Gesamtsumme der Tüchtigkeit und -des Unternehmungsgeistes eines ganzen Volkes und -- das müssen wir -allerdings hinzusetzen -- gegen die Summe von dessen Kapital zurück. - -[Sidenote: Der internationale Verkehr.] - -Doch auch ganze Völker verlieren nach und nach viele ihrer -Eigentümlichkeiten und selbstverständlich sind es namentlich die -kleineren unter denselben, oder die in der Kultur zurückgebliebenen, die -sich von der Anziehungskraft der grossen Zentren beeinflusst fühlen. -Wie in der Politik, der Litteratur, der Kunst und dem Handel der -Kirchturmsausblick dem kosmopolitischen Fernblick Platz machte, so auch -in der Typographie. Je leichter der Verkehr zwischen den Nachbarländern -sich gestaltet, um so leichter und schneller eignet sich ein Volk die -Vorzüge und Erfindungen des anderen an. Diese Leichtigkeit geht so weit, -dass es, obgleich es sich oft um eine uns nahe liegende Vergangenheit -handelt, nicht mehr zu konstatieren ist, wem oder welchem Lande diese -oder jene Erfindung gehört. Der Eine wirft einen Gedanken hin; der -Andere nimmt ihn auf und arbeitet ihn weiter aus; der Dritte macht einen -unpraktischen Versuch damit; dem Vierten erst gelingt die Durchführung. -Oft geschieht diese Aneignung unwillkürlich, oft entsteht ein Gedanke -gleichzeitig bei Mehreren; die Luft ist sozusagen mit Erfindungsstoffen -geschwängert. - -Unter solchen Verhältnissen wird es, je mehr wir uns der Jetztzeit -nähern, desto schwieriger, eine streng gesonderte Behandlung der -typographischen Geschichte jedes einzelnen Volkes, jeder Stadt, jeder -Firma beizubehalten, denn Eigentümlichkeiten machen sich hauptsächlich -nur in den grösseren Gruppen bemerkbar. - -[Sidenote: Die Gruppenbildung.] - -Von solchen bildeten sich im Laufe der Zeit drei: die -ANGLO-AMERIKANISCHE, die ROMANISCHE und die GERMANISCHE. Nicht immer -war die nationale und sprachliche Verwandtschaft der Völker für -die Gruppierung allein massgebend; öfters wirkten auch politische, -merkantile und technische Verhältnisse sehr stark mit. So sehen wir, -wie den germanischen nahe verwandte Länder, wie die Niederlande, mehr -der romanischen Gruppe in der Typographie sich zuneigen, während die, -dem Germanentum nichts weniger als freundlich gesinnten slawischen -und magyarischen Völker sich in gewerblich-technischer Hinsicht der -germanischen Gruppe anreihen. Der ferne Osten Asiens und Australien -unterliegen der Wucht der Beherrscherin des Ozeans, während der Einfluss -Frankreichs sich in den Umländern des Mittelmeeres, in den europäischen -sowohl wie in den afrikanischen und asiatischen, geltend macht. - -Es wird unsere Aufgabe sein, in den folgenden Abschnitten die -eigentümliche Entwickelung, welche jede dieser Gruppen, trotz der -Amalgamierung der Völker im allgemeinen, genommen hat, zu verfolgen. -Warum wir mit der Anglo-Amerikanischen Gruppe anfangen, daran die -Romanische reihen, und mit der Germanischen schliessen, ergiebt sich aus -der Geschichte. - -Bevor wir jedoch an diese Gruppen herantreten, um die Leistungen -der einzelnen zu überschauen, ist es nötig, auf das Entstehen und -Fortschreiten der erwähnten neuen Schwesterkünste der Typographie, des -STEINDRUCKS, des LICHTDRUCKS und des ZINKDRUCKS, in ihrem Zusammenhang -unter einander und mit der Typographie, einen Blick zu werfen[1], der -sich allerdings innerhalb der engsten Grenzen zu halten haben wird. Die -Reihe eröffnet dem Altersrang gemäss: - - [1] Die wichtigeren Erscheinungen der einschlägigen reichen Litteratur - sind am Schlusse des Bandes zu finden. - - - DIE LITHOGRAPHIE. - -[Sidenote: Alois Senefelder.] - -»Ich wünsche, dass die Steindruckerei bald auf der ganzen Erde -verbreitet, der Menschheit durch viele vortreffliche Erzeugnisse -vielfältigen Nutzen bringen und zu ihrer grösseren Veredlung gereiche, -niemals aber zu einem bösen Zweck missbraucht werden möge. Dies gebe der -Allmächtige; dann sei gesegnet die Stunde, in der ich sie erfand.« - -So spricht -- nicht unähnlich seinem grossen Vorgänger Gutenberg in -der Nachschrift zu dem Katholikon (I, S. 33) -- der Erfinder der -Lithographie ALOIS SENEFELDER in seinem berühmten Werke[2], voll des -Dankes gegen die Vorsehung, welche ihn als Werkzeug benutzt hatte, um -die Menschheit einer grossen Wohlthat teilhaft werden zu lassen. - - [2] A. SENEFELDER, Vollständiges Lehrbuch der Steindruckerey. Mit einer - Vorrede von Fr. v. Schlichtegroll. München 1818. - -Sollte nun auch die Lithographie so wenig, wie die Typographie, von -jedem unedlen Missbrauch verschont bleiben, so wiegen trotzdem bei -beiden der »vielfältige Nutzen« und die erzielte »Veredlung der -Menschheit« so schwer, dass der Erfinder wohl ohne Bedenken die Stunde -der Erfindung segnen mochte. Jeder Deutsche kann aber ausserdem mit -Stolz dieser Stunde gedenken, denn er zählt den Erfinder auch dieser, -nach der Typographie wichtigsten der lichtbringenden Künste zu den -Seinigen. - -Dass Senefelder die Ehre nicht streitig gemacht werden konnte, wie -es mit Gutenberg geschah, dafür hatte der letztere gesorgt, so dass -ersterer selbst in der Lage war, durch sein Werk über seine Kunst uns -zu teilnehmenden Begleitern durch sein wechselvolles Leben und alle -Phasen seiner Kunst zu machen. Er konnte selbst unwidersprechliches -Zeugnis ablegen, dass es kein Verfahren in der Lithographie giebt, -welches von ihm ungeahnt, ja unversucht geblieben wäre. - -Durch diese lange Reihe von Versuchen dem Erfinder zu folgen, ist hier -nicht möglich; es sei nur erwähnt, dass Alois Senefelder am 6. November -1771 zu Prag geboren wurde, sich der Jurisprudenz widmen sollte, jedoch, -von unwiderstehlichem Drang geleitet, in München dem Theater als Dichter -und Darsteller zugeführt wurde; dass er, zu arm, um seine Theaterstücke -drucken zu lassen, nach vielen Experimenten, um eine billigere -Herstellung zu finden, schliesslich durch Zufall auf die Entdeckung der -Lithographie geführt wurde. - -[Sidenote: Wesen der Lithographie.] - -Das Gravieren in Stein, selbst das Ätzen eines solchen, so dass eine -Zeichnung auf demselben erhaben zurückblieb, war nichts Neues, und -dass die Chinesen ein lithographisches Druckverfahren hatten, wurde -bereits (I, S. 4 und 282) erwähnt. Das Charakteristische der neuen -Erfindung lag in der Entdeckung, dass eine mit fetter Kreide oder -fetter Tinte auf einem Stein von besonderer Art gemachte Zeichnung -von über ihn gegossenem Scheidewasser nicht angegriffen wird, dass -ferner die auf den Stein aufgetragene fette Farbe nur auf der -Zeichnung haften bleibt, von den geätzten, gummierten und gefeuchteten -Steinflächen jedoch abgestossen wird, schliesslich, dass es möglich -war, einen Abdruck mechanisch auf einen andern Stein zu übertragen -und, wie in der Typographie durch die Stereotypie, durch Wiederholung -hiervon neue Druckplatten in unbegrenzter Zahl herzustellen, wodurch -es der Lithographie, namentlich seit Erfindung der lithographischen -Schnellpresse, möglich geworden, der Typographie auf einzelnen Gebieten -erfolgreiche Konkurrenz zu machen. - -[Sidenote: Nützlichkeit der Lithographie.] - -Durch die neue Kunst konnte eine massenhafte Verbreitung von -Nachbildungen älterer und neuerer Kunstwerke in einer Schnelligkeit und -Billigkeit stattfinden, wie sie durch den Grabstichel nicht zu erreichen -war, was ausserordentlich zur Popularisierung der Kunst beitrug. -Wissenschaftliche und technische Werke liessen sich durch Beigabe -lithographischer Tafeln verständlicher machen; Nachbildungen gaben -die Miniaturen des Mittelalters in prachtvollem Gold- und Farbendruck -wieder; die Verkäuflichkeit der Zeitschriften und der Lieferungswerke -fand durch schwarze, kolorierte, später durch bunt gedruckte Bilder -einen gewaltigen Vorschub. - -[Sidenote: Der Notendruck.] - -Vor allem bemächtigte sich die Lithographie des musikalischen -Notendruckes. Es war dies der erste Zweig, der von Senefelder selbst -mit Erfolg betrieben wurde und ein vorteilhaftes Übereinkommen mit -dem bekannten Musikalienhändler André in Offenbach herbeiführte, das -jedoch später von Senefelder selbst, wohl ohne hinreichenden Grund, -aufgehoben wurde. Der musikalische Typendruck konnte sich von jetzt -ab nur dann bewähren, wenn der Text einen überwiegenden Teil bildete, -namentlich also bei theoretischen Werken, oder wenn die Auflage, was bei -musikalischen Werken nur selten vorkam, eine sehr grosse war. Ausserdem -liess die Lithographie eine zum Kaufen anlockende Ausschmückung zu und -jeder Walzer oder jedes sentimentale Lied erhielt ein Titelblatt mit -schwungvoll verzierten Schriften, wenn nicht gar mit einer bildlichen -Darstellung, als Helferin beim Absatz. - -[Sidenote: Der Landkartendruck.] - -Ein Feld, welches vom Beginn ab ebenfalls der Lithographie zufiel, war -die Herstellung von Landkarten und Plänen. Dieser Zweig nahm nach und -nach einen ausserordentlichen Aufschwung. Die Methode, durch Anwendung -verschiedener Schraffierungen und Ätzungen mit wenigen Farbensteinen -eine grosse Zahl von Farbenabstufungen hervorzubringen, ist zu hoher -Vollkommenheit gediehen. Die Schichtlegung ist viel methodischer -geworden und es gelang, ein naturgetreues, fast plastisches Bild zu -geben. - -Wer es mit der Xylographie gut meinte, konnte sich nur freuen, dass -sie von einem Feld abgedrängt ward, welches sie nie mit Erfolg und -nur notgedrungen bebaut hatte. Als jedoch die Lithographie mit ihrer -leichten Herstellungsweise Miene machte, sich des ganzen Accidenzfaches -zu bemächtigen, welches die Typographie so lange mit Glück betrieben -hatte, da erhob sich ein heftiger Widerstand, der Veranlassung zu ganz -wesentlichen Fortschritten der Typographie gab. So kämpften altes und -neues Verfahren mit einander, jenes um den bis jetzt innegehabten Platz -zu behaupten, dieses um dem Gegner neues Terrain abzugewinnen, bis, -wie es so oft geschieht, wenn tüchtige Gegner ihre Kräfte gemessen und -schätzen gelernt haben, zum beiderseitigen Vorteil aus den Feinden -Verbündete wurden. - -[Sidenote: Der Ölbild- und Aquarelldruck.] - -Eine besonders eifrig gepflegte Art des lithographischen Verfahrens ist -der Farbendruck in den beiden Abzweigungen ÖLBILD- und AQUARELLDRUCK. - -[Sidenote: Die Technik des Bilderdrucks.] - -Das Verfahren bei der Herstellung beider ist in der Hauptsache dasselbe. -Zuerst wird eine Pauszeichnung gemacht, auf Stein übertragen und so oft -abgezogen als Farbensteine notwendig sind. Auf jedem der Steine werden -nun die Partien eingezeichnet, die mit gleicher Farbe gedruckt werden. -Für manche Platten genügt es, sie mit einer Asphaltlage zu überziehen, -auf der man durch Schaben und Schleifen Töne in so gleichmässiger -Abstufung erzielen kann, als wären sie mit dem Pinsel gemacht. Die -allgemeinen, leichten Töne des Bildes werden zuerst eingedruckt, -dann folgen die Steine mit den Lokalfarben und den Formendetails, -schliesslich wird das Bild mit neutralen Tönen abgestimmt. Da eine neue -Farbe die vorherige nicht verbirgt, sondern mit ihr Mischung eingeht, -so ist es klar, einerseits, dass grosses Verständnis, grosse Erfahrung -und ein feines künstlerisches Gefühl dazu gehört, die richtige Tiefe der -Töne zu treffen, andererseits, dass Nüancierungen, die nach hunderten -zählen, durch die Verschiedenheit der über einander gedruckten Farben -und die detailliertere oder leichtere Ausführung der Zeichnungen sich -erzielen lassen. - -[Sidenote: Die Torchonplatte.] - -Um den Eindruck des pastosen Pinselauftrags und der rauhen Malerleinwand -oder bei den Aquarellen des rauhen Papieres, dessen man sich für die -Aquarell-Zeichnungen bedient, hervorzubringen, werden die Pinselstriche -oder Unebenheiten in einen Stein graviert oder geätzt und das fertige -Bild mit diesem Stein, selbstverständlich ohne Farbenauftrag, durch die -Presse gezogen, so dass die vertieften Stellen in dem Stein nunmehr als -Erhabenheiten auf dem Bilde erscheinen. - -[Sidenote: Farbensteine.] - -Da zu einem gut ausgeführten Bild 20 bis 30 Farbensteine gehören, so -sind die Kosten sehr hoch und nur die grossen Auflagen, welche durch -die Schnellpresse sehr erleichtert sind, machen Preise möglich, die -wenigstens fünfundzwanzigmal geringer sind, als die für eine oft -mittelmässige Kopie. Wie weit die Chromographie es gebracht hat, beweist -die Thatsache, dass die artistischen Anstalten es auf Ausstellungen -wagen konnten, Original und Druck neben einander aufzuhängen, um zu -beweisen, dass ein Blick des Kenners dazu gehört, das Original vom Druck -zu unterscheiden, ja, dass sogar für diesen bei dem Aquarelldruck eine -Täuschung möglich war. Vortreffliche Dienste leistet der lithographische -Farbendruck bei Herstellung der Bilder für den, jetzt auf einer hohen -Stufe stehenden Anschauungsunterricht. - -[Sidenote: Der anastatische Druck.] - -Nicht ohne Wichtigkeit ist der ANASTATISCHE DRUCK (von dem griechischen -[Greek: anastasis], Auferstehung), namentlich um von älteren Drucken -vollkommene Facsimiles herzustellen. - -Nachdem der alte Druck mit verdünnter Salpetersäure getränkt worden ist, -presst man ihn an einen Stein oder eine Metallplatte. Die Säure ätzt die -Platte mit Ausnahme der mit Schrift, die nun ein wenig erhaben dasteht, -bedeckten Stellen. Hat jedoch der alte Druck nicht mehr Fettigkeit -genug, um die Säure abzustossen, so kann man erstern erneuern, indem man -das Blatt in Weinsteinsäure legt. Hierdurch werden alle unbedruckten -Papierstellen mit kleinen Weinsteinsäure-Krystallen überzogen, welche, -wenn man mit den Schwärzewalzen über das Papier fährt, die Schwärze -abstossen, die nur von der alten Schrift angenommen wird. Das Experiment -ist jedoch, da die Möglichkeit der Vernichtung des Originals vorhanden -ist, immer bedenklich, wenn letzteres wertvoll oder gar unersetzlich ist. - -Das Verfahren wurde von einem Schlesier Rud. Appel erfunden und von -Faraday nutzbar gemacht. Da eine Verfälschung von Wertpapieren durch -dasselbe leicht möglich war, stellten Appel & Glyne ein Patentpapier -her, dessen Zusätze die Benutzung zum Umdruck aus chemischen Gründen -unmöglich machten. - -[Sidenote: Lithographiesteine.] - -Eine Kalamität für die Lithographie ist der beginnende Mangel an gutem -Steinmaterial. Die Steine bester Qualität sind nur in den Solnhofener -Brüchen in Bayern zu finden; alle anderen Steine haben sich für bessere -Arbeiten bis jetzt nicht bewährt, obwohl kein Jahr vergeht, ohne dass -die Nachricht durch die Blätter läuft, jetzt seien wirklich gute Steine, -bald in Polen, bald in Algier, dann in Canada, dann bei Marseille, -aufgefunden. Ebensowenig haben die Versuche, die Steine durch eine -künstliche Masse zu ersetzen, Erfolg gehabt. Unter diesen Verhältnissen -steht dem Zink, welches die eigentümlichen Eigenschaften des -lithographischen Steines besitzt, dabei billig ist, sich leicht aufheben -und auf einem Cylinder zum Druck anbringen lässt, ganz abgesehen von -seiner Verwendung in der Hochätzung, eine bedeutende Zukunft in Aussicht. - - - DIE PHOTOGRAPHIE. - -[Sidenote: _Camera obscura._] - -Es war sehr erklärlich, dass die _Camera obscura_, welche das Bild der -Umgebung im kleinen auf das getreueste wiedergiebt, den Gedanken, ein -solches Bild durch Lichtwirkung zu fixieren, weckte. Bereits im Jahre -1802 hatte der bekannte englische Steingutfabrikant WEDGWOOD im Verein -mit dem Chemiker DAVY Experimente zur Herstellung von Lichtbildern auf -einem mit Höllenstein überstrichenen Papier gemacht und FOX TALBOT -verbesserte das Verfahren. In Paris hatte NICÉPHORE NIÈPCE die grosse -Lichtempfindlichkeit des Asphalt (Judenpech) entdeckt. Dieses Erdharz -hat die merkwürdige Eigenschaft, dass es, obwohl für gewöhnlich sehr -leicht löslich, dem Lichte ausgesetzt unlöslich wird. Überzieht man -nun eine Kupferplatte damit und belichtet sie unter einer Zeichnung -auf Papier, so wird der Asphalt auf allen Schattenstellen des Bildes -löslich, und zwar nur dort; wischt man nun die löslichen Stellen weg -und übergiesst die Platte mit Ätzsäure, so werden nur die blossgelegten -Stellen angegriffen und es entsteht somit eine druckbare Platte. Man -hatte es also bereits eigentlich mit der Heliographie zu thun, die, wie -aus Nièpces Hinterlassenschaft hervorgeht, von ihm erkannt, jedoch nicht -praktisch geübt worden war. - -[Sidenote: L. Daguerre * 1787, [+] 12. Juli 1851.] - -LOUIS DAGUERRE in Paris hatte mit Nièpce langezeit Versuche gemacht, um -auf Silberplatten, die den Dämpfen des schwarzen, leichtflüssigen Jods -ausgesetzt wurden, durch kurze Belichtung Bilder hervorzubringen; es -wollte dies jedoch nicht recht gelingen. Da führte ein reiner Zufall -zu der Entdeckung, dass die auf der Platte hervorgebrachten äusserst -schwachen Bilder in dunklem Verschluss durch Quecksilberdämpfe sich -kräftig entwickeln. Hiermit war die DAGUERREOTYPIE erfunden und wurde -dieses Wunder am 19. August 1839 in einer Sitzung der Akademie der -Wissenschaften in Paris der Welt verkündet. - -Daguerres Verbesserungen ermöglichten es, die Aufnahmezeit von -zwanzig Minuten auf eine bis zwei zu verkürzen. Durch die von -Professor Petzval in Wien erfundenen und von Voigtländer ausgeführten -Portrait-Doppelobjektive wurde die Zeit auf einige Sekunden reduziert, -damit kam die Portraitaufnahme in hohen Flor und die Erfindung machte -schnell ihre Weltreise. - -[Sidenote: Die Papierphotographie.] - -Ein Übelstand war der Spiegelglanz der Platten, welcher den -Totaleindruck sehr beeinträchtigte. Die gar zu grosse Treue, mit -welcher jede Runzel, jeder Fleck und alles Nebensächliche in voller -Stärke wiedergegeben wurde, wirkte ebenfalls störend und eine Retouche -war unmöglich. Auch verlangte jedes Exemplar eine neue Sitzung. Die -Versuche von Talbot und NIÈPCE DE ST. VICTOR führten nun dazu, erst ein -Negativbild auf lichtempfindlichem Papier herzustellen, welches sich -leicht fixieren liess, und dann von diesem durch Lichtwirkung wieder ein -positives Bild hervorzubringen, welches in einer beliebigen Anzahl von -Exemplaren wiederholt und retouchiert werden konnte. Statt des Papieres -wurde für den Negativprozess später Glas genommen, welches mit einer -mit Jodkalium versetzten Firnislösung überzogen war, bis diese durch -Kollodium ersetzt wurde. Hiermit gelangte die Portraitphotographie -zu einer enormen Verbreitung. Auch Landschaftsbilder wurden in -überraschender Vorzüglichkeit geliefert. - -Mit ihren immer grossartigeren Erfolgen dient die Photographie nicht -allein der Kunst durch getreueste Wiedergabe ihrer Erzeugnisse, sondern -auch den meisten Wissenschaften: der Feldmesskunst, der Astronomie, den -Naturwissenschaften und der Medizin; selbst das gerichtliche Verfahren -zieht von ihr Nutzen. Viele Zweige der Industrie und des Kunstgewerbes, -wie z. B. die Porzellan- und die Glasmanufaktur, haben in ihr eine -grosse Förderin. - -[Sidenote: Photographie und Druckkunst.] - -Was uns jedoch hier am meisten interessiert und am nächsten liegt, -ist die Ausführung des Gedankens, die Photographie in die Reihe der -eigentlichen vervielfältigenden Künste einzuführen. Das Verfahren: ein -negatives Bild in ein positives umzuändern, nimmt Zeit in Anspruch, und -die Silberkopie, deren Haltbarkeit immerhin auch zweifelhaft bleibt, ist -zu teuer, wenn es sich um Massenproduktion handelt. Man suchte deswegen -nach Auswegen, die in verschiedener Weise gefunden wurden. - -[Sidenote: Tiefdruckplatten.] - -FOX TALBOT entdeckte im Jahre 1852, dass der, durch eine chromsaure -Kali-Leimlösung auf einer Stahlplatte gebildete Überzug im trockenen -Zustande eine Schicht bildet, die, vom Lichte getroffen, unlöslich, -jedoch, im Dunkeln aufbewahrt, mit Wasser sich auflösen lässt. Er -belichtete nun eine solche Schicht unter einer Zeichnung oder einem -positiven Glasbilde. Hierdurch wurden die vom Licht getroffenen Stellen -der Schicht unlöslich, die durch die dunklen Partien der übergelegten -Zeichnung oder Platte geschützten Stellen behielten jedoch ihre -Auflöslichkeit. Wurden nun letztere im Dunkeln abgewaschen, so blieben -erstere als eine Zeichnung auf bräunlichem Grunde zurück. Diese wurde -nun geätzt und so entstand ein vertieftes Bild, wie es für den Stahl- -oder Kupferdruck erforderlich ist. Ein anderes Verfahren übte G. -SCAMONI, ein Deutscher aus Würzburg und Angestellter der Staatsdruckerei -in St. Petersburg, aus. Er hatte bemerkt, dass ein photographisches -Negativ ein, wennauch sehr schwaches Relief bildet, in welchem die -durchsichtigen Stellen (also die Schatten) tief erscheinen, während -die undurchsichtigen (die Lichter) hoch sind. Dieses Relief liess sich -mittels chemischer Einwirkung durch Niederschläge erhöhen. Hierdurch -gewann man ein Relief, fast so hoch, wie eine Kupferdruckplatte -tief ist. Über dieses Relief wurde galvanisch eine Tiefplatte -niedergeschlagen und man hatte somit eine druckbare Kupferplatte. Durch -die Photographie waren beliebige Vergrösserungen oder Verkleinerungen -möglich und Scamoni schaffte namentlich in letzterer Weise kleine -Wunderwerke, die bei der Wertpapier-Fabrikation unschätzbar sind. - -[Sidenote: Hochdruckplatten.] - -Für die Typographie musste jedoch die Herstellung von HOCHDRUCKPLATTEN -durch die Photographie noch von unendlich grösserem Werte sein. Gelang -es, dieses Problem in wirklich praktischer Weise zu lösen, so war ein -unendliches Feld für die Typographie erworben. - -[Sidenote: Paul Pretzsch.] - -In dieser Richtung ist namentlich PAUL PRETZSCH, ein Österreicher, von -hoher Bedeutung. Durch Belichtung der mit salpetersaurem Silber, Jodkali -und doppeltchromsaurem Kali überzogenen Platte wird in bereits erwähnter -Weise das erhabene Bild hergestellt. Nachdem es die genügende Festigkeit -erlangt hat, wird eine Guttapercha-Mater darüber gepresst und nun ist -es möglich, jenachdem das Bild ein negatives oder positives war, eine -Platte für Tief- oder Hochdruck zu bilden. Während indes die vertieften -Platten ihren Zweck vollständig erfüllten, waren die Resultate der -Hochplatten nicht vollkommen genügend. Die Vertiefungen waren, und das -ist die Klippe für alle bisher gemachten Versuche in dieser Richtung, -nicht genügend, um zu verhindern, dass die Schwärze in diese drang -und den Druck schädigte. Eine Hauptschwierigkeit ist namentlich das -Hervorbringen der Halbtöne. - -[Sidenote: Das Woodbury-Verfahren.] - -Ein vortreffliches Verfahren zur Herstellung von Tiefdruckplatten -ist der nach dem Erfinder genannte WOODBURYDRUCK. Nachdem man durch -Belichtung in bereits geschilderter Weise ein Gelatinerelief nach einem -Negativ auf einer Stahlplatte gebildet hat, wird es mit einer Platte -von einem weichen Metall bedeckt. Beide Platten werden dann in einer -hydraulischen Presse einem starken Druck ausgesetzt. Hierdurch gewinnt -man eine druckbare Platte wie bei dem Naturselbstdruck. Der Drucker -arbeitet an einem rotierenden Tisch, auf welchem sechs kleine Pressen, -in der Art der Kopierpressen, stehen. Er tröpfelt eine warmgemachte, -halb durchsichtige Gelatineschwärze auf die Platte, bedeckt diese mit -dem Papier und bringt sie unter die Presse. Bis er mit allen sechs -Pressen durch ist, hat sich die Farbe in der ersten zu einem schwachen -Relief erhärtet, das in den dünnen Lagen weniger dunkel erscheint, als -in den dicken. Bei den in der Dicke abnehmenden Stellen der Platte -entsteht ein Übergang vom Dunkleren zum Helleren, gleich den Halbtönen -in der Photographie, und somit ein der letzteren in der Wirkung ganz -ebenbürtiges, dazu vollständig unveränderliches Bild. - -In London übte die _Relief Printing Company_ das Verfahren. In -Frankreich wurde es durch Goupil & Co. in Asnières bei Paris und in -Deutschland durch Fr. Bruckmann in München zu hoher Vollkommenheit -gebracht. Da auch die Herstellung des Bildes auf Glas möglich ist, -so lassen sich prächtige Transparentbilder schaffen; auch ist die -Verwendung für die Stereoskopie und die _Laterna magica_ von Bedeutung. - -[Sidenote: Der Lichtdruck.] - -[Sidenote: Die Alberttypie.] - -Verschieden von diesem Verfahren ist der eigentliche LICHTDRUCK. Die -Leimchromatschicht hat die Eigenschaft, dass sie in ihren belichteten -Stellen für die fette Farbe empfänglich wird. Überfährt man nun mit -einem nassen Schwamm einen belichteten Leimchromatbogen, so saugt er -das Wasser nur an den nicht belichteten Stellen auf. Färbt man ihn -dann mit fetter Schwärze ein, so bleibt diese nur an den belichteten -Stellen haften, und legt man das Papier darauf, so erhält man einen -Abdruck in unveränderlicher fetter Farbe. Dieses von POITEVIN entdeckte -Verfahren ist namentlich von J. ALBERT in München für die Praxis zur -Vollkommenheit gebracht. Albert brachte die Gelatinelösung auf Glas -und setzte die Rückseite für einige Augenblicke der Belichtung aus, -wodurch die Masse auf das festeste mit dem Glas verbunden wurde. Von der -Vorderseite wird die Schicht mit einem Negativ bedeckt und hierdurch die -Platte in schon bekannter Weise hergestellt. Zum Druck bedient man sich -der Walzen, und eine gut behandelte Platte hält bis zu 1000 Abdrücke aus. - -[Sidenote: Der photographische Farbendruck.] - -Die ebenfalls von Albert geübte FARBENPHOTOGRAPHIE wird durch drei -Aufnahmen, die eine durch rotes, die zweite durch blaues, die -dritte durch gelbes Glas, auf mit verschiedentlichen Substanzen -behandelten Platten erzielt. Alle übrigen Farben erhält Albert durch -Übereinanderdrucken dieser drei Platten mit drei Lasurfarben, deren Wahl -den reinen Tönen des Sonnenspektrums genau entsprechen muss. - -Nächst Albert hat sich besonders OBERNETTER in München um den Lichtdruck -verdient gemacht. Ganz besonders eignet sich dieser für die Wiedergabe -von Bleistift- und Kreidezeichnungen. Will man den Lichtdruck an Glanz -der Silberphotographie ähnlich machen, so wird er mit Lack überzogen. -Mit einander verglichen, hat der Woodburydruck den Vorzug in der -Wiedergabe der dunkleren Partien, der Lichtdruck in derjenigen der -helleren. - -[Sidenote: Die Photolithographie.] - -Die PHOTOLITHOGRAPHIE, welche ebenfalls Poitevin ihre Existenz verdankt, -hat mit dem Lichtdruck manches gemeinsame, aber auch von diesem -wesentliche Verschiedenheiten. Poitevin überzog einen Stein mit der -bekannten Lösung und stellte nach dem Negativ ein Chromobild her, das -nur in den vom Licht getroffenen Stellen die Farbe annahm. Anfänglich -fehlte es an den Halbtönen, die beim Waschen verlorengingen. Asser -und Osborne versuchten es mit einem Umdruckverfahren von auf Papier -erzeugten Bildern; die Abdrücke blieben jedoch auf Grund der körnigen -Beschaffenheit des Steines sehr hinter der Photographie zurück, -namentlich in den Mitteltönen, und das Verfahren eignete sich deshalb -nicht ganz für die Wiedergabe von Kunstblättern. Die PHOTOZINKOGRAPHIE -bietet, da die Zinkplatte dieselben Eigenschaften besitzt wie der -lithographische Stein, nichts Eigentümliches. - -[Sidenote: Kartographie.] - -Für die KARTOGRAPHIE hat die Photolithographie eine ganz besondere -Wichtigkeit auf Grund der Schnelligkeit in der Herstellung und der -Leichtigkeit, die Originale zu vergrössern oder zu verkleinern. -Eine nützliche Bereicherung der Kartographie wurde ebenfalls durch -die Photolithographie möglich, indem man erst Reliefkarten in Gips -herstellte und diese photographierte resp. photolithographierte. Die in -dieser Weise hergestellten Karten wirkten wie Reliefs. - - - DIE ZINKOGRAPHIE. - -[Sidenote: Die ersten Hochdruckplatten.] - -So höchst wertvoll alle diese Verfahren für das Buchgewerbe waren, so -war damit doch die Hauptaufgabe, Hochdruckplatten zu gewinnen, die sich -auf der Buchdruckpresse mit Text zusammen leicht drucken lassen, noch -nicht ganz erreicht. Es sollte dies in anderer Weise gelingen. - -Wenn der lithographische Stein geätzt wird, so ist das darauf -zurückbleibende Bild in gewisser Beziehung ein erhabenes, jedoch ist -diese Erhabenheit nicht genügend für den Druck auf der Buchdruckerpresse -und da in dieser das Feuchten des Steines ausserdem nicht thunlich, -würde der Stein sich vollschmieren. Es wurden deshalb viele Versuche -gemacht, durch weitere, stärkere Ätzung dem Bilde die genügende Höhe zu -geben. Bereits Senefelder hatte solche angestellt. Schon vor Ablauf des -XVIII. Jahrhunderts brachten DUPLAT und SUSEMIHL aus Darmstadt in Paris -recht gelungene Hochätzungen in Stein sowohl, als in Metall zustande. -Duplat gab in dieser Weise 1812 Lafontaines Fabeln und Gessners Idyllen -heraus. 1826 druckte der Kupferstecher W. ERHARD eine Broschüre über -die Hochätzung; 1827 nahmen DIDOT und MOTTE ein Patent, ihr Verfahren -kam jedoch nicht zur Ausführung. 1832 hatte BAUCKELLER Hochätzungen -geliefert. 1834 wurde der Metallhochschnitt von A. DEMBOUR in Metz -geübt, der 1835 sein Verfahren, EKTYPOGRAPHIE, in einer Broschüre -schilderte. Dasselbe war schon in Deutschland bekannt und in einem -Werke, »Das Thierreich« von Dr. J. J. KAUPP, verwendet. Lithographischen -Hochdruck brachte JUL. BAUMGÄRTNER in Leipzig zur Ausführung und nannte -ihn seine Erfindung, worüber sich ein heftiger Federkrieg entspann, -denn die Kunst war schon vor mehreren Jahren von GIRARDET in Paris -geübt, der damit einen Preis von 2000 Franken gewann. Es scheint jedoch, -als habe Baumgärtner in gutem Glauben gehandelt. Alle diese Versuche, -sowie die bereits oben erwähnten von Pretzsch und anderen mit erhabenen -Kupferplatten, hatten jedoch keinen rechten Erfolg und die Praxis ergab -so viele Misstände, dass dem grossen Betrieb nicht mit dem Verfahren -geholfen war. - -Schliesslich wurden in der CHEMITYPIE und der ZINKHOCHÄTZUNG zwei -Verfahren erfunden, die, wenn sie auch in vielen Fällen den Holzschnitt -nicht ersetzen können, in anderen wieder vor letzterem Vorzüge und neben -demselben jedenfalls eine grosse Zukunft haben. - -[Sidenote: Die Chemitypie.] - -Die beiden Verfahren werden oft als identisch betrachtet, sie sind es -jedoch nicht. Bei der Chemitypie, von dem Dänen C. PIIL erfunden und -in Leipzig zur Ausführung gebracht, wird eine Zinkplatte zuerst mit -Deckgrund überzogen und dann die Zeichnung mit der Nadel gemacht und -tiefergeätzt. Die vertiefte Zeichnung wird mit einem leicht flüssigen -Metall ausgegossen und mit der Oberfläche der Zinkplatte, von welcher -der Deckgrund entfernt wurde, gleichgeschabt oder -geschliffen. -Hierauf wird die ganze Platte einer Ätzung unterworfen, welche nur den -blossliegenden Zink angreift, aber nicht das hineingegossene Metall, -so dass das Bild nach der Ätzung erhaben dasteht und nun eine für die -Buchdruckerpresse verwendbare Platte bildet. Dieses Verfahren hat -namentlich für die Kartographie eine ganz ausserordentliche Bedeutung -und ermöglicht, unter Zuhülfenahme der Mehrfarbenmaschine, geographische -Kartenwerke zu unglaublich billigen Preisen zu liefern. - -[Sidenote: Die Zinkhochätzung.] - -Die Zinkhochätzung eignet sich mehr für Feder- und Kreidezeichnungen. -Auf die Zinkplatte lässt sich, wie auf lithographischen Stein, mit -präparierter Kreide oder fetter Tusche leicht zeichnen oder malen. -Bringt man nun eine solche Zeichnung auf eine Zinkplatte oder überträgt -man den mit fetter Farbe gemachten Abzug einer bereits vorhandenen -Zeichnung, eines Holzschnittes, einer Lithographie oder eines -Kupferstiches u. dgl. und ätzt die Platte, so wird nur die blossliegende -Oberfläche des Metalls angegriffen und die Zeichnung bleibt, wie bei -der Lithographie, stehen und tritt bei fortgesetzter Ätzung so weit -hervor, dass sie sich auf der Buchdruckerpresse drucken lässt. - -[Sidenote: Vorzüge und Mängel der Hochätzung.] - -[Sidenote: Vergleich mit dem Holzschnitt.] - -Als das Hochätzungsverfahren aufkam, gab es Enthusiasten genug, -welche meinten, dass es von nun ab mit dem Holzschnitt vorbei sei. -Andererseits fehlte es nicht an warnenden Stimmen prinzipieller -Gegner des Verfahrens, die von demselben nichts wissen wollten, weil -es weder den Kupferstich, noch die Radierung oder den Holzschnitt -vollständig ersetzen könne. Wäre die Rede davon, zwischen Xylographie -und Hochätzung wählen und eine davon ganz fallenlassen zu müssen, so -würde die Entscheidung kaum eine schwierige sein. Jedoch eine solche -Entscheidung ist ja nicht zu treffen. Fehlt auch der Hochätzung der -volle, satte Ton und die weiche Modulation des Holzschnittdruckes, so -bleibt doch für sie ein sehr reiches Feld der Illustration übrig, auf -welches der Holzschnitt zumteil gar nicht folgen kann. Wo es sich in -erster Linie um das nützliche handelt, in Mustervorlagen aller Art, in -Schriftarbeiten, Karten, in technischen und mathematischen Figuren, -selbst in solchen künstlerischen Nachbildungen, die in Umrissen oder -ohne bedeutende Tonabstufungen gehalten sind, wird die Hochätzung -auf Grund der Billigkeit und der Schnelligkeit sehr oft den Vorzug -verdienen. Aber kein Verfahren wird der durch vier Jahrhunderte -bewährten Xylographie den Vorrang im allgemeinen streitig machen -können. Neben den leichten, rasch verschwindenden Arbeiten werden die -Schöpfungen der xylographischen Künstler und die Prachtwerke bleiben. -Kein anderes Verfahren giebt dasselbe Kolorit, die Klarheit und -Mannigfaltigkeit in der Abstufung der Töne, die Milde mit Kraft gepaart, -wie der Holzschnitt. Kein Verfahren ist imstande, bei guter Ausführung -die Zeichnung des Meisters in seinem Charakter so treu wiederzugeben; -keins hat die Fähigkeit, den Mängeln einer weniger guten Zeichnung -so geschickt abzuhelfen. So wenig die Zahl der Bücher sich durch die -Zeitungen vermindert, so wenig werden die xylographischen Kunstwerke -durch Zeitungsillustrationen in den Hintergrund gedrängt werden. Wenn -Zeit und Kosten nicht zu scheuen sind, wird man immer zum Holzschnitt -greifen. - -[Sidenote: Die Hochätzung und die Tagespresse.] - -In einer Beziehung wird aber die Hochätzung die Illustrationsmethode -der Zukunft werden, nämlich, sobald die Frage der illustrierten -Tagesblätter ernstlich auf die Tagesordnung gestellt wird. Da schlagen -die Schnelligkeit der Hochätzung und ihre Billigkeit, wenn sie -inzwischen nicht durch neue Erfindungen verdrängt wird, durch. Eine in -geeigneter Weise vom Zeichner behandelte Skizze, die z. B. zeitig am -Nachmittage der Offizin einer illustrierten Zeitung übergeben wird, kann -noch abends umgezeichnet und in eine druckbare Platte verwandelt gegen -Mitternacht in der Presse sein, um dann, mit einer Schnelligkeit von -10-12000 Exemplaren in der Stunde auf der Rotationsmaschine gedruckt, -in den Frühstunden in den Händen des Publikums zu sein. Zugegeben auch, -dass augenblicklich eine Stunde oder zwei noch zugelegt werden müssten, -so ist das Erwähnte im grossen und ganzen kein Phantasiebild und die -Möglichkeit vorhanden, innerhalb der kürzesten Zeit eine Illustration -für ein Tageblatt herzustellen. Allerdings müssen dann die Zeichnungen -auch der Reproduktionsweise angepasst sein, es muss sozusagen eine -Art Stenographie der zeichnenden Kunst entstehen. Eine besondere -Ausbildung wird notwendig dazu sein, Zeichner für ein Tageblatt zu -werden. Die Akademiker werden vielleicht die Nase rümpfen über einen -solchen »Spezial-Artisten«, wie der Gelehrte über »unsern eignen -Korrespondenten«. Die Kunst wird für diese Richtung ein Kunstgewerbe -werden. Aber es entstehen wichtige, lohnende und ehrenvolle Stellungen -für talentvolle Jünglinge, von denen viele als Akademiker verkümmern -würden. Das wirkliche Genie wird jedoch durch dieses künstlerische -Reportertum ebensowenig zugrunde gehen, wie z. B. Charles Dickens durch -seine Reporterwirksamkeit verhindert wurde, ein Dichter ersten Ranges zu -werden. - -Die Reproduktionsweisen sind da, es darf den Künstlern nicht nachgesagt -werden, dass die Räder der Presse ihnen zu schnell gehen, dass die -Chemie und die Sonnenstrahlen sich zu zeitig zu ihrer Disposition -gestellt hätten. - -[Illustration] - - - - - ERSTES BUCH. - - DIE ANGLO-AMERIKANISCHE GRUPPE. - -[Illustration] - - EINFÜHRUNG IN DAS ERSTE BUCH. - - -[Sidenote: Die englische Presse.] - -Wenn die Presse in dem Zeitabschnitt von der dritten bis zur vierten -Jubelfeier der Buchdruckerkunst einen derartigen Aufschwung nahm, -dass man ihr einen Platz unter den Grossmächten einräumte, so hat man -dies ganz besonders ENGLAND zu verdanken. Nirgends hat man, nachdem -schon frühzeitig der schwere, jedoch erfolgreiche Befreiungskampf der -Presse gegen ihre Feinde geführt war, es in gleichem Masse verstanden, -die Unabhängigkeit derselben von aller Despotie von oben und unten -zu schützen, wie dort. Nirgends ist der Einfluss der Presse auf die -öffentliche Meinung ein grösserer und wohlthätigerer gewesen; nirgends -ist sie in gleicher Weise von dem Vertrauen des Publikums getragen -worden, und nirgends hat sie sich eines solchen Vertrauens durch ihre -Festigkeit und ihr Fernhalten von unreinen Tendenzen würdiger gezeigt, -als in England. Kein Volk war so, wie das englische, von dem Bewusstsein -durchdrungen, welch ein Palladium es in seiner freien Presse besass, -ein Bewusstsein, welchem der bekannte Staatsmann und Dichter Sheridan -in den stolzen Worten Ausdruck verlieh: »Gebt mir meinetwegen einen -Tyrannen zum König, ein widerhaariges Oberhaus und ein demoralisiertes -Unterhaus, lasst mir aber die Presse und ich will sie alle über den -Haufen werfen«. - -[Sidenote: Verdienste der Engländer.] - -Kein Wunder, dass die Engländer, als einmal dies Bewusstsein von -der Wichtigkeit der Presse bei ihnen Wurzel gefasst hatte, nun -auch vor allen anderen Völkern es sich angelegen sein liessen, -der Buchdruckerkunst ihre Teilnahme zu bekunden und sie derartig -auszubilden, dass sie die ihr zu teil gewordene grosse Aufgabe auch -vollständig zu erfüllen imstande war. Während in dem XVI. Jahrhundert -druckende und zeichnende Kunst in so glänzender Weise auf dem Kontinente -sich verbunden hatten, leisteten die Engländer auch nicht annähernd -das, was Deutschland, Italien, Frankreich oder selbst die Niederlande -schafften. Als jedoch mit dem XIX. Jahrhundert die Aufgaben der Presse -für das politische und praktische Leben immer grössere Dimensionen -annahmen, da waren es die Engländer, die mit dem ihnen innewohnenden -praktischen Sinn, verbunden mit ihrer Energie, allen anderen voran ihr -Augenmerk auf die technische Vervollkommnung der Kunst richteten, so -dass von nun an der Schwerpunkt der typographischen Geschichte mehr in -der Geschichte der mechanischen Erfindungen als in der der ausübenden -Buchdrucker liegt. - -Und da werden wir sehen, wie fast alle Verbesserungen und weitgehenden -Reformen in der Technik der Druckkunst, der Schriftgiesserei, der -Xylographie, der Farbenfabrikation, der Stereotypie und des Pressenbaues -aus England stammen. Ja, selbst die rasche Einführung der deutschen, -alle anderen weit hinter sich lassenden Erfindung der Schnellpresse -haben wir, nach des Erfinders eigenen Worten, nur England zu verdanken, -nicht minder die Dienstbarmachung des Dampfes für die Zwecke der -Typographie. - -[Sidenote: Nordamerika.] - -NORDAMERIKA gebührt der Ruhm, neben dem Mutterlande sehr vieles zur -Vervollkommnung des typographischen Apparats beigetragen zu haben. -Hinsichtlich des Pressenbaues, der Stereotypie und der Schriftgiesserei -zahlte es seine typographische Schuld mit Zins vom Zins an das -Mutterland redlich zurück, und nicht selten hatten die Erfindungen, -welche in letzterem geschäftlich ausgebeutet wurden, ihre Heimat jenseit -des Ozeans, nicht selten wurden auch wieder englische Erfindungen dort -der Vollkommenheit nähergebracht. - -Somit ist die typographische Geschichte Amerikas mit derjenigen Englands -so eng verknüpft, dass beide sich nicht von einander trennen lassen, -und wollen wir nicht Gefahr laufen, in der Erzählung vorzugreifen und -Anachronismen zu begehen, so müssen wir den neuesten Abschnitt der -Geschichte mit der anglo-amerikanischen Gruppe beginnen; lässt es sich -doch nicht einmal umgehen, die Anfänge der Erfindung Fr. Königs in dem -dieser Gruppe gewidmeten Kapitel zu behandeln. - -[Sidenote: Die Typographie Englands.] - -Betrachten wir die Erscheinungen der Typographie der -Anglo-amerikanischen Gruppe und zunächst die ENGLANDS genauer, so -finden wir, dass diese denselben Charakter der Solidität an sich -tragen, der überhaupt den englischen Fabrikaten eigen ist. Kein Land -hat in der Typographie der Mode geringere Konzessionen gemacht, als -England. Es behielt seine breiten, etwas plumpen, aber sehr leserlichen -Schriften bei und war selbst im Accidenzfache mit der Verwendung aller -der unzähligen Zierschriften, die man gemeiniglich in Deutschland für -nötig hielt, äusserst sparsam. Kann man auch nicht behaupten, dass -sich in allen englischen Arbeiten ein geläuterter Geschmack kundgiebt, -so bringen doch, selbst wo dieser fehlen sollte, in der Regel die -Vorzüglichkeit des Materials, die Einfachheit, die Sauberkeit und die -Korrektheit einen so befriedigenden Gesamteindruck hervor, dass man -nicht zum Reflektieren über einen etwaigen Verstoss gegen den feinen -Geschmack kommt. - -Dass England in INDIEN, OST-ASIEN und AUSTRALIEN seinen typographischen -Einfluss geltend gemacht hat, versteht sich von selbst, ebenso, dass wir -nicht berechtigt sind, aus diesen Erdteilen jetzt schon Erzeugnisse, -die einen ganz besonderen typographischen Wert besitzen, zu verlangen, -überall zeigt sich jedoch ein sehr rüstiges Vorwärtsschreiten, an -welchem selbst der äusserste Vorposten der Kultur, JAPAN, sich eifrigst -beteiligt. - -[Sidenote: Die Typographie Amerikas.] - -Die Typographie NORDAMERIKAS kann keineswegs als blosser Abklatsch -von derjenigen Englands betrachtet werden; sie hat sich vielmehr ihre -eigenen Wege gebahnt. - -In der Mannigfaltigkeit der Schriften wetteifert Amerika mit -Deutschland, und es findet auch ein reger Verkehr der deutschen und -amerikanischen Schriftgiessereien statt, der sich hauptsächlich auf -Tausch von Matrizen gründet. Überhaupt geht ein gewisser germanischer -Duktus durch die amerikanische Typographie; man liebt nicht die -presbyterianische Einfachheit des englischen Werkdruckes, und ein in -Deutschland mit Antiquaschrift gedrucktes Buch ähnelt viel mehr einem -amerikanischen, als einem englischen oder französischen Presserzeugnis. - -[Sidenote: Xylographie.] - -Fassen wir auch die englische Xylographie, welche in dieser Periode -einen enormen Aufschwung nahm, ins Auge[3]. - - [3] J. JACKSONS und W. A. CHATTOS: _A treatise on wood engraving_ - enthält in der zweiten Ausgabe von 1839 ein Zusatz-Kapitel: - _Artists and engravers on wood of the present day_ von HENRY - G. BOHN. Dasselbe giebt eine grosse Auswahl von Proben der - Kunst neuerer englischer Zeichner und Holzschneider, jedoch - ohne Charakteristik derselben und ohne kritische Würdigung der - Leistungen. - -Wie das gedruckte Wort den Gedanken eines Autors nicht in allgemeinen -Grundzügen, sondern Wort für Wort, Buchstabe für Buchstabe, wie -er niedergeschrieben wurde, wiedergeben soll, so ist es auch die -eigentliche Aufgabe des Holzschneiders, jeden Strich wiederzugeben, -wie der Zeichner ihn auf dem Holze gezeichnet hat. Eine andere Aufgabe -hat der Kupferstecher. Ihm liegt ein in Farben ausgeführtes Bild oder -eine Zeichnung vor, die in einer ganz anderen Manier behandelt ist, -als die, in welcher er seinen Stich zu geben hat. Der Stecher hat -seine ganz selbständige Technik. Ist er auch nicht mit dem Autor eines -Dichterwerkes zu vergleichen, so doch mit einem poetisch begabten -Übersetzer, dem es nicht gelingen würde, das Gedicht im Geist des -Originals wiederzugeben, wenn er nicht selbst von dem Geiste beider -Sprachen, der des Originals sowohl als der der Übersetzung, durchdrungen -ist. Wenn deshalb der Stecher mit wenigen Ausnahmen auch dem Urheber des -Bildes nachsteht, so steht er, wenn er ein Meister seiner Kunst ist, -doch auf einer höheren Kunststufe als der Holzschneider, dessen erste -Eigenschaft grösste Gewissenhaftigkeit ist. - -[Sidenote: Eigentümlichkeiten der engl. Schule.] - -So sollte es immer sein; in der Praxis stellt sich jedoch die Sache -nicht selten anders. Denn wie es Autoren giebt, deren Gedanken wohl -korrekt und verständlich sind, die aber dennoch keinen schönen Stil -besitzen, so geht es oft mit dem Zeichner, der für den Holzschnitt -arbeitet. Manchmal würde der Holzschneider dem Zeichner keinen Gefallen -erweisen, wenn er genau so schneiden würde, wie letzterer zeichnete. Oft -begnügt sich der Zeichner sogar mit einer estompierten Skizze, wo dann -dem Holzschneider die gleiche Aufgabe obliegt, wie sie dem Kupferstecher -zufällt, wenn dieser die Zeichnung in die Stichmanier zu übertragen -hat. Und hiermit kommen wir auf die nationalen Eigentümlichkeiten -der englischen Holzschnitte. In diesen ist der Tonschnitt ganz -vorherrschend; für den englischen Holzschneider existieren kaum -Konturen, viel weniger innere Linien. Nachdem er sich den Ton roh -vorgeschnitten hat, verfährt er ganz selbständig. Ton wird auf Ton -gelegt, ohne Scheidung durch Konturen. Er gewinnt in dem Technischen -eine grosse Fertigkeit und kann unter Umständen, wenn er seine Sache -versteht, aus einer schlechten Zeichnung einen anziehenden Schnitt -zuwege bringen; er kann aber auch auf das gründlichste eine schöne -Zeichnung verderben, die vom Künstler darauf berechnet war, in jedem -Strich ihre Geltung zu behalten. Zeichnungen nun nach einer Richtung, -wie die Jos. Führichs, oder, nach einer entgegengesetzten, wie die Ad. -Menzels würden, auf englische Manier behandelt, vollständig charakterlos -werden. - -Im Landschaftlichen, wo alles auf die Farbe und den Ton ankommt, wird -der Engländer Meister sein; in Figuren, überhaupt überall, wo das -Hauptgewicht auf die charakteristische Linie und den individuellen -Ausdruck des Künstlers fällt, wird er in der Regel zurückbleiben. Das -alles ist bei der Beurteilung der englischen xylographischen Werke ins -Auge zu fassen. - - * * * * * - -[Sidenote: Die Quellen.] - -Zusammenhängende Darstellungen der neueren Geschichte der -Buchdruckerkunst, die als Stützpunkte für die folgende Schilderung -sowohl der anglo-amerikanischen Gruppe als der beiden anderen Gruppen -dienen könnten, besitzen wir nicht. Selbst die Werke bekannter Autoren, -als Falkenstein, Didot, Dupont u. a., die sich als Geschichten der -Buchdruckerkunst im allgemeinen betiteln, begnügen sich, was die -bei ihrem Erscheinen »Neue« Geschichte betrifft, hauptsächlich mit -Aufzählen einer Reihe von Namen, auch ist eine lange Zeit seit ihrer -Veröffentlichung verflossen. Somit waren wir hauptsächlich auf ein -Zusammensuchen der, sich oft vollständig widersprechenden Nachrichten -aus technischen und anderen Zeitschriften; auf die nicht selten -sehr stark gefärbten und übertreibenden Ausstellungsberichte; auf -die technischen Lehrbücher einzelner Branchen oder Memoiren über -einzelne Erfindungen; auf Nekrologe, Denkschriften u. dgl. und -schliesslich auf die eigenen Wahrnehmungen angewiesen. Zwar ist die -Fachzeitschriften-Litteratur eine ausnehmend reiche, sie hat jedoch -mit der einzigen Ausnahme des »Journals für Buchdruckerkunst« erst -seit den siebenziger Jahren eine eigentliche Bedeutung[4]. Diejenigen, -welche für die Geschichtschreibung im allgemeinen die grösste Ausbeute -geben, finden erst am Schluss des Bandes Erwähnung, um sie nicht bei -jedem Abschnitt zu wiederholen. Dasselbe ist der Fall mit der grossen -Anzahl von offiziellen Berichten, zu welchen die Weltausstellungen in -London 1851 und 1862; in Paris 1855, 1867, 1878; in Wien 1873, und in -Philadelphia 1876 Veranlassung gaben. - - [4] L. MOHR in Strassburg, der sich um die typographische Litteratur - und die Bereicherung der Bibliothek des deutschen - Buchhändler-Vereins vielfach verdient gemacht hat, lieferte, - unterstützt von W. BLADES in London, CHR. HUBER in Paris und JOHN - FAEHR in Cincinnati, in den »Annalen der Typographie«, IX. Bd. Nr. - 432 und 433, ein Verzeichnis der Erscheinungen der periodischen - Fachpresse älterer und neuerer Zeit. Ein Separat-Abdruck erschien - 1879 in Strassburg. - -Die Quellen für spezielle Fälle sind, wie im ersten Teil, jedesmal an -der betreffenden Stelle angegeben. - -[Illustration] - - -[Illustration] - - I. KAPITEL. - - SCHRIFTGIESSEREI UND SETZMASCHINEN - - DER ANGLO-AMERIKANISCHEN GRUPPE. - - Die SCHRIFTGIESSEREI: W. Caslon II., J. Jackson, D. Bruce, Mac Kellar, - Smiths & Jordan u. a. Die Holztypen. Der Blindendruck. Lord Stanhopes - Stereotypie. Die GIESSMASCHINE: Nicholson, Elihu White, D. & G. - Bruce, Johnson und Atkinson, Westcotts Giessmaschine. Die - SETZMASCHINE, frühere Versuche: T. Alden, W. Mitchell, A. Fraser u. - a. Hattersley, Kastenbein, Mackie. Der _Matrix compositor_ und - ähnliche Apparate. - -[Sidenote: W. Caslon II. [+] 17. Aug. 1778.] - -William Caslon dem ältern, dem Begründer der Selbständigkeit der -englischen SCHRIFTGIESSEREI, folgte in rühmlicher Weise der schon 1742 -als Teilnehmer in das väterliche Geschäft aufgenommene Sohn WILLIAM -CASLON II. Dieser hinterliess als Witwe ELISABETH CARTLICH und zwei -Söhne WILLIAM III. und HEINRICH I., welcher letztere 1788 starb, während -William 1793 aus dem Geschäft trat. Die Frau Heinrichs, ELISABETH ROW, -führte für ihren und ihres Sohnes HEINRICH II. Anteil das Geschäft bis -1795 in Verbindung mit ihrer Schwiegermutter fort, nach deren Tode -allein. Trotz ihrer schwachen Gesundheit entwickelte sie eine grosse -Umsicht. Als sie jedoch merkte, dass trotz aller Anstrengungen das -Renommé des Hauses etwas hinter dem jüngerer Firmen zurückblieb, liess -sie, unter Mitwirkung eines tüchtigen Künstlers, JOHN ISAACK DRURY, -sämtliche Schriften neu schneiden und nahm NATHANAEL CATHERWOOD zum -Associé, der auch allen von ihm gehegten Erwartungen entsprach. Später -associierte sich Heinrich Caslon zuerst mit JACOB JAMES CATHERWOOD, seit -1821 mit MARTIN WILLIAM LIVERMORE. Sie führten eine neue Schreibschrift -ein nach dem System des Franzosen Boileau. - -[Sidenote: Jos. Jackson * 4. Septbr. 1733, [+] 14. Jan. 1792.] - -Bei William Caslon II. hatte JOSEPH JACKSON gelernt. Das Verfahren -bei der Herstellung der Stempel wurde sehr geheimgehalten und Caslon -verschloss letztere mit grosser Vorsicht, wenn er nicht daran arbeitete. -Jackson bohrte nun, um die Arbeit Caslons zu beobachten, ein Loch durch -die Wand und sein Vorhaben gelang ihm auch auf diese Weise, von deren -nicht ehrenhafter Natur er wohl kaum das volle Verständnis hatte, denn -mit grossem Stolz zeigte er dem Meister seine Arbeit, erhielt jedoch -eine sehr strenge Zurechtweisung. Seine Mutter kaufte ihm nun das nötige -Handwerkzeug und er benutzte jeden freien Augenblick, um zuhause zu -arbeiten. Nach vollendeter Lehrzeit blieb er bei Caslon, bis er, weil -Teilnehmer an einer Lohnbewegung, zugleich mit seinem Freunde THOMAS -COTTERELL den Abschied erhielt. Jackson ging zur See und arbeitete -dann bei Cotterell, der ein tüchtiger Schriftgiesser geworden war, und -versuchte später selbst sein Glück. 1790 wurde seine Giesserei durch -Feuer zerstört, ein Schlag, von dem er sich körperlich und geistig -nicht erholen konnte. Unter seinen vielen vortrefflichen Schriften sind -besonders hervorzuheben die Facsimile-Type der Schrift des _Doomsday -Book_, seine alexandrinisch-griechische Schrift, sowie die Schrift zu -der von Th. Bensley ausgeführten berühmten Bibel von Maclin, die jedoch -in einer späteren Ausgabe durch Schriften von V. Figgins ersetzt wurde. - -[Sidenote: W. Caslon III.] - -Bei Jacksons Tode kaufte der aus dem väterlichen Geschäft ausgetretene -WILLIAM CASLON III. dessen Schriften. Die Giesserei wurde sehr erweitert -und namentlich mit schönen Ornamenten vervollständigt. Das Probebuch -von 1785 war das schönste aller bis jetzt erschienenen. Caslon übergab, -nachdem er noch glücklich von einer längere Zeit andauernden Blindheit -geheilt war, das Geschäft an seinen Sohn WILLIAM IV., der es 1819 an -BLAKE, GARNETT & CO. (jetzt Blake, Stephenson & Co.) verkaufte. - -[Sidenote: V. Figgins.] - -Von Bedeutung war der eben erwähnte VINCENT FIGGINS. Er hatte bei -Jackson gelernt und blieb bei ihm bis zu dessen Tode. So gern er es -gewollt, konnte er doch nicht mit Caslon beim Ankauf des Geschäftes -konkurrieren. Von Joh. Nichols kräftig unterstützt ward es ihm jedoch -möglich, sich selbständig zu machen. Er schnitt manche schöne, zumteil -seltene Schriften. Das Geschäft besteht noch unter der Firma V. & J. -FIGGINS und arbeitet mit 70 durch Dampf getriebenen Giessmaschinen. Dass -die Offizin imstande war, einer am Sonnabend vollständig abgebrannten -Zeitungsdruckerei am folgenden Dienstag das Weiterarbeiten mit 40 -Setzern möglich zu machen, mag als Probe der Leistungsfähigkeit einer -modernen Schriftgiesserei dienen. Auch WILLIAM MARTIN, der von Bulmer -gestützt wurde, lieferte Vorzügliches. - -[Sidenote: A. Wilson * 1714.] - -Als Schöpfer der schottischen Schriftgiesserei wurde bereits ALEXANDER -WILSON erwähnt (I, S. 266). Er war in St. Andrews geboren, hatte viel -Sinn für Mechanik und Astronomie, kam jedoch 1737 nach London in eine -Droguenhandlung. Durch Zufall sah er eine Schriftgiesserei und fasste -sofort den Gedanken, die Herstellung der Schriften in einfacherer Weise -als bisher herbeizuführen. Zu diesem Zwecke verband er sich mit seinem -Freunde BAINE. Der Aufenthalt in London wurde ihnen jedoch zu teuer -und sie zogen nach St. Andrews. Mit der Erfindung kam es nicht recht -vorwärts, deshalb schritten die Besitzer, ohne dass sie die eigentlichen -Kenntnisse dazu besassen, 1742 zur Einrichtung einer Schriftgiesserei -in üblicher Weise. Die schottischen Buchdrucker, die hauptsächlich in -Edinburgh etabliert waren, sahen gern die neue Giesserei entstehen, und -unterstützten sie, da die Verbindung mit London noch schwierig war. Als -Wilson & Baine, um mit dem grossen Verkehr, namentlich mit Amerika und -Irland, leichtere Fühlung zu behalten, nach dem Dorfe CAMLACHIE bei -Glasgow gezogen waren, beschlossen sie 1747, dass einer von ihnen nach -Irland gehen sollte; wer? das sollte durchs Los entschieden werden. -Dieses traf Baine. Zwei Jahre später wurde die Verbindung ganz gelöst. - -Wilson stand in engem Verkehr mit der Universität Glasgow und -schnitt für diese in uneigennütziger Weise griechische Schriften, -für welche er grosses Lob erntete. 1760 wurde er von der Universität -mit dem Professorat in der praktischen Astronomie beehrt und die -Schriftgiesserei nun von seinen beiden ältesten Söhnen fortgesetzt. -Auf Grund der billigeren Löhne und Materialien konnten sie sogar in -London mit den dortigen Giessereien konkurrieren. Ein anderer tüchtiger -schottischer Giesser war MILLAR in Edinburgh. - -[Sidenote: Ph. Rusher.] - -Ungefähr gleichzeitig mit Lord Stanhopes Auftreten erhielt (1802) -PHILIPP RUSHER in Banbury, Oxfordshire, ein Patent für verschiedene -Veränderungen und Verbesserungen in der Form der Typen, welche die -Kosten und die Arbeit beim Setzen verringern und die Schönheit und -Gleichmässigkeit des Satzes vermehren sollten. Rusher druckte mit diesen -Typen den _Rasselas_, lieferte jedoch damit alles eher, als den Beweis -für die obengenannten Eigenschaften der neuen Schrift. - -[Sidenote: Millar, Besley u. a.] - -Von englischen Schriftgiessern sind ferner zu erwähnen: ROB. BESLEY & -CO. (später REED & FOX), MÜLLER & RICHARD u. a.[5]. Durch orientalische -Schriften sind bekannt: EDM. FRY, W. M. WATTS, GILBERT & RIVINGTON und -die Giesserei der _Clarendon-Press_ in Oxford. Grossen Beifall gewannen -die von THOROWGOOD in London eingeführten Schreibschriften. Sie konnten -wegen der Leichtigkeit des Setzens, da jeder der 190 Charaktere wie -in der Cursivschrift selbständig ist, sich neben den kunstvolleren, -aber schwer zu behandelnden Schreibschriften Didots behaupten. Als die -Renaissanceschriften in Frankreich aufkamen, den Spruch bewahrheitend: -_Il n'y a de nouveau en ce monde, que ce qui est vieux_, veranstaltete -der Buchdrucker Whittingham bei Caslon einen Neuschnitt der 1716 -hergestellten Elzevier-Antiqua, jedoch mit etwas breiteren und runderen -Buchstaben. Diese _Mediæval_ gefiel ganz ausserordentlich und hiermit -war der Weg für die Renaissance eröffnet, die selbstverständlich -in England starke Verbreitung fand; jedoch hielt man sich von -Übertreibungen, so wie auch von Ausschreitungen in den Titel- und -Zierschriften ziemlich frei[6]. - - [5] J. M. POWELL gab 1875: _Select specimens of the best faces of the - british Founders_. - - [6] Wie würde es wohl Th. C. Hansard bei dem Anblick der heutigen - Extravaganzen fast aller Länder zumute geworden sein, wenn er - sich schon bei den damaligen zaghaften Überschreitungen zu dem - folgenden Ausbruch veranlasst fühlte: »O, ihr geheiligten Schatten - von Moxon und van Dyck, von Baskerville und Bodoni, was würdet - ihr wohl zu den typographischen Monstruositäten heutiger Mode - gesagt haben? Und die, welche uns nach ebensovielen Jahren folgen - werden, als jene uns vorangegangen sind, in welches Zeitalter - werden sie die Erzeugnisse, die uns hier vorliegen, versetzen? - Solchen Ungeheuerlichkeiten gegenüber wird die Nachwelt sich - manche sonderbare Vorstellung machen. Es ist keineswegs unmöglich, - dass die jetzt in der _City_ von London gedruckten Erzeugnisse in - späterer Zeit dem Meistbietenden als echt ägyptische Seltenheiten - antediluvianischen Ursprungs zugeschlagen und den ausgesuchtesten - Teil der Schätze von Sammlungen der Kenner bilden werden«. - -[Sidenote: Schriftgiesserei in Amerika.] - -In AMERIKA lagen die Verhältnisse anders als in England. Man hatte -mit keiner Tradition, mit keinem bereits ausgeprägten Geschmack oder -früherer Gewohnheit zu rechnen, man nahm das Gute, wo es sich darbot, -und erfand nach Herzenslust, wo etwas fehlte. In Ermangelung einer -nationalen Litteratur hatte die Werkdruckerei noch keine grosse -Bedeutung, man war auf billige Nachdrucke englischer Werke angewiesen. -Die Anstrengungen der amerikanischen Giessereien richteten sich deshalb -vornehmlich auf die Befriedigung der Bedürfnisse der Zeitungs- und -Accidenzdruckereien. Um vielen Stoff in den Zeitungen zu häufen, und -viele Zeilen auf die Spalte zu bringen, war es notwendig, möglichst -kleine Schriftkegel zu wählen, dafür jedoch das Bild der Buchstaben so -gross, wie es der Kegel nur zuliess, zu schneiden, wozu es erforderlich -war, die herauf- und heruntersteigenden Buchstaben und die Versalien -möglichst kurz zu halten. In solchen Schriften wurde Vorzügliches -geschnitten und in vortrefflichem Metall gegossen. - -In jüngster Zeit erreichte die Zahl der Accidenzschriften eine -beträchtliche Höhe. Ausgezeichnet sind namentlich die Schreibschriften. -In Titelschriften wurde vieles Gute unter vielem Unnützen -produziert[7]. Einfassungen in allen möglichen Geschmacks- oder -Ungeschmacks-Richtungen, sogar in japanischem oder chinesischem Stil, -vertragen sich brüderlich mit den Antik- und Renaissance-Ornamenten. - - [7] _Specimen Book_ von: G. BRUCES SON & CO.; FARMER, LITTLE & CO.; - JAMES CONNERS SONS; MAC KELLAR, SMITHS & JORDAN. - -Trotz der sehr bedeutenden Produktion ist die Zahl der massgebenden -Giessereien eine beschränkte (32). Die grossen Schriftgiessereien -liessen die kleineren mit Originalproduktionen nicht aufkommen, -gewährten ihnen dagegen einen so hohen Rabatt, dass die Kleineren -ihren Vorteil dabei fanden, die Schriften der Grossen in ihre Proben -aufzunehmen und als eigene Arbeit zu verkaufen. Dem typographischen -Publikum entgingen zwar hierdurch die aus einer lebhaften Konkurrenz -entstehenden Vorteile, es stand sich jedoch nicht schlecht dabei, indem -die grossen Giessereien, um ihren Platz auszufüllen, sehr bedeutende -Anstrengungen machten. - -Um das Jahr 1800 existierte in den Vereinigten Staaten nur die eine -Giesserei von BINNEY & ROLANDSON in Philadelphia, die durch Franklins -Unterstützung gute Giessinstrumente aus Frankreich erhielt und diese -noch verbesserte. - -[Sidenote: David Bruce * 12. Novb. 1770, [+] 15. März 1857.] - -Eine der ältesten und bedeutendsten Giessereien ist die von DAVID -BRUCE, einem Schottländer, gegründete. Nachdem dieser in Edinburgh die -Buchdruckerei gelernt hatte, siedelte er 1793 nach Amerika über und -begann 1806 im Verein mit seinem jüngeren Bruder GEORGE BRUCE (geb. -1781) eine Buchdruckerei. Die Wichtigkeit der Stereotypie hatte er ganz -begriffen und ging deshalb 1812 nach London, um unter den Auspicien -des Lord Stanhope die Stereotypie aus dem Fundament zu erlernen. -Das Vorhaben gelang jedoch nicht ganz, so dass er noch den Weg der -eigenen Erfahrungen einschlagen musste. Er lieferte die erste in -Amerika stereotypierte Bibel und widmete sich nun ausschliesslich der -Schriftgiesserei und der Stereotypie. Im Jahre 1822 zog er sich aus dem -Geschäft zurück, welches sein Sohn DAVID II. sehr in die Höhe brachte. -Die grosse Schriftprobe des letzteren aus dem Jahre 1869, bis auf den -heutigen Tag durch achtzehn Supplemente vervollständigt, bietet eine -unermessliche Auswahl von Schriften jeder Art[8]. - - [8] Als ein guter Einfall Bruces muss es betrachtet werden, dass er - zur Vorführung seiner Schriften sich nicht sinnlos - zusammengestellter Wörter bedient, sondern mit jeder - neuen Schrift den Titel eines Werkes der typographischen - Litteratur wiedergiebt. Um einen Buchdrucker sattelfest in der - typographischen Bibliographie zu machen, giebt es kaum ein - besseres mnemotechnisches Mittel. Wenn die Schriftgiesser statt - des _Quousque tandem_ etc. Sätze wählten, die für den Buchdrucker - ein Interesse darbieten, so würden die Proben gewiss manchmal - aufmerksamer ins Auge gefasst werden und die Schriften sich - mehr dem Gedächtnis einprägen. Schliesslich gab Bruce noch als - Beilage zu seinen Proben eine Geschichte der Buchdruckerei, 164 - Seiten 4, mit zahlreichen Abbildungen, mit seinen verschiedenen - Werkschriften gedruckt. - -[Sidenote: James Conner * 22. Aug. 1798, [+] 10. Mai 1861.] - -[Sidenote: Th. Mac Kellar.] - -Als Schriftgiesser waren ebenfalls bedeutend JAMES CONNER, dessen Sohn -gleichen Namens zuerst galvanische Matern lieferte, und MAC KELLAR, -SMITHS & JORDAN. Der Teilhaber letzterer Firma, THOMAS MAC KELLAR, war -Verfasser eines sehr guten Handbuches der Typographie: _The American -Printer_ und Herausgeber des _Typographical Advertiser_, ein Blatt, -welches zwar zunächst den Interessen der Firma dient, jedoch manches -allgemein Beachtenswerte bringt. Ähnliche Blätter werden von fast -allen grossen amerikanischen Giessereien herausgegeben, sie verbreiten -zugleich mit den Proben der neuen Leistungen ihrer Geschäfte mancherlei -nützliche Kenntnisse[9]. - - [9] Die Firma Schelter & Giesecke in Leipzig führte diese Sitte in - Deutschland ein (vgl. IX. Kap.). - -[Sidenote: George Guess.] - -Eine merkwürdige Erscheinung des amerikanischen Schriftenwesens ist das -Cherokee-Alphabet des Indianers SEQUOYAH oder GEORGE GUESS. Durch Umgang -mit Weissen kam er erst auf eine Bilder-, dann auf eine Silbenschrift -mit 68 Schriftzeichen, für welche er sich zumteil der Formen der -lateinischen Buchstaben bediente, ohne jedoch von dem sprachlichen Wert -derselben eine Vorstellung zu haben. Er vollendete seine Arbeit, für -welche ihn die Cherokesen-Häuptlinge durch die Prägung einer Medaille -ehrten, im Jahre 1821. - -[Sidenote: Die Holztypen.] - -Der Plakatdruck mit seinen grossen Schriften führte auf die -geschäftsmässige Fabrikation der Holztypen. In Amerika begann diese -im grösseren Massstab um das Jahr 1830 durch WANDERBURGH WILLS & CO. -und durch EDW. ALLEN, der sich später mit der Firma W. H. PAGE & CO. -verband. Zur Verwendung kommt fast nur Ahorn, mitunter Mahagoni oder -Buchsbaum. Die Klötze werden erst in Querschnitte gesägt, mit Dampf -behandelt und zwei Jahre lang aufgespeichert. Die Oberfläche poliert, -man wiederholt mit Schellack und Sandpapier und teilt die Querschnitte -in die benötigten Grössen. Die Buchstabenbilder werden vermittelst -Maschinerie hergestellt[10]. - - [10] _History and Manufacture of Wood Type. Typographical Messenger - 1869, Nr. 4._ - -[Sidenote: Blindendruck.] - -Der in Frankreich zuerst geübte BLINDENDRUCK wurde in England wie auch -Amerika in durchgreifender Weise verbessert. JAMES GOLL in Edinburgh -wandte 1827 eckige Zeichen an; der Amerikaner Dr. HOWE in Boston gab den -gemeinen Buchstaben der Antiqua ebenfalls eckige Formen; ein ähnliches -Alphabet von FRY in London erhielt 1857 von der dortigen _Society of -arts_ einen Preis. Das in England am meisten verbreitete und unter -den willkürlichen eines der zweckmässigsten Alphabete ist das von T. -M. LUCAS in Bristol 1845 erfundene Chiffre-Alphabet, bestehend aus -einem Zirkel und einem Halbzirkel in zwei Grössen, einer grösseren und -einer kleineren Linie und einem Punkt. Hiermit liessen sich vierzig -zweckmässige Zeichen kombinieren. -- Der, selbst blinde, Vorsteher -der Blinden-Anstalt in Brighton, Moon, erfand ein Chiffre-Alphabet von -zehn Zeichen aus gebogenem Draht, die auf Zinkplatten gelötet wurden, -ein Verfahren, das bereits 1839 von FRÈRE geübt war. Nach Moons System -wurden heilige Schriften in achtzig Sprachen gedruckt. Ausser den -erwähnten bestehen jedoch noch viele Systeme. - -Ausserordentlich zu bedauern bleibt es, dass man sich nicht über ein -einheitliches System der Blindenschrift hat einigen können; nirgends -wäre wohl eine Einheitlichkeit für den Lernenden sowohl als für den -Lehrer nützlicher, und wie wäre die Bildung von Blindenbibliotheken -hiermit befördert worden! Aus vielen Gründen dürfte eine Einigkeit, wenn -sie überhaupt möglich ist, nur auf Grundlage des Antiqua-Alphabetes -stattfinden können. - - * * * * * - -[Sidenote: Die Stereotypie.] - -Die praktische Durchführung des vielfach versuchten Verfahrens der -STEREOTYPIE hat man, wie so manche andere Verbesserungen im Druckwesen, -dem edlen CHARLES MAHON, Lord STANHOPE zu verdanken. Derselbe war -erst in Eton College, später unter des bekannten Le Sages Anleitung -sorgfältigst erzogen. Mit besonderer Vorliebe wendete er seine -Aufmerksamkeit der Typographie und der Schriftgiesserei zu, und fast zu -gleicher Zeit traten sein Stereotypverfahren und seine eiserne Presse in -Wirksamkeit. - -W. Ged hatte seine Versuche nicht fortsetzen können (I, S. 266), Müller -und van der Mey (I, S. 251) waren ganz in Vergessenheit geraten. -Die Wichtigkeit der Stereotypie leuchtete aber mit der Zunahme -der schwierigen Arbeiten und der grossen Auflagen immer mehr ein. -Fast 50 Jahre nach Ged machte Dr. TILLOCH in Glasgow, ohne dessen -Erfindung zu kennen, eine ähnliche und übte diese in Verbindung mit -dem Universitätsbuchdrucker FOULIS. Sie brachten auch einige Bände -fertig, gaben jedoch später ihre Arbeiten auf. Lord Stanhope liess -sich von Tilloch und Foulis unterrichten und brachte es in Verbindung -mit einem bekannten Londoner Buchdrucker, WILSON, nach zweijähriger -Arbeit zur Vollkommenheit in dem Verfahren. 1804 konnte letzterer -unter Lord Stanhopes Zustimmung beantragen, die Bibeln und Gebetbücher -der Universität Cambridge mittels des neuen Verfahrens herstellen zu -lassen. Es fand allgemeine Anerkennung und schleunige Verbreitung, -denn Lord Stanhope litt durchaus nicht, dass diese, noch eine andere -seiner Erfindungen Gegenstand eines Patentschutzes wurde; im Gegenteil, -er liess jedesmal ein _Caveat_ in dem _Patent-Office_ einregistrieren, -damit kein Unbefugter sich der Erfindungen bemächtigen und für sich -patentieren lassen konnte. - -[Sidenote: Stanhopes Stereotypie.] - -Der Stanhopesche Prozess[11] ist folgender: Feiner, möglichst frischer -Gips wird mit Boluswasser zu einem flüssigen Brei angerührt und die -Schriftform oder die Holzschnittplatte, welche man stereotypieren will, -mit der Masse erst eingepinselt, dann übergossen. Nachdem der Gips -fest geworden, lässt er sich leicht von der Form abtrennen und man hat -nun eine genaue vertiefte Kopie (Matrize) des zu stereotypierenden -Gegenstandes. Diese wird mit grosser Vorsicht langsam in einem dazu -eingerichteten Ofen getrocknet, dann, mit der Bildseite nach unten, -in eine Pfanne gelegt, die in einen Kessel mit flüssigem Schriftzeug -gesenkt wird. Letzterer dringt durch Öffnungen der Pfanne und füllt -selbst die kleinsten Vertiefungen der Matrize aus. Nachdem die Pfanne -aus dem Kessel herausgenommen und die Masse erkaltet ist, lässt sich -die Mater von der Platte ablösen, erstere geht jedoch dabei verloren, -dafür hat man das getreue Abbild des stereotypierten Gegenstandes in -Schriftmasse[12]. - - [11] THOMAS HODGSON, _An essay on stereotype printing_. Newcastle 1820. - -- J. F. WILSON, _Stereotyping and electrotyping_. London. -- H. - MEYER, Handbuch der Stereotypie. Braunschweig 1838. - - [12] Über die früheren Versuche und die neueren Methoden der Franzosen - vgl. Kap. V. - -[Sidenote: Das Schriftmetall.] - -Doch nicht alle Druckarbeiten, bei welchen das Verfahren zweckmässig -gewesen wäre, konnten stereotypiert werden, namentlich war dasselbe -bei Zeitungen zu langsam, man musste deshalb die Aufmerksamkeit auf -Verbesserung des Schriftzeuges richten. Während der drei ersten -Jahrhunderte der Kunst war eine grosse Auflage eine Seltenheit gewesen -und die Schriften hielten sich oft mehrere Generationen hindurch -brauchbar, ausserdem nahm man es damals nicht so genau wie heute mit -der Schärfe des Druckes. Als nun die vielen Abzüge die Abnutzung, also -auch den Bedarf vermehrten, musste ein härteres Schriftmetall beschafft -werden. Der Prozess des Schmelzens und die Mischung der Metalle geschah -nicht mehr nach Gutdünken, sondern nach wissenschaftlichen Regeln, -auch nicht in der Giesspfanne, sondern in grösseren Quantitäten in -zweckmässigen Schmelzöfen. J. R. JOHNSON lieferte den Zeug so hart, -dass man seine Typen als Stempel in gewöhnlichen Schriftzeug eintreiben -konnte. Auch wurden Matern durch Prägung mittels hydraulischer Pressen -in Stahl, anstatt durch Einschlagen in Kupfer, produziert, und -Versuche gemacht, Typen aus Kupferstangen zu pressen oder die Schrift -zu vernickeln und zu verkupfern. Zu diesem Zweck wurde die _Newton -Coppertype Company_ in New-York etabliert, welche die Schriften für -etwa 18-20 Prozent des Schriftwertes verkupferte. Ausschluss wurde von -Messing, Zink und Vulcanit herzustellen versucht. - -Allein die Verbesserung des Stoffes genügte noch nicht, man musste auch -auf Schnelligkeit und Billigkeit in der Produktion sehen, und hier -konnte nur die Maschine Hülfe schaffen. - -[Sidenote: Die Schriftgiessmaschine.] - -Über den ersten Ursprung der SCHRIFTGIESSMASCHINE verlautet nur, dass -dem WILL. NICHOLSON in London im Jahre 1790 ein Patent auf eine solche -für »konisch« gebildete Typen erteilt wurde. Eine konische Form mit -einer grösseren Bild- und einer kleineren Grundfläche hielt Nicholson -für nötig, weil er die Schriften um den Cylinder einer Schnellpresse -anbringen wollte, welch letztere er sich ebenfalls patentieren liess. -Er hatte das, später von Didot in Paris versuchte, polyamatype -Giessverfahren vor Augen, nach welchem viele Buchstaben auf einmal -gegossen werden sollten. Es blieb, wie mit den übrigen Erfindungen -Nicholsons, bei dem Patentnehmen. - -Die praktische Durchführung der Giessmaschine gehört Amerika an. Die -ersten Patente dort wurden 1805 und 1807 dem ELIHU WHITE und dem -WILLIAM WING in Hartford erteilt. Auch hier hatte man zuerst das -polyamatype Verfahren im Auge, ja man wollte sogar ganze Alphabete auf -einmal giessen. WHITE experimentierte zehn Jahre lang, ohne zu einem -nennenswerten Resultate zu kommen. Die Schriftgiesser BINNEY & ROLANDSON -hatten ebenfalls viele Versuche gemacht und schienen dem Ziele näher -als White gerückt zu sein, hielten jedoch ihre Resultate sehr geheim. -White schmuggelte in wenig ehrenhafter Weise einen seiner Arbeiter bei -Binney ein, damit er hinter die Geheimnisse komme, reussierte jedoch -dessenungeachtet und trotz seiner Verbindung mit dem Mechaniker Will. M. -Johnson nicht. - -Einen wirklichen Erfolg hatte erst DAVID BRUCE 1838. Es entspann sich -jedoch ein bitterer Streit darüber, ob BRUCE, wie er selbst auf das -bestimmteste behauptete, oder einer seiner Arbeiter, der dänische -Schlossergeselle Lauritz Brandt (s. Kap. IX), der eigentliche Erfinder -sei. Bruces Maschine wurde von WILL. M. JOHNSON verbessert. - -[Sidenote: Schleifmaschinen.] - -Seit 1840 sind SCHLEIFMASCHINEN im Gang, haben jedoch nicht in demselben -Umfange, wie die Giessmaschinen, Eingang gefunden. Selbst in Amerika, wo -man doch sicherlich etwas von Arbeitsteilung und rationeller Ausnutzung -der Maschinen versteht, wird Schleifen mittels Handarbeit jetzt noch -vielfach geübt. Die Arbeiter haben sich eine solche manuelle Fertigkeit -erworben, dass sie fast als Maschinen betrachtet werden können. In -London wurden die Schleifapparate namentlich von FIGGINS gebaut. - -[Sidenote: Johnson und Atkinson.] - -Eine der interessantesten Maschinen ist die kombinierte automatische -Giess-, Schleif- und Fertigmach-Maschine von JOHNSON & ATKINSON, -die ohne menschliche Beihülfe die Buchstaben gegossen, geschliffen, -bestossen, gehobelt und in Reihen aufgestellt liefert[13]. Eine -allgemeine Verbreitung hat diese Maschine, die in Deutschland durch -Flinsch, Genzsch & Heyse und Meyer & Schleicher eingeführt wurde, -jedoch nicht gefunden; es gehören verschiedene Vorbedingungen dazu, -wenn ihre Arbeit genügend nutzbringend sein soll. Das Patent von 1862 -ging auf die _Patent Type Foundry_ über, die eine Reihe von Jahren von -P. M. SHANK geleitet wurde und dann in dessen Besitz überging. Sein -Mitarbeiter J. M. HEPBURN änderte die Maschine vollständig um, so dass -sie bei vereinfachter Konstruktion nur die Hälfte des Raumes der älteren -einnimmt und die Typen direkt in die Setzkästen oder in die für die -Setzmaschine bestimmten Röhren legt. In letzterer Weise erhalten die -_Times_ alltäglich die neue Schrift für die Nummer des kommenden Tages -und der Satz der vorigen wandert in die Giessmaschine; denn abgelegt -wird nicht. - - [13] Journ. f. B. 1872, Nr. 42. -- Print. Reg. 1881, Okt. -- Ann. d. - Typ. B. IV, Nr. 183. - -[Sidenote: Westcott.] - -Noch weiter ging die amerikanische kombinierte Schriftgiess-, Schleif-, -Bestoss- und Setzmaschine von WESTCOTT. Ein Setzer spielt, wie bei -der Setzmaschine, von der unten die Rede sein wird, sein Manuskript -auf einer Klaviatur ab; durch Berührung einer Tangente rückt die -gewünschte Mater vor die Öffnung des Schriftgiessinstrumentes und die -Buchstaben werden gegossen, geschliffen, bestossen und gesetzt, nicht -aber abgelegt, denn die Schrift wird nach Ausführung des Druckes in die -Giesspfanne geworfen. Diese Maschine arbeitete auf der Ausstellung in -Philadelphia vollkommen korrekt, aber sehr langsam und vermochte nur -2000 Buchstaben in der Stunde zu giessen und zu setzen[14]. - - [14] Oest. B.-Ztg 1876, Nr. 33. - - * * * * * - -[Sidenote: Die Setzmaschine.] - -Es konnte nicht anders sein, als dass die grosse Errungenschaft der -Druckmaschine die Gedanken der Techniker darauf leiten musste, ob es -nicht möglich sei, die verhältnismässig langsam vorwärtsschreitende -Arbeit des Setzens durch Mechanismus überflüssig zu machen oder -wenigstens zu erleichtern. Einmal ausgesprochen, wird auch ein solcher -Gedanke selten _ad acta_ gelegt, und so ist es, trotz der unüberwindlich -scheinenden Schwierigkeiten, gelungen, die SETZMASCHINE[15], wennauch -nicht in der ausgedehnten Weise wie die Schnellpresse, in das praktische -Leben einzuführen. Wie gross der damit zu erzielende Vorteil sein -wird, lässt sich noch nicht genau übersehen. Fraglich erscheint es -namentlich, ob die Schnelligkeit in der Herstellung der Zeitungen -wesentlich gefördert werden wird. Gerade bei dem Zeitungssatz handelt -es sich um die angestrengteste Ausnutzung der Zeit von dem Augenblicke -ab, wo das letzte Manuskript in die Hände der Druckerei gelangt, und -gerade da wirken viele, gleichzeitig arbeitende, tüchtige und möglichst -selbständige Kräfte sicherer und rascher, als die Setzmaschine. Dass -diese nichtsdestoweniger eine Zukunft haben wird, kann nicht in Abrede -gestellt werden, es liegt aber in der Natur der Sache, dass die -Thätigkeit des denkenden Setzers nicht ohne weiteres ersetzt werden -kann. Die Maschine kann ihm zwar einen Teil der leichteren Arbeit -abnehmen, ihn aber nicht entbehrlich machen. Soll die Setzmaschine für -das Setzen dieselbe Bedeutung erlangen, wie die Schnellpresse für das -Drucken, müssten wir alle typographischen Errungenschaften von vier -Jahrhunderten über Bord werfen, die Typen müssten auf gleich grosse -Körper (Gevierte oder Halbgevierte) gebracht werden und entweder die -Versal- oder die gemeinen Buchstaben wegfallen, dann müsste man das -Recht haben, eine Zeile ohne Rücksicht auf Silbenteilung zu brechen -und selbst das würde nicht ganz genügen, denn jede Auszeichnung wäre -in Wegfall zu bringen. So weit rückwärts wird sich wohl die Phantasie -selbst des grössten Bewunderers der Setzmaschine kaum versteigen. Nehmen -wir diese für jetzt für das, was sie ist, eine höchst beachtenswerte -Hülfsmaschine, nicht aber für einen, das ganze Geschäft umgestaltenden -Apparat, wie die Schnellpresse. Wenn bei der Setzmaschine zumeist -weibliche Kräfte in Anspruch genommen werden, so sind allerdings die -Billigkeit und die Fingerfertigkeit der Frauen mitbestimmend gewesen, -Schuld tragen jedoch auch die Setzer selbst daran durch die feindliche -Haltung, welche sie, wie seinerzeit die Drucker zu der Schnellpresse, -der neuen Erfindung gegenüber einnahmen. - - [15] TH. GOEBEL, Die Setzmaschinen geschichtlich und technisch. Wiecks - Illustr. Gewerbe-Ztg. 1877. - -[Sidenote: Ältere Versuche mit der Setzmaschine.] - -Von wem der Gedanke zuerst ausgesprochen wurde, ist schwer zu -entscheiden. Friedrich König hat bereits im Jahre 1811 oder 1812 -erfahren, dass ein junger Mann in Birmingham sich mit der Absicht trug, -eine Setzmaschine zu bauen. König & Bauer selbst hatten ihre Gedanken -auf eine solche gerichtet, liessen ihn jedoch fallen. Thatsache ist, -dass ihn Dr. CHURCH in Birmingham im Jahre 1822 dargelegt hat. Die -Zahl der Versuche ist Legion; in England allein wurden in den Jahren -1822-1860 57 Patente erteilt. Mit dem Jahre 1840 gewinnen die Versuche -zwar einen realeren Boden, doch gehören auch sie alle jetzt als -Überlebtes der Geschichte an oder sind der Vergessenheit anheimgefallen. -In dem erwähnten Jahre bildete sich in Pressburg eine Gesellschaft, -um eine von JOSEPH V. KLIEGEL erfundene Setz- und Ablegemaschine zu -erbauen, wozu der Franzose ETIENNE ROBERT GAUBERT eine Ablegemaschine -lieferte. In demselben Jahre erhielten der Engländer JOHN CLAY in -Cottingham und der Schwede FR. ROSENBORG Patente, im Jahre 1841 JAMES -HADDEN YOUNG, Spinnereibesitzer, und ADRIEN DELCAMBRE, Fabrikbesitzer, -beide in Lille. Zu ihrer 1844 ausgestellten Maschine, welche nur auf das -Setzen eingerichtet war, baute A. N. CHAIX eine Ablegemaschine; beide -fanden keinen Eingang. In Wien experimentierte, durch AUER unterstützt, -L. TSCHULIK. Er lehnte sich zunächst an Rosenborg an, während J. X. -WURM viele Verbesserungen an seiner Maschine anbrachte. Der eigentliche -Schöpfer der lebensfähigen Setzmaschine war der Däne CHR. SÖRENSEN im -Jahre 1851[16]. - - [16] Vgl. Kap. XIII. - -[Sidenote: Tim. Alden * 14. Juni 1819, [+] 4. Dez. 1858.] - -Unter den älteren englischen und amerikanischen Setzmaschinen war die -von TIMOTHEUS ALDEN die bedeutendste. Von 1835-1846 arbeitete Alden als -Setzer und sprach bereits in seinem neunzehnten Jahre, 1838, die Absicht -aus, eine Setzmaschine zu bauen. Obwohl vielfach ausgelacht, ging er -mit aller Energie daran und konnte 1856 die letzte Hand an sein Werk -legen. Er hatte sich jedoch dabei geistig und körperlich aufgerieben. -Bei seinem Tode 1858 hinterliess er seinem Vetter HENRY W. ALDEN, der -ihm treu geholfen hatte, sein Werk. Die Aldensche Maschine war sehr -kompliziert und demnach kostspielig. Henry Alden vereinfachte sie und -übergab einer Gesellschaft die Erfindung zur Ausbeutung, sie fand jedoch -keine grosse Verbreitung und die Gesellschaft löste sich 1874 auf[17]. - -Eine Maschine von WILLIAM H. MITCHELL in New-York war schon 1861 in -Wirksamkeit bei dem Satz von Appletons _Encyclopaedia_. ALEXANDER -FRASER, Teilhaber der Firma NEILL & CO. in Edinburgh, wollte erst -nur eine Ablegemaschine für Hattersleys Setzmaschine konstruieren, -lieferte jedoch 1862 eine brauchbare Setz- und Ablegemaschine, für -fünf Schriftgrade benutzbar[17]. Ein anderer Apparat von HENRY A. -BURR[18], von welchem acht Stück in der Offizin der _New-York Tribune_ -arbeiten, ähnelt Kastenbeins System[19]; der Ablegeapparat erfordert -Typen mit vielfachen Einschnitten. Von einer von Adie in London nach -dem Fraserschen System in der _Behring Manufacturing Company_ gebauten -Maschine arbeitet eine grössere Zahl in verschiedenen Offizinen. FELTS' -1861 gebaute Maschine versprach vieles, ob sie es gehalten, haben wir -nicht erfahren. Die von Clowes' Druckerei eingeführte und nach dem -Besitzer die »Clowes-Maschine« genannte Erfindung des Setzers JOHN -HOOKER[20], war 1874 in London ausgestellt, sie fand jedoch keine -weitere Verbreitung. Es wird bei derselben die elektro-magnetische -Kraft zur Anwendung gebracht. Anstatt Tasten finden sich kleine -Kupferplättchen vor, mit leitenden Drähten an deren Rückseiten, -die in Verbindung mit einem Elektromagnete stehen. Lässt nun der -Setzer den mit einem Holzgriff umgebenen, mit dem negativen Pol der -Batterie verbundenen Leitdraht eine Kupferplatte berühren, so wird -die galvanische Kette geschlossen und ein Hebel in Bewegung gesetzt, -der den begehrten Buchstaben vorschiebt. Das Ablegen muss durch -Handarbeit besorgt werden. Ein diesem ähnliches Prinzip lag dem 1876 -in Philadelphia ausgestellten Apparat von G. P. DRUMMOND aus Canada -zugrunde. - - [17] Journ. f. B. 1866, Nr. 15, 17, 19, 24. - - [18] Print. Reg. 1880. - - [19] Journ. f. B. 1876, Nr. 38. - - [20] Print. Reg. 1877, Nov. - -Die in der Caxton-Ausstellung 1877 zur Anschauung gebrachte Setzmaschine -des in London lebenden Deutschen M. L. MÜLLER[21] war für viele -Schriftarten bestimmt und mit 200 Tangenten in sechs Reihen über -einander versehen. J. ROB. WINDER[22] in Bolton behauptet als Vorzüge -für sein Fabrikat die gleichzeitige Beförderung mehrerer Buchstaben. -Die in gewissen Verbindungen sehr oft vorkommenden Buchstaben sind -demgemäss in mehreren, verschieden gelegenen Rinnen untergebracht. WICK, -der Besitzer der _Glasgow News_, suchte nach ähnlichen Prinzipien den -Vorteil in kombinierten Griffen, und seine Klaviatur hat sogar eine -Anzahl von Tangenten für Logotypen der üblichsten Silben-Verbindungen -der englischen Sprache[23]. - - [21] Journ. f. B. 1875, Nr. 7. - - [22] Print. Reg. 1880, Dez. - - [23] Journ. f. B. 1880, Nr. 13. Print. Reg. 1880, März. - -Eine der neuesten Setz- und Ablege-Maschinen ist die 1880 in Düsseldorf -ausgestellt gewesene von A. VON LANGEN und C. G. FISCHER, die, was -den Setz-Apparat betrifft, der Kastenbeinschen Maschine ähnelt, deren -Ablege-Apparat jedoch den des letztgenannten an Brauchbarkeit bedeutend -übertreffen soll. - -Die Doppelmaschine Westcotts für Guss und Satz wurde bereits (S. 40) -erwähnt; als Halbmaschinen lassen sich die von Millar und Porter -bezeichnen. MILLARS 1870 ausgestellte Maschine verwendet nur die -gemeinen Buchstaben, die Ausschliessungen und einige der am häufigsten -vorkommenden Versalien; die anderen Schriftzeichen müssen aus einem -Kasten durch die Hand des Setzers hinzugefügt werden. Wenn nicht -vollkommen, ist der Apparat wenigstens sehr billig. T. J. PORTERS -Apparat[24] führt auf mechanischem Wege dem Setzer die Typen zu, welche -er sonst aus den Fächern des Setzkastens nehmen musste, das eigentliche -Setzen jedoch wird mit der Hand vollzogen. - - [24] Print. Reg. 1880, Juni. - -Es wäre zwecklos, der obigen Reihe von Erfindern noch einige Dutzend -Namen anzuhängen. Das hier bereits Angeführte mag hinreichend dafür -sprechen, dass schwerwiegende Hindernisse, die oben schon angedeutet -wurden, einem vollkommenen Setzapparat im Wege liegen. Es bleibt nur -noch übrig, die drei Männer zu erwähnen, deren Erfindungen am meisten -in die Praxis gedrungen sind: Hattersley, Mackie und Kastenbein, welch -letzterer nach der augenblicklichen Sachlage die grösste Aussicht für -die Zukunft zu haben scheint. - -ROBERT HATTERSLEY in Manchester erhielt 1857 ein Patent auf -Verbesserungen an den Setz- und Ablegemaschinen. Die seinigen wurden -zuerst 1859 in der Buchdruckerei von Bradbury & Evans in London -verwendet. Über eine Klaviatur, deren Tasten nach dem Masse des -Vorkommens der mit ihnen korrespondierenden Typen geordnet sind, -befindet sich ein etwa 1-1/2 Meter hoher Aufsatz von Eisen, an welchem -sich zwei eiserne horizontale Tafeln befinden, auf welchen die Typen -in Rinnen gereiht stehen. Wird eine Taste angeschlagen, so drückt -ein, je über dem letzten Buchstaben einer Rinne befindliches Stäbchen -diesen heraus, worauf letzteres in die frühere Lage durch ein sich -zusammenziehendes Gummischnürchen zurückgeschnellt wird. Das Nachrücken -der Buchstaben in der Rinne geschieht ebenfalls durch Zusammenziehen -einer Gummischnur, welche mit einem Metallstück, das von hinten auf die -Reihe drückt, verbunden ist, über diese sich hinzieht und vorn nach oben -festgemacht ist. So befindet sich stets ein Buchstabe am vordern Rande -der Rinne. - -Die herausgestossenen Buchstaben gleiten durch Rinnen, die sich in einem -vertikalen herzförmigen Behälter befinden, dem einzigen Mundstück an der -unteren Spitze des Behälters zu und stellen sich einer neben dem andern -in den Winkelhaken auf. Ist eine Zeile voll, wird eine Setzlinie auf den -Satz gelegt und dieser in das unter dem Winkelhaken befindliche Schiff -heruntergeschoben. In letztem wird nunmehr der Satz Zeile für Zeile -ausgeschlossen. - -Theoretisch ist die Leistungsfähigkeit 7-8000 Buchstaben pro Stunde, -in der Praxis 4-5000. Eine Zeitlang schien es, als würde die -Hattersley-Maschine einen Platz behaupten. Zwei Exemplare wurden 1874 -in der Offizin der »Neuen Freien Presse« in Wien aufgestellt; seitdem -ist es jedoch still darüber geworden. Ein grosser Übelstand ist die -Abhängigkeit von den durch die Witterung und Abnutzung beeinflussten -Gummischnüren, mit denen keine bestimmte Rechnung sich machen lässt. -Die Leistungsfähigkeit der Ablegemaschine ist ungefähr die Hälfte der -Setzmaschine. - -C. KASTENBEIN, wohnhaft in Brüssel, baute 1871 in Paris die erste -Maschine für die _Times_-Druckerei in London. 1872 arbeiteten dort 5 -Setzmaschinen und 8 Ablegemaschinen. Die Typen liegen in Rinnen eines -hochaufsteigenden Behälters. Durch Niederdrücken einer Tangente wird -ein Hebel in Bewegung gesetzt, der dem Buchstaben an der Fussfläche -einen Stoss nach vorn giebt, wodurch er in horizontaler Lage aus -der Rinne herausgestossen, jedoch durch den Bau der Rinne während -des Heruntergleitens in vertikale Lage gebracht wird. Wie bei der -Hattersley-Maschine befinden sich die Gleitrinnen in einem herz- -oder birnenförmigen Behälter und endigen in einem gemeinschaftlichen -Mundstück. Ein Glasverschluss gestattet dem Setzenden, jede in den -Rinnen vorkommende Unregelmässigkeit zu bemerken. Die Rinnen für -die schwersten Typen mit der grössten Fallgeschwindigkeit sind so -angebracht, dass diese Typen den weitesten Weg zurücklegen, wodurch die -erforderliche gleiche Beförderungszeit der verschiedenen Typen erzielt -wird. Die in einem langen Winkelhaken sich aufreihenden Buchstaben -werden nun dem Setzschiff zugeführt, das seitwärts auf einem schrägen -Pult-Gestell ruht, an welchem der mit dem Umbrechen der Zeilen Betraute, -das Gesicht dem Setzenden zugewendet, sitzt, und den Satz in Empfang -nimmt, davon so viel für eine Zeile notwendig ist auf das Schiff schiebt -und ausschliesst. Durch Treten eines Pedals senkt sich darauf das Schiff -um so viel als notwendig ist, damit eine neue Zeile hinübergeschoben -werden kann. Die Leistungsfähigkeit ist in der Praxis 3-4000 Buchstaben; -in der Ausstellung zu Paris 1878 wurde sie jedoch probeweise bis zu -10200 gesteigert. Die Maschine ist, ausser in England, in Nordamerika, -Dänemark, Italien vielfach verwendet. Die Reichsdruckerei in Berlin -schaffte sie 1879 an. - -Seinen ersten Ablegeapparat verwarf Kastenbein selbst als zu -kompliziert; bei dem zweiten werden die Buchstaben förmlich in einen -mit Löchern versehenen Kasten, wie sonst in die Fächer des Setzkastens -mit der Hand, abgelegt. Durch Treten, oder durch Drehen eines Rades, -wird ein Mechanismus in Bewegung gesetzt, welcher Stösser treibt, die -die Buchstaben in die für sie bestimmten Reihen der Rinnen treiben. -Man sieht, dass auch dieser Apparat nicht vollkommen und nur teilweise -automatisch ist. Zu zwei Setzmaschinen gehören etwa drei Ablegemaschinen. - -Ein von allen anderen abweichender Weg wurde von Dr. ALEXANDER -MACKIE[25], einem praktischen Buchdrucker in Warrington, eingeschlagen. -Das Städtchen liegt halbwegs zwischen Manchester und Liverpool, ziemlich -im Zentrum eines Kreises kleinerer aufblühender Städte. MACKIE fasste -den Plan, für jede derselben eine eigene Zeitung zu gründen, die den -leitenden und politischen Teil mit den anderen gemeinschaftlich, dabei -jedoch einen lokalen selbständigen Teil besitzen sollte. So entstand -eine ganze Familie von _Guardians_, sieben an der Zahl, die mit dem -_Manchester Guardian_ 1853 anfing. Um nun den gemeinschaftlichen Teil -schnell für jedes der Lokalblätter herstellen zu können, kam Mackie -auf eine Kombination von drei verschiedenen Maschinen, von welchen -die eine, wenn man so sagen darf, die Manuskriptmaschine, die andere -die Setz-, die dritte die Ablegemaschine bildete. Durch die ersten -wird beim Anschlagen einer Taste ein Loch in einen Papierstreifen -gebohrt. Die Löcher sind so rangiert, dass, wenn ein perforierter -Streifen der Setzmaschine übergeben wird und ein Loch in diesem ein -Loch in einer Walze, über welche der Streifen geführt wird, gerade -deckt, ein Stift hineinfällt, der bis dahin einen Behälter, worin die -benötigten Buchstaben sich befinden, zugeschlossen hielt. Aus dem -nunmehr geöffneten Behälter fällt die Type auf eine schnell rotierende -Gleitschiene und wird dem Winkelhaken zugeführt. Selbstverständlich -beruht alles auf der richtigen Lage der, durch die mit den Tasten -verbundenen Stifte in den Streifen gebohrten Löcher. Es ähnelt diese -Manipulation dem Wirken der Stifte auf der Walze einer Spieldose, -welche zur rechten Zeit die, den richtigen Ton angebende Metallfeder -treffen müssen. Im Prinzip hat Mackies Maschine grosse Vorzüge. Sie ist, -was die eigentliche Setzmaschine betrifft, vollständig automatisch. -Das perforierte Manuskript kann gleichzeitig in mehreren Exemplaren -hergestellt werden und somit behufs des Setzens durch eine Maschine -nach verschiedenen Orten gesandt werden. Von einer grossen Verbreitung -des Apparates verlautet indes nichts, dagegen wird berichtet, dass -Mackie sich fortwährend mit Verbesserungen an demselben, namentlich am -perforierenden Teil, beschäftigt, so dass anzunehmen ist, dass ihn die -Leistungen noch nicht ganz befriedigen, obwohl er jetzt schon 350000 -Buchstaben pro Woche garantiert. - - [25] Print. Reg. 1877, Okt. Ann. d. Typ. I, Nr. 24. III, Nr. 109. - -Dr. Mackie ist ein so eigentümlicher und bedeutender Repräsentant -moderner Arbeitsweise, dass es wohl geboten ist, seine Wirksamkeit -etwas näher zu betrachten. Nachdem er Erfolge erzielt hatte, ging er -noch weiter und errichtete im Jahre 1877 in einer kleinen Stadt CREWE, -gelegen an einem Knotenpunkte der Londoner Nord-West-Bahn, mit 25000 -Einwohnern, von denen ein bedeutender Teil in den umfangreichen dortigen -Werkstätten der Eisenbahngesellschaft beschäftigt ist, eine grossartige -Druckoffizin. In gothischem Stile erbaut, bildet sie eine mächtige -Halle von 150 Fuss Länge und 30 Fuss Breite, in welcher 14 Mackiesche -Setzmaschinen mit den nötigen Hülfsmaschinen, zwei Atkinsonsche -Giessmaschinen und die erforderlichen Schnellpressen arbeiten. Unter -den nahe an 150 Beschäftigten sind nur etwa 30 Männer. Indem Mackie die -Offizin nach Crewe legte, rechnete er darauf, dass er unter den vielen -Töchtern der dortigen Arbeiter sehr leicht tüchtige Hülfskräfte finden -würde. Er, oder vielmehr die Kommandit-Gesellschaft MACKIE, BREWTHAL -& CO., druckt dort verschiedene Zeitschriften und viele Werke für -Buchhändler in London[26]. - - [26] Eines der frühesten umfangreicheren Bücher, deren Satz mittels - der Setzmaschine fertiggestellt wurde, ist: _Italy and France. - An Editors Holiday by Alex. Manckie._ London 1874. xvi und 415 - Seiten. Der Verfasser schildert darin die Eindrücke einer im - Fluge unternommenen Ferienreise. Leider hält er sich nicht so - lange bei der Schilderung der typographischen Etablissements Roms - und Paris auf, als dem Leser gewiss lieb gewesen wäre. - -Mit dieser Anstalt hat Mackie in jüngster Zeit auch ein -Ausbildungs-Institut für werdende Berichterstatter, Unterredakteure -und Zeitungsbesitzer vereinigt. Der Betreffende erhält Unterweisung: -1) im praktischen Setzen, um später richtig disponieren, Manuskript -berechnen und die für das Setzen nötige Zeit beurteilen zu können; 2) -im Korrekturenlesen, unter Berücksichtigung, wie bei der Korrektur die -Zeit des Arbeiters geschont werden kann; 3) im Berichterstatten und -der Art, das Manuskript für den Satz praktisch und korrekt abzufassen; -4) in der Buchführung für Journalunternehmungen. Es unterliegt wohl -keinem Zweifel, dass ein solches Institut, seitdem die journalistische -Thätigkeit ein wirklicher Lebensberuf so Vieler geworden ist, einen -grossen Wert hat und wohl Nachahmung verdient. - -Zu diesem und seinen übrigen Instituten fügte er noch im Jahre 1880 eine -neue grossartige Offizin in Warrington. Das prächtige Gebäude von 200 -Fuss Länge und 100 Fuss Breite im gothischen Stil hat wie das in Crewe -nur ein Stockwerk. Der grosse Arbeitssaal von 126 Fuss Länge und 96 Fuss -Breite wird durch zwei Reihen von eisernen Säulen in drei Längenschiffe -geteilt. - -Das Prinzip der Setzmaschinen: durch eine Tastatur Buchstaben in -Bewegung zu setzen, führte zu den Versuchen mit dem sogenannten _Matrix -compositor_ (Matrizen-Setzer) des JOHN E. SWEET & DAUL (Paris 1867) -und deren vielen Nachfolger als: D. TIMIRIAZEFF (London 1872), JOS. -LIWTSCHACK in Wilna (1876), PETERSON in Wien, G. HAMBRUCH in Elbing u. -a. Sweets Gedanke war theoretisch ein sehr hübscher. Er wollte, indem er -die Stempel durch die Tastatur in eine weiche Masse drückte, Matrizen -auf dem Setzwege direkt herstellen. Dieselben Schwierigkeiten jedoch, -die hinderlich waren, um einen korrekt ausgeschlossenen Satz durch die -Setzmaschine zu liefern, stehen auch diesem Verfahren, und zwar in einem -noch höheren Grade, entgegen. Sweets verschiedene Ausstellungsproben --- und über diese hinaus scheint er nicht gekommen zu sein -- waren -äusserst wenig empfehlend. - -[Illustration] - - -[Illustration] - - II. KAPITEL. - - DIE DRUCK- UND HÜLFSMASCHINEN - - DER ANGLO-AMERIKANISCHEN GRUPPE. - - DIE HANDPRESSE. Lord Stanhope und seine Nachfolger: Cogger, Clymer - u. a. Die Auftragmaschine. Die Glätt- und Prägmaschine: Bramah. DIE - SCHNELLPRESSE: Friedr. König in England, Bensley, John Walter, der - 29. November 1814, Kränkungen Königs, seine Abreise von London, - Walters Eintreten für ihn. Die Nachfolger Königs: Napier, Applegath & - Cowper, Hoe u. a. Die Endlosen: W. Bullock, die Walter-Maschine u. a. - Die Mehrfarbe-Endlose. Die Tretmaschinen. Die Ausleger, die Anleger. - DIE SATINIERMASCHINE. DIE FEUCHTAPPARATE. DIE BRONCIERMASCHINE. DIE - FALZMASCHINE. DIVERSE HÜLFSMASCHINEN. WALZEN UND FARBE. DIE - MATERIALIENHANDLUNGEN. - -[Sidenote: Druckpresse.] - -Seit dreihundertundfünfzig Jahren hatte man sich zur Herstellung selbst -der vorzüglichsten Druckwerke noch immer der alten hölzernen Presse -bedient. Nach den Verbesserungen an dieser in den ersten fünfzig Jahren -der Kunst waren im ganzen genommen keine, das eigentliche Wesen der -Presse weiter ändernden eingetreten, namentlich blieb der zweimalige -Zug, einer für jede Hälfte der Druckform. Erst gegen das Ende des XVIII. -Jahrhunderts gelangten ernsthafte Verbesserungsversuche zur Ausführung, -um den Druck grösserer Formate mit einmaligem Zuge zu bewerkstelligen. -Besonders hierfür thätig waren W. HAAS in Basel (Kap. XIV) und F. DIDOT -in Paris (Kap. V). - -[Sidenote: Lord Stanhopes Presse.] - -Den eigentlichen Umschwung kennzeichnet erst die eiserne Presse Lord -STANHOPES. Nach vielen kostspieligen Versuchen brachte er, mit Hülfe -des tüchtigen Mechanikers WALKER, diese zustande und das erste Exemplar -wurde in der Offizin Will. Bulmers aufgestellt und beim Druck der -grossen Prachtausgabe von Shakespeares Werken verwendet[27]. - - [27] Die Sitte in England, manchmal eine Offizin als _Press_ zu - bezeichnen, hat in Deutschland öfters zu Missverständnissen - Anlass gegeben. So stand in einem deutschen Fachblatt, - dass Lord Stanhopes eiserne Presse unter der Bezeichnung - _Shakespeare-Press_ verbreitet sei, während diese Bezeichnung - die Firma für Bulmers Offizin war, wo die Stanhope-Presse zuerst - arbeitete. - -Wände, Krone, Ober- und Unterbalken der hölzernen Presse wurden jetzt -durch ein Stück Gusseisen ersetzt. An Stelle der Schraube mit dem -Bengel trat ein zusammengesetzter Hebel, der es möglich machte, in dem -Augenblick des Druckes eine fast unbegrenzte Kraft zu entwickeln. Die -Arbeiter, die früher mit Aufgebot aller Gewalt den Bengel an sich ziehen -mussten, indem sie mit zurückgebogenem Körper den Fuss an den Antritt -stemmten, konnten gar nicht begreifen, dass ein gelindes Anziehen im -letzten Augenblick genügend sei, um einen kräftigen Abdruck zu erzielen. -Das Zurückgehen des Tiegels wurde durch ein Gegengewicht bewerkstelligt. -Nur der Fuss blieb anfänglich noch Holz, doch auch hiervon kam man bald -ab und baute auch diesen Teil aus Eisen[28]. - - [28] Journ. f. B. 1834, Nr. 10; 1835, Nr. 24. - -[Sidenote: Die Druckwalze.] - -Die grossen Handpressen erforderten auch eine raschere Art der -Einfärbung. Den Gedanken, die Ballen durch Walzen zu ersetzen, -hatte schon früher der französische Holzschneider PAPILLON gehabt. -Lord STANHOPE liess viele Versuche machen, um einen zweckmässigeren -Überzug derselben fertig zu bringen, gelangte aber nicht zum Ziel. -Ein geschickter Drucker in Weybridge, FORSTER, kam, angeregt durch -die Verwendung der Leimmasse in einer Töpferei in Staffordshire, auf -den Gedanken, eine Masse von Leim und Syrup auf grobes Segeltuch zu -giessen und, nach der Erkaltung, die Ballen damit zu überziehen. Erst -später wurden hölzerne Walzengestelle mit Masse umgossen. Hiermit war -ein wesentlicher Gewinn an Arbeit und Zeit erreicht, der namentlich der -Schnellpresse zugutekommen sollte. - -[Sidenote: Fortwährende Verbesserungen.] - -Als einmal das Feld für den Pressenbau eröffnet war, entstanden eine -Menge von Pressen, von welchen jede besondere Vorzüge haben sollte. -Neben manchem Unwesentlichen kamen auch wirkliche Verbesserungen vor. -Doch wie die hölzerne Presse schon jetzt ein Gegenstand ist, den -mancher tüchtige Buchdrucker der Gegenwart nur von Hörensagen kennt, -so wird es einst mit der eisernen Handpresse gehen, die jetzt schon -fast der Vergangenheit angehört, so dass manche grosse Druckerei nur -noch zum Abziehen der Korrekturen eine invalide Presse, von einem -Drucker-Invaliden bedient, besitzt. - -[Sidenote: J. Cogger.] - -Die COGGERSCHE Presse entwickelte eine noch grössere Kraft, als die -Stanhopesche. Säulen von Schmiedeeisen bildeten die Presswände. Ein -querarmiger zusammengesetzter Hebel gab die Kraft, die dicht unter -dem Oberbalken in ausgedehnter Weise wirkte. Durch Federn wurde das -Zurückgehen des Tiegels bewerkstelligt[29]. - - [29] Beschrieben und abgebildet Journ. f. B. 1834, S. 62. - -[Sidenote: J. Clymer.] - -Einen hohen Ruf durch die ganze Welt erwarb sich die »Columbia-Presse« -JOHN CLYMERS. Dieser stammte aus einer Schweizerfamilie, die nach -Amerika ausgewandert war. Im Alter von sechzehn Jahren erfand der junge -Clymer bereits einen neuen Pflug mit so besonderen Vorzügen, dass er die -Aufmerksamkeit der Männer der Wissenschaft auf sich zog. Der Zustand -der Druckerpresse erweckte seine Erfinderlust und bereits im Jahre -1797 begann er seine Verbesserungen an der Holzpresse, später an der -eisernen, bis er seine berühmte »Columbia-Presse« zustande brachte, die -er 1818 in England einführte, wo sie allgemeine Verbreitung fand. In -den dreissiger Jahren beherrschte sie fast alle Druckoffizinen, auch -die des Kontinents. In dieser Presse wurde durch eine Kombination von -Hebeln bei grosser Gleichmässigkeit des Druckes eine ausserordentliche -Kraft geübt, und der Abdruck erschien, bei wesentlicher Schonung der -Schrift, in grösster Schärfe. Das Zurückgehen des Tiegels geschah durch -ein, auf einem langen Hebel angebrachtes, schweres Gewicht, meist in der -Gestalt des auffliegenden amerikanischen Adlers. Die Presse hatte etwas -Imposantes und konnte für sehr grosses Format gebaut werden[30]. - - [30] Über die von J. Clymer erfundene Patent-Columbiapresse. - Braunschweig 1828. -- Journ. f. B. 1834, S. 95. - -[Sidenote: W. Hagar.] - -Eine weite Verbreitung fanden ebenso diejenigen Pressen, welche bei -geringer Kraftanwendung und bei elastischem Zug durch einen Kniehebel -einen starken Druck ausübten. Der Tiegel wurde durch Spiralfedern -getragen, das Einstellen für die verschiedenen Schrifthöhen geschah -sehr leicht. Diese Pressen wurden zuerst von dem Amerikaner HAGAR -gebaut[31]. Das Prinzip des Kniehebels war bereits, jedoch nicht -in glücklicher Weise, in der sehr komplizierten »Strebepresse« von -HAWKIN[32] angewendet und wurde später bei mehreren englischen Pressen -benutzt. Sehr verbreitet war die »Albionpresse« von HOPKINSON[33] und -die »Imperialpresse« von J. COPE[34]. - - [31] Journ. f. B. 1836, Nr. 42. - - [32] Journ. f. B. 1835, Nr. 33. - - [33] Journ. f. B. 1838, Nr. 33. - - [34] Journ. f. B. 1835, Nr. 81. - -[Sidenote: J. Ruthven.] - -[Sidenote: D. Treadwell.] - -[Sidenote: J. Saxton.] - -Alle die Abarten der Handpresse, die keine grosse Rolle gespielt haben, -hier zu beschreiben, wäre eine unfruchtbare Arbeit; es seien nur noch -einige, die sich durch Originelles in der Konstruktion auszeichneten, -kurz erwähnt. Bei der von JOHN RUTHVEN in Edinburgh 1813 erbauten -»Schottischen Presse« blieb das Fundament, welches mit Deckel, Rähmchen -und Punkturen versehen ist, unbeweglich, während der Tiegel in Schienen -hin und her ging und das Fundament durch einen unter demselben -angebrachten Mechanismus kräftig angezogen wurde[35]. Sehr originell -war die Konstruktion der 1820 in England patentierten »Tretpresse« -des Amerikaners DANIEL TREADWELL. Das Fundament war, wie bei der -Ruthven-Presse, fest. Sie arbeitete leicht, nahm aber einen grossen Raum -ein und sah sehr hässlich aus, fand auch nicht Eingang[36]. Nicht besser -ging es der »Hydrostatischen Presse« JOS. SAXTONS, in welcher der Tiegel -an das Fundament gedrückt wurde durch die Kraft des Wassers, das sich in -einem hohlen, elastischen, in der Art der Ziehharmonika geformten und -mit dem Tiegel zusammenhängenden Behälter befand, während beim Abfluss -des Wassers aus demselben der Tiegel sich wieder hob. - - [35] Journ. f. B. 1835, Nr. 4. - - [36] J. f. B. 1834, Nr. 62. - -[Sidenote: Die Auftragmaschine.] - -Der Gedanke, die Farbe auf mechanischem Wege aufzutragen, lag ziemlich -nahe und ist auch verschiedentlich, jedoch nie in ganz befriedigender -Weise, bei der Handpresse zur Ausführung gebracht. Die ersten Versuche -geschahen 1820 durch THOMAS PARKIN. Sein Apparat nahm jedoch einen sehr -grossen Platz ein und die Drucker leisteten gegen denselben passiven -Widerstand, damit nicht der eine der bisher nötigen zwei Drucker ausser -Brot kam. - -In Amerika erfand 1833 FAIRLAMB in Boston, der sich mit einem erfahrenen -Buchdrucker und Mechaniker Namens GILPIN vereinigte, einen solchen -Apparat, von welchem viele hunderte gebaut wurden. Das Farbewerk -stand mit der Kurbel in Verbindung und die Walzen gingen zweimal über -die Form weg. Nach der Verbreitung der Schnellpresse verlor jedoch -diese Erfindung fast ihren ganzen Wert, da Auflagen, wo Schnelligkeit -notwendig war, nicht mehr auf der Handpresse gedruckt wurden. - -[Sidenote: Bramahs Glätte- und Prägpresse.] - -Dem Bedürfnis nach einer guten Glätte half namentlich BRAMAHS -»Hydraulische Presse« ab, die im Vergleich mit der Schraubenpresse den -grossen Vorteil hat, dass die Reibung nicht mit der Zunahme des Druckes -wächst, der in dem letzten Augenblick eine enorme Steigerung erreichen -kann. - -Weitere Verdienste erwarb sich Bramah durch seine Präg- und -Numeriermaschinen, von welchen eine der frühesten 1809 bei dem Druck -der Noten der englischen Bank Verwendung fand. Vor dieser Zeit mussten -die Nummern und das Datum mit der Hand eingeschrieben werden. Es -dauerte nicht lange, so verwendete die englische Bank 40 Bramahsche -Maschinen[37]. - - [37] Journ. f. B. 1835, Nr. 55; 1836, Nr. 122. - - * * * * * - -[Sidenote: Die Schnellpresse.] - -So wichtig nun auch alle die erwähnten Verbesserungen und Erfindungen -waren, so verschwanden sie doch gegen die grosse, am 28. November 1814 -der Welt als vollzogen angekündigte That, »dass die _Times_ auf einer -durch Dampf betriebenen, ohne Beihülfe von Menschenhänden arbeitenden -Schnellpresse gedruckt sei«. - -[Sidenote: Fr. König.] - -Mit besonderem Stolz blickt Deutschland auf dieses Ereignis, denn der -Name des deutschen Erfinders FRIEDRICH KÖNIG wird neben dem Gutenbergs -auf ewige Zeit mit Anerkennung und Dankbarkeit genannt werden. Ganz -ohne Bitterkeit bleibt die Freude hierüber allerdings nicht, denn die -Verhältnisse lagen damals für Deutschland so schlimm, dass es, wie König -selbst sagt, nicht möglich gewesen wäre, ohne die Beihülfe Englands die -Erfindung für das praktische Leben nutzbar zu machen. Für uns erwächst -hieraus die Notwendigkeit, die Anfänge der Geschichte der deutschen -Erfindung der Schnellpresse in Verbindung mit der typographischen -Geschichte Englands zu behandeln[38]. - - [38] KÖNIG & BAUER, Die ersten Druckmaschinen erbaut in London bis - zu dem Jahre 1818. Mit Abbildungen. Leipzig 1851. -- S. SMILES, - _Frederick König, Inventor of the steam printing machine_. - MacMillans Magazine, Dzbr. 1869. -- TH. GOEBEL, Fr. König und - die Erfindung der Schnellpresse. Braunschweig 1875. -- Königs - Jugendgeschichte und die spätere Geschichte des Etablissements - König & Bauer in Kloster Oberzell ist in Kap. X behandelt. - -[Sidenote: Th. Bensley.] - -[Sidenote: Andr. Fr. Bauer.] - -[Sidenote: John Walter.] - -Nachdem Königs Hoffnungen in Deutschland, Österreich und Russland -vollständig gescheitert waren, kam er 1806 nach England und fand in -dem folgenden Jahre in dem tüchtigen Buchdrucker THOMAS BENSLEY einen -Mann, der die nötigen Geldmittel zur Erlangung eines Patentes und zur -gemeinschaftlichen Ausbeutung desselben herzugeben bereit war. Der neue -Gutenberg war hierdurch, wie der Urvater der Typographie, ebenfalls -an einen klug-berechnenden und eigensüchtigen Fust gefesselt, hatte -jedoch das Glück, in seinem Peter Schöffer -- ANDREAS FRIEDRICH BAUER --- nicht nur einen technisch tüchtigen Mitarbeiter, sondern auch einen -treuen Freund für das Leben zu besitzen, und in seinem Conrad Humery -- -JOHN WALTER -- nicht nur den wohlwollenden und vermögenden Beschützer, -sondern den mächtigen direkten Förderer seiner Pläne zu finden. - -[Sidenote: R. Taylor und G. Woodfall.] - -[Sidenote: Das erste Patent.] - -Zu König und Bensley traten noch RICHARD TAYLOR und G. WOODFALL, -bekannte Buchdrucker und rechtliche Männer. Es wurden nach und nach vier -Patente für verschiedene Arten von Druckmaschinen in England genommen. -Das erste Patent: »Für eine Methode mittels Maschinen zu drucken«, -wurde Fr. König am 10. März 1810 erteilt; die Spezifikation ist am 27. -September eingetragen. Alle Verrichtungen waren auf eine wiederkehrende -Bewegung zurückgeführt, so dass Betrieb durch Dampf möglich war und die -Arbeiter weiter nichts zu thun hatten, als die Bogen auf dem Deckel -anzulegen und nach dem Druck abzunehmen. Deckel und Rähmchen waren -ungefähr wie bei der Handpresse, nur mit dem Unterschied, dass das -Rähmchen am unteren, statt am oberen Ende des Deckels angebracht war. -Beide schlossen und öffneten sich durch einen einfachen Mechanismus. -Die Druckfarbe wurde aus einem Behälter ausgepresst. Die Zerteilung -der Farbe geschah durch rotierende, zugleich in der Längsrichtung -sich bewegende Cylinder, das Auftragen durch Walzen, welche mit -egalisiertem Ballenleder überzogen waren. 1811 im April war diese erste -Tiegeldruck-Schnellpresse fertig und der erste Bogen, der darauf in -der Bensleyschen Druckerei gedruckt wurde, war der Bogen H des _Annual -Register for 1810_ in einer Auflage von 3000 Exemplaren. - -[Sidenote: Zweites Patent.] - -Das zweite Patent »für weitere Verbesserungen der Methode mit Maschinen -zu drucken« datiert vom 30. Oktober 1811, die Spezifikation vom 29. -April 1812. In diesem Patent wird das Prinzip fast aller folgenden -Schnellpressen ausgesprochen. Es enthält eine ausführliche Beschreibung -und Abbildung der einfachen Cylinder-Druckmaschine, zugleich wird jedoch -erwähnt, dass durch eine Kombination einer grösseren Anzahl derselben -Teile oder Prinzipien die Wirkung verdoppelt und vervierfacht werden -könne und dass überhaupt von einer Form eine grosse Anzahl von Abzügen -in kürzester Zeit zu erhalten sei. Dies alles wurde durch Zeichnungen -erläutert. Das dritte Patent, vom 23. Juli 1813, mit der Spezifikation -vom 22. Juli 1814, bezieht sich »auf additionelle Verbesserungen der -Methode mit Maschinen zu drucken, namentlich was den Farbenapparat, die -endlose Bänderleitung, die Horn- und Segmenträder und die Verbindung des -Druckcylinders mit dem Karren betrifft«. - -[Sidenote: Drittes Patent.] - -Die nach dem zweiten Patent zuerst gebaute einfache Cylindermaschine -wurde im Dezember 1812 vollendet. Die ersten Leistungen dieser ganz -cylindrischen Presse waren die Bogen G und X von _Clarkson, Life of -W. Penn. Vol._ I. Die Maschine druckte 800 in der Stunde. Als der -Eigentümer der _Times_, J. WALTER, die Leistung gesehen, war er in -wenigen Minuten entschlossen, zwei Doppelmaschinen zu bestellen. Diese -Maschinen mit doppeltem, vorwärts und rückwärts wirkendem Druckcylinder -lieferten in der Stunde 1100 Abdrücke in einer weit besseren Ausführung, -als man bei Zeitungen gewohnt war. Am 29. November 1814 ging die erste -Nummer der _Times_, mit diesen Maschinen gedruckt, aus der Offizin -im _Printinghouse-Square_ hervor. John Walter selbst machte dies dem -Publikum in einem leitenden Artikel bekannt, an dessen Schluss es heisst: - -»Über die Person des Erfinders haben wir wenig hinzuzusetzen. Sir -Christophe Wrens[39] edelstes Denkmal ist das Gebäude, welches er -errichtete; ebenso ist die beste Lobpreisung, welche wir dem Erfinder -der Druckmaschine darbringen können, diese selbst, deren Macht und -Nützlichkeit wir in schwachen Worten zu schildern versucht haben. Es mag -genügen, zu sagen, dass der Erfinder von Geburt ein Sachse ist, dass er -FRIEDRICH KÖNIG heisst und dass die Erfindung unter der Leitung seines -Freundes und Landsmannes Bauer zur Ausführung gebracht wurde.« - - [39] Erbauer der Paulskirche in London. - -[Sidenote: Viertes Patent.] - -Das vierte Patent Königs »für weitere Verbesserungen an der -Schnellpresse« wurde am 24. Dezember 1814, die Spezifikation am 22. -Juni 1816 registriert. Aus den Grundsätzen derselben gingen die Schön- -und Widerdruckmaschine, die verbesserte einfache Druckmaschine und die -verbesserte Doppelmaschine hervor. Die erste Komplettmaschine wurde im -Februar 1816 in der Druckerei von Bensley & Son aufgestellt und lieferte -stündlich 900-1000 auf beiden Seiten bedruckte Bogen. Die _Literary -Gazette_ war das erste Wochenblatt, welches von 1818 ab dort auf der -Schnellpresse gedruckt wurde. In den Nummern vom 3. und 10. Januar -äusserte sich Bensley selbst auf das günstigste über die Leistungen der -Maschine. Eine verbesserte Doppelmaschine, welche 1500-2000 Exemplare -pro Stunde lieferte, wurde in der _Times_-Offizin aufgestellt und der -Eigentümer sprach sich am 3. Dezember 1824 in günstigster Weise über sie -aus. - -Aus den Patent-Akten geht also hervor, dass schon damals alle -Hauptklassen von Maschinen nicht allein von König spezifiziert, -sondern mit Ausnahme der achtfachen auch ausgeführt wurden: die -einfache Maschine mit Tiegeldruck, die einfache Cylindermaschine, die -Doppelmaschine mit abwechselnd stillstehendem Cylinder, die vielfache -Maschine, die Schön- und Widerdruckmaschine, die verbesserte einfache -Cylinderpresse, die verbesserte Doppelmaschine. Zur Ausführung der -achtfachen Maschine wurde König und Bauer die Gelegenheit nicht gegeben. -So lange sie in England verweilten, war die Notwendigkeit einer solchen -noch nicht eingetreten, und als sie das Land verlassen hatten, war -es natürlich, dass John Walter lieber mit den dortigen Mechanikern -verkehrte, so dass die achtfache Maschine mit vertikalen Cylindern, -welche man bis 1860 als ein Wunderwerk in der _Times_-Druckerei -anstaunte, nach Applegaths Konstruktion ausgeführt wurde. - -[Sidenote: Umtriebe gegen König.] - -Nach diesen praktischen Resultaten und nach den Zeugnissen Walters und -Bensleys wäre wohl zu erwarten gewesen, dass über die Erfindung der -Schnellpresse kein Zweifel mehr obwalten konnte, und dass dem Erfinder -auch der volle materielle Lohn geworden wäre. Das war jedoch nicht der -Fall. Th. Bensley zeigte sich als ein egoistischer Teilhaber, der in der -Sozietät das Übergewicht geltend machte. Ihm war es mehr darum zu thun, -die Erfindung zur Hebung der eigenen Offizin zu benutzen, als darum, -Bestellungen von seinen Konkurrenten zu erzielen. Statt den Vertrieb -zu fördern, erschwerte er denselben und leitete, wie es scheint, die -Unterhandlungen in einer der Sache wenig förderlichen Weise. Selbst die -Ergebnisse der bereits abgeschlossenen Geschäfte suchte er sowohl Fr. -König als auch dem anderen Teilhaber Taylor zu verkümmern. Ja sogar die -Ehre der Erfindung sollte nicht unangetastet bleiben. - -[Sidenote: Will. Nicholson.] - -WILLIAM NICHOLSON, ein heller Kopf und redlicher Mann, hatte sich früher -mit der Idee einer Druckmaschine umgetragen und bereits am 29. April -1790 ein Patent genommen »auf eine Maschine oder ein Instrument, um -auf Papier, Leinwand, Kattun, Wollenzeug und andere Stoffe in einer -netteren, wohlfeileren und genaueren Manier zu drucken, als durch die -jetzt gebräuchlichen Instrumente möglich ist«[40]. Seine Zeichnungen -und Erklärungen sind sehr skizzenhaft. Es wird mehr angegeben, was -Nicholson will, als »wie« er es zu machen gedenkt. Nicholson hat seine -Ideen nie ausgeführt; sie waren von ihm selbst längst beiseitegelegt und -vergessen, als König und Bensley aus des Genannten eigenem Munde davon -hörten, als sie ihn in ihrer Patentangelegenheit konsultierten; denn -Nicholson übte die Vermittelung in solchen Geschäften als Erwerb. Bei -dieser Gelegenheit äusserte derselbe, »er habe die Sache vor 17 Jahren -versucht, sie gehe aber nicht«. Auch hat er, selbst als König öffentlich -mit seiner Erfindung auftrat, sich ganz still verhalten. - - [40] _Repertory of arts vol. 1_, 1796. -- SAVAGE, _Dictionary of the - art of printing_. 1841. - -[Sidenote: E. Cowper.] - -Dagegen tauchten andere auf, die es sich mit dem Fortbauen auf den -gemachten Erfahrungen bequem machten. Wäre hierzu nur Nicholsons -geistige Hinterlassenschaft benutzt, so hätten König und Bauer -keine Veranlassung sich zu beschweren gehabt; es wurden aber -ihre Ideen vollständig, z. B. von E. COWPER in seiner Schön- und -Widerdruckmaschine, ausgebeutet. Rechtsgelehrte erklärten, dass ein -Einschreiten seitens Königs von Erfolg sein würde, aber Bensley stimmte -gegen ein solches und die Klage musste demnach unterbleiben. Ja, es -scheint sogar, dass Bensley in Übereinstimmung mit Cowper gehandelt -habe. »Denn letzterer offerierte« -- so, sagt Savage, sei ihm berichtet -worden -- »als einen Akt der Gerechtigkeit und in Betracht der grossen -Kosten von mindestens 16000 Pfd. Sterl., welche für Bensley bei der -Durchführung der Erfindung der Druckmaschine entstanden waren, diesem -einen Anteil an seinem Patent[41], was von Bensley angenommen wurde.« -Die Freundschaft der beiden scheint jedoch nicht von langer Dauer -gewesen zu sein, denn später liess Bensley König ersuchen, gegen Cowper -einzuschreiten, was jetzt jedoch König seinerseits ablehnte. Wie es -Cowper machte, so thaten es auch andere; man nahm von Nicholson und -König, was passte, und fügte einiges Neue hinzu. - - [41] Cowpers Maschine ist in _Monthly Magazine_ vom 1. Jan. 1819 - beschrieben und abgebildet. - -[Sidenote: König geht nach Deutschland.] - -Ermüdet von allen diesen Verdriesslichkeiten beschlossen König und Bauer -im Jahre 1817, England zu verlassen und in das Vaterland zurückzukehren, -dem sie fortan mit Ruhm und Erfolg angehören sollten. Das Verlassen -Englands unter den obwaltenden Umständen war selbstverständlich gleich -einem Aufgeben der Patentrechte und der daran geknüpften Aussichten. Die -englische Presse vergass schnell den Namen König. Wenn von der Erfindung -und Verbesserung der Schnellpresse die Rede war, so wurden Nicholson, -Cowper, Applegath und andere genannt; König existierte nicht. Nur die -_Times_ fuhr fort, eine rühmliche Ausnahme zu machen, und stellte noch -am 3. Dezember 1824 König das ehrendste Zeugnis aus. Es dürfte, wenn -auch König keiner Ehrenrettung bedarf, eine Pflicht gegen die deutsche -Erfindung sein, die hauptsächlichsten Stellen daraus wiederzugeben: - -[Sidenote: John Walter über König.] - -»Bei der ersten Einführung der Druckmaschinen erregte diese Erfindung -grosse Teilnahme, und ihre Originalität wurde nicht bestritten, indem -niemand einen Beweis für die frühere Anwendung derselben Grundsätze -anführen konnte. Schon damals waren wir bemüht, den Ansprüchen des -Erfinders, Herrn König, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, der einige -Jahre später in sein Vaterland Deutschland zurückkehrte, jedoch -- -fürchten wir -- ohne den Lohn empfangen zu haben, der seinem Verdienste -für seine wunderbare Erfindung und deren Ausübung in England zukam.« Es -wird nun der ungerechten Versuche von anderer Seite, sich die Erfindung -anzueignen und die Verdienste Königs entweder ganz zu ignorieren oder -auf ein Minimum zu reduzieren, gedacht und dann fortgefahren: »Es ist -ein so seltener Fall, dass ein Ausländer in England eine Erfindung zur -Ausführung bringt; es giebt hier so viele eingeborene Talente in den -mechanischen Künsten, und England steht in dieser Beziehung so hoch; -dass es wohl ausländischem Verdienste Gerechtigkeit widerfahren lassen -kann.« Dies thut nun das Blatt, indem es die Ansprüche des Herrn Bensley -auf null, die des Herrn Nicholson auf eine fallengelassene Idee und die -der Nachfolger Königs auf das _facile est inventis addere_ zurückführt. -»Wir können zum Schluss nicht umhin, zu bezeugen, dass wir in Herrn -König nicht nur einen Mann von hoher Bildung und feurigem Geiste, -sondern auch von grösster Ehrenhaftigkeit und lauterster Rechtlichkeit -gefunden haben. In dem kritischen und prüfungsreichen Zeitraum, wo seine -Erfindung in unserer Offizin zur Ausführung gebracht wurde, standen wir -in täglichem Verkehr mit ihm, so dass wir volle Kenntnis von seiner Art -und Weise und von seinem Charakter erlangten; die Folge ist gewesen, -dass wir für ihn innige Freundschaft und hohe Achtung für immer hegen.« - -Ein Zeugnis, ehrend für König, ehrend für Walter! - - * * * * * - -[Sidenote: Verbesserer der Schnellpresse.] - -Sehen wir von dem gegen König geübten Unrecht ab, so können wir den -englischen Erbauern von Schnellpressen unmöglich die Anerkennung -versagen, diese so wesentlich verbessert zu haben, dass die Leistungen -der ersten Schnellpressen gegen die heutigen Rotationsmaschinen sich -fast eben so verhalten, wie die Leistungen der Handpressen zu denen der -ersten Schnellpressen. Nur diese Fortschritte haben es der englischen -und amerikanischen Journalistik möglich gemacht, ihren hohen Rang zu -erkämpfen und zu behaupten. - -[Sidenote: Napier.] - -[Sidenote: Applegath & Cowper.] - -Unter den Verbesserern der Schnellpresse sind besonders zu erwähnen: -Edw. Cowper, Aug. Applegath, D. Napier, Isaac Adam, R. Hoe & Co. Noch -viele andere könnten genannt werden. NAPIER führte zuerst Greifer ein -und baute Maschinen mit einem sehr grossen Druckcylinder, der sich in -fortwährender Bewegung befand und von welchem nur etwa der dritte Teil -als Druckcylinder benutzt wurde. Bekannt sind die von APPLEGATH & COWPER -im Jahre 1827 für die _Times_-Druckerei erbauten viercylindrischen -Maschinen mit einer Leistungsfähigkeit von 4-5000 Exemplaren[42]. Noch -renommierter wurde jedoch Applegaths Rotationsmaschine mit vertikalen -Satz- und Druckcylindern. Der Satz war auf einem Teil des mittleren -grossen Cylinders angebracht, dessen übriger, grösserer Teil als -Farbentisch zum Verreiben der Farbe diente. Acht vertikale Druckcylinder -von je 40 englischen Zoll Durchmesser waren derart um den Satzcylinder -gruppiert, dass alle bei einmaliger Umdrehung des letzteren mit dem -Satz in Berührung kamen, so dass also acht Bogen einseitig gedruckt -waren. Durch keilförmige Spaltlinien und eben solche Kolumnenstege wurde -fester Anschluss der Typen erzielt, die wie Mauersteine beim Bauen eines -Bogens zusammenhielten. Jeder der Anleger führte alle vier Sekunden -der Maschine einen Bogen zu, während acht Abnehmer die gedruckten -Bogen in Empfang nahmen. Die Hauptschwierigkeit in der Konstruktion -lag in dem Bändersystem, welches die in horizontaler Lage zugeführten -Papierbogen in die für den Druck notwendige vertikale Lage zu bringen -hatte. Die allergeringste Zögerung seitens eines Anlegers machte den -Bogen zu Makulatur. Ein Vorzug der vertikalen Cylinder war, dass der -abgehende Papierstaub nicht auf die Satzform, sondern zur Erde fiel. Die -Maschine lieferte über 7000 Exemplare[43]. Applegath erfand auch eine -solche, um zu gleicher Zeit mit sechs Farben zu drucken. Für sein System -unnachahmlicher Banknoten zahlte ihm die englische Bank 18000 £ Sterl. -Er starb in Dartford im Jahre 1871 in einem Alter von 84 Jahren. - - [42] _A description of A. Applegaths & Cowpers horizontal machine and - of Applegaths vertical machine for printing the Times._ London - 1851. - - [43] Wenn in dem Folgenden von Leistungen der Maschinen ohne eine - Zeitbestimmung gesprochen wird, ist stets damit in einer Stunde - gemeint. - -[Sidenote: C. A. Holm.] - -Ein Schwede, C. A. HOLM, nahm 1840 in London Patent auf seine, -»Skandinavia-Presse« genannte Tiegeldruckmaschine. Trotz ihres schweren -Ganges und ihrer geringen Leistungsfähigkeit von 5-600 Exemplaren -war sie doch in England sehr verbreitet und beliebt, namentlich zum -Druck illustrierter Werke, die man damals noch nicht in heutiger -Vollkommenheit auf der Cylindermaschine lieferte[44]. - - [44] In Deutschland arbeitet unseres Wissens nur ein Exemplar in der - Viewegschen Buchdruckerei in Braunschweig. - -[Sidenote: Rob. Hoe * 1784, [+] 1833.] - -[Sidenote: Hoe & Co.] - -Die Wundermaschine Applegaths wurde durch die von Hoe übertroffen, -die 1860 in der _Times_-Offizin Aufstellung fand. ROBERT HOE war der -Begründer der berühmten Anstalt für die Fabrikation aller Arten von -typographischen Maschinen in New-York. Er war als Sohn eines Pächters -in Leicestershire in England geboren und lernte als Zimmermann. Im -Jahre 1803 ging er nach Amerika und heiratete dort, erst zwanzig Jahre -alt. Zwei seiner Schwäger, MATTHIAS und PETER SMITH, letzterer Erfinder -einer renommierten Handpresse, hatten ein Geschäft errichtet, welches -nach dem Tode der Inhaber von Hoe 1823 übernommen wurde. Es war damals -noch klein, hatte aber, als Robert Hoe 1832 aus demselben trat, einen -bedeutenden Umfang erreicht. Sein ältester Sohn RICHARD M. HOE und -dessen Vetter MATTHIAS SMITH, welche seit 1823 Teilhaber des Geschäfts -gewesen waren, übernahmen es nun ganz für sich. Smith, ein Mann von -ungewöhnlichen Fähigkeiten, starb 1842 und ROBERT HOE JUN. und PETER -SMITH HOE nahmen seine Stelle ein. - -[Sidenote: Die Blitzpresse.] - -Im Jahre 1846 wurde die epochemachende Maschine mit rotierendem -Cylinder: _The type revolving printing_ oder _Lightning Press_ -(Blitzmaschine) gebaut. Die Schriftform ist auf einem grossen -horizontalen Cylinder angebracht, um den sich 4-10 Druckcylinder -bewegen, deren Anordnung je nach der Zahl derselben sich richtet. Bei -der zehnfachen Maschine, wie sie in den Offizinen der _Times_ und der -_Daily News_ arbeiteten, sassen die Anleger vier Etagen über einander. -Die Bänderleitung war weniger kompliziert, als bei den Applegathschen -Maschinen, weil die horizontal eingelegten Bogen in dieser Lage -verblieben. Der grosse Cylinder hatte einen Durchmesser von 4-1/2 Fuss -englisch. Die Länge der Maschine war 35 Fuss, die Breite 12 Fuss und -die Höhe 18 Fuss. Die Leistungsfähigkeit betrug gegen 25000 Exemplare. -Der Anblick in der Offizin der _Daily News_, wo zwei solche Maschinen -gleichzeitig arbeiteten, war wahrhaft sinnverwirrend, wenn die zwanzig -grossen Bogen auf einmal in der Luft herumschwirrten[45]. - - [45] Journ. f. B. 1860, Nr. 30. - -[Sidenote: Isaak Adam.] - -Der Beifall, welchen diese und andere ihrer Maschinen erhielten, spornte -Hoe & Co. zu noch grösseren Anstrengungen an. Nicht zufrieden mit den -eigenen Erfindungen kauften sie auch noch von ISAAK ADAM aus Boston -dessen mehr als fünfzig Patente für Hand- und Schnellpressen. Dieser war -der älteste Pressenbauer Amerikas, der 1830 die Tiegeldruck-Maschine -gebaut hatte, welche in Amerika noch viele Freunde besitzt. 1861 -eröffneten Hoe & Co. auch ein Etablissement in London, namentlich -um dort bequemer die Reparaturen und Verbesserungen an ihren vielen -in England verbreiteten Maschinen ausführen zu können. Ein zweites -Etablissement in New-York wurde 1870 eingerichtet und Hoes beschäftigten -damals bereits 1000 Arbeiter. Ihr Katalog beweist den enormen Umfang -ihrer Fabrikation, unter welchen die Billet- und Nummeriermaschinen für -mehrfarbigen Druck einen hohen Rang einnahmen[46]. - - [46] R. Hoe & Co., _The typographical Messenger_, 1869. - -[Sidenote: Die »Endlosen«.] - -Doch auch die Wundermaschinen Hoes gehören der Vergangenheit an und -wurden durch die eigenen späteren Leistungen, zuerst aber durch die -Rotationsmaschine für endloses Papier des Amerikaners Bullock in -Schatten gestellt. Es wäre zwar anzunehmen gewesen, dass man bei -der erreichten Arbeitsschnelligkeit Beruhigung gefasst habe. Jedoch -weit gefehlt, denn man betrachtete das Geleistete nur als eine -Abschlagszahlung. Die mit der Handhabung der grossen Schriftformen -verbundene Gefahr war noch eine bedeutende und es gehörten immer -noch zur Bedienung einer grossen Hoeschen Maschine 18 Personen. Die -Arbeiterbewegungen hatten aber gezeigt, wie wünschenswert es sei, -bei Unternehmungen, wo Viertelstunden entscheiden, von menschlicher -Beihülfe oder Missgeschick der Arbeiter unabhängig zu sein. Die -Aufmerksamkeit richtete sich deshalb auf möglichste Selbstthätigkeit -der Maschine, die schliesslich in der »Endlosen«[47] in Verbindung mit -der Segment-Papierstereotypie das Ideal erreichte. Zwanzig Minuten -nach Fertigstellung der letzten Satzform einer Zeitung sind die -segmentförmigen Stereotypplatten auf dem Satzcylinder befestigt. Mit -einer Schnelligkeit, welche die Lieferung von 200 fertigen Nummern -in der Minute ermöglicht, wird das endlose Papier von der Rolle -abgewickelt, erst durch die Feuchtwalzen, dann zwischen die Satz- und -Druckcylinder geführt, durch den Schneideapparat von der Rolle in -einzelnen Bogen abgetrennt, dem Falzapparat übergeben und zum Versenden -gefalzt; thatsächlich ohne eine weitere menschliche Beihülfe als die der -Burschen, welche die zum Versand fertigen Haufen wegzuschaffen haben. - - [47] Diese Bezeichnung wurde halb im Scherz von den »Annalen - der Typographie« gebraucht und dann von Anderen acceptiert. - »Rotationsmaschine« ohne nähere Bezeichnung deckt den Begriff der - »Endlosen« nicht genau. - -Bedenkt man nun, dass eine Endlose, wie sie in der _Times_-Offizin -gebaut wird, in einer Stunde eine Papierlänge von zwei deutschen Meilen -auf zwei Seiten druckt, faktisch also 4 Meilen Gedrucktes in der Stunde -liefert, man demnach mit zwei solchen Maschinen und einem doppelten -Exemplare von Stereotypen in wenigen Stunden 100000 Exemplare von einer -grossen Zeitung beschaffen kann, so sollte man meinen, ein _non plus -ultra_ erreicht zu haben; doch selbst diese Schnelligkeit ist bereits -übertroffen worden. - -[Sidenote: Ursprünge der Endlosen.] - -[Sidenote: Rowland Hill * 3. Dezbr. 1795, [+] 27. Aug. 1879.] - -Wer zuerst eine mehr als allgemeine Idee der Endlosen gefasst hat, -ist schwer zu sagen. Den Gedanken deutet schon der Erfinder der -Schnellpresse selbst an. In England hat man früher die Priorität der -Erfindung für die Firma NELSON & SONS in Edinburgh in Anspruch genommen, -ein Modell ihrer projektierten Maschine befand sich auf der Londoner -ersten Weltausstellung 1851. Auf der Caxton-Ausstellung 1877 waren -jedoch Überreste eines Modells zu sehen, welches der berühmte englische -General-Postmeister Sir ROWLAND HILL 1835 hatte anfertigen lassen. Seine -Maschine war darauf eingerichtet, dass keilförmige Typen oder gebogene -Clichés auf einem Cylinder angebracht wurden und dass ein endloser -Bogen zwischen den Schrift- und den Druckcylinder geführt wurde, wie -bei den jetzigen Rotationsmaschinen. Die Maschine ward patentiert, in -_Chancery-Lane_ aufgestellt und von kompetenten Richtern sehr günstig -beurteilt. Die Regierung gestattete jedoch nicht den Druck des damals -noch bestehenden Stempels bei dem Durchgang des Bogens mit vorzunehmen, -und die Sache unterblieb; ob allein aus diesem Grunde, wird wohl jetzt -schwer zu entscheiden sein. Was die endlosen Pressen Auers betrifft, -so verhielten sie sich zu den jetzigen wie chinesischer Tafeldruck zur -Typographie Gutenbergs (vgl. Kap. XIV). Die Amerikaner behaupten, dass -schon um das Jahr 1840 J. B. WILKINSON eine Endlose erfunden habe. - -[Sidenote: Will. Bullock * 1813, [+] 1867.] - -Auch wenn dies nicht wäre, gebührt jedenfalls doch einem Amerikaner -WILLIAM BULLOCK die Ehre, dem Gedanken zuerst eine praktische Lösung -gegeben zu haben. - -Derselbe war zu Greenville geboren. In Philadelphia lernte er als -Eisengiesser und Maschinenbauer. 1849 gründete er dort eine Zeitung und -baute 1853 für den eigenen Bedarf eine Holzpresse mit einem mechanischen -Zubringer des Papiers. Schrittweise wurde er nun zu seiner Erfindung -geführt, auf welche er am 14. April 1863 Patent erhielt. Seine Maschine -ist in Amerika sehr geschätzt, hat aber in England keinen besonderen -Beifall gefunden und ist auf dem Kontinent gar nicht eingeführt. Er -verunglückte bei Prüfung einer seiner Maschinen. - -[Sidenote: _Times_-Presse.] - -Die eigentliche Aera der Endlosen datiert von der Erbauung der -»Walter-Maschine«. Es war eine Wiederholung der Scene von 1814. -Bereits lange zirkulierten mysteriöse Gerüchte von einer neuen -Wundermaschine, die in der _Times_-Offizin gebaut werde. Aber es -gelang niemand, durch den dichten Schleier zu dringen, mit welchem die -Vorbereitungen bedeckt waren. Nicht einmal die ältesten Maschinenmeister -oder die Vertrauensmänner im Geschäft bekamen Erlaubnis, den -streng verschlossenen Raum zu betreten, in welchem das neue Wunder -zusammengesetzt wurde, bis der Tag anbrach, an welchem es seine Pflicht -zum erstenmal erfüllte. Der Constructeur war der erste Ingenieur der -Offizin J. C. MACDONALD, im Verein mit J. CALVERLEY. Die Presse erhielt, -dem Besitzer zu Ehren, den Namen »Walter-Presse«[48]. - - [48] Eine Reihe von Artikeln, welche die englischen und amerikanischen - Endlosen beschreiben und abbilden, sind separat erschienen - als: J. F. WILSON, _Typographic Printing Machine and Machine - Printing_. London 1871. - -[Sidenote: Prinzip der »Endlosen«.] - -Wenn auch die Lage der Cylinder und die Reihenfolge der Funktionen -bei den verschiedenen Systemen eine verschiedene ist, so bleibt doch -das Prinzip dasselbe. Das Papier wird von der Fabrik auf eine Rolle -gewickelt geliefert; die Zapfen der Rolle drehen sich leicht in den -Lagern, in welche sie eingelegt werden, so dass das Papier, wenn einmal -den Cylindern zugeführt, durch den Zug der sich drehenden Cylinder von -der Rolle abgewickelt wird. Der Streifen passiert (wenn das Papier -nicht durch eine besondere Vorrichtung im voraus gefeuchtet wurde) -einen Feuchtapparat, wird erst auf der einen Seite gedruckt und dann -durch eine S-förmige Bewegung auf den Widerdruckscylinder geführt. -Während des ferneren Passierens des Papiers zwischen den Schneidewalzen -hindurch wird es derartig perforiert, dass die Löcher sich dicht an -einander reihen, so dass das Stück, welches einen Bogen bildet, durch -den Ruck, welchen Leitbänder, die mit ungleicher Schnelligkeit sich -bewegen, hervorbringen, von der Rolle abgetrennt wird. Der fächerartige -Selbstausleger legt nun die Bogen entweder einzeln oder mehrere zusammen -auf einen Haufen, oder sie werden, wenn eine Falzmaschine, wie es -gewöhnlich der Fall ist, zugleich mit der Druckmaschine verbunden ist, -dieser zugeführt und fallen, wie Stroh aus der Dreschmaschine, fertig -zum Versenden in einen Behälter. Dabei nimmt eine solche Maschine sehr -wenig Raum ein; eine Walter-Maschine erfordert 14 engl. Fuss Länge, 5 -Fuss Breite. - -[Sidenote: Segmentförmige Clichés.] - -Selbstverständlich gehören zu dieser Maschine segmentförmige Clichés. -Boden und Decke des hierzu erforderlichen Giessinstrumentes liegen -wie in den für flache Stereotypen bestimmten, parallel, jedoch nicht -in der Ebene, sondern in einer Bogenform. Die biegsamen Papiermatern -schmiegen sich an den Boden des gerundeten Giessinstrumentes an, der -Deckel wird zugemacht und die Platte in üblicher Weise gegossen, voll, -oder, wenn der Deckel des Giessinstrumentes darauf eingerichtet ist, nur -auf Rippen ruhend. Um den nötigen Druck beim Eingiessen des flüssigen -Schriftmetalls auszuüben, ist ein starker Anguss notwendig, dessen -Beseitigung durch eine Kreissäge jedoch nur Sache eines Augenblicks -ist. Die Justierung des Clichés geschieht ebenfalls in einer Minute -oder weniger durch eine Hobelmaschine und die Platte ist zum Einsetzen -in die schwalbenschwanzförmigen Halter des Schriftcylinders fertig. Ein -Nachteil bei der Papier-Stereotypie ist, dass die Typen beim Trocknen -der Matern heiss werden und zusammenbacken. RYLES & SON in Bradford -haben nun eine Methode erfunden, die Mater, welche im feuchten Zustande -von der Schrift abgehoben wird, in einem besonders konstruirten Rahmen -festzuhalten und für sich ohne die Schrift zu trocknen. - -[Sidenote: Verschiedene »Endlose«.] - -Der Walterpresse folgte die »Victoriapresse«[49] von DUNCAN & WILSON in -Liverpool. Diese, namentlich in der Provinz beliebte Maschine war die -erste, die mit Falzapparat arbeitete; dann kam die »_Prestonian_« der -Herren BOND & FORSTER, welche sowohl für Platten- als für Schriftdruck -eingerichtet ist; die »_Northumbrian_« von DONNISON & SON in Newcastle -u. T.; die »_Whitefriars_« des JOS. PARDOE, gebaut von A. H. PAYNE, die -sowohl für Papier in Bogen als für endloses sich benutzen lässt und -namentlich für illustrierte Blätter bestimmt ist. - - [49] Ann. d. Typ. 1. Bd. Nr. 32; V. Bd. Nr. 235. - -In Amerika folgten HOE & CO. und überboten an Leistungsfähigkeit ihrer -Maschinen die Engländer. Die Fabrikate von ANDR. CAMPBELL sind neueren -Datums und noch nicht recht in die Praxis gedrungen. - -»Man möchte glauben, dass die äusserste Grenze erreicht sei, wenn die -Erfahrung nicht den Menschen belehrte, nie das Wagnis zu unternehmen, -der Vervollkommnung eines Menschenwerkes und den unerforschlichen -Absichten der Vorsehung eine Grenze im voraus zu bestimmen«, so schrieb -Ambr. Firmin-Didot, als er 1851 die Leistungen der Applegathschen -_Times_-Maschine angesehen hatte. Wie sehr er Recht gehabt, zeigen die -enormen Leistungen in der Druckerkunst, die wir seit jener Zeit erlebt -haben. Jedoch trotz diesen, wer würde es heute wagen, zu sagen: »Nun ist -die Grenze wirklich erreicht«. - -[Sidenote: Endlose für Illustrationsdruck.] - -Die Verwendung der Endlosen für Illustrationsdruck gelang bis jetzt -in England nicht so gut wie in Deutschland. Die von THOMAS MIDDLETON -& CO. 1874 für die Offizin der _Illustrated London News_ gebaute, und -dem Gründer des Blattes zu Ehren genannte »Ingram-Maschine« wird zum -Druck eines kleinen Blattes _The Penny Paper_ benutzt. Die Konstruktion -der Cylinder ist eine eigentümliche. Der vordere, für die Bilderform -bestimmte hat einen grossen Umfang und nimmt drei Exemplare der -Platten auf, man hat damit erzielen wollen, dass die Clichés nur wenig -gebogen werden, damit nicht Verzerrungen in den Bildern entstehen. Der -kleinere _Cylinder_ für die Schriftform ist nur mit zwei Exemplaren -des Textes belegt, infolge dessen muss sich dieser Cylinder mit ein -Drittel grösserer Schnelligkeit bewegen, als der grosse. Diese Maschine -lieferte 7000 Exemplare und ist, da die Zurichtung von fünf Formen -selbstverständlich viel Zeit kostet, nur bei sehr grossen Auflagen -zweckentsprechend. - -Für FARBENDRUCK bauten CONISBEE & SON in London eine Endlose, die -dreifarbigen Druck in 3000 Exemplaren liefert, ebenso D. F. POWELL. In -Chicago fabrizierten SUITTERLIN CLAUSSEN & CO., in Philadelphia T. O. -FERREE Vielfarbemaschinen[50]. - - [50] FR. NOBLE, _The principles and practice of colour printing_. - London 1881. - -[Sidenote: Die Tretpresse.] - -Wie die Extreme sich so oft berühren, so geschah es auch in dem -Druckpressenbau, denn neben den ganz grossen Zeitungsmaschinen waren es -namentlich die ganz kleinen, welche durch Treten in Bewegung gesetzt -werden können und nur einen Arbeiter, in der Regel einen Burschen, zur -Bedienung verlangen, welche die Aufmerksamkeit der Maschinenbauer in -Anspruch nahmen. - -Es war ganz natürlich, dass man besonders in den Ländern, wo der -Spruch »Zeit ist Geld« seine volle Gültigkeit hatte, und wo die Zahl -der kleineren Accidenzarbeiten sich ins Kolossale steigerte und -viele Druckereien sich ausnahmslos nur mit solchen »_Job_-Arbeiten« -beschäftigten -- also in Amerika und England --, an diese kleinen -Maschinen dachte. Man hatte nicht, wie in Deutschland, Zeit abzuwarten, -bis ein Drucker an der Handpresse mit seinen langwierigen Vorbereitungen -fertig war, um hundert Visitenkarten zu drucken, auch nicht Lust, -deshalb eine 5000 Mark oder mehr kostende Maschine, deren Karren einen -weiten Weg hin und zurück zu machen hatte, in Bewegung zu setzen. So -entstand in England und Amerika eine Legion solcher Tretpressen unter -verführerischen Namen, als: _Universal_, _Nonpareille_, _Minerva_, -_Non plus ultra_, _Franklin_, _Excelsior_, _Progress_, _Lilliput_, -_Favorit_, _Star_ etc. etc. Die Bahn hatten zwei Deutsche, DEGENER & -WEILER, in New-York mit ihrer _Liberty-Press_ gebrochen. Die auf dem -Kontinent verbreitetsten Tretpressen dürften jetzt neben den Degener & -Weilerschen die »Gordon-Pressen« sein. Trotz einiger, diesen kleinen -Maschinen anhaftenden Mängel haben sie doch in zweckmässigster Weise -eine bedeutende Lücke im Druckgewerbe ausgefüllt. Ein Kabinettstück -unter den kleinsten Maschinen ist MAUSEL BAYLYS Kombinationspresse. -Der Umstand, dass diese kleinen Pressen, welche ganz die Handpressen -verdrängt haben, zum Nachteil des geregelten Druckgeschäfts in die Hände -der sogenannten Trittmüller -- kleine Papierhändler, Buchbinder und -andere Nichtbuchdrucker -- gefallen sind, hat sie in einen unverdienten -üblen Ruf gebracht. Das Prinzip der Endlosen ist in geistreicher Weise -durch Tiegeldruck auf diese kleinen Maschinen in der _Kidder-Press_ mit -feststehendem Tiegel und hin- und hergehender Schriftform zur Anwendung -gebracht. - -Die beim Druck von Wertpapieren so notwendigen Numeriermaschinen wurden -von BODEL so konstruiert, dass sie die Nummern erhaben pressen und von -beiden Seiten verschiedenartig färben. - -[Sidenote: Ausleger und Anleger.] - -Eine wesentliche Verbesserung bei den gewöhnlichen Schnellpressen waren -die rechenförmigen MECHANISCHEN AUSLEGER, die mit ihren, sich zwischen -den Leitbändern auf- und niederbewegenden Rechen die Bogen von den -Leitbändern wegnehmen und auf den Auslegetisch niederdrücken. Diese -Verbesserung hat allgemeinste Verbreitung gefunden, was dagegen weniger -mit den MECHANISCHEN ANLEGERN der Fall ist. Die Schnelligkeit der Hand -des Anlegenden hat eine Grenze, die sich nicht überschreiten lässt. Man -suchte deshalb nach dem Mittel, die Hand entbehrlich zu machen, und kam -auf den Gedanken, durch luftleer gemachte, in schwingender Bewegung sich -befindende Saugröhren einen Bogen von dem Haufen ansaugen zu lassen, -den man dann, wenn die Röhren bei ihrer Bewegung sich in der richtigen -Lage über dem Anlegetisch befinden, durch Einführung von Luft zum -Niederfallen bringt. Um zu verhindern, dass die Saugröhren zu gleicher -Zeit zwei an einander anklebende Bogen von dem Haufen aufheben, wird -durch einen zweiten Apparat Luft zwischen den obersten und den darauf -folgenden Bogen eingelassen. Der erste Erfinder war J. F. ASHLEY in -New-York. - - * * * * * - -[Sidenote: Satiniermaschine.] - -Bei jedem Maschinenpapier ist die Seite, welche mit dem Drahtgewebe, auf -welches der Lumpenbrei ausfliesst, in Berührung gewesen, rauher, als die -obere, was schon bei jeder Druckarbeit eine Unannehmlichkeit war. Noch -nachteiliger wirkten jedoch die Unebenheiten und Unreinlichkeiten im -Papier auf die feineren Schriften, namentlich aber auf die Holzschnitte. -Um nun dem Papier eine vollkommen glatte Oberfläche zu geben, kam man -frühzeitig auf den Gedanken, nach dem Feuchten, aber vor dem Druck, -jeden Bogen einzeln zwischen Zinkplatten zu legen und diese dann, 10-20 -übereinandergelegt, unter starkem Druck zwischen zwei Hartgusswalzen -durchzudrehen. Diese Manipulation mit der SATINIERMASCHINE war -langwierig und teuer, namentlich weil die Zinkplatten (Satinierbleche) -sich leicht abnutzten und Nachlässigkeit der Arbeiter leicht das Papier -verdarb. Die Versuche jedoch, die Bogen einzeln zwischen die sich -drehenden Cylinder zu führen, gelangen erst in letzter Zeit (vgl. -Kap. X). - -Um nach dem Druck ein stärkeres Glätten als durch die übliche -Glättpresse möglich war, zugleich um ein schnelles Trocknen der feuchten -Bogen zu erzielen, bauten FURNIVAL & CO. in Manchester nach GILLS Patent -eine Presse, die den Bogen zwischen zwei, mittels Dampfes erhitzte -Stahlcylinder führt. Die Gefahr, welche durch das Abschmutzen der frisch -gedruckten Bogen auf die Walzen droht, wird durch einen vorzüglichen -Reinigungsapparat beseitigt. Die Ein- und Ausfuhr der Bogen geschieht -auf endlosen Bändern. - -[Sidenote: Das heisse Glätten.] - -Das heisse Glätten des Papieres soll vor neunzig Jahren durch THOMAS -TURNBULL erfunden sein, der an einer Presse beschäftigt war, in welcher -Tuch durch heisse Cylinder gepresst wurde. Als nach dem Tode des -Prinzipals die Witwe ein Zirkular an die Kundschaft druckte, missfiel -die Rauheit des Druckes Turnbull und er glättete die Bogen, indem er -sie zwischen glatte Pappen legte und durch die Tuchwalzen gehen liess. -Die Resultate waren so befriedigend, dass er in London ein Geschäft -eröffnete, um für die Buchdruckereien die Arbeiten zu glätten. Die -Frage, ob das heisse Glätten im ganzen von Vorteil ist, kann noch nicht -als entschieden betrachtet werden; ein Nachteil ist jedenfalls, dass -jede kleinste Unreinlichkeit in dem Papier durch den starken Druck -breitgequetscht und das Papier leicht verunstaltet wird. - -Eine Trocken- und Glättpresse von J. W. JONES in Harrisburg -(Pennsylvanien) trocknet, glättet und falzt von der Schnellpresse weg -6000 Bogen in der Stunde. - -Die gewöhnliche Glättpresse erhielt durch BOOMER & BORCHERT in London -eine wesentliche Verbesserung. Ihre Presse ist sehr leicht zu handhaben -und soll an Wirkung noch die hydraulische Presse übertreffen. - -[Sidenote: Feuchtapparate.] - -Das Feuchten des Papiers mit der Hand war bei den grossen Zeitungsbogen -und den grossen Auflagen fast eine Unmöglichkeit geworden. Grössere -Druckereien schafften deshalb MECHANISCHE FEUCHTAPPARATE (Hoe & Co., -Harrild & Sons) an, die das Papier entweder zwischen nassen, mit Filz -überzogenen Walzen hindurchgehen liessen oder durch einen Sprühregen -benetzten. Für feinere Arbeiten bleibt das Handfeuchten vorzuziehen, -da man es, je nach der Beschaffenheit des Papiers und den sonstigen -Verhältnissen, mehr in seiner Macht behält, das Feuchten rationeller zu -betreiben. In Amerika wird sehr viel auf ungefeuchtetes Papier gedruckt, -was für diejenigen, welche einen Spiegelglanz des Papieres lieben, als -ein Vorteil erscheinen mag. - -[Sidenote: Die Bronciermaschine.] - -Bei einer grossen Anzahl von feinen Accidenzarbeiten kommt bekanntlich -das Broncieren in Anwendung. BRONCIERMASCHINEN erleichtern diese -Arbeit nicht allein, sondern sie verhindern auch das der Gesundheit so -nachteilige, mitunter sogar tödlich wirkende Einatmen des Broncestaubes. -Das Prinzip ist, die ganze Arbeit in einem verschlossenen Behälter -durch ein System von Bürsten und Wischern vollziehen zu lassen, so dass -die Arbeit vollständig fertig aus dem Behälter herauskommt[51]. Eine -ähnliche Maschine von E. A. CLOWES & JOHN BALEY verrichtet das der -Gesundheit ebenfalls sehr nachteilige Einbürsten der zu galvanisierenden -Matern mit Graphitstaub. - - [51] Tapley. Leming Ray & Lynede in Manchester. L. Poirier & G. Legrand - in Paris. A. Fichtner (für Haufler & Schmuterer) in Wien. - -[Sidenote: Die Falzmaschine.] - -Die bei der Schnellproduktion so wichtigen FALZMASCHINEN fanden -namentlich in Amerika Beachtung. Sie wurden dort von CYRUS CHAMBER -eingeführt, der, im Verein mit seinem Bruder Edwin, 1856 eine Fabrik -in Philadelphia unter der Firma _Chambers Brothers & Co._ errichtete. -Nach vielen Versuchen gelangten sie zu guten Resultaten und bauten im -Jahre 1870 nach etwa 40 verschiedenen Systemen. Eine Maschine z. B. -falzt einen und einen halben Bogen in einander, kleistert, heftet und -beschneidet sie. Sehr verbreitet ist seit 1863 die Zeitungsfalzmaschine -von S. C. FORSAITH & CO. in Manchester in den Vereinigten Staaten, die -sich für verschiedene Formate stellen lässt. - -[Sidenote: Verschiedene Hülfsmaschinen.] - -Weitere Erleichterungen gewähren die BUCHHEFTMASCHINEN (WHEELER & -WILSON) und die ZUSAMMENTRAGEMASCHINE (HOWE). Letztere ist in der Art -der Kinder-Karussels gebaut. Auf einem sich drehenden Tisch, vor dem der -Komplettierer steht, liegen die Bogenhaufen der Reihe nach und werden -im Vorbeipassieren einer nach dem andern von dem Komplettierer ergriffen. - -Von den unendlich vielen Hülfsmaschinen seien nur noch erwähnt die -COUVERTMASCHINE (G. TIDCOMBE & SON, J. WILKINSON; C. GODALL & SON) und -die SCHNEIDEMASCHINE. Spezialisten für letztere sind FURNIVAL & CO. in -Manchester, die sie in grosser Vollkommenheit bauen. Das Ingangsetzen -des Messers, der Schnitt eines Ries Papiers und das Zurückgehen des -Messers in seine erste Lage dauert nur vier Sekunden. Überhaupt ist -die Fabrik Furnival berühmt wegen der Vortrefflichkeit aller ihrer -Hülfsmaschinen, deren Fabrikation in ausgedehntester und rationellster -Weise betrieben wird. - -[Sidenote: Die Utensilien.] - -Wie aus dem obigen hervorgeht, fehlt es an erleichternden Mitteln -nicht, und doch war es nur möglich, das Hauptsächlichste zu erwähnen. -Sowohl Hülfsmaschinen als Utensilien werden jährlich vermehrt und -verbessert. Nicht wenig erleichtert ist die Anschaffung derselben durch -die UTENSILIEN-GESCHÄFTE, welche alle notwendigen Gegenstände von der -Ahle ab und bis zu der grössten Schnellpresse liefern, ja selbst die -Einrichtung vollständiger Druckereien übernehmen, so dass der Besteller -nur unter Angabe der besonderen Orts- und Geschäfts-Verhältnisse den -Preis bestimmt, alles andere dem Lieferanten überlassend[52]. - - [52] Wer die unendlich vielen Gegenstände, welche ein solches Geschäft - verhandelt, näher durch Beschreibung und Abbildungen kennen - lernen will, dem ist eine Reihe von Artikeln im Journ. f. B. - 1867, Nr. 31, 32, 36, 37 zu empfehlen. Nicht weniger Interesse - bieten die grossen illustrierten Kataloge, die fast alle - bedeutenden Utensilienhandlungen herausgeben. - - * * * * * - -So bedeutend auch der Fortschritt von dem Ballen und der Lederwalze -zu der Massenwalze war, so litt die letztere doch unter wesentlichen -Mängeln, namentlich war ihre Brauchbarkeit sehr von der Temperatur -und der Witterung beeinflusst. Zu Zeiten schwanden die Walzen, dann -wurden sie hart wie Stein, bald nahmen sie, wenn sie zu feucht waren, -die Farbe nicht an, bald wurden sie so weich, dass sich die Form mit -Walzenmasse vollschmierte, bald mussten sie am Ofen oder mittels -brennender Fidibusse erwärmt, bald mit Sägespänen abgerieben, geschabt, -gewaschen, schliesslich, unter Ersatz der klumpig gewordenen Masse -durch neue, umgegossen werden. Waren die lokalen Verhältnisse nicht -besonders günstig, so konnte man wohl rechnen, dass der zehnte Teil der -Arbeitszeit durch Pflege der Walzen verlorenging. - -[Sidenote: Englische Walzenmasse.] - -Diesen Übelständen ist durch die ENGLISCHE WALZENMASSE, die -hauptsächlich aus Gelatine und Glycerin besteht, abgeholfen. Jede -Fabrik solcher behauptet, im Besitz von geheimen Rezepten zu sein; -das hauptsächlichste Geheimnis besteht wohl darin, das vorzüglichste -Material zu nehmen und alle wässerigen Teile daraus zu scheiden. Ohne -solche Walzen würden der vollen Ausnutzung der Rotationsmaschinen -bei der starken Reibung und dem schnellen Gang immer noch grosse -Schwierigkeiten erwachsen. - -Eine weitere Verbesserung sind die LANHAM-Walzen. Waren sie anfänglich -nur für lithographische Schnellpressen bestimmt, so liefert der -Erfinder jetzt auch ein Fabrikat für typographische Maschinen, das -sich vorzüglich bewährt. In der Offizin des _Daily Telegraph_ druckt -jede Hoesche Maschine stündlich 1000 Exemplare mehr seit Verwendung -der Lanham-Walzen. Der Hauptbestandteil derselben ist vulkanisierter -Kautschuk, der wieder mit einem in besonderer Weise präparierten -Kautschuk-Überzug versehen ist. - -[Sidenote: Die Farbenfabrikation.] - -Nachdem die Druckereien aufgehört hatten, ihre FARBE selbst zu -fabrizieren, entstanden Etablissements, die sich ausschliesslich mit -dieser Fabrikation beschäftigten, deshalb auch imstande waren, rationell -zu fabrizieren und gute Farben billig zu liefern. Auch hier standen die -englischen Fabrikate obenan, und es gab eine Zeit, bis um das Jahr 1840, -wo in Deutschland kein illustriertes, oder selbst ein in der Ausstattung -nur einigermassen hervorragendes Werk mit anderer Farbe als der von -PARSON oder LAWSON gedruckt werden durfte. Ist die englische Farbe auch -jetzt ziemlich vom Kontinent verdrängt, so behauptet sie doch ihren -guten Ruf. Sie zeichnet sich durch ihren tiefen, etwas ins Bläuliche -spielenden Ton aus, der ausserordentlich schön ist, den Illustrationen -jedoch etwas Kaltes giebt. Die bedeutendsten Fabrikanten sind PARSONS, -FLETCHER & CO. in London und A. B. FLEMING & CO. in Leith, wohl die -grösste Farbenfabrik der Welt. - - -[Illustration] - - III. KAPITEL. - - DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE ENGLANDS. - - ENGLAND. AUFBLÜHEN DER TYPOGRAPHIE: J. Baskerville, Bowyer Vater und - Sohn, J. Nichols, Miller-Ritchie, W. Bulmer, Th. Bensley, Hansard - Vater und Sohn. DIE XYLOGRAPHIE: Thom. Bewick. DER FARBENDRUCK: G. - Baxter, W. Savage, W. Congreve. Oxford, Cambridge, Edinburgh u. a. - DIE ZEITUNGSPRESSE: Die _Times_ und die Familie Walter; Stempel; - Telegraphischer Verkehr; Inseratenwesen; Statistisches. DER - ACCIDENZDRUCK. DER BUCHHANDEL: die illustrierten Blätter, Ch. Knight. - Der Bibeldruck. Die Bibliophilie: Lord Spencer, T. F. Dibdin. DIE - BUCHBINDERKUNST. - - ASIEN: Indien, China, Japan, der Indische Archipel. -- AUSTRALIEN, die - Südseeinseln. -- AFRIKA. - -[Sidenote: John Baskerville * 1706, [+] 8. Jan. 1775.] - -Als der eigentliche Schöpfer der neueren englischen Typographie gilt -JOHN BASKERVILLE, 1706 in Wolverley in Worcestershire geboren. Im Jahre -1726 leitete er eine Schreibschule in Birmingham; 1745 übernahm er ein -Lackiergeschäft, durch welches er viel Geld verdiente. Seine Neigung -war jedoch der Buchdruckerei zugewandt. Von der Universität Cambridge -erhielt er die Erlaubnis, eine Bibel in Folio und zwei Ausgaben des -_Common Prayer Book_ zu drucken, gegen Zahlung einer Abgabe an die -Universität von 20 resp 12 £ Sterl. für je 1000 Exemplare und an die -_Stationers Company_ weitere 12 £ Sterl. für die Erlaubnis, seinen -Ausgaben die Psalmen anzufügen. Zu seinen berühmtesten Druckwerken -gehören die Ausgaben des Virgil in 4° und in 12°, sowie sein Horaz -von 1762. Baskerville wendete seinen Arbeiten eine unausgesetzte -Aufmerksamkeit zu. Er bereitete selbst seine Farben und baute selbst -seine Pressen. Namentlich waren seine schönen Buchschriften, ganz -besonders seine Cursivschriften, berühmt. Auch dem Papier und dessen -Behandlung widmete er die grösste Sorgfalt, die gedruckten Bogen wurden -einzeln zwischen zwei erwärmten Kupferplatten gepresst. Jetzt ist jedoch -das Aussehen seiner Drucke keineswegs schön, mutmasslich hat unrichtige -Behandlung bei der warmen Pressung nachteiligen Einfluss auf das Papier -geübt. - -Trotz aller Liebe zur Kunst wurde doch Baskerville derselben müde -und erklärte, er bereue es bitter, je ihre Ausübung angefangen zu -haben. Seinem letzten Willen gemäss wurde er in seinem Grundstück in -ungeweihter Erde unter einer Windmühle begraben. - -Nachkommen hinterliess Baskerville nicht. Seine Witwe hörte schon 1775 -zu drucken auf, setzte aber die Schriftgiesserei noch bis 1777 fort. So -viele Vorzüge auch Baskervilles Schriften besassen, so fanden sie doch -nicht allgemeinen Beifall bei dem englischen Publikum, das den Schriften -Caslons und Jacksons den Vorzug gab. Sie lagen nun als tote Masse da, -bis der bekannte Beaumarchais in Paris sie im Jahre 1779 um den Preis -von 3700 £ Sterl. kaufte; die Universität Cambridge hatte die angebotene -Erwerbung abgelehnt. - -[Sidenote: W. Bowyer d. ä. * 1663, [+] 1737.] - -Ein grosses Ansehen als einer der gelehrtesten, tüchtigsten und bravsten -Buchdrucker erwarb sich William Bowyer d. j. Bereits sein Vater WILL. -BOWYER D. Ä. besass einen höchst geachteten Namen. Er hatte 1686 ein -Verlagsgeschäft, 1699 eine Buchdruckerei begründet. Wie gross die -Achtung war, die er genoss, zeigte sich, als sein Geschäft in der Nacht -vom 29. zum 30. Januar 1712 vollständig durch Feuer zerstört wurde. -Durch rasche Subskription deckten Freunde und Konkurrenten mehr als die -Hälfte des ihm entstandenen Schadens von 5000 £ Sterl. - -[Sidenote: W. Bowyer d. j. * 19. Dez. 1699, [+] 18. Nov. 1777.] - -Der Sohn WILLIAM BOWYER D. J. studierte in Cambridge, wo er von -1716-1722 mit litterarischen Arbeiten und Korrekturen wissenschaftlicher -Werke beschäftigt war. Dann trat er in das Geschäft des Vaters und fuhr -fort, den mehr litterarischen Teil desselben zu besorgen, worin ihn -seine zweite Frau, Elizabeth Bill, vortrefflich unterstützte. 1729 -wurden Bowyer die Arbeiten des Unterhauses übertragen, die er fast 50 -Jahre lang lieferte[53]. - - [53] _Anecdotes biographical and literary of W. Bowyer._ London 1778. - -[Sidenote: John Nichols * 15. Juli 1779, [+] 26. Mai 1826.] - -Im Jahre 1766 hatte Bowyer JOHN NICHOLS zum Teilhaber genommen. Dieser -hatte bei Bowyer gelernt und sich so gut betragen, dass Bowyer die -Hälfte des Lehrgeldes an den Vater Nichols' zurückzahlte. Aus dem -Lehrherrn und dem Lehrling wurden Freunde und Associés. Nach Bowyers -Tod behielt Nichols das Geschäft allein. Er war nicht nur Erbe der -Tüchtigkeit und Gelehrsamkeit seiner Vorgänger, sondern auch von deren -Unglück, denn am 8. Februar 1808 war wieder das Feuer Verheerer alles -dessen, was seit fast hundert Jahren, seit dem ersten Brande, an Verlag, -seltenen Büchern, Druckmaterial u. s. w. gesammelt war. Nichols war -jedoch nicht der Mann, den Mut zu verlieren. Mit seinem Sohne und -Associé, der den Zunamen Bowyer angenommen hatte, richtete er alles aufs -neue ein. 1804 war er Vorsteher der _Stationers Company_ geworden und -hatte damit das Ziel seines geschäftlichen Ehrgeizes erreicht. Seit 1806 -beschäftigte er sich zumeist mit litterarischen Arbeiten. - -[Sidenote: Will. Strahan * 1715.] - -[Sidenote: Andr. Strahan [+] 1831.] - -[Sidenote: Thom. Spilbury.] - -WILLIAM STRAHAN kaufte einen Teil des Patentes eines königlichen -Buchdruckers, erwarb für so hohe Honorare, wie sie selten bezahlt -worden waren, die Verlagsrechte von Arbeiten der hervorragendsten -Autoren seiner Zeit und ward 1774 Vorsitzender der _Stationers Company_. -Er stand zu einer Reihe von bedeutenden Persönlichkeiten in naher -Beziehung, unter anderen zu Franklin, mit dem er in London zusammen -gearbeitet hatte. Noch in einem seiner letzten Briefe an Strahan -bespricht Franklin in von der Buchdruckerkunst entlehnten Allegorien -und Ausdrücken scherzhaft die Politik. Der Sohn ANDREW STRAHAN trat in -die Fussstapfen des Vaters und fand in THOMAS SPILBURY einen würdigen -Nachfolger, der französische Klassiker mit solcher Korrektheit druckte, -dass sie selbst in Frankreich den französischen Ausgaben vorgezogen -wurden. - -[Sidenote: Miller Ritchie [+] 28. Nov. 1828.] - -Die Vervollkommnung des Werkdruckes, in welchem die Engländer so -bedeutendes geleistet haben, hat man wesentlich MILLER RITCHIE, einem -geborenen Schottländer, zu verdanken. Er begann seine Laufbahn 1785 -mit einer Royal-Oktav-Ausgabe der englischen Klassiker, für welche -zum erstenmale das gelblich gerippte Papier Whatmans benutzt wurde. -Eine Quartbibel in zwei Bänden folgte. Wie Baskerville hatte er schwer -mit dem alten Schlendrian der Arbeiter zu kämpfen und oft musste er -zu den Druckerballen greifen, wenn er einen ihn befriedigenden Druck -haben wollte[54]. Er fand jedoch zwei mächtige Bundesgenossen für seine -Bestrebungen in dem Papierfabrikanten Whatman und dem Farbefabrikanten -Blackwell, wie überhaupt das vortreffliche Papier und die gute englische -Farbe ausserordentlich viel zu dem Übergewicht englischer Werkdrucke -beigetragen haben. Trotz seiner Tüchtigkeit, oder vielleicht eben weil -er die Vorzüglichkeit der Arbeit höher stellte als den Gewinn, konnte -Miller Ritchie keine unabhängige Stellung behaupten. - - [54] Der bekannte Thom. Curson Hansard behauptet in seiner - _Typographia_, dass, wenn die besten Prachtwerke Englands nicht - ganz die besten der Franzosen und Bodonis erreichen sollten, - dies in der schwierigeren Behandlung der Farben liege, deren - Konsistenz in der wechselnden Temperatur Englands nicht ganz - gleichmässig erhalten werden könne. - -[Sidenote: Will. Bulmer * 1754, [+] 1830.] - -Als ein würdiger, zugleich glücklicherer Nachfolger in denselben -Bestrebungen muss WILLIAM BULMER genannt werden, dessen Name mit dem -Schönsten und Korrektesten verbunden ist, was die Buchdruckerkunst -Englands, die durch ihn auf die höchste Stufe der Vollendung gebracht -wurde, aufzuweisen hat. Bulmer, in Newcastle geboren, wurde während -seiner Lehre dort mit dem später so berühmten Holzschneider Thomas -Bewick, für den er die Probedrucke besorgte, bekannt und brachte ihn -auf den Gedanken, die Holzschnitte abzuflachen, so dass die leichteren -und verschwindenden Stellen tiefer zu liegen kamen, wodurch der -Abdruck eines Holzschnittes, selbst ohne jede Zurichtung, sich in -den richtigen Abstufungen der Farbentöne zeigt. Durch einen Zufall -kam er in Verbindung mit dem Buchhändler George Nicol, der eine -grosse Prachtausgabe von Shakespeares Werken vorbereitete, die in -artistisch-typographischer Hinsicht alles übertreffen sollte, was -bis dahin geliefert war. Das Werk, 9 Bände Folio und ein Band Kupfer -(1794-1801), wurde in Bulmers Offizin, genannt _Shakespeare-Press_, -gedruckt mit Schriften, die von William Martin in Birmingham geschnitten -waren. Der Druck des Werkes, das im Jahre 1794 begonnen wurde und -allein wohl mehr Bogen enthielt, als alle Bodonischen Prachtausgaben -zusammen, ist von unübertroffener Gleichmässigkeit; der letzte Bogen -sieht genau aus wie der erste. Neben diesem Werk ist die grosse Ausgabe -von Milton, 3 Bände Folio, zu erwähnen, die typographisch vielleicht -noch höher als die von Shakespeare steht; dann die Ausgabe von Goldsmith -und Parnell. 1798-1803 wurde das prachtvolle _Museum Worsleyanum_, -zwei Bände Folio, gedruckt, auf welches Richard Worsley 27000 £ -Sterl. verausgabte und das nie in den Handel kam. Aus der Reihe der -grossartigen Druckwerke Bulmers nennen wir noch Dibdins _Typographical -Antiquities_ und die _Bibliotheca Spenceriana_, wohl das brillanteste -bibliographische Werk, das existiert. Ein Meisterstück der Bulmerschen -Pressen ist ferner Dibdins _Bibliographical Decameron_ mit einer -grossen Anzahl von Vignetten. Er druckte auch 1808 Wilkins _Sanskrit -Grammar_, ein Quartband von 662 Seiten in prachtvoller Ausstattung. -1819 zog er sich ganz vom Geschäft zurück, das auf WILL. NICOL, den -Sohn seines Freundes, überging. Auch Bulmer wurde vortrefflich durch -Whatman und ausserdem durch den Holzschneider Bewick unterstützt. -Als der bedeutendste Drucker und Mitarbeiter Bulmers wird DANIEL -GRIMSSHAW genannt. Ein Hauptstreben Bulmers war auf eine vorzügliche -Farbe gerichtet. Diese lieferte erst Rob. Martin in Newcastle; bei der -Unmöglichkeit für diesen, Bulmers Bedarf zu decken, fand letzterer -sich veranlasst, selbst die nötigen Einrichtungen zur Gewinnung eines -zufriedenstellenden Fabrikates zu treffen. - -[Sidenote: Th. Bensley und andere.] - -Ein Rival Bulmers, dessen Verhältnis zu König und Bauer schon erwähnt -wurde, war THOMAS BENSLEY. Als jener seinen Shakespeare druckte, folgte -Bensley mit seiner prachtvollen Bibel von Maclin in sieben Bänden in -Quarto. Ganz vorzüglich war auch die Ausgabe von Thomsons Jahreszeiten. - -[Sidenote: Ch. Whitaker.] - -Schöne Drucke lieferte im Beginn dieses Jahrhunderts auch CHARLES -WHITAKER. Seine Ausgabe der _Magna Charta_, ganz in Golddruck von -hervorragender Schönheit mit illuminierten Initialen, ist eine grosse -Seltenheit. Seinen Golddruck behandelte er als Geheimnis und schlug das -Anerbieten der Gesellschaft zur Förderung der Kunst ab, das Verfahren -gegen eine öffentliche Belohnung bekannt zu geben. - -Zu den schönsten englischen Presserzeugnissen gehört das Gedicht _The -Press_, von dem Buchdrucker JOHN M'CREERY im Jahre 1803 gedichtet und -gedruckt, und von Holl illustriert. - -[Sidenote: Ch. Whittingham * 16. Juni 1767.] - -[Sidenote: Whittingham II. * 30. Okt. 1795.] - -CHARLES WHITTINGHAM war in Calledon bei Coventry geboren. Im Jahre -1792 etablierte er sich in London, wo er bis 1811 viele schöne Werke -für Londoner Verleger druckte. Er war einer der ersten, welche die -Zurichtung der Holzschnitte zur Vollkommenheit brachten. Im Jahre -1811 überliess er seinem Teilnehmer Rowland die Leitung des Londoner -Geschäfts und zog nach Chiswick. Aus seiner _Chiswick-Press_ ging unter -anderen bedeutenden Werken in den Jahren 1819-1822 eine vortreffliche, -nur in 500 Exemplaren gedruckte und auf einmal herausgegebene -Oktav-Ausgabe der englischen Dichter in 100 Bänden hervor. Das Geschäft -ging auf den Neffen CHARLES WHITTINGHAM über, der jedoch daneben -eine von ihm selbst begründete Offizin in London hatte, wo er, mit -Peels Werken beginnend, eine Reihe von schönen Ausgaben für Will. -Pickering bis zu dessen 1854 erfolgtem Tode druckte. Sein Sohn CH. JOHN -WHITTINGHAM starb am 21. April 1876. - -[Sidenote: Luke Hansard * 5. Juli 1752, [+] 28. Okt. 1828.] - -Berühmt wurden auch Hansard Vater und Sohn. Ersterer, LUKE HANSARD, ist -namentlich als Parlamentsdrucker bekannt. Er lernte in seiner Vaterstadt -Norwich und arbeitete später in dem Geschäft des Parlamentsdruckers John -Hughs. Hansard wurde erst Dirigent der Buchdruckerei, dann Teilhaber und -im Jahre 1800 Alleinbesitzer. Sein Ruf wurde durch die ungewöhnliche -Promptheit, mit welcher er stets die Regierungsarbeiten ausführte, -fest begründet. Freilich war es auch lohnend, für die Regierung zu -arbeiten. Die Rechnungen Hansards d. j. betrugen 1829 125772 £ Sterl.; -in dem Jahre 1830 wurde für 86217 £ Sterl. gedruckt. 1831 machten die -Parlamentsakten 120 Foliobände aus[55]. Luke Hansard starb, 77 Jahre -alt, im Besitz des allgemein verbreiteten Rufes, ein seltener Mensch -gewesen zu sein[56]. - - [55] 1879 rechnete man, dass jedes Parlamentsmitglied während der Dauer - des letzten Parlaments 20 Zentner an Drucksachen empfangen habe. - - [56] _Biographical Memoir of Luke Hansard._ London 1829. - -[Sidenote: Th. C. Hansard * 6. Nov. 1776, [+] 14. Mai 1833.] - -THOMAS CURSON HANSARD, der Sohn und Nachfolger Lukes, ist namentlich -bekannt als Verfasser der _Typographia_, des renommiertesten englischen -Handbuches der Geschichte und Technik der Buchdruckerkunst, welches -eine Menge schätzbares Material enthält, dessen bessere Sichtung und -Durcharbeitung jedoch sehr zu wünschen gewesen wäre. - - * * * * * - -[Sidenote: Xylographie.] - -Gleichzeitig mit der Wiedergeburt der Typographie erhob sich auch -die Xylographie aus dem Elend, in welches sie versunken war, eine -Renaissance, die wir ebenfalls einem Engländer verdanken, was um so mehr -überrascht, als England zu einer Zeit, wo diese Kunst in Deutschland, -Frankreich und Italien blühte, noch gar keine Holzschneidekünstler -aufzuweisen gehabt hatte. Auf welcher Stufe der Unbedeutendheit die -Xylographie sich befand, geht daraus hervor, dass zu Anfang des XIX. -Jahrhunderts London nur zwölf Holzschneider zählte. Man kann sonach, -was England betrifft, fast richtiger von einer Geburt als von der -Wiedergeburt der Kunst durch THOMAS BEWICK reden. - -[Sidenote: Th. Bewick * 12. Aug. 1753, [+] 8. März 1828.] - -Die ersten Übungen seines Zeichnertalentes bestanden in dem mit Kreide -Bemalen fast aller Häuser in Cherry-Burn, seinem Geburtsorte. Mit dem -14. Jahre kam er in die Lehre bei einem tüchtigen Graveur in Newcastle: -Ralph Beilby. - -Als ein Gelehrter, Dr. Hutton, ein grosses Werk über die Messkunst -herausgab, riet ihm Beilby, statt Kupferplatten Holzschnitte für die -Illustrationen zu wählen. Hutton ging auf diesen Gedanken ein und die -Ausführung der Holzschnitte wurde Bewick anvertraut, der sich seiner -Aufgabe so geschickt entledigte, dass ihn Beilby aufmunterte, seine -gesamten Kräfte dieser vernachlässigten Kunst zu widmen. Nachdem er sich -eine zeitlang in London und in Schottland aufgehalten hatte, kehrte -er nach Newcastle zurück und wurde in dem Geschäft seines Lehrers -Teilhaber. Er bildete nun auch seinen Bruder John für die Kunst aus. -Eine Ausgabe von Gays Fabeln gab den Brüdern Gelegenheit, ihr Talent in -einer höheren Kunstrichtung zu zeigen. Ein Holzschnitt »Der alte Hund« -erhielt im Jahre 1775 die von der Gesellschaft der Kunst ausgesetzte -Prämie für den besten Holzschnitt. Die »Geschichte der Vierfüssler« -erschien 1790; das berühmte Werk »Die Geschichte der englischen Vögel« -folgte 1797. Kühnheit der Zeichnung, Lebendigkeit und Naturtreue -in den Stellungen, Korrektheit und Unterscheidung des Charakters, -der Lebensweise und der Bewegung in allen Figuren sind Vorzüge der -Holzschnitte Bewicks. Der Bruder John starb bereits am 21. Oktober 1795 -in seinem 25. Jahre. Er kam seinem Bruder an Talent gleich, lebte aber -nicht lange genug, um einen solchen Ruf wie dieser zu erlangen. Die -Holzschnitte des Thomas Bewick sind zum grossen Teil in einem im Jahre -1870 erschienenen Album vereinigt[57]. - - [57] THOM. LANDSEER, _Life and letters of W. Bewick_. 2 Bde. London - 1870. -- J. G. BELL, _A descriptive and critical Catalogue of - works illustrated by T. and J. Bewick_. -- TH. HUGO, _The Bewick - Collector_, London 1866. Supplement 1868. -- _Bewicks wood cuts, - ed. by Th. Hugo._ London 1870. - -Seit Bewicks Zeit hat England eine sehr grosse Zahl tüchtiger -Xylographen aufzuweisen, und es gab eine Zeit, wo die englischen -Holzschneider auch auf dem Kontinent massgebend waren. - -[Sidenote: Der Farbendruck. W. Savage.] - -[Sidenote: George Baxter.] - -Wie England sich in der neueren Xylographie als bahnbrechend zeigte, so -auch in dem FARBENDRUCK. Zuerst ist WILLIAM SAVAGE zu nennen, geboren -zu Houdon in Yorkshire, wo er sich auch mit seinem Bruder James 1790 -als Drucker und Buchhändler etablierte. William ging 1797 nach London, -und wurde dort vorzüglicher Drucker und Verfasser der epochemachenden: -_Hints on decorative Printing_ in zwei Teilen (1819-1832). 1840 folgte -sein bekanntes Werk _Dictionary of the Art of Printing_. Übertroffen -wurde er von GEORGE BAXTER, der seine ersten Versuche 1835 machte und -Patent auf den Druck von Bildern mit Ölfarben nahm. Baxter druckte den -Untergrund und die Umrisse mit Stahlplatten, dann die einzelnen Farben -von Holzstöcken, deren Zahl mitunter zwanzig überstieg. Seine besten -Arbeiten finden sich in seinem _Pictorial-Album_, das 1837 bei Chapman -& Hall erschien. In Landschaften ist er nicht übertroffen worden. Von -einem kleinen Blatt »Die Dreieinigkeit« nach Rafael wurden über 700000 -Exemplare verkauft. - -[Sidenote: Will. Congreve * 1772.] - -Eine weitere Art des Farbendruckes, welche eine zeitlang eine bedeutende -Rolle spielte, ist diejenige von dem, auch durch seine Tod und Verderben -schleudernden Raketen bekannten Sir WILLIAM CONGREVE erfundene. Congreve -war Zeuge von dem mühsamen zweifarbigen Druck in der Applegathschen -Buchdruckerei gewesen, und da die englische Regierung einen Preis auf -die Herstellung unnachahmlicher Banknoten gesetzt hatte, richtete er -alle seine Gedanken auf diesen Punkt. Er erhielt ein vierzehnjähriges -Patent auf eine von Donkin für ihn gebaute Maschine. Das Prinzip des -Congreveschen Druckes beruht darauf, die verschiedenen Teile einer -Metallplatte, insoweit diese mit einer und derselben Farbe gedruckt -werden sollen, knapp aus der Platte herauszusägen, so dass sie, wieder -in einander gefügt, ein Ganzes bilden. Nach einander werden die Teile, -welche eine und dieselbe Farbe bekommen sollen, durch Unterlagen -hochgestellt und eingefärbt, bis schliesslich das Ganze, welches nach -Entfernung aller Unterlagen eine glatte Oberfläche bildet, mit einem -Zug des Bengels abgedruckt werden kann. Im Verein mit einem Buchdrucker -WHITING legte Congreve eine Buchdruckerei an, die sich hauptsächlich mit -Druck von Etiquetten u. dgl. beschäftigte. Durch die Fortschritte der -Lithographie und die Erfindung der Mehrfarbenmaschinen ist Congreves -Methode so gut wie verdrängt. Die Engländer nennen sie _Compound -Printing_, die Bezeichnung »Congreve-Druck« rührt von Ed. Hänel her, der -das Verfahren nach Deutschland brachte. - - * * * * * - -Ausser London haben als Druckorte in England nur Oxford und Cambridge, -in Schottland Edinburgh eine grössere Bedeutung. - -[Sidenote: Oxford.] - -Von den Buchdruckereien der beiden englischen Universitäten nimmt -die in OXFORD den bei weitem wichtigeren Platz ein. Nachdem sie von -1669-1713 in dem _Sheldonian Theater_ installiert gewesen war, wurde -sie in den Clarendonbau übergeführt und blieb dort, bis sie 1830 die -schöne und geräumige Lokalität bezog, die sie jetzt noch innehat. Bei -der Abgesondertheit von dem grossen Verkehr war es notwendig, alle -Branchen, sogar Farbe- und Walzenfabrikation, zu vereinigen. Gebunden -wurden die Bücher in der Universitätsbuchbinderei in London. Das Papier -lieferte eine der Universität gehörende Fabrik in Wolvercote. Eine -besonders gepflegte Spezialität war neben dem Bibeldruck die Herstellung -orientalischer Werke. Die Druckerei erhielt seit der Clarendonschen -Stiftung noch öfters wertvolle Dotationen, so z. B. 1785 eine von Lord -Godolphin im Betrag von 5000 £ Sterl. - -[Sidenote: Cambridge.] - -Die Universitätsdruckerei in CAMBRIDGE, _Pitt-Press_ genannt, befindet -sich seit 1834, gerade drei Jahrhunderte nach ihrer Begründung, in -einem neuen, im Stil des XV. Jahrhunderts, erbauten kirchenähnlichen -Gebäude, das 1860 erweitert wurde. Die Kosten wurden zumteil aus den -Überschüssen des zu einem Denkmal für William Pitt gesammelten Fonds -bestritten. Die Offizin kann sich an Bedeutung für die Wissenschaft zwar -nicht mit der _Clarendon-Press_ in Oxford messen, hat jedoch in neuerer -Zeit einen raschen Aufschwung genommen, welcher namentlich C. J. Clay, -seit 1856 Direktor und Teilnehmer sowohl des Cambridger als des Londoner -Geschäfts der Universität, zuzuschreiben ist. - -[Sidenote: Edinburgh.] - -In EDINBURGH, dem »Neuen Athen«, herrschte zu Beginn des -laufenden Jahrhunderts ein sehr bewegtes litterarisches und -typographisch-bibliopolisches Leben. - -[Sidenote: James Balantyne * 1772, [+] 16. Juni 1821] - -Der bekannteste Buchdrucker war dort JAMES BALANTYNE[58]. Nachdem er -der Jurisprudenz, seinem vorherigen Berufe, Lebewohl gesagt hatte, -etablierte er in seiner Vaterstadt KELSO eine Buchdruckerei. Ein -Zufall brachte ihn auf einer Reise mit seinem früheren Schulkameraden -Walter Scott zusammen, woraus eine, für beide erst glänzende, dann -verhängnisvolle Geschäfts-Verbindung entstand. Die von Balantyne -gedruckte Ausgabe der Balladen Walter Scotts erregte durch ihre schöne -Ausstattung solche Aufmerksamkeit, dass man Balantyne veranlasste, nach -Edinburgh überzusiedeln. Seine Offizin nannte er _The Border-Press_, -nach dem Werke Scotts _Minstrelsy of the Scottish Border_. Bis 1826 -druckte er nun alle Werke Walter Scotts, der Teilhaber der Druckerei -und des wöchentlich erscheinenden _Edinburgh Journal_ wurde. Walter -Scott sowohl als sein Drucker erlitten -- wie es kam, ist nicht ganz -aufgeklärt -- einen gemeinschaftlichen finanziellen Ruin. Thatsache ist, -dass ihre Freundschaft diesen überlebte. Balantyne war auch ein von -Walter Scott gern gehörter Kritiker, der mit grosser Sorgfalt und vielem -Verständnis die manchmal flüchtigen Manuskripte des Dichters verbesserte. - - [58] _History of the Balantyne Press._ Edinburgh 1871. - -Die letzte Veranlassung zu der erwähnten Katastrophe gab der plötzliche -Fall des Verlegers Walter Scotts ARCHIBALD CONSTABLE, der zugleich -Verleger der _Encyclopaedia Britannica_ geworden und 1802 das _Edinburgh -Review_ begründet hatte, welche Werke später alle auf A. CH. BLACK -übergingen. - -[Sidenote: A. Black * 1784.] - -Der Begründer dieser Firma war ADAM BLACK im Verein mit seinem -Neffen CHARLES BLACK. Das _Edinburgh Review_ erwarben sie 1826 -gemeinschaftlich mit Th. N. Longman, allein kauften sie die -_Encyclopaedia Britannica_, die eine glänzende Aufnahme fand. Die Kosten -der 1842 beendigten siebenten Auflage, 21 Bände in Quarto, betrugen über -2-1/2 Millionen Mark; 1851 wurden Blacks Besitzer des Verlagsrechtes auf -Scotts Romane. - -Ebenfalls einen bedeutenden Ruf hatten die Firmen W. Blackwood & Sons -und R. & W. Chambers. - -[Sidenote: Blackwood d. ä. * 20. Dez. 1776, [+] 16. Sept. 1834.] - -[Sidenote: Blackwood d. j. * 7. Dez. 1818, [+] 29. Okt. 1879.] - -Erstere wurde von WILLIAM BLACKWOOD 1804 begründet. Blackwood trieb erst -Antiquariatsgeschäfte; 1811 fing er an zu verlegen. Das 1817 begonnene -_Edinburgh Monthly Magazine_ wollte nicht »ziehen«. Nach sechs Nummern -erschien als Nr. 7 _Blackwoods Magazine_, das sofort Beifall fand. 1827 -wurde die _Edinburgh Cyclopaedia_ in 18 Bänden vollendet. Der Sohn WILL. -BLACKWOOD, der von 1840-1845 das Londoner Geschäft der Firma verwaltet -hatte, dann aber nach Edinburgh gezogen war, redigierte das Magazin bis -zu seinem Tode mit der äussersten Sorgfalt[59]. - - [59] R. Lindau setzte dem Verstorbenen ein ehrendes Denkmal in der - »Gegenwart«, abgedruckt im Börsenbl. f. d. d. B. 1879, Nr. 293. - -[Sidenote: W. Chambers * 1800.] - -[Sidenote: Rob. Chambers * 4. Febr. 1802, [+] 17. Mai 1871.] - -Vor etwa sechzig Jahren gründeten die Brüder WILLIAM und ROBERT CHAMBERS -erst eine Buchhandlung und dann eine Buchdruckerei mit einem Kapital von -3 £ Sterl., einem halben Zentner Schrift und einer elenden Holzpresse in -der Absicht, gute und billige Bücher zu drucken. Tüchtigkeit und Energie -brachten das Geschäft rasch in die Höhe. Am 4. Februar 1832 wurde das -heute noch blühende _Chambers Edinburgh Journal_, das sofort 50000 -Abnehmer fand, und 1845 deren 90000 zählte, gegründet. Dieses Journal, -das vier Wochen vor dem _Penny Magazine_ begann, hat sehr viel zu der -Bildung des englischen Publikums beigetragen. 1844 begann Rob. Chambers -ein höchst verdienstliches Werk: _Cyclopaedia of English Litterature_, -enthaltend Biographien und kritische Charakteristiken von 832 Autoren -nebst Proben ihrer Werke. 130000 Exemplare davon wurden in England -verbreitet, eine nicht geringere Anzahl in Amerika[60]. - - [60] _Autobiography and Memoir of R. & W. Chambers._ Philadelphia 1872. - -[Sidenote: Buchdrucker in der Provinz.] - -Von den bedeutenden Buchdruckern Edinburghs in neuester Zeit nennen wir -NELSON & CO. mit ihrer grossen, sehr praktisch eingerichteten Offizin -und W. C. BLACKIE & CO., namentlich in Accidenzien bedeutend. Unter den -Buchdruckern der Provinz zeichnet sich STEPHAN AUSTIN in HEREFORD durch -seine schönen orientalischen Drucke aus. JOHN HEYWOOD in Manchester -besitzt vier Etablissements von grösster Ausdehnung, namentlich für -die _Stationery_. Durch ein kleines Werkchen: _The bona fide Pocket -Dictionary_ hat sich JOHN BELLOW in Gloucester einen Namen unter den -Meistern aller Zeiten erworben. Die zu dem Büchlein verwendete Schrift, -nur 3-3/8 typographische Punkte gross, schnitten MILLAR & RICHARD in -Edinburgh und London. - - * * * * * - -[Sidenote: Die Zeitungspresse.] - -Am staunenswertesten ist die Entwickelung, welche die Zeitungspresse -trotz des erschwerenden Zeitungsstempels nahm. 1761 wurde letzterer auf -einen Penny, 1776 auf anderthalb, 1789 auf zwei Pence festgestellt; 1794 -musste der ganze Bogen drittehalb, 1799 viertehalb, schliesslich gar -vier Pence zahlen. Im Jahre 1833 brachte diese Steuer dem Staate gegen -10-1/2 Millionen Mark ein, zu welchen die _Times_ allein zeitweilig über -zwei beizutragen hatten. Für jedes Inserat musste 3 _sh_ 6 _d_ Abgabe -gezahlt werden, infolge dessen die kleinste Bekanntmachung mit 7 _sh_ -berechnet wurde. Jede Zeitungsnummer kostete gewöhnlich 7 Pence. - -[Sidenote: Die _Times_.] - -Es ist nicht hier die Aufgabe, die Entwickelung des Zeitungswesens -Schritt für Schritt zu verfolgen, geboten scheint es jedoch, in -einem Handbuch der Buchdruckerkunst wenigstens der historisch -gewordenen Offizin der _Times_, welche für alle folgenden grossartigen -Zeitungsoffizinen als Muster galt, einige Worte zu widmen, um so mehr, -als die Besitzer immer voran waren, wenn es galt, neue Erfindungen zu -benutzen oder selbst die Initiative zu solchen zu ergreifen. - -[Sidenote: John Walter d. ä.] - -Der Begründer der _Times_, JOHN WALTER D. Ä., war ein bedeutender -Kohlenhändler. Als er sich vom Geschäft zurückgezogen hatte, verlor er -als Beteiligter bei Schiffsassekuranzen sein ganzes Vermögen, nicht -aber den Ruf eines braven und redlichen Mannes. Zum Glück für den -Journalismus wurde durch einen Ministerwechsel seine Hoffnung auf eine -Staatsanstellung zunichte. Damals führte ihn der Zufall mit einem Setzer -HENRY JOHNSON, einem Schwärmer für ein ihm patentiertes Logotypsystem, -zusammen. Walter erwarb dessen Patent, modifizierte das System jedoch so -wesentlich, dass man es wohl als »System Walter« bezeichnen kann. Die -Typen wurden wie andere, jedoch etwas niedriger als üblich, gegossen, -durch Untergiessen von Metall verbunden und auf die richtige Höhe -gebracht. Walter etablierte sich nun als _Logographic Printer_ und wurde -von Benjamin Franklin und Sir Josuah Banks, Präsident der Gesellschaft -der Wissenschaften, aufgemuntert. Er selbst nährte die ausschweifendsten -Hoffnungen in betreff der Erfolge und teilte die Menschheit in zwei -Klassen, Freunde und Feinde der Logotypen. In jedem, der Zweifel an -seinem System hegte, erblickte er einen persönlichen Feind, so in dem -bisher mit ihm eng befreundeten Schriftgiesser Caslon und dem berühmten -Buchdrucker John Nicol. Der gekränkte Walter wollte, nachdem er es -bereits mit einem Büchlein: _Gabriel, the Outcast_, versucht hatte, -nun auch der Welt zeigen, dass man Zeitungen mit Logotypen zweckmässig -herstellen könne. Am 1. Januar 1785 erschien Nr. 1 des _Daily Universal -Register_. Es fand jedoch keinen grossen Beifall und mit dem 1. Januar -1788 wurde der Titel in _Times_ umgeändert, deren erste Nummer jedoch in -der angefangenen Reihenfolge weiter als Nr. 940 erschien. - -So war der Anfang der _Times_, die später zwar den Besitzern reichen -Segen, anfänglich jedoch schwere Sorgen brachten. Das Logotypsystem -wurde von Walter selbst als unpraktisch über Bord geworfen. - -[Sidenote: John Walter II.] - -Dem alten Walter folgte der Sohn JOHN WALTER II. Denselben klaren Blick, -welcher ihn sofort sich der Erfindung Friedr. Königs bemächtigen liess, -zeigte er auch in allen anderen Verhältnissen. Es giebt Zeitungen mit -einer weit grösseren Auflage, als die _Times_ sie je gehabt, aber kein -Blatt hat je eine bedeutsamere Stellung eingenommen. Sie wurden eine -förmliche Macht, auf deren Stimmabgabe Behörden, Richter, die Vertreter -des Handels und der Industrie spannten und mit der Regierungen wie mit -einer gleichberechtigten unterhandelten. Jeder Engländer betrachtete -dieses Institut wie einen Teil seines eigenen Ichs und eine Schädigung -desselben wie eine ihm selbst zugefügte. Kein Fremder, der nach London -kam, vergass, wenn er die Erlaubnis zu einem Besuch in der Offizin im -_Printinghouse-Square_ erhielt, einen solchen abzustatten. - -[Sidenote: Die neue _Times_-Druckerei.] - -Doch diese historisch berühmten Räume wurden dem Blatt nach und nach -zu eng und mussten durch Neubauten ersetzt werden. Die Hauptfaçade -derselben, in einer Länge von 100 englischen Fuss und einer Höhe von 60 -Fuss, die für den breiten Giebelteil auf 80 Fuss steigt, liegt nach der -Victoriastrasse. Das Kellergeschoss bildet einen grossen, 16 Fuss hohen -Raum und ist ausschliesslich dem Bau der »Waltermaschine« gewidmet. Das -Gebäude, von roten und gelben polierten Ziegeln aufgeführt, enthält -ausserdem noch ein Parterre und vier Stockwerke; jede Etage hat neun -halbbogenförmige Fenster. Der Eingang, architektonisch reich geschmückt, -in gehauenen Steinen ausgeführt und mit Bogen, die auf polierten -Granitsäulen ruhen, befindet sich an dem westlichen Ende. Ein vier Fuss -hoher Karnies aus gehauenen Steinen wird durch den Giebelbau, der fast -zweidrittel der Länge einnimmt, unterbrochen. Als Ausschmückung sind auf -diesem drei grosse offene Bücher, von reichem Eichenlaub mit Eicheln -umgeben, angebracht. Auf dem mittelsten derselben ist mit grossen -schwarzen Buchstaben zu lesen: _Times_; auf dem links: _Past Times_; auf -dem rechts: _Future_. - -Die _Times_ haben direkte Drähte von Wien, Berlin und Paris. Mit den -Sälen der Parlamentshäuser stehen sie durch telephonische Leitung in -Verbindung. Das Endstück in der Offizin ist mit zwei Tuben versehen, -welche an den Ohren des an der Kastenbeinschen Setzmaschine arbeitenden -Setzers angebracht sind. Der Reporter spricht ihm die Verhandlungen -zu, der Setzer spielt sie auf seinem Klavier ab, und der Satz ist -fertig. Man hat dabei alle die Vorteile des mündlichen Verkehrs, um -Nichtverstandenes zu wiederholen und Missverstandenes aufzuklären. Gegen -die bisherige telegraphische Verständigung bietet die telephonische -den Vorteil, dass die Wiedergabe der Berichte über die in der Nacht -stattfindenden Parlaments-Debatten fast um eine Stunde weiter reichen -kann, als früher der Fall war. - -[Sidenote: John Delane.] - -Von 1841-1879 leitete JOHN THADDEUS DELANE das Blatt als Hauptredacteur -mit grossem Geschick und feinem Takt, ohne jedoch bei der Herausgabe -litterarisch thätig einzugreifen. Wenn man die _Times_ so oft als das -»leitende Blatt« bezeichnet, so ist dies insofern vielleicht nicht ganz -korrekt, als sie nicht den Anspruch erheben, die öffentliche Meinung -zu »machen«. Ihr Hauptverdienst ist, rasch und sicher zu fühlen, was -die öffentliche Meinung will, und dies dann bestimmt auszusprechen, -oft ehe sich das Publikum selbst darüber recht klar geworden ist. Ihre -Ansichten gegen den Strom durchsetzen wollen die _Times_ nicht, und -deshalb sind oft Vorwürfe gegen dieselben erhoben worden, als hätten -sie einen nachteiligen Einfluss auf den englischen Volksgeist und -die englische Politik geübt. Damit haben wir es jedoch hier nicht zu -thun; als Institution des Buchgewerbes muss den _Times_ unbedingte -Bewunderung ausgesprochen werden und es mögen die von Sir Ed. Lytton -Bulwer im Parlament gesprochenen Worte noch hier stehen: »Wenn ich in -der Lage wäre, ein Denkmal unserer Civilisation der späteren Nachwelt -hinterlassen zu müssen, so würde ich nicht in erster Reihe unsere -Docks, unsere Eisenbahnen, nicht unsere öffentlichen Gebäude, selbst -nicht den Prachtbau, in welchem wir tagen; ich würde einen Band der -_Times_ wählen«. John Walter II. speziell muss jeder Deutsche seine -Achtung zollen wegen der Art und Weise, wie er für Friedr. König -eintrat. Ohne den festen Rückhalt, den letzterer an Walter fand, wäre -er wahrscheinlich, als ein zweiter Gutenberg, in den Händen kleinlicher -Geldmenschen, verkümmert. - -[Sidenote: Das Fallen der Stempelsteuer.] - -Das Sinken der fesselnden Steuer auf Zeitungen ging rascher als -das Steigen. 1851 war sie ganz abgeschafft, 1861 die Papiersteuer. -Jetzt stand der Entwickelung einer wohlfeileren Zeitungspresse, dem -sogenannten Monopol der _Times_ gegenüber, nichts im Wege, und man -verfehlte nicht, rasch von der Lage Gebrauch zu machen. Zwar fehlte es -nicht an ängstlichen Gemütern, welche gerade in den Erleichterungen -einen Ruin der »guten Presse« und ein Heraufbeschwören der bösen Geister -erblickten. Diese Stimmen sind durch die mit den _Times_ um den Einfluss -kämpfenden Penny-Blätter zum Schweigen gebracht und noch jetzt gelten -die Worte Macaulays: »Während eines Zeitraums von 170 Jahren ist die -Freiheit unserer Presse immer vollständiger geworden und während dieser -170 Jahre ist die Beschränkung, welche das allgemeine Urteil der Leser -den Schriftstellern auferlegt, immer strenger geworden. Noch heutzutage -sind Fremde vollständig ausser Stande, zu begreifen, wie es geschehen -kann, dass die freieste Presse in Europa zugleich die rücksichtsvollste -ist.« - - * * * * * - -[Sidenote: Statistik der Zeitungspresse.] - -Was die Zahl der Organe betrifft, steht die englische Zeitungspresse -nicht nur weit hinter Amerika, sondern selbst gegen Deutschland und -Frankreich zurück, ihre Macht ist jedoch nicht in der Zahl, sondern -in dem Umfang, der Reichhaltigkeit und der starken Verbreitung der -Zeitungen zu suchen[61]. - - [61] C. MITCHELL & CO., _The newspaper press directory 1881_. London. - 36. Jahrg. -- F. L. MAY & CO., _Press-guide_. -- A. ANDREWS, - _The history of british journalism to 1855_. 2 Bde. London 1859. - -- JAMES GRANT, _The newspaper Press_. 3 Bde. London 1871. -- - JUL. DUBOC, Geschichte der englischen Presse. Hannover 1873. -- - R. R. MADDEN, _The history of Irish periodical Litterature_. - London 1867. -- Zur Charakteristik des Journalismus in England. - Deutsche Vierteljahrsschrift 1853. -- H. SAMPSON, _A history of - Advertising_. London 1874. - -Im Jahre 1881 hatte Grossbritannien 1986 Zeitschriften, von welchen 378 -in London, 1087 in der Provinz, 66 in Wales, 181 in Schottland, 181 -in Irland und 20 auf den Kanalinseln erschienen. Unter diesen waren -nur 153 Tagesblätter, von welchen 18 London, 94 der Provinz, 3 Wales, -21 Schottland, 16 Irland, 1 den Kanalinseln gehörten. 69 derselben -kosteten nur 1/2 Penny, 70 1 Penny, die übrigen waren im Preise -verschieden bis zu 3 Pence. Die Post allein versandte im Jahre 1880 131 -Millionen Zeitungsblätter, was jedoch nur einen Bruchteil des Konsums, -namentlich der Wochenblätter, repräsentiert. Der _Daily Telegraph_ -druckte eine amtlich beglaubigte Auflage von täglich 242215 Exemplaren -im Durchschnitt; der _Standard_ versandte 209555 Exemplare. Das macht -für die zwei Blätter jährlich 135531000 Nummern, während die Gesamtzahl -aller Tageszeitungen im Jahre 1851 nur 18 Millionen erreichte, zu -welchen die _Times_ allein etwa zweidrittel beitrugen. 1821 brachten -es alle Zeitungen und Zeitschriften zusammen auf gegen 25 Millionen -Nummern, heute beträgt die Jahressumme Einer Wochenschrift: _Lloyds -Weekly_, bei einer Durchschnitts-Auflage von 612902 Exemplaren, 32 -Millionen. - -Und dabei, welchen Umfang haben die jetzigen Zeitungen! An einem aufs -Geratewohl gewählten Tage, dem 13. Mai 1880, wiesen _Times_ 120 ihrer -Riesenspalten auf, davon 80 mit Anzeigen. _Daily Telegraph_ hatte 96 -Spalten, von welchen die Inserate 62 in Anspruch nahmen. _Daily News_ -und _Standard_ brachten je 64 Spalten, erstere 36 Anzeigenspalten, -letzterer 28. Eine Nummer eines Provinzialblattes, _The Scottsman_ in -Edinburgh, bestand aus 112 Spalten in Folio mit 33000 Zeilen und über 2 -Millionen Buchstaben, etwa doppelt so viel, als ein dreibändiger Roman -enthält. - -Das Anzeigewesen ist sehr praktisch eingerichtet und man kennt in -England nicht das Übermass von Accidenzschriften, Abbildungen u. dgl., -von welchem der Inseratenteil der deutschen Zeitungen strotzt. Der Preis -einer Inseratzeile ist gewöhnlich 1 _sh._ - -[Sidenote: Der telegraphische Verkehr.] - -Von enormer Bedeutung ist der telegraphische Verkehr der Zeitungen. Es -gab eine Zeit, wo die Tagespresse sich rühmte, jetzt nur fünf Monate für -die Herbeischaffung von Nachrichten aus Gegenden zu gebrauchen, wozu -früher dreizehn Monate gehört hatten. Am 1. Oktober 1880 war 23 Minuten -nach der Eröffnung der Welt-Ausstellung in Melbourne die Nachricht davon -bereits von Reuters Bureau in London gedruckt ausgegeben, obwohl die -Depesche fast durch ein Dutzend Linien hatte gehen müssen. - -Im Jahre 1880 wurden 313500000 Wörter für die Zeitungen in England -telegraphiert. In einer Nacht beförderte das Hauptamt in London oft -100000 Wörter, wobei der bedeutende Verkehr der Privatleitungen der -Zeitungen nicht gerechnet ist. - -Grosse Summen werden von englischen Blättern auch auf die -Spezialkorrespondenten verwendet, die ebenfalls mit Telegrammen nicht -sparsam sind. So erzählt man von einem Korrespondenten in Paris, dass -er, um für eine zu erwartende wichtige Nachricht sich die Benutzung -des Drahtes vorher zu sichern, stundenlang ganze Kapitel aus der Bibel -telegraphiert habe. - - * * * * * - -[Sidenote: Statistik der Buchdruckerei.] - -Die Anzahl der Buchdruckereien in Grossbritannien wird auf 4000 -geschätzt. England besitzt eine verhältnismässig kleinere Zahl -von Schnellpressen, was sich durch die grosse Leistungsfähigkeit -der neuen Rotationsmaschinen erklärt. Rechnet man die graphischen -Nebengeschäfte mit, so ist die Zahl der direkt und indirekt dem -Pressgewerbe angehörenden eine enorme. London allein zählte im -Jahre 1881 871 Druckereien, 60 Schriftgiessereien, Stereotyp- und -galvanische Anstalten, 74 Maschinen- und Utensilien-Fabriken, -32 Farbe- und Walzenfabriken, 231 lithographische Anstalten, 80 -Kupferdruckereien, gegen 2000 Papierhandlungen, 400 Buchbindereien, -850 Sortimentshandlungen, 460 Buch- und Musikalienverleger, 950 -Zeitungshandlungen, 130 Inseratagenturen. - -Da viele Geschäfte 300-1000 Personen beschäftigen, so ist das Heer der -Arbeiter ein mächtiges. Im Jahr 1882 betrug die Zahl der Mitglieder -des Londoner Setzer-Vereins 4960; die Einnahme war 10000 £ Sterl., das -Einkommen der verschiedenen Gehülfen-Organisationen bezifferte sich im -ganzen auf 257439 £ Sterl., die Fonds betrugen 272413 £ Sterl. - -[Sidenote: Die Frauen als Setzerinnen.] - -Die Versuche, Frauen als Setzerinnen auszubilden, haben keine -bedeutenden Erfolge gehabt. Miss EMILY FAITHFULL, die Gründerin der seit -1858 bestehenden »Victoria-Druckerei«, gab 1880 ihren Posten auf. Nur -bei den Setzmaschinen finden Frauen in grösserer Zahl Beschäftigung. - -[Sidenote: Arbeitsweise.] - -In den grossen Buchdruckereien werden die Arbeiten in fabelhaft kurzen -Fristen ausgeführt und das vorhandene Material ist ein enormes. -Umfangreiche Werke in mehreren Bänden bleiben oft in Formen geschlossen -stehen, bis über einen etwaigen Neudruck entschieden wird. Solche -Arbeiten müssen selbstverständlich den Anforderungen entsprechend -bezahlt werden, während gewöhnliche, die mit Musse betrieben werden -können, billig zu haben sind. Hierbei zeigt sich so recht der -geschäftliche Vorteil, der darin liegt, erstens nur eine Druckschrift -nötig zu haben, und dann nicht von dem individuellen Geschmack eines -jeden Bestellers abhängig zu sein, wie es in Deutschland der Fall ist, -wo, abgesehen von Fraktur oder Antiqua, bald eine breite, dann eine -schmale, bald eine runde, dann eine eckige Schrift verlangt wird, stets -natürlich zugleich eine neue. - -Für seine wirkliche Arbeit wird der englische Setzer gut bezahlt, den -»Speck« der deutschen Buchdruckereien kennt er nicht. Die Setzer teilen -sich in _Establishment hands_ (oder _Stabhands_), die den festen Stamm -bilden und im festen Gelde arbeiten; _Full framers_, die nach Stück -bezahlt werden und in der Regel auch tüchtige Arbeiter sind; _Suppers_, -die nur volle Arbeit haben, wenn das Geschäft flott geht, denen jedoch -ein Minimum garantiert wird; und _Grasscutters_, die täglich nachfragen, -ob augenblicklich Arbeit vorhanden ist. - -Die Lokale sind in der Regel nicht besonders bequem eingerichtet, weil -der Raum ein sehr kostspieliger, so dass in dem von einer deutschen -Buchdruckerei in Anspruch genommenen eine englische Druckerei des -doppelten Umfanges Platz finden würde. - - * * * * * - -[Sidenote: Die Accidenzarbeiten.] - -Eine enorme Quantität von Arbeiten zu einem Betrage von jährlich -etwa 10 Mill. Mark absorbiert der Staat. Als Beispiel übernahm eine -Firma, MCCORQUODALE & CO., eine Lieferung von 2610 verschiedenen -Regierungsaccidenzen, in Auflagen, die von 10 bis zu 300000 Exemplaren -variierten, ausserdem eine von 40 Millionen Briefcouverts. Die Firma -beschäftigte in sechs enormen Offizinen an verschiedenen Orten gegen -2000 Personen und etwa 550 Maschinen aller Art fast nur mit Regierungs- -und Eisenbahn-Arbeiten. Eine andere Firma, HARRISON & CO., erhielt -auf einmal eine Bestellung auf 137 Millionen Telegrammformulare. -Grosse Summen setzt jedesmal eine Parlamentswahl in Umlauf. Die beiden -Parlamentshäuser beanspruchen für ihre jährlichen Druckarbeiten etwa -1500000 Mark. Die Bank von England druckte im Laufe eines Jahres -15000000 Noten zu einem Geldwert von 338 Millionen £ Sterl. Die -Druckarbeiten der Bank mehren sich bedeutend dadurch, dass sie eine an -sie zurückgekehrte Banknote, und wenn sie nur eine Stunde in Zirkulation -gewesen, nie wieder ausgiebt. Eine solche wird ungiltig gemacht und -fünf Jahre aufgehoben. In dieser Weise liegen bis gegen 100 Millionen -Noten in einer Weise geordnet, dass eine etwa zur Stelle gewünschte im -Augenblick zu finden ist. - -[Sidenote: Ansehen des Pressgewerbes.] - -In welcher hohen Achtung das Pressgewerbe in England steht, zeigte unter -anderem die imposante Caxtonfeier in London im Jahre 1877 mit ihrer -interessanten Ausstellung[62]. In Ermangelung eines Portraits von Caxton -beschloss man, von einer Statue zu seiner Erinnerung abzusehen, und -stiftete in der Margarethenkirche in Westminster, nahe dem Schauplatz -seiner Thätigkeit, ein gemaltes Fenster. Als ein fernerer Beweis von -der bedeutenden Stellung der Pressgewerbe muss auch betrachtet werden, -dass schnell hintereinander drei Ausüber derselben: der Schriftgiesser -BESLEY, der Buchdrucker SIDNEY WATERLOW und der Drucker und _Stationer_ -FRANCIS TRUSCOTT das angesehenste bürgerliche Ehrenamt der Welt, das -eines Lord Mayors von London, bekleidet haben; es spricht zugleich -für den Flor des Geschäfts, denn es ist ein mit grossen Ausgaben -verbundenes Amt. Den Kostenanteil für »seinen Tag« muss der Lord Mayor -auf 50000 Mark anschlagen, und es heisst, Sir Truscott habe für die -Zeit seiner Amtsführung eine Summe von 10000 Mark wöchentlich als -Repräsentationskosten ausgeworfen. - - [62] G. BULLEN, _Caxton Celebration_. London 1877. -- _Catalogue of the - Loan Collection etc._ London 1877. - - * * * * * - -[Sidenote: Der Buchhandel.] - -Der BUCHHANDEL, ohne welchen die Buchdruckerei nicht die eigentliche -Blüte erreichen kann, nahm in England, besonders in London, mächtige -Dimensionen an und weist eine Reihe der intelligentesten und -bedeutendsten Verleger auf. Im allgemeinen ist der Buchhandel weit -einfacher organisiert, als in Deutschland. Der Verlagsbuchhändler -beschäftigt sich selten mit Buchdruckerei und anderen Nebengeschäften -und zersplittert nicht seine Kräfte, behält damit den freien Blick und -kann jede Konjunktur rasch benutzen. Kommissions- und Halbpartgeschäfte -kommen oft vor, während berühmte Autoren grossartige Honorare beziehen. -Der Absatz eines Buches ist rasch durch die mit einem splendiden Diner -verbundenen Verlagsauktionen und die Subskriptionen der Zwischenhändler -und grossen Leihbibliotheken entschieden. Eine der letzteren, die von -Muddie, welche die grösste ist, nimmt nicht selten 1-2000 Exemplare -von einem hervorragenden Werke. Durch das Alleinrecht des Verkaufs -auf allen Eisenbahnstationen spinnt die grosse Zeitungsanstalt und -Buchhandlung von SMITH & SON ihre Fäden über das ganze Land. Mit einer -Abonnementskarte von ihnen versehen, kann man überall auf den Stationen -Bücher leihen und sie wieder auf jeder beliebigen Station abgeben. -Die sogenannten _Wholesale-booksellers_, unter welchen MARSHAL & CO. -die bedeutendsten sind, versehen die eigentlichen Sortimentshändler -(_Retaillers_), welche in der Regel ihren Bedarf nur aus einer Hand -beziehen. Bedeutenden Anteil an dem Absatz haben die _Stationers_ -(Schreibmaterialienhändler) und die vielen _Secondhand-Booksellers_. Das -deutsche System mit seinen Kommissionssendungen kennt man nicht, weshalb -auch die Buchläden in den kleineren Städten nicht so gut assortiert -sind, wie dies in Deutschland der Fall ist. - -Im Laufe eines Jahres erscheinen zwischen 5-6000 Werke (1881, neue -Auflagen ungerechnet, 5406), darunter eine bedeutende Zahl der schönsten -illustrierten Reisewerke, Prachtausgaben der englischen Klassiker, -philologischen, theologischen und Geschichtswerke und eine grosse Menge -von Romanen. Die Zahl ist, wie bei den Zeitungen, eine viel kleinere, -als in Deutschland; aber man muss, wie bei diesen, nicht bloss zählen, -sondern auch wägen, sowohl was Umfang, als was Auflage betrifft. - -[Sidenote: Die _Stationers Company_.] - -Gegen Nachdruck schützt die Eintragung in die Rolle der _Stationers -Company_ und die Abgabe von 5 Pflichtexemplaren. Der Schutz gilt für -42 Jahre -- jedenfalls bis zum Tode des Verfassers und 7 Jahre nach -demselben. Vor dem Jahre 1709 ist es nicht zu ermitteln, wie viel -Bücher jährlich in die Rolle der _Stationers Hall_ eingetragen wurden. -Von 1709-1766 betrug die Durchschnittszahl ungefähr 50; im Jahre 1732 -war die Zahl auf die tiefste Stufe, 17, gefallen. Beim Beginn dieses -Jahrhunderts hatte sie sich wieder auf 3-400 gehoben; 1814 auf 541; 1815 -auf 1244; von da ab und bis 1826 blieb die Durchschnittszahl etwa 1000. - -[Sidenote: Ausfuhr.] - -Der Absatz des Buchhandels nach dem Ausland übersteigt 20 Millionen -Mark, der der _Stationary_-Artikel wird auf etwa 14 Millionen, des -Papiers auf etwa 16 Millionen gerechnet. Fügt man noch den Umsatz in -Druckfarbe und Druckmaschinen hinzu, so wird die Gesamtausfuhr von allen -zu dem Druckgewerbe gehörenden Gegenständen die Summe von 60 Millionen -Mark nicht unbedeutend übersteigen. - -[Sidenote: Die Fachpresse.] - -[Sidenote: J. M. Powell * 2. Juni 1822, [+] 17. Sept. 1874.] - -Unter den Blättern der Fachpresse, die sich zunächst mit der Typographie -beschäftigen, nehmen namentlich zwei eine bedeutende Stellung ein. -JOSEPH MARTIN POWELL gab seit dem Jahre 1863, unter dem Titel _Printers -Register_, ein Fachblatt heraus, welches viele Verdienste, namentlich um -die Förderung der Maschinen-Fabrikation, hat und oft die Maschinenbauer -zu Erfindungen anregte. Das Blatt wird jetzt von Powells ältestem -Sohne ARTHUR geleitet. Eine mehr ideelle und theoretische Richtung -verfolgt _The Printer and the Lithographer_, welches Blatt die Firma -WYMAN & SON verlegt und mit vielem Geschick und Geschmack redigiert. -Es bringt hauptsächlich sehr ausführliche belehrende Artikel, aus -welchen, zu besonderen Lehrbüchern gesammelt, bereits manches tüchtige -Werk entstanden ist. Auch das _Printers Register_ lieferte solche -Artikelreihen. Ein Vorzug der englischen Pressorgane ist, dass sie -sich hauptsächlich nur mit dem Technischen abgeben, und die sozialen -Verhältnisse und die darin einschlagenden Kontroversen nur leise -berühren und alles vermeiden, was zu einem gehässigen Federkrieg -Veranlassung geben könnte. - -Im Interesse des Buchhandels erscheinen das vierzehntägige _Publishers -Circular_ (gegründet 1837) und der monatliche _The Bookseller_ -(gegründet 1838), seit 1860 mit dem, 1802 begonnenen, _Bents -Literary Advertiser_ vereinigt. Der von Whitaker herausgegebene -_Reference-Catalogue of current Literature_ giebt in der Form von -Verlagskatalogen eine Übersicht der gangbarsten litterarischen -Erscheinungen Englands. - - * * * * * - -[Sidenote: Die Annuals.] - -[Sidenote: R. Ackermann * 30. April 1764, [+] 26. März 1834.] - -Eine Episode in dem englischen Buchhandel bildet die Herausgabe der -illustrierten _Annuals_, hervorgerufen 1822 durch den Kunsthändler -RUDOLPH ACKERMANN. Geboren zu Stollberg, kam er als einfacher -Sattlergehülfe nach London. Erst erwarb er durch seine Zeichnungen -Aufmerksamkeit, dann wurde er Kunsthändler und Verleger bedeutender -Prachtwerke. Die später so beliebten Taschenbücher wurden von diesem -»Vater der Almanache« mit dem _Forget me not_ zuerst in Scene gesetzt -und eine Reihe von Jahren hindurch von den besten künstlerischen Kräften -Englands unterstützt[63]. Mit _Heaths Book of Beauty_ wurde 1833 eine -Reihe von poetischen Werken von Klassikern und neueren Schriftstellern -mit Illustrationen sowohl in Stahlstich wie in Holzschnitt begonnen, -denen eine grosse Anzahl von illustrierten geographischen und -ethnographischen Werken folgte. Als Drucker und Herausgeber solcher -machte sich namentlich HENRY FISCHER bekannt. - - [63] Börsenbl. f. d. d. B. 1834, Nr. 17, 18. - -Gereicht schon die Herstellung schöner Luxuswerke den englischen -Buchhändlern und Buchdruckern zur Ehre, so gebührt ihnen eine noch -grössere Anerkennung, weil sie allen anderen Nationen vorangegangen -sind, als es sich darum handelte, die Verbindung der Xylographie mit -der Typographie zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse und allgemeiner -Bildung selbst in Kreisen der nicht mit Glücksgütern Gesegneten zu -benutzen. Das _Penny Magazine_, später die _Illustrated London News_, -sind massgebend geworden für die ähnlichen Erscheinungen aller anderen -Länder. - -[Sidenote: Das _Penny Magazine_.] - -Das epochemachende Ereignis des Erscheinens der ersten _Penny -Magazine_-Nummer fand am 1. April 1832 statt. CHARLES KNIGHT[64], der -bekannte Buchhändler und Schriftsteller, war der geistige Urheber des -Unternehmens, welches von der _Society for the diffusion of usefull -knowledge_ ausging; gedruckt wurde das Blatt bei Clowes. Von den Nummern -1-106 fanden 20 Millionen Exemplare Verbreitung. Die gewöhnliche -Auflage war 200000. Im Jahre 1780 schätzte Edm. Burke die Gesamtzahl -der Leser in England auf 80000; 1833 zählte das _Penny Magazine_ allein -jedoch deren mehr als eine Million[65]. Zwei Applegath- und Cowpersche -Maschinen verrichteten in zehn Tagen die Arbeit, zu welcher zwei -Drucker an der Handpresse ein halbes Jahr nötig gehabt haben würden, -in Clowes' Buchdruckerei, die mit 18 Schnellpressen und 15 Handpressen -und einem wöchentlichen Papierverbrauch von 2000 Ries, neben der -_Times_-Druckerei, geradezu ein Weltwunder war. - - [64] Ch. Knight, _The old Printer and the modern Press_. - - [65] Merkwürdigerweise war das »Börsenblatt für den deutschen - Buchhandel« der heftigste Antagonist der ganzen Richtung - und wurde nicht müde, das Pfennig-Magazin auf das heftigste - anzugreifen. - -[Sidenote: Ch. Knight.] - -Ganz abgesehen von dem durch das _Penny Magazine_ geübten Einfluss -erwarb sich Charles Knight grosse Verdienste durch eine Reihe von ihm -veröffentlichter, zumteil von ihm geschriebener oder herausgegebener -populärer illustrierter Unternehmungen, unter welchen _The Library of -Entertaining Knowledge_, 43 Bde.; _The Penny Cyclopaedia_, 1833-1858, 30 -Bde.; die _Shillings Volumes_, 186 Bde.; _The English Cyclopaedia_, 23 -Bde.; _Popular History of England_, 8 Bde.; _Pictorial Bible_, 4 Bde., -u. a. m. hervorzuheben sind. - -[Sidenote: Die illustrierten Zeitungen.] - -Waren die Herausgeber des _Penny Magazine_ und ähnlicher Blätter -hauptsächlich bemüht, allgemein nützliche Kenntnisse unter dem Volke zu -verbreiten, so versuchten als Bahnbrecher die _Illustrated London News_, -begründet von COOK & INGRAM, die Tagesgeschichte in den Bereich der -Illustration zu ziehen. Mit ihrer ersten Nummer vom 14. Mai 1842 beginnt -eine illustrierte Geschichte der Gegenwart von grossem Wert, der mit den -Jahren noch steigt. Die gewöhnliche Auflage ist etwa 100000 Exemplare. -Viele Versuche wurden gemacht, dem Blatte Konkurrenz zu machen, jedoch -nur _The Graphic_ gelang es auf die Dauer, sich neben der älteren -Schwester in der Gunst des Publikums zu halten. Die Weihnachtsnummern -beider Zeitschriften werden mit einem Kostenaufwande von je 300000 -Mark in etwa 400000 Exemplaren gedruckt. Grosse Verbreitung erreichten -auch die vielen illustrierten technischen und Modeblätter. In der -humoristischen Zeitungspresse trug der Holzschnitt den Sieg über die -Radierung, deren hauptsächlichster Vertreter GEORGE CRUIKSHANK (geb. -1792, gest. 1878) war, davon; der _Punch_, begründet 1841, behielt seine -Popularität bis auf den heutigen Tag. - - * * * * * - -Den hauptsächlichsten Schauplatz des pressgewerblichen Lebens und -Treibens in London bildeten von der ältesten Zeit bis auf heute -_Fleet-Street_, _St. Pauls Church-Yard_, _Farringdon-Street_, -_Printinghouse-Square_ und _Paternoster-Row_. Letztere wird bereits -1367 genannt, kam aber namentlich nach dem grossen Brande im Jahre 1666 -in Aufnahme und wurde in der letzten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts -besonders _fashionable_ als Sitz der grossen Verlagshandlungen, während -_Fleet-Street_ vorzugsweise dem Journalismus und den Buchdruckereien -Obdach bot. Hier reihen sich als Glieder einer ununterbrochenen Kette -an einander Druckoffizinen, Zeitungsbüreaus, Telegraphenstationen, -Inseratagenturen, Associationen der Presse, Sortiments-, Zeitungs-, -Stationers-Laden und andere Geschäfte, die mehr oder weniger mit -der Typographie in Verbindung stehen. Hier hat auch der Londoner -Setzer-Verein sein Büreau, und je nach dem grossen oder kleinen -Belagerungszustand, in welchem die Zugänge zu diesem sich befinden, kann -man mit Sicherheit auf den Gang des Londoner Geschäfts schliessen. - -[Sidenote: J. Cassell * 23. Jan. 1817, [+] 1. Apr. 1865.] - -Es würde, ohne die gesteckten Grenzen zu sehr zu überschreiten, nicht -möglich sein, alle grossen Druck- und Verlagsfirmen aufzuführen[66]. -Ausser den bereits an anderen Orten genannten seien nur einige -erwähnt. Eine mächtige Zahl von Zeitschriften drucken SPOTTISWOODE & -CO.; Accidenzien SPOTTISWOODE & EYRE, HARRISON & CO. Als Hersteller -von Wertpapieren und kaufmännischen Arbeiten sind bedeutend -WILKINSON & CO., WATERLOW & SONS[67] und BLADES, EAST und BLADES. -Der Senior dieser Firma WILLIAM BLADES ist namentlich durch seine -typographisch-litterarischen Arbeiten bekannt, vorzugsweise durch -seine klassische Biographie Caxtons, zu dessen Popularität in England -Blades viel beigetragen hat. Sein neuestes Werk ist eine _Medallic -History of Printing_ mit vielen Abbildungen[68], das zuerst in den -_Printing-Times_ erschien. Eine der jüngeren Offizinen, die in kurzer -Zeit riesenhafte Dimensionen angenommen hat, ist die von CASSELL, PETTER -& CO. Der Gründer JOHN CASSELL war erst Zimmermann und lernte in den -Werkstätten die geistigen Bedürfnisse der Arbeiter kennen. Als _The -Total Abstinance_-Bewegung 1833 entstand, war er erst ein begeisterter -Reise-Apostel derselben, entschloss sich aber dann in wirksamster -Weise durch die Presse der Mässigkeits-Sache zu dienen. Zur Herausgabe -angemessener Schriften vereinigte er sich mit den Besitzern einer bis -dahin nicht bedeutenden Druckerei, PETTER & GALPIN. Bald ging man -aber weiter und gab illustrierte Lieferungswerke heraus. Das Geschäft -erhielt eine solche Ausdehnung, dass es 1880 34 illustrierte Werke in -Lieferungen auf einmal in der Presse hatte. Das bedeutendste Verlagswerk -war die _Family-Bible_, die, mit einem Aufwand von 2 Millionen Mark -hergestellt, innerhalb sechs Jahren einen Absatz von 350000 Exemplaren -erzielte. Bei John Cassells Tod hatte das Personal bereits die Zahl von -500 erreicht, jetzt ist diese auf 1000 gestiegen. - - [66] KELLY, _Directory of Stationers, Printers etc. of England_. - 3. Ausg. London 1880. -- WHITAKER, _Reference Catalogue of - current Litterature_ (periodisch). -- H. CURVEN, _A history - of booksellers_. London 1874. Ein kritikloses, aber viele - interessante Details enthaltendes Buch. - - [67] Diese grossartige Offizin wurde ausführlich von TH. GOEBEL im - Journ. f. B. 1875, Nr. 40 u. f. beschrieben. - - [68] Deutsch bearbeitet von L. MOHR in Strassburg (in Waldows Archiv), - französisch von LÉON DEGEORGE. - -SAM. BAGSTER & SONS liefern namentlich polyglotte Werke, GILBERT & -RIVINGTON orientalische. In letzterer Richtung hat jedoch Deutschland -ein Übergewicht und viele orientalische Werke werden für englische -Rechnung in Deutschland gedruckt. - -Von den grossen Verlagsfirmen haben besonders Longman, Green & Co. und -John Murray Weltruf erlangt. - -[Sidenote: Th. Longman * 1699, [+] 10. Juni 1755.] - -[Sidenote: Th. Norton Longman * 1771, [+] 28. Aug. 1824.] - -Der Begründer ersterer Firma THOMAS LONGMAN erwarb 1724 den Verlag von -WILL. TAYLOR und damit zugleich zwei Häuser: »Der schwarze Schwan« und -»Das Schiff« in _Paternoster-Row_. Er ward Mitbesitzer von Ephraim -Chambers _Cyclopaedia_, das Vorbild der vielen in und ausserhalb -Englands erscheinenden Encyklopädien, ausserdem auch von Johnsons -_Dictionary of the English Language_. Noch folgten in drei Generationen -Thomas Longmans, von welchen THOMAS NORTON LONGMAN der bedeutendste war. -Welche Grösse das Geschäft erreicht hatte, sieht man daraus, dass der -Genannte ein Vermögen von 200000 £ Sterl. hinterliess, ein Teilhaber -GREEN ebensoviel, während ein dritter Teilhaber BROWN 100000 £ Sterl. in -Legaten aussetzen konnte. - -Obwohl Longmans Verlag ein universeller ist und auch die Namen der -berühmtesten Dichter Englands (den Verlag von Byrons Schriften hatten -sie abgelehnt) ihren Katalog schmücken, so haben sie doch namentlich -ihren vielen encyklopädischen Verlags-Artikeln, und vor allem Macaulays -Geschichte ihren Ruhm und ihre Stellung zu verdanken. Von der ersten -Auflage des III. und IV. Teils des letztern Werkes waren 25000 Exemplare -gedruckt. Diese waren jedoch bereits am Tage der Veröffentlichung, 17. -Dezember 1855, verkauft und 11000 Bestellungen mussten unexpediert -bleiben. Von den amerikanischen Ausgaben soll ein Buchhändler in zehn -Tagen 73000 Bände verkauft haben. Innerhalb vier Wochen sollen überhaupt -mehr als 180000 Exemplare verbreitet worden sein. - -[Sidenote: John McMurray * 1745, [+] 6. Nov. 1793.] - -[Sidenote: John Murray II. * 1778, [+] 27. Juni 1843.] - -JOHN MCMURRAY gründete 1768 ein Geschäft und erzielte damit gute -Erfolge. Sein Sohn JOHN MURRAY ist namentlich als Verleger und Freund -Byrons (1807-1823) bekannt und wurde bei seinem Tode wieder von einem -Sohn JOHN gefolgt. Grosse Verbreitung fand die billige _Home and -Colonial Library_ und die vielen bedeutenden illustrierten Reise- und -naturwissenschaftlichen Werke. Murrays rote Reisebücher sind jedem -bekannt, und wir können uns kaum einen reisenden Engländer ohne ein -solches in der Hand oder unterm Arm denken. - -[Sidenote: H. Colburn [+] 16. Aug. 1855.] - -[Sidenote: R. Bentley [+] 1871.] - -Unter den Verlegern der schönen Litteratur in Prosa sind Colburn und -Bentley die bekanntesten. HENRY COLBURN verlegte eine Unzahl von -Romanen, von James allein 225 Bände, einer wie der andere in drei, in -Leinwand gebundenen, Bänden, jeder ziemlich genau 300 Seiten stark -und einer wie der andere zum Preise von anderthalb Guineen (31 Mark -50 Pf.). Im Jahre 1819 gründete er _Colburns Monthly_; 1817 ward die -_Literary Gazette_ begonnen. 1832 verkaufte er sein Geschäft an RICHARD -BENTLEY, der früher sein hauptsächlichster Buchdrucker und kurze Zeit -sein Associé gewesen war. Colburn verpflichtete sich, unter bedeutender -Konventionalstrafe, kein Geschäft innerhalb 20 englischer Meilen -Entfernung von London zu eröffnen. Der »Verlagsteufel« liess ihn jedoch -nicht auf seinen Lorbeern ruhen. Erst etablierte er sich in Windsor, -dann zahlte er die Konventionalstrafe und zog wieder nach London. -Bentley gründete 1837 _Bentleys Miscellany_, dessen erster Herausgeber -Charles Dickens war. - -Als Verleger von Shillings-Ausgaben erwarben ROUTLEDGE & SONS einen Ruf. -Die Verbreitung solcher Ausgaben war eine so grosse, dass die Verleger -an Bulwer für die Erlaubnis, billige Ausgaben seiner Werke während zehn -Jahren drucken zu dürfen, 200000 Mark Honorar zahlten und dabei einen -sehr guten Erfolg für sich erzielten. - - * * * * * - -[Sidenote: Der Bibeldruck.] - -Eine wesentliche Bedeutung für das Druckgewerbe hat der Bibel- und -Gebetbuchdruck, der, was die autorisierten Ausgaben betrifft, noch ein -Privilegium der Universitätspressen von Oxford und Cambridge ist. Eine -grosse Bewegung rief die neue autorisierte Ausgabe der heiligen Schrift -hervor, welche viele Jahre hindurch mit grossem Aufwand theologischer -Arbeit vorbereitet war und am 17. Mai 1881 in sechs Ausgaben dem -Publikum übergeben wurde. In Oxford allein wurden sofort zwei Millionen -Exemplare bestellt, Amerika verlangte 300000, druckte jedoch, unter den -enormsten Anstrengungen der Konkurrenten, sich gegenseitig den Vorsprung -abzugewinnen, die Ausgabe nach. Ein typographisches Kunststück ist eine -Oxforder Miniatur-Ausgabe für Lehrer, die mit dem Einbande nur 90 Gramm -wiegt und auf 1416 Seiten 2430400 Buchstaben enthält. - -Eine grosse Wirksamkeit zeigte _The British and Foreign Bible Society_, -welche mit dem Jahre 1804 unter den Auspicien des Herrn GRANVILLE SHARPE -begann. Bis 1881 hatte die Gesellschaft mit einem Aufwande von etwa -175 Millionen Mark nicht weniger als 93953000 Exemplare der heiligen -Schrift gedruckt. 1881 wurden allein 2938000 Exemplare verbreitet. _The -Religious Tract Society_ verwendete in einem Jahre 2-1/2 Millionen Mark -auf Bücherdruck. - -[Sidenote: N. Trübner * 1817.] - -Unter den Verlegern in der theologischen und philologischen Richtung ist -die Firma Rivington hervorragend. Der Stammvater dieser ältesten der -noch bestehenden Verlagsfirmen Englands, CHARLES RIVINGTON, gründete -1711 sein Geschäft in der _Paternoster-Row_ in der »Bibel und Krone«, -welche Insignia noch heute die Rivingtonschen Verlagswerke schmücken. -Bedeutenden Ruf haben ferner die beiden, mit der Oxforder resp. -Cambridger Universitätsbuchdruckerei eng verbundenen Familien PARKER, -dann JAMES NISBET. Ganz hervorragende Verdienste um die linguistische -Litteratur erwarb sieh ein Deutscher, NIKOLAUS TRÜBNER aus Heidelberg. -Durch Zufall mit Longman bekannt geworden, ging er 1843 als Commis -in das Longmansche Geschäft nach London. 1852 etablierte er dort -ein eigenes Geschäft mit der Absicht, in der Weltstadt einen bisher -fehlenden Zentralpunkt für die litterarischen Erzeugnisse Amerikas und -Asiens zu schaffen. Er gab einen vortrefflichen _Bibliographical Guide -to American Literature_ 1817-1857 heraus und gründete, um seine Zwecke -zu fördern, das Monatsblatt _Trübners American and Oriental Literary -Record_ und eine Anzahl von Agenturen in den fernsten Weltteilen. -Durch das Heranziehen der bisher schwer zugänglichen Länder mit -ihren litterarischen Produkten hat Trübner sich nicht allein um die -Wissenschaft hochverdient gemacht, sondern auch sowohl direkt durch -seinen grossen linguistischen Verlag, als noch mehr indirekt durch -die Belebung dieses Verlagszweiges dem graphischen Gewerbe Vorschub -geleistet. - -Steht auch das ANTIQUARIATSGESCHÄFT den eigentlichen Zweigen des -Buchgewerbes, die uns hier beschäftigen, etwas ferner, so hat dasselbe -doch in England eine solche Weltbedeutung gewonnen und wirkt auch durch -Verbreitung der Liebe zu Büchern auf das ganze Pressgewerbe vielfach -so belebend ein, dass es am Platze sein dürfte, wenigstens die zwei -hervorragendsten Vertreter des Antiquariats zu erwähnen, was um so -lieber geschieht, als der eine, jetzt noch wirkende ebenfalls, wie -Trübner, ein Deutscher ist. - -[Sidenote: H. G. Bohn * 4. Jan. 1796.] - -Der Bahnbrecher für den grossartigen Betrieb des Antiquariats war HENRY -GEORGE BOHN aus Richmond. Sein 1841 erschienener _Guinea-Catalogue_ war -die imposanteste Ankündigung eines Bücherlagers, welche man bis dahin -kannte. Derselbe hatte einen Umfang von 1448 Seiten und verursachte -einen Kostenaufwand von 40000 Mark. Bohn wirkte auch als Schriftsteller -und Verleger; seine nach damaligen englischen Vorstellungen -ausserordentlich billigen _Standard Volumes_ zu 5 _sh._ 6 _d._ waren -allgemein beliebt. - -[Sidenote: B. Quaritch * 23. April 1819.] - -BERNHARD QUARITCH aus Worbis, jetzt ohne Widerspruch der bedeutendste -Antiquar der Welt, lernte in Nordhausen und ging 1842 nach London. 1849 -gründete er dort mit einem Kapital von 200 Mark ein eigenes Geschäft -zunächst für _Penny_-Litteratur. Durch Gewandtheit, Fleiss und Ausdauer -brachte er bald seinen Handel in die Höhe, so dass er 1860 noch ein -zweites, grösseres Lokal in Piccadilly mieten konnte. Hier sammelte -er nun einen wahren Schatz sowohl von bedeutenden wissenschaftlichen -Werken, als von ausgesuchten Seltenheiten für Bücherliebhaber. Neben -seinen Spezial-Katalogen gab er ab und zu einen General-Katalog -heraus. Unter den letzteren übertrifft der von 1880 noch Bohns -_Guinea-Catalogue_, kostet aber auch 2 Guineen. Der Band ist 6-1/2 -Zoll stark und enthält auf 2166 Seiten die Titel resp. Beschreibungen -von 28009 Werken. Ein Index von 228 Seiten giebt etwa 55000 Nachweise. -Quaritchs eigener bedeutender Verlag besteht sowohl aus Werken, wozu -er selbst die Initiative ergriffen, als auch aus solchen, die er von -anderen Verlegern an sich gebracht hat[69]. - - [69] A. ULM, Bernh. Quaritch, N. Anz. f. Bibliogr.; ebenfalls Börsenbl. - f. d. Buchh. 1880, Nr. 21. - - * * * * * - -[Sidenote: Die Bibliophilie.] - -Ein mächtiger Hebel für die Entwickelung der Buchdruckerei war -es, dass hochgestellte und reiche Männer sich nicht nur, wie Lord -Stanhope, für die technischen Fortschritte interessierten, sondern -auch eine Ehre darein setzten, das Schönste, Beste und Seltenste in -ihren Büchersammlungen zu vereinigen. Als Liebhaber ersten Ranges ist -JOHN HERZOG von ROXBURGH zu nennen. Seine Bibliothek brachte bei der -Versteigerung, welche in den Monaten Mai und Juni 1812 stattfand, einen -Erlös von mehr als einer halben Million Mark. Die Nummer 6292 des -Katalogs, das einzige bekannte vollständige Exemplar von _Il Decamerone -di Boccaccio_, in Folio, von Christoph Waldarfer in Venedig im Jahre -1471 gedruckt, wurde dem Marquis von Blandford für die Summe von über -45000 Mark zugeschlagen, der höchste Preis, der je für ein Buch bezahlt -worden ist. Zur Erinnerung an dieses bibliophilische Ereignis wurde von -31 der bedeutendsten Büchersammler Englands, unter dem Präsidium von -Lord Spencer, der _Roxburgh-Club_ gegründet. Zu keiner Zeit hatte die -Bibliomanie eine solche Höhe erreicht und sie sollte auch nicht lange -auf derselben bleiben, so dass Lord Spencer wenige Jahre später den -Waldarfer für 18000 Mark kaufen konnte, also für fast nur den dritten -Teil des in der Roxburgh-Auktion gezahlten Preises. - -[Sidenote: Lord Spencer.] - -Noch grössere Bedeutung in der Geschichte der Bibliophilie als der -Herzog von Roxburgh hat GEORGE JOHN, Lord SPENCER auf Althorpe. Er war -am 1. September 1758 geboren und folgte 1783 seinem Vater im Besitz -von dessen Titeln und fürstlichem Vermögen. Es war sein Stolz, die -Notabilitäten der Wissenschaft und der Litteratur um sich zu versammeln, -und wo er konnte, stand er deren Bestrebungen in liberalster Weise -bei. Von gleicher Gesinnung war sein Sohn beseelt, was sich durch die -Caxton-Ausstellung 1877 deutlich zeigte, zu welcher Lord Spencer eine -ganze Sammlung der seltensten Inkunabeln und Prachtwerke geliefert -hatte. In seiner in der _Stationary-Company_ gehaltenen Rede sprach -er es auch aus, eine wie grosse Freude es ihm gewähren würde, seine -Bibliothek recht oft von Fachmännern besucht zu sehen. - -[Sidenote: T. F. Dibdin.] - -Ein wesentlicher Förderer des Sammeleifers sowohl des Lord Spencer als -auch anderer war THOMAS FROGNALL DIBDIN. Derselbe stammt aus Calcutta, -erhielt jedoch, nachdem seine Eltern dort gestorben waren, in England -eine sorgfältige Erziehung und wählte den geistlichen Beruf. Von Lord -Spencer wurde er als Pfarrer nach Althorpe berufen, zugleich um als -Bibliothekar des Lords zu fungieren. In den Jahren 1814-1815 erschien -die Beschreibung der Sammlung als: _Bibliotheca Spenceriana_; von -1810-1819 _Typographical Antiquities_; 1817 _Bibliographical Decameron_; -1821 _A bibliographical, antiquarian and picturesque tour in France -and Germany_ (2. Ausgabe 1827), in welchem Werk der Verfasser eine in -Begleitung des Zeichners George Lewis im Interesse der Spencerschen -Bibliothek unternommene Reise schildert. 1838 folgte _A bibliographical, -antiquarian and picturesque tour in the northern countries of England -and Scottland_. - -[Sidenote: Lord Brougham.] - -In praktischer Weise interessierten sich andere Edle für die Presse. -HENRY Lord BROUGHAM war die Seele der schon erwähnten _Society for the -Diffusion of usefull Knowledge_. FRANCIS EGERTON, Lord BRIDGEWATER -bestimmte vor seinem Tode im April 1829 gegen 120000 Mark als Honorar -für den Verfasser eines Werkes, welches die Weisheit, Macht und Güte -Gottes, wie sie sich in der Schöpfung offenbaren, zum Gegenstand haben -sollte. Dies gab Veranlassung zu den sogenannten Bridgewater-Büchern, -die der populärwissenschaftlichen Litteratur einen mächtigen Anstoss -gaben. - -[Sidenote: Lord Arundel.] - -THOMAS HOWARD, Lord ARUNDEL wirkte wieder auf andere Weise. Als -eifriger Bewunderer der alten christlichen Kunst gab er Veranlassung -zur Begründung der _Arundel Society_ (1848), deren Hauptziel es ist, -die leichtvergänglichen, dem Verderben besonders ausgesetzten älteren, -namentlich vorrafaelischen Werke der Kunst wenigstens in vorzüglichen -Farbendrucken der Nachwelt zu erhalten. Die Reproduktion geschieht -hauptsächlich unter Beihülfe von den besten Anstalten des Auslandes, -besonders der von Storch & Kramer in Berlin, Hangard-Maugé und Engelmann -& Graf in Paris. - - * * * * * - -[Sidenote: Die Buchbinderkunst.] - -Dass die Bücherliebhaberei auf die BUCHBINDERKUNST ungemein fördernd -einwirken musste, ist leicht begreiflich. Es entstanden für die reichen -Privatsammlungen Meisterstücke, die zu hohen Preisen verkauft wurden. -Dieselbe Eigenschaft, die den englischen Bücherdruck auszeichnet: die -Verwendung der vollendeten Technik auf dem vorzüglichsten Material, -findet sich in der englischen Buchbindung wieder. Die Behandlung des -Leders, der Pappen, des Schnittes, des, das gute Aufschlagen des -Buches bedingenden Rückens, kurz des ganzen Körpers des Buches ist -eine so überaus sorgfältige, dass man leicht eine mitunter nicht ganz -kunstgerechte Komposition der Ornamentierung übersieht. - -[Sidenote: Berühmte Buchbinder.] - -Merkwürdig genug ist der Umstand, dass ganz besonders Deutsche zu den -ausgezeichnetsten Meistern in England gehören. Unter den Eingeborenen -war einer der berühmtesten Buchbinder ROGER PAYNE (gestorben 1797), -ein eben so talentvoller, wie in seinem Leben unordentlicher Mann[70]. -Als sein Meisterwerk gilt ein Aeschylos im Besitz des Lord Spencer. In -seinen Ornamenten, die er selbst fertigte, wird er mitunter bizarr, -seine Technik bleibt jedoch immer unvergleichlich. Schöne Bände von ihm -wurden mit 400 Mark und mehr bezahlt. Ein Einband von dem Boydellschen -Shakespeare in neun Bänden kostete über 2500 Mark. Eine zeitlang -arbeitete er zusammen mit RICHARD WIER, auch ein höchst geschickter -Mann, aber eben so unordentlich wie Payne. Die Verbindung artete in -einen oft mit den Fäusten ausgekämpften innern Krieg aus. Wiers Frau -war bekannt als unübertroffen in der Restauration alter Bücher. Nächst -Payne wurde CHARLES LEWIS, aus Hannover stammend, gelobt. Seine durch -Harmonie und Eleganz sich auszeichnenden Bände werden als die grössten -Zierden der Bibliotheken reicher Sammler betrachtet. - - [70] J. A. Arnett, _Bibliopegia_. London 1835. - -Der Buchbinder KALTHÖFER hatte einen solchen Ruf erlangt, dass die -Kaiserin von Russland einen besonderen Abgeordneten sandte, um ihn zu -bewegen, nach Russland zu kommen, was er jedoch, trotz der glänzenden -Bedingungen, ablehnte. In neuester Zeit gilt als erster Meister nicht -nur in England JOSEPH W. ZÄHNSDORF, ein Böhme von Geburt, der auch durch -Herausgabe von _The Art of Bookbinding_ theoretisch wirkte, ohne damit -ganz den Erwartungen zu entsprechen, die man hegen durfte, wenn ein so -eminenter Praktiker seine Erfahrungen zu Papier bringt. - - * * * * * - -[Sidenote: _Stationary._] - -Die _Stationary_-Artikel, die teils auf typographischem, teils auf -chromolithographischem Wege hergestellt werden, veranlassen ein sehr -bedeutendes Geschäft. Die Zahl der Neujahrskarten allein berechnet -man auf mehr als 12 Millionen Stück. Welchen Wert man auf solche -Kleinigkeiten legt, geht daraus hervor, dass ein Fabrikant 14 Prämien, -zusammen von 10000 Mark, für die besten Zeichnungen bestimmte. Von den -in London von Weihnachten bis Neujahr versandten 8-9 Millionen Couverts -wird bei weitem die grössere Zahl eine Neujahrskarte mit enthalten. -Ebenfalls bedeutend ist der Verkehr in Osterkarten und _Valentines_, -schöne, manchmal kostbar ausgestattete Huldigungskarten für das zarte -Geschlecht, die am St. Valentinstag, den 14. Februar, in grosser Zahl -anonym versandt werden. In der Regel ist der Preis einer solchen Karte -6 Pence bis zu 1 Shilling, es kommen aber auch nicht selten solche vor, -die 10 bis 20 Guineen und mehr kosten. - -Da jährlich 1200 Millionen Briefe versandt werden, so erfordern diese -allein eine enorme Anzahl von Couverts. Diese Fabrikations-Branche -beschäftigt gegen 3000 Menschen. - -Wie bedeutend der Kalenderdruck in England ist, kann man daraus -beurteilen, dass ein Kalenderdrucker, A. COOKE in Leeds, allein bei -einer einzigen Holzhandlung 1700000 Stäbe als Halter für Kalender in -Bogen bestellte. - -Von Spielkarten-Fabriken hat England 18, die etwa 1200000 Pack liefern. - -Unter den Firmen, die besonders für die _Stationers_ arbeiten, sind: -MARCUS WARD, der mit 60 Schnellpressen namentlich Weihnachtskarten und -_Valentines_ nebst illustrierten Kinderbüchern druckt; DE LA RUE & CO., -die in ähnlicher und Spielkarten-Fabrikation, so wie mit Herstellung von -Luxuspapieren 1000 Personen beschäftigen; CH. GOODALL & SONS, die in -ihren _Camden-works_ mehr als 600 Sorten Spielkarten liefern. - -Eins der bedeutendsten _Stationery_-Geschäfte in London ist das der -Regierung, von welchem etwa 250 öffentliche Institute ihren Bedarf -beziehen. Der jährliche Umsatz beträgt etwa 13 Millionen Mark, von -welchen gegen 4 Millionen auf Indien kommen. Dass dabei auch Makulatur -vorkommt, ergiebt der jährliche Verkauf von solcher zu einem Betrag von -ungefähr 320000 Mark, die einen ursprünglichen Wert von etwa 1600000 -Mark repräsentieren. - -[Sidenote: Das Papier.] - -Da der Konsum von PAPIER ein ausserordentlich grosser ist und billige -Preise verlangt werden, so konnte es nicht anders sein, als dass die -Stoffmischungen der Neuzeit in der Papierfabrikation, welche für die -Zukunft der Bücher im höchsten Grade gefahrdrohend geworden, auch in -England nicht ohne Verwendung blieben, jedoch wird dort immer noch -am meisten auf ein gutes Papier selbst bei gewöhnlichen Arbeiten -gehalten[71]. Die Fabrikation des Maschinenpapiers ist zwar keine -englische Erfindung (vgl. Kap. V), aber, wie die Schnellpresse, kam -auch die Papiermaschine erst in England zur praktischen Geltung, -namentlich durch die Bestrebungen DONKINS. Der Name WHATMAN ist typisch -geworden für das vorzügliche Büttenpapier, welches bei den Ausgaben -für Liebhaber verwendet wird. Whatman selbst zog sich vom Geschäft -zurück aus Verdruss, weil er seinen Arbeitern nicht denselben Sinn für -Erreichung der höchsten Ziele einflössen konnte, der ihn selbst beseelte. - - [71] Einen sehr hübschen Überblick sowohl über die zu feineren - Accidenzarbeiten zur Verwendung kommenden, in Qualität und - Färbung oft ganz vorzüglichen Papiere, als auch über die - englische Art, Accidenzien zu behandeln, giebt das bei Field & - Tuer in London jährlich (1882 zum drittenmale) erscheinende _The - printers international Specimen Exchange in connection with the - Paper and Printing-Trades-Journal_. Es beruht das Unternehmen, - das nicht in den Handel kommt, auf einem eigentümlichen - internationalen Umtausch von Accidenzien. Wer eine solche - in angegebener Weise ausgestattete in der nötigen Zahl von - Exemplaren liefert, erhält ein Exemplar des Buches gegen eine - mässige Vergütung für den Einband. Die Ausführung ist $meistens$ - technisch gut und zeugt von dem Streben, etwas mit dem Material - zu machen. Ob Hansard (vgl. S. 16) sich freuen würde: _that is - the question_! - - - ASIEN, AUSTRALIEN UND SÜD-AFRIKA. - -An die typographische Geschichte Englands schliesst sich eng diejenige -ASIENS, AUSTRALIENS und SÜD-AFRIKAS. - -In ihren Anfängen lernten wir bereits die Presse in Asien kennen (I, S. -282), sie sollte rasch an Bedeutung gewinnen. - -[Sidenote: Indien, Calcutta.] - -CALCUTTA, die Hauptstadt Indiens und der wichtigste Sitz des dortigen -Pressgewerbes, erhielt erst im Jahre 1778 durch CHARLES WILKINS, -einen berühmten Sanskritforscher, eine Buchdruckerei mit einer -Schriftgiesserei. Hier wurden neben den Missionsschriften eine Menge -wissenschaftliche und belehrende Schriften in den Landesidiomen, -ausserdem auch englische Bücher und Zeitschriften gedruckt. In dem -naheliegenden SERAMPUR, dem wichtigsten Platz der Baptisten-Mission, -besass Dr. CAREY zu Anfang des Jahrhunderts eine Presse, auf welcher -er 1801 das Neue und bald nachher das Alte Testament druckte. Eine -Schriftgiesserei und eine Papiermühle liessen nicht lange auf sich -warten und eine lebhafte Thätigkeit entwickelte sich, um die heiligen -Schriften in verschiedenen Sprachen der Eingeborenen zu veröffentlichen. -Die Offizin brannte zwar 1811 vollständig nieder, da jedoch -glücklicherweise alle Matern gerettet waren, konnte man bereits nach -Verlauf von kaum einem Jahre wieder heilige Schriften in 18 Sprachen -herausgeben. Ein 1818 gedrucktes Probebuch enthält das Vaterunser mit 51 -verschiedenen Sorten einheimischer Typen gesetzt. - -[Sidenote: Benares.] - -[Sidenote: Madras.] - -BENARES, die heilige Stadt der Hindus am Ganges, wo sich eine -englisch-indische Hochschule zur Ausbildung der Hindus befand, besass -eine, später sehr thätige, Offizin. In NEGAPATNAM hatte der aufgeklärte -Rajah von Tanjore eine von Europäern bediente Presse im Gang. Die -Britische Bibelgesellschaft gründete dort ebenfalls eine Buchdruckerei. -Auch MADRAS, die zweitwichtigste Stadt an der Ostküste, entwickelte seit -1772 eine rege Thätigkeit. - -[Sidenote: Bombay.] - -Aus dem Hauptorte der Westküste, BOMBAY, finden sich Bücher mit der -Jahreszahl 1792; der Aufschwung der dortigen Presse datiert jedoch erst -von 1813. In COTYM, auf der Malabarküste, versuchte der Missionär BENJ. -BALEY Typen der Landesschrift selbst zu schneiden und zu giessen, um -damit heilige Schriften zu drucken; 1820 kam ihm die Bibelgesellschaft -in Calcutta mit einer ordentlich eingerichteten Buchdruckerei zuhülfe. - -Am 18. Mai 1818 erschien die erste Zeitung in einheimischer Sprache -»Spiegel von Serampur« durch den Missionär MARSHMAN. In demselben Jahre -erhielt Bombay seine Zeitung in der Gujurati-Sprache. - -[Sidenote: Die einheimische Presse.] - -Der Generalgouverneur von Indien, Marquis Wellesley (1798 bis 1805), -späterer Lord Wellington, war der Presse nicht sehr zugethan; selbst -englische Bücher sah er nicht gern entstehen und gestattete nicht die -Anlegung von Buchdruckereien ausserhalb Calcuttas. Ein grösserer Freund -der Kunst war Wellesleys Nachfolger, der Marquis Hastings, welcher -den »Spiegel von Serampur« zu einem halbamtlichen Blatte erhob. Auch -Lord Amherst trat der Presse nicht feindlich entgegen, doch verblieb -sie unter sehr strenger Aufsicht. Zur Errichtung einer Buchdruckerei -bedurfte es einer Konzession und zur Begründung einer Zeitung Stellung -von Kaution. Erst im Jahre 1835 erhielt Indien, hauptsächlich durch -die Anstrengungen des Lord Th. Macaulay, den Genuss der Pressfreiheit, -die nun mit Jugendfeuer benutzt wurde. Man griff die Massregeln der -Regierung, namentlich die gegen die Weiberverbrennung gerichteten, -rücksichtslos an. - -Die Zahl der Blätter nahm jedoch nicht in dem Masse zu, wie man hätte -vermuten sollen, und steigerte sich wesentlich erst nach der Verbreitung -der Lithographie, welche sich mit weit grösserer Leichtigkeit dem -Geschmack des Publikums anschmiegen konnte, als die Typographie. Da -viele des Lesens unkundig sind, so wird das Vorlesen für grössere -Kreise sehr geübt und auf mündlichem Wege verbreiten sich dann die -neuen Nachrichten schnell. Die Thätigkeit im Buchhandel ist eine sehr -bedeutende und Sanskrit-Werke finden unschwer Verleger. - -Nach dem Sipahi-Aufstande 1857 wurden die englischen Behörden zur -Unterdrückung jeder Buchdruckerei ermächtigt und viele der letzteren bei -dieser Gelegenheit auch geschlossen. Noch bis vor kurzem befand sich die -einheimische Presse in strengen Ausnahmezuständen, jetzt ist jedoch eine -Änderung eingetreten und der Wunsch der Regierung in London, allen ihren -Unterthanen gleiche Rechte zu gewähren, erfüllt. Eine Presskommission -hat alle Verhältnisse der Presse mit der Regierung zu regulieren. - -[Sidenote: Die Presse Indiens.] - -Von Zeitschriften erscheinen gegen 700, davon der dritte Teil (230) in -Landessprachen. Die Auflagen sind durchweg klein, gewöhnlich 350, die -höchste Auflage ist noch nicht 2000. Die Versendung geschieht unter -Kreuzband. Der Abonnementspreis für Tagesblätter beträgt etwa 40 Mark, -für Wochenblätter etwa 4 Mark. Die Einfuhr von Papier ist für das -Mutterland ein wichtiger Gegenstand und erreichte 1879 einen Wert von -über 2-1/2 Millionen Mark. - -In Bengalen haben die einheimischen Blätter einen schweren Stand gegen -die englischen. Mehrere der letzteren sind jedoch in Besitz und unter -geschickter Leitung von Eingeborenen. In den nordwestlichen Distrikten, -zwischen Lucknow und Lahore, erscheinen in der Hindustani- und -Urdusprache gegen einhundert, zumteil sehr gut redigierte Zeitschriften. -Ziemlich eine ähnliche Zahl, in der Maharati- und Gujurati-Sprache -geschrieben, werden in Bombay gedruckt. Die tamulische und Telegupresse -in Madras ist nicht von Belang. - -Die Bücherproduktion, unter der Führung Bengalens, ist eine sehr -bedeutende und erreicht an Zahl fast die Englands. Im Jahre 1878 -erschienen 4193 Bücher, davon 576 in europäischen, 3148 in einheimischen -Sprachen, 673 in dem klassischen Idiom Indiens. 2495 Schriften waren -originale Neuheiten, 340 Übersetzungen, die übrigen Bücher neue -Auflagen. Die Theologie erschien mit 1502 Nummern; die Technik mit 961, -die Linguistik mit 612; Biographie, Länder- und Völkerkunde, Politik -waren nur äusserst spärlich vertreten. - -[Sidenote: Ceylon.] - -Auf CEYLON gingen aus der bereits vom Freiherrn VON IMHOF gegründeten -Druckerei (I, S. 288) im Jahre 1771 das Neue Testament in cingalesischer -Sprache und später manche, zumteil vorzüglich ausgestattete -wissenschaftliche Werke hervor. Die Pressthätigkeit in der Hauptstadt -COLOMBO ist jetzt eine bedeutende und die sehr gut geleitete -Regierungsdruckerei beschäftigt über 150 Personen, unter welchen sich -nur zwei Europäer befinden. Sie disponiert über 5 Schnellpressen, 10 -Handpressen, 1 Eisenbahn-Billetdruck-Maschine und 5 Liniiermaschinen. - -[Sidenote: Hinterindien.] - -Nach RANGUHN in Hinterindien, der Hauptstadt von Birma, war bereits -1808 eine Presse gekommen. 1814 erhielt Dr. Carey in Serampur von dem -Kaiser von Birma den Auftrag, in AVA eine Druckerei zu errichten, und -bereits 1822 war das Neue Testament in 29 Sprachen und die ganze Bibel -in 6 Sprachen gedruckt, darunter eine mit beweglichen Typen gesetzte -chinesische Bibel. Noch viele wissenschaftliche Werke entsprangen der -thätigen Presse. - -In MALACCA druckte der Missionär MILNE anfänglich nach chinesischer Art. -Später traf eine europäische Druckeinrichtung ein. Das dort errichtete -englisch-chinesische Kollegium, das für Religion und Wissenschaft gute -Früchte getragen hatte, ward später nach Singapur verlegt. - -[Sidenote: Die Inseln.] - -Von den Inseln des Indischen Archipels erhielt JAVA eine, 1823 von -dem Missionär MEDHURST in BATAVIA eingerichtete Offizin, aus welcher -im Jahre 1835 des Genannten Wörterbuch der chinesischen, japanischen -und der Korea-Sprache hervorging. Auf SUMATRA befanden sich um 1820 in -BENKULEN und dem benachbarten FORT MARLBOROUGH Missionspressen. - -[Sidenote: China.] - -In CHINA war einer der wichtigsten Druckorte MACAO bei Canton. -Dort machte im Jahre 1810 MORRISON Versuche, das Neue Testament -von Holztafeln zu drucken. 1814 wurde ihm von der Ostindischen -Handelsgesellschaft eine vollständige Druckerei unter der Leitung von -P. THOMS übersandt, doch gelang es erst 1822, das englisch-chinesische -Wörterbuch in 6 Quartbänden zu vollenden. In diesem Jahre erschien auch -die erste Nummer einer portugiesischen Zeitschrift »Die chinesische -Biene«. Medhursts »_Dictionary of the Hok-Kien dialect of the Chinese -language, containing 12000 characters_« konnte erst 1832 ausgegeben -werden. In CANTON selbst wurde ebenfalls sehr viel gedruckt. Die grösste -Buchdruckerei ist die der presbyterianischen Mission in SHANGHAI, mit -der eine Schriftgiesserei verbunden ist. Im Jahre 1868 wurden dort 25 -Millionen Seiten gedruckt, 1869 ein illustriertes Neues Testament -und verschiedene Andachtsbücher mit dort angefertigten Abbildungen -in vortrefflichen Galvanos. Hier erschien auch das grosse japanische -Lexikon des Dr. Hepburn in Yokohama. In hohem Grade hemmend ist bei -der Anwendung der europäischen Druckmethode die enorme Zahl der Fächer -(gegen 6000) in den Setzkästen; jeder Setzer befindet sich förmlich -inmitten eines Amphitheaters von Kästen. - -In PEKING erscheint die offizielle Zeitung _King-Pao_, welche die -kaiserlichen Dekrete bringt und deren Geschichte bis an die Dynastie -Tang, d. h. bis an das siebente bis zehnte Jahrhundert n. Chr., reicht. -Jede Nummer bildet ein Heft von 20, wohl auch von 40 Seiten in gelbem -Umschlag. Die Ausstattung ist eine klägliche, der jährliche Preis -beträgt 27 Mark. Die Offizin befindet sich in dem kaiserlichen Palast. -Seit mehreren Jahren erscheint eine Quintessenz aus der Zeitung in -englischer Übersetzung. In HONGKONG wurde die erste gedruckte Zeitung -vor etwa 25 Jahren gegründet. In SHANGHAI werden zwei grosse chinesische -Zeitungen nach europäischem Zuschnitt gedruckt, die nicht allein den -Inhalt der kaiserlichen Zeitung reproduzieren, sondern auch Belehrendes -und Ankündigungen bringen. Die eine, »_Shénpao_«, vertritt europäische -Interessen, die andere, »_Sinpao_«, ist Organ europafeindlicher -Mandarinen. Die Blätter sind gern gelesen und das eine hat gegen 10000 -Abnehmer. Überhaupt ist das Publikum sehr wissenslustig und man findet -in Shanghai fast an jeder Thüre eifrige Leser. - -Eine besondere Bestimmung über das litterarische Eigentum giebt es in -China nicht, es ist ein Eigentum wie jedes andere und Nachdruck wird mit -100 Stockschlägen und Deportation bestraft. - -[Sidenote: Japan.] - -In der Hauptstadt von JAPAN, YEDDO (TOKIO), wurde seit 1785 in -europäischer Weise gedruckt und entwickelt sich dort eine rege -Thätigkeit. Jedenfalls ist Japan, dieser ferne Kulturposten im Osten, -bestimmt, einen hervorragenden Platz in der Geschichte der Civilisation -einzunehmen. Das Tick-Tack der Typen und das Klappern der Pressen haben -jedenfalls dort grössere Eroberungen gemacht, als alle Flotten der -alten und der neuen Welt mit ihren Kanonen und Soldaten fertiggebracht -haben würden. Die japanische Druckindustrie ist in fortwährender -Steigerung begriffen und die Ausüber sind fast alle Eingeborene. Noch -vor 15 Jahren hatte Japan kein Journal in einheimischer Sprache, -jetzt zählen die Journale nach hunderten, unter welchen weder Mode-, -Witz- noch illustrierte und photographische Blätter fehlen. Das -verbreitetste Blatt ist _Yomiri Schimbun_ mit 20000 Exemplaren. Nach -einzelnen Zeitungsnummern gerechnet, erreichte die Produktion jährlich -33 Millionen, von welchen ungefähr der dritte Teil durch die Post -befördert wurde. Die Redaktion einer Zeitung ist keine ganz gefahrlose -Beschäftigung, denn ein der Regierung missliebiger Artikel hat Haft und -Geldstrafe zur Folge. - -Die Produktion von Büchern ist eine ausserordentlich starke. Namentlich -werden englische, deutsche und italienische Wörterbücher, Grammatiken, -Parleure, Übersetzungen von astronomischen, nationalökonomischen und -namentlich auch medizinischen Werken gedruckt[72]. Der Buchhandel steht -unter der Aufsicht der Regierung, geniesst jedoch Abgabenfreiheit. Der -Verkauf der Verlagsartikel findet durch Versteigerungen dreimal im Jahre -statt, zu denen die Sortimentshändler oder vielmehr die Bücherverleiher --- denn das Verleihen ist ein Hauptgeschäft -- zuströmen, um die Lücken -ihres Vorrates auszufüllen. Es giebt Leihbibliotheken mit 25000 und mehr -Bänden. Die Romane, die sehr gern gelesen werden, sind sehr bändereich. -Eine deutsche Buchhandlung besteht seit 1870 und viele deutsche -Unterrichtsschriften werden nach dort versandt. - - [72] Der Buchhändler Herr W. v. Braumüller in Wien erhielt vom Kaiser - von Japan als Gegengeschenk für eine, der deutschen medizinischen - Schule in Tokio übersandte Sammlung der hervorragendsten Artikel - seines wissenschaftlichen Verlages eine Auswahl von 144 von den - besten und seltensten japanischen Werken in 1408 Bänden. Herr v. - Braumüller liess ein Verzeichnis davon als _Bibliotheca Japonica_ - drucken. Die Titel sind mit deutscher Übersetzung versehen und - gewähren einen belehrenden Einblick in die Bücherproduktion - Japans. - -Früher liess Japan sein Papiergeld bei Naumann und Dondorf in -Frankfurt a. M. drucken; jetzt besitzt es in Tokio eine Staats- und -Geldpapier-Fabrik. Die Gebäulichkeiten, von einem französischen -Architekten in Backsteinen aufgeführt, bestehen in einem grossen -Vordergebäude mit zwei Flügeln und in mehreren Hintergebäuden. Das -Institut ist mit dem vorzüglichsten Material und vortrefflichen -Maschinen, grösstenteils von König & Bauer, ausgerüstet und arbeitet mit -einem fast ausschliesslich einheimischen Personal, von Männern sowohl -als von Frauen. - -Die erste mechanische Papierfabrik nach europäischer Art wurde 1875 -in Tokio eingerichtet. Das Gebäude ist aus Ziegelsteinen aufgeführt, -misst 225 englische Fuss in der Länge, 106 Fuss in der Breite. Der -Maschinensaal ist 130 Fuss lang, 32 Fuss breit, die Maschine selbst -nach dem System Fourdrinier hat eine Länge von 76 Fuss. Durch zwei -Zentrifugalpumpen können pro Minute bis zu 1600 Gallonen Wasser auf -einen Turm von 26 Fuss Höhe, wo die Wasserreservoirs der Fabrik sich -befinden, hinaufgepumpt werden. Die Beleuchtung geschieht durch -selbstfabriziertes Gas. Es werden seitens der japanesischen Regierung -grosse Anstrengungen gemacht, um den Verkauf des Fabrikats am Londoner -Markt zu fördern, doch findet man es dort zu teuer. - -[Sidenote: Australien.] - -AUSTRALIEN hat den Engländern die Bekanntschaft mit der Kunst Gutenbergs -zu verdanken. In SIDNEY entstand 1802 die erste Presse, deren Begründer -ein Creole, GEORGE HOWE, war. Der Durst nach politischen Nachrichten -und öffentlichen Mitteilungen rief 1803 die erste Zeitung hervor, -der bald andere folgten. Die Zügellosigkeit der Presse veranlasste -ein sehr strenges Pressgesetz von 1827, das jedoch später aufgehoben -wurde. HOBARTTOWN auf VANDIEMENSLAND (Tasmanien) erhielt 1818 eine -Druckwerkstätte. - -Seit der Zeit haben sich die Verhältnisse sehr günstig für die Kunst -in Australien gestaltet. In dem jungen aufblühenden Lande mit einer -energischen, vorwärtsstrebenden Bevölkerung eröffneten sich für die -Zeitungspresse die schönsten Aussichten. Sie ist denn auch in Australien -in einem gewaltigen Vorwärtsschreiten begriffen und Zeitungen wie -_The South Australian Register_ in Adelaide, _Argus_ und _Age_ in -Melbourne, _Morning-Herald_ in Sidney nehmen es mit grossen englischen -und amerikanischen Zeitungen auf, selbst in Bezug auf den Umfang der -telegraphischen Korrespondenz. Jede kleine Stadt besitzt eine Zeitung -oder doch ein Wochenblatt. Bei einer Bevölkerung von nur 2500000 -Menschen hatte Australien 478 Zeitungen, davon in der Kolonie Victoria -151, in Neu-Süd-Wales 118, in Süd-Australien 46, in Queensland 48, auf -Neu-Seeland 114, auf Tasmanien 12, in Westaustralien 3. Sie sind fast -alle in englischer Sprache; die deutsche ist fast gar nicht vertreten. -Die Ausstattung der Druckereien daselbst ist eine entsprechende. Die -Setzer sind vorzugsweise Europäer, das Lehrlingswesen liegt im Argen. - -Die Fabrikation für die Typographie ist noch in der Kindheit und das -Mutterland hat in Australien einen sehr guten Kunden. Melbourne allein -zahlt für Typen, Papier und _Stationary_-Artikel jährlich mehr als -6 Millionen Mark an England, doch schafft jetzt die amerikanische -Konkurrenz, welche fast alle Accidenzschriften liefert, diesem einen -schweren Stand. - -[Sidenote: Die Inseln der Südsee.] - -Nach den GESELLSCHAFTS-INSELN brachten die Missionäre 1818 die Kunst. -Von einer auf der Missionspresse gedruckten Bibel wurden 3000 Exemplare -in wenigen Tagen verkauft. Der Preis für ein Exemplar war ein Quantum -von etwa zehn Kannen Kokosöl. - -Auf den SANDWICHS-INSELN wird in der Hauptstadt HONOLULU seit 1821 -gedruckt und 1835 erschien eine Zeitung. Der König gab dazu seine -Erlaubnis mit den folgenden Worten: »Ich gebe meine Einwilligung, denn -es freut mich, die Werke anderer Länder kennen zu lernen, sowie Dinge zu -hören, die neu sind und die ich gern sehen möchte, wenn ich dort wäre. -Ich habe zu dem Minister gesagt: »»Mache Druckerpressen««. Mein Gedanke -ist zu Ende. König Kanegeaguli«. Auch der König Kalakaua war Redacteur -und fleissiger Leitartikelschreiber. -- Die FIDSCHI-INSELN haben vier -Druckereien. - - * * * * * - -[Sidenote: Afrika.] - -Der Norden AFRIKAS wird weiter unten (Romanische Gruppe) Erwähnung -finden. - -Über die frühzeitige Verbreitung der Buchdruckerkunst durch die -Portugiesen in Abessinien und auf der Westküste von Afrika liegen keine -begründeten historischen Nachrichten vor. Erwiesen ist nur, dass im -Jahre 1583 auf der Insel TERCEIRA gedruckt und zwar sehr gut gedruckt -wurde. - -In FREETOWN auf der Westküste gründeten Missionäre Schulen und -Druckereien. Die Insel ST. HELENA erhielt aus Veranlassung der -Gefangenschaft Napoleons eine Buchdruckerei. - -In der seit 1806 den Engländern gehörenden Kapkolonie blühte die Presse -bald empor. Die erste eigentliche Zeitung erschien 1824. Seit 1830 -werden auch im Innern des Landes Zeitungen gedruckt. Der Zeitungsstempel -wurde 1848 abgeschafft. 1854 wurde die erste mit Dampf betriebene -Schnellpresse aufgestellt und 1860 hatte die Kolonie 29 periodische -Schriften. Bereits damals beschäftigte die vorzügliche Druckerei von -SAUL SALOMON & CO. über 100 Arbeiter und zwei Dampfschnellpressen -und lieferte auch eine grosse Zahl von Accidenzarbeiten in bester -Ausführung. 1880 war die Zahl der Zeitungen 52, von denen 43 in -englischer, 6 in holländischer Sprache, 3 in beiden Sprachen zugleich -erschienen. - -Recht fröhlich gedieh die Kunst auf MADAGASCAR. König Radáma I. -(gestorben 1828) war ein aufgeklärter Mann und Freund des Christentums -und der Presse, welche von Missionären in den zwanziger Jahren -eingeführt wurde. Diese brachten erst die Sprache der Eingeborenen -in ein orthographisches System, um dieselbe geschrieben und gedruckt -wiedergeben zu können. In der Hauptstadt ANTANANARIVO wurden sechs -periodische Schriften herausgegeben, darunter die Monatshefte »Gute -Worte« in einer Auflage von 3000 Exemplaren und das halbmonatlich -erscheinende Blatt »Reis mit Honig gemischt«. - -[Illustration] - - -[Illustration] - - IV. KAPITEL. - - DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE NORDAMERIKAS. - - WACHSTUM DER PRESSE. DIE ZEITUNGEN: Statistisches, der _Herald_, Horace - Greeley und die _Tribune_, G. Childs und der _Ledger_, die Familie - Harper, Frank Leslie und die illustrierte Presse. Die - Holzschneidekunst. DIE BUCHDRUCKEREI UND DER BUCHHANDEL: die - Staatsdruckerei und der Accidenzdruck, Organisation des Buchhandels. - Grosse Druck- und Verlagsfirmen: Appleton, Lippincott, Houghton u. - a., Einfluss des deutschen Elements, Nachdruck deutscher Werke, - deutsche Buchhandlungen und Zeitungen. DAS PAPIER. - -[Sidenote: Steigende Macht der Presse.] - -Nachdem Amerika seine Unabhängigkeit erkämpft hatte, stieg die Macht -seiner Presse in rapider Weise. Es war natürlich, dass von einem -Zustand gemütreicher litterarischer Beschaulichkeit noch keine Rede -sein konnte und dass sich die geistigen Kräfte der Besten des Volkes -fast ausschliesslich dem praktischen und dem politischen Leben zuwenden -mussten. Die litterarischen Bedürfnisse liessen sich leicht und -billig durch den Nachdruck der geistigen Erzeugnisse des Mutterlandes -befriedigen und der Nachdruck war ja nicht verboten, also eine ehrliche, -ja lobenswerte Sache. - -[Sidenote: Die Zeitungen.] - -Vor allem hatte man ZEITUNGEN nötig; auf diese konzentrierten sich -deshalb die Gedanken und Pläne der Verleger, der Buchdrucker, der -Schriftgiesser und der Maschinenbauer und bald zeigte sich ein an das -Wunderbare grenzender Aufschwung dieses Zweiges des Buchgewerbes. - -Im Jahre 1776 hatte New-York nur 4 Zeitungen, Massachusetts 7, -Pennsylvanien gar keine aufzuweisen. Zur Zeit der _Centennial_-Feier -und der Weltausstellung zu Philadelphia im Jahre 1876 erschienen in -New-York 1088, in Massachusetts 346, in Pennsylvanien 738 Zeitschriften. -Heute beträgt die Gesamtzahl der periodischen Schriften Nordamerikas -11418, darunter täglich erscheinende Blätter 982, Wochenblätter 8725. -Von der Gesamtzahl liefert New-York 1412, Illinois 1032, Missouri -531. Illustrierte Blätter giebt es 512, Zeitschriften religiösen -Inhalts 572. In englischer Sprache wurden 10619 Blätter gedruckt, 605 -in deutscher, 35 in französischer, 37 in schwedischer und dänischer -Sprache. Beschäftigung finden bei der Herstellung 72000 Menschen mit -einem Lohnaufwande von 115 Millionen Mark. Der Brutto-Ertrag wird auf -370 Millionen Mark geschätzt. Die tägliche Zirkulation der Tagesblätter -ist auf 3637000 Nummern -- dieselbe ungefähr, die England mit seinen -135 Blättern erzielt -- berechnet, die einmalige der Wochenblätter auf -19450000, die Gesamtsumme aller Zeitungen und Zeitschriften jährlich auf -2077650675 Nummern[73]. - - [73] E. STEIGER, _The periodical litterature of the United States_. - New-York 1873. -- G. P. ROWELL, _The man who advertise_. New-York - 1870. -- A. MAVERIK, _H. J. Raymond and the New-York Press_. - Hartford, U. S., 1870. -- M. CUCHEVAL-CLAVIGNY, _Histoire de - la Presse en Angleterre et aux États Unis_. Paris 1857. -- Die - Angaben über den heutigen Bestand sind von einem erfahrenen - Verleger Amerikas, M. North. - -Es hat sich jemand die Mühe gegeben, auszurechnen, dass mit einem -Gürtel an einander gereihter Bogen eines Jahrganges der amerikanischen -Zeitungen die Erde sich 47mal umwickeln lasse und dass der -Papierstreifen fünf Meilen länger sein würde, als die Entfernung -der Erde von dem Monde. Ein anderer giebt an, dass zu einer Nummer -sämtlicher Zeitschriften Nordamerikas 5000000 Pfund Schriften oder etwa -3 Milliarden Typen gehören. Kontrolliert haben wir die Rechnungen nicht. - -Befinden sich unter den Zeitungen auch manche unbedeutende, die nur -dazu dienen, die Zahl auszufüllen, so begegnen uns andererseits viele -riesenhafte Unternehmungen, mit denen in Europa ausser den _Times_ nur -noch einige wenige sich messen können. Das New-Yorker Zeitungsviertel -umschliesst die Prachtgebäude der Journale: New-Yorker Staatszeitung, -_Daily News_, _Star_, _Sun_, _Tribune_, _Times_, _Observer_, _World_, -_Evening Mail_, _Evening Telegraph_, _Herald_, dazu den grossartigen -Bau des Zentral-Telegraphenamtes, die kolossalen Offizinen von _Harper -Brothers_ u. a. Mit diesem bibliopolisch-typographischen Viertel kann -sich selbst _Fleet-Street_, _Paternoster-Row_ und Umgebung in London -nicht messen. - -[Sidenote: _Der Herald._] - -Das grossartigste Zeitungs-Institut ist wohl das des _New-York -Herald_. Die Herausgeber haben sich die Mühe gegeben, eine Nummer des -_Herald_ mit der korrespondierenden Nummer der englischen _Times_ -zusammenzustellen. Jede enthält 120 Spalten; unter diesen hatte der -_Herald_ 80 Inseratenspalten mit 3061 Anzeigen, _Times_ 73 Spalten mit -1846 Annoncen. Dem Stoff nach enthält die _Herald_-Nummer auf 31350 -Zeilen mit etwa 2800000 Typenstücken den ungefähren Stoff von fünf -gewöhnlichen Romanbänden. Die Ausgaben für einzelne Telegramme sind -enorm und waren es früher noch mehr, als zehn Wörter 400 Mark kosteten. -Während des englisch-abessinischen Krieges musste die englische -Regierung ihre Nachrichten aus dem Privatbureau des _Herald_ holen, denn -dieser empfing seine Telegramme so zeitig, dass die englischen Blätter -die aus New-York zurücktelegraphierten Nachrichten als ihre neuesten -Nachrichten bringen mussten. Zur Zeit des deutsch-französischen Krieges -hatte die _Tribune_ den _Herald_ überholt. Erstere brachte mit einem -Kostenaufwand von 3000 Dollars das erste, spaltenlange Telegramm über -den Kampf bei Gravelotte, das schon Tage lang in New-York gelesen war, -als man in Berlin sich noch immer mit dem bekannten kurzen Telegramm -aus dem Hauptquartier begnügen musste. Das machte die _Tribune_ während -des Krieges sehr populär. Als Trumpf hiergegen spielte nun der _Herald_ -die sehr kostspielige afrikanische Expedition Stanleys zum Aufsuchen -Livingstones aus. - -[Sidenote: H. Greeley * 3. Febr. 1811, [+] 29. Nov. 1872.] - -Überhaupt erreichte die von HORACE GREELEY im Verein mit gleichgesinnten -Mitarbeitern 1841 gegründete _Tribune_[74] eine hohe Bedeutung. Horace -Greeley war Sohn eines armen Bauers in Amhorst. Er half seinem Vater -beim Holzfällen; jedoch seine Liebe zu den Büchern erweckte den Wunsch -in ihm, Setzer zu werden. Er kam auch in die Lehre nach Pultney, was -er jedoch dort lernen konnte, war bald gelernt. Nach verschiedenen -bösen Erfahrungen kam er am 18. August 1831 nach New-York mit zehn -Dollars in der Tasche. Trotz seiner Tüchtigkeit ward es ihm sehr -schwer, eine Stelle zu finden. Man traute ihm nichts ordentliches zu, -namentlich weil er gar zu wenig auf sein Äusseres gab. Endlich fand er -in einer Druckerei Stellung. Es wurde ihm die schwerste Aufgabe, der -Satz eines polyglotten Neuen Testaments, aufgetragen. Die Arbeit fiel -vortrefflich aus und Greeley war bei derselben mit solchem Fleiss, dass -er in Misskredit bei seinen von ihm ausgestochenen Kollegen kam. Ein -Dr. Steppard, ein Mann mit vielen Kenntnissen, aber ganz ohne Vermögen, -wünschte Teilnehmer für ein Blatt, die »Morgenpost«, und veranlasste -Greeley und den Faktor der Druckerei, Story, solche zu werden. Das -Blatt schlug fehl, jedoch die angefangene Druckerei kam vorwärts; Story -starb und Greeley nahm einen anderen Associé, Winchester. Auch eine -zweite Zeitschrift, der »New-Yorker«, an dem Greeley gearbeitet hatte, -ging ein. Dieser, der demnach Schriftsteller geworden war, gründete nun -selbst 1841 die _Tribune_. Die Anfänge waren klein. Greeley war die -Seele des Ganzen, bald am Redaktionstisch schreibend, bald am Setzkasten -zugreifend, dann, wenn nötig, bei der Presse Hand anlegend. Das Blatt -gewann rasch einen grossen Aufschwung und die etwa zwanzig Gründer, die -mit ihrer Arbeit -- denn über ein anderes Kapital hatten sie nicht zu -verfügen gehabt -- beteiligt waren, wurden wohlhabende Leute. Ausser der -Tagesausgabe druckte man eine halbwöchentliche und eine wöchentliche, -zusammen in ungefähr 100000 Exemplaren. Horace Greeley schlug standhaft -die Übernahme der ehrenvollsten, selbst Gesandten-Posten, aus und -meinte, wenn ein Journalist auf seinem Posten ist, dann kann er in -einem Lande mit einer freien Presse mehr leisten, als alle Gesandte -zusammen[75]. Die Setzer der Vereinigten Staaten wollten ihm zuerst ein -aus Typen gegossenes Monument setzen, errichteten ihm jedoch später auf -dem Greenwood-Friedhofe in Brooklyn ein Denkmal, bestehend in einer -Bronce-Kolossalbüste. Die vier Seiten des Sockels sind mit Reliefs -geschmückt. - - [74] Die Offizin ist abgebildet im Journ. f. B. 1876, Nr. 6. - - [75] JAMES PARTON, _The life of Horace Greeley_. New-York 1855. - -[Sidenote: G. W. Childs.] - -Bedeutenden Einfluss übte auch _The Public Ledger_ GEORGE W. CHILDS'. -Dieser, in Baltimore geboren, kam als vierzehnjähriger Bursche nach -New-York in eine kleine Buchhandlung, erwarb sich durch grössten Fleiss, -verbunden mit Sparsamkeit, einige hundert Dollars und fing mit diesen -in einem Winkel des Gebäudes des _Public Ledger_ ein kleines Geschäft -an, jedoch mit dem Vorsatz: »das muss alles einmal mir gehören«. Childs -wurde Teilhaber einer respektablen Buchhändlerfirma R. E. Peterson & -Co., in der, unter seiner Beteiligung, viele bedeutende Werke erschienen. - -Inzwischen war es mit dem angesehenen _Ledger_ rückwärtsgegangen. Es -bestand als _Penny_-Blatt seit dem Jahre 1816 und die Unternehmer hatten -nicht den Mut, diesen Preis zu erhöhen, obwohl er unter den indes -eingetretenen Valuta-Verhältnissen ein völlig unhaltbarer geworden war. -Trotz der grossen Verbreitung und der massenhaften Inserate verlor -man, wovon das Publikum jedoch keine Ahnung hatte, jährlich an 150000 -Dollars. Unter diesen Verhältnissen kaufte Childs das Blatt für eine -Summe, welche die eines Jahresausfalles wenig überschritt, stellte -den Preis auf zwei Pence und erhöhte entsprechend den Inseratenpreis. -Anfänglich grosser Krach in der Zahl der Abonnenten, dann aber das -Gefühl bei denselben, den alten bewährten Freund nicht entbehren zu -können, und die Sache ging wieder vorwärts. Nun war Childs ein gemachter -Mann und der _Ledger_[76] eine grosse Macht, von der jedoch der Besitzer -immer nur den edelsten Gebrauch gemacht hat. Er begriff, dass der Mann, -welcher eine Druckerpresse besitzt und die Feder führt, ebensowenig das -Recht hat, Schmähnachrichten zu verbreiten oder die Ehre eines anderen -anzutasten, als derjenige, der eine Uniform und ein Schwert trägt, -befugt ist, nach Belieben zu tödten oder zu verwunden, um seinen Launen -oder boshaften Gesinnungen zu fröhnen. Sogar über die Anzeigen wachte -er und hatte den Mut, von dem Prinzip abzugehen, wonach der Herausgeber -eines Blattes nicht die Verantwortlichkeit, wennauch nur die moralische, -für die Anzeigen zu tragen habe. Dass er mit diesem Prinzip zugleich -auf grosse Einnahmen verzichtete, ist leicht zu begreifen. Childs -sorgte auch stets in grossartigster Weise für die Gesundheit und das -Wohlbefinden seiner Mitarbeiter. - - [76] EUGEN MUNDAY, _Historical sketch of the public Ledger_. - Philadelphia 1870. -- JAMES PARTON, George W. Childs. - Philadelphia 1870. -- Die Offizin ist abgebildet im Journ. f. B. - 1876, Nr. 4. - -Es ist nicht möglich, die bedeutenden Zeitungsanstalten alle näher -zu charakterisieren und ihre Offizinen ausführlich zu beschreiben, -die auch im Westen grossartige Dimensionen angenommen haben, so z. B. -die Offizin der _Chicago Times_, die in einem aus weissen Sandsteinen -erbauten, palastähnlichen Eckgebäude mit zwei Fronten von je 80 Fuss -ein Erdgeschoss und fünf Stockwerke einnimmt. Überhaupt würden solche -Äusserlichkeiten an und für sich keine Bedeutung für die Geschichte der -Buchdruckerkunst haben, wenn sie nicht mit als Beweis dienten, welche -kolossale Ausdehnung und hohe Macht die Zeitungspresse besitzt, die doch -immer nur ein Teil der Gesamtpresse ist. - -Auch unter den Wochenblättern erheben einige stolz ihre Häupter über -das Gewöhnliche. Unter den Verlegern und Druckern, die sich um diese -Litteratur, doch nicht nur um diese, verdient gemacht haben, steht die -Familie HARPER obenan[77]. - - [77] JAC. ABOTT, _The Harper Establishment_. New-York 1855. - -[Sidenote: John Harper * 22. Jan. 1797, [+] 22. April 1875.] - -Der Gründer derselben, JOHN HARPER, stammt aus Newtown (Rhode Island). -Sein Bruder JAMES und er waren in New-York in einer Buchdruckerei -beschäftigt und zählten mit zu den tüchtigsten Arbeitern, James als -Drucker, John als Setzer. Im Jahre 1817 gründeten die Brüder eine kleine -Buchdruckerei unter der Firma J. & J. HARPER. Durch Promptheit erwarben -sie sich einen guten Ruf und ihre eigenen Verlagsunternehmungen wurden -mit Vertrauen empfangen. 1833 gesellten sich noch zwei Brüder, JOSEPH -WESLEY HARPER und FLETCHER HARPER, als Teilnehmer dazu und die Firma -wurde _Harper Brothers_. Die vier Brüder waren alle sehr verschiedenen -Charakters, ergänzten sich jedoch ganz vortrefflich. Frug man: wer ist -Harper? und wer sind die Brüder? so konnte man nur antworten: »irgend -einer derselben ist Mr. Harper und die anderen sind die Brüder«. Gerade -in diesem innigen Zusammenwirken lag das Geheimnis ihrer Erfolge. Im -Jahre 1850 begannen sie _Harpers Monthly_, dessen Aufnahme eine so -ausserordentlich günstige war, dass sie 1857 _Harpers Weekly_ und 1867 -_Harpers Bazar_ folgen liessen. - -[Sidenote: Harpers neues Etablissement.] - -Jeder der Brüder hatte sein besonderes Departement, welches er -selbständig leitete. Das der Finanzen gehörte John, zugleich die -Besorgung der Erwerbungen an Material und Maschinen. Er war ein -Mann von bestimmtem Charakter, rasch im Entschliessen, fest in der -Durchführung der Entschlüsse, in allen Verhältnissen ein Gentleman, bei -aller Lebhaftigkeit stets ruhig und besonnen, nie in Unruhe oder Hast. - -[Sidenote: Brand des Etablissements.] - -Als das grosse Harpersche Etablissement in _Franklin-square_ 1853 ein -Raub der Flammen wurde, stand John mit seinen Brüdern ruhig unter -der aufgeregten Menschenmasse und beobachtete das Fortschreiten des -verheerenden Elements. Seine Uhr aus der Tasche ziehend bemerkte er -gegen die Brüder, dass es jetzt Essenszeit sei; es wäre wohl das beste, -man käme nach dem Essen zu ihm, dort könne man ruhig überlegen, was -zu thun! Die Brüder fanden sich ein und sassen schweigend in Gedanken -vertieft. Da ergriff John das Wort: »Unser Geschäft ist zu wertvoll, um -es fallen zu lassen oder um es in andere Hände zu geben. Wir haben alle -Söhne; sie haben uns geholfen und sind nun bald imstande, unsere Plätze -einzunehmen. Wir wollen ihnen das Geschäft weiter führen und ihnen -zeigen, dass wir noch keine alten Schlafmützen sind«. - -Und so wards beschlossen. Noch an demselben Abend begann John die -Pläne für den Neubau zu entwerfen. Die Zeichnungen von allen den -inneren Räumlichkeiten und Einrichtungen wurden unter Berücksichtigung -der mannigfachen Bedürfnisse des Geschäfts in allen Details von John -gemacht und dann dem Architekten übergeben, dem es überlassen wurde, -das Äussere dem Innern anzupassen. Durch Schaden klug geworden, -liess man alles aus Stein oder Eisen aufführen. Jedes Stockwerk ist -für sich ganz abgeschlossen und die Kommunikation mit den beiden -Geschäftshäusern nur durch die, in einem freistehenden Turm, von welchem -aus Verbindungsbrücken nach jedem Stocke der beiden Geschäftsgebäude -führen, befindliche Treppe unterhalten. Es dürfte dieses Etablissement -jetzt eines der eigentümlichsten, zugleich eine der am besten gegen -Feuersgefahr gesicherten Druckereien der Welt sein. Ein eigentümlicher -Zug von John Harper war es, dass er, obwohl er täglich von 9-3 Uhr im -Comptoir arbeitete, die nach seiner eigenen Angabe gebauten Lokalitäten, -mit Ausnahme des Maschinenraumes, nie betrat. Was in sein Departement -nicht gehörte, überliess er ganz und gar seinen Brüdern, Söhnen und -Neffen. Der Bruder James starb 1869, Wesley 1870, John selbst 1875 am -22. April, nur sein Bruder Fletcher überlebte ihn. Bis zum Jahre 1878 -hatten Harpers 3291 Werke in über 4000 Bänden herausgegeben. - -[Sidenote: K. Scribner.] - -Wennauch _Harpers Monthly_ die grösste Auflage von allen Monatsschriften -hat -- 160000 Exemplare --, so kommt ihm doch das von KARL SCRIBNER -gegründete _Scribners Monthly_, das jetzt den Titel _The Century_ -angenommen hat, nahe. Der materielle Wert eines solchen Unternehmens -ist ein sehr bedeutender; so erhielten die Söhne Scribners für ihren -40prozentigen Anteil die Summe von mehr als 1100000 Mark, wonach also -das ganze Unternehmen den Wert von gegen 3 Millionen Mark repräsentierte. - -[Sidenote: Frank Leslie * 1821, [+] 1. Jan. 1880.] - -Unter den Herausgebern illustrierter Blätter ist FRANK LESLIE besonders -zu erwähnen. Sein eigentlicher Name war Henry Carter. Erst Holzschneider -und Vorsteher der xylographischen Anstalt der _Illustrated London -News_, ging er im Jahre 1848 nach Amerika und unternahm die _Gazette -of Fashion_, dann den _Chimney Corner_ und das _Ladys Magazine_. Am -14. Dezember 1855 erschien _Frank Leslies Illustrated Newspaper_. Zwar -erwarb er sich damit ein sehr grosses Vermögen; bei seiner excessiven -Freigebigkeit überstiegen jedoch seine Ausgaben die Einnahmen und er -musste 1877 sein Geschäft an J. W. ENGLAND abtreten, wirkte aber für -dasselbe fort. Leslie war der erste, welcher die grossen Holzplatten mit -den darauf sich befindenden Zeichnungen in viele Stücke zersägen liess, -um sie nach Vollendung des Schnittes, der nun gleichzeitig von einer -grossen Zahl von Holzschneidern, also sehr schnell, gearbeitet werden -konnte, wieder zusammen zu leimen oder durch Rahmen zusammen zu pressen. - -[Sidenote: Georg Putnam * 21. Febr. 1814, [+] 20. Dez. 1872.] - -Auch GEORG PALMER PUTNAM erwarb sich einen bedeutenden Namen als -Journal-Herausgeber. 1840 gründete er die Firma WILEY & PUTNAM. In -London legte er eine Filiale an, weilte dort sieben Jahre und gab von -1843 ab _The American Bookseller_ heraus. Putnam war der erste, der -regelmässig Bücher nach England exportierte und umgekehrt von dort -importierte. Nach seiner Rückkehr nach New-York wurde 1852 _Putnams -Magazine_ gegründet, welches damals in Nordamerika einzig in seiner Art -dastand. - -[Sidenote: The Daily Graphic.] - -Amerika hat auch zu einer täglich erscheinenden illustrierten Zeitung -den ersten Anlauf genommen. Seit 1873 erscheint in New-York _The -Daily Graphic_; jede Nummer mit etwa zwanzig grösseren oder kleineren -Illustrationen. Bei einem äusserst mässigen Preis sind Druck und Papier -sehr gut. Da jedoch die Bilder -- Hochätzungen von verschiedenem Wert --- in der Mehrzahl den unterhaltenden Teil illustrieren, also im voraus -fertiggestellt werden können, so ist das Problem einer wirklichen -illustrierten Tageszeitung noch nicht als voll gelöst zu betrachten. - -Die Summe, welche die Inserierenden an die Zeitungs-Herausgeber zu -zahlen haben, wird auf 120 Millionen Mark geschätzt. Von _The Sun_ -wurde neulich eine der 350 Aktien »billig« für 18000 Mark verkauft, das -gäbe nahe an sechs und eine halbe Million Mark. Der Redakteur A. Dana -bezieht als Salair und Tantième jährlich etwa 300000 Mark. Hiernach kann -man sich eine Vorstellung machen von dem enormen pekuniären Wert der -amerikanischen Zeitungen. - - * * * * * - -[Sidenote: Xylographie.] - -[Sidenote: Alex. Anderson * 21. April 1775, [+] 17. Jan. 1870.] - -Der Schöpfer der amerikanischen HOLZSCHNEIDEKUNST war ALEXANDER -ANDERSON. Bereits als Schulknabe schnitt er mit einem Handmesser kleine -Vignetten in Schriftmetall und verkaufte sie an Zeitungs-Herausgeber. -Später wählte er die Medizin als Brotstudium; jedoch die Liebe zur Kunst -behielt die Oberhand bei ihm, und als er erfuhr, dass Bewick in London -in Buchsbaum schnitt, hing er die Medizin an den Nagel und wurde der -erste Holzschneider in Amerika. Seine letzte Arbeit in Metall war »das -Abendmahl« nach Holbein für eine Bibel in Quart. Bis in sein 94. Jahr -arbeitete er unverdrossen. Während Amerika 1840 nur etwa 40 Xylographen -hatte, betrug die Zahl bei Andersons Tod bereits über 400. - -[Sidenote: J. Adams.] - -Um den Druck der Holzschnitte, zugleich um diese selbst und die -galvanische Vervielfältigung derselben hat J. ADAMS wesentliche -Verdienste. Nach vielen vergeblichen Versuchen gelang es ihm, mit -Harpers ein Übereinkommen betreffs des Verlages und Druckes einer -illustrierten Bibel abzuschliessen, wobei er die Bedingung gestellt -hatte, dass der Druck vollständig nach seiner Angabe geschehe. Mit -unermüdlicher Sorgfalt wendete er das noch nicht bekannte Verfahren -des Unterlegens an und nach vierzehntägiger Arbeit an der Adamsschen -Tiegeldruckpresse, während deren er vieles von den über ihn spottenden -Druckern und der Bedenklichkeit der Verleger zu leiden hatte, leistete -er zum Staunen der ersteren und zur Genugthuung der letzteren mit dem -ersten Bogen einen Druck, wie man ihn noch nicht kannte. Das Publikum -lohnte der Verleger Opferwilligkeit durch Abnahme von 50000 Exemplaren. - -[Sidenote: Die Regierungsdruckerei.] - -Unter den Druckanstalten Amerikas sowohl als unter den Staatsdruckereien -anderer Länder nimmt die REGIERUNGSDRUCKEREI[78] der Vereinigten Staaten -einen achtunggebietenden Standpunkt ein. - - [78] Journ. f. B. 1881, Nr. 22. -- Ann. d. Typ. II, Nr. 92. - -Zuerst wurden die Staatsarbeiten an die, von beiden Häusern gewählten -Privatdruckereien vergeben, mit denen man auf Grund bestimmter Preise -kontrahierte. Später beliebte man den Zuschlag an den Mindestfordernden, -dann wurde zu einer Anstalt geschritten, deren Direktor der Präsident -erwählt. Die 1861 bezogenen Räumlichkeiten sind später bedeutend -erweitert worden. - -Vor der Rebellion der Südstaaten genügten 23, grösstenteils Adamssche, -Schnellpressen. Durch 4 Accidenzpressen und einige Liniiermaschinen -wurden die kleineren Arbeiten erledigt. Während des Aufstandes nötigte -jedoch der Bedarf des Kriegs- und Marinedepartements zur Verstärkung der -Kräfte. Obwohl von Liniiermaschinen allein 16 fortwährend beschäftigt -waren, mussten manche Arbeiten Privaten übertragen werden. Nachdem -jedoch der Kongress bestimmt hatte, dass alle Regierungsarbeiten in -der Staatsdruckerei besorgt werden sollten, waren grosse Erweiterungen -vorzunehmen. - -Das Druckhaus ist ein vierstöckiges, nicht besonders schönes, jedoch -gut belichtetes und zweckmässig eingerichtetes Gebäude von 300 Fuss -Länge und 60-70 Fuss Breite. Der Druckersaal nimmt die ganze Tiefe und -270 Fuss Länge ein. Die Zahl der Schnellpressen beträgt 63, die der -Arbeiter 1200. Die Jahresausgabe für Löhne und Material wird auf etwa 9 -Millionen Mark veranschlagt. Die Arbeiten sind in drei Klassen geteilt: -Staatsakten, gerichtliche und laufende Arbeiten. Die in der Anstalt -gedruckten Werke haben oft einen grossen Umfang, so umfasst das Werk -über den Secessionskrieg 96 Bände in Grossoktav. Oft ist rasende Eile -notwendig; so wurden die Berichte der Halifax-Fischerei-Kommission 480 -Seiten in Oktav in 48 Stunden gesetzt, korrigiert, gedruckt, gebunden -und dem Kongress übergeben. Der jährliche landwirtschaftliche Bericht -ist ein Band von 800 Oktavseiten und wird in 225000 Exemplaren gedruckt. - -[Sidenote: Banknotendruck.] - -Der BANKNOTENDRUCK unterlag durch JAKOB PERKINS, der die Herstellung von -Stahlplatten einführte, einer bedeutenden Umänderung und Verbesserung. -1818 ging Perkins nach London und arbeitete dort mit dem vorzüglichen -Graveur Heath zusammen. Mehrere Sicherheitsmassregeln wurden erfunden, -namentlich das Hineinarbeiten von Fäden oder Haaren in das Papier. -Die Noten sind, dem Geschmack der Amerikaner gemäss, recht bunt und -enthalten vollständige Bilder, ja sogar Schlachtenscenen, in Stahlstich. -Sie werden in dem _Bureau of Engraving and Printing_, einer Abteilung -des Schatzamtes, und bei der _American Banknote Company_ ausgeführt. - -Die Postkarten liefert laut Vertrag die _American Phototype Company_ -in Holyoke. Der Bogen enthält 40 Postkarten. Die Pressen sind mit -verschlossenen Zählapparaten versehen, zu welchen nur Regierungsbeamte -den Schlüssel haben. Zirkularschneidemaschinen teilen den Bogen viermal -der Länge nach, die Längenschnitte werden wieder zehnmal der Quere nach -geschnitten. Täglich wird durchschnittlich 1 Million Stück geliefert, -die Produktion kann aber auf 1700000 gesteigert werden. - -Dass die Versendung von Drucksachen durch die Post eine sehr grosse ist, -begreift sich leicht; sie beträgt neben 1100-1200 Millionen Briefen -jährlich gegen 750 Millionen Zeitungsnummern und mehr als 300 Millionen -andere Drucksachen. - -[Sidenote: Accidenzdruck.] - -[Sidenote: O. H. Harpel * 8. Juni 1828, [+] 20. Nov. 1881.] - -Der ACCIDENZDRUCK setzt in einem Geschäftslande, wie es Amerika ist, -enorme Summen in Zirkulation. Nach Einführung der Tretmaschinen ist ein -grosser Teil der Arbeiten in die Hände der _Stationer_ (Trittmüller) -übergegangen. Bei der Sucht, auffällig zu sein, laufen allerdings manche -sonderbare Erzeugnisse unter den Accidenzen mit unter, aber vieles ist -auch ausserordentlich schön. Unter den Accidenzdruckern, speziell unter -den Farbendruckern, steht W. J. KELLY in hohem Ansehen. Als Herausgeber -einer Fachzeitschrift, _The Model Printer_, macht er zugleich seine -Arbeiten der Allgemeinheit der Buchdrucker nutzbar. Einen würdigen -Konkurrenten hat er in J. F. EARHART in Columbus. Auch OSCAR H. HARPEL -in Cincinnati, der den glücklichen Gedanken hatte, etwa 700 von ihm in -der Praxis ausgeführte Accidenzen in einem Band _Harpels Typograph_ zu -sammeln, genoss eines verdienten Ansehens. Ausser seinem praktischen -Musterbuch gab er ein mit grossen Kosten verbundenes Werk heraus: _Poets -and Poetry of Printerdom_. Harpel war eine der ideal angelegten Naturen, -die in ihrem Streben nach Vollkommenheit nicht genug das Praktische -berücksichtigen, und er erzielte deshalb nicht die Vorteile, die ihm -auf Grund seiner Tüchtigkeit und Liebe zur Kunst sehr zu gönnen gewesen -wären. - -Als Beispiel, welche Summen auf Accidenzarbeiten verwendet werden, sei -angeführt, dass ein Kurzwaren-Geschäft in New-Haven für 2000 Exemplare -eines Muster-Katalogs gegen 350000 Mark verausgabte. Der Folioband von -290 Seiten mit etwa 700 in der wirklichen Grösse und in den natürlichen -Farben ausgeführten Abbildungen kostet allein zu binden 65 Mark für -jedes Exemplar. Dabei übersandten die Besteller nach Vollendung des -Bandes dem Drucker mit einem sehr verbindlichen Schreiben ein äusserst -kostbares Chronometer, ein Zeichen der Anerkennung, wie sie im -Geschäftsleben wohl nicht gar zu oft vorkommt. - -Die Durchschnittsqualität des Buchdruckes ist eine gute. Man fabriziert -in Amerika weniger für besondere Klassen von Lesern, es fehlt deshalb -in der Regel einerseits das höchste Raffinement, andererseits ein -ungeniertes Sichgehenlassen. Die Schulbücher sind, was nicht genug -gelobt werden kann, fast ausnahmslos vortrefflich ausgestattet. Druckt -man einmal wirkliche Prachtwerke, so können sie auch den Vergleich -mit den besten Erzeugnissen der alten Welt aushalten, z. B. Appletons -_Picturesque America und Picturesque Europe_. - - * * * * * - -[Sidenote: Der Buchhandel.] - -Über die Ausdehnung des BUCHHÄNDLERISCHEN GESCHÄFTS[79] ist es nicht -leicht, eine ganz bestimmte Übersicht zu gewinnen, da keinerlei -Kontrolle ausgeübt wird. Die Zahl der eigentlichen Buchhändler wird auf -etwa 3000 angegeben, darunter sind gegen 800 Verleger. Neun Zehnteile -des Verlagsgeschäftes sind jedoch auf höchstens 50 Firmen verteilt. -Buchhändler, welche nicht ein ausschliessliches Geschäft aus dem Handel -mit Büchern machen, giebt es über 10000. - - [79] _Catalogue of the Collectiv Exhibit of the American Book Trade._ - Paris 1878. -- Der amerikanische Buchhandel. Ausland 1862, Nr. 19. - -[Sidenote: Bücherproduktion.] - -Hat die BÜCHERPRODUKTION auch nicht eine so immense Steigerung -aufzuweisen wie die Zeitungsproduktion, so ist sie doch eine sehr -bedeutende. Die amerikanische Originallitteratur bietet schon jetzt -einen bedeutenden Stoff, daneben werden mit einer, bei lohnenden -Aussichten staunenswerten, einer besseren Sache zur grössten Ehre -gereichenden Energie die besten Erzeugnisse des Mutterlandes -nachgedruckt. Ein internationaler Vertrag mit England lässt immer noch -auf sich warten, und obwohl selbst in Amerika gewichtige Stimmen für den -Schutz gegen Nachdruck sich erheben, ist doch kaum anzunehmen, dass der -»praktische« Amerikaner sich dem Zwange sobald fügen wird, es wäre denn, -dass die Zunge der Interessenwage sich zu seinen Gunsten neigen würde. - -[Sidenote: Organisation des Buchhandels.] - -Der eigentliche Ursprung des organisierten Buchhandels in Amerika rührt -von der Begründung der Amerikanischen Buchhandlungs-Gesellschaft im -Jahre 1801 her. Sie errichtete Comptoire in New-York, Philadelphia und -Boston, stellte feste Bedingungen für den Betrieb und war bemüht, durch -Preisausschreiben die Fabrikation des Papiers und der Druckerschwärze zu -fördern. Doch blieben die Fortschritte des Buchhandels immer noch klein. -Die Auflagen wurden selten höher als 5-600 gemacht. - -Mit dem Jahre 1830 hatte sich dies schon sehr geändert und später -erreichten Werke selbst von grösserem Umfang und hohem Preis grosse -Verbreitung. Agassiz' Naturgeschichte Nordamerikas, die über 600 Mark -kostete, hatte über 2500 Subskribenten; von Kanes Reise nach den -arktischen Regionen wurden 60000 Exemplare abgesetzt, von Murrays -geographischer Encyklopädie 50000, von Chambers _Encyclopædia of -Literature_ über 100000. 1860 gab es bereits 400 Verleger und der Wert -der produzierten Bücher -- nicht Zeitungen --, der 1820 10 Millionen -Mark betrug, hatte 1860 70 Millionen Mark überschritten. Die Zahl der -Buchdruckereien war 1860 bis auf 4000 gestiegen, nachdem sie 1776 40, -1812 400 betragen hatte. - -Die Organisation des Buchhandels ist nicht so geschlossen, wie in -Deutschland, doch hat die _American Book Trade Association_ einige -Ähnlichkeit mit dem Börsen-Verein der deutschen Buchhändler. Die -Buchhändler teilen sich in _Publishers_ (Verleger), _Jobbers_ -(Kommissionäre) und _Retailers_ (Sortimentshändler), doch sind diese -drei Branchen oft in einer Hand vereinigt. Eine besondere Klasse der -Verleger bilden die sogenannten _Subscription Publishers_, welche ihren -Verlag nur durch Vermittelung von Agenten vertreiben, von welchen -jedem ein gewisses Territorium überlassen bleibt, innerhalb dessen -Grenzen er allein den Vertrieb hat. Der _Jobber_ dient als Mittelsmann -für diejenigen Sortimenter, die nicht mit den einzelnen Verlegern -in Rechnung stehen können oder wollen, und vorziehen, ihren ganzen -Bücherbedarf aus einer Hand zu nehmen. Sie kaufen oft tausende von -Exemplaren von den Verlegern und verkaufen mit einem mässigen Nutzen. - -Einmal im Herbst und einmal im Frühjahr findet eine grosse Bücherauktion -statt, in welcher der Sortimentshändler sein Lager versorgt. Die -Produktion des Jahres 1877 betrug 4476 Werke, also ungefähr dieselbe -Quantität, die England produzierte. Nur einige grosse Firmen schlagen -eine universelle Richtung ein, gewöhnlich beschränkt sich eine Firma auf -einen Zweig. - -Eine für Amerika eigentümliche Institution ist die _American News -Company_. Diese Gesellschaft konzentriert in ihren Händen fast den -ganzen Betrieb der periodischen Unternehmungen; ihre Interessen -vertritt _The American Bookseller_. Es ist eine Anstalt, mit der die -Journal-Verleger rechnen müssen, die jedoch ihre Macht in loyaler Weise -gebraucht. - -[Sidenote: Fr. Leupoldt.] - -Um die Förderung der buchhändlerischen Organisation und des -Büchervertriebes hat sich der Deutsche FRIEDR. LEUPOLDT aus Stuttgart -besonders verdient gemacht. Wie in früherer Zeit Deutsche die -Buchdruckerkunst durch alle Länder verbreiteten, so sind es in späterer -Zeit fast überall Deutsche, die sich um die rationelle Einrichtung -der buchhändlerischen Institutionen verdient gemacht und, durch die -mühsamen Arbeiten der Inventarisierung, System in den Vertrieb gebracht -haben. Die von Leupoldt ins Leben gerufene _Publishers Weekly_ ist die -beste bibliographische Zeitschrift Amerikas. Ebenfalls vortrefflich -ist sein seit 1876 erscheinendes _American Library Journal_ und sein -jüngstes Werk _Catalogue and Finding List of all American Books -in Print and for Sale_. 1881. Eine grosse Erleichterung für den -Vertrieb bildet schliesslich die, ebenfalls von Leupoldt in Scene -gesetzte, _Uniform Trade List Annual_, eine in gleichförmigem Äussern -durchgeführte Sammlung der Kataloge der Mehrzahl der Verlagshändler, -eine Idee, welche in Europa sofort Nachahmung fand, auch den Anstoss -zu dem idealern, aber vielleicht weniger praktischen Russellschen -»Gesamt-Verlagskatalog des Deutschen Buchhandels« gegeben hat. - -[Sidenote: Sower, Potter & Co.] - -Einige der massgebenden und bahnbrechenden Verleger und Drucker wurden -bereits genannt; es mögen zur Charakterisierung noch einige wenige -angeführt werden und zwar zuerst das älteste Druckgeschäft Amerikas, -dessen Geschichte noch weiter zurückgeht, als die der Vereinigten -Staaten selbst und welches zugleich deutschen Ursprungs ist. Ein -Teilhaber der angesehenen Firma SOWER, POTTER & CO. in Philadelphia -ist der direkte Nachkomme in fünfter Generation von Christoph Saur -(I, S. 274). Wie bereits in ihren ersten Anfängen beschäftigt sich -die Firma noch heute hauptsächlich mit dem Druck von Erziehungs- und -Erbauungsschriften. - -[Sidenote: Der Bibeldruck.] - -Letzterer Zweig ist überhaupt von sehr grosser Bedeutung, namentlich -entwickeln die Bibel- und Missionsgesellschaften eine ausserordentliche -Thätigkeit. Die 1816 gestiftete AMERIKANISCHE BIBELGESELLSCHAFT, deren -Jahres-Einnahme jetzt etwa zwei und eine halbe Million Mark beträgt, -druckte während der ersten sechzig Jahre ihres Bestehens über 33 -Millionen Bibeln in 20 verschiedenen Ausgaben mit einem Aufwande von -75 Millionen Mark. Die Druckerei der Gesellschaft arbeitet mit 12 -Rotationsmaschinen; die Zahl ihrer Stereotypplatten beträgt 65000. Im -Jahre 1868 verbreitete _The American Tract Society_ 807000 Bände und -9493000 Flugblätter. Der VEREIN FÜR PRESBYTERIANISCHEN VERLAG weist -über 2000 Artikel auf. Eine ähnliche Zahl sind aus den Pressen der, -etwa 500 Personen und 30 Schnellpressen beschäftigenden Druckerei der -GESELLSCHAFT DER METHODISTEN, die über ein Kapital von ungefähr 3500000 -Mark disponiert, hervorgegangen. Über hundert Ausgaben der Bibel -druckte die Firma JOHN E. POTTER & CO., unter deren zahlreichen anderen -Verlagsartikeln sich die _Bible Encyclopædia_ mit ihren 10000 Artikeln -und über 3000 Abbildungen befindet. In einer ähnlichen Richtung wie -die obigen Anstalten wirken _The American Sunday School Union_, _The -Evangelical Knowledge Society_, der NATIONALE MÄSSIGKEITS-VEREIN, sowie -die Firma A. J. HOLMAN & CO. und noch viele Gesellschaften und Verleger. -Für die Bedürfnisse der Katholiken sorgt unter anderen die GESELLSCHAFT -ZUR VERBREITUNG DER KATHOLISCHEN LITTERATUR. Auch die bekannte Firma -GEBRÜDER BENZIGER in Einsiedeln unterhält zu diesem Zwecke eine Filiale -in New-York. - -[Sidenote: Appleton & Co.] - -Das Geschäft, welches die vielseitigste Thätigkeit entwickelt, ist -D. APPLETON & CO. in New-York, gegründet 1831. Wie bei Brockhaus in -Leipzig das Konversations-Lexikon, so bildet bei Appletons _The American -Encyclopaedia_ mit 4000 Holzschnitten und vielen Karten den Mittelpunkt -des Verlages. Das schönste illustrierte Buch in Amerika dürfte ihr -_Picturesque America_ mit 850 Holzschnitten und 48 Stahlstichen -sein, dem eine _Picturesque Europe_ folgte. Ein wichtiger Teil des -Verlages ist der den Bildungszwecken gewidmete. Auch die Anregung zu -den _International Scientifiques Series_, die gleichzeitig auch in -Deutschland, England, Frankreich, Italien und Russland erscheinen, -ging von Appletons aus. Ihr _North American Review_ steht in grossem -Ansehen. Die Offizinen der Firma nehmen einen Raum von über 60000 engl. -Quadratfuss ein. Mit der Buchdruckerei von etwa 50 Schnellpressen sind -die verschiedenartigsten graphischen Anstalten verbunden. - -[Sidenote: J. B. Lippincott & Co.] - -Die Werkstätten von J. B. LIPPINCOTT & CO. in Philadelphia zählen zu -den grossartigsten. Ihr Katalog führte 1879 weit über 2500 Werke auf, -darunter Worcesters _Dictionary of the English Language_, das mit dem -Websterschen um den Vorrang kämpft und einen mächtigen Band von 1854 -Quartseiten mit 1000 Illustrationen bildet. - -[Sidenote: Houghton & Co.] - -Die Firma HOUGHTON, OSGOOD & CO. besitzt ausser ihrem Geschäft in Boston -ein bedeutendes Drucketablissement _The riverside Press_ in Cambridge -in unmittelbarer Nähe der Harvard-Universität. Sie vereinigen in ihrem -Verlagskataloge die bedeutendsten Dichter und Romanschriftsteller -Amerikas und Englands. - -[Sidenote: Blakeman & Co.] - -IVISON BLAKEMAN, TAYLOR & CO. in New-York und Chicago, gegründet -1828, widmen sich ausschliesslich dem Verlage von Schulbüchern und -verbreiteten bereits gegen 100 Millionen Bände. Wie bedeutend der -Umfang der Geschäfte in Amerika ist, sieht man daraus, dass eine -Sortimentshandlung in Chicago an einem Tage 186600 Bände aus dem -Verlage der Genannten bestellte. Der tägliche Vertrieb ist gewöhnlich -15000 Bände. Von den vielen Lesebüchern von Sander werden jährlich -etwa zwei Millionen Bände verbreitet. Bei dieser Firma erschien auch -das Webstersche Wörterbuch, ein Quartband von 1840 Seiten mit 3000 -Abbildungen. - -[Sidenote: Woods & Co.] - -Für die medizinische Litteratur haben WILL. WOODS & CO. in New-York -grosse Bedeutung. In ihrem Verlage erschien u. a. Ziemssens Encyklopädie -der praktischen Medizin, 17 Bände. Die _Orange Judd Company_ pflegt mit -grossem Nachdruck die Landwirtschaft und die Architektur; BOERICKE & -TAFEL sind speziell Verleger homöopathischer Werke. - -[Sidenote: L. Prang * 12. März 1827.] - -Es war natürlich, dass in einem Lande mit einem grossen, noch nicht -auf der höchsten Stufe der Bildung stehenden Publikum der Bilderdruck -ein gutes Feld finden musste und Amerika wurde der stärkste Konsument -der einschlägigen deutschen Produkte. Amerika selbst besitzt eine -hervorragende chromolithographische Anstalt, die von L. Prang & Co. in -Boston. LUDWIG PRANG ist ein Deutscher und wurde in Breslau geboren, -wo sein Vater als Formenschneider in einer Kattundruckerei arbeitete. -Dieser war ein in vielen Sachen unterrichteter Mann und schwang sich -zum Teilnehmer der Fabrik empor. Unter seiner Anleitung erhielt der -Sohn die ersten künstlerischen Anregungen. Nach fünf wechselvollen -Ausbildungsjahren wurde Prang von dem Strudel der deutschen Revolution -mit fortgerissen, musste nach der Schweiz flüchten und ging von -dort nach Nordamerika, wo er sich in verschiedenen Geschäften ohne -Glück versuchte. Schliesslich warf er sich mit aller Energie auf die -Holzschneidekunst und wurde bald einer der tüchtigsten Xylographen -Amerikas, ruinierte jedoch seine Gesundheit, so dass er einen andern -Beruf wählen musste. - -Prang wendete sich nun der Lithographie zu und etablierte sich mit -einem tüchtigen Freunde, der aber ebensowenig, wie er selbst, Vermögen -besass. Sie setzten jedoch ihr Vorhaben, eine Anstalt für Farbendruck zu -errichten, durch und debutierten mit einem Rosenbouquet in vier Farben, -das, obwohl keineswegs vollendet, doch sehr gefiel. Die Assoziation -löste sich 1860. Durch den Sezessionskrieg wurde Prang vielfach von -seinen Plänen abgelenkt, gewann aber durch Kartenarbeiten Mittel, um auf -jene zurückzukommen. Im Jahre 1865 erschienen die ersten Nachbildungen -von Gemälden, zwei amerikanische Landschaften nach Beiker. Der Erfolg -war jedoch kein ermutigender und Prangs Freunde rieten ihm, sein -Vorhaben aufzugeben. Jedoch ein kleines Bild -- eben aus den Eiern -ausgekrochene Küchlein -- von Tait gab den Ausschlag. Es wurde nicht -nur in enormen Massen verkauft, sondern riss auch die liegengebliebenen -Landschaften mit fort, und öffnete die Wege für die Millionen von -Chromos -- diese Bezeichnung führte Prang ein --, welche in Amerika -gedruckt oder von Europa importiert wurden. Prangs Erzeugnisse machten -dagegen die Rundreise in Europa und fanden allgemeine Anerkennung. - -In Verbindung mit John S. Clark, von der Firma Osgood & Co., führte -Prang eine Reihe von Unternehmungen, zu Unterrichts- und künstlerischen -Ausbildungszwecken bestimmt, durch und leistete hierin vorzügliches. - - * * * * * - -[Sidenote: Das deutsche Element.] - -Den EINFLUSS DES DEUTSCHEN ELEMENTS AUF DAS BUCHGEWERBE in Nordamerika -zu verfolgen ist von ganz besonderem Interesse[80]. In dem Aufschwung -desselben, welcher sich in der vorigen Periode (I, S. 273) kundgab, -sollte bald ein Rückschlag eintreten. Zur Zeit der Befreiungskämpfe -Amerikas, sowie später der französischen Revolutionskriege und -der Gewaltherrschaft Napoleons, 1775 bis 1815, hatte die deutsche -Einwanderung fast aufgehört, und als sie wieder anfing, bestand der -Zufluss fast nur aus Leuten, die des fehlenden täglichen Brotes wegen -die Heimat verlassen und keiner geistigen Nahrung bedurften, viel -weniger selbstthätig das geistige Element kräftigen konnten. Die wenigen -begabten Männer unter ihnen schlossen sich mehr dem englischen Element -an. - - [80] FR. KAPP, Der deutsch-amerikanische Buchhandel. Deutsche Rundschau - 1878, 4. Heft. -- FR. KAPP, Der deutsch-amerikanische Buchdruck - und Buchhandel im vorigen Jahrhundert. Archiv d. B.-V, I. Leipzig - 1878. -- E. STEIGER, Der Nachdruck in Nordamerika. New-York 1866. - -- Die deutsch-amerikanische Presse. Ausland 1863, Nr. 6. - -[Sidenote: Erste Druckthätigkeit der Deutschen.] - -Unter solchen Verhältnissen beschränkte sich die deutsche -Druckthätigkeit auf die Herstellung einiger deutscher Schul- und -Gebetbücher, sowie Kalender, welche man immer noch hauptsächlich den -wenigen deutschen Pressen Philadelphias verdankte. Dies änderte sich -erst mit dem politischen Aufschwung in Deutschland in den dreissiger -Jahren und mit der darauf folgenden Sturm- und Drangperiode von 1848 -nebst der Zeit der Nachwehen der Reaktion. Unter den von 1830-1870 -aus Deutschland eingewanderten zwei und eine halbe Millionen befand -sich eine nicht geringe Zahl von Männern, die den gebildeten Ständen -angehörten, welche geistige Bedürfnisse hatten, zumteil in der Lage -waren, diejenigen anderer zu befriedigen. Hiermit begann die eigentliche -Entwickelung des deutschen Buchhandels und Druckgewerbes in dem Emporium -New-York. - -Der erste, der dort geschäftlich kräftig eingriff, war der -Deutsch-Amerikaner HEINRICH LUDWIG (geb. 1804). Er etablierte sich 1832, -importierte anfänglich hauptsächlich Schul- und Erbauungsbücher und fing -1834 selbst zu drucken an. Er lebte bis 1877, hochgeachtet wennauch -geschäftlich längst durch neuere Etablissements überflügelt. - -[Sidenote: New-Yorker Staatszeitung.] - -Bereits 1835 wurde die deutsche NEW-YORKER STAATSZEITUNG unter sehr -bescheidenen Verhältnissen ins Leben gerufen, sie sollte sich aber -bald zu einer der bedeutendsten Zeitungen Amerikas hinaufarbeiten. -Keine Zeitung Deutschlands und kaum eine Nordamerikas dürfte -fürstlicher untergebracht sein, als die Staatszeitung in ihrem 1873 -im _Printinghouse-Square_ in New-York bezogenen Palast. Derselbe ist -mit einem Kostenaufwand von zwei Millionen Mark, nicht gerechnet eine -Million für Grund und Boden, in Renaissancestil aufgeführt. Der Unterbau -und der erste Stock sind aus schwarzem Granit, die übrigen Stockwerke -aus hellem Granit. Ein Mansardendach von entsprechender Höhe krönt das -ganze. Die eisernen Dachbalken sind mit eisernen Platten bedeckt; die -Scheidewände sind ebenfalls aus Eisenplatten. Die Comptoirlokalitäten in -Renaissancestil sind reich mit Schnitzwerk geschmückt und die Eleganz -der Beleuchtungsapparate, der Marmortische und der Mosaikfussböden -entspricht dem übrigen. Allerdings Äusserlichkeiten, aber welche Macht -hat eine solche Zeitung erlangt, um sich derartige Äusserlichkeiten -schaffen zu können. - -Nach und nach entstanden viele deutsche Blätter, welche, obwohl -anfänglich schwach, an Mängeln aller Art leidend und sich christlich -von Raub nährend, doch den Boden für die weitere Pflege der deutschen -Litteratur bearbeiteten. Im Verlauf der letzten 30 Jahre hat jedoch die -deutsche Zeitungspresse, die über 500 Organe zählt, sehr an Bedeutung -zugenommen und nicht wenige der Blätter können sich mit den besten -deutschen Zeitungen messen. - -[Sidenote: Verschiedene deutsche Buchhändler.] - -Einen wesentlichen Einfluss auf die Verbreitung der deutschen -Litteratur übte der Berliner WILHELM RADDE (geb. 1800), der 1834 -eine deutsche Buchhandlung in New-York gründete, viele Werke für die -Bedürfnisse der Gelehrten einführte und sich daneben auch in billigen -Nachdrucks-Ausgaben der Klassiker versuchte. Jedoch waren diese noch -verfrüht und wollten damals noch nicht »ziehen«. Ein Buchhändler schrieb -an Radde: »Ich gebrauche umgehend folgende »echte« Klassiker gegen -bar: 100 Schinderhannes, 100 heilige Genoveva, 100 bayrische Hiesel, -100 Eulenspiegel. Grössere Bestellungen werden nachfolgen«. Radde -liess sich dies nicht zweimal sagen, er veranlasste jedoch 1853 die -Cottasche Buchhandlung, namentlich um den Nachdrucken des W. Thomas -entgegenzutreten, von ihren »unechten« Klassikern sehr gute und billige -Konkurrenz-Ausgaben zu veranstalten; selbst Werke wie Humboldts »Kosmos« -und dessen »Ansichten der Natur« erschienen in solchen. Andere Verleger -wollten von dieser Konkurrenz gegen sich selbst nichts wissen und -Campe in Hamburg sah z. B. ruhig zu, wie eine Ausgabe von Heine nach -der andern dort gedruckt wurde. In dieser Weise drangen viele tausend -Bände der besten Werke selbst in die unter bescheidenen Verhältnissen -lebenden deutschen Familien und stärkten die geistige Verbindung mit dem -Mutterlande. - -Im Jahre 1845 hatten deutsche Verleger sich mit dem Plane beschäftigt, -auf Aktien eine bedeutende deutsche Buchhandlung in Amerika zu -errichten. RUDOLPH GARRIGUES, ein junger gebildeter Buchhändler aus -Kopenhagen, wurde nach Amerika entsendet, um das Terrain zu sondieren. -Garrigues' klarer Bericht fand allgemeinen Beifall, als es indes zum -Zeichnen der Aktien kam, schreckte der deutsche Buchhandel vor einem -mässigen Kapital von 30000 Thalern zurück. Sonderinteressen machten -sich, wie gewöhnlich, geltend, und die Sache verlief im Sande. Garrigues -etablierte sich nun selbst mit einem tüchtigen deutschen Buchhändler, -F. W. CHRISTERN. Später folgten JUL. HELMICH, L. W. SCHMIDT, G. & B. -(jetzt W. & C.) WESTERMANN _Brothers_; das BIBLIOGRAPHISCHE INSTITUT in -Hildburghausen legte eine Filiale in New-York an; FR. GERHARD druckte -ein sehr gutes deutsch-amerikanisches Konversations-Lexikon; SCHÄFER -& KORADI in Philadelphia wurden bedeutend als Sortimenter wie als -Verleger. Leupoldts Verdienste sind schon erwähnt. - -[Sidenote: E. Steiger.] - -Gross ist die Wirksamkeit ERNST STEIGERS in New-York, als Sortimenter -sowohl, wie als Verleger und Drucker, gewesen. Steiger, aus Oschatz -in Sachsen gebürtig, bildete sich als Buchhändler in Leipzig aus und -arbeitete elf Jahre bei Westermann in New-York. Er erwarb eine kleine -deutsche Buchhandlung mit Zeitungsgeschäft und fing dann Buchdruckerei -und Verlag von Schulbüchern an, allerdings zuerst in Nachdrucken. -Durch ungemeines Verbreiten seiner zumteil sehr umfangreichen Kataloge -wirkte er sowohl im eigenen Interesse, wie in dem der deutschen -Verleger. Eine verdienstliche bibliographische Leistung ist Steigers -_The Periodical Literature of the United States of America with Index -and Appendices._ 1873. Auch erwarb sich Steiger das Verdienst, für die -Wiener Weltausstellung 1873 eine Probe-Kollektion von je einer Nummer -von 6209 amerikanischen Zeitungen in 119 Foliobänden fertiggestellt zu -haben, die er nachher der Wiener Hof- und Staatsbibliothek zum Geschenk -machte. Von der Bedeutung, welche der Absatz in Amerika für das deutsche -Druckgewerbe hat, kann als Beispiel dienen, dass allein Steiger von der -»Gartenlaube« 12000, von der »Illustrirten Zeitung« 3800, von »Über Land -und Meer« 4000, von der »Romanzeitung« 3500, von »Daheim« 3000 und vom -»Bazar« 2500 Exemplare im Jahre 1871 verbreitete. Auch im Westen und -Süden der Vereinigten Staaten entstanden deutsche Buchhandlungen, so -THEOBALD & THEUERKAUF in Cincinnati, L. C. WITTER in St. Louis. - -[Sidenote: Der Nachdruck.] - -Jetzt, wo die deutschen Klassiker zu fabelhaft billigen Preisen aus -Deutschland eingeführt werden können, lohnt der Nachdruck derselben -nicht mehr und dieser beschränkt sich fast nur auf Benutzung der -Erzeugnisse neuerer Belletristen für die Feuilletons. Konkurrenz und -Sitte haben jedoch zur Folge gehabt, dass jetzt hierfür öfters Honorare -gezahlt werden. Es ist vieles über den Nachteil und das Unmoralische -des amerikanischen Nachdrucks geschrieben worden, jedoch alle mit -den dortigen Verhältnissen näher bekannten Sachverständigen sind -der Ansicht, dass »seinerzeit« der Nachdruck eine nötige Stütze des -deutschen Elements und ein Mittel für die jetzige Verbreitung deutscher -Originaldrucke war. »Es ist«, so sagt z. B. Friedrich Kapp, »eine -mehr als naive Erwartung, dass eine Bevölkerung, die von der Heimat -geschieden ist, noch jenseit des Ozeans Gesetze beobachten soll, welche -den Bildungsinteressen der Ausgewanderten hemmend in den Weg treten. -Sich hier dem Monopole deutscher Buchhändler unterwerfen, hiesse, -die Mittel der geistigen Fortbildung und Entwickelung mutwillig von -sich schleudern.« Als der deutsche Buchhandel in Amerika infolge der -Bildungslust festen Fuss gewann und die Bücher gleich zu haben waren, -kaufte man lieber die schöneren und korrekteren Originalausgaben als die -Nachdrucke, die vor allem der Ungeneigtheit deutscher Verleger, billige -Ausgaben für den amerikanischen Markt zu drucken und der Unmöglichkeit, -die Originale schnell zu erhalten, ihr Dasein verdankten. - - * * * * * - -[Sidenote: Die Papierfabrikation.] - -Dass unter den geschilderten Druckverhältnissen der Papierverbrauch ein -kolossaler sein muss, leuchtet ein. Die Fabrikation[81] reicht bis auf -das Jahr 1680 hinauf. Die eigentlichen Fortschritte datieren jedoch -erst aus diesem Jahrhundert. Zur Verwendung kommt fast nur Baumwolle. -1860 hatte Amerika etwa 700 Fabriken, welche gegen 300 Millionen Pfund -zu einem Werte von etwa 200 Millionen Mark produzierten. Die Zahl der -Fabriken beträgt jetzt über 1000. Während im Jahre 1869 der Wert der -Einfuhr 527465 Dollars, der der Ausfuhr nur 3777 Dollars betrug, hat -sich das Blatt in zehn Jahren vollständig gewendet und Amerika führte -1880 für 1018318 Dollars aus und nur für 135487 Dollars ein. - -Die Einfuhr aller zum Pressgewerbe gehörenden Materialien und Maschinen -ist überhaupt eine durch die Zölle so schwer belastete, dass sie nicht -von Belang sein kann, während sich die Ausfuhr nach Europa sowohl als -auch nach Asien und Australien in einer Weise vermehrt, welche der -englischen Konkurrenz Bedenken einflösst. Der Wert der nach Amerika -eingeführten deutschen Bücher und Kunstsachen beträgt etwa vier -Millionen Mark jährlich. - - [81] _Directory of the paper manufactures in the United States and - Canada._ 6. Aufl. New-York 1880. - -[Illustration] - - - - - ZWEITES BUCH - - DIE ROMANISCHE GRUPPE. - -[Illustration] - - EINFÜHRUNG IN DAS ZWEITE BUCH. - - -DIE ROMANISCHE GRUPPE, an deren Spitze FRANKREICH, hat, wie die -Anglo-Amerikanische, vor der Germanischen den grossen Vorsprung der -einheitlichen Druckschrift voraus. Hat dieser Umstand auch mitunter eine -gewisse Monotonie in seinem Gefolge, so wirkt die Einfachheit und die -Ruhe, die über die Druckwerke verbreitet ist, doch ungemein wohlthuend -und gewährt in dem praktischen Geschäftsbetrieb und in der Ausbildung -eines festen Geschmackes grosse Vorteile. - -Trotz aller Beweglichkeit des französischen Charakters und dem ewigen -Wechsel der in Frankreich geschaffenen Moden hat seine Typographie -einen weit konservativeren Charakter als die deutsche. Der durch die -Nationaldruckerei und die Didots hervorgerufene Typenduktus ist noch -immer und mit Recht der herrschende geblieben. Namentlich haben die -Didotschen Schriften von ihrem ersten Auftreten ab durch die strenge, -jedoch anmutige Zeichnung, den regelmässigen und scharfen Schnitt, die -bewundernswürdig berechnete Zurichtung in der Weite ihr Übergewicht -behauptet. - -Zwar hat das Streben nach vorwärts und der berechtigte Wunsch eines -jeden befähigten Schriftschneiders und Schriftgiessers, den Reichtum -zu vermehren, eine Anzahl von Varianten zur Folge gehabt; von allen -diesen, bald mehr, bald weniger glücklichen Neuerungen kann jedoch -keine ihren Ursprung verleugnen und der ältere Duktus ist geblieben. -Die erwähnten zwei Druckereien, des Staates und der Didots, sind -in der That für das Druckgewerbe dermassen bestimmend gewesen, wie -ähnliches in keinem anderen Lande in der neueren Periode der Druckkunst -vorkommt, ausgenommen allenfalls in Österreich, wo die Herrschaft der -Staatsdruckerei zwar eine mächtige, jedoch nicht langdauernde war. - -Neben der Einheitlichkeit der Schrift war für die französische -Typographie auch die Einheitlichkeit des Schriftsystems ein förderndes -Moment, deren Wichtigkeit kein Fachmann, der unter der Systemlosigkeit -in Deutschland gelitten hat, unterschätzen wird. - -Schliesslich ist die Betreibung von Spezialitäten sowohl in der -Schriftgiesserei wie in der Typographie ein gewaltiger geschäftlicher -Vorsprung der Franzosen. Diese Teilung der Arbeit geht in der -Schriftgiesserei so weit, dass es Geschäfte in Paris giebt, die sich nur -mit Giessen von Ausschluss und Durchschuss abgeben. Auch verlangt man -dort nicht, wie in Deutschland, dass jeder Buchdrucker Virtuos in allen -Branchen sein solle, auch nicht, dass jede Druckerei auf alle Arbeiten -gleichmässig eingerichtet sei, auch ist keine Rede von dem Erschwernis -einer deutschen Buchdruckerei, dass sie in zweierlei Schriftarten -gleichmässig gut assortiert sein müsse. - -Das gesagte gilt ebenso für die Buchbinderei. Nicht nur, dass die -verschiedenen Arten des Einbandes selten in einer und derselben Offizin -geübt werden; es ist nicht einmal üblich, alle zu einer Art von Einband -gehörenden Arbeiten in einer Werkstätte zu vollbringen, sondern es giebt -besondere Schnittvergolder, Handvergolder, Marmorierer etc., denen man -die Einzelarbeiten zuweist. - -Unter solchen Arbeitsverhältnissen ist es selbstverständlich viel -leichter, in Frankreich in einem einzelnen Zweig Virtuos zu werden und -praktische Erfolge zu erzielen. Dieses darf nicht übersehen werden, wenn -man das Mass der Tüchtigkeit und Intelligenz vergleichend beurteilen -will, welches in Frankreich und Deutschland in den graphischen Künsten -Verwendung findet. - -Trotzdem kann Frankreich weder, was Werk- und Accidenzdruck, noch -weniger was Zeitungsdruck betrifft, im allgemeinen ein Übergewicht -über Deutschland eingeräumt werden. Es wird im Gegenteil vieles dort so -schlecht gedruckt, wie es in Deutschland nicht geschieht, man möchte -fast sagen, nicht mehr geschehen kann. Eine Überlegenheit zeigt die -französische Typographie erst dann, wenn es sich um die Verbindung von -Geschmack, Eleganz und Geschick zur Herstellung von etwas wirklich -Hervorragendem handelt. Da fehlt es eben an nichts, dann arbeiten sich -alle Beteiligten der verschiedenen graphischen Gewerbe einmütig in die -Hände, ohne Jalousie und ohne die Prätensionen des Virtuosentums, das -sich auf Kosten der Gesamtwirkung hervorzuthun strebt. »Alle Mitwirkende -fühlen sich dann als Glieder einer Kette, wie sie auch wirklich in -dem _Cercle de la Librairie_ zu einer solchen vereinigt sind. Gerade -in dieser Vereinigung »Aller«, durch welche sich »Jeder« als Teil des -Ganzen fühlt, aber auch »nur als Teil«, über dem das Ganze steht, liegt -sicherlich ein wesentlicher Grund zu den Erfolgen, welche der Buchhandel -und die Typographie Frankreichs erzielen, sobald sie geschlossen -auftreten[82].« - - [82] Die obigen Worte sind der von dem Verfasser dieses Handbuches - als Mitglied der Internationalen Jury für die Gruppe XII der - Wiener Ausstellung, im Jahre 1873 und Berichterstatter derselben - abgefassten Motivierung des Antrages der Jury entnommen: dem - _Cercle de la Librairie_ die goldene Ehrenmedaille zu erteilen. - Überhaupt kommen in dem Versuch der Charakterisierung der - modernen Typographie in den verschiedenen Gruppen öfters - Anführungen vor aus der im Auftrag der Kaiserlich Deutschen - Ausstellungs-Kommission abgefassten Schrift: »Die graphischen - Künste auf der Weltausstellung zu Wien. Offizieller Bericht von - Carl B. Lorck. Braunschweig 1874«. Diese Entlehnung aus eigener - Arbeit wird wohl niemand als Plagiat betrachten. - -Noch ein, und zwar ein sehr wesentlicher Faktor wirkt zugunsten der -französischen Buchdrucker und Buchhändler mit: »das Publikum«. Ob -die »Bildung« und »die Leselust« in Deutschland nicht grösser sind, -als in Frankreich, mag hier unerörtert bleiben, unzweifelhaft ist es -jedoch, dass die »Kauflust« und die »Kauffähigkeit« in dem letzteren -Lande überwiegen. Hierdurch wird die Herstellung der schönsten -Ausgaben zu verhältnismässig sehr billigen Preisen, welche sehr grosse -Auflagen voraussetzen, möglich. -- Schliesslich kommt auch die grosse -Konzentration der wissenschaftlichen und technischen Kapazitäten in -Paris dem dortigen und damit fast dem ganzen französischen Buchgewerbe -ausserordentlich zustatten. - -Wie die französische Typographie mitten zwischen der englischen und der -deutschen steht und in ihren besten Erzeugnissen in gewisser Beziehung -die guten Eigenschaften beider vereinigt, so auch die Xylographie. -Der französische Holzschneider ist im allgemeinen weniger ängstlich -in der Wahrung der Eigentümlichkeiten des Zeichners als der deutsche, -andererseits nicht so ungebunden in der technischen Behandlung wie der -englische und zeigt fast immer Grazie und Anmut in der Behandlung. Er -ist bestimmter in der Umgrenzung als der englische, zarter in den Formen -als der deutsche. Aber oft geht doch dem französischen Holzschneider die -frappierende Wirkung über die innerliche Wahrheit und die ruhige Kraft. - -Was den »Druck« der Illustrationswerke betrifft, so kann der deutsche -sich vollständig mit dem französischen messen, doch lässt es sich nicht -leugnen, dass die französischen Prachtwerke trotzdem in der Regel einen -vornehmeren und harmonischeren Gesamteindruck hervorbringen; die Ursache -liegt in dem schon oben Angedeuteten. - -Im Accidenzfache haben die Franzosen seit ihrem weltberühmten -Derriey keine Fortschritte gemacht. Sie legen überhaupt nicht auf -die minutiöseste Ausführung der Accidenzen so viel Gewicht wie die -Deutschen, die eher geneigt sind, des Guten zu viel zu thun. - -In der Erfindung von Druckmaschinen umwälzender Art haben die Franzosen -keine hervorragenden Verdienste. Dagegen verstanden sie es vortrefflich, -mit der ihnen angeborenen Findigkeit und unter Berücksichtigung ihrer -besonderen Bedürfnisse, das Dargebrachte in geschicktester Weise zu -verbessern, für den Betrieb nützlicher, für das Ansehen wohlgefälliger -und in der Anschaffung billiger herzustellen. Von ausländischen -Maschinen wurden nur wenige in Frankreich eingeführt und die Fabrikation -deckte nicht nur den heimischen Bedarf, sondern versorgte auch fast den -ganzen ausserdeutschen Kontinent, bis es Deutschland gelang, mit in die -Konkurrenz zu treten. - -Der Vorwurf, der öfters den französischen Maschinenbauern gemacht -wird, dass sie die Eleganz auf Kosten der Solidität fördern, dürfte -in der Allgemeinheit nicht richtig sein. Man geht in Frankreich von -dem Grundsatz aus, dass die gewerblich-technischen Fortschritte -in zehn Jahren bereits so enorm sein werden, dass man klüger thut, -billige Maschinen zu bauen, um ohne zu grosse Kosten schneller neue -Anschaffungen machen zu können, als mit für die Ewigkeit gebauten -Maschinen festzusitzen. Die Billigkeit wird übrigens auch dadurch -gefördert, dass man fast ausschliesslich dem Prinzip der Tischfärbung -und der Eisenbahnbewegung statt der kostspieligen Cylinderfärbung und -Kreisbewegung huldigt[83]. - - [83] Nachdem dieser Abschnitt bereits gesetzt war, geht uns ein - Artikel des bekannten Fachjournals _L'Imprimerie_ zu, in welchem - einer der tüchtigsten Typographen Frankreichs, Motteroz, nicht - allein das obengesagte zugiebt, sondern noch viel weiter geht und - eine Überlegenheit Deutschlands nicht nur in der Typographie und - der Schriftgiesserei, sondern auch in der Xylographie und der - Papierfabrikation anerkennt und für die Franzosen nur den Vorzug - in der Maschinenfabrikation beansprucht. Im Gegensatz zu einer - öfters vorkommenden Überhebung seiner Landsleute scheint Motteroz - fast in eine Kleinmütigkeit zu verfallen, die doch wohl zu weit - geht, wenn er schliesst: »Noch wäre es vielleicht Zeit, sich - aufzuraffen, besitzen wir aber hierzu die nötige geistige Kraft?« - -Bezeichnend ist in Frankreich der grosse Einfluss, welchen die Regierung -in doppelter Richtung, teils in fördernder, teils in hemmender Weise, -übte. Was sie mit der einen Hand gab, nahm sie mit der andern. Alle -Regierungen dort unterstützten die Fortschritte der »Typographie« in -ihrer Unmündigkeitsperiode, suchten jedoch die vormundschaftliche -Autorität über diese hinaus auszudehnen, und hemmten von Beginn ab die -ruhige und freie Entwicklung der »Presse«. Hierin bildete Frankreich -einen vollständigen Kontrast zu England, wo Typographie und Presse, sich -selbst überlassen, eine mächtige Entwicklung nahmen, und teilweise zu -Deutschland, wo man die fördernde Teilnahme von oben nie, um so öfter -jedoch die hemmende, kennen lernte. - -Die Dependenzen der französischen Typographie stehen dieser nicht gleich. - -BELGIEN liefert zwar manches gute, jedoch nicht viel hervorragendes. Es -giebt sich in seiner Typographie eine gewisse Schwerfälligkeit kund. -Die Schrift ist zwar französisch, aber die leichte Eleganz der besseren -französischen Presserzeugnisse wird selten erreicht. Das Material ist -das gleiche, aber die in der Ausführung damit hervorgebrachte Wirkung -eine andere. - -In ITALIEN, SPANIEN und PORTUGAL stehen die Leistungen im ganzen -genommen auf einer und derselben Stufe, der des Mittelguten, -mitunter auch des Mittelmässigen. In Bezug auf die Erzeugnisse der -Schriftgiesserei und des Pressenbaues befinden sich die genannten Länder -fast vollständig im Abhängigkeitsverhältnis zu Frankreich. Erst in -neuester Zeit hat Deutschland hie und da mit zu konkurrieren begonnen. -Politische Verhältnisse, fortwährende Unruhen und Fremdherrschaft in -stetem Wechsel haben eine freie Entwicklung auf lange Zeit gehemmt. Es -werden aber jetzt ernste Anstrengungen gemacht, um lange Versäumtes -nachzuholen. - -Der ORIENT steht zu Frankreich fast in demselben Verhältnis, wie -Ostasien zu England und wie die slawischen und Donauländer zu -Deutschland-Österreich. NORDAFRIKA unterliegt selbstverständlich ganz -Frankreichs Einfluss. Die TÜRKEI und ÄGYPTEN liefern einiges gute, doch -darf dies weniger als nationale Leistung betrachtet werden, denn die -Hersteller sind meistenteils Franzosen, die mit französischem Material -arbeiten. - -[Illustration] - - -[Illustration] - - V. KAPITEL. - - DIE SCHRIFTGIESSEREI UND DIE MASCHINEN - - IN FRANKREICH. - - DIE SCHRIFTGIESSEREI: Das Schriftsystem Didots, seine Anglaise, - Molé. Orientalia. Notendruck, E. Duverger, Charles Derriey und das - typographische Ornament. HOLZSCHNITT und Hochätzung. DIE STEREOTYPIE: - Daulé, Gaveaux, Jannin. DIE MASCHINEN: Marinoni, Alauzet, Dutartre u. - a. Die Utensilien. Farbe. Papierfabrikation. Die Buchbindekunst. - -FOURNIER LE JEUNE hatte mit seinen Bemühungen für die Einführung einer -gleichmässigen Einteilung der Schriftgrössen (I, S. 214) kein rechtes -Glück gehabt. Erst AMBROISE FRANÇOIS DIDOT war es beschieden, ein von -Fourniers Grundsätzen etwas abweichendes System zur rechten Geltung zu -bringen, und hiermit nicht der Typographie seines Vaterlandes allein -einen unermesslichen Dienst zu erweisen, dessen Wert allerdings dem -Nichtfachmann weniger als die äussere Schönheit seiner Typen und seiner -Drucke oder der innere Gehalt seiner Verlagswerke in die Augen springt. - -In seiner Einteilung ging Didot von dem damals in Frankreich geltenden -Massstab, dem _Pied du Roi_, aus. Eine Linie desselben teilte er in -sechs typographische Punkte und bestimmte nach solchen die regelmässige -Abstufung der Schriftgrade. Hieraus erwuchs indes eine Differenz mit dem -Fournierschen System, indem 11 Didotsche Punkte gleich 12 Fournierschen -sind. - -Sicherlich stände das Didotsche System widerspruchslos da, hätte -nicht das erst später in Frankreich und anderen Ländern gesetzlich -eingeführte, wissenschaftlich allein stichhaltige Metermass mit -Dezimaleinteilung wieder einen Riss hineingebracht, indem das Didotsche -System sich nicht vollständig rationell auf das neue Mass übertragen -lässt. Die Frage des einheitlichen Welt-Schriftkegels kann demnach erst -in der Zukunft ihre volle Lösung finden[84]. - - [84] H. SMALIAN, Praktisches Handbuch für Buchdrucker im Verkehr mit - Schriftgiessereien. 2. Aufl. Leipzig 1877. - -[Sidenote: Didotsche Schreibschriften.] - -Eine Didotsche Erfindung ist ebenfalls die berühmte Schreibschrift -_Anglaise_. Die bisherigen Schreibschriften waren eigentlich nur -Cursivschriften; jeder Buchstabe stand für sich, ohne Verbindung mit -seinen Nachbarbuchstaben. Didot führte die der Schriftlage folgende -schräge Typenbildung ein, welche die Verbindung der Schriftzüge unter -einander erleichterte. Um die vollständige Freiheit der mit der Hand -hergestellten Schrift zu erreichen, waren jedoch grosse technische -Schwierigkeiten zu überwinden. Jenachdem ein Buchstabe zu Anfang, zu -Ende oder in der Mitte eines Wortes stand, oder die Nachbarbuchstaben -herauf- oder heruntergehende waren u. dergl., war eine Variation der -Verbindungsstriche und somit eine grosse Vermehrung der Typen notwendig. -Manche derselben enthielten nicht einmal einen vollständigen Buchstaben, -sondern dieser musste aus mehreren Teilen zusammengesetzt werden. -Hierin und in der Wahl der richtigen Ansätze liegen die Schwierigkeiten -und nicht jeder Setzer wird diese zu überwinden verstehen. Ausserdem -erfordert der Druck infolge der Zartheit der Haarstriche eine ganz -besondere Aufmerksamkeit, denn die schöne und teure Schrift kann -durch Ungeschicktheit des Druckers schon bei dem erstmaligen Gebrauch -verdorben werden. Damit die schrägen Typenstücke fester an einander -schliessen, sind sie an der einen Seite mit einer halbrunden Vertiefung, -auf der andern mit einer ebensolchen Erhöhung versehen, die in einander -greifen. Dreiseitige Schlussstücke stellen die für die Festigkeit der -sonst schrägstehenden Zeile notwendige rechtseitige Gestalt her. - -[Sidenote: Joseph Molé.] - -Einer der bedeutendsten Schriftgiesser Frankreichs war JOSEPH MOLÉ. -Bereits als Kind befasste er sich mit Gravieren und als Achtzehnjähriger -hatte er schon manchen Stempel geliefert. Während seines geschäftlichen -Wirkens schnitt er eigenhändig über 200 komplette Schriften. Ihm -verdankt man auch die Einführung der so praktischen Hohlstege. - -[Sidenote: Orientalische und chinesische Schrift.] - -Auf fremdländische resp. orientalische Schriften wurde im ganzen -genommen von den Schriftgiessereien und Buchdruckereien nicht grosses -Gewicht gelegt. Eine Ausnahme machte jedoch die, während eines -Jahrhunderts siebzehnmal den Namen wechselnde, jedoch ihrem Charakter -treu bleibende Staatsdruckerei. Mit besonderer Vorliebe und grosser -Ausdauer wurden dort nicht weniger als sechs Versuche gemacht, den -Chimborasso der Typographie, die Herstellung chinesischer Schrift, zu -überschreiten. - -Die erste, für Fourmonts Grammatik benutzte Schrift hatte ein -vollständig barbarisches Aussehen. Auch die 14000 Typen für Desguignes -Lexikon waren noch viel zu gross und hässlich. Spätere 12000 Typen von -Deshauterais wurden nie benutzt. Rémusat liess 2000 Zeichen schneiden, -deren er sich für seine Grammatik bediente. Die von M. H. Klaproth -veranlassten Typen machten grosse Ansprüche, elegant zu sein, es wurden -mit denselben jedoch nur wenige Seiten gesetzt. 1836 machte der Direktor -der Staatsdruckerei, Marcellin le Grand, unter Leitung des Orientalisten -Pauthier einen neuen Versuch. Als Grundlage diente das Wörterbuch von -Kanghi, welches 43496 Charaktere enthält, die auf gegen 30000 reduziert -und in zwei Klassen geteilt wurden, die der nicht zerlegbaren (3581) und -die der zerlegbaren (26295) Zeichen, welche sich mittels 4267 Stempel -herstellen liessen[85]. - - [85] Über die französische Schriftgiesserei vergleiche noch die - Abschnitte »Didot« und »Staatsdruckerei«. - -[Sidenote: Der Notendruck.] - -[Sidenote: Fournier und Gando.] - -In dem Lande der Franzosen, die nicht in dem Grade ein singendes und -spielendes Volk sind, wie die Deutschen, war auch die typographische -Herstellung von Noten nicht von der Wichtigkeit, wie in Deutschland; -doch hatten, abgesehen von den älteren Versuchen, FOURNIER LE JEUNE und -GANDO Noten geliefert, die freilich keinen Anspruch auf Originalität -machen konnten (s. Kap. XII). Die Genannten bekämpften sich gegenseitig; -Gando warf Fournier vor, er habe Breitkopfs Noten kopiert; Fournier -behauptete, Gando hätte überhaupt keinen Stempel schneiden können, also -auch keine Noten. - -[Sidenote: Duvergers und Derrieys Systeme.] - -Der Wunsch, den Übelstand der Breitkopfschen Noten: dass die -Linienstücke an jeder Note hängen, also trotz des vorzüglichsten Gusses -die Sichtbarkeit der Zusammenfügungen kaum zu vermeiden ist, musste zu -Versuchen führen, Linien und Noten unabhängig von einander herzustellen. -Doppelter Druck, der der Linien für sich und der der Noten für sich, -ist jetzt noch, war aber namentlich mit den damaligen Druckapparaten -ein schwieriges Unternehmen und der Satz der Noten allein ohne System -auch ein sehr beschwerlicher. EUGEN DUVERGER suchte diese Übelstände zu -überwinden. Mussten die Noten auch bei seiner Methode für sich gesetzt -werden, so war der Satz doch durch ganz zarte Andeutungen der Linien -erleichtert, welche an die Type angegossen waren und als Richtschnur bei -dem Setzen dienten. Über den Notensatz wurde eine Gipsmater geformt und -in diese das Liniensystem mittels einer Maschine durch kleine Rollmesser -hineingeschnitten. Da die Systemlinien kräftiger waren als die an den -Typen befindlichen schwachen Linienandeutungen, so wurden letztere durch -erstere vollständig gedeckt. Um die Zahl der notwendigen 417 Stempel in -der Praxis zu vermindern, wurden erst die komplizierteren geschnitten -und von diesen die Matern angefertigt, dann durch Wegschneiden einzelner -Teile die einfacheren Stempel gebildet. Aus diesem Verfahren erwuchs -jedoch der Nachteil, dass man sofort von den komplizierteren Stempeln so -viele Matern abschlagen musste, als man überhaupt für alle Zukunft haben -wollte. Die Schleifungen wurden durch schwache Kupferblättchen erzielt, -deren Anfang in den Typensatz eingelassen wurde, während der übrige Teil -sich nach Belieben biegen und abschneiden liess[86]. Duverger stellte -auch Karten her durch ein System kleiner Kupferlinien, welche in eine -Bleiplatte eingefügt wurden, ebenso wurde es mit den Schriften gehalten. - - [86] E. DUVERGER, _Album typographique_. Paris 1840. Ein Prachtwerk, - welches Duverger anlässlich der Jubelfeier erscheinen liess. - -DERRIEYS Notensatz bestand in einem System aus fünf ganzen -Messinglinien, an deren oberen und unteren Seiten die aus zwei -Teilen bestehenden Notenköpfe angesetzt wurden. Die Köpfe waren so -unterschnitten, dass der Anschluss an die Linie ein vollkommener war. -So sinnreich auch sowohl seine als Duvergers Methode waren, so springt -es doch dem Fachmann leicht in die Augen, dass für die Praxis mancher -Mangel mit beiden, mit der Derrieyschen noch der besondere Übelstand -der Verwendung von Messinglinien zusammen mit Noten von Schriftzeug, -verbunden war. - -[Sidenote: Pyrostereotypie.] - -Die Anwendung der PYROSTEREOTYPIE (Planotypie, vgl. Kap. IX) wurde in -Frankreich von WALS eingeführt und von CARBONNIER verbessert; zuerst war -sie 1840 in Irland benutzt worden. - -[Sidenote: Ornamente und Einfassungen.] - -[Sidenote: Charles Derriey * 17. Aug. 1808, [+] 11. Febr. 1877.] - -Was die Erzeugnisse der Schriftgiesserei für dekorative Zwecke -anbelangt, hat Frankreich einen bis jetzt nicht übertroffenen Meister -in dem erwähnten CHARLES DERRIEY aufzuweisen. Sein Schicksal entschied -sich nicht schnell. In einem Alter von 18 Jahren verliess er die Offizin -Gauthier in Besançon, wo er sich etwas mit allem, was zur graphischen -Kunst gehört, beschäftigt hatte. Er trat nun in das Haus Didot ein, wo -er nacheinander als Setzer, Drucker, Stereotypeur, Schriftgiesser und -Zeichner arbeitete und schliesslich in seinem 27. Jahre die Gravierkunst -lernte. Da er mit angeborenem Kunstsinn und ernster Willenskraft viele -praktische Kenntnisse verband, trug er kein Bedenken, sich selbständig -zu machen. Wollte man ihm von Stufe zu Stufe in seinem Schaffen folgen, -so müsste man sein berühmtes Probebuch[87], einen Folianten von gegen -200 grösstenteils in Farben und Gold ausgeführten Seiten, Blatt für -Blatt beschreiben. Vignetten, verzierte Schriften, Züge, Eckstücke, -Linien, Einfassungen u. dgl. finden sich darin in grosser Vollkommenheit -und reicher Abwechselung. Seine Phantasie-Einfassungen übertreffen durch -Neuheit, Eleganz, Genialität, Akkuratesse der Arbeit und ihre endlosen -Kombinationen alles Dagewesene. Derriey mutet der Schriftgiesserei und -der Typographie nicht wenig zu, kennt jedoch genau die Grenze, bis wohin -er sie führen darf. Er zeichnete und schnitt nicht allein, sondern -setzte und kombinierte in der geschicktesten Weise. Jedes Stück steht -an seinem rechten Platz; Licht und Schatten versteht er meisterhaft in -effektvollster Weise wechseln zu lassen. - - [87] J. C. DERRIEY, _Spécimen Album_. Fol. Paris 1862. - -Auch als Mechaniker hatte Derriey grosse Bedeutung. Seine Giess- -und Linieninstrumente sind Erfindungen von hohem Werte. Ein kleines -Wunderwerk bleibt namentlich seine Numeriermaschine für Banknoten. - -Derrieys Erzeugnisse fanden nicht weniger Anerkennung im Auslande -als in seinem Vaterlande. Leider muss hinzugefügt werden, dass er -durch galvanische Nachbildungen in arger Weise um die Vorteile seines -geistigen Eigentums gebracht wurde. Seine Giesserei mit allem Zubehör -ging nach seinem Tode auf A. TURLOT (Gebr. Virey) über. - -In Derrieys Atelier arbeiteten auch zwei der berühmtesten Kunstsetzer -in Paris SIXTE ALBERT und L. MOULINET. Beide lieferten im Figuren- -und Porträtsatz mittels Linienstücke Unglaubliches; Albert eine viel -angestaunte Laokoon-Gruppe, Moulinet ([+] 1874) einen Béranger in ganzer -Figur und eine Amor und Psyche-Gruppe. - -[Sidenote: Dechamps und Petibon.] - -[Sidenote: Laurent & Deberny.] - -[Sidenote: _Fonderie générale_ u. a.] - -Von anderen Künstlern in der Richtung der ornamentierenden -Schriftgiesserei sind zu nennen DECHAMPS und der sehr fruchtbare -PETIBON, der die Kaleidoskop-Einfassungen einführte, die zwar sehr -hübsch waren, jedoch zumeist für den Buchdrucker ein totes Kapital -blieben, weil die Setzer das Material nicht zu behandeln verstanden. -LAURENT & DEBERNY lieferten schöne Züge, Initialen und Plakatschriften. -Ihre Polytypen beliefen sich auf mehr als 6000, mit denen sie alle -Länder der Romanischen Gruppe reich versorgten. Eine bedeutende Anstalt -entstand unter der Firma _Fonderie générale_ LABOULAYE & CO., später -RÉNÉ & CO., aus der Vereinigung der Firmen DIDOT, MOLÉ, CROSMER, EVÉRAT, -TARBÉ & CO., welche letztere sich durch ihre systematischen Hohlstege -und Stereotyp-Unterlagen bekannt gemacht haben. Auch LOMBARDOT, -BATENBERG & MAJEUR lieferten viele Einfassungen, sowie Phantasie- und -Titelschriften. RENAULT & ROBCIS zeichneten sich in der Spezialität der -Messinglinien, der Hohlstege und des Durchschusses aus. In neuester Zeit -machte sich HENRY J. TUCKER, Filiale der Londoner Giesserei Caslon, -sowohl durch die Leistungen des von ihm vertretenen Instituts, als durch -die vorzüglich geleitete Fachzeitschrift _Typologie Tucker_ einen Namen. - -[Sidenote: Metallverbesserung.] - -Um das Jahr 1840 führte COLSON eine Zeugmischung von Eisen und -Schriftmetall ein, welche die Haltbarkeit des gewöhnlichen Zeuges -verdreifachte. Die Versuche PETYTS, Typen aus Kupferstangen durch -Pressung in eine Stahlmater zu erzielen, erreichten ebensowenig -ein praktisches Resultat, wie CARDONS Erfindung, ein kupfernes -Buchstabenbild auf einen Typenstiel von Schriftmetall anzubringen. Die -Herstellung der Typen aus Glas blieb ebenfalls ohne wirkliche Erfolge. - -[Sidenote: Die Stereotypie.] - -Verdankte man auch die erste praktische Methode der Schriftstereotypie -und der Anfertigung von Clichés England, so hatten die Franzosen sich -doch schon lange mit der STEREOTYPIE beschäftigt[88] und durch ihre -späteren Verfahren das Stanhopesche überflügelt; ja es scheint fast, -als wären sie auf dem Wege, selbst die Verwendung der Jacobischen -Galvanoplastik für die Typographie durch die Celluloïd-Clichés zu -verdrängen. - - [88] A. G. CAMUS, _Mémoire sur l'hist. etc. du polytypage et de la - stéréotypie_. Paris 1802. -- DE PORVY, _Précis sur la - stéréotypie_. Paris 1822. -- H. MEYER, Handbuch der Stereotypie. - Braunschweig 1838. - -[Sidenote: Gabr. Valleyre.] - -Bereits vor Beginn des XVIII. Jahrhunderts lieferte ein Pariser -Gelehrter und Buchdrucker GABR. VALLEYRE einen Kalender in -Messingplatten, die in Matern aus Thon oder diesem ähnlicher Masse -gegossen waren. Da aber diese Matrizen nicht vollständig gleichmässig -vertieft und die Platten ausserdem auf der Rückseite nicht ganz glatt -waren, so fiel der Druck nicht gleichmässig aus. - -[Sidenote: Ign. Hoffmann.] - -Der Akademiker Darcet hatte 1773 seine Erfahrungen über das Legieren -leicht schmelzbarer Metalle veröffentlicht. Ein Elsässer FRANZ IGNAZ -JOSEPH HOFFMANN wurde wahrscheinlich hierdurch veranlasst, Matern aus -fetter, mit Gips vermischter Erde, welcher Syrup und Kleister zugesetzt -wurden, zu bilden und diese in erhitztem Zustande in eine Legierung von -Wismuth, Blei und Zinn in dem Augenblick der Erstarrung der Metalle -einzudrücken. Die so erhaltene Platte wurde auf Nussbaumholz mit feinen -Nägeln festgemacht. - -Mit solchen Platten druckte Hoffmann 1787 ein dreibändiges Werk -_Recherches historiques sur les Maures par de Chemin père_. Hoffmann -musste seine Druckerei in andere Hände geben und ersann nun ein -anderes Verfahren. Er liess 360 Stempel, teils einzelne Buchstaben, -teils Logotypen, anfertigen. Durch mechanische Vorrichtungen wurden -diese Stempel senkrecht in die oben beschriebene Metallmasse gesenkt. -Die gewonnene Matrize ward in einer Presse, wie ein Petschaft in der -Stempelpresse, angebracht und durch einen Balancier in die dem Erstarren -nahe Schriftmasse mit einem kräftigen Schlage eingetrieben. Von einer -praktischen Verwendung dieses aus vielen Gründen unzweckmässigen -Verfahrens verlautet nichts. Ebensowenig wie von Hoffmanns Logotypen, -für welche er 1792 ein Patent für 15 Jahre erhielt. - -[Sidenote: J. Carez.] - -Hoffmanns erste Proben hatten viele Nachahmungen hervorgerufen, unter -denen die von JOSEPH CAREZ, Buchdrucker in Toul, besondere Beachtung -verdienen. Seine Matrizen litten aber sehr durch die Hitze und das -Zusammenbacken mit der Schrift. Bei einem befreundeten Münzsammler -hatte er jedoch gesehen, wie dieser durch einen kurzen trockenen Schlag -Abdrücke in Zinn von seinen Münzen nahm. Carez bediente sich nunmehr -eines Fallklotzes, um eine Schriftseite in die halbflüssige Masse -einzuprägen und so eine brauchbare Mater zu erhalten. 1786 lieferte er -ein Kirchengesangbuch in zwei Grossoktav-Bänden, jeder von 1000 Seiten, -in dieser Weise hergestellt und später viele Werke, darunter eine -Nonpareille-Bibel. - -[Sidenote: Gengembre und Heran.] - -Als der Assignatendruck eine rasche Vervielfältigung der kleinen -Platten notwendig machte, um viele solche auf einmal drucken zu können, -verbesserten GENGEMBRE und HERAN das Verfahren mit dem Fallklotz, -welcher in Fugen vertikal und parallel stehender Säulen, wie in einem -Rammbocke, eingelassen wurde. Die Tischplatte, auf welcher der Behälter -mit der Schriftmasse stand, übte durch starke Federn einen elastischen -Gegendruck aus und man erhielt in dieser Weise Platten in scharfer -Prägung, deren Rückseiten durch Hobeln egalisiert wurden. - -[Sidenote: Peter Didot und Heran.] - -Die von Didot 1795 herausgegebenen Logarithmen werden gewöhnlich als -Stereotypen bezeichnet, sie sind jedoch nur von zusammengeschmolzenen -Schriftkolumnen gedruckt. 1798 vereinigte sich jedoch PETER FIRMIN -DIDOT, der auch ein Patent besass, mit HERAN[89] zu dem Zweck, -Stereotyp-Ausgaben zu veranstalten, um nicht nur die gedruckten -Exemplare, sondern auch die Platten zu verkaufen. Das erste nach ihrem -Verfahren hergestellte Buch war ein Virgil in 18^{mo} von etwa 400 -Seiten. Ein Exemplar kostete nur 15 Sous, eine Platte drei Franken. - - [89] So schreibt ihn Didot, nicht, wie üblich, Heran. - -Heran wollte noch reformieren und liess von Stahlstempeln Matrizen -in typenförmige Kupferstückchen treiben, die in einem Winkelhaken -aufgesetzt wurden. Jedoch musste der Setzer mit dem letzten Worte einer -Zeile und dem letzten Buchstaben eines Wortes anfangen oder, was etwas -leichter war, wie gewöhnlich von links nach rechts setzen und dann den -Satz der Zeile Buchstabe für Buchstabe umstellen. Spatien und Quadraten -mussten höher sein als die Typen, nicht wie sonst niedriger, weil die -Zwischenräume in der Platte tiefer liegen mussten. Schön in der Theorie -aussehend, war das Verfahren in der Praxis unzweckmässig und teuer, -Korrektur-Abzüge konnten vor dem Guss nicht gemacht werden, so dass alle -Änderungen erst in den Platten vorgenommen werden mussten. - -[Sidenote: Daulé.] - -Das bis dahin einzig praktische Stereotyp-Verfahren, das Stanhopesche, -fand natürlich auch in Frankreich Eingang. Eine namentlich für das -Giessen von Clichés weit bequemere Methode erfand der Franzose DAULÉ, -der nicht die Matrize in die flüssige Schriftmasse versenkte, sondern -sie zwischen zwei eiserne Platten mit erhöhten Rändern einlegte, die -einen flachen Giesskasten bildeten, in welchen der Zeug mittels des -Giesslöffels eingegossen wurde. - -[Sidenote: Genous Papierstereotypie.] - -Eine sehr grosse Bedeutung gewann die PAPIERSTEREOTYPIE des Setzers -GENOU. Anfänglich mit Misstrauen empfangen, hat sie sich später -besonders für Schriftstereotypie vortrefflich bewährt und ist für die -Einführung der Rotationsmaschinen ein unbedingtes Erfordernis geworden. - -Die Mater wird aus einer Anzahl von Blättern, teils Seiden-, teils -stärkeren Papiers, gebildet, die einzeln, mit einer breiartigen -Klebemasse angestrichen, aufeinandergelegt werden, bis sie die -Stärke eines festen Kartons erreicht haben. Durch Klopfen mit einer -langstieligen Bürste wird die Schriftkolumne in die weiche Papiermasse -eingeprägt und die Mater dann unter mässigem Druck und bei gelinder -Wärme in der Trockenpresse getrocknet. Der Guss geschieht in einem -Apparat wie der Daulésche. - -Der Vorteil bei diesem Verfahren liegt nicht allein in der Billigkeit -und der Leichtigkeit der Herstellung, sondern gründet sich auch darauf, -dass eine und dieselbe Mater für den Guss mehrerer Platten benutzt -werden kann und dass man die Matern nach dem Guss, oder ohne überhaupt -einen solchen vorzunehmen, für den späteren Gebrauch mit Leichtigkeit -aufheben kann. Auch ist ein hoher Ausschluss nicht notwendig. Der -ganze Apparat ist ein so einfacher, dass selbst eine kleine Druckerei -mit Vorteil einen solchen anschaffen kann. In neuester Zeit ist noch -ein Verfahren eingeführt, um die Matern rasch und ohne Ofenwärme zu -trocknen, was für die Schonung der Schrift, mehr noch für die der -Holzschnitte, von Bedeutung ist. - -[Sidenote: Jannins Celluloïd-Cliché.] - -Von einschneidender Wichtigkeit scheint die Erfindung der -CELLULOÏD-CLICHÉS zu werden; doch ist die Methode noch zu neu, um ein -bestimmtes Urteil, namentlich über die Tragweite des Nachteils der -leichten Entzündbarkeit, dieser Clichés zu fällen. - -Der Bildhauer JANNIN in Paris war auf den Gedanken gekommen, das -Celluloïd, eine durch chemische Behandlung von Faserstoff hergestellte -Masse von ausserordentlicher Härte, ausserdem, nach erfolgter Erwärmung, -von grosser Biegsamkeit, ausser zu verschiedenen plastischen Arbeiten zu -Clichés für typographische Zwecke zu benutzen. - -Um dieses zu können, war es jedoch notwendig, eine entsprechende -Masse für die Mater zu schaffen, die den bei der Herstellung des -Celluloïd-Clichés notwendigen Druck unter Erhitzung vertragen konnte. -Eine solche Masse wurde in einem aus Bleiglätte und Glycerin bestehenden -Knetstoff gefunden. Derselbe wird in halbflüssigem Zustande über den zu -clichierenden Gegenstand sorgsam gestrichen, in derselben Weise, wie -der Gips bei der gewöhnlichen Stereotypie, und die Lage bis zu einer -Dicke von 3-5 mm verstärkt. Ist die Mater unter einem mässigen Druck -erhärtet, was bei Holzschnitten in 15-20 Minuten, bei Metall-Originalen, -wo Erwärmung anwendbar ist, in drei bis vier Minuten der Fall ist, -kann sie sofort zur Herstellung eines Clichés verwendet werden, zu -welchem Behuf sie in eine hydraulische Presse gelegt und mit einer durch -Erwärmung schmiegsam gemachten Celluloïd-Platte bedeckt wird. Unter -Erhitzung der Presse, der Mater und der Platte bis auf 120°C. wird ein -Druck von 120-130 Atmosphären ausgeübt, darauf das ganze durch einen -Strom von kaltem Wasser abgekühlt. Nach vollständiger Erkaltung der -Platte löst sich selbe, ohne vorhergegangene Einreibung des Originals -mit Graphit oder Öl, mit Leichtigkeit ab und kann sofort zum Druck -aufgenagelt werden. Fehler können, wie bei Stereotyp-Platten, durch -Einsetzung eines Pflocks von Celluloïd und Nacharbeiten desselben mit -dem Stichel ausgebessert werden. Da die Platte durch keine Säuren oder -Farbenzusammensetzungen angegriffen wird, so ist sie ganz besonders zum -Druck von bunten Farben geeignet. - -[Sidenote: V. Haye und der Blindendruck.] - -Um den DRUCK FÜR BLINDE machte sich VALENTIN HAYE zuerst verdient. Zu -seinen Versuchen wurde er durch den Verkehr mit einer blinden deutschen -Dame, Fräulein von Paradies, veranlasst. Er liess hoch geschnittene -scharfe Typen anfertigen, die in die Rückseite eines starken Papiers -eingeprägt wurden, so dass für die Finger bemerkbare Erhabenheiten auf -der Vorderseite entstanden. Mit verschiedenen Modifikationen fand das -Verfahren fast in allen anderen Ländern Eingang[90]. - - [90] Vergl. Kap. I und XV. - -Den Versuchen, den Holzschnitt durch andere Illustrationsverfahren -zu verdrängen, wurde namentlich in Frankreich Vorschub geleistet. A. -DEMBOUR in Metz (1814) stellte durch Ätzung Platten in Kupfer für die -Buchdruckerpresse her. Die Zeichnung wurde mittels Pinsels oder Feder -auf Metall gemacht und die nicht bezeichneten Stellen weggeätzt. Dem -ähnlich ist die Acrographie. - -[Sidenote: Zinkhochätzung.] - -Grosse Bedeutung hat die ZINKHOCHÄTZUNG. Dieses Verfahren ist in -Frankreich ein sehr beliebtes geworden, weil ganz besonders für die -leichten Skizzen geeignet, mit welcher die vielen Witz-, leider auch -vielen Schmutzblätter illustriert werden, zu welchen früher die -lithographischen Kreide- und Federzeichnungen verwendet wurden. Doch -auch in der ernsten Zeitungspresse fand die Methode Eingang, und es -werden oft Blätter geliefert, die nichts zu wünschen übrig lassen. Eine -grosse Virtuosität entwickelte namentlich FIRMIN GILLOT, der 1850 Patent -auf sein Verfahren nahm, welches er PANICONOGRAPHIE, die Franzosen -jedoch, welche Gillot als Erfinder der Hochätzung betrachteten, -_Gillotage_ nannten. Eine mehr der Chemitypie sich nähernde Methode ist -die von DULOS. Er macht die Zeichnung mit lithographischer Kreide auf -eine Kupferplatte und lässt diese mit einem schwachen Silberniederschlag -überziehen, der nur auf den nicht bezeichneten Stellen haftet. Hierauf -wird ein mit Quecksilber vermischtes, leichtflüssiges Metall heiss auf -die Platte gegossen. Das Metall verbindet sich fest mit den versilberten -Teilen der Platte, während die Zeichnung nun so vertieft liegt, dass man -sie als Mater für ein galvanisches Hochdruck-Cliché benutzen kann. Ein -drittes, sehr rasches Verfahren ist das von COMTE, welches besonders für -die Abbildungen in _l'Art pour tous_ verwendet wird. LEHMANN & LOURDEL -und YVES & BARROT u. a. haben es darin weit gebracht. - -[Sidenote: Neue Holzschnittmethode.] - -Ein ganz eigentümliches Verfahren, um, wie der Erfinder glaubte, -Holzschnitte billiger und besser herzustellen als bisher, wendeten Mame -& Co. in Tours an. - -Bekanntlich sind die Kreuzschraffierungen dem Holzschneider stets ein -Dorn im Auge gewesen, denn das Umschneiden einer Linie an allen vier -Seiten ist eine zeitraubende und Tüchtigkeit erfordernde, folglich -teure Arbeit. Der Erfinder der neuen Methode, GUSMAN, lässt nun zwei -Holzblöcke bezeichnen, auf dem einen alle von rechts nach links gehenden -Linien, auf den andern die diese von links nach rechts kreuzenden. -Werden diese Platten nach einander auf einem Bogen gedruckt, so zeigt -der Abdruck die kompliziertesten Kreuzschraffierungen, die sich an -Kühnheit mit denen des Kupferstiches messen können. So sagt die -Theorie, die Praxis hat aber viel hineinzureden. Abgesehen davon, dass -zwei Holzstöcke, zwei Zeichnungen, zwei Schnitte und doppelter Druck -notwendig sind, die Ersparnisse also mehr als problematisch werden, so -ist die Wirkung im voraus seitens des Zeichners kaum zu berechnen. Die -beiden sich kreuzenden Linien vereinigen sich nämlich nicht wie in der -Radierung, sondern die eine Lage liegt sichtbar »über« der andern und -bringt dadurch oft eine falsche Wirkung hervor[91]. So interessant diese -Versuche sind, so verlautet doch von den praktischen Erfolgen nichts. - - [91] Auf einem grossen Blatt: »Die Grablegung Christi« nach Tizian - sieht z. B. das nackte Bein eines der Knieenden ganz so aus, als - wäre es mit einem Strumpf bekleidet. - -Das beginnende Fehlen des Buxbaumholzes hat zu vielen Versuchen -geleitet, dieses zu ersetzen. 1876 nahm BERTIN BADOUREAU ein Patent auf -komprimierte Birnbaumplatten. Durch Kochen, Pressen, Gelatinieren wird -das Holz unempfindlich für die Einwirkung von Temperatur und Witterung -und fast auf die Hälfte des ursprünglichen Umfanges reduziert. - -[Sidenote: H. Marinoni * 1823.] - -Was der Name König & Bauer für Deutschland, ist derjenige HIPPOLYTE -MARINONIS für Frankreich. Dieser ward in Paris geboren, arbeitete bei -Gaveaux und baute später im Verein mit diesem seine ersten Maschinen. -Die Pressen, mit welchen Marinoni seinen grössten Ruhm erwarb und mit -denen er der Journalistik in Frankreich einen sehr bedeutenden Vorschub -leistete, waren seine Maschinen _à Réaction_, in welchen -- im Gegensatz -zu den Maschinen _à Retiration_ mit mehreren Cylindern -- Druck und -Widerdruck durch einen und denselben Cylinder geübt wird, indem ihm -der das erste mal gedruckte Bogen über Rollen weg nochmals behufs des -Widerdrucks zugeführt wird. Der Nachteil bei diesen die Schnelligkeit -sehr fördernden Maschinen ist, dass auf dem Cylinder keine Zurichtung -stattfinden kann. Während nun möglicherweise der Schöndruck aus einer -kompressen Form besteht, bietet der Widerdruck vielleicht eine mit -grossen Anzeige-Schriften oder dgl. gefüllte, die eine ganz andere -Behandlung im Unterlegen verlangt. Da lässt sich nur durch primitive -Unterlegung unter der Schriftform etwas nachhelfen; alles andere -muss, wie bei den alten Holzpressen ehe man die Zurichtung im Deckel -kannte, durch einen sehr starken, oft zu erneuernden Filzüberzug des -Cylinders erzwungen werden. Hiervon rührt zumteil eine Ausführung der -französischen Zeitungen her, welche sehr zu ihren Ungunsten nicht allein -gegen die der englischen, sondern auch gegen die der deutschen Zeitungen -absticht, obwohl letztere nicht gerade stolz auf ihr äusseres Gewand -sein dürfen. Jedoch der Billigkeit und der Schnelligkeit wurde genügt; -die französischen Abendblätter, welche erst nach Schluss der Börse, um -vier Uhr, fertiggestellt werden konnten, wurden schon um fünf Uhr durch -ganz Paris verkauft. - -Bereits 1847 hatte Marinoni seine berühmte vierfache Maschine für _La -Presse_, der später die sechsfache folgte, geliefert. Im Jahre 1867 -baute er für _Le Petit Journal_ eine Maschine, welche stündlich 36000 -des in mehreren Exemplaren clichierten Blattes fertigstellte, so dass -die damalige Auflage von 350000 Exemplaren durch fünf Maschinen in -zwei Stunden beschafft werden konnte. Derartige Druckapparate, in -Verbindung mit dem verhältnismässig geringen Umfang der französischen -Blätter, der typographischen Genügsamkeit des Zeitungspublikums und -der Unsicherheit der Presszustände verursachte, dass die mächtigen und -kostspieligen Rotationsmaschinen bei weitem nicht die Bedeutung für -Frankreich wie für England und Amerika hatten. Dass Marinoni jedoch den -Bau derselben nicht unterlassen würde, verstand sich von selbst, und er -besitzt bereits siebzehn Patente auf solche. Seine Rotationsmaschinen -unterscheiden sich von den anderen hauptsächlich durch die Lage der -Satz- und Druckcylinder, die über einander angebracht sind[92]. Von -seinen kleineren Maschinen sind namentlich die _Universelle_ (1850) und -die _Indispensable_ (1853) weit verbreitet. Bis zum Jahre 1880 hatte er -6539 Maschinen für typographische Zwecke und 410 Dampfmaschinen gebaut. -In Deutschland ist Marinoni bald hoch belobt, bald sehr getadelt worden; -Thatsache ist wohl, dass er einer der genialsten Constructeure der -Jetztzeit ist. - - [92] Journ. f. B. 1878, Nr. 75. -- Ann. d. Typ. IV. B. 1873, Nr. 189. - -[Sidenote: P. Alauzet * 15. Juni 1816, [+] 22. Jan. 1881.] - -Als an Tüchtigkeit Marinoni gleichkommend, in Eleganz und Nettigkeit -selbst in den unwesentlichen Teilen der Arbeit ihn übertreffend -ist PIERRE ALAUZET zu nennen. In Rodez geboren, war er bis zu -seinem achtzehnten Jahre Landarbeiter und kam ohne die geringsten -mechanischen Kenntnisse bei dem Pariser Pressenfabrikant Normand in -Arbeit. Nach vollendetem Tagewerk besuchte er die Schule und holte -das ihm Fehlende so gut nach, dass er sich 1846 etablieren konnte. -Bekannt sind namentlich seine Schön- und Widerdruckmaschinen für feine -Werk- und Illustrationsarbeiten, die auch in dem Süden Deutschlands -Eingang fanden. Dem Abschmutzen des Schöndruckes beim Übergang auf den -Widerdruckscylinder wird mittels Durchlassens von Schmutzbogen begegnet. - -Von seinen 2500 Schnellpressen ist fast nicht eine ganz wie die andere -gebaut, da er unermüdlich bestrebt war, Verbesserungen anzubringen. Für -die _Petite République Française_ lieferte er eine Rotationsmaschine -für zwei Meter breites Papier, welche stündlich 70-80000 Exemplare des -Blattes druckt; mit der für Illustrationsdruck bestimmten hat er erst -nach vielen Versuchen befriedigende Resultate erzielt. - -[Sidenote: A. B. Dutartre u. a.] - -A. B. DUTARTRE und andere lieferten Maschinen mit _mouvement varié_, -deren Druckcylinder während der Zeit, in welcher er den Druck übt, sich -langsamer bewegt und solche, deren Druckcylinder so langezeit ruht, -wie das Fundament gebraucht, um zum zweitenmal unter dem Farbenwerk -hin- und zurückzugehen, damit die Einfärbung verstärkt werde. Seine -Zweifarben-Maschinen gewannen allgemeine Anerkennung. - -Für vier Farben bauten PRUDON & CO. eine Presse, bei welcher die Formen -hinter einander liegen; hierdurch wurde eine Länge von sieben Metern -erforderlich, die den Eingang dieser Maschinen hinderte. - -[Sidenote: Lithographische u. Kupferdruckmaschinen.] - -Als Verfertiger lithographischer Maschinen erwarb TH. DUPUY Ruf. -Marinoni baute ebenfalls solche, die zugleich für typographischen Druck -zu verwenden waren. Sie arbeiteten zwar sehr gut, die Umänderung von -einer Druckweise zur andern erforderte jedoch viel Zeit und diejenigen -Offizinen, welche Lithographie mit Typographie verbanden, waren in der -Regel auch in der Lage, besondere Maschinen für die verschiedenen Zwecke -anzuschaffen. - -JULES DERRIEY, der Bruder des genialen Schriftgiessers Charles, erwarb -sich Verdienste durch seine Zeitungsmaschinen von sehr einfacher -Konstruktion mit Cylinderfärbung nach deutscher Art und baute auch -Rotationsmaschinen[93]. Bekannt sind weiter für Zeitungsmaschinen A. -Y. GAVEAUX, für einfache Schnellpressen H. VOIRIN und MAULDE & VIBART. -Auf Laien machte auf allen Ausstellungen die kleine, sehr niedliche -Visitenkartenpresse von G. LEBOYER grossen Eindruck[94]. - - [93] Journ. f. B. 1876, Nr. 24. - - [94] Journ. f. B. 1878, Nr. 36 u. 37. - -Noch sei eine eigentümliche Kupferdruckpresse erwähnt, welche AUG. -GODCHAUX zum Druck seiner kalligraphischen Vorlagen benutzt. Sie ist -in der Art der Kattundruckpresse eingerichtet und druckt von endlosem -Papier 2-3000 Exemplare. Nach vollzogenem Druck wird der Bogen durch -Mechanismus von der Papierrolle abgetrennt. Ein Apparat, gleich dem -Messer eines Farbewerks der Schnellpresse, hält die Kupferplatte rein. -Für den Druck von Kunstblättern genügt die Maschine nicht. - -Die Schriftgiessmaschine wurde von BAUDOIN, LAVAL, FOUCHER u. a. sehr -verbessert. Beifall fanden die Maschinen von SERIÈRE & BAUSA, welche mit -zwei Giessinstrumenten und zwei Pfannen, die mit Einem Feuer erhitzt -werden, versehen und von Einem Arbeiter bedient, täglich gegen 50000 -Buchstaben lieferten. - -[Sidenote: Hülfsmaschinen und Apparate.] - -Von Arbeitserleichterungsmaschinen sind L. POIRIERS und L. LEGRANDS -Bronciermaschinen, TOLMERS Feuchtapparate und P. RAGUENEAUS -autographische Pressen beachtenswert. Als Motor ist die Gasmaschine -LENOIRS sehr beliebt. - -Die allgemeinste Verbreitung und Nachahmung fanden die MECHANISCHEN -SCHLIESSSTEGE von MARINONI & CHAUDRÉ, die in einfach-praktischer Weise -einen vortrefflichen Ersatz der Schraubenrahmen bildeten. Eiserne -Stege, an denen die dem Rahmen zugekehrte Seite schräg geformt und -gezahnt ist, werden durch kleine, zwischen Steg und Rahmen einzufügende -Rädchen, in deren Einschnitte die Zähne des Steges eingreifen, mittels -eines Schraubenschlüssels unter sehr geringer Kraftanwendung angezogen -und so die Form ganz fest geschlossen. ALCAN LÉVY & LAVATER traten -mit zerlegbarem Schliessrahmen auf, VALÉT & CO. in Marseille mit -galvanischen Hohlstegen. - -[Sidenote: Utensilienlager.] - -Die Anschaffung des Materials erleichterte namentlich das grosse -Utensilien-Geschäft von J. E. BOIELDIEU & FILS, denen auch manche -Verbesserung zu verdanken ist. Namentlich sind ihre Stereotyp-Apparate -vortrefflich. Die von ihnen gebaute grosse Plakatpresse besteht in -einem mit Zahnstangen versehenen Fundament, in welchem ein Cylinder mit -Zähnen, ähnlich wie in den Korrekturpressen, sich bewegt. Das Durchsehen -des reichhaltigen illustrierten Katalogs[95] der Firma belehrt in -leichter Weise über die Unterschiede des deutschen und des französischen -Materials. Ein zweites sehr umfangreiches Utensilien-Geschäft sind -die, durch Fusion der Firmen CH. BONNET & CO. aus Genf und CHEVALIER & -DREYFUS in Paris entstandenen _Usines Gutenberg_. - - [95] _Outilage Typographique Boieldieu._ Paris. - -Die französische Druckfarbe ist in den feineren Qualitäten vorzüglich. -Als Fabrikanten stehen obenan CH. LORILLEUX[96], denen LE FRANC & CO., -PRUDON & CO., CAUDERON & CO. für bunte Farben folgen. LEMERCIER & CO. -liefern vorzügliche lithographische Farben[97]. - - [96] _Ch. Lorilleux sur la Fabrication des encres d'Imprimerie._ - Paris 1867. Lorilleux giebt jährlich einen Abreiss-Kalender mit - geschichtlichen oder technischen Notizen heraus. Der Jahrgang - 1882 enthält eine typographische Bibliographie der in Frankreich - erschienenen Fachwerke. Jänecke & Schneemann in Hannover folgten - dem Beispiel. - - [97] Didot behauptet, dass die Erfindung der Kompositionswalze einem - französischen Leimfabrikanten GARMAL gehöre (vgl. dagegen S. 34). - -[Sidenote: Das Papier.] - -Das französische Papier hat einen verdienten Ruf erworben und Frankreich -gehört die Ehre der Erfindung der Papiermaschine. Auf Anregung -Didots liess PIERRE MONTGOLFIER das erste ungerippte Velinpapier -anfertigen und adoptierte das holländische System der Zerfaserung -der Lumpen durch Schneidecylinder statt durch Stampfen. Die erste -Idee des Papiers ohne Ende hatte der Werkführer LOUIS ROBERT in der -Papiermühle Didot-Saint-Légers in Essonnes gefasst. Letzterer erwarb -die Rechte Roberts und erhielt von der Regierung 8000 Livres zu seinen -Versuchen. Infolge der Revolution begab sich Didot nach London, wo die -Papiermaschine durch die Talente des Ingenieurs DONKIN und die Kühnheit -der Papierfabrikanten Gebr. FOUDRINER ihre Vervollkommnung erhielt. Als -Didot 1814 nach Frankreich zurückgekehrt war, wurde nach seinen Angaben -die erste Maschine von Berthe in Sorel gebaut, es folgten solche in -Saint Jean-d'Heures und in Mesnil. Zu gleicher Zeit wurde sie durch -Canson in Annonay errichtet. - -An Papierfabriken besitzt Frankreich 524 mit 28656 Arbeitern und mit -einer Betriebskraft von 21000 Pferden. Sie produzieren jährlich Ware zu -einem Werte von 104 Millionen Franken. Die wichtigsten Produktionsorte -sind Annonay, Angoulème und das Departement Isère. Die Papiersteuer -brachte 16439000 Franken. - -[Sidenote: Die Buchbinderkunst.] - -In der Kunst des Buchbindens steht Frankreich obenan. Von dem -Bücherleinen hat es sich im ganzen genommen freigehalten. Fast alle -neuen Bücher werden im broschierten Zustand in den Handel gebracht. -Ausgenommen davon ist die Litteratur der Andachtsbücher, in deren -Herstellung zu fabelhaft billigen Preisen bei reicher Ausstattung MAME & -CO. in Tours Bedeutendes leisten. Neben diesen billigen Einbänden kommen -jedoch auch die kostbarsten aus Seide, Sammet, Leder und Elfenbein mit -echten Spangen und Beschlägen vor, die sich in die höchsten Preise -versteigen. Die Handarbeit, unterstützt durch Reichtum und Geschmack -einer bedeutenden Zahl von Bücherfreunden, hat in Frankreich noch einen -grossen Spielraum. Sie übertrifft an Geschmack die englische, muss aber -dieser den Vorzug in der Behandlung des Leders einräumen. Verwendet -werden gewöhnlich Chagrin und Corduan. Die Mosaikarbeiten der Franzosen -sind nicht eigentlich eingelegte Arbeiten, sondern die betreffenden -Stellen werden ganz dünn geschabt, das andere farbige Leder darauf -gelegt und die Ränder mit Goldverzierungen bedruckt. - -Auf die strenge Einteilung der Arbeit in der Buchbinderei wurde schon -hingewiesen. In den einzelnen Offizinen sind wieder die einzelnen -Beschäftigungen gruppenweise verteilt. Viele der Arbeiter, die in ihrer -Spezialität Vorzügliches leisten, würden nicht imstande sein, allein ein -Buch leidlich zu binden. Dieses System mag allerdings der allgemeinen -Ausbildung des einzelnen Individuums hinderlich sein, das Publikum -erhält jedoch durch dasselbe billigere und bessere Bände. - -Neben der Anlehnung an die goldene Zeit hat sich eine selbständige -moderne Dekorationsweise ausgebildet, die vieles Hübsche liefert. Die -Führerschaft dürfte LORTIC zukommen, der sich ganz besonders durch die -Wissenschaftlichkeit seiner Arbeiten auszeichnet. Jeder Einband ist in -dem Geist der Zeit, welcher das Werk angehört, streng durchgeführt; für -die jetzige Zeit hat er sich einen eigenen Stil des XIX. Jahrhunderts -gebildet. Bände von ihm werden bis mit 3000 Franken bezahlt. - -[Illustration] - - -[Illustration] - - VI. KAPITEL. - - DER STAAT UND DIE PRESSE IN FRANKREICH. - - DIE SCHÖPFER DER NEUERN TYPOGRAPHIE. - - DER STAAT UND DIE PRESSE unter Ludwig XVI., der Revolution, - Napoleon I., der Restauration, dem Bürgerkönigtum, Napoleon III. DIE - ÄLTEREN BUCHDRUCKEREIEN: Die Staatsdruckerei und die Didot in ihrem - Einflusse auf die Typographie, die Familien Panckoucke, Barbou, - Lottin, Treuttel & Würtz, Berger-Levrault, Dentu, Crapelet. - -[Sidenote: Die Presse unter Ludwig XVI.] - -Hätte die Liebe eines Königs für die Buchdruckerkunst genügt, um -diese in dessen Lande zum grössten Flor zu bringen, so müsste sie in -Frankreich unter Ludwig XVI. goldene Tage gehabt haben[98]. Ludwig war -noch als Kind durch Martin Lottin in der Kunst unterrichtet worden und -druckte als Dauphin, kaum zwölf Jahre alt, 1766 einen kleinen Band: -_Maximes tirées de Télémaque_. Auch Karl v. Artois, später Karl X., -besass Vorliebe für die Kunst und liess 1780-1784 bei dem älteren Didot -eine Sammlung von französischen Schriftstellern in 64 Bänden in 18. für -sich drucken, während Ludwig XVI. später die Sammlung _ad usum delphini_ -(zum Gebrauch für den Dauphin) ausführen liess. Mehr als in irgend einem -andern Lande hatten die Aristokraten Frankreichs sich es angelegen sein -lassen, Privatdruckereien zu errichten. Bereits während der Regierung -Heinrichs IV. besass der Kardinal Duperron eine Druckerei in Bagnolet -bei Paris, ebenso später Kardinal Richelieu auf Schloss Richelieu in -der Touraine. Der Kanzler d'Auguesseau; die Marquise von Pompadour; die -Dauphine Marie Josephe, Mutter Ludwigs XVI.; der Herzog von Burgund, -Bruder Ludwigs XVI., und manche andere Grossen waren Besitzer von -Privat-Offizinen. - - [98] P. DUPONT, _Histoire de l'Imprimerie, vol._ I. Paris 1854. - -- A. F. DIDOT, _Histoire de la Typographie_. Paris 1882. - (Abdruck aus der _Encyclopédie moderne_.) -- EDM. WERDET, _De la - Librairie Française_. Paris 1860. -- F. A. DUPRAT, _Histoire de - l'Imprimerie Impériale_. Paris 1861. -- ED. WERDET, _Histoire du - Livre en France_. 4 Bde. Paris 1861-62. - -[Sidenote: Die Revolutionszeit.] - -Im Jahre 1777 erliess Ludwig XVI. ein Gesetz zur Regelung des -litterarischen Eigentumsrechts, nach welchem jedoch alles auf -Privilegien beruhte, die, wenn einmal den Autoren erteilt, auch auf -die Erben derselben übergingen, jedoch, wenn in Buchhändlerhänden -befindlich, mit dem Tode des Verfassers erloschen. Wie alle Privilegien -fielen auch diese durch Beschluss der konstituierenden Versammlung vom -4. August 1789, nach welcher Zeit nun auch jeder, der einige Zentner -Schriften kaufte oder borgte und ein Patent zahlte, Buchdrucker werden -konnte. Selbst diese letzte Bedingung hörte 1793 auf, und die Zahl der -Buchdruckereien wuchs von den früheren 36 privilegierten auf 700. Die -Pressfreiheit war bereits durch die Verfassung vom 14. September 1791 -garantiert, nach welcher jeder das Recht erlangte, seine Gedanken ohne -vorherige Zensur schreiben, drucken und veröffentlichen zu können. Unter -dem Direktorium wurde wenigstens festgestellt, dass der Buchdrucker -seinen Namen auf alles, was er druckte, setzen, auch auf Aufforderung -den Namen des Verlegers nennen musste. - -Broschüren auf rötlich-grauem Papier mit Typen gedruckt, die mitunter -geradezu unleserlich waren, sind die hauptsächlichsten Produkte der -Revolutionszeit. Eins der lohnendsten Geschäfte war der Druck von -Assignaten, deren erste Emission im Betrage von 1200 Millionen am 19. -Dezember 1789 dekretiert wurde. Der Direktor der Königlichen Druckerei, -Anisson-Duperon, wurde mit der Ausführung betraut. Die späteren -Emissionen beschäftigten Tag und Nacht eine grosse Anzahl von Pressen. -Ende 1794 wurden auf einmal 40 Milliarden in Auftrag gegeben. - -[Sidenote: Das Konsulat.] - -Unter den Konsuln wurde 1797 die politische Tagespresse auf ein -Jahr unter Aufsicht der Polizei gestellt und später diese Anordnung -prolongiert. 1800 behielten sich die Konsuln das Recht der -Repressivmassregeln gegen diejenige Zeitungspresse vor, die sich etwa -gegen die Gesellschaft, die Regierung oder die Souveränität des Volkes -versündigte. Durch ein weiteres Dekret vom Jahre 1803 wurde bestimmt, -dass ein Exemplar jedes Buches dem Revisionsamte zur Durchsicht -übergeben werden sollte »zum Schutze der Freiheit der Presse« (!). - -Die Zeit war der letzteren nicht günstig. Die Zahl der Zeitschriften -verminderte sich und die 1790 vorhandenen 700 Buchdruckereien waren -auf 340 zusammengeschmolzen. Dafür begannen nun die älteren, gut -eingerichteten Offizinen an die alten Traditionen wieder anzuknüpfen. - -[Sidenote: Das Kaisertum.] - -Nach Begründung des Kaisertums beschäftigte sich Napoleon sehr mit -der Organisation des Buchhandels und der Buchdruckerei. Ein bekannter -Schriftsteller, Fievée, wurde mit dem Plane betraut. »Die Buchdruckerei« --- so argumentierte Napoleon -- »ist ein mit gefährlichen Waffen -gefülltes Zeughaus, das man ungern in den Händen des ersten besten -lässt. Die Buchdruckerei ist kein Handelszweig; es genügen deshalb -einfache Privilegien, um sie zu organisieren. Es handelt sich um einen -Stand, an dessen Gedeihen der Staat ein Interesse hat, letzterer muss -deshalb die Entscheidung in den Angelegenheiten dieses Standes haben. -Der Buchdrucker kann ein geschickter, selbst ein gelehrter Mann sein, er -ist aber kein Kaufmann und kein Fabrikant. Eben weil der Erfolg nicht -von ihm selbst, sondern von der Spekulation anderer abhängt, kann nur -eine gewisse Zahl von Buchdruckern existieren. Beschränkt der Staat -nicht die Zahl und leidet infolge davon der Buchdrucker Not, so kann -man nicht auf dessen rechtlichen Charakter zählen und die Druckkunst -ist eine zu furchtbare Waffe, um sie in den Händen von Notleidenden zu -lassen. Gut situierte Bürger sind weniger geneigt, gegen die Gesetze zu -handeln; es ist deshalb ebenso human als politisch richtig, die Zahl der -Buchdruckereien zu beschränken und aus demselben Grunde die Zahl der -Lehrlinge zu normieren.« - -[Sidenote: Direktion der Buchdruckerei.] - -Am 5. Februar 1810 erschien das Dekret, welches eine Direktion -der Buchdruckerei und des Buchhandels einrichtete. Die Zahl der -Buchdruckereien wurde in Paris auf 60 festgestellt, die unter den 3-400 -bestehenden gewählt werden sollten. Die bleibenden hatten die andern zu -entschädigen und waren verpflichtet, das Material der zu löschenden -Firmen anzukaufen. 4000 Franken, für die eine mehr, für die andere -weniger, wurden als Durchschnittsentschädigung bestimmt. Das _Brevet_ -war eine einfache Autorisation und schloss nicht, wie dies bis zum -XVIII. Jahrhundert der Fall gewesen war, die Garantie der geschäftlichen -Befähigung des Inhabers in sich. Strenge Massregeln in betreff der zu -führenden Geschäftsbücher wurden getroffen. - -[Sidenote: Privilegien.] - -Ein weiteres Dekret vom 11. Februar 1811 erhöhte die Zahl der -Buchdruckereien auf 80, das litterarische Eigentumsrecht wurde geregelt -und die Zensur in _optima forma_ eingeführt. Ein dem Ministerium der -Polizei beigegebenes _Bureau de l'esprit public_ sollte für Verbreitung -der Regierungsansichten und die Bearbeitung der öffentlichen Meinung -wirken. Jedes Departement durfte nur ein Journal haben, für jeden -Zeitungsbogen zahlte man 1 Centime Stempelgebühren. - -Im Jahre 1812 wurden die Privilegien auch für den Buchhandel eingeführt, -jedoch die Zahl der Buchhandlungen nicht beschränkt. Zensierte Werke -konnten nachträglich konfisziert werden, jedoch mussten die Druckkosten -ersetzt werden. Diese Bestimmung kam nur in einem einzigen Fall zur -Anwendung und zwar anlässlich des Werkes _De l'Allemagne_ der Frau von -Staël. - -[Sidenote: Napoleons Interesse für die Typographie.] - -Dass der Buchhandel und die Buchdruckerei sich unter der Regierung -Napoleons trotz des äusseren Glanzes nicht recht entwickeln konnten, -wird jeder verstehen. Unter den von der Regierung selbst hervorgerufenen -Werken steht obenan die _Description de l'Égypte_, das Resultat der -Thätigkeit der gelehrten Kolonie, welche Bonaparte mit nach Ägypten -geführt hatte. - -Hätte überhaupt die Typographie keine andere Aufgabe gehabt, als der -Wissenschaft zu dienen, so würde sie in Napoleon gewiss den grössten -Freund gefunden haben, denn ein Geist wie der seinige konnte den Verkehr -mit der Presse nicht entbehren. Selbst im ärgsten Kriegslärm mochte er -die Wissenschaft und die Litteratur nicht missen. - -[Sidenote: Beabsichtigte Feldbibliothek.] - -Bereits 1798 hatte er daran gedacht, eine Feldbibliothek herstellen -zu lassen, die ihm auf seinen Feldzügen folgen sollte, und 1808 den -Plan wieder in Bayonne aufgenommen. Als er bei seinem Aufenthalt in -Schönbrunn die Werke, die er mitzuführen gewünscht hatte, die aber -wegen des äusseren Umfangs zurückgeblieben waren, sehr vermisste, kehrte -er ernstlich zu der Idee einer Feldbibliothek zurück und diktierte am -12. Juni 1809 den Plan zu einer solchen, der seinem Bibliothekar Barbier -als Richtschnur unterbreitet werden sollte. - -Napoleon wollte eine Sammlung schön gedruckter und gut gebundener Werke -in kleinem Format mit kleinem Rand. »Er sei reich genug, um sich diesen -Wunsch erfüllen zu können.« Vorläufig wollte er 3000 Bände von je 4-500 -Seiten, hauptsächlich geschichtlichen Inhalts, die Bibel dürfe nicht -fehlen; wären diese 3000 Bände fertig, so könnten weitere 3000: Reisen, -Naturgeschichtliches, Unterhaltendes, folgen. Eine Anzahl gewiegter -Männer der Wissenschaft sollte die Redaktion besorgen und allen unnützen -Ballast über Bord werfen. - -Im November 1809 stattete Barbier seinen Bericht ab. Die Kosten für -die 3000 Bände waren bei einer Auflage von fünfzig Exemplaren auf vier -und eine halbe Million Franken berechnet. Würden jedoch 300 Exemplare -gedruckt und verkaufte man den Band zu fünf Franken, so entstände eine -Einnahme von etwa drei Millionen Franken. Man glaubte, täglich einen und -einen halben Band oder jährlich gegen 500 Bände liefern zu können. Die -Proben wurden gemacht -- und hierbei blieb es. - -[Sidenote: Kunstleistungen der Kaiserlichen Druckerei.] - -Ein seltenes Pracht- und Kunststück führte die Kaiserliche Druckerei -aus, als Papst Pius VII. anlässlich der Kaiserkrönung 1805 sich in Paris -aufhielt und die erwähnte Anstalt besuchte. Während dieses Besuches -druckten 150 Pressen die _L'oraison dominicale_ (das Vater unser) -in 150 Sprachen und der Direktor Marcel überreichte dem Papste das -Widmungsexemplar. - -Bei Gelegenheit der Geburt des Königs von Rom beschloss Napoleon den -Druck einer Sammlung in der Art der Ausgaben _ad usum delphini_. Mit der -Aufstellung des Katalogs war jedoch auch diese Sache zuende. - -Sozusagen beim Bivouac-Feuer entwarf Napoleon den Plan zu einer -Fortsetzung der _Histoire de France_ von Velly, durch den Abbé Halma, -den Bibliothekar der Kaiserin. Schliesslich darf nicht das wichtigste -Werk der ganzen Zeitperiode, das dem Kaiser so viel zu verdanken hatte, -der _Code Napoléon_, vergessen werden. - -Als das Unglück über den Kaiser hereinbrach, konnte es nicht fehlen, -dass die Presse im geheimen stark gegen ihn arbeitete und dass die -Massregeln gegen dieselbe noch verschärft wurden. Während der Hundert -Tage, als er die Presse brauchte, wollte er die von Ludwig XVIII. -bereits zugesagte Pressfreiheit gewähren und ein Dekret vom 24. März -1815 hob die Zensur auf. Waterloo machte das Dekret zu einem toten -Buchstaben. - -[Sidenote: Die Restauration.] - -Das erste Kaiserreich hatte dem Buchgewerbe die goldene Zeit nicht -gebracht. Günstiger waren die Auspizien bei Beginn der Restauration. Der -Artikel VIII der Charte sicherte allgemeine Pressfreiheit zu. Es dauerte -jedoch kaum einen Monat, als die Repressionsmassregeln wieder begannen. -Unter anderem konnten die Zeitschriften nur mit Autorisation des Königs -erscheinen. Bei Übertretungen der Gesetze stand das Zurückziehen des -Brevets in Aussicht. - -[Sidenote: Julirevolution.] - -Wir können nicht der Geschichte der Massregelungen gegen die Presse -durch alle ihre Phasen Schritt für Schritt folgen. Zensur, Kautionen, -Suspensionen, eine etwas grössere oder kleinere Portion Pressfreiheit -folgten in schnellem Wechsel unter der Herrschaft Ludwigs XVIII. Die -Regierung Carls X. fing für die Presse etwas milder an, aber das -projektierte Pressgesetz vom 29. Dezember 1826 übertraf an Schärfe -alles bisherige, wurde jedoch von der Pairskammer abgelehnt, die sich -diesmal liberaler als die Deputiertenkammer zeigte. Nichtsdestoweniger -wurde gegen Buchdrucker, Buchhändler und Journalisten mit grosser -Strenge verfahren. Die Prozesse häuften sich; nicht allein wirkliche -Pressvergehen, sondern selbst unbedeutende Formfehler wurden -unnachsichtlich und schwer bestraft. Die Massregeln schlossen mit den -berüchtigten Ordonnanzen Polignacs vom 25. Juli 1830, die das Ende -der Regierung Carls X. herbeiführten. Trotz der Verfolgungen gegen -die Presse behielt doch der letzte der Bourbonen seine Liebe für die -Druckkunst bei und zeichnete öfters die Vertreter derselben persönlich -aus, liess auch manche grosse Unternehmungen durch Subskription der -Ministerien unterstützen. - -Leider vergingen die blutigen Julitage nicht ohne grobe Unordnungen -seitens der typographischen Arbeiter, welche in mehreren Druckereien die -Schnellpressen zerstörten. Jedoch die Masse der Arbeiter trat gegen die -Unruhestifter auf und eine Proklamation Firmin Didots an die Arbeiter -trug sehr viel zur Beruhigung derselben bei. - -[Sidenote: Das Bürgerkönigtum.] - -Die neue Charte vom 14. August 1830 brachte wieder Pressfreiheit und -»ewige« Aufhebung der Zensur. Die Lage der Buchdrucker und Buchhändler -ward durch die allgemeine Krisis eine sehr schwierige und die Folgen -der Überproduktion zeigten sich in trauriger Weise. Die Regierung that, -was sie konnte, um die Kalamität zu mildern und gewährte Anleihen. -Benj. Constants Antrag auf Freigebung der Buchdruckerei und des -Buchhandel-Gewerbes scheiterte zwar, die gesetzlichen Bestimmungen -wurden jedoch vielfach umgangen, indem man Zessionen an Nichtfachleute -zuliess und die Gründung von _Succursales_ gestattete, die unter -Verantwortlichkeit von Brevetinhabern von anderen betrieben wurden. Auch -entstanden in der nächsten Umgebung von Paris Druckereien, die recht -wohl mit den brevetierten konkurrieren konnten. Mehrere Druckereien -änderten sich in Aktienunternehmungen um und nahmen kolossale -Dimensionen an. - -Die Lage der Journale war sehr erleichtert; man benutzte aber keineswegs -die Freiheit mit der notwendigen Mässigung, so dass ein beschränkendes -Gesetz am 9. September 1835 erlassen wurde, das von der Regierung jedoch -mit Schonung gehandhabt wurde. - -Ludwig Philipp selbst war, wie die Bourbonen es gewesen, ein Freund der -Buchdruckerkunst. Mag er auch sonst als recht sparsam gegolten haben, in -Bezug auf die Erzeugnisse der Presse zeigte er sich freigebig und liess -mehrere grosse Unternehmungen auf seine Kosten drucken. Die Korrekturen -las er dann selbst und las sie sehr gut. - -[Sidenote: Die Revolution von 1848.] - -[Sidenote: Das zweite Kaiserreich.] - -Bekanntlich nahm das Bürgerkönigtum am 24. Februar 1848 ein jähes Ende. -Die provisorische Regierung zählte mehrere Männer der Wissenschaft und -der Presse unter ihren Mitgliedern. Ihre Freunde fanden Anstellung -in der Administration; es war also natürlich, dass die Presse mit -Wohlwollen behandelt wurde. Der Zeitungsstempel, die Kautionen und -das strenge Pressgesetz vom 9. September 1835 wurden aufgehoben. Eine -Unmasse von Journalen entstand, die Vorteile aus dem Druck fielen jedoch -nur einigen wenigen grossen Zeitungsdruckereien zu, die eigentlichen -Werk- und Accidenzdruckereien litten Not und fast der dritte Teil -der Arbeiter war brotlos. Während der Zeit der am 10. November 1848 -begonnenen Präsidentschaft Louis Napoleons und des Kaiserreichs -Napoleons III. hob sich das Druckgeschäft wieder, aber es traten -selbstverständlich strengere Überwachungsmassregeln ein. Im Jahre 1852 -wurde die _Direction générale de l'Imprimerie et de la Librairie_ -ins Leben gerufen, welche Massregel im allgemeinen mit Befriedigung -aufgenommen wurde. - -Das neue Pressgesetz vom 17. Februar 1852 gab der am 2. Dezember 1852 -eingesetzten kaiserlichen Regierung eine furchtbare Waffe in die Hände, -denn es hing alles von der Art der Ausführung des Gesetzes ab. Napoleon -III. liebte die Buchdruckerkunst gleich seinen Vorgängern, und er selbst -suchte, wie bekannt, schriftstellerischen Ruhm. Für den äusseren Glanz -der Typographie namentlich durch die Weltausstellungen, auf welchen das -französische Buchgewerbe stets in würdigster Weise vertreten war, war er -eifrigst besorgt. - -Jetzt ist die Republik im Besitz des liberalen Pressgesetzes vom 29. -Juli 1881[99]. - - [99] _Loi sur la liberté de la Presse, 29. Juli 1881._ -- A. FAIVRE, - _Code manuel de la Presse 1881._ Paris. -- _Loi de 1881 sur la - Presse avec observations par H. Celliez et Ch. le Senne._ Paris - 1881. - - * * * * * - -Wie die französischen Regierungen, mögen sie Namen geführt haben -wie sie wollten, fortdauernd und mehr als gut war sich mit der -Stellung der Presse zum Staate beschäftigten, so setzten sie auch -ihre direkte Beeinflussung der technisch-gewerblichen Verhältnisse -der Buchdruckerkunst durch die Staatsdruckerei fort, welche jedoch -mehr und mehr sich von ihrem schönen Ziel, der Veredelung der Kunst, -entfernte, um in die Reihe der brotsuchenden Anstalten zu treten und den -Privatdruckereien Konkurrenz zu machen. - -[Sidenote: Staatsdruckerei.] - -Die STAATSDRUCKEREI[100] stand seit dem 1723 erfolgten Rücktritt Claude -Rigauds 71 Jahre lang unter der Direktion von Mitgliedern der Familie -Anisson. Die Ernennung des letzten derselben, ÉTIENNE ALEX. JACQ. -ANISSON DUPERON, zum Direktor geschah 1789. - - [100] Vergl. I, S. 208-211. In dem Folgenden ist, bei dem - fortwährenden Wechsel der offiziellen Benennung je nach dem - Wechsel der Regierungsform, die Bezeichnung »Staatsdruckerei« - angenommen. -- Ausser DUPRATS Werk (S. 163) vgl. A. J. BERNARD, - _Notice historique sur l'Imprimerie nationale_. Paris 1848. - -- V. GOUPY, _L'Imprimerie nationale et sa Collection de - Types orientales_. Paris 1874. -- A. BERNARD, _Histoire de - l'Imprimerie Royale du Louvre_. Paris 1867. - -[Sidenote: Erwerbungen unter Ludwig XV.] - -[Sidenote: L. Luce [+] 1773.] - -Bedeutend waren die Fortschritte während der Regierungszeit Ludwigs -XV. nicht. Für die Summe von 100000 Livres erfolgte 1773 die Erwerbung -der aus 15 Graden bestehenden neuen Antiqua und Cursiv, welche der -königliche Graveur LOUIS LUCE in den Jahren 1740-1770 geschnitten -hatte, zugleich seiner gothischen und Schreibschriften, sowie seiner -zahlreichen Vignetten und Ornamente. Diese neuen Schriften Luces waren -ganz anders gehalten als die von Ludwig XIV. veranlassten. Luce wollte, -wie er selbst sagte, etwas von dem Vorhandenen ganz Verschiedenes -schaffen, was ihm auch, jedoch nicht zum Vorteil der Sache, gelang. Die -Schriften sind sehr schmal gehalten, es fehlen ihnen die besonderen -Kennzeichen (I, S. 210) der Schriften der Staatsdruckerei. Sein -Nachfolger als königlicher Graveur war Fagnion. - -Eine weitere Acquisition bestand in einer Sammlung der Vignetten Jean -Papillons (I, S. 200). Sie hat, wie die Sammlungen von Luce, zwar den -Wert des historischen Museums der Anstalt sehr erhöht; für die Praxis -waren diese Vermehrungen bei den Fortschritten der Kunst ohne Interesse. - -[Sidenote: Einfluss Ludwigs XVI.] - -Ludwig XVI. begünstigte ebenfalls die Staatsdruckerei und liess die -kleinen Offizinen in den Tuilerien und in Versailles unter die Direktion -derselben stellen. Das Verhältnis des Direktors zu der Anstalt war ein -ziemlich kompliziertes. Er war nicht ein einfacher, fest salarierter -Beamter, sondern zu einem wesentlichen Teil gingen die Arbeiten für -Rechnung des Direktors, wurden nach der Taxe bezahlt und mit einem dem -Direktor selbst gehörenden Material ausgeführt. Wie bedeutend dieses -war, geht aus der später zu erwähnenden Auseinandersetzung mit der Witwe -Anisson hervor, wobei es sich um eine Summe von einer halben Million -Livr. handelte. Staatseigentum waren hauptsächlich nur die Stempel und -Matern der Schriften, ausserdem vielleicht 10000 Pfund Schrift und etwa -ein Dutzend Pressen. - -[Sidenote: Zustande während der Revolution.] - -Nach dem Ausbruch der Revolution begann eine unerfreuliche Periode für -die Staatsdruckerei. Die wissenschaftlichen und die administrativen -Arbeiten traten in den Hintergrund, die Hauptbeschäftigung war der -Druck der vielen Gesetze und Dekrete, der ebenfalls auf Rechnung des -Direktors ging, welcher die Zahl der Pressen fast auf 100 vermehren und -bei der Unzulänglichkeit der Lokalitäten im Louvre zwei _Succursales_ -errichten musste. - -[Sidenote: Der Assignaten-Druck.] - -[Sidenote: E. A. J. Anisson [+] 1794.] - -Zu diesen Arbeiten kam noch die Ausführung von 1200000 Stück -Assignaten[101]. Doch dies war nur ein Tropfen ins Meer. Bereits am 30. -Sept. 1790 wurde eine neue Emission von 800 Millionen Livres, bestehend -in 3060000 Stück, beschlossen. Anisson verlangte für die Ausführung -100000 Livres; Didot erklärte sich bereit, die Lieferung für 22000 -Livres zu übernehmen. Dies verursachte grosse Misstimmung gegen Anisson. -Indes sprach manches zu dessen Rechtfertigung, da die Ausführung, welche -von Didot verlangt wurde, eine weit einfachere als die frühere und Didot -inzwischen in Besitz der Stereotypie gelangt war (S. 152). Doch kam es -noch nicht zum Bruch und man bewilligte ihm auf seine Vorstellungen -sogar einen höheren Tarif als den bisherigen für seine Arbeiten. Es -war jedoch nicht angenehm, Männer wie Marat und Pétion zu persönlichen -Feinden zu haben. Auf Antrag des letzteren ward Anisson am 8. Oktober -1792 verhaftet, wozu der, angeblich gegen seine Instruktion erfolgte -Druck eines Dekrets als plausibler Vorwand dienen musste. Aus seinem -Gefängnis schlägt er dem Sicherheits-Ausschuss vor, seine Direktorstelle -aufzugeben und der Öffentlichkeit sein auf 499036 Livres taxiertes -Material käuflich zu überlassen. Dieser Vorschlag wurde jedoch nicht -angenommen. Anisson starb 1794 auf dem Schafott. Sein Eigentum ward mit -Sequester belegt und erst nach langen Verhandlungen fand ein Vergleich -mit der Witwe statt. - - [101] Die 300-Livres-Noten tragen als Jahreszahl 1090 statt 1790, man - ging jedoch darüber hinweg. - -[Sidenote: Die Druckerei in Ägypten.] - -Als ein denkwürdiges Ereignis in der Geschichte der Staatsdruckerei -während der Republik ist die bereits oben kurz erwähnte Einführung der -Druckerei in Ägypten zu verzeichnen. Bereits nach der Eroberung Italiens -hatte Bonaparte die Errichtung zweier Druckereien, einer griechischen -und einer arabischen, auf den Ionischen Inseln verlangt und, als er nach -Ägypten gezogen war, die Einrichtung einer umfangreicheren Buchdruckerei -dort gefordert. Der damalige Direktor der Staatsdruckerei DUBOY-LAVERNE -beauftragte den Orientalisten Langlès mit der Ausführung. Die Sache -ging aber Bonaparte nicht rasch genug und er beschuldigte die Genannten -der mutwilligen Verzögerung. Er verlangte Erlass einer Ordre, »die -griechischen Schriften, mit welchen der Xenophon gedruckt werde, sofort -zu verpacken. Xenophon könne ohne Schaden drei Monate warten, bis wieder -neue Schriften fertig wären«. - -[Sidenote: J. J. Marcel.] - -An die Spitze der ägyptischen Druckerei wurde ein tüchtiger Arabist J. -J. MARCEL, später Direktor der Staatsdruckerei, gestellt. Die Offizin -wurde in dem Hause des griechischen Konsuls in Alexandrien eingerichtet, -dann nach Kairo und Gizeh gebracht. Ausser den dienstlichen Arbeiten -druckte die Anstalt _Le Courrier de l'Égypte_ und etwa ein Dutzend -belehrende Schriften in arabischer Sprache. Auch in Pondichery auf der -Küste Koromandel in Ostindien wurde eine französisch-persische Druckerei -durch Vermittelung der Staatsdruckerei angelegt. - -Nach Rückkehr der Franzosen aus Ägypten wurde beschlossen, die -Arbeiten der, zugleich mit der Armee entsendeten wissenschaftlichen -Expedition herauszugeben. Eine Kommission von acht angesehenen Gelehrten -wurde ernannt, um die Redaktion zu besorgen, und es entstand in der -Staatsdruckerei eines der hervorragendsten Druckwerke aller Zeiten, die -_Description de l'Égypte_ in neun Foliobänden mit Text und vierzehn -mit Kupfern und Karten, das erst 1809 vollendet wurde. Von bedeutenden -Werken der Staatsdruckerei aus der Zeit der Republik sind noch die -umfangreichen Reisewerke von La Pérouse, Marchand, Vancouver, Millins -_Monumens antiques_ u. a. zu nennen. - -Im Jahre 1800 war der Beschluss gefasst worden, dass von den in der -Staatsdruckerei ausgeführten Werken 200 Exemplare dem Ministerium des -Innern zur Disposition gestellt werden sollten, damit dieses sie im -Interesse der Wissenschaft und der Aufklärung zweckmässig verteile. - -[Sidenote: Orientalische Schriften.] - -Die orientalischen Schriften waren in Ordnung gebracht, mehrere neue -geschnitten und der Raub der Schriften der Propaganda in Rom hatte -diesen Zweig der Typographie ausserordentlich bereichert. Das Lokal war -nach dem Hôtel Penthièvre verlegt worden. - -Man sieht aus dem obigen, dass die Zeit der Republik in Waffen doch -keine ganz verderbliche für die Staatsdruckerei gewesen war, die vieles -dem 1801 verstorbenen Direktor Duboy-Laverne zu verdanken hat. - -[Sidenote: Umzug.] - -Der Kaiser widmete der Anstalt noch mehr Aufmerksamkeit als der Konsul. -Die Administration wurde geordnet, Pensionskassen eingerichtet und die -Arbeiten nach Tarifen reguliert. Ein Umzug fand 1809 nach dem _Hôtel -Soubise_ mit dessen Annex _Palais Cardinal_ (Rohan) statt. 1811 wurden -die orientalischen Schriften, allerdings wieder durch Raub, mit den -Stempeln und Matern der Druckerei der Medici in Florenz vermehrt. In -demselben Jahre erhielt Didot den Auftrag, das Schriftensystem nach -dem inzwischen eingeführten Metermass umzuändern und neue Schriften zu -schneiden, doch wurde dieses Vorhaben wegen der Kostspieligkeit nicht -zuendegeführt. Ein grosses Prachtwerk _Rélation des cérémonies du sacre -et du couronnement, etc. de Napoléon_ wurde 1812 angefangen und erst -während der Hundert Tage vollendet, 1813 erteilte der berühmte Gelehrte -Silvestre de Sacy den Eleven der Anstalt Unterricht in orientalischen -Sprachen, um tüchtige Setzer zu bilden. - -Ausser den erwähnten sind noch unter den bedeutenden Erscheinungen der -Staatsdruckerei zu nennen die _Statistique de la France_, Fol., 1804; -_Recherches asiatiques_ 1805 und de Guignes _Dictionnaire chinois_, -Fol., 1813. - -[Sidenote: Die Zeit der Restauration.] - -Mit alledem waren die Kriegszeiten doch im ganzen keine glücklichen für -die Entwickelung der Staatsdruckerei. Am 15. April 1814 verschwand der -kaiserliche Adler als Insigne und mit diesem auch verschiedene Schätze -der Anstalt, da, nach den Bestimmungen des Pariser Friedens, die den -Offizinen der Propaganda und der Medici geraubten Stempel zurückzugeben -waren. Doch geschah dies nicht vollständig, und von den Stempeln behielt -man Abschläge zurück, sodass die Vollständigkeit der Anstalt eigentlich -nicht litt. - -[Sidenote: Reorganisation Anisson-Duperon.] - -Ludwig XVIII. bestimmte durch ein Dekret vom 28. Dezember 1814, dass -vom 1. Januar 1815 ab die Arbeiten für Rechnung des Staates mit ganz -wenigen Ausnahmen aufhören sollten und dass es den verschiedenen -Ministerien zu überlassen sei, ihre Arbeiten nach bestem Ermessen auch -an Privatdruckereien zu vergeben. Das Inventar sollte dem Direktor zur -Disposition gestellt werden, Schriften und Abschläge konnte er unter -festgesetzten Bedingungen verkaufen. Marcel wurde in Ruhestand versetzt -und der Sohn des hingerichteten Direktors ANISSON, vielleicht als -Ersatz für die seiner Familie zugefügte Unbill, zum Vorstand gewählt. -Da kamen die Ereignisse vom 20. März 1815 und das Kaiserreich der -Hundert Tage warf alles über den Haufen, damit es nach drei Monaten -wieder eingeführt werde. Anisson liess von JACQUEMIN neue Schriften -nach englischen Mustern schneiden. Dies missfiel der Regierung und da -überhaupt die neue Einrichtung sich wenig zuträglich zeigte, versuchte -eine Ordonnanz vom 23. Juli 1823 den ungefähren Standpunkt des -kaiserlichen Dekrets von 1809 wiederherzustellen. - -[Sidenote: Villebois.] - -Zum Chef des Instituts wurde E. DE VILLEBOIS ernannt. Er führte wieder -Präzision in der Administration ein und liess von MARCELIN LEGRAND 16 -Grade Antiqua und Cursiv mit einem Aufwande von 39200 Franken schneiden. -Eine gelehrte Kommission sollte die Ausführung der Schriften überwachen, -hatte aber, wie es mit Kommissionen gewöhnlich der Fall ist, mehr -hemmend als fördernd gewirkt. Das erste Werk, welches mit den neuen -Typen gedruckt wurde, war Raoul-Rochettes _Monumens inédits d'antiquité -figurée_ in gross Folio 1828. - -[Sidenote: Orientalische Sammlung.] - -[Sidenote: Neuerungen.] - -Bereits 1824 hatte Ludwig XVIII. die Herausgabe der seit lange -beabsichtigten Sammlung orientalischer Werke angeordnet, die Anfänge -konnten jedoch erst 1832 nach der Julirevolution gemacht werden. 1828 -fasste man auch das Herz, Schnellpressen einzuführen, wogegen man sich -lange gesträubt hatte. Zumteil beruhte diese Zögerung wohl in humanen -Gründen, da man keinem Arbeiter den Abschied geben wollte; teils -lag vielleicht auch ein gewisser Stolz zugrunde; man wollte, wie es -scheint, die Maschine nicht als der Handpresse ebenbürtig anerkennen. -Die verschiedenen Ministerien beschwerten sich über die teueren Preise, -man entschloss sich deshalb, zuerst die Preise nur so zu berechnen, als -wären die Arbeiten auf Maschinen gedruckt. Doch es half nichts, man -musste sich den Forderungen der Zeit fügen und im Jahre 1829 wurden -96000 Franken zur Anschaffung von Schnellpressen angewiesen, die jedoch -während der Revolutionstage 1830 von eindringenden Arbeitern teilweise -demoliert wurden. - -Villebois hatte das Schicksal seines Gönners, des Ministers de -Peyronnet, und wurde entlassen. Unter den Werken aus der Zeit der -Restauration sind noch zu nennen: Caillauds _Voyage à l'oasis de -Thèbes_, Folio, 1821; Silvestre de Sacy, _Les Séances de Hariri_, 1822; -Freycinet, _Voyage autour du Monde_, 4°, 1826, und das vorzügliche -_Album typographique de l'Imprimerie Royale_, 1830. - -[Sidenote: Pierre Lebrun.] - -Am 15. September 1831 wurde der Posten Villebois' definitiv dem -Akademiker PIERRE LEBRUN übertragen, nachdem diese Stellung, wie man -sagt, erst Béranger[102], dann bestimmt Ambroise Firmin Didot angeboten -worden war. Letzterer erklärte sich bereit, die Stelle anzunehmen, -wenn allein diejenigen Arbeiten, deren Ausführung durch den Staat -sicherheitshalber notwendig war, von der Staatsdruckerei übernommen, -alle anderen jedoch der Privatkonkurrenz überlassen würden; wenn man die -seltenen Schriften an Buchdrucker zu billigen Preisen ablassen wollte, -und schliesslich, wenn es nicht nötig sei, dass er Gehalt annähme. Die -Gründe, weshalb man darauf nicht eingehen konnte, lagen klar am Tage -und es war wohl auch Didot mehr darum zu thun, die Grundsätze laut -auszusprechen, die er für die von einer Staatsanstalt einzig richtigen -hielt, als den Direktorposten anzunehmen. - - [102] Pierre Jean de Béranger (* 1780, [+] 1857) lernte die - Buchdruckerei bei Laisnez in Péronne und arbeitete dort zwei - Jahre. Während dieser erschienen seine ersten Gedichte, die mit - solchem Beifall aufgenommen wurden, dass er den Winkelhaken - beiseitelegen konnte. - -Wennauch kein Fachkundiger, suchte Lebrun doch mit Eifer sich die -nötigen Kenntnisse zu erwerben und der Anstalt nützlich zu sein. Von -der erwähnten orientalischen Kollektion wurden drei Werke in Angriff -genommen: Raschid-Eddins Geschichte der Mongolen in Persien, _Bhâgavata -Pûrana_ und Firdusis Buch der Könige. Die Werke wurden streng im -orientalischen Stil mit Ornamenten in Gold- und Farbendruck ausgeführt. -Neue orientalische Schriften wurden von Marcelin Legrand, Delafond, Ramé -_père_, Loeulliet unter Aufsicht berühmter Orientalisten geschnitten und -die Didotschen Schreibschriften erworben. Auch bauliche und technische -Verbesserungen wurden vorgenommen und die Lithographie eingeführt, durch -die namentlich vorzügliche geologische Karten geliefert wurden. - -[Sidenote: Die Februar-Revolution.] - -Die Februarrevolution hatte manche Unordnungen zur Folge, welche Lebrun -veranlassten, seine Stelle niederzulegen, die im Jahre 1850 definitiv -SAINT-GEORGES übertragen wurde. Dieser behauptete die Ehre der Anstalt -auf verschiedenen Weltausstellungen. Für die in Paris 1855 abgehaltene -wurde mit allen Raffinements der graphischen Künste eine Prachtausgabe -der Nachfolge Christi lateinisch mit der poetischen Paraphrase -Corneilles gedruckt. - -[Sidenote: Angriffe gegen die Staatsdruckerei.] - -Die Staatsdruckerei ist zwar bereits seit der ersten Revolution -fortwährend Gegenstand der Angriffe gewesen, es haben diese jedoch in -jüngster Zeit an Heftigkeit zugenommen. Man hält die Konkurrenz der -Anstalt mit der Privatindustrie nicht allein für unnötig, sondern für -sehr schädigend. Zur Hebung der Kunst sind solche Anstalten nicht mehr -nötig. Was Didot aussprach, denkt gewiss Jeder: Eine Staatsanstalt soll -nicht den Steuerzahlenden unnötige Konkurrenz machen. Die Typographie -ist mündig geworden und bedarf keines öffentlichen Mentors. - - * * * * * - -[Sidenote: Die Familie Didot.] - -Noch in einem höheren Grade als das Wirken der Staatsdruckerei war in -dem ganzen Abschnitt der Buchdrucker-Geschichte Frankreichs von 1750 bis -auf den heutigen Tag das Vorgehen der Familie Didot massgebend[103]. -Während die Buchdruckerei als Kunst und der höhere Buchhandel in der -Revolutionszeit gänzlich darnieder lagen, waren die Didot fast die -einzigen, die unentwegt und unbekümmert um den ringsum tosenden Sturm -die Flagge Gutenbergs stolz vom hohen Mast wehen liessen. - - [103] G. BRUNET, _Firmin Didot et sa Famille_. Paris 1870. -- E. PITOU, - _La Famille Didot_. 1856. -- E. WERDET, _Études - bibliographiques_ 1713-1864. -- A. F. DIDOT, _Histoire de la - Typographie_. Paris 1882. - -Das ganze Sein dieser Familie ist von einem so edlen Geist durchdrungen; -alles, was sie geschaffen hat, trägt so sehr den Stempel der -Gediegenheit, dass der Name Didot noch langezeit als Stern erster Grösse -glänzen wird. - -Zudem besitzen alle Unternehmungen dieser Firma neben den Vorzügen -des französischen Charakters auch das Gepräge einer echt germanischen -Wissenschaftlichkeit und Gründlichkeit, wie auch manche der -hervorragendsten Werke ihrer Pressen unter Mitwirkung deutscher -Gelehrten durchgeführt wurden. Schliesslich ist die Verbindung dieses -Hauses mit Deutschland seit langen Jahren eine weit innigere, als -es sonst seitens französischer Firmen der Fall zu sein pflegt. Das -alles macht, dass der deutsche Gewerbsgenosse sich dieser Familie -näher stehend fühlt als den übrigen hervorragenden Repräsentanten der -graphischen Gewerbe in Frankreich. - -[Sidenote: François Didot * 1689, [+] 2. Novbr. 1757.] - -Der Stammvater des Hauses war FRANÇOIS DIDOT aus Paris (1713). Schon -er machte sich bekannt durch seine vielen wichtigen Unternehmungen, -darunter die _Histoire générale des Voyages_ von Abbé Prevost in 20 -Quartbänden mit einer grossen Anzahl von Kupfern und Karten. François -Didot hatte elf Kinder, von welchen François Ambroise und Pierre -François den Beruf des Vaters ergriffen. Zwei seiner Töchter waren an -berühmte Buchhändler, Guillaume de Bure und Jacques Barrois in Paris, -verheiratet. Als Druckerzeichen nahm er die goldene Bibel an und sie ist -es auch bis auf heute geblieben. - -[Sidenote: Ambr. F. Didot * 7. Jan. 1730, [+] 10. Juli 1804.] - -Dem AMBROISE FRANÇOIS verdankt Frankreich die Einheitlichkeit -seines Schriftsystems (S. 145), die Freiheit und Eleganz seines -Schriftschnittes, daneben die Vervollkommnung des Velinpapieres und -die Einführung der Druckerpresse mit nur einem Zuge. Unter seinen -Druckwerken sind hervorzuheben die früher schon erwähnte _Collection -d'Artois_, eine Sammlung von Romanen in 64 Bänden, ferner die Sammlungen -von französischen Klassikern in 18°, 8° und 4°, welche, wie ebenfalls -erwähnt wurde, im Auftrage des Königs Ludwig XVI. zum Unterrichtszwecke -für den Dauphin gedruckt wurden. - -[Sidenote: Pierre F. Didot * 9. Juli 1732, [+] 7. Dezb. 1793.] - -Der Bruder PIERRE FRANÇOIS leistete bedeutendes als Buchdrucker, -Buchhändler, Papierfabrikant und Schriftgiesser, führte viele -Verbesserungen in der letzteren Branche ein und legte die berühmte -Papierfabrik in Essonnes an. - -[Sidenote: Pierre Didot * 21. Jan. 1760, [+] 31. Dez. 1853.] - -PIERRE, der älteste Sohn Ambr. François', übernahm 1789 die Druckerei -des Vaters und zeichnete sich so aus, dass seine Offizin im Louvre -installiert wurde. Hier druckte er mit Schriften, die sein Bruder -Firmin geschnitten hatte, die prachtvollen sog. LOUVRE-Ausgaben: den -Virgil in Folio mit 23 Kupfern (1798); den Horaz in Folio (1799); den -Racine, drei Bände in Folio mit 57 Stichen (1801-5), die Fabeln des -La Fontaine. Die Jury der damaligen Ausstellung in Paris erklärte den -Racine für das vollkommenste typographische Erzeugnis aller Zeiten. -Noch manche andere grossartige Werke, z. B. Viscontis griechische und -römische Iconographie; Denons Reise in Ägypten; Nodiers malerische Reise -im alten Frankreich, und die berühmte Oktav-Ausgabe der französischen -Klassiker »für Freunde der Typographie«, die dieser Bezeichnung -vollständig würdig war, gingen aus seinen Pressen hervor. - -[Sidenote: Jules Didot * 5. Aug. 1794 [+] 18. Mai 1871.] - -Sein Sohn JULES spielte eine zeitlang eine glänzende Rolle, die jedoch -keinen Bestand hatte. Mit grossen Kosten hatte er eine bedeutende -Offizin in Brüssel gegründet, die nicht gedeihen wollte und von der -Regierung als Grundlage einer Staatsdruckerei erworben wurde. Nach Paris -zurückgekehrt, errichtete Jules Didot ein ausgedehntes Etablissement, in -welchem er eine grosse Zahl vorzüglich schöner Ausgaben alter und neuer -Schriftsteller für verschiedene Pariser Verleger druckte. Im Jahre 1823 -erhielt er auf Grund einer Prachtausgabe von Phädrus' Fabeln, in Folio -auf Seide gedruckt, und anderer schöner Arbeiten die goldene Medaille. -Geschäftliche Misserfolge zerstörten jedoch vollständig seine bereits -geschwächten Geisteskräfte. - -[Sidenote: Firmin Didot * 14. April 1764, [+] 24. April 1836.] - -FIRMIN DIDOT, der zweite Sohn Ambroise François', hielt als Buchdrucker -und namentlich als Schriftgiesser und Schriftschneider den berühmten -Namen des Vaters in Ehren. Seine Schreibschriften (1806) liessen alles -Dagewesene weit hinter sich, und seine Antiquaschriften, mit welchen -sein Bruder Pierre die erwähnten Louvre-Ausgaben druckte, gelten -als die musterhaftesten. Er verbesserte (1795) ganz wesentlich die -Stereotypie und stereotypierte fast alle französischen, italienischen -und englischen Klassiker in 18°-Ausgaben, die durch ihre Korrektheit -und Billigkeit bekannt wurden. Der Virgil, fehlerfrei und mit -Vignetten illustriert, kostete 15 Sous. Später acceptierte er die -vorzügliche Stanhopesche Methode. Ausserdem druckte er eine grosse -Anzahl Prachtausgaben, darunter (1817) die Lusiaden und die Henriade. -Er ward Mitglied der Akademie und des Instituts und 1834 königlicher -Buchdrucker. Das Geschäft Didots war ein Sammelplatz von Notabilitäten -Frankreichs und des Auslandes. Im Jahre 1814 besuchte Kaiser Alexander -seine Offizin und liess zwei junge Russen zurück, um bei ihm zu -lernen. Sein Haus war überhaupt eine Bildungsschule der Typographie, -aus welcher Renouard, Paul Dupont, Claye, Rignoux, Brun und andere, -später berühmte französische Buchdrucker hervorgingen, ebenso die drei -ersten Buchdrucker Griechenlands: Coromilas, Dobras, Apostolidès, sowie -viele Missionsbuchdrucker. Um sich ganz dem öffentlichen Leben zu -widmen, überliess er im Jahre 1827 seinen Söhnen das Geschäft. Auch als -tüchtiger Schriftsteller war Firmin Didot bekannt. - -Eine der Töchter Pierre François' heiratete Bernardin de Saint-Pierre, -welcher eine zeitlang bei der Papierfabrik in Essonnes beteiligt war, wo -er _Paul et Virginie_ schrieb. Von seinen drei Söhnen sind namentlich -Henry und Didot Saint-Léger zu erwähnen. - -[Sidenote: Henry Didot * 15. Juli 1765, [+] 1852.] - -HENRY DIDOT that sich als Schriftschneider, Schriftgiesser und -Mechaniker rühmlichst hervor. Noch in einem Alter von 66 Jahren schnitt -er für seine »mikroskopischen« Ausgaben, z. B. von Horaz, Rochefoucauld -u. a., seine _nec plus ultra_-Schrift. Um dieselbe giessen zu können, -musste ein neues Giessinstrument erfunden werden, welches Henry Didot -_polyamatype_ nannte, in welchem 160 Buchstaben auf einmal gegossen -wurden. - -[Sidenote: Didot St.-Léger.] - -Der Bruder Henrys, bekannt unter dem Namen DIDOT SAINT-LÉGER, dirigierte -die Papierfabrik in Essonnes. Seiner Verdienste um die Papierfabrikation -wurde bereits (S. 161) gedacht. - -Firmin Didot hatte drei Söhne: Ambroise Firmin, Hyacinthe und Firmin -Frédéric (gest. 1836). - -[Sidenote: Ambr. F. Didot * 20. Dez. 1790, [+] 24. Febr. 1876.] - -AMBROISE FIRMIN genoss eine ausgezeichnete Erziehung und legte sich -mit besonderem Eifer auf griechische Sprache und Litteratur. Er machte -Reisen in Kleinasien, Syrien, Palästina und Ägypten und war eine -zeitlang Attaché bei der französischen Gesandtschaft in Konstantinopel. -Nach der Erhebung Griechenlands zeichnete er sich als einer der -eifrigsten Förderer der griechischen Sache aus. Er schenkte unter -anderem Griechenland die erste Buchdruckerei. Die Bürgerschaft von Athen -hat in dankbarer Erinnerung der Verdienste Didots noch in letzter Zeit -einer Strasse in Athen den Namen Didot-Strasse beigelegt. - -[Sidenote: Ambr. F. Didot.] - -Im Verein mit seinem Bruder HYACINTHE druckte und verlegte er eine -Reihe bedeutender Werke, z. B. die Reisen Champollions d. j. in -Ägypten, dessen Ägyptische Grammatik und Wörterbuch; Texiers Reisen in -Kleinasien und Armenien, fünf Bände, Folio; das _Glossarium mediae et -infimae latinitatis_ von Du Cange; in sechster Auflage das Wörterbuch -der Akademie, 1835, welches in erster Auflage bereits 1694 erschienen -war, und eine grosse Anzahl anderer Wörterbücher; die _Encyclopédie -moderne_, 39 Bände mit einem Atlas in fünf Bänden; das _Dictionnaire -de la conversation_, 21 Bände; die _Encyclopédie d'histoire naturelle_, -22 Bände mit neun Bänden Atlas; die _Nouvelle Biographie générale_, 46 -Bde.; die _Biographie universelle des musiciens_ von Fétis, acht Bände; -J. C. Brunets: _Manuel de la librairie_; die _Bibliothèque grecque_ in -mehr als 60 Bänden; die _Bibliothèque latine-française_, 27 Bände; die -_Bibliothèque française_; das _Univers pittoresque_, 67 Bände mit 4000 -Stahlstichen. Wenn die Bändezahl dieser Kollektionen schon imponiert, -so ist noch zu erwägen, dass es sich hierbei grösstenteils um Bände -in grossem Oktav, in gespaltenem Satz mit kleiner Schrift gedruckt, -handelt, so dass in der Regel ein Band den Stoff von sechs bis acht -gewöhnlichen Oktavbänden enthält. - -Als ein Hauptwerk Didots, zugleich für Deutschland doppelt -interessant, weil es hauptsächlich durch gelehrte Kräfte Deutschlands -durchgeführt wurde, ist der _Thesaurus graecæ linguæ_ zu nennen. Diese -unerschöpfliche, von Heinrich Stephanus stammende (I, S. 207) Fundgrube -griechischer Lexikographie wurde unter Zusammenwirken einer grossen -Anzahl Gelehrter Frankreichs und Deutschlands nach 300 Jahren neu -herausgegeben und damit der Wissenschaft ein Denkmal hergestellt, das -seinesgleichen sucht. Die Redaktion übernahmen die Professoren Hase, -Wilhelm und Ludwig Dindorf. Das Werk bildet neun Bände in Folio. - -In jüngerer Zeit haben Didots sich auch mit Vorliebe den neueren -Illustrationsmethoden zugewendet. Racinets _L'ornement polychrome_ -und Mantz' _Les chefs-d'[oe]uvre de la peinture italienne_ mit den -Chromolithographien Kellerhovens müssen als Prachtwerke erster Klasse -genannt werden. Höchst anziehend ist auch eine Reihe von reich mit -Holzschnitten und Chromolithographien geschmückter Werke, welche -namentlich Leben, Sitte und Kunst früherer Jahrhunderte illustriert und -sich trotz der musterhaftesten Ausstattung durch einen sehr billigen -Preis auszeichnet. Fast als ein Saulus unter den Propheten erschien 1860 -in dem Didotschen Verlage nach dem Muster des »Bazar« das Journal _La -Mode illustrée_, welches an 100000 Abonnenten zählte. - -Ein anstaunenswertes Unternehmen bleibt in seiner Art auch: -_Annuaire-Almanach du Commerce_, von welchem mehr als 80 Jahrgänge -vorliegen. Das Unternehmen ist jetzt in den Händen einer Gesellschaft, -die es mit einem Kapital von 7-1/2 Millionen Franken ausbeutet. - -Mit Obigem haben wir nur einen Teil der grossartigen Wirksamkeit der -Weltfirma andeuten können. Der bescheiden ausgestattete Verlagskatalog -lässt kaum auf den hohen Wert der verzeichneten Unternehmungen -schliessen, der schwerlich von dem irgend eines Verlagskataloges -übertroffen werden dürfte. - -Wenn wir noch sehen, welche bedeutende litterarische Thätigkeit Ambroise -Firmin mit seiner geschäftlichen zu verbinden wusste, so muss unsere -Achtung und Bewunderung für diesen Mann sich noch steigern. - -Seine Mitwirkung bei dem _Thesaurus_ wie bei vielen der encyklopädischen -Unternehmungen des Hauses zeugen schon von seiner gelehrten und -wissenschaftlichen Bedeutung, jedoch lieferte er ausserdem noch eine -Reihe selbständiger Schriften. Wir können hier nur die bedeutendsten -derjenigen erwähnen, die sich auf das graphische Gewerbe beziehen. Als -Mitglied der Ausstellungs-Jury schrieb er _L'imprimerie, la librairie, -la papeterie à l'exposition 1851 à Londres_ (2. Auflage 1854). Sein 1863 -erschienener _Essai typographique et bibliographique sur l'histoire de -la gravure sur bois_ ist ein vortreffliches Werk, das nur den einen -Fehler hat, dass es mit ganz ausserordentlich kleiner Schrift gedruckt -ist[104]. Sein letztes umfangreiches Buch ist das 1875 erschienene -_Alde Manuce et l'hellénisme à Venise_. Über die Frage der Orthographie -und des litterarischen Eigentumsrechtes gab er verschiedene wertvolle -Schriften heraus. Unter seinen Monographien erwähnen wir: _Étude sur -les [oe]uvres de Jean Sire de Joinville_, zwei Bände, fünfte Auflage, -1870; _Missel de Juvénal des Ursins_, ein kostbares Manuskript, welches -Didot für 23000 Franken erworben, jedoch der Bibliothek des _Hôtel de -Ville_ cediert hatte, bei dessen Brande es vernichtet wurde; _Étude -sur Jean Cousin_, 1872. Didot besass eine Bibliothek typographischer -Seltenheiten ersten Ranges, die nach Millionen von Franken geschätzt -wurde und auch bei der Versteigerung nach Didots Tode wirklich enorme -Summen einbrachte. Diese Sammlung hatte Didot Veranlassung zu dem Werke: -_Catalogue raisonné des livres de la Bibliothèque de A. F. Didot, -I. 1: Livres à figures sur bois, Solennités, Romans de chevalerie_, -392 zweispaltige Seiten, gegeben. Als Supplemente hierzu erschienen: -_Les apocalypses figurées_ und _Essai de classification des Romans de -chevalerie_. Sein Bibliothekzimmer war Didots liebster Aufenthalt, -und hier musste oft sein Diener den in die Arbeit Vertieften an die -vorgerückte Nachtstunde erinnern. - - [104] Seine 1882 in einem zweiten, unveränderten Abdruck erschienene - _Histoire de la Typographie_ entspricht nicht dem, was man nach - dem Titel erwarten könnte. Es ist ein Abdruck eines grossen, - vor langen Jahren erschienenen Artikels in der _Encyclopédie - moderne_ und enthält nur chronologisch an einander gereihte - Notizen, fast ausnahmslos über französische Buchdrucker, - namentlich über Mitglieder der Familie Didot, und schliesst mit - dem Jahre 1851. - -[Sidenote: Hyacinthe Didot * 1794, [+] 7. Aug. 1881.] - -[Sidenote: Th. Lefèvre * 17. Sept. 1798.] - -Das Geschäft beschränkte sich nicht allein auf -bibliopolisch-typographische Unternehmungen, sondern umfasste auch die -bedeutende Papierfabrikation in Mesnil und Sorel. Dagegen sah sich Didot -veranlasst, die Schriftgiesserei als selbständiges Geschäft aufzugeben; -sie wurde der grossen Gesellschaft _Fonderie générale_ einverleibt. -Als die Einrichtung der Papiermaschinen viele bei der Fabrikation -beschäftigt gewesene Mädchen in Mesnil arbeitslos machte, richtete -Didot eine bedeutende Druckerei für Frauen ein, sorgte für tüchtige -Anleitung und etablierte Schulen. Diese Anstalt war namentlich ein Werk -HYACINTHE DIDOTS, des treuen Mitarbeiters des Ambroise durch eine lange -Reihe von Jahren. Sie stand unter der Leitung des THÉOTISTE LEFÈVRE, -und wurde nachträglich noch durch eine Abteilung für taubstumme Mädchen -erweitert. Der jetzt 84jährige Th. Lefèvre, bekannt durch sein Handbuch -für Setzer[105], arbeitet seit 46 Jahren in dem Hause Didots. - - [105] _Guide pratique du compositeur d'imprimerie._ Paris 1855. - Vol. II. 1872. - -Dass es Ambroise Firmin Didot an äusseren Ehren der verschiedensten -Art nicht fehlte, ist begreiflich. In den letzten Jahren seines Lebens -genoss er noch die Auszeichnung, Mitglied des Instituts von Frankreich -zu werden. Die höchste Ehre war es ihm jedoch, die unbegrenzte Achtung -und Liebe seiner Mitbürger und Untergebenen zu besitzen und der Vater -seiner Arbeiter zu sein, was er im vollen Sinne des Wortes war, bis ihn -der Tod ihnen raubte. - -[Sidenote: Alfred und Paul Didot.] - -Das Haus Didot steht jetzt unter der Leitung des Sohnes des Ambroise -ALFRED FIRMIN DIDOT (geboren 1828) und des Sohnes des Hyacinthe PAUL -FIRMIN DIDOT (geboren 1826). Die Druckerei in Paris ging in den Besitz -von G. Chamerot über. - -Trotzdem dass die Firma, wie auch aus dem Obigen hervorgeht, in mancher -Hinsicht ihre Thätigkeit beschränkte, wird sie sicherlich noch lange den -berühmten Namen mit Ehren behaupten. Für Frankreichs Typographie hat -die Familie Didot eine Bedeutung, welche die der Familie Stephanus noch -überragt. - - * * * * * - -[Sidenote: Andere ältere Familien.] - -Neben dem Geschlecht der Didot besass Frankreich noch eine Anzahl -bedeutender Druckerfamilien, die, aus dem XVIII. in das XIX. Jahrhundert -herüberreichend, die verbindenden Glieder in der grossen Kette bilden, -in welcher sich die modernen vortrefflichen Typographen an die alten -Meister anreihen. - -Unter diesen Familien nahm die der Panckoucke, wennauch nur auf kürzere -Zeit, eine sehr glänzende Stellung ein. - -[Sidenote: J. Panckoucke * 1736, [+] 1799.] - -[Sidenote: P. Beaumarchais [+] 19. Mai 1799.] - -JOSEPH PANCKOUCKE, geboren zu Lille, war ein tüchtiger Mathematiker -und bereitete sich für den Beruf eines Dozenten vor, etablierte sich -jedoch zuerst als Buchhändler, dann 1774 als Buchdrucker. Eine der -ersten seiner Unternehmungen sollte eine Gesamtausgabe von Voltaires -Werken sein, für deren Durchsicht und Emendation er den berühmten -Verfasser selbst gewonnen hatte. Die Kaiserin von Russland war ersucht -worden, die Widmung anzunehmen, da jedoch nach Ablauf von sieben Monaten -die Erlaubnis zur Dedikation noch nicht eingegangen war, betrachtete -Panckoucke die Sache als gescheitert und verkaufte seine Rechte an den -bekannten Schriftsteller P. BEAUMARCHAIS, der die Absicht hatte, etwas -noch nicht Dagewesenes von einer Prachtausgabe zu liefern. Am Tage nach -dem Abschluss kam -- zu spät! -- die Erlaubnis der Kaiserin, begleitet -von einer Anweisung auf 150000 Livres. - -Beaumarchais liess in Kehl, Strassburg gegenüber, eine Offizin errichten -und Arbeiter aus Deutschland und der Schweiz kommen. Seine Abgesandten -nach Holland studierten die dortige Papierfabrikation und errichteten -danach Fabriken in den Vogesen. Die Stempel und Matern Baskervilles -wurden erworben (S. 74). Der Hauptherausgeber war Condorcet; die -typographische Redaktion besorgten Decroix und Letellier. In fünf Jahren -(1784-89) verausgabte man mehr als drei Millionen auf eine Oktavausgabe -in 70 Bänden und eine Duodezausgabe in 92 Bänden. Um allen Ansprüchen -gerecht zu werden, wurden von beiden Ausgaben Exemplare auf fünf -Sorten Papier gedruckt in einer Gesamtauflage von 28000 Exemplaren. -Zu dem grossen Aufwand stimmte nicht recht die nachlässige Korrektur. -Pekuniär war das Unternehmen ein vollständiger Misserfolg und kostete -Beaumarchais für seinen Anteil eine Million. - -[Sidenote: Der _Moniteur_.] - -Von Panckoucke stammt auch der Gedanke des _Moniteur_. Nachdem er in -England den Wert und die Macht der periodischen Presse kennen gelernt -hatte, wollte er ein solches Institut, das auch äusserlich mit einem der -grossen englischen wetteifern konnte, in Frankreich gründen. Der erste -Redacteur war Maret, später Herzog von Bassano. Das Blatt erreichte die -damals ganz ausserordentliche Auflage von 15000 Exemplaren und wurde ein -Quellenwerk für die Geschichte, das an Interesse wenige Konkurrenten hat. - -Als Verleger war Panckoucke äusserst splendid und bei Hofe sehr -angesehen. Er druckte Buffons sämtliche Werke; die erste grosse -Sammlung von Reisewerken und begann auch die _Encyclopédie méthodique_, -welche 166 Bände in Quart und 51 Teile mit 6429 Kupfertafeln umfasste, -deren Herstellung ein halbes Jahrhundert in Anspruch nahm. Der Erfolg -war anfänglich ein ganz ausserordentlicher. Ein einziger Madrider -Buchhändler, Sancha, hatte Subskriptionen bis zu einem Betrage von -anderthalb Millionen Livres gesammelt. Die lange Reihe von Jahren, -welche das Unternehmen bis zu seiner Vollendung erforderte, schmälerte -jedoch sehr den Ertrag, da wenige Unterzeichner das Ende des Werkes -erlebten. - -Panckoucke selbst war als Schriftsteller sehr thätig und lieferte ausser -selbständigen Werken und Übersetzungen noch zahlreiche Artikel zu den -periodischen und encyklopädischen Werken seines Verlages. - -[Sidenote: C. L. Panckoucke * 25. Dez. 1780, [+] 11. Juli 1844.] - -Sein Sohn CHARLES LOUIS PANCKOUCKE vertauschte die als Beruf ergriffene -Rechtswissenschaft mit der Buchdruckerei und dem Buchhandel. Er -vollendete die _Encyclopédie_ und druckte unter Mitwirkung der besten -wissenschaftlichen Kräfte das _Dictionnaire des sciences médicales_, die -_Flore médicale_, die _Biographie médicale_. Während des Rückganges des -nationalen Glanzes in den Jahren 1814-15 begann er die Herausgabe der -_Victoires et Conquêtes_, welche einen ausserordentlichen Erfolg hatten. -Weiter veranstaltete er eine neue Ausgabe der _Expédition d'Égypte_. -Auch er war als Schriftsteller mehrseitig thätig. Sein Sohn CHARLES -LOUIS ERNEST (geboren 1806) verliess den Buchhandel, behielt jedoch die -Buchdruckerei und den Druck des Moniteurs. - -[Sidenote: Familie Barbou.] - -Der Ursprung der Familie BARBOU ist in Lyon um die Mitte des XVI. -Jahrhunderts zu suchen. Eins der Mitglieder derselben, JEAN JOSEPH -BARBOU, etablierte sich 1717 als Buchhändler, 1723 als Buchdrucker -in Paris. Der Sohn JOSEPH GÉRARD BARBOU machte sich einen übeln -Namen durch die Art und Weise, wie er einberufene deutsche Arbeiter -behandelte. Sein Neffe JOSEPH GÉRARD D. J. begann eine schöne Kollektion -lateinischer Klassiker in 76 Bänden mit Vignetten, die 1808 auf J. A. -DELALAIN überging, der das Geschäft erst allein, seit 1836 mit seinem -Sohne A. H. J. DELALAIN führte. Diese Firma druckte mehrere tausend -Klassiker-Ausgaben und Unterrichtswerke; derselben verdankt man auch das -_Annuaire de la librairie et de l'imprimerie_ und mehrere Fachschriften. -Die Familie gehört zu den geachtetsten ihres Faches in Frankreich. - -[Sidenote: P. N. Lottin [+] 1751.] - -PHILIPP NICOLAS LOTTIN etablierte 1724 eine Druckerei. Sein Sohn AUG. -MARTIN war der typographische Lehrmeister Ludwigs XVI., der damals, -ein glücklicher Knabe von zwölf Jahren, mit der Presse spielen konnte, -die ihn später aufs Schafott bringen sollte. Lottin ist der Verfasser -eines jetzt sehr selten gewordenen Werkes: _Catalogue chronologique des -libraires et imprimeurs de Paris depuis 1470-1789_. - -[Sidenote: J. G. Treuttel * 1744, [+] 1826.] - -[Sidenote: J. G. Würtz * 1768, [+] 1841.] - -Das Geschäft TREUTTEL & WÜRTZ wurde 1770 in Strassburg, 1795 in Paris, -1817 in London errichtet. J. G. TREUTTEL war in Strassburg geboren, -ebenso sein Schwiegersohn J. G. WÜRTZ; ein zweiter Schwiegersohn E. -JUNG trat nach Treuttels Tod als Teilhaber in das noch in der Familie -unter der Firma JUNG-TREUTTEL fortwirkende Geschäft. Unter den vielen -bedeutenden Arbeiten desselben nennen wir nur einige: d'Agincourts -_L'histoire de l'art par les monumens_; die Werke der Frau von Staël, 17 -Bände; _Les archives des découvertes_, 31 Bände; die bedeutendsten Werke -Sismondis; die Bipontiner (Zweibrücker) Ausgaben der Klassiker in 115 -Bänden; die _Encyclopédie des gens du monde_. - -[Sidenote: Familie Berger-Levrault.] - -[Sidenote: Fr. Schmuck * 1678.] - -[Sidenote: Wilh. Schmuck * 1682, [+] 1751.] - -[Sidenote: J. R. Christmann [+] 1661.] - -[Sidenote: F. R. Christmann * 1728.] - -[Sidenote: F. L. X. Levrault * 1762, [+] 17. Mai 1821.] - -[Sidenote: Witwe Levrault [+] 1850.] - -[Sidenote: Witwe Berger-Levrault [+] 28. Mai 1879.] - -Eines der bekanntesten Häuser Frankreichs ist das Strassburg ebenfalls -angehörende BERGER-LEVRAULT, welches seit mehr als 200 Jahren in einer -Familie fortgeführt wurde[106]. Der Gründer desselben war FRIEDR. -WILH. SCHMUCK um 1675; die Druckerei entstand 1685. Der Sohn FRIEDRICH -SCHMUCK und dann sein Bruder WILH. SCHMUCK folgten, letzterer wurde -Buchdrucker des Königs und der Universität. Nach Fr. Schmucks Tode -ging das Geschäft auf seinen Schwiegersohn JOH. ROB. CHRISTMANN aus -Kempten und dann auf dessen ältesten Sohn FRANZ ROBERT ADRIAN über, der -als Teilnehmer seinen Schwager FRANZ GEORG LEVRAULT aufnahm, worauf -die Firma CHRISTMANN & LEVRAULT, dann nach Christmanns Tode GEORG -LEVRAULT wurde und bis 1858 fortbestand. Von den vier Söhnen Georgs, -die sich alle der Druckerei widmeten, wurde der älteste FRANZ LAURENT -XAVIER, welcher in der Schreckenszeit auf Grund seiner royalistischen -Gesinnungen hatte fliehen müssen, Chef des Hauses. Unter ihm fand ein -bedeutender Aufschwung des Geschäfts statt. Ein grosser Teil des Exports -französischer Bücher nach Deutschland und Russland ging durch seine -Hände und seine Pressen brachten zahlreiche Verlagsartikel hervor. Eine -Spezialität des Hauses bildete die Lieferung von Militärformularen, die -sogar der grossen Armee nach Russland nachgesendet wurden. Levrault -war ein Mann von ungewöhnlicher geistiger Begabung und Arbeitskraft, -die er nicht nur dem Geschäfte, sondern auch seinen Mitbürgern, unter -denen er im höchsten Ansehen stand, widmete. Eine treue und tüchtige -Gehülfin hatte er in seiner Frau, welche, als Überanstrengungen 1821 -seinen Tod herbeiführten, sich beherzt an die Spitze des Hauses stellte -und während 29 Jahren das Erbe der Familie mit sicherer Hand erhielt -und förderte. Von 1825 bis 1837 wurde sie durch einen Schwiegersohn -FRIEDR. BERGER kräftig unterstützt, ein anderer Schwiegersohn C. PITRIS -leitete das in Paris gegründete Haus. Nach Bergers Tode übernahm -dessen Witwe die Führung der Druckerei, während die Witwe Levrault -bis zu ihrem Tode der Buchhandlung vorstand. Die Witwe Berger nahm -nun ihren Sohn OSCAR BERGER-LEVRAULT zum Teilnehmer, wodurch die -Firma sich in BERGER-LEVRAULT SOHN änderte. Unter der Leitung Jul. -Norbergs nahmen die Geschäfte einen immer grösseren Umfang an. Mit -gewaltigen Anstrengungen siegte man in dem Kampf gegen Konkurrenten um -Behauptung der administrativen Arbeiten. Bedeutende Erfolge belohnten -die Thätigkeit und ein grossartiges Geschäftshaus wurde erbaut. Kaum -war der Umzug bewerkstelligt, da brach der Krieg aus. Die Schwierigkeit -resp. Unmöglichkeit, während desselben und der darauf folgenden -Friedensverhandlungen die administrativen Arbeiten auszuführen, waren -ausserordentlich; nach der Abtretung des Elsass an Deutschland musste -das Haus mit diesen Arbeiten nach Frankreich auswandern und 1873 fand -die Übersiedelung nach Nancy statt. Bereits am 20. Mai 1876 ward das -dortige äusserst zweckmässig eingerichtete Etablissement ein Raub der -Flammen, es wurde jedoch mit einer fabelhaften Energie und mit noch -besseren Einrichtungen als vorher neu aufgeführt. - - [106] L. MOHR, Das Haus Berger-Levrault. Strassburg 1876. -- - _L'Imprimerie de Berger-Levrault & Co._ Nancy 1878. -- Ann. d. - Typ. B. VIII. 1876, Nr. 352. - -Das Strassburger Etablissement, welches jetzt nach 200 Jahren wieder zu -den deutschen zählt, besteht unter alleiniger Leitung des Herrn RUD. -SCHULTZ als Kommandit-Gesellschaft unter der Firma R. SCHULTZ & CO. -(BERGER-LEVRAULT NACHFOLGER). - -[Sidenote: J. G. Dentu * 1770, [+] 1840.] - -[Sidenote: G. Dentu d. j. * 1796, [+] 1849.] - -Der Gründer der Firma Dentu, JEAN GABRIEL DENTU, etablierte um 1795 -eine Buchdruckerei und später eine Buchhandlung in Paris. Sein _Journal -des Dames_ hatte einen ausserordentlichen Erfolg. Er gab eine grosse -Reihe von Reisewerken sowie Schriften naturwissenschaftlichen Inhalts -heraus und druckte und verlegte nach der zweiten Restauration fast -alle legitimistischen Broschüren. Der Sohn GABRIEL DENTU, der 1826 -das Geschäft übernahm, blieb den politischen Traditionen der Firma -treu, wurde dadurch nach der Julirevolution 1830 in 27 Pressprozesse -verwickelt und musste ausser zahlreichen Geldstrafen neun Monat -Gefängnis aushalten. Einer seiner Söhne ED. DENTU folgte ihm als -Buchhändler; die Buchdruckerei wurde verkauft. - -[Sidenote: H. M. Cazin [+] 5. Okt. 1795.] - -Als Verleger einer Reihe reizender und koketter Ausgaben in 18° mit -schönen Illustrationen und allerliebsten Ornamenten der besten Künstler -ist HUBERT MARTIN CAZIN bekannt. - -Mit grosser und wohlbegründeter Pietät nennen die französischen -Fachgenossen den Namen Crapelet. - -[Sidenote: Charles Crapelet * 13. Nov. 1762, [+] 9. Okt. 1809.] - -CHARLES CRAPELET war in Bourmont geboren. Seine Erziehung war sehr -vernachlässigt, er versuchte jedoch durch unermüdliche Arbeit das -Fehlende zu ersetzen. Erst 17 Jahre alt übernahm er die Leitung des -bedeutenden Geschäfts des Buchdruckers Stoupe. Er beteiligte sich auf -das lebhafteste bei den Bestrebungen, die Typographie durch Geschmack -und Eleganz zu heben, und war zugleich einer der vorzüglichsten -Korrektoren. Als Beweis seines Pflichteifers wird erzählt, wie er sich -von dem Festschmause am Abend seines Hochzeitstages gegen Mitternacht -heimlich entfernte. Als er nicht wiederkam, geriet die Gesellschaft -in Verlegenheit, die junge Frau in die grösste Unruhe. Nachdem der -anwesende Prinzipal Stoupe sich eine zeitlang an dieser Situation -ergötzt hatte, machte er schliesslich dem Entsetzen ein Ende durch die -Erklärung, Crapelet sei in die Druckerei gegangen, um die Korrektur -einiger Bogen zu erledigen, die man morgen drucken müsse. Der Vermisste -erschien dann endlich auch früh gegen drei Uhr. - -Im Jahre 1789 wurde er der Nachfolger Stoupes. Nach dem Beispiele -Baskervilles suchte er Einfachheit mit Eleganz zu verbinden und übertraf -sein Vorbild durch die Gleichmässigkeit und die grosse Korrektheit -seiner Drucke. Seine Ausgaben werden von allen Bücherfreunden in Ehren -gehalten und seine Pergamentdrucke und die Golddruck-Exemplare von -Audiberts _Histoire des colibris_ sind typographische Seltenheiten. - -Vom Glück war Crapelet nicht begünstigt und Missbrauch seines Vertrauens -brachte ihm ausserdem schwere Verluste. Um diese zu ersetzen, -arbeitete er über seine Kräfte. Ein Druckfehler in dem ersten Bogen -seiner Ausgaben des _Télémaque_, wo, statt _Pénèlope_, _Pélènope_ -gedruckt war, versetzte ihn in eine solche Aufregung, dass nur die -ernsthaftesten Vorstellungen seiner Freunde ihn von seinem Entschluss, -die Buchdruckerei aufzugeben, abzubringen vermochten. Leider zu -seinem Schaden, denn er starb, erst 49 Jahre alt, durch geistige und -körperliche Anstrengungen aufgerieben, als Märtyrer seines Berufs. Unter -den vielen Werken aus seinen Pressen seien die schönen Ausgaben der -französischen Klassiker und Audiberts _Histoire naturelle des oiseaux -chantans_, Folio, 1805, genannt. - -[Sidenote: G. A. Crapelet * 1789, [+] 1842.] - -Notgedrungen musste der Sohn GEORG AUGUST CRAPELET, kaum 20 Jahre -alt, das Geschäft übernehmen. In seinen Leistungen übertraf er noch -den Vater, war ausserdem ein bedeutender Fachschriftsteller und -Archäolog. Seine Ausgaben französischer Klassiker sind berühmt und die -Grosspapier-Exemplare davon sind als Prachtdrucke gesucht. Crapelet -der Sohn gehörte, wie der Vater, zu denjenigen Buchdruckern, die mehr -zur Ehre der Kunst als zum eigenen Vorteil den alten Traditionen treu -blieben. Seine Fachwerke sind sehr geschätzt. Von den _Études pratiques -et littéraires sur la typographie_, Paris 1837, wurde leider nur der -erste Teil veröffentlicht, den Abschluss des Werkes verhinderte des -Verfassers Tod. 1840 erschien _De la profession d'un imprimeur_. - -[Sidenote: De Bure.] - -Den Grund zu den bedeutenden bibliographischen Arbeiten Frankreichs -legte WILHELM FRANZ DE BURE, einer bereits seit 1660 bestehenden -Buchhändler-Familie angehörend. Er verfasste 1753 das _Museum -typographicum_ und 1785 seine _Bibliographie instructive_, sowie mehrere -von den Bibliographen sehr geschätzte Kataloge, unter andern die über -die Bibliothek des Herzogs von la Vallière, in damaliger Zeit die -bedeutendste Privatbibliothek Frankreichs. - -[Illustration] - - -[Illustration] - - VII. KAPITEL. - - DIE MODERNE TYPOGRAPHIE FRANKREICHS UND DAS BUCHGEWERBE. - - DAS AUFLEBEN DES BUCHGEWERBES. Die Prachtwerke. Neue Bahnen. Der - _Cercle de la Librairie_. Die Fachlitteratur. Statistisches. Die - Journallitteratur. DIE MODERNE TYPOGRAPHIE: A. Mame & Co., H. - Fournier, P. Dupont, J. Claye, N. Chaix, H. Plon u. a. DER - ILLUSTRIERTE VERLAG: Ch. Furne, J. Dubochet, J. Paulin. DIE - LUXUSBÜCHER: L. Curmer, G. Silbermann, Engelmann Vater & Sohn. DIE - VERSCHIEDENEN RICHTUNGEN DES BUCHHANDELS: Baillère, Masson, Hachette - & Co. u. a. DER ARCHAÏSTISCHE DRUCK: L. Perrin, D. Jouaust. DIE - BIBLIOGRAPHIE: Die Buchhandlungen für das Ausland. - -[Sidenote: Aufatmen des Buchhandels.] - -Schwere Zeiten hatten in der Sturmperiode Frankreichs auf der -Buchdruckerei und dem Buchhandel gelastet und nur wenigen Auserwählten -der alten Garde war es, wie wir gesehen, vergönnt gewesen, aus der -Krisis ungeschädigt hervorzugehen. Als nun das Buchgewerbe wieder -aufzuatmen begann, war es, da die neue Litteraturperiode noch nicht -angebrochen war, natürlich, dass die Schaffenslust sich zuerst der -Herstellung von schönen Ausgaben der vorhandenen Schriftsteller, die zu -den französischen Klassikern gezählt wurden, zuwendete. - -[Sidenote: Th. Desoër.] - -[Sidenote: J. J. Lefèvre.] - -THEODOR DESOËR war der erste, der eine solche Prachtausgabe: einen -zwölfbändigen Voltaire, herausgab, die alle Welt in Erstaunen versetzte, -welche die Frage lebhaft diskutierte, ob der Verleger bald ein reicher -oder ein bankerotter Mann werden würde. JEAN JACQUES LEFÈVRE wollte -Ausgaben bringen, die selbst die Didotschen übertreffen sollten. In den -Jahren 1826-1829 gab er zuerst in 73 Bänden in Oktav die französischen -Klassiker mit reichhaltigen Kommentaren heraus, dann die ohne Rivalen -gebliebenen Sammlungen älterer und neuerer Klassiker aller Länder in -32°. Gleichzeitig veröffentlichte L. JANET seine luxuriösen Ausgaben der -geistlichen Schriftsteller. - -[Sidenote: Prachtausgaben.] - -Eine Prachtausgabe jagte nun die andere. Von Voltaire allein erschienen -nicht weniger als vierzig Ausgaben in den verschiedensten Formaten und -zu den verschiedenartigsten Preisen. In ununterbrochener Reihe folgten -Buffon, Madame de Sévigné, Boileau, Bossuet und viele andere ältere -Schriftsteller mit prachtvollen Stichen, unter Mitwirkung von Künstlern -wie Desenne, Deveéia, Henriquel-Dupont, Calamatta, Lecomte, Girardet, -Lorichon u. a. Daneben behaupteten jedoch auch die älteren Ausgaben -ihren Wert bei den vielen Bücherliebhabern. Zu zahlreichen Werken mit -und ohne Illustrationen gaben die Thaten Napoleons und der grossen Armee -Anlass. Die arbeitenden 1500 Pressen, davon 800 in Paris, reichten -öfters nicht aus, um dem Andrängen der Verleger zu genügen. Im Jahre -1811 erreichten die gedruckten Bogen die Zahl von neunzehn Millionen, -1826 war sie auf 145 Millionen gestiegen, nicht gerechnet die enorme -Zahl der politischen Broschüren, der Zeitungen und der Revues. - -[Sidenote: C. Ladvocat.] - -Trotz der Schönheit der Klassiker-Ausgaben traten diese mit der -Zunahme der modernen Schriftsteller von Bedeutung wie Benj. Constant, -Chateaubriand, Lamartine, Cas. Delavigne und viele andere in den -Hintergrund. Was Lefèvre für die alten Verfasser gewesen, wollte nun -CHARLES LADVOCAT für die lebenden sein. Er war der richtige Typus eines -modernen Buchhändlers, kühn, unermüdlich, freigebig, von Liebe zu seinem -Geschäft beseelt. Er verstand jedoch nicht, dabei klug haushälterisch zu -sein. Er gab zwar der Litteratur einen mächtigen Stoss nach vorwärts, -sollte aber so wenig wie Lefèvre die Früchte des regen Schaffens -geniessen, und beide starben arm. - -[Sidenote: Der Roman.] - -Dem Roman war es beschieden, einen mächtigen Einfluss auf das -Druckgewerbe zu üben. Am Tage der Herausgabe eines neuen Romans von -Victor Hugo, Jules Janin, Ch. Nodier, H. de Balzac, Paul Lacroix, Léon -Gozlan, Eug. Sue, Alf. Karr u. a. waren die Buchhandlungen förmlich -belagert. Die höchsten Honorare wurden bezahlt, oft für Bücher, von -denen noch keine Zeile geschrieben war. - -[Sidenote: Das Feuilleton.] - -Doch hiermit sollte es nicht genug sein. Emil Girardin öffnete dem -Roman noch neue Bahnen. Er hatte den Gedanken gefasst, ein Journal von -dem Umfange der grossen Blätter, aber nur zu vierzig statt zu achtzig -Franken, herauszugeben. Das wirkte in der Journalistik gleich einer -Revolution im Staate. Im Jahre 1835 erschien Girardins _La Presse_; _Le -Siècle_ war die erste Konkurrenz. Das Publikum sollte namentlich durch -das Feuilleton angelockt werden und es entstand eine wahre Hetzjagd nach -Romanen für dasselbe und selbst die ernsthaftesten Journale mussten -dem Strom folgen. Souliés _Mémoires du diable_ und Sues _Mystères de -Paris_ in dem _Journal des Débats_ wurden geradezu verschlungen. Die -Männer des Romans genügten nicht und es entstand eine ganze Legion von -romanliefernden Blaustrümpfen. War der Roman im Feuilleton beendigt, so -kam eine Nachlese für Autor, Verleger und Drucker durch Herausgabe als -Buch. - -Die Kunst des Zeilenmachens[107] wurde im grossen Stil geübt, als -besonderer Virtuos zeigte sich hierin Victor Hugo. Da nach den Zeilen -bezahlt wurde, so waren Zeilen wie »Ja« -- »Nein« -- »Er ging« -- »Sie -lächelte« etc. sehr profitabel. - - [107] EUG. DE MIRECOURT, _Fabrique de romans_. Paris 1845. - -Doch das Romanfieber liess nach und es machte sich nun, unterstützt -durch die Fortschritte der Holzschneidekunst und das vortreffliche -Material an Schrift, Papier und Pressen, die Sucht geltend, alles mit -Holzschnitten zu illustrieren. - -[Sidenote: Der Holzschnitt.] - -[Sidenote: Die illustrierten Klassiker.] - -So prachtvoll die Stahlstiche auch gewesen, man sehnte sich doch nach -einfacherer Kost. Der Holzschneider Porret war einer der ersten, der -auf Antrieb Achille Devérias zur Reorganisation der Xylographie die -Initiative ergriff. Die talentvollen Zeichner eigneten sich mit Eifer -die Methode für den Holzschnitt zu zeichnen an. Desenne, Devéria, Alfr. -und Tony Johannot, Jul. David, Raffet, Charlet, J. J. Grandville, Horace -Vernet, Vict. Adam, Ary Scheffer, Gavarni und andere Künstler ersten -Ranges erschienen auf dem Kampfplatz. Da gab es ein lustiges Turnier. -Alle Klassiker, fremde und einheimische, wurden mit Holzschnitten -illustriert; geschichtliche, ethnographische und naturwissenschaftliche -Werke folgten in bunter Reihe, daneben die illustrierten Blätter. -Schliesslich kamen die illustrierten Romane zu 20 Cent. für die -Lieferung an die Reihe und auch die Jugendschriften nahmen ein anderes -Gesicht an. Der Sieg des Holzschnittes über den Stahlstich war ein -vollständiger. - -Gegen das Ende des Bürgerkönigtums hatte das Geschäft wenigstens -anscheinend eine hohe Blüte erlangt. In der Zeit von 1830-1848 -betrug die Zahl der erschienenen Werke 105000 und sie hat sich mit -stellenweisen Unterbrechungen durch die politischen Wandlungen auf einer -hohen Stufe erhalten. - -[Sidenote: Der _Cercle de la librairie_.] - -Zu dem Ansehen des französischen Pressgewerbes hat, wie bereits in -der »Einführung« angedeutet wurde, der _Cercle de la librairie, de -l'imprimerie, de la musique et des estampes_[108] vieles beigetragen. -Aus dem angeführten Titel geht schon hervor, dass der _Cercle_ als -Sammelplatz für alle die mannigfachen Kräfte dient, welche bei den -graphischen Künsten im weitesten Sinne beschäftigt sind. Nicht nur in -allen Verhältnissen der Regierung gegenüber, sondern auch bei allen -Weltausstellungen hat der _Cercle_ die Interessen des Buchgewerbes mit -Energie, Geschick und Glück vertreten. Er wacht mit Eifersucht dem -Auslande gegenüber, jedoch ohne Eifersüchtelei unter den Mitgliedern -des Vereins, über die Behauptung der hervorragenden Stellung des -französischen Druckgewerbes, wenn dieses auf dem Weltmarkt sich zeigt. - - [108] _Le Cercle de la librairie. Notice hist._ Paris 1881. -- J. B. - BAILLÈRE, _Le Cercle, etc._ - -Der am 5. Mai 1847 unter dem Vorsitz von Ambr.-Firmin Didot gegründete, -1853 reorganisierte Verein erwarb 1856 das Eigentumsrecht auf die seit -dem Jahre 1811, damals im Besitz der Familie Pillet, erscheinende -_Bibliographie de la France_. Das 1858 unternommene _L'Annuaire de la -librairie_ wird nicht regelmässig fortgesetzt und hat für den Buchhandel -Frankreichs nicht die Bedeutung wie in Deutschland O. A. Schulz' -Adressbuch. 1863 wurde das _Comité judiciaire des Cercle_ eingerichtet. -Am 12. Juni 1878 wurde der Grundstein zu einem prachtvollen -Versammlungshaus, Ecke der _Rue Grégoire-de-Tours_ und des _Boulevard -St.-Germain_, gelegt und dasselbe am 4. Dezember 1879 feierlich -eingeweiht. Es werden seit der Zeit höchst interessante Ausstellungen -dort abgehalten. Im Jahre 1880 war die Zahl der wirklichen Mitglieder -317, darunter 119 Buchhändler, 40 Buchdrucker, 26 Lithographen, 55 -Papierfabrikanten, 11 Buchbinder, 8 Maschinenfabrikanten etc. Ausserdem -hatte der _Cercle_ 21 Ehrenmitglieder und 145 korrespondierende -Mitglieder. Das Vereinsvermögen betrug 350000 Franken. - -[Sidenote: Fachlitteratur. Gabr. Charavay [+] 22. Mai 1878.] - -Als Organ der Typographie besteht seit 1864 das durch GABR. CHARAVAY -geleitete _L'Imprimerie, journal de la typographie et de la -lithographie_. Es beschäftigt sich namentlich mit den Verhältnissen -der Buchdrucker zum Staate und mit den gewerblichen Interessen, ist in -technischer Beziehung jedoch nicht so reichhaltig wie die leitenden -englischen Journale. Letzteren nachzukommen ist das seit 1873 begonnene -Journal _La Typologie Tucker_ mit Glück bemüht. Es bringt wertvolle -Artikel, so wurden z. B. die bekannten _Lettres d'un bibliophile_ von -R. R. Madden zuerst hier mitgeteilt. Von den übrigen Fachjournalen sei -noch erwähnt das durch Fusion von drei typographischen Blättern 1882 -entstandene _Bulletin de l'imprimerie et de la librairie_, redigiert von -LÉON DEGEORGE. Was von den englischen Fachjournalen gesagt wurde, dass -sie sich von allen persönlichen Gehässigkeiten und Reibungen freihalten, -gilt auch von den französischen, obwohl sie zum grossen Teil direkt im -Interesse einzelner grossen Fabrikanten herausgegeben werden. - - * * * * * - -Nachdem wir in dem vorhergehenden Kapitel die Wirksamkeit und Bedeutung -der Bahnbrecher der neueren Periode haben kennen lernen, wenden wir uns -den bedeutenderen der modernen Anstalten zu, welche dazu beigetragen, -Frankreichs typographischen Ruhm in neuester Zeit zu fördern. - -Es könnte anscheinend ein Widerspruch darin gefunden werden, dass die -Reihe mit einem Institut angefangen wird, welches bereits zuende des -vorigen Jahrhunderts gegründet wurde. Dasselbe ist jedoch seiner ganzen -Organisation und Arbeitsweise nach so innig mit der neuen Zeit verknüpft -und übt auf diese seinen Einfluss in einer so hervorragenden Weise, dass -es wohl nicht mit Unrecht gerade hier an der Spitze steht, als Prototyp -einer im besten Sinne modernen Buchdruckerei: es ist das Druckinstitut -von A. MAME & CO. in Tours. - -[Sidenote: Alfred Mame * 1811.] - -Der Gründer desselben war (1798) ARMAND MAME, ein junger und energischer -Mann. 1830 assoziierte er sich mit seinem Schwiegersohne und Neffen -ERNEST MAME. 1833 traten seine zwei Söhne ALFRED HENRI ARMAND und ERNEST -als Teilnehmer ein. Nach dem Tode des Vaters übernahm Alfred Mame -das Geschäft allein und von da ab datiert sich der enorme Aufschwung -desselben. Die Ateliers wurden den Forderungen der Zeit entsprechend -eingerichtet und Neubauten vorgenommen. Auch der Buchbinderei widmete -Mame besondere Sorgfalt. Seit 1859 ist der Sohn PAUL Teilhaber. Schon -damals beschäftigte das Institut über 1000 Leute und produzierte täglich -gegen 15000 Bände. Der Verlag besteht hauptsächlich in Schriften -pädagogischen und religiösen Inhalts, welche, mit einem Preise von -60 Cent. für ein schön gebundenes Bändchen beginnend, bis zu den -höchsten Preisen geliefert werden. Mames grösster Vorzug ist eine -für alle Arbeiten, die billigsten ebensogut wie die teuersten, sich -gleichbleibende Sorgfalt. Seine glänzenden typographischen Siege errang -er hauptsächlich durch seinen Schwarzdruck; bunte Farben, Gold und die -Hülfsmittel der Schwesterkünste der Buchdruckerkunst wurden von ihm nur -als notwendige Konzessionen an den Geschmack des Publikums betrachtet. -Er ist ein echter Schwarzkünstler. - -Unter seinen Prachtwerken sind ausser seinem herrlichen _Missale_ -in Folio, das mit allem Raffinement ausgestattet ist, besonders zu -erwähnen die illustrierten Prachtwerke _La Touraine_ mit Zeichnungen -von Français, K. Girardet und Catenacci, das schon 1855 von der Jury -der Weltausstellung als ein Meisterwerk ersten Ranges anerkannt wurde, -und die Bibel mit den epochemachenden Illustrationen Gustav Dorés, -die mittels Clichés Eigentum fast aller Länder geworden sind. Zu den -neueren Prachtwerken, bei welchen Künstler wie Foulquier, Giacomelli -und Hallez mitwirken, gehören die _Chefs-d'[oe]uvre de la langue -française_. Von allen von ihm herausgegebenen Werken lässt Mame ein -Exemplar auf Pergament drucken, eine typographische Sammlung von -grossem Wert. Auf allen Weltausstellungen erreichte Mame das höchste -Mass der Auszeichnungen und es ist wohl kaum eine Stimme dagegen laut -geworden[109]. - - [109] Behufs Verteilung bei Ausstellungen gab Mame einen illustrierten - Bericht über sein Etablissement heraus. In dem Jahrgang 1865 des - Journ. f. B. Nr. 6 ff. findet sich eine deutsche Bearbeitung - mit den Abbildungen des Originals. Bei späteren Ausstellungen - erschienen neue Auflagen des Berichts. - -[Sidenote: H. Fournier * 1795.] - -Die Leitung der Mameschen Buchdruckerei lag in den Händen HENRI -FOURNIERS. Derselbe arbeitete 1812 bei Didot, wo er für den tüchtigsten -Setzer galt. 1824 gründete er selbst in Paris eine Buchdruckerei, die -später durch Kauf in die Hände Jules Clayes überging. Fournier druckte -und verlegte eine Anzahl kompakter Ausgaben der französischen Klassiker -und verschiedene illustrierte Werke: _Les petits Misères de la vie -humaine_, _La Chine ouverte_, die von einem feinen Geschmack und grosser -Tüchtigkeit zeugten. Er zog nach dem Verkauf seines Geschäfts wieder -nach seiner Vaterstadt Tours. Auf Grund der typographischen Ausführung -von _La Touraine_ wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. -Allgemein bekannt auch in Deutschland ist Fournier durch seinen _Traité -de la typographie_, das einzige die Kunst des Setzers mit Geschmack -behandelnde Lehrbuch. - -[Sidenote: P. Dupont * 1796, [+] 12. Dec. 1880.] - -Für den Accidenzdruck haben PAUL DUPONT und seine _Imprimerie -administrative et des chemins de fer_ Bedeutung[110]. Seinem -ganzen Wesen nach ist das Institut eins der modernsten und -umfasst Buchdruckerei und lithographische Anstalt mit mehr als 50 -Schnellpressen, 25 Handpressen und 1200 Arbeitern. Ein merkwürdiges -Unternehmen Duponts sind die _Archives parlementaires_ der verschiedenen -Repräsentationen Frankreichs von 1787-1860: Generalstaaten, Direktorium, -Konsulat, Kaiserreich, Restauration, Hundert Tage, zweite Restauration, -Juli-Regierung, zweite Republik, zweites Kaiserreich; kann man eine -grössere Abwechselung verlangen? Dupont hat sich Ruf durch seine -praktischen Beiträge zur Lösung der Arbeiterfrage durch Beteiligung der -Arbeiter erworben und hat in seinen Bestrebungen unter den französischen -Industriellen viele Gleichgesinnte und Nachfolger gefunden, z. B. -Laurent & Deberny, Schriftgiesserei, seit 1848, Chaix & Co. und Godchaux -& Co. seit 1871, Mame und Masson seit 1877. - - [110] _Notice sur les établissements de P. D._ 1867. -- _P. D. et ses - ouvriers assoc._ -- Journ. f. B. 1865, Nr. 35-37. -- P. DUPONT, - _Une Imprimerie en 1867_. Paris 1867. - -Anlässlich der Pariser Ausstellung 1867 gab Dupont ein Prachtwerk -heraus, enthaltend eine für den Laien interessante Schilderung seiner -Anstalt; freilich nicht ohne eine gewisse Ostentation und kräftige -Hervorhebung der Lichtseiten. Ferner schrieb er eine _Histoire de -l'imprimerie_, zwei Bände, 1854, jedoch mehr eine Sammlung von -Material als eine durchgearbeitete Geschichte[111] und, abgesehen von -der Erfindungsgeschichte, fast ausschliesslich sich mit Frankreich -beschäftigend. - - [111] Die 1881 erschienene neue Ausgabe ist die alte mit einem neuen - Titel. - -Von den vielen grossen Offizinen nennen wir nur diejenigen, die irgend -eine charakteristische Seite aufzuweisen haben. - -[Sidenote: Jules Claye.] - -JULES CLAYE (ursprünglich H. Fournier) ist eine bedeutende -Buchdruckerei, aus welcher eine grosse Anzahl von Prachtwerken Pariser -Verleger hervorging, darunter die grossartigste Erscheinung der jüngeren -Typographie, Hachettes _Les Évangiles_. Wenn wir gleich daneben ein -kleines Kunststückchen Clayes, seinen Katalog der Ausstellung des -_Cercle de la librairie_ in Wien 1873 nennen, so geschieht es nur, -weil das Büchlein zu den Gegenständen gehört, bei deren Betrachtung -man sich sagen muss, es giebt ein gewisses Etwas in der französischen -Typographie, in welchem man ihr nicht nachkommt, nicht weil man es -technisch nicht ebenso gut machen könnte, nachdem es einmal vorliegt, -sondern weil man einfach nicht auf den Gedanken kommt, es so zu -machen. Clayes Nachfolger im Geschäft ist A. Quantin. Aus der Schule -Mames hervorgegangen, gilt dieser als einer der vorzüglichsten und -geschmackreichsten Drucker. Die _Histoire de Joseph_ wird als ein -würdiges Seitenstück zu _Les Évangiles_ bei Hachette betrachtet. - -[Sidenote: A. Chaix.] - -Zu Claye steht A. CHAIX & CO. ungefähr in demselben Verhältnis wie -Dupont zu Mame. Die Firma, jetzt wie die Duponts in den Händen einer -Kommandit-Gesellschaft, ist _Imprimerie et librairie centrales des -chemins de fer_[112]. Wie schon aus der Bezeichnung hervorgeht, legte -sich Chaix besonders auf Arbeiten für Eisenbahnen und zwar zu einer -Zeit, als viele Eisenbahnbauten in Angriff genommen wurden. Ausserdem -druckte er viele Wertpapiere. Selbst das für so manchen ruinöse -Jahr 1848 brachte Chaix' Etablissement Vorteil durch die vielen -dort ausgeführten Zeitungen und politischen Broschüren, denn seine -Druckerei war der Sammelplatz der neuen politischen Grössen, wo auch -der nachmalige Kaiser fast täglich verkehrte. 1878 beschäftigte er -48 Schnellpressen und gegen 700 Personen. Das Lokal gewährt das Bild -einer grossen Eisenbahnhalle, mit Oberlicht versehen und von Galerien -umgeben. In der Mitte arbeiten die Setzer; ringsherum stehen die -Maschinen. Jeden Monat wird ein neuer Orientierungsplan ausgegeben, -um die Hersteller der verschiedenen Arbeiten leicht auffinden zu -können. Das grosse Tarifbuch im stehenden Satz enthält 36 Millionen -Nonpareil-Typen. Für die mehrfarbigen Plakate, öfters von mehr als zwei -Meter Höhe und anderthalb Meter Breite, sind die schon oben erwähnten -besonderen Maschinen in Gang. Die Buchhandlung beschäftigt sich fast -ausschliesslich mit Eisenbahnlitteratur. Chaix sorgt sowohl durch -Beteiligungssystem und Kassen, die jetzt über ein Kapital von 300000 -Franken verfügen, als durch zweckmässige Einrichtungen in dem Lokal -und eine billige Arbeiterküche für das Wohl der Gehülfen. Für die -Ausbildung der Lehrlinge errichtete er eine Schule mit vier Klassen -unter Berücksichtigung der vier Lehrjahre der Zöglinge. Nicht allein, -dass der Unterricht frei ist, sondern den Lehrlingen werden Marken -verabreicht, die sie beim Beginn der Stunden abzugeben haben. Für jede -Marke, die also als Zeichen der Anwesenheit in der Schule gilt, wird dem -Lehrling ein kleiner Geldbetrag gutgeschrieben. Für die Schüler schrieb -Chaix selbst ein Handbuch der Buchdruckerkunst, gab auch anlässlich der -Ausstellung 1878 einen 338 Seiten starken Bericht über seine Anstalt -heraus. - - [112] _Histoire de l'imprimerie centrale, etc._ Paris 1878. - -[Sidenote: _Agence Havas._] - -Ist Chaix' Druckerei als typisch für eine Druckerei des Augenblicks -zu betrachten, so kann die am _Place de la bourse_ gelegene Offizin -der _Agence Havas_, der politischen Korrespondenz Frankreichs, als das -Bild einer Zukunftsdruckerei gelten. Es werden hier nur Setzmaschinen -verwendet, und zwar Kastenbeinsche, die durchweg von Frauen bedient -werden. Diese Druckerei liefert für die Provinzblätter stereotypierte -Satzspalten, die, in Stücke zersägt, sich mit dem eigenen Satz der -Blätter zusammen verwenden lassen. - -[Sidenote: P. H. Plon * 1805.] - -Einen bedeutenden Namen als Werkdrucker erwarb PH. H. PLON[113]. Er -war Setzer in der Offizin Béthunes, bei dem das _Dictionnaire de la -conversation_ in 52 Bänden erschien. Bei der Herausgabe zeigte Plon -eine grosse Thätigkeit und wurde Teilnehmer des Geschäfts. Als auf -Grund entstandener Verlegenheiten Béthune sich zurückzog, übernahm -Plon allein das Geschäft, welches sich äusserst rasch hob und Luxus- -und Farbendrucke von Bedeutung lieferte, besonders aber gute -Werkdrucke. 1854 wurde Plon Buchdrucker Napoleons III. und druckte und -verlegte dessen Leben Caesars. Sein wissenschaftlich und künstlerisch -ausgebildeter Sohn übernahm nach dem Tode des Vaters das Geschäft. - - [113] _Quelques mots sur la maison Henri Plon._ -- Henri Plon. - Paris 1873. - -Den Farbendruck hat die Firma so gut wie fallen lassen. Ohne gerade als -Meisterstücke hervortreten zu wollen, zeichnen sich, wie die älteren, -so auch die neueren Verlagserzeugnisse Plons, als: _Collection des -classiques français_ in 32°; _Les Chartes et les archives nationales_ -in 4°; die _Bibliothèque historique_ in mehr als 300 Bänden in 8°; die -_Bibliothèque des voyages_ und die _Bibliothèque des romans_ durch -Tüchtigkeit in der Ausführung aus. - -[Sidenote: Lacrampe.] - -Die Firma LACRAMPE & CO. wurde 1837 als Assoziationsdruckerei -von 19 Arbeitern, alles tüchtige, arbeitsame und für ihren Beruf -enthusiasmierte Männer, begründet. Sie wählten ihren Chef und -wirtschafteten gemeinschaftlich. Das Resultat war trotz der -redlichsten Anstrengungen und zahlreichen Aufträge kein günstiges. -Nicht besser ging es der unter der Firma François & Co. gegründeten -Assoziationsbuchdruckerei, gewöhnlich »die Zehn« genannt. - -[Sidenote: Crété fils.] - -CRÉTÉ FILS ist zwar in Corbeil ansässig, gehört jedoch thatsächlich -zu den Pariser Buchdruckereien, da das kolossale Etablissement nur -für Pariser Verleger beschäftigt ist; Crété konkurriert würdig mit -Claye in der Herstellung illustrierter Werke, namentlich für Hachettes -Verlag, und wird hinsichtlich einer sich stets gleichbleibenden Güte und -Gleichmässigkeit des Schriftdrucks kaum übertroffen. - -[Sidenote: Gauthier-Villars.] - -[Sidenote: Bailleul [+] 30. Mai 1875.] - -GAUTHIER-VILLARS macht eine Spezialität aus solchen Arbeiten, die -andere am liebsten von sich weisen möchten; bei ihm heisst es aber, je -schwieriger, desto besser. Seine für die wissenschaftlichen Institute -und Akademieen gelieferten Tabellen-, arithmetischen und mathematischen -Arbeiten, unter welchen sich die Werke des de Laplace und Lagrange -befinden, sind mit grossem Fleisse und mit typographischem Verständnis -ausgeführt, würden jedoch in Deutschland nicht für so epochemachend -gehalten werden, wie es in Frankreich der Fall war. Als Schöpfer des -modernen mathematischen Satzes muss der bis in sein 78. Jahr bei -Gauthier-Villars arbeitende Setzer BAILLEUL betrachtet werden, der -zuerst bei Crapelet ausgebildet war und bei dem Schriftgiesser Ch. -Laboulaye in seinen Bemühungen Unterstützung fand. Er wurde zum Ritter -der Ehrenlegion ernannt. Es sei dies als Zeichen eines anerkennenswerten -Vorgehens der französischen Regierung angeführt, dass sie den -hochverdienten Arbeiter ganz in derselben Weise wie den ersten Bürger -ehrt, und andererseits ist es von den französischen Buchdruckern zu -loben, dass sie neidlos die Verdienste ihrer Kollegen und Gehülfen in -ein helles Licht zu setzen suchen, damit die Regierung sie kennen und -schätzen lernt. - -[Sidenote: Verschiedene Pariser Offizinen.] - -Unter den tüchtigen Firmen seien noch wenigstens kurz erwähnt: C. -MOTTEROZ, der sich auch schriftstellerisch durch sein Werk über die -chemischen Illustrations-Verfahren[114] verdient gemacht hat und -unter Zuhülfenahme aller graphischen Künste viele Accidenzarbeiten -für die grossen Magazine in Paris ausführt; EMILE MARTINET, bekannt -durch sein seit 1872 bestehendes Internat für Setzerinnen in Puteaux; -GEORGES CHAMEROT, Nachfolger von Firmin Didot, der schöne illustrierte -Ausgaben lieferte; WITTERSHEIM & CO., deren Zeitungsdruckerei von der -Regierung angekauft wurde; LAHURE, der mit 40 Schnellpressen und 18 -Handpressen viele illustrierte Werke druckt; DUMAINE, der die Arbeiten -des Kriegs- und des Marineministeriums liefert und selbst einen grossen -Verlag von _Militaria_, Rang-, Quartierlisten etc. hat; die _Société -de publications périodiques_, welche, von Panckoucke unter der Firma -_Société du Moniteur et de l'Encyclopédie méthodique_ gegründet, unter -der Direktion von PAUL DALLOZ einen bedeutenden Aufschwung genommen hat -und eine grosse Zahl von Zeitungen druckt. - - [114] _Essai sur les gravures chimiques._ Paris 1871. 2. Aufl. - Paris 1879. - -[Sidenote: Offizinen der Provinz.] - -Unter den Offizinen ausserhalb Paris finden sich, abgesehen von den -schon erwähnten von Mame und Berger-Levrault, noch manche von Bedeutung. -Ganz besonders hervorzuheben sind die Firmen L. DANEL in LILLE und F. -C. OBERTHUR in RENNES. Erstere, seit dem Ende des XVII. Jahrhunderts -bestehend, arbeitet mit 33 Maschinen, 26 Handpressen und 450 Arbeitern, -alle graphischen Nebengewerbe in ihren Räumen vereinigend, die, nach -einem totalen Brand 1871, höchst zweckmässig neu aufgeführt wurden. Der -Hauptzweig ist Congrevedruck und die Firma liefert für den Handel und -die Fabrikation eine enorme Zahl von Accidenzien. Um seine Tüchtigkeit -im chromographischen Druck zu zeigen, hatte Danel zur Ausstellung 1878 -ein Werk _Voyage dans un grenier_ geliefert. Oberthurs Offizin hat -ungefähr dieselbe Ausdehnung wie die Danels und ist 1874 neu aufgebaut; -sie versorgt Frankreich namentlich mit Agenden, Kalendern und ähnlichem. - -Zu erwähnen sind unter anderen noch OUDIN FRÈRES in POITIERS mit -umfangreichen Verlagswerken als: _Historiens des Gaules_ und _Les -Châteaux historiques de France_ mit in den Text gedruckten Radierungen; -ALLIER PÈRE & FILS in GRENOBLE mit dem _Armorial et nobiliaire de -l'ancien duché de Savoie_; CAPOULAUD FRÈRES (seit 1607) in LIMOGES, -welche kleinere Stadt in der Bücherproduktion mit 466 Werken in einem -Jahre gleich nach Paris mit 2286 kommt, während das einst graphisch so -bedeutende LYON nur 134 Werke, BORDEAUX nur 49 aufwies. In TOULOUSE sind -J. M. SIRVEN und P. PRIVAT, in CAEN F. LEBLANC-HARDEL, in MANS MONNOYER -bemerkenswert. - - * * * * * - -[Sidenote: Drucker und Verleger illustrierter Werke.] - -Unter den Herstellern der ausserordentlich zahlreichen illustrierten -Werke, die in Paris erschienen sind, Verlegern sowohl als Buchdruckern, -befinden sich hervorragende Männer. Wie das Pressgewerbe sich gestaltet -hat, ist es oft schwer zu sagen, wem der Ruhm für die schöne Ausstattung -am meisten gebührt, dem Verleger, der die Herstellung in allen Details -mit Sachkenntnis und Geschmack anordnet, oder demjenigen, der den -Druck übernimmt. Nicht selten sind die Fälle, dass der Verleger erst -den Ruf eines Druckers macht, der anfänglich nur unwillig sich von dem -Schlendrian und dem Alltäglichen abbringen lässt, vielleicht gar den -Verleger verwünscht, der ihn zwingt, ein guter Drucker zu werden. Oft -teilen sich beide, Verleger und Drucker, in die Ehre, und so sollte es -immer sein, wenn nicht Verleger und Drucker in einer Person vereinigt -sind. - -[Sidenote: Ch. Furne.] - -Noch produktiver als der obenerwähnte Fournier war CHARLES FURNE, erst -Angestellter im Zollfach, dann seiner Leidenschaft für schöne Bücher -nachgebend, ein unternehmender Bücherproduzent. Den Text zu dem von -ihm verlegten Don Quixote hatte er selbst übersetzt. Wie es in Paris -so oft der Fall war, ging das Geschäft 1836 in eine Aktiengesellschaft -über, deren Direktor Furne wurde. Eine der vorzüglichsten Leistungen -der jetzigen Firma FURNE, JOUVET & CO. ist Michauds _Histoire des -Croisades_, illustriert von G. Doré, in Folio. - -[Sidenote: E. Bourdin.] - -E. BOURDIN brachte J. Janins _L'Ane mort_, Sternes _Voyage -sentimentale_, _La Normandie et la Bretagne_, _Mémorial de Saint-Hélène_ -von Las-Cases, illustriert von Charlet, das grosse Reisewerk des Fürsten -Demidoff und andere Prachtwerke. - -[Sidenote: J. Hetzel.] - -JULES HETZEL, selbst ein geachteter Schriftsteller (Pseudonym P. J. -Stahl), lieferte Grandvilles _Scènes de la vie publique et privée des -animaux_ und dessen _Les Animaux peints par eux-mêmes_. H. DELLOYE -veröffentlichte Balzacs _La Peau de chagrin_, _La France pittoresque_, -_La France monumentale_, _La France militaire_. Ein grossartiges, -jedoch nicht illustriertes Verlagswerk war Nap. Landais' _Dictionnaire -de la langue française_. Durch politische Verhältnisse gezwungen -siedelte Hetzel 1851 nach Brüssel über, kehrte jedoch 1859 nach Erlass -der Amnestie zurück und gründete die _Librairie d'éducation et de -récréation_. 1864 begann er das _Magasin illustré d'éducation et de -récréation_, eine Sammlung tüchtiger Werke für die Jugend. - -[Sidenote: J. J. Dubochet.] - -[Sidenote: J. Paulin * 1793.] - -Epoche machte die bei J. J. DUBOCHET erschienene _Histoire de Napoléon_, -illustriert von Horace Vernet. Ein allerliebstes Werk war Töpffers -_Voyage en zigzag_. Von Dubochets nichtillustrierten Werken sind zu -erwähnen eine vortreffliche Kollektion von älteren Klassikern in -Übersetzungen von Nisard, 27 Bände Oktav, und die _Million de faits_. -Mit ihm gleichzeitig wirkte J. B. A. PAULIN, erst Mann der Wissenschaft -und Advokat, dann Verleger, der zusammen mit Dubochet _L'Illustration_ -(1843) gründete. Diese Zeitschrift ging später in die Hände von A. MARC -& CO. über. Sie nimmt einen ehrenwerten Platz unter den illustrierten -Blättern ein, ohne jedoch ihr Vorbild, die _Illustrated London News_, zu -erreichen, hat auch nur eine Verbreitung von 18000 Exemplaren. Paulin -gab auch eine prachtvolle Ausgabe von Thiers' _Histoire du Consulat et -de l'Empire_ in 17 Bänden heraus. Das frühere Werk _L'Histoire de la -Révolution française_ von dem damals unbekannten Advokaten erschien -bei LECOINTE & PUGIN und auf dem Titel wurde der Name Félix Bodin als -Deckung vor den Namen Ad. Thiers eingeschmuggelt. Der Erfolg war ein -solcher, dass Thiers ferner keine schützende Flagge für seinen Namen und -seine Werke gebrauchte. - -[Sidenote: _Magasin pittoresque._] - -Unter den illustrierten kleineren Blättern, die in Nachahmung des _Penny -Magazine_ erschienen, ist das _Magasin pittoresque_ das hervorragendste -und das am schönsten ausgeführte nicht allein in Frankreich. Ein -Phänomen ist es, dass nicht allein der Redacteur CHARTON und die -Xylographie von ANDREW BEST & LELOIR, sondern auch die Direktion -der Setzer und Drucker von 1833 bis auf die jüngste Zeit dieselben -geblieben sind. Der Unternehmer hiess LACHEVARDIÈRE; die Ehre gebührt -jedoch Charton und Best ([+] 2. Oktober 1879), MARTINET lieferte den -vortrefflichen Druck. Zu demselben wurde die erste Schnellpresse in -Frankreich eingeführt, die von Applegath & Cowper in London gebaut war. -Neben dem genannten Blatt nahm namentlich _Le Musée des familles_ einen -respektablen Platz ein. BOURDILLAT, der auch die _[Oe]euvres de Gavarni_ -herausgab, gründete _Le Monde illustré_, Hachette das sehr verbreitete -_Journal pour tous_. Ein xylographischer Künstler von grossem Ruf war L. -H. BREVIÈRE[115]. - - [115] J. ADELINE, L. H. Brevière. Rouen 1876. - -[Sidenote: L. Curmer * 17. Dezbr. 1801.] - -Der Bahnbrecher für die eigentlichen Luxusbücher, die unter Benutzung -der Chromoxylographie und der Chromolithographie entstanden, war LÉON -CURMER (1834). Er gehörte einer alten irländischen Adelsfamilie an, -war aber in Paris geboren. Wenige Verleger haben in dem Grade ihre -Zeit begriffen, wie er sie verstand, und wenige haben in gleicher -Weise, wie er es that, auf die Ausbildung des Kunstdrucks gewirkt ohne -selbst die Kunst zu üben. Stets wusste er eine Anregung, eine neue -Idee zu bringen. Wie reich er an Initiative war zeigt jeder seiner -Verlagsartikel. Er verstand es, sich mit Künstlern zu umgeben, die ganz -auf seine Intentionen eingingen, und so entstanden seine Werke aus einem -Gusse. Eine seiner bewunderten Unternehmungen war _Paul et Virginie_, -illustriert mit Holzschnitten von Tony Johannot und Meissonier, und auf -das vortrefflichste von Evérat gedruckt. Es folgten dann _Le Jardin -des plantes_, _La Grèce pittoresque_, _L'Irlande pittoresque_, _Les -Anglais_ und _Les Français peints par eux-mêmes_, _Les Beaux-Arts_, _Les -Contes des fées_ von Perrault und andere Werke. Prachtvoll waren seine -religiösen Bücher mit Randleisten in Farbendruck und anderem Schmuck. -Alle überragt _L'Imitation de Jésu-Christ_ mit einer grossen Anzahl -Nachbildungen von Miniaturen und Einfassungen in Farben und Golddruck, -ebenso _Le Livre d'heures de la Reine Anne de Bretagne_. - -Sowohl in dem chromoxylographischen als in dem chromolithographischen -Druck besass Frankreich Meister ersten Ranges, so für ersteren G. -Silbermann und E. Meyer, für letzteren Engelmann Vater und Sohn. - -[Sidenote: G. Silbermann * 1801, [+] 23. Juni 1876.] - -Kaum giebt es unter den neueren Typographen einen Namen, ausser dem -Didotschen, der überall einen so guten Klang hat wie der GUSTAV -SILBERMANNS in Strassburg[116]. Die Anfänge des Hauses sind in einer -dortigen kleinen Buchdruckerei des Andreas Ulrich zu suchen, welche -die Grossmutter Silbermanns 1798 ankaufte. Letzterer lernte bei Didot -und ging dann zu seiner Ausbildung nach England und Deutschland. Als -1840 Engelmann, ebenfalls ein Elsässer, mit seinen Chromolithographien -die allgemeine Aufmerksamkeit erregte, gründete Silbermann 1846 ein -Etablissement in Paris, zur Herstellung chromoxylographischer Drucke, -gab dies jedoch bald in die Hände seines Mitarbeiters, Ernst Meyer, -der trotz seiner Tüchtigkeit nicht recht prosperierte und 1863 das -Etablissement an Marc verkaufte. Silbermann war nach Strassburg -zurückgekehrt und vervollkommnete fortwährend den Buntdruck. Eine seiner -ersten Arbeiten dort war eine Ausgabe von Pfeffels Fabeln mit bunten -Einfassungen. Für die englischen Modezeitungen lieferte Silbermann in -grossen Auflagen farbige Stickmuster. Einer seiner bedeutendsten Drucke -ist die Nachbildung des Banners der Stadt Strassburg, ein Blatt von -60 × 50 Centimeter. Da das Banner selbst 1793, das Bild, nach welchem -es angefertigt war, 1870 zugrunde ging, so hat das Blatt einen um so -grösseren Wert. Als eifriger französischer Patriot verliess Silbermann -nach dem Kriege Strassburg und verkaufte sein Geschäft an M. Schauenburg -in Lahr, erwarb es jedoch 1872 wieder, um es in die Hände seines -früheren Schülers und durch 35 Jahre treuen Mitarbeiters Fischbach zu -geben[117]. - - [116] Ann. d. Typ. Nr. 361. VIII. Band. - - [117] 1840 erschien anlässlich der Einweihung der Gutenbergstatue in - Strassburg ein _Album typographique_ von Silbermann, um die - Fortschritte der Kunst zu veranschaulichen. 1872 sammelte er - unter dem Titel _Album d'impressions typographiques en couleur_ - eine Anzahl Blätter seiner Drucke, die von seinen Leistungen - eine, wennauch nicht ganz genügende, Vorstellung geben. - -[Sidenote: G. Engelmann * 17. Aug. 1788, [+] 25. April 1839.] - -War auch die lithographische Kunst dem Worte nach durch den Grafen -Lasteyrie 1814 nach Frankreich gebracht worden, so ist dem Sinne nach -GOTTFRIED ENGELMANN[118] aus Mülhausen der eigentliche Einführer. Im -Jahre 1816 etablierte Engelmann ein Atelier in Paris, 1820 brachte er -die Lithographie nach Spanien, 1826 gründete er ein Haus in London. Er -muss als der bedeutendste Förderer der Kunst Senefelders bezeichnet -werden und steht zu dieser etwa in dem Verhältnis wie Schöffer zu -der Erfindung Gutenbergs. Engelmann ist der eigentliche Schöpfer der -Chromolithographie. 1837 ward ihm für seine Erfindungen ein zehnjähriges -Patent erteilt und 1838 erhielt er den Preis der Gesellschaft zur -Aufmunterung der Künste. - - [118] Ann. d. Typ. VII. Bd. 1875, Nr. 329. - -[Sidenote: Joh. Engelmann [+] 25. Juli 1875.] - -Den Ruhm des Vaters behauptete der Sohn JOHANN ENGELMANN. Seine im -Verein mit AUG. GRAF betriebene Chromolithographie blieb lange die -einzige in Paris. Ganz besonders widmete sich diese der Reproduktion -von Glasgemälden und Miniaturen älterer Manuskripte. Das erste _Livre -d'heures_ in Chromolithographie ging nach dreijähriger Arbeit aus dem -Atelier hervor. Ein Meisterwerk sind auch die _Statuts de l'ordre du -Saint-Esprit_ 1853. - -Ganz vorzüglich sind die sogenannten Diaphanie-Bilder von Engelmann -und Graf, welche in transparenter Chromolithographie die Glasmalerei -täuschend nachahmen. Mit acht bis höchstens neun Farben, -- mehr dürfen -der Durchsichtigkeit wegen nicht verwendet werden, -- brachten sie, -nachdem die Bilder mit Firnis getränkt waren, die vortrefflichsten -Effekte hervor. - -[Sidenote: Lemercier.] - -[Sidenote: A. Racinet.] - -Ein bedeutender Künstler in jeder Branche der Lithographie ist A. -LEMERCIER. In den polychromen Unternehmungen fast aller Pariser Verleger -finden sich die Erzeugnisse seiner Thätigkeit vor. Sein grosses -Musterbuch ist eine so lehrreiche Geschichte der Lithographie, wie man -sie nur wünschen kann. Auch die Anstalt von Didot unter des verdienten -A. RACINETS künstlerischer Leitung nimmt in dem Chromodruck eine -höchst bedeutende Stellung ein. Weltruf hat des letzteren _L'Ornement -polychrome_ erworben. - -[Sidenote: Lithographischer Buntdruck.] - -Im Bilderdruck leistete Frankreich im Verhältnis zu Deutschland wenig; -die besten Leistungen sind die von JEHENNE, HANGARD-MAUGÉ, J. F. DUPUY, -OMER-HENRY. Dagegen ist es Deutschland quantitativ und qualitativ -voraus in der Verwendung des Farbendruckes zu illustrativen Zwecken. -Es entstand in dieser Weise eine Reihe unvergleichlich schöner Werke, -namentlich über Architektur, Kunstindustrie, Kulturgeschichte, ja selbst -über Kochkunst, welche Meisterstücke sind sowohl hinsichtlich der -korrekten Zeichnung als auch der technischen Durchführung und Naturtreue -des Kolorits und dabei zu ungewöhnlich billigen Preisen geliefert -werden. Auch in der Verwendung des Farbendruckes für die unzähligen -Gegenstände der Papeterie behaupteten die Franzosen lange Zeit den -Vorsprung. In dieser Branche zeichneten sich Testu & Massin (jetzt -Champenois & Co.) und F. A. Appel aus. Letzterer lieferte Vorzügliches -im Miniaturdruck und ist zugleich Spezialist im Plakatdruck auf Zink, -dessen eigentlicher Erfinder MAX CREMNITZ ist. Ebenfalls im Plakatdruck -erzielt J. CHÉVET grossen Effekt mit wenigen Farben; für Arbeiten zu -wissenschaftlichen Zwecken ist BEQUET & FILS bekannt. Etikettendruck -betreiben in grossem Umfang PICHOT & CO. Als ein seltener Fall ist noch -das gute Gelingen der Assoziations-Anstalt unter der Firma ROMANET & -CO. zu erwähnen. Im Zinkdruck steht Monroq obenan. Die hervorragendste -Erscheinung in der Photochromie ist VIDAL und seine _Trésor artistique -de la France_ und _Histoire générale de la tapisserie_ sind nicht -übertroffen; doch dürfte seine Methode, als zu teuer und umständlich, -nicht rasch in die Praxis dringen. - -Als Kunstdrucker für Stiche ist CHARDON hervorragend. Im Stichverlage -dürfte wohl GOUPIL mit den Filialen in London, New-York, Brüssel, -Haag, Berlin und Wien die erste Weltfirma sein. In ihren grossartigen -Ateliers in ASNIÈRES bei Paris, unter der künstlerischen Leitung von -ROUSSELON, wird der photographische Lichtdruck, hauptsächlich jedoch -der Woodburydruck und die heliographischen Methoden in vortrefflichster -Weise geübt. - -[Sidenote: E. Schieble * 1823, [+] 23. Okt. 1880.] - -Im Kartendruck erwarb sich ERHARD SCHIEBLE (gen. ERHARD) aus Forchheim -in Baden einen bedeutenden Namen. Er verwendete alle Erfindungen der -Neuzeit und brachte durch pastosen Auftrag der Farben vortreffliche -reliefartige Wirkungen hervor. Die schönsten Karten der Regierung sowohl -als der privaten Verleger stammen aus seiner Offizin. - -[Sidenote: A. Collas.] - -Erwähnt sei hier noch die von ACHILL COLLAS geübte Methode, erhabene -Medaillons u. dgl. mittels des Storchschnabels zu gravieren -(Glypthotik), in welcher die mehr oder weniger anschwellenden -Linien vollständig den Eindruck von Reliefs gewähren. _Le Trésor de -numismatique_ in dieser Weise durchgeführt giebt einen glänzenden Beleg -für den Wert der Glypthotik. Die ersten Versuche dieser Kunst hatte -schon ein Deutscher CHRIST. GOBRECHT in Philadelphia 1817 gemacht. 1819 -kam die Maschine nach London und wurde von TURREL & SAXTON verbessert. -Für die Bank zu London konstruierte 1829 BATE eine die früheren weit -übertreffende Maschine, die jedoch immer noch gegen die von Collas sehr -zurückstand. - -[Sidenote: J. Gavard.] - -JOSEPH GAVARD lieferte mittels des von ihm erfundenen Diagraphen, -unterstützt von Calamatta und Mercuri, in drei verschiedenen -Ausgaben die _Galerie historique de Versailles_ in 13 Bänden mit 3 -Supplementbänden (1837-1847) mit 1550 Stahlstichen. - -Von den Werken der Kupferstichkunst sei noch als eines der bedeutendsten -das _Musée français_ von Robillard-Péronville mit 344 Kupfertafeln der -bedeutendsten Stecher Frankreichs erwähnt, während die Lithographie -zur Ausschmückung des grossartigen Werkes _Voyages de la commission -scientifique du Nord_, 29 Bände, mit 762 Tafeln in gr. Folio, in -hervorragender Weise diente. - -[Sidenote: Morel & Co.] - -Was Curmer für die Luxusbücher war, ist die Firma VEUVE A. MOREL & CO. -in Benutzung des Chromodruckes für die Zwecke des praktischen Lebens. Im -Fache der Architektur ist sie unerreicht und die Zahl der Prachtwerke -in dieser Richtung, die mit Aufgebot allen Raffinements in der -künstlerischsten Ausführung von dieser Firma geliefert wurde, ist eine -so grosse, dass es kaum möglich ist besondere Gründe zu finden, um eins -oder das andere aus der Reihe hervorzuheben. Bei Morel (jetziger Inhaber -der Graf des Fosez) erscheint auch das weitverbreitete Journal _L'Art -pour tous_. - -[Sidenote: J. Baudry.] - -In ähnlicher Richtung wirkten mit Umsicht und Erfolg, ohne jedoch den -Höhepunkt Morels in der Ausstattung zu erreichen, DUCHER & CO., DUNOD -und J. BAUDRY. Des letzteren, 1834 gegründete, _Librairie polytechnique_ -in Paris und Lüttich legte sich seit 1863 ganz besonders auf die Fächer -der Berg- und Hüttenwissenschaft, der Eisenbahn und Wegebautechnik und -förderte eine bedeutende Anzahl grosser Tafelwerke an das Licht. Auch -DUNOD kultiviert diese Spezialität. Unter den Prachtwerken von DUCHER -& CO. befinden sich: _Architecture privée an XIX siècle_; _Le nouvel -Opéra_ von Charles Garnier. - -[Sidenote: Roret.] - -Für die Popularisierung der technischen und naturwissenschaftlichen -Litteratur wirkte RORET durch seine, 1824 begonnene _Encyclopédie des -sciences et des arts_, besser bekannt unter dem Namen _Manuels Roret_. -Er brachte auch eine neue vollständige Ausgabe von den Werken Buffons -mit den _Suites de Buffon_, gegen 100 Bände mit unzähligen Abbildungen. - -Für die Medizin und die Naturwissenschaften sind die leitenden Firmen -J. B. Baillère, Germer-Baillère, V. Masson und V^{ve} A. Delahaye & Co. -Die Kataloge dieser Firmen sind getreue Zeugen der wissenschaftlichen -Bewegung nicht nur in Frankreich, sondern auch in England und -Deutschland, denn es erschien im Ausland kaum ein einschlägiges Werk, -das nicht von einer dieser Verlagshandlungen in tüchtigster Bearbeitung -herausgegeben wurde. - -[Sidenote: J. B. Baillère * 1798.] - -J. B. BAILLÈRE[119] (seit 1818) machte grosse Unternehmungen, darunter -Cruveilher, _Anatomie pathologique_ 1830-42; Hippokrates' Werke, -griechisch und französisch, 1839-50; _Iconographie ophthalmologique_ -1852. Im Jahre 1840 wurde eine Filiale in London, 1848 eine in New-York -errichtet und heute sind die Seitenzweige dieser Familie über alle -Erdteile, Australien nicht ausgenommen, verbreitet. GERMER-BAILLÈRE -druckt ausser naturwissenschaftlichen auch viele philosophische Werke -und mehrere Journale. - - [119] J. B. BAILLÈRE, _La cinquantaine d'un libraire_. Paris 1862. - -[Sidenote: Victor Masson * 1807, [+] 13. Mai 1879.] - -[Sidenote: G. Masson.] - -VICTOR MASSON, einer der hervorragendsten Buchhändler, geb. zu Beaume, -trat 1838 als Teilhaber in das Geschäft Chrochard, das 1846 in Massons -alleinigen Besitz überging. 1847 wurde die _Bibliothèque polytechnique_ -angefangen, der eine grosse Anzahl von technischen, medizinischen -und naturwissenschaftlichen Werken folgte, darunter _Cuvier_, _Le -Règne animal_; _Bonamy et Beau_, _Atlas d'anatomie_[120]; der grosse -_Dictionnaire encyclopédique des sciences médicales_ u. v. a. Nach -35jähriger rastloser Thätigkeit überliess Masson seinem Sohne GEORGES -das Geschäft, das dieser in derselben grossartigen, französische und -deutsche Vorzüge vereinigenden Weise glänzend fortführt. Die Firma -verlegt nicht weniger als 17 periodische Fachzeitschriften und ist -die Buchhandlung für die bedeutendsten Akademieen und Gesellschaften. -Trotz des vorwiegend wissenschaftlichen Charakters des Verlags ist der -Verleger bestrebt, demselben auch eine anziehende äussere Form zu geben. -Als Vorsitzender des _Cercle_ hat Masson sich bedeutende Verdienste um -das Ausstellungswesen desselben, namentlich bei der Weltausstellung in -Wien 1873, erworben. - - [120] V. MASSON, _Notice nécrologique_. Paris 1879. -- Börsenbl. f. d. - d. B. 1879. Nr. 130. - -DELAHAYE hält sich streng an Medizin und Chirurgie und verlegt mehrere -Journale und viele bedeutende Werke, unter welchen der _Traité -d'Anatomie descriptive_ von Sappey als ein hervorragendes Monument gilt. - -Spezialfirmen sind für Landwirtschaft J. A. BIXIO; für Mathematik A. L. -J. BACHELIER; für Militärwissenschaft J. DUMAINE und CORRÉARD JEUNE; -für Geschichte und Staatswissenschaften G. GUILLAUMIN, P. F. AMYOT, A. -BAUDOUIN; für Kalenderverlag PAGNERRE. - -[Sidenote: Ch. Hingray * 1796.] - -CHARLES HINGRAY, erst Militär, dann Buchhändler, wurde durch seinen -juristischen und sprachlichen Verlag bekannt, in Deutschland namentlich -durch das vortreffliche Wörterbuch von Schuster und Régnier. Das Werk -eines enormen Fleisses ist der _Dictionnaire de la langue française_ von -Littré. Das Manuskript umfasste 415636 Blätter. Der Satz dauerte, mit -einer durch den Krieg 1870 herbeigeführten Unterbrechung, 13 Jahre. In -einer Spalte gesetzt würde das Buch eine Länge von 37525 Meter haben. - -[Sidenote: Maisonneuve.] - -Der Druck orientalischer Werke ist keine Lieblingsaufgabe der -französischen Buchdrucker. Als Verlagshandlung in dieser Richtung -haben Maisonneuve & Co. den Vorrang. Im Jahre 1851 kaufte Maisonneuve, -früher Associé von Cormon & Blanc in Lyon, von Théophile Barrois eine -Anzahl orientalischer Verlagswerke, die er später mit vielen neuen -vermehrte. Der Verlag enthält eine grosse Anzahl grammatikalischer -und lexikalischer Werke der orientalischen Sprachen und die Namen der -bedeutendsten Orientalisten als Eug. und Emile Burnouf, Eichhoff, -Abbé Favre, G. de Tassy, Stan. Julien, J. Oppert, Abel Rémusat, L. -de Rosny u. a. sind mit der Firma Maisonneuve & Co. verknüpft. -- -Unter den wenigen Buchdruckern in der Provinz, die in der Herstellung -orientalischer Werke etwas leisten, ist DEJUSSIEU in CHÂLONS zu nennen. - -[Sidenote: J. P. Migne * 1800.] - -Eine merkwürdige Erscheinung ist der Abbé J. P. MIGNE. Er wurde 1824 -Priester, nahm jedoch anlässlich einer Differenz mit dem Erzbischof -seiner Diözese seine Entlassung und ging nach Paris, wo er das Journal -_L'Univers_ gründete, welches er 1836 verkaufte. In _Petit-Montrouge_ -vor den Thoren von Paris gründete er eine Buchdruckerei, um katholische -Werke zu drucken. Die Anstalt gewann eine grosse Ausdehnung und -umschloss vom Schriftsteller ab bis zum Buchbinder alle Persönlichkeiten -und alle technischen Apparate, die zur Herstellung des Verlags des -Instituts notwendig waren. Die Sammlungen der Kirchenväter- und anderer -älterer theologischen Schriftsteller zählen nach hunderten von Bänden. - -In ähnlicher Richtung wie Migne wirkten GAUME FRÈRES. - -[Sidenote: Eug. Belin.] - -Im Unterrichtsfache weist der Buchdrucker und Verleger EUGÈNE BELIN -mehr als 1000 Werke auf. ARMAND COLLIN & CO., eine Firma neueren -Datums (1870), liefert Schulatlanten in Farbendruck zu sehr billigen -Preisen. CH. DELAGRAVE hat, unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner, das -_Institut géographique de Paris_ gegründet, aus welchem Brues _Atlas -universel_, von E. Levasseur revidiert, hervorging. Er verlegte ferner -viele biographische und technische, reich illustrierte Dictionnaire, -grosse Wand- und Reliefkarten, Globen etc. - -P. DUCROQ (1836) war einer der ersten, die für Bildungswerke die -Illustration mittels Stahlstichs im Verein mit Holzschnitten einführten. -Seine _Bibliothèque des familles_ in Bänden zu 2 Franken ist sehr -beliebt. DELARUE giebt gute Klassiker-Ausgaben zu billigen Preisen -heraus. - -Eine Spezialität aus liturgischen und archäologischen Werken macht die -_Société générale de librairie catholique_ und sie sucht die belgische -Produktion nach dieser Richtung hin aus dem Felde zu schlagen. In -ihrem Verlag erscheint auch eine Ausgabe der _Acta sanctorum_ der -Bollandisten; ferner der _Recueil des historiens des Gaules et de la -France_; die, 1626 begonnene, _Gallia christiana_, auch Werke im alten -Stil mit kunstreichen Einfassungen, als: _Notre-Dame de Lourdes_ und -_Christoph Colombe_, werden dort gedruckt. - -Unter den grossen Nachschlagewerken müssen genannt werden: Die -_Biographie universelle_ (1811) von J. und L. G. Michaud, 84 Bände; -W. Ducketts _Dictionnaire de la conversation_, 68 Bände (1812-1814); -ein ähnliches Werk erschien in 52 Bänden bei BELIN-MANDAR. Als ein -seltenes Beispiel der grossen Verbreitung eines gelehrten Werkes steht -die bei diesem Verleger (1838) erschienene Konkordanz von Dutripont da, -lateinisch geschrieben, ein in 28000 Expl. verkaufter Quartband von 200 -Bogen in dreispaltigem Satz. - -Ein Sammelwerk von grossem Umfang war _Collection Baudry_, zahllose -deutsche, italienische, spanische und andere schönwissenschaftliche -Werke, leider allerdings lauter Nachdrucke, enthaltend. Als die -Franzosen so heftig über die Brüsseler Nachdrucker herfielen, hätten -sie nicht vergessen sollen, dass sie es selbst nicht besser gemacht -haben. Dass die grossen Ausgaben der deutschen Klassiker, die bei TETOT -erschienen, keinen Erfolg hatten, beweist nicht den Mangel an gutem -Willen zu schädigen. - -[Sidenote: G. Charpentier * 1805.] - -Durch den Buchdrucker HENRI DELLOYE unternahm G. CHARPENTIER eine -Sammlung französischer Werke in dem nach ihm benannten und oft zur -Verwendung gekommenen hübschen Format in 18°. Diese elegant und kompakt -gedruckten Bände, von denen in wenigen Jahren über 400 erschienen, -fanden durch ihre Eleganz und den damals wohlfeilen Preis von 3-1/2 -Franken grossen Beifall. - -Unter den Herausgebern von Werken der schönen Litteratur ist CH. A. -PERROTIN, der Verleger Bérangers, zu nennen. Er erwarb des letzteren -Gedichte gegen Zahlung einer Jahresrente, die er freiwillig bedeutend -erhöhte, und blieb Bérangers Freund bis an dessen Ende und nachher -sein Testamentsvollstrecker. POURRAT Frères druckten eine sehr schöne -Ausgabe von Chateaubriands Werken in 36 Bänden. Bekannt waren auch -GUSTAVE BARBA, Vater und Sohn, welche den Roman in Heften zu 20 Cent. -einführten. Mit immensem Erfolg lieferte CHARLES GOSSELIN die Werke W. -Scotts, Coopers, Lamartines u. a. - -Die bedeutendsten Romanverleger waren jedoch MICHEL LÉVY FRÈRES (1836), -jetzt CALMAN LÉVY, deren jährliche Produktion etwa 1-3/4 Millionen Bände -beträgt, in etwa 200 neuen Werken und 650 neuen Abdrücken. Sie gaben -eine grosse Zahl der Werke Scribes, Dumas' u. v. a. heraus und führten -die billigen Ausgaben in Bänden zu 1 Frank (jetzt 1 Frank 25 Cent.) ein, -deren Zahl mehr als 1500 beträgt, während die Zahl der Theaterstücke an -6000 heranreicht. Sie gründeten auch _L'Univers illustré_. - -Wir wenden uns jetzt einer Firma zu, welche sich in keine Klasse -einordnen lässt, fast einzig in ihrer Art dasteht und, obwohl zu den -jüngeren gehörend, alle anderen überflügelt hat: L. HACHETTE & CO. - -[Sidenote: L. Hachette & Co.] - -[Sidenote: _Les Évangiles._] - -»Sollte jemand dem Verleger die Eigenschaft als Produzent streitig -machen, und ihn zu einem einfachen Händler stempeln wollen, der nichts -zu thun hat, als das Manuskript in die Druckerei zu tragen und dann -das zurückempfangene Druckwerk einfach zu verkaufen, so möchten wir -ihm die Leistungen der Firma Hachette entgegensetzen«[121], sagt ein -Bericht über die Wiener Ausstellung 1873 und diese Worte müssen sich -unwillkürlich dem aufdrängen, welcher das Entstehen und das Wachstum -dieses Hauses[122] ins Auge fasst. Sein Begründer LOUIS HACHETTE, -geboren in Rethel, lag erst den Studien ob und begründete dann, 1836, -eine pädagogische Buchhandlung unter der Devise: _Sic quoque docebo_. -1837 erhielt er auch Brevet als Buchdrucker, die Firma übte jedoch -dies Geschäft nicht. Im Jahre 1859 traten seine Schwiegersöhne L. -Breton und A. Templier dem damals bereits bedeutenden Geschäfte als -Teilhaber bei. Unverrückt wurde von der Begründung ab die Thätigkeit -auf alles gewendet, was für die Erziehung des Kindes, die Belehrung -und Veredlung des Jünglings oder der Jungfrau, die Fortbildung des -Mannes oder der Frau dient, und mit Stolz kann die Firma auf ihren, -eine ganze und grosse Bibliothek bildenden Verlag zurückblicken und -mit dem Bewusstsein, nie die edelste der Künste anders als in würdiger -Weise verwendet zu haben. Und dies bezieht sich nicht allein auf das -Innere der Bücher, sondern auch äusserlich ist alles in der besten -Ausstattung hergestellt, manchmal zu erstaunlich billigen Preisen. -Dieses konsequente, nie nachlassende Streben hat auch seinen äusseren -Lohn gefunden und das Haus Hachette steht durch seine Grösse und -die vortreffliche Organisation wohl unübertroffen da. Die mit 300 -Angestellten arbeitende Anstalt unter Leitung der Teilhaber G. HACHETTE, -BRETON, E. und A. TEMPLIER und R. FOURET versendet monatlich gegen 18000 -Kolli und hat einen jährlichen Umsatz von etwa 15 Millionen Franken. -Wie Mame widmen sie dem billigsten Buche dieselbe Sorgfalt wie dem -teuersten, und was dies sagen will begreift sich, da die Verlagswerke -der Zahl 5000 nahekommen. Aus dieser Masse Einzelnes herauszugreifen -hat seine Schwierigkeiten, es seien nur kurz erwähnt die bändereichen -Kollektionen _Bibliothèque variée_; _Bibliothèque des chemins de fer_; -die _Guides-itinéraires_; die _Bibliothèque rose illustrée_; der -_Dictionnaire des contemporains_ von G. Vaperau; das in mehr als 150000 -Exemplaren gedruckte illustrierte _Journal pour tous_, schliesslich ein -monumentales Druckwerk für Jahrhunderte: die Prachtausgabe der vier -Evangelien, zwei Bände im grössten Folioformat. Bida lieferte hierzu im -Format des Werkes 128 Zeichnungen, die von fünfzehn der besten Künstler -radiert wurden. Die Zeichnung zu der von der _fonderie générale_ -geschnittenen Schrift rührt von Ch. Rossigneux her, der ebenso 290 -Zeichnungen zu den in Stahl gestochenen Anfangs- und Schlussvignetten, -sowie zu den Initialen, unter Vermeidung der Anwendung jeder -menschlichen Figur, komponierte. Jules Claye führte den typographischen -Druck aus. Rote, quer über das ganze Format gehende Linien umgeben -den Text. Die Anwendung der verschiedenen Druckweisen, Kupfer- und -Bücherdruck, und der rote Druck, verlangten, dass jeder Bogen 32 mal -durch die Hände der Arbeiter ging, ehe er als fertig bezeichnet werden -konnte. Elf Jahre wurden unausgesetzt auf die Arbeit verwendet. - - [121] G. MASSON, _Rapport sur les arts graphiques, Vienne 1873_. - Paris 1873. - - [122] _Notice sur la vie de L. Hachette._ Paris 1864. - - * * * * * - -[Sidenote: Die Bibliophilie.] - -Wie Frankreichs Fürsten ausnahmslos die Typographie liebten, wenn sie -auch die Presse hassten, so erhielt sich im Volke fortwährend eine Liebe -für schöne Bücher, und der Wunsch, solche zu besitzen. Es war weniger -eine Bibliophilie oder Bibliomanie im Sinne der englischen Sammler, die -enorme Summen für ein mangelhaftes Produkt zahlten, nur weil es alt und -selten war; man fand in Frankreich Lust an dem Besitz »schöner« Ausgaben -auf Extra-Papier und in feinen und kostbaren Einbänden mit Stichen in -ersten Abdrücken. Es wurden, um dieser Liebhaberei zu genügen, sehr -viele Bücher in Frankreich gedruckt und gekauft nur der Ausstattung -halber, und ein Bücherliebhaber erwarb unter Umständen zehn Exemplare -eines und desselben Werkes, wenn es in zehn schönen Ausgaben zu haben -war. - -[Sidenote: Die archaïstische Druckrichtung.] - -[Sidenote: L. Perrin * 12. Mai 1799.] - -Natürlich war es demnach auch, dass das Zurückgreifen auf die -Renaissance vornehmlich von Frankreich ausging und dort Nahrung fand. -Unter den französischen Buchdruckern dieser Richtung zeichnen sich -besonders zwei aus, Louis Perrin und D. Jouaust. LOUIS BENEDICT PERRIN, -in Lyon geboren, war mit bedeutendem Sinn für Kunst begabt. 23 Jahre -alt etablierte er sich mit Durand. Perrin war von dem Gedanken beseelt, -die Druckerei zu regenerieren. Das Mechanische sei zwar vollendeter -geworden, jedoch die Kunst in der Schriftgiesserei fehle. Ein tüchtiger -Maler Pierre Revoil bestärkte Perrin in seinen Ansichten, dass man zu -den Formen zurückkehren müsse, deren sich Vascosan, de Tournes und -andere bedient hatten. Perrin war nicht in der Lage, seine Ideen ohne -Rücksicht auf die Kosten durchsetzen zu können, und in Frankreich war es -einem Provinzialbuchdrucker doppelt schwierig, durchzudringen. Gegen das -Jahr 1846 liess er eine Sammlung von schönen Kapitalschriften aus der -Zeit des Kaisers Augustus schneiden. Die damit gedruckten _Inscriptions -antiques de Lyon_ 1854, ein grosser Quartband mit über 400 Inschriften, -machte grosses Aufsehen und Didot erklärte das Buch für ein Meisterwerk -ersten Ranges. 1854 konnte Perrin das erste Werk mit der von ihm nach -Mustern des XVI. Jahrhunderts veranlassten Antiqua und Cursiv drucken: -Luigi Cibarios _Delle Artiglerie_, welches er auch mit Vignetten im -Renaissancestil schmücken liess. - -In seinen Bestrebungen war ihm auch der Zufall günstig. Beim Durchsuchen -der Nachlassenschaft des alten Hauses Rey in Lyon fand er eine -vollständige Sammlung von Matern aus dem Ende des XVI. Jahrhunderts oder -aus dem Anfang des XVII. Jahrhunderts, so dass er imstande war, eine -Ausgabe von Rabelais mit denselben Typen zu drucken, die seinerzeit -François Just und Etienne Dolet verwendeten. Unter seinen Drucken -gelten für besonders schön _Le Théâtre du Molière_ mit Vignetten von -Hillemacher; die _Généalogie de la maison de Savoye_; _Parfums, chants -et couleurs_. Der Sohn setzte das Geschäft mit MARINET fort. - -[Sidenote: D. Jouaust.] - -Als sein Rival ist D. JOUAUST[123] zu nennen, welcher namentlich die -Werke der _Académie des bibliophiles_, den Verlag des Herausgebers -der _Bibliothèque Elzévirienne_, P. Janet, später Paul Daffis', sowie -des A. Lemerre druckte. Seine Ausgabe des Dichters Régnier gilt als -eine Musterleistung. Der Druck solcher Ausgaben erfordert je nach der -Verschiedenheit des Papiers eine andere Behandlung und bedingt eine -fortwährende Aufmerksamkeit. Das _Papier Whatman_, von einer feinen, -festen und durchsichtigen Masse, zeichnet sich durch eine blendende -Weisse aus, welche nicht das Resultat irgend eines chemischen Prozesses -ist, sondern nur von der Vorzüglichkeit des verwendeten Materials -herrührt. Das chinesische Papier, in welches die Schwärze leichter -eindringt, giebt einen Druck von milderer und gleichmässigerer Färbung -und ist namentlich für Bücher mit Vignetten geeignet. Das Pergament -zeigt sich dagegen widerspenstig in der Annahme der Farbe und verlangt -die allergrösste Sorgfalt in der Behandlung. - - [123] _Imprimerie Jouaust. Catalogue descriptif et raisonné._ Paris - 1867.-- Ann. d. Typogr. II. Bd. 1870, Nr. 66. -- VII. Bd. 1875, - Nr. 304. - -Derjenige Verleger, der sich am meisten um die Verbreitung der -Ausgaben für Bücherliebhaber und die archaïstische Richtung in der -Druckerei bemüht hat, ist PIERRE JANET, aus Bordeaux gebürtig. Seine -Elzevierbibliothek alter und klassischer französischer Autoren des XVI. -und XVII. Jahrhunderts umfasst mehr als 100 Bände und wurde von Paul -Daffis fortgesetzt. Daneben beschäftigte sich Janet eifrigst mit der -Verbesserung der Zeichen für die chinesische Sprache, welche er sich -selbst zu eigen gemacht hatte. - -Unterstützung fanden solche Bestrebungen nicht minder bei -BACHELIN-DEFLORENNE durch dessen _Bibliophile français illustré_; _Album -de Relieures_; _Armorial du Bibliophile_ und seine _Collection des -bibliophiles français_. LÉON TÉCHENER FILS ist Herausgeber von _Bulletin -du bibliophile_ und _Bulletin universel de la Bibliographie_. - -[Sidenote: Fortschritt oder Rückschritt?] - -Liegt nun der Reiz der Renaissance-Schriften nur in dem Alter oder -haben sie wirkliche Vorzüge? Letzteres muss unbedingt bejaht werden. -Dass grosse Fortschritte in der Schriftschneiderei gemacht sind, setzt -keineswegs voraus, dass alle älteren Schriften geringer oder weniger -geschmackvoll gewesen sind als die heutigen, auch nicht, dass solche -Schriften älteren Datums nur in Rücksicht auf die Zeit ihres Entstehens -Anerkennung verdienen. Würde es jemand einfallen, ein bedeutendes -Kunstwerk der Glanzzeit der Malerei oder ein bewundernswertes Hausgerät -aus der besten Periode der Renaissance nur in Anbetracht seines Alters -erträglich zu finden? Nicht besser ist es aber, wenn man in Bezug auf -die Meisterwerke aus der Blütezeit der Typographie Stimmen hört, wie: -»Es ist zwar alles mögliche, wenn man bedenkt, wie alt die Bücher sind!« -Als ob nicht diese Schriften an und für sich mustergiltig wären und -uns als Vorbilder dienen könnten. Sie bedürfen nicht einer schonenden -Beurteilung »des Alters wegen«; letzteres sagt uns aber, dass sie zu -einer Zeit entstanden sind, in der die Liebe zur typographischen Kunst, -der individuelle Charakter, der geläuterte Geschmack und das ästhetische -Gefühl sich weit stärker geltend machten, als es jetzt der Fall ist, wo -die meisten fertig zu sein glauben, wenn sie nur neue Schriften, feines -Papier und teure Schwärze zur Verwendung bringen, dagegen um Stil und -Charakter eines Druckwerkes sich gar nicht bekümmern. - -Es dürfte sehr fraglich sein, ob die Schriften neueren Schnittes mit -den grossen Unterschieden zwischen Grund- und Haarstrichen, welche -letztere wegen ihrer Feinheit oft kaum zu bemerken sind, eine wirkliche -Verbesserung seien und ob der Leser verpflichtet ist, jedes Produkt der -Laune des Schriftgiessers, mit welchem er seinen Konkurrenten den Rang -abzugewinnen sucht, schön zu finden, oder ob wirklich ein Mensch alles -guten Geschmackes bar ist, weil ihm die Renaissance-Schriften mit ihrer -dem Auge so wohlthuenden Ruhe sympathisch sind. - -Schliesslich sei noch bemerkt, dass die Bezeichnung Elzevier-Schriften -eine ungerechtfertigte ist, denn die Originale bestanden schon ein -Jahrhundert vor den Elzevieren, zutreffender wenigstens ist die -Bezeichnung Aldinsche Schriften. - - * * * * * - -[Sidenote: Die Bibliographie.] - -Unter den Männern, die, waren sie auch nicht selbst ausübende -Typographen, doch einen ehrenvollen Platz in der Geschichte der -Typographie verdienen wegen ihres Einflusses auf das Buchgewerbe, sind -namentlich Brunet und Renouard zu nennen. - -[Sidenote: J. Ch. Brunet * 2. Nov. 1780.] - -JACQUES-CHARLES BRUNET, Sohn eines kleinen Buchhändlers in Paris, -widmete sich dem Beruf des Vaters. Er war der eigentliche Gründer des -antiquarischen Buchhandels in Frankreich; seine Berühmtheit verdankt er -aber seinem Werke _Manuel du libraire_, von dem 1810 die erste, 1865 -die fünfte Auflage erschien. Die Vervollkommnung dieses Werkes war -seine Lebensaufgabe. Er nahm keinen Titel auf, wenn er das Werk nicht -selbst in den Händen gehabt hatte. Von Firmin Didot Frères & Co. für die -Abtretung des Eigentumsrechtes an das _Manuel_ eine Leibrente geniessend -verbrachte er sein Leben still und rüstig arbeitend. - -[Sidenote: A. A. Renouard [+] 1853.] - -ANTOINE-AUGUSTIN RENOUARD, der in hervorragender Weise die Eigenschaften -des Buchhändlers, Sammlers und Schriftstellers in sich vereinigte, -wurde 1765 in Paris geboren. Schon frühzeitig ward er von Bewunderung -für die Familie des Aldus Manutius in Venedig erfüllt und von dem -Wunsche beseelt, ihre Geschichte zu schreiben. Dazu sammelte er erst die -Ausgaben dieser berühmten Drucker in einer an Vollständigkeit grenzenden -Weise und schrieb nun seine _Annales de l'imprimerie des Aldes_ 1803. 2 -Bde. Die 3. Auflage, welche das letzte Wort der Bibliographie in Bezug -auf die Aldi spricht, erschien 1834. Kaum mit diesem Werke fertig, -lenkte er seine Studien auf die Familie Stephanus und 1837 erschienen -seine _Annales de l'imprimerie des Étienne_, von welchen 1843 die zweite -Auflage folgte. Das Werk hat ebenfalls seine bedeutenden Verdienste, -wenn es auch nicht die Arbeit über die Aldi erreicht. Von seiner -eigenen vorzüglichen Bibliothek liess er 1818 den _Catalogue de la -bibliothèque d'un amateur_ in 4 Bänden erscheinen, in welchem ein Schatz -von interessanten Notizen niedergelegt ist. Sein Sohn Jules Renouard im -Verein mit JULES TARDIEU lieferte viele tüchtige Verlagswerke, darunter -_Galerie des peintres_. - -[Sidenote: L. C. Silvestre * 1762.] - -An den obigen schliesst sich nicht unwürdig an LOUIS CATHERIN SILVESTRE, -dessen Auktionsinstitut Weltberühmtheit erlangte. Eine Spezialität von -ihm waren die Buchdruckermarken und er liess, als Fortsetzung der Werke -Roth-Scholtz', seine _Marques typographiques_ mit 1237 Abbildungen -von Druckerzeichen erscheinen. Silvestre hatte in Pierre Janet einen -würdigen Nachfolger. - -Die neuere französische Bibliographie ist in den besten Händen und zwar -in denen zweier Deutschen: C. REINWALD & CO., welche den _Catalogue -annuel de la librairie française_ herausgiebt und O. LORENZ, der den -_Catalogue de la librairie française_ seit 1840 erscheinen lässt. - -[Sidenote: M. Bossange * 1766.] - -[Sidenote: H. Bossange.] - -Für die Verbreitung der Erzeugnisse der französischen Litteratur im -Auslande hatten MARTIN BOSSANGE PÈRE[124] und dessen Sohn HECTOR -BOSSANGE grosse Verdienste. Nach dem Frieden mit England etablierte -Bossange ein grosses Haus in London, später auch in Leipzig. Der Sohn -HECTOR BOSSANGE setzte das Werk des Vaters fort, gründete Buchhandlungen -in Montréal in Canada, in Quebeck, New-York, Rio de Janeiro, Odessa. -Sein grosser Katalog vom Jahre 1845 von gegen 31000 Werken galt als ein -Musterkatalog. - - [124] J. M. QUERARD, _Quelques mots sur M. Bossange père_. Paris 1863. - - * * * * * - -Die französische Bücherproduktion hält ungefähr mit der deutschen -Schritt. An Drucksachen erschienen im Jahre 1879: Bücher und Broschüren: -14122, Musikstücke 2424, Kupferstiche, Lithographien etc. 4661. - -So bedeutend die Bücherausfuhr aus Frankreich sich gestaltet, so wenig -konkurrieren die französischen Buchdrucker mit dem Auslande, während -Belgien, England und Deutschland in der Lage sind, Druckarbeiten für das -Ausland zu übernehmen. Mehr als die Arbeitsverhältnisse trägt wohl dazu -bei, dass die französischen Buchdruckereien nicht so gut auf schwierige -Arbeiten eingerichtet sind, wie namentlich die deutschen. - -In Paris absorbiert die Journalistik fast alle tüchtigen Setzerkräfte, -trotzdem ist es auf Grund der Eigentümlichkeiten der französischen -typographischen Art und Weise dem fremden Arbeiter schwer, in Paris -fortzukommen[125]. Viele Bücher, bei welchen übertriebene Schnelligkeit -nicht notwendig ist, werden jetzt ausserhalb Paris gedruckt; besonders -gilt dies von Neudrucken älterer Werke, sodass den grossen Pariser -Werkdruckereien namentlich diejenigen Werke verbleiben, bei welchen, -zudem unter gedrückten Preisen, grosse Ansprüche an Material und -Schnelligkeit gestellt werden. Unter solchen Verhältnissen verlieren -diese die Lust an der Lohndruckerei und legen sich selbst auf das -Verlegen. Die Typographie in Paris steht auf einem Vulkan; selbst kurz -vor der Weltausstellung 1878, wo es galt, alle Kräfte zusammenzunehmen, -trug die _Société typographique_ kein Bedenken, einen sehr kostspieligen -und wenig erfolgreichen Strike in Scene zu setzen. Die Lokale der -eigentlichen Werkdruckereien liegen meist zwischen Häusermassen -eingeklemmt und haben sich erst nach und nach mit dem wachsenden -Geschäft erweitert, sodass ihnen meist die ersten Erfordernisse: -Raum, Licht und Luft, fehlen. Alle diese Verhältnisse fangen an, den -Provinzdruckereien zugute zu kommen. Dringen auch die Fortschritte etwas -langsamer in diese ein, so haben sie dafür ein festeres, anhänglicheres -und gut geschultes Personal. Zweckmässige Lokaleinrichtungen sind -weniger kostspielig als in Paris und manche Provinzdruckerei kann -sich schon mit tüchtigen Pariser Offizinen messen. Einen wesentlichen -Vorschub leisten die vielen lokalen Gesellschaften für Kunst und -Wissenschaft, namentlich Archäologie, welche viele Werke mit Aufwand -hinsichtlich Ausstattung, Illustration und Beigabe von Kunstblättern -für ihre Rechnung drucken. Auch fangen die Provinzbuchdrucker an, -selbst zu verlegen und Depots in Paris zu errichten. Kurz, wenn auch -die Zentralisation noch eine bedeutende ist, so bereitet sich offenbar -eine Dezentralisation im Sinne des deutschen Buchgewerbes vor und man -fängt mit Versuchen an, sich von dem allmählich überwältigend gewordenen -Einfluss des Pariser Geschäfts zu emanzipieren. - - [125] Auf Sitte und Arbeitsweise der Pariser Setzer wirft ein - Werkchen Eugène Boutmys: _Les typographes parisiens, suivi d'un - petit dictionnaire de la langue verte typographique_, Paris - 1874, interessante Schlaglichter. - -Mit Ausnahme der administrativen Arbeiten, welche in grosser Zahl und -mit grossem Geschick ausgeführt werden, haben die Accidenzien weder in -Quantität noch Qualität eine solche Bedeutung, wie in Deutschland. Im -allgemeinen werden, und wohl nicht ganz mit Unrecht, dort nicht eine -solche Sorgfalt und solche Kosten wie hier auf diese sehr schnell dem -Papierkorb verfallenden Drucksachen verwendet; diese lässt man lieber -den Werken selbst zukommen. - -Ein ziemlich klares Bild von dem Zustand des Accidenzdruckes in -Frankreich, soweit dieser dem Buchgewerbe dienstbar ist, liefern die -Kataloge zu den Fachausstellungen, die in dem Hause des _Cercle_ -in den letzten Jahren abgehalten wurden. Diese Kataloge sind durch -die vereinten Kräfte einer Anzahl der bedeutendsten Buchdruckereien -hergestellt, von welchen jede einen halben oder einen ganzen Bogen -geliefert hat, ohne dass eine andere Grenze auferlegt war, als die -Innehaltung des Papierformats. Man darf also annehmen, dass das -möglichst Beste geliefert wurde. Es geht aus diesen Katalogen hervor, -dass man seit dem vortrefflichen Derriey fast stehen geblieben ist. - -Die Zeitungslitteratur hatte in Frankreich mit manchen Hindernissen -zu kämpfen, die nun durch das Pressgesetz von 1881 beseitigt sind. -Die grossen Journale haben fast alle denselben äusseren Umfang, vier -Seiten in gross Folio. Die Franzosen, im ganzen mässig, mögen auch nicht -täglich eine solche Masse von geistiger Kost geniessen, wie sie ein -englischer Lesermagen verträgt. Versuche mit Blättern nach letzterem -Mass eingerichtet sind vollständig fehlgeschlagen. Durch ihre, den -nationalen Eigentümlichkeiten ganz Rechnung tragende Organisation -darauf berechnet, das, worauf es ankommt, mit Leichtigkeit ins Fleisch -und Blut dringen zu lassen, üben jedoch die französischen Journale -einen ausserordentlichen Einfluss auf die Partei, deren Interessen sie -verfechten. Des grossen Anlagekapitals, wie ein solches in England -notwendig ist, bedarf ein neues französisches Journal nicht; es genügt -eine mässige Summe, wenn sich mit dieser die genügende Intelligenz und -journalistische Routine des wirklichen Leiters verbindet. Ist dieser ein -beliebter Schriftsteller oder eine politische Grösse, so stellt sich das -Publikum rasch ein. - -Die kleinen Zeitungen erscheinen gewöhnlich in einem Format, halb -so gross, als das ihrer grossen Schwestern, ihr Einfluss und ihre -Verbreitung sind jedoch bedeutend. Das _Petit Journal_[126] wurde Ende -1880 in 598309 Exemplaren gedruckt und ergab einen Gewinn von drei -Millionen Franken. _La petite république_ hatte eine Auflage von 196372, -die _Lanterne_ von 150531, _Le petit moniteur_ von 100476 Exemplaren. -Die tägliche Gesamtproduktion der Journalnummern erreichte die Ziffer -1984521, von welcher dreiviertel auf die republikanische Presse kam. - - [126] F. MAILLARD, _Le petit Journal_ 1850-1860. - -Zum Beginn des Jahres 1869 erschienen[127] in Frankreich 2110 Journale -aller Art, jetzt 3135. Von diesen kamen im Jahre 1869 auf Paris 816, -auf die Provinz 1294; jetzt resp. 1355 und 1780. In Paris fand demnach -ein Wachstum von 539 Journalen statt, in der Provinz von 425. Letzteres -trifft namentlich die kleineren Städte, besonders solche, die früher -kein Journal aufzuweisen hatten, während die grösseren Städte stabiler -geblieben. Unter den Pariser Blättern waren 75 politische Tagesblätter, -168 Journale politischen Inhaltes. - - [127] ED. TEXIER, _Hist. des journaux_. Paris 1851. -- E. HATIN, _Hist. - du Journal en France_ 1631-1853. -- F. MAILLARD, _Hist. - anecdotique et critique de 150 journaux_ und dessen _Hist. de la - presse parisienne_. Paris 1859. -- ALFR. SIRVEN, _Journaux et - Journalistes_. Paris 1865. -- A. GAGNÈRE, _Hist. de la presse - sous la Commune_. Paris 1881. - -Am 10. September 1870 waren die gesetzlichen Bestimmungen, welche -hemmend auf die Errichtung graphischer Etablissements wirkten, gefallen -und der erste Paragraph des Pressgesetzes von 1881 bestätigt dieses -durch die Bestimmung: »Die Buchdruckerei und der Buchhandel sind frei«. -Vergleicht man den Stand der graphischen Gewerbe vor dem Kriege mit dem -heutigen, so begegnet einem selbstverständlich besonders eine grosse -Vermehrung der Buchdruckereien in Paris, wo die Zahl der Brevets früher -auf 80 beschränkt war. Doch muss man diese Zahl nicht ganz buchstäblich -nehmen, sie betrug thatsächlich wenigstens 150, indem manche Buchdrucker -auf Brevets von Kollegen arbeiteten. - -Für den Buchhandel hatte die erlangte Freiheit nicht die Bedeutung wie -für die Buchdruckerei, denn wenn ein Brevet auch für den Buchhändler -erforderlich war, so hielt es doch, da die Zahl nicht beschränkt war, -nicht schwer, ein solches zu erlangen. Es fand sogar in dieser Branche -ein Rückgang statt. In den übrigen graphischen Gewerben zeigt sich, -wenn man die Jahre 1868 und 1882 mit einander vergleicht, einigermassen -ein Stillstand. Doch dürfen, wenn man daraufhin Schlüsse ziehen will, -die schweren Jahre für das Land und auch der Umstand nicht übersehen -werden, dass durch die Abtretung von Elsass-Lothringen sich der -Bestand plötzlich um 259 Buchhandlungen, 35 Buchdruckereien und 59 -lithographische Anstalten, sowie um drei Städte von 50000 Einwohnern -verminderte, die bei einem Vergleich mit dem Wachsen der graphischen -Anstalten in Deutschland dann doppelt wirken[128]. - - [128] Da ein solcher Vergleich der graphischen Machtstellung - Frankreichs und des Deutschen Reiches, welche jetzt an Umfang - und Einwohnerzahl sich ziemlich gleichstehen und nicht unter - so grundverschiedenen Verhältnissen, wie sie sich bei einem - Vergleich mit England oder Amerika darbieten, arbeiten, nicht - nur von Interesse, sondern auch von Wichtigkeit ist, so - bedarf es wohl kaum einer Entschuldigung, wenn die Statistik - Frankreichs und des Deutschen Reiches in diesem Handbuche etwas - ausführlicher behandelt wird, als die der anderen Länder. Als - Grundlage für die Notizen über Frankreich dienten namentlich die - Angaben des _Annuaire de la librairie_ von 1868 und 1882. Vergl. - auch CHAIX, _Statistique de l'imprimerie en France_. Paris 1874. - -Die beifolgende Tabelle zeigt den Stand der verschiedenen Pressgewerbe -in den Jahren 1868 und 1882. - - -----+-----------------------------------------------+------ - 1868 | Frankreich zählte: | 1882 - -----+-----------------------------------------------+------ - 1094 | Buchdruckereien | 1722 - 1549 | Lithographische Anstalten | 1692 - 244 | Kupfer- und Stahldruckereien | 169 - 6001 | Buchhandlungen | 6134 - 423 | Musikalienhandlungen | 536 - 245 | Kunsthandlungen | 288 - | | - | Von diesen kommen auf Paris: | - | | - 83 | Buchdruckereien | 244 - 436 | Lithographische Anstalten | 495 - 160 | Kupfer- und Stahldruckereien | 92 - 1649 | Buchhandlungen | 1072 - 119 | Musikalienhandlungen | 105 - 126 | Kunsthandlungen | 98 - | | - | Ausserdem in Paris andere graphische Gewerbe: | - | | - 42 | Schriftgiessereien und Stempelschneidereien | 52 - 15 | Stereotypien und galvanoplastische Anstalten | 17 - 167 | Gravieranstalten für Metall und Stein | 156 - 64 | Xylographische Anstalten | 102 - 25 | Buchdruckerei-Utensilienhandlungen | 44 - 43 | Maschinen- und Pressenfabrikanten | 56 - 20 | Farbefabriken | 29 - 87 | Papierhandlungen _en gros_ | 74 - 992 | Papierhandlungen _en détail_ | 906 - 348 | Buchbindereien und Broschieranstalten | 343 - 40 | Kolorier- und Vergolder-Anstalten | 49 - 42 | Inseraten-Bureaus | 35 - | | - | Ausserhalb Paris stellen sich die Zahlen: | - | | - 1011 | Buchdruckereien | 1478 - 1197 | Lithographische Anstalten | 1274 - 4352 | Buchhandlungen | 5062 - 413 | Musikalien- und Kunsthandlungen | 621 - -Die pressgewerblichen Verhältnisse der Städte aufwärts von 50000 -Einwohnern (die Hunderte in abgerundeten Zahlen) sind folgende: - - --------------+-----------+---------+----------+-------+--------- - Städte | Einwohner-| Buch- | Lithogr. | Buch- | Zeit- - | zahl | drucker.|Anstalten | handl.|schriften - --------------+-----------+---------+----------+-------+--------- - Lyon | 324000 | 32 | 52 | 100 | 67 - Marseille | 300000 | 36 | 33 | 45 | 66 - Bordeaux | 197500 | 31 | 71 | 91 | 54 - Lille | 178000 | 32 | 40 | 66 | 34 - Toulouse | 127000 | 19 | 28 | 56 | 51 - Nantes | 122500 | 10 | 13 | 49 | 29 - Saint-Étienne | 111000 | 13 | 21 | 16 | 13 - Rouen | 102500 | 10 | 13 | 35 | 20 - Havre | 100000 | 19 | 9 | 35 | 13 - Roubaix | 84000 | 6 | 5 | 15 | 5 - Reims | 82000 | 8 | 12 | 30 | 12 - Toulon | 77000 | 6 | 4 | 11 | 19 - Nancy | 72000 | 10 | 9 | 37 | 28 - Brest | 67000 | 3 | 4 | 15 | 4 - Amiens | 61000 | 9 | 6 | 23 | 13 - Besançon | 60000 | 9 | 9 | 13 | 23 - Limoges | 60000 | 10 | 8 | 23 | 8 - Nimes | 60000 | 7 | 8 | 21 | 21 - Angers | 58500 | 9 | 7 | 23 | 20 - Montpellier | 55500 | 19 | 10 | 26 | 16 - Nizza | 53500 | 10 | 4 | 23 | 22 - Grenoble | 51000 | 8 | 7 | 29 | 16 - Le Mans | 50000 | 8 | 3 | 25 | 15 - Orléans | 50000 | 7 | 4 | 49 | 29 - Rennes | 50000 | 7 | 7 | 20 | 17 - Versailles | 50000 | 5 | 3 | 32 | 25 - -[Illustration] - - -[Illustration] - - VIII. KAPITEL. - - DIE ZWEIGE DER ROMANISCHEN GRUPPE. - - DIE NIEDERLANDE: Zurückgehen der Kunst. Der Nachdruck. Die neuere - Typographie Hollands und Belgiens. -- ITALIEN: G. Bodoni. Langsame - Fortschritte. Venedig, die Mechitaristen. Panfilo Castaldi. Der - Buchhandel, die Familie Pomba. Rom, die Druckerei der Propaganda. - Erfreuliche Aussichten. -- SPANIEN: J. Ibarra. Madrid. Barcelona. - PORTUGAL: Die Staatsdruckerei. SÜDAMERIKA: Buenos Aires, Rio de - Janeiro, Lima, Cuba, Mexiko. -- NORDAFRIKA: Algier, Ägypten. TÜRKEI: - Aufblühen und Verfall der Kunst. Jetzige Lage. - - - DIE NIEDERLANDE. - -Die typographische Glanzperiode der Niederlande war dahin. Auf die Zeit -der blutigen Knechtschaft durch Spanien folgte im Süden die Periode der -österreichischen Herrschaft. Darf auch letztere mit der ersteren kaum in -einem Atemzuge genannt werden, so war sie doch nicht geeignet, eine neue -Blüte der Typographie hervorzurufen, noch weniger war eine solche nach -der Einverleibung in Frankreich zu erwarten. - -[Sidenote: Holland.] - -Auch der Norden lernte erst seit 1795 als Batavische Republik unter -Frankreichs »Schutz«, dann von 1806 ab als Königreich unter einem -Napoleoniden, bis auch dieser Selbständigkeitsschein 1810 aufhörte, die -Segnungen französischer Presszustände kennen. - -Der Pariser Friede 1814 löste die Länder aus der eisernen Umarmung -Frankreichs, um sie zu einem Königreiche der Niederlande zu vereinigen. -Diese, dem Zusammengiessen von Essig und Öl nicht unähnliche -Verschmelzung des protestantischen, germanischen Nordens mit dem -katholischen, zum grossen Teil französischen Süden wurde durch die -Revolution in Brüssel 1830 faktisch, durch den Frieden 1839 definitiv -und rechtlich aufgelöst. - -Seit dieser Zeit entwickelte sich ein freieres geistiges Leben -in Belgien sowohl als in Holland. Zwar ist der alte Ruhm des -niederländischen Pressgewerbes nicht wieder erreicht, jedoch steht -dasselbe auf einem achtbaren Standpunkte und lässt weitere Fortschritte -erwarten. - - * * * * * - -[Sidenote: Freiere Pressverhältnisse.] - -In HOLLAND verursachten die freieren Pressverhältnisse vor dem Ausbruch -der französischen Revolution, dass viele französische Autoren und -Verleger ihre Artikel dort, namentlich in Amsterdam und dem Haag, -drucken liessen. Hierin liegt wohl zumteil der Keim zu dem später -gewerbsmässig betriebenen holländisch-belgischen Nachdruck, welcher -jedoch anfänglich keine grosse Bedeutung hatte und von selbst aufhörte, -solange die Niederlande der französischen Herrschaft unterlagen. - -[Sidenote: Holländische Typographie.] - -Die holländische Typographie hält fest an dem einmal angenommenen -Typenduktus mit seinen langen, schmalen und eng zugerichteten Schriften, -die insofern praktisch sind, als mit ihnen sich viel Stoff auf einen -kleinen Raum, allerdings auf Kosten eines gefälligen Eindrucks, -zusammendrängen lässt. Unter den Formaten ist ein Gross-Median-Oktav das -beliebteste und selbst Romane und Gedichte werden in demselben gedruckt. - -Durch seine Kolonien in Hinterindien und auf den Inseln des indischen -Ozeans ist die Schriftgiesserei Hollands auf die Pflege der Schriften -der dortigen Eingeborenen angewiesen. Unter Aufsicht von T. Roorda -wurden von J. ENSCHEDÉ & ZOONEN in Haarlem javanische Lettern -angefertigt. Ein bedeutendes Renommé in dieser Richtung erwarb sich N. -TETTERODE in Rotterdam, welcher Mandalingisch, Batakisch, Manarisch -und Boeginesisch lieferte. Unter der Direktion von J. Hoffmann liess -die holländische Regierung auch chinesische Typen schneiden, die -später in den Besitz von E. J. BRILL in Leyden übergingen[129]. Als -Schriftgiesser wirkten ferner in Gröningen OMKENS, VAN BASKENES und -DAMSTE. - - [129] J. HOFFMANN, _Catalogus van chinesische Matrijzen en drukletters_ - 1860, 1864, 1876. - -[Sidenote: Statistisches.] - -Im Jahre 1882 hatte Holland in 128 Städten 428 Buchdruckereien (1840 -besass es nur 146), 183 lithographische Anstalten, 700 Buchhandlungen. -Die Buchdruckereien arbeiteten mit 740 Schnellpressen und 650 -Handpressen. Die Zahl der lithographischen Schnellpressen war 125, -die der Handpressen 700. Die zur Verwendung kommenden Maschinen -verschiedener Art stammen namentlich aus französischen Fabriken. An -Tageblättern gab es 29, an Wochenblättern und an anderen periodischen -Schriften 397. - -In AMSTERDAM liefert die KÖNIGLICHE BUCHDRUCKEREI Accidenzien für den -Staat. Eine bedeutende Anstalt ist die von ROELOFFZEN & HÜBNER in -Amsterdam mit drei Rotations- und sieben gewöhnlichen Schnellpressen; -sie druckt die in 20000 Exemplaren täglich in einem Umfange von 8-16 -Seiten erscheinende _Het News van den Dag_ mit ihrem Sonntagsblatt. C. -A. SPINN & ZOON bringen sehr kunstreiche Accidenzarbeiten. Zu erwähnen -sind ebenfalls J. VAN OOSTERZEE, G. L. A. AMAND, METZLER & BARTING und -GEBR. BINGER. - -In HAARLEM blüht noch das Geschlecht der ENSCHEDÉ (I, S. 251) und zeigt, -dass es nicht auf seinen Lorbeern auszuruhen gedenkt. Das Geschäft -arbeitet mit 11 Handpressen, 11 Schnellpressen und 25 Giessöfen und -zeichnet sich durch Druck von Reproduktionen, Bibeln und Wertpapieren -aus. VAN ASPERN VAN DER VELDE liefert namentlich Illustrationsdruck. - -[Sidenote: Buchhandel.] - -Die Interessen des holländischen Buchgewerbes werden seit 1816 von -der _Vereenigung ter Bevordering van de Belangen des Boekhandels_ -vertreten[130]. Dieselbe hatte im Jahre 1881 in der Art des Pariser -_Cercle_ eine Ausstellung von den Erzeugnissen der Hülfsgewerbe -des Buchhandels veranstaltet und auch in derselben Weise wie der -_Cercle_ einen reichen Katalog erscheinen lassen[131], zu welchem 28 -Buchdruckerfirmen jede eine Abteilung und verschiedene Papierfabrikanten -Papier geliefert haben. Dieser Katalog zeigt, dass die holländischen -Accidenzbuchdrucker bemüht sind, ihren Kollegen in anderen Ländern -nachzukommen. Die Arbeiten sind sauber und akkurat, wenn auch von einer -Einschlagung neuer Bahnen keine Rede ist. - - [130] _Reglement over de vereenigung ter bevordering etc._ Amsterdam - 1841. -- _Bepalingen omtrent den boekhandel._ -- L. D. PETIT, - _Proeve einer Geschiedenis der Vereenigung etc._ Amsterdam 1875. - -- OTTO MÜHLBRECHT, Der holländische Buchhandel seit Coster. - Leipzig 1867. -- GUNNE, Flüchtige Gedanken über den Buchhandel - in Holland. -- C. L. BRINKMANN, _Alphab. Naamlijst van boeken - 1850-1875_. -- F. L. HOFFMANN, _Ouvrages conc. l'histoire de - l'imprimerie en Belgique et en Hollande_. Brüssel 1859. - - [131] _Tentoonstelling van hulpmiddelen voor den Boekhandel._ Amsterdam - 1881. - -Als lithographische Farbendrucker haben TRESLING & CO. in Amsterdam -und EMRIK & BINGER in Haarlem Verdienste. Das TOPOGRAPHISCHE INSTITUT -liefert nach dem Ecksteinschen Verfahren der Schichtlegung durch die -verschiedenartige Behandlung der Schraffierungen und die dadurch -entstehende Abstufung der Töne vortreffliche Karten in Farbendruck. - -Das holländische Papier ist seit alters her berühmt und von bester -Qualität. Weltruf hat das Büttenpapier von VAN GELDER & ZOONEN in -Amsterdam. Um die Farbefabrikation machte sich seinerzeit der Major -E. W. J. BAGELAER (1817) verdient; jetzt wird der Markt ganz von dem -Pariser Fabrikat beherrscht. - -Die litterarische Produktion ist eine bedeutende und jährlich erscheint -eine stattliche Reihe von wertvollen Werken auf allen Gebieten, mit -Ausnahme dessen der Phantasie. An poetischen und illustrierten Werken -ist die Ausbeute keine grosse und die Lese- und Schaulust des Publikums -wird namentlich durch Übersetzungen und Bearbeitungen deutscher -Schöpfungen befriedigt. - -Unter den holländischen Verlegern seien erwähnt: KEMINK & ZOON, P. W. -VAN DE WEYER in Utrecht, J. B. WOLTERS in Gröningen, A. W. SYTHOFF und -E. J. BRILL in Leyden, welche beide letzteren einen reichen Verlag -orientalischer Werke haben. Das japanisch-holländisch-englische -Wörterbuch in Brills Verlag ist eine bedeutende Leistung. Überhaupt -ist LEYDEN ein wichtiger Verlagsplatz, namentlich für medizinische -und naturwissenschaftliche Litteratur, während UTRECHT die Fächer der -Philologie und Geschichte kultiviert. Bedeutende Druckplätze sind noch -HAAG und ROTTERDAM; am letzteren Orte sind J. WÜRTHEIM & ZOON, welche -namentlich Artikel für den Export liefern, bedeutend. - -[Sidenote: Fr. Müller * 22. Juli 1817.] - -Einen hochangesehenen Namen in der Geschichte des holländischen -Buchhandels der neueren Zeit erwarb FREDERIK MÜLLER auf Grund seiner -Bestrebungen, System in den Betrieb des Handels und in die holländische -Bibliographie zu bringen. Müller hatte eine vorzügliche Ausbildung in -dem Etablissement von Johannes Müller, welches aus dem Geschäft von -Friedr. Arnold Brockhaus entstanden war (s. Kap. XII), erhalten. Im -Jahre 1843 etablierte er sich in Amsterdam auf dem Rockin in einem -Keller, der bald ein Sammelpunkt der angesehensten Gelehrten wurde. Eine -mit grossem Geschick ausgeführte Bücherbestellung des Vorstandes der -Sternwarte zu Pulkowa bei St. Petersburg brachte ihn in eine wichtige -Verbindung mit der St. Petersburger kaiserlichen Bibliothek und gab -Veranlassung zu der Herausgabe einer _Bibliographie néerlandorusse_ -1859, welcher verschiedene bibliographische Arbeiten folgten. - -Der Nachdruck hatte in Müller, trotz dem Widerstande seiner Kollegen, -den eifrigsten Bekämpfer, überhaupt nahm er den lebhaftesten Anteil -an allen den Buchhandel betreffenden Fragen. Zwei Aufgaben seines -Lebens musste er unvollendet lassen: die Abfassung einer allgemeinen -niederländischen Bibliographie und die Geschichte des niederländischen -Buchhandels, zu welcher das Material zum grössten Teil in der Bibliothek -des niederländischen Buchhändler-Vereins deponiert wurde[132]. - - [132] OTTO HARRASSOWITZ, Fr. Müller. Börsenbl. f. d. d. B. 1881, Nr. 5. - - * * * * * - -[Sidenote: Belgien.] - -Der Name BELGIENS ist in der Geschichte der neueren Typographie von dem -Pariser Frieden ab und bis zu dem Vertrage mit Frankreich vom 1. Mai -1861 hauptsächlich durch die masslose Ausübung des zwar damals nicht -verbotenen, doch wenig ehrenvollen Geschäfts des Nachdruckes bekannt. - -[Sidenote: Der Nachdruck.] - -Da in den belgischen Provinzen die französische Gesetzgebung -auch nach der Trennung von Frankreich massgebend blieb, so waren -es selbstverständlich zuerst die besten Werke der französischen -Jurisprudenz, welche, da der Vorteil ein sicherer war, den Nachdruckern -anheimfielen. Ein Fortschritt der belgischen Typographie war dabei nicht -bemerkbar; Papier und Druck blieben mangelhaft und im Jahre 1818 hatte -Brüssel erst 18 Druckerpressen. - -Der König Wilhelm, der wohl einsah, dass aus dem Druckgewerbe nur -dann ein eigentlicher Vorteil für das Land zu erwarten sei, wenn -die Erzeugnisse technisch besser ausgeführt würden, unterstützte -die Papierfabrikanten und Buchdrucker und förderte die Einberufung -französischer Arbeiter. Schon mit dem Jahre 1820 trat eine Besserung -in der Produktion ein, doch blieb der Umfang des Druckgewerbes noch -bis zur Revolution ein mässiger; der Nachdruck beschränkte sich damals -hauptsächlich auf Werke für den inländischen Bedarf und nahm erst nach -dem Jahre 1830 grossartigere Dimensionen an. - -[Sidenote: Produktion.] - -Während im Jahre 1815 die litterarische Produktion nur fünf Millionen -Bogen betrug, war sie 1838 auf über 32 Millionen Bogen gestiegen. 1815 -war die Zahl der Buchdruckereien in den belgischen Provinzen 20 mit 27 -Pressen, 1838 aber 53 mit 429 Pressen oder, wenn man die vorhandenen -Schnellpressen der üblichen Leistungsfähigkeit nach auf Handpressen -überträgt, 519 Handpressen. - -[Sidenote: Grosser Umfang des Nachdrucks.] - -Von der Gesamtproduktion kamen etwa acht Millionen Bogen, hauptsächlich -in Duodezformat, welches Quantum 6-700000 der damals üblichen -Romanbände gleichkam, auf die französischen Nachdrucke, deren Umsatz -sich auf etwa 3-1/2 Millionen Franken belief. Die bedeutendsten -Nachdruckerfirmen WAHLEN & CO., LOUIS HAUMANN & CO., MELINE CANS & -CO. gingen an Aktien-Gesellschaften über, die mit einem Kapital von -insgesamt etwa fünf Millionen Franken arbeiteten. Diese Gesellschaften -machten jedoch keine guten Geschäfte, da der kostspielige und -komplizierte Administrations-Apparat den Vorteil absorbierte, zudem die -kleineren Nachdrucker mit ihrem einfachen Geschäftsbetrieb die Preise -ausserordentlich gedrückt hatten. - -Von der Bedeutung des Nachdrucks mögen einige Thatsachen sprechen: -Bérangers Gedichte wurden in etwa 30000 Exemplaren gedruckt; Thiers' -Revolution in 15000; Lamennais' _Paroles d'un croyant_ in 60000 -Exemplaren. Die kostbarsten Werke, z. B. die mit grossen Opfern -durch Didot ins Leben gerufene neue Bearbeitung des _Dictionnaire -de l'Académie_, fielen den Nachdruckern anheim, ja selbst mit den -besten Zeitschriften als der _Revue des deux mondes_ und der _Revue -britannique_ war es der Fall. Es kam sogar so weit, dass man eine eigene -Zeitschrift _Revue des Revues_ gründete, welche eine Quintessenz -der verschiedensten periodischen Schriften von Wert brachte, während -die politischen Zeitungen Belgiens den Romanhunger des Publikums -mit Nachdrucken französischer Feuilletons stillten. Die Brüsseler -Buchhandlungen unterhielten Comptoire in London, Leipzig und anderen -Orten; in vielen Grenzorten Frankreichs errichteten sie Depots behufs -des Schmuggels, ja selbst in Algier existierte ein solches, um die -heimliche Einfuhr nach Frankreich zu betreiben. - -[Sidenote: Aufhören des Nachdrucks.] - -Diesem Unfug wurde, zum wahren Vorteil Belgiens, durch den Vertrag -mit Frankreich ein Ende gemacht und Belgien war nun genötigt und -auch mit Erfolg bemüht, sich auf dem Litteraturmarkt selbständig -geltend zu machen. Auch das Druckgewerbe hatte von der Änderung einen -Vorteil; denn, waren auch die Nachdrucke meist sauber ausgestattet, so -hielten sich doch alle Erscheinungen auf demselben Niveau des einfach -mittelguten Werkdrucks und von einem höheren Aufschwung der Kunst war -keine Rede[133]. - - [133] _Mémoire sur la situation actuelle de la contrefaçon en - Belgique._ Paris 1841. -- C. MUQUARDT, _De la contrefaçon_. - Brüssel 1844. -- _Over den Nadruk in Belgien._ AUG. SCHNEE, - _Trente ans de la littérature belge 1830-1860_. Brüssel 1861. - -Der Import an Büchern aus Frankreich ist jetzt begreiflicherweise ein -bedeutenderer geworden und beträgt etwa drei Millionen Franken an Wert, -während der Export nach Frankreich nur etwa eine halbe Million Franken -erreicht. - -[Sidenote: Verschiedene Buchdrucker.] - -[Sidenote: E. Vanderhaegen [+] 1881.] - -Ein Zweig des Pressgewerbes von grosser Bedeutung ist der Druck -liturgischer und überhaupt Andachtsbücher. Selbst die französischen -Pressen haben in dieser Richtung schwer mit der belgischen Konkurrenz -zu kämpfen. Unter denjenigen Offizinen, die sich in dieser Produktion -auszeichnen und eine grosse Ausfuhr nach allen Weltteilen haben, sind M. -H. DESSAIN und HANIQ in MECHELN, mit welchen WESMAEL-CHARLIER, LEGROS -in NAMUR und GREUSE in BRÜSSEL, welch letzterer auch die umfangreiche -venetianische Ausgabe der Bolandisten fortsetzt, konkurrieren. -Hebräische und chaldäische Werke liefern VAN LINHOUT und VAN DER ZANDE -in LÖWEN. J. S. VAN DOOSELAERE in GENT[134] ist ein, seinem Fache mit -grosser Liebe zugethaner Jünger Gutenbergs. Ein von ihm gedruckter -_Recueil descriptif des antiquités_ ist ein typographisches Kunststück, -indem der Text die äussere Form der beschriebenen kunstgewerblichen -Gegenstände nachbildet. E. VANDERHAEGEN, ebenfalls in Gent, machte sich -durch seine _Bibliographie gantoise_, 7 Bände, 1858-1869, einen Namen. -HENRI CASTERMANN & CO. in TOURNAI vereinigen mit der Buchdruckerei -auch die verwandten Geschäftszweige und den Verlagshandel. Allen ihren -Arbeiten sind Nettigkeit und Eleganz nachzurühmen. - - [134] J. S. VAN DOOSELAERE, _Aperçu_. London 1851. - -In BRÜSSEL zeichnet sich AD. MERTENS durch gute Illustrationsdrucke und -Luxusarbeiten aus. F. GUYOT FRÈRES[135] sind bedeutend im Accidenzfache -und liefern viele Wertpapiere und Regierungsarbeiten, in welchen auch -F. HAYEZ Beachtenswertes produziert. BRUYLANT-CHRISTOPHE zeigt im Werk- -und Buntdruck technische Tüchtigkeit. ADOLF WAHLEN veranstaltete mit A. -Delpierres Leben der Maria von Burgund ein vorzügliches Druckwerk. Ein -glücklicher Zufall hatte ein auf das feinste verziertes, nachweislich -von der eigenen Hand der kunstsinnigen Prinzessin Marie herrührendes -Alphabet Initiale vor dem Untergange bewahrt, welches nun mit grösster -Sorgfalt für das erwähnte Werk nachgebildet wurde. Auch auf den Satz -verwendete man die grösste Mühe, so dass in dem ganzen Werk kein -geteiltes Wort vorkommt, ohne dass deshalb die Regelmässigkeit des -Ausschlusses irgendwie gestört wäre. - - [135] _Imprimerie E. Guyot._ Brüssel 1880. - -Der Schatz, welchen Antwerpen in dem Plantin-Museum besitzt, durch -welches diese Stadt ein typographisches Mekka geworden, ist bereits (I, -S. 225) ausführlicher besprochen[136]. - - [136] Wer nicht Gelegenheit oder Lust hat, die I, S. 225 zitierten - Werke einzusehen, findet in Westermanns Monatsheften 1883, Heft - 319 eine ausführliche Beschreibung des Plantin-Museums. - -[Sidenote: Statistisches.] - -Die Zahl der Buchdruckereien in Belgien beträgt 639; davon kommen auf -Brüssel 101, Antwerpen 51, Lüttich 37, Gent 34, Brügge 21. Unter den -Schriftgiessereien zeichnen sich VANDERBORGHT und MELINE CANS & CO. -aus. Die Zeitungspresse[137] Belgiens teilt sich in zwei, einander -gegenüberstehende Lager, das katholische und das liberale. Im Jahre 1840 -hatte Belgien nur 75 Journale, darunter 39 vlämische. 1880 war die Zahl -auf 388 gestiegen, darunter 143 in vlämischer Sprache. 54 Zeitungen -erscheinen täglich. Die älteste derselben ist das 1764 gegründete -_Journal de Liège_. Unter den Fachblättern sind zu nennen die _Annales -de l'imprimerie_. - - [137] J. MALLOU, _Notice statistique sur les journaux Belges_. - Brüssel 1843. - - - ITALIEN. - -[Sidenote: Italien.] - -ITALIEN seufzte in der vorliegenden Periode unter dem Druck der -Fremdherrschaft bald österreichischer, bald spanischer und französischer -Machthaber. Jede freiere Geistesregung war verschwunden und infolge -davon vegetierte auch die einst so blühende Typographie nur in -kümmerlichster Weise fort. Der kleinen Stadt PARMA allein war es -beschieden, durch den einzigen bedeutenden Meister dieser Zeit einen -grossen, jedoch nur kurz andauernden Ruf zu gewinnen. - -[Sidenote: J. B. Bodoni * 16. Febr. 1740, [+] 30. Nov. 1813.] - -Dieser Meister, JOHANN BAPTIST BODONI[138], ward in Saluzzo von -einfachen aber respektablen Eltern geboren. Die Anfänge der Kunst -lernte er bei dem Vater und bereits frühzeitig entwickelte er ein nicht -gewöhnliches Zeichentalent und schnitt in seinen Freistunden Vignetten -in Holz, die später, nachdem der unbekannte Holzschneider ein berühmter -Buchdrucker geworden war, von Sammlern sehr gesucht wurden. - - [138] LAMA, _Vita del cavaliere G. Bodoni_, 1816, 2 Bde., von welchen - der letztere ein analytisches Verzeichnis seiner Druckwerke - enthält. -- J. BERNARDI, _Vita di G. Bodoni_. Saluzzo 1872. - -[Sidenote: Bodoni in der Propaganda.] - -Achtzehn Jahre alt begab er sich mit einem Freunde nach Rom, wo der -letztere einen Onkel hatte, von welchem die Wanderer Unterstützung -erwarteten. Die kleine Barschaft war unterwegs bald aufgezehrt, da -half Bodoni durch Verkauf von Holzschnittvignetten an Buchdrucker. Den -nach Rom Gekommenen erklärte der Onkel nicht helfen zu können. Bodoni -war zur Rückkehr entschlossen, wollte jedoch wenigstens der berühmten -Offizin der Propaganda einen Besuch abstatten. Bei diesem erregte die -Lebhaftigkeit und das gefällige Wesen Bodonis die Aufmerksamkeit des -Direktors, Abbé Ruggieri, und er wurde engagiert. Auf Veranlassung der -obersten Spitze der Anstalt, des Kardinals Spinelli, der Bodonis Streben -wohlgefällig bemerkte, nahm dieser an einem Kursus der orientalischen -Sprachen Anteil und lernte auch Arabisch und Hebräisch lesen. Mit der -typographischen Ausführung eines arabisch-koptischen _Missale_ und des -_Alphabeticum Tibetanum_ des Paters Georgi betraut, entledigte er sich -der Aufgaben in so befriedigender Weise, dass Ruggieri dem Schlusse des -Werkes den Vermerk: »_Roma, excudebat J. B. Bodoni, Salutiensis 1762_« -aufdrucken liess. - -Bei der Ordnung der orientalischen Schriftenvorräte der Anstalt war die -Lust bei Bodoni entstanden, selbst Schriftschneider zu werden und er -griff diesen Gedanken mit einem solchen Eifer auf, dass er in kurzer -Zeit ein sehr tüchtiger Stempelschneider wurde. Wahrscheinlicherweise -wäre sein Schicksal für stets mit der Propaganda verknüpft geblieben, -wenn nicht der freiwillige Tod seines Gönners Ruggieri ihm den dortigen -Aufenthalt verleidet hätte. Er nahm einen Ruf nach England an, wollte -jedoch vor seiner Abreise nochmals seine Eltern in Saluzzo sehen. Dort -erkrankte er in so bedenklicher Weise, dass seine Abreise verschoben -werden musste, und als der Marquis Telino ihm das Anerbieten machte, -an die Spitze einer, der Königlichen Buchdruckerei in Paris ähnlichen -Anstalt, die man in Parma errichten wollte, zu treten, gab Bodoni das -Engagement nach England ganz auf und siedelte nach Parma über. - -[Sidenote: Buchdrucker in Parma.] - -Hier begann nun für ihn eine Zeit des strengsten Arbeitens, auch war er -anfänglich keineswegs pekuniär günstig gestellt. Im Jahre 1771 legte er -durch seine _Saggio tipographico di fregi et majuscola_ Proben seiner -Kunst als Stempelschneider ab. 1774 folgten _Iscrizioni esotiche_ von de -Rossi und 1775 bei Gelegenheit der Vermählung des Fürsten von Piemont -mit der Prinzessin Clotilde von Frankreich, die in 25 verschiedenen -Sprachen, orientalischen und europäischen, gedruckten _Epithalamia -exoticis linguis reddita_. Das letztere Werk richtete die allgemeine -Aufmerksamkeit auf Bodoni. Kein Reisender von Bedeutung unterliess es, -dessen Druckanstalt zu besuchen. Karl III. von Spanien ernannte ihn zu -seinem Hofbuchdrucker; Gustav III. von Schweden und Ferdinand IV. von -Neapel erteilten ihm Auszeichnungen. Alle waren einig, dass Bodonis -Erzeugnisse in Bezug auf Eleganz und Gleichförmigkeit nicht übertroffen -seien. - -Im Jahre 1788 wurde ihm von dem Ritter d'Azara, dem spanischen Gesandten -in Rom, das Anerbieten gemacht, in dessen Palast eine Druckerei -für die Herausgabe griechischer, lateinischer und italienischer -Klassiker einzurichten. Unwillig darüber, dass jemand ihm eine solche -typographische Kapazität rauben wolle, gestattete der Herzog von Parma, -dass Bodoni eine ähnliche Offizin, wie die in Rom beabsichtigte, in dem -herzoglichen Schlosse einrichtete, aus welcher dann einige der schönsten -Klassiker-Ausgaben, darunter der Virgil von 1793 und Tassos _Gerusalemme -liberata_ in drei Foliobänden (1794), hervorgingen. - -[Sidenote: Prachtwerke.] - -Die kostbarste aller seiner Prachtausgaben war jedoch der Homer -(1808), den er dem Kaiser Napoleon dedizierte, von welchem er in der -Zeit der Franzosenherrschaft in jeder Weise begünstigt wurde. Bei der -Überreichung des Dedikationsexemplares erhielt Bodoni eine Pension von -3000 Franken. Der Vizekönig von Italien, Eugen Beauharnais, wollte ihn -gern nach Mailand, Murat nach Neapel ziehen. Bodoni wünschte jedoch -nicht Parma zu verlassen und schützte Alter und Kränklichkeit vor. Er -hasste überhaupt das Franzosentum, verstand es aber ganz wohl, sich in -die Verhältnisse zu schicken und diese sich nutzbar zu machen. - -Im Jahre 1811 wurde er von Murat dekoriert. Letzterer hatte die Absicht, -für den jungen Murat eine Reihe von Klassikern drucken zu lassen. Der -Anfang wurde 1812 mit _Télémaque_ gemacht, dem 1813 Racine folgte; erst -1814, nach Bodonis Tod, erschienen Lafontaine und Boileau. Auf Grund -dieser französischen Klassiker-Ausgaben erteilte Napoleon dem Bodoni -kurz vor dessen Tode das Kreuz der Ehrenlegion in Begleitung eines -Ehrengeschenkes von 18000 Franken. - -Unter Bodonis Arbeiten müssen noch zwei erwähnt werden, die für den -Typographen von Fach ein ganz besonderes Interesse haben: seine _Oratio -dominica_ und sein _Manuale tipographico_. - -[Sidenote: _Oratio dominica._] - -Als der Papst Pius VII. im Jahre 1805 auf seiner Rückreise von Paris, wo -ihm in der Staatsdruckerei die _Oratio dominica_ durch Marcel überreicht -worden war, durch Parma kam, forderte er Bodoni auf, zu zeigen, dass -Italien ein ähnliches Werk liefern könne. Bodoni wollte nun die Pariser -Ausgabe noch übertreffen und lieferte auch, und zwar in sehr kurzer -Zeit, die seinige in 155 Sprachen; 51 asiatischen, 82 europäischen, -12 afrikanischen und 20 amerikanischen, allerdings nur, indem die -Propaganda ihn mit ihren Vorräten unterstützte. - -[Sidenote: _Manuale tipographico._] - -Das _Manuale tipographico del Cavaliere Giambattista Bodoni_, zwei Bände -in kleinem Folio, wurde erst 1818 von seiner Witwe herausgegeben. Es -enthält auf 87 Seiten eine Einleitung der Witwe und 267 Seiten Proben. -Die erste Serie bringt auf 144 Blatt die _Caratteri latini tondi e -corsivi_, eine Sammlung von Antiqua- und Cursivschriften, wie sie in -solcher Vollständigkeit, Vollendung und einheitlichen Durchführung sonst -wohl selten oder nie gefunden wird. Bodoni schnitt folgende 22 Grade: -_Parmigianina_, _Nonpariglia_, _Mignona_, _Testino_, _Garamoncino_, -_Garamone_, _Filosofia_, _Lettura_, _Silvio_, _Soprasilvio_, _Testo_, -_Parangone_, _Ascendonica_, _Palestina_, _Canoncino_, _Sopracanon_, -_Canone_, _Corale_, _Ducale_, _Reale_, _Imperiale_, _Papale_. Darauf -folgen 85 Blatt Versalien, Antiqua-, Cursiv- und Schreibschriften. -Der zweite Band enthält 59 Blätter Griechisch, 33 Blätter Orientalia, -darauf, zwischen Malabarisch und Russisch, zwei Blätter _Caratteri -tedeschi_, in einer Ausführung, die allerdings nahe ans Malabarische -grenzt. Die russischen Schriften sind auf 82 Blättern sehr reich und -schön vertreten. Den Schluss machen 91 Blatt _Fregi_ (Einfassungen), -Linien und Diverse, die ohne Bedeutung sind. - -Das Ganze bildet ein Druckwerk ersten Ranges. Der tiefschwarze und doch -mit wenig Farbe erzielte Druck, die Schärfe der Schrift, die Einfachheit -und das Ebenmass des Ganzen, das schöne milchweisse Velinpapier, ohne -den schädigenden Glanz der Satinage, haben ein Kunstwerk zuwegegebracht, -welches das Studium jedes Gutenberg-Jüngers verdient. - -Bodonis Schriften wurden nicht allein in Italien überall verbreitet, -sondern fanden auch Eingang in Berlin durch Decker und Unger, in Leipzig -durch Breitkopf, in der Schweiz durch Gessner, in London durch Nicholls, -in Kopenhagen und an andern Orten. - -[Sidenote: Krankheit und Tod.] - -Bodoni war von der Natur kräftig, schadete sich aber durch übermässiges -Arbeiten. Er bezeichnete sich selbst als einen Galeerensklaven und war -in der That an die Druckerei wie angeschmiedet. Seit Jahren an Podagra -leidend, liess er sich durch Schmerz und Ungeduld verleiten, als Kur -innerhalb je 12 Stunden 36 Pfund heisses Wasser zu trinken, und er würde -dies noch weitergetrieben haben, wäre er nicht durch Ohnmachten daran -gehindert worden. Die Folge war eine Schwächung des Magens, die nicht -wieder gehoben werden konnte. Am 30. November 1813 unterlag er, und am -2. Dezember rief die grosse Glocke des Domes die Bürger Parmas zu der -feierlichen Beerdigung ihres hochverdienten Mitbürgers. - -Bodonis Denkmal in Saluzzo wurde am 20. Oktober 1872 eingeweiht. Es -stellt ihn in ganzer Figur vor, umgeben von den Werkzeugen seiner Kunst. - -[Sidenote: Verdienste.] - -Bodoni leistete vieles ganz ausserordentlich Schöne, doch entstanden -die Produkte seiner Pressen zumteil mehr aus typographischem Ehrgeiz -als aus dem Wunsch, höheren, veredelnden Zwecken zu dienen, wie dies -in der Vergangenheit das Ziel seines grossen Landsmannes Aldus gewesen -oder in seiner Zeit das der Didots war. Er huldigte öfters zu sehr dem -Luxusdruck ohne eigentlichen Zweck. Sein Wirken erhellte deshalb zwar -eine zeitlang den typographischen Himmel Italiens, es war jedoch nicht -mit dem erwärmenden, fruchtbringenden Licht der Sonne zu vergleichen, -sondern mehr mit der prachtvollen, die Augen entzückenden Erscheinung -eines glänzenden Meteors, welches ebenso unvermutet zum Vorschein kommt, -als es rasch verschwindet. - -[Sidenote: Die Typographie in Italien.] - -So finden wir bis um die Mitte unseres Jahrhunderts die Typographie -und das Buchgewerbe Italiens in einem wenig erfreulichen Zustande. Die -Zensur war eine ausserordentlich strenge und die Bücher, die in einem -Teil des Landes gedruckt waren, konnten nicht unbehindert in einem -anderen vertrieben werden. In Neapel existierten Zölle, die gleich einem -Verbot wirkten; dabei florierte der Nachdruck und der Verkehr mit dem -Auslande bot die grössten Schwierigkeiten. - -[Sidenote: Statistisches.] - -Im Jahre 1833 gab es 464 Buchdruckereien und Buchhandlungen; 1835 -wurden 2819 Werke in 4295 Bänden herausgegeben. 1836 zählte man, -einschliesslich der offiziellen Zeitungen der verschiedenen Staaten, nur -185 Zeitschriften, davon 26 in Neapel, 19 in Mailand, je 10 in Rom und -Turin, je 8 in Palermo und Florenz. - -Die 1848 in Piemont eingeführte Pressfreiheit trug zwar bald Früchte, -jedoch datiert der eigentliche Fortschritt erst von der Einigung -Italiens. 1859 gab es gegen 600 Buchdruckereien mit etwa 2000 Pressen. -Turin hatte 780 Setzer, 164 Handpressen und 47 Schnellpressen, bei -deren Einführung man nicht darauf drucken wollte, bevor die Macht -des Satans über sie durch Besprengung derselben mit geweihtem Wasser -seitens eines Geistlichen beseitigt war. 1872 bestanden bereits 911 -Buchdruckereien, in welchen 745 Schnellpressen, 2691 Handpressen und -nahe an 11000 Personen beschäftigt wurden. Unter den 1083 Buchhandlungen -verdienten allerdings eine ziemliche Anzahl kaum diesen Namen. Viele, -selbst bekannte Schriftsteller mussten ihre Werke auf eigene Kosten -drucken lassen. - -Die buchhändlerische Produktion, welche 1863 4243 Werke betragen hatte, -war 1872 auf 6798 neue Werke gestiegen. 6509 Fortsetzungen waren noch im -Gange, wozu noch 2666 Gesetze, Statuten etc. kamen, so dass die ganze -Produktion 15973 Nummern betrug[139]. - - [139] Diese Angaben sind G. OTTINOS, _La stampa periodica, il commercio - dei libri e la tipografia in Italia_, Mailand 1875, entnommen. - Das Buch enthält eine sehr sorgfältige Zusammenstellung - der periodischen Presse, die zuerst anlässlich der Wiener - Ausstellung 1873 ausgearbeitet war, und muss zugleich als eine - ganz vorzügliche typographische Leistung gelten. Vergl. auch - »Zur Geschichte der Presse in Italien«, Prutz' Museum, Leipzig; - PAOLO LIOY, »Über die geistige Nahrung des italienischen Volkes« - in C. Hillebrands _Italia_, Bd. III, S. 90. - -Im Jahre 1869 war die Zahl der Zeitschriften auf 450 angewachsen. Damals -zeigte sich die grösste journalistische Thätigkeit in dem Norden, dem -eigentlichen Herde der Freiheit Italiens. Turin zählte derzeit über 100 -Zeitschriften, Mailand 80, Florenz 51, Genua 37. Zwei Drittel derselben -waren politischen Inhalts; 75 erschienen täglich, 65 zwei- bis dreimal, -179 einmal wöchentlich. 1872 war die Zahl schon 723. Obenan stand damals -Florenz mit 101, während Turin auf 75 gesunken war. Im Jahre 1873, mit -1126 Zeitschriften, hatte Mailand mit seinen 137 den Vorsprung über -Florenz und Turin gewonnen, Rom zählte 109; ihm folgte Florenz mit 107 -auf dem Fusse, dann Turin mit 85, Neapel mit 81, Genua mit 51, Palermo -mit 48, Venedig mit 38, Bologna mit 36. Die Gesamtauflage einer Nummer -aller Zeitschriften betrug 1-3/4 Millionen Stück. Die Post versandte -jährlich gegen 100 Millionen einzelne Nummern. Zeitungen mit einer -allgemeinen grossen Verbreitung gab es in Italien nicht; jedes Städtchen -hängt an seinem Lokalblättchen. - -Wie rasch Italien sich unter seinen neuen Verhältnissen entwickelt, geht -schon daraus hervor, dass 1881 die Zeitschriften auf 1854 gestiegen -waren, unter welchen 159 Tageszeitungen. - -Werfen wir noch einen Blick auf die Pressthätigkeit der einzelnen Städte. - -[Sidenote: Venedig.] - -[Sidenote: Mechitaristen.] - -VENEDIGS hoher typographischer Ruhm war wie sein politischer zu Grabe -getragen, wennauch einzelne bedeutendere Erscheinungen sich sporadisch -zeigten, zu welchen Alvisopolis vortreffliches Prachtwerk _Le fabbriche -più cospicue di Venezia_, zwei Bände in Folio, gehörte. Aus alter Zeit -hat sich nur die armenische Offizin der Mechitaristen auf der Insel -S. Lazaro (I, S. 186) erhalten. Das Kloster entging auf Grund seiner -wissenschaftlichen Bestrebungen der Aufhebung unter napoleonischer -Herrschaft und wurde zu einer armenischen Akademie erhoben, die noch -existiert und für welche die Offizin eine Monatsschrift _Pasmaveb_ (der -Polyhistor) druckt, von welcher dreissig Bände erschienen. Die Akademie -erwählte auch auswärtige Mitglieder, zu welchen Lord Byron zählte, der -oft und gern dort verkehrte und armenische Studien trieb. Zu ihren -bedeutenderen Leistungen aus neuerer Periode gehören der _Thesaurus -linguae armenicae_ und die Chronik des Eusebius in armenischer, -lateinischer und griechischer Sprache, sowie das _Dizionario -armeno-letterale_. Als Probe ihrer Produktionsfähigkeit liessen die -Brüder-Typographen 1837 die _Preces sancti Nercetis_ in 24 Sprachen -erscheinen[140]. - - [140] _Printers Register_ 1874, Dezbr. -- Das Journ. f. B. 1880 enthält - in Nr. 2 und 3 die Schilderung eines Besuches Th. Goebels in - dieser Druckerei. - -In UDINE erschien bei den Brüdern MATTIUZZI eine schöne Ausgabe von -_Vitruvii Pollionis Architectura_, vier Bände in Quart, 1825. - -[Sidenote: Panfilo Castaldi.] - -Ein sonderbares Schauspiel vollzog sich am 25. September 1868 in dem -Städtchen FELTRE, an welchem Tage unter grossen Festlichkeiten ein -Monument des Erfinders der Buchdruckerkunst -- selbstverständlich nicht -Gutenbergs, sondern des Italieners PANFILO CASTALDI -- enthüllt wurde. - -Der Prätor Antonio Cambruzzi schrieb um 1556 in seiner Geschichte -der Stadt Feltre: »Um diese Zeit (1456) lebte Pamfilio Castaldio, -Doktor der Rechte und Dichter, in Feltre, der die Erfindung (!) der -Buchdruckerkunst entdeckte (!!). Der Burggraf Faust lernte von ihm diese -Kunst, als er in seinem Hause zu Feltre wohnte, um die italienische -Sprache zu studieren. Er führte die Druckkunst nach Deutschland, -übte sie in Mainz und bekam nachher von Einigen den Titel des ersten -Erfinders. Andere haben diese Erfindung einem Deutschen namens -Cuttembergo aus der Stadt Strassburg zugeschrieben, allein der erste -Erfinder ist, »»wie aus den Chroniken von Feltre erhellt««, Pamfilio -Castaldio gewesen«. - -Recht schade ist es, dass diese »erhellenden Chroniken« nicht -existieren. Indes dies geniert die »späteren Zeugen«, die auf Cambruzzi -fussen und ihn sogar fälschen, nicht, wie es auch Gutenbergs Manen nicht -genieren wird, dass seinen Konkurrenten in Feltre und Haarlem Statuen -errichtet wurden. Fast möchte man aber glauben, dass es Italien besser -angestanden hätte, der Zierde der italienischen Typographie, dem Aldus -Manutius, ein würdiges Monument zu setzen, statt einer mythischen Person -zu huldigen, zu einer Zeit, wo der Nebel, welcher die Geschichte der -Erfindung bisher umhüllte, wenigstens so weit zerstreut ist, dass man -nicht Erfindern à la Castaldi und Coster Denkmäler errichten sollte. - -In jüngster Zeit hat der Vorsteher des Staatsarchives zu Mailand, Cesar -Cantu, zwei Urkunden entdeckt, nach welchen sich ergiebt, dass Castaldi -im Jahre 1472 in seinem 74. Lebensjahre als Lehrer der Buchdruckerkunst -von dem Herzog Galeazzo Maria Sforza in Mailand nach dort berufen und -dass ihm das Recht erteilt wurde, eine Druckerei zu eröffnen. Wie damit -eine Erfindung seitens des Castaldi bewiesen werden soll, ist nicht -leicht ersichtlich[141]. - - [141] A. BERNHARDI-ZINGHELLINI ET A VALSECCHI, _Intorno à P. Castaldi_. - Mailand 1866. -- A. DEL COMO, _Mem. della citta di Feltre_. - Venedig 1710. -- A. V. D. LINDE, Gutenberg. Stuttgart 1878. - -[Sidenote: Padua.] - -PADUA beansprucht den etwas zweifelhaften Ruhm, in seinem sogenannten -_Dantino_ das mit der kleinsten Schrift gedruckte Buch hervorgebracht zu -haben. Im Jahre 1834 hatte bereits Antonio Farina eine Schrift, die er -_Occhio di mosca_ (Fliegenauge) nannte, geschnitten. In demselben Jahre -trat Claudio Wilmant mit einer noch kleineren, _Milanina_, hervor. Nach -vielem Herumirren derselben schloss der letzte Besitzer dieser Schrift, -Giovanni Gnocchi, 1873 einen Vertrag mit den Gebrüdern SALMIN in Padua -über den Druck einer Ausgabe von Dantes göttlicher Komödie ab und nach -fünf Jahren erschien dieselbe. - -[Sidenote: Mailand.] - -MAILAND trug durch P. E. GIUSTIS Ausgabe der _Famiglie celebri di -Italia_ des Grafen Pompeo Litta zur Ehre der Kunst bei. Dort wirkt die -Anstalt von ED. SONZOGNO (gegr. 1861) mit 30 Schnellpressen und 500 -Personen für die Herstellung des eigenen Verlags der Firma, darunter -15 Zeitschriften. CIVELLI (1840) hat Druckereien in Mailand, Turin, -Verona, Ancona und Rom, ausserdem zwei Papierfabriken und verlegt fünf -Zeitschriften. Er druckt fast alle Arbeiten für die italienischen -Eisenbahnen. Ein Riesenwerk ist das _Vocabulario universale della lingua -italiana_, acht Bände in Quart. - -Was den lithographischen Bilderdruck betrifft, hat Mailand zwei -vortreffliche Repräsentanten aufzuweisen, ULYSSES BORZINO und seine -Frau, die beide selbst tüchtige Künstler sind. - -[Sidenote: Familie Pomba.] - -Was Bodoni für die Typographie Italiens gewesen, war die Familie POMBA -in Turin für den Verlagshandel. Die von derselben 1818 begonnene -_Collezione dei classici Latini_ in 108 Bänden wurde 1835 beendigt. -Ihre _Biblioteca populare di classici autori_, 100 Bände, in 16. -(1829) gab den ersten Impuls in Italien zur Verbreitung guter Bücher -zu den billigsten Preisen. Nach dem Vorbilde der _Penny Cyclopaedia_ -wurde 1842-1849 die _Encyclopedia populare_, zwölf Bände in Quart, -herausgegeben. Glänzenden Erfolg erzielte Cesar Cantus _Storia -universale_, die in sehr kurzer Zeit zwei teuere Auflagen und eine -billige erlebte. Die Firma POMBA & CO. unternahm die _Biblioteca -dell' Economista_, 26 Bände, und ein kolossales Werk, _Istituzioni di -agricoltura_. - -[Sidenote: Luigi Pomba [+] 1872.] - -Am 1. Februar 1855 ging das Pombasche Geschäft mit noch einigen anderen, -kleineren Geschäften in den Besitz der _Unione tipografico-editrice_ -über, die unter der Direktion LUIGI POMBAS eine grosse Wirksamkeit, -namentlich in encyklopädischer Richtung, entwickelte und Filialen in -Rom, Neapel und Pisa gründete. Neue grossartige Werke der Firma waren -das Wörterbuch von Nic. Tommaseo, acht Bände in Quart; die _Encyclopedia -di chimica_, zehn Bände in Quart, und die Prachtausgabe von A. Palladios -_Fabbriche etc._, fünf Bände in Fol., ferner die italienischen -illustrierten Ausgaben der Werke Brehms, Darwins u. a. - -Ausser durch die eigene Verlagsthätigkeit zeichnete sich Joh. Pomba -durch seine allerdings ohne Erfolg gebliebenen Bestrebungen, den -italienischen Buchhandel nach Art des deutschen zu organisieren, aus. -Um sich näher mit dem Betrieb des letzteren bekannt zu machen, besuchte -Pomba die Leipziger Messe und liess 1869 eine Broschüre _Informazione -della fiera di Lipsia_ erscheinen. - -Grosse Anstrengungen machte die königliche Druckerei in Turin in den -Händen der Firma PARAVIA (Vigliardi), die auch Filialen in Mailand, -Florenz und Rom errichtete. Schöne Arbeiten lieferten in Turin ebenfalls -Bona, sowie CHIRIO & MINA. Unter den Arbeiten der letzteren ragt die -Geschichte des Klosters _Alta Comba_ in Folio mit Einfassungen in -Golddruck im Geschmack des XV. Jahrhunderts hervor. - -[Sidenote: Florenz.] - -In FLORENZ, das durch Verbindung vieler Eigenschaften (geographische -Lage, allgemeine Bildung, Reinheit der Sprache, Tüchtigkeit der Setzer) -geeignet wäre, ein Leipzig Italiens zu werden, lieferte 1825 MOLINI -eines der schönsten Druckwerke Italiens, die vom Grossherzog von Toscana -veranstaltete Prachtausgabe der _Opere di Lorenzo de' Medici_, vier -Bände in Gross-Quart. MAREINGH, erst in Florenz, dann in Triest, zeigte -in TASSOS _Gerusalemme liberata_, zwei Bände in Gross-Folio, 1820, und -in den _Monumens sépulcraux de Toscane_, 1821, feinen Geschmack und -grosses Geschick. Eines der bedeutendsten Werke der letzten Zeit ist -das in der TIPOGRAFIA CENNINIANA auf 1648 zweispaltige Seiten gedruckte -_Vocabulario Italiano_ von P. Fanfani, Rigutini und F. Corridi. Als -Drucker und Verleger bedeutend ist G. BARBERA; er ist durch seine -Diamant-Ausgaben italienischer Klassiker bekannt. - -Florenz hat einen _Cercolo tipografico_, in dem Prinzipale und Gehülfen -zwanglos verkehren. Hier erscheint auch seit 1869 das in würdiger Weise -von SALV. LANDI geleitete und typographisch sehr gut ausgestattete -Journal _L'Arte della stampa_. Als Organ der Gehülfen dient _Il -tipografo_ (Turin). _Senefelder_ ist der Titel einer in Turin in -italienischer und französischer Sprache erscheinenden lithographischen -Monatsschrift. - -[Sidenote: Rom.] - -ROM hatte zwar nie einen ersten Platz in der typographischen Geschichte -eingenommen, sank jedoch in der Periode von 1750 ab tiefer als man -hätte erwarten sollen. Das einzige Institut von einiger Bedeutung war -die Druckerei der Propaganda (I, S. 186)[142]. Ihren Flor verdankt -sie dem gelehrten Prälaten Leo Allacci (Allatius), den Kardinälen -Antonelli, Ruggieri, Spinelli, Consalvi und Zurla, sowie den Monsignoren -Ricci, Amaducci und Borgia. Eine solche Stellung jedoch, wie dies -Institut hätte einnehmen können und sollen, wurde nicht erreicht. Nicht -nur andere Staatsanstalten, sondern auch Privatdruckereien anderer -Länder überflügelten weit die Propaganda. 1812 ward sie zeitweilig -ganz unterdrückt, hob sich jedoch später wieder. Die von Napoleon -geraubten Schriften kamen wieder nach Rom zurück. Besonders der Papst -Pius IX. nahm sich der Anstalt an und ernannte 1865 den verdienten -Ritter MARIETTI zum Direktor, der 1872 seine Stelle niederlegte und -von FEDERIGO MELANDRI gefolgt wurde. Unter den seit 1865 entstandenen -Werken der Offizin sind zu erwähnen der _Bibliorum Sacrorum Codex -Vaticanus_, mit den Typen des Tischendorfschen _Codex Sinaiticus_ -gedruckt, und eine _Oratio dominica_ in 250 Sprachen, die trotz der -Schriftenmannigfaltigkeit zeigt, dass die Anstalt nicht auf der Höhe der -Jetztzeit steht[143]. - - [142] _Propaganda, Specimen characterum._ Rom 1843. -- _Cat. librorum - qui ex typogr. S. Congr. etc. prodierunt._ Rom 1773. - - [143] A. MACKIE'S _Italy and France_ bringt in dem _Letter_ XXXVI und - dem _Appendix_ A die Schilderung eines Besuchs des bekannten - englischen Zeitungsdruckers in der Propaganda. Eine Äusserung - von ihm wird in Deutschland interessieren: »Ich bemerkte nicht - eine einzige Maschine englischen Ursprungs. Bereits in England - war mir gesagt worden, dass die englischen Maschinen überflügelt - seien. Deutschland hatte hier alles geliefert, selbst eine - kleine Falzmaschine«. - -Eine Hofbuchdruckerei _Stamperia camerale_ wurde 1834 sehr hübsch -in dem Palast Cornaro eingerichtet. Im Jahre 1881 gab es in Rom 53 -Buchdruckereien mit 172 Schnellpressen und 129 Handpressen. Die -Zahl der Gehülfen war 722, der Lehrlinge 268. Die grösste Zahl -der Schnellpressen, 31, und ebenso viele Handpressen beschäftigte -die »Aktienbuchdruckerei«. Bedeutend sind ferner: CIVELLI, BOTTAS -Nachfolger, mit 11 Schnellpressen und 81 Setzer; die Druckerei der -Nationalbank mit 8 Schnellpressen und 11 Handpressen; MOLINA mit 16 -resp. 8. - -[Sidenote: Neapel.] - -[Sidenote: J. P. Piranesi [+] 1778.] - -NEAPEL[144] sucht in seinen Leistungen nicht zurückzubleiben. ANGELI & -SOHN liefern viele Accidenzien. Dort gelangte eines der prachtvollsten -Stichwerke der Neuzeit zur Ausführung, das von Piranesi Vater und Sohn -herausgegebene: Antike Denkmäler Roms. In der Kunst, die Monumente und -Ruinen darzustellen, sind die beiden Meister nicht übertroffen. Der -Vater JOH. BAPTIST PIRANESI aus Venedig lieferte die ersten 16 Bände -und der Sohn FRANZ PIRANESI setzte das Werk fort. Nach verschiedenen -Schicksalen liess sich letzterer in Paris nieder. Napoleon begünstigte -ihn sehr und es wurde der Beschluss gefasst, von Staatswegen das Werk -für 300000 Franken und ein Jahresgehalt an Piranesi von 12000 Franken -zu erwerben. Das Unglück in Moskau verhinderte die Vollziehung des -betreffenden Dekretes, jedoch erwarben die Didots das grossartige -Unternehmen von 29 Bänden mit über 2000 Kupferstichen im grössten -Atlanten-Format. - - [144] GIUSTINIANI, _Saggio sulla tipografia del regno di Napoli_. - Neapel 1791. - - - SPANIEN. PORTUGAL. SÜDAMERIKA. - -[Sidenote: Spanien.] - -SPANIEN hat wie Italien in der Periode von 1750 ab einen einzigen -hervorragenden Namen aufzuweisen, während seine typographische -Geschichte wenig von Bedeutung verzeichnen kann[145]. - - [145] F. MENDEZ, _Tipografia Española_. Madrid 1861. -- - J. E. EQUIZABAL, _Hist. de la legislation española 1480-1873_. - Madrid 1879. -- _Annuario del comercio._ Madrid 1882. - -[Sidenote: J. Ibarra.] - -Der Kammerdrucker des Königs, JOACHIM IBARRA aus Saragossa, war der -Mann, der die Buchdruckerkunst in Spanien zu einer dort noch nicht -gekannten Höhe erhob und einen Wetteifer der Buchdrucker hervorrief, der -sie weiter trieb, als 20O Jahre es vermocht hatten. Ibarras Prachtwerke -zeichnen sich gleich sehr durch die Schönheit des Druckes, der Typen und -der Illustrationen, sowie durch die Glätte des Papiers, und durch die -Korrektheit aus. - -Unter seinen Druckwerken sind besonders zu nennen die spanische -Übersetzung des Sallust durch den Infanten Don Gabriel, mit -Illustrationen, Folio, 1772; eine Dissertation des Fr. Perez Bayer über -die phönizische Sprache, Folio, 1772; die Prachtausgabe des Don Quixote, -vier reich illustrierte Bände in Quart, 1780; Marianas Geschichte -Spaniens, zwei Bände, Folio, 1780. Ibarras Witwe setzte das Geschäft -in rühmlichster Weise fort; eine vorzügliche Leistung von ihr ist das -_Diccionario de la lengua Castellana_, Folio, 1803. - -Für die Achtung, welche die Spanier ihrem grossen Dichter Cervantes -zollen, spricht der Umstand, dass eine Facsimile-Reproduktion der ersten -Ausgabe der Werke desselben (I, S. 190), von FRANCISCO QUIJANO in 1500 -Exemplaren veranstaltet, sofort vergriffen war. - -[Sidenote: Madrid.] - -[Sidenote: J. Aguado [+] 22. März 1878.] - -Unter den neueren Druckern MADRIDS werden mit Ruhm genannt: GASPAR & -ROIX, CALLEJA MILLADO, MAN. RIVADANEIRA (jetzt ABELARDO DE CARLOS und -Sohn), JUAN AGUADO, DUCAZAL, JOACHIM FONTANET, GABRIEL ALBAMRA u. a. -Im Jahre 1881 hatte die Stadt 104 Buchdruckereien, 110 Buchhandlungen, -64 lithographische Anstalten. Die Schriftgiessereien sind schwach -vertreten, die bedeutendste darunter ist die von JUAN AGUADO, der auch -die Fachzeitschrift _Bulletin tipografico_ herausgiebt. Ein zweites -Fachblatt ist die _Cronica de la imprenta_. Von Zeitschriften erschienen -206 (darunter 60 politische, von welchen die _Correspondencia_ die -grösste Auflage [über 50000] hat). Die spanische illustrierte Zeitung -ist eine tüchtige Leistung A. de Carlos' und enthält viele gute -Original-Illustrationen, ebenso _El museo universal_. - -[Sidenote: Barcelona.] - -Nächst Madrid ist BARCELONA der bedeutendste Druckort. Die dort -bestehende Banknotendruckerei unter Direktion von ZARAGOZANO & JAIME -ist ganz mit französischem Material ausgerüstet und beschäftigt über 60 -Personen. Früher wurde das spanische Papiergeld in England gedruckt. In -Barcelona erscheint auch ein Fachblatt _El correo tipolitografico_ von -CEPHERINO GORCHS. Die Stadt besass 1881 42 Buchdruckereien, davon 6 mit -Dampf- und 10 mit Gasbetrieb. 919 Personen, 95 Schnellpressen (darunter -81 französische), 60 Handpressen (darunter nur zwei deutsche) waren -beschäftigt. Ausserdem zählte man dort 51 lithographische Anstalten, 57 -Buchhandlungen und 63 Journale. - -[Sidenote: Valencia.] - -Das in VALENCIA erschienene _Bayeri opus de nummis Hebrae-Samarithanis_, -zwei Bände in Quart, 1781 und 1790, ist ein Werk, welches eine -Vorstellung giebt von dem, was die Buchdruckerkunst in Spanien hätte -werden können, wenn sie genügende Unterstützung gefunden hätte und -nicht zugleich mit der Entwickelung der allgemeinen Bildung unter -unglücklichen inneren Verhältnissen so sehr gehemmt worden wäre. - -[Sidenote: Portugal.] - -[Sidenote: _Imprenza Nacional._] - -Wennauch die Typographie in PORTUGAL[146], gleichwie in Spanien, im -allgemeinen keine besonders hohe Stufe erklommen hat, so besitzt das -Land doch eine Anstalt, die, vortrefflich geleitet, ganz Vorzügliches -leistet: die _Imprenza Nacional_. Sie ist durch Marquis Pombal, den -bekannten Staatsreformator Portugals unter der Regierung Josephs I., ins -Leben gerufen, mit der Absicht, eine Anstalt wie die Pariser königliche -Druckerei zu schaffen, welche eine Pflanzstätte der Kunst werden, -zugleich auch billige Unterrichtsbücher drucken sollte. - - [146] J. KUGELMANN, _Histoire de l'Imprimerie en Portugal_. Paris 1867. - -[Sidenote: M. da Costá.] - -Das Dekret, welches die _Imprenza Regia_ anordnete, datiert vom 24. -Dezember 1768. Ein Regierungspalast wurde ihr eingeräumt und bereits in -den ersten Tagen des Jahres 1769 konnte sie zu arbeiten beginnen. Die -Leitung ward MIGUEL MANESCAL DA COSTÁ übertragen, einem vorzüglichen -Typographen, dessen Buchdruckerei, sowie die Schriftgiesserei des JOÃO -DE VILLENEUVE als Grundlagen für die Staatsanstalt angekauft waren. -Einer damit verbundenen Gravierschule stand der geschickte JOAQUIM -CARNEIRO DA SILVA vor. Eine Spielkartenfabrik war die Melkkuh des -Instituts. - -Von 1769-1801 wurden unter da Costás Direktion 1230 Bände gedruckt, -unter welchen viele bedeutende Erscheinungen. Nach dessen Tode wurde -eine _Junta administrativa_ ernannt, mit dem gewöhnlichen Erfolg -kollegialischer Behandlung technischer Geschäfte. Im Jahre 1810 schritt -man zur Ernennung eines General-Administrators in der Person JOAQUIM -DA COSTÁS, der mit einer kurzen Unterbrechung die Leitung der Anstalt -bis 1833 behielt. Mit dem Sturze der Regierung Dom Miguels wurde die -Staatsdruckerei dem Ministerium des Innern direkt untergeordnet. - -[Sidenote: J. P. Marcécos.] - -[Sidenote: F. A. Marcécos.] - -Mit der 1838 erfolgten Wahl des JOSÉ FREDERICO PEREIRA MARCÉCOS zum -Administrator begann die Glanzzeit der Anstalt. Marcécos bereiste -England, Frankreich und Belgien und brachte die Erzeugnisse der -neuesten Erfindungen mit nach Hause. Nach seinem frühen Tode, 1844, -wurde die Stelle seinem Bruder FIRMO AUGUSTO MARCÉCOS anvertraut, -welcher fortfuhr, alle Verbesserungen der Neuzeit einzuführen, -daneben Lehrlingsschulen, Hülfskassen u. dgl. errichtete. Vom Staate -erhält die Anstalt keinen Zuschuss, sie hatte im Gegenteil bis -zum Jahre 1873 an diesen drei Millionen Franken abgeliefert und -beschäftigte in dem genannten Jahre über 300 Personen. Zwei Deutsche -haben viel zur Hebung der Anstalt beigetragen: JOSEPH LEIPOLD, der -Direktor der galvanoplastischen Abteilung, und IGNAZ LAUER, Leiter -der Schriftgiesserei. Seit 1878 ist der Vorsteher Dr. VENANCIO -DESLANDES[147]. - - [147] Bericht über die Nationaldruckerei in Lissabon. 1873. Deutsch und - Französisch. -- A. M. ABRANCHES DE RIEGO, _Catalogo des obras - impr. de J. A. de Macedo_. Lissabon 1849. -- _Caracteres de la - imprenza Real en 1793._ - -Die zur Weltausstellung in Wien 1873 gesandten portugiesischen, -spanischen und englischen Wörterbücher, die rot und schwarz gedruckten -_Missale_ und _Breviarum Romanum_, die _Carta constitutional_, die Werke -Camoens' in sechs Bänden, vorzugsweise eine in zwölf Sprachen gedruckte -Episode daraus, _Inez de Castro_, waren alle in dem besten Stil und -vortrefflich gedruckt. - -Auch die Wertpapiere verdienten alles Lob, jedoch ergreift die Anstalt -nicht, wie die St. Petersburger, die Initiative, sondern benutzt nur -geschickt das Vorhandene, namentlich die Erzeugnisse Derrieys. - -[Sidenote: Gebr. Lallemant.] - -Nicht ganz auf derselben Stufe stehen die Gebrüder LALLEMANT[148], sie -liefern aber sehr beachtenswerte Arbeiten, ebenso die Gebrüder JOSÉ DE -CASTRO. - - [148] INIGO, _Lallemant frères_. - -Im Jahre 1878 hatte Portugal 118 Zeitungen, darunter 66 politischen -Inhalts; die älteste, _Revuluçao de September_, existiert 33 Jahre. Die -Journale sind nicht von grosser Bedeutung und nicht geeignet, grosse -Erwartungen von dem Standpunkte der Typographie dort zu erwecken. Seit -1882 erscheint _El Gutenberg_. - -LISSABON hatte 1881 23 Buchdruckereien, 26 Buchhandlungen, 56 -Zeitschriften; COIMBRA 10 Buchdruckereien; OPORTO 56 Journale. - - * * * * * - -[Sidenote: Südamerika.] - -SÜDAMERIKA. Ein grösserer typographischer Kontrast als zwischen Nord- -und Südamerika ist kaum denkbar. Fortwährende Revolutionen und Kriege, -der Einfluss einer unwissenden Geistlichkeit und die Indolenz der Völker -haben ein intellektuelles Leben, infolge davon auch ein Gedeihen der -Buchdruckerkunst nicht aufkommen lassen. - -[Sidenote: Buenos Aires.] - -BUENOS AIRES, welches 53 Buchdruckereien, 59 Buchhandlungen, 24 -lithographische Anstalten und 27 Zeitschriften aufweist, feierte am 9. -Juli 1876 die hundertjährige Betreibung der Buchdruckerkunst. Es wurde -beschlossen, Gutenberg und dem Einführer seiner Kunst Don JUAN JOSÉ -VERTIZ ein Denkmal, in einem Obelisk bestehend, zu errichten und einen -Preis für die beste Bearbeitung der Geschichte der Buchdruckerkunst in -der Argentinischen Republik auszustellen. 1872 erhielt Buenos Aires eine -illustrierte Zeitung: _El Plata illustrado_[149]. - - [149] J. M. GUITIEMEZ, _Bibliogr. de la prim. imprenta de Buenos - Aires_. 1866. - -[Sidenote: Rio de Janeiro.] - -In RIO DE JANEIRO wurde ebenfalls das hundertjährige Jubelfest am 9. -Juli 1880 abgehalten. Ausser in Rio sind nicht viele Buchdruckereien in -Brasilien in Thätigkeit. Manche der Arbeiter, die im ganzen genommen -schlecht bezahlt werden und für Extraarbeit keine Entschädigung -erhalten, sind Sklaven. Schlaffheit herrscht von oben bis herab auf den -Laufburschen. Die Zahl der Zeitungen war 1878 297. Südamerika hat im -ganzen 17 deutsche Zeitungen, von welchen 11 auf Brasilien, 4 auf die -argentinische Republik, je eine auf Uruguay und Chile kommen. - -LIMA besitzt 21 Buchdruckereien, 11 Buchhandlungen, 11 lithographische -Anstalten und 13 Zeitschriften. ST. JAGO DI CHILE hat 11 -Buchdruckereien, VALPARAISO 7. - -Auf CUBA befanden sich 52 Offizinen, 50 Buchhandlungen, 10 -lithographische Anstalten und 47 Zeitschriften erschienen dort. MEXICO -hat zwischen 50-60 Offizinen, davon 23 in der Stadt Mexico, daneben -11 lithographische Anstalten, 16 Buchhandlungen. PUEBLA weist 8 -Buchdruckereien auf. - - - NORDAFRIKA. DER ORIENT. - -[Sidenote: Nordafrika.] - -NORDAFRIKA hatte bereits während des ägyptischen Feldzugs Bonapartes -eine typographische Werkstätte (S. 172) und durch die Besitzergreifung -von ALGERIEN ist diese Provinz eine Pflanzstätte der Kultur in Afrika -geworden. Es besitzt heute schon 29 Buchdruckereien, 18 lithographische -Anstalten und 54 Buchhandlungen, davon sind in der Stadt ALGIER 9 -Buchdruckereien, 8 lithographische Anstalten, 10 Buchhandlungen; in -CONSTANTINE resp. 3, 2, 5; in ORAN resp. 3, 3, 10. Von Zeitschriften -erscheinen 35 in 12 Städten, davon in Algier 18, unter welchen das -offizielle Journal _Mobacher_ in arabischer und französischer Sprache. -Der Buchhändler BASTIDE hat sehr zur Verbreitung der Litteratur -beigetragen. - -[Sidenote: Ägypten.] - -In ÄGYPTEN wurde von Mehemed Ali eine Buchdruckerei in Boulak errichtet, -man hatte aber sehr mit der Abneigung der Muselmänner gegen gedruckte -Bücher zu kämpfen. In den letzten 50 Jahren sind etwa 250 Werke aus -den dortigen Pressen hervorgegangen. Von Privatpressen entstanden -verschiedene, unter welchen die von MUSTAPHA WAHABI nennenswert ist. - -Die Lithographie wurde 1834 eingeführt. Da die verschiedenen graphischen -Anstalten in den Händen von Franzosen sind und die Arbeiten durch -Franzosen ausgeführt werden, so kann die mitunter sehr hübsche -Produktion eigentlich nicht von nationaler Bedeutung sein. - -Von Zeitungen erscheinen etwa 25 in arabischer, französischer, -griechischer, italienischer und englischer Sprache. Sie stehen unter -Zensur und nach erfolgter Warnung kann Unterdrückung stattfinden. - -Im Jahre 1878 hatte der Bei von Tunis eine Druckerei errichtet und der -Kaiser von Marokko beabsichtigte ebenfalls in Fez eine solche anzulegen. -Von zwei wöchentlichen Zeitungen erscheint eine in Ceuta, eine in Tanger. - -[Sidenote: Buchhandel.] - -Der Buchhandel in Kairo ist ziemlich lebhaft. Die Buchhändler sind -meist Gelehrte und nicht so fanatisch, wie z. B. in Damaskus, wo sie -nur ungern Bücher an Christen verkaufen. Es ist dies namentlich mit -den Koran-Ausgaben der Fall, welche abgesondert oder unter besonderem -Verschluss aufbewahrt sind. Die Bücher liegen übereinandergeschichtet. -Der Einband ist von Leder oder gewöhnlicher Pappe, der Titel wird -auf den Schnitt oder auf ein auf den Umschlag geklebtes Blatt -geschrieben. Zwischen alten und neuen Exemplaren wird nicht der strenge -Unterschied gemacht, wie in dem europäischen Buchhandel. Einige -Buchhändler debitieren nur die von ihnen verlegten Bücher, andere -sind Sortimentshändler nach unseren Begriffen. Ein fester Ladenpreis -existiert nicht und die Schwankungen sind oft bedeutend. - - * * * * * - -[Sidenote: Europäische Türkei.] - -EUROPÄISCHE TÜRKEI. Die nach dem Tode des verdienten Förderers der -Typographie IBRAHIM EFFENDI (I, S. 281) in der Entwickelung derselben -eingetretene Stockung fand erst unter der Regierung Abdul Hamids eine -Unterbrechung. Reschid Effendi, der Schatzkanzler, und Achmed Wassif -Effendi, der Reichshistoriograph, erhielten Auftrag, nach dem Verbleib -der in Stillstand geratenen Buchdruckerei Said Effendis Untersuchungen -anstellen zu lassen. Der grösste Teil derselben wurde auch glücklich -aufgefunden, restauriert und dann die Pressen in Skutari wieder in Gang -gesetzt. Zu Direktoren dieser neu entstandenen Reichsdruckerei ernannte -der Sultan Mustafa und Adam Effendi, ersterer Rechtsgelehrter, letzterer -Geistlicher. Beide nahmen sich ihres Amtes mit Eifer an und viele Werke, -die sich durch gute Ausstattung auszeichneten, gingen aus der Anstalt -hervor. Eines der schönsten Erzeugnisse der orientalischen Druckkunst -ist Makkisada Mustafa Effendis Kommentar zur Burda, einem Lobgedicht auf -den Propheten, in einem Quartband von 621 Seiten. Eine weitere lange -Liste fremdartiger Titel hier folgen zu lassen dürfte keinen Zweck haben. - -[Sidenote: Rückgang und neuer Aufschwung.] - -Nach einer kurzen Blüte folgte wieder Stillstand unter der Regierung -Selims III. und während des Anfangs der Regierung Mahmuds des Grossen. -Nachdem jedoch durch Ausrottung der Janitscharen Ruhe im Innern -hergestellt war und Mahmud sich den Werken des Friedens widmen konnte, -kam die Reihe auch bald an die Staatsdruckerei. Im Jahre 1831 wurde -dieselbe von Skutari wieder nach Stambul übergeführt und erhielt -dort eine grosse Lokalität. Neue Pressen wurden aus London, neue -Typen aus Venedig eingeführt und Arbeiter namentlich aus Deutschland -herbeigeschafft. - -Ein rascher Aufschwung machte sich bemerkbar. Die überall versteckten -Schätze der türkischen Litteratur wurden gesammelt, um in guten -und billigen Ausgaben dem Volke zugänglich gemacht zu werden. Man -veröffentlichte die Werke der Reichsgeschichtsschreiber und liess viele -tüchtige Fachwerke, namentlich militärische und medizinische, aus -europäischen Sprachen übersetzen. - -Nach einer Glanzperiode von etwa zwanzig Jahren trat unter Abdul Aziz -und unter unglücklichen politischen und finanziellen Konjunkturen ein -Rückgang ein, der erst unter Abdul Medschid aufhörte. - -[Sidenote: Jetziger Zustand.] - -KONSTANTINOPEL besitzt vier kaiserliche Druckereien, zwei unter -Leitung des Ministeriums des Innern, von welchen die eine sich mit -der Herstellung von allen offiziellen Aktenstücken, die andere sich -mit Bücherdruck beschäftigt. Die dritte, unter das Kriegsministerium -ressortierende Druckerei dient nur militärischen Zwecken; die vierte, -mit welcher eine lithographische Anstalt für die Arbeiten des -Generalstabes verbunden ist, befindet sich in dem Palast Dolma-Bagdsche -und steht unter der unmittelbaren Leitung des Palastmarschalls. Die -Ausführung der öffentlichen Arbeiten ist eine durchweg gute. - -Von Privatdruckereien waren 1880 etwa 25 vorhanden, unter welchen sich -die Offizinen des armenischen und des griechischen Patriarchen, sowie -die des Gross-Rabbi befinden. Von lithographischen Anstalten gab es -ebensoviele. Die Zahl der Schnellpressen war gegen 70, der Tret- und -Handpressen 120, beschäftigt waren gegen 500 Personen. In den nationalen -Sprachen erschienen etwa 200 Werke. - -[Sidenote: Zeitungswesen.] - -Das Zeitungswesen entstand erst spät. Im Jahre 1852 erschien in Smyrna -der _Spectateur de l'Orient_; 1831 wurde der _Moniteur ottoman_ -(_Wekaje_) gegründet, der später auch türkisch gedruckt wurde. Nach den -offiziellen Angaben aus dem Jahre 1878 erschienen in Konstantinopel -72 Zeitungen und Zeitschriften, unter welchen 30 Tagesblätter. Von -den Zeitschriften sind 16 in türkischer, 20 in französischer, 12 -in griechischer, 13 in armenischer Sprache. Eine Verordnung von -1879 verbot, vor 6 Uhr türkischer Tageseinteilung (ungefähr unsere -Mittagsstunde) die Zeitungen auszugeben, was für diese, deren Verteilung -sonst um 6 Uhr früh stattfand, ein grosser Schlag war. Eine illustrierte -Zeitung _Mussaveri Turkestan_ (Illustrierte Türkei), herausgegeben von -der Gesellschaft der Freunde des Vaterlandes, erscheint wöchentlich. - -[Sidenote: Asiat. Türkei.] - -In SMYRNA gehörten die ersten Pressen (seit 1658) den Juden; dann -folgten die Christen und schliesslich die Türken. Eine erfolgreiche -Thätigkeit entwickelte mit sehr geringen Mitteln das Kloster MAR-HANNA -auf einem steilen Abhange des Berges Kesroan gelegen. Die dortige -Druckerei ist 1732 von dem Priester Abdallah Ben Zacher gegründet, -welcher selbst das nötige Handwerkszeug fertigte, Typen schnitt und -goss, dann abwechselnd als Setzer und Drucker arbeitete. Noch vor dem -Jahre 1794 erschienen dort gegen 40 Werke. In SAFAD, am westlichen -Ufer des Sees Tiberias, war eine hohe Schule für arabische und -hebräische Gelehrsamkeit, welche eine Druckerei besass, die jedoch -im Jahre 1759 durch ein Erdbeben zerstört wurde. Berühmt durch ihre -vortrefflichen arabischen Drucke ist die Offizin der amerikanischen -Missionsgesellschaft in BEIRUT. - -[Sidenote: Cypern.] - -Auf der Insel CYPERN erscheinen jetzt drei englische und zwei -griechische Zeitschriften. - -[Sidenote: Persien.] - -Nach PERSIEN kam die Buchdruckerkunst 1820 und zwar nach TEHERAN und -TABRIS. Über die weiteren Fortschritte verlautet so gut wie nichts. Bei -seiner Anwesenheit in Wien anlässlich der Ausstellung 1873 beabsichtigte -der Schah Nasser-Eddin die erste Schnellpresse zu bestellen. Seit 1872 -erscheint in Teheran eine Zeitung für Persien, zu welcher der Schah -selbst Beiträge liefert, zumeist Schilderungen seiner Jagdabenteuer. - -Eine grosse Schwierigkeit für die Verbreitung der Typographie in Persien -bildet das hohe Ansehen, in welchem die Schönschreibekunst steht, und -der hohe Grad von Vollkommenheit, welchen sie erreicht hat. Wird einmal -zur mechanischen Vervielfältigung gegriffen, so ist die Lithographie -viel leichter als die Typographie imstande, die wunderbaren, mit Gold -und Farben geschmückten Schriftzüge wiederzugeben. Auf eine schnelle -Verbreitung von Gutenbergs Kunst in Persien ist deshalb nicht zu rechnen. - -[Illustration] - - - - - DRITTES BUCH. - - DIE GERMANISCHE GRUPPE. - -[Illustration] - - EINFÜHRUNG IN DAS DRITTE BUCH. - - -Zu der GERMANISCHEN GRUPPE, mit welcher dieser geschichtliche -Überblick schliesst, gehören in erster Reihe die zu einer -bibliopolisch-typographischen Einheit verbundenen zwei Kaiserstaaten -DEUTSCHLAND und ÖSTERREICH-UNGARN, sowie die SCHWEIZ; in zweiter Linie -die stammverwandten skandinavischen Reiche: DÄNEMARK, SCHWEDEN und -NORWEGEN. An obige schliessen sich in dritter Reihe die, wennauch der -Gruppe national fremd, zumteil sogar feindlich gegenüber stehenden -SLAWISCHEN und MAGYARISCHEN LÄNDER, welche nicht nur ihr typographisches -Material, sondern auch die arbeitenden Kräfte hauptsächlich Deutschland -entnehmen oder wenigstens bis vor kurzem entnahmen. - -Eine Eigentümlichkeit dieser Gruppe, soweit ihre Angehörigen -germanischen Ursprungs sind, ist die Verwendung der von den zwei anderen -Gruppen fast ganz ausgeschlossenen Frakturschrift. Trotzdem ist diese, -wie bekannt, nicht die alleinherrschende geblieben. Von der Fraktur -»will«, von der Antiqua »kann« man nicht lassen. So hat sich ein -geschäftlicher Usus eingebürgert, demzufolge den beiden Schriften in -dem eigentlichen Bücherdruck fast ähnliche Stellungen zugewiesen werden, -wie sie im Altertum die hieratischen und demotischen Schriften Ägyptens -innehatten, sodass die Antiqua mehr die Schrift der Eingeweihten -blieb, während die Fraktur mehr die Volksschrift wurde. Zu den Werken -der strengeren Wissenschaften und zu Prachtausgaben verwendet man -vorzugsweise die aristokratischere Antiqua, zu den Erscheinungen der -schönwissenschaftlichen und populären Litteratur, zu Unterrichts- und -Andachtsbüchern dient hauptsächlich die populärere Fraktur[150]. - - [150] Zwei wertvolle neuere Einlagen in der Streitfrage »Antiqua - oder Fraktur« sind: F. SOENNECKEN, Das deutsche Schriftwesen - und die Notwendigkeit seiner Reform, Bonn 1881, und Dr. JOHANN - KELLE, Die deutsche und die lateinische Schrift, Separatabdruck - aus der Rundschau 1882. - -Die Accidenzien fallen in ganz überwiegender Weise der Antiqua zu, -dagegen die Zeitungen fast ausnahmslos der Fraktur. Und so wird es -wahrscheinlich noch lange Zeit bleiben[151]. - - [151] Um zu einiger Klarheit über das Verhältnis der Antiqua zu der - Fraktur in der deutschen Typographie zu kommen, hat der - Verfasser dieses Buches eine Zählung der litterarischen - Erzeugnisse des Jahres 1881 nach dem Hinrichsschen Katalog - unternommen. Von 14320 Nummern sind 8894 mit Fraktur, 5426 - mit Antiqua gedruckt (gleich 62 zu 38 Proz.). In zwei grosse - Gruppen nach den obigen Andeutungen der praktischen Verwendung - geteilt, giebt die »wissenschaftliche Gruppe« 7142 Werke, davon - 2896 mit Fraktur, 4246 mit Antiqua (gleich 40 zu 60 Proz.); - die zweite Gruppe, die »populäre Litteratur«, weist 7178 Werke - auf, davon 5998 mit Fraktur, 1180 mit Antiqua (gleich 83-1/2 zu - 16-1/2 Proz.). Zeitungen sind hierbei nicht mitgezählt, wohl - aber Wochen- und Monatsschriften. Wie überwiegend die Antiqua - in dem Accidenzfache verwendet wird, zeigt z. B. eine genaue - Aufstellung der C. G. Naumannschen Accidenzdruckerei in Leipzig, - nach welcher von 9447 Aufträgen in dem Jahre 1878 nur 161 in - Frakturschrift bestellt waren. - -Diese Doppelheit in der Schrift trägt allerdings eine grössere -Vielseitigkeit zur Schau, hat jedoch für die deutschen Buchdruckereien -den Nachteil gehabt, dass diese gleichmässig reich mit Antiqua- und -Frakturschriften ausgestattet sein müssen. Somit schliesst jede Offizin -eigentlich zwei Druckereien in sich: eine für Arbeiten in Fraktur, -eine zweite für die in Antiqua, so dass bei einem gleichen Quantum von -Schrift eine französische oder englische Offizin, weil nur nach einer -Richtung hin ausgestattet, quantitativ fast eine doppelt so grosse -Leistungsfähigkeit als eine deutsche besitzt. - -Was den deutschen Arbeiter betrifft, so vereinigt er in sich vielleicht -mehr als der irgend eines anderen Landes die mancherlei Eigenschaften, -die dem Typographen eigen sein müssen. Er ist selbständiger im Arbeiten -und leistet aus eigenem Antrieb in der Regel mehr, als ein anderer, -weshalb man auch fast nie »schlechte« Arbeiten aus Deutschland -sieht. Seine Fähigkeiten sind vielseitiger; er bringt es aber selten -zur Virtuosität in einem einzelnen Fach und es ist schwer, ihn zur -Überschreitung der Grenzen des ihm »Gut genug« scheinenden zu bringen. -Das mag wohl auch darin liegen, dass es in vielen Fällen nicht anders -mit den Prinzipalen, den Verlegern, den zeichnenden Künstlern und den -sonst Beteiligten steht. So selten das wirklich Schlechte ist, dem man -in der französischen Typographie täglich begegnet, so selten trifft man -auf vollendete, stilvoll durchgeführte Leistungen in Deutschland. Viel -Schuld dabei trägt die Verwendung der Antiqua und der Fraktur nicht nur -»neben«, sondern geradezu »unter« einander. Die richtige Behandlung -der beiden Schriftarten beruht jedoch auf abweichenden Grundsätzen; es -kommt deshalb trotz sonstiger Vorzüge der Arbeiter selten zu einem fest -ausgebildeten Geschmacke. - -Was in Bezug auf Deutschland gesagt wurde, gilt auch von ÖSTERREICH, -welches namentlich im Accidenzfache hinter Deutschland nicht -zurücksteht, in dem xylographischen Farbendruck es sogar übertroffen -hat. Auch UNGARN nimmt an den Bestrebungen teil. Die SCHWEIZ und die -SKANDINAVISCHEN LÄNDER, die, was Material, Schriften u. dgl. betrifft, -hauptsächlich von Deutschland abhängig waren, schlossen sich ganz der -deutschen Schule an und liefern jetzt, wennauch nicht gerade viel -Hervorragendes, so doch sehr viel Beachtenswertes. Die SLAWISCHEN LÄNDER -machten wesentliche Fortschritte und leisten zumteil Gutes, jedoch -stehen im allgemeinen die Erzeugnisse dieser Länder etwas zurück und es -wird wohl aus leicht begreiflichen Gründen auch noch einige Zeit darüber -vergehen, ehe sie eine, derjenigen der grossen Kulturländer ebenbürtige -Stellung einnehmen werden. - -Die Pressverhältnisse, die Technik und die Industrie in Deutschland -waren zur Zeit des allgemeinen Aufblühens der Typographie zu Beginn -des XIX. Jahrhunderts nicht derart, dass die Notwendigkeit des -Maschinenbetriebes so wie in England und Amerika sich von selbst -aufgedrängt hätte. Es kann deshalb Deutschland nicht so sehr zur Last -fallen, dass es die erste Ausbeutung der, die Typographie umgestaltenden -deutschen Erfindung der Schnellpresse, sowie die ersten Verbesserungen -und die spätere Vervollkommnung derselben dem Auslande überliess, so -dass die Erfindung sozusagen erst wieder aus dem Auslande importiert -werden musste. Sobald die Verhältnisse sich jedoch einigermassen besser -gestalteten, hat es gezeigt, dass es in der Technik und Mechanik nicht -allein nicht zurückgeblieben, sondern auf dem besten Wege ist, sich den -Weltmarkt zu erobern. - -Wie in der Typographie macht sich auch in der XYLOGRAPHIE eine doppelte -Strömung geltend. Der echte deutsche Holzschnitt der Gegenwart lehnt -sich an die Arbeiten der Meister aus der Renaissancezeit an und seine -Technik ist geradezu ein Gegenstück zu dem englischen. Der »tüchtige« -deutsche Xylograph unterordnet sich vollständig dem Zeichner und entsagt -dem Ruhm, auf Kosten des Urhebers der Zeichnung ein schaffender Künstler -zu sein. Er ist bestrebt, jeden Strich genau so wiederzugeben, wie er -in der Zeichnung dasteht. Er lässt nichts weg, setzt nichts hinzu. Der -deutsche Holzschnitt steht deshalb öfters gegen den englischen in der -glänzenden Technik zurück, aber er hat den Vorzug, die Zeichnung in -ihrem eigentümlichen Charakter wiederzugeben und er verdient deshalb die -lebhafteste Unterstützung der Künstler. - - * * * * * - -Während die Geschichte der Buchdruckerkunst in Frankreich und England -ziemlich mit der Schilderung der typographischen Wirksamkeit der beiden -Metropolen Paris und London zusammenfiel, lagen die Verhältnisse in -Deutschland etwas anders. - -Zwar besitzt das deutsche bibliopolisch-typographische Reich in -LEIPZIG einen Mittelpunkt des Verkehrs, der in mehrfacher Hinsicht -einzig in seiner Art dasteht; zwar haben sich in Leipzig, einer -Provinzialstadt mittleren Umfanges, durch die eigene Kraft und -Thätigkeit bei kluger Benutzung günstiger Umstände nicht allein der -ganze Kommissionsbuchhandel, sondern auch eine grossartige Verlags- und -typographische Wirksamkeit entwickelt, und die Stadt gilt noch heute -mit Recht als das Zentrum der bibliopolisch-graphischen Thätigkeit -Deutschland-Österreichs. Es war jedoch in den Verhältnissen begründet, -dass BERLIN mit der zunehmenden Wichtigkeit der Machtstellung Preussens -mehr und mehr ein Sammelpunkt wissenschaftlicher, künstlerischer und -journalistischer Kräfte werden und damit für den Buchhandel und die -Typographie eine hohe, sich namentlich über den Norden erstreckende -Bedeutung gewinnen musste. Dass dies in einem noch weit höheren Masse -von der jetzigen Reichshaupt- und Millionenstadt gilt, bedarf kaum der -Erwähnung. - -Andererseits entwickelte sich in dem Süden ein in mancher Beziehung -schon aus religiösen Gründen von dem nordisch-protestantischen -abweichendes Geistesleben, das in seiner Sonderrichtung zumteil von -divergierenden politischen Neigungen genährt wurde. München, das durch -seine Stellung in Kunst und Wissenschaft und durch seine Bedeutung als -Hauptstadt des zweitgrössten Staates Deutschlands zur Führung des Südens -berechtigt war, wusste nicht diese Berechtigung geltend zu machen. Wie -im Zentrum, so gelang es auch im Süden einer Mittelstadt durch günstige -Verhältnisse, Rührigkeit und Intelligenz den ersten Platz einzunehmen -und es wurde STUTTGART möglich, wennauch nicht Leipzigs Bedeutung -für das Ganze, so doch eine bevorzugte Stellung für den süddeutschen -Buchhandel zu erreichen und letzterem eine gewisse Selbständigkeit in -dem deutschen bibliopolisch-typographischen Reich zu erwerben. - -Eine ausschliessliche Konzentration fand mit alledem nicht in den drei -erwähnten Emporien statt. In Nürnberg, Augsburg und Frankfurt a. M. -lebten die alten Traditionen noch lange fort; die freien Hansastädte -waren nicht Provinzialstädte im englisch-französischen Sinne geworden, -und in mancher der kleinen Residenzen spross öfters ein unabhängiges -reiches Kulturleben hervor. Während in Frankreich z. B. ein in Nantes -oder Bordeaux, in England ein in Liverpool oder Manchester erschienenes -Verlagswerk, welches sich Geltung zu verschaffen wusste, ein Phänomen -blieb, war es, um in Deutschland mit einem Werke durchzudringen, nicht -notwendig, dies in Leipzig, Berlin oder Stuttgart erscheinen zu lassen, -wenn dies auch seine geschäftlichen Vorteile hatte. Ein Verleger in -Braunschweig, Gotha, Altenburg oder in jeder anderen kleinen Druckstadt -konnte, wenn er der rechte Mann und seine Artikel gute waren, -diese zur Geltung bringen. Infolge davon verbreiteten sich auch die -typographischen Anstalten gleichmässiger über das ganze Reich. - -Dies war der Segen der eigentümlichen Organisation des deutschen -Buchhandels, der in der Zeit der nationalen Drangsale Deutschlands -fast das einzige Band war, welches das politisch zersplitterte Reich -zusammenhielt. - -Solange der politische Druck auf Österreich und seiner Hauptstadt -lastete, war es mit dem Press- und Buchgewerbe dort nur kümmerlich -bestellt. Es konnte jedoch nicht fehlen, dass mit dem Fallen der -Fesseln dies anders werden musste. Es war nicht denkbar, dass WIEN, -damals im Range die dritte der Weltstädte, sich einer Provinzialstadt -Mitteldeutschlands bibliopolisch und typographisch unterordnen -sollte. In rapider Weise entwickelte sich dort der Verlag und die -Buchdruckerkunst und um die Kaiserstadt herum gruppierten sich nun -wieder die Provinzialstädte des Reiches, die früher vollständig isoliert -gestanden hatten. - -So sehen wir nunmehr das deutsche Pressgewerbe, unter Beibehaltung -seines eigentümlichen Wesens, namentlich in vier Emporien repräsentiert: -LEIPZIG im Zentrum, BERLIN im Norden, STUTTGART im Süden, WIEN im -Osten, während die übrigen Teile und Städte Deutschland-Österreichs -sowohl als der von diesem geschäftlich abhängigen Umländer, je nach -Lage, Sympathien oder nach der politischen oder geschäftlichen -Attraktionskraft der Mittelpunkte, sich um diese gruppieren. - -Von einer scharfen Abgrenzung kann dabei selbstverständlich nicht die -Rede sein. Da es jedoch die Übersicht sehr erleichtert, den massenhaften -Stoff nach den natürlichen Kreisen zu scheiden, so ist diese Vierteilung -für die folgenden Kapitel beibehalten, jedoch unter Voranstellung -einer Gesamt-Übersicht der Schriftgiesserei, der Xylographie, der -Maschinenfabrikation und sonstiger für die Gesamtheit gleichen -Verhältnisse. - -[Illustration] - - -[Illustration] - - IX. KAPITEL. - - ALLGEMEINER ÜBERBLICK - - ÜBER DAS DEUTSCHE PRESSGEWERBE. - - Gedrückter Zustand des Pressgewerbes. Nachdruck und Presspolizei. Die - kaiserl. Bücherkommission. Die Presse in den einzelnen Bundesstaaten. - Die nationale Litteratur. Reform des Buchhandels. Der Börsenverein. - Die Bücherproduktion. Der Buchdrucker-Verband und der - Prinzipal-Verein. Statistisches. Die Papierfabrikation. Die - Buchbinderkunst, der Masseneinband und die Handarbeit. - -[Sidenote: Gedrückter Zustand des Pressgewerbes.] - -[Sidenote: Der Nachdruck.] - -Der gedrückte Zustand, in welchem wir das deutsche Pressgewerbe zum -Schluss der früheren Periode verliessen (I, S. 168), sollte sich -noch weit über den Schluss des achtzehnten Jahrhunderts ausdehnen. -Der siebenjährige Krieg, die Revolutionskriege, die Zwingherrschaft -Napoleons, die verkümmerten national-ökonomischen Verhältnisse lasteten -schwer auf dem ganzen Volk und auf allen gewerblichen Verhältnissen, -begreiflicherweise nicht in letzter Reihe auf Buchhandel und -Bücherdruck. Diese hatten, ausser mit den allgemeinen, noch mit ihren -besonderen Plagen, Nachdruck und Presspolizei, zu kämpfen. Ersterer -erhob in schamlosester Weise sein Haupt und brachte den Verlagshandel -um die Früchte seiner Opfer und seiner Thätigkeit. Unter solchen -Verhältnissen konnten keine angemessenen Honorare gewährt werden und -die schlecht bezahlten Autoren versuchten zumteil ihr Heil in dem -Selbstverlage ihrer Werke auf Subskription oder durch Vereinigungen zu -den sogenannten »gelehrten Buchhandlungen«, die gewöhnlich ein trübes -Ende nahmen und den Verlagsbuchhandel noch mehr diskreditierten. - -[Sidenote: Die Polizeiwillkür.] - -Doch nicht allein die Nachdrucker, sondern auch die Polizeiwillkür -betrachtete ein Presserzeugnis als ein herrenloses Gut und die Erzeuger -als ausserhalb des Schutzes der Gesetze stehend. Es ist nicht gerade -notwendig, den extremsten Fall, die Erschiessung Palms in Braunau am -26. August 1806 durch Napoleon, heraufzubeschwören, das Dasein der der -Presse Dienenden war ein Zustand von Hangen und Bangen, der, wennauch -nicht das Leben, so doch oft Opfer an Gut und Freiheit kostete. - -[Sidenote: Die kaiserliche Bücherkommission und die Zensur.] - -Mit der Verlegung des Schwerpunktes der Pressgewerbe nach Leipzig -war rechtlich keine Änderung in den presspolizeilichen Verhältnissen -eingetreten. Ein kaiserliches Edikt vom 10. Februar 1746 beschäftigte -sich sehr eingehend mit der Bücherzensur im heiligen römischen -Reich und spricht »seine sonderbare Befremdung« über die bisherige -Nichtachtung der Reichsgesetze aus. Über alle Einzelheiten im Buchhandel -und Buchdruck, selbst über Papier und Schriften wurden Bestimmungen -getroffen. Dieser Standpunkt wiederholt sich in den Wahlkapitulationen -bis 1792. Wie die Reichsregierung jedoch selbst klagt, es blieb -meist bei den leeren Worten und die kaiserliche Bücherkommission war -faktisch seit Verlegung der Messe nach Leipzig so gut wie von der Bühne -verschwunden. Sie wusste, dass sie keinen Gehorsam finden würde und -hielt sich deshalb möglichst hinter den Kulissen. Somit war die Presse -fast lediglich von der Gesetzgebung der einzelnen Staaten und deren -Politik abhängig; von einer Einheitlichkeit der Pressgesetzgebung, der -Zensur und der Presspolizei war keine Rede[152]. - - [152] LUD. HOFFMANN, Geschichte der Bücherzensur. Berlin 1879. -- Die - Preussische Pressgesetzgebung unter Friedr. Wilhelm III. Leipzig - 1881. -- FR. KAPP, Aktenstücke zur Gesch. der Preuss. Zensur - etc. (Archiv d. B.-B.-V. IV). Leipzig 1879. -- R. E. PRUTZ, Zur - Geschichte d. Presse in Preussen (Deutsch. Mus. 1857, 11). - -[Sidenote: Pressverhältnisse der einzelnen Bundesstaaten. Preussen.] - -Preussen genoss schon vor Friedrich dem Grossen eine gewisse Freiheit -und letzterer gewährte den Zeitungen einen noch grösseren Spielraum -und bediente sich sogar derselben, um seine Massregeln vorzubereiten -oder zu verteidigen. »Die Gazetten, wenn sie interessant sein sollen, -müssen nicht geniert werden.« Doch darf man dieses Wort nicht zu genau -nach dem Buchstaben nehmen. Über Angriffe auf seine Person dachte der -König allerdings sehr liberal, dagegen konnte er bei Einmischung in -seine Verwaltung unduldsam werden. Die Zensur der Schriften, welche das -öffentliche Recht behandelten, übertrug er dem Kabinettsministerium. Im -Jahre 1747 wurde die Berliner Akademie mit der Zensur aller Schriften -betraut. 1749 erschien ein etwas verschärftes Zensuredikt, welches bis -zum Tode Friedrichs in Kraft blieb, jedoch mild gehandhabt wurde, wie -der König überhaupt die Presse mit mehr Achtung behandelte, als man -damals gewohnt war. - -Nach dem Tode Friedrichs nahm die Lage in Preussen eine andere Gestalt -an. In dem Jahre 1788 erschienen das berüchtigte Religionsedikt und das -diesem geistesverwandte Zensuredikt vom 19. Dezember desselben Jahres. -Natürlich »wollte man den Unterthanen alle erlaubte Freiheit gern -akkordieren« -- aber »zugleich Ordnung im Lande haben«. - -Die französische Revolution und Napoleons eiserner Druck auf -Deutschland hemmten den Fortschritt gewaltig, wennauch sein Dekret vom -5. Februar 1810, durch welches die Angelegenheiten der Presse, des -Buchhandels und der Buchdruckerei geordnet werden sollten, auf Grund -der Schwerfälligkeit des gesamten Apparates in seinen Folgen nicht so -schlimm wurde, als man hätte befürchten müssen[153]. - - [153] K. BIEDERMANN, Deutschland im XVIII. Jahrhundert. 1. Bd. 2. Aufl. - Leipzig 1880. -- Friedr. Perthes' Leben. 6. Aufl. Gotha 1872. - -[Sidenote: Bayern.] - -[Sidenote: Württemberg.] - -In den nichtpreussischen Teilen des deutschen Reiches sah es bald -besser, bald schlimmer aus, je nach dem Vorgehen der Einzelregierungen, -denn die Reichsgesetze hatte man entweder im stillen beseitigt oder sie -waren gar, wie in Holstein, wo die dänische Pressfreiheit eingeführt -war, offiziell abgeschafft. Auch in Mecklenburg, Braunschweig, Weimar, -Hessen-Darmstadt, Nassau bestand faktisch Pressfreiheit, ohne dass sie -rechtlich garantiert war. In Hannover waren wenigstens die Werke der -Professoren der Universität Göttingen zensurfrei. In Baden, Dessau und -den freien Reichsstädten, namentlich in Hamburg, fand die Tagespresse in -der Regel eine sichere Zufluchtsstätte. Am traurigsten sah es in Bayern -aus. Nach einem kurzen Lichtblick unter der Regierung des Kurfürsten -Maximilian III. Joseph war ein ganz massloser Druck eingetreten, und -auch in Württemberg wurde grosse Härte und Willkür geübt. Es kam dort -zu Vorgängen -- wie gegen den Dichter Schubart --, die sich denen der -Säbelherrschaft Napoleons nicht unwürdig anreihen. - -[Sidenote: Die geistlichen Staaten.] - -In den geistlichen Staaten unterlagen die Presserzeugnisse neben -der weltlichen Zensur auch noch der des römischen Stuhles und es -kamen öfters Fälle vor, dass Schriften auf Befehl Roms nachträglich -konfisziert wurden, nachdem sie bereits die Landeszensur passiert hatten. - -[Sidenote: Sachsen.] - -Sachsen, obwohl der Hauptsitz des Buchhandels, war nicht, wie man es -wohl hätte erwarten können, geneigt, zu freisinnigen Pressinstitutionen -die Initiative zu ergreifen, um damit Leipzig auch zum Zentrum der -wissenschaftlichen Bewegung und der Tagespresse zu machen, wie es der -Mittelpunkt des bibliopolischen Verkehrs geworden war. Es fehlte sowohl -bei der Regierung wie bei dem Volke der eigentliche Schwung. Schon die -Religionsverschiedenheit der Herrscher und des Volkes legte der freien -Behandlung religiöser Fragen Hindernisse in den Weg. War man jedoch auch -nicht freisinnig in der Gesetzgebung, so war man doch in der Praxis -mild und suchte den Buchhandel auf Grund von Leipzigs Stellung zu -demselben möglichst zu schonen[154]. Die Bücherkommission, zu welcher -die Regierung Mitglieder der Universität, des Rats und später des -Buchhandels ernannte, verfuhr mit grösster Schonung, nur über einen, den -strengen Zensor Bel, war man sehr missgestimmt; ja es kam so weit, dass -man von dem Wegbleiben der Auswärtigen von der Messe sprach. - - [154] C. B. LORCK, Geschichte des Vereins der Buchhändler zu Leipzig. - Leipzig 1883. - -[Sidenote: Die nationale Litteratur.] - -[Sidenote: Zeitschriften.] - -[Sidenote: Der Buchhandel.] - -Mit dem Beginn der vorliegenden Periode beginnt auch das Aufblühen der -nationalen Litteratur, die zu Ende des XVIII. und zu Beginn des XIX. -Jahrhunderts ihre schönsten Blüten trieb. Zu der Zeitungslitteratur, -welche sich mit Besprechung oder Kritik der öffentlichen Zustände -beschäftigte, gab erst A. L. v. Schlözer in Göttingen, dem K. F. v. -Moser nacheiferte, den Anstoss. Schlözers Staatsanzeigen 1782-1793 -hatten zurzeit 4000 Abnehmer und waren selbst in den höchsten Kreisen -beachtet. Von da ab wurden alle Verhältnisse in den Wochen- und -namentlich in den Monatsschriften erörtert und um 1785 gab es 400-500 -Zeitschriften. Die politische Tagesschriftstellerei war damals noch -nicht ein förmliches Gewerbe, die Unternehmer waren meist Professoren -und Gelehrte, die Bücherkäufer bestanden hauptsächlich nur aus -Gelehrten, Bibliotheken und Beamten, deren begrenzte Mittel sie jedoch -gewöhnlich zwangen, sich auf das Nötigste zu beschränken. Das übrige -Publikum begnügte sich nicht selten mit fader Unterhaltungslitteratur. -Ein direktes Eingreifen des Buchhandels, um neue litterarische -Erscheinungen hervorzurufen, war nur selten bemerkbar, der -buchhändlerische Unternehmungsgeist war noch nicht erwacht. - -Erst mit FRIEDR. ARNOLD BROCKHAUS beginnt das eigentliche tendenziöse -Eingreifen der Verleger, welche die Verbreitung wirklicher allgemeiner -und politischer Bildung ins Auge fassten. Aber welche Quelle der Sorgen -und Plagen sollten ihm und seinen Gesinnungsgenossen aus solchem -Beginnen erwachsen[155]! - - [155] H. E. BROCKHAUS, Friedrich Arnold Brockhaus. Sein Leben und - Wirken. 3 Bde. Leipzig 1872. - -[Sidenote: Reform des Buchhandels.] - -Eine Reform des buchhändlerischen Geschäftsbetriebes war schon in der -letzten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts versucht worden, namentlich -richteten sich die Bestrebungen auf die Unterdrückung des Nachdrucks -und auf Gleichmässigkeit und Ordnung in den Rechnungsverhältnissen. -PH. E. REICH in Leipzig gelang es 1765, den ersten Buchhändler-Verein -zustande zu bringen, doch war die Wirksamkeit desselben keine grosse -und er verschwand bald ganz. 1792 versuchte P. G. KUMMER in Leipzig -wieder einen solchen zu begründen, jedoch erst der durch C. C. -HORVATH aus Potsdam hervorgerufene Börsenverein[156] war von Dauer -und aus ihm entstand 1824 erst der wirkliche, jetzt noch bestehende -Börsenverein der Deutschen Buchhändler, dem es namentlich durch die -unermüdlichen Anstrengungen des 1833 am 25. Februar gegründeten -Leipziger Buchhändler-Vereins und durch die liberale Unterstützung -der Sächsischen Regierung gelang, am 1. Mai 1836 sich in dem eigenen -stattlichen Börsengebäude versammeln zu können. - - [156] FR. FROMMANN, Geschichte des Börsenvereins. -- Der Börsenbau - (Kap. II in LORCKS Gesch. d. Vereins d. Buchh. zu Leipzig). -- - Statut des Börsenvereins vom 25. April 1880. - -[Sidenote: Börsenverein.] - -Seit der Zeit ist der Verein ruhig fortgeschritten und zählte -1882 1480 Mitglieder. Sein Haus besitzt er seit 1869 vollständig -schuldenfrei; ausserdem eine höchst wertvolle, in ihrer Art einzig -dastehende Fachbibliothek und reiche Sammlungen für die Geschichte der -graphischen Künste[157], einen Verlag fachgeschichtlicher Schriften, ein -wohlgeordnetes Finanzwesen und ein Vermögen von nahe an 400000 Mark. - - [157] Katalog der Bibl. des Börsen-Vereins. Leipzig 1869. - Nachtrag 1870. - -Ein wesentlicher Einfluss auf die Gesetzgebung über das litterarische -Eigentumsrecht und auf die Ordnung der Verhältnisse der Presse ist dem -Verein durch das Vertrauen der Regierungen zugefallen. Einige in letzter -Zeit in seinem Schosse entstandene Differenzen, die aus den Versuchen -entsprangen, dem Verein Machtbefugnisse beizulegen, die ihn berechtigt -haben würden, in geschäftliche Verhältnisse des Einzelnen einzugreifen, -waren nicht derart, um für den so fest begründeten nützlichen Verein -Gefahren zu bereiten. - -Das Vereinsorgan ist das 1834 gegründete, seit 1867 täglich erscheinende -»Börsenblatt für den deutschen Buchhandel«[158]; dieses im Verein -mit dem »Naumburgschen Wahlzettel«, »Schulz' Adressbuch für den -deutschen Buchhandel« und dem »Hinrichsschen Bücherverzeichnisse« -sind geschäftliche Hülfsmittel von grossem Werte, wie sie in dieser -Ausdehnung keine andere buchhändlerische Organisation besitzt[159]. - - [158] Ein Jahrgang des Börsenblattes bildet jetzt vier Quartbände, - zusammen in einem Umfange von gegen 6000 Seiten. Seit 1856 wurde - es von Jul. Krauss redigiert. - - [159] E. BERGER, Die Anfänge der period. Litteratur des Buchhandels - (Publ. d. B.-B.-V. 11). Leipzig 1875. - - * * * * * - -[Sidenote: Aufschwung der Pressgewerbe.] - -Fast gleichzeitig mit der Gründung des Börsenvereins und des Leipziger -Buchhändler-Vereins war die grosse politische Bewegung infolge -der Julirevolution in Paris 1830 und die bedeutenden technischen -Verbesserungen der Typographie eingetreten. Die Produktion kam nun rasch -in Fluss und trat in mancher Beziehung in andere Bahnen ein. War der -Buchhändler früher weniger ein Spekulant gewesen, so wurde er jetzt -vielfach ein Bücherfabrikant und unterlag als solcher mehr als sonst den -Schwankungen der Zeitverhältnisse[160]. - - [160] O. A. SCHULZ, Der Buchhandel (Schiebes Handelslexikon). -- A. - SCHÜRMANN, Der Buchhandel (Pierers Universallexikon). -- K. - BUCHNER, Schriftsteller und Verleger vor 100 Jahren. -- Dr. - A. KIRCHHOFF, Litteratur und Buchhandel am Schluss des XVIII. - Jahrh. -- J. H. MEYER, Die genossenschaftlichen Buchhandlungen - des XVIII. Jahrh. (Archiv d. D. B.-B.-V. 11). Leipzig 1879. -- - A. PRINZ, Der Buchhandel von 1815 bis zum Jahre 1863. 7 Teile. - Altona 1855-1863. -- E. BERGER, Aus dem Buchhandel vor 50 Jahren - (Publ. d. B.-B.-V. 11). Leipzig 1875. -- Derselbe, Der deutsche - Buchhandel in d. J. 1815-1867 (Arch. d. B.-B.-V. 11). Leipzig - 1879. -- K. BUCHNER, Beiträge zur Gesch. d. Buchhandels. - -[Sidenote: Die illustrierten Blätter.] - -Die ZEITSCHRIFTEN, selbst die belletristischen, schlugen unter Führung -des jungen Deutschlands mehr oder weniger eine tendenziös-politische -Richtung ein. Daneben wucherte die Broschürenlitteratur in üppigster -Fülle. - -Geradezu umwälzend wirkte 1832 das Erscheinen des _Penny magazine_ -(S. 94) auf die deutsche Journallitteratur. Es entstanden -die verschiedensten Nachahmungen und selbst die Verleger der -nichtillustrierten Blätter waren wenigstens bemüht, diese durch -Bilderprämien, zuerst Stahlstiche und schwarze Lithographien, später -Chromolithographien, unter Zuhülfenahme der Colportage »bis in die -Hütten« zu verbreiten. Den Pfennigblättern folgte 1843 die »Illustrierte -Zeitung«. Auch der Humor machte unter Vortritt der »Fliegenden Blätter« -(1845) seine Rechte in einer Reihe von periodischen Schriften geltend, -in welchen hauptsächlich die lithographische Federzeichnung, bei welcher -der Künstler ohne die Dazwischenkunft eines Anderen seiner Laune die -Zügel schiessen lassen konnte, Verwendung fand. - -[Sidenote: Die Kalenderlitteratur.] - -Im Gefolge der illustrierten Blätter und unterstützt durch die grossen -Fortschritte der Holzschneidekunst stellten sich die zahlreichen -VOLKSKALENDER ein, von denen der von Fr. W. Gubitz (1833) herausgegebene -der reichste an Inhalt sowie an Illustrationen, zugleich der am -weitesten verbreitete war. Leider wurde dieser volkstümlichsten und bei -ehrlichem Streben sehr beachtenswerten Gattung von Presserzeugnissen -nicht allein durch die Höhe der daraufgelegten Stempelsteuer, sondern -noch mehr durch die mit der Erhebung derselben in der Zeit der -Vielstaaterei und der ausgebildetsten Zollplackerei verbundenen -Schwierigkeiten sehr gehemmt und den Verlegern eine Quelle des -fortwährenden Verdrusses und Nachteils eröffnet. - -[Sidenote: Die illustrierten Heftwerke.] - -Die Illustration bemächtigte sich jedoch nicht nur der -Journallitteratur, sondern es entstanden auch illustrierte -Lieferungswerke in grosser Zahl, welche bei der Erscheinungsweise in -Heften zu 2-1/2, 5 oder höchstens 10 Groschen leicht Eingang fanden, -bis Missbrauch der Geduld und der Kasse des Publikums sie in Misskredit -brachte. - -Den Reigen begannen Werke mit lithographischen, zumteil kolorierten -Bildern, dann folgten solche mit Stahlstichen, Holzschnitten und -Chromolithographien. Leipzig und Stuttgart gaben den Ton an. Österreich -blieb in der Produktion zurück, bildete aber das vorzüglichste -Absatzgebiet. Für Holzschnittwerke wurden zuerst namentlich französische -Clichés benutzt; bald aber konnte Deutschland Originale genug liefern -und gab bereits im Jahre der Jubelfeier von Gutenbergs Kunst vollgültige -Beweise seines selbständigen Schaffens. Die Stahlstichwerke wurden -hauptsächlich mit englischen Produkten illustriert; dann wagte man sich -daran, unter Beihülfe englischer Künstler, von denen viele sich in -Deutschland etablierten, die Stiche selbst zu liefern. - -An die Stelle der Taschenbücher in bescheidenem Format traten nach -englischen Mustern die GROSSEN ALBUMS und JAHRBÜCHER, die sich -jedoch eben so wenig in Deutschland wie in England hielten und den -illustrierten Dichterwerken Platz machten. - -[Sidenote: Die Klassiker-Ausgaben.] - -Ebenfalls eine andere von England nach Deutschland verpflanzte, jedoch -sehr schnell verschwindende Mode war die der KLASSIKER-AUSGABEN in einem -Bande grossen Formats mit gespaltenen Kolumnen. Dahingegen fanden die -sogenannten SCHILLER-AUSGABEN (von 1845 ab) in einem kleinen breiten -Sedez eine grosse Verbreitung und andauernden Beifall. Jeder Verleger -spürte in seinem Verlagskataloge eifrigst nach, ob er nicht einen von -ihm übersehenen »Klassiker« im Verlage habe und mancher wunderbare -Klassiker-Heilige zeigte sich mit der Schillerkutte angethan. Selbst -umfangreichere wissenschaftliche Werke fielen der Schillerformat-Manie -anheim. Für die epochemachende _Tauchnitz-Collection_ war dies Format -bereits 1842 angenommen. - -[Sidenote: Konversationslexika.] - -Die Bedürfnisse nach allgemeinen encyklopädischen Kenntnissen fanden -reiche Nahrung durch die grosse Zahl von KONVERSATIONSLEXIKA mit oder -ohne Illustrationen, die alle mehr oder weniger in Brockhaus' Kielwasser -mit einer von ihm in billigster Weise entlehnten Ladung segelten. Sogar -die Damen erhielten ein solches Lexikon und es fehlte auch nicht einmal -eins für Kinder. - -[Sidenote: Die politische Poesie.] - -Die Zensurplackereien in den Jahren 1830-1848 überschritten alle -Grenzen. Zwar waren Schriften über 20 Bogen zensurfrei geworden, jedoch -musste 24 Stunden vor der Herausgabe ein Exemplar der Polizei überreicht -werden, und diese Zeit genügte für die provisorische Beschlagnahme, -die in ihren Wirkungen für den Verleger einer definitiven ziemlich -gleichkam. Für die POLITISCHE POESIE und den politischen und sozialen -Roman lag hierin ein Vorschub, da diesen Erzeugnissen nicht so leicht -beizukommen war als denjenigen eines klar ausgesprochenen politischen -Inhalts. Der Unterdrückte wird durch strenge Massregeln seiner -Überwacher nur erfinderischer in der Auswahl seiner Mittel, diese zu -umgehen, und die erwähnten Litteraturzweige blühten. - -[Sidenote: Pressfreiheit.] - -So hatte es lange unter der Asche geglimmt, bevor der Brand infolge -der Pariser Februar-Revolution 1848 in Deutschland in hellen Flammen -sich Luft machte. Eine Folge war die endliche Gewährung der seit mehr -als 30 Jahren verheissenen Pressfreiheit und die unbehelligte Einfuhr -der Bücher in Österreich, bei welcher jedoch der Buchhandel pekuniär -vorläufig wenig gewann, da der Reiz des Besitzes des Verbotenen nunmehr -aufhörte. - -[Sidenote: Die Zeitungen und Broschüren.] - -Für die erste Zeit nahmen ZEITUNGEN und BROSCHÜREN[161] die -Aufmerksamkeit des Publikums ausschliesslich in Anspruch. Viele -Kontinuationswerke kamen ins Stocken; der Kredit des Buchhandels wurde -beschnitten. Nur in der Zeitungslitteratur herrschte frisches Leben, -aber auch eine grosse Zersplitterung der Kräfte, unter welcher die -Erzielung grosser Resultate sehr schwer war. Jede Parteischattierung, -jede Stadt, jedes Städtchen wollte ein Blatt oder Blättchen für sich -haben. - - [161] R. E. PRUTZ, Geschichte des deutschen Journalismus. Hannover - 1845. -- Derselbe, Fortschritte der Zeitungspresse (Deutsch. - Museum 1858 Nvbr.). -- J. KURANDA, Deutsche Zeitungen und - Zeitschriften. -- H. WUTTKE, Die deutschen Zeitschriften. 2. - Aufl. Leipzig 1875. -- Einen Einblick in die Herstellung einer - Zeitung gewährt: J. H. WEHLE, Die Zeitung. 2. Aufl. Wien 1883. - -Während die politischen Zeitungen mit ihren reichhaltigen -litterarischen und schönwissenschaftlichen Feuilletons die eigentliche -Unterhaltungslitteratur und auch die litterarischen Blätter ganz -zurückdrängten, gediehen die illustrierten, halb unterhaltenden, -halb belehrenden Wochenblätter, für welche die »Gartenlaube« die -Bahnbrecherin gewesen war, vortrefflich. - -[Sidenote: Modezeitungen.] - -Als ein bedeutendes Element trat die MODE hinzu. Die grossen Muster- und -Modezeitungen, welchen zurseite die Frauen standen, die zum Schrecken -der Männer alles Mögliche und Unmögliche behäkelten oder bestickten -und in »Schnitten« das Unglaublichste leisteten, fanden eine mitunter -kolossale Verbreitung und wurden selbst in Paris massgebend. - -Auch die politisch-soziale SATIRE hatte ihren Tummelplatz, auf welchem -der »Kladderadatsch« sich als Vorturner auszeichnete. - -[Sidenote: Die Reaktion.] - -[Sidenote: Die Kollektiv-Unternehmen.] - -Nachdem die Regierungen nach der Sturmperiode sich von ihrem Schrecken -erholt und wieder festeren Boden unter sich fühlten, begann die Reaktion -erst im stillen, dann offen ihr Spiel zu treiben und die Verfolgungen -gegen Schriftsteller, Verleger und Drucker gehörten zur Tagesordnung. -Von allen Seiten trat die Politikmüdigkeit ein, dagegen stieg die Lust -an Büchern in demselben Verhältnis wie die Unlust an Zeitungen. Die -Konkurrenz im Buchhandel erhob sich wieder mächtig. Sprach jemand einen -Gedanken aus, so fiel gleich ein halbes oder ganzes Dutzend Verleger -über denselben her und zeigte sich bereit, an der Abhülfe eines längst -gefühlten Bedürfnisses mitzuwirken. Die KOLLEKTIV-UNTERNEHMUNGEN aller -Art schossen wie Pilze aus der Erde und fanden guten Absatz, mit -Ausnahme der Romansammlungen, denn trotz der Billigkeit und der zumteil -guten Auswahl derselben zog das Publikum doch vor, sich mit der schönen -Litteratur durch die Zahlung von fünf Pfennigen oder einem Groschen -Leihgebühren pro Band abzufinden. - -Durch die Eisenbahnen war die Welt in eine fortwährende Bewegung -gekommen. Es musste also auch für die Bedürfnisse des reisenden -Publikums gesorgt werden, was in ergiebigster Weise durch -Reisehandbücher und Reiseatlanten, Parleurs etc. geschah. - -[Sidenote: Der 9. November 1867.] - -Ein Tag von grosser Bedeutung in der Geschichte des Buchgewerbes war -der 9. November 1867, an welchem die Verlagsrechte an die Werke der -seit 30 Jahren oder länger verstorbenen Autoren Gemeingut wurden. -Merkwürdigerweise hatten die hauptsächlichsten Verleger der Werke, -die von der Bestimmung getroffen wurden, nicht versucht, der Gefahr -beizeiten energisch zu begegnen, und überliessen den Konkurrierenden -eine zeitlang das Feld. Diese hatten aber um so vorsorglicher gehandelt -und sich zumteil vor Ablauf des Termins mit einigen Verlegern -geeinigt, sodass sie noch vor dem 9. November ihre Kollektionen zu den -wohlfeilsten Preisen beginnen konnten. Fast noch einschneidender als im -Buchhandel wirkte dieser Tag in dem Musikalienhandel. - -[Sidenote: Der Colportage-Roman.] - -Neben den besseren Erzeugnissen der Unterhaltungs-Litteratur florierte -die Schmarotzer-Pflanze des COLPORTAGE-ROMANS und tötete teilweise -den Sinn für ernstere Lektüre, brachte auch nebenbei durch Beigabe -grösstenteils mittelmässiger Prämienbilder die jugendlich frisch -aufblühende Kunst des Farbendruckes in Misskredit. - -[Sidenote: Die Pracht-Albums.] - -Die grossen Fortschritte der Typographie, der Xylographie und der -Chromolithographie in Verbindung mit der Photographie und den -verschiedenen Lichtdruckverfahren hatten den Geschmack für schöne Bücher -mächtig gefördert und riefen ARCHITEKTONISCHE und TECHNISCHE WERKE -von grossem Werte, sowie MUSTERSAMMLUNGEN der besseren Erzeugnisse -alter, mittlerer und neuerer Zeit hervor. Es folgten prachtvolle -ethnographische Werke. Schliesslich entstand eine wahre Sintflut von -ALBUMS, hauptsächlich mit photographischen Illustrationen zu Gedichten, -Romanen, Opern u. dgl. - -[Sidenote: Die »Mark-Bibliotheken«.] - -Als jüngste Phase des Buchhandels, deren Resultate noch nicht vorliegen -können, müssen die MARK-BIBLIOTHEKEN bezeichnet werden, in welchen ein -hübsch gebundener Band für eine Mark geliefert wird. Diese Kollektionen -beschränken sich nicht auf die Unterhaltungs-Litteratur, sondern dehnen -sich auch auf die wissenschaftliche aus. - -[Sidenote: Die Landkarten-Produktion.] - -Zum Schluss sei noch die LANDKARTEN-PRODUKTION erwähnt. Diese -erhielt durch Hülfe der Chemitypie und der Zinkographie, sowie der -Vielfarben-Druckmaschine eine gewaltige Ausdehnung und die Billigkeit -der Erzeugnisse bei schöner Ausführung grenzt an das Wunderbare. Da -diese Branche der Aufklärung ohne jeden bitteren Beigeschmack dient, so -kann die Freude hierüber eine ungetrübte sein. - - * * * * * - -[Sidenote: Buchdrucker-Gehülfen-Verband.] - -Unter den Errungenschaften des Jahres 1848 war auch das -Associationsrecht. Es war selbstverständlich, dass die -Buchdrucker-gehülfen dasselbe benutzten, um sich in Vereine zu sammeln -behufs Vertretung ihrer Interessen mit gemeinsamen Kräften. Dass sie -mässiger in der Benutzung ihrer Freiheiten hätten sein sollen als alle -anderen Klassen, war nicht zu verlangen. Die alte »patriarchalische« -Zeit hatte ihnen durch willkürliche Berechnungs- und unregelmässige -Zahlungsweise manche Unbill gebracht, für welche sie jetzt Revanche -nahmen, dabei die Berechnung der Zinsen nicht vergessend. - -Eine erste allgemeine Versammlung der Gehülfen aus ganz Deutschland -fand in den Tagen vom 11. bis 14. Juni 1848 in Mainz statt. Die -dort gefassten Beschlüsse hatten zwar einen Protest von gegen 200 -Prinzipalen zur Folge, dabei blieb es jedoch und man liess den Verband -der Buchdrucker- und Schriftgiesser-Gehülfen, welcher die lebhafteste -Beteiligung fand, ruhig gewähren. - -[Sidenote: Der Prinzipal-Verein.] - -Erst nachdem der Verband fast unumschränkter Herr in den Druckereien -geworden, dachten die Prinzipale daran, sich auch an einander zu -schliessen und versammelten sich am 15. August 1869 ebenfalls in -Mainz. Der dort konstituierte Verein wollte nicht nur Front gegen den -Gehülfen-Verein machen und die persönlichen Beziehungen fördern und -kräftigen, sondern auch in der Art des Börsenvereins der deutschen -Buchhändler die Interessen des Geschäfts in allen Lagen vertreten. Zum -Vorort wurde Leipzig bestimmt und ein Vorstand von neun Mitgliedern -gewählt. 1872 zählte der Prinzipal-Verein mehr als 700 Mitglieder; der -Gehülfen-Verband das Zehnfache (7295). Die Gesamtzahl der Gehülfen -mochte gegen 11000 betragen. Von den etwa 4000 Nichtverbandsmitgliedern -hielt sich eine ziemliche Anzahl nur als »Schlaumeier« von den -Verbandsbestrebungen zurück; im Herzen gönnten sie selbstverständlich, -wenn sie auch nicht immer das Vorgehen des Verbandes im einzelnen -billigten, wohl so ziemlich alle dem Verband die grösstmöglichsten -Vorteile, denn auch sie genossen ja in ihrer gedeckten Position die -errungenen Vorteile mit. - -[Sidenote: Differenzen zwischen Prinzipalität und Gehülfenschaft.] - -Nach einer langen Reihe von Differenzen und nach zahlreichen Übergriffen -seitens des Verbandes fand zu Anfang des Jahres 1873 eine allgemeine -Kündigung der Gehülfen seitens der Prinzipale statt. Da jedoch nicht -alle Druckereien dem Verein angehörten, denn auch unter den Prinzipalen -gab es viele »Schlaumeier«, und ein grosser Teil der Mitglieder den -gefassten Beschlüssen nicht treu blieb, kam es nach vielen Verhandlungen -zwischen den beiden Vereinen am 12. Januar 1874 zu einem Abkommen, -das mit einem allgemein einzuführenden Tarif und dem Einsetzen eines -Einigungsamtes in Differenzfällen endigte. - -Der Prinzipal-Verein hat seinen Zweck bis jetzt nur im beschränkten -Masse erreicht, weil er zu viel in einer zu kurzen Zeit erreichen wollte -und weil manche seiner Mitglieder direkte Hülfe in ihren besonderen -Angelegenheiten vom Verein erwarteten, während dieser nur für eine -Anbahnung besserer Zustände im allgemeinen wirksam sein konnte. Jetzt, -wo er seiner Thätigkeit engere Grenzen gesteckt hat, ist auch zu -erwarten, dass er, wennauch nur Schritt für Schritt, zum Ziel gelangen -wird, um so mehr, als die Gehülfen ihre prinzipielle Opposition gegen -ihn aufgegeben haben[162]. - - [162] Die Geschichte des Deutschen Buchdrucker-Vereins von 1869-1876 - ist in den Annalen der Typographie 1870, Nr. 341-390 im - Zusammenhang ausführlich behandelt. Die »Annalen« waren von - der Begründung des Vereins bis 1876 Organ desselben und - wurden von dessen Sekretär Carl B. Lorck herausgegeben. Jetzt - giebt der Verein selbst in unregelmässigen Zwischenräumen die - »Mitteilungen aus dem Deutschen Buchdrucker-Verein« heraus. - -Die offenbar zu grossen Einräumungen der Prinzipale im Jahre 1874 sind -durch die Praxis gemildert, denn auch die Gehülfen haben einsehen -gelernt, dass es im Geschäft gewisse Grenzen giebt, die man ohne sich -selbst zu schädigen nicht überschreiten kann. - -[Sidenote: Ruhigere Verhältnisse.] - -So hat die beste Lehrmeisterin, die Erfahrung, am meisten dazu -beigetragen, das Verhältnis im allgemeinen befriedigender zu gestalten. -Die Versuche der Gehülfen, kooperative Druckereien zu begründen, haben -aus den jedem Geschäftsmann leicht erklärlichen Gründen fast nur -Misserfolge gehabt. Diese Thatsache hat ebenfalls gedient, die Gehülfen -darüber aufzuklären, dass auch im Geschäft nicht alles Gold ist, was -glänzt, und sie mit dem Los der Abhängigkeit zu versöhnen. Somit steht -zu hoffen, dass künftig ein innigeres Zusammenwirken von Prinzipalität -und Gehülfenschaft dazu beitragen wird, Gutenbergs Kunst stets mehr und -mehr zu Ehren zu bringen. - -[Sidenote: Die Organe der Gehülfenschaft.] - -Das bedeutendste Organ der Gehülfenschaft ist der, jetzt dreimal -wöchentlich erscheinende, 1862 gegründete »Correspondent für -Deutschlands Buchdrucker und Schriftgiesser«. Früher fast nur und oft in -massloser Weise polemisch wirkend, ist das Blatt mit den Verhältnissen -auch ruhiger geworden, bringt jetzt manche technische und belehrende -Artikel und hat namentlich um statistische Aufnahmen Verdienste. Der -Leiter ist seit einer langen Reihe von Jahren RICHARD HÄRTEL, der, -früher zugleich Präsident des Verbandes, mit Klugheit und Geschick die -Interessen desselben wahrgenommen hat. Das Organ der österreichischen -Gehülfen ist »Vorwärts« in Wien. - - * * * * * - -[Sidenote: Statistisches.] - -Es erübrigt noch, einen kurzen Überblick über die Kräfte, welche bei der -graphischen Produktion in Deutschland wirken, und über die Produktion -selbst zu geben. - -[Sidenote: Buch- u. Steindruckereien.] - -Das Deutsche Reich hatte 1881 in 1471 Städten 3389 Buchdruckereien -und 1994 Steindruckereien[163]. In diesen Offizinen sind 96 -Rotationsmaschinen, 5811 typographische, 1369 lithographische -Schnellpressen, 244 Tretmaschinen, 2463 typographische und 6687 -lithographische Handpressen vorhanden. Jedoch darf nicht übersehen -werden, dass der grösste Teil der typographischen Handpressen entweder -nur als Korrekturpressen dienen oder auch ein vollständiges Stillleben -führen. Beschäftigung fanden (1875) 52000 männliche, 11600 weibliche -Mitarbeiter und 8400 Lehrlinge, in Summa also 71000 Arbeiter. - - [163] Die etwa 700 Offizinen, welche Buchdruckerei und Steindruckerei - vereinigen, sind doppelt angeführt. - - Das Deutsche Reich, Österreich und die Schweiz als graphische - Einheit betrachtet ergiebt die Zahl von 6993 graphischen - Anstalten mit 9378 Schnellpressen und etwa 13500 Tret- und - Handpressen. Die Details über Österreich und die Schweiz finden - sich S. 406 und S. 436. - -Von Schriftgiessereien waren 342 mit 2588 Arbeitern, von -Schriftschneidereien und xylographischen Anstalten 371 mit 2353 Personen -vorhanden. Von 66 Spielkartenfabriken wurden jährlich gegen 4500000 -Pakete geliefert, auf denen Abgaben von etwa 1200000 Mark ruhten. - -[Sidenote: Buch- u. Kunsthandlungen.] - -Von Buch- und Kunsthandlungen gab es in 987 Städten 4376 mit 10590 -Mitarbeitern. 11251 Buchbindereien beschäftigten 31624 Personen -(darunter 7055 weibliche). Leihbibliotheken gab es 455, Zeitungs- und -Annoncen-Expeditionen 326, Öldruck- und Globen-Anstalten 342. - -[Sidenote: Zeitschriften.] - -Im Jahre 1882 lieferten 1432 Städte 4998 Zeitschriften, von denen 76 in -nichtdeutscher Sprache. Unter diesen vielen Zeitungen wurzeln bloss 9 in -dem XVII., 89 in dem XVIII. Jahrhundert. Über 4000 entstanden seit 1830, -von denen wieder über 2000 in den letzten zehn Jahren verschwanden, um -wieder anderen Raum zu gewähren. Von den Zeitschriften kamen 2435 auf -Preussen, 515 auf Bayern, 504 auf Sachsen, 216 auf Württemberg. Der -Hauptvertrieb fällt der Post zu. Die Versendung betrug im Jahre 1880 -gegen 300 Millionen Nummern. - -[Sidenote: Die Bücherproduktion.] - -Die BÜCHERPRODUKTION des gesamten deutschen Buchhandels (also nicht nur -des Deutschen Reiches) betrug 1879 14179 Nummern, 1880 14941 Nummern, -1881 15191 Nummern, und findet in ähnlicher Weise seit langer Zeit eine -fortwährende Steigerung statt. In betreff der Ausfuhr deutscher Bücher -ist Nordamerika für diese der bedeutendste Markt, auf welchem jährlich -etwa für zwei Millionen Mark abgesetzt wird. - -Zum Vergleich mit dem (S. 224) gegebenen Verzeichnis, aus welchem -hervorgeht, dass 26 Städte Frankreichs von mehr als je 50000 Einwohnern -zusammen eine Bevölkerung von 2594100 Seelen, 343 Buchdruckereien, 390 -lithographische Anstalten, 908 Buchhandlungen und 640 Zeitschriften -haben, folgt umstehend eine ähnliche Aufstellung aus dem Deutschen -Reiche. - -Das Deutsche Reich hat demnach in 42 Städten mit über je 50000 -Einwohnern und einer Gesamteinwohnerzahl von 4176000 Seelen 966 -Buchdruckereien, 888 lithographische Anstalten, 1737 Buchhandlungen, -1153 Zeitschriften. Nehmen wir zu einem näheren Vergleich die 26 ersten -Städte des Deutschen Reichs (von Berlin abgesehen) und stellen sie -gegen die 26 Städte Frankreichs, so finden wir, dass erstere 3286000 -Einwohner, 769 Buchdruckereien, 730 lithographische Anstalten, 1478 -Buchhandlungen, 961 Zeitschriften haben; also gegen letztere ein Mehr -von 692000 Einwohnern, 426 Buchdruckereien, 340 lithographischen -Anstalten, 470 Buchhandlungen, 321 Zeitschriften aufweisen[164]. - - ---------------+-----------+---------+---------+----------+----------- - Städte | Einwohner-| Buch- |Lithogr. |Buchhandl.| Zeit- - | zahl | drucker |Anstalten| | schriften - ---------------+-----------+---------+---------+----------+----------- - Hamburg | 290000 | 100 | 114 | 125 | 59 - Breslau | 273000 | 31 | 30 | 53 | 33 - München | 230000 | 49 | 38 | 95 | 71 - Dresden | 220000 | 43 | 52 | 126 | 61 - Leipzig | 149000 | 92 | 69 | 400 | 248 - Köln | 145000 | 43 | 32 | 47 | 27 - Königsberg | 141000 | 14 | 12 | 25 | 25 - Frankfurt a. M.| 137000 | 58 | 45 | 71 | 59 - Hannover | 123000 | 32 | 19 | 48 | 38 - Stuttgart | 117000 | 38 | 30 | 107 | 98 - Bremen | 113000 | 22 | 30 | 26 | 19 - Danzig | 109000 | 11 | 8 | 21 | 21 - Strassburg | 105000 | 15 | 16 | 26 | 32 - Nürnberg | 100000 | 26 | 45 | 40 | 26 - Magdeburg | 98000 | 30 | 18 | 38 | 19 - Barmen | 96000 | 10 | 31 | 12 | 9 - Düsseldorf | 95500 | 20 | 15 | 30 | 11 - Chemnitz | 95000 | 14 | 10 | 33 | 10 - Elberfeld | 93500 | 16 | 19 | 18 | 7 - Stettin | 92000 | 22 | 20 | 18 | 17 - Altona | 91000 | 17 | 16 | 14 | 5 - Aachen | 85500 | 14 | 13 | 17 | 15 - Braunschweig | 75000 | 16 | 12 | 31 | 18 - Krefeld | 74000 | 11 | 21 | 10 | 4 - Halle | 71500 | 15 | 10 | 35 | 17 - Dortmund | 67000 | 10 | 5 | 12 | 12 - Posen | 65000 | 12 | 8 | 20 | 15 - Mühlhausen | 64000 | 7 | 12 | 4 | 4 - Augsburg | 61500 | 13 | 7 | 23 | 19 - Mainz | 61000 | 22 | 25 | 24 | 17 - Kassel | 58500 | 19 | 14 | 25 | 14 - Essen | 57000 | 9 | 5 | 9 | 6 - Erfurt | 53500 | 6 | 9 | 12 | 14 - Metz | 53000 | 8 | 7 | 15 | 9 - Mannheim | 53000 | 11 | 7 | 8 | 11 - Würzburg | 51000 | 13 | 7 | 14 | 13 - Lübeck | 51000 | 11 | 9 | 10 | 6 - Frankfurt a. O.| 51000 | 2 | 5 | 8 | 4 - Wiesbaden | 50500 | 16 | 9 | 27 | 22 - Görlitz | 50500 | 11 | 4 | 13 | 8 - Karlsruhe | 50000 | 17 | 14 | 21 | 15 - Darmstadt | 50000 | 20 | 16 | 26 | 15 - ---------------+-----------+---------+---------+----------+----------- - Summa[164] | 4176500 | 966 | 888 | 1737 | 1153 - -Die Bedeutung von Paris für die graphischen Gewerbe Frankreichs ist -bekanntlich eine weit tiefer eingreifende als die der Reichshauptstadt -für Deutschland. Sollte der graphische Vergleich auf die Metropole -ausgedehnt werden, so müsste man, der Deutschland eigentümlichen -Organisation gemäss, Berlin und Leipzig zusammen Paris gegenüberstellen, -um einigermassen zu einem richtigen Resultat zu gelangen. In diesem -Falle würde dann Leipzig ausfallen und Posen als 26. Stadt einrücken und -damit das $Mehr$ der 22 deutschen Städte wesentlich beschränkt werden, -nämlich auf: 618000 Einwohner, 346 Buchdruckereien, 279 lithographische -Anstalten, 190 Buchhandlungen und 88 Zeitschriften. - - [164] Die Angaben hier können zwar keinen Anspruch auf absolute - Genauigkeit erheben, kommen jedoch der Wahrheit so nahe, dass - sie genügen, um sich ein richtiges Bild zu machen. Für die - Angaben der Bevölkerung wurde Neumanns »Geographisches Lexikon«, - Leipzig 1883, mit Abrundung der Einwohnerzahl auf 500 benutzt; - für die der Buchdruckereien und der lithographischen Anstalten - »Klimsch' Adressbuch der Buch- und Steindruckereien«, Frankfurt - a. M. 1880; für die Buchhandlungen »Schulz' Adressbuch für den - deutschen Buchhandel«, Leipzig 1882, für die Zeitschriften - R. Mosses »Zeitungskatalog«, 1882; die in diesem fehlenden - Zeitschriften sind ohne Einfluss auf das Gewerbe. - -[Sidenote: Die Papierfabrikation.] - -Die PAPIERFABRIKATION Deutschlands ist eine sehr bedeutende und -beträgt nahe an 250 Millionen Kilogramm. Zur Herstellung sind -785 Papiermaschinen und 185 Bütten und die Arbeit von etwa 80000 -Menschen notwendig. Ausserdem wirkten noch 260 Holzschleifereien, 45 -Rohstofffabriken und 20 Cellulosefabriken, zusammen mit etwa 7500 -Arbeitern. Rechnet man hinzu etwa 40000 Menschen, die mit Hadernsammeln -und Nebenarbeiten beschäftigt sind, so giebt das ein Arbeiterkontingent -von rund 128000 Köpfen. Um den Umfang dieser einen Branche richtig -zu beurteilen, wären noch alle diejenigen mitzuzählen, die sich mit -dem Papierhandel und der Fabrikation von Brief- und Luxuspapieren, -Pergamentpapier, Couverts, Tapeten, Handlungsbüchern, Papierwäsche etc. -etc. beschäftigen[165]. - - [165] J. CHR. SCHÄFER, Sämtliche Papierversuche. Regensburg 1772. -- - L. MÜLLER, Die Fabrikation des Papiers. 4. Aufl. Berlin 1877. -- - LENORMAND, Handbuch der gesamten Papierfabrikationen. 3. Aufl. - Weimar 1881. - - * * * * * - -Die BUCHBINDERKUNST[166] stand, als nach der Mitte unseres Jahrhunderts -die Buchdruckerkunst auf ihrem Höhepunkt angelangt war, noch -beträchtlich zurück und es dauerte auch noch eine zeitlang, ehe sie -einen frischen Anlauf nahm. - - [166] R. STECHE, Zur Geschichte des Bucheinbandes (Archiv d. - D. B.-B.-V. Bd. I). Leipzig 1878. -- G. FRITZSCHE, Moderne - Bucheinbände. Leipzig 1878. -- C. BAUER, Handbuch der - Buchbinderei. Weimar 1881. -- L. BRADE, Illustriertes - Buchbinderbuch. Halle 1881. - -[Sidenote: Der Leinwandband.] - -Der Leinwand-»Einband« dominierte vollständig. Man begnügte sich nicht -wie in England mit diesem als einer provisorischen Hülle, sondern -die Leinwanddecke war in Deutschland das definitive Kleid des Buches -für Jahrhunderte (?). In der Verzierung solcher Bände ging man noch -weiter als in England und verwendete neben den Goldverzierungen oft -die Hochprägung, bei welcher Medaillon-Porträts, Büsten, allegorische -Figuren, Lyras, Palmenzweige, sogar Landkarten zur Verwendung kamen. -Die Hautreliefs wurden bald flach gedrückt. Man gewöhnte sich, den -Einbanddeckel als etwas zu betrachten, was er nicht ist und nicht sein -soll: ein illustrierter Titel oder ein Frontispice, um den Inhalt des -Buches zu erläutern. - -[Sidenote: Die Massenbände.] - -Der Betrieb des deutschen Buchhandels und die deutschen Verhältnisse -waren dieser Verwendung des Leinwandbandes günstig. Die Verleger liessen -ganze Auflagen in Leinwand binden und unter dem Publikum verbreiten. -Ausser den Verlegern waren es noch die »Grosssortimenter«, welche dem -Leinwandband Vorschub leisteten. Die Genannten kaufen von den Verlegern -grosse Partien gangbarer Bücher, lassen dazu »stilvolle« Platten -anfertigen und verkaufen nun die gebundenen Bücher an die eigentlichen -Sortimentshändler zu Bedingungen, die es den letzteren noch möglich -machen, dem Publikum so wohlfeile Preise zu stellen, wie sie ein -einzelner Privatbesteller beim Buchbinder auch nicht annähernd erzielen -kann. - -Im Prinzip ist diese Einrichtung gewiss eine höchst praktische, aber -die Preise werden der Konkurrenz halber dem Buchbinder gegenüber so -heruntergedrückt, dass Pfennige den Ausschlag geben, wodurch es dem -Buchbinder fast unmöglich wird, auf Falzen, Heften und auf die Zuthaten -an Pappe, Vorsetzblättern u. dgl. die nötige Sorgfalt und Ausgabe zu -wenden. - -[Sidenote: Fortschritte im Geschmack.] - -Hinsichtlich der Dekoration des Leinwandbandes sind in jüngster Zeit -ganz wesentliche Fortschritte gemacht worden. Die schreienden Farben -der Leinwand haben den zarteren Modefarben und der Pergament-Imitation -Platz machen müssen[167]. Das »Bemalen« oder »Ausmeisseln« der Bände -durch Figurales, Landschaftliches etc. hat mehr und mehr aufgehört und -wird durch Flachornamente ersetzt, für welche man die vielen trefflichen -Vorbilder früherer Zeit benutzt oder tüchtige Künstler gewinnt. Ein -Fehler ist noch ziemlich verbreitet: der übergrosse Reichtum der -Ornamentierung und Überladung mit Silber, Gold und Mosaik imitierenden -Farben. Je mehr man sich gewöhnen wird, die körnige Chagrin-Imitation -und einfache Ornamentierung zu verwenden, um so mehr wird das -Leder-Surrogat, welches wir nun einmal nicht werden entbehren können, -seinen Platz in zweckmässiger Weise ausfüllen. - - [167] Im Deutschen Reiche giebt es nur eine Fabrik »englischer Leinen«, - die von Schultze & Niemann in Eutritzsch bei Leipzig. - -[Sidenote: Die Handarbeit.] - -Die Handarbeit, namentlich den Halbfranz, lernt man in der letzten Zeit -in Deutschland wieder schätzen und es sind hierin tüchtige Fortschritte -gemacht worden. Von Lederbänden wird nicht viel die Rede sein können, -solange die Kreise der wohlhabenden Kaufleute und Fabrikanten, sogar -Magnaten keine gewählte Bibliothek besitzen. Die Sammler sind meist -unter den Gelehrten, Beamten, selbst unter den weniger gut dotierten -Landgeistlichen zu suchen. Deshalb haben die Buchbinder, falls es ihnen -wirklich um die Förderung ihrer Kunst Ernst ist, sich vor der Klippe -zu hüten, als Revanche für den Druck, den sie durch die Verleger und -Grosssortimenter zu erleiden hatten, das Publikum zu überteuern und zu -glauben, dass jeder, der gern ein Buch hübsch binden lassen will, ein -reicher Büchernarr sei, dem man jeden Preis abverlangen könne. Begnügt -sich der Buchbinder bei reeller Bedienung mit einem mässigen Vorteil, so -wird er immer noch in Deutschland ein kaufendes Publikum finden. - -[Sidenote: Die Buchbinderkunst in Österreich.] - -In Bezug auf ein solches ist der Buchbinder in Österreich schon besser -situiert und die Buchbindung hat demzufolge auch schon beträchtliche -Fortschritte gemacht. Doch betreffen diese im allgemeinen noch mehr die -Album- und Portefeuille-Fabrikation als die eigentliche Buchbinderei. -Eine mächtige Einwirkung auf den Geschmack hat das Kunstgewerbe-Museum -in Wien geübt. Man schliesst sich mehr der Art der Franzosen an und -übertrifft diese in der Ledermosaik, die eine wirklich eingelegte Arbeit -ist. - -[Sidenote: Die Vorteile der Maschinen.] - -Was den Betrieb der Buchbinderei betrifft, so hat dieser einen sehr -wichtigen Anteil an den Vorteilen gehabt, welche das Maschinenwesen -jedem Geschäft gebracht hat (vgl. Kap. XI). Die Maschinen besorgen das -Falzen der Bogen, das Walzen des gefalzten Bogens, das Heften desselben -mit Faden oder Draht, das Beschneiden und Pressen des Buches, das -Abrunden des Rückens, das Einfassen, die Anbringung der Kapitäle, das -Schneiden und Abschrägen der Pappen, das Pressen und Vergolden der -Deckel. Für die sonstigen Arbeiten der Buchbinder sind die Couvert- und -Klebemaschinen, Liniier- und noch viele andere Maschinen da. - -[Illustration] - - -[Illustration] - - X. KAPITEL. - - DIE SCHRIFT UND DIE ILLUSTRATION - - IN DEUTSCHLAND-ÖSTERREICH. - - Aufschwung der Schriftgiesserei. Ed. Hänel. Die deutsche Druckschrift. - Walbaum Vater und Sohn. Hamburg, Berlin, Leipzig, Frankfurt a. M. - Österreich. G. Haase, C. Faulmann. Die Stereotypie, die - Galvanoplastik, die Dynamo-Elektrik. Die Giessmaschine. DIE - ILLUSTRATION: Verfall im XVIII. Jahrhundert, Wiedererwachen des - Holzschnitts. Die Unger, Gubitz, Unzelmann, Kretzschmar u. a. - Österreich: Prestel, Höfel, Knöfler u. a. Die Planotypie. Die - Stigmatypie: Carl Fasol. - -[Sidenote: Aufschwung der Schriftgiesserei. Ed. Hänel] - -Langsamer als in England und Frankreich entwickelte sich die -Schriftgiesserei in Deutschland. Erst aus den dreissiger Jahren datiert -der eigentliche Aufschwung des reineren Geschmacks in den Produktionen -derselben und an Einfluss in dieser Richtung kam niemand EDUARD -HÄNEL gleich. Er führte die neuesten und schönsten französischen und -englischen Antiquaschriften ein, liess die geradestehende griechische, -Kanzlei, fette und halbfette, gothische und andere Zier- und -Auszeichnungsschriften schneiden oder erwarb aus dem Auslande die besten -Matern zu denselben. - -Im Accidenzdruck brachte Hänel eine vollständige Umwälzung hervor -und aus seiner Magdeburger Offizin, und nach dem Brande derselben -im Jahre 1838 aus seinem Berliner Institut gingen vorzügliche -Druckarbeiten hervor. Er war der erste, der den _Compound_-Druck (S. -80), den er Congreve-Druck nannte, nach Deutschland brachte. Mit seinen -Guillochen- und Unterdruckplatten, namentlich seinen Spitzenmustern -enthusiasmierte er das deutsche Publikum. Fast kein Umschlag, ja kaum -ein Rechnungsformular konnte damals ohne Guillochen und Buntdruck -hergestellt werden. Bereits 1837 hatten seine Zierstücke die Zahl von -2813 erreicht. - -Der Kampf mit der Lithographie ward damals mutig von den Buchdruckern -aufgenommen. Viele der letzteren warfen sich mit Eifer auf das -Accidenzfach und andere Schriftgiesser folgten dem Beispiel Hänels. Es -war eine Zeit des regsten, lustigsten Schaffens, vom Guten, Halbguten -und Geschmacklosen, vom Praktischen und Unpraktischen unter einander. - -[Sidenote: F. W. Gubitz. W. Pfnorr.] - -Noch vor Hänel hatten F. W. GUBITZ in Berlin und der -Kammergerichtsassessor W. PFNORR in Darmstadt manche Beiträge im -Ornamentfache geliefert, unter welchen die Einfassungen mit Säulen, -umwunden von Epheu- und Blumenguirlanden oder mit vollständigen schweren -architektonischen Aufbauten einen wichtigen Platz einnehmen. Auch -viele Polytypen stammen von Gubitz, der im Jahre 1836 bereits 1668 -solcher geschnitten hatte. Nach Hänels Vorangehen trat nun auch ein -besserer Geschmack in den Einfassungen und eine grössere Leichtigkeit -in der Ausführung ein. Vielen Beifall fanden die sogenannten -Kaleidoskop-Einfassungen, aus sehr kleinen systematischen Stückchen -bestehend, die sich in die mannigfaltigsten Formen zusammenfügen liessen -und congreveartig in verschiedenen Farben gedruckt manchmal eine -recht hübsche Wirkung hervorbringen konnten. Auch zu Kapitel-Anfangs- -und -Schlussvignetten wurden sie zusammengesetzt, in Gestalt von -Schmetterlingen, Vasen, Kronen etc. Man näherte sich jedoch damit -den zeitraubenden, wenig wahre Befriedigung erzielenden Arbeiten der -Stigmatypie (S. 304) und sie verschwanden bald von der typographischen -Bühne. - -[Sidenote: Die deutsche Druckschrift.] - -Die deutsche Druckschrift, die sogenannte Fraktur, nahm um die Mitte -des XVIII. Jahrhunderts eine sehr niedrige Stufe ein. Die männliche -Kraft und das Urwüchsige der gothischen Schrift, Eigenschaften, welche -die Schwabacher Schrift wenigstens noch teilweise besass, waren ganz -verloren gegangen, ohne dass die Fraktur durch Eleganz das ersetzte, -was ihr an Kraft gebrach. Nachdem J. G. J. Breitkopf, wie es scheint, -lange geschwankt hatte, ob er nicht seine reformatorischen Absichten der -Verbesserung der Antiqua zuwenden sollte, folgte er schliesslich doch -der Tradition und versuchte der Fraktur eine kunstgerechtere Haltung zu -geben (S. 365). Etwas Mustergültiges vermochte jedoch auch Breitkopf -nicht zu schaffen, noch weniger J. F. UNGER in Berlin. - -[Sidenote: Erich Walbaum. Th. Walbaum [+] 12. Juli 1830.] - -Erst ERICH WALBAUM in Weimar und namentlich seinem Sohne THEODOR -WALBAUM gelang es, eine Frakturschrift herzustellen, die auf längere -Zeit und allgemein sich Geltung erwarb. Der Vater war anfänglich -Konditor, zeigte jedoch einen solchen Geschmack im Ornamentieren, dass -er von Sachverständigen veranlasst wurde, sich der Stempelschneiderei -zu widmen. Der Sohn Theodor arbeitete erst als Gewehrgraveur wie der -berühmte englische Schriftgiesser Caslon (I, S. 268), wurde jedoch -später von seinem Vater als Stempelschneider ausgebildet. - -Die Vorzüge der Walbaumschen Frakturschriften liegen namentlich in dem -Ebenmass aller Buchstaben durch alle Grade hindurch von dem kleinsten -bis zu dem grössten. Form und Zurichtung sind gleich gut; die Stärke -ist gerade die rechte; Leserlichkeit geht mit Dauerhaftigkeit Hand in -Hand. In der Fraktur nimmt die Walbaumsche Schrift fast die Stelle -ein, wie in der Antiqua die Didotsche, und würde noch heute, neu mit -den Hülfsmitteln der neuesten Technik zweckmässig durchgeführt, immer -eine klassische Fraktur bleiben, wenn wir diese Bezeichnung überhaupt -für eine Schrift modernen Ursprungs und, man sage für ihre nationale -Berechtigung und ihre Zweckmässigkeit für das Volk was man will, -nicht in dem Besitz derjenigen Schönheit, welche wir von dem, was wir -klassisch nennen, verlangen, gebrauchen dürften. - -Theodor Walbaum starb, als Künstler und Mensch gleich geachtet, in -dem Bade Berka bei Weimar und wurde von seinem Vater überlebt. Das -Walbaumsche Geschäft erwarb F. A. Brockhaus in Leipzig, welcher es im -Jahre 1843 nach dort verlegte. - -[Sidenote: Die neueren Frakturschriften.] - -Seit Walbaum hat Deutschland eine grosse Zahl von Frakturschriften -aufzuweisen, bald magerere, bald fettere; bald eckigere, bald rundere; -vielen derselben ist die Korrektheit nachzurühmen. Oft sind sie sich -selbstverständlich so ähnlich, dass nur ein sehr geübtes Auge einen -Unterschied bemerkt. Leider haben sehr viele Druckereien die üble -Gewohnheit, einzelne Grade aus den Garnituren verschiedener Giessereien -untereinander anzuschaffen, indem sie bald den Launen der Besteller -nachgeben, bald nur dem eigenen Antrieb folgen, nicht berechnend, -dass selbst die weniger schönen Schriften konsequent durch alle Grade -durchgeführt ein weit gelungeneres Ganzes hervorbringen, als Schriften -sogar des schönsten Schnittes, wenn sie unter einander gemengt sind. - -Im Jahre 1838 hatten Deutschland, Österreich und die Schweiz bereits -gegen 100 Giessereien, die beständigen Zuwachs erhielten. - -[Sidenote: J. D. Trennert. Genzsch & Heyse.] - -[Sidenote: J. A. Genzsch * 14. Sept. 1800, [+] 29. Juni 1869.] - -Im Norden Deutschlands waren die bedeutendsten derselben J. D. TRENNERT -in ALTONA und GENZSCH & HEYSE in HAMBURG, welche hauptsächlich die -Bedürfnisse des skandinavischen Nordens und Russlands deckten. Der -Gründer der letztgenannten Firma, J. A. GENZSCH aus Audigast in Sachsen, -ward 1827 erster Faktor bei Fr. Dresler & Rost-Fingerlin, als diese -in Frankfurt a. M. eine Schriftgiesserei etablierten. Im Jahre 1833 -assoziierten sich Genzsch und J. G. HEYSE aus Bremen und führten die -Thorowgoodschen Schreibschriften in Deutschland ein. Die Firma, seit -1866 im Besitz von EMIL JULIUS GENZSCH, dem Sohne des Gründers, erwarb -sich besondere Verdienste um die Einführung der Renaissance-Antiqua -mit entsprechenden Kopfleisten, Vignetten und Initialen, sowie um die -Umgestaltung der Schwabacher Schriften. Da man für letztere nicht so -wie für die Antiqua ältere mustergültige Vorbilder hatte, weil die -Stempelschneiderei Deutschlands zur Zeit der Einführung der Schwabacher -(I, S. 41) auf keiner hohen Stufe stand, so musste der Versuch gemacht -werden, etwas Neues zu schaffen, und es ist in der That Genzsch & Heyse -gelungen, sehr ansprechende moderne Schwabacher Schriften in allen -Grössen herzustellen. In jüngster Zeit etablierten Genzsch & Heyse eine -Schriftgiesserei in München durch Ankauf zweier dortigen Firmen[168]. - - [168] Zu dem 50jährigen Jubiläum am 28. Februar 1883 erschien »Chronik - der Schriftgiesserei Genzsch & Heyse«. - -[Sidenote: Fr. Vieweg & Sohn.] - -In BRAUNSCHWEIG wirkten als Schriftgiesser namentlich FR. VIEWEG & -SOHN, allerdings nur für den eigenen Bedarf schaffend, aber sehr für -Verbreitung des guten Geschmacks wirkend. - -[Sidenote: Berlin. Hänel-Gronau.] - -[Sidenote: J. H. F. Bachmann * 8. Juli 1821, [+] 27. Juli 1876.] - -Die HÄNELSCHE Offizin in BERLIN ging nach verschiedenem Wechsel in -die Hände W. GRONAUS über und behauptete sich unter dessen kräftiger -und einsichtsvoller Leitung als eine der vorzüglichsten Anstalten -Deutschlands. Im Hänelschen Geiste wurden Ornamente, Zier- und -Brotschriften in reicher Fülle geschaffen, zugleich der Schnitt -griechischer und russischer Schriften gepflegt. Auch als Druckerei -behielt die Offizin einen ehrenvollen Platz. Hier wirkte als Faktor -J. H. F. BACHMANN aus Stralsund. Acht Jahre verbrachte dieser in -Kiew als Leiter erst der Universitätsbuchdruckerei, später der -Regierungsdruckerei. Nach Deutschland zurückgekehrt, weilte er 1850-1860 -bei J. H. Meyer in Braunschweig, wo er den Grund zu seiner ziemlich -umfangreichen fachschriftstellerischen Thätigkeit legte. Sein letztes -Werk war das 1875 in Weimar erschienene ausführliche »Handbuch der -Buchdruckerkunst«. - -[Sidenote: Trowitzsch & Sohn.] - -[Sidenote: v. Decker.] - -[Sidenote: Beyerhauss.] - -[Sidenote: F. Theinhardt.] - -Eine bedeutende Thätigkeit entwickelten TROWITZSCH & SOHN, auch als -Kalenderverleger bekannt. Die VON DECKERSCHE Giesserei schaffte -in erster Richtung hauptsächlich für den eigenen Bedarf. Ihre -Frakturschriften von einer etwas eigentümlichen Form sind korrekt und -tüchtig durchgeführt, konnten jedoch nicht allgemein gefallen. Es hat -fast den Anschein, als wäre die Absicht vorhanden gewesen, nach dem -Beispiel der Nationaldruckerei in Paris etwas Absonderliches für sich -allein zu haben, ohne Rücksicht darauf, ob es zugleich etwas Schönes -sei. Im Jahre 1873 zur Zeit der Wiener Ausstellung betrug die Zahl der -Stempel und Matrizen über 100000. Deckers lieferten auch orientalische -Schriften, die unter der Aufsicht der Akademie der Wissenschaften -geschnitten wurden, welche letztere sich überhaupt um diesen Zweig -der Schriftgiesserei verdient machte. Als Stempelschneider in dieser -Richtung erwarb sich BEYERHAUSS einen Ruf. Unter anderem lieferte er -für die amerikanische Mission in New-York 4000 chinesische Stempel, -mit welchen 22000 der am häufigsten vorkommenden Kombinationen -herzustellen waren. F. THEINHARDT lieferte Hieroglyphen nach der -Anleitung des Professors C. R. Lepsius, die sich von den Niesschen -dadurch unterscheiden, dass sie kein schwarzes Typenbild, sondern nur -wie mit der Feder gezeichnete Umrisse bilden. Die Zahl der geschnittenen -Charaktere beläuft sich auf über 1300. Auch Theinhardts sonstige -fremdländische Schriften und andere Leistungen sind vorzüglich[169]. - - [169] C. R. LEPSIUS, Standard-Alphabet. II. Ed. London 1863. -- - FR. BALLHORN, Alphabete orientalischer und occidentalischer - Sprachen. 12. Aufl. Nürnberg 1880. -- F. THEINHARDT, Liste - hieroglyphischer Typen. Berlin 1875. -- H. BRUGSCH, _Mémoire sur - la réproduction imprimée des caractères démotiques_. Berlin 1868. - -[Sidenote: H. Ehlert.] - -[Sidenote: W. Woellmer.] - -Treffliche Einfassungen und Ornamente lieferte HEINR. EHLERT. Rastlos -schaffte im Accidenzfach WILH. WOELLMER, und namentlich erwarben -sich seine Züge, Einfassungen und Schreibschriften, besonders die -Rundschriften[170], grosse Beliebtheit, wozu seine von W. Büxenstein in -Berlin genial arrangierten und meisterhaft gedruckten Proben das ihrige -beitrugen. - - [170] F. SOENNECKEN, Das deutsche Schriftwesen. Bonn 1881. -- - H. SMALIAN, Praktisches Handbuch für Buchdrucker im Verkehr mit - Schriftgiessereien. 2. Aufl. Leipzig 1877. -- J. H. BACHMANN, - Die Schriftgiesserei. Leipzig 1868. - -[Sidenote: H. Berthold.] - -Je grössere Dimensionen das Geschäft im allgemeinen annahm, um so -vorteilhafter war es, wenn sich Spezialitäten vom Stamm abzweigten -und besondere Geschäfte bildeten. Als eine solche Spezialität, welche -eine ganz besondere Pflege nötig hatte, ist die Fabrikation von -Messinglinien, galvanoplastischen Arbeiten u. dgl. zu bezeichnen. In der -Fabrikation der ersteren hat es H. BERTHOLD in Berlin zu einer grossen -Virtuosität gebracht. Besonderen Dank seitens seiner Berufsgenossen -erwarb er sich durch seine Bemühungen für die Einheitlichkeit des -Schriftkegels und die Herstellung eines Normaltypometers. Unter Beihülfe -wissenschaftlicher Kräfte ersten Ranges, darunter des Direktors des -Observatoriums in Berlin, Professor Dr. Forster, stellte er nach -achtzehnmonatlicher Arbeit ein solches Typometer in einer Länge von 30 -cm = 133 Nonpareil = 798 Punkte her[171]. Leider ist auch bei diesem -neuen verdienstlichen Versuche nicht das Metermass nach seinen Einheiten -genau zugrundegelegt. Man sieht hier, wie bei den orthographischen -Verbesserungsplänen, wie schwer es ist, eine wissenschaftliche Reform -durchzusetzen, wenn nicht ein Gebot des Staates dahintersteht. Bei dem -enormen vorhandenen Setzmaterial und den übergrossen Schwierigkeiten, -dieses schrittweise nach einem neuen System zu vervollständigen oder -umzumodeln, ist auch nicht abzusehen, wann eine Einheitlichkeit -durchgeführt sein kann, denn solche Radikalkuren anzuwenden, wie die -Reichsdruckerei es that, indem sie ihre gesamten Schriftenvorräte ins -Zeug warf und umgoss, sind nicht jedermanns Sache. - - [171] Journ. f. B. 1879, Nr. 29. - -[Sidenote: C. Hanemann.] - -In JENA schnitt C. HANEMANN nach Angaben des Professors W. Lagus eine -arabische Schrift für die Frenckellsche Offizin in Helsingfors. - -[Sidenote: Leipziger Schriftgiesser.] - -[Sidenote: J. G. Schelter & Giesecke.] - -LEIPZIG nahm in der Schriftgiesserei nicht eine so bedeutende Stelle -ein, wie man es hätte vermuten sollen. F. A. Brockhaus, Breitkopf & -Härtel, Karl Tauchnitz, F. Nies und dessen Nachfolger C. B. Lorck und -W. Drugulin u. a., welche hauptsächlich nur im Interesse der eigenen -Druckoffizinen arbeiteten, finden Erwähnung bei der Besprechung der -Wirksamkeit dieser (Kap. XII). GUSTAV SCHELTER zeichnete sich namentlich -durch seine Musiknoten aus. Der talentvolle, leider zu früh aus dem -Leben geschiedene ERNST OTTO war ganz besonders um die Verbesserung -des Schriftmetalls bemüht. Die einzige bedeutende Schriftgiesserei war -langezeit hindurch die von J. G. SCHELTER & GIESECKE, die einen ganz -besonders regen Verkehr mit dem Norden unterhielt und eine Filiale in -Wien (jetzt Meyer & Schleicher) errichtete. Die Leipziger Anstalt ist in -jüngster Zeit ganz nach amerikanischen Grundsätzen umgebildet und gehört -durch ihren Umfang und die ausgedehnteste Anwendung von Hülfsmaschinen, -welche sie selbst baut, zu den bedeutendsten Schriftgiessereien der -Jetztzeit, liefert zugleich kleine Druckmaschinen und alles, was zum -Arbeitsmaterial gehört. In jüngster Zeit haben Schelter & Giesecke sich -besonders um das Schaffen schöner Ornamente und Einfassungen verdient -gemacht[172]. - - [172] Die in zwanglosen Zwischenräumen erscheinenden »Typographischen - Mitteilungen von J. G. Schelter & Giesecke« dienen ihrem - Geschäft als Organ, enthalten aber auch Nachrichten und - Belehrungen von allgemeinem Interesse. - -[Sidenote: J. Klinkhardt.] - -Die als Schriftgiesserei noch junge Firma JULIUS KLINKHARDT, früher -schon als Verlagshandlung und Buchdruckerei bekannt, entwickelt eine -grosse Thätigkeit. Der Gründer der Firma, JULIUS KLINKHARDT, kaufte -1864 die gut eingerichtete Buchdruckerei von Lüders & Umlauf, 1871 die -bekannte lithographische Anstalt von J. G. Bach und die Schriftgiesserei -von Gust. Schelter. Unter der Beteiligung der Söhne ROBERT und BRUNO -KLINKHARDT nahm das Geschäft einen ungemein raschen Aufschwung; in -Wien wurde 1877 eine Filiale errichtet. Die Anstalt machte namentlich -in betreff der Musiknoten und der dekorativen Typographie bedeutende -Anstrengungen[173]. - - [173] Das »Probenalbum der Buchdruckerei Julius Klinkhardt« 1882 - ist eine Musterleistung moderner Ausstattung, namentlich neuerer - Ornamentierung. - -[Sidenote: Galvanoplastiker und Graveure.] - -Als Galvanoplastiker erwarb sich in Leipzig C. A. KLOBERG, als -Graveur R. GERHOLD Ruf. In Magdeburg zeichnete sich in diesem Fache -FEODOR SCHMITT (früher FALCKENBERG & CO.) aus, dessen Spezialitäten -Numerierwerke und alle Messingarbeiten für Buchbinder sind. - -[Sidenote: Frankfurt a. M.] - -[Sidenote: J. Andreae.] - -FRANKFURT A. M. behielt, mit dem benachbarten OFFENBACH, selbst nachdem -der Hauptsitz der Typographie und des Buchhandels nach Leipzig verlegt -war, die Superiorität als Sitz der Schriftgiesserei. Ein verdientes -Ansehen genoss dort schon lange die Schriftgiesserei von J. ANDREAE (I, -S. 131), die einen wesentlichen Einfluss auf die Ausbildung des guten -Geschmacks geübt hat. Sie verbesserte das Konkordanzsystem und war -eifrig für die Einführung des einheitlichen Kegel- und Höhesystems (I, -S. 160) thätig. Im Jahre 1838 ging das Geschäft auf BENJ. KREBS über, -der auch die ersten guten deutschen Schreibschriften lieferte, deren -Zeichen zwar, wie die der _Anglaise_, auf schrägem Kegel geschnitten, -jedoch nicht wie die letztere aus verschiedenen Stücken zusammengesetzt -werden mussten. Jedes Typenstück ist zugleich ein vollständiger -Buchstabe, nur existieren, wie in der _Ronde_, von manchen Buchstaben -Varianten (bis zu fünf) unter Berücksichtigung der Anschlüsse an die -Nachbarbuchstaben. Krebs hat auch durch sein für die damalige Zeit -(1827) vortreffliches und heute noch nicht übertroffenes »Handbuch der -Buchdruckerkunst« sehr wohlthätig gewirkt. Die Firma lieferte auch -vorzügliche hebräische, und in jüngerer Zeit auch Frakturschriften, die -zu den besten gehören; seit 1870 ist H. POPPELBAUM alleiniger Besitzer -der Firma. - -[Sidenote: F. Dresler.] - -[Sidenote: C. Meyer.] - -[Sidenote: H. Flinsch.] - -Im Jahre 1827 gründete FRIEDR. DRESLER mit ROST-FINGERLIN in Frankfurt -eine Schriftgiesserei, die bald einen weiten Ruf erlangte. Die -Dreslerschen gothischen Schriften wurden allgemein nachgeahmt und seine -Fraktur fand sogar Eingang in die Nationaldruckerei in Paris. Dresler -schnitt auch Musiknoten ohne Linienansätze, welche für sich gesetzt -und dann einer, die Linien enthaltende Druckform aufgedruckt wurden. -Doch hat dieses Verfahren trotz des durch die Zweifarbenmaschine -erleichterten Doppeldruckes sich nie einbürgern können. Die Verwendung -von zweierlei Metall, Messing für die Linien und Schriftzeug für die -Noten, bietet schon wesentliche Nachteile, da die Abnutzung eine -verschiedene ist, der Druck demnach nie ein recht gleichmässiger sein -wird. Dreslers tüchtiger Nachfolger CARL MEYER verfolgte, unterstützt -von FERD. MICHAEL, die begonnenen Pläne weiter und H. FLINSCH, in dessen -Besitz das Geschäft 1859 überging, vollendete sie. - -Unter Flinsch ist die Anstalt zu der grössten Deutschlands, zu einer -der grössten der Welt herangewachsen. Im Jahre 1882 waren vorhanden: -92 Giessmaschinen, welche täglich ca. 2 Millionen Typen liefern -können, ausserdem 26 Schleif- und viele Hülfsmaschinen. Die Zahl der -Arbeiter betrug über 200. An Stempeln besass die Offizin 106000, -an Matrizen 198200. Flinsch war der erste in Deutschland, der die -Johnson-Atkinsonsche Giessmaschine einführte und Matrizen von Stahl -und Neusilber verwendete, auch für die Güte und Härte des Zeugs wurden -grosse Anstrengungen gemacht. - -[Sidenote: J. C. Bauer * 1802, [+] 1867.] - -Als Schriftschneider erwarb sich JOH. CHR. BAUER aus Hanau ein grosses -Ansehen. Nachdem er sich in England ausgebildet hatte, begann er 1828 -seine schönen Frakturschriften auszuführen, von welchen die ersten -1852 erschienen. Nach und nach folgten andere und Bauer schnitt über -10000 Stempel. Seine Nachfolger wirken in gleicher Richtung. Sie haben -das Patent auf die Hepburnsche Giessmaschine erworben (S. 295), deren -Erfinder seine Thätigkeit dem Frankfurter Hause widmet. - -[Sidenote: C. D. May.] - -COSMAN DAMIAN MAY gehört halb Frankfurt, halb London an. Geboren in -ersterer Stadt, ging er 1828 nach England und war bis 1845 Teilnehmer -der Schriftgiesserei Miller & Richard. 1852 kam er wieder nach -Frankfurt; kehrte jedoch 1865 abermals nach London zurück. Er schnitt -Frakturschriften sowohl in einer abgerundeteren Form (Midoline), als -auch in der üblichen eckigen. Bekannter sind seine Antiquaschriften -geworden, deren treffliche Ausführung alles Lob verdient. - -[Sidenote: J. Ch. D. Nies. J. H. Rust. C. J. Ludwig.] - -Die Firma J. CH. D. NIES wurde 1834 gegründet. C. J. LUDWIG, aus der -Flinschschen Schule hervorgegangen, hat sich seit 1876 für seine junge -Firma bereits einen guten Ruf erworben. In dem benachbarten Offenbach -zeichnete sich J. M. HUCK & CO. und J. H. RUST, letzterer namentlich -durch seine eleganten Ornamente und Einfassungen, aus. - -STUTTGART hat in der Schriftgiesserei keine grosse Bedeutung gehabt. In -neuester Zeit machte sich OTTO WEISERT durch seine Zierstücke, STOFFLER -& BACKÉ durch Holzschriften bemerkbar. Solche fabrizierten namentlich -SACHS & SCHUMACHER in Mannheim, NACHTIGALL & DOHLE in Aachen. - -[Sidenote: Österreich.] - -[Sidenote: Andr. Haase * 30. Aug. 1804, [+] 25. Juni 1864.] - -In ÖSTERREICH stand die Schriftgiesserei lange auf einem ziemlich -untergeordneten Standpunkte. Eine Änderung hat man erst GOTTLIEB HAASE -in Prag zu verdanken, der in Österreich ungefähr dieselbe Stellung -einnahm, wie Hänel in Deutschland. - -Der Begründer der Firma war 1798 nach Prag eingewandert. Sein rasch -aufgeblühtes Geschäft arbeitete mit 18 Pressen und war mit einer -Schriftgiesserei verbunden. Der Sohn ANDREAS widmete sich nach einer -sorgfältigen Erziehung der Buchdruckerkunst und übernahm, kaum zwanzig -Jahre alt, nach dem Tode des Vaters im Verein mit seinen beiden -jüngeren Brüdern GOTTLIEB und RUDOLPH das Geschäft, das bald eins der -bedeutendsten in Österreich wurde. Im Jahre 1836 disponierte es bereits -über eine Doppelmaschine, drei einfache Schnellpressen, zwölf Stanhope- -und vierzehn ältere Handpressen, nebst zwei hydraulischen Glättpressen. -Die Schriftgiesserei zählte 45 Arbeiter und versah ganz Österreich und -die Donauländer. Eine Maschinenfabrik wurde in Wran angelegt. Nach dem -Tode Andreas' übernahm Gottlieb als Chef die Leitung der Buchdruckerei. -Ihm zur Seite stand als Dirigent der Schriftgiesserei sein Neffe GUIDO; -Rudolph leitete die Buchhandlung. Im Jahre 1871 ging das Geschäft in -die Aktiengesellschaft Bohemia auf, bis es Andreas Haase später wieder -übernahm. - -[Sidenote: Schriftgiesserei in Wien.] - -Der sehr bedeutende Aufschwung, welchen die Wiener Schriftgiesserei -in neuester Zeit genommen hat, entstammt zumteil den Bestrebungen -Auers, zumteil den bei der günstigen Wendung der Pressverhältnisse -nach Wien eingewanderten deutschen Geschäften. Die jetzt bedeutendste -Schriftgiesserei MEYER & SCHLEICHER, welche ihre Verbindungen selbst -bis Japan ausdehnt, wurde, wie bereits erwähnt, als Filiale von -Schelter & Giesecke in Leipzig gegründet. Sie führte die Atkinsonsche -Giessmaschine in Wien ein. J. H. RUST aus Offenbach etablierte 1856 ein -Geschäft. Aus einer Filiale von KREBS in Frankfurt a. M. ward die Firma -POPPELBAUM & BOSSOW, jetzt POPPELBAUM. In jüngster Zeit folgte JUL. -KLINKHARDT aus Leipzig. - -Ausser der Staatsdruckerei verbanden auch andere Druckanstalten mit -ihren Druckoffizinen Schriftgiessereien, so V. WALDHEIM, ZAMARSKI, -FROMME. Letzterer verkaufte jedoch die Giesserei an BRENDLER & G. -HARLER. CARL BRENDLER schnitt vortreffliche orientalische Schriften und -die stenographischen Typen für Faulmann. - -[Sidenote: C. Faulmann und die Stenographie.] - -CARL FAULMANN, erst Setzer, dann Stenograph und Linguist, Verfasser -mehrerer Werke über Schrifttum und Typographie[174], hat sich ganz -besondere Verdienste in betreff der Lösung der schwierigen Aufgabe, -die STENOGRAPHIE in die Typographie einzuordnen, erworben. Die -ersten Versuche hatte bereits 1854 GUSTAV SCHELTER mit Typen nach -Gabelsbergers System gemacht, sie fielen jedoch nicht genügend aus. -Die Staatsdruckerei liess von JOSEPH LEIPOLD und CHRISTIAN PLESSE -Typen nach Stolzes System herstellen, die 1854 in München ausgestellt, -für den praktischen Gebrauch jedoch zu gross befunden wurden. -1859 zeichnete Faulmann für die Staatsdruckerei neue Typen nach -Gabelsbergers System, die, von Leipold geschnitten, sich als zweckmässig -bewährten. 1864 erschienen wieder neue Typen von Faulmann, die er auf -seine Rechnung von Brendler schneiden liess und die später von der -Staatsdruckerei angekauft wurden. Diese neuesten Typen reihen sich ohne -Verbindungsstücke an einander an, wie gewöhnliche Typen. Allerdings ist -die Zahl derselben, trotz einer grossen Reduktion der früheren 1300 -Stücke, noch eine bedeutende, 800, so dass ein Kasten sie nicht alle -fassen kann, auch laufen die überhängenden Buchstaben beim Drucken -leicht Gefahr, beschädigt zu werden. Liegt es nun auch in der Natur der -Sache, dass die Geschwindschrift nie Gegenstand eines Geschwindsatzes -werden kann, so ist doch das Problem des stenographischen Satzes als -glücklich durch Faulmann gelöst zu betrachten[175]. - - [174] Illustrierte Geschichte der Schrift. Wien 1880. -- Das Buch der - Schrift. Wien 1878. -- Illustrierte Geschichte der - Buchdruckerkunst. Wien 1882. -- Illustrierte Kulturgeschichte. - Wien. -- Stenographische Unterrichtsbriefe. Wien. - - [175] Österr. Buchdr.-Ztg. 1873, Nr. 29. -- Journ. f. B. 1874, Nr. 16 - u. 18. - -[Sidenote: Reichtum an Schriften.] - -Betrachten wir den grossen Reichtum an Material, welchen die -Schriftgiessereien für Einfassungen, Ornamente, Titel-, Schreibschriften -u. dgl. den Setzern in die Hände liefern, so können letztere nicht -darüber klagen, dass es ihnen an Mitteln gebricht, ihre Kunstfertigkeit -zu zeigen. Eher verleitet sie der Reichtum zur Verschwendung und unter -den hunderten von Schriften wird mehr gewühlt als gewählt und sinnlose -Zusammenstellungen gemacht. Erfreulich ist es zu sehen, wie jetzt das -Ausland, das fast nur von den Derrieyschen Einfassungen zehrte, jetzt -die deutschen Produkte vielfach benutzt, die selbst in Frankreich -Eingang fanden. - -Übersättigung führt zur Einfachheit und so haben in den letzten Jahren -die einfache typographische Linie und der Punkt (S. 304) eine bedeutende -Rolle gespielt und oft werden mit diesen kleinen Mitteln wirkliche -Meisterstücke ausgeführt, in welchen namentlich W. BÜXENSTEIN in Berlin, -JUL. KLINKHARDT in Leipzig und die PIERERSCHE Hofbuchdruckerei in -Altenburg excellieren, der in letzterer arbeitende taubstumme WATZULIK -ist ein ausserordentliches Setzer-Genie[176]. - - [176] Eine »Anleitung zum Accidenzsatz« von HEINR. FISCHER. Leipzig - 1877, versucht ein System für den titelförmigen Satz aufzustellen. - - * * * * * - -[Sidenote: Die Stereotypie.] - -Das STEREOTYP-VERFAHREN[177] wird in ausgedehnter Weise in Deutschland -geübt, ohne dass dieses selbst bedeutende eigene Verdienste um dasselbe -erworben hätte, wenn sich auch Spuren älterer Versuche zeigen. - - [177] H. MEYER, Handbuch der Stereotypie. Braunschweig 1838. - -[Sidenote: Ältere Versuche.] - -Ein Steingutfabrikant, Schmidt in Durlach, fand auf einem Schutthaufen -seiner Fabrik das Bruchstück einer Schriftplatte in Porzellan, welche -den Schluss einer Dedikation oder eines Gesuches an den Grossherzog Karl -von Baden seitens eines Müller d. ä., datiert Paris den 1. August 1787, -enthält, des Inhalts: - -»Diese Erfindung ist in Teutschland schlechterdings unbekannt. Sie -gehört dem Amtmann Hoffmann, welcher aus einer alten Familie aus den -Markgräflich-Badenschen Landen herstammt. Ich werde mich glücklich -schätzen, wenn sie unter der Protektion Ew. Hochfürstlichen Durchlaucht, -durch mich, durch Errichtung einer Polytypie eingeführt, und alle -Kirchen- und Schulbücher meines gnädigsten Privilegii, zuerst in -Teutschland polytypiert, von mir können abgedruckt werden. Ein -Unternehmen, das der glorreichen Regierung meines gnädigsten Fürsten -ein ewiges Denkmal stiften und den wärmsten Dank aller edlen Seelen -verdienen wird; denn das Werk ist eines Fürsten würdig. - - Ich ersterbe ehrfurchtsvoll - Ew. Hochfürstlichen Durchlaucht - unterthänigster treu-gehorsamer Knecht - Müller älter.« - -[Sidenote: V. v. Pallhausen.] - -Im Jahre 1805 machte Vincenz VON PALLHAUSEN in München, unterstützt -von dem Xylographen TH. NEUER, einen Versuch zu stereotypieren. Ehe -dieser einigermassen gelang, verunglückten verschiedene Platten. Von den -hiervon noch übrig gebliebenen, deren Inhalt ein Gedicht auf Gutenberg -bildet, veranstaltete Prögel in München 1836 einen Abdruck in einem -Büchlein: »Denkmal in Stereotypen den Manen Gutenbergs 1805 gewidmet von -Vincenz von Pallhausen«. - -Polytypen, Plakat- und grössere Titelschriften waren längst mit der -Hand clichiert worden. Die Clichiermaschine von Pfnorr in Darmstadt -erleichterte sehr das Verfahren[178]. - - [178] Journ. f. B. 1835, Nr. 5; 1838, Nr. 1. - -[Sidenote: Stanhopes Stereotypie.] - -Die ersten, welche das Stanhopesche Verfahren in Deutschland erwarben -und ausbeuteten, waren v. Decker und K. Tauchnitz; 1819 kam es nach -Österreich. Die Stereotypendrehbank[179] vereinfachte die Arbeit. Eine -grosse Förderung gewährte die Papierstereotypie (S. 153). In Deutschland -war GEORG JAQUET in München der erste, der das Verfahren 1834 erwarb. -Für die weitere Verbreitung wirkten namentlich TH. ARCHIMOWITZ und J. -ISERMANN in Hamburg[180]. - - [179] Journ. f. B. 1837, Nr. 5. - - [180] TH. ARCHIMOWITZ, Die Papierstereotypie. Karlsruhe 1862. -- A. VON - FLAMMENSTERN, Stereotypie in Österreich. Wien 1822. - -[Sidenote: Stereotypie in Eisen.] - -Versuche mit Stereotypen in Eisen wurden schon 1805 auf Veranlassung des -Buchhändlers GÄDICKE in Berlin gemacht. Auf den Rübeländer Eisenwerken -im Harz brachte ZIEGLER nach jahrelangem Arbeiten eine vollständige -Bibel in dieser Weise zustande. - -So vorteilhaft die Stereotypie ist, namentlich zur Herstellung der -Clichés von Abbildungen, ohne welche die illustrierte Litteratur nie -eine so enorme Ausdehnung hätte erreichen können, so wurde sie doch -bedeutend durch die Herstellung von Clichés auf galvanoplastischem Wege -übertroffen. - -[Sidenote: Galvanoplastik.] - -[Sidenote: H. Jacobi * 21. Sept. 1801, [+] 10. März 1874.] - -Die Galvanoplastik[181] ist eine Erfindung des Deutschen MORITZ HERMANN -JACOBI aus Potsdam. 1835 erhielt dieser einen Ruf nach Dorpat, 1837 -nach St. Petersburg. Bereits in diesem Jahre erfand er das Verfahren, -auf chemischem Wege Kupfer abzulagern, und, abgesehen von den sonstigen -hochwichtigen Verwendungen, druckbare Kupferplatten sowohl für den -Tiefdruck auf der Kupferdruckpresse als für den Hochdruck auf der -Buchdruckpresse, je nach dem Original, zu erzielen. Das Verfahren -kaufte die russische Regierung, die mit einer höchst anerkennenswerten -Liberalität es der Allgemeinheit preisgab. Die erste Veröffentlichung -geschah in dem Bulletin der Akademie zu St. Petersburg vom 5. Oktober -1838. - - [181] A. HERING, Die Galvanoplastik und ihre Anwendung in der - Buchdruckerkunst. 7. Ausg. -- F. VON ROSELEUR, Handbuch der - Galvanoplastik. Deutsche Übers. Stuttgart. -- Dr. G. SEELHORST, - Katechismus der Galvanoplastik. 2. Aufl. Leipzig. - -[Sidenote: Missbrauch der Galvanoplastik.] - -Die Galvanoplastik ward jedoch für das Geschäft zu einer zweischneidigen -Waffe. Die Möglichkeit, durch ihre Hülfe von einem Cliché oder einer -Type eine getreue Mater herzustellen, somit ohne Kosten und Mühe sich -die Arbeit des Stempelschneiders oder Holzschneiders anzueignen, wurde -stark gemissbraucht. Nicht nur über die Produkte des Auslands fiel man -her, sondern auch die Kollegen im Inlande wurden nicht geschont und -ein Gesetz verbot diese kollegialische Beraubung nicht. Hier konnte -nur Selbsthülfe wirken und am 15. Mai 1857 konstituierte sich auch -ein deutscher Schriftgiesser-Verein, jedoch erstens waren nicht alle -Schriftgiessereien Mitglieder des Vereins und zweitens konnte dieser -weiter keine Strafe diktieren, als öffentliche Bekanntmachung von -Kontraventionen, und diese genügte nicht immer. Erst der Erlass des -Reichsgesetzes zum Schutze der Muster vom 1. Juli 1873 konnte dem Übel -steuern. - -[Sidenote: Die dynamo-elektrische Maschine.] - -Ein grosser Fortschritt in der Galvanoplastik ist die Gewinnung von -Clichés durch die dynamo-elektrische Maschine, welche als Ersatz für -die galvanischen Elemente eintritt und einen kräftigen elektrischen -Strom durch Verbindung eines mit Kupferdraht umwickelten, sich rasch -drehenden Eisenringes und eines Elektromagneten hervorbringt, welcher -stark genug ist, um damit in wenigen Stunden ein Cliché zu erzielen. -Diese, namentlich von SIGM. SCHUCKERT in Nürnberg und SIEMENS & HALSKE -in Berlin erbauten Maschinen sind, wo Dampfbetrieb einmal vorhanden ist, -mit einem geringen Kostenaufwande zweckmässigst zu benutzen[182]. - - [182] Journ. f. B. 1877, Nr. 38. - -[Sidenote: Vernickelung.] - -Zu erwähnen bleibt noch die Vernickelung der Typen, eine Erfindung des -Prof. Bötticher in Frankfurt a. M., die jedoch, da sie in Deutschland -keinen Anklang fand, nach Amerika auswanderte, um dann von dort als -Neuheit nach Deutschland importiert zu werden. - -[Sidenote: Die Schriftgiessmaschine.] - -Die GIESSMASCHINE ist keine deutsche Erfindung, sie gelangte aber in -Deutschland zur grossen Verwendung. E. Hänel war der erste, der sie hier -baute, nachdem er das Patent LAURITZ BRANDTS (Kap. XVI) erworben hatte. -Ein Schüler Brandts, CORFITZ MÖLLER aus Kopenhagen, baute Giessmaschinen -bei F. A. BROCKHAUS in Leipzig, GURSCH & KLEMM und C. KISCH in Berlin, -STEINER in München und ROB. KÜHNAU in Leipzig waren bestrebt, sie zu -verbessern. Grosse Verbreitung fanden die amerikanischen Apparate. -Auf die neue Hepburnsche Maschine (S. 39) hat, wie schon erwähnt, die -Bauersche Giesserei in Frankfurt das Patentrecht. - -Das anfängliche Misstrauen gegen die Giessmaschinen, hervorgerufen -durch die, wegen der eingeschlossenen Luft verursachten Hohlheiten im -Guss sowie die Unmöglichkeit der Verwendung von Hartmetall, ist nach -Beseitigung dieser Übelstände durch verbesserte Konstruktion verstummt -und die Giessmaschine steht jetzt in der Schriftgiesserei ebenbürtig der -Schnellpresse in der Buchdruckerei zur Seite. - -[Sidenote: Die Setzmaschine.] - -Die SETZMASCHINE[183] (S. 40) bahnt sich in Deutschland langsam den -Weg und hat auch hier wenige praktische Verbesserungen gefunden. -Erst in neuester Zeit nehmen die Erfindungen von PRASCH in Wien, von -A. V. LANGEN in Düsseldorf im Verein mit C. G. FISCHER auf Schloss -Holte in Westfalen[184], sowie von E. W. BRACKELSBERG in Hagen[185] -die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch, namentlich wird die -Ablegemaschine der letzteren allgemein gelobt, jedoch sind diese -Erfindungen noch zu neu, um ihnen in der Geschichte der Typographie -jetzt schon einen bestimmten Platz anweisen zu können. - - [183] Litteratur der Setzmaschine s. S. 40 u. ff. - - [184] Journ. f. B. 1881, Nr. 33 u. 34. - - [185] Österr. B.-Ztg. 1882, Nr. 34; 1883, Nr. 2. - - - DIE ILLUSTRATION. - -[Sidenote: Die Illustration im XVIII. Jahrh.] - -Die grosse Ausdehnung der Illustration in dem XVI. Jahrhundert lernten -wir bereits kennen (I, S. 105). Die Holzschnitte und Stiche Dürers -hatten überall Eingang gefunden. Die Gegenstände aus dem profanen Leben -waren jedem verständlich und auch die Darstellungen aus der heiligen -Schrift in ihrer Naivetät ganz dem Fassungsvermögen des Publikums -angemessen. Nicht so rasch gestaltete sich die Verallgemeinerung -der Renaissance. Es fehlte dem grösseren Publikum der Sinn für die -Schöpfungen derselben, der Zusammenhang mit dem Altertum war nicht wie -in Italien vorhanden, und unter den Leiden des dreissigjährigen Krieges -ging vollends der Geschmack an edleren Genüssen verloren. Die später -eindringende französische Malerei diente namentlich zur Verherrlichung -der Machthaber und stand dem Volke fern. Das Bedürfnis nach Schmuck im -kleinen war aber doch nicht untergegangen und zeigte sich auch in der -zweiten Hälfte durch einen Aufschwung in der Bücher-Ornamentierung und -der Illustration. - -[Sidenote: D. Chodowiecki * 16. Okt. 1726, [+] 7. Febr. 1801.] - -Die Holzschneidekunst war inzwischen so gut wie abhandengekommen und -man nahm deshalb Zuflucht zu dem Kupfer. Kaum ein Buch erschien, -welches nicht wenigstens eine Titelvignette, einige Kapitel-Anfangs- -und Schlussvignetten aufwies. Von dem Ornament ging man zur wirklichen -Illustration über und diesmal kam der Anstoss von Frankreich, wo die -Illustration jedoch einen mehr aristokratischen Anflug hatte, während -sie in Deutschland, wie in früherer Zeit, den volkstümlichen Charakter -annahm und namentlich eine Begleiterin der vielverbreiteten Kalender -wurde. - -Einer der grössten Meister in dieser illustrierenden Kleinkunst war -DANIEL CHODOWIECKI, geboren in dem damals noch zu Polen gehörenden -Danzig. Da der Vater frühzeitig starb, musste Daniel ein Handwerk -ergreifen, später konnte er jedoch seiner Neigung folgen und bildete -sich unter der Leitung des Malers Haid mit Erfolg für die Kunst aus. -Mit dem Jahre 1764 traten seine Arbeiten mit der Radiernadel in den -Vordergrund; 1769 lieferte er die ersten zwölf Blätter Illustrationen -zu Lessings »Minna von Barnhelm«. Von nun an häuften sich die Aufträge -der Buchhändler derart, dass seine ganze Arbeitskraft dazu gehörte, um -sie zu bewältigen, und es giebt kaum einen bedeutenden Schriftsteller -damaliger Zeit, dessen Werke er nicht illustriert hätte. - -[Sidenote: Der Holzschnitt.] - -Der Holzschnitt trat jedoch nicht gleich die Erbschaft an und es dauerte -noch eine Zeit, ehe man an diesem wieder Geschmack fand; wesentlichen -Anteil an der Erweckung desselben haben die beiden Unger, Vater und -Sohn[186]. - - [186] MAX SCHASLER, Die Schule der Holzschneidekunst. Leipzig 1866. - -[Sidenote: J. G. Unger d. ä. * 1715, [+] 1788.] - -JOHANN GEORG UNGER, der Vater, stammt aus Pirna bei Dresden. Erst -Schriftsetzer, widmete er sich seit 1757 ganz dem Holzschnitt. Zu seinen -besten Arbeiten gehören »Fünf geschnittene Figuren, gezeichnet von O. -Meil«. - -[Sidenote: J. F. Unger d. j. * 1750.] - -JOH. FRIEDR. UNGER, der Sohn, war in Berlin geboren. Auch er begann als -Buchdrucker, erwarb jedoch als Holzschneider einen noch grösseren Ruf -als sein Vater. Bekannt sind seine »Sechs Figuren für Liebhaber der -schönen Künste« (1779) und von Vignetten lieferte er eine grosse Zahl. -Als Schriftsteller versuchte er durch mehrere Fachbroschüren zu wirken; -seine Bemühungen für die Verbesserung der Frakturschrift hatten keinen -Erfolg. Im Jahre 1800 wurde er Professor der Holzschneidekunst. - -[Sidenote: F. W. Gubitz * 27. Febr. 1786, [+] 5. Juni 1870.] - -Derjenige Holzschneider neuerer Zeit, der zunächst als der geistige Erbe -Chodowieckis angesehen werden kann und am meisten dazu beigetragen hat, -den Holzschnitt aufs neue populär zu machen, ist FRIEDR. WILH. GUBITZ. -Im Alter von 15 Jahren stellte er auf der Berliner Kunstausstellung -sieben Vignetten aus, die ihm Ehre und Geld einbrachten. 1812 wurde er -Professor der Holzschneidekunst. 1835 begann er seinen Volkskalender, -der mit seinen zahlreichen Illustrationen rasch eine grosse Popularität -erlangte. Für Buchdrucker lieferte er eine enorme Anzahl von Polytypen, -darunter auch eine Serie für Didot in Paris. Sein in Farben gedruckter -Heiland nach Lucas Cranach, das Bildnis der Gräfin Voss, seine Blätter -in Tuschmanier gehören zu den besten Arbeiten ihrer Art. Gubitz -gehörte noch ganz der alten Schule an, welche in dem Holzschnitt mit -dem Kupferstich konkurrieren wollte. Er schnitt immer noch in Langholz. -Eine eigentliche Schule bildete er nicht und sein talentvollster Schüler -Unzelmann war in der Manier das gerade Gegenstück zu Gubitz. - -[Sidenote: Ritschl v. Hartenbach * 1797.] - -[Sidenote: W. Pfnorr.] - -[Sidenote: Dan. Vogel d. ä.] - -Zu nennen sind noch J. RITSCHL VON HARTENBACH, der sich jedoch nicht bis -zur Meisterschaft erhob; der Kammersekretär WILH. PFNORR in Darmstadt, -ein Dilettant, der aber Tüchtiges namentlich in ornamentalem Schmuck -lieferte, und DANIEL VOGEL, der Vater, in Berlin. - -[Sidenote: Fr. Unzelmann * 1793, [+] 1855.] - -Der erste bedeutende Repräsentant der neuen Richtung der -Holzschneidekunst ist FRIEDRICH UNZELMANN aus Berlin. Seine -künstlerische Ausbildung erhielt er auf der königlichen Akademie. Bis -1827 arbeitete er für Gubitz. Nach seiner Trennung von diesem zeigte -er sofort eine freiere Handhabung der Technik. Bis jetzt hatte er, wie -Gubitz, nur mit dem Messer in Langholz gearbeitet, jetzt griff er zum -Stichel und zu dem Hirnholze. - -Unzelmann stellte sich die Aufgabe, die ja auch die einzig wahre -des Holzschneiders ist, wenn eine für den Holzschnitt korrekt -gezeichnete Vorlage vorhanden ist, die Zeichnung vollständig facsimile -wiederzugeben. Er lieferte viele Blätter zu den damals erscheinenden -illustrierten Werken, namentlich A. Menzels »Friedrich der Grosse«, -und zu den auf Rechnung des Königs von Preussen herausgegebenen -Werken seines grossen Vorfahren. Ein Jubelblatt aus dem Jahre 1840, -Gutenberg und Fust an der ersten Presse, ist in dem Archiv des Berliner -Kupferstichkabinetts deponiert, um 1940 aufs neue gedruckt zu werden. Im -Jahre 1843 wurde Unzelmann Mitglied der Akademie, 1844 Professor. - -[Sidenote: Ed. Kretzschmar * 21. März 1807, [+] 1858.] - -Der bedeutendste Schüler Unzelmanns, vielleicht an Genialität ihm nicht -ganz gleichkommend, aber von noch grösserem Einfluss auf die Förderung -der deutschen Xylographie, war EDUARD KRETZSCHMAR, aus Oschatz gebürtig. - -Schon frühzeitig äusserte sich seine Neigung für die zeichnenden -Künste; Armut zwang ihn jedoch, als Laufbursche in der Brockhausschen -Buchdruckerei zu dienen. Später wurde er Konditorlehrling, übte -dieses Geschäft elf Jahre und zeigte sein plastisches Talent, indem -er Formen für Kuchenverzierungen schnitt. Als im Jahre 1833 das -Pfennigmagazin erschien, wagte er sich an einen Holzschnitt, den er mit -einem Federmesser in Birnbaumholz ausführte. 1836 ging er nach Berlin -und arbeitete unter Unzelmanns Leitung. Die erwähnte illustrierte -»Geschichte Friedrichs des Grossen« von Menzel war das erste Werk, durch -das Kretzschmar eigentlich Gelegenheit bekam, sein Talent zu entfalten -und das zugleich ihm Veranlassung wurde, ein xylographisches Institut -in Leipzig zu gründen, um genügend tüchtige Kräfte heranzubilden, -welche selbst die Anforderungen eines Menzel, dieses Schreckbildes der -Holzschneider, befriedigen sollten, ein Vorhaben, das dem mit allen -Eigenschaften eines guten Lehrers Ausgerüsteten auch vortrefflich gelang. - -Als 1843 die »Illustrirte Zeitung« erschien, waren die zu überwindenden -Schwierigkeiten gross. Anfänglich musste natürlich das Ausland zum -wesentlichen Teil mit Clichés aushelfen, doch dauerte diese Abhängigkeit -nicht lange. Kretzschmar erweiterte sein Atelier und richtete es fast -ganz auf die Bedürfnisse der »Illustrirten Zeitung« ein. Bei seinem Tode -ging es in die Hände der Expedition der »Illustrirten Zeitung« über. Die -von Kretzschmar meist zum Experimentieren angelegte vortreffliche kleine -Kunstdruckerei erwarb PH. GRUMBACH. - -[Sidenote: Alb. Vogel * 1814.] - -[Sidenote: Otto Vogel * 1816.] - -Die Brüder ALBERT und OTTO VOGEL in Berlin traten ganz in Unzelmanns -Fussstapfen. Beide konnten auf Grund ihrer Verhältnisse nicht ihrer -Neigung folgen, die Albert zum Kupferstechen und zur Malerei, Otto zur -Skulptur hinzog. Beide lieferten Vortreffliches, doch ist Otto der -bedeutendste und seine Schnitte nach Menzels Zeichnungen sind wahre -Meisterstücke. - -[Sidenote: Caspar Braun * 1807, [+] 1877.] - -Eine besondere Bedeutung hat CASPAR BRAUN aus Aschaffenburg[187], der -den Holzschnitt in München heimisch machte und durch die »Fliegenden -Blätter« einen weitverbreiteten Namen erwarb. Erst ging er nach München, -um sich in der Malerei auszubilden, und dann nach Paris, wo er zwei -Jahre bei Brevière arbeitete. Nach seiner Rückkehr gründete er mit -v. Dessauer ein Holzschneideatelier und arbeitete namentlich für die -Cottaschen illustrierten Ausgaben, bis er sich mit Friedr. Schneider zur -Herausgabe der »Fliegenden Blätter« verband. - - [187] Ann. d. Typ. 1877, Nr. 425. - -[Sidenote: Hugo Bürckner * 1819.] - -[Sidenote: Gaber.] - -HUGO BÜRCKNER aus Dessau war erst Bereiter, wandte sich aber bald -dem Zeichnen und Malen zu und ging 1837 nach Düsseldorf. Ein Zufall -veranlasste ihn, sich für die Holzschneidekunst als Beruf zu -entscheiden. Im Jahre 1840 folgte er dem nach Dresden übergesiedelten -Maler Hübner, nachdem er erst einen kurzen Unterricht bei Unzelmann -genossen hatte. Seine Thätigkeit widmete er namentlich den im strengeren -künstlerischen Stil gehaltenen buchhändlerischen Unternehmungen G. -Wigands und T. O. Weigels. In ähnlicher Richtung zeichnete sich GABER in -Dresden aus. - -[Sidenote: Heinr. Lödel * 1798.] - -Von Bedeutung sowohl als Kupferstecher wie als Holzschneider ist HEINR. -LÖDEL aus Hameln. Er lernte die Buchbinderei, ging nach Göttingen und -versuchte sich dort im Schneiden von Vergoldestempeln und Vignetten, -schliesslich im Kupferstechen. Durch einen Holbeinschen Totentanz -erwachte seine Neigung für den Holzschnitt, in welchem er sich besonders -durch getreue Reproduktionen älterer Meisterwerke auszeichnete. - -[Sidenote: J. G. Flegel [+] 20. Dez. 1881.] - -Die Bestrebungen J. G. FLEGELS in Leipzig waren stets auf -Vervollkommnung seiner Kunst gerichtet. Seine mikroskopischen, -naturwissenschaftlichen und anatomischen Arbeiten sind nicht übertroffen -und nur durch Betrachtung durch die Lupe ganz zu würdigen. Vorzüglich -sind auch seine Nachbildungen Rembrandtscher Radierungen. Viele seiner -besten Arbeiten finden sich in den Verlagswerken Wilh. Engelmanns -verstreut. Besonders in technischen Illustrationen zeichnen sich -KLITZSCH & ROCHLITZER aus. - -In neuerer Zeit hat Stuttgart sich in der Xylographie namentlich -durch das Institut von AD. CLOSS ein hohes Ansehen erworben. Es wird -Gelegenheit sein, hierauf in dem folgenden zurückzukommen (Kap. XIV). -Eine hervorragende Stufe nimmt die Anstalt von R. BREND'AMOUR & CO. -in Düsseldorf mit Zweiganstalten in Düsseldorf, Berlin, Leipzig und -Stuttgart ein. - -[Sidenote: J. G. Prestel * 1739, [+] 1808.] - -Österreich hat in der Xylographie, ganz besonders in dem _Clairobscur_- -und dem Polychromdruck, bedeutende Namen aufzuweisen. Unter den wenigen -Leistungen aus der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts sind die -_Clairobscur_-Blätter von JOH. GOTTL. PRESTEL rühmlichst zu erwähnen, -namentlich eine Kreuzabnahme nach Raphael. Auch KARL FRIEDR. HOLTZMANN -(1740-1811) lieferte Tüchtiges in dieser Richtung. Die vorzüglichsten -seiner Arbeiten erschienen gesammelt als »Abdrücke in Helldunkel nach -verschiedenen Meistern«. Er wandte, wie schon ältere Künstler es gethan -hatten, Kupferstich in Verbindung mit Holzschnitt an und druckte mit -zwei bis zu sechs Platten. Auch von Karl Ruprecht (1799-1831) existieren -gute _Clairobscur_-Blätter. - -[Sidenote: B. Höfel * 27. Mai 1792, [+] 17. Sept. 1863.] - -In seiner Arbeitsweise mit Gubitz verwandt, jedoch als Künstler weit -bedeutender ist BLASIUS HÖFEL. Er war in Wien geboren und zeigte -frühzeitig ein ungewöhnliches Zeichentalent. Nach vielen Schwierigkeiten -gelang es ihm, einen Platz in der Akademie der bildenden Künste zu -erlangen. Um dort am Tage studieren und arbeiten zu können, musste er -in den Nachtstunden seinen ärmlichen Lebensunterhalt durch Illuminieren -von Bildern erwerben. Anfangs widmete er sich mit Erfolg der Malerei, -ging jedoch bald zum Kupferstich über und lieferte eine grosse Anzahl -von Blättern, allein 120 Porträts für Artaria. Im Jahre 1820 erhielt -Höfel die Professur des freien Handzeichnens an der Militär-Akademie in -Wiener-Neustadt. - -Auf einer Reise in Deutschland im Jahre 1829 lernte er Gubitz -und Unzelmann kennen und sofort die Wichtigkeit der neuerwachten -Holzschneidekunst begreifend, warf er sich mit Eifer auf dieses -Verfahren. Eine seiner ersten Arbeiten: »Betende Alte« nach Waldmüller -wurde in 127000 Exemplaren verkauft. Die Aufmerksamkeit des Fürsten -Metternich ward auf Höfel gelenkt, auf dessen Anregung erfasste er die -von Collas erfundene Reliefmanier und lieferte treffliche Platten zu dem -»Ehrentempel Österreichs«. Eben im Begriff nach Paris zu gehen, verlor -Höfel Haus und Habe durch einen grossen Brand, welcher 633 Häuser in -Wiener-Neustadt am 8. September 1834 in Asche legte, und er musste nun -von neuem anfangen. Eine Verbindung mit der Nationalbank führte nicht -zu einer dauernden Anstellung und infolge einer Reorganisation der -Militär-Akademie in Neustadt wurde Höfel pensioniert. Er verband sich -nun, um seine Erfindungen auszubeuten, mit dem Buchdrucker Sollinger. -Letzterer erhielt bei der Industrie-Ausstellung in Berlin 1840 die -goldene Medaille. Höfel ging leer aus. Bei seinem nun folgenden Versuch -mit einer eigenen Buchdruckerei geriet er in Konflikt mit dem Gremium -der Buchdrucker und Buchhändler, woraus ihm viel Verdruss und viele -Verluste entstanden. - -Im Jahre 1845 stellte er eine Anzahl der schönsten Farbendrucke aus, -darunter eine Madonna nach Führich in 25 Platten auf Goldgrund. Die -Verhältnisse des Jahres 1848 zwangen Höfel, sein Geschäft um jeden Preis -zu verkaufen. Er ging nun nach Salzburg und baute sich in dem am Fusse -des Gaisberges reizend gelegenen Dorfe Aigen einen Meierhof, wo er den -Rest seiner Tage, mit der Ausführung verschiedener grosser Stahlplatten -beschäftigt, verbrachte. - -Auf Aufforderung von G. Haase Söhne lieferte er für die Ausstellung in -München einen lebensgrossen Christuskopf nach Hübner in der Baxterschen -Manier, 22 Platten Farbe auf Farbe ohne Konturen gedruckt. Das Bild -erschien in vier Auflagen. Trotz seines schweren Kampfes mit dem Leben -behielt Höfel noch im Greisenalter seine jugendliche Geistesfrische und -seinen Unternehmungsgeist, bis eine Lungenlähmung seinem vielbewegten -Leben ein Ende machte. - -[Sidenote: F. v. Exter * 7. März 1820, [+] 27. Juni 1860.] - -FRIEDRICH VON EXTER, ein Schüler Höfels und einer der geschicktesten -Holzschneider der Anstalt von Braun & Schneider in München, wurde 1846 -von Auer als Leiter der xylographischen Abteilung der Staatsdruckerei -nach Wien berufen. Zu seinen besten Leistungen gehören »Kaiser Joseph -an der Buchdruckerpresse« und »Karl V. im Kloster St. Just«. Zu den -_Peintures de Polygnote à Delphe_ der Gebr. Riepenhausen lieferte Exter -die ersten zwölf Tafeln in Chromoxylographie, die späteren Platten -wurden lithographisch ausgeführt. - -[Sidenote: H. Knöfler * 1824.] - -HEINRICH KNÖFLER aus Schmölln im Altenburgischen brachte es von einem -einfachen Tischlergesellen zu einem hervorragenden xylographischen -Künstler und Kunstdrucker. Prof. von Berger in Wien war der erste, -welcher auf sein ausserordentliches Talent aufmerksam wurde. -Den Unterricht in der Xylographie erhielt er von Bader, der von -Stuttgart nach Wien übergesiedelt war. Ein Holzschnitt Knöflers, »Der -Stephansturm«, wurde sehr bewundert und verschaffte ihm eine Anstellung -in der Staatsdruckerei, welche er später mit einer solchen bei Zamarski -vertauschte, bei dem er sich viel mit dem Chromodruck beschäftigte. - -Seinen hauptsächlichsten Ruf erwarb sich Knöfler durch seine Miniaturen -zu dem bei Reiss erscheinenden _Missale_ und durch seine Illustrationen -zu den liturgischen Werken Pustets in Regensburg. Eine ihm von Didot -angebotene ehrenvolle und vorteilhafte Stellung lehnte er ab. Knöfler -ist namentlich ein Meister in der Behandlung der Köpfe seiner kleinen -Figuren. Eine seiner bedeutendsten Leistungen ist die Nachbildung des -Marienfensters des Prof. Trenkwald in der Votivkirche zu Wien. Ferner -sind die Illustrationen zu dem »Ägyptischen Joseph« und zu Führichs -»Geistliche Rose« zu nennen. - -Ein ehemaliger Schüler und Mitarbeiter Knöflers, HERMANN PAAR, arbeitete -mit BIBERHOFER zusammen. Die Aufmerksamkeit wurde auf ihn durch den -Druck der von Bader geschnittenen Trachtenbilder Albr. Dürers gelenkt. -Sein Bildnis eines Unbekannten nach Jan van Eyck ist eine vollendete -Leistung, ebenso sein Kegelschieber nach Ostade. Ein Xylograph ersten -Ranges ist der mehrerwähnte BADER. Sein Panorama von Wien im Jahre 1873 -hat bei einer Höhe von 77 cm eine Länge von 122 cm. - - * * * * * - -In Verbindung mit der Xylographie müssen wir noch zwei Verfahren nennen, -die, wennauch ihr praktischer Wert kein ausserordentlicher ist, doch dem -Fachmann von Interesse sind. - -[Sidenote: Die Planotypie.] - -Die erste ist die PLANOTYPIE[188]. Eine Zeichnung in Linien wird auf -Lindenholz getragen. Mittels einer durch eine Stichflamme glühend -gemachten Stanze wird die Zeichnung Strich für Strich in das Holz -vertieft eingebrannt und so eine Matrize gebildet, in welche eine leicht -flüssige Metalllegierung gegossen wird. So wird ein erhabenes Cliché -erzielt, mit welchem man, nachdem die Oberfläche vollständig egalisiert -worden ist, drucken kann. Das Verfahren wurde zuerst von LEPEL, früher -in Berlin, dann in Dresden, verwendet, namentlich für die sehr grossen -Musterbogen der Modenzeitungen, auf welchen die verschiedenen Muster für -das Zuschneiden auf einer Platte sich kreuzen. - - [188] H. KLEMM, Die Planotypie. Dresden 1871. - -Mit vielem Geschick ist diese Methode zur Illustrierung eines -umfangreichen Werkes »Trachten der Völker in Bild und Schnitt« (Dresden, -bei Müller, Klemm und Schmidt) verwendet. Über 1000 Figurenbilder sind -in dieser Weise in Umrissen wirksam und charakteristisch hergestellt. - -[Sidenote: Stigmatypie von Fasol.] - -Ein anderes Verfahren oder vielmehr eine besondere Verwendung der -einfachsten typographischen Figur, des Punktes, zur malerischen -Typographie, die STIGMATYPIE, fand besonders in Wien durch CARL FASOL -Pflege. - -Mit fünf Graden von Punkten liefert derselbe nicht allein die -kompliziertesten Ornamente, sondern auch förmliche bildliche -Darstellungen: Porträts, Architektonisches, Landschaftliches, Blumen- -und Fruchtstücke mit Licht- und Schatteneffekten, die, wenn man des -benutzten Materials eingedenk bleibt, geradezu wunderbar sind. Die -Zeichnung wird auf karriertes Papier übertragen und zur Erleichterung -beim Setzen die Stärke der zu wählenden Punkte durch Farbennuancierungen -kenntlich gemacht. Um die unendliche Mühe einer solchen stigmatypischen -Arbeit zu beurteilen, mag die Erwähnung des Umstandes genügen, dass -zu einem Fruchtstück in der Grösse von 11×13 Zoll etwa 80000 Punkte -gehörten. Man muss dem bedeutenden Talent und der grenzenlosen Ausdauer -des Künstlers seine Achtung zollen, jedoch nicht ohne eine herbe -Beimischung von Bedauern, dass doch nur bedingungsweise Gelungenes -zustande gebracht werden kann, was man mit weniger Mühe und Aufwand in -anderer Weise besser und leichter hätte erzielen können. Doch bleiben -diese stigmatypischen Arbeiten eine Anspornung für den Typographen, -sein Material gut zu benutzen, wenn er sieht, mit wie wenigen Mitteln -sich etwas Hübsches schaffen lässt und deshalb verdienen die von Fasol -herausgegebenen Proben (»Album der Buchdruckerkunst«, fünf Hefte in -Folio, 1868-1881) einen Platz in jeder grösseren Druckanstalt und in -jeder typographischen Gesellschaft. - -[Illustration] - - -[Illustration] - - XI. KAPITEL. - - DIE TYPOGRAPHISCHEN MASCHINEN IN DEUTSCHLAND. - - Fr. König und die Schnellpresse. Die Bedeutung derselben. - Jugendgeschichte Königs. Seine Rückkehr aus England. Etablissement - König & Bauer in Oberzell. Kampf und Sieg. Die Zweifarbenmaschine. - Die Endlose. Die Maschinenfabrik Augsburg und andere Fabriken - Deutschlands. Helbig & Müller in Wien und andere Fabrikanten - Österreichs. Die lithographische und die zinkographische - Schnellpresse. Die Handpressen. Die Satinier-Schnellpresse. Die - Farbenfabrikation. - -[Sidenote: Fr. König und die Schnellpresse.] - -Am 17. April 1874 waren hundert Jahre vergangen seit dem Tage, an -welchem FRIEDRICH KÖNIG, der Erfinder der Schnellpresse, in Eisleben -das Licht der Welt erblickt hatte[189]. »Eine kleine Stadt war sein -Geburtsort, aber ihr Name hatte Weltruf erlangt, denn in Eisleben stand -die Wiege des grossen Reformators, Luther, den hunderte, über das -ganze Erdenrund verbreitete Millionen als den Befreier von dem auf dem -Geiste lastenden Druck verehren; dessen Name jeder gebildete Deutsche, -der Genuss und Belehrung in den Werken sucht, welche die Heroen der -deutschen Litteratur und Wissenschaft schufen, als den des Reformators -der Muttersprache hoch hält, selbst wenn er dem Träger desselben auch -nicht als Reformator in Glaubenssachen huldigt.« - - [189] Die folgenden Zeilen sind einem Glückwunschschreiben entnommen, - welches der Herausgeber dieses Buches als Sekretär des Deutschen - Buchdrucker-Vereins an die Söhne Friedrich Königs zum 17. April - 1875 abzufassen hatte (vgl. Annalen d. Typ. Nr. 301). Dieses - Schreiben sowohl wie der Jubelartikel in dem Journ. f. B. 1875, - Nr. 15 ff. kamen jedoch, wie nach späterer Feststellung des - Geburtsjahres Königs hervorgeht, um ein Jahr zu spät. - -[Sidenote: Kulturhistor. Bedeutung der Erfindung.] - -»Wie wäre jedoch die weltbewegende Wirksamkeit Luthers gehemmt gewesen, -wenn er nur auf das gesprochene Wort und auf die Verbreitung desselben -durch Niederschrift angewiesen gewesen wäre, wenn ihm nicht die -thätigen Pressen Wittenbergs und Leipzigs fördernd zur Seite gestanden -hätten. Glücklich müssen wir uns preisen, dass die deutsche Erfindung -Gutenbergs es ihm möglich machte, seine zündenden Blitze nach überall -hinzuschleudern.« - -»Und doch, wie unvollkommen und langsam war die damalige Hülfe der -Presse, wenn wir sie mit derjenigen vergleichen, welche sie uns heute -leistet. Vergegenwärtigen wir uns, wie viel durchgreifender und wie -unendlich schneller die Erfolge der reformatorischen Thätigkeit Luthers -hätten sein müssen, wenn man derzeit über diejenigen mechanischen -Hülfsmittel zu verfügen gehabt hätte, die uns jetzt zu Gebote stehen; -wenn die $Schnellpresse$ damals dienend zur Seite gestanden hätte; wenn -diejenige Reform im Druckwesen, welche die _Times_ vom 29. November -1814 den staunenden Lesern verkündete, gleichzeitig mit der Reform des -Glaubens und der deutschen Sprache ins Leben getreten wäre.« - -»Doch verlieren wir uns nicht in Phantasien über das, was hätte werden -können, und halten wir uns an die grosse Errungenschaft, wie wir sie -wirklich jetzt besitzen. Die $Schnellpresse$ gehört unserer Zeit. Sie -ist ein Kind des XIX. Jahrhunderts und hat wieder so unendlich viel -dazu beigetragen, dieses zu einem der denkwürdigsten in der Geschichte -der Entwickelung der Menschheit zu machen. $Sie$ hat die Presse zu der -sechsten, oder wenn wir wollen, zu der ersten Grossmacht herangebildet, -$sie$ hat der öffentlichen Meinung, verkörpert in dem Journalismus, eine -Macht verliehen, vor der sich selbst die Mächtigsten der Erde beugen, -$sie$ trägt die Bildung bis in die Hütte und macht es dem Ärmsten -möglich, an den geistigen Genüssen, welche gottbegabte Männer uns -bereiteten, teilzunehmen, $sie$ hat, wie die Grabschrift des Erfinders -sagt, »der Presse Flügel verliehen, ohne welche sie ihr zehnfaches -Tagewerk nicht genügend würde erfüllen können.« - -[Sidenote: Königs Jugendgeschichte.] - -Der Vater Königs war ein schlichter Ackerbauer, die Mutter eine -vortreffliche Frau, die für einen guten Unterricht des Sohnes Sorge -trug. Zu Johanni 1790 kam Friedrich in die Buchdruckerlehre bei J. -G. J. Breitkopf und wurde Michaeli 1794 losgesprochen. Jede freie -Stunde verwendet er auf seine Ausbildung, hörte später Vorlesungen -und beschäftigte sich wahrscheinlich schon frühzeitig mit Plänen zur -Verbesserung der Holzpresse und mit dem Gedanken, Stempel in Platten -einzudrücken, um in letztere Stereotypplatten zu giessen. In betreff der -Konstruktion einer Tiegeldruck-Schnellpresse[190] war er schon im Jahre -1805 mit sich ins Reine gekommen, denn in diesem Jahre wendete er sich -von Wien aus an den Kaiser von Russland und bietet ihm die Erfindung an. -Die Pläne wurden nach St. Petersburg gesandt; er selbst folgte am 12. -Mai 1806. Anfänglich gestalteten sich die Aussichten vortrefflich und -König schrieb an seine Mutter, mit der er auch später sich schriftlich -in kindlicher Liebe unterhält, Berichte voll der schönsten Hoffnungen. -Bald sollten jedoch diese vernichtet werden und noch in dem erwähnten -Jahre ist König in London, um dort seine Pläne durchzusetzen. - - [190] TH. GOEBEL, Friedrich König und die Erfindung der Schnellpresse. - Braunschweig 1875. Eine von demselben verfasste umfangreiche - Geschichte der Erfindung, zugleich der Firma König & Bauer, war - bei dem Satz dieser Bogen und bei dem bereits erfolgten Druck - der Bogen 4 und 5 noch nicht ausgegeben, konnte demnach nicht - für die Darstellung hier benutzt werden. -- J. H. BACHMANN, »Die - ersten Schnellpressen in Deutschland«; eine Reihe von Artikeln - in dem Journ. f. B. 1868, Nr. 38-48, 1869, Nr. 2-17 enthält die - ausführliche Geschichte des Baues von vier Schnellpressen für - Spener und Decker in Berlin. - -[Sidenote: König & Bauer.] - -Wie dies geschah ist bereits erzählt (S. 53). König kehrte Ende August -1817 nach Deutschland zurück, wo es ihm gelungen war, das reizend -gelegene frühere Benediktiner-Kloster OBERZELL, eine halbe Meile von -Würzburg, zu erwerben. Erst später, im Mai 1818, kam der treue Freund -Bauer nach Oberzell. Dieser, 1783 in Stuttgart geboren, war ein sehr -tüchtiger Mechaniker und hatte durch sieben Jahre treu alle Arbeiten -und Sorgen mit König geteilt, ohne dass ein festes Geschäfts-Verhältnis -zwischen beiden stattgefunden hatte. Erst wenige Tage vor Königs Abreise -von London wurde, am 9. August 1817, der erste Vertrag zwischen beiden -abgeschlossen. Nach demselben sollte König als Erfinder und als Ersatz -für seine bisherigen Opfer zwei Anteile am Gewinn haben, während ein -Anteil Bauer zufallen sollte; auch würde Oberzell Königs Eigentum -bleiben. Im Jahre 1821 wurde der Vertrag dahin abgeändert, dass eine -gleichmässige Teilung des Gewinns stattfand. - -[Sidenote: König über Bauer.] - -Über Bauers Anteil an der Erfindung und an der Fortbildung derselben -thun wir am besten, uns an Königs eigene Worte zu halten, welche in -wenigen Zeilen das Verhältnis so trefflich und schön charakterisieren: -»Wenn zwei Männer gemeinschaftlich und im höchsten Vertrauen zu -einander einen Zweck verfolgen, so dürfte es schwer sein, den Anteil zu -bestimmen, den ein Freund gehabt hat, der bei allem zu Rate gezogen, mit -dem jede Angelegenheit des Geschäfts überlegt worden ist und wir haben -uns selbst nie Rechenschaft darüber abgelegt oder abgefordert«. - -Man hatte nun nicht nur ein Dach über dem Kopfe, sondern war, was -Lokalität anbetrifft, eingerichtet, wie es nicht besser sein konnte, -aber es galt jetzt, alles aus nichts zu schaffen, nicht nur Werkzeug -und Hülfsmaschinen, sondern auch Arbeiter, denn die Verhältnisse lagen -nicht wie in England; aus rohen Bauern waren erst tüchtige Gehülfen -auszubilden. - -[Sidenote: Erste Bestellung.] - -Dann mussten Bestellungen herbeigeführt werden. Cotta, an den man sich -zuerst wandte, konnte »Staatsgeschäfte halber« vorläufig sich nicht -mit dem Maschinenwesen befassen. Dagegen fanden Königs Vorstellungen -offene Ohren bei Georg Jacob Decker in Berlin und dessen Schwager K. -Spener. Bereits während Königs Aufenthalt in England waren nähere -Unterhandlungen mit Decker angeknüpft, die jedoch durch Königs Absicht, -England zu verlassen, unterbrochen wurden. Am 15. Oktober 1817 kam es -mit den Genannten zu dem Abschluss eines Kontraktes über die Lieferung -von zwei Schnellpressen, die innerhalb zwei und einem halben Jahre -fertig zu stellen waren. Die Abnehmer sollten 7000 Thaler zahlen, -ausserdem alle Spesen tragen und, anstatt der von König anfänglich -geforderten jährlichen Abgabe, ein für allemal ein Prämium von 10000 -Thalern gewähren. Man sieht aus dem obigen, dass es den Bestellern nicht -an Opferfreudigkeit und Zutrauen zu den Ideen Königs fehlte. - -[Sidenote: Schwierigkeiten aller Art.] - -Die Ausführung gestaltete sich für beide Teile zu einer langen -Leidensgeschichte. Nicht nur die oben erwähnten Schwierigkeiten der -Arbeiterverhältnisse, sondern auch der Mangel an Fonds machten sich -in quälender Weise für König & Bauer geltend. Zwar erhielten sie ein -zinsfreies Darlehen von 20000 fl., jedoch zunächst um eine Papierfabrik -in Gang zu bringen. Die ersten 10000 fl. waren bereits absorbiert, -ohne dass die Arbeiten, an welche die Auszahlung der zweiten 10000 fl. -geknüpft waren, ihr Ende erreicht hatten. John Walter, für welchen König -noch Arbeiten auszuführen hatte, ward unwillig, weil er sich unmöglich -die Jämmerlichkeit der deutschen Arbeiterverhältnisse vorstellen konnte. -Das langsame Vorwärtsschreiten machte Decker und Spener ärgerlich, -trotzdem unterliessen sie nicht, der Fabrik allen möglichen Vorschub -zu leisten. Erst im Juli 1822 konnte der erste Probedruck in Oberzell -gemacht werden. Am 15. November 1822, also erst fünf Jahre nach der -Bestellung, waren die durch Nachbestellung auf vier vermehrten Maschinen -zum Versand fertig. Im Januar 1823 befanden sie sich zwar im Gange -und das erste Produkt war die Nr. 11 der Spenerschen Zeitung vom 25. -Januar 1823; es dauerte jedoch fast ein Jahr, bevor die Leistungen -zufriedenstellend ausfielen. Mit allen dazu gehörigen Einrichtungen -kamen die Kosten für die Besteller auf etwa 30000 Thaler zu stehen, dazu -im Jahre 1827 noch 5500 Thaler für Umbau. - -[Sidenote: Vielfache Pläne.] - -Es war eine schwere und aufreibende Zeit gewesen. Mit der Papierfabrik -wollte es nicht vorwärts. Im Herbst 1823 musste König selbst nach -London gehen, um von den neuesten Erfindungen und Verbesserungen -der Papierfabrikation Kenntnis zu nehmen. Die Geldsorgen endigten -vorläufig durch den Beitritt Cottas zu diesem Geschäft; 1831 übernahmen -jedoch König & Bauer dessen Anteil wieder. Obwohl das Unternehmen -somit schliesslich festen Boden gewann, so war die Zersplitterung der -Kräfte doch kaum als ein Glück für das Schnellpressen-Etablissement zu -betrachten, dessen rasche Förderung noch nicht gelingen wollte, sie -gewährte aber eine fortwährende Beschäftigung für Königs regen Geist. Er -brachte an den _Times_-Maschinen Verbesserungen an, beschäftigte sich -mit dem Gedanken einer _Roundabout_-Presse mit zehn Druckcylindern, -welche stündlich 5000 Exemplare liefern sollte, und mit dem bereits -erwähnten Verfahren, geschlagene Matern herzustellen. Selbst die -Setzmaschine spielte eine Rolle in seinen damaligen Plänen. - -[Sidenote: Verbreitung der Schnellpresse.] - -Am 12. Juli 1824 erhielt Cotta eine Schnellpresse für die Allgemeine -Zeitung in Augsburg. König selbst leitete die Aufstellung im Verein -mit seinem Neffen Fritz Reichenbach, der bei Decker gelernt hatte und -den König von Berlin mitgenommen hatte, um ihn als Maschinenbauer -auszubilden; ein zweiter Neffe, Friedrich Helbig, zeichnete sich später -in Wien aus. - -Um die Anbringung der Maschinen zu erleichtern, wollte König solche auf -eigenes Risiko bauen und sie auf Gewinn-Anteil ausleihen. König litt -jedoch unter demselben Mangel an Betriebskapital, der die Buchdrucker -selbst drückte, und der Plan liess sich nicht durchführen. Er musste -nun darauf bedacht sein, kleinere und billigere Maschinen zu bauen, die -sich durch Menschenhände bewegen liessen und von denen er gleichzeitig -mehrere Exemplare bauen könnte, wodurch die Herstellung wesentlich -billiger zu stehen kommen würde. Der Erfolg bewies, dass die Rechnung -eine richtige gewesen. 1826 wurden elf Maschinen fertiggestellt, -darunter die ersten für Stuttgart (J. B. Metzler) und Leipzig (F. -A. Brockhaus). Schon Fr. Arn. Brockhaus hatte an Anschaffung einer -Schnellpresse gedacht, schreibt jedoch 1819 an König, dass ihm der Mut -fehle (Kap. XII). Nach Paris wurde die erste Maschine an A. Guyot & -Scribe, die zweite an E. Pochard geliefert; für Enchedé & Sohn in Harlem -waren bereits zwei solche abgesandt. - -[Sidenote: Rückgang und dann neue Erfolge.] - -Somit schien alles im besten Gange zu sein, da kam die Julirevolution. -Die Drucker zerschlugen die Schnellpressen, die Bestellungen sowohl -aus Frankreich wie aus Deutschland blieben aus; niemand hatte Lust, -Kapitalien in Maschinen, welche der Zerstörung ausgesetzt waren, -anzulegen, und als Ruhe und Vertrauen wiederkehrten, konnte Frankreich -seinen Bedarf selbst decken. Die Fabrik in Oberzell, die über hundert -Arbeiter beschäftigt hatte, behalf sich jetzt mit vierzehn. Die -Teilhaber verloren jedoch den Mut nicht und machten alle Anstrengungen, -um die Buchdrucker für die Maschinen zu interessieren. In einem -diesbezüglichen Zirkular finden sich merkwürdige Äusserungen. Die -Firma erklärt, vierfache Maschinen bauen zu können, die wenigstens -4000 Exemplare in der Stunde liefern, glaubt jedoch, »dass es nirgends -Verhältnisse giebt, in welchen eine so grosse Geschwindigkeit besondere -Vorteile gewähren würde«, und fährt dann fort: »Wir halten noch andere -seltsamere Kombinationen -- mit endlosem Papier -- nicht nur für -möglich, sondern auch für leicht ausführbar. Allein, obgleich man damit -ein ungeheures Resultat erhalten würde, so treten doch, nach unserer -Meinung, so viel praktische Hindernisse, die in der Beschränktheit des -Bedarfs und den bestehenden Formen und Gewohnheiten ihren Grund haben, -ein, dass wir uns nie zu einem Versuche entschliessen könnten, wiewohl -wir dazu alle Mittel zur Hand haben. Zum $wohlfeilen$ und $schnellen$ -Druck ist genug geschehen, zum $besseren$ Druck bleibt noch viel zu thun -übrig«. - -[Sidenote: Königs Verheiratung und Tod.] - -[Sidenote: Königs Nachfolger.] - -Im Jahre 1825 heiratete der 50jährige König eine 18jährige junge -Dame aus Suhl. Sie schenkte König drei Kinder, zwei Söhne und eine -Tochter. König fühlte sich sehr glücklich, sollte jedoch leider nicht -lange sein Glück geniessen. Die Entbehrungen in den jüngeren Jahren, -die fortwährenden Anstrengungen und aufreibenden Sorgen hatten seine -Gesundheit untergraben. Er starb nach einem Schlaganfall am 17. Januar -1833. Seine treue Gefährtin lebte bis zum 1. April 1882. Sein Freund -Bauer überlebte ihn fast 30 Jahre und ruht seit 1860 an seiner Seite. -Die Söhne Wilhelm (geb. am 9. Dezember 1826) und Friedrich (geb. am 29. -Januar 1829) übernahmen das Geschäft. König und Bauer, aus einem ganz -verschiedenen Stoff gebildet, ergänzten sich vortrefflich. Der erste -hochstrebend, weitblickend, rasch schaffend; Bauer bedächtig überlegend, -minutiös im Arbeiten und genau rechnend. Nur einmal in dem schweren -Jahre 1824 trat eine vorübergehende Missstimmung zwischen Beiden ein, -die sich jedoch schnell ausglich. - -[Sidenote: Wachstum des Etablissements.] - -Bei Königs Tod waren im ganzen etwa 60 Schnellpressen ausgeführt. Es -ging aber nun so rasch vorwärts, dass im Jahre 1865 die tausendste, am -6. September 1873 die zweitausendste Maschine fertiggestellt wurde, bei -welcher Gelegenheit die beiden Brüder den Orden des heiligen Michael -erhielten und damit in den Adelstand erhoben wurden. Für das erste 1000 -waren 50 Jahre nötig gewesen, während das zweite 1000 nur acht Jahre -brauchte. Von den 2000 Maschinen blieben 1243 in Deutschland. Leipzig -erhielt davon 265, Stuttgart 117; 392 gingen nach Russland (208 nach -St. Petersburg). Die stärksten Abnehmer waren Brockhaus und Teubner in -Leipzig, die Staatsdruckerei in St. Petersburg mit je 33 Stück, Cotta -mit 32[191]. Das dritte Tausend wurde 1882 voll. - - [191] KÖNIG & BAUER, Verzeichnis der ersten 2000 Schnellpressen. 1873. - -[Sidenote: Verbreitung der Königschen Schnellpressen.] - -Die Schnellpressen König & Bauers zeichneten sich stets durch die grosse -Akkuratesse der Arbeit und durch Solidität aus. Die mit Kreisbewegung -und Cylinderfärbung versehenen Maschinen erwarben in Deutschland -wegen ihres ruhigen Ganges und der Vorzüglichkeit des Farbewerkes -ihre Beliebtheit, obwohl sie schwerer zu bewegen und teurer sind, -als die mit Eisenbahnbewegung und Tischfärbung. Welches Ansehen die -Schnellpressen König & Bauers genossen, beweisen z. B. Bestellungen -von 24 Stück auf einmal, darunter acht Zweifarbe-Maschinen, zum -Banknotendruck nach Rom und von 20 Stück für die Bank von Frankreich. -Die Banknotendruckerei von St. Petersburg beschäftigt vorzugsweise König -& Bauerschen Tiegeldruckmaschinen, welche für die feinsten Arbeiten -allen anderen vorgezogen werden, obgleich sie einen sehr grossen Raum -einnehmen, langsam arbeiten und sehr teuer sind. Eine Eigentümlichkeit -der Tiegeldruckmaschine sind die zwei Fundamente, von welchen man nach -Belieben beide oder nur eins von beiden benutzen kann. Die Färbung, eine -Kombination von Cylinder- und Tischfärbung, ist eine höchst vollkommene. - -[Sidenote: Die Zweifarbenmaschine.] - -Vorzüglich sind ebenfalls die Zweifarbe-Maschinen König & Bauers. Wenn -sie auch nicht dieselben in die Praxis zuerst einführten, so gebührt -ihnen der Ruhm, sie zuerst zur Vollkommenheit gebracht zu haben. Diese -Maschinen müssen als eine besonders wertvolle Bereicherung des Materials -der modernen Typographie betrachtet werden und fanden rasch eine grosse -Verbreitung. Durch sie hat die ebenfalls neue Erfindung der Hochätzung -erst ihren vollen Wert erhalten, indem es durch sie möglich geworden -ist, farbige Landkarten zu einem solchen Preis zu liefern, dass sie -überall Eingang finden können. Auch für die Accidenzarbeiten ist der -Nutzen ein hervorragender und die harte Not des richtigen Registers beim -Doppeldruck hat nun in manchen Fällen aufgehört. - -In neuester Zeit bauten König & Bauer nach dem ursprünglichen Patent von -A. H. Payne in Leipzig eine Dreifarben-Maschine, welche jedoch nach der -Erwerbung seitens der Fabrik in Oberzell umkonstruiert worden ist. Die -gebogenen Galvanos werden auf einem grossen Cylinder angebracht, der den -dreimaligen Umfang eines der Druckcylinder hat. Die Maschine liefert in -der Stunde sieben bis achthundert Drucke in drei Farben, lässt sich -auch für eine grössere Anzahl von Farben bauen und wurde bereits für -fünf nach Frankreich angefertigt[192]. - - [192] Journ. f. B. 1881, Nr. 32. - -[Sidenote: Königs Endlose.] - -Als die »Endlosen« aufkamen, verhielten König & Bauer sich eine -ziemlich lange Zeit abwartend und liessen der Fabrik »Augsburg« den -Vorsprung. Erst als sie, ohne ihre Anstalt wesentlich zu schädigen, -nicht zurückbleiben konnten, gingen sie ans Werk, dann aber auch mit der -hergebrachten Energie. Sie hielten sich zunächst an die Konstruktion -der _Victory-Press_, deren Cylinder alle in der Ebene liegen. Ihre -derartigen Maschinen für die Kölnische Zeitung wurden nach den Angaben -des Obermaschinenmeisters E. Bragard hergestellt[193]. - - [193] Journ. f. B. 1880. Nr. 17. - -[Sidenote: Maschinenfabrik Augsburg.] - -[Sidenote: Fr. Reichenbach [+] Juni 1883.] - -Nach der Anstalt von König & Bauer hat die Maschinenfabrik Augsburg die -grösste Ausdehnung für den Schnellpressenbau in Deutschland gewonnen. -Sie wurde von dem erwähnten Neffen Fr. Königs, Fritz Reichenbach, -gegründet und ging dann später in die Hände einer Aktiengesellschaft -über. Die Anstalt baute namentlich Maschinen mit Eisenbahnbewegung; -grosse Verbreitung fanden ihre Zweifarben-Maschinen; sie war auch die -erste, welche in Deutschland die Rotationsmaschine für endloses Papier -baute und nahm sich namentlich die Walter-Presse als Vorbild. Das erste -Exemplar wurde in der Spaarmannschen Offizin in Oberhausen aufgestellt. -Bis 1880 hatte die Augsburger Fabrik 65 Rotationsmaschinen in 38 -Formaten und nach 21 verschiedenen Konstruktionen gebaut, von denen 46 -im eigentlichen Deutschland, 14 in Österreich-Ungarn blieben, eine nach -Batavia ging. Ihr gelang es auch (1879) zuerst in zufriedenstellender -Weise diese Maschinen für den Illustrationsdruck herzustellen. Auf -dreien derselben, welche je 4000 Exemplare stündlich liefern, werden -die Hallbergerschen illustrierten Blätter mit bestem technischen Erfolg -gedruckt. Die Rotationsmaschine hat im allgemeinen in Deutschland -eine viel schwierigere Aufgabe als in England. Teils ist das deutsche -Papier für gewöhnlich geringer und schwächer, als das englische, reisst -daher leichter und legt sich schwerer aus, dann aber vertragen die -abwechselnden Schriften, namentlich die vielen Auszeichnungsschriften -untermischt mit Illustrationen, welche die Inseratenseiten deutscher -Blätter füllen, viel weniger den Mangel an Zurichtung als die -englischen und amerikanischen Zeitungen mit ihren kompakten, den Kegel -fast füllenden Antiquaschriften. - -[Sidenote: Die Endlose in Wien.] - -Bereits im Jahre 1859 war mit »Endlosen« in Wien durch Auer -experimentiert worden, doch können diese Versuche nicht als gelungen -bezeichnet werden (vgl. Kap. XV). Nach Wien kamen die ersten zwei -englischen Walterschen Rotationsmaschinen, durch Ludw. Lott, den -Direktor der Druckerei der »Presse«, eingeführt, zunächst um den -Ausstellungskatalog 1873 zu drucken. Ebenfalls zur Ausstellung -liess die Druckerei der »Neuen Freien Presse« eine ihrer grossen -Marinoni-Maschinen nach des Direktors Reisser Angaben zu einer Endlosen -umarbeiten, die in dem Pavillon der »Neuen Freien Presse« in dem -Prater die Ausstellungszeitung druckte und täglich, wenn das grosse -Geräusch den Anfang der Arbeit verriet, eine grosse Masse Wissbegieriger -sammelte, um von ihrem Wirken Zeugen zu sein. Die Presse konnte nicht -mit den englischen Maschinen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit -konkurrieren. Überhaupt hat Wien mit dem Bau der »Endlosen« bis jetzt -kein grosses Glück gehabt. - -[Sidenote: Andere Rotationsmaschinen.] - -Auch C. HUMMEL in Berlin baute »Endlose« und will das Patent von G. -A. Horn auf eine Doppelrotationsmaschine mit zwei von einander ganz -unabhängigen Systemen ausbeuten[194]. Jeder der Schriftcylinder wird von -seinem Papierzubringer gespeist und ist mit zwei Farbewerken versehen. -Stellt man eins der Drucksysteme ab und arbeitet nur mit dem andern, -so wird dies von vier Farbewerken bedient, und eignet sich dann um -so besser für die Lieferung feinerer Arbeiten. Die Bogen werden nach -beiden Seiten der Maschine ausgeführt. Es muss sich ergeben, ob die -Praxis hier mit der Theorie Hand in Hand gehen wird. Die bekanntesten -Maschinen Hummels waren die nach den Angaben des Obermaschinenmeisters -Eugen Bragard für den Druck der Kölnischen Zeitung mit Vor- und -Rückwärtsbewegung gebauten, die stündlich 6000 Exemplare druckten. - - [194] Abgebildet und beschrieben im Journ. f. B. 1879, Nr. 36. - -[Sidenote: Verschiedene Fabriken.] - -[Sidenote: J. Forst [+] 14. Febr. 1879.] - -Von anderen Maschinenbauanstalten sind zu nennen: G. SIGL in Berlin, der -schon 1865 etwa 1000 Schnellpressen geliefert hatte; AICHELE & BACHMANN -in Berlin. Die Firma KLEIN, FORST & BOHN in Johannisberg a. Rh., -begründet 1846 von Johannes Forst und Joh. Klein, hatte am 30. Januar -1875 die 1000. Maschine vollendet. Sie liefert auch Schnellpressen mit -dem von E. C. BRUNN in Münster konstruierten Querlinien-Druckapparat. -ALBERT & HAMM in Frankenthal hatten 1879 300 Maschinen in die Welt -gesandt. In Würzburg arbeitet die Firma BOHN, FASSBENDER & HERBER, -in Worms die MASCHINENFABRIK WORMS. In Leipzig sind die bekanntesten -Firmen PH. SWIDERSKI, dessen kleine Maschine »Lipsia« vielen Beifall -findet; SCHMIERS, WERNER & STEIN, die viele grosse Maschinen bauen. -Tretmaschinen fabrizieren A. HOGENFORST und SCHELTER & GIESECKE. Eine -Fünffarben-Rotationsmaschine konstruierte A. H. SCHUMANN in Leipzig, -welche in zehn Stunden 8000 fertige Bogen, also 40000 Druck, liefern -soll. Zurichtung ist nur unter den Platten möglich[195]. - - [195] Journ. f. B. 1879, Nr. 8. - -[Sidenote: Fr. Helbig * 1800, [+] 1842.] - -[Sidenote: Leo Müller * 1800, [+] 1843.] - -In Österreich waren HELBIG & MÜLLER die ersten -Schnellpressenfabrikanten. FR. HELBIG, ein Sohn aus erster Ehe der -Schwester Fr. Königs, Marie Rosine, mit einem Bergmann Helbig in -Eisleben, hatte bei König gelernt. LEO MÜLLER war in Rieglern in dem -Vorarlbergschen Walserthale geboren. Sein Vater war dort Bauer und der -Sohn genoss nur den dürftigen Unterricht der Dorfschule. Seine Lust -an Mechanik trieb ihn, 18 Jahre alt, das Handwerk eines Schreiners -zu ergreifen und als solcher kam er nach Oberzell zu König & Bauer -und wurde bald Leiter der Modellabteilung. Sein Wunsch, Teilhaber der -Anstalt zu werden, konnte nicht erfüllt werden, weshalb er nun nach -Österreich zurückging und seinen ersten Versuch im Schnellpressenbau -in Imbach im Innthale für Rechnung von Rauch & Wagner in Innsbruck -machte. Er führte viele Verbesserungen bei der Schnellpresse ein, zu -denen namentlich der Doppel-Excenter behufs Erzielung des Stillstandes -des Druckcylinders beim Rückgange der Form gehört, der Cylinder wurde -freier gelegt, die Bänder beseitigt und durch Greifer ersetzt, auch -verwendete er zuerst die Eisenbahnbewegung. Gerade eine Differenz mit -Helbig in Patentangelegenheiten gab Veranlassung zu einer Verbindung -beider (um 1836). Sie bauten nun sowohl einfache wie doppelte Maschinen -und auch solche für zwei Farben; die Idee der letzteren war jedoch -keine neue und König & Bauer hatten sich schon 1826 Erhard in Stuttgart -gegenüber erboten, solche anzufertigen, was wegen der Kosten jedoch -unterblieb[196]. - - [196] Österr. Buchdr.-Ztg. 1880. - -[Sidenote: Andere Fabrikanten in Österreich.] - -Als tüchtige Maschinenbauer sind SIGL, LUDW. KAISER und J. ANGER -bekannt. Als Fabrikant von kleinen typographischen Maschinen hat G. -BERNHARDT Ruf und er baute bereits mehrere hundert solcher, deren System -sehr gelobt wird. Auch die Tretmaschinen von O. O. FUCHS und JEANRENAUD -& CO. finden Beifall. - -[Sidenote: Lithographische Schnellpressen.] - -Die Lithographie hat durch die Erfindung der lithographischen -Schnellpresse eine enorme Ausdehnung erreicht und der Buchdruckerei -ein bedeutendes Feld abgewonnen. Es gab dabei manche Schwierigkeit -mehr als bei der typographischen Schnellpresse zu überwinden. Die -lithographischen Steine haben nicht, wie die Schrift, eine gleiche Höhe, -die Maschinen mussten deshalb jedesmal nach der Stärke des Steines -eingerichtet werden. Der Druck musste ein sehr kräftiger, zugleich -ein sehr elastischer sein, wenn der Stein nicht springen sollte. Neu -hinzuzufügen war der Anfeuchteapparat, durch welchen der Stein bei dem -jedesmaligen Druck abgewischt und angefeuchtet wurde. Massenwalzen -konnten nicht verwendet werden, man musste deshalb Walzen von feinem -Leder benutzen, bis es in England gelang brauchbare Kompositionswalzen -herzustellen. Die erste lithographische Schnellpresse wurde im Jahre -1850 in der Maschinenfabrik von G. Sigl in Wien durch Hoppes für -H. Engels Institut gebaut[197]. 1855 erschien die lithographische -Schnellpresse auf der Pariser Weltausstellung. In Frankreich begann -Marinoni 1864 den Bau und führte wesentliche Verbesserungen ein. Die -Pariser Ausstellung von 1867 brachte eine Menge von Varianten durch -Marinoni, Dupuy, Moulde & Vibart, Voirin, Alauzet u. a. In Deutschland -bauen sie namentlich G. Sigl in Wien und Berlin; König & Bauer; -Swiderski; Schmiers, Werner & Stein; Klein, Forst & Bohn. - - [197] Österr. Buchdr.-Ztg. 1880, Nr. 2. - -[Sidenote: Ferd. Schlotke. Zinkdruckpresse.] - -Für den zinkographischen Druck hat FERDINAND SCHLOTKE in Hamburg eine -Maschine erfunden, durch welche mittels zweier je um eine Stahlwalze -gelegter Platten der Bogen auf zwei Seiten gleichzeitig bedruckt wird, -und zwar mit der Schnelligkeit von 1000 Exemplaren in der Stunde[198]. - - [198] Journ. f. B. 1882. Nr. 32. - -[Sidenote: Verbesserungen der Handpresse.] - -Die eiserne Handpresse wurde in Deutschland vielfach nachgebaut und -auch verbessert. Die Stanhopepresse lieferte namentlich CHR. DINGLER in -Zweibrücken. Die Columbiapresse wurde von FR. VIEWEG eingeführt und im -Jahre 1825 in dem Hüttenwerk Zorge am Harz gebaut. Ein Nachteil bei -diesen Pressen war das öftere Springen der Seitenwände. C. HOFFMANN -in Leipzig baute die Coggersche Presse nach, und seine Konstruktion -wurde von Vielen der der Originalpressen vorgezogen, weil das Heben des -Tiegels durch Kugelgewichte auf langen Hebeln und nicht durch Federn -geschah. Die Presse von Koch in Magdeburg fand, weil sehr billig und -leicht, vielen Beifall; auch war sie insofern sehr zweckmässig, als -sie über den Tiegel hinaus keinen Oberbau hatte, so dass die Form -voll belichtet war. Sehr verbreitet waren die Hagar-Pressen, die in -vorzüglicher Qualität von Chr. Dingler in Zweibrücken fabriziert -wurden. Dingler verstärkte noch die Kraft und die Sicherheit der -Original-Konstruktion, indem er statt Hagars einfachen Kniehebels vier -schrägstehende Knieteile verwendete, die, wenn der Tiegel sich in der -Höhe befindet, die Form eines Andreaskreuzes bilden, während sie, wenn -er angezogen ist, zu zwei und zwei senkrecht aufeinander, wie Säulen, -stehen[199]. Die Pressen sind jetzt fast die einzigen im Gebrauch -befindlichen, wenn man eine Anzahl unverwüstlicher Stanhopepressen nicht -rechnet, die noch das Gnadenbrot als Korrekturpressen geniessen[200]. - - [199] Journ. f. B. 1866, Nr. 21 u. 22. - - [200] Fast alle hier erwähnten Handpressen sind in dem Journ. f. B. - 1834-36 abgebildet und beschrieben. Näheres vergl. S. 51-53. - -[Sidenote: Farbeauftrag-Maschinen.] - -Mit einer Farbeauftrag-Maschine hatten schon B. STRAUSS in Wien, -HERMSDORF in Mannheim und SCHUHMACHER in Hamburg experimentiert. GEORGI -in Bonn, im Verein mit dem Faktor der Brönnerschen Offizin in Frankfurt -a. M., R. GERHARD, führte eine solche in brauchbarer Weise aus. Eine -kombinierte Buch-, Stein- und Kupferdruckpresse baute GEORG JONTZEN in -Bremen. Ein Mittelding zwischen Schnell- und Handpresse war die von -SELLIGUÉ. Tiegel und Fundament stehen fest, nur das Rähmchen mit dem -Papierbogen ist beweglich. Während ein Drucker von der einen Seite -den Bogen einlegt, hebt ihn ein zweiter von der andern Seite ab. Für -Brockhaus in Leipzig baute der Schlosser KALLMEYER in Osterode einen -ähnlichen Apparat. - -[Sidenote: Diverse Maschinen.] - -Von kleineren Maschinen sind zu erwähnen die Falzmaschinen von -SULZBERGER & GRAF in Frauenfeld in der Schweiz, später von König & -Bauer, ISERMANNS Hobelmaschine, BROCKHAUS' Zifferndruckmaschine und -Farbereibmaschine, H. ZIMMERMANNS und F. G. WAGNERS und B. AUERBACHS -Numeriermaschine, A. FOMMS und KARL KRAUSES Schneidemaschinen, BRENDLER -& HARLERS Perforiermaschine, HANSENS mechanischer Ausleger u. v. a. -J. F. KLEIN in München liefert eine Kontrolle-Billetmaschine, die -von endlosen Streifen 150 Stück in der Minute druckt und numeriert. -Eisenbahnbilletmaschinen lieferten ferner KARIG in Wien und G. GÖBEL -in Darmstadt. Solche Maschinen schneiden das Papier, drucken den Text, -die laufende Nummer, zählen die Exemplare und drucken schliesslich das -Datum darauf. ALBERT & CO. in Frankenthal bauten Signiermaschinen, -A. FICHTNER in Wien Bronciermaschinen, A. MEYER & SCHLEICHER -Graphiteinreibungsmaschinen, B. DONDORF in Frankfurt a. M., FR. HEIM & -CO. in Offenbach und noch viele andere stellten Liniiermaschinen etc. -her. - -[Sidenote: Die Satiniermaschine.] - -Die SATINIERMASCHINE mit zwei Stahlwalzen, zwischen welche Zinkplatten -mit je einem zwischen zwei Platten gelegten Bogen unter starkem Druck -gezogen wurden, hielt sich trotz aller Inkonvenienzen lange. Erst in -letzterer Zeit wurde sie durch Satinierwerke mit zwei Hartgusswalzen -und zwei äusserst harten und sehr glatt gedrehten Papiermassewalzen, -welche durch den stärksten hydraulischen Druck eine völlig harte Masse -geworden, abgelöst. Das Papier geht einen S-förmigen Weg und kommt somit -von beiden Seiten mit den Stahlwalzen in Berührung. Schaber und Wischer -halten die Walzen rein und stählerne Abstreifer verhindern das Ankleben -des Bogens an die Walzen. Zuerst wurden sie nur mit einer Stahl- und -einer Papierwalze gebaut, da jedoch die Seite des Papiers, welche mit -der Papierwalze in Berührung kam, weniger glatt wurde, so musste das -Papier zweimal umschlagen und nochmals eingelegt werden; was nun durch -das doppelte Walzenpaar unnötig geworden ist. - -Obwohl die Papierwalzen ausserordentlich hart sind, so hinterlassen -doch die kleinen Knoten und Unreinheiten des Papiers nach und nach -Eindrücke, die von Zeit zu Zeit durch Leerlaufenlassen der Massenwalze -an die Stahlwalze oder durch Abdrehen beseitigt werden müssen. Diese -Satinierwerke werden namentlich von W. F. HEIM & CO. in Offenbach[201] -und C. G. HAUBOLD in Chemnitz gebaut; KARL KRAUSE in Leipzig liefert -sie auch mit sechs Cylindern, zwei von Stahl und vier von Papier. -Auch F. SCHLOTKE machte sich durch Anfertigung von Satiniermaschinen -bekannt. W. SCHROEDER & CO. in Leipzig fertigen Satinierwerke, bei -welchen die Massenwalzen mit einem Stahlblech umzogen werden, wodurch -die vollkommene Glattheit der Stahlwalze sich mit der Elastizität der -Massenwalze verbindet[202]. Die Werke von W. R. SCHÜRMANN in Düsseldorf -haben zwei Hartgusswalzen, die nicht ganz cylindrisch geschliffen sind, -damit der ausgeübte Druck sich ganz gleichmässig verteilt[203]. - - [201] Journ. f. B. 1877, Nr. 13. - - [202] Journ. f. B. 1881, Nr. 3. - - [203] Journ. f. B. 1881, Nr. 45. - -Für das heisse Satinieren nach dem Drucke lieferten C. G. HAUBOLD JUN. -in Chemnitz und W. F. HEIM in Offenbach Werke, die mit günstigem Erfolg -1000-1600 Exemplare in der Stunde satinieren und nur zwei Personen zur -Bedienung gebrauchen[204]. - - [204] Journ. f. B. 1879, Nr. 19. - -Unter den Utensilienfabrikanten nehmen SCHELTER & GIESECKE, A. -HOGENFORST und ALEX. WALDOW in Leipzig einen bedeutenden Platz ein. -KLIMSCH & CO. in Frankfurt a. M. haben durch ihr »Adressbuch für -Buch- und Steindruckereien« und durch ihren »Allgemeinen Anzeiger -für Druckereien« Verdienste um die Erleichterung des Verkehrs -und berücksichtigen mit ihrem Utensilien-Geschäft namentlich -Steindruckereien, ebenso G. E. BAUMANN in Berlin; GURSCH & KLEMM in -Berlin liefern Giesserei-Werkzeuge. In Stuttgart wirken STOFFLER & BACKÉ. - - * * * * * - -[Sidenote: Die Farbefabrikation.] - -Nachdem die Buchdruckereien aufgehört hatten, selbst ihre Farbe zu -bereiten, und grössere Anforderungen an den Druck gestellt wurden, -war Deutschland, was die feinere, namentlich die Illustrationsfarbe -betraf, dem Ausland, vorzüglich England, tributpflichtig geworden, und -noch bis in die vierziger Jahre hinein waren Parson, Lawson u. a. die -Hauptlieferanten für den deutschen Markt. Um diese Zeit fingen jedoch -namentlich JUL. HOSTMANN in Celle und GEBR. JÄNECKE & FRIEDR. SCHNEEMANN -in Hannover an, ihre Fabrikation durch rationellen Betrieb in die Höhe -zu bringen. Kostete es anfänglich auch grosse Mühe, durchzudringen, so -kam es doch so weit, dass der deutsche Fabrikant nicht allein auf dem -deutschen Markte siegreich blieb, sondern auch im Auslande sich geltend -machte. Nicht ohne grosse Bedeutung ist es, dass auf der Weltausstellung -in Melbourne die letztgenannte deutsche Fabrik die goldene Medaille -erhielt, während der berühmten Firma A. B. Fleming & Co. in Leith (S. -72) nur der dritte Preis zufiel. - -[Sidenote: Teigfarben.] - -Von älteren und jüngeren Fabriken sind zu nennen: FISCHER, NAUMANN & CO. -in Ilmenau, J. BRÖNNER in Frankfurt a. M., KAST & EHINGER in Feuerbach -bei Stuttgart, ROBERT GYSAE in Oberlössnitz bei Dresden, J. E. BREIDT in -Hammerling in Nieder-Österreich, FRIEDR. WÜSTE in Pfaffenstetten, FREY & -SENING in Leipzig. Letztere brachten auch die sogenannten Teigfarben in -Aufnahme, die sich jahrelang geschmeidig erhalten und vor der Verwendung -nur eines leichten Anreibens unter Zusatz der nötigen Quantität von -Firnis bedürfen; es ist dies eine sehr beachtenswerte Neuerung für -Buchdruckereien, die nicht regelmässig mit bunten Farben arbeiten. - -[Sidenote: Die Kopierfarbe.] - -Nicht unwichtig war die Einführung der Kopierfarbe, denn diese macht -es möglich, die mit solcher Farbe vorgedruckten Blanketts zusammen mit -dem mittels Kopiertinte Hineingeschriebenen später zu kopieren, was -besonders in dem ganzen Frachtverkehr von grossem Werte ist. - -[Sidenote: Surrogate.] - -Versuche, Farbe aus billigeren Stoffen, z. B. aus dem Saturationsschlamm -der Zuckerfabriken, aus den tanninschwarzhaltigen Lederabfällen zu -bereiten, sowie, eine abwischbare Farbe herzustellen, so dass Makulatur -wieder in weisses Papier umzuändern wäre, haben alle für die Praxis -keinen Wert gehabt. Mit der Farbefabrikation ist öfters die der -sogenannten englischen Walzenmasse (S. 71) verbunden. - -[Illustration] - - -[Illustration] - - XII. KAPITEL. - - DAS ZENTRUM DER GERMANISCHEN GRUPPE. - - J. G. I. Breitkopf, seine Reformen, der Musiknotendruck vor Breitkopf - und dessen Verbesserungen, Breitkopf & Härtel. G. J. Göschen. Friedr. - Arnold Brockhaus und seine Nachfolger. B. G. Teubner. Karl Tauchnitz. - Fr. Nies und seine Nachfolger. B. Tauchnitz. Das Jubelfest 1840. - Giesecke & Devrient. Das Bibliographische Institut. Verschiedene - Offizinen Leipzigs. -- Dresden: Meinhold & Söhne u. a. -- Halle: - Waisenhausdruckerei, Schwetschke & Sohn. -- Weimar: Hofbuchdruckerei. - -- Gotha: Just. Perthes. -- Braunschweig: Vieweg & Sohn, G. - Westermann, Dr. Heinrich Meyer und das Journal für Buchdruckerkunst. - -[Sidenote: J. G. I. Breitkopf.] - -Ziemlich gleichzeitig mit dem Begründer der nationalen Grösse -Deutschlands, Friedrich II., und mit den Bahnbrechern des nationalen -Kultur- und Kunstlebens: Lessing, Klopstock, Gellert, Kant, Just. Möser -und Winckelmann wurde der Reformator der deutschen Typographie JOHANN -GOTTLOB IMMANUEL BREITKOPF am 23. November 1719 in Leipzig geboren, -welches nunmehr unter der Führung Breitkopfs und anderer tüchtiger -Gesinnungsgenossen die Stellung als Vorort der deutschen Typographie -behaupten sollte[205]. - - [205] K. G. HAUSIUS, Biographie J. G. I. Breitkopfs. Leipzig 1794. -- - Dr. O. HASE, Breitkopf & Härtel, 1883. - -Breitkopf war ein Sohn des rühmlichst bekannten Bernh. Christoph -Breitkopf (I, S. 149). Von Natur sehr aufgeweckt und geistig begabt, -hatte er keine Neigung, dem Wunsche des Vaters gemäss, sich der -Buchdruckerei zu widmen, dagegen zog es ihn unwiderstehlich zu den -Studien hin. Der Kampf zwischen dem Vater und dem Sohne schloss mit -einem Kompromiss, wozu beide, und Gutenbergs Kunst dazu, sich nur Glück -wünschen konnten: Johann Immanuel sollte sich sowohl den Studien, als -dem Geschäft widmen. - -[Sidenote: Seine Ausbildung.] - -[Sidenote: Breitkopf und die Fraktur.] - -Er legte sich nun mit grossem Eifer auf die Wissenschaften und versuchte -sich auch schriftstellerisch. Grossen Einfluss auf seine Ausbildung -übte Gottsched. Erst in späterer Jugend machte sich die Lust an der -Mathematik, der er später einen grossen Teil seines Ruhmes verdanken -sollte, bei ihm geltend. Das Werk Albrecht Dürers »Unterweysung -der Messung mit dem Zirkel u. s. w.« fiel ihm in die Hände. Die -mathematische Berechnung der Schriftverhältnisse interessierte ihn, und -nun war er für die Typographie gewonnen. Er ging an das Vergleichen mit -den alten Drucken und fand, wie die sich immer mehr verschlechternde -Form mit dem Verfall der Schönschreiberei in Verbindung stand. Mit -grossem Eifer fing er an die Buchstaben mathematisch zu berechnen. Er -sammelte emsig alle Musterschriften und Werke über Schriftenkunde und -begann nun seine Reformen, namentlich arbeitete er unablässig für die -Verbesserung und Verschönerung der Frakturschrift. Die Gründe, die ihn -bewogen an dieser festzuhalten und seine Anstrengungen der Regeneration -derselben zu widmen, hat er später in einer Schrift: »Über Bibliographie -und Bibliophilie« (1793) entwickelt. Seiner Ansicht nach wäre die -deutsche Schrift der lateinischen unbedingt vorzuziehen; sie eigne -sich selbst für Transkription fremdländischer Werke, als hebräischer -und arabischer, besser als die Antiqua. Nur die Verachtung, welche -die Gelehrten der deutschen Schrift bewiesen, trage die Schuld, dass -dieselbe nicht eben so verbessert und verschönert worden sei, wie die -allgemein beliebte lateinische. Es bedürfe aber nur der Aufmunterung, -um die Künstler zu veranlassen, unter Zugrundelegung der Schöfferschen -Muster, oder der Theuerdank-Type eine Frakturschrift zu schaffen, welche -der schönsten Antiquaschrift die Wage halte. - -So lautete der Ausspruch Breitkopfs und er ging nun auch daran, seiner -Ansicht praktische Geltung durch eine verbesserte Frakturschrift zu -verschaffen, welche zuerst in: »Einige Lieder für Lebensfreuden« -angewendet wurde, während die neue Antiqua zuerst in Forbigers Ausgabe -des »Catull« zum Abdruck gelangte. - -Wäre Breitkopf der Fraktur abhold und ein eifriger Freund der -Antiqua gewesen und hätte er letztere zu einer Zeit, wo man anfing -sich nach schön gedruckten Büchern zu sehnen, zum Gegenstand seiner -reformatorischen Pläne gemacht, so hätte möglicherweise die Frage: -»Antiqua oder Fraktur« unter seiner Autorität längst eine Entscheidung -im Sinne der Vertreter der Antiqua gefunden. Denn damals lag die -Angelegenheit weit einfacher als heute, wo sie bei der Mehrzahl der -Gegner der Antiqua weit eher eine nationale Gefühlssache als eine Frage -der Zweckmässigkeit und der Schönheit geworden ist. - -[Sidenote: Der Musiknotendruck.] - -Einen ganz wesentlichen Anteil an dem Weltruhm Breitkopfs haben seine -Verbesserungen des typographischen Musiknotendrucks. Der Umstand, -dass die Buchdruckerkunst gleich bei ihren ersten Erzeugnissen auf -die Bedürfnisse der Kirche geführt wurde, musste die Gedanken auf -den Notendruck richten; doch war die Technik damals nicht so weit -vorgeschritten, dass man an die Überwindung der durch die Verbindung -des Druckes der horizontalen Linien und der vertikalen Notenzeichen -entstehenden Schwierigkeiten denken konnte. Man musste deshalb beim -Drucken des Textes Raum lassen, für die nachträglich einzuschreibenden -Noten. Später wurden Linien und Text rot gedruckt, die Choralnotenköpfe -eingezeichnet, teilweise auch mit der Hand durch Stempel einzeln -aufgedruckt oder das Ganze in Holz geschnitten. Das erste mit -Holzschnitt-Choralnoten gedruckte Buch ist das bei Hans Froschauer in -Augsburg erschienene _Lilium Musicae planae_ des Michael Kiensbeck aus -dem Jahre 1473. Die ersten Proben von Figuralmusik in Holzschnitt kommen -in einem Werke des Nic. Burtius vor, gedruckt von Hugo de Rugeriis in -Bologna 1487. - -[Sidenote: Noten in Holzschnitt.] - -Solche in Holz geschnittene Noten wurden noch benutzt, nachdem das -Verfahren mittels beweglicher Choralnotentypen zu drucken erfunden -war, z. B. in den Liederbüchern Luthers. Wann und wo der Versuch mit -letzteren zuerst geschah ist nicht zu ermitteln, denn das Verfahren -wurde ziemlich gleichzeitig an vielen voneinander sehr entfernten Orten, -z. B. um das Jahr 1488 in Basel, geübt. - -[Sidenote: Oct. dei Petrucci.] - -Hat es nun auch Choralnotentypen vor der Erfindung des typographischen -Druckes der Figuralmusik gegeben, so ist es doch unzweifelhaft, dass -letzterer eine Erfindung des OCTAVIANO DEI PETRUCCI aus Fossombrone -war[206]. Dieser, von edlen jedoch armen Eltern geboren, kam als -Buchdrucker nach Venedig. Im Jahre 1498 erhielt er seitens des Senates -ein Patent auf Druck von mehrstimmiger Musik für »Gesang und Laute«, -dem später ein ähnliches des Papstes Leo X., datiert 1513, folgte. Sein -erster Notendruck war _harmonice musices Odhecaton_ 1501. Er entwickelte -eine so grosse Thätigkeit, dass er bereits in den Jahren 1501-1507 -zwanzig verschiedene Werke gedruckt hatte. Unvermögenheit veranlasste -ihn den Betrieb seiner Druckerei den thätigen Buchhändlern Amad. Scotti -und Nic. da Raphael zu überlassen. - - [206] FR. CHRYSANDER, Abriss einer Geschichte des Musikdruckes von XV. - bis zum XIX. Jahrhundert. In der Allg. Musik. Ztg., 1879, No. 11 - u. ff. -- ANT. SCHMID, Ottaviano dei Petrucci da Fossombrone. - Wien, 1845. - -[Sidenote: Petruccis System.] - -Petruccis System war auf Doppeldruck gegründet. Die Linien bestanden -aus Stücken in der Grösse der Formatbreite. Die Noten wurden für sich -gesetzt und auf die Linien gedruckt. Die Genauigkeit der Typen ist eine -grosse und der Druck, besonders der Linien, ein vorzüglicher. In allen -Ausgaben Petruccis sowie seiner Nachfolger für lange Zeit wurden die -einzelnen Stimmen für sich meist nebeneinander gedruckt, für den Druck -von Partitur-Ausgaben war man damals technisch noch nicht weit genug -fortgeschritten. - -[Sidenote: Andere Notendrucker.] - -Den Druck mit Typen, in welchen jedes der Notenzeichen zugleich mit -einem Stück des Liniensystems verbunden war, so dass nur ein Druck -notwendig und die Schwierigkeit des Passens der Formen umgangen ward, -führte ERHARD OEGLIN in Augsburg zum erstenmale vor in: _Melopoiae -sive Harmoniae tetracenticae_ 1507. Peter Schöffer in Mainz übte das -Verfahren 1511. - -[Sidenote: Pierre Hutin.] - -In Frankreich schnitt der Graveur und Drucker PIERRE HUTIN 1527 die -ersten derartigen Noten, mit welchen PIERRE ATTAIGNANT in Paris und -TYLMAN SUSATO in Antwerpen druckten. Bei allen diesen Versuchen waren -die Notenköpfe noch eckig. Von diesen wurde zum erstenmale in den -Werken des päpstlichen Kapellmeisters ELEAZAR GENET genannt CARPENTRAS -abgewichen. Als der genannte in seinen alten Tagen in Avignon seine -Kompositionen drucken lassen wollte, veranlasste er STEPHAN BRIARD aus -Bar-le-duc, Typen, welche die Handschrift nachahmte, zu schneiden. -JEAN DE CHANNAY in Avignon druckte damit 1532 das erste _Liber primus -Missarum Carpentras_. Die Neuerung fand jedoch keine Folge. - -Venedig blieb lange Zeit das Zentrum für den Musiknotendruck und den -Musikalienverlag. Die bedeutendste Firma war die der Familie GARDANO, -die von 1536 ab bis tief in das XVIII. Jahrhundert blühte und die Werke -Palästrinas verlegte. - -[Sidenote: Notendruck in Deutschland.] - -In Deutschland wurden nicht nur Originale gedruckt, sondern auch alles -»Gangbare« des Auslandes nachgedruckt. HIERONYMUS FORMSCHNEIDER schnitt -gute Notentypen. Der bedeutendste Notendrucker des XVI. Jahrh. war ADAM -BERG in München, Verleger der Werke Orlando Lassos. Fast alle seine -Drucke, bei denen er die Unterstützung des musikliebenden Herzogs von -Bayern genoss, sind Prachtausgaben in Folio. Sein Hauptwerk ist das: -_Patrocinium musices_ aus 1573. Als das bedeutendste Werk aus dem XVI. -Jahrhundert muss das von NIC. HEINRICH in München gedruckte _Magnum opus -musicum_ genannt werden. In dem XVII. Jahrhundert war namentlich GIMEL -BERGEN in Dresden thätig. - -[Sidenote: Frankreich.] - -In Frankreich lieferte GUILLAUME LE BÉE um 1550 vollkommenere Noten als -die Hutins, deren sich ROB. BALLARD und dessen Schwager ADRIAN LE ROY -bedienten. Die Familie Ballard, welche die Noten le Bées für die hohe -Summe von 50000 Livres erwarb, war die bedeutendste Musikfirma nicht nur -in Frankreich und erwarb sich namentlich durch die Herausgabe der Werke -Lullys Weltruf. Sie druckte die Partituren fast aller französischen -Opern und hielt sich beinahe 200 Jahre in Ansehen. - -Englands Anteil an dem Musiktypendruck war kein bedeutender. JOHN DAY -wandte um 1560 die verbesserte Methode an. THOMAS ESTE (um 1600) brachte -sehr elegante Drucke. - -[Sidenote: Verfall des Notendruckes.] - -Um 1725 war der musikalische Typendruck, dessen Wesen überhaupt seit -Petrucci wenig fortgeschritten war, ganz in Verfall geraten und der -Kupferdruck hatte dessen Platz eingenommen. Als letzte bedeutende -Erscheinung können die in Venedig bei DOMENICO LOVISA in acht, mit -allem, damals zugebote stehenden Luxus ausgeführten Foliobänden -gedruckten Fünfzig Psalmen von Benedetto Marcello bezeichnet werden. -- - -Aus dem Gesagten geht hervor, dass es unrichtig ist, wenn Breitkopf, -wie es gewöhnlich geschieht, als Erfinder des typographischen -Notendruckes genannt wird, dagegen bleibt ihm, was ihm wieder von -verschiedenen Seiten streitig gemacht worden ist, die Ehre, dem -typographischen Notendruck eine solche Gestaltung gegeben zu haben, -wie er sie noch heute hat. Die Bedeutung dieser That würde eine noch -grössere Tragweite haben, wenn nicht die Erfindung der Lithographie -und der lithographischen Schnellpresse in dem Notendruck und dem -Musikalienverlag eine gewaltige Umwälzung zur Folge gehabt hätte. - -Am allertiefsten fast stand vor Breitkopf der Notendruck in Leipzig; -selbst die Arbeiten sonst verdienter Männer als WOLFG. STÖCKEL und ABR. -LAMBERG sind äusserst mangelhaft. Die Kolumnen sahen mit ihren unendlich -vielen, jämmerlich zusammengesetzten Linienstücken vollständig gequirlt -aus. - -[Sidenote: Breitkopfs Noten.] - -Da erschien im Jahre 1755 bei Breitkopf »Sonnet auf das Pastorell _Il -trionfo della fedelta_«, ein Versuch, der bereits wenig zu wünschen -übrig liess, doch ist die umfangreiche (283 S. in qu. fol. umfassende) -Tondichtung der Kurfürstin Marie Antonie von Sachsen _Il trionfo della -fedelta_ selbst noch geeigneter, die Vorzüge von Breitkopfs Leistungen -ins helle Licht zu setzen. In der Schlussschrift heisst es: »_Stampato -in Lipsia; nella stamperia di Giov. Gottlob Immanuel Breitkopf, -Inventore di questa nuova maniera di stampar la Musica con Carratteri -separabili e mutabili. E questo Dramma Pastorale la prima opera stampata -di questa nuova guisa; comminciata nel Mese di Luglio 1755, e terminata -nel mese d'Aprile 1756_[207]«. - - [207] Über diesen sowie über die sonstigen Musikdrucke Breitkopfs - vergl. LORCK, »Der Buchhandel und die graphischen Künste auf der - Kunstgewerbe-Ausstellung zu Leipzig 1879«. Sep. Abdr. aus dem - Börsenbl. f. d. d. B. - -Der bewegliche Geist Breitkopfs liess ihn jedoch nicht bei solchem Siege -Beruhigung fassen, sondern trieb ihn ein Feld zu bebauen, wobei man zwar -volle Gelegenheit hat, seine Fähigkeiten zu bewundern, jedoch nicht ohne -eine Beimischung des Bedauerns, dass dieselbe so unfruchtbaren Arbeiten -zugewendet wurden. - -[Sidenote: Landkartensatz.] - -Zuerst wollte er die Herstellung der Landkarten der Buchdruckerei -zuweisen. Die Berechnung aller der wellenförmigen Linien der -verschiedensten Art für Terrainzeichnung; die Notwendigkeit, die -Schrift kreuz und quer nach allen Richtungen hin zu setzen; kurz, -alle die Schwierigkeiten, die eine Kartenzeichnung darbietet, machen -die typographische Ausführung, wennauch nicht geradezu unmöglich, -doch so schwer, dass die Kosten sich nicht in der Praxis erschwingen -lassen. Dies fühlte wohl Breitkopf bald selbst, wie aus seiner 1777 -herausgegebenen Broschüre: »Über den Druck der geographischen Karten« -hervorgeht, und die darin enthaltenen Proben würden überhaupt kaum an -das Tageslicht getreten sein, wenn er sich nicht von dem sein Ehrgefühl -verletzenden Verdacht hätte reinigen wollen, dass er mit seiner -Erfindung später als Haas in Basel mit der seinigen gekommen sei. - -[Sidenote: Satz figürlicher Gegenstände.] - -Diesem Verdacht tritt er mit Entrüstung entgegen und kritisiert -streng den Haasschen Versuch, den er »mehr ein _opus musivum_ als -_typographicum_« nennt, »mit Thon und gekautem Papier nachgeholfen, wie -man dergleichen schon längst in der Druckerei kennt« (vgl. Kap. XIV). In -demselben Jahre folgte noch »Die Beschreibung des Reichs der Liebe« mit -einer Karte; 1799 »Der Quell der Wünsche« ebenfalls mit einer Karte, die -beide als eine glückliche Lösung seiner Aufgabe nicht betrachtet werden -können. Immerhin ist Breitkopfs typographischer Scharfsinn doch sehr zu -bewundern, und seine kartographischen Versuche bleiben typographische -Reliquien von hohem Wert. Der Satz, der noch heute erhalten ist, -beseitigt jeden Verdacht, als sei durch Feile, Messer, unregelmässigen -Ausschluss oder in anderer Weise nachgeholfen; alle Stücke sind streng -systematisch und einfach, wie in jedem anderen Satz, an einander gereiht. - -[Sidenote: Chinesische Schrift.] - -Obgleich Breitkopfs klarer Verstand ihm sagte, dass er auf diesem Wege -keine grossen praktischen Erfolge erzielen würde, so veranlasste ihn -doch sein etwas hartnäckiger Charakter, sogar noch weiter zu gehen: er -wollte es noch möglich machen, Porträts mit Typen herzustellen. Die -Strichlagen des Kupferstechers liessen ihn glauben, durch parallel -laufende Linienstücke das Ziel erreichen zu können. Seine Proben hat -er nicht veröffentlicht, wer aber die neuesten Arbeiten Moulinets und -anderer Meister in diesem Genre kennt, kann sich leicht von dem, was -erreicht werden konnte, ein ungefähres Bild machen. Zwar gehören alle -solche Versuche den Gebieten des an und für sich Unpraktischen an, wir -können sie dennoch so wenig wie die späteren Stigmatypien Fasols als -wertlos für die Fortbildung der Typographie bezeichnen. - -Die Beschaffung des chinesischen Satzes mit beweglichen Lettern war -eine der Aufgaben, die sich die Typographie gestellt hatte. Sowohl die -französische als die päpstliche Regierung hatten darauf viel Geld unnütz -verwendet. Die grosse Anzahl der Schriftzeichen machte die Anfertigung -der Typen kostspielig und die Ähnlichkeit der Charaktere unter einander -den Satz zu einem äusserst schwierigen. Indes, Breitkopf löste seine -Aufgabe und sandte sofort eine allerdings nicht sehr ansprechende, im -J. 1789 der Öffentlichkeit übergebene Probe an den Papst, der ihm durch -den Kardinal Borgia in sehr schmeichelhaften Ausdrücken danken liess. -Aber auch bei dieser Erfindung unterblieb die praktische Ausbeutung. Ein -holländischer Verleger unterhandelte zwar mit Breitkopf über das Setzen -eines chinesischen Textes in Leipzig, die Verhandlungen führten aber -nicht zu einem Resultate. - -[Sidenote: Typographische Ornamentik.] - -Nun wollte Breitkopf auch mathematische Figuren mit beweglichen Typen -setzen, ein Gedanke, der bei der Billigkeit des einfachen Holzschnittes -keine grossen Erfolge in Aussicht stellen konnte und auch nicht zur -Verwendung kam. - -[Sidenote: Schriftgiesserei.] - -Schliesslich wendete er seine Aufmerksamkeit darauf, die Verzierungen, -die nach und nach den höchsten Grad von Ungeschmack erreicht hatten, -durch geschmackvollere zu ersetzen. Zu diesem Zweck liess er gute ältere -Vorbilder nachahmen und in Holz schneiden. - -Auch das Giessen und das Drucken haben ihm Verbesserungen zu verdanken. -Seine Giesserei war wegen der Vortrefflichkeit der Metall-Legierung -berühmt. Einen Beweis für die Güte liefert die Reinheit der Abdrücke, -die nach Verlauf von hundert Jahren von dem vorhandenen Landkartensatze -gemacht wurden. Die Giesserei arbeitete mit vierzig Leuten und zwölf -Öfen und sandte ihre Schriften nach allen Ländern der Welt. Dagegen -misslangen eine von ihm angefangene Spielkartenfabrik und eine -Tapetenfabrik, obwohl die Muster von dem besten Geschmack zeugen. -Breitkopf war eben ein Erfinder, nicht aber in gleichem Masse für die -pekuniäre Ausbeutung der Erfindungen geschaffen. - -[Sidenote: Sittliche Reformen.] - -Einem so feingebildeten Mann wie Breitkopf konnten die handwerksmässigen -Roheiten, die mit der Lossprechung eines Lehrlings verbunden waren -(I, 165), selbstverständlich nicht zusagen. Er schaffte deshalb die -bei solchen Gelegenheiten üblichen scenischen Aufführungen ab und -beschränkte sich darauf, den symbolischen Sinn der Marterwerkzeuge -erklären zu lassen und in einer sinnigen Rede den Losgesprochenen -über seine Rechte und Pflichten zu belehren. Solche Änderungen -und Neuerungen, die auf das Beschränken der Völlerei und des -Feierabendmachens abgesehen waren, fanden jedoch begreiflicherweise -keine Gnade bei den Gehülfen, und man ging anfänglich so weit, die bei -Breitkopf Ausgelernten nicht für voll anerkennen zu wollen, doch bahnten -sich Vernunft und Sitte schliesslich ihren Weg. - -[Sidenote: Schriftstellerische Arbeiten.] - -Wie viele seiner technischen Pläne und Experimente, so blieben auch -manche seiner schriftstellerischen Arbeiten nur Entwürfe. Um seinen -Hauptplan, eine grossartig angelegte Geschichte der Buchdruckerei -gründlich durchführen zu können, hatte er mit vieler Sorgfalt und -mit grossen Kosten eine Bibliothek von Werken über Buchdruckerkunst -und Proben von den Leistungen derselben gesammelt. Durch eine Reihe -von Jahren legte er Kollektaneen an, hatte auch einige Partien des -Werkes ausführlicher ausgearbeitet. 1779 erschien seine Broschüre -»Über die Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst«, welche den -breit angelegten Plan seines Werkes entwickelte. Es folgte dann 1784 -einer der durchgearbeiteten Abschnitte: »Versuch über den Ursprung -der Spielkarten«. Erster Teil. Der zweite Teil wurde nach Breitkopfs -Tode von J. C. F. Roch 1801 herausgegeben, welcher in der Vorrede -darüber klagt, dass die hinterlassenen Notizen Breitkopfs nicht -derart beschaffen seien, dass eine grössere Ausbeute daraus erwachse. -Breitkopfs reger Geist führte ihn während der Arbeit immer weiter; die -Noten überwuchern den Text. Er wollte alles, was ihn interessierte, -auch ausführlicher bearbeiten, und so haben wir zu bedauern, dass wir -nur einige, wenn auch sehr wertvolle Bruchstücke erhielten, statt -einer vollständigen, noch heute nicht vorhandenen Geschichte der -Buchdruckerkunst, die zu schreiben er, wie kaum ein zweiter, fähig -gewesen wäre, wenn er nur die Kunst, sich zu beschränken, besser -verstanden hätte. - -[Sidenote: Breitkopfs Tod.] - -[Sidenote: Breitkopf & Härtel.] - -[Sidenote: R. Härtel] - -[Sidenote: Dr. H. Härtel [+] 5. Aug. 1875.] - -Breitkopf starb am 28. Jan. 1794 und hinterliess seine Buchdruckerei -als eine der am reichsten ausgestatteten wenn nicht gar als die -reichste der Welt. Sie besass gegen 400 verschiedene Schriftgattungen, -16 Sorten Noten, einen grossen Vorrat von Vignetten und beschäftigte -120 Arbeiter. Das Geschäft wurde von dem Sohne CHRISTOPH GOTTLOB -fortgeführt, der sich im Jahre 1796 mit GOTTFRIED CHRISTOPH HÄRTEL -assoziierte. Die jetzige Firma BREITKOPF & HÄRTEL datiert aus dem -Jahre 1798. Härtel war zwar kein gelernter Buchdrucker, stand jedoch -dem Geschäft in vortrefflichster Weise vor. Er liess durch Schelter -griechische Typen nach Bodoni und Antiquaschriften nach Levrault -schneiden und gründete auch eine Steindruckerei (1805). Nach dem Tode -Härtels (am 25. Juli 1827) trat zuerst der jüngere Sohn RAYMUND HÄRTEL, -später (1835) der ältere Dr. jur. HERMANN HÄRTEL in das Geschäft. -Sie brachten dasselbe, das während ihrer Minderjährigkeit etwas -zurückgegangen war, bald wieder zur alten Blüte. - -Der etwas altersgrau gewordene »goldene Bär« wurde 1867 verlassen und -ein neues immenses Geschäftshaus bezogen, wo es jedoch auch bald zu -eng geworden wäre, hätte die Firma nicht ihre Pianofortefabrikation -aufgegeben. Am 27. Januar 1869 beging das verjüngte Geschäft die -Feier seines 150jährigen ruhmvollen Bestehens. Es arbeitet mit 30 -typographischen und lithographischen Schnellpressen, 18 Handpressen und -gegen 400 Arbeitern. - -Als Musikverleger hält das Haus den alten Ruhm aufrecht. Das bis Ende -1878 ergänzte Musikverzeichnis umfasst in mehr als 15000 Werken das -gesamte Gebiet der Musik, wie auch deren Litteratur und Pädagogik nach -allen Seiten hin vertreten ist. Nach dem Ausscheiden Raymund Härtels im -Jahre 1879 sind seine Neffen W. VOLKMANN und Dr. O. HASE die Chefs des -Hauses. - -[Sidenote: G. J. Göschen * 1752.] - -Auf der Grenze des XVIII. und XIX. Jahrhunderts wirkte GEORG JOACHIM -GÖSCHEN[208], aus Bremen gebürtig. Seine Jugend verbrachte er in -ärmlichen Verhältnissen. Drei Jahre lebte er in einer Pension bei einem -Schullehrer in Arbergen, einem Dorfe bei Bremen, wo der Vater des -bekannten Gelehrten Heinr. Ludw. Heeren Pastor war und Göschen zugleich -mit seinem eigenen Sohne Unterricht erteilte. Nach überstandener Lehre -erhielt er eine Stelle in Leipzig in der Crusiusschen Buchhandlung, die -er 13 Jahre mit Erfolg bekleidete. Dann ging er nach Dessau, wo in ihm -der Entschluss reifte, sich in Leipzig zu etablieren. Das Glück war dem -strebsamen Manne hold, er trat nach und nach in Verbindung mit den -besten Autoren und verschaffte sich rasch einen angesehenen Namen. - - [208] CHR. G. LORENZ, Zur Erinnerung an G. J. Göschen. 4. Grimma 1861. - -Um eine Prachtausgabe von Wielands Werken mit lateinischen Lettern -zu drucken, fasste Göschen den Plan, selbst eine Buchdruckerei zu -errichten, da die vorhandenen Druckereien seine Forderungen nicht -erfüllen konnten. Das war aber in der damaligen Blüte des Innungswesens -keine leichte Sache, da Göschen nicht gelernter Buchdrucker war. Er -musste in seinem Konzessionsgesuche, welches am 4. Mai 1793 bewilligt -wurde, geltend machen, dass er nur »mit lateinischen Lettern nach Didot« -drucken wolle, dass jedoch diese in Leipzig nicht vorhanden wären, und -dass seine Typen noch schöner seien als die von Unger in Berlin, wodurch -Leipzigs Buchdruckerruhm steigen würde; ausserdem wolle er nur für sich -drucken und sogar nur solche Artikel seines Verlages, die Andere nicht -ausführen könnten. Nichtsdestoweniger wurde von seiten der Innung mit -allen Kräften gegen ihn gearbeitet; man hatte wohl das Gefühl, dass ein -Mann von Göschens Geist, wenn er einmal sich der Typographie gewidmet -hatte, nicht bei den »lateinischen Typen nach Didot« stehen bleiben -würde. - -[Sidenote: Prachtausgaben.] - -Er schritt nun an sein grosses Vorhaben, eine Gesamtausgabe von -Wielands Werken zu liefern, die etwas noch nicht dagewesenes sein und -in vier Gestalten erscheinen sollte. Von der Prachtausgabe in 42 Bänden -in 4°, mit Antiqua gedruckt und mit 36 Kupfern geschmückt, kostete -ein Exemplar 250 Thlr. Den 1794 in Leipzig anwesenden Wieland liess -Göschen unter festlichem Gepränge den ersten Band von jungen, Genien -vorstellenden Damen überreichen, während die Muse Wielands Haupt mit -einem Lorbeerkranze schmückte. Auch von Klopstocks Werken wollte Göschen -eine ähnliche Ausgabe veranstalten; sie blieb jedoch unvollendet. -Bedeutende Leistungen seiner Buchdruckerei sind die, ebenfalls nicht -vollständig gewordenen Prachtausgaben des Wolfschen Homer, sowie die -Griesbachsche Ausgabe des Neuen Testamentes. Die Ausstattung aller -dieser Werke ist die prachtvollste und sorgfältigste, ohne jedoch einen -recht befriedigenden Eindruck zu machen. Die Antiquaschriften trafen den -Geschmack des Publikums nicht und auch die griechischen Schriften sind -charakterlos, der Satz des Homer ausserdem unschön weitläufig. - -Um den erwähnten Beschränkungen in seinem Geschäftsbetrieb zu entgehen, -hatte Göschen seine Buchdruckerei nach Grimma verlegt, in dessen Nähe -er das Gut Hohnstädt besass, auf welchem er, 75 Jahre alt, am 5. April -1828 starb. Er hatte bis in sein hohes Alter seine volle Geistesfrische -erhalten und sie durch seine grosse Wirksamkeit als Verleger bethätigt. - -[Sidenote: Fr. A. Brockhaus * 4. Mai 1772, [+] 20. Aug. 1823.] - -Von hervorragender Bedeutung für das Buchgewerbe im allgemeinen, wenn -auch weniger für die Typographie war FRIEDRICH ARNOLD BROCKHAUS. - -[Sidenote: Etablissement in Amsterdam.] - -Sohn eines Kaufmanns in Dortmund, lernte er die Handlung in dem -väterlichen Geschäfte und lag später den Studien ein Jahr lang in -Leipzig ob. Im Jahre 1798 eröffnete er in Verbindung mit zwei Genossen -ein englisches Manufakturwarengeschäft in Dortmund, welches er nach -Trennung von seinen Teilhabern, von welchen der eine einen traurigen -Einfluss auf die ganze Zukunft Brockhaus' üben sollte, 1802 nach -Amsterdam verlegte und 1805 aufgab, um sich einem buchhändlerischen -Geschäft unter der Firma Rohloff & Co. zu widmen, welche Firma 1810 in -Kunst- und Industrie-Comptoir geändert wurde und erst 1814 in F. A. -Brockhaus überging. - -Bei einem Besuche der Leipziger Michaelismesse im Jahre 1808 erwarb -er das begonnene aber ins Stocken geratene Konversations-Lexikon, ein -Unternehmen, welches bestimmend für seine ganze geschäftliche Zukunft -werden sollte. - -[Sidenote: Altenburg und Leipzig.] - -Veranlasst durch den Tod seiner geliebten Frau und durch die -Franzosenherrschaft in Holland siedelte Brockhaus im Jahre 1810 nach -Altenburg über und verkaufte 1811 das Amsterdamer Geschäft an Johannes -Müller. In Altenburg weilte er bis 1817, um dann, nachdem er zwischen -Dresden und Leipzig geschwankt hatte, am letzteren Orte sich bleibend -niederzulassen und das in Altenburg bereits nach grossen Dimensionen -betriebene Verlagsgeschäft in noch grössere Bahnen zu lenken. - -[Sidenote: Das Konversations-Lexikon.] - -Seinen Scharfblick für die Bedürfnisse der Zeit, verbunden mit einer -thatkräftigen patriotischen Gesinnung bekundete er durch viele -Unternehmungen. Der Eckstein des ganzen grossen Gebäudes blieb jedoch -das Konversations-Lexikon. Der Anfang hierzu war bereits um das Jahr -1793 von Dr. Renatus Gotthelf Löbel gemacht. Dieser verband sich -mit einem Advokaten Chr. Wilh. Franke zu der Herausgabe; für die -buchhändlerische Durchführung wurde Aug. Leupold ausersehen. Das Werk -hatte jedoch keinen grossen Erfolg und die Unternehmer verkauften es -an Leupold. Nach vielen Schicksalen kam es noch vor dem Erscheinen des -sechsten (Schluss-) Bandes an Brockhaus, der nun mit seiner gewohnten -Energie an die Vollendung und Umarbeitung ging[209]. - - [209] HERM. FRANCKE, Das Konversations-Lexikon und seine Gründer. - Börsenbl. f. d. d. B. 1873. No. 23. - -[Sidenote: Druckerei.] - -Mehr und mehr fühlte Brockhaus das Bedürfnis über eine eigene Druckerei -disponieren zu können und hatte zuerst den Gedanken, diese in -Altenburg zu errichten, wovon er jedoch zurückkam. Anfang des Jahres -1818 eröffnete er nun eine Offizin mit drei hölzernen Pressen, zu -welchen bald noch weitere vier kamen. Die Innung legte Protest ein, -weil Brockhaus kein gelernter Buchdrucker sei. Da musste sein Freund -Teubner aushelfen und durch Verkauf, Rückkaufsvertrag etc. etc. wurde -es Brockhaus möglich, faktisch seinen Willen durch die Errichtung -einer »zweiten Teubnerschen Buchdruckerei« durchzusetzen, bis der Sohn -Friedrich, der bei Vieweg in Braunschweig gelernt hatte, am 21. Okt. -1820 die Konzession als Buchdrucker erhielt. - -[Sidenote: Die Schnellpresse.] - -Merkwürdig genug, dass ein Mann, begabt mit dem weiten Blick Brockhaus' -und so gewohnt, pekuniäre Schwierigkeiten zu überwinden, sich die -Ehre nehmen liess, als erster die Schnellpresse in Deutschland zur -Anwendung zu bringen; dies um so mehr, als er die Sache scharf ins -Auge genommen hatte und die Wichtigkeit der Schnellpresse vollständig -erfasst hatte, wie aus einer Korrespondenz zwischen ihm und König -& Bauer, die auch ein interessantes Streiflicht auf Königs weiten -Geschäftsblick wirft, hervorgeht[210]. Bereits am 7. November 1818 -wandte er sich an König & Bauer, um Näheres über die Leistungsfähigkeit -der Schnellpresse zu erfahren, indem er betonte, dass 25 Handpressen -nicht imstande gewesen, die Hälfte des Lexikons, fünf Bände in 12000 -Auflage, innerhalb fast eines Jahres zu liefern, und dass die Arbeiter -bei der Einförmigkeit der Arbeit ermüdeten und zuletzthin nur schlechte -Arbeit lieferten. König & Bauer beleuchten in ihrer Antwort, dass 2-3 -Schnellpressen genügen würden, um 25 Handpressen zu ersetzen, und dass -trotz des Anlagekapitals von 15000 Gulden für jede Schnellpresse -grosse Ersparnisse eintreten müssten. Sie machten dabei Brockhaus -einen eigentümlichen Vorschlag, dass er seine Druckerei nach Oberzell -verlegen sollte. Sie hätten noch Raum genug für eine Druckerei von 70 -bis 80 Setzern und die nötigen Maschinen, welche durch Wasser betrieben -werden könnten, auch enorme Trockenböden ständen zur Disposition. Da -das Papier aus Bayern und Franken bezogen werden würde, könnten die -Transportkosten demnach zum grossen Teil gespart werden, ja, sie selbst -gingen mit der Idee um, eine englische Papiermaschine zu bauen, um -gutes Papier zu liefern, »das deutsche Papier«, heisst es, »ist doch -ein Schandartikel, womit kein englischer Buchhändler vor das Publikum -zu kommen sich unterstehen dürfte«. Der Brief schliesst: »Was sagen Sie -zu dieser seltenen Vereinigung von Mitteln für grosse litterarische -Unternehmungen, in einen kleinen Raum zusammengedrängt? Vielleicht -liesse sich zwischen unseren und Ihren Plänen, unseren und Ihren Mitteln -eine Verbindung ausmitteln, die beiden Parteien vorteilhaft wäre«. - - [210] H. E. BROCKHAUS, Friedrich Arnold Brockhaus. Leipzig 1872. II. B. - VI. K. - -Hätte dieser Vorschlag einige Jahre früher gemacht werden können, wer -weiss wozu das geführt haben würde. Jetzt antwortete Brockhaus und zwar -erst nach einem halben Jahre, ablehnend, er wollte die Ausführung seiner -Gedanken die Schnellpresse anzuschaffen seinem Sohne überlassen. - -König liess trotzdem die Sache nicht fallen und machte im Juni 1819 den -Vorschlag, »zu dessen Annehmen offenbar viel weniger Mut gehört, als -Sie Ihren übrigen Unternehmungen nach zu urteilen besitzen«, auf ihre -Kosten zwei Schnellpressen in Leipzig zu Brockhaus' ausschliesslichem -Gebrauch aufzustellen, in Betrieb zu halten und nach 10 Jahren an -Brockhaus unentgeltlich zu überlassen, wenn er auf 10 Jahre hinlängliche -Beschäftigung garantieren wollte und zwar gegen um 25% wohlfeilere -Druckpreise, als sie ihm in seiner eigenen Druckerei zu stehen kämen. -Aber auch diesen Antrag lehnte Brockhaus ab, obwohl er nach seiner -Angabe über fünfzig eigene und fremde Pressen beschäftigte. So kam es -denn, dass Brockhaus' Offizin und Leipzig überhaupt erst 1826, drei -Jahre nach Friedrich Arnolds Tod, in Besitz einer Schnellpresse kam, -welche von den Arbeitern mit Demolierung bedroht wurde, die in Leipzig, -wie anderswo, noch nicht einsehen gelernt hatten, dass sie hiermit nur -gegen ihr eigenes Fleisch und Blut wüteten. - -[Sidenote: Der Verlag.] - -Neben dem Konversations-Lexikon pflegte Brockhaus mit besonderer -Vorliebe den journalistischen Verlag, repräsentiert durch Okens »Isis«, -»Zeitgenossen«, »Leipziger Kunstblatt«, »Hermes« und »Litterarisches -Wochenblatt«, die alle, mit Ausnahme des letzteren, welches noch als -»Blätter für litterarische Unterhaltung« besteht, kein langes Leben -hatten. Auf seinen reichhaltigen sonstigen Verlag kann hier nicht näher -eingegangen werden. - -[Sidenote: Tod Fr. Arn. Brockhaus'.] - -Die angestrengteste Geschäftsthätigkeit, die damit verbundenen -Sorgen, zu welchen sich der bereits angedeutete ärgerliche, immer -wieder auftauchende Streit von Dortmund her kam; seine fortwährenden -Zensurkämpfe namentlich mit der preussischen Regierung; verdriessliche -litterarische Händel, die durch sein heftiges Temperament genährt -wurden; die Not, welche ihm Konkurrenz und Nachdruck des Lexikons -verursachten, rieben seine Kräfte vor der Zeit auf, und brachten ihn um -den ruhigen Genuss seines unermüdlichen Schaffens. Seine Gesundheit war -untergraben. Obwohl im November 1822 dem Tode nahe und bereits allgemein -totgesagt, erholte er sich wieder, unterlag jedoch einem neuen Anfall am -20. Aug. 1823[211]. - - [211] Sein Enkel Dr. Ed. Brockhaus setzte ihm in dem Werke »Friedrich - Arnold Brockhaus, sein Leben und Wirken«. 3 Bde. Leipzig - 1872-1881 ein würdiges Denkmal. Neben der interessanten - und lehrreichen Darstellung hat das Buch das, bei einem so - entstandenen Werke gewiss seltene Verdienst der grössten - Offenheit und einer fast bis zum Äussersten gehenden - Unparteilichkeit, die auch nicht den geringsten Versuch zulässt, - die Schwächen und Fehler des bedeutenden Mannes zu bemänteln. - -[Sidenote: Fr. Brockhaus [+] 15. Aug. 1865.] - -Das umfangreiche verwickelte Geschäft wurde von den jungen Söhnen -FRIEDRICH und HEINRICH BROCKHAUS fortgesetzt. Friedrich hatte, wie -schon erwähnt, die Leitung der Buchdruckerei übernommen, welche 1823 -10 Holzpressen beschäftigte. Im Jahre 1833 wurde eine Stereotypie -eingerichtet, 1836 die Walbaumsche Schriftgiesserei erworben (S. 283). -Friedrich war eifrig bemüht, der Buchdruckerei die Superiorität in dem -in den vierziger Jahren aufblühenden Illustrationsdruck zu sichern, -und scheute keine Opfer, um den Vergleich mit dem Auslande aushalten -zu können. Die ersten epochemachenden illustrierten Werke: Vernets -»Napoleon«, Menzels »Friedrich der Grosse«, die »Illustrirte Zeitung« -wurden unter der Leitung Friedr. Brockhaus' gedruckt, der sich am 1. -Januar 1850 von dem Geschäft zurückzog. - -[Sidenote: H. Brockhaus * 4. Febr. 1804, [+] 15. Novbr. 1874.] - -HEINRICH BROCKHAUS leitete die Buchhandlung. Er war ein mit einer -ausserordentlichen Arbeitskraft und grossem Organisationstalent -begabter Mann von unabhängiger Gesinnung. Am 4. Mai 1872 konnte er -mit Genugthuung den hundertjährigen Geburtstag des Gründers begehen, -denn das Etablissement war in seiner Art eines der vielseitigsten der -Welt und in Wahrheit ein Universalgeschäft geworden, das mehr als 600 -Personen beschäftigte. Der mit grösster Sorgfalt von Heinrich Brockhaus -herausgegebene, 1148 Seiten starke Verlagskatalog verzeichnete damals -bereits 2552 Artikel in 5851 Bänden. Als Teilnehmer waren die Söhne -Heinrichs, Dr. EDUARD und RUDOLF BROCKHAUS, eingetreten. Heinrich -Brockhaus, von der Universität Jena zum Ehrendoktor, von der Stadt -Leipzig zum Ehrenbürger ernannt, starb am 15. November 1874[212]. - - [212] Seine Erlebnisse auf einer grossen Reise in den Jahren 1867-1868 - schilderte Brockhaus in der ihn charakterisierenden schlichten - Weise in seinem »Reisetagebuch«. 2 Bde. 1873. - -Das Konversations-Lexikon bildet immer noch den Mittelpunkt des grossen -Verlags und der Einfluss, welchen dieses jetzt in der 13. Auflage -erschienene Werk auf die allgemeine Bildung geübt hat, ist ein grosser. -Der Bilderatlas zum Konversations-Lexikon, 2. Aufl., ist ein Werk, wie -es nur in einem Universalgeschäft, das über alle Arten der technischen -Herstellungsmethoden gebietet, in solcher Weise durchgeführt werden -konnte. - -[Sidenote: B. G. Teubner * 16. Juni 1784, [+] 21. Jan. 1856.] - -BENEDICTUS GOTTHELF TEUBNER, zu Grosskraussnigk in der Niederlausitz -geboren, hatte noch vor Brockhaus sein später so bedeutendes -Etablissement 1811 mit zwei Holzpressen angefangen. Bereits 1823 -verband er mit seiner Buchdruckerei eine Buchhandlung, die sich durch -ihren philologischen Verlag und korrekte Klassiker-Ausgaben einen -grossen Ruf erwarb. Teubner war eifrigst für einen sorgsamen Druck -bemüht, und hat in dieser Hinsicht wesentliche Verdienste um die -Kunst, auch richtete er sein Streben auf eine, für damalige Zeit nicht -gerade übliche, Eleganz in allen Accidenzarbeiten unter Verwendung des -Guilloche- und Farbendruckes. Die von ihm herausgegebene Jubelschrift -des Dr. K. Falkenstein zeigt, was das Geschäft auf den verschiedenen -Feldern des graphischen Gebietes zu leisten vermochte. Sind diese -Leistungen auch durch die der jüngeren Zeit überflügelt, so waren -sie doch damals bedeutend und die Buchdruckerei Teubners gehörte mit -zu den in der neuern Richtung tonangebenden. Bei seinem Tode waren -sieben Schnellpressen in Gang, auch hatte er in Dresden eine Filiale -gegründet. Die Nachfolger, seine Schwiegersöhne AD. ROSSBACH und -ALBIN ACKERMANN, verliessen die früher eingeschlagene Kultivierung -des Accidenzdruckes und zeichneten sich durch ihren vortrefflichen -Werk- und namentlich durch ihren Zeitungs-Illustrationsdruck aus. -Der grossartige philologische Verlag, aus gegen 2000 Werken in über -3000 Bänden bestehend, wurde unter besonderer Leitung des jetzigen -Geschäftsteilhabers Dr. Aug. Schmitt in kräftigster Weise fortgeführt. -Ohne irgend eine typographische Prätension zu erheben sind unter diesen -Werken unübertroffene und unübertreffliche Drucke, um einen unter -vielen als Beispiel zu nennen _Herodiani reliquiae_ in geradstehender -griechischer Schrift. Die Offizin ist eine der am besten eingerichteten -und grössten Deutschlands, sie arbeitet mit 35 Schnellpressen und gegen -400 Arbeitern, und druckt 18 Zeitschriften. - -[Sidenote: Karl Tauchnitz * 29. Okt. 1761, [+] 14. Jan. 1836.] - -In die Reihe derjenigen verdienten Männer, die als Bahnbrecher der -deutschen Typographie zu bezeichnen sind, gehört als einer der ersten -KARL CHRISTOPH TRAUGOTT TAUCHNITZ. - -Tauchnitz war in Grossbardau bei Grimma geboren. Da er seiner Armut -wegen nicht studieren konnte, ward er 1777 Buchdruckerlehrling und -arbeitete später bei Unger in Berlin. 1792 kehrte er nach Leipzig -zurück. Im Jahre 1797 gelang ihm der Ankauf einer kleinen Buchdruckerei. -Das Geschäft gewann durch Tauchnitz' Fleiss und Akkuratesse an -Ausdehnung. Bereits 1800 konnte er eine Schriftgiesserei und eine -Buchhandlung mit der Buchdruckerei vereinigen. Seine Wirksamkeit muss -namentlich von dem Standpunkte der Verbindung dieser Geschäfte zu einem -ganz bestimmten Ziel beurteilt werden. Dies Ziel war die Herausgabe der -griechischen und römischen Klassiker in guter Ausstattung, grösster -Korrektheit und zu den billigsten Preisen. - -[Sidenote: Die Klassiker.] - -Im Jahre 1808 machte er damit den Anfang. Jedoch ohne das von Lord -Stanhope eingeführte Stereotypverfahren, welches er durch den Engländer -Watts gelernt hatte, wären die oben erwähnten Erfordernisse der -Kollektion schwer zu erreichen gewesen. - -In seinen Bemühungen um die Verbesserung der Antiqua, der griechischen -und der orientalischen Schriften wurde er durch die Schriftgiesser J. G. -Schelter und Matthes unterstützt. - -[Sidenote: Prachtwerke.] - -Seine Leistungen beschränkten sich jedoch nicht auf brauchbare -billige Ausgaben; er lieferte auch Prachtdrucke ersten Ranges und -wissenschaftliche Werke bedeutenden Umfanges. Zu den ersteren gehören -sein Theokrit in Folio (1821); das _Carmen Arabicum Szanicddini -Helensis_ (1816), dessen Originaltext im orientalischen Stil in Gold -und bunten Farben gedruckt ist; die Kuhnsche Hymne an König Friedr. -August von Sachsen. Zu seinen bedeutendsten typographischen Leistungen -zählen noch die arabische Ausgabe des Korans durch Flügel; die Fürstsche -Bearbeitung der Buxtorffschen »Concordanz«, die stereotypierten -hebräischen Bibeln von Hahn u. a. - -[Sidenote: K. Ch. Tauchnitz.] - -Mitten unter Plänen zu neuen wichtigen Unternehmungen rief ihn der Tod -plötzlich ab. Sein Sohn KARL CHRISTIAN PHILIPP, der eine ausgezeichnete -Bildung genossen hatte, setzte das Geschäft, ohne demselben mit der -vollen Neigung des Vaters zugethan zu sein, doch ganz im Sinne des -Verstorbenen fort. Auf Veranlassung der Amerikanischen Mission in Syrien -wurde eine neue arabische Schrift geschnitten, die sich dem Geschmack -der Orientalen gut anpasst, jedoch im Satz grössere Schwierigkeiten -bietet, als die ältere, mit welcher der Koran gedruckt wurde. Die Firma -erlosch durch Verkauf der verschiedenen Geschäftsbranchen. - -[Sidenote: Fr. Nies * 6. Aug. 1804, [+] 16. Juni 1870.] - -[Sidenote: W. Drugulin * 20. Aug. 1821, [+] 20. April 1879.] - -In dem Streben für die Herstellung orientalischer Werke war FR. NIES -aus Offenbach mit Karl Tauchnitz verwandt, wenn auch der letztere -von wissenschaftlichem sowohl als typographischem Standpunkte aus -Idealeres anstrebte. Angeregt namentlich durch den genialen Verleger -W. A. Barth, den Professor M. G. Schwartze und den Paläographen E. F. -F. Beer, später auch durch Professor Seyfarth unterstützt, unternahm -Nies das Wagnis, hieroglyphische Typen in seiner, 1831 angelegten -Schriftgiesserei herzustellen. Die hieroglyphische Schrift bestand aus -etwa 1500 Stücken. Diese in verschiedenen Grössenabstufungen sowohl -nach links als nach rechts gewendet ausgeführten, oft einander sehr -ähnlichen Figuren in ein richtiges Typensystem zu bringen war für damals -wirklich eine That; sie gelang und viele Werke, darunter das Riesenwerk -des Dr. M. G. Schwartze »Das alte Ägypten«[213], zeigen, dass die -Offizin nach damaligen Verhältnissen Bedeutendes leistete. Nies konnte -mit seinen selbstgegossenen Schriften in gegen 300 Sprachen drucken, -vermochte jedoch nicht, sich mit dem Gedanken zu befreunden, heute das -rückhaltlos zu verwerfen, was gestern gut gewesen war, und ermüdete -deshalb unter den erhöhten Ansprüchen der fortschreitenden Wissenschaft -und Technik in seinen Anstrengungen. Das sonst so blühende Geschäft -verödete nach und nach. Im Jahre 1856 übernahm es CARL B. LORCK, der -erst sich mit J. J. Weber zur Ausführung der unter dieser Firma in den -Jahren 1837-1845 erschienenen grösstenteils illustrierten Werke und -Zeitschriften vereinigt hatte. Die Druckerei und Schriftgiesserei wurde -zeitgemäss reorganisiert und vervollständigt. Eine bedeutende Zahl von -orientalischen Werken, besonders für das Ausland gedruckt, verliess in -den Jahren 1856 bis 1868 die Pressen der Offizin. In letzterem Jahre -übernahm sie W. DRUGULIN, welcher die bis dahin fortgeführte Firma Fr. -Niessche Buchdruckerei in W. Drugulin änderte. Lorck gab die »Annalen -der Typographie« (1869-1877) und mehrere Fachschriften heraus[214]. -Drugulin setzte das begonnene Werk im bisherigen Sinne fort. Hatte die -Jury der Pariser Weltausstellung von 1867 bereits erklärt, dass in -Frankreich nur die kaiserliche Druckerei ähnliches prästieren könne, -wie diese Privatoffizin in Leipzig, so wurde nun in der That durch -Drugulins Erwerbungen, unter welchen sämtliche Stempel und Matern der -früheren Karl Tauchnitzschen orientalischen, älteren Renaissance- und -holländisch gothischen Schriften sich befanden, ein Komplex geschaffen, -wie er ausser in den Staatsanstalten zu Wien und Paris sich nicht wieder -vorfindet. Drugulins aussergewöhnlichen Kunst- und antiquarischen -Kenntnisse kamen ihm bei seinen vielen Reproduktionen und Imitationen -von Drucken älteren Stils vortrefflich zu statten. Namentlich ist das -grossartige Werk: »Die Chronik des Sächsischen Königshauses und seiner -Residenzstadt«, ein Geschenk der Stadt Dresden zur Feier der silbernen -Hochzeit des Königs Albert und der Königin Carola, ein Meisterstück -dieser Gattung. Es war jedoch Drugulin nicht beschieden, den Schluss des -Werkes zu erleben. - - [213] Den Satz dieses Werkes von gegen 2200 Seiten in Quart übernahmen, - nachdem verschiedenen Setzern die Geduld ausgegangen war, - ohne vorher ein orientalisches Wort gesetzt zu haben, zwei - Setzerlehrlinge F. Essigke und H. Kauxdorf, deren der Verfasser, - ein gewiss seltener Fall, in der Vorrede in der ehrendsten Weise - gedenkt. - - [214] Als: Die Herstellung der Druckwerke. 4. Aufl. 1883. -- Die - graphischen Künste auf der Wiener Ausstellung 1873; amtlicher - Bericht. -- Die Druckkunst und der Buchhandel in Leipzig. - 1879. -- Geschichte des Vereins der Buchhändler in Leipzig; - Jubelschrift. 1883. - -[Sidenote: Hieroglyphendruck.] - -Die von Nies eingeführten hieroglyphischen Typen wurden zumteil durch -die früher erwähnten eleganteren und kleineren Typen in Umrissen -verdrängt (S. 285), teils hat es in jüngster Zeit den Anschein, als -wollte die Lithographie und speziell die Autographie der Typographie -das Terrain der Ägyptologie streitig machen. Der bedeutende Verlag der -J. C. Hinrichsschen Buchhandlung in Leipzig auf diesem Felde ist fast -durchweg in Autographie hergestellt, z. B. das hieroglyphisch-demotische -Wörterbuch von H. Brugsch-Bey, das 1728 Seiten in kl. Folio umfasst. -Vorausgesetzt, dass der Verfasser es versteht, hieroglyphische Umrisse -korrekt wiederzugeben und sonst leicht leserlich schreibt, ist die -autographische Wiedergabe eine ganz zweckmässige. Wenn mit Typen -gesetzt, würden die Kosten für ein Werk wie das genannte, dessen Absatz -begreiflicherweise nur ein beschränkter sein kann, allerdings kaum -erschwinglich sein; im Interesse der Wissenschaft muss man deshalb die -Besiegung der Typographie durch die Lithographie auf diesem Gebiete mit -Ruhe hinnehmen. - -[Sidenote: B. Tauchnitz.] - -Die Offizin des Neffen des K. Tauchnitz, BERNHARD TAUCHNITZ, erneute den -Weltruf des Namens ebenfalls hauptsächlich durch die konsequente und -grossartige Durchführung eines einzigen Unternehmens, bei welchem jedoch -weniger die typographische als die bibliopolische Bedeutung hervortritt. -Wer kennt nicht die _Tauchnitz Collection_, die Sammlung von Werken -englischer und amerikanischer Autoren, deren Bändezahl jetzt 2000 -übersteigt, die in über 600000 Stereotypplatten vorhanden sind? Wie die -Karl Tauchnitzsche Kollektion auf die altklassische Bildung, so hat das -B. Tauchnitzsche Unternehmen ganz ausserordentlich zur Verbreitung der -englischen Litteratur und Sprache auf dem Kontinent, daneben auch zur -Mehrung des Ansehens des deutschen Buchhandels in England beigetragen. -Der Umstand, dass der Unternehmer den Autoren resp. den Verlegern -zu einer Zeit Honorar zahlte, wo dies noch nicht durch gesetzliche -Bestimmungen geboten war, erwarb ihm sofort die Gunst der genannten, die -er sich zu erhalten verstanden hat. - -Ausser der Sammlung lieferte die Offizin für den Verlag des Besitzers --- für Andere arbeitet sie nicht -- eine Reihe von ebenso gut -ausgestatteten wie durch ihre Korrektheit bekannten bedeutenden Werke, -besonders in juristischer und linguistischer Richtung, unter welchen -beispielsweise die fehlerfreien Logarithmen von Köhler genannt sein -mögen. - -[Sidenote: Andere Firmen.] - -Ausser B. G. Teubner hatten bereits G. H. MARET, WILH. HAACK und -namentlich C. L. HIRSCHFELD in allen Accidenzarbeiten einen sehr guten -Geschmack gezeigt. Letzterer, durch einen längeren Aufenthalt in Paris -tüchtig ausgebildet, verband Stereotypie und Gravieranstalt mit seiner -Buchdruckerei. Im Bunt- und Golddruck leistete er Bedeutendes und das -von ihm 1840 herausgegebene Tableau in etwa zwanzig Farbenplatten, -_Typographia jubilans_, ist eins der bedeutendsten Erzeugnisse der -Jubelpresse. - -[Sidenote: Das Jubelfest 1840.] - -Es dürfte hier, ehe wir zur jüngsten Gestaltung des graphischen -Geschäfts in Leipzig übergehen, der Ort sein, mit einigen Worten des -Jubelfestes 1840 zu gedenken, das sich nicht zu einer Lokalfeier, -sondern zu einem grossen nationalen Feste gestaltete, welches in der -Geschichte der Buchdruckerkunst einen Platz verdient. - -Während im Jahre 1640 fünf Buchdruckereibesitzer mit 14 Gehülfen, im -Jahre 1740 achtzehn Offizinen mit 138 Gehülfen dem Feste beiwohnten, -zeigt die Liste der Beteiligten im Jahre 1840 24 Buchdruckereien mit -232 Handpressen, 11 Schnellpressen und 672 Gehülfen, dazu noch 7 -Schriftgiessereien mit 62 Gehülfen, schliesslich 108 Buchhandlungen mit -121 Gehülfen. Das Kontingent, welches allein das Brockhaussche Geschäft -stellte, betrug mehr als die Gesamtzahl der das Fest von 1740 Feiernden. - -Die Sammlungen der Buchdrucker zu einem Festfond begannen bereits -1837. Die Buchhändler traten 1839 hinzu und die Stadt bewilligte 3000 -Thaler. Das unter den günstigsten Auspizien vorbereitete Fest nahm den -würdigsten Verlauf. - -Bereits am Nachmittag des 23. Juni hatte die ganze Stadt sich festlich -geschmückt. Die Häuser waren mit Guirlanden und Kränzen behängt, Fahnen -wehten und Triumphbogen waren errichtet. - -Früh am 24. durchzog eine grosse Reveille die Stadt. Um 8 Uhr -versammelten sich die anwesenden Kammermitglieder, die königlichen und -städtischen Behörden, die Konsuln, das Offiziercorps, die Geistlichkeit, -die Schulrektoren, die Spitzen der Universität und die Professoren, -die Handlungsabgeordneten, die Obermeister und Beisitzer der Innungen, -schliesslich die Festgeber: Buchdrucker, Schriftgiesser und Buchhändler, -an verschiedenen Orten. Von Deputierten des Festcomités geleitet -begaben sich die einzelnen Züge nach der Thomaskirche zu dem, vom -Superintendenten Dr. Grossmann abgehaltenen Festgottesdienste. Als Text -war gewählt: »Es ward ein Mann von Gott gesandt, der hiess Johannes; -derselbe kam und zeugte von dem Licht«. - -Um 10 Uhr begann der grosse Festzug von dem Gewandhause aus nach -der Buchhändlerbörse, wo die von den Frauen gestiftete Fahne den -Buchdruckern übergeben wurde. Von da ab ging der Zug nach dem -Marktplatze, dessen dritten Teil die amphitheatralische Zuschauer- -und Musiker-Tribüne einnahm. Nach Absingung der von Felix -Mendelssohn-Bartholdy komponierten Festkantate hielt Raymund Härtel eine -begeisterte und zündende Festrede, die mit den Worten schloss: - -»Du Allmächtiger, der du jedem Volke seine Bestimmung zugeteilt hast, -lass unser Jubelfest der Buchdruckerkunst dir ein Dankfest sein für die -hohe Gabe und hilf du selber, dass sie forthin durch menschliche Willkür -weder gemissbraucht, noch verkümmert werde. Ein Jubelfest ist auch ein -Ausruhen von hundertjähriger Arbeit, und das ernste Geschäft des Lebens -verklärt sich zum heiteren Festspiele: Darum öffne sich die Werkstatt -und der alte Meister erscheine mitten unter seinem Feste!« Als dann die -Hülle sank, welche bis jetzt die im Mittelpunkte des Marktes befindliche -Festoffizin mit den arbeitenden Giessern, Setzern und Druckern, weit -überragt von dem kolossalen Gipsabguss der Mainzer Gutenberg-Statue -Thorwaldsens, den Blicken der Menge entzogen hatte, entstand ein -unbeschreiblicher Jubel. Es war ein unvergesslicher Augenblick, der, im -jugendlichen Alter erlebt; noch dem Greise in späten Jahren so lebhaft -in der Erinnerung vorschwebt, als handle es sich um ein Ereignis von -gestern, und den miterlebt zu haben als eine Gunst des Schicksals -betrachtet werden muss. - -Um 3 Uhr fand in der Halle am Augustusplatze ein Festessen statt, an -welchem etwa 3000 Personen teilnahmen. Bei Eintritt der Dunkelheit -bekundete eine glänzende Erleuchtung der Stadt die allgemeine Teilnahme -aller Behörden und Bürger an dem Feste. - -Am 25. vormittags fand eine Versammlung fremder und einheimischer -Gelehrter, Künstler und Buchhändler in der Festhalle statt. Gleichzeitig -wurde in der Buchhändlerbörse eine interessante Ausstellung älterer und -neuerer Druckwerke, Xylographien u. a. eröffnet. Um 3 Uhr füllte die -Aufführung des von Mendelssohn für das Fest komponierten Lobgesanges, -die unter Leitung des Komponisten und unter Beihülfe von über 500 -Sängern und Musikern stattfand, die Thomaskirche. Abends war grosser -Ball von über 4000 Personen in der Festhalle. Die Familien der Beamten, -Professoren, Prinzipale und Gehülfen verkehrten im fröhlichsten -Durcheinander und selbst der eindringende Gewitterregen musste dazu -beitragen, die Heiterkeit zu erhöhen. - -Am 26. vormittags war eine interessante Festvorstellung im -Schauspielhause veranstaltet: Theaterschau von der Erfindung der -Buchdruckerkunst bis auf die neueste Zeit. Um 1 Uhr begannen die -Festzüge der Innungen, sich nach dem Exerzierplatz am Rosenthal, wo -ein echtes Volksfest abgehalten werden sollte, in Bewegung zu setzen. -Der mit Zelten in grosser Zahl, Fahnen, Buden, Caroussels, Tribünen -etc. geschmückte, dicht an den Wald sich lehnende Platz bot mit den -etwa 60000 Anwesenden ein höchst belebtes und anmutiges Bild. Am Abend -ward noch ein glänzendes Feuerwerk abgebrannt. Dann zogen die Innungen -nach und nach wieder mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen nach -der Stadt. Den Beschluss machte der grosse Zug der Festgeber mit 1000 -Fackeln, die unter Gesang und Jubel auf dem Marktplatze zusammengeworfen -wurden. - -Nicht $ein$ Misston hatte das herrliche Fest gestört, welches Leipzig -mit dankbaren und stolzen Gefühlen hatte begehen können, denn es war -zugleich ein Huldigungsfest Leipzigs als Führerin auf dem Gebiete der -Buchdruckerei und des Buchhandels im Vaterlande Gutenbergs geworden. -Dass Leipzig willens ist, seine ehrenvolle Stellung zu behaupten, wird -ein Blick auf die jüngste Vergangenheit und auf den Augenblick zeigen. - -[Sidenote: Giesecke & Devrient.] - -Eine eigentliche Umgestaltung des Geschmacks für das Accidenzfach, das -heutzutage einen so wichtigen Platz einnimmt, ging erst von der Firma -GIESECKE & DEVRIENT aus. Diese, jung an Jahren, reich an Ehren, zeigte, -dass eine Staatsdruckerei nicht notwendig ist, um das zu leisten, was -man von Staatsanstalten verlangt und mit Recht verlangen kann, weil -diese in erster Reihe zu Ehren der Kunst und nicht um eine Existenz zu -begründen arbeiten. - -Die Firma wurde von HERMANN GIESECKE und ALPHONSE DEVRIENT am 1. Juni -1852 begründet, zu einer Zeit, wo der typographische Geschmack und -der Sinn für schöne Accidenzarbeiten namentlich durch Hänel einen -wesentlichen Aufschwung genommen hatte (S. 281). Die genannten waren -Männer, wie sie die Zeit eben verlangte, um dem Geschmack eine bestimmte -Richtung zu geben. Sie haben hierin bedeutende Verdienste und waren -stets redlich bemüht, das Halbgute durch das wirklich Gute zu ersetzen. - -Nach und nach entstand in ihrem Hause eine Reihe von graphischen -Spezialanstalten, die namentlich zur Herstellung der unendlich vielen -Wertzeichen nötig waren, mit deren Anfertigung die Firma nicht nur -von den verschiedenen Regierungen und Geldinstituten Deutschlands -betraut wurde, sondern die ihnen auch aus der Schweiz, Italien, -Holland, Schweden, Finnland, Rumänien und Amerika zuflossen. Es war die -glänzendste Zeit der Gründungen, des Aktien- und Papiergelddruckes, -welcher erst der Krach, dann die Gründung der Reichsbank eine Grenze -setzte. - -[Sidenote: _Codex Sinaiticus._] - -Aber der Ruhm der Firma war nicht allein von diesem höheren -Accidenzdruck abhängig, sondern wurde noch durch hervorragende -Werkdrucke gesteigert. Unter diesen muss einer erwähnt werden, -welcher, wenn auch von kaiserlicher Munifizenz getragen, als eine -der hervorragendsten Leistungen intelligenter Typographen dasteht: -die Reproduktion des von Const. Tischendorf entdeckten _Codex -Bibliorum Sinaiticus_, welche für Rechnung der Besitzerin dieses -Schatzes, der russischen Regierung, ausgeführt wurde. Zuerst wurden -photographische Facsimiles derjenigen unter den einzelnen Buchstaben, -welche dem Herausgeber den Charakter der Handschrift am besten -auszudrücken schienen, veranstaltet, und hiervon zwei Gattungen, -eine grössere für den Text und eine für die Noten, dazu später noch -eine dritte geschnitten. Als es sich jedoch ergab, dass die Abstände -zwischen den einzelnen Buchstaben in dem Original manchmal in einem -anderen Verhältnis zu einander standen als in dem Satz, mussten -verschiedenartige Güsse gemacht oder durch Unterschneiden der einzelnen -Buchstaben nachgeholfen werden. Der Raum der einzelnen Buchstaben -wurde durch Tischendorf nach Millimetern ausgerechnet und die Zahl -solcher an jeder einzelnen Stelle im Manuskript verzeichnet. Nachdem -Tischendorf ferner entdeckt hatte, dass vier verschiedene Kalligraphen -bei dem Codex thätig gewesen waren, mussten eine Menge Ergänzungstypen -geschaffen werden, um die Eigentümlichkeiten der verschiedenen Schreiber -wiederzugeben. So hatte z. B. das Omega sieben Varianten. Auch die -getreue Wiedergabe der Zusätze zwischen den Zeilen des Manuskripts -musste statthaben, ja selbst die Abweichungen der alten Kalligraphen von -der üblichen Regel waren getreulich nachzuahmen. So entstand ein Werk -ohne Rivalen. - -[Sidenote: _Papyros Ebers._] - -Ebenfalls als eine höchst gelungene Facsimile-Ausgabe ist der durch -Lithographie im Verein mit der Typographie hergestellte _Papyros -Ebers_ (bei Wilh. Engelmann in Leipzig) zu bezeichnen. Die Nachahmung -der Färbung der Schrift und der Pflanzentextur des Papyrus ist so -vollkommen gelungen, dass man auf Carton aufgezogene Papyrosblätter vor -sich zu haben glaubt. Während die lithographische Nachbildung aus der -Offizin von Giesecke & Devrient stammt, ist der textliche Teil mit den -hieroglyphischen Typen des F. Theinhardt von Breitkopf & Härtel gedruckt. - -[Sidenote: Alph. Devrient * 21. Jan. 1821, [+] 1878.] - -ALPHONSE DEVRIENT, der berühmten Künstlerfamilie Devrient angehörend, -starb frühzeitig auf einer Erholungsreise nach Berlin am Ostermorgen -1878. Er hatte bei Fr. Nies gelernt und arbeitete vier Jahre in der -_Imprimerie royale_ in Paris in der sogenannten _Chambre arabe_ unter -der strengen, jedoch wohlwollenden Leitung Lud. Rousseaus und des -gelehrten Orientalisten Jul. Mohl und ging dann nach England. Er war -einer der tüchtigsten Typographen seiner Zeit. Der überlebende Chef -HERM. GIESECKE entstammt dem bekannten Hause Schelter & Giesecke, als -Sohn des C. F. Giesecke. - -[Sidenote: Bibliographisches Institut.] - -Eine aus kleinen Anfängen rasch zu einem Weltgeschäft angewachsene -Druck- und Verlagsanstalt ist das BIBLIOGRAPHISCHE INSTITUT. - -[Sidenote: Jos. Meyer * 9. Mai 1796, [+] 27. Juni 1856.] - -Im Jahre 1826 gründete JOSEPH MEYER in seiner Vaterstadt Gotha das -Institut, welches 1828 nach Hildburghausen verlegt wurde. Das mit -Stahlstichen illustrierte »Universum« erreichte eine für damalige Zeit -ganz enorme Auflage von 80000 Exemplaren. Es folgten verschiedene -Klassiker-Bibliotheken, deren Rechtmässigkeit bestritten wurde, die -aber durch eine bisher ungekannte Billigkeit die Kauf- und Leselust -anregten und eine weite Verbreitung fanden. Dann kam das grosse -Konversations-Lexikon in 52 starken Bänden. J. Meyer war ein Mann von -ausgebreiteten Kenntnissen mit einer staunenswerten Arbeitskraft, -die er jedoch über alles Mass anstrengte, indem er neben der -bibliopolisch-typographischen Wirksamkeit noch grossartige industrielle -Pläne verfolgte. - -[Sidenote: H. J. Meyer.] - -Sein Sohn HERMANN JULIUS MEYER zog mit dem Institut 1874 nach -Leipzig[215]. Jetzt steht dasselbe als eines der grossartigsten und -am besten geleiteten nicht nur in Deutschland da. So imponierend auch -schon die äusseren Einrichtungen wirken, so ist es doch namentlich -die innere Organisation dieser mit zwei Rotationsmaschinen und 31 -Schnellpressen arbeitenden Anstalt, welche Bewunderung erregt. Das -Geschäft sucht und findet seine Kraft in der Konzentration und in der -Erreichung möglichster Vollkommenheit innerhalb der selbstgesteckten -Grenzen für seine Wirksamkeit. Von der dritten Auflage des grossen -Konversations-Lexikons wurden über 100000 Exemplare abgesetzt, daneben -erlangte das kleine Lexikon in zwei Bänden eine grosse Popularität. Ein -Werk von hohem Wert ist A. E. Brehms »Tierleben« in zehn prachtvoll -illustrierten Bänden. - - [215] Das Etablissement, durch Pläne illustriert, ist im Journ. f. B. - 1876, Nr. 27 ausführlich beschrieben. - -[Sidenote: J. Klinkhardt.] - -Ein Geschäft, welches ebenfalls in verhältnismässig kurzer Zeit -eine grosse Entwickelung und Ausdehnung gewann, ist das bereits (S. -287) erwähnte von J. KLINKHARDT, welches mit 21 Schnellpressen, 22 -Handpressen und 35 Giessmaschinen über 400 Personen beschäftigt und -vortreffliche Arbeiten im modernen Stil liefert. - -[Sidenote: Verschiedene Druckereien.] - -Dass diese und die sonst genannten Offizinen dem Illustrationsdruck -alle erdenkliche Sorgfalt widmen, ist selbstverständlich, ausser -denselben besitzt Leipzig jedoch noch eine Reihe von Druckereien, die -sich vorzugsweise mit Illustrationsdruck beschäftigen. Des von ED. -KRETZSCHMAR begründeten Geschäfts (jetzt C. GRUMBACH) wurde bereits -(S. 298) gedacht. Vieles zur Bildung einer tüchtigen Schule von -Holzschnittdruckern trug Kretzschmars erster Gehülfe JOH. CHR. BENEDICT -bei. A. H. PAYNE druckt mit Rotationsmaschine und 18 Schnellpressen -für den eigenen Verlag eine grosse Anzahl von illustrierten Blättern -und Werken. ALEX. EDELMANN und OTTO DÜRR wirkten erst zusammen, dann -getrennt und lieferten mehrere der grossen Berliner Modezeitungen -und viele Prachtwerke für Alf. Dürr, während A. HUNDERTSTUND & A. -PRIES namentlich den Seemannschen Kunstverlag druckten. ALEX. WIEDE -beschäftigt 18 Schnellpressen fast nur mit der Herstellung der -»Gartenlaube«. Aus den Pressen der Firma FISCHER & WITTIG stammen sehr -viele der schönsten illustrierten Prachtwerke neuerer Zeit sowohl aus -dem Verlag von Leipziger als auswärtigen Buchhändlern. - -Mit wissenschaftlichen Werken beschäftigten sich vorzugsweise METZGER & -WITTIG, A. TH. ENGELHARDT, C. HIRSCHFELD, OTTO WIGAND und BÄR & HERMANN, -welche letztere den Druck russischer Werke als Spezialität pflegen; -PH. RECLAM JUN. liefert mit 22 Schnellpressen fast ausschliesslich -Zwanzigpfennigbände seiner Universalbibliothek; OTTO SPAMER druckt seine -zahlreichen illustrierten Jugendschriften und populären Werke; C. G. -NAUMANN hat seine umfangreiche Offizin nur für Accidenzien eingerichtet; -ALEX. WALDOW verwendet die seinige nur für den Druck des »Archiv der -Buchdruckerkunst« und anderer in seinem Verlage erscheinender, zumteil -von ihm verfasster typographischer Fachschriften[216]. - - [216] Darunter: Die Buchdruckerkunst in ihrem technischen und - kaufmännischen Betriebe. 2 Bde. 4. 1874-1877. -- Illustrierte - Encyklopädie der graphischen Künste. 1880-1883. - -An Tagesblättern ist Leipzig geradezu arm und manche Provinzialstädte -Deutschlands von 30-50000 Einwohnern haben eine weit reichere -Zeitungslitteratur aufzuweisen. Das umfänglichste Journal, namentlich -zur Zeit der Messen, ist das »Leipziger Tageblatt«. Der Verleger E. -POLZ beschäftigt für den Druck desselben und ausserdem hauptsächlich -für den des C. F. Winterschen Verlags drei Rotationsmaschinen und elf -Schnellpressen. - -Nicht alle graphischen Firmen Leipzigs, die tüchtiges liefern, können -wir hier aufzählen. Die Zahl der Buchdruckereien Leipzigs (incl. der -Vororte) beträgt 92 mit 7 Rotationsmaschinen, 437 Schnellpressen und 292 -Tret- und Handpressen. Die 69 lithographischen Anstalten beschäftigen -146 Schnellpressen, 517 Handpressen. In beiden Branchen sind gegen 6200 -Personen thätig. - -[Sidenote: C. G. Röder.] - -Den enormen Aufschwung, welchen das Musikaliengeschäft in Leipzig nahm, -veranlasste ein Institut für Notendruck, das seinesgleichen sucht. C. -G. RÖDER gründete mit kleinsten Mitteln 1846 seine Notendruckanstalt, -welche jetzt mit 34 Schnellpressen, 25 Handpressen und einem Personale -von 400 Köpfen arbeitet und namentlich die äusserst umfangreiche -_Édition Peters_ im Verlage des _Bureau de musique_ druckt. An -eigentlichen lithographischen Kunstinstituten hat Leipzig keinen -Überfluss, dagegen ist die Anstalt für Phantasieartikel und Luxuspapiere -von MEISSNER & BUCH, die mit 15 Schnellpressen, 30 Handpressen und 46 -Präg- und anderen Maschinen arbeitet, von grosser Bedeutung; auch die -Offizin von WETZEL & NAUMANN hat einen enormen Aufschwung genommen -und arbeitet hauptsächlich für den Export mit 32 Schnellpressen, 27 -Handpressen und 450 Arbeitern. H. WAGNER & E. DEBES beschäftigen sich -ausschliesslich mit kartographischen Arbeiten. Als Lichtdrucker leisten -A. NAUMANN & SCHRÖDER vorzügliches. Die Zahl der xylographischen und -chemigraphischen Anstalten ist eine beträchtliche. - -[Sidenote: Die die Typographie fördernden Verleger.] - -Es würde zu weit führen, alle die Verleger aufzuzählen, die, ohne -eigene Druckereien zu besitzen, doch auf die Typographie einen grossen -Einfluss übten. Den Buchdruck für wissenschaftliche Zwecke förderten u. -a. namentlich J. A. BARTH, W. ENGELMANN, SAL. HIRZEL, L. VOSS, die J. C. -HINRICHSSCHE Buchhandlung, F. C. W. VOGEL[217], T. O. WEIGEL (I, S. 6), -RUD. WEIGEL (I, S. 103), O. WIGAND und C. F. WINTERS Verlag. - - [217] Früher hatte diese Firma eine 1811 eingerichtete, namentlich mit - orientalischen Schriften gut ausgestattete Druckerei, die 1858 - auf G. Kreysing überging. - -Für den illustrierten Verlag waren J. J. Weber und Georg Wigand in -den dreissiger Jahren bahnbrechend. J. J. WEBER führte 1832 das -»Pfennig-Magazin« und 1843 die »Illustrirte Zeitung« ein. Die von Ad. -Menzel illustrierte Geschichte Friedrichs des Grossen wurde noch während -der Zeit der ersten Neuentwickelung des Holzschnittes in Deutschland -(S. 297) unternommen, überhaupt wirkte geschmackvolle Ausstattung aller -Weberschen Artikel sehr anregend sowohl auf die Buchdruckereien wie auf -die Verleger. - -Gleichzeitig mit Weber wirkte GEORG WIGAND, dessen im Verein mit seinem -Bruder Otto Wigand 1840 unternommene Ausgabe von dem Nibelungenlied, -illustriert von Hübner und Bendemann, eine schöne Jubelerinnerung -bildet. Sowohl durch eigene Neigung als namentlich durch seine innige -Verbindung mit Loda, Richter und Schnorr von Carolsfeld wurde er auf -die mehr ursprüngliche echt deutsche Art des Holzschnitts geführt, von -welchem Schnorrs Bibel in Bildern ein monumentales Denkmal bleibt. - -In neuerer Zeit waren es namentlich E. A. SEEMANN und ALF. DÜRR, welche -den illustrierten Verlag förderten. Seemann lieferte eine grosse Reihe -von Werken über die verschiedenen Zweige der Kunst und der Kunstgewerbe, -Alf. Dürr pflegte namentlich die strengere Richtung der illustrierenden -Kunst in den Werken von J. Führich, Preller u. a., daneben lieferte er -eine Reihe von Jugendschriften in höchst anziehender Weise durch Osc. -Pletsch illustriert. Auch FR. BRANDSTETTER, J. A. BAUMGÄRTNER, E. KEIL, -VELHAGEN & KLASING, K. BÄDEKER, SCHMIDT & GÜNTHER u. a. leisteten durch -ihren Verlag den Illustrationsdruckern grossen Vorschub. - - * * * * * - -[Sidenote: Dresden.] - -[Sidenote: Familie Meinhold.] - -[Sidenote: C. I. Meinhold * 1784. [+] 1861.] - -Unter den sonstigen Städten des Königreichs Sachsen hat die -Residenzstadt DRESDEN allein einen bedeutenden Platz und unter den -47 Buchdruckereien und 54 lithographischen Anstalten, die mit 209 -Schnellpressen und 251 Tret- und Handpressen arbeiten, nimmt wieder -die Firma C. C. MEINHOLD & SÖHNE die hervorragendste Stellung ein. Der -Begründer derselben, CARL CHRISTIAN MEINHOLD, Sohn eines Bergmannes -aus Marienberg, erwarb die Hofbuchdruckerei, welche ihren Ursprung dem -Herzog Georg dem Bärtigen verdankt, der 1524 den Buchdrucker WOLFG. -STÖCKEL aus Leipzig nach Dresden berief, um reformatorische Schriften zu -drucken. Stöckels Geschäft kam 1590 an die Familie BERGEN, in welcher -es blieb, bis Meinhold es 1778 übernahm und bald zu einer grösseren -Blüte brachte. Er druckte die sächsischen und polnischen Kassenbillets -und Staatspapiere und machte auch glückliche Verlagsspekulationen. Im -Jahre 1816 übergab er die Geschäftsleitung seinen Söhnen, von welchen -CHRISTIAN IMMANUEL MEINHOLD es nach dem Tode des Vaters allein übernahm. -Zu der Buchdruckerei fügte er Schrift- und Stereotypengiesserei. Seine -Söhne JULIUS und THEODOR wurden 1855 Teilnehmer und von 1875 führte -Julius das Geschäft allein fort und feierte am 28. Januar 1878 das -hundertjährige Jubiläum der Firma. - -[Sidenote: Andere Offizinen.] - -Zu erwähnen sind noch namentlich B. G. TEUBNERS Filiale des Leipziger -Geschäfts (6 Schp.), E. BLOCHMANN & SOHN (2 Rotm., 5 Schp.), der von -Leipzig übersiedelte W. BAENSCH (8 Schp.), R. H. DIETRICH (8 Schp.), -GLEISSNER (Rotm. und 7 Schp.), C. HEINRICH (12 Schp.), H. G. MÜNCHMEYER -(9 Schp.), LIEPSCH & REICHHARDT (Rotm., 4 Schp.), J. PÄSSLER (7 -Schp.), AD. WOLF (7 Schp.). Von den lithographischen Anstalten waren -früher besonders angesehen: H. HANFSTÄNGL und FÜRSTENAU, ersterer -auf Grund seines Galeriewerkes, letzterer wegen seiner brillanten -Accidenzarbeiten; jetzt sind die grössten Institute W. BRÜCKNER & CO. (8 -Schp., 6 Hdp.), R. BÜRGER (6 Schp., 5 Hdp.), R. FRIEDLÄNDER (7 Schp., 7 -Hdp.). Als Lichtdrucker haben RÖMMLER & JONAS (7 Schp.) bereits lange -einen Namen. W. HOFFMANN arbeitet mit 8 Lichtdruckschnellpressen. -Als Verlagsort hat Dresden Bedeutung durch seine Kunstverleger, als: -E. ARNOLD, A. GUTBIER, HANFSTÄNGL, F. & O. BROCKMANN NACHFOLGER, G. -GILBERS, H. KRONE u. a. - -In der Fabrikstadt CHEMNITZ beschäftigen sich die Buchdruckereien -wesentlich nur mit Zeitungs- und Accidenzdruck. Einen ungewöhnlichen -Umfang erreichte das Geschäft von PICKENHAHN & SOHN (1 Rotm., 20 Schp. -und 150 Arb.). Unter den lithographischen Anstalten ist R. OSCHATZ (8 -Schp., 16 Hdp.) die grösste. BAUTZEN hat eine sehr leistungsfähige -Steindruckerei und Luxuspapierfabrik, GEBR. WEIGANG (23 Schp., 12 Hdp.); -in dem Fabrikort BUCHHOLZ liefert G. ADLER tüchtige Accidenzarbeiten für -seine eigene bedeutende Cartonnagenfabrik. In PLAUEN wirkt ebenfalls -für den Bedarf der Fabriken MOR. WIEPRECHT (6 Schp.), in MEISSEN C. E. -KLINKICHT & SOHN (4 Schp.). - -Durch die Eisenbahnverbindung kann ALTENBURG fast als eine Vorstadt -des typographischen Leipzig betrachtet werden. Wohlfeilere -Lebensverhältnisse setzten in der tariflosen Zeit die dortigen -Buchdrucker in den Stand, vorteilhaft mit den Leipzigern konkurrieren zu -können. Diese Verhältnisse verstanden erst H. A. PIERER, welcher 1832 -das von dem Vater JOH. PIERER erworbene Druckgeschäft übernommen hatte, -und dann dessen Söhne EUGEN und ALFRED mit Geschick zu benutzen, so dass -das gut und mit genügenden Mitteln geleitete Geschäft den Leipziger -Druckereien öfters eine schwer zu bestehende Konkurrenz bereitete. Das -in Pierers Verlag erschienene »Universal-Lexikon« besass neben dem -Brockhausschen Konversations-Lexikon ein grosses Ansehen, wenn auch die -Verbreitung sich innerhalb mässiger Grenzen hielt[218]. - - [218] Über Pierers Verhältnis zu Brockhaus und dessen - Konversations-Lexikon, sowie über das Entstehen des - Universal-Lexikons enthält das bereits erwähnte Werk des Dr. Ed. - Brockhaus sehr interessante Details. - -Am 1. Januar 1872 ging die Druckerei in die Hände eines Leipziger -Konsortiums über, unter Leitung des Mitbesitzers STEPH. GEIBEL. Die -Offizin wuchs rasch (19 Schp.) und hat sich namentlich einen Ruf durch -ihre Accidenzarbeiten erworben (S. 292). - -Thüringen hat viele gut eingerichtete aber keine besonders -hervorragenden Druckanstalten aufzuweisen. In GERA lieferte ISSLEIB -& RIETSCHELS Hofbuchdruckerei (6 Schp.) Beachtenswertes, namentlich -im chemigraphischen Landkartendruck. HILDBURGHAUSEN hatte früher -durch das Bibliographische Institut (S. 346) Bedeutung; eine tüchtige -Druckanstalt daselbst ist noch die von GADOW & SOHN (5 Schp.). Die -HOFBUCHDRUCKEREI in WEIMAR datiert aus dem Jahre 1624, als der an allen -Kulturbestrebungen regen Anteil nehmende Herzog Friedrich Wilhelm von -Sachsen in seinem Schloss eine Offizin errichten liess, in welcher er -selbst und seine Gemahlin an dem Satz Lutherscher Werke arbeiteten. Die -Hauptstücke der christlichen Lehre fasste er als Enchiridion für den -Unterricht seiner beiden Töchter zusammen. - -Nach manchen Wandlungen durch zwei Jahrhunderte kam die Offizin in den -Besitz HERMANN BÖHLHAUS[219], in welchem sie sowohl durch Arbeiten für -den eigenen Verlag, wie für fremde Rechnung einen raschen Aufschwung -genommen hat. - - [219] H. BÖHLAU, Zur Geschichte der Hofbuchdruckerei in Weimar. - Einleitung zu seinem Verlagskatalog. - -Eine rastlose Thätigkeit entwickelte die Weimarer Druck- und -Verlagsfirma B. F. VOIGT. Verfolgt sie auch keine idealen Zwecke, so -hat sie doch durch ihren grossen technischen Verlag (gegen 1500 Artikel -und 20 Zeitschriften), namentlich durch ihren »Schauplatz der Künste -und Handwerke« in etwa 300 Werken, von welchen mehr als die Hälfte neue -Auflagen (öfters sechs bis acht) erlebten, vieles zur Verallgemeinerung -technischer Kenntnisse beigetragen. Die Natur des Verlages lässt keine -Prachtwerke zu, doch sorgt die Firma für gute Ausführung der Werke -sowohl als der vielen lithographischen Beilagen. - -[Sidenote: Justus Perthes * Septbr. 1785. [+] 1. Mai 1816.] - -[Sidenote: Bernh. Perthes * 27. Okt. 1857.] - -In GOTHA gehört die ENGELHARD-RHEYERSCHE Hofbuchdruckerei zu den besten -Anstalten Deutschlands. Der Besitzer Fr. Engelhard hat sich ausserdem -um die Organisation der Krankenkassen der Gehülfen sehr verdient -gemacht. Einen Weltruf hat das geographische Institut von JUSTUS PERTHES -erlangt. Der Gründer war JOH. GEORG JUSTUS PERTHES aus Rudolstadt; die -ausschliesslich geographische Richtung erhielt das Geschäft erst durch -den Sohn WILH. PERTHES, der auch den Gothaischen Hofkalender und den -_Almanach de Gotha_ erwarb. Stielers Handatlas eröffnete die Reihe -des bedeutenden kartographischen Verlags, bei welchem H. Berghaus, v. -Stülpnagel, v. Spruner u. a. mitwirkten. Die grösste Blüte erlangte die -Anstalt unter der Direktion des BERNHARD PERTHES, die noch während der -Lebenszeit des Vaters begann, leider aber bereits vier Jahre nach des -letzteren Tod ihre Endschaft erreichte. - -[Sidenote: Aug. Petermann »Mitteilungen«.] - -Unter der wissenschaftlichen Leitung des Dr. AUGUST PETERMANN -bildete sich das Geschäft, unterstützt durch die seit 1855 monatlich -erscheinenden »Mitteilungen aus Justus Perthes' geographischer Anstalt«, -zu einem Mittel- und Einigungspunkte der Bestrebungen für die gesamte -Erdkunde aus. - -Perthes' Absichten in technischer Beziehung gingen nicht darauf, -alle graphischen Künste in ein äusserlich grosses Etablissement zu -vereinigen, sondern er verteilte die Arbeiten auf etwa dreissig -selbständige Unternehmer, welche nahe an 400 Arbeitern den Unterhalt -brachten. - -In ERFURT geben die vielen Gärtnereien und die Eisenbahndirektion -zu einem lebhaften Accidenzgeschäft Veranlassung. Die bedeutenderen -Offizinen sind die von OHLENROTH (6 Schp.), FR. BARTHOLOMÄUS und G. A. -KÖNIG. H. C. BESTEHORN in ASCHERSLEBEN beschäftigt 8 Schnellpressen und -viele Arbeiter mit Luxuspapierfabrikation. TH. MÜLLER in NORDHAUSEN -liefert mit 8 Schnellpressen Etiquetten, Geschäftspapiere u. dgl. - -[Sidenote: Die Cansteinsche Bibelanstalt.] - -In HALLE befindet sich die altehrwürdige Waisenhausbuchhandlung und -Buchdruckerei nebst der damit verbundenen V. CANSTEINSCHEN BIBELANSTALT. -Die erstere wurde 1697 durch den Pfarrer HEINR. JUL. ELERS als Teil -der Franckeschen philanthropischen Stiftungen begründet[220]. Für eine -Buchdruckerei wurde wenige Jahre nachher ein Privilegium erteilt. Die -Cansteinsche Bibelanstalt ist durch die Anstrengungen des Barons CARL -HILDEBRANDT VON CANSTEIN durch gesammelte Beiträge gegründet. Bereits -1712 konnte das Neue Testament, 1713 die ganze Bibel gedruckt werden. v. -Canstein starb am 19. Juli 1719, worauf Francke die Anstalt übernahm, -die im Jahre 1713 ebenfalls eine eigene Buchdruckerei erhielt. - - [220] OSW. BERTRAM, Geschichte der Cansteinschen Bibelanstalt in Halle. - 1863. -- Die Stiftungen A. H. FRANCKES. Halle 1863. -- G. - KRAMER, A. H. FRANCKE. Halle 1880. -- Ann. d. Typ. 1873, Nr. 204 - u. 205. - -[Sidenote: O. Bertram [+] 10. April 1876.] - -Eine neue Epoche für dieselbe begann mit der Gründung der Britischen -Bibelanstalt 1804 (S. 99) und der deutschen Hauptbibelgesellschaft. -Im Jahre 1830 konnte die erste Schnellpresse aufgestellt und 1839 -eine Stereotypie eingerichtet werden. Die Zahl der von 1712-1872 -gedruckten Bibeln und Neuen Testamente betrug nahe an sechs Millionen. -Seit dem Jahre 1860 sind die beiden Druckereien der Franckeschen -Stiftungen im Betrieb vereinigt (12 Schp.) unter der sicheren Leitung -des tüchtigen Buchdruckers C. BOBARD. Einen besonderen Aufschwung nahm -die Buchhandlung seit 1858 unter der umsichtigen Direktion von OSW. -BERTRAM, der sich auch um den Deutschen Buchdrucker-Verein sehr verdient -gemacht hat. Sein Nachfolger ist der durch seine höchst verdienstlichen -bibliopolischen Schriften bekannte AUG. SCHÜRMANN[221]. - - [221] Die Usancen des deutschen Buchhandels. 2. Aufl. Leipzig 1867. -- - Magazin für den deutschen Buchhandel 1874-1876 u. a. - -[Sidenote: Carl August Schwetschke * 29. Sept. 1756.] - -[Sidenote: Dr. Carl Gust. Schwetschke * 5. April 1805, [+] 5. Okt. 1881.] - -Ein angesehenes Geschäft ist das Gebauer-Schwetschkesche. CARL AUGUST -SCHWETSCHKE aus Glauchau kam 1783 als Faktor in die Buchhandlung der -Witwe HEMMERDE, welche ihn 1788 als Mitbesitzer aufnahm. Die Firma wurde -nun Hemmerde & Schwetschke und, als des letzteren Sohn CARL FERDINAND -im Jahre 1828 eintrat, SCHWETSCHKE & SOHN. Im Jahre 1820 war ihm die -Gebauersche Buchhandlung und Buchdruckerei zugefallen, die er als -besonderes Geschäft seit 1828 mit seinem jüngeren Sohne Dr. CARL GUSTAV -SCHWETSCHKE fortführte. - -Bereits am 30. September 1878 konnte die Familie eine dreifache -Jubelfeier begehen, die des hundertjährigen Bestehens des Geschäfts, -die fünfzigjährige der geschäftlichen Wirksamkeit Dr. Gustavs und -die fünfundzwanzigjährige derjenigen seines Sohnes Carl Ferdinand. -Zu den bedeutenden Unternehmungen der Firma gehören: _Suidae Lexicon -graece et latine_ und _Freytagii Lexicon arabico latinum_. Dr. G. -Schwetschke erwarb sich einen bekannten und beliebten Namen durch seine -litterarischen Arbeiten[222]. - - [222] Vorakademische Buchdruckergeschichte von Halle. 1840. -- _Codex - nundinarius Germaniae literatae bisecularis_ 1850. -- In - weiteren Kreisen fanden grossen Beifall seine prosaischen und - poetischen Schriften in korrumpiertem Latein, darunter _Novae - epistolae obscurorum virorum_. - -Die frühere Bedeutung MAGDEBURGS als Druckplatz ging bald verloren. -Erst durch ED. HÄNEL (S. 281), dessen Etablissement noch heute -besteht, gewann es wieder einen Namen. Zu nennen sind besonders -das Etablissement von E. BAENSCH JUN. (10 Schp.) und die Druckerei -der Brüder ALEXANDER und ROBERT FABER, welche die in ihrem Verlage -erscheinende »Magdeburgische Zeitung«, die eine einflussreiche Stellung -und eine grosse Verbreitung erreicht hat, mit 3 Rotationsmaschinen und 5 -Schnellpressen druckt. - -[Sidenote: Fr. Vieweg [+] 25. Dez. 1835.] - -[Sidenote: Ed. Vieweg * 15. Juli 1797, [+] 1. Dez. 1869.] - -BRAUNSCHWEIG hat, obwohl nicht durch besondere örtliche Verhältnisse -begünstigt, eine ziemlich bedeutende Rolle in der deutschen Typographie -gespielt. Hier wirkte die Firma VIEWEG & SOHN, welche durch ihr Beispiel -grossen Einfluss auf die Fortschritte in der deutschen Bücherausstattung -geübt hat. Der Begründer des Geschäfts war FR. VIEWEG (1799), den -Höhepunkt erreichte dasselbe nach dem Beitritt des Sohnes HANS HEINRICH -EDUARD VIEWEG im Jahre 1825. Er war zu Berlin geboren und hatte sich für -seinen Beruf in Frankreich ausgebildet. In Paris schloss er eine für -das Leben dauernde Freundschaft mit dem berühmten Chemiker Justus v. -Liebig, die für Viewegs geschäftliche Wirksamkeit von grösstem Einfluss -wurde. Aus England brachte er die erste Columbiapresse nach Deutschland -und unternahm es, auf der Zorger Eisenhütte im Harz dergleichen Pressen -bauen zu lassen (S. 316). - -[Sidenote: Einfluss Viewegs.] - -Vieweg wurde ein Bahnbrecher für den guten typographischen Geschmack. -Durch die Verwendung des instruktiven Holzschnittes in einem Maasse, wie -früher nicht gekannt war, hat er ganz ausserordentlich zu der wahren -Popularisierung der Wissenschaft, welche nicht mit dem oberflächlichen -Naschen durch Hülfe zusammengeschriebener, sogenannter populärer -Litteratur verwechselt werden darf, beigetragen. Seine Druckwerke, -zu denen die eigenen Werkstätten die Schriften, die Holzschnitte -und das Papier lieferten, waren ein Spiegelbild seiner eigenen -Persönlichkeit. Alles durch und durch _gentlemanlike_: gediegenes -Innere in einfach nobler Hülle. Das ganze Viewegsche Institut erinnert -an die besten Werkstätten der früheren Blütezeit der Typographie mit -ihren begeisterten, nach einem festen Ziele strebenden Leitern. Für das -allgemeine Interesse des Buchgewerbes trat Vieweg stets mit Energie ein. -Er unterlag in seinem 73. Jahre langen und schweren Leiden. Das Geschäft -blüht fort und beschäftigt 14 Schnellpressen und 10 Handpressen. - -[Sidenote: G. Westermann * 23. Febr. 1810, [+] 7. Sept. 1869.] - -In ähnlicher Weise wie Vieweg wirkte GEORGE WESTERMANN, welcher mit -seiner 1838 gegründeten Buchhandlung 1845 eine Buchdruckerei vereinigte. -Beide Geschäftszweige gelangten zur vollen Blüte und die Westermannschen -Leistungen sind ebenso vorzüglich wie seine Offizin (15 Schp.) eine -schön eingerichtete ist. Unter seinen Verlagsunternehmungen sind am -bekanntesten seine nach amerikanischem Muster angelegten illustrierten -»Westermanns Monatshefte« (seit 1856). Durch E. Gäbler errichtete er -in Leipzig eine chemitypische Anstalt, in welcher er seine äusserst -billigen Kartenwerke herstellte. Von Langes Schulatlas ist bereits mehr -als eine Million Exemplare verbreitet. - -Unter den Druckanstalten Braunschweigs nimmt auch die von JULIUS KRAMPE -(1 Rotm., 8 Schp.) einen angesehenen Platz ein. Die lithographische -Anstalt der Firma H. LITOLFF (8 Schp., 5 Hdp.) druckt den bedeutenden -Musikalien-Verlag der Firma. - -[Sidenote: Dr. H. Meyer.] - -An Braunschweig und die Firma JOH. HEINR. MEYER knüpft sich noch die -Erinnerung an einen Mann, der von den deutschen Typographen stets hoch -in Ehren gehalten zu werden verdient. Wie Vieweg auf dem praktischen -Wege bahnbrechend wirkte, so Dr. HEINRICH MEYER auf dem theoretischen -durch sein »Journal für Buchdruckerkunst«. Dasselbe wurde 1834 -begründet, zu einer Zeit des regsten Schaffens auf allen graphischen -Gebieten. Kaum eine Woche verging, welche nicht eine Verbesserung, -eine neue Schrift, eine neue Maschine u. dgl. brachte. Das Verdienst, -alle diese Neuheiten nicht nur gewissenhaft registriert, beschrieben -und abgebildet, sondern auch ihrem wahren Werte nach unparteiisch und -nüchtern beurteilt zu haben, gehört Meyer. Fast immer war sein Urteil -zutreffend und die Zukunft lehrte gewöhnlich, wie recht er gehabt -hatte. In seiner Selbstlosigkeit war ihm die Sache alles; nie liess -er sich von persönlichen Sympathien bestechen oder von Antipathien -zu Ungerechtigkeiten hinreissen; sein Blatt blieb frei von allem -Koteriewesen. In seinem Urteil war er mild, konnte jedoch auch, wenn es -sein musste, gegen anmassende Dummheit derb, jedoch nie gehässig werden. - -Dr. Meyer starb am 4. November 1863, schwerlich Feinde hinterlassend, -wohl aber viele Freunde, die seinen Hingang als einen schweren Verlust -für die deutsche Typographie betrauerten. - -Nach seinem Tode litt das Blatt unter einem langen Schwanken in den -redaktionellen Verhältnissen, bis im Herbst 1872 THEODOR GOEBEL, an -Kenntnissen und Sammelfleiss Meyer ebenbürtig, die Redaktion antrat und -bis zum Herbst 1879 fortführte. Namentlich seine vielen ausführlichen -und sachkundigen Ausstellungsberichte bieten wichtige Beiträge zur Kunde -der Fortschritte auf allen graphischen Gebieten. Nach Goebels Rücktritt -folgte wieder eine Periode der Unsicherheit, bis das Blatt im Herbst -1881 in den Verlag und in die Redaktion von FERD. SCHLOTKE in Hamburg -überging. - -Das »Journal für Buchdruckerkunst« wird bald sein fünfzigjähriges -Bestehen feiern können. Es bleibt die wichtigste Quelle für die -Geschichte der typographischen Entwickelung in dem letzten halben -Säkulum, in dessen Gewirr es einer späteren Generation schwer werden -würde, sich ohne seine Hülfe zurechtzufinden. - - -[Illustration] - - XIII. KAPITEL. - - DER NORDEN DER GERMANISCHEN GRUPPE. - - BERLIN: wachsende Bedeutung. Die Familie Decker, Unger Vater und Sohn, - Gebr. Unger, Familie Spener, Reimer, Mittler u. a. Ed. Hänel-Gronau. - Die Zeitungsdruckereien. Die Accidenzdruckereien. Die - lithographischen und sonstigen Kunstanstalten. Breslau. Frankfurt a. - O. Posen. Königsberg. Danzig. Stettin. Lübeck. Hamburg. Bremen. - Hannover. Köln: Die Offizin der »Kölnischen Zeitung«. - -[Sidenote: Allmähliche Fortschritte.] - -Berlin hatte, als die neue Periode der Buchdruckerkunst anfing, noch -keine Bedeutung als Druckstadt; dieselbe zeigte sich erst nach und -nach unter der Regierung des grossen Königs, hielt jedoch immer noch -nicht Schritt mit der zunehmenden Bedeutung der Residenz eines mächtig -emporblühenden Landes. - -[Sidenote: Die Hofbuchdrucker.] - -Im Jahre 1757 wurde CHRIST. FRIEDR. HENNING zum zweiten deutschen -Hofbuchdrucker ernannt mit der Aussicht, die Stelle des ersten, CHR. -ALB. GÄBERTS, nach dessen Tode zu erhalten. Neben den »deutschen -Hofbuchdruckern« gab es auch »französische«. Den Titel eines solchen -hatte bereits 1696 ROBERT ROGER aus Amsterdam. In dem Jahre 1718 ging -Rogers Offizin in die Hände J. G. MICHAELIS über. Er sowohl als Henning -waren sehr tüchtige Buchdrucker, die einen wesentlichen Anteil an der -Hebung des typographischen Geschmacks in Berlin hatten. - -[Sidenote: Die Familie Decker.] - -Die berühmtesten Hofbuchdrucker gehörten jedoch der Familie DECKER an, -der eine so glänzende Rolle zufiel, wie wenigen in Deutschland[223]. - - [223] AUG. POTTHAST, Die Abstammung der Familie Decker. Berlin 1863. -- - Börsenbl. f. d. d. B. Januar 1877. -- Ann. d. Typ. 1877, Nr. 388. - -[Sidenote: Joh. Jac. I Decker * 1635.] - -Die Familie stammt aus Eisfeld im Thüringschen. Der am 23. April -1596 geborne Georg Decker siedelte nach Basel über und erwarb 1635 -durch Heirat mit der Witwe des Buchdruckers Johann Schröter dessen -Offizin, die er so rasch zur Blüte brachte, dass er bereits 1636 zum -Universitätsbuchdrucker ernannt wurde. Sein Sohn und Nachfolger JOHANN -JACOB I zog 1680 mit einem Teile der Druckerei nach Neu-Breisach, um -Drucker des dortigen französischen Gerichtshofes zu werden. - -[Sidenote: Joh. Jac. II Decker * 1666, [+] 1726.] - -[Sidenote: J. Heinr. I Decker * 18. März 1679, [+] 29. Dez. 1741.] - -Von dessen beiden Söhnen JOHANN JACOB II und HEINRICH I führte der -erste, als der Vater nach Breisach übersiedelte, das Geschäft in Basel -fort und behielt nach dessen Tode im Interesse der Familie die Leitung, -erwarb jedoch ausserdem die dortige Ludinsche, früher Henric Petrische -Offizin. Der Bruder Joh. Heinrich I gründete in Colmar, welches durch -den Ryswicker Frieden 1697 französisch geworden war, eine Offizin, um -Regierungsarbeiten zu drucken. - -[Sidenote: Joh. Heinr. II Decker.] - -Der kinderlose JOH. JACOB II vermachte sein Geschäft dem JOH. HEINRICH -II, Sohn des Heinrich I, welcher ausserdem mit Erfolg das Colmarer -Geschäft fortsetzte. Leider wurde er durch einen Verwandten zur Gründung -einer Papierfabrik veranlasst, welche ihn in Verlegenheiten und -Verdriesslichkeiten verwickelte, die ihn so erschütterten, dass er in -einen Zustand von Geistesschwäche verfiel, unter welchem das Geschäft -fast zugrundeging. - -[Sidenote: G. Jac. I Decker * 12. Febr. 1732, [+] 17. Nov. 1799.] - -Johann Heinrich II hatte zwölf Kinder, unter diesen GEORG JACOB I. -Derselbe lernte die Buchdruckerei, studierte dann in Strassburg, wo -er im Hause seines Oheims, des bekannten Geschichtschreibers der -Typographie, Joh. Schöpflin, gute Aufnahme und Nahrung für seine Liebe -zur Typographie fand. Im Jahre 1750 ging Georg Jacob auf Reisen und kam, -nachdem er vergeblich Aufnahme in der Breitkopfschen Offizin in Leipzig -gesucht hatte, nach Berlin, wo er sechs Monate in der Henningschen -Druckerei arbeitete. - -[Sidenote: Joh. Grynäus.] - -Ein französischer Emigrant ARNOLD DUSSARRAT hatte 1713 Konzession für -eine französische Buchdruckerei erhalten, welche sich 1721 in den Händen -des JOHANN GRYNÄUS aus Basel befand. Letzterer kam, obwohl ein tüchtiger -Mann, nicht vorwärts, und die Druckerei befand sich bei seinem Tode 1740 -in misslicher Lage. Als Helfer trat nun Georg Jacob heran, der mit der -Tochter des Grynäus, Louise Dorothea, einen Bund des Herzens geschlossen -hatte. Nachdem er erst Ordnung in die verwickelten Angelegenheiten -des väterlichen Geschäfts in Basel gebracht hatte, infolge welcher -das Colmarer Haus auf den Bruder Johann Heinrich III überging, dessen -Nachkommen noch in Besitz des dortigen angesehenen Geschäfts sind, -übernahm Georg Jacob die alleinige Leitung der Grynäusschen Offizin -und wurde 1756 Mitbesitzer, wodurch sich die Firma in GRYNÄUS & DECKER -änderte. - -[Sidenote: Grynäus & Decker.] - -Der nun folgende rasche Aufschwung konnte nicht einmal durch -den siebenjährigen Krieg gehemmt werden, da die grosse Zahl von -Flugschriften und Neuigkeitsblättern eine lebendige geschäftliche -Bewegung veranlasste. Nach dem Einzug der Russen in Berlin hielt -der verschiedentlich kompromittierte Decker es jedoch für geraten, -zeitweilig die Stadt zu verlassen. - -Im Jahre 1763 wurde er alleiniger Inhaber des Geschäfts und von nun war -sein Glück in stetem Wachsen. Er erhielt das Direktoriat der für das -Lotto errichteten königlichen Druckerei mit einem Gehalt von 300 Thalern -und nach erfolgtem günstigen Urteil der Akademie der Wissenschaften den -Titel eines Hofbuchdruckers mit der Anwartschaft auf die klingenden -Vorteile eines solchen. Die Versuche Deckers, diese Stellung sich -erblich zu sichern, strandeten damals, ohne dass er deshalb den Gedanken -daran aufgab. - -[Sidenote: Schriftgiesserei in Berlin.] - -[Sidenote: Decker erblicher Hofbuchdrucker.] - -Mit der Schriftgiesserei in Preussen war es noch schlecht bestellt. -Seit Thurneyssers Anlauf (I, S. 152) war Berlin bis 1743 ohne -Schriftgiesserei, und spätere Versuche waren nicht günstig abgelaufen. -Das war für Decker ein günstiger Moment. Er kaufte die besten -Baskervilleschen und Fournierschen Matern und liess einen gut geschulten -Faktor kommen, versprach auf seine Kosten eine tüchtige Schriftgiesserei -einzurichten und »alle französischen Bücher von Wert nachzudrucken, -wodurch viel Geld dem Lande erhalten werden würde«. Dies schlug bei -dem König, dem der _nervus rerum_ stets wichtig war, durch, und am 4. -Januar 1769 erhielt Decker die erbliche Würde eines Hofbuchdruckers, -ausserdem ein Privilegium für die nachzudruckenden Bücher. Der König -blieb Decker stets gewogen und gehörte als Schriftsteller zu dessen -Kunden; eine solche war auch die Königin Elisabeth Christine, die sich -mit der Herausgabe frommer Bücher beschäftigte. - -[Sidenote: Aufblühen des Verlagsgeschäfts.] - -Das frischere geistige Leben, welches seit dem Hubertusburger Frieden -1763 in Berlin pulsierte, unterliess nicht, seinen Einfluss auf das -Deckersche Geschäft zu üben. Georg Jacob trat in Verbindung mit den -vielen schriftstellerischen Berühmtheiten und fing nun 1769 selbst an -zu verlegen, und zwar mit einem solchen Eifer, dass die Zahl seiner -Verlagsartikel bald an 400 betrug. Damals begann auch allgemein eine -bessere Ausstattung der Bücher; selten erschien ein solches ohne Zuthat -bildlichen Schmuckes namentlich unter der Mitwirkung Chodowieckis. -Die Druckerei war hierdurch und durch fremde Arbeiten so stark -beschäftigt, dass Decker viele Aufträge auswärts ausführen lassen -musste. Als Verleger ging er jährlich zweimal zur Messe nach Leipzig, -wo er in freundschaftlichem, zugleich geschäftlichem Verkehr mit -Bernhard Breitkopf, später mit dessen Sohn Immanuel, stand. Das Baseler -Geschäft wurde von ihm und dem Bruder in Colmar der Direktion eines -Geschäftsführers überlassen. - -[Sidenote: Gunst Friedrich Wilhelms II.] - -Nach dem Tode Friedrichs II. 1786 bestätigte der König Friedrich Wilhelm -II. nicht allein die Privilegien Deckers, sondern er hatte ausserdem -Decker und der Vossschen Buchhandlung das Recht gewährt, französische -und ins Deutsche übersetzte Werke Friedrich des Grossen zu drucken unter -der Bedingung, dass sie in einer besonderen, im königlichen Schlosse zu -Potsdam dazu angewiesenen Lokalität hergestellt wurden. Decker stellte -schleunigst zehn und dann noch weitere zehn Pressen auf und schon im -Frühjahr 1789 waren die 25 Bände der Werke gedruckt. Der König war mit -der raschen Ausführung so zufrieden, dass er Decker, als besonderen -Beweis seiner Gnade, für sich und seine Erben für alle Zeiten zum -Geheimen Ober-Hofbuchdrucker ernannte. Die Ausgabe genügte jedoch nicht -in derselben Weise den Anforderungen der Kritik. Die Redaktion war -eine des grossen Autors ganz unwürdige. Hierdurch und auf Grund von -Nachdrucken wurde das Unternehmen für die Verleger ein verfehltes. - -[Sidenote: Letzte Jahre G. Jacobs I.] - -Das Ziel von Deckers Ehrgeiz war erreicht. Das Glück hatte ihn im -Geschäft und in der Familie begünstigt. Vier Töchter verheirateten sich -mit Männern von Fach, den Brüdern Christ. Spener und Joh. Carl Spener, -dem Buchhändler H. A. Rottmann und dem berühmten Schriftgiesser Wilh. -Haas d. ä. in Basel. Der Mann der fünften Tochter, Ph. Rosenstiel, war -zwar Oberfinanzrat, spielte jedoch auch in der geschäftlichen Geschichte -der Familie eine Rolle. - -Beim Eintritt in sein 60. Jahr am 25. Juni 1792 überliess Georg Jacob I -seinem Sohne GEORG JACOB II sein Geschäft käuflich und führte im Kreise -der Seinigen sowie von Künstlern und Männern der Wissenschaft ein, -wennauch mit körperlichen Leiden verbundenes so doch heiteres Leben, bis -der Tod den Achtundsechzigjährigen am 17. November 1799 abrief. - -[Sidenote: Georg Jacob II * 9. Novbr. 1765, [+] 26. Aug. 1819.] - -Der Sohn Georg Jacob II hatte die Buchdruckerei im väterlichen Hause -und bei H. G. Effenbart in Stettin, den Buchhandel bei Treuttel & Würtz -in Strassburg gelernt und sich auf längeren Reisen weiter ausgebildet. -Teilhaber des Geschäfts war er bereits 1788 geworden. - -[Sidenote: Zensurschwierigkeiten.] - -Ihm sollte das Leben nicht ohne schwere Sorgen und harte Prüfungen -verlaufen. Ein Hemmnis für die Verlagsthätigkeit Deckers wie für den -ganzen Buchhandel wurden die schon im Jahre seines Eintritts in das -Geschäft 1788 erfolgenden Edikte des Ministers Wöllner, die besonders -empfindlich die Zeitungen trafen, von welchen eine nach der andern -einging. Die Verlagshandlung wurde von der Druckerei getrennt und in -die Hände Rottmanns, unter dessen Firma, gelegt, dafür wurde aller -Fleiss und jede Mühe auf die Verbesserung der Buchdruckerei und der -Schriftgiesserei seitens Georg Jacob d. j. verwendet. Er schaffte Matern -von Bodoni, W. Haas und Didot an, sowie das beste Material für die Typen -und die Farbe. - -[Sidenote: Das Posener Geschäft.] - -Die Regierung wünschte in dem durch die zweite Teilung Polens ihm -zugefallenen Posen die Anlage einer Druckerei. Decker kam den -vertraulichen Aufforderungen nach. Das Unternehmen machte ihm jedoch -viele Sorgen und ging 1819 in die Hände des Schwagers Deckers, -Rosenstiel, für dessen Sohn über. - -[Sidenote: Kalamitäten des Baseler Geschäfts.] - -Noch grössere Sorgen sollte ihm das Baseler Geschäft bereiten. In -dieses hatte er einen sehr talentvollen, jedoch extravaganten Mann, -Maximilian Schoell, erst als Disponent, dann als Teilhaber aufgenommen, -der, nicht zufrieden mit der buchhändlerischen Wirksamkeit, Decker -in Banquierunternehmungen verwickelte und ihn in ein seine Existenz -bedrohendes Meer von Sorgen stürzte, so dass dieser noch froh sein -musste, das Baseler Geschäft mit einem Verlust von 180000 Livres an den -dortigen Buchdrucker und Verleger Thurneisen übergeben zu können. - -[Sidenote: Die Notjahre Preussens.] - -Auch in Berlin sollten schwere Schläge nicht ausbleiben. Die -fortwährende Ausdehnung des dortigen Geschäfts hatte den Erwerb eines -schönen Grundstückes in der Wilhelmstrasse veranlasst. Die Notjahre -Preussens konnten jedoch nicht spurlos an Decker vorübergehen. Keine -Schwierigkeiten vermochten indessen seine Energie und Anstrengungen -für die technischen Fortschritte in der Druckerei zu schwächen. So -war er der erste in Berlin, der die grossen Erfindungen der Neuzeit, -die Lithographie, die eiserne Presse, die Stereotypie einführte, mit -seinem Schwager Spener der erste in Deutschland, der eine Schnellpresse -erwarb. Die Freude, letztere in Gang zu sehen, als Lohn für seine dabei -bewiesene Opferwilligkeit, war ihm nicht beschieden. - -[Sidenote: Tod G. Jacob II Deckers.] - -So überstand Decker rüstig und mutvoll kämpfend die schweren Jahre, -obwohl er während der französischen Okkupation an 80000 Thaler Lasten -und Verluste zu tragen hatte. Vom Jahre 1813 aber trat wieder eine so -starke Beschäftigung ein, dass er sich für die gehabte Not reichlich -entschädigt sah. Nach langen Leiden entschlief er am 26. August 1819. - -Über acht Jahre lang wurde das Geschäft unter Vormundschaft vortrefflich -weiter geleitet, bis am 31. Januar 1828 der jüngste Sohn Rudolf Ludwig -nach erreichter Volljährigkeit mit dem älteren Bruder CARL GUSTAV (der -älteste der Brüder war bereits gestorben) das Geschäft übernahm, welches -nach dem bereits 1829 erfolgenden Tode Carl Gustavs dem Rudolf allein -zufiel. - -[Sidenote: Rudolf Decker * 8. Jan. 1804, [+] 12. Jan. 1877.] - -RUDOLF DECKER war durch eine vorzügliche technische und -wissenschaftliche Ausbildung auf das beste für seinen Beruf vorbereitet -und widmete sich mit vollem Eifer demselben. Durch ihn erreichte der Ruf -des Hauses seinen Höhepunkt. - -Seine Aufmerksamkeit war namentlich der Schriftgiesserei gewidmet, in -welcher er sich sowohl im väterlichen Hause, wie in der Schriftgiesserei -Molé in Paris tüchtige Kenntnisse erworben hatte. Mit besonderer -Vorliebe pflegte er die Fraktur (S. 285). Die Bestrebungen der -Schriftgiesserei fanden Ausdruck in der grossen für die erste -Londoner Ausstellung 1851 angefertigten und später vervollständigten -Schriftprobe. Die Akademie der Wissenschaften in Berlin übertrug -Decker den Schnitt ihrer koptischen, arabischen, Sanskrit- und anderen -orientalischen Schriften, die in fast allen Universitätsbuchdruckereien -eingeführt wurden. Für diese Arbeiten wirkten die Schriftschneider -Beyerhauss, J. Schilling, Wotze, Schultz, Krumwiede u. a. - -[Sidenote: Prachtwerke.] - -[Sidenote: _[Oe]uvres de Frédéric le Grand._] - -Die Druckerei blieb nicht zurück, und lieferte Werke, die für alle -Zeiten ihren Rang behaupten werden. Anlässlich der Gutenbergfeier -1840 wurde das Prachtwerk »Zwanzig alte Lieder von den Nibelungen« -herausgegeben von Prof. Carl Lachmann mit eigens dazu in Annäherung -an die gothische Schrift geschnittenen Typen gedruckt. Eine wahre -Zierde der deutschen Druckkunst und Xylographie ist die Jubelausgabe -der _[Oe]uvres de Frédéric le Grand_, 30 Bände Quart, durch welche -die redaktionellen Fehler der ersten Ausgabe in gelungenster Weise -gutgemacht wurden. Die Redaktion leitete auf Veranlassung des Königs -Friedrich Wilhelm IV. Professor Preuss. Das Werk, mit den trefflichsten -Holzschnitten von Unzelmann und den Brüdern Vogel nach den genialen -Zeichnungen Menzels geschmückt, wurde in 200 Exemplaren gedruckt, die -nur zum Verschenken bestimmt waren. Nichts wurde an Arbeit, Material und -Kosten verabsäumt, um ein wahres Meisterwerk zu schaffen, welches, 1844 -begonnen, erst nach dem Tode des königlichen Förderers 1860 vollendet -wurde[224]. - - [224] Durch eine mit allerhöchster Erlaubnis dem Buchhändler Rud. - Wagner in Berlin gestattete Ausgabe der Holzschnitte, welche ganz - vorzüglich in der Staatsdruckerei ausgeführt wurde, sind diese - glänzenden Schöpfungen Menzels dem Publikum seit dem Jahre 1882 - zugänglicher geworden. - -[Sidenote: Das Neue Testament.] - -[Sidenote: Das Krönungswerk.] - -Ein Druckwerk ersten Ranges ist ebenfalls das nur in 80 Exemplaren -für die Londoner Ausstellung ausgeführte »Neue Testament« nach Luther -in gr. Folio mit bildlichem Schmuck von Cornelius und Kaulbach. Als -eine »grosse« Leistung in den verschiedenen Bedeutungen des Wortes -ist die Krönung I. M. des Königs Wilhelm und der Königin Augusta am -18. Oktober 1861 zu nennen. Das Buch hat eine Höhe von 74 cm und eine -Breite von 53 cm; aufgeschlagen bedeckt es eine Tischfläche von 7844 -[Quadrat]cm. Die 135 Blätter des Buches sind einzeln gedruckt und auf -Falz geklebt. Typographisch konnte das Werk nicht besser ausgeführt -sein, als geschehen. Die edle Einfachheit verdient volles Lob. Von den -genealogischen Tafeln misst die eine in der Länge 416 cm. Kopf- und -Schlussvignetten sind dem einfachen Stil des Werkes angepasst. Das Buch -hat eine besonders interessante Geschichte. Zweimal wurde der Druck -durch Kriege unterbrochen und als es im Sommer 1872 erschien, konnte der -Bericht über die Krönung des preussischen Königs Wilhelm dem deutschen -Kaiser Wilhelm dediziert werden. - -[Sidenote: Lieder des Mirza Schaffy.] - -Rudolf von Deckers -- denn er war anlässlich des hundertjährigen -Bestehens des Hauses in den Adelsstand erhoben -- letzte typographische -That war die Jubelausgabe der »Lieder des Mirza Schaffy«, ein -Prachtwerk, in welchem die Leistungen der Typographie und der -Chromolithographie sich den Rang streitig machen. - -Doch nicht nur die Prachtwerke, sondern jede auch die gewöhnlichste -Arbeit wurde mit der grössten Sorgfalt behandelt. So waren das Coursbuch -und nicht minder die demselben beigegebene typographisch ausgeführte -Eisenbahnkarte, eine Arbeit des späteren Frankfurter Buchdruckers A. -Mahlau, ganz vorzügliche Leistungen. Zu dem umfangreichen Geschäft -erwarb R. Decker im Jahre 1852 noch die Papierfabrik Eichberg in -Schlesien. - -Wennauch das Verhältnis zu der Regierung dem Deckerschen Geschäft -ausserordentliche Vorteile brachte, so lässt es sich andererseits nicht -in Abrede stellen, dass die Reihe der Besitzer ernstlich bemüht war, -ihre Anstalt auf eine Stufe, die einer solchen bevorzugten Stellung -entsprach, zu bringen und auf einer solchen zu erhalten[225]. - - [225] Die letzte Wandlung der Anstalt wird weiter unten zu behandeln - sein. - -[Sidenote: J. G. Unger * 26. Okt. 1715, [+] 15. Aug. 1788.] - -[Sidenote: J. F. Unger * 1753, [+] 26. Dezb. 1804.] - -Unter den älteren Buchdruckereien Berlins aus dieser Periode werden -mit besonderer Achtung Unger Vater und Sohn genannt. Ersterer, JOHANN -GEORG UNGER, bei Pirna geboren, kam 1740 als Drucker nach Berlin. Er -etablierte sich hier als Formenschneider und starb als angesehener -Künstler[226]. Der Sohn JOHANN FRIEDRICH UNGER erfreute sich ebenfalls -eines guten Rufes als Formenschneider, erwarb 1780 eine Buchdruckerei -und legte 1791 eine Schriftgiesserei an, namentlich um die Didotschen -Schriften allgemein einzuführen, welche damals so sehr beliebt waren, -dass die Fraktur Gefahr lief, von ihnen verdrängt zu werden (S. 283). -Später wendete sich jedoch Unger, wie früher Breitkopf, der Fraktur zu, -suchte aber das Heil für diese auf einem Irrwege durch Annäherung ihrer -Formen an die runde Antiqua. In dieser Weise schuf er die sogenannten -Ungerschen Lettern und liess diese durch Joh. Chr. Gubitz, den er aus -der Breitkopfschen Offizin in Leipzig engagiert hatte, schneiden, welche -Schriften sich jedoch nicht einbürgern wollten[227]. Im Jahre 1800 wurde -Unger zum Professor ernannt. Nach seinem Tode konnte die Witwe trotz -all ihrer Tüchtigkeit und Arbeitsamkeit doch nicht das weitverzweigte -Geschäft in dem bisherigen Schwung erhalten. Während der Drangsale der -Kriegsjahre verfiel es nach und nach und gelangte 1821 zum grossen Teil -in den Besitz von TROWITZSCH & SOHN, die den grössten Kalenderverlag -haben und mit der umfangreichen Buchdruckerei (9 Schp.) eine bedeutende -Schriftgiesserei verbinden. - - [226] J. FR. UNGER, Denkmal eines Berlinischen Künstlers und braven - Mannes, von seinem Sohne. Berlin 1789. - - [227] J. FR. UNGER, Probe einer neuen Art deutscher Lettern. Berlin - 1793. -- Die zweite Probe erschien unter der Form: »Die neue - Cäcilia«, 1794. Unger schrieb ferner: »Etwas über die Holz- und - Formschneidekunst«. - -[Sidenote: Gebr. Unger.] - -Mit der genannten Familie Unger stehen die Gründer der Firma GEBR. -UNGER in keiner verwandtschaftlichen Beziehung. OTTO LUDWIG UNGER[228] -und JUL. FERD. UNGER erwarben 1824 die von F. W. MAAS gegründete -Buchdruckerei. Der Sohn des Julius, CARL JOH. FRIEDR. UNGER, ward 1856 -Hofbuchdrucker. Die an orientalischen Schriften reiche Offizin lieferte -viele vorzügliche Werkdrucke. - - [228] Schrieb flüchtige Blicke auf die letzten 40 Jahre der - Buchdruckerkunst. Berlin 1840. - -Die von CHR. S. SPENER 1773 erworbene Buchdruckerei ging bei dessen Tod -1813 auf seinen Bruder J. K. PH. SPENER über, der mit derselben 1815 -die, 1785 gegründete, vorzügliche Offizin von G. H. WEGNER vereinigte. -Wie erwähnt, führte er zugleich mit Decker die Schnellpresse in Berlin -ein (S. 308). 1826 gingen das Geschäft und die »Berlinischen Nachrichten -von Staats- und gelehrten Sachen« in den Besitz des Bibliothekars Dr. S. -H. SPIKER über. - -[Sidenote: G. A. Reimer * 27. Aug. 1776, [+] 26. April 1842.] - -[Sidenote: C. Reimer [+] 29. Juli 1859.] - -G. A. REIMER aus Greifswalde war eine der Zierden des deutschen -Buchhandels, ebenso bekannt durch seine patriotische Gesinnung als seine -geschäftliche Tüchtigkeit. Im Jahre 1817 legte er eine Buchdruckerei für -seinen eigenen Bedarf an. Zu seinem bedeutenden Verlag erwarb er noch -die Weidmannsche Buchhandlung in Leipzig und gehörte somit sowohl Berlin -als Leipzig an. Der Weidmannsche Verlag ging 1830 auf den ältesten Sohn -CARL REIMER über, der ihn, zuerst im Verein mit seinem Schwager Salomon -Hirzel, dann allein fortsetzte. Im Jahre 1855 verlegte C. Reimer das -Geschäft nach Berlin. - -[Sidenote: E. S. Mittler * 26. Jan. 1785.] - -E. S. MITTLER aus Halle war einer der tüchtigsten und beliebtesten der -deutschen Buchhändler. Im Jahre 1816 übernahm er, erst als Leiter, dann -als Besitzer, die Buchdruckerei seines Schwiegervaters WILHELM DIETERICI -und druckte seinen eigenen meist aus Militaria bestehenden Verlag. Im -Jahre 1862 nahm er seinen Enkel Dr. TH. TÖCHE als Teilnehmer auf, der -nach Mittlers Tode das Geschäft mit aller Energie fortsetzt. - -Die DRUCKEREI DER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN (jetzt unter Leitung -von G. VOGT) ist an Umfang nicht bedeutend, jedoch reich an seltenen -Schriften, mit welchen die Werke der Akademie gedruckt wurden, darunter -Schotts chinesische Grammatik. - -[Sidenote: Ed. Hänel * 1804, [+] 16. Aug. 1856.] - -Auf die Verdienste ED. HÄNELS ist bereits oben (S. 281) hingewiesen. -Er war in Magdeburg geboren, wo sein Vater C. J. HÄNEL königl. -Hofbuchdrucker war, hatte sich in England tüchtig ausgebildet und -ging später nach Paris und Belgien. 1835 druckte er die preussischen -Kassenanweisungen, zu welchem Zweck er eine Zweiganstalt in Berlin -etablierte. Nachdem das Magdeburger Geschäft durch Feuer verheert -worden war, zog er ganz nach Berlin und überliess seinem Bruder ALBERT -das Magdeburger Etablissement. Das Berliner Geschäft, welches er 1852 -an CARL DAVID verkauft hatte, kam nach einigen Wandlungen 1864 in die -festen Hände WILH. GRONAUS, der es im Hänelschen Geiste fortführt und -namentlich der Schriftgiesserei seine Thätigkeit zuwendet. - -[Sidenote: J. Sittenfeld * 1801.] - -[Sidenote: Carl Schultze * 30. Juli 1821.] - -Im Jahre 1835 kaufte JUL. SITTENFELD eine kleine Buchdruckerei, die er -schnell in die Höhe brachte. Die Offizin war im Hebräischen besonders -leistungsfähig; unter anderen druckte er den Talmud in acht Foliobänden. -Der jetzige Besitzer (Dr. O. LÖWENSTEIN) hat das Geschäft bedeutend -erweitert (15 Schp., 200 Arb.). Die Buchdruckerei von C. F. AMELANG -ging durch Kauf auf CARL SCHULTZE über. Er richtete dieselbe besonders -auf den Druck schwieriger wissenschaftlicher, namentlich orientalischer -Schriften ein. - -[Sidenote: Der Zeitungsdruck.] - -Ein sehr bedeutender Teil der Druckkräfte Berlins wird durch das -Zeitungsgeschäft in Anspruch genommen, indessen haben die einzelnen -Blätter nicht solchen Umfang und Verbreitung, dass man dort -Zeitungsdruckereien wie in England und Amerika aufweisen könnte, selbst -Blätter von dem Umfang und dem Einfluss wie die »Kölnische Zeitung« und -die »Neue Freie Presse« besitzt Berlin nicht. Im allgemeinen lassen -Druck, Papier und Korrektheit der Zeitungen viel zu wünschen übrig. -Das verbreitetste Blatt war 1880 das »Berliner Tageblatt« mit 70000 -Abnehmern. Diesem kamen am nächsten »Berliner Zeitung«, »Volkszeitung«, -»Vossische Zeitung« mit zwischen 20-30000 Exemplaren; dann folgten -»Staatsbürger-Zeitung«, »Berliner Börsenzeitung«, »National-Zeitung« in -15-20000 Auflage. Von Rotationsmaschinen besitzt Berlin 19. Die Zahl -der Journale beträgt etwa 478, darunter 43 amtliche, 66 politische. Der -Zeitungsdebit durch die Post bezifferte sich 1880 auf etwa 80 Millionen -Nummern. - -Zu den bedeutendsten Zeitungsdruckereien gehört die von LESSING -(»Vossische Zeitung«) mit 2 Rotations-, 4 Doppelmaschinen, nebst -5 Stereotyp-Apparaten; ED. KRAUSE (15 Schp. »Nationalzeitung«, -»Bank- und Handelszeitung«, »Kladderadatsch«, »Wolffs Depeschen« -u. a.); NORDDEUTSCHE BUCHDRUCKEREI UND VERLAGS-ANSTALT (12 Schp. -»Norddeutsche Allgemeine Zeitung«, »Reichsanzeiger« u. a.); R. MOSSE -(18 Schp. »Berliner Tageblatt« etc.); BÜXENSTEIN (3 Rotm. und 21 Schp. -»Börsen-Courier«, »Gerichtszeitung«, »Neue Volkszeitung«); ADAM WILH. -HAYNS ERBEN (9 Schp. »Berliner Intelligenzblatt«); die Buchdruckerei der -»Berliner Börsenzeitung« (10 Schp.). - -Der Illustrationsdruck war bis jetzt nicht die starke Seite der -Berliner Offizinen, doch dürfte bei dem Umstand, dass mehrere der -grossen Berliner illustrierten Blätter in Leipzig gedruckt werden, -neben dem guten Druck noch andere geschäftliche Verhältnisse mitreden. -Die verbreitetsten sind: der von L. Schaefer gegründete »Bazar«, jetzt -im Besitz einer Aktiengesellschaft; F. Lipperheides »Modenwelt«; -»Das Berliner Modenblatt«, die »Illustrierte Frauenzeitung«. Von -den politischen Witzblättern fand der »Kladderadatsch« eine grosse -Verbreitung. - -[Sidenote: Der Accidenzdruck.] - -Auch das Accidenzfach war bis vor nicht langer Zeit in Berlin etwas -vernachlässigt und ausser Hänels Druckerei hatte keine einen besonderen -Ruf auf Grund von Accidenzarbeiten. In jüngster Zeit ist dies vielfach -anders geworden. Ein grosses Ansehen geniesst W. BÜXENSTEIN (S. 286), -dessen neu eingerichtete mit Lithographie verbundene Buchdruckerei -vorzügliches im Accidenz- und Illustrationsdruck liefert. In letzterer -Richtung erwarb sich W. MÖSER (13 Schp.) einen sehr guten Namen. -Auch GEBR. GRUNERT lieferten höchst beachtenswertes im Accidenz- und -Luxusdruck. Ein eigentümliches Accidenzgeschäft ist das der GEBR. -LITFASS, welches sich namentlich dem Plakatdruck widmet und das Monopol -der Anschlagesäulen besitzt. Während der Kriegszeit 1870 befand sich das -»Depeschenhaus« im andauernden Belagerungszustand, denn von Litfass' -Offizin aus gingen die lakonischen aber inhaltsschweren Telegramme »aus -dem Hauptquartier« in das Publikum. - -[Sidenote: Der Letteverein.] - -Wollten wir alle grösseren Druckereien Berlins nennen, würden wir -Seiten damit füllen, hier sei nur noch erwähnt die Aktiengesellschaft -LETTEVEREIN, welche unter der Direktion von C. Janke dessen frühere -Offizin als Frauendruckerei seit 1875 im Gang erhält; sie beschäftigt 45 -weibliche, 20 männliche Arbeiter und 7 Schnellpressen. - -Zuletzt ist noch die im Range erste Druckerei Deutschlands zu erwähnen. - -[Sidenote: Die Preussische Staatsdruckerei und die Reichsdruckerei.] - -Seit dem 1. April 1879 ist das Reich im Besitz einer REICHSDRUCKEREI, -entstanden aus einer Verschmelzung der Deckerschen geheimen -Oberhofbuchdruckerei mit der königlich preussischen Staatsdruckerei. - -[Sidenote: Kgl. Preuss. Staatsdruckerei.] - -Letztere, verhältnismässig junge Druckanstalt hatte sich einen sehr -guten Ruf erworben. Früher wurden die preussischen Banknoten und -Kassascheine, wie erwähnt, bei Ed. Hänel und auch in der Deckerschen -Offizin ausgeführt. Eine Zentralisation der Regierungsarbeiten wurde -jedoch als notwendig erachtet und durch Kabinettsordre vom 30. August -1851 die KÖNIGLICHE STAATSDRUCKEREI für Anfertigung von Wertpapieren ins -Leben gerufen. Nach Auflösung des Königlichen Lithographischen Instituts -fiel der Staatsdruckerei auch die Herstellung der Generalstabskarten zu. - -[Sidenote: Reichsdruckerei.] - -Im Jahre 1877 am 1. Juli wurden die Deckerschen Grundstücke und -die Oberhofbuchdruckerei für die Summe von 6780000 Mark vom Reich -angekauft. Von dieser Summe kamen auf die letztere 1780000 Mark. -1879 am 1. April beschloss der Reichstag, die Königlich Preussische -Staatsdruckerei für die Summe von 3573000 Mark für das Reich zu -erwerben und mit der Deckerschen Offizin zu einer Reichsdruckerei zu -vereinigen. Die Lokalitäten der Staatsdruckerei in der Oranienstrasse -wurden in zweckmässiger, auch äusserlich imponierender Weise umgebaut -und beide Druckereien im eigentlichen Sinne des Wortes verschmolzen, -denn die ganzen Schriftenvorräte von 333000 Kilo wurden ins Zeug -geworfen und umgegossen, weil die Systeme der beiden Offizinen nicht -mit einander stimmten, zugleich wohl auch, weil vieles veraltet war. -Auch neue Maschinen wurden angeschafft, so dass die Reichsdruckerei -augenblicklich mit einem Werte von etwa sieben Millionen Mark angesetzt -wird. Ob, wenn einmal das Reich eine eigene Druckerei haben musste, -eine solche nicht von neuem viel zweckmässiger und viel billiger hätte -hergestellt werden können, ist nunmehr allerdings eine müssige Frage. -Jetzt bleibt mehr zu wünschen, als zu hoffen, dass diese Anstalt sich -streng auf diejenigen Arbeiten beschränken werde, welche wirklich -nur die Bedürfnisse der Reichsregierung befriedigen. Nach manchen -Zeichen zu urteilen, beabsichtigt man jedoch, aus der Reichsdruckerei -eine Art von Vorbild für die deutsche Typographie zu schaffen, wie es -seinerzeit die Wiener Staatsdruckerei für Österreich war, wobei man -jedoch vollständig vergisst, dass erstere seit lange mündig geworden. -Selbst die Herstellung der schwierigsten orientalischen Werke, diese -Ausstellungs-Paradepferde der Staatsanstalten, mit Ausnahme der -vortrefflichen St. Petersburger Wertpapierdruckerei, hat sich in den -Privatdruckereien Deutschlands in einer Weise ausgebildet, dass es -nur als eine Schädigung der ohnehin durch die starke gegenseitige -Konkurrenz bedrohten Privatinteressen betrachtet werden müsste, wenn der -Staat ihnen Konkurrenz bereiten sollte. - -Die Anstalt beschäftigt 700 Personen, besitzt 55 Schnellpressen, 18 -Handpressen und über 200 Hülfsmaschinen. In runder Summe werden jährlich -100 Millionen Bogen gedruckt und über 800 Millionen Poststempel und -andere Wertzeichen zu einer Gesamtsumme von etwa 123 Millionen Mark, -ferner etwa 3-1/2 Millionen Stück Reichsbanknoten, Kassenscheine und -andere Papiere, die einen Wert von nahe an einer Milliarde für die -Besitzer repräsentieren. - -Das Budget von 1881-82 ergab eine Einnahme von 3240000 Mark, eine -Ausgabe von 2221980 Mark, doch da hiervon über 700000 Mark Zinsen -und Abschreibungen abgehen und die Stellung der Preise bei Mangel -an Konkurrenz keine geschäftliche Bedeutung hat, so ist es schwer -zu sagen, wie es mit der Rentabilität, wenn mit den Leistungen von -Privatdruckereien verglichen, sich verhält. - -Die Reichsanstalt ist unter der bisherigen vorzüglichen Leitung der -Königlich Preussischen Staatsdruckerei geblieben, die Direktion hat -somit Herr Geheimrat BUSSE, die technische Führung Herr E. RINGER. Die -neuesten, künstlerisch wenig befriedigenden Produktionen, die Fünfzig-, -Zwanzig- und Fünfmarkscheine, sind auf Papier gedruckt, in dessen Masse, -nach dem in Amerika angewendeten Verfahren, farbige Fasern strichweise -hineingearbeitet sind. Das Papier wurde unter Aufsicht von Beamten -der Reichsdruckerei von Gebr. Ebart in Spechthausen bei Eberswalde -angefertigt. Über die Untrüglichkeit des Systems wird gestritten. - -[Sidenote: Lithographie.] - -Berlin ist der Hauptsitz für den lithographischen Farbendruck geworden -in seinen verschiedenen Zweigen, welche sowohl der Herstellung von -Öldruckbildern als der Zeitschriften- und Bücher-Illustrationen, sowie -den vielen Bedürfnissen des Papeteriegeschäfts dienen. Die eigentliche -Bedeutung erhielt der lithographische Farbendruck durch die Bemühungen -Schinkels und Beuths, unterstützt durch das Wohlwollen, welches der -nachmalige König Friedrich Wilhelm IV. schon als Kronprinz dem neuen -Kunstzweig entgegentrug. Den Wert desselben bezeugte in glänzender Weise -das grosse Werk Prof. Zahns über pompejanische Altertümer. - -[Sidenote: Kunstanstalten.] - -Guten Ruf erlangte die Anstalt J. WINCKELMANNS, der zuerst 1816 in -Verbindung mit Heinr. Arnz das bekannte Institut ARNZ & CO. in -Düsseldorf begründet hatte. Die Leitung desselben lag eine zeitlang in -den Händen von J. STORCH, der später sich mit C. KRAMER verband und -tüchtiges im Landschaftsfache lieferte. Ganz vortrefflich sind Storch & -Kramers für die _Arundel-Society_ in London ausgeführte Reproduktionen -der Freskogemälde altitalienischer Maler (S. 103). Als Meister im -architektonischen und landschaftlichen Aquarelldruck zeichneten sich -LOEILLOT Und R. STEINBOCK aus, bekannt sind unter anderen Hildebrandts -»Reise um die Welt« und Köhlers polychrome Meisterwerke. Mit dem -eigentlichen Ölbilderdruck beschäftigten sich mit mehr oder weniger -Glück eine nicht kleine Anzahl von Firmen und es bleibt nur zu -bedauern, dass neben dem Guten so vieles Geschmacklose, zumteil elendes -Machwerk hervorgebracht wurde, welches eine Kunst für den Augenblick -in Misskredit gebracht hat, die ein besseres Schicksal verdient hatte, -und nun neue Wege suchen muss, um sich die verscherzte Gunst wieder -zu erwerben. Unter den Firmen, die ausser den erwähnten tüchtiges -leisteten, sind zu nennen CARL GEROLD, OTTO TROITZSCH, BÖHME & FRÄNKEL. - -Einen bedeutenden Einfluss auf die Verwendung des Farbendruckes -übten die GROPIUSsche Buchhandlung (später ERNST & KORN) durch ihre -grossartigen architektonischen Unternehmungen, RUD. WAGNER durch die -erwähnte Hildebrandts »Reise um die Welt« und ähnliche Aquarell-Albums, -ALEX. DUNCKER durch eine Reihe von Prachtwerken aus. - -In neuerer Zeit hat die Verwendung der Chromolithographie zu -gewerblichen Zwecken eine enorme Ausdehnung gewonnen. Die Anführung -einiger der bedeutendsten Firmen wird einen Begriff von dem Umfang -solcher Etablissements geben. - -W. HAGELBERG beschäftigt 38 Schnellpressen, 29 Handpressen, 94 -Hülfsmaschinen und 700 Arbeiter; CARL HELLRIEGEL 9 Schnellpressen, 42 -Handpressen, 450 Arbeiter; SCHÄFER & SCHEIBE, deren hauptsächlichste -Produktion in Neujahrs- und Gratulationskarten besteht, 9 -Schnellpressen, 50 Handpressen, 350 Arbeiter; A. KAUFMANN & CO. 23 -Schnellpressen, 16 Handpressen und 250 Arbeiter. Umfangreich sind ferner -ALBRECHT & MEISTER, die BERLINER LUXUS-PAPIERFABRIK, KUTZNER & BERGER -und noch manche andere. Man findet hierin die Bestätigung, wie sehr in -dem Druckgewerbe der Zeitungs- und der Accidenzdruck dem eigentlichen -Bücherdruck über den Kopf wächst. - -Als Verleger von Karten und Globen wurden namentlich DIETRICH REIMER, E. -SCHOTTE & CO. und das BERLINER LITHOGRAPHISCHE INSTITUT massgebend. - -Als Herausgeber von Werken unter Zuhülfenahme des Lichtdruckes -entwickelte E. WASSMUTH eine enorme Thätigkeit, auch PAUL BETTE war in -dieser Richtung sehr rührig. Die PHOTOGRAPHISCHE GESELLSCHAFT besitzt -einen ausserordentlich grossen Fond von photographischen Blättern, -auch G. SCHAUER lieferte viele Blätter und Albums. Den eigentlichen -Kunstverlag pflegten E. H. SCHRÖDER (R. SCHUSTER), SACHSE & CO., AMSLER -& RUTHARDT, GOUPIL & CO. (Filiale von Paris). Unter den Verlegern, -die einen besonderen Einfluss auf das Druckgewerbe übten, sind noch -zu nennen: G. GROTE, DUNCKER & HUMBLOT, VEIT & CO. (beide jetzt in -Leipzig), JUL. SPRINGER, GEBR. PAETEL, P. PAREY, DÜMMLERS Verlag, A. -HIRSCHWALD, G. LANGENSCHEIDT (selbst Buchdrucker), A. ASHER & CO., -WIEGANDT & GRIEBEN. - - * * * * * - -[Sidenote: Breslau.] - -In der drittgrössten Stadt des Deutschen Reiches BRESLAU[229] hat die -Druckerei im Verhältnis zur Grösse der Stadt keine Rolle gespielt, so -wenig wie in den anderen grossen Städten des Nordens Königsberg, Danzig, -Hamburg, Magdeburg und Köln. - - [229] Geschichte der seit 300 Jahren in Breslau befindlichen - Stadtbuchdruckerei. 1804. - -[Sidenote: Grass, Barth & Co.] - -Im Jahre 1748 übernahm CARL WILH. GRASS die Stadtbuchdruckerei in -Breslau von den Baumannschen Erben (I, S. 145), dem sein Bruder -FRIEDR. SIGM. GRASS folgte. Nach dessen Tode erwarb JOH. AUG. BARTH -das Geschäft und vermehrte es durch die Druckerei der katholischen -Landes-Universität. Ein schönes Denkmal der Leistungsfähigkeit der -Offizin ist das 1818 erschienene _Pacis annis 1814 et 1815 foederatis -armis restitutae monumentum_ in Gross-Folio, welches Jubelgedichte in 42 -grösstenteils fremdländischen europäischen und orientalischen Sprachen -enthält. Die Firma wurde GRASS, BARTH & CO., sie verbindet jetzt -Typographie mit Lithographie und arbeitet mit 14 Schnellpressen. - -[Sidenote: W. G. Korn.] - -Einen grossen Umfang erreichte die Verlagshandlung und Buchdruckerei von -W. G. KORN, welche am 13. Januar 1882 ihr 150jähriges Jubiläum beging. -JOH. JOS. KORN eröffnete an diesem Tage 1732 sein Geschäft und erhielt -1741 Privilegium zur Herausgabe der »Schlesischen Zeitung«. Sein Sohn -JOH. GOTTLIEB KORN trat 1828 die Buchhandlung, 1836 die »Schlesische -Zeitung« an seine beiden Söhne ab. Im Jahre 1851 übernahm HEINR. KORN -das Etablissement. Anlässlich des Jubiläums errichtete er, abgesehen -von manchen anderen Schenkungen, für seine Mitarbeiter eine Stiftung -mit einem Kapital von 100000 Mark und wurde in den Adelsstand erhoben. -Das Geschäft arbeitet mit 15 grossen Maschinen und etwa 150 Arbeitern, -besitzt auch bedeutende Papierfabriken. - -S. SCHOTTLÄNDER hat einen reichhaltigen Verlag und arbeitet mit 15 -Schnellpressen. Von grossen Verlagshandlungen sind noch zu nennen MAX & -CO., FERD. HIRT und E. TREWENDT. - -[Sidenote: C. Flemming * 10. Mai 1806, [+] 1. Nov. 1878.] - -Einen bedeutenden Umfang erreichte das Geschäft von CARL FLEMMING in -GLOGAU, welches sich namentlich der Produktion von Landkarten widmet und -damit 11 typographische und lithographische Schnellpressen beschäftigt. - -[Sidenote: Posen.] - -In POSEN wurde, wie erwähnt, von G. J. Decker ein Etablissement -errichtet, das jetzt als W. DECKER & CO. typographisch und -lithographisch mit 7 Schnellpressen arbeitet. FRANKFURT A. O., die erste -Stadt Preussens, in welcher die Druckerei eingeführt wurde, hat so wenig -wie andere Städte des östlichen Preussens eine besondere Stellung in der -Typographie erworben. Die bedeutendste Druckanstalt dort ist TROWITZSCH -& SOHN (gegr. 1779) mit 6 Schnellpressen. - -[Sidenote: Königsberg.] - -Selbst die Königs- und Universitätsstadt KÖNIGSBERG misst sich kaum -mit mancher Stadt von 20-30000 Einwohnern hinsichtlich graphischer -Produktion. Erst 1523 war die Druckerei dort durch HANS WEYNREICH -eingeführt, dessen Offizin nach vielen Wandlungen zur Zeit des dritten -Jubelfestes in den Händen JOH. FR. REUSSNERS war. - -[Sidenote: J. H Hartung * 17. Aug. 1699, [+] 5. Mai 1756.] - -Das bedeutendste Geschäft ist das von JOH. HEINR. HARTUNG, durch -Übernahme der J. STELTESCHEN Buchdruckerei 1732 gegründet. Durch Umsicht -und Unermüdlichkeit erwarb sich Hartung allgemeines Ansehen. Die -Stände von Livland und Kurland übertrugen ihm den Druck der lettischen -Bibel und der cyrillischen Postille; für erstere erhielt er 7000 -Thaler. Neben seiner Buchdruckerei trieb er bedeutenden Verlags- und -Sortimentshandel und sein 1746 erschienener Sortimentskatalog war über -400 Seiten stark. In Leipzig hatte er während der Messe offenes Gewölbe. -Zu seinem grossen Geschäft erwarb er noch die erwähnte Reussnersche Hof- -und akademische Buchdruckerei. Er verschied in Leipzig 1756 während der -Ostermesse. - -[Sidenote: Gottl. Hartung * 12. Aug. 1747, [+] 19. Nov. 1797.] - -Nachdem sein ältester Sohn bereits 1759 gestorben war, übernahm 1763 -der jüngere GOTTLIEB LEBERECHT HARTUNG das Geschäft, nach dessen Tode -dirigierte es seine Witwe SOPHIE CHARLOTTE mit Mut und Ausdauer, bis -sie es 1817 ihrem Sohne GEORG FRIEDRICH HARTUNG übertragen konnte. Die -von Hartung herausgegebene »Königsberger Zeitung« ist eine der ältesten -Deutschlands und ihre Geschichte lässt sich bis auf das Jahr 1640 -verfolgen. Vom 6. Februar 1758 bis 1. Juli 1762 und dann vom 19. Juli -bis 10. August 1762 musste der ihre Kopfzeile schmückende preussische -Adler mit dem russischen vertauscht werden. In den Jahren 1807 und 1808 -hatte die Zeitung eine grössere Bedeutung erreicht, da der Krieg in der -Nähe um Königsberg geführt wurde, wodurch indes Hartung verschiedenen -Gefahren ausgesetzt wurde. - -Wie wenig bedeutend der Umfang des Druckgewerbes in Königsberg war, geht -aus den Aufzeichnungen über die vierte Jubelfeier hervor. Dieselben -weisen nur 7 Druckereien mit 45 Gehülfen und 28 Lehrlingen auf; da die -Hartungsche Druckerei 20 Gehülfen und 7 Lehrlinge beschäftigte, so -kommen auf sechs Druckereien 25 Gehülfen und 21 Lehrlinge[230]. Jetzt -arbeitet die Hartungsche Buchdruckerei mit sechs Schnellpressen und etwa -100 Personen. - - [230] Geschichte der Buchdruckerkunst in Königsberg. 1840. - -[Sidenote: Marienwerder.] - -[Sidenote: Danzig.] - -[Sidenote: Stettin.] - -Von Königsberg aus wurde, als Friedrich der Grosse bei der ersten -Teilung Polens Westpreussen erhielt, der Buchdrucker R. KANTER nach -MARIENWERDER als Hofbuchdrucker berufen, um die königlichen Arbeiten -zu liefern; die Offizin besteht noch heute mit 5 Schnellpressen. In -DANZIG sind die bedeutendsten Druckanstalten die von JUL. SAUER und von -A. W. KAFEMANN, letztere ist zugleich mit Schriftgiesserei verbunden. -STETTIN hat nur Bedeutung im Accidenz- und Zeitungsdruck; die dortige -Firma H. G. EFFENBART beging 1879 ihr 300jähriges Jubiläum. Noch um zwei -Jahre älter ist die, jetzt mit 8 Schnellpressen arbeitende, Firma H. -HESSENLAND. R. GRASSMANN, zugleich Schriftgiesserei, beschäftigt elf -Schnellpressen und gegen 100 Arbeiter. - -[Sidenote: Mecklenburg.] - -In ROSTOCK besteht die Offizin von ADLERS ERBEN (6 Schp.) seit 1635. -Ausser in Rostock hat D. C. HINSTORFF, bekannt als der Verleger und -Drucker von Fritz Reuters Werken, noch Geschäfte in WISMAR (5 Schp.) und -LUDWIGSLUST. Die grösste Druckerei SCHWERINS ist die von W. SANDMEYER (8 -Schp.). - -NEURUPPIN kann Armeen aus der Presse stampfen. Die Firma GUSTAV KÜHN -arbeitet mit Rotationsmaschine, 11 Schnellpressen und einer grossen -Zahl von Hülfsmaschinen, welche von gegen 400 Arbeitern bedient werden. -OEHMIGKE & RIEMSCHNEIDER beschäftigen 6 Schnellpressen und 200 Arbeiter -hauptsächlich mit den bekannten Bilderbogen. - -[Sidenote: Lübeck. Hamburg.] - -LÜBECK verlor seine Bedeutung, die es in der früheren Periode eine -zeitlang hatte, und auch HAMBURG nimmt nicht eine solche Stellung ein, -wie man es von dem ersten Handelsplatze und der, der Bevölkerung nach, -zweiten Stadt des Reiches erwarten könnte. Vielleicht wären seinerzeit -die Bemühungen des FRIEDR. ANDREAS PERTHES, Hamburg zu einem Emporium -des buchhändlerischen Verkehrs mit dem Auslande zu erheben, gelungen, -wenn nicht die schwere Zeit des Napoleonischen Druckes auf Deutschland -im allgemeinen und Hamburg im besonderen hemmend gelastet hätte[231]. -Nur für den Zeitungsverlag hatte Hamburg einige Bedeutung und erst in -neuerer Zeit ist es Sitz einiger grösserer Verlagshandlungen geworden. - - [231] CLEMENS TH. PERTHES, Friedr. Perthes' Leben. 6. Aufl. Gotha 1872. - -Selbst der Accidenzdruck hat keinen rechten Aufschwung genommen. Der -solide Hamburger Kaufmannssinn giebt wenig auf Eleganz der Druckarbeiten. - -[Sidenote: Lessing als Buchdrucker.] - -Inzwischen sollte doch das wenig poetische Hamburg einen grossen Dichter -Deutschlands unter seinen Buchdruckern zählen. Eine zeitlang war nämlich -Lessing Associé des Buchdruckereibesitzers JOH. JOACH. CHRIST. BODE. -Ostern 1767 hatte letzterer auf dem Holzdamm eine Buchdruckerei angelegt -und LESSING trat gleich nach seiner Ankunft in Hamburg als Sozius -ein. Die »Hamburgische Dramaturgie«, die »Antiquarischen Briefe« und -die Abhandlung »Wie die Alten den Tod gebildet« sind von den eigenen -Pressen Lessings gedruckt, und das Projekt, die Werke der bedeutendsten -Gelehrten mit lohnenderem Ertrage für Verfasser und Verleger zu -veröffentlichen, erregte in den beteiligten Kreisen so grosse -Aufmerksamkeit, dass Klopstock schon im Sommer 1767 versprach, für das -geplante »Deutsche Museum« seine »Hermanns Schlacht« und Gerstenbergs -»Ugolino« herzugeben. Die Publikationen dieser Druckerei und -Verlagsfirma erhielten ein seltsames Kleinquart-Format; zum Druck wurde -ein fein gestreiftes resp. geripptes italienisches Papier verwendet, so -dass der eigentümliche Geschmack Bodes und Lessings vielfach Spottreden -hervorrief. Die junge Firma wurde schon 1768 unter bedeutenden Verlusten -für Lessing aufgelöst, dessen finanzielle Bedrängnisse, welche seinen -Abgang von Hamburg bis zum Jahre 1770 verzögerten, jedenfalls zum -grössten Teil diesem Misserfolg zuzuschreiben sind. - -[Sidenote: Hamburger Offizinen.] - -Das grösste der heutigen Etablissements ist das von J. F. RICHTER (2 -Rotm., 14 Schp., 15 Hdp., 150 Arb.). Als Zeitungsdruckereien sind zu -nennen die Aktiengesellschaft NEUE BÖRSENHALLE, welche die »Börsenhalle« -und den »Correspondent« druckt, HERMANNS ERBEN (1 Rotm., 6 Schp.), -DIEDERICH & Co. (1 Rotm., 5 Schp.). C. ADLER verbindet mit Buchdruckerei -und lithographischer Anstalt (9 Schp., 8 Hdp.) ein ausgedehntes Geschäft -mit Lehrmitteln. F. SCHLOTKE wurde schon in dem Kapitel über Maschinen -erwähnt, ist ausserdem durch seine litterarische Wirksamkeit bekannt und -jetzt Besitzer, Redacteur und Drucker des »Journal für Buchdruckerkunst« -(S. 356). - -Das holsteinische Städtchen ITZEHOE besitzt die bedeutende Buchdruckerei -von G. J. PFINGSTEN, dessen weitverbreitete »Itzehoer Nachrichten« -namentlich vor und während der dänischen Kriege einen grossen Einfluss -übten. - -[Sidenote: Wandsbeck.] - -[Sidenote: G. W. Seitz * 6. Febr. 1826.] - -In dem als eine Vorstadt von Hamburg zu betrachtenden WANDSBECK hat -die bedeutendste chromolithographische Anstalt Deutschlands ihren Sitz -aufgeschlagen. GUSTAV W. SEITZ lernte erst als Setzer, versuchte sich -dann ohne jedwede Anleitung als Holzschneider, bis er später in München -seine weitere Ausbildung erhielt. Dann wagte er sich in Hamburg an -den Verlag. Durch Zufall mit dem lithographischen Farbendruck bekannt -geworden, erblickte er in diesem die Illustrationsmethode der Zukunft. -Nach Überwindung unendlicher Schwierigkeiten gelang es Seitz, zwanzig -Handpressen zu beschäftigen, bis der Krieg 1866 wieder Stockungen -brachte. Trotzdem beschloss er, sich ein Domizil zu bauen und zwar in -dem äussersten Ende von Wandsbeck. Ein kleines humoristisches Bild von -Süs, »Der erste Gedanke«, wurde in 18000 Exemplaren verkauft. Trotz -der Abmahnungen des Künstlers selbst wagte er sich nun an Carl Werners -Nilbilder in Aquarelldruck und errang einen vollständigen Sieg. Unter -seinen vielen Blättern ist der grosse Aquarelldruck »Auroras Triumphzug« -nach Guido Reni eine ausserordentlich gelungene Leistung. - -Besondere Verdienste hat Seitz durch die Vervollkommnung des -Reduktionsapparates. Schon im Jahre 1860 tauchte die englische Erfindung -auf, ein Bild auf eine Gummihaut, die in einem Rahmen von vier durch -Schrauben verstellbaren Stäben angebracht war, durch stärkere Anspannung -resp. durch Lockerung der Spannung der Haut zu vergrössern oder zu -verkleinern. In dieser veränderten Gestalt wurde dann das Bild auf -einen Stein übertragen, so dass man Kopien in verschiedenen Grössen -ohne eine neue Zeichnung erhalten konnte. Alles kommt natürlich auf -die ganz verhältnismässig richtige Vergrösserung oder Verkleinerung -nach Höhe und Breite an. Seitz ist es gelungen, die Apparate so fein -zu vervollkommnen, dass Bilder von zwanzig und mehr Farben, zu welchen -ebenso viele Steine gehören, im vollkommensten Passen der Umränderungen -hergestellt werden können. - -[Sidenote: Stenochromie.] - -In Wandsbeck übte um 1875 OTTO RADDE (durch MÜHLMEISTER & JOHLER dort, -später in Hamburg) ein eigentümliches Verfahren, um Öldruckbilder -herzustellen. In der Art, wie die einzelnen Glas- oder Steinstückchen zu -einem Mosaikbild gefügt werden, setzte Radde die aus festen Teichfarben -mittels Blechschablonen in die nötigen Formen gebildeten Blöcke in -einem Rahmen zu einer Bilderform zusammen. Wurde nun ein mit Terpentin -gefeuchteter Bogen darauf gelegt und Form und Bogen in einer Presse -einem gelinden Druck ausgesetzt, so erhielt man ein Öldruckbild, -das jedoch nur als eine Untermalung zu betrachten war, welche erst -durch Aufdruck mehrerer lithographischer Farbenplatten Ausdruck und -Schattierung erhielt. Das Verfahren war nicht neu. Bereits Senefelder -hatte in seinem Werke daran gedacht und der Maler LIEPMANN in Berlin -lieferte 1842 einige recht hübsche Bilder in dieser Weise. 1873 zeigte -sich Jul. Greth aus Charlottenburg damit auf der Wiener Weltausstellung. -Auch ein Engländer, J. M. JOHNSON, hatte es geübt, um Landkarten zu -illuminieren, sowie um Tapeten und andere Arbeiten herzustellen, wo die -Farben sich bestimmt abgrenzen und nicht in einander übergehen müssen. -Von dem mit grossem Eclat in Scene gesetzten Verfahren (Stenochromie) -ist es ganz still geworden. - -[Sidenote: Bremen.] - -Die Handelsstadt BREMEN ist so wenig wie Hamburg ein bedeutender -Verlagsplatz geworden, deshalb beschränkten sich die Buchdruckereien -hauptsächlich auf Zeitungs- und Accidenzarbeiten. Die grössten Offizinen -sind die von C. SCHÜNEMANN (9 Schp., 120 Arb.), welche die »Bremer -Nachrichten« und die »Weser-Zeitung« druckt, und GEBR. HAUSCHILD, die -hauptsächlich Accidenzarbeiten liefern. - -[Sidenote: Oldenburg.] - -In OLDENBURG sind G. STALLING und die SCHULZESCHE HOFBUCHDRUCKEREI, -je mit 4 Schnellpressen, thätig. In dem kleinen DETMOLD besteht seit -1570 die MEYERSCHE HOFBUCHDRUCKEREI, welche, jetzt mit Steindruckerei -verbunden, 8 Schnellpressen und 9 Handpressen in Gang hält. - -[Sidenote: Hannover.] - -In HANNOVER findet eine rege Druckthätigkeit hauptsächlich für Zeitungs- -und Accidenzdruck statt; namentlich ist dasselbe ein Hauptplatz für -die Herstellung von Handlungsbüchern geworden. Obenan in letzterer -Richtung stehen J. C. KÖNIG & EBHARDT mit 29 Schnellpressen, darunter -14 für mehrere Farben, 16 Liniiermaschinen, 30 Buchbinderpressen, 12 -Papierschneidemaschinen nebst zahlreichen sonstigen Hülfsmaschinen und -einem Personal von 350 Köpfen. Auch EDLER & KRISCHE (10 Schp., 200 -Pers.) und die HANNOVERSCHE GESCHÄFTSBÜCHERFABRIK arbeiten in ähnlicher -Richtung, während R. LEUNIS & CHAPMAN die Handeltreibenden mit Tüten und -ähnlichem versorgen und damit ein grosses Personal beschäftigen. - -Die GEBR. JÄNECKE (als Farbenfabrik JÄNECKE & SCHNEEMANN S. 319) -gaben ihrem Druckgeschäft eine grosse Ausdehnung (10 Schp., 11 Hdp.), -sowohl als Zeitungsdruckerei (»Hannöverscher Courier«) wie als -Werk- und Accidenzdruckerei. Von Bedeutung sind ferner KLINDWORTHS -Hofbuchdruckerei (10 Schp., 9 Hdp.) und die SCHLÜTERSCHE Buchdruckerei -(2 Rotm., 7 Schp.). In der Zeit der Privilegien hatte die HAHNsche -Hofbuchhandlung fast den ganzen Sortimentshandel des Königreichs in -den Händen. Ihr bedeutender Verlag hat seinen Sitz in Leipzig. -- Die -Universitätsstadt GÖTTINGEN hat als Druckplatz nie eine grosse Bedeutung -gehabt. - -[Sidenote: Westfalen und Rheinland.] - -MÜNSTER, in der Zeit der Humanisten ein so wichtiger Platz (I, S. 51), -macht sich wie PADERBORN und TRIER (FR. LINTZ, 7 Schp.) hauptsächlich -nur durch seinen streng katholischen Verlag bemerkbar. OBERHAUSEN -verdient Erwähnung als der erste Platz in Deutschland, wo die -Rotationsmaschine (durch A. SPAARMANN) eingeführt und zum Bücherdruck -verwandt wurde. In MINDEN liefert E. C. BRUNN (6 Schp.) namentlich Post- -und merkantile Arbeiten. - -[Sidenote: Verschiedene Städte.] - -G. D. BÄDEKER in ESSEN beschäftigt 150 Arbeiter und zehn Schnellpressen, -die BÄDEKERsche Buchdruckerei in ELBERFELD 6 Schnellpressen namentlich -mit Eisenbahnarbeiten; daselbst drucken auch S. LUCAS mit 14, R. L. -FRIDERICHS mit 10 Schnellpressen. - -L. SCHWANN übersiedelte von Neuss nach DÜSSELDORF und errichtete dort -eine grosse Offizin (10 Schp., 120 Arb.), welche namentlich bedeutende -Accidenzien in Chromoxylographie liefert. Dass Düsseldorf als Sitz -der berühmten Kunstschule sich auch im Kunstverlag auszeichnet, -ist fast selbstverständlich. Als Kunstdruckerei hat L. BAUMANN, -früher ARNZ & CO., einen Ruf; die »Düsseldorfer Monatshefte« waren -weltbekannt. A. BAGEL, früher in Wesel, hat eine sehr bedeutende -typographisch-lithographische Anstalt (21 Schp., 150 Pers., -Papierfabrik) und liefert namentlich Arbeiten für Schulen, Bilderbücher -u. dgl. - -BONN gehört zu denjenigen Universitätsstädten, wo namentlich der -orientalische Druck gepflegt wird, besonders durch die Druckerei von C. -H. GEORGI. - -[Sidenote: Köln.] - -KÖLN, im frühen Mittelalter die berühmte hohe Schule der Wissenschaft -und der Typographie, von wo aus das Licht Gutenbergs über die -Niederlande und den Norden ausgegangen war, lieferte später nur -ultramontane Schriften und musste sogar seinen berühmten Namen zur -Einschmuggelung verbotener oder gar schmutziger Bücher hergeben, die -überall hin mit der Firma »Peter Hammer« oder »_Pierre Marteau_« und -Druckort Köln verbreitet wurden. - -Von den Offizinen hat die der Verlagshandlung J. P. BACHEM in der -katholischen Welt eine grosse Bedeutung und druckt mit ihren 9 -Schnellpressen mehrere Zeitschriften und Zeitungen mit katholischer -Richtung. Die LANGENsche Buchdruckerei beschäftigt 16 Schnellpressen, -die von W. HASSEL 10. - -Am öftesten wird jedoch in der neuern typographischen Geschichte Köln -auf Grund der Offizin der KÖLNISCHEN ZEITUNG genannt, mit der auf dem -Kontinent nur die der Wiener »Neuen Freien Presse« in den technischen -und redaktionellen Einrichtungen wetteifern kann. - -[Sidenote: Du Mont-Schauberg und die »Köln. Zeitung«.] - -Bereits 1651 gab es zu Köln eine Zeitung, die als Stammmutter der -jetzigen »Kölnischen Zeitung« zu betrachten ist: die im Besitz von Franz -Köntgen erscheinende »Postamts-Zeitung«, welcher er den Namen »Kölnische -Zeitung« gab. Sie wurde bei Schaubergs Erben gedruckt, eine Offizin, -die von GEREON ARNOLD SCHAUBERG bereits anfangs des XVIII. Jahrhunderts -gegründet war[232]. - - [232] Geschichte der »Kölnischen Zeitung« und ihrer Druckerei. Diese - wahrhaft prächtige Gelegenheitsschrift erschien anlässlich der - Gewerbe-Ausstellung in Düsseldorf 1880, wo M. Du Mont-Schauberg - eine komplette Zeitungsdruckerei mit Rotationsmaschine - ausgestellt hatte. Das Werk enthält höchst interessante Beiträge - zur Geschichte der Zeitungen, zeichnet sich daneben durch eine - fast beklagenswerte Abwesenheit alles und jeden Hervorhebens der - leitenden Persönlichkeiten aus. - -Als Schauberg das Blatt von Köntgen erwarb, hatte es eine Auflage von -250 Exemplaren. Der frühere Besitzer erhielt eine Rente von monatlich -zwei Kronenthalern; stiege die Zahl der Abonnenten auf 400, so sollte -monatlich ein halber Thaler zugelegt werden. - -Am 10. Juni 1805 gingen sowohl die Schaubergsche Offizin als die -»Kölnische Zeitung« auf MARCUS DU MONT über, welcher sich in demselben -Jahre mit Catharine Schauberg verheiratete. Köln schmachtete damals -wie das ganze linke Rheinufer unter der Herrschaft Napoleons und da in -jedem Departement nur ein Regierungsblatt geduldet wurde, so musste die -»Kölnische Zeitung« 1809 einfach zu erscheinen aufhören. Der Kaiser -entschädigte jedoch den Verleger durch eine Jahresrente von 4000 -Franken. 1814 ist das Jahr der Wiedergeburt des Blattes und 1822, wo der -Zeitungsstempel in Preussen eingeführt wurde, hatte es bereits über 2000 -Abonnenten. Die Ereignisse von 1830, 1848 und namentlich die Kriegsjahre -1866 und 1870 trugen wesentlich zur Hebung und Verbreitung des Journals -bei. Riesig waren die Opfer, welche dasselbe durch Errichtung eigener -Telegraphenlinien, und Entsendung eigener Korrespondenten brachte, -allein diese Aussaat ist auf guten Boden gefallen, die »Kölnische -Zeitung« ist heute ein Weltblatt und druckt täglich eine Auflage von 30 -bis 40 tausend Exemplaren. - -Unter solchen Verhältnissen wurden die Lokalitäten mehrmals zu enge und -im Jahre 1846 entstand mit einem Aufwande von über 300000 Mark in der -Breitenstrasse ein höchst zweckmässiger Neubau, der am 26. September -1847 bezogen und im Jahre 1871 durch Neubauten vergrössert wurde. Das -erste Telegramm der Zeitung erschien am 5. Oktober 1849. Am 1. Januar -1858 nahm sie das Format an, in welchem sie noch heute erscheint. - -Am 1. Januar 1845 hatten bereits die Brüder JOSEPH und MICHAEL DU -MONT das Geschäft im alleinigen Besitz und zwar übernahm Michael die -Buchhandlung, Joseph behielt die Zeitung. Leider starb dieser bereits -am 3. März 1861 und hinterliess seiner Witwe und seinen vier Kindern -sowie seinem treuen Freunde und Associé WILHELM FERDINAND SCHULTZE aus -Magdeburg, welcher 1844 in das Geschäft getreten war, das umfangreiche -Institut. Am 31. Juli 1874 erhielt sie ihre eigene Drahtleitung von -Berlin, nachdem bereits früher der Telegraph in grossartiger Weise -benutzt worden war. In den Prozessen Kullmann und Graf Arnim betrugen -die Kosten für Telegramme 25000 M. und öfters wurden mehr als 20000 -Worte hintereinander depeschiert. Eine Wochenausgabe der Zeitung hatte -bereits im Jahre 1866 am 5. Oktober begonnen. - -Nachdem die »Kölnische Zeitung« mehrmals ihre Pressen durch neue -verbesserter Konstruktion ersetzt hatte, wurden 1877 Rotationsmaschinen, -und zwar von König & Bauer gebaute, angeschafft. Die drei vorhandenen -Exemplare liefern stündlich je 16200 komplette Bogen. Als Motoren -für diese und noch für 10 Schnellpressen dienen vier Gasmaschinen. -1880 betrug die Zahl der Angestellten 155, ausserdem waren 78 Knaben -beschäftigt. Reich dotierte Kranken- und Unterstützungskassen sind mit -der Offizin verbunden. - -Kurz nach dem Tode Ludwigs, des ältesten Sohnes Josephs, starb am 30. -November 1881 der mit den reichsten Gaben des Verstandes und des Herzens -ausgerüstete W. F. SCHULTZE, der ausserordentlich viel dazu beigetragen -hat, dass die Zeitung heute eine so hohe Stufe einnimmt, dabei war er -von einer so grossen Bescheidenheit, dass nicht einmal sein Name in der -erwähnten aus seiner Feder stammenden Festschrift genannt wird. - -Es ist begreiflich, dass kaum ein Reisender, der die Aufgabe der Presse -zu würdigen versteht, bei einem Aufenthalt in Köln die Offizin der -»Kölnischen Zeitung« unbesucht lässt. So erschien eines Nachmittags -im Herbst 1877 der Feldmarschall Graf Moltke. Rasch entwarf einer der -Redacteure, Hermann Grieben, einige begrüssende Zeilen, die, in wenigen -Minuten gesetzt und in der Presse abgezogen, dem berühmten Besucher -überreicht wurden; sie mögen hier einen Platz finden: - - Heil und Dank Dir, Schlachtenleiter, dass Du auch bei uns erschienst, - Und auch unsre wackren Streiter inspizierst in ihrem Dienst. - Ja die kleinen Bleisoldaten sind, verhunderttausendfacht, - Wohlgeführt und wohlberaten eine respektable Macht. - Täglich rückt ihr Kriegsgeschwader tapfer aus zum Geisterstreit, - Ihre grossen Hinterlader schiessen tausend Meilen weit. -- - Sieh im Kasten hier die Letter! Einzeln ist sie nur ein Zwerg, - Doch im Chor ein Siegsgeschmetter: »Freiheit, Licht und Gutenberg«. - -[Illustration] - - -[Illustration] - - XIV. KAPITEL. - - DER SÜDEN DER GERMANISCHEN GRUPPE. - - Emporwachsen Stuttgarts: Die Familie Cotta. J. B. Metzler. Die - illustrierte Litteratur. Ed. Hallberger, Gebr. Kröner u. a. Die - Xylographie. Der Buchhandel. Statistisches. Tübingen. München: - Aufschwung aller graphischen Künste, Kasp. Braun, Fr. Hanfstängl, J. - Albert, Fr. Bruckmann u. a. Nürnberg. Regensburg. Augsburg. - Rheinische Städte. Frankfurt a. M. Mainz und das Einweihungsfest. - Freiburg i. Br. Dornach: Ad. Braun. Strassburg: Das Gutenbergdenkmal, - die Bibliothek. - - DIE SCHWEIZ. Lokale Schwierigkeiten. Basel: Die Familie Haas. Zürich: - Orell Füssli & Co., Kartographie. St. Gallen: Chr. Zollikofer. - Einsiedeln: Gebr. Benziger. Bern. - -[Sidenote: Sinken der Bedeutung des Südens.] - -Noch vor Ablauf der vergangenen Periode hatten der Westen und der -Süden Deutschlands ihr typographisches Übergewicht verloren. Die -blühenden Hauptsitze der Buchdruckerei und des Buchhandels, Nürnberg -und Augsburg, waren von ihrer Höhe zurückgegangen und wurden zu -Anfang unseres Jahrhunderts bayrische Provinzialstädte, während die -Hauptstadt Bayerns keine Anstrengungen machte, um ein Emporium des -Bücherverkehrs in Süddeutschland zu werden, wie es wohl möglich gewesen, -wenn Gutenbergs Kunst von oben dieselbe Unterstützung und Förderung -gefunden hätte, wie die bildende Kunst. Der hohe Glanz Basels war -hinfällig geworden; es blieb zwar eine sehr respektable schweizerische -Universität, der europäische Ruf war jedoch dahin. Strassburg zählte -seit seiner Überrumpelung durch die Franzosen im Jahre 1681 nicht mehr -zu Deutschland und galt in jüngster Zeit mehr als Festung denn als Sitz -der Wissenschaft und Kunst. Frankfurt am Main hatte als Bücheremporium -längst Leipzig den Platz räumen müssen, war auch nicht bestrebt, -wenigstens als Verlagsort, ein bedeutendes Gewicht in die Wagschale zu -legen, und die Heimat der Druckkunst, Mainz, hatte es nie versucht, die -günstigen Antezedentien zu benutzen und die Erbschaft Gutenbergs im -Geiste des Erfinders anzutreten. - -[Sidenote: Emporblühen Stuttgarts.] - -Unter diesen Verhältnissen gelang es einer bis 1750 in der Geschichte -der Typographie kaum genannten Stadt, die noch tief in unser Jahrhundert -herein hauptsächlich nur als Sitz der Cottaschen Verlagshandlung und -des Nachdruckes in der graphischen Welt bekannt war, in der Zeit von -knapp einem Menschenalter sich zum dritten typographisch-bibliopolischen -Hauptplatz des Deutschen Reiches emporzuschwingen, und zwar -hauptsächlich nur durch die Energie der Gewerbtreibenden selbst, -verbunden mit Tüchtigkeit, kaufmännischer Klugheit und dem nötigen Mut -»ins Zeug zu gehen« gepaart. - -[Sidenote: Joh. Fr. Cotta * 27. April 1764, [+] 29. Dez. 1832.] - -Seinen ersten Ruhm verdankt STUTTGART, wie erwähnt, der Familie Cotta. -JOHANN FRIEDRICH COTTA, ein Urenkel des Begründers des Cottaschen -Geschäfts in Tübingen (I, S. 134), Enkel des Kanzlers der Universität, -war in Stuttgart geboren. Sein Vater hatte im österreichischen -Reiterdienst gestanden und auch er fühlte Neigung für den Militärdienst -und widmete sich namentlich dem Studium der Mathematik, ergriff jedoch -als Brotstudium die Rechtswissenschaft und trat 1785 in Tübingen als -Hofgerichtspraktikant ein. Die seinem Onkel gehörende Buchhandlung in -Tübingen war in Verfall geraten und Johann Friedrich musste, um sie der -Familie zu erhalten, sich entschliessen, die buchhändlerische Carrière -zu ergreifen. Er trat am 1. Dezember 1787 unter unendlichen Sorgen und -Mühen in Besitz des Tübinger Geschäfts und verband sich zuerst mit einem -redlichen, aber für den Buchhandel nicht geeigneten Mann, Dr. Zahn. -Dieses Geschäftsverhältnis wurde jedoch nach wenigen Jahren gelöst. - -[Sidenote: Cottas Verbindung mit Schiller und Goethe.] - -[Sidenote: Allgem. Zeitung.] - -Bekannt ist Cotta namentlich durch sein intimes Verhältnis zu Goethe und -Schiller, ein Verhältnis so schön, wie es zwischen Autor und Verleger -nur gedacht werden kann. Cotta hatte den Plan zu einer deutschen Zeitung -gefasst, die von Schiller redigiert werden sollte, jedoch Goethes -Pläne führten zur Herausgabe der Horen (1795). Nun verständigte sich -Cotta mit Dr. Posselt über die Herausgabe der »Allgemeinen Weltkunde«, -aus der dann die »Allgemeine Zeitung« entstand. Posselt erkannte -jedoch selbst, dass er sich zur Herausgabe einer Tageszeitung nicht -eigne. Nach mehrmaligem Redactionswechsel wurde die Zeitung 1798 nach -Augsburg verlegt und ging nunmehr gewöhnlich unter der Bezeichnung »die -Augsburgerin«. - -[Sidenote: Übersiedelung nach Stuttgart.] - -Cotta siedelte 1810 nach Stuttgart über; der alte Adel wurde wieder -aufgenommen und Cotta Freiherr von Cottendorf. - -[Sidenote: Thätigkeit Cottas.] - -Es gelang Cottas Thätigkeit, Umsicht und Liberalität, nach und nach -alle deutschen Dichter von Bedeutung und viele andere hervorragende -Schriftsteller an seinen Verlag zu fesseln. Für ein aufkommendes -Talent wog der Umstand, sein Werk im Cottaschen Verlag erscheinen zu -sehen, mehr als alle sonstigen Empfehlungen. Bezeichnend für Cotta und -seine Handlungsweise sind seine Worte an Schiller: »Ich wünsche, Sie -bestimmten das Honorar für die Sammlung Ihrer theatralischen Schriften. -Sie werden dabei finden, dass Sie es mit einem Manne zu thun haben, der -neben der Überzeugung, dass bei Schriftstellern, wie Sie, das Honorar -nie ein Äquivalent für die Arbeit sein könne, und dass mithin ein Akkord -nie die Verbindlichkeiten des Buchhändlers in einem solchen Falle -erschöpfe, sobald der Erfolg ihm noch mehr zu thun erlaubt, auch Ihre -Freundschaft zu schätzen weiss«. - -[Sidenote: Münchener Unternehmungen.] - -Im Jahre 1815 ging Cotta im Auftrag mehrerer der geachtetsten -Buchhändler Deutschlands nach Wien, um bei dem Kongress die Interessen -des Buchhandels zu wahren. Eine seiner erfolgreichen Unternehmungen -aus damaliger Zeit war Dinglers »Polytechnisches Journal«. Von seiner -Liebe zur Kunst geleitet gründete er in München eine grossartige Anstalt -für Kupferstecherei und Lithographie, verbunden mit einer Kunst- und -Landkarten-Handlung. Dort erfolgte nun die Herausgabe vieler grösserer -die Kunst fördernder Werke: Gaus' Prachtwerk über »Nubien«; Platners -topographisches Werk über »Rom«, das jedoch nicht zur Vollendung -gelangte; Bröndsteds »Reise in Griechenland«; die Werke von Moritz -Retzsch, Eugen Neureuther, Weitbrecht u. a. - -Johann Friedrich starb am 29. Dezember 1832. Seine Thätigkeit im Dienste -des Vaterlandes und seine Vorzüge als Landwirt gehen über den Rahmen -dieses Handbuches hinaus. - -[Sidenote: G. v. Cotta * 19. Juli 1796, [+] 1. Febr. 1863.] - -Sein Sohn GEORG VON COTTA fand ein zwar hochberühmtes, aber auch auf -Grund der Vielseitigkeit der Unternehmungen stark belastetes Geschäft -vor. Es gelang ihm aber durch seine grosse Energie, alle Schwierigkeiten -zu beseitigen, dabei doch vollständig im Geiste des Vaters fortwirkend. -Im Jahre 1839 erwarb er das Göschensche Geschäft in Leipzig, wodurch -er so ziemlich der Alleinverleger der deutschen Klassiker wurde. Im -Jahre 1845 kaufte er noch die Vogelsche Verlagshandlung in München und -brachte die litterarisch-artistische Anstalt dort in lebhaften Schwung. -Er veranstaltete zahlreiche neue Ausgaben der Klassiker. Gegen die -Autoren war er äusserst liberal, weniger gegen den Sortimentshandel, -auch wurde nicht immer die nötige Sorgfalt auf die Korrektheit und -gute Ausstattung der Ausgaben verwendet. Unter den von ihm ins Leben -gerufenen Zeitschriften hat die »Deutsche Vierteljahrsschrift« besondere -Bedeutung. - -Cotta war, der politischen Gesinnung nach, ein ausgeprägter -Grossdeutscher und in diesem Sinne wurde auch die »Augsburger -Allgemeine« geleitet, bis die Ereignisse auch dieser einen anderen -Stempel aufdrückten (S. 398). Im Jahre 1882 siedelte die Zeitung nach -München über. - -[Sidenote: Änderungen im Geschäft.] - -Mit dem Tode Georg Cottas 1863 ging das Geschäft in den -gemeinschaftlichen Besitz der Familie über. Die Firma Cotta war -selbstverständlich diejenige, welche die grösste Einbusse durch den -Bundesbeschluss: vom 6. November 1867 ab alle Privilegien zu gunsten des -Schutzes der Schriften einzelner Autoren nicht zu erneuern, erlitt. Im -Jahre 1869 wurde die Literar.-Artistische Anstalt in München verkauft. - -1879 übergaben Cottas ihre Buchdruckerei für zehn Jahre in Pacht an -Gebrüder Kröner. So ganz ausserordentlich gross die Verdienste der -Firma um die Litteratur sind, so lässt es sich nicht leugnen, dass -die Typographie nicht in derselben Weise von ihr begünstigt wurde. -Erst in späterer Zeit schloss sich die Cottasche Druckerei den -besten Deutschlands an und lieferte Prachtwerke von Bedeutung, z. B. -Goethes Faust, illustriert von G. Seibertz; Reineke Fuchs in Goethes -Übersetzung, illustriert von W. v. Kaulbach; Herders Cid, illustriert -von E. Neureuther; die Jubelausgabe von Schillers Gedichten u. a. - -Ihre früheren, selbst die Prachtausgaben der deutschen Klassiker leiden -an wesentlichen Mängeln. So sehr auch ihre sogenannten Schillerausgaben -zur weitesten Verbreitung der besten Werke noch vor Ablauf der diesen -gewährten Schutzfrist beigetragen haben, so wenig dienten sie, den -Geschmack für hübsche Buchausstattung zu wecken. Dagegen muss in die -Wagschale gelegt werden, dass nie ein Buch aus ihren Pressen hervorging, -bei welchem die Spekulation über die Ehre der Litteratur ging. - -[Sidenote: J. B. Metzler.] - -Eine alte ehrenwerte Firma Stuttgarts ist die 1681 gegründete J. B. -METZLERsche, die, was ein seltener Fall ist, sich in letzter Zeit -vollständig verjüngt hat und kühn den Kampf mit den jungen frisch -aufblühenden Firmen aufnehmen konnte. Im Jahre 1876 trennten sich die -Besitzer AD. BONZ und L. WERLITZ. Letzterer setzte das Stammgeschäft -fort, welches 1881 sein zweihundertjähriges Jubelfest feiern konnte. - -[Sidenote: A. Bonz * 1824, [+] 1878.] - -ADOLF BONZ ist als der eigentliche Stifter des Deutschen -Buchdrucker-Vereins zu betrachten. Schon jahrelang vor dem Entstehen -desselben hatte er für das Zustandekommen gewirkt. Seine grosse -geschäftliche Erfahrung, sein reiches positives Wissen als studierter -Mann und Jurist, verbunden mit einer grossen Klarheit und einer -unerschütterlichen Ruhe, befähigten ihn ganz besonders zur Leitung -grösserer Versammlungen, und er hatte gute Gelegenheit, dieses Talent -bei zwei der schwierigsten Verhandlungen in dem Vereinsleben, dem -Eisenacher Buchdruckertage am 10. März 1872 und der ausserordentlichen -Generalversammlung zur Statuten-Revision in Frankfurt am Main am 14. -und 15. September 1874, zu bewähren. Er war bei dem schweren Kampfe, -um Stuttgart dem Vereine treu zu erhalten, stets das vermittelnde und -versöhnende Prinzip[233]. - - [233] Annalen d. Typ. 1872, Nr. 172, und 1874, Nr. 273. 274. - -Für den Aufschwung der Metzlerschen Buchdruckerei interessierte er -sich lebhaft und es entstanden unter seiner Leitung mehrere schöne -Illustrationswerke, als Scheffels »Trompeter von Säkkingen«; Scheffels -»Bergpsalmen« sowie dessen »Gaudeamus« und »Juniperus«. Die nach -dem Tode von A. Bonz entstandene neue Firma A. BONZ ERBEN strebt in -ähnlicher Richtung und gehört zu denen, die allen ihren Druckwerken -grosse Sorgfalt widmen und diese auf die ganze Einrichtung und die -Behandlung des Formats ausdehnen. - -[Sidenote: Gebr. Kröner.] - -Eine ebenfalls auf eine lange Vergangenheit zurückschauende -Buchdruckerfirma ist die der GEBRÜDER MÄNTLER, jetzt GEBRÜDER KRÖNER. -Durch ihre Illustrationsdrucke glänzt diese Firma als ein Stern -erster Grösse, und kein Jahr vergeht, in welchem nicht Prachtwerke -von Bedeutung, teils dem eigenen Verlage zugehörend, teils für fremde -Rechnung gedruckt, ihre Pressen verlassen. Es seien darunter einige -aus dem eigenen Verlage Kröners genannt: »Unser Vaterland« in den -verschiedenen Abteilungen: das bayrische Gebirge, Tirol, Steiermark, -Nord- und Ostsee, Rheinfahrt; Jägers Wanderungen durch die Tierwelt. -Eines der weniger bekannten und umfangreichen, »Hugdietrichs -Brautfahrt«, dürfte in konsequenter und korrekter Durchführung als eine -typographische Musterleistung bezeichnet werden. - -Im Jahre 1879 nahmen Kröners die Cottasche Offizin mit 27 Schnellpressen -auf zehn Jahre in Pacht. Nachdem die ehemalige Mäntlersche Buchdruckerei -in das Cottasche Lokal übergesiedelt war, bietet sich das für den -Typographen interessante Schauspiel zweier, nach verschiedenen Systemen -eingerichteter und vollständig getrennt in einem Raum arbeitender -Druckereien; doch wird wohl auch die Zeit kommen, wo diese beiden -Druckereien wie die Preussische Staatsdruckerei und die Geheime -Oberhofbuchdruckerei v. Deckers in eine »zusammengeschmolzen« werden. - -[Sidenote: Beginn des illustrierten Druckes.] - -[Sidenote: F. G. Franckh.] - -Doch die genannten Firmen sind nur einige der Anstalten, die dazu -beigetragen haben, Stuttgarts Ruhm als Verlags- und Druckort -zu begründen. Derselbe datiert von dem Ende der dreissiger und -dem Beginn der vierziger Jahre. Als in Paris um diese Zeit die -illustrierten Unternehmungen sich geradezu überstürzten, erwachte -auch der Unternehmungsgeist in Stuttgart und die rührigen Verleger -und Drucker dort fanden, ganz im Gegensatz zu den Verhältnissen in -Leipzig, bereitwillige Unterstützung bei den dortigen Geldmännern. -Unter denjenigen, welche die Mittel in Bewegung zu setzen wussten, -stand obenan F. G. FRANCKH. Unter der Firma »Verlag der Klassiker« in -Pforzheim, der 1839 in den Besitz von DENNIG, FINCK & CO. überging und -nach Stuttgart übersiedelte, erschien eine Reihe von Unternehmungen, die -hauptsächlich mit französischen Clichés illustriert wurden. Doch wagte -man sich bald daran, Eigenes zu produzieren. So waren die Illustrationen -zu »1001 Nacht« deutsche Originale, dienten jedoch zur Ausschmückung -einer französischen Ausgabe. J. SCHEIBLE brachte ein kleines -»Universum«, C. KRABBE die Übersetzung von Swifts »Gullivers Reisen« u. -s. w. - -[Sidenote: Ed. Hallberger * 22. März 1822, [+] 29. Aug. 1880.] - -Derjenige, welcher die grössten und andauerndsten Erfolge in dieser -Stuttgart charakterisierenden Richtung erringen sollte, war EDUARD -HALLBERGER, eine der bedeutendsten Erscheinungen des modernen -Buchhandels und der neuen Typographie. - -[Sidenote: »Über Land und Meer.«] - -Hallberger trat zuerst in das väterliche Geschäft, gründete jedoch -1848 eine eigene Firma und übernahm 1850 die mit drei Schnellpressen -arbeitende Buchdruckerei des Vaters. 1853 gründete er die Zeitschrift -»Illustrierte Welt«; 1858 fasste er den Plan zu einem grossen -illustrierten Unterhaltungsblatt »Über Land und Meer«[234]. Hackländers -Name als Redacteur war ein tüchtiges Zugmittel; 1862 wagte Hallberger -den Sprung von acht Thalern auf vier Thaler Abonnementspreis und hiermit -war sein Erfolg entschieden. Holzschnitte und Zeichnungen sind durchweg -vortrefflich und haben einen grossen Einfluss auf die Xylographie in -Stuttgart geübt. - - [234] Die Nummer 1000 von »Über Land und Meer« ist Nr. 12 des - Jahrg. 1878. - -[Sidenote: Dorés Bibel.] - -[Sidenote: »Ebers' Ägypten«.] - -[Sidenote: »Palästina«.] - -Unter den Druckwerken Hallbergers nimmt die Heilige Schrift, illustriert -von Gustav Doré, in zwei Ausgaben, für Lutheraner und Katholiken, einen -hohen Platz ein. Sein Meisterstück ist jedoch »Ägypten in Wort und -Bild« mit mehr als 700 Illustrationen und mit Text von Georg Ebers. -Alles ist hier deutschen Ursprungs und bildet ein hervorragendes -Monument der graphischen Künste Deutschlands im XIX. Jahrhundert. Würdig -schliesst sich an dieses an, wenn es dasselbe auch nicht ganz erreicht: -»Palästina«, zu welchem Werk England einen Teil des künstlerischen -Schmuckes lieferte. Auch die grossen Ausgaben von Shakespeare, Goethe -und Schiller zusammen mit gegen 2400 Holzschnitt-Illustrationen sind -bedeutende Erscheinungen, die von vielen geringeren Umfanges gefolgt -wurden. Ein wichtiges Werk sind die »Klassiker der Musik«, herausgegeben -von J. Moscheles. Der Romanverlag, dessen Perlen die ägyptischen Romane -von G. Ebers sind, ist daneben ein sehr ausgedehnter. - -[Sidenote: Hallbergers Offizin.] - -Hallbergers Druckerei kann als eine Musteranstalt betrachtet -werden. Früher wurden seine illustrierten Blätter auf Alauzetschen -Komplettmaschinen vorzüglich gedruckt, jetzt verrichten drei -Rotationsmaschinen der Augsburger Fabrik die Arbeit und Hallberger -selbst hat wesentlichen Anteil an der glücklichen Durchführung -der Aufgabe dieser Maschinen; ausserdem sind 27 Schnellpressen in -Thätigkeit. Die Zahl der Arbeiter war etwa 400, dazu beschäftigt -die Buchbinderei jetzt 24 Maschinen und etwa 400 Personen; grosse -Papierfabriken gehören der Anstalt. - -Allgemein betrauert starb Hallberger auf seinem schönen Landsitz Tutzing -am Starnberger See[235]. Er besass eine grosse und ideal angelegte -Natur, die sich in seinen Unternehmungen ausprägt, weshalb diese auch -sympathisch wirken. Dasselbe gilt auch von seinen Bestrebungen zur -Gründung einer allgemeinen deutschen Pensions- und Invalidenkasse für -Typographen, die vielleicht von Hallbergers Seite zu viel Idealismus -enthielten und an dem zu wenig dieser Eigenschaft bei seinen Kollegen -strandeten. Für seine eigenen Arbeiter hat er in mehrfacher Hinsicht -vortrefflich gesorgt. In seinen Arbeiten wurde er treu von seinem Bruder -KARL HALLBERGER unterstützt. - - [235] Biographische Skizzen lieferte Paul Lindau in der »Gegenwart«, - Theod. Göbel in dem »Journ. f. Buchdrk.«, 1880, Nr. 36. - -Aus dem Geschäft wurde eine Aktiengesellschaft DEUTSCHE VERLAGS-ANSTALT -unter Karl Hallbergers Direktion. Eine Expedition in Leipzig war bereits -1871 gegründet. - -[Sidenote: Verschiedene Druckereien.] - -Eine umfangreiche Druckanstalt ist die von H. SCHÖNLEIN (24 Schp.), in -welcher dessen weit verbreitete illustrierte Blätter gedruckt werden. - -Von Druckereien seien noch erwähnt: GREINER & PFEIFFER, die (mit 14 -Schp.) namentlich Accidenzien und illustrierte Werke drucken. Die von -Gehülfen gegründete VEREINSDRUCKEREI liefert sehr gute Accidenz-, -besonders Farbendrucke. J. F. STEINKOPF druckt vorwiegend die religiösen -Werke seines Verlags; C. GRÜNINGER ist der einzige Buchdrucker -Stuttgarts, der sich auf orientalische Druckarbeiten legt und namentlich -russische Bücher liefert. C. HOFFMANN druckt mit 7 Schnellpressen -hauptsächlich die Verlagsartikel von K. THIENEMANN. - -[Sidenote: Xylographie.] - -Die Stuttgarter Xylographie hat begreiflicher Weise eine hohe Bedeutung. -Die Anstalt von A. CLOSS ist eine so vorzügliche, wie wenige, und ist -fast ausnahmslos in jedem Stuttgarter Prachtdrucke vertreten. Die -Stuttgarter Holzschnitte verbinden so sehr französische Eleganz mit den -deutschen Vorzügen, dass vor dem Kriege viele Holzschnitte nach Paris -geliefert wurden. - -[Sidenote: Lichtdruck.] - -Ausser der Xylographie hat auch der Lichtdruck eine grosse Verbreitung. -Die Anstalt von MARTIN ROMMEL & CO. liefert vortreffliches und finden -ihre Erzeugnisse namentlich ihren Platz in den Prachtwerken von Paul -Neff. Auch in der Chromolithographie hat Stuttgart Tüchtiges aufzuweisen -durch die Anstalten von EMIL HOCHDANZ, MAX SEEGER, GUSTAV WEISE. Die -Leistungen finden hauptsächlich Verwendung in den Jugendschriften von W. -NITZSCHKE, SCHMIDT & SPRING, LEVY & MÜLLER, F. LOEWE, K. THIENEMANN und -GUSTAV WEISE. Eine Spezialität des letzteren sind die, in grossen Massen -verbreiteten »Bilder für Jung und Alt«. K. Thienemann lieferte auch eine -Reihe naturwissenschaftlicher illustrierter Werke. - -[Sidenote: Schriftgiesserei.] - -Die SCHRIFTGIESSEREI hat erst in neuester Zeit begonnen, einen -Aufschwung in Stuttgart zu nehmen (S. 290). Der Verlagsrichtung gemäss -findet vorzugsweise die Produktion zu dekorativen Zwecken Beachtung und -ist in dieser Richtung namentlich OTTO WEISERT thätig. Im Jahre 1882 -siedelte der bekannte Schriftschneider BAUER SEN. von Frankfurt nach -Stuttgart über. Als Farbenfabrikanten sind KAST & EHINGER von Bedeutung, -namentlich in bunten Farben. - -[Sidenote: Kunststellung Stuttgarts.] - -»Das eigenste, was Stuttgart besitzt, gehört nicht der schaffenden -idealen Kunst, sondern der schmückenden, dekorierenden, vorab dem -Kunstgewerbe. Wer die Kunst beobachten will, der begebe sich vor -allem in die Werkstätte der Holzschneider, Lithographen, Zeichner, -Buchbinder, der Holz- und Metallarbeiter, der Bauhandwerker. Die -schwäbisch-industrielle Regsamkeit hat sich da mit einem Geschmack -verbunden, der in Stuttgart, als einer Hauptstadt der deutschen -Litteratur und des Buchhandels, von den verschiedensten Seiten angeregt -wurde. Hierbei ist der unmittelbare Einfluss der Bücher-Illustration auf -die Stuttgarter Kunstgewerbe durchaus nicht zu unterschätzen[236].« - - [236] RIEHL, Deutsche Kunststädte. Augsb. Allg. Ztg. 1870. - -[Sidenote: Stuttgarter Verleger.] - -Unter den Werken, die einen ganz wesentlichen Einfluss in der -angedeuteten Richtung geübt haben, steht obenan die »Gewerbehalle« -von J. ENGELHORN. Die ersten Künstler und die besten Schriftsteller -unterstützen diese, 1863 begonnene Zeitschrift. Ausser der stark -verbreiteten deutschen Ausgabe existieren Ausgaben in Amerika, England, -Italien, Frankreich, Böhmen, Spanien und Holland. Die »Gewerbehalle« -kann demnach als ein Weltblatt bezeichnet werden. - -Ausserdem liess Engelhorn eine Anzahl der vorzüglichsten illustrierten -Werke erscheinen: »Italien« mit etwa 400 Illustrationen, das -»Schweizerland« von Kaden mit 450 Illustrationen, die »Kunstschätze -Italiens« von Karl v. Lützow, »Unser Jahrhundert« von Otto von Leixner. - -EBNER & SEUBERT gaben eine Reihe von wertvollen, prachtvoll geschmückten -Werken über Kunst von Lübke, Burckhardt, Weiss, Schnaase, Kugler heraus. -C. WITWER wendete seine Thätigkeit den Werken der Architektur zu. - -PAUL NEFF benutzt für seinen grossartigen Verlag vorzugsweise den -Lichtdruck als Illustrationsmittel. Obenan stehen »Die goldene Bibel« -und die »Klassiker der Malerei«. Sowohl hinsichtlich der Ausdehnung als -was Ausführung betrifft, höchst bedeutende Werke sind: Ludw. Weisers -»Bilderatlas zur Weltgeschichte«, welcher auf 146 Grossfolio-Tafeln -über 5000 Darstellungen bringt; die »Denkmäler der Kunst« mit gegen -200 Tafeln in Stahlstich; M. v. Schwinds »Die schöne Melusine« und -»Die sieben Raben«; A. Racinets »Das polychrome Ornament«, 100 Tafeln -in Gold- und Farbendruck; »Die Kunst für alle« von Gutekunst: das sind -einige der Publikationen von Neff; alle anzuführen würde zu weit gehen. - -[Sidenote: W. Spemann.] - -Eine der jüngsten und jetzt bereits eine der umfangreichsten -Verlagshandlungen ist die, 1873 von W. SPEMANN gegründete. Grossen -Erfolg hatte Johannes Scherrs »Germania«; Jakob von Falkes »Hellas -und Rom«; Bruno Buchers »Geschichte der technischen Künste«; die -illustrierten Werke von Friedrich v. Hellwald u. a. Die »Kollektion -Spemann« eröffnete den Reigen der Mark-Kollektionen und in Kürschners -»Deutscher National-Litteratur« unterbot der Verleger sich selbst durch -Lieferungen zu 50 Pf. Die Monatsschrift »Vom Fels zum Meer« hat eine -sehr bedeutende Verbreitung. Um das typographische Publikum machte -sich Spemann verdient durch die Herausgabe des epochemachenden Werkes -»Gutenberg« von Dr. A. v. d. Linde in Wiesbaden. - -Die übrigen Verleger Stuttgarts, die weniger Einfluss auf die -graphischen Gewerbe übten, müssen hier unerwähnt bleiben. - -[Sidenote: Tübingen.] - -TÜBINGEN verlor sehr an Bedeutung durch Übersiedelung Cottas nach -Stuttgart. In ESSLINGEN liefert J. F. SCHREIBER (6 Schp., 8 Hdp.) -Bilderbücher und Vorlagen. In ULM druckt J. EBNER (9 Schp.). - -[Sidenote: Reutlingen und der Nachdruck.] - -Einen üblen Ruf erwarb sich REUTLINGEN als hauptsächlichster Sitz der -grössten Nachdruckfirmen: Mäcken, Ensslin und Fleischhauer, welche ihr -böses Handwerk natürlich nur im »Interesse der Litteratur« mit aller -Kraft betrieben und schliesslich gar als Wohlthäter der Menschheit -womöglich ein Ehrendenkmal verdient zu haben glaubten. - -Württemberg besitzt im ganzen 173 Buchdruckereien und 71 lithographische -Anstalten mit 398 Schnell-, 350 Tret- und Handpressen. Die Druckereien -verteilen sich auf 76 Städte; Stuttgart allein hat 68 Buchdruckereien -mit 191 Schnellpressen und 32 lithographische Anstalten mit 43 Schnell- -und 104 Handpressen. Im Jahre 1840 besass Stuttgart zwar bereits 24 -Buchdruckereien, diese hatten jedoch zusammen nur 30 Schnellpressen, -also nicht mehr als eine der grossen jetzigen Druckanstalten, ganz -abgesehen von der Leistungsfähigkeit der Maschinen von heute gegen die -damaligen. 1882 betrug die Bücherausfuhr Württembergs 3110301 Kilo zu -einem Werte von wenigstens 6 Millionen Mark. - -[Sidenote: München.] - -[Sidenote: Der Schulbücher-Verlag.] - -MÜNCHEN erlangte, wie bereits erwähnt wurde, bei weitem nicht die -Bedeutung für den Buchhandel und die Buchdruckerei wie für die Kunst, -doch ist es in jüngster Zeit eifrig bemüht das Versäumte nachzuholen. -Der wissenschaftliche Verlag hatte keine grosse Ausdehnung und die -wichtige Branche der Unterrichtslitteratur befand sich ganz in den -Händen der Regierung, welche durch den sogen. »Schulbücher-Verlag« dafür -sorgte, »dass kein Gift der Jugend verabreicht wurde«. Durch Reskript -vom 12. Oktober 1785 wurde das Privilegium, welches der Buchbinder G. -Ruprecht und dann J. B. Oettl auf planmässige Schulbücher innegehabt -hatten, zu gunsten des »Deutschen Schulfonds« erneuert und letzterem -der Verlag »aller verlegender Schulbücher auch anderer zur Erziehung -dienlicher Schriften« vorbehalten. - -Durch spätere Reskripte wurde dieses Privilegium noch erweitert. Die -verschiedentlichen Remonstrationen der Buchhändler blieben, trotz der -ihnen zur Seite stehenden Rechts- und Vernunftgründe, unbeachtet. Dass -die allgemeine Bildung und der Verlagshandel darunter leiden mussten, -ist begreiflich; aber auch der Sortimentshandel wurde geschädigt, da -der Schulfond, unter Umgehung der Sortimenter, den Vertrieb durch -eigene Zwischenhändler und durch Lehrer besorgen liess, die billiger -verkauften, als die Buchhändler einkaufen konnten[237]. - - [237] C. WOLFF, Über den gegenwärtigen Zustand des Buchhandels in - Bayern. München 1827. - -[Sidenote: E. Mühlthaler.] - -E. MÜHLTHALER (seit 1867) war der erste in München, der sich im -illustrierten Prachtdruck versuchte, und zwar mit den im Bruckmannschen -Verlag erscheinenden »Die Schweiz« von Gsell-Fels und »Rhododendron«. -Bei unverkennbarer Tüchtigkeit und anerkennenswertester Sorgfalt -erreichten diese Ausgaben doch nicht ähnliche Stuttgarter Leistungen. -Seit 1875 druckt Mühlthaler die Münchener »Fliegende Blätter« und -entwickelt auch seine Intelligenz in merkantilen Accidenzarbeiten. Er -beschäftigt bereits 15 Schnellpressen. - -[Sidenote: Knorr & Hirth.] - -[Sidenote: M. Huttler.] - -Eine der angesehensten Firmen ist die von KNORR & HIRTH, die mit -zwei Rotationsmaschinen, zwei vierfachen und verschiedenen einfachen -Schnellpressen arbeitet. Dr. Hirth ist bekannt durch seine Bestrebungen -zur Erweckung des Sinnes für die Renaissance, worauf namentlich die -in seinem Verlag erscheinenden Werke: Formenschatz der Renaissance; -Butsch, Bücherornamente u. a. hinzielen. Nebenbei liefert die Offizin -hübsche Accidenzarbeiten und druckt die »Münchener Nachrichten« in -33000 Exemplaren. Noch weiter als Knorr & Hirth greift in seiner -Geschmacksrichtung in der Zeit zurück Dr. M. HUTTLER aus Augsburg, -welcher eine Filiale in München errichtet hat. Seinen Verlag von -Erbauungsbüchern druckt er in gothischer oder Schwabacher Schrift in -streng durchgeführter Imitation älterer Drucke. - -[Sidenote: F. Straub.] - -[Sidenote: J. G. Weiss.] - -Die »Akademische Buchdruckerei« von F. STRAUB beschränkt sich -namentlich auf gelehrte Arbeiten und amtliche Drucke, ebenso die -Universitätsbuchdruckerei von J. G. WEISS. - -[Sidenote: R. Oldenbourg.] - -Unter den neueren Offizinen zeichnet sich die von R. OLDENBOURG (13 -Schp.) sowohl durch ihre vortrefflichen Einrichtungen als durch -ihre Arbeiten aus. Im Jahre 1874 übernahm Oldenbourg von Pustet in -Regensburg den Zentral-Schulbücherverlag, ausserdem erscheinen bei ihm -sechs Zeitschriften; dagegen werden Accidenzarbeiten weniger gepflegt. - -[Sidenote: Verschiedene Druckereien.] - -Zu erwähnen sind noch folgende Offizinen: C. WOLFF & SOHN (8 Schp.); -F. WILD (7 Schp.); J. DESCHLER (8 Schp.); E. HUBER (6 Schp.), dessen -Spezialität hebräische Bücher sind; W. WEIFENBACH, welcher feine -Accidenzarbeiten liefert. Die COTTAsche Buchhandlung verlegte die -Druckerei der »Allgemeinen Zeitung« nach München (1 Rotm. und 4 Schp.). - -[Sidenote: Die Xylographie.] - -[Sidenote: Kasp. Braun * 13. Aug. 1807, [+] 29. Oktb. 1877.] - -[Sidenote: Fr. Schneider * 1815, [+] 9. April 1864.] - -Unter den Münchener xylographischen Anstalten erwarb sich die von Braun -& Schneider einen weit verbreiteten Ruf. KASPAR BRAUN aus Aschaffenburg -hatte sich als Künstler in mehreren Techniken versucht; durch den -Anblick von Grandvilles Illustrationen zu Lafontaines Fabeln wurde -der Gedanke in ihm fest, den Holzschnitt in Deutschland zu dem alten -Ansehen zu bringen. Rasch führte er den Entschluss aus nach Paris zu -gehen, um sich, unter des trefflichen Brevière Anleitung, im Holzschnitt -auszubilden. Das beste Zeugnis für Braun dürfte es sein, dass Brevière -seinerseits später seinen Sohn in die Lehre zu Braun gab. Zuerst -gründete er mit V. DESSAUER eine xylographische Anstalt, dann vereinigte -er sich mit FRIEDRICH SCHNEIDER aus Leipzig zu einem ebenso innigen als -erfolgreichen Zusammenwirken. Die »Fliegende Blätter« behaupten sich -bis auf den heutigen Tag in der unveränderten Gunst des Publikums und -kaum wird eine ähnliche Sammlung von Gaben des köstlichen Humors sich -zusammenfinden, wie in den 2000 Nummern dieses Blattes, aus welchem -wieder die »Münchener Bilderbogen« entstanden. Brauns typische Figuren -als: Eisele und Beisele, Wühlhuber, Heulmeier sind jedem bekannt. Durch -Schneiders Tod erlitt Braun und sein Humor einen nicht zu verwindenden -Stoss. Sein 70. Geburtstag brachte ihm noch Ehren und Freude, dann -folgte er seinem vorausgegangenen Freunde. - -In jüngster Zeit haben die grossen Verlagsunternehmungen von FRIEDR. -BRUCKMANN und TH. STROEFER einen bedeutenden Einfluss auf die Münchener -Xylographie geübt, einen besonderen Namen erwarben sich: HECHT, TH. -KNESING, J. WALLE u. a. - -[Sidenote: Jubiläum.] - -Als München am 28. Juni 1882 das 400jährige Jubiläum der Einführung -der Buchdruckerkunst feierte, hatte dasselbe 49 Buchdruckereien, -38 lithographische Anstalten mit 5 Rotationsmaschinen, 148 -Schnellpressen und 229 Tret- und Handpressen. Zu Ehren des Einführers -der Buchdruckerkunst, HANS SCHAUER, dessen ersten Druck _mirabilia -urbis Romae_ man in dem Kloster Tegernsee aufgefunden hat, wurde eine -Denktafel an seinem Druckhause in der Rosenstrasse Nr. 10 angebracht. -Die älteste der noch existierenden Druckereien Münchens ist die aus dem -Jahre 1769 stammende F. S. HÜBSCHMANNsche. - -[Sidenote: Die Lithographie.] - -Dass die lithographische Kunst sich in München, der Wiege derselben -(S. 7), weiter entwickelte und in den dortigen reichen Sammlungen -Stoff zu Vervielfältigungen fand zu einer Zeit, wo die Lithographie -den Kunstsammlungen gegenüber fast die Stellung einnahm, wie jetzt die -Photographie, ist natürlich. - -[Sidenote: Fr. Hanfstängl * 1. März 1804, [+] 18. April 1877.] - -In beiden Kunstzweigen erwarb sich FRANZ HANFSTÄNGL grossen Ruhm. Er -war, als Sohn wenig bemittelter Bauern, in Tölz geboren. Obwohl für die -Laufbahn eines Malers bestimmt, machte der Zufall es, dass er sich der -Lithographie widmete. Gleich gewandt als Zeichner und als Lithograph, -etablierte er 1830 eine lithographische Anstalt, ging jedoch 1834 nach -Paris, um sich bei Lemercier noch mehr auszubilden. Schnell erwarb er -sich neben STRIXNER, PILOTY und BODMER einen Namen, besonders durch -seine genialen Portraitaufnahmen. Als die kgl. sächsische Regierung -den Plan gefasst hatte, die Meisterwerke der Dresdner Galerie durch -Steindruck zu veröffentlichen, ward Hanfstängl ausersehen, die -Ausführung zu übernehmen; ihm gefiel jedoch die Abhängigkeit nicht und -das Unternehmen geschah auf seine Kosten. Seine Wirksamkeit in Dresden -war an Ehren reich. Inzwischen hatte die Photographie Boden gewonnen. -Hanfstängl fühlte die Wichtigkeit der neuen Kunst sofort heraus und -warf sich mit aller Kraft auf dieselbe. Als es sich um Herausgabe der -bedeutendsten Bilder der alten Pinakothek handelte, blieb er unter 22 -Konkurrenten Sieger, und lieferte eine Sammlung, die in ihrer Art ebenso -hervorragend ist wie die in Dresden veranstaltete. - -[Sidenote: J. Albert.] - -[Sidenote: Die Autotypie.] - -Einen bedeutenden Namen erwarb sich gleichfalls JOS. ALBERT, besonders -durch seine Lichtdrucke (Albertotypie) und seine Photographien in -Farben. Als der eigentliche Erfinder des Lichtdruckes, der jedoch das -Verfahren nicht zuerst praktisch in Anwendung brachte, gilt J. B. -OBERNETTER. Die Arbeiten desselben stehen in hohem Ansehen, darunter -die Facsimile-Ausgabe der »Meister von 1440-1694«; die »Kunstschätze -aus dem bayrischen Nationalmuseum« u. s. w. Ein Portrait des Kaisers -wurde in einer Auflage von einer Million gedruckt. Auch JUL. ALLGEYER -und C. BOLHOEVENER zeichneten sich in ihrem photochemischen Verfahren -aus. In neuester Zeit erregte die Autotypie des Ingenieurs G. MEISENBACH -Aufsehen. Ein Mangel bei der Zinkhochätzung war die Notwendigkeit, eine -Vorlage in scharfen Linien oder mit lithographischem Korn versehen zu -haben; eine getuschte Zeichnung, sowie eine Aufnahme nach der Natur oder -einem Ölgemälde war nicht zu benutzen. Dem will die Autotypie abhelfen. -Die Aufnahme des Bildes für die Hochätzung findet durch ein System -von Linien statt, wodurch der notwendige Halt für die Reproduktion in -Zinkographie geschaffen wird. - -[Sidenote: Fr. Bruckmann.] - -Die berühmte Bruckmannsche Kunstanstalt, jetzt eine Aktiengesellschaft, -wurde 1865 gegründet. Im Jahre 1869 erwarb FRIEDR. BRUCKMANN das durch -Patent geschützte Woodbury-Verfahren; 1875 nahm er den Lichtdruck -auf; 1882 die Photogravüre, die sich namentlich zur Reproduktion von -Ölgemälden eignet[238]. Bruckmann lieferte eine grosse Anzahl Galerien -zu den vielen deutschen Dichtern und unter Zuhilfenahme der Xylographie -grossartige Prachtwerke, z. B. Krelings »Faust« und die »Geschichte der -Hohenzollern«, die zu den bedeutendsten Erzeugnissen der neuen Zeit -gehören. - - [238] Ein sehr interessantes Probenbuch der Firma aus dem Jahre 1882 - giebt eine Übersicht der vielen verschiedenen photographischen - Verfahren. - -[Sidenote: Der Farbendruck.] - -Die Chromolithographie wird in ziemlichem Umfange in München betrieben. -Bekannt sind die Anstalten von GEBR. OBPACHER, LEHMANN & WENTZEL, -W. FORNDRAN, F. GYPEN, TH. KÖNIG, MEY & WIDMAYER, sie arbeiten -hauptsächlich für das Papeteriegeschäft oder beschäftigen sich mit -der Herstellung religiöser Bilder. Als Kunstverleger sind thätig A. -ACKERMANN, F. FINSTERLIN, E. A. FLEISCHMANN, G. FRANZ, P. KAESER u. a. - -[Sidenote: Nürnberg.] - -NÜRNBERG erhielt in neuerer Zeit wieder eine erhöhte Bedeutung durch -das Germanische Museum und seine Kunstgewerbeschule, welche beide -direkt und indirekt, auch durch Ausstellungen, auf das graphische -Gewerbe fördernd wirken. Die Stadt ist auch der Sitz verschiedener -Fabrikationen, die mit den graphischen Gewerben in naher Verbindung -stehen, z. B. Bronce, Farbe, Zeichenmaterial. Auch die Zahl der -eigentlichen graphischen Anstalten ist noch eine bedeutende, namentlich -für den lithographischen sowie für den Kupfer- und Stahldruck. Die Zahl -der Buchdruckereien ist 26 mit 49 Schnellpressen, darunter G. B. J. -BIELING (5 Schp.), U. E. SEBALD (7 Schp.). Die älteste Druckerei ist -die von W. TÜMMEL, seit Ende des XVI. Jahrhunderts bestehend, welche -mit 2 Rotationsmaschinen den »Fränkischen Kurier« druckt. Unter den 46 -lithographischen und Kupferdruck-Anstalten, welche mit 79 Schnellpressen -und gegen 300 Handpressen arbeiten, sind zu nennen: G. BRUNNER, -hauptsächlich Phantasieartikel liefernd (15 Schp., 24 Hdp.); KARL MAYER -für Farbendruck, Luxuspapier und Kupferdruck (5 Schp., 30 Hdp.); C. A. -POCHER (16 Schp., 35 Hdp.); C. SCHIMPF (5 Schp., 18 Hdp.); FRANZ SCHEMM; -H. SERZ & CO.; J. G. MARTIN (4 Schp., 22 Hdp.); E. NISLER (12 Schp., 14 -Hdp.). Man sieht aus diesen Angaben, dass der Export Nürnbergs immer -noch ein bedeutender ist. In dem benachbarten FÜRTH arbeiten J. HESSE (5 -Schp., 15 Hdp.) und G. LÖWENSOHN (5 Schp., 5 Hdp.). - -[Sidenote: Regensburg. Fr. Pustet.] - -[Sidenote: J. G. Manz.] - -[Sidenote: Kempten.] - -REGENSBURG ist berühmt durch die liturgischen Druck- und Verlagswerke -von FR. PUSTET (17 Schp.) und J. G. MANZ (9 Schp.). Einzelne mit -Aquarellen geschmückte Bände erreichen einen Preis von 1000 fl. -und mehr. Viele der Ausgaben sind mit vortrefflichen Miniaturen in -xylographischem Farbendruck von Knöfler in Wien geschmückt. Von den -Pustetschen Drucken seien erwähnt: das _Missale_ in Gross-Folio von -1863; das _Graduale_ in zwei mächtigen Folianten; die _musica sacra_ -des Kanonikus C. Proske, 6 Bände in Quart; das _Missale Romanum_ -mit Einfassungen und Illustrationen von Prof. Klein in Wien. Dass -neben dem wirklich Schönen auch mancher Flitterstaat vorkommt, lässt -sich bei Werken dieser Art kaum vermeiden. Manz wendet in seinem -Verlag mehr den Stahlstich an, hat ausserdem noch einen bedeutenden -katholisch-wissenschaftlichen Verlag. In KEMPTEN verfolgt JOS. KÖSEL -ebenfalls den liturgischen Verlag, ohne sich mit dem Regensburger messen -zu können. Dort wirkt auch TOB. DANNHEIMER. - -[Sidenote: Augsburg.] - -AUGSBURG wurde oft genannt als Druckort der »Allgemeinen Zeitung«. -Eine lange Reihe von Jahren war diese das einflussreichste Journal -Deutschlands, namentlich auf Grund der besonderen Freiheiten, welche -das Blatt in Österreich genoss, und ihrer intimen Beziehungen in -den höchsten Wiener Regionen. Berühmt waren ihre wissenschaftlichen -Beilagen, welche, dank den weitverzweigten litterarischen Verbindungen -der Firma Cotta, die vortrefflichsten Artikel in Bezug auf Kultur-, -Litteratur- und Kunstzustände enthielten. Von den 13 Druckereien -Augsburgs sind noch anzuführen J. P. HIMMER (7 Schp.) und GEBR. REICHEL -(7 Schp.). Des Dr. HUTTLER wurde bereits gedacht (S. 394). Dasselbe ist -der Fall mit der grossen Maschinenfabrik Augsburg (S. 313). - -[Sidenote: Würzburg u. a. Städte.] - -Von anderen Städten Bayerns sind zu erwähnen: WÜRZBURG mit der B. -STAHELschen (4 Schp.), der BONITAS-BAUERschen (5 Schp.) und THEINschen -Offizin (6 Schp.), sowie mit der Maschinenbauanstalt von KÖNIG & BAUER -im Kloster Oberzell; LANDSHUT mit der J. THOMANNschen Buchdruckerei -(6 Schp.); ANSBACH, wo C. BRÜGEL & SOHN (6 Schp.) drucken. Auf Grund -seiner vortrefflichen Accidenzarbeiten verdient J. B. DORN in KAUFBEUREN -genannt zu werden. - -[Sidenote: Frankfurt a. M.] - -[Sidenote: Accidenzdruckereien.] - -Hatte FRANKFURT A. M. auch seine frühere Bedeutung als Emporium -des Buchhandels verloren, so behauptete es wenigstens, wie schon -früher erwähnt, seine Suprematie in der Stempelschneiderei und der -Schriftgiesserei, zeichnete sich daneben auch in der Verwendung der -verschiedenen graphischen Künste für den Accidenzdruck aus. Ganz -besonders traten hervor die Firmen C. NAUMANN (14 Schp., 23 Hdp.) -und B. DONDORF (9 Schp., 12 Hdp.), mit Bunt- und Congrevedruck, -pantographischen Arbeiten, Reliefdruck und dergleichen, sowohl jeder -für sich, als wenn sie zu einzelnen Zwecken zusammentraten. Bedeutendes -in technischer und quantitativer Hinsicht wurde von ihnen bei der -Anfertigung des italienischen und japanischen Papiergeldes geleistet, -bis auch diese Länder soweit fortgeschritten waren, dass sie ihren -»Bedarf« in diesem wichtigen Artikel selbst decken konnten. - -[Sidenote: Verschiedene Druckanstalten.] - -In neuester Zeit hat A. OSTERRIETH sein Geschäft zu einem, alle -graphischen Zweige umfassenden (18 Schp., 12 Hdp., 150 Arb.) -ausgebildet. ALBERT MAHLAU, Inhaber der Firma Mahlau & Waldschmidt, -wurde bereits (S. 364) erwähnt. Bedeutend ist die Steindruckerei E. G. -MAY SÖHNE (10 Schp., 12 Hdp.). Die C. KNATZsche Anstalt liefert in -Etiquetten und dergleichen mannigfach Gutes. K. KLIMSCH verbindet Buch- -und Steindruckerei (S. 319)[239]. - - [239] Klimsch' »Adressbuch der Buch- und Steindruckereien« ist eine - grosse Zahl von statistischen Einzelheiten zu verdanken. Das - Buch will für das Druckgewerbe das werden, was O. A. Schulz' - »Adressbuch« bereits lange für den Buchhandel ist. Da die - Angaben von den Buchdruckerei-Besitzern selbst herrühren, kann - der Herausgeber des Adressbuches nicht für die Richtigkeit jeder - Zahl verantwortlich gemacht werden; der auf die Zusammenstellung - verwendete Fleiss ist ein ausserordentlicher. - -Auf dem Rossmarkte steht das Gutenberg-Monument (I, S. 36); hätten doch -im Leben Gutenberg, Fust und Schöffer so fest zu einander gestanden wie -hier auf dem Bildwerke des Freiherrn v. d. Launitz. - -[Sidenote: Darmstadt.] - -In DARMSTADT, das auch durch die Firmen JONGHAUS & VENATOR, F. -LANGE und W. LESKE für den Kunsthandel eine gewisse Bedeutung -hatte, drucken C. F. WINTER und L. C. WITTICH; in WIESBADEN die L. -SCHELLENBERGsche Hofbuchdruckerei; in CASSEL GEBR. GOTTHELFT und -die HOF- UND WAISENHAUSBUCHDRUCKEREI, je mit 5 Schnellpressen. In -letzterer Stadt liefert TH. FISCHER zu seiner _Palaeontographica_ (ein -Exemplar kostet über 2000 Mark) und anderen Werken tüchtige Abbildungen -in lithographischem Farbendruck. Noch sei das Städtchen ALLENDORF -A. D. WERRA genannt, mit der Offizin BODENHEIM & CO., die mit 10 -Schnellpressen und 150 Arbeitern hauptsächlich Schreibhefte, Kapseln und -dergleichen liefert. - -[Sidenote: Mainz.] - -[Sidenote: Das Einweihungsfest des Monuments.] - -Kein Jünger Gutenbergs hört den Namen MAINZ nennen ohne den Gedanken -an dessen frühere Herrlichkeit für die Buchdruckerkunst. Dass die -Erfindung in Mainz geschah, war in Zufälligkeiten begründet und für -die Entwickelung einer Kunst oder eines Gewerbes sind Verhältnisse -mitwirkend, die zu regeln und zu ändern nicht in der Macht des -Einzelnen liegt. Deshalb lässt sich, wenn das goldene Mainz nicht -eine Gutenbergsche Hochschule geworden, darüber mit den Mainzern -nicht rechten, wohl aber dürfte sie der Vorwurf treffen, dass sie -nicht beizeiten an die Gründung eines Gutenberg-Museums gedacht -und dass sie noch leichteren Kaufes, als die, allerdings sehr -ungünstigen, Verhältnisse es notwendig machten, ihre typographischen -Schätze dahingegeben haben, die jetzt hauptsächlich Zierden der -Nationalbibliothek in Paris sind. Trotzdem wird Mainz ein Wallfahrtsort -der Jünger Gutenbergs bleiben, um wenigstens das Standbild des Meisters -zu schauen, das seit dem 14. August 1837 den Gutenbergsplatz schmückt. -Die Einweihung desselben gestaltete sich zu einem glänzenden Feste. Ein -grossartiger Festzug von den aus allen Gauen Deutschlands, ja selbst -aus fremden Ländern zusammengeströmten Gästen begab sich erst nach dem -Dom, wo der Bischof einen feierlichen Gottesdienst abhielt und wo ein -_Te Deum_ von Sigm. Neukomm gesungen wurde. Von dort bewegte sich der -Zug nach dem Festplatze, wo der Vorsitzende des Gutenberg-Vereins die -Übergabe-Rede hielt, worauf die Enthüllung der Statue Thorwaldsens -vollzogen wurde. Am zweiten Tag ward ein Volksfest, auf dem Rhein ein -Fischerstechen, abends ein glänzender Fackelzug und im Schauspielhause -ein Ball abgehalten. Am dritten Festtage fand eine Versammlung der -Fachgenossen statt, um über die Säkularfeier zu beraten, deren Abhaltung -für den 24. Juni 1840 endgültig bestimmt wurde. Thorwaldsen ward -zum Ehrenbürger der Stadt erwählt und ihm ein kunstvolles Diplom in -silberner Decke übersandt[240]. - - [240] Teil I, S. 36 ist durch einen Schreibfehler der erste Festtag als - der 17. August statt 14. August angegeben. - -[Sidenote: Offenbach a. M.] - -[Sidenote: Mannheim.] - -[Sidenote: Karlsruhe.] - -[Sidenote: F. W. Hasper * 31. Juli 1796, [+] 21. Juni 1871.] - -OFFENBACH A. M. hat eine Bedeutung in der Geschichte der Lithographie -durch die Verbindung Senefelders mit JOH. ANDRÉ, der die Erfindung -erwarb, um sie für die Herstellung seines Musikalienverlags nutzbar -zu machen. MANNHEIM hat 12 Buchdruckereien, darunter M. HAHN & CO. -(7 Schp.) und die MANNHEIMER VEREINSBUCHDRUCKEREI (5 Schp.). In dem -gegenüberliegenden LUDWIGSHAFEN befindet sich die BAURsche Buchdruckerei -(4 Schp.). In KARLSRUHE mit 17 Offizinen ist die grösste die CH. F. -MÜLLERsche Hofbuchdruckerei und lithographische Anstalt (8 Schp., 11 -Hdp.). Tüchtiges liefern die G. BRAUNsche Hofbuchdruckerei und C. & -G. MACKLOT. Hier wirkte auch FRIEDR. WILHELM HASPER, bekannt durch -sein »Handbuch der Buchdruckerkunst« 1835, das jedoch nicht ganz -den gehegten Erwartungen entsprach. Karlsruhe hatte zu der Zeit, wo -die Stahlstich-Illustration florierte, eine ziemliche Anzahl von -Kunstinstituten aufzuweisen, als W. CREUZBAUER, F. GUTSCH, T. B. VEIT, -J. VELTEN. Obwohl Universitätsstadt hat HEIDELBERG keinen bedeutenden -Platz in der Geschichte der Buchdruckerkunst; A. EMMERLING & SOHN -beschäftigen 4 Schnellpressen. - -[Sidenote: Freiburg i. Br.] - -Nach erfolgter Einführung nahm die Buchdruckerkunst in FREIBURG einen -ziemlichen Aufschwung, verfiel jedoch unter der österreichischen -Zensur und Jesuitenherrschaft. Erst mit Maria Theresia und Joseph II. -begannen freundlichere Tage für die Presse. 1840 zählte Freiburg 7 -Buchdruckereien und 6 Kupfer- und Steindruckereien. Besondere Bedeutung -hat die HERDERsche, 1801 gegründete Anstalt. HERDER war der erste, -der einen Bilderatlas zu dem Konversations-Lexikon, unter der Leitung -des Geographen Heck, versuchte. Seine geographischen Verlagsartikel, -namentlich die grossen Arbeiten Wörls; Kausslers »Schlachtenatlas«; J. -Löwenbergs »Historisch-geographischer Atlas« sind von Wichtigkeit. Auch -Rottecks Weltgeschichte, die seinerzeit eine sehr grosse Verbreitung -fand, erschien bei Herder, der ausserdem den katholischen Verlag sehr -pflegte. - -In LAHR hatte seit 1800 J. H. GEIGER, jetzt M. SCHAUENBURG, ein -umfangreiches Etablissement (19 Schp., 11 Hdp., 150 Arb.). Allgemein -bekannt ist der »Lahrer hinkende Bote«. - -[Sidenote: Elsass-Lothringen.] - -[Sidenote: Ad. Braun.] - -METZ besitzt neun Buchdruckereien und sieben lithographische Anstalten; -die bedeutendste Offizin (5 Schp.) ist die nach dem Kriege von GEBR. -LANG begründete. In MÜLHAUSEN arbeiteten für die dortigen Fabriken -sieben Buchdruckereien und zwölf lithographische Anstalten, darunter W. -BAADER & CO. (6 Schp., 12 Hdp.). Das Strassburg gegenüber liegende KEHL -war für eine kurze Zeit bekannt durch die BEAUMARCHAISsche Druckerei -(S. 184). Weltberühmt ist die von AD. BRAUN 1858 in DORNACH gegründete -photographische Anstalt. Braun begann seine Laufbahn als Musterzeichner -in einer Kattundruckerei. Berühmt wurden seine Schweizer Landschaften; -auch liess er später ganz Mitteleuropa bereisen, um Aufnahmen zu -machen, welche 1862 bereits die Zahl 15000 erreicht hatten. Seit 1866 -trieb er den Pigmentdruck im grossen Stil. Sämtliche Museen Europas -wurden bereist und eine grosse Zahl der berühmtesten Handzeichnungen -grosser Meister als treue Facsimiles reproduziert, ebenso die -interessantesten Gemälde fast aller Galerien. Die Anstalt, welche in -eine Aktiengesellschaft umgestaltet wurde, besass bei Brauns Tod 1877 -mehr als 60000 Negativplatten. In COLMAR besteht noch das von Decker -gegründete Geschäft unter der Firma C. DECKER WITWE (S. 358). - -[Sidenote: Strassburg.] - -Mit hoher Befriedigung wird jeder Deutsche in STRASSBURG, der »ersten -Wiege« der Druckkunst, welche _injuria temporum_ Deutschland, wie es -fast den Anschein hatte für immer, verloren gegangen war, einkehren, -da er jetzt nicht nötig hat, deshalb die Grenzen des Reichs zu -überschreiten. Wird auch der Politiker und Kriegsführer Metz mit -derselben Freude als deutsch begrüssen, das Herz des Volkes und der -Fachgenossen besonders hängt doch mehr an Strassburg. - -[Sidenote: Gutenbergdenkmal.] - -Mag das Denkmal Gutenbergs (I, S. 36) von Franzosen errichtet sein, -mag das Buch, welches der Meister in der Hand hält, immerhin die -französische Inschrift _Et la lumière fût_ tragen, hoffentlich wird nie -der, in einem Augenblicke hoher Aufregung ausgesprochene, Gedanke, das -Monument, oder wenigstens die Inschrift, zu entfernen, wieder entstehen. -Ist doch die Huldigung, dem deutschen Manne von einem grossen Volke -dargebracht, keine Schande für ihn, der für alle Völker segensreich -gewirkt hat, wie es auch das Relief des Denkmals versinnlicht, wo sich -Repräsentanten aller Völker sammeln, um dem Meister enthusiastische -Huldigung darzubringen. Das Denkmal steht, wo es hingehört, auf -deutschem Grund und Boden, da mag es mit französischer Aufschrift stehen. - -[Sidenote: Strassburg unter Frankreich.] - -Mit dem Übergang Strassburgs in die Hände der Franzosen erlosch nach -und nach das frische deutsche Kultur- und Kunstleben, das nicht -durch eine französische Akademie ersetzt werden konnte. Doch hatte -Strassburg in der Geschichte der graphischen Künste gute Namen zu -verzeichnen: BERGER-LEVRAULT (S. 187), TREUTTEL & WÜRTZ (S. 186), -GUSTAV SILBERMANN (S. 205), zu denen ENGELMANN Vater und Sohn -aus Mülhausen sich gesellen (S. 206). Jetzt zählt Strassburg 15 -Buchdruckereien und 16 lithographische Anstalten mit 64 Schnellpressen -und 98 Tret- und Handpressen. Die hervorragendste Druckanstalt -bleibt die wennauch geteilte Offizin Berger-Levrault (S. 186), jetzt -eine Kommanditgesellschaft unter der Firma R. SCHULTZ & CO. mit -22 Schnellpressen, 18 Handpressen und 250 Arbeitern. Die berühmte -Silbermannsche Anstalt ging erst auf M. Schauenburg in Lahr, dann auf -Silbermanns früheren Geschäftsführer R. FISCHBACH über (9 Schp., 7 -Hdp.), ausserdem ist die Universitätsbuchdruckerei von J. H. E. HEITZ (4 -Schp.) zu nennen. - -[Sidenote: J. D. Schöpflin * 8. Sept. 1694, [+] 6. Aug. 1771.] - -[Sidenote: Die Bibliothek.] - -Einen gewichtigen Namen in der Geschichte der typographischen und -geistigen Interessen Strassburgs hat der gelehrte JOH. DAN. SCHÖPFLIN. -Er schrieb die bekannten _Vindiciae typographicae_ (1760) und überliess -1765 der Stadt gegen eine mässige Leibrente seine historischen -Sammlungen und seine bedeutende Bibliothek, fuhr jedoch fort, diese -auch nach der Abtretung zu vermehren. Durch die Einziehung der Klöster -und durch jährliche Erwerbungen war die Sammlung auf gegen 12000 -Handschriften und gegen 180000 gedruckte Bücher angewachsen, darunter -gegen 2000 Inkunabeln zumteil der seltensten Art. Als ein Kleinod -der Sammlung galt das Manuskript der Äbtissin Herrade von Landsberg, -_Hortus deliciarum_, aus dem XII. Jahrhundert, in Gross-Folio, mit -den kostbarsten Miniaturen fast auf jedem Blatt. Auch eines der -wichtigsten Dokumente aus der Erfindungsgeschichte der Buchdruckerei, -die Zeugenaussage in dem Prozess zwischen Gutenberg und den Brüdern -des Andr. Dritzehn aus dem Jahre 1439 (I, S. 25), befand sich unter -den Schätzen, welche seit dem Jahre 1805 in die neue evangelische -Kirche verlegt wurden, wo bereits eine andere wichtige Sammlung, die -Universitätsbibliothek, untergebracht war. - -Einige leider zu gut gezielte Bomben haben das alles vernichtet und -die Opferfreudigkeit, mit welcher die Strassburger Bibliothek neu -und grossartig errichtet wurde, konnte den unersetzlichen Teil nicht -wiederschaffen[241]. - - [241] Die »Annalen der Typographie«, welche, nebenbei gesagt, die - erste öffentliche Aufforderung zur Wiedererrichtung der - Strassburger Bibliothek bereits in ihrer Nr. 65 vom 8. - Oktober 1870 enthielten, sagen in Nr. 62 desselben Jahres bei - Gelegenheit eines Rückblickes auf die Geschichte der Bibliothek, - deren endliches Schicksal damals noch nicht genau bekannt war: - - »Eine solche Sammlung von Schätzen sollte rettungslos verloren - gegangen sein!? Das glauben wir nun und nimmermehr auf die - vagen Äusserungen (des Bibliothekars Zeller in Paris) hin. Die - brennende Bibliothek hat ja nicht urplötzlich die Einwohner aus - tiefem Schlafe geweckt. Wochenlang war vorauszusehen, was kommen - würde. Und da sollte nicht ein verdienstvoller Bibliothekar, der - über seine Bücherschätze ängstlich wacht, wie der Vater über - seine Kinder, nicht ein um das Eigentum der Stadt besorgter - Beamter daran gedacht haben, wenigstens das Unersetzlichste in - Sicherheit zu bringen? Die Wechselfälle, denen eine belagerte - Stadt ausgesetzt ist, sind doch nicht unbekannt, selbst wenn - die Belagerer nicht aus »Attilas Horden« beständen. Da sollte - nicht Zeit gefunden worden sein, ein halbes Dutzend Kisten mit - den grössten Seltenheiten beiseite zu schaffen? Das halten wir - trotz aller Kopflosigkeit, trotz aller Zuversicht der Franzosen - zu den eigenen Waffen und der souveränen Verachtung gegen den - »Landsturm« nicht für möglich.« -- Noch heute muss es jedem - unbegreiflich erscheinen, wenn nichts gerettet sein sollte. - Dann wäre die Barbarei Deutschlands, »das seine Gelehrsamkeit - nur im Verwüsten zeigt«, wie der Bibliothekar Zeller sagt, doch - durch die passive Barbarei des der Verwüstung ruhig Zusehenden - übertroffen. - -Hoffen wir, dass materielle und nationale Wunden mit der Zeit vernarben, -dass das alte Strassburg wieder als eine der hauptsächlichsten deutschen -Kulturstätten erstehe und neuen typographischen Ruhm erwerbe, dass zum -nächsten Jubelfeste die Angehörigen der verschiedenen Nationalitäten -sich um das Abbild des Meisters brüderlich die Hand reichen. Gutenbergs -Kunst kann zwar schwere Wunden schlagen, aber sie heilt auch solche! - - - DIE SCHWEIZ. - -[Sidenote: Örtliche Schwierigkeiten.] - -Als einige Geistliche in CELLARINA im Ober-Engadin den Gedanken gefasst -hatten, eine Druckerei anzulegen, liessen sie einen Setzer und einen -Drucker aus Bergamo kommen, welche die kleine Letternanschaffung in -ihrem Ranzen auf dem Rücken trugen. Eine abgenutzte Holzpresse wurde -auf einen Esel gepackt, weil noch kein Fahrweg vorhanden war. Ein -Zimmermann schlug auf dem Boden eines Heustalles Regale auf und zimmerte -Setzkasten. Als Gespan des Druckers fungierte ein Bauernbursche, welcher -auch die Abwartung des im unteren Stock einlogierten Esels zu besorgen -hatte. Wenn der Winter herannahte, ging das Personal nach Bergamo heim -und kam mit dem Frühjahr wieder zurück. Durch dessen Arbeit entstand -eine Sammlung geistlicher Lieder, welche noch nach dem Jahre 1840 das -allgemeine Kirchengesangbuch des Engadin bildete. - -[Sidenote: Erfreuliches Emporblühen.] - -Wenn nun auch dieses kleine typographische Genrebild, selbst in der -Schweiz, wohl nicht viele Pendants hat, so kann es doch als eine -hübsche wennauch drastische Illustration der Schwierigkeiten dienen, -welche der raschen Verbreitung der Typographie in einem Berglande -mit zerstreuter Bevölkerung, kleinen Städten und einem schwierigen -Verkehr entgegenstanden. Diese Verhältnisse müssen die Achtung für -die Schweizer Typographen steigern, die, obwohl die Litteraturen des -mehrsprachigen Landes sich denen der grossen Nachbarvölker anschliessen -müssen, gewusst haben, ihre gewerbliche Selbständigkeit zu wahren und, -allerdings kräftigst durch eine wennauch kleine so doch hochgebildete -und hochpatriotische Bevölkerung unterstützt, eine bedeutende Produktion -zu erzielen. - -So bildet die schweizerische Typographie das Bild einer allmählichen, -ruhigen, den Verhältnissen angemessenen Fortentwickelung. Man ist -eifrig bemüht gewesen, nicht zurückzubleiben, strebt aber andererseits -nicht danach, eine der Sachlage nicht angemessene blendende Stellung -einzunehmen. - -[Sidenote: Statistisches.] - -Die Schweiz besitzt in 164 Städten, Städtchen, Flecken und Dörfern -325 Buchdruckereien und 184 lithographische Anstalten mit zusammen -534 Schnellpressen und 812 Tret- und Handpressen, von welchen die -Tretpressen verhältnismässig sehr stark repräsentiert sind. In dem -Druckgewerbe werden überhaupt gegen 5000 männliche und 1000 weibliche -Arbeiter beschäftigt. - -[Sidenote: Zeitschriften-Litteratur.] - -Wenn die Schweiz vorzugsweise reich an Zeitschriften ist -- es giebt -eine solche auf je fünfhundert Einwohner --, so liegt dies an der -Zersplitterung der Interessen durch die kantonale und kommunale -Kleinregierung, an den verschiedenen Nationalitäten und an der örtlichen -Lage. Deshalb hat die Schweiz keine Blätter von grosser Verbreitung -und allgemeiner Bedeutung und die Auflagen sind oft winzig klein. Die -Zahl der in 158 Druckorten erscheinenden Journale politischen oder -lokalen Inhalts beträgt 307, darunter 60 täglich, 161 zwei- oder dreimal -wöchentlich erscheinende; 222 davon in deutscher, 75 in französischer, -7 in italienischer, 2 in romanischer, 1 in englischer Sprache. Von -nichtpolitischen Zeitungen giebt es 253; darunter 166 deutsche, 78 -französische, 7 italienische und 2 romanische. Bei weitem die meisten -dieser Blätter sind sauber gedruckt. Die Zahl der jährlich erscheinenden -Bücher beträgt etwa 1200. - -[Sidenote: Basel.] - -BASEL mit seinen grossen Traditionen war nicht in der Lage, unter -veränderten Verhältnissen seinen hohen typographischen Ruhm aufrecht zu -erhalten. Doch hat es zum Beginne der neuen Periode eine Druckerfamilie -von europäischer Bedeutung aufzuweisen[242]. - - [242] P. W(EGELIN), Die Familie Haas (im Baseler Taschenbuch 1855). -- - W. HAAS, Beschreibung und Abriss einer neuen Buchdruckerpresse, - erfunden in Basel 1772. 1790. -- A. G. PREUSCHEN, Grundriss der - typometrischen Geschichte. Basel 1778. - -[Sidenote: Die Familie Haas.] - -[Sidenote: W. Haas d. ä. * 23. Aug. 1741, [+] 8. Juni 1800.] - -[Sidenote: Seine Typen.] - -WILHELM HAAS war in mancher Beziehung ein ebenbürtiger Zeitgenosse J. -G. I. Breitkopfs. Sein Vater war ein geschickter Schriftschneider und -Schriftgiesser aus Nürnberg, der das Bürgerrecht in Basel erworben -hatte. Der Sohn Wilhelm Haas zeigte schon in seiner Jugend ein -entschiedenes Talent für den Beruf des Vaters und wurde gründlich -von Daniel Bernoulli in Mathematik und Mechanik unterrichtet. Er -übernahm das Geschäft des Vaters und brachte es bald dahin, dass seine -Schriftgiesserei als eine der vorzüglichsten Deutschlands angesehen -wurde. Die Frakturschriften betrachtete man in Bezug auf Regelmässigkeit -und Klarheit als mustergültig. Für seine Antiqua nahm er Baskerville zum -Vorbild; sie ist z. B. in der bei Thurneysen erschienenen Ausgabe von -Voltaires Werken verwendet, auch schnitt er eine nicht unbeträchtliche -Zahl von orientalischen Schriften. Zu seinen Verbesserungen gehört -sein System der Spatien und der Stücklinien, worüber er sich in einer -besonderen Schrift (1772) aussprach. - -[Sidenote: Verbesserte Handpresse.] - -Sein Hauptaugenmerk galt jedoch der Verbesserung der Druckpresse, die -seit dem Jahre 1500 so ziemlich ungeändert geblieben war. Haas lebte -aber noch in der Blütezeit des Innungszopfes. Er war kein kunstgemäss -gelernter Buchdrucker und seine freundlichst gesinnte Kollegenschaft -brachte es glücklich so weit, dass er nicht mit der von ihm -konstruierten Presse arbeiten durfte, die er deshalb an Schweighauser -verkaufte. Er selbst musste sich mit der Herausgabe einer deutschen und -einer französischen Beschreibung begnügen. Die Hauptbestandteile seiner -Presse waren aus Eisen und ruhten auf einem Steinblock; der Tiegel hatte -die Grösse des Fundaments, so dass für den Druck einer Form nunmehr -nicht zwei Züge notwendig waren. Der Bengel wurde an dem Kopfende der -Spindel angebracht und der Hebel mit einer Schwingkugel versehen. - -[Sidenote: Landkartensatz.] - -[Sidenote: A. G. Preuschen.] - -In das Jahr 1775 fallen Haas' Versuche, Landkarten und Musiknoten mit -Typen herzustellen. Den ersten Gedanken zu dem Landkartensatz fasste -der Hofdiakon A. G. PREUSCHEN in Karlsruhe, der sich an Haas mit dem -Vorschlag wandte, mit ihm in eine Association für diese neue Kunst, -die »Typometrie«, zu treten. Haas ging mit Energie und Überzeugung auf -den Gedanken ein. Als erstes Probestückchen erschien zu Anfang des -Jahres 1776 in Basel ein Blättchen mit einer Waldung und dem Lauf eines -Flusses; das zweite griff schon weiter und wurde der Kaiserl. Akademie -zu St. Petersburg und dem berühmten Geographen Büsching vorgelegt, der -Feuer und Flamme für die Erfindung wurde. - -Nun trat Breitkopf hervor und erklärte, er habe sich schon zwölf Jahre -mit denselben Versuchen beschäftigt, und versandte seine Proben. Im -Oktober 1776 gab Haas eine Karte des Kantons Basel in Quart heraus, von -welcher 1777 eine neue Ausgabe im üblichen Landkartenformat erschien, -der eine Nachbildung der Karte von Sicilien von Hubert Jaillot aus -dem Jahre 1736 folgte. Sie wurde dem König Ferdinand IV. von Neapel -dediziert und erschien auch in einer französischen Ausgabe. Wilh. Haas -gab noch etwa ein Dutzend solcher Karten heraus. Nach den neueren -Erfindungen hat die Typometrie jedes praktische Interesse verloren, das -nie ein nennenswertes gewesen, und nur das historische ist geblieben. - -[Sidenote: Haas und Thurneysen.] - -Im Jahre 1780 errichtete Haas im Verein mit dem talentvollen Buchdrucker -und Buchhändler JOH. JAK. THURNEYSEN ein Geschäft, das sehr elegante -Arbeiten lieferte. Die Verbindung hörte jedoch nach sechs Jahren auf und -Haas der Sohn übernahm die Leitung der Buchdruckerei und führte sie nach -dem Tode seines Vaters, der zugleich Brigade-Chef und General-Inspektor -der helvetischen Artillerie war und auf einer artilleristischen -Inspektionsreise zum allgemeinen Bedauern starb, fort. - -[Sidenote: W. Haas d. j. * 15. Januar 1766, [+] 22. Mai 1838.] - -W. HAAS D. J. hatte eine sehr sorgfältige Erziehung genossen und -zeigte frühzeitig ein entschiedenes Talent für die Typographie. Als -achtjähriger Knabe setzte er ein Frag- und Antwortspiel aus Nonpareil -mit einer Einfassung und druckte es in zwei Farben. Als sechzehnjähriger -Gehülfe stellte er, unter Benutzung der systematischen Stücklinien des -Vaters, die grosse Karte der Weltgeschichte von F. K. Fulda (Augsburg, -Stagesche Buchhandlung) fertig, die aus zwölf grossen Formen besteht, -welche zusammen ein Tableau von 5 Fuss Höhe und 6 Fuss Breite bilden. - -[Sidenote: Weitere Reformen.] - -Nach der oben erwähnten Übernahme des Geschäfts im Jahre 1786, welches -die Firma WILHELM HAAS DER SOHN annahm, heiratete er 1788 die Tochter -Georg Jacob Deckers (S. 361). An der Druckpresse brachte er noch -weitere Verbesserungen an und vervollkommnete den Satz der Landkarten, -von welchen viele Blätter bei ihm erschienen. Nach dem Beispiel -Baskervilles fertigte er nach seiner eigenen und des Vaters Idee eine -Satiniermaschine, die er jedoch, als er die von Bodoni konstruierte -gesehen hatte, verwarf. Seine Musiknoten sind elegant. Er druckte auch -verschiedene hebräische Werke, darunter eine Bibel in vier Bänden, -Grossoktav. Auch den Accidenzarbeiten wurde grosse Sorgfalt gewidmet. - -[Sidenote: Wilhelm und Eduard Haas.] - -Zu der im Jahre 1830 in Basel stattgehabten Kunst- und -Industrie-Ausstellung hatte Haas »Das Gebet des Herrn« in hundert -Sprachen, wie er bemerkt: die vierzigste derartige Sammlung, -ausgestellt. Das Geschäft überliess er seinen Söhnen WILHELM und EDUARD, -von denen letzterer sich bei Didot als Stempelschneider ausgebildet -hatte, und erlebte in Zurückgezogenheit noch sein 77. Jahr. Das Geschäft -besteht noch heute als geachtete Schriftgiesserei. - -Eine bekannte Baseler Druckerfamilie war die THURNEYSENsche, die ihre -Aufmerksamkeit namentlich dem Bibeldruck zuwendete. In jüngster Zeit hat -die SCHWEIGHAUSERsche Offizin durch BENNO SCHWABE mehrere vorzügliche -Arbeiten, namentlich im Renaissancestil, geliefert, welche den besten -aus der Glanzzeit Basels ebenbürtig sind. - -[Sidenote: Zürich.] - -[Sidenote: Orell Füssli & Co.] - -Wenn Bern auch die Hauptstadt der Schweiz ist, so bleibt doch ZÜRICH, -sowohl was Einwohnerzahl betrifft, als auch in Beziehung auf Kultur, -Litteratur und Druckgewerbe, die erste Stadt der Schweiz. Sie besitzt 22 -Buchdruckereien und 18 lithographische Anstalten, die 55 Schnellpressen, -136 Tret- und Handpressen beschäftigen. Der Kanton Zürich hat 40 -Buchdruckereien, 30 lithographische Anstalten mit 97 Schnellpressen, -190 Handpressen und 800 Arbeitern und überragt weit jeden anderen der -Kantone. Berühmt war Zürich schon in der älteren Druckgeschichte als -Sitz des Geschäfts Christ. Froschauers, als dessen würdige Nachfolgerin -die Firma ORELL FÜSSLI & CO. noch heute sich zeigt (I, S. 140). Die -Offizin würde auch in Deutschland zu den bedeutenderen zählen (10 Schp., -15 Hdp.); sie vereinigt alle Branchen der graphischen Künste und liefert -in allen Vorzügliches. Das am 25. August 1881 bezogene neue Haus »Zum -Bären« ist ein höchst stattlicher Bau. Einen eigentümlichen äusseren -Schmuck desselben bildet ein, eine ganze Wand des vierstöckigen Hauses -einnehmender, Bär. Die frühere Lokalität war durch 105 Jahre von der -Firma benutzt gewesen. Ein grosses Geschäft ist die Firma ZÜRCHER & -FURRER (6 Schp.). - -[Sidenote: Kartographie.] - -Zürich besitzt mehrere bedeutende lithographische Anstalten. Die -LITHOGRAPHISCHE GENOSSENSCHAFT (4 Schp., 7 Hdp.), ebenso J. J. HOFER -& A. BURGER liefern sehr gute Chromodrucke. Berühmt ist die Anstalt -von WURSTER, RANDEGGER & CO. durch ihre kartographischen Arbeiten, in -welcher Richtung H. MÜHLHAUPT & SOHN sowie R. LEUZINGER in BERN und -H. FURRER in NEUENBURG sich ebenfalls einen Namen erwarben. Überhaupt -geniesst die Schweiz hinsichtlich ihrer kartographischen Arbeiten eines -grossen Rufes. Die geringe Ausdehnung des Landes bei den interessanten -Bodenformationen und den komplizierten hydrographischen Verhältnissen -luden ganz besonders zur Anfertigung detaillierter, malerisch -ausgeführter Terrainkarten ein. Den mächtigsten Anstoss gab der General -Dufour, dessen Generalkarte der Schweiz noch heute als das bedeutendste -Meisterwerk kartographischer Darstellungskunst gilt. - -[Sidenote: Winterthur.] - -In WINTERTHUR befindet sich die ziemlich bedeutende Offizin von BLEULER, -HAUSHEER & CO. (4 Schp.). J. WESTPHELING liefert sehr gute Arbeiten und -introduzierte sich in sehr empfehlender Weise in grösseren Kreisen durch -seinen Schweizer-Ausstellungs-Katalog (Wien 1873), der denselben Beifall -fand, wie die ganze Kollektiv-Ausstellung der Schweiz. - -[Sidenote: St. Gallen.] - -[Sidenote: Joh. Zollikofer.] - -[Sidenote: Chr. Zollikofer.] - -[Sidenote: Emil Zollikofer.] - -ST. GALLEN umschliesst eine der besten Offizinen der Schweiz. Dieselbe -wurde von JOH. ZOLLIKOFER, aus einer alten, vom Kaiser Rudolf 1578 -geadelten Familie stammend, im Jahre 1789 gegründet. Durch Ankauf -erwarb er 1792 noch eine zweite kleine Buchdruckerei und blieb bis 1802 -der alleinige Buchdrucker in St. Gallen. Im Jahre 1834 wurde der Sohn -CHRISTOPH Associé. Durch Eintritt C. P. SCHEITLINS ward die Firma in -Scheitlin & Zollikofer umgeändert und ein bedeutender Verlag gegründet, -der später auf den Schwager Christoph Zollikofers, IWAN V. TSCHUDI, -überging, während der erstgenannte die Druckerei behielt. Der Sohn EMIL -ZOLLIKOFER wurde 1867 Teilnehmer. Durch längeren Aufenthalt im Auslande -ausgebildet, reformierte er die Buchdruckerei übereinstimmend mit den -Forderungen der Zeit. Ein neuer stattlicher Bau ward 1868 ausgeführt, -fiel jedoch bereits am 17. Juli 1880 den Flammen zum Opfer. Ein zweiter -Neubau wurde mit fabelhafter Energie betrieben und vier Monate nach dem -Brande stand ein Prachtbau, hauptsächlich aus Glas und Eisen, fertig da. -Christoph Zollikofer war, von seinen Mitbürgern hochangesehen, bereits -Anfang September 1870 verstorben. - -[Sidenote: Gebr. Benziger.] - -Unter den schweizerischen graphischen Anstalten giebt es nur eine, -die für den Weltmarkt arbeitet und auch einen Weltruf sich erworben -hat. Der Bergflecken EINSIEDELN mit 7000 Einwohnern, berühmt durch -sein Benediktiner-Kloster mit dem wunderthätigen Muttergottesbilde -und deshalb jährlich von hunderttausenden von Wallfahrern besucht, -ist in der typographischen Geschichte durch die grossartige Anstalt -der GEBR. BENZIGER merkwürdig geworden. Das Geschäft, welches nur auf -die Bedürfnisse strenggläubiger Katholiken berechnet ist, wurde von -dem Landamman JOSEF KARL BENZIGER 1805 gegründet und ging von ihm auf -seine Söhne KARL und NIKOLAUS (letzterer vom Papst in den Grafenstand -erhoben) über. In allen Erzeugnissen der Anstalt, auch den billigsten, -ist das Streben sichtbar, nur Gutes zu liefern. Die Erzeugnisse der -Phototypie sowohl in Vergrösserungen als Verkleinerungen gehören -zu den besten Leistungen in dieser Richtung. Die Anstalt verfügt -über 27 Schnellpressen und eine grosse Anzahl von Buchbinderei- und -anderen Maschinen und soll 700-1000 Menschen, Erwachsene und Kinder, -beschäftigen. In New-York, Cincinnati und St. Louis besitzt die Firma -Filialen[243]. - - [243] Phototypie Benziger, Reproduktionen von Holzschnitten, - Lithographien, Stahlstichen, Handzeichnungen, auf Metallplatten, - hochgeätzt für Buchdruck. - -Um den Leistungen dieser Anstalt vollkommen gerecht zu sein, muss man -der örtlichen Lage derselben eingedenk bleiben. Dieselbe machte die -Fürsorge für die Arbeiter durch Kosthäuser, Kassen und andere humanitäre -Einrichtungen, die nach vielen verschiedenen Richtungen hin vorhanden -sind, noch notwendiger, als bei gewöhnlichen Verhältnissen. - -[Sidenote: Bern.] - -Die Hauptstadt BERN zählt, was Bevölkerung betrifft, erst als die -fünfte Stadt der Schweiz und bietet in graphischer Hinsicht nichts -Bemerkenswertes dar. Die bedeutendsten Offizinen sind die STÄMPFLIsche -mit 7 Schnellpressen, RIEDER & SIMMEN, JENT & REINERT, K. J. WYSS und B. -F. HALLER. Dieser war der erste, der eine eiserne Presse in der Schweiz -einführte; die erste Schnellpresse erhielten Orell Füssli & Co. im Jahre -1832. - -[Sidenote: Genf.] - -In der französischen Schweiz ist GENF durch das rege wissenschaftliche -und litterarische Leben bekannt. Die Stadt hat 18 Buchdruckereien -und 17 lithographische Anstalten, doch kein Geschäft von bedeutendem -Umfang. Die grössten derselben sind CHR. SCHUCHARDT und J. LANG mit je 4 -Schnellpressen. Auch in LAUSANNE ist ein regeres geschäftliches Leben. -Unter den 17 typographischen und lithographischen Anstalten daselbst ist -zu nennen die von G. BRIDEL (4 Schp.), die gute Werk- und Accidenzdrucke -liefert. - -[Illustration] - - -[Illustration] - - XV. KAPITEL. - - DER OSTEN DER GERMANISCHEN GRUPPE. - - Presszustände in Österreich. J. T. Trattner. J. G. Trassler. J. v. - Kurzbeck. A. Schmid. Familie Gerold. J. V. Degen. A. Auer. Die Hof- - und Staatsdruckerei. W. v. Braumüller. Das Museum und die - Gesellschaft für vervielfältigende Kunst. Der Buchdrucker-Verein. - Neuere Buchdruckereien Wiens. Die Druckereien in den Provinzen. - UNGARN. Druckereien in Budapest und an anderen Orten. Statistisches - aus Österreich-Ungarn. - -[Sidenote: Gedrückte Zustände der Presse.] - -Zu derselben Zeit, wo die Presse in Preussen beinahe einer -uneingeschränkten Freiheit sich erfreute, hatte sie in Österreich -mit dem schwersten Druck zu kämpfen. Unter dem Kaiser Karl VI. wurde -noch glimpflich verfahren, unter Maria Theresia trat jedoch grössere -Strenge ein. Ein Patent vom 12. Juli 1752 befahl den Unterthanen, alle -geistlichen Bücher ihren Seelsorgern zur Prüfung zu übergeben, diese -hatten die irrlehrigen an sich zu nehmen, die unverdächtigen, nachdem -sie mit Siegel versehen waren, zurückzustellen. Selbst die Buchbinder -waren verpflichtet, die ihnen zum Binden übergebenen Bücher den -Geistlichen vorzulegen. Politische und staatswissenschaftliche Schriften -wurden mit ähnlichem Argwohn behandelt und die Jesuiten hatten sich ganz -der Zensur bemächtigt. In Ermangelung von gedruckten Zeitungen wurden -geschriebene »Gassenblätter« regelmässig versandt. Zeitungsschreibern, -welche falsche Nachrichten verbreiteten, wurde mit Auspeitschung und -Landesverweisung gedroht und Angebern 100 Dukaten Belohnung zugesagt. -Die einzige in Wien erscheinende Zeitung, das im Jahre 1703 gegründete -»Diarium«, durfte nur solche inländische Nachrichten verbreiten, die ihr -von der Hofstelle zukamen. Ausländische privilegierte Zeitungen konnten -eingeführt werden, sie unterlagen jedoch einer Revision und wurden nur -durch die kaiserlichen Postämter vertrieben. Damals entstanden auch die -verschiedenen Stufen des Verbotes und der Zulassung. 1765 erschien das -erste Verzeichnis der verbotenen Bücher, welches schliesslich selbst -verboten wurde, damit man nicht die Titel der »schlechten« Bücher kennen -lernte. - -[Sidenote: Freiere Bewegung unter Joseph II.] - -Dem unhaltbaren Zustand setzte die Thronbesteigung Josephs II. (1780) -eine Grenze. Er hob die geistliche Zensur ganz auf und bildete -eine Zensurkommission aus aufgeklärten und unabhängigen Männern. -Das Pressgesetz von 1781 war in seinen Grundlagen nach den eigenen -Bestimmungen des Kaisers entworfen. Das Verzeichnis der verbotenen -Bücher wurde revidiert und mehr als 2500 derselben wieder erlaubt. Nur -gegen schmutzige Bücher wurde mit aller Strenge verfahren. Im Jahre -1787 wurde es gestattet, anstatt der Manuskripte die bereits gedruckten -Werke der Zensurbehörde vorzulegen. Es ward dem Kaiser nicht leicht, bei -diesen Reformen den passiven Widerstand der Beamten zu überwinden. In -der letzten Zeit seiner Regierung ward er auch selbst weniger freisinnig -und die zuletzt erwähnte Massregel wenige Wochen vor seinem Tode durch -eine Verordnung vom 21. Januar 1790 zurückgenommen. - -[Sidenote: Neue Beschränkungen.] - -[Sidenote: Patent vom Nov. 1810.] - -[Sidenote: Abstufung der Bücherverbote.] - -Kaiser Leopold II., eingeschüchtert durch die französische Revolution, -ergriff strengere Massregeln gegen die Presse, und sein Nachfolger, -Franz II., verschärfte diese noch mehr. 1801 ward die Zensur der -Polizeihofstelle übergeben; 1803 begann eine Rezensurkommission ihre -Thätigkeit und setzte wieder tausende von früher freigegebenen Büchern -auf den Index. Während der Besitznahme Wiens durch Napoleon fand 1809 -eine temporäre Erleichterung statt und die Druckereien waren nicht -imstande, alle ihnen angebotenen Aufträge auszuführen. Dieser Zustand -nahm jedoch mit dem Patente vom 1. November 1810 zur Regelung der -Pressverhältnisse ein schnelles Ende. »Kein Lichtstrahl, er komme, woher -er wolle, soll künftig unbeachtet oder unbekannt in der Monarchie -bleiben«, so hiess es und die Geschichte lehrt die Wahrheit dieser Worte -des Programms kennen, wennauch nicht in der vermuteten Auslegung; es -blieb in der That kein Lichtstrahl unbeachtet -- seitens der Polizei. -Übertretungen der Zensurmassregeln wurden streng geahndet. Das Recht, -Buchhandel und Buchdruckerei zu betreiben, beruhte natürlicherweise -auf Privilegien. Die Abstufungen der Zulässigkeit der Werke wurden -genau reguliert. Professoren und Gelehrten von Fach sollte nur in -besonderen Ausnahmefällen ein Buch verweigert werden. Einige Bücher -erhielten _admittitur_, d. h. sie waren ganz freigegeben; andere, -denen das _transeat_ zu teil geworden, durften verkauft, jedoch nicht -öffentlich angekündigt werden. Um andere beziehen zu können war wieder -eine besondere Erlaubnis notwendig (_erga Schedam_). Inländische -Verlagsartikel erhielten das _imprimatur_ entweder ohne Beschränkung -oder nach Weglassungen resp. Änderungen, andere fielen dem _damnatur_ -anheim. Es ist bekannt genug, wie die Bestimmungen über die Einfuhr -der Bücher vielfach umgangen wurden und wie wöchentlich ganze Ballen -nichterlaubter Bücher von Leipzig nach Wien gesandt wurden. Dort waren -Bestechungen selbstverständlich an der Tagesordnung; das Geschäft wurde -demoralisiert, aber im Sortimentshandel viel Geld verdient, während der -Verlagshandel und die Buchdruckerei darnieder lagen. Kein Autor von -Bedeutung mochte sein Werk in Österreich verlegt oder gedruckt sehen und -ein in Österreich gedrucktes Buch war fast gleichbedeutend mit einem -schlecht gedruckten. - -[Sidenote: Zustand der graphischen Gewerbe.] - -Der Festredner bei dem vierhundertjährigen Jubelfest (1882) der -Einführung der Buchdruckerkunst in Wien Karl v. Scherzer, im Jahre 1846 -noch ein enthusiastischer Jünger Gutenbergs, schrieb damals: »Es ist in -dem Volke noch nicht das Bedürfnis zu $lesen$ erwacht; es begnügt sich, -die 'Wiener Zeitung' durchzublicken und alle Jahre die renommiertesten -französischen Schauerromane in deutscher Übersetzung durchzublättern. -Es fehlt uns hier auch an nichts weniger als an $allem$, um selbst -die $geringste litterarische$ Unternehmung mit Ehren ins Leben rufen -zu können. Kein genialer Zeichner, kein fähiger Holzschneider, kein -tüchtiger Drucker und so fort bis zum Farbenjungen. Während das Ausland -seit Jahren uns mit illustrierten Ausgaben überflutet, haben wir hier -kaum den Mut gefasst, ein einziges grosses Werk mit Holzschnitten zu -verzieren; selbst die 'Theaterzeitung' hat ihr illustriertes Gewand -seit dem neuen Jahre wieder abgelegt und noch bei dem $neuesten$ -illustrierten Werk 'Erzherzog Karl von Österreich' mussten, durch -unübersteigbare Hindernisse dazu gezwungen, die beabsichtigten -Holzschnitt-Illustrationen den in den Text gedruckten Lithographien -weichen«[244]. - - [244] Journ. f. B. 1846. - -Mit den Accidenzien ging es nicht besser, als mit dem Werkdruck. -Die Privilegien der »Wiener Zeitung« verursachten ausserdem, dass -Accidenzien im Interesse des Handels und der Gewerbe fast gar nicht -vorkamen. - -[Sidenote: Zeitungslitteratur.] - -Mit der Zeitungslitteratur war es gar schlecht bestellt; nur die -verflachenden, witzelnden und pikanten Theater-, Kunst-, Litteratur- -und Modeblätter erfreuten sich eines bedeutenden Absatzes. Alle -Zeitungen, mit Ausnahme der »Wiener Zeitung« und des »Österreichischen -Beobachters«, unterlagen einer Vorzensur und kamen dann erst in die -Hände des bekannten Grafen v. Sedlnitzky und erfolgten aus diesen -gewöhnlich in einem Zustande zurück, von dem man sich heute schwer eine -Vorstellung wird machen können. Die willkürlichsten Änderungen wurden -getroffen, die sich nicht bloss auf Politik und ernstere Interessen -bezogen; es konnte auch einem Theaterkritiker, welcher erzählt hatte, -wie sehr Fräulein X. $miss$fallen, passieren, dass er in seiner Zeitung -las, wie ausnehmend sie $ge$fallen. Adlige Bösewichte gab es in Romanen -und Theaterstücken gar nicht; sie mussten vorher ins Bürgerliche -übersetzt werden. - -[Sidenote: J. T. Trattner * 1717, [+] 1798.] - -Unter solchen Verhältnissen ist es immer noch zu verwundern, dass Wien -einige bedeutende Männer unter den Ausübern der Druckkunst aufzuweisen -hat. Die populärste Erscheinung aus dieser Periode des Rückgangs -ist JOHANN THOMAS TRATTNER. Er gehört nicht zu denjenigen Koryphäen -der Druckkunst, zu denen wir mit Ehrerbietung emporblicken. Seine -Hauptthätigkeit war eine, welche der Staat zwar zuliess, die öffentliche -Meinung und das Rechtsbewusstsein aber verurteilten: Trattner war ein -Nachdrucker ersten Ranges[245]. - - [245] J. T. v. Trattner, Der gerechtfertigte Nachdrucker. Wien 1778. - -Er war als Sohn eines armen Pulvermüllers zu Jahrmannsdorf unweit Güns -geboren und frühzeitig verwaist. In seinem 18. Jahre kam er in die -Lehre. Als Drucker erwarb er sich in der Offizin Johann von Gehlens -(I., S. 144) etwas Geld und einige vermögende Gönner, die bereit -waren, den jungen strebsamen Mann zu unterstützen. Seine Bemühungen, -eine Konzession sich zu verschaffen, blieben jedoch vergeblich. Da -fasste er den kühnen Entschluss, sich persönlich an die Kaiserin Maria -Theresia zu wenden, die ihn gnädig beschied. Nun kaufte Trattner am 12. -März 1748 die im Laufe der Zeit sehr herabgekommene Buchdruckerei der -Frau Eva Schelgin. Den Ertrag seiner ersten Arbeit, ein vom Abte des -Stiftes Mölk verfasstes Gebet, widmete er den Armen, wodurch er sich -das Wohlwollen der Jesuiten erwarb, die nun alle ihre Arbeiten bei ihm -drucken liessen, so dass er zeitweilig sechzehn Pressen beschäftigen -konnte; sie aber regelmässig im Gange zu halten war eine schwere -Aufgabe. Trattner legte sich deshalb auf das Nachdrucken der Werke der -besten deutschen Autoren und machte sich hiermit eben so verhasst in -Deutschland wie beliebt in Österreich, wo man den Nutzen der guten und -billigen Bücher hatte. Es ging ganz wie in neuerer Zeit in Nordamerika: -der durch den Nachdruck gebildete Geschmack des Publikums kam wenigstens -später den einheimischen Autoren und Verlegern zu gute, welche den Boden -vorbereitet fanden. - -[Sidenote: Der Trattnerhof.] - -Eine grosse Erweiterung seines Geschäfts (bis auf 34 Pressen) entstand, -als ihm bei der Studienregelung im Jahre 1752 der Druck der sämtlichen -Schul- und Lehrbücher übertragen wurde. Er legte Filialen seiner -Druckerei in Pest, Triest, Innsbruck, Linz und Agram an, erwarb -zwei Papierfabriken, gründete eine Schriftgiesserei, alle Arten von -artistischen Anstalten und unterhielt 23 Bücherlager. Am »Graben« -erbaute er den schönen Trattnerhof, welcher seinen Wahlspruch »_Labore -et favore_« trug. Seine Bücher stattete er mit grosser Sorgfalt aus, so -dass es von einem guten Druck hiess: »Der ist wie von Trattnern«. Bis -in sein 78. Jahr war er der alleinige Leiter des Geschäfts und erlebte -1798 noch sein goldenes Jubiläum. Von zwei Frauen hatte er 21 Kinder, -von denen jedoch nur zwei am Leben blieben. Vom Kaiser Franz war er 1764 -in den Adelstand erhoben. Das Geschäft wurde nach Trattners Tod geteilt -und ging auf verschiedene Personen über. - -[Sidenote: J. G. Trassler [+] 1816.] - -Neben Trattner nahm JOSEF GEORG TRASSLER aus Wien eine bedeutende Stelle -ein. Im Jahre 1779 erwarb er eine Buchdruckerei in Troppau, die bereits -1785 mit 25 Pressen arbeitete. Eine zweite Buchdruckerei errichtete er -1786 in Brünn; diese beschäftigte bis 60 Pressen. Eine dritte Offizin -etablierte er 1795 in Krakau, die jedoch 1809 von den Polen demoliert -wurde. Ausserdem hatte er noch verschiedene graphische Geschäfte und -eine Buchhandlung. - -Seine Erfolge verdankte er zum nicht geringen Teil den Freimaurern -und den mit diesen in Verbindung stehenden Gesellschaften, welche -letztere zur Bildung des Volkes unzählige Nachdrucke mit der -Bezeichnung »Gedruckt bei Josef Georg Trassler und im Verlage der -Compagnie« verbreiteten. Ausserdem besass Trassler selbst einen grossen -Verlag zumteil bedeutender Werke, darunter A. F. Büschings grosse -Erdbeschreibung in 30 Bänden; die 34 Bände starke Sammlung der besten -Reisebeschreibungen; die »Allgemeine Weltgeschichte«, 88 Bände; Krünitz' -»Encyklopädie«, 129 Bände. Die bedeutendste Leistung war jedoch J. C. -Adelungs berühmtes Wörterbuch in vier starken Bänden in Grossquart von -zusammen 7587 Seiten[246]. - - [246] Während Trassler noch als Faktor bei Trattner arbeitete, hatte - letzterer für den nachmaligen Kaiser Josef II. eine kleine - Buchdruckerei eingerichtet. Ein grosser vortrefflicher - Holzschnitt von F. v. Exter (S. 302) hat eine Szene aus dieser - Druckerei verewigt, wo der Prinz an dem Bengel zieht, Trassler - die Ballen einschwärzt und Trattner gute Lehren erteilt. - Die Presse selbst befindet sich in dem Museum der K. K. - Staatsdruckerei. - -Obwohl der Verlag nach Trasslers Tod noch vermehrt wurde, ging das -Geschäft in den Händen der Kinder doch zurück. Der zweite Sohn, Adolf, -zog mit dem übrig gebliebenen Teile desselben nach Troppau, wo es wieder -emporblühte und seit 1879 im Besitz Alfreds, des Sohnes von Adolf, -gedieh. - -[Sidenote: Josef v. Kurzbeck * 21. Nov. 1736.] - -Ein sehr verdienter Buchdrucker war JOSEF KURZBECK. Nach vollendeten -Studien widmete er sich der Buchdruckerei und übernahm die väterliche, -nur mit zwei Pressen arbeitende Offizin, die nunmehr bald 15 Pressen -beschäftigte. Im Jahre 1770 richtete er sich für den Druck des -Illyrischen, Walachischen und Russischen ein, später schaffte er noch -verschiedene orientalische Schriften an. Da es sehr an Setzern für -fremdländische Sprachen fehlte und es schwierig war, solche in dem -Geschäft selbst auszubilden, ersuchte Kurzbeck den Kaiser Joseph II., -die Ausbildung einiger seiner Zöglinge an der K. K. Orientalischen -Akademie zu gestatten, was auch gewährt wurde. Hierzu wurden die -späteren Buchdruckereibesitzer Anton Schmid, Josef della Torre und -M. Santner bestimmt. Kurzbeck liess die als Mannsfeldsche bekannten -Schriften schneiden, verschaffte sich die besten Amsterdamer Matern und -druckte dann mehrere umfangreiche hebräische Werke, als den Talmud, -Mischnajoth und Machsorim, welche allgemeine Anerkennung fanden. In -Kurzbecks Offizin erschien auch 1775 das von Kaiser Maximilian I. -1514 beabsichtigt gewesene Prachtwerk »Weisskunig« (I, S. III) von -Treitzsauer v. Erentreitz mit 237 grossen Holzschnitten von Hans -Burgkmair. Durch den Tod des Kaisers geriet dieses Werk wie mehrere -von seinen litterarisch-artistischen Unternehmungen ins Stocken, die -Holzschnitte waren jedoch in Graz glücklicherweise erhalten geblieben. -Als der Druck Kurzbecks veranstaltet wurde, hatte man leider kein -Verständnis für die Reproduktion eines Werkes älteren Stils, so dass die -Ausführung nicht eine würdige wurde (S. 429). - -Kurzbeck erzielte durch sein Wirken sowohl Gewinn als Ehre; im Jahre -1773 verlieh ihm die Kaiserin Maria Theresia eine goldene Kette und -erhob ihn in den Adelsstand. - -[Sidenote: Anton v. Schmid * 1765, [+] 26. Juni 1855.] - -Unter den Schülern Kurzbecks befand sich, wie erwähnt, ANTON SCHMID, -später der hebräische Schmid genannt. Der Abt des Klosters der -Zisterzienser zu Zwetl, wo Schmid geboren war, liess ihn im Lateinischen -unterrichten. Seine an der Universität begonnenen Studien musste er -auf Grund seiner Armut unterbrechen und trat in seinem zwanzigsten -Jahre bei Kurzbeck in die Lehre, wo er später die Leitung des Druckes -der hebräischen Bücher übertragen erhielt. Er bewog den kränklichen -Kurzbeck, der keine rechte Freude mehr am Geschäft fand, ihm seine -hebräischen Schriften zu überlassen, um damit ein selbständiges Geschäft -zu beginnen. Kurzbeck ging auf den Gedanken ein, Schmid wurde jedoch -mit seinem Konzessions-Gesuch abgewiesen, bis der Kaiser direkt zu -seinen Gunsten einschritt. Nun ging er mit aller Kraft auf sein Ziel -los. Seine Offizin wurde reich mit syrischen, persischen und arabischen -Schriften ausgestattet und alle Lehrbücher in diesen Sprachen für die -theologischen Anstalten wurden bei Schmid gedruckt. Seine Bücher waren -vorzüglich ausgestattet und sein Ruf drang in fremde Länder. - -1839 übergab Anton Schmid, der 1825 in den Adelsstand erhoben war, -seinem Sohne FRANZ EDLEN VON SCHMID sein Geschäft. Ein der Hofbibliothek -geschenktes Exemplar der Schmidschen orientalischen Druckwerke umfasst -148 Werke im Gesamtumfange von 12447 Bogen. Vor allen zu nennen ist die -1795 in mehreren, rasch aufeinanderfolgenden, Ausgaben veranstaltete -vollständige hebräische Bibel mit Übersetzung von Mendelssohn und einem -Kommentar in hebräischer Sprache, an welchem eine Reihe der berühmtesten -Gelehrten mitgewirkt hat. Die Druckerei ging auf ADALBERT DELLA TORRE -über. - -[Sidenote: Familie Gerold.] - -[Sidenote: Karl Gerold [+] 23. Sept. 1854.] - -Unter den älteren Buchdruckereien Wiens, die bis auf den heutigen Tag -ihre Bedeutung behalten haben, ist diejenige, welche JOSEF GEROLD 1775 -von J. Kalliwoda erwarb. Der erstgenannte sowohl wie sein Sohn KARL -GEROLD erweiterten das Geschäft bedeutend. Durch den Druck mehrerer -mathematischer und technischer Werke für das unter Prechtls Direktion -gestellte Polytechnische Institut erwarb Gerold sich einen so guten Ruf, -dass Cotta ihm den Druck der 20 Bände starken Prechtlschen Encyklopädie -übertrug. Die gedrückten Pressverhältnisse veranlassten Gerold, sich -weniger dem Verlag als dem Sortiment zu widmen. Aus den 1848 geänderten -Zuständen zog jedoch auch die Geroldsche Offizin Nutzen und das Geschäft -erweiterte sich in dem Besitz der in den Adelsstand erhobenen Söhne -Karls: FRIEDRICH und MORIZ VON GEROLD ausserordentlich[247]. - - [247] Annalen d. Typ. 1875, Nr. 327. -- »Zur hundertjährigen - Gründungsfeier« etc. Wien 1815. - -[Sidenote: Pichlersche Buchdruckerei.] - -Die PICHLERsche Buchdruckerei wurde durch den Druck der Werke Karoline -Pichlers in Fachkreisen bekannt, jedoch mehr durch den Druck der 1838 -in vier Blättern dreifarbig ausgeführten, in Typen gesetzten Post- und -Reisekarte der österreichischen Monarchie von F. Raffelsberger[248]. Die -Arbeiten derselben stehen weit über denen von Breitkopf und Haas, sind -jedoch, wie diese, mehr auf Grund der mühsamen Arbeit bewundernswert als -für die Praxis nutzbringend. - - [248] FRANZ RAFFELSBERGER, Proben der ersten graphischen Typen. - Wien 1838. - -[Sidenote: Anton Strauss.] - -[Sidenote: L. Sommer.] - -Ein tüchtiger Buchdrucker war ANTON STRAUSS, der aus geringen Anfängen -die Zahl seiner Pressen auf 20 brachte. Nach seinem Tode ging das -Geschäft auf LEOPOLD SOMMER über, der grossen Schwung hineinbrachte und -1848 an Zeitungen und Zeitschriften allein zwanzig druckte. Er war auch -der erste, der in Österreich eine politische Zeitung gründete, welche -wirklich diesen Namen verdiente, die unter E. v. Schwarzers Leitung -unternommene »Österreichische Zeitung«. - -[Sidenote: M. Salzer * 1799, [+] 4. Jan. 1878.] - -MATTHÄUS SALZER, Sohn des Kaspar Salzer, der zu den Zeiten Josephs -II. Buchhändler und Buchdrucker war, lernte erst als Sattler, trat -aber bald in das Papiergeschäft seines Bruders Franz und wurde später -Leiter der Papierhandlung seines verstorbenen zweiten Bruders Jakob, -dann durch Verheiratung mit dessen Witwe Besitzer des Geschäfts. Nach -und nach erwarb er die Papiermühlen in Wiener-Neustadt, Ebenfurth -und Stettersdorf. 1866 kaufte er die ÜBERREUTHERsche Buchdruckerei -und beschäftigte 11 Schnellpressen und 150 Arbeiter, namentlich mit -Aufträgen seitens der Eisenbahnen und ähnlicher Anstalten. Im Jahre 1874 -feierte Salzer sein goldenes Geschäftsjubiläum. - -[Sidenote: J. V. Degen * 11. März 1763, [+] 5. Okt. 1827.] - -Als ein Stern in der langen Nacht der österreichischen Typographie -leuchtet JOSEF VINCENZ DEGEN aus Graz. Er studierte dort und in -Wien, widmete sich dann dem Buchhandel, kaufte 1800 die vorzüglich -eingerichtete ALBERTIsche Buchdruckerei und errichtete zugleich eine -Schriftgiesserei. Durch die Tüchtigkeit seiner Leistungen erwarb er sich -bald ein bedeutendes Renommé. Im Jahre 1804 richtete er die K. K. Hof- -und Staats-Aërial-Druckerei ein und brachte sie auf einen blühenden -Stand. Vertragsmässig arbeitete diese Anstalt nur für Behörden. Eigentum -des Staates wurde sie erst im Jahre 1814. Degen, der in den Adelsstand -als Edler von Elsenau erhoben worden war, wurde zum Direktor der -nunmehrigen STAATSDRUCKEREI ernannt, die sich durch ihre Arbeiten in -vorteilhaftester Weise auszeichnete. - -[Sidenote: Staatsdruckerei.] - -Anders ward es nach Degens Tod unter der Direktion J. A. VON WOHLFAHRTS. -Aus übertriebener Sparsamkeit liess man die Anstalt verfallen und als -Wohlfarth 1840 in den Ruhestand versetzt wurde, war es so weit gekommen, -dass die Staatsbehörden sich mit ihren Aufträgen an Privatdruckereien -wandten. - -Wie es in der Staatsdruckerei aussah, so war es auch in den anderen -Offizinen mit Ausnahme der einzelnen erwähnten und vielleicht noch -einiger weniger anderen. - -[Sidenote: Der Buchhandel.] - -Der BUCHHANDEL, der sich unter Maria Theresia sehr entwickelt hatte, -verfiel unter Joseph II. trotz der milden Zensur. Man zersplitterte -die Kräfte meist in Broschürenlitteratur, durch welche sich eine -Reihe von Winkeldruckereien, die jedoch wieder mit dem Tode des -Kaisers verschwanden, nährte. Von den bedeutendsten Werken dieser -Periode seien noch erwähnt: Jacquins _Historia stirpium americanarum_; -_Hortus Vindebonensis_; _Observationes botanicæ_ mit 150 Kupfern; -_Icones plantarum rariorum_ mit 649 Kupfern; _Flora austriaca_ mit 500 -kolorierten Kupfern, Herrgotts _Monumenta Aug. Austriacæ_ in Grossfolio -mit vielen Tafeln, die von den Geistlichen des Stiftes St. Blasien -gedruckt wurden; Maninskys grossartiges »Orientalisches Wörterbuch« u. a. - -Als der Regenerator der österreichischen Buchdruckerei, die in der -jüngeren Zeit so enorme Fortschritte gemacht hat, muss Auer betrachtet -werden. - -[Sidenote: Al. Auer * 11. Mai 1813, [+] 10. Juli 1869.] - -ALOIS AUER war zu Wels in Österreich als der Sohn eines armen -Traunflössers am 11. Mai 1813 geboren. Da es ihm unmöglich war, seinem -Drang zum Studieren nachzugehen, trat er im Beginn des Jahres 1825 als -Setzer in die Lehre bei dem Buchdrucker Michael Haas in Wels. Nach -vollendeter Tagesarbeit benutzte er die späten Abendstunden, um sich -gründliche Kenntnisse der Muttersprache anzueignen. Nach Beendigung -seiner fünfjährigen Lehrzeit begann er mit Energie die Sprachkunde zu -treiben, da er eingesehen hatte, von wie grossem Nutzen dieselbe für den -Typographen ist. Seine Mussestunden benutzte er nun zur Erlernung der -französischen, italienischen, englischen, spanischen und portugiesischen -Sprache, so dass er sich schon im Oktober 1835 einer Prüfung in der -französischen und englischen, im Mai 1836 einer in der italienischen -Sprache an der Universität zu Wien mit günstigem Resultat unterwerfen -konnte. Gleichzeitig bestand er die Prüfung in der Erziehungskunde. Sein -guter Ruf verschaffte ihm bald eine öffentliche Anstellung in Linz als -Lehrer der italienischen Sprache. Auer begann nun eine Schriften- und -Vaterunser-Sammlung anzulegen, die hinsichtlich ihrer Vollständigkeit -fast allen Ansprüchen genügte, und benutzte diese Sammlung, um die -Raumverhältnisse aller Schriftarten genau zu berechnen[249]. Auf diese -Art entstand sein »typometrisches System«, über dessen praktischen Wert -sich allerdings nicht viel sagen lässt. - - [249] A. AUER, Über das Raumverhältniss der Buchstaben. Wien 1848. - -[Sidenote: Metternich und Auer.] - -Danach machte er sich an die Ausarbeitung verschiedener Sprachlehren, -zunächst der französischen und italienischen Sprache, und indem er nach -gleicher Methode alle Sprachen der Erde darzustellen beabsichtigte, -keimte in ihm die Idee auf, einen Sprachen-Atlas zu entwerfen. Eine -solche Aufgabe zu lösen reichten aber die Kräfte eines einzigen Menschen -nicht aus. Es gelang ihm indes den zu jener Zeit in Österreich noch -allmächtigen Fürsten Metternich für seine Sache zu gewinnen. - -Nach Verlauf von einem Monat überreichte ihm Auer in Wien einen Plan -zur Gründung eines Polygraphischen Instituts als Vorbereitung einer -»Zentral-Verlagsstätte Deutschlands in Wien«. Während dieser Plan die -verschiedenen Staatsbehörden durchwanderte, bereiste Auer 1839 England, -Frankreich und die Schweiz, um die typographischen Anstalten des -Auslandes kennen zu lernen, fand jedoch nirgends ein Institut, wie es -seiner Phantasie vorschwebte. - -Im Jahre 1841 wurde nun Auer zum Leiter der Staatsdruckerei -ernannt. Mit jugendlicher Kraft ging er an sein reformatorisches -Werk zur Verwirklichung seiner Lieblingsidee. Vorerst mussten die -Personalverhältnisse und der Geschäftsgang der Anstalt geregelt -werden; die alten Schriften wurden eingeschmolzen und andere nach -dem neuen typometrischen System gegossen, veraltete Pressen durch -zweckmässigere ersetzt. Dann wurde eine Stempelschneide-Anstalt -eingerichtet, fremde Schriften geschnitten, Matrizen geschlagen und -Lettern gegossen, und um der Staatsdruckerei in der That den Charakter -einer polygraphischen Anstalt zu geben, wurden in ihr Offizinen für -Lithographie, Stereotypengiesserei, Kupferdruck, Galvanoplastik, -Photographie, Chemitypie und später für Naturselbstdruck errichtet. -Die Anstalt selbst wurde mit einer Dampfmaschine zur Bewegung der -Schnellpressen und zur Heizung sämtlicher Lokale, mit Gasbeleuchtung -und mit anderen Verbesserungen der Neuzeit versehen. Ferner gründete -Auer unter dem Personal eine Kranken- und Unterstützungskasse, ordnete -das Lehrlingswesen und führte einen Unterricht für die Zöglinge in -den Abendstunden ein, so dass diese Technik, Sprachen (Lateinisch, -Griechisch, Französisch, Englisch, Italienisch, Sanskrit, Persisch), -Geographie, Geschichte, Stil u. s. w. unentgeltlich lernen konnten. - -Schnell mehrten sich die Arbeiten der neuorganisierten Anstalt. 1860 -beschäftigte sie schon über 1000 Arbeiter und besass 48 Schnellpressen, -50 Handpressen, 30 lithographische, 24 Kupferdruckpressen, 21000 -Stahlstempel, 80000 Matrizen, 6000 Zentner Lettern. Die Ausstellungen -von London und Paris[250] verbreiteten den Ruhm der Anstalt, welche der -höchsten Auszeichnungen teilhaftig wurde. Aber auch Auer ging nicht leer -aus. Er wurde in den Adelsstand als Ritter Auer von Welsbach erhoben -und 24 Orden zeugen dafür, dass er die Kunst, sich Anerkennung zu -verschaffen, nicht übel verstanden hat. - - [250] A. AUER, Geschichte und Beschreibung der K. K. Hof- und - Staatsdruckerei. 1851. -- Der polygraphische Apparat, 1851. -- - Album der K. K. Hof- und Staatsdruckerei. 1853. -- Die K. K. - Hof- und Staatsdruckerei auf der Pariser Ausstellung. 1855. - -[Sidenote: Die Erfindungen Auers.] - -Mit seinen vielbesprochenen Erfindungen, die öfters, und wohl nicht mit -Unrecht, ihm nicht für voll angerechnet wurden, hatte er in der Praxis -kein rechtes Glück. Diejenige, die am meisten von sich reden machte, -war der Naturselbstdruck (Auto-Typographie). Dieser bestand darin, -von einer Pflanze, einem Gewebe u. dgl. nach dem Einlegen zwischen -einer Stahlplatte und einer anderen von weichem Metall durch eine -starke hydraulische Pressung eine vertiefte Druckplatte zu gewinnen, -die mittels Galvanisierung in eine Hochdruckplatte verwandelt werden -konnte. Ein grossartiges, von Konstantin v. Ettinghausen herausgegebenes -Werk, _Physiotypia plantarum_, wurde in Angriff genommen und auf -den Ausstellungen sehr bewundert[251]. Das Verfahren wurde durch -kaiserlichen Beschluss der Allgemeinheit preisgegeben, hat jedoch für -die Praxis keinen grossen Wert. - - [251] A. AUER, Die Entdeckung des Naturselbstdruckes. 1853. -- - K. V. ETTINGHAUSEN und A. POKORNY, Die wissenschaftliche - Anwendung des Naturselbstdruckes. Wien 1856. - -[Sidenote: Die »Endlose«.] - -Eine zweite »Erfindung« war der Druck vom endlosen Papier. Der Gedanke, -den Papierbrei der Papiermaschine an dessen oberen Ende zuzuführen und -von dem anderen Ende in die Schnellpresse zu leiten, so dass er aus -dieser als gedruckter Bogen herauskam, musste für einen so elastischen -Geist wie Auer grosse Anziehungskraft haben. Er brachte ihn auch in -seiner Weise, d. h. blendend, zur Ausführung; für die Praxis war der -Nutzen ein geringer. Das Papier wurde in eine gewöhnliche Schnellpresse -geführt, nach dem Schöndruck durch Mechanismus zerschnitten und die -Bogen durch den Hansenschen Ausleger ausgeführt. Der staunende Beschauer -ahnte in den seltensten Fällen, dass der Widerdruck auf gewöhnliche -Weise, auf einer anderen Schnellpresse besorgt werden musste, und konnte -nicht wissen, dass der Lohn eines Anlegers oder einer Anlegerin das -einzige war, was hätte gespart werden können, wenn nicht dieser Gewinn -durch die Kosten des ganzen Apparates weit überwogen worden wäre. - -[Sidenote: Maispapier.] - -Ebensowenig Glück sollte Auer mit seiner Maispapierfabrikation -haben[252]. Er brachte zwar eine Ausstellung zustande, in welcher nicht -allein verschiedene Sorten Papier, sondern auch manche der Gegenstände -zu sehen waren, welche Chinesen und Japanesen aus Papierstoff -fabrizieren. Damit blieb aber auch diese Sache ruhen. - - [252] J. ARENSTEIN, Österreich auf der internationalen Ausstellung - 1862. - -Selbst mit dem orientalischen Druckapparat, dem Stolz der -Staatsdruckerei, hatte es mitunter einen Haken. Viele Schriften -figurierten in den prachtvollen Proben; in der Wirklichkeit sah es mit -deren Bestand öfters schwach genug aus. - -Auers Hauptfehler war, sich nicht mit dem Schaffen von Tüchtigem zu -begnügen, sondern auch blenden zu wollen, und dafür war ihm kein Preis --- auf Kosten des Staates -- zu hoch. Seine Eitelkeit war noch grösser -als seine Tüchtigkeit. - -[Sidenote: Auers Feinde.] - -Es konnte an Angriffen -- begründeten, unbegründeten, durch Neid -hervorgerufenen u. a. -- nicht fehlen. v. Plener, des genialen Bruck -Nachfolger als Finanzminister, war nicht so geneigt wie letzterer, -über die Finanzfrage leicht hinwegzugehen. Auer wurde am 2. März 1866, -nach verschiedenen Misshelligkeiten, in Anerkennung seines 25jährigen -verdienstlichen Wirkens mit seinem vollen Gehalt definitiv in den -Ruhestand versetzt. - -[Sidenote: Auers Tod.] - -Auer war nicht geschaffen, männlich den Schlag, die mit diesem -verbundene Unthätigkeit und das Vergessensein zu überwinden. Sein -Gemütszustand wurde ein immer reizbarerer und die Kräfte aufreibender; -er starb bereits am 10. Juli 1869 in Hietzing. - -[Sidenote: Auers Einfluss auf die deutsche Typographie.] - -Hat nun Auer auch dem Glanze zu viel geopfert und nach Alchymistenart -öfters Thaler zu Groschen destilliert, so muss sein Einfluss auf die -Typographie im allgemeinen und auf die österreichische insbesondere -doch sehr hoch angeschlagen werden. Vor seiner Zeit war, wie erwähnt, -ein in Österreich gedrucktes Buch ziemlich gleichbedeutend mit einem -schlecht gedruckten; dass dies so ganz anders geworden ist, dazu hat -Auer direkt und indirekt wesentlich beigetragen; selbst »draussen im -Reich« wurde sein Einfluss gespürt. Die ganze deutsche Typographie hat -aus der Weltberühmtheit der Wiener Staatsdruckerei ihren Teil an Ehre -und Vorteil gehabt; sie ist verpflichtet, Auers Namen in Ehren zu halten. - -[Sidenote: Staatsdruckerei unter Beck.] - -Seit Auers Tod steht die Staatsdruckerei unter der Direktion eines -nicht fachmännischen Staatsbeamten, Hofrat Dr. BECK, der sie in -angemessenster Weise auf einer achtunggebietenden Stufe erhält, während -nicht prätendiert wird, die Führung der jetzt mündig gewordenen -österreichischen Typographie fortzusetzen. Ein Hindernis für die rechte -Entfaltung der Anstalt ist die vollständig ungenügende Räumlichkeit. - -[Sidenote: Blindendruck.] - -Neben dem Geld- und Wertpapierendruck wird unter Mitwirkung des -Direktors der Blindenanstalt in Ober-Döbling, FR. ENTLICHER, in -anerkennenswerter Weise besonderes Gewicht auf den Druck für Blinde -gelegt. Bei diesem Druck wird der Pressendeckel mit einem Überzug -von Gutta-Percha versehen und darin ein scharfer Abzug von den Typen -gemacht. Ist der Gutta-Percha-Überzug vollständig erhärtet, in -welchem Zustand er 2-3000 Abzüge aushält, so wird die Schrift mit dem -Papierbogen bedeckt, welcher, um eine grössere Zähigkeit zu erzielen, -in einem mit Glycerin und Alaun versetzten Wasserbade gefeuchtet ist, -in die vertiefte Gutta-Percha-Masse geprägt. Unter den verschiedenen -Leistungen im Blindendruck befinden sich auch hebräische Lesebücher und -durch erhabene Figuren illustrierte naturgeschichtliche Lehrbücher[253]. - - [253] JOS. TRENTSENSKY, Erzeugung von Schriften _en haut-relief_ für - Blinde. Wien 1836. -- FREISAUFF V. NEUDEGG, Die Ektypographie - für Blinde. Wien 1837. - -Auch die Chromolithographie wird mit Glück von der Staatsdruckerei -geübt. Eine ausgezeichnete Leistung ist z. B. das Prachtwerk über die -Votivkirche in Wien 1879. Die Reproduktion des Marienfensters (S. 303) -übertrifft bei weitem ähnliche Arbeiten Silbermanns. - -[Sidenote: Budget.] - -Das Budget der Staatsdruckerei zeigt bei einer Einnahme von etwa -zwei Millionen Mark einen Überschuss von etwa 200000 Mark, bei -Staatsanstalten ohne Konkurrenz Ziffern ohne grosse Bedeutung. Die -Schriftenmasse beträgt 500000 Kilo in etwa 1500 verschiedenen Arten -von Typen, darunter gegen 350 fremdländische[254]. Die Zahl der -Schnellpressen beträgt 57, der Handpressen 54, ausserdem sind etwa -80 Hülfsmaschinen vorhanden. Die Schriftgiesserei arbeitet mit 14 -Giessmaschinen und besitzt etwa 30000 Stempel und 200000 Matern. Die -Gesamtzahl der Arbeiter ist gegen 900. - - [254] 1876 erschien die zweite Auflage der Alphabete des gesamten - Erdkreises. - -[Sidenote: W. v. Braumüller.] - -Haben wir die Verdienste Auers und der Staatsdruckerei gebührend -anerkannt, so ist es Pflicht, einen Mann zu erwähnen, der, obwohl nicht -Buchdrucker, einen ganz eminenten Einfluss auf die Buchdruckerkunst -in Österreich gehabt hat; es ist der Buchhändler WILHELM Ritter VON -BRAUMÜLLER. Früher bekannt als einer der bedeutendsten Sortimenter -Wiens, die mit ihren vollen Börsen oder Portefeuilles und ihrem jovialen -Wesen vorzugsweise gern gesehene Gäste zur Leipziger Messe waren, -widmete sich Braumüller erst seit dem Jahre 1840 dem Verlag und zwar mit -ebenso grossem Geschick und Energie als Glück. - -»Von dem Streben geleitet, die wissenschaftliche Litteratur Österreichs -dem Auslande gegenüber zur vollen Geltung und Anerkennung zu bringen, -hat meine Handlung einen Verlag geschaffen, welcher sowohl nach seinem -Werte als der Ausdehnung und Ausstattung nach den ersten Rang einnimmt, -und welcher dadurch noch eine ganz besondere Bedeutung gewinnt, dass, -hauptsächlich durch die geschmackvolle typographische Ausstattung -angezogen, eine grosse Zahl litterarischer Notabilitäten fremder -Universitäten durch gediegene Werke dabei vertreten ist. Vor allen ragt -quantitativ und qualitativ die Medizin hervor, und die dominierende -Stellung, welche Österreich durch seine medizinischen Celebritäten in -der wissenschaftlichen Welt Deutschlands einnimmt, spiegelt sich auch -in diesem Verlagszweige wieder. Eine Reihe veterinärwissenschaftlicher -Werke, durch die Professoren des K. K. Tierarznei-Institutes -würdig repräsentiert, schliesst sich demselben an. Die land- und -forstwirtschaftliche Litteratur, bis dahin in Österreich gar nicht -gepflegt, ist jetzt ausschliesslich in meinem Verlage vereinigt, -und durch die Werke der Professoren an den berühmten Fachschulen in -Mariabrunn, Ung.-Altenburg, Eulenberg, Hohenheim, Eisenach etc. würdig -repräsentiert. Die vortreffliche Ausstattung, welche ich allen Werken -mit der grössten Sorgfalt gewidmet, hat ohne Zweifel wesentlich zu einer -allgemeinen besseren und würdigeren Ausstattung der litterarischen -Erzeugnisse in Österreich beigetragen und auf die Entwickelung -anderer Industriezweige, die Papier-Fabrikation, Buchdruckerei, -Holzschneidekunst, welchen die obenangeführten Summen zugeflossen, einen -nicht zu unterschätzenden Einfluss geübt[255].« - - [255] Die obigen nicht wenig zuversichtlichen Worte gehören dem Herrn - v. Braumüller selbst und sind dem Vorwort zu seinem Jubelkatalog - entnommen. Es ist eine eigene Sache, in einem geschichtlichen - Buch jemand sein eigenes Lob aussprechen zu lassen; wenn man - jedoch mit gutem Gewissen jedes Wort unterschreiben kann, - weshalb dann nicht? -- C. BEYER, Wilh. v. Braumüller und Heinr. - v. Cotta. - -[Sidenote: Museum für Kunst.] - -[Sidenote: Gesellschaft für vervielf. Kunst.] - -Äusserte sich der Einfluss von Braumüller zunächst auf den Werkdruck -zu wissenschaftlichen Zwecken, so hat Wien das Glück, zwei ebenso -bedeutende Förderer der Verbindung der graphischen illustrierenden -Künste mit der Typographie zu besitzen: das MUSEUM FÜR KUNST UND -INDUSTRIE und die GESELLSCHAFT FÜR VERVIELFÄLTIGENDE KUNST. Wenn es in -Wien möglich geworden ist, Werke zu schaffen, in welchen Radierung, -Xylographie, Hochätzung, Farben- und Lichtdruck in glücklichster Weise -zusammenwirken und öfters nahe an die Vollkommenheit reichen, so -haben die beiden erwähnten Anstalten durch die von ihnen ausgehenden -Anregungen und Druckwerke den Vorwärts-Bestrebungen Wiens einen -mächtigen Vorschub geleistet[256]. - - [256] EITELBERGER, Die Kunstbewegung in Österreich. 1878. - -[Sidenote: Prachtwerke.] - -Unter den Erscheinungen des Museums behaupten Teirichs »Blätter -für Kunstgewerbe« einen hervorragenden Platz. Die Gesellschaft für -vervielfältigende Kunst brachte eine Reihe brillanter Publikationen; den -grössten Einfluss übt sie jedoch durch ihre Zeitschrift »Die graphischen -Künste«, welche nicht nur durch ihren Inhalt, sondern auch durch ihre -vorzügliche technisch-artistische Ausführung belehrend und fördernd -wirkt. - -Unter der Ägide des Vorstandes der K. K. Kämmerei, des kunstsinnigen -Grafen v. Crenneville, erschien ebenfalls eine Anzahl der schönsten -Prachtwerke. »Die Kunstwerke der Schatzkammer des österreichischen -Kaiserhauses« (1870-1873), »Schloss Schönbrunn« (1875), »Der kaiserliche -Thiergarten« (1876), »Laxenburg« (1877). In neuester Zeit kommt zu -diesen Erscheinungen das »Jahrbuch der künstlerischen Sammlungen des -allerhöchsten Kaiserhauses«, zu welchem als Beilagen der »Frydal«, der -»Theuerdank«, der »Weisskunig«, der »Triumph«, die »Ehrenpforte«, die -»Heiligen aus der Familie des Kaisers« gegeben werden, alles Werke, -die von dem Kaiser Maximilian veranlasst oder vorbereitet waren und -zu welchen die Originale der grossen Zeichenkünstler von damals noch -vorhanden sind. - -[Sidenote: Buchdrucker-Verein.] - -Aber auch die Buchdrucker selbst haben als Korporation die Hände nicht -in den Schoss gelegt. Der unter vielen Opfern im Jahre 1874 gegründete -Buchdrucker-Verein hatte zwar zunächst die materiellen und sozialen -Verhältnisse des Geschäfts vor Augen, liess jedoch die Fachzeitschrift -»Österreichische Buchdrucker-Zeitung« erscheinen, die bestrebt war, -nicht nur für die obgedachten Interessen, sondern auch für die -technische Bildung zu wirken. Der Verein löste sich zwar im Jahre 1880 -wieder auf, die Zeitung besteht jedoch fort im Besitz des »Graphischen -Klubs«, der ausserdem durch Vorträge, Ausstellungen und technische -Diskussionen anzuregen sucht. Auch das Gehülfenblatt »Vorwärts« folgt -dem Beispiel des »Correspondent« und widmet seine Aufmerksamkeit jetzt -nicht nur den sozialen Interessen, sondern auch der Technik und der -Geschichte. - -[Sidenote: G. Gistel * 16. Okt. 1825, [+] 10. Mai 1883.] - -Durch die Bemühungen des Vereins ist auch seit 1874 eine Fachschule -errichtet, von der gute Erfolge zu erwarten sind. Die Seele -dieser Vereinsbestrebungen ist namentlich G. GISTEL gewesen. Auch -um den Unterstützungs-Verein der Buchdrucker und Schriftgiesser -Niederösterreichs und die Pensionskasse für Faktoren und deren Witwen -hatte Gistel grosse Verdienste, war auch bei allen Tarifverhandlungen, -bei der Säkularfeier, kurz bei jeder Gelegenheit, wo die Buchdrucker -vereinigt auftraten, bereit, seine Kräfte dem Allgemeinen rückhaltslos -zu opfern. - -[Sidenote: L. C. Zamarski.] - -An Bedeutung der Staatsdruckerei am nächsten stehend ist die Offizin L. -C. ZAMARSKI (früher H. ENGEL & SOHN und L. C. Zamarski), die namentlich -in der Gründerperiode eine erstaunliche Masse von Wertpapieren -druckte. Die Anstalt, welche unter der Leitung von A. PIETZSCH sich -vortrefflich bewährt hat, wurde 1881 an die Papierfabrik STEYERMÜHL -um 800000 Gulden verkauft und mit einem Kapital von 3700000 Gulden in -eine Aktiengesellschaft umgeformt. Es werden in der Anstalt die »Neue -Illustrirte Zeitung«, das »Wiener Tageblatt«, die »Vorstadt-Zeitung« und -die »Deutsche Zeitung« gedruckt. Vorzüglich sind ihre, unter Leitung -von A. Frantz hergestellten Heliographien. Die Offizin arbeitet mit 28 -Schnellpressen und beschäftigt gegen 350 Personen. ENGELS ERBEN befassen -sich namentlich mit lithographischen Arbeiten; sie lieferten u. a. die -japanischen Postmarken. - -[Sidenote: R. v. Waldheim.] - -Ein vielseitiges, grosses Institut ist ebenfalls die Verlagsbuchhandlung -und Artistische Anstalt von R. V. WALDHEIM (22 Schp., 25 Hdp. und -gegen 250 Arbeiter), die eine bedeutende Zahl von illustrierten Werken -namentlich technischen Inhalts herausgiebt und vielen technischen, -kriegswissenschaftlichen oder in das Eisenbahnwesen einschlagenden -Zeitschriften, wir nennen nur Teirichs »Blätter für das Kunstgewerbe« -und die »Allgemeine Bauzeitung«, druckt, verlegt oder debitiert, auch -viele Accidenzien liefert. - -[Sidenote: C. Fromme.] - -CARL FROMME zeichnet sich besonders durch seine geschmackvollen und -korrekten Accidenzarbeiten aus. Eine Spezialität, die er mit Virtuosität -betreibt, ist der Kalenderdruck. Typographische Kraftstücke Frommes -sind die Bilderreihe der Regenten Österreichs und die Stammtafel der -Zisterzienser-Klöster. Diese zehn Meter lange Tafel besteht aus 108 -Formen, in zwei Farben ausgeführt. Der Druck und die Zurichtung sind so -vorzüglich, dass die Zusammensetzung dem Auge vollständig unbemerkbar -ist. - -[Sidenote: Rollinger & Mössner.] - -[Sidenote: A. Holzhausen.] - -[Sidenote: G. Gistel.] - -[Sidenote: Fr. Jasper.] - -Die Arbeiten von ROLLINGER & MÖSSNER sowohl im Accidenz- als im -Werkdruck gehören mit zu den vollendetsten der neueren Typographie. Die -Genannten zählen unter die nicht zu zahlreichen Buchdrucker, welche -nichts für unbedeutend halten und eben deshalb Mustergiltiges liefern, -z. B. die »Geschichtsquellen der Stadt Wien«. Zu derselben Klasse, -jedoch meist in anderer Richtung arbeitend, gehört ADOLF HOLZHAUSEN, -dessen Offizin an orientalischen Schriften sehr reich ist und dessen -Drucke denen der Staatsdruckerei vollkommen ebenbürtig sind. Er lieferte -den Druck des oben erwähnten Jahrbuchs der kaiserlichen Sammlungen -und Albrecht Dürer würde gewiss den »Ansichten aus der Presse« von -seinen und der gleichzeitigen Meister Arbeiten sein _imprimatur_ -nicht verweigert haben. Zu den strebsamen Buchdruckern der jüngsten -Zeit gehören der erwähnte G. GISTEL und FR. JASPER. Letzterer druckte -die Festgabe zu dem 400jährigen Jubiläum, und liefert sehr gute -Illustrationsdrucke. - -[Sidenote: H. Reiss * 28. Aug. 1799.] - -Einen ganz besonderen Ruf hat sich Wien durch seinen xylographischen -Farbendruck erworben. Der erste, der sich durch diesen auszeichnete, war -HEINRICH REISS, aus einer Familie, die von altersher eine Buchdruckerei -besass, welche er, nachdem er erst verschiedene Reisen gemacht hatte, -1828 übernahm. 1850 folgte er jedoch einem Rufe der Staatsdruckerei, -leitete später die Buchdruckerei von Zamarski und gab sich seit 1857 -ganz der Kunstdruckerei hin. Seine Hauptarbeit, an der er 23 Jahre lang -gearbeitet hatte, ist das _Missale Romanum_ mit etwa 90 Miniaturen von -H. Knöfler. Zu der Herstellung eines Bildes wurden bis zu 15 Platten -verwendet. Vorzüglich sind die zwei grossen Titelblätter, das Abendmahl -und Christus am Kreuze. Der Text bildet einen Folioband von mehr als -700 zweispaltigen Seiten. Die Grundschrift ist eine fette Gothisch, zu -der besondere Initialen geschnitten wurden. Das Papier, ein geripptes -Büttenpapier, ist jedoch, wie auch der Textdruck, von sehr ungleicher, -mitunter sogar geringer Qualität. Aus diesem Grunde fehlt, trotz der -ausserordentlichen Aufopferung seitens Reiss' und der Vorzüglichkeit des -Bilderdruckes, dem Werk, als Ganzes betrachtet, doch gar vieles, um als -ein typographisches Denkmal ersten Ranges zu gelten. Derartige Werke -dürfen nicht Not leiden und müssen in Händen eines Herausgebers sein, -dem es möglich ist, bis ans Ende ruhig auszuhalten. Deshalb aber nicht -weniger Ehre dem Andenken eines echten Jüngers Gutenbergs. Sein Geschäft -übernahm LUDW. LOTT, vorher als technischer Leiter der »Alten Presse« -und als Einführer der »Endlosen« auf dem Kontinent bekannt. Er wirkte im -Geiste seines Vorgängers fort und seine Arbeiten fanden in England und -Amerika allgemeine Bewunderung. Seine Drucke auf Blech sind ebenfalls -vortrefflich. - -[Sidenote: Prag.] - -Eine ziemlich bedeutende Thätigkeit entwickeln in PRAG 33 -Buchdruckereien und 30 lithographische Anstalten mit ihren 114 -typographischen und 25 lithographischen Schnellpressen. Die bedeutendste -Offizin ist die von A. HAASE (S. 290) mit 21 Schnellpressen und 18 -Handpressen. IGN. FUCHS (11 Schp., 19 Tr.- u. Hdp.) liefert sehr gute -lithographische Arbeiten, auch J. FARSKY bringt Tüchtiges in dieser -Richtung. DR. ED. GRÉGRS Offizin arbeitet mit Rotationsmaschine und -5 Schnellpressen. H. MERCY (9 Schp.) druckt namentlich Werke. Die -BUCHDRUCKEREI DER K. K. STATTHALTEREI beschäftigt 7, die BUCHDRUCKEREI -FÜR POLITIK 8, J. OTTO 7, B. STYBLO 6, C. BELLMANN 7 Schnellpressen. - -[Sidenote: Reichenberg.] - -[Sidenote: Tetschen.] - -[Sidenote: Teschen.] - -Die Fabrikstadt REICHENBERG besitzt eine grossartige graphische Anstalt, -die der GEBR. STIEPEL, welche durch 13 Schnellpressen und 20 Tret- und -Handpressen die zahlreichen Fabriken mit Etiketten, Geschäftskarten, -Rechnungsformularen etc. versieht. Das kleine TETSCHEN an der Elbe hat -auch eine bedeutende Druckanstalt aufzuweisen, die von F. W. STOPP, -welche (mit 7 Schp., 7 Hdp.) hauptsächlich für lithographische Arbeiten -eingerichtet ist. In TESCHEN in Österr. Schlesien befindet sich die -Offizin von K. PROCHASKA (10 Schp.), eine der besten Provinzdruckereien -Österreichs. Sie wurde 1806 von THOMAS PROCHASKA gegründet. - -[Sidenote: Brünn.] - -[Sidenote: Lemberg.] - -In BRÜNN arbeiten hauptsächlich für Lokalbedürfnisse W. BURKART (7 -Schp.), BUSCHAK & IRRGANG (4 Schp.), CARL WINIKER (5 Schp.), R. M. -ROHRER (6 Schp.). GALIZIEN bietet nur wenig von Interesse. In KRAKAU, -einst von Bedeutung in der typographischen Geschichte, druckt die -Offizin des CZAS (5 Schp.) und die Buchdruckerei der Akademie der -Wissenschaften H. LISICKI & CO., in LEMBERG E. WINIARZ (4 Schp.). - -[Sidenote: Graz.] - -[Sidenote: Triest.] - -Unter den Offizinen des südlichen Österreichs ist die Aktiendruckerei -LEYKAM-JOSEFSTHAL (15 Schp., 16 Tr.- u. Hdp.) in GRAZ eine weit -verzweigte graphische Anstalt, die manches Gute geliefert hat. Die -Grazer »Post« wurde 1882 an eine zweite Gesellschaft Leykam für gegen -1100000 M. verkauft. Die Gesellschaft STYRIA und die GUTENBERG-DRUCKEREI -in Graz beschäftigen je 5 Schnellpressen. In INNSBRUCK verfolgt die -WAGNERsche Buchdruckerei eine wissenschaftliche Richtung. In LINZ -wirken A. EURICH und J. WIMMER. Die älteste Druckerei Österreichs -besitzt KLAGENFURT. Hier etablierte sich FERD. V. KLEINMAYR 1548. -Sein Nachfolger gründete 1777 die »Klagenfurter Zeitung«. In LAIBACH -feierte die Offizin von J. V. KLEINMAYR & F. BAMBERG (4 Schp.) 1882 -ihr 100jähriges Jubiläum. In TRIEST hat sich die Buchdruckerei des -ÖSTERR.-UNGAR. LLOYD als eine tüchtige Vertreterin der Kunst bewiesen -und wirkte auch früher als bedeutende Verlegerin illustrierter Werke. - -[Sidenote: Paul Pretzsch * 1808, [+] 28. Aug. 1873.] - -Von der Holzschneidekunst in Wien und den Meistern, welche diese -förderten J. G. PRESTEL, BLASIUS HÖFEL, FRIEDR. V. EXTER, H. KNÖFLER -u. a., wurde bereits (S. 300) berichtet, auch fanden die wichtigen -Erfindungen von PAUL PRETZSCH (S. 14) Erwähnung. Je weniger das -verdienstvolle Wirken dieses Mannes vom Glück begünstigt war und je -öfter der Versuch gemacht wurde, seine Erfinderehre zu schädigen, -namentlich seitens englischer Erfinder, um so mehr gebietet es die -Pflicht, hier seiner mit einigen Worten noch zu gedenken. - -Pretzsch war als Sohn eines Goldarbeiters in Wien geboren, lernte dort -die Buchdruckerkunst und trat nach längerem Aufenthalt im Auslande -in den Dienst der K. K. Hof- und Staatsdruckerei, welche er 1851 auf -der Londoner Weltausstellung vertrat. Dort erhielt er auf Grund der -von ihm ausgestellten Photographien eine Prämie und nun entstand -in ihm der Gedanke, Photographien druckbar zu machen, weshalb er -sein Engagement bei der Staatsdruckerei aufgab, 1854 wieder nach -London ging und dort neun Jahre blieb, um seine Pläne zur Ausführung -zu bringen. Seine Erfindung, Tiefdruckplatten von Photographien -herzustellen, nannte er PHOTOGALVANOGRAPHIE und sie wurde einer -_Patent-Photo-Galvanographic-Society_ zur Ausbeutung übergeben, welche -1856 fünf Hefte eines Werkes in Grossfolio unter dem Titel _Photographic -Art Treasures_ herausgab. Nach etwa zweijährigem Bestehen löste sich -jedoch die Gesellschaft auf und Pretzsch war wieder auf sich selbst -angewiesen, während Fox Talbot, der die Erfindung gemacht hatte, durch -Ätzung Photographien druckbar zu machen, ihn auf Grund seines Patentes -verfolgte, wennauch ohne Resultat, da Pretzschs Verfahren sich nicht auf -Ätzen gründete. - -Nach der Weltausstellung 1862 kehrte Pretzsch nach Wien zurück und war -längere Zeit schwer leidend, so dass er erst 1864 seine Thätigkeit -wieder aufnehmen konnte. Diese richtete sich nun vornehmlich auf -Herstellung von Hochdruckplatten und nach mannigfachen, mühsamen und -kostspieligen Versuchen gelang ihm auch die Fertigstellung solcher, von -welchen Proben 1873 in Wien ausgestellt waren. - -Hiermit war das wichtigste Problem der Illustration der Zukunft zwar -Wirklichkeit geworden, jedoch noch nicht in zufriedenstellender Weise; -denn die Platten besassen nicht Tiefe genug, um mit Leichtigkeit in -der Buchdruckerpresse behandelt zu werden. In Berücksichtigung der -hohen Bedeutung, welche die Erfindung möglicherweise würde erreichen -können, erhielt Pretzsch eine Staatsunterstützung, um seine Versuche -weiterzuführen, und noch wenige Stunden vor seinem Tode war er mit -diesen beschäftigt. - -In der Zeit der Blüte der Schwarzlithographie erreichte KRIEHUBER -im Porträtfache eine bis dahin unbekannte Meisterschaft. Die -Chromolithographie fand einen günstigen Boden, der zuerst von der -K. K. Staatsdruckerei bebaut wurde. Das erste Werk von Bedeutung -waren die Aquarellbilder nach niederösterreichischen Bauwerken -von CONR. GREFE, welcher Künstler überhaupt besondere Verdienste -um den Buntdruck hat. ED. HÖLZEL lieferte namentlich viele gute -Landschaftsbilder; sein bestes Blatt und eines der besten der -Öldruckbilder überhaupt dürfte »Die beiden Brüder«, nach v. Defregger -sein. Seine instruktiven, geographischen und naturwissenschaftlichen -Blätter und die architektonischen Bilder nach J. Langl, in Sepiamanier -gedruckt, sind höchst wertvolle Erscheinungen. REIFENSTEIN und RÖSCH -(jetzt G. REIFENSTEIN), HAUPT & CZEIGER, A. HARTINGER & SOHN, FR. -PATERNO lieferten gutes, die ersteren beiden Firmen im figürlichen, -die beiden letzteren im naturwissenschaftlichen und geschichtlichen -Unterrichtsfache. - -[Sidenote: Ed. Sieger * 12. Dezbr. 1810. [+] 21. Jan. 1876.] - -Im lithographischen Accidenzfache zeichnete sich ED. SIEGER aus. Seine -Riesenplakate wurden angestaunt und seine Erfindung des Ivoirit, einer -täuschenden Imitation des Elfenbeins, brachte, in Bücherbänden oder in -Ebenholz-Kassetten und Möbeln eingelegt, eine frappante Wirkung hervor. - -Die Zinkhochätzung fand tüchtige Vertreter, unter welchen C. ANGERER -& GÖSCHL ihr Verfahren zur ganz besonderen Vollkommenheit brachten. -Auch C. HAACK erwarb sich einen Namen, MORITZ und MAX JAFFÉ traten mit -der Jaffétypie auf. Die Kupferstecherkunst, welche sehr zurückgegangen -war und wesentlich nur in den Prämienblättern und den Nieten der -Kunstlotterien fortvegetierte, trat durch die Ernennung LOUIS JACOBYS -(jetzt in Berlin) zum Professor dieser Kunst in ein neues Stadium des -Fortschrittes. Die Radierung kam besonders durch W. UNGER zu Ehren. Die -Photographie, namentlich die Porträtphotographie, wurde mit viel Glück -in Wien geübt. - -In der Verwendung aller graphischen Kunstzweige, namentlich der -in der Photographie wurzelnden, ist das MILITÄR-GEOGRAPHISCHE -INSTITUT berühmt geworden. Es entstand 1839 durch Vereinigung der -topographisch-lithographischen Anstalt des K. K. Generalstabes in Wien -mit dem zu Mailand bestandenen _Deposito della Guerra_. Die Anstalt -kultiviert die Kartographie in ausgedehntester Weise unter Verwendung -aller neueren Verfahren. Unternehmungen wie die Karte der Umgebungen -Wiens in 48 Blättern; die Spezialkarte der Österreich-Ungarischen -Monarchie in 720 Blättern, die Generalkarte von Zentral-Europa in 192 -Blättern, und viele andere gehören zu den Meisterwerken der Kartographie. - -Die Buchbinderkunst steht in Wien schon seit langer Zeit im Ansehen, -wird jedoch noch mehr in den sogenannten Galanterie-Arbeiten als in der -eigentlichen Buchbindung geübt. Vortrefflich sind in letzterer Richtung -die Mosaikbände mit wirklichen Ledereinlagen, nicht nach französischer -Art mit nur aufgelegtem dünn geschabten Leder. Namen wie A. KLEIN, LEOP. -GRONER, CONR. BERG u. a. haben den besten Klang. - -Unter solchen Verhältnissen wie den obengeschilderten konnte Wien, wo -die Zustände im Jahre 1840 den Gedanken an ein fröhliches Gutenbergfest, -wie das in Leipzig, nicht aufkommen liessen, sich mit Befriedigung zur -Begehung des vierhundertjährigen Festes der Einführung der Kunst in -Wien (I, S. 49) rüsten. Schon Jahre vorher waren die Vorbereitungen -getroffen, namentlich für die Herausgabe einer bedeutenden Festschrift, -einer Geschichte der Kunst in Wien seit vier Jahrhunderten, welche -zugleich Proben der Leistungsfähigkeit der graphischen Anstalten -vorführen sollte[257]. Das Fest fand am 24.-25. Juni 1882 statt und -wurde durch einen Aktus, verbunden mit einer durch v. Eitelberger -arrangierten historischen Ausstellung, eröffnet. Die eigentliche -Festrede hielt der österreichische Generalkonsul in Leipzig, Karl -v. Scherzer, wie bereits erwähnt ein früherer Gutenbergsjünger. Ein -allgemeines Fest fand am 25. Juni in Hietzing in der »Neuen Welt« statt, -wo gegen 14000 Festgenossen sich versammelt hatten und wo Karl Höger als -Festredner auftrat. - - [257] Das Werk gewann einen grösseren Umfang, als anfänglich vorgesehen - war. Bis jetzt erschien der erste Band, gedruckt bei Fr. Jasper, - mit vielen Beilagen. - - * * * * * - -[Sidenote: Ungarn. Buda-Pest.] - -In UNGARN steht die Buchdruckerei im allgemeinen nicht auf einem sehr -hohen Standpunkte. BUDA-PEST ist selbstverständlich der Sammelpunkt -der bedeutendsten Offizinen. Im Jahre 1851 waren dort 8 Druckereien -vorhanden mit 22 Schnellpressen; 1870 bereits 50 mit 140 Schnellpressen; -1882 48 Buchdruckereien und 23 lithographische Anstalten mit 130 -Schnellpressen und 200 Tret- und Handpressen. - -[Sidenote: Staatsdruckerei.] - -Die STAATSDRUCKEREI Ungarns besteht in ihrem jetzigen Umfange (16 Schp., -18 Hdp., 250 Arbeiter) erst seit der Trennung der Verwaltung Ungarns -und Österreichs und befand sich früher in Temesvar als Filiale der -Staatsdruckerei in Wien. Sie liefert sehr viele Accidenzarbeiten und -Wertpapiere, die nicht auf der Höhe der Vollkommenheit stehen. Neben -Gutem findet sich unter ihren Arbeiten manches Mittelgute. Die, unter -ausgedehnter Anwendung der Galvanoplastik, gelieferten Kartenwerke haben -einen grossen Umfang. - -[Sidenote: Druckereien in Buda-Pest.] - -Einen bedeutenden Aufschwung hat die PESTER -BUCHDRUCKEREI-AKTIEN-GESELLSCHAFT, geleitet von SIEGM. V. FALK, -genommen; sie arbeitet in gedeihlicher Weise mit 15 Schnellpressen, 8 -Handpressen und 200 Personen. Die Aktiengesellschaft ATHENÄUM (12 Schp., -12 Giessm., 250 Arb.) druckt nicht weniger als zwanzig periodische -Schriften. Die Offizin der Aktiengesellschaft FRANKLIN-VEREIN (Rotm., -11 Schp., über 200 Arb.) hat sowohl als Werk- wie als Accidenzdruckerei -einen guten Ruf. Im Jahre 1873 erwarb der Verein den bedeutenden Verlag -von GUSTAV HECKENAST, der einen wesentlichen Anteil an dem Aufblühen -des Buchhandels in Ungarn gehabt hat. Er kam als Apotheker nach Pest, -übernahm aber, als der dort etablierte Otto Wigand aus Göttingen auf -Grund politischer Verhältnisse Ungarn schleunigst verlassen musste, -dessen Geschäft und verband sich 1840 mit dem Buchdrucker Landerer. Mit -seinen nationalen Verlagsunternehmungen hatte Heckenast viel Glück, -namentlich mit dem von Kossuth redigierten _Pesti Hirlap_. Später gab er -die illustrierte »Sonntags-Zeitung« heraus. - -Die von der Gesellschaft HUNGARIA 1869 gegründete, schön -eingerichtete, Buchdruckerei (verbunden mit Verlagsgeschäft) druckt -mit Rotationsmaschine das »Neue Pester Journal« und das »Volksblatt« -und beschäftigt 170 Arbeiter. Das grosse Geschäft von GEBR. LÉGRÁDÝ -liefert namentlich zahlreiche Jugendschriften, VICTOR HORNYÁNSKY viele -sehr gut gedruckte Bibeln in verschiedenen Sprachen. Ausserdem sind zu -erwähnen die UNIVERSITÄTS-BUCHDRUCKEREI (7 Schp.) und die bedeutenden -Zeitungsdruckereien: KHÓR & WEIN, welche das »Illustrirte Tageblatt« -auf Augsburger Rotationsmaschine drucken, PH. WODIANER, M. DEUTSCH (10 -Schp.). Vortreffliche Arbeiten im kaufmännischen Accidenzfach gehen aus -den Pressen der typo-lithographischen Anstalt von C. L. POSNER (7 Schp., -11 Hdp.) hervor. - -MOR. RÁTH gab als Verleger zwar eine Reihe von vorzüglich ausgestatteten -Prachtwerken heraus, da er jedoch die Mehrzahl in Wien drucken liess, so -kann man aus denselben sich kein Bild der Leistungsfähigkeit der Pester -Typographie machen. - -Hervorragende Druckanstalten besitzt Transleithanien sonst nicht. In -AGRAM befindet sich die wohleingerichtete Druckerei und lithographische -Anstalt von C. ALBRECHT mit 6 Schnellpressen und die der Landesregierung -gehörende Offizin des _Narodne Noviny_ (4 Schp.). Gutes leisten in RAAB -SANDOR CZÉH; in TEMESVAR GEBR. MAGYAR; in SZEGEDIN BURGER & CO.; in -NEUSATZ befindet sich die Druckerei des SERBISCHEN NATIONAL-VEREINS. Das -»okkupierte« Bosnien hat eine nach neuestem Zuschnitt gut eingerichtete -K. K. LANDESBUCHDRUCKEREI in SERAJEWO. - - * * * * * - -Während in dem Jahre 1856 der österreichische Gesamtstaat (die -italienischen Provinzen nicht mitgerechnet) kaum 200 Druckoffizinen -aufwies, besassen die cis- und transleithanischen Länder 1882 in -372 Städten 756 Buchdruckereien, 345 lithographische Anstalten, 29 -Schriftgiessereien und 1183 Buchhandlungen. Die Zahl der vorhandenen -Schnellpressen betrug 1568, die der Hand- und Tretpressen 2250. -Beschäftigung fanden gegen 15000 männliche, 3500 weibliche Arbeiter und -2000 Lehrlinge. 38 Gehülfen-Vereine hatten 4162 Mitglieder und, darin -eingerechnet das Vermögen des Wiener Unterstützungs-Vereins von etwa -300000 Mark, ein Gesamtkapital von über einer Million Mark. - -Vergleichen wir die Österreichisch-Ungarische Monarchie mit dem -Deutschen Reiche, so geht hervor, dass erstere bei einem Umfange von -11300 Meilen und einer Bevölkerung von etwa 37500000 Menschen in der -graphischen Produktion sehr gegen letzteres zurückbleibt. Scheiden wir -die österreichische Monarchie in vier graphische Gruppen, so erhalten -wir als Resultat folgende Zahlen: - - ---------------------------+--------+---------+----------+-------- - | Buch- | Lithogr.| Typogr. | Litho- - | | | | graph. - | druck. |Anstalten|Schnellpr.| Schp. - ---------------------------+--------+---------+----------+-------- - I. DIE NÖRDLICHE GRUPPE: | | | | - Schlesien, Böhmen, | | | | - Mähren, Galizien, | | | | - Bukowina | 251 | 148 | 442 | 75 - | | | | - II. DIE MITTLERE GRUPPE: | | | | - Nieder- und | | | | - Oberösterreich, | | | | - Salzburg | 190 | 111 | 450 | 79 - | | | | - III. DIE SÜDLICHE GRUPPE: | | | | - Tirol, Steiermark, | | | | - Kärnthen, Krain, | | | | - die Küstenländer | 73 | 31 | 133 | 34 - | | | | - IV. DIE ÖSTLICHE GRUPPE: | | | | - Ungarn, Siebenbürgen, | | | | - Slawonien, Kroatien, | | | | - Bosnien | 242 | 55 | 344 | 11 - ----------+--------+---------+----------+-------- - | 756 | 345 | 1369 | 199 - -Die rein deutsche Gruppe II, mit der Kaiserstadt, in welcher fast alle -bedeutenden graphischen Anstalten ihren Sitz haben, und in der über eine -Million Menschen lebt, ist mehr als anderthalbmal so gross an Umfang -als das Königreich Sachsen und zählt nur etwa 200000 Einwohner mehr. -Nichtsdestoweniger beträgt in Sachsen die Zahl der Buchdruckereien 136, -der lithographischen Anstalten 101 und der Schnellpressen 663 mehr als -in der österreichischen Gruppe II. - -Das Deutsche Reich, einen Umfang von etwa 2000 [Quadrat]Meilen -weniger als Österreich-Ungarn besitzend und etwas über 5 Millionen -Einwohner mehr zählend, hat 2633 Buchdruckereien, 1649 lithographische -Anstalten, 5708 Schnellpressen und etwa 3000 Buchhandlungen mehr. -Bei einer solchen Zusammenstellung darf jedoch nicht übersehen -werden, dass in den cis- und transleithanischen Ländern die Zahl der -Deutschsprechenden nicht viel mehr als den vierten Teil der Einwohner -beträgt. - -Ebenso ungünstig stellt sich das Verhältnis, wenn wir die -österreichisch-ungarischen Städte mit 50000 Einwohnern und mehr mit den -deutschen (S. 276) zusammenstellen. Es giebt in Österreich deren nur -zehn, nämlich: - - ----------+-------------+----------+--------+----------+------------- - Städte |Einwohnerzahl|Buchdruck.|Lithogr.|Buchhandl.|Zeitschriften - | | | Anst. | | - ----------+-------------+----------+--------+----------+------------- - Buda-Pest | 365000 | 49 | 24 | 57 | 83 - Prag | 190000 | 33 | 30 | 83 | 84 - Triest | 124000 | 10 | 4 | 12 | 6 - Lemberg | 104000 | 15 | 4 | 22 | 33 - Graz | 94000 | 7 | 9 | 26 | 17 - Brünn | 82000 | 12 | 6 | 15 | 24 - Szegedin | 76000 | 4 | 1 | 4 | 2 - Krakau | 61000 | 6 | 2 | 15 | 8 - Debreczin | 52000 | 3 | 1 | 2 | 2 - Pressburg | 50000 | 6 | 3 | 4 | 2 - - * * * * * - -Die Bücherproduktion Österreichs lässt sich nicht wohl aus der des -ganzen deutschen Litteraturgebietes ausscheiden. Die Büchereinfuhr in -Österreich betrug 27620 Meterzentner, die Ausfuhr 9378; da von letzterer -jedoch die Remittenden der in Kommission versandten Artikel abgehen, -so kann die wirkliche Ausfuhr kaum auf 4000 Meterzentner geschätzt -werden. Merkwürdigerweise stellt sich das Verhältnis bei Musikalien noch -ungünstiger, da bei einer Einfuhr von 937 Meterzentner nur 66 Zentner -ausgeführt wurden. Trotz der geringen Ziffern hat sich die Einfuhr seit -1860 zwei und einhalbmal, die Ausfuhr einmal erhöht. - -Die Zahl der Journale war zum Beginne des Jahres 1880 in den im -Reichsrate vertretenen Kronländern 1074, darunter 340 politische Tages- -und Wochenblätter. Von der Gesamtzahl erschienen 79 täglich, 80 mehrmals -wöchentlich, 310 wöchentlich, 211 vierzehntägig, 226 monatlich. 728 -Journale waren in deutscher, 73 in polnischer, 131 in tschechischer -Sprache. Wien beteiligte sich mit 483 Zeitschriften. 1872 hatte ein -Rückgang in der politischen Zeitungspresse stattgefunden und es -erschienen 19 Tagesblätter weniger als 1871. - -UNGARN lieferte damals 558 Zeitungen, davon 356 in magyarischer, 120 -in deutscher, 56 in slawischer und 21 in rumänischer Sprache. Die -Zahl der magyarischen Blätter hat seit der Zeit um 70 zugenommen, in -Buda-Pest erschienen 168; in den übrigen Sprachen ist die Zahl ziemlich -unverändert geblieben. - -[Illustration] - - -[Illustration] - - XVI. KAPITEL. - - DIE ZWEIGE DER GERMANISCHEN GRUPPE. - - DÄNEMARK. Fortschritte der Typographie: B. Luno, Gebr. Thiele, C. - Ferslew & Co. u. a. Die Chemitypie: C. Piil. Die Giessmaschine: L. - Brandt. Die Setzmaschine: C. Sörensen. Die Schreibkugel: Malling - Hansen. Island, Grönland. NORWEGEN. Geistiges Leben. SCHWEDEN. - Norstedt & Söner, Central-Tryckeriet u. a. FINNLAND. RUSSLAND und - POLEN. Die Staatsdruckerei und andere Offizinen. Das Zeitungswesen. - DIE DONAULÄNDER: Serbien, Rumänien, Bulgarien. GRIECHENLAND. - - - DÄNEMARK UND NORWEGEN. - -[Sidenote: Die Presse in Dänemark.] - -Gegen das Ende des XVIII. Jahrhunderts ergriff die politische und -geistige Gährung auch DÄNEMARK und übte ihre Wirkung auf die Presse -aus. Unter dem allmächtigen Ministerium Struensee wurde 1770 am 14. -September die schrankenloseste Pressfreiheit eingeführt, was nicht ohne -gröbliche Ausartungen abging. Wie gewöhnlich trat dann als Gegensatz -eine weit über das Ziel schiessende Reaktion ein, deren Schlussstein die -Verordnung vom 27. September 1799 war, durch welche die Zensur wieder -eingeführt wurde und die Verfolgungen gegen die Presse ihren freien -Lauf nahmen. Ausserdem begann das XIX. Jahrhundert sehr unglücklich für -Dänemark, welches die damals herrschende Politik mit dem Bombardement -von Kopenhagen, dem Verlust seiner glänzenden Flotte und der Abtretung -Norwegens bezahlen musste[258]. - - [258] CAM. NYROP, _Bidrag til den danske Boghandels Historie_. 2 Teile. - Kopenhagen 1870. -- KLEIN, _Adressebog for den danske norske og - svenske Boghandel_. -- NYEROP in _Læsendes Aarbog for 1801_. - -Unter diesen Verhältnissen konnte die Typographie Dänemarks in der -ersten Hälfte der Periode und noch länger keine grossen Fortschritte -machen. Es herrschte kein guter Geschmack und die Produktionen gingen -nur selten über das Mittelgute hinaus. Als bedeutendere Erscheinungen -sind zu nennen: _Den danske Vitruvius_, 2 Bände, Folio; Langebecks -_Scriptores rerum danicarum_, 8 Bände, Folio; _Beskrivelse over -danske Mönter og Medailler_, 3 Bände, Folio; _Flora Danica_, ein sehr -bedeutendes und umfangreiches Werk. - -[Sidenote: Die Typographie in Kopenhagen.] - -Die Buchdruckereien in KOPENHAGEN beherrschten, durch -Innungsverhältnisse begünstigt, die Buchdruckereien der Provinz. Die -Autoren suchten, da der Buchhandel nicht gut organisiert war, zumteil -Verleger im Auslande. - -[Sidenote: E. H. Berling * 1689, [+] 1759.] - -CARL HEINRICH BERLING, Sohn des eingewanderten E. H. BERLING (I, S. -156), erwarb das Privilegium der _Posttidender_, welche den Titel -_Statstidende_, später _Berlingske Tidende_ annahm, unter welchem Namen -sie noch heute besteht. Viele Jahre hindurch waren dieses und ein -anderes, ungefähr auf derselben Stufe der Mittelmässigkeit stehendes -Blatt, _Dagen_, die einzigen Quellen tagesgeschichtlicher Weisheit. - -Das Volk verfiel in ein durch Geistesspielereien gewürztes weichliches -Wohlleben, aus welchem der Nationalgeist erst durch die Dichtungen Adam -Oehlenschlägers erwachen sollte. Allmählich fielen die Schranken der -Presse wieder und es erblühte ein überaus reges geistiges Leben, das -ebenfalls die Entwickelung der Buchdruckerei und des Buchhandels im -Gefolge hatte. - -[Sidenote: Bianco Luno * 27. Juni 1795, [+] 12. Aug. 1852.] - -Im Jahre 1825 kam die erste Schnellpresse nach Dänemark. Der eigentliche -Schöpfer des guten Geschmacks und der Typographie im Sinne der Neuzeit -war BIANCO LUNO[259], der sich, nach vielfachen Wanderungen in Italien, -Ungarn und Deutschland, 1831 in Kopenhagen etablierte. Die Ausstattung -und Ordnung seiner Druckerei war eine noch nicht in Dänemark bekannte -und würde selbst im Auslande als eine mustergültige gegolten haben. Er -lieferte namentlich in Werk- und tabellarischen Arbeiten vortreffliches. -Die Druckerei arbeitet jetzt mit 9 in Kopenhagen von Eickhoff gebauten -Schnellpressen. - - [259] C. NYROP, _Bianco Luno og den danske Bogtrykkerkonst_. - Kopenhagen 1881. - -[Sidenote: Gebr. Thiele.] - -[Sidenote: J. R. Thiele [+] 1876.] - -In feineren Accidenz- und illustrierten Drucken sind die Brüder JUST -und ANDREAS THIELE, Nachkommen eines 1770 aus Lemgo eingewanderten -Buchdruckers JOH. RUD. THIELE, in Dänemark unübertroffen. Sie erhielten -ihre Ausbildung in der Brockhausschen Offizin in Leipzig und können sich -mit den besten Illustrationsdruckern Deutschlands messen. Als Beispiele -ihrer Leistungen seien erwähnt: _Illustreret Tidende_, _The old northern -Runic monuments_ und _Queen Dagmars Cross_ in Farbendruck. Die Offizin -ist die grösste in Dänemark und arbeitet mit 17 König & Bauerschen -Schnellpressen. Die Gebrüder Thiele drucken auch die Noten der Bank, die -Postmarken und fast alle dänischen Wertpapiere. - -[Sidenote: C. Ferslew.] - -Als Zeitungsdruckerei steht die Offizin C. FERSLEW & CO. obenan. Sie -verbindet Typographie mit Lithographie und Papierfabrikation. Ferslew -druckte zuerst mit einer »Victoria-Endlosen«. Drei grosse Tageszeitungen -werden in der Offizin hergestellt, in welcher 9 Kastenbeinsche -Setzmaschinen und 11 Ablegemaschinen arbeiten, wohl mehr als für den -Augenblick im ganzen Deutschen Reich. Bei der Bedienung sind mehr als -dreissig Mädchen unter Leitung einer Directrice beschäftigt. Um den Satz -zu beschleunigen, werden schlecht geschriebene Manuskripte erst mittels -der Malling Hansenschen Schreibkugel (S. 446) umgeschrieben und dann dem -Setzer übergeben, wodurch es möglich wird, den Hauptteil einer grossen -Zeitung in zwei Stunden herzustellen. Die als eine Neuheit von Beschke -in Deutschland eingeführten Wetterkarten werden schon seit fünf Jahren -bei Ferslew hergestellt. - -Das Beispiel Lunos und Thieles hat sehr befruchtend gewirkt und der -dänische Druck nimmt im ganzen eine sehr respektable Stellung ein. Die -Offizin von BERLING, welche jetzt nur die _Berlingske Tidende_ mit -Rotationsmaschine aus der Fabrik Eickhoff in Kopenhagen druckt, hat -sich durch Einführung der technischen Verbesserungen und Erfindungen -des Auslandes verdient gemacht. Der letzte männliche Besitzer der -Firma CARL BERLING spielte als Kammerherr, Reisemarschall und -Günstling des Königs Friedrich VII. eine Rolle. Er starb auf einer -Reise in Ägypten am 30. März 1871. Geachtete Namen erwarben sich -unter anderen ANDREAS SEIDELIN und die von J. F. SCHULTZ begründete -Hofbuchdruckerei, jetzige Universitätsbuchdruckerei von J. H. SCHULTZ, -welche mit 12 Schnellpressen namentlich Regierungs-, Universitäts- und -Kommunalarbeiten liefert. In der Provinz ist zu nennen die über 110 -Jahre bestehende FYENS STIFTS-BUCHDRUCKEREI in ODENSE, wo die Wiege der -dänischen Buchdruckerei stand (I, S. 74). - -[Sidenote: Statistisches.] - -Zur Zeit hat Dänemark 175 Buchdruckereien (davon 71 in Kopenhagen) mit -einem Arbeitspersonal von 1438 Köpfen, darunter 746 Setzergehülfen, -354 Setzerlehrlinge; 69 Setzerinnen, namentlich bei den Setzmaschinen -thätig; 176 Drucker, 82 Druckerlehrlinge. Die Zahl der Schnellpressen -ist 294, der Tretpressen 36 (davon in Kopenhagen 151 Schnellpressen, -35 Tretpressen). 90 Handpressen werden wohl, wie überall, fast nur als -Korrekturpressen dienen[260]. - - [260] M. TRUELSEN, _Statistisk Oversigt over Typographien i Danmark_. - Kopenh. 1881. - -Die litterarische Produktion ist nicht so genau wie in Deutschland -anzugeben, da die einzige Kontrolle in der angeordneten Ablieferung -eines Exemplars jeden Druckwerkes an die königliche Bibliothek besteht. -Eingereicht wurden im Jahre 1880 349 Zeitschriften, 1806 Bücher und -Broschüren. In Kopenhagen erscheinen 14 Tageblätter zumeist im Format -der grossen Pariser Zeitungen; in den Provinzen 50. Kopenhagen hat 14 -illustrierte Wochenblätter, unter welchen die humoristischen eine grosse -Verbreitung haben. - -[Sidenote: Xylographie und Chemitypie.] - -Die Xylographie, früher hauptsächlich durch Deutsche geübt, leistet -sehr anerkennenswertes; die bedeutendsten Anstalten sind die der -_Illustreret Tidende_, H. P. HANSEN, F. HENDRIKSON und J. J. ROSENSTAND. -Die Chemitypie verdankt dem Dänen CHR. PIIL[261] ihr Dasein und ist in -Dänemark sehr beliebt geworden. Öfters wird sie mit der Zinkhochätzung -verwechselt, jedoch beruht sie auf anderen Grundsätzen (S. 18). Piil -brachte seine Erfindung nach Leipzig und übte sie dort in Verbindung mit -dem Buchhändler H. Friedlein. Auch die Zinkographie fand sehr geschickte -Ausüber in Dänemark. - - [261] C. PIIL, Die Chemitypie. Leipzig 1846. - -[Sidenote: Schriftgiesserei.] - -Auf Grund des kleinen Geschäftsgebietes konnte die SCHRIFTGIESSEREI -nicht mit der deutschen Schritt halten. Schriften wurden hauptsächlich -von Trennert in Altona und Genzsch & Heyse in Hamburg, dann auch von -Berlin und Leipzig bezogen. Gute Arbeiten liefert H. A. F. FRIES in -Kopenhagen. - -[Sidenote: Die Schriftgiessmaschine.] - -[Sidenote: L. Brandt * 6. Sept. 1807.] - -In Deutschland gilt (S. 295) der Däne LAURITZ BRANDT allgemein als -Erfinder der Schriftgiessmaschine. Er stammte aus Faaborg auf der -Insel Fühnen. Als Schlossergeselle ging er nach St. Petersburg, wo er -allerlei mechanische Instrumente anfertigte, reiste kreuz und quer durch -Deutschland, verheiratete sich dort und segelte dann nach Amerika. Hier -führte er den Gedanken, die Giessmaschine zu konstruieren, aus und -baute diese in dem Hause der bekannten Schriftgiesserei David Bruce -jun. in New-York. 1844 ging er nach Deutschland und verkaufte sein -Patent an Eduard Hänel in Berlin. Brandt erntete hieraus weder grosse -pekuniäre Vorteile noch Ehre, denn Hänel verschwieg seinen Namen, sodass -bald dieser selbst, bald Steiner in München als Erfinder galt. Brandt -verliess Deutschland und ging nach Dänemark, wo er mehrere Maschinen -für die Schriftgiesserei Fries baute, die noch heute in Wirksamkeit -sind. In Schweden erwarb L. Hierta das Patent, welches später auf die -Firma Norstedt & Söner überging. Nach einem etwa vierjährigen Aufenthalt -in Europa ging Brandt nach New-York zurück und gründete dort ein -Etablissement, aus dem eine grosse Anzahl Maschinen hervorging. 1859 -zog er sich ins Privatleben zurück und übergab sein Etablissement an N. -Erlandsen, der, ebenfalls ein Däne, als armer Junge von seinen Eltern -aufgenommen worden war. Gegen Brandts Ansprüche machte David Bruce sein -Erfindungsrecht geltend (S. 39). - -[Sidenote: Die Setzmaschine.] - -[Sidenote: Chr. Sörensen * 7. Mai 1818, [+] 30. Jan. 1861.] - -Wennauch mit Setzmaschinen verschiedentlich experimentiert worden war, -so muss doch CHRISTIAN SÖRENSEN[262] in Kopenhagen als der Erfinder -betrachtet werden, denn er war der erste, der eine wirklich lebensfähige -Maschine herstellte, die auf den Prinzipien beruhte, welche von allen -späteren Erfindern, mit Ausnahme von Mackie, angenommen wurde. - - [262] C. NYROP, Christian Sörensen. _Et Industribillede._ Kopenhagen - 1869. - -Sörensen war von ganz armen Eltern geboren und musste schon als Kind zum -Verdienst mit beitragen durch Arbeit bei einem Leineweber, und konnte -nur in den Abendstunden einen notdürftigen Unterricht geniessen. Durch -einen Zufall kam er später in Setzerlehre. - -Er war ein mechanisches Genie. In seinem zwanzigsten Jahre entstand -bei ihm der Gedanke, eine Setzmaschine zu schaffen. Von den vor ihm -gemachten Versuchen hatte er keine Ahnung. Am 29. April 1846 erhielt er -ein Patent für eine Setz- und Ablegemaschine und eine Unterstützung zur -Ausführung eines Modells. Während Sörensen hiermit noch beschäftigt war, -ergingen die Einladungen zur ersten Weltausstellung in London. Gelang -es, dort mit der Setzmaschine zu erscheinen, so war das Ziel erreicht! -Das Erscheinen gelang ihm zwar, aber -- die Maschine erhielt nicht -einmal eine ehrenvolle Erwähnung. - -[Sidenote: Erfolge in Paris.] - -Das war ein harter Schlag für Sörensen, und seine Gönner fingen nun -an, sich von ihm zurückzuziehen. Da erschien als Retter in der Not der -Publizist J. F. Gjödwad, Herausgeber der Zeitung _Fädrelandet_, und -bestellte eine Maschine und, als sie gut ausfiel, noch eine zweite. Ehe -diese zur Vollendung kam, trat die Pariser Ausstellung von 1855 ins -Leben. Der Besteller war liberal genug, zu gestatten, dass sie erst -in Paris ausgestellt würde. Hier erregte sie allgemeines Staunen und -wurde einstimmig von dem Jury-Kollegium der höchsten Belohnung würdig -befunden, welche für diejenigen Männer bestimmt war, »die sich um die -Gesellschaft besonders verdient gemacht« hatten. - -Die Maschine war eine doppelte, eine Setz- und eine Ablegemaschine, -und wurde erst durch eine Giessmaschine vervollständigt, die auch sehr -schwieriger Natur war, da viele (bis auf 6) komplizierte Signaturen -notwendig waren; doch gelang alles nach Wunsch. - -[Sidenote: Not, Sorge und Tod.] - -Der pekuniäre Vorteil des Pariser Erfolges blieb jedoch für Sörensen -aus. Er fiel in Paris Schwindlern in die Hände und nach vielen -vergeblichen Anstrengungen für die Einführung der Maschine in -Frankreich, Deutschland und Österreich kehrte er krank und gebeugt -nach Dänemark zurück. Hier fand er wieder Beistand und Aufmunterung -bei seinem alten Gönner Gjödwad. Zwar geschahen auch von anderer Seite -Schritte, die Sörensens Zukunft wenigstens sorgenfreier gestalteten, -aber Kummer und frühere Nahrungssorgen hatten seinen Lebensfaden -durchschnitten und er erlag seinen Leiden am 30. Januar 1861. - -[Sidenote: Die Schreibkugel.] - -[Sidenote: R. Malling Hansen.] - -Mit der Setzmaschine verwandt ist die Schreibmaschine oder SCHREIBKUGEL. -Der erste, der mit einer solchen wirkliche Erfolge erzielte, war der -Direktor der königlichen Taubstummenanstalt in Kopenhagen, R. MALLING -HANSEN. Durch sein Nachsinnen über die Mittel zu einer leichteren -Verständigung zwischen Taubstummen und Blinden kam er auf den erwähnten -Apparat, den er nach und nach sehr vervollkommnet hat. - -Durch die Oberfläche einer hohlen metallenen Halbkugel geht eine Anzahl -von Stahlstiften, die wie Radien eines Kreises nach dem Mittelpunkte -zusammenlaufen, was durch künstliches Unterschneiden der Stifte -ermöglicht wird. Auf dem unteren Ende eines jeden derselben ist ein -Antiqua-Versalbuchstabe erhaben geschnitten, wie jeder Typenstempel. -Unter dem Mittelpunkte, wo alle Buchstaben zusammentreffen, liegt das -Schreibpapier mit einem Farbepapier bedeckt. Durch den Druck mit dem -Finger auf den Knopf eines Stempels wird dieser nach dem Zentrum geführt -und übt einen Druck auf das Farbepapier, wodurch der Buchstabe auf das -weisse Papier abgefärbt wird. Nach jedem Druck bewegt sich das Papier -soweit seitwärts zurück, dass der nächste Buchstabe in die richtige -Entfernung von dem vorhergehenden zu stehen kommt. Ist die Zeile voll, -schiebt sich das Papier so weit nach oben, dass es in die richtige -Lage kommt, um die folgende Zeile aufzunehmen. Eine Schnelligkeit von -20000 Buchstaben in der Stunde ist noch keine übertriebene. Durch -Übereinanderlegen von bis zu zehn Schreib- und Farbeblättern ist es -möglich, eine ebenso grosse Anzahl Drucke gleichzeitig zu schaffen, die -wieder durch elektrische Verbindung mehrerer Apparate nach Belieben -gesteigert werden kann. - -[Sidenote: Die Maschinenfabrikation.] - -[Sidenote: J. G. A. Eickhoff * 4. März 1809, [+] 30. Mai 1875.] - -Die erste eiserne Handpresse in Dänemark wurde 1836 von HÜTTEMEYER, -die erste Schnellpresse 1847 von J. G. A. EICKHOFF aus Wittenförden -in Mecklenburg-Schwerin nach dem System König & Bauer hergestellt. -Seine 200. Maschine folgte 1874. Über 125 davon gingen nach dem -Auslande, namentlich nach Schweden und Russland. Eickhoff baut auch -Rotationsmaschinen. - -Die Papierfabrikation ist besonders durch die Familie DREWSEN in die -Höhe gebracht. Das dänische Fabrikat ist in den Mittelsorten ein sehr -brauchbares. Die Buchbinderei nahm stets einen respektablen, wennauch -keinen hervorragenden Platz ein. - -[Sidenote: Lithographie.] - -Die LITHOGRAPHIE wurde durch C. C. LOSE von einem Deutschen HEINRICH -WENZLER 1811 eingeführt und hauptsächlich für den Notendruck benutzt. -Der Kunstsinn, welcher, durch die von Thorwaldsen gegebene Anregung -in allen Schichten der Bevölkerung geweckt, einen mächtigen Einfluss -auf das Kunstgewerbe geübt hat, wirkte auch auf die Lithographie. Es -entstanden nicht nur vorzügliche Kartenarbeiten, sondern auch wirkliche -Kunstblätter, letztere namentlich durch EMIL BÄRENTZEN & CO., jetzt -HOFFENSBERG & TRAP, welche auch vorzügliche Chromos liefern. Neben -diesen verdienen J. W. TEGNER & KITTENDORF genannt zu werden. - -Der Buchhandel in Dänemark ist nach deutschem System gut organisiert. -Das offizielle Organ des skandinavischen Buchhandels ist das seit 30 -Jahren von O. H. DELBANCO herausgegebene _Nordisk Boghandlertidende_. - -[Sidenote: Island.] - -[Sidenote: Grönland.] - -Auf der Insel ISLAND blieb stets der Sinn für die Litteratur herrschend. -Es bestehen dort 5 Druckereien mit 7 Pressen und 4 Journale erscheinen -daselbst. Die Offizinen von EINAR THORDARSON und BJÖRN JÓNSSON besitzen -je eine Schnellpresse. Im Jahre 1799 kam die Isländische Litterarische -Gesellschaft[263] in den Besitz einer kleinen Druckerei, in der bereits -1840 über 100 Werke gedruckt waren. Auch die FÄRINSELN besitzen eine -Offizin und ein Blatt. Selbst GRÖNLAND ist nicht zurückgeblieben. Unter -den in den dänischen Kolonien wohnenden 12000 Eingeborenen ist die -Fertigkeit im Lesen und Schreiben so verbreitet, wie irgend in Europa. -In den Jahren 1857-61 machte der Inspektor von Süd-Grönland, nachdem ihm -auf Rechnung der Grönländischen Handelsdirektion eine Buchdruckpresse -gesendet war, einen Versuch, einen Eingeborenen, LARS MÖLLER, im Setzen -und Drucken und einen andern im Holzschneiden zu unterrichten. 1861-62 -hielt sich ersterer in Kopenhagen auf und wurde dort ordentlich im -Buch- und Steindruck unterrichtet. Nach seiner Rückkehr liess der -Inspektor ein kleines Gebäude aufführen und als Buch- und Steindruckerei -einrichten. Ausser einigen kleinen erzählenden Schriften gingen zwei -periodische Unternehmungen aus dieser Offizin hervor: _Atuagagdliutit_ -(Unterhaltungslektüre), worin auch Beiträge von Eingeborenen und viele -Abbildungen enthalten sind; das andere enthält die Jahresberichte der -Ortsvorsteher mit lithographierten Tafeln. In der Kolonie GODTHAAB -(Gute Hoffnung) befindet sich eine zweite Herrnhutische Missionspresse, -aus der eine Anzahl von Erbauungs- und Unterrichtsbüchern hervorgingen. -Das erste dort gedruckte Buch war eine Legendensammlung _Kalladtit -Okalluktua alliaït_ mit zwölf von Eingeborenen gezeichneten und -geschnittenen Holzstöcken und acht Liedern mit Musiknoten. - - [263] _Det islandske Literaire Selskabs Love._ Kopenhagen 1851. -- - NYEROP, _Læsendes Aarbog for 1801_. - - * * * * * - -[Sidenote: Norwegen.] - -In NORWEGEN[264] kann man, sieht man von der altehrwürdigen Litteratur -der Eddas und des reichen Sagenschatzes in der _Norröna_-Zunge ab (I, S. -156), eigentlich erst seit etwa 70 Jahren von einer Nationallitteratur -reden. - - [264] PAUL BOTTEN-HANSEN, _La Norvège littéraire_. Christiania 1868. -- - _Beretning om Säcularfesten i Christiania 1840._ - -[Sidenote: Christiania.] - -In CHRISTIANIA wurde die zweite Druckerei erst im Jahre 1807 angelegt. -Nachdem die politische und die damit verbundene Pressfreiheit im -Jahre 1814 urplötzlich und in einem Maasse, wie es in der Geschichte -nicht oft vorkommt, errungen war, begann auch eine grosse Regsamkeit -in der Litteratur. Man machte bedeutende, mitunter etwas krampfhafte -Anstrengungen, um eine nationale norwegische Litteratur zu schaffen, -und damit fing auch die Buchdruckerkunst an, einen bedeutenderen Platz -einzunehmen. - -[Sidenote: Zeitungswesen.] - -In einem Lande, wo die grosse räumliche Ausdehnung, die kleine, -weit zerstreute Bevölkerung und die Naturschwierigkeiten einen -schnellen Paketverkehr notwendig machten, war die Journalpresse von -grosser Wichtigkeit und oft die einzige Quelle der Belehrung und -Unterhaltung. Die Spuren derselben reichen bis auf das Jahr 1760 -zurück. Die erste eigentliche Zeitung waren die 1763 begonnenen _Norske -Intelligenzsedler_. Die Zeitungen unterlagen, wie in Dänemark, der -Zensur und zwar einer sehr strengen. Zur Empfangnahme von Zeitungen -durch die Post gehörte eine besondere Erlaubnis. Im Jahre 1814 war -die Zahl der periodischen Schriften nur fünf. 1815 wurde das erste -täglich erscheinende _Morgenbladet_ gegründet. Die wissenschaftliche -Journalistik ist nicht ohne Wichtigkeit. Unter den 85 Journalen -Norwegens befinden sich auch mehrere illustrierte. - -[Sidenote: Bücherproduktion.] - -[Sidenote: Statistisches.] - -Auch die Bücherproduktion wurde eine regere. Im Jahre 1868 konnten -bereits 650 Autoren bezeichnet werden. Zum Betrieb des Buchhandels nach -deutschem Zuschnitt gab der Däne JOHANN DAHL den Anstoss und Norwegen -hat seitdem eine Reihe von tüchtigen Buchhändlern und Buchdruckern -aufzuweisen. 1840 zählte man dort schon 33 Buchdruckereien, von welchen -Christiania 15 mit 35 Pressen und 95 Arbeitern aufwies. 1879 war die -Zahl der Buchdruckereien auf 126 gestiegen, davon 29 in Christiania -mit 72 Schnellpressen und 483 Personen. Die GRÖNDAHLsche Buchdruckerei -dort hat das Verdienst, 1830 die erste eiserne Presse, 1840 die erste -Schnellpresse, 1854 den Dampfbetrieb eingeführt zu haben. Von ihr stammt -auch die Annahme des Didotschen Kegelsystems. Bis vor kurzem hatte die -Fraktur entschieden das Übergewicht, sie weicht aber Schritt für Schritt -der Antiqua. Bergen hatte 8 Offizinen und 9 Schnellpressen. - -Zur Papierfabrikation trägt Norwegen indirekt durch eine starke Ausfuhr -von Holzstoff bei, deren Wert 1879 nahe an 1-1/2 Millionen Mark betrug. - - - SCHWEDEN UND FINNLAND. - -[Sidenote: Schweden.] - -In SCHWEDEN, dessen Einwohner so oft die Franzosen des Nordens genannt -werden, zeigte sich eine besondere Vorliebe für französische Litteratur -und französisches Wesen. Vielleicht hat dies mit dazu beigetragen, dass -die Schweden rascher und allgemeiner als die Dänen und Norweger die -Antiquaschrift als übliche Buch- und Zeitungsschrift annahmen, so dass -thatsächlich die Fraktur nur für kirchliche oder wirklich nur für das -Volk bestimmte Litteratur beibehalten wurde. Es dürften überhaupt in den -drei skandinavischen Ländern die Tage der Fraktur gezählt sein. - -In betreff des Bezuges von Schriften, Druckmaterial und Utensilien ist -Schweden noch mehr als Dänemark auf das Ausland, namentlich Deutschland, -angewiesen, und stand auch im allgemeinen etwas hinter Dänemark in der -Typographie zurück. - -[Sidenote: Typographen.] - -Einer der bedeutendsten Buchdrucker war PETER MOMMA ([+] 1772), ein -Rechtsgelehrter, der auf seinen Reisen die Buchdruckerei in Holland -lernte. Er war auch der erste, der eine Schriftgiesserei in Schweden -errichtete. J. S. EKMANSSON führte 1796 die Didotschen Schriften ein. -In LUND erwarb der Däne C. GUSTAV BERLING 1745 eine Offizin, welche -Bedeutung erlangte und mit der eine, hauptsächlich den akademischen -Bedürfnissen gewidmete Schriftgiesserei verbunden wurde. Sie blüht noch -in den Händen der Familie Berling. - -[Sidenote: P. A. Norstedt.] - -Den bedeutendsten Platz unter den typographischen Anstalten Schwedens -nimmt die von P. A. NORSTEDT in Stockholm gegründete ein. Er kaufte -1821 die Offizin von J. P. LINDH, nahm seine beiden Söhne ADOLF und -CARL zu Teilnehmern und firmierte seit 1823 P. A. Norstedt & Söner. Im -Jahre 1862 ging das Geschäft auf die Verwandten Norstedts GUSTAV LAURIN -und ALBERT LAURIN über, beide starben jedoch zum allgemeinen Bedauern -zeitig. Das jetzt noch blühende Geschäft hat Werke geliefert, welche mit -den besten des Auslandes konkurrieren können. 1869 begannen Norstedts -die _Nordisk Bogtryckertidende_, welche leider 1875 wieder zu erscheinen -aufhörte[265]. - - [265] Einer der neuesten Verlagsartikel der Firma ist J. G. Nordins - _Handbok i Boktryckare konsten_, ein so vorzügliches, nebenbei - gesagt typographisch so vortrefflich ausgestattetes Lehrbuch - der Kunst, wie es Deutschland nicht besitzt. Am 1. April 1883 - begann ein neues Fachjournal: _Nordisk Typograf-Tidning_. Am - 1. Juli 1883 und den folgenden Tagen feierte Schweden die - 400jährige Einführung der Kunst, bei welcher Gelegenheit eine - Festschrift des erwähnten J. G. Nordin im Verein mit dem um die - Bibliographie Schwedens verdienten Bibliothekar G. E. Klemming: - _Svensk Bogtryckeri-Historia 1483-1883_, 1. Teil, erschien. - Der Teil reicht leider nur bis zu dem erwähnten Momma (etwa - bis 1770). Aus demselben geht jedoch hervor, dass nunmehr die - Thatsache feststeht, dass gleichzeitig mit Joh. Snell (I, S. 75) - ein zweiter deutscher Buchdrucker, Nic. Gothan, der früher schon - in Magdeburg eine Offizin hatte, 1483 in Stockholm ein Buch, - _Vita St. Katherine_, druckte. - -Im Jahre 1874 gründete eine Aktiengesellschaft ein grosses graphisches -Institut, _Central-Tryckeriet_, unter der Direktion von HANS FORSELL, -welches im Jahre 1875 15 periodische Schriften, darunter 11 illustrierte -Blätter, druckte. In der Nacht vom 20. zum 21. Dezember desselben Jahres -brannte die Anstalt teilweise ab, bei welcher Gelegenheit der verdiente -Dirigent der lithographischen Abteilung, der Deutsche A. SEEDORF, einen -jämmerlichen Tod in den Flammen fand. - -Selbst die Hauptstadt des schwedischen Lapplands, HAPARANDA, dicht an -der Grenze des russischen Finnlands, hat eine Druckerei und zwar mit -einem adeligen Besitzer, G. C. VON KLERCKER, und ein Wochenblatt _Nyaste -Riksgränsen_. - -[Sidenote: Zeitungen.] - -Die periodische Litteratur weist 321 Nummern auf. 91 Journale erscheinen -in Stockholm, 18 in Gothenburg, 10 in Malmö, 7 in Lund. 14 Blätter -erscheinen täglich, davon 4 in doppelten Ausgaben; Stockholm hat deren -6, Gothenburg, Helsingborg, Malmö je zwei. - -Durch die Bestrebungen der eingewanderten Dänen C. W. GLEERUP in Lund -und AD. BONNIER in Stockholm ist der schwedische Buchhandel ganz in der -Art des deutschen organisiert. Die Zahl der Buchhandlungen beträgt 261. - -Der Schwede liebt das Bunte und neben einer grossen Anzahl von -geschichtlichen Werken und Romanen werden auch viele illustrierte, -namentlich ethnographische Prachtwerke mit Chromolithographien gedruckt, -doch werden sie auch zumteil in Deutschland ausgeführt. Die Lithographie -kam 1818 nach Schweden. Eine Anstalt von Bedeutung ist _Lithographiska -Aktie Bolaget i Norrköping_, welche namentlich vortreffliche Landkarten -geliefert hat. - -[Sidenote: Die Papierfabrikation.] - -Die Papierfabrikation Schwedens hat eine grosse Bedeutung und die Zahl -der Fabriken beträgt etwa 60. Es wird sehr gutes Papier fabriziert, -wennauch für gewöhnlich ein recht mittelmässiges Fabrikat zur Verwendung -kommt. Schweden mit seinem grossen Reichtum an Holz und Wasserkraft hat -die Fabrikation des Holzstoffes mit Eifer ergriffen und führt bedeutende -Quantitäten aus. Seine erste Farbenfabrik erhielt es erst vor wenigen -Jahren durch O. MARIN in Söderköping. - - * * * * * - -[Sidenote: Finnland.] - -FINNLAND, politisch mit Russland vereinigt, im Besitz seiner nationalen -Sprache und einer, wennauch nicht bedeutenden, nationalen Litteratur, -in dem höheren litterarischen Verkehr sich der schwedischen Sprache -bedienend, ist in betreff des Buchgewerbes mehr zu Schweden als zu -Russland gehörend zu betrachten. - -[Sidenote: Typographen.] - -Die bedeutendste typographische Familie ist die Frenckellsche. Statt -der nach Stockholm verlegten Druckerei (I, S. 158) erhielt ÅBO 1772 -eine neue Offizin, die im Jahre 1750 in die Hände von J. C. FRENCKELL -kam, welcher 1755 zum akademischen Buchdrucker ernannt wurde, und 1802 -noch eine Druckerei in HELSINGFORS, wohin 1829 die Universität von Åbo -verlegt wurde, gründete, die noch kräftig blüht. - -[Sidenote: Zeitungen.] - -Im Jahre 1771 erschien die erste schwedische Zeitung in Åbo; 1776 die -erste in finnischer Sprache. Unter der strengen Zensur konnte die -Zeitungslitteratur nur einen sehr langsamen Fortgang nehmen, erst -in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts trat ein erheblicher -Umschwung ein, so dass im Jahre 1878 24 Zeitungen in schwedischer, 30 in -finnischer Sprache erschienen. 1871 hatte Finnland 20 Buchdruckereien, -die sich auf 12 Städte verteilten, davon kamen 7 auf Helsingfors. Die -Zahl der Gehülfen betrug 118, der Lehrlinge 99. Schnellpressen gab es -12, Handpressen 45. Jetzt hat Finnland 40 Buchdruckereien. - -Die von TILGMANN aus Helsingfors erfundene Tiegeldruck-»Endlose« -_Mia_ hat wohl nicht den in Deutschland gehegten Erwartungen ganz -entsprochen[266]. - - [266] Journ. f. B. 1878, Nr. 7. - - - RUSSLAND UND POLEN. - -[Sidenote: Langsame Entwickelung der Typographie.] - -Dass die Typographie in Russland und Polen nicht in der Weise blühen -konnte, wie in Ländern, wo die politische Freiheit eine frische -litterarische Bewegung und eine lebhafte Wechselwirkung mit den -bedeutendsten Kulturvölkern hervorrief, ist selbstverständlich. Hierzu -kommt noch als erschwerendes Moment die grosse räumliche Ausdehnung des -Reiches. Wie (S. 257) bereits erwähnt wurde, erhielt Russland nicht nur -sein typographisches Material aus Deutschland, sondern auch die Ausüber -der Buchdruckerkunst sowohl als des Buchhandels waren grösstenteils -Deutsche. Diese haben erst Ordnung und System in das graphische Geschäft -gebracht. Der national-russische Buchhandel war noch 1840 in einem -desolaten Zustande. SMIRDIN in St. Petersburg und SIMIN in Moskau -gehörten zu den wenigen, welche das Geschäft kaufmännisch regelrecht -betrieben. - -Die Buchdruckereien verbreiteten sich langsam; 1874 war die Zahl -derselben in St. Petersburg 107, die der lithographischen Anstalten -105, der Schriftgiessereien 11, der Buchhandlungen mit offenem Laden -77. Den Bemühungen eines Deutschen, R. SCHNEIDER, ist die Errichtung -einer typographischen Lehrlingsschule zu verdanken. Derselbe gab auch -1867-1869 ein typographisches Journal in russischer und deutscher, -später nur in russischer Sprache heraus, das auf Ed. Hoppe überging. -Schneider verliess 1882 Russland und ging nach der Schweiz. - -[Sidenote: Die Staatsdruckerei.] - -Eine eben so eigentümliche wie vortreffliche Anstalt ist die kaiserliche -STAATSDRUCKEREI oder, wie die offizielle Bezeichnung lautet: »die -Kaiserlich Russische Expedition zur Anfertigung der Staatspapiere«, -ein Institut, das jedes, selbst das in den graphischen Künsten am -weitesten fortgeschrittene Land mit Stolz das seinige nennen würde. -Durch ihre wahrhaft eminenten Leistungen in photographischen Hoch- und -Tiefdruckplatten, durch die geistreiche Kombination von Heliographie -und Galvanoplastik und durch die vielfachen wichtigen Anwendungen -der verschiedenen graphischen Künste zur Herstellung von Staats- und -Wertpapieren hat sie tief eingreifende Erfolge erzielt. Die Fabrikation -von Papier mit Wasserzeichen in unvergleichlicher Klarheit und Zartheit, -sowie von geschöpftem Handpapier mit allen den Eigenschaften, die -man von einem für Wertzeichen bestimmten Papier verlangt, wird in -grossartigem Maassstabe betrieben. Die Festigkeit ist namentlich dem -vorzüglichen russischen Hanf zuzuschreiben. Die Kontrolle beginnt mit -der Feststellung des Gewichts des abgelieferten Papiers und lässt sich -für jeden Bogen auf seiner Wanderung durch die Anstalt verfolgen. Die -Fabrik arbeitet mit sechs grossen Maschinen und vierzehn Bütten[267]. - - [267] Das Journ. f. B. 1872 bringt eine sehr detaillierte Beschreibung - des Instituts, von TH. GOEBEL. - -Stempel und Matrizen, Clichés in Kupfer und namentlich in Eisen, -eine Spezialität der Anstalt, die gerade für die Herstellung des -farbigen Druckes in grossen Auflagen sowohl der Dauerhaftigkeit, als -der Unangreifbarkeit durch Farben wegen von wesentlich praktischem -Werte sind, werden in vorzüglichster Qualität geliefert. Buch- und -Holzschnittdruck, Kupferdruck, Lithographie, Autographie, Chromographie, -Photogalvanographie, Heliographie, Elektrotransformatypie, ein Verfahren -zur Herstellung einer Platte mit Bildstellung beliebig nach rechts -und links, kurz, jeder nennbare graphische Prozess wird dort zur -Vollkommenheit gebracht. Ebenfalls vorzüglich sind die durch Georg v. -Scamoni photographisch erzielten mikroskopischen Schriften. Derselbe, -aus Würzburg gebürtig, hat einen grossen Anteil an den Erfolgen der -Anstalt in allen heliographischen Verfahrungsweisen[268]. - - [268] Seine Erfahrungen hat er in seinem »Handbuch der Heliographie« - mit Atlas, Berlin 1872, niedergelegt. - -Die Anstalt wurde 1818 unter Leitung von THEOD. SCHNEIDER aus Mannheim -gegründet und besteht seit 1866 als selbständiges Geschäft, das seine -Überschüsse an die Staatskasse abliefert. Der Chef ist seit 1861 der -Staatsrath THEOD. VON WINBERG. Bereits im Jahre 1873 hatte die Anstalt -17 Dampfmaschinen mit 362 Pferdekraft zur Disposition. Die Druckerei -arbeitete mit 58 Schnellpressen, darunter 35 aus der Fabrik von König & -Bauer, 60 Handpressen, eine ausserordentliche Zahl von Hülfsmaschinen -und beschäftigte im Hause 1400-1800, ausser dem Hause 300-1200 Arbeiter. - -Eine eigentümliche Einrichtung ist die Beteiligung des ganzen Personals -bis zum jüngsten Arbeiter herunter an dem Gewinn der Anstalt, der ein -bedeutender, zwischen 3-400000 Rubel jährlich, sein soll. Die eine -Hälfte derselben fliesst in die Staatskasse, die andere wird unter das -Personal in der Weise verteilt, dass jeder Arbeiter mindestens einen -Monatslohn als Anteil empfängt. - -Die baulichen Anlagen der Anstalt, welche in dem südlichen, nicht sehr -bebauten Stadtteil sich befinden, bedecken einen grossen, an drei Seiten -von Strassen begrenzten Flächenraum, auf welchem ausser der eigentlichen -Druckerei auch die Papierfabrik und die Wohnungen der Beamten sich -befinden. - -Zum Schutze der Anstalt hält eine Wache von 36 Mann die verschiedenen -Zugänge bei Tag und Nacht besetzt. Die Gebäude sind durchweg massiv und -feuersicher, fast nur von Stein und Eisen. An der Spitze der Anstalt, -welche dem Finanzministerium unterstellt ist, steht ein technisch -gebildeter Direktor. Als Vorsteher der einzelnen Abteilungen, sowie -zur Wahrnehmung der Kassen- und Rechnungsgeschäfte und der Kontrolle -sind 160 Beamte und 280 Meister und Meistergehülfen angestellt. Sehr zu -loben ist, dass die mächtige Anstalt nur auf die Bedürfnisse des Staats -beschränkt bleibt, obwohl es in Russland eher als in anderen Ländern zu -entschuldigen wäre, wenn sie Privaten Konkurrenz machte. - -[Sidenote: Verschiedene Firmen.] - -Die UNIVERSITÄTSBUCHDRUCKEREI wurde 1755 gegründet. 1871 beschäftigte -sie 16 Schnell- und viele Handpressen und ist reich mit orientalischen -Schriften versehen; das Vaterunser konnte in 325 Sprachen gesetzt -werden. Eine zweite orientalische Buchdruckerei, namentlich für -armenischen Druck bestimmt, errichtete 1836 JOACHIM LAZAREFF. Unter den -älteren Buchdruckereien nimmt die von J. J. GLASANOW (Oberbürgermeister, -wirklicher Staatsrat, Excellenz), welche bereits ihr hundertjähriges -Bestehen feierte, einen bedeutenden Platz ein, während unter den -jüngeren die von B. M. WOLFF hervorragend ist. Der kürzlich verstorbene -Wolff verband Verlagshandel mit Buchdruckerei und hat Verdienste -um die Verschönerung der russischen Schrift und der Anpassung der -Renaissance-Antiqua an diese. Eine bedeutende Accidenzdruckerei ist die -von GOLOWIN. ALEX. BENCKE liefert ebenfalls viele Accidenzarbeiten und -beschäftigt nur Nationalrussen. HERMANN HOPPE giebt das illustrierte -Journal, von ED. HOPPE gedruckt, heraus. Die Gesellschaft ALLGEMEINER -NUTZEN ist ein ausgedehntes Etablissement, besonders für Herausgabe -illustrierter Blätter. Bedeutende Schriftgiessereien sind die Filiale -von FLINSCH in Frankfurt a. M. (Franz Mark), REVILLON & CO. und O. -J. LEHMANN. Die lithographische Anstalt von A. ILJIN liefert gute -Landkarten. - -[Sidenote: Die Provinzen.] - -In MOSKAU wird die graphische Kunst in ziemlich umfangreicher Weise -geübt. Im Jahre 1881 bestanden 237 Offizinen, in welchen mit 202 -Buchdruck-, 147 Steindruck-Schnellpressen und 712 Tret- und Handpressen -gearbeitet wurde. Die Schriftgiessereien, unter welchen SELIWANOWSKI -bedeutend ist, arbeiteten mit 47 Giessmaschinen. Die bekannte -SYNODALBUCHDRUCKEREI (I, S. 279) erhielt eine neue und zweckmässige -Einrichtung. MOR. NEUBINGER druckt namentlich Wertpapiere. - -DORPAT hatte schon 1624 eine Offizin, MITAU 1774, ODESSA 1825. CHARKOW -mit seiner 1804 gegründeten Universität erhielt 1820 eine Druckerei. -In WARSCHAU sind namentlich H. & M. ORGELBRAND durch ihre hebräischen -Drucke bekannt. - -In den baltischen Provinzen erschienen 1871 22 deutsche, 7 esthnische -und 6 litauische Zeitungen und nur eine russische. - -Die armenische Typographie wurde namentlich in dem berühmten Kloster -ETZSCHMIAZIN bei Eriwan, der Hauptstadt Armeniens, gepflegt. Ein -zweiter Druckort ist NACHITSCHEWAN, wo 1794 unter anderem eine -Übersetzung von Fénelons _Télémaque_ erschien. TIFLIS hat mehrere -Offizinen. In der Herrnhuter-Kolonie SAREPTA befand sich seit dem Jahre -1763 eine unbedeutende Missionsdruckerei. ASTRACHAN erhielt zu Anfang -des Jahrhunderts, KASAN 1815 Offizinen. - -In den Gouvernementsstädten SIBIRIENS finden sich zwar Buchdruckereien, -jedoch primitivster Einrichtung, nur JEKATERINENBURG und IRKUTSK haben -gut versehene Offizinen. Die einzige offizielle Zeitung Sibiriens, -welche in Irkutsk erschien, wurde 1880 verboten. In SELENGINSK wurde auf -Veranlassung der Londoner Missionsgesellschaft die ganze Bibel 1834 in -mongolischer Sprache gedruckt. - -Die russischen Papierfabrikanten beschweren sich sehr über Mangel -an Lumpen, die namentlich nach England ausgeführt werden. Die -Kartenfabrikation ist ein Monopol der Regierung; die einzige Fabrik -liefert jährlich etwa sieben Millionen Spiele. - -[Sidenote: Statistisches.] - -Im Jahre 1874 hatte Russland 322 Buchhandlungen und die Zahl der -erschienenen Bücher betrug 2589. 1870 war der Wert der Büchereinfuhr -1153082 Rubel, von welcher Summe die Million auf Deutschland fiel, die -Ausfuhr bezifferte sich auf 83714 Rubel. - -Die Zahl der Zeitschriften ist eine verhältnismässig sehr geringe und -betrug 1881 nur 776, davon 80 in polnischer, 43 in finnischer, 39 in -schwedischer, 36 in deutscher, 13 in lettischer, 10 in esthnischer -Sprache und 26 in verschiedenen Idiomen. Es erscheinen von diesen -Zeitschriften 197 in St. Petersburg, 75 in Moskau, 79 in Warschau, 36 in -Helsingfors, 23 in Riga, 21 in Tiflis, 20 in Kiew, 19 in Odessa. - -[Sidenote: Zeitungswesen.] - -Die verbreitetste Zeitung (71000 Auflage) war der »Golos« (die -Stimme)[269], sie hatte so wenig wie die _Times_ eine bestimmte Tendenz, -aber ein ebenso feines Gehör für das, was kommen würde. »Die neue -Zeit«, ein chauvinistisches Slawenblatt (30000 Auflage) hatte etwas -an Verbreitung eingebüsst. Im Hetzen gegen Deutschland hatte es fast -den Sieg über die russische St. Petersburger Zeitung davongetragen, -wogegen die »Russische Wahrheit« einen gebildeten Ton anschlug. Auch -das »Gerücht« hielt sich von Chauvinismus frei. Die »Moskauer Zeitung« -hatte namentlich in Moskau selbst und in dem Lande südlich und östlich -von Moskau Geltung. - - [269] Die folgenden Angaben beziehen sich $auf das Jahr$ 1879. »Golos« - ist seitdem eingegangen. - -Die Regierung besass nur ein offizielles Organ, »Der Regierungsbote«. -Als offiziös konnten das _Journal de St. Pétersbourg_ und die _Agence -générale russe_ und im Auslande der Brüsseler _Le Nord_, allenfalls auch -der »Russische Invalide« gerechnet werden. Neben der russischen St. -Petersburger Zeitung existiert auch eine deutsche; beide gehören der -Akademie der Wissenschaften, welche sie verpachtet, und haben bereits -1877 ihr 150jähriges Jubiläum gefeiert. - -Die grossen Petersburger Zeitungen stehen zwar nicht unter -Präventiv-Zensur, müssen aber 5000 Rubel Kaution stellen. Sobald sie -ausschreiten, werden sie verwarnt und nochmaliges Verwarnen zieht -zeitweiliges oder auch vollständiges Verbot nach sich. In ausländischen -Angelegenheiten haben die grossen Blätter ziemlich freien Spielraum, und -sind selbst hinsichtlich der inneren bei weitem nicht so beengt, wie -man gewöhnlich annimmt. Der Ton gegen Deutschland ist bekanntlich im -allgemeinen voller Hass und zur Schau getragener Verachtung. - -Manche Städte von 10000 und mehr Einwohnern haben keine Zeitung, so dass -oft ein grosser Kreis oder ein Gouvernement ohne Organ ist. Mit welchen -Schwierigkeiten ein Zeitungsherausgeber oft zu kämpfen hat, mag daraus -erhellen, dass z. B. aus Neu-Tscherkask erst das Manuskript, dann die -Korrektur eines Blattes nach Moskau gesendet werden muss, womit zehn -Tage verloren gehen, dazu noch die Zeit für Satz und Druck. - - - DIE DONAULÄNDER. - -[Sidenote: Die jüngsten Staaten.] - -Wir wenden uns jetzt den jüngsten selbständig gewordenen Mitgliedern -des europäischen Staatenbundes zu, deren Bedeutung für die Presse -erst der Zukunft gehört. Mit der Erlangung des politischen -Selbstbestimmungsrechtes eines Volkes ist ja auch stets das Aufblühen -des geistigen Lebens verbunden gewesen, und ist die erste Gährung -überstanden, so ist es bei der Bildungsfähigkeit der betreffenden Völker -auch zu erwarten, dass sie eine angemessene Stellung auf dem Gebiete der -Presse einnehmen werden. Zu hoffen und zu wünschen bleibt, dass es nicht -deutschfeindlichen Einflüssen gelingen möge, nationale und geistige -Antipathien gegen germanische Kultur zu erregen, wodurch die Völker -selbst am meisten gegen ihre Unabhängigkeit und ihr geistiges Interesse -handeln würden. - -[Sidenote: Serbien.] - -SERBIEN[270]. Als die neue Ära in unserem Jahrhundert für Serbien -begann, standen das Volk, welches belehrt werden musste, und die -Geistlichkeit, welche belehren sollte, ziemlich auf derselben Stufe des -Wissens oder vielmehr der Unwissenheit. - - [270] F. KANITZ, Serbien. Leipzig 1868. - -Das erste Buch, welches in Serbien erschien, ist eine von dem -Woiwoden von Celat, Georg Cernojevi['c], 1493-1495 veranstaltete, mit -cyrillischen Lettern gedruckte Ausgabe des Psalters, welche Schafarik -den schönsten slawischen Druck nennt, wie überhaupt die Erzeugnisse der -südslawischen Pressen an innerem und äusserem Wert die ihnen um einige -Jahre vorausgegangenen Krakauer cyrillischen Drucke übertrafen. - -Doch dauerte dieser Glanz nicht lange und erlosch bereits im XVI. -Jahrhundert in den Kämpfen mit dem Halbmond. Von da ab versorgte -Russland die südslawischen Länder mit Kirchenbüchern, bis die eigene -Staatsdruckerei die Lieferung derselben übernehmen konnte. Ferner that -die englische Bibelgesellschaft manches für die Verbreitung des Neuen -Testaments, welches sie von dem bekannten Gelehrten Vuk übersetzen und -mit cyrillischen Lettern drucken liess. Auch andere Werke, namentlich -Übersetzungen, wurden in Österreich und Deutschland gedruckt. - -[Sidenote: Die Staatsdruckerei.] - -Die Grundlage zu der Staatsdruckerei war durch ein Geschenk des -Kaisers Nikolaus, bestehend in zwei Druckerpressen, 1830 gelegt. -Dieselben wurden zuerst in KRAGUJEVAC aufgestellt, um unter der Leitung -BERRMANNS aus Wien erst nur liturgische Bücher mit russischen Lettern -zu drucken. Im Jahre 1831 wurde die Druckerei vom Fürsten Milosch -nach BELGRAD verlegt und mit noch drei Handpressen, später mit zwei -König & Bauerschen Schnellpressen ausgestattet. Die Schriftgiesserei -wurde von dem Stuttgarter OCKENFUSS eingerichtet. Um den Typenschnitt -machten sich zwei andere Deutsche, SCHRÖPEL ([+] 1864) und dessen -Faktor WALTER aus Frankfurt, verdient. Nach 1864 traten zwei junge -in Deutschland ausgebildete Serben an die Spitze der Anstalt. Die -alt- und neuslawischen Typengattungen sind gut vertreten, auch -Musiknoten sind vorhanden und xylographische, galvanoplastische und -Stereotypie-Anstalten wurden eingerichtet. Im Jahre 1870 waren mehr -als 50 Setzer und Lehrlinge beschäftigt und zahlreiche Arbeiten -wurden sowohl für den Staat wie für Private ausgeführt, ausserdem die -Landeszeitung und mehrere andere Journale dort gedruckt. - -Um 1850 wurde auch die LITHOGRAPHIE durch einen Deutschen, BRAUMANN, -eingeführt. Karten, Pläne und andere chromographische Arbeiten wurden in -guter Ausstattung geliefert, auch die serbischen Postmarken sind sehr -gut gedruckt. - -[Sidenote: Die serbische Sprache.] - -Die serbische Sprache, die auch seit 1830 von den Kroaten als -Schriftsprache adoptiert wurde, wird von Kennern als reich, kurz, -energisch und melodiös geschildert. Der Linguist Vuk führt in seinem -Wörterbuch mehr als 62000 Wörter auf. Bis jetzt beschäftigte sich -die serbische Presse meist mit dem Druck von Lehrbüchern und mit -Übersetzungen, doch hat die Originallitteratur schon bedeutende Anfänge -aufzuweisen. Das 1838 vom Fürsten Milosch gegründete Lyceum wurde 1863 -Universität. 1841 gründete Fürst Michael die »Gesellschaft für serbische -Litteratur«, die ein Mittelpunkt der geistigen Bestrebungen wurde und -durch ihr Jahrbuch (Glasnik) viel wirkte. - -[Sidenote: Zeitungen.] - -Als Gründer der politischen Presse im europäischen Stil ist MILO[VS] -POPOVI['C] zu betrachten, der von 1841-1861 fast ununterbrochen die -offizielle Zeitung redigierte und dann im Verein mit Dr. Rosen eine -quasi offiziöse Zeitung gründete. Da diese die gelesenste von allen war -und trotzdem nur in 750 Exemplaren gedruckt wurde, so lässt sich ein -Schluss auf die Grösse des Lesepublikums der übrigen im Jahre 1866 in -Belgrad erschienenen Blätter ziehen. Mit dem Buchhandel ist es auch noch -nicht sonderlich bestellt. - -[Sidenote: Graphische Künste.] - -Auf dem Gebiete der vervielfältigenden Künste haben sich einige -Persönlichkeiten vorteilhaft bekannt gemacht. NATAL, BONIFACIJ und -MARTIN ROTA-KOLUNI['C] wirkten als Kupferstecher bereits im XVI. -Jahrhundert in Rom. Unter den zahlreichen Stichen des letzteren ist -namentlich »Das jüngste Gericht« bekannt. Zu Anfang unseres Jahrhunderts -gab JOSEPH MILOWUK Bildnisse berühmter Serben in Kupferstich heraus. -Sein Sohn machte einen Versuch mit einer illustrierten Zeitung in -Belgrad und suchte somit für den Holzschnitt in Serbien Bahn zu brechen; -doch war der Erfolg kein bedeutender. - -Um die Lithographie und die Photographie in Serbien erwarb sich die -meisten Verdienste NASTAS JOVANOVI['C]. Vom Fürsten Milosch nach Wien -gesandt, um dort die Kupferstecherkunst zu lernen, gründete er später -einen nationalen Kunstverlag, in welchem sich zahlreiche Blätter mit -historischen Vorwürfen befanden. In seinen Unternehmungen ward er von -Wiener Künstlern, namentlich von Vincenz Katzler, unterstützt. - - * * * * * - -[Sidenote: Rumänien.] - -RUMÄNIEN. Das Rumänische ist die Muttersprache von über zehn Millionen -Menschen, hat also für die Typographie der Zukunft eine nicht geringe -Bedeutung. Es wird nicht allein in Rumänien gesprochen, sondern ist -auch in den östlichen Teilen Ungarns, im Banat und in Siebenbürgen, -in Bessarabien, Podolien und in der Bukowina verbreitet. Von manchem -wird die rumänische Sprache irrtümlich für eine slawische gehalten; -sie stammt jedoch aus dem Lateinischen und schliesst sich ziemlich -eng an das Italienische an, erscheint deshalb auch den Bewohnern der -eigentlichen Kulturländer Europas nicht so fremdartig als die slawischen -Idiome. - -Die dortige Typographie befindet sich schon im raschen Aufblühen. -Bereits in der Mitte der siebenziger Jahre unseres Jahrhunderts -befanden sich in Rumänien in zwölf Städten verteilt 34 Buchdruckereien -mit 217 Gehülfen und 117 Lehrlingen. Von diesen kamen auf Bukarest -zwölf Druckereien mit 138 Gehülfen, 108 Lehrlingen, 27 Maschinen -und 11 Handpressen. Die Regierung ist sehr um die Einführung der -Papierfabrikation bemüht. Für das Interesse, welches in diesem jungen, -der Kultur zugeführten Staat für die Typographie herrscht, spricht das -Erscheinen zweier Fachzeitschriften. - - * * * * * - -[Sidenote: Bulgarien.] - -BULGARIEN. Diese jüngste Staatenschöpfung in Europa hat -begreiflicherweise noch zu sehr mit den notwendigen Existenzfragen -zu kämpfen, um auf dem Gebiete der Presse schon wesentliches leisten -zu können. Erst kommen, wie überall, die Zeitschriften und die -Unterrichtsbücher. Seit 1824 liessen bulgarische Emigranten zahlreiche -Schul- und kirchliche Bücher im Auslande drucken und Druckereien wurden -1870 in Salonik und Smyrna zu diesem Zwecke begründet. Ein Journal -_Ljuboslovic_ erschien bereits in den Jahren 1844-1846 in Smyrna. Die -erste in Bulgarien in der Landessprache erschienene Zeitung war 1849 -_Czarigradskij Vestnik_, sie fand jedoch keine grosse Verbreitung -und ging 1861 ein. Ein in Odessa herausgegebenes Blatt _Mirozrenie_ -wurde, obwohl politisch ganz harmlos, verboten. 1879 erschienen in -Konstantinopel und Rumänien 14 bulgarische Zeitschriften. - -SOFIA hat jetzt sechs Zeitungen aufzuweisen, unter welchen das -wöchentlich erscheinende Regierungsblatt. Die in deutscher Sprache -erscheinende »Bulgarische Korrespondenz« ist zur Aufklärung des -Auslandes bestimmt. Unter den Zeitungen befindet sich auch eine -illustrierte, _Bolgarskaya Illywstratsiya_. RUSTSCHUCK hat zwei -Journale, unter welchen das oppositionelle _Bolgarin_ die stärkste -Verbreitung hat. In SISTOWA, TIRNOWA, PHILIPPOPEL und SLIWNIA giebt es -je eine Zeitung. - - - GRIECHENLAND. - -[Sidenote: Griechenland.] - -Griechenland war eines der letzten Länder, nicht nur in Europa, in -welchem die Buchdruckerkunst ein festes Heim fand. - -Unter der Herrschaft der Türken hatte sich nur ab und zu eine wandernde -Druckerei eingefunden, um rasch wieder zu verschwinden, eine bleibende -Stätte für die Typographie gab es nicht. Die notwendigsten liturgischen, -daneben einige wenige Unterrichtsbücher wurden bei NIKOLAS GLYKY in -Venedig, einige auch in Wien und Paris gedruckt. - -Der Errichtung zweier Offizinen auf den jonischen Inseln durch General -Bonaparte wurde bereits (S. 172) gedacht. Zu Anfang des Jahrhunderts -fanden schwache Versuche zur Gründung griechischer Zeitungen in -Konstantinopel, Smyrna und Bukarest statt. Auszüge aus der heiligen -Schrift in neugriechischer Sprache liess 1817 der Missionär Wilson -auf Corfu drucken. 1818 folgte dort eine politische Zeitschrift in -italienischer und neugriechischer Sprache. Bereits früher hatte der -Missionär Lowndes eine albanesische Bibel, wahrscheinlich das erste -gedruckte Buch in albanesischer Sprache, dort ausführen lassen. - -[Sidenote: Der Freiheitskampf.] - -Als 1821 der Freiheitskampf der Griechen überall in Europa die -grösste Teilnahme erweckte, und die Bildung der philhellenischen -Vereine veranlasste, fassten letztere auch die Beschaffung einer -griechischen Druckoffizin ins Auge. Firmin Ambroise Didot, ein -eifriger Griechenfreund, schenkte Griechenland eine vollständige -Druckerei-Einrichtung (S. 180), die in NAUPLIA ihre Stätte fand. -MISSOLUNGHI erhielt eine Offizin durch Lord Byron, und Lord Stanhope -brachte eine solche nach ATHEN; ausserdem erhielten KORINTH, PATRAS, -HYDRA, CHIOS und AEGINA Pressen. Auf Aegina erschien während der -Präsidentschaft des Grafen Capo d'Istria das Regierungsblatt -»Ephemeriden«; auf Hydra »Der Freund des Gesetzes«, in Missolunghi die -»Hellenische Chronik«, in Korinth die »Trompete von Hellas«. - -[Sidenote: Regierung König Ottos.] - -Als König Otto 1833 nach Griechenland kam, war der Zustand der -Druckereien, zu denen inzwischen noch einige lithographische Anstalten -gekommen waren, ein so kläglicher, dass es nicht einmal möglich war, -die notwendigsten Regierungsarbeiten alle im Lande auszuführen. Unter -den mit dem Könige angekommenen bayrischen Soldaten befanden sich 11 -Buchdrucker, 7 Lithographen und 13 Papiermacher, die nun bessere Dienste -leisten konnten, als die Muskete tragen; von G. Jacquet in München -war auch noch eine Druckerei-Einrichtung gesandt worden. In Athen -wurde das, noch 1870 dreimal wöchentlich erscheinende »Jahrhundert« -gegründet. »Der Erlöser« erschien zweimal wöchentlich in italienischer -und neugriechischer Sprache. 1834 gründete die Amerikanisch-Englische -Gesellschaft zur Verbreitung religiöser Ansichten eine gut eingerichtete -Buchdruckerei, die viele Schulbücher, an welchen Griechenland noch sehr -arm war, lieferte[271]. - -Ein organisierter Buchhandel[271] existierte natürlich noch nicht. Auch -hier waren es, wie an so manchen Orten, Deutsche, denen die Aufgabe -zufiel, in diesen Ordnung zu bringen, in welcher Hinsicht der am 27. -Juli 1882 verstorbene Buchhändler und deutsche Konsul KARL WILBERG durch -seine seit 1827 bestehende, vortrefflich organisierte Buchhandlung -sich besondere Verdienste erwarb. Die deutsche wissenschaftliche -Litteratur hat Wilberg viel zu verdanken, denn er trug nicht allein zur -Verbreitung ihrer Erzeugnisse ausserordentlich bei, sondern stand auch -den in Griechenland reisenden Forschern mit Rat und That zur Seite. - - [271] COROMILAS, DEM., _Catalogue des livres publiés en Grèce. - L'Exposition Vienne 1873._ - -[Sidenote: Aufblühen der Presse.] - -Bis 1837 gab es kein Pressgesetz. 1843 wurde durch die Verfassung -vollkommene Pressfreiheit garantiert, diese jedoch trotzdem 1850 sehr -beschränkt, bis die Presse nach der Thronbesteigung König Georgs 1863 -wieder ganz frei wurde. 1873 erschienen 152 Journale, davon 74 in Athen, -und das litterarische Leben ist in raschem Aufblühen begriffen. Eine -illustrierte griechische Zeitung _Hesperos_, herausgegeben von Dr. J. -Pervanoglou, wird in Leipzig (bei W. Drugulin) gedruckt. - -Bevor in Griechenland das Licht der Kultur, welches einst über dessen -glückliche Gefilde so herrlich leuchtete, vollständig erlosch, um einer -tiefen, wie es schien ewigen, Finsternis Platz zu machen, hatte es -jedoch den »Barbaren« seine unvergleichlichen Geisteswerke hinterlassen, -die so vieles dazu beitrugen, bei letzteren die Aufklärung zu verbreiten -und der Buchdruckerkunst den Weg zu ebnen. - -Der »Barbar« Gutenberg glich die Rechnung mit Griechenland aus, -indem er ihm seine äusserlich unscheinbare, aber in ihren Wirkungen -unvergängliche und unvergleichliche Erfindung als Entgelt brachte. Mit -dieser erhielt Griechenland, wie jedes Land des Erdkreises, für immer -die Gewähr, dass es nicht zum zweitenmal der geistigen Verkümmerung und -Finsternis anheimfallen könne. Und so mögen die folgenden, dem Denkmal -im Hofe »Zum Gutenberg« entlehnten Zeilen hier statt eines Kolophons -stehen. - - _Was einst Pallas Athene dem griechischen Forscher verhüllte, - Fand der denkende Fleiss deines Gebornen, o Mainz! - Völker sprechen zu Völkern, sie tauschen die Schätze des Wissens; - Mütterlich sorgsam bewahrt, mehrt sie die göttliche Kunst; - Sterblich war einst der Ruhm; SIE gab ihm unendliche Dauer, - Trägt ihn von Pol zu Pole, lockend durch Thaten zur That; - Nimmer verdunkelt der Trug die ewige Sonne der Wahrheit, - Schirmend schwebt ihr die Kunst, Wolken verscheuchend, voran. - Wandrer, hier segne den Edlen, dem so viel Grosses gelungen, - Jedes nützliche Werk ist ihm ein Denkmal des Ruhms._ - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - A. NAMEN- UND SACHREGISTER. - - Åbo S. 452. - Accidenzdruck in Amerika 125. - -- in Berlin 368. - -- in England 91. 105. - Ackermann, A., 337. - Ackermann, Rud., 94. - Adam, Isaak, 62. - Adams, Jos., 123. - Adelaide 112. - Adler, C., 376. - Adler, G., 350. - Adlers Erben 375. - Adrian, F. R., 187. - Ägina 463. - Ägypten, das alte, 339. - »Ägypten« von Ebers 389. - Ägypten, Felddruckerei in, 172. - Ägyptologie, die, 340. - Afrika 113. - _Age_ 112. - _Agence Havas_ 199. - d'Agincourt, _L'hist. de l'art_ 186. - Agram 437. - Aguado, Juan, 245. - Aichele & Bachmann 314. - Akademische Buchdr., Berlin 366. - Akadem. Buchdr. in München 394. - Alauzet, P., 158. - Albamra, G., 245. - Albert, J., 396. - Albert & Hamm 316. - Albertotypie, die, 16. 396. - Albrecht, C., 437. - Albrecht & Meister 371. - _Album typogr. de l'impr. Royale_ 176. - Alden, Thim., und H. W., 42. - Algier 248. - Allen, Ed., 35. - Allendorf a. d. Werra 400. - »Allgemeiner Nutzen« 456. - Allgeyer, Jul., 397. - Allier Père & fils 202. - _Alphabeticum Tibetanum_ 234. - Altenburg in S.-A. 350. - Amand, G. L. A., 227. - Amelang, C. F., 367. - Amherst, Lord, 107. - Amsler & Ruthardt 372. - Amsterdam 227. - Amyot, P. F., 210. - Anastatischer Druck 11. - Anderson, Alex., 123. - Andreæ, J., 288. - André, Joh., 401. - Andrew Best & Leloir 204. - Angeli und Sohn 243. - Anger, J., 316. - Angerer & Göschl 434. - _Anglaise_ 146. - Anisson-Duperon, E. A. J., 171. 172. - Anleger, mechanischer, 68. - _Annual Register_ 55. - _Annuaire-Almanach du Comm._ 181. - Ansbach 399. - Antananarivo 113. - Antiqua u. Fraktur i. Deutschl. 255. - -- in Skandinavien 450. - Antiquariatsgeschäft i. London 100. - Antwerpen 232. - Appel, F. A., 207. - Appel, R., 11. - Applegath & Cowper 60. - Appleton, D., & Co., 130. - Aquarelldruck 10. - Arbeitsweise, deutsche, 257. - -- englische, 90. - -- französische, 140. - Archimowitz, Th., 293. - _Archives des découvertes_ 186. - _Argus_ 112. - Arnold, E., 350. - Arnz & Co. 379. - _L'art pour tous_ 156. 208. - Arundel, Lord Th. H., 103. - _Arundel Society_ 371. - Aschersleben 353. - Asher & Co. 372. - Ashley, J. F., 68. - Asnières 207. - Aspern van der Velde 227. - Asser 16. - Assignatendruck in Frankreich 172. - Astrachan 457. - Athen 463. - Athenäum 436. - Attaignant, P., 324. - Auer, Alois, 422. - Auers »Endlose« 424. - Augsburg 398. - Augsb. »Allgemeine Zeitung« 398. - »Augsburg«, Maschinenfabrik, 313. - Auroras Triumphzug 377. - Ausleger, mechanischer, 68. - Austin, Stephan, 84. - _Australian Register_ 112. - Australien 112. - Autotypie 397. - Ava 109. - - Baader & Co. 402. - Bachelin-Deflorenne 216. - Bachelier, A. L. J., 210. - Bachem, J. P., 380. - Bachmann, J. H. F., 285. - Badoureau, B., 156. - Bädeker, Familie, 329. 379. - Baensch jun., E., 354. - Bär & Hermann 347. - Bärentzen & Co. 448. - Bagel, A., 329. - Bagelaer, E. W. J., 228. - Bagster, Sam, & Sons 97. - Baillère, J. B., 209. - Bailleul 200. - Baily, M., 67. - Balantyne, John, 82. - Baley, Benj., 107. - Ballard, Rob., 325. - Banknotendruck in Amerika 125. - -- Deutschland 370. - -- England 91. - -- Russland 454. - Barba, G., 212. - Barbera, G., 242. - Barbou, Familie, 186. - Barcelona 245. - Barth, J. Aug., 372. - Barth, Joh. Ambr., 348. - Barth, W. A., 338. - Bartholomäus, Fr., 353. - Basel 406. - Baskerville, John, 73. - Bastide 249. - Batavia 109. - Bate 208. - Batenberg & Majeur 150. - Baudoin, A., 210. - Baudoin 159. - Baudry, J., 208. - Baudry _Collection_, 212. - Bauer, A. F., 54. 308. - Bauer, Bonitas-, 399. - Bauer, J. C., 289. - Baumann, G. E., 319. - Baumann, L., 379. - Baumgärtner, J., 17. 349. - Baurkeller 17. - Bautzen 350. - Baxter, George, 80. - Beaumarchais, P., 74. 184. 402. - Beck, Hofrat, 426. - _Behring Manufacturing Comp._ 42. - Belgrad 459. - Belin, Eug., 211. - Belin-Mandar 212. - Bellmann, C., 432. - Bellow, John, 84. - Benares 106. - Bencke, Alex., 456. - Benedict, J. C., 347. - Benkulen 109. - Bensley, Th., 54. 77. - Bentley, Richard, 98. - _Bents Advertiser_ 94. - Benziger, Gebr., 130. 411. - Bequet & fils 207. - Béranger, P. J., 176. - Berg, Adam, 325. - Bergen, G., 349. - Berger-Levrault, Familie, 186. 403. - Berlin 357. - Berling, C. G., 450. - Berling, Familie, 443. - Bern 411. - Bernhardt, G., 316. - Berrmann 459. - Berthold, H., 286. - Bertram, O., 353. - Besley, R., & Co., 32. 91. - Bestehorn, H. B., 353. - Bette, Paul, 372. - Bewick, Th. und J., 79. - Beyerhauss 285. - _Bhâgavata Pûrana_ 176. - Bibeldruck in Amerika 129. - -- in England 99. - -- in Halle 353. - _Bible Encyclopædia_ 129. - _Bible pictorial_ 95. - _Bibliographie de la France_ 194. - Bibliophilie 101. 214. - _Bibliotheca Japonica_ 111. - _Bibliothèque Elzévirienne_ 216. - _Bibliothèque grecque_ 181. - _Bibliothèque latine-française_ 181. - Bieling, G., 398. - Binger, Gebr., 227. - Binney & Rolandson 33. 38. - _Biographie générale_ 181. - _Biographie médicale_ 185. - Bixio, J. A., 210. - Black, Familie, 82. - Blackie, W. C., & Co. 83. - Blackwood, Familie, 83. - _Blackwood-Magazine_ 83. - Blades, William, 97. - Blades, East & Blades 97. - Blätter, Fliegende, 299. - Blätter, illustrierte, in Deutschl. 267. - Blake, Stephenson & Co. 30. - Bleuler, Hausheer & Co. 410. - Blindendruck 155. 426. - Blochmann, E., & Sohn 350. - Bobard, C., 353. - Bode, J. J. C., 375. - Bodenheim & Co. 400. - Bodmer 396. - Bodoni, J. B., 233. - Bodoni, _Manuale tipographico_ 236. - Bodoni, Schriften 236. - Böhlau, H., 351. - Böhme & Fränkel 371. - Börsenhalle, Neue, 376. - Börsenverein 266. - _Bohemia_ 290. - Bohn, H. G., 100. - Bohns _Guinea-Catalogue_ 100. - Bohn, Fassbender & Herber 315. - Boieldieu & Fils 160. - Bolhövener, C., 397. - Bombay 107. - Bona 242. - _Bona fide Dictionary_ 84. - Bond & Forster 66. - Bonifacij, N., 460. - Bonn 379. - Bonnet & Co., 160. - Bonnier, Ad., 452. - Bonz, Ad., 387. - _Bookseller, American_, 122. - _Book Trade Association, Americ._, 127. - Boomer & Borchert 69. - _Border-Press_ 82. - Borzino, Ulysses, 241. - Bosnien 437. - Bossange, Familie, 218. - Botta Nachfolger 243. - Bourdillat 204. - Bourdin, E., 203. - Bowyer, Vater und Sohn 74. - Brackelsberg, E. W., 295. - Bramahs Hydr. Presse 53. - Brandt, L., 39. 295. - Braumüller, W. v., 111. - Braun, Ad., 402. - Braun, Kaspar, 299. 395. - Braunsche Hofbuchdr. 401. - Braun & Schneider 395. - Braunschweig 354. - Breidt, J. E., 320. - Breitkopf, J. G. I. - Geburt 321. - Breitkopf und die Fraktur 322. - Der Musiknotendruck 323. - Landkartendruck 326. - Satz figürl. Gegenstände 327. - Chinesische Schrift 327. - Schriftgiesserei 328. - Sittliche Reformen 328. - Schriftstellerische Arbeiten 329. - Tod 329. - Breitkopf & Härtel 330. - Bremen 378. - Brend'amour, R., 300. - Brendler & Harler 291. - Breslau 372. - Breton, E., 213. - Brevière 204. - Briard, St., 324. - Bridel, G., 412. - Bridgewater, Lord F. E., 102. - Brill, E. J., Leyden 226. 228. - _British and foreign Bible Society_ 99. - Brockhaus, Familie. - Fr. Arn. Brockhaus 332. - Etablissement in Holland 332. - Altenburg 332. - Konversations-Lexikon 332. - Druckerei 333. - Die Schnellpresse 333. - Verlag 335. - Tod 335. - Brockhaus, Fr., 335. - -- Heinr., 335. - Brockhaus, Eduard u. Rudolf, 336. - Brockmann, F. O., 350. - Bronciermaschine 70. - Brougham, Lord Henry, 102. - Bruce, Familie, 34. 39. - Bruckmann, Fr., 15. 397. - Brückner, W., & Co. 350. - Brügel & Sohn 399. - Brüssel 232. - Brunet, Jacq. Charles, 217. - Brunn, E. C., 314. 379. - Brünn 432. - Brunner, G., 398. - Bruylant-Christophe 232. - Buchbinderkunst, Deutschl. 278. - -- in England 103. - -- in Frankreich 161. - Buchdruckerei für Politik 432. - Buchdrucker-Organe i. Dtschl. 274. - Buchdrucker-Verein, Deutsch., 272. - Buchdrucker-Verein in Wien 429 - Bücher-Kommission, Kaiserl., 262. - Bücherproduktion in Amerika 127. - -- in Belgien 230. - -- in Deutschland 275. - -- in England 92. - -- in Frankreich 219. - -- in Japan 111. - -- in Indien 108. - Bücherverbote in Österreich 414. - Buchhandel in Amerika 126. - -- in Deutschld. um 1750 265. - -- in England 92. - -- in Berlin 370. - Buchheftmaschine 70. - Buchholz 350. - Buda-Pest 436. - Buenos Aires 248. - _Bureau of engraving_ 125. - Bürckner, Hugo, 300. - Bürger, R., 350. - Büxenstein, W., 292. 367. 368. - Bulgarien, Zeitungswesen 462. - Bulmer, William, 76. - Bullock, Will., 64. - Bure, Fr. de, 190. - Burger, G. & Co., 437. - Burkart, W., 432. - Burr, H. A., 42. - Buschak & Irrgang 432. - Busse 370. - - Caën 202. - Caillaud, _Voyage à Thèbes_, 176. - Calcutta 106. - Calverley, J., 64. - Cambridge 81. - _Camera obscura_ 12. - Camlachie 31. - Campbell, Andr., 66. - Canstein, C. H. v., 353. - Canton 109. - Capkolonie 113. - Capoulaud frères 202. - Cardon 150. - Carey, Dr., 106. - Carey, J., 412. - Carez, J., 152. - Carlos, A. de, 245. - _Carmen Arabicum_ 338. - Cartlich, Elisabeth, 29. - Caslon, Familie, 29. - Cassel 400. - Cassell, Petter & Co. 97. - Castaldi, Panfilo, 239. - Castermann, H., & Co. 232. - Catherwood, J. J., 30. - Catherwood, N., 29. - Cauderon & Co. 160. - Caxtonfeier 91. - Cazin, Martin, 188. - Cellarina 405. - Celluloïd-Clichés 154. - _Cenniniana, Typografia_ 242. - Central-Buchdr. in Stockholm 451. - Central-Schulb.-Verl. München, 19. - _Cercle de la librairie_ 141. 194. 220. - Ceylon 108. - Chaix, A. N., 41. 198. - Chambers Brothers & Co. 70. - Chambers, W. und R., 83. - _Chambers Journal_ 83. - Chamerot, G., 183. 201. - Channay, J. de, 324. - Chardon 207. - Charkow 456. - Charpentier, G., 212. - Charton 204. - Chemitypie 18. 444. - Chemnitz 350. - Cherokesen-Schrift 35. - Chevalier & Dreyfus 160. - Chévet, J., 207. - _Chicago Times_ 120. - Child, G. W., 118. - China 109. - Chinesische Schrift 327. - Chios 463. - Chirio & Mina 242. - _Chiswick-Press_ 78. - Christern, F. W., 134. - Christiania 449. - Chodowiecki, D., 296. - Christmann, J. R., 187. - Chromolithographie i. Amerika 132. - -- in Berlin 370. - -- in Frankreich 206. - -- in Hamburg-Wandsb. 376. - -- in München 397. - -- in Wien 434. - »Chronik d. sächs. Königsh.« 340. - Church 41. - Civelli 241. 243. - _Clarendon-Press_ 32. 81. - _Clarkson Life of W. Penn_ 55. - Clay, C. J., 82. - Clay, John, 41. - Claye, Jul., 198. - Clichés, segmentförmige, 65. - Closs, Ad., 300. 390. - Clowes 95. - Clowes, E. A., & John Baley, 70. - Clymer, John, 51. - _Codex Bibliorum Sinaiticus_ 345. - Cogger, J., 51. - Colburn, Henry, 98. - Collas, Achille, 208. - _Collection d'Artois_ 178. - _Collection of British Authors_ 92. - Collin, A., & Co. 211. - Colmar 358. 402. - Colombo 109. - Colportageromane 271. - _Common Prayer Book_ 73. - _Compound Printing_ 80. - Concordanz v. Fürst 338. - Congreve, Will., 80. - Congrevedruck 80. - Conner, J. 34. - Cook & Ingram 95. - Conisbee & Son 67. - Constable, Arch. 82. - Constantinopel 250. - Cope, J. 52. - Copier-Farbe 320. - Corréard jeune 210. - McCorquodale & Co. 91. - Costá, da, Familie 246. - Cotta, Familie. - Joh. Fr. Cotta 384. - Übersiedlung n. Stuttgart 385. - Cottas Thätigkeit 385. - Lit. Art. Anst. in München 386. - Georg von Cotta 386. - Änderungen im Geschäft 386. - Prachtausgaben 387. - Cotta-Kröner-Druckerei 388. - Cotta-Druckerei i. München 391. - Cotterell, T., 30. - Cotym 107. - _Courrier de l'Égypte_ 173. - Couvertmaschine 71. - Cowper, E., 57. - Crapelet, Charles 188. - Crapelet, G. A., 189. - Chemnitz, M. 207. - Crété fils 200. - Creuzbauer, W., 401. - Crewe 47. - Crosmer 150. - Cruikshank, George, 96. - Cuba 248. - Curmer, Léon, 204. - _Cyclopædia, the Penny_ 95. - -- _of English litterature_ 83. - Cypern 251. - _Czas_-Offizin 432. - Czéh, S., 437. - - Daguerre, Louis, 12. - Daguerreotypie 12. - Dahl, Johann, 449. - _Daily Graphic_ 123. - _Daily-News_-Offizin 61. - _Daily Universal Register_ 85. - Dalloz, P., 201. - Danel, L., 201. - Dannheimer, Tob., 398. - _Dantino_ 240. - Danzig 374. - Darmstadt 400. - Daulé 153. - David, C., 366. - Davy 12. - Dechamps 150. - Decker, Familie. - Joh. Jakob I. Decker 358. - Heinrich I. Decker 358. - Joh. Jakob II. Decker 358. - Heinrich II. Decker, 358. - Georg Jakob I. Decker 358. - Georg Jakob II. Decker 361. - Carl Gustav Decker 362. - Rudolf Decker 362. - Schriftgiesserei 285. - Einführung d. Schnellpresse 308. - Die Reichsdruckerei 369. - Decker, V., in Posen. 361. - Decker, Witwe, in Colmar 402. - Degen, J. V., 421. - Degener & Weiler 67. - Dejussieu 210. - Delafond 176. - Delagrave, Ch., 211. - Delahaye, L., 210. - Delalain, J. A. u. A. H., 186. - Delane, J. A., 86. - Delbanco, O. H., 448. - Delcambre, A., 41. - Delloye, H., 203. - Dembour, A., 17. 155. - Dennig, Fink & Co. 388. - _Denons Voyage en Égypte_ 178. - Dentu, J. G. und G., 188. - Derriey, Charles, 148. - Derriey, J., 159. - Deschler, J., 395. - _Description de l'Égypte_ 173. - Deslandes, V., 247. - Desoër, Th., 191. - Dessain, M. H., 231. - Dessauer, v., 395. - Detmold 378. - Deutsch, M., 437. - Deutsches Element in Amerika 132. - Devrient, Alfonse, 346. - Dibdin, Thom. Frognall, 102. - Dibdins Prachtwerke 77. - _Dictionn. de la conversation_ 181. - _Dictionn. des sciences médicales_ 185. - Didot, Familie. - François Didot 178. - Ambr. François Didot 178. - Pierre François Didot 178. - Pierre Didot 152. 178. - Jules Didot 179. - Firmin Didot 152. 179. - Henry Didot 180. - Didot Saint-Léger 180. - Ambroise Firmin Didot 145. 180. - Hyacinthe Didot 180. - Alfred Firmin Didot 183. - Paul Firmin Didot 183. - Didots polyamatype Giesserei 180. - Diederich & Co. 376. - Dietrich, R. H., 350. - Dingler, Chr., 316. - Direkt. d. Buchdr. i. Frankreich 165. - Dondorf, B., 399. - Donnison & Son 66. - _Doomsday Book_ 32. - Dooselaere, I. S. van, 231. - Doré, Gustav, Die Bibel 196. - Dorn, J. B., 399. - Dornach 402. - Dorpat 456. - Dresden 349. - »Dresdner Galerie« 396. - Dresler & Rostfingerlin 288. - Drewsen, Familie, 447. - Druckerviertel, das, in London 96. - Drugulin, W., 339. - Drury, J. J., 29. - Dubochet, J. J., 203. - Duboy-Laverne 172. - Ducher & Co. 208. - Duckett, W., _Dict. de la convers._ 211. - Ducroq, P., 211. - Dufours Generalk. d. Schweiz 410. - Dulos 155. - Dumaine 201. 210. - Dümmlers Verlag 372. - Du Mont-Schauberg, Familie, 380. - Dürr, Alf., 349. - Dürr, O., 347. - Düsseldorf 379. - Duncan & Wilson 65. - Duncker, Alex., 371. - Duncker & Humblot 372. - Dunod 208. - Dupont, Paul, 197. - Dupuy, J. F., 207. - Dupuy, Th., 159. - Dussarrat, A., 359. - Dutartre, A. B., 158. - Duverger, Eugen, 148. - - Earhart, J. F., 125. - Ebner, J., 393. - Ebner & Seubert 392. - Eckmansson, J. S., 450. - Edelmann, Alex., 347. - Edinburgh 82. - _Edinburgh Cyclopædia_ 83. - _Edition Peters_ 348. - Edler & Krische 378. - Effenbart, H. G., 374. - Ehlert, H., 286. - Eickhoff, J. G. A., 447. - Einsiedeln 411. - Eisenbahnbuchhandlung 92. - Ektypographie 17. - Elberfeld 379. - Elers, H. J., 353. - A. Emmerling & Sohn 401. - _Encyclopædia Americana_ 130. - _Encyclopædia Britannica_ 82. - _Encyclopédie des gens du monde_ 186. - _Encyclop. hist. naturelle_ 181. - _Encyclopédie méthodique_ 185. - _Encyclopédie moderne_ 180. - »Endlose« - Wer ist der Erfinder? 63. - Bullock, W., 64. - Walter 64. - Victoria 65. - Prestonian 66. - Northumbrian 66. - Whitefriars 66. - Campbell 66. - Ingram 66. - Farbendruck 67. - König & Bauer 313. - Augsburg 313. - Hummel 314. - Auersche Versuche 424. - Engel, H., & Sohn 429. - Engelhardt, A. Th., 347. - Engelhard-Rheyer 352. - Engelhorn, J., 391. - Engelmann, G. und J., 206. - Engelmann, W., 348. - England, I. W., 122. - Enschedé, I., & Zoonen 226. 227. - Entlicher, Fr., 426. - _Epithalamia exot. linguis redd._ 234. - Erfurt 353. - Erhard, W., 17. - Erhard (Schieble) 207. - Ernst & Korn 371. - Essen 379. - Esslingen 393. - Ettinghausen, _Physiotyp. plant._ 424. - Etzschmiazin 456. - Eurich, A., 433. - _Evang. Knowledge Society_ 129. - _Évangiles, les_ (Hachette) 214. - Evérat 150. 204. - _Expédition en Égypte_ 186. - Exter, Fr. v., 302. - - Faber, Gebr., 354. - Färinseln 448. - Fairlamb 53. - Faithfull, Emily, 90. - Falk, S. v., 436. - Falkenberg & Co. 288. - Falzmaschinen 70. - Farbeauftragmaschinen 317. - Farbendruck, photographischer 16. - Farbenfabrikation in England 72. - -- in Frankreich 160. - -- in Deutschland 319. - Farbensteine 10. - Farbensurrogate 320. - Farsky, J., 432. - Fasol, C., 304. - Faulmann, Carl, 291. - Feldbibliothek Napoleons 165. - Felt 42. - Feltre 239. - Ferslew & Co. 443. - Fétis, _Biogr. univ. des musiciens_ 181. - Feuchtapparate, mechanische 70. - Fidschi-Inseln 113. - Figins, V., Familie 30. 31. - Firdusi, _livre des rois_ 176. - Fischbach, G., 403. - Fischer, C. G., 43. 295. - Fischer, Th., 400. - Fischer, Naumann & Co. 320. - Fischer & Wittig 347. - Fisher, Henry, 94. - Flegel, J. G., 300. - Fleming & Co. 72. - Flemming, C., 373. - Flinsch, H. 289. - _Flore médicale_ 185. - Florenz 242. - _Fonderie générale_ 150. 183. - Fontanet, J., 245. - _Forget me not_ 94. - Forsaith, S. C., & Co. 70. - Forster 50. - Foucher 159. - Fouret, R., 213. - Fournier le jeune 147. - Fournier, Henri, 197. - Fraktur u. Antiqua 282. 283. 322. - Franckh, F. G., 388. - Frankfurt a. M. 399. - Frankfurt a. d. O. 373. - Franklin-Gesellschaft 436. - Fraser, A., 42. - Frauenarbeit 90. 368. - Freetown 113. - Freiburg i. Br. 402. - Frenckell, J. C., 452. - Frey & Sening 320. - Freycinet, _Voyage_ 176. - Friderichs, R. L., 379. - Friedländer, R., 350. - Fries, H. A. F., 445. - Fromme, C., 430. - Fry, Edm., 32. - Fuchs, O. O., 316. - Fuchs, Ign., 432. - Furne, Ch., 202. - Furnival & Co. 69. 71. - Furrer, H., 410. - Fürstenau 350. - Fürth 398. - Fyens Stiftsbuchdruckerei 444. - - Gaber 300. - _Gabriel, the Outcast_ 85. - Gadow & Sohn 351. - Gädicke 293. - _Galerie historique de Versailles_ 208. - St. Gallen 410. - Galvanoplastik 294. - Gando 147. - Gardano, Familie, 325. - Garrigues, R., 134. - Gaspar & Roy 245. - Gavard, J., 208. - Gaubert, E. R., 41. - Gaume frères 211. - Gauthier-Villars 200. - Gaveaux, A. Y., 159. - Gebauersche Buchdr. 354. - Gehülfen-Verein 273. - Geibel, Steph., 351. - Geiger, J. H., 402. - Gelder, van, & Zoonen 228. - Genet, E., 324. - Genf 412. - Gengembre 152. - Genossenschaft, Lith., 410. - Genou 153. - Genzsch & Heyse 284. - Georgi, C. H., 379. - Gera 351. - Gerhard, Fr., 134. - Gerhard, R., 317. - Gerold, Familie, 420. - Gerold, Carl, 371. - Gesellschaft f. vervielf. Kunst 428. - -- photographische, 372. - Gesellschaftsinseln 113. - Gewerbehalle, die, 392. - Giesecke & Devrient. - Wachsen des Etablissements 344. - _Codex Sinaiticus_ 344. - Giesecke, Hermann, 344. - _Papyros Ebers_ 345. - A. Devrients Tod 345. - Gilbers, G., 350. - Gilbert & Rivington 32. - Gills Patent 69. - Gillot, F., 155. - Gillotage 155. - Girardet 18. - Gisch, K., 295. - Gistel, G., 429. - Glätten, heisses, 69. - Glasanow 456. - Gleerup, C. W., 452. - Gleissner 350. - Glogau 373. - Gloucester 84. - Glycky, Nik., 462. - Gobrecht, Chr., 208. - Godchaux, Aug., 159. - Godolphin, Lord, 81. - Godthaab 448. - Goebel, Th., 356. - Göschen, J. G., 330. - Göttingen 379. - Golowin 456. - Goodall & Sons 71. 105. - Gordon 67. - Gosselin, Ch., 212. - Goupil & Co. 15. 207. 372. - Gotha 352. - Gotthelft, Gebr., 410. - _Graphic, The_, 95. - Grass, Familie, 372. - Grass, Barth & Co. 372. - Grassmann, R., 375. - Graz 432. - Greeley, Horace, 117. - Grefe, C., 434. - Gregr, Ed., 432. - Greiner & Pfeiffer 300. - Grenoble 202. - Greth, Jul., 378. - Griechenland Einführung 462. - Griechenland Presse 463. - Grimsshaw, D., 77. - Gröndahl 450. - Grönland 448. - Gronau, W., 285. - Gropius' Buchhdlg. 371. - Grote, G., 372. - Grüninger, C., 390. - Grumbach, E. C. V., 347. - Grunert, Gebr., 368. - Gruppen, typographische, 6. - Grynäus, J., 359. - Gubitz, F. W., 282. 297. - Guess, G., 35. - de Guignes, _Dictionn. Chinois_ 174. - Guillaumin, G., 210. - Gursch & Klemm 295. - Gusmans neue Xylographie 156. - Gutbier, A., 350. - »Gute Worte« 113. - Gutenbergsdenkmal in - Frankfurt a. M. 400. - Mainz 400. - Strassburg 403. - Gutsch, F., 401. - Guyot, F., _frères_ 232. - Gysae, Rob., 320. - - Haack, C., 434. - Haack, W., 441. - Haarlem 227. - Haas, Familie, 407. - Haase, A., 432. - Haase, Gottl. & Söhne 290. - Hachette, L. & Co., 213. - Hagelberg, W., 371. - Hagar 52. - Hahn & Co. 401. - Hahns Hofb. 379. - Hallberger, Ed., 389. - Hallberger, Carl, 390. - Halle 353. - Haller, B. F., 411. - Hambruch, G., 48. - Hamburg 375. - Hammer, Peter, 380. - Handpressen in Deutschland 316. - -- von Haas 407. - Handpresse siehe Presse. - Hänel, C. J., 366. - Hänel, Ed., 281. 285. - Hanemann, C., 287. - Hanfstängl, Franz, 396. - Hanfstängl, H., 350. - Hangard-Maugé 207. - Haniq 231. - Hannöv. Geschäftsbücherfabr. 378. - Hannover 378. - Hansard, Familie, 78. - Haparanda 451. - Harpel, O. H., 125. - Harper, Familie, 120. - Harrild & Sons 70. - Harrison & Co. 91. 96. - Härtel, G. C., 330. - Härtel, H., 330. - Härtel, R., 330. - Hartenbach, J. Ritschl v., 298. - Hartinger & Sohn 434. - Hartung, Familie, 373. - Hase, O., 330. - Hasper, W., 401. - Hassel, W., 380. - Hastings, Marquis, 107. - Hattersley, R., 44. - Haubold, C. G., 318. - Haumann, L., & Co. 230. - Haupt & Czeiger 434. - Hauschild, Gebr., 378. - Hawkin 52. - Haye, V., 155. - Hayez, F., 232. - Hayn, A. W., 367. - _Heaths Book of Beauty_ 94. - Hecht 395. - Heckenast, G., 436. - Heftwerke, illust., in Deutschl. 268. - Heidelberg 401. - Heim, F. W., & Co. 318. - Heinrich, C., 350. - Heinrich, N., 325. - Heitz, J. H. J., 403. - Helbig & Müller 315. - St. Helena 113. - Hellriegel, C., 371. - Helmich, Jul., 134. - Helsingfors 452. - Henning, C. F., 357. - Hepburn, J. M., 39. - Hepburn, Dr., 110. - _Herald, New-York_, 117. - Heran 152. - Herder 402. - Hereford 84. - Hermanns Erben 376. - Hermsdorf 317. - _Herodiani reliquiae_ 337. - Hesse, J., 398. - Hessenland, H., 375. - Hetzel, Jul., 203. - Heywood, John, 84. - Hildburghausen 351. - Hill, Rowland, 63. - Himmer, J. P., 399. - Hingray, Ch., 210. - Hinrichs, J. C., 348. - Hinstorff, D. C., 375. - _Hints on decorative Printing_ 80. - Hirschfeld, C. L., 341. - Hirschfeld, C., 347. - Hirschwald, A., 372. - Hirt, F., 373. - Hirths Werke 394. - Hirzel, Sal., 348. - _Histoire des colibris_ 189. - _Hist. nat. des oiseaux chantantes_ 189. - Hobarttown 112. - Hochdanz, E., 391. - Hochdruckplatten, lithograph. 17. - Hochlithographie 17. - Hoë, Familie, 61. 70. - Höfel, Blasius, 301. - Hölzel 434. - Hofbuchdruckerei in Cassel 400. - Hofbuchdruckerei in Weimar 317. - Hofer & Burger 410. - Hoffenberg & Trap 448. - Hoffmann, C., 317. - Hoffmann, C., 390. - Hoffmann, Fr. J. Ignaz, 151. - Hoffmann, W., 350. - Hogenforst, A., 319. - Holland, Pressverhältnisse in, 226. - Holm, C. A., 60. - Holtzmann, K. F., 300. - Holyoke 125. - Holzhausen, A., 430. - Holztypen in Amerika 35. - Hongkong 110. - Honolulu 113. - Hooker, J., 42. - Hopkinson 52. - Hoppe, H. und E., 454. 456. - Horaz (Baskerville) 74. - Horn, G. A., 314. - Hornyánsky, V., 437. - Hostmann, J., 319. - Houghton, Osgood, & Co. 130. - Howe 70. - Huber, E., 395. - Huck & Co. 290. - Hübschmann, F. S., 396. - Hüttemeyer 447. - Hummel, C., 314. - Hundertstund & Pries 347. - Hungaria 427. - Hutin, P., 324. - Huttler, M., 394. 399. - Hydra 463. - - Ibarra 244. - Ibrahim Effendi 250. - Iljin, A., 456. - _Illustrated London News_ 95. - _L'Illustration_ 203. - »Illustrirte Zeitung« 348. - Illustrationsdruck - -- in Amerika 122. - -- in Berlin 367. - -- in Deutschland 296. - -- in England 79. - -- in Frankreich 142. 193. - -- in Leipzig 346. - -- in Wien 428. - Institut, milit.-geogr., in Wien 435. - Imhof, Freiherr von, 108. - _Imprenza Nacional_ 246. - Innsbruck 432. - Institut, Bibliographisches, 345. - Institut, topogr., Amsterdam, 228. - Irkutsk 457. - _Iscrizioni esotiche_ 234. - Isermann, A., 293. - Island 448. - Issleib & Rietschel 351. - Itzehoe 376. - Ivison, Blakeman, Taylor & Co. 130. - - Jacobi, M. H., 294. - Jacoby, L., 434. - Jackson, J., 30. - Jaffé, M. & M., 434. - Jänecke, Gebr., 378. - Jänecke & Schneemann 319. 378. - Janet, P., 215. - Jannin 154. - Japan 110. - Jasper, Fr., 431. - Java 109. - Jeanrenaud & Co. 316. - Jeddo (Tokio) 110. - Jehenne 206. - Jekaterinenburg 457. - Jent & Reinert 411. - Johnson, W. M., 39. - Johnson & Atkinson 39. - Johnsons _Dictionary_ 97. - Johnson, Henry, 84. - Johnson, J. M., 378. - Jones, J. W., 69. - Jonghaus & Venator 400. - Jonische Inseln 462. - Jónsson, B., 448. - Jontzen, G., 317. - Joseph II. als Buchdrucker 418. - Jouaust, D., 215. - »Journ. f. Buchdruckerkunst« 356. - _Journal, le petit_, 221. - _Journal pour tous_ 204. - Jubelfest 1840 in Leipzig 341. - Jubiläum 1883 in München 396. - -- in Wien 435. - Jung, E., 186. - - Kafemann A. W., 374. - Kairo 249. - Kaiser, Ludw. 316. - Kalakaua, König 113. - Kalenderlitter. in Deutschland 267. - Kalenderdruck in England 104. - Kallmeyer 317. - Kalthöfer 104. - Kanegeaguli, König, 113. - Kanter, R., 374. - Karlsruhe 401. - Kartographie 17. - Kartographie i. d. Schweiz 410. - Kasan 457. - Kastenbein, C., 45. - Kast & Ehinger 320. 391. - Kaufbeuren 399. - Kaufmann, A., & Co. 371. - Kaupp, »Das Thierreich« 17. - Kegel, französischer, 145. - Kehl 402. - Kelly, W. J., 125. - Kelso 82. - Kempten 398. - Khór & Wein 437. - _Kidder-Press_ 68. - _King-Pao_ 110. - Klagenfurt 432. - Klassikerausgaben 268. - Klein, Forst & Bohn 314. - Kleinmayr, F. v., 432. - Kleinmayr & Bamberger 433. - Klercker, G. C. v., 451. - Klimsch & Co. 319. 400. - Klindworthsche Hofbuchdr. 378. - Klinkhardt, Jul., 287. 291. 346. - Kloberg, C. A., 288. - Klopstocks Werke, Prachtausg. 331. - Knatz, C., 399. - Knesing, Th., 395. - Knight, Charles, 95. - Knöfler, Heinr., 302. - Knorr & Hirth 394. - Köln 379. - Kölnische Zeitung 380. - König, Friedrich. - König in England 54. - Königs verschiedene Patente 55. - J. Walter über F. König 58. - Rückkehr nach Deutschland 58. - Jugendgeschichte 305. - König & Bauer in Oberzell 307. - Erste Bestellungen 308. - Verbreitung d. Schnellpresse 310. - Königs Tod 311. - König & Bauer 307. - König, G. A., 353. - König & Ebhardt 378. - Königsberg 373. - »Königsberger Zeitung« 374. - Köntgen, Franz, 380. - Kösel, Jos., 398. - Kollektivunternehmungen 270. - Koluni['c], M. R., 460. - Kombinationspresse 67. - Konische Typen 38. - Konversations-Lexika 269. - Konversations-Lex., Brockh. 332. - Kopenhagen 442. - Koran, der, 338. - Korinth 463. - Korn, Familie, 373. - Krabbe, A., 389. - Kragujevac 459. - Krakau 432. - Kramer, C., 371. - Krampe, J., 355. - Krause, Ed., 367. - Krause, K., 318. - Kretzschmar, Ed., 298. 347. - Kriehuber 434. - Kröner, Gebr., 388. - Krönungswerk Wilhelms I. 363. - Krone, H., 350. - Kühn, G., 375. - Kühnau, R., 295. - Kurzbeck, J. v., 418. - Kutzner & Beger 371. - - Laboulaye & Co. 150. - Lachevardière 204. - Lacrampe & Co., 200. - Ladovat, Ch., 192. - Lahr 402. - »Lahrer hinkender Bote« 402. - Laibach 432. - Lallemant, Gebr., 247. - Landesbuchdr. in Serajewo 437. - Landi, Salv., 242. - Landkartendruck 9. 271. 326. 407. - Landshut 399. - Lang, J., 412. - Lang, Gebr., 402. - Lange, F., 400. - Langensche Buchdruckerei 380. - Langen, A. v., 43. 295. - Langenscheidt, G., 372. - _Laterna magica_ 15. - Lauer, J., 247. - Laurent & Deberny 150. - Laurin, G. und A., 451. - Lausanne 412. - Laval 159. - Lawson 72. - Lazareff, J., 456. - Leblanc-Hardel 202. - Lebrun, Pierre, 176. - _Ledger, The public_, 118. - Lefèvre, J. J., 192. - Lefèvre, Théotiste, 183. - Lefmann & Lourdel 156. - Lefranc & Co. 160. - Légrádý, Gebr., 437. - Legrand, L., 159. - Legros 231. - Lehmann, O. J., 456. - Lehmann & Wentzel 397. - Leipold, J., 247. 291. - Lemberg 432. - Lemercier & Co. 160. 206. - Lemerre, A., 216. - Leske, W., 400. - Leslie, Frank, 122. - _Leslies illustrated Newspaper_ 122. - Lessing 367. - Lessing, G. E., 375. - Letteverein 368. - Leunis & Chapman 378. - Leupoldt, Friedr., 128. - Leuzinger, R., 410. - Levrault, Familie, 187. - Lévy, M., frères 212. - Levy & Lavater 160. - Levy & Müller 391. - Lewis, Charles, 104. - Leykam-Josefsthal 432. - _Liberty-Press_ 67. - Lichtdruck, der, 15. - Liepsch & Reichardt 350. - _Lightning Press_ 61. - Lille 201. - _l'Imitation de Jésu Christ_ 204. - Limoges 202. - Lindh, J. P., 451. - Linhout, van, 231. - Lintz, Fr., 379. - Linz 432. - Lippincott, J. B., & Co. 130. - Lisicki & Co. 432. - Lissabon 246. - Litfass, Gebr., 368. - Lithographie, die 7. 396. - _Lithogr. Aktie Bolaget_ 452. - Lithogr. Genossensch. i. Zürich 410. - Lith. Institut, Berliner, 372. - Lithographiesteine 11. - Litolff, H., 355. - Littré, Dictionnaire 210. - Livermore, M. W., 30. - _Livre d'heures de la reine Anna_ 205. - Liwtschack, J., 48. - Lloyd, Oesterr., 433. - Lödel, H., 300. - Loewe, F., 391. - Löwensohn, G., 398. - Löwenstein, Ó., 367. - Loeillot 371. - Loeulliet 176. - _Logographic printer_ 84. - Logotypsystem 84. - Lombardot 150. - Longman, Familie, 97. - Lorck, C. B., 338. - Lord Mayor 91. - Lorenz, O., 218. - Lorilleux & Co. 160. - Lortic 162. - Lose, C. C., 447. - Lottin, Familie, 186. - Lott, Ludw., 314. - Lovisa, Dom., 325. - Louvre-Ausgaben 178. - Lucas, S., 379. - Lucas, T. M., 35. - Luce, Louis, 171. - Ludwig XVI. als Buchdr. 163. - Ludwig, H., 133. - Ludwig, C. J., 289. - Ludwigshafen 401. - Ludwigslust 375. - Lübeck 375. - Luno, Bianco, 442. - Luxuspapierfabrik, Berliner, 371. - - Maas, F. W., 365. - Macao 109. - Macaulays Geschichte 98. 107. - Macdonald, J. C., 64. - MacKellar, Th., 34. - MacKellar, Smiths & Jordan 34. - Mackie, Dr. A., 46. - Mackie, Brewthal & Co. 47. - Macklot, C. & G., 401. - Maclins Bibel 77. - Madagascar 113 - Madras 106. - Madrid 245. - Mäntler, Gebr., 388. - Mässigkeits-Verein, Nationaler 129. - _Magasin pittoresque_ 204. - Magdeburg 354. - _Magna Charta_ 77. - Magyar, Gebr., 437. - Mahlau, A., 399. - Mailand 241. - Mainz 400. - Maisonneuve, C. A., & Co. 210. - Malacca 109. - Malling Hansen, R., 447. - Mame, Familie, 161. 195. - Mannheim 401. - Mannheimer Vereinsbuchdr. 401. - Manchester 84. - _Manchester Guardian_ 46. - Mantz, _Peinture italienne_ 181. - Manz, G. J., 398. - Marc, A., & Co. 203. - Marcécos, Familie, 246. - Marcel, J. J., 173. - Marcelin Legrand, 175. - Mareingh 242. - Maret, G. H., 341. - Mar-Hanna 251. - Marinoni, H., 156. - Marinoni & Chaudré 160. - Mans 202. - Marienwerder 374. - Marietti 243. - Mark, Franz, 456. - Marlborough, Fort, 109. - Marshal & Co. 92. - Martin, J. G., 398. - Martin, W., 31. - Martinet, Em., 201. - Masson, G. u. V., 209. - _Matrix compositor_ 48. - Maulde & Vibart 159. - Max & Co. 373. - May, C. D., 289. - May, E. G., & Söhne 399. - Mayer, Carl, 398. - M'Creery 78. - Mechitaristen-Buchdruckerei 239. - Medhurst 109. - Mediæval 32. - Mehrfarben-Maschine 312. - Meinhold, C. C., & Söhne 349. - Meisenbach, G., 397. - Meissner & Buch 348. - »Meister von 1440-1694« 397. - Melandri, Federigo, 243. - Meline Cans & Co. 230. 232. - Mercy, H., 432. - Metallhochätzung 17. 155. - Metz 402. - Metzger & Wittig 347. - Metzler, J. B., 387. - Metzler & Barting 227. - Mexiko 248. - Meyer, Carl, 289. - Meyer, Dr. Heinr., 356. - Meyer, J. H., 356. - Meyer, J. u. K. J., 346. - Meyersche Hofbdr., Detmold 378. - Michaud, _Biogr. universelle_ 211. - Middleton, Th., & Co. 66. - Migne, J. P., 211. - Millado, C., 245. - Millar 31. 43. - Miller-Ritchie 75. - Millin, _monuments antiques_ 173. - Milne 109. - »Milton« (Bulmer) 77 - Minden 379. - _Mirabilia urbis Romae_ 396. - Mirza Schaffy, Lieder 364. - Missionspresse in Grönland 448. - Missolunghi 463. - Mitau 456. - Mitchell, W. H., 42. - Mittler, E. S., 366. - _La Mode illustrée_ 181. - Modezeitungen 270. - Möller, Korf., 295. - Möller, Lars, 448. - Möser, W., 368. - Molé, Joseph, 146. - Molini 242. - Momma, P., 450. - _Le Monde illustré_ 204. - _Moniteur_ 185. - Monnoyer 202. - Monroq 207. - _Monuments d'antiquité_ 175. - Morel, A., & Co. 208. - Morisson 109. - _Morning-Herald_ 112. - Moskau 456. - Motteroz, C., 201. - Moulinet, L., 150. - Muddies' Leihbibliothek 92. - Mühlhaupt & Sohn 410. - Mühlmann & Johler 377. - Mühlthaler, E., 394. - Mülhausen in E. 402. - Müller, Ch. Fr., 401. - Müller, Fr., 229. - Müller, Leo, 315. - Müller, M. L., 43. - Müller, Th., 353. - Müller & Richard 32. - München 393. - »Münchener Bilderbogen« 395. - -- Fliegende Blätter 395. - Münchmeyer, H. G., 350. - Münster 379. - Murray, Familie, 98. - Museum f. Kunst in Wien 428. - Musiknotendruck 147. 323. - _Musée français_ 208. - _Musée des familles_ 204. - - Nachdruck in Amerika 135. - -- in Belgien 229. - -- in Deutschland 261. - -- in Reutlingen 393. - Nachitschewan 457. - »Nacht, 1001,« 389. - Nachtigall & Dohle 288. - Napier, D., 59. - Narodne Noviny 437. - Nastas Jovanovi['c] 461. - »Nationalmuseum, bayrisches« 397. - National-Verein, serbischer 460. - Naturselbstdruck 424. - Naumann, C., 399. - Naumann, C. G., 347. - Naumann & Schröder 348. - Nauplia 463. - Neapel 243. - Neff, Paul, 392. - Negapatnam 106. - Neill & Co. 42. - Nelson & Sons 63. - Neubinger, M., 456. - Neuenburg 410. - Neuer, Th., 293. - Neujahrskarten in England 104. - Neuruppin 375. - Neusatz 437. - _News Company, American_, 128. - »New-Yorker Staatszeitung« 133. - Nicol, G. und W., 76. - Nichols, John, 75. - Nicholson, W., 38. 57. - Nièpce, Nicéphore, 12. - Nièpce de St. Victor 13. - Nies, Fr., 338. - Nies, J. Ch. D., 289. - Nisbet, James, 100. - Nisler, E., 397. - Nitzschke, W., 391. - Norberg, Jul., 187. - Norddeutsche Buchdr. 367. - Nordhausen 353. - Norrköping 452. - Norstedt, P. A., & Söner 451. - Notendruck, lithographischer, 9. - Nürnberg 397. - Numerierpresse 53. - - Oberhausen 379. - Obernetter 16. 397. - Oberthur, F. C., 201. - Oberzell, Kloster, 307. - _Occhio di mosca_ 240. - Ockenfuss 459. - Odense 444. - Odessa 456. - Oeglin, E., 324. - Oehmigke & Riemschneider 375. - Ölbilderdruck 10. - Offenbach a. M. 30. - Ohlenroth 353. - Oldenbourg, R., 394. - Oldenburg 378. - Omer-Henry 207. - _Orange Judd Company_ 131. - _Oratio dominica_ 235. - Orell Füssli & Co. 409. - Orientalia in Frankreich 147. - Orgelbrand, H., & Co. 456. - Osborne 16. - Oschatz, R., 350. - Osterrieth, A., 399. - Osterzee, J. van, 227. - Otto, J., 432. - Oudin frères 202. - _[Oe]uvres de Frédéric le Grand_ 363. - Oxford 81. - - Paar, H., 303. - _Pacis monumentum_ 372. - Paderborn 379. - Padua 239. - Paetel, Gebr., 372. - Page, W. H., & Co. 35. - »Palästina« 389. - Pallhausen, V. v., 293. - Panckoucke, Familie, 184. - Paniconographie 155. - Papierfabrikation in Amerika 136. - -- in Deutschland 278. - -- in England 105. - -- in Frankreich 161. - -- in Japan 112. - -- in Schweden 452. - Papiergeld in Japan 111. - Papierphotographie 13. - Papierstereotypie 153. - Papillon 50. - »Papyros Ebers« 345. - Paravia 242. - Pardoe, Jos., 66. - Parker, Familie, 100. - Parkin, Th., 52. - Parma 233. - Parey, S., 372. - Parsons, Fletcher & Co. 72. - _Patent Type Foundry_ 39. - Paterno, Fr., 434. - Patras 463. - _Paul et Virginie_ 204. - Paulin, J. B. A., 203. - Payne, A. H., 312. 347. - Payne, Roger, 103. - Perthes, F. A., 375. - Perthes, Familie, 352. - Peking 110. - _Penny Magazine_ 94. - _Penny-paper, the_, 66. - Perrin, L. B., 215. - Perrotin, Ch. A., 212. - Pester Buchdr.-Akt.-Gesellsch. 436. - _Pesti Hirlap_ 437. - Petermann, A., 352. - St. Petersburg 453. - Peterson 48. - Petibon 150. - Petrucci, Oct. dei, 323. - Petyt 150. - Petzval 13. - Pfingsten, G. J., 376. - Pfnorr, W., 288. 298. - Pforzheim 388. - Photographie, die, 12. 31. - Photogr. Hochdruckplatten 14. 433. - Photolithographie 16. - Photogr. Tiefdruckplatten 14. 433. - Phototypie 397. - Photogr. Gesellschaft in Berlin 372. - _Phototype Company, American_, 125. - Philippopel 462. - Pichlersche Buchdruckerei 420. - Pichot & Co. 207. - Pickenhahn & Sohn 350. - _Picturesque America_ 126. - -- _Europe_ 126. - _Pied du roi_ 145. - Pierer, H. A., 351. - Pierersche Buchdruckerei 292. 351. - Pietsch, A., 430. - Piil, C., 18. 444. - Piloty 396. - »Pinakothek, die alte«, 396. - Piranesi, Vater und Sohn, 244. - Pitris, C., 187. - _Pitt-Press_ 81. - Planotypie 303. - Plauen 350. - Plesse, Chr., 291. - Plon, H., 199. - Pocher, C. A., 398. - Poiriers, L., 159. - Poitiers 202. - Pomba, Familie, 241. - Polz, E., 347. - Poppelbaum, H., 288. - Poppelbaum & Bossow, 291. - Porter, T. J., 43. - Posen 373. - Posner, C. L., 437. - »Postamts-Zeitung« 380. - Potter, E., & Co. 129. - Pourrat frères 212. - Powell, D. F., 67. - Powell, Jos. Martin, 93. - Prachtwerke in Dänemark 442. - -- Deckers 363. - -- in Deutschland 271. - -- in England 95. - -- in Frankreich 197. 204. - -- liturgische, 398. - -- in München 397. - -- in Stuttgart 391. - -- in Wien 422. - Prägpresse 53. - Prag 431. - Prang, Ludw., 131. - Prasch 295. - Preuschen, A. G., 407. - _Press, the_, 78. - _Presse, la_, 193. - Presse, Die Drucker-, - -- Haassche, 49. 407. - -- eiserne, 49. - -- Stanhopesche, 50. - -- Coggersche, 51. - -- Columbia-, 51. - -- Kniehebel-, 52. - -- Strebe-, 52. - -- Schottische, 52. - -- Tret-, 52. - -- Hydrostatische, 52. - -- mit Farbeauftrag, 52. - -- Hydraulische, 53. - Pretzsch, P., 14. 433. - Pressverhältnisse in Österreich 413. - Prestel, J. G., 300. - Prevost, _Hist. génér. des Voyages_ 178. - _Printinghouse-Square_ 55. - Privat, P., 202. - Privilegien in Frankreich 166. - Prochaska, Familie, 432. - Propaganda, die, 233. - Prudon & Co. 159. - _Publishers Circular_ 94. - Pustet, Fr., 398. - Putnam, G. P., 122. - Pyrostereotypie 149. - - Quaritch, Bernh., 100. - Quijano, F., 245. - - Raab 437. - Racinet, _L'ornement polychrome_ 181. - Radáma 1., König, 113. - Radde, O., 377. - Radde, W., 133. - Raffelsberg, J., 420. - Raguenau, P., 160. - Ramé père 176. - Ranguhn 109. - Raschid-Eddin, _Hist. d. Mongol._ 176. - _Rasselas_ 32. - Ráth, Mor., 437. - _Recherches asiatiques_ 174. - Reclam jun., Ph., 347. - Reduktionsapparat 377. - Reed & Fox 32. - Regensburg 398. - Reichel, Gebr., 399. - Reichenberg 432. - Reichsdruckerei 368. - Reifenstein, G., 438. - Reimer, C., 366. - Reimer, G. A., 366. - Reinwald, C., & Co. 218. - »Reis mit Honig« 113. - Reisner, D., 372. - Reiss, H., 431. - _Relief printing Company_ 15. - _Religious Tract Society_ 99. - Renaissanceschriften i. England 32. - Renault & Robcis 150. - Réné & Co. 150. - Rennes 201. - Renouard, A. A., 218. - Reussner, J. F., 373. - Revillon & Co. 456. - Reutlingen 393. - Richter, J. F., 376. - Rieder & Simmer 411. - Ringer, E., 370. - Rio de Janeiro 248. - Rivadaneira, M., 245. - _Riverside-Press_ 130. - Rivington, Charles, 99. - Röder, C. G., 348. - Roeloffzen & Hübner 227. - Römmler & Jonas 350. - Rohrer, R. M., 432. - Rollinger & Mössmer 430. - Rom 242. - Roman. Gruppe, Charakter., 140. - Romanet & Co. 207. - Rommel, M., & Co. 391. - Roorda, T., 226. - Roret, E., 209. - Rosenborg, Fr., 41. - Rossbach, A., 337. - Rostock 375. - Rotterdam 228. - Routledge & Sons 99. - Row, Elisabeth, 29. - Roxburgh-Club 101. - Roxburgh, John Herzog v., 101. - Roy, Adr. le, 325. - Rue, de la, & Co. 105. - Ruprecht, K., 301. - Rusher, P., 32. - Rust, I. H., 291. - Ruthven, J., 52. - Rustschuck 462. - Ryles & Son 65. - - Sachse & Co. 370. - _Sacre et couronnem. de Napoléon_ 174. - Sacy, S. de, _Les séances de Hariri_ 176. - _Saggio tip. di fregi et majuscola_ 234. - Salzer, Familie, 421. - Sandmeyer, W., 375. - Sandwichsinseln 113. - Sarepta 457. - Satiniermaschine 60. 318. - Savage, Will., 80. - Saxton, J., 52. - Scamoni, G. v., 14. 454. - Schäfer & Korradi 134. - Schäfer & Scheibe 371. - Schauberg, G. A., 380. - Schauenburg, M., 402. - Schauer, G., 372. - Schauer, Hans, 395. - Scheible, J., 389. - Scheitlin, C. P., 410. - Schellenberg, L., 400. - Schelter & Giesecke 287. 315. 319. - Schemm, Franz, 398. - Schimpf, C., 398. - Schleifmaschinen 39. - Schlotke, Ferd., 316. 319. 376. - Schlütersche Buchdr. 378. - Schmid, Ant., 419. - Schmidt, L. W., 134. - Schmidt & Spring 391. - Schmiers, Werner & Stein 315. - Schneider, Friedr., 395. - Schneider, R., 453. - Schneider, Th., 455. - Schneidemaschine 71. - Schnellpressen 306. 333. - Schnellpressen, lithograph., 316. - Schnuck, Familie, 187. - Schönlein, H., 390. - Schöpflin, Joh. D., 404. - Schotte & Co. 372. - Schottländer, S., 373. - Schreibkugel 446. - Schreibschriften, franz., 146. - Schriftgiesserei in Amerika 33. - -- in Berlin 359. - -- in Dänemark 444. - -- in England 29. - -- in Frankreich 156. - -- in Stuttgart 391. - Schriftgiessmasch. 38. 159. 295. 445. - Schröder, E. H., 372. - Schröder, W., & Co. 319. - Schröpel 459. - Schuchardt, Chr., 412. - Schuckert, Sigm., 295. - Schünemann, C., 378. - Schürmann, W. R., 319. - Schürmann, A., 353. - Schultz, J. H., 444. - Schultz, R., & Co. 187. - Schultze, C., 367. - Schultze, W. F., 381. - Schulzsche Hofbdr. 378. - Schumacher 317. - Schumann, A. H., 315. - Schuster, R., 372. - Schwabe, B., 378. - Schwann, L., 379. - Schweighausersche Buchdr. 408. - Schwerin 375. - Schwetschke, Familie, 354. - Scribners Zeitschriften 122. - Scott, Sir Walter, 82. - Sebald, U. E., 398. - Seeger, Max, 391. - Seemann, E. A., 349. - Seidelin, A., 444. - Seitz, G. W., 376. - Seliwanowski 456. - Selligué 317. - Senefelder, A., 7. 396. - Serajewo 437. - Serbien, Einführung, 459. - Serbischer National-Verein 437. - Sequoyah 35. - Serampur 106. - _Series, Scientifiques_, 130. - Serriere & Bausa 159. - Serz & Co. 398. - Setzmaschine in Amerika u. Engl. 40. - -- in Deutschland 295. - -- in Dänemark 445. - _Shakspeare-Press_ 50. - Shakspeare Prachtausgabe 76. - Shanghai 109. - Shank, P. M., 39. - Sharpe, Granville, 99. - _Sheldonian Theater_ 81. - _Shinpao_ 110. - Sidney 112. - _Siècle, le_, 193. - Sieger, Ed., 434. - Siemens & Halske 295. - Silbermann, G., 205. - Silva, J. C. da, 246. - Silvestre, L. C., 218. - Simin 453. - Sirven, J. M., 202. - Sistowa 462. - Sittenfeld, J., 367. - Skandinavia-Presse 60. - Sliwna 462. - Smirdin 453. - Smith, P. und M., 61. - Smith & Son 92. - Smyrna 251. - _Society for usefull Knowledge_ 95. - _Soc. gén. de libr. catholique_ 211. - Sörensen, Chr., 41. 424. - Sofia 462. - Solnhofen 11. - Sommer, L., 421. - Sonzogno, Ed., 241. - _Soubise, Hôtel_, 174. - Sower, Potter & Co. 129. - Spaarmann, A., 379. - Spamer, Otto, 347. - Spemann, W., 392. - Spencer, Lord, 102. - Spener, Familie, 308. 365. - »Spiegel vom Serampur« 107. - Spielkartenfabrikation in Engl. 105. - Spilbury, Th., 75. - Spinn, C. A., & Zoon 227. - Spottiswoode & Eyre 96. - Springer, Jul., 372. - Staatsdruckerei in Belgrad 459. - -- in Berlin 368. - -- in Paris 170. - -- in Pest 436. - -- in St. Petersburg 454. - -- in Washington 124. - -- in Wien 421. - Stahel, B., 399. - _Stamperia camerale_ 243. - Stalling, G., 378. - Stanhope, Lord, 36. 49. - _Stationary_-Artikel 93. 104. - _Stationers Company_ u. _Hall_ 93. - Statistisches, Belgien 232. - -- Dänemark 444. - -- Deutschland 274. - -- England 89. - -- Frankreich 222. - -- Holland 227. - -- Italien 237. - -- Norwegen 449. - -- Österreich 437. - -- Rumänien 461. - -- Russland 453. 457. - -- Ungarn 437. - -- Württemberg 393. - _Statistique de la France_ 174. - Statthalterei-Buchdr. in Prag 432. - _Statut de l'ordre de St.-Esprit_ 206. - Steinbock, R., 371. - Steiger, E., 135. - Steiner 295. - Steinkopf, J. F., 390. - Stenochromie 377. - Stenographischer Satz 291. - Stereotypie, die, 36. 151. 192. - Stettin 374. - Stiepel, Gebr., 432. - Stigmatypie 304. - Stöckel, W., 349. - Stoffler & Backé 290. 319. - Stopp, F. W., 432. - Storch & Kramer 371. - Strahan, Will. and Andr., 75. - Strassburg 403. - Strassburger Stadtbibliothek 404. - Straub, F., 394. - Strauss, A., 421. - Strauss, B., 317. - Strixner 396. - Stroefer, Th., 395. - Stuttgart 384. - Styblo, B., 432. - Styria 432. - Suitterlin, Claussen, & Co. 67. - Sumatra 109. - »Sun« 123. - _Sunday School Union_ 129. - Susato, T., 324. - Susemihl 17. - Swett, E., & Daul 48. - Swiderski, Ph., 315. - Synodalbuchdruckerei 456. - Sythoff, A. W., 228. - Szegedin 437. - - Talbot, Fox, 12. - Tarbé & Co. 150. - Tauchnitz, Bernh., 340. - Tauchnitz, K., 337. - Tauchnitz, K. Chr., 338. - Taylor, R., 54. - Téchener, L., Fils 216. - Teheran 251. - Teirichs »Bl. f. Kunstgew.« 430. - Templier, A., 213. - Temeswar 437. - Terceira 113. - Teschen 432. - Testu & Massin 207. - Tetot 212. - Tetschen 432. - Teubner, B. G., 337. 350. - Theinhardt, F., 285. - _Thesaurus graecæ linguæ_ 181. - Thiele, Gebr., 443. - Thienemann, K., 391. - Thiers, _Hist. de la Révolution_ 203. - Thomann, J., 399. - Thoms, P., 109. - Thordarson, Einar, 448. - Thorowgood 32. - Thurneysen, J. J., 409. - Tidcombe, G., & Son 71. - Tiegeldr.-Tretmasch., versch., 67. - Tiflis 457. - Tilloch 36. - _Times_-Offizin 84. - _Times_ 55. - Timiriazeff, D., 48. - Tirnowa 462. - Töche, Th., 366. - Tokio (Jeddo) 110. - Tolmer 159. - Torchonplatte 10. - Torre, A. de la, 420. - Toulouse 202. - _Touraine, la_, 196. - _Tract Society, American_, 129. - Trassler, J. G., 418. - Trattner, J. T., 416. - Treadwell, D., 52. - Trennert, J. D., 284. - Tresling & Co. 228. - _Trésor artistique de la France_ 207. - _Trésor de numismatique_ 208. - Treuttel & Würtz 186. - Trewendt, E., 370. - _Tribune, New York_, 117. - Trier 379. - Triest 433. - _Trionfo della fidelta_ 326. - Trittmüller 67. - Troitzsch, O., 371. - Troppau 418. - Trowitzsch & Sohn 285. 373. - Trübner, Nikolaus, 100. - Truscott, Francis, 91. - Tümmel, W., 398. - Turnbull, Thomas, 69. - Tschudi, Iwan v., 410. - Tschulik, L., 41. - Tucker, Henry, 150. - Tübingen 393. - Turrel & Saxton 208. - Turin 241. - _Typographia jubilans_ 341. - Typometrie 407. - - Über Land und Meer 389. - Ungarn 436. - Unger, J. G. und J. F., 297. - Unger, Gebr., 365. - _Univers pittoresque_ 181. - Universitätsbuchdr. i. München 394. - -- in Pest 437. - -- in St. Petersburg 456. - Utensilien-Geschäfte 71. - Unzelmann, Fr., 298. - - Valencia 245. - _Valentines_ 104. - Valét & Co. 160. - Valleyre, Gabr., 151. - Vanderborght 232. - Vanderhaegen, E., 232. - Vandiemensland 112. - Veit, J. B., 401. - Veit & Co. 372. - Velten, J., 401. - Venedig 239. - _Vereenigung des Boekhandels_ 227. - Vereinigungen in Deutschland 272. - Vereinsbuchdr. in Mannheim 401. - -- in Stuttgart 390. - Verlag der Klassiker 388. - Verlags-Anstalt, Deutsche, 390. - Vertiz, J. J., 248. - _Victoires et Conquêtes_ 185. - Victoria-Druckerei 90. - Vidal 207. - Vieweg, Fr., 284. 316. 354. - Vieweg & Sohn 354. - Villebois, E. de, 175. - Villeneuve, J. de, 246. - »Virgil« (Baskerville) 74. - Visconti, _Iconographia_ 178. - Vogel, Daniel, 298. - Vogel, F. C. W., 348. - Vogel, Otto und Albert, 299. - Vogt, G., 366. - Voigt, B. F., 352. - Voirin, H., 159. - Volkmann, W., 330. - Voss, L., 348. - - Wagner, Rud., 371. - Wagnersche Buchdruckerei 433. - Wahabi, Mustapha, 249. - Wahlen & Co. 230. 232. - Waisenhausbuchdr. in Halle 353. - Walbaum, Erich und Th., 283. - Waldheim, R. v., 430. - Waldow, Alex., 319. 347. - Walker 50. - Walle, J., 395. - Wals 149. - Walter, J., I u. II, 54. 55. 58. 84. 85. - Walze, Die, 50. - Walzenmasse, englische, 71. - Wanderburgh, Wills & Co., 35. - Wandsbeck 376. - Ward, Marcus, 105. - Warrington 46. - Warschau 456. - Wasmuth, E., 372. - Waterlow, Sir Sidney, 91. 96. - Watts, W. M., 32. - Watzulik 292. - Weber, J. J., 348. - Wedgwood 12. - Weifenbach, W., 395. - Weigang, Gebr., 350. - Weigel, T. O., 348. - Weigel, R., 348. - Weimar 351. - Weise, Gustav, 391. - Weisert, Otto, 290. - Weiss, J. G., 394. - Weisskunig, der, 419. - Wellesley, Marquis, 107. - Wenzler, H., 446. - Werlitz, L., 387. - Wesmael-Charlier 231. - Westcott 39. - Westermann, G., 355. - Westermann Brothers 134. - Westpheling, J., 410. - Weyer, P. W. van der, 228. - Weynreich, H., 373. - Wezel & Naumann 348. - Wheeler & Wilson 70. - Whitaker, Ch., 77. - Wick 43. - Wiede, Alex., 347. - Wiegandt & Grieben 372. - Wielands Werke, Prachtausg., 331. - Wieprecht, M., 350. - Wier, Richard, 103. - Wiesbaden 400. - Wiesing, W., 347. - Wigand, G., 349. - Wigand, Otto, 347. 348. - Wilberg, Karl, 463. - Wild, F., 395. - Wiley & Putnam 122. - Wilkins, Charles, 106. - Wilkinson, J. B., 63. - Wilkinson & Co. 96. - Wilson, A., 31. - Winberg, T. v., 455. - Winckelmann, J., 370. - Winder, J. R., 43. - Wing, W., 38. - Winiarz, E., 432. - Winiker, C., 432. - Winter, C. F., in L. 348. - Winter, C. F., in D. 400. - Winterthur 410. - Wismar 375. - Wittersheim & Co. 201. - Whittingham, Familie, 78. - Wittich, L. C., 400. - Witwer, C., 392. - Wodianer, Ph., 437. - Wolvercote 81. - Woodburydruck 14. - Woodfall, G., 54. - Woods, W., & Co. 131. - Wöllmer, W., 286. - Wohlfarth, J. A. v., 421. - Wolff, B. M., 456. - Wolff & Sohn 395. - Worcester, _Dictionary_ 130. - Worms, Maschinenfabrik, 315. - _Worsleyanum_ 77. - Würtheim, J., & Zoon 228. - Würzburg 399. - Würtz, J. G., 186. - Wüste, Fr., 320. - Wurm, J. X., 41. - Wurster, Randegger & Co. 410. - Wyman & Son 93. - Wyss, K. J., 411. - - Xylographie in Amerika 123. - -- in Dänemark 444. - -- in Deutschland 258. 296. - -- in England 26. 79. - -- in Frankreich 142. 156. - -- in München 395. - -- in Stuttgart 390. - -- in Wien 433. - - _Yomiri Schimbun_ 111. - Young, J. H., 41. - Yves & Barrot 156. - - Zähnsdorf, J. W., 104. - Zamarski, C. A., 429. - Zande, van der, 231. - Zaragozano & Jaime 245. - Zeitungswesen in Algerien 248. - -- in Australien 112. - -- in Berlin 367. - -- in der Kapkolonie 113. - -- in China 110. - -- in Deutschland 269. - -- in England 84. 87. 88. - -- in Finnland 453. - -- in Griechenland 464. - -- in Indien 107. - -- in Italien 238. - -- in Japan 110. - -- in Nordamerika 115. - -- in Norwegen 449. - -- in Paris 219. 221. - -- in Portugal 247. - -- in Russland 457. - -- in Schweden 452. - -- in der Schweiz 406. - -- in Serbien 460. - -- in der Türkei 251. - -- in Südamerika 248. - Zinkhochätzung 17. 155. - Zollikofer, Familie, 410. - Zürcher & Furrer 410. - Zürich 409. - Zweifarbenmaschine 312. - - - B. $NACHWEIS$ DER ANGEFÜHRTEN QUELLENSCHRIFTEN. - - (Bei Zeitschriften, Adressbüchern, Ausstellungsberichten u. dgl., die - öfters zitiert werden, ist ein Hinweis nicht gegeben.) - - Abott, Jac., _The Harper Establishment_ S. 120. - Adeline, J. -- _L. H. Brevière_ 204. - _Adressebog for den danske, norske og svenske Boghandel etc._ - Adressbuch, Allgem., f. d. deutschen Buchhandel. Begr. O. A. Schulz. - Adressbuch f. d. Buchh. i. d. Österr.-Ung. Monarchie, Hrsg. M. Perles. - Andrews, A., _The history of british Journalism_ 88. - _Anecdotes of W. Bowyer_ 75. - Annalen der Typographie. Hrsg. C. B. Lorck. - _Annales de l'Imprimerie._ - _Annuaire de la librairie et de l'imprimerie en France_ 186. - _Annuario del comercio 1882_ 244. - _Applegaths & Cowpers horizontal Machine_ 60. - Archimowitz, Die Papierstereotypie 293. - Archiv f. Buchdruckerkunst. Hrsg. Al. Waldow. - Archiv f. d. Geschichte d. deutschen Buchh. Hrsg. d. Börsenverein. - Arenstein, J., Österreich auf der internat. Ausstellung 1862 425. - Arnett, J. A., _Bibliopegia_ 103. - _L'arte della stampa. Edit._ S. Landi. - Auer, A., Album der K. K. Hof- und Staatsdruckerei 1853 424. - -- Alphabete des gesammten Erdkreises. 2. Aufl. 427. - -- Der polygraph. Apparat 424. - Auer, A., Die Entdeckung d. Naturselbstdruckes 424. - -- K. K. Hof- u. Staatsdruckerei auf d. Pariser Ausst. 1855 424. - -- Geschichte und Beschreibung d. K. K. Hof- u. Staatsdr. 424. - -- Über das Raumverhältniss d. Buchstaben 423. - _Autobiography of R. a. W. Chambers_ 83. - Bachmann, J. H., Die ersten Schnellpressen in Deutschland 307. - Baillère, J. B., _Le cercle de la libr._ 194. - -- _La cinquantaine d'un libr._ 209. - Ballhorn, Fr., Alphabete oriental. und occidental. Sprachen 286. - Bauer, C., Handbuch der Buchbinderei 278. - Bell, J. G., _Catalogue of works illustrated by T. and J. Bewick_ 80. - _Bepalingen omtr. den boekhandel_ 227. - _Beretning om Säcularfesten i Christiania 1840_ 449. - Berger, J., Die Anfänge der period. Litteratur d. Buchhandels 266. - Bericht, Amtlicher, über die Ausstellung in London 1862. - Bernard, A., _Histoire de l'imprimerie Royale du Louvre_ 170. - -- _Notice historique sur l'imprimerie nationale_ 170. - Bernardi, J., _Vita di G. Bodoni_ 233. - Bernhardi-Zinghellini _et_ A. Valescchi _Intorno à P. Castaldi_ 240. - Bertram, Osw., Geschichte d. Cansteinschen Bibelanst. i. Halle 353. - _Bibliographie de la France._ - Biedermann, K., Deutschland im XVIII. Jahrh. 263. - Böhlau, H., Zur Geschichte d. Hofbuchdr. i. Weimar. Verl.-Kat. 351. - Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. - _Boghandlertidende, Nordisk_, Hrsg. O. H. Delbanco. - Boieldieu, _Outilage typograph._ 160. - Boiteau, Paul, _Produits de l'imprim. Rapp. du jury internat._ Paris - 1867. - _Bookseller, The american_, 1876. - Boutmy, E., _Les typographes parisiens_ 219. - Brade, L., Illustrirtes Buchbinderbuch 278. - Brinkmann, C. L., _Naamlijst v. boeken 1850-1875_ 227. - Brockhaus, H. E. -- Friedr. Arnold Brockhaus. 3 Bde. 333. - Bruce Son & Co., _Specimen book_ 33. - Bruckmanns Artistische Anstalt in München 397. - Brugsch, H., _Mémoires sur les caractères démotiques_ 286. - Brunet, G., _Firmin Didot et sa famille_ 177. - Buchdrucker-Zeitung, Deutsche. Hrsg. H. Blanke. - Buchdrucker-Zeitung, Österreich. Hrsg. C. Dittmarsch. - Buchner, K., Beiträge z. Geschichte des Buchhandels 267. - -- Schriftsteller u. Verleger vor 100 Jahren 267. - Bullen, G., _Caxton Celebration_ 91. - _Bulletin de l'imprimerie_ 195. - Bure, Fr. de, _Museum typogr._ 190. - Camus, A. G., _Mém. sur l'hist. du polytypage et de la stéréotypie_ - 151. - _Caracteres de la Imprenza Real 1793._ Lissabon 247. - Catalog der Bibliothek des Börsenvereins. Hrsg. F. H. Meyer 266. - _Catalogue, American, of books_ (_Finding list_) 128. - _Catalogue, Caxton Celebration_ 91. - _Catalogue des livres de la Bibliothèque A. F. Didot_ 183. - _Catalogue of the Exhibit of the American Book Trade_ 126. - _Catalogus libr. ex typographia Sancti Congregationis_ 243. - Celliez, H. et Ch. le Senne, _Le loi de 1881 sur la Presse_ 170. - _Cercle, Le, de la libraire. Notice historique_ 194. - Chaix, _Statistique de l'imprimerie en France_ 222. - Chrysander, Fr., Gesch. d. Musiknotendr. XV.-XIX. Jahrh. 324. - _Circular, The printer's._ Edit. R. S. Menamin. - Clymers Patent-Columbiapresse 51. - Correspondent für Deutschlands Buchdrucker. Hrsg. R. Härtel. - _Conners Sons Specimenbook_ 33. - Coromilas, D., _Cat. des livres publiés en Grèce_ 463. - Crapelet, G. A., _De la profession d'un imprimeur_ 190. - -- _Études etc. sur la typographie_ 190. - Cucheval-Clavigny, M., _Hist. de la presse en Angl. et aux États U._ - 116. - Curven, H., _A hist. of booksellers_ 96. - Delalain, A. H., _La typographie à l'exposition universelle de 1855_. - Derriey, J. C., _Spécimen Album_ 149. - Didot, A. F., _Histoire de la Typographie_ 163. - -- _L'imprimerie, la librairie etc. à l'Exposition 1851_. - _Directory of the paper manufactures in the United States_ 136. - Dooselaere, J. S. van, _Aperçu_ 231. - Duboc, Jul., Geschichte der engl. Presse 88. - Dupont, P., _Hist. de l'imprim._ 163. - -- _Notice sur les établissements P. Dupont_ 197. - -- _Une Imprimerie en 1867_ 197. - Duprat, F. A., _Histoire de l'imprimerie impériale_ 163. - Duverger, E., _Album typogr._ 148. Eitelberger, Die Kunstbewegung in - Österreich 428. - Ettinghausen, K. v., u. A. Pokorny, Die wissenschaftl. Anwendung d. - Naturselbstdruckes 424. - Faivre, A., _Code manuel de la presse_ 170. - Farmer Little & Co., _Spec. book_ 33. - Faulmann, C., Illustrirte Geschichte der Buchdruckerkunst 291. - Flammenstern, A. von, Stereotypie in Österreich 293. - Fouret, René, _Exposition internat. de Philadelphia en 1876_. - Fournier, H., _Traité de la typographie_ 197. - Frauenlob, J. R., Die graph. Künste a. d. Pariser Ausstellung 1867. - Fritzsche, G., Moderne Bucheinbände 278. - Frommann, Fr., Gesch. d. Börsenvereins d. deutsch. Buchh. 265. - Gagnère, A., _Histoire de la presse sous la Commune_ 221. - Geschichte der Buchdruckerkunst in Königsberg 1840 374. - Geschichte der Kölnischen Zeitung und ihrer Druckerei 380. - Geschichte der seit 300 Jahren in Breslau befindl. Stadtbuchdr. 372. - Gesetzgebung, Preussische, unter Fr. Wilhelm III. 262. - Giustiniani, _Tipograf. del regno di Napoli_ 243. - Goebel, Th., Friedr. König und die Erfind. der Schnellpresse 54. - -- Die Setzmaschinen gesch. u. techn. (a. Wiecks ill. Gew.-Z.) 40. - Goupy, V., _L'imprimerie nationale_ 170. - Grant, J., _The newspaper Press_ 88. - Guitimez, J. M., _Prima imprenta de Buenos-Aires_ 248. - Gunne, Ueber den Buchhandel in Holland 227. - Haas, W., Beschreibung einer neuen Buchdruckerpresse 406. - Hansard, Th. C., _Typographia_ 76. - Hansen, Paul Botten-, _La Norvège littéraire_ 449. - Harpel, O. H., _Typograph_ 126. - Hase, Dr. O., Breitkopf & Härtel 321. - Hatin, E., _Histoire du Journal en France_ 221. - Hausius, K. G., Biographie J. G. I. Breitkopfs 321. - Hering, A., Die Galvanoplastik 294. - _Histoire de l'imprim. centrale_ 197. - _History of the Balantyne Press_ 82. - Hodgson, T., _An Essay on stereotype printing_ 37. - Hoffmann, F. L., _Ouvrages conc. l'histoire etc. en Belgique_ 227. - Hoffmann, J., _Catalogus van chin. Matrijzen_ 227. - Hoffmann, L., Gesch. der Bücherzensur 262. - Hugo, Th., _The Bewick Collector_ 80. - -- _Bewicks wood cuts_ 80. - _Imprimerie E. Guyot_ 232. - _Imprimerie Jouaust_ 215. - _L'imprimerie, Journal de la typogr._ Edit. G. Charavay 195. - Inigo -- _Lallemant frères_ 247. - Jackson & Chatto, _A treatise on wood engraving_ 26. - Journal f. Buchdruckerkunst. Gegr. von Heinr. Meyer. - Kapp, Fr., Der deutsch-amerikan. Buchhandel 132. - -- Der deutsch-amerikan. Buchdruck im vor. Jahrh. 132. - -- Zur Geschichte der preuss. Censur 262. - Kanitz, F., Serbien 459. - Kelle, Dr. J., Die deutsche und die lateinische Schrift 256. - Kelly, _Directory of stationers, printers etc._ 96. - Kirchhoff, Dr. A., Litteratur u. Buchhandel a. Schl. d. XVIII. Jahrh. - 267. - Klemm, H., Die Planotypie 303. - Knight, Ch., _The old printer and the modern press_ 95. König & Bauer, - Die ersten Druckmaschinen 54. - -- Verzeichniss der ersten 2000 Schnellpressen 1873 311. - Kramer, G., A. H. Francke 353. - Künste, Die graphischen, 428. - Kugelmann, J., _Histoire de l'imprimerie en Portugal_ 246. - Lama, _Vita di G. Bodoni_ 233. - Landseer, Th., _Life and letters of W. Bewick_ 80. - Lenormand, Handb. d. gesammten Papierfabrikation 278. - Lepsius, C. R., _Stand.-Alphabet_ 286. - _Literature, The periodical, of the United States_ 135. - _Loi de la liberté de la presse 1881_ 170. - Lorck, C. B., Geschichte d. Ver. d. Buchh. in Leipzig. Jubelschr. 264. - -- Die graphischen Künste auf der Ausstellung zu Wien 1873. - -- Der Buchh. u. d. graph. Künste auf d. Ausst. zu Leipzig 1879 326. - Lorenz, C. G., Zur Erinnerung an G. J. Göschen 330. - Lorilleux, Ch., _Sur la fabrication des encres_ 160. - Lott, Ludw., Der Buchdruck auf der Wiener Ausstellung 1873. - Lottin, _Catalogue chronologique des libraires et imprimeurs_ 186. - McKellar, Th., _The American printer_ 34. - -- _Typographical advertiser_ 34. - McKellar, Smiths & Jordan, _Specimenbook_ 33. - Mackie, A., _Italy and France. An Editor's Holiday Tour_ 47. - Madden, R. R., _The history of Irish periodical Litterature_ 88. - Maillard, F., _Histoire de 150 journaux_ 221. - -- _Hist. de la presse parisienne_ 221. - Mallou, J., _Les journaux belges_ 232. - Martinet, E., _Rapport sur l'imprim. et la librairie. Expos. univ. - 1878_. - Masson, G., _Rapport sur les arts graphiques. Vienne 1873_ 213. - Masson, V., _Notice nécrologique_ 209. - Maverik, A., _The N.-York Press_ 116. - May, F. L., _Press-guide_ 88. - _Memoir, Biographical, of Luke Hansard_ 78. - _Mémoire sur la contrefaçon en Belgique_ 231. - Mendez, F., _Tipogr. Española_ 244. - Meyer, H., Handbuch der Stereotypie 37. - Mirecourt, Eug. de, _Fabrique de romans_ 193. - Mitchell, C., _The newspaper press Directory_ 88. - Mittheilungen des Deutschen Buchdrucker-Vereins. - _Model-printer, The._ Edit. Kelly 125. - Mohr, L., Die periodische Fachpresse 28. - Motteroz, C., _Essai sur les grav. chimiques_ 201. - Mühlbrecht, Otto, Der holländische Buchhandel. - Müller, L., Die Fabrikation des Papiers 278. - Munday, E., _Historical sketch of the public Ledger_ 119. - Muquardt, C., _De la contrefaçon_ 231. - Nachdrucker, Der gerechtfertigte, (J. T. v. Trattner) 416. - Nationaldruckerei, Die, in Lissabon 1873 247. - Neudegg, Freisauff v., Die Ektypographie für Blinde 426. - Noble, F., _The principles of colour printing_ 67. - Nordin, J. G., und G. E. Klemming, _Svensk Bogtryckeri-Historia_ 451. - _Notice sur la vie de L. Hachette_ 213. - Nyrop, C., _Bianco Luno og den danske Bogtrykkerkonst_ 452. - -- _Bidrag til den danske Boghandels Historie._ 2 Bde. 442. - -- _Christian Sörensen_ 445. - Ottino, G., _La stampa periodica etc. in Italia_ 238. - Parton, J. -- _G. W. Childs_ 119. - -- _The life of Horace Greely_ 118. - Perthes, C. T., Friedrich Perthes' Leben. - Petit, L. D., _Geschiedenis der Vereenigung_ 227. - Phototypie Benziger 411. - Piil, C., Die Chemitypie 444. - Pitou, E., _La famille Didot_ 177. - Porvy, de, _Précis sur la Stéréotypie_ 151. - Pothast, Aug, Die Abstammung d. Familie Decker 358. - Powell, J. M., _Select specimens_ 32. - Preuschen, A. G., Grundriss d. typometrischen Geschichte 406. - _Printing times, and Lithographer._ Edit. C. W. A. Wyman. - Prinz, A., Der Buchhandel von 1815-1863 267. - Probenalbum v. J. Klinkhardt 288. - Propaganda, _Specimen characterum_ 243. - Prutz, R. E., Geschichte d. deutsch. Journalismus 269. - Publikationen des Börsenvereins. - _Publishers, Circular_, London. - _Publishers weekly_, New-York. - Querard, J. M., _Quelques mots sur M. Bossange père_ 218. - Raffelsberger, Franz, Proben der ersten graphischen Typen 420. - _Register, The printer's._ Edit. J. M. Powell. - _Reglem. over de vereenigung etc._ 227. - Riego, A. de, _Catalogue des obras impr. de J. A. de Macedo_ 247. - Roseleur, F. v., Handbuch der Galvanoplastik 294. - Rowell, G. P., _The man who advertise_ 116. - Sampson, H., _A history of advertising_ 88. - Savage, W., _Diction. of printing_ 57. - Schäfer, J. Chr., Sämtliche Papierversuche 278. - Schasler, Max, Die Schule d. Holzschneidekunst 297. - Schlotke, Ferd., Bericht über die Londoner Ausstellung 1861. - Schmid, Ant., _Ottaviano dei Petrucci da Fossombrone_ 324. - Schnee, Aug., _Trente ans de la littérature Belge_ 231. - Seelhorst, Dr. G., Katechismus der Galvanoplastik 294. - Senefelder, A., Lehrbuch der Steindruckerey 7. - Silbermann, _Alb. d'impressions_ 205. - -- _Album typographique_ 205. - Sirven, Alfr., _Journaux et Journalistes_ 221. - Smalian, H., Handbuch f. Buchdr. im Verkehr m. Schriftgiess. 146. - Smiles, F., Fr. König 54. - Soennecken, F., Das deutsche Schriftwesen 256. - _Specimen Exchange, The printers international_ 105. - Statut d. Börsenvereins v. 1880 265. - Steche, R., Zur Geschichte d. Bucheinbandes (a. d. Arch. d. D. B.) 278. - Steiger, E., Der Nachdruck in Nordamerika 132. - -- _The periodical litterature of the United States_ 116. - Stiftungen, Die, A. H. Franckes 353. - _Tentoonstelling Amsterdam_ 1881 228. - Texier, Ed., _Histoire des journ._ 221. - Theinhardt, F., Liste hieroglyphischer Typen 286. - _Trade List, Uniform annual_ (Amerika) 128. - Trentsensky, Jos., Erzeugung von Schriften _en haut-relief_ 426. - Truelsen, M., _Statistisk Oversigt over Typographien i Danmark_ 444. - _Typologie Tucker._ Edit. Henry J. Tucker 195. - Typographia, Helvetische. - Typographische Mittheilungen von J. G. Schelter & Giesecke 287. - Unger, J. Fr., Denkmal eines Berlin. Künstlers (J. G. Unger) 365. - -- Probe einer neuen Art deutscher Lettern 365. - Unger, O. L., Flüchtige Blicke a. d. letzten 40 J. d. Buchdruckerk. - 365. - Vorwärts, Zeitschr. f. Buchdrucker. - Wegelin, P., Die Familie Haas 406. - Wehle, J. H., Die Zeitung 269. - Werdet, E., _De la Librairie Française_ 163. - -- _Études bibliographiques_ 177. - -- _Histoire du livre en France_ 163. - Whitaker, _Reference Catalogue_ (England) 96. - Wilson, J. F., _Stereotyping and electrotyping_ 37. - -- _Typographic Print. machine_ 64. - Wolff, C., Ueber d. gegenw. Zust. d. Buchhandels in Bayern 304. - Wuttke, H., Die deutschen Zeitschriften 269. - Zähnsdorf, J. W., _The art of Bookbinding_ 104. - -[Illustration] - - LEIPZIG, DRUCK VON W. DRUGULIN. - -[Illustration] - - * * * * * - -Anmerkungen zur Transkription: - -Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden übernommen, -und offensichtliche Druck- und Setzfehler wurden korrigiert. - -Der Schmutztitel wurde entfernt. - -Kursiver Text wurde mit Unterstrich (_Text_) und gesperrter Text mit -Dollarzeichen ($Text$) markiert. - -Die Ligatur oe wurde als [oe] dargestellt. - -Das Acut über dem Buchstaben c wurde als ['c] und der Hatschek über dem -Buchstaben S als [VS] dargestellt. - -Das geometrische Zeichen Quadrat wurde als [Quadrat] und das gestorben -Zeichen als [+] dargestellt. - -Die Tabellen auf Seite 276 und 277 wurden zusammengefasst. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Handbuch der Geschichte der -Buchdruckerkunst, by Carl B. Lorck - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HANDBUCH DER GESCHICHTE *** - -***** This file should be named 60888-8.txt or 60888-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/0/8/8/60888/ - -Produced by Peter Becker, Jens Nordmann and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This -file was produced from images generously made available -by The Internet Archive) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country outside the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you'll have to check the laws of the country where you - are located before using this ebook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The -Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm -trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - |
