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-The Project Gutenberg EBook of Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst, by
-Carl B. Lorck
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
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-this ebook.
-
-
-
-Title: Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst
- Zweiter Teil. Wiedererwachen und neue Blüte der Kunst. 1751-1882.
-
-Author: Carl B. Lorck
-
-Release Date: December 9, 2019 [EBook #60888]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HANDBUCH DER GESCHICHTE ***
-
-
-
-
-Produced by Peter Becker, Jens Nordmann and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This
-file was produced from images generously made available
-by The Internet Archive)
-
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-
-
- HANDBUCH DER GESCHICHTE
-
- DER
-
- BUCHDRUCKERKUNST
-
- VON
-
- CARL B. LORCK.
-
-
- ZWEITER TEIL
-
- WIEDERERWACHEN UND NEUE BLÜTE DER KUNST
-
- 1751-1882.
-
- [Illustration]
-
- LEIPZIG
-
- VERLAG VON J. J. WEBER
-
- MDCCCLXXXIII.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
- _VORBEMERKUNG_
-
- _zu dem zweiten Teil._
-
-
-_Indem ich den Schlussteil meines Handbuches der Geschichte der
-Buchdruckerkunst etwas später und nicht unwesentlich umfangreicher,
-als es in der ursprünglichen Absicht lag, der Öffentlichkeit übergebe,
-geschieht es, trotz der wohlwollenden Aufnahme, welche dem ersten Bande
-sowohl seitens der Presse als des Publikums zuteil wurde, nur mit
-vermehrter Zaghaftigkeit._
-
-_Seite für Seite nähert sich die Darstellung einer Periode, in welcher
-jeder dem Fach angehörende Leser nicht nur zu den Zuschauenden, sondern,
-durch längere oder kürzere Zeit, in mehr oder weniger hervorragender
-Weise zu den Mitwirkenden gehört. Von den Leistungen dieser Periode
-wird er sich selbst ein Bild gemacht haben und eine fertige Meinung
-mitbringen. Über Einzelheiten wird derselbe nicht selten genauer
-unterrichtet sein, als der Verfasser des Buches, und wird deshalb leicht
-geneigt sein, streng über letzteren zu Gericht zu sitzen, der genötigt
-war, die Leistungen der verschiedenen Völker auf dem typographischen
-Gebiete als Gesamtmasse und in ihrem Verhältnis zu einander auf einem
-mässigen Raume in gedrängter Übersicht vorzuführen und dem deshalb
-manches weniger bedeutend erscheinen könnte, was vielleicht dem Leser
-von einem nationalen, lokalen oder persönlichen Standpunkte von
-grösserer Bedeutung vorkommt. So kann es leicht geschehen, dass der
-Betreffende sein Ideal oder seinen Lieblings-»Meister« nicht oder nur
-mit wenigen Worten erwähnt findet oder dass über einen Gegenstand,
-welchen die Fachjournale die Pflicht hatten, ausführlich zu erörtern,
-nur eine kurze Notiz gegeben ist. Diesen Lesern muss ich zu bedenken
-geben, einerseits, dass der vorliegende Band einen Zeitraum von fast
-anderthalb Jahrhunderten des mächtigsten Fortschreitens der Kunst in der
-alten und neuen Welt umfasst, andererseits, dass ein geschichtliches
-Handbuch weder ein technisches Lehrbuch noch ein geschäftliches
-Adressbuch oder ein empfehlender Preiscourant für Fabrikanten sein kann
-und darf._
-
-_In der Innehaltung der richtigen Grenze des zu Besprechenden liegt eben
-die Hauptschwierigkeit eines geschichtlichen Handbuches, welches bis auf
-den heutigen Tag heranreicht. Dass indes diese Grenze überall richtig
-getroffen sein sollte, darf ich nicht behaupten. Missgriffe und Fehler,
-sowohl hinsichtlich des Weggelassenen als des Besprochenen, können bei
-der grossen Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit des Stoffes und bei der
-Unmöglichkeit, überall gleichmässig orientiert zu sein, wohl vorkommen,
-nur hoffe ich, dass man ein tendenziöses Hervorheben oder Weglassen mir
-nirgends wird nachsagen können._
-
-_Über die in diesem Bande befolgte Gruppeneinteilung habe ich mich
-bereits in dem Vorwort zum ersten Bande ausgesprochen. Wenn ich auch
-bestrebt gewesen bin, jedem der maassgebenden Hauptländer sein Recht
-werden zu lassen, so ist es doch selbstverständlich, dass Deutschland
-den Anspruch auf eine etwas detailliertere Behandlung als England
-und Frankreich hatte, doch hoffe ich, das erlaubte Maass zugunsten
-Deutschlands nicht überschritten zu haben._
-
-_Obwohl die Bedeutung einer Offizin für die Geschichte sich keineswegs
-immer nach Zahl der Pressen oder der beschäftigten Arbeiter messen
-lässt -- die berühmte Kunstdruckerei von H. Reiss in Wien arbeitete mit
-»einer« Handpresse und »einem« Drucker --, so schien es doch geboten,
-zur Vervollständigung eines Gesamtbildes des grossartigen Wirkens der
-heutigen Presse den Umfang der grösseren Offizinen anzudeuten, obwohl
-bei der Aufzählung einer Reihe von Firmen Monotonie nicht ganz zu
-umgehen war. Dasselbe gilt von den statistischen Angaben über ganze
-Länder oder einzelne Städte. Sie sind hauptsächlich auf Mitteilungen aus
-den Jahren 1880-1882 begründet, ohne sich durchweg an ein und dasselbe
-Jahr zu halten, was für den Zweck einer allgemeinen Übersicht ohne
-Bedeutung war._
-
-_Hätte ich die Gewissheit, das mir gesteckte Ziel, über welches
-ebenfalls im Vorworte zum ersten Bande näheres gesagt wurde, erreicht
-zu haben: »mit dem enormen aufgespeicherten Material aufzuräumen,
-das Nutzlose zu beseitigen und in das zurückbleibende Wertvolle
-einigermassen Ordnung und Übersichtlichkeit zu bringen«, so würde ich
-mit grosser Befriedigung die Feder nach vollbrachter, jahrelanger
-mühsamer Arbeit weglegen; jetzt kann ich es nur mit dem Bewusstsein
-thun, dass ich ehrlich bemüht gewesen, nicht gar zu weit hinter der
-Aufgabe zurückzubleiben._
-
- _Leipzig, den 24. Oktober 1883._
-
- _Carl B. Lorck._
-
-
-
-
-[Illustration]
-
- INHALTS-VERZEICHNIS.
-
- Seite
- EINLEITUNG.
-
- DAS LICHT UND DIE CHEMIE ALS FÖRDERER DER TYPOGRAPHIE.
-
- Wiederbelebung der Buchdruckerkunst. Das geistige und das
- physische Licht. Photographie, Lithographie, Chemigraphie.
- -- Alois Senefelder und der chemische Druck, Musiknoten-,
- Landkarten-, Ölbild- und Aquarelldruck, anastatischer Druck.
- Die Daguerreotypie. Die Silberphotographie, die Photographie
- und die Druckkunst, das Woodbury-Verfahren, der Lichtdruck,
- die Alberttypie, der photographische Lichtdruck, die
- Photolithographie. -- Verschiedene Hochdruckversuche: die
- Chemitypie, die Zinkhochätzung, ihre Vorzüge und Mängel, ihre
- Zukunftsstellung 3-20
-
-
- ERSTES BUCH.
-
- DIE ANGLO-AMERIKANISCHE GRUPPE.
-
- EINFÜHRUNG IN DAS ERSTE BUCH (23-28).
-
- I. KAPITEL.
-
- SCHRIFTGIESSEREI UND SETZMASCHINEN DER ANGLO-AMERIKANISCHEN GRUPPE.
-
- DIE SCHRIFTGIESSEREI: W. Caslon II., J. Jackson, D. Bruce,
- Mac Kellar Smiths & Jordan u. a. Die Holztypen. Der
- Blindendruck. Lord Stanhopes Stereotypie. DIE GIESSMASCHINE:
- Nicholson, Elihu White, D. & G. Bruce, Johnson und
- Atkinson, Westcotts Giessmaschine. DIE SETZMASCHINE, frühere
- Versuche: T. Alden, W. Mitchell, A. Fraser u. a. Hattersley,
- Kastenbein, Mackie. Der _Matrix compositor_ und ähnliche
- Apparate 29-48
-
- II. KAPITEL.
-
- DIE DRUCK- UND HÜLFSMASCHINEN DER ANGLO-AMERIKANISCHEN GRUPPE.
-
- DIE HANDPRESSE. Lord Stanhope und seine Nachfolger:
- Cogger, Clymer u. a. Die Auftragmaschine. Die Glätt-
- und Prägmaschine: Bramah. DIE SCHNELLPRESSE: Friedrich
- König in England, Bensley, John Walter, der 29. November
- 1814, Kränkungen Königs, seine Abreise von London,
- Walters Eintreten für ihn. Die Nachfolger Königs:
- Napier, Applegath & Cowper, Hoe u. a. Die Endlosen: W.
- Bullock, die Walter-Maschine u. a. Die Mehrfarbe-Endlose.
- Die Tretmaschine. Die Ausleger, die Anleger. DIE
- SATINIERMASCHINE. DIE FEUCHTAPPARATE. DIE BRONCIERMASCHINE.
- DIE FALZMASCHINE. DIVERSE HÜLFSMASCHINEN. WALZEN UND FARBE.
- DIE MATERIALIENHANDLUNGEN 49-72
-
- III. KAPITEL.
-
- DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE ENGLANDS.
-
- ENGLAND. AUFBLÜHEN DER TYPOGRAPHIE: J. Baskerville, Bowyer
- Vater und Sohn, J. Nichols, Miller-Ritchie, W. Bulmer, Th.
- Bensley, Hansard Vater und Sohn. DIE XYLOGRAPHIE: Thom.
- Bewick. DER FARBENDRUCK: G. Baxter, W. Savage, W. Congreve.
- Oxford, Cambridge, Edinburgh u. a. DIE ZEITUNGSPRESSE: Die
- _Times_ und die Familie Walter; Stempel; telegraphischer
- Verkehr; Inseratenwesen; Statistisches. DER ACCIDENZDRUCK.
- DER BUCHHANDEL: Die illustrierten Blätter, Ch. Knight. Der
- Bibeldruck. Die Bibliophilie: Lord Spencer, T. F. Dibdin. DIE
- BUCHBINDERKUNST.
- ASIEN: Indien, China, Japan, der Indische Archipel. --
- AUSTRALIEN, die Südseeinseln. -- AFRIKA 73-114
-
- IV. KAPITEL.
-
- DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE NORDAMERIKAS.
-
- WACHSTUM DER PRESSE. DIE ZEITUNGEN: Statistisches, der
- _Herald_, Horace Greeley und die _Tribune_, G. Childs
- und der _Ledger_, die Familie Harper, Frank Leslie und
- die illustrierte Presse. Die Holzschneidekunst. DIE
- BUCHDRUCKEREI UND DER BUCHHANDEL: Die Staatsdruckerei und der
- Accidenzdruck, Organisation des Buchhandels. Grosse Druck-
- und Verlagsfirmen: Appleton, Lippincott, Houghton u. a.,
- Einfluss des deutschen Elements, Nachdruck deutscher Werke,
- deutsche Buchhandlungen und Zeitungen. DAS PAPIER 115-136
-
-
- ZWEITES BUCH.
-
- DIE ROMANISCHE GRUPPE.
-
- EINFÜHRUNG IN DAS ZWEITE BUCH (139-144).
-
- V. KAPITEL.
-
- DIE SCHRIFTGIESSEREI UND DIE MASCHINEN IN FRANKREICH.
-
- DIE SCHRIFTGIESSEREI: Das Schriftsystem Didots, seine
- Anglaise, Molé. Orientalia. Notendruck, E. Duverger, Charles
- Derriey und das typographische Ornament. HOLZSCHNITT und
- Hochätzung. DIE STEREOTYPIE: Daulé, Gaveaux, Jannin. DIE
- MASCHINEN: Marinoni, Alauzet, Dutartre u. a. Die Utensilien.
- Farbe. Papierfabrikation. DIE BUCHBINDEKUNST 145-162
-
- VI. KAPITEL.
-
- DER STAAT UND DIE PRESSE In FRANKREICH. DIE SCHÖPFER DER NEUERN
- TYPOGRAPHIE.
-
- DER STAAT UND DIE PRESSE unter Ludwig XVI., der Revolution,
- Napoleon I., der Restauration, dem Bürgerkönigtum, Napoleon
- III. DIE ÄLTEREN BUCHDRUCKEREIEN: Die Staatsdruckerei und
- die Didot in ihrem Einflusse auf die Typographie, die
- Familien Panckoucke, Barbou, Lottin, Treuttel & Würtz,
- Berger-Levrault, Dentu, Crapelet 163-190
-
- VII. KAPITEL.
-
- DIE MODERNE TYPOGRAPHIE FRANKREICHS UND DAS BUCHGEWERBE.
-
- DAS AUFLEBEN DES BUCHGEWERBES. Die Prachtwerke. Neue
- Bahnen. Der _Cercle de la Librairie_. Die Fachlitteratur.
- Statistisches. Die Journallitteratur. DIE MODERNE
- TYPOGRAPHIE: A. Mame & Co., H. Fournier, P. Dupont, J.
- Claye, N. Chaix, H. Plon u. a. DER ILLUSTRIERTE VERLAG: Ch.
- Furne, J. Dubochet, J. Paulin. DIE LUXUSBÜCHER: L. Curmer,
- G. Silbermann, Engelmann Vater & Sohn. DIE VERSCHIEDENEN
- RICHTUNGEN DES BUCHHANDELS: Baillère, Masson, Hachette &
- Co. u. a. DER ARCHAÏSTISCHE DRUCK: L. Perrin, D. Jouaust.
- DIE BIBLIOGRAPHIE: Die Buchhandlungen für das Ausland.
- Statistisches 191-224
-
- VIII. KAPITEL.
-
- DIE ZWEIGE DER ROMANISCHEN GRUPPE.
-
- DIE NIEDERLANDE: Zurückgehen der Kunst. Der Nachdruck. Die
- neuere Typographie Hollands und Belgiens. -- ITALIEN: G.
- Bodoni. Langsame Fortschritte. Venedig, die Mechitaristen.
- Panfilo Castaldi. Der Buchhandel, die Familie Pomba. Rom, die
- Druckerei der Propaganda. Erfreuliche Aussichten. -- SPANIEN:
- J. Ibarra. Madrid. Barcelona. PORTUGAL: Die Staatsdruckerei.
- SÜDAMERIKA: Buenos Aires, Rio de Janeiro, Lima, Cuba, Mexiko.
- -- NORDAFRIKA: Algier, Ägypten. TÜRKEI: Aufblühen und Verfall
- der Kunst. Jetzige Lage 225-252
-
-
- DRITTES BUCH.
-
- DIE GERMANISCHE GRUPPE.
-
- EINFÜHRUNG IN DAS DRITTE BUCH (253-260).
-
- IX. KAPITEL.
-
- ALLGEMEINER ÜBERBLICK ÜBER DAS DEUTSCHE PRESSGEWERBE.
-
- Gedrückter Zustand des Pressgewerbes. Nachdruck und
- Presspolizei. Die kaiserl. Bücherkommission. Die Presse in
- den einzelnen Bundesstaaten. Die nationale Litteratur. Reform
- des Buchhandels. Der Börsenverein. Die Bücherproduktion. Der
- Buchdrucker-Verband und der Prinzipal-Verein. Statistisches.
- Die Papierfabrikation. Die Buchbinderkunst, der Masseneinband
- und die Handarbeit 261-280
-
- X. KAPITEL.
-
- DIE SCHRIFT UND DIE ILLUSTRATION IN DEUTSCHLAND-ÖSTERREICH.
-
- Aufschwung der Schriftgiesserei. Ed. Hänel. Die deutsche
- Druckschrift. Walbaum Vater und Sohn. Hamburg, Berlin,
- Leipzig, Frankfurt a. M. Österreich. G. Haase, C. Faulmann.
- Die Stereotypie, die Galvanoplastik, die Dynamo-Elektrik.
- Die Giessmaschine. DIE ILLUSTRATION: Verfall im XVIII.
- Jahrhundert, Wiedererwachen des Holzschnittes. Die Unger,
- Gubitz, Unzelmann, Kretzschmar u. a. Österreich: Prestel,
- Höfel, Knöfler u. a. Die Planotypie. Die Stigmatypie: Carl
- Fasol 281-304
-
- XI. KAPITEL.
-
- DIE TYPOGRAPHISCHEN MASCHINEN IN DEUTSCHLAND.
-
- Fr. König und die Schnellpresse. Die Bedeutung derselben.
- Jugendgeschichte Königs. Seine Rückkehr aus England.
- Etablissement König & Bauer in Oberzell. Kampf und Sieg.
- Die Zweifarbenmaschine. Die Endlose. Die Maschinenfabrik
- Augsburg und andere Fabriken Deutschlands. Helbig & Müller in
- Wien und andere Fabrikanten Österreichs. Die lithographische
- und die zinkographische Schnellpresse. Die Handpressen. Die
- Satinier-Schnellpresse. Die Farbenfabrikation 305-320
-
- XII. KAPITEL.
-
- DAS ZENTRUM DER GERMANISCHEN GRUPPE.
-
- J. G. I. Breitkopf, seine Reformen, der Musiknotendruck
- vor Breitkopf und dessen Verbesserungen, Breitkopf &
- Härtel. G. J. Göschen. Friedr. Arnold Brockhaus und seine
- Nachfolger. B. G. Teubner. Karl Tauchnitz. Fr. Nies und
- seine Nachfolger. B. Tauchnitz. Das Jubelfest 1840. Giesecke
- & Devrient. Das Bibliographische Institut. Verschiedene
- Offizinen Leipzigs. -- Dresden: Meinhold & Söhne u. a.
- Halle: Waisenhausdruckerei, Schwetschke & Sohn. -- Weimar:
- Hofbuchdruckerei. -- Gotha: Just. Perthes. -- Braunschweig:
- Vieweg & Sohn, G. Westermann, Dr. Heinrich Meyer und das
- Journal für Buchdruckerkunst 321-356
-
- XIII. KAPITEL.
-
- DER NORDEN DER GERMANISCHEN GRUPPE.
-
- BERLIN: Wachsende Bedeutung. Die Familie Decker, Unger
- Vater und Sohn, Gebr. Unger, Familie Spener, Reimer,
- Mittler u. a. Ed. Hänel-Gronau. Die Zeitungsdruckereien.
- Die Accidenzdruckereien. Die lithographischen und sonstigen
- Kunstanstalten. Breslau. Frankfurt a. O. Posen. Königsberg.
- Danzig. Stettin. Lübeck. Hamburg. Bremen. Hannover. Köln: Die
- Offizin der »Kölnischen Zeitung« 357-382
-
- XIV. KAPITEL.
-
- DER SÜDEN DER GERMANISCHEN GRUPPE.
-
- Emporwachsen Stuttgarts: Die Familie Cotta. J. B. Metzler.
- Die illustrierte Litteratur. Ed. Hallberger, Gebr. Kröner u.
- a. Die Xylographie. Der Buchhandel. Statistisches. Tübingen.
- München: Aufschwung aller graphischen Künste: Kasp. Braun,
- Fr. Hanfstängl, J. Albert, Fr. Bruckmann u. a. Nürnberg.
- Regensburg. Augsburg. Rheinische Städte. Frankfurt a. M.
- Mainz und das Einweihungsfest. Freiburg i. Br. Dornach: Ad.
- Braun. Strassburg: Das Gutenbergdenkmal, die Bibliothek.
- DIE SCHWEIZ. Lokale Schwierigkeiten. Basel: Die Familie Haas.
- Zürich: Orell Füssli & Co., Kartographie. St. Gallen: Chr.
- Zollikofer. Einsiedeln: Gebr. Benziger. Bern 383-412
-
- XV. KAPITEL.
-
- DER OSTEN DER GERMANISCHEN GRUPPE.
-
- Presszustände in Österreich. J. T. Trattner. J. G. Trassler.
- J. v. Kurzbeck. A. Schmid. Familie Gerold. J. V. Degen. A.
- Auer. Die Hof- und Staatsdruckerei. W. v. Braumüller. Das
- Museum und die Gesellschaft für vervielfältigende Kunst.
- Der Buchdrucker-Verein. Neuere Buchdruckereien Wiens. Die
- Druckereien in den Provinzen. UNGARN. Druckereien in Budapest
- und an anderen Orten. Statistisches aus Österreich-Ungarn 413-440
-
- XVI. KAPITEL.
-
- DIE ZWEIGE DER GERMANISCHEN GRUPPE.
-
- DÄNEMARK. Fortschritte der Typographie: B. Luno, Gebr.
- Thiele, C. Ferslew & Co. u. a. Die Chemitypie: C. Piil. Die
- Giessmaschine: L. Brandt. Die Setzmaschine: C. Sörensen.
- Die Schreibkugel: Malling Hansen. Island. Grönland.
- NORWEGEN. Geistiges Leben. SCHWEDEN. Norstedt & Söner,
- Central-Tryckeriet u. a. FINNLAND. RUSSLAND und POLEN. Die
- Staatsdruckerei und andere Offizinen. Das Zeitungswesen.
- DIE DONAULÄNDER: Serbien, Rumänien, Bulgarien. GRIECHENLAND 441-464
-
-
- REGISTER.
-
- A. Namen- und Sachregister 465-487
-
- B. Nachweis der angeführten Quellenschriften 488-493
-
- * * * * *
-
-
-
-
- EINLEITUNG.
-
- [Illustration]
-
- DAS LICHT UND DIE CHEMIE
- ALS FÖRDERER DER TYPOGRAPHIE
-
-[Illustration]
-
- DAS LICHT UND DIE CHEMIE ALS FÖRDERER DER TYPOGRAPHIE.
-
-Wiederbelebung der Buchdruckerkunst. Das geistige und das physische
- Licht. Photographie, Lithographie, Chemigraphie. -- Alois
- Senefelder und der chemische Druck, Musiknoten-, Landkarten-,
- Ölbild- und Aquarelldruck, anastatischer Druck. Die Daguerreotypie.
- Die Silberphotographie, die Photographie und die Druckkunst,
- das Woodbury-Verfahren, der Lichtdruck, die Alberttypie, der
- photographische Farbendruck, die Photolithographie. -- Verschiedene
- Hochdruckversuche: die Chemitypie, die Zinkhochätzung, ihre Vorzüge
- und Mängel, ihre Zukunftsstellung.
-
-[Sidenote: Wiederbelebung der Buchdruckerkunst.]
-
-Als die Grenze des allmählichen Rückganges, teilweise der Erniedrigung
-der Buchdruckerkunst, von welcher der Leser in dem ersten Teil der
-Geschichte bereits Kenntnis nahm, zugleich als der Ausgangspunkt einer
-neuen Entwickelung zum Besseren kann das dritte Jubeljahr der Erfindung
-bezeichnet werden. Nicht lange nach diesem Zeitpunkt beginnt eine, fast
-durch mehr als ein Jahrhundert sich erstreckende ununterbrochene Kette
-von Verbesserungen und neuen Erfindungen auf dem Gebiete der Druckkunst,
-so dass diese um die Zeit der vierten Jubelfeier, begünstigt von dem
-überall aufblühenden, frischeren geistigen, politischen und gewerblichen
-Leben, ihre zweite Glanzperiode antritt, inmitten welcher wir uns jetzt
-noch befinden, von der festen Zuversicht durchdrungen, dass unsere
-Nachkommen von einem abermaligen Herabsteigen von der erklommenen Höhe
-nicht zu berichten haben werden.
-
-In der letzten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts knüpften die
-Verbesserungen und Erfindungen noch behutsam an das Bestehende an; von
-dem Beginn unseres Jahrhunderts an ging es aber mit Sturmschritten auf
-neuen Bahnen unaufhaltsam vorwärts.
-
-[Sidenote: Die Maschinen.]
-
-»Meister Blutlos« hatte das Scepter in die Hand genommen und je mehr wir
-uns unseren Tagen nähern, um so uneingeschränkter wurde die Herrschaft
-dieses Meisters, »der aus dem Gedanken des Menschen Leben trank und
-Nahrung zog, die seinen eisernen Gliedmassen Kräfte verlieh, welche der
-Mensch selbst nicht besitzt«.
-
-Doch nicht genug hiermit. Der graphischen Kunst entstanden neue mächtige
-Bundesgenossen in der alles belebenden Sonne und in den geheimen Kräften
-der Natur, in deren nimmer rastende Werkstätte die Chemie uns einen
-belehrenden Einblick eröffnet hatte.
-
-[Sidenote: Das Licht.]
-
-Indem Gutenbergs Kunst der Menschheit zu dem geistigen Licht der
-Kenntnisse verhalf, durch welche es ihr gelang, sich die Kräfte des
-physischen Lichts dienstbar zu machen, erreichte sie zugleich, dass
-das letztere nunmehr seinerseits eines der wichtigsten Mittel zur
-Verbreitung der geistigen Erleuchtung wurde: die Sonne selbst zeigte
-sich als eine direkte Förderin der Druckkunst, wennauch zugleich als
-eine gefährliche Konkurrentin, deren Macht zu weichen jedoch selbst
-unserm Altmeister nicht zur Unehre gereichen würde, denn in der
-Photographie mit den vielen in ihr wurzelnden Reproduktionsverfahren
-liegen Kräfte, welche denen des Hercules in der Wiege gleichen. Sie
-zeigen sich jetzt schon als ganz ausserordentliche, obwohl sie sich noch
-in den ersten Stadien ihrer Entwickelung befinden und erst ahnen lassen,
-welche Umwälzung sie der Druckkunst in der Zukunft bereiten können.
-
-[Sidenote: Lithographie.]
-
-[Sidenote: Chemigraphie.]
-
-Eine junge, als Förderin der graphischen Kunst jedoch ältere Kraft denn
-die ewige Sonne, wuchs in der LITHOGRAPHIE empor. Wennauch diese Kunst
-heute bereits aufgehört hat, den hervorragenden Platz zu behaupten, den
-sie eine zeitlang als Produzentin künstlerischer Schwarzdrucke einnahm,
-so macht sie sich um so mehr im Farben- und Lichtdruck um Wissenschaft
-und Kunst, Industrie und Gewerbe verdient; hat jedoch schon eine neue,
-nach mehreren Richtungen hin glückliche Mitbewerberin um die Gunst des
-Publikums in der CHEMIGRAPHIE gefunden, welcher, wie es scheint, eine
-grosse Zukunft bevorsteht.
-
-[Sidenote: Die typographischen Institute.]
-
-So sehen wir heute eine Reihe von graphischen Verfahren mit der
-Typographie zur Herstellung der mannigfachsten Druckwerke je nach ihrer
-Eigenart einträchtig zusammen wirken. Jedes dieser Verfahren kann seine
-eigentümlichen Vorzüge geltend machen und zugleich die Kräfte der
-anderen benutzen. Deshalb pflegen auch die grösseren typographischen
-Institute von heute gewöhnlich gleichzeitig mehrere Verfahren,
-wodurch sie imstande sind, Arbeiten für die verschiedensten Zwecke
-der Wissenschaft, der Bildung, des Handels, des bürgerlichen und des
-staatlichen Lebens in einer Vollendung zu liefern, wie sie durch eine
-einzelne dieser Künste nicht zu erreichen gewesen wäre.
-
-[Sidenote: Zurücktreten der Person.]
-
-Jedoch, je mächtiger die Technik vorwärts schritt, je allgemeiner
-der Dampf, das Licht und die Chemie das Übergewicht erlangten,
-um so mehr musste die Biographie aufhören, als Mittelpunkt der
-Geschichtschreibung zu dienen, während sich in den früheren Perioden die
-Teilnahme vorzugsweise auf hervorragende Männer richtete, die mit dem
-historischen, zumteil auch mythischen Nimbus umgeben waren und deren
-Stellung in der Geschichte der Typographie von der öffentlichen Meinung
-längst bestimmt war.
-
-Heutzutage, wo die Buchdruckerei hauptsächlich, wennauch im besten
-Sinne, eine auf Grossbetrieb angelegte Fabrik geworden, ist die Maschine
-und das Fabrikat in den Vordergrund getreten. Der Besitzer einer
-vortrefflichen Buchdruckerei ist jetzt nicht immer ein vortrefflicher
-Buchdrucker, dessen Name in der Geschichte fortleben wird, sondern oft
-nur ein gut rechnender Kaufmann, der imstande war, das beste Material
-anzuschaffen, und klug genug, um durch einen tüchtigen Dirigenten
-und tüchtige Arbeiter das zu ersetzen, was ihm selbst fehlt. Das
-Individuum tritt somit gegen die Gesamtsumme der Tüchtigkeit und
-des Unternehmungsgeistes eines ganzen Volkes und -- das müssen wir
-allerdings hinzusetzen -- gegen die Summe von dessen Kapital zurück.
-
-[Sidenote: Der internationale Verkehr.]
-
-Doch auch ganze Völker verlieren nach und nach viele ihrer
-Eigentümlichkeiten und selbstverständlich sind es namentlich die
-kleineren unter denselben, oder die in der Kultur zurückgebliebenen, die
-sich von der Anziehungskraft der grossen Zentren beeinflusst fühlen.
-Wie in der Politik, der Litteratur, der Kunst und dem Handel der
-Kirchturmsausblick dem kosmopolitischen Fernblick Platz machte, so auch
-in der Typographie. Je leichter der Verkehr zwischen den Nachbarländern
-sich gestaltet, um so leichter und schneller eignet sich ein Volk die
-Vorzüge und Erfindungen des anderen an. Diese Leichtigkeit geht so weit,
-dass es, obgleich es sich oft um eine uns nahe liegende Vergangenheit
-handelt, nicht mehr zu konstatieren ist, wem oder welchem Lande diese
-oder jene Erfindung gehört. Der Eine wirft einen Gedanken hin; der
-Andere nimmt ihn auf und arbeitet ihn weiter aus; der Dritte macht einen
-unpraktischen Versuch damit; dem Vierten erst gelingt die Durchführung.
-Oft geschieht diese Aneignung unwillkürlich, oft entsteht ein Gedanke
-gleichzeitig bei Mehreren; die Luft ist sozusagen mit Erfindungsstoffen
-geschwängert.
-
-Unter solchen Verhältnissen wird es, je mehr wir uns der Jetztzeit
-nähern, desto schwieriger, eine streng gesonderte Behandlung der
-typographischen Geschichte jedes einzelnen Volkes, jeder Stadt, jeder
-Firma beizubehalten, denn Eigentümlichkeiten machen sich hauptsächlich
-nur in den grösseren Gruppen bemerkbar.
-
-[Sidenote: Die Gruppenbildung.]
-
-Von solchen bildeten sich im Laufe der Zeit drei: die
-ANGLO-AMERIKANISCHE, die ROMANISCHE und die GERMANISCHE. Nicht immer
-war die nationale und sprachliche Verwandtschaft der Völker für
-die Gruppierung allein massgebend; öfters wirkten auch politische,
-merkantile und technische Verhältnisse sehr stark mit. So sehen wir,
-wie den germanischen nahe verwandte Länder, wie die Niederlande, mehr
-der romanischen Gruppe in der Typographie sich zuneigen, während die,
-dem Germanentum nichts weniger als freundlich gesinnten slawischen
-und magyarischen Völker sich in gewerblich-technischer Hinsicht der
-germanischen Gruppe anreihen. Der ferne Osten Asiens und Australien
-unterliegen der Wucht der Beherrscherin des Ozeans, während der Einfluss
-Frankreichs sich in den Umländern des Mittelmeeres, in den europäischen
-sowohl wie in den afrikanischen und asiatischen, geltend macht.
-
-Es wird unsere Aufgabe sein, in den folgenden Abschnitten die
-eigentümliche Entwickelung, welche jede dieser Gruppen, trotz der
-Amalgamierung der Völker im allgemeinen, genommen hat, zu verfolgen.
-Warum wir mit der Anglo-Amerikanischen Gruppe anfangen, daran die
-Romanische reihen, und mit der Germanischen schliessen, ergiebt sich aus
-der Geschichte.
-
-Bevor wir jedoch an diese Gruppen herantreten, um die Leistungen
-der einzelnen zu überschauen, ist es nötig, auf das Entstehen und
-Fortschreiten der erwähnten neuen Schwesterkünste der Typographie, des
-STEINDRUCKS, des LICHTDRUCKS und des ZINKDRUCKS, in ihrem Zusammenhang
-unter einander und mit der Typographie, einen Blick zu werfen[1], der
-sich allerdings innerhalb der engsten Grenzen zu halten haben wird. Die
-Reihe eröffnet dem Altersrang gemäss:
-
- [1] Die wichtigeren Erscheinungen der einschlägigen reichen Litteratur
- sind am Schlusse des Bandes zu finden.
-
-
- DIE LITHOGRAPHIE.
-
-[Sidenote: Alois Senefelder.]
-
-»Ich wünsche, dass die Steindruckerei bald auf der ganzen Erde
-verbreitet, der Menschheit durch viele vortreffliche Erzeugnisse
-vielfältigen Nutzen bringen und zu ihrer grösseren Veredlung gereiche,
-niemals aber zu einem bösen Zweck missbraucht werden möge. Dies gebe der
-Allmächtige; dann sei gesegnet die Stunde, in der ich sie erfand.«
-
-So spricht -- nicht unähnlich seinem grossen Vorgänger Gutenberg in
-der Nachschrift zu dem Katholikon (I, S. 33) -- der Erfinder der
-Lithographie ALOIS SENEFELDER in seinem berühmten Werke[2], voll des
-Dankes gegen die Vorsehung, welche ihn als Werkzeug benutzt hatte, um
-die Menschheit einer grossen Wohlthat teilhaft werden zu lassen.
-
- [2] A. SENEFELDER, Vollständiges Lehrbuch der Steindruckerey. Mit einer
- Vorrede von Fr. v. Schlichtegroll. München 1818.
-
-Sollte nun auch die Lithographie so wenig, wie die Typographie, von
-jedem unedlen Missbrauch verschont bleiben, so wiegen trotzdem bei
-beiden der »vielfältige Nutzen« und die erzielte »Veredlung der
-Menschheit« so schwer, dass der Erfinder wohl ohne Bedenken die Stunde
-der Erfindung segnen mochte. Jeder Deutsche kann aber ausserdem mit
-Stolz dieser Stunde gedenken, denn er zählt den Erfinder auch dieser,
-nach der Typographie wichtigsten der lichtbringenden Künste zu den
-Seinigen.
-
-Dass Senefelder die Ehre nicht streitig gemacht werden konnte, wie
-es mit Gutenberg geschah, dafür hatte der letztere gesorgt, so dass
-ersterer selbst in der Lage war, durch sein Werk über seine Kunst uns
-zu teilnehmenden Begleitern durch sein wechselvolles Leben und alle
-Phasen seiner Kunst zu machen. Er konnte selbst unwidersprechliches
-Zeugnis ablegen, dass es kein Verfahren in der Lithographie giebt,
-welches von ihm ungeahnt, ja unversucht geblieben wäre.
-
-Durch diese lange Reihe von Versuchen dem Erfinder zu folgen, ist hier
-nicht möglich; es sei nur erwähnt, dass Alois Senefelder am 6. November
-1771 zu Prag geboren wurde, sich der Jurisprudenz widmen sollte, jedoch,
-von unwiderstehlichem Drang geleitet, in München dem Theater als Dichter
-und Darsteller zugeführt wurde; dass er, zu arm, um seine Theaterstücke
-drucken zu lassen, nach vielen Experimenten, um eine billigere
-Herstellung zu finden, schliesslich durch Zufall auf die Entdeckung der
-Lithographie geführt wurde.
-
-[Sidenote: Wesen der Lithographie.]
-
-Das Gravieren in Stein, selbst das Ätzen eines solchen, so dass eine
-Zeichnung auf demselben erhaben zurückblieb, war nichts Neues, und
-dass die Chinesen ein lithographisches Druckverfahren hatten, wurde
-bereits (I, S. 4 und 282) erwähnt. Das Charakteristische der neuen
-Erfindung lag in der Entdeckung, dass eine mit fetter Kreide oder
-fetter Tinte auf einem Stein von besonderer Art gemachte Zeichnung
-von über ihn gegossenem Scheidewasser nicht angegriffen wird, dass
-ferner die auf den Stein aufgetragene fette Farbe nur auf der
-Zeichnung haften bleibt, von den geätzten, gummierten und gefeuchteten
-Steinflächen jedoch abgestossen wird, schliesslich, dass es möglich
-war, einen Abdruck mechanisch auf einen andern Stein zu übertragen
-und, wie in der Typographie durch die Stereotypie, durch Wiederholung
-hiervon neue Druckplatten in unbegrenzter Zahl herzustellen, wodurch
-es der Lithographie, namentlich seit Erfindung der lithographischen
-Schnellpresse, möglich geworden, der Typographie auf einzelnen Gebieten
-erfolgreiche Konkurrenz zu machen.
-
-[Sidenote: Nützlichkeit der Lithographie.]
-
-Durch die neue Kunst konnte eine massenhafte Verbreitung von
-Nachbildungen älterer und neuerer Kunstwerke in einer Schnelligkeit und
-Billigkeit stattfinden, wie sie durch den Grabstichel nicht zu erreichen
-war, was ausserordentlich zur Popularisierung der Kunst beitrug.
-Wissenschaftliche und technische Werke liessen sich durch Beigabe
-lithographischer Tafeln verständlicher machen; Nachbildungen gaben
-die Miniaturen des Mittelalters in prachtvollem Gold- und Farbendruck
-wieder; die Verkäuflichkeit der Zeitschriften und der Lieferungswerke
-fand durch schwarze, kolorierte, später durch bunt gedruckte Bilder
-einen gewaltigen Vorschub.
-
-[Sidenote: Der Notendruck.]
-
-Vor allem bemächtigte sich die Lithographie des musikalischen
-Notendruckes. Es war dies der erste Zweig, der von Senefelder selbst
-mit Erfolg betrieben wurde und ein vorteilhaftes Übereinkommen mit
-dem bekannten Musikalienhändler André in Offenbach herbeiführte, das
-jedoch später von Senefelder selbst, wohl ohne hinreichenden Grund,
-aufgehoben wurde. Der musikalische Typendruck konnte sich von jetzt
-ab nur dann bewähren, wenn der Text einen überwiegenden Teil bildete,
-namentlich also bei theoretischen Werken, oder wenn die Auflage, was bei
-musikalischen Werken nur selten vorkam, eine sehr grosse war. Ausserdem
-liess die Lithographie eine zum Kaufen anlockende Ausschmückung zu und
-jeder Walzer oder jedes sentimentale Lied erhielt ein Titelblatt mit
-schwungvoll verzierten Schriften, wenn nicht gar mit einer bildlichen
-Darstellung, als Helferin beim Absatz.
-
-[Sidenote: Der Landkartendruck.]
-
-Ein Feld, welches vom Beginn ab ebenfalls der Lithographie zufiel, war
-die Herstellung von Landkarten und Plänen. Dieser Zweig nahm nach und
-nach einen ausserordentlichen Aufschwung. Die Methode, durch Anwendung
-verschiedener Schraffierungen und Ätzungen mit wenigen Farbensteinen
-eine grosse Zahl von Farbenabstufungen hervorzubringen, ist zu hoher
-Vollkommenheit gediehen. Die Schichtlegung ist viel methodischer
-geworden und es gelang, ein naturgetreues, fast plastisches Bild zu
-geben.
-
-Wer es mit der Xylographie gut meinte, konnte sich nur freuen, dass
-sie von einem Feld abgedrängt ward, welches sie nie mit Erfolg und
-nur notgedrungen bebaut hatte. Als jedoch die Lithographie mit ihrer
-leichten Herstellungsweise Miene machte, sich des ganzen Accidenzfaches
-zu bemächtigen, welches die Typographie so lange mit Glück betrieben
-hatte, da erhob sich ein heftiger Widerstand, der Veranlassung zu ganz
-wesentlichen Fortschritten der Typographie gab. So kämpften altes und
-neues Verfahren mit einander, jenes um den bis jetzt innegehabten Platz
-zu behaupten, dieses um dem Gegner neues Terrain abzugewinnen, bis,
-wie es so oft geschieht, wenn tüchtige Gegner ihre Kräfte gemessen und
-schätzen gelernt haben, zum beiderseitigen Vorteil aus den Feinden
-Verbündete wurden.
-
-[Sidenote: Der Ölbild- und Aquarelldruck.]
-
-Eine besonders eifrig gepflegte Art des lithographischen Verfahrens ist
-der Farbendruck in den beiden Abzweigungen ÖLBILD- und AQUARELLDRUCK.
-
-[Sidenote: Die Technik des Bilderdrucks.]
-
-Das Verfahren bei der Herstellung beider ist in der Hauptsache dasselbe.
-Zuerst wird eine Pauszeichnung gemacht, auf Stein übertragen und so oft
-abgezogen als Farbensteine notwendig sind. Auf jedem der Steine werden
-nun die Partien eingezeichnet, die mit gleicher Farbe gedruckt werden.
-Für manche Platten genügt es, sie mit einer Asphaltlage zu überziehen,
-auf der man durch Schaben und Schleifen Töne in so gleichmässiger
-Abstufung erzielen kann, als wären sie mit dem Pinsel gemacht. Die
-allgemeinen, leichten Töne des Bildes werden zuerst eingedruckt,
-dann folgen die Steine mit den Lokalfarben und den Formendetails,
-schliesslich wird das Bild mit neutralen Tönen abgestimmt. Da eine neue
-Farbe die vorherige nicht verbirgt, sondern mit ihr Mischung eingeht,
-so ist es klar, einerseits, dass grosses Verständnis, grosse Erfahrung
-und ein feines künstlerisches Gefühl dazu gehört, die richtige Tiefe der
-Töne zu treffen, andererseits, dass Nüancierungen, die nach hunderten
-zählen, durch die Verschiedenheit der über einander gedruckten Farben
-und die detailliertere oder leichtere Ausführung der Zeichnungen sich
-erzielen lassen.
-
-[Sidenote: Die Torchonplatte.]
-
-Um den Eindruck des pastosen Pinselauftrags und der rauhen Malerleinwand
-oder bei den Aquarellen des rauhen Papieres, dessen man sich für die
-Aquarell-Zeichnungen bedient, hervorzubringen, werden die Pinselstriche
-oder Unebenheiten in einen Stein graviert oder geätzt und das fertige
-Bild mit diesem Stein, selbstverständlich ohne Farbenauftrag, durch die
-Presse gezogen, so dass die vertieften Stellen in dem Stein nunmehr als
-Erhabenheiten auf dem Bilde erscheinen.
-
-[Sidenote: Farbensteine.]
-
-Da zu einem gut ausgeführten Bild 20 bis 30 Farbensteine gehören, so
-sind die Kosten sehr hoch und nur die grossen Auflagen, welche durch
-die Schnellpresse sehr erleichtert sind, machen Preise möglich, die
-wenigstens fünfundzwanzigmal geringer sind, als die für eine oft
-mittelmässige Kopie. Wie weit die Chromographie es gebracht hat, beweist
-die Thatsache, dass die artistischen Anstalten es auf Ausstellungen
-wagen konnten, Original und Druck neben einander aufzuhängen, um zu
-beweisen, dass ein Blick des Kenners dazu gehört, das Original vom Druck
-zu unterscheiden, ja, dass sogar für diesen bei dem Aquarelldruck eine
-Täuschung möglich war. Vortreffliche Dienste leistet der lithographische
-Farbendruck bei Herstellung der Bilder für den, jetzt auf einer hohen
-Stufe stehenden Anschauungsunterricht.
-
-[Sidenote: Der anastatische Druck.]
-
-Nicht ohne Wichtigkeit ist der ANASTATISCHE DRUCK (von dem griechischen
-[Greek: anastasis], Auferstehung), namentlich um von älteren Drucken
-vollkommene Facsimiles herzustellen.
-
-Nachdem der alte Druck mit verdünnter Salpetersäure getränkt worden ist,
-presst man ihn an einen Stein oder eine Metallplatte. Die Säure ätzt die
-Platte mit Ausnahme der mit Schrift, die nun ein wenig erhaben dasteht,
-bedeckten Stellen. Hat jedoch der alte Druck nicht mehr Fettigkeit
-genug, um die Säure abzustossen, so kann man erstern erneuern, indem man
-das Blatt in Weinsteinsäure legt. Hierdurch werden alle unbedruckten
-Papierstellen mit kleinen Weinsteinsäure-Krystallen überzogen, welche,
-wenn man mit den Schwärzewalzen über das Papier fährt, die Schwärze
-abstossen, die nur von der alten Schrift angenommen wird. Das Experiment
-ist jedoch, da die Möglichkeit der Vernichtung des Originals vorhanden
-ist, immer bedenklich, wenn letzteres wertvoll oder gar unersetzlich ist.
-
-Das Verfahren wurde von einem Schlesier Rud. Appel erfunden und von
-Faraday nutzbar gemacht. Da eine Verfälschung von Wertpapieren durch
-dasselbe leicht möglich war, stellten Appel & Glyne ein Patentpapier
-her, dessen Zusätze die Benutzung zum Umdruck aus chemischen Gründen
-unmöglich machten.
-
-[Sidenote: Lithographiesteine.]
-
-Eine Kalamität für die Lithographie ist der beginnende Mangel an gutem
-Steinmaterial. Die Steine bester Qualität sind nur in den Solnhofener
-Brüchen in Bayern zu finden; alle anderen Steine haben sich für bessere
-Arbeiten bis jetzt nicht bewährt, obwohl kein Jahr vergeht, ohne dass
-die Nachricht durch die Blätter läuft, jetzt seien wirklich gute Steine,
-bald in Polen, bald in Algier, dann in Canada, dann bei Marseille,
-aufgefunden. Ebensowenig haben die Versuche, die Steine durch eine
-künstliche Masse zu ersetzen, Erfolg gehabt. Unter diesen Verhältnissen
-steht dem Zink, welches die eigentümlichen Eigenschaften des
-lithographischen Steines besitzt, dabei billig ist, sich leicht aufheben
-und auf einem Cylinder zum Druck anbringen lässt, ganz abgesehen von
-seiner Verwendung in der Hochätzung, eine bedeutende Zukunft in Aussicht.
-
-
- DIE PHOTOGRAPHIE.
-
-[Sidenote: _Camera obscura._]
-
-Es war sehr erklärlich, dass die _Camera obscura_, welche das Bild der
-Umgebung im kleinen auf das getreueste wiedergiebt, den Gedanken, ein
-solches Bild durch Lichtwirkung zu fixieren, weckte. Bereits im Jahre
-1802 hatte der bekannte englische Steingutfabrikant WEDGWOOD im Verein
-mit dem Chemiker DAVY Experimente zur Herstellung von Lichtbildern auf
-einem mit Höllenstein überstrichenen Papier gemacht und FOX TALBOT
-verbesserte das Verfahren. In Paris hatte NICÉPHORE NIÈPCE die grosse
-Lichtempfindlichkeit des Asphalt (Judenpech) entdeckt. Dieses Erdharz
-hat die merkwürdige Eigenschaft, dass es, obwohl für gewöhnlich sehr
-leicht löslich, dem Lichte ausgesetzt unlöslich wird. Überzieht man
-nun eine Kupferplatte damit und belichtet sie unter einer Zeichnung
-auf Papier, so wird der Asphalt auf allen Schattenstellen des Bildes
-löslich, und zwar nur dort; wischt man nun die löslichen Stellen weg
-und übergiesst die Platte mit Ätzsäure, so werden nur die blossgelegten
-Stellen angegriffen und es entsteht somit eine druckbare Platte. Man
-hatte es also bereits eigentlich mit der Heliographie zu thun, die, wie
-aus Nièpces Hinterlassenschaft hervorgeht, von ihm erkannt, jedoch nicht
-praktisch geübt worden war.
-
-[Sidenote: L. Daguerre * 1787, [+] 12. Juli 1851.]
-
-LOUIS DAGUERRE in Paris hatte mit Nièpce langezeit Versuche gemacht, um
-auf Silberplatten, die den Dämpfen des schwarzen, leichtflüssigen Jods
-ausgesetzt wurden, durch kurze Belichtung Bilder hervorzubringen; es
-wollte dies jedoch nicht recht gelingen. Da führte ein reiner Zufall
-zu der Entdeckung, dass die auf der Platte hervorgebrachten äusserst
-schwachen Bilder in dunklem Verschluss durch Quecksilberdämpfe sich
-kräftig entwickeln. Hiermit war die DAGUERREOTYPIE erfunden und wurde
-dieses Wunder am 19. August 1839 in einer Sitzung der Akademie der
-Wissenschaften in Paris der Welt verkündet.
-
-Daguerres Verbesserungen ermöglichten es, die Aufnahmezeit von
-zwanzig Minuten auf eine bis zwei zu verkürzen. Durch die von
-Professor Petzval in Wien erfundenen und von Voigtländer ausgeführten
-Portrait-Doppelobjektive wurde die Zeit auf einige Sekunden reduziert,
-damit kam die Portraitaufnahme in hohen Flor und die Erfindung machte
-schnell ihre Weltreise.
-
-[Sidenote: Die Papierphotographie.]
-
-Ein Übelstand war der Spiegelglanz der Platten, welcher den
-Totaleindruck sehr beeinträchtigte. Die gar zu grosse Treue, mit
-welcher jede Runzel, jeder Fleck und alles Nebensächliche in voller
-Stärke wiedergegeben wurde, wirkte ebenfalls störend und eine Retouche
-war unmöglich. Auch verlangte jedes Exemplar eine neue Sitzung. Die
-Versuche von Talbot und NIÈPCE DE ST. VICTOR führten nun dazu, erst ein
-Negativbild auf lichtempfindlichem Papier herzustellen, welches sich
-leicht fixieren liess, und dann von diesem durch Lichtwirkung wieder ein
-positives Bild hervorzubringen, welches in einer beliebigen Anzahl von
-Exemplaren wiederholt und retouchiert werden konnte. Statt des Papieres
-wurde für den Negativprozess später Glas genommen, welches mit einer
-mit Jodkalium versetzten Firnislösung überzogen war, bis diese durch
-Kollodium ersetzt wurde. Hiermit gelangte die Portraitphotographie
-zu einer enormen Verbreitung. Auch Landschaftsbilder wurden in
-überraschender Vorzüglichkeit geliefert.
-
-Mit ihren immer grossartigeren Erfolgen dient die Photographie nicht
-allein der Kunst durch getreueste Wiedergabe ihrer Erzeugnisse, sondern
-auch den meisten Wissenschaften: der Feldmesskunst, der Astronomie, den
-Naturwissenschaften und der Medizin; selbst das gerichtliche Verfahren
-zieht von ihr Nutzen. Viele Zweige der Industrie und des Kunstgewerbes,
-wie z. B. die Porzellan- und die Glasmanufaktur, haben in ihr eine
-grosse Förderin.
-
-[Sidenote: Photographie und Druckkunst.]
-
-Was uns jedoch hier am meisten interessiert und am nächsten liegt,
-ist die Ausführung des Gedankens, die Photographie in die Reihe der
-eigentlichen vervielfältigenden Künste einzuführen. Das Verfahren: ein
-negatives Bild in ein positives umzuändern, nimmt Zeit in Anspruch, und
-die Silberkopie, deren Haltbarkeit immerhin auch zweifelhaft bleibt, ist
-zu teuer, wenn es sich um Massenproduktion handelt. Man suchte deswegen
-nach Auswegen, die in verschiedener Weise gefunden wurden.
-
-[Sidenote: Tiefdruckplatten.]
-
-FOX TALBOT entdeckte im Jahre 1852, dass der, durch eine chromsaure
-Kali-Leimlösung auf einer Stahlplatte gebildete Überzug im trockenen
-Zustande eine Schicht bildet, die, vom Lichte getroffen, unlöslich,
-jedoch, im Dunkeln aufbewahrt, mit Wasser sich auflösen lässt. Er
-belichtete nun eine solche Schicht unter einer Zeichnung oder einem
-positiven Glasbilde. Hierdurch wurden die vom Licht getroffenen Stellen
-der Schicht unlöslich, die durch die dunklen Partien der übergelegten
-Zeichnung oder Platte geschützten Stellen behielten jedoch ihre
-Auflöslichkeit. Wurden nun letztere im Dunkeln abgewaschen, so blieben
-erstere als eine Zeichnung auf bräunlichem Grunde zurück. Diese wurde
-nun geätzt und so entstand ein vertieftes Bild, wie es für den Stahl-
-oder Kupferdruck erforderlich ist. Ein anderes Verfahren übte G.
-SCAMONI, ein Deutscher aus Würzburg und Angestellter der Staatsdruckerei
-in St. Petersburg, aus. Er hatte bemerkt, dass ein photographisches
-Negativ ein, wennauch sehr schwaches Relief bildet, in welchem die
-durchsichtigen Stellen (also die Schatten) tief erscheinen, während
-die undurchsichtigen (die Lichter) hoch sind. Dieses Relief liess sich
-mittels chemischer Einwirkung durch Niederschläge erhöhen. Hierdurch
-gewann man ein Relief, fast so hoch, wie eine Kupferdruckplatte
-tief ist. Über dieses Relief wurde galvanisch eine Tiefplatte
-niedergeschlagen und man hatte somit eine druckbare Kupferplatte. Durch
-die Photographie waren beliebige Vergrösserungen oder Verkleinerungen
-möglich und Scamoni schaffte namentlich in letzterer Weise kleine
-Wunderwerke, die bei der Wertpapier-Fabrikation unschätzbar sind.
-
-[Sidenote: Hochdruckplatten.]
-
-Für die Typographie musste jedoch die Herstellung von HOCHDRUCKPLATTEN
-durch die Photographie noch von unendlich grösserem Werte sein. Gelang
-es, dieses Problem in wirklich praktischer Weise zu lösen, so war ein
-unendliches Feld für die Typographie erworben.
-
-[Sidenote: Paul Pretzsch.]
-
-In dieser Richtung ist namentlich PAUL PRETZSCH, ein Österreicher, von
-hoher Bedeutung. Durch Belichtung der mit salpetersaurem Silber, Jodkali
-und doppeltchromsaurem Kali überzogenen Platte wird in bereits erwähnter
-Weise das erhabene Bild hergestellt. Nachdem es die genügende Festigkeit
-erlangt hat, wird eine Guttapercha-Mater darüber gepresst und nun ist
-es möglich, jenachdem das Bild ein negatives oder positives war, eine
-Platte für Tief- oder Hochdruck zu bilden. Während indes die vertieften
-Platten ihren Zweck vollständig erfüllten, waren die Resultate der
-Hochplatten nicht vollkommen genügend. Die Vertiefungen waren, und das
-ist die Klippe für alle bisher gemachten Versuche in dieser Richtung,
-nicht genügend, um zu verhindern, dass die Schwärze in diese drang
-und den Druck schädigte. Eine Hauptschwierigkeit ist namentlich das
-Hervorbringen der Halbtöne.
-
-[Sidenote: Das Woodbury-Verfahren.]
-
-Ein vortreffliches Verfahren zur Herstellung von Tiefdruckplatten
-ist der nach dem Erfinder genannte WOODBURYDRUCK. Nachdem man durch
-Belichtung in bereits geschilderter Weise ein Gelatinerelief nach einem
-Negativ auf einer Stahlplatte gebildet hat, wird es mit einer Platte
-von einem weichen Metall bedeckt. Beide Platten werden dann in einer
-hydraulischen Presse einem starken Druck ausgesetzt. Hierdurch gewinnt
-man eine druckbare Platte wie bei dem Naturselbstdruck. Der Drucker
-arbeitet an einem rotierenden Tisch, auf welchem sechs kleine Pressen,
-in der Art der Kopierpressen, stehen. Er tröpfelt eine warmgemachte,
-halb durchsichtige Gelatineschwärze auf die Platte, bedeckt diese mit
-dem Papier und bringt sie unter die Presse. Bis er mit allen sechs
-Pressen durch ist, hat sich die Farbe in der ersten zu einem schwachen
-Relief erhärtet, das in den dünnen Lagen weniger dunkel erscheint, als
-in den dicken. Bei den in der Dicke abnehmenden Stellen der Platte
-entsteht ein Übergang vom Dunkleren zum Helleren, gleich den Halbtönen
-in der Photographie, und somit ein der letzteren in der Wirkung ganz
-ebenbürtiges, dazu vollständig unveränderliches Bild.
-
-In London übte die _Relief Printing Company_ das Verfahren. In
-Frankreich wurde es durch Goupil & Co. in Asnières bei Paris und in
-Deutschland durch Fr. Bruckmann in München zu hoher Vollkommenheit
-gebracht. Da auch die Herstellung des Bildes auf Glas möglich ist,
-so lassen sich prächtige Transparentbilder schaffen; auch ist die
-Verwendung für die Stereoskopie und die _Laterna magica_ von Bedeutung.
-
-[Sidenote: Der Lichtdruck.]
-
-[Sidenote: Die Alberttypie.]
-
-Verschieden von diesem Verfahren ist der eigentliche LICHTDRUCK. Die
-Leimchromatschicht hat die Eigenschaft, dass sie in ihren belichteten
-Stellen für die fette Farbe empfänglich wird. Überfährt man nun mit
-einem nassen Schwamm einen belichteten Leimchromatbogen, so saugt er
-das Wasser nur an den nicht belichteten Stellen auf. Färbt man ihn
-dann mit fetter Schwärze ein, so bleibt diese nur an den belichteten
-Stellen haften, und legt man das Papier darauf, so erhält man einen
-Abdruck in unveränderlicher fetter Farbe. Dieses von POITEVIN entdeckte
-Verfahren ist namentlich von J. ALBERT in München für die Praxis zur
-Vollkommenheit gebracht. Albert brachte die Gelatinelösung auf Glas
-und setzte die Rückseite für einige Augenblicke der Belichtung aus,
-wodurch die Masse auf das festeste mit dem Glas verbunden wurde. Von der
-Vorderseite wird die Schicht mit einem Negativ bedeckt und hierdurch die
-Platte in schon bekannter Weise hergestellt. Zum Druck bedient man sich
-der Walzen, und eine gut behandelte Platte hält bis zu 1000 Abdrücke aus.
-
-[Sidenote: Der photographische Farbendruck.]
-
-Die ebenfalls von Albert geübte FARBENPHOTOGRAPHIE wird durch drei
-Aufnahmen, die eine durch rotes, die zweite durch blaues, die
-dritte durch gelbes Glas, auf mit verschiedentlichen Substanzen
-behandelten Platten erzielt. Alle übrigen Farben erhält Albert durch
-Übereinanderdrucken dieser drei Platten mit drei Lasurfarben, deren Wahl
-den reinen Tönen des Sonnenspektrums genau entsprechen muss.
-
-Nächst Albert hat sich besonders OBERNETTER in München um den Lichtdruck
-verdient gemacht. Ganz besonders eignet sich dieser für die Wiedergabe
-von Bleistift- und Kreidezeichnungen. Will man den Lichtdruck an Glanz
-der Silberphotographie ähnlich machen, so wird er mit Lack überzogen.
-Mit einander verglichen, hat der Woodburydruck den Vorzug in der
-Wiedergabe der dunkleren Partien, der Lichtdruck in derjenigen der
-helleren.
-
-[Sidenote: Die Photolithographie.]
-
-Die PHOTOLITHOGRAPHIE, welche ebenfalls Poitevin ihre Existenz verdankt,
-hat mit dem Lichtdruck manches gemeinsame, aber auch von diesem
-wesentliche Verschiedenheiten. Poitevin überzog einen Stein mit der
-bekannten Lösung und stellte nach dem Negativ ein Chromobild her, das
-nur in den vom Licht getroffenen Stellen die Farbe annahm. Anfänglich
-fehlte es an den Halbtönen, die beim Waschen verlorengingen. Asser
-und Osborne versuchten es mit einem Umdruckverfahren von auf Papier
-erzeugten Bildern; die Abdrücke blieben jedoch auf Grund der körnigen
-Beschaffenheit des Steines sehr hinter der Photographie zurück,
-namentlich in den Mitteltönen, und das Verfahren eignete sich deshalb
-nicht ganz für die Wiedergabe von Kunstblättern. Die PHOTOZINKOGRAPHIE
-bietet, da die Zinkplatte dieselben Eigenschaften besitzt wie der
-lithographische Stein, nichts Eigentümliches.
-
-[Sidenote: Kartographie.]
-
-Für die KARTOGRAPHIE hat die Photolithographie eine ganz besondere
-Wichtigkeit auf Grund der Schnelligkeit in der Herstellung und der
-Leichtigkeit, die Originale zu vergrössern oder zu verkleinern.
-Eine nützliche Bereicherung der Kartographie wurde ebenfalls durch
-die Photolithographie möglich, indem man erst Reliefkarten in Gips
-herstellte und diese photographierte resp. photolithographierte. Die in
-dieser Weise hergestellten Karten wirkten wie Reliefs.
-
-
- DIE ZINKOGRAPHIE.
-
-[Sidenote: Die ersten Hochdruckplatten.]
-
-So höchst wertvoll alle diese Verfahren für das Buchgewerbe waren, so
-war damit doch die Hauptaufgabe, Hochdruckplatten zu gewinnen, die sich
-auf der Buchdruckpresse mit Text zusammen leicht drucken lassen, noch
-nicht ganz erreicht. Es sollte dies in anderer Weise gelingen.
-
-Wenn der lithographische Stein geätzt wird, so ist das darauf
-zurückbleibende Bild in gewisser Beziehung ein erhabenes, jedoch ist
-diese Erhabenheit nicht genügend für den Druck auf der Buchdruckerpresse
-und da in dieser das Feuchten des Steines ausserdem nicht thunlich,
-würde der Stein sich vollschmieren. Es wurden deshalb viele Versuche
-gemacht, durch weitere, stärkere Ätzung dem Bilde die genügende Höhe zu
-geben. Bereits Senefelder hatte solche angestellt. Schon vor Ablauf des
-XVIII. Jahrhunderts brachten DUPLAT und SUSEMIHL aus Darmstadt in Paris
-recht gelungene Hochätzungen in Stein sowohl, als in Metall zustande.
-Duplat gab in dieser Weise 1812 Lafontaines Fabeln und Gessners Idyllen
-heraus. 1826 druckte der Kupferstecher W. ERHARD eine Broschüre über
-die Hochätzung; 1827 nahmen DIDOT und MOTTE ein Patent, ihr Verfahren
-kam jedoch nicht zur Ausführung. 1832 hatte BAUCKELLER Hochätzungen
-geliefert. 1834 wurde der Metallhochschnitt von A. DEMBOUR in Metz
-geübt, der 1835 sein Verfahren, EKTYPOGRAPHIE, in einer Broschüre
-schilderte. Dasselbe war schon in Deutschland bekannt und in einem
-Werke, »Das Thierreich« von Dr. J. J. KAUPP, verwendet. Lithographischen
-Hochdruck brachte JUL. BAUMGÄRTNER in Leipzig zur Ausführung und nannte
-ihn seine Erfindung, worüber sich ein heftiger Federkrieg entspann,
-denn die Kunst war schon vor mehreren Jahren von GIRARDET in Paris
-geübt, der damit einen Preis von 2000 Franken gewann. Es scheint jedoch,
-als habe Baumgärtner in gutem Glauben gehandelt. Alle diese Versuche,
-sowie die bereits oben erwähnten von Pretzsch und anderen mit erhabenen
-Kupferplatten, hatten jedoch keinen rechten Erfolg und die Praxis ergab
-so viele Misstände, dass dem grossen Betrieb nicht mit dem Verfahren
-geholfen war.
-
-Schliesslich wurden in der CHEMITYPIE und der ZINKHOCHÄTZUNG zwei
-Verfahren erfunden, die, wenn sie auch in vielen Fällen den Holzschnitt
-nicht ersetzen können, in anderen wieder vor letzterem Vorzüge und neben
-demselben jedenfalls eine grosse Zukunft haben.
-
-[Sidenote: Die Chemitypie.]
-
-Die beiden Verfahren werden oft als identisch betrachtet, sie sind es
-jedoch nicht. Bei der Chemitypie, von dem Dänen C. PIIL erfunden und
-in Leipzig zur Ausführung gebracht, wird eine Zinkplatte zuerst mit
-Deckgrund überzogen und dann die Zeichnung mit der Nadel gemacht und
-tiefergeätzt. Die vertiefte Zeichnung wird mit einem leicht flüssigen
-Metall ausgegossen und mit der Oberfläche der Zinkplatte, von welcher
-der Deckgrund entfernt wurde, gleichgeschabt oder -geschliffen.
-Hierauf wird die ganze Platte einer Ätzung unterworfen, welche nur den
-blossliegenden Zink angreift, aber nicht das hineingegossene Metall,
-so dass das Bild nach der Ätzung erhaben dasteht und nun eine für die
-Buchdruckerpresse verwendbare Platte bildet. Dieses Verfahren hat
-namentlich für die Kartographie eine ganz ausserordentliche Bedeutung
-und ermöglicht, unter Zuhülfenahme der Mehrfarbenmaschine, geographische
-Kartenwerke zu unglaublich billigen Preisen zu liefern.
-
-[Sidenote: Die Zinkhochätzung.]
-
-Die Zinkhochätzung eignet sich mehr für Feder- und Kreidezeichnungen.
-Auf die Zinkplatte lässt sich, wie auf lithographischen Stein, mit
-präparierter Kreide oder fetter Tusche leicht zeichnen oder malen.
-Bringt man nun eine solche Zeichnung auf eine Zinkplatte oder überträgt
-man den mit fetter Farbe gemachten Abzug einer bereits vorhandenen
-Zeichnung, eines Holzschnittes, einer Lithographie oder eines
-Kupferstiches u. dgl. und ätzt die Platte, so wird nur die blossliegende
-Oberfläche des Metalls angegriffen und die Zeichnung bleibt, wie bei
-der Lithographie, stehen und tritt bei fortgesetzter Ätzung so weit
-hervor, dass sie sich auf der Buchdruckerpresse drucken lässt.
-
-[Sidenote: Vorzüge und Mängel der Hochätzung.]
-
-[Sidenote: Vergleich mit dem Holzschnitt.]
-
-Als das Hochätzungsverfahren aufkam, gab es Enthusiasten genug,
-welche meinten, dass es von nun ab mit dem Holzschnitt vorbei sei.
-Andererseits fehlte es nicht an warnenden Stimmen prinzipieller
-Gegner des Verfahrens, die von demselben nichts wissen wollten, weil
-es weder den Kupferstich, noch die Radierung oder den Holzschnitt
-vollständig ersetzen könne. Wäre die Rede davon, zwischen Xylographie
-und Hochätzung wählen und eine davon ganz fallenlassen zu müssen, so
-würde die Entscheidung kaum eine schwierige sein. Jedoch eine solche
-Entscheidung ist ja nicht zu treffen. Fehlt auch der Hochätzung der
-volle, satte Ton und die weiche Modulation des Holzschnittdruckes, so
-bleibt doch für sie ein sehr reiches Feld der Illustration übrig, auf
-welches der Holzschnitt zumteil gar nicht folgen kann. Wo es sich in
-erster Linie um das nützliche handelt, in Mustervorlagen aller Art, in
-Schriftarbeiten, Karten, in technischen und mathematischen Figuren,
-selbst in solchen künstlerischen Nachbildungen, die in Umrissen oder
-ohne bedeutende Tonabstufungen gehalten sind, wird die Hochätzung
-auf Grund der Billigkeit und der Schnelligkeit sehr oft den Vorzug
-verdienen. Aber kein Verfahren wird der durch vier Jahrhunderte
-bewährten Xylographie den Vorrang im allgemeinen streitig machen
-können. Neben den leichten, rasch verschwindenden Arbeiten werden die
-Schöpfungen der xylographischen Künstler und die Prachtwerke bleiben.
-Kein anderes Verfahren giebt dasselbe Kolorit, die Klarheit und
-Mannigfaltigkeit in der Abstufung der Töne, die Milde mit Kraft gepaart,
-wie der Holzschnitt. Kein Verfahren ist imstande, bei guter Ausführung
-die Zeichnung des Meisters in seinem Charakter so treu wiederzugeben;
-keins hat die Fähigkeit, den Mängeln einer weniger guten Zeichnung
-so geschickt abzuhelfen. So wenig die Zahl der Bücher sich durch die
-Zeitungen vermindert, so wenig werden die xylographischen Kunstwerke
-durch Zeitungsillustrationen in den Hintergrund gedrängt werden. Wenn
-Zeit und Kosten nicht zu scheuen sind, wird man immer zum Holzschnitt
-greifen.
-
-[Sidenote: Die Hochätzung und die Tagespresse.]
-
-In einer Beziehung wird aber die Hochätzung die Illustrationsmethode
-der Zukunft werden, nämlich, sobald die Frage der illustrierten
-Tagesblätter ernstlich auf die Tagesordnung gestellt wird. Da schlagen
-die Schnelligkeit der Hochätzung und ihre Billigkeit, wenn sie
-inzwischen nicht durch neue Erfindungen verdrängt wird, durch. Eine in
-geeigneter Weise vom Zeichner behandelte Skizze, die z. B. zeitig am
-Nachmittage der Offizin einer illustrierten Zeitung übergeben wird, kann
-noch abends umgezeichnet und in eine druckbare Platte verwandelt gegen
-Mitternacht in der Presse sein, um dann, mit einer Schnelligkeit von
-10-12000 Exemplaren in der Stunde auf der Rotationsmaschine gedruckt,
-in den Frühstunden in den Händen des Publikums zu sein. Zugegeben auch,
-dass augenblicklich eine Stunde oder zwei noch zugelegt werden müssten,
-so ist das Erwähnte im grossen und ganzen kein Phantasiebild und die
-Möglichkeit vorhanden, innerhalb der kürzesten Zeit eine Illustration
-für ein Tageblatt herzustellen. Allerdings müssen dann die Zeichnungen
-auch der Reproduktionsweise angepasst sein, es muss sozusagen eine
-Art Stenographie der zeichnenden Kunst entstehen. Eine besondere
-Ausbildung wird notwendig dazu sein, Zeichner für ein Tageblatt zu
-werden. Die Akademiker werden vielleicht die Nase rümpfen über einen
-solchen »Spezial-Artisten«, wie der Gelehrte über »unsern eignen
-Korrespondenten«. Die Kunst wird für diese Richtung ein Kunstgewerbe
-werden. Aber es entstehen wichtige, lohnende und ehrenvolle Stellungen
-für talentvolle Jünglinge, von denen viele als Akademiker verkümmern
-würden. Das wirkliche Genie wird jedoch durch dieses künstlerische
-Reportertum ebensowenig zugrunde gehen, wie z. B. Charles Dickens durch
-seine Reporterwirksamkeit verhindert wurde, ein Dichter ersten Ranges zu
-werden.
-
-Die Reproduktionsweisen sind da, es darf den Künstlern nicht nachgesagt
-werden, dass die Räder der Presse ihnen zu schnell gehen, dass die
-Chemie und die Sonnenstrahlen sich zu zeitig zu ihrer Disposition
-gestellt hätten.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
- ERSTES BUCH.
-
- DIE ANGLO-AMERIKANISCHE GRUPPE.
-
-[Illustration]
-
- EINFÜHRUNG IN DAS ERSTE BUCH.
-
-
-[Sidenote: Die englische Presse.]
-
-Wenn die Presse in dem Zeitabschnitt von der dritten bis zur vierten
-Jubelfeier der Buchdruckerkunst einen derartigen Aufschwung nahm,
-dass man ihr einen Platz unter den Grossmächten einräumte, so hat man
-dies ganz besonders ENGLAND zu verdanken. Nirgends hat man, nachdem
-schon frühzeitig der schwere, jedoch erfolgreiche Befreiungskampf der
-Presse gegen ihre Feinde geführt war, es in gleichem Masse verstanden,
-die Unabhängigkeit derselben von aller Despotie von oben und unten
-zu schützen, wie dort. Nirgends ist der Einfluss der Presse auf die
-öffentliche Meinung ein grösserer und wohlthätigerer gewesen; nirgends
-ist sie in gleicher Weise von dem Vertrauen des Publikums getragen
-worden, und nirgends hat sie sich eines solchen Vertrauens durch ihre
-Festigkeit und ihr Fernhalten von unreinen Tendenzen würdiger gezeigt,
-als in England. Kein Volk war so, wie das englische, von dem Bewusstsein
-durchdrungen, welch ein Palladium es in seiner freien Presse besass,
-ein Bewusstsein, welchem der bekannte Staatsmann und Dichter Sheridan
-in den stolzen Worten Ausdruck verlieh: »Gebt mir meinetwegen einen
-Tyrannen zum König, ein widerhaariges Oberhaus und ein demoralisiertes
-Unterhaus, lasst mir aber die Presse und ich will sie alle über den
-Haufen werfen«.
-
-[Sidenote: Verdienste der Engländer.]
-
-Kein Wunder, dass die Engländer, als einmal dies Bewusstsein von
-der Wichtigkeit der Presse bei ihnen Wurzel gefasst hatte, nun
-auch vor allen anderen Völkern es sich angelegen sein liessen,
-der Buchdruckerkunst ihre Teilnahme zu bekunden und sie derartig
-auszubilden, dass sie die ihr zu teil gewordene grosse Aufgabe auch
-vollständig zu erfüllen imstande war. Während in dem XVI. Jahrhundert
-druckende und zeichnende Kunst in so glänzender Weise auf dem Kontinente
-sich verbunden hatten, leisteten die Engländer auch nicht annähernd
-das, was Deutschland, Italien, Frankreich oder selbst die Niederlande
-schafften. Als jedoch mit dem XIX. Jahrhundert die Aufgaben der Presse
-für das politische und praktische Leben immer grössere Dimensionen
-annahmen, da waren es die Engländer, die mit dem ihnen innewohnenden
-praktischen Sinn, verbunden mit ihrer Energie, allen anderen voran ihr
-Augenmerk auf die technische Vervollkommnung der Kunst richteten, so
-dass von nun an der Schwerpunkt der typographischen Geschichte mehr in
-der Geschichte der mechanischen Erfindungen als in der der ausübenden
-Buchdrucker liegt.
-
-Und da werden wir sehen, wie fast alle Verbesserungen und weitgehenden
-Reformen in der Technik der Druckkunst, der Schriftgiesserei, der
-Xylographie, der Farbenfabrikation, der Stereotypie und des Pressenbaues
-aus England stammen. Ja, selbst die rasche Einführung der deutschen,
-alle anderen weit hinter sich lassenden Erfindung der Schnellpresse
-haben wir, nach des Erfinders eigenen Worten, nur England zu verdanken,
-nicht minder die Dienstbarmachung des Dampfes für die Zwecke der
-Typographie.
-
-[Sidenote: Nordamerika.]
-
-NORDAMERIKA gebührt der Ruhm, neben dem Mutterlande sehr vieles zur
-Vervollkommnung des typographischen Apparats beigetragen zu haben.
-Hinsichtlich des Pressenbaues, der Stereotypie und der Schriftgiesserei
-zahlte es seine typographische Schuld mit Zins vom Zins an das
-Mutterland redlich zurück, und nicht selten hatten die Erfindungen,
-welche in letzterem geschäftlich ausgebeutet wurden, ihre Heimat jenseit
-des Ozeans, nicht selten wurden auch wieder englische Erfindungen dort
-der Vollkommenheit nähergebracht.
-
-Somit ist die typographische Geschichte Amerikas mit derjenigen Englands
-so eng verknüpft, dass beide sich nicht von einander trennen lassen,
-und wollen wir nicht Gefahr laufen, in der Erzählung vorzugreifen und
-Anachronismen zu begehen, so müssen wir den neuesten Abschnitt der
-Geschichte mit der anglo-amerikanischen Gruppe beginnen; lässt es sich
-doch nicht einmal umgehen, die Anfänge der Erfindung Fr. Königs in dem
-dieser Gruppe gewidmeten Kapitel zu behandeln.
-
-[Sidenote: Die Typographie Englands.]
-
-Betrachten wir die Erscheinungen der Typographie der
-Anglo-amerikanischen Gruppe und zunächst die ENGLANDS genauer, so
-finden wir, dass diese denselben Charakter der Solidität an sich
-tragen, der überhaupt den englischen Fabrikaten eigen ist. Kein Land
-hat in der Typographie der Mode geringere Konzessionen gemacht, als
-England. Es behielt seine breiten, etwas plumpen, aber sehr leserlichen
-Schriften bei und war selbst im Accidenzfache mit der Verwendung aller
-der unzähligen Zierschriften, die man gemeiniglich in Deutschland für
-nötig hielt, äusserst sparsam. Kann man auch nicht behaupten, dass
-sich in allen englischen Arbeiten ein geläuterter Geschmack kundgiebt,
-so bringen doch, selbst wo dieser fehlen sollte, in der Regel die
-Vorzüglichkeit des Materials, die Einfachheit, die Sauberkeit und die
-Korrektheit einen so befriedigenden Gesamteindruck hervor, dass man
-nicht zum Reflektieren über einen etwaigen Verstoss gegen den feinen
-Geschmack kommt.
-
-Dass England in INDIEN, OST-ASIEN und AUSTRALIEN seinen typographischen
-Einfluss geltend gemacht hat, versteht sich von selbst, ebenso, dass wir
-nicht berechtigt sind, aus diesen Erdteilen jetzt schon Erzeugnisse,
-die einen ganz besonderen typographischen Wert besitzen, zu verlangen,
-überall zeigt sich jedoch ein sehr rüstiges Vorwärtsschreiten, an
-welchem selbst der äusserste Vorposten der Kultur, JAPAN, sich eifrigst
-beteiligt.
-
-[Sidenote: Die Typographie Amerikas.]
-
-Die Typographie NORDAMERIKAS kann keineswegs als blosser Abklatsch
-von derjenigen Englands betrachtet werden; sie hat sich vielmehr ihre
-eigenen Wege gebahnt.
-
-In der Mannigfaltigkeit der Schriften wetteifert Amerika mit
-Deutschland, und es findet auch ein reger Verkehr der deutschen und
-amerikanischen Schriftgiessereien statt, der sich hauptsächlich auf
-Tausch von Matrizen gründet. Überhaupt geht ein gewisser germanischer
-Duktus durch die amerikanische Typographie; man liebt nicht die
-presbyterianische Einfachheit des englischen Werkdruckes, und ein in
-Deutschland mit Antiquaschrift gedrucktes Buch ähnelt viel mehr einem
-amerikanischen, als einem englischen oder französischen Presserzeugnis.
-
-[Sidenote: Xylographie.]
-
-Fassen wir auch die englische Xylographie, welche in dieser Periode
-einen enormen Aufschwung nahm, ins Auge[3].
-
- [3] J. JACKSONS und W. A. CHATTOS: _A treatise on wood engraving_
- enthält in der zweiten Ausgabe von 1839 ein Zusatz-Kapitel:
- _Artists and engravers on wood of the present day_ von HENRY
- G. BOHN. Dasselbe giebt eine grosse Auswahl von Proben der
- Kunst neuerer englischer Zeichner und Holzschneider, jedoch
- ohne Charakteristik derselben und ohne kritische Würdigung der
- Leistungen.
-
-Wie das gedruckte Wort den Gedanken eines Autors nicht in allgemeinen
-Grundzügen, sondern Wort für Wort, Buchstabe für Buchstabe, wie
-er niedergeschrieben wurde, wiedergeben soll, so ist es auch die
-eigentliche Aufgabe des Holzschneiders, jeden Strich wiederzugeben,
-wie der Zeichner ihn auf dem Holze gezeichnet hat. Eine andere Aufgabe
-hat der Kupferstecher. Ihm liegt ein in Farben ausgeführtes Bild oder
-eine Zeichnung vor, die in einer ganz anderen Manier behandelt ist,
-als die, in welcher er seinen Stich zu geben hat. Der Stecher hat
-seine ganz selbständige Technik. Ist er auch nicht mit dem Autor eines
-Dichterwerkes zu vergleichen, so doch mit einem poetisch begabten
-Übersetzer, dem es nicht gelingen würde, das Gedicht im Geist des
-Originals wiederzugeben, wenn er nicht selbst von dem Geiste beider
-Sprachen, der des Originals sowohl als der der Übersetzung, durchdrungen
-ist. Wenn deshalb der Stecher mit wenigen Ausnahmen auch dem Urheber des
-Bildes nachsteht, so steht er, wenn er ein Meister seiner Kunst ist,
-doch auf einer höheren Kunststufe als der Holzschneider, dessen erste
-Eigenschaft grösste Gewissenhaftigkeit ist.
-
-[Sidenote: Eigentümlichkeiten der engl. Schule.]
-
-So sollte es immer sein; in der Praxis stellt sich jedoch die Sache
-nicht selten anders. Denn wie es Autoren giebt, deren Gedanken wohl
-korrekt und verständlich sind, die aber dennoch keinen schönen Stil
-besitzen, so geht es oft mit dem Zeichner, der für den Holzschnitt
-arbeitet. Manchmal würde der Holzschneider dem Zeichner keinen Gefallen
-erweisen, wenn er genau so schneiden würde, wie letzterer zeichnete. Oft
-begnügt sich der Zeichner sogar mit einer estompierten Skizze, wo dann
-dem Holzschneider die gleiche Aufgabe obliegt, wie sie dem Kupferstecher
-zufällt, wenn dieser die Zeichnung in die Stichmanier zu übertragen
-hat. Und hiermit kommen wir auf die nationalen Eigentümlichkeiten
-der englischen Holzschnitte. In diesen ist der Tonschnitt ganz
-vorherrschend; für den englischen Holzschneider existieren kaum
-Konturen, viel weniger innere Linien. Nachdem er sich den Ton roh
-vorgeschnitten hat, verfährt er ganz selbständig. Ton wird auf Ton
-gelegt, ohne Scheidung durch Konturen. Er gewinnt in dem Technischen
-eine grosse Fertigkeit und kann unter Umständen, wenn er seine Sache
-versteht, aus einer schlechten Zeichnung einen anziehenden Schnitt
-zuwege bringen; er kann aber auch auf das gründlichste eine schöne
-Zeichnung verderben, die vom Künstler darauf berechnet war, in jedem
-Strich ihre Geltung zu behalten. Zeichnungen nun nach einer Richtung,
-wie die Jos. Führichs, oder, nach einer entgegengesetzten, wie die Ad.
-Menzels würden, auf englische Manier behandelt, vollständig charakterlos
-werden.
-
-Im Landschaftlichen, wo alles auf die Farbe und den Ton ankommt, wird
-der Engländer Meister sein; in Figuren, überhaupt überall, wo das
-Hauptgewicht auf die charakteristische Linie und den individuellen
-Ausdruck des Künstlers fällt, wird er in der Regel zurückbleiben. Das
-alles ist bei der Beurteilung der englischen xylographischen Werke ins
-Auge zu fassen.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Die Quellen.]
-
-Zusammenhängende Darstellungen der neueren Geschichte der
-Buchdruckerkunst, die als Stützpunkte für die folgende Schilderung
-sowohl der anglo-amerikanischen Gruppe als der beiden anderen Gruppen
-dienen könnten, besitzen wir nicht. Selbst die Werke bekannter Autoren,
-als Falkenstein, Didot, Dupont u. a., die sich als Geschichten der
-Buchdruckerkunst im allgemeinen betiteln, begnügen sich, was die
-bei ihrem Erscheinen »Neue« Geschichte betrifft, hauptsächlich mit
-Aufzählen einer Reihe von Namen, auch ist eine lange Zeit seit ihrer
-Veröffentlichung verflossen. Somit waren wir hauptsächlich auf ein
-Zusammensuchen der, sich oft vollständig widersprechenden Nachrichten
-aus technischen und anderen Zeitschriften; auf die nicht selten
-sehr stark gefärbten und übertreibenden Ausstellungsberichte; auf
-die technischen Lehrbücher einzelner Branchen oder Memoiren über
-einzelne Erfindungen; auf Nekrologe, Denkschriften u. dgl. und
-schliesslich auf die eigenen Wahrnehmungen angewiesen. Zwar ist die
-Fachzeitschriften-Litteratur eine ausnehmend reiche, sie hat jedoch
-mit der einzigen Ausnahme des »Journals für Buchdruckerkunst« erst
-seit den siebenziger Jahren eine eigentliche Bedeutung[4]. Diejenigen,
-welche für die Geschichtschreibung im allgemeinen die grösste Ausbeute
-geben, finden erst am Schluss des Bandes Erwähnung, um sie nicht bei
-jedem Abschnitt zu wiederholen. Dasselbe ist der Fall mit der grossen
-Anzahl von offiziellen Berichten, zu welchen die Weltausstellungen in
-London 1851 und 1862; in Paris 1855, 1867, 1878; in Wien 1873, und in
-Philadelphia 1876 Veranlassung gaben.
-
- [4] L. MOHR in Strassburg, der sich um die typographische Litteratur
- und die Bereicherung der Bibliothek des deutschen
- Buchhändler-Vereins vielfach verdient gemacht hat, lieferte,
- unterstützt von W. BLADES in London, CHR. HUBER in Paris und JOHN
- FAEHR in Cincinnati, in den »Annalen der Typographie«, IX. Bd. Nr.
- 432 und 433, ein Verzeichnis der Erscheinungen der periodischen
- Fachpresse älterer und neuerer Zeit. Ein Separat-Abdruck erschien
- 1879 in Strassburg.
-
-Die Quellen für spezielle Fälle sind, wie im ersten Teil, jedesmal an
-der betreffenden Stelle angegeben.
-
-[Illustration]
-
-
-[Illustration]
-
- I. KAPITEL.
-
- SCHRIFTGIESSEREI UND SETZMASCHINEN
-
- DER ANGLO-AMERIKANISCHEN GRUPPE.
-
- Die SCHRIFTGIESSEREI: W. Caslon II., J. Jackson, D. Bruce, Mac Kellar,
- Smiths & Jordan u. a. Die Holztypen. Der Blindendruck. Lord Stanhopes
- Stereotypie. Die GIESSMASCHINE: Nicholson, Elihu White, D. & G.
- Bruce, Johnson und Atkinson, Westcotts Giessmaschine. Die
- SETZMASCHINE, frühere Versuche: T. Alden, W. Mitchell, A. Fraser u.
- a. Hattersley, Kastenbein, Mackie. Der _Matrix compositor_ und
- ähnliche Apparate.
-
-[Sidenote: W. Caslon II. [+] 17. Aug. 1778.]
-
-William Caslon dem ältern, dem Begründer der Selbständigkeit der
-englischen SCHRIFTGIESSEREI, folgte in rühmlicher Weise der schon 1742
-als Teilnehmer in das väterliche Geschäft aufgenommene Sohn WILLIAM
-CASLON II. Dieser hinterliess als Witwe ELISABETH CARTLICH und zwei
-Söhne WILLIAM III. und HEINRICH I., welcher letztere 1788 starb, während
-William 1793 aus dem Geschäft trat. Die Frau Heinrichs, ELISABETH ROW,
-führte für ihren und ihres Sohnes HEINRICH II. Anteil das Geschäft bis
-1795 in Verbindung mit ihrer Schwiegermutter fort, nach deren Tode
-allein. Trotz ihrer schwachen Gesundheit entwickelte sie eine grosse
-Umsicht. Als sie jedoch merkte, dass trotz aller Anstrengungen das
-Renommé des Hauses etwas hinter dem jüngerer Firmen zurückblieb, liess
-sie, unter Mitwirkung eines tüchtigen Künstlers, JOHN ISAACK DRURY,
-sämtliche Schriften neu schneiden und nahm NATHANAEL CATHERWOOD zum
-Associé, der auch allen von ihm gehegten Erwartungen entsprach. Später
-associierte sich Heinrich Caslon zuerst mit JACOB JAMES CATHERWOOD, seit
-1821 mit MARTIN WILLIAM LIVERMORE. Sie führten eine neue Schreibschrift
-ein nach dem System des Franzosen Boileau.
-
-[Sidenote: Jos. Jackson * 4. Septbr. 1733, [+] 14. Jan. 1792.]
-
-Bei William Caslon II. hatte JOSEPH JACKSON gelernt. Das Verfahren
-bei der Herstellung der Stempel wurde sehr geheimgehalten und Caslon
-verschloss letztere mit grosser Vorsicht, wenn er nicht daran arbeitete.
-Jackson bohrte nun, um die Arbeit Caslons zu beobachten, ein Loch durch
-die Wand und sein Vorhaben gelang ihm auch auf diese Weise, von deren
-nicht ehrenhafter Natur er wohl kaum das volle Verständnis hatte, denn
-mit grossem Stolz zeigte er dem Meister seine Arbeit, erhielt jedoch
-eine sehr strenge Zurechtweisung. Seine Mutter kaufte ihm nun das nötige
-Handwerkzeug und er benutzte jeden freien Augenblick, um zuhause zu
-arbeiten. Nach vollendeter Lehrzeit blieb er bei Caslon, bis er, weil
-Teilnehmer an einer Lohnbewegung, zugleich mit seinem Freunde THOMAS
-COTTERELL den Abschied erhielt. Jackson ging zur See und arbeitete
-dann bei Cotterell, der ein tüchtiger Schriftgiesser geworden war, und
-versuchte später selbst sein Glück. 1790 wurde seine Giesserei durch
-Feuer zerstört, ein Schlag, von dem er sich körperlich und geistig
-nicht erholen konnte. Unter seinen vielen vortrefflichen Schriften sind
-besonders hervorzuheben die Facsimile-Type der Schrift des _Doomsday
-Book_, seine alexandrinisch-griechische Schrift, sowie die Schrift zu
-der von Th. Bensley ausgeführten berühmten Bibel von Maclin, die jedoch
-in einer späteren Ausgabe durch Schriften von V. Figgins ersetzt wurde.
-
-[Sidenote: W. Caslon III.]
-
-Bei Jacksons Tode kaufte der aus dem väterlichen Geschäft ausgetretene
-WILLIAM CASLON III. dessen Schriften. Die Giesserei wurde sehr erweitert
-und namentlich mit schönen Ornamenten vervollständigt. Das Probebuch
-von 1785 war das schönste aller bis jetzt erschienenen. Caslon übergab,
-nachdem er noch glücklich von einer längere Zeit andauernden Blindheit
-geheilt war, das Geschäft an seinen Sohn WILLIAM IV., der es 1819 an
-BLAKE, GARNETT & CO. (jetzt Blake, Stephenson & Co.) verkaufte.
-
-[Sidenote: V. Figgins.]
-
-Von Bedeutung war der eben erwähnte VINCENT FIGGINS. Er hatte bei
-Jackson gelernt und blieb bei ihm bis zu dessen Tode. So gern er es
-gewollt, konnte er doch nicht mit Caslon beim Ankauf des Geschäftes
-konkurrieren. Von Joh. Nichols kräftig unterstützt ward es ihm jedoch
-möglich, sich selbständig zu machen. Er schnitt manche schöne, zumteil
-seltene Schriften. Das Geschäft besteht noch unter der Firma V. & J.
-FIGGINS und arbeitet mit 70 durch Dampf getriebenen Giessmaschinen. Dass
-die Offizin imstande war, einer am Sonnabend vollständig abgebrannten
-Zeitungsdruckerei am folgenden Dienstag das Weiterarbeiten mit 40
-Setzern möglich zu machen, mag als Probe der Leistungsfähigkeit einer
-modernen Schriftgiesserei dienen. Auch WILLIAM MARTIN, der von Bulmer
-gestützt wurde, lieferte Vorzügliches.
-
-[Sidenote: A. Wilson * 1714.]
-
-Als Schöpfer der schottischen Schriftgiesserei wurde bereits ALEXANDER
-WILSON erwähnt (I, S. 266). Er war in St. Andrews geboren, hatte viel
-Sinn für Mechanik und Astronomie, kam jedoch 1737 nach London in eine
-Droguenhandlung. Durch Zufall sah er eine Schriftgiesserei und fasste
-sofort den Gedanken, die Herstellung der Schriften in einfacherer Weise
-als bisher herbeizuführen. Zu diesem Zwecke verband er sich mit seinem
-Freunde BAINE. Der Aufenthalt in London wurde ihnen jedoch zu teuer
-und sie zogen nach St. Andrews. Mit der Erfindung kam es nicht recht
-vorwärts, deshalb schritten die Besitzer, ohne dass sie die eigentlichen
-Kenntnisse dazu besassen, 1742 zur Einrichtung einer Schriftgiesserei
-in üblicher Weise. Die schottischen Buchdrucker, die hauptsächlich in
-Edinburgh etabliert waren, sahen gern die neue Giesserei entstehen, und
-unterstützten sie, da die Verbindung mit London noch schwierig war. Als
-Wilson & Baine, um mit dem grossen Verkehr, namentlich mit Amerika und
-Irland, leichtere Fühlung zu behalten, nach dem Dorfe CAMLACHIE bei
-Glasgow gezogen waren, beschlossen sie 1747, dass einer von ihnen nach
-Irland gehen sollte; wer? das sollte durchs Los entschieden werden.
-Dieses traf Baine. Zwei Jahre später wurde die Verbindung ganz gelöst.
-
-Wilson stand in engem Verkehr mit der Universität Glasgow und
-schnitt für diese in uneigennütziger Weise griechische Schriften,
-für welche er grosses Lob erntete. 1760 wurde er von der Universität
-mit dem Professorat in der praktischen Astronomie beehrt und die
-Schriftgiesserei nun von seinen beiden ältesten Söhnen fortgesetzt.
-Auf Grund der billigeren Löhne und Materialien konnten sie sogar in
-London mit den dortigen Giessereien konkurrieren. Ein anderer tüchtiger
-schottischer Giesser war MILLAR in Edinburgh.
-
-[Sidenote: Ph. Rusher.]
-
-Ungefähr gleichzeitig mit Lord Stanhopes Auftreten erhielt (1802)
-PHILIPP RUSHER in Banbury, Oxfordshire, ein Patent für verschiedene
-Veränderungen und Verbesserungen in der Form der Typen, welche die
-Kosten und die Arbeit beim Setzen verringern und die Schönheit und
-Gleichmässigkeit des Satzes vermehren sollten. Rusher druckte mit diesen
-Typen den _Rasselas_, lieferte jedoch damit alles eher, als den Beweis
-für die obengenannten Eigenschaften der neuen Schrift.
-
-[Sidenote: Millar, Besley u. a.]
-
-Von englischen Schriftgiessern sind ferner zu erwähnen: ROB. BESLEY &
-CO. (später REED & FOX), MÜLLER & RICHARD u. a.[5]. Durch orientalische
-Schriften sind bekannt: EDM. FRY, W. M. WATTS, GILBERT & RIVINGTON und
-die Giesserei der _Clarendon-Press_ in Oxford. Grossen Beifall gewannen
-die von THOROWGOOD in London eingeführten Schreibschriften. Sie konnten
-wegen der Leichtigkeit des Setzens, da jeder der 190 Charaktere wie
-in der Cursivschrift selbständig ist, sich neben den kunstvolleren,
-aber schwer zu behandelnden Schreibschriften Didots behaupten. Als die
-Renaissanceschriften in Frankreich aufkamen, den Spruch bewahrheitend:
-_Il n'y a de nouveau en ce monde, que ce qui est vieux_, veranstaltete
-der Buchdrucker Whittingham bei Caslon einen Neuschnitt der 1716
-hergestellten Elzevier-Antiqua, jedoch mit etwas breiteren und runderen
-Buchstaben. Diese _Mediæval_ gefiel ganz ausserordentlich und hiermit
-war der Weg für die Renaissance eröffnet, die selbstverständlich
-in England starke Verbreitung fand; jedoch hielt man sich von
-Übertreibungen, so wie auch von Ausschreitungen in den Titel- und
-Zierschriften ziemlich frei[6].
-
- [5] J. M. POWELL gab 1875: _Select specimens of the best faces of the
- british Founders_.
-
- [6] Wie würde es wohl Th. C. Hansard bei dem Anblick der heutigen
- Extravaganzen fast aller Länder zumute geworden sein, wenn er
- sich schon bei den damaligen zaghaften Überschreitungen zu dem
- folgenden Ausbruch veranlasst fühlte: »O, ihr geheiligten Schatten
- von Moxon und van Dyck, von Baskerville und Bodoni, was würdet
- ihr wohl zu den typographischen Monstruositäten heutiger Mode
- gesagt haben? Und die, welche uns nach ebensovielen Jahren folgen
- werden, als jene uns vorangegangen sind, in welches Zeitalter
- werden sie die Erzeugnisse, die uns hier vorliegen, versetzen?
- Solchen Ungeheuerlichkeiten gegenüber wird die Nachwelt sich
- manche sonderbare Vorstellung machen. Es ist keineswegs unmöglich,
- dass die jetzt in der _City_ von London gedruckten Erzeugnisse in
- späterer Zeit dem Meistbietenden als echt ägyptische Seltenheiten
- antediluvianischen Ursprungs zugeschlagen und den ausgesuchtesten
- Teil der Schätze von Sammlungen der Kenner bilden werden«.
-
-[Sidenote: Schriftgiesserei in Amerika.]
-
-In AMERIKA lagen die Verhältnisse anders als in England. Man hatte
-mit keiner Tradition, mit keinem bereits ausgeprägten Geschmack oder
-früherer Gewohnheit zu rechnen, man nahm das Gute, wo es sich darbot,
-und erfand nach Herzenslust, wo etwas fehlte. In Ermangelung einer
-nationalen Litteratur hatte die Werkdruckerei noch keine grosse
-Bedeutung, man war auf billige Nachdrucke englischer Werke angewiesen.
-Die Anstrengungen der amerikanischen Giessereien richteten sich deshalb
-vornehmlich auf die Befriedigung der Bedürfnisse der Zeitungs- und
-Accidenzdruckereien. Um vielen Stoff in den Zeitungen zu häufen, und
-viele Zeilen auf die Spalte zu bringen, war es notwendig, möglichst
-kleine Schriftkegel zu wählen, dafür jedoch das Bild der Buchstaben so
-gross, wie es der Kegel nur zuliess, zu schneiden, wozu es erforderlich
-war, die herauf- und heruntersteigenden Buchstaben und die Versalien
-möglichst kurz zu halten. In solchen Schriften wurde Vorzügliches
-geschnitten und in vortrefflichem Metall gegossen.
-
-In jüngster Zeit erreichte die Zahl der Accidenzschriften eine
-beträchtliche Höhe. Ausgezeichnet sind namentlich die Schreibschriften.
-In Titelschriften wurde vieles Gute unter vielem Unnützen
-produziert[7]. Einfassungen in allen möglichen Geschmacks- oder
-Ungeschmacks-Richtungen, sogar in japanischem oder chinesischem Stil,
-vertragen sich brüderlich mit den Antik- und Renaissance-Ornamenten.
-
- [7] _Specimen Book_ von: G. BRUCES SON & CO.; FARMER, LITTLE & CO.;
- JAMES CONNERS SONS; MAC KELLAR, SMITHS & JORDAN.
-
-Trotz der sehr bedeutenden Produktion ist die Zahl der massgebenden
-Giessereien eine beschränkte (32). Die grossen Schriftgiessereien
-liessen die kleineren mit Originalproduktionen nicht aufkommen,
-gewährten ihnen dagegen einen so hohen Rabatt, dass die Kleineren
-ihren Vorteil dabei fanden, die Schriften der Grossen in ihre Proben
-aufzunehmen und als eigene Arbeit zu verkaufen. Dem typographischen
-Publikum entgingen zwar hierdurch die aus einer lebhaften Konkurrenz
-entstehenden Vorteile, es stand sich jedoch nicht schlecht dabei, indem
-die grossen Giessereien, um ihren Platz auszufüllen, sehr bedeutende
-Anstrengungen machten.
-
-Um das Jahr 1800 existierte in den Vereinigten Staaten nur die eine
-Giesserei von BINNEY & ROLANDSON in Philadelphia, die durch Franklins
-Unterstützung gute Giessinstrumente aus Frankreich erhielt und diese
-noch verbesserte.
-
-[Sidenote: David Bruce * 12. Novb. 1770, [+] 15. März 1857.]
-
-Eine der ältesten und bedeutendsten Giessereien ist die von DAVID
-BRUCE, einem Schottländer, gegründete. Nachdem dieser in Edinburgh die
-Buchdruckerei gelernt hatte, siedelte er 1793 nach Amerika über und
-begann 1806 im Verein mit seinem jüngeren Bruder GEORGE BRUCE (geb.
-1781) eine Buchdruckerei. Die Wichtigkeit der Stereotypie hatte er ganz
-begriffen und ging deshalb 1812 nach London, um unter den Auspicien
-des Lord Stanhope die Stereotypie aus dem Fundament zu erlernen.
-Das Vorhaben gelang jedoch nicht ganz, so dass er noch den Weg der
-eigenen Erfahrungen einschlagen musste. Er lieferte die erste in
-Amerika stereotypierte Bibel und widmete sich nun ausschliesslich der
-Schriftgiesserei und der Stereotypie. Im Jahre 1822 zog er sich aus dem
-Geschäft zurück, welches sein Sohn DAVID II. sehr in die Höhe brachte.
-Die grosse Schriftprobe des letzteren aus dem Jahre 1869, bis auf den
-heutigen Tag durch achtzehn Supplemente vervollständigt, bietet eine
-unermessliche Auswahl von Schriften jeder Art[8].
-
- [8] Als ein guter Einfall Bruces muss es betrachtet werden, dass er
- zur Vorführung seiner Schriften sich nicht sinnlos
- zusammengestellter Wörter bedient, sondern mit jeder
- neuen Schrift den Titel eines Werkes der typographischen
- Litteratur wiedergiebt. Um einen Buchdrucker sattelfest in der
- typographischen Bibliographie zu machen, giebt es kaum ein
- besseres mnemotechnisches Mittel. Wenn die Schriftgiesser statt
- des _Quousque tandem_ etc. Sätze wählten, die für den Buchdrucker
- ein Interesse darbieten, so würden die Proben gewiss manchmal
- aufmerksamer ins Auge gefasst werden und die Schriften sich
- mehr dem Gedächtnis einprägen. Schliesslich gab Bruce noch als
- Beilage zu seinen Proben eine Geschichte der Buchdruckerei, 164
- Seiten 4, mit zahlreichen Abbildungen, mit seinen verschiedenen
- Werkschriften gedruckt.
-
-[Sidenote: James Conner * 22. Aug. 1798, [+] 10. Mai 1861.]
-
-[Sidenote: Th. Mac Kellar.]
-
-Als Schriftgiesser waren ebenfalls bedeutend JAMES CONNER, dessen Sohn
-gleichen Namens zuerst galvanische Matern lieferte, und MAC KELLAR,
-SMITHS & JORDAN. Der Teilhaber letzterer Firma, THOMAS MAC KELLAR, war
-Verfasser eines sehr guten Handbuches der Typographie: _The American
-Printer_ und Herausgeber des _Typographical Advertiser_, ein Blatt,
-welches zwar zunächst den Interessen der Firma dient, jedoch manches
-allgemein Beachtenswerte bringt. Ähnliche Blätter werden von fast
-allen grossen amerikanischen Giessereien herausgegeben, sie verbreiten
-zugleich mit den Proben der neuen Leistungen ihrer Geschäfte mancherlei
-nützliche Kenntnisse[9].
-
- [9] Die Firma Schelter & Giesecke in Leipzig führte diese Sitte in
- Deutschland ein (vgl. IX. Kap.).
-
-[Sidenote: George Guess.]
-
-Eine merkwürdige Erscheinung des amerikanischen Schriftenwesens ist das
-Cherokee-Alphabet des Indianers SEQUOYAH oder GEORGE GUESS. Durch Umgang
-mit Weissen kam er erst auf eine Bilder-, dann auf eine Silbenschrift
-mit 68 Schriftzeichen, für welche er sich zumteil der Formen der
-lateinischen Buchstaben bediente, ohne jedoch von dem sprachlichen Wert
-derselben eine Vorstellung zu haben. Er vollendete seine Arbeit, für
-welche ihn die Cherokesen-Häuptlinge durch die Prägung einer Medaille
-ehrten, im Jahre 1821.
-
-[Sidenote: Die Holztypen.]
-
-Der Plakatdruck mit seinen grossen Schriften führte auf die
-geschäftsmässige Fabrikation der Holztypen. In Amerika begann diese
-im grösseren Massstab um das Jahr 1830 durch WANDERBURGH WILLS & CO.
-und durch EDW. ALLEN, der sich später mit der Firma W. H. PAGE & CO.
-verband. Zur Verwendung kommt fast nur Ahorn, mitunter Mahagoni oder
-Buchsbaum. Die Klötze werden erst in Querschnitte gesägt, mit Dampf
-behandelt und zwei Jahre lang aufgespeichert. Die Oberfläche poliert,
-man wiederholt mit Schellack und Sandpapier und teilt die Querschnitte
-in die benötigten Grössen. Die Buchstabenbilder werden vermittelst
-Maschinerie hergestellt[10].
-
- [10] _History and Manufacture of Wood Type. Typographical Messenger
- 1869, Nr. 4._
-
-[Sidenote: Blindendruck.]
-
-Der in Frankreich zuerst geübte BLINDENDRUCK wurde in England wie auch
-Amerika in durchgreifender Weise verbessert. JAMES GOLL in Edinburgh
-wandte 1827 eckige Zeichen an; der Amerikaner Dr. HOWE in Boston gab den
-gemeinen Buchstaben der Antiqua ebenfalls eckige Formen; ein ähnliches
-Alphabet von FRY in London erhielt 1857 von der dortigen _Society of
-arts_ einen Preis. Das in England am meisten verbreitete und unter
-den willkürlichen eines der zweckmässigsten Alphabete ist das von T.
-M. LUCAS in Bristol 1845 erfundene Chiffre-Alphabet, bestehend aus
-einem Zirkel und einem Halbzirkel in zwei Grössen, einer grösseren und
-einer kleineren Linie und einem Punkt. Hiermit liessen sich vierzig
-zweckmässige Zeichen kombinieren. -- Der, selbst blinde, Vorsteher
-der Blinden-Anstalt in Brighton, Moon, erfand ein Chiffre-Alphabet von
-zehn Zeichen aus gebogenem Draht, die auf Zinkplatten gelötet wurden,
-ein Verfahren, das bereits 1839 von FRÈRE geübt war. Nach Moons System
-wurden heilige Schriften in achtzig Sprachen gedruckt. Ausser den
-erwähnten bestehen jedoch noch viele Systeme.
-
-Ausserordentlich zu bedauern bleibt es, dass man sich nicht über ein
-einheitliches System der Blindenschrift hat einigen können; nirgends
-wäre wohl eine Einheitlichkeit für den Lernenden sowohl als für den
-Lehrer nützlicher, und wie wäre die Bildung von Blindenbibliotheken
-hiermit befördert worden! Aus vielen Gründen dürfte eine Einigkeit, wenn
-sie überhaupt möglich ist, nur auf Grundlage des Antiqua-Alphabetes
-stattfinden können.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Die Stereotypie.]
-
-Die praktische Durchführung des vielfach versuchten Verfahrens der
-STEREOTYPIE hat man, wie so manche andere Verbesserungen im Druckwesen,
-dem edlen CHARLES MAHON, Lord STANHOPE zu verdanken. Derselbe war
-erst in Eton College, später unter des bekannten Le Sages Anleitung
-sorgfältigst erzogen. Mit besonderer Vorliebe wendete er seine
-Aufmerksamkeit der Typographie und der Schriftgiesserei zu, und fast zu
-gleicher Zeit traten sein Stereotypverfahren und seine eiserne Presse in
-Wirksamkeit.
-
-W. Ged hatte seine Versuche nicht fortsetzen können (I, S. 266), Müller
-und van der Mey (I, S. 251) waren ganz in Vergessenheit geraten.
-Die Wichtigkeit der Stereotypie leuchtete aber mit der Zunahme
-der schwierigen Arbeiten und der grossen Auflagen immer mehr ein.
-Fast 50 Jahre nach Ged machte Dr. TILLOCH in Glasgow, ohne dessen
-Erfindung zu kennen, eine ähnliche und übte diese in Verbindung mit
-dem Universitätsbuchdrucker FOULIS. Sie brachten auch einige Bände
-fertig, gaben jedoch später ihre Arbeiten auf. Lord Stanhope liess
-sich von Tilloch und Foulis unterrichten und brachte es in Verbindung
-mit einem bekannten Londoner Buchdrucker, WILSON, nach zweijähriger
-Arbeit zur Vollkommenheit in dem Verfahren. 1804 konnte letzterer
-unter Lord Stanhopes Zustimmung beantragen, die Bibeln und Gebetbücher
-der Universität Cambridge mittels des neuen Verfahrens herstellen zu
-lassen. Es fand allgemeine Anerkennung und schleunige Verbreitung,
-denn Lord Stanhope litt durchaus nicht, dass diese, noch eine andere
-seiner Erfindungen Gegenstand eines Patentschutzes wurde; im Gegenteil,
-er liess jedesmal ein _Caveat_ in dem _Patent-Office_ einregistrieren,
-damit kein Unbefugter sich der Erfindungen bemächtigen und für sich
-patentieren lassen konnte.
-
-[Sidenote: Stanhopes Stereotypie.]
-
-Der Stanhopesche Prozess[11] ist folgender: Feiner, möglichst frischer
-Gips wird mit Boluswasser zu einem flüssigen Brei angerührt und die
-Schriftform oder die Holzschnittplatte, welche man stereotypieren will,
-mit der Masse erst eingepinselt, dann übergossen. Nachdem der Gips
-fest geworden, lässt er sich leicht von der Form abtrennen und man hat
-nun eine genaue vertiefte Kopie (Matrize) des zu stereotypierenden
-Gegenstandes. Diese wird mit grosser Vorsicht langsam in einem dazu
-eingerichteten Ofen getrocknet, dann, mit der Bildseite nach unten,
-in eine Pfanne gelegt, die in einen Kessel mit flüssigem Schriftzeug
-gesenkt wird. Letzterer dringt durch Öffnungen der Pfanne und füllt
-selbst die kleinsten Vertiefungen der Matrize aus. Nachdem die Pfanne
-aus dem Kessel herausgenommen und die Masse erkaltet ist, lässt sich
-die Mater von der Platte ablösen, erstere geht jedoch dabei verloren,
-dafür hat man das getreue Abbild des stereotypierten Gegenstandes in
-Schriftmasse[12].
-
- [11] THOMAS HODGSON, _An essay on stereotype printing_. Newcastle 1820.
- -- J. F. WILSON, _Stereotyping and electrotyping_. London. -- H.
- MEYER, Handbuch der Stereotypie. Braunschweig 1838.
-
- [12] Über die früheren Versuche und die neueren Methoden der Franzosen
- vgl. Kap. V.
-
-[Sidenote: Das Schriftmetall.]
-
-Doch nicht alle Druckarbeiten, bei welchen das Verfahren zweckmässig
-gewesen wäre, konnten stereotypiert werden, namentlich war dasselbe
-bei Zeitungen zu langsam, man musste deshalb die Aufmerksamkeit auf
-Verbesserung des Schriftzeuges richten. Während der drei ersten
-Jahrhunderte der Kunst war eine grosse Auflage eine Seltenheit gewesen
-und die Schriften hielten sich oft mehrere Generationen hindurch
-brauchbar, ausserdem nahm man es damals nicht so genau wie heute mit
-der Schärfe des Druckes. Als nun die vielen Abzüge die Abnutzung, also
-auch den Bedarf vermehrten, musste ein härteres Schriftmetall beschafft
-werden. Der Prozess des Schmelzens und die Mischung der Metalle geschah
-nicht mehr nach Gutdünken, sondern nach wissenschaftlichen Regeln,
-auch nicht in der Giesspfanne, sondern in grösseren Quantitäten in
-zweckmässigen Schmelzöfen. J. R. JOHNSON lieferte den Zeug so hart,
-dass man seine Typen als Stempel in gewöhnlichen Schriftzeug eintreiben
-konnte. Auch wurden Matern durch Prägung mittels hydraulischer Pressen
-in Stahl, anstatt durch Einschlagen in Kupfer, produziert, und
-Versuche gemacht, Typen aus Kupferstangen zu pressen oder die Schrift
-zu vernickeln und zu verkupfern. Zu diesem Zweck wurde die _Newton
-Coppertype Company_ in New-York etabliert, welche die Schriften für
-etwa 18-20 Prozent des Schriftwertes verkupferte. Ausschluss wurde von
-Messing, Zink und Vulcanit herzustellen versucht.
-
-Allein die Verbesserung des Stoffes genügte noch nicht, man musste auch
-auf Schnelligkeit und Billigkeit in der Produktion sehen, und hier
-konnte nur die Maschine Hülfe schaffen.
-
-[Sidenote: Die Schriftgiessmaschine.]
-
-Über den ersten Ursprung der SCHRIFTGIESSMASCHINE verlautet nur, dass
-dem WILL. NICHOLSON in London im Jahre 1790 ein Patent auf eine solche
-für »konisch« gebildete Typen erteilt wurde. Eine konische Form mit
-einer grösseren Bild- und einer kleineren Grundfläche hielt Nicholson
-für nötig, weil er die Schriften um den Cylinder einer Schnellpresse
-anbringen wollte, welch letztere er sich ebenfalls patentieren liess.
-Er hatte das, später von Didot in Paris versuchte, polyamatype
-Giessverfahren vor Augen, nach welchem viele Buchstaben auf einmal
-gegossen werden sollten. Es blieb, wie mit den übrigen Erfindungen
-Nicholsons, bei dem Patentnehmen.
-
-Die praktische Durchführung der Giessmaschine gehört Amerika an. Die
-ersten Patente dort wurden 1805 und 1807 dem ELIHU WHITE und dem
-WILLIAM WING in Hartford erteilt. Auch hier hatte man zuerst das
-polyamatype Verfahren im Auge, ja man wollte sogar ganze Alphabete auf
-einmal giessen. WHITE experimentierte zehn Jahre lang, ohne zu einem
-nennenswerten Resultate zu kommen. Die Schriftgiesser BINNEY & ROLANDSON
-hatten ebenfalls viele Versuche gemacht und schienen dem Ziele näher
-als White gerückt zu sein, hielten jedoch ihre Resultate sehr geheim.
-White schmuggelte in wenig ehrenhafter Weise einen seiner Arbeiter bei
-Binney ein, damit er hinter die Geheimnisse komme, reussierte jedoch
-dessenungeachtet und trotz seiner Verbindung mit dem Mechaniker Will. M.
-Johnson nicht.
-
-Einen wirklichen Erfolg hatte erst DAVID BRUCE 1838. Es entspann sich
-jedoch ein bitterer Streit darüber, ob BRUCE, wie er selbst auf das
-bestimmteste behauptete, oder einer seiner Arbeiter, der dänische
-Schlossergeselle Lauritz Brandt (s. Kap. IX), der eigentliche Erfinder
-sei. Bruces Maschine wurde von WILL. M. JOHNSON verbessert.
-
-[Sidenote: Schleifmaschinen.]
-
-Seit 1840 sind SCHLEIFMASCHINEN im Gang, haben jedoch nicht in demselben
-Umfange, wie die Giessmaschinen, Eingang gefunden. Selbst in Amerika, wo
-man doch sicherlich etwas von Arbeitsteilung und rationeller Ausnutzung
-der Maschinen versteht, wird Schleifen mittels Handarbeit jetzt noch
-vielfach geübt. Die Arbeiter haben sich eine solche manuelle Fertigkeit
-erworben, dass sie fast als Maschinen betrachtet werden können. In
-London wurden die Schleifapparate namentlich von FIGGINS gebaut.
-
-[Sidenote: Johnson und Atkinson.]
-
-Eine der interessantesten Maschinen ist die kombinierte automatische
-Giess-, Schleif- und Fertigmach-Maschine von JOHNSON & ATKINSON,
-die ohne menschliche Beihülfe die Buchstaben gegossen, geschliffen,
-bestossen, gehobelt und in Reihen aufgestellt liefert[13]. Eine
-allgemeine Verbreitung hat diese Maschine, die in Deutschland durch
-Flinsch, Genzsch & Heyse und Meyer & Schleicher eingeführt wurde,
-jedoch nicht gefunden; es gehören verschiedene Vorbedingungen dazu,
-wenn ihre Arbeit genügend nutzbringend sein soll. Das Patent von 1862
-ging auf die _Patent Type Foundry_ über, die eine Reihe von Jahren von
-P. M. SHANK geleitet wurde und dann in dessen Besitz überging. Sein
-Mitarbeiter J. M. HEPBURN änderte die Maschine vollständig um, so dass
-sie bei vereinfachter Konstruktion nur die Hälfte des Raumes der älteren
-einnimmt und die Typen direkt in die Setzkästen oder in die für die
-Setzmaschine bestimmten Röhren legt. In letzterer Weise erhalten die
-_Times_ alltäglich die neue Schrift für die Nummer des kommenden Tages
-und der Satz der vorigen wandert in die Giessmaschine; denn abgelegt
-wird nicht.
-
- [13] Journ. f. B. 1872, Nr. 42. -- Print. Reg. 1881, Okt. -- Ann. d.
- Typ. B. IV, Nr. 183.
-
-[Sidenote: Westcott.]
-
-Noch weiter ging die amerikanische kombinierte Schriftgiess-, Schleif-,
-Bestoss- und Setzmaschine von WESTCOTT. Ein Setzer spielt, wie bei
-der Setzmaschine, von der unten die Rede sein wird, sein Manuskript
-auf einer Klaviatur ab; durch Berührung einer Tangente rückt die
-gewünschte Mater vor die Öffnung des Schriftgiessinstrumentes und die
-Buchstaben werden gegossen, geschliffen, bestossen und gesetzt, nicht
-aber abgelegt, denn die Schrift wird nach Ausführung des Druckes in die
-Giesspfanne geworfen. Diese Maschine arbeitete auf der Ausstellung in
-Philadelphia vollkommen korrekt, aber sehr langsam und vermochte nur
-2000 Buchstaben in der Stunde zu giessen und zu setzen[14].
-
- [14] Oest. B.-Ztg 1876, Nr. 33.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Die Setzmaschine.]
-
-Es konnte nicht anders sein, als dass die grosse Errungenschaft der
-Druckmaschine die Gedanken der Techniker darauf leiten musste, ob es
-nicht möglich sei, die verhältnismässig langsam vorwärtsschreitende
-Arbeit des Setzens durch Mechanismus überflüssig zu machen oder
-wenigstens zu erleichtern. Einmal ausgesprochen, wird auch ein solcher
-Gedanke selten _ad acta_ gelegt, und so ist es, trotz der unüberwindlich
-scheinenden Schwierigkeiten, gelungen, die SETZMASCHINE[15], wennauch
-nicht in der ausgedehnten Weise wie die Schnellpresse, in das praktische
-Leben einzuführen. Wie gross der damit zu erzielende Vorteil sein
-wird, lässt sich noch nicht genau übersehen. Fraglich erscheint es
-namentlich, ob die Schnelligkeit in der Herstellung der Zeitungen
-wesentlich gefördert werden wird. Gerade bei dem Zeitungssatz handelt
-es sich um die angestrengteste Ausnutzung der Zeit von dem Augenblicke
-ab, wo das letzte Manuskript in die Hände der Druckerei gelangt, und
-gerade da wirken viele, gleichzeitig arbeitende, tüchtige und möglichst
-selbständige Kräfte sicherer und rascher, als die Setzmaschine. Dass
-diese nichtsdestoweniger eine Zukunft haben wird, kann nicht in Abrede
-gestellt werden, es liegt aber in der Natur der Sache, dass die
-Thätigkeit des denkenden Setzers nicht ohne weiteres ersetzt werden
-kann. Die Maschine kann ihm zwar einen Teil der leichteren Arbeit
-abnehmen, ihn aber nicht entbehrlich machen. Soll die Setzmaschine für
-das Setzen dieselbe Bedeutung erlangen, wie die Schnellpresse für das
-Drucken, müssten wir alle typographischen Errungenschaften von vier
-Jahrhunderten über Bord werfen, die Typen müssten auf gleich grosse
-Körper (Gevierte oder Halbgevierte) gebracht werden und entweder die
-Versal- oder die gemeinen Buchstaben wegfallen, dann müsste man das
-Recht haben, eine Zeile ohne Rücksicht auf Silbenteilung zu brechen
-und selbst das würde nicht ganz genügen, denn jede Auszeichnung wäre
-in Wegfall zu bringen. So weit rückwärts wird sich wohl die Phantasie
-selbst des grössten Bewunderers der Setzmaschine kaum versteigen. Nehmen
-wir diese für jetzt für das, was sie ist, eine höchst beachtenswerte
-Hülfsmaschine, nicht aber für einen, das ganze Geschäft umgestaltenden
-Apparat, wie die Schnellpresse. Wenn bei der Setzmaschine zumeist
-weibliche Kräfte in Anspruch genommen werden, so sind allerdings die
-Billigkeit und die Fingerfertigkeit der Frauen mitbestimmend gewesen,
-Schuld tragen jedoch auch die Setzer selbst daran durch die feindliche
-Haltung, welche sie, wie seinerzeit die Drucker zu der Schnellpresse,
-der neuen Erfindung gegenüber einnahmen.
-
- [15] TH. GOEBEL, Die Setzmaschinen geschichtlich und technisch. Wiecks
- Illustr. Gewerbe-Ztg. 1877.
-
-[Sidenote: Ältere Versuche mit der Setzmaschine.]
-
-Von wem der Gedanke zuerst ausgesprochen wurde, ist schwer zu
-entscheiden. Friedrich König hat bereits im Jahre 1811 oder 1812
-erfahren, dass ein junger Mann in Birmingham sich mit der Absicht trug,
-eine Setzmaschine zu bauen. König & Bauer selbst hatten ihre Gedanken
-auf eine solche gerichtet, liessen ihn jedoch fallen. Thatsache ist,
-dass ihn Dr. CHURCH in Birmingham im Jahre 1822 dargelegt hat. Die
-Zahl der Versuche ist Legion; in England allein wurden in den Jahren
-1822-1860 57 Patente erteilt. Mit dem Jahre 1840 gewinnen die Versuche
-zwar einen realeren Boden, doch gehören auch sie alle jetzt als
-Überlebtes der Geschichte an oder sind der Vergessenheit anheimgefallen.
-In dem erwähnten Jahre bildete sich in Pressburg eine Gesellschaft,
-um eine von JOSEPH V. KLIEGEL erfundene Setz- und Ablegemaschine zu
-erbauen, wozu der Franzose ETIENNE ROBERT GAUBERT eine Ablegemaschine
-lieferte. In demselben Jahre erhielten der Engländer JOHN CLAY in
-Cottingham und der Schwede FR. ROSENBORG Patente, im Jahre 1841 JAMES
-HADDEN YOUNG, Spinnereibesitzer, und ADRIEN DELCAMBRE, Fabrikbesitzer,
-beide in Lille. Zu ihrer 1844 ausgestellten Maschine, welche nur auf das
-Setzen eingerichtet war, baute A. N. CHAIX eine Ablegemaschine; beide
-fanden keinen Eingang. In Wien experimentierte, durch AUER unterstützt,
-L. TSCHULIK. Er lehnte sich zunächst an Rosenborg an, während J. X.
-WURM viele Verbesserungen an seiner Maschine anbrachte. Der eigentliche
-Schöpfer der lebensfähigen Setzmaschine war der Däne CHR. SÖRENSEN im
-Jahre 1851[16].
-
- [16] Vgl. Kap. XIII.
-
-[Sidenote: Tim. Alden * 14. Juni 1819, [+] 4. Dez. 1858.]
-
-Unter den älteren englischen und amerikanischen Setzmaschinen war die
-von TIMOTHEUS ALDEN die bedeutendste. Von 1835-1846 arbeitete Alden als
-Setzer und sprach bereits in seinem neunzehnten Jahre, 1838, die Absicht
-aus, eine Setzmaschine zu bauen. Obwohl vielfach ausgelacht, ging er
-mit aller Energie daran und konnte 1856 die letzte Hand an sein Werk
-legen. Er hatte sich jedoch dabei geistig und körperlich aufgerieben.
-Bei seinem Tode 1858 hinterliess er seinem Vetter HENRY W. ALDEN, der
-ihm treu geholfen hatte, sein Werk. Die Aldensche Maschine war sehr
-kompliziert und demnach kostspielig. Henry Alden vereinfachte sie und
-übergab einer Gesellschaft die Erfindung zur Ausbeutung, sie fand jedoch
-keine grosse Verbreitung und die Gesellschaft löste sich 1874 auf[17].
-
-Eine Maschine von WILLIAM H. MITCHELL in New-York war schon 1861 in
-Wirksamkeit bei dem Satz von Appletons _Encyclopaedia_. ALEXANDER
-FRASER, Teilhaber der Firma NEILL & CO. in Edinburgh, wollte erst
-nur eine Ablegemaschine für Hattersleys Setzmaschine konstruieren,
-lieferte jedoch 1862 eine brauchbare Setz- und Ablegemaschine, für
-fünf Schriftgrade benutzbar[17]. Ein anderer Apparat von HENRY A.
-BURR[18], von welchem acht Stück in der Offizin der _New-York Tribune_
-arbeiten, ähnelt Kastenbeins System[19]; der Ablegeapparat erfordert
-Typen mit vielfachen Einschnitten. Von einer von Adie in London nach
-dem Fraserschen System in der _Behring Manufacturing Company_ gebauten
-Maschine arbeitet eine grössere Zahl in verschiedenen Offizinen. FELTS'
-1861 gebaute Maschine versprach vieles, ob sie es gehalten, haben wir
-nicht erfahren. Die von Clowes' Druckerei eingeführte und nach dem
-Besitzer die »Clowes-Maschine« genannte Erfindung des Setzers JOHN
-HOOKER[20], war 1874 in London ausgestellt, sie fand jedoch keine
-weitere Verbreitung. Es wird bei derselben die elektro-magnetische
-Kraft zur Anwendung gebracht. Anstatt Tasten finden sich kleine
-Kupferplättchen vor, mit leitenden Drähten an deren Rückseiten,
-die in Verbindung mit einem Elektromagnete stehen. Lässt nun der
-Setzer den mit einem Holzgriff umgebenen, mit dem negativen Pol der
-Batterie verbundenen Leitdraht eine Kupferplatte berühren, so wird
-die galvanische Kette geschlossen und ein Hebel in Bewegung gesetzt,
-der den begehrten Buchstaben vorschiebt. Das Ablegen muss durch
-Handarbeit besorgt werden. Ein diesem ähnliches Prinzip lag dem 1876
-in Philadelphia ausgestellten Apparat von G. P. DRUMMOND aus Canada
-zugrunde.
-
- [17] Journ. f. B. 1866, Nr. 15, 17, 19, 24.
-
- [18] Print. Reg. 1880.
-
- [19] Journ. f. B. 1876, Nr. 38.
-
- [20] Print. Reg. 1877, Nov.
-
-Die in der Caxton-Ausstellung 1877 zur Anschauung gebrachte Setzmaschine
-des in London lebenden Deutschen M. L. MÜLLER[21] war für viele
-Schriftarten bestimmt und mit 200 Tangenten in sechs Reihen über
-einander versehen. J. ROB. WINDER[22] in Bolton behauptet als Vorzüge
-für sein Fabrikat die gleichzeitige Beförderung mehrerer Buchstaben.
-Die in gewissen Verbindungen sehr oft vorkommenden Buchstaben sind
-demgemäss in mehreren, verschieden gelegenen Rinnen untergebracht. WICK,
-der Besitzer der _Glasgow News_, suchte nach ähnlichen Prinzipien den
-Vorteil in kombinierten Griffen, und seine Klaviatur hat sogar eine
-Anzahl von Tangenten für Logotypen der üblichsten Silben-Verbindungen
-der englischen Sprache[23].
-
- [21] Journ. f. B. 1875, Nr. 7.
-
- [22] Print. Reg. 1880, Dez.
-
- [23] Journ. f. B. 1880, Nr. 13. Print. Reg. 1880, März.
-
-Eine der neuesten Setz- und Ablege-Maschinen ist die 1880 in Düsseldorf
-ausgestellt gewesene von A. VON LANGEN und C. G. FISCHER, die, was
-den Setz-Apparat betrifft, der Kastenbeinschen Maschine ähnelt, deren
-Ablege-Apparat jedoch den des letztgenannten an Brauchbarkeit bedeutend
-übertreffen soll.
-
-Die Doppelmaschine Westcotts für Guss und Satz wurde bereits (S. 40)
-erwähnt; als Halbmaschinen lassen sich die von Millar und Porter
-bezeichnen. MILLARS 1870 ausgestellte Maschine verwendet nur die
-gemeinen Buchstaben, die Ausschliessungen und einige der am häufigsten
-vorkommenden Versalien; die anderen Schriftzeichen müssen aus einem
-Kasten durch die Hand des Setzers hinzugefügt werden. Wenn nicht
-vollkommen, ist der Apparat wenigstens sehr billig. T. J. PORTERS
-Apparat[24] führt auf mechanischem Wege dem Setzer die Typen zu, welche
-er sonst aus den Fächern des Setzkastens nehmen musste, das eigentliche
-Setzen jedoch wird mit der Hand vollzogen.
-
- [24] Print. Reg. 1880, Juni.
-
-Es wäre zwecklos, der obigen Reihe von Erfindern noch einige Dutzend
-Namen anzuhängen. Das hier bereits Angeführte mag hinreichend dafür
-sprechen, dass schwerwiegende Hindernisse, die oben schon angedeutet
-wurden, einem vollkommenen Setzapparat im Wege liegen. Es bleibt nur
-noch übrig, die drei Männer zu erwähnen, deren Erfindungen am meisten
-in die Praxis gedrungen sind: Hattersley, Mackie und Kastenbein, welch
-letzterer nach der augenblicklichen Sachlage die grösste Aussicht für
-die Zukunft zu haben scheint.
-
-ROBERT HATTERSLEY in Manchester erhielt 1857 ein Patent auf
-Verbesserungen an den Setz- und Ablegemaschinen. Die seinigen wurden
-zuerst 1859 in der Buchdruckerei von Bradbury & Evans in London
-verwendet. Über eine Klaviatur, deren Tasten nach dem Masse des
-Vorkommens der mit ihnen korrespondierenden Typen geordnet sind,
-befindet sich ein etwa 1-1/2 Meter hoher Aufsatz von Eisen, an welchem
-sich zwei eiserne horizontale Tafeln befinden, auf welchen die Typen
-in Rinnen gereiht stehen. Wird eine Taste angeschlagen, so drückt
-ein, je über dem letzten Buchstaben einer Rinne befindliches Stäbchen
-diesen heraus, worauf letzteres in die frühere Lage durch ein sich
-zusammenziehendes Gummischnürchen zurückgeschnellt wird. Das Nachrücken
-der Buchstaben in der Rinne geschieht ebenfalls durch Zusammenziehen
-einer Gummischnur, welche mit einem Metallstück, das von hinten auf die
-Reihe drückt, verbunden ist, über diese sich hinzieht und vorn nach oben
-festgemacht ist. So befindet sich stets ein Buchstabe am vordern Rande
-der Rinne.
-
-Die herausgestossenen Buchstaben gleiten durch Rinnen, die sich in einem
-vertikalen herzförmigen Behälter befinden, dem einzigen Mundstück an der
-unteren Spitze des Behälters zu und stellen sich einer neben dem andern
-in den Winkelhaken auf. Ist eine Zeile voll, wird eine Setzlinie auf den
-Satz gelegt und dieser in das unter dem Winkelhaken befindliche Schiff
-heruntergeschoben. In letztem wird nunmehr der Satz Zeile für Zeile
-ausgeschlossen.
-
-Theoretisch ist die Leistungsfähigkeit 7-8000 Buchstaben pro Stunde,
-in der Praxis 4-5000. Eine Zeitlang schien es, als würde die
-Hattersley-Maschine einen Platz behaupten. Zwei Exemplare wurden 1874
-in der Offizin der »Neuen Freien Presse« in Wien aufgestellt; seitdem
-ist es jedoch still darüber geworden. Ein grosser Übelstand ist die
-Abhängigkeit von den durch die Witterung und Abnutzung beeinflussten
-Gummischnüren, mit denen keine bestimmte Rechnung sich machen lässt.
-Die Leistungsfähigkeit der Ablegemaschine ist ungefähr die Hälfte der
-Setzmaschine.
-
-C. KASTENBEIN, wohnhaft in Brüssel, baute 1871 in Paris die erste
-Maschine für die _Times_-Druckerei in London. 1872 arbeiteten dort 5
-Setzmaschinen und 8 Ablegemaschinen. Die Typen liegen in Rinnen eines
-hochaufsteigenden Behälters. Durch Niederdrücken einer Tangente wird
-ein Hebel in Bewegung gesetzt, der dem Buchstaben an der Fussfläche
-einen Stoss nach vorn giebt, wodurch er in horizontaler Lage aus
-der Rinne herausgestossen, jedoch durch den Bau der Rinne während
-des Heruntergleitens in vertikale Lage gebracht wird. Wie bei der
-Hattersley-Maschine befinden sich die Gleitrinnen in einem herz-
-oder birnenförmigen Behälter und endigen in einem gemeinschaftlichen
-Mundstück. Ein Glasverschluss gestattet dem Setzenden, jede in den
-Rinnen vorkommende Unregelmässigkeit zu bemerken. Die Rinnen für
-die schwersten Typen mit der grössten Fallgeschwindigkeit sind so
-angebracht, dass diese Typen den weitesten Weg zurücklegen, wodurch die
-erforderliche gleiche Beförderungszeit der verschiedenen Typen erzielt
-wird. Die in einem langen Winkelhaken sich aufreihenden Buchstaben
-werden nun dem Setzschiff zugeführt, das seitwärts auf einem schrägen
-Pult-Gestell ruht, an welchem der mit dem Umbrechen der Zeilen Betraute,
-das Gesicht dem Setzenden zugewendet, sitzt, und den Satz in Empfang
-nimmt, davon so viel für eine Zeile notwendig ist auf das Schiff schiebt
-und ausschliesst. Durch Treten eines Pedals senkt sich darauf das Schiff
-um so viel als notwendig ist, damit eine neue Zeile hinübergeschoben
-werden kann. Die Leistungsfähigkeit ist in der Praxis 3-4000 Buchstaben;
-in der Ausstellung zu Paris 1878 wurde sie jedoch probeweise bis zu
-10200 gesteigert. Die Maschine ist, ausser in England, in Nordamerika,
-Dänemark, Italien vielfach verwendet. Die Reichsdruckerei in Berlin
-schaffte sie 1879 an.
-
-Seinen ersten Ablegeapparat verwarf Kastenbein selbst als zu
-kompliziert; bei dem zweiten werden die Buchstaben förmlich in einen
-mit Löchern versehenen Kasten, wie sonst in die Fächer des Setzkastens
-mit der Hand, abgelegt. Durch Treten, oder durch Drehen eines Rades,
-wird ein Mechanismus in Bewegung gesetzt, welcher Stösser treibt, die
-die Buchstaben in die für sie bestimmten Reihen der Rinnen treiben.
-Man sieht, dass auch dieser Apparat nicht vollkommen und nur teilweise
-automatisch ist. Zu zwei Setzmaschinen gehören etwa drei Ablegemaschinen.
-
-Ein von allen anderen abweichender Weg wurde von Dr. ALEXANDER
-MACKIE[25], einem praktischen Buchdrucker in Warrington, eingeschlagen.
-Das Städtchen liegt halbwegs zwischen Manchester und Liverpool, ziemlich
-im Zentrum eines Kreises kleinerer aufblühender Städte. MACKIE fasste
-den Plan, für jede derselben eine eigene Zeitung zu gründen, die den
-leitenden und politischen Teil mit den anderen gemeinschaftlich, dabei
-jedoch einen lokalen selbständigen Teil besitzen sollte. So entstand
-eine ganze Familie von _Guardians_, sieben an der Zahl, die mit dem
-_Manchester Guardian_ 1853 anfing. Um nun den gemeinschaftlichen Teil
-schnell für jedes der Lokalblätter herstellen zu können, kam Mackie
-auf eine Kombination von drei verschiedenen Maschinen, von welchen
-die eine, wenn man so sagen darf, die Manuskriptmaschine, die andere
-die Setz-, die dritte die Ablegemaschine bildete. Durch die ersten
-wird beim Anschlagen einer Taste ein Loch in einen Papierstreifen
-gebohrt. Die Löcher sind so rangiert, dass, wenn ein perforierter
-Streifen der Setzmaschine übergeben wird und ein Loch in diesem ein
-Loch in einer Walze, über welche der Streifen geführt wird, gerade
-deckt, ein Stift hineinfällt, der bis dahin einen Behälter, worin die
-benötigten Buchstaben sich befinden, zugeschlossen hielt. Aus dem
-nunmehr geöffneten Behälter fällt die Type auf eine schnell rotierende
-Gleitschiene und wird dem Winkelhaken zugeführt. Selbstverständlich
-beruht alles auf der richtigen Lage der, durch die mit den Tasten
-verbundenen Stifte in den Streifen gebohrten Löcher. Es ähnelt diese
-Manipulation dem Wirken der Stifte auf der Walze einer Spieldose,
-welche zur rechten Zeit die, den richtigen Ton angebende Metallfeder
-treffen müssen. Im Prinzip hat Mackies Maschine grosse Vorzüge. Sie ist,
-was die eigentliche Setzmaschine betrifft, vollständig automatisch.
-Das perforierte Manuskript kann gleichzeitig in mehreren Exemplaren
-hergestellt werden und somit behufs des Setzens durch eine Maschine
-nach verschiedenen Orten gesandt werden. Von einer grossen Verbreitung
-des Apparates verlautet indes nichts, dagegen wird berichtet, dass
-Mackie sich fortwährend mit Verbesserungen an demselben, namentlich am
-perforierenden Teil, beschäftigt, so dass anzunehmen ist, dass ihn die
-Leistungen noch nicht ganz befriedigen, obwohl er jetzt schon 350000
-Buchstaben pro Woche garantiert.
-
- [25] Print. Reg. 1877, Okt. Ann. d. Typ. I, Nr. 24. III, Nr. 109.
-
-Dr. Mackie ist ein so eigentümlicher und bedeutender Repräsentant
-moderner Arbeitsweise, dass es wohl geboten ist, seine Wirksamkeit
-etwas näher zu betrachten. Nachdem er Erfolge erzielt hatte, ging er
-noch weiter und errichtete im Jahre 1877 in einer kleinen Stadt CREWE,
-gelegen an einem Knotenpunkte der Londoner Nord-West-Bahn, mit 25000
-Einwohnern, von denen ein bedeutender Teil in den umfangreichen dortigen
-Werkstätten der Eisenbahngesellschaft beschäftigt ist, eine grossartige
-Druckoffizin. In gothischem Stile erbaut, bildet sie eine mächtige
-Halle von 150 Fuss Länge und 30 Fuss Breite, in welcher 14 Mackiesche
-Setzmaschinen mit den nötigen Hülfsmaschinen, zwei Atkinsonsche
-Giessmaschinen und die erforderlichen Schnellpressen arbeiten. Unter
-den nahe an 150 Beschäftigten sind nur etwa 30 Männer. Indem Mackie die
-Offizin nach Crewe legte, rechnete er darauf, dass er unter den vielen
-Töchtern der dortigen Arbeiter sehr leicht tüchtige Hülfskräfte finden
-würde. Er, oder vielmehr die Kommandit-Gesellschaft MACKIE, BREWTHAL
-& CO., druckt dort verschiedene Zeitschriften und viele Werke für
-Buchhändler in London[26].
-
- [26] Eines der frühesten umfangreicheren Bücher, deren Satz mittels
- der Setzmaschine fertiggestellt wurde, ist: _Italy and France.
- An Editors Holiday by Alex. Manckie._ London 1874. xvi und 415
- Seiten. Der Verfasser schildert darin die Eindrücke einer im
- Fluge unternommenen Ferienreise. Leider hält er sich nicht so
- lange bei der Schilderung der typographischen Etablissements Roms
- und Paris auf, als dem Leser gewiss lieb gewesen wäre.
-
-Mit dieser Anstalt hat Mackie in jüngster Zeit auch ein
-Ausbildungs-Institut für werdende Berichterstatter, Unterredakteure
-und Zeitungsbesitzer vereinigt. Der Betreffende erhält Unterweisung:
-1) im praktischen Setzen, um später richtig disponieren, Manuskript
-berechnen und die für das Setzen nötige Zeit beurteilen zu können; 2)
-im Korrekturenlesen, unter Berücksichtigung, wie bei der Korrektur die
-Zeit des Arbeiters geschont werden kann; 3) im Berichterstatten und
-der Art, das Manuskript für den Satz praktisch und korrekt abzufassen;
-4) in der Buchführung für Journalunternehmungen. Es unterliegt wohl
-keinem Zweifel, dass ein solches Institut, seitdem die journalistische
-Thätigkeit ein wirklicher Lebensberuf so Vieler geworden ist, einen
-grossen Wert hat und wohl Nachahmung verdient.
-
-Zu diesem und seinen übrigen Instituten fügte er noch im Jahre 1880 eine
-neue grossartige Offizin in Warrington. Das prächtige Gebäude von 200
-Fuss Länge und 100 Fuss Breite im gothischen Stil hat wie das in Crewe
-nur ein Stockwerk. Der grosse Arbeitssaal von 126 Fuss Länge und 96 Fuss
-Breite wird durch zwei Reihen von eisernen Säulen in drei Längenschiffe
-geteilt.
-
-Das Prinzip der Setzmaschinen: durch eine Tastatur Buchstaben in
-Bewegung zu setzen, führte zu den Versuchen mit dem sogenannten _Matrix
-compositor_ (Matrizen-Setzer) des JOHN E. SWEET & DAUL (Paris 1867)
-und deren vielen Nachfolger als: D. TIMIRIAZEFF (London 1872), JOS.
-LIWTSCHACK in Wilna (1876), PETERSON in Wien, G. HAMBRUCH in Elbing u.
-a. Sweets Gedanke war theoretisch ein sehr hübscher. Er wollte, indem er
-die Stempel durch die Tastatur in eine weiche Masse drückte, Matrizen
-auf dem Setzwege direkt herstellen. Dieselben Schwierigkeiten jedoch,
-die hinderlich waren, um einen korrekt ausgeschlossenen Satz durch die
-Setzmaschine zu liefern, stehen auch diesem Verfahren, und zwar in einem
-noch höheren Grade, entgegen. Sweets verschiedene Ausstellungsproben
--- und über diese hinaus scheint er nicht gekommen zu sein -- waren
-äusserst wenig empfehlend.
-
-[Illustration]
-
-
-[Illustration]
-
- II. KAPITEL.
-
- DIE DRUCK- UND HÜLFSMASCHINEN
-
- DER ANGLO-AMERIKANISCHEN GRUPPE.
-
- DIE HANDPRESSE. Lord Stanhope und seine Nachfolger: Cogger, Clymer
- u. a. Die Auftragmaschine. Die Glätt- und Prägmaschine: Bramah. DIE
- SCHNELLPRESSE: Friedr. König in England, Bensley, John Walter, der
- 29. November 1814, Kränkungen Königs, seine Abreise von London,
- Walters Eintreten für ihn. Die Nachfolger Königs: Napier, Applegath &
- Cowper, Hoe u. a. Die Endlosen: W. Bullock, die Walter-Maschine u. a.
- Die Mehrfarbe-Endlose. Die Tretmaschinen. Die Ausleger, die Anleger.
- DIE SATINIERMASCHINE. DIE FEUCHTAPPARATE. DIE BRONCIERMASCHINE. DIE
- FALZMASCHINE. DIVERSE HÜLFSMASCHINEN. WALZEN UND FARBE. DIE
- MATERIALIENHANDLUNGEN.
-
-[Sidenote: Druckpresse.]
-
-Seit dreihundertundfünfzig Jahren hatte man sich zur Herstellung selbst
-der vorzüglichsten Druckwerke noch immer der alten hölzernen Presse
-bedient. Nach den Verbesserungen an dieser in den ersten fünfzig Jahren
-der Kunst waren im ganzen genommen keine, das eigentliche Wesen der
-Presse weiter ändernden eingetreten, namentlich blieb der zweimalige
-Zug, einer für jede Hälfte der Druckform. Erst gegen das Ende des XVIII.
-Jahrhunderts gelangten ernsthafte Verbesserungsversuche zur Ausführung,
-um den Druck grösserer Formate mit einmaligem Zuge zu bewerkstelligen.
-Besonders hierfür thätig waren W. HAAS in Basel (Kap. XIV) und F. DIDOT
-in Paris (Kap. V).
-
-[Sidenote: Lord Stanhopes Presse.]
-
-Den eigentlichen Umschwung kennzeichnet erst die eiserne Presse Lord
-STANHOPES. Nach vielen kostspieligen Versuchen brachte er, mit Hülfe
-des tüchtigen Mechanikers WALKER, diese zustande und das erste Exemplar
-wurde in der Offizin Will. Bulmers aufgestellt und beim Druck der
-grossen Prachtausgabe von Shakespeares Werken verwendet[27].
-
- [27] Die Sitte in England, manchmal eine Offizin als _Press_ zu
- bezeichnen, hat in Deutschland öfters zu Missverständnissen
- Anlass gegeben. So stand in einem deutschen Fachblatt,
- dass Lord Stanhopes eiserne Presse unter der Bezeichnung
- _Shakespeare-Press_ verbreitet sei, während diese Bezeichnung
- die Firma für Bulmers Offizin war, wo die Stanhope-Presse zuerst
- arbeitete.
-
-Wände, Krone, Ober- und Unterbalken der hölzernen Presse wurden jetzt
-durch ein Stück Gusseisen ersetzt. An Stelle der Schraube mit dem
-Bengel trat ein zusammengesetzter Hebel, der es möglich machte, in dem
-Augenblick des Druckes eine fast unbegrenzte Kraft zu entwickeln. Die
-Arbeiter, die früher mit Aufgebot aller Gewalt den Bengel an sich ziehen
-mussten, indem sie mit zurückgebogenem Körper den Fuss an den Antritt
-stemmten, konnten gar nicht begreifen, dass ein gelindes Anziehen im
-letzten Augenblick genügend sei, um einen kräftigen Abdruck zu erzielen.
-Das Zurückgehen des Tiegels wurde durch ein Gegengewicht bewerkstelligt.
-Nur der Fuss blieb anfänglich noch Holz, doch auch hiervon kam man bald
-ab und baute auch diesen Teil aus Eisen[28].
-
- [28] Journ. f. B. 1834, Nr. 10; 1835, Nr. 24.
-
-[Sidenote: Die Druckwalze.]
-
-Die grossen Handpressen erforderten auch eine raschere Art der
-Einfärbung. Den Gedanken, die Ballen durch Walzen zu ersetzen,
-hatte schon früher der französische Holzschneider PAPILLON gehabt.
-Lord STANHOPE liess viele Versuche machen, um einen zweckmässigeren
-Überzug derselben fertig zu bringen, gelangte aber nicht zum Ziel.
-Ein geschickter Drucker in Weybridge, FORSTER, kam, angeregt durch
-die Verwendung der Leimmasse in einer Töpferei in Staffordshire, auf
-den Gedanken, eine Masse von Leim und Syrup auf grobes Segeltuch zu
-giessen und, nach der Erkaltung, die Ballen damit zu überziehen. Erst
-später wurden hölzerne Walzengestelle mit Masse umgossen. Hiermit war
-ein wesentlicher Gewinn an Arbeit und Zeit erreicht, der namentlich der
-Schnellpresse zugutekommen sollte.
-
-[Sidenote: Fortwährende Verbesserungen.]
-
-Als einmal das Feld für den Pressenbau eröffnet war, entstanden eine
-Menge von Pressen, von welchen jede besondere Vorzüge haben sollte.
-Neben manchem Unwesentlichen kamen auch wirkliche Verbesserungen vor.
-Doch wie die hölzerne Presse schon jetzt ein Gegenstand ist, den
-mancher tüchtige Buchdrucker der Gegenwart nur von Hörensagen kennt,
-so wird es einst mit der eisernen Handpresse gehen, die jetzt schon
-fast der Vergangenheit angehört, so dass manche grosse Druckerei nur
-noch zum Abziehen der Korrekturen eine invalide Presse, von einem
-Drucker-Invaliden bedient, besitzt.
-
-[Sidenote: J. Cogger.]
-
-Die COGGERSCHE Presse entwickelte eine noch grössere Kraft, als die
-Stanhopesche. Säulen von Schmiedeeisen bildeten die Presswände. Ein
-querarmiger zusammengesetzter Hebel gab die Kraft, die dicht unter
-dem Oberbalken in ausgedehnter Weise wirkte. Durch Federn wurde das
-Zurückgehen des Tiegels bewerkstelligt[29].
-
- [29] Beschrieben und abgebildet Journ. f. B. 1834, S. 62.
-
-[Sidenote: J. Clymer.]
-
-Einen hohen Ruf durch die ganze Welt erwarb sich die »Columbia-Presse«
-JOHN CLYMERS. Dieser stammte aus einer Schweizerfamilie, die nach
-Amerika ausgewandert war. Im Alter von sechzehn Jahren erfand der junge
-Clymer bereits einen neuen Pflug mit so besonderen Vorzügen, dass er die
-Aufmerksamkeit der Männer der Wissenschaft auf sich zog. Der Zustand
-der Druckerpresse erweckte seine Erfinderlust und bereits im Jahre
-1797 begann er seine Verbesserungen an der Holzpresse, später an der
-eisernen, bis er seine berühmte »Columbia-Presse« zustande brachte, die
-er 1818 in England einführte, wo sie allgemeine Verbreitung fand. In
-den dreissiger Jahren beherrschte sie fast alle Druckoffizinen, auch
-die des Kontinents. In dieser Presse wurde durch eine Kombination von
-Hebeln bei grosser Gleichmässigkeit des Druckes eine ausserordentliche
-Kraft geübt, und der Abdruck erschien, bei wesentlicher Schonung der
-Schrift, in grösster Schärfe. Das Zurückgehen des Tiegels geschah durch
-ein, auf einem langen Hebel angebrachtes, schweres Gewicht, meist in der
-Gestalt des auffliegenden amerikanischen Adlers. Die Presse hatte etwas
-Imposantes und konnte für sehr grosses Format gebaut werden[30].
-
- [30] Über die von J. Clymer erfundene Patent-Columbiapresse.
- Braunschweig 1828. -- Journ. f. B. 1834, S. 95.
-
-[Sidenote: W. Hagar.]
-
-Eine weite Verbreitung fanden ebenso diejenigen Pressen, welche bei
-geringer Kraftanwendung und bei elastischem Zug durch einen Kniehebel
-einen starken Druck ausübten. Der Tiegel wurde durch Spiralfedern
-getragen, das Einstellen für die verschiedenen Schrifthöhen geschah
-sehr leicht. Diese Pressen wurden zuerst von dem Amerikaner HAGAR
-gebaut[31]. Das Prinzip des Kniehebels war bereits, jedoch nicht
-in glücklicher Weise, in der sehr komplizierten »Strebepresse« von
-HAWKIN[32] angewendet und wurde später bei mehreren englischen Pressen
-benutzt. Sehr verbreitet war die »Albionpresse« von HOPKINSON[33] und
-die »Imperialpresse« von J. COPE[34].
-
- [31] Journ. f. B. 1836, Nr. 42.
-
- [32] Journ. f. B. 1835, Nr. 33.
-
- [33] Journ. f. B. 1838, Nr. 33.
-
- [34] Journ. f. B. 1835, Nr. 81.
-
-[Sidenote: J. Ruthven.]
-
-[Sidenote: D. Treadwell.]
-
-[Sidenote: J. Saxton.]
-
-Alle die Abarten der Handpresse, die keine grosse Rolle gespielt haben,
-hier zu beschreiben, wäre eine unfruchtbare Arbeit; es seien nur noch
-einige, die sich durch Originelles in der Konstruktion auszeichneten,
-kurz erwähnt. Bei der von JOHN RUTHVEN in Edinburgh 1813 erbauten
-»Schottischen Presse« blieb das Fundament, welches mit Deckel, Rähmchen
-und Punkturen versehen ist, unbeweglich, während der Tiegel in Schienen
-hin und her ging und das Fundament durch einen unter demselben
-angebrachten Mechanismus kräftig angezogen wurde[35]. Sehr originell
-war die Konstruktion der 1820 in England patentierten »Tretpresse«
-des Amerikaners DANIEL TREADWELL. Das Fundament war, wie bei der
-Ruthven-Presse, fest. Sie arbeitete leicht, nahm aber einen grossen Raum
-ein und sah sehr hässlich aus, fand auch nicht Eingang[36]. Nicht besser
-ging es der »Hydrostatischen Presse« JOS. SAXTONS, in welcher der Tiegel
-an das Fundament gedrückt wurde durch die Kraft des Wassers, das sich in
-einem hohlen, elastischen, in der Art der Ziehharmonika geformten und
-mit dem Tiegel zusammenhängenden Behälter befand, während beim Abfluss
-des Wassers aus demselben der Tiegel sich wieder hob.
-
- [35] Journ. f. B. 1835, Nr. 4.
-
- [36] J. f. B. 1834, Nr. 62.
-
-[Sidenote: Die Auftragmaschine.]
-
-Der Gedanke, die Farbe auf mechanischem Wege aufzutragen, lag ziemlich
-nahe und ist auch verschiedentlich, jedoch nie in ganz befriedigender
-Weise, bei der Handpresse zur Ausführung gebracht. Die ersten Versuche
-geschahen 1820 durch THOMAS PARKIN. Sein Apparat nahm jedoch einen sehr
-grossen Platz ein und die Drucker leisteten gegen denselben passiven
-Widerstand, damit nicht der eine der bisher nötigen zwei Drucker ausser
-Brot kam.
-
-In Amerika erfand 1833 FAIRLAMB in Boston, der sich mit einem erfahrenen
-Buchdrucker und Mechaniker Namens GILPIN vereinigte, einen solchen
-Apparat, von welchem viele hunderte gebaut wurden. Das Farbewerk
-stand mit der Kurbel in Verbindung und die Walzen gingen zweimal über
-die Form weg. Nach der Verbreitung der Schnellpresse verlor jedoch
-diese Erfindung fast ihren ganzen Wert, da Auflagen, wo Schnelligkeit
-notwendig war, nicht mehr auf der Handpresse gedruckt wurden.
-
-[Sidenote: Bramahs Glätte- und Prägpresse.]
-
-Dem Bedürfnis nach einer guten Glätte half namentlich BRAMAHS
-»Hydraulische Presse« ab, die im Vergleich mit der Schraubenpresse den
-grossen Vorteil hat, dass die Reibung nicht mit der Zunahme des Druckes
-wächst, der in dem letzten Augenblick eine enorme Steigerung erreichen
-kann.
-
-Weitere Verdienste erwarb sich Bramah durch seine Präg- und
-Numeriermaschinen, von welchen eine der frühesten 1809 bei dem Druck
-der Noten der englischen Bank Verwendung fand. Vor dieser Zeit mussten
-die Nummern und das Datum mit der Hand eingeschrieben werden. Es
-dauerte nicht lange, so verwendete die englische Bank 40 Bramahsche
-Maschinen[37].
-
- [37] Journ. f. B. 1835, Nr. 55; 1836, Nr. 122.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Die Schnellpresse.]
-
-So wichtig nun auch alle die erwähnten Verbesserungen und Erfindungen
-waren, so verschwanden sie doch gegen die grosse, am 28. November 1814
-der Welt als vollzogen angekündigte That, »dass die _Times_ auf einer
-durch Dampf betriebenen, ohne Beihülfe von Menschenhänden arbeitenden
-Schnellpresse gedruckt sei«.
-
-[Sidenote: Fr. König.]
-
-Mit besonderem Stolz blickt Deutschland auf dieses Ereignis, denn der
-Name des deutschen Erfinders FRIEDRICH KÖNIG wird neben dem Gutenbergs
-auf ewige Zeit mit Anerkennung und Dankbarkeit genannt werden. Ganz
-ohne Bitterkeit bleibt die Freude hierüber allerdings nicht, denn die
-Verhältnisse lagen damals für Deutschland so schlimm, dass es, wie König
-selbst sagt, nicht möglich gewesen wäre, ohne die Beihülfe Englands die
-Erfindung für das praktische Leben nutzbar zu machen. Für uns erwächst
-hieraus die Notwendigkeit, die Anfänge der Geschichte der deutschen
-Erfindung der Schnellpresse in Verbindung mit der typographischen
-Geschichte Englands zu behandeln[38].
-
- [38] KÖNIG & BAUER, Die ersten Druckmaschinen erbaut in London bis
- zu dem Jahre 1818. Mit Abbildungen. Leipzig 1851. -- S. SMILES,
- _Frederick König, Inventor of the steam printing machine_.
- MacMillans Magazine, Dzbr. 1869. -- TH. GOEBEL, Fr. König und
- die Erfindung der Schnellpresse. Braunschweig 1875. -- Königs
- Jugendgeschichte und die spätere Geschichte des Etablissements
- König & Bauer in Kloster Oberzell ist in Kap. X behandelt.
-
-[Sidenote: Th. Bensley.]
-
-[Sidenote: Andr. Fr. Bauer.]
-
-[Sidenote: John Walter.]
-
-Nachdem Königs Hoffnungen in Deutschland, Österreich und Russland
-vollständig gescheitert waren, kam er 1806 nach England und fand in
-dem folgenden Jahre in dem tüchtigen Buchdrucker THOMAS BENSLEY einen
-Mann, der die nötigen Geldmittel zur Erlangung eines Patentes und zur
-gemeinschaftlichen Ausbeutung desselben herzugeben bereit war. Der neue
-Gutenberg war hierdurch, wie der Urvater der Typographie, ebenfalls
-an einen klug-berechnenden und eigensüchtigen Fust gefesselt, hatte
-jedoch das Glück, in seinem Peter Schöffer -- ANDREAS FRIEDRICH BAUER
--- nicht nur einen technisch tüchtigen Mitarbeiter, sondern auch einen
-treuen Freund für das Leben zu besitzen, und in seinem Conrad Humery --
-JOHN WALTER -- nicht nur den wohlwollenden und vermögenden Beschützer,
-sondern den mächtigen direkten Förderer seiner Pläne zu finden.
-
-[Sidenote: R. Taylor und G. Woodfall.]
-
-[Sidenote: Das erste Patent.]
-
-Zu König und Bensley traten noch RICHARD TAYLOR und G. WOODFALL,
-bekannte Buchdrucker und rechtliche Männer. Es wurden nach und nach vier
-Patente für verschiedene Arten von Druckmaschinen in England genommen.
-Das erste Patent: »Für eine Methode mittels Maschinen zu drucken«,
-wurde Fr. König am 10. März 1810 erteilt; die Spezifikation ist am 27.
-September eingetragen. Alle Verrichtungen waren auf eine wiederkehrende
-Bewegung zurückgeführt, so dass Betrieb durch Dampf möglich war und die
-Arbeiter weiter nichts zu thun hatten, als die Bogen auf dem Deckel
-anzulegen und nach dem Druck abzunehmen. Deckel und Rähmchen waren
-ungefähr wie bei der Handpresse, nur mit dem Unterschied, dass das
-Rähmchen am unteren, statt am oberen Ende des Deckels angebracht war.
-Beide schlossen und öffneten sich durch einen einfachen Mechanismus.
-Die Druckfarbe wurde aus einem Behälter ausgepresst. Die Zerteilung
-der Farbe geschah durch rotierende, zugleich in der Längsrichtung
-sich bewegende Cylinder, das Auftragen durch Walzen, welche mit
-egalisiertem Ballenleder überzogen waren. 1811 im April war diese erste
-Tiegeldruck-Schnellpresse fertig und der erste Bogen, der darauf in
-der Bensleyschen Druckerei gedruckt wurde, war der Bogen H des _Annual
-Register for 1810_ in einer Auflage von 3000 Exemplaren.
-
-[Sidenote: Zweites Patent.]
-
-Das zweite Patent »für weitere Verbesserungen der Methode mit Maschinen
-zu drucken« datiert vom 30. Oktober 1811, die Spezifikation vom 29.
-April 1812. In diesem Patent wird das Prinzip fast aller folgenden
-Schnellpressen ausgesprochen. Es enthält eine ausführliche Beschreibung
-und Abbildung der einfachen Cylinder-Druckmaschine, zugleich wird jedoch
-erwähnt, dass durch eine Kombination einer grösseren Anzahl derselben
-Teile oder Prinzipien die Wirkung verdoppelt und vervierfacht werden
-könne und dass überhaupt von einer Form eine grosse Anzahl von Abzügen
-in kürzester Zeit zu erhalten sei. Dies alles wurde durch Zeichnungen
-erläutert. Das dritte Patent, vom 23. Juli 1813, mit der Spezifikation
-vom 22. Juli 1814, bezieht sich »auf additionelle Verbesserungen der
-Methode mit Maschinen zu drucken, namentlich was den Farbenapparat, die
-endlose Bänderleitung, die Horn- und Segmenträder und die Verbindung des
-Druckcylinders mit dem Karren betrifft«.
-
-[Sidenote: Drittes Patent.]
-
-Die nach dem zweiten Patent zuerst gebaute einfache Cylindermaschine
-wurde im Dezember 1812 vollendet. Die ersten Leistungen dieser ganz
-cylindrischen Presse waren die Bogen G und X von _Clarkson, Life of
-W. Penn. Vol._ I. Die Maschine druckte 800 in der Stunde. Als der
-Eigentümer der _Times_, J. WALTER, die Leistung gesehen, war er in
-wenigen Minuten entschlossen, zwei Doppelmaschinen zu bestellen. Diese
-Maschinen mit doppeltem, vorwärts und rückwärts wirkendem Druckcylinder
-lieferten in der Stunde 1100 Abdrücke in einer weit besseren Ausführung,
-als man bei Zeitungen gewohnt war. Am 29. November 1814 ging die erste
-Nummer der _Times_, mit diesen Maschinen gedruckt, aus der Offizin
-im _Printinghouse-Square_ hervor. John Walter selbst machte dies dem
-Publikum in einem leitenden Artikel bekannt, an dessen Schluss es heisst:
-
-Ȇber die Person des Erfinders haben wir wenig hinzuzusetzen. Sir
-Christophe Wrens[39] edelstes Denkmal ist das Gebäude, welches er
-errichtete; ebenso ist die beste Lobpreisung, welche wir dem Erfinder
-der Druckmaschine darbringen können, diese selbst, deren Macht und
-Nützlichkeit wir in schwachen Worten zu schildern versucht haben. Es mag
-genügen, zu sagen, dass der Erfinder von Geburt ein Sachse ist, dass er
-FRIEDRICH KÖNIG heisst und dass die Erfindung unter der Leitung seines
-Freundes und Landsmannes Bauer zur Ausführung gebracht wurde.«
-
- [39] Erbauer der Paulskirche in London.
-
-[Sidenote: Viertes Patent.]
-
-Das vierte Patent Königs »für weitere Verbesserungen an der
-Schnellpresse« wurde am 24. Dezember 1814, die Spezifikation am 22.
-Juni 1816 registriert. Aus den Grundsätzen derselben gingen die Schön-
-und Widerdruckmaschine, die verbesserte einfache Druckmaschine und die
-verbesserte Doppelmaschine hervor. Die erste Komplettmaschine wurde im
-Februar 1816 in der Druckerei von Bensley & Son aufgestellt und lieferte
-stündlich 900-1000 auf beiden Seiten bedruckte Bogen. Die _Literary
-Gazette_ war das erste Wochenblatt, welches von 1818 ab dort auf der
-Schnellpresse gedruckt wurde. In den Nummern vom 3. und 10. Januar
-äusserte sich Bensley selbst auf das günstigste über die Leistungen der
-Maschine. Eine verbesserte Doppelmaschine, welche 1500-2000 Exemplare
-pro Stunde lieferte, wurde in der _Times_-Offizin aufgestellt und der
-Eigentümer sprach sich am 3. Dezember 1824 in günstigster Weise über sie
-aus.
-
-Aus den Patent-Akten geht also hervor, dass schon damals alle
-Hauptklassen von Maschinen nicht allein von König spezifiziert,
-sondern mit Ausnahme der achtfachen auch ausgeführt wurden: die
-einfache Maschine mit Tiegeldruck, die einfache Cylindermaschine, die
-Doppelmaschine mit abwechselnd stillstehendem Cylinder, die vielfache
-Maschine, die Schön- und Widerdruckmaschine, die verbesserte einfache
-Cylinderpresse, die verbesserte Doppelmaschine. Zur Ausführung der
-achtfachen Maschine wurde König und Bauer die Gelegenheit nicht gegeben.
-So lange sie in England verweilten, war die Notwendigkeit einer solchen
-noch nicht eingetreten, und als sie das Land verlassen hatten, war
-es natürlich, dass John Walter lieber mit den dortigen Mechanikern
-verkehrte, so dass die achtfache Maschine mit vertikalen Cylindern,
-welche man bis 1860 als ein Wunderwerk in der _Times_-Druckerei
-anstaunte, nach Applegaths Konstruktion ausgeführt wurde.
-
-[Sidenote: Umtriebe gegen König.]
-
-Nach diesen praktischen Resultaten und nach den Zeugnissen Walters und
-Bensleys wäre wohl zu erwarten gewesen, dass über die Erfindung der
-Schnellpresse kein Zweifel mehr obwalten konnte, und dass dem Erfinder
-auch der volle materielle Lohn geworden wäre. Das war jedoch nicht der
-Fall. Th. Bensley zeigte sich als ein egoistischer Teilhaber, der in der
-Sozietät das Übergewicht geltend machte. Ihm war es mehr darum zu thun,
-die Erfindung zur Hebung der eigenen Offizin zu benutzen, als darum,
-Bestellungen von seinen Konkurrenten zu erzielen. Statt den Vertrieb
-zu fördern, erschwerte er denselben und leitete, wie es scheint, die
-Unterhandlungen in einer der Sache wenig förderlichen Weise. Selbst die
-Ergebnisse der bereits abgeschlossenen Geschäfte suchte er sowohl Fr.
-König als auch dem anderen Teilhaber Taylor zu verkümmern. Ja sogar die
-Ehre der Erfindung sollte nicht unangetastet bleiben.
-
-[Sidenote: Will. Nicholson.]
-
-WILLIAM NICHOLSON, ein heller Kopf und redlicher Mann, hatte sich früher
-mit der Idee einer Druckmaschine umgetragen und bereits am 29. April
-1790 ein Patent genommen »auf eine Maschine oder ein Instrument, um
-auf Papier, Leinwand, Kattun, Wollenzeug und andere Stoffe in einer
-netteren, wohlfeileren und genaueren Manier zu drucken, als durch die
-jetzt gebräuchlichen Instrumente möglich ist«[40]. Seine Zeichnungen
-und Erklärungen sind sehr skizzenhaft. Es wird mehr angegeben, was
-Nicholson will, als »wie« er es zu machen gedenkt. Nicholson hat seine
-Ideen nie ausgeführt; sie waren von ihm selbst längst beiseitegelegt und
-vergessen, als König und Bensley aus des Genannten eigenem Munde davon
-hörten, als sie ihn in ihrer Patentangelegenheit konsultierten; denn
-Nicholson übte die Vermittelung in solchen Geschäften als Erwerb. Bei
-dieser Gelegenheit äusserte derselbe, »er habe die Sache vor 17 Jahren
-versucht, sie gehe aber nicht«. Auch hat er, selbst als König öffentlich
-mit seiner Erfindung auftrat, sich ganz still verhalten.
-
- [40] _Repertory of arts vol. 1_, 1796. -- SAVAGE, _Dictionary of the
- art of printing_. 1841.
-
-[Sidenote: E. Cowper.]
-
-Dagegen tauchten andere auf, die es sich mit dem Fortbauen auf den
-gemachten Erfahrungen bequem machten. Wäre hierzu nur Nicholsons
-geistige Hinterlassenschaft benutzt, so hätten König und Bauer
-keine Veranlassung sich zu beschweren gehabt; es wurden aber
-ihre Ideen vollständig, z. B. von E. COWPER in seiner Schön- und
-Widerdruckmaschine, ausgebeutet. Rechtsgelehrte erklärten, dass ein
-Einschreiten seitens Königs von Erfolg sein würde, aber Bensley stimmte
-gegen ein solches und die Klage musste demnach unterbleiben. Ja, es
-scheint sogar, dass Bensley in Übereinstimmung mit Cowper gehandelt
-habe. »Denn letzterer offerierte« -- so, sagt Savage, sei ihm berichtet
-worden -- »als einen Akt der Gerechtigkeit und in Betracht der grossen
-Kosten von mindestens 16000 Pfd. Sterl., welche für Bensley bei der
-Durchführung der Erfindung der Druckmaschine entstanden waren, diesem
-einen Anteil an seinem Patent[41], was von Bensley angenommen wurde.«
-Die Freundschaft der beiden scheint jedoch nicht von langer Dauer
-gewesen zu sein, denn später liess Bensley König ersuchen, gegen Cowper
-einzuschreiten, was jetzt jedoch König seinerseits ablehnte. Wie es
-Cowper machte, so thaten es auch andere; man nahm von Nicholson und
-König, was passte, und fügte einiges Neue hinzu.
-
- [41] Cowpers Maschine ist in _Monthly Magazine_ vom 1. Jan. 1819
- beschrieben und abgebildet.
-
-[Sidenote: König geht nach Deutschland.]
-
-Ermüdet von allen diesen Verdriesslichkeiten beschlossen König und Bauer
-im Jahre 1817, England zu verlassen und in das Vaterland zurückzukehren,
-dem sie fortan mit Ruhm und Erfolg angehören sollten. Das Verlassen
-Englands unter den obwaltenden Umständen war selbstverständlich gleich
-einem Aufgeben der Patentrechte und der daran geknüpften Aussichten. Die
-englische Presse vergass schnell den Namen König. Wenn von der Erfindung
-und Verbesserung der Schnellpresse die Rede war, so wurden Nicholson,
-Cowper, Applegath und andere genannt; König existierte nicht. Nur die
-_Times_ fuhr fort, eine rühmliche Ausnahme zu machen, und stellte noch
-am 3. Dezember 1824 König das ehrendste Zeugnis aus. Es dürfte, wenn
-auch König keiner Ehrenrettung bedarf, eine Pflicht gegen die deutsche
-Erfindung sein, die hauptsächlichsten Stellen daraus wiederzugeben:
-
-[Sidenote: John Walter über König.]
-
-»Bei der ersten Einführung der Druckmaschinen erregte diese Erfindung
-grosse Teilnahme, und ihre Originalität wurde nicht bestritten, indem
-niemand einen Beweis für die frühere Anwendung derselben Grundsätze
-anführen konnte. Schon damals waren wir bemüht, den Ansprüchen des
-Erfinders, Herrn König, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, der einige
-Jahre später in sein Vaterland Deutschland zurückkehrte, jedoch --
-fürchten wir -- ohne den Lohn empfangen zu haben, der seinem Verdienste
-für seine wunderbare Erfindung und deren Ausübung in England zukam.« Es
-wird nun der ungerechten Versuche von anderer Seite, sich die Erfindung
-anzueignen und die Verdienste Königs entweder ganz zu ignorieren oder
-auf ein Minimum zu reduzieren, gedacht und dann fortgefahren: »Es ist
-ein so seltener Fall, dass ein Ausländer in England eine Erfindung zur
-Ausführung bringt; es giebt hier so viele eingeborene Talente in den
-mechanischen Künsten, und England steht in dieser Beziehung so hoch;
-dass es wohl ausländischem Verdienste Gerechtigkeit widerfahren lassen
-kann.« Dies thut nun das Blatt, indem es die Ansprüche des Herrn Bensley
-auf null, die des Herrn Nicholson auf eine fallengelassene Idee und die
-der Nachfolger Königs auf das _facile est inventis addere_ zurückführt.
-»Wir können zum Schluss nicht umhin, zu bezeugen, dass wir in Herrn
-König nicht nur einen Mann von hoher Bildung und feurigem Geiste,
-sondern auch von grösster Ehrenhaftigkeit und lauterster Rechtlichkeit
-gefunden haben. In dem kritischen und prüfungsreichen Zeitraum, wo seine
-Erfindung in unserer Offizin zur Ausführung gebracht wurde, standen wir
-in täglichem Verkehr mit ihm, so dass wir volle Kenntnis von seiner Art
-und Weise und von seinem Charakter erlangten; die Folge ist gewesen,
-dass wir für ihn innige Freundschaft und hohe Achtung für immer hegen.«
-
-Ein Zeugnis, ehrend für König, ehrend für Walter!
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Verbesserer der Schnellpresse.]
-
-Sehen wir von dem gegen König geübten Unrecht ab, so können wir den
-englischen Erbauern von Schnellpressen unmöglich die Anerkennung
-versagen, diese so wesentlich verbessert zu haben, dass die Leistungen
-der ersten Schnellpressen gegen die heutigen Rotationsmaschinen sich
-fast eben so verhalten, wie die Leistungen der Handpressen zu denen der
-ersten Schnellpressen. Nur diese Fortschritte haben es der englischen
-und amerikanischen Journalistik möglich gemacht, ihren hohen Rang zu
-erkämpfen und zu behaupten.
-
-[Sidenote: Napier.]
-
-[Sidenote: Applegath & Cowper.]
-
-Unter den Verbesserern der Schnellpresse sind besonders zu erwähnen:
-Edw. Cowper, Aug. Applegath, D. Napier, Isaac Adam, R. Hoe & Co. Noch
-viele andere könnten genannt werden. NAPIER führte zuerst Greifer ein
-und baute Maschinen mit einem sehr grossen Druckcylinder, der sich in
-fortwährender Bewegung befand und von welchem nur etwa der dritte Teil
-als Druckcylinder benutzt wurde. Bekannt sind die von APPLEGATH & COWPER
-im Jahre 1827 für die _Times_-Druckerei erbauten viercylindrischen
-Maschinen mit einer Leistungsfähigkeit von 4-5000 Exemplaren[42]. Noch
-renommierter wurde jedoch Applegaths Rotationsmaschine mit vertikalen
-Satz- und Druckcylindern. Der Satz war auf einem Teil des mittleren
-grossen Cylinders angebracht, dessen übriger, grösserer Teil als
-Farbentisch zum Verreiben der Farbe diente. Acht vertikale Druckcylinder
-von je 40 englischen Zoll Durchmesser waren derart um den Satzcylinder
-gruppiert, dass alle bei einmaliger Umdrehung des letzteren mit dem
-Satz in Berührung kamen, so dass also acht Bogen einseitig gedruckt
-waren. Durch keilförmige Spaltlinien und eben solche Kolumnenstege wurde
-fester Anschluss der Typen erzielt, die wie Mauersteine beim Bauen eines
-Bogens zusammenhielten. Jeder der Anleger führte alle vier Sekunden
-der Maschine einen Bogen zu, während acht Abnehmer die gedruckten
-Bogen in Empfang nahmen. Die Hauptschwierigkeit in der Konstruktion
-lag in dem Bändersystem, welches die in horizontaler Lage zugeführten
-Papierbogen in die für den Druck notwendige vertikale Lage zu bringen
-hatte. Die allergeringste Zögerung seitens eines Anlegers machte den
-Bogen zu Makulatur. Ein Vorzug der vertikalen Cylinder war, dass der
-abgehende Papierstaub nicht auf die Satzform, sondern zur Erde fiel. Die
-Maschine lieferte über 7000 Exemplare[43]. Applegath erfand auch eine
-solche, um zu gleicher Zeit mit sechs Farben zu drucken. Für sein System
-unnachahmlicher Banknoten zahlte ihm die englische Bank 18000 £ Sterl.
-Er starb in Dartford im Jahre 1871 in einem Alter von 84 Jahren.
-
- [42] _A description of A. Applegaths & Cowpers horizontal machine and
- of Applegaths vertical machine for printing the Times._ London
- 1851.
-
- [43] Wenn in dem Folgenden von Leistungen der Maschinen ohne eine
- Zeitbestimmung gesprochen wird, ist stets damit in einer Stunde
- gemeint.
-
-[Sidenote: C. A. Holm.]
-
-Ein Schwede, C. A. HOLM, nahm 1840 in London Patent auf seine,
-»Skandinavia-Presse« genannte Tiegeldruckmaschine. Trotz ihres schweren
-Ganges und ihrer geringen Leistungsfähigkeit von 5-600 Exemplaren
-war sie doch in England sehr verbreitet und beliebt, namentlich zum
-Druck illustrierter Werke, die man damals noch nicht in heutiger
-Vollkommenheit auf der Cylindermaschine lieferte[44].
-
- [44] In Deutschland arbeitet unseres Wissens nur ein Exemplar in der
- Viewegschen Buchdruckerei in Braunschweig.
-
-[Sidenote: Rob. Hoe * 1784, [+] 1833.]
-
-[Sidenote: Hoe & Co.]
-
-Die Wundermaschine Applegaths wurde durch die von Hoe übertroffen,
-die 1860 in der _Times_-Offizin Aufstellung fand. ROBERT HOE war der
-Begründer der berühmten Anstalt für die Fabrikation aller Arten von
-typographischen Maschinen in New-York. Er war als Sohn eines Pächters
-in Leicestershire in England geboren und lernte als Zimmermann. Im
-Jahre 1803 ging er nach Amerika und heiratete dort, erst zwanzig Jahre
-alt. Zwei seiner Schwäger, MATTHIAS und PETER SMITH, letzterer Erfinder
-einer renommierten Handpresse, hatten ein Geschäft errichtet, welches
-nach dem Tode der Inhaber von Hoe 1823 übernommen wurde. Es war damals
-noch klein, hatte aber, als Robert Hoe 1832 aus demselben trat, einen
-bedeutenden Umfang erreicht. Sein ältester Sohn RICHARD M. HOE und
-dessen Vetter MATTHIAS SMITH, welche seit 1823 Teilhaber des Geschäfts
-gewesen waren, übernahmen es nun ganz für sich. Smith, ein Mann von
-ungewöhnlichen Fähigkeiten, starb 1842 und ROBERT HOE JUN. und PETER
-SMITH HOE nahmen seine Stelle ein.
-
-[Sidenote: Die Blitzpresse.]
-
-Im Jahre 1846 wurde die epochemachende Maschine mit rotierendem
-Cylinder: _The type revolving printing_ oder _Lightning Press_
-(Blitzmaschine) gebaut. Die Schriftform ist auf einem grossen
-horizontalen Cylinder angebracht, um den sich 4-10 Druckcylinder
-bewegen, deren Anordnung je nach der Zahl derselben sich richtet. Bei
-der zehnfachen Maschine, wie sie in den Offizinen der _Times_ und der
-_Daily News_ arbeiteten, sassen die Anleger vier Etagen über einander.
-Die Bänderleitung war weniger kompliziert, als bei den Applegathschen
-Maschinen, weil die horizontal eingelegten Bogen in dieser Lage
-verblieben. Der grosse Cylinder hatte einen Durchmesser von 4-1/2 Fuss
-englisch. Die Länge der Maschine war 35 Fuss, die Breite 12 Fuss und
-die Höhe 18 Fuss. Die Leistungsfähigkeit betrug gegen 25000 Exemplare.
-Der Anblick in der Offizin der _Daily News_, wo zwei solche Maschinen
-gleichzeitig arbeiteten, war wahrhaft sinnverwirrend, wenn die zwanzig
-grossen Bogen auf einmal in der Luft herumschwirrten[45].
-
- [45] Journ. f. B. 1860, Nr. 30.
-
-[Sidenote: Isaak Adam.]
-
-Der Beifall, welchen diese und andere ihrer Maschinen erhielten, spornte
-Hoe & Co. zu noch grösseren Anstrengungen an. Nicht zufrieden mit den
-eigenen Erfindungen kauften sie auch noch von ISAAK ADAM aus Boston
-dessen mehr als fünfzig Patente für Hand- und Schnellpressen. Dieser war
-der älteste Pressenbauer Amerikas, der 1830 die Tiegeldruck-Maschine
-gebaut hatte, welche in Amerika noch viele Freunde besitzt. 1861
-eröffneten Hoe & Co. auch ein Etablissement in London, namentlich
-um dort bequemer die Reparaturen und Verbesserungen an ihren vielen
-in England verbreiteten Maschinen ausführen zu können. Ein zweites
-Etablissement in New-York wurde 1870 eingerichtet und Hoes beschäftigten
-damals bereits 1000 Arbeiter. Ihr Katalog beweist den enormen Umfang
-ihrer Fabrikation, unter welchen die Billet- und Nummeriermaschinen für
-mehrfarbigen Druck einen hohen Rang einnahmen[46].
-
- [46] R. Hoe & Co., _The typographical Messenger_, 1869.
-
-[Sidenote: Die »Endlosen«.]
-
-Doch auch die Wundermaschinen Hoes gehören der Vergangenheit an und
-wurden durch die eigenen späteren Leistungen, zuerst aber durch die
-Rotationsmaschine für endloses Papier des Amerikaners Bullock in
-Schatten gestellt. Es wäre zwar anzunehmen gewesen, dass man bei
-der erreichten Arbeitsschnelligkeit Beruhigung gefasst habe. Jedoch
-weit gefehlt, denn man betrachtete das Geleistete nur als eine
-Abschlagszahlung. Die mit der Handhabung der grossen Schriftformen
-verbundene Gefahr war noch eine bedeutende und es gehörten immer
-noch zur Bedienung einer grossen Hoeschen Maschine 18 Personen. Die
-Arbeiterbewegungen hatten aber gezeigt, wie wünschenswert es sei,
-bei Unternehmungen, wo Viertelstunden entscheiden, von menschlicher
-Beihülfe oder Missgeschick der Arbeiter unabhängig zu sein. Die
-Aufmerksamkeit richtete sich deshalb auf möglichste Selbstthätigkeit
-der Maschine, die schliesslich in der »Endlosen«[47] in Verbindung mit
-der Segment-Papierstereotypie das Ideal erreichte. Zwanzig Minuten
-nach Fertigstellung der letzten Satzform einer Zeitung sind die
-segmentförmigen Stereotypplatten auf dem Satzcylinder befestigt. Mit
-einer Schnelligkeit, welche die Lieferung von 200 fertigen Nummern
-in der Minute ermöglicht, wird das endlose Papier von der Rolle
-abgewickelt, erst durch die Feuchtwalzen, dann zwischen die Satz- und
-Druckcylinder geführt, durch den Schneideapparat von der Rolle in
-einzelnen Bogen abgetrennt, dem Falzapparat übergeben und zum Versenden
-gefalzt; thatsächlich ohne eine weitere menschliche Beihülfe als die der
-Burschen, welche die zum Versand fertigen Haufen wegzuschaffen haben.
-
- [47] Diese Bezeichnung wurde halb im Scherz von den »Annalen
- der Typographie« gebraucht und dann von Anderen acceptiert.
- »Rotationsmaschine« ohne nähere Bezeichnung deckt den Begriff der
- »Endlosen« nicht genau.
-
-Bedenkt man nun, dass eine Endlose, wie sie in der _Times_-Offizin
-gebaut wird, in einer Stunde eine Papierlänge von zwei deutschen Meilen
-auf zwei Seiten druckt, faktisch also 4 Meilen Gedrucktes in der Stunde
-liefert, man demnach mit zwei solchen Maschinen und einem doppelten
-Exemplare von Stereotypen in wenigen Stunden 100000 Exemplare von einer
-grossen Zeitung beschaffen kann, so sollte man meinen, ein _non plus
-ultra_ erreicht zu haben; doch selbst diese Schnelligkeit ist bereits
-übertroffen worden.
-
-[Sidenote: Ursprünge der Endlosen.]
-
-[Sidenote: Rowland Hill * 3. Dezbr. 1795, [+] 27. Aug. 1879.]
-
-Wer zuerst eine mehr als allgemeine Idee der Endlosen gefasst hat,
-ist schwer zu sagen. Den Gedanken deutet schon der Erfinder der
-Schnellpresse selbst an. In England hat man früher die Priorität der
-Erfindung für die Firma NELSON & SONS in Edinburgh in Anspruch genommen,
-ein Modell ihrer projektierten Maschine befand sich auf der Londoner
-ersten Weltausstellung 1851. Auf der Caxton-Ausstellung 1877 waren
-jedoch Überreste eines Modells zu sehen, welches der berühmte englische
-General-Postmeister Sir ROWLAND HILL 1835 hatte anfertigen lassen. Seine
-Maschine war darauf eingerichtet, dass keilförmige Typen oder gebogene
-Clichés auf einem Cylinder angebracht wurden und dass ein endloser
-Bogen zwischen den Schrift- und den Druckcylinder geführt wurde, wie
-bei den jetzigen Rotationsmaschinen. Die Maschine ward patentiert, in
-_Chancery-Lane_ aufgestellt und von kompetenten Richtern sehr günstig
-beurteilt. Die Regierung gestattete jedoch nicht den Druck des damals
-noch bestehenden Stempels bei dem Durchgang des Bogens mit vorzunehmen,
-und die Sache unterblieb; ob allein aus diesem Grunde, wird wohl jetzt
-schwer zu entscheiden sein. Was die endlosen Pressen Auers betrifft,
-so verhielten sie sich zu den jetzigen wie chinesischer Tafeldruck zur
-Typographie Gutenbergs (vgl. Kap. XIV). Die Amerikaner behaupten, dass
-schon um das Jahr 1840 J. B. WILKINSON eine Endlose erfunden habe.
-
-[Sidenote: Will. Bullock * 1813, [+] 1867.]
-
-Auch wenn dies nicht wäre, gebührt jedenfalls doch einem Amerikaner
-WILLIAM BULLOCK die Ehre, dem Gedanken zuerst eine praktische Lösung
-gegeben zu haben.
-
-Derselbe war zu Greenville geboren. In Philadelphia lernte er als
-Eisengiesser und Maschinenbauer. 1849 gründete er dort eine Zeitung und
-baute 1853 für den eigenen Bedarf eine Holzpresse mit einem mechanischen
-Zubringer des Papiers. Schrittweise wurde er nun zu seiner Erfindung
-geführt, auf welche er am 14. April 1863 Patent erhielt. Seine Maschine
-ist in Amerika sehr geschätzt, hat aber in England keinen besonderen
-Beifall gefunden und ist auf dem Kontinent gar nicht eingeführt. Er
-verunglückte bei Prüfung einer seiner Maschinen.
-
-[Sidenote: _Times_-Presse.]
-
-Die eigentliche Aera der Endlosen datiert von der Erbauung der
-»Walter-Maschine«. Es war eine Wiederholung der Scene von 1814.
-Bereits lange zirkulierten mysteriöse Gerüchte von einer neuen
-Wundermaschine, die in der _Times_-Offizin gebaut werde. Aber es
-gelang niemand, durch den dichten Schleier zu dringen, mit welchem die
-Vorbereitungen bedeckt waren. Nicht einmal die ältesten Maschinenmeister
-oder die Vertrauensmänner im Geschäft bekamen Erlaubnis, den
-streng verschlossenen Raum zu betreten, in welchem das neue Wunder
-zusammengesetzt wurde, bis der Tag anbrach, an welchem es seine Pflicht
-zum erstenmal erfüllte. Der Constructeur war der erste Ingenieur der
-Offizin J. C. MACDONALD, im Verein mit J. CALVERLEY. Die Presse erhielt,
-dem Besitzer zu Ehren, den Namen »Walter-Presse«[48].
-
- [48] Eine Reihe von Artikeln, welche die englischen und amerikanischen
- Endlosen beschreiben und abbilden, sind separat erschienen
- als: J. F. WILSON, _Typographic Printing Machine and Machine
- Printing_. London 1871.
-
-[Sidenote: Prinzip der »Endlosen«.]
-
-Wenn auch die Lage der Cylinder und die Reihenfolge der Funktionen
-bei den verschiedenen Systemen eine verschiedene ist, so bleibt doch
-das Prinzip dasselbe. Das Papier wird von der Fabrik auf eine Rolle
-gewickelt geliefert; die Zapfen der Rolle drehen sich leicht in den
-Lagern, in welche sie eingelegt werden, so dass das Papier, wenn einmal
-den Cylindern zugeführt, durch den Zug der sich drehenden Cylinder von
-der Rolle abgewickelt wird. Der Streifen passiert (wenn das Papier
-nicht durch eine besondere Vorrichtung im voraus gefeuchtet wurde)
-einen Feuchtapparat, wird erst auf der einen Seite gedruckt und dann
-durch eine S-förmige Bewegung auf den Widerdruckscylinder geführt.
-Während des ferneren Passierens des Papiers zwischen den Schneidewalzen
-hindurch wird es derartig perforiert, dass die Löcher sich dicht an
-einander reihen, so dass das Stück, welches einen Bogen bildet, durch
-den Ruck, welchen Leitbänder, die mit ungleicher Schnelligkeit sich
-bewegen, hervorbringen, von der Rolle abgetrennt wird. Der fächerartige
-Selbstausleger legt nun die Bogen entweder einzeln oder mehrere zusammen
-auf einen Haufen, oder sie werden, wenn eine Falzmaschine, wie es
-gewöhnlich der Fall ist, zugleich mit der Druckmaschine verbunden ist,
-dieser zugeführt und fallen, wie Stroh aus der Dreschmaschine, fertig
-zum Versenden in einen Behälter. Dabei nimmt eine solche Maschine sehr
-wenig Raum ein; eine Walter-Maschine erfordert 14 engl. Fuss Länge, 5
-Fuss Breite.
-
-[Sidenote: Segmentförmige Clichés.]
-
-Selbstverständlich gehören zu dieser Maschine segmentförmige Clichés.
-Boden und Decke des hierzu erforderlichen Giessinstrumentes liegen
-wie in den für flache Stereotypen bestimmten, parallel, jedoch nicht
-in der Ebene, sondern in einer Bogenform. Die biegsamen Papiermatern
-schmiegen sich an den Boden des gerundeten Giessinstrumentes an, der
-Deckel wird zugemacht und die Platte in üblicher Weise gegossen, voll,
-oder, wenn der Deckel des Giessinstrumentes darauf eingerichtet ist, nur
-auf Rippen ruhend. Um den nötigen Druck beim Eingiessen des flüssigen
-Schriftmetalls auszuüben, ist ein starker Anguss notwendig, dessen
-Beseitigung durch eine Kreissäge jedoch nur Sache eines Augenblicks
-ist. Die Justierung des Clichés geschieht ebenfalls in einer Minute
-oder weniger durch eine Hobelmaschine und die Platte ist zum Einsetzen
-in die schwalbenschwanzförmigen Halter des Schriftcylinders fertig. Ein
-Nachteil bei der Papier-Stereotypie ist, dass die Typen beim Trocknen
-der Matern heiss werden und zusammenbacken. RYLES & SON in Bradford
-haben nun eine Methode erfunden, die Mater, welche im feuchten Zustande
-von der Schrift abgehoben wird, in einem besonders konstruirten Rahmen
-festzuhalten und für sich ohne die Schrift zu trocknen.
-
-[Sidenote: Verschiedene »Endlose«.]
-
-Der Walterpresse folgte die »Victoriapresse«[49] von DUNCAN & WILSON in
-Liverpool. Diese, namentlich in der Provinz beliebte Maschine war die
-erste, die mit Falzapparat arbeitete; dann kam die »_Prestonian_« der
-Herren BOND & FORSTER, welche sowohl für Platten- als für Schriftdruck
-eingerichtet ist; die »_Northumbrian_« von DONNISON & SON in Newcastle
-u. T.; die »_Whitefriars_« des JOS. PARDOE, gebaut von A. H. PAYNE, die
-sowohl für Papier in Bogen als für endloses sich benutzen lässt und
-namentlich für illustrierte Blätter bestimmt ist.
-
- [49] Ann. d. Typ. 1. Bd. Nr. 32; V. Bd. Nr. 235.
-
-In Amerika folgten HOE & CO. und überboten an Leistungsfähigkeit ihrer
-Maschinen die Engländer. Die Fabrikate von ANDR. CAMPBELL sind neueren
-Datums und noch nicht recht in die Praxis gedrungen.
-
-»Man möchte glauben, dass die äusserste Grenze erreicht sei, wenn die
-Erfahrung nicht den Menschen belehrte, nie das Wagnis zu unternehmen,
-der Vervollkommnung eines Menschenwerkes und den unerforschlichen
-Absichten der Vorsehung eine Grenze im voraus zu bestimmen«, so schrieb
-Ambr. Firmin-Didot, als er 1851 die Leistungen der Applegathschen
-_Times_-Maschine angesehen hatte. Wie sehr er Recht gehabt, zeigen die
-enormen Leistungen in der Druckerkunst, die wir seit jener Zeit erlebt
-haben. Jedoch trotz diesen, wer würde es heute wagen, zu sagen: »Nun ist
-die Grenze wirklich erreicht«.
-
-[Sidenote: Endlose für Illustrationsdruck.]
-
-Die Verwendung der Endlosen für Illustrationsdruck gelang bis jetzt
-in England nicht so gut wie in Deutschland. Die von THOMAS MIDDLETON
-& CO. 1874 für die Offizin der _Illustrated London News_ gebaute, und
-dem Gründer des Blattes zu Ehren genannte »Ingram-Maschine« wird zum
-Druck eines kleinen Blattes _The Penny Paper_ benutzt. Die Konstruktion
-der Cylinder ist eine eigentümliche. Der vordere, für die Bilderform
-bestimmte hat einen grossen Umfang und nimmt drei Exemplare der
-Platten auf, man hat damit erzielen wollen, dass die Clichés nur wenig
-gebogen werden, damit nicht Verzerrungen in den Bildern entstehen. Der
-kleinere _Cylinder_ für die Schriftform ist nur mit zwei Exemplaren
-des Textes belegt, infolge dessen muss sich dieser Cylinder mit ein
-Drittel grösserer Schnelligkeit bewegen, als der grosse. Diese Maschine
-lieferte 7000 Exemplare und ist, da die Zurichtung von fünf Formen
-selbstverständlich viel Zeit kostet, nur bei sehr grossen Auflagen
-zweckentsprechend.
-
-Für FARBENDRUCK bauten CONISBEE & SON in London eine Endlose, die
-dreifarbigen Druck in 3000 Exemplaren liefert, ebenso D. F. POWELL. In
-Chicago fabrizierten SUITTERLIN CLAUSSEN & CO., in Philadelphia T. O.
-FERREE Vielfarbemaschinen[50].
-
- [50] FR. NOBLE, _The principles and practice of colour printing_.
- London 1881.
-
-[Sidenote: Die Tretpresse.]
-
-Wie die Extreme sich so oft berühren, so geschah es auch in dem
-Druckpressenbau, denn neben den ganz grossen Zeitungsmaschinen waren es
-namentlich die ganz kleinen, welche durch Treten in Bewegung gesetzt
-werden können und nur einen Arbeiter, in der Regel einen Burschen, zur
-Bedienung verlangen, welche die Aufmerksamkeit der Maschinenbauer in
-Anspruch nahmen.
-
-Es war ganz natürlich, dass man besonders in den Ländern, wo der
-Spruch »Zeit ist Geld« seine volle Gültigkeit hatte, und wo die Zahl
-der kleineren Accidenzarbeiten sich ins Kolossale steigerte und
-viele Druckereien sich ausnahmslos nur mit solchen »_Job_-Arbeiten«
-beschäftigten -- also in Amerika und England --, an diese kleinen
-Maschinen dachte. Man hatte nicht, wie in Deutschland, Zeit abzuwarten,
-bis ein Drucker an der Handpresse mit seinen langwierigen Vorbereitungen
-fertig war, um hundert Visitenkarten zu drucken, auch nicht Lust,
-deshalb eine 5000 Mark oder mehr kostende Maschine, deren Karren einen
-weiten Weg hin und zurück zu machen hatte, in Bewegung zu setzen. So
-entstand in England und Amerika eine Legion solcher Tretpressen unter
-verführerischen Namen, als: _Universal_, _Nonpareille_, _Minerva_,
-_Non plus ultra_, _Franklin_, _Excelsior_, _Progress_, _Lilliput_,
-_Favorit_, _Star_ etc. etc. Die Bahn hatten zwei Deutsche, DEGENER &
-WEILER, in New-York mit ihrer _Liberty-Press_ gebrochen. Die auf dem
-Kontinent verbreitetsten Tretpressen dürften jetzt neben den Degener &
-Weilerschen die »Gordon-Pressen« sein. Trotz einiger, diesen kleinen
-Maschinen anhaftenden Mängel haben sie doch in zweckmässigster Weise
-eine bedeutende Lücke im Druckgewerbe ausgefüllt. Ein Kabinettstück
-unter den kleinsten Maschinen ist MAUSEL BAYLYS Kombinationspresse.
-Der Umstand, dass diese kleinen Pressen, welche ganz die Handpressen
-verdrängt haben, zum Nachteil des geregelten Druckgeschäfts in die Hände
-der sogenannten Trittmüller -- kleine Papierhändler, Buchbinder und
-andere Nichtbuchdrucker -- gefallen sind, hat sie in einen unverdienten
-üblen Ruf gebracht. Das Prinzip der Endlosen ist in geistreicher Weise
-durch Tiegeldruck auf diese kleinen Maschinen in der _Kidder-Press_ mit
-feststehendem Tiegel und hin- und hergehender Schriftform zur Anwendung
-gebracht.
-
-Die beim Druck von Wertpapieren so notwendigen Numeriermaschinen wurden
-von BODEL so konstruiert, dass sie die Nummern erhaben pressen und von
-beiden Seiten verschiedenartig färben.
-
-[Sidenote: Ausleger und Anleger.]
-
-Eine wesentliche Verbesserung bei den gewöhnlichen Schnellpressen waren
-die rechenförmigen MECHANISCHEN AUSLEGER, die mit ihren, sich zwischen
-den Leitbändern auf- und niederbewegenden Rechen die Bogen von den
-Leitbändern wegnehmen und auf den Auslegetisch niederdrücken. Diese
-Verbesserung hat allgemeinste Verbreitung gefunden, was dagegen weniger
-mit den MECHANISCHEN ANLEGERN der Fall ist. Die Schnelligkeit der Hand
-des Anlegenden hat eine Grenze, die sich nicht überschreiten lässt. Man
-suchte deshalb nach dem Mittel, die Hand entbehrlich zu machen, und kam
-auf den Gedanken, durch luftleer gemachte, in schwingender Bewegung sich
-befindende Saugröhren einen Bogen von dem Haufen ansaugen zu lassen,
-den man dann, wenn die Röhren bei ihrer Bewegung sich in der richtigen
-Lage über dem Anlegetisch befinden, durch Einführung von Luft zum
-Niederfallen bringt. Um zu verhindern, dass die Saugröhren zu gleicher
-Zeit zwei an einander anklebende Bogen von dem Haufen aufheben, wird
-durch einen zweiten Apparat Luft zwischen den obersten und den darauf
-folgenden Bogen eingelassen. Der erste Erfinder war J. F. ASHLEY in
-New-York.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Satiniermaschine.]
-
-Bei jedem Maschinenpapier ist die Seite, welche mit dem Drahtgewebe, auf
-welches der Lumpenbrei ausfliesst, in Berührung gewesen, rauher, als die
-obere, was schon bei jeder Druckarbeit eine Unannehmlichkeit war. Noch
-nachteiliger wirkten jedoch die Unebenheiten und Unreinlichkeiten im
-Papier auf die feineren Schriften, namentlich aber auf die Holzschnitte.
-Um nun dem Papier eine vollkommen glatte Oberfläche zu geben, kam man
-frühzeitig auf den Gedanken, nach dem Feuchten, aber vor dem Druck,
-jeden Bogen einzeln zwischen Zinkplatten zu legen und diese dann, 10-20
-übereinandergelegt, unter starkem Druck zwischen zwei Hartgusswalzen
-durchzudrehen. Diese Manipulation mit der SATINIERMASCHINE war
-langwierig und teuer, namentlich weil die Zinkplatten (Satinierbleche)
-sich leicht abnutzten und Nachlässigkeit der Arbeiter leicht das Papier
-verdarb. Die Versuche jedoch, die Bogen einzeln zwischen die sich
-drehenden Cylinder zu führen, gelangen erst in letzter Zeit (vgl.
-Kap. X).
-
-Um nach dem Druck ein stärkeres Glätten als durch die übliche
-Glättpresse möglich war, zugleich um ein schnelles Trocknen der feuchten
-Bogen zu erzielen, bauten FURNIVAL & CO. in Manchester nach GILLS Patent
-eine Presse, die den Bogen zwischen zwei, mittels Dampfes erhitzte
-Stahlcylinder führt. Die Gefahr, welche durch das Abschmutzen der frisch
-gedruckten Bogen auf die Walzen droht, wird durch einen vorzüglichen
-Reinigungsapparat beseitigt. Die Ein- und Ausfuhr der Bogen geschieht
-auf endlosen Bändern.
-
-[Sidenote: Das heisse Glätten.]
-
-Das heisse Glätten des Papieres soll vor neunzig Jahren durch THOMAS
-TURNBULL erfunden sein, der an einer Presse beschäftigt war, in welcher
-Tuch durch heisse Cylinder gepresst wurde. Als nach dem Tode des
-Prinzipals die Witwe ein Zirkular an die Kundschaft druckte, missfiel
-die Rauheit des Druckes Turnbull und er glättete die Bogen, indem er
-sie zwischen glatte Pappen legte und durch die Tuchwalzen gehen liess.
-Die Resultate waren so befriedigend, dass er in London ein Geschäft
-eröffnete, um für die Buchdruckereien die Arbeiten zu glätten. Die
-Frage, ob das heisse Glätten im ganzen von Vorteil ist, kann noch nicht
-als entschieden betrachtet werden; ein Nachteil ist jedenfalls, dass
-jede kleinste Unreinlichkeit in dem Papier durch den starken Druck
-breitgequetscht und das Papier leicht verunstaltet wird.
-
-Eine Trocken- und Glättpresse von J. W. JONES in Harrisburg
-(Pennsylvanien) trocknet, glättet und falzt von der Schnellpresse weg
-6000 Bogen in der Stunde.
-
-Die gewöhnliche Glättpresse erhielt durch BOOMER & BORCHERT in London
-eine wesentliche Verbesserung. Ihre Presse ist sehr leicht zu handhaben
-und soll an Wirkung noch die hydraulische Presse übertreffen.
-
-[Sidenote: Feuchtapparate.]
-
-Das Feuchten des Papiers mit der Hand war bei den grossen Zeitungsbogen
-und den grossen Auflagen fast eine Unmöglichkeit geworden. Grössere
-Druckereien schafften deshalb MECHANISCHE FEUCHTAPPARATE (Hoe & Co.,
-Harrild & Sons) an, die das Papier entweder zwischen nassen, mit Filz
-überzogenen Walzen hindurchgehen liessen oder durch einen Sprühregen
-benetzten. Für feinere Arbeiten bleibt das Handfeuchten vorzuziehen,
-da man es, je nach der Beschaffenheit des Papiers und den sonstigen
-Verhältnissen, mehr in seiner Macht behält, das Feuchten rationeller zu
-betreiben. In Amerika wird sehr viel auf ungefeuchtetes Papier gedruckt,
-was für diejenigen, welche einen Spiegelglanz des Papieres lieben, als
-ein Vorteil erscheinen mag.
-
-[Sidenote: Die Bronciermaschine.]
-
-Bei einer grossen Anzahl von feinen Accidenzarbeiten kommt bekanntlich
-das Broncieren in Anwendung. BRONCIERMASCHINEN erleichtern diese
-Arbeit nicht allein, sondern sie verhindern auch das der Gesundheit so
-nachteilige, mitunter sogar tödlich wirkende Einatmen des Broncestaubes.
-Das Prinzip ist, die ganze Arbeit in einem verschlossenen Behälter
-durch ein System von Bürsten und Wischern vollziehen zu lassen, so dass
-die Arbeit vollständig fertig aus dem Behälter herauskommt[51]. Eine
-ähnliche Maschine von E. A. CLOWES & JOHN BALEY verrichtet das der
-Gesundheit ebenfalls sehr nachteilige Einbürsten der zu galvanisierenden
-Matern mit Graphitstaub.
-
- [51] Tapley. Leming Ray & Lynede in Manchester. L. Poirier & G. Legrand
- in Paris. A. Fichtner (für Haufler & Schmuterer) in Wien.
-
-[Sidenote: Die Falzmaschine.]
-
-Die bei der Schnellproduktion so wichtigen FALZMASCHINEN fanden
-namentlich in Amerika Beachtung. Sie wurden dort von CYRUS CHAMBER
-eingeführt, der, im Verein mit seinem Bruder Edwin, 1856 eine Fabrik
-in Philadelphia unter der Firma _Chambers Brothers & Co._ errichtete.
-Nach vielen Versuchen gelangten sie zu guten Resultaten und bauten im
-Jahre 1870 nach etwa 40 verschiedenen Systemen. Eine Maschine z. B.
-falzt einen und einen halben Bogen in einander, kleistert, heftet und
-beschneidet sie. Sehr verbreitet ist seit 1863 die Zeitungsfalzmaschine
-von S. C. FORSAITH & CO. in Manchester in den Vereinigten Staaten, die
-sich für verschiedene Formate stellen lässt.
-
-[Sidenote: Verschiedene Hülfsmaschinen.]
-
-Weitere Erleichterungen gewähren die BUCHHEFTMASCHINEN (WHEELER &
-WILSON) und die ZUSAMMENTRAGEMASCHINE (HOWE). Letztere ist in der Art
-der Kinder-Karussels gebaut. Auf einem sich drehenden Tisch, vor dem der
-Komplettierer steht, liegen die Bogenhaufen der Reihe nach und werden
-im Vorbeipassieren einer nach dem andern von dem Komplettierer ergriffen.
-
-Von den unendlich vielen Hülfsmaschinen seien nur noch erwähnt die
-COUVERTMASCHINE (G. TIDCOMBE & SON, J. WILKINSON; C. GODALL & SON) und
-die SCHNEIDEMASCHINE. Spezialisten für letztere sind FURNIVAL & CO. in
-Manchester, die sie in grosser Vollkommenheit bauen. Das Ingangsetzen
-des Messers, der Schnitt eines Ries Papiers und das Zurückgehen des
-Messers in seine erste Lage dauert nur vier Sekunden. Überhaupt ist
-die Fabrik Furnival berühmt wegen der Vortrefflichkeit aller ihrer
-Hülfsmaschinen, deren Fabrikation in ausgedehntester und rationellster
-Weise betrieben wird.
-
-[Sidenote: Die Utensilien.]
-
-Wie aus dem obigen hervorgeht, fehlt es an erleichternden Mitteln
-nicht, und doch war es nur möglich, das Hauptsächlichste zu erwähnen.
-Sowohl Hülfsmaschinen als Utensilien werden jährlich vermehrt und
-verbessert. Nicht wenig erleichtert ist die Anschaffung derselben durch
-die UTENSILIEN-GESCHÄFTE, welche alle notwendigen Gegenstände von der
-Ahle ab und bis zu der grössten Schnellpresse liefern, ja selbst die
-Einrichtung vollständiger Druckereien übernehmen, so dass der Besteller
-nur unter Angabe der besonderen Orts- und Geschäfts-Verhältnisse den
-Preis bestimmt, alles andere dem Lieferanten überlassend[52].
-
- [52] Wer die unendlich vielen Gegenstände, welche ein solches Geschäft
- verhandelt, näher durch Beschreibung und Abbildungen kennen
- lernen will, dem ist eine Reihe von Artikeln im Journ. f. B.
- 1867, Nr. 31, 32, 36, 37 zu empfehlen. Nicht weniger Interesse
- bieten die grossen illustrierten Kataloge, die fast alle
- bedeutenden Utensilienhandlungen herausgeben.
-
- * * * * *
-
-So bedeutend auch der Fortschritt von dem Ballen und der Lederwalze
-zu der Massenwalze war, so litt die letztere doch unter wesentlichen
-Mängeln, namentlich war ihre Brauchbarkeit sehr von der Temperatur
-und der Witterung beeinflusst. Zu Zeiten schwanden die Walzen, dann
-wurden sie hart wie Stein, bald nahmen sie, wenn sie zu feucht waren,
-die Farbe nicht an, bald wurden sie so weich, dass sich die Form mit
-Walzenmasse vollschmierte, bald mussten sie am Ofen oder mittels
-brennender Fidibusse erwärmt, bald mit Sägespänen abgerieben, geschabt,
-gewaschen, schliesslich, unter Ersatz der klumpig gewordenen Masse
-durch neue, umgegossen werden. Waren die lokalen Verhältnisse nicht
-besonders günstig, so konnte man wohl rechnen, dass der zehnte Teil der
-Arbeitszeit durch Pflege der Walzen verlorenging.
-
-[Sidenote: Englische Walzenmasse.]
-
-Diesen Übelständen ist durch die ENGLISCHE WALZENMASSE, die
-hauptsächlich aus Gelatine und Glycerin besteht, abgeholfen. Jede
-Fabrik solcher behauptet, im Besitz von geheimen Rezepten zu sein;
-das hauptsächlichste Geheimnis besteht wohl darin, das vorzüglichste
-Material zu nehmen und alle wässerigen Teile daraus zu scheiden. Ohne
-solche Walzen würden der vollen Ausnutzung der Rotationsmaschinen
-bei der starken Reibung und dem schnellen Gang immer noch grosse
-Schwierigkeiten erwachsen.
-
-Eine weitere Verbesserung sind die LANHAM-Walzen. Waren sie anfänglich
-nur für lithographische Schnellpressen bestimmt, so liefert der
-Erfinder jetzt auch ein Fabrikat für typographische Maschinen, das
-sich vorzüglich bewährt. In der Offizin des _Daily Telegraph_ druckt
-jede Hoesche Maschine stündlich 1000 Exemplare mehr seit Verwendung
-der Lanham-Walzen. Der Hauptbestandteil derselben ist vulkanisierter
-Kautschuk, der wieder mit einem in besonderer Weise präparierten
-Kautschuk-Überzug versehen ist.
-
-[Sidenote: Die Farbenfabrikation.]
-
-Nachdem die Druckereien aufgehört hatten, ihre FARBE selbst zu
-fabrizieren, entstanden Etablissements, die sich ausschliesslich mit
-dieser Fabrikation beschäftigten, deshalb auch imstande waren, rationell
-zu fabrizieren und gute Farben billig zu liefern. Auch hier standen die
-englischen Fabrikate obenan, und es gab eine Zeit, bis um das Jahr 1840,
-wo in Deutschland kein illustriertes, oder selbst ein in der Ausstattung
-nur einigermassen hervorragendes Werk mit anderer Farbe als der von
-PARSON oder LAWSON gedruckt werden durfte. Ist die englische Farbe auch
-jetzt ziemlich vom Kontinent verdrängt, so behauptet sie doch ihren
-guten Ruf. Sie zeichnet sich durch ihren tiefen, etwas ins Bläuliche
-spielenden Ton aus, der ausserordentlich schön ist, den Illustrationen
-jedoch etwas Kaltes giebt. Die bedeutendsten Fabrikanten sind PARSONS,
-FLETCHER & CO. in London und A. B. FLEMING & CO. in Leith, wohl die
-grösste Farbenfabrik der Welt.
-
-
-[Illustration]
-
- III. KAPITEL.
-
- DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE ENGLANDS.
-
- ENGLAND. AUFBLÜHEN DER TYPOGRAPHIE: J. Baskerville, Bowyer Vater und
- Sohn, J. Nichols, Miller-Ritchie, W. Bulmer, Th. Bensley, Hansard
- Vater und Sohn. DIE XYLOGRAPHIE: Thom. Bewick. DER FARBENDRUCK: G.
- Baxter, W. Savage, W. Congreve. Oxford, Cambridge, Edinburgh u. a.
- DIE ZEITUNGSPRESSE: Die _Times_ und die Familie Walter; Stempel;
- Telegraphischer Verkehr; Inseratenwesen; Statistisches. DER
- ACCIDENZDRUCK. DER BUCHHANDEL: die illustrierten Blätter, Ch. Knight.
- Der Bibeldruck. Die Bibliophilie: Lord Spencer, T. F. Dibdin. DIE
- BUCHBINDERKUNST.
-
- ASIEN: Indien, China, Japan, der Indische Archipel. -- AUSTRALIEN, die
- Südseeinseln. -- AFRIKA.
-
-[Sidenote: John Baskerville * 1706, [+] 8. Jan. 1775.]
-
-Als der eigentliche Schöpfer der neueren englischen Typographie gilt
-JOHN BASKERVILLE, 1706 in Wolverley in Worcestershire geboren. Im Jahre
-1726 leitete er eine Schreibschule in Birmingham; 1745 übernahm er ein
-Lackiergeschäft, durch welches er viel Geld verdiente. Seine Neigung
-war jedoch der Buchdruckerei zugewandt. Von der Universität Cambridge
-erhielt er die Erlaubnis, eine Bibel in Folio und zwei Ausgaben des
-_Common Prayer Book_ zu drucken, gegen Zahlung einer Abgabe an die
-Universität von 20 resp 12 £ Sterl. für je 1000 Exemplare und an die
-_Stationers Company_ weitere 12 £ Sterl. für die Erlaubnis, seinen
-Ausgaben die Psalmen anzufügen. Zu seinen berühmtesten Druckwerken
-gehören die Ausgaben des Virgil in 4° und in 12°, sowie sein Horaz
-von 1762. Baskerville wendete seinen Arbeiten eine unausgesetzte
-Aufmerksamkeit zu. Er bereitete selbst seine Farben und baute selbst
-seine Pressen. Namentlich waren seine schönen Buchschriften, ganz
-besonders seine Cursivschriften, berühmt. Auch dem Papier und dessen
-Behandlung widmete er die grösste Sorgfalt, die gedruckten Bogen wurden
-einzeln zwischen zwei erwärmten Kupferplatten gepresst. Jetzt ist jedoch
-das Aussehen seiner Drucke keineswegs schön, mutmasslich hat unrichtige
-Behandlung bei der warmen Pressung nachteiligen Einfluss auf das Papier
-geübt.
-
-Trotz aller Liebe zur Kunst wurde doch Baskerville derselben müde
-und erklärte, er bereue es bitter, je ihre Ausübung angefangen zu
-haben. Seinem letzten Willen gemäss wurde er in seinem Grundstück in
-ungeweihter Erde unter einer Windmühle begraben.
-
-Nachkommen hinterliess Baskerville nicht. Seine Witwe hörte schon 1775
-zu drucken auf, setzte aber die Schriftgiesserei noch bis 1777 fort. So
-viele Vorzüge auch Baskervilles Schriften besassen, so fanden sie doch
-nicht allgemeinen Beifall bei dem englischen Publikum, das den Schriften
-Caslons und Jacksons den Vorzug gab. Sie lagen nun als tote Masse da,
-bis der bekannte Beaumarchais in Paris sie im Jahre 1779 um den Preis
-von 3700 £ Sterl. kaufte; die Universität Cambridge hatte die angebotene
-Erwerbung abgelehnt.
-
-[Sidenote: W. Bowyer d. ä. * 1663, [+] 1737.]
-
-Ein grosses Ansehen als einer der gelehrtesten, tüchtigsten und bravsten
-Buchdrucker erwarb sich William Bowyer d. j. Bereits sein Vater WILL.
-BOWYER D. Ä. besass einen höchst geachteten Namen. Er hatte 1686 ein
-Verlagsgeschäft, 1699 eine Buchdruckerei begründet. Wie gross die
-Achtung war, die er genoss, zeigte sich, als sein Geschäft in der Nacht
-vom 29. zum 30. Januar 1712 vollständig durch Feuer zerstört wurde.
-Durch rasche Subskription deckten Freunde und Konkurrenten mehr als die
-Hälfte des ihm entstandenen Schadens von 5000 £ Sterl.
-
-[Sidenote: W. Bowyer d. j. * 19. Dez. 1699, [+] 18. Nov. 1777.]
-
-Der Sohn WILLIAM BOWYER D. J. studierte in Cambridge, wo er von
-1716-1722 mit litterarischen Arbeiten und Korrekturen wissenschaftlicher
-Werke beschäftigt war. Dann trat er in das Geschäft des Vaters und fuhr
-fort, den mehr litterarischen Teil desselben zu besorgen, worin ihn
-seine zweite Frau, Elizabeth Bill, vortrefflich unterstützte. 1729
-wurden Bowyer die Arbeiten des Unterhauses übertragen, die er fast 50
-Jahre lang lieferte[53].
-
- [53] _Anecdotes biographical and literary of W. Bowyer._ London 1778.
-
-[Sidenote: John Nichols * 15. Juli 1779, [+] 26. Mai 1826.]
-
-Im Jahre 1766 hatte Bowyer JOHN NICHOLS zum Teilhaber genommen. Dieser
-hatte bei Bowyer gelernt und sich so gut betragen, dass Bowyer die
-Hälfte des Lehrgeldes an den Vater Nichols' zurückzahlte. Aus dem
-Lehrherrn und dem Lehrling wurden Freunde und Associés. Nach Bowyers
-Tod behielt Nichols das Geschäft allein. Er war nicht nur Erbe der
-Tüchtigkeit und Gelehrsamkeit seiner Vorgänger, sondern auch von deren
-Unglück, denn am 8. Februar 1808 war wieder das Feuer Verheerer alles
-dessen, was seit fast hundert Jahren, seit dem ersten Brande, an Verlag,
-seltenen Büchern, Druckmaterial u. s. w. gesammelt war. Nichols war
-jedoch nicht der Mann, den Mut zu verlieren. Mit seinem Sohne und
-Associé, der den Zunamen Bowyer angenommen hatte, richtete er alles aufs
-neue ein. 1804 war er Vorsteher der _Stationers Company_ geworden und
-hatte damit das Ziel seines geschäftlichen Ehrgeizes erreicht. Seit 1806
-beschäftigte er sich zumeist mit litterarischen Arbeiten.
-
-[Sidenote: Will. Strahan * 1715.]
-
-[Sidenote: Andr. Strahan [+] 1831.]
-
-[Sidenote: Thom. Spilbury.]
-
-WILLIAM STRAHAN kaufte einen Teil des Patentes eines königlichen
-Buchdruckers, erwarb für so hohe Honorare, wie sie selten bezahlt
-worden waren, die Verlagsrechte von Arbeiten der hervorragendsten
-Autoren seiner Zeit und ward 1774 Vorsitzender der _Stationers Company_.
-Er stand zu einer Reihe von bedeutenden Persönlichkeiten in naher
-Beziehung, unter anderen zu Franklin, mit dem er in London zusammen
-gearbeitet hatte. Noch in einem seiner letzten Briefe an Strahan
-bespricht Franklin in von der Buchdruckerkunst entlehnten Allegorien
-und Ausdrücken scherzhaft die Politik. Der Sohn ANDREW STRAHAN trat in
-die Fussstapfen des Vaters und fand in THOMAS SPILBURY einen würdigen
-Nachfolger, der französische Klassiker mit solcher Korrektheit druckte,
-dass sie selbst in Frankreich den französischen Ausgaben vorgezogen
-wurden.
-
-[Sidenote: Miller Ritchie [+] 28. Nov. 1828.]
-
-Die Vervollkommnung des Werkdruckes, in welchem die Engländer so
-bedeutendes geleistet haben, hat man wesentlich MILLER RITCHIE, einem
-geborenen Schottländer, zu verdanken. Er begann seine Laufbahn 1785
-mit einer Royal-Oktav-Ausgabe der englischen Klassiker, für welche
-zum erstenmale das gelblich gerippte Papier Whatmans benutzt wurde.
-Eine Quartbibel in zwei Bänden folgte. Wie Baskerville hatte er schwer
-mit dem alten Schlendrian der Arbeiter zu kämpfen und oft musste er
-zu den Druckerballen greifen, wenn er einen ihn befriedigenden Druck
-haben wollte[54]. Er fand jedoch zwei mächtige Bundesgenossen für seine
-Bestrebungen in dem Papierfabrikanten Whatman und dem Farbefabrikanten
-Blackwell, wie überhaupt das vortreffliche Papier und die gute englische
-Farbe ausserordentlich viel zu dem Übergewicht englischer Werkdrucke
-beigetragen haben. Trotz seiner Tüchtigkeit, oder vielleicht eben weil
-er die Vorzüglichkeit der Arbeit höher stellte als den Gewinn, konnte
-Miller Ritchie keine unabhängige Stellung behaupten.
-
- [54] Der bekannte Thom. Curson Hansard behauptet in seiner
- _Typographia_, dass, wenn die besten Prachtwerke Englands nicht
- ganz die besten der Franzosen und Bodonis erreichen sollten,
- dies in der schwierigeren Behandlung der Farben liege, deren
- Konsistenz in der wechselnden Temperatur Englands nicht ganz
- gleichmässig erhalten werden könne.
-
-[Sidenote: Will. Bulmer * 1754, [+] 1830.]
-
-Als ein würdiger, zugleich glücklicherer Nachfolger in denselben
-Bestrebungen muss WILLIAM BULMER genannt werden, dessen Name mit dem
-Schönsten und Korrektesten verbunden ist, was die Buchdruckerkunst
-Englands, die durch ihn auf die höchste Stufe der Vollendung gebracht
-wurde, aufzuweisen hat. Bulmer, in Newcastle geboren, wurde während
-seiner Lehre dort mit dem später so berühmten Holzschneider Thomas
-Bewick, für den er die Probedrucke besorgte, bekannt und brachte ihn
-auf den Gedanken, die Holzschnitte abzuflachen, so dass die leichteren
-und verschwindenden Stellen tiefer zu liegen kamen, wodurch der
-Abdruck eines Holzschnittes, selbst ohne jede Zurichtung, sich in
-den richtigen Abstufungen der Farbentöne zeigt. Durch einen Zufall
-kam er in Verbindung mit dem Buchhändler George Nicol, der eine
-grosse Prachtausgabe von Shakespeares Werken vorbereitete, die in
-artistisch-typographischer Hinsicht alles übertreffen sollte, was
-bis dahin geliefert war. Das Werk, 9 Bände Folio und ein Band Kupfer
-(1794-1801), wurde in Bulmers Offizin, genannt _Shakespeare-Press_,
-gedruckt mit Schriften, die von William Martin in Birmingham geschnitten
-waren. Der Druck des Werkes, das im Jahre 1794 begonnen wurde und
-allein wohl mehr Bogen enthielt, als alle Bodonischen Prachtausgaben
-zusammen, ist von unübertroffener Gleichmässigkeit; der letzte Bogen
-sieht genau aus wie der erste. Neben diesem Werk ist die grosse Ausgabe
-von Milton, 3 Bände Folio, zu erwähnen, die typographisch vielleicht
-noch höher als die von Shakespeare steht; dann die Ausgabe von Goldsmith
-und Parnell. 1798-1803 wurde das prachtvolle _Museum Worsleyanum_,
-zwei Bände Folio, gedruckt, auf welches Richard Worsley 27000 £
-Sterl. verausgabte und das nie in den Handel kam. Aus der Reihe der
-grossartigen Druckwerke Bulmers nennen wir noch Dibdins _Typographical
-Antiquities_ und die _Bibliotheca Spenceriana_, wohl das brillanteste
-bibliographische Werk, das existiert. Ein Meisterstück der Bulmerschen
-Pressen ist ferner Dibdins _Bibliographical Decameron_ mit einer
-grossen Anzahl von Vignetten. Er druckte auch 1808 Wilkins _Sanskrit
-Grammar_, ein Quartband von 662 Seiten in prachtvoller Ausstattung.
-1819 zog er sich ganz vom Geschäft zurück, das auf WILL. NICOL, den
-Sohn seines Freundes, überging. Auch Bulmer wurde vortrefflich durch
-Whatman und ausserdem durch den Holzschneider Bewick unterstützt.
-Als der bedeutendste Drucker und Mitarbeiter Bulmers wird DANIEL
-GRIMSSHAW genannt. Ein Hauptstreben Bulmers war auf eine vorzügliche
-Farbe gerichtet. Diese lieferte erst Rob. Martin in Newcastle; bei der
-Unmöglichkeit für diesen, Bulmers Bedarf zu decken, fand letzterer
-sich veranlasst, selbst die nötigen Einrichtungen zur Gewinnung eines
-zufriedenstellenden Fabrikates zu treffen.
-
-[Sidenote: Th. Bensley und andere.]
-
-Ein Rival Bulmers, dessen Verhältnis zu König und Bauer schon erwähnt
-wurde, war THOMAS BENSLEY. Als jener seinen Shakespeare druckte, folgte
-Bensley mit seiner prachtvollen Bibel von Maclin in sieben Bänden in
-Quarto. Ganz vorzüglich war auch die Ausgabe von Thomsons Jahreszeiten.
-
-[Sidenote: Ch. Whitaker.]
-
-Schöne Drucke lieferte im Beginn dieses Jahrhunderts auch CHARLES
-WHITAKER. Seine Ausgabe der _Magna Charta_, ganz in Golddruck von
-hervorragender Schönheit mit illuminierten Initialen, ist eine grosse
-Seltenheit. Seinen Golddruck behandelte er als Geheimnis und schlug das
-Anerbieten der Gesellschaft zur Förderung der Kunst ab, das Verfahren
-gegen eine öffentliche Belohnung bekannt zu geben.
-
-Zu den schönsten englischen Presserzeugnissen gehört das Gedicht _The
-Press_, von dem Buchdrucker JOHN M'CREERY im Jahre 1803 gedichtet und
-gedruckt, und von Holl illustriert.
-
-[Sidenote: Ch. Whittingham * 16. Juni 1767.]
-
-[Sidenote: Whittingham II. * 30. Okt. 1795.]
-
-CHARLES WHITTINGHAM war in Calledon bei Coventry geboren. Im Jahre
-1792 etablierte er sich in London, wo er bis 1811 viele schöne Werke
-für Londoner Verleger druckte. Er war einer der ersten, welche die
-Zurichtung der Holzschnitte zur Vollkommenheit brachten. Im Jahre
-1811 überliess er seinem Teilnehmer Rowland die Leitung des Londoner
-Geschäfts und zog nach Chiswick. Aus seiner _Chiswick-Press_ ging unter
-anderen bedeutenden Werken in den Jahren 1819-1822 eine vortreffliche,
-nur in 500 Exemplaren gedruckte und auf einmal herausgegebene
-Oktav-Ausgabe der englischen Dichter in 100 Bänden hervor. Das Geschäft
-ging auf den Neffen CHARLES WHITTINGHAM über, der jedoch daneben
-eine von ihm selbst begründete Offizin in London hatte, wo er, mit
-Peels Werken beginnend, eine Reihe von schönen Ausgaben für Will.
-Pickering bis zu dessen 1854 erfolgtem Tode druckte. Sein Sohn CH. JOHN
-WHITTINGHAM starb am 21. April 1876.
-
-[Sidenote: Luke Hansard * 5. Juli 1752, [+] 28. Okt. 1828.]
-
-Berühmt wurden auch Hansard Vater und Sohn. Ersterer, LUKE HANSARD, ist
-namentlich als Parlamentsdrucker bekannt. Er lernte in seiner Vaterstadt
-Norwich und arbeitete später in dem Geschäft des Parlamentsdruckers John
-Hughs. Hansard wurde erst Dirigent der Buchdruckerei, dann Teilhaber und
-im Jahre 1800 Alleinbesitzer. Sein Ruf wurde durch die ungewöhnliche
-Promptheit, mit welcher er stets die Regierungsarbeiten ausführte,
-fest begründet. Freilich war es auch lohnend, für die Regierung zu
-arbeiten. Die Rechnungen Hansards d. j. betrugen 1829 125772 £ Sterl.;
-in dem Jahre 1830 wurde für 86217 £ Sterl. gedruckt. 1831 machten die
-Parlamentsakten 120 Foliobände aus[55]. Luke Hansard starb, 77 Jahre
-alt, im Besitz des allgemein verbreiteten Rufes, ein seltener Mensch
-gewesen zu sein[56].
-
- [55] 1879 rechnete man, dass jedes Parlamentsmitglied während der Dauer
- des letzten Parlaments 20 Zentner an Drucksachen empfangen habe.
-
- [56] _Biographical Memoir of Luke Hansard._ London 1829.
-
-[Sidenote: Th. C. Hansard * 6. Nov. 1776, [+] 14. Mai 1833.]
-
-THOMAS CURSON HANSARD, der Sohn und Nachfolger Lukes, ist namentlich
-bekannt als Verfasser der _Typographia_, des renommiertesten englischen
-Handbuches der Geschichte und Technik der Buchdruckerkunst, welches
-eine Menge schätzbares Material enthält, dessen bessere Sichtung und
-Durcharbeitung jedoch sehr zu wünschen gewesen wäre.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Xylographie.]
-
-Gleichzeitig mit der Wiedergeburt der Typographie erhob sich auch
-die Xylographie aus dem Elend, in welches sie versunken war, eine
-Renaissance, die wir ebenfalls einem Engländer verdanken, was um so mehr
-überrascht, als England zu einer Zeit, wo diese Kunst in Deutschland,
-Frankreich und Italien blühte, noch gar keine Holzschneidekünstler
-aufzuweisen gehabt hatte. Auf welcher Stufe der Unbedeutendheit die
-Xylographie sich befand, geht daraus hervor, dass zu Anfang des XIX.
-Jahrhunderts London nur zwölf Holzschneider zählte. Man kann sonach,
-was England betrifft, fast richtiger von einer Geburt als von der
-Wiedergeburt der Kunst durch THOMAS BEWICK reden.
-
-[Sidenote: Th. Bewick * 12. Aug. 1753, [+] 8. März 1828.]
-
-Die ersten Übungen seines Zeichnertalentes bestanden in dem mit Kreide
-Bemalen fast aller Häuser in Cherry-Burn, seinem Geburtsorte. Mit dem
-14. Jahre kam er in die Lehre bei einem tüchtigen Graveur in Newcastle:
-Ralph Beilby.
-
-Als ein Gelehrter, Dr. Hutton, ein grosses Werk über die Messkunst
-herausgab, riet ihm Beilby, statt Kupferplatten Holzschnitte für die
-Illustrationen zu wählen. Hutton ging auf diesen Gedanken ein und die
-Ausführung der Holzschnitte wurde Bewick anvertraut, der sich seiner
-Aufgabe so geschickt entledigte, dass ihn Beilby aufmunterte, seine
-gesamten Kräfte dieser vernachlässigten Kunst zu widmen. Nachdem er sich
-eine zeitlang in London und in Schottland aufgehalten hatte, kehrte
-er nach Newcastle zurück und wurde in dem Geschäft seines Lehrers
-Teilhaber. Er bildete nun auch seinen Bruder John für die Kunst aus.
-Eine Ausgabe von Gays Fabeln gab den Brüdern Gelegenheit, ihr Talent in
-einer höheren Kunstrichtung zu zeigen. Ein Holzschnitt »Der alte Hund«
-erhielt im Jahre 1775 die von der Gesellschaft der Kunst ausgesetzte
-Prämie für den besten Holzschnitt. Die »Geschichte der Vierfüssler«
-erschien 1790; das berühmte Werk »Die Geschichte der englischen Vögel«
-folgte 1797. Kühnheit der Zeichnung, Lebendigkeit und Naturtreue
-in den Stellungen, Korrektheit und Unterscheidung des Charakters,
-der Lebensweise und der Bewegung in allen Figuren sind Vorzüge der
-Holzschnitte Bewicks. Der Bruder John starb bereits am 21. Oktober 1795
-in seinem 25. Jahre. Er kam seinem Bruder an Talent gleich, lebte aber
-nicht lange genug, um einen solchen Ruf wie dieser zu erlangen. Die
-Holzschnitte des Thomas Bewick sind zum grossen Teil in einem im Jahre
-1870 erschienenen Album vereinigt[57].
-
- [57] THOM. LANDSEER, _Life and letters of W. Bewick_. 2 Bde. London
- 1870. -- J. G. BELL, _A descriptive and critical Catalogue of
- works illustrated by T. and J. Bewick_. -- TH. HUGO, _The Bewick
- Collector_, London 1866. Supplement 1868. -- _Bewicks wood cuts,
- ed. by Th. Hugo._ London 1870.
-
-Seit Bewicks Zeit hat England eine sehr grosse Zahl tüchtiger
-Xylographen aufzuweisen, und es gab eine Zeit, wo die englischen
-Holzschneider auch auf dem Kontinent massgebend waren.
-
-[Sidenote: Der Farbendruck. W. Savage.]
-
-[Sidenote: George Baxter.]
-
-Wie England sich in der neueren Xylographie als bahnbrechend zeigte, so
-auch in dem FARBENDRUCK. Zuerst ist WILLIAM SAVAGE zu nennen, geboren
-zu Houdon in Yorkshire, wo er sich auch mit seinem Bruder James 1790
-als Drucker und Buchhändler etablierte. William ging 1797 nach London,
-und wurde dort vorzüglicher Drucker und Verfasser der epochemachenden:
-_Hints on decorative Printing_ in zwei Teilen (1819-1832). 1840 folgte
-sein bekanntes Werk _Dictionary of the Art of Printing_. Übertroffen
-wurde er von GEORGE BAXTER, der seine ersten Versuche 1835 machte und
-Patent auf den Druck von Bildern mit Ölfarben nahm. Baxter druckte den
-Untergrund und die Umrisse mit Stahlplatten, dann die einzelnen Farben
-von Holzstöcken, deren Zahl mitunter zwanzig überstieg. Seine besten
-Arbeiten finden sich in seinem _Pictorial-Album_, das 1837 bei Chapman
-& Hall erschien. In Landschaften ist er nicht übertroffen worden. Von
-einem kleinen Blatt »Die Dreieinigkeit« nach Rafael wurden über 700000
-Exemplare verkauft.
-
-[Sidenote: Will. Congreve * 1772.]
-
-Eine weitere Art des Farbendruckes, welche eine zeitlang eine bedeutende
-Rolle spielte, ist diejenige von dem, auch durch seine Tod und Verderben
-schleudernden Raketen bekannten Sir WILLIAM CONGREVE erfundene. Congreve
-war Zeuge von dem mühsamen zweifarbigen Druck in der Applegathschen
-Buchdruckerei gewesen, und da die englische Regierung einen Preis auf
-die Herstellung unnachahmlicher Banknoten gesetzt hatte, richtete er
-alle seine Gedanken auf diesen Punkt. Er erhielt ein vierzehnjähriges
-Patent auf eine von Donkin für ihn gebaute Maschine. Das Prinzip des
-Congreveschen Druckes beruht darauf, die verschiedenen Teile einer
-Metallplatte, insoweit diese mit einer und derselben Farbe gedruckt
-werden sollen, knapp aus der Platte herauszusägen, so dass sie, wieder
-in einander gefügt, ein Ganzes bilden. Nach einander werden die Teile,
-welche eine und dieselbe Farbe bekommen sollen, durch Unterlagen
-hochgestellt und eingefärbt, bis schliesslich das Ganze, welches nach
-Entfernung aller Unterlagen eine glatte Oberfläche bildet, mit einem
-Zug des Bengels abgedruckt werden kann. Im Verein mit einem Buchdrucker
-WHITING legte Congreve eine Buchdruckerei an, die sich hauptsächlich mit
-Druck von Etiquetten u. dgl. beschäftigte. Durch die Fortschritte der
-Lithographie und die Erfindung der Mehrfarbenmaschinen ist Congreves
-Methode so gut wie verdrängt. Die Engländer nennen sie _Compound
-Printing_, die Bezeichnung »Congreve-Druck« rührt von Ed. Hänel her, der
-das Verfahren nach Deutschland brachte.
-
- * * * * *
-
-Ausser London haben als Druckorte in England nur Oxford und Cambridge,
-in Schottland Edinburgh eine grössere Bedeutung.
-
-[Sidenote: Oxford.]
-
-Von den Buchdruckereien der beiden englischen Universitäten nimmt
-die in OXFORD den bei weitem wichtigeren Platz ein. Nachdem sie von
-1669-1713 in dem _Sheldonian Theater_ installiert gewesen war, wurde
-sie in den Clarendonbau übergeführt und blieb dort, bis sie 1830 die
-schöne und geräumige Lokalität bezog, die sie jetzt noch innehat. Bei
-der Abgesondertheit von dem grossen Verkehr war es notwendig, alle
-Branchen, sogar Farbe- und Walzenfabrikation, zu vereinigen. Gebunden
-wurden die Bücher in der Universitätsbuchbinderei in London. Das Papier
-lieferte eine der Universität gehörende Fabrik in Wolvercote. Eine
-besonders gepflegte Spezialität war neben dem Bibeldruck die Herstellung
-orientalischer Werke. Die Druckerei erhielt seit der Clarendonschen
-Stiftung noch öfters wertvolle Dotationen, so z. B. 1785 eine von Lord
-Godolphin im Betrag von 5000 £ Sterl.
-
-[Sidenote: Cambridge.]
-
-Die Universitätsdruckerei in CAMBRIDGE, _Pitt-Press_ genannt, befindet
-sich seit 1834, gerade drei Jahrhunderte nach ihrer Begründung, in
-einem neuen, im Stil des XV. Jahrhunderts, erbauten kirchenähnlichen
-Gebäude, das 1860 erweitert wurde. Die Kosten wurden zumteil aus den
-Überschüssen des zu einem Denkmal für William Pitt gesammelten Fonds
-bestritten. Die Offizin kann sich an Bedeutung für die Wissenschaft zwar
-nicht mit der _Clarendon-Press_ in Oxford messen, hat jedoch in neuerer
-Zeit einen raschen Aufschwung genommen, welcher namentlich C. J. Clay,
-seit 1856 Direktor und Teilnehmer sowohl des Cambridger als des Londoner
-Geschäfts der Universität, zuzuschreiben ist.
-
-[Sidenote: Edinburgh.]
-
-In EDINBURGH, dem »Neuen Athen«, herrschte zu Beginn des
-laufenden Jahrhunderts ein sehr bewegtes litterarisches und
-typographisch-bibliopolisches Leben.
-
-[Sidenote: James Balantyne * 1772, [+] 16. Juni 1821]
-
-Der bekannteste Buchdrucker war dort JAMES BALANTYNE[58]. Nachdem er
-der Jurisprudenz, seinem vorherigen Berufe, Lebewohl gesagt hatte,
-etablierte er in seiner Vaterstadt KELSO eine Buchdruckerei. Ein
-Zufall brachte ihn auf einer Reise mit seinem früheren Schulkameraden
-Walter Scott zusammen, woraus eine, für beide erst glänzende, dann
-verhängnisvolle Geschäfts-Verbindung entstand. Die von Balantyne
-gedruckte Ausgabe der Balladen Walter Scotts erregte durch ihre schöne
-Ausstattung solche Aufmerksamkeit, dass man Balantyne veranlasste, nach
-Edinburgh überzusiedeln. Seine Offizin nannte er _The Border-Press_,
-nach dem Werke Scotts _Minstrelsy of the Scottish Border_. Bis 1826
-druckte er nun alle Werke Walter Scotts, der Teilhaber der Druckerei
-und des wöchentlich erscheinenden _Edinburgh Journal_ wurde. Walter
-Scott sowohl als sein Drucker erlitten -- wie es kam, ist nicht ganz
-aufgeklärt -- einen gemeinschaftlichen finanziellen Ruin. Thatsache ist,
-dass ihre Freundschaft diesen überlebte. Balantyne war auch ein von
-Walter Scott gern gehörter Kritiker, der mit grosser Sorgfalt und vielem
-Verständnis die manchmal flüchtigen Manuskripte des Dichters verbesserte.
-
- [58] _History of the Balantyne Press._ Edinburgh 1871.
-
-Die letzte Veranlassung zu der erwähnten Katastrophe gab der plötzliche
-Fall des Verlegers Walter Scotts ARCHIBALD CONSTABLE, der zugleich
-Verleger der _Encyclopaedia Britannica_ geworden und 1802 das _Edinburgh
-Review_ begründet hatte, welche Werke später alle auf A. CH. BLACK
-übergingen.
-
-[Sidenote: A. Black * 1784.]
-
-Der Begründer dieser Firma war ADAM BLACK im Verein mit seinem
-Neffen CHARLES BLACK. Das _Edinburgh Review_ erwarben sie 1826
-gemeinschaftlich mit Th. N. Longman, allein kauften sie die
-_Encyclopaedia Britannica_, die eine glänzende Aufnahme fand. Die Kosten
-der 1842 beendigten siebenten Auflage, 21 Bände in Quarto, betrugen über
-2-1/2 Millionen Mark; 1851 wurden Blacks Besitzer des Verlagsrechtes auf
-Scotts Romane.
-
-Ebenfalls einen bedeutenden Ruf hatten die Firmen W. Blackwood & Sons
-und R. & W. Chambers.
-
-[Sidenote: Blackwood d. ä. * 20. Dez. 1776, [+] 16. Sept. 1834.]
-
-[Sidenote: Blackwood d. j. * 7. Dez. 1818, [+] 29. Okt. 1879.]
-
-Erstere wurde von WILLIAM BLACKWOOD 1804 begründet. Blackwood trieb erst
-Antiquariatsgeschäfte; 1811 fing er an zu verlegen. Das 1817 begonnene
-_Edinburgh Monthly Magazine_ wollte nicht »ziehen«. Nach sechs Nummern
-erschien als Nr. 7 _Blackwoods Magazine_, das sofort Beifall fand. 1827
-wurde die _Edinburgh Cyclopaedia_ in 18 Bänden vollendet. Der Sohn WILL.
-BLACKWOOD, der von 1840-1845 das Londoner Geschäft der Firma verwaltet
-hatte, dann aber nach Edinburgh gezogen war, redigierte das Magazin bis
-zu seinem Tode mit der äussersten Sorgfalt[59].
-
- [59] R. Lindau setzte dem Verstorbenen ein ehrendes Denkmal in der
- »Gegenwart«, abgedruckt im Börsenbl. f. d. d. B. 1879, Nr. 293.
-
-[Sidenote: W. Chambers * 1800.]
-
-[Sidenote: Rob. Chambers * 4. Febr. 1802, [+] 17. Mai 1871.]
-
-Vor etwa sechzig Jahren gründeten die Brüder WILLIAM und ROBERT CHAMBERS
-erst eine Buchhandlung und dann eine Buchdruckerei mit einem Kapital von
-3 £ Sterl., einem halben Zentner Schrift und einer elenden Holzpresse in
-der Absicht, gute und billige Bücher zu drucken. Tüchtigkeit und Energie
-brachten das Geschäft rasch in die Höhe. Am 4. Februar 1832 wurde das
-heute noch blühende _Chambers Edinburgh Journal_, das sofort 50000
-Abnehmer fand, und 1845 deren 90000 zählte, gegründet. Dieses Journal,
-das vier Wochen vor dem _Penny Magazine_ begann, hat sehr viel zu der
-Bildung des englischen Publikums beigetragen. 1844 begann Rob. Chambers
-ein höchst verdienstliches Werk: _Cyclopaedia of English Litterature_,
-enthaltend Biographien und kritische Charakteristiken von 832 Autoren
-nebst Proben ihrer Werke. 130000 Exemplare davon wurden in England
-verbreitet, eine nicht geringere Anzahl in Amerika[60].
-
- [60] _Autobiography and Memoir of R. & W. Chambers._ Philadelphia 1872.
-
-[Sidenote: Buchdrucker in der Provinz.]
-
-Von den bedeutenden Buchdruckern Edinburghs in neuester Zeit nennen wir
-NELSON & CO. mit ihrer grossen, sehr praktisch eingerichteten Offizin
-und W. C. BLACKIE & CO., namentlich in Accidenzien bedeutend. Unter den
-Buchdruckern der Provinz zeichnet sich STEPHAN AUSTIN in HEREFORD durch
-seine schönen orientalischen Drucke aus. JOHN HEYWOOD in Manchester
-besitzt vier Etablissements von grösster Ausdehnung, namentlich für
-die _Stationery_. Durch ein kleines Werkchen: _The bona fide Pocket
-Dictionary_ hat sich JOHN BELLOW in Gloucester einen Namen unter den
-Meistern aller Zeiten erworben. Die zu dem Büchlein verwendete Schrift,
-nur 3-3/8 typographische Punkte gross, schnitten MILLAR & RICHARD in
-Edinburgh und London.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Die Zeitungspresse.]
-
-Am staunenswertesten ist die Entwickelung, welche die Zeitungspresse
-trotz des erschwerenden Zeitungsstempels nahm. 1761 wurde letzterer auf
-einen Penny, 1776 auf anderthalb, 1789 auf zwei Pence festgestellt; 1794
-musste der ganze Bogen drittehalb, 1799 viertehalb, schliesslich gar
-vier Pence zahlen. Im Jahre 1833 brachte diese Steuer dem Staate gegen
-10-1/2 Millionen Mark ein, zu welchen die _Times_ allein zeitweilig über
-zwei beizutragen hatten. Für jedes Inserat musste 3 _sh_ 6 _d_ Abgabe
-gezahlt werden, infolge dessen die kleinste Bekanntmachung mit 7 _sh_
-berechnet wurde. Jede Zeitungsnummer kostete gewöhnlich 7 Pence.
-
-[Sidenote: Die _Times_.]
-
-Es ist nicht hier die Aufgabe, die Entwickelung des Zeitungswesens
-Schritt für Schritt zu verfolgen, geboten scheint es jedoch, in
-einem Handbuch der Buchdruckerkunst wenigstens der historisch
-gewordenen Offizin der _Times_, welche für alle folgenden grossartigen
-Zeitungsoffizinen als Muster galt, einige Worte zu widmen, um so mehr,
-als die Besitzer immer voran waren, wenn es galt, neue Erfindungen zu
-benutzen oder selbst die Initiative zu solchen zu ergreifen.
-
-[Sidenote: John Walter d. ä.]
-
-Der Begründer der _Times_, JOHN WALTER D. Ä., war ein bedeutender
-Kohlenhändler. Als er sich vom Geschäft zurückgezogen hatte, verlor er
-als Beteiligter bei Schiffsassekuranzen sein ganzes Vermögen, nicht
-aber den Ruf eines braven und redlichen Mannes. Zum Glück für den
-Journalismus wurde durch einen Ministerwechsel seine Hoffnung auf eine
-Staatsanstellung zunichte. Damals führte ihn der Zufall mit einem Setzer
-HENRY JOHNSON, einem Schwärmer für ein ihm patentiertes Logotypsystem,
-zusammen. Walter erwarb dessen Patent, modifizierte das System jedoch so
-wesentlich, dass man es wohl als »System Walter« bezeichnen kann. Die
-Typen wurden wie andere, jedoch etwas niedriger als üblich, gegossen,
-durch Untergiessen von Metall verbunden und auf die richtige Höhe
-gebracht. Walter etablierte sich nun als _Logographic Printer_ und wurde
-von Benjamin Franklin und Sir Josuah Banks, Präsident der Gesellschaft
-der Wissenschaften, aufgemuntert. Er selbst nährte die ausschweifendsten
-Hoffnungen in betreff der Erfolge und teilte die Menschheit in zwei
-Klassen, Freunde und Feinde der Logotypen. In jedem, der Zweifel an
-seinem System hegte, erblickte er einen persönlichen Feind, so in dem
-bisher mit ihm eng befreundeten Schriftgiesser Caslon und dem berühmten
-Buchdrucker John Nicol. Der gekränkte Walter wollte, nachdem er es
-bereits mit einem Büchlein: _Gabriel, the Outcast_, versucht hatte,
-nun auch der Welt zeigen, dass man Zeitungen mit Logotypen zweckmässig
-herstellen könne. Am 1. Januar 1785 erschien Nr. 1 des _Daily Universal
-Register_. Es fand jedoch keinen grossen Beifall und mit dem 1. Januar
-1788 wurde der Titel in _Times_ umgeändert, deren erste Nummer jedoch in
-der angefangenen Reihenfolge weiter als Nr. 940 erschien.
-
-So war der Anfang der _Times_, die später zwar den Besitzern reichen
-Segen, anfänglich jedoch schwere Sorgen brachten. Das Logotypsystem
-wurde von Walter selbst als unpraktisch über Bord geworfen.
-
-[Sidenote: John Walter II.]
-
-Dem alten Walter folgte der Sohn JOHN WALTER II. Denselben klaren Blick,
-welcher ihn sofort sich der Erfindung Friedr. Königs bemächtigen liess,
-zeigte er auch in allen anderen Verhältnissen. Es giebt Zeitungen mit
-einer weit grösseren Auflage, als die _Times_ sie je gehabt, aber kein
-Blatt hat je eine bedeutsamere Stellung eingenommen. Sie wurden eine
-förmliche Macht, auf deren Stimmabgabe Behörden, Richter, die Vertreter
-des Handels und der Industrie spannten und mit der Regierungen wie mit
-einer gleichberechtigten unterhandelten. Jeder Engländer betrachtete
-dieses Institut wie einen Teil seines eigenen Ichs und eine Schädigung
-desselben wie eine ihm selbst zugefügte. Kein Fremder, der nach London
-kam, vergass, wenn er die Erlaubnis zu einem Besuch in der Offizin im
-_Printinghouse-Square_ erhielt, einen solchen abzustatten.
-
-[Sidenote: Die neue _Times_-Druckerei.]
-
-Doch diese historisch berühmten Räume wurden dem Blatt nach und nach
-zu eng und mussten durch Neubauten ersetzt werden. Die Hauptfaçade
-derselben, in einer Länge von 100 englischen Fuss und einer Höhe von 60
-Fuss, die für den breiten Giebelteil auf 80 Fuss steigt, liegt nach der
-Victoriastrasse. Das Kellergeschoss bildet einen grossen, 16 Fuss hohen
-Raum und ist ausschliesslich dem Bau der »Waltermaschine« gewidmet. Das
-Gebäude, von roten und gelben polierten Ziegeln aufgeführt, enthält
-ausserdem noch ein Parterre und vier Stockwerke; jede Etage hat neun
-halbbogenförmige Fenster. Der Eingang, architektonisch reich geschmückt,
-in gehauenen Steinen ausgeführt und mit Bogen, die auf polierten
-Granitsäulen ruhen, befindet sich an dem westlichen Ende. Ein vier Fuss
-hoher Karnies aus gehauenen Steinen wird durch den Giebelbau, der fast
-zweidrittel der Länge einnimmt, unterbrochen. Als Ausschmückung sind auf
-diesem drei grosse offene Bücher, von reichem Eichenlaub mit Eicheln
-umgeben, angebracht. Auf dem mittelsten derselben ist mit grossen
-schwarzen Buchstaben zu lesen: _Times_; auf dem links: _Past Times_; auf
-dem rechts: _Future_.
-
-Die _Times_ haben direkte Drähte von Wien, Berlin und Paris. Mit den
-Sälen der Parlamentshäuser stehen sie durch telephonische Leitung in
-Verbindung. Das Endstück in der Offizin ist mit zwei Tuben versehen,
-welche an den Ohren des an der Kastenbeinschen Setzmaschine arbeitenden
-Setzers angebracht sind. Der Reporter spricht ihm die Verhandlungen
-zu, der Setzer spielt sie auf seinem Klavier ab, und der Satz ist
-fertig. Man hat dabei alle die Vorteile des mündlichen Verkehrs, um
-Nichtverstandenes zu wiederholen und Missverstandenes aufzuklären. Gegen
-die bisherige telegraphische Verständigung bietet die telephonische
-den Vorteil, dass die Wiedergabe der Berichte über die in der Nacht
-stattfindenden Parlaments-Debatten fast um eine Stunde weiter reichen
-kann, als früher der Fall war.
-
-[Sidenote: John Delane.]
-
-Von 1841-1879 leitete JOHN THADDEUS DELANE das Blatt als Hauptredacteur
-mit grossem Geschick und feinem Takt, ohne jedoch bei der Herausgabe
-litterarisch thätig einzugreifen. Wenn man die _Times_ so oft als das
-»leitende Blatt« bezeichnet, so ist dies insofern vielleicht nicht ganz
-korrekt, als sie nicht den Anspruch erheben, die öffentliche Meinung
-zu »machen«. Ihr Hauptverdienst ist, rasch und sicher zu fühlen, was
-die öffentliche Meinung will, und dies dann bestimmt auszusprechen,
-oft ehe sich das Publikum selbst darüber recht klar geworden ist. Ihre
-Ansichten gegen den Strom durchsetzen wollen die _Times_ nicht, und
-deshalb sind oft Vorwürfe gegen dieselben erhoben worden, als hätten
-sie einen nachteiligen Einfluss auf den englischen Volksgeist und
-die englische Politik geübt. Damit haben wir es jedoch hier nicht zu
-thun; als Institution des Buchgewerbes muss den _Times_ unbedingte
-Bewunderung ausgesprochen werden und es mögen die von Sir Ed. Lytton
-Bulwer im Parlament gesprochenen Worte noch hier stehen: »Wenn ich in
-der Lage wäre, ein Denkmal unserer Civilisation der späteren Nachwelt
-hinterlassen zu müssen, so würde ich nicht in erster Reihe unsere
-Docks, unsere Eisenbahnen, nicht unsere öffentlichen Gebäude, selbst
-nicht den Prachtbau, in welchem wir tagen; ich würde einen Band der
-_Times_ wählen«. John Walter II. speziell muss jeder Deutsche seine
-Achtung zollen wegen der Art und Weise, wie er für Friedr. König
-eintrat. Ohne den festen Rückhalt, den letzterer an Walter fand, wäre
-er wahrscheinlich, als ein zweiter Gutenberg, in den Händen kleinlicher
-Geldmenschen, verkümmert.
-
-[Sidenote: Das Fallen der Stempelsteuer.]
-
-Das Sinken der fesselnden Steuer auf Zeitungen ging rascher als
-das Steigen. 1851 war sie ganz abgeschafft, 1861 die Papiersteuer.
-Jetzt stand der Entwickelung einer wohlfeileren Zeitungspresse, dem
-sogenannten Monopol der _Times_ gegenüber, nichts im Wege, und man
-verfehlte nicht, rasch von der Lage Gebrauch zu machen. Zwar fehlte es
-nicht an ängstlichen Gemütern, welche gerade in den Erleichterungen
-einen Ruin der »guten Presse« und ein Heraufbeschwören der bösen Geister
-erblickten. Diese Stimmen sind durch die mit den _Times_ um den Einfluss
-kämpfenden Penny-Blätter zum Schweigen gebracht und noch jetzt gelten
-die Worte Macaulays: »Während eines Zeitraums von 170 Jahren ist die
-Freiheit unserer Presse immer vollständiger geworden und während dieser
-170 Jahre ist die Beschränkung, welche das allgemeine Urteil der Leser
-den Schriftstellern auferlegt, immer strenger geworden. Noch heutzutage
-sind Fremde vollständig ausser Stande, zu begreifen, wie es geschehen
-kann, dass die freieste Presse in Europa zugleich die rücksichtsvollste
-ist.«
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Statistik der Zeitungspresse.]
-
-Was die Zahl der Organe betrifft, steht die englische Zeitungspresse
-nicht nur weit hinter Amerika, sondern selbst gegen Deutschland und
-Frankreich zurück, ihre Macht ist jedoch nicht in der Zahl, sondern
-in dem Umfang, der Reichhaltigkeit und der starken Verbreitung der
-Zeitungen zu suchen[61].
-
- [61] C. MITCHELL & CO., _The newspaper press directory 1881_. London.
- 36. Jahrg. -- F. L. MAY & CO., _Press-guide_. -- A. ANDREWS,
- _The history of british journalism to 1855_. 2 Bde. London 1859.
- -- JAMES GRANT, _The newspaper Press_. 3 Bde. London 1871. --
- JUL. DUBOC, Geschichte der englischen Presse. Hannover 1873. --
- R. R. MADDEN, _The history of Irish periodical Litterature_.
- London 1867. -- Zur Charakteristik des Journalismus in England.
- Deutsche Vierteljahrsschrift 1853. -- H. SAMPSON, _A history of
- Advertising_. London 1874.
-
-Im Jahre 1881 hatte Grossbritannien 1986 Zeitschriften, von welchen 378
-in London, 1087 in der Provinz, 66 in Wales, 181 in Schottland, 181
-in Irland und 20 auf den Kanalinseln erschienen. Unter diesen waren
-nur 153 Tagesblätter, von welchen 18 London, 94 der Provinz, 3 Wales,
-21 Schottland, 16 Irland, 1 den Kanalinseln gehörten. 69 derselben
-kosteten nur 1/2 Penny, 70 1 Penny, die übrigen waren im Preise
-verschieden bis zu 3 Pence. Die Post allein versandte im Jahre 1880 131
-Millionen Zeitungsblätter, was jedoch nur einen Bruchteil des Konsums,
-namentlich der Wochenblätter, repräsentiert. Der _Daily Telegraph_
-druckte eine amtlich beglaubigte Auflage von täglich 242215 Exemplaren
-im Durchschnitt; der _Standard_ versandte 209555 Exemplare. Das macht
-für die zwei Blätter jährlich 135531000 Nummern, während die Gesamtzahl
-aller Tageszeitungen im Jahre 1851 nur 18 Millionen erreichte, zu
-welchen die _Times_ allein etwa zweidrittel beitrugen. 1821 brachten
-es alle Zeitungen und Zeitschriften zusammen auf gegen 25 Millionen
-Nummern, heute beträgt die Jahressumme Einer Wochenschrift: _Lloyds
-Weekly_, bei einer Durchschnitts-Auflage von 612902 Exemplaren, 32
-Millionen.
-
-Und dabei, welchen Umfang haben die jetzigen Zeitungen! An einem aufs
-Geratewohl gewählten Tage, dem 13. Mai 1880, wiesen _Times_ 120 ihrer
-Riesenspalten auf, davon 80 mit Anzeigen. _Daily Telegraph_ hatte 96
-Spalten, von welchen die Inserate 62 in Anspruch nahmen. _Daily News_
-und _Standard_ brachten je 64 Spalten, erstere 36 Anzeigenspalten,
-letzterer 28. Eine Nummer eines Provinzialblattes, _The Scottsman_ in
-Edinburgh, bestand aus 112 Spalten in Folio mit 33000 Zeilen und über 2
-Millionen Buchstaben, etwa doppelt so viel, als ein dreibändiger Roman
-enthält.
-
-Das Anzeigewesen ist sehr praktisch eingerichtet und man kennt in
-England nicht das Übermass von Accidenzschriften, Abbildungen u. dgl.,
-von welchem der Inseratenteil der deutschen Zeitungen strotzt. Der Preis
-einer Inseratzeile ist gewöhnlich 1 _sh._
-
-[Sidenote: Der telegraphische Verkehr.]
-
-Von enormer Bedeutung ist der telegraphische Verkehr der Zeitungen. Es
-gab eine Zeit, wo die Tagespresse sich rühmte, jetzt nur fünf Monate für
-die Herbeischaffung von Nachrichten aus Gegenden zu gebrauchen, wozu
-früher dreizehn Monate gehört hatten. Am 1. Oktober 1880 war 23 Minuten
-nach der Eröffnung der Welt-Ausstellung in Melbourne die Nachricht davon
-bereits von Reuters Bureau in London gedruckt ausgegeben, obwohl die
-Depesche fast durch ein Dutzend Linien hatte gehen müssen.
-
-Im Jahre 1880 wurden 313500000 Wörter für die Zeitungen in England
-telegraphiert. In einer Nacht beförderte das Hauptamt in London oft
-100000 Wörter, wobei der bedeutende Verkehr der Privatleitungen der
-Zeitungen nicht gerechnet ist.
-
-Grosse Summen werden von englischen Blättern auch auf die
-Spezialkorrespondenten verwendet, die ebenfalls mit Telegrammen nicht
-sparsam sind. So erzählt man von einem Korrespondenten in Paris, dass
-er, um für eine zu erwartende wichtige Nachricht sich die Benutzung
-des Drahtes vorher zu sichern, stundenlang ganze Kapitel aus der Bibel
-telegraphiert habe.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Statistik der Buchdruckerei.]
-
-Die Anzahl der Buchdruckereien in Grossbritannien wird auf 4000
-geschätzt. England besitzt eine verhältnismässig kleinere Zahl
-von Schnellpressen, was sich durch die grosse Leistungsfähigkeit
-der neuen Rotationsmaschinen erklärt. Rechnet man die graphischen
-Nebengeschäfte mit, so ist die Zahl der direkt und indirekt dem
-Pressgewerbe angehörenden eine enorme. London allein zählte im
-Jahre 1881 871 Druckereien, 60 Schriftgiessereien, Stereotyp- und
-galvanische Anstalten, 74 Maschinen- und Utensilien-Fabriken,
-32 Farbe- und Walzenfabriken, 231 lithographische Anstalten, 80
-Kupferdruckereien, gegen 2000 Papierhandlungen, 400 Buchbindereien,
-850 Sortimentshandlungen, 460 Buch- und Musikalienverleger, 950
-Zeitungshandlungen, 130 Inseratagenturen.
-
-Da viele Geschäfte 300-1000 Personen beschäftigen, so ist das Heer der
-Arbeiter ein mächtiges. Im Jahr 1882 betrug die Zahl der Mitglieder
-des Londoner Setzer-Vereins 4960; die Einnahme war 10000 £ Sterl., das
-Einkommen der verschiedenen Gehülfen-Organisationen bezifferte sich im
-ganzen auf 257439 £ Sterl., die Fonds betrugen 272413 £ Sterl.
-
-[Sidenote: Die Frauen als Setzerinnen.]
-
-Die Versuche, Frauen als Setzerinnen auszubilden, haben keine
-bedeutenden Erfolge gehabt. Miss EMILY FAITHFULL, die Gründerin der seit
-1858 bestehenden »Victoria-Druckerei«, gab 1880 ihren Posten auf. Nur
-bei den Setzmaschinen finden Frauen in grösserer Zahl Beschäftigung.
-
-[Sidenote: Arbeitsweise.]
-
-In den grossen Buchdruckereien werden die Arbeiten in fabelhaft kurzen
-Fristen ausgeführt und das vorhandene Material ist ein enormes.
-Umfangreiche Werke in mehreren Bänden bleiben oft in Formen geschlossen
-stehen, bis über einen etwaigen Neudruck entschieden wird. Solche
-Arbeiten müssen selbstverständlich den Anforderungen entsprechend
-bezahlt werden, während gewöhnliche, die mit Musse betrieben werden
-können, billig zu haben sind. Hierbei zeigt sich so recht der
-geschäftliche Vorteil, der darin liegt, erstens nur eine Druckschrift
-nötig zu haben, und dann nicht von dem individuellen Geschmack eines
-jeden Bestellers abhängig zu sein, wie es in Deutschland der Fall ist,
-wo, abgesehen von Fraktur oder Antiqua, bald eine breite, dann eine
-schmale, bald eine runde, dann eine eckige Schrift verlangt wird, stets
-natürlich zugleich eine neue.
-
-Für seine wirkliche Arbeit wird der englische Setzer gut bezahlt, den
-»Speck« der deutschen Buchdruckereien kennt er nicht. Die Setzer teilen
-sich in _Establishment hands_ (oder _Stabhands_), die den festen Stamm
-bilden und im festen Gelde arbeiten; _Full framers_, die nach Stück
-bezahlt werden und in der Regel auch tüchtige Arbeiter sind; _Suppers_,
-die nur volle Arbeit haben, wenn das Geschäft flott geht, denen jedoch
-ein Minimum garantiert wird; und _Grasscutters_, die täglich nachfragen,
-ob augenblicklich Arbeit vorhanden ist.
-
-Die Lokale sind in der Regel nicht besonders bequem eingerichtet, weil
-der Raum ein sehr kostspieliger, so dass in dem von einer deutschen
-Buchdruckerei in Anspruch genommenen eine englische Druckerei des
-doppelten Umfanges Platz finden würde.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Die Accidenzarbeiten.]
-
-Eine enorme Quantität von Arbeiten zu einem Betrage von jährlich
-etwa 10 Mill. Mark absorbiert der Staat. Als Beispiel übernahm eine
-Firma, MCCORQUODALE & CO., eine Lieferung von 2610 verschiedenen
-Regierungsaccidenzen, in Auflagen, die von 10 bis zu 300000 Exemplaren
-variierten, ausserdem eine von 40 Millionen Briefcouverts. Die Firma
-beschäftigte in sechs enormen Offizinen an verschiedenen Orten gegen
-2000 Personen und etwa 550 Maschinen aller Art fast nur mit Regierungs-
-und Eisenbahn-Arbeiten. Eine andere Firma, HARRISON & CO., erhielt
-auf einmal eine Bestellung auf 137 Millionen Telegrammformulare.
-Grosse Summen setzt jedesmal eine Parlamentswahl in Umlauf. Die beiden
-Parlamentshäuser beanspruchen für ihre jährlichen Druckarbeiten etwa
-1500000 Mark. Die Bank von England druckte im Laufe eines Jahres
-15000000 Noten zu einem Geldwert von 338 Millionen £ Sterl. Die
-Druckarbeiten der Bank mehren sich bedeutend dadurch, dass sie eine an
-sie zurückgekehrte Banknote, und wenn sie nur eine Stunde in Zirkulation
-gewesen, nie wieder ausgiebt. Eine solche wird ungiltig gemacht und
-fünf Jahre aufgehoben. In dieser Weise liegen bis gegen 100 Millionen
-Noten in einer Weise geordnet, dass eine etwa zur Stelle gewünschte im
-Augenblick zu finden ist.
-
-[Sidenote: Ansehen des Pressgewerbes.]
-
-In welcher hohen Achtung das Pressgewerbe in England steht, zeigte unter
-anderem die imposante Caxtonfeier in London im Jahre 1877 mit ihrer
-interessanten Ausstellung[62]. In Ermangelung eines Portraits von Caxton
-beschloss man, von einer Statue zu seiner Erinnerung abzusehen, und
-stiftete in der Margarethenkirche in Westminster, nahe dem Schauplatz
-seiner Thätigkeit, ein gemaltes Fenster. Als ein fernerer Beweis von
-der bedeutenden Stellung der Pressgewerbe muss auch betrachtet werden,
-dass schnell hintereinander drei Ausüber derselben: der Schriftgiesser
-BESLEY, der Buchdrucker SIDNEY WATERLOW und der Drucker und _Stationer_
-FRANCIS TRUSCOTT das angesehenste bürgerliche Ehrenamt der Welt, das
-eines Lord Mayors von London, bekleidet haben; es spricht zugleich
-für den Flor des Geschäfts, denn es ist ein mit grossen Ausgaben
-verbundenes Amt. Den Kostenanteil für »seinen Tag« muss der Lord Mayor
-auf 50000 Mark anschlagen, und es heisst, Sir Truscott habe für die
-Zeit seiner Amtsführung eine Summe von 10000 Mark wöchentlich als
-Repräsentationskosten ausgeworfen.
-
- [62] G. BULLEN, _Caxton Celebration_. London 1877. -- _Catalogue of the
- Loan Collection etc._ London 1877.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Der Buchhandel.]
-
-Der BUCHHANDEL, ohne welchen die Buchdruckerei nicht die eigentliche
-Blüte erreichen kann, nahm in England, besonders in London, mächtige
-Dimensionen an und weist eine Reihe der intelligentesten und
-bedeutendsten Verleger auf. Im allgemeinen ist der Buchhandel weit
-einfacher organisiert, als in Deutschland. Der Verlagsbuchhändler
-beschäftigt sich selten mit Buchdruckerei und anderen Nebengeschäften
-und zersplittert nicht seine Kräfte, behält damit den freien Blick und
-kann jede Konjunktur rasch benutzen. Kommissions- und Halbpartgeschäfte
-kommen oft vor, während berühmte Autoren grossartige Honorare beziehen.
-Der Absatz eines Buches ist rasch durch die mit einem splendiden Diner
-verbundenen Verlagsauktionen und die Subskriptionen der Zwischenhändler
-und grossen Leihbibliotheken entschieden. Eine der letzteren, die von
-Muddie, welche die grösste ist, nimmt nicht selten 1-2000 Exemplare
-von einem hervorragenden Werke. Durch das Alleinrecht des Verkaufs
-auf allen Eisenbahnstationen spinnt die grosse Zeitungsanstalt und
-Buchhandlung von SMITH & SON ihre Fäden über das ganze Land. Mit einer
-Abonnementskarte von ihnen versehen, kann man überall auf den Stationen
-Bücher leihen und sie wieder auf jeder beliebigen Station abgeben.
-Die sogenannten _Wholesale-booksellers_, unter welchen MARSHAL & CO.
-die bedeutendsten sind, versehen die eigentlichen Sortimentshändler
-(_Retaillers_), welche in der Regel ihren Bedarf nur aus einer Hand
-beziehen. Bedeutenden Anteil an dem Absatz haben die _Stationers_
-(Schreibmaterialienhändler) und die vielen _Secondhand-Booksellers_. Das
-deutsche System mit seinen Kommissionssendungen kennt man nicht, weshalb
-auch die Buchläden in den kleineren Städten nicht so gut assortiert
-sind, wie dies in Deutschland der Fall ist.
-
-Im Laufe eines Jahres erscheinen zwischen 5-6000 Werke (1881, neue
-Auflagen ungerechnet, 5406), darunter eine bedeutende Zahl der schönsten
-illustrierten Reisewerke, Prachtausgaben der englischen Klassiker,
-philologischen, theologischen und Geschichtswerke und eine grosse Menge
-von Romanen. Die Zahl ist, wie bei den Zeitungen, eine viel kleinere,
-als in Deutschland; aber man muss, wie bei diesen, nicht bloss zählen,
-sondern auch wägen, sowohl was Umfang, als was Auflage betrifft.
-
-[Sidenote: Die _Stationers Company_.]
-
-Gegen Nachdruck schützt die Eintragung in die Rolle der _Stationers
-Company_ und die Abgabe von 5 Pflichtexemplaren. Der Schutz gilt für
-42 Jahre -- jedenfalls bis zum Tode des Verfassers und 7 Jahre nach
-demselben. Vor dem Jahre 1709 ist es nicht zu ermitteln, wie viel
-Bücher jährlich in die Rolle der _Stationers Hall_ eingetragen wurden.
-Von 1709-1766 betrug die Durchschnittszahl ungefähr 50; im Jahre 1732
-war die Zahl auf die tiefste Stufe, 17, gefallen. Beim Beginn dieses
-Jahrhunderts hatte sie sich wieder auf 3-400 gehoben; 1814 auf 541; 1815
-auf 1244; von da ab und bis 1826 blieb die Durchschnittszahl etwa 1000.
-
-[Sidenote: Ausfuhr.]
-
-Der Absatz des Buchhandels nach dem Ausland übersteigt 20 Millionen
-Mark, der der _Stationary_-Artikel wird auf etwa 14 Millionen, des
-Papiers auf etwa 16 Millionen gerechnet. Fügt man noch den Umsatz in
-Druckfarbe und Druckmaschinen hinzu, so wird die Gesamtausfuhr von allen
-zu dem Druckgewerbe gehörenden Gegenständen die Summe von 60 Millionen
-Mark nicht unbedeutend übersteigen.
-
-[Sidenote: Die Fachpresse.]
-
-[Sidenote: J. M. Powell * 2. Juni 1822, [+] 17. Sept. 1874.]
-
-Unter den Blättern der Fachpresse, die sich zunächst mit der Typographie
-beschäftigen, nehmen namentlich zwei eine bedeutende Stellung ein.
-JOSEPH MARTIN POWELL gab seit dem Jahre 1863, unter dem Titel _Printers
-Register_, ein Fachblatt heraus, welches viele Verdienste, namentlich um
-die Förderung der Maschinen-Fabrikation, hat und oft die Maschinenbauer
-zu Erfindungen anregte. Das Blatt wird jetzt von Powells ältestem
-Sohne ARTHUR geleitet. Eine mehr ideelle und theoretische Richtung
-verfolgt _The Printer and the Lithographer_, welches Blatt die Firma
-WYMAN & SON verlegt und mit vielem Geschick und Geschmack redigiert.
-Es bringt hauptsächlich sehr ausführliche belehrende Artikel, aus
-welchen, zu besonderen Lehrbüchern gesammelt, bereits manches tüchtige
-Werk entstanden ist. Auch das _Printers Register_ lieferte solche
-Artikelreihen. Ein Vorzug der englischen Pressorgane ist, dass sie
-sich hauptsächlich nur mit dem Technischen abgeben, und die sozialen
-Verhältnisse und die darin einschlagenden Kontroversen nur leise
-berühren und alles vermeiden, was zu einem gehässigen Federkrieg
-Veranlassung geben könnte.
-
-Im Interesse des Buchhandels erscheinen das vierzehntägige _Publishers
-Circular_ (gegründet 1837) und der monatliche _The Bookseller_
-(gegründet 1838), seit 1860 mit dem, 1802 begonnenen, _Bents
-Literary Advertiser_ vereinigt. Der von Whitaker herausgegebene
-_Reference-Catalogue of current Literature_ giebt in der Form von
-Verlagskatalogen eine Übersicht der gangbarsten litterarischen
-Erscheinungen Englands.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Die Annuals.]
-
-[Sidenote: R. Ackermann * 30. April 1764, [+] 26. März 1834.]
-
-Eine Episode in dem englischen Buchhandel bildet die Herausgabe der
-illustrierten _Annuals_, hervorgerufen 1822 durch den Kunsthändler
-RUDOLPH ACKERMANN. Geboren zu Stollberg, kam er als einfacher
-Sattlergehülfe nach London. Erst erwarb er durch seine Zeichnungen
-Aufmerksamkeit, dann wurde er Kunsthändler und Verleger bedeutender
-Prachtwerke. Die später so beliebten Taschenbücher wurden von diesem
-»Vater der Almanache« mit dem _Forget me not_ zuerst in Scene gesetzt
-und eine Reihe von Jahren hindurch von den besten künstlerischen Kräften
-Englands unterstützt[63]. Mit _Heaths Book of Beauty_ wurde 1833 eine
-Reihe von poetischen Werken von Klassikern und neueren Schriftstellern
-mit Illustrationen sowohl in Stahlstich wie in Holzschnitt begonnen,
-denen eine grosse Anzahl von illustrierten geographischen und
-ethnographischen Werken folgte. Als Drucker und Herausgeber solcher
-machte sich namentlich HENRY FISCHER bekannt.
-
- [63] Börsenbl. f. d. d. B. 1834, Nr. 17, 18.
-
-Gereicht schon die Herstellung schöner Luxuswerke den englischen
-Buchhändlern und Buchdruckern zur Ehre, so gebührt ihnen eine noch
-grössere Anerkennung, weil sie allen anderen Nationen vorangegangen
-sind, als es sich darum handelte, die Verbindung der Xylographie mit
-der Typographie zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse und allgemeiner
-Bildung selbst in Kreisen der nicht mit Glücksgütern Gesegneten zu
-benutzen. Das _Penny Magazine_, später die _Illustrated London News_,
-sind massgebend geworden für die ähnlichen Erscheinungen aller anderen
-Länder.
-
-[Sidenote: Das _Penny Magazine_.]
-
-Das epochemachende Ereignis des Erscheinens der ersten _Penny
-Magazine_-Nummer fand am 1. April 1832 statt. CHARLES KNIGHT[64], der
-bekannte Buchhändler und Schriftsteller, war der geistige Urheber des
-Unternehmens, welches von der _Society for the diffusion of usefull
-knowledge_ ausging; gedruckt wurde das Blatt bei Clowes. Von den Nummern
-1-106 fanden 20 Millionen Exemplare Verbreitung. Die gewöhnliche
-Auflage war 200000. Im Jahre 1780 schätzte Edm. Burke die Gesamtzahl
-der Leser in England auf 80000; 1833 zählte das _Penny Magazine_ allein
-jedoch deren mehr als eine Million[65]. Zwei Applegath- und Cowpersche
-Maschinen verrichteten in zehn Tagen die Arbeit, zu welcher zwei
-Drucker an der Handpresse ein halbes Jahr nötig gehabt haben würden,
-in Clowes' Buchdruckerei, die mit 18 Schnellpressen und 15 Handpressen
-und einem wöchentlichen Papierverbrauch von 2000 Ries, neben der
-_Times_-Druckerei, geradezu ein Weltwunder war.
-
- [64] Ch. Knight, _The old Printer and the modern Press_.
-
- [65] Merkwürdigerweise war das »Börsenblatt für den deutschen
- Buchhandel« der heftigste Antagonist der ganzen Richtung
- und wurde nicht müde, das Pfennig-Magazin auf das heftigste
- anzugreifen.
-
-[Sidenote: Ch. Knight.]
-
-Ganz abgesehen von dem durch das _Penny Magazine_ geübten Einfluss
-erwarb sich Charles Knight grosse Verdienste durch eine Reihe von ihm
-veröffentlichter, zumteil von ihm geschriebener oder herausgegebener
-populärer illustrierter Unternehmungen, unter welchen _The Library of
-Entertaining Knowledge_, 43 Bde.; _The Penny Cyclopaedia_, 1833-1858, 30
-Bde.; die _Shillings Volumes_, 186 Bde.; _The English Cyclopaedia_, 23
-Bde.; _Popular History of England_, 8 Bde.; _Pictorial Bible_, 4 Bde.,
-u. a. m. hervorzuheben sind.
-
-[Sidenote: Die illustrierten Zeitungen.]
-
-Waren die Herausgeber des _Penny Magazine_ und ähnlicher Blätter
-hauptsächlich bemüht, allgemein nützliche Kenntnisse unter dem Volke zu
-verbreiten, so versuchten als Bahnbrecher die _Illustrated London News_,
-begründet von COOK & INGRAM, die Tagesgeschichte in den Bereich der
-Illustration zu ziehen. Mit ihrer ersten Nummer vom 14. Mai 1842 beginnt
-eine illustrierte Geschichte der Gegenwart von grossem Wert, der mit den
-Jahren noch steigt. Die gewöhnliche Auflage ist etwa 100000 Exemplare.
-Viele Versuche wurden gemacht, dem Blatte Konkurrenz zu machen, jedoch
-nur _The Graphic_ gelang es auf die Dauer, sich neben der älteren
-Schwester in der Gunst des Publikums zu halten. Die Weihnachtsnummern
-beider Zeitschriften werden mit einem Kostenaufwande von je 300000
-Mark in etwa 400000 Exemplaren gedruckt. Grosse Verbreitung erreichten
-auch die vielen illustrierten technischen und Modeblätter. In der
-humoristischen Zeitungspresse trug der Holzschnitt den Sieg über die
-Radierung, deren hauptsächlichster Vertreter GEORGE CRUIKSHANK (geb.
-1792, gest. 1878) war, davon; der _Punch_, begründet 1841, behielt seine
-Popularität bis auf den heutigen Tag.
-
- * * * * *
-
-Den hauptsächlichsten Schauplatz des pressgewerblichen Lebens und
-Treibens in London bildeten von der ältesten Zeit bis auf heute
-_Fleet-Street_, _St. Pauls Church-Yard_, _Farringdon-Street_,
-_Printinghouse-Square_ und _Paternoster-Row_. Letztere wird bereits
-1367 genannt, kam aber namentlich nach dem grossen Brande im Jahre 1666
-in Aufnahme und wurde in der letzten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts
-besonders _fashionable_ als Sitz der grossen Verlagshandlungen, während
-_Fleet-Street_ vorzugsweise dem Journalismus und den Buchdruckereien
-Obdach bot. Hier reihen sich als Glieder einer ununterbrochenen Kette
-an einander Druckoffizinen, Zeitungsbüreaus, Telegraphenstationen,
-Inseratagenturen, Associationen der Presse, Sortiments-, Zeitungs-,
-Stationers-Laden und andere Geschäfte, die mehr oder weniger mit
-der Typographie in Verbindung stehen. Hier hat auch der Londoner
-Setzer-Verein sein Büreau, und je nach dem grossen oder kleinen
-Belagerungszustand, in welchem die Zugänge zu diesem sich befinden, kann
-man mit Sicherheit auf den Gang des Londoner Geschäfts schliessen.
-
-[Sidenote: J. Cassell * 23. Jan. 1817, [+] 1. Apr. 1865.]
-
-Es würde, ohne die gesteckten Grenzen zu sehr zu überschreiten, nicht
-möglich sein, alle grossen Druck- und Verlagsfirmen aufzuführen[66].
-Ausser den bereits an anderen Orten genannten seien nur einige
-erwähnt. Eine mächtige Zahl von Zeitschriften drucken SPOTTISWOODE &
-CO.; Accidenzien SPOTTISWOODE & EYRE, HARRISON & CO. Als Hersteller
-von Wertpapieren und kaufmännischen Arbeiten sind bedeutend
-WILKINSON & CO., WATERLOW & SONS[67] und BLADES, EAST und BLADES.
-Der Senior dieser Firma WILLIAM BLADES ist namentlich durch seine
-typographisch-litterarischen Arbeiten bekannt, vorzugsweise durch
-seine klassische Biographie Caxtons, zu dessen Popularität in England
-Blades viel beigetragen hat. Sein neuestes Werk ist eine _Medallic
-History of Printing_ mit vielen Abbildungen[68], das zuerst in den
-_Printing-Times_ erschien. Eine der jüngeren Offizinen, die in kurzer
-Zeit riesenhafte Dimensionen angenommen hat, ist die von CASSELL, PETTER
-& CO. Der Gründer JOHN CASSELL war erst Zimmermann und lernte in den
-Werkstätten die geistigen Bedürfnisse der Arbeiter kennen. Als _The
-Total Abstinance_-Bewegung 1833 entstand, war er erst ein begeisterter
-Reise-Apostel derselben, entschloss sich aber dann in wirksamster
-Weise durch die Presse der Mässigkeits-Sache zu dienen. Zur Herausgabe
-angemessener Schriften vereinigte er sich mit den Besitzern einer bis
-dahin nicht bedeutenden Druckerei, PETTER & GALPIN. Bald ging man
-aber weiter und gab illustrierte Lieferungswerke heraus. Das Geschäft
-erhielt eine solche Ausdehnung, dass es 1880 34 illustrierte Werke in
-Lieferungen auf einmal in der Presse hatte. Das bedeutendste Verlagswerk
-war die _Family-Bible_, die, mit einem Aufwand von 2 Millionen Mark
-hergestellt, innerhalb sechs Jahren einen Absatz von 350000 Exemplaren
-erzielte. Bei John Cassells Tod hatte das Personal bereits die Zahl von
-500 erreicht, jetzt ist diese auf 1000 gestiegen.
-
- [66] KELLY, _Directory of Stationers, Printers etc. of England_.
- 3. Ausg. London 1880. -- WHITAKER, _Reference Catalogue of
- current Litterature_ (periodisch). -- H. CURVEN, _A history
- of booksellers_. London 1874. Ein kritikloses, aber viele
- interessante Details enthaltendes Buch.
-
- [67] Diese grossartige Offizin wurde ausführlich von TH. GOEBEL im
- Journ. f. B. 1875, Nr. 40 u. f. beschrieben.
-
- [68] Deutsch bearbeitet von L. MOHR in Strassburg (in Waldows Archiv),
- französisch von LÉON DEGEORGE.
-
-SAM. BAGSTER & SONS liefern namentlich polyglotte Werke, GILBERT &
-RIVINGTON orientalische. In letzterer Richtung hat jedoch Deutschland
-ein Übergewicht und viele orientalische Werke werden für englische
-Rechnung in Deutschland gedruckt.
-
-Von den grossen Verlagsfirmen haben besonders Longman, Green & Co. und
-John Murray Weltruf erlangt.
-
-[Sidenote: Th. Longman * 1699, [+] 10. Juni 1755.]
-
-[Sidenote: Th. Norton Longman * 1771, [+] 28. Aug. 1824.]
-
-Der Begründer ersterer Firma THOMAS LONGMAN erwarb 1724 den Verlag von
-WILL. TAYLOR und damit zugleich zwei Häuser: »Der schwarze Schwan« und
-»Das Schiff« in _Paternoster-Row_. Er ward Mitbesitzer von Ephraim
-Chambers _Cyclopaedia_, das Vorbild der vielen in und ausserhalb
-Englands erscheinenden Encyklopädien, ausserdem auch von Johnsons
-_Dictionary of the English Language_. Noch folgten in drei Generationen
-Thomas Longmans, von welchen THOMAS NORTON LONGMAN der bedeutendste war.
-Welche Grösse das Geschäft erreicht hatte, sieht man daraus, dass der
-Genannte ein Vermögen von 200000 £ Sterl. hinterliess, ein Teilhaber
-GREEN ebensoviel, während ein dritter Teilhaber BROWN 100000 £ Sterl. in
-Legaten aussetzen konnte.
-
-Obwohl Longmans Verlag ein universeller ist und auch die Namen der
-berühmtesten Dichter Englands (den Verlag von Byrons Schriften hatten
-sie abgelehnt) ihren Katalog schmücken, so haben sie doch namentlich
-ihren vielen encyklopädischen Verlags-Artikeln, und vor allem Macaulays
-Geschichte ihren Ruhm und ihre Stellung zu verdanken. Von der ersten
-Auflage des III. und IV. Teils des letztern Werkes waren 25000 Exemplare
-gedruckt. Diese waren jedoch bereits am Tage der Veröffentlichung, 17.
-Dezember 1855, verkauft und 11000 Bestellungen mussten unexpediert
-bleiben. Von den amerikanischen Ausgaben soll ein Buchhändler in zehn
-Tagen 73000 Bände verkauft haben. Innerhalb vier Wochen sollen überhaupt
-mehr als 180000 Exemplare verbreitet worden sein.
-
-[Sidenote: John McMurray * 1745, [+] 6. Nov. 1793.]
-
-[Sidenote: John Murray II. * 1778, [+] 27. Juni 1843.]
-
-JOHN MCMURRAY gründete 1768 ein Geschäft und erzielte damit gute
-Erfolge. Sein Sohn JOHN MURRAY ist namentlich als Verleger und Freund
-Byrons (1807-1823) bekannt und wurde bei seinem Tode wieder von einem
-Sohn JOHN gefolgt. Grosse Verbreitung fand die billige _Home and
-Colonial Library_ und die vielen bedeutenden illustrierten Reise- und
-naturwissenschaftlichen Werke. Murrays rote Reisebücher sind jedem
-bekannt, und wir können uns kaum einen reisenden Engländer ohne ein
-solches in der Hand oder unterm Arm denken.
-
-[Sidenote: H. Colburn [+] 16. Aug. 1855.]
-
-[Sidenote: R. Bentley [+] 1871.]
-
-Unter den Verlegern der schönen Litteratur in Prosa sind Colburn und
-Bentley die bekanntesten. HENRY COLBURN verlegte eine Unzahl von
-Romanen, von James allein 225 Bände, einer wie der andere in drei, in
-Leinwand gebundenen, Bänden, jeder ziemlich genau 300 Seiten stark
-und einer wie der andere zum Preise von anderthalb Guineen (31 Mark
-50 Pf.). Im Jahre 1819 gründete er _Colburns Monthly_; 1817 ward die
-_Literary Gazette_ begonnen. 1832 verkaufte er sein Geschäft an RICHARD
-BENTLEY, der früher sein hauptsächlichster Buchdrucker und kurze Zeit
-sein Associé gewesen war. Colburn verpflichtete sich, unter bedeutender
-Konventionalstrafe, kein Geschäft innerhalb 20 englischer Meilen
-Entfernung von London zu eröffnen. Der »Verlagsteufel« liess ihn jedoch
-nicht auf seinen Lorbeern ruhen. Erst etablierte er sich in Windsor,
-dann zahlte er die Konventionalstrafe und zog wieder nach London.
-Bentley gründete 1837 _Bentleys Miscellany_, dessen erster Herausgeber
-Charles Dickens war.
-
-Als Verleger von Shillings-Ausgaben erwarben ROUTLEDGE & SONS einen Ruf.
-Die Verbreitung solcher Ausgaben war eine so grosse, dass die Verleger
-an Bulwer für die Erlaubnis, billige Ausgaben seiner Werke während zehn
-Jahren drucken zu dürfen, 200000 Mark Honorar zahlten und dabei einen
-sehr guten Erfolg für sich erzielten.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Der Bibeldruck.]
-
-Eine wesentliche Bedeutung für das Druckgewerbe hat der Bibel- und
-Gebetbuchdruck, der, was die autorisierten Ausgaben betrifft, noch ein
-Privilegium der Universitätspressen von Oxford und Cambridge ist. Eine
-grosse Bewegung rief die neue autorisierte Ausgabe der heiligen Schrift
-hervor, welche viele Jahre hindurch mit grossem Aufwand theologischer
-Arbeit vorbereitet war und am 17. Mai 1881 in sechs Ausgaben dem
-Publikum übergeben wurde. In Oxford allein wurden sofort zwei Millionen
-Exemplare bestellt, Amerika verlangte 300000, druckte jedoch, unter den
-enormsten Anstrengungen der Konkurrenten, sich gegenseitig den Vorsprung
-abzugewinnen, die Ausgabe nach. Ein typographisches Kunststück ist eine
-Oxforder Miniatur-Ausgabe für Lehrer, die mit dem Einbande nur 90 Gramm
-wiegt und auf 1416 Seiten 2430400 Buchstaben enthält.
-
-Eine grosse Wirksamkeit zeigte _The British and Foreign Bible Society_,
-welche mit dem Jahre 1804 unter den Auspicien des Herrn GRANVILLE SHARPE
-begann. Bis 1881 hatte die Gesellschaft mit einem Aufwande von etwa
-175 Millionen Mark nicht weniger als 93953000 Exemplare der heiligen
-Schrift gedruckt. 1881 wurden allein 2938000 Exemplare verbreitet. _The
-Religious Tract Society_ verwendete in einem Jahre 2-1/2 Millionen Mark
-auf Bücherdruck.
-
-[Sidenote: N. Trübner * 1817.]
-
-Unter den Verlegern in der theologischen und philologischen Richtung ist
-die Firma Rivington hervorragend. Der Stammvater dieser ältesten der
-noch bestehenden Verlagsfirmen Englands, CHARLES RIVINGTON, gründete
-1711 sein Geschäft in der _Paternoster-Row_ in der »Bibel und Krone«,
-welche Insignia noch heute die Rivingtonschen Verlagswerke schmücken.
-Bedeutenden Ruf haben ferner die beiden, mit der Oxforder resp.
-Cambridger Universitätsbuchdruckerei eng verbundenen Familien PARKER,
-dann JAMES NISBET. Ganz hervorragende Verdienste um die linguistische
-Litteratur erwarb sieh ein Deutscher, NIKOLAUS TRÜBNER aus Heidelberg.
-Durch Zufall mit Longman bekannt geworden, ging er 1843 als Commis
-in das Longmansche Geschäft nach London. 1852 etablierte er dort
-ein eigenes Geschäft mit der Absicht, in der Weltstadt einen bisher
-fehlenden Zentralpunkt für die litterarischen Erzeugnisse Amerikas und
-Asiens zu schaffen. Er gab einen vortrefflichen _Bibliographical Guide
-to American Literature_ 1817-1857 heraus und gründete, um seine Zwecke
-zu fördern, das Monatsblatt _Trübners American and Oriental Literary
-Record_ und eine Anzahl von Agenturen in den fernsten Weltteilen.
-Durch das Heranziehen der bisher schwer zugänglichen Länder mit
-ihren litterarischen Produkten hat Trübner sich nicht allein um die
-Wissenschaft hochverdient gemacht, sondern auch sowohl direkt durch
-seinen grossen linguistischen Verlag, als noch mehr indirekt durch
-die Belebung dieses Verlagszweiges dem graphischen Gewerbe Vorschub
-geleistet.
-
-Steht auch das ANTIQUARIATSGESCHÄFT den eigentlichen Zweigen des
-Buchgewerbes, die uns hier beschäftigen, etwas ferner, so hat dasselbe
-doch in England eine solche Weltbedeutung gewonnen und wirkt auch durch
-Verbreitung der Liebe zu Büchern auf das ganze Pressgewerbe vielfach
-so belebend ein, dass es am Platze sein dürfte, wenigstens die zwei
-hervorragendsten Vertreter des Antiquariats zu erwähnen, was um so
-lieber geschieht, als der eine, jetzt noch wirkende ebenfalls, wie
-Trübner, ein Deutscher ist.
-
-[Sidenote: H. G. Bohn * 4. Jan. 1796.]
-
-Der Bahnbrecher für den grossartigen Betrieb des Antiquariats war HENRY
-GEORGE BOHN aus Richmond. Sein 1841 erschienener _Guinea-Catalogue_ war
-die imposanteste Ankündigung eines Bücherlagers, welche man bis dahin
-kannte. Derselbe hatte einen Umfang von 1448 Seiten und verursachte
-einen Kostenaufwand von 40000 Mark. Bohn wirkte auch als Schriftsteller
-und Verleger; seine nach damaligen englischen Vorstellungen
-ausserordentlich billigen _Standard Volumes_ zu 5 _sh._ 6 _d._ waren
-allgemein beliebt.
-
-[Sidenote: B. Quaritch * 23. April 1819.]
-
-BERNHARD QUARITCH aus Worbis, jetzt ohne Widerspruch der bedeutendste
-Antiquar der Welt, lernte in Nordhausen und ging 1842 nach London. 1849
-gründete er dort mit einem Kapital von 200 Mark ein eigenes Geschäft
-zunächst für _Penny_-Litteratur. Durch Gewandtheit, Fleiss und Ausdauer
-brachte er bald seinen Handel in die Höhe, so dass er 1860 noch ein
-zweites, grösseres Lokal in Piccadilly mieten konnte. Hier sammelte
-er nun einen wahren Schatz sowohl von bedeutenden wissenschaftlichen
-Werken, als von ausgesuchten Seltenheiten für Bücherliebhaber. Neben
-seinen Spezial-Katalogen gab er ab und zu einen General-Katalog
-heraus. Unter den letzteren übertrifft der von 1880 noch Bohns
-_Guinea-Catalogue_, kostet aber auch 2 Guineen. Der Band ist 6-1/2
-Zoll stark und enthält auf 2166 Seiten die Titel resp. Beschreibungen
-von 28009 Werken. Ein Index von 228 Seiten giebt etwa 55000 Nachweise.
-Quaritchs eigener bedeutender Verlag besteht sowohl aus Werken, wozu
-er selbst die Initiative ergriffen, als auch aus solchen, die er von
-anderen Verlegern an sich gebracht hat[69].
-
- [69] A. ULM, Bernh. Quaritch, N. Anz. f. Bibliogr.; ebenfalls Börsenbl.
- f. d. Buchh. 1880, Nr. 21.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Die Bibliophilie.]
-
-Ein mächtiger Hebel für die Entwickelung der Buchdruckerei war
-es, dass hochgestellte und reiche Männer sich nicht nur, wie Lord
-Stanhope, für die technischen Fortschritte interessierten, sondern
-auch eine Ehre darein setzten, das Schönste, Beste und Seltenste in
-ihren Büchersammlungen zu vereinigen. Als Liebhaber ersten Ranges ist
-JOHN HERZOG von ROXBURGH zu nennen. Seine Bibliothek brachte bei der
-Versteigerung, welche in den Monaten Mai und Juni 1812 stattfand, einen
-Erlös von mehr als einer halben Million Mark. Die Nummer 6292 des
-Katalogs, das einzige bekannte vollständige Exemplar von _Il Decamerone
-di Boccaccio_, in Folio, von Christoph Waldarfer in Venedig im Jahre
-1471 gedruckt, wurde dem Marquis von Blandford für die Summe von über
-45000 Mark zugeschlagen, der höchste Preis, der je für ein Buch bezahlt
-worden ist. Zur Erinnerung an dieses bibliophilische Ereignis wurde von
-31 der bedeutendsten Büchersammler Englands, unter dem Präsidium von
-Lord Spencer, der _Roxburgh-Club_ gegründet. Zu keiner Zeit hatte die
-Bibliomanie eine solche Höhe erreicht und sie sollte auch nicht lange
-auf derselben bleiben, so dass Lord Spencer wenige Jahre später den
-Waldarfer für 18000 Mark kaufen konnte, also für fast nur den dritten
-Teil des in der Roxburgh-Auktion gezahlten Preises.
-
-[Sidenote: Lord Spencer.]
-
-Noch grössere Bedeutung in der Geschichte der Bibliophilie als der
-Herzog von Roxburgh hat GEORGE JOHN, Lord SPENCER auf Althorpe. Er war
-am 1. September 1758 geboren und folgte 1783 seinem Vater im Besitz
-von dessen Titeln und fürstlichem Vermögen. Es war sein Stolz, die
-Notabilitäten der Wissenschaft und der Litteratur um sich zu versammeln,
-und wo er konnte, stand er deren Bestrebungen in liberalster Weise
-bei. Von gleicher Gesinnung war sein Sohn beseelt, was sich durch die
-Caxton-Ausstellung 1877 deutlich zeigte, zu welcher Lord Spencer eine
-ganze Sammlung der seltensten Inkunabeln und Prachtwerke geliefert
-hatte. In seiner in der _Stationary-Company_ gehaltenen Rede sprach
-er es auch aus, eine wie grosse Freude es ihm gewähren würde, seine
-Bibliothek recht oft von Fachmännern besucht zu sehen.
-
-[Sidenote: T. F. Dibdin.]
-
-Ein wesentlicher Förderer des Sammeleifers sowohl des Lord Spencer als
-auch anderer war THOMAS FROGNALL DIBDIN. Derselbe stammt aus Calcutta,
-erhielt jedoch, nachdem seine Eltern dort gestorben waren, in England
-eine sorgfältige Erziehung und wählte den geistlichen Beruf. Von Lord
-Spencer wurde er als Pfarrer nach Althorpe berufen, zugleich um als
-Bibliothekar des Lords zu fungieren. In den Jahren 1814-1815 erschien
-die Beschreibung der Sammlung als: _Bibliotheca Spenceriana_; von
-1810-1819 _Typographical Antiquities_; 1817 _Bibliographical Decameron_;
-1821 _A bibliographical, antiquarian and picturesque tour in France
-and Germany_ (2. Ausgabe 1827), in welchem Werk der Verfasser eine in
-Begleitung des Zeichners George Lewis im Interesse der Spencerschen
-Bibliothek unternommene Reise schildert. 1838 folgte _A bibliographical,
-antiquarian and picturesque tour in the northern countries of England
-and Scottland_.
-
-[Sidenote: Lord Brougham.]
-
-In praktischer Weise interessierten sich andere Edle für die Presse.
-HENRY Lord BROUGHAM war die Seele der schon erwähnten _Society for the
-Diffusion of usefull Knowledge_. FRANCIS EGERTON, Lord BRIDGEWATER
-bestimmte vor seinem Tode im April 1829 gegen 120000 Mark als Honorar
-für den Verfasser eines Werkes, welches die Weisheit, Macht und Güte
-Gottes, wie sie sich in der Schöpfung offenbaren, zum Gegenstand haben
-sollte. Dies gab Veranlassung zu den sogenannten Bridgewater-Büchern,
-die der populärwissenschaftlichen Litteratur einen mächtigen Anstoss
-gaben.
-
-[Sidenote: Lord Arundel.]
-
-THOMAS HOWARD, Lord ARUNDEL wirkte wieder auf andere Weise. Als
-eifriger Bewunderer der alten christlichen Kunst gab er Veranlassung
-zur Begründung der _Arundel Society_ (1848), deren Hauptziel es ist,
-die leichtvergänglichen, dem Verderben besonders ausgesetzten älteren,
-namentlich vorrafaelischen Werke der Kunst wenigstens in vorzüglichen
-Farbendrucken der Nachwelt zu erhalten. Die Reproduktion geschieht
-hauptsächlich unter Beihülfe von den besten Anstalten des Auslandes,
-besonders der von Storch & Kramer in Berlin, Hangard-Maugé und Engelmann
-& Graf in Paris.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Die Buchbinderkunst.]
-
-Dass die Bücherliebhaberei auf die BUCHBINDERKUNST ungemein fördernd
-einwirken musste, ist leicht begreiflich. Es entstanden für die reichen
-Privatsammlungen Meisterstücke, die zu hohen Preisen verkauft wurden.
-Dieselbe Eigenschaft, die den englischen Bücherdruck auszeichnet: die
-Verwendung der vollendeten Technik auf dem vorzüglichsten Material,
-findet sich in der englischen Buchbindung wieder. Die Behandlung des
-Leders, der Pappen, des Schnittes, des, das gute Aufschlagen des
-Buches bedingenden Rückens, kurz des ganzen Körpers des Buches ist
-eine so überaus sorgfältige, dass man leicht eine mitunter nicht ganz
-kunstgerechte Komposition der Ornamentierung übersieht.
-
-[Sidenote: Berühmte Buchbinder.]
-
-Merkwürdig genug ist der Umstand, dass ganz besonders Deutsche zu den
-ausgezeichnetsten Meistern in England gehören. Unter den Eingeborenen
-war einer der berühmtesten Buchbinder ROGER PAYNE (gestorben 1797),
-ein eben so talentvoller, wie in seinem Leben unordentlicher Mann[70].
-Als sein Meisterwerk gilt ein Aeschylos im Besitz des Lord Spencer. In
-seinen Ornamenten, die er selbst fertigte, wird er mitunter bizarr,
-seine Technik bleibt jedoch immer unvergleichlich. Schöne Bände von ihm
-wurden mit 400 Mark und mehr bezahlt. Ein Einband von dem Boydellschen
-Shakespeare in neun Bänden kostete über 2500 Mark. Eine zeitlang
-arbeitete er zusammen mit RICHARD WIER, auch ein höchst geschickter
-Mann, aber eben so unordentlich wie Payne. Die Verbindung artete in
-einen oft mit den Fäusten ausgekämpften innern Krieg aus. Wiers Frau
-war bekannt als unübertroffen in der Restauration alter Bücher. Nächst
-Payne wurde CHARLES LEWIS, aus Hannover stammend, gelobt. Seine durch
-Harmonie und Eleganz sich auszeichnenden Bände werden als die grössten
-Zierden der Bibliotheken reicher Sammler betrachtet.
-
- [70] J. A. Arnett, _Bibliopegia_. London 1835.
-
-Der Buchbinder KALTHÖFER hatte einen solchen Ruf erlangt, dass die
-Kaiserin von Russland einen besonderen Abgeordneten sandte, um ihn zu
-bewegen, nach Russland zu kommen, was er jedoch, trotz der glänzenden
-Bedingungen, ablehnte. In neuester Zeit gilt als erster Meister nicht
-nur in England JOSEPH W. ZÄHNSDORF, ein Böhme von Geburt, der auch durch
-Herausgabe von _The Art of Bookbinding_ theoretisch wirkte, ohne damit
-ganz den Erwartungen zu entsprechen, die man hegen durfte, wenn ein so
-eminenter Praktiker seine Erfahrungen zu Papier bringt.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: _Stationary._]
-
-Die _Stationary_-Artikel, die teils auf typographischem, teils auf
-chromolithographischem Wege hergestellt werden, veranlassen ein sehr
-bedeutendes Geschäft. Die Zahl der Neujahrskarten allein berechnet
-man auf mehr als 12 Millionen Stück. Welchen Wert man auf solche
-Kleinigkeiten legt, geht daraus hervor, dass ein Fabrikant 14 Prämien,
-zusammen von 10000 Mark, für die besten Zeichnungen bestimmte. Von den
-in London von Weihnachten bis Neujahr versandten 8-9 Millionen Couverts
-wird bei weitem die grössere Zahl eine Neujahrskarte mit enthalten.
-Ebenfalls bedeutend ist der Verkehr in Osterkarten und _Valentines_,
-schöne, manchmal kostbar ausgestattete Huldigungskarten für das zarte
-Geschlecht, die am St. Valentinstag, den 14. Februar, in grosser Zahl
-anonym versandt werden. In der Regel ist der Preis einer solchen Karte
-6 Pence bis zu 1 Shilling, es kommen aber auch nicht selten solche vor,
-die 10 bis 20 Guineen und mehr kosten.
-
-Da jährlich 1200 Millionen Briefe versandt werden, so erfordern diese
-allein eine enorme Anzahl von Couverts. Diese Fabrikations-Branche
-beschäftigt gegen 3000 Menschen.
-
-Wie bedeutend der Kalenderdruck in England ist, kann man daraus
-beurteilen, dass ein Kalenderdrucker, A. COOKE in Leeds, allein bei
-einer einzigen Holzhandlung 1700000 Stäbe als Halter für Kalender in
-Bogen bestellte.
-
-Von Spielkarten-Fabriken hat England 18, die etwa 1200000 Pack liefern.
-
-Unter den Firmen, die besonders für die _Stationers_ arbeiten, sind:
-MARCUS WARD, der mit 60 Schnellpressen namentlich Weihnachtskarten und
-_Valentines_ nebst illustrierten Kinderbüchern druckt; DE LA RUE & CO.,
-die in ähnlicher und Spielkarten-Fabrikation, so wie mit Herstellung von
-Luxuspapieren 1000 Personen beschäftigen; CH. GOODALL & SONS, die in
-ihren _Camden-works_ mehr als 600 Sorten Spielkarten liefern.
-
-Eins der bedeutendsten _Stationery_-Geschäfte in London ist das der
-Regierung, von welchem etwa 250 öffentliche Institute ihren Bedarf
-beziehen. Der jährliche Umsatz beträgt etwa 13 Millionen Mark, von
-welchen gegen 4 Millionen auf Indien kommen. Dass dabei auch Makulatur
-vorkommt, ergiebt der jährliche Verkauf von solcher zu einem Betrag von
-ungefähr 320000 Mark, die einen ursprünglichen Wert von etwa 1600000
-Mark repräsentieren.
-
-[Sidenote: Das Papier.]
-
-Da der Konsum von PAPIER ein ausserordentlich grosser ist und billige
-Preise verlangt werden, so konnte es nicht anders sein, als dass die
-Stoffmischungen der Neuzeit in der Papierfabrikation, welche für die
-Zukunft der Bücher im höchsten Grade gefahrdrohend geworden, auch in
-England nicht ohne Verwendung blieben, jedoch wird dort immer noch
-am meisten auf ein gutes Papier selbst bei gewöhnlichen Arbeiten
-gehalten[71]. Die Fabrikation des Maschinenpapiers ist zwar keine
-englische Erfindung (vgl. Kap. V), aber, wie die Schnellpresse, kam
-auch die Papiermaschine erst in England zur praktischen Geltung,
-namentlich durch die Bestrebungen DONKINS. Der Name WHATMAN ist typisch
-geworden für das vorzügliche Büttenpapier, welches bei den Ausgaben
-für Liebhaber verwendet wird. Whatman selbst zog sich vom Geschäft
-zurück aus Verdruss, weil er seinen Arbeitern nicht denselben Sinn für
-Erreichung der höchsten Ziele einflössen konnte, der ihn selbst beseelte.
-
- [71] Einen sehr hübschen Überblick sowohl über die zu feineren
- Accidenzarbeiten zur Verwendung kommenden, in Qualität und
- Färbung oft ganz vorzüglichen Papiere, als auch über die
- englische Art, Accidenzien zu behandeln, giebt das bei Field &
- Tuer in London jährlich (1882 zum drittenmale) erscheinende _The
- printers international Specimen Exchange in connection with the
- Paper and Printing-Trades-Journal_. Es beruht das Unternehmen,
- das nicht in den Handel kommt, auf einem eigentümlichen
- internationalen Umtausch von Accidenzien. Wer eine solche
- in angegebener Weise ausgestattete in der nötigen Zahl von
- Exemplaren liefert, erhält ein Exemplar des Buches gegen eine
- mässige Vergütung für den Einband. Die Ausführung ist $meistens$
- technisch gut und zeugt von dem Streben, etwas mit dem Material
- zu machen. Ob Hansard (vgl. S. 16) sich freuen würde: _that is
- the question_!
-
-
- ASIEN, AUSTRALIEN UND SÜD-AFRIKA.
-
-An die typographische Geschichte Englands schliesst sich eng diejenige
-ASIENS, AUSTRALIENS und SÜD-AFRIKAS.
-
-In ihren Anfängen lernten wir bereits die Presse in Asien kennen (I, S.
-282), sie sollte rasch an Bedeutung gewinnen.
-
-[Sidenote: Indien, Calcutta.]
-
-CALCUTTA, die Hauptstadt Indiens und der wichtigste Sitz des dortigen
-Pressgewerbes, erhielt erst im Jahre 1778 durch CHARLES WILKINS,
-einen berühmten Sanskritforscher, eine Buchdruckerei mit einer
-Schriftgiesserei. Hier wurden neben den Missionsschriften eine Menge
-wissenschaftliche und belehrende Schriften in den Landesidiomen,
-ausserdem auch englische Bücher und Zeitschriften gedruckt. In dem
-naheliegenden SERAMPUR, dem wichtigsten Platz der Baptisten-Mission,
-besass Dr. CAREY zu Anfang des Jahrhunderts eine Presse, auf welcher
-er 1801 das Neue und bald nachher das Alte Testament druckte. Eine
-Schriftgiesserei und eine Papiermühle liessen nicht lange auf sich
-warten und eine lebhafte Thätigkeit entwickelte sich, um die heiligen
-Schriften in verschiedenen Sprachen der Eingeborenen zu veröffentlichen.
-Die Offizin brannte zwar 1811 vollständig nieder, da jedoch
-glücklicherweise alle Matern gerettet waren, konnte man bereits nach
-Verlauf von kaum einem Jahre wieder heilige Schriften in 18 Sprachen
-herausgeben. Ein 1818 gedrucktes Probebuch enthält das Vaterunser mit 51
-verschiedenen Sorten einheimischer Typen gesetzt.
-
-[Sidenote: Benares.]
-
-[Sidenote: Madras.]
-
-BENARES, die heilige Stadt der Hindus am Ganges, wo sich eine
-englisch-indische Hochschule zur Ausbildung der Hindus befand, besass
-eine, später sehr thätige, Offizin. In NEGAPATNAM hatte der aufgeklärte
-Rajah von Tanjore eine von Europäern bediente Presse im Gang. Die
-Britische Bibelgesellschaft gründete dort ebenfalls eine Buchdruckerei.
-Auch MADRAS, die zweitwichtigste Stadt an der Ostküste, entwickelte seit
-1772 eine rege Thätigkeit.
-
-[Sidenote: Bombay.]
-
-Aus dem Hauptorte der Westküste, BOMBAY, finden sich Bücher mit der
-Jahreszahl 1792; der Aufschwung der dortigen Presse datiert jedoch erst
-von 1813. In COTYM, auf der Malabarküste, versuchte der Missionär BENJ.
-BALEY Typen der Landesschrift selbst zu schneiden und zu giessen, um
-damit heilige Schriften zu drucken; 1820 kam ihm die Bibelgesellschaft
-in Calcutta mit einer ordentlich eingerichteten Buchdruckerei zuhülfe.
-
-Am 18. Mai 1818 erschien die erste Zeitung in einheimischer Sprache
-»Spiegel von Serampur« durch den Missionär MARSHMAN. In demselben Jahre
-erhielt Bombay seine Zeitung in der Gujurati-Sprache.
-
-[Sidenote: Die einheimische Presse.]
-
-Der Generalgouverneur von Indien, Marquis Wellesley (1798 bis 1805),
-späterer Lord Wellington, war der Presse nicht sehr zugethan; selbst
-englische Bücher sah er nicht gern entstehen und gestattete nicht die
-Anlegung von Buchdruckereien ausserhalb Calcuttas. Ein grösserer Freund
-der Kunst war Wellesleys Nachfolger, der Marquis Hastings, welcher
-den »Spiegel von Serampur« zu einem halbamtlichen Blatte erhob. Auch
-Lord Amherst trat der Presse nicht feindlich entgegen, doch verblieb
-sie unter sehr strenger Aufsicht. Zur Errichtung einer Buchdruckerei
-bedurfte es einer Konzession und zur Begründung einer Zeitung Stellung
-von Kaution. Erst im Jahre 1835 erhielt Indien, hauptsächlich durch
-die Anstrengungen des Lord Th. Macaulay, den Genuss der Pressfreiheit,
-die nun mit Jugendfeuer benutzt wurde. Man griff die Massregeln der
-Regierung, namentlich die gegen die Weiberverbrennung gerichteten,
-rücksichtslos an.
-
-Die Zahl der Blätter nahm jedoch nicht in dem Masse zu, wie man hätte
-vermuten sollen, und steigerte sich wesentlich erst nach der Verbreitung
-der Lithographie, welche sich mit weit grösserer Leichtigkeit dem
-Geschmack des Publikums anschmiegen konnte, als die Typographie. Da
-viele des Lesens unkundig sind, so wird das Vorlesen für grössere
-Kreise sehr geübt und auf mündlichem Wege verbreiten sich dann die
-neuen Nachrichten schnell. Die Thätigkeit im Buchhandel ist eine sehr
-bedeutende und Sanskrit-Werke finden unschwer Verleger.
-
-Nach dem Sipahi-Aufstande 1857 wurden die englischen Behörden zur
-Unterdrückung jeder Buchdruckerei ermächtigt und viele der letzteren bei
-dieser Gelegenheit auch geschlossen. Noch bis vor kurzem befand sich die
-einheimische Presse in strengen Ausnahmezuständen, jetzt ist jedoch eine
-Änderung eingetreten und der Wunsch der Regierung in London, allen ihren
-Unterthanen gleiche Rechte zu gewähren, erfüllt. Eine Presskommission
-hat alle Verhältnisse der Presse mit der Regierung zu regulieren.
-
-[Sidenote: Die Presse Indiens.]
-
-Von Zeitschriften erscheinen gegen 700, davon der dritte Teil (230) in
-Landessprachen. Die Auflagen sind durchweg klein, gewöhnlich 350, die
-höchste Auflage ist noch nicht 2000. Die Versendung geschieht unter
-Kreuzband. Der Abonnementspreis für Tagesblätter beträgt etwa 40 Mark,
-für Wochenblätter etwa 4 Mark. Die Einfuhr von Papier ist für das
-Mutterland ein wichtiger Gegenstand und erreichte 1879 einen Wert von
-über 2-1/2 Millionen Mark.
-
-In Bengalen haben die einheimischen Blätter einen schweren Stand gegen
-die englischen. Mehrere der letzteren sind jedoch in Besitz und unter
-geschickter Leitung von Eingeborenen. In den nordwestlichen Distrikten,
-zwischen Lucknow und Lahore, erscheinen in der Hindustani- und
-Urdusprache gegen einhundert, zumteil sehr gut redigierte Zeitschriften.
-Ziemlich eine ähnliche Zahl, in der Maharati- und Gujurati-Sprache
-geschrieben, werden in Bombay gedruckt. Die tamulische und Telegupresse
-in Madras ist nicht von Belang.
-
-Die Bücherproduktion, unter der Führung Bengalens, ist eine sehr
-bedeutende und erreicht an Zahl fast die Englands. Im Jahre 1878
-erschienen 4193 Bücher, davon 576 in europäischen, 3148 in einheimischen
-Sprachen, 673 in dem klassischen Idiom Indiens. 2495 Schriften waren
-originale Neuheiten, 340 Übersetzungen, die übrigen Bücher neue
-Auflagen. Die Theologie erschien mit 1502 Nummern; die Technik mit 961,
-die Linguistik mit 612; Biographie, Länder- und Völkerkunde, Politik
-waren nur äusserst spärlich vertreten.
-
-[Sidenote: Ceylon.]
-
-Auf CEYLON gingen aus der bereits vom Freiherrn VON IMHOF gegründeten
-Druckerei (I, S. 288) im Jahre 1771 das Neue Testament in cingalesischer
-Sprache und später manche, zumteil vorzüglich ausgestattete
-wissenschaftliche Werke hervor. Die Pressthätigkeit in der Hauptstadt
-COLOMBO ist jetzt eine bedeutende und die sehr gut geleitete
-Regierungsdruckerei beschäftigt über 150 Personen, unter welchen sich
-nur zwei Europäer befinden. Sie disponiert über 5 Schnellpressen, 10
-Handpressen, 1 Eisenbahn-Billetdruck-Maschine und 5 Liniiermaschinen.
-
-[Sidenote: Hinterindien.]
-
-Nach RANGUHN in Hinterindien, der Hauptstadt von Birma, war bereits
-1808 eine Presse gekommen. 1814 erhielt Dr. Carey in Serampur von dem
-Kaiser von Birma den Auftrag, in AVA eine Druckerei zu errichten, und
-bereits 1822 war das Neue Testament in 29 Sprachen und die ganze Bibel
-in 6 Sprachen gedruckt, darunter eine mit beweglichen Typen gesetzte
-chinesische Bibel. Noch viele wissenschaftliche Werke entsprangen der
-thätigen Presse.
-
-In MALACCA druckte der Missionär MILNE anfänglich nach chinesischer Art.
-Später traf eine europäische Druckeinrichtung ein. Das dort errichtete
-englisch-chinesische Kollegium, das für Religion und Wissenschaft gute
-Früchte getragen hatte, ward später nach Singapur verlegt.
-
-[Sidenote: Die Inseln.]
-
-Von den Inseln des Indischen Archipels erhielt JAVA eine, 1823 von
-dem Missionär MEDHURST in BATAVIA eingerichtete Offizin, aus welcher
-im Jahre 1835 des Genannten Wörterbuch der chinesischen, japanischen
-und der Korea-Sprache hervorging. Auf SUMATRA befanden sich um 1820 in
-BENKULEN und dem benachbarten FORT MARLBOROUGH Missionspressen.
-
-[Sidenote: China.]
-
-In CHINA war einer der wichtigsten Druckorte MACAO bei Canton.
-Dort machte im Jahre 1810 MORRISON Versuche, das Neue Testament
-von Holztafeln zu drucken. 1814 wurde ihm von der Ostindischen
-Handelsgesellschaft eine vollständige Druckerei unter der Leitung von
-P. THOMS übersandt, doch gelang es erst 1822, das englisch-chinesische
-Wörterbuch in 6 Quartbänden zu vollenden. In diesem Jahre erschien auch
-die erste Nummer einer portugiesischen Zeitschrift »Die chinesische
-Biene«. Medhursts »_Dictionary of the Hok-Kien dialect of the Chinese
-language, containing 12000 characters_« konnte erst 1832 ausgegeben
-werden. In CANTON selbst wurde ebenfalls sehr viel gedruckt. Die grösste
-Buchdruckerei ist die der presbyterianischen Mission in SHANGHAI, mit
-der eine Schriftgiesserei verbunden ist. Im Jahre 1868 wurden dort 25
-Millionen Seiten gedruckt, 1869 ein illustriertes Neues Testament
-und verschiedene Andachtsbücher mit dort angefertigten Abbildungen
-in vortrefflichen Galvanos. Hier erschien auch das grosse japanische
-Lexikon des Dr. Hepburn in Yokohama. In hohem Grade hemmend ist bei
-der Anwendung der europäischen Druckmethode die enorme Zahl der Fächer
-(gegen 6000) in den Setzkästen; jeder Setzer befindet sich förmlich
-inmitten eines Amphitheaters von Kästen.
-
-In PEKING erscheint die offizielle Zeitung _King-Pao_, welche die
-kaiserlichen Dekrete bringt und deren Geschichte bis an die Dynastie
-Tang, d. h. bis an das siebente bis zehnte Jahrhundert n. Chr., reicht.
-Jede Nummer bildet ein Heft von 20, wohl auch von 40 Seiten in gelbem
-Umschlag. Die Ausstattung ist eine klägliche, der jährliche Preis
-beträgt 27 Mark. Die Offizin befindet sich in dem kaiserlichen Palast.
-Seit mehreren Jahren erscheint eine Quintessenz aus der Zeitung in
-englischer Übersetzung. In HONGKONG wurde die erste gedruckte Zeitung
-vor etwa 25 Jahren gegründet. In SHANGHAI werden zwei grosse chinesische
-Zeitungen nach europäischem Zuschnitt gedruckt, die nicht allein den
-Inhalt der kaiserlichen Zeitung reproduzieren, sondern auch Belehrendes
-und Ankündigungen bringen. Die eine, »_Shénpao_«, vertritt europäische
-Interessen, die andere, »_Sinpao_«, ist Organ europafeindlicher
-Mandarinen. Die Blätter sind gern gelesen und das eine hat gegen 10000
-Abnehmer. Überhaupt ist das Publikum sehr wissenslustig und man findet
-in Shanghai fast an jeder Thüre eifrige Leser.
-
-Eine besondere Bestimmung über das litterarische Eigentum giebt es in
-China nicht, es ist ein Eigentum wie jedes andere und Nachdruck wird mit
-100 Stockschlägen und Deportation bestraft.
-
-[Sidenote: Japan.]
-
-In der Hauptstadt von JAPAN, YEDDO (TOKIO), wurde seit 1785 in
-europäischer Weise gedruckt und entwickelt sich dort eine rege
-Thätigkeit. Jedenfalls ist Japan, dieser ferne Kulturposten im Osten,
-bestimmt, einen hervorragenden Platz in der Geschichte der Civilisation
-einzunehmen. Das Tick-Tack der Typen und das Klappern der Pressen haben
-jedenfalls dort grössere Eroberungen gemacht, als alle Flotten der
-alten und der neuen Welt mit ihren Kanonen und Soldaten fertiggebracht
-haben würden. Die japanische Druckindustrie ist in fortwährender
-Steigerung begriffen und die Ausüber sind fast alle Eingeborene. Noch
-vor 15 Jahren hatte Japan kein Journal in einheimischer Sprache,
-jetzt zählen die Journale nach hunderten, unter welchen weder Mode-,
-Witz- noch illustrierte und photographische Blätter fehlen. Das
-verbreitetste Blatt ist _Yomiri Schimbun_ mit 20000 Exemplaren. Nach
-einzelnen Zeitungsnummern gerechnet, erreichte die Produktion jährlich
-33 Millionen, von welchen ungefähr der dritte Teil durch die Post
-befördert wurde. Die Redaktion einer Zeitung ist keine ganz gefahrlose
-Beschäftigung, denn ein der Regierung missliebiger Artikel hat Haft und
-Geldstrafe zur Folge.
-
-Die Produktion von Büchern ist eine ausserordentlich starke. Namentlich
-werden englische, deutsche und italienische Wörterbücher, Grammatiken,
-Parleure, Übersetzungen von astronomischen, nationalökonomischen und
-namentlich auch medizinischen Werken gedruckt[72]. Der Buchhandel steht
-unter der Aufsicht der Regierung, geniesst jedoch Abgabenfreiheit. Der
-Verkauf der Verlagsartikel findet durch Versteigerungen dreimal im Jahre
-statt, zu denen die Sortimentshändler oder vielmehr die Bücherverleiher
--- denn das Verleihen ist ein Hauptgeschäft -- zuströmen, um die Lücken
-ihres Vorrates auszufüllen. Es giebt Leihbibliotheken mit 25000 und mehr
-Bänden. Die Romane, die sehr gern gelesen werden, sind sehr bändereich.
-Eine deutsche Buchhandlung besteht seit 1870 und viele deutsche
-Unterrichtsschriften werden nach dort versandt.
-
- [72] Der Buchhändler Herr W. v. Braumüller in Wien erhielt vom Kaiser
- von Japan als Gegengeschenk für eine, der deutschen medizinischen
- Schule in Tokio übersandte Sammlung der hervorragendsten Artikel
- seines wissenschaftlichen Verlages eine Auswahl von 144 von den
- besten und seltensten japanischen Werken in 1408 Bänden. Herr v.
- Braumüller liess ein Verzeichnis davon als _Bibliotheca Japonica_
- drucken. Die Titel sind mit deutscher Übersetzung versehen und
- gewähren einen belehrenden Einblick in die Bücherproduktion
- Japans.
-
-Früher liess Japan sein Papiergeld bei Naumann und Dondorf in
-Frankfurt a. M. drucken; jetzt besitzt es in Tokio eine Staats- und
-Geldpapier-Fabrik. Die Gebäulichkeiten, von einem französischen
-Architekten in Backsteinen aufgeführt, bestehen in einem grossen
-Vordergebäude mit zwei Flügeln und in mehreren Hintergebäuden. Das
-Institut ist mit dem vorzüglichsten Material und vortrefflichen
-Maschinen, grösstenteils von König & Bauer, ausgerüstet und arbeitet mit
-einem fast ausschliesslich einheimischen Personal, von Männern sowohl
-als von Frauen.
-
-Die erste mechanische Papierfabrik nach europäischer Art wurde 1875
-in Tokio eingerichtet. Das Gebäude ist aus Ziegelsteinen aufgeführt,
-misst 225 englische Fuss in der Länge, 106 Fuss in der Breite. Der
-Maschinensaal ist 130 Fuss lang, 32 Fuss breit, die Maschine selbst
-nach dem System Fourdrinier hat eine Länge von 76 Fuss. Durch zwei
-Zentrifugalpumpen können pro Minute bis zu 1600 Gallonen Wasser auf
-einen Turm von 26 Fuss Höhe, wo die Wasserreservoirs der Fabrik sich
-befinden, hinaufgepumpt werden. Die Beleuchtung geschieht durch
-selbstfabriziertes Gas. Es werden seitens der japanesischen Regierung
-grosse Anstrengungen gemacht, um den Verkauf des Fabrikats am Londoner
-Markt zu fördern, doch findet man es dort zu teuer.
-
-[Sidenote: Australien.]
-
-AUSTRALIEN hat den Engländern die Bekanntschaft mit der Kunst Gutenbergs
-zu verdanken. In SIDNEY entstand 1802 die erste Presse, deren Begründer
-ein Creole, GEORGE HOWE, war. Der Durst nach politischen Nachrichten
-und öffentlichen Mitteilungen rief 1803 die erste Zeitung hervor,
-der bald andere folgten. Die Zügellosigkeit der Presse veranlasste
-ein sehr strenges Pressgesetz von 1827, das jedoch später aufgehoben
-wurde. HOBARTTOWN auf VANDIEMENSLAND (Tasmanien) erhielt 1818 eine
-Druckwerkstätte.
-
-Seit der Zeit haben sich die Verhältnisse sehr günstig für die Kunst
-in Australien gestaltet. In dem jungen aufblühenden Lande mit einer
-energischen, vorwärtsstrebenden Bevölkerung eröffneten sich für die
-Zeitungspresse die schönsten Aussichten. Sie ist denn auch in Australien
-in einem gewaltigen Vorwärtsschreiten begriffen und Zeitungen wie
-_The South Australian Register_ in Adelaide, _Argus_ und _Age_ in
-Melbourne, _Morning-Herald_ in Sidney nehmen es mit grossen englischen
-und amerikanischen Zeitungen auf, selbst in Bezug auf den Umfang der
-telegraphischen Korrespondenz. Jede kleine Stadt besitzt eine Zeitung
-oder doch ein Wochenblatt. Bei einer Bevölkerung von nur 2500000
-Menschen hatte Australien 478 Zeitungen, davon in der Kolonie Victoria
-151, in Neu-Süd-Wales 118, in Süd-Australien 46, in Queensland 48, auf
-Neu-Seeland 114, auf Tasmanien 12, in Westaustralien 3. Sie sind fast
-alle in englischer Sprache; die deutsche ist fast gar nicht vertreten.
-Die Ausstattung der Druckereien daselbst ist eine entsprechende. Die
-Setzer sind vorzugsweise Europäer, das Lehrlingswesen liegt im Argen.
-
-Die Fabrikation für die Typographie ist noch in der Kindheit und das
-Mutterland hat in Australien einen sehr guten Kunden. Melbourne allein
-zahlt für Typen, Papier und _Stationary_-Artikel jährlich mehr als
-6 Millionen Mark an England, doch schafft jetzt die amerikanische
-Konkurrenz, welche fast alle Accidenzschriften liefert, diesem einen
-schweren Stand.
-
-[Sidenote: Die Inseln der Südsee.]
-
-Nach den GESELLSCHAFTS-INSELN brachten die Missionäre 1818 die Kunst.
-Von einer auf der Missionspresse gedruckten Bibel wurden 3000 Exemplare
-in wenigen Tagen verkauft. Der Preis für ein Exemplar war ein Quantum
-von etwa zehn Kannen Kokosöl.
-
-Auf den SANDWICHS-INSELN wird in der Hauptstadt HONOLULU seit 1821
-gedruckt und 1835 erschien eine Zeitung. Der König gab dazu seine
-Erlaubnis mit den folgenden Worten: »Ich gebe meine Einwilligung, denn
-es freut mich, die Werke anderer Länder kennen zu lernen, sowie Dinge zu
-hören, die neu sind und die ich gern sehen möchte, wenn ich dort wäre.
-Ich habe zu dem Minister gesagt: »»Mache Druckerpressen««. Mein Gedanke
-ist zu Ende. König Kanegeaguli«. Auch der König Kalakaua war Redacteur
-und fleissiger Leitartikelschreiber. -- Die FIDSCHI-INSELN haben vier
-Druckereien.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Afrika.]
-
-Der Norden AFRIKAS wird weiter unten (Romanische Gruppe) Erwähnung
-finden.
-
-Über die frühzeitige Verbreitung der Buchdruckerkunst durch die
-Portugiesen in Abessinien und auf der Westküste von Afrika liegen keine
-begründeten historischen Nachrichten vor. Erwiesen ist nur, dass im
-Jahre 1583 auf der Insel TERCEIRA gedruckt und zwar sehr gut gedruckt
-wurde.
-
-In FREETOWN auf der Westküste gründeten Missionäre Schulen und
-Druckereien. Die Insel ST. HELENA erhielt aus Veranlassung der
-Gefangenschaft Napoleons eine Buchdruckerei.
-
-In der seit 1806 den Engländern gehörenden Kapkolonie blühte die Presse
-bald empor. Die erste eigentliche Zeitung erschien 1824. Seit 1830
-werden auch im Innern des Landes Zeitungen gedruckt. Der Zeitungsstempel
-wurde 1848 abgeschafft. 1854 wurde die erste mit Dampf betriebene
-Schnellpresse aufgestellt und 1860 hatte die Kolonie 29 periodische
-Schriften. Bereits damals beschäftigte die vorzügliche Druckerei von
-SAUL SALOMON & CO. über 100 Arbeiter und zwei Dampfschnellpressen
-und lieferte auch eine grosse Zahl von Accidenzarbeiten in bester
-Ausführung. 1880 war die Zahl der Zeitungen 52, von denen 43 in
-englischer, 6 in holländischer Sprache, 3 in beiden Sprachen zugleich
-erschienen.
-
-Recht fröhlich gedieh die Kunst auf MADAGASCAR. König Radáma I.
-(gestorben 1828) war ein aufgeklärter Mann und Freund des Christentums
-und der Presse, welche von Missionären in den zwanziger Jahren
-eingeführt wurde. Diese brachten erst die Sprache der Eingeborenen
-in ein orthographisches System, um dieselbe geschrieben und gedruckt
-wiedergeben zu können. In der Hauptstadt ANTANANARIVO wurden sechs
-periodische Schriften herausgegeben, darunter die Monatshefte »Gute
-Worte« in einer Auflage von 3000 Exemplaren und das halbmonatlich
-erscheinende Blatt »Reis mit Honig gemischt«.
-
-[Illustration]
-
-
-[Illustration]
-
- IV. KAPITEL.
-
- DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE NORDAMERIKAS.
-
- WACHSTUM DER PRESSE. DIE ZEITUNGEN: Statistisches, der _Herald_, Horace
- Greeley und die _Tribune_, G. Childs und der _Ledger_, die Familie
- Harper, Frank Leslie und die illustrierte Presse. Die
- Holzschneidekunst. DIE BUCHDRUCKEREI UND DER BUCHHANDEL: die
- Staatsdruckerei und der Accidenzdruck, Organisation des Buchhandels.
- Grosse Druck- und Verlagsfirmen: Appleton, Lippincott, Houghton u.
- a., Einfluss des deutschen Elements, Nachdruck deutscher Werke,
- deutsche Buchhandlungen und Zeitungen. DAS PAPIER.
-
-[Sidenote: Steigende Macht der Presse.]
-
-Nachdem Amerika seine Unabhängigkeit erkämpft hatte, stieg die Macht
-seiner Presse in rapider Weise. Es war natürlich, dass von einem
-Zustand gemütreicher litterarischer Beschaulichkeit noch keine Rede
-sein konnte und dass sich die geistigen Kräfte der Besten des Volkes
-fast ausschliesslich dem praktischen und dem politischen Leben zuwenden
-mussten. Die litterarischen Bedürfnisse liessen sich leicht und
-billig durch den Nachdruck der geistigen Erzeugnisse des Mutterlandes
-befriedigen und der Nachdruck war ja nicht verboten, also eine ehrliche,
-ja lobenswerte Sache.
-
-[Sidenote: Die Zeitungen.]
-
-Vor allem hatte man ZEITUNGEN nötig; auf diese konzentrierten sich
-deshalb die Gedanken und Pläne der Verleger, der Buchdrucker, der
-Schriftgiesser und der Maschinenbauer und bald zeigte sich ein an das
-Wunderbare grenzender Aufschwung dieses Zweiges des Buchgewerbes.
-
-Im Jahre 1776 hatte New-York nur 4 Zeitungen, Massachusetts 7,
-Pennsylvanien gar keine aufzuweisen. Zur Zeit der _Centennial_-Feier
-und der Weltausstellung zu Philadelphia im Jahre 1876 erschienen in
-New-York 1088, in Massachusetts 346, in Pennsylvanien 738 Zeitschriften.
-Heute beträgt die Gesamtzahl der periodischen Schriften Nordamerikas
-11418, darunter täglich erscheinende Blätter 982, Wochenblätter 8725.
-Von der Gesamtzahl liefert New-York 1412, Illinois 1032, Missouri
-531. Illustrierte Blätter giebt es 512, Zeitschriften religiösen
-Inhalts 572. In englischer Sprache wurden 10619 Blätter gedruckt, 605
-in deutscher, 35 in französischer, 37 in schwedischer und dänischer
-Sprache. Beschäftigung finden bei der Herstellung 72000 Menschen mit
-einem Lohnaufwande von 115 Millionen Mark. Der Brutto-Ertrag wird auf
-370 Millionen Mark geschätzt. Die tägliche Zirkulation der Tagesblätter
-ist auf 3637000 Nummern -- dieselbe ungefähr, die England mit seinen
-135 Blättern erzielt -- berechnet, die einmalige der Wochenblätter auf
-19450000, die Gesamtsumme aller Zeitungen und Zeitschriften jährlich auf
-2077650675 Nummern[73].
-
- [73] E. STEIGER, _The periodical litterature of the United States_.
- New-York 1873. -- G. P. ROWELL, _The man who advertise_. New-York
- 1870. -- A. MAVERIK, _H. J. Raymond and the New-York Press_.
- Hartford, U. S., 1870. -- M. CUCHEVAL-CLAVIGNY, _Histoire de
- la Presse en Angleterre et aux États Unis_. Paris 1857. -- Die
- Angaben über den heutigen Bestand sind von einem erfahrenen
- Verleger Amerikas, M. North.
-
-Es hat sich jemand die Mühe gegeben, auszurechnen, dass mit einem
-Gürtel an einander gereihter Bogen eines Jahrganges der amerikanischen
-Zeitungen die Erde sich 47mal umwickeln lasse und dass der
-Papierstreifen fünf Meilen länger sein würde, als die Entfernung
-der Erde von dem Monde. Ein anderer giebt an, dass zu einer Nummer
-sämtlicher Zeitschriften Nordamerikas 5000000 Pfund Schriften oder etwa
-3 Milliarden Typen gehören. Kontrolliert haben wir die Rechnungen nicht.
-
-Befinden sich unter den Zeitungen auch manche unbedeutende, die nur
-dazu dienen, die Zahl auszufüllen, so begegnen uns andererseits viele
-riesenhafte Unternehmungen, mit denen in Europa ausser den _Times_ nur
-noch einige wenige sich messen können. Das New-Yorker Zeitungsviertel
-umschliesst die Prachtgebäude der Journale: New-Yorker Staatszeitung,
-_Daily News_, _Star_, _Sun_, _Tribune_, _Times_, _Observer_, _World_,
-_Evening Mail_, _Evening Telegraph_, _Herald_, dazu den grossartigen
-Bau des Zentral-Telegraphenamtes, die kolossalen Offizinen von _Harper
-Brothers_ u. a. Mit diesem bibliopolisch-typographischen Viertel kann
-sich selbst _Fleet-Street_, _Paternoster-Row_ und Umgebung in London
-nicht messen.
-
-[Sidenote: _Der Herald._]
-
-Das grossartigste Zeitungs-Institut ist wohl das des _New-York
-Herald_. Die Herausgeber haben sich die Mühe gegeben, eine Nummer des
-_Herald_ mit der korrespondierenden Nummer der englischen _Times_
-zusammenzustellen. Jede enthält 120 Spalten; unter diesen hatte der
-_Herald_ 80 Inseratenspalten mit 3061 Anzeigen, _Times_ 73 Spalten mit
-1846 Annoncen. Dem Stoff nach enthält die _Herald_-Nummer auf 31350
-Zeilen mit etwa 2800000 Typenstücken den ungefähren Stoff von fünf
-gewöhnlichen Romanbänden. Die Ausgaben für einzelne Telegramme sind
-enorm und waren es früher noch mehr, als zehn Wörter 400 Mark kosteten.
-Während des englisch-abessinischen Krieges musste die englische
-Regierung ihre Nachrichten aus dem Privatbureau des _Herald_ holen, denn
-dieser empfing seine Telegramme so zeitig, dass die englischen Blätter
-die aus New-York zurücktelegraphierten Nachrichten als ihre neuesten
-Nachrichten bringen mussten. Zur Zeit des deutsch-französischen Krieges
-hatte die _Tribune_ den _Herald_ überholt. Erstere brachte mit einem
-Kostenaufwand von 3000 Dollars das erste, spaltenlange Telegramm über
-den Kampf bei Gravelotte, das schon Tage lang in New-York gelesen war,
-als man in Berlin sich noch immer mit dem bekannten kurzen Telegramm
-aus dem Hauptquartier begnügen musste. Das machte die _Tribune_ während
-des Krieges sehr populär. Als Trumpf hiergegen spielte nun der _Herald_
-die sehr kostspielige afrikanische Expedition Stanleys zum Aufsuchen
-Livingstones aus.
-
-[Sidenote: H. Greeley * 3. Febr. 1811, [+] 29. Nov. 1872.]
-
-Überhaupt erreichte die von HORACE GREELEY im Verein mit gleichgesinnten
-Mitarbeitern 1841 gegründete _Tribune_[74] eine hohe Bedeutung. Horace
-Greeley war Sohn eines armen Bauers in Amhorst. Er half seinem Vater
-beim Holzfällen; jedoch seine Liebe zu den Büchern erweckte den Wunsch
-in ihm, Setzer zu werden. Er kam auch in die Lehre nach Pultney, was
-er jedoch dort lernen konnte, war bald gelernt. Nach verschiedenen
-bösen Erfahrungen kam er am 18. August 1831 nach New-York mit zehn
-Dollars in der Tasche. Trotz seiner Tüchtigkeit ward es ihm sehr
-schwer, eine Stelle zu finden. Man traute ihm nichts ordentliches zu,
-namentlich weil er gar zu wenig auf sein Äusseres gab. Endlich fand er
-in einer Druckerei Stellung. Es wurde ihm die schwerste Aufgabe, der
-Satz eines polyglotten Neuen Testaments, aufgetragen. Die Arbeit fiel
-vortrefflich aus und Greeley war bei derselben mit solchem Fleiss, dass
-er in Misskredit bei seinen von ihm ausgestochenen Kollegen kam. Ein
-Dr. Steppard, ein Mann mit vielen Kenntnissen, aber ganz ohne Vermögen,
-wünschte Teilnehmer für ein Blatt, die »Morgenpost«, und veranlasste
-Greeley und den Faktor der Druckerei, Story, solche zu werden. Das
-Blatt schlug fehl, jedoch die angefangene Druckerei kam vorwärts; Story
-starb und Greeley nahm einen anderen Associé, Winchester. Auch eine
-zweite Zeitschrift, der »New-Yorker«, an dem Greeley gearbeitet hatte,
-ging ein. Dieser, der demnach Schriftsteller geworden war, gründete nun
-selbst 1841 die _Tribune_. Die Anfänge waren klein. Greeley war die
-Seele des Ganzen, bald am Redaktionstisch schreibend, bald am Setzkasten
-zugreifend, dann, wenn nötig, bei der Presse Hand anlegend. Das Blatt
-gewann rasch einen grossen Aufschwung und die etwa zwanzig Gründer, die
-mit ihrer Arbeit -- denn über ein anderes Kapital hatten sie nicht zu
-verfügen gehabt -- beteiligt waren, wurden wohlhabende Leute. Ausser der
-Tagesausgabe druckte man eine halbwöchentliche und eine wöchentliche,
-zusammen in ungefähr 100000 Exemplaren. Horace Greeley schlug standhaft
-die Übernahme der ehrenvollsten, selbst Gesandten-Posten, aus und
-meinte, wenn ein Journalist auf seinem Posten ist, dann kann er in
-einem Lande mit einer freien Presse mehr leisten, als alle Gesandte
-zusammen[75]. Die Setzer der Vereinigten Staaten wollten ihm zuerst ein
-aus Typen gegossenes Monument setzen, errichteten ihm jedoch später auf
-dem Greenwood-Friedhofe in Brooklyn ein Denkmal, bestehend in einer
-Bronce-Kolossalbüste. Die vier Seiten des Sockels sind mit Reliefs
-geschmückt.
-
- [74] Die Offizin ist abgebildet im Journ. f. B. 1876, Nr. 6.
-
- [75] JAMES PARTON, _The life of Horace Greeley_. New-York 1855.
-
-[Sidenote: G. W. Childs.]
-
-Bedeutenden Einfluss übte auch _The Public Ledger_ GEORGE W. CHILDS'.
-Dieser, in Baltimore geboren, kam als vierzehnjähriger Bursche nach
-New-York in eine kleine Buchhandlung, erwarb sich durch grössten Fleiss,
-verbunden mit Sparsamkeit, einige hundert Dollars und fing mit diesen
-in einem Winkel des Gebäudes des _Public Ledger_ ein kleines Geschäft
-an, jedoch mit dem Vorsatz: »das muss alles einmal mir gehören«. Childs
-wurde Teilhaber einer respektablen Buchhändlerfirma R. E. Peterson &
-Co., in der, unter seiner Beteiligung, viele bedeutende Werke erschienen.
-
-Inzwischen war es mit dem angesehenen _Ledger_ rückwärtsgegangen. Es
-bestand als _Penny_-Blatt seit dem Jahre 1816 und die Unternehmer hatten
-nicht den Mut, diesen Preis zu erhöhen, obwohl er unter den indes
-eingetretenen Valuta-Verhältnissen ein völlig unhaltbarer geworden war.
-Trotz der grossen Verbreitung und der massenhaften Inserate verlor
-man, wovon das Publikum jedoch keine Ahnung hatte, jährlich an 150000
-Dollars. Unter diesen Verhältnissen kaufte Childs das Blatt für eine
-Summe, welche die eines Jahresausfalles wenig überschritt, stellte
-den Preis auf zwei Pence und erhöhte entsprechend den Inseratenpreis.
-Anfänglich grosser Krach in der Zahl der Abonnenten, dann aber das
-Gefühl bei denselben, den alten bewährten Freund nicht entbehren zu
-können, und die Sache ging wieder vorwärts. Nun war Childs ein gemachter
-Mann und der _Ledger_[76] eine grosse Macht, von der jedoch der Besitzer
-immer nur den edelsten Gebrauch gemacht hat. Er begriff, dass der Mann,
-welcher eine Druckerpresse besitzt und die Feder führt, ebensowenig das
-Recht hat, Schmähnachrichten zu verbreiten oder die Ehre eines anderen
-anzutasten, als derjenige, der eine Uniform und ein Schwert trägt,
-befugt ist, nach Belieben zu tödten oder zu verwunden, um seinen Launen
-oder boshaften Gesinnungen zu fröhnen. Sogar über die Anzeigen wachte
-er und hatte den Mut, von dem Prinzip abzugehen, wonach der Herausgeber
-eines Blattes nicht die Verantwortlichkeit, wennauch nur die moralische,
-für die Anzeigen zu tragen habe. Dass er mit diesem Prinzip zugleich
-auf grosse Einnahmen verzichtete, ist leicht zu begreifen. Childs
-sorgte auch stets in grossartigster Weise für die Gesundheit und das
-Wohlbefinden seiner Mitarbeiter.
-
- [76] EUGEN MUNDAY, _Historical sketch of the public Ledger_.
- Philadelphia 1870. -- JAMES PARTON, George W. Childs.
- Philadelphia 1870. -- Die Offizin ist abgebildet im Journ. f. B.
- 1876, Nr. 4.
-
-Es ist nicht möglich, die bedeutenden Zeitungsanstalten alle näher
-zu charakterisieren und ihre Offizinen ausführlich zu beschreiben,
-die auch im Westen grossartige Dimensionen angenommen haben, so z. B.
-die Offizin der _Chicago Times_, die in einem aus weissen Sandsteinen
-erbauten, palastähnlichen Eckgebäude mit zwei Fronten von je 80 Fuss
-ein Erdgeschoss und fünf Stockwerke einnimmt. Überhaupt würden solche
-Äusserlichkeiten an und für sich keine Bedeutung für die Geschichte der
-Buchdruckerkunst haben, wenn sie nicht mit als Beweis dienten, welche
-kolossale Ausdehnung und hohe Macht die Zeitungspresse besitzt, die doch
-immer nur ein Teil der Gesamtpresse ist.
-
-Auch unter den Wochenblättern erheben einige stolz ihre Häupter über
-das Gewöhnliche. Unter den Verlegern und Druckern, die sich um diese
-Litteratur, doch nicht nur um diese, verdient gemacht haben, steht die
-Familie HARPER obenan[77].
-
- [77] JAC. ABOTT, _The Harper Establishment_. New-York 1855.
-
-[Sidenote: John Harper * 22. Jan. 1797, [+] 22. April 1875.]
-
-Der Gründer derselben, JOHN HARPER, stammt aus Newtown (Rhode Island).
-Sein Bruder JAMES und er waren in New-York in einer Buchdruckerei
-beschäftigt und zählten mit zu den tüchtigsten Arbeitern, James als
-Drucker, John als Setzer. Im Jahre 1817 gründeten die Brüder eine kleine
-Buchdruckerei unter der Firma J. & J. HARPER. Durch Promptheit erwarben
-sie sich einen guten Ruf und ihre eigenen Verlagsunternehmungen wurden
-mit Vertrauen empfangen. 1833 gesellten sich noch zwei Brüder, JOSEPH
-WESLEY HARPER und FLETCHER HARPER, als Teilnehmer dazu und die Firma
-wurde _Harper Brothers_. Die vier Brüder waren alle sehr verschiedenen
-Charakters, ergänzten sich jedoch ganz vortrefflich. Frug man: wer ist
-Harper? und wer sind die Brüder? so konnte man nur antworten: »irgend
-einer derselben ist Mr. Harper und die anderen sind die Brüder«. Gerade
-in diesem innigen Zusammenwirken lag das Geheimnis ihrer Erfolge. Im
-Jahre 1850 begannen sie _Harpers Monthly_, dessen Aufnahme eine so
-ausserordentlich günstige war, dass sie 1857 _Harpers Weekly_ und 1867
-_Harpers Bazar_ folgen liessen.
-
-[Sidenote: Harpers neues Etablissement.]
-
-Jeder der Brüder hatte sein besonderes Departement, welches er
-selbständig leitete. Das der Finanzen gehörte John, zugleich die
-Besorgung der Erwerbungen an Material und Maschinen. Er war ein
-Mann von bestimmtem Charakter, rasch im Entschliessen, fest in der
-Durchführung der Entschlüsse, in allen Verhältnissen ein Gentleman, bei
-aller Lebhaftigkeit stets ruhig und besonnen, nie in Unruhe oder Hast.
-
-[Sidenote: Brand des Etablissements.]
-
-Als das grosse Harpersche Etablissement in _Franklin-square_ 1853 ein
-Raub der Flammen wurde, stand John mit seinen Brüdern ruhig unter
-der aufgeregten Menschenmasse und beobachtete das Fortschreiten des
-verheerenden Elements. Seine Uhr aus der Tasche ziehend bemerkte er
-gegen die Brüder, dass es jetzt Essenszeit sei; es wäre wohl das beste,
-man käme nach dem Essen zu ihm, dort könne man ruhig überlegen, was
-zu thun! Die Brüder fanden sich ein und sassen schweigend in Gedanken
-vertieft. Da ergriff John das Wort: »Unser Geschäft ist zu wertvoll, um
-es fallen zu lassen oder um es in andere Hände zu geben. Wir haben alle
-Söhne; sie haben uns geholfen und sind nun bald imstande, unsere Plätze
-einzunehmen. Wir wollen ihnen das Geschäft weiter führen und ihnen
-zeigen, dass wir noch keine alten Schlafmützen sind«.
-
-Und so wards beschlossen. Noch an demselben Abend begann John die
-Pläne für den Neubau zu entwerfen. Die Zeichnungen von allen den
-inneren Räumlichkeiten und Einrichtungen wurden unter Berücksichtigung
-der mannigfachen Bedürfnisse des Geschäfts in allen Details von John
-gemacht und dann dem Architekten übergeben, dem es überlassen wurde,
-das Äussere dem Innern anzupassen. Durch Schaden klug geworden,
-liess man alles aus Stein oder Eisen aufführen. Jedes Stockwerk ist
-für sich ganz abgeschlossen und die Kommunikation mit den beiden
-Geschäftshäusern nur durch die, in einem freistehenden Turm, von welchem
-aus Verbindungsbrücken nach jedem Stocke der beiden Geschäftsgebäude
-führen, befindliche Treppe unterhalten. Es dürfte dieses Etablissement
-jetzt eines der eigentümlichsten, zugleich eine der am besten gegen
-Feuersgefahr gesicherten Druckereien der Welt sein. Ein eigentümlicher
-Zug von John Harper war es, dass er, obwohl er täglich von 9-3 Uhr im
-Comptoir arbeitete, die nach seiner eigenen Angabe gebauten Lokalitäten,
-mit Ausnahme des Maschinenraumes, nie betrat. Was in sein Departement
-nicht gehörte, überliess er ganz und gar seinen Brüdern, Söhnen und
-Neffen. Der Bruder James starb 1869, Wesley 1870, John selbst 1875 am
-22. April, nur sein Bruder Fletcher überlebte ihn. Bis zum Jahre 1878
-hatten Harpers 3291 Werke in über 4000 Bänden herausgegeben.
-
-[Sidenote: K. Scribner.]
-
-Wennauch _Harpers Monthly_ die grösste Auflage von allen Monatsschriften
-hat -- 160000 Exemplare --, so kommt ihm doch das von KARL SCRIBNER
-gegründete _Scribners Monthly_, das jetzt den Titel _The Century_
-angenommen hat, nahe. Der materielle Wert eines solchen Unternehmens
-ist ein sehr bedeutender; so erhielten die Söhne Scribners für ihren
-40prozentigen Anteil die Summe von mehr als 1100000 Mark, wonach also
-das ganze Unternehmen den Wert von gegen 3 Millionen Mark repräsentierte.
-
-[Sidenote: Frank Leslie * 1821, [+] 1. Jan. 1880.]
-
-Unter den Herausgebern illustrierter Blätter ist FRANK LESLIE besonders
-zu erwähnen. Sein eigentlicher Name war Henry Carter. Erst Holzschneider
-und Vorsteher der xylographischen Anstalt der _Illustrated London
-News_, ging er im Jahre 1848 nach Amerika und unternahm die _Gazette
-of Fashion_, dann den _Chimney Corner_ und das _Ladys Magazine_. Am
-14. Dezember 1855 erschien _Frank Leslies Illustrated Newspaper_. Zwar
-erwarb er sich damit ein sehr grosses Vermögen; bei seiner excessiven
-Freigebigkeit überstiegen jedoch seine Ausgaben die Einnahmen und er
-musste 1877 sein Geschäft an J. W. ENGLAND abtreten, wirkte aber für
-dasselbe fort. Leslie war der erste, welcher die grossen Holzplatten mit
-den darauf sich befindenden Zeichnungen in viele Stücke zersägen liess,
-um sie nach Vollendung des Schnittes, der nun gleichzeitig von einer
-grossen Zahl von Holzschneidern, also sehr schnell, gearbeitet werden
-konnte, wieder zusammen zu leimen oder durch Rahmen zusammen zu pressen.
-
-[Sidenote: Georg Putnam * 21. Febr. 1814, [+] 20. Dez. 1872.]
-
-Auch GEORG PALMER PUTNAM erwarb sich einen bedeutenden Namen als
-Journal-Herausgeber. 1840 gründete er die Firma WILEY & PUTNAM. In
-London legte er eine Filiale an, weilte dort sieben Jahre und gab von
-1843 ab _The American Bookseller_ heraus. Putnam war der erste, der
-regelmässig Bücher nach England exportierte und umgekehrt von dort
-importierte. Nach seiner Rückkehr nach New-York wurde 1852 _Putnams
-Magazine_ gegründet, welches damals in Nordamerika einzig in seiner Art
-dastand.
-
-[Sidenote: The Daily Graphic.]
-
-Amerika hat auch zu einer täglich erscheinenden illustrierten Zeitung
-den ersten Anlauf genommen. Seit 1873 erscheint in New-York _The
-Daily Graphic_; jede Nummer mit etwa zwanzig grösseren oder kleineren
-Illustrationen. Bei einem äusserst mässigen Preis sind Druck und Papier
-sehr gut. Da jedoch die Bilder -- Hochätzungen von verschiedenem Wert
--- in der Mehrzahl den unterhaltenden Teil illustrieren, also im voraus
-fertiggestellt werden können, so ist das Problem einer wirklichen
-illustrierten Tageszeitung noch nicht als voll gelöst zu betrachten.
-
-Die Summe, welche die Inserierenden an die Zeitungs-Herausgeber zu
-zahlen haben, wird auf 120 Millionen Mark geschätzt. Von _The Sun_
-wurde neulich eine der 350 Aktien »billig« für 18000 Mark verkauft, das
-gäbe nahe an sechs und eine halbe Million Mark. Der Redakteur A. Dana
-bezieht als Salair und Tantième jährlich etwa 300000 Mark. Hiernach kann
-man sich eine Vorstellung machen von dem enormen pekuniären Wert der
-amerikanischen Zeitungen.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Xylographie.]
-
-[Sidenote: Alex. Anderson * 21. April 1775, [+] 17. Jan. 1870.]
-
-Der Schöpfer der amerikanischen HOLZSCHNEIDEKUNST war ALEXANDER
-ANDERSON. Bereits als Schulknabe schnitt er mit einem Handmesser kleine
-Vignetten in Schriftmetall und verkaufte sie an Zeitungs-Herausgeber.
-Später wählte er die Medizin als Brotstudium; jedoch die Liebe zur Kunst
-behielt die Oberhand bei ihm, und als er erfuhr, dass Bewick in London
-in Buchsbaum schnitt, hing er die Medizin an den Nagel und wurde der
-erste Holzschneider in Amerika. Seine letzte Arbeit in Metall war »das
-Abendmahl« nach Holbein für eine Bibel in Quart. Bis in sein 94. Jahr
-arbeitete er unverdrossen. Während Amerika 1840 nur etwa 40 Xylographen
-hatte, betrug die Zahl bei Andersons Tod bereits über 400.
-
-[Sidenote: J. Adams.]
-
-Um den Druck der Holzschnitte, zugleich um diese selbst und die
-galvanische Vervielfältigung derselben hat J. ADAMS wesentliche
-Verdienste. Nach vielen vergeblichen Versuchen gelang es ihm, mit
-Harpers ein Übereinkommen betreffs des Verlages und Druckes einer
-illustrierten Bibel abzuschliessen, wobei er die Bedingung gestellt
-hatte, dass der Druck vollständig nach seiner Angabe geschehe. Mit
-unermüdlicher Sorgfalt wendete er das noch nicht bekannte Verfahren
-des Unterlegens an und nach vierzehntägiger Arbeit an der Adamsschen
-Tiegeldruckpresse, während deren er vieles von den über ihn spottenden
-Druckern und der Bedenklichkeit der Verleger zu leiden hatte, leistete
-er zum Staunen der ersteren und zur Genugthuung der letzteren mit dem
-ersten Bogen einen Druck, wie man ihn noch nicht kannte. Das Publikum
-lohnte der Verleger Opferwilligkeit durch Abnahme von 50000 Exemplaren.
-
-[Sidenote: Die Regierungsdruckerei.]
-
-Unter den Druckanstalten Amerikas sowohl als unter den Staatsdruckereien
-anderer Länder nimmt die REGIERUNGSDRUCKEREI[78] der Vereinigten Staaten
-einen achtunggebietenden Standpunkt ein.
-
- [78] Journ. f. B. 1881, Nr. 22. -- Ann. d. Typ. II, Nr. 92.
-
-Zuerst wurden die Staatsarbeiten an die, von beiden Häusern gewählten
-Privatdruckereien vergeben, mit denen man auf Grund bestimmter Preise
-kontrahierte. Später beliebte man den Zuschlag an den Mindestfordernden,
-dann wurde zu einer Anstalt geschritten, deren Direktor der Präsident
-erwählt. Die 1861 bezogenen Räumlichkeiten sind später bedeutend
-erweitert worden.
-
-Vor der Rebellion der Südstaaten genügten 23, grösstenteils Adamssche,
-Schnellpressen. Durch 4 Accidenzpressen und einige Liniiermaschinen
-wurden die kleineren Arbeiten erledigt. Während des Aufstandes nötigte
-jedoch der Bedarf des Kriegs- und Marinedepartements zur Verstärkung der
-Kräfte. Obwohl von Liniiermaschinen allein 16 fortwährend beschäftigt
-waren, mussten manche Arbeiten Privaten übertragen werden. Nachdem
-jedoch der Kongress bestimmt hatte, dass alle Regierungsarbeiten in
-der Staatsdruckerei besorgt werden sollten, waren grosse Erweiterungen
-vorzunehmen.
-
-Das Druckhaus ist ein vierstöckiges, nicht besonders schönes, jedoch
-gut belichtetes und zweckmässig eingerichtetes Gebäude von 300 Fuss
-Länge und 60-70 Fuss Breite. Der Druckersaal nimmt die ganze Tiefe und
-270 Fuss Länge ein. Die Zahl der Schnellpressen beträgt 63, die der
-Arbeiter 1200. Die Jahresausgabe für Löhne und Material wird auf etwa 9
-Millionen Mark veranschlagt. Die Arbeiten sind in drei Klassen geteilt:
-Staatsakten, gerichtliche und laufende Arbeiten. Die in der Anstalt
-gedruckten Werke haben oft einen grossen Umfang, so umfasst das Werk
-über den Secessionskrieg 96 Bände in Grossoktav. Oft ist rasende Eile
-notwendig; so wurden die Berichte der Halifax-Fischerei-Kommission 480
-Seiten in Oktav in 48 Stunden gesetzt, korrigiert, gedruckt, gebunden
-und dem Kongress übergeben. Der jährliche landwirtschaftliche Bericht
-ist ein Band von 800 Oktavseiten und wird in 225000 Exemplaren gedruckt.
-
-[Sidenote: Banknotendruck.]
-
-Der BANKNOTENDRUCK unterlag durch JAKOB PERKINS, der die Herstellung von
-Stahlplatten einführte, einer bedeutenden Umänderung und Verbesserung.
-1818 ging Perkins nach London und arbeitete dort mit dem vorzüglichen
-Graveur Heath zusammen. Mehrere Sicherheitsmassregeln wurden erfunden,
-namentlich das Hineinarbeiten von Fäden oder Haaren in das Papier.
-Die Noten sind, dem Geschmack der Amerikaner gemäss, recht bunt und
-enthalten vollständige Bilder, ja sogar Schlachtenscenen, in Stahlstich.
-Sie werden in dem _Bureau of Engraving and Printing_, einer Abteilung
-des Schatzamtes, und bei der _American Banknote Company_ ausgeführt.
-
-Die Postkarten liefert laut Vertrag die _American Phototype Company_
-in Holyoke. Der Bogen enthält 40 Postkarten. Die Pressen sind mit
-verschlossenen Zählapparaten versehen, zu welchen nur Regierungsbeamte
-den Schlüssel haben. Zirkularschneidemaschinen teilen den Bogen viermal
-der Länge nach, die Längenschnitte werden wieder zehnmal der Quere nach
-geschnitten. Täglich wird durchschnittlich 1 Million Stück geliefert,
-die Produktion kann aber auf 1700000 gesteigert werden.
-
-Dass die Versendung von Drucksachen durch die Post eine sehr grosse ist,
-begreift sich leicht; sie beträgt neben 1100-1200 Millionen Briefen
-jährlich gegen 750 Millionen Zeitungsnummern und mehr als 300 Millionen
-andere Drucksachen.
-
-[Sidenote: Accidenzdruck.]
-
-[Sidenote: O. H. Harpel * 8. Juni 1828, [+] 20. Nov. 1881.]
-
-Der ACCIDENZDRUCK setzt in einem Geschäftslande, wie es Amerika ist,
-enorme Summen in Zirkulation. Nach Einführung der Tretmaschinen ist ein
-grosser Teil der Arbeiten in die Hände der _Stationer_ (Trittmüller)
-übergegangen. Bei der Sucht, auffällig zu sein, laufen allerdings manche
-sonderbare Erzeugnisse unter den Accidenzen mit unter, aber vieles ist
-auch ausserordentlich schön. Unter den Accidenzdruckern, speziell unter
-den Farbendruckern, steht W. J. KELLY in hohem Ansehen. Als Herausgeber
-einer Fachzeitschrift, _The Model Printer_, macht er zugleich seine
-Arbeiten der Allgemeinheit der Buchdrucker nutzbar. Einen würdigen
-Konkurrenten hat er in J. F. EARHART in Columbus. Auch OSCAR H. HARPEL
-in Cincinnati, der den glücklichen Gedanken hatte, etwa 700 von ihm in
-der Praxis ausgeführte Accidenzen in einem Band _Harpels Typograph_ zu
-sammeln, genoss eines verdienten Ansehens. Ausser seinem praktischen
-Musterbuch gab er ein mit grossen Kosten verbundenes Werk heraus: _Poets
-and Poetry of Printerdom_. Harpel war eine der ideal angelegten Naturen,
-die in ihrem Streben nach Vollkommenheit nicht genug das Praktische
-berücksichtigen, und er erzielte deshalb nicht die Vorteile, die ihm
-auf Grund seiner Tüchtigkeit und Liebe zur Kunst sehr zu gönnen gewesen
-wären.
-
-Als Beispiel, welche Summen auf Accidenzarbeiten verwendet werden, sei
-angeführt, dass ein Kurzwaren-Geschäft in New-Haven für 2000 Exemplare
-eines Muster-Katalogs gegen 350000 Mark verausgabte. Der Folioband von
-290 Seiten mit etwa 700 in der wirklichen Grösse und in den natürlichen
-Farben ausgeführten Abbildungen kostet allein zu binden 65 Mark für
-jedes Exemplar. Dabei übersandten die Besteller nach Vollendung des
-Bandes dem Drucker mit einem sehr verbindlichen Schreiben ein äusserst
-kostbares Chronometer, ein Zeichen der Anerkennung, wie sie im
-Geschäftsleben wohl nicht gar zu oft vorkommt.
-
-Die Durchschnittsqualität des Buchdruckes ist eine gute. Man fabriziert
-in Amerika weniger für besondere Klassen von Lesern, es fehlt deshalb
-in der Regel einerseits das höchste Raffinement, andererseits ein
-ungeniertes Sichgehenlassen. Die Schulbücher sind, was nicht genug
-gelobt werden kann, fast ausnahmslos vortrefflich ausgestattet. Druckt
-man einmal wirkliche Prachtwerke, so können sie auch den Vergleich
-mit den besten Erzeugnissen der alten Welt aushalten, z. B. Appletons
-_Picturesque America und Picturesque Europe_.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Der Buchhandel.]
-
-Über die Ausdehnung des BUCHHÄNDLERISCHEN GESCHÄFTS[79] ist es nicht
-leicht, eine ganz bestimmte Übersicht zu gewinnen, da keinerlei
-Kontrolle ausgeübt wird. Die Zahl der eigentlichen Buchhändler wird auf
-etwa 3000 angegeben, darunter sind gegen 800 Verleger. Neun Zehnteile
-des Verlagsgeschäftes sind jedoch auf höchstens 50 Firmen verteilt.
-Buchhändler, welche nicht ein ausschliessliches Geschäft aus dem Handel
-mit Büchern machen, giebt es über 10000.
-
- [79] _Catalogue of the Collectiv Exhibit of the American Book Trade._
- Paris 1878. -- Der amerikanische Buchhandel. Ausland 1862, Nr. 19.
-
-[Sidenote: Bücherproduktion.]
-
-Hat die BÜCHERPRODUKTION auch nicht eine so immense Steigerung
-aufzuweisen wie die Zeitungsproduktion, so ist sie doch eine sehr
-bedeutende. Die amerikanische Originallitteratur bietet schon jetzt
-einen bedeutenden Stoff, daneben werden mit einer, bei lohnenden
-Aussichten staunenswerten, einer besseren Sache zur grössten Ehre
-gereichenden Energie die besten Erzeugnisse des Mutterlandes
-nachgedruckt. Ein internationaler Vertrag mit England lässt immer noch
-auf sich warten, und obwohl selbst in Amerika gewichtige Stimmen für den
-Schutz gegen Nachdruck sich erheben, ist doch kaum anzunehmen, dass der
-»praktische« Amerikaner sich dem Zwange sobald fügen wird, es wäre denn,
-dass die Zunge der Interessenwage sich zu seinen Gunsten neigen würde.
-
-[Sidenote: Organisation des Buchhandels.]
-
-Der eigentliche Ursprung des organisierten Buchhandels in Amerika rührt
-von der Begründung der Amerikanischen Buchhandlungs-Gesellschaft im
-Jahre 1801 her. Sie errichtete Comptoire in New-York, Philadelphia und
-Boston, stellte feste Bedingungen für den Betrieb und war bemüht, durch
-Preisausschreiben die Fabrikation des Papiers und der Druckerschwärze zu
-fördern. Doch blieben die Fortschritte des Buchhandels immer noch klein.
-Die Auflagen wurden selten höher als 5-600 gemacht.
-
-Mit dem Jahre 1830 hatte sich dies schon sehr geändert und später
-erreichten Werke selbst von grösserem Umfang und hohem Preis grosse
-Verbreitung. Agassiz' Naturgeschichte Nordamerikas, die über 600 Mark
-kostete, hatte über 2500 Subskribenten; von Kanes Reise nach den
-arktischen Regionen wurden 60000 Exemplare abgesetzt, von Murrays
-geographischer Encyklopädie 50000, von Chambers _Encyclopædia of
-Literature_ über 100000. 1860 gab es bereits 400 Verleger und der Wert
-der produzierten Bücher -- nicht Zeitungen --, der 1820 10 Millionen
-Mark betrug, hatte 1860 70 Millionen Mark überschritten. Die Zahl der
-Buchdruckereien war 1860 bis auf 4000 gestiegen, nachdem sie 1776 40,
-1812 400 betragen hatte.
-
-Die Organisation des Buchhandels ist nicht so geschlossen, wie in
-Deutschland, doch hat die _American Book Trade Association_ einige
-Ähnlichkeit mit dem Börsen-Verein der deutschen Buchhändler. Die
-Buchhändler teilen sich in _Publishers_ (Verleger), _Jobbers_
-(Kommissionäre) und _Retailers_ (Sortimentshändler), doch sind diese
-drei Branchen oft in einer Hand vereinigt. Eine besondere Klasse der
-Verleger bilden die sogenannten _Subscription Publishers_, welche ihren
-Verlag nur durch Vermittelung von Agenten vertreiben, von welchen
-jedem ein gewisses Territorium überlassen bleibt, innerhalb dessen
-Grenzen er allein den Vertrieb hat. Der _Jobber_ dient als Mittelsmann
-für diejenigen Sortimenter, die nicht mit den einzelnen Verlegern
-in Rechnung stehen können oder wollen, und vorziehen, ihren ganzen
-Bücherbedarf aus einer Hand zu nehmen. Sie kaufen oft tausende von
-Exemplaren von den Verlegern und verkaufen mit einem mässigen Nutzen.
-
-Einmal im Herbst und einmal im Frühjahr findet eine grosse Bücherauktion
-statt, in welcher der Sortimentshändler sein Lager versorgt. Die
-Produktion des Jahres 1877 betrug 4476 Werke, also ungefähr dieselbe
-Quantität, die England produzierte. Nur einige grosse Firmen schlagen
-eine universelle Richtung ein, gewöhnlich beschränkt sich eine Firma auf
-einen Zweig.
-
-Eine für Amerika eigentümliche Institution ist die _American News
-Company_. Diese Gesellschaft konzentriert in ihren Händen fast den
-ganzen Betrieb der periodischen Unternehmungen; ihre Interessen
-vertritt _The American Bookseller_. Es ist eine Anstalt, mit der die
-Journal-Verleger rechnen müssen, die jedoch ihre Macht in loyaler Weise
-gebraucht.
-
-[Sidenote: Fr. Leupoldt.]
-
-Um die Förderung der buchhändlerischen Organisation und des
-Büchervertriebes hat sich der Deutsche FRIEDR. LEUPOLDT aus Stuttgart
-besonders verdient gemacht. Wie in früherer Zeit Deutsche die
-Buchdruckerkunst durch alle Länder verbreiteten, so sind es in späterer
-Zeit fast überall Deutsche, die sich um die rationelle Einrichtung
-der buchhändlerischen Institutionen verdient gemacht und, durch die
-mühsamen Arbeiten der Inventarisierung, System in den Vertrieb gebracht
-haben. Die von Leupoldt ins Leben gerufene _Publishers Weekly_ ist die
-beste bibliographische Zeitschrift Amerikas. Ebenfalls vortrefflich
-ist sein seit 1876 erscheinendes _American Library Journal_ und sein
-jüngstes Werk _Catalogue and Finding List of all American Books
-in Print and for Sale_. 1881. Eine grosse Erleichterung für den
-Vertrieb bildet schliesslich die, ebenfalls von Leupoldt in Scene
-gesetzte, _Uniform Trade List Annual_, eine in gleichförmigem Äussern
-durchgeführte Sammlung der Kataloge der Mehrzahl der Verlagshändler,
-eine Idee, welche in Europa sofort Nachahmung fand, auch den Anstoss
-zu dem idealern, aber vielleicht weniger praktischen Russellschen
-»Gesamt-Verlagskatalog des Deutschen Buchhandels« gegeben hat.
-
-[Sidenote: Sower, Potter & Co.]
-
-Einige der massgebenden und bahnbrechenden Verleger und Drucker wurden
-bereits genannt; es mögen zur Charakterisierung noch einige wenige
-angeführt werden und zwar zuerst das älteste Druckgeschäft Amerikas,
-dessen Geschichte noch weiter zurückgeht, als die der Vereinigten
-Staaten selbst und welches zugleich deutschen Ursprungs ist. Ein
-Teilhaber der angesehenen Firma SOWER, POTTER & CO. in Philadelphia
-ist der direkte Nachkomme in fünfter Generation von Christoph Saur
-(I, S. 274). Wie bereits in ihren ersten Anfängen beschäftigt sich
-die Firma noch heute hauptsächlich mit dem Druck von Erziehungs- und
-Erbauungsschriften.
-
-[Sidenote: Der Bibeldruck.]
-
-Letzterer Zweig ist überhaupt von sehr grosser Bedeutung, namentlich
-entwickeln die Bibel- und Missionsgesellschaften eine ausserordentliche
-Thätigkeit. Die 1816 gestiftete AMERIKANISCHE BIBELGESELLSCHAFT, deren
-Jahres-Einnahme jetzt etwa zwei und eine halbe Million Mark beträgt,
-druckte während der ersten sechzig Jahre ihres Bestehens über 33
-Millionen Bibeln in 20 verschiedenen Ausgaben mit einem Aufwande von
-75 Millionen Mark. Die Druckerei der Gesellschaft arbeitet mit 12
-Rotationsmaschinen; die Zahl ihrer Stereotypplatten beträgt 65000. Im
-Jahre 1868 verbreitete _The American Tract Society_ 807000 Bände und
-9493000 Flugblätter. Der VEREIN FÜR PRESBYTERIANISCHEN VERLAG weist
-über 2000 Artikel auf. Eine ähnliche Zahl sind aus den Pressen der,
-etwa 500 Personen und 30 Schnellpressen beschäftigenden Druckerei der
-GESELLSCHAFT DER METHODISTEN, die über ein Kapital von ungefähr 3500000
-Mark disponiert, hervorgegangen. Über hundert Ausgaben der Bibel
-druckte die Firma JOHN E. POTTER & CO., unter deren zahlreichen anderen
-Verlagsartikeln sich die _Bible Encyclopædia_ mit ihren 10000 Artikeln
-und über 3000 Abbildungen befindet. In einer ähnlichen Richtung wie
-die obigen Anstalten wirken _The American Sunday School Union_, _The
-Evangelical Knowledge Society_, der NATIONALE MÄSSIGKEITS-VEREIN, sowie
-die Firma A. J. HOLMAN & CO. und noch viele Gesellschaften und Verleger.
-Für die Bedürfnisse der Katholiken sorgt unter anderen die GESELLSCHAFT
-ZUR VERBREITUNG DER KATHOLISCHEN LITTERATUR. Auch die bekannte Firma
-GEBRÜDER BENZIGER in Einsiedeln unterhält zu diesem Zwecke eine Filiale
-in New-York.
-
-[Sidenote: Appleton & Co.]
-
-Das Geschäft, welches die vielseitigste Thätigkeit entwickelt, ist
-D. APPLETON & CO. in New-York, gegründet 1831. Wie bei Brockhaus in
-Leipzig das Konversations-Lexikon, so bildet bei Appletons _The American
-Encyclopaedia_ mit 4000 Holzschnitten und vielen Karten den Mittelpunkt
-des Verlages. Das schönste illustrierte Buch in Amerika dürfte ihr
-_Picturesque America_ mit 850 Holzschnitten und 48 Stahlstichen
-sein, dem eine _Picturesque Europe_ folgte. Ein wichtiger Teil des
-Verlages ist der den Bildungszwecken gewidmete. Auch die Anregung zu
-den _International Scientifiques Series_, die gleichzeitig auch in
-Deutschland, England, Frankreich, Italien und Russland erscheinen,
-ging von Appletons aus. Ihr _North American Review_ steht in grossem
-Ansehen. Die Offizinen der Firma nehmen einen Raum von über 60000 engl.
-Quadratfuss ein. Mit der Buchdruckerei von etwa 50 Schnellpressen sind
-die verschiedenartigsten graphischen Anstalten verbunden.
-
-[Sidenote: J. B. Lippincott & Co.]
-
-Die Werkstätten von J. B. LIPPINCOTT & CO. in Philadelphia zählen zu
-den grossartigsten. Ihr Katalog führte 1879 weit über 2500 Werke auf,
-darunter Worcesters _Dictionary of the English Language_, das mit dem
-Websterschen um den Vorrang kämpft und einen mächtigen Band von 1854
-Quartseiten mit 1000 Illustrationen bildet.
-
-[Sidenote: Houghton & Co.]
-
-Die Firma HOUGHTON, OSGOOD & CO. besitzt ausser ihrem Geschäft in Boston
-ein bedeutendes Drucketablissement _The riverside Press_ in Cambridge
-in unmittelbarer Nähe der Harvard-Universität. Sie vereinigen in ihrem
-Verlagskataloge die bedeutendsten Dichter und Romanschriftsteller
-Amerikas und Englands.
-
-[Sidenote: Blakeman & Co.]
-
-IVISON BLAKEMAN, TAYLOR & CO. in New-York und Chicago, gegründet
-1828, widmen sich ausschliesslich dem Verlage von Schulbüchern und
-verbreiteten bereits gegen 100 Millionen Bände. Wie bedeutend der
-Umfang der Geschäfte in Amerika ist, sieht man daraus, dass eine
-Sortimentshandlung in Chicago an einem Tage 186600 Bände aus dem
-Verlage der Genannten bestellte. Der tägliche Vertrieb ist gewöhnlich
-15000 Bände. Von den vielen Lesebüchern von Sander werden jährlich
-etwa zwei Millionen Bände verbreitet. Bei dieser Firma erschien auch
-das Webstersche Wörterbuch, ein Quartband von 1840 Seiten mit 3000
-Abbildungen.
-
-[Sidenote: Woods & Co.]
-
-Für die medizinische Litteratur haben WILL. WOODS & CO. in New-York
-grosse Bedeutung. In ihrem Verlage erschien u. a. Ziemssens Encyklopädie
-der praktischen Medizin, 17 Bände. Die _Orange Judd Company_ pflegt mit
-grossem Nachdruck die Landwirtschaft und die Architektur; BOERICKE &
-TAFEL sind speziell Verleger homöopathischer Werke.
-
-[Sidenote: L. Prang * 12. März 1827.]
-
-Es war natürlich, dass in einem Lande mit einem grossen, noch nicht
-auf der höchsten Stufe der Bildung stehenden Publikum der Bilderdruck
-ein gutes Feld finden musste und Amerika wurde der stärkste Konsument
-der einschlägigen deutschen Produkte. Amerika selbst besitzt eine
-hervorragende chromolithographische Anstalt, die von L. Prang & Co. in
-Boston. LUDWIG PRANG ist ein Deutscher und wurde in Breslau geboren,
-wo sein Vater als Formenschneider in einer Kattundruckerei arbeitete.
-Dieser war ein in vielen Sachen unterrichteter Mann und schwang sich
-zum Teilnehmer der Fabrik empor. Unter seiner Anleitung erhielt der
-Sohn die ersten künstlerischen Anregungen. Nach fünf wechselvollen
-Ausbildungsjahren wurde Prang von dem Strudel der deutschen Revolution
-mit fortgerissen, musste nach der Schweiz flüchten und ging von
-dort nach Nordamerika, wo er sich in verschiedenen Geschäften ohne
-Glück versuchte. Schliesslich warf er sich mit aller Energie auf die
-Holzschneidekunst und wurde bald einer der tüchtigsten Xylographen
-Amerikas, ruinierte jedoch seine Gesundheit, so dass er einen andern
-Beruf wählen musste.
-
-Prang wendete sich nun der Lithographie zu und etablierte sich mit
-einem tüchtigen Freunde, der aber ebensowenig, wie er selbst, Vermögen
-besass. Sie setzten jedoch ihr Vorhaben, eine Anstalt für Farbendruck zu
-errichten, durch und debutierten mit einem Rosenbouquet in vier Farben,
-das, obwohl keineswegs vollendet, doch sehr gefiel. Die Assoziation
-löste sich 1860. Durch den Sezessionskrieg wurde Prang vielfach von
-seinen Plänen abgelenkt, gewann aber durch Kartenarbeiten Mittel, um auf
-jene zurückzukommen. Im Jahre 1865 erschienen die ersten Nachbildungen
-von Gemälden, zwei amerikanische Landschaften nach Beiker. Der Erfolg
-war jedoch kein ermutigender und Prangs Freunde rieten ihm, sein
-Vorhaben aufzugeben. Jedoch ein kleines Bild -- eben aus den Eiern
-ausgekrochene Küchlein -- von Tait gab den Ausschlag. Es wurde nicht
-nur in enormen Massen verkauft, sondern riss auch die liegengebliebenen
-Landschaften mit fort, und öffnete die Wege für die Millionen von
-Chromos -- diese Bezeichnung führte Prang ein --, welche in Amerika
-gedruckt oder von Europa importiert wurden. Prangs Erzeugnisse machten
-dagegen die Rundreise in Europa und fanden allgemeine Anerkennung.
-
-In Verbindung mit John S. Clark, von der Firma Osgood & Co., führte
-Prang eine Reihe von Unternehmungen, zu Unterrichts- und künstlerischen
-Ausbildungszwecken bestimmt, durch und leistete hierin vorzügliches.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Das deutsche Element.]
-
-Den EINFLUSS DES DEUTSCHEN ELEMENTS AUF DAS BUCHGEWERBE in Nordamerika
-zu verfolgen ist von ganz besonderem Interesse[80]. In dem Aufschwung
-desselben, welcher sich in der vorigen Periode (I, S. 273) kundgab,
-sollte bald ein Rückschlag eintreten. Zur Zeit der Befreiungskämpfe
-Amerikas, sowie später der französischen Revolutionskriege und
-der Gewaltherrschaft Napoleons, 1775 bis 1815, hatte die deutsche
-Einwanderung fast aufgehört, und als sie wieder anfing, bestand der
-Zufluss fast nur aus Leuten, die des fehlenden täglichen Brotes wegen
-die Heimat verlassen und keiner geistigen Nahrung bedurften, viel
-weniger selbstthätig das geistige Element kräftigen konnten. Die wenigen
-begabten Männer unter ihnen schlossen sich mehr dem englischen Element
-an.
-
- [80] FR. KAPP, Der deutsch-amerikanische Buchhandel. Deutsche Rundschau
- 1878, 4. Heft. -- FR. KAPP, Der deutsch-amerikanische Buchdruck
- und Buchhandel im vorigen Jahrhundert. Archiv d. B.-V, I. Leipzig
- 1878. -- E. STEIGER, Der Nachdruck in Nordamerika. New-York 1866.
- -- Die deutsch-amerikanische Presse. Ausland 1863, Nr. 6.
-
-[Sidenote: Erste Druckthätigkeit der Deutschen.]
-
-Unter solchen Verhältnissen beschränkte sich die deutsche
-Druckthätigkeit auf die Herstellung einiger deutscher Schul- und
-Gebetbücher, sowie Kalender, welche man immer noch hauptsächlich den
-wenigen deutschen Pressen Philadelphias verdankte. Dies änderte sich
-erst mit dem politischen Aufschwung in Deutschland in den dreissiger
-Jahren und mit der darauf folgenden Sturm- und Drangperiode von 1848
-nebst der Zeit der Nachwehen der Reaktion. Unter den von 1830-1870
-aus Deutschland eingewanderten zwei und eine halbe Millionen befand
-sich eine nicht geringe Zahl von Männern, die den gebildeten Ständen
-angehörten, welche geistige Bedürfnisse hatten, zumteil in der Lage
-waren, diejenigen anderer zu befriedigen. Hiermit begann die eigentliche
-Entwickelung des deutschen Buchhandels und Druckgewerbes in dem Emporium
-New-York.
-
-Der erste, der dort geschäftlich kräftig eingriff, war der
-Deutsch-Amerikaner HEINRICH LUDWIG (geb. 1804). Er etablierte sich 1832,
-importierte anfänglich hauptsächlich Schul- und Erbauungsbücher und fing
-1834 selbst zu drucken an. Er lebte bis 1877, hochgeachtet wennauch
-geschäftlich längst durch neuere Etablissements überflügelt.
-
-[Sidenote: New-Yorker Staatszeitung.]
-
-Bereits 1835 wurde die deutsche NEW-YORKER STAATSZEITUNG unter sehr
-bescheidenen Verhältnissen ins Leben gerufen, sie sollte sich aber
-bald zu einer der bedeutendsten Zeitungen Amerikas hinaufarbeiten.
-Keine Zeitung Deutschlands und kaum eine Nordamerikas dürfte
-fürstlicher untergebracht sein, als die Staatszeitung in ihrem 1873
-im _Printinghouse-Square_ in New-York bezogenen Palast. Derselbe ist
-mit einem Kostenaufwand von zwei Millionen Mark, nicht gerechnet eine
-Million für Grund und Boden, in Renaissancestil aufgeführt. Der Unterbau
-und der erste Stock sind aus schwarzem Granit, die übrigen Stockwerke
-aus hellem Granit. Ein Mansardendach von entsprechender Höhe krönt das
-ganze. Die eisernen Dachbalken sind mit eisernen Platten bedeckt; die
-Scheidewände sind ebenfalls aus Eisenplatten. Die Comptoirlokalitäten in
-Renaissancestil sind reich mit Schnitzwerk geschmückt und die Eleganz
-der Beleuchtungsapparate, der Marmortische und der Mosaikfussböden
-entspricht dem übrigen. Allerdings Äusserlichkeiten, aber welche Macht
-hat eine solche Zeitung erlangt, um sich derartige Äusserlichkeiten
-schaffen zu können.
-
-Nach und nach entstanden viele deutsche Blätter, welche, obwohl
-anfänglich schwach, an Mängeln aller Art leidend und sich christlich
-von Raub nährend, doch den Boden für die weitere Pflege der deutschen
-Litteratur bearbeiteten. Im Verlauf der letzten 30 Jahre hat jedoch die
-deutsche Zeitungspresse, die über 500 Organe zählt, sehr an Bedeutung
-zugenommen und nicht wenige der Blätter können sich mit den besten
-deutschen Zeitungen messen.
-
-[Sidenote: Verschiedene deutsche Buchhändler.]
-
-Einen wesentlichen Einfluss auf die Verbreitung der deutschen
-Litteratur übte der Berliner WILHELM RADDE (geb. 1800), der 1834
-eine deutsche Buchhandlung in New-York gründete, viele Werke für die
-Bedürfnisse der Gelehrten einführte und sich daneben auch in billigen
-Nachdrucks-Ausgaben der Klassiker versuchte. Jedoch waren diese noch
-verfrüht und wollten damals noch nicht »ziehen«. Ein Buchhändler schrieb
-an Radde: »Ich gebrauche umgehend folgende »echte« Klassiker gegen
-bar: 100 Schinderhannes, 100 heilige Genoveva, 100 bayrische Hiesel,
-100 Eulenspiegel. Grössere Bestellungen werden nachfolgen«. Radde
-liess sich dies nicht zweimal sagen, er veranlasste jedoch 1853 die
-Cottasche Buchhandlung, namentlich um den Nachdrucken des W. Thomas
-entgegenzutreten, von ihren »unechten« Klassikern sehr gute und billige
-Konkurrenz-Ausgaben zu veranstalten; selbst Werke wie Humboldts »Kosmos«
-und dessen »Ansichten der Natur« erschienen in solchen. Andere Verleger
-wollten von dieser Konkurrenz gegen sich selbst nichts wissen und
-Campe in Hamburg sah z. B. ruhig zu, wie eine Ausgabe von Heine nach
-der andern dort gedruckt wurde. In dieser Weise drangen viele tausend
-Bände der besten Werke selbst in die unter bescheidenen Verhältnissen
-lebenden deutschen Familien und stärkten die geistige Verbindung mit dem
-Mutterlande.
-
-Im Jahre 1845 hatten deutsche Verleger sich mit dem Plane beschäftigt,
-auf Aktien eine bedeutende deutsche Buchhandlung in Amerika zu
-errichten. RUDOLPH GARRIGUES, ein junger gebildeter Buchhändler aus
-Kopenhagen, wurde nach Amerika entsendet, um das Terrain zu sondieren.
-Garrigues' klarer Bericht fand allgemeinen Beifall, als es indes zum
-Zeichnen der Aktien kam, schreckte der deutsche Buchhandel vor einem
-mässigen Kapital von 30000 Thalern zurück. Sonderinteressen machten
-sich, wie gewöhnlich, geltend, und die Sache verlief im Sande. Garrigues
-etablierte sich nun selbst mit einem tüchtigen deutschen Buchhändler,
-F. W. CHRISTERN. Später folgten JUL. HELMICH, L. W. SCHMIDT, G. & B.
-(jetzt W. & C.) WESTERMANN _Brothers_; das BIBLIOGRAPHISCHE INSTITUT in
-Hildburghausen legte eine Filiale in New-York an; FR. GERHARD druckte
-ein sehr gutes deutsch-amerikanisches Konversations-Lexikon; SCHÄFER
-& KORADI in Philadelphia wurden bedeutend als Sortimenter wie als
-Verleger. Leupoldts Verdienste sind schon erwähnt.
-
-[Sidenote: E. Steiger.]
-
-Gross ist die Wirksamkeit ERNST STEIGERS in New-York, als Sortimenter
-sowohl, wie als Verleger und Drucker, gewesen. Steiger, aus Oschatz
-in Sachsen gebürtig, bildete sich als Buchhändler in Leipzig aus und
-arbeitete elf Jahre bei Westermann in New-York. Er erwarb eine kleine
-deutsche Buchhandlung mit Zeitungsgeschäft und fing dann Buchdruckerei
-und Verlag von Schulbüchern an, allerdings zuerst in Nachdrucken.
-Durch ungemeines Verbreiten seiner zumteil sehr umfangreichen Kataloge
-wirkte er sowohl im eigenen Interesse, wie in dem der deutschen
-Verleger. Eine verdienstliche bibliographische Leistung ist Steigers
-_The Periodical Literature of the United States of America with Index
-and Appendices._ 1873. Auch erwarb sich Steiger das Verdienst, für die
-Wiener Weltausstellung 1873 eine Probe-Kollektion von je einer Nummer
-von 6209 amerikanischen Zeitungen in 119 Foliobänden fertiggestellt zu
-haben, die er nachher der Wiener Hof- und Staatsbibliothek zum Geschenk
-machte. Von der Bedeutung, welche der Absatz in Amerika für das deutsche
-Druckgewerbe hat, kann als Beispiel dienen, dass allein Steiger von der
-»Gartenlaube« 12000, von der »Illustrirten Zeitung« 3800, von »Über Land
-und Meer« 4000, von der »Romanzeitung« 3500, von »Daheim« 3000 und vom
-»Bazar« 2500 Exemplare im Jahre 1871 verbreitete. Auch im Westen und
-Süden der Vereinigten Staaten entstanden deutsche Buchhandlungen, so
-THEOBALD & THEUERKAUF in Cincinnati, L. C. WITTER in St. Louis.
-
-[Sidenote: Der Nachdruck.]
-
-Jetzt, wo die deutschen Klassiker zu fabelhaft billigen Preisen aus
-Deutschland eingeführt werden können, lohnt der Nachdruck derselben
-nicht mehr und dieser beschränkt sich fast nur auf Benutzung der
-Erzeugnisse neuerer Belletristen für die Feuilletons. Konkurrenz und
-Sitte haben jedoch zur Folge gehabt, dass jetzt hierfür öfters Honorare
-gezahlt werden. Es ist vieles über den Nachteil und das Unmoralische
-des amerikanischen Nachdrucks geschrieben worden, jedoch alle mit
-den dortigen Verhältnissen näher bekannten Sachverständigen sind
-der Ansicht, dass »seinerzeit« der Nachdruck eine nötige Stütze des
-deutschen Elements und ein Mittel für die jetzige Verbreitung deutscher
-Originaldrucke war. »Es ist«, so sagt z. B. Friedrich Kapp, »eine
-mehr als naive Erwartung, dass eine Bevölkerung, die von der Heimat
-geschieden ist, noch jenseit des Ozeans Gesetze beobachten soll, welche
-den Bildungsinteressen der Ausgewanderten hemmend in den Weg treten.
-Sich hier dem Monopole deutscher Buchhändler unterwerfen, hiesse,
-die Mittel der geistigen Fortbildung und Entwickelung mutwillig von
-sich schleudern.« Als der deutsche Buchhandel in Amerika infolge der
-Bildungslust festen Fuss gewann und die Bücher gleich zu haben waren,
-kaufte man lieber die schöneren und korrekteren Originalausgaben als die
-Nachdrucke, die vor allem der Ungeneigtheit deutscher Verleger, billige
-Ausgaben für den amerikanischen Markt zu drucken und der Unmöglichkeit,
-die Originale schnell zu erhalten, ihr Dasein verdankten.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Die Papierfabrikation.]
-
-Dass unter den geschilderten Druckverhältnissen der Papierverbrauch ein
-kolossaler sein muss, leuchtet ein. Die Fabrikation[81] reicht bis auf
-das Jahr 1680 hinauf. Die eigentlichen Fortschritte datieren jedoch
-erst aus diesem Jahrhundert. Zur Verwendung kommt fast nur Baumwolle.
-1860 hatte Amerika etwa 700 Fabriken, welche gegen 300 Millionen Pfund
-zu einem Werte von etwa 200 Millionen Mark produzierten. Die Zahl der
-Fabriken beträgt jetzt über 1000. Während im Jahre 1869 der Wert der
-Einfuhr 527465 Dollars, der der Ausfuhr nur 3777 Dollars betrug, hat
-sich das Blatt in zehn Jahren vollständig gewendet und Amerika führte
-1880 für 1018318 Dollars aus und nur für 135487 Dollars ein.
-
-Die Einfuhr aller zum Pressgewerbe gehörenden Materialien und Maschinen
-ist überhaupt eine durch die Zölle so schwer belastete, dass sie nicht
-von Belang sein kann, während sich die Ausfuhr nach Europa sowohl als
-auch nach Asien und Australien in einer Weise vermehrt, welche der
-englischen Konkurrenz Bedenken einflösst. Der Wert der nach Amerika
-eingeführten deutschen Bücher und Kunstsachen beträgt etwa vier
-Millionen Mark jährlich.
-
- [81] _Directory of the paper manufactures in the United States and
- Canada._ 6. Aufl. New-York 1880.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
- ZWEITES BUCH
-
- DIE ROMANISCHE GRUPPE.
-
-[Illustration]
-
- EINFÜHRUNG IN DAS ZWEITE BUCH.
-
-
-DIE ROMANISCHE GRUPPE, an deren Spitze FRANKREICH, hat, wie die
-Anglo-Amerikanische, vor der Germanischen den grossen Vorsprung der
-einheitlichen Druckschrift voraus. Hat dieser Umstand auch mitunter eine
-gewisse Monotonie in seinem Gefolge, so wirkt die Einfachheit und die
-Ruhe, die über die Druckwerke verbreitet ist, doch ungemein wohlthuend
-und gewährt in dem praktischen Geschäftsbetrieb und in der Ausbildung
-eines festen Geschmackes grosse Vorteile.
-
-Trotz aller Beweglichkeit des französischen Charakters und dem ewigen
-Wechsel der in Frankreich geschaffenen Moden hat seine Typographie
-einen weit konservativeren Charakter als die deutsche. Der durch die
-Nationaldruckerei und die Didots hervorgerufene Typenduktus ist noch
-immer und mit Recht der herrschende geblieben. Namentlich haben die
-Didotschen Schriften von ihrem ersten Auftreten ab durch die strenge,
-jedoch anmutige Zeichnung, den regelmässigen und scharfen Schnitt, die
-bewundernswürdig berechnete Zurichtung in der Weite ihr Übergewicht
-behauptet.
-
-Zwar hat das Streben nach vorwärts und der berechtigte Wunsch eines
-jeden befähigten Schriftschneiders und Schriftgiessers, den Reichtum
-zu vermehren, eine Anzahl von Varianten zur Folge gehabt; von allen
-diesen, bald mehr, bald weniger glücklichen Neuerungen kann jedoch
-keine ihren Ursprung verleugnen und der ältere Duktus ist geblieben.
-Die erwähnten zwei Druckereien, des Staates und der Didots, sind
-in der That für das Druckgewerbe dermassen bestimmend gewesen, wie
-ähnliches in keinem anderen Lande in der neueren Periode der Druckkunst
-vorkommt, ausgenommen allenfalls in Österreich, wo die Herrschaft der
-Staatsdruckerei zwar eine mächtige, jedoch nicht langdauernde war.
-
-Neben der Einheitlichkeit der Schrift war für die französische
-Typographie auch die Einheitlichkeit des Schriftsystems ein förderndes
-Moment, deren Wichtigkeit kein Fachmann, der unter der Systemlosigkeit
-in Deutschland gelitten hat, unterschätzen wird.
-
-Schliesslich ist die Betreibung von Spezialitäten sowohl in der
-Schriftgiesserei wie in der Typographie ein gewaltiger geschäftlicher
-Vorsprung der Franzosen. Diese Teilung der Arbeit geht in der
-Schriftgiesserei so weit, dass es Geschäfte in Paris giebt, die sich nur
-mit Giessen von Ausschluss und Durchschuss abgeben. Auch verlangt man
-dort nicht, wie in Deutschland, dass jeder Buchdrucker Virtuos in allen
-Branchen sein solle, auch nicht, dass jede Druckerei auf alle Arbeiten
-gleichmässig eingerichtet sei, auch ist keine Rede von dem Erschwernis
-einer deutschen Buchdruckerei, dass sie in zweierlei Schriftarten
-gleichmässig gut assortiert sein müsse.
-
-Das gesagte gilt ebenso für die Buchbinderei. Nicht nur, dass die
-verschiedenen Arten des Einbandes selten in einer und derselben Offizin
-geübt werden; es ist nicht einmal üblich, alle zu einer Art von Einband
-gehörenden Arbeiten in einer Werkstätte zu vollbringen, sondern es giebt
-besondere Schnittvergolder, Handvergolder, Marmorierer etc., denen man
-die Einzelarbeiten zuweist.
-
-Unter solchen Arbeitsverhältnissen ist es selbstverständlich viel
-leichter, in Frankreich in einem einzelnen Zweig Virtuos zu werden und
-praktische Erfolge zu erzielen. Dieses darf nicht übersehen werden, wenn
-man das Mass der Tüchtigkeit und Intelligenz vergleichend beurteilen
-will, welches in Frankreich und Deutschland in den graphischen Künsten
-Verwendung findet.
-
-Trotzdem kann Frankreich weder, was Werk- und Accidenzdruck, noch
-weniger was Zeitungsdruck betrifft, im allgemeinen ein Übergewicht
-über Deutschland eingeräumt werden. Es wird im Gegenteil vieles dort so
-schlecht gedruckt, wie es in Deutschland nicht geschieht, man möchte
-fast sagen, nicht mehr geschehen kann. Eine Überlegenheit zeigt die
-französische Typographie erst dann, wenn es sich um die Verbindung von
-Geschmack, Eleganz und Geschick zur Herstellung von etwas wirklich
-Hervorragendem handelt. Da fehlt es eben an nichts, dann arbeiten sich
-alle Beteiligten der verschiedenen graphischen Gewerbe einmütig in die
-Hände, ohne Jalousie und ohne die Prätensionen des Virtuosentums, das
-sich auf Kosten der Gesamtwirkung hervorzuthun strebt. »Alle Mitwirkende
-fühlen sich dann als Glieder einer Kette, wie sie auch wirklich in
-dem _Cercle de la Librairie_ zu einer solchen vereinigt sind. Gerade
-in dieser Vereinigung »Aller«, durch welche sich »Jeder« als Teil des
-Ganzen fühlt, aber auch »nur als Teil«, über dem das Ganze steht, liegt
-sicherlich ein wesentlicher Grund zu den Erfolgen, welche der Buchhandel
-und die Typographie Frankreichs erzielen, sobald sie geschlossen
-auftreten[82].«
-
- [82] Die obigen Worte sind der von dem Verfasser dieses Handbuches
- als Mitglied der Internationalen Jury für die Gruppe XII der
- Wiener Ausstellung, im Jahre 1873 und Berichterstatter derselben
- abgefassten Motivierung des Antrages der Jury entnommen: dem
- _Cercle de la Librairie_ die goldene Ehrenmedaille zu erteilen.
- Überhaupt kommen in dem Versuch der Charakterisierung der
- modernen Typographie in den verschiedenen Gruppen öfters
- Anführungen vor aus der im Auftrag der Kaiserlich Deutschen
- Ausstellungs-Kommission abgefassten Schrift: »Die graphischen
- Künste auf der Weltausstellung zu Wien. Offizieller Bericht von
- Carl B. Lorck. Braunschweig 1874«. Diese Entlehnung aus eigener
- Arbeit wird wohl niemand als Plagiat betrachten.
-
-Noch ein, und zwar ein sehr wesentlicher Faktor wirkt zugunsten der
-französischen Buchdrucker und Buchhändler mit: »das Publikum«. Ob
-die »Bildung« und »die Leselust« in Deutschland nicht grösser sind,
-als in Frankreich, mag hier unerörtert bleiben, unzweifelhaft ist es
-jedoch, dass die »Kauflust« und die »Kauffähigkeit« in dem letzteren
-Lande überwiegen. Hierdurch wird die Herstellung der schönsten
-Ausgaben zu verhältnismässig sehr billigen Preisen, welche sehr grosse
-Auflagen voraussetzen, möglich. -- Schliesslich kommt auch die grosse
-Konzentration der wissenschaftlichen und technischen Kapazitäten in
-Paris dem dortigen und damit fast dem ganzen französischen Buchgewerbe
-ausserordentlich zustatten.
-
-Wie die französische Typographie mitten zwischen der englischen und der
-deutschen steht und in ihren besten Erzeugnissen in gewisser Beziehung
-die guten Eigenschaften beider vereinigt, so auch die Xylographie.
-Der französische Holzschneider ist im allgemeinen weniger ängstlich
-in der Wahrung der Eigentümlichkeiten des Zeichners als der deutsche,
-andererseits nicht so ungebunden in der technischen Behandlung wie der
-englische und zeigt fast immer Grazie und Anmut in der Behandlung. Er
-ist bestimmter in der Umgrenzung als der englische, zarter in den Formen
-als der deutsche. Aber oft geht doch dem französischen Holzschneider die
-frappierende Wirkung über die innerliche Wahrheit und die ruhige Kraft.
-
-Was den »Druck« der Illustrationswerke betrifft, so kann der deutsche
-sich vollständig mit dem französischen messen, doch lässt es sich nicht
-leugnen, dass die französischen Prachtwerke trotzdem in der Regel einen
-vornehmeren und harmonischeren Gesamteindruck hervorbringen; die Ursache
-liegt in dem schon oben Angedeuteten.
-
-Im Accidenzfache haben die Franzosen seit ihrem weltberühmten
-Derriey keine Fortschritte gemacht. Sie legen überhaupt nicht auf
-die minutiöseste Ausführung der Accidenzen so viel Gewicht wie die
-Deutschen, die eher geneigt sind, des Guten zu viel zu thun.
-
-In der Erfindung von Druckmaschinen umwälzender Art haben die Franzosen
-keine hervorragenden Verdienste. Dagegen verstanden sie es vortrefflich,
-mit der ihnen angeborenen Findigkeit und unter Berücksichtigung ihrer
-besonderen Bedürfnisse, das Dargebrachte in geschicktester Weise zu
-verbessern, für den Betrieb nützlicher, für das Ansehen wohlgefälliger
-und in der Anschaffung billiger herzustellen. Von ausländischen
-Maschinen wurden nur wenige in Frankreich eingeführt und die Fabrikation
-deckte nicht nur den heimischen Bedarf, sondern versorgte auch fast den
-ganzen ausserdeutschen Kontinent, bis es Deutschland gelang, mit in die
-Konkurrenz zu treten.
-
-Der Vorwurf, der öfters den französischen Maschinenbauern gemacht
-wird, dass sie die Eleganz auf Kosten der Solidität fördern, dürfte
-in der Allgemeinheit nicht richtig sein. Man geht in Frankreich von
-dem Grundsatz aus, dass die gewerblich-technischen Fortschritte
-in zehn Jahren bereits so enorm sein werden, dass man klüger thut,
-billige Maschinen zu bauen, um ohne zu grosse Kosten schneller neue
-Anschaffungen machen zu können, als mit für die Ewigkeit gebauten
-Maschinen festzusitzen. Die Billigkeit wird übrigens auch dadurch
-gefördert, dass man fast ausschliesslich dem Prinzip der Tischfärbung
-und der Eisenbahnbewegung statt der kostspieligen Cylinderfärbung und
-Kreisbewegung huldigt[83].
-
- [83] Nachdem dieser Abschnitt bereits gesetzt war, geht uns ein
- Artikel des bekannten Fachjournals _L'Imprimerie_ zu, in welchem
- einer der tüchtigsten Typographen Frankreichs, Motteroz, nicht
- allein das obengesagte zugiebt, sondern noch viel weiter geht und
- eine Überlegenheit Deutschlands nicht nur in der Typographie und
- der Schriftgiesserei, sondern auch in der Xylographie und der
- Papierfabrikation anerkennt und für die Franzosen nur den Vorzug
- in der Maschinenfabrikation beansprucht. Im Gegensatz zu einer
- öfters vorkommenden Überhebung seiner Landsleute scheint Motteroz
- fast in eine Kleinmütigkeit zu verfallen, die doch wohl zu weit
- geht, wenn er schliesst: »Noch wäre es vielleicht Zeit, sich
- aufzuraffen, besitzen wir aber hierzu die nötige geistige Kraft?«
-
-Bezeichnend ist in Frankreich der grosse Einfluss, welchen die Regierung
-in doppelter Richtung, teils in fördernder, teils in hemmender Weise,
-übte. Was sie mit der einen Hand gab, nahm sie mit der andern. Alle
-Regierungen dort unterstützten die Fortschritte der »Typographie« in
-ihrer Unmündigkeitsperiode, suchten jedoch die vormundschaftliche
-Autorität über diese hinaus auszudehnen, und hemmten von Beginn ab die
-ruhige und freie Entwicklung der »Presse«. Hierin bildete Frankreich
-einen vollständigen Kontrast zu England, wo Typographie und Presse, sich
-selbst überlassen, eine mächtige Entwicklung nahmen, und teilweise zu
-Deutschland, wo man die fördernde Teilnahme von oben nie, um so öfter
-jedoch die hemmende, kennen lernte.
-
-Die Dependenzen der französischen Typographie stehen dieser nicht gleich.
-
-BELGIEN liefert zwar manches gute, jedoch nicht viel hervorragendes. Es
-giebt sich in seiner Typographie eine gewisse Schwerfälligkeit kund.
-Die Schrift ist zwar französisch, aber die leichte Eleganz der besseren
-französischen Presserzeugnisse wird selten erreicht. Das Material ist
-das gleiche, aber die in der Ausführung damit hervorgebrachte Wirkung
-eine andere.
-
-In ITALIEN, SPANIEN und PORTUGAL stehen die Leistungen im ganzen
-genommen auf einer und derselben Stufe, der des Mittelguten,
-mitunter auch des Mittelmässigen. In Bezug auf die Erzeugnisse der
-Schriftgiesserei und des Pressenbaues befinden sich die genannten Länder
-fast vollständig im Abhängigkeitsverhältnis zu Frankreich. Erst in
-neuester Zeit hat Deutschland hie und da mit zu konkurrieren begonnen.
-Politische Verhältnisse, fortwährende Unruhen und Fremdherrschaft in
-stetem Wechsel haben eine freie Entwicklung auf lange Zeit gehemmt. Es
-werden aber jetzt ernste Anstrengungen gemacht, um lange Versäumtes
-nachzuholen.
-
-Der ORIENT steht zu Frankreich fast in demselben Verhältnis, wie
-Ostasien zu England und wie die slawischen und Donauländer zu
-Deutschland-Österreich. NORDAFRIKA unterliegt selbstverständlich ganz
-Frankreichs Einfluss. Die TÜRKEI und ÄGYPTEN liefern einiges gute, doch
-darf dies weniger als nationale Leistung betrachtet werden, denn die
-Hersteller sind meistenteils Franzosen, die mit französischem Material
-arbeiten.
-
-[Illustration]
-
-
-[Illustration]
-
- V. KAPITEL.
-
- DIE SCHRIFTGIESSEREI UND DIE MASCHINEN
-
- IN FRANKREICH.
-
- DIE SCHRIFTGIESSEREI: Das Schriftsystem Didots, seine Anglaise,
- Molé. Orientalia. Notendruck, E. Duverger, Charles Derriey und das
- typographische Ornament. HOLZSCHNITT und Hochätzung. DIE STEREOTYPIE:
- Daulé, Gaveaux, Jannin. DIE MASCHINEN: Marinoni, Alauzet, Dutartre u.
- a. Die Utensilien. Farbe. Papierfabrikation. Die Buchbindekunst.
-
-FOURNIER LE JEUNE hatte mit seinen Bemühungen für die Einführung einer
-gleichmässigen Einteilung der Schriftgrössen (I, S. 214) kein rechtes
-Glück gehabt. Erst AMBROISE FRANÇOIS DIDOT war es beschieden, ein von
-Fourniers Grundsätzen etwas abweichendes System zur rechten Geltung zu
-bringen, und hiermit nicht der Typographie seines Vaterlandes allein
-einen unermesslichen Dienst zu erweisen, dessen Wert allerdings dem
-Nichtfachmann weniger als die äussere Schönheit seiner Typen und seiner
-Drucke oder der innere Gehalt seiner Verlagswerke in die Augen springt.
-
-In seiner Einteilung ging Didot von dem damals in Frankreich geltenden
-Massstab, dem _Pied du Roi_, aus. Eine Linie desselben teilte er in
-sechs typographische Punkte und bestimmte nach solchen die regelmässige
-Abstufung der Schriftgrade. Hieraus erwuchs indes eine Differenz mit dem
-Fournierschen System, indem 11 Didotsche Punkte gleich 12 Fournierschen
-sind.
-
-Sicherlich stände das Didotsche System widerspruchslos da, hätte
-nicht das erst später in Frankreich und anderen Ländern gesetzlich
-eingeführte, wissenschaftlich allein stichhaltige Metermass mit
-Dezimaleinteilung wieder einen Riss hineingebracht, indem das Didotsche
-System sich nicht vollständig rationell auf das neue Mass übertragen
-lässt. Die Frage des einheitlichen Welt-Schriftkegels kann demnach erst
-in der Zukunft ihre volle Lösung finden[84].
-
- [84] H. SMALIAN, Praktisches Handbuch für Buchdrucker im Verkehr mit
- Schriftgiessereien. 2. Aufl. Leipzig 1877.
-
-[Sidenote: Didotsche Schreibschriften.]
-
-Eine Didotsche Erfindung ist ebenfalls die berühmte Schreibschrift
-_Anglaise_. Die bisherigen Schreibschriften waren eigentlich nur
-Cursivschriften; jeder Buchstabe stand für sich, ohne Verbindung mit
-seinen Nachbarbuchstaben. Didot führte die der Schriftlage folgende
-schräge Typenbildung ein, welche die Verbindung der Schriftzüge unter
-einander erleichterte. Um die vollständige Freiheit der mit der Hand
-hergestellten Schrift zu erreichen, waren jedoch grosse technische
-Schwierigkeiten zu überwinden. Jenachdem ein Buchstabe zu Anfang, zu
-Ende oder in der Mitte eines Wortes stand, oder die Nachbarbuchstaben
-herauf- oder heruntergehende waren u. dergl., war eine Variation der
-Verbindungsstriche und somit eine grosse Vermehrung der Typen notwendig.
-Manche derselben enthielten nicht einmal einen vollständigen Buchstaben,
-sondern dieser musste aus mehreren Teilen zusammengesetzt werden.
-Hierin und in der Wahl der richtigen Ansätze liegen die Schwierigkeiten
-und nicht jeder Setzer wird diese zu überwinden verstehen. Ausserdem
-erfordert der Druck infolge der Zartheit der Haarstriche eine ganz
-besondere Aufmerksamkeit, denn die schöne und teure Schrift kann
-durch Ungeschicktheit des Druckers schon bei dem erstmaligen Gebrauch
-verdorben werden. Damit die schrägen Typenstücke fester an einander
-schliessen, sind sie an der einen Seite mit einer halbrunden Vertiefung,
-auf der andern mit einer ebensolchen Erhöhung versehen, die in einander
-greifen. Dreiseitige Schlussstücke stellen die für die Festigkeit der
-sonst schrägstehenden Zeile notwendige rechtseitige Gestalt her.
-
-[Sidenote: Joseph Molé.]
-
-Einer der bedeutendsten Schriftgiesser Frankreichs war JOSEPH MOLÉ.
-Bereits als Kind befasste er sich mit Gravieren und als Achtzehnjähriger
-hatte er schon manchen Stempel geliefert. Während seines geschäftlichen
-Wirkens schnitt er eigenhändig über 200 komplette Schriften. Ihm
-verdankt man auch die Einführung der so praktischen Hohlstege.
-
-[Sidenote: Orientalische und chinesische Schrift.]
-
-Auf fremdländische resp. orientalische Schriften wurde im ganzen
-genommen von den Schriftgiessereien und Buchdruckereien nicht grosses
-Gewicht gelegt. Eine Ausnahme machte jedoch die, während eines
-Jahrhunderts siebzehnmal den Namen wechselnde, jedoch ihrem Charakter
-treu bleibende Staatsdruckerei. Mit besonderer Vorliebe und grosser
-Ausdauer wurden dort nicht weniger als sechs Versuche gemacht, den
-Chimborasso der Typographie, die Herstellung chinesischer Schrift, zu
-überschreiten.
-
-Die erste, für Fourmonts Grammatik benutzte Schrift hatte ein
-vollständig barbarisches Aussehen. Auch die 14000 Typen für Desguignes
-Lexikon waren noch viel zu gross und hässlich. Spätere 12000 Typen von
-Deshauterais wurden nie benutzt. Rémusat liess 2000 Zeichen schneiden,
-deren er sich für seine Grammatik bediente. Die von M. H. Klaproth
-veranlassten Typen machten grosse Ansprüche, elegant zu sein, es wurden
-mit denselben jedoch nur wenige Seiten gesetzt. 1836 machte der Direktor
-der Staatsdruckerei, Marcellin le Grand, unter Leitung des Orientalisten
-Pauthier einen neuen Versuch. Als Grundlage diente das Wörterbuch von
-Kanghi, welches 43496 Charaktere enthält, die auf gegen 30000 reduziert
-und in zwei Klassen geteilt wurden, die der nicht zerlegbaren (3581) und
-die der zerlegbaren (26295) Zeichen, welche sich mittels 4267 Stempel
-herstellen liessen[85].
-
- [85] Über die französische Schriftgiesserei vergleiche noch die
- Abschnitte »Didot« und »Staatsdruckerei«.
-
-[Sidenote: Der Notendruck.]
-
-[Sidenote: Fournier und Gando.]
-
-In dem Lande der Franzosen, die nicht in dem Grade ein singendes und
-spielendes Volk sind, wie die Deutschen, war auch die typographische
-Herstellung von Noten nicht von der Wichtigkeit, wie in Deutschland;
-doch hatten, abgesehen von den älteren Versuchen, FOURNIER LE JEUNE und
-GANDO Noten geliefert, die freilich keinen Anspruch auf Originalität
-machen konnten (s. Kap. XII). Die Genannten bekämpften sich gegenseitig;
-Gando warf Fournier vor, er habe Breitkopfs Noten kopiert; Fournier
-behauptete, Gando hätte überhaupt keinen Stempel schneiden können, also
-auch keine Noten.
-
-[Sidenote: Duvergers und Derrieys Systeme.]
-
-Der Wunsch, den Übelstand der Breitkopfschen Noten: dass die
-Linienstücke an jeder Note hängen, also trotz des vorzüglichsten Gusses
-die Sichtbarkeit der Zusammenfügungen kaum zu vermeiden ist, musste zu
-Versuchen führen, Linien und Noten unabhängig von einander herzustellen.
-Doppelter Druck, der der Linien für sich und der der Noten für sich,
-ist jetzt noch, war aber namentlich mit den damaligen Druckapparaten
-ein schwieriges Unternehmen und der Satz der Noten allein ohne System
-auch ein sehr beschwerlicher. EUGEN DUVERGER suchte diese Übelstände zu
-überwinden. Mussten die Noten auch bei seiner Methode für sich gesetzt
-werden, so war der Satz doch durch ganz zarte Andeutungen der Linien
-erleichtert, welche an die Type angegossen waren und als Richtschnur bei
-dem Setzen dienten. Über den Notensatz wurde eine Gipsmater geformt und
-in diese das Liniensystem mittels einer Maschine durch kleine Rollmesser
-hineingeschnitten. Da die Systemlinien kräftiger waren als die an den
-Typen befindlichen schwachen Linienandeutungen, so wurden letztere durch
-erstere vollständig gedeckt. Um die Zahl der notwendigen 417 Stempel in
-der Praxis zu vermindern, wurden erst die komplizierteren geschnitten
-und von diesen die Matern angefertigt, dann durch Wegschneiden einzelner
-Teile die einfacheren Stempel gebildet. Aus diesem Verfahren erwuchs
-jedoch der Nachteil, dass man sofort von den komplizierteren Stempeln so
-viele Matern abschlagen musste, als man überhaupt für alle Zukunft haben
-wollte. Die Schleifungen wurden durch schwache Kupferblättchen erzielt,
-deren Anfang in den Typensatz eingelassen wurde, während der übrige Teil
-sich nach Belieben biegen und abschneiden liess[86]. Duverger stellte
-auch Karten her durch ein System kleiner Kupferlinien, welche in eine
-Bleiplatte eingefügt wurden, ebenso wurde es mit den Schriften gehalten.
-
- [86] E. DUVERGER, _Album typographique_. Paris 1840. Ein Prachtwerk,
- welches Duverger anlässlich der Jubelfeier erscheinen liess.
-
-DERRIEYS Notensatz bestand in einem System aus fünf ganzen
-Messinglinien, an deren oberen und unteren Seiten die aus zwei
-Teilen bestehenden Notenköpfe angesetzt wurden. Die Köpfe waren so
-unterschnitten, dass der Anschluss an die Linie ein vollkommener war.
-So sinnreich auch sowohl seine als Duvergers Methode waren, so springt
-es doch dem Fachmann leicht in die Augen, dass für die Praxis mancher
-Mangel mit beiden, mit der Derrieyschen noch der besondere Übelstand
-der Verwendung von Messinglinien zusammen mit Noten von Schriftzeug,
-verbunden war.
-
-[Sidenote: Pyrostereotypie.]
-
-Die Anwendung der PYROSTEREOTYPIE (Planotypie, vgl. Kap. IX) wurde in
-Frankreich von WALS eingeführt und von CARBONNIER verbessert; zuerst war
-sie 1840 in Irland benutzt worden.
-
-[Sidenote: Ornamente und Einfassungen.]
-
-[Sidenote: Charles Derriey * 17. Aug. 1808, [+] 11. Febr. 1877.]
-
-Was die Erzeugnisse der Schriftgiesserei für dekorative Zwecke
-anbelangt, hat Frankreich einen bis jetzt nicht übertroffenen Meister
-in dem erwähnten CHARLES DERRIEY aufzuweisen. Sein Schicksal entschied
-sich nicht schnell. In einem Alter von 18 Jahren verliess er die Offizin
-Gauthier in Besançon, wo er sich etwas mit allem, was zur graphischen
-Kunst gehört, beschäftigt hatte. Er trat nun in das Haus Didot ein, wo
-er nacheinander als Setzer, Drucker, Stereotypeur, Schriftgiesser und
-Zeichner arbeitete und schliesslich in seinem 27. Jahre die Gravierkunst
-lernte. Da er mit angeborenem Kunstsinn und ernster Willenskraft viele
-praktische Kenntnisse verband, trug er kein Bedenken, sich selbständig
-zu machen. Wollte man ihm von Stufe zu Stufe in seinem Schaffen folgen,
-so müsste man sein berühmtes Probebuch[87], einen Folianten von gegen
-200 grösstenteils in Farben und Gold ausgeführten Seiten, Blatt für
-Blatt beschreiben. Vignetten, verzierte Schriften, Züge, Eckstücke,
-Linien, Einfassungen u. dgl. finden sich darin in grosser Vollkommenheit
-und reicher Abwechselung. Seine Phantasie-Einfassungen übertreffen durch
-Neuheit, Eleganz, Genialität, Akkuratesse der Arbeit und ihre endlosen
-Kombinationen alles Dagewesene. Derriey mutet der Schriftgiesserei und
-der Typographie nicht wenig zu, kennt jedoch genau die Grenze, bis wohin
-er sie führen darf. Er zeichnete und schnitt nicht allein, sondern
-setzte und kombinierte in der geschicktesten Weise. Jedes Stück steht
-an seinem rechten Platz; Licht und Schatten versteht er meisterhaft in
-effektvollster Weise wechseln zu lassen.
-
- [87] J. C. DERRIEY, _Spécimen Album_. Fol. Paris 1862.
-
-Auch als Mechaniker hatte Derriey grosse Bedeutung. Seine Giess-
-und Linieninstrumente sind Erfindungen von hohem Werte. Ein kleines
-Wunderwerk bleibt namentlich seine Numeriermaschine für Banknoten.
-
-Derrieys Erzeugnisse fanden nicht weniger Anerkennung im Auslande
-als in seinem Vaterlande. Leider muss hinzugefügt werden, dass er
-durch galvanische Nachbildungen in arger Weise um die Vorteile seines
-geistigen Eigentums gebracht wurde. Seine Giesserei mit allem Zubehör
-ging nach seinem Tode auf A. TURLOT (Gebr. Virey) über.
-
-In Derrieys Atelier arbeiteten auch zwei der berühmtesten Kunstsetzer
-in Paris SIXTE ALBERT und L. MOULINET. Beide lieferten im Figuren-
-und Porträtsatz mittels Linienstücke Unglaubliches; Albert eine viel
-angestaunte Laokoon-Gruppe, Moulinet ([+] 1874) einen Béranger in ganzer
-Figur und eine Amor und Psyche-Gruppe.
-
-[Sidenote: Dechamps und Petibon.]
-
-[Sidenote: Laurent & Deberny.]
-
-[Sidenote: _Fonderie générale_ u. a.]
-
-Von anderen Künstlern in der Richtung der ornamentierenden
-Schriftgiesserei sind zu nennen DECHAMPS und der sehr fruchtbare
-PETIBON, der die Kaleidoskop-Einfassungen einführte, die zwar sehr
-hübsch waren, jedoch zumeist für den Buchdrucker ein totes Kapital
-blieben, weil die Setzer das Material nicht zu behandeln verstanden.
-LAURENT & DEBERNY lieferten schöne Züge, Initialen und Plakatschriften.
-Ihre Polytypen beliefen sich auf mehr als 6000, mit denen sie alle
-Länder der Romanischen Gruppe reich versorgten. Eine bedeutende Anstalt
-entstand unter der Firma _Fonderie générale_ LABOULAYE & CO., später
-RÉNÉ & CO., aus der Vereinigung der Firmen DIDOT, MOLÉ, CROSMER, EVÉRAT,
-TARBÉ & CO., welche letztere sich durch ihre systematischen Hohlstege
-und Stereotyp-Unterlagen bekannt gemacht haben. Auch LOMBARDOT,
-BATENBERG & MAJEUR lieferten viele Einfassungen, sowie Phantasie- und
-Titelschriften. RENAULT & ROBCIS zeichneten sich in der Spezialität der
-Messinglinien, der Hohlstege und des Durchschusses aus. In neuester Zeit
-machte sich HENRY J. TUCKER, Filiale der Londoner Giesserei Caslon,
-sowohl durch die Leistungen des von ihm vertretenen Instituts, als durch
-die vorzüglich geleitete Fachzeitschrift _Typologie Tucker_ einen Namen.
-
-[Sidenote: Metallverbesserung.]
-
-Um das Jahr 1840 führte COLSON eine Zeugmischung von Eisen und
-Schriftmetall ein, welche die Haltbarkeit des gewöhnlichen Zeuges
-verdreifachte. Die Versuche PETYTS, Typen aus Kupferstangen durch
-Pressung in eine Stahlmater zu erzielen, erreichten ebensowenig
-ein praktisches Resultat, wie CARDONS Erfindung, ein kupfernes
-Buchstabenbild auf einen Typenstiel von Schriftmetall anzubringen. Die
-Herstellung der Typen aus Glas blieb ebenfalls ohne wirkliche Erfolge.
-
-[Sidenote: Die Stereotypie.]
-
-Verdankte man auch die erste praktische Methode der Schriftstereotypie
-und der Anfertigung von Clichés England, so hatten die Franzosen sich
-doch schon lange mit der STEREOTYPIE beschäftigt[88] und durch ihre
-späteren Verfahren das Stanhopesche überflügelt; ja es scheint fast,
-als wären sie auf dem Wege, selbst die Verwendung der Jacobischen
-Galvanoplastik für die Typographie durch die Celluloïd-Clichés zu
-verdrängen.
-
- [88] A. G. CAMUS, _Mémoire sur l'hist. etc. du polytypage et de la
- stéréotypie_. Paris 1802. -- DE PORVY, _Précis sur la
- stéréotypie_. Paris 1822. -- H. MEYER, Handbuch der Stereotypie.
- Braunschweig 1838.
-
-[Sidenote: Gabr. Valleyre.]
-
-Bereits vor Beginn des XVIII. Jahrhunderts lieferte ein Pariser
-Gelehrter und Buchdrucker GABR. VALLEYRE einen Kalender in
-Messingplatten, die in Matern aus Thon oder diesem ähnlicher Masse
-gegossen waren. Da aber diese Matrizen nicht vollständig gleichmässig
-vertieft und die Platten ausserdem auf der Rückseite nicht ganz glatt
-waren, so fiel der Druck nicht gleichmässig aus.
-
-[Sidenote: Ign. Hoffmann.]
-
-Der Akademiker Darcet hatte 1773 seine Erfahrungen über das Legieren
-leicht schmelzbarer Metalle veröffentlicht. Ein Elsässer FRANZ IGNAZ
-JOSEPH HOFFMANN wurde wahrscheinlich hierdurch veranlasst, Matern aus
-fetter, mit Gips vermischter Erde, welcher Syrup und Kleister zugesetzt
-wurden, zu bilden und diese in erhitztem Zustande in eine Legierung von
-Wismuth, Blei und Zinn in dem Augenblick der Erstarrung der Metalle
-einzudrücken. Die so erhaltene Platte wurde auf Nussbaumholz mit feinen
-Nägeln festgemacht.
-
-Mit solchen Platten druckte Hoffmann 1787 ein dreibändiges Werk
-_Recherches historiques sur les Maures par de Chemin père_. Hoffmann
-musste seine Druckerei in andere Hände geben und ersann nun ein
-anderes Verfahren. Er liess 360 Stempel, teils einzelne Buchstaben,
-teils Logotypen, anfertigen. Durch mechanische Vorrichtungen wurden
-diese Stempel senkrecht in die oben beschriebene Metallmasse gesenkt.
-Die gewonnene Matrize ward in einer Presse, wie ein Petschaft in der
-Stempelpresse, angebracht und durch einen Balancier in die dem Erstarren
-nahe Schriftmasse mit einem kräftigen Schlage eingetrieben. Von einer
-praktischen Verwendung dieses aus vielen Gründen unzweckmässigen
-Verfahrens verlautet nichts. Ebensowenig wie von Hoffmanns Logotypen,
-für welche er 1792 ein Patent für 15 Jahre erhielt.
-
-[Sidenote: J. Carez.]
-
-Hoffmanns erste Proben hatten viele Nachahmungen hervorgerufen, unter
-denen die von JOSEPH CAREZ, Buchdrucker in Toul, besondere Beachtung
-verdienen. Seine Matrizen litten aber sehr durch die Hitze und das
-Zusammenbacken mit der Schrift. Bei einem befreundeten Münzsammler
-hatte er jedoch gesehen, wie dieser durch einen kurzen trockenen Schlag
-Abdrücke in Zinn von seinen Münzen nahm. Carez bediente sich nunmehr
-eines Fallklotzes, um eine Schriftseite in die halbflüssige Masse
-einzuprägen und so eine brauchbare Mater zu erhalten. 1786 lieferte er
-ein Kirchengesangbuch in zwei Grossoktav-Bänden, jeder von 1000 Seiten,
-in dieser Weise hergestellt und später viele Werke, darunter eine
-Nonpareille-Bibel.
-
-[Sidenote: Gengembre und Heran.]
-
-Als der Assignatendruck eine rasche Vervielfältigung der kleinen
-Platten notwendig machte, um viele solche auf einmal drucken zu können,
-verbesserten GENGEMBRE und HERAN das Verfahren mit dem Fallklotz,
-welcher in Fugen vertikal und parallel stehender Säulen, wie in einem
-Rammbocke, eingelassen wurde. Die Tischplatte, auf welcher der Behälter
-mit der Schriftmasse stand, übte durch starke Federn einen elastischen
-Gegendruck aus und man erhielt in dieser Weise Platten in scharfer
-Prägung, deren Rückseiten durch Hobeln egalisiert wurden.
-
-[Sidenote: Peter Didot und Heran.]
-
-Die von Didot 1795 herausgegebenen Logarithmen werden gewöhnlich als
-Stereotypen bezeichnet, sie sind jedoch nur von zusammengeschmolzenen
-Schriftkolumnen gedruckt. 1798 vereinigte sich jedoch PETER FIRMIN
-DIDOT, der auch ein Patent besass, mit HERAN[89] zu dem Zweck,
-Stereotyp-Ausgaben zu veranstalten, um nicht nur die gedruckten
-Exemplare, sondern auch die Platten zu verkaufen. Das erste nach ihrem
-Verfahren hergestellte Buch war ein Virgil in 18^{mo} von etwa 400
-Seiten. Ein Exemplar kostete nur 15 Sous, eine Platte drei Franken.
-
- [89] So schreibt ihn Didot, nicht, wie üblich, Heran.
-
-Heran wollte noch reformieren und liess von Stahlstempeln Matrizen
-in typenförmige Kupferstückchen treiben, die in einem Winkelhaken
-aufgesetzt wurden. Jedoch musste der Setzer mit dem letzten Worte einer
-Zeile und dem letzten Buchstaben eines Wortes anfangen oder, was etwas
-leichter war, wie gewöhnlich von links nach rechts setzen und dann den
-Satz der Zeile Buchstabe für Buchstabe umstellen. Spatien und Quadraten
-mussten höher sein als die Typen, nicht wie sonst niedriger, weil die
-Zwischenräume in der Platte tiefer liegen mussten. Schön in der Theorie
-aussehend, war das Verfahren in der Praxis unzweckmässig und teuer,
-Korrektur-Abzüge konnten vor dem Guss nicht gemacht werden, so dass alle
-Änderungen erst in den Platten vorgenommen werden mussten.
-
-[Sidenote: Daulé.]
-
-Das bis dahin einzig praktische Stereotyp-Verfahren, das Stanhopesche,
-fand natürlich auch in Frankreich Eingang. Eine namentlich für das
-Giessen von Clichés weit bequemere Methode erfand der Franzose DAULÉ,
-der nicht die Matrize in die flüssige Schriftmasse versenkte, sondern
-sie zwischen zwei eiserne Platten mit erhöhten Rändern einlegte, die
-einen flachen Giesskasten bildeten, in welchen der Zeug mittels des
-Giesslöffels eingegossen wurde.
-
-[Sidenote: Genous Papierstereotypie.]
-
-Eine sehr grosse Bedeutung gewann die PAPIERSTEREOTYPIE des Setzers
-GENOU. Anfänglich mit Misstrauen empfangen, hat sie sich später
-besonders für Schriftstereotypie vortrefflich bewährt und ist für die
-Einführung der Rotationsmaschinen ein unbedingtes Erfordernis geworden.
-
-Die Mater wird aus einer Anzahl von Blättern, teils Seiden-, teils
-stärkeren Papiers, gebildet, die einzeln, mit einer breiartigen
-Klebemasse angestrichen, aufeinandergelegt werden, bis sie die
-Stärke eines festen Kartons erreicht haben. Durch Klopfen mit einer
-langstieligen Bürste wird die Schriftkolumne in die weiche Papiermasse
-eingeprägt und die Mater dann unter mässigem Druck und bei gelinder
-Wärme in der Trockenpresse getrocknet. Der Guss geschieht in einem
-Apparat wie der Daulésche.
-
-Der Vorteil bei diesem Verfahren liegt nicht allein in der Billigkeit
-und der Leichtigkeit der Herstellung, sondern gründet sich auch darauf,
-dass eine und dieselbe Mater für den Guss mehrerer Platten benutzt
-werden kann und dass man die Matern nach dem Guss, oder ohne überhaupt
-einen solchen vorzunehmen, für den späteren Gebrauch mit Leichtigkeit
-aufheben kann. Auch ist ein hoher Ausschluss nicht notwendig. Der
-ganze Apparat ist ein so einfacher, dass selbst eine kleine Druckerei
-mit Vorteil einen solchen anschaffen kann. In neuester Zeit ist noch
-ein Verfahren eingeführt, um die Matern rasch und ohne Ofenwärme zu
-trocknen, was für die Schonung der Schrift, mehr noch für die der
-Holzschnitte, von Bedeutung ist.
-
-[Sidenote: Jannins Celluloïd-Cliché.]
-
-Von einschneidender Wichtigkeit scheint die Erfindung der
-CELLULOÏD-CLICHÉS zu werden; doch ist die Methode noch zu neu, um ein
-bestimmtes Urteil, namentlich über die Tragweite des Nachteils der
-leichten Entzündbarkeit, dieser Clichés zu fällen.
-
-Der Bildhauer JANNIN in Paris war auf den Gedanken gekommen, das
-Celluloïd, eine durch chemische Behandlung von Faserstoff hergestellte
-Masse von ausserordentlicher Härte, ausserdem, nach erfolgter Erwärmung,
-von grosser Biegsamkeit, ausser zu verschiedenen plastischen Arbeiten zu
-Clichés für typographische Zwecke zu benutzen.
-
-Um dieses zu können, war es jedoch notwendig, eine entsprechende
-Masse für die Mater zu schaffen, die den bei der Herstellung des
-Celluloïd-Clichés notwendigen Druck unter Erhitzung vertragen konnte.
-Eine solche Masse wurde in einem aus Bleiglätte und Glycerin bestehenden
-Knetstoff gefunden. Derselbe wird in halbflüssigem Zustande über den zu
-clichierenden Gegenstand sorgsam gestrichen, in derselben Weise, wie
-der Gips bei der gewöhnlichen Stereotypie, und die Lage bis zu einer
-Dicke von 3-5 mm verstärkt. Ist die Mater unter einem mässigen Druck
-erhärtet, was bei Holzschnitten in 15-20 Minuten, bei Metall-Originalen,
-wo Erwärmung anwendbar ist, in drei bis vier Minuten der Fall ist,
-kann sie sofort zur Herstellung eines Clichés verwendet werden, zu
-welchem Behuf sie in eine hydraulische Presse gelegt und mit einer durch
-Erwärmung schmiegsam gemachten Celluloïd-Platte bedeckt wird. Unter
-Erhitzung der Presse, der Mater und der Platte bis auf 120°C. wird ein
-Druck von 120-130 Atmosphären ausgeübt, darauf das ganze durch einen
-Strom von kaltem Wasser abgekühlt. Nach vollständiger Erkaltung der
-Platte löst sich selbe, ohne vorhergegangene Einreibung des Originals
-mit Graphit oder Öl, mit Leichtigkeit ab und kann sofort zum Druck
-aufgenagelt werden. Fehler können, wie bei Stereotyp-Platten, durch
-Einsetzung eines Pflocks von Celluloïd und Nacharbeiten desselben mit
-dem Stichel ausgebessert werden. Da die Platte durch keine Säuren oder
-Farbenzusammensetzungen angegriffen wird, so ist sie ganz besonders zum
-Druck von bunten Farben geeignet.
-
-[Sidenote: V. Haye und der Blindendruck.]
-
-Um den DRUCK FÜR BLINDE machte sich VALENTIN HAYE zuerst verdient. Zu
-seinen Versuchen wurde er durch den Verkehr mit einer blinden deutschen
-Dame, Fräulein von Paradies, veranlasst. Er liess hoch geschnittene
-scharfe Typen anfertigen, die in die Rückseite eines starken Papiers
-eingeprägt wurden, so dass für die Finger bemerkbare Erhabenheiten auf
-der Vorderseite entstanden. Mit verschiedenen Modifikationen fand das
-Verfahren fast in allen anderen Ländern Eingang[90].
-
- [90] Vergl. Kap. I und XV.
-
-Den Versuchen, den Holzschnitt durch andere Illustrationsverfahren
-zu verdrängen, wurde namentlich in Frankreich Vorschub geleistet. A.
-DEMBOUR in Metz (1814) stellte durch Ätzung Platten in Kupfer für die
-Buchdruckerpresse her. Die Zeichnung wurde mittels Pinsels oder Feder
-auf Metall gemacht und die nicht bezeichneten Stellen weggeätzt. Dem
-ähnlich ist die Acrographie.
-
-[Sidenote: Zinkhochätzung.]
-
-Grosse Bedeutung hat die ZINKHOCHÄTZUNG. Dieses Verfahren ist in
-Frankreich ein sehr beliebtes geworden, weil ganz besonders für die
-leichten Skizzen geeignet, mit welcher die vielen Witz-, leider auch
-vielen Schmutzblätter illustriert werden, zu welchen früher die
-lithographischen Kreide- und Federzeichnungen verwendet wurden. Doch
-auch in der ernsten Zeitungspresse fand die Methode Eingang, und es
-werden oft Blätter geliefert, die nichts zu wünschen übrig lassen. Eine
-grosse Virtuosität entwickelte namentlich FIRMIN GILLOT, der 1850 Patent
-auf sein Verfahren nahm, welches er PANICONOGRAPHIE, die Franzosen
-jedoch, welche Gillot als Erfinder der Hochätzung betrachteten,
-_Gillotage_ nannten. Eine mehr der Chemitypie sich nähernde Methode ist
-die von DULOS. Er macht die Zeichnung mit lithographischer Kreide auf
-eine Kupferplatte und lässt diese mit einem schwachen Silberniederschlag
-überziehen, der nur auf den nicht bezeichneten Stellen haftet. Hierauf
-wird ein mit Quecksilber vermischtes, leichtflüssiges Metall heiss auf
-die Platte gegossen. Das Metall verbindet sich fest mit den versilberten
-Teilen der Platte, während die Zeichnung nun so vertieft liegt, dass man
-sie als Mater für ein galvanisches Hochdruck-Cliché benutzen kann. Ein
-drittes, sehr rasches Verfahren ist das von COMTE, welches besonders für
-die Abbildungen in _l'Art pour tous_ verwendet wird. LEHMANN & LOURDEL
-und YVES & BARROT u. a. haben es darin weit gebracht.
-
-[Sidenote: Neue Holzschnittmethode.]
-
-Ein ganz eigentümliches Verfahren, um, wie der Erfinder glaubte,
-Holzschnitte billiger und besser herzustellen als bisher, wendeten Mame
-& Co. in Tours an.
-
-Bekanntlich sind die Kreuzschraffierungen dem Holzschneider stets ein
-Dorn im Auge gewesen, denn das Umschneiden einer Linie an allen vier
-Seiten ist eine zeitraubende und Tüchtigkeit erfordernde, folglich
-teure Arbeit. Der Erfinder der neuen Methode, GUSMAN, lässt nun zwei
-Holzblöcke bezeichnen, auf dem einen alle von rechts nach links gehenden
-Linien, auf den andern die diese von links nach rechts kreuzenden.
-Werden diese Platten nach einander auf einem Bogen gedruckt, so zeigt
-der Abdruck die kompliziertesten Kreuzschraffierungen, die sich an
-Kühnheit mit denen des Kupferstiches messen können. So sagt die
-Theorie, die Praxis hat aber viel hineinzureden. Abgesehen davon, dass
-zwei Holzstöcke, zwei Zeichnungen, zwei Schnitte und doppelter Druck
-notwendig sind, die Ersparnisse also mehr als problematisch werden, so
-ist die Wirkung im voraus seitens des Zeichners kaum zu berechnen. Die
-beiden sich kreuzenden Linien vereinigen sich nämlich nicht wie in der
-Radierung, sondern die eine Lage liegt sichtbar »über« der andern und
-bringt dadurch oft eine falsche Wirkung hervor[91]. So interessant diese
-Versuche sind, so verlautet doch von den praktischen Erfolgen nichts.
-
- [91] Auf einem grossen Blatt: »Die Grablegung Christi« nach Tizian
- sieht z. B. das nackte Bein eines der Knieenden ganz so aus, als
- wäre es mit einem Strumpf bekleidet.
-
-Das beginnende Fehlen des Buxbaumholzes hat zu vielen Versuchen
-geleitet, dieses zu ersetzen. 1876 nahm BERTIN BADOUREAU ein Patent auf
-komprimierte Birnbaumplatten. Durch Kochen, Pressen, Gelatinieren wird
-das Holz unempfindlich für die Einwirkung von Temperatur und Witterung
-und fast auf die Hälfte des ursprünglichen Umfanges reduziert.
-
-[Sidenote: H. Marinoni * 1823.]
-
-Was der Name König & Bauer für Deutschland, ist derjenige HIPPOLYTE
-MARINONIS für Frankreich. Dieser ward in Paris geboren, arbeitete bei
-Gaveaux und baute später im Verein mit diesem seine ersten Maschinen.
-Die Pressen, mit welchen Marinoni seinen grössten Ruhm erwarb und mit
-denen er der Journalistik in Frankreich einen sehr bedeutenden Vorschub
-leistete, waren seine Maschinen _à Réaction_, in welchen -- im Gegensatz
-zu den Maschinen _à Retiration_ mit mehreren Cylindern -- Druck und
-Widerdruck durch einen und denselben Cylinder geübt wird, indem ihm
-der das erste mal gedruckte Bogen über Rollen weg nochmals behufs des
-Widerdrucks zugeführt wird. Der Nachteil bei diesen die Schnelligkeit
-sehr fördernden Maschinen ist, dass auf dem Cylinder keine Zurichtung
-stattfinden kann. Während nun möglicherweise der Schöndruck aus einer
-kompressen Form besteht, bietet der Widerdruck vielleicht eine mit
-grossen Anzeige-Schriften oder dgl. gefüllte, die eine ganz andere
-Behandlung im Unterlegen verlangt. Da lässt sich nur durch primitive
-Unterlegung unter der Schriftform etwas nachhelfen; alles andere
-muss, wie bei den alten Holzpressen ehe man die Zurichtung im Deckel
-kannte, durch einen sehr starken, oft zu erneuernden Filzüberzug des
-Cylinders erzwungen werden. Hiervon rührt zumteil eine Ausführung der
-französischen Zeitungen her, welche sehr zu ihren Ungunsten nicht allein
-gegen die der englischen, sondern auch gegen die der deutschen Zeitungen
-absticht, obwohl letztere nicht gerade stolz auf ihr äusseres Gewand
-sein dürfen. Jedoch der Billigkeit und der Schnelligkeit wurde genügt;
-die französischen Abendblätter, welche erst nach Schluss der Börse, um
-vier Uhr, fertiggestellt werden konnten, wurden schon um fünf Uhr durch
-ganz Paris verkauft.
-
-Bereits 1847 hatte Marinoni seine berühmte vierfache Maschine für _La
-Presse_, der später die sechsfache folgte, geliefert. Im Jahre 1867
-baute er für _Le Petit Journal_ eine Maschine, welche stündlich 36000
-des in mehreren Exemplaren clichierten Blattes fertigstellte, so dass
-die damalige Auflage von 350000 Exemplaren durch fünf Maschinen in
-zwei Stunden beschafft werden konnte. Derartige Druckapparate, in
-Verbindung mit dem verhältnismässig geringen Umfang der französischen
-Blätter, der typographischen Genügsamkeit des Zeitungspublikums und
-der Unsicherheit der Presszustände verursachte, dass die mächtigen und
-kostspieligen Rotationsmaschinen bei weitem nicht die Bedeutung für
-Frankreich wie für England und Amerika hatten. Dass Marinoni jedoch den
-Bau derselben nicht unterlassen würde, verstand sich von selbst, und er
-besitzt bereits siebzehn Patente auf solche. Seine Rotationsmaschinen
-unterscheiden sich von den anderen hauptsächlich durch die Lage der
-Satz- und Druckcylinder, die über einander angebracht sind[92]. Von
-seinen kleineren Maschinen sind namentlich die _Universelle_ (1850) und
-die _Indispensable_ (1853) weit verbreitet. Bis zum Jahre 1880 hatte er
-6539 Maschinen für typographische Zwecke und 410 Dampfmaschinen gebaut.
-In Deutschland ist Marinoni bald hoch belobt, bald sehr getadelt worden;
-Thatsache ist wohl, dass er einer der genialsten Constructeure der
-Jetztzeit ist.
-
- [92] Journ. f. B. 1878, Nr. 75. -- Ann. d. Typ. IV. B. 1873, Nr. 189.
-
-[Sidenote: P. Alauzet * 15. Juni 1816, [+] 22. Jan. 1881.]
-
-Als an Tüchtigkeit Marinoni gleichkommend, in Eleganz und Nettigkeit
-selbst in den unwesentlichen Teilen der Arbeit ihn übertreffend
-ist PIERRE ALAUZET zu nennen. In Rodez geboren, war er bis zu
-seinem achtzehnten Jahre Landarbeiter und kam ohne die geringsten
-mechanischen Kenntnisse bei dem Pariser Pressenfabrikant Normand in
-Arbeit. Nach vollendetem Tagewerk besuchte er die Schule und holte
-das ihm Fehlende so gut nach, dass er sich 1846 etablieren konnte.
-Bekannt sind namentlich seine Schön- und Widerdruckmaschinen für feine
-Werk- und Illustrationsarbeiten, die auch in dem Süden Deutschlands
-Eingang fanden. Dem Abschmutzen des Schöndruckes beim Übergang auf den
-Widerdruckscylinder wird mittels Durchlassens von Schmutzbogen begegnet.
-
-Von seinen 2500 Schnellpressen ist fast nicht eine ganz wie die andere
-gebaut, da er unermüdlich bestrebt war, Verbesserungen anzubringen. Für
-die _Petite République Française_ lieferte er eine Rotationsmaschine
-für zwei Meter breites Papier, welche stündlich 70-80000 Exemplare des
-Blattes druckt; mit der für Illustrationsdruck bestimmten hat er erst
-nach vielen Versuchen befriedigende Resultate erzielt.
-
-[Sidenote: A. B. Dutartre u. a.]
-
-A. B. DUTARTRE und andere lieferten Maschinen mit _mouvement varié_,
-deren Druckcylinder während der Zeit, in welcher er den Druck übt, sich
-langsamer bewegt und solche, deren Druckcylinder so langezeit ruht,
-wie das Fundament gebraucht, um zum zweitenmal unter dem Farbenwerk
-hin- und zurückzugehen, damit die Einfärbung verstärkt werde. Seine
-Zweifarben-Maschinen gewannen allgemeine Anerkennung.
-
-Für vier Farben bauten PRUDON & CO. eine Presse, bei welcher die Formen
-hinter einander liegen; hierdurch wurde eine Länge von sieben Metern
-erforderlich, die den Eingang dieser Maschinen hinderte.
-
-[Sidenote: Lithographische u. Kupferdruckmaschinen.]
-
-Als Verfertiger lithographischer Maschinen erwarb TH. DUPUY Ruf.
-Marinoni baute ebenfalls solche, die zugleich für typographischen Druck
-zu verwenden waren. Sie arbeiteten zwar sehr gut, die Umänderung von
-einer Druckweise zur andern erforderte jedoch viel Zeit und diejenigen
-Offizinen, welche Lithographie mit Typographie verbanden, waren in der
-Regel auch in der Lage, besondere Maschinen für die verschiedenen Zwecke
-anzuschaffen.
-
-JULES DERRIEY, der Bruder des genialen Schriftgiessers Charles, erwarb
-sich Verdienste durch seine Zeitungsmaschinen von sehr einfacher
-Konstruktion mit Cylinderfärbung nach deutscher Art und baute auch
-Rotationsmaschinen[93]. Bekannt sind weiter für Zeitungsmaschinen A.
-Y. GAVEAUX, für einfache Schnellpressen H. VOIRIN und MAULDE & VIBART.
-Auf Laien machte auf allen Ausstellungen die kleine, sehr niedliche
-Visitenkartenpresse von G. LEBOYER grossen Eindruck[94].
-
- [93] Journ. f. B. 1876, Nr. 24.
-
- [94] Journ. f. B. 1878, Nr. 36 u. 37.
-
-Noch sei eine eigentümliche Kupferdruckpresse erwähnt, welche AUG.
-GODCHAUX zum Druck seiner kalligraphischen Vorlagen benutzt. Sie ist
-in der Art der Kattundruckpresse eingerichtet und druckt von endlosem
-Papier 2-3000 Exemplare. Nach vollzogenem Druck wird der Bogen durch
-Mechanismus von der Papierrolle abgetrennt. Ein Apparat, gleich dem
-Messer eines Farbewerks der Schnellpresse, hält die Kupferplatte rein.
-Für den Druck von Kunstblättern genügt die Maschine nicht.
-
-Die Schriftgiessmaschine wurde von BAUDOIN, LAVAL, FOUCHER u. a. sehr
-verbessert. Beifall fanden die Maschinen von SERIÈRE & BAUSA, welche mit
-zwei Giessinstrumenten und zwei Pfannen, die mit Einem Feuer erhitzt
-werden, versehen und von Einem Arbeiter bedient, täglich gegen 50000
-Buchstaben lieferten.
-
-[Sidenote: Hülfsmaschinen und Apparate.]
-
-Von Arbeitserleichterungsmaschinen sind L. POIRIERS und L. LEGRANDS
-Bronciermaschinen, TOLMERS Feuchtapparate und P. RAGUENEAUS
-autographische Pressen beachtenswert. Als Motor ist die Gasmaschine
-LENOIRS sehr beliebt.
-
-Die allgemeinste Verbreitung und Nachahmung fanden die MECHANISCHEN
-SCHLIESSSTEGE von MARINONI & CHAUDRÉ, die in einfach-praktischer Weise
-einen vortrefflichen Ersatz der Schraubenrahmen bildeten. Eiserne
-Stege, an denen die dem Rahmen zugekehrte Seite schräg geformt und
-gezahnt ist, werden durch kleine, zwischen Steg und Rahmen einzufügende
-Rädchen, in deren Einschnitte die Zähne des Steges eingreifen, mittels
-eines Schraubenschlüssels unter sehr geringer Kraftanwendung angezogen
-und so die Form ganz fest geschlossen. ALCAN LÉVY & LAVATER traten
-mit zerlegbarem Schliessrahmen auf, VALÉT & CO. in Marseille mit
-galvanischen Hohlstegen.
-
-[Sidenote: Utensilienlager.]
-
-Die Anschaffung des Materials erleichterte namentlich das grosse
-Utensilien-Geschäft von J. E. BOIELDIEU & FILS, denen auch manche
-Verbesserung zu verdanken ist. Namentlich sind ihre Stereotyp-Apparate
-vortrefflich. Die von ihnen gebaute grosse Plakatpresse besteht in
-einem mit Zahnstangen versehenen Fundament, in welchem ein Cylinder mit
-Zähnen, ähnlich wie in den Korrekturpressen, sich bewegt. Das Durchsehen
-des reichhaltigen illustrierten Katalogs[95] der Firma belehrt in
-leichter Weise über die Unterschiede des deutschen und des französischen
-Materials. Ein zweites sehr umfangreiches Utensilien-Geschäft sind
-die, durch Fusion der Firmen CH. BONNET & CO. aus Genf und CHEVALIER &
-DREYFUS in Paris entstandenen _Usines Gutenberg_.
-
- [95] _Outilage Typographique Boieldieu._ Paris.
-
-Die französische Druckfarbe ist in den feineren Qualitäten vorzüglich.
-Als Fabrikanten stehen obenan CH. LORILLEUX[96], denen LE FRANC & CO.,
-PRUDON & CO., CAUDERON & CO. für bunte Farben folgen. LEMERCIER & CO.
-liefern vorzügliche lithographische Farben[97].
-
- [96] _Ch. Lorilleux sur la Fabrication des encres d'Imprimerie._
- Paris 1867. Lorilleux giebt jährlich einen Abreiss-Kalender mit
- geschichtlichen oder technischen Notizen heraus. Der Jahrgang
- 1882 enthält eine typographische Bibliographie der in Frankreich
- erschienenen Fachwerke. Jänecke & Schneemann in Hannover folgten
- dem Beispiel.
-
- [97] Didot behauptet, dass die Erfindung der Kompositionswalze einem
- französischen Leimfabrikanten GARMAL gehöre (vgl. dagegen S. 34).
-
-[Sidenote: Das Papier.]
-
-Das französische Papier hat einen verdienten Ruf erworben und Frankreich
-gehört die Ehre der Erfindung der Papiermaschine. Auf Anregung
-Didots liess PIERRE MONTGOLFIER das erste ungerippte Velinpapier
-anfertigen und adoptierte das holländische System der Zerfaserung
-der Lumpen durch Schneidecylinder statt durch Stampfen. Die erste
-Idee des Papiers ohne Ende hatte der Werkführer LOUIS ROBERT in der
-Papiermühle Didot-Saint-Légers in Essonnes gefasst. Letzterer erwarb
-die Rechte Roberts und erhielt von der Regierung 8000 Livres zu seinen
-Versuchen. Infolge der Revolution begab sich Didot nach London, wo die
-Papiermaschine durch die Talente des Ingenieurs DONKIN und die Kühnheit
-der Papierfabrikanten Gebr. FOUDRINER ihre Vervollkommnung erhielt. Als
-Didot 1814 nach Frankreich zurückgekehrt war, wurde nach seinen Angaben
-die erste Maschine von Berthe in Sorel gebaut, es folgten solche in
-Saint Jean-d'Heures und in Mesnil. Zu gleicher Zeit wurde sie durch
-Canson in Annonay errichtet.
-
-An Papierfabriken besitzt Frankreich 524 mit 28656 Arbeitern und mit
-einer Betriebskraft von 21000 Pferden. Sie produzieren jährlich Ware zu
-einem Werte von 104 Millionen Franken. Die wichtigsten Produktionsorte
-sind Annonay, Angoulème und das Departement Isère. Die Papiersteuer
-brachte 16439000 Franken.
-
-[Sidenote: Die Buchbinderkunst.]
-
-In der Kunst des Buchbindens steht Frankreich obenan. Von dem
-Bücherleinen hat es sich im ganzen genommen freigehalten. Fast alle
-neuen Bücher werden im broschierten Zustand in den Handel gebracht.
-Ausgenommen davon ist die Litteratur der Andachtsbücher, in deren
-Herstellung zu fabelhaft billigen Preisen bei reicher Ausstattung MAME &
-CO. in Tours Bedeutendes leisten. Neben diesen billigen Einbänden kommen
-jedoch auch die kostbarsten aus Seide, Sammet, Leder und Elfenbein mit
-echten Spangen und Beschlägen vor, die sich in die höchsten Preise
-versteigen. Die Handarbeit, unterstützt durch Reichtum und Geschmack
-einer bedeutenden Zahl von Bücherfreunden, hat in Frankreich noch einen
-grossen Spielraum. Sie übertrifft an Geschmack die englische, muss aber
-dieser den Vorzug in der Behandlung des Leders einräumen. Verwendet
-werden gewöhnlich Chagrin und Corduan. Die Mosaikarbeiten der Franzosen
-sind nicht eigentlich eingelegte Arbeiten, sondern die betreffenden
-Stellen werden ganz dünn geschabt, das andere farbige Leder darauf
-gelegt und die Ränder mit Goldverzierungen bedruckt.
-
-Auf die strenge Einteilung der Arbeit in der Buchbinderei wurde schon
-hingewiesen. In den einzelnen Offizinen sind wieder die einzelnen
-Beschäftigungen gruppenweise verteilt. Viele der Arbeiter, die in ihrer
-Spezialität Vorzügliches leisten, würden nicht imstande sein, allein ein
-Buch leidlich zu binden. Dieses System mag allerdings der allgemeinen
-Ausbildung des einzelnen Individuums hinderlich sein, das Publikum
-erhält jedoch durch dasselbe billigere und bessere Bände.
-
-Neben der Anlehnung an die goldene Zeit hat sich eine selbständige
-moderne Dekorationsweise ausgebildet, die vieles Hübsche liefert. Die
-Führerschaft dürfte LORTIC zukommen, der sich ganz besonders durch die
-Wissenschaftlichkeit seiner Arbeiten auszeichnet. Jeder Einband ist in
-dem Geist der Zeit, welcher das Werk angehört, streng durchgeführt; für
-die jetzige Zeit hat er sich einen eigenen Stil des XIX. Jahrhunderts
-gebildet. Bände von ihm werden bis mit 3000 Franken bezahlt.
-
-[Illustration]
-
-
-[Illustration]
-
- VI. KAPITEL.
-
- DER STAAT UND DIE PRESSE IN FRANKREICH.
-
- DIE SCHÖPFER DER NEUERN TYPOGRAPHIE.
-
- DER STAAT UND DIE PRESSE unter Ludwig XVI., der Revolution,
- Napoleon I., der Restauration, dem Bürgerkönigtum, Napoleon III. DIE
- ÄLTEREN BUCHDRUCKEREIEN: Die Staatsdruckerei und die Didot in ihrem
- Einflusse auf die Typographie, die Familien Panckoucke, Barbou,
- Lottin, Treuttel & Würtz, Berger-Levrault, Dentu, Crapelet.
-
-[Sidenote: Die Presse unter Ludwig XVI.]
-
-Hätte die Liebe eines Königs für die Buchdruckerkunst genügt, um
-diese in dessen Lande zum grössten Flor zu bringen, so müsste sie in
-Frankreich unter Ludwig XVI. goldene Tage gehabt haben[98]. Ludwig war
-noch als Kind durch Martin Lottin in der Kunst unterrichtet worden und
-druckte als Dauphin, kaum zwölf Jahre alt, 1766 einen kleinen Band:
-_Maximes tirées de Télémaque_. Auch Karl v. Artois, später Karl X.,
-besass Vorliebe für die Kunst und liess 1780-1784 bei dem älteren Didot
-eine Sammlung von französischen Schriftstellern in 64 Bänden in 18. für
-sich drucken, während Ludwig XVI. später die Sammlung _ad usum delphini_
-(zum Gebrauch für den Dauphin) ausführen liess. Mehr als in irgend einem
-andern Lande hatten die Aristokraten Frankreichs sich es angelegen sein
-lassen, Privatdruckereien zu errichten. Bereits während der Regierung
-Heinrichs IV. besass der Kardinal Duperron eine Druckerei in Bagnolet
-bei Paris, ebenso später Kardinal Richelieu auf Schloss Richelieu in
-der Touraine. Der Kanzler d'Auguesseau; die Marquise von Pompadour; die
-Dauphine Marie Josephe, Mutter Ludwigs XVI.; der Herzog von Burgund,
-Bruder Ludwigs XVI., und manche andere Grossen waren Besitzer von
-Privat-Offizinen.
-
- [98] P. DUPONT, _Histoire de l'Imprimerie, vol._ I. Paris 1854.
- -- A. F. DIDOT, _Histoire de la Typographie_. Paris 1882.
- (Abdruck aus der _Encyclopédie moderne_.) -- EDM. WERDET, _De la
- Librairie Française_. Paris 1860. -- F. A. DUPRAT, _Histoire de
- l'Imprimerie Impériale_. Paris 1861. -- ED. WERDET, _Histoire du
- Livre en France_. 4 Bde. Paris 1861-62.
-
-[Sidenote: Die Revolutionszeit.]
-
-Im Jahre 1777 erliess Ludwig XVI. ein Gesetz zur Regelung des
-litterarischen Eigentumsrechts, nach welchem jedoch alles auf
-Privilegien beruhte, die, wenn einmal den Autoren erteilt, auch auf
-die Erben derselben übergingen, jedoch, wenn in Buchhändlerhänden
-befindlich, mit dem Tode des Verfassers erloschen. Wie alle Privilegien
-fielen auch diese durch Beschluss der konstituierenden Versammlung vom
-4. August 1789, nach welcher Zeit nun auch jeder, der einige Zentner
-Schriften kaufte oder borgte und ein Patent zahlte, Buchdrucker werden
-konnte. Selbst diese letzte Bedingung hörte 1793 auf, und die Zahl der
-Buchdruckereien wuchs von den früheren 36 privilegierten auf 700. Die
-Pressfreiheit war bereits durch die Verfassung vom 14. September 1791
-garantiert, nach welcher jeder das Recht erlangte, seine Gedanken ohne
-vorherige Zensur schreiben, drucken und veröffentlichen zu können. Unter
-dem Direktorium wurde wenigstens festgestellt, dass der Buchdrucker
-seinen Namen auf alles, was er druckte, setzen, auch auf Aufforderung
-den Namen des Verlegers nennen musste.
-
-Broschüren auf rötlich-grauem Papier mit Typen gedruckt, die mitunter
-geradezu unleserlich waren, sind die hauptsächlichsten Produkte der
-Revolutionszeit. Eins der lohnendsten Geschäfte war der Druck von
-Assignaten, deren erste Emission im Betrage von 1200 Millionen am 19.
-Dezember 1789 dekretiert wurde. Der Direktor der Königlichen Druckerei,
-Anisson-Duperon, wurde mit der Ausführung betraut. Die späteren
-Emissionen beschäftigten Tag und Nacht eine grosse Anzahl von Pressen.
-Ende 1794 wurden auf einmal 40 Milliarden in Auftrag gegeben.
-
-[Sidenote: Das Konsulat.]
-
-Unter den Konsuln wurde 1797 die politische Tagespresse auf ein
-Jahr unter Aufsicht der Polizei gestellt und später diese Anordnung
-prolongiert. 1800 behielten sich die Konsuln das Recht der
-Repressivmassregeln gegen diejenige Zeitungspresse vor, die sich etwa
-gegen die Gesellschaft, die Regierung oder die Souveränität des Volkes
-versündigte. Durch ein weiteres Dekret vom Jahre 1803 wurde bestimmt,
-dass ein Exemplar jedes Buches dem Revisionsamte zur Durchsicht
-übergeben werden sollte »zum Schutze der Freiheit der Presse« (!).
-
-Die Zeit war der letzteren nicht günstig. Die Zahl der Zeitschriften
-verminderte sich und die 1790 vorhandenen 700 Buchdruckereien waren
-auf 340 zusammengeschmolzen. Dafür begannen nun die älteren, gut
-eingerichteten Offizinen an die alten Traditionen wieder anzuknüpfen.
-
-[Sidenote: Das Kaisertum.]
-
-Nach Begründung des Kaisertums beschäftigte sich Napoleon sehr mit
-der Organisation des Buchhandels und der Buchdruckerei. Ein bekannter
-Schriftsteller, Fievée, wurde mit dem Plane betraut. »Die Buchdruckerei«
--- so argumentierte Napoleon -- »ist ein mit gefährlichen Waffen
-gefülltes Zeughaus, das man ungern in den Händen des ersten besten
-lässt. Die Buchdruckerei ist kein Handelszweig; es genügen deshalb
-einfache Privilegien, um sie zu organisieren. Es handelt sich um einen
-Stand, an dessen Gedeihen der Staat ein Interesse hat, letzterer muss
-deshalb die Entscheidung in den Angelegenheiten dieses Standes haben.
-Der Buchdrucker kann ein geschickter, selbst ein gelehrter Mann sein, er
-ist aber kein Kaufmann und kein Fabrikant. Eben weil der Erfolg nicht
-von ihm selbst, sondern von der Spekulation anderer abhängt, kann nur
-eine gewisse Zahl von Buchdruckern existieren. Beschränkt der Staat
-nicht die Zahl und leidet infolge davon der Buchdrucker Not, so kann
-man nicht auf dessen rechtlichen Charakter zählen und die Druckkunst
-ist eine zu furchtbare Waffe, um sie in den Händen von Notleidenden zu
-lassen. Gut situierte Bürger sind weniger geneigt, gegen die Gesetze zu
-handeln; es ist deshalb ebenso human als politisch richtig, die Zahl der
-Buchdruckereien zu beschränken und aus demselben Grunde die Zahl der
-Lehrlinge zu normieren.«
-
-[Sidenote: Direktion der Buchdruckerei.]
-
-Am 5. Februar 1810 erschien das Dekret, welches eine Direktion
-der Buchdruckerei und des Buchhandels einrichtete. Die Zahl der
-Buchdruckereien wurde in Paris auf 60 festgestellt, die unter den 3-400
-bestehenden gewählt werden sollten. Die bleibenden hatten die andern zu
-entschädigen und waren verpflichtet, das Material der zu löschenden
-Firmen anzukaufen. 4000 Franken, für die eine mehr, für die andere
-weniger, wurden als Durchschnittsentschädigung bestimmt. Das _Brevet_
-war eine einfache Autorisation und schloss nicht, wie dies bis zum
-XVIII. Jahrhundert der Fall gewesen war, die Garantie der geschäftlichen
-Befähigung des Inhabers in sich. Strenge Massregeln in betreff der zu
-führenden Geschäftsbücher wurden getroffen.
-
-[Sidenote: Privilegien.]
-
-Ein weiteres Dekret vom 11. Februar 1811 erhöhte die Zahl der
-Buchdruckereien auf 80, das litterarische Eigentumsrecht wurde geregelt
-und die Zensur in _optima forma_ eingeführt. Ein dem Ministerium der
-Polizei beigegebenes _Bureau de l'esprit public_ sollte für Verbreitung
-der Regierungsansichten und die Bearbeitung der öffentlichen Meinung
-wirken. Jedes Departement durfte nur ein Journal haben, für jeden
-Zeitungsbogen zahlte man 1 Centime Stempelgebühren.
-
-Im Jahre 1812 wurden die Privilegien auch für den Buchhandel eingeführt,
-jedoch die Zahl der Buchhandlungen nicht beschränkt. Zensierte Werke
-konnten nachträglich konfisziert werden, jedoch mussten die Druckkosten
-ersetzt werden. Diese Bestimmung kam nur in einem einzigen Fall zur
-Anwendung und zwar anlässlich des Werkes _De l'Allemagne_ der Frau von
-Staël.
-
-[Sidenote: Napoleons Interesse für die Typographie.]
-
-Dass der Buchhandel und die Buchdruckerei sich unter der Regierung
-Napoleons trotz des äusseren Glanzes nicht recht entwickeln konnten,
-wird jeder verstehen. Unter den von der Regierung selbst hervorgerufenen
-Werken steht obenan die _Description de l'Égypte_, das Resultat der
-Thätigkeit der gelehrten Kolonie, welche Bonaparte mit nach Ägypten
-geführt hatte.
-
-Hätte überhaupt die Typographie keine andere Aufgabe gehabt, als der
-Wissenschaft zu dienen, so würde sie in Napoleon gewiss den grössten
-Freund gefunden haben, denn ein Geist wie der seinige konnte den Verkehr
-mit der Presse nicht entbehren. Selbst im ärgsten Kriegslärm mochte er
-die Wissenschaft und die Litteratur nicht missen.
-
-[Sidenote: Beabsichtigte Feldbibliothek.]
-
-Bereits 1798 hatte er daran gedacht, eine Feldbibliothek herstellen
-zu lassen, die ihm auf seinen Feldzügen folgen sollte, und 1808 den
-Plan wieder in Bayonne aufgenommen. Als er bei seinem Aufenthalt in
-Schönbrunn die Werke, die er mitzuführen gewünscht hatte, die aber
-wegen des äusseren Umfangs zurückgeblieben waren, sehr vermisste, kehrte
-er ernstlich zu der Idee einer Feldbibliothek zurück und diktierte am
-12. Juni 1809 den Plan zu einer solchen, der seinem Bibliothekar Barbier
-als Richtschnur unterbreitet werden sollte.
-
-Napoleon wollte eine Sammlung schön gedruckter und gut gebundener Werke
-in kleinem Format mit kleinem Rand. »Er sei reich genug, um sich diesen
-Wunsch erfüllen zu können.« Vorläufig wollte er 3000 Bände von je 4-500
-Seiten, hauptsächlich geschichtlichen Inhalts, die Bibel dürfe nicht
-fehlen; wären diese 3000 Bände fertig, so könnten weitere 3000: Reisen,
-Naturgeschichtliches, Unterhaltendes, folgen. Eine Anzahl gewiegter
-Männer der Wissenschaft sollte die Redaktion besorgen und allen unnützen
-Ballast über Bord werfen.
-
-Im November 1809 stattete Barbier seinen Bericht ab. Die Kosten für
-die 3000 Bände waren bei einer Auflage von fünfzig Exemplaren auf vier
-und eine halbe Million Franken berechnet. Würden jedoch 300 Exemplare
-gedruckt und verkaufte man den Band zu fünf Franken, so entstände eine
-Einnahme von etwa drei Millionen Franken. Man glaubte, täglich einen und
-einen halben Band oder jährlich gegen 500 Bände liefern zu können. Die
-Proben wurden gemacht -- und hierbei blieb es.
-
-[Sidenote: Kunstleistungen der Kaiserlichen Druckerei.]
-
-Ein seltenes Pracht- und Kunststück führte die Kaiserliche Druckerei
-aus, als Papst Pius VII. anlässlich der Kaiserkrönung 1805 sich in Paris
-aufhielt und die erwähnte Anstalt besuchte. Während dieses Besuches
-druckten 150 Pressen die _L'oraison dominicale_ (das Vater unser)
-in 150 Sprachen und der Direktor Marcel überreichte dem Papste das
-Widmungsexemplar.
-
-Bei Gelegenheit der Geburt des Königs von Rom beschloss Napoleon den
-Druck einer Sammlung in der Art der Ausgaben _ad usum delphini_. Mit der
-Aufstellung des Katalogs war jedoch auch diese Sache zuende.
-
-Sozusagen beim Bivouac-Feuer entwarf Napoleon den Plan zu einer
-Fortsetzung der _Histoire de France_ von Velly, durch den Abbé Halma,
-den Bibliothekar der Kaiserin. Schliesslich darf nicht das wichtigste
-Werk der ganzen Zeitperiode, das dem Kaiser so viel zu verdanken hatte,
-der _Code Napoléon_, vergessen werden.
-
-Als das Unglück über den Kaiser hereinbrach, konnte es nicht fehlen,
-dass die Presse im geheimen stark gegen ihn arbeitete und dass die
-Massregeln gegen dieselbe noch verschärft wurden. Während der Hundert
-Tage, als er die Presse brauchte, wollte er die von Ludwig XVIII.
-bereits zugesagte Pressfreiheit gewähren und ein Dekret vom 24. März
-1815 hob die Zensur auf. Waterloo machte das Dekret zu einem toten
-Buchstaben.
-
-[Sidenote: Die Restauration.]
-
-Das erste Kaiserreich hatte dem Buchgewerbe die goldene Zeit nicht
-gebracht. Günstiger waren die Auspizien bei Beginn der Restauration. Der
-Artikel VIII der Charte sicherte allgemeine Pressfreiheit zu. Es dauerte
-jedoch kaum einen Monat, als die Repressionsmassregeln wieder begannen.
-Unter anderem konnten die Zeitschriften nur mit Autorisation des Königs
-erscheinen. Bei Übertretungen der Gesetze stand das Zurückziehen des
-Brevets in Aussicht.
-
-[Sidenote: Julirevolution.]
-
-Wir können nicht der Geschichte der Massregelungen gegen die Presse
-durch alle ihre Phasen Schritt für Schritt folgen. Zensur, Kautionen,
-Suspensionen, eine etwas grössere oder kleinere Portion Pressfreiheit
-folgten in schnellem Wechsel unter der Herrschaft Ludwigs XVIII. Die
-Regierung Carls X. fing für die Presse etwas milder an, aber das
-projektierte Pressgesetz vom 29. Dezember 1826 übertraf an Schärfe
-alles bisherige, wurde jedoch von der Pairskammer abgelehnt, die sich
-diesmal liberaler als die Deputiertenkammer zeigte. Nichtsdestoweniger
-wurde gegen Buchdrucker, Buchhändler und Journalisten mit grosser
-Strenge verfahren. Die Prozesse häuften sich; nicht allein wirkliche
-Pressvergehen, sondern selbst unbedeutende Formfehler wurden
-unnachsichtlich und schwer bestraft. Die Massregeln schlossen mit den
-berüchtigten Ordonnanzen Polignacs vom 25. Juli 1830, die das Ende
-der Regierung Carls X. herbeiführten. Trotz der Verfolgungen gegen
-die Presse behielt doch der letzte der Bourbonen seine Liebe für die
-Druckkunst bei und zeichnete öfters die Vertreter derselben persönlich
-aus, liess auch manche grosse Unternehmungen durch Subskription der
-Ministerien unterstützen.
-
-Leider vergingen die blutigen Julitage nicht ohne grobe Unordnungen
-seitens der typographischen Arbeiter, welche in mehreren Druckereien die
-Schnellpressen zerstörten. Jedoch die Masse der Arbeiter trat gegen die
-Unruhestifter auf und eine Proklamation Firmin Didots an die Arbeiter
-trug sehr viel zur Beruhigung derselben bei.
-
-[Sidenote: Das Bürgerkönigtum.]
-
-Die neue Charte vom 14. August 1830 brachte wieder Pressfreiheit und
-»ewige« Aufhebung der Zensur. Die Lage der Buchdrucker und Buchhändler
-ward durch die allgemeine Krisis eine sehr schwierige und die Folgen
-der Überproduktion zeigten sich in trauriger Weise. Die Regierung that,
-was sie konnte, um die Kalamität zu mildern und gewährte Anleihen.
-Benj. Constants Antrag auf Freigebung der Buchdruckerei und des
-Buchhandel-Gewerbes scheiterte zwar, die gesetzlichen Bestimmungen
-wurden jedoch vielfach umgangen, indem man Zessionen an Nichtfachleute
-zuliess und die Gründung von _Succursales_ gestattete, die unter
-Verantwortlichkeit von Brevetinhabern von anderen betrieben wurden. Auch
-entstanden in der nächsten Umgebung von Paris Druckereien, die recht
-wohl mit den brevetierten konkurrieren konnten. Mehrere Druckereien
-änderten sich in Aktienunternehmungen um und nahmen kolossale
-Dimensionen an.
-
-Die Lage der Journale war sehr erleichtert; man benutzte aber keineswegs
-die Freiheit mit der notwendigen Mässigung, so dass ein beschränkendes
-Gesetz am 9. September 1835 erlassen wurde, das von der Regierung jedoch
-mit Schonung gehandhabt wurde.
-
-Ludwig Philipp selbst war, wie die Bourbonen es gewesen, ein Freund der
-Buchdruckerkunst. Mag er auch sonst als recht sparsam gegolten haben, in
-Bezug auf die Erzeugnisse der Presse zeigte er sich freigebig und liess
-mehrere grosse Unternehmungen auf seine Kosten drucken. Die Korrekturen
-las er dann selbst und las sie sehr gut.
-
-[Sidenote: Die Revolution von 1848.]
-
-[Sidenote: Das zweite Kaiserreich.]
-
-Bekanntlich nahm das Bürgerkönigtum am 24. Februar 1848 ein jähes Ende.
-Die provisorische Regierung zählte mehrere Männer der Wissenschaft und
-der Presse unter ihren Mitgliedern. Ihre Freunde fanden Anstellung
-in der Administration; es war also natürlich, dass die Presse mit
-Wohlwollen behandelt wurde. Der Zeitungsstempel, die Kautionen und
-das strenge Pressgesetz vom 9. September 1835 wurden aufgehoben. Eine
-Unmasse von Journalen entstand, die Vorteile aus dem Druck fielen jedoch
-nur einigen wenigen grossen Zeitungsdruckereien zu, die eigentlichen
-Werk- und Accidenzdruckereien litten Not und fast der dritte Teil
-der Arbeiter war brotlos. Während der Zeit der am 10. November 1848
-begonnenen Präsidentschaft Louis Napoleons und des Kaiserreichs
-Napoleons III. hob sich das Druckgeschäft wieder, aber es traten
-selbstverständlich strengere Überwachungsmassregeln ein. Im Jahre 1852
-wurde die _Direction générale de l'Imprimerie et de la Librairie_
-ins Leben gerufen, welche Massregel im allgemeinen mit Befriedigung
-aufgenommen wurde.
-
-Das neue Pressgesetz vom 17. Februar 1852 gab der am 2. Dezember 1852
-eingesetzten kaiserlichen Regierung eine furchtbare Waffe in die Hände,
-denn es hing alles von der Art der Ausführung des Gesetzes ab. Napoleon
-III. liebte die Buchdruckerkunst gleich seinen Vorgängern, und er selbst
-suchte, wie bekannt, schriftstellerischen Ruhm. Für den äusseren Glanz
-der Typographie namentlich durch die Weltausstellungen, auf welchen das
-französische Buchgewerbe stets in würdigster Weise vertreten war, war er
-eifrigst besorgt.
-
-Jetzt ist die Republik im Besitz des liberalen Pressgesetzes vom 29.
-Juli 1881[99].
-
- [99] _Loi sur la liberté de la Presse, 29. Juli 1881._ -- A. FAIVRE,
- _Code manuel de la Presse 1881._ Paris. -- _Loi de 1881 sur la
- Presse avec observations par H. Celliez et Ch. le Senne._ Paris
- 1881.
-
- * * * * *
-
-Wie die französischen Regierungen, mögen sie Namen geführt haben
-wie sie wollten, fortdauernd und mehr als gut war sich mit der
-Stellung der Presse zum Staate beschäftigten, so setzten sie auch
-ihre direkte Beeinflussung der technisch-gewerblichen Verhältnisse
-der Buchdruckerkunst durch die Staatsdruckerei fort, welche jedoch
-mehr und mehr sich von ihrem schönen Ziel, der Veredelung der Kunst,
-entfernte, um in die Reihe der brotsuchenden Anstalten zu treten und den
-Privatdruckereien Konkurrenz zu machen.
-
-[Sidenote: Staatsdruckerei.]
-
-Die STAATSDRUCKEREI[100] stand seit dem 1723 erfolgten Rücktritt Claude
-Rigauds 71 Jahre lang unter der Direktion von Mitgliedern der Familie
-Anisson. Die Ernennung des letzten derselben, ÉTIENNE ALEX. JACQ.
-ANISSON DUPERON, zum Direktor geschah 1789.
-
- [100] Vergl. I, S. 208-211. In dem Folgenden ist, bei dem
- fortwährenden Wechsel der offiziellen Benennung je nach dem
- Wechsel der Regierungsform, die Bezeichnung »Staatsdruckerei«
- angenommen. -- Ausser DUPRATS Werk (S. 163) vgl. A. J. BERNARD,
- _Notice historique sur l'Imprimerie nationale_. Paris 1848.
- -- V. GOUPY, _L'Imprimerie nationale et sa Collection de
- Types orientales_. Paris 1874. -- A. BERNARD, _Histoire de
- l'Imprimerie Royale du Louvre_. Paris 1867.
-
-[Sidenote: Erwerbungen unter Ludwig XV.]
-
-[Sidenote: L. Luce [+] 1773.]
-
-Bedeutend waren die Fortschritte während der Regierungszeit Ludwigs
-XV. nicht. Für die Summe von 100000 Livres erfolgte 1773 die Erwerbung
-der aus 15 Graden bestehenden neuen Antiqua und Cursiv, welche der
-königliche Graveur LOUIS LUCE in den Jahren 1740-1770 geschnitten
-hatte, zugleich seiner gothischen und Schreibschriften, sowie seiner
-zahlreichen Vignetten und Ornamente. Diese neuen Schriften Luces waren
-ganz anders gehalten als die von Ludwig XIV. veranlassten. Luce wollte,
-wie er selbst sagte, etwas von dem Vorhandenen ganz Verschiedenes
-schaffen, was ihm auch, jedoch nicht zum Vorteil der Sache, gelang. Die
-Schriften sind sehr schmal gehalten, es fehlen ihnen die besonderen
-Kennzeichen (I, S. 210) der Schriften der Staatsdruckerei. Sein
-Nachfolger als königlicher Graveur war Fagnion.
-
-Eine weitere Acquisition bestand in einer Sammlung der Vignetten Jean
-Papillons (I, S. 200). Sie hat, wie die Sammlungen von Luce, zwar den
-Wert des historischen Museums der Anstalt sehr erhöht; für die Praxis
-waren diese Vermehrungen bei den Fortschritten der Kunst ohne Interesse.
-
-[Sidenote: Einfluss Ludwigs XVI.]
-
-Ludwig XVI. begünstigte ebenfalls die Staatsdruckerei und liess die
-kleinen Offizinen in den Tuilerien und in Versailles unter die Direktion
-derselben stellen. Das Verhältnis des Direktors zu der Anstalt war ein
-ziemlich kompliziertes. Er war nicht ein einfacher, fest salarierter
-Beamter, sondern zu einem wesentlichen Teil gingen die Arbeiten für
-Rechnung des Direktors, wurden nach der Taxe bezahlt und mit einem dem
-Direktor selbst gehörenden Material ausgeführt. Wie bedeutend dieses
-war, geht aus der später zu erwähnenden Auseinandersetzung mit der Witwe
-Anisson hervor, wobei es sich um eine Summe von einer halben Million
-Livr. handelte. Staatseigentum waren hauptsächlich nur die Stempel und
-Matern der Schriften, ausserdem vielleicht 10000 Pfund Schrift und etwa
-ein Dutzend Pressen.
-
-[Sidenote: Zustande während der Revolution.]
-
-Nach dem Ausbruch der Revolution begann eine unerfreuliche Periode für
-die Staatsdruckerei. Die wissenschaftlichen und die administrativen
-Arbeiten traten in den Hintergrund, die Hauptbeschäftigung war der
-Druck der vielen Gesetze und Dekrete, der ebenfalls auf Rechnung des
-Direktors ging, welcher die Zahl der Pressen fast auf 100 vermehren und
-bei der Unzulänglichkeit der Lokalitäten im Louvre zwei _Succursales_
-errichten musste.
-
-[Sidenote: Der Assignaten-Druck.]
-
-[Sidenote: E. A. J. Anisson [+] 1794.]
-
-Zu diesen Arbeiten kam noch die Ausführung von 1200000 Stück
-Assignaten[101]. Doch dies war nur ein Tropfen ins Meer. Bereits am 30.
-Sept. 1790 wurde eine neue Emission von 800 Millionen Livres, bestehend
-in 3060000 Stück, beschlossen. Anisson verlangte für die Ausführung
-100000 Livres; Didot erklärte sich bereit, die Lieferung für 22000
-Livres zu übernehmen. Dies verursachte grosse Misstimmung gegen Anisson.
-Indes sprach manches zu dessen Rechtfertigung, da die Ausführung, welche
-von Didot verlangt wurde, eine weit einfachere als die frühere und Didot
-inzwischen in Besitz der Stereotypie gelangt war (S. 152). Doch kam es
-noch nicht zum Bruch und man bewilligte ihm auf seine Vorstellungen
-sogar einen höheren Tarif als den bisherigen für seine Arbeiten. Es
-war jedoch nicht angenehm, Männer wie Marat und Pétion zu persönlichen
-Feinden zu haben. Auf Antrag des letzteren ward Anisson am 8. Oktober
-1792 verhaftet, wozu der, angeblich gegen seine Instruktion erfolgte
-Druck eines Dekrets als plausibler Vorwand dienen musste. Aus seinem
-Gefängnis schlägt er dem Sicherheits-Ausschuss vor, seine Direktorstelle
-aufzugeben und der Öffentlichkeit sein auf 499036 Livres taxiertes
-Material käuflich zu überlassen. Dieser Vorschlag wurde jedoch nicht
-angenommen. Anisson starb 1794 auf dem Schafott. Sein Eigentum ward mit
-Sequester belegt und erst nach langen Verhandlungen fand ein Vergleich
-mit der Witwe statt.
-
- [101] Die 300-Livres-Noten tragen als Jahreszahl 1090 statt 1790, man
- ging jedoch darüber hinweg.
-
-[Sidenote: Die Druckerei in Ägypten.]
-
-Als ein denkwürdiges Ereignis in der Geschichte der Staatsdruckerei
-während der Republik ist die bereits oben kurz erwähnte Einführung der
-Druckerei in Ägypten zu verzeichnen. Bereits nach der Eroberung Italiens
-hatte Bonaparte die Errichtung zweier Druckereien, einer griechischen
-und einer arabischen, auf den Ionischen Inseln verlangt und, als er nach
-Ägypten gezogen war, die Einrichtung einer umfangreicheren Buchdruckerei
-dort gefordert. Der damalige Direktor der Staatsdruckerei DUBOY-LAVERNE
-beauftragte den Orientalisten Langlès mit der Ausführung. Die Sache
-ging aber Bonaparte nicht rasch genug und er beschuldigte die Genannten
-der mutwilligen Verzögerung. Er verlangte Erlass einer Ordre, »die
-griechischen Schriften, mit welchen der Xenophon gedruckt werde, sofort
-zu verpacken. Xenophon könne ohne Schaden drei Monate warten, bis wieder
-neue Schriften fertig wären«.
-
-[Sidenote: J. J. Marcel.]
-
-An die Spitze der ägyptischen Druckerei wurde ein tüchtiger Arabist J.
-J. MARCEL, später Direktor der Staatsdruckerei, gestellt. Die Offizin
-wurde in dem Hause des griechischen Konsuls in Alexandrien eingerichtet,
-dann nach Kairo und Gizeh gebracht. Ausser den dienstlichen Arbeiten
-druckte die Anstalt _Le Courrier de l'Égypte_ und etwa ein Dutzend
-belehrende Schriften in arabischer Sprache. Auch in Pondichery auf der
-Küste Koromandel in Ostindien wurde eine französisch-persische Druckerei
-durch Vermittelung der Staatsdruckerei angelegt.
-
-Nach Rückkehr der Franzosen aus Ägypten wurde beschlossen, die
-Arbeiten der, zugleich mit der Armee entsendeten wissenschaftlichen
-Expedition herauszugeben. Eine Kommission von acht angesehenen Gelehrten
-wurde ernannt, um die Redaktion zu besorgen, und es entstand in der
-Staatsdruckerei eines der hervorragendsten Druckwerke aller Zeiten, die
-_Description de l'Égypte_ in neun Foliobänden mit Text und vierzehn
-mit Kupfern und Karten, das erst 1809 vollendet wurde. Von bedeutenden
-Werken der Staatsdruckerei aus der Zeit der Republik sind noch die
-umfangreichen Reisewerke von La Pérouse, Marchand, Vancouver, Millins
-_Monumens antiques_ u. a. zu nennen.
-
-Im Jahre 1800 war der Beschluss gefasst worden, dass von den in der
-Staatsdruckerei ausgeführten Werken 200 Exemplare dem Ministerium des
-Innern zur Disposition gestellt werden sollten, damit dieses sie im
-Interesse der Wissenschaft und der Aufklärung zweckmässig verteile.
-
-[Sidenote: Orientalische Schriften.]
-
-Die orientalischen Schriften waren in Ordnung gebracht, mehrere neue
-geschnitten und der Raub der Schriften der Propaganda in Rom hatte
-diesen Zweig der Typographie ausserordentlich bereichert. Das Lokal war
-nach dem Hôtel Penthièvre verlegt worden.
-
-Man sieht aus dem obigen, dass die Zeit der Republik in Waffen doch
-keine ganz verderbliche für die Staatsdruckerei gewesen war, die vieles
-dem 1801 verstorbenen Direktor Duboy-Laverne zu verdanken hat.
-
-[Sidenote: Umzug.]
-
-Der Kaiser widmete der Anstalt noch mehr Aufmerksamkeit als der Konsul.
-Die Administration wurde geordnet, Pensionskassen eingerichtet und die
-Arbeiten nach Tarifen reguliert. Ein Umzug fand 1809 nach dem _Hôtel
-Soubise_ mit dessen Annex _Palais Cardinal_ (Rohan) statt. 1811 wurden
-die orientalischen Schriften, allerdings wieder durch Raub, mit den
-Stempeln und Matern der Druckerei der Medici in Florenz vermehrt. In
-demselben Jahre erhielt Didot den Auftrag, das Schriftensystem nach
-dem inzwischen eingeführten Metermass umzuändern und neue Schriften zu
-schneiden, doch wurde dieses Vorhaben wegen der Kostspieligkeit nicht
-zuendegeführt. Ein grosses Prachtwerk _Rélation des cérémonies du sacre
-et du couronnement, etc. de Napoléon_ wurde 1812 angefangen und erst
-während der Hundert Tage vollendet, 1813 erteilte der berühmte Gelehrte
-Silvestre de Sacy den Eleven der Anstalt Unterricht in orientalischen
-Sprachen, um tüchtige Setzer zu bilden.
-
-Ausser den erwähnten sind noch unter den bedeutenden Erscheinungen der
-Staatsdruckerei zu nennen die _Statistique de la France_, Fol., 1804;
-_Recherches asiatiques_ 1805 und de Guignes _Dictionnaire chinois_,
-Fol., 1813.
-
-[Sidenote: Die Zeit der Restauration.]
-
-Mit alledem waren die Kriegszeiten doch im ganzen keine glücklichen für
-die Entwickelung der Staatsdruckerei. Am 15. April 1814 verschwand der
-kaiserliche Adler als Insigne und mit diesem auch verschiedene Schätze
-der Anstalt, da, nach den Bestimmungen des Pariser Friedens, die den
-Offizinen der Propaganda und der Medici geraubten Stempel zurückzugeben
-waren. Doch geschah dies nicht vollständig, und von den Stempeln behielt
-man Abschläge zurück, sodass die Vollständigkeit der Anstalt eigentlich
-nicht litt.
-
-[Sidenote: Reorganisation Anisson-Duperon.]
-
-Ludwig XVIII. bestimmte durch ein Dekret vom 28. Dezember 1814, dass
-vom 1. Januar 1815 ab die Arbeiten für Rechnung des Staates mit ganz
-wenigen Ausnahmen aufhören sollten und dass es den verschiedenen
-Ministerien zu überlassen sei, ihre Arbeiten nach bestem Ermessen auch
-an Privatdruckereien zu vergeben. Das Inventar sollte dem Direktor zur
-Disposition gestellt werden, Schriften und Abschläge konnte er unter
-festgesetzten Bedingungen verkaufen. Marcel wurde in Ruhestand versetzt
-und der Sohn des hingerichteten Direktors ANISSON, vielleicht als
-Ersatz für die seiner Familie zugefügte Unbill, zum Vorstand gewählt.
-Da kamen die Ereignisse vom 20. März 1815 und das Kaiserreich der
-Hundert Tage warf alles über den Haufen, damit es nach drei Monaten
-wieder eingeführt werde. Anisson liess von JACQUEMIN neue Schriften
-nach englischen Mustern schneiden. Dies missfiel der Regierung und da
-überhaupt die neue Einrichtung sich wenig zuträglich zeigte, versuchte
-eine Ordonnanz vom 23. Juli 1823 den ungefähren Standpunkt des
-kaiserlichen Dekrets von 1809 wiederherzustellen.
-
-[Sidenote: Villebois.]
-
-Zum Chef des Instituts wurde E. DE VILLEBOIS ernannt. Er führte wieder
-Präzision in der Administration ein und liess von MARCELIN LEGRAND 16
-Grade Antiqua und Cursiv mit einem Aufwande von 39200 Franken schneiden.
-Eine gelehrte Kommission sollte die Ausführung der Schriften überwachen,
-hatte aber, wie es mit Kommissionen gewöhnlich der Fall ist, mehr
-hemmend als fördernd gewirkt. Das erste Werk, welches mit den neuen
-Typen gedruckt wurde, war Raoul-Rochettes _Monumens inédits d'antiquité
-figurée_ in gross Folio 1828.
-
-[Sidenote: Orientalische Sammlung.]
-
-[Sidenote: Neuerungen.]
-
-Bereits 1824 hatte Ludwig XVIII. die Herausgabe der seit lange
-beabsichtigten Sammlung orientalischer Werke angeordnet, die Anfänge
-konnten jedoch erst 1832 nach der Julirevolution gemacht werden. 1828
-fasste man auch das Herz, Schnellpressen einzuführen, wogegen man sich
-lange gesträubt hatte. Zumteil beruhte diese Zögerung wohl in humanen
-Gründen, da man keinem Arbeiter den Abschied geben wollte; teils
-lag vielleicht auch ein gewisser Stolz zugrunde; man wollte, wie es
-scheint, die Maschine nicht als der Handpresse ebenbürtig anerkennen.
-Die verschiedenen Ministerien beschwerten sich über die teueren Preise,
-man entschloss sich deshalb, zuerst die Preise nur so zu berechnen, als
-wären die Arbeiten auf Maschinen gedruckt. Doch es half nichts, man
-musste sich den Forderungen der Zeit fügen und im Jahre 1829 wurden
-96000 Franken zur Anschaffung von Schnellpressen angewiesen, die jedoch
-während der Revolutionstage 1830 von eindringenden Arbeitern teilweise
-demoliert wurden.
-
-Villebois hatte das Schicksal seines Gönners, des Ministers de
-Peyronnet, und wurde entlassen. Unter den Werken aus der Zeit der
-Restauration sind noch zu nennen: Caillauds _Voyage à l'oasis de
-Thèbes_, Folio, 1821; Silvestre de Sacy, _Les Séances de Hariri_, 1822;
-Freycinet, _Voyage autour du Monde_, 4°, 1826, und das vorzügliche
-_Album typographique de l'Imprimerie Royale_, 1830.
-
-[Sidenote: Pierre Lebrun.]
-
-Am 15. September 1831 wurde der Posten Villebois' definitiv dem
-Akademiker PIERRE LEBRUN übertragen, nachdem diese Stellung, wie man
-sagt, erst Béranger[102], dann bestimmt Ambroise Firmin Didot angeboten
-worden war. Letzterer erklärte sich bereit, die Stelle anzunehmen,
-wenn allein diejenigen Arbeiten, deren Ausführung durch den Staat
-sicherheitshalber notwendig war, von der Staatsdruckerei übernommen,
-alle anderen jedoch der Privatkonkurrenz überlassen würden; wenn man die
-seltenen Schriften an Buchdrucker zu billigen Preisen ablassen wollte,
-und schliesslich, wenn es nicht nötig sei, dass er Gehalt annähme. Die
-Gründe, weshalb man darauf nicht eingehen konnte, lagen klar am Tage
-und es war wohl auch Didot mehr darum zu thun, die Grundsätze laut
-auszusprechen, die er für die von einer Staatsanstalt einzig richtigen
-hielt, als den Direktorposten anzunehmen.
-
- [102] Pierre Jean de Béranger (* 1780, [+] 1857) lernte die
- Buchdruckerei bei Laisnez in Péronne und arbeitete dort zwei
- Jahre. Während dieser erschienen seine ersten Gedichte, die mit
- solchem Beifall aufgenommen wurden, dass er den Winkelhaken
- beiseitelegen konnte.
-
-Wennauch kein Fachkundiger, suchte Lebrun doch mit Eifer sich die
-nötigen Kenntnisse zu erwerben und der Anstalt nützlich zu sein. Von
-der erwähnten orientalischen Kollektion wurden drei Werke in Angriff
-genommen: Raschid-Eddins Geschichte der Mongolen in Persien, _Bhâgavata
-Pûrana_ und Firdusis Buch der Könige. Die Werke wurden streng im
-orientalischen Stil mit Ornamenten in Gold- und Farbendruck ausgeführt.
-Neue orientalische Schriften wurden von Marcelin Legrand, Delafond, Ramé
-_père_, Loeulliet unter Aufsicht berühmter Orientalisten geschnitten und
-die Didotschen Schreibschriften erworben. Auch bauliche und technische
-Verbesserungen wurden vorgenommen und die Lithographie eingeführt, durch
-die namentlich vorzügliche geologische Karten geliefert wurden.
-
-[Sidenote: Die Februar-Revolution.]
-
-Die Februarrevolution hatte manche Unordnungen zur Folge, welche Lebrun
-veranlassten, seine Stelle niederzulegen, die im Jahre 1850 definitiv
-SAINT-GEORGES übertragen wurde. Dieser behauptete die Ehre der Anstalt
-auf verschiedenen Weltausstellungen. Für die in Paris 1855 abgehaltene
-wurde mit allen Raffinements der graphischen Künste eine Prachtausgabe
-der Nachfolge Christi lateinisch mit der poetischen Paraphrase
-Corneilles gedruckt.
-
-[Sidenote: Angriffe gegen die Staatsdruckerei.]
-
-Die Staatsdruckerei ist zwar bereits seit der ersten Revolution
-fortwährend Gegenstand der Angriffe gewesen, es haben diese jedoch in
-jüngster Zeit an Heftigkeit zugenommen. Man hält die Konkurrenz der
-Anstalt mit der Privatindustrie nicht allein für unnötig, sondern für
-sehr schädigend. Zur Hebung der Kunst sind solche Anstalten nicht mehr
-nötig. Was Didot aussprach, denkt gewiss Jeder: Eine Staatsanstalt soll
-nicht den Steuerzahlenden unnötige Konkurrenz machen. Die Typographie
-ist mündig geworden und bedarf keines öffentlichen Mentors.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Die Familie Didot.]
-
-Noch in einem höheren Grade als das Wirken der Staatsdruckerei war in
-dem ganzen Abschnitt der Buchdrucker-Geschichte Frankreichs von 1750 bis
-auf den heutigen Tag das Vorgehen der Familie Didot massgebend[103].
-Während die Buchdruckerei als Kunst und der höhere Buchhandel in der
-Revolutionszeit gänzlich darnieder lagen, waren die Didot fast die
-einzigen, die unentwegt und unbekümmert um den ringsum tosenden Sturm
-die Flagge Gutenbergs stolz vom hohen Mast wehen liessen.
-
- [103] G. BRUNET, _Firmin Didot et sa Famille_. Paris 1870. -- E. PITOU,
- _La Famille Didot_. 1856. -- E. WERDET, _Études
- bibliographiques_ 1713-1864. -- A. F. DIDOT, _Histoire de la
- Typographie_. Paris 1882.
-
-Das ganze Sein dieser Familie ist von einem so edlen Geist durchdrungen;
-alles, was sie geschaffen hat, trägt so sehr den Stempel der
-Gediegenheit, dass der Name Didot noch langezeit als Stern erster Grösse
-glänzen wird.
-
-Zudem besitzen alle Unternehmungen dieser Firma neben den Vorzügen
-des französischen Charakters auch das Gepräge einer echt germanischen
-Wissenschaftlichkeit und Gründlichkeit, wie auch manche der
-hervorragendsten Werke ihrer Pressen unter Mitwirkung deutscher
-Gelehrten durchgeführt wurden. Schliesslich ist die Verbindung dieses
-Hauses mit Deutschland seit langen Jahren eine weit innigere, als
-es sonst seitens französischer Firmen der Fall zu sein pflegt. Das
-alles macht, dass der deutsche Gewerbsgenosse sich dieser Familie
-näher stehend fühlt als den übrigen hervorragenden Repräsentanten der
-graphischen Gewerbe in Frankreich.
-
-[Sidenote: François Didot * 1689, [+] 2. Novbr. 1757.]
-
-Der Stammvater des Hauses war FRANÇOIS DIDOT aus Paris (1713). Schon
-er machte sich bekannt durch seine vielen wichtigen Unternehmungen,
-darunter die _Histoire générale des Voyages_ von Abbé Prevost in 20
-Quartbänden mit einer grossen Anzahl von Kupfern und Karten. François
-Didot hatte elf Kinder, von welchen François Ambroise und Pierre
-François den Beruf des Vaters ergriffen. Zwei seiner Töchter waren an
-berühmte Buchhändler, Guillaume de Bure und Jacques Barrois in Paris,
-verheiratet. Als Druckerzeichen nahm er die goldene Bibel an und sie ist
-es auch bis auf heute geblieben.
-
-[Sidenote: Ambr. F. Didot * 7. Jan. 1730, [+] 10. Juli 1804.]
-
-Dem AMBROISE FRANÇOIS verdankt Frankreich die Einheitlichkeit
-seines Schriftsystems (S. 145), die Freiheit und Eleganz seines
-Schriftschnittes, daneben die Vervollkommnung des Velinpapieres und
-die Einführung der Druckerpresse mit nur einem Zuge. Unter seinen
-Druckwerken sind hervorzuheben die früher schon erwähnte _Collection
-d'Artois_, eine Sammlung von Romanen in 64 Bänden, ferner die Sammlungen
-von französischen Klassikern in 18°, 8° und 4°, welche, wie ebenfalls
-erwähnt wurde, im Auftrage des Königs Ludwig XVI. zum Unterrichtszwecke
-für den Dauphin gedruckt wurden.
-
-[Sidenote: Pierre F. Didot * 9. Juli 1732, [+] 7. Dezb. 1793.]
-
-Der Bruder PIERRE FRANÇOIS leistete bedeutendes als Buchdrucker,
-Buchhändler, Papierfabrikant und Schriftgiesser, führte viele
-Verbesserungen in der letzteren Branche ein und legte die berühmte
-Papierfabrik in Essonnes an.
-
-[Sidenote: Pierre Didot * 21. Jan. 1760, [+] 31. Dez. 1853.]
-
-PIERRE, der älteste Sohn Ambr. François', übernahm 1789 die Druckerei
-des Vaters und zeichnete sich so aus, dass seine Offizin im Louvre
-installiert wurde. Hier druckte er mit Schriften, die sein Bruder
-Firmin geschnitten hatte, die prachtvollen sog. LOUVRE-Ausgaben: den
-Virgil in Folio mit 23 Kupfern (1798); den Horaz in Folio (1799); den
-Racine, drei Bände in Folio mit 57 Stichen (1801-5), die Fabeln des
-La Fontaine. Die Jury der damaligen Ausstellung in Paris erklärte den
-Racine für das vollkommenste typographische Erzeugnis aller Zeiten.
-Noch manche andere grossartige Werke, z. B. Viscontis griechische und
-römische Iconographie; Denons Reise in Ägypten; Nodiers malerische Reise
-im alten Frankreich, und die berühmte Oktav-Ausgabe der französischen
-Klassiker »für Freunde der Typographie«, die dieser Bezeichnung
-vollständig würdig war, gingen aus seinen Pressen hervor.
-
-[Sidenote: Jules Didot * 5. Aug. 1794 [+] 18. Mai 1871.]
-
-Sein Sohn JULES spielte eine zeitlang eine glänzende Rolle, die jedoch
-keinen Bestand hatte. Mit grossen Kosten hatte er eine bedeutende
-Offizin in Brüssel gegründet, die nicht gedeihen wollte und von der
-Regierung als Grundlage einer Staatsdruckerei erworben wurde. Nach Paris
-zurückgekehrt, errichtete Jules Didot ein ausgedehntes Etablissement, in
-welchem er eine grosse Zahl vorzüglich schöner Ausgaben alter und neuer
-Schriftsteller für verschiedene Pariser Verleger druckte. Im Jahre 1823
-erhielt er auf Grund einer Prachtausgabe von Phädrus' Fabeln, in Folio
-auf Seide gedruckt, und anderer schöner Arbeiten die goldene Medaille.
-Geschäftliche Misserfolge zerstörten jedoch vollständig seine bereits
-geschwächten Geisteskräfte.
-
-[Sidenote: Firmin Didot * 14. April 1764, [+] 24. April 1836.]
-
-FIRMIN DIDOT, der zweite Sohn Ambroise François', hielt als Buchdrucker
-und namentlich als Schriftgiesser und Schriftschneider den berühmten
-Namen des Vaters in Ehren. Seine Schreibschriften (1806) liessen alles
-Dagewesene weit hinter sich, und seine Antiquaschriften, mit welchen
-sein Bruder Pierre die erwähnten Louvre-Ausgaben druckte, gelten
-als die musterhaftesten. Er verbesserte (1795) ganz wesentlich die
-Stereotypie und stereotypierte fast alle französischen, italienischen
-und englischen Klassiker in 18°-Ausgaben, die durch ihre Korrektheit
-und Billigkeit bekannt wurden. Der Virgil, fehlerfrei und mit
-Vignetten illustriert, kostete 15 Sous. Später acceptierte er die
-vorzügliche Stanhopesche Methode. Ausserdem druckte er eine grosse
-Anzahl Prachtausgaben, darunter (1817) die Lusiaden und die Henriade.
-Er ward Mitglied der Akademie und des Instituts und 1834 königlicher
-Buchdrucker. Das Geschäft Didots war ein Sammelplatz von Notabilitäten
-Frankreichs und des Auslandes. Im Jahre 1814 besuchte Kaiser Alexander
-seine Offizin und liess zwei junge Russen zurück, um bei ihm zu
-lernen. Sein Haus war überhaupt eine Bildungsschule der Typographie,
-aus welcher Renouard, Paul Dupont, Claye, Rignoux, Brun und andere,
-später berühmte französische Buchdrucker hervorgingen, ebenso die drei
-ersten Buchdrucker Griechenlands: Coromilas, Dobras, Apostolidès, sowie
-viele Missionsbuchdrucker. Um sich ganz dem öffentlichen Leben zu
-widmen, überliess er im Jahre 1827 seinen Söhnen das Geschäft. Auch als
-tüchtiger Schriftsteller war Firmin Didot bekannt.
-
-Eine der Töchter Pierre François' heiratete Bernardin de Saint-Pierre,
-welcher eine zeitlang bei der Papierfabrik in Essonnes beteiligt war, wo
-er _Paul et Virginie_ schrieb. Von seinen drei Söhnen sind namentlich
-Henry und Didot Saint-Léger zu erwähnen.
-
-[Sidenote: Henry Didot * 15. Juli 1765, [+] 1852.]
-
-HENRY DIDOT that sich als Schriftschneider, Schriftgiesser und
-Mechaniker rühmlichst hervor. Noch in einem Alter von 66 Jahren schnitt
-er für seine »mikroskopischen« Ausgaben, z. B. von Horaz, Rochefoucauld
-u. a., seine _nec plus ultra_-Schrift. Um dieselbe giessen zu können,
-musste ein neues Giessinstrument erfunden werden, welches Henry Didot
-_polyamatype_ nannte, in welchem 160 Buchstaben auf einmal gegossen
-wurden.
-
-[Sidenote: Didot St.-Léger.]
-
-Der Bruder Henrys, bekannt unter dem Namen DIDOT SAINT-LÉGER, dirigierte
-die Papierfabrik in Essonnes. Seiner Verdienste um die Papierfabrikation
-wurde bereits (S. 161) gedacht.
-
-Firmin Didot hatte drei Söhne: Ambroise Firmin, Hyacinthe und Firmin
-Frédéric (gest. 1836).
-
-[Sidenote: Ambr. F. Didot * 20. Dez. 1790, [+] 24. Febr. 1876.]
-
-AMBROISE FIRMIN genoss eine ausgezeichnete Erziehung und legte sich
-mit besonderem Eifer auf griechische Sprache und Litteratur. Er machte
-Reisen in Kleinasien, Syrien, Palästina und Ägypten und war eine
-zeitlang Attaché bei der französischen Gesandtschaft in Konstantinopel.
-Nach der Erhebung Griechenlands zeichnete er sich als einer der
-eifrigsten Förderer der griechischen Sache aus. Er schenkte unter
-anderem Griechenland die erste Buchdruckerei. Die Bürgerschaft von Athen
-hat in dankbarer Erinnerung der Verdienste Didots noch in letzter Zeit
-einer Strasse in Athen den Namen Didot-Strasse beigelegt.
-
-[Sidenote: Ambr. F. Didot.]
-
-Im Verein mit seinem Bruder HYACINTHE druckte und verlegte er eine
-Reihe bedeutender Werke, z. B. die Reisen Champollions d. j. in
-Ägypten, dessen Ägyptische Grammatik und Wörterbuch; Texiers Reisen in
-Kleinasien und Armenien, fünf Bände, Folio; das _Glossarium mediae et
-infimae latinitatis_ von Du Cange; in sechster Auflage das Wörterbuch
-der Akademie, 1835, welches in erster Auflage bereits 1694 erschienen
-war, und eine grosse Anzahl anderer Wörterbücher; die _Encyclopédie
-moderne_, 39 Bände mit einem Atlas in fünf Bänden; das _Dictionnaire
-de la conversation_, 21 Bände; die _Encyclopédie d'histoire naturelle_,
-22 Bände mit neun Bänden Atlas; die _Nouvelle Biographie générale_, 46
-Bde.; die _Biographie universelle des musiciens_ von Fétis, acht Bände;
-J. C. Brunets: _Manuel de la librairie_; die _Bibliothèque grecque_ in
-mehr als 60 Bänden; die _Bibliothèque latine-française_, 27 Bände; die
-_Bibliothèque française_; das _Univers pittoresque_, 67 Bände mit 4000
-Stahlstichen. Wenn die Bändezahl dieser Kollektionen schon imponiert,
-so ist noch zu erwägen, dass es sich hierbei grösstenteils um Bände
-in grossem Oktav, in gespaltenem Satz mit kleiner Schrift gedruckt,
-handelt, so dass in der Regel ein Band den Stoff von sechs bis acht
-gewöhnlichen Oktavbänden enthält.
-
-Als ein Hauptwerk Didots, zugleich für Deutschland doppelt
-interessant, weil es hauptsächlich durch gelehrte Kräfte Deutschlands
-durchgeführt wurde, ist der _Thesaurus graecæ linguæ_ zu nennen. Diese
-unerschöpfliche, von Heinrich Stephanus stammende (I, S. 207) Fundgrube
-griechischer Lexikographie wurde unter Zusammenwirken einer grossen
-Anzahl Gelehrter Frankreichs und Deutschlands nach 300 Jahren neu
-herausgegeben und damit der Wissenschaft ein Denkmal hergestellt, das
-seinesgleichen sucht. Die Redaktion übernahmen die Professoren Hase,
-Wilhelm und Ludwig Dindorf. Das Werk bildet neun Bände in Folio.
-
-In jüngerer Zeit haben Didots sich auch mit Vorliebe den neueren
-Illustrationsmethoden zugewendet. Racinets _L'ornement polychrome_
-und Mantz' _Les chefs-d'[oe]uvre de la peinture italienne_ mit den
-Chromolithographien Kellerhovens müssen als Prachtwerke erster Klasse
-genannt werden. Höchst anziehend ist auch eine Reihe von reich mit
-Holzschnitten und Chromolithographien geschmückter Werke, welche
-namentlich Leben, Sitte und Kunst früherer Jahrhunderte illustriert und
-sich trotz der musterhaftesten Ausstattung durch einen sehr billigen
-Preis auszeichnet. Fast als ein Saulus unter den Propheten erschien 1860
-in dem Didotschen Verlage nach dem Muster des »Bazar« das Journal _La
-Mode illustrée_, welches an 100000 Abonnenten zählte.
-
-Ein anstaunenswertes Unternehmen bleibt in seiner Art auch:
-_Annuaire-Almanach du Commerce_, von welchem mehr als 80 Jahrgänge
-vorliegen. Das Unternehmen ist jetzt in den Händen einer Gesellschaft,
-die es mit einem Kapital von 7-1/2 Millionen Franken ausbeutet.
-
-Mit Obigem haben wir nur einen Teil der grossartigen Wirksamkeit der
-Weltfirma andeuten können. Der bescheiden ausgestattete Verlagskatalog
-lässt kaum auf den hohen Wert der verzeichneten Unternehmungen
-schliessen, der schwerlich von dem irgend eines Verlagskataloges
-übertroffen werden dürfte.
-
-Wenn wir noch sehen, welche bedeutende litterarische Thätigkeit Ambroise
-Firmin mit seiner geschäftlichen zu verbinden wusste, so muss unsere
-Achtung und Bewunderung für diesen Mann sich noch steigern.
-
-Seine Mitwirkung bei dem _Thesaurus_ wie bei vielen der encyklopädischen
-Unternehmungen des Hauses zeugen schon von seiner gelehrten und
-wissenschaftlichen Bedeutung, jedoch lieferte er ausserdem noch eine
-Reihe selbständiger Schriften. Wir können hier nur die bedeutendsten
-derjenigen erwähnen, die sich auf das graphische Gewerbe beziehen. Als
-Mitglied der Ausstellungs-Jury schrieb er _L'imprimerie, la librairie,
-la papeterie à l'exposition 1851 à Londres_ (2. Auflage 1854). Sein 1863
-erschienener _Essai typographique et bibliographique sur l'histoire de
-la gravure sur bois_ ist ein vortreffliches Werk, das nur den einen
-Fehler hat, dass es mit ganz ausserordentlich kleiner Schrift gedruckt
-ist[104]. Sein letztes umfangreiches Buch ist das 1875 erschienene
-_Alde Manuce et l'hellénisme à Venise_. Über die Frage der Orthographie
-und des litterarischen Eigentumsrechtes gab er verschiedene wertvolle
-Schriften heraus. Unter seinen Monographien erwähnen wir: _Étude sur
-les [oe]uvres de Jean Sire de Joinville_, zwei Bände, fünfte Auflage,
-1870; _Missel de Juvénal des Ursins_, ein kostbares Manuskript, welches
-Didot für 23000 Franken erworben, jedoch der Bibliothek des _Hôtel de
-Ville_ cediert hatte, bei dessen Brande es vernichtet wurde; _Étude
-sur Jean Cousin_, 1872. Didot besass eine Bibliothek typographischer
-Seltenheiten ersten Ranges, die nach Millionen von Franken geschätzt
-wurde und auch bei der Versteigerung nach Didots Tode wirklich enorme
-Summen einbrachte. Diese Sammlung hatte Didot Veranlassung zu dem Werke:
-_Catalogue raisonné des livres de la Bibliothèque de A. F. Didot,
-I. 1: Livres à figures sur bois, Solennités, Romans de chevalerie_,
-392 zweispaltige Seiten, gegeben. Als Supplemente hierzu erschienen:
-_Les apocalypses figurées_ und _Essai de classification des Romans de
-chevalerie_. Sein Bibliothekzimmer war Didots liebster Aufenthalt,
-und hier musste oft sein Diener den in die Arbeit Vertieften an die
-vorgerückte Nachtstunde erinnern.
-
- [104] Seine 1882 in einem zweiten, unveränderten Abdruck erschienene
- _Histoire de la Typographie_ entspricht nicht dem, was man nach
- dem Titel erwarten könnte. Es ist ein Abdruck eines grossen,
- vor langen Jahren erschienenen Artikels in der _Encyclopédie
- moderne_ und enthält nur chronologisch an einander gereihte
- Notizen, fast ausnahmslos über französische Buchdrucker,
- namentlich über Mitglieder der Familie Didot, und schliesst mit
- dem Jahre 1851.
-
-[Sidenote: Hyacinthe Didot * 1794, [+] 7. Aug. 1881.]
-
-[Sidenote: Th. Lefèvre * 17. Sept. 1798.]
-
-Das Geschäft beschränkte sich nicht allein auf
-bibliopolisch-typographische Unternehmungen, sondern umfasste auch die
-bedeutende Papierfabrikation in Mesnil und Sorel. Dagegen sah sich Didot
-veranlasst, die Schriftgiesserei als selbständiges Geschäft aufzugeben;
-sie wurde der grossen Gesellschaft _Fonderie générale_ einverleibt.
-Als die Einrichtung der Papiermaschinen viele bei der Fabrikation
-beschäftigt gewesene Mädchen in Mesnil arbeitslos machte, richtete
-Didot eine bedeutende Druckerei für Frauen ein, sorgte für tüchtige
-Anleitung und etablierte Schulen. Diese Anstalt war namentlich ein Werk
-HYACINTHE DIDOTS, des treuen Mitarbeiters des Ambroise durch eine lange
-Reihe von Jahren. Sie stand unter der Leitung des THÉOTISTE LEFÈVRE,
-und wurde nachträglich noch durch eine Abteilung für taubstumme Mädchen
-erweitert. Der jetzt 84jährige Th. Lefèvre, bekannt durch sein Handbuch
-für Setzer[105], arbeitet seit 46 Jahren in dem Hause Didots.
-
- [105] _Guide pratique du compositeur d'imprimerie._ Paris 1855.
- Vol. II. 1872.
-
-Dass es Ambroise Firmin Didot an äusseren Ehren der verschiedensten
-Art nicht fehlte, ist begreiflich. In den letzten Jahren seines Lebens
-genoss er noch die Auszeichnung, Mitglied des Instituts von Frankreich
-zu werden. Die höchste Ehre war es ihm jedoch, die unbegrenzte Achtung
-und Liebe seiner Mitbürger und Untergebenen zu besitzen und der Vater
-seiner Arbeiter zu sein, was er im vollen Sinne des Wortes war, bis ihn
-der Tod ihnen raubte.
-
-[Sidenote: Alfred und Paul Didot.]
-
-Das Haus Didot steht jetzt unter der Leitung des Sohnes des Ambroise
-ALFRED FIRMIN DIDOT (geboren 1828) und des Sohnes des Hyacinthe PAUL
-FIRMIN DIDOT (geboren 1826). Die Druckerei in Paris ging in den Besitz
-von G. Chamerot über.
-
-Trotzdem dass die Firma, wie auch aus dem Obigen hervorgeht, in mancher
-Hinsicht ihre Thätigkeit beschränkte, wird sie sicherlich noch lange den
-berühmten Namen mit Ehren behaupten. Für Frankreichs Typographie hat
-die Familie Didot eine Bedeutung, welche die der Familie Stephanus noch
-überragt.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Andere ältere Familien.]
-
-Neben dem Geschlecht der Didot besass Frankreich noch eine Anzahl
-bedeutender Druckerfamilien, die, aus dem XVIII. in das XIX. Jahrhundert
-herüberreichend, die verbindenden Glieder in der grossen Kette bilden,
-in welcher sich die modernen vortrefflichen Typographen an die alten
-Meister anreihen.
-
-Unter diesen Familien nahm die der Panckoucke, wennauch nur auf kürzere
-Zeit, eine sehr glänzende Stellung ein.
-
-[Sidenote: J. Panckoucke * 1736, [+] 1799.]
-
-[Sidenote: P. Beaumarchais [+] 19. Mai 1799.]
-
-JOSEPH PANCKOUCKE, geboren zu Lille, war ein tüchtiger Mathematiker
-und bereitete sich für den Beruf eines Dozenten vor, etablierte sich
-jedoch zuerst als Buchhändler, dann 1774 als Buchdrucker. Eine der
-ersten seiner Unternehmungen sollte eine Gesamtausgabe von Voltaires
-Werken sein, für deren Durchsicht und Emendation er den berühmten
-Verfasser selbst gewonnen hatte. Die Kaiserin von Russland war ersucht
-worden, die Widmung anzunehmen, da jedoch nach Ablauf von sieben Monaten
-die Erlaubnis zur Dedikation noch nicht eingegangen war, betrachtete
-Panckoucke die Sache als gescheitert und verkaufte seine Rechte an den
-bekannten Schriftsteller P. BEAUMARCHAIS, der die Absicht hatte, etwas
-noch nicht Dagewesenes von einer Prachtausgabe zu liefern. Am Tage nach
-dem Abschluss kam -- zu spät! -- die Erlaubnis der Kaiserin, begleitet
-von einer Anweisung auf 150000 Livres.
-
-Beaumarchais liess in Kehl, Strassburg gegenüber, eine Offizin errichten
-und Arbeiter aus Deutschland und der Schweiz kommen. Seine Abgesandten
-nach Holland studierten die dortige Papierfabrikation und errichteten
-danach Fabriken in den Vogesen. Die Stempel und Matern Baskervilles
-wurden erworben (S. 74). Der Hauptherausgeber war Condorcet; die
-typographische Redaktion besorgten Decroix und Letellier. In fünf Jahren
-(1784-89) verausgabte man mehr als drei Millionen auf eine Oktavausgabe
-in 70 Bänden und eine Duodezausgabe in 92 Bänden. Um allen Ansprüchen
-gerecht zu werden, wurden von beiden Ausgaben Exemplare auf fünf
-Sorten Papier gedruckt in einer Gesamtauflage von 28000 Exemplaren.
-Zu dem grossen Aufwand stimmte nicht recht die nachlässige Korrektur.
-Pekuniär war das Unternehmen ein vollständiger Misserfolg und kostete
-Beaumarchais für seinen Anteil eine Million.
-
-[Sidenote: Der _Moniteur_.]
-
-Von Panckoucke stammt auch der Gedanke des _Moniteur_. Nachdem er in
-England den Wert und die Macht der periodischen Presse kennen gelernt
-hatte, wollte er ein solches Institut, das auch äusserlich mit einem der
-grossen englischen wetteifern konnte, in Frankreich gründen. Der erste
-Redacteur war Maret, später Herzog von Bassano. Das Blatt erreichte die
-damals ganz ausserordentliche Auflage von 15000 Exemplaren und wurde ein
-Quellenwerk für die Geschichte, das an Interesse wenige Konkurrenten hat.
-
-Als Verleger war Panckoucke äusserst splendid und bei Hofe sehr
-angesehen. Er druckte Buffons sämtliche Werke; die erste grosse
-Sammlung von Reisewerken und begann auch die _Encyclopédie méthodique_,
-welche 166 Bände in Quart und 51 Teile mit 6429 Kupfertafeln umfasste,
-deren Herstellung ein halbes Jahrhundert in Anspruch nahm. Der Erfolg
-war anfänglich ein ganz ausserordentlicher. Ein einziger Madrider
-Buchhändler, Sancha, hatte Subskriptionen bis zu einem Betrage von
-anderthalb Millionen Livres gesammelt. Die lange Reihe von Jahren,
-welche das Unternehmen bis zu seiner Vollendung erforderte, schmälerte
-jedoch sehr den Ertrag, da wenige Unterzeichner das Ende des Werkes
-erlebten.
-
-Panckoucke selbst war als Schriftsteller sehr thätig und lieferte ausser
-selbständigen Werken und Übersetzungen noch zahlreiche Artikel zu den
-periodischen und encyklopädischen Werken seines Verlages.
-
-[Sidenote: C. L. Panckoucke * 25. Dez. 1780, [+] 11. Juli 1844.]
-
-Sein Sohn CHARLES LOUIS PANCKOUCKE vertauschte die als Beruf ergriffene
-Rechtswissenschaft mit der Buchdruckerei und dem Buchhandel. Er
-vollendete die _Encyclopédie_ und druckte unter Mitwirkung der besten
-wissenschaftlichen Kräfte das _Dictionnaire des sciences médicales_, die
-_Flore médicale_, die _Biographie médicale_. Während des Rückganges des
-nationalen Glanzes in den Jahren 1814-15 begann er die Herausgabe der
-_Victoires et Conquêtes_, welche einen ausserordentlichen Erfolg hatten.
-Weiter veranstaltete er eine neue Ausgabe der _Expédition d'Égypte_.
-Auch er war als Schriftsteller mehrseitig thätig. Sein Sohn CHARLES
-LOUIS ERNEST (geboren 1806) verliess den Buchhandel, behielt jedoch die
-Buchdruckerei und den Druck des Moniteurs.
-
-[Sidenote: Familie Barbou.]
-
-Der Ursprung der Familie BARBOU ist in Lyon um die Mitte des XVI.
-Jahrhunderts zu suchen. Eins der Mitglieder derselben, JEAN JOSEPH
-BARBOU, etablierte sich 1717 als Buchhändler, 1723 als Buchdrucker
-in Paris. Der Sohn JOSEPH GÉRARD BARBOU machte sich einen übeln
-Namen durch die Art und Weise, wie er einberufene deutsche Arbeiter
-behandelte. Sein Neffe JOSEPH GÉRARD D. J. begann eine schöne Kollektion
-lateinischer Klassiker in 76 Bänden mit Vignetten, die 1808 auf J. A.
-DELALAIN überging, der das Geschäft erst allein, seit 1836 mit seinem
-Sohne A. H. J. DELALAIN führte. Diese Firma druckte mehrere tausend
-Klassiker-Ausgaben und Unterrichtswerke; derselben verdankt man auch das
-_Annuaire de la librairie et de l'imprimerie_ und mehrere Fachschriften.
-Die Familie gehört zu den geachtetsten ihres Faches in Frankreich.
-
-[Sidenote: P. N. Lottin [+] 1751.]
-
-PHILIPP NICOLAS LOTTIN etablierte 1724 eine Druckerei. Sein Sohn AUG.
-MARTIN war der typographische Lehrmeister Ludwigs XVI., der damals,
-ein glücklicher Knabe von zwölf Jahren, mit der Presse spielen konnte,
-die ihn später aufs Schafott bringen sollte. Lottin ist der Verfasser
-eines jetzt sehr selten gewordenen Werkes: _Catalogue chronologique des
-libraires et imprimeurs de Paris depuis 1470-1789_.
-
-[Sidenote: J. G. Treuttel * 1744, [+] 1826.]
-
-[Sidenote: J. G. Würtz * 1768, [+] 1841.]
-
-Das Geschäft TREUTTEL & WÜRTZ wurde 1770 in Strassburg, 1795 in Paris,
-1817 in London errichtet. J. G. TREUTTEL war in Strassburg geboren,
-ebenso sein Schwiegersohn J. G. WÜRTZ; ein zweiter Schwiegersohn E.
-JUNG trat nach Treuttels Tod als Teilhaber in das noch in der Familie
-unter der Firma JUNG-TREUTTEL fortwirkende Geschäft. Unter den vielen
-bedeutenden Arbeiten desselben nennen wir nur einige: d'Agincourts
-_L'histoire de l'art par les monumens_; die Werke der Frau von Staël, 17
-Bände; _Les archives des découvertes_, 31 Bände; die bedeutendsten Werke
-Sismondis; die Bipontiner (Zweibrücker) Ausgaben der Klassiker in 115
-Bänden; die _Encyclopédie des gens du monde_.
-
-[Sidenote: Familie Berger-Levrault.]
-
-[Sidenote: Fr. Schmuck * 1678.]
-
-[Sidenote: Wilh. Schmuck * 1682, [+] 1751.]
-
-[Sidenote: J. R. Christmann [+] 1661.]
-
-[Sidenote: F. R. Christmann * 1728.]
-
-[Sidenote: F. L. X. Levrault * 1762, [+] 17. Mai 1821.]
-
-[Sidenote: Witwe Levrault [+] 1850.]
-
-[Sidenote: Witwe Berger-Levrault [+] 28. Mai 1879.]
-
-Eines der bekanntesten Häuser Frankreichs ist das Strassburg ebenfalls
-angehörende BERGER-LEVRAULT, welches seit mehr als 200 Jahren in einer
-Familie fortgeführt wurde[106]. Der Gründer desselben war FRIEDR.
-WILH. SCHMUCK um 1675; die Druckerei entstand 1685. Der Sohn FRIEDRICH
-SCHMUCK und dann sein Bruder WILH. SCHMUCK folgten, letzterer wurde
-Buchdrucker des Königs und der Universität. Nach Fr. Schmucks Tode
-ging das Geschäft auf seinen Schwiegersohn JOH. ROB. CHRISTMANN aus
-Kempten und dann auf dessen ältesten Sohn FRANZ ROBERT ADRIAN über, der
-als Teilnehmer seinen Schwager FRANZ GEORG LEVRAULT aufnahm, worauf
-die Firma CHRISTMANN & LEVRAULT, dann nach Christmanns Tode GEORG
-LEVRAULT wurde und bis 1858 fortbestand. Von den vier Söhnen Georgs,
-die sich alle der Druckerei widmeten, wurde der älteste FRANZ LAURENT
-XAVIER, welcher in der Schreckenszeit auf Grund seiner royalistischen
-Gesinnungen hatte fliehen müssen, Chef des Hauses. Unter ihm fand ein
-bedeutender Aufschwung des Geschäfts statt. Ein grosser Teil des Exports
-französischer Bücher nach Deutschland und Russland ging durch seine
-Hände und seine Pressen brachten zahlreiche Verlagsartikel hervor. Eine
-Spezialität des Hauses bildete die Lieferung von Militärformularen, die
-sogar der grossen Armee nach Russland nachgesendet wurden. Levrault
-war ein Mann von ungewöhnlicher geistiger Begabung und Arbeitskraft,
-die er nicht nur dem Geschäfte, sondern auch seinen Mitbürgern, unter
-denen er im höchsten Ansehen stand, widmete. Eine treue und tüchtige
-Gehülfin hatte er in seiner Frau, welche, als Überanstrengungen 1821
-seinen Tod herbeiführten, sich beherzt an die Spitze des Hauses stellte
-und während 29 Jahren das Erbe der Familie mit sicherer Hand erhielt
-und förderte. Von 1825 bis 1837 wurde sie durch einen Schwiegersohn
-FRIEDR. BERGER kräftig unterstützt, ein anderer Schwiegersohn C. PITRIS
-leitete das in Paris gegründete Haus. Nach Bergers Tode übernahm
-dessen Witwe die Führung der Druckerei, während die Witwe Levrault
-bis zu ihrem Tode der Buchhandlung vorstand. Die Witwe Berger nahm
-nun ihren Sohn OSCAR BERGER-LEVRAULT zum Teilnehmer, wodurch die
-Firma sich in BERGER-LEVRAULT SOHN änderte. Unter der Leitung Jul.
-Norbergs nahmen die Geschäfte einen immer grösseren Umfang an. Mit
-gewaltigen Anstrengungen siegte man in dem Kampf gegen Konkurrenten um
-Behauptung der administrativen Arbeiten. Bedeutende Erfolge belohnten
-die Thätigkeit und ein grossartiges Geschäftshaus wurde erbaut. Kaum
-war der Umzug bewerkstelligt, da brach der Krieg aus. Die Schwierigkeit
-resp. Unmöglichkeit, während desselben und der darauf folgenden
-Friedensverhandlungen die administrativen Arbeiten auszuführen, waren
-ausserordentlich; nach der Abtretung des Elsass an Deutschland musste
-das Haus mit diesen Arbeiten nach Frankreich auswandern und 1873 fand
-die Übersiedelung nach Nancy statt. Bereits am 20. Mai 1876 ward das
-dortige äusserst zweckmässig eingerichtete Etablissement ein Raub der
-Flammen, es wurde jedoch mit einer fabelhaften Energie und mit noch
-besseren Einrichtungen als vorher neu aufgeführt.
-
- [106] L. MOHR, Das Haus Berger-Levrault. Strassburg 1876. --
- _L'Imprimerie de Berger-Levrault & Co._ Nancy 1878. -- Ann. d.
- Typ. B. VIII. 1876, Nr. 352.
-
-Das Strassburger Etablissement, welches jetzt nach 200 Jahren wieder zu
-den deutschen zählt, besteht unter alleiniger Leitung des Herrn RUD.
-SCHULTZ als Kommandit-Gesellschaft unter der Firma R. SCHULTZ & CO.
-(BERGER-LEVRAULT NACHFOLGER).
-
-[Sidenote: J. G. Dentu * 1770, [+] 1840.]
-
-[Sidenote: G. Dentu d. j. * 1796, [+] 1849.]
-
-Der Gründer der Firma Dentu, JEAN GABRIEL DENTU, etablierte um 1795
-eine Buchdruckerei und später eine Buchhandlung in Paris. Sein _Journal
-des Dames_ hatte einen ausserordentlichen Erfolg. Er gab eine grosse
-Reihe von Reisewerken sowie Schriften naturwissenschaftlichen Inhalts
-heraus und druckte und verlegte nach der zweiten Restauration fast
-alle legitimistischen Broschüren. Der Sohn GABRIEL DENTU, der 1826
-das Geschäft übernahm, blieb den politischen Traditionen der Firma
-treu, wurde dadurch nach der Julirevolution 1830 in 27 Pressprozesse
-verwickelt und musste ausser zahlreichen Geldstrafen neun Monat
-Gefängnis aushalten. Einer seiner Söhne ED. DENTU folgte ihm als
-Buchhändler; die Buchdruckerei wurde verkauft.
-
-[Sidenote: H. M. Cazin [+] 5. Okt. 1795.]
-
-Als Verleger einer Reihe reizender und koketter Ausgaben in 18° mit
-schönen Illustrationen und allerliebsten Ornamenten der besten Künstler
-ist HUBERT MARTIN CAZIN bekannt.
-
-Mit grosser und wohlbegründeter Pietät nennen die französischen
-Fachgenossen den Namen Crapelet.
-
-[Sidenote: Charles Crapelet * 13. Nov. 1762, [+] 9. Okt. 1809.]
-
-CHARLES CRAPELET war in Bourmont geboren. Seine Erziehung war sehr
-vernachlässigt, er versuchte jedoch durch unermüdliche Arbeit das
-Fehlende zu ersetzen. Erst 17 Jahre alt übernahm er die Leitung des
-bedeutenden Geschäfts des Buchdruckers Stoupe. Er beteiligte sich auf
-das lebhafteste bei den Bestrebungen, die Typographie durch Geschmack
-und Eleganz zu heben, und war zugleich einer der vorzüglichsten
-Korrektoren. Als Beweis seines Pflichteifers wird erzählt, wie er sich
-von dem Festschmause am Abend seines Hochzeitstages gegen Mitternacht
-heimlich entfernte. Als er nicht wiederkam, geriet die Gesellschaft
-in Verlegenheit, die junge Frau in die grösste Unruhe. Nachdem der
-anwesende Prinzipal Stoupe sich eine zeitlang an dieser Situation
-ergötzt hatte, machte er schliesslich dem Entsetzen ein Ende durch die
-Erklärung, Crapelet sei in die Druckerei gegangen, um die Korrektur
-einiger Bogen zu erledigen, die man morgen drucken müsse. Der Vermisste
-erschien dann endlich auch früh gegen drei Uhr.
-
-Im Jahre 1789 wurde er der Nachfolger Stoupes. Nach dem Beispiele
-Baskervilles suchte er Einfachheit mit Eleganz zu verbinden und übertraf
-sein Vorbild durch die Gleichmässigkeit und die grosse Korrektheit
-seiner Drucke. Seine Ausgaben werden von allen Bücherfreunden in Ehren
-gehalten und seine Pergamentdrucke und die Golddruck-Exemplare von
-Audiberts _Histoire des colibris_ sind typographische Seltenheiten.
-
-Vom Glück war Crapelet nicht begünstigt und Missbrauch seines Vertrauens
-brachte ihm ausserdem schwere Verluste. Um diese zu ersetzen,
-arbeitete er über seine Kräfte. Ein Druckfehler in dem ersten Bogen
-seiner Ausgaben des _Télémaque_, wo, statt _Pénèlope_, _Pélènope_
-gedruckt war, versetzte ihn in eine solche Aufregung, dass nur die
-ernsthaftesten Vorstellungen seiner Freunde ihn von seinem Entschluss,
-die Buchdruckerei aufzugeben, abzubringen vermochten. Leider zu
-seinem Schaden, denn er starb, erst 49 Jahre alt, durch geistige und
-körperliche Anstrengungen aufgerieben, als Märtyrer seines Berufs. Unter
-den vielen Werken aus seinen Pressen seien die schönen Ausgaben der
-französischen Klassiker und Audiberts _Histoire naturelle des oiseaux
-chantans_, Folio, 1805, genannt.
-
-[Sidenote: G. A. Crapelet * 1789, [+] 1842.]
-
-Notgedrungen musste der Sohn GEORG AUGUST CRAPELET, kaum 20 Jahre
-alt, das Geschäft übernehmen. In seinen Leistungen übertraf er noch
-den Vater, war ausserdem ein bedeutender Fachschriftsteller und
-Archäolog. Seine Ausgaben französischer Klassiker sind berühmt und die
-Grosspapier-Exemplare davon sind als Prachtdrucke gesucht. Crapelet
-der Sohn gehörte, wie der Vater, zu denjenigen Buchdruckern, die mehr
-zur Ehre der Kunst als zum eigenen Vorteil den alten Traditionen treu
-blieben. Seine Fachwerke sind sehr geschätzt. Von den _Études pratiques
-et littéraires sur la typographie_, Paris 1837, wurde leider nur der
-erste Teil veröffentlicht, den Abschluss des Werkes verhinderte des
-Verfassers Tod. 1840 erschien _De la profession d'un imprimeur_.
-
-[Sidenote: De Bure.]
-
-Den Grund zu den bedeutenden bibliographischen Arbeiten Frankreichs
-legte WILHELM FRANZ DE BURE, einer bereits seit 1660 bestehenden
-Buchhändler-Familie angehörend. Er verfasste 1753 das _Museum
-typographicum_ und 1785 seine _Bibliographie instructive_, sowie mehrere
-von den Bibliographen sehr geschätzte Kataloge, unter andern die über
-die Bibliothek des Herzogs von la Vallière, in damaliger Zeit die
-bedeutendste Privatbibliothek Frankreichs.
-
-[Illustration]
-
-
-[Illustration]
-
- VII. KAPITEL.
-
- DIE MODERNE TYPOGRAPHIE FRANKREICHS UND DAS BUCHGEWERBE.
-
- DAS AUFLEBEN DES BUCHGEWERBES. Die Prachtwerke. Neue Bahnen. Der
- _Cercle de la Librairie_. Die Fachlitteratur. Statistisches. Die
- Journallitteratur. DIE MODERNE TYPOGRAPHIE: A. Mame & Co., H.
- Fournier, P. Dupont, J. Claye, N. Chaix, H. Plon u. a. DER
- ILLUSTRIERTE VERLAG: Ch. Furne, J. Dubochet, J. Paulin. DIE
- LUXUSBÜCHER: L. Curmer, G. Silbermann, Engelmann Vater & Sohn. DIE
- VERSCHIEDENEN RICHTUNGEN DES BUCHHANDELS: Baillère, Masson, Hachette
- & Co. u. a. DER ARCHAÏSTISCHE DRUCK: L. Perrin, D. Jouaust. DIE
- BIBLIOGRAPHIE: Die Buchhandlungen für das Ausland.
-
-[Sidenote: Aufatmen des Buchhandels.]
-
-Schwere Zeiten hatten in der Sturmperiode Frankreichs auf der
-Buchdruckerei und dem Buchhandel gelastet und nur wenigen Auserwählten
-der alten Garde war es, wie wir gesehen, vergönnt gewesen, aus der
-Krisis ungeschädigt hervorzugehen. Als nun das Buchgewerbe wieder
-aufzuatmen begann, war es, da die neue Litteraturperiode noch nicht
-angebrochen war, natürlich, dass die Schaffenslust sich zuerst der
-Herstellung von schönen Ausgaben der vorhandenen Schriftsteller, die zu
-den französischen Klassikern gezählt wurden, zuwendete.
-
-[Sidenote: Th. Desoër.]
-
-[Sidenote: J. J. Lefèvre.]
-
-THEODOR DESOËR war der erste, der eine solche Prachtausgabe: einen
-zwölfbändigen Voltaire, herausgab, die alle Welt in Erstaunen versetzte,
-welche die Frage lebhaft diskutierte, ob der Verleger bald ein reicher
-oder ein bankerotter Mann werden würde. JEAN JACQUES LEFÈVRE wollte
-Ausgaben bringen, die selbst die Didotschen übertreffen sollten. In den
-Jahren 1826-1829 gab er zuerst in 73 Bänden in Oktav die französischen
-Klassiker mit reichhaltigen Kommentaren heraus, dann die ohne Rivalen
-gebliebenen Sammlungen älterer und neuerer Klassiker aller Länder in
-32°. Gleichzeitig veröffentlichte L. JANET seine luxuriösen Ausgaben der
-geistlichen Schriftsteller.
-
-[Sidenote: Prachtausgaben.]
-
-Eine Prachtausgabe jagte nun die andere. Von Voltaire allein erschienen
-nicht weniger als vierzig Ausgaben in den verschiedensten Formaten und
-zu den verschiedenartigsten Preisen. In ununterbrochener Reihe folgten
-Buffon, Madame de Sévigné, Boileau, Bossuet und viele andere ältere
-Schriftsteller mit prachtvollen Stichen, unter Mitwirkung von Künstlern
-wie Desenne, Deveéia, Henriquel-Dupont, Calamatta, Lecomte, Girardet,
-Lorichon u. a. Daneben behaupteten jedoch auch die älteren Ausgaben
-ihren Wert bei den vielen Bücherliebhabern. Zu zahlreichen Werken mit
-und ohne Illustrationen gaben die Thaten Napoleons und der grossen Armee
-Anlass. Die arbeitenden 1500 Pressen, davon 800 in Paris, reichten
-öfters nicht aus, um dem Andrängen der Verleger zu genügen. Im Jahre
-1811 erreichten die gedruckten Bogen die Zahl von neunzehn Millionen,
-1826 war sie auf 145 Millionen gestiegen, nicht gerechnet die enorme
-Zahl der politischen Broschüren, der Zeitungen und der Revues.
-
-[Sidenote: C. Ladvocat.]
-
-Trotz der Schönheit der Klassiker-Ausgaben traten diese mit der
-Zunahme der modernen Schriftsteller von Bedeutung wie Benj. Constant,
-Chateaubriand, Lamartine, Cas. Delavigne und viele andere in den
-Hintergrund. Was Lefèvre für die alten Verfasser gewesen, wollte nun
-CHARLES LADVOCAT für die lebenden sein. Er war der richtige Typus eines
-modernen Buchhändlers, kühn, unermüdlich, freigebig, von Liebe zu seinem
-Geschäft beseelt. Er verstand jedoch nicht, dabei klug haushälterisch zu
-sein. Er gab zwar der Litteratur einen mächtigen Stoss nach vorwärts,
-sollte aber so wenig wie Lefèvre die Früchte des regen Schaffens
-geniessen, und beide starben arm.
-
-[Sidenote: Der Roman.]
-
-Dem Roman war es beschieden, einen mächtigen Einfluss auf das
-Druckgewerbe zu üben. Am Tage der Herausgabe eines neuen Romans von
-Victor Hugo, Jules Janin, Ch. Nodier, H. de Balzac, Paul Lacroix, Léon
-Gozlan, Eug. Sue, Alf. Karr u. a. waren die Buchhandlungen förmlich
-belagert. Die höchsten Honorare wurden bezahlt, oft für Bücher, von
-denen noch keine Zeile geschrieben war.
-
-[Sidenote: Das Feuilleton.]
-
-Doch hiermit sollte es nicht genug sein. Emil Girardin öffnete dem
-Roman noch neue Bahnen. Er hatte den Gedanken gefasst, ein Journal von
-dem Umfange der grossen Blätter, aber nur zu vierzig statt zu achtzig
-Franken, herauszugeben. Das wirkte in der Journalistik gleich einer
-Revolution im Staate. Im Jahre 1835 erschien Girardins _La Presse_; _Le
-Siècle_ war die erste Konkurrenz. Das Publikum sollte namentlich durch
-das Feuilleton angelockt werden und es entstand eine wahre Hetzjagd nach
-Romanen für dasselbe und selbst die ernsthaftesten Journale mussten
-dem Strom folgen. Souliés _Mémoires du diable_ und Sues _Mystères de
-Paris_ in dem _Journal des Débats_ wurden geradezu verschlungen. Die
-Männer des Romans genügten nicht und es entstand eine ganze Legion von
-romanliefernden Blaustrümpfen. War der Roman im Feuilleton beendigt, so
-kam eine Nachlese für Autor, Verleger und Drucker durch Herausgabe als
-Buch.
-
-Die Kunst des Zeilenmachens[107] wurde im grossen Stil geübt, als
-besonderer Virtuos zeigte sich hierin Victor Hugo. Da nach den Zeilen
-bezahlt wurde, so waren Zeilen wie »Ja« -- »Nein« -- »Er ging« -- »Sie
-lächelte« etc. sehr profitabel.
-
- [107] EUG. DE MIRECOURT, _Fabrique de romans_. Paris 1845.
-
-Doch das Romanfieber liess nach und es machte sich nun, unterstützt
-durch die Fortschritte der Holzschneidekunst und das vortreffliche
-Material an Schrift, Papier und Pressen, die Sucht geltend, alles mit
-Holzschnitten zu illustrieren.
-
-[Sidenote: Der Holzschnitt.]
-
-[Sidenote: Die illustrierten Klassiker.]
-
-So prachtvoll die Stahlstiche auch gewesen, man sehnte sich doch nach
-einfacherer Kost. Der Holzschneider Porret war einer der ersten, der
-auf Antrieb Achille Devérias zur Reorganisation der Xylographie die
-Initiative ergriff. Die talentvollen Zeichner eigneten sich mit Eifer
-die Methode für den Holzschnitt zu zeichnen an. Desenne, Devéria, Alfr.
-und Tony Johannot, Jul. David, Raffet, Charlet, J. J. Grandville, Horace
-Vernet, Vict. Adam, Ary Scheffer, Gavarni und andere Künstler ersten
-Ranges erschienen auf dem Kampfplatz. Da gab es ein lustiges Turnier.
-Alle Klassiker, fremde und einheimische, wurden mit Holzschnitten
-illustriert; geschichtliche, ethnographische und naturwissenschaftliche
-Werke folgten in bunter Reihe, daneben die illustrierten Blätter.
-Schliesslich kamen die illustrierten Romane zu 20 Cent. für die
-Lieferung an die Reihe und auch die Jugendschriften nahmen ein anderes
-Gesicht an. Der Sieg des Holzschnittes über den Stahlstich war ein
-vollständiger.
-
-Gegen das Ende des Bürgerkönigtums hatte das Geschäft wenigstens
-anscheinend eine hohe Blüte erlangt. In der Zeit von 1830-1848
-betrug die Zahl der erschienenen Werke 105000 und sie hat sich mit
-stellenweisen Unterbrechungen durch die politischen Wandlungen auf einer
-hohen Stufe erhalten.
-
-[Sidenote: Der _Cercle de la librairie_.]
-
-Zu dem Ansehen des französischen Pressgewerbes hat, wie bereits in
-der »Einführung« angedeutet wurde, der _Cercle de la librairie, de
-l'imprimerie, de la musique et des estampes_[108] vieles beigetragen.
-Aus dem angeführten Titel geht schon hervor, dass der _Cercle_ als
-Sammelplatz für alle die mannigfachen Kräfte dient, welche bei den
-graphischen Künsten im weitesten Sinne beschäftigt sind. Nicht nur in
-allen Verhältnissen der Regierung gegenüber, sondern auch bei allen
-Weltausstellungen hat der _Cercle_ die Interessen des Buchgewerbes mit
-Energie, Geschick und Glück vertreten. Er wacht mit Eifersucht dem
-Auslande gegenüber, jedoch ohne Eifersüchtelei unter den Mitgliedern
-des Vereins, über die Behauptung der hervorragenden Stellung des
-französischen Druckgewerbes, wenn dieses auf dem Weltmarkt sich zeigt.
-
- [108] _Le Cercle de la librairie. Notice hist._ Paris 1881. -- J. B.
- BAILLÈRE, _Le Cercle, etc._
-
-Der am 5. Mai 1847 unter dem Vorsitz von Ambr.-Firmin Didot gegründete,
-1853 reorganisierte Verein erwarb 1856 das Eigentumsrecht auf die seit
-dem Jahre 1811, damals im Besitz der Familie Pillet, erscheinende
-_Bibliographie de la France_. Das 1858 unternommene _L'Annuaire de la
-librairie_ wird nicht regelmässig fortgesetzt und hat für den Buchhandel
-Frankreichs nicht die Bedeutung wie in Deutschland O. A. Schulz'
-Adressbuch. 1863 wurde das _Comité judiciaire des Cercle_ eingerichtet.
-Am 12. Juni 1878 wurde der Grundstein zu einem prachtvollen
-Versammlungshaus, Ecke der _Rue Grégoire-de-Tours_ und des _Boulevard
-St.-Germain_, gelegt und dasselbe am 4. Dezember 1879 feierlich
-eingeweiht. Es werden seit der Zeit höchst interessante Ausstellungen
-dort abgehalten. Im Jahre 1880 war die Zahl der wirklichen Mitglieder
-317, darunter 119 Buchhändler, 40 Buchdrucker, 26 Lithographen, 55
-Papierfabrikanten, 11 Buchbinder, 8 Maschinenfabrikanten etc. Ausserdem
-hatte der _Cercle_ 21 Ehrenmitglieder und 145 korrespondierende
-Mitglieder. Das Vereinsvermögen betrug 350000 Franken.
-
-[Sidenote: Fachlitteratur. Gabr. Charavay [+] 22. Mai 1878.]
-
-Als Organ der Typographie besteht seit 1864 das durch GABR. CHARAVAY
-geleitete _L'Imprimerie, journal de la typographie et de la
-lithographie_. Es beschäftigt sich namentlich mit den Verhältnissen
-der Buchdrucker zum Staate und mit den gewerblichen Interessen, ist in
-technischer Beziehung jedoch nicht so reichhaltig wie die leitenden
-englischen Journale. Letzteren nachzukommen ist das seit 1873 begonnene
-Journal _La Typologie Tucker_ mit Glück bemüht. Es bringt wertvolle
-Artikel, so wurden z. B. die bekannten _Lettres d'un bibliophile_ von
-R. R. Madden zuerst hier mitgeteilt. Von den übrigen Fachjournalen sei
-noch erwähnt das durch Fusion von drei typographischen Blättern 1882
-entstandene _Bulletin de l'imprimerie et de la librairie_, redigiert von
-LÉON DEGEORGE. Was von den englischen Fachjournalen gesagt wurde, dass
-sie sich von allen persönlichen Gehässigkeiten und Reibungen freihalten,
-gilt auch von den französischen, obwohl sie zum grossen Teil direkt im
-Interesse einzelner grossen Fabrikanten herausgegeben werden.
-
- * * * * *
-
-Nachdem wir in dem vorhergehenden Kapitel die Wirksamkeit und Bedeutung
-der Bahnbrecher der neueren Periode haben kennen lernen, wenden wir uns
-den bedeutenderen der modernen Anstalten zu, welche dazu beigetragen,
-Frankreichs typographischen Ruhm in neuester Zeit zu fördern.
-
-Es könnte anscheinend ein Widerspruch darin gefunden werden, dass die
-Reihe mit einem Institut angefangen wird, welches bereits zuende des
-vorigen Jahrhunderts gegründet wurde. Dasselbe ist jedoch seiner ganzen
-Organisation und Arbeitsweise nach so innig mit der neuen Zeit verknüpft
-und übt auf diese seinen Einfluss in einer so hervorragenden Weise, dass
-es wohl nicht mit Unrecht gerade hier an der Spitze steht, als Prototyp
-einer im besten Sinne modernen Buchdruckerei: es ist das Druckinstitut
-von A. MAME & CO. in Tours.
-
-[Sidenote: Alfred Mame * 1811.]
-
-Der Gründer desselben war (1798) ARMAND MAME, ein junger und energischer
-Mann. 1830 assoziierte er sich mit seinem Schwiegersohne und Neffen
-ERNEST MAME. 1833 traten seine zwei Söhne ALFRED HENRI ARMAND und ERNEST
-als Teilnehmer ein. Nach dem Tode des Vaters übernahm Alfred Mame
-das Geschäft allein und von da ab datiert sich der enorme Aufschwung
-desselben. Die Ateliers wurden den Forderungen der Zeit entsprechend
-eingerichtet und Neubauten vorgenommen. Auch der Buchbinderei widmete
-Mame besondere Sorgfalt. Seit 1859 ist der Sohn PAUL Teilhaber. Schon
-damals beschäftigte das Institut über 1000 Leute und produzierte täglich
-gegen 15000 Bände. Der Verlag besteht hauptsächlich in Schriften
-pädagogischen und religiösen Inhalts, welche, mit einem Preise von
-60 Cent. für ein schön gebundenes Bändchen beginnend, bis zu den
-höchsten Preisen geliefert werden. Mames grösster Vorzug ist eine
-für alle Arbeiten, die billigsten ebensogut wie die teuersten, sich
-gleichbleibende Sorgfalt. Seine glänzenden typographischen Siege errang
-er hauptsächlich durch seinen Schwarzdruck; bunte Farben, Gold und die
-Hülfsmittel der Schwesterkünste der Buchdruckerkunst wurden von ihm nur
-als notwendige Konzessionen an den Geschmack des Publikums betrachtet.
-Er ist ein echter Schwarzkünstler.
-
-Unter seinen Prachtwerken sind ausser seinem herrlichen _Missale_
-in Folio, das mit allem Raffinement ausgestattet ist, besonders zu
-erwähnen die illustrierten Prachtwerke _La Touraine_ mit Zeichnungen
-von Français, K. Girardet und Catenacci, das schon 1855 von der Jury
-der Weltausstellung als ein Meisterwerk ersten Ranges anerkannt wurde,
-und die Bibel mit den epochemachenden Illustrationen Gustav Dorés,
-die mittels Clichés Eigentum fast aller Länder geworden sind. Zu den
-neueren Prachtwerken, bei welchen Künstler wie Foulquier, Giacomelli
-und Hallez mitwirken, gehören die _Chefs-d'[oe]uvre de la langue
-française_. Von allen von ihm herausgegebenen Werken lässt Mame ein
-Exemplar auf Pergament drucken, eine typographische Sammlung von
-grossem Wert. Auf allen Weltausstellungen erreichte Mame das höchste
-Mass der Auszeichnungen und es ist wohl kaum eine Stimme dagegen laut
-geworden[109].
-
- [109] Behufs Verteilung bei Ausstellungen gab Mame einen illustrierten
- Bericht über sein Etablissement heraus. In dem Jahrgang 1865 des
- Journ. f. B. Nr. 6 ff. findet sich eine deutsche Bearbeitung
- mit den Abbildungen des Originals. Bei späteren Ausstellungen
- erschienen neue Auflagen des Berichts.
-
-[Sidenote: H. Fournier * 1795.]
-
-Die Leitung der Mameschen Buchdruckerei lag in den Händen HENRI
-FOURNIERS. Derselbe arbeitete 1812 bei Didot, wo er für den tüchtigsten
-Setzer galt. 1824 gründete er selbst in Paris eine Buchdruckerei, die
-später durch Kauf in die Hände Jules Clayes überging. Fournier druckte
-und verlegte eine Anzahl kompakter Ausgaben der französischen Klassiker
-und verschiedene illustrierte Werke: _Les petits Misères de la vie
-humaine_, _La Chine ouverte_, die von einem feinen Geschmack und grosser
-Tüchtigkeit zeugten. Er zog nach dem Verkauf seines Geschäfts wieder
-nach seiner Vaterstadt Tours. Auf Grund der typographischen Ausführung
-von _La Touraine_ wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.
-Allgemein bekannt auch in Deutschland ist Fournier durch seinen _Traité
-de la typographie_, das einzige die Kunst des Setzers mit Geschmack
-behandelnde Lehrbuch.
-
-[Sidenote: P. Dupont * 1796, [+] 12. Dec. 1880.]
-
-Für den Accidenzdruck haben PAUL DUPONT und seine _Imprimerie
-administrative et des chemins de fer_ Bedeutung[110]. Seinem
-ganzen Wesen nach ist das Institut eins der modernsten und
-umfasst Buchdruckerei und lithographische Anstalt mit mehr als 50
-Schnellpressen, 25 Handpressen und 1200 Arbeitern. Ein merkwürdiges
-Unternehmen Duponts sind die _Archives parlementaires_ der verschiedenen
-Repräsentationen Frankreichs von 1787-1860: Generalstaaten, Direktorium,
-Konsulat, Kaiserreich, Restauration, Hundert Tage, zweite Restauration,
-Juli-Regierung, zweite Republik, zweites Kaiserreich; kann man eine
-grössere Abwechselung verlangen? Dupont hat sich Ruf durch seine
-praktischen Beiträge zur Lösung der Arbeiterfrage durch Beteiligung der
-Arbeiter erworben und hat in seinen Bestrebungen unter den französischen
-Industriellen viele Gleichgesinnte und Nachfolger gefunden, z. B.
-Laurent & Deberny, Schriftgiesserei, seit 1848, Chaix & Co. und Godchaux
-& Co. seit 1871, Mame und Masson seit 1877.
-
- [110] _Notice sur les établissements de P. D._ 1867. -- _P. D. et ses
- ouvriers assoc._ -- Journ. f. B. 1865, Nr. 35-37. -- P. DUPONT,
- _Une Imprimerie en 1867_. Paris 1867.
-
-Anlässlich der Pariser Ausstellung 1867 gab Dupont ein Prachtwerk
-heraus, enthaltend eine für den Laien interessante Schilderung seiner
-Anstalt; freilich nicht ohne eine gewisse Ostentation und kräftige
-Hervorhebung der Lichtseiten. Ferner schrieb er eine _Histoire de
-l'imprimerie_, zwei Bände, 1854, jedoch mehr eine Sammlung von
-Material als eine durchgearbeitete Geschichte[111] und, abgesehen von
-der Erfindungsgeschichte, fast ausschliesslich sich mit Frankreich
-beschäftigend.
-
- [111] Die 1881 erschienene neue Ausgabe ist die alte mit einem neuen
- Titel.
-
-Von den vielen grossen Offizinen nennen wir nur diejenigen, die irgend
-eine charakteristische Seite aufzuweisen haben.
-
-[Sidenote: Jules Claye.]
-
-JULES CLAYE (ursprünglich H. Fournier) ist eine bedeutende
-Buchdruckerei, aus welcher eine grosse Anzahl von Prachtwerken Pariser
-Verleger hervorging, darunter die grossartigste Erscheinung der jüngeren
-Typographie, Hachettes _Les Évangiles_. Wenn wir gleich daneben ein
-kleines Kunststückchen Clayes, seinen Katalog der Ausstellung des
-_Cercle de la librairie_ in Wien 1873 nennen, so geschieht es nur,
-weil das Büchlein zu den Gegenständen gehört, bei deren Betrachtung
-man sich sagen muss, es giebt ein gewisses Etwas in der französischen
-Typographie, in welchem man ihr nicht nachkommt, nicht weil man es
-technisch nicht ebenso gut machen könnte, nachdem es einmal vorliegt,
-sondern weil man einfach nicht auf den Gedanken kommt, es so zu
-machen. Clayes Nachfolger im Geschäft ist A. Quantin. Aus der Schule
-Mames hervorgegangen, gilt dieser als einer der vorzüglichsten und
-geschmackreichsten Drucker. Die _Histoire de Joseph_ wird als ein
-würdiges Seitenstück zu _Les Évangiles_ bei Hachette betrachtet.
-
-[Sidenote: A. Chaix.]
-
-Zu Claye steht A. CHAIX & CO. ungefähr in demselben Verhältnis wie
-Dupont zu Mame. Die Firma, jetzt wie die Duponts in den Händen einer
-Kommandit-Gesellschaft, ist _Imprimerie et librairie centrales des
-chemins de fer_[112]. Wie schon aus der Bezeichnung hervorgeht, legte
-sich Chaix besonders auf Arbeiten für Eisenbahnen und zwar zu einer
-Zeit, als viele Eisenbahnbauten in Angriff genommen wurden. Ausserdem
-druckte er viele Wertpapiere. Selbst das für so manchen ruinöse
-Jahr 1848 brachte Chaix' Etablissement Vorteil durch die vielen
-dort ausgeführten Zeitungen und politischen Broschüren, denn seine
-Druckerei war der Sammelplatz der neuen politischen Grössen, wo auch
-der nachmalige Kaiser fast täglich verkehrte. 1878 beschäftigte er
-48 Schnellpressen und gegen 700 Personen. Das Lokal gewährt das Bild
-einer grossen Eisenbahnhalle, mit Oberlicht versehen und von Galerien
-umgeben. In der Mitte arbeiten die Setzer; ringsherum stehen die
-Maschinen. Jeden Monat wird ein neuer Orientierungsplan ausgegeben,
-um die Hersteller der verschiedenen Arbeiten leicht auffinden zu
-können. Das grosse Tarifbuch im stehenden Satz enthält 36 Millionen
-Nonpareil-Typen. Für die mehrfarbigen Plakate, öfters von mehr als zwei
-Meter Höhe und anderthalb Meter Breite, sind die schon oben erwähnten
-besonderen Maschinen in Gang. Die Buchhandlung beschäftigt sich fast
-ausschliesslich mit Eisenbahnlitteratur. Chaix sorgt sowohl durch
-Beteiligungssystem und Kassen, die jetzt über ein Kapital von 300000
-Franken verfügen, als durch zweckmässige Einrichtungen in dem Lokal
-und eine billige Arbeiterküche für das Wohl der Gehülfen. Für die
-Ausbildung der Lehrlinge errichtete er eine Schule mit vier Klassen
-unter Berücksichtigung der vier Lehrjahre der Zöglinge. Nicht allein,
-dass der Unterricht frei ist, sondern den Lehrlingen werden Marken
-verabreicht, die sie beim Beginn der Stunden abzugeben haben. Für jede
-Marke, die also als Zeichen der Anwesenheit in der Schule gilt, wird dem
-Lehrling ein kleiner Geldbetrag gutgeschrieben. Für die Schüler schrieb
-Chaix selbst ein Handbuch der Buchdruckerkunst, gab auch anlässlich der
-Ausstellung 1878 einen 338 Seiten starken Bericht über seine Anstalt
-heraus.
-
- [112] _Histoire de l'imprimerie centrale, etc._ Paris 1878.
-
-[Sidenote: _Agence Havas._]
-
-Ist Chaix' Druckerei als typisch für eine Druckerei des Augenblicks
-zu betrachten, so kann die am _Place de la bourse_ gelegene Offizin
-der _Agence Havas_, der politischen Korrespondenz Frankreichs, als das
-Bild einer Zukunftsdruckerei gelten. Es werden hier nur Setzmaschinen
-verwendet, und zwar Kastenbeinsche, die durchweg von Frauen bedient
-werden. Diese Druckerei liefert für die Provinzblätter stereotypierte
-Satzspalten, die, in Stücke zersägt, sich mit dem eigenen Satz der
-Blätter zusammen verwenden lassen.
-
-[Sidenote: P. H. Plon * 1805.]
-
-Einen bedeutenden Namen als Werkdrucker erwarb PH. H. PLON[113]. Er
-war Setzer in der Offizin Béthunes, bei dem das _Dictionnaire de la
-conversation_ in 52 Bänden erschien. Bei der Herausgabe zeigte Plon
-eine grosse Thätigkeit und wurde Teilnehmer des Geschäfts. Als auf
-Grund entstandener Verlegenheiten Béthune sich zurückzog, übernahm
-Plon allein das Geschäft, welches sich äusserst rasch hob und Luxus-
-und Farbendrucke von Bedeutung lieferte, besonders aber gute
-Werkdrucke. 1854 wurde Plon Buchdrucker Napoleons III. und druckte und
-verlegte dessen Leben Caesars. Sein wissenschaftlich und künstlerisch
-ausgebildeter Sohn übernahm nach dem Tode des Vaters das Geschäft.
-
- [113] _Quelques mots sur la maison Henri Plon._ -- Henri Plon.
- Paris 1873.
-
-Den Farbendruck hat die Firma so gut wie fallen lassen. Ohne gerade als
-Meisterstücke hervortreten zu wollen, zeichnen sich, wie die älteren,
-so auch die neueren Verlagserzeugnisse Plons, als: _Collection des
-classiques français_ in 32°; _Les Chartes et les archives nationales_
-in 4°; die _Bibliothèque historique_ in mehr als 300 Bänden in 8°; die
-_Bibliothèque des voyages_ und die _Bibliothèque des romans_ durch
-Tüchtigkeit in der Ausführung aus.
-
-[Sidenote: Lacrampe.]
-
-Die Firma LACRAMPE & CO. wurde 1837 als Assoziationsdruckerei
-von 19 Arbeitern, alles tüchtige, arbeitsame und für ihren Beruf
-enthusiasmierte Männer, begründet. Sie wählten ihren Chef und
-wirtschafteten gemeinschaftlich. Das Resultat war trotz der
-redlichsten Anstrengungen und zahlreichen Aufträge kein günstiges.
-Nicht besser ging es der unter der Firma François & Co. gegründeten
-Assoziationsbuchdruckerei, gewöhnlich »die Zehn« genannt.
-
-[Sidenote: Crété fils.]
-
-CRÉTÉ FILS ist zwar in Corbeil ansässig, gehört jedoch thatsächlich
-zu den Pariser Buchdruckereien, da das kolossale Etablissement nur
-für Pariser Verleger beschäftigt ist; Crété konkurriert würdig mit
-Claye in der Herstellung illustrierter Werke, namentlich für Hachettes
-Verlag, und wird hinsichtlich einer sich stets gleichbleibenden Güte und
-Gleichmässigkeit des Schriftdrucks kaum übertroffen.
-
-[Sidenote: Gauthier-Villars.]
-
-[Sidenote: Bailleul [+] 30. Mai 1875.]
-
-GAUTHIER-VILLARS macht eine Spezialität aus solchen Arbeiten, die
-andere am liebsten von sich weisen möchten; bei ihm heisst es aber, je
-schwieriger, desto besser. Seine für die wissenschaftlichen Institute
-und Akademieen gelieferten Tabellen-, arithmetischen und mathematischen
-Arbeiten, unter welchen sich die Werke des de Laplace und Lagrange
-befinden, sind mit grossem Fleisse und mit typographischem Verständnis
-ausgeführt, würden jedoch in Deutschland nicht für so epochemachend
-gehalten werden, wie es in Frankreich der Fall war. Als Schöpfer des
-modernen mathematischen Satzes muss der bis in sein 78. Jahr bei
-Gauthier-Villars arbeitende Setzer BAILLEUL betrachtet werden, der
-zuerst bei Crapelet ausgebildet war und bei dem Schriftgiesser Ch.
-Laboulaye in seinen Bemühungen Unterstützung fand. Er wurde zum Ritter
-der Ehrenlegion ernannt. Es sei dies als Zeichen eines anerkennenswerten
-Vorgehens der französischen Regierung angeführt, dass sie den
-hochverdienten Arbeiter ganz in derselben Weise wie den ersten Bürger
-ehrt, und andererseits ist es von den französischen Buchdruckern zu
-loben, dass sie neidlos die Verdienste ihrer Kollegen und Gehülfen in
-ein helles Licht zu setzen suchen, damit die Regierung sie kennen und
-schätzen lernt.
-
-[Sidenote: Verschiedene Pariser Offizinen.]
-
-Unter den tüchtigen Firmen seien noch wenigstens kurz erwähnt: C.
-MOTTEROZ, der sich auch schriftstellerisch durch sein Werk über die
-chemischen Illustrations-Verfahren[114] verdient gemacht hat und
-unter Zuhülfenahme aller graphischen Künste viele Accidenzarbeiten
-für die grossen Magazine in Paris ausführt; EMILE MARTINET, bekannt
-durch sein seit 1872 bestehendes Internat für Setzerinnen in Puteaux;
-GEORGES CHAMEROT, Nachfolger von Firmin Didot, der schöne illustrierte
-Ausgaben lieferte; WITTERSHEIM & CO., deren Zeitungsdruckerei von der
-Regierung angekauft wurde; LAHURE, der mit 40 Schnellpressen und 18
-Handpressen viele illustrierte Werke druckt; DUMAINE, der die Arbeiten
-des Kriegs- und des Marineministeriums liefert und selbst einen grossen
-Verlag von _Militaria_, Rang-, Quartierlisten etc. hat; die _Société
-de publications périodiques_, welche, von Panckoucke unter der Firma
-_Société du Moniteur et de l'Encyclopédie méthodique_ gegründet, unter
-der Direktion von PAUL DALLOZ einen bedeutenden Aufschwung genommen hat
-und eine grosse Zahl von Zeitungen druckt.
-
- [114] _Essai sur les gravures chimiques._ Paris 1871. 2. Aufl.
- Paris 1879.
-
-[Sidenote: Offizinen der Provinz.]
-
-Unter den Offizinen ausserhalb Paris finden sich, abgesehen von den
-schon erwähnten von Mame und Berger-Levrault, noch manche von Bedeutung.
-Ganz besonders hervorzuheben sind die Firmen L. DANEL in LILLE und F.
-C. OBERTHUR in RENNES. Erstere, seit dem Ende des XVII. Jahrhunderts
-bestehend, arbeitet mit 33 Maschinen, 26 Handpressen und 450 Arbeitern,
-alle graphischen Nebengewerbe in ihren Räumen vereinigend, die, nach
-einem totalen Brand 1871, höchst zweckmässig neu aufgeführt wurden. Der
-Hauptzweig ist Congrevedruck und die Firma liefert für den Handel und
-die Fabrikation eine enorme Zahl von Accidenzien. Um seine Tüchtigkeit
-im chromographischen Druck zu zeigen, hatte Danel zur Ausstellung 1878
-ein Werk _Voyage dans un grenier_ geliefert. Oberthurs Offizin hat
-ungefähr dieselbe Ausdehnung wie die Danels und ist 1874 neu aufgebaut;
-sie versorgt Frankreich namentlich mit Agenden, Kalendern und ähnlichem.
-
-Zu erwähnen sind unter anderen noch OUDIN FRÈRES in POITIERS mit
-umfangreichen Verlagswerken als: _Historiens des Gaules_ und _Les
-Châteaux historiques de France_ mit in den Text gedruckten Radierungen;
-ALLIER PÈRE & FILS in GRENOBLE mit dem _Armorial et nobiliaire de
-l'ancien duché de Savoie_; CAPOULAUD FRÈRES (seit 1607) in LIMOGES,
-welche kleinere Stadt in der Bücherproduktion mit 466 Werken in einem
-Jahre gleich nach Paris mit 2286 kommt, während das einst graphisch so
-bedeutende LYON nur 134 Werke, BORDEAUX nur 49 aufwies. In TOULOUSE sind
-J. M. SIRVEN und P. PRIVAT, in CAEN F. LEBLANC-HARDEL, in MANS MONNOYER
-bemerkenswert.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Drucker und Verleger illustrierter Werke.]
-
-Unter den Herstellern der ausserordentlich zahlreichen illustrierten
-Werke, die in Paris erschienen sind, Verlegern sowohl als Buchdruckern,
-befinden sich hervorragende Männer. Wie das Pressgewerbe sich gestaltet
-hat, ist es oft schwer zu sagen, wem der Ruhm für die schöne Ausstattung
-am meisten gebührt, dem Verleger, der die Herstellung in allen Details
-mit Sachkenntnis und Geschmack anordnet, oder demjenigen, der den
-Druck übernimmt. Nicht selten sind die Fälle, dass der Verleger erst
-den Ruf eines Druckers macht, der anfänglich nur unwillig sich von dem
-Schlendrian und dem Alltäglichen abbringen lässt, vielleicht gar den
-Verleger verwünscht, der ihn zwingt, ein guter Drucker zu werden. Oft
-teilen sich beide, Verleger und Drucker, in die Ehre, und so sollte es
-immer sein, wenn nicht Verleger und Drucker in einer Person vereinigt
-sind.
-
-[Sidenote: Ch. Furne.]
-
-Noch produktiver als der obenerwähnte Fournier war CHARLES FURNE, erst
-Angestellter im Zollfach, dann seiner Leidenschaft für schöne Bücher
-nachgebend, ein unternehmender Bücherproduzent. Den Text zu dem von
-ihm verlegten Don Quixote hatte er selbst übersetzt. Wie es in Paris
-so oft der Fall war, ging das Geschäft 1836 in eine Aktiengesellschaft
-über, deren Direktor Furne wurde. Eine der vorzüglichsten Leistungen
-der jetzigen Firma FURNE, JOUVET & CO. ist Michauds _Histoire des
-Croisades_, illustriert von G. Doré, in Folio.
-
-[Sidenote: E. Bourdin.]
-
-E. BOURDIN brachte J. Janins _L'Ane mort_, Sternes _Voyage
-sentimentale_, _La Normandie et la Bretagne_, _Mémorial de Saint-Hélène_
-von Las-Cases, illustriert von Charlet, das grosse Reisewerk des Fürsten
-Demidoff und andere Prachtwerke.
-
-[Sidenote: J. Hetzel.]
-
-JULES HETZEL, selbst ein geachteter Schriftsteller (Pseudonym P. J.
-Stahl), lieferte Grandvilles _Scènes de la vie publique et privée des
-animaux_ und dessen _Les Animaux peints par eux-mêmes_. H. DELLOYE
-veröffentlichte Balzacs _La Peau de chagrin_, _La France pittoresque_,
-_La France monumentale_, _La France militaire_. Ein grossartiges,
-jedoch nicht illustriertes Verlagswerk war Nap. Landais' _Dictionnaire
-de la langue française_. Durch politische Verhältnisse gezwungen
-siedelte Hetzel 1851 nach Brüssel über, kehrte jedoch 1859 nach Erlass
-der Amnestie zurück und gründete die _Librairie d'éducation et de
-récréation_. 1864 begann er das _Magasin illustré d'éducation et de
-récréation_, eine Sammlung tüchtiger Werke für die Jugend.
-
-[Sidenote: J. J. Dubochet.]
-
-[Sidenote: J. Paulin * 1793.]
-
-Epoche machte die bei J. J. DUBOCHET erschienene _Histoire de Napoléon_,
-illustriert von Horace Vernet. Ein allerliebstes Werk war Töpffers
-_Voyage en zigzag_. Von Dubochets nichtillustrierten Werken sind zu
-erwähnen eine vortreffliche Kollektion von älteren Klassikern in
-Übersetzungen von Nisard, 27 Bände Oktav, und die _Million de faits_.
-Mit ihm gleichzeitig wirkte J. B. A. PAULIN, erst Mann der Wissenschaft
-und Advokat, dann Verleger, der zusammen mit Dubochet _L'Illustration_
-(1843) gründete. Diese Zeitschrift ging später in die Hände von A. MARC
-& CO. über. Sie nimmt einen ehrenwerten Platz unter den illustrierten
-Blättern ein, ohne jedoch ihr Vorbild, die _Illustrated London News_, zu
-erreichen, hat auch nur eine Verbreitung von 18000 Exemplaren. Paulin
-gab auch eine prachtvolle Ausgabe von Thiers' _Histoire du Consulat et
-de l'Empire_ in 17 Bänden heraus. Das frühere Werk _L'Histoire de la
-Révolution française_ von dem damals unbekannten Advokaten erschien
-bei LECOINTE & PUGIN und auf dem Titel wurde der Name Félix Bodin als
-Deckung vor den Namen Ad. Thiers eingeschmuggelt. Der Erfolg war ein
-solcher, dass Thiers ferner keine schützende Flagge für seinen Namen und
-seine Werke gebrauchte.
-
-[Sidenote: _Magasin pittoresque._]
-
-Unter den illustrierten kleineren Blättern, die in Nachahmung des _Penny
-Magazine_ erschienen, ist das _Magasin pittoresque_ das hervorragendste
-und das am schönsten ausgeführte nicht allein in Frankreich. Ein
-Phänomen ist es, dass nicht allein der Redacteur CHARTON und die
-Xylographie von ANDREW BEST & LELOIR, sondern auch die Direktion
-der Setzer und Drucker von 1833 bis auf die jüngste Zeit dieselben
-geblieben sind. Der Unternehmer hiess LACHEVARDIÈRE; die Ehre gebührt
-jedoch Charton und Best ([+] 2. Oktober 1879), MARTINET lieferte den
-vortrefflichen Druck. Zu demselben wurde die erste Schnellpresse in
-Frankreich eingeführt, die von Applegath & Cowper in London gebaut war.
-Neben dem genannten Blatt nahm namentlich _Le Musée des familles_ einen
-respektablen Platz ein. BOURDILLAT, der auch die _[Oe]euvres de Gavarni_
-herausgab, gründete _Le Monde illustré_, Hachette das sehr verbreitete
-_Journal pour tous_. Ein xylographischer Künstler von grossem Ruf war L.
-H. BREVIÈRE[115].
-
- [115] J. ADELINE, L. H. Brevière. Rouen 1876.
-
-[Sidenote: L. Curmer * 17. Dezbr. 1801.]
-
-Der Bahnbrecher für die eigentlichen Luxusbücher, die unter Benutzung
-der Chromoxylographie und der Chromolithographie entstanden, war LÉON
-CURMER (1834). Er gehörte einer alten irländischen Adelsfamilie an,
-war aber in Paris geboren. Wenige Verleger haben in dem Grade ihre
-Zeit begriffen, wie er sie verstand, und wenige haben in gleicher
-Weise, wie er es that, auf die Ausbildung des Kunstdrucks gewirkt ohne
-selbst die Kunst zu üben. Stets wusste er eine Anregung, eine neue
-Idee zu bringen. Wie reich er an Initiative war zeigt jeder seiner
-Verlagsartikel. Er verstand es, sich mit Künstlern zu umgeben, die ganz
-auf seine Intentionen eingingen, und so entstanden seine Werke aus einem
-Gusse. Eine seiner bewunderten Unternehmungen war _Paul et Virginie_,
-illustriert mit Holzschnitten von Tony Johannot und Meissonier, und auf
-das vortrefflichste von Evérat gedruckt. Es folgten dann _Le Jardin
-des plantes_, _La Grèce pittoresque_, _L'Irlande pittoresque_, _Les
-Anglais_ und _Les Français peints par eux-mêmes_, _Les Beaux-Arts_, _Les
-Contes des fées_ von Perrault und andere Werke. Prachtvoll waren seine
-religiösen Bücher mit Randleisten in Farbendruck und anderem Schmuck.
-Alle überragt _L'Imitation de Jésu-Christ_ mit einer grossen Anzahl
-Nachbildungen von Miniaturen und Einfassungen in Farben und Golddruck,
-ebenso _Le Livre d'heures de la Reine Anne de Bretagne_.
-
-Sowohl in dem chromoxylographischen als in dem chromolithographischen
-Druck besass Frankreich Meister ersten Ranges, so für ersteren G.
-Silbermann und E. Meyer, für letzteren Engelmann Vater und Sohn.
-
-[Sidenote: G. Silbermann * 1801, [+] 23. Juni 1876.]
-
-Kaum giebt es unter den neueren Typographen einen Namen, ausser dem
-Didotschen, der überall einen so guten Klang hat wie der GUSTAV
-SILBERMANNS in Strassburg[116]. Die Anfänge des Hauses sind in einer
-dortigen kleinen Buchdruckerei des Andreas Ulrich zu suchen, welche
-die Grossmutter Silbermanns 1798 ankaufte. Letzterer lernte bei Didot
-und ging dann zu seiner Ausbildung nach England und Deutschland. Als
-1840 Engelmann, ebenfalls ein Elsässer, mit seinen Chromolithographien
-die allgemeine Aufmerksamkeit erregte, gründete Silbermann 1846 ein
-Etablissement in Paris, zur Herstellung chromoxylographischer Drucke,
-gab dies jedoch bald in die Hände seines Mitarbeiters, Ernst Meyer,
-der trotz seiner Tüchtigkeit nicht recht prosperierte und 1863 das
-Etablissement an Marc verkaufte. Silbermann war nach Strassburg
-zurückgekehrt und vervollkommnete fortwährend den Buntdruck. Eine seiner
-ersten Arbeiten dort war eine Ausgabe von Pfeffels Fabeln mit bunten
-Einfassungen. Für die englischen Modezeitungen lieferte Silbermann in
-grossen Auflagen farbige Stickmuster. Einer seiner bedeutendsten Drucke
-ist die Nachbildung des Banners der Stadt Strassburg, ein Blatt von
-60 × 50 Centimeter. Da das Banner selbst 1793, das Bild, nach welchem
-es angefertigt war, 1870 zugrunde ging, so hat das Blatt einen um so
-grösseren Wert. Als eifriger französischer Patriot verliess Silbermann
-nach dem Kriege Strassburg und verkaufte sein Geschäft an M. Schauenburg
-in Lahr, erwarb es jedoch 1872 wieder, um es in die Hände seines
-früheren Schülers und durch 35 Jahre treuen Mitarbeiters Fischbach zu
-geben[117].
-
- [116] Ann. d. Typ. Nr. 361. VIII. Band.
-
- [117] 1840 erschien anlässlich der Einweihung der Gutenbergstatue in
- Strassburg ein _Album typographique_ von Silbermann, um die
- Fortschritte der Kunst zu veranschaulichen. 1872 sammelte er
- unter dem Titel _Album d'impressions typographiques en couleur_
- eine Anzahl Blätter seiner Drucke, die von seinen Leistungen
- eine, wennauch nicht ganz genügende, Vorstellung geben.
-
-[Sidenote: G. Engelmann * 17. Aug. 1788, [+] 25. April 1839.]
-
-War auch die lithographische Kunst dem Worte nach durch den Grafen
-Lasteyrie 1814 nach Frankreich gebracht worden, so ist dem Sinne nach
-GOTTFRIED ENGELMANN[118] aus Mülhausen der eigentliche Einführer. Im
-Jahre 1816 etablierte Engelmann ein Atelier in Paris, 1820 brachte er
-die Lithographie nach Spanien, 1826 gründete er ein Haus in London. Er
-muss als der bedeutendste Förderer der Kunst Senefelders bezeichnet
-werden und steht zu dieser etwa in dem Verhältnis wie Schöffer zu
-der Erfindung Gutenbergs. Engelmann ist der eigentliche Schöpfer der
-Chromolithographie. 1837 ward ihm für seine Erfindungen ein zehnjähriges
-Patent erteilt und 1838 erhielt er den Preis der Gesellschaft zur
-Aufmunterung der Künste.
-
- [118] Ann. d. Typ. VII. Bd. 1875, Nr. 329.
-
-[Sidenote: Joh. Engelmann [+] 25. Juli 1875.]
-
-Den Ruhm des Vaters behauptete der Sohn JOHANN ENGELMANN. Seine im
-Verein mit AUG. GRAF betriebene Chromolithographie blieb lange die
-einzige in Paris. Ganz besonders widmete sich diese der Reproduktion
-von Glasgemälden und Miniaturen älterer Manuskripte. Das erste _Livre
-d'heures_ in Chromolithographie ging nach dreijähriger Arbeit aus dem
-Atelier hervor. Ein Meisterwerk sind auch die _Statuts de l'ordre du
-Saint-Esprit_ 1853.
-
-Ganz vorzüglich sind die sogenannten Diaphanie-Bilder von Engelmann
-und Graf, welche in transparenter Chromolithographie die Glasmalerei
-täuschend nachahmen. Mit acht bis höchstens neun Farben, -- mehr dürfen
-der Durchsichtigkeit wegen nicht verwendet werden, -- brachten sie,
-nachdem die Bilder mit Firnis getränkt waren, die vortrefflichsten
-Effekte hervor.
-
-[Sidenote: Lemercier.]
-
-[Sidenote: A. Racinet.]
-
-Ein bedeutender Künstler in jeder Branche der Lithographie ist A.
-LEMERCIER. In den polychromen Unternehmungen fast aller Pariser Verleger
-finden sich die Erzeugnisse seiner Thätigkeit vor. Sein grosses
-Musterbuch ist eine so lehrreiche Geschichte der Lithographie, wie man
-sie nur wünschen kann. Auch die Anstalt von Didot unter des verdienten
-A. RACINETS künstlerischer Leitung nimmt in dem Chromodruck eine
-höchst bedeutende Stellung ein. Weltruf hat des letzteren _L'Ornement
-polychrome_ erworben.
-
-[Sidenote: Lithographischer Buntdruck.]
-
-Im Bilderdruck leistete Frankreich im Verhältnis zu Deutschland wenig;
-die besten Leistungen sind die von JEHENNE, HANGARD-MAUGÉ, J. F. DUPUY,
-OMER-HENRY. Dagegen ist es Deutschland quantitativ und qualitativ
-voraus in der Verwendung des Farbendruckes zu illustrativen Zwecken.
-Es entstand in dieser Weise eine Reihe unvergleichlich schöner Werke,
-namentlich über Architektur, Kunstindustrie, Kulturgeschichte, ja selbst
-über Kochkunst, welche Meisterstücke sind sowohl hinsichtlich der
-korrekten Zeichnung als auch der technischen Durchführung und Naturtreue
-des Kolorits und dabei zu ungewöhnlich billigen Preisen geliefert
-werden. Auch in der Verwendung des Farbendruckes für die unzähligen
-Gegenstände der Papeterie behaupteten die Franzosen lange Zeit den
-Vorsprung. In dieser Branche zeichneten sich Testu & Massin (jetzt
-Champenois & Co.) und F. A. Appel aus. Letzterer lieferte Vorzügliches
-im Miniaturdruck und ist zugleich Spezialist im Plakatdruck auf Zink,
-dessen eigentlicher Erfinder MAX CREMNITZ ist. Ebenfalls im Plakatdruck
-erzielt J. CHÉVET grossen Effekt mit wenigen Farben; für Arbeiten zu
-wissenschaftlichen Zwecken ist BEQUET & FILS bekannt. Etikettendruck
-betreiben in grossem Umfang PICHOT & CO. Als ein seltener Fall ist noch
-das gute Gelingen der Assoziations-Anstalt unter der Firma ROMANET &
-CO. zu erwähnen. Im Zinkdruck steht Monroq obenan. Die hervorragendste
-Erscheinung in der Photochromie ist VIDAL und seine _Trésor artistique
-de la France_ und _Histoire générale de la tapisserie_ sind nicht
-übertroffen; doch dürfte seine Methode, als zu teuer und umständlich,
-nicht rasch in die Praxis dringen.
-
-Als Kunstdrucker für Stiche ist CHARDON hervorragend. Im Stichverlage
-dürfte wohl GOUPIL mit den Filialen in London, New-York, Brüssel,
-Haag, Berlin und Wien die erste Weltfirma sein. In ihren grossartigen
-Ateliers in ASNIÈRES bei Paris, unter der künstlerischen Leitung von
-ROUSSELON, wird der photographische Lichtdruck, hauptsächlich jedoch
-der Woodburydruck und die heliographischen Methoden in vortrefflichster
-Weise geübt.
-
-[Sidenote: E. Schieble * 1823, [+] 23. Okt. 1880.]
-
-Im Kartendruck erwarb sich ERHARD SCHIEBLE (gen. ERHARD) aus Forchheim
-in Baden einen bedeutenden Namen. Er verwendete alle Erfindungen der
-Neuzeit und brachte durch pastosen Auftrag der Farben vortreffliche
-reliefartige Wirkungen hervor. Die schönsten Karten der Regierung sowohl
-als der privaten Verleger stammen aus seiner Offizin.
-
-[Sidenote: A. Collas.]
-
-Erwähnt sei hier noch die von ACHILL COLLAS geübte Methode, erhabene
-Medaillons u. dgl. mittels des Storchschnabels zu gravieren
-(Glypthotik), in welcher die mehr oder weniger anschwellenden
-Linien vollständig den Eindruck von Reliefs gewähren. _Le Trésor de
-numismatique_ in dieser Weise durchgeführt giebt einen glänzenden Beleg
-für den Wert der Glypthotik. Die ersten Versuche dieser Kunst hatte
-schon ein Deutscher CHRIST. GOBRECHT in Philadelphia 1817 gemacht. 1819
-kam die Maschine nach London und wurde von TURREL & SAXTON verbessert.
-Für die Bank zu London konstruierte 1829 BATE eine die früheren weit
-übertreffende Maschine, die jedoch immer noch gegen die von Collas sehr
-zurückstand.
-
-[Sidenote: J. Gavard.]
-
-JOSEPH GAVARD lieferte mittels des von ihm erfundenen Diagraphen,
-unterstützt von Calamatta und Mercuri, in drei verschiedenen
-Ausgaben die _Galerie historique de Versailles_ in 13 Bänden mit 3
-Supplementbänden (1837-1847) mit 1550 Stahlstichen.
-
-Von den Werken der Kupferstichkunst sei noch als eines der bedeutendsten
-das _Musée français_ von Robillard-Péronville mit 344 Kupfertafeln der
-bedeutendsten Stecher Frankreichs erwähnt, während die Lithographie
-zur Ausschmückung des grossartigen Werkes _Voyages de la commission
-scientifique du Nord_, 29 Bände, mit 762 Tafeln in gr. Folio, in
-hervorragender Weise diente.
-
-[Sidenote: Morel & Co.]
-
-Was Curmer für die Luxusbücher war, ist die Firma VEUVE A. MOREL & CO.
-in Benutzung des Chromodruckes für die Zwecke des praktischen Lebens. Im
-Fache der Architektur ist sie unerreicht und die Zahl der Prachtwerke
-in dieser Richtung, die mit Aufgebot allen Raffinements in der
-künstlerischsten Ausführung von dieser Firma geliefert wurde, ist eine
-so grosse, dass es kaum möglich ist besondere Gründe zu finden, um eins
-oder das andere aus der Reihe hervorzuheben. Bei Morel (jetziger Inhaber
-der Graf des Fosez) erscheint auch das weitverbreitete Journal _L'Art
-pour tous_.
-
-[Sidenote: J. Baudry.]
-
-In ähnlicher Richtung wirkten mit Umsicht und Erfolg, ohne jedoch den
-Höhepunkt Morels in der Ausstattung zu erreichen, DUCHER & CO., DUNOD
-und J. BAUDRY. Des letzteren, 1834 gegründete, _Librairie polytechnique_
-in Paris und Lüttich legte sich seit 1863 ganz besonders auf die Fächer
-der Berg- und Hüttenwissenschaft, der Eisenbahn und Wegebautechnik und
-förderte eine bedeutende Anzahl grosser Tafelwerke an das Licht. Auch
-DUNOD kultiviert diese Spezialität. Unter den Prachtwerken von DUCHER
-& CO. befinden sich: _Architecture privée an XIX siècle_; _Le nouvel
-Opéra_ von Charles Garnier.
-
-[Sidenote: Roret.]
-
-Für die Popularisierung der technischen und naturwissenschaftlichen
-Litteratur wirkte RORET durch seine, 1824 begonnene _Encyclopédie des
-sciences et des arts_, besser bekannt unter dem Namen _Manuels Roret_.
-Er brachte auch eine neue vollständige Ausgabe von den Werken Buffons
-mit den _Suites de Buffon_, gegen 100 Bände mit unzähligen Abbildungen.
-
-Für die Medizin und die Naturwissenschaften sind die leitenden Firmen
-J. B. Baillère, Germer-Baillère, V. Masson und V^{ve} A. Delahaye & Co.
-Die Kataloge dieser Firmen sind getreue Zeugen der wissenschaftlichen
-Bewegung nicht nur in Frankreich, sondern auch in England und
-Deutschland, denn es erschien im Ausland kaum ein einschlägiges Werk,
-das nicht von einer dieser Verlagshandlungen in tüchtigster Bearbeitung
-herausgegeben wurde.
-
-[Sidenote: J. B. Baillère * 1798.]
-
-J. B. BAILLÈRE[119] (seit 1818) machte grosse Unternehmungen, darunter
-Cruveilher, _Anatomie pathologique_ 1830-42; Hippokrates' Werke,
-griechisch und französisch, 1839-50; _Iconographie ophthalmologique_
-1852. Im Jahre 1840 wurde eine Filiale in London, 1848 eine in New-York
-errichtet und heute sind die Seitenzweige dieser Familie über alle
-Erdteile, Australien nicht ausgenommen, verbreitet. GERMER-BAILLÈRE
-druckt ausser naturwissenschaftlichen auch viele philosophische Werke
-und mehrere Journale.
-
- [119] J. B. BAILLÈRE, _La cinquantaine d'un libraire_. Paris 1862.
-
-[Sidenote: Victor Masson * 1807, [+] 13. Mai 1879.]
-
-[Sidenote: G. Masson.]
-
-VICTOR MASSON, einer der hervorragendsten Buchhändler, geb. zu Beaume,
-trat 1838 als Teilhaber in das Geschäft Chrochard, das 1846 in Massons
-alleinigen Besitz überging. 1847 wurde die _Bibliothèque polytechnique_
-angefangen, der eine grosse Anzahl von technischen, medizinischen
-und naturwissenschaftlichen Werken folgte, darunter _Cuvier_, _Le
-Règne animal_; _Bonamy et Beau_, _Atlas d'anatomie_[120]; der grosse
-_Dictionnaire encyclopédique des sciences médicales_ u. v. a. Nach
-35jähriger rastloser Thätigkeit überliess Masson seinem Sohne GEORGES
-das Geschäft, das dieser in derselben grossartigen, französische und
-deutsche Vorzüge vereinigenden Weise glänzend fortführt. Die Firma
-verlegt nicht weniger als 17 periodische Fachzeitschriften und ist
-die Buchhandlung für die bedeutendsten Akademieen und Gesellschaften.
-Trotz des vorwiegend wissenschaftlichen Charakters des Verlags ist der
-Verleger bestrebt, demselben auch eine anziehende äussere Form zu geben.
-Als Vorsitzender des _Cercle_ hat Masson sich bedeutende Verdienste um
-das Ausstellungswesen desselben, namentlich bei der Weltausstellung in
-Wien 1873, erworben.
-
- [120] V. MASSON, _Notice nécrologique_. Paris 1879. -- Börsenbl. f. d.
- d. B. 1879. Nr. 130.
-
-DELAHAYE hält sich streng an Medizin und Chirurgie und verlegt mehrere
-Journale und viele bedeutende Werke, unter welchen der _Traité
-d'Anatomie descriptive_ von Sappey als ein hervorragendes Monument gilt.
-
-Spezialfirmen sind für Landwirtschaft J. A. BIXIO; für Mathematik A. L.
-J. BACHELIER; für Militärwissenschaft J. DUMAINE und CORRÉARD JEUNE;
-für Geschichte und Staatswissenschaften G. GUILLAUMIN, P. F. AMYOT, A.
-BAUDOUIN; für Kalenderverlag PAGNERRE.
-
-[Sidenote: Ch. Hingray * 1796.]
-
-CHARLES HINGRAY, erst Militär, dann Buchhändler, wurde durch seinen
-juristischen und sprachlichen Verlag bekannt, in Deutschland namentlich
-durch das vortreffliche Wörterbuch von Schuster und Régnier. Das Werk
-eines enormen Fleisses ist der _Dictionnaire de la langue française_ von
-Littré. Das Manuskript umfasste 415636 Blätter. Der Satz dauerte, mit
-einer durch den Krieg 1870 herbeigeführten Unterbrechung, 13 Jahre. In
-einer Spalte gesetzt würde das Buch eine Länge von 37525 Meter haben.
-
-[Sidenote: Maisonneuve.]
-
-Der Druck orientalischer Werke ist keine Lieblingsaufgabe der
-französischen Buchdrucker. Als Verlagshandlung in dieser Richtung
-haben Maisonneuve & Co. den Vorrang. Im Jahre 1851 kaufte Maisonneuve,
-früher Associé von Cormon & Blanc in Lyon, von Théophile Barrois eine
-Anzahl orientalischer Verlagswerke, die er später mit vielen neuen
-vermehrte. Der Verlag enthält eine grosse Anzahl grammatikalischer
-und lexikalischer Werke der orientalischen Sprachen und die Namen der
-bedeutendsten Orientalisten als Eug. und Emile Burnouf, Eichhoff,
-Abbé Favre, G. de Tassy, Stan. Julien, J. Oppert, Abel Rémusat, L.
-de Rosny u. a. sind mit der Firma Maisonneuve & Co. verknüpft. --
-Unter den wenigen Buchdruckern in der Provinz, die in der Herstellung
-orientalischer Werke etwas leisten, ist DEJUSSIEU in CHÂLONS zu nennen.
-
-[Sidenote: J. P. Migne * 1800.]
-
-Eine merkwürdige Erscheinung ist der Abbé J. P. MIGNE. Er wurde 1824
-Priester, nahm jedoch anlässlich einer Differenz mit dem Erzbischof
-seiner Diözese seine Entlassung und ging nach Paris, wo er das Journal
-_L'Univers_ gründete, welches er 1836 verkaufte. In _Petit-Montrouge_
-vor den Thoren von Paris gründete er eine Buchdruckerei, um katholische
-Werke zu drucken. Die Anstalt gewann eine grosse Ausdehnung und
-umschloss vom Schriftsteller ab bis zum Buchbinder alle Persönlichkeiten
-und alle technischen Apparate, die zur Herstellung des Verlags des
-Instituts notwendig waren. Die Sammlungen der Kirchenväter- und anderer
-älterer theologischen Schriftsteller zählen nach hunderten von Bänden.
-
-In ähnlicher Richtung wie Migne wirkten GAUME FRÈRES.
-
-[Sidenote: Eug. Belin.]
-
-Im Unterrichtsfache weist der Buchdrucker und Verleger EUGÈNE BELIN
-mehr als 1000 Werke auf. ARMAND COLLIN & CO., eine Firma neueren
-Datums (1870), liefert Schulatlanten in Farbendruck zu sehr billigen
-Preisen. CH. DELAGRAVE hat, unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner, das
-_Institut géographique de Paris_ gegründet, aus welchem Brues _Atlas
-universel_, von E. Levasseur revidiert, hervorging. Er verlegte ferner
-viele biographische und technische, reich illustrierte Dictionnaire,
-grosse Wand- und Reliefkarten, Globen etc.
-
-P. DUCROQ (1836) war einer der ersten, die für Bildungswerke die
-Illustration mittels Stahlstichs im Verein mit Holzschnitten einführten.
-Seine _Bibliothèque des familles_ in Bänden zu 2 Franken ist sehr
-beliebt. DELARUE giebt gute Klassiker-Ausgaben zu billigen Preisen
-heraus.
-
-Eine Spezialität aus liturgischen und archäologischen Werken macht die
-_Société générale de librairie catholique_ und sie sucht die belgische
-Produktion nach dieser Richtung hin aus dem Felde zu schlagen. In
-ihrem Verlag erscheint auch eine Ausgabe der _Acta sanctorum_ der
-Bollandisten; ferner der _Recueil des historiens des Gaules et de la
-France_; die, 1626 begonnene, _Gallia christiana_, auch Werke im alten
-Stil mit kunstreichen Einfassungen, als: _Notre-Dame de Lourdes_ und
-_Christoph Colombe_, werden dort gedruckt.
-
-Unter den grossen Nachschlagewerken müssen genannt werden: Die
-_Biographie universelle_ (1811) von J. und L. G. Michaud, 84 Bände;
-W. Ducketts _Dictionnaire de la conversation_, 68 Bände (1812-1814);
-ein ähnliches Werk erschien in 52 Bänden bei BELIN-MANDAR. Als ein
-seltenes Beispiel der grossen Verbreitung eines gelehrten Werkes steht
-die bei diesem Verleger (1838) erschienene Konkordanz von Dutripont da,
-lateinisch geschrieben, ein in 28000 Expl. verkaufter Quartband von 200
-Bogen in dreispaltigem Satz.
-
-Ein Sammelwerk von grossem Umfang war _Collection Baudry_, zahllose
-deutsche, italienische, spanische und andere schönwissenschaftliche
-Werke, leider allerdings lauter Nachdrucke, enthaltend. Als die
-Franzosen so heftig über die Brüsseler Nachdrucker herfielen, hätten
-sie nicht vergessen sollen, dass sie es selbst nicht besser gemacht
-haben. Dass die grossen Ausgaben der deutschen Klassiker, die bei TETOT
-erschienen, keinen Erfolg hatten, beweist nicht den Mangel an gutem
-Willen zu schädigen.
-
-[Sidenote: G. Charpentier * 1805.]
-
-Durch den Buchdrucker HENRI DELLOYE unternahm G. CHARPENTIER eine
-Sammlung französischer Werke in dem nach ihm benannten und oft zur
-Verwendung gekommenen hübschen Format in 18°. Diese elegant und kompakt
-gedruckten Bände, von denen in wenigen Jahren über 400 erschienen,
-fanden durch ihre Eleganz und den damals wohlfeilen Preis von 3-1/2
-Franken grossen Beifall.
-
-Unter den Herausgebern von Werken der schönen Litteratur ist CH. A.
-PERROTIN, der Verleger Bérangers, zu nennen. Er erwarb des letzteren
-Gedichte gegen Zahlung einer Jahresrente, die er freiwillig bedeutend
-erhöhte, und blieb Bérangers Freund bis an dessen Ende und nachher
-sein Testamentsvollstrecker. POURRAT Frères druckten eine sehr schöne
-Ausgabe von Chateaubriands Werken in 36 Bänden. Bekannt waren auch
-GUSTAVE BARBA, Vater und Sohn, welche den Roman in Heften zu 20 Cent.
-einführten. Mit immensem Erfolg lieferte CHARLES GOSSELIN die Werke W.
-Scotts, Coopers, Lamartines u. a.
-
-Die bedeutendsten Romanverleger waren jedoch MICHEL LÉVY FRÈRES (1836),
-jetzt CALMAN LÉVY, deren jährliche Produktion etwa 1-3/4 Millionen Bände
-beträgt, in etwa 200 neuen Werken und 650 neuen Abdrücken. Sie gaben
-eine grosse Zahl der Werke Scribes, Dumas' u. v. a. heraus und führten
-die billigen Ausgaben in Bänden zu 1 Frank (jetzt 1 Frank 25 Cent.) ein,
-deren Zahl mehr als 1500 beträgt, während die Zahl der Theaterstücke an
-6000 heranreicht. Sie gründeten auch _L'Univers illustré_.
-
-Wir wenden uns jetzt einer Firma zu, welche sich in keine Klasse
-einordnen lässt, fast einzig in ihrer Art dasteht und, obwohl zu den
-jüngeren gehörend, alle anderen überflügelt hat: L. HACHETTE & CO.
-
-[Sidenote: L. Hachette & Co.]
-
-[Sidenote: _Les Évangiles._]
-
-»Sollte jemand dem Verleger die Eigenschaft als Produzent streitig
-machen, und ihn zu einem einfachen Händler stempeln wollen, der nichts
-zu thun hat, als das Manuskript in die Druckerei zu tragen und dann
-das zurückempfangene Druckwerk einfach zu verkaufen, so möchten wir
-ihm die Leistungen der Firma Hachette entgegensetzen«[121], sagt ein
-Bericht über die Wiener Ausstellung 1873 und diese Worte müssen sich
-unwillkürlich dem aufdrängen, welcher das Entstehen und das Wachstum
-dieses Hauses[122] ins Auge fasst. Sein Begründer LOUIS HACHETTE,
-geboren in Rethel, lag erst den Studien ob und begründete dann, 1836,
-eine pädagogische Buchhandlung unter der Devise: _Sic quoque docebo_.
-1837 erhielt er auch Brevet als Buchdrucker, die Firma übte jedoch
-dies Geschäft nicht. Im Jahre 1859 traten seine Schwiegersöhne L.
-Breton und A. Templier dem damals bereits bedeutenden Geschäfte als
-Teilhaber bei. Unverrückt wurde von der Begründung ab die Thätigkeit
-auf alles gewendet, was für die Erziehung des Kindes, die Belehrung
-und Veredlung des Jünglings oder der Jungfrau, die Fortbildung des
-Mannes oder der Frau dient, und mit Stolz kann die Firma auf ihren,
-eine ganze und grosse Bibliothek bildenden Verlag zurückblicken und
-mit dem Bewusstsein, nie die edelste der Künste anders als in würdiger
-Weise verwendet zu haben. Und dies bezieht sich nicht allein auf das
-Innere der Bücher, sondern auch äusserlich ist alles in der besten
-Ausstattung hergestellt, manchmal zu erstaunlich billigen Preisen.
-Dieses konsequente, nie nachlassende Streben hat auch seinen äusseren
-Lohn gefunden und das Haus Hachette steht durch seine Grösse und
-die vortreffliche Organisation wohl unübertroffen da. Die mit 300
-Angestellten arbeitende Anstalt unter Leitung der Teilhaber G. HACHETTE,
-BRETON, E. und A. TEMPLIER und R. FOURET versendet monatlich gegen 18000
-Kolli und hat einen jährlichen Umsatz von etwa 15 Millionen Franken.
-Wie Mame widmen sie dem billigsten Buche dieselbe Sorgfalt wie dem
-teuersten, und was dies sagen will begreift sich, da die Verlagswerke
-der Zahl 5000 nahekommen. Aus dieser Masse Einzelnes herauszugreifen
-hat seine Schwierigkeiten, es seien nur kurz erwähnt die bändereichen
-Kollektionen _Bibliothèque variée_; _Bibliothèque des chemins de fer_;
-die _Guides-itinéraires_; die _Bibliothèque rose illustrée_; der
-_Dictionnaire des contemporains_ von G. Vaperau; das in mehr als 150000
-Exemplaren gedruckte illustrierte _Journal pour tous_, schliesslich ein
-monumentales Druckwerk für Jahrhunderte: die Prachtausgabe der vier
-Evangelien, zwei Bände im grössten Folioformat. Bida lieferte hierzu im
-Format des Werkes 128 Zeichnungen, die von fünfzehn der besten Künstler
-radiert wurden. Die Zeichnung zu der von der _fonderie générale_
-geschnittenen Schrift rührt von Ch. Rossigneux her, der ebenso 290
-Zeichnungen zu den in Stahl gestochenen Anfangs- und Schlussvignetten,
-sowie zu den Initialen, unter Vermeidung der Anwendung jeder
-menschlichen Figur, komponierte. Jules Claye führte den typographischen
-Druck aus. Rote, quer über das ganze Format gehende Linien umgeben
-den Text. Die Anwendung der verschiedenen Druckweisen, Kupfer- und
-Bücherdruck, und der rote Druck, verlangten, dass jeder Bogen 32 mal
-durch die Hände der Arbeiter ging, ehe er als fertig bezeichnet werden
-konnte. Elf Jahre wurden unausgesetzt auf die Arbeit verwendet.
-
- [121] G. MASSON, _Rapport sur les arts graphiques, Vienne 1873_.
- Paris 1873.
-
- [122] _Notice sur la vie de L. Hachette._ Paris 1864.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Die Bibliophilie.]
-
-Wie Frankreichs Fürsten ausnahmslos die Typographie liebten, wenn sie
-auch die Presse hassten, so erhielt sich im Volke fortwährend eine Liebe
-für schöne Bücher, und der Wunsch, solche zu besitzen. Es war weniger
-eine Bibliophilie oder Bibliomanie im Sinne der englischen Sammler, die
-enorme Summen für ein mangelhaftes Produkt zahlten, nur weil es alt und
-selten war; man fand in Frankreich Lust an dem Besitz »schöner« Ausgaben
-auf Extra-Papier und in feinen und kostbaren Einbänden mit Stichen in
-ersten Abdrücken. Es wurden, um dieser Liebhaberei zu genügen, sehr
-viele Bücher in Frankreich gedruckt und gekauft nur der Ausstattung
-halber, und ein Bücherliebhaber erwarb unter Umständen zehn Exemplare
-eines und desselben Werkes, wenn es in zehn schönen Ausgaben zu haben
-war.
-
-[Sidenote: Die archaïstische Druckrichtung.]
-
-[Sidenote: L. Perrin * 12. Mai 1799.]
-
-Natürlich war es demnach auch, dass das Zurückgreifen auf die
-Renaissance vornehmlich von Frankreich ausging und dort Nahrung fand.
-Unter den französischen Buchdruckern dieser Richtung zeichnen sich
-besonders zwei aus, Louis Perrin und D. Jouaust. LOUIS BENEDICT PERRIN,
-in Lyon geboren, war mit bedeutendem Sinn für Kunst begabt. 23 Jahre
-alt etablierte er sich mit Durand. Perrin war von dem Gedanken beseelt,
-die Druckerei zu regenerieren. Das Mechanische sei zwar vollendeter
-geworden, jedoch die Kunst in der Schriftgiesserei fehle. Ein tüchtiger
-Maler Pierre Revoil bestärkte Perrin in seinen Ansichten, dass man zu
-den Formen zurückkehren müsse, deren sich Vascosan, de Tournes und
-andere bedient hatten. Perrin war nicht in der Lage, seine Ideen ohne
-Rücksicht auf die Kosten durchsetzen zu können, und in Frankreich war es
-einem Provinzialbuchdrucker doppelt schwierig, durchzudringen. Gegen das
-Jahr 1846 liess er eine Sammlung von schönen Kapitalschriften aus der
-Zeit des Kaisers Augustus schneiden. Die damit gedruckten _Inscriptions
-antiques de Lyon_ 1854, ein grosser Quartband mit über 400 Inschriften,
-machte grosses Aufsehen und Didot erklärte das Buch für ein Meisterwerk
-ersten Ranges. 1854 konnte Perrin das erste Werk mit der von ihm nach
-Mustern des XVI. Jahrhunderts veranlassten Antiqua und Cursiv drucken:
-Luigi Cibarios _Delle Artiglerie_, welches er auch mit Vignetten im
-Renaissancestil schmücken liess.
-
-In seinen Bestrebungen war ihm auch der Zufall günstig. Beim Durchsuchen
-der Nachlassenschaft des alten Hauses Rey in Lyon fand er eine
-vollständige Sammlung von Matern aus dem Ende des XVI. Jahrhunderts oder
-aus dem Anfang des XVII. Jahrhunderts, so dass er imstande war, eine
-Ausgabe von Rabelais mit denselben Typen zu drucken, die seinerzeit
-François Just und Etienne Dolet verwendeten. Unter seinen Drucken
-gelten für besonders schön _Le Théâtre du Molière_ mit Vignetten von
-Hillemacher; die _Généalogie de la maison de Savoye_; _Parfums, chants
-et couleurs_. Der Sohn setzte das Geschäft mit MARINET fort.
-
-[Sidenote: D. Jouaust.]
-
-Als sein Rival ist D. JOUAUST[123] zu nennen, welcher namentlich die
-Werke der _Académie des bibliophiles_, den Verlag des Herausgebers
-der _Bibliothèque Elzévirienne_, P. Janet, später Paul Daffis', sowie
-des A. Lemerre druckte. Seine Ausgabe des Dichters Régnier gilt als
-eine Musterleistung. Der Druck solcher Ausgaben erfordert je nach der
-Verschiedenheit des Papiers eine andere Behandlung und bedingt eine
-fortwährende Aufmerksamkeit. Das _Papier Whatman_, von einer feinen,
-festen und durchsichtigen Masse, zeichnet sich durch eine blendende
-Weisse aus, welche nicht das Resultat irgend eines chemischen Prozesses
-ist, sondern nur von der Vorzüglichkeit des verwendeten Materials
-herrührt. Das chinesische Papier, in welches die Schwärze leichter
-eindringt, giebt einen Druck von milderer und gleichmässigerer Färbung
-und ist namentlich für Bücher mit Vignetten geeignet. Das Pergament
-zeigt sich dagegen widerspenstig in der Annahme der Farbe und verlangt
-die allergrösste Sorgfalt in der Behandlung.
-
- [123] _Imprimerie Jouaust. Catalogue descriptif et raisonné._ Paris
- 1867.-- Ann. d. Typogr. II. Bd. 1870, Nr. 66. -- VII. Bd. 1875,
- Nr. 304.
-
-Derjenige Verleger, der sich am meisten um die Verbreitung der
-Ausgaben für Bücherliebhaber und die archaïstische Richtung in der
-Druckerei bemüht hat, ist PIERRE JANET, aus Bordeaux gebürtig. Seine
-Elzevierbibliothek alter und klassischer französischer Autoren des XVI.
-und XVII. Jahrhunderts umfasst mehr als 100 Bände und wurde von Paul
-Daffis fortgesetzt. Daneben beschäftigte sich Janet eifrigst mit der
-Verbesserung der Zeichen für die chinesische Sprache, welche er sich
-selbst zu eigen gemacht hatte.
-
-Unterstützung fanden solche Bestrebungen nicht minder bei
-BACHELIN-DEFLORENNE durch dessen _Bibliophile français illustré_; _Album
-de Relieures_; _Armorial du Bibliophile_ und seine _Collection des
-bibliophiles français_. LÉON TÉCHENER FILS ist Herausgeber von _Bulletin
-du bibliophile_ und _Bulletin universel de la Bibliographie_.
-
-[Sidenote: Fortschritt oder Rückschritt?]
-
-Liegt nun der Reiz der Renaissance-Schriften nur in dem Alter oder
-haben sie wirkliche Vorzüge? Letzteres muss unbedingt bejaht werden.
-Dass grosse Fortschritte in der Schriftschneiderei gemacht sind, setzt
-keineswegs voraus, dass alle älteren Schriften geringer oder weniger
-geschmackvoll gewesen sind als die heutigen, auch nicht, dass solche
-Schriften älteren Datums nur in Rücksicht auf die Zeit ihres Entstehens
-Anerkennung verdienen. Würde es jemand einfallen, ein bedeutendes
-Kunstwerk der Glanzzeit der Malerei oder ein bewundernswertes Hausgerät
-aus der besten Periode der Renaissance nur in Anbetracht seines Alters
-erträglich zu finden? Nicht besser ist es aber, wenn man in Bezug auf
-die Meisterwerke aus der Blütezeit der Typographie Stimmen hört, wie:
-»Es ist zwar alles mögliche, wenn man bedenkt, wie alt die Bücher sind!«
-Als ob nicht diese Schriften an und für sich mustergiltig wären und
-uns als Vorbilder dienen könnten. Sie bedürfen nicht einer schonenden
-Beurteilung »des Alters wegen«; letzteres sagt uns aber, dass sie zu
-einer Zeit entstanden sind, in der die Liebe zur typographischen Kunst,
-der individuelle Charakter, der geläuterte Geschmack und das ästhetische
-Gefühl sich weit stärker geltend machten, als es jetzt der Fall ist, wo
-die meisten fertig zu sein glauben, wenn sie nur neue Schriften, feines
-Papier und teure Schwärze zur Verwendung bringen, dagegen um Stil und
-Charakter eines Druckwerkes sich gar nicht bekümmern.
-
-Es dürfte sehr fraglich sein, ob die Schriften neueren Schnittes mit
-den grossen Unterschieden zwischen Grund- und Haarstrichen, welche
-letztere wegen ihrer Feinheit oft kaum zu bemerken sind, eine wirkliche
-Verbesserung seien und ob der Leser verpflichtet ist, jedes Produkt der
-Laune des Schriftgiessers, mit welchem er seinen Konkurrenten den Rang
-abzugewinnen sucht, schön zu finden, oder ob wirklich ein Mensch alles
-guten Geschmackes bar ist, weil ihm die Renaissance-Schriften mit ihrer
-dem Auge so wohlthuenden Ruhe sympathisch sind.
-
-Schliesslich sei noch bemerkt, dass die Bezeichnung Elzevier-Schriften
-eine ungerechtfertigte ist, denn die Originale bestanden schon ein
-Jahrhundert vor den Elzevieren, zutreffender wenigstens ist die
-Bezeichnung Aldinsche Schriften.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Die Bibliographie.]
-
-Unter den Männern, die, waren sie auch nicht selbst ausübende
-Typographen, doch einen ehrenvollen Platz in der Geschichte der
-Typographie verdienen wegen ihres Einflusses auf das Buchgewerbe, sind
-namentlich Brunet und Renouard zu nennen.
-
-[Sidenote: J. Ch. Brunet * 2. Nov. 1780.]
-
-JACQUES-CHARLES BRUNET, Sohn eines kleinen Buchhändlers in Paris,
-widmete sich dem Beruf des Vaters. Er war der eigentliche Gründer des
-antiquarischen Buchhandels in Frankreich; seine Berühmtheit verdankt er
-aber seinem Werke _Manuel du libraire_, von dem 1810 die erste, 1865
-die fünfte Auflage erschien. Die Vervollkommnung dieses Werkes war
-seine Lebensaufgabe. Er nahm keinen Titel auf, wenn er das Werk nicht
-selbst in den Händen gehabt hatte. Von Firmin Didot Frères & Co. für die
-Abtretung des Eigentumsrechtes an das _Manuel_ eine Leibrente geniessend
-verbrachte er sein Leben still und rüstig arbeitend.
-
-[Sidenote: A. A. Renouard [+] 1853.]
-
-ANTOINE-AUGUSTIN RENOUARD, der in hervorragender Weise die Eigenschaften
-des Buchhändlers, Sammlers und Schriftstellers in sich vereinigte,
-wurde 1765 in Paris geboren. Schon frühzeitig ward er von Bewunderung
-für die Familie des Aldus Manutius in Venedig erfüllt und von dem
-Wunsche beseelt, ihre Geschichte zu schreiben. Dazu sammelte er erst die
-Ausgaben dieser berühmten Drucker in einer an Vollständigkeit grenzenden
-Weise und schrieb nun seine _Annales de l'imprimerie des Aldes_ 1803. 2
-Bde. Die 3. Auflage, welche das letzte Wort der Bibliographie in Bezug
-auf die Aldi spricht, erschien 1834. Kaum mit diesem Werke fertig,
-lenkte er seine Studien auf die Familie Stephanus und 1837 erschienen
-seine _Annales de l'imprimerie des Étienne_, von welchen 1843 die zweite
-Auflage folgte. Das Werk hat ebenfalls seine bedeutenden Verdienste,
-wenn es auch nicht die Arbeit über die Aldi erreicht. Von seiner
-eigenen vorzüglichen Bibliothek liess er 1818 den _Catalogue de la
-bibliothèque d'un amateur_ in 4 Bänden erscheinen, in welchem ein Schatz
-von interessanten Notizen niedergelegt ist. Sein Sohn Jules Renouard im
-Verein mit JULES TARDIEU lieferte viele tüchtige Verlagswerke, darunter
-_Galerie des peintres_.
-
-[Sidenote: L. C. Silvestre * 1762.]
-
-An den obigen schliesst sich nicht unwürdig an LOUIS CATHERIN SILVESTRE,
-dessen Auktionsinstitut Weltberühmtheit erlangte. Eine Spezialität von
-ihm waren die Buchdruckermarken und er liess, als Fortsetzung der Werke
-Roth-Scholtz', seine _Marques typographiques_ mit 1237 Abbildungen
-von Druckerzeichen erscheinen. Silvestre hatte in Pierre Janet einen
-würdigen Nachfolger.
-
-Die neuere französische Bibliographie ist in den besten Händen und zwar
-in denen zweier Deutschen: C. REINWALD & CO., welche den _Catalogue
-annuel de la librairie française_ herausgiebt und O. LORENZ, der den
-_Catalogue de la librairie française_ seit 1840 erscheinen lässt.
-
-[Sidenote: M. Bossange * 1766.]
-
-[Sidenote: H. Bossange.]
-
-Für die Verbreitung der Erzeugnisse der französischen Litteratur im
-Auslande hatten MARTIN BOSSANGE PÈRE[124] und dessen Sohn HECTOR
-BOSSANGE grosse Verdienste. Nach dem Frieden mit England etablierte
-Bossange ein grosses Haus in London, später auch in Leipzig. Der Sohn
-HECTOR BOSSANGE setzte das Werk des Vaters fort, gründete Buchhandlungen
-in Montréal in Canada, in Quebeck, New-York, Rio de Janeiro, Odessa.
-Sein grosser Katalog vom Jahre 1845 von gegen 31000 Werken galt als ein
-Musterkatalog.
-
- [124] J. M. QUERARD, _Quelques mots sur M. Bossange père_. Paris 1863.
-
- * * * * *
-
-Die französische Bücherproduktion hält ungefähr mit der deutschen
-Schritt. An Drucksachen erschienen im Jahre 1879: Bücher und Broschüren:
-14122, Musikstücke 2424, Kupferstiche, Lithographien etc. 4661.
-
-So bedeutend die Bücherausfuhr aus Frankreich sich gestaltet, so wenig
-konkurrieren die französischen Buchdrucker mit dem Auslande, während
-Belgien, England und Deutschland in der Lage sind, Druckarbeiten für das
-Ausland zu übernehmen. Mehr als die Arbeitsverhältnisse trägt wohl dazu
-bei, dass die französischen Buchdruckereien nicht so gut auf schwierige
-Arbeiten eingerichtet sind, wie namentlich die deutschen.
-
-In Paris absorbiert die Journalistik fast alle tüchtigen Setzerkräfte,
-trotzdem ist es auf Grund der Eigentümlichkeiten der französischen
-typographischen Art und Weise dem fremden Arbeiter schwer, in Paris
-fortzukommen[125]. Viele Bücher, bei welchen übertriebene Schnelligkeit
-nicht notwendig ist, werden jetzt ausserhalb Paris gedruckt; besonders
-gilt dies von Neudrucken älterer Werke, sodass den grossen Pariser
-Werkdruckereien namentlich diejenigen Werke verbleiben, bei welchen,
-zudem unter gedrückten Preisen, grosse Ansprüche an Material und
-Schnelligkeit gestellt werden. Unter solchen Verhältnissen verlieren
-diese die Lust an der Lohndruckerei und legen sich selbst auf das
-Verlegen. Die Typographie in Paris steht auf einem Vulkan; selbst kurz
-vor der Weltausstellung 1878, wo es galt, alle Kräfte zusammenzunehmen,
-trug die _Société typographique_ kein Bedenken, einen sehr kostspieligen
-und wenig erfolgreichen Strike in Scene zu setzen. Die Lokale der
-eigentlichen Werkdruckereien liegen meist zwischen Häusermassen
-eingeklemmt und haben sich erst nach und nach mit dem wachsenden
-Geschäft erweitert, sodass ihnen meist die ersten Erfordernisse:
-Raum, Licht und Luft, fehlen. Alle diese Verhältnisse fangen an, den
-Provinzdruckereien zugute zu kommen. Dringen auch die Fortschritte etwas
-langsamer in diese ein, so haben sie dafür ein festeres, anhänglicheres
-und gut geschultes Personal. Zweckmässige Lokaleinrichtungen sind
-weniger kostspielig als in Paris und manche Provinzdruckerei kann
-sich schon mit tüchtigen Pariser Offizinen messen. Einen wesentlichen
-Vorschub leisten die vielen lokalen Gesellschaften für Kunst und
-Wissenschaft, namentlich Archäologie, welche viele Werke mit Aufwand
-hinsichtlich Ausstattung, Illustration und Beigabe von Kunstblättern
-für ihre Rechnung drucken. Auch fangen die Provinzbuchdrucker an,
-selbst zu verlegen und Depots in Paris zu errichten. Kurz, wenn auch
-die Zentralisation noch eine bedeutende ist, so bereitet sich offenbar
-eine Dezentralisation im Sinne des deutschen Buchgewerbes vor und man
-fängt mit Versuchen an, sich von dem allmählich überwältigend gewordenen
-Einfluss des Pariser Geschäfts zu emanzipieren.
-
- [125] Auf Sitte und Arbeitsweise der Pariser Setzer wirft ein
- Werkchen Eugène Boutmys: _Les typographes parisiens, suivi d'un
- petit dictionnaire de la langue verte typographique_, Paris
- 1874, interessante Schlaglichter.
-
-Mit Ausnahme der administrativen Arbeiten, welche in grosser Zahl und
-mit grossem Geschick ausgeführt werden, haben die Accidenzien weder in
-Quantität noch Qualität eine solche Bedeutung, wie in Deutschland. Im
-allgemeinen werden, und wohl nicht ganz mit Unrecht, dort nicht eine
-solche Sorgfalt und solche Kosten wie hier auf diese sehr schnell dem
-Papierkorb verfallenden Drucksachen verwendet; diese lässt man lieber
-den Werken selbst zukommen.
-
-Ein ziemlich klares Bild von dem Zustand des Accidenzdruckes in
-Frankreich, soweit dieser dem Buchgewerbe dienstbar ist, liefern die
-Kataloge zu den Fachausstellungen, die in dem Hause des _Cercle_
-in den letzten Jahren abgehalten wurden. Diese Kataloge sind durch
-die vereinten Kräfte einer Anzahl der bedeutendsten Buchdruckereien
-hergestellt, von welchen jede einen halben oder einen ganzen Bogen
-geliefert hat, ohne dass eine andere Grenze auferlegt war, als die
-Innehaltung des Papierformats. Man darf also annehmen, dass das
-möglichst Beste geliefert wurde. Es geht aus diesen Katalogen hervor,
-dass man seit dem vortrefflichen Derriey fast stehen geblieben ist.
-
-Die Zeitungslitteratur hatte in Frankreich mit manchen Hindernissen
-zu kämpfen, die nun durch das Pressgesetz von 1881 beseitigt sind.
-Die grossen Journale haben fast alle denselben äusseren Umfang, vier
-Seiten in gross Folio. Die Franzosen, im ganzen mässig, mögen auch nicht
-täglich eine solche Masse von geistiger Kost geniessen, wie sie ein
-englischer Lesermagen verträgt. Versuche mit Blättern nach letzterem
-Mass eingerichtet sind vollständig fehlgeschlagen. Durch ihre, den
-nationalen Eigentümlichkeiten ganz Rechnung tragende Organisation
-darauf berechnet, das, worauf es ankommt, mit Leichtigkeit ins Fleisch
-und Blut dringen zu lassen, üben jedoch die französischen Journale
-einen ausserordentlichen Einfluss auf die Partei, deren Interessen sie
-verfechten. Des grossen Anlagekapitals, wie ein solches in England
-notwendig ist, bedarf ein neues französisches Journal nicht; es genügt
-eine mässige Summe, wenn sich mit dieser die genügende Intelligenz und
-journalistische Routine des wirklichen Leiters verbindet. Ist dieser ein
-beliebter Schriftsteller oder eine politische Grösse, so stellt sich das
-Publikum rasch ein.
-
-Die kleinen Zeitungen erscheinen gewöhnlich in einem Format, halb
-so gross, als das ihrer grossen Schwestern, ihr Einfluss und ihre
-Verbreitung sind jedoch bedeutend. Das _Petit Journal_[126] wurde Ende
-1880 in 598309 Exemplaren gedruckt und ergab einen Gewinn von drei
-Millionen Franken. _La petite république_ hatte eine Auflage von 196372,
-die _Lanterne_ von 150531, _Le petit moniteur_ von 100476 Exemplaren.
-Die tägliche Gesamtproduktion der Journalnummern erreichte die Ziffer
-1984521, von welcher dreiviertel auf die republikanische Presse kam.
-
- [126] F. MAILLARD, _Le petit Journal_ 1850-1860.
-
-Zum Beginn des Jahres 1869 erschienen[127] in Frankreich 2110 Journale
-aller Art, jetzt 3135. Von diesen kamen im Jahre 1869 auf Paris 816,
-auf die Provinz 1294; jetzt resp. 1355 und 1780. In Paris fand demnach
-ein Wachstum von 539 Journalen statt, in der Provinz von 425. Letzteres
-trifft namentlich die kleineren Städte, besonders solche, die früher
-kein Journal aufzuweisen hatten, während die grösseren Städte stabiler
-geblieben. Unter den Pariser Blättern waren 75 politische Tagesblätter,
-168 Journale politischen Inhaltes.
-
- [127] ED. TEXIER, _Hist. des journaux_. Paris 1851. -- E. HATIN, _Hist.
- du Journal en France_ 1631-1853. -- F. MAILLARD, _Hist.
- anecdotique et critique de 150 journaux_ und dessen _Hist. de la
- presse parisienne_. Paris 1859. -- ALFR. SIRVEN, _Journaux et
- Journalistes_. Paris 1865. -- A. GAGNÈRE, _Hist. de la presse
- sous la Commune_. Paris 1881.
-
-Am 10. September 1870 waren die gesetzlichen Bestimmungen, welche
-hemmend auf die Errichtung graphischer Etablissements wirkten, gefallen
-und der erste Paragraph des Pressgesetzes von 1881 bestätigt dieses
-durch die Bestimmung: »Die Buchdruckerei und der Buchhandel sind frei«.
-Vergleicht man den Stand der graphischen Gewerbe vor dem Kriege mit dem
-heutigen, so begegnet einem selbstverständlich besonders eine grosse
-Vermehrung der Buchdruckereien in Paris, wo die Zahl der Brevets früher
-auf 80 beschränkt war. Doch muss man diese Zahl nicht ganz buchstäblich
-nehmen, sie betrug thatsächlich wenigstens 150, indem manche Buchdrucker
-auf Brevets von Kollegen arbeiteten.
-
-Für den Buchhandel hatte die erlangte Freiheit nicht die Bedeutung wie
-für die Buchdruckerei, denn wenn ein Brevet auch für den Buchhändler
-erforderlich war, so hielt es doch, da die Zahl nicht beschränkt war,
-nicht schwer, ein solches zu erlangen. Es fand sogar in dieser Branche
-ein Rückgang statt. In den übrigen graphischen Gewerben zeigt sich,
-wenn man die Jahre 1868 und 1882 mit einander vergleicht, einigermassen
-ein Stillstand. Doch dürfen, wenn man daraufhin Schlüsse ziehen will,
-die schweren Jahre für das Land und auch der Umstand nicht übersehen
-werden, dass durch die Abtretung von Elsass-Lothringen sich der
-Bestand plötzlich um 259 Buchhandlungen, 35 Buchdruckereien und 59
-lithographische Anstalten, sowie um drei Städte von 50000 Einwohnern
-verminderte, die bei einem Vergleich mit dem Wachsen der graphischen
-Anstalten in Deutschland dann doppelt wirken[128].
-
- [128] Da ein solcher Vergleich der graphischen Machtstellung
- Frankreichs und des Deutschen Reiches, welche jetzt an Umfang
- und Einwohnerzahl sich ziemlich gleichstehen und nicht unter
- so grundverschiedenen Verhältnissen, wie sie sich bei einem
- Vergleich mit England oder Amerika darbieten, arbeiten, nicht
- nur von Interesse, sondern auch von Wichtigkeit ist, so
- bedarf es wohl kaum einer Entschuldigung, wenn die Statistik
- Frankreichs und des Deutschen Reiches in diesem Handbuche etwas
- ausführlicher behandelt wird, als die der anderen Länder. Als
- Grundlage für die Notizen über Frankreich dienten namentlich die
- Angaben des _Annuaire de la librairie_ von 1868 und 1882. Vergl.
- auch CHAIX, _Statistique de l'imprimerie en France_. Paris 1874.
-
-Die beifolgende Tabelle zeigt den Stand der verschiedenen Pressgewerbe
-in den Jahren 1868 und 1882.
-
- -----+-----------------------------------------------+------
- 1868 | Frankreich zählte: | 1882
- -----+-----------------------------------------------+------
- 1094 | Buchdruckereien | 1722
- 1549 | Lithographische Anstalten | 1692
- 244 | Kupfer- und Stahldruckereien | 169
- 6001 | Buchhandlungen | 6134
- 423 | Musikalienhandlungen | 536
- 245 | Kunsthandlungen | 288
- | |
- | Von diesen kommen auf Paris: |
- | |
- 83 | Buchdruckereien | 244
- 436 | Lithographische Anstalten | 495
- 160 | Kupfer- und Stahldruckereien | 92
- 1649 | Buchhandlungen | 1072
- 119 | Musikalienhandlungen | 105
- 126 | Kunsthandlungen | 98
- | |
- | Ausserdem in Paris andere graphische Gewerbe: |
- | |
- 42 | Schriftgiessereien und Stempelschneidereien | 52
- 15 | Stereotypien und galvanoplastische Anstalten | 17
- 167 | Gravieranstalten für Metall und Stein | 156
- 64 | Xylographische Anstalten | 102
- 25 | Buchdruckerei-Utensilienhandlungen | 44
- 43 | Maschinen- und Pressenfabrikanten | 56
- 20 | Farbefabriken | 29
- 87 | Papierhandlungen _en gros_ | 74
- 992 | Papierhandlungen _en détail_ | 906
- 348 | Buchbindereien und Broschieranstalten | 343
- 40 | Kolorier- und Vergolder-Anstalten | 49
- 42 | Inseraten-Bureaus | 35
- | |
- | Ausserhalb Paris stellen sich die Zahlen: |
- | |
- 1011 | Buchdruckereien | 1478
- 1197 | Lithographische Anstalten | 1274
- 4352 | Buchhandlungen | 5062
- 413 | Musikalien- und Kunsthandlungen | 621
-
-Die pressgewerblichen Verhältnisse der Städte aufwärts von 50000
-Einwohnern (die Hunderte in abgerundeten Zahlen) sind folgende:
-
- --------------+-----------+---------+----------+-------+---------
- Städte | Einwohner-| Buch- | Lithogr. | Buch- | Zeit-
- | zahl | drucker.|Anstalten | handl.|schriften
- --------------+-----------+---------+----------+-------+---------
- Lyon | 324000 | 32 | 52 | 100 | 67
- Marseille | 300000 | 36 | 33 | 45 | 66
- Bordeaux | 197500 | 31 | 71 | 91 | 54
- Lille | 178000 | 32 | 40 | 66 | 34
- Toulouse | 127000 | 19 | 28 | 56 | 51
- Nantes | 122500 | 10 | 13 | 49 | 29
- Saint-Étienne | 111000 | 13 | 21 | 16 | 13
- Rouen | 102500 | 10 | 13 | 35 | 20
- Havre | 100000 | 19 | 9 | 35 | 13
- Roubaix | 84000 | 6 | 5 | 15 | 5
- Reims | 82000 | 8 | 12 | 30 | 12
- Toulon | 77000 | 6 | 4 | 11 | 19
- Nancy | 72000 | 10 | 9 | 37 | 28
- Brest | 67000 | 3 | 4 | 15 | 4
- Amiens | 61000 | 9 | 6 | 23 | 13
- Besançon | 60000 | 9 | 9 | 13 | 23
- Limoges | 60000 | 10 | 8 | 23 | 8
- Nimes | 60000 | 7 | 8 | 21 | 21
- Angers | 58500 | 9 | 7 | 23 | 20
- Montpellier | 55500 | 19 | 10 | 26 | 16
- Nizza | 53500 | 10 | 4 | 23 | 22
- Grenoble | 51000 | 8 | 7 | 29 | 16
- Le Mans | 50000 | 8 | 3 | 25 | 15
- Orléans | 50000 | 7 | 4 | 49 | 29
- Rennes | 50000 | 7 | 7 | 20 | 17
- Versailles | 50000 | 5 | 3 | 32 | 25
-
-[Illustration]
-
-
-[Illustration]
-
- VIII. KAPITEL.
-
- DIE ZWEIGE DER ROMANISCHEN GRUPPE.
-
- DIE NIEDERLANDE: Zurückgehen der Kunst. Der Nachdruck. Die neuere
- Typographie Hollands und Belgiens. -- ITALIEN: G. Bodoni. Langsame
- Fortschritte. Venedig, die Mechitaristen. Panfilo Castaldi. Der
- Buchhandel, die Familie Pomba. Rom, die Druckerei der Propaganda.
- Erfreuliche Aussichten. -- SPANIEN: J. Ibarra. Madrid. Barcelona.
- PORTUGAL: Die Staatsdruckerei. SÜDAMERIKA: Buenos Aires, Rio de
- Janeiro, Lima, Cuba, Mexiko. -- NORDAFRIKA: Algier, Ägypten. TÜRKEI:
- Aufblühen und Verfall der Kunst. Jetzige Lage.
-
-
- DIE NIEDERLANDE.
-
-Die typographische Glanzperiode der Niederlande war dahin. Auf die Zeit
-der blutigen Knechtschaft durch Spanien folgte im Süden die Periode der
-österreichischen Herrschaft. Darf auch letztere mit der ersteren kaum in
-einem Atemzuge genannt werden, so war sie doch nicht geeignet, eine neue
-Blüte der Typographie hervorzurufen, noch weniger war eine solche nach
-der Einverleibung in Frankreich zu erwarten.
-
-[Sidenote: Holland.]
-
-Auch der Norden lernte erst seit 1795 als Batavische Republik unter
-Frankreichs »Schutz«, dann von 1806 ab als Königreich unter einem
-Napoleoniden, bis auch dieser Selbständigkeitsschein 1810 aufhörte, die
-Segnungen französischer Presszustände kennen.
-
-Der Pariser Friede 1814 löste die Länder aus der eisernen Umarmung
-Frankreichs, um sie zu einem Königreiche der Niederlande zu vereinigen.
-Diese, dem Zusammengiessen von Essig und Öl nicht unähnliche
-Verschmelzung des protestantischen, germanischen Nordens mit dem
-katholischen, zum grossen Teil französischen Süden wurde durch die
-Revolution in Brüssel 1830 faktisch, durch den Frieden 1839 definitiv
-und rechtlich aufgelöst.
-
-Seit dieser Zeit entwickelte sich ein freieres geistiges Leben
-in Belgien sowohl als in Holland. Zwar ist der alte Ruhm des
-niederländischen Pressgewerbes nicht wieder erreicht, jedoch steht
-dasselbe auf einem achtbaren Standpunkte und lässt weitere Fortschritte
-erwarten.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Freiere Pressverhältnisse.]
-
-In HOLLAND verursachten die freieren Pressverhältnisse vor dem Ausbruch
-der französischen Revolution, dass viele französische Autoren und
-Verleger ihre Artikel dort, namentlich in Amsterdam und dem Haag,
-drucken liessen. Hierin liegt wohl zumteil der Keim zu dem später
-gewerbsmässig betriebenen holländisch-belgischen Nachdruck, welcher
-jedoch anfänglich keine grosse Bedeutung hatte und von selbst aufhörte,
-solange die Niederlande der französischen Herrschaft unterlagen.
-
-[Sidenote: Holländische Typographie.]
-
-Die holländische Typographie hält fest an dem einmal angenommenen
-Typenduktus mit seinen langen, schmalen und eng zugerichteten Schriften,
-die insofern praktisch sind, als mit ihnen sich viel Stoff auf einen
-kleinen Raum, allerdings auf Kosten eines gefälligen Eindrucks,
-zusammendrängen lässt. Unter den Formaten ist ein Gross-Median-Oktav das
-beliebteste und selbst Romane und Gedichte werden in demselben gedruckt.
-
-Durch seine Kolonien in Hinterindien und auf den Inseln des indischen
-Ozeans ist die Schriftgiesserei Hollands auf die Pflege der Schriften
-der dortigen Eingeborenen angewiesen. Unter Aufsicht von T. Roorda
-wurden von J. ENSCHEDÉ & ZOONEN in Haarlem javanische Lettern
-angefertigt. Ein bedeutendes Renommé in dieser Richtung erwarb sich N.
-TETTERODE in Rotterdam, welcher Mandalingisch, Batakisch, Manarisch
-und Boeginesisch lieferte. Unter der Direktion von J. Hoffmann liess
-die holländische Regierung auch chinesische Typen schneiden, die
-später in den Besitz von E. J. BRILL in Leyden übergingen[129]. Als
-Schriftgiesser wirkten ferner in Gröningen OMKENS, VAN BASKENES und
-DAMSTE.
-
- [129] J. HOFFMANN, _Catalogus van chinesische Matrijzen en drukletters_
- 1860, 1864, 1876.
-
-[Sidenote: Statistisches.]
-
-Im Jahre 1882 hatte Holland in 128 Städten 428 Buchdruckereien (1840
-besass es nur 146), 183 lithographische Anstalten, 700 Buchhandlungen.
-Die Buchdruckereien arbeiteten mit 740 Schnellpressen und 650
-Handpressen. Die Zahl der lithographischen Schnellpressen war 125,
-die der Handpressen 700. Die zur Verwendung kommenden Maschinen
-verschiedener Art stammen namentlich aus französischen Fabriken. An
-Tageblättern gab es 29, an Wochenblättern und an anderen periodischen
-Schriften 397.
-
-In AMSTERDAM liefert die KÖNIGLICHE BUCHDRUCKEREI Accidenzien für den
-Staat. Eine bedeutende Anstalt ist die von ROELOFFZEN & HÜBNER in
-Amsterdam mit drei Rotations- und sieben gewöhnlichen Schnellpressen;
-sie druckt die in 20000 Exemplaren täglich in einem Umfange von 8-16
-Seiten erscheinende _Het News van den Dag_ mit ihrem Sonntagsblatt. C.
-A. SPINN & ZOON bringen sehr kunstreiche Accidenzarbeiten. Zu erwähnen
-sind ebenfalls J. VAN OOSTERZEE, G. L. A. AMAND, METZLER & BARTING und
-GEBR. BINGER.
-
-In HAARLEM blüht noch das Geschlecht der ENSCHEDÉ (I, S. 251) und zeigt,
-dass es nicht auf seinen Lorbeern auszuruhen gedenkt. Das Geschäft
-arbeitet mit 11 Handpressen, 11 Schnellpressen und 25 Giessöfen und
-zeichnet sich durch Druck von Reproduktionen, Bibeln und Wertpapieren
-aus. VAN ASPERN VAN DER VELDE liefert namentlich Illustrationsdruck.
-
-[Sidenote: Buchhandel.]
-
-Die Interessen des holländischen Buchgewerbes werden seit 1816 von
-der _Vereenigung ter Bevordering van de Belangen des Boekhandels_
-vertreten[130]. Dieselbe hatte im Jahre 1881 in der Art des Pariser
-_Cercle_ eine Ausstellung von den Erzeugnissen der Hülfsgewerbe
-des Buchhandels veranstaltet und auch in derselben Weise wie der
-_Cercle_ einen reichen Katalog erscheinen lassen[131], zu welchem 28
-Buchdruckerfirmen jede eine Abteilung und verschiedene Papierfabrikanten
-Papier geliefert haben. Dieser Katalog zeigt, dass die holländischen
-Accidenzbuchdrucker bemüht sind, ihren Kollegen in anderen Ländern
-nachzukommen. Die Arbeiten sind sauber und akkurat, wenn auch von einer
-Einschlagung neuer Bahnen keine Rede ist.
-
- [130] _Reglement over de vereenigung ter bevordering etc._ Amsterdam
- 1841. -- _Bepalingen omtrent den boekhandel._ -- L. D. PETIT,
- _Proeve einer Geschiedenis der Vereenigung etc._ Amsterdam 1875.
- -- OTTO MÜHLBRECHT, Der holländische Buchhandel seit Coster.
- Leipzig 1867. -- GUNNE, Flüchtige Gedanken über den Buchhandel
- in Holland. -- C. L. BRINKMANN, _Alphab. Naamlijst van boeken
- 1850-1875_. -- F. L. HOFFMANN, _Ouvrages conc. l'histoire de
- l'imprimerie en Belgique et en Hollande_. Brüssel 1859.
-
- [131] _Tentoonstelling van hulpmiddelen voor den Boekhandel._ Amsterdam
- 1881.
-
-Als lithographische Farbendrucker haben TRESLING & CO. in Amsterdam
-und EMRIK & BINGER in Haarlem Verdienste. Das TOPOGRAPHISCHE INSTITUT
-liefert nach dem Ecksteinschen Verfahren der Schichtlegung durch die
-verschiedenartige Behandlung der Schraffierungen und die dadurch
-entstehende Abstufung der Töne vortreffliche Karten in Farbendruck.
-
-Das holländische Papier ist seit alters her berühmt und von bester
-Qualität. Weltruf hat das Büttenpapier von VAN GELDER & ZOONEN in
-Amsterdam. Um die Farbefabrikation machte sich seinerzeit der Major
-E. W. J. BAGELAER (1817) verdient; jetzt wird der Markt ganz von dem
-Pariser Fabrikat beherrscht.
-
-Die litterarische Produktion ist eine bedeutende und jährlich erscheint
-eine stattliche Reihe von wertvollen Werken auf allen Gebieten, mit
-Ausnahme dessen der Phantasie. An poetischen und illustrierten Werken
-ist die Ausbeute keine grosse und die Lese- und Schaulust des Publikums
-wird namentlich durch Übersetzungen und Bearbeitungen deutscher
-Schöpfungen befriedigt.
-
-Unter den holländischen Verlegern seien erwähnt: KEMINK & ZOON, P. W.
-VAN DE WEYER in Utrecht, J. B. WOLTERS in Gröningen, A. W. SYTHOFF und
-E. J. BRILL in Leyden, welche beide letzteren einen reichen Verlag
-orientalischer Werke haben. Das japanisch-holländisch-englische
-Wörterbuch in Brills Verlag ist eine bedeutende Leistung. Überhaupt
-ist LEYDEN ein wichtiger Verlagsplatz, namentlich für medizinische
-und naturwissenschaftliche Litteratur, während UTRECHT die Fächer der
-Philologie und Geschichte kultiviert. Bedeutende Druckplätze sind noch
-HAAG und ROTTERDAM; am letzteren Orte sind J. WÜRTHEIM & ZOON, welche
-namentlich Artikel für den Export liefern, bedeutend.
-
-[Sidenote: Fr. Müller * 22. Juli 1817.]
-
-Einen hochangesehenen Namen in der Geschichte des holländischen
-Buchhandels der neueren Zeit erwarb FREDERIK MÜLLER auf Grund seiner
-Bestrebungen, System in den Betrieb des Handels und in die holländische
-Bibliographie zu bringen. Müller hatte eine vorzügliche Ausbildung in
-dem Etablissement von Johannes Müller, welches aus dem Geschäft von
-Friedr. Arnold Brockhaus entstanden war (s. Kap. XII), erhalten. Im
-Jahre 1843 etablierte er sich in Amsterdam auf dem Rockin in einem
-Keller, der bald ein Sammelpunkt der angesehensten Gelehrten wurde. Eine
-mit grossem Geschick ausgeführte Bücherbestellung des Vorstandes der
-Sternwarte zu Pulkowa bei St. Petersburg brachte ihn in eine wichtige
-Verbindung mit der St. Petersburger kaiserlichen Bibliothek und gab
-Veranlassung zu der Herausgabe einer _Bibliographie néerlandorusse_
-1859, welcher verschiedene bibliographische Arbeiten folgten.
-
-Der Nachdruck hatte in Müller, trotz dem Widerstande seiner Kollegen,
-den eifrigsten Bekämpfer, überhaupt nahm er den lebhaftesten Anteil
-an allen den Buchhandel betreffenden Fragen. Zwei Aufgaben seines
-Lebens musste er unvollendet lassen: die Abfassung einer allgemeinen
-niederländischen Bibliographie und die Geschichte des niederländischen
-Buchhandels, zu welcher das Material zum grössten Teil in der Bibliothek
-des niederländischen Buchhändler-Vereins deponiert wurde[132].
-
- [132] OTTO HARRASSOWITZ, Fr. Müller. Börsenbl. f. d. d. B. 1881, Nr. 5.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Belgien.]
-
-Der Name BELGIENS ist in der Geschichte der neueren Typographie von dem
-Pariser Frieden ab und bis zu dem Vertrage mit Frankreich vom 1. Mai
-1861 hauptsächlich durch die masslose Ausübung des zwar damals nicht
-verbotenen, doch wenig ehrenvollen Geschäfts des Nachdruckes bekannt.
-
-[Sidenote: Der Nachdruck.]
-
-Da in den belgischen Provinzen die französische Gesetzgebung
-auch nach der Trennung von Frankreich massgebend blieb, so waren
-es selbstverständlich zuerst die besten Werke der französischen
-Jurisprudenz, welche, da der Vorteil ein sicherer war, den Nachdruckern
-anheimfielen. Ein Fortschritt der belgischen Typographie war dabei nicht
-bemerkbar; Papier und Druck blieben mangelhaft und im Jahre 1818 hatte
-Brüssel erst 18 Druckerpressen.
-
-Der König Wilhelm, der wohl einsah, dass aus dem Druckgewerbe nur
-dann ein eigentlicher Vorteil für das Land zu erwarten sei, wenn
-die Erzeugnisse technisch besser ausgeführt würden, unterstützte
-die Papierfabrikanten und Buchdrucker und förderte die Einberufung
-französischer Arbeiter. Schon mit dem Jahre 1820 trat eine Besserung
-in der Produktion ein, doch blieb der Umfang des Druckgewerbes noch
-bis zur Revolution ein mässiger; der Nachdruck beschränkte sich damals
-hauptsächlich auf Werke für den inländischen Bedarf und nahm erst nach
-dem Jahre 1830 grossartigere Dimensionen an.
-
-[Sidenote: Produktion.]
-
-Während im Jahre 1815 die litterarische Produktion nur fünf Millionen
-Bogen betrug, war sie 1838 auf über 32 Millionen Bogen gestiegen. 1815
-war die Zahl der Buchdruckereien in den belgischen Provinzen 20 mit 27
-Pressen, 1838 aber 53 mit 429 Pressen oder, wenn man die vorhandenen
-Schnellpressen der üblichen Leistungsfähigkeit nach auf Handpressen
-überträgt, 519 Handpressen.
-
-[Sidenote: Grosser Umfang des Nachdrucks.]
-
-Von der Gesamtproduktion kamen etwa acht Millionen Bogen, hauptsächlich
-in Duodezformat, welches Quantum 6-700000 der damals üblichen
-Romanbände gleichkam, auf die französischen Nachdrucke, deren Umsatz
-sich auf etwa 3-1/2 Millionen Franken belief. Die bedeutendsten
-Nachdruckerfirmen WAHLEN & CO., LOUIS HAUMANN & CO., MELINE CANS &
-CO. gingen an Aktien-Gesellschaften über, die mit einem Kapital von
-insgesamt etwa fünf Millionen Franken arbeiteten. Diese Gesellschaften
-machten jedoch keine guten Geschäfte, da der kostspielige und
-komplizierte Administrations-Apparat den Vorteil absorbierte, zudem die
-kleineren Nachdrucker mit ihrem einfachen Geschäftsbetrieb die Preise
-ausserordentlich gedrückt hatten.
-
-Von der Bedeutung des Nachdrucks mögen einige Thatsachen sprechen:
-Bérangers Gedichte wurden in etwa 30000 Exemplaren gedruckt; Thiers'
-Revolution in 15000; Lamennais' _Paroles d'un croyant_ in 60000
-Exemplaren. Die kostbarsten Werke, z. B. die mit grossen Opfern
-durch Didot ins Leben gerufene neue Bearbeitung des _Dictionnaire
-de l'Académie_, fielen den Nachdruckern anheim, ja selbst mit den
-besten Zeitschriften als der _Revue des deux mondes_ und der _Revue
-britannique_ war es der Fall. Es kam sogar so weit, dass man eine eigene
-Zeitschrift _Revue des Revues_ gründete, welche eine Quintessenz
-der verschiedensten periodischen Schriften von Wert brachte, während
-die politischen Zeitungen Belgiens den Romanhunger des Publikums
-mit Nachdrucken französischer Feuilletons stillten. Die Brüsseler
-Buchhandlungen unterhielten Comptoire in London, Leipzig und anderen
-Orten; in vielen Grenzorten Frankreichs errichteten sie Depots behufs
-des Schmuggels, ja selbst in Algier existierte ein solches, um die
-heimliche Einfuhr nach Frankreich zu betreiben.
-
-[Sidenote: Aufhören des Nachdrucks.]
-
-Diesem Unfug wurde, zum wahren Vorteil Belgiens, durch den Vertrag
-mit Frankreich ein Ende gemacht und Belgien war nun genötigt und
-auch mit Erfolg bemüht, sich auf dem Litteraturmarkt selbständig
-geltend zu machen. Auch das Druckgewerbe hatte von der Änderung einen
-Vorteil; denn, waren auch die Nachdrucke meist sauber ausgestattet, so
-hielten sich doch alle Erscheinungen auf demselben Niveau des einfach
-mittelguten Werkdrucks und von einem höheren Aufschwung der Kunst war
-keine Rede[133].
-
- [133] _Mémoire sur la situation actuelle de la contrefaçon en
- Belgique._ Paris 1841. -- C. MUQUARDT, _De la contrefaçon_.
- Brüssel 1844. -- _Over den Nadruk in Belgien._ AUG. SCHNEE,
- _Trente ans de la littérature belge 1830-1860_. Brüssel 1861.
-
-Der Import an Büchern aus Frankreich ist jetzt begreiflicherweise ein
-bedeutenderer geworden und beträgt etwa drei Millionen Franken an Wert,
-während der Export nach Frankreich nur etwa eine halbe Million Franken
-erreicht.
-
-[Sidenote: Verschiedene Buchdrucker.]
-
-[Sidenote: E. Vanderhaegen [+] 1881.]
-
-Ein Zweig des Pressgewerbes von grosser Bedeutung ist der Druck
-liturgischer und überhaupt Andachtsbücher. Selbst die französischen
-Pressen haben in dieser Richtung schwer mit der belgischen Konkurrenz
-zu kämpfen. Unter denjenigen Offizinen, die sich in dieser Produktion
-auszeichnen und eine grosse Ausfuhr nach allen Weltteilen haben, sind M.
-H. DESSAIN und HANIQ in MECHELN, mit welchen WESMAEL-CHARLIER, LEGROS
-in NAMUR und GREUSE in BRÜSSEL, welch letzterer auch die umfangreiche
-venetianische Ausgabe der Bolandisten fortsetzt, konkurrieren.
-Hebräische und chaldäische Werke liefern VAN LINHOUT und VAN DER ZANDE
-in LÖWEN. J. S. VAN DOOSELAERE in GENT[134] ist ein, seinem Fache mit
-grosser Liebe zugethaner Jünger Gutenbergs. Ein von ihm gedruckter
-_Recueil descriptif des antiquités_ ist ein typographisches Kunststück,
-indem der Text die äussere Form der beschriebenen kunstgewerblichen
-Gegenstände nachbildet. E. VANDERHAEGEN, ebenfalls in Gent, machte sich
-durch seine _Bibliographie gantoise_, 7 Bände, 1858-1869, einen Namen.
-HENRI CASTERMANN & CO. in TOURNAI vereinigen mit der Buchdruckerei
-auch die verwandten Geschäftszweige und den Verlagshandel. Allen ihren
-Arbeiten sind Nettigkeit und Eleganz nachzurühmen.
-
- [134] J. S. VAN DOOSELAERE, _Aperçu_. London 1851.
-
-In BRÜSSEL zeichnet sich AD. MERTENS durch gute Illustrationsdrucke und
-Luxusarbeiten aus. F. GUYOT FRÈRES[135] sind bedeutend im Accidenzfache
-und liefern viele Wertpapiere und Regierungsarbeiten, in welchen auch
-F. HAYEZ Beachtenswertes produziert. BRUYLANT-CHRISTOPHE zeigt im Werk-
-und Buntdruck technische Tüchtigkeit. ADOLF WAHLEN veranstaltete mit A.
-Delpierres Leben der Maria von Burgund ein vorzügliches Druckwerk. Ein
-glücklicher Zufall hatte ein auf das feinste verziertes, nachweislich
-von der eigenen Hand der kunstsinnigen Prinzessin Marie herrührendes
-Alphabet Initiale vor dem Untergange bewahrt, welches nun mit grösster
-Sorgfalt für das erwähnte Werk nachgebildet wurde. Auch auf den Satz
-verwendete man die grösste Mühe, so dass in dem ganzen Werk kein
-geteiltes Wort vorkommt, ohne dass deshalb die Regelmässigkeit des
-Ausschlusses irgendwie gestört wäre.
-
- [135] _Imprimerie E. Guyot._ Brüssel 1880.
-
-Der Schatz, welchen Antwerpen in dem Plantin-Museum besitzt, durch
-welches diese Stadt ein typographisches Mekka geworden, ist bereits (I,
-S. 225) ausführlicher besprochen[136].
-
- [136] Wer nicht Gelegenheit oder Lust hat, die I, S. 225 zitierten
- Werke einzusehen, findet in Westermanns Monatsheften 1883, Heft
- 319 eine ausführliche Beschreibung des Plantin-Museums.
-
-[Sidenote: Statistisches.]
-
-Die Zahl der Buchdruckereien in Belgien beträgt 639; davon kommen auf
-Brüssel 101, Antwerpen 51, Lüttich 37, Gent 34, Brügge 21. Unter den
-Schriftgiessereien zeichnen sich VANDERBORGHT und MELINE CANS & CO.
-aus. Die Zeitungspresse[137] Belgiens teilt sich in zwei, einander
-gegenüberstehende Lager, das katholische und das liberale. Im Jahre 1840
-hatte Belgien nur 75 Journale, darunter 39 vlämische. 1880 war die Zahl
-auf 388 gestiegen, darunter 143 in vlämischer Sprache. 54 Zeitungen
-erscheinen täglich. Die älteste derselben ist das 1764 gegründete
-_Journal de Liège_. Unter den Fachblättern sind zu nennen die _Annales
-de l'imprimerie_.
-
- [137] J. MALLOU, _Notice statistique sur les journaux Belges_.
- Brüssel 1843.
-
-
- ITALIEN.
-
-[Sidenote: Italien.]
-
-ITALIEN seufzte in der vorliegenden Periode unter dem Druck der
-Fremdherrschaft bald österreichischer, bald spanischer und französischer
-Machthaber. Jede freiere Geistesregung war verschwunden und infolge
-davon vegetierte auch die einst so blühende Typographie nur in
-kümmerlichster Weise fort. Der kleinen Stadt PARMA allein war es
-beschieden, durch den einzigen bedeutenden Meister dieser Zeit einen
-grossen, jedoch nur kurz andauernden Ruf zu gewinnen.
-
-[Sidenote: J. B. Bodoni * 16. Febr. 1740, [+] 30. Nov. 1813.]
-
-Dieser Meister, JOHANN BAPTIST BODONI[138], ward in Saluzzo von
-einfachen aber respektablen Eltern geboren. Die Anfänge der Kunst
-lernte er bei dem Vater und bereits frühzeitig entwickelte er ein nicht
-gewöhnliches Zeichentalent und schnitt in seinen Freistunden Vignetten
-in Holz, die später, nachdem der unbekannte Holzschneider ein berühmter
-Buchdrucker geworden war, von Sammlern sehr gesucht wurden.
-
- [138] LAMA, _Vita del cavaliere G. Bodoni_, 1816, 2 Bde., von welchen
- der letztere ein analytisches Verzeichnis seiner Druckwerke
- enthält. -- J. BERNARDI, _Vita di G. Bodoni_. Saluzzo 1872.
-
-[Sidenote: Bodoni in der Propaganda.]
-
-Achtzehn Jahre alt begab er sich mit einem Freunde nach Rom, wo der
-letztere einen Onkel hatte, von welchem die Wanderer Unterstützung
-erwarteten. Die kleine Barschaft war unterwegs bald aufgezehrt, da
-half Bodoni durch Verkauf von Holzschnittvignetten an Buchdrucker. Den
-nach Rom Gekommenen erklärte der Onkel nicht helfen zu können. Bodoni
-war zur Rückkehr entschlossen, wollte jedoch wenigstens der berühmten
-Offizin der Propaganda einen Besuch abstatten. Bei diesem erregte die
-Lebhaftigkeit und das gefällige Wesen Bodonis die Aufmerksamkeit des
-Direktors, Abbé Ruggieri, und er wurde engagiert. Auf Veranlassung der
-obersten Spitze der Anstalt, des Kardinals Spinelli, der Bodonis Streben
-wohlgefällig bemerkte, nahm dieser an einem Kursus der orientalischen
-Sprachen Anteil und lernte auch Arabisch und Hebräisch lesen. Mit der
-typographischen Ausführung eines arabisch-koptischen _Missale_ und des
-_Alphabeticum Tibetanum_ des Paters Georgi betraut, entledigte er sich
-der Aufgaben in so befriedigender Weise, dass Ruggieri dem Schlusse des
-Werkes den Vermerk: »_Roma, excudebat J. B. Bodoni, Salutiensis 1762_«
-aufdrucken liess.
-
-Bei der Ordnung der orientalischen Schriftenvorräte der Anstalt war die
-Lust bei Bodoni entstanden, selbst Schriftschneider zu werden und er
-griff diesen Gedanken mit einem solchen Eifer auf, dass er in kurzer
-Zeit ein sehr tüchtiger Stempelschneider wurde. Wahrscheinlicherweise
-wäre sein Schicksal für stets mit der Propaganda verknüpft geblieben,
-wenn nicht der freiwillige Tod seines Gönners Ruggieri ihm den dortigen
-Aufenthalt verleidet hätte. Er nahm einen Ruf nach England an, wollte
-jedoch vor seiner Abreise nochmals seine Eltern in Saluzzo sehen. Dort
-erkrankte er in so bedenklicher Weise, dass seine Abreise verschoben
-werden musste, und als der Marquis Telino ihm das Anerbieten machte,
-an die Spitze einer, der Königlichen Buchdruckerei in Paris ähnlichen
-Anstalt, die man in Parma errichten wollte, zu treten, gab Bodoni das
-Engagement nach England ganz auf und siedelte nach Parma über.
-
-[Sidenote: Buchdrucker in Parma.]
-
-Hier begann nun für ihn eine Zeit des strengsten Arbeitens, auch war er
-anfänglich keineswegs pekuniär günstig gestellt. Im Jahre 1771 legte er
-durch seine _Saggio tipographico di fregi et majuscola_ Proben seiner
-Kunst als Stempelschneider ab. 1774 folgten _Iscrizioni esotiche_ von de
-Rossi und 1775 bei Gelegenheit der Vermählung des Fürsten von Piemont
-mit der Prinzessin Clotilde von Frankreich, die in 25 verschiedenen
-Sprachen, orientalischen und europäischen, gedruckten _Epithalamia
-exoticis linguis reddita_. Das letztere Werk richtete die allgemeine
-Aufmerksamkeit auf Bodoni. Kein Reisender von Bedeutung unterliess es,
-dessen Druckanstalt zu besuchen. Karl III. von Spanien ernannte ihn zu
-seinem Hofbuchdrucker; Gustav III. von Schweden und Ferdinand IV. von
-Neapel erteilten ihm Auszeichnungen. Alle waren einig, dass Bodonis
-Erzeugnisse in Bezug auf Eleganz und Gleichförmigkeit nicht übertroffen
-seien.
-
-Im Jahre 1788 wurde ihm von dem Ritter d'Azara, dem spanischen Gesandten
-in Rom, das Anerbieten gemacht, in dessen Palast eine Druckerei
-für die Herausgabe griechischer, lateinischer und italienischer
-Klassiker einzurichten. Unwillig darüber, dass jemand ihm eine solche
-typographische Kapazität rauben wolle, gestattete der Herzog von Parma,
-dass Bodoni eine ähnliche Offizin, wie die in Rom beabsichtigte, in dem
-herzoglichen Schlosse einrichtete, aus welcher dann einige der schönsten
-Klassiker-Ausgaben, darunter der Virgil von 1793 und Tassos _Gerusalemme
-liberata_ in drei Foliobänden (1794), hervorgingen.
-
-[Sidenote: Prachtwerke.]
-
-Die kostbarste aller seiner Prachtausgaben war jedoch der Homer
-(1808), den er dem Kaiser Napoleon dedizierte, von welchem er in der
-Zeit der Franzosenherrschaft in jeder Weise begünstigt wurde. Bei der
-Überreichung des Dedikationsexemplares erhielt Bodoni eine Pension von
-3000 Franken. Der Vizekönig von Italien, Eugen Beauharnais, wollte ihn
-gern nach Mailand, Murat nach Neapel ziehen. Bodoni wünschte jedoch
-nicht Parma zu verlassen und schützte Alter und Kränklichkeit vor. Er
-hasste überhaupt das Franzosentum, verstand es aber ganz wohl, sich in
-die Verhältnisse zu schicken und diese sich nutzbar zu machen.
-
-Im Jahre 1811 wurde er von Murat dekoriert. Letzterer hatte die Absicht,
-für den jungen Murat eine Reihe von Klassikern drucken zu lassen. Der
-Anfang wurde 1812 mit _Télémaque_ gemacht, dem 1813 Racine folgte; erst
-1814, nach Bodonis Tod, erschienen Lafontaine und Boileau. Auf Grund
-dieser französischen Klassiker-Ausgaben erteilte Napoleon dem Bodoni
-kurz vor dessen Tode das Kreuz der Ehrenlegion in Begleitung eines
-Ehrengeschenkes von 18000 Franken.
-
-Unter Bodonis Arbeiten müssen noch zwei erwähnt werden, die für den
-Typographen von Fach ein ganz besonderes Interesse haben: seine _Oratio
-dominica_ und sein _Manuale tipographico_.
-
-[Sidenote: _Oratio dominica._]
-
-Als der Papst Pius VII. im Jahre 1805 auf seiner Rückreise von Paris, wo
-ihm in der Staatsdruckerei die _Oratio dominica_ durch Marcel überreicht
-worden war, durch Parma kam, forderte er Bodoni auf, zu zeigen, dass
-Italien ein ähnliches Werk liefern könne. Bodoni wollte nun die Pariser
-Ausgabe noch übertreffen und lieferte auch, und zwar in sehr kurzer
-Zeit, die seinige in 155 Sprachen; 51 asiatischen, 82 europäischen,
-12 afrikanischen und 20 amerikanischen, allerdings nur, indem die
-Propaganda ihn mit ihren Vorräten unterstützte.
-
-[Sidenote: _Manuale tipographico._]
-
-Das _Manuale tipographico del Cavaliere Giambattista Bodoni_, zwei Bände
-in kleinem Folio, wurde erst 1818 von seiner Witwe herausgegeben. Es
-enthält auf 87 Seiten eine Einleitung der Witwe und 267 Seiten Proben.
-Die erste Serie bringt auf 144 Blatt die _Caratteri latini tondi e
-corsivi_, eine Sammlung von Antiqua- und Cursivschriften, wie sie in
-solcher Vollständigkeit, Vollendung und einheitlichen Durchführung sonst
-wohl selten oder nie gefunden wird. Bodoni schnitt folgende 22 Grade:
-_Parmigianina_, _Nonpariglia_, _Mignona_, _Testino_, _Garamoncino_,
-_Garamone_, _Filosofia_, _Lettura_, _Silvio_, _Soprasilvio_, _Testo_,
-_Parangone_, _Ascendonica_, _Palestina_, _Canoncino_, _Sopracanon_,
-_Canone_, _Corale_, _Ducale_, _Reale_, _Imperiale_, _Papale_. Darauf
-folgen 85 Blatt Versalien, Antiqua-, Cursiv- und Schreibschriften.
-Der zweite Band enthält 59 Blätter Griechisch, 33 Blätter Orientalia,
-darauf, zwischen Malabarisch und Russisch, zwei Blätter _Caratteri
-tedeschi_, in einer Ausführung, die allerdings nahe ans Malabarische
-grenzt. Die russischen Schriften sind auf 82 Blättern sehr reich und
-schön vertreten. Den Schluss machen 91 Blatt _Fregi_ (Einfassungen),
-Linien und Diverse, die ohne Bedeutung sind.
-
-Das Ganze bildet ein Druckwerk ersten Ranges. Der tiefschwarze und doch
-mit wenig Farbe erzielte Druck, die Schärfe der Schrift, die Einfachheit
-und das Ebenmass des Ganzen, das schöne milchweisse Velinpapier, ohne
-den schädigenden Glanz der Satinage, haben ein Kunstwerk zuwegegebracht,
-welches das Studium jedes Gutenberg-Jüngers verdient.
-
-Bodonis Schriften wurden nicht allein in Italien überall verbreitet,
-sondern fanden auch Eingang in Berlin durch Decker und Unger, in Leipzig
-durch Breitkopf, in der Schweiz durch Gessner, in London durch Nicholls,
-in Kopenhagen und an andern Orten.
-
-[Sidenote: Krankheit und Tod.]
-
-Bodoni war von der Natur kräftig, schadete sich aber durch übermässiges
-Arbeiten. Er bezeichnete sich selbst als einen Galeerensklaven und war
-in der That an die Druckerei wie angeschmiedet. Seit Jahren an Podagra
-leidend, liess er sich durch Schmerz und Ungeduld verleiten, als Kur
-innerhalb je 12 Stunden 36 Pfund heisses Wasser zu trinken, und er würde
-dies noch weitergetrieben haben, wäre er nicht durch Ohnmachten daran
-gehindert worden. Die Folge war eine Schwächung des Magens, die nicht
-wieder gehoben werden konnte. Am 30. November 1813 unterlag er, und am
-2. Dezember rief die grosse Glocke des Domes die Bürger Parmas zu der
-feierlichen Beerdigung ihres hochverdienten Mitbürgers.
-
-Bodonis Denkmal in Saluzzo wurde am 20. Oktober 1872 eingeweiht. Es
-stellt ihn in ganzer Figur vor, umgeben von den Werkzeugen seiner Kunst.
-
-[Sidenote: Verdienste.]
-
-Bodoni leistete vieles ganz ausserordentlich Schöne, doch entstanden
-die Produkte seiner Pressen zumteil mehr aus typographischem Ehrgeiz
-als aus dem Wunsch, höheren, veredelnden Zwecken zu dienen, wie dies
-in der Vergangenheit das Ziel seines grossen Landsmannes Aldus gewesen
-oder in seiner Zeit das der Didots war. Er huldigte öfters zu sehr dem
-Luxusdruck ohne eigentlichen Zweck. Sein Wirken erhellte deshalb zwar
-eine zeitlang den typographischen Himmel Italiens, es war jedoch nicht
-mit dem erwärmenden, fruchtbringenden Licht der Sonne zu vergleichen,
-sondern mehr mit der prachtvollen, die Augen entzückenden Erscheinung
-eines glänzenden Meteors, welches ebenso unvermutet zum Vorschein kommt,
-als es rasch verschwindet.
-
-[Sidenote: Die Typographie in Italien.]
-
-So finden wir bis um die Mitte unseres Jahrhunderts die Typographie
-und das Buchgewerbe Italiens in einem wenig erfreulichen Zustande. Die
-Zensur war eine ausserordentlich strenge und die Bücher, die in einem
-Teil des Landes gedruckt waren, konnten nicht unbehindert in einem
-anderen vertrieben werden. In Neapel existierten Zölle, die gleich einem
-Verbot wirkten; dabei florierte der Nachdruck und der Verkehr mit dem
-Auslande bot die grössten Schwierigkeiten.
-
-[Sidenote: Statistisches.]
-
-Im Jahre 1833 gab es 464 Buchdruckereien und Buchhandlungen; 1835
-wurden 2819 Werke in 4295 Bänden herausgegeben. 1836 zählte man,
-einschliesslich der offiziellen Zeitungen der verschiedenen Staaten, nur
-185 Zeitschriften, davon 26 in Neapel, 19 in Mailand, je 10 in Rom und
-Turin, je 8 in Palermo und Florenz.
-
-Die 1848 in Piemont eingeführte Pressfreiheit trug zwar bald Früchte,
-jedoch datiert der eigentliche Fortschritt erst von der Einigung
-Italiens. 1859 gab es gegen 600 Buchdruckereien mit etwa 2000 Pressen.
-Turin hatte 780 Setzer, 164 Handpressen und 47 Schnellpressen, bei
-deren Einführung man nicht darauf drucken wollte, bevor die Macht
-des Satans über sie durch Besprengung derselben mit geweihtem Wasser
-seitens eines Geistlichen beseitigt war. 1872 bestanden bereits 911
-Buchdruckereien, in welchen 745 Schnellpressen, 2691 Handpressen und
-nahe an 11000 Personen beschäftigt wurden. Unter den 1083 Buchhandlungen
-verdienten allerdings eine ziemliche Anzahl kaum diesen Namen. Viele,
-selbst bekannte Schriftsteller mussten ihre Werke auf eigene Kosten
-drucken lassen.
-
-Die buchhändlerische Produktion, welche 1863 4243 Werke betragen hatte,
-war 1872 auf 6798 neue Werke gestiegen. 6509 Fortsetzungen waren noch im
-Gange, wozu noch 2666 Gesetze, Statuten etc. kamen, so dass die ganze
-Produktion 15973 Nummern betrug[139].
-
- [139] Diese Angaben sind G. OTTINOS, _La stampa periodica, il commercio
- dei libri e la tipografia in Italia_, Mailand 1875, entnommen.
- Das Buch enthält eine sehr sorgfältige Zusammenstellung
- der periodischen Presse, die zuerst anlässlich der Wiener
- Ausstellung 1873 ausgearbeitet war, und muss zugleich als eine
- ganz vorzügliche typographische Leistung gelten. Vergl. auch
- »Zur Geschichte der Presse in Italien«, Prutz' Museum, Leipzig;
- PAOLO LIOY, »Über die geistige Nahrung des italienischen Volkes«
- in C. Hillebrands _Italia_, Bd. III, S. 90.
-
-Im Jahre 1869 war die Zahl der Zeitschriften auf 450 angewachsen. Damals
-zeigte sich die grösste journalistische Thätigkeit in dem Norden, dem
-eigentlichen Herde der Freiheit Italiens. Turin zählte derzeit über 100
-Zeitschriften, Mailand 80, Florenz 51, Genua 37. Zwei Drittel derselben
-waren politischen Inhalts; 75 erschienen täglich, 65 zwei- bis dreimal,
-179 einmal wöchentlich. 1872 war die Zahl schon 723. Obenan stand damals
-Florenz mit 101, während Turin auf 75 gesunken war. Im Jahre 1873, mit
-1126 Zeitschriften, hatte Mailand mit seinen 137 den Vorsprung über
-Florenz und Turin gewonnen, Rom zählte 109; ihm folgte Florenz mit 107
-auf dem Fusse, dann Turin mit 85, Neapel mit 81, Genua mit 51, Palermo
-mit 48, Venedig mit 38, Bologna mit 36. Die Gesamtauflage einer Nummer
-aller Zeitschriften betrug 1-3/4 Millionen Stück. Die Post versandte
-jährlich gegen 100 Millionen einzelne Nummern. Zeitungen mit einer
-allgemeinen grossen Verbreitung gab es in Italien nicht; jedes Städtchen
-hängt an seinem Lokalblättchen.
-
-Wie rasch Italien sich unter seinen neuen Verhältnissen entwickelt, geht
-schon daraus hervor, dass 1881 die Zeitschriften auf 1854 gestiegen
-waren, unter welchen 159 Tageszeitungen.
-
-Werfen wir noch einen Blick auf die Pressthätigkeit der einzelnen Städte.
-
-[Sidenote: Venedig.]
-
-[Sidenote: Mechitaristen.]
-
-VENEDIGS hoher typographischer Ruhm war wie sein politischer zu Grabe
-getragen, wennauch einzelne bedeutendere Erscheinungen sich sporadisch
-zeigten, zu welchen Alvisopolis vortreffliches Prachtwerk _Le fabbriche
-più cospicue di Venezia_, zwei Bände in Folio, gehörte. Aus alter Zeit
-hat sich nur die armenische Offizin der Mechitaristen auf der Insel
-S. Lazaro (I, S. 186) erhalten. Das Kloster entging auf Grund seiner
-wissenschaftlichen Bestrebungen der Aufhebung unter napoleonischer
-Herrschaft und wurde zu einer armenischen Akademie erhoben, die noch
-existiert und für welche die Offizin eine Monatsschrift _Pasmaveb_ (der
-Polyhistor) druckt, von welcher dreissig Bände erschienen. Die Akademie
-erwählte auch auswärtige Mitglieder, zu welchen Lord Byron zählte, der
-oft und gern dort verkehrte und armenische Studien trieb. Zu ihren
-bedeutenderen Leistungen aus neuerer Periode gehören der _Thesaurus
-linguae armenicae_ und die Chronik des Eusebius in armenischer,
-lateinischer und griechischer Sprache, sowie das _Dizionario
-armeno-letterale_. Als Probe ihrer Produktionsfähigkeit liessen die
-Brüder-Typographen 1837 die _Preces sancti Nercetis_ in 24 Sprachen
-erscheinen[140].
-
- [140] _Printers Register_ 1874, Dezbr. -- Das Journ. f. B. 1880 enthält
- in Nr. 2 und 3 die Schilderung eines Besuches Th. Goebels in
- dieser Druckerei.
-
-In UDINE erschien bei den Brüdern MATTIUZZI eine schöne Ausgabe von
-_Vitruvii Pollionis Architectura_, vier Bände in Quart, 1825.
-
-[Sidenote: Panfilo Castaldi.]
-
-Ein sonderbares Schauspiel vollzog sich am 25. September 1868 in dem
-Städtchen FELTRE, an welchem Tage unter grossen Festlichkeiten ein
-Monument des Erfinders der Buchdruckerkunst -- selbstverständlich nicht
-Gutenbergs, sondern des Italieners PANFILO CASTALDI -- enthüllt wurde.
-
-Der Prätor Antonio Cambruzzi schrieb um 1556 in seiner Geschichte
-der Stadt Feltre: »Um diese Zeit (1456) lebte Pamfilio Castaldio,
-Doktor der Rechte und Dichter, in Feltre, der die Erfindung (!) der
-Buchdruckerkunst entdeckte (!!). Der Burggraf Faust lernte von ihm diese
-Kunst, als er in seinem Hause zu Feltre wohnte, um die italienische
-Sprache zu studieren. Er führte die Druckkunst nach Deutschland,
-übte sie in Mainz und bekam nachher von Einigen den Titel des ersten
-Erfinders. Andere haben diese Erfindung einem Deutschen namens
-Cuttembergo aus der Stadt Strassburg zugeschrieben, allein der erste
-Erfinder ist, »»wie aus den Chroniken von Feltre erhellt««, Pamfilio
-Castaldio gewesen«.
-
-Recht schade ist es, dass diese »erhellenden Chroniken« nicht
-existieren. Indes dies geniert die »späteren Zeugen«, die auf Cambruzzi
-fussen und ihn sogar fälschen, nicht, wie es auch Gutenbergs Manen nicht
-genieren wird, dass seinen Konkurrenten in Feltre und Haarlem Statuen
-errichtet wurden. Fast möchte man aber glauben, dass es Italien besser
-angestanden hätte, der Zierde der italienischen Typographie, dem Aldus
-Manutius, ein würdiges Monument zu setzen, statt einer mythischen Person
-zu huldigen, zu einer Zeit, wo der Nebel, welcher die Geschichte der
-Erfindung bisher umhüllte, wenigstens so weit zerstreut ist, dass man
-nicht Erfindern à la Castaldi und Coster Denkmäler errichten sollte.
-
-In jüngster Zeit hat der Vorsteher des Staatsarchives zu Mailand, Cesar
-Cantu, zwei Urkunden entdeckt, nach welchen sich ergiebt, dass Castaldi
-im Jahre 1472 in seinem 74. Lebensjahre als Lehrer der Buchdruckerkunst
-von dem Herzog Galeazzo Maria Sforza in Mailand nach dort berufen und
-dass ihm das Recht erteilt wurde, eine Druckerei zu eröffnen. Wie damit
-eine Erfindung seitens des Castaldi bewiesen werden soll, ist nicht
-leicht ersichtlich[141].
-
- [141] A. BERNHARDI-ZINGHELLINI ET A VALSECCHI, _Intorno à P. Castaldi_.
- Mailand 1866. -- A. DEL COMO, _Mem. della citta di Feltre_.
- Venedig 1710. -- A. V. D. LINDE, Gutenberg. Stuttgart 1878.
-
-[Sidenote: Padua.]
-
-PADUA beansprucht den etwas zweifelhaften Ruhm, in seinem sogenannten
-_Dantino_ das mit der kleinsten Schrift gedruckte Buch hervorgebracht zu
-haben. Im Jahre 1834 hatte bereits Antonio Farina eine Schrift, die er
-_Occhio di mosca_ (Fliegenauge) nannte, geschnitten. In demselben Jahre
-trat Claudio Wilmant mit einer noch kleineren, _Milanina_, hervor. Nach
-vielem Herumirren derselben schloss der letzte Besitzer dieser Schrift,
-Giovanni Gnocchi, 1873 einen Vertrag mit den Gebrüdern SALMIN in Padua
-über den Druck einer Ausgabe von Dantes göttlicher Komödie ab und nach
-fünf Jahren erschien dieselbe.
-
-[Sidenote: Mailand.]
-
-MAILAND trug durch P. E. GIUSTIS Ausgabe der _Famiglie celebri di
-Italia_ des Grafen Pompeo Litta zur Ehre der Kunst bei. Dort wirkt die
-Anstalt von ED. SONZOGNO (gegr. 1861) mit 30 Schnellpressen und 500
-Personen für die Herstellung des eigenen Verlags der Firma, darunter
-15 Zeitschriften. CIVELLI (1840) hat Druckereien in Mailand, Turin,
-Verona, Ancona und Rom, ausserdem zwei Papierfabriken und verlegt fünf
-Zeitschriften. Er druckt fast alle Arbeiten für die italienischen
-Eisenbahnen. Ein Riesenwerk ist das _Vocabulario universale della lingua
-italiana_, acht Bände in Quart.
-
-Was den lithographischen Bilderdruck betrifft, hat Mailand zwei
-vortreffliche Repräsentanten aufzuweisen, ULYSSES BORZINO und seine
-Frau, die beide selbst tüchtige Künstler sind.
-
-[Sidenote: Familie Pomba.]
-
-Was Bodoni für die Typographie Italiens gewesen, war die Familie POMBA
-in Turin für den Verlagshandel. Die von derselben 1818 begonnene
-_Collezione dei classici Latini_ in 108 Bänden wurde 1835 beendigt.
-Ihre _Biblioteca populare di classici autori_, 100 Bände, in 16.
-(1829) gab den ersten Impuls in Italien zur Verbreitung guter Bücher
-zu den billigsten Preisen. Nach dem Vorbilde der _Penny Cyclopaedia_
-wurde 1842-1849 die _Encyclopedia populare_, zwölf Bände in Quart,
-herausgegeben. Glänzenden Erfolg erzielte Cesar Cantus _Storia
-universale_, die in sehr kurzer Zeit zwei teuere Auflagen und eine
-billige erlebte. Die Firma POMBA & CO. unternahm die _Biblioteca
-dell' Economista_, 26 Bände, und ein kolossales Werk, _Istituzioni di
-agricoltura_.
-
-[Sidenote: Luigi Pomba [+] 1872.]
-
-Am 1. Februar 1855 ging das Pombasche Geschäft mit noch einigen anderen,
-kleineren Geschäften in den Besitz der _Unione tipografico-editrice_
-über, die unter der Direktion LUIGI POMBAS eine grosse Wirksamkeit,
-namentlich in encyklopädischer Richtung, entwickelte und Filialen in
-Rom, Neapel und Pisa gründete. Neue grossartige Werke der Firma waren
-das Wörterbuch von Nic. Tommaseo, acht Bände in Quart; die _Encyclopedia
-di chimica_, zehn Bände in Quart, und die Prachtausgabe von A. Palladios
-_Fabbriche etc._, fünf Bände in Fol., ferner die italienischen
-illustrierten Ausgaben der Werke Brehms, Darwins u. a.
-
-Ausser durch die eigene Verlagsthätigkeit zeichnete sich Joh. Pomba
-durch seine allerdings ohne Erfolg gebliebenen Bestrebungen, den
-italienischen Buchhandel nach Art des deutschen zu organisieren, aus.
-Um sich näher mit dem Betrieb des letzteren bekannt zu machen, besuchte
-Pomba die Leipziger Messe und liess 1869 eine Broschüre _Informazione
-della fiera di Lipsia_ erscheinen.
-
-Grosse Anstrengungen machte die königliche Druckerei in Turin in den
-Händen der Firma PARAVIA (Vigliardi), die auch Filialen in Mailand,
-Florenz und Rom errichtete. Schöne Arbeiten lieferten in Turin ebenfalls
-Bona, sowie CHIRIO & MINA. Unter den Arbeiten der letzteren ragt die
-Geschichte des Klosters _Alta Comba_ in Folio mit Einfassungen in
-Golddruck im Geschmack des XV. Jahrhunderts hervor.
-
-[Sidenote: Florenz.]
-
-In FLORENZ, das durch Verbindung vieler Eigenschaften (geographische
-Lage, allgemeine Bildung, Reinheit der Sprache, Tüchtigkeit der Setzer)
-geeignet wäre, ein Leipzig Italiens zu werden, lieferte 1825 MOLINI
-eines der schönsten Druckwerke Italiens, die vom Grossherzog von Toscana
-veranstaltete Prachtausgabe der _Opere di Lorenzo de' Medici_, vier
-Bände in Gross-Quart. MAREINGH, erst in Florenz, dann in Triest, zeigte
-in TASSOS _Gerusalemme liberata_, zwei Bände in Gross-Folio, 1820, und
-in den _Monumens sépulcraux de Toscane_, 1821, feinen Geschmack und
-grosses Geschick. Eines der bedeutendsten Werke der letzten Zeit ist
-das in der TIPOGRAFIA CENNINIANA auf 1648 zweispaltige Seiten gedruckte
-_Vocabulario Italiano_ von P. Fanfani, Rigutini und F. Corridi. Als
-Drucker und Verleger bedeutend ist G. BARBERA; er ist durch seine
-Diamant-Ausgaben italienischer Klassiker bekannt.
-
-Florenz hat einen _Cercolo tipografico_, in dem Prinzipale und Gehülfen
-zwanglos verkehren. Hier erscheint auch seit 1869 das in würdiger Weise
-von SALV. LANDI geleitete und typographisch sehr gut ausgestattete
-Journal _L'Arte della stampa_. Als Organ der Gehülfen dient _Il
-tipografo_ (Turin). _Senefelder_ ist der Titel einer in Turin in
-italienischer und französischer Sprache erscheinenden lithographischen
-Monatsschrift.
-
-[Sidenote: Rom.]
-
-ROM hatte zwar nie einen ersten Platz in der typographischen Geschichte
-eingenommen, sank jedoch in der Periode von 1750 ab tiefer als man
-hätte erwarten sollen. Das einzige Institut von einiger Bedeutung war
-die Druckerei der Propaganda (I, S. 186)[142]. Ihren Flor verdankt
-sie dem gelehrten Prälaten Leo Allacci (Allatius), den Kardinälen
-Antonelli, Ruggieri, Spinelli, Consalvi und Zurla, sowie den Monsignoren
-Ricci, Amaducci und Borgia. Eine solche Stellung jedoch, wie dies
-Institut hätte einnehmen können und sollen, wurde nicht erreicht. Nicht
-nur andere Staatsanstalten, sondern auch Privatdruckereien anderer
-Länder überflügelten weit die Propaganda. 1812 ward sie zeitweilig
-ganz unterdrückt, hob sich jedoch später wieder. Die von Napoleon
-geraubten Schriften kamen wieder nach Rom zurück. Besonders der Papst
-Pius IX. nahm sich der Anstalt an und ernannte 1865 den verdienten
-Ritter MARIETTI zum Direktor, der 1872 seine Stelle niederlegte und
-von FEDERIGO MELANDRI gefolgt wurde. Unter den seit 1865 entstandenen
-Werken der Offizin sind zu erwähnen der _Bibliorum Sacrorum Codex
-Vaticanus_, mit den Typen des Tischendorfschen _Codex Sinaiticus_
-gedruckt, und eine _Oratio dominica_ in 250 Sprachen, die trotz der
-Schriftenmannigfaltigkeit zeigt, dass die Anstalt nicht auf der Höhe der
-Jetztzeit steht[143].
-
- [142] _Propaganda, Specimen characterum._ Rom 1843. -- _Cat. librorum
- qui ex typogr. S. Congr. etc. prodierunt._ Rom 1773.
-
- [143] A. MACKIE'S _Italy and France_ bringt in dem _Letter_ XXXVI und
- dem _Appendix_ A die Schilderung eines Besuchs des bekannten
- englischen Zeitungsdruckers in der Propaganda. Eine Äusserung
- von ihm wird in Deutschland interessieren: »Ich bemerkte nicht
- eine einzige Maschine englischen Ursprungs. Bereits in England
- war mir gesagt worden, dass die englischen Maschinen überflügelt
- seien. Deutschland hatte hier alles geliefert, selbst eine
- kleine Falzmaschine«.
-
-Eine Hofbuchdruckerei _Stamperia camerale_ wurde 1834 sehr hübsch
-in dem Palast Cornaro eingerichtet. Im Jahre 1881 gab es in Rom 53
-Buchdruckereien mit 172 Schnellpressen und 129 Handpressen. Die
-Zahl der Gehülfen war 722, der Lehrlinge 268. Die grösste Zahl
-der Schnellpressen, 31, und ebenso viele Handpressen beschäftigte
-die »Aktienbuchdruckerei«. Bedeutend sind ferner: CIVELLI, BOTTAS
-Nachfolger, mit 11 Schnellpressen und 81 Setzer; die Druckerei der
-Nationalbank mit 8 Schnellpressen und 11 Handpressen; MOLINA mit 16
-resp. 8.
-
-[Sidenote: Neapel.]
-
-[Sidenote: J. P. Piranesi [+] 1778.]
-
-NEAPEL[144] sucht in seinen Leistungen nicht zurückzubleiben. ANGELI &
-SOHN liefern viele Accidenzien. Dort gelangte eines der prachtvollsten
-Stichwerke der Neuzeit zur Ausführung, das von Piranesi Vater und Sohn
-herausgegebene: Antike Denkmäler Roms. In der Kunst, die Monumente und
-Ruinen darzustellen, sind die beiden Meister nicht übertroffen. Der
-Vater JOH. BAPTIST PIRANESI aus Venedig lieferte die ersten 16 Bände
-und der Sohn FRANZ PIRANESI setzte das Werk fort. Nach verschiedenen
-Schicksalen liess sich letzterer in Paris nieder. Napoleon begünstigte
-ihn sehr und es wurde der Beschluss gefasst, von Staatswegen das Werk
-für 300000 Franken und ein Jahresgehalt an Piranesi von 12000 Franken
-zu erwerben. Das Unglück in Moskau verhinderte die Vollziehung des
-betreffenden Dekretes, jedoch erwarben die Didots das grossartige
-Unternehmen von 29 Bänden mit über 2000 Kupferstichen im grössten
-Atlanten-Format.
-
- [144] GIUSTINIANI, _Saggio sulla tipografia del regno di Napoli_.
- Neapel 1791.
-
-
- SPANIEN. PORTUGAL. SÜDAMERIKA.
-
-[Sidenote: Spanien.]
-
-SPANIEN hat wie Italien in der Periode von 1750 ab einen einzigen
-hervorragenden Namen aufzuweisen, während seine typographische
-Geschichte wenig von Bedeutung verzeichnen kann[145].
-
- [145] F. MENDEZ, _Tipografia Española_. Madrid 1861. --
- J. E. EQUIZABAL, _Hist. de la legislation española 1480-1873_.
- Madrid 1879. -- _Annuario del comercio._ Madrid 1882.
-
-[Sidenote: J. Ibarra.]
-
-Der Kammerdrucker des Königs, JOACHIM IBARRA aus Saragossa, war der
-Mann, der die Buchdruckerkunst in Spanien zu einer dort noch nicht
-gekannten Höhe erhob und einen Wetteifer der Buchdrucker hervorrief, der
-sie weiter trieb, als 20O Jahre es vermocht hatten. Ibarras Prachtwerke
-zeichnen sich gleich sehr durch die Schönheit des Druckes, der Typen und
-der Illustrationen, sowie durch die Glätte des Papiers, und durch die
-Korrektheit aus.
-
-Unter seinen Druckwerken sind besonders zu nennen die spanische
-Übersetzung des Sallust durch den Infanten Don Gabriel, mit
-Illustrationen, Folio, 1772; eine Dissertation des Fr. Perez Bayer über
-die phönizische Sprache, Folio, 1772; die Prachtausgabe des Don Quixote,
-vier reich illustrierte Bände in Quart, 1780; Marianas Geschichte
-Spaniens, zwei Bände, Folio, 1780. Ibarras Witwe setzte das Geschäft
-in rühmlichster Weise fort; eine vorzügliche Leistung von ihr ist das
-_Diccionario de la lengua Castellana_, Folio, 1803.
-
-Für die Achtung, welche die Spanier ihrem grossen Dichter Cervantes
-zollen, spricht der Umstand, dass eine Facsimile-Reproduktion der ersten
-Ausgabe der Werke desselben (I, S. 190), von FRANCISCO QUIJANO in 1500
-Exemplaren veranstaltet, sofort vergriffen war.
-
-[Sidenote: Madrid.]
-
-[Sidenote: J. Aguado [+] 22. März 1878.]
-
-Unter den neueren Druckern MADRIDS werden mit Ruhm genannt: GASPAR &
-ROIX, CALLEJA MILLADO, MAN. RIVADANEIRA (jetzt ABELARDO DE CARLOS und
-Sohn), JUAN AGUADO, DUCAZAL, JOACHIM FONTANET, GABRIEL ALBAMRA u. a.
-Im Jahre 1881 hatte die Stadt 104 Buchdruckereien, 110 Buchhandlungen,
-64 lithographische Anstalten. Die Schriftgiessereien sind schwach
-vertreten, die bedeutendste darunter ist die von JUAN AGUADO, der auch
-die Fachzeitschrift _Bulletin tipografico_ herausgiebt. Ein zweites
-Fachblatt ist die _Cronica de la imprenta_. Von Zeitschriften erschienen
-206 (darunter 60 politische, von welchen die _Correspondencia_ die
-grösste Auflage [über 50000] hat). Die spanische illustrierte Zeitung
-ist eine tüchtige Leistung A. de Carlos' und enthält viele gute
-Original-Illustrationen, ebenso _El museo universal_.
-
-[Sidenote: Barcelona.]
-
-Nächst Madrid ist BARCELONA der bedeutendste Druckort. Die dort
-bestehende Banknotendruckerei unter Direktion von ZARAGOZANO & JAIME
-ist ganz mit französischem Material ausgerüstet und beschäftigt über 60
-Personen. Früher wurde das spanische Papiergeld in England gedruckt. In
-Barcelona erscheint auch ein Fachblatt _El correo tipolitografico_ von
-CEPHERINO GORCHS. Die Stadt besass 1881 42 Buchdruckereien, davon 6 mit
-Dampf- und 10 mit Gasbetrieb. 919 Personen, 95 Schnellpressen (darunter
-81 französische), 60 Handpressen (darunter nur zwei deutsche) waren
-beschäftigt. Ausserdem zählte man dort 51 lithographische Anstalten, 57
-Buchhandlungen und 63 Journale.
-
-[Sidenote: Valencia.]
-
-Das in VALENCIA erschienene _Bayeri opus de nummis Hebrae-Samarithanis_,
-zwei Bände in Quart, 1781 und 1790, ist ein Werk, welches eine
-Vorstellung giebt von dem, was die Buchdruckerkunst in Spanien hätte
-werden können, wenn sie genügende Unterstützung gefunden hätte und
-nicht zugleich mit der Entwickelung der allgemeinen Bildung unter
-unglücklichen inneren Verhältnissen so sehr gehemmt worden wäre.
-
-[Sidenote: Portugal.]
-
-[Sidenote: _Imprenza Nacional._]
-
-Wennauch die Typographie in PORTUGAL[146], gleichwie in Spanien, im
-allgemeinen keine besonders hohe Stufe erklommen hat, so besitzt das
-Land doch eine Anstalt, die, vortrefflich geleitet, ganz Vorzügliches
-leistet: die _Imprenza Nacional_. Sie ist durch Marquis Pombal, den
-bekannten Staatsreformator Portugals unter der Regierung Josephs I., ins
-Leben gerufen, mit der Absicht, eine Anstalt wie die Pariser königliche
-Druckerei zu schaffen, welche eine Pflanzstätte der Kunst werden,
-zugleich auch billige Unterrichtsbücher drucken sollte.
-
- [146] J. KUGELMANN, _Histoire de l'Imprimerie en Portugal_. Paris 1867.
-
-[Sidenote: M. da Costá.]
-
-Das Dekret, welches die _Imprenza Regia_ anordnete, datiert vom 24.
-Dezember 1768. Ein Regierungspalast wurde ihr eingeräumt und bereits in
-den ersten Tagen des Jahres 1769 konnte sie zu arbeiten beginnen. Die
-Leitung ward MIGUEL MANESCAL DA COSTÁ übertragen, einem vorzüglichen
-Typographen, dessen Buchdruckerei, sowie die Schriftgiesserei des JOÃO
-DE VILLENEUVE als Grundlagen für die Staatsanstalt angekauft waren.
-Einer damit verbundenen Gravierschule stand der geschickte JOAQUIM
-CARNEIRO DA SILVA vor. Eine Spielkartenfabrik war die Melkkuh des
-Instituts.
-
-Von 1769-1801 wurden unter da Costás Direktion 1230 Bände gedruckt,
-unter welchen viele bedeutende Erscheinungen. Nach dessen Tode wurde
-eine _Junta administrativa_ ernannt, mit dem gewöhnlichen Erfolg
-kollegialischer Behandlung technischer Geschäfte. Im Jahre 1810 schritt
-man zur Ernennung eines General-Administrators in der Person JOAQUIM
-DA COSTÁS, der mit einer kurzen Unterbrechung die Leitung der Anstalt
-bis 1833 behielt. Mit dem Sturze der Regierung Dom Miguels wurde die
-Staatsdruckerei dem Ministerium des Innern direkt untergeordnet.
-
-[Sidenote: J. P. Marcécos.]
-
-[Sidenote: F. A. Marcécos.]
-
-Mit der 1838 erfolgten Wahl des JOSÉ FREDERICO PEREIRA MARCÉCOS zum
-Administrator begann die Glanzzeit der Anstalt. Marcécos bereiste
-England, Frankreich und Belgien und brachte die Erzeugnisse der
-neuesten Erfindungen mit nach Hause. Nach seinem frühen Tode, 1844,
-wurde die Stelle seinem Bruder FIRMO AUGUSTO MARCÉCOS anvertraut,
-welcher fortfuhr, alle Verbesserungen der Neuzeit einzuführen,
-daneben Lehrlingsschulen, Hülfskassen u. dgl. errichtete. Vom Staate
-erhält die Anstalt keinen Zuschuss, sie hatte im Gegenteil bis
-zum Jahre 1873 an diesen drei Millionen Franken abgeliefert und
-beschäftigte in dem genannten Jahre über 300 Personen. Zwei Deutsche
-haben viel zur Hebung der Anstalt beigetragen: JOSEPH LEIPOLD, der
-Direktor der galvanoplastischen Abteilung, und IGNAZ LAUER, Leiter
-der Schriftgiesserei. Seit 1878 ist der Vorsteher Dr. VENANCIO
-DESLANDES[147].
-
- [147] Bericht über die Nationaldruckerei in Lissabon. 1873. Deutsch und
- Französisch. -- A. M. ABRANCHES DE RIEGO, _Catalogo des obras
- impr. de J. A. de Macedo_. Lissabon 1849. -- _Caracteres de la
- imprenza Real en 1793._
-
-Die zur Weltausstellung in Wien 1873 gesandten portugiesischen,
-spanischen und englischen Wörterbücher, die rot und schwarz gedruckten
-_Missale_ und _Breviarum Romanum_, die _Carta constitutional_, die Werke
-Camoens' in sechs Bänden, vorzugsweise eine in zwölf Sprachen gedruckte
-Episode daraus, _Inez de Castro_, waren alle in dem besten Stil und
-vortrefflich gedruckt.
-
-Auch die Wertpapiere verdienten alles Lob, jedoch ergreift die Anstalt
-nicht, wie die St. Petersburger, die Initiative, sondern benutzt nur
-geschickt das Vorhandene, namentlich die Erzeugnisse Derrieys.
-
-[Sidenote: Gebr. Lallemant.]
-
-Nicht ganz auf derselben Stufe stehen die Gebrüder LALLEMANT[148], sie
-liefern aber sehr beachtenswerte Arbeiten, ebenso die Gebrüder JOSÉ DE
-CASTRO.
-
- [148] INIGO, _Lallemant frères_.
-
-Im Jahre 1878 hatte Portugal 118 Zeitungen, darunter 66 politischen
-Inhalts; die älteste, _Revuluçao de September_, existiert 33 Jahre. Die
-Journale sind nicht von grosser Bedeutung und nicht geeignet, grosse
-Erwartungen von dem Standpunkte der Typographie dort zu erwecken. Seit
-1882 erscheint _El Gutenberg_.
-
-LISSABON hatte 1881 23 Buchdruckereien, 26 Buchhandlungen, 56
-Zeitschriften; COIMBRA 10 Buchdruckereien; OPORTO 56 Journale.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Südamerika.]
-
-SÜDAMERIKA. Ein grösserer typographischer Kontrast als zwischen Nord-
-und Südamerika ist kaum denkbar. Fortwährende Revolutionen und Kriege,
-der Einfluss einer unwissenden Geistlichkeit und die Indolenz der Völker
-haben ein intellektuelles Leben, infolge davon auch ein Gedeihen der
-Buchdruckerkunst nicht aufkommen lassen.
-
-[Sidenote: Buenos Aires.]
-
-BUENOS AIRES, welches 53 Buchdruckereien, 59 Buchhandlungen, 24
-lithographische Anstalten und 27 Zeitschriften aufweist, feierte am 9.
-Juli 1876 die hundertjährige Betreibung der Buchdruckerkunst. Es wurde
-beschlossen, Gutenberg und dem Einführer seiner Kunst Don JUAN JOSÉ
-VERTIZ ein Denkmal, in einem Obelisk bestehend, zu errichten und einen
-Preis für die beste Bearbeitung der Geschichte der Buchdruckerkunst in
-der Argentinischen Republik auszustellen. 1872 erhielt Buenos Aires eine
-illustrierte Zeitung: _El Plata illustrado_[149].
-
- [149] J. M. GUITIEMEZ, _Bibliogr. de la prim. imprenta de Buenos
- Aires_. 1866.
-
-[Sidenote: Rio de Janeiro.]
-
-In RIO DE JANEIRO wurde ebenfalls das hundertjährige Jubelfest am 9.
-Juli 1880 abgehalten. Ausser in Rio sind nicht viele Buchdruckereien in
-Brasilien in Thätigkeit. Manche der Arbeiter, die im ganzen genommen
-schlecht bezahlt werden und für Extraarbeit keine Entschädigung
-erhalten, sind Sklaven. Schlaffheit herrscht von oben bis herab auf den
-Laufburschen. Die Zahl der Zeitungen war 1878 297. Südamerika hat im
-ganzen 17 deutsche Zeitungen, von welchen 11 auf Brasilien, 4 auf die
-argentinische Republik, je eine auf Uruguay und Chile kommen.
-
-LIMA besitzt 21 Buchdruckereien, 11 Buchhandlungen, 11 lithographische
-Anstalten und 13 Zeitschriften. ST. JAGO DI CHILE hat 11
-Buchdruckereien, VALPARAISO 7.
-
-Auf CUBA befanden sich 52 Offizinen, 50 Buchhandlungen, 10
-lithographische Anstalten und 47 Zeitschriften erschienen dort. MEXICO
-hat zwischen 50-60 Offizinen, davon 23 in der Stadt Mexico, daneben
-11 lithographische Anstalten, 16 Buchhandlungen. PUEBLA weist 8
-Buchdruckereien auf.
-
-
- NORDAFRIKA. DER ORIENT.
-
-[Sidenote: Nordafrika.]
-
-NORDAFRIKA hatte bereits während des ägyptischen Feldzugs Bonapartes
-eine typographische Werkstätte (S. 172) und durch die Besitzergreifung
-von ALGERIEN ist diese Provinz eine Pflanzstätte der Kultur in Afrika
-geworden. Es besitzt heute schon 29 Buchdruckereien, 18 lithographische
-Anstalten und 54 Buchhandlungen, davon sind in der Stadt ALGIER 9
-Buchdruckereien, 8 lithographische Anstalten, 10 Buchhandlungen; in
-CONSTANTINE resp. 3, 2, 5; in ORAN resp. 3, 3, 10. Von Zeitschriften
-erscheinen 35 in 12 Städten, davon in Algier 18, unter welchen das
-offizielle Journal _Mobacher_ in arabischer und französischer Sprache.
-Der Buchhändler BASTIDE hat sehr zur Verbreitung der Litteratur
-beigetragen.
-
-[Sidenote: Ägypten.]
-
-In ÄGYPTEN wurde von Mehemed Ali eine Buchdruckerei in Boulak errichtet,
-man hatte aber sehr mit der Abneigung der Muselmänner gegen gedruckte
-Bücher zu kämpfen. In den letzten 50 Jahren sind etwa 250 Werke aus
-den dortigen Pressen hervorgegangen. Von Privatpressen entstanden
-verschiedene, unter welchen die von MUSTAPHA WAHABI nennenswert ist.
-
-Die Lithographie wurde 1834 eingeführt. Da die verschiedenen graphischen
-Anstalten in den Händen von Franzosen sind und die Arbeiten durch
-Franzosen ausgeführt werden, so kann die mitunter sehr hübsche
-Produktion eigentlich nicht von nationaler Bedeutung sein.
-
-Von Zeitungen erscheinen etwa 25 in arabischer, französischer,
-griechischer, italienischer und englischer Sprache. Sie stehen unter
-Zensur und nach erfolgter Warnung kann Unterdrückung stattfinden.
-
-Im Jahre 1878 hatte der Bei von Tunis eine Druckerei errichtet und der
-Kaiser von Marokko beabsichtigte ebenfalls in Fez eine solche anzulegen.
-Von zwei wöchentlichen Zeitungen erscheint eine in Ceuta, eine in Tanger.
-
-[Sidenote: Buchhandel.]
-
-Der Buchhandel in Kairo ist ziemlich lebhaft. Die Buchhändler sind
-meist Gelehrte und nicht so fanatisch, wie z. B. in Damaskus, wo sie
-nur ungern Bücher an Christen verkaufen. Es ist dies namentlich mit
-den Koran-Ausgaben der Fall, welche abgesondert oder unter besonderem
-Verschluss aufbewahrt sind. Die Bücher liegen übereinandergeschichtet.
-Der Einband ist von Leder oder gewöhnlicher Pappe, der Titel wird
-auf den Schnitt oder auf ein auf den Umschlag geklebtes Blatt
-geschrieben. Zwischen alten und neuen Exemplaren wird nicht der strenge
-Unterschied gemacht, wie in dem europäischen Buchhandel. Einige
-Buchhändler debitieren nur die von ihnen verlegten Bücher, andere
-sind Sortimentshändler nach unseren Begriffen. Ein fester Ladenpreis
-existiert nicht und die Schwankungen sind oft bedeutend.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Europäische Türkei.]
-
-EUROPÄISCHE TÜRKEI. Die nach dem Tode des verdienten Förderers der
-Typographie IBRAHIM EFFENDI (I, S. 281) in der Entwickelung derselben
-eingetretene Stockung fand erst unter der Regierung Abdul Hamids eine
-Unterbrechung. Reschid Effendi, der Schatzkanzler, und Achmed Wassif
-Effendi, der Reichshistoriograph, erhielten Auftrag, nach dem Verbleib
-der in Stillstand geratenen Buchdruckerei Said Effendis Untersuchungen
-anstellen zu lassen. Der grösste Teil derselben wurde auch glücklich
-aufgefunden, restauriert und dann die Pressen in Skutari wieder in Gang
-gesetzt. Zu Direktoren dieser neu entstandenen Reichsdruckerei ernannte
-der Sultan Mustafa und Adam Effendi, ersterer Rechtsgelehrter, letzterer
-Geistlicher. Beide nahmen sich ihres Amtes mit Eifer an und viele Werke,
-die sich durch gute Ausstattung auszeichneten, gingen aus der Anstalt
-hervor. Eines der schönsten Erzeugnisse der orientalischen Druckkunst
-ist Makkisada Mustafa Effendis Kommentar zur Burda, einem Lobgedicht auf
-den Propheten, in einem Quartband von 621 Seiten. Eine weitere lange
-Liste fremdartiger Titel hier folgen zu lassen dürfte keinen Zweck haben.
-
-[Sidenote: Rückgang und neuer Aufschwung.]
-
-Nach einer kurzen Blüte folgte wieder Stillstand unter der Regierung
-Selims III. und während des Anfangs der Regierung Mahmuds des Grossen.
-Nachdem jedoch durch Ausrottung der Janitscharen Ruhe im Innern
-hergestellt war und Mahmud sich den Werken des Friedens widmen konnte,
-kam die Reihe auch bald an die Staatsdruckerei. Im Jahre 1831 wurde
-dieselbe von Skutari wieder nach Stambul übergeführt und erhielt
-dort eine grosse Lokalität. Neue Pressen wurden aus London, neue
-Typen aus Venedig eingeführt und Arbeiter namentlich aus Deutschland
-herbeigeschafft.
-
-Ein rascher Aufschwung machte sich bemerkbar. Die überall versteckten
-Schätze der türkischen Litteratur wurden gesammelt, um in guten
-und billigen Ausgaben dem Volke zugänglich gemacht zu werden. Man
-veröffentlichte die Werke der Reichsgeschichtsschreiber und liess viele
-tüchtige Fachwerke, namentlich militärische und medizinische, aus
-europäischen Sprachen übersetzen.
-
-Nach einer Glanzperiode von etwa zwanzig Jahren trat unter Abdul Aziz
-und unter unglücklichen politischen und finanziellen Konjunkturen ein
-Rückgang ein, der erst unter Abdul Medschid aufhörte.
-
-[Sidenote: Jetziger Zustand.]
-
-KONSTANTINOPEL besitzt vier kaiserliche Druckereien, zwei unter
-Leitung des Ministeriums des Innern, von welchen die eine sich mit
-der Herstellung von allen offiziellen Aktenstücken, die andere sich
-mit Bücherdruck beschäftigt. Die dritte, unter das Kriegsministerium
-ressortierende Druckerei dient nur militärischen Zwecken; die vierte,
-mit welcher eine lithographische Anstalt für die Arbeiten des
-Generalstabes verbunden ist, befindet sich in dem Palast Dolma-Bagdsche
-und steht unter der unmittelbaren Leitung des Palastmarschalls. Die
-Ausführung der öffentlichen Arbeiten ist eine durchweg gute.
-
-Von Privatdruckereien waren 1880 etwa 25 vorhanden, unter welchen sich
-die Offizinen des armenischen und des griechischen Patriarchen, sowie
-die des Gross-Rabbi befinden. Von lithographischen Anstalten gab es
-ebensoviele. Die Zahl der Schnellpressen war gegen 70, der Tret- und
-Handpressen 120, beschäftigt waren gegen 500 Personen. In den nationalen
-Sprachen erschienen etwa 200 Werke.
-
-[Sidenote: Zeitungswesen.]
-
-Das Zeitungswesen entstand erst spät. Im Jahre 1852 erschien in Smyrna
-der _Spectateur de l'Orient_; 1831 wurde der _Moniteur ottoman_
-(_Wekaje_) gegründet, der später auch türkisch gedruckt wurde. Nach den
-offiziellen Angaben aus dem Jahre 1878 erschienen in Konstantinopel
-72 Zeitungen und Zeitschriften, unter welchen 30 Tagesblätter. Von
-den Zeitschriften sind 16 in türkischer, 20 in französischer, 12
-in griechischer, 13 in armenischer Sprache. Eine Verordnung von
-1879 verbot, vor 6 Uhr türkischer Tageseinteilung (ungefähr unsere
-Mittagsstunde) die Zeitungen auszugeben, was für diese, deren Verteilung
-sonst um 6 Uhr früh stattfand, ein grosser Schlag war. Eine illustrierte
-Zeitung _Mussaveri Turkestan_ (Illustrierte Türkei), herausgegeben von
-der Gesellschaft der Freunde des Vaterlandes, erscheint wöchentlich.
-
-[Sidenote: Asiat. Türkei.]
-
-In SMYRNA gehörten die ersten Pressen (seit 1658) den Juden; dann
-folgten die Christen und schliesslich die Türken. Eine erfolgreiche
-Thätigkeit entwickelte mit sehr geringen Mitteln das Kloster MAR-HANNA
-auf einem steilen Abhange des Berges Kesroan gelegen. Die dortige
-Druckerei ist 1732 von dem Priester Abdallah Ben Zacher gegründet,
-welcher selbst das nötige Handwerkszeug fertigte, Typen schnitt und
-goss, dann abwechselnd als Setzer und Drucker arbeitete. Noch vor dem
-Jahre 1794 erschienen dort gegen 40 Werke. In SAFAD, am westlichen
-Ufer des Sees Tiberias, war eine hohe Schule für arabische und
-hebräische Gelehrsamkeit, welche eine Druckerei besass, die jedoch
-im Jahre 1759 durch ein Erdbeben zerstört wurde. Berühmt durch ihre
-vortrefflichen arabischen Drucke ist die Offizin der amerikanischen
-Missionsgesellschaft in BEIRUT.
-
-[Sidenote: Cypern.]
-
-Auf der Insel CYPERN erscheinen jetzt drei englische und zwei
-griechische Zeitschriften.
-
-[Sidenote: Persien.]
-
-Nach PERSIEN kam die Buchdruckerkunst 1820 und zwar nach TEHERAN und
-TABRIS. Über die weiteren Fortschritte verlautet so gut wie nichts. Bei
-seiner Anwesenheit in Wien anlässlich der Ausstellung 1873 beabsichtigte
-der Schah Nasser-Eddin die erste Schnellpresse zu bestellen. Seit 1872
-erscheint in Teheran eine Zeitung für Persien, zu welcher der Schah
-selbst Beiträge liefert, zumeist Schilderungen seiner Jagdabenteuer.
-
-Eine grosse Schwierigkeit für die Verbreitung der Typographie in Persien
-bildet das hohe Ansehen, in welchem die Schönschreibekunst steht, und
-der hohe Grad von Vollkommenheit, welchen sie erreicht hat. Wird einmal
-zur mechanischen Vervielfältigung gegriffen, so ist die Lithographie
-viel leichter als die Typographie imstande, die wunderbaren, mit Gold
-und Farben geschmückten Schriftzüge wiederzugeben. Auf eine schnelle
-Verbreitung von Gutenbergs Kunst in Persien ist deshalb nicht zu rechnen.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
- DRITTES BUCH.
-
- DIE GERMANISCHE GRUPPE.
-
-[Illustration]
-
- EINFÜHRUNG IN DAS DRITTE BUCH.
-
-
-Zu der GERMANISCHEN GRUPPE, mit welcher dieser geschichtliche
-Überblick schliesst, gehören in erster Reihe die zu einer
-bibliopolisch-typographischen Einheit verbundenen zwei Kaiserstaaten
-DEUTSCHLAND und ÖSTERREICH-UNGARN, sowie die SCHWEIZ; in zweiter Linie
-die stammverwandten skandinavischen Reiche: DÄNEMARK, SCHWEDEN und
-NORWEGEN. An obige schliessen sich in dritter Reihe die, wennauch der
-Gruppe national fremd, zumteil sogar feindlich gegenüber stehenden
-SLAWISCHEN und MAGYARISCHEN LÄNDER, welche nicht nur ihr typographisches
-Material, sondern auch die arbeitenden Kräfte hauptsächlich Deutschland
-entnehmen oder wenigstens bis vor kurzem entnahmen.
-
-Eine Eigentümlichkeit dieser Gruppe, soweit ihre Angehörigen
-germanischen Ursprungs sind, ist die Verwendung der von den zwei anderen
-Gruppen fast ganz ausgeschlossenen Frakturschrift. Trotzdem ist diese,
-wie bekannt, nicht die alleinherrschende geblieben. Von der Fraktur
-»will«, von der Antiqua »kann« man nicht lassen. So hat sich ein
-geschäftlicher Usus eingebürgert, demzufolge den beiden Schriften in
-dem eigentlichen Bücherdruck fast ähnliche Stellungen zugewiesen werden,
-wie sie im Altertum die hieratischen und demotischen Schriften Ägyptens
-innehatten, sodass die Antiqua mehr die Schrift der Eingeweihten
-blieb, während die Fraktur mehr die Volksschrift wurde. Zu den Werken
-der strengeren Wissenschaften und zu Prachtausgaben verwendet man
-vorzugsweise die aristokratischere Antiqua, zu den Erscheinungen der
-schönwissenschaftlichen und populären Litteratur, zu Unterrichts- und
-Andachtsbüchern dient hauptsächlich die populärere Fraktur[150].
-
- [150] Zwei wertvolle neuere Einlagen in der Streitfrage »Antiqua
- oder Fraktur« sind: F. SOENNECKEN, Das deutsche Schriftwesen
- und die Notwendigkeit seiner Reform, Bonn 1881, und Dr. JOHANN
- KELLE, Die deutsche und die lateinische Schrift, Separatabdruck
- aus der Rundschau 1882.
-
-Die Accidenzien fallen in ganz überwiegender Weise der Antiqua zu,
-dagegen die Zeitungen fast ausnahmslos der Fraktur. Und so wird es
-wahrscheinlich noch lange Zeit bleiben[151].
-
- [151] Um zu einiger Klarheit über das Verhältnis der Antiqua zu der
- Fraktur in der deutschen Typographie zu kommen, hat der
- Verfasser dieses Buches eine Zählung der litterarischen
- Erzeugnisse des Jahres 1881 nach dem Hinrichsschen Katalog
- unternommen. Von 14320 Nummern sind 8894 mit Fraktur, 5426
- mit Antiqua gedruckt (gleich 62 zu 38 Proz.). In zwei grosse
- Gruppen nach den obigen Andeutungen der praktischen Verwendung
- geteilt, giebt die »wissenschaftliche Gruppe« 7142 Werke, davon
- 2896 mit Fraktur, 4246 mit Antiqua (gleich 40 zu 60 Proz.);
- die zweite Gruppe, die »populäre Litteratur«, weist 7178 Werke
- auf, davon 5998 mit Fraktur, 1180 mit Antiqua (gleich 83-1/2 zu
- 16-1/2 Proz.). Zeitungen sind hierbei nicht mitgezählt, wohl
- aber Wochen- und Monatsschriften. Wie überwiegend die Antiqua
- in dem Accidenzfache verwendet wird, zeigt z. B. eine genaue
- Aufstellung der C. G. Naumannschen Accidenzdruckerei in Leipzig,
- nach welcher von 9447 Aufträgen in dem Jahre 1878 nur 161 in
- Frakturschrift bestellt waren.
-
-Diese Doppelheit in der Schrift trägt allerdings eine grössere
-Vielseitigkeit zur Schau, hat jedoch für die deutschen Buchdruckereien
-den Nachteil gehabt, dass diese gleichmässig reich mit Antiqua- und
-Frakturschriften ausgestattet sein müssen. Somit schliesst jede Offizin
-eigentlich zwei Druckereien in sich: eine für Arbeiten in Fraktur,
-eine zweite für die in Antiqua, so dass bei einem gleichen Quantum von
-Schrift eine französische oder englische Offizin, weil nur nach einer
-Richtung hin ausgestattet, quantitativ fast eine doppelt so grosse
-Leistungsfähigkeit als eine deutsche besitzt.
-
-Was den deutschen Arbeiter betrifft, so vereinigt er in sich vielleicht
-mehr als der irgend eines anderen Landes die mancherlei Eigenschaften,
-die dem Typographen eigen sein müssen. Er ist selbständiger im Arbeiten
-und leistet aus eigenem Antrieb in der Regel mehr, als ein anderer,
-weshalb man auch fast nie »schlechte« Arbeiten aus Deutschland
-sieht. Seine Fähigkeiten sind vielseitiger; er bringt es aber selten
-zur Virtuosität in einem einzelnen Fach und es ist schwer, ihn zur
-Überschreitung der Grenzen des ihm »Gut genug« scheinenden zu bringen.
-Das mag wohl auch darin liegen, dass es in vielen Fällen nicht anders
-mit den Prinzipalen, den Verlegern, den zeichnenden Künstlern und den
-sonst Beteiligten steht. So selten das wirklich Schlechte ist, dem man
-in der französischen Typographie täglich begegnet, so selten trifft man
-auf vollendete, stilvoll durchgeführte Leistungen in Deutschland. Viel
-Schuld dabei trägt die Verwendung der Antiqua und der Fraktur nicht nur
-»neben«, sondern geradezu »unter« einander. Die richtige Behandlung
-der beiden Schriftarten beruht jedoch auf abweichenden Grundsätzen; es
-kommt deshalb trotz sonstiger Vorzüge der Arbeiter selten zu einem fest
-ausgebildeten Geschmacke.
-
-Was in Bezug auf Deutschland gesagt wurde, gilt auch von ÖSTERREICH,
-welches namentlich im Accidenzfache hinter Deutschland nicht
-zurücksteht, in dem xylographischen Farbendruck es sogar übertroffen
-hat. Auch UNGARN nimmt an den Bestrebungen teil. Die SCHWEIZ und die
-SKANDINAVISCHEN LÄNDER, die, was Material, Schriften u. dgl. betrifft,
-hauptsächlich von Deutschland abhängig waren, schlossen sich ganz der
-deutschen Schule an und liefern jetzt, wennauch nicht gerade viel
-Hervorragendes, so doch sehr viel Beachtenswertes. Die SLAWISCHEN LÄNDER
-machten wesentliche Fortschritte und leisten zumteil Gutes, jedoch
-stehen im allgemeinen die Erzeugnisse dieser Länder etwas zurück und es
-wird wohl aus leicht begreiflichen Gründen auch noch einige Zeit darüber
-vergehen, ehe sie eine, derjenigen der grossen Kulturländer ebenbürtige
-Stellung einnehmen werden.
-
-Die Pressverhältnisse, die Technik und die Industrie in Deutschland
-waren zur Zeit des allgemeinen Aufblühens der Typographie zu Beginn
-des XIX. Jahrhunderts nicht derart, dass die Notwendigkeit des
-Maschinenbetriebes so wie in England und Amerika sich von selbst
-aufgedrängt hätte. Es kann deshalb Deutschland nicht so sehr zur Last
-fallen, dass es die erste Ausbeutung der, die Typographie umgestaltenden
-deutschen Erfindung der Schnellpresse, sowie die ersten Verbesserungen
-und die spätere Vervollkommnung derselben dem Auslande überliess, so
-dass die Erfindung sozusagen erst wieder aus dem Auslande importiert
-werden musste. Sobald die Verhältnisse sich jedoch einigermassen besser
-gestalteten, hat es gezeigt, dass es in der Technik und Mechanik nicht
-allein nicht zurückgeblieben, sondern auf dem besten Wege ist, sich den
-Weltmarkt zu erobern.
-
-Wie in der Typographie macht sich auch in der XYLOGRAPHIE eine doppelte
-Strömung geltend. Der echte deutsche Holzschnitt der Gegenwart lehnt
-sich an die Arbeiten der Meister aus der Renaissancezeit an und seine
-Technik ist geradezu ein Gegenstück zu dem englischen. Der »tüchtige«
-deutsche Xylograph unterordnet sich vollständig dem Zeichner und entsagt
-dem Ruhm, auf Kosten des Urhebers der Zeichnung ein schaffender Künstler
-zu sein. Er ist bestrebt, jeden Strich genau so wiederzugeben, wie er
-in der Zeichnung dasteht. Er lässt nichts weg, setzt nichts hinzu. Der
-deutsche Holzschnitt steht deshalb öfters gegen den englischen in der
-glänzenden Technik zurück, aber er hat den Vorzug, die Zeichnung in
-ihrem eigentümlichen Charakter wiederzugeben und er verdient deshalb die
-lebhafteste Unterstützung der Künstler.
-
- * * * * *
-
-Während die Geschichte der Buchdruckerkunst in Frankreich und England
-ziemlich mit der Schilderung der typographischen Wirksamkeit der beiden
-Metropolen Paris und London zusammenfiel, lagen die Verhältnisse in
-Deutschland etwas anders.
-
-Zwar besitzt das deutsche bibliopolisch-typographische Reich in
-LEIPZIG einen Mittelpunkt des Verkehrs, der in mehrfacher Hinsicht
-einzig in seiner Art dasteht; zwar haben sich in Leipzig, einer
-Provinzialstadt mittleren Umfanges, durch die eigene Kraft und
-Thätigkeit bei kluger Benutzung günstiger Umstände nicht allein der
-ganze Kommissionsbuchhandel, sondern auch eine grossartige Verlags- und
-typographische Wirksamkeit entwickelt, und die Stadt gilt noch heute
-mit Recht als das Zentrum der bibliopolisch-graphischen Thätigkeit
-Deutschland-Österreichs. Es war jedoch in den Verhältnissen begründet,
-dass BERLIN mit der zunehmenden Wichtigkeit der Machtstellung Preussens
-mehr und mehr ein Sammelpunkt wissenschaftlicher, künstlerischer und
-journalistischer Kräfte werden und damit für den Buchhandel und die
-Typographie eine hohe, sich namentlich über den Norden erstreckende
-Bedeutung gewinnen musste. Dass dies in einem noch weit höheren Masse
-von der jetzigen Reichshaupt- und Millionenstadt gilt, bedarf kaum der
-Erwähnung.
-
-Andererseits entwickelte sich in dem Süden ein in mancher Beziehung
-schon aus religiösen Gründen von dem nordisch-protestantischen
-abweichendes Geistesleben, das in seiner Sonderrichtung zumteil von
-divergierenden politischen Neigungen genährt wurde. München, das durch
-seine Stellung in Kunst und Wissenschaft und durch seine Bedeutung als
-Hauptstadt des zweitgrössten Staates Deutschlands zur Führung des Südens
-berechtigt war, wusste nicht diese Berechtigung geltend zu machen. Wie
-im Zentrum, so gelang es auch im Süden einer Mittelstadt durch günstige
-Verhältnisse, Rührigkeit und Intelligenz den ersten Platz einzunehmen
-und es wurde STUTTGART möglich, wennauch nicht Leipzigs Bedeutung
-für das Ganze, so doch eine bevorzugte Stellung für den süddeutschen
-Buchhandel zu erreichen und letzterem eine gewisse Selbständigkeit in
-dem deutschen bibliopolisch-typographischen Reich zu erwerben.
-
-Eine ausschliessliche Konzentration fand mit alledem nicht in den drei
-erwähnten Emporien statt. In Nürnberg, Augsburg und Frankfurt a. M.
-lebten die alten Traditionen noch lange fort; die freien Hansastädte
-waren nicht Provinzialstädte im englisch-französischen Sinne geworden,
-und in mancher der kleinen Residenzen spross öfters ein unabhängiges
-reiches Kulturleben hervor. Während in Frankreich z. B. ein in Nantes
-oder Bordeaux, in England ein in Liverpool oder Manchester erschienenes
-Verlagswerk, welches sich Geltung zu verschaffen wusste, ein Phänomen
-blieb, war es, um in Deutschland mit einem Werke durchzudringen, nicht
-notwendig, dies in Leipzig, Berlin oder Stuttgart erscheinen zu lassen,
-wenn dies auch seine geschäftlichen Vorteile hatte. Ein Verleger in
-Braunschweig, Gotha, Altenburg oder in jeder anderen kleinen Druckstadt
-konnte, wenn er der rechte Mann und seine Artikel gute waren,
-diese zur Geltung bringen. Infolge davon verbreiteten sich auch die
-typographischen Anstalten gleichmässiger über das ganze Reich.
-
-Dies war der Segen der eigentümlichen Organisation des deutschen
-Buchhandels, der in der Zeit der nationalen Drangsale Deutschlands
-fast das einzige Band war, welches das politisch zersplitterte Reich
-zusammenhielt.
-
-Solange der politische Druck auf Österreich und seiner Hauptstadt
-lastete, war es mit dem Press- und Buchgewerbe dort nur kümmerlich
-bestellt. Es konnte jedoch nicht fehlen, dass mit dem Fallen der
-Fesseln dies anders werden musste. Es war nicht denkbar, dass WIEN,
-damals im Range die dritte der Weltstädte, sich einer Provinzialstadt
-Mitteldeutschlands bibliopolisch und typographisch unterordnen
-sollte. In rapider Weise entwickelte sich dort der Verlag und die
-Buchdruckerkunst und um die Kaiserstadt herum gruppierten sich nun
-wieder die Provinzialstädte des Reiches, die früher vollständig isoliert
-gestanden hatten.
-
-So sehen wir nunmehr das deutsche Pressgewerbe, unter Beibehaltung
-seines eigentümlichen Wesens, namentlich in vier Emporien repräsentiert:
-LEIPZIG im Zentrum, BERLIN im Norden, STUTTGART im Süden, WIEN im
-Osten, während die übrigen Teile und Städte Deutschland-Österreichs
-sowohl als der von diesem geschäftlich abhängigen Umländer, je nach
-Lage, Sympathien oder nach der politischen oder geschäftlichen
-Attraktionskraft der Mittelpunkte, sich um diese gruppieren.
-
-Von einer scharfen Abgrenzung kann dabei selbstverständlich nicht die
-Rede sein. Da es jedoch die Übersicht sehr erleichtert, den massenhaften
-Stoff nach den natürlichen Kreisen zu scheiden, so ist diese Vierteilung
-für die folgenden Kapitel beibehalten, jedoch unter Voranstellung
-einer Gesamt-Übersicht der Schriftgiesserei, der Xylographie, der
-Maschinenfabrikation und sonstiger für die Gesamtheit gleichen
-Verhältnisse.
-
-[Illustration]
-
-
-[Illustration]
-
- IX. KAPITEL.
-
- ALLGEMEINER ÜBERBLICK
-
- ÜBER DAS DEUTSCHE PRESSGEWERBE.
-
- Gedrückter Zustand des Pressgewerbes. Nachdruck und Presspolizei. Die
- kaiserl. Bücherkommission. Die Presse in den einzelnen Bundesstaaten.
- Die nationale Litteratur. Reform des Buchhandels. Der Börsenverein.
- Die Bücherproduktion. Der Buchdrucker-Verband und der
- Prinzipal-Verein. Statistisches. Die Papierfabrikation. Die
- Buchbinderkunst, der Masseneinband und die Handarbeit.
-
-[Sidenote: Gedrückter Zustand des Pressgewerbes.]
-
-[Sidenote: Der Nachdruck.]
-
-Der gedrückte Zustand, in welchem wir das deutsche Pressgewerbe zum
-Schluss der früheren Periode verliessen (I, S. 168), sollte sich
-noch weit über den Schluss des achtzehnten Jahrhunderts ausdehnen.
-Der siebenjährige Krieg, die Revolutionskriege, die Zwingherrschaft
-Napoleons, die verkümmerten national-ökonomischen Verhältnisse lasteten
-schwer auf dem ganzen Volk und auf allen gewerblichen Verhältnissen,
-begreiflicherweise nicht in letzter Reihe auf Buchhandel und
-Bücherdruck. Diese hatten, ausser mit den allgemeinen, noch mit ihren
-besonderen Plagen, Nachdruck und Presspolizei, zu kämpfen. Ersterer
-erhob in schamlosester Weise sein Haupt und brachte den Verlagshandel
-um die Früchte seiner Opfer und seiner Thätigkeit. Unter solchen
-Verhältnissen konnten keine angemessenen Honorare gewährt werden und
-die schlecht bezahlten Autoren versuchten zumteil ihr Heil in dem
-Selbstverlage ihrer Werke auf Subskription oder durch Vereinigungen zu
-den sogenannten »gelehrten Buchhandlungen«, die gewöhnlich ein trübes
-Ende nahmen und den Verlagsbuchhandel noch mehr diskreditierten.
-
-[Sidenote: Die Polizeiwillkür.]
-
-Doch nicht allein die Nachdrucker, sondern auch die Polizeiwillkür
-betrachtete ein Presserzeugnis als ein herrenloses Gut und die Erzeuger
-als ausserhalb des Schutzes der Gesetze stehend. Es ist nicht gerade
-notwendig, den extremsten Fall, die Erschiessung Palms in Braunau am
-26. August 1806 durch Napoleon, heraufzubeschwören, das Dasein der der
-Presse Dienenden war ein Zustand von Hangen und Bangen, der, wennauch
-nicht das Leben, so doch oft Opfer an Gut und Freiheit kostete.
-
-[Sidenote: Die kaiserliche Bücherkommission und die Zensur.]
-
-Mit der Verlegung des Schwerpunktes der Pressgewerbe nach Leipzig
-war rechtlich keine Änderung in den presspolizeilichen Verhältnissen
-eingetreten. Ein kaiserliches Edikt vom 10. Februar 1746 beschäftigte
-sich sehr eingehend mit der Bücherzensur im heiligen römischen
-Reich und spricht »seine sonderbare Befremdung« über die bisherige
-Nichtachtung der Reichsgesetze aus. Über alle Einzelheiten im Buchhandel
-und Buchdruck, selbst über Papier und Schriften wurden Bestimmungen
-getroffen. Dieser Standpunkt wiederholt sich in den Wahlkapitulationen
-bis 1792. Wie die Reichsregierung jedoch selbst klagt, es blieb
-meist bei den leeren Worten und die kaiserliche Bücherkommission war
-faktisch seit Verlegung der Messe nach Leipzig so gut wie von der Bühne
-verschwunden. Sie wusste, dass sie keinen Gehorsam finden würde und
-hielt sich deshalb möglichst hinter den Kulissen. Somit war die Presse
-fast lediglich von der Gesetzgebung der einzelnen Staaten und deren
-Politik abhängig; von einer Einheitlichkeit der Pressgesetzgebung, der
-Zensur und der Presspolizei war keine Rede[152].
-
- [152] LUD. HOFFMANN, Geschichte der Bücherzensur. Berlin 1879. -- Die
- Preussische Pressgesetzgebung unter Friedr. Wilhelm III. Leipzig
- 1881. -- FR. KAPP, Aktenstücke zur Gesch. der Preuss. Zensur
- etc. (Archiv d. B.-B.-V. IV). Leipzig 1879. -- R. E. PRUTZ, Zur
- Geschichte d. Presse in Preussen (Deutsch. Mus. 1857, 11).
-
-[Sidenote: Pressverhältnisse der einzelnen Bundesstaaten. Preussen.]
-
-Preussen genoss schon vor Friedrich dem Grossen eine gewisse Freiheit
-und letzterer gewährte den Zeitungen einen noch grösseren Spielraum
-und bediente sich sogar derselben, um seine Massregeln vorzubereiten
-oder zu verteidigen. »Die Gazetten, wenn sie interessant sein sollen,
-müssen nicht geniert werden.« Doch darf man dieses Wort nicht zu genau
-nach dem Buchstaben nehmen. Über Angriffe auf seine Person dachte der
-König allerdings sehr liberal, dagegen konnte er bei Einmischung in
-seine Verwaltung unduldsam werden. Die Zensur der Schriften, welche das
-öffentliche Recht behandelten, übertrug er dem Kabinettsministerium. Im
-Jahre 1747 wurde die Berliner Akademie mit der Zensur aller Schriften
-betraut. 1749 erschien ein etwas verschärftes Zensuredikt, welches bis
-zum Tode Friedrichs in Kraft blieb, jedoch mild gehandhabt wurde, wie
-der König überhaupt die Presse mit mehr Achtung behandelte, als man
-damals gewohnt war.
-
-Nach dem Tode Friedrichs nahm die Lage in Preussen eine andere Gestalt
-an. In dem Jahre 1788 erschienen das berüchtigte Religionsedikt und das
-diesem geistesverwandte Zensuredikt vom 19. Dezember desselben Jahres.
-Natürlich »wollte man den Unterthanen alle erlaubte Freiheit gern
-akkordieren« -- aber »zugleich Ordnung im Lande haben«.
-
-Die französische Revolution und Napoleons eiserner Druck auf
-Deutschland hemmten den Fortschritt gewaltig, wennauch sein Dekret vom
-5. Februar 1810, durch welches die Angelegenheiten der Presse, des
-Buchhandels und der Buchdruckerei geordnet werden sollten, auf Grund
-der Schwerfälligkeit des gesamten Apparates in seinen Folgen nicht so
-schlimm wurde, als man hätte befürchten müssen[153].
-
- [153] K. BIEDERMANN, Deutschland im XVIII. Jahrhundert. 1. Bd. 2. Aufl.
- Leipzig 1880. -- Friedr. Perthes' Leben. 6. Aufl. Gotha 1872.
-
-[Sidenote: Bayern.]
-
-[Sidenote: Württemberg.]
-
-In den nichtpreussischen Teilen des deutschen Reiches sah es bald
-besser, bald schlimmer aus, je nach dem Vorgehen der Einzelregierungen,
-denn die Reichsgesetze hatte man entweder im stillen beseitigt oder sie
-waren gar, wie in Holstein, wo die dänische Pressfreiheit eingeführt
-war, offiziell abgeschafft. Auch in Mecklenburg, Braunschweig, Weimar,
-Hessen-Darmstadt, Nassau bestand faktisch Pressfreiheit, ohne dass sie
-rechtlich garantiert war. In Hannover waren wenigstens die Werke der
-Professoren der Universität Göttingen zensurfrei. In Baden, Dessau und
-den freien Reichsstädten, namentlich in Hamburg, fand die Tagespresse in
-der Regel eine sichere Zufluchtsstätte. Am traurigsten sah es in Bayern
-aus. Nach einem kurzen Lichtblick unter der Regierung des Kurfürsten
-Maximilian III. Joseph war ein ganz massloser Druck eingetreten, und
-auch in Württemberg wurde grosse Härte und Willkür geübt. Es kam dort
-zu Vorgängen -- wie gegen den Dichter Schubart --, die sich denen der
-Säbelherrschaft Napoleons nicht unwürdig anreihen.
-
-[Sidenote: Die geistlichen Staaten.]
-
-In den geistlichen Staaten unterlagen die Presserzeugnisse neben
-der weltlichen Zensur auch noch der des römischen Stuhles und es
-kamen öfters Fälle vor, dass Schriften auf Befehl Roms nachträglich
-konfisziert wurden, nachdem sie bereits die Landeszensur passiert hatten.
-
-[Sidenote: Sachsen.]
-
-Sachsen, obwohl der Hauptsitz des Buchhandels, war nicht, wie man es
-wohl hätte erwarten können, geneigt, zu freisinnigen Pressinstitutionen
-die Initiative zu ergreifen, um damit Leipzig auch zum Zentrum der
-wissenschaftlichen Bewegung und der Tagespresse zu machen, wie es der
-Mittelpunkt des bibliopolischen Verkehrs geworden war. Es fehlte sowohl
-bei der Regierung wie bei dem Volke der eigentliche Schwung. Schon die
-Religionsverschiedenheit der Herrscher und des Volkes legte der freien
-Behandlung religiöser Fragen Hindernisse in den Weg. War man jedoch auch
-nicht freisinnig in der Gesetzgebung, so war man doch in der Praxis
-mild und suchte den Buchhandel auf Grund von Leipzigs Stellung zu
-demselben möglichst zu schonen[154]. Die Bücherkommission, zu welcher
-die Regierung Mitglieder der Universität, des Rats und später des
-Buchhandels ernannte, verfuhr mit grösster Schonung, nur über einen, den
-strengen Zensor Bel, war man sehr missgestimmt; ja es kam so weit, dass
-man von dem Wegbleiben der Auswärtigen von der Messe sprach.
-
- [154] C. B. LORCK, Geschichte des Vereins der Buchhändler zu Leipzig.
- Leipzig 1883.
-
-[Sidenote: Die nationale Litteratur.]
-
-[Sidenote: Zeitschriften.]
-
-[Sidenote: Der Buchhandel.]
-
-Mit dem Beginn der vorliegenden Periode beginnt auch das Aufblühen der
-nationalen Litteratur, die zu Ende des XVIII. und zu Beginn des XIX.
-Jahrhunderts ihre schönsten Blüten trieb. Zu der Zeitungslitteratur,
-welche sich mit Besprechung oder Kritik der öffentlichen Zustände
-beschäftigte, gab erst A. L. v. Schlözer in Göttingen, dem K. F. v.
-Moser nacheiferte, den Anstoss. Schlözers Staatsanzeigen 1782-1793
-hatten zurzeit 4000 Abnehmer und waren selbst in den höchsten Kreisen
-beachtet. Von da ab wurden alle Verhältnisse in den Wochen- und
-namentlich in den Monatsschriften erörtert und um 1785 gab es 400-500
-Zeitschriften. Die politische Tagesschriftstellerei war damals noch
-nicht ein förmliches Gewerbe, die Unternehmer waren meist Professoren
-und Gelehrte, die Bücherkäufer bestanden hauptsächlich nur aus
-Gelehrten, Bibliotheken und Beamten, deren begrenzte Mittel sie jedoch
-gewöhnlich zwangen, sich auf das Nötigste zu beschränken. Das übrige
-Publikum begnügte sich nicht selten mit fader Unterhaltungslitteratur.
-Ein direktes Eingreifen des Buchhandels, um neue litterarische
-Erscheinungen hervorzurufen, war nur selten bemerkbar, der
-buchhändlerische Unternehmungsgeist war noch nicht erwacht.
-
-Erst mit FRIEDR. ARNOLD BROCKHAUS beginnt das eigentliche tendenziöse
-Eingreifen der Verleger, welche die Verbreitung wirklicher allgemeiner
-und politischer Bildung ins Auge fassten. Aber welche Quelle der Sorgen
-und Plagen sollten ihm und seinen Gesinnungsgenossen aus solchem
-Beginnen erwachsen[155]!
-
- [155] H. E. BROCKHAUS, Friedrich Arnold Brockhaus. Sein Leben und
- Wirken. 3 Bde. Leipzig 1872.
-
-[Sidenote: Reform des Buchhandels.]
-
-Eine Reform des buchhändlerischen Geschäftsbetriebes war schon in der
-letzten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts versucht worden, namentlich
-richteten sich die Bestrebungen auf die Unterdrückung des Nachdrucks
-und auf Gleichmässigkeit und Ordnung in den Rechnungsverhältnissen.
-PH. E. REICH in Leipzig gelang es 1765, den ersten Buchhändler-Verein
-zustande zu bringen, doch war die Wirksamkeit desselben keine grosse
-und er verschwand bald ganz. 1792 versuchte P. G. KUMMER in Leipzig
-wieder einen solchen zu begründen, jedoch erst der durch C. C.
-HORVATH aus Potsdam hervorgerufene Börsenverein[156] war von Dauer
-und aus ihm entstand 1824 erst der wirkliche, jetzt noch bestehende
-Börsenverein der Deutschen Buchhändler, dem es namentlich durch die
-unermüdlichen Anstrengungen des 1833 am 25. Februar gegründeten
-Leipziger Buchhändler-Vereins und durch die liberale Unterstützung
-der Sächsischen Regierung gelang, am 1. Mai 1836 sich in dem eigenen
-stattlichen Börsengebäude versammeln zu können.
-
- [156] FR. FROMMANN, Geschichte des Börsenvereins. -- Der Börsenbau
- (Kap. II in LORCKS Gesch. d. Vereins d. Buchh. zu Leipzig). --
- Statut des Börsenvereins vom 25. April 1880.
-
-[Sidenote: Börsenverein.]
-
-Seit der Zeit ist der Verein ruhig fortgeschritten und zählte
-1882 1480 Mitglieder. Sein Haus besitzt er seit 1869 vollständig
-schuldenfrei; ausserdem eine höchst wertvolle, in ihrer Art einzig
-dastehende Fachbibliothek und reiche Sammlungen für die Geschichte der
-graphischen Künste[157], einen Verlag fachgeschichtlicher Schriften, ein
-wohlgeordnetes Finanzwesen und ein Vermögen von nahe an 400000 Mark.
-
- [157] Katalog der Bibl. des Börsen-Vereins. Leipzig 1869.
- Nachtrag 1870.
-
-Ein wesentlicher Einfluss auf die Gesetzgebung über das litterarische
-Eigentumsrecht und auf die Ordnung der Verhältnisse der Presse ist dem
-Verein durch das Vertrauen der Regierungen zugefallen. Einige in letzter
-Zeit in seinem Schosse entstandene Differenzen, die aus den Versuchen
-entsprangen, dem Verein Machtbefugnisse beizulegen, die ihn berechtigt
-haben würden, in geschäftliche Verhältnisse des Einzelnen einzugreifen,
-waren nicht derart, um für den so fest begründeten nützlichen Verein
-Gefahren zu bereiten.
-
-Das Vereinsorgan ist das 1834 gegründete, seit 1867 täglich erscheinende
-»Börsenblatt für den deutschen Buchhandel«[158]; dieses im Verein
-mit dem »Naumburgschen Wahlzettel«, »Schulz' Adressbuch für den
-deutschen Buchhandel« und dem »Hinrichsschen Bücherverzeichnisse«
-sind geschäftliche Hülfsmittel von grossem Werte, wie sie in dieser
-Ausdehnung keine andere buchhändlerische Organisation besitzt[159].
-
- [158] Ein Jahrgang des Börsenblattes bildet jetzt vier Quartbände,
- zusammen in einem Umfange von gegen 6000 Seiten. Seit 1856 wurde
- es von Jul. Krauss redigiert.
-
- [159] E. BERGER, Die Anfänge der period. Litteratur des Buchhandels
- (Publ. d. B.-B.-V. 11). Leipzig 1875.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Aufschwung der Pressgewerbe.]
-
-Fast gleichzeitig mit der Gründung des Börsenvereins und des Leipziger
-Buchhändler-Vereins war die grosse politische Bewegung infolge
-der Julirevolution in Paris 1830 und die bedeutenden technischen
-Verbesserungen der Typographie eingetreten. Die Produktion kam nun rasch
-in Fluss und trat in mancher Beziehung in andere Bahnen ein. War der
-Buchhändler früher weniger ein Spekulant gewesen, so wurde er jetzt
-vielfach ein Bücherfabrikant und unterlag als solcher mehr als sonst den
-Schwankungen der Zeitverhältnisse[160].
-
- [160] O. A. SCHULZ, Der Buchhandel (Schiebes Handelslexikon). -- A.
- SCHÜRMANN, Der Buchhandel (Pierers Universallexikon). -- K.
- BUCHNER, Schriftsteller und Verleger vor 100 Jahren. -- Dr.
- A. KIRCHHOFF, Litteratur und Buchhandel am Schluss des XVIII.
- Jahrh. -- J. H. MEYER, Die genossenschaftlichen Buchhandlungen
- des XVIII. Jahrh. (Archiv d. D. B.-B.-V. 11). Leipzig 1879. --
- A. PRINZ, Der Buchhandel von 1815 bis zum Jahre 1863. 7 Teile.
- Altona 1855-1863. -- E. BERGER, Aus dem Buchhandel vor 50 Jahren
- (Publ. d. B.-B.-V. 11). Leipzig 1875. -- Derselbe, Der deutsche
- Buchhandel in d. J. 1815-1867 (Arch. d. B.-B.-V. 11). Leipzig
- 1879. -- K. BUCHNER, Beiträge zur Gesch. d. Buchhandels.
-
-[Sidenote: Die illustrierten Blätter.]
-
-Die ZEITSCHRIFTEN, selbst die belletristischen, schlugen unter Führung
-des jungen Deutschlands mehr oder weniger eine tendenziös-politische
-Richtung ein. Daneben wucherte die Broschürenlitteratur in üppigster
-Fülle.
-
-Geradezu umwälzend wirkte 1832 das Erscheinen des _Penny magazine_
-(S. 94) auf die deutsche Journallitteratur. Es entstanden
-die verschiedensten Nachahmungen und selbst die Verleger der
-nichtillustrierten Blätter waren wenigstens bemüht, diese durch
-Bilderprämien, zuerst Stahlstiche und schwarze Lithographien, später
-Chromolithographien, unter Zuhülfenahme der Colportage »bis in die
-Hütten« zu verbreiten. Den Pfennigblättern folgte 1843 die »Illustrierte
-Zeitung«. Auch der Humor machte unter Vortritt der »Fliegenden Blätter«
-(1845) seine Rechte in einer Reihe von periodischen Schriften geltend,
-in welchen hauptsächlich die lithographische Federzeichnung, bei welcher
-der Künstler ohne die Dazwischenkunft eines Anderen seiner Laune die
-Zügel schiessen lassen konnte, Verwendung fand.
-
-[Sidenote: Die Kalenderlitteratur.]
-
-Im Gefolge der illustrierten Blätter und unterstützt durch die grossen
-Fortschritte der Holzschneidekunst stellten sich die zahlreichen
-VOLKSKALENDER ein, von denen der von Fr. W. Gubitz (1833) herausgegebene
-der reichste an Inhalt sowie an Illustrationen, zugleich der am
-weitesten verbreitete war. Leider wurde dieser volkstümlichsten und bei
-ehrlichem Streben sehr beachtenswerten Gattung von Presserzeugnissen
-nicht allein durch die Höhe der daraufgelegten Stempelsteuer, sondern
-noch mehr durch die mit der Erhebung derselben in der Zeit der
-Vielstaaterei und der ausgebildetsten Zollplackerei verbundenen
-Schwierigkeiten sehr gehemmt und den Verlegern eine Quelle des
-fortwährenden Verdrusses und Nachteils eröffnet.
-
-[Sidenote: Die illustrierten Heftwerke.]
-
-Die Illustration bemächtigte sich jedoch nicht nur der
-Journallitteratur, sondern es entstanden auch illustrierte
-Lieferungswerke in grosser Zahl, welche bei der Erscheinungsweise in
-Heften zu 2-1/2, 5 oder höchstens 10 Groschen leicht Eingang fanden,
-bis Missbrauch der Geduld und der Kasse des Publikums sie in Misskredit
-brachte.
-
-Den Reigen begannen Werke mit lithographischen, zumteil kolorierten
-Bildern, dann folgten solche mit Stahlstichen, Holzschnitten und
-Chromolithographien. Leipzig und Stuttgart gaben den Ton an. Österreich
-blieb in der Produktion zurück, bildete aber das vorzüglichste
-Absatzgebiet. Für Holzschnittwerke wurden zuerst namentlich französische
-Clichés benutzt; bald aber konnte Deutschland Originale genug liefern
-und gab bereits im Jahre der Jubelfeier von Gutenbergs Kunst vollgültige
-Beweise seines selbständigen Schaffens. Die Stahlstichwerke wurden
-hauptsächlich mit englischen Produkten illustriert; dann wagte man sich
-daran, unter Beihülfe englischer Künstler, von denen viele sich in
-Deutschland etablierten, die Stiche selbst zu liefern.
-
-An die Stelle der Taschenbücher in bescheidenem Format traten nach
-englischen Mustern die GROSSEN ALBUMS und JAHRBÜCHER, die sich
-jedoch eben so wenig in Deutschland wie in England hielten und den
-illustrierten Dichterwerken Platz machten.
-
-[Sidenote: Die Klassiker-Ausgaben.]
-
-Ebenfalls eine andere von England nach Deutschland verpflanzte, jedoch
-sehr schnell verschwindende Mode war die der KLASSIKER-AUSGABEN in einem
-Bande grossen Formats mit gespaltenen Kolumnen. Dahingegen fanden die
-sogenannten SCHILLER-AUSGABEN (von 1845 ab) in einem kleinen breiten
-Sedez eine grosse Verbreitung und andauernden Beifall. Jeder Verleger
-spürte in seinem Verlagskataloge eifrigst nach, ob er nicht einen von
-ihm übersehenen »Klassiker« im Verlage habe und mancher wunderbare
-Klassiker-Heilige zeigte sich mit der Schillerkutte angethan. Selbst
-umfangreichere wissenschaftliche Werke fielen der Schillerformat-Manie
-anheim. Für die epochemachende _Tauchnitz-Collection_ war dies Format
-bereits 1842 angenommen.
-
-[Sidenote: Konversationslexika.]
-
-Die Bedürfnisse nach allgemeinen encyklopädischen Kenntnissen fanden
-reiche Nahrung durch die grosse Zahl von KONVERSATIONSLEXIKA mit oder
-ohne Illustrationen, die alle mehr oder weniger in Brockhaus' Kielwasser
-mit einer von ihm in billigster Weise entlehnten Ladung segelten. Sogar
-die Damen erhielten ein solches Lexikon und es fehlte auch nicht einmal
-eins für Kinder.
-
-[Sidenote: Die politische Poesie.]
-
-Die Zensurplackereien in den Jahren 1830-1848 überschritten alle
-Grenzen. Zwar waren Schriften über 20 Bogen zensurfrei geworden, jedoch
-musste 24 Stunden vor der Herausgabe ein Exemplar der Polizei überreicht
-werden, und diese Zeit genügte für die provisorische Beschlagnahme,
-die in ihren Wirkungen für den Verleger einer definitiven ziemlich
-gleichkam. Für die POLITISCHE POESIE und den politischen und sozialen
-Roman lag hierin ein Vorschub, da diesen Erzeugnissen nicht so leicht
-beizukommen war als denjenigen eines klar ausgesprochenen politischen
-Inhalts. Der Unterdrückte wird durch strenge Massregeln seiner
-Überwacher nur erfinderischer in der Auswahl seiner Mittel, diese zu
-umgehen, und die erwähnten Litteraturzweige blühten.
-
-[Sidenote: Pressfreiheit.]
-
-So hatte es lange unter der Asche geglimmt, bevor der Brand infolge
-der Pariser Februar-Revolution 1848 in Deutschland in hellen Flammen
-sich Luft machte. Eine Folge war die endliche Gewährung der seit mehr
-als 30 Jahren verheissenen Pressfreiheit und die unbehelligte Einfuhr
-der Bücher in Österreich, bei welcher jedoch der Buchhandel pekuniär
-vorläufig wenig gewann, da der Reiz des Besitzes des Verbotenen nunmehr
-aufhörte.
-
-[Sidenote: Die Zeitungen und Broschüren.]
-
-Für die erste Zeit nahmen ZEITUNGEN und BROSCHÜREN[161] die
-Aufmerksamkeit des Publikums ausschliesslich in Anspruch. Viele
-Kontinuationswerke kamen ins Stocken; der Kredit des Buchhandels wurde
-beschnitten. Nur in der Zeitungslitteratur herrschte frisches Leben,
-aber auch eine grosse Zersplitterung der Kräfte, unter welcher die
-Erzielung grosser Resultate sehr schwer war. Jede Parteischattierung,
-jede Stadt, jedes Städtchen wollte ein Blatt oder Blättchen für sich
-haben.
-
- [161] R. E. PRUTZ, Geschichte des deutschen Journalismus. Hannover
- 1845. -- Derselbe, Fortschritte der Zeitungspresse (Deutsch.
- Museum 1858 Nvbr.). -- J. KURANDA, Deutsche Zeitungen und
- Zeitschriften. -- H. WUTTKE, Die deutschen Zeitschriften. 2.
- Aufl. Leipzig 1875. -- Einen Einblick in die Herstellung einer
- Zeitung gewährt: J. H. WEHLE, Die Zeitung. 2. Aufl. Wien 1883.
-
-Während die politischen Zeitungen mit ihren reichhaltigen
-litterarischen und schönwissenschaftlichen Feuilletons die eigentliche
-Unterhaltungslitteratur und auch die litterarischen Blätter ganz
-zurückdrängten, gediehen die illustrierten, halb unterhaltenden,
-halb belehrenden Wochenblätter, für welche die »Gartenlaube« die
-Bahnbrecherin gewesen war, vortrefflich.
-
-[Sidenote: Modezeitungen.]
-
-Als ein bedeutendes Element trat die MODE hinzu. Die grossen Muster- und
-Modezeitungen, welchen zurseite die Frauen standen, die zum Schrecken
-der Männer alles Mögliche und Unmögliche behäkelten oder bestickten
-und in »Schnitten« das Unglaublichste leisteten, fanden eine mitunter
-kolossale Verbreitung und wurden selbst in Paris massgebend.
-
-Auch die politisch-soziale SATIRE hatte ihren Tummelplatz, auf welchem
-der »Kladderadatsch« sich als Vorturner auszeichnete.
-
-[Sidenote: Die Reaktion.]
-
-[Sidenote: Die Kollektiv-Unternehmen.]
-
-Nachdem die Regierungen nach der Sturmperiode sich von ihrem Schrecken
-erholt und wieder festeren Boden unter sich fühlten, begann die Reaktion
-erst im stillen, dann offen ihr Spiel zu treiben und die Verfolgungen
-gegen Schriftsteller, Verleger und Drucker gehörten zur Tagesordnung.
-Von allen Seiten trat die Politikmüdigkeit ein, dagegen stieg die Lust
-an Büchern in demselben Verhältnis wie die Unlust an Zeitungen. Die
-Konkurrenz im Buchhandel erhob sich wieder mächtig. Sprach jemand einen
-Gedanken aus, so fiel gleich ein halbes oder ganzes Dutzend Verleger
-über denselben her und zeigte sich bereit, an der Abhülfe eines längst
-gefühlten Bedürfnisses mitzuwirken. Die KOLLEKTIV-UNTERNEHMUNGEN aller
-Art schossen wie Pilze aus der Erde und fanden guten Absatz, mit
-Ausnahme der Romansammlungen, denn trotz der Billigkeit und der zumteil
-guten Auswahl derselben zog das Publikum doch vor, sich mit der schönen
-Litteratur durch die Zahlung von fünf Pfennigen oder einem Groschen
-Leihgebühren pro Band abzufinden.
-
-Durch die Eisenbahnen war die Welt in eine fortwährende Bewegung
-gekommen. Es musste also auch für die Bedürfnisse des reisenden
-Publikums gesorgt werden, was in ergiebigster Weise durch
-Reisehandbücher und Reiseatlanten, Parleurs etc. geschah.
-
-[Sidenote: Der 9. November 1867.]
-
-Ein Tag von grosser Bedeutung in der Geschichte des Buchgewerbes war
-der 9. November 1867, an welchem die Verlagsrechte an die Werke der
-seit 30 Jahren oder länger verstorbenen Autoren Gemeingut wurden.
-Merkwürdigerweise hatten die hauptsächlichsten Verleger der Werke,
-die von der Bestimmung getroffen wurden, nicht versucht, der Gefahr
-beizeiten energisch zu begegnen, und überliessen den Konkurrierenden
-eine zeitlang das Feld. Diese hatten aber um so vorsorglicher gehandelt
-und sich zumteil vor Ablauf des Termins mit einigen Verlegern
-geeinigt, sodass sie noch vor dem 9. November ihre Kollektionen zu den
-wohlfeilsten Preisen beginnen konnten. Fast noch einschneidender als im
-Buchhandel wirkte dieser Tag in dem Musikalienhandel.
-
-[Sidenote: Der Colportage-Roman.]
-
-Neben den besseren Erzeugnissen der Unterhaltungs-Litteratur florierte
-die Schmarotzer-Pflanze des COLPORTAGE-ROMANS und tötete teilweise
-den Sinn für ernstere Lektüre, brachte auch nebenbei durch Beigabe
-grösstenteils mittelmässiger Prämienbilder die jugendlich frisch
-aufblühende Kunst des Farbendruckes in Misskredit.
-
-[Sidenote: Die Pracht-Albums.]
-
-Die grossen Fortschritte der Typographie, der Xylographie und der
-Chromolithographie in Verbindung mit der Photographie und den
-verschiedenen Lichtdruckverfahren hatten den Geschmack für schöne Bücher
-mächtig gefördert und riefen ARCHITEKTONISCHE und TECHNISCHE WERKE
-von grossem Werte, sowie MUSTERSAMMLUNGEN der besseren Erzeugnisse
-alter, mittlerer und neuerer Zeit hervor. Es folgten prachtvolle
-ethnographische Werke. Schliesslich entstand eine wahre Sintflut von
-ALBUMS, hauptsächlich mit photographischen Illustrationen zu Gedichten,
-Romanen, Opern u. dgl.
-
-[Sidenote: Die »Mark-Bibliotheken«.]
-
-Als jüngste Phase des Buchhandels, deren Resultate noch nicht vorliegen
-können, müssen die MARK-BIBLIOTHEKEN bezeichnet werden, in welchen ein
-hübsch gebundener Band für eine Mark geliefert wird. Diese Kollektionen
-beschränken sich nicht auf die Unterhaltungs-Litteratur, sondern dehnen
-sich auch auf die wissenschaftliche aus.
-
-[Sidenote: Die Landkarten-Produktion.]
-
-Zum Schluss sei noch die LANDKARTEN-PRODUKTION erwähnt. Diese
-erhielt durch Hülfe der Chemitypie und der Zinkographie, sowie der
-Vielfarben-Druckmaschine eine gewaltige Ausdehnung und die Billigkeit
-der Erzeugnisse bei schöner Ausführung grenzt an das Wunderbare. Da
-diese Branche der Aufklärung ohne jeden bitteren Beigeschmack dient, so
-kann die Freude hierüber eine ungetrübte sein.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Buchdrucker-Gehülfen-Verband.]
-
-Unter den Errungenschaften des Jahres 1848 war auch das
-Associationsrecht. Es war selbstverständlich, dass die
-Buchdrucker-gehülfen dasselbe benutzten, um sich in Vereine zu sammeln
-behufs Vertretung ihrer Interessen mit gemeinsamen Kräften. Dass sie
-mässiger in der Benutzung ihrer Freiheiten hätten sein sollen als alle
-anderen Klassen, war nicht zu verlangen. Die alte »patriarchalische«
-Zeit hatte ihnen durch willkürliche Berechnungs- und unregelmässige
-Zahlungsweise manche Unbill gebracht, für welche sie jetzt Revanche
-nahmen, dabei die Berechnung der Zinsen nicht vergessend.
-
-Eine erste allgemeine Versammlung der Gehülfen aus ganz Deutschland
-fand in den Tagen vom 11. bis 14. Juni 1848 in Mainz statt. Die
-dort gefassten Beschlüsse hatten zwar einen Protest von gegen 200
-Prinzipalen zur Folge, dabei blieb es jedoch und man liess den Verband
-der Buchdrucker- und Schriftgiesser-Gehülfen, welcher die lebhafteste
-Beteiligung fand, ruhig gewähren.
-
-[Sidenote: Der Prinzipal-Verein.]
-
-Erst nachdem der Verband fast unumschränkter Herr in den Druckereien
-geworden, dachten die Prinzipale daran, sich auch an einander zu
-schliessen und versammelten sich am 15. August 1869 ebenfalls in
-Mainz. Der dort konstituierte Verein wollte nicht nur Front gegen den
-Gehülfen-Verein machen und die persönlichen Beziehungen fördern und
-kräftigen, sondern auch in der Art des Börsenvereins der deutschen
-Buchhändler die Interessen des Geschäfts in allen Lagen vertreten. Zum
-Vorort wurde Leipzig bestimmt und ein Vorstand von neun Mitgliedern
-gewählt. 1872 zählte der Prinzipal-Verein mehr als 700 Mitglieder; der
-Gehülfen-Verband das Zehnfache (7295). Die Gesamtzahl der Gehülfen
-mochte gegen 11000 betragen. Von den etwa 4000 Nichtverbandsmitgliedern
-hielt sich eine ziemliche Anzahl nur als »Schlaumeier« von den
-Verbandsbestrebungen zurück; im Herzen gönnten sie selbstverständlich,
-wenn sie auch nicht immer das Vorgehen des Verbandes im einzelnen
-billigten, wohl so ziemlich alle dem Verband die grösstmöglichsten
-Vorteile, denn auch sie genossen ja in ihrer gedeckten Position die
-errungenen Vorteile mit.
-
-[Sidenote: Differenzen zwischen Prinzipalität und Gehülfenschaft.]
-
-Nach einer langen Reihe von Differenzen und nach zahlreichen Übergriffen
-seitens des Verbandes fand zu Anfang des Jahres 1873 eine allgemeine
-Kündigung der Gehülfen seitens der Prinzipale statt. Da jedoch nicht
-alle Druckereien dem Verein angehörten, denn auch unter den Prinzipalen
-gab es viele »Schlaumeier«, und ein grosser Teil der Mitglieder den
-gefassten Beschlüssen nicht treu blieb, kam es nach vielen Verhandlungen
-zwischen den beiden Vereinen am 12. Januar 1874 zu einem Abkommen,
-das mit einem allgemein einzuführenden Tarif und dem Einsetzen eines
-Einigungsamtes in Differenzfällen endigte.
-
-Der Prinzipal-Verein hat seinen Zweck bis jetzt nur im beschränkten
-Masse erreicht, weil er zu viel in einer zu kurzen Zeit erreichen wollte
-und weil manche seiner Mitglieder direkte Hülfe in ihren besonderen
-Angelegenheiten vom Verein erwarteten, während dieser nur für eine
-Anbahnung besserer Zustände im allgemeinen wirksam sein konnte. Jetzt,
-wo er seiner Thätigkeit engere Grenzen gesteckt hat, ist auch zu
-erwarten, dass er, wennauch nur Schritt für Schritt, zum Ziel gelangen
-wird, um so mehr, als die Gehülfen ihre prinzipielle Opposition gegen
-ihn aufgegeben haben[162].
-
- [162] Die Geschichte des Deutschen Buchdrucker-Vereins von 1869-1876
- ist in den Annalen der Typographie 1870, Nr. 341-390 im
- Zusammenhang ausführlich behandelt. Die »Annalen« waren von
- der Begründung des Vereins bis 1876 Organ desselben und
- wurden von dessen Sekretär Carl B. Lorck herausgegeben. Jetzt
- giebt der Verein selbst in unregelmässigen Zwischenräumen die
- »Mitteilungen aus dem Deutschen Buchdrucker-Verein« heraus.
-
-Die offenbar zu grossen Einräumungen der Prinzipale im Jahre 1874 sind
-durch die Praxis gemildert, denn auch die Gehülfen haben einsehen
-gelernt, dass es im Geschäft gewisse Grenzen giebt, die man ohne sich
-selbst zu schädigen nicht überschreiten kann.
-
-[Sidenote: Ruhigere Verhältnisse.]
-
-So hat die beste Lehrmeisterin, die Erfahrung, am meisten dazu
-beigetragen, das Verhältnis im allgemeinen befriedigender zu gestalten.
-Die Versuche der Gehülfen, kooperative Druckereien zu begründen, haben
-aus den jedem Geschäftsmann leicht erklärlichen Gründen fast nur
-Misserfolge gehabt. Diese Thatsache hat ebenfalls gedient, die Gehülfen
-darüber aufzuklären, dass auch im Geschäft nicht alles Gold ist, was
-glänzt, und sie mit dem Los der Abhängigkeit zu versöhnen. Somit steht
-zu hoffen, dass künftig ein innigeres Zusammenwirken von Prinzipalität
-und Gehülfenschaft dazu beitragen wird, Gutenbergs Kunst stets mehr und
-mehr zu Ehren zu bringen.
-
-[Sidenote: Die Organe der Gehülfenschaft.]
-
-Das bedeutendste Organ der Gehülfenschaft ist der, jetzt dreimal
-wöchentlich erscheinende, 1862 gegründete »Correspondent für
-Deutschlands Buchdrucker und Schriftgiesser«. Früher fast nur und oft in
-massloser Weise polemisch wirkend, ist das Blatt mit den Verhältnissen
-auch ruhiger geworden, bringt jetzt manche technische und belehrende
-Artikel und hat namentlich um statistische Aufnahmen Verdienste. Der
-Leiter ist seit einer langen Reihe von Jahren RICHARD HÄRTEL, der,
-früher zugleich Präsident des Verbandes, mit Klugheit und Geschick die
-Interessen desselben wahrgenommen hat. Das Organ der österreichischen
-Gehülfen ist »Vorwärts« in Wien.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Statistisches.]
-
-Es erübrigt noch, einen kurzen Überblick über die Kräfte, welche bei der
-graphischen Produktion in Deutschland wirken, und über die Produktion
-selbst zu geben.
-
-[Sidenote: Buch- u. Steindruckereien.]
-
-Das Deutsche Reich hatte 1881 in 1471 Städten 3389 Buchdruckereien
-und 1994 Steindruckereien[163]. In diesen Offizinen sind 96
-Rotationsmaschinen, 5811 typographische, 1369 lithographische
-Schnellpressen, 244 Tretmaschinen, 2463 typographische und 6687
-lithographische Handpressen vorhanden. Jedoch darf nicht übersehen
-werden, dass der grösste Teil der typographischen Handpressen entweder
-nur als Korrekturpressen dienen oder auch ein vollständiges Stillleben
-führen. Beschäftigung fanden (1875) 52000 männliche, 11600 weibliche
-Mitarbeiter und 8400 Lehrlinge, in Summa also 71000 Arbeiter.
-
- [163] Die etwa 700 Offizinen, welche Buchdruckerei und Steindruckerei
- vereinigen, sind doppelt angeführt.
-
- Das Deutsche Reich, Österreich und die Schweiz als graphische
- Einheit betrachtet ergiebt die Zahl von 6993 graphischen
- Anstalten mit 9378 Schnellpressen und etwa 13500 Tret- und
- Handpressen. Die Details über Österreich und die Schweiz finden
- sich S. 406 und S. 436.
-
-Von Schriftgiessereien waren 342 mit 2588 Arbeitern, von
-Schriftschneidereien und xylographischen Anstalten 371 mit 2353 Personen
-vorhanden. Von 66 Spielkartenfabriken wurden jährlich gegen 4500000
-Pakete geliefert, auf denen Abgaben von etwa 1200000 Mark ruhten.
-
-[Sidenote: Buch- u. Kunsthandlungen.]
-
-Von Buch- und Kunsthandlungen gab es in 987 Städten 4376 mit 10590
-Mitarbeitern. 11251 Buchbindereien beschäftigten 31624 Personen
-(darunter 7055 weibliche). Leihbibliotheken gab es 455, Zeitungs- und
-Annoncen-Expeditionen 326, Öldruck- und Globen-Anstalten 342.
-
-[Sidenote: Zeitschriften.]
-
-Im Jahre 1882 lieferten 1432 Städte 4998 Zeitschriften, von denen 76 in
-nichtdeutscher Sprache. Unter diesen vielen Zeitungen wurzeln bloss 9 in
-dem XVII., 89 in dem XVIII. Jahrhundert. Über 4000 entstanden seit 1830,
-von denen wieder über 2000 in den letzten zehn Jahren verschwanden, um
-wieder anderen Raum zu gewähren. Von den Zeitschriften kamen 2435 auf
-Preussen, 515 auf Bayern, 504 auf Sachsen, 216 auf Württemberg. Der
-Hauptvertrieb fällt der Post zu. Die Versendung betrug im Jahre 1880
-gegen 300 Millionen Nummern.
-
-[Sidenote: Die Bücherproduktion.]
-
-Die BÜCHERPRODUKTION des gesamten deutschen Buchhandels (also nicht nur
-des Deutschen Reiches) betrug 1879 14179 Nummern, 1880 14941 Nummern,
-1881 15191 Nummern, und findet in ähnlicher Weise seit langer Zeit eine
-fortwährende Steigerung statt. In betreff der Ausfuhr deutscher Bücher
-ist Nordamerika für diese der bedeutendste Markt, auf welchem jährlich
-etwa für zwei Millionen Mark abgesetzt wird.
-
-Zum Vergleich mit dem (S. 224) gegebenen Verzeichnis, aus welchem
-hervorgeht, dass 26 Städte Frankreichs von mehr als je 50000 Einwohnern
-zusammen eine Bevölkerung von 2594100 Seelen, 343 Buchdruckereien, 390
-lithographische Anstalten, 908 Buchhandlungen und 640 Zeitschriften
-haben, folgt umstehend eine ähnliche Aufstellung aus dem Deutschen
-Reiche.
-
-Das Deutsche Reich hat demnach in 42 Städten mit über je 50000
-Einwohnern und einer Gesamteinwohnerzahl von 4176000 Seelen 966
-Buchdruckereien, 888 lithographische Anstalten, 1737 Buchhandlungen,
-1153 Zeitschriften. Nehmen wir zu einem näheren Vergleich die 26 ersten
-Städte des Deutschen Reichs (von Berlin abgesehen) und stellen sie
-gegen die 26 Städte Frankreichs, so finden wir, dass erstere 3286000
-Einwohner, 769 Buchdruckereien, 730 lithographische Anstalten, 1478
-Buchhandlungen, 961 Zeitschriften haben; also gegen letztere ein Mehr
-von 692000 Einwohnern, 426 Buchdruckereien, 340 lithographischen
-Anstalten, 470 Buchhandlungen, 321 Zeitschriften aufweisen[164].
-
- ---------------+-----------+---------+---------+----------+-----------
- Städte | Einwohner-| Buch- |Lithogr. |Buchhandl.| Zeit-
- | zahl | drucker |Anstalten| | schriften
- ---------------+-----------+---------+---------+----------+-----------
- Hamburg | 290000 | 100 | 114 | 125 | 59
- Breslau | 273000 | 31 | 30 | 53 | 33
- München | 230000 | 49 | 38 | 95 | 71
- Dresden | 220000 | 43 | 52 | 126 | 61
- Leipzig | 149000 | 92 | 69 | 400 | 248
- Köln | 145000 | 43 | 32 | 47 | 27
- Königsberg | 141000 | 14 | 12 | 25 | 25
- Frankfurt a. M.| 137000 | 58 | 45 | 71 | 59
- Hannover | 123000 | 32 | 19 | 48 | 38
- Stuttgart | 117000 | 38 | 30 | 107 | 98
- Bremen | 113000 | 22 | 30 | 26 | 19
- Danzig | 109000 | 11 | 8 | 21 | 21
- Strassburg | 105000 | 15 | 16 | 26 | 32
- Nürnberg | 100000 | 26 | 45 | 40 | 26
- Magdeburg | 98000 | 30 | 18 | 38 | 19
- Barmen | 96000 | 10 | 31 | 12 | 9
- Düsseldorf | 95500 | 20 | 15 | 30 | 11
- Chemnitz | 95000 | 14 | 10 | 33 | 10
- Elberfeld | 93500 | 16 | 19 | 18 | 7
- Stettin | 92000 | 22 | 20 | 18 | 17
- Altona | 91000 | 17 | 16 | 14 | 5
- Aachen | 85500 | 14 | 13 | 17 | 15
- Braunschweig | 75000 | 16 | 12 | 31 | 18
- Krefeld | 74000 | 11 | 21 | 10 | 4
- Halle | 71500 | 15 | 10 | 35 | 17
- Dortmund | 67000 | 10 | 5 | 12 | 12
- Posen | 65000 | 12 | 8 | 20 | 15
- Mühlhausen | 64000 | 7 | 12 | 4 | 4
- Augsburg | 61500 | 13 | 7 | 23 | 19
- Mainz | 61000 | 22 | 25 | 24 | 17
- Kassel | 58500 | 19 | 14 | 25 | 14
- Essen | 57000 | 9 | 5 | 9 | 6
- Erfurt | 53500 | 6 | 9 | 12 | 14
- Metz | 53000 | 8 | 7 | 15 | 9
- Mannheim | 53000 | 11 | 7 | 8 | 11
- Würzburg | 51000 | 13 | 7 | 14 | 13
- Lübeck | 51000 | 11 | 9 | 10 | 6
- Frankfurt a. O.| 51000 | 2 | 5 | 8 | 4
- Wiesbaden | 50500 | 16 | 9 | 27 | 22
- Görlitz | 50500 | 11 | 4 | 13 | 8
- Karlsruhe | 50000 | 17 | 14 | 21 | 15
- Darmstadt | 50000 | 20 | 16 | 26 | 15
- ---------------+-----------+---------+---------+----------+-----------
- Summa[164] | 4176500 | 966 | 888 | 1737 | 1153
-
-Die Bedeutung von Paris für die graphischen Gewerbe Frankreichs ist
-bekanntlich eine weit tiefer eingreifende als die der Reichshauptstadt
-für Deutschland. Sollte der graphische Vergleich auf die Metropole
-ausgedehnt werden, so müsste man, der Deutschland eigentümlichen
-Organisation gemäss, Berlin und Leipzig zusammen Paris gegenüberstellen,
-um einigermassen zu einem richtigen Resultat zu gelangen. In diesem
-Falle würde dann Leipzig ausfallen und Posen als 26. Stadt einrücken und
-damit das $Mehr$ der 22 deutschen Städte wesentlich beschränkt werden,
-nämlich auf: 618000 Einwohner, 346 Buchdruckereien, 279 lithographische
-Anstalten, 190 Buchhandlungen und 88 Zeitschriften.
-
- [164] Die Angaben hier können zwar keinen Anspruch auf absolute
- Genauigkeit erheben, kommen jedoch der Wahrheit so nahe, dass
- sie genügen, um sich ein richtiges Bild zu machen. Für die
- Angaben der Bevölkerung wurde Neumanns »Geographisches Lexikon«,
- Leipzig 1883, mit Abrundung der Einwohnerzahl auf 500 benutzt;
- für die der Buchdruckereien und der lithographischen Anstalten
- »Klimsch' Adressbuch der Buch- und Steindruckereien«, Frankfurt
- a. M. 1880; für die Buchhandlungen »Schulz' Adressbuch für den
- deutschen Buchhandel«, Leipzig 1882, für die Zeitschriften
- R. Mosses »Zeitungskatalog«, 1882; die in diesem fehlenden
- Zeitschriften sind ohne Einfluss auf das Gewerbe.
-
-[Sidenote: Die Papierfabrikation.]
-
-Die PAPIERFABRIKATION Deutschlands ist eine sehr bedeutende und
-beträgt nahe an 250 Millionen Kilogramm. Zur Herstellung sind
-785 Papiermaschinen und 185 Bütten und die Arbeit von etwa 80000
-Menschen notwendig. Ausserdem wirkten noch 260 Holzschleifereien, 45
-Rohstofffabriken und 20 Cellulosefabriken, zusammen mit etwa 7500
-Arbeitern. Rechnet man hinzu etwa 40000 Menschen, die mit Hadernsammeln
-und Nebenarbeiten beschäftigt sind, so giebt das ein Arbeiterkontingent
-von rund 128000 Köpfen. Um den Umfang dieser einen Branche richtig
-zu beurteilen, wären noch alle diejenigen mitzuzählen, die sich mit
-dem Papierhandel und der Fabrikation von Brief- und Luxuspapieren,
-Pergamentpapier, Couverts, Tapeten, Handlungsbüchern, Papierwäsche etc.
-etc. beschäftigen[165].
-
- [165] J. CHR. SCHÄFER, Sämtliche Papierversuche. Regensburg 1772. --
- L. MÜLLER, Die Fabrikation des Papiers. 4. Aufl. Berlin 1877. --
- LENORMAND, Handbuch der gesamten Papierfabrikationen. 3. Aufl.
- Weimar 1881.
-
- * * * * *
-
-Die BUCHBINDERKUNST[166] stand, als nach der Mitte unseres Jahrhunderts
-die Buchdruckerkunst auf ihrem Höhepunkt angelangt war, noch
-beträchtlich zurück und es dauerte auch noch eine zeitlang, ehe sie
-einen frischen Anlauf nahm.
-
- [166] R. STECHE, Zur Geschichte des Bucheinbandes (Archiv d.
- D. B.-B.-V. Bd. I). Leipzig 1878. -- G. FRITZSCHE, Moderne
- Bucheinbände. Leipzig 1878. -- C. BAUER, Handbuch der
- Buchbinderei. Weimar 1881. -- L. BRADE, Illustriertes
- Buchbinderbuch. Halle 1881.
-
-[Sidenote: Der Leinwandband.]
-
-Der Leinwand-»Einband« dominierte vollständig. Man begnügte sich nicht
-wie in England mit diesem als einer provisorischen Hülle, sondern
-die Leinwanddecke war in Deutschland das definitive Kleid des Buches
-für Jahrhunderte (?). In der Verzierung solcher Bände ging man noch
-weiter als in England und verwendete neben den Goldverzierungen oft
-die Hochprägung, bei welcher Medaillon-Porträts, Büsten, allegorische
-Figuren, Lyras, Palmenzweige, sogar Landkarten zur Verwendung kamen.
-Die Hautreliefs wurden bald flach gedrückt. Man gewöhnte sich, den
-Einbanddeckel als etwas zu betrachten, was er nicht ist und nicht sein
-soll: ein illustrierter Titel oder ein Frontispice, um den Inhalt des
-Buches zu erläutern.
-
-[Sidenote: Die Massenbände.]
-
-Der Betrieb des deutschen Buchhandels und die deutschen Verhältnisse
-waren dieser Verwendung des Leinwandbandes günstig. Die Verleger liessen
-ganze Auflagen in Leinwand binden und unter dem Publikum verbreiten.
-Ausser den Verlegern waren es noch die »Grosssortimenter«, welche dem
-Leinwandband Vorschub leisteten. Die Genannten kaufen von den Verlegern
-grosse Partien gangbarer Bücher, lassen dazu »stilvolle« Platten
-anfertigen und verkaufen nun die gebundenen Bücher an die eigentlichen
-Sortimentshändler zu Bedingungen, die es den letzteren noch möglich
-machen, dem Publikum so wohlfeile Preise zu stellen, wie sie ein
-einzelner Privatbesteller beim Buchbinder auch nicht annähernd erzielen
-kann.
-
-Im Prinzip ist diese Einrichtung gewiss eine höchst praktische, aber
-die Preise werden der Konkurrenz halber dem Buchbinder gegenüber so
-heruntergedrückt, dass Pfennige den Ausschlag geben, wodurch es dem
-Buchbinder fast unmöglich wird, auf Falzen, Heften und auf die Zuthaten
-an Pappe, Vorsetzblättern u. dgl. die nötige Sorgfalt und Ausgabe zu
-wenden.
-
-[Sidenote: Fortschritte im Geschmack.]
-
-Hinsichtlich der Dekoration des Leinwandbandes sind in jüngster Zeit
-ganz wesentliche Fortschritte gemacht worden. Die schreienden Farben
-der Leinwand haben den zarteren Modefarben und der Pergament-Imitation
-Platz machen müssen[167]. Das »Bemalen« oder »Ausmeisseln« der Bände
-durch Figurales, Landschaftliches etc. hat mehr und mehr aufgehört und
-wird durch Flachornamente ersetzt, für welche man die vielen trefflichen
-Vorbilder früherer Zeit benutzt oder tüchtige Künstler gewinnt. Ein
-Fehler ist noch ziemlich verbreitet: der übergrosse Reichtum der
-Ornamentierung und Überladung mit Silber, Gold und Mosaik imitierenden
-Farben. Je mehr man sich gewöhnen wird, die körnige Chagrin-Imitation
-und einfache Ornamentierung zu verwenden, um so mehr wird das
-Leder-Surrogat, welches wir nun einmal nicht werden entbehren können,
-seinen Platz in zweckmässiger Weise ausfüllen.
-
- [167] Im Deutschen Reiche giebt es nur eine Fabrik »englischer Leinen«,
- die von Schultze & Niemann in Eutritzsch bei Leipzig.
-
-[Sidenote: Die Handarbeit.]
-
-Die Handarbeit, namentlich den Halbfranz, lernt man in der letzten Zeit
-in Deutschland wieder schätzen und es sind hierin tüchtige Fortschritte
-gemacht worden. Von Lederbänden wird nicht viel die Rede sein können,
-solange die Kreise der wohlhabenden Kaufleute und Fabrikanten, sogar
-Magnaten keine gewählte Bibliothek besitzen. Die Sammler sind meist
-unter den Gelehrten, Beamten, selbst unter den weniger gut dotierten
-Landgeistlichen zu suchen. Deshalb haben die Buchbinder, falls es ihnen
-wirklich um die Förderung ihrer Kunst Ernst ist, sich vor der Klippe
-zu hüten, als Revanche für den Druck, den sie durch die Verleger und
-Grosssortimenter zu erleiden hatten, das Publikum zu überteuern und zu
-glauben, dass jeder, der gern ein Buch hübsch binden lassen will, ein
-reicher Büchernarr sei, dem man jeden Preis abverlangen könne. Begnügt
-sich der Buchbinder bei reeller Bedienung mit einem mässigen Vorteil, so
-wird er immer noch in Deutschland ein kaufendes Publikum finden.
-
-[Sidenote: Die Buchbinderkunst in Österreich.]
-
-In Bezug auf ein solches ist der Buchbinder in Österreich schon besser
-situiert und die Buchbindung hat demzufolge auch schon beträchtliche
-Fortschritte gemacht. Doch betreffen diese im allgemeinen noch mehr die
-Album- und Portefeuille-Fabrikation als die eigentliche Buchbinderei.
-Eine mächtige Einwirkung auf den Geschmack hat das Kunstgewerbe-Museum
-in Wien geübt. Man schliesst sich mehr der Art der Franzosen an und
-übertrifft diese in der Ledermosaik, die eine wirklich eingelegte Arbeit
-ist.
-
-[Sidenote: Die Vorteile der Maschinen.]
-
-Was den Betrieb der Buchbinderei betrifft, so hat dieser einen sehr
-wichtigen Anteil an den Vorteilen gehabt, welche das Maschinenwesen
-jedem Geschäft gebracht hat (vgl. Kap. XI). Die Maschinen besorgen das
-Falzen der Bogen, das Walzen des gefalzten Bogens, das Heften desselben
-mit Faden oder Draht, das Beschneiden und Pressen des Buches, das
-Abrunden des Rückens, das Einfassen, die Anbringung der Kapitäle, das
-Schneiden und Abschrägen der Pappen, das Pressen und Vergolden der
-Deckel. Für die sonstigen Arbeiten der Buchbinder sind die Couvert- und
-Klebemaschinen, Liniier- und noch viele andere Maschinen da.
-
-[Illustration]
-
-
-[Illustration]
-
- X. KAPITEL.
-
- DIE SCHRIFT UND DIE ILLUSTRATION
-
- IN DEUTSCHLAND-ÖSTERREICH.
-
- Aufschwung der Schriftgiesserei. Ed. Hänel. Die deutsche Druckschrift.
- Walbaum Vater und Sohn. Hamburg, Berlin, Leipzig, Frankfurt a. M.
- Österreich. G. Haase, C. Faulmann. Die Stereotypie, die
- Galvanoplastik, die Dynamo-Elektrik. Die Giessmaschine. DIE
- ILLUSTRATION: Verfall im XVIII. Jahrhundert, Wiedererwachen des
- Holzschnitts. Die Unger, Gubitz, Unzelmann, Kretzschmar u. a.
- Österreich: Prestel, Höfel, Knöfler u. a. Die Planotypie. Die
- Stigmatypie: Carl Fasol.
-
-[Sidenote: Aufschwung der Schriftgiesserei. Ed. Hänel]
-
-Langsamer als in England und Frankreich entwickelte sich die
-Schriftgiesserei in Deutschland. Erst aus den dreissiger Jahren datiert
-der eigentliche Aufschwung des reineren Geschmacks in den Produktionen
-derselben und an Einfluss in dieser Richtung kam niemand EDUARD
-HÄNEL gleich. Er führte die neuesten und schönsten französischen und
-englischen Antiquaschriften ein, liess die geradestehende griechische,
-Kanzlei, fette und halbfette, gothische und andere Zier- und
-Auszeichnungsschriften schneiden oder erwarb aus dem Auslande die besten
-Matern zu denselben.
-
-Im Accidenzdruck brachte Hänel eine vollständige Umwälzung hervor
-und aus seiner Magdeburger Offizin, und nach dem Brande derselben
-im Jahre 1838 aus seinem Berliner Institut gingen vorzügliche
-Druckarbeiten hervor. Er war der erste, der den _Compound_-Druck (S.
-80), den er Congreve-Druck nannte, nach Deutschland brachte. Mit seinen
-Guillochen- und Unterdruckplatten, namentlich seinen Spitzenmustern
-enthusiasmierte er das deutsche Publikum. Fast kein Umschlag, ja kaum
-ein Rechnungsformular konnte damals ohne Guillochen und Buntdruck
-hergestellt werden. Bereits 1837 hatten seine Zierstücke die Zahl von
-2813 erreicht.
-
-Der Kampf mit der Lithographie ward damals mutig von den Buchdruckern
-aufgenommen. Viele der letzteren warfen sich mit Eifer auf das
-Accidenzfach und andere Schriftgiesser folgten dem Beispiel Hänels. Es
-war eine Zeit des regsten, lustigsten Schaffens, vom Guten, Halbguten
-und Geschmacklosen, vom Praktischen und Unpraktischen unter einander.
-
-[Sidenote: F. W. Gubitz. W. Pfnorr.]
-
-Noch vor Hänel hatten F. W. GUBITZ in Berlin und der
-Kammergerichtsassessor W. PFNORR in Darmstadt manche Beiträge im
-Ornamentfache geliefert, unter welchen die Einfassungen mit Säulen,
-umwunden von Epheu- und Blumenguirlanden oder mit vollständigen schweren
-architektonischen Aufbauten einen wichtigen Platz einnehmen. Auch
-viele Polytypen stammen von Gubitz, der im Jahre 1836 bereits 1668
-solcher geschnitten hatte. Nach Hänels Vorangehen trat nun auch ein
-besserer Geschmack in den Einfassungen und eine grössere Leichtigkeit
-in der Ausführung ein. Vielen Beifall fanden die sogenannten
-Kaleidoskop-Einfassungen, aus sehr kleinen systematischen Stückchen
-bestehend, die sich in die mannigfaltigsten Formen zusammenfügen liessen
-und congreveartig in verschiedenen Farben gedruckt manchmal eine
-recht hübsche Wirkung hervorbringen konnten. Auch zu Kapitel-Anfangs-
-und -Schlussvignetten wurden sie zusammengesetzt, in Gestalt von
-Schmetterlingen, Vasen, Kronen etc. Man näherte sich jedoch damit
-den zeitraubenden, wenig wahre Befriedigung erzielenden Arbeiten der
-Stigmatypie (S. 304) und sie verschwanden bald von der typographischen
-Bühne.
-
-[Sidenote: Die deutsche Druckschrift.]
-
-Die deutsche Druckschrift, die sogenannte Fraktur, nahm um die Mitte
-des XVIII. Jahrhunderts eine sehr niedrige Stufe ein. Die männliche
-Kraft und das Urwüchsige der gothischen Schrift, Eigenschaften, welche
-die Schwabacher Schrift wenigstens noch teilweise besass, waren ganz
-verloren gegangen, ohne dass die Fraktur durch Eleganz das ersetzte,
-was ihr an Kraft gebrach. Nachdem J. G. J. Breitkopf, wie es scheint,
-lange geschwankt hatte, ob er nicht seine reformatorischen Absichten der
-Verbesserung der Antiqua zuwenden sollte, folgte er schliesslich doch
-der Tradition und versuchte der Fraktur eine kunstgerechtere Haltung zu
-geben (S. 365). Etwas Mustergültiges vermochte jedoch auch Breitkopf
-nicht zu schaffen, noch weniger J. F. UNGER in Berlin.
-
-[Sidenote: Erich Walbaum. Th. Walbaum [+] 12. Juli 1830.]
-
-Erst ERICH WALBAUM in Weimar und namentlich seinem Sohne THEODOR
-WALBAUM gelang es, eine Frakturschrift herzustellen, die auf längere
-Zeit und allgemein sich Geltung erwarb. Der Vater war anfänglich
-Konditor, zeigte jedoch einen solchen Geschmack im Ornamentieren, dass
-er von Sachverständigen veranlasst wurde, sich der Stempelschneiderei
-zu widmen. Der Sohn Theodor arbeitete erst als Gewehrgraveur wie der
-berühmte englische Schriftgiesser Caslon (I, S. 268), wurde jedoch
-später von seinem Vater als Stempelschneider ausgebildet.
-
-Die Vorzüge der Walbaumschen Frakturschriften liegen namentlich in dem
-Ebenmass aller Buchstaben durch alle Grade hindurch von dem kleinsten
-bis zu dem grössten. Form und Zurichtung sind gleich gut; die Stärke
-ist gerade die rechte; Leserlichkeit geht mit Dauerhaftigkeit Hand in
-Hand. In der Fraktur nimmt die Walbaumsche Schrift fast die Stelle
-ein, wie in der Antiqua die Didotsche, und würde noch heute, neu mit
-den Hülfsmitteln der neuesten Technik zweckmässig durchgeführt, immer
-eine klassische Fraktur bleiben, wenn wir diese Bezeichnung überhaupt
-für eine Schrift modernen Ursprungs und, man sage für ihre nationale
-Berechtigung und ihre Zweckmässigkeit für das Volk was man will,
-nicht in dem Besitz derjenigen Schönheit, welche wir von dem, was wir
-klassisch nennen, verlangen, gebrauchen dürften.
-
-Theodor Walbaum starb, als Künstler und Mensch gleich geachtet, in
-dem Bade Berka bei Weimar und wurde von seinem Vater überlebt. Das
-Walbaumsche Geschäft erwarb F. A. Brockhaus in Leipzig, welcher es im
-Jahre 1843 nach dort verlegte.
-
-[Sidenote: Die neueren Frakturschriften.]
-
-Seit Walbaum hat Deutschland eine grosse Zahl von Frakturschriften
-aufzuweisen, bald magerere, bald fettere; bald eckigere, bald rundere;
-vielen derselben ist die Korrektheit nachzurühmen. Oft sind sie sich
-selbstverständlich so ähnlich, dass nur ein sehr geübtes Auge einen
-Unterschied bemerkt. Leider haben sehr viele Druckereien die üble
-Gewohnheit, einzelne Grade aus den Garnituren verschiedener Giessereien
-untereinander anzuschaffen, indem sie bald den Launen der Besteller
-nachgeben, bald nur dem eigenen Antrieb folgen, nicht berechnend,
-dass selbst die weniger schönen Schriften konsequent durch alle Grade
-durchgeführt ein weit gelungeneres Ganzes hervorbringen, als Schriften
-sogar des schönsten Schnittes, wenn sie unter einander gemengt sind.
-
-Im Jahre 1838 hatten Deutschland, Österreich und die Schweiz bereits
-gegen 100 Giessereien, die beständigen Zuwachs erhielten.
-
-[Sidenote: J. D. Trennert. Genzsch & Heyse.]
-
-[Sidenote: J. A. Genzsch * 14. Sept. 1800, [+] 29. Juni 1869.]
-
-Im Norden Deutschlands waren die bedeutendsten derselben J. D. TRENNERT
-in ALTONA und GENZSCH & HEYSE in HAMBURG, welche hauptsächlich die
-Bedürfnisse des skandinavischen Nordens und Russlands deckten. Der
-Gründer der letztgenannten Firma, J. A. GENZSCH aus Audigast in Sachsen,
-ward 1827 erster Faktor bei Fr. Dresler & Rost-Fingerlin, als diese
-in Frankfurt a. M. eine Schriftgiesserei etablierten. Im Jahre 1833
-assoziierten sich Genzsch und J. G. HEYSE aus Bremen und führten die
-Thorowgoodschen Schreibschriften in Deutschland ein. Die Firma, seit
-1866 im Besitz von EMIL JULIUS GENZSCH, dem Sohne des Gründers, erwarb
-sich besondere Verdienste um die Einführung der Renaissance-Antiqua
-mit entsprechenden Kopfleisten, Vignetten und Initialen, sowie um die
-Umgestaltung der Schwabacher Schriften. Da man für letztere nicht so
-wie für die Antiqua ältere mustergültige Vorbilder hatte, weil die
-Stempelschneiderei Deutschlands zur Zeit der Einführung der Schwabacher
-(I, S. 41) auf keiner hohen Stufe stand, so musste der Versuch gemacht
-werden, etwas Neues zu schaffen, und es ist in der That Genzsch & Heyse
-gelungen, sehr ansprechende moderne Schwabacher Schriften in allen
-Grössen herzustellen. In jüngster Zeit etablierten Genzsch & Heyse eine
-Schriftgiesserei in München durch Ankauf zweier dortigen Firmen[168].
-
- [168] Zu dem 50jährigen Jubiläum am 28. Februar 1883 erschien »Chronik
- der Schriftgiesserei Genzsch & Heyse«.
-
-[Sidenote: Fr. Vieweg & Sohn.]
-
-In BRAUNSCHWEIG wirkten als Schriftgiesser namentlich FR. VIEWEG &
-SOHN, allerdings nur für den eigenen Bedarf schaffend, aber sehr für
-Verbreitung des guten Geschmacks wirkend.
-
-[Sidenote: Berlin. Hänel-Gronau.]
-
-[Sidenote: J. H. F. Bachmann * 8. Juli 1821, [+] 27. Juli 1876.]
-
-Die HÄNELSCHE Offizin in BERLIN ging nach verschiedenem Wechsel in
-die Hände W. GRONAUS über und behauptete sich unter dessen kräftiger
-und einsichtsvoller Leitung als eine der vorzüglichsten Anstalten
-Deutschlands. Im Hänelschen Geiste wurden Ornamente, Zier- und
-Brotschriften in reicher Fülle geschaffen, zugleich der Schnitt
-griechischer und russischer Schriften gepflegt. Auch als Druckerei
-behielt die Offizin einen ehrenvollen Platz. Hier wirkte als Faktor
-J. H. F. BACHMANN aus Stralsund. Acht Jahre verbrachte dieser in
-Kiew als Leiter erst der Universitätsbuchdruckerei, später der
-Regierungsdruckerei. Nach Deutschland zurückgekehrt, weilte er 1850-1860
-bei J. H. Meyer in Braunschweig, wo er den Grund zu seiner ziemlich
-umfangreichen fachschriftstellerischen Thätigkeit legte. Sein letztes
-Werk war das 1875 in Weimar erschienene ausführliche »Handbuch der
-Buchdruckerkunst«.
-
-[Sidenote: Trowitzsch & Sohn.]
-
-[Sidenote: v. Decker.]
-
-[Sidenote: Beyerhauss.]
-
-[Sidenote: F. Theinhardt.]
-
-Eine bedeutende Thätigkeit entwickelten TROWITZSCH & SOHN, auch als
-Kalenderverleger bekannt. Die VON DECKERSCHE Giesserei schaffte
-in erster Richtung hauptsächlich für den eigenen Bedarf. Ihre
-Frakturschriften von einer etwas eigentümlichen Form sind korrekt und
-tüchtig durchgeführt, konnten jedoch nicht allgemein gefallen. Es hat
-fast den Anschein, als wäre die Absicht vorhanden gewesen, nach dem
-Beispiel der Nationaldruckerei in Paris etwas Absonderliches für sich
-allein zu haben, ohne Rücksicht darauf, ob es zugleich etwas Schönes
-sei. Im Jahre 1873 zur Zeit der Wiener Ausstellung betrug die Zahl der
-Stempel und Matrizen über 100000. Deckers lieferten auch orientalische
-Schriften, die unter der Aufsicht der Akademie der Wissenschaften
-geschnitten wurden, welche letztere sich überhaupt um diesen Zweig
-der Schriftgiesserei verdient machte. Als Stempelschneider in dieser
-Richtung erwarb sich BEYERHAUSS einen Ruf. Unter anderem lieferte er
-für die amerikanische Mission in New-York 4000 chinesische Stempel,
-mit welchen 22000 der am häufigsten vorkommenden Kombinationen
-herzustellen waren. F. THEINHARDT lieferte Hieroglyphen nach der
-Anleitung des Professors C. R. Lepsius, die sich von den Niesschen
-dadurch unterscheiden, dass sie kein schwarzes Typenbild, sondern nur
-wie mit der Feder gezeichnete Umrisse bilden. Die Zahl der geschnittenen
-Charaktere beläuft sich auf über 1300. Auch Theinhardts sonstige
-fremdländische Schriften und andere Leistungen sind vorzüglich[169].
-
- [169] C. R. LEPSIUS, Standard-Alphabet. II. Ed. London 1863. --
- FR. BALLHORN, Alphabete orientalischer und occidentalischer
- Sprachen. 12. Aufl. Nürnberg 1880. -- F. THEINHARDT, Liste
- hieroglyphischer Typen. Berlin 1875. -- H. BRUGSCH, _Mémoire sur
- la réproduction imprimée des caractères démotiques_. Berlin 1868.
-
-[Sidenote: H. Ehlert.]
-
-[Sidenote: W. Woellmer.]
-
-Treffliche Einfassungen und Ornamente lieferte HEINR. EHLERT. Rastlos
-schaffte im Accidenzfach WILH. WOELLMER, und namentlich erwarben
-sich seine Züge, Einfassungen und Schreibschriften, besonders die
-Rundschriften[170], grosse Beliebtheit, wozu seine von W. Büxenstein in
-Berlin genial arrangierten und meisterhaft gedruckten Proben das ihrige
-beitrugen.
-
- [170] F. SOENNECKEN, Das deutsche Schriftwesen. Bonn 1881. --
- H. SMALIAN, Praktisches Handbuch für Buchdrucker im Verkehr mit
- Schriftgiessereien. 2. Aufl. Leipzig 1877. -- J. H. BACHMANN,
- Die Schriftgiesserei. Leipzig 1868.
-
-[Sidenote: H. Berthold.]
-
-Je grössere Dimensionen das Geschäft im allgemeinen annahm, um so
-vorteilhafter war es, wenn sich Spezialitäten vom Stamm abzweigten
-und besondere Geschäfte bildeten. Als eine solche Spezialität, welche
-eine ganz besondere Pflege nötig hatte, ist die Fabrikation von
-Messinglinien, galvanoplastischen Arbeiten u. dgl. zu bezeichnen. In der
-Fabrikation der ersteren hat es H. BERTHOLD in Berlin zu einer grossen
-Virtuosität gebracht. Besonderen Dank seitens seiner Berufsgenossen
-erwarb er sich durch seine Bemühungen für die Einheitlichkeit des
-Schriftkegels und die Herstellung eines Normaltypometers. Unter Beihülfe
-wissenschaftlicher Kräfte ersten Ranges, darunter des Direktors des
-Observatoriums in Berlin, Professor Dr. Forster, stellte er nach
-achtzehnmonatlicher Arbeit ein solches Typometer in einer Länge von 30
-cm = 133 Nonpareil = 798 Punkte her[171]. Leider ist auch bei diesem
-neuen verdienstlichen Versuche nicht das Metermass nach seinen Einheiten
-genau zugrundegelegt. Man sieht hier, wie bei den orthographischen
-Verbesserungsplänen, wie schwer es ist, eine wissenschaftliche Reform
-durchzusetzen, wenn nicht ein Gebot des Staates dahintersteht. Bei dem
-enormen vorhandenen Setzmaterial und den übergrossen Schwierigkeiten,
-dieses schrittweise nach einem neuen System zu vervollständigen oder
-umzumodeln, ist auch nicht abzusehen, wann eine Einheitlichkeit
-durchgeführt sein kann, denn solche Radikalkuren anzuwenden, wie die
-Reichsdruckerei es that, indem sie ihre gesamten Schriftenvorräte ins
-Zeug warf und umgoss, sind nicht jedermanns Sache.
-
- [171] Journ. f. B. 1879, Nr. 29.
-
-[Sidenote: C. Hanemann.]
-
-In JENA schnitt C. HANEMANN nach Angaben des Professors W. Lagus eine
-arabische Schrift für die Frenckellsche Offizin in Helsingfors.
-
-[Sidenote: Leipziger Schriftgiesser.]
-
-[Sidenote: J. G. Schelter & Giesecke.]
-
-LEIPZIG nahm in der Schriftgiesserei nicht eine so bedeutende Stelle
-ein, wie man es hätte vermuten sollen. F. A. Brockhaus, Breitkopf &
-Härtel, Karl Tauchnitz, F. Nies und dessen Nachfolger C. B. Lorck und
-W. Drugulin u. a., welche hauptsächlich nur im Interesse der eigenen
-Druckoffizinen arbeiteten, finden Erwähnung bei der Besprechung der
-Wirksamkeit dieser (Kap. XII). GUSTAV SCHELTER zeichnete sich namentlich
-durch seine Musiknoten aus. Der talentvolle, leider zu früh aus dem
-Leben geschiedene ERNST OTTO war ganz besonders um die Verbesserung
-des Schriftmetalls bemüht. Die einzige bedeutende Schriftgiesserei war
-langezeit hindurch die von J. G. SCHELTER & GIESECKE, die einen ganz
-besonders regen Verkehr mit dem Norden unterhielt und eine Filiale in
-Wien (jetzt Meyer & Schleicher) errichtete. Die Leipziger Anstalt ist in
-jüngster Zeit ganz nach amerikanischen Grundsätzen umgebildet und gehört
-durch ihren Umfang und die ausgedehnteste Anwendung von Hülfsmaschinen,
-welche sie selbst baut, zu den bedeutendsten Schriftgiessereien der
-Jetztzeit, liefert zugleich kleine Druckmaschinen und alles, was zum
-Arbeitsmaterial gehört. In jüngster Zeit haben Schelter & Giesecke sich
-besonders um das Schaffen schöner Ornamente und Einfassungen verdient
-gemacht[172].
-
- [172] Die in zwanglosen Zwischenräumen erscheinenden »Typographischen
- Mitteilungen von J. G. Schelter & Giesecke« dienen ihrem
- Geschäft als Organ, enthalten aber auch Nachrichten und
- Belehrungen von allgemeinem Interesse.
-
-[Sidenote: J. Klinkhardt.]
-
-Die als Schriftgiesserei noch junge Firma JULIUS KLINKHARDT, früher
-schon als Verlagshandlung und Buchdruckerei bekannt, entwickelt eine
-grosse Thätigkeit. Der Gründer der Firma, JULIUS KLINKHARDT, kaufte
-1864 die gut eingerichtete Buchdruckerei von Lüders & Umlauf, 1871 die
-bekannte lithographische Anstalt von J. G. Bach und die Schriftgiesserei
-von Gust. Schelter. Unter der Beteiligung der Söhne ROBERT und BRUNO
-KLINKHARDT nahm das Geschäft einen ungemein raschen Aufschwung; in
-Wien wurde 1877 eine Filiale errichtet. Die Anstalt machte namentlich
-in betreff der Musiknoten und der dekorativen Typographie bedeutende
-Anstrengungen[173].
-
- [173] Das »Probenalbum der Buchdruckerei Julius Klinkhardt« 1882
- ist eine Musterleistung moderner Ausstattung, namentlich neuerer
- Ornamentierung.
-
-[Sidenote: Galvanoplastiker und Graveure.]
-
-Als Galvanoplastiker erwarb sich in Leipzig C. A. KLOBERG, als
-Graveur R. GERHOLD Ruf. In Magdeburg zeichnete sich in diesem Fache
-FEODOR SCHMITT (früher FALCKENBERG & CO.) aus, dessen Spezialitäten
-Numerierwerke und alle Messingarbeiten für Buchbinder sind.
-
-[Sidenote: Frankfurt a. M.]
-
-[Sidenote: J. Andreae.]
-
-FRANKFURT A. M. behielt, mit dem benachbarten OFFENBACH, selbst nachdem
-der Hauptsitz der Typographie und des Buchhandels nach Leipzig verlegt
-war, die Superiorität als Sitz der Schriftgiesserei. Ein verdientes
-Ansehen genoss dort schon lange die Schriftgiesserei von J. ANDREAE (I,
-S. 131), die einen wesentlichen Einfluss auf die Ausbildung des guten
-Geschmacks geübt hat. Sie verbesserte das Konkordanzsystem und war
-eifrig für die Einführung des einheitlichen Kegel- und Höhesystems (I,
-S. 160) thätig. Im Jahre 1838 ging das Geschäft auf BENJ. KREBS über,
-der auch die ersten guten deutschen Schreibschriften lieferte, deren
-Zeichen zwar, wie die der _Anglaise_, auf schrägem Kegel geschnitten,
-jedoch nicht wie die letztere aus verschiedenen Stücken zusammengesetzt
-werden mussten. Jedes Typenstück ist zugleich ein vollständiger
-Buchstabe, nur existieren, wie in der _Ronde_, von manchen Buchstaben
-Varianten (bis zu fünf) unter Berücksichtigung der Anschlüsse an die
-Nachbarbuchstaben. Krebs hat auch durch sein für die damalige Zeit
-(1827) vortreffliches und heute noch nicht übertroffenes »Handbuch der
-Buchdruckerkunst« sehr wohlthätig gewirkt. Die Firma lieferte auch
-vorzügliche hebräische, und in jüngerer Zeit auch Frakturschriften, die
-zu den besten gehören; seit 1870 ist H. POPPELBAUM alleiniger Besitzer
-der Firma.
-
-[Sidenote: F. Dresler.]
-
-[Sidenote: C. Meyer.]
-
-[Sidenote: H. Flinsch.]
-
-Im Jahre 1827 gründete FRIEDR. DRESLER mit ROST-FINGERLIN in Frankfurt
-eine Schriftgiesserei, die bald einen weiten Ruf erlangte. Die
-Dreslerschen gothischen Schriften wurden allgemein nachgeahmt und seine
-Fraktur fand sogar Eingang in die Nationaldruckerei in Paris. Dresler
-schnitt auch Musiknoten ohne Linienansätze, welche für sich gesetzt
-und dann einer, die Linien enthaltende Druckform aufgedruckt wurden.
-Doch hat dieses Verfahren trotz des durch die Zweifarbenmaschine
-erleichterten Doppeldruckes sich nie einbürgern können. Die Verwendung
-von zweierlei Metall, Messing für die Linien und Schriftzeug für die
-Noten, bietet schon wesentliche Nachteile, da die Abnutzung eine
-verschiedene ist, der Druck demnach nie ein recht gleichmässiger sein
-wird. Dreslers tüchtiger Nachfolger CARL MEYER verfolgte, unterstützt
-von FERD. MICHAEL, die begonnenen Pläne weiter und H. FLINSCH, in dessen
-Besitz das Geschäft 1859 überging, vollendete sie.
-
-Unter Flinsch ist die Anstalt zu der grössten Deutschlands, zu einer
-der grössten der Welt herangewachsen. Im Jahre 1882 waren vorhanden:
-92 Giessmaschinen, welche täglich ca. 2 Millionen Typen liefern
-können, ausserdem 26 Schleif- und viele Hülfsmaschinen. Die Zahl der
-Arbeiter betrug über 200. An Stempeln besass die Offizin 106000,
-an Matrizen 198200. Flinsch war der erste in Deutschland, der die
-Johnson-Atkinsonsche Giessmaschine einführte und Matrizen von Stahl
-und Neusilber verwendete, auch für die Güte und Härte des Zeugs wurden
-grosse Anstrengungen gemacht.
-
-[Sidenote: J. C. Bauer * 1802, [+] 1867.]
-
-Als Schriftschneider erwarb sich JOH. CHR. BAUER aus Hanau ein grosses
-Ansehen. Nachdem er sich in England ausgebildet hatte, begann er 1828
-seine schönen Frakturschriften auszuführen, von welchen die ersten
-1852 erschienen. Nach und nach folgten andere und Bauer schnitt über
-10000 Stempel. Seine Nachfolger wirken in gleicher Richtung. Sie haben
-das Patent auf die Hepburnsche Giessmaschine erworben (S. 295), deren
-Erfinder seine Thätigkeit dem Frankfurter Hause widmet.
-
-[Sidenote: C. D. May.]
-
-COSMAN DAMIAN MAY gehört halb Frankfurt, halb London an. Geboren in
-ersterer Stadt, ging er 1828 nach England und war bis 1845 Teilnehmer
-der Schriftgiesserei Miller & Richard. 1852 kam er wieder nach
-Frankfurt; kehrte jedoch 1865 abermals nach London zurück. Er schnitt
-Frakturschriften sowohl in einer abgerundeteren Form (Midoline), als
-auch in der üblichen eckigen. Bekannter sind seine Antiquaschriften
-geworden, deren treffliche Ausführung alles Lob verdient.
-
-[Sidenote: J. Ch. D. Nies. J. H. Rust. C. J. Ludwig.]
-
-Die Firma J. CH. D. NIES wurde 1834 gegründet. C. J. LUDWIG, aus der
-Flinschschen Schule hervorgegangen, hat sich seit 1876 für seine junge
-Firma bereits einen guten Ruf erworben. In dem benachbarten Offenbach
-zeichnete sich J. M. HUCK & CO. und J. H. RUST, letzterer namentlich
-durch seine eleganten Ornamente und Einfassungen, aus.
-
-STUTTGART hat in der Schriftgiesserei keine grosse Bedeutung gehabt. In
-neuester Zeit machte sich OTTO WEISERT durch seine Zierstücke, STOFFLER
-& BACKÉ durch Holzschriften bemerkbar. Solche fabrizierten namentlich
-SACHS & SCHUMACHER in Mannheim, NACHTIGALL & DOHLE in Aachen.
-
-[Sidenote: Österreich.]
-
-[Sidenote: Andr. Haase * 30. Aug. 1804, [+] 25. Juni 1864.]
-
-In ÖSTERREICH stand die Schriftgiesserei lange auf einem ziemlich
-untergeordneten Standpunkte. Eine Änderung hat man erst GOTTLIEB HAASE
-in Prag zu verdanken, der in Österreich ungefähr dieselbe Stellung
-einnahm, wie Hänel in Deutschland.
-
-Der Begründer der Firma war 1798 nach Prag eingewandert. Sein rasch
-aufgeblühtes Geschäft arbeitete mit 18 Pressen und war mit einer
-Schriftgiesserei verbunden. Der Sohn ANDREAS widmete sich nach einer
-sorgfältigen Erziehung der Buchdruckerkunst und übernahm, kaum zwanzig
-Jahre alt, nach dem Tode des Vaters im Verein mit seinen beiden
-jüngeren Brüdern GOTTLIEB und RUDOLPH das Geschäft, das bald eins der
-bedeutendsten in Österreich wurde. Im Jahre 1836 disponierte es bereits
-über eine Doppelmaschine, drei einfache Schnellpressen, zwölf Stanhope-
-und vierzehn ältere Handpressen, nebst zwei hydraulischen Glättpressen.
-Die Schriftgiesserei zählte 45 Arbeiter und versah ganz Österreich und
-die Donauländer. Eine Maschinenfabrik wurde in Wran angelegt. Nach dem
-Tode Andreas' übernahm Gottlieb als Chef die Leitung der Buchdruckerei.
-Ihm zur Seite stand als Dirigent der Schriftgiesserei sein Neffe GUIDO;
-Rudolph leitete die Buchhandlung. Im Jahre 1871 ging das Geschäft in
-die Aktiengesellschaft Bohemia auf, bis es Andreas Haase später wieder
-übernahm.
-
-[Sidenote: Schriftgiesserei in Wien.]
-
-Der sehr bedeutende Aufschwung, welchen die Wiener Schriftgiesserei
-in neuester Zeit genommen hat, entstammt zumteil den Bestrebungen
-Auers, zumteil den bei der günstigen Wendung der Pressverhältnisse
-nach Wien eingewanderten deutschen Geschäften. Die jetzt bedeutendste
-Schriftgiesserei MEYER & SCHLEICHER, welche ihre Verbindungen selbst
-bis Japan ausdehnt, wurde, wie bereits erwähnt, als Filiale von
-Schelter & Giesecke in Leipzig gegründet. Sie führte die Atkinsonsche
-Giessmaschine in Wien ein. J. H. RUST aus Offenbach etablierte 1856 ein
-Geschäft. Aus einer Filiale von KREBS in Frankfurt a. M. ward die Firma
-POPPELBAUM & BOSSOW, jetzt POPPELBAUM. In jüngster Zeit folgte JUL.
-KLINKHARDT aus Leipzig.
-
-Ausser der Staatsdruckerei verbanden auch andere Druckanstalten mit
-ihren Druckoffizinen Schriftgiessereien, so V. WALDHEIM, ZAMARSKI,
-FROMME. Letzterer verkaufte jedoch die Giesserei an BRENDLER & G.
-HARLER. CARL BRENDLER schnitt vortreffliche orientalische Schriften und
-die stenographischen Typen für Faulmann.
-
-[Sidenote: C. Faulmann und die Stenographie.]
-
-CARL FAULMANN, erst Setzer, dann Stenograph und Linguist, Verfasser
-mehrerer Werke über Schrifttum und Typographie[174], hat sich ganz
-besondere Verdienste in betreff der Lösung der schwierigen Aufgabe,
-die STENOGRAPHIE in die Typographie einzuordnen, erworben. Die
-ersten Versuche hatte bereits 1854 GUSTAV SCHELTER mit Typen nach
-Gabelsbergers System gemacht, sie fielen jedoch nicht genügend aus.
-Die Staatsdruckerei liess von JOSEPH LEIPOLD und CHRISTIAN PLESSE
-Typen nach Stolzes System herstellen, die 1854 in München ausgestellt,
-für den praktischen Gebrauch jedoch zu gross befunden wurden.
-1859 zeichnete Faulmann für die Staatsdruckerei neue Typen nach
-Gabelsbergers System, die, von Leipold geschnitten, sich als zweckmässig
-bewährten. 1864 erschienen wieder neue Typen von Faulmann, die er auf
-seine Rechnung von Brendler schneiden liess und die später von der
-Staatsdruckerei angekauft wurden. Diese neuesten Typen reihen sich ohne
-Verbindungsstücke an einander an, wie gewöhnliche Typen. Allerdings ist
-die Zahl derselben, trotz einer grossen Reduktion der früheren 1300
-Stücke, noch eine bedeutende, 800, so dass ein Kasten sie nicht alle
-fassen kann, auch laufen die überhängenden Buchstaben beim Drucken
-leicht Gefahr, beschädigt zu werden. Liegt es nun auch in der Natur der
-Sache, dass die Geschwindschrift nie Gegenstand eines Geschwindsatzes
-werden kann, so ist doch das Problem des stenographischen Satzes als
-glücklich durch Faulmann gelöst zu betrachten[175].
-
- [174] Illustrierte Geschichte der Schrift. Wien 1880. -- Das Buch der
- Schrift. Wien 1878. -- Illustrierte Geschichte der
- Buchdruckerkunst. Wien 1882. -- Illustrierte Kulturgeschichte.
- Wien. -- Stenographische Unterrichtsbriefe. Wien.
-
- [175] Österr. Buchdr.-Ztg. 1873, Nr. 29. -- Journ. f. B. 1874, Nr. 16
- u. 18.
-
-[Sidenote: Reichtum an Schriften.]
-
-Betrachten wir den grossen Reichtum an Material, welchen die
-Schriftgiessereien für Einfassungen, Ornamente, Titel-, Schreibschriften
-u. dgl. den Setzern in die Hände liefern, so können letztere nicht
-darüber klagen, dass es ihnen an Mitteln gebricht, ihre Kunstfertigkeit
-zu zeigen. Eher verleitet sie der Reichtum zur Verschwendung und unter
-den hunderten von Schriften wird mehr gewühlt als gewählt und sinnlose
-Zusammenstellungen gemacht. Erfreulich ist es zu sehen, wie jetzt das
-Ausland, das fast nur von den Derrieyschen Einfassungen zehrte, jetzt
-die deutschen Produkte vielfach benutzt, die selbst in Frankreich
-Eingang fanden.
-
-Übersättigung führt zur Einfachheit und so haben in den letzten Jahren
-die einfache typographische Linie und der Punkt (S. 304) eine bedeutende
-Rolle gespielt und oft werden mit diesen kleinen Mitteln wirkliche
-Meisterstücke ausgeführt, in welchen namentlich W. BÜXENSTEIN in Berlin,
-JUL. KLINKHARDT in Leipzig und die PIERERSCHE Hofbuchdruckerei in
-Altenburg excellieren, der in letzterer arbeitende taubstumme WATZULIK
-ist ein ausserordentliches Setzer-Genie[176].
-
- [176] Eine »Anleitung zum Accidenzsatz« von HEINR. FISCHER. Leipzig
- 1877, versucht ein System für den titelförmigen Satz aufzustellen.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Die Stereotypie.]
-
-Das STEREOTYP-VERFAHREN[177] wird in ausgedehnter Weise in Deutschland
-geübt, ohne dass dieses selbst bedeutende eigene Verdienste um dasselbe
-erworben hätte, wenn sich auch Spuren älterer Versuche zeigen.
-
- [177] H. MEYER, Handbuch der Stereotypie. Braunschweig 1838.
-
-[Sidenote: Ältere Versuche.]
-
-Ein Steingutfabrikant, Schmidt in Durlach, fand auf einem Schutthaufen
-seiner Fabrik das Bruchstück einer Schriftplatte in Porzellan, welche
-den Schluss einer Dedikation oder eines Gesuches an den Grossherzog Karl
-von Baden seitens eines Müller d. ä., datiert Paris den 1. August 1787,
-enthält, des Inhalts:
-
-»Diese Erfindung ist in Teutschland schlechterdings unbekannt. Sie
-gehört dem Amtmann Hoffmann, welcher aus einer alten Familie aus den
-Markgräflich-Badenschen Landen herstammt. Ich werde mich glücklich
-schätzen, wenn sie unter der Protektion Ew. Hochfürstlichen Durchlaucht,
-durch mich, durch Errichtung einer Polytypie eingeführt, und alle
-Kirchen- und Schulbücher meines gnädigsten Privilegii, zuerst in
-Teutschland polytypiert, von mir können abgedruckt werden. Ein
-Unternehmen, das der glorreichen Regierung meines gnädigsten Fürsten
-ein ewiges Denkmal stiften und den wärmsten Dank aller edlen Seelen
-verdienen wird; denn das Werk ist eines Fürsten würdig.
-
- Ich ersterbe ehrfurchtsvoll
- Ew. Hochfürstlichen Durchlaucht
- unterthänigster treu-gehorsamer Knecht
- Müller älter.«
-
-[Sidenote: V. v. Pallhausen.]
-
-Im Jahre 1805 machte Vincenz VON PALLHAUSEN in München, unterstützt
-von dem Xylographen TH. NEUER, einen Versuch zu stereotypieren. Ehe
-dieser einigermassen gelang, verunglückten verschiedene Platten. Von den
-hiervon noch übrig gebliebenen, deren Inhalt ein Gedicht auf Gutenberg
-bildet, veranstaltete Prögel in München 1836 einen Abdruck in einem
-Büchlein: »Denkmal in Stereotypen den Manen Gutenbergs 1805 gewidmet von
-Vincenz von Pallhausen«.
-
-Polytypen, Plakat- und grössere Titelschriften waren längst mit der
-Hand clichiert worden. Die Clichiermaschine von Pfnorr in Darmstadt
-erleichterte sehr das Verfahren[178].
-
- [178] Journ. f. B. 1835, Nr. 5; 1838, Nr. 1.
-
-[Sidenote: Stanhopes Stereotypie.]
-
-Die ersten, welche das Stanhopesche Verfahren in Deutschland erwarben
-und ausbeuteten, waren v. Decker und K. Tauchnitz; 1819 kam es nach
-Österreich. Die Stereotypendrehbank[179] vereinfachte die Arbeit. Eine
-grosse Förderung gewährte die Papierstereotypie (S. 153). In Deutschland
-war GEORG JAQUET in München der erste, der das Verfahren 1834 erwarb.
-Für die weitere Verbreitung wirkten namentlich TH. ARCHIMOWITZ und J.
-ISERMANN in Hamburg[180].
-
- [179] Journ. f. B. 1837, Nr. 5.
-
- [180] TH. ARCHIMOWITZ, Die Papierstereotypie. Karlsruhe 1862. -- A. VON
- FLAMMENSTERN, Stereotypie in Österreich. Wien 1822.
-
-[Sidenote: Stereotypie in Eisen.]
-
-Versuche mit Stereotypen in Eisen wurden schon 1805 auf Veranlassung des
-Buchhändlers GÄDICKE in Berlin gemacht. Auf den Rübeländer Eisenwerken
-im Harz brachte ZIEGLER nach jahrelangem Arbeiten eine vollständige
-Bibel in dieser Weise zustande.
-
-So vorteilhaft die Stereotypie ist, namentlich zur Herstellung der
-Clichés von Abbildungen, ohne welche die illustrierte Litteratur nie
-eine so enorme Ausdehnung hätte erreichen können, so wurde sie doch
-bedeutend durch die Herstellung von Clichés auf galvanoplastischem Wege
-übertroffen.
-
-[Sidenote: Galvanoplastik.]
-
-[Sidenote: H. Jacobi * 21. Sept. 1801, [+] 10. März 1874.]
-
-Die Galvanoplastik[181] ist eine Erfindung des Deutschen MORITZ HERMANN
-JACOBI aus Potsdam. 1835 erhielt dieser einen Ruf nach Dorpat, 1837
-nach St. Petersburg. Bereits in diesem Jahre erfand er das Verfahren,
-auf chemischem Wege Kupfer abzulagern, und, abgesehen von den sonstigen
-hochwichtigen Verwendungen, druckbare Kupferplatten sowohl für den
-Tiefdruck auf der Kupferdruckpresse als für den Hochdruck auf der
-Buchdruckpresse, je nach dem Original, zu erzielen. Das Verfahren
-kaufte die russische Regierung, die mit einer höchst anerkennenswerten
-Liberalität es der Allgemeinheit preisgab. Die erste Veröffentlichung
-geschah in dem Bulletin der Akademie zu St. Petersburg vom 5. Oktober
-1838.
-
- [181] A. HERING, Die Galvanoplastik und ihre Anwendung in der
- Buchdruckerkunst. 7. Ausg. -- F. VON ROSELEUR, Handbuch der
- Galvanoplastik. Deutsche Übers. Stuttgart. -- Dr. G. SEELHORST,
- Katechismus der Galvanoplastik. 2. Aufl. Leipzig.
-
-[Sidenote: Missbrauch der Galvanoplastik.]
-
-Die Galvanoplastik ward jedoch für das Geschäft zu einer zweischneidigen
-Waffe. Die Möglichkeit, durch ihre Hülfe von einem Cliché oder einer
-Type eine getreue Mater herzustellen, somit ohne Kosten und Mühe sich
-die Arbeit des Stempelschneiders oder Holzschneiders anzueignen, wurde
-stark gemissbraucht. Nicht nur über die Produkte des Auslands fiel man
-her, sondern auch die Kollegen im Inlande wurden nicht geschont und
-ein Gesetz verbot diese kollegialische Beraubung nicht. Hier konnte
-nur Selbsthülfe wirken und am 15. Mai 1857 konstituierte sich auch
-ein deutscher Schriftgiesser-Verein, jedoch erstens waren nicht alle
-Schriftgiessereien Mitglieder des Vereins und zweitens konnte dieser
-weiter keine Strafe diktieren, als öffentliche Bekanntmachung von
-Kontraventionen, und diese genügte nicht immer. Erst der Erlass des
-Reichsgesetzes zum Schutze der Muster vom 1. Juli 1873 konnte dem Übel
-steuern.
-
-[Sidenote: Die dynamo-elektrische Maschine.]
-
-Ein grosser Fortschritt in der Galvanoplastik ist die Gewinnung von
-Clichés durch die dynamo-elektrische Maschine, welche als Ersatz für
-die galvanischen Elemente eintritt und einen kräftigen elektrischen
-Strom durch Verbindung eines mit Kupferdraht umwickelten, sich rasch
-drehenden Eisenringes und eines Elektromagneten hervorbringt, welcher
-stark genug ist, um damit in wenigen Stunden ein Cliché zu erzielen.
-Diese, namentlich von SIGM. SCHUCKERT in Nürnberg und SIEMENS & HALSKE
-in Berlin erbauten Maschinen sind, wo Dampfbetrieb einmal vorhanden ist,
-mit einem geringen Kostenaufwande zweckmässigst zu benutzen[182].
-
- [182] Journ. f. B. 1877, Nr. 38.
-
-[Sidenote: Vernickelung.]
-
-Zu erwähnen bleibt noch die Vernickelung der Typen, eine Erfindung des
-Prof. Bötticher in Frankfurt a. M., die jedoch, da sie in Deutschland
-keinen Anklang fand, nach Amerika auswanderte, um dann von dort als
-Neuheit nach Deutschland importiert zu werden.
-
-[Sidenote: Die Schriftgiessmaschine.]
-
-Die GIESSMASCHINE ist keine deutsche Erfindung, sie gelangte aber in
-Deutschland zur grossen Verwendung. E. Hänel war der erste, der sie hier
-baute, nachdem er das Patent LAURITZ BRANDTS (Kap. XVI) erworben hatte.
-Ein Schüler Brandts, CORFITZ MÖLLER aus Kopenhagen, baute Giessmaschinen
-bei F. A. BROCKHAUS in Leipzig, GURSCH & KLEMM und C. KISCH in Berlin,
-STEINER in München und ROB. KÜHNAU in Leipzig waren bestrebt, sie zu
-verbessern. Grosse Verbreitung fanden die amerikanischen Apparate.
-Auf die neue Hepburnsche Maschine (S. 39) hat, wie schon erwähnt, die
-Bauersche Giesserei in Frankfurt das Patentrecht.
-
-Das anfängliche Misstrauen gegen die Giessmaschinen, hervorgerufen
-durch die, wegen der eingeschlossenen Luft verursachten Hohlheiten im
-Guss sowie die Unmöglichkeit der Verwendung von Hartmetall, ist nach
-Beseitigung dieser Übelstände durch verbesserte Konstruktion verstummt
-und die Giessmaschine steht jetzt in der Schriftgiesserei ebenbürtig der
-Schnellpresse in der Buchdruckerei zur Seite.
-
-[Sidenote: Die Setzmaschine.]
-
-Die SETZMASCHINE[183] (S. 40) bahnt sich in Deutschland langsam den
-Weg und hat auch hier wenige praktische Verbesserungen gefunden.
-Erst in neuester Zeit nehmen die Erfindungen von PRASCH in Wien, von
-A. V. LANGEN in Düsseldorf im Verein mit C. G. FISCHER auf Schloss
-Holte in Westfalen[184], sowie von E. W. BRACKELSBERG in Hagen[185]
-die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch, namentlich wird die
-Ablegemaschine der letzteren allgemein gelobt, jedoch sind diese
-Erfindungen noch zu neu, um ihnen in der Geschichte der Typographie
-jetzt schon einen bestimmten Platz anweisen zu können.
-
- [183] Litteratur der Setzmaschine s. S. 40 u. ff.
-
- [184] Journ. f. B. 1881, Nr. 33 u. 34.
-
- [185] Österr. B.-Ztg. 1882, Nr. 34; 1883, Nr. 2.
-
-
- DIE ILLUSTRATION.
-
-[Sidenote: Die Illustration im XVIII. Jahrh.]
-
-Die grosse Ausdehnung der Illustration in dem XVI. Jahrhundert lernten
-wir bereits kennen (I, S. 105). Die Holzschnitte und Stiche Dürers
-hatten überall Eingang gefunden. Die Gegenstände aus dem profanen Leben
-waren jedem verständlich und auch die Darstellungen aus der heiligen
-Schrift in ihrer Naivetät ganz dem Fassungsvermögen des Publikums
-angemessen. Nicht so rasch gestaltete sich die Verallgemeinerung
-der Renaissance. Es fehlte dem grösseren Publikum der Sinn für die
-Schöpfungen derselben, der Zusammenhang mit dem Altertum war nicht wie
-in Italien vorhanden, und unter den Leiden des dreissigjährigen Krieges
-ging vollends der Geschmack an edleren Genüssen verloren. Die später
-eindringende französische Malerei diente namentlich zur Verherrlichung
-der Machthaber und stand dem Volke fern. Das Bedürfnis nach Schmuck im
-kleinen war aber doch nicht untergegangen und zeigte sich auch in der
-zweiten Hälfte durch einen Aufschwung in der Bücher-Ornamentierung und
-der Illustration.
-
-[Sidenote: D. Chodowiecki * 16. Okt. 1726, [+] 7. Febr. 1801.]
-
-Die Holzschneidekunst war inzwischen so gut wie abhandengekommen und
-man nahm deshalb Zuflucht zu dem Kupfer. Kaum ein Buch erschien,
-welches nicht wenigstens eine Titelvignette, einige Kapitel-Anfangs-
-und Schlussvignetten aufwies. Von dem Ornament ging man zur wirklichen
-Illustration über und diesmal kam der Anstoss von Frankreich, wo die
-Illustration jedoch einen mehr aristokratischen Anflug hatte, während
-sie in Deutschland, wie in früherer Zeit, den volkstümlichen Charakter
-annahm und namentlich eine Begleiterin der vielverbreiteten Kalender
-wurde.
-
-Einer der grössten Meister in dieser illustrierenden Kleinkunst war
-DANIEL CHODOWIECKI, geboren in dem damals noch zu Polen gehörenden
-Danzig. Da der Vater frühzeitig starb, musste Daniel ein Handwerk
-ergreifen, später konnte er jedoch seiner Neigung folgen und bildete
-sich unter der Leitung des Malers Haid mit Erfolg für die Kunst aus.
-Mit dem Jahre 1764 traten seine Arbeiten mit der Radiernadel in den
-Vordergrund; 1769 lieferte er die ersten zwölf Blätter Illustrationen
-zu Lessings »Minna von Barnhelm«. Von nun an häuften sich die Aufträge
-der Buchhändler derart, dass seine ganze Arbeitskraft dazu gehörte, um
-sie zu bewältigen, und es giebt kaum einen bedeutenden Schriftsteller
-damaliger Zeit, dessen Werke er nicht illustriert hätte.
-
-[Sidenote: Der Holzschnitt.]
-
-Der Holzschnitt trat jedoch nicht gleich die Erbschaft an und es dauerte
-noch eine Zeit, ehe man an diesem wieder Geschmack fand; wesentlichen
-Anteil an der Erweckung desselben haben die beiden Unger, Vater und
-Sohn[186].
-
- [186] MAX SCHASLER, Die Schule der Holzschneidekunst. Leipzig 1866.
-
-[Sidenote: J. G. Unger d. ä. * 1715, [+] 1788.]
-
-JOHANN GEORG UNGER, der Vater, stammt aus Pirna bei Dresden. Erst
-Schriftsetzer, widmete er sich seit 1757 ganz dem Holzschnitt. Zu seinen
-besten Arbeiten gehören »Fünf geschnittene Figuren, gezeichnet von O.
-Meil«.
-
-[Sidenote: J. F. Unger d. j. * 1750.]
-
-JOH. FRIEDR. UNGER, der Sohn, war in Berlin geboren. Auch er begann als
-Buchdrucker, erwarb jedoch als Holzschneider einen noch grösseren Ruf
-als sein Vater. Bekannt sind seine »Sechs Figuren für Liebhaber der
-schönen Künste« (1779) und von Vignetten lieferte er eine grosse Zahl.
-Als Schriftsteller versuchte er durch mehrere Fachbroschüren zu wirken;
-seine Bemühungen für die Verbesserung der Frakturschrift hatten keinen
-Erfolg. Im Jahre 1800 wurde er Professor der Holzschneidekunst.
-
-[Sidenote: F. W. Gubitz * 27. Febr. 1786, [+] 5. Juni 1870.]
-
-Derjenige Holzschneider neuerer Zeit, der zunächst als der geistige Erbe
-Chodowieckis angesehen werden kann und am meisten dazu beigetragen hat,
-den Holzschnitt aufs neue populär zu machen, ist FRIEDR. WILH. GUBITZ.
-Im Alter von 15 Jahren stellte er auf der Berliner Kunstausstellung
-sieben Vignetten aus, die ihm Ehre und Geld einbrachten. 1812 wurde er
-Professor der Holzschneidekunst. 1835 begann er seinen Volkskalender,
-der mit seinen zahlreichen Illustrationen rasch eine grosse Popularität
-erlangte. Für Buchdrucker lieferte er eine enorme Anzahl von Polytypen,
-darunter auch eine Serie für Didot in Paris. Sein in Farben gedruckter
-Heiland nach Lucas Cranach, das Bildnis der Gräfin Voss, seine Blätter
-in Tuschmanier gehören zu den besten Arbeiten ihrer Art. Gubitz
-gehörte noch ganz der alten Schule an, welche in dem Holzschnitt mit
-dem Kupferstich konkurrieren wollte. Er schnitt immer noch in Langholz.
-Eine eigentliche Schule bildete er nicht und sein talentvollster Schüler
-Unzelmann war in der Manier das gerade Gegenstück zu Gubitz.
-
-[Sidenote: Ritschl v. Hartenbach * 1797.]
-
-[Sidenote: W. Pfnorr.]
-
-[Sidenote: Dan. Vogel d. ä.]
-
-Zu nennen sind noch J. RITSCHL VON HARTENBACH, der sich jedoch nicht bis
-zur Meisterschaft erhob; der Kammersekretär WILH. PFNORR in Darmstadt,
-ein Dilettant, der aber Tüchtiges namentlich in ornamentalem Schmuck
-lieferte, und DANIEL VOGEL, der Vater, in Berlin.
-
-[Sidenote: Fr. Unzelmann * 1793, [+] 1855.]
-
-Der erste bedeutende Repräsentant der neuen Richtung der
-Holzschneidekunst ist FRIEDRICH UNZELMANN aus Berlin. Seine
-künstlerische Ausbildung erhielt er auf der königlichen Akademie. Bis
-1827 arbeitete er für Gubitz. Nach seiner Trennung von diesem zeigte
-er sofort eine freiere Handhabung der Technik. Bis jetzt hatte er, wie
-Gubitz, nur mit dem Messer in Langholz gearbeitet, jetzt griff er zum
-Stichel und zu dem Hirnholze.
-
-Unzelmann stellte sich die Aufgabe, die ja auch die einzig wahre
-des Holzschneiders ist, wenn eine für den Holzschnitt korrekt
-gezeichnete Vorlage vorhanden ist, die Zeichnung vollständig facsimile
-wiederzugeben. Er lieferte viele Blätter zu den damals erscheinenden
-illustrierten Werken, namentlich A. Menzels »Friedrich der Grosse«,
-und zu den auf Rechnung des Königs von Preussen herausgegebenen
-Werken seines grossen Vorfahren. Ein Jubelblatt aus dem Jahre 1840,
-Gutenberg und Fust an der ersten Presse, ist in dem Archiv des Berliner
-Kupferstichkabinetts deponiert, um 1940 aufs neue gedruckt zu werden. Im
-Jahre 1843 wurde Unzelmann Mitglied der Akademie, 1844 Professor.
-
-[Sidenote: Ed. Kretzschmar * 21. März 1807, [+] 1858.]
-
-Der bedeutendste Schüler Unzelmanns, vielleicht an Genialität ihm nicht
-ganz gleichkommend, aber von noch grösserem Einfluss auf die Förderung
-der deutschen Xylographie, war EDUARD KRETZSCHMAR, aus Oschatz gebürtig.
-
-Schon frühzeitig äusserte sich seine Neigung für die zeichnenden
-Künste; Armut zwang ihn jedoch, als Laufbursche in der Brockhausschen
-Buchdruckerei zu dienen. Später wurde er Konditorlehrling, übte
-dieses Geschäft elf Jahre und zeigte sein plastisches Talent, indem
-er Formen für Kuchenverzierungen schnitt. Als im Jahre 1833 das
-Pfennigmagazin erschien, wagte er sich an einen Holzschnitt, den er mit
-einem Federmesser in Birnbaumholz ausführte. 1836 ging er nach Berlin
-und arbeitete unter Unzelmanns Leitung. Die erwähnte illustrierte
-»Geschichte Friedrichs des Grossen« von Menzel war das erste Werk, durch
-das Kretzschmar eigentlich Gelegenheit bekam, sein Talent zu entfalten
-und das zugleich ihm Veranlassung wurde, ein xylographisches Institut
-in Leipzig zu gründen, um genügend tüchtige Kräfte heranzubilden,
-welche selbst die Anforderungen eines Menzel, dieses Schreckbildes der
-Holzschneider, befriedigen sollten, ein Vorhaben, das dem mit allen
-Eigenschaften eines guten Lehrers Ausgerüsteten auch vortrefflich gelang.
-
-Als 1843 die »Illustrirte Zeitung« erschien, waren die zu überwindenden
-Schwierigkeiten gross. Anfänglich musste natürlich das Ausland zum
-wesentlichen Teil mit Clichés aushelfen, doch dauerte diese Abhängigkeit
-nicht lange. Kretzschmar erweiterte sein Atelier und richtete es fast
-ganz auf die Bedürfnisse der »Illustrirten Zeitung« ein. Bei seinem Tode
-ging es in die Hände der Expedition der »Illustrirten Zeitung« über. Die
-von Kretzschmar meist zum Experimentieren angelegte vortreffliche kleine
-Kunstdruckerei erwarb PH. GRUMBACH.
-
-[Sidenote: Alb. Vogel * 1814.]
-
-[Sidenote: Otto Vogel * 1816.]
-
-Die Brüder ALBERT und OTTO VOGEL in Berlin traten ganz in Unzelmanns
-Fussstapfen. Beide konnten auf Grund ihrer Verhältnisse nicht ihrer
-Neigung folgen, die Albert zum Kupferstechen und zur Malerei, Otto zur
-Skulptur hinzog. Beide lieferten Vortreffliches, doch ist Otto der
-bedeutendste und seine Schnitte nach Menzels Zeichnungen sind wahre
-Meisterstücke.
-
-[Sidenote: Caspar Braun * 1807, [+] 1877.]
-
-Eine besondere Bedeutung hat CASPAR BRAUN aus Aschaffenburg[187], der
-den Holzschnitt in München heimisch machte und durch die »Fliegenden
-Blätter« einen weitverbreiteten Namen erwarb. Erst ging er nach München,
-um sich in der Malerei auszubilden, und dann nach Paris, wo er zwei
-Jahre bei Brevière arbeitete. Nach seiner Rückkehr gründete er mit
-v. Dessauer ein Holzschneideatelier und arbeitete namentlich für die
-Cottaschen illustrierten Ausgaben, bis er sich mit Friedr. Schneider zur
-Herausgabe der »Fliegenden Blätter« verband.
-
- [187] Ann. d. Typ. 1877, Nr. 425.
-
-[Sidenote: Hugo Bürckner * 1819.]
-
-[Sidenote: Gaber.]
-
-HUGO BÜRCKNER aus Dessau war erst Bereiter, wandte sich aber bald
-dem Zeichnen und Malen zu und ging 1837 nach Düsseldorf. Ein Zufall
-veranlasste ihn, sich für die Holzschneidekunst als Beruf zu
-entscheiden. Im Jahre 1840 folgte er dem nach Dresden übergesiedelten
-Maler Hübner, nachdem er erst einen kurzen Unterricht bei Unzelmann
-genossen hatte. Seine Thätigkeit widmete er namentlich den im strengeren
-künstlerischen Stil gehaltenen buchhändlerischen Unternehmungen G.
-Wigands und T. O. Weigels. In ähnlicher Richtung zeichnete sich GABER in
-Dresden aus.
-
-[Sidenote: Heinr. Lödel * 1798.]
-
-Von Bedeutung sowohl als Kupferstecher wie als Holzschneider ist HEINR.
-LÖDEL aus Hameln. Er lernte die Buchbinderei, ging nach Göttingen und
-versuchte sich dort im Schneiden von Vergoldestempeln und Vignetten,
-schliesslich im Kupferstechen. Durch einen Holbeinschen Totentanz
-erwachte seine Neigung für den Holzschnitt, in welchem er sich besonders
-durch getreue Reproduktionen älterer Meisterwerke auszeichnete.
-
-[Sidenote: J. G. Flegel [+] 20. Dez. 1881.]
-
-Die Bestrebungen J. G. FLEGELS in Leipzig waren stets auf
-Vervollkommnung seiner Kunst gerichtet. Seine mikroskopischen,
-naturwissenschaftlichen und anatomischen Arbeiten sind nicht übertroffen
-und nur durch Betrachtung durch die Lupe ganz zu würdigen. Vorzüglich
-sind auch seine Nachbildungen Rembrandtscher Radierungen. Viele seiner
-besten Arbeiten finden sich in den Verlagswerken Wilh. Engelmanns
-verstreut. Besonders in technischen Illustrationen zeichnen sich
-KLITZSCH & ROCHLITZER aus.
-
-In neuerer Zeit hat Stuttgart sich in der Xylographie namentlich
-durch das Institut von AD. CLOSS ein hohes Ansehen erworben. Es wird
-Gelegenheit sein, hierauf in dem folgenden zurückzukommen (Kap. XIV).
-Eine hervorragende Stufe nimmt die Anstalt von R. BREND'AMOUR & CO.
-in Düsseldorf mit Zweiganstalten in Düsseldorf, Berlin, Leipzig und
-Stuttgart ein.
-
-[Sidenote: J. G. Prestel * 1739, [+] 1808.]
-
-Österreich hat in der Xylographie, ganz besonders in dem _Clairobscur_-
-und dem Polychromdruck, bedeutende Namen aufzuweisen. Unter den wenigen
-Leistungen aus der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts sind die
-_Clairobscur_-Blätter von JOH. GOTTL. PRESTEL rühmlichst zu erwähnen,
-namentlich eine Kreuzabnahme nach Raphael. Auch KARL FRIEDR. HOLTZMANN
-(1740-1811) lieferte Tüchtiges in dieser Richtung. Die vorzüglichsten
-seiner Arbeiten erschienen gesammelt als »Abdrücke in Helldunkel nach
-verschiedenen Meistern«. Er wandte, wie schon ältere Künstler es gethan
-hatten, Kupferstich in Verbindung mit Holzschnitt an und druckte mit
-zwei bis zu sechs Platten. Auch von Karl Ruprecht (1799-1831) existieren
-gute _Clairobscur_-Blätter.
-
-[Sidenote: B. Höfel * 27. Mai 1792, [+] 17. Sept. 1863.]
-
-In seiner Arbeitsweise mit Gubitz verwandt, jedoch als Künstler weit
-bedeutender ist BLASIUS HÖFEL. Er war in Wien geboren und zeigte
-frühzeitig ein ungewöhnliches Zeichentalent. Nach vielen Schwierigkeiten
-gelang es ihm, einen Platz in der Akademie der bildenden Künste zu
-erlangen. Um dort am Tage studieren und arbeiten zu können, musste er
-in den Nachtstunden seinen ärmlichen Lebensunterhalt durch Illuminieren
-von Bildern erwerben. Anfangs widmete er sich mit Erfolg der Malerei,
-ging jedoch bald zum Kupferstich über und lieferte eine grosse Anzahl
-von Blättern, allein 120 Porträts für Artaria. Im Jahre 1820 erhielt
-Höfel die Professur des freien Handzeichnens an der Militär-Akademie in
-Wiener-Neustadt.
-
-Auf einer Reise in Deutschland im Jahre 1829 lernte er Gubitz
-und Unzelmann kennen und sofort die Wichtigkeit der neuerwachten
-Holzschneidekunst begreifend, warf er sich mit Eifer auf dieses
-Verfahren. Eine seiner ersten Arbeiten: »Betende Alte« nach Waldmüller
-wurde in 127000 Exemplaren verkauft. Die Aufmerksamkeit des Fürsten
-Metternich ward auf Höfel gelenkt, auf dessen Anregung erfasste er die
-von Collas erfundene Reliefmanier und lieferte treffliche Platten zu dem
-»Ehrentempel Österreichs«. Eben im Begriff nach Paris zu gehen, verlor
-Höfel Haus und Habe durch einen grossen Brand, welcher 633 Häuser in
-Wiener-Neustadt am 8. September 1834 in Asche legte, und er musste nun
-von neuem anfangen. Eine Verbindung mit der Nationalbank führte nicht
-zu einer dauernden Anstellung und infolge einer Reorganisation der
-Militär-Akademie in Neustadt wurde Höfel pensioniert. Er verband sich
-nun, um seine Erfindungen auszubeuten, mit dem Buchdrucker Sollinger.
-Letzterer erhielt bei der Industrie-Ausstellung in Berlin 1840 die
-goldene Medaille. Höfel ging leer aus. Bei seinem nun folgenden Versuch
-mit einer eigenen Buchdruckerei geriet er in Konflikt mit dem Gremium
-der Buchdrucker und Buchhändler, woraus ihm viel Verdruss und viele
-Verluste entstanden.
-
-Im Jahre 1845 stellte er eine Anzahl der schönsten Farbendrucke aus,
-darunter eine Madonna nach Führich in 25 Platten auf Goldgrund. Die
-Verhältnisse des Jahres 1848 zwangen Höfel, sein Geschäft um jeden Preis
-zu verkaufen. Er ging nun nach Salzburg und baute sich in dem am Fusse
-des Gaisberges reizend gelegenen Dorfe Aigen einen Meierhof, wo er den
-Rest seiner Tage, mit der Ausführung verschiedener grosser Stahlplatten
-beschäftigt, verbrachte.
-
-Auf Aufforderung von G. Haase Söhne lieferte er für die Ausstellung in
-München einen lebensgrossen Christuskopf nach Hübner in der Baxterschen
-Manier, 22 Platten Farbe auf Farbe ohne Konturen gedruckt. Das Bild
-erschien in vier Auflagen. Trotz seines schweren Kampfes mit dem Leben
-behielt Höfel noch im Greisenalter seine jugendliche Geistesfrische und
-seinen Unternehmungsgeist, bis eine Lungenlähmung seinem vielbewegten
-Leben ein Ende machte.
-
-[Sidenote: F. v. Exter * 7. März 1820, [+] 27. Juni 1860.]
-
-FRIEDRICH VON EXTER, ein Schüler Höfels und einer der geschicktesten
-Holzschneider der Anstalt von Braun & Schneider in München, wurde 1846
-von Auer als Leiter der xylographischen Abteilung der Staatsdruckerei
-nach Wien berufen. Zu seinen besten Leistungen gehören »Kaiser Joseph
-an der Buchdruckerpresse« und »Karl V. im Kloster St. Just«. Zu den
-_Peintures de Polygnote à Delphe_ der Gebr. Riepenhausen lieferte Exter
-die ersten zwölf Tafeln in Chromoxylographie, die späteren Platten
-wurden lithographisch ausgeführt.
-
-[Sidenote: H. Knöfler * 1824.]
-
-HEINRICH KNÖFLER aus Schmölln im Altenburgischen brachte es von einem
-einfachen Tischlergesellen zu einem hervorragenden xylographischen
-Künstler und Kunstdrucker. Prof. von Berger in Wien war der erste,
-welcher auf sein ausserordentliches Talent aufmerksam wurde.
-Den Unterricht in der Xylographie erhielt er von Bader, der von
-Stuttgart nach Wien übergesiedelt war. Ein Holzschnitt Knöflers, »Der
-Stephansturm«, wurde sehr bewundert und verschaffte ihm eine Anstellung
-in der Staatsdruckerei, welche er später mit einer solchen bei Zamarski
-vertauschte, bei dem er sich viel mit dem Chromodruck beschäftigte.
-
-Seinen hauptsächlichsten Ruf erwarb sich Knöfler durch seine Miniaturen
-zu dem bei Reiss erscheinenden _Missale_ und durch seine Illustrationen
-zu den liturgischen Werken Pustets in Regensburg. Eine ihm von Didot
-angebotene ehrenvolle und vorteilhafte Stellung lehnte er ab. Knöfler
-ist namentlich ein Meister in der Behandlung der Köpfe seiner kleinen
-Figuren. Eine seiner bedeutendsten Leistungen ist die Nachbildung des
-Marienfensters des Prof. Trenkwald in der Votivkirche zu Wien. Ferner
-sind die Illustrationen zu dem »Ägyptischen Joseph« und zu Führichs
-»Geistliche Rose« zu nennen.
-
-Ein ehemaliger Schüler und Mitarbeiter Knöflers, HERMANN PAAR, arbeitete
-mit BIBERHOFER zusammen. Die Aufmerksamkeit wurde auf ihn durch den
-Druck der von Bader geschnittenen Trachtenbilder Albr. Dürers gelenkt.
-Sein Bildnis eines Unbekannten nach Jan van Eyck ist eine vollendete
-Leistung, ebenso sein Kegelschieber nach Ostade. Ein Xylograph ersten
-Ranges ist der mehrerwähnte BADER. Sein Panorama von Wien im Jahre 1873
-hat bei einer Höhe von 77 cm eine Länge von 122 cm.
-
- * * * * *
-
-In Verbindung mit der Xylographie müssen wir noch zwei Verfahren nennen,
-die, wennauch ihr praktischer Wert kein ausserordentlicher ist, doch dem
-Fachmann von Interesse sind.
-
-[Sidenote: Die Planotypie.]
-
-Die erste ist die PLANOTYPIE[188]. Eine Zeichnung in Linien wird auf
-Lindenholz getragen. Mittels einer durch eine Stichflamme glühend
-gemachten Stanze wird die Zeichnung Strich für Strich in das Holz
-vertieft eingebrannt und so eine Matrize gebildet, in welche eine leicht
-flüssige Metalllegierung gegossen wird. So wird ein erhabenes Cliché
-erzielt, mit welchem man, nachdem die Oberfläche vollständig egalisiert
-worden ist, drucken kann. Das Verfahren wurde zuerst von LEPEL, früher
-in Berlin, dann in Dresden, verwendet, namentlich für die sehr grossen
-Musterbogen der Modenzeitungen, auf welchen die verschiedenen Muster für
-das Zuschneiden auf einer Platte sich kreuzen.
-
- [188] H. KLEMM, Die Planotypie. Dresden 1871.
-
-Mit vielem Geschick ist diese Methode zur Illustrierung eines
-umfangreichen Werkes »Trachten der Völker in Bild und Schnitt« (Dresden,
-bei Müller, Klemm und Schmidt) verwendet. Über 1000 Figurenbilder sind
-in dieser Weise in Umrissen wirksam und charakteristisch hergestellt.
-
-[Sidenote: Stigmatypie von Fasol.]
-
-Ein anderes Verfahren oder vielmehr eine besondere Verwendung der
-einfachsten typographischen Figur, des Punktes, zur malerischen
-Typographie, die STIGMATYPIE, fand besonders in Wien durch CARL FASOL
-Pflege.
-
-Mit fünf Graden von Punkten liefert derselbe nicht allein die
-kompliziertesten Ornamente, sondern auch förmliche bildliche
-Darstellungen: Porträts, Architektonisches, Landschaftliches, Blumen-
-und Fruchtstücke mit Licht- und Schatteneffekten, die, wenn man des
-benutzten Materials eingedenk bleibt, geradezu wunderbar sind. Die
-Zeichnung wird auf karriertes Papier übertragen und zur Erleichterung
-beim Setzen die Stärke der zu wählenden Punkte durch Farbennuancierungen
-kenntlich gemacht. Um die unendliche Mühe einer solchen stigmatypischen
-Arbeit zu beurteilen, mag die Erwähnung des Umstandes genügen, dass
-zu einem Fruchtstück in der Grösse von 11×13 Zoll etwa 80000 Punkte
-gehörten. Man muss dem bedeutenden Talent und der grenzenlosen Ausdauer
-des Künstlers seine Achtung zollen, jedoch nicht ohne eine herbe
-Beimischung von Bedauern, dass doch nur bedingungsweise Gelungenes
-zustande gebracht werden kann, was man mit weniger Mühe und Aufwand in
-anderer Weise besser und leichter hätte erzielen können. Doch bleiben
-diese stigmatypischen Arbeiten eine Anspornung für den Typographen,
-sein Material gut zu benutzen, wenn er sieht, mit wie wenigen Mitteln
-sich etwas Hübsches schaffen lässt und deshalb verdienen die von Fasol
-herausgegebenen Proben (»Album der Buchdruckerkunst«, fünf Hefte in
-Folio, 1868-1881) einen Platz in jeder grösseren Druckanstalt und in
-jeder typographischen Gesellschaft.
-
-[Illustration]
-
-
-[Illustration]
-
- XI. KAPITEL.
-
- DIE TYPOGRAPHISCHEN MASCHINEN IN DEUTSCHLAND.
-
- Fr. König und die Schnellpresse. Die Bedeutung derselben.
- Jugendgeschichte Königs. Seine Rückkehr aus England. Etablissement
- König & Bauer in Oberzell. Kampf und Sieg. Die Zweifarbenmaschine.
- Die Endlose. Die Maschinenfabrik Augsburg und andere Fabriken
- Deutschlands. Helbig & Müller in Wien und andere Fabrikanten
- Österreichs. Die lithographische und die zinkographische
- Schnellpresse. Die Handpressen. Die Satinier-Schnellpresse. Die
- Farbenfabrikation.
-
-[Sidenote: Fr. König und die Schnellpresse.]
-
-Am 17. April 1874 waren hundert Jahre vergangen seit dem Tage, an
-welchem FRIEDRICH KÖNIG, der Erfinder der Schnellpresse, in Eisleben
-das Licht der Welt erblickt hatte[189]. »Eine kleine Stadt war sein
-Geburtsort, aber ihr Name hatte Weltruf erlangt, denn in Eisleben stand
-die Wiege des grossen Reformators, Luther, den hunderte, über das
-ganze Erdenrund verbreitete Millionen als den Befreier von dem auf dem
-Geiste lastenden Druck verehren; dessen Name jeder gebildete Deutsche,
-der Genuss und Belehrung in den Werken sucht, welche die Heroen der
-deutschen Litteratur und Wissenschaft schufen, als den des Reformators
-der Muttersprache hoch hält, selbst wenn er dem Träger desselben auch
-nicht als Reformator in Glaubenssachen huldigt.«
-
- [189] Die folgenden Zeilen sind einem Glückwunschschreiben entnommen,
- welches der Herausgeber dieses Buches als Sekretär des Deutschen
- Buchdrucker-Vereins an die Söhne Friedrich Königs zum 17. April
- 1875 abzufassen hatte (vgl. Annalen d. Typ. Nr. 301). Dieses
- Schreiben sowohl wie der Jubelartikel in dem Journ. f. B. 1875,
- Nr. 15 ff. kamen jedoch, wie nach späterer Feststellung des
- Geburtsjahres Königs hervorgeht, um ein Jahr zu spät.
-
-[Sidenote: Kulturhistor. Bedeutung der Erfindung.]
-
-»Wie wäre jedoch die weltbewegende Wirksamkeit Luthers gehemmt gewesen,
-wenn er nur auf das gesprochene Wort und auf die Verbreitung desselben
-durch Niederschrift angewiesen gewesen wäre, wenn ihm nicht die
-thätigen Pressen Wittenbergs und Leipzigs fördernd zur Seite gestanden
-hätten. Glücklich müssen wir uns preisen, dass die deutsche Erfindung
-Gutenbergs es ihm möglich machte, seine zündenden Blitze nach überall
-hinzuschleudern.«
-
-»Und doch, wie unvollkommen und langsam war die damalige Hülfe der
-Presse, wenn wir sie mit derjenigen vergleichen, welche sie uns heute
-leistet. Vergegenwärtigen wir uns, wie viel durchgreifender und wie
-unendlich schneller die Erfolge der reformatorischen Thätigkeit Luthers
-hätten sein müssen, wenn man derzeit über diejenigen mechanischen
-Hülfsmittel zu verfügen gehabt hätte, die uns jetzt zu Gebote stehen;
-wenn die $Schnellpresse$ damals dienend zur Seite gestanden hätte; wenn
-diejenige Reform im Druckwesen, welche die _Times_ vom 29. November
-1814 den staunenden Lesern verkündete, gleichzeitig mit der Reform des
-Glaubens und der deutschen Sprache ins Leben getreten wäre.«
-
-»Doch verlieren wir uns nicht in Phantasien über das, was hätte werden
-können, und halten wir uns an die grosse Errungenschaft, wie wir sie
-wirklich jetzt besitzen. Die $Schnellpresse$ gehört unserer Zeit. Sie
-ist ein Kind des XIX. Jahrhunderts und hat wieder so unendlich viel
-dazu beigetragen, dieses zu einem der denkwürdigsten in der Geschichte
-der Entwickelung der Menschheit zu machen. $Sie$ hat die Presse zu der
-sechsten, oder wenn wir wollen, zu der ersten Grossmacht herangebildet,
-$sie$ hat der öffentlichen Meinung, verkörpert in dem Journalismus, eine
-Macht verliehen, vor der sich selbst die Mächtigsten der Erde beugen,
-$sie$ trägt die Bildung bis in die Hütte und macht es dem Ärmsten
-möglich, an den geistigen Genüssen, welche gottbegabte Männer uns
-bereiteten, teilzunehmen, $sie$ hat, wie die Grabschrift des Erfinders
-sagt, »der Presse Flügel verliehen, ohne welche sie ihr zehnfaches
-Tagewerk nicht genügend würde erfüllen können.«
-
-[Sidenote: Königs Jugendgeschichte.]
-
-Der Vater Königs war ein schlichter Ackerbauer, die Mutter eine
-vortreffliche Frau, die für einen guten Unterricht des Sohnes Sorge
-trug. Zu Johanni 1790 kam Friedrich in die Buchdruckerlehre bei J.
-G. J. Breitkopf und wurde Michaeli 1794 losgesprochen. Jede freie
-Stunde verwendet er auf seine Ausbildung, hörte später Vorlesungen
-und beschäftigte sich wahrscheinlich schon frühzeitig mit Plänen zur
-Verbesserung der Holzpresse und mit dem Gedanken, Stempel in Platten
-einzudrücken, um in letztere Stereotypplatten zu giessen. In betreff der
-Konstruktion einer Tiegeldruck-Schnellpresse[190] war er schon im Jahre
-1805 mit sich ins Reine gekommen, denn in diesem Jahre wendete er sich
-von Wien aus an den Kaiser von Russland und bietet ihm die Erfindung an.
-Die Pläne wurden nach St. Petersburg gesandt; er selbst folgte am 12.
-Mai 1806. Anfänglich gestalteten sich die Aussichten vortrefflich und
-König schrieb an seine Mutter, mit der er auch später sich schriftlich
-in kindlicher Liebe unterhält, Berichte voll der schönsten Hoffnungen.
-Bald sollten jedoch diese vernichtet werden und noch in dem erwähnten
-Jahre ist König in London, um dort seine Pläne durchzusetzen.
-
- [190] TH. GOEBEL, Friedrich König und die Erfindung der Schnellpresse.
- Braunschweig 1875. Eine von demselben verfasste umfangreiche
- Geschichte der Erfindung, zugleich der Firma König & Bauer, war
- bei dem Satz dieser Bogen und bei dem bereits erfolgten Druck
- der Bogen 4 und 5 noch nicht ausgegeben, konnte demnach nicht
- für die Darstellung hier benutzt werden. -- J. H. BACHMANN, »Die
- ersten Schnellpressen in Deutschland«; eine Reihe von Artikeln
- in dem Journ. f. B. 1868, Nr. 38-48, 1869, Nr. 2-17 enthält die
- ausführliche Geschichte des Baues von vier Schnellpressen für
- Spener und Decker in Berlin.
-
-[Sidenote: König & Bauer.]
-
-Wie dies geschah ist bereits erzählt (S. 53). König kehrte Ende August
-1817 nach Deutschland zurück, wo es ihm gelungen war, das reizend
-gelegene frühere Benediktiner-Kloster OBERZELL, eine halbe Meile von
-Würzburg, zu erwerben. Erst später, im Mai 1818, kam der treue Freund
-Bauer nach Oberzell. Dieser, 1783 in Stuttgart geboren, war ein sehr
-tüchtiger Mechaniker und hatte durch sieben Jahre treu alle Arbeiten
-und Sorgen mit König geteilt, ohne dass ein festes Geschäfts-Verhältnis
-zwischen beiden stattgefunden hatte. Erst wenige Tage vor Königs Abreise
-von London wurde, am 9. August 1817, der erste Vertrag zwischen beiden
-abgeschlossen. Nach demselben sollte König als Erfinder und als Ersatz
-für seine bisherigen Opfer zwei Anteile am Gewinn haben, während ein
-Anteil Bauer zufallen sollte; auch würde Oberzell Königs Eigentum
-bleiben. Im Jahre 1821 wurde der Vertrag dahin abgeändert, dass eine
-gleichmässige Teilung des Gewinns stattfand.
-
-[Sidenote: König über Bauer.]
-
-Über Bauers Anteil an der Erfindung und an der Fortbildung derselben
-thun wir am besten, uns an Königs eigene Worte zu halten, welche in
-wenigen Zeilen das Verhältnis so trefflich und schön charakterisieren:
-»Wenn zwei Männer gemeinschaftlich und im höchsten Vertrauen zu
-einander einen Zweck verfolgen, so dürfte es schwer sein, den Anteil zu
-bestimmen, den ein Freund gehabt hat, der bei allem zu Rate gezogen, mit
-dem jede Angelegenheit des Geschäfts überlegt worden ist und wir haben
-uns selbst nie Rechenschaft darüber abgelegt oder abgefordert«.
-
-Man hatte nun nicht nur ein Dach über dem Kopfe, sondern war, was
-Lokalität anbetrifft, eingerichtet, wie es nicht besser sein konnte,
-aber es galt jetzt, alles aus nichts zu schaffen, nicht nur Werkzeug
-und Hülfsmaschinen, sondern auch Arbeiter, denn die Verhältnisse lagen
-nicht wie in England; aus rohen Bauern waren erst tüchtige Gehülfen
-auszubilden.
-
-[Sidenote: Erste Bestellung.]
-
-Dann mussten Bestellungen herbeigeführt werden. Cotta, an den man sich
-zuerst wandte, konnte »Staatsgeschäfte halber« vorläufig sich nicht
-mit dem Maschinenwesen befassen. Dagegen fanden Königs Vorstellungen
-offene Ohren bei Georg Jacob Decker in Berlin und dessen Schwager K.
-Spener. Bereits während Königs Aufenthalt in England waren nähere
-Unterhandlungen mit Decker angeknüpft, die jedoch durch Königs Absicht,
-England zu verlassen, unterbrochen wurden. Am 15. Oktober 1817 kam es
-mit den Genannten zu dem Abschluss eines Kontraktes über die Lieferung
-von zwei Schnellpressen, die innerhalb zwei und einem halben Jahre
-fertig zu stellen waren. Die Abnehmer sollten 7000 Thaler zahlen,
-ausserdem alle Spesen tragen und, anstatt der von König anfänglich
-geforderten jährlichen Abgabe, ein für allemal ein Prämium von 10000
-Thalern gewähren. Man sieht aus dem obigen, dass es den Bestellern nicht
-an Opferfreudigkeit und Zutrauen zu den Ideen Königs fehlte.
-
-[Sidenote: Schwierigkeiten aller Art.]
-
-Die Ausführung gestaltete sich für beide Teile zu einer langen
-Leidensgeschichte. Nicht nur die oben erwähnten Schwierigkeiten der
-Arbeiterverhältnisse, sondern auch der Mangel an Fonds machten sich
-in quälender Weise für König & Bauer geltend. Zwar erhielten sie ein
-zinsfreies Darlehen von 20000 fl., jedoch zunächst um eine Papierfabrik
-in Gang zu bringen. Die ersten 10000 fl. waren bereits absorbiert,
-ohne dass die Arbeiten, an welche die Auszahlung der zweiten 10000 fl.
-geknüpft waren, ihr Ende erreicht hatten. John Walter, für welchen König
-noch Arbeiten auszuführen hatte, ward unwillig, weil er sich unmöglich
-die Jämmerlichkeit der deutschen Arbeiterverhältnisse vorstellen konnte.
-Das langsame Vorwärtsschreiten machte Decker und Spener ärgerlich,
-trotzdem unterliessen sie nicht, der Fabrik allen möglichen Vorschub
-zu leisten. Erst im Juli 1822 konnte der erste Probedruck in Oberzell
-gemacht werden. Am 15. November 1822, also erst fünf Jahre nach der
-Bestellung, waren die durch Nachbestellung auf vier vermehrten Maschinen
-zum Versand fertig. Im Januar 1823 befanden sie sich zwar im Gange
-und das erste Produkt war die Nr. 11 der Spenerschen Zeitung vom 25.
-Januar 1823; es dauerte jedoch fast ein Jahr, bevor die Leistungen
-zufriedenstellend ausfielen. Mit allen dazu gehörigen Einrichtungen
-kamen die Kosten für die Besteller auf etwa 30000 Thaler zu stehen, dazu
-im Jahre 1827 noch 5500 Thaler für Umbau.
-
-[Sidenote: Vielfache Pläne.]
-
-Es war eine schwere und aufreibende Zeit gewesen. Mit der Papierfabrik
-wollte es nicht vorwärts. Im Herbst 1823 musste König selbst nach
-London gehen, um von den neuesten Erfindungen und Verbesserungen
-der Papierfabrikation Kenntnis zu nehmen. Die Geldsorgen endigten
-vorläufig durch den Beitritt Cottas zu diesem Geschäft; 1831 übernahmen
-jedoch König & Bauer dessen Anteil wieder. Obwohl das Unternehmen
-somit schliesslich festen Boden gewann, so war die Zersplitterung der
-Kräfte doch kaum als ein Glück für das Schnellpressen-Etablissement zu
-betrachten, dessen rasche Förderung noch nicht gelingen wollte, sie
-gewährte aber eine fortwährende Beschäftigung für Königs regen Geist. Er
-brachte an den _Times_-Maschinen Verbesserungen an, beschäftigte sich
-mit dem Gedanken einer _Roundabout_-Presse mit zehn Druckcylindern,
-welche stündlich 5000 Exemplare liefern sollte, und mit dem bereits
-erwähnten Verfahren, geschlagene Matern herzustellen. Selbst die
-Setzmaschine spielte eine Rolle in seinen damaligen Plänen.
-
-[Sidenote: Verbreitung der Schnellpresse.]
-
-Am 12. Juli 1824 erhielt Cotta eine Schnellpresse für die Allgemeine
-Zeitung in Augsburg. König selbst leitete die Aufstellung im Verein
-mit seinem Neffen Fritz Reichenbach, der bei Decker gelernt hatte und
-den König von Berlin mitgenommen hatte, um ihn als Maschinenbauer
-auszubilden; ein zweiter Neffe, Friedrich Helbig, zeichnete sich später
-in Wien aus.
-
-Um die Anbringung der Maschinen zu erleichtern, wollte König solche auf
-eigenes Risiko bauen und sie auf Gewinn-Anteil ausleihen. König litt
-jedoch unter demselben Mangel an Betriebskapital, der die Buchdrucker
-selbst drückte, und der Plan liess sich nicht durchführen. Er musste
-nun darauf bedacht sein, kleinere und billigere Maschinen zu bauen, die
-sich durch Menschenhände bewegen liessen und von denen er gleichzeitig
-mehrere Exemplare bauen könnte, wodurch die Herstellung wesentlich
-billiger zu stehen kommen würde. Der Erfolg bewies, dass die Rechnung
-eine richtige gewesen. 1826 wurden elf Maschinen fertiggestellt,
-darunter die ersten für Stuttgart (J. B. Metzler) und Leipzig (F.
-A. Brockhaus). Schon Fr. Arn. Brockhaus hatte an Anschaffung einer
-Schnellpresse gedacht, schreibt jedoch 1819 an König, dass ihm der Mut
-fehle (Kap. XII). Nach Paris wurde die erste Maschine an A. Guyot &
-Scribe, die zweite an E. Pochard geliefert; für Enchedé & Sohn in Harlem
-waren bereits zwei solche abgesandt.
-
-[Sidenote: Rückgang und dann neue Erfolge.]
-
-Somit schien alles im besten Gange zu sein, da kam die Julirevolution.
-Die Drucker zerschlugen die Schnellpressen, die Bestellungen sowohl
-aus Frankreich wie aus Deutschland blieben aus; niemand hatte Lust,
-Kapitalien in Maschinen, welche der Zerstörung ausgesetzt waren,
-anzulegen, und als Ruhe und Vertrauen wiederkehrten, konnte Frankreich
-seinen Bedarf selbst decken. Die Fabrik in Oberzell, die über hundert
-Arbeiter beschäftigt hatte, behalf sich jetzt mit vierzehn. Die
-Teilhaber verloren jedoch den Mut nicht und machten alle Anstrengungen,
-um die Buchdrucker für die Maschinen zu interessieren. In einem
-diesbezüglichen Zirkular finden sich merkwürdige Äusserungen. Die
-Firma erklärt, vierfache Maschinen bauen zu können, die wenigstens
-4000 Exemplare in der Stunde liefern, glaubt jedoch, »dass es nirgends
-Verhältnisse giebt, in welchen eine so grosse Geschwindigkeit besondere
-Vorteile gewähren würde«, und fährt dann fort: »Wir halten noch andere
-seltsamere Kombinationen -- mit endlosem Papier -- nicht nur für
-möglich, sondern auch für leicht ausführbar. Allein, obgleich man damit
-ein ungeheures Resultat erhalten würde, so treten doch, nach unserer
-Meinung, so viel praktische Hindernisse, die in der Beschränktheit des
-Bedarfs und den bestehenden Formen und Gewohnheiten ihren Grund haben,
-ein, dass wir uns nie zu einem Versuche entschliessen könnten, wiewohl
-wir dazu alle Mittel zur Hand haben. Zum $wohlfeilen$ und $schnellen$
-Druck ist genug geschehen, zum $besseren$ Druck bleibt noch viel zu thun
-übrig«.
-
-[Sidenote: Königs Verheiratung und Tod.]
-
-[Sidenote: Königs Nachfolger.]
-
-Im Jahre 1825 heiratete der 50jährige König eine 18jährige junge
-Dame aus Suhl. Sie schenkte König drei Kinder, zwei Söhne und eine
-Tochter. König fühlte sich sehr glücklich, sollte jedoch leider nicht
-lange sein Glück geniessen. Die Entbehrungen in den jüngeren Jahren,
-die fortwährenden Anstrengungen und aufreibenden Sorgen hatten seine
-Gesundheit untergraben. Er starb nach einem Schlaganfall am 17. Januar
-1833. Seine treue Gefährtin lebte bis zum 1. April 1882. Sein Freund
-Bauer überlebte ihn fast 30 Jahre und ruht seit 1860 an seiner Seite.
-Die Söhne Wilhelm (geb. am 9. Dezember 1826) und Friedrich (geb. am 29.
-Januar 1829) übernahmen das Geschäft. König und Bauer, aus einem ganz
-verschiedenen Stoff gebildet, ergänzten sich vortrefflich. Der erste
-hochstrebend, weitblickend, rasch schaffend; Bauer bedächtig überlegend,
-minutiös im Arbeiten und genau rechnend. Nur einmal in dem schweren
-Jahre 1824 trat eine vorübergehende Missstimmung zwischen Beiden ein,
-die sich jedoch schnell ausglich.
-
-[Sidenote: Wachstum des Etablissements.]
-
-Bei Königs Tod waren im ganzen etwa 60 Schnellpressen ausgeführt. Es
-ging aber nun so rasch vorwärts, dass im Jahre 1865 die tausendste, am
-6. September 1873 die zweitausendste Maschine fertiggestellt wurde, bei
-welcher Gelegenheit die beiden Brüder den Orden des heiligen Michael
-erhielten und damit in den Adelstand erhoben wurden. Für das erste 1000
-waren 50 Jahre nötig gewesen, während das zweite 1000 nur acht Jahre
-brauchte. Von den 2000 Maschinen blieben 1243 in Deutschland. Leipzig
-erhielt davon 265, Stuttgart 117; 392 gingen nach Russland (208 nach
-St. Petersburg). Die stärksten Abnehmer waren Brockhaus und Teubner in
-Leipzig, die Staatsdruckerei in St. Petersburg mit je 33 Stück, Cotta
-mit 32[191]. Das dritte Tausend wurde 1882 voll.
-
- [191] KÖNIG & BAUER, Verzeichnis der ersten 2000 Schnellpressen. 1873.
-
-[Sidenote: Verbreitung der Königschen Schnellpressen.]
-
-Die Schnellpressen König & Bauers zeichneten sich stets durch die grosse
-Akkuratesse der Arbeit und durch Solidität aus. Die mit Kreisbewegung
-und Cylinderfärbung versehenen Maschinen erwarben in Deutschland
-wegen ihres ruhigen Ganges und der Vorzüglichkeit des Farbewerkes
-ihre Beliebtheit, obwohl sie schwerer zu bewegen und teurer sind,
-als die mit Eisenbahnbewegung und Tischfärbung. Welches Ansehen die
-Schnellpressen König & Bauers genossen, beweisen z. B. Bestellungen
-von 24 Stück auf einmal, darunter acht Zweifarbe-Maschinen, zum
-Banknotendruck nach Rom und von 20 Stück für die Bank von Frankreich.
-Die Banknotendruckerei von St. Petersburg beschäftigt vorzugsweise König
-& Bauerschen Tiegeldruckmaschinen, welche für die feinsten Arbeiten
-allen anderen vorgezogen werden, obgleich sie einen sehr grossen Raum
-einnehmen, langsam arbeiten und sehr teuer sind. Eine Eigentümlichkeit
-der Tiegeldruckmaschine sind die zwei Fundamente, von welchen man nach
-Belieben beide oder nur eins von beiden benutzen kann. Die Färbung, eine
-Kombination von Cylinder- und Tischfärbung, ist eine höchst vollkommene.
-
-[Sidenote: Die Zweifarbenmaschine.]
-
-Vorzüglich sind ebenfalls die Zweifarbe-Maschinen König & Bauers. Wenn
-sie auch nicht dieselben in die Praxis zuerst einführten, so gebührt
-ihnen der Ruhm, sie zuerst zur Vollkommenheit gebracht zu haben. Diese
-Maschinen müssen als eine besonders wertvolle Bereicherung des Materials
-der modernen Typographie betrachtet werden und fanden rasch eine grosse
-Verbreitung. Durch sie hat die ebenfalls neue Erfindung der Hochätzung
-erst ihren vollen Wert erhalten, indem es durch sie möglich geworden
-ist, farbige Landkarten zu einem solchen Preis zu liefern, dass sie
-überall Eingang finden können. Auch für die Accidenzarbeiten ist der
-Nutzen ein hervorragender und die harte Not des richtigen Registers beim
-Doppeldruck hat nun in manchen Fällen aufgehört.
-
-In neuester Zeit bauten König & Bauer nach dem ursprünglichen Patent von
-A. H. Payne in Leipzig eine Dreifarben-Maschine, welche jedoch nach der
-Erwerbung seitens der Fabrik in Oberzell umkonstruiert worden ist. Die
-gebogenen Galvanos werden auf einem grossen Cylinder angebracht, der den
-dreimaligen Umfang eines der Druckcylinder hat. Die Maschine liefert in
-der Stunde sieben bis achthundert Drucke in drei Farben, lässt sich
-auch für eine grössere Anzahl von Farben bauen und wurde bereits für
-fünf nach Frankreich angefertigt[192].
-
- [192] Journ. f. B. 1881, Nr. 32.
-
-[Sidenote: Königs Endlose.]
-
-Als die »Endlosen« aufkamen, verhielten König & Bauer sich eine
-ziemlich lange Zeit abwartend und liessen der Fabrik »Augsburg« den
-Vorsprung. Erst als sie, ohne ihre Anstalt wesentlich zu schädigen,
-nicht zurückbleiben konnten, gingen sie ans Werk, dann aber auch mit der
-hergebrachten Energie. Sie hielten sich zunächst an die Konstruktion
-der _Victory-Press_, deren Cylinder alle in der Ebene liegen. Ihre
-derartigen Maschinen für die Kölnische Zeitung wurden nach den Angaben
-des Obermaschinenmeisters E. Bragard hergestellt[193].
-
- [193] Journ. f. B. 1880. Nr. 17.
-
-[Sidenote: Maschinenfabrik Augsburg.]
-
-[Sidenote: Fr. Reichenbach [+] Juni 1883.]
-
-Nach der Anstalt von König & Bauer hat die Maschinenfabrik Augsburg die
-grösste Ausdehnung für den Schnellpressenbau in Deutschland gewonnen.
-Sie wurde von dem erwähnten Neffen Fr. Königs, Fritz Reichenbach,
-gegründet und ging dann später in die Hände einer Aktiengesellschaft
-über. Die Anstalt baute namentlich Maschinen mit Eisenbahnbewegung;
-grosse Verbreitung fanden ihre Zweifarben-Maschinen; sie war auch die
-erste, welche in Deutschland die Rotationsmaschine für endloses Papier
-baute und nahm sich namentlich die Walter-Presse als Vorbild. Das erste
-Exemplar wurde in der Spaarmannschen Offizin in Oberhausen aufgestellt.
-Bis 1880 hatte die Augsburger Fabrik 65 Rotationsmaschinen in 38
-Formaten und nach 21 verschiedenen Konstruktionen gebaut, von denen 46
-im eigentlichen Deutschland, 14 in Österreich-Ungarn blieben, eine nach
-Batavia ging. Ihr gelang es auch (1879) zuerst in zufriedenstellender
-Weise diese Maschinen für den Illustrationsdruck herzustellen. Auf
-dreien derselben, welche je 4000 Exemplare stündlich liefern, werden
-die Hallbergerschen illustrierten Blätter mit bestem technischen Erfolg
-gedruckt. Die Rotationsmaschine hat im allgemeinen in Deutschland
-eine viel schwierigere Aufgabe als in England. Teils ist das deutsche
-Papier für gewöhnlich geringer und schwächer, als das englische, reisst
-daher leichter und legt sich schwerer aus, dann aber vertragen die
-abwechselnden Schriften, namentlich die vielen Auszeichnungsschriften
-untermischt mit Illustrationen, welche die Inseratenseiten deutscher
-Blätter füllen, viel weniger den Mangel an Zurichtung als die
-englischen und amerikanischen Zeitungen mit ihren kompakten, den Kegel
-fast füllenden Antiquaschriften.
-
-[Sidenote: Die Endlose in Wien.]
-
-Bereits im Jahre 1859 war mit »Endlosen« in Wien durch Auer
-experimentiert worden, doch können diese Versuche nicht als gelungen
-bezeichnet werden (vgl. Kap. XV). Nach Wien kamen die ersten zwei
-englischen Walterschen Rotationsmaschinen, durch Ludw. Lott, den
-Direktor der Druckerei der »Presse«, eingeführt, zunächst um den
-Ausstellungskatalog 1873 zu drucken. Ebenfalls zur Ausstellung
-liess die Druckerei der »Neuen Freien Presse« eine ihrer grossen
-Marinoni-Maschinen nach des Direktors Reisser Angaben zu einer Endlosen
-umarbeiten, die in dem Pavillon der »Neuen Freien Presse« in dem
-Prater die Ausstellungszeitung druckte und täglich, wenn das grosse
-Geräusch den Anfang der Arbeit verriet, eine grosse Masse Wissbegieriger
-sammelte, um von ihrem Wirken Zeugen zu sein. Die Presse konnte nicht
-mit den englischen Maschinen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit
-konkurrieren. Überhaupt hat Wien mit dem Bau der »Endlosen« bis jetzt
-kein grosses Glück gehabt.
-
-[Sidenote: Andere Rotationsmaschinen.]
-
-Auch C. HUMMEL in Berlin baute »Endlose« und will das Patent von G.
-A. Horn auf eine Doppelrotationsmaschine mit zwei von einander ganz
-unabhängigen Systemen ausbeuten[194]. Jeder der Schriftcylinder wird von
-seinem Papierzubringer gespeist und ist mit zwei Farbewerken versehen.
-Stellt man eins der Drucksysteme ab und arbeitet nur mit dem andern,
-so wird dies von vier Farbewerken bedient, und eignet sich dann um
-so besser für die Lieferung feinerer Arbeiten. Die Bogen werden nach
-beiden Seiten der Maschine ausgeführt. Es muss sich ergeben, ob die
-Praxis hier mit der Theorie Hand in Hand gehen wird. Die bekanntesten
-Maschinen Hummels waren die nach den Angaben des Obermaschinenmeisters
-Eugen Bragard für den Druck der Kölnischen Zeitung mit Vor- und
-Rückwärtsbewegung gebauten, die stündlich 6000 Exemplare druckten.
-
- [194] Abgebildet und beschrieben im Journ. f. B. 1879, Nr. 36.
-
-[Sidenote: Verschiedene Fabriken.]
-
-[Sidenote: J. Forst [+] 14. Febr. 1879.]
-
-Von anderen Maschinenbauanstalten sind zu nennen: G. SIGL in Berlin, der
-schon 1865 etwa 1000 Schnellpressen geliefert hatte; AICHELE & BACHMANN
-in Berlin. Die Firma KLEIN, FORST & BOHN in Johannisberg a. Rh.,
-begründet 1846 von Johannes Forst und Joh. Klein, hatte am 30. Januar
-1875 die 1000. Maschine vollendet. Sie liefert auch Schnellpressen mit
-dem von E. C. BRUNN in Münster konstruierten Querlinien-Druckapparat.
-ALBERT & HAMM in Frankenthal hatten 1879 300 Maschinen in die Welt
-gesandt. In Würzburg arbeitet die Firma BOHN, FASSBENDER & HERBER,
-in Worms die MASCHINENFABRIK WORMS. In Leipzig sind die bekanntesten
-Firmen PH. SWIDERSKI, dessen kleine Maschine »Lipsia« vielen Beifall
-findet; SCHMIERS, WERNER & STEIN, die viele grosse Maschinen bauen.
-Tretmaschinen fabrizieren A. HOGENFORST und SCHELTER & GIESECKE. Eine
-Fünffarben-Rotationsmaschine konstruierte A. H. SCHUMANN in Leipzig,
-welche in zehn Stunden 8000 fertige Bogen, also 40000 Druck, liefern
-soll. Zurichtung ist nur unter den Platten möglich[195].
-
- [195] Journ. f. B. 1879, Nr. 8.
-
-[Sidenote: Fr. Helbig * 1800, [+] 1842.]
-
-[Sidenote: Leo Müller * 1800, [+] 1843.]
-
-In Österreich waren HELBIG & MÜLLER die ersten
-Schnellpressenfabrikanten. FR. HELBIG, ein Sohn aus erster Ehe der
-Schwester Fr. Königs, Marie Rosine, mit einem Bergmann Helbig in
-Eisleben, hatte bei König gelernt. LEO MÜLLER war in Rieglern in dem
-Vorarlbergschen Walserthale geboren. Sein Vater war dort Bauer und der
-Sohn genoss nur den dürftigen Unterricht der Dorfschule. Seine Lust
-an Mechanik trieb ihn, 18 Jahre alt, das Handwerk eines Schreiners
-zu ergreifen und als solcher kam er nach Oberzell zu König & Bauer
-und wurde bald Leiter der Modellabteilung. Sein Wunsch, Teilhaber der
-Anstalt zu werden, konnte nicht erfüllt werden, weshalb er nun nach
-Österreich zurückging und seinen ersten Versuch im Schnellpressenbau
-in Imbach im Innthale für Rechnung von Rauch & Wagner in Innsbruck
-machte. Er führte viele Verbesserungen bei der Schnellpresse ein, zu
-denen namentlich der Doppel-Excenter behufs Erzielung des Stillstandes
-des Druckcylinders beim Rückgange der Form gehört, der Cylinder wurde
-freier gelegt, die Bänder beseitigt und durch Greifer ersetzt, auch
-verwendete er zuerst die Eisenbahnbewegung. Gerade eine Differenz mit
-Helbig in Patentangelegenheiten gab Veranlassung zu einer Verbindung
-beider (um 1836). Sie bauten nun sowohl einfache wie doppelte Maschinen
-und auch solche für zwei Farben; die Idee der letzteren war jedoch
-keine neue und König & Bauer hatten sich schon 1826 Erhard in Stuttgart
-gegenüber erboten, solche anzufertigen, was wegen der Kosten jedoch
-unterblieb[196].
-
- [196] Österr. Buchdr.-Ztg. 1880.
-
-[Sidenote: Andere Fabrikanten in Österreich.]
-
-Als tüchtige Maschinenbauer sind SIGL, LUDW. KAISER und J. ANGER
-bekannt. Als Fabrikant von kleinen typographischen Maschinen hat G.
-BERNHARDT Ruf und er baute bereits mehrere hundert solcher, deren System
-sehr gelobt wird. Auch die Tretmaschinen von O. O. FUCHS und JEANRENAUD
-& CO. finden Beifall.
-
-[Sidenote: Lithographische Schnellpressen.]
-
-Die Lithographie hat durch die Erfindung der lithographischen
-Schnellpresse eine enorme Ausdehnung erreicht und der Buchdruckerei
-ein bedeutendes Feld abgewonnen. Es gab dabei manche Schwierigkeit
-mehr als bei der typographischen Schnellpresse zu überwinden. Die
-lithographischen Steine haben nicht, wie die Schrift, eine gleiche Höhe,
-die Maschinen mussten deshalb jedesmal nach der Stärke des Steines
-eingerichtet werden. Der Druck musste ein sehr kräftiger, zugleich
-ein sehr elastischer sein, wenn der Stein nicht springen sollte. Neu
-hinzuzufügen war der Anfeuchteapparat, durch welchen der Stein bei dem
-jedesmaligen Druck abgewischt und angefeuchtet wurde. Massenwalzen
-konnten nicht verwendet werden, man musste deshalb Walzen von feinem
-Leder benutzen, bis es in England gelang brauchbare Kompositionswalzen
-herzustellen. Die erste lithographische Schnellpresse wurde im Jahre
-1850 in der Maschinenfabrik von G. Sigl in Wien durch Hoppes für
-H. Engels Institut gebaut[197]. 1855 erschien die lithographische
-Schnellpresse auf der Pariser Weltausstellung. In Frankreich begann
-Marinoni 1864 den Bau und führte wesentliche Verbesserungen ein. Die
-Pariser Ausstellung von 1867 brachte eine Menge von Varianten durch
-Marinoni, Dupuy, Moulde & Vibart, Voirin, Alauzet u. a. In Deutschland
-bauen sie namentlich G. Sigl in Wien und Berlin; König & Bauer;
-Swiderski; Schmiers, Werner & Stein; Klein, Forst & Bohn.
-
- [197] Österr. Buchdr.-Ztg. 1880, Nr. 2.
-
-[Sidenote: Ferd. Schlotke. Zinkdruckpresse.]
-
-Für den zinkographischen Druck hat FERDINAND SCHLOTKE in Hamburg eine
-Maschine erfunden, durch welche mittels zweier je um eine Stahlwalze
-gelegter Platten der Bogen auf zwei Seiten gleichzeitig bedruckt wird,
-und zwar mit der Schnelligkeit von 1000 Exemplaren in der Stunde[198].
-
- [198] Journ. f. B. 1882. Nr. 32.
-
-[Sidenote: Verbesserungen der Handpresse.]
-
-Die eiserne Handpresse wurde in Deutschland vielfach nachgebaut und
-auch verbessert. Die Stanhopepresse lieferte namentlich CHR. DINGLER in
-Zweibrücken. Die Columbiapresse wurde von FR. VIEWEG eingeführt und im
-Jahre 1825 in dem Hüttenwerk Zorge am Harz gebaut. Ein Nachteil bei
-diesen Pressen war das öftere Springen der Seitenwände. C. HOFFMANN
-in Leipzig baute die Coggersche Presse nach, und seine Konstruktion
-wurde von Vielen der der Originalpressen vorgezogen, weil das Heben des
-Tiegels durch Kugelgewichte auf langen Hebeln und nicht durch Federn
-geschah. Die Presse von Koch in Magdeburg fand, weil sehr billig und
-leicht, vielen Beifall; auch war sie insofern sehr zweckmässig, als
-sie über den Tiegel hinaus keinen Oberbau hatte, so dass die Form
-voll belichtet war. Sehr verbreitet waren die Hagar-Pressen, die in
-vorzüglicher Qualität von Chr. Dingler in Zweibrücken fabriziert
-wurden. Dingler verstärkte noch die Kraft und die Sicherheit der
-Original-Konstruktion, indem er statt Hagars einfachen Kniehebels vier
-schrägstehende Knieteile verwendete, die, wenn der Tiegel sich in der
-Höhe befindet, die Form eines Andreaskreuzes bilden, während sie, wenn
-er angezogen ist, zu zwei und zwei senkrecht aufeinander, wie Säulen,
-stehen[199]. Die Pressen sind jetzt fast die einzigen im Gebrauch
-befindlichen, wenn man eine Anzahl unverwüstlicher Stanhopepressen nicht
-rechnet, die noch das Gnadenbrot als Korrekturpressen geniessen[200].
-
- [199] Journ. f. B. 1866, Nr. 21 u. 22.
-
- [200] Fast alle hier erwähnten Handpressen sind in dem Journ. f. B.
- 1834-36 abgebildet und beschrieben. Näheres vergl. S. 51-53.
-
-[Sidenote: Farbeauftrag-Maschinen.]
-
-Mit einer Farbeauftrag-Maschine hatten schon B. STRAUSS in Wien,
-HERMSDORF in Mannheim und SCHUHMACHER in Hamburg experimentiert. GEORGI
-in Bonn, im Verein mit dem Faktor der Brönnerschen Offizin in Frankfurt
-a. M., R. GERHARD, führte eine solche in brauchbarer Weise aus. Eine
-kombinierte Buch-, Stein- und Kupferdruckpresse baute GEORG JONTZEN in
-Bremen. Ein Mittelding zwischen Schnell- und Handpresse war die von
-SELLIGUÉ. Tiegel und Fundament stehen fest, nur das Rähmchen mit dem
-Papierbogen ist beweglich. Während ein Drucker von der einen Seite
-den Bogen einlegt, hebt ihn ein zweiter von der andern Seite ab. Für
-Brockhaus in Leipzig baute der Schlosser KALLMEYER in Osterode einen
-ähnlichen Apparat.
-
-[Sidenote: Diverse Maschinen.]
-
-Von kleineren Maschinen sind zu erwähnen die Falzmaschinen von
-SULZBERGER & GRAF in Frauenfeld in der Schweiz, später von König &
-Bauer, ISERMANNS Hobelmaschine, BROCKHAUS' Zifferndruckmaschine und
-Farbereibmaschine, H. ZIMMERMANNS und F. G. WAGNERS und B. AUERBACHS
-Numeriermaschine, A. FOMMS und KARL KRAUSES Schneidemaschinen, BRENDLER
-& HARLERS Perforiermaschine, HANSENS mechanischer Ausleger u. v. a.
-J. F. KLEIN in München liefert eine Kontrolle-Billetmaschine, die
-von endlosen Streifen 150 Stück in der Minute druckt und numeriert.
-Eisenbahnbilletmaschinen lieferten ferner KARIG in Wien und G. GÖBEL
-in Darmstadt. Solche Maschinen schneiden das Papier, drucken den Text,
-die laufende Nummer, zählen die Exemplare und drucken schliesslich das
-Datum darauf. ALBERT & CO. in Frankenthal bauten Signiermaschinen,
-A. FICHTNER in Wien Bronciermaschinen, A. MEYER & SCHLEICHER
-Graphiteinreibungsmaschinen, B. DONDORF in Frankfurt a. M., FR. HEIM &
-CO. in Offenbach und noch viele andere stellten Liniiermaschinen etc.
-her.
-
-[Sidenote: Die Satiniermaschine.]
-
-Die SATINIERMASCHINE mit zwei Stahlwalzen, zwischen welche Zinkplatten
-mit je einem zwischen zwei Platten gelegten Bogen unter starkem Druck
-gezogen wurden, hielt sich trotz aller Inkonvenienzen lange. Erst in
-letzterer Zeit wurde sie durch Satinierwerke mit zwei Hartgusswalzen
-und zwei äusserst harten und sehr glatt gedrehten Papiermassewalzen,
-welche durch den stärksten hydraulischen Druck eine völlig harte Masse
-geworden, abgelöst. Das Papier geht einen S-förmigen Weg und kommt somit
-von beiden Seiten mit den Stahlwalzen in Berührung. Schaber und Wischer
-halten die Walzen rein und stählerne Abstreifer verhindern das Ankleben
-des Bogens an die Walzen. Zuerst wurden sie nur mit einer Stahl- und
-einer Papierwalze gebaut, da jedoch die Seite des Papiers, welche mit
-der Papierwalze in Berührung kam, weniger glatt wurde, so musste das
-Papier zweimal umschlagen und nochmals eingelegt werden; was nun durch
-das doppelte Walzenpaar unnötig geworden ist.
-
-Obwohl die Papierwalzen ausserordentlich hart sind, so hinterlassen
-doch die kleinen Knoten und Unreinheiten des Papiers nach und nach
-Eindrücke, die von Zeit zu Zeit durch Leerlaufenlassen der Massenwalze
-an die Stahlwalze oder durch Abdrehen beseitigt werden müssen. Diese
-Satinierwerke werden namentlich von W. F. HEIM & CO. in Offenbach[201]
-und C. G. HAUBOLD in Chemnitz gebaut; KARL KRAUSE in Leipzig liefert
-sie auch mit sechs Cylindern, zwei von Stahl und vier von Papier.
-Auch F. SCHLOTKE machte sich durch Anfertigung von Satiniermaschinen
-bekannt. W. SCHROEDER & CO. in Leipzig fertigen Satinierwerke, bei
-welchen die Massenwalzen mit einem Stahlblech umzogen werden, wodurch
-die vollkommene Glattheit der Stahlwalze sich mit der Elastizität der
-Massenwalze verbindet[202]. Die Werke von W. R. SCHÜRMANN in Düsseldorf
-haben zwei Hartgusswalzen, die nicht ganz cylindrisch geschliffen sind,
-damit der ausgeübte Druck sich ganz gleichmässig verteilt[203].
-
- [201] Journ. f. B. 1877, Nr. 13.
-
- [202] Journ. f. B. 1881, Nr. 3.
-
- [203] Journ. f. B. 1881, Nr. 45.
-
-Für das heisse Satinieren nach dem Drucke lieferten C. G. HAUBOLD JUN.
-in Chemnitz und W. F. HEIM in Offenbach Werke, die mit günstigem Erfolg
-1000-1600 Exemplare in der Stunde satinieren und nur zwei Personen zur
-Bedienung gebrauchen[204].
-
- [204] Journ. f. B. 1879, Nr. 19.
-
-Unter den Utensilienfabrikanten nehmen SCHELTER & GIESECKE, A.
-HOGENFORST und ALEX. WALDOW in Leipzig einen bedeutenden Platz ein.
-KLIMSCH & CO. in Frankfurt a. M. haben durch ihr »Adressbuch für
-Buch- und Steindruckereien« und durch ihren »Allgemeinen Anzeiger
-für Druckereien« Verdienste um die Erleichterung des Verkehrs
-und berücksichtigen mit ihrem Utensilien-Geschäft namentlich
-Steindruckereien, ebenso G. E. BAUMANN in Berlin; GURSCH & KLEMM in
-Berlin liefern Giesserei-Werkzeuge. In Stuttgart wirken STOFFLER & BACKÉ.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Die Farbefabrikation.]
-
-Nachdem die Buchdruckereien aufgehört hatten, selbst ihre Farbe zu
-bereiten, und grössere Anforderungen an den Druck gestellt wurden,
-war Deutschland, was die feinere, namentlich die Illustrationsfarbe
-betraf, dem Ausland, vorzüglich England, tributpflichtig geworden, und
-noch bis in die vierziger Jahre hinein waren Parson, Lawson u. a. die
-Hauptlieferanten für den deutschen Markt. Um diese Zeit fingen jedoch
-namentlich JUL. HOSTMANN in Celle und GEBR. JÄNECKE & FRIEDR. SCHNEEMANN
-in Hannover an, ihre Fabrikation durch rationellen Betrieb in die Höhe
-zu bringen. Kostete es anfänglich auch grosse Mühe, durchzudringen, so
-kam es doch so weit, dass der deutsche Fabrikant nicht allein auf dem
-deutschen Markte siegreich blieb, sondern auch im Auslande sich geltend
-machte. Nicht ohne grosse Bedeutung ist es, dass auf der Weltausstellung
-in Melbourne die letztgenannte deutsche Fabrik die goldene Medaille
-erhielt, während der berühmten Firma A. B. Fleming & Co. in Leith (S.
-72) nur der dritte Preis zufiel.
-
-[Sidenote: Teigfarben.]
-
-Von älteren und jüngeren Fabriken sind zu nennen: FISCHER, NAUMANN & CO.
-in Ilmenau, J. BRÖNNER in Frankfurt a. M., KAST & EHINGER in Feuerbach
-bei Stuttgart, ROBERT GYSAE in Oberlössnitz bei Dresden, J. E. BREIDT in
-Hammerling in Nieder-Österreich, FRIEDR. WÜSTE in Pfaffenstetten, FREY &
-SENING in Leipzig. Letztere brachten auch die sogenannten Teigfarben in
-Aufnahme, die sich jahrelang geschmeidig erhalten und vor der Verwendung
-nur eines leichten Anreibens unter Zusatz der nötigen Quantität von
-Firnis bedürfen; es ist dies eine sehr beachtenswerte Neuerung für
-Buchdruckereien, die nicht regelmässig mit bunten Farben arbeiten.
-
-[Sidenote: Die Kopierfarbe.]
-
-Nicht unwichtig war die Einführung der Kopierfarbe, denn diese macht
-es möglich, die mit solcher Farbe vorgedruckten Blanketts zusammen mit
-dem mittels Kopiertinte Hineingeschriebenen später zu kopieren, was
-besonders in dem ganzen Frachtverkehr von grossem Werte ist.
-
-[Sidenote: Surrogate.]
-
-Versuche, Farbe aus billigeren Stoffen, z. B. aus dem Saturationsschlamm
-der Zuckerfabriken, aus den tanninschwarzhaltigen Lederabfällen zu
-bereiten, sowie, eine abwischbare Farbe herzustellen, so dass Makulatur
-wieder in weisses Papier umzuändern wäre, haben alle für die Praxis
-keinen Wert gehabt. Mit der Farbefabrikation ist öfters die der
-sogenannten englischen Walzenmasse (S. 71) verbunden.
-
-[Illustration]
-
-
-[Illustration]
-
- XII. KAPITEL.
-
- DAS ZENTRUM DER GERMANISCHEN GRUPPE.
-
- J. G. I. Breitkopf, seine Reformen, der Musiknotendruck vor Breitkopf
- und dessen Verbesserungen, Breitkopf & Härtel. G. J. Göschen. Friedr.
- Arnold Brockhaus und seine Nachfolger. B. G. Teubner. Karl Tauchnitz.
- Fr. Nies und seine Nachfolger. B. Tauchnitz. Das Jubelfest 1840.
- Giesecke & Devrient. Das Bibliographische Institut. Verschiedene
- Offizinen Leipzigs. -- Dresden: Meinhold & Söhne u. a. -- Halle:
- Waisenhausdruckerei, Schwetschke & Sohn. -- Weimar: Hofbuchdruckerei.
- -- Gotha: Just. Perthes. -- Braunschweig: Vieweg & Sohn, G.
- Westermann, Dr. Heinrich Meyer und das Journal für Buchdruckerkunst.
-
-[Sidenote: J. G. I. Breitkopf.]
-
-Ziemlich gleichzeitig mit dem Begründer der nationalen Grösse
-Deutschlands, Friedrich II., und mit den Bahnbrechern des nationalen
-Kultur- und Kunstlebens: Lessing, Klopstock, Gellert, Kant, Just. Möser
-und Winckelmann wurde der Reformator der deutschen Typographie JOHANN
-GOTTLOB IMMANUEL BREITKOPF am 23. November 1719 in Leipzig geboren,
-welches nunmehr unter der Führung Breitkopfs und anderer tüchtiger
-Gesinnungsgenossen die Stellung als Vorort der deutschen Typographie
-behaupten sollte[205].
-
- [205] K. G. HAUSIUS, Biographie J. G. I. Breitkopfs. Leipzig 1794. --
- Dr. O. HASE, Breitkopf & Härtel, 1883.
-
-Breitkopf war ein Sohn des rühmlichst bekannten Bernh. Christoph
-Breitkopf (I, S. 149). Von Natur sehr aufgeweckt und geistig begabt,
-hatte er keine Neigung, dem Wunsche des Vaters gemäss, sich der
-Buchdruckerei zu widmen, dagegen zog es ihn unwiderstehlich zu den
-Studien hin. Der Kampf zwischen dem Vater und dem Sohne schloss mit
-einem Kompromiss, wozu beide, und Gutenbergs Kunst dazu, sich nur Glück
-wünschen konnten: Johann Immanuel sollte sich sowohl den Studien, als
-dem Geschäft widmen.
-
-[Sidenote: Seine Ausbildung.]
-
-[Sidenote: Breitkopf und die Fraktur.]
-
-Er legte sich nun mit grossem Eifer auf die Wissenschaften und versuchte
-sich auch schriftstellerisch. Grossen Einfluss auf seine Ausbildung
-übte Gottsched. Erst in späterer Jugend machte sich die Lust an der
-Mathematik, der er später einen grossen Teil seines Ruhmes verdanken
-sollte, bei ihm geltend. Das Werk Albrecht Dürers »Unterweysung
-der Messung mit dem Zirkel u. s. w.« fiel ihm in die Hände. Die
-mathematische Berechnung der Schriftverhältnisse interessierte ihn, und
-nun war er für die Typographie gewonnen. Er ging an das Vergleichen mit
-den alten Drucken und fand, wie die sich immer mehr verschlechternde
-Form mit dem Verfall der Schönschreiberei in Verbindung stand. Mit
-grossem Eifer fing er an die Buchstaben mathematisch zu berechnen. Er
-sammelte emsig alle Musterschriften und Werke über Schriftenkunde und
-begann nun seine Reformen, namentlich arbeitete er unablässig für die
-Verbesserung und Verschönerung der Frakturschrift. Die Gründe, die ihn
-bewogen an dieser festzuhalten und seine Anstrengungen der Regeneration
-derselben zu widmen, hat er später in einer Schrift: »Über Bibliographie
-und Bibliophilie« (1793) entwickelt. Seiner Ansicht nach wäre die
-deutsche Schrift der lateinischen unbedingt vorzuziehen; sie eigne
-sich selbst für Transkription fremdländischer Werke, als hebräischer
-und arabischer, besser als die Antiqua. Nur die Verachtung, welche
-die Gelehrten der deutschen Schrift bewiesen, trage die Schuld, dass
-dieselbe nicht eben so verbessert und verschönert worden sei, wie die
-allgemein beliebte lateinische. Es bedürfe aber nur der Aufmunterung,
-um die Künstler zu veranlassen, unter Zugrundelegung der Schöfferschen
-Muster, oder der Theuerdank-Type eine Frakturschrift zu schaffen, welche
-der schönsten Antiquaschrift die Wage halte.
-
-So lautete der Ausspruch Breitkopfs und er ging nun auch daran, seiner
-Ansicht praktische Geltung durch eine verbesserte Frakturschrift zu
-verschaffen, welche zuerst in: »Einige Lieder für Lebensfreuden«
-angewendet wurde, während die neue Antiqua zuerst in Forbigers Ausgabe
-des »Catull« zum Abdruck gelangte.
-
-Wäre Breitkopf der Fraktur abhold und ein eifriger Freund der
-Antiqua gewesen und hätte er letztere zu einer Zeit, wo man anfing
-sich nach schön gedruckten Büchern zu sehnen, zum Gegenstand seiner
-reformatorischen Pläne gemacht, so hätte möglicherweise die Frage:
-»Antiqua oder Fraktur« unter seiner Autorität längst eine Entscheidung
-im Sinne der Vertreter der Antiqua gefunden. Denn damals lag die
-Angelegenheit weit einfacher als heute, wo sie bei der Mehrzahl der
-Gegner der Antiqua weit eher eine nationale Gefühlssache als eine Frage
-der Zweckmässigkeit und der Schönheit geworden ist.
-
-[Sidenote: Der Musiknotendruck.]
-
-Einen ganz wesentlichen Anteil an dem Weltruhm Breitkopfs haben seine
-Verbesserungen des typographischen Musiknotendrucks. Der Umstand,
-dass die Buchdruckerkunst gleich bei ihren ersten Erzeugnissen auf
-die Bedürfnisse der Kirche geführt wurde, musste die Gedanken auf
-den Notendruck richten; doch war die Technik damals nicht so weit
-vorgeschritten, dass man an die Überwindung der durch die Verbindung
-des Druckes der horizontalen Linien und der vertikalen Notenzeichen
-entstehenden Schwierigkeiten denken konnte. Man musste deshalb beim
-Drucken des Textes Raum lassen, für die nachträglich einzuschreibenden
-Noten. Später wurden Linien und Text rot gedruckt, die Choralnotenköpfe
-eingezeichnet, teilweise auch mit der Hand durch Stempel einzeln
-aufgedruckt oder das Ganze in Holz geschnitten. Das erste mit
-Holzschnitt-Choralnoten gedruckte Buch ist das bei Hans Froschauer in
-Augsburg erschienene _Lilium Musicae planae_ des Michael Kiensbeck aus
-dem Jahre 1473. Die ersten Proben von Figuralmusik in Holzschnitt kommen
-in einem Werke des Nic. Burtius vor, gedruckt von Hugo de Rugeriis in
-Bologna 1487.
-
-[Sidenote: Noten in Holzschnitt.]
-
-Solche in Holz geschnittene Noten wurden noch benutzt, nachdem das
-Verfahren mittels beweglicher Choralnotentypen zu drucken erfunden
-war, z. B. in den Liederbüchern Luthers. Wann und wo der Versuch mit
-letzteren zuerst geschah ist nicht zu ermitteln, denn das Verfahren
-wurde ziemlich gleichzeitig an vielen voneinander sehr entfernten Orten,
-z. B. um das Jahr 1488 in Basel, geübt.
-
-[Sidenote: Oct. dei Petrucci.]
-
-Hat es nun auch Choralnotentypen vor der Erfindung des typographischen
-Druckes der Figuralmusik gegeben, so ist es doch unzweifelhaft, dass
-letzterer eine Erfindung des OCTAVIANO DEI PETRUCCI aus Fossombrone
-war[206]. Dieser, von edlen jedoch armen Eltern geboren, kam als
-Buchdrucker nach Venedig. Im Jahre 1498 erhielt er seitens des Senates
-ein Patent auf Druck von mehrstimmiger Musik für »Gesang und Laute«,
-dem später ein ähnliches des Papstes Leo X., datiert 1513, folgte. Sein
-erster Notendruck war _harmonice musices Odhecaton_ 1501. Er entwickelte
-eine so grosse Thätigkeit, dass er bereits in den Jahren 1501-1507
-zwanzig verschiedene Werke gedruckt hatte. Unvermögenheit veranlasste
-ihn den Betrieb seiner Druckerei den thätigen Buchhändlern Amad. Scotti
-und Nic. da Raphael zu überlassen.
-
- [206] FR. CHRYSANDER, Abriss einer Geschichte des Musikdruckes von XV.
- bis zum XIX. Jahrhundert. In der Allg. Musik. Ztg., 1879, No. 11
- u. ff. -- ANT. SCHMID, Ottaviano dei Petrucci da Fossombrone.
- Wien, 1845.
-
-[Sidenote: Petruccis System.]
-
-Petruccis System war auf Doppeldruck gegründet. Die Linien bestanden
-aus Stücken in der Grösse der Formatbreite. Die Noten wurden für sich
-gesetzt und auf die Linien gedruckt. Die Genauigkeit der Typen ist eine
-grosse und der Druck, besonders der Linien, ein vorzüglicher. In allen
-Ausgaben Petruccis sowie seiner Nachfolger für lange Zeit wurden die
-einzelnen Stimmen für sich meist nebeneinander gedruckt, für den Druck
-von Partitur-Ausgaben war man damals technisch noch nicht weit genug
-fortgeschritten.
-
-[Sidenote: Andere Notendrucker.]
-
-Den Druck mit Typen, in welchen jedes der Notenzeichen zugleich mit
-einem Stück des Liniensystems verbunden war, so dass nur ein Druck
-notwendig und die Schwierigkeit des Passens der Formen umgangen ward,
-führte ERHARD OEGLIN in Augsburg zum erstenmale vor in: _Melopoiae
-sive Harmoniae tetracenticae_ 1507. Peter Schöffer in Mainz übte das
-Verfahren 1511.
-
-[Sidenote: Pierre Hutin.]
-
-In Frankreich schnitt der Graveur und Drucker PIERRE HUTIN 1527 die
-ersten derartigen Noten, mit welchen PIERRE ATTAIGNANT in Paris und
-TYLMAN SUSATO in Antwerpen druckten. Bei allen diesen Versuchen waren
-die Notenköpfe noch eckig. Von diesen wurde zum erstenmale in den
-Werken des päpstlichen Kapellmeisters ELEAZAR GENET genannt CARPENTRAS
-abgewichen. Als der genannte in seinen alten Tagen in Avignon seine
-Kompositionen drucken lassen wollte, veranlasste er STEPHAN BRIARD aus
-Bar-le-duc, Typen, welche die Handschrift nachahmte, zu schneiden.
-JEAN DE CHANNAY in Avignon druckte damit 1532 das erste _Liber primus
-Missarum Carpentras_. Die Neuerung fand jedoch keine Folge.
-
-Venedig blieb lange Zeit das Zentrum für den Musiknotendruck und den
-Musikalienverlag. Die bedeutendste Firma war die der Familie GARDANO,
-die von 1536 ab bis tief in das XVIII. Jahrhundert blühte und die Werke
-Palästrinas verlegte.
-
-[Sidenote: Notendruck in Deutschland.]
-
-In Deutschland wurden nicht nur Originale gedruckt, sondern auch alles
-»Gangbare« des Auslandes nachgedruckt. HIERONYMUS FORMSCHNEIDER schnitt
-gute Notentypen. Der bedeutendste Notendrucker des XVI. Jahrh. war ADAM
-BERG in München, Verleger der Werke Orlando Lassos. Fast alle seine
-Drucke, bei denen er die Unterstützung des musikliebenden Herzogs von
-Bayern genoss, sind Prachtausgaben in Folio. Sein Hauptwerk ist das:
-_Patrocinium musices_ aus 1573. Als das bedeutendste Werk aus dem XVI.
-Jahrhundert muss das von NIC. HEINRICH in München gedruckte _Magnum opus
-musicum_ genannt werden. In dem XVII. Jahrhundert war namentlich GIMEL
-BERGEN in Dresden thätig.
-
-[Sidenote: Frankreich.]
-
-In Frankreich lieferte GUILLAUME LE BÉE um 1550 vollkommenere Noten als
-die Hutins, deren sich ROB. BALLARD und dessen Schwager ADRIAN LE ROY
-bedienten. Die Familie Ballard, welche die Noten le Bées für die hohe
-Summe von 50000 Livres erwarb, war die bedeutendste Musikfirma nicht nur
-in Frankreich und erwarb sich namentlich durch die Herausgabe der Werke
-Lullys Weltruf. Sie druckte die Partituren fast aller französischen
-Opern und hielt sich beinahe 200 Jahre in Ansehen.
-
-Englands Anteil an dem Musiktypendruck war kein bedeutender. JOHN DAY
-wandte um 1560 die verbesserte Methode an. THOMAS ESTE (um 1600) brachte
-sehr elegante Drucke.
-
-[Sidenote: Verfall des Notendruckes.]
-
-Um 1725 war der musikalische Typendruck, dessen Wesen überhaupt seit
-Petrucci wenig fortgeschritten war, ganz in Verfall geraten und der
-Kupferdruck hatte dessen Platz eingenommen. Als letzte bedeutende
-Erscheinung können die in Venedig bei DOMENICO LOVISA in acht, mit
-allem, damals zugebote stehenden Luxus ausgeführten Foliobänden
-gedruckten Fünfzig Psalmen von Benedetto Marcello bezeichnet werden. --
-
-Aus dem Gesagten geht hervor, dass es unrichtig ist, wenn Breitkopf,
-wie es gewöhnlich geschieht, als Erfinder des typographischen
-Notendruckes genannt wird, dagegen bleibt ihm, was ihm wieder von
-verschiedenen Seiten streitig gemacht worden ist, die Ehre, dem
-typographischen Notendruck eine solche Gestaltung gegeben zu haben,
-wie er sie noch heute hat. Die Bedeutung dieser That würde eine noch
-grössere Tragweite haben, wenn nicht die Erfindung der Lithographie
-und der lithographischen Schnellpresse in dem Notendruck und dem
-Musikalienverlag eine gewaltige Umwälzung zur Folge gehabt hätte.
-
-Am allertiefsten fast stand vor Breitkopf der Notendruck in Leipzig;
-selbst die Arbeiten sonst verdienter Männer als WOLFG. STÖCKEL und ABR.
-LAMBERG sind äusserst mangelhaft. Die Kolumnen sahen mit ihren unendlich
-vielen, jämmerlich zusammengesetzten Linienstücken vollständig gequirlt
-aus.
-
-[Sidenote: Breitkopfs Noten.]
-
-Da erschien im Jahre 1755 bei Breitkopf »Sonnet auf das Pastorell _Il
-trionfo della fedelta_«, ein Versuch, der bereits wenig zu wünschen
-übrig liess, doch ist die umfangreiche (283 S. in qu. fol. umfassende)
-Tondichtung der Kurfürstin Marie Antonie von Sachsen _Il trionfo della
-fedelta_ selbst noch geeigneter, die Vorzüge von Breitkopfs Leistungen
-ins helle Licht zu setzen. In der Schlussschrift heisst es: »_Stampato
-in Lipsia; nella stamperia di Giov. Gottlob Immanuel Breitkopf,
-Inventore di questa nuova maniera di stampar la Musica con Carratteri
-separabili e mutabili. E questo Dramma Pastorale la prima opera stampata
-di questa nuova guisa; comminciata nel Mese di Luglio 1755, e terminata
-nel mese d'Aprile 1756_[207]«.
-
- [207] Über diesen sowie über die sonstigen Musikdrucke Breitkopfs
- vergl. LORCK, »Der Buchhandel und die graphischen Künste auf der
- Kunstgewerbe-Ausstellung zu Leipzig 1879«. Sep. Abdr. aus dem
- Börsenbl. f. d. d. B.
-
-Der bewegliche Geist Breitkopfs liess ihn jedoch nicht bei solchem Siege
-Beruhigung fassen, sondern trieb ihn ein Feld zu bebauen, wobei man zwar
-volle Gelegenheit hat, seine Fähigkeiten zu bewundern, jedoch nicht ohne
-eine Beimischung des Bedauerns, dass dieselbe so unfruchtbaren Arbeiten
-zugewendet wurden.
-
-[Sidenote: Landkartensatz.]
-
-Zuerst wollte er die Herstellung der Landkarten der Buchdruckerei
-zuweisen. Die Berechnung aller der wellenförmigen Linien der
-verschiedensten Art für Terrainzeichnung; die Notwendigkeit, die
-Schrift kreuz und quer nach allen Richtungen hin zu setzen; kurz,
-alle die Schwierigkeiten, die eine Kartenzeichnung darbietet, machen
-die typographische Ausführung, wennauch nicht geradezu unmöglich,
-doch so schwer, dass die Kosten sich nicht in der Praxis erschwingen
-lassen. Dies fühlte wohl Breitkopf bald selbst, wie aus seiner 1777
-herausgegebenen Broschüre: »Über den Druck der geographischen Karten«
-hervorgeht, und die darin enthaltenen Proben würden überhaupt kaum an
-das Tageslicht getreten sein, wenn er sich nicht von dem sein Ehrgefühl
-verletzenden Verdacht hätte reinigen wollen, dass er mit seiner
-Erfindung später als Haas in Basel mit der seinigen gekommen sei.
-
-[Sidenote: Satz figürlicher Gegenstände.]
-
-Diesem Verdacht tritt er mit Entrüstung entgegen und kritisiert
-streng den Haasschen Versuch, den er »mehr ein _opus musivum_ als
-_typographicum_« nennt, »mit Thon und gekautem Papier nachgeholfen, wie
-man dergleichen schon längst in der Druckerei kennt« (vgl. Kap. XIV). In
-demselben Jahre folgte noch »Die Beschreibung des Reichs der Liebe« mit
-einer Karte; 1799 »Der Quell der Wünsche« ebenfalls mit einer Karte, die
-beide als eine glückliche Lösung seiner Aufgabe nicht betrachtet werden
-können. Immerhin ist Breitkopfs typographischer Scharfsinn doch sehr zu
-bewundern, und seine kartographischen Versuche bleiben typographische
-Reliquien von hohem Wert. Der Satz, der noch heute erhalten ist,
-beseitigt jeden Verdacht, als sei durch Feile, Messer, unregelmässigen
-Ausschluss oder in anderer Weise nachgeholfen; alle Stücke sind streng
-systematisch und einfach, wie in jedem anderen Satz, an einander gereiht.
-
-[Sidenote: Chinesische Schrift.]
-
-Obgleich Breitkopfs klarer Verstand ihm sagte, dass er auf diesem Wege
-keine grossen praktischen Erfolge erzielen würde, so veranlasste ihn
-doch sein etwas hartnäckiger Charakter, sogar noch weiter zu gehen: er
-wollte es noch möglich machen, Porträts mit Typen herzustellen. Die
-Strichlagen des Kupferstechers liessen ihn glauben, durch parallel
-laufende Linienstücke das Ziel erreichen zu können. Seine Proben hat
-er nicht veröffentlicht, wer aber die neuesten Arbeiten Moulinets und
-anderer Meister in diesem Genre kennt, kann sich leicht von dem, was
-erreicht werden konnte, ein ungefähres Bild machen. Zwar gehören alle
-solche Versuche den Gebieten des an und für sich Unpraktischen an, wir
-können sie dennoch so wenig wie die späteren Stigmatypien Fasols als
-wertlos für die Fortbildung der Typographie bezeichnen.
-
-Die Beschaffung des chinesischen Satzes mit beweglichen Lettern war
-eine der Aufgaben, die sich die Typographie gestellt hatte. Sowohl die
-französische als die päpstliche Regierung hatten darauf viel Geld unnütz
-verwendet. Die grosse Anzahl der Schriftzeichen machte die Anfertigung
-der Typen kostspielig und die Ähnlichkeit der Charaktere unter einander
-den Satz zu einem äusserst schwierigen. Indes, Breitkopf löste seine
-Aufgabe und sandte sofort eine allerdings nicht sehr ansprechende, im
-J. 1789 der Öffentlichkeit übergebene Probe an den Papst, der ihm durch
-den Kardinal Borgia in sehr schmeichelhaften Ausdrücken danken liess.
-Aber auch bei dieser Erfindung unterblieb die praktische Ausbeutung. Ein
-holländischer Verleger unterhandelte zwar mit Breitkopf über das Setzen
-eines chinesischen Textes in Leipzig, die Verhandlungen führten aber
-nicht zu einem Resultate.
-
-[Sidenote: Typographische Ornamentik.]
-
-Nun wollte Breitkopf auch mathematische Figuren mit beweglichen Typen
-setzen, ein Gedanke, der bei der Billigkeit des einfachen Holzschnittes
-keine grossen Erfolge in Aussicht stellen konnte und auch nicht zur
-Verwendung kam.
-
-[Sidenote: Schriftgiesserei.]
-
-Schliesslich wendete er seine Aufmerksamkeit darauf, die Verzierungen,
-die nach und nach den höchsten Grad von Ungeschmack erreicht hatten,
-durch geschmackvollere zu ersetzen. Zu diesem Zweck liess er gute ältere
-Vorbilder nachahmen und in Holz schneiden.
-
-Auch das Giessen und das Drucken haben ihm Verbesserungen zu verdanken.
-Seine Giesserei war wegen der Vortrefflichkeit der Metall-Legierung
-berühmt. Einen Beweis für die Güte liefert die Reinheit der Abdrücke,
-die nach Verlauf von hundert Jahren von dem vorhandenen Landkartensatze
-gemacht wurden. Die Giesserei arbeitete mit vierzig Leuten und zwölf
-Öfen und sandte ihre Schriften nach allen Ländern der Welt. Dagegen
-misslangen eine von ihm angefangene Spielkartenfabrik und eine
-Tapetenfabrik, obwohl die Muster von dem besten Geschmack zeugen.
-Breitkopf war eben ein Erfinder, nicht aber in gleichem Masse für die
-pekuniäre Ausbeutung der Erfindungen geschaffen.
-
-[Sidenote: Sittliche Reformen.]
-
-Einem so feingebildeten Mann wie Breitkopf konnten die handwerksmässigen
-Roheiten, die mit der Lossprechung eines Lehrlings verbunden waren
-(I, 165), selbstverständlich nicht zusagen. Er schaffte deshalb die
-bei solchen Gelegenheiten üblichen scenischen Aufführungen ab und
-beschränkte sich darauf, den symbolischen Sinn der Marterwerkzeuge
-erklären zu lassen und in einer sinnigen Rede den Losgesprochenen
-über seine Rechte und Pflichten zu belehren. Solche Änderungen
-und Neuerungen, die auf das Beschränken der Völlerei und des
-Feierabendmachens abgesehen waren, fanden jedoch begreiflicherweise
-keine Gnade bei den Gehülfen, und man ging anfänglich so weit, die bei
-Breitkopf Ausgelernten nicht für voll anerkennen zu wollen, doch bahnten
-sich Vernunft und Sitte schliesslich ihren Weg.
-
-[Sidenote: Schriftstellerische Arbeiten.]
-
-Wie viele seiner technischen Pläne und Experimente, so blieben auch
-manche seiner schriftstellerischen Arbeiten nur Entwürfe. Um seinen
-Hauptplan, eine grossartig angelegte Geschichte der Buchdruckerei
-gründlich durchführen zu können, hatte er mit vieler Sorgfalt und
-mit grossen Kosten eine Bibliothek von Werken über Buchdruckerkunst
-und Proben von den Leistungen derselben gesammelt. Durch eine Reihe
-von Jahren legte er Kollektaneen an, hatte auch einige Partien des
-Werkes ausführlicher ausgearbeitet. 1779 erschien seine Broschüre
-»Über die Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst«, welche den
-breit angelegten Plan seines Werkes entwickelte. Es folgte dann 1784
-einer der durchgearbeiteten Abschnitte: »Versuch über den Ursprung
-der Spielkarten«. Erster Teil. Der zweite Teil wurde nach Breitkopfs
-Tode von J. C. F. Roch 1801 herausgegeben, welcher in der Vorrede
-darüber klagt, dass die hinterlassenen Notizen Breitkopfs nicht
-derart beschaffen seien, dass eine grössere Ausbeute daraus erwachse.
-Breitkopfs reger Geist führte ihn während der Arbeit immer weiter; die
-Noten überwuchern den Text. Er wollte alles, was ihn interessierte,
-auch ausführlicher bearbeiten, und so haben wir zu bedauern, dass wir
-nur einige, wenn auch sehr wertvolle Bruchstücke erhielten, statt
-einer vollständigen, noch heute nicht vorhandenen Geschichte der
-Buchdruckerkunst, die zu schreiben er, wie kaum ein zweiter, fähig
-gewesen wäre, wenn er nur die Kunst, sich zu beschränken, besser
-verstanden hätte.
-
-[Sidenote: Breitkopfs Tod.]
-
-[Sidenote: Breitkopf & Härtel.]
-
-[Sidenote: R. Härtel]
-
-[Sidenote: Dr. H. Härtel [+] 5. Aug. 1875.]
-
-Breitkopf starb am 28. Jan. 1794 und hinterliess seine Buchdruckerei
-als eine der am reichsten ausgestatteten wenn nicht gar als die
-reichste der Welt. Sie besass gegen 400 verschiedene Schriftgattungen,
-16 Sorten Noten, einen grossen Vorrat von Vignetten und beschäftigte
-120 Arbeiter. Das Geschäft wurde von dem Sohne CHRISTOPH GOTTLOB
-fortgeführt, der sich im Jahre 1796 mit GOTTFRIED CHRISTOPH HÄRTEL
-assoziierte. Die jetzige Firma BREITKOPF & HÄRTEL datiert aus dem
-Jahre 1798. Härtel war zwar kein gelernter Buchdrucker, stand jedoch
-dem Geschäft in vortrefflichster Weise vor. Er liess durch Schelter
-griechische Typen nach Bodoni und Antiquaschriften nach Levrault
-schneiden und gründete auch eine Steindruckerei (1805). Nach dem Tode
-Härtels (am 25. Juli 1827) trat zuerst der jüngere Sohn RAYMUND HÄRTEL,
-später (1835) der ältere Dr. jur. HERMANN HÄRTEL in das Geschäft.
-Sie brachten dasselbe, das während ihrer Minderjährigkeit etwas
-zurückgegangen war, bald wieder zur alten Blüte.
-
-Der etwas altersgrau gewordene »goldene Bär« wurde 1867 verlassen und
-ein neues immenses Geschäftshaus bezogen, wo es jedoch auch bald zu
-eng geworden wäre, hätte die Firma nicht ihre Pianofortefabrikation
-aufgegeben. Am 27. Januar 1869 beging das verjüngte Geschäft die
-Feier seines 150jährigen ruhmvollen Bestehens. Es arbeitet mit 30
-typographischen und lithographischen Schnellpressen, 18 Handpressen und
-gegen 400 Arbeitern.
-
-Als Musikverleger hält das Haus den alten Ruhm aufrecht. Das bis Ende
-1878 ergänzte Musikverzeichnis umfasst in mehr als 15000 Werken das
-gesamte Gebiet der Musik, wie auch deren Litteratur und Pädagogik nach
-allen Seiten hin vertreten ist. Nach dem Ausscheiden Raymund Härtels im
-Jahre 1879 sind seine Neffen W. VOLKMANN und Dr. O. HASE die Chefs des
-Hauses.
-
-[Sidenote: G. J. Göschen * 1752.]
-
-Auf der Grenze des XVIII. und XIX. Jahrhunderts wirkte GEORG JOACHIM
-GÖSCHEN[208], aus Bremen gebürtig. Seine Jugend verbrachte er in
-ärmlichen Verhältnissen. Drei Jahre lebte er in einer Pension bei einem
-Schullehrer in Arbergen, einem Dorfe bei Bremen, wo der Vater des
-bekannten Gelehrten Heinr. Ludw. Heeren Pastor war und Göschen zugleich
-mit seinem eigenen Sohne Unterricht erteilte. Nach überstandener Lehre
-erhielt er eine Stelle in Leipzig in der Crusiusschen Buchhandlung, die
-er 13 Jahre mit Erfolg bekleidete. Dann ging er nach Dessau, wo in ihm
-der Entschluss reifte, sich in Leipzig zu etablieren. Das Glück war dem
-strebsamen Manne hold, er trat nach und nach in Verbindung mit den
-besten Autoren und verschaffte sich rasch einen angesehenen Namen.
-
- [208] CHR. G. LORENZ, Zur Erinnerung an G. J. Göschen. 4. Grimma 1861.
-
-Um eine Prachtausgabe von Wielands Werken mit lateinischen Lettern
-zu drucken, fasste Göschen den Plan, selbst eine Buchdruckerei zu
-errichten, da die vorhandenen Druckereien seine Forderungen nicht
-erfüllen konnten. Das war aber in der damaligen Blüte des Innungswesens
-keine leichte Sache, da Göschen nicht gelernter Buchdrucker war. Er
-musste in seinem Konzessionsgesuche, welches am 4. Mai 1793 bewilligt
-wurde, geltend machen, dass er nur »mit lateinischen Lettern nach Didot«
-drucken wolle, dass jedoch diese in Leipzig nicht vorhanden wären, und
-dass seine Typen noch schöner seien als die von Unger in Berlin, wodurch
-Leipzigs Buchdruckerruhm steigen würde; ausserdem wolle er nur für sich
-drucken und sogar nur solche Artikel seines Verlages, die Andere nicht
-ausführen könnten. Nichtsdestoweniger wurde von seiten der Innung mit
-allen Kräften gegen ihn gearbeitet; man hatte wohl das Gefühl, dass ein
-Mann von Göschens Geist, wenn er einmal sich der Typographie gewidmet
-hatte, nicht bei den »lateinischen Typen nach Didot« stehen bleiben
-würde.
-
-[Sidenote: Prachtausgaben.]
-
-Er schritt nun an sein grosses Vorhaben, eine Gesamtausgabe von
-Wielands Werken zu liefern, die etwas noch nicht dagewesenes sein und
-in vier Gestalten erscheinen sollte. Von der Prachtausgabe in 42 Bänden
-in 4°, mit Antiqua gedruckt und mit 36 Kupfern geschmückt, kostete
-ein Exemplar 250 Thlr. Den 1794 in Leipzig anwesenden Wieland liess
-Göschen unter festlichem Gepränge den ersten Band von jungen, Genien
-vorstellenden Damen überreichen, während die Muse Wielands Haupt mit
-einem Lorbeerkranze schmückte. Auch von Klopstocks Werken wollte Göschen
-eine ähnliche Ausgabe veranstalten; sie blieb jedoch unvollendet.
-Bedeutende Leistungen seiner Buchdruckerei sind die, ebenfalls nicht
-vollständig gewordenen Prachtausgaben des Wolfschen Homer, sowie die
-Griesbachsche Ausgabe des Neuen Testamentes. Die Ausstattung aller
-dieser Werke ist die prachtvollste und sorgfältigste, ohne jedoch einen
-recht befriedigenden Eindruck zu machen. Die Antiquaschriften trafen den
-Geschmack des Publikums nicht und auch die griechischen Schriften sind
-charakterlos, der Satz des Homer ausserdem unschön weitläufig.
-
-Um den erwähnten Beschränkungen in seinem Geschäftsbetrieb zu entgehen,
-hatte Göschen seine Buchdruckerei nach Grimma verlegt, in dessen Nähe
-er das Gut Hohnstädt besass, auf welchem er, 75 Jahre alt, am 5. April
-1828 starb. Er hatte bis in sein hohes Alter seine volle Geistesfrische
-erhalten und sie durch seine grosse Wirksamkeit als Verleger bethätigt.
-
-[Sidenote: Fr. A. Brockhaus * 4. Mai 1772, [+] 20. Aug. 1823.]
-
-Von hervorragender Bedeutung für das Buchgewerbe im allgemeinen, wenn
-auch weniger für die Typographie war FRIEDRICH ARNOLD BROCKHAUS.
-
-[Sidenote: Etablissement in Amsterdam.]
-
-Sohn eines Kaufmanns in Dortmund, lernte er die Handlung in dem
-väterlichen Geschäfte und lag später den Studien ein Jahr lang in
-Leipzig ob. Im Jahre 1798 eröffnete er in Verbindung mit zwei Genossen
-ein englisches Manufakturwarengeschäft in Dortmund, welches er nach
-Trennung von seinen Teilhabern, von welchen der eine einen traurigen
-Einfluss auf die ganze Zukunft Brockhaus' üben sollte, 1802 nach
-Amsterdam verlegte und 1805 aufgab, um sich einem buchhändlerischen
-Geschäft unter der Firma Rohloff & Co. zu widmen, welche Firma 1810 in
-Kunst- und Industrie-Comptoir geändert wurde und erst 1814 in F. A.
-Brockhaus überging.
-
-Bei einem Besuche der Leipziger Michaelismesse im Jahre 1808 erwarb
-er das begonnene aber ins Stocken geratene Konversations-Lexikon, ein
-Unternehmen, welches bestimmend für seine ganze geschäftliche Zukunft
-werden sollte.
-
-[Sidenote: Altenburg und Leipzig.]
-
-Veranlasst durch den Tod seiner geliebten Frau und durch die
-Franzosenherrschaft in Holland siedelte Brockhaus im Jahre 1810 nach
-Altenburg über und verkaufte 1811 das Amsterdamer Geschäft an Johannes
-Müller. In Altenburg weilte er bis 1817, um dann, nachdem er zwischen
-Dresden und Leipzig geschwankt hatte, am letzteren Orte sich bleibend
-niederzulassen und das in Altenburg bereits nach grossen Dimensionen
-betriebene Verlagsgeschäft in noch grössere Bahnen zu lenken.
-
-[Sidenote: Das Konversations-Lexikon.]
-
-Seinen Scharfblick für die Bedürfnisse der Zeit, verbunden mit einer
-thatkräftigen patriotischen Gesinnung bekundete er durch viele
-Unternehmungen. Der Eckstein des ganzen grossen Gebäudes blieb jedoch
-das Konversations-Lexikon. Der Anfang hierzu war bereits um das Jahr
-1793 von Dr. Renatus Gotthelf Löbel gemacht. Dieser verband sich
-mit einem Advokaten Chr. Wilh. Franke zu der Herausgabe; für die
-buchhändlerische Durchführung wurde Aug. Leupold ausersehen. Das Werk
-hatte jedoch keinen grossen Erfolg und die Unternehmer verkauften es
-an Leupold. Nach vielen Schicksalen kam es noch vor dem Erscheinen des
-sechsten (Schluss-) Bandes an Brockhaus, der nun mit seiner gewohnten
-Energie an die Vollendung und Umarbeitung ging[209].
-
- [209] HERM. FRANCKE, Das Konversations-Lexikon und seine Gründer.
- Börsenbl. f. d. d. B. 1873. No. 23.
-
-[Sidenote: Druckerei.]
-
-Mehr und mehr fühlte Brockhaus das Bedürfnis über eine eigene Druckerei
-disponieren zu können und hatte zuerst den Gedanken, diese in
-Altenburg zu errichten, wovon er jedoch zurückkam. Anfang des Jahres
-1818 eröffnete er nun eine Offizin mit drei hölzernen Pressen, zu
-welchen bald noch weitere vier kamen. Die Innung legte Protest ein,
-weil Brockhaus kein gelernter Buchdrucker sei. Da musste sein Freund
-Teubner aushelfen und durch Verkauf, Rückkaufsvertrag etc. etc. wurde
-es Brockhaus möglich, faktisch seinen Willen durch die Errichtung
-einer »zweiten Teubnerschen Buchdruckerei« durchzusetzen, bis der Sohn
-Friedrich, der bei Vieweg in Braunschweig gelernt hatte, am 21. Okt.
-1820 die Konzession als Buchdrucker erhielt.
-
-[Sidenote: Die Schnellpresse.]
-
-Merkwürdig genug, dass ein Mann, begabt mit dem weiten Blick Brockhaus'
-und so gewohnt, pekuniäre Schwierigkeiten zu überwinden, sich die
-Ehre nehmen liess, als erster die Schnellpresse in Deutschland zur
-Anwendung zu bringen; dies um so mehr, als er die Sache scharf ins
-Auge genommen hatte und die Wichtigkeit der Schnellpresse vollständig
-erfasst hatte, wie aus einer Korrespondenz zwischen ihm und König
-& Bauer, die auch ein interessantes Streiflicht auf Königs weiten
-Geschäftsblick wirft, hervorgeht[210]. Bereits am 7. November 1818
-wandte er sich an König & Bauer, um Näheres über die Leistungsfähigkeit
-der Schnellpresse zu erfahren, indem er betonte, dass 25 Handpressen
-nicht imstande gewesen, die Hälfte des Lexikons, fünf Bände in 12000
-Auflage, innerhalb fast eines Jahres zu liefern, und dass die Arbeiter
-bei der Einförmigkeit der Arbeit ermüdeten und zuletzthin nur schlechte
-Arbeit lieferten. König & Bauer beleuchten in ihrer Antwort, dass 2-3
-Schnellpressen genügen würden, um 25 Handpressen zu ersetzen, und dass
-trotz des Anlagekapitals von 15000 Gulden für jede Schnellpresse
-grosse Ersparnisse eintreten müssten. Sie machten dabei Brockhaus
-einen eigentümlichen Vorschlag, dass er seine Druckerei nach Oberzell
-verlegen sollte. Sie hätten noch Raum genug für eine Druckerei von 70
-bis 80 Setzern und die nötigen Maschinen, welche durch Wasser betrieben
-werden könnten, auch enorme Trockenböden ständen zur Disposition. Da
-das Papier aus Bayern und Franken bezogen werden würde, könnten die
-Transportkosten demnach zum grossen Teil gespart werden, ja, sie selbst
-gingen mit der Idee um, eine englische Papiermaschine zu bauen, um
-gutes Papier zu liefern, »das deutsche Papier«, heisst es, »ist doch
-ein Schandartikel, womit kein englischer Buchhändler vor das Publikum
-zu kommen sich unterstehen dürfte«. Der Brief schliesst: »Was sagen Sie
-zu dieser seltenen Vereinigung von Mitteln für grosse litterarische
-Unternehmungen, in einen kleinen Raum zusammengedrängt? Vielleicht
-liesse sich zwischen unseren und Ihren Plänen, unseren und Ihren Mitteln
-eine Verbindung ausmitteln, die beiden Parteien vorteilhaft wäre«.
-
- [210] H. E. BROCKHAUS, Friedrich Arnold Brockhaus. Leipzig 1872. II. B.
- VI. K.
-
-Hätte dieser Vorschlag einige Jahre früher gemacht werden können, wer
-weiss wozu das geführt haben würde. Jetzt antwortete Brockhaus und zwar
-erst nach einem halben Jahre, ablehnend, er wollte die Ausführung seiner
-Gedanken die Schnellpresse anzuschaffen seinem Sohne überlassen.
-
-König liess trotzdem die Sache nicht fallen und machte im Juni 1819 den
-Vorschlag, »zu dessen Annehmen offenbar viel weniger Mut gehört, als
-Sie Ihren übrigen Unternehmungen nach zu urteilen besitzen«, auf ihre
-Kosten zwei Schnellpressen in Leipzig zu Brockhaus' ausschliesslichem
-Gebrauch aufzustellen, in Betrieb zu halten und nach 10 Jahren an
-Brockhaus unentgeltlich zu überlassen, wenn er auf 10 Jahre hinlängliche
-Beschäftigung garantieren wollte und zwar gegen um 25% wohlfeilere
-Druckpreise, als sie ihm in seiner eigenen Druckerei zu stehen kämen.
-Aber auch diesen Antrag lehnte Brockhaus ab, obwohl er nach seiner
-Angabe über fünfzig eigene und fremde Pressen beschäftigte. So kam es
-denn, dass Brockhaus' Offizin und Leipzig überhaupt erst 1826, drei
-Jahre nach Friedrich Arnolds Tod, in Besitz einer Schnellpresse kam,
-welche von den Arbeitern mit Demolierung bedroht wurde, die in Leipzig,
-wie anderswo, noch nicht einsehen gelernt hatten, dass sie hiermit nur
-gegen ihr eigenes Fleisch und Blut wüteten.
-
-[Sidenote: Der Verlag.]
-
-Neben dem Konversations-Lexikon pflegte Brockhaus mit besonderer
-Vorliebe den journalistischen Verlag, repräsentiert durch Okens »Isis«,
-»Zeitgenossen«, »Leipziger Kunstblatt«, »Hermes« und »Litterarisches
-Wochenblatt«, die alle, mit Ausnahme des letzteren, welches noch als
-»Blätter für litterarische Unterhaltung« besteht, kein langes Leben
-hatten. Auf seinen reichhaltigen sonstigen Verlag kann hier nicht näher
-eingegangen werden.
-
-[Sidenote: Tod Fr. Arn. Brockhaus'.]
-
-Die angestrengteste Geschäftsthätigkeit, die damit verbundenen
-Sorgen, zu welchen sich der bereits angedeutete ärgerliche, immer
-wieder auftauchende Streit von Dortmund her kam; seine fortwährenden
-Zensurkämpfe namentlich mit der preussischen Regierung; verdriessliche
-litterarische Händel, die durch sein heftiges Temperament genährt
-wurden; die Not, welche ihm Konkurrenz und Nachdruck des Lexikons
-verursachten, rieben seine Kräfte vor der Zeit auf, und brachten ihn um
-den ruhigen Genuss seines unermüdlichen Schaffens. Seine Gesundheit war
-untergraben. Obwohl im November 1822 dem Tode nahe und bereits allgemein
-totgesagt, erholte er sich wieder, unterlag jedoch einem neuen Anfall am
-20. Aug. 1823[211].
-
- [211] Sein Enkel Dr. Ed. Brockhaus setzte ihm in dem Werke »Friedrich
- Arnold Brockhaus, sein Leben und Wirken«. 3 Bde. Leipzig
- 1872-1881 ein würdiges Denkmal. Neben der interessanten
- und lehrreichen Darstellung hat das Buch das, bei einem so
- entstandenen Werke gewiss seltene Verdienst der grössten
- Offenheit und einer fast bis zum Äussersten gehenden
- Unparteilichkeit, die auch nicht den geringsten Versuch zulässt,
- die Schwächen und Fehler des bedeutenden Mannes zu bemänteln.
-
-[Sidenote: Fr. Brockhaus [+] 15. Aug. 1865.]
-
-Das umfangreiche verwickelte Geschäft wurde von den jungen Söhnen
-FRIEDRICH und HEINRICH BROCKHAUS fortgesetzt. Friedrich hatte, wie
-schon erwähnt, die Leitung der Buchdruckerei übernommen, welche 1823
-10 Holzpressen beschäftigte. Im Jahre 1833 wurde eine Stereotypie
-eingerichtet, 1836 die Walbaumsche Schriftgiesserei erworben (S. 283).
-Friedrich war eifrig bemüht, der Buchdruckerei die Superiorität in dem
-in den vierziger Jahren aufblühenden Illustrationsdruck zu sichern,
-und scheute keine Opfer, um den Vergleich mit dem Auslande aushalten
-zu können. Die ersten epochemachenden illustrierten Werke: Vernets
-»Napoleon«, Menzels »Friedrich der Grosse«, die »Illustrirte Zeitung«
-wurden unter der Leitung Friedr. Brockhaus' gedruckt, der sich am 1.
-Januar 1850 von dem Geschäft zurückzog.
-
-[Sidenote: H. Brockhaus * 4. Febr. 1804, [+] 15. Novbr. 1874.]
-
-HEINRICH BROCKHAUS leitete die Buchhandlung. Er war ein mit einer
-ausserordentlichen Arbeitskraft und grossem Organisationstalent
-begabter Mann von unabhängiger Gesinnung. Am 4. Mai 1872 konnte er
-mit Genugthuung den hundertjährigen Geburtstag des Gründers begehen,
-denn das Etablissement war in seiner Art eines der vielseitigsten der
-Welt und in Wahrheit ein Universalgeschäft geworden, das mehr als 600
-Personen beschäftigte. Der mit grösster Sorgfalt von Heinrich Brockhaus
-herausgegebene, 1148 Seiten starke Verlagskatalog verzeichnete damals
-bereits 2552 Artikel in 5851 Bänden. Als Teilnehmer waren die Söhne
-Heinrichs, Dr. EDUARD und RUDOLF BROCKHAUS, eingetreten. Heinrich
-Brockhaus, von der Universität Jena zum Ehrendoktor, von der Stadt
-Leipzig zum Ehrenbürger ernannt, starb am 15. November 1874[212].
-
- [212] Seine Erlebnisse auf einer grossen Reise in den Jahren 1867-1868
- schilderte Brockhaus in der ihn charakterisierenden schlichten
- Weise in seinem »Reisetagebuch«. 2 Bde. 1873.
-
-Das Konversations-Lexikon bildet immer noch den Mittelpunkt des grossen
-Verlags und der Einfluss, welchen dieses jetzt in der 13. Auflage
-erschienene Werk auf die allgemeine Bildung geübt hat, ist ein grosser.
-Der Bilderatlas zum Konversations-Lexikon, 2. Aufl., ist ein Werk, wie
-es nur in einem Universalgeschäft, das über alle Arten der technischen
-Herstellungsmethoden gebietet, in solcher Weise durchgeführt werden
-konnte.
-
-[Sidenote: B. G. Teubner * 16. Juni 1784, [+] 21. Jan. 1856.]
-
-BENEDICTUS GOTTHELF TEUBNER, zu Grosskraussnigk in der Niederlausitz
-geboren, hatte noch vor Brockhaus sein später so bedeutendes
-Etablissement 1811 mit zwei Holzpressen angefangen. Bereits 1823
-verband er mit seiner Buchdruckerei eine Buchhandlung, die sich durch
-ihren philologischen Verlag und korrekte Klassiker-Ausgaben einen
-grossen Ruf erwarb. Teubner war eifrigst für einen sorgsamen Druck
-bemüht, und hat in dieser Hinsicht wesentliche Verdienste um die
-Kunst, auch richtete er sein Streben auf eine, für damalige Zeit nicht
-gerade übliche, Eleganz in allen Accidenzarbeiten unter Verwendung des
-Guilloche- und Farbendruckes. Die von ihm herausgegebene Jubelschrift
-des Dr. K. Falkenstein zeigt, was das Geschäft auf den verschiedenen
-Feldern des graphischen Gebietes zu leisten vermochte. Sind diese
-Leistungen auch durch die der jüngeren Zeit überflügelt, so waren
-sie doch damals bedeutend und die Buchdruckerei Teubners gehörte mit
-zu den in der neuern Richtung tonangebenden. Bei seinem Tode waren
-sieben Schnellpressen in Gang, auch hatte er in Dresden eine Filiale
-gegründet. Die Nachfolger, seine Schwiegersöhne AD. ROSSBACH und
-ALBIN ACKERMANN, verliessen die früher eingeschlagene Kultivierung
-des Accidenzdruckes und zeichneten sich durch ihren vortrefflichen
-Werk- und namentlich durch ihren Zeitungs-Illustrationsdruck aus.
-Der grossartige philologische Verlag, aus gegen 2000 Werken in über
-3000 Bänden bestehend, wurde unter besonderer Leitung des jetzigen
-Geschäftsteilhabers Dr. Aug. Schmitt in kräftigster Weise fortgeführt.
-Ohne irgend eine typographische Prätension zu erheben sind unter diesen
-Werken unübertroffene und unübertreffliche Drucke, um einen unter
-vielen als Beispiel zu nennen _Herodiani reliquiae_ in geradstehender
-griechischer Schrift. Die Offizin ist eine der am besten eingerichteten
-und grössten Deutschlands, sie arbeitet mit 35 Schnellpressen und gegen
-400 Arbeitern, und druckt 18 Zeitschriften.
-
-[Sidenote: Karl Tauchnitz * 29. Okt. 1761, [+] 14. Jan. 1836.]
-
-In die Reihe derjenigen verdienten Männer, die als Bahnbrecher der
-deutschen Typographie zu bezeichnen sind, gehört als einer der ersten
-KARL CHRISTOPH TRAUGOTT TAUCHNITZ.
-
-Tauchnitz war in Grossbardau bei Grimma geboren. Da er seiner Armut
-wegen nicht studieren konnte, ward er 1777 Buchdruckerlehrling und
-arbeitete später bei Unger in Berlin. 1792 kehrte er nach Leipzig
-zurück. Im Jahre 1797 gelang ihm der Ankauf einer kleinen Buchdruckerei.
-Das Geschäft gewann durch Tauchnitz' Fleiss und Akkuratesse an
-Ausdehnung. Bereits 1800 konnte er eine Schriftgiesserei und eine
-Buchhandlung mit der Buchdruckerei vereinigen. Seine Wirksamkeit muss
-namentlich von dem Standpunkte der Verbindung dieser Geschäfte zu einem
-ganz bestimmten Ziel beurteilt werden. Dies Ziel war die Herausgabe der
-griechischen und römischen Klassiker in guter Ausstattung, grösster
-Korrektheit und zu den billigsten Preisen.
-
-[Sidenote: Die Klassiker.]
-
-Im Jahre 1808 machte er damit den Anfang. Jedoch ohne das von Lord
-Stanhope eingeführte Stereotypverfahren, welches er durch den Engländer
-Watts gelernt hatte, wären die oben erwähnten Erfordernisse der
-Kollektion schwer zu erreichen gewesen.
-
-In seinen Bemühungen um die Verbesserung der Antiqua, der griechischen
-und der orientalischen Schriften wurde er durch die Schriftgiesser J. G.
-Schelter und Matthes unterstützt.
-
-[Sidenote: Prachtwerke.]
-
-Seine Leistungen beschränkten sich jedoch nicht auf brauchbare
-billige Ausgaben; er lieferte auch Prachtdrucke ersten Ranges und
-wissenschaftliche Werke bedeutenden Umfanges. Zu den ersteren gehören
-sein Theokrit in Folio (1821); das _Carmen Arabicum Szanicddini
-Helensis_ (1816), dessen Originaltext im orientalischen Stil in Gold
-und bunten Farben gedruckt ist; die Kuhnsche Hymne an König Friedr.
-August von Sachsen. Zu seinen bedeutendsten typographischen Leistungen
-zählen noch die arabische Ausgabe des Korans durch Flügel; die Fürstsche
-Bearbeitung der Buxtorffschen »Concordanz«, die stereotypierten
-hebräischen Bibeln von Hahn u. a.
-
-[Sidenote: K. Ch. Tauchnitz.]
-
-Mitten unter Plänen zu neuen wichtigen Unternehmungen rief ihn der Tod
-plötzlich ab. Sein Sohn KARL CHRISTIAN PHILIPP, der eine ausgezeichnete
-Bildung genossen hatte, setzte das Geschäft, ohne demselben mit der
-vollen Neigung des Vaters zugethan zu sein, doch ganz im Sinne des
-Verstorbenen fort. Auf Veranlassung der Amerikanischen Mission in Syrien
-wurde eine neue arabische Schrift geschnitten, die sich dem Geschmack
-der Orientalen gut anpasst, jedoch im Satz grössere Schwierigkeiten
-bietet, als die ältere, mit welcher der Koran gedruckt wurde. Die Firma
-erlosch durch Verkauf der verschiedenen Geschäftsbranchen.
-
-[Sidenote: Fr. Nies * 6. Aug. 1804, [+] 16. Juni 1870.]
-
-[Sidenote: W. Drugulin * 20. Aug. 1821, [+] 20. April 1879.]
-
-In dem Streben für die Herstellung orientalischer Werke war FR. NIES
-aus Offenbach mit Karl Tauchnitz verwandt, wenn auch der letztere
-von wissenschaftlichem sowohl als typographischem Standpunkte aus
-Idealeres anstrebte. Angeregt namentlich durch den genialen Verleger
-W. A. Barth, den Professor M. G. Schwartze und den Paläographen E. F.
-F. Beer, später auch durch Professor Seyfarth unterstützt, unternahm
-Nies das Wagnis, hieroglyphische Typen in seiner, 1831 angelegten
-Schriftgiesserei herzustellen. Die hieroglyphische Schrift bestand aus
-etwa 1500 Stücken. Diese in verschiedenen Grössenabstufungen sowohl
-nach links als nach rechts gewendet ausgeführten, oft einander sehr
-ähnlichen Figuren in ein richtiges Typensystem zu bringen war für damals
-wirklich eine That; sie gelang und viele Werke, darunter das Riesenwerk
-des Dr. M. G. Schwartze »Das alte Ägypten«[213], zeigen, dass die
-Offizin nach damaligen Verhältnissen Bedeutendes leistete. Nies konnte
-mit seinen selbstgegossenen Schriften in gegen 300 Sprachen drucken,
-vermochte jedoch nicht, sich mit dem Gedanken zu befreunden, heute das
-rückhaltlos zu verwerfen, was gestern gut gewesen war, und ermüdete
-deshalb unter den erhöhten Ansprüchen der fortschreitenden Wissenschaft
-und Technik in seinen Anstrengungen. Das sonst so blühende Geschäft
-verödete nach und nach. Im Jahre 1856 übernahm es CARL B. LORCK, der
-erst sich mit J. J. Weber zur Ausführung der unter dieser Firma in den
-Jahren 1837-1845 erschienenen grösstenteils illustrierten Werke und
-Zeitschriften vereinigt hatte. Die Druckerei und Schriftgiesserei wurde
-zeitgemäss reorganisiert und vervollständigt. Eine bedeutende Zahl von
-orientalischen Werken, besonders für das Ausland gedruckt, verliess in
-den Jahren 1856 bis 1868 die Pressen der Offizin. In letzterem Jahre
-übernahm sie W. DRUGULIN, welcher die bis dahin fortgeführte Firma Fr.
-Niessche Buchdruckerei in W. Drugulin änderte. Lorck gab die »Annalen
-der Typographie« (1869-1877) und mehrere Fachschriften heraus[214].
-Drugulin setzte das begonnene Werk im bisherigen Sinne fort. Hatte die
-Jury der Pariser Weltausstellung von 1867 bereits erklärt, dass in
-Frankreich nur die kaiserliche Druckerei ähnliches prästieren könne,
-wie diese Privatoffizin in Leipzig, so wurde nun in der That durch
-Drugulins Erwerbungen, unter welchen sämtliche Stempel und Matern der
-früheren Karl Tauchnitzschen orientalischen, älteren Renaissance- und
-holländisch gothischen Schriften sich befanden, ein Komplex geschaffen,
-wie er ausser in den Staatsanstalten zu Wien und Paris sich nicht wieder
-vorfindet. Drugulins aussergewöhnlichen Kunst- und antiquarischen
-Kenntnisse kamen ihm bei seinen vielen Reproduktionen und Imitationen
-von Drucken älteren Stils vortrefflich zu statten. Namentlich ist das
-grossartige Werk: »Die Chronik des Sächsischen Königshauses und seiner
-Residenzstadt«, ein Geschenk der Stadt Dresden zur Feier der silbernen
-Hochzeit des Königs Albert und der Königin Carola, ein Meisterstück
-dieser Gattung. Es war jedoch Drugulin nicht beschieden, den Schluss des
-Werkes zu erleben.
-
- [213] Den Satz dieses Werkes von gegen 2200 Seiten in Quart übernahmen,
- nachdem verschiedenen Setzern die Geduld ausgegangen war,
- ohne vorher ein orientalisches Wort gesetzt zu haben, zwei
- Setzerlehrlinge F. Essigke und H. Kauxdorf, deren der Verfasser,
- ein gewiss seltener Fall, in der Vorrede in der ehrendsten Weise
- gedenkt.
-
- [214] Als: Die Herstellung der Druckwerke. 4. Aufl. 1883. -- Die
- graphischen Künste auf der Wiener Ausstellung 1873; amtlicher
- Bericht. -- Die Druckkunst und der Buchhandel in Leipzig.
- 1879. -- Geschichte des Vereins der Buchhändler in Leipzig;
- Jubelschrift. 1883.
-
-[Sidenote: Hieroglyphendruck.]
-
-Die von Nies eingeführten hieroglyphischen Typen wurden zumteil durch
-die früher erwähnten eleganteren und kleineren Typen in Umrissen
-verdrängt (S. 285), teils hat es in jüngster Zeit den Anschein, als
-wollte die Lithographie und speziell die Autographie der Typographie
-das Terrain der Ägyptologie streitig machen. Der bedeutende Verlag der
-J. C. Hinrichsschen Buchhandlung in Leipzig auf diesem Felde ist fast
-durchweg in Autographie hergestellt, z. B. das hieroglyphisch-demotische
-Wörterbuch von H. Brugsch-Bey, das 1728 Seiten in kl. Folio umfasst.
-Vorausgesetzt, dass der Verfasser es versteht, hieroglyphische Umrisse
-korrekt wiederzugeben und sonst leicht leserlich schreibt, ist die
-autographische Wiedergabe eine ganz zweckmässige. Wenn mit Typen
-gesetzt, würden die Kosten für ein Werk wie das genannte, dessen Absatz
-begreiflicherweise nur ein beschränkter sein kann, allerdings kaum
-erschwinglich sein; im Interesse der Wissenschaft muss man deshalb die
-Besiegung der Typographie durch die Lithographie auf diesem Gebiete mit
-Ruhe hinnehmen.
-
-[Sidenote: B. Tauchnitz.]
-
-Die Offizin des Neffen des K. Tauchnitz, BERNHARD TAUCHNITZ, erneute den
-Weltruf des Namens ebenfalls hauptsächlich durch die konsequente und
-grossartige Durchführung eines einzigen Unternehmens, bei welchem jedoch
-weniger die typographische als die bibliopolische Bedeutung hervortritt.
-Wer kennt nicht die _Tauchnitz Collection_, die Sammlung von Werken
-englischer und amerikanischer Autoren, deren Bändezahl jetzt 2000
-übersteigt, die in über 600000 Stereotypplatten vorhanden sind? Wie die
-Karl Tauchnitzsche Kollektion auf die altklassische Bildung, so hat das
-B. Tauchnitzsche Unternehmen ganz ausserordentlich zur Verbreitung der
-englischen Litteratur und Sprache auf dem Kontinent, daneben auch zur
-Mehrung des Ansehens des deutschen Buchhandels in England beigetragen.
-Der Umstand, dass der Unternehmer den Autoren resp. den Verlegern
-zu einer Zeit Honorar zahlte, wo dies noch nicht durch gesetzliche
-Bestimmungen geboten war, erwarb ihm sofort die Gunst der genannten, die
-er sich zu erhalten verstanden hat.
-
-Ausser der Sammlung lieferte die Offizin für den Verlag des Besitzers
--- für Andere arbeitet sie nicht -- eine Reihe von ebenso gut
-ausgestatteten wie durch ihre Korrektheit bekannten bedeutenden Werke,
-besonders in juristischer und linguistischer Richtung, unter welchen
-beispielsweise die fehlerfreien Logarithmen von Köhler genannt sein
-mögen.
-
-[Sidenote: Andere Firmen.]
-
-Ausser B. G. Teubner hatten bereits G. H. MARET, WILH. HAACK und
-namentlich C. L. HIRSCHFELD in allen Accidenzarbeiten einen sehr guten
-Geschmack gezeigt. Letzterer, durch einen längeren Aufenthalt in Paris
-tüchtig ausgebildet, verband Stereotypie und Gravieranstalt mit seiner
-Buchdruckerei. Im Bunt- und Golddruck leistete er Bedeutendes und das
-von ihm 1840 herausgegebene Tableau in etwa zwanzig Farbenplatten,
-_Typographia jubilans_, ist eins der bedeutendsten Erzeugnisse der
-Jubelpresse.
-
-[Sidenote: Das Jubelfest 1840.]
-
-Es dürfte hier, ehe wir zur jüngsten Gestaltung des graphischen
-Geschäfts in Leipzig übergehen, der Ort sein, mit einigen Worten des
-Jubelfestes 1840 zu gedenken, das sich nicht zu einer Lokalfeier,
-sondern zu einem grossen nationalen Feste gestaltete, welches in der
-Geschichte der Buchdruckerkunst einen Platz verdient.
-
-Während im Jahre 1640 fünf Buchdruckereibesitzer mit 14 Gehülfen, im
-Jahre 1740 achtzehn Offizinen mit 138 Gehülfen dem Feste beiwohnten,
-zeigt die Liste der Beteiligten im Jahre 1840 24 Buchdruckereien mit
-232 Handpressen, 11 Schnellpressen und 672 Gehülfen, dazu noch 7
-Schriftgiessereien mit 62 Gehülfen, schliesslich 108 Buchhandlungen mit
-121 Gehülfen. Das Kontingent, welches allein das Brockhaussche Geschäft
-stellte, betrug mehr als die Gesamtzahl der das Fest von 1740 Feiernden.
-
-Die Sammlungen der Buchdrucker zu einem Festfond begannen bereits
-1837. Die Buchhändler traten 1839 hinzu und die Stadt bewilligte 3000
-Thaler. Das unter den günstigsten Auspizien vorbereitete Fest nahm den
-würdigsten Verlauf.
-
-Bereits am Nachmittag des 23. Juni hatte die ganze Stadt sich festlich
-geschmückt. Die Häuser waren mit Guirlanden und Kränzen behängt, Fahnen
-wehten und Triumphbogen waren errichtet.
-
-Früh am 24. durchzog eine grosse Reveille die Stadt. Um 8 Uhr
-versammelten sich die anwesenden Kammermitglieder, die königlichen und
-städtischen Behörden, die Konsuln, das Offiziercorps, die Geistlichkeit,
-die Schulrektoren, die Spitzen der Universität und die Professoren,
-die Handlungsabgeordneten, die Obermeister und Beisitzer der Innungen,
-schliesslich die Festgeber: Buchdrucker, Schriftgiesser und Buchhändler,
-an verschiedenen Orten. Von Deputierten des Festcomités geleitet
-begaben sich die einzelnen Züge nach der Thomaskirche zu dem, vom
-Superintendenten Dr. Grossmann abgehaltenen Festgottesdienste. Als Text
-war gewählt: »Es ward ein Mann von Gott gesandt, der hiess Johannes;
-derselbe kam und zeugte von dem Licht«.
-
-Um 10 Uhr begann der grosse Festzug von dem Gewandhause aus nach
-der Buchhändlerbörse, wo die von den Frauen gestiftete Fahne den
-Buchdruckern übergeben wurde. Von da ab ging der Zug nach dem
-Marktplatze, dessen dritten Teil die amphitheatralische Zuschauer-
-und Musiker-Tribüne einnahm. Nach Absingung der von Felix
-Mendelssohn-Bartholdy komponierten Festkantate hielt Raymund Härtel eine
-begeisterte und zündende Festrede, die mit den Worten schloss:
-
-»Du Allmächtiger, der du jedem Volke seine Bestimmung zugeteilt hast,
-lass unser Jubelfest der Buchdruckerkunst dir ein Dankfest sein für die
-hohe Gabe und hilf du selber, dass sie forthin durch menschliche Willkür
-weder gemissbraucht, noch verkümmert werde. Ein Jubelfest ist auch ein
-Ausruhen von hundertjähriger Arbeit, und das ernste Geschäft des Lebens
-verklärt sich zum heiteren Festspiele: Darum öffne sich die Werkstatt
-und der alte Meister erscheine mitten unter seinem Feste!« Als dann die
-Hülle sank, welche bis jetzt die im Mittelpunkte des Marktes befindliche
-Festoffizin mit den arbeitenden Giessern, Setzern und Druckern, weit
-überragt von dem kolossalen Gipsabguss der Mainzer Gutenberg-Statue
-Thorwaldsens, den Blicken der Menge entzogen hatte, entstand ein
-unbeschreiblicher Jubel. Es war ein unvergesslicher Augenblick, der, im
-jugendlichen Alter erlebt; noch dem Greise in späten Jahren so lebhaft
-in der Erinnerung vorschwebt, als handle es sich um ein Ereignis von
-gestern, und den miterlebt zu haben als eine Gunst des Schicksals
-betrachtet werden muss.
-
-Um 3 Uhr fand in der Halle am Augustusplatze ein Festessen statt, an
-welchem etwa 3000 Personen teilnahmen. Bei Eintritt der Dunkelheit
-bekundete eine glänzende Erleuchtung der Stadt die allgemeine Teilnahme
-aller Behörden und Bürger an dem Feste.
-
-Am 25. vormittags fand eine Versammlung fremder und einheimischer
-Gelehrter, Künstler und Buchhändler in der Festhalle statt. Gleichzeitig
-wurde in der Buchhändlerbörse eine interessante Ausstellung älterer und
-neuerer Druckwerke, Xylographien u. a. eröffnet. Um 3 Uhr füllte die
-Aufführung des von Mendelssohn für das Fest komponierten Lobgesanges,
-die unter Leitung des Komponisten und unter Beihülfe von über 500
-Sängern und Musikern stattfand, die Thomaskirche. Abends war grosser
-Ball von über 4000 Personen in der Festhalle. Die Familien der Beamten,
-Professoren, Prinzipale und Gehülfen verkehrten im fröhlichsten
-Durcheinander und selbst der eindringende Gewitterregen musste dazu
-beitragen, die Heiterkeit zu erhöhen.
-
-Am 26. vormittags war eine interessante Festvorstellung im
-Schauspielhause veranstaltet: Theaterschau von der Erfindung der
-Buchdruckerkunst bis auf die neueste Zeit. Um 1 Uhr begannen die
-Festzüge der Innungen, sich nach dem Exerzierplatz am Rosenthal, wo
-ein echtes Volksfest abgehalten werden sollte, in Bewegung zu setzen.
-Der mit Zelten in grosser Zahl, Fahnen, Buden, Caroussels, Tribünen
-etc. geschmückte, dicht an den Wald sich lehnende Platz bot mit den
-etwa 60000 Anwesenden ein höchst belebtes und anmutiges Bild. Am Abend
-ward noch ein glänzendes Feuerwerk abgebrannt. Dann zogen die Innungen
-nach und nach wieder mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen nach
-der Stadt. Den Beschluss machte der grosse Zug der Festgeber mit 1000
-Fackeln, die unter Gesang und Jubel auf dem Marktplatze zusammengeworfen
-wurden.
-
-Nicht $ein$ Misston hatte das herrliche Fest gestört, welches Leipzig
-mit dankbaren und stolzen Gefühlen hatte begehen können, denn es war
-zugleich ein Huldigungsfest Leipzigs als Führerin auf dem Gebiete der
-Buchdruckerei und des Buchhandels im Vaterlande Gutenbergs geworden.
-Dass Leipzig willens ist, seine ehrenvolle Stellung zu behaupten, wird
-ein Blick auf die jüngste Vergangenheit und auf den Augenblick zeigen.
-
-[Sidenote: Giesecke & Devrient.]
-
-Eine eigentliche Umgestaltung des Geschmacks für das Accidenzfach, das
-heutzutage einen so wichtigen Platz einnimmt, ging erst von der Firma
-GIESECKE & DEVRIENT aus. Diese, jung an Jahren, reich an Ehren, zeigte,
-dass eine Staatsdruckerei nicht notwendig ist, um das zu leisten, was
-man von Staatsanstalten verlangt und mit Recht verlangen kann, weil
-diese in erster Reihe zu Ehren der Kunst und nicht um eine Existenz zu
-begründen arbeiten.
-
-Die Firma wurde von HERMANN GIESECKE und ALPHONSE DEVRIENT am 1. Juni
-1852 begründet, zu einer Zeit, wo der typographische Geschmack und
-der Sinn für schöne Accidenzarbeiten namentlich durch Hänel einen
-wesentlichen Aufschwung genommen hatte (S. 281). Die genannten waren
-Männer, wie sie die Zeit eben verlangte, um dem Geschmack eine bestimmte
-Richtung zu geben. Sie haben hierin bedeutende Verdienste und waren
-stets redlich bemüht, das Halbgute durch das wirklich Gute zu ersetzen.
-
-Nach und nach entstand in ihrem Hause eine Reihe von graphischen
-Spezialanstalten, die namentlich zur Herstellung der unendlich vielen
-Wertzeichen nötig waren, mit deren Anfertigung die Firma nicht nur
-von den verschiedenen Regierungen und Geldinstituten Deutschlands
-betraut wurde, sondern die ihnen auch aus der Schweiz, Italien,
-Holland, Schweden, Finnland, Rumänien und Amerika zuflossen. Es war die
-glänzendste Zeit der Gründungen, des Aktien- und Papiergelddruckes,
-welcher erst der Krach, dann die Gründung der Reichsbank eine Grenze
-setzte.
-
-[Sidenote: _Codex Sinaiticus._]
-
-Aber der Ruhm der Firma war nicht allein von diesem höheren
-Accidenzdruck abhängig, sondern wurde noch durch hervorragende
-Werkdrucke gesteigert. Unter diesen muss einer erwähnt werden,
-welcher, wenn auch von kaiserlicher Munifizenz getragen, als eine
-der hervorragendsten Leistungen intelligenter Typographen dasteht:
-die Reproduktion des von Const. Tischendorf entdeckten _Codex
-Bibliorum Sinaiticus_, welche für Rechnung der Besitzerin dieses
-Schatzes, der russischen Regierung, ausgeführt wurde. Zuerst wurden
-photographische Facsimiles derjenigen unter den einzelnen Buchstaben,
-welche dem Herausgeber den Charakter der Handschrift am besten
-auszudrücken schienen, veranstaltet, und hiervon zwei Gattungen,
-eine grössere für den Text und eine für die Noten, dazu später noch
-eine dritte geschnitten. Als es sich jedoch ergab, dass die Abstände
-zwischen den einzelnen Buchstaben in dem Original manchmal in einem
-anderen Verhältnis zu einander standen als in dem Satz, mussten
-verschiedenartige Güsse gemacht oder durch Unterschneiden der einzelnen
-Buchstaben nachgeholfen werden. Der Raum der einzelnen Buchstaben
-wurde durch Tischendorf nach Millimetern ausgerechnet und die Zahl
-solcher an jeder einzelnen Stelle im Manuskript verzeichnet. Nachdem
-Tischendorf ferner entdeckt hatte, dass vier verschiedene Kalligraphen
-bei dem Codex thätig gewesen waren, mussten eine Menge Ergänzungstypen
-geschaffen werden, um die Eigentümlichkeiten der verschiedenen Schreiber
-wiederzugeben. So hatte z. B. das Omega sieben Varianten. Auch die
-getreue Wiedergabe der Zusätze zwischen den Zeilen des Manuskripts
-musste statthaben, ja selbst die Abweichungen der alten Kalligraphen von
-der üblichen Regel waren getreulich nachzuahmen. So entstand ein Werk
-ohne Rivalen.
-
-[Sidenote: _Papyros Ebers._]
-
-Ebenfalls als eine höchst gelungene Facsimile-Ausgabe ist der durch
-Lithographie im Verein mit der Typographie hergestellte _Papyros
-Ebers_ (bei Wilh. Engelmann in Leipzig) zu bezeichnen. Die Nachahmung
-der Färbung der Schrift und der Pflanzentextur des Papyrus ist so
-vollkommen gelungen, dass man auf Carton aufgezogene Papyrosblätter vor
-sich zu haben glaubt. Während die lithographische Nachbildung aus der
-Offizin von Giesecke & Devrient stammt, ist der textliche Teil mit den
-hieroglyphischen Typen des F. Theinhardt von Breitkopf & Härtel gedruckt.
-
-[Sidenote: Alph. Devrient * 21. Jan. 1821, [+] 1878.]
-
-ALPHONSE DEVRIENT, der berühmten Künstlerfamilie Devrient angehörend,
-starb frühzeitig auf einer Erholungsreise nach Berlin am Ostermorgen
-1878. Er hatte bei Fr. Nies gelernt und arbeitete vier Jahre in der
-_Imprimerie royale_ in Paris in der sogenannten _Chambre arabe_ unter
-der strengen, jedoch wohlwollenden Leitung Lud. Rousseaus und des
-gelehrten Orientalisten Jul. Mohl und ging dann nach England. Er war
-einer der tüchtigsten Typographen seiner Zeit. Der überlebende Chef
-HERM. GIESECKE entstammt dem bekannten Hause Schelter & Giesecke, als
-Sohn des C. F. Giesecke.
-
-[Sidenote: Bibliographisches Institut.]
-
-Eine aus kleinen Anfängen rasch zu einem Weltgeschäft angewachsene
-Druck- und Verlagsanstalt ist das BIBLIOGRAPHISCHE INSTITUT.
-
-[Sidenote: Jos. Meyer * 9. Mai 1796, [+] 27. Juni 1856.]
-
-Im Jahre 1826 gründete JOSEPH MEYER in seiner Vaterstadt Gotha das
-Institut, welches 1828 nach Hildburghausen verlegt wurde. Das mit
-Stahlstichen illustrierte »Universum« erreichte eine für damalige Zeit
-ganz enorme Auflage von 80000 Exemplaren. Es folgten verschiedene
-Klassiker-Bibliotheken, deren Rechtmässigkeit bestritten wurde, die
-aber durch eine bisher ungekannte Billigkeit die Kauf- und Leselust
-anregten und eine weite Verbreitung fanden. Dann kam das grosse
-Konversations-Lexikon in 52 starken Bänden. J. Meyer war ein Mann von
-ausgebreiteten Kenntnissen mit einer staunenswerten Arbeitskraft,
-die er jedoch über alles Mass anstrengte, indem er neben der
-bibliopolisch-typographischen Wirksamkeit noch grossartige industrielle
-Pläne verfolgte.
-
-[Sidenote: H. J. Meyer.]
-
-Sein Sohn HERMANN JULIUS MEYER zog mit dem Institut 1874 nach
-Leipzig[215]. Jetzt steht dasselbe als eines der grossartigsten und
-am besten geleiteten nicht nur in Deutschland da. So imponierend auch
-schon die äusseren Einrichtungen wirken, so ist es doch namentlich
-die innere Organisation dieser mit zwei Rotationsmaschinen und 31
-Schnellpressen arbeitenden Anstalt, welche Bewunderung erregt. Das
-Geschäft sucht und findet seine Kraft in der Konzentration und in der
-Erreichung möglichster Vollkommenheit innerhalb der selbstgesteckten
-Grenzen für seine Wirksamkeit. Von der dritten Auflage des grossen
-Konversations-Lexikons wurden über 100000 Exemplare abgesetzt, daneben
-erlangte das kleine Lexikon in zwei Bänden eine grosse Popularität. Ein
-Werk von hohem Wert ist A. E. Brehms »Tierleben« in zehn prachtvoll
-illustrierten Bänden.
-
- [215] Das Etablissement, durch Pläne illustriert, ist im Journ. f. B.
- 1876, Nr. 27 ausführlich beschrieben.
-
-[Sidenote: J. Klinkhardt.]
-
-Ein Geschäft, welches ebenfalls in verhältnismässig kurzer Zeit
-eine grosse Entwickelung und Ausdehnung gewann, ist das bereits (S.
-287) erwähnte von J. KLINKHARDT, welches mit 21 Schnellpressen, 22
-Handpressen und 35 Giessmaschinen über 400 Personen beschäftigt und
-vortreffliche Arbeiten im modernen Stil liefert.
-
-[Sidenote: Verschiedene Druckereien.]
-
-Dass diese und die sonst genannten Offizinen dem Illustrationsdruck
-alle erdenkliche Sorgfalt widmen, ist selbstverständlich, ausser
-denselben besitzt Leipzig jedoch noch eine Reihe von Druckereien, die
-sich vorzugsweise mit Illustrationsdruck beschäftigen. Des von ED.
-KRETZSCHMAR begründeten Geschäfts (jetzt C. GRUMBACH) wurde bereits
-(S. 298) gedacht. Vieles zur Bildung einer tüchtigen Schule von
-Holzschnittdruckern trug Kretzschmars erster Gehülfe JOH. CHR. BENEDICT
-bei. A. H. PAYNE druckt mit Rotationsmaschine und 18 Schnellpressen
-für den eigenen Verlag eine grosse Anzahl von illustrierten Blättern
-und Werken. ALEX. EDELMANN und OTTO DÜRR wirkten erst zusammen, dann
-getrennt und lieferten mehrere der grossen Berliner Modezeitungen
-und viele Prachtwerke für Alf. Dürr, während A. HUNDERTSTUND & A.
-PRIES namentlich den Seemannschen Kunstverlag druckten. ALEX. WIEDE
-beschäftigt 18 Schnellpressen fast nur mit der Herstellung der
-»Gartenlaube«. Aus den Pressen der Firma FISCHER & WITTIG stammen sehr
-viele der schönsten illustrierten Prachtwerke neuerer Zeit sowohl aus
-dem Verlag von Leipziger als auswärtigen Buchhändlern.
-
-Mit wissenschaftlichen Werken beschäftigten sich vorzugsweise METZGER &
-WITTIG, A. TH. ENGELHARDT, C. HIRSCHFELD, OTTO WIGAND und BÄR & HERMANN,
-welche letztere den Druck russischer Werke als Spezialität pflegen;
-PH. RECLAM JUN. liefert mit 22 Schnellpressen fast ausschliesslich
-Zwanzigpfennigbände seiner Universalbibliothek; OTTO SPAMER druckt seine
-zahlreichen illustrierten Jugendschriften und populären Werke; C. G.
-NAUMANN hat seine umfangreiche Offizin nur für Accidenzien eingerichtet;
-ALEX. WALDOW verwendet die seinige nur für den Druck des »Archiv der
-Buchdruckerkunst« und anderer in seinem Verlage erscheinender, zumteil
-von ihm verfasster typographischer Fachschriften[216].
-
- [216] Darunter: Die Buchdruckerkunst in ihrem technischen und
- kaufmännischen Betriebe. 2 Bde. 4. 1874-1877. -- Illustrierte
- Encyklopädie der graphischen Künste. 1880-1883.
-
-An Tagesblättern ist Leipzig geradezu arm und manche Provinzialstädte
-Deutschlands von 30-50000 Einwohnern haben eine weit reichere
-Zeitungslitteratur aufzuweisen. Das umfänglichste Journal, namentlich
-zur Zeit der Messen, ist das »Leipziger Tageblatt«. Der Verleger E.
-POLZ beschäftigt für den Druck desselben und ausserdem hauptsächlich
-für den des C. F. Winterschen Verlags drei Rotationsmaschinen und elf
-Schnellpressen.
-
-Nicht alle graphischen Firmen Leipzigs, die tüchtiges liefern, können
-wir hier aufzählen. Die Zahl der Buchdruckereien Leipzigs (incl. der
-Vororte) beträgt 92 mit 7 Rotationsmaschinen, 437 Schnellpressen und 292
-Tret- und Handpressen. Die 69 lithographischen Anstalten beschäftigen
-146 Schnellpressen, 517 Handpressen. In beiden Branchen sind gegen 6200
-Personen thätig.
-
-[Sidenote: C. G. Röder.]
-
-Den enormen Aufschwung, welchen das Musikaliengeschäft in Leipzig nahm,
-veranlasste ein Institut für Notendruck, das seinesgleichen sucht. C.
-G. RÖDER gründete mit kleinsten Mitteln 1846 seine Notendruckanstalt,
-welche jetzt mit 34 Schnellpressen, 25 Handpressen und einem Personale
-von 400 Köpfen arbeitet und namentlich die äusserst umfangreiche
-_Édition Peters_ im Verlage des _Bureau de musique_ druckt. An
-eigentlichen lithographischen Kunstinstituten hat Leipzig keinen
-Überfluss, dagegen ist die Anstalt für Phantasieartikel und Luxuspapiere
-von MEISSNER & BUCH, die mit 15 Schnellpressen, 30 Handpressen und 46
-Präg- und anderen Maschinen arbeitet, von grosser Bedeutung; auch die
-Offizin von WETZEL & NAUMANN hat einen enormen Aufschwung genommen
-und arbeitet hauptsächlich für den Export mit 32 Schnellpressen, 27
-Handpressen und 450 Arbeitern. H. WAGNER & E. DEBES beschäftigen sich
-ausschliesslich mit kartographischen Arbeiten. Als Lichtdrucker leisten
-A. NAUMANN & SCHRÖDER vorzügliches. Die Zahl der xylographischen und
-chemigraphischen Anstalten ist eine beträchtliche.
-
-[Sidenote: Die die Typographie fördernden Verleger.]
-
-Es würde zu weit führen, alle die Verleger aufzuzählen, die, ohne
-eigene Druckereien zu besitzen, doch auf die Typographie einen grossen
-Einfluss übten. Den Buchdruck für wissenschaftliche Zwecke förderten u.
-a. namentlich J. A. BARTH, W. ENGELMANN, SAL. HIRZEL, L. VOSS, die J. C.
-HINRICHSSCHE Buchhandlung, F. C. W. VOGEL[217], T. O. WEIGEL (I, S. 6),
-RUD. WEIGEL (I, S. 103), O. WIGAND und C. F. WINTERS Verlag.
-
- [217] Früher hatte diese Firma eine 1811 eingerichtete, namentlich mit
- orientalischen Schriften gut ausgestattete Druckerei, die 1858
- auf G. Kreysing überging.
-
-Für den illustrierten Verlag waren J. J. Weber und Georg Wigand in
-den dreissiger Jahren bahnbrechend. J. J. WEBER führte 1832 das
-»Pfennig-Magazin« und 1843 die »Illustrirte Zeitung« ein. Die von Ad.
-Menzel illustrierte Geschichte Friedrichs des Grossen wurde noch während
-der Zeit der ersten Neuentwickelung des Holzschnittes in Deutschland
-(S. 297) unternommen, überhaupt wirkte geschmackvolle Ausstattung aller
-Weberschen Artikel sehr anregend sowohl auf die Buchdruckereien wie auf
-die Verleger.
-
-Gleichzeitig mit Weber wirkte GEORG WIGAND, dessen im Verein mit seinem
-Bruder Otto Wigand 1840 unternommene Ausgabe von dem Nibelungenlied,
-illustriert von Hübner und Bendemann, eine schöne Jubelerinnerung
-bildet. Sowohl durch eigene Neigung als namentlich durch seine innige
-Verbindung mit Loda, Richter und Schnorr von Carolsfeld wurde er auf
-die mehr ursprüngliche echt deutsche Art des Holzschnitts geführt, von
-welchem Schnorrs Bibel in Bildern ein monumentales Denkmal bleibt.
-
-In neuerer Zeit waren es namentlich E. A. SEEMANN und ALF. DÜRR, welche
-den illustrierten Verlag förderten. Seemann lieferte eine grosse Reihe
-von Werken über die verschiedenen Zweige der Kunst und der Kunstgewerbe,
-Alf. Dürr pflegte namentlich die strengere Richtung der illustrierenden
-Kunst in den Werken von J. Führich, Preller u. a., daneben lieferte er
-eine Reihe von Jugendschriften in höchst anziehender Weise durch Osc.
-Pletsch illustriert. Auch FR. BRANDSTETTER, J. A. BAUMGÄRTNER, E. KEIL,
-VELHAGEN & KLASING, K. BÄDEKER, SCHMIDT & GÜNTHER u. a. leisteten durch
-ihren Verlag den Illustrationsdruckern grossen Vorschub.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Dresden.]
-
-[Sidenote: Familie Meinhold.]
-
-[Sidenote: C. I. Meinhold * 1784. [+] 1861.]
-
-Unter den sonstigen Städten des Königreichs Sachsen hat die
-Residenzstadt DRESDEN allein einen bedeutenden Platz und unter den
-47 Buchdruckereien und 54 lithographischen Anstalten, die mit 209
-Schnellpressen und 251 Tret- und Handpressen arbeiten, nimmt wieder
-die Firma C. C. MEINHOLD & SÖHNE die hervorragendste Stellung ein. Der
-Begründer derselben, CARL CHRISTIAN MEINHOLD, Sohn eines Bergmannes
-aus Marienberg, erwarb die Hofbuchdruckerei, welche ihren Ursprung dem
-Herzog Georg dem Bärtigen verdankt, der 1524 den Buchdrucker WOLFG.
-STÖCKEL aus Leipzig nach Dresden berief, um reformatorische Schriften zu
-drucken. Stöckels Geschäft kam 1590 an die Familie BERGEN, in welcher
-es blieb, bis Meinhold es 1778 übernahm und bald zu einer grösseren
-Blüte brachte. Er druckte die sächsischen und polnischen Kassenbillets
-und Staatspapiere und machte auch glückliche Verlagsspekulationen. Im
-Jahre 1816 übergab er die Geschäftsleitung seinen Söhnen, von welchen
-CHRISTIAN IMMANUEL MEINHOLD es nach dem Tode des Vaters allein übernahm.
-Zu der Buchdruckerei fügte er Schrift- und Stereotypengiesserei. Seine
-Söhne JULIUS und THEODOR wurden 1855 Teilnehmer und von 1875 führte
-Julius das Geschäft allein fort und feierte am 28. Januar 1878 das
-hundertjährige Jubiläum der Firma.
-
-[Sidenote: Andere Offizinen.]
-
-Zu erwähnen sind noch namentlich B. G. TEUBNERS Filiale des Leipziger
-Geschäfts (6 Schp.), E. BLOCHMANN & SOHN (2 Rotm., 5 Schp.), der von
-Leipzig übersiedelte W. BAENSCH (8 Schp.), R. H. DIETRICH (8 Schp.),
-GLEISSNER (Rotm. und 7 Schp.), C. HEINRICH (12 Schp.), H. G. MÜNCHMEYER
-(9 Schp.), LIEPSCH & REICHHARDT (Rotm., 4 Schp.), J. PÄSSLER (7
-Schp.), AD. WOLF (7 Schp.). Von den lithographischen Anstalten waren
-früher besonders angesehen: H. HANFSTÄNGL und FÜRSTENAU, ersterer
-auf Grund seines Galeriewerkes, letzterer wegen seiner brillanten
-Accidenzarbeiten; jetzt sind die grössten Institute W. BRÜCKNER & CO. (8
-Schp., 6 Hdp.), R. BÜRGER (6 Schp., 5 Hdp.), R. FRIEDLÄNDER (7 Schp., 7
-Hdp.). Als Lichtdrucker haben RÖMMLER & JONAS (7 Schp.) bereits lange
-einen Namen. W. HOFFMANN arbeitet mit 8 Lichtdruckschnellpressen.
-Als Verlagsort hat Dresden Bedeutung durch seine Kunstverleger, als:
-E. ARNOLD, A. GUTBIER, HANFSTÄNGL, F. & O. BROCKMANN NACHFOLGER, G.
-GILBERS, H. KRONE u. a.
-
-In der Fabrikstadt CHEMNITZ beschäftigen sich die Buchdruckereien
-wesentlich nur mit Zeitungs- und Accidenzdruck. Einen ungewöhnlichen
-Umfang erreichte das Geschäft von PICKENHAHN & SOHN (1 Rotm., 20 Schp.
-und 150 Arb.). Unter den lithographischen Anstalten ist R. OSCHATZ (8
-Schp., 16 Hdp.) die grösste. BAUTZEN hat eine sehr leistungsfähige
-Steindruckerei und Luxuspapierfabrik, GEBR. WEIGANG (23 Schp., 12 Hdp.);
-in dem Fabrikort BUCHHOLZ liefert G. ADLER tüchtige Accidenzarbeiten für
-seine eigene bedeutende Cartonnagenfabrik. In PLAUEN wirkt ebenfalls
-für den Bedarf der Fabriken MOR. WIEPRECHT (6 Schp.), in MEISSEN C. E.
-KLINKICHT & SOHN (4 Schp.).
-
-Durch die Eisenbahnverbindung kann ALTENBURG fast als eine Vorstadt
-des typographischen Leipzig betrachtet werden. Wohlfeilere
-Lebensverhältnisse setzten in der tariflosen Zeit die dortigen
-Buchdrucker in den Stand, vorteilhaft mit den Leipzigern konkurrieren zu
-können. Diese Verhältnisse verstanden erst H. A. PIERER, welcher 1832
-das von dem Vater JOH. PIERER erworbene Druckgeschäft übernommen hatte,
-und dann dessen Söhne EUGEN und ALFRED mit Geschick zu benutzen, so dass
-das gut und mit genügenden Mitteln geleitete Geschäft den Leipziger
-Druckereien öfters eine schwer zu bestehende Konkurrenz bereitete. Das
-in Pierers Verlag erschienene »Universal-Lexikon« besass neben dem
-Brockhausschen Konversations-Lexikon ein grosses Ansehen, wenn auch die
-Verbreitung sich innerhalb mässiger Grenzen hielt[218].
-
- [218] Über Pierers Verhältnis zu Brockhaus und dessen
- Konversations-Lexikon, sowie über das Entstehen des
- Universal-Lexikons enthält das bereits erwähnte Werk des Dr. Ed.
- Brockhaus sehr interessante Details.
-
-Am 1. Januar 1872 ging die Druckerei in die Hände eines Leipziger
-Konsortiums über, unter Leitung des Mitbesitzers STEPH. GEIBEL. Die
-Offizin wuchs rasch (19 Schp.) und hat sich namentlich einen Ruf durch
-ihre Accidenzarbeiten erworben (S. 292).
-
-Thüringen hat viele gut eingerichtete aber keine besonders
-hervorragenden Druckanstalten aufzuweisen. In GERA lieferte ISSLEIB
-& RIETSCHELS Hofbuchdruckerei (6 Schp.) Beachtenswertes, namentlich
-im chemigraphischen Landkartendruck. HILDBURGHAUSEN hatte früher
-durch das Bibliographische Institut (S. 346) Bedeutung; eine tüchtige
-Druckanstalt daselbst ist noch die von GADOW & SOHN (5 Schp.). Die
-HOFBUCHDRUCKEREI in WEIMAR datiert aus dem Jahre 1624, als der an allen
-Kulturbestrebungen regen Anteil nehmende Herzog Friedrich Wilhelm von
-Sachsen in seinem Schloss eine Offizin errichten liess, in welcher er
-selbst und seine Gemahlin an dem Satz Lutherscher Werke arbeiteten. Die
-Hauptstücke der christlichen Lehre fasste er als Enchiridion für den
-Unterricht seiner beiden Töchter zusammen.
-
-Nach manchen Wandlungen durch zwei Jahrhunderte kam die Offizin in den
-Besitz HERMANN BÖHLHAUS[219], in welchem sie sowohl durch Arbeiten für
-den eigenen Verlag, wie für fremde Rechnung einen raschen Aufschwung
-genommen hat.
-
- [219] H. BÖHLAU, Zur Geschichte der Hofbuchdruckerei in Weimar.
- Einleitung zu seinem Verlagskatalog.
-
-Eine rastlose Thätigkeit entwickelte die Weimarer Druck- und
-Verlagsfirma B. F. VOIGT. Verfolgt sie auch keine idealen Zwecke, so
-hat sie doch durch ihren grossen technischen Verlag (gegen 1500 Artikel
-und 20 Zeitschriften), namentlich durch ihren »Schauplatz der Künste
-und Handwerke« in etwa 300 Werken, von welchen mehr als die Hälfte neue
-Auflagen (öfters sechs bis acht) erlebten, vieles zur Verallgemeinerung
-technischer Kenntnisse beigetragen. Die Natur des Verlages lässt keine
-Prachtwerke zu, doch sorgt die Firma für gute Ausführung der Werke
-sowohl als der vielen lithographischen Beilagen.
-
-[Sidenote: Justus Perthes * Septbr. 1785. [+] 1. Mai 1816.]
-
-[Sidenote: Bernh. Perthes * 27. Okt. 1857.]
-
-In GOTHA gehört die ENGELHARD-RHEYERSCHE Hofbuchdruckerei zu den besten
-Anstalten Deutschlands. Der Besitzer Fr. Engelhard hat sich ausserdem
-um die Organisation der Krankenkassen der Gehülfen sehr verdient
-gemacht. Einen Weltruf hat das geographische Institut von JUSTUS PERTHES
-erlangt. Der Gründer war JOH. GEORG JUSTUS PERTHES aus Rudolstadt; die
-ausschliesslich geographische Richtung erhielt das Geschäft erst durch
-den Sohn WILH. PERTHES, der auch den Gothaischen Hofkalender und den
-_Almanach de Gotha_ erwarb. Stielers Handatlas eröffnete die Reihe
-des bedeutenden kartographischen Verlags, bei welchem H. Berghaus, v.
-Stülpnagel, v. Spruner u. a. mitwirkten. Die grösste Blüte erlangte die
-Anstalt unter der Direktion des BERNHARD PERTHES, die noch während der
-Lebenszeit des Vaters begann, leider aber bereits vier Jahre nach des
-letzteren Tod ihre Endschaft erreichte.
-
-[Sidenote: Aug. Petermann »Mitteilungen«.]
-
-Unter der wissenschaftlichen Leitung des Dr. AUGUST PETERMANN
-bildete sich das Geschäft, unterstützt durch die seit 1855 monatlich
-erscheinenden »Mitteilungen aus Justus Perthes' geographischer Anstalt«,
-zu einem Mittel- und Einigungspunkte der Bestrebungen für die gesamte
-Erdkunde aus.
-
-Perthes' Absichten in technischer Beziehung gingen nicht darauf,
-alle graphischen Künste in ein äusserlich grosses Etablissement zu
-vereinigen, sondern er verteilte die Arbeiten auf etwa dreissig
-selbständige Unternehmer, welche nahe an 400 Arbeitern den Unterhalt
-brachten.
-
-In ERFURT geben die vielen Gärtnereien und die Eisenbahndirektion
-zu einem lebhaften Accidenzgeschäft Veranlassung. Die bedeutenderen
-Offizinen sind die von OHLENROTH (6 Schp.), FR. BARTHOLOMÄUS und G. A.
-KÖNIG. H. C. BESTEHORN in ASCHERSLEBEN beschäftigt 8 Schnellpressen und
-viele Arbeiter mit Luxuspapierfabrikation. TH. MÜLLER in NORDHAUSEN
-liefert mit 8 Schnellpressen Etiquetten, Geschäftspapiere u. dgl.
-
-[Sidenote: Die Cansteinsche Bibelanstalt.]
-
-In HALLE befindet sich die altehrwürdige Waisenhausbuchhandlung und
-Buchdruckerei nebst der damit verbundenen V. CANSTEINSCHEN BIBELANSTALT.
-Die erstere wurde 1697 durch den Pfarrer HEINR. JUL. ELERS als Teil
-der Franckeschen philanthropischen Stiftungen begründet[220]. Für eine
-Buchdruckerei wurde wenige Jahre nachher ein Privilegium erteilt. Die
-Cansteinsche Bibelanstalt ist durch die Anstrengungen des Barons CARL
-HILDEBRANDT VON CANSTEIN durch gesammelte Beiträge gegründet. Bereits
-1712 konnte das Neue Testament, 1713 die ganze Bibel gedruckt werden. v.
-Canstein starb am 19. Juli 1719, worauf Francke die Anstalt übernahm,
-die im Jahre 1713 ebenfalls eine eigene Buchdruckerei erhielt.
-
- [220] OSW. BERTRAM, Geschichte der Cansteinschen Bibelanstalt in Halle.
- 1863. -- Die Stiftungen A. H. FRANCKES. Halle 1863. -- G.
- KRAMER, A. H. FRANCKE. Halle 1880. -- Ann. d. Typ. 1873, Nr. 204
- u. 205.
-
-[Sidenote: O. Bertram [+] 10. April 1876.]
-
-Eine neue Epoche für dieselbe begann mit der Gründung der Britischen
-Bibelanstalt 1804 (S. 99) und der deutschen Hauptbibelgesellschaft.
-Im Jahre 1830 konnte die erste Schnellpresse aufgestellt und 1839
-eine Stereotypie eingerichtet werden. Die Zahl der von 1712-1872
-gedruckten Bibeln und Neuen Testamente betrug nahe an sechs Millionen.
-Seit dem Jahre 1860 sind die beiden Druckereien der Franckeschen
-Stiftungen im Betrieb vereinigt (12 Schp.) unter der sicheren Leitung
-des tüchtigen Buchdruckers C. BOBARD. Einen besonderen Aufschwung nahm
-die Buchhandlung seit 1858 unter der umsichtigen Direktion von OSW.
-BERTRAM, der sich auch um den Deutschen Buchdrucker-Verein sehr verdient
-gemacht hat. Sein Nachfolger ist der durch seine höchst verdienstlichen
-bibliopolischen Schriften bekannte AUG. SCHÜRMANN[221].
-
- [221] Die Usancen des deutschen Buchhandels. 2. Aufl. Leipzig 1867. --
- Magazin für den deutschen Buchhandel 1874-1876 u. a.
-
-[Sidenote: Carl August Schwetschke * 29. Sept. 1756.]
-
-[Sidenote: Dr. Carl Gust. Schwetschke * 5. April 1805, [+] 5. Okt. 1881.]
-
-Ein angesehenes Geschäft ist das Gebauer-Schwetschkesche. CARL AUGUST
-SCHWETSCHKE aus Glauchau kam 1783 als Faktor in die Buchhandlung der
-Witwe HEMMERDE, welche ihn 1788 als Mitbesitzer aufnahm. Die Firma wurde
-nun Hemmerde & Schwetschke und, als des letzteren Sohn CARL FERDINAND
-im Jahre 1828 eintrat, SCHWETSCHKE & SOHN. Im Jahre 1820 war ihm die
-Gebauersche Buchhandlung und Buchdruckerei zugefallen, die er als
-besonderes Geschäft seit 1828 mit seinem jüngeren Sohne Dr. CARL GUSTAV
-SCHWETSCHKE fortführte.
-
-Bereits am 30. September 1878 konnte die Familie eine dreifache
-Jubelfeier begehen, die des hundertjährigen Bestehens des Geschäfts,
-die fünfzigjährige der geschäftlichen Wirksamkeit Dr. Gustavs und
-die fünfundzwanzigjährige derjenigen seines Sohnes Carl Ferdinand.
-Zu den bedeutenden Unternehmungen der Firma gehören: _Suidae Lexicon
-graece et latine_ und _Freytagii Lexicon arabico latinum_. Dr. G.
-Schwetschke erwarb sich einen bekannten und beliebten Namen durch seine
-litterarischen Arbeiten[222].
-
- [222] Vorakademische Buchdruckergeschichte von Halle. 1840. -- _Codex
- nundinarius Germaniae literatae bisecularis_ 1850. -- In
- weiteren Kreisen fanden grossen Beifall seine prosaischen und
- poetischen Schriften in korrumpiertem Latein, darunter _Novae
- epistolae obscurorum virorum_.
-
-Die frühere Bedeutung MAGDEBURGS als Druckplatz ging bald verloren.
-Erst durch ED. HÄNEL (S. 281), dessen Etablissement noch heute
-besteht, gewann es wieder einen Namen. Zu nennen sind besonders
-das Etablissement von E. BAENSCH JUN. (10 Schp.) und die Druckerei
-der Brüder ALEXANDER und ROBERT FABER, welche die in ihrem Verlage
-erscheinende »Magdeburgische Zeitung«, die eine einflussreiche Stellung
-und eine grosse Verbreitung erreicht hat, mit 3 Rotationsmaschinen und 5
-Schnellpressen druckt.
-
-[Sidenote: Fr. Vieweg [+] 25. Dez. 1835.]
-
-[Sidenote: Ed. Vieweg * 15. Juli 1797, [+] 1. Dez. 1869.]
-
-BRAUNSCHWEIG hat, obwohl nicht durch besondere örtliche Verhältnisse
-begünstigt, eine ziemlich bedeutende Rolle in der deutschen Typographie
-gespielt. Hier wirkte die Firma VIEWEG & SOHN, welche durch ihr Beispiel
-grossen Einfluss auf die Fortschritte in der deutschen Bücherausstattung
-geübt hat. Der Begründer des Geschäfts war FR. VIEWEG (1799), den
-Höhepunkt erreichte dasselbe nach dem Beitritt des Sohnes HANS HEINRICH
-EDUARD VIEWEG im Jahre 1825. Er war zu Berlin geboren und hatte sich für
-seinen Beruf in Frankreich ausgebildet. In Paris schloss er eine für
-das Leben dauernde Freundschaft mit dem berühmten Chemiker Justus v.
-Liebig, die für Viewegs geschäftliche Wirksamkeit von grösstem Einfluss
-wurde. Aus England brachte er die erste Columbiapresse nach Deutschland
-und unternahm es, auf der Zorger Eisenhütte im Harz dergleichen Pressen
-bauen zu lassen (S. 316).
-
-[Sidenote: Einfluss Viewegs.]
-
-Vieweg wurde ein Bahnbrecher für den guten typographischen Geschmack.
-Durch die Verwendung des instruktiven Holzschnittes in einem Maasse, wie
-früher nicht gekannt war, hat er ganz ausserordentlich zu der wahren
-Popularisierung der Wissenschaft, welche nicht mit dem oberflächlichen
-Naschen durch Hülfe zusammengeschriebener, sogenannter populärer
-Litteratur verwechselt werden darf, beigetragen. Seine Druckwerke,
-zu denen die eigenen Werkstätten die Schriften, die Holzschnitte
-und das Papier lieferten, waren ein Spiegelbild seiner eigenen
-Persönlichkeit. Alles durch und durch _gentlemanlike_: gediegenes
-Innere in einfach nobler Hülle. Das ganze Viewegsche Institut erinnert
-an die besten Werkstätten der früheren Blütezeit der Typographie mit
-ihren begeisterten, nach einem festen Ziele strebenden Leitern. Für das
-allgemeine Interesse des Buchgewerbes trat Vieweg stets mit Energie ein.
-Er unterlag in seinem 73. Jahre langen und schweren Leiden. Das Geschäft
-blüht fort und beschäftigt 14 Schnellpressen und 10 Handpressen.
-
-[Sidenote: G. Westermann * 23. Febr. 1810, [+] 7. Sept. 1869.]
-
-In ähnlicher Weise wie Vieweg wirkte GEORGE WESTERMANN, welcher mit
-seiner 1838 gegründeten Buchhandlung 1845 eine Buchdruckerei vereinigte.
-Beide Geschäftszweige gelangten zur vollen Blüte und die Westermannschen
-Leistungen sind ebenso vorzüglich wie seine Offizin (15 Schp.) eine
-schön eingerichtete ist. Unter seinen Verlagsunternehmungen sind am
-bekanntesten seine nach amerikanischem Muster angelegten illustrierten
-»Westermanns Monatshefte« (seit 1856). Durch E. Gäbler errichtete er
-in Leipzig eine chemitypische Anstalt, in welcher er seine äusserst
-billigen Kartenwerke herstellte. Von Langes Schulatlas ist bereits mehr
-als eine Million Exemplare verbreitet.
-
-Unter den Druckanstalten Braunschweigs nimmt auch die von JULIUS KRAMPE
-(1 Rotm., 8 Schp.) einen angesehenen Platz ein. Die lithographische
-Anstalt der Firma H. LITOLFF (8 Schp., 5 Hdp.) druckt den bedeutenden
-Musikalien-Verlag der Firma.
-
-[Sidenote: Dr. H. Meyer.]
-
-An Braunschweig und die Firma JOH. HEINR. MEYER knüpft sich noch die
-Erinnerung an einen Mann, der von den deutschen Typographen stets hoch
-in Ehren gehalten zu werden verdient. Wie Vieweg auf dem praktischen
-Wege bahnbrechend wirkte, so Dr. HEINRICH MEYER auf dem theoretischen
-durch sein »Journal für Buchdruckerkunst«. Dasselbe wurde 1834
-begründet, zu einer Zeit des regsten Schaffens auf allen graphischen
-Gebieten. Kaum eine Woche verging, welche nicht eine Verbesserung,
-eine neue Schrift, eine neue Maschine u. dgl. brachte. Das Verdienst,
-alle diese Neuheiten nicht nur gewissenhaft registriert, beschrieben
-und abgebildet, sondern auch ihrem wahren Werte nach unparteiisch und
-nüchtern beurteilt zu haben, gehört Meyer. Fast immer war sein Urteil
-zutreffend und die Zukunft lehrte gewöhnlich, wie recht er gehabt
-hatte. In seiner Selbstlosigkeit war ihm die Sache alles; nie liess
-er sich von persönlichen Sympathien bestechen oder von Antipathien
-zu Ungerechtigkeiten hinreissen; sein Blatt blieb frei von allem
-Koteriewesen. In seinem Urteil war er mild, konnte jedoch auch, wenn es
-sein musste, gegen anmassende Dummheit derb, jedoch nie gehässig werden.
-
-Dr. Meyer starb am 4. November 1863, schwerlich Feinde hinterlassend,
-wohl aber viele Freunde, die seinen Hingang als einen schweren Verlust
-für die deutsche Typographie betrauerten.
-
-Nach seinem Tode litt das Blatt unter einem langen Schwanken in den
-redaktionellen Verhältnissen, bis im Herbst 1872 THEODOR GOEBEL, an
-Kenntnissen und Sammelfleiss Meyer ebenbürtig, die Redaktion antrat und
-bis zum Herbst 1879 fortführte. Namentlich seine vielen ausführlichen
-und sachkundigen Ausstellungsberichte bieten wichtige Beiträge zur Kunde
-der Fortschritte auf allen graphischen Gebieten. Nach Goebels Rücktritt
-folgte wieder eine Periode der Unsicherheit, bis das Blatt im Herbst
-1881 in den Verlag und in die Redaktion von FERD. SCHLOTKE in Hamburg
-überging.
-
-Das »Journal für Buchdruckerkunst« wird bald sein fünfzigjähriges
-Bestehen feiern können. Es bleibt die wichtigste Quelle für die
-Geschichte der typographischen Entwickelung in dem letzten halben
-Säkulum, in dessen Gewirr es einer späteren Generation schwer werden
-würde, sich ohne seine Hülfe zurechtzufinden.
-
-
-[Illustration]
-
- XIII. KAPITEL.
-
- DER NORDEN DER GERMANISCHEN GRUPPE.
-
- BERLIN: wachsende Bedeutung. Die Familie Decker, Unger Vater und Sohn,
- Gebr. Unger, Familie Spener, Reimer, Mittler u. a. Ed. Hänel-Gronau.
- Die Zeitungsdruckereien. Die Accidenzdruckereien. Die
- lithographischen und sonstigen Kunstanstalten. Breslau. Frankfurt a.
- O. Posen. Königsberg. Danzig. Stettin. Lübeck. Hamburg. Bremen.
- Hannover. Köln: Die Offizin der »Kölnischen Zeitung«.
-
-[Sidenote: Allmähliche Fortschritte.]
-
-Berlin hatte, als die neue Periode der Buchdruckerkunst anfing, noch
-keine Bedeutung als Druckstadt; dieselbe zeigte sich erst nach und
-nach unter der Regierung des grossen Königs, hielt jedoch immer noch
-nicht Schritt mit der zunehmenden Bedeutung der Residenz eines mächtig
-emporblühenden Landes.
-
-[Sidenote: Die Hofbuchdrucker.]
-
-Im Jahre 1757 wurde CHRIST. FRIEDR. HENNING zum zweiten deutschen
-Hofbuchdrucker ernannt mit der Aussicht, die Stelle des ersten, CHR.
-ALB. GÄBERTS, nach dessen Tode zu erhalten. Neben den »deutschen
-Hofbuchdruckern« gab es auch »französische«. Den Titel eines solchen
-hatte bereits 1696 ROBERT ROGER aus Amsterdam. In dem Jahre 1718 ging
-Rogers Offizin in die Hände J. G. MICHAELIS über. Er sowohl als Henning
-waren sehr tüchtige Buchdrucker, die einen wesentlichen Anteil an der
-Hebung des typographischen Geschmacks in Berlin hatten.
-
-[Sidenote: Die Familie Decker.]
-
-Die berühmtesten Hofbuchdrucker gehörten jedoch der Familie DECKER an,
-der eine so glänzende Rolle zufiel, wie wenigen in Deutschland[223].
-
- [223] AUG. POTTHAST, Die Abstammung der Familie Decker. Berlin 1863. --
- Börsenbl. f. d. d. B. Januar 1877. -- Ann. d. Typ. 1877, Nr. 388.
-
-[Sidenote: Joh. Jac. I Decker * 1635.]
-
-Die Familie stammt aus Eisfeld im Thüringschen. Der am 23. April
-1596 geborne Georg Decker siedelte nach Basel über und erwarb 1635
-durch Heirat mit der Witwe des Buchdruckers Johann Schröter dessen
-Offizin, die er so rasch zur Blüte brachte, dass er bereits 1636 zum
-Universitätsbuchdrucker ernannt wurde. Sein Sohn und Nachfolger JOHANN
-JACOB I zog 1680 mit einem Teile der Druckerei nach Neu-Breisach, um
-Drucker des dortigen französischen Gerichtshofes zu werden.
-
-[Sidenote: Joh. Jac. II Decker * 1666, [+] 1726.]
-
-[Sidenote: J. Heinr. I Decker * 18. März 1679, [+] 29. Dez. 1741.]
-
-Von dessen beiden Söhnen JOHANN JACOB II und HEINRICH I führte der
-erste, als der Vater nach Breisach übersiedelte, das Geschäft in Basel
-fort und behielt nach dessen Tode im Interesse der Familie die Leitung,
-erwarb jedoch ausserdem die dortige Ludinsche, früher Henric Petrische
-Offizin. Der Bruder Joh. Heinrich I gründete in Colmar, welches durch
-den Ryswicker Frieden 1697 französisch geworden war, eine Offizin, um
-Regierungsarbeiten zu drucken.
-
-[Sidenote: Joh. Heinr. II Decker.]
-
-Der kinderlose JOH. JACOB II vermachte sein Geschäft dem JOH. HEINRICH
-II, Sohn des Heinrich I, welcher ausserdem mit Erfolg das Colmarer
-Geschäft fortsetzte. Leider wurde er durch einen Verwandten zur Gründung
-einer Papierfabrik veranlasst, welche ihn in Verlegenheiten und
-Verdriesslichkeiten verwickelte, die ihn so erschütterten, dass er in
-einen Zustand von Geistesschwäche verfiel, unter welchem das Geschäft
-fast zugrundeging.
-
-[Sidenote: G. Jac. I Decker * 12. Febr. 1732, [+] 17. Nov. 1799.]
-
-Johann Heinrich II hatte zwölf Kinder, unter diesen GEORG JACOB I.
-Derselbe lernte die Buchdruckerei, studierte dann in Strassburg, wo
-er im Hause seines Oheims, des bekannten Geschichtschreibers der
-Typographie, Joh. Schöpflin, gute Aufnahme und Nahrung für seine Liebe
-zur Typographie fand. Im Jahre 1750 ging Georg Jacob auf Reisen und kam,
-nachdem er vergeblich Aufnahme in der Breitkopfschen Offizin in Leipzig
-gesucht hatte, nach Berlin, wo er sechs Monate in der Henningschen
-Druckerei arbeitete.
-
-[Sidenote: Joh. Grynäus.]
-
-Ein französischer Emigrant ARNOLD DUSSARRAT hatte 1713 Konzession für
-eine französische Buchdruckerei erhalten, welche sich 1721 in den Händen
-des JOHANN GRYNÄUS aus Basel befand. Letzterer kam, obwohl ein tüchtiger
-Mann, nicht vorwärts, und die Druckerei befand sich bei seinem Tode 1740
-in misslicher Lage. Als Helfer trat nun Georg Jacob heran, der mit der
-Tochter des Grynäus, Louise Dorothea, einen Bund des Herzens geschlossen
-hatte. Nachdem er erst Ordnung in die verwickelten Angelegenheiten
-des väterlichen Geschäfts in Basel gebracht hatte, infolge welcher
-das Colmarer Haus auf den Bruder Johann Heinrich III überging, dessen
-Nachkommen noch in Besitz des dortigen angesehenen Geschäfts sind,
-übernahm Georg Jacob die alleinige Leitung der Grynäusschen Offizin
-und wurde 1756 Mitbesitzer, wodurch sich die Firma in GRYNÄUS & DECKER
-änderte.
-
-[Sidenote: Grynäus & Decker.]
-
-Der nun folgende rasche Aufschwung konnte nicht einmal durch
-den siebenjährigen Krieg gehemmt werden, da die grosse Zahl von
-Flugschriften und Neuigkeitsblättern eine lebendige geschäftliche
-Bewegung veranlasste. Nach dem Einzug der Russen in Berlin hielt
-der verschiedentlich kompromittierte Decker es jedoch für geraten,
-zeitweilig die Stadt zu verlassen.
-
-Im Jahre 1763 wurde er alleiniger Inhaber des Geschäfts und von nun war
-sein Glück in stetem Wachsen. Er erhielt das Direktoriat der für das
-Lotto errichteten königlichen Druckerei mit einem Gehalt von 300 Thalern
-und nach erfolgtem günstigen Urteil der Akademie der Wissenschaften den
-Titel eines Hofbuchdruckers mit der Anwartschaft auf die klingenden
-Vorteile eines solchen. Die Versuche Deckers, diese Stellung sich
-erblich zu sichern, strandeten damals, ohne dass er deshalb den Gedanken
-daran aufgab.
-
-[Sidenote: Schriftgiesserei in Berlin.]
-
-[Sidenote: Decker erblicher Hofbuchdrucker.]
-
-Mit der Schriftgiesserei in Preussen war es noch schlecht bestellt.
-Seit Thurneyssers Anlauf (I, S. 152) war Berlin bis 1743 ohne
-Schriftgiesserei, und spätere Versuche waren nicht günstig abgelaufen.
-Das war für Decker ein günstiger Moment. Er kaufte die besten
-Baskervilleschen und Fournierschen Matern und liess einen gut geschulten
-Faktor kommen, versprach auf seine Kosten eine tüchtige Schriftgiesserei
-einzurichten und »alle französischen Bücher von Wert nachzudrucken,
-wodurch viel Geld dem Lande erhalten werden würde«. Dies schlug bei
-dem König, dem der _nervus rerum_ stets wichtig war, durch, und am 4.
-Januar 1769 erhielt Decker die erbliche Würde eines Hofbuchdruckers,
-ausserdem ein Privilegium für die nachzudruckenden Bücher. Der König
-blieb Decker stets gewogen und gehörte als Schriftsteller zu dessen
-Kunden; eine solche war auch die Königin Elisabeth Christine, die sich
-mit der Herausgabe frommer Bücher beschäftigte.
-
-[Sidenote: Aufblühen des Verlagsgeschäfts.]
-
-Das frischere geistige Leben, welches seit dem Hubertusburger Frieden
-1763 in Berlin pulsierte, unterliess nicht, seinen Einfluss auf das
-Deckersche Geschäft zu üben. Georg Jacob trat in Verbindung mit den
-vielen schriftstellerischen Berühmtheiten und fing nun 1769 selbst an
-zu verlegen, und zwar mit einem solchen Eifer, dass die Zahl seiner
-Verlagsartikel bald an 400 betrug. Damals begann auch allgemein eine
-bessere Ausstattung der Bücher; selten erschien ein solches ohne Zuthat
-bildlichen Schmuckes namentlich unter der Mitwirkung Chodowieckis.
-Die Druckerei war hierdurch und durch fremde Arbeiten so stark
-beschäftigt, dass Decker viele Aufträge auswärts ausführen lassen
-musste. Als Verleger ging er jährlich zweimal zur Messe nach Leipzig,
-wo er in freundschaftlichem, zugleich geschäftlichem Verkehr mit
-Bernhard Breitkopf, später mit dessen Sohn Immanuel, stand. Das Baseler
-Geschäft wurde von ihm und dem Bruder in Colmar der Direktion eines
-Geschäftsführers überlassen.
-
-[Sidenote: Gunst Friedrich Wilhelms II.]
-
-Nach dem Tode Friedrichs II. 1786 bestätigte der König Friedrich Wilhelm
-II. nicht allein die Privilegien Deckers, sondern er hatte ausserdem
-Decker und der Vossschen Buchhandlung das Recht gewährt, französische
-und ins Deutsche übersetzte Werke Friedrich des Grossen zu drucken unter
-der Bedingung, dass sie in einer besonderen, im königlichen Schlosse zu
-Potsdam dazu angewiesenen Lokalität hergestellt wurden. Decker stellte
-schleunigst zehn und dann noch weitere zehn Pressen auf und schon im
-Frühjahr 1789 waren die 25 Bände der Werke gedruckt. Der König war mit
-der raschen Ausführung so zufrieden, dass er Decker, als besonderen
-Beweis seiner Gnade, für sich und seine Erben für alle Zeiten zum
-Geheimen Ober-Hofbuchdrucker ernannte. Die Ausgabe genügte jedoch nicht
-in derselben Weise den Anforderungen der Kritik. Die Redaktion war
-eine des grossen Autors ganz unwürdige. Hierdurch und auf Grund von
-Nachdrucken wurde das Unternehmen für die Verleger ein verfehltes.
-
-[Sidenote: Letzte Jahre G. Jacobs I.]
-
-Das Ziel von Deckers Ehrgeiz war erreicht. Das Glück hatte ihn im
-Geschäft und in der Familie begünstigt. Vier Töchter verheirateten sich
-mit Männern von Fach, den Brüdern Christ. Spener und Joh. Carl Spener,
-dem Buchhändler H. A. Rottmann und dem berühmten Schriftgiesser Wilh.
-Haas d. ä. in Basel. Der Mann der fünften Tochter, Ph. Rosenstiel, war
-zwar Oberfinanzrat, spielte jedoch auch in der geschäftlichen Geschichte
-der Familie eine Rolle.
-
-Beim Eintritt in sein 60. Jahr am 25. Juni 1792 überliess Georg Jacob I
-seinem Sohne GEORG JACOB II sein Geschäft käuflich und führte im Kreise
-der Seinigen sowie von Künstlern und Männern der Wissenschaft ein,
-wennauch mit körperlichen Leiden verbundenes so doch heiteres Leben, bis
-der Tod den Achtundsechzigjährigen am 17. November 1799 abrief.
-
-[Sidenote: Georg Jacob II * 9. Novbr. 1765, [+] 26. Aug. 1819.]
-
-Der Sohn Georg Jacob II hatte die Buchdruckerei im väterlichen Hause
-und bei H. G. Effenbart in Stettin, den Buchhandel bei Treuttel & Würtz
-in Strassburg gelernt und sich auf längeren Reisen weiter ausgebildet.
-Teilhaber des Geschäfts war er bereits 1788 geworden.
-
-[Sidenote: Zensurschwierigkeiten.]
-
-Ihm sollte das Leben nicht ohne schwere Sorgen und harte Prüfungen
-verlaufen. Ein Hemmnis für die Verlagsthätigkeit Deckers wie für den
-ganzen Buchhandel wurden die schon im Jahre seines Eintritts in das
-Geschäft 1788 erfolgenden Edikte des Ministers Wöllner, die besonders
-empfindlich die Zeitungen trafen, von welchen eine nach der andern
-einging. Die Verlagshandlung wurde von der Druckerei getrennt und in
-die Hände Rottmanns, unter dessen Firma, gelegt, dafür wurde aller
-Fleiss und jede Mühe auf die Verbesserung der Buchdruckerei und der
-Schriftgiesserei seitens Georg Jacob d. j. verwendet. Er schaffte Matern
-von Bodoni, W. Haas und Didot an, sowie das beste Material für die Typen
-und die Farbe.
-
-[Sidenote: Das Posener Geschäft.]
-
-Die Regierung wünschte in dem durch die zweite Teilung Polens ihm
-zugefallenen Posen die Anlage einer Druckerei. Decker kam den
-vertraulichen Aufforderungen nach. Das Unternehmen machte ihm jedoch
-viele Sorgen und ging 1819 in die Hände des Schwagers Deckers,
-Rosenstiel, für dessen Sohn über.
-
-[Sidenote: Kalamitäten des Baseler Geschäfts.]
-
-Noch grössere Sorgen sollte ihm das Baseler Geschäft bereiten. In
-dieses hatte er einen sehr talentvollen, jedoch extravaganten Mann,
-Maximilian Schoell, erst als Disponent, dann als Teilhaber aufgenommen,
-der, nicht zufrieden mit der buchhändlerischen Wirksamkeit, Decker
-in Banquierunternehmungen verwickelte und ihn in ein seine Existenz
-bedrohendes Meer von Sorgen stürzte, so dass dieser noch froh sein
-musste, das Baseler Geschäft mit einem Verlust von 180000 Livres an den
-dortigen Buchdrucker und Verleger Thurneisen übergeben zu können.
-
-[Sidenote: Die Notjahre Preussens.]
-
-Auch in Berlin sollten schwere Schläge nicht ausbleiben. Die
-fortwährende Ausdehnung des dortigen Geschäfts hatte den Erwerb eines
-schönen Grundstückes in der Wilhelmstrasse veranlasst. Die Notjahre
-Preussens konnten jedoch nicht spurlos an Decker vorübergehen. Keine
-Schwierigkeiten vermochten indessen seine Energie und Anstrengungen
-für die technischen Fortschritte in der Druckerei zu schwächen. So
-war er der erste in Berlin, der die grossen Erfindungen der Neuzeit,
-die Lithographie, die eiserne Presse, die Stereotypie einführte, mit
-seinem Schwager Spener der erste in Deutschland, der eine Schnellpresse
-erwarb. Die Freude, letztere in Gang zu sehen, als Lohn für seine dabei
-bewiesene Opferwilligkeit, war ihm nicht beschieden.
-
-[Sidenote: Tod G. Jacob II Deckers.]
-
-So überstand Decker rüstig und mutvoll kämpfend die schweren Jahre,
-obwohl er während der französischen Okkupation an 80000 Thaler Lasten
-und Verluste zu tragen hatte. Vom Jahre 1813 aber trat wieder eine so
-starke Beschäftigung ein, dass er sich für die gehabte Not reichlich
-entschädigt sah. Nach langen Leiden entschlief er am 26. August 1819.
-
-Über acht Jahre lang wurde das Geschäft unter Vormundschaft vortrefflich
-weiter geleitet, bis am 31. Januar 1828 der jüngste Sohn Rudolf Ludwig
-nach erreichter Volljährigkeit mit dem älteren Bruder CARL GUSTAV (der
-älteste der Brüder war bereits gestorben) das Geschäft übernahm, welches
-nach dem bereits 1829 erfolgenden Tode Carl Gustavs dem Rudolf allein
-zufiel.
-
-[Sidenote: Rudolf Decker * 8. Jan. 1804, [+] 12. Jan. 1877.]
-
-RUDOLF DECKER war durch eine vorzügliche technische und
-wissenschaftliche Ausbildung auf das beste für seinen Beruf vorbereitet
-und widmete sich mit vollem Eifer demselben. Durch ihn erreichte der Ruf
-des Hauses seinen Höhepunkt.
-
-Seine Aufmerksamkeit war namentlich der Schriftgiesserei gewidmet, in
-welcher er sich sowohl im väterlichen Hause, wie in der Schriftgiesserei
-Molé in Paris tüchtige Kenntnisse erworben hatte. Mit besonderer
-Vorliebe pflegte er die Fraktur (S. 285). Die Bestrebungen der
-Schriftgiesserei fanden Ausdruck in der grossen für die erste
-Londoner Ausstellung 1851 angefertigten und später vervollständigten
-Schriftprobe. Die Akademie der Wissenschaften in Berlin übertrug
-Decker den Schnitt ihrer koptischen, arabischen, Sanskrit- und anderen
-orientalischen Schriften, die in fast allen Universitätsbuchdruckereien
-eingeführt wurden. Für diese Arbeiten wirkten die Schriftschneider
-Beyerhauss, J. Schilling, Wotze, Schultz, Krumwiede u. a.
-
-[Sidenote: Prachtwerke.]
-
-[Sidenote: _[Oe]uvres de Frédéric le Grand._]
-
-Die Druckerei blieb nicht zurück, und lieferte Werke, die für alle
-Zeiten ihren Rang behaupten werden. Anlässlich der Gutenbergfeier
-1840 wurde das Prachtwerk »Zwanzig alte Lieder von den Nibelungen«
-herausgegeben von Prof. Carl Lachmann mit eigens dazu in Annäherung
-an die gothische Schrift geschnittenen Typen gedruckt. Eine wahre
-Zierde der deutschen Druckkunst und Xylographie ist die Jubelausgabe
-der _[Oe]uvres de Frédéric le Grand_, 30 Bände Quart, durch welche
-die redaktionellen Fehler der ersten Ausgabe in gelungenster Weise
-gutgemacht wurden. Die Redaktion leitete auf Veranlassung des Königs
-Friedrich Wilhelm IV. Professor Preuss. Das Werk, mit den trefflichsten
-Holzschnitten von Unzelmann und den Brüdern Vogel nach den genialen
-Zeichnungen Menzels geschmückt, wurde in 200 Exemplaren gedruckt, die
-nur zum Verschenken bestimmt waren. Nichts wurde an Arbeit, Material und
-Kosten verabsäumt, um ein wahres Meisterwerk zu schaffen, welches, 1844
-begonnen, erst nach dem Tode des königlichen Förderers 1860 vollendet
-wurde[224].
-
- [224] Durch eine mit allerhöchster Erlaubnis dem Buchhändler Rud.
- Wagner in Berlin gestattete Ausgabe der Holzschnitte, welche ganz
- vorzüglich in der Staatsdruckerei ausgeführt wurde, sind diese
- glänzenden Schöpfungen Menzels dem Publikum seit dem Jahre 1882
- zugänglicher geworden.
-
-[Sidenote: Das Neue Testament.]
-
-[Sidenote: Das Krönungswerk.]
-
-Ein Druckwerk ersten Ranges ist ebenfalls das nur in 80 Exemplaren
-für die Londoner Ausstellung ausgeführte »Neue Testament« nach Luther
-in gr. Folio mit bildlichem Schmuck von Cornelius und Kaulbach. Als
-eine »grosse« Leistung in den verschiedenen Bedeutungen des Wortes
-ist die Krönung I. M. des Königs Wilhelm und der Königin Augusta am
-18. Oktober 1861 zu nennen. Das Buch hat eine Höhe von 74 cm und eine
-Breite von 53 cm; aufgeschlagen bedeckt es eine Tischfläche von 7844
-[Quadrat]cm. Die 135 Blätter des Buches sind einzeln gedruckt und auf
-Falz geklebt. Typographisch konnte das Werk nicht besser ausgeführt
-sein, als geschehen. Die edle Einfachheit verdient volles Lob. Von den
-genealogischen Tafeln misst die eine in der Länge 416 cm. Kopf- und
-Schlussvignetten sind dem einfachen Stil des Werkes angepasst. Das Buch
-hat eine besonders interessante Geschichte. Zweimal wurde der Druck
-durch Kriege unterbrochen und als es im Sommer 1872 erschien, konnte der
-Bericht über die Krönung des preussischen Königs Wilhelm dem deutschen
-Kaiser Wilhelm dediziert werden.
-
-[Sidenote: Lieder des Mirza Schaffy.]
-
-Rudolf von Deckers -- denn er war anlässlich des hundertjährigen
-Bestehens des Hauses in den Adelsstand erhoben -- letzte typographische
-That war die Jubelausgabe der »Lieder des Mirza Schaffy«, ein
-Prachtwerk, in welchem die Leistungen der Typographie und der
-Chromolithographie sich den Rang streitig machen.
-
-Doch nicht nur die Prachtwerke, sondern jede auch die gewöhnlichste
-Arbeit wurde mit der grössten Sorgfalt behandelt. So waren das Coursbuch
-und nicht minder die demselben beigegebene typographisch ausgeführte
-Eisenbahnkarte, eine Arbeit des späteren Frankfurter Buchdruckers A.
-Mahlau, ganz vorzügliche Leistungen. Zu dem umfangreichen Geschäft
-erwarb R. Decker im Jahre 1852 noch die Papierfabrik Eichberg in
-Schlesien.
-
-Wennauch das Verhältnis zu der Regierung dem Deckerschen Geschäft
-ausserordentliche Vorteile brachte, so lässt es sich andererseits nicht
-in Abrede stellen, dass die Reihe der Besitzer ernstlich bemüht war,
-ihre Anstalt auf eine Stufe, die einer solchen bevorzugten Stellung
-entsprach, zu bringen und auf einer solchen zu erhalten[225].
-
- [225] Die letzte Wandlung der Anstalt wird weiter unten zu behandeln
- sein.
-
-[Sidenote: J. G. Unger * 26. Okt. 1715, [+] 15. Aug. 1788.]
-
-[Sidenote: J. F. Unger * 1753, [+] 26. Dezb. 1804.]
-
-Unter den älteren Buchdruckereien Berlins aus dieser Periode werden
-mit besonderer Achtung Unger Vater und Sohn genannt. Ersterer, JOHANN
-GEORG UNGER, bei Pirna geboren, kam 1740 als Drucker nach Berlin. Er
-etablierte sich hier als Formenschneider und starb als angesehener
-Künstler[226]. Der Sohn JOHANN FRIEDRICH UNGER erfreute sich ebenfalls
-eines guten Rufes als Formenschneider, erwarb 1780 eine Buchdruckerei
-und legte 1791 eine Schriftgiesserei an, namentlich um die Didotschen
-Schriften allgemein einzuführen, welche damals so sehr beliebt waren,
-dass die Fraktur Gefahr lief, von ihnen verdrängt zu werden (S. 283).
-Später wendete sich jedoch Unger, wie früher Breitkopf, der Fraktur zu,
-suchte aber das Heil für diese auf einem Irrwege durch Annäherung ihrer
-Formen an die runde Antiqua. In dieser Weise schuf er die sogenannten
-Ungerschen Lettern und liess diese durch Joh. Chr. Gubitz, den er aus
-der Breitkopfschen Offizin in Leipzig engagiert hatte, schneiden, welche
-Schriften sich jedoch nicht einbürgern wollten[227]. Im Jahre 1800 wurde
-Unger zum Professor ernannt. Nach seinem Tode konnte die Witwe trotz
-all ihrer Tüchtigkeit und Arbeitsamkeit doch nicht das weitverzweigte
-Geschäft in dem bisherigen Schwung erhalten. Während der Drangsale der
-Kriegsjahre verfiel es nach und nach und gelangte 1821 zum grossen Teil
-in den Besitz von TROWITZSCH & SOHN, die den grössten Kalenderverlag
-haben und mit der umfangreichen Buchdruckerei (9 Schp.) eine bedeutende
-Schriftgiesserei verbinden.
-
- [226] J. FR. UNGER, Denkmal eines Berlinischen Künstlers und braven
- Mannes, von seinem Sohne. Berlin 1789.
-
- [227] J. FR. UNGER, Probe einer neuen Art deutscher Lettern. Berlin
- 1793. -- Die zweite Probe erschien unter der Form: »Die neue
- Cäcilia«, 1794. Unger schrieb ferner: »Etwas über die Holz- und
- Formschneidekunst«.
-
-[Sidenote: Gebr. Unger.]
-
-Mit der genannten Familie Unger stehen die Gründer der Firma GEBR.
-UNGER in keiner verwandtschaftlichen Beziehung. OTTO LUDWIG UNGER[228]
-und JUL. FERD. UNGER erwarben 1824 die von F. W. MAAS gegründete
-Buchdruckerei. Der Sohn des Julius, CARL JOH. FRIEDR. UNGER, ward 1856
-Hofbuchdrucker. Die an orientalischen Schriften reiche Offizin lieferte
-viele vorzügliche Werkdrucke.
-
- [228] Schrieb flüchtige Blicke auf die letzten 40 Jahre der
- Buchdruckerkunst. Berlin 1840.
-
-Die von CHR. S. SPENER 1773 erworbene Buchdruckerei ging bei dessen Tod
-1813 auf seinen Bruder J. K. PH. SPENER über, der mit derselben 1815
-die, 1785 gegründete, vorzügliche Offizin von G. H. WEGNER vereinigte.
-Wie erwähnt, führte er zugleich mit Decker die Schnellpresse in Berlin
-ein (S. 308). 1826 gingen das Geschäft und die »Berlinischen Nachrichten
-von Staats- und gelehrten Sachen« in den Besitz des Bibliothekars Dr. S.
-H. SPIKER über.
-
-[Sidenote: G. A. Reimer * 27. Aug. 1776, [+] 26. April 1842.]
-
-[Sidenote: C. Reimer [+] 29. Juli 1859.]
-
-G. A. REIMER aus Greifswalde war eine der Zierden des deutschen
-Buchhandels, ebenso bekannt durch seine patriotische Gesinnung als seine
-geschäftliche Tüchtigkeit. Im Jahre 1817 legte er eine Buchdruckerei für
-seinen eigenen Bedarf an. Zu seinem bedeutenden Verlag erwarb er noch
-die Weidmannsche Buchhandlung in Leipzig und gehörte somit sowohl Berlin
-als Leipzig an. Der Weidmannsche Verlag ging 1830 auf den ältesten Sohn
-CARL REIMER über, der ihn, zuerst im Verein mit seinem Schwager Salomon
-Hirzel, dann allein fortsetzte. Im Jahre 1855 verlegte C. Reimer das
-Geschäft nach Berlin.
-
-[Sidenote: E. S. Mittler * 26. Jan. 1785.]
-
-E. S. MITTLER aus Halle war einer der tüchtigsten und beliebtesten der
-deutschen Buchhändler. Im Jahre 1816 übernahm er, erst als Leiter, dann
-als Besitzer, die Buchdruckerei seines Schwiegervaters WILHELM DIETERICI
-und druckte seinen eigenen meist aus Militaria bestehenden Verlag. Im
-Jahre 1862 nahm er seinen Enkel Dr. TH. TÖCHE als Teilnehmer auf, der
-nach Mittlers Tode das Geschäft mit aller Energie fortsetzt.
-
-Die DRUCKEREI DER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN (jetzt unter Leitung
-von G. VOGT) ist an Umfang nicht bedeutend, jedoch reich an seltenen
-Schriften, mit welchen die Werke der Akademie gedruckt wurden, darunter
-Schotts chinesische Grammatik.
-
-[Sidenote: Ed. Hänel * 1804, [+] 16. Aug. 1856.]
-
-Auf die Verdienste ED. HÄNELS ist bereits oben (S. 281) hingewiesen.
-Er war in Magdeburg geboren, wo sein Vater C. J. HÄNEL königl.
-Hofbuchdrucker war, hatte sich in England tüchtig ausgebildet und
-ging später nach Paris und Belgien. 1835 druckte er die preussischen
-Kassenanweisungen, zu welchem Zweck er eine Zweiganstalt in Berlin
-etablierte. Nachdem das Magdeburger Geschäft durch Feuer verheert
-worden war, zog er ganz nach Berlin und überliess seinem Bruder ALBERT
-das Magdeburger Etablissement. Das Berliner Geschäft, welches er 1852
-an CARL DAVID verkauft hatte, kam nach einigen Wandlungen 1864 in die
-festen Hände WILH. GRONAUS, der es im Hänelschen Geiste fortführt und
-namentlich der Schriftgiesserei seine Thätigkeit zuwendet.
-
-[Sidenote: J. Sittenfeld * 1801.]
-
-[Sidenote: Carl Schultze * 30. Juli 1821.]
-
-Im Jahre 1835 kaufte JUL. SITTENFELD eine kleine Buchdruckerei, die er
-schnell in die Höhe brachte. Die Offizin war im Hebräischen besonders
-leistungsfähig; unter anderen druckte er den Talmud in acht Foliobänden.
-Der jetzige Besitzer (Dr. O. LÖWENSTEIN) hat das Geschäft bedeutend
-erweitert (15 Schp., 200 Arb.). Die Buchdruckerei von C. F. AMELANG
-ging durch Kauf auf CARL SCHULTZE über. Er richtete dieselbe besonders
-auf den Druck schwieriger wissenschaftlicher, namentlich orientalischer
-Schriften ein.
-
-[Sidenote: Der Zeitungsdruck.]
-
-Ein sehr bedeutender Teil der Druckkräfte Berlins wird durch das
-Zeitungsgeschäft in Anspruch genommen, indessen haben die einzelnen
-Blätter nicht solchen Umfang und Verbreitung, dass man dort
-Zeitungsdruckereien wie in England und Amerika aufweisen könnte, selbst
-Blätter von dem Umfang und dem Einfluss wie die »Kölnische Zeitung« und
-die »Neue Freie Presse« besitzt Berlin nicht. Im allgemeinen lassen
-Druck, Papier und Korrektheit der Zeitungen viel zu wünschen übrig.
-Das verbreitetste Blatt war 1880 das »Berliner Tageblatt« mit 70000
-Abnehmern. Diesem kamen am nächsten »Berliner Zeitung«, »Volkszeitung«,
-»Vossische Zeitung« mit zwischen 20-30000 Exemplaren; dann folgten
-»Staatsbürger-Zeitung«, »Berliner Börsenzeitung«, »National-Zeitung« in
-15-20000 Auflage. Von Rotationsmaschinen besitzt Berlin 19. Die Zahl
-der Journale beträgt etwa 478, darunter 43 amtliche, 66 politische. Der
-Zeitungsdebit durch die Post bezifferte sich 1880 auf etwa 80 Millionen
-Nummern.
-
-Zu den bedeutendsten Zeitungsdruckereien gehört die von LESSING
-(»Vossische Zeitung«) mit 2 Rotations-, 4 Doppelmaschinen, nebst
-5 Stereotyp-Apparaten; ED. KRAUSE (15 Schp. »Nationalzeitung«,
-»Bank- und Handelszeitung«, »Kladderadatsch«, »Wolffs Depeschen«
-u. a.); NORDDEUTSCHE BUCHDRUCKEREI UND VERLAGS-ANSTALT (12 Schp.
-»Norddeutsche Allgemeine Zeitung«, »Reichsanzeiger« u. a.); R. MOSSE
-(18 Schp. »Berliner Tageblatt« etc.); BÜXENSTEIN (3 Rotm. und 21 Schp.
-»Börsen-Courier«, »Gerichtszeitung«, »Neue Volkszeitung«); ADAM WILH.
-HAYNS ERBEN (9 Schp. »Berliner Intelligenzblatt«); die Buchdruckerei der
-»Berliner Börsenzeitung« (10 Schp.).
-
-Der Illustrationsdruck war bis jetzt nicht die starke Seite der
-Berliner Offizinen, doch dürfte bei dem Umstand, dass mehrere der
-grossen Berliner illustrierten Blätter in Leipzig gedruckt werden,
-neben dem guten Druck noch andere geschäftliche Verhältnisse mitreden.
-Die verbreitetsten sind: der von L. Schaefer gegründete »Bazar«, jetzt
-im Besitz einer Aktiengesellschaft; F. Lipperheides »Modenwelt«;
-»Das Berliner Modenblatt«, die »Illustrierte Frauenzeitung«. Von
-den politischen Witzblättern fand der »Kladderadatsch« eine grosse
-Verbreitung.
-
-[Sidenote: Der Accidenzdruck.]
-
-Auch das Accidenzfach war bis vor nicht langer Zeit in Berlin etwas
-vernachlässigt und ausser Hänels Druckerei hatte keine einen besonderen
-Ruf auf Grund von Accidenzarbeiten. In jüngster Zeit ist dies vielfach
-anders geworden. Ein grosses Ansehen geniesst W. BÜXENSTEIN (S. 286),
-dessen neu eingerichtete mit Lithographie verbundene Buchdruckerei
-vorzügliches im Accidenz- und Illustrationsdruck liefert. In letzterer
-Richtung erwarb sich W. MÖSER (13 Schp.) einen sehr guten Namen.
-Auch GEBR. GRUNERT lieferten höchst beachtenswertes im Accidenz- und
-Luxusdruck. Ein eigentümliches Accidenzgeschäft ist das der GEBR.
-LITFASS, welches sich namentlich dem Plakatdruck widmet und das Monopol
-der Anschlagesäulen besitzt. Während der Kriegszeit 1870 befand sich das
-»Depeschenhaus« im andauernden Belagerungszustand, denn von Litfass'
-Offizin aus gingen die lakonischen aber inhaltsschweren Telegramme »aus
-dem Hauptquartier« in das Publikum.
-
-[Sidenote: Der Letteverein.]
-
-Wollten wir alle grösseren Druckereien Berlins nennen, würden wir
-Seiten damit füllen, hier sei nur noch erwähnt die Aktiengesellschaft
-LETTEVEREIN, welche unter der Direktion von C. Janke dessen frühere
-Offizin als Frauendruckerei seit 1875 im Gang erhält; sie beschäftigt 45
-weibliche, 20 männliche Arbeiter und 7 Schnellpressen.
-
-Zuletzt ist noch die im Range erste Druckerei Deutschlands zu erwähnen.
-
-[Sidenote: Die Preussische Staatsdruckerei und die Reichsdruckerei.]
-
-Seit dem 1. April 1879 ist das Reich im Besitz einer REICHSDRUCKEREI,
-entstanden aus einer Verschmelzung der Deckerschen geheimen
-Oberhofbuchdruckerei mit der königlich preussischen Staatsdruckerei.
-
-[Sidenote: Kgl. Preuss. Staatsdruckerei.]
-
-Letztere, verhältnismässig junge Druckanstalt hatte sich einen sehr
-guten Ruf erworben. Früher wurden die preussischen Banknoten und
-Kassascheine, wie erwähnt, bei Ed. Hänel und auch in der Deckerschen
-Offizin ausgeführt. Eine Zentralisation der Regierungsarbeiten wurde
-jedoch als notwendig erachtet und durch Kabinettsordre vom 30. August
-1851 die KÖNIGLICHE STAATSDRUCKEREI für Anfertigung von Wertpapieren ins
-Leben gerufen. Nach Auflösung des Königlichen Lithographischen Instituts
-fiel der Staatsdruckerei auch die Herstellung der Generalstabskarten zu.
-
-[Sidenote: Reichsdruckerei.]
-
-Im Jahre 1877 am 1. Juli wurden die Deckerschen Grundstücke und
-die Oberhofbuchdruckerei für die Summe von 6780000 Mark vom Reich
-angekauft. Von dieser Summe kamen auf die letztere 1780000 Mark.
-1879 am 1. April beschloss der Reichstag, die Königlich Preussische
-Staatsdruckerei für die Summe von 3573000 Mark für das Reich zu
-erwerben und mit der Deckerschen Offizin zu einer Reichsdruckerei zu
-vereinigen. Die Lokalitäten der Staatsdruckerei in der Oranienstrasse
-wurden in zweckmässiger, auch äusserlich imponierender Weise umgebaut
-und beide Druckereien im eigentlichen Sinne des Wortes verschmolzen,
-denn die ganzen Schriftenvorräte von 333000 Kilo wurden ins Zeug
-geworfen und umgegossen, weil die Systeme der beiden Offizinen nicht
-mit einander stimmten, zugleich wohl auch, weil vieles veraltet war.
-Auch neue Maschinen wurden angeschafft, so dass die Reichsdruckerei
-augenblicklich mit einem Werte von etwa sieben Millionen Mark angesetzt
-wird. Ob, wenn einmal das Reich eine eigene Druckerei haben musste,
-eine solche nicht von neuem viel zweckmässiger und viel billiger hätte
-hergestellt werden können, ist nunmehr allerdings eine müssige Frage.
-Jetzt bleibt mehr zu wünschen, als zu hoffen, dass diese Anstalt sich
-streng auf diejenigen Arbeiten beschränken werde, welche wirklich
-nur die Bedürfnisse der Reichsregierung befriedigen. Nach manchen
-Zeichen zu urteilen, beabsichtigt man jedoch, aus der Reichsdruckerei
-eine Art von Vorbild für die deutsche Typographie zu schaffen, wie es
-seinerzeit die Wiener Staatsdruckerei für Österreich war, wobei man
-jedoch vollständig vergisst, dass erstere seit lange mündig geworden.
-Selbst die Herstellung der schwierigsten orientalischen Werke, diese
-Ausstellungs-Paradepferde der Staatsanstalten, mit Ausnahme der
-vortrefflichen St. Petersburger Wertpapierdruckerei, hat sich in den
-Privatdruckereien Deutschlands in einer Weise ausgebildet, dass es
-nur als eine Schädigung der ohnehin durch die starke gegenseitige
-Konkurrenz bedrohten Privatinteressen betrachtet werden müsste, wenn der
-Staat ihnen Konkurrenz bereiten sollte.
-
-Die Anstalt beschäftigt 700 Personen, besitzt 55 Schnellpressen, 18
-Handpressen und über 200 Hülfsmaschinen. In runder Summe werden jährlich
-100 Millionen Bogen gedruckt und über 800 Millionen Poststempel und
-andere Wertzeichen zu einer Gesamtsumme von etwa 123 Millionen Mark,
-ferner etwa 3-1/2 Millionen Stück Reichsbanknoten, Kassenscheine und
-andere Papiere, die einen Wert von nahe an einer Milliarde für die
-Besitzer repräsentieren.
-
-Das Budget von 1881-82 ergab eine Einnahme von 3240000 Mark, eine
-Ausgabe von 2221980 Mark, doch da hiervon über 700000 Mark Zinsen
-und Abschreibungen abgehen und die Stellung der Preise bei Mangel
-an Konkurrenz keine geschäftliche Bedeutung hat, so ist es schwer
-zu sagen, wie es mit der Rentabilität, wenn mit den Leistungen von
-Privatdruckereien verglichen, sich verhält.
-
-Die Reichsanstalt ist unter der bisherigen vorzüglichen Leitung der
-Königlich Preussischen Staatsdruckerei geblieben, die Direktion hat
-somit Herr Geheimrat BUSSE, die technische Führung Herr E. RINGER. Die
-neuesten, künstlerisch wenig befriedigenden Produktionen, die Fünfzig-,
-Zwanzig- und Fünfmarkscheine, sind auf Papier gedruckt, in dessen Masse,
-nach dem in Amerika angewendeten Verfahren, farbige Fasern strichweise
-hineingearbeitet sind. Das Papier wurde unter Aufsicht von Beamten
-der Reichsdruckerei von Gebr. Ebart in Spechthausen bei Eberswalde
-angefertigt. Über die Untrüglichkeit des Systems wird gestritten.
-
-[Sidenote: Lithographie.]
-
-Berlin ist der Hauptsitz für den lithographischen Farbendruck geworden
-in seinen verschiedenen Zweigen, welche sowohl der Herstellung von
-Öldruckbildern als der Zeitschriften- und Bücher-Illustrationen, sowie
-den vielen Bedürfnissen des Papeteriegeschäfts dienen. Die eigentliche
-Bedeutung erhielt der lithographische Farbendruck durch die Bemühungen
-Schinkels und Beuths, unterstützt durch das Wohlwollen, welches der
-nachmalige König Friedrich Wilhelm IV. schon als Kronprinz dem neuen
-Kunstzweig entgegentrug. Den Wert desselben bezeugte in glänzender Weise
-das grosse Werk Prof. Zahns über pompejanische Altertümer.
-
-[Sidenote: Kunstanstalten.]
-
-Guten Ruf erlangte die Anstalt J. WINCKELMANNS, der zuerst 1816 in
-Verbindung mit Heinr. Arnz das bekannte Institut ARNZ & CO. in
-Düsseldorf begründet hatte. Die Leitung desselben lag eine zeitlang in
-den Händen von J. STORCH, der später sich mit C. KRAMER verband und
-tüchtiges im Landschaftsfache lieferte. Ganz vortrefflich sind Storch &
-Kramers für die _Arundel-Society_ in London ausgeführte Reproduktionen
-der Freskogemälde altitalienischer Maler (S. 103). Als Meister im
-architektonischen und landschaftlichen Aquarelldruck zeichneten sich
-LOEILLOT Und R. STEINBOCK aus, bekannt sind unter anderen Hildebrandts
-»Reise um die Welt« und Köhlers polychrome Meisterwerke. Mit dem
-eigentlichen Ölbilderdruck beschäftigten sich mit mehr oder weniger
-Glück eine nicht kleine Anzahl von Firmen und es bleibt nur zu
-bedauern, dass neben dem Guten so vieles Geschmacklose, zumteil elendes
-Machwerk hervorgebracht wurde, welches eine Kunst für den Augenblick
-in Misskredit gebracht hat, die ein besseres Schicksal verdient hatte,
-und nun neue Wege suchen muss, um sich die verscherzte Gunst wieder
-zu erwerben. Unter den Firmen, die ausser den erwähnten tüchtiges
-leisteten, sind zu nennen CARL GEROLD, OTTO TROITZSCH, BÖHME & FRÄNKEL.
-
-Einen bedeutenden Einfluss auf die Verwendung des Farbendruckes
-übten die GROPIUSsche Buchhandlung (später ERNST & KORN) durch ihre
-grossartigen architektonischen Unternehmungen, RUD. WAGNER durch die
-erwähnte Hildebrandts »Reise um die Welt« und ähnliche Aquarell-Albums,
-ALEX. DUNCKER durch eine Reihe von Prachtwerken aus.
-
-In neuerer Zeit hat die Verwendung der Chromolithographie zu
-gewerblichen Zwecken eine enorme Ausdehnung gewonnen. Die Anführung
-einiger der bedeutendsten Firmen wird einen Begriff von dem Umfang
-solcher Etablissements geben.
-
-W. HAGELBERG beschäftigt 38 Schnellpressen, 29 Handpressen, 94
-Hülfsmaschinen und 700 Arbeiter; CARL HELLRIEGEL 9 Schnellpressen, 42
-Handpressen, 450 Arbeiter; SCHÄFER & SCHEIBE, deren hauptsächlichste
-Produktion in Neujahrs- und Gratulationskarten besteht, 9
-Schnellpressen, 50 Handpressen, 350 Arbeiter; A. KAUFMANN & CO. 23
-Schnellpressen, 16 Handpressen und 250 Arbeiter. Umfangreich sind ferner
-ALBRECHT & MEISTER, die BERLINER LUXUS-PAPIERFABRIK, KUTZNER & BERGER
-und noch manche andere. Man findet hierin die Bestätigung, wie sehr in
-dem Druckgewerbe der Zeitungs- und der Accidenzdruck dem eigentlichen
-Bücherdruck über den Kopf wächst.
-
-Als Verleger von Karten und Globen wurden namentlich DIETRICH REIMER, E.
-SCHOTTE & CO. und das BERLINER LITHOGRAPHISCHE INSTITUT massgebend.
-
-Als Herausgeber von Werken unter Zuhülfenahme des Lichtdruckes
-entwickelte E. WASSMUTH eine enorme Thätigkeit, auch PAUL BETTE war in
-dieser Richtung sehr rührig. Die PHOTOGRAPHISCHE GESELLSCHAFT besitzt
-einen ausserordentlich grossen Fond von photographischen Blättern,
-auch G. SCHAUER lieferte viele Blätter und Albums. Den eigentlichen
-Kunstverlag pflegten E. H. SCHRÖDER (R. SCHUSTER), SACHSE & CO., AMSLER
-& RUTHARDT, GOUPIL & CO. (Filiale von Paris). Unter den Verlegern,
-die einen besonderen Einfluss auf das Druckgewerbe übten, sind noch
-zu nennen: G. GROTE, DUNCKER & HUMBLOT, VEIT & CO. (beide jetzt in
-Leipzig), JUL. SPRINGER, GEBR. PAETEL, P. PAREY, DÜMMLERS Verlag, A.
-HIRSCHWALD, G. LANGENSCHEIDT (selbst Buchdrucker), A. ASHER & CO.,
-WIEGANDT & GRIEBEN.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Breslau.]
-
-In der drittgrössten Stadt des Deutschen Reiches BRESLAU[229] hat die
-Druckerei im Verhältnis zur Grösse der Stadt keine Rolle gespielt, so
-wenig wie in den anderen grossen Städten des Nordens Königsberg, Danzig,
-Hamburg, Magdeburg und Köln.
-
- [229] Geschichte der seit 300 Jahren in Breslau befindlichen
- Stadtbuchdruckerei. 1804.
-
-[Sidenote: Grass, Barth & Co.]
-
-Im Jahre 1748 übernahm CARL WILH. GRASS die Stadtbuchdruckerei in
-Breslau von den Baumannschen Erben (I, S. 145), dem sein Bruder
-FRIEDR. SIGM. GRASS folgte. Nach dessen Tode erwarb JOH. AUG. BARTH
-das Geschäft und vermehrte es durch die Druckerei der katholischen
-Landes-Universität. Ein schönes Denkmal der Leistungsfähigkeit der
-Offizin ist das 1818 erschienene _Pacis annis 1814 et 1815 foederatis
-armis restitutae monumentum_ in Gross-Folio, welches Jubelgedichte in 42
-grösstenteils fremdländischen europäischen und orientalischen Sprachen
-enthält. Die Firma wurde GRASS, BARTH & CO., sie verbindet jetzt
-Typographie mit Lithographie und arbeitet mit 14 Schnellpressen.
-
-[Sidenote: W. G. Korn.]
-
-Einen grossen Umfang erreichte die Verlagshandlung und Buchdruckerei von
-W. G. KORN, welche am 13. Januar 1882 ihr 150jähriges Jubiläum beging.
-JOH. JOS. KORN eröffnete an diesem Tage 1732 sein Geschäft und erhielt
-1741 Privilegium zur Herausgabe der »Schlesischen Zeitung«. Sein Sohn
-JOH. GOTTLIEB KORN trat 1828 die Buchhandlung, 1836 die »Schlesische
-Zeitung« an seine beiden Söhne ab. Im Jahre 1851 übernahm HEINR. KORN
-das Etablissement. Anlässlich des Jubiläums errichtete er, abgesehen
-von manchen anderen Schenkungen, für seine Mitarbeiter eine Stiftung
-mit einem Kapital von 100000 Mark und wurde in den Adelsstand erhoben.
-Das Geschäft arbeitet mit 15 grossen Maschinen und etwa 150 Arbeitern,
-besitzt auch bedeutende Papierfabriken.
-
-S. SCHOTTLÄNDER hat einen reichhaltigen Verlag und arbeitet mit 15
-Schnellpressen. Von grossen Verlagshandlungen sind noch zu nennen MAX &
-CO., FERD. HIRT und E. TREWENDT.
-
-[Sidenote: C. Flemming * 10. Mai 1806, [+] 1. Nov. 1878.]
-
-Einen bedeutenden Umfang erreichte das Geschäft von CARL FLEMMING in
-GLOGAU, welches sich namentlich der Produktion von Landkarten widmet und
-damit 11 typographische und lithographische Schnellpressen beschäftigt.
-
-[Sidenote: Posen.]
-
-In POSEN wurde, wie erwähnt, von G. J. Decker ein Etablissement
-errichtet, das jetzt als W. DECKER & CO. typographisch und
-lithographisch mit 7 Schnellpressen arbeitet. FRANKFURT A. O., die erste
-Stadt Preussens, in welcher die Druckerei eingeführt wurde, hat so wenig
-wie andere Städte des östlichen Preussens eine besondere Stellung in der
-Typographie erworben. Die bedeutendste Druckanstalt dort ist TROWITZSCH
-& SOHN (gegr. 1779) mit 6 Schnellpressen.
-
-[Sidenote: Königsberg.]
-
-Selbst die Königs- und Universitätsstadt KÖNIGSBERG misst sich kaum
-mit mancher Stadt von 20-30000 Einwohnern hinsichtlich graphischer
-Produktion. Erst 1523 war die Druckerei dort durch HANS WEYNREICH
-eingeführt, dessen Offizin nach vielen Wandlungen zur Zeit des dritten
-Jubelfestes in den Händen JOH. FR. REUSSNERS war.
-
-[Sidenote: J. H Hartung * 17. Aug. 1699, [+] 5. Mai 1756.]
-
-Das bedeutendste Geschäft ist das von JOH. HEINR. HARTUNG, durch
-Übernahme der J. STELTESCHEN Buchdruckerei 1732 gegründet. Durch Umsicht
-und Unermüdlichkeit erwarb sich Hartung allgemeines Ansehen. Die
-Stände von Livland und Kurland übertrugen ihm den Druck der lettischen
-Bibel und der cyrillischen Postille; für erstere erhielt er 7000
-Thaler. Neben seiner Buchdruckerei trieb er bedeutenden Verlags- und
-Sortimentshandel und sein 1746 erschienener Sortimentskatalog war über
-400 Seiten stark. In Leipzig hatte er während der Messe offenes Gewölbe.
-Zu seinem grossen Geschäft erwarb er noch die erwähnte Reussnersche Hof-
-und akademische Buchdruckerei. Er verschied in Leipzig 1756 während der
-Ostermesse.
-
-[Sidenote: Gottl. Hartung * 12. Aug. 1747, [+] 19. Nov. 1797.]
-
-Nachdem sein ältester Sohn bereits 1759 gestorben war, übernahm 1763
-der jüngere GOTTLIEB LEBERECHT HARTUNG das Geschäft, nach dessen Tode
-dirigierte es seine Witwe SOPHIE CHARLOTTE mit Mut und Ausdauer, bis
-sie es 1817 ihrem Sohne GEORG FRIEDRICH HARTUNG übertragen konnte. Die
-von Hartung herausgegebene »Königsberger Zeitung« ist eine der ältesten
-Deutschlands und ihre Geschichte lässt sich bis auf das Jahr 1640
-verfolgen. Vom 6. Februar 1758 bis 1. Juli 1762 und dann vom 19. Juli
-bis 10. August 1762 musste der ihre Kopfzeile schmückende preussische
-Adler mit dem russischen vertauscht werden. In den Jahren 1807 und 1808
-hatte die Zeitung eine grössere Bedeutung erreicht, da der Krieg in der
-Nähe um Königsberg geführt wurde, wodurch indes Hartung verschiedenen
-Gefahren ausgesetzt wurde.
-
-Wie wenig bedeutend der Umfang des Druckgewerbes in Königsberg war, geht
-aus den Aufzeichnungen über die vierte Jubelfeier hervor. Dieselben
-weisen nur 7 Druckereien mit 45 Gehülfen und 28 Lehrlingen auf; da die
-Hartungsche Druckerei 20 Gehülfen und 7 Lehrlinge beschäftigte, so
-kommen auf sechs Druckereien 25 Gehülfen und 21 Lehrlinge[230]. Jetzt
-arbeitet die Hartungsche Buchdruckerei mit sechs Schnellpressen und etwa
-100 Personen.
-
- [230] Geschichte der Buchdruckerkunst in Königsberg. 1840.
-
-[Sidenote: Marienwerder.]
-
-[Sidenote: Danzig.]
-
-[Sidenote: Stettin.]
-
-Von Königsberg aus wurde, als Friedrich der Grosse bei der ersten
-Teilung Polens Westpreussen erhielt, der Buchdrucker R. KANTER nach
-MARIENWERDER als Hofbuchdrucker berufen, um die königlichen Arbeiten
-zu liefern; die Offizin besteht noch heute mit 5 Schnellpressen. In
-DANZIG sind die bedeutendsten Druckanstalten die von JUL. SAUER und von
-A. W. KAFEMANN, letztere ist zugleich mit Schriftgiesserei verbunden.
-STETTIN hat nur Bedeutung im Accidenz- und Zeitungsdruck; die dortige
-Firma H. G. EFFENBART beging 1879 ihr 300jähriges Jubiläum. Noch um zwei
-Jahre älter ist die, jetzt mit 8 Schnellpressen arbeitende, Firma H.
-HESSENLAND. R. GRASSMANN, zugleich Schriftgiesserei, beschäftigt elf
-Schnellpressen und gegen 100 Arbeiter.
-
-[Sidenote: Mecklenburg.]
-
-In ROSTOCK besteht die Offizin von ADLERS ERBEN (6 Schp.) seit 1635.
-Ausser in Rostock hat D. C. HINSTORFF, bekannt als der Verleger und
-Drucker von Fritz Reuters Werken, noch Geschäfte in WISMAR (5 Schp.) und
-LUDWIGSLUST. Die grösste Druckerei SCHWERINS ist die von W. SANDMEYER (8
-Schp.).
-
-NEURUPPIN kann Armeen aus der Presse stampfen. Die Firma GUSTAV KÜHN
-arbeitet mit Rotationsmaschine, 11 Schnellpressen und einer grossen
-Zahl von Hülfsmaschinen, welche von gegen 400 Arbeitern bedient werden.
-OEHMIGKE & RIEMSCHNEIDER beschäftigen 6 Schnellpressen und 200 Arbeiter
-hauptsächlich mit den bekannten Bilderbogen.
-
-[Sidenote: Lübeck. Hamburg.]
-
-LÜBECK verlor seine Bedeutung, die es in der früheren Periode eine
-zeitlang hatte, und auch HAMBURG nimmt nicht eine solche Stellung ein,
-wie man es von dem ersten Handelsplatze und der, der Bevölkerung nach,
-zweiten Stadt des Reiches erwarten könnte. Vielleicht wären seinerzeit
-die Bemühungen des FRIEDR. ANDREAS PERTHES, Hamburg zu einem Emporium
-des buchhändlerischen Verkehrs mit dem Auslande zu erheben, gelungen,
-wenn nicht die schwere Zeit des Napoleonischen Druckes auf Deutschland
-im allgemeinen und Hamburg im besonderen hemmend gelastet hätte[231].
-Nur für den Zeitungsverlag hatte Hamburg einige Bedeutung und erst in
-neuerer Zeit ist es Sitz einiger grösserer Verlagshandlungen geworden.
-
- [231] CLEMENS TH. PERTHES, Friedr. Perthes' Leben. 6. Aufl. Gotha 1872.
-
-Selbst der Accidenzdruck hat keinen rechten Aufschwung genommen. Der
-solide Hamburger Kaufmannssinn giebt wenig auf Eleganz der Druckarbeiten.
-
-[Sidenote: Lessing als Buchdrucker.]
-
-Inzwischen sollte doch das wenig poetische Hamburg einen grossen Dichter
-Deutschlands unter seinen Buchdruckern zählen. Eine zeitlang war nämlich
-Lessing Associé des Buchdruckereibesitzers JOH. JOACH. CHRIST. BODE.
-Ostern 1767 hatte letzterer auf dem Holzdamm eine Buchdruckerei angelegt
-und LESSING trat gleich nach seiner Ankunft in Hamburg als Sozius
-ein. Die »Hamburgische Dramaturgie«, die »Antiquarischen Briefe« und
-die Abhandlung »Wie die Alten den Tod gebildet« sind von den eigenen
-Pressen Lessings gedruckt, und das Projekt, die Werke der bedeutendsten
-Gelehrten mit lohnenderem Ertrage für Verfasser und Verleger zu
-veröffentlichen, erregte in den beteiligten Kreisen so grosse
-Aufmerksamkeit, dass Klopstock schon im Sommer 1767 versprach, für das
-geplante »Deutsche Museum« seine »Hermanns Schlacht« und Gerstenbergs
-»Ugolino« herzugeben. Die Publikationen dieser Druckerei und
-Verlagsfirma erhielten ein seltsames Kleinquart-Format; zum Druck wurde
-ein fein gestreiftes resp. geripptes italienisches Papier verwendet, so
-dass der eigentümliche Geschmack Bodes und Lessings vielfach Spottreden
-hervorrief. Die junge Firma wurde schon 1768 unter bedeutenden Verlusten
-für Lessing aufgelöst, dessen finanzielle Bedrängnisse, welche seinen
-Abgang von Hamburg bis zum Jahre 1770 verzögerten, jedenfalls zum
-grössten Teil diesem Misserfolg zuzuschreiben sind.
-
-[Sidenote: Hamburger Offizinen.]
-
-Das grösste der heutigen Etablissements ist das von J. F. RICHTER (2
-Rotm., 14 Schp., 15 Hdp., 150 Arb.). Als Zeitungsdruckereien sind zu
-nennen die Aktiengesellschaft NEUE BÖRSENHALLE, welche die »Börsenhalle«
-und den »Correspondent« druckt, HERMANNS ERBEN (1 Rotm., 6 Schp.),
-DIEDERICH & Co. (1 Rotm., 5 Schp.). C. ADLER verbindet mit Buchdruckerei
-und lithographischer Anstalt (9 Schp., 8 Hdp.) ein ausgedehntes Geschäft
-mit Lehrmitteln. F. SCHLOTKE wurde schon in dem Kapitel über Maschinen
-erwähnt, ist ausserdem durch seine litterarische Wirksamkeit bekannt und
-jetzt Besitzer, Redacteur und Drucker des »Journal für Buchdruckerkunst«
-(S. 356).
-
-Das holsteinische Städtchen ITZEHOE besitzt die bedeutende Buchdruckerei
-von G. J. PFINGSTEN, dessen weitverbreitete »Itzehoer Nachrichten«
-namentlich vor und während der dänischen Kriege einen grossen Einfluss
-übten.
-
-[Sidenote: Wandsbeck.]
-
-[Sidenote: G. W. Seitz * 6. Febr. 1826.]
-
-In dem als eine Vorstadt von Hamburg zu betrachtenden WANDSBECK hat
-die bedeutendste chromolithographische Anstalt Deutschlands ihren Sitz
-aufgeschlagen. GUSTAV W. SEITZ lernte erst als Setzer, versuchte sich
-dann ohne jedwede Anleitung als Holzschneider, bis er später in München
-seine weitere Ausbildung erhielt. Dann wagte er sich in Hamburg an
-den Verlag. Durch Zufall mit dem lithographischen Farbendruck bekannt
-geworden, erblickte er in diesem die Illustrationsmethode der Zukunft.
-Nach Überwindung unendlicher Schwierigkeiten gelang es Seitz, zwanzig
-Handpressen zu beschäftigen, bis der Krieg 1866 wieder Stockungen
-brachte. Trotzdem beschloss er, sich ein Domizil zu bauen und zwar in
-dem äussersten Ende von Wandsbeck. Ein kleines humoristisches Bild von
-Süs, »Der erste Gedanke«, wurde in 18000 Exemplaren verkauft. Trotz
-der Abmahnungen des Künstlers selbst wagte er sich nun an Carl Werners
-Nilbilder in Aquarelldruck und errang einen vollständigen Sieg. Unter
-seinen vielen Blättern ist der grosse Aquarelldruck »Auroras Triumphzug«
-nach Guido Reni eine ausserordentlich gelungene Leistung.
-
-Besondere Verdienste hat Seitz durch die Vervollkommnung des
-Reduktionsapparates. Schon im Jahre 1860 tauchte die englische Erfindung
-auf, ein Bild auf eine Gummihaut, die in einem Rahmen von vier durch
-Schrauben verstellbaren Stäben angebracht war, durch stärkere Anspannung
-resp. durch Lockerung der Spannung der Haut zu vergrössern oder zu
-verkleinern. In dieser veränderten Gestalt wurde dann das Bild auf
-einen Stein übertragen, so dass man Kopien in verschiedenen Grössen
-ohne eine neue Zeichnung erhalten konnte. Alles kommt natürlich auf
-die ganz verhältnismässig richtige Vergrösserung oder Verkleinerung
-nach Höhe und Breite an. Seitz ist es gelungen, die Apparate so fein
-zu vervollkommnen, dass Bilder von zwanzig und mehr Farben, zu welchen
-ebenso viele Steine gehören, im vollkommensten Passen der Umränderungen
-hergestellt werden können.
-
-[Sidenote: Stenochromie.]
-
-In Wandsbeck übte um 1875 OTTO RADDE (durch MÜHLMEISTER & JOHLER dort,
-später in Hamburg) ein eigentümliches Verfahren, um Öldruckbilder
-herzustellen. In der Art, wie die einzelnen Glas- oder Steinstückchen zu
-einem Mosaikbild gefügt werden, setzte Radde die aus festen Teichfarben
-mittels Blechschablonen in die nötigen Formen gebildeten Blöcke in
-einem Rahmen zu einer Bilderform zusammen. Wurde nun ein mit Terpentin
-gefeuchteter Bogen darauf gelegt und Form und Bogen in einer Presse
-einem gelinden Druck ausgesetzt, so erhielt man ein Öldruckbild,
-das jedoch nur als eine Untermalung zu betrachten war, welche erst
-durch Aufdruck mehrerer lithographischer Farbenplatten Ausdruck und
-Schattierung erhielt. Das Verfahren war nicht neu. Bereits Senefelder
-hatte in seinem Werke daran gedacht und der Maler LIEPMANN in Berlin
-lieferte 1842 einige recht hübsche Bilder in dieser Weise. 1873 zeigte
-sich Jul. Greth aus Charlottenburg damit auf der Wiener Weltausstellung.
-Auch ein Engländer, J. M. JOHNSON, hatte es geübt, um Landkarten zu
-illuminieren, sowie um Tapeten und andere Arbeiten herzustellen, wo die
-Farben sich bestimmt abgrenzen und nicht in einander übergehen müssen.
-Von dem mit grossem Eclat in Scene gesetzten Verfahren (Stenochromie)
-ist es ganz still geworden.
-
-[Sidenote: Bremen.]
-
-Die Handelsstadt BREMEN ist so wenig wie Hamburg ein bedeutender
-Verlagsplatz geworden, deshalb beschränkten sich die Buchdruckereien
-hauptsächlich auf Zeitungs- und Accidenzarbeiten. Die grössten Offizinen
-sind die von C. SCHÜNEMANN (9 Schp., 120 Arb.), welche die »Bremer
-Nachrichten« und die »Weser-Zeitung« druckt, und GEBR. HAUSCHILD, die
-hauptsächlich Accidenzarbeiten liefern.
-
-[Sidenote: Oldenburg.]
-
-In OLDENBURG sind G. STALLING und die SCHULZESCHE HOFBUCHDRUCKEREI,
-je mit 4 Schnellpressen, thätig. In dem kleinen DETMOLD besteht seit
-1570 die MEYERSCHE HOFBUCHDRUCKEREI, welche, jetzt mit Steindruckerei
-verbunden, 8 Schnellpressen und 9 Handpressen in Gang hält.
-
-[Sidenote: Hannover.]
-
-In HANNOVER findet eine rege Druckthätigkeit hauptsächlich für Zeitungs-
-und Accidenzdruck statt; namentlich ist dasselbe ein Hauptplatz für
-die Herstellung von Handlungsbüchern geworden. Obenan in letzterer
-Richtung stehen J. C. KÖNIG & EBHARDT mit 29 Schnellpressen, darunter
-14 für mehrere Farben, 16 Liniiermaschinen, 30 Buchbinderpressen, 12
-Papierschneidemaschinen nebst zahlreichen sonstigen Hülfsmaschinen und
-einem Personal von 350 Köpfen. Auch EDLER & KRISCHE (10 Schp., 200
-Pers.) und die HANNOVERSCHE GESCHÄFTSBÜCHERFABRIK arbeiten in ähnlicher
-Richtung, während R. LEUNIS & CHAPMAN die Handeltreibenden mit Tüten und
-ähnlichem versorgen und damit ein grosses Personal beschäftigen.
-
-Die GEBR. JÄNECKE (als Farbenfabrik JÄNECKE & SCHNEEMANN S. 319)
-gaben ihrem Druckgeschäft eine grosse Ausdehnung (10 Schp., 11 Hdp.),
-sowohl als Zeitungsdruckerei (»Hannöverscher Courier«) wie als
-Werk- und Accidenzdruckerei. Von Bedeutung sind ferner KLINDWORTHS
-Hofbuchdruckerei (10 Schp., 9 Hdp.) und die SCHLÜTERSCHE Buchdruckerei
-(2 Rotm., 7 Schp.). In der Zeit der Privilegien hatte die HAHNsche
-Hofbuchhandlung fast den ganzen Sortimentshandel des Königreichs in
-den Händen. Ihr bedeutender Verlag hat seinen Sitz in Leipzig. -- Die
-Universitätsstadt GÖTTINGEN hat als Druckplatz nie eine grosse Bedeutung
-gehabt.
-
-[Sidenote: Westfalen und Rheinland.]
-
-MÜNSTER, in der Zeit der Humanisten ein so wichtiger Platz (I, S. 51),
-macht sich wie PADERBORN und TRIER (FR. LINTZ, 7 Schp.) hauptsächlich
-nur durch seinen streng katholischen Verlag bemerkbar. OBERHAUSEN
-verdient Erwähnung als der erste Platz in Deutschland, wo die
-Rotationsmaschine (durch A. SPAARMANN) eingeführt und zum Bücherdruck
-verwandt wurde. In MINDEN liefert E. C. BRUNN (6 Schp.) namentlich Post-
-und merkantile Arbeiten.
-
-[Sidenote: Verschiedene Städte.]
-
-G. D. BÄDEKER in ESSEN beschäftigt 150 Arbeiter und zehn Schnellpressen,
-die BÄDEKERsche Buchdruckerei in ELBERFELD 6 Schnellpressen namentlich
-mit Eisenbahnarbeiten; daselbst drucken auch S. LUCAS mit 14, R. L.
-FRIDERICHS mit 10 Schnellpressen.
-
-L. SCHWANN übersiedelte von Neuss nach DÜSSELDORF und errichtete dort
-eine grosse Offizin (10 Schp., 120 Arb.), welche namentlich bedeutende
-Accidenzien in Chromoxylographie liefert. Dass Düsseldorf als Sitz
-der berühmten Kunstschule sich auch im Kunstverlag auszeichnet,
-ist fast selbstverständlich. Als Kunstdruckerei hat L. BAUMANN,
-früher ARNZ & CO., einen Ruf; die »Düsseldorfer Monatshefte« waren
-weltbekannt. A. BAGEL, früher in Wesel, hat eine sehr bedeutende
-typographisch-lithographische Anstalt (21 Schp., 150 Pers.,
-Papierfabrik) und liefert namentlich Arbeiten für Schulen, Bilderbücher
-u. dgl.
-
-BONN gehört zu denjenigen Universitätsstädten, wo namentlich der
-orientalische Druck gepflegt wird, besonders durch die Druckerei von C.
-H. GEORGI.
-
-[Sidenote: Köln.]
-
-KÖLN, im frühen Mittelalter die berühmte hohe Schule der Wissenschaft
-und der Typographie, von wo aus das Licht Gutenbergs über die
-Niederlande und den Norden ausgegangen war, lieferte später nur
-ultramontane Schriften und musste sogar seinen berühmten Namen zur
-Einschmuggelung verbotener oder gar schmutziger Bücher hergeben, die
-überall hin mit der Firma »Peter Hammer« oder »_Pierre Marteau_« und
-Druckort Köln verbreitet wurden.
-
-Von den Offizinen hat die der Verlagshandlung J. P. BACHEM in der
-katholischen Welt eine grosse Bedeutung und druckt mit ihren 9
-Schnellpressen mehrere Zeitschriften und Zeitungen mit katholischer
-Richtung. Die LANGENsche Buchdruckerei beschäftigt 16 Schnellpressen,
-die von W. HASSEL 10.
-
-Am öftesten wird jedoch in der neuern typographischen Geschichte Köln
-auf Grund der Offizin der KÖLNISCHEN ZEITUNG genannt, mit der auf dem
-Kontinent nur die der Wiener »Neuen Freien Presse« in den technischen
-und redaktionellen Einrichtungen wetteifern kann.
-
-[Sidenote: Du Mont-Schauberg und die »Köln. Zeitung«.]
-
-Bereits 1651 gab es zu Köln eine Zeitung, die als Stammmutter der
-jetzigen »Kölnischen Zeitung« zu betrachten ist: die im Besitz von Franz
-Köntgen erscheinende »Postamts-Zeitung«, welcher er den Namen »Kölnische
-Zeitung« gab. Sie wurde bei Schaubergs Erben gedruckt, eine Offizin,
-die von GEREON ARNOLD SCHAUBERG bereits anfangs des XVIII. Jahrhunderts
-gegründet war[232].
-
- [232] Geschichte der »Kölnischen Zeitung« und ihrer Druckerei. Diese
- wahrhaft prächtige Gelegenheitsschrift erschien anlässlich der
- Gewerbe-Ausstellung in Düsseldorf 1880, wo M. Du Mont-Schauberg
- eine komplette Zeitungsdruckerei mit Rotationsmaschine
- ausgestellt hatte. Das Werk enthält höchst interessante Beiträge
- zur Geschichte der Zeitungen, zeichnet sich daneben durch eine
- fast beklagenswerte Abwesenheit alles und jeden Hervorhebens der
- leitenden Persönlichkeiten aus.
-
-Als Schauberg das Blatt von Köntgen erwarb, hatte es eine Auflage von
-250 Exemplaren. Der frühere Besitzer erhielt eine Rente von monatlich
-zwei Kronenthalern; stiege die Zahl der Abonnenten auf 400, so sollte
-monatlich ein halber Thaler zugelegt werden.
-
-Am 10. Juni 1805 gingen sowohl die Schaubergsche Offizin als die
-»Kölnische Zeitung« auf MARCUS DU MONT über, welcher sich in demselben
-Jahre mit Catharine Schauberg verheiratete. Köln schmachtete damals
-wie das ganze linke Rheinufer unter der Herrschaft Napoleons und da in
-jedem Departement nur ein Regierungsblatt geduldet wurde, so musste die
-»Kölnische Zeitung« 1809 einfach zu erscheinen aufhören. Der Kaiser
-entschädigte jedoch den Verleger durch eine Jahresrente von 4000
-Franken. 1814 ist das Jahr der Wiedergeburt des Blattes und 1822, wo der
-Zeitungsstempel in Preussen eingeführt wurde, hatte es bereits über 2000
-Abonnenten. Die Ereignisse von 1830, 1848 und namentlich die Kriegsjahre
-1866 und 1870 trugen wesentlich zur Hebung und Verbreitung des Journals
-bei. Riesig waren die Opfer, welche dasselbe durch Errichtung eigener
-Telegraphenlinien, und Entsendung eigener Korrespondenten brachte,
-allein diese Aussaat ist auf guten Boden gefallen, die »Kölnische
-Zeitung« ist heute ein Weltblatt und druckt täglich eine Auflage von 30
-bis 40 tausend Exemplaren.
-
-Unter solchen Verhältnissen wurden die Lokalitäten mehrmals zu enge und
-im Jahre 1846 entstand mit einem Aufwande von über 300000 Mark in der
-Breitenstrasse ein höchst zweckmässiger Neubau, der am 26. September
-1847 bezogen und im Jahre 1871 durch Neubauten vergrössert wurde. Das
-erste Telegramm der Zeitung erschien am 5. Oktober 1849. Am 1. Januar
-1858 nahm sie das Format an, in welchem sie noch heute erscheint.
-
-Am 1. Januar 1845 hatten bereits die Brüder JOSEPH und MICHAEL DU
-MONT das Geschäft im alleinigen Besitz und zwar übernahm Michael die
-Buchhandlung, Joseph behielt die Zeitung. Leider starb dieser bereits
-am 3. März 1861 und hinterliess seiner Witwe und seinen vier Kindern
-sowie seinem treuen Freunde und Associé WILHELM FERDINAND SCHULTZE aus
-Magdeburg, welcher 1844 in das Geschäft getreten war, das umfangreiche
-Institut. Am 31. Juli 1874 erhielt sie ihre eigene Drahtleitung von
-Berlin, nachdem bereits früher der Telegraph in grossartiger Weise
-benutzt worden war. In den Prozessen Kullmann und Graf Arnim betrugen
-die Kosten für Telegramme 25000 M. und öfters wurden mehr als 20000
-Worte hintereinander depeschiert. Eine Wochenausgabe der Zeitung hatte
-bereits im Jahre 1866 am 5. Oktober begonnen.
-
-Nachdem die »Kölnische Zeitung« mehrmals ihre Pressen durch neue
-verbesserter Konstruktion ersetzt hatte, wurden 1877 Rotationsmaschinen,
-und zwar von König & Bauer gebaute, angeschafft. Die drei vorhandenen
-Exemplare liefern stündlich je 16200 komplette Bogen. Als Motoren
-für diese und noch für 10 Schnellpressen dienen vier Gasmaschinen.
-1880 betrug die Zahl der Angestellten 155, ausserdem waren 78 Knaben
-beschäftigt. Reich dotierte Kranken- und Unterstützungskassen sind mit
-der Offizin verbunden.
-
-Kurz nach dem Tode Ludwigs, des ältesten Sohnes Josephs, starb am 30.
-November 1881 der mit den reichsten Gaben des Verstandes und des Herzens
-ausgerüstete W. F. SCHULTZE, der ausserordentlich viel dazu beigetragen
-hat, dass die Zeitung heute eine so hohe Stufe einnimmt, dabei war er
-von einer so grossen Bescheidenheit, dass nicht einmal sein Name in der
-erwähnten aus seiner Feder stammenden Festschrift genannt wird.
-
-Es ist begreiflich, dass kaum ein Reisender, der die Aufgabe der Presse
-zu würdigen versteht, bei einem Aufenthalt in Köln die Offizin der
-»Kölnischen Zeitung« unbesucht lässt. So erschien eines Nachmittags
-im Herbst 1877 der Feldmarschall Graf Moltke. Rasch entwarf einer der
-Redacteure, Hermann Grieben, einige begrüssende Zeilen, die, in wenigen
-Minuten gesetzt und in der Presse abgezogen, dem berühmten Besucher
-überreicht wurden; sie mögen hier einen Platz finden:
-
- Heil und Dank Dir, Schlachtenleiter, dass Du auch bei uns erschienst,
- Und auch unsre wackren Streiter inspizierst in ihrem Dienst.
- Ja die kleinen Bleisoldaten sind, verhunderttausendfacht,
- Wohlgeführt und wohlberaten eine respektable Macht.
- Täglich rückt ihr Kriegsgeschwader tapfer aus zum Geisterstreit,
- Ihre grossen Hinterlader schiessen tausend Meilen weit. --
- Sieh im Kasten hier die Letter! Einzeln ist sie nur ein Zwerg,
- Doch im Chor ein Siegsgeschmetter: »Freiheit, Licht und Gutenberg«.
-
-[Illustration]
-
-
-[Illustration]
-
- XIV. KAPITEL.
-
- DER SÜDEN DER GERMANISCHEN GRUPPE.
-
- Emporwachsen Stuttgarts: Die Familie Cotta. J. B. Metzler. Die
- illustrierte Litteratur. Ed. Hallberger, Gebr. Kröner u. a. Die
- Xylographie. Der Buchhandel. Statistisches. Tübingen. München:
- Aufschwung aller graphischen Künste, Kasp. Braun, Fr. Hanfstängl, J.
- Albert, Fr. Bruckmann u. a. Nürnberg. Regensburg. Augsburg.
- Rheinische Städte. Frankfurt a. M. Mainz und das Einweihungsfest.
- Freiburg i. Br. Dornach: Ad. Braun. Strassburg: Das Gutenbergdenkmal,
- die Bibliothek.
-
- DIE SCHWEIZ. Lokale Schwierigkeiten. Basel: Die Familie Haas. Zürich:
- Orell Füssli & Co., Kartographie. St. Gallen: Chr. Zollikofer.
- Einsiedeln: Gebr. Benziger. Bern.
-
-[Sidenote: Sinken der Bedeutung des Südens.]
-
-Noch vor Ablauf der vergangenen Periode hatten der Westen und der
-Süden Deutschlands ihr typographisches Übergewicht verloren. Die
-blühenden Hauptsitze der Buchdruckerei und des Buchhandels, Nürnberg
-und Augsburg, waren von ihrer Höhe zurückgegangen und wurden zu
-Anfang unseres Jahrhunderts bayrische Provinzialstädte, während die
-Hauptstadt Bayerns keine Anstrengungen machte, um ein Emporium des
-Bücherverkehrs in Süddeutschland zu werden, wie es wohl möglich gewesen,
-wenn Gutenbergs Kunst von oben dieselbe Unterstützung und Förderung
-gefunden hätte, wie die bildende Kunst. Der hohe Glanz Basels war
-hinfällig geworden; es blieb zwar eine sehr respektable schweizerische
-Universität, der europäische Ruf war jedoch dahin. Strassburg zählte
-seit seiner Überrumpelung durch die Franzosen im Jahre 1681 nicht mehr
-zu Deutschland und galt in jüngster Zeit mehr als Festung denn als Sitz
-der Wissenschaft und Kunst. Frankfurt am Main hatte als Bücheremporium
-längst Leipzig den Platz räumen müssen, war auch nicht bestrebt,
-wenigstens als Verlagsort, ein bedeutendes Gewicht in die Wagschale zu
-legen, und die Heimat der Druckkunst, Mainz, hatte es nie versucht, die
-günstigen Antezedentien zu benutzen und die Erbschaft Gutenbergs im
-Geiste des Erfinders anzutreten.
-
-[Sidenote: Emporblühen Stuttgarts.]
-
-Unter diesen Verhältnissen gelang es einer bis 1750 in der Geschichte
-der Typographie kaum genannten Stadt, die noch tief in unser Jahrhundert
-herein hauptsächlich nur als Sitz der Cottaschen Verlagshandlung und
-des Nachdruckes in der graphischen Welt bekannt war, in der Zeit von
-knapp einem Menschenalter sich zum dritten typographisch-bibliopolischen
-Hauptplatz des Deutschen Reiches emporzuschwingen, und zwar
-hauptsächlich nur durch die Energie der Gewerbtreibenden selbst,
-verbunden mit Tüchtigkeit, kaufmännischer Klugheit und dem nötigen Mut
-»ins Zeug zu gehen« gepaart.
-
-[Sidenote: Joh. Fr. Cotta * 27. April 1764, [+] 29. Dez. 1832.]
-
-Seinen ersten Ruhm verdankt STUTTGART, wie erwähnt, der Familie Cotta.
-JOHANN FRIEDRICH COTTA, ein Urenkel des Begründers des Cottaschen
-Geschäfts in Tübingen (I, S. 134), Enkel des Kanzlers der Universität,
-war in Stuttgart geboren. Sein Vater hatte im österreichischen
-Reiterdienst gestanden und auch er fühlte Neigung für den Militärdienst
-und widmete sich namentlich dem Studium der Mathematik, ergriff jedoch
-als Brotstudium die Rechtswissenschaft und trat 1785 in Tübingen als
-Hofgerichtspraktikant ein. Die seinem Onkel gehörende Buchhandlung in
-Tübingen war in Verfall geraten und Johann Friedrich musste, um sie der
-Familie zu erhalten, sich entschliessen, die buchhändlerische Carrière
-zu ergreifen. Er trat am 1. Dezember 1787 unter unendlichen Sorgen und
-Mühen in Besitz des Tübinger Geschäfts und verband sich zuerst mit einem
-redlichen, aber für den Buchhandel nicht geeigneten Mann, Dr. Zahn.
-Dieses Geschäftsverhältnis wurde jedoch nach wenigen Jahren gelöst.
-
-[Sidenote: Cottas Verbindung mit Schiller und Goethe.]
-
-[Sidenote: Allgem. Zeitung.]
-
-Bekannt ist Cotta namentlich durch sein intimes Verhältnis zu Goethe und
-Schiller, ein Verhältnis so schön, wie es zwischen Autor und Verleger
-nur gedacht werden kann. Cotta hatte den Plan zu einer deutschen Zeitung
-gefasst, die von Schiller redigiert werden sollte, jedoch Goethes
-Pläne führten zur Herausgabe der Horen (1795). Nun verständigte sich
-Cotta mit Dr. Posselt über die Herausgabe der »Allgemeinen Weltkunde«,
-aus der dann die »Allgemeine Zeitung« entstand. Posselt erkannte
-jedoch selbst, dass er sich zur Herausgabe einer Tageszeitung nicht
-eigne. Nach mehrmaligem Redactionswechsel wurde die Zeitung 1798 nach
-Augsburg verlegt und ging nunmehr gewöhnlich unter der Bezeichnung »die
-Augsburgerin«.
-
-[Sidenote: Übersiedelung nach Stuttgart.]
-
-Cotta siedelte 1810 nach Stuttgart über; der alte Adel wurde wieder
-aufgenommen und Cotta Freiherr von Cottendorf.
-
-[Sidenote: Thätigkeit Cottas.]
-
-Es gelang Cottas Thätigkeit, Umsicht und Liberalität, nach und nach
-alle deutschen Dichter von Bedeutung und viele andere hervorragende
-Schriftsteller an seinen Verlag zu fesseln. Für ein aufkommendes
-Talent wog der Umstand, sein Werk im Cottaschen Verlag erscheinen zu
-sehen, mehr als alle sonstigen Empfehlungen. Bezeichnend für Cotta und
-seine Handlungsweise sind seine Worte an Schiller: »Ich wünsche, Sie
-bestimmten das Honorar für die Sammlung Ihrer theatralischen Schriften.
-Sie werden dabei finden, dass Sie es mit einem Manne zu thun haben, der
-neben der Überzeugung, dass bei Schriftstellern, wie Sie, das Honorar
-nie ein Äquivalent für die Arbeit sein könne, und dass mithin ein Akkord
-nie die Verbindlichkeiten des Buchhändlers in einem solchen Falle
-erschöpfe, sobald der Erfolg ihm noch mehr zu thun erlaubt, auch Ihre
-Freundschaft zu schätzen weiss«.
-
-[Sidenote: Münchener Unternehmungen.]
-
-Im Jahre 1815 ging Cotta im Auftrag mehrerer der geachtetsten
-Buchhändler Deutschlands nach Wien, um bei dem Kongress die Interessen
-des Buchhandels zu wahren. Eine seiner erfolgreichen Unternehmungen
-aus damaliger Zeit war Dinglers »Polytechnisches Journal«. Von seiner
-Liebe zur Kunst geleitet gründete er in München eine grossartige Anstalt
-für Kupferstecherei und Lithographie, verbunden mit einer Kunst- und
-Landkarten-Handlung. Dort erfolgte nun die Herausgabe vieler grösserer
-die Kunst fördernder Werke: Gaus' Prachtwerk über »Nubien«; Platners
-topographisches Werk über »Rom«, das jedoch nicht zur Vollendung
-gelangte; Bröndsteds »Reise in Griechenland«; die Werke von Moritz
-Retzsch, Eugen Neureuther, Weitbrecht u. a.
-
-Johann Friedrich starb am 29. Dezember 1832. Seine Thätigkeit im Dienste
-des Vaterlandes und seine Vorzüge als Landwirt gehen über den Rahmen
-dieses Handbuches hinaus.
-
-[Sidenote: G. v. Cotta * 19. Juli 1796, [+] 1. Febr. 1863.]
-
-Sein Sohn GEORG VON COTTA fand ein zwar hochberühmtes, aber auch auf
-Grund der Vielseitigkeit der Unternehmungen stark belastetes Geschäft
-vor. Es gelang ihm aber durch seine grosse Energie, alle Schwierigkeiten
-zu beseitigen, dabei doch vollständig im Geiste des Vaters fortwirkend.
-Im Jahre 1839 erwarb er das Göschensche Geschäft in Leipzig, wodurch
-er so ziemlich der Alleinverleger der deutschen Klassiker wurde. Im
-Jahre 1845 kaufte er noch die Vogelsche Verlagshandlung in München und
-brachte die litterarisch-artistische Anstalt dort in lebhaften Schwung.
-Er veranstaltete zahlreiche neue Ausgaben der Klassiker. Gegen die
-Autoren war er äusserst liberal, weniger gegen den Sortimentshandel,
-auch wurde nicht immer die nötige Sorgfalt auf die Korrektheit und
-gute Ausstattung der Ausgaben verwendet. Unter den von ihm ins Leben
-gerufenen Zeitschriften hat die »Deutsche Vierteljahrsschrift« besondere
-Bedeutung.
-
-Cotta war, der politischen Gesinnung nach, ein ausgeprägter
-Grossdeutscher und in diesem Sinne wurde auch die »Augsburger
-Allgemeine« geleitet, bis die Ereignisse auch dieser einen anderen
-Stempel aufdrückten (S. 398). Im Jahre 1882 siedelte die Zeitung nach
-München über.
-
-[Sidenote: Änderungen im Geschäft.]
-
-Mit dem Tode Georg Cottas 1863 ging das Geschäft in den
-gemeinschaftlichen Besitz der Familie über. Die Firma Cotta war
-selbstverständlich diejenige, welche die grösste Einbusse durch den
-Bundesbeschluss: vom 6. November 1867 ab alle Privilegien zu gunsten des
-Schutzes der Schriften einzelner Autoren nicht zu erneuern, erlitt. Im
-Jahre 1869 wurde die Literar.-Artistische Anstalt in München verkauft.
-
-1879 übergaben Cottas ihre Buchdruckerei für zehn Jahre in Pacht an
-Gebrüder Kröner. So ganz ausserordentlich gross die Verdienste der
-Firma um die Litteratur sind, so lässt es sich nicht leugnen, dass
-die Typographie nicht in derselben Weise von ihr begünstigt wurde.
-Erst in späterer Zeit schloss sich die Cottasche Druckerei den
-besten Deutschlands an und lieferte Prachtwerke von Bedeutung, z. B.
-Goethes Faust, illustriert von G. Seibertz; Reineke Fuchs in Goethes
-Übersetzung, illustriert von W. v. Kaulbach; Herders Cid, illustriert
-von E. Neureuther; die Jubelausgabe von Schillers Gedichten u. a.
-
-Ihre früheren, selbst die Prachtausgaben der deutschen Klassiker leiden
-an wesentlichen Mängeln. So sehr auch ihre sogenannten Schillerausgaben
-zur weitesten Verbreitung der besten Werke noch vor Ablauf der diesen
-gewährten Schutzfrist beigetragen haben, so wenig dienten sie, den
-Geschmack für hübsche Buchausstattung zu wecken. Dagegen muss in die
-Wagschale gelegt werden, dass nie ein Buch aus ihren Pressen hervorging,
-bei welchem die Spekulation über die Ehre der Litteratur ging.
-
-[Sidenote: J. B. Metzler.]
-
-Eine alte ehrenwerte Firma Stuttgarts ist die 1681 gegründete J. B.
-METZLERsche, die, was ein seltener Fall ist, sich in letzter Zeit
-vollständig verjüngt hat und kühn den Kampf mit den jungen frisch
-aufblühenden Firmen aufnehmen konnte. Im Jahre 1876 trennten sich die
-Besitzer AD. BONZ und L. WERLITZ. Letzterer setzte das Stammgeschäft
-fort, welches 1881 sein zweihundertjähriges Jubelfest feiern konnte.
-
-[Sidenote: A. Bonz * 1824, [+] 1878.]
-
-ADOLF BONZ ist als der eigentliche Stifter des Deutschen
-Buchdrucker-Vereins zu betrachten. Schon jahrelang vor dem Entstehen
-desselben hatte er für das Zustandekommen gewirkt. Seine grosse
-geschäftliche Erfahrung, sein reiches positives Wissen als studierter
-Mann und Jurist, verbunden mit einer grossen Klarheit und einer
-unerschütterlichen Ruhe, befähigten ihn ganz besonders zur Leitung
-grösserer Versammlungen, und er hatte gute Gelegenheit, dieses Talent
-bei zwei der schwierigsten Verhandlungen in dem Vereinsleben, dem
-Eisenacher Buchdruckertage am 10. März 1872 und der ausserordentlichen
-Generalversammlung zur Statuten-Revision in Frankfurt am Main am 14.
-und 15. September 1874, zu bewähren. Er war bei dem schweren Kampfe,
-um Stuttgart dem Vereine treu zu erhalten, stets das vermittelnde und
-versöhnende Prinzip[233].
-
- [233] Annalen d. Typ. 1872, Nr. 172, und 1874, Nr. 273. 274.
-
-Für den Aufschwung der Metzlerschen Buchdruckerei interessierte er
-sich lebhaft und es entstanden unter seiner Leitung mehrere schöne
-Illustrationswerke, als Scheffels »Trompeter von Säkkingen«; Scheffels
-»Bergpsalmen« sowie dessen »Gaudeamus« und »Juniperus«. Die nach
-dem Tode von A. Bonz entstandene neue Firma A. BONZ ERBEN strebt in
-ähnlicher Richtung und gehört zu denen, die allen ihren Druckwerken
-grosse Sorgfalt widmen und diese auf die ganze Einrichtung und die
-Behandlung des Formats ausdehnen.
-
-[Sidenote: Gebr. Kröner.]
-
-Eine ebenfalls auf eine lange Vergangenheit zurückschauende
-Buchdruckerfirma ist die der GEBRÜDER MÄNTLER, jetzt GEBRÜDER KRÖNER.
-Durch ihre Illustrationsdrucke glänzt diese Firma als ein Stern
-erster Grösse, und kein Jahr vergeht, in welchem nicht Prachtwerke
-von Bedeutung, teils dem eigenen Verlage zugehörend, teils für fremde
-Rechnung gedruckt, ihre Pressen verlassen. Es seien darunter einige
-aus dem eigenen Verlage Kröners genannt: »Unser Vaterland« in den
-verschiedenen Abteilungen: das bayrische Gebirge, Tirol, Steiermark,
-Nord- und Ostsee, Rheinfahrt; Jägers Wanderungen durch die Tierwelt.
-Eines der weniger bekannten und umfangreichen, »Hugdietrichs
-Brautfahrt«, dürfte in konsequenter und korrekter Durchführung als eine
-typographische Musterleistung bezeichnet werden.
-
-Im Jahre 1879 nahmen Kröners die Cottasche Offizin mit 27 Schnellpressen
-auf zehn Jahre in Pacht. Nachdem die ehemalige Mäntlersche Buchdruckerei
-in das Cottasche Lokal übergesiedelt war, bietet sich das für den
-Typographen interessante Schauspiel zweier, nach verschiedenen Systemen
-eingerichteter und vollständig getrennt in einem Raum arbeitender
-Druckereien; doch wird wohl auch die Zeit kommen, wo diese beiden
-Druckereien wie die Preussische Staatsdruckerei und die Geheime
-Oberhofbuchdruckerei v. Deckers in eine »zusammengeschmolzen« werden.
-
-[Sidenote: Beginn des illustrierten Druckes.]
-
-[Sidenote: F. G. Franckh.]
-
-Doch die genannten Firmen sind nur einige der Anstalten, die dazu
-beigetragen haben, Stuttgarts Ruhm als Verlags- und Druckort
-zu begründen. Derselbe datiert von dem Ende der dreissiger und
-dem Beginn der vierziger Jahre. Als in Paris um diese Zeit die
-illustrierten Unternehmungen sich geradezu überstürzten, erwachte
-auch der Unternehmungsgeist in Stuttgart und die rührigen Verleger
-und Drucker dort fanden, ganz im Gegensatz zu den Verhältnissen in
-Leipzig, bereitwillige Unterstützung bei den dortigen Geldmännern.
-Unter denjenigen, welche die Mittel in Bewegung zu setzen wussten,
-stand obenan F. G. FRANCKH. Unter der Firma »Verlag der Klassiker« in
-Pforzheim, der 1839 in den Besitz von DENNIG, FINCK & CO. überging und
-nach Stuttgart übersiedelte, erschien eine Reihe von Unternehmungen, die
-hauptsächlich mit französischen Clichés illustriert wurden. Doch wagte
-man sich bald daran, Eigenes zu produzieren. So waren die Illustrationen
-zu »1001 Nacht« deutsche Originale, dienten jedoch zur Ausschmückung
-einer französischen Ausgabe. J. SCHEIBLE brachte ein kleines
-»Universum«, C. KRABBE die Übersetzung von Swifts »Gullivers Reisen« u.
-s. w.
-
-[Sidenote: Ed. Hallberger * 22. März 1822, [+] 29. Aug. 1880.]
-
-Derjenige, welcher die grössten und andauerndsten Erfolge in dieser
-Stuttgart charakterisierenden Richtung erringen sollte, war EDUARD
-HALLBERGER, eine der bedeutendsten Erscheinungen des modernen
-Buchhandels und der neuen Typographie.
-
-[Sidenote: »Über Land und Meer.«]
-
-Hallberger trat zuerst in das väterliche Geschäft, gründete jedoch
-1848 eine eigene Firma und übernahm 1850 die mit drei Schnellpressen
-arbeitende Buchdruckerei des Vaters. 1853 gründete er die Zeitschrift
-»Illustrierte Welt«; 1858 fasste er den Plan zu einem grossen
-illustrierten Unterhaltungsblatt »Über Land und Meer«[234]. Hackländers
-Name als Redacteur war ein tüchtiges Zugmittel; 1862 wagte Hallberger
-den Sprung von acht Thalern auf vier Thaler Abonnementspreis und hiermit
-war sein Erfolg entschieden. Holzschnitte und Zeichnungen sind durchweg
-vortrefflich und haben einen grossen Einfluss auf die Xylographie in
-Stuttgart geübt.
-
- [234] Die Nummer 1000 von »Über Land und Meer« ist Nr. 12 des
- Jahrg. 1878.
-
-[Sidenote: Dorés Bibel.]
-
-[Sidenote: »Ebers' Ägypten«.]
-
-[Sidenote: »Palästina«.]
-
-Unter den Druckwerken Hallbergers nimmt die Heilige Schrift, illustriert
-von Gustav Doré, in zwei Ausgaben, für Lutheraner und Katholiken, einen
-hohen Platz ein. Sein Meisterstück ist jedoch »Ägypten in Wort und
-Bild« mit mehr als 700 Illustrationen und mit Text von Georg Ebers.
-Alles ist hier deutschen Ursprungs und bildet ein hervorragendes
-Monument der graphischen Künste Deutschlands im XIX. Jahrhundert. Würdig
-schliesst sich an dieses an, wenn es dasselbe auch nicht ganz erreicht:
-»Palästina«, zu welchem Werk England einen Teil des künstlerischen
-Schmuckes lieferte. Auch die grossen Ausgaben von Shakespeare, Goethe
-und Schiller zusammen mit gegen 2400 Holzschnitt-Illustrationen sind
-bedeutende Erscheinungen, die von vielen geringeren Umfanges gefolgt
-wurden. Ein wichtiges Werk sind die »Klassiker der Musik«, herausgegeben
-von J. Moscheles. Der Romanverlag, dessen Perlen die ägyptischen Romane
-von G. Ebers sind, ist daneben ein sehr ausgedehnter.
-
-[Sidenote: Hallbergers Offizin.]
-
-Hallbergers Druckerei kann als eine Musteranstalt betrachtet
-werden. Früher wurden seine illustrierten Blätter auf Alauzetschen
-Komplettmaschinen vorzüglich gedruckt, jetzt verrichten drei
-Rotationsmaschinen der Augsburger Fabrik die Arbeit und Hallberger
-selbst hat wesentlichen Anteil an der glücklichen Durchführung
-der Aufgabe dieser Maschinen; ausserdem sind 27 Schnellpressen in
-Thätigkeit. Die Zahl der Arbeiter war etwa 400, dazu beschäftigt
-die Buchbinderei jetzt 24 Maschinen und etwa 400 Personen; grosse
-Papierfabriken gehören der Anstalt.
-
-Allgemein betrauert starb Hallberger auf seinem schönen Landsitz Tutzing
-am Starnberger See[235]. Er besass eine grosse und ideal angelegte
-Natur, die sich in seinen Unternehmungen ausprägt, weshalb diese auch
-sympathisch wirken. Dasselbe gilt auch von seinen Bestrebungen zur
-Gründung einer allgemeinen deutschen Pensions- und Invalidenkasse für
-Typographen, die vielleicht von Hallbergers Seite zu viel Idealismus
-enthielten und an dem zu wenig dieser Eigenschaft bei seinen Kollegen
-strandeten. Für seine eigenen Arbeiter hat er in mehrfacher Hinsicht
-vortrefflich gesorgt. In seinen Arbeiten wurde er treu von seinem Bruder
-KARL HALLBERGER unterstützt.
-
- [235] Biographische Skizzen lieferte Paul Lindau in der »Gegenwart«,
- Theod. Göbel in dem »Journ. f. Buchdrk.«, 1880, Nr. 36.
-
-Aus dem Geschäft wurde eine Aktiengesellschaft DEUTSCHE VERLAGS-ANSTALT
-unter Karl Hallbergers Direktion. Eine Expedition in Leipzig war bereits
-1871 gegründet.
-
-[Sidenote: Verschiedene Druckereien.]
-
-Eine umfangreiche Druckanstalt ist die von H. SCHÖNLEIN (24 Schp.), in
-welcher dessen weit verbreitete illustrierte Blätter gedruckt werden.
-
-Von Druckereien seien noch erwähnt: GREINER & PFEIFFER, die (mit 14
-Schp.) namentlich Accidenzien und illustrierte Werke drucken. Die von
-Gehülfen gegründete VEREINSDRUCKEREI liefert sehr gute Accidenz-,
-besonders Farbendrucke. J. F. STEINKOPF druckt vorwiegend die religiösen
-Werke seines Verlags; C. GRÜNINGER ist der einzige Buchdrucker
-Stuttgarts, der sich auf orientalische Druckarbeiten legt und namentlich
-russische Bücher liefert. C. HOFFMANN druckt mit 7 Schnellpressen
-hauptsächlich die Verlagsartikel von K. THIENEMANN.
-
-[Sidenote: Xylographie.]
-
-Die Stuttgarter Xylographie hat begreiflicher Weise eine hohe Bedeutung.
-Die Anstalt von A. CLOSS ist eine so vorzügliche, wie wenige, und ist
-fast ausnahmslos in jedem Stuttgarter Prachtdrucke vertreten. Die
-Stuttgarter Holzschnitte verbinden so sehr französische Eleganz mit den
-deutschen Vorzügen, dass vor dem Kriege viele Holzschnitte nach Paris
-geliefert wurden.
-
-[Sidenote: Lichtdruck.]
-
-Ausser der Xylographie hat auch der Lichtdruck eine grosse Verbreitung.
-Die Anstalt von MARTIN ROMMEL & CO. liefert vortreffliches und finden
-ihre Erzeugnisse namentlich ihren Platz in den Prachtwerken von Paul
-Neff. Auch in der Chromolithographie hat Stuttgart Tüchtiges aufzuweisen
-durch die Anstalten von EMIL HOCHDANZ, MAX SEEGER, GUSTAV WEISE. Die
-Leistungen finden hauptsächlich Verwendung in den Jugendschriften von W.
-NITZSCHKE, SCHMIDT & SPRING, LEVY & MÜLLER, F. LOEWE, K. THIENEMANN und
-GUSTAV WEISE. Eine Spezialität des letzteren sind die, in grossen Massen
-verbreiteten »Bilder für Jung und Alt«. K. Thienemann lieferte auch eine
-Reihe naturwissenschaftlicher illustrierter Werke.
-
-[Sidenote: Schriftgiesserei.]
-
-Die SCHRIFTGIESSEREI hat erst in neuester Zeit begonnen, einen
-Aufschwung in Stuttgart zu nehmen (S. 290). Der Verlagsrichtung gemäss
-findet vorzugsweise die Produktion zu dekorativen Zwecken Beachtung und
-ist in dieser Richtung namentlich OTTO WEISERT thätig. Im Jahre 1882
-siedelte der bekannte Schriftschneider BAUER SEN. von Frankfurt nach
-Stuttgart über. Als Farbenfabrikanten sind KAST & EHINGER von Bedeutung,
-namentlich in bunten Farben.
-
-[Sidenote: Kunststellung Stuttgarts.]
-
-»Das eigenste, was Stuttgart besitzt, gehört nicht der schaffenden
-idealen Kunst, sondern der schmückenden, dekorierenden, vorab dem
-Kunstgewerbe. Wer die Kunst beobachten will, der begebe sich vor
-allem in die Werkstätte der Holzschneider, Lithographen, Zeichner,
-Buchbinder, der Holz- und Metallarbeiter, der Bauhandwerker. Die
-schwäbisch-industrielle Regsamkeit hat sich da mit einem Geschmack
-verbunden, der in Stuttgart, als einer Hauptstadt der deutschen
-Litteratur und des Buchhandels, von den verschiedensten Seiten angeregt
-wurde. Hierbei ist der unmittelbare Einfluss der Bücher-Illustration auf
-die Stuttgarter Kunstgewerbe durchaus nicht zu unterschätzen[236].«
-
- [236] RIEHL, Deutsche Kunststädte. Augsb. Allg. Ztg. 1870.
-
-[Sidenote: Stuttgarter Verleger.]
-
-Unter den Werken, die einen ganz wesentlichen Einfluss in der
-angedeuteten Richtung geübt haben, steht obenan die »Gewerbehalle«
-von J. ENGELHORN. Die ersten Künstler und die besten Schriftsteller
-unterstützen diese, 1863 begonnene Zeitschrift. Ausser der stark
-verbreiteten deutschen Ausgabe existieren Ausgaben in Amerika, England,
-Italien, Frankreich, Böhmen, Spanien und Holland. Die »Gewerbehalle«
-kann demnach als ein Weltblatt bezeichnet werden.
-
-Ausserdem liess Engelhorn eine Anzahl der vorzüglichsten illustrierten
-Werke erscheinen: »Italien« mit etwa 400 Illustrationen, das
-»Schweizerland« von Kaden mit 450 Illustrationen, die »Kunstschätze
-Italiens« von Karl v. Lützow, »Unser Jahrhundert« von Otto von Leixner.
-
-EBNER & SEUBERT gaben eine Reihe von wertvollen, prachtvoll geschmückten
-Werken über Kunst von Lübke, Burckhardt, Weiss, Schnaase, Kugler heraus.
-C. WITWER wendete seine Thätigkeit den Werken der Architektur zu.
-
-PAUL NEFF benutzt für seinen grossartigen Verlag vorzugsweise den
-Lichtdruck als Illustrationsmittel. Obenan stehen »Die goldene Bibel«
-und die »Klassiker der Malerei«. Sowohl hinsichtlich der Ausdehnung als
-was Ausführung betrifft, höchst bedeutende Werke sind: Ludw. Weisers
-»Bilderatlas zur Weltgeschichte«, welcher auf 146 Grossfolio-Tafeln
-über 5000 Darstellungen bringt; die »Denkmäler der Kunst« mit gegen
-200 Tafeln in Stahlstich; M. v. Schwinds »Die schöne Melusine« und
-»Die sieben Raben«; A. Racinets »Das polychrome Ornament«, 100 Tafeln
-in Gold- und Farbendruck; »Die Kunst für alle« von Gutekunst: das sind
-einige der Publikationen von Neff; alle anzuführen würde zu weit gehen.
-
-[Sidenote: W. Spemann.]
-
-Eine der jüngsten und jetzt bereits eine der umfangreichsten
-Verlagshandlungen ist die, 1873 von W. SPEMANN gegründete. Grossen
-Erfolg hatte Johannes Scherrs »Germania«; Jakob von Falkes »Hellas
-und Rom«; Bruno Buchers »Geschichte der technischen Künste«; die
-illustrierten Werke von Friedrich v. Hellwald u. a. Die »Kollektion
-Spemann« eröffnete den Reigen der Mark-Kollektionen und in Kürschners
-»Deutscher National-Litteratur« unterbot der Verleger sich selbst durch
-Lieferungen zu 50 Pf. Die Monatsschrift »Vom Fels zum Meer« hat eine
-sehr bedeutende Verbreitung. Um das typographische Publikum machte
-sich Spemann verdient durch die Herausgabe des epochemachenden Werkes
-»Gutenberg« von Dr. A. v. d. Linde in Wiesbaden.
-
-Die übrigen Verleger Stuttgarts, die weniger Einfluss auf die
-graphischen Gewerbe übten, müssen hier unerwähnt bleiben.
-
-[Sidenote: Tübingen.]
-
-TÜBINGEN verlor sehr an Bedeutung durch Übersiedelung Cottas nach
-Stuttgart. In ESSLINGEN liefert J. F. SCHREIBER (6 Schp., 8 Hdp.)
-Bilderbücher und Vorlagen. In ULM druckt J. EBNER (9 Schp.).
-
-[Sidenote: Reutlingen und der Nachdruck.]
-
-Einen üblen Ruf erwarb sich REUTLINGEN als hauptsächlichster Sitz der
-grössten Nachdruckfirmen: Mäcken, Ensslin und Fleischhauer, welche ihr
-böses Handwerk natürlich nur im »Interesse der Litteratur« mit aller
-Kraft betrieben und schliesslich gar als Wohlthäter der Menschheit
-womöglich ein Ehrendenkmal verdient zu haben glaubten.
-
-Württemberg besitzt im ganzen 173 Buchdruckereien und 71 lithographische
-Anstalten mit 398 Schnell-, 350 Tret- und Handpressen. Die Druckereien
-verteilen sich auf 76 Städte; Stuttgart allein hat 68 Buchdruckereien
-mit 191 Schnellpressen und 32 lithographische Anstalten mit 43 Schnell-
-und 104 Handpressen. Im Jahre 1840 besass Stuttgart zwar bereits 24
-Buchdruckereien, diese hatten jedoch zusammen nur 30 Schnellpressen,
-also nicht mehr als eine der grossen jetzigen Druckanstalten, ganz
-abgesehen von der Leistungsfähigkeit der Maschinen von heute gegen die
-damaligen. 1882 betrug die Bücherausfuhr Württembergs 3110301 Kilo zu
-einem Werte von wenigstens 6 Millionen Mark.
-
-[Sidenote: München.]
-
-[Sidenote: Der Schulbücher-Verlag.]
-
-MÜNCHEN erlangte, wie bereits erwähnt wurde, bei weitem nicht die
-Bedeutung für den Buchhandel und die Buchdruckerei wie für die Kunst,
-doch ist es in jüngster Zeit eifrig bemüht das Versäumte nachzuholen.
-Der wissenschaftliche Verlag hatte keine grosse Ausdehnung und die
-wichtige Branche der Unterrichtslitteratur befand sich ganz in den
-Händen der Regierung, welche durch den sogen. »Schulbücher-Verlag« dafür
-sorgte, »dass kein Gift der Jugend verabreicht wurde«. Durch Reskript
-vom 12. Oktober 1785 wurde das Privilegium, welches der Buchbinder G.
-Ruprecht und dann J. B. Oettl auf planmässige Schulbücher innegehabt
-hatten, zu gunsten des »Deutschen Schulfonds« erneuert und letzterem
-der Verlag »aller verlegender Schulbücher auch anderer zur Erziehung
-dienlicher Schriften« vorbehalten.
-
-Durch spätere Reskripte wurde dieses Privilegium noch erweitert. Die
-verschiedentlichen Remonstrationen der Buchhändler blieben, trotz der
-ihnen zur Seite stehenden Rechts- und Vernunftgründe, unbeachtet. Dass
-die allgemeine Bildung und der Verlagshandel darunter leiden mussten,
-ist begreiflich; aber auch der Sortimentshandel wurde geschädigt, da
-der Schulfond, unter Umgehung der Sortimenter, den Vertrieb durch
-eigene Zwischenhändler und durch Lehrer besorgen liess, die billiger
-verkauften, als die Buchhändler einkaufen konnten[237].
-
- [237] C. WOLFF, Über den gegenwärtigen Zustand des Buchhandels in
- Bayern. München 1827.
-
-[Sidenote: E. Mühlthaler.]
-
-E. MÜHLTHALER (seit 1867) war der erste in München, der sich im
-illustrierten Prachtdruck versuchte, und zwar mit den im Bruckmannschen
-Verlag erscheinenden »Die Schweiz« von Gsell-Fels und »Rhododendron«.
-Bei unverkennbarer Tüchtigkeit und anerkennenswertester Sorgfalt
-erreichten diese Ausgaben doch nicht ähnliche Stuttgarter Leistungen.
-Seit 1875 druckt Mühlthaler die Münchener »Fliegende Blätter« und
-entwickelt auch seine Intelligenz in merkantilen Accidenzarbeiten. Er
-beschäftigt bereits 15 Schnellpressen.
-
-[Sidenote: Knorr & Hirth.]
-
-[Sidenote: M. Huttler.]
-
-Eine der angesehensten Firmen ist die von KNORR & HIRTH, die mit
-zwei Rotationsmaschinen, zwei vierfachen und verschiedenen einfachen
-Schnellpressen arbeitet. Dr. Hirth ist bekannt durch seine Bestrebungen
-zur Erweckung des Sinnes für die Renaissance, worauf namentlich die
-in seinem Verlag erscheinenden Werke: Formenschatz der Renaissance;
-Butsch, Bücherornamente u. a. hinzielen. Nebenbei liefert die Offizin
-hübsche Accidenzarbeiten und druckt die »Münchener Nachrichten« in
-33000 Exemplaren. Noch weiter als Knorr & Hirth greift in seiner
-Geschmacksrichtung in der Zeit zurück Dr. M. HUTTLER aus Augsburg,
-welcher eine Filiale in München errichtet hat. Seinen Verlag von
-Erbauungsbüchern druckt er in gothischer oder Schwabacher Schrift in
-streng durchgeführter Imitation älterer Drucke.
-
-[Sidenote: F. Straub.]
-
-[Sidenote: J. G. Weiss.]
-
-Die »Akademische Buchdruckerei« von F. STRAUB beschränkt sich
-namentlich auf gelehrte Arbeiten und amtliche Drucke, ebenso die
-Universitätsbuchdruckerei von J. G. WEISS.
-
-[Sidenote: R. Oldenbourg.]
-
-Unter den neueren Offizinen zeichnet sich die von R. OLDENBOURG (13
-Schp.) sowohl durch ihre vortrefflichen Einrichtungen als durch
-ihre Arbeiten aus. Im Jahre 1874 übernahm Oldenbourg von Pustet in
-Regensburg den Zentral-Schulbücherverlag, ausserdem erscheinen bei ihm
-sechs Zeitschriften; dagegen werden Accidenzarbeiten weniger gepflegt.
-
-[Sidenote: Verschiedene Druckereien.]
-
-Zu erwähnen sind noch folgende Offizinen: C. WOLFF & SOHN (8 Schp.);
-F. WILD (7 Schp.); J. DESCHLER (8 Schp.); E. HUBER (6 Schp.), dessen
-Spezialität hebräische Bücher sind; W. WEIFENBACH, welcher feine
-Accidenzarbeiten liefert. Die COTTAsche Buchhandlung verlegte die
-Druckerei der »Allgemeinen Zeitung« nach München (1 Rotm. und 4 Schp.).
-
-[Sidenote: Die Xylographie.]
-
-[Sidenote: Kasp. Braun * 13. Aug. 1807, [+] 29. Oktb. 1877.]
-
-[Sidenote: Fr. Schneider * 1815, [+] 9. April 1864.]
-
-Unter den Münchener xylographischen Anstalten erwarb sich die von Braun
-& Schneider einen weit verbreiteten Ruf. KASPAR BRAUN aus Aschaffenburg
-hatte sich als Künstler in mehreren Techniken versucht; durch den
-Anblick von Grandvilles Illustrationen zu Lafontaines Fabeln wurde
-der Gedanke in ihm fest, den Holzschnitt in Deutschland zu dem alten
-Ansehen zu bringen. Rasch führte er den Entschluss aus nach Paris zu
-gehen, um sich, unter des trefflichen Brevière Anleitung, im Holzschnitt
-auszubilden. Das beste Zeugnis für Braun dürfte es sein, dass Brevière
-seinerseits später seinen Sohn in die Lehre zu Braun gab. Zuerst
-gründete er mit V. DESSAUER eine xylographische Anstalt, dann vereinigte
-er sich mit FRIEDRICH SCHNEIDER aus Leipzig zu einem ebenso innigen als
-erfolgreichen Zusammenwirken. Die »Fliegende Blätter« behaupten sich
-bis auf den heutigen Tag in der unveränderten Gunst des Publikums und
-kaum wird eine ähnliche Sammlung von Gaben des köstlichen Humors sich
-zusammenfinden, wie in den 2000 Nummern dieses Blattes, aus welchem
-wieder die »Münchener Bilderbogen« entstanden. Brauns typische Figuren
-als: Eisele und Beisele, Wühlhuber, Heulmeier sind jedem bekannt. Durch
-Schneiders Tod erlitt Braun und sein Humor einen nicht zu verwindenden
-Stoss. Sein 70. Geburtstag brachte ihm noch Ehren und Freude, dann
-folgte er seinem vorausgegangenen Freunde.
-
-In jüngster Zeit haben die grossen Verlagsunternehmungen von FRIEDR.
-BRUCKMANN und TH. STROEFER einen bedeutenden Einfluss auf die Münchener
-Xylographie geübt, einen besonderen Namen erwarben sich: HECHT, TH.
-KNESING, J. WALLE u. a.
-
-[Sidenote: Jubiläum.]
-
-Als München am 28. Juni 1882 das 400jährige Jubiläum der Einführung
-der Buchdruckerkunst feierte, hatte dasselbe 49 Buchdruckereien,
-38 lithographische Anstalten mit 5 Rotationsmaschinen, 148
-Schnellpressen und 229 Tret- und Handpressen. Zu Ehren des Einführers
-der Buchdruckerkunst, HANS SCHAUER, dessen ersten Druck _mirabilia
-urbis Romae_ man in dem Kloster Tegernsee aufgefunden hat, wurde eine
-Denktafel an seinem Druckhause in der Rosenstrasse Nr. 10 angebracht.
-Die älteste der noch existierenden Druckereien Münchens ist die aus dem
-Jahre 1769 stammende F. S. HÜBSCHMANNsche.
-
-[Sidenote: Die Lithographie.]
-
-Dass die lithographische Kunst sich in München, der Wiege derselben
-(S. 7), weiter entwickelte und in den dortigen reichen Sammlungen
-Stoff zu Vervielfältigungen fand zu einer Zeit, wo die Lithographie
-den Kunstsammlungen gegenüber fast die Stellung einnahm, wie jetzt die
-Photographie, ist natürlich.
-
-[Sidenote: Fr. Hanfstängl * 1. März 1804, [+] 18. April 1877.]
-
-In beiden Kunstzweigen erwarb sich FRANZ HANFSTÄNGL grossen Ruhm. Er
-war, als Sohn wenig bemittelter Bauern, in Tölz geboren. Obwohl für die
-Laufbahn eines Malers bestimmt, machte der Zufall es, dass er sich der
-Lithographie widmete. Gleich gewandt als Zeichner und als Lithograph,
-etablierte er 1830 eine lithographische Anstalt, ging jedoch 1834 nach
-Paris, um sich bei Lemercier noch mehr auszubilden. Schnell erwarb er
-sich neben STRIXNER, PILOTY und BODMER einen Namen, besonders durch
-seine genialen Portraitaufnahmen. Als die kgl. sächsische Regierung
-den Plan gefasst hatte, die Meisterwerke der Dresdner Galerie durch
-Steindruck zu veröffentlichen, ward Hanfstängl ausersehen, die
-Ausführung zu übernehmen; ihm gefiel jedoch die Abhängigkeit nicht und
-das Unternehmen geschah auf seine Kosten. Seine Wirksamkeit in Dresden
-war an Ehren reich. Inzwischen hatte die Photographie Boden gewonnen.
-Hanfstängl fühlte die Wichtigkeit der neuen Kunst sofort heraus und
-warf sich mit aller Kraft auf dieselbe. Als es sich um Herausgabe der
-bedeutendsten Bilder der alten Pinakothek handelte, blieb er unter 22
-Konkurrenten Sieger, und lieferte eine Sammlung, die in ihrer Art ebenso
-hervorragend ist wie die in Dresden veranstaltete.
-
-[Sidenote: J. Albert.]
-
-[Sidenote: Die Autotypie.]
-
-Einen bedeutenden Namen erwarb sich gleichfalls JOS. ALBERT, besonders
-durch seine Lichtdrucke (Albertotypie) und seine Photographien in
-Farben. Als der eigentliche Erfinder des Lichtdruckes, der jedoch das
-Verfahren nicht zuerst praktisch in Anwendung brachte, gilt J. B.
-OBERNETTER. Die Arbeiten desselben stehen in hohem Ansehen, darunter
-die Facsimile-Ausgabe der »Meister von 1440-1694«; die »Kunstschätze
-aus dem bayrischen Nationalmuseum« u. s. w. Ein Portrait des Kaisers
-wurde in einer Auflage von einer Million gedruckt. Auch JUL. ALLGEYER
-und C. BOLHOEVENER zeichneten sich in ihrem photochemischen Verfahren
-aus. In neuester Zeit erregte die Autotypie des Ingenieurs G. MEISENBACH
-Aufsehen. Ein Mangel bei der Zinkhochätzung war die Notwendigkeit, eine
-Vorlage in scharfen Linien oder mit lithographischem Korn versehen zu
-haben; eine getuschte Zeichnung, sowie eine Aufnahme nach der Natur oder
-einem Ölgemälde war nicht zu benutzen. Dem will die Autotypie abhelfen.
-Die Aufnahme des Bildes für die Hochätzung findet durch ein System
-von Linien statt, wodurch der notwendige Halt für die Reproduktion in
-Zinkographie geschaffen wird.
-
-[Sidenote: Fr. Bruckmann.]
-
-Die berühmte Bruckmannsche Kunstanstalt, jetzt eine Aktiengesellschaft,
-wurde 1865 gegründet. Im Jahre 1869 erwarb FRIEDR. BRUCKMANN das durch
-Patent geschützte Woodbury-Verfahren; 1875 nahm er den Lichtdruck
-auf; 1882 die Photogravüre, die sich namentlich zur Reproduktion von
-Ölgemälden eignet[238]. Bruckmann lieferte eine grosse Anzahl Galerien
-zu den vielen deutschen Dichtern und unter Zuhilfenahme der Xylographie
-grossartige Prachtwerke, z. B. Krelings »Faust« und die »Geschichte der
-Hohenzollern«, die zu den bedeutendsten Erzeugnissen der neuen Zeit
-gehören.
-
- [238] Ein sehr interessantes Probenbuch der Firma aus dem Jahre 1882
- giebt eine Übersicht der vielen verschiedenen photographischen
- Verfahren.
-
-[Sidenote: Der Farbendruck.]
-
-Die Chromolithographie wird in ziemlichem Umfange in München betrieben.
-Bekannt sind die Anstalten von GEBR. OBPACHER, LEHMANN & WENTZEL,
-W. FORNDRAN, F. GYPEN, TH. KÖNIG, MEY & WIDMAYER, sie arbeiten
-hauptsächlich für das Papeteriegeschäft oder beschäftigen sich mit
-der Herstellung religiöser Bilder. Als Kunstverleger sind thätig A.
-ACKERMANN, F. FINSTERLIN, E. A. FLEISCHMANN, G. FRANZ, P. KAESER u. a.
-
-[Sidenote: Nürnberg.]
-
-NÜRNBERG erhielt in neuerer Zeit wieder eine erhöhte Bedeutung durch
-das Germanische Museum und seine Kunstgewerbeschule, welche beide
-direkt und indirekt, auch durch Ausstellungen, auf das graphische
-Gewerbe fördernd wirken. Die Stadt ist auch der Sitz verschiedener
-Fabrikationen, die mit den graphischen Gewerben in naher Verbindung
-stehen, z. B. Bronce, Farbe, Zeichenmaterial. Auch die Zahl der
-eigentlichen graphischen Anstalten ist noch eine bedeutende, namentlich
-für den lithographischen sowie für den Kupfer- und Stahldruck. Die Zahl
-der Buchdruckereien ist 26 mit 49 Schnellpressen, darunter G. B. J.
-BIELING (5 Schp.), U. E. SEBALD (7 Schp.). Die älteste Druckerei ist
-die von W. TÜMMEL, seit Ende des XVI. Jahrhunderts bestehend, welche
-mit 2 Rotationsmaschinen den »Fränkischen Kurier« druckt. Unter den 46
-lithographischen und Kupferdruck-Anstalten, welche mit 79 Schnellpressen
-und gegen 300 Handpressen arbeiten, sind zu nennen: G. BRUNNER,
-hauptsächlich Phantasieartikel liefernd (15 Schp., 24 Hdp.); KARL MAYER
-für Farbendruck, Luxuspapier und Kupferdruck (5 Schp., 30 Hdp.); C. A.
-POCHER (16 Schp., 35 Hdp.); C. SCHIMPF (5 Schp., 18 Hdp.); FRANZ SCHEMM;
-H. SERZ & CO.; J. G. MARTIN (4 Schp., 22 Hdp.); E. NISLER (12 Schp., 14
-Hdp.). Man sieht aus diesen Angaben, dass der Export Nürnbergs immer
-noch ein bedeutender ist. In dem benachbarten FÜRTH arbeiten J. HESSE (5
-Schp., 15 Hdp.) und G. LÖWENSOHN (5 Schp., 5 Hdp.).
-
-[Sidenote: Regensburg. Fr. Pustet.]
-
-[Sidenote: J. G. Manz.]
-
-[Sidenote: Kempten.]
-
-REGENSBURG ist berühmt durch die liturgischen Druck- und Verlagswerke
-von FR. PUSTET (17 Schp.) und J. G. MANZ (9 Schp.). Einzelne mit
-Aquarellen geschmückte Bände erreichen einen Preis von 1000 fl.
-und mehr. Viele der Ausgaben sind mit vortrefflichen Miniaturen in
-xylographischem Farbendruck von Knöfler in Wien geschmückt. Von den
-Pustetschen Drucken seien erwähnt: das _Missale_ in Gross-Folio von
-1863; das _Graduale_ in zwei mächtigen Folianten; die _musica sacra_
-des Kanonikus C. Proske, 6 Bände in Quart; das _Missale Romanum_
-mit Einfassungen und Illustrationen von Prof. Klein in Wien. Dass
-neben dem wirklich Schönen auch mancher Flitterstaat vorkommt, lässt
-sich bei Werken dieser Art kaum vermeiden. Manz wendet in seinem
-Verlag mehr den Stahlstich an, hat ausserdem noch einen bedeutenden
-katholisch-wissenschaftlichen Verlag. In KEMPTEN verfolgt JOS. KÖSEL
-ebenfalls den liturgischen Verlag, ohne sich mit dem Regensburger messen
-zu können. Dort wirkt auch TOB. DANNHEIMER.
-
-[Sidenote: Augsburg.]
-
-AUGSBURG wurde oft genannt als Druckort der »Allgemeinen Zeitung«.
-Eine lange Reihe von Jahren war diese das einflussreichste Journal
-Deutschlands, namentlich auf Grund der besonderen Freiheiten, welche
-das Blatt in Österreich genoss, und ihrer intimen Beziehungen in
-den höchsten Wiener Regionen. Berühmt waren ihre wissenschaftlichen
-Beilagen, welche, dank den weitverzweigten litterarischen Verbindungen
-der Firma Cotta, die vortrefflichsten Artikel in Bezug auf Kultur-,
-Litteratur- und Kunstzustände enthielten. Von den 13 Druckereien
-Augsburgs sind noch anzuführen J. P. HIMMER (7 Schp.) und GEBR. REICHEL
-(7 Schp.). Des Dr. HUTTLER wurde bereits gedacht (S. 394). Dasselbe ist
-der Fall mit der grossen Maschinenfabrik Augsburg (S. 313).
-
-[Sidenote: Würzburg u. a. Städte.]
-
-Von anderen Städten Bayerns sind zu erwähnen: WÜRZBURG mit der B.
-STAHELschen (4 Schp.), der BONITAS-BAUERschen (5 Schp.) und THEINschen
-Offizin (6 Schp.), sowie mit der Maschinenbauanstalt von KÖNIG & BAUER
-im Kloster Oberzell; LANDSHUT mit der J. THOMANNschen Buchdruckerei
-(6 Schp.); ANSBACH, wo C. BRÜGEL & SOHN (6 Schp.) drucken. Auf Grund
-seiner vortrefflichen Accidenzarbeiten verdient J. B. DORN in KAUFBEUREN
-genannt zu werden.
-
-[Sidenote: Frankfurt a. M.]
-
-[Sidenote: Accidenzdruckereien.]
-
-Hatte FRANKFURT A. M. auch seine frühere Bedeutung als Emporium
-des Buchhandels verloren, so behauptete es wenigstens, wie schon
-früher erwähnt, seine Suprematie in der Stempelschneiderei und der
-Schriftgiesserei, zeichnete sich daneben auch in der Verwendung der
-verschiedenen graphischen Künste für den Accidenzdruck aus. Ganz
-besonders traten hervor die Firmen C. NAUMANN (14 Schp., 23 Hdp.)
-und B. DONDORF (9 Schp., 12 Hdp.), mit Bunt- und Congrevedruck,
-pantographischen Arbeiten, Reliefdruck und dergleichen, sowohl jeder
-für sich, als wenn sie zu einzelnen Zwecken zusammentraten. Bedeutendes
-in technischer und quantitativer Hinsicht wurde von ihnen bei der
-Anfertigung des italienischen und japanischen Papiergeldes geleistet,
-bis auch diese Länder soweit fortgeschritten waren, dass sie ihren
-»Bedarf« in diesem wichtigen Artikel selbst decken konnten.
-
-[Sidenote: Verschiedene Druckanstalten.]
-
-In neuester Zeit hat A. OSTERRIETH sein Geschäft zu einem, alle
-graphischen Zweige umfassenden (18 Schp., 12 Hdp., 150 Arb.)
-ausgebildet. ALBERT MAHLAU, Inhaber der Firma Mahlau & Waldschmidt,
-wurde bereits (S. 364) erwähnt. Bedeutend ist die Steindruckerei E. G.
-MAY SÖHNE (10 Schp., 12 Hdp.). Die C. KNATZsche Anstalt liefert in
-Etiquetten und dergleichen mannigfach Gutes. K. KLIMSCH verbindet Buch-
-und Steindruckerei (S. 319)[239].
-
- [239] Klimsch' »Adressbuch der Buch- und Steindruckereien« ist eine
- grosse Zahl von statistischen Einzelheiten zu verdanken. Das
- Buch will für das Druckgewerbe das werden, was O. A. Schulz'
- »Adressbuch« bereits lange für den Buchhandel ist. Da die
- Angaben von den Buchdruckerei-Besitzern selbst herrühren, kann
- der Herausgeber des Adressbuches nicht für die Richtigkeit jeder
- Zahl verantwortlich gemacht werden; der auf die Zusammenstellung
- verwendete Fleiss ist ein ausserordentlicher.
-
-Auf dem Rossmarkte steht das Gutenberg-Monument (I, S. 36); hätten doch
-im Leben Gutenberg, Fust und Schöffer so fest zu einander gestanden wie
-hier auf dem Bildwerke des Freiherrn v. d. Launitz.
-
-[Sidenote: Darmstadt.]
-
-In DARMSTADT, das auch durch die Firmen JONGHAUS & VENATOR, F.
-LANGE und W. LESKE für den Kunsthandel eine gewisse Bedeutung
-hatte, drucken C. F. WINTER und L. C. WITTICH; in WIESBADEN die L.
-SCHELLENBERGsche Hofbuchdruckerei; in CASSEL GEBR. GOTTHELFT und
-die HOF- UND WAISENHAUSBUCHDRUCKEREI, je mit 5 Schnellpressen. In
-letzterer Stadt liefert TH. FISCHER zu seiner _Palaeontographica_ (ein
-Exemplar kostet über 2000 Mark) und anderen Werken tüchtige Abbildungen
-in lithographischem Farbendruck. Noch sei das Städtchen ALLENDORF
-A. D. WERRA genannt, mit der Offizin BODENHEIM & CO., die mit 10
-Schnellpressen und 150 Arbeitern hauptsächlich Schreibhefte, Kapseln und
-dergleichen liefert.
-
-[Sidenote: Mainz.]
-
-[Sidenote: Das Einweihungsfest des Monuments.]
-
-Kein Jünger Gutenbergs hört den Namen MAINZ nennen ohne den Gedanken
-an dessen frühere Herrlichkeit für die Buchdruckerkunst. Dass die
-Erfindung in Mainz geschah, war in Zufälligkeiten begründet und für
-die Entwickelung einer Kunst oder eines Gewerbes sind Verhältnisse
-mitwirkend, die zu regeln und zu ändern nicht in der Macht des
-Einzelnen liegt. Deshalb lässt sich, wenn das goldene Mainz nicht
-eine Gutenbergsche Hochschule geworden, darüber mit den Mainzern
-nicht rechten, wohl aber dürfte sie der Vorwurf treffen, dass sie
-nicht beizeiten an die Gründung eines Gutenberg-Museums gedacht
-und dass sie noch leichteren Kaufes, als die, allerdings sehr
-ungünstigen, Verhältnisse es notwendig machten, ihre typographischen
-Schätze dahingegeben haben, die jetzt hauptsächlich Zierden der
-Nationalbibliothek in Paris sind. Trotzdem wird Mainz ein Wallfahrtsort
-der Jünger Gutenbergs bleiben, um wenigstens das Standbild des Meisters
-zu schauen, das seit dem 14. August 1837 den Gutenbergsplatz schmückt.
-Die Einweihung desselben gestaltete sich zu einem glänzenden Feste. Ein
-grossartiger Festzug von den aus allen Gauen Deutschlands, ja selbst
-aus fremden Ländern zusammengeströmten Gästen begab sich erst nach dem
-Dom, wo der Bischof einen feierlichen Gottesdienst abhielt und wo ein
-_Te Deum_ von Sigm. Neukomm gesungen wurde. Von dort bewegte sich der
-Zug nach dem Festplatze, wo der Vorsitzende des Gutenberg-Vereins die
-Übergabe-Rede hielt, worauf die Enthüllung der Statue Thorwaldsens
-vollzogen wurde. Am zweiten Tag ward ein Volksfest, auf dem Rhein ein
-Fischerstechen, abends ein glänzender Fackelzug und im Schauspielhause
-ein Ball abgehalten. Am dritten Festtage fand eine Versammlung der
-Fachgenossen statt, um über die Säkularfeier zu beraten, deren Abhaltung
-für den 24. Juni 1840 endgültig bestimmt wurde. Thorwaldsen ward
-zum Ehrenbürger der Stadt erwählt und ihm ein kunstvolles Diplom in
-silberner Decke übersandt[240].
-
- [240] Teil I, S. 36 ist durch einen Schreibfehler der erste Festtag als
- der 17. August statt 14. August angegeben.
-
-[Sidenote: Offenbach a. M.]
-
-[Sidenote: Mannheim.]
-
-[Sidenote: Karlsruhe.]
-
-[Sidenote: F. W. Hasper * 31. Juli 1796, [+] 21. Juni 1871.]
-
-OFFENBACH A. M. hat eine Bedeutung in der Geschichte der Lithographie
-durch die Verbindung Senefelders mit JOH. ANDRÉ, der die Erfindung
-erwarb, um sie für die Herstellung seines Musikalienverlags nutzbar
-zu machen. MANNHEIM hat 12 Buchdruckereien, darunter M. HAHN & CO.
-(7 Schp.) und die MANNHEIMER VEREINSBUCHDRUCKEREI (5 Schp.). In dem
-gegenüberliegenden LUDWIGSHAFEN befindet sich die BAURsche Buchdruckerei
-(4 Schp.). In KARLSRUHE mit 17 Offizinen ist die grösste die CH. F.
-MÜLLERsche Hofbuchdruckerei und lithographische Anstalt (8 Schp., 11
-Hdp.). Tüchtiges liefern die G. BRAUNsche Hofbuchdruckerei und C. &
-G. MACKLOT. Hier wirkte auch FRIEDR. WILHELM HASPER, bekannt durch
-sein »Handbuch der Buchdruckerkunst« 1835, das jedoch nicht ganz
-den gehegten Erwartungen entsprach. Karlsruhe hatte zu der Zeit, wo
-die Stahlstich-Illustration florierte, eine ziemliche Anzahl von
-Kunstinstituten aufzuweisen, als W. CREUZBAUER, F. GUTSCH, T. B. VEIT,
-J. VELTEN. Obwohl Universitätsstadt hat HEIDELBERG keinen bedeutenden
-Platz in der Geschichte der Buchdruckerkunst; A. EMMERLING & SOHN
-beschäftigen 4 Schnellpressen.
-
-[Sidenote: Freiburg i. Br.]
-
-Nach erfolgter Einführung nahm die Buchdruckerkunst in FREIBURG einen
-ziemlichen Aufschwung, verfiel jedoch unter der österreichischen
-Zensur und Jesuitenherrschaft. Erst mit Maria Theresia und Joseph II.
-begannen freundlichere Tage für die Presse. 1840 zählte Freiburg 7
-Buchdruckereien und 6 Kupfer- und Steindruckereien. Besondere Bedeutung
-hat die HERDERsche, 1801 gegründete Anstalt. HERDER war der erste,
-der einen Bilderatlas zu dem Konversations-Lexikon, unter der Leitung
-des Geographen Heck, versuchte. Seine geographischen Verlagsartikel,
-namentlich die grossen Arbeiten Wörls; Kausslers »Schlachtenatlas«; J.
-Löwenbergs »Historisch-geographischer Atlas« sind von Wichtigkeit. Auch
-Rottecks Weltgeschichte, die seinerzeit eine sehr grosse Verbreitung
-fand, erschien bei Herder, der ausserdem den katholischen Verlag sehr
-pflegte.
-
-In LAHR hatte seit 1800 J. H. GEIGER, jetzt M. SCHAUENBURG, ein
-umfangreiches Etablissement (19 Schp., 11 Hdp., 150 Arb.). Allgemein
-bekannt ist der »Lahrer hinkende Bote«.
-
-[Sidenote: Elsass-Lothringen.]
-
-[Sidenote: Ad. Braun.]
-
-METZ besitzt neun Buchdruckereien und sieben lithographische Anstalten;
-die bedeutendste Offizin (5 Schp.) ist die nach dem Kriege von GEBR.
-LANG begründete. In MÜLHAUSEN arbeiteten für die dortigen Fabriken
-sieben Buchdruckereien und zwölf lithographische Anstalten, darunter W.
-BAADER & CO. (6 Schp., 12 Hdp.). Das Strassburg gegenüber liegende KEHL
-war für eine kurze Zeit bekannt durch die BEAUMARCHAISsche Druckerei
-(S. 184). Weltberühmt ist die von AD. BRAUN 1858 in DORNACH gegründete
-photographische Anstalt. Braun begann seine Laufbahn als Musterzeichner
-in einer Kattundruckerei. Berühmt wurden seine Schweizer Landschaften;
-auch liess er später ganz Mitteleuropa bereisen, um Aufnahmen zu
-machen, welche 1862 bereits die Zahl 15000 erreicht hatten. Seit 1866
-trieb er den Pigmentdruck im grossen Stil. Sämtliche Museen Europas
-wurden bereist und eine grosse Zahl der berühmtesten Handzeichnungen
-grosser Meister als treue Facsimiles reproduziert, ebenso die
-interessantesten Gemälde fast aller Galerien. Die Anstalt, welche in
-eine Aktiengesellschaft umgestaltet wurde, besass bei Brauns Tod 1877
-mehr als 60000 Negativplatten. In COLMAR besteht noch das von Decker
-gegründete Geschäft unter der Firma C. DECKER WITWE (S. 358).
-
-[Sidenote: Strassburg.]
-
-Mit hoher Befriedigung wird jeder Deutsche in STRASSBURG, der »ersten
-Wiege« der Druckkunst, welche _injuria temporum_ Deutschland, wie es
-fast den Anschein hatte für immer, verloren gegangen war, einkehren,
-da er jetzt nicht nötig hat, deshalb die Grenzen des Reichs zu
-überschreiten. Wird auch der Politiker und Kriegsführer Metz mit
-derselben Freude als deutsch begrüssen, das Herz des Volkes und der
-Fachgenossen besonders hängt doch mehr an Strassburg.
-
-[Sidenote: Gutenbergdenkmal.]
-
-Mag das Denkmal Gutenbergs (I, S. 36) von Franzosen errichtet sein,
-mag das Buch, welches der Meister in der Hand hält, immerhin die
-französische Inschrift _Et la lumière fût_ tragen, hoffentlich wird nie
-der, in einem Augenblicke hoher Aufregung ausgesprochene, Gedanke, das
-Monument, oder wenigstens die Inschrift, zu entfernen, wieder entstehen.
-Ist doch die Huldigung, dem deutschen Manne von einem grossen Volke
-dargebracht, keine Schande für ihn, der für alle Völker segensreich
-gewirkt hat, wie es auch das Relief des Denkmals versinnlicht, wo sich
-Repräsentanten aller Völker sammeln, um dem Meister enthusiastische
-Huldigung darzubringen. Das Denkmal steht, wo es hingehört, auf
-deutschem Grund und Boden, da mag es mit französischer Aufschrift stehen.
-
-[Sidenote: Strassburg unter Frankreich.]
-
-Mit dem Übergang Strassburgs in die Hände der Franzosen erlosch nach
-und nach das frische deutsche Kultur- und Kunstleben, das nicht
-durch eine französische Akademie ersetzt werden konnte. Doch hatte
-Strassburg in der Geschichte der graphischen Künste gute Namen zu
-verzeichnen: BERGER-LEVRAULT (S. 187), TREUTTEL & WÜRTZ (S. 186),
-GUSTAV SILBERMANN (S. 205), zu denen ENGELMANN Vater und Sohn
-aus Mülhausen sich gesellen (S. 206). Jetzt zählt Strassburg 15
-Buchdruckereien und 16 lithographische Anstalten mit 64 Schnellpressen
-und 98 Tret- und Handpressen. Die hervorragendste Druckanstalt
-bleibt die wennauch geteilte Offizin Berger-Levrault (S. 186), jetzt
-eine Kommanditgesellschaft unter der Firma R. SCHULTZ & CO. mit
-22 Schnellpressen, 18 Handpressen und 250 Arbeitern. Die berühmte
-Silbermannsche Anstalt ging erst auf M. Schauenburg in Lahr, dann auf
-Silbermanns früheren Geschäftsführer R. FISCHBACH über (9 Schp., 7
-Hdp.), ausserdem ist die Universitätsbuchdruckerei von J. H. E. HEITZ (4
-Schp.) zu nennen.
-
-[Sidenote: J. D. Schöpflin * 8. Sept. 1694, [+] 6. Aug. 1771.]
-
-[Sidenote: Die Bibliothek.]
-
-Einen gewichtigen Namen in der Geschichte der typographischen und
-geistigen Interessen Strassburgs hat der gelehrte JOH. DAN. SCHÖPFLIN.
-Er schrieb die bekannten _Vindiciae typographicae_ (1760) und überliess
-1765 der Stadt gegen eine mässige Leibrente seine historischen
-Sammlungen und seine bedeutende Bibliothek, fuhr jedoch fort, diese
-auch nach der Abtretung zu vermehren. Durch die Einziehung der Klöster
-und durch jährliche Erwerbungen war die Sammlung auf gegen 12000
-Handschriften und gegen 180000 gedruckte Bücher angewachsen, darunter
-gegen 2000 Inkunabeln zumteil der seltensten Art. Als ein Kleinod
-der Sammlung galt das Manuskript der Äbtissin Herrade von Landsberg,
-_Hortus deliciarum_, aus dem XII. Jahrhundert, in Gross-Folio, mit
-den kostbarsten Miniaturen fast auf jedem Blatt. Auch eines der
-wichtigsten Dokumente aus der Erfindungsgeschichte der Buchdruckerei,
-die Zeugenaussage in dem Prozess zwischen Gutenberg und den Brüdern
-des Andr. Dritzehn aus dem Jahre 1439 (I, S. 25), befand sich unter
-den Schätzen, welche seit dem Jahre 1805 in die neue evangelische
-Kirche verlegt wurden, wo bereits eine andere wichtige Sammlung, die
-Universitätsbibliothek, untergebracht war.
-
-Einige leider zu gut gezielte Bomben haben das alles vernichtet und
-die Opferfreudigkeit, mit welcher die Strassburger Bibliothek neu
-und grossartig errichtet wurde, konnte den unersetzlichen Teil nicht
-wiederschaffen[241].
-
- [241] Die »Annalen der Typographie«, welche, nebenbei gesagt, die
- erste öffentliche Aufforderung zur Wiedererrichtung der
- Strassburger Bibliothek bereits in ihrer Nr. 65 vom 8.
- Oktober 1870 enthielten, sagen in Nr. 62 desselben Jahres bei
- Gelegenheit eines Rückblickes auf die Geschichte der Bibliothek,
- deren endliches Schicksal damals noch nicht genau bekannt war:
-
- »Eine solche Sammlung von Schätzen sollte rettungslos verloren
- gegangen sein!? Das glauben wir nun und nimmermehr auf die
- vagen Äusserungen (des Bibliothekars Zeller in Paris) hin. Die
- brennende Bibliothek hat ja nicht urplötzlich die Einwohner aus
- tiefem Schlafe geweckt. Wochenlang war vorauszusehen, was kommen
- würde. Und da sollte nicht ein verdienstvoller Bibliothekar, der
- über seine Bücherschätze ängstlich wacht, wie der Vater über
- seine Kinder, nicht ein um das Eigentum der Stadt besorgter
- Beamter daran gedacht haben, wenigstens das Unersetzlichste in
- Sicherheit zu bringen? Die Wechselfälle, denen eine belagerte
- Stadt ausgesetzt ist, sind doch nicht unbekannt, selbst wenn
- die Belagerer nicht aus »Attilas Horden« beständen. Da sollte
- nicht Zeit gefunden worden sein, ein halbes Dutzend Kisten mit
- den grössten Seltenheiten beiseite zu schaffen? Das halten wir
- trotz aller Kopflosigkeit, trotz aller Zuversicht der Franzosen
- zu den eigenen Waffen und der souveränen Verachtung gegen den
- »Landsturm« nicht für möglich.« -- Noch heute muss es jedem
- unbegreiflich erscheinen, wenn nichts gerettet sein sollte.
- Dann wäre die Barbarei Deutschlands, »das seine Gelehrsamkeit
- nur im Verwüsten zeigt«, wie der Bibliothekar Zeller sagt, doch
- durch die passive Barbarei des der Verwüstung ruhig Zusehenden
- übertroffen.
-
-Hoffen wir, dass materielle und nationale Wunden mit der Zeit vernarben,
-dass das alte Strassburg wieder als eine der hauptsächlichsten deutschen
-Kulturstätten erstehe und neuen typographischen Ruhm erwerbe, dass zum
-nächsten Jubelfeste die Angehörigen der verschiedenen Nationalitäten
-sich um das Abbild des Meisters brüderlich die Hand reichen. Gutenbergs
-Kunst kann zwar schwere Wunden schlagen, aber sie heilt auch solche!
-
-
- DIE SCHWEIZ.
-
-[Sidenote: Örtliche Schwierigkeiten.]
-
-Als einige Geistliche in CELLARINA im Ober-Engadin den Gedanken gefasst
-hatten, eine Druckerei anzulegen, liessen sie einen Setzer und einen
-Drucker aus Bergamo kommen, welche die kleine Letternanschaffung in
-ihrem Ranzen auf dem Rücken trugen. Eine abgenutzte Holzpresse wurde
-auf einen Esel gepackt, weil noch kein Fahrweg vorhanden war. Ein
-Zimmermann schlug auf dem Boden eines Heustalles Regale auf und zimmerte
-Setzkasten. Als Gespan des Druckers fungierte ein Bauernbursche, welcher
-auch die Abwartung des im unteren Stock einlogierten Esels zu besorgen
-hatte. Wenn der Winter herannahte, ging das Personal nach Bergamo heim
-und kam mit dem Frühjahr wieder zurück. Durch dessen Arbeit entstand
-eine Sammlung geistlicher Lieder, welche noch nach dem Jahre 1840 das
-allgemeine Kirchengesangbuch des Engadin bildete.
-
-[Sidenote: Erfreuliches Emporblühen.]
-
-Wenn nun auch dieses kleine typographische Genrebild, selbst in der
-Schweiz, wohl nicht viele Pendants hat, so kann es doch als eine
-hübsche wennauch drastische Illustration der Schwierigkeiten dienen,
-welche der raschen Verbreitung der Typographie in einem Berglande
-mit zerstreuter Bevölkerung, kleinen Städten und einem schwierigen
-Verkehr entgegenstanden. Diese Verhältnisse müssen die Achtung für
-die Schweizer Typographen steigern, die, obwohl die Litteraturen des
-mehrsprachigen Landes sich denen der grossen Nachbarvölker anschliessen
-müssen, gewusst haben, ihre gewerbliche Selbständigkeit zu wahren und,
-allerdings kräftigst durch eine wennauch kleine so doch hochgebildete
-und hochpatriotische Bevölkerung unterstützt, eine bedeutende Produktion
-zu erzielen.
-
-So bildet die schweizerische Typographie das Bild einer allmählichen,
-ruhigen, den Verhältnissen angemessenen Fortentwickelung. Man ist
-eifrig bemüht gewesen, nicht zurückzubleiben, strebt aber andererseits
-nicht danach, eine der Sachlage nicht angemessene blendende Stellung
-einzunehmen.
-
-[Sidenote: Statistisches.]
-
-Die Schweiz besitzt in 164 Städten, Städtchen, Flecken und Dörfern
-325 Buchdruckereien und 184 lithographische Anstalten mit zusammen
-534 Schnellpressen und 812 Tret- und Handpressen, von welchen die
-Tretpressen verhältnismässig sehr stark repräsentiert sind. In dem
-Druckgewerbe werden überhaupt gegen 5000 männliche und 1000 weibliche
-Arbeiter beschäftigt.
-
-[Sidenote: Zeitschriften-Litteratur.]
-
-Wenn die Schweiz vorzugsweise reich an Zeitschriften ist -- es giebt
-eine solche auf je fünfhundert Einwohner --, so liegt dies an der
-Zersplitterung der Interessen durch die kantonale und kommunale
-Kleinregierung, an den verschiedenen Nationalitäten und an der örtlichen
-Lage. Deshalb hat die Schweiz keine Blätter von grosser Verbreitung
-und allgemeiner Bedeutung und die Auflagen sind oft winzig klein. Die
-Zahl der in 158 Druckorten erscheinenden Journale politischen oder
-lokalen Inhalts beträgt 307, darunter 60 täglich, 161 zwei- oder dreimal
-wöchentlich erscheinende; 222 davon in deutscher, 75 in französischer,
-7 in italienischer, 2 in romanischer, 1 in englischer Sprache. Von
-nichtpolitischen Zeitungen giebt es 253; darunter 166 deutsche, 78
-französische, 7 italienische und 2 romanische. Bei weitem die meisten
-dieser Blätter sind sauber gedruckt. Die Zahl der jährlich erscheinenden
-Bücher beträgt etwa 1200.
-
-[Sidenote: Basel.]
-
-BASEL mit seinen grossen Traditionen war nicht in der Lage, unter
-veränderten Verhältnissen seinen hohen typographischen Ruhm aufrecht zu
-erhalten. Doch hat es zum Beginne der neuen Periode eine Druckerfamilie
-von europäischer Bedeutung aufzuweisen[242].
-
- [242] P. W(EGELIN), Die Familie Haas (im Baseler Taschenbuch 1855). --
- W. HAAS, Beschreibung und Abriss einer neuen Buchdruckerpresse,
- erfunden in Basel 1772. 1790. -- A. G. PREUSCHEN, Grundriss der
- typometrischen Geschichte. Basel 1778.
-
-[Sidenote: Die Familie Haas.]
-
-[Sidenote: W. Haas d. ä. * 23. Aug. 1741, [+] 8. Juni 1800.]
-
-[Sidenote: Seine Typen.]
-
-WILHELM HAAS war in mancher Beziehung ein ebenbürtiger Zeitgenosse J.
-G. I. Breitkopfs. Sein Vater war ein geschickter Schriftschneider und
-Schriftgiesser aus Nürnberg, der das Bürgerrecht in Basel erworben
-hatte. Der Sohn Wilhelm Haas zeigte schon in seiner Jugend ein
-entschiedenes Talent für den Beruf des Vaters und wurde gründlich
-von Daniel Bernoulli in Mathematik und Mechanik unterrichtet. Er
-übernahm das Geschäft des Vaters und brachte es bald dahin, dass seine
-Schriftgiesserei als eine der vorzüglichsten Deutschlands angesehen
-wurde. Die Frakturschriften betrachtete man in Bezug auf Regelmässigkeit
-und Klarheit als mustergültig. Für seine Antiqua nahm er Baskerville zum
-Vorbild; sie ist z. B. in der bei Thurneysen erschienenen Ausgabe von
-Voltaires Werken verwendet, auch schnitt er eine nicht unbeträchtliche
-Zahl von orientalischen Schriften. Zu seinen Verbesserungen gehört
-sein System der Spatien und der Stücklinien, worüber er sich in einer
-besonderen Schrift (1772) aussprach.
-
-[Sidenote: Verbesserte Handpresse.]
-
-Sein Hauptaugenmerk galt jedoch der Verbesserung der Druckpresse, die
-seit dem Jahre 1500 so ziemlich ungeändert geblieben war. Haas lebte
-aber noch in der Blütezeit des Innungszopfes. Er war kein kunstgemäss
-gelernter Buchdrucker und seine freundlichst gesinnte Kollegenschaft
-brachte es glücklich so weit, dass er nicht mit der von ihm
-konstruierten Presse arbeiten durfte, die er deshalb an Schweighauser
-verkaufte. Er selbst musste sich mit der Herausgabe einer deutschen und
-einer französischen Beschreibung begnügen. Die Hauptbestandteile seiner
-Presse waren aus Eisen und ruhten auf einem Steinblock; der Tiegel hatte
-die Grösse des Fundaments, so dass für den Druck einer Form nunmehr
-nicht zwei Züge notwendig waren. Der Bengel wurde an dem Kopfende der
-Spindel angebracht und der Hebel mit einer Schwingkugel versehen.
-
-[Sidenote: Landkartensatz.]
-
-[Sidenote: A. G. Preuschen.]
-
-In das Jahr 1775 fallen Haas' Versuche, Landkarten und Musiknoten mit
-Typen herzustellen. Den ersten Gedanken zu dem Landkartensatz fasste
-der Hofdiakon A. G. PREUSCHEN in Karlsruhe, der sich an Haas mit dem
-Vorschlag wandte, mit ihm in eine Association für diese neue Kunst,
-die »Typometrie«, zu treten. Haas ging mit Energie und Überzeugung auf
-den Gedanken ein. Als erstes Probestückchen erschien zu Anfang des
-Jahres 1776 in Basel ein Blättchen mit einer Waldung und dem Lauf eines
-Flusses; das zweite griff schon weiter und wurde der Kaiserl. Akademie
-zu St. Petersburg und dem berühmten Geographen Büsching vorgelegt, der
-Feuer und Flamme für die Erfindung wurde.
-
-Nun trat Breitkopf hervor und erklärte, er habe sich schon zwölf Jahre
-mit denselben Versuchen beschäftigt, und versandte seine Proben. Im
-Oktober 1776 gab Haas eine Karte des Kantons Basel in Quart heraus, von
-welcher 1777 eine neue Ausgabe im üblichen Landkartenformat erschien,
-der eine Nachbildung der Karte von Sicilien von Hubert Jaillot aus
-dem Jahre 1736 folgte. Sie wurde dem König Ferdinand IV. von Neapel
-dediziert und erschien auch in einer französischen Ausgabe. Wilh. Haas
-gab noch etwa ein Dutzend solcher Karten heraus. Nach den neueren
-Erfindungen hat die Typometrie jedes praktische Interesse verloren, das
-nie ein nennenswertes gewesen, und nur das historische ist geblieben.
-
-[Sidenote: Haas und Thurneysen.]
-
-Im Jahre 1780 errichtete Haas im Verein mit dem talentvollen Buchdrucker
-und Buchhändler JOH. JAK. THURNEYSEN ein Geschäft, das sehr elegante
-Arbeiten lieferte. Die Verbindung hörte jedoch nach sechs Jahren auf und
-Haas der Sohn übernahm die Leitung der Buchdruckerei und führte sie nach
-dem Tode seines Vaters, der zugleich Brigade-Chef und General-Inspektor
-der helvetischen Artillerie war und auf einer artilleristischen
-Inspektionsreise zum allgemeinen Bedauern starb, fort.
-
-[Sidenote: W. Haas d. j. * 15. Januar 1766, [+] 22. Mai 1838.]
-
-W. HAAS D. J. hatte eine sehr sorgfältige Erziehung genossen und
-zeigte frühzeitig ein entschiedenes Talent für die Typographie. Als
-achtjähriger Knabe setzte er ein Frag- und Antwortspiel aus Nonpareil
-mit einer Einfassung und druckte es in zwei Farben. Als sechzehnjähriger
-Gehülfe stellte er, unter Benutzung der systematischen Stücklinien des
-Vaters, die grosse Karte der Weltgeschichte von F. K. Fulda (Augsburg,
-Stagesche Buchhandlung) fertig, die aus zwölf grossen Formen besteht,
-welche zusammen ein Tableau von 5 Fuss Höhe und 6 Fuss Breite bilden.
-
-[Sidenote: Weitere Reformen.]
-
-Nach der oben erwähnten Übernahme des Geschäfts im Jahre 1786, welches
-die Firma WILHELM HAAS DER SOHN annahm, heiratete er 1788 die Tochter
-Georg Jacob Deckers (S. 361). An der Druckpresse brachte er noch
-weitere Verbesserungen an und vervollkommnete den Satz der Landkarten,
-von welchen viele Blätter bei ihm erschienen. Nach dem Beispiel
-Baskervilles fertigte er nach seiner eigenen und des Vaters Idee eine
-Satiniermaschine, die er jedoch, als er die von Bodoni konstruierte
-gesehen hatte, verwarf. Seine Musiknoten sind elegant. Er druckte auch
-verschiedene hebräische Werke, darunter eine Bibel in vier Bänden,
-Grossoktav. Auch den Accidenzarbeiten wurde grosse Sorgfalt gewidmet.
-
-[Sidenote: Wilhelm und Eduard Haas.]
-
-Zu der im Jahre 1830 in Basel stattgehabten Kunst- und
-Industrie-Ausstellung hatte Haas »Das Gebet des Herrn« in hundert
-Sprachen, wie er bemerkt: die vierzigste derartige Sammlung,
-ausgestellt. Das Geschäft überliess er seinen Söhnen WILHELM und EDUARD,
-von denen letzterer sich bei Didot als Stempelschneider ausgebildet
-hatte, und erlebte in Zurückgezogenheit noch sein 77. Jahr. Das Geschäft
-besteht noch heute als geachtete Schriftgiesserei.
-
-Eine bekannte Baseler Druckerfamilie war die THURNEYSENsche, die ihre
-Aufmerksamkeit namentlich dem Bibeldruck zuwendete. In jüngster Zeit hat
-die SCHWEIGHAUSERsche Offizin durch BENNO SCHWABE mehrere vorzügliche
-Arbeiten, namentlich im Renaissancestil, geliefert, welche den besten
-aus der Glanzzeit Basels ebenbürtig sind.
-
-[Sidenote: Zürich.]
-
-[Sidenote: Orell Füssli & Co.]
-
-Wenn Bern auch die Hauptstadt der Schweiz ist, so bleibt doch ZÜRICH,
-sowohl was Einwohnerzahl betrifft, als auch in Beziehung auf Kultur,
-Litteratur und Druckgewerbe, die erste Stadt der Schweiz. Sie besitzt 22
-Buchdruckereien und 18 lithographische Anstalten, die 55 Schnellpressen,
-136 Tret- und Handpressen beschäftigen. Der Kanton Zürich hat 40
-Buchdruckereien, 30 lithographische Anstalten mit 97 Schnellpressen,
-190 Handpressen und 800 Arbeitern und überragt weit jeden anderen der
-Kantone. Berühmt war Zürich schon in der älteren Druckgeschichte als
-Sitz des Geschäfts Christ. Froschauers, als dessen würdige Nachfolgerin
-die Firma ORELL FÜSSLI & CO. noch heute sich zeigt (I, S. 140). Die
-Offizin würde auch in Deutschland zu den bedeutenderen zählen (10 Schp.,
-15 Hdp.); sie vereinigt alle Branchen der graphischen Künste und liefert
-in allen Vorzügliches. Das am 25. August 1881 bezogene neue Haus »Zum
-Bären« ist ein höchst stattlicher Bau. Einen eigentümlichen äusseren
-Schmuck desselben bildet ein, eine ganze Wand des vierstöckigen Hauses
-einnehmender, Bär. Die frühere Lokalität war durch 105 Jahre von der
-Firma benutzt gewesen. Ein grosses Geschäft ist die Firma ZÜRCHER &
-FURRER (6 Schp.).
-
-[Sidenote: Kartographie.]
-
-Zürich besitzt mehrere bedeutende lithographische Anstalten. Die
-LITHOGRAPHISCHE GENOSSENSCHAFT (4 Schp., 7 Hdp.), ebenso J. J. HOFER
-& A. BURGER liefern sehr gute Chromodrucke. Berühmt ist die Anstalt
-von WURSTER, RANDEGGER & CO. durch ihre kartographischen Arbeiten, in
-welcher Richtung H. MÜHLHAUPT & SOHN sowie R. LEUZINGER in BERN und
-H. FURRER in NEUENBURG sich ebenfalls einen Namen erwarben. Überhaupt
-geniesst die Schweiz hinsichtlich ihrer kartographischen Arbeiten eines
-grossen Rufes. Die geringe Ausdehnung des Landes bei den interessanten
-Bodenformationen und den komplizierten hydrographischen Verhältnissen
-luden ganz besonders zur Anfertigung detaillierter, malerisch
-ausgeführter Terrainkarten ein. Den mächtigsten Anstoss gab der General
-Dufour, dessen Generalkarte der Schweiz noch heute als das bedeutendste
-Meisterwerk kartographischer Darstellungskunst gilt.
-
-[Sidenote: Winterthur.]
-
-In WINTERTHUR befindet sich die ziemlich bedeutende Offizin von BLEULER,
-HAUSHEER & CO. (4 Schp.). J. WESTPHELING liefert sehr gute Arbeiten und
-introduzierte sich in sehr empfehlender Weise in grösseren Kreisen durch
-seinen Schweizer-Ausstellungs-Katalog (Wien 1873), der denselben Beifall
-fand, wie die ganze Kollektiv-Ausstellung der Schweiz.
-
-[Sidenote: St. Gallen.]
-
-[Sidenote: Joh. Zollikofer.]
-
-[Sidenote: Chr. Zollikofer.]
-
-[Sidenote: Emil Zollikofer.]
-
-ST. GALLEN umschliesst eine der besten Offizinen der Schweiz. Dieselbe
-wurde von JOH. ZOLLIKOFER, aus einer alten, vom Kaiser Rudolf 1578
-geadelten Familie stammend, im Jahre 1789 gegründet. Durch Ankauf
-erwarb er 1792 noch eine zweite kleine Buchdruckerei und blieb bis 1802
-der alleinige Buchdrucker in St. Gallen. Im Jahre 1834 wurde der Sohn
-CHRISTOPH Associé. Durch Eintritt C. P. SCHEITLINS ward die Firma in
-Scheitlin & Zollikofer umgeändert und ein bedeutender Verlag gegründet,
-der später auf den Schwager Christoph Zollikofers, IWAN V. TSCHUDI,
-überging, während der erstgenannte die Druckerei behielt. Der Sohn EMIL
-ZOLLIKOFER wurde 1867 Teilnehmer. Durch längeren Aufenthalt im Auslande
-ausgebildet, reformierte er die Buchdruckerei übereinstimmend mit den
-Forderungen der Zeit. Ein neuer stattlicher Bau ward 1868 ausgeführt,
-fiel jedoch bereits am 17. Juli 1880 den Flammen zum Opfer. Ein zweiter
-Neubau wurde mit fabelhafter Energie betrieben und vier Monate nach dem
-Brande stand ein Prachtbau, hauptsächlich aus Glas und Eisen, fertig da.
-Christoph Zollikofer war, von seinen Mitbürgern hochangesehen, bereits
-Anfang September 1870 verstorben.
-
-[Sidenote: Gebr. Benziger.]
-
-Unter den schweizerischen graphischen Anstalten giebt es nur eine,
-die für den Weltmarkt arbeitet und auch einen Weltruf sich erworben
-hat. Der Bergflecken EINSIEDELN mit 7000 Einwohnern, berühmt durch
-sein Benediktiner-Kloster mit dem wunderthätigen Muttergottesbilde
-und deshalb jährlich von hunderttausenden von Wallfahrern besucht,
-ist in der typographischen Geschichte durch die grossartige Anstalt
-der GEBR. BENZIGER merkwürdig geworden. Das Geschäft, welches nur auf
-die Bedürfnisse strenggläubiger Katholiken berechnet ist, wurde von
-dem Landamman JOSEF KARL BENZIGER 1805 gegründet und ging von ihm auf
-seine Söhne KARL und NIKOLAUS (letzterer vom Papst in den Grafenstand
-erhoben) über. In allen Erzeugnissen der Anstalt, auch den billigsten,
-ist das Streben sichtbar, nur Gutes zu liefern. Die Erzeugnisse der
-Phototypie sowohl in Vergrösserungen als Verkleinerungen gehören
-zu den besten Leistungen in dieser Richtung. Die Anstalt verfügt
-über 27 Schnellpressen und eine grosse Anzahl von Buchbinderei- und
-anderen Maschinen und soll 700-1000 Menschen, Erwachsene und Kinder,
-beschäftigen. In New-York, Cincinnati und St. Louis besitzt die Firma
-Filialen[243].
-
- [243] Phototypie Benziger, Reproduktionen von Holzschnitten,
- Lithographien, Stahlstichen, Handzeichnungen, auf Metallplatten,
- hochgeätzt für Buchdruck.
-
-Um den Leistungen dieser Anstalt vollkommen gerecht zu sein, muss man
-der örtlichen Lage derselben eingedenk bleiben. Dieselbe machte die
-Fürsorge für die Arbeiter durch Kosthäuser, Kassen und andere humanitäre
-Einrichtungen, die nach vielen verschiedenen Richtungen hin vorhanden
-sind, noch notwendiger, als bei gewöhnlichen Verhältnissen.
-
-[Sidenote: Bern.]
-
-Die Hauptstadt BERN zählt, was Bevölkerung betrifft, erst als die
-fünfte Stadt der Schweiz und bietet in graphischer Hinsicht nichts
-Bemerkenswertes dar. Die bedeutendsten Offizinen sind die STÄMPFLIsche
-mit 7 Schnellpressen, RIEDER & SIMMEN, JENT & REINERT, K. J. WYSS und B.
-F. HALLER. Dieser war der erste, der eine eiserne Presse in der Schweiz
-einführte; die erste Schnellpresse erhielten Orell Füssli & Co. im Jahre
-1832.
-
-[Sidenote: Genf.]
-
-In der französischen Schweiz ist GENF durch das rege wissenschaftliche
-und litterarische Leben bekannt. Die Stadt hat 18 Buchdruckereien
-und 17 lithographische Anstalten, doch kein Geschäft von bedeutendem
-Umfang. Die grössten derselben sind CHR. SCHUCHARDT und J. LANG mit je 4
-Schnellpressen. Auch in LAUSANNE ist ein regeres geschäftliches Leben.
-Unter den 17 typographischen und lithographischen Anstalten daselbst ist
-zu nennen die von G. BRIDEL (4 Schp.), die gute Werk- und Accidenzdrucke
-liefert.
-
-[Illustration]
-
-
-[Illustration]
-
- XV. KAPITEL.
-
- DER OSTEN DER GERMANISCHEN GRUPPE.
-
- Presszustände in Österreich. J. T. Trattner. J. G. Trassler. J. v.
- Kurzbeck. A. Schmid. Familie Gerold. J. V. Degen. A. Auer. Die Hof-
- und Staatsdruckerei. W. v. Braumüller. Das Museum und die
- Gesellschaft für vervielfältigende Kunst. Der Buchdrucker-Verein.
- Neuere Buchdruckereien Wiens. Die Druckereien in den Provinzen.
- UNGARN. Druckereien in Budapest und an anderen Orten. Statistisches
- aus Österreich-Ungarn.
-
-[Sidenote: Gedrückte Zustände der Presse.]
-
-Zu derselben Zeit, wo die Presse in Preussen beinahe einer
-uneingeschränkten Freiheit sich erfreute, hatte sie in Österreich
-mit dem schwersten Druck zu kämpfen. Unter dem Kaiser Karl VI. wurde
-noch glimpflich verfahren, unter Maria Theresia trat jedoch grössere
-Strenge ein. Ein Patent vom 12. Juli 1752 befahl den Unterthanen, alle
-geistlichen Bücher ihren Seelsorgern zur Prüfung zu übergeben, diese
-hatten die irrlehrigen an sich zu nehmen, die unverdächtigen, nachdem
-sie mit Siegel versehen waren, zurückzustellen. Selbst die Buchbinder
-waren verpflichtet, die ihnen zum Binden übergebenen Bücher den
-Geistlichen vorzulegen. Politische und staatswissenschaftliche Schriften
-wurden mit ähnlichem Argwohn behandelt und die Jesuiten hatten sich ganz
-der Zensur bemächtigt. In Ermangelung von gedruckten Zeitungen wurden
-geschriebene »Gassenblätter« regelmässig versandt. Zeitungsschreibern,
-welche falsche Nachrichten verbreiteten, wurde mit Auspeitschung und
-Landesverweisung gedroht und Angebern 100 Dukaten Belohnung zugesagt.
-Die einzige in Wien erscheinende Zeitung, das im Jahre 1703 gegründete
-»Diarium«, durfte nur solche inländische Nachrichten verbreiten, die ihr
-von der Hofstelle zukamen. Ausländische privilegierte Zeitungen konnten
-eingeführt werden, sie unterlagen jedoch einer Revision und wurden nur
-durch die kaiserlichen Postämter vertrieben. Damals entstanden auch die
-verschiedenen Stufen des Verbotes und der Zulassung. 1765 erschien das
-erste Verzeichnis der verbotenen Bücher, welches schliesslich selbst
-verboten wurde, damit man nicht die Titel der »schlechten« Bücher kennen
-lernte.
-
-[Sidenote: Freiere Bewegung unter Joseph II.]
-
-Dem unhaltbaren Zustand setzte die Thronbesteigung Josephs II. (1780)
-eine Grenze. Er hob die geistliche Zensur ganz auf und bildete
-eine Zensurkommission aus aufgeklärten und unabhängigen Männern.
-Das Pressgesetz von 1781 war in seinen Grundlagen nach den eigenen
-Bestimmungen des Kaisers entworfen. Das Verzeichnis der verbotenen
-Bücher wurde revidiert und mehr als 2500 derselben wieder erlaubt. Nur
-gegen schmutzige Bücher wurde mit aller Strenge verfahren. Im Jahre
-1787 wurde es gestattet, anstatt der Manuskripte die bereits gedruckten
-Werke der Zensurbehörde vorzulegen. Es ward dem Kaiser nicht leicht, bei
-diesen Reformen den passiven Widerstand der Beamten zu überwinden. In
-der letzten Zeit seiner Regierung ward er auch selbst weniger freisinnig
-und die zuletzt erwähnte Massregel wenige Wochen vor seinem Tode durch
-eine Verordnung vom 21. Januar 1790 zurückgenommen.
-
-[Sidenote: Neue Beschränkungen.]
-
-[Sidenote: Patent vom Nov. 1810.]
-
-[Sidenote: Abstufung der Bücherverbote.]
-
-Kaiser Leopold II., eingeschüchtert durch die französische Revolution,
-ergriff strengere Massregeln gegen die Presse, und sein Nachfolger,
-Franz II., verschärfte diese noch mehr. 1801 ward die Zensur der
-Polizeihofstelle übergeben; 1803 begann eine Rezensurkommission ihre
-Thätigkeit und setzte wieder tausende von früher freigegebenen Büchern
-auf den Index. Während der Besitznahme Wiens durch Napoleon fand 1809
-eine temporäre Erleichterung statt und die Druckereien waren nicht
-imstande, alle ihnen angebotenen Aufträge auszuführen. Dieser Zustand
-nahm jedoch mit dem Patente vom 1. November 1810 zur Regelung der
-Pressverhältnisse ein schnelles Ende. »Kein Lichtstrahl, er komme, woher
-er wolle, soll künftig unbeachtet oder unbekannt in der Monarchie
-bleiben«, so hiess es und die Geschichte lehrt die Wahrheit dieser Worte
-des Programms kennen, wennauch nicht in der vermuteten Auslegung; es
-blieb in der That kein Lichtstrahl unbeachtet -- seitens der Polizei.
-Übertretungen der Zensurmassregeln wurden streng geahndet. Das Recht,
-Buchhandel und Buchdruckerei zu betreiben, beruhte natürlicherweise
-auf Privilegien. Die Abstufungen der Zulässigkeit der Werke wurden
-genau reguliert. Professoren und Gelehrten von Fach sollte nur in
-besonderen Ausnahmefällen ein Buch verweigert werden. Einige Bücher
-erhielten _admittitur_, d. h. sie waren ganz freigegeben; andere,
-denen das _transeat_ zu teil geworden, durften verkauft, jedoch nicht
-öffentlich angekündigt werden. Um andere beziehen zu können war wieder
-eine besondere Erlaubnis notwendig (_erga Schedam_). Inländische
-Verlagsartikel erhielten das _imprimatur_ entweder ohne Beschränkung
-oder nach Weglassungen resp. Änderungen, andere fielen dem _damnatur_
-anheim. Es ist bekannt genug, wie die Bestimmungen über die Einfuhr
-der Bücher vielfach umgangen wurden und wie wöchentlich ganze Ballen
-nichterlaubter Bücher von Leipzig nach Wien gesandt wurden. Dort waren
-Bestechungen selbstverständlich an der Tagesordnung; das Geschäft wurde
-demoralisiert, aber im Sortimentshandel viel Geld verdient, während der
-Verlagshandel und die Buchdruckerei darnieder lagen. Kein Autor von
-Bedeutung mochte sein Werk in Österreich verlegt oder gedruckt sehen und
-ein in Österreich gedrucktes Buch war fast gleichbedeutend mit einem
-schlecht gedruckten.
-
-[Sidenote: Zustand der graphischen Gewerbe.]
-
-Der Festredner bei dem vierhundertjährigen Jubelfest (1882) der
-Einführung der Buchdruckerkunst in Wien Karl v. Scherzer, im Jahre 1846
-noch ein enthusiastischer Jünger Gutenbergs, schrieb damals: »Es ist in
-dem Volke noch nicht das Bedürfnis zu $lesen$ erwacht; es begnügt sich,
-die 'Wiener Zeitung' durchzublicken und alle Jahre die renommiertesten
-französischen Schauerromane in deutscher Übersetzung durchzublättern.
-Es fehlt uns hier auch an nichts weniger als an $allem$, um selbst
-die $geringste litterarische$ Unternehmung mit Ehren ins Leben rufen
-zu können. Kein genialer Zeichner, kein fähiger Holzschneider, kein
-tüchtiger Drucker und so fort bis zum Farbenjungen. Während das Ausland
-seit Jahren uns mit illustrierten Ausgaben überflutet, haben wir hier
-kaum den Mut gefasst, ein einziges grosses Werk mit Holzschnitten zu
-verzieren; selbst die 'Theaterzeitung' hat ihr illustriertes Gewand
-seit dem neuen Jahre wieder abgelegt und noch bei dem $neuesten$
-illustrierten Werk 'Erzherzog Karl von Österreich' mussten, durch
-unübersteigbare Hindernisse dazu gezwungen, die beabsichtigten
-Holzschnitt-Illustrationen den in den Text gedruckten Lithographien
-weichen«[244].
-
- [244] Journ. f. B. 1846.
-
-Mit den Accidenzien ging es nicht besser, als mit dem Werkdruck.
-Die Privilegien der »Wiener Zeitung« verursachten ausserdem, dass
-Accidenzien im Interesse des Handels und der Gewerbe fast gar nicht
-vorkamen.
-
-[Sidenote: Zeitungslitteratur.]
-
-Mit der Zeitungslitteratur war es gar schlecht bestellt; nur die
-verflachenden, witzelnden und pikanten Theater-, Kunst-, Litteratur-
-und Modeblätter erfreuten sich eines bedeutenden Absatzes. Alle
-Zeitungen, mit Ausnahme der »Wiener Zeitung« und des »Österreichischen
-Beobachters«, unterlagen einer Vorzensur und kamen dann erst in die
-Hände des bekannten Grafen v. Sedlnitzky und erfolgten aus diesen
-gewöhnlich in einem Zustande zurück, von dem man sich heute schwer eine
-Vorstellung wird machen können. Die willkürlichsten Änderungen wurden
-getroffen, die sich nicht bloss auf Politik und ernstere Interessen
-bezogen; es konnte auch einem Theaterkritiker, welcher erzählt hatte,
-wie sehr Fräulein X. $miss$fallen, passieren, dass er in seiner Zeitung
-las, wie ausnehmend sie $ge$fallen. Adlige Bösewichte gab es in Romanen
-und Theaterstücken gar nicht; sie mussten vorher ins Bürgerliche
-übersetzt werden.
-
-[Sidenote: J. T. Trattner * 1717, [+] 1798.]
-
-Unter solchen Verhältnissen ist es immer noch zu verwundern, dass Wien
-einige bedeutende Männer unter den Ausübern der Druckkunst aufzuweisen
-hat. Die populärste Erscheinung aus dieser Periode des Rückgangs
-ist JOHANN THOMAS TRATTNER. Er gehört nicht zu denjenigen Koryphäen
-der Druckkunst, zu denen wir mit Ehrerbietung emporblicken. Seine
-Hauptthätigkeit war eine, welche der Staat zwar zuliess, die öffentliche
-Meinung und das Rechtsbewusstsein aber verurteilten: Trattner war ein
-Nachdrucker ersten Ranges[245].
-
- [245] J. T. v. Trattner, Der gerechtfertigte Nachdrucker. Wien 1778.
-
-Er war als Sohn eines armen Pulvermüllers zu Jahrmannsdorf unweit Güns
-geboren und frühzeitig verwaist. In seinem 18. Jahre kam er in die
-Lehre. Als Drucker erwarb er sich in der Offizin Johann von Gehlens
-(I., S. 144) etwas Geld und einige vermögende Gönner, die bereit
-waren, den jungen strebsamen Mann zu unterstützen. Seine Bemühungen,
-eine Konzession sich zu verschaffen, blieben jedoch vergeblich. Da
-fasste er den kühnen Entschluss, sich persönlich an die Kaiserin Maria
-Theresia zu wenden, die ihn gnädig beschied. Nun kaufte Trattner am 12.
-März 1748 die im Laufe der Zeit sehr herabgekommene Buchdruckerei der
-Frau Eva Schelgin. Den Ertrag seiner ersten Arbeit, ein vom Abte des
-Stiftes Mölk verfasstes Gebet, widmete er den Armen, wodurch er sich
-das Wohlwollen der Jesuiten erwarb, die nun alle ihre Arbeiten bei ihm
-drucken liessen, so dass er zeitweilig sechzehn Pressen beschäftigen
-konnte; sie aber regelmässig im Gange zu halten war eine schwere
-Aufgabe. Trattner legte sich deshalb auf das Nachdrucken der Werke der
-besten deutschen Autoren und machte sich hiermit eben so verhasst in
-Deutschland wie beliebt in Österreich, wo man den Nutzen der guten und
-billigen Bücher hatte. Es ging ganz wie in neuerer Zeit in Nordamerika:
-der durch den Nachdruck gebildete Geschmack des Publikums kam wenigstens
-später den einheimischen Autoren und Verlegern zu gute, welche den Boden
-vorbereitet fanden.
-
-[Sidenote: Der Trattnerhof.]
-
-Eine grosse Erweiterung seines Geschäfts (bis auf 34 Pressen) entstand,
-als ihm bei der Studienregelung im Jahre 1752 der Druck der sämtlichen
-Schul- und Lehrbücher übertragen wurde. Er legte Filialen seiner
-Druckerei in Pest, Triest, Innsbruck, Linz und Agram an, erwarb
-zwei Papierfabriken, gründete eine Schriftgiesserei, alle Arten von
-artistischen Anstalten und unterhielt 23 Bücherlager. Am »Graben«
-erbaute er den schönen Trattnerhof, welcher seinen Wahlspruch »_Labore
-et favore_« trug. Seine Bücher stattete er mit grosser Sorgfalt aus, so
-dass es von einem guten Druck hiess: »Der ist wie von Trattnern«. Bis
-in sein 78. Jahr war er der alleinige Leiter des Geschäfts und erlebte
-1798 noch sein goldenes Jubiläum. Von zwei Frauen hatte er 21 Kinder,
-von denen jedoch nur zwei am Leben blieben. Vom Kaiser Franz war er 1764
-in den Adelstand erhoben. Das Geschäft wurde nach Trattners Tod geteilt
-und ging auf verschiedene Personen über.
-
-[Sidenote: J. G. Trassler [+] 1816.]
-
-Neben Trattner nahm JOSEF GEORG TRASSLER aus Wien eine bedeutende Stelle
-ein. Im Jahre 1779 erwarb er eine Buchdruckerei in Troppau, die bereits
-1785 mit 25 Pressen arbeitete. Eine zweite Buchdruckerei errichtete er
-1786 in Brünn; diese beschäftigte bis 60 Pressen. Eine dritte Offizin
-etablierte er 1795 in Krakau, die jedoch 1809 von den Polen demoliert
-wurde. Ausserdem hatte er noch verschiedene graphische Geschäfte und
-eine Buchhandlung.
-
-Seine Erfolge verdankte er zum nicht geringen Teil den Freimaurern
-und den mit diesen in Verbindung stehenden Gesellschaften, welche
-letztere zur Bildung des Volkes unzählige Nachdrucke mit der
-Bezeichnung »Gedruckt bei Josef Georg Trassler und im Verlage der
-Compagnie« verbreiteten. Ausserdem besass Trassler selbst einen grossen
-Verlag zumteil bedeutender Werke, darunter A. F. Büschings grosse
-Erdbeschreibung in 30 Bänden; die 34 Bände starke Sammlung der besten
-Reisebeschreibungen; die »Allgemeine Weltgeschichte«, 88 Bände; Krünitz'
-»Encyklopädie«, 129 Bände. Die bedeutendste Leistung war jedoch J. C.
-Adelungs berühmtes Wörterbuch in vier starken Bänden in Grossquart von
-zusammen 7587 Seiten[246].
-
- [246] Während Trassler noch als Faktor bei Trattner arbeitete, hatte
- letzterer für den nachmaligen Kaiser Josef II. eine kleine
- Buchdruckerei eingerichtet. Ein grosser vortrefflicher
- Holzschnitt von F. v. Exter (S. 302) hat eine Szene aus dieser
- Druckerei verewigt, wo der Prinz an dem Bengel zieht, Trassler
- die Ballen einschwärzt und Trattner gute Lehren erteilt.
- Die Presse selbst befindet sich in dem Museum der K. K.
- Staatsdruckerei.
-
-Obwohl der Verlag nach Trasslers Tod noch vermehrt wurde, ging das
-Geschäft in den Händen der Kinder doch zurück. Der zweite Sohn, Adolf,
-zog mit dem übrig gebliebenen Teile desselben nach Troppau, wo es wieder
-emporblühte und seit 1879 im Besitz Alfreds, des Sohnes von Adolf,
-gedieh.
-
-[Sidenote: Josef v. Kurzbeck * 21. Nov. 1736.]
-
-Ein sehr verdienter Buchdrucker war JOSEF KURZBECK. Nach vollendeten
-Studien widmete er sich der Buchdruckerei und übernahm die väterliche,
-nur mit zwei Pressen arbeitende Offizin, die nunmehr bald 15 Pressen
-beschäftigte. Im Jahre 1770 richtete er sich für den Druck des
-Illyrischen, Walachischen und Russischen ein, später schaffte er noch
-verschiedene orientalische Schriften an. Da es sehr an Setzern für
-fremdländische Sprachen fehlte und es schwierig war, solche in dem
-Geschäft selbst auszubilden, ersuchte Kurzbeck den Kaiser Joseph II.,
-die Ausbildung einiger seiner Zöglinge an der K. K. Orientalischen
-Akademie zu gestatten, was auch gewährt wurde. Hierzu wurden die
-späteren Buchdruckereibesitzer Anton Schmid, Josef della Torre und
-M. Santner bestimmt. Kurzbeck liess die als Mannsfeldsche bekannten
-Schriften schneiden, verschaffte sich die besten Amsterdamer Matern und
-druckte dann mehrere umfangreiche hebräische Werke, als den Talmud,
-Mischnajoth und Machsorim, welche allgemeine Anerkennung fanden. In
-Kurzbecks Offizin erschien auch 1775 das von Kaiser Maximilian I.
-1514 beabsichtigt gewesene Prachtwerk »Weisskunig« (I, S. III) von
-Treitzsauer v. Erentreitz mit 237 grossen Holzschnitten von Hans
-Burgkmair. Durch den Tod des Kaisers geriet dieses Werk wie mehrere
-von seinen litterarisch-artistischen Unternehmungen ins Stocken, die
-Holzschnitte waren jedoch in Graz glücklicherweise erhalten geblieben.
-Als der Druck Kurzbecks veranstaltet wurde, hatte man leider kein
-Verständnis für die Reproduktion eines Werkes älteren Stils, so dass die
-Ausführung nicht eine würdige wurde (S. 429).
-
-Kurzbeck erzielte durch sein Wirken sowohl Gewinn als Ehre; im Jahre
-1773 verlieh ihm die Kaiserin Maria Theresia eine goldene Kette und
-erhob ihn in den Adelsstand.
-
-[Sidenote: Anton v. Schmid * 1765, [+] 26. Juni 1855.]
-
-Unter den Schülern Kurzbecks befand sich, wie erwähnt, ANTON SCHMID,
-später der hebräische Schmid genannt. Der Abt des Klosters der
-Zisterzienser zu Zwetl, wo Schmid geboren war, liess ihn im Lateinischen
-unterrichten. Seine an der Universität begonnenen Studien musste er
-auf Grund seiner Armut unterbrechen und trat in seinem zwanzigsten
-Jahre bei Kurzbeck in die Lehre, wo er später die Leitung des Druckes
-der hebräischen Bücher übertragen erhielt. Er bewog den kränklichen
-Kurzbeck, der keine rechte Freude mehr am Geschäft fand, ihm seine
-hebräischen Schriften zu überlassen, um damit ein selbständiges Geschäft
-zu beginnen. Kurzbeck ging auf den Gedanken ein, Schmid wurde jedoch
-mit seinem Konzessions-Gesuch abgewiesen, bis der Kaiser direkt zu
-seinen Gunsten einschritt. Nun ging er mit aller Kraft auf sein Ziel
-los. Seine Offizin wurde reich mit syrischen, persischen und arabischen
-Schriften ausgestattet und alle Lehrbücher in diesen Sprachen für die
-theologischen Anstalten wurden bei Schmid gedruckt. Seine Bücher waren
-vorzüglich ausgestattet und sein Ruf drang in fremde Länder.
-
-1839 übergab Anton Schmid, der 1825 in den Adelsstand erhoben war,
-seinem Sohne FRANZ EDLEN VON SCHMID sein Geschäft. Ein der Hofbibliothek
-geschenktes Exemplar der Schmidschen orientalischen Druckwerke umfasst
-148 Werke im Gesamtumfange von 12447 Bogen. Vor allen zu nennen ist die
-1795 in mehreren, rasch aufeinanderfolgenden, Ausgaben veranstaltete
-vollständige hebräische Bibel mit Übersetzung von Mendelssohn und einem
-Kommentar in hebräischer Sprache, an welchem eine Reihe der berühmtesten
-Gelehrten mitgewirkt hat. Die Druckerei ging auf ADALBERT DELLA TORRE
-über.
-
-[Sidenote: Familie Gerold.]
-
-[Sidenote: Karl Gerold [+] 23. Sept. 1854.]
-
-Unter den älteren Buchdruckereien Wiens, die bis auf den heutigen Tag
-ihre Bedeutung behalten haben, ist diejenige, welche JOSEF GEROLD 1775
-von J. Kalliwoda erwarb. Der erstgenannte sowohl wie sein Sohn KARL
-GEROLD erweiterten das Geschäft bedeutend. Durch den Druck mehrerer
-mathematischer und technischer Werke für das unter Prechtls Direktion
-gestellte Polytechnische Institut erwarb Gerold sich einen so guten Ruf,
-dass Cotta ihm den Druck der 20 Bände starken Prechtlschen Encyklopädie
-übertrug. Die gedrückten Pressverhältnisse veranlassten Gerold, sich
-weniger dem Verlag als dem Sortiment zu widmen. Aus den 1848 geänderten
-Zuständen zog jedoch auch die Geroldsche Offizin Nutzen und das Geschäft
-erweiterte sich in dem Besitz der in den Adelsstand erhobenen Söhne
-Karls: FRIEDRICH und MORIZ VON GEROLD ausserordentlich[247].
-
- [247] Annalen d. Typ. 1875, Nr. 327. -- »Zur hundertjährigen
- Gründungsfeier« etc. Wien 1815.
-
-[Sidenote: Pichlersche Buchdruckerei.]
-
-Die PICHLERsche Buchdruckerei wurde durch den Druck der Werke Karoline
-Pichlers in Fachkreisen bekannt, jedoch mehr durch den Druck der 1838
-in vier Blättern dreifarbig ausgeführten, in Typen gesetzten Post- und
-Reisekarte der österreichischen Monarchie von F. Raffelsberger[248]. Die
-Arbeiten derselben stehen weit über denen von Breitkopf und Haas, sind
-jedoch, wie diese, mehr auf Grund der mühsamen Arbeit bewundernswert als
-für die Praxis nutzbringend.
-
- [248] FRANZ RAFFELSBERGER, Proben der ersten graphischen Typen.
- Wien 1838.
-
-[Sidenote: Anton Strauss.]
-
-[Sidenote: L. Sommer.]
-
-Ein tüchtiger Buchdrucker war ANTON STRAUSS, der aus geringen Anfängen
-die Zahl seiner Pressen auf 20 brachte. Nach seinem Tode ging das
-Geschäft auf LEOPOLD SOMMER über, der grossen Schwung hineinbrachte und
-1848 an Zeitungen und Zeitschriften allein zwanzig druckte. Er war auch
-der erste, der in Österreich eine politische Zeitung gründete, welche
-wirklich diesen Namen verdiente, die unter E. v. Schwarzers Leitung
-unternommene »Österreichische Zeitung«.
-
-[Sidenote: M. Salzer * 1799, [+] 4. Jan. 1878.]
-
-MATTHÄUS SALZER, Sohn des Kaspar Salzer, der zu den Zeiten Josephs
-II. Buchhändler und Buchdrucker war, lernte erst als Sattler, trat
-aber bald in das Papiergeschäft seines Bruders Franz und wurde später
-Leiter der Papierhandlung seines verstorbenen zweiten Bruders Jakob,
-dann durch Verheiratung mit dessen Witwe Besitzer des Geschäfts. Nach
-und nach erwarb er die Papiermühlen in Wiener-Neustadt, Ebenfurth
-und Stettersdorf. 1866 kaufte er die ÜBERREUTHERsche Buchdruckerei
-und beschäftigte 11 Schnellpressen und 150 Arbeiter, namentlich mit
-Aufträgen seitens der Eisenbahnen und ähnlicher Anstalten. Im Jahre 1874
-feierte Salzer sein goldenes Geschäftsjubiläum.
-
-[Sidenote: J. V. Degen * 11. März 1763, [+] 5. Okt. 1827.]
-
-Als ein Stern in der langen Nacht der österreichischen Typographie
-leuchtet JOSEF VINCENZ DEGEN aus Graz. Er studierte dort und in
-Wien, widmete sich dann dem Buchhandel, kaufte 1800 die vorzüglich
-eingerichtete ALBERTIsche Buchdruckerei und errichtete zugleich eine
-Schriftgiesserei. Durch die Tüchtigkeit seiner Leistungen erwarb er sich
-bald ein bedeutendes Renommé. Im Jahre 1804 richtete er die K. K. Hof-
-und Staats-Aërial-Druckerei ein und brachte sie auf einen blühenden
-Stand. Vertragsmässig arbeitete diese Anstalt nur für Behörden. Eigentum
-des Staates wurde sie erst im Jahre 1814. Degen, der in den Adelsstand
-als Edler von Elsenau erhoben worden war, wurde zum Direktor der
-nunmehrigen STAATSDRUCKEREI ernannt, die sich durch ihre Arbeiten in
-vorteilhaftester Weise auszeichnete.
-
-[Sidenote: Staatsdruckerei.]
-
-Anders ward es nach Degens Tod unter der Direktion J. A. VON WOHLFAHRTS.
-Aus übertriebener Sparsamkeit liess man die Anstalt verfallen und als
-Wohlfarth 1840 in den Ruhestand versetzt wurde, war es so weit gekommen,
-dass die Staatsbehörden sich mit ihren Aufträgen an Privatdruckereien
-wandten.
-
-Wie es in der Staatsdruckerei aussah, so war es auch in den anderen
-Offizinen mit Ausnahme der einzelnen erwähnten und vielleicht noch
-einiger weniger anderen.
-
-[Sidenote: Der Buchhandel.]
-
-Der BUCHHANDEL, der sich unter Maria Theresia sehr entwickelt hatte,
-verfiel unter Joseph II. trotz der milden Zensur. Man zersplitterte
-die Kräfte meist in Broschürenlitteratur, durch welche sich eine
-Reihe von Winkeldruckereien, die jedoch wieder mit dem Tode des
-Kaisers verschwanden, nährte. Von den bedeutendsten Werken dieser
-Periode seien noch erwähnt: Jacquins _Historia stirpium americanarum_;
-_Hortus Vindebonensis_; _Observationes botanicæ_ mit 150 Kupfern;
-_Icones plantarum rariorum_ mit 649 Kupfern; _Flora austriaca_ mit 500
-kolorierten Kupfern, Herrgotts _Monumenta Aug. Austriacæ_ in Grossfolio
-mit vielen Tafeln, die von den Geistlichen des Stiftes St. Blasien
-gedruckt wurden; Maninskys grossartiges »Orientalisches Wörterbuch« u. a.
-
-Als der Regenerator der österreichischen Buchdruckerei, die in der
-jüngeren Zeit so enorme Fortschritte gemacht hat, muss Auer betrachtet
-werden.
-
-[Sidenote: Al. Auer * 11. Mai 1813, [+] 10. Juli 1869.]
-
-ALOIS AUER war zu Wels in Österreich als der Sohn eines armen
-Traunflössers am 11. Mai 1813 geboren. Da es ihm unmöglich war, seinem
-Drang zum Studieren nachzugehen, trat er im Beginn des Jahres 1825 als
-Setzer in die Lehre bei dem Buchdrucker Michael Haas in Wels. Nach
-vollendeter Tagesarbeit benutzte er die späten Abendstunden, um sich
-gründliche Kenntnisse der Muttersprache anzueignen. Nach Beendigung
-seiner fünfjährigen Lehrzeit begann er mit Energie die Sprachkunde zu
-treiben, da er eingesehen hatte, von wie grossem Nutzen dieselbe für den
-Typographen ist. Seine Mussestunden benutzte er nun zur Erlernung der
-französischen, italienischen, englischen, spanischen und portugiesischen
-Sprache, so dass er sich schon im Oktober 1835 einer Prüfung in der
-französischen und englischen, im Mai 1836 einer in der italienischen
-Sprache an der Universität zu Wien mit günstigem Resultat unterwerfen
-konnte. Gleichzeitig bestand er die Prüfung in der Erziehungskunde. Sein
-guter Ruf verschaffte ihm bald eine öffentliche Anstellung in Linz als
-Lehrer der italienischen Sprache. Auer begann nun eine Schriften- und
-Vaterunser-Sammlung anzulegen, die hinsichtlich ihrer Vollständigkeit
-fast allen Ansprüchen genügte, und benutzte diese Sammlung, um die
-Raumverhältnisse aller Schriftarten genau zu berechnen[249]. Auf diese
-Art entstand sein »typometrisches System«, über dessen praktischen Wert
-sich allerdings nicht viel sagen lässt.
-
- [249] A. AUER, Über das Raumverhältniss der Buchstaben. Wien 1848.
-
-[Sidenote: Metternich und Auer.]
-
-Danach machte er sich an die Ausarbeitung verschiedener Sprachlehren,
-zunächst der französischen und italienischen Sprache, und indem er nach
-gleicher Methode alle Sprachen der Erde darzustellen beabsichtigte,
-keimte in ihm die Idee auf, einen Sprachen-Atlas zu entwerfen. Eine
-solche Aufgabe zu lösen reichten aber die Kräfte eines einzigen Menschen
-nicht aus. Es gelang ihm indes den zu jener Zeit in Österreich noch
-allmächtigen Fürsten Metternich für seine Sache zu gewinnen.
-
-Nach Verlauf von einem Monat überreichte ihm Auer in Wien einen Plan
-zur Gründung eines Polygraphischen Instituts als Vorbereitung einer
-»Zentral-Verlagsstätte Deutschlands in Wien«. Während dieser Plan die
-verschiedenen Staatsbehörden durchwanderte, bereiste Auer 1839 England,
-Frankreich und die Schweiz, um die typographischen Anstalten des
-Auslandes kennen zu lernen, fand jedoch nirgends ein Institut, wie es
-seiner Phantasie vorschwebte.
-
-Im Jahre 1841 wurde nun Auer zum Leiter der Staatsdruckerei
-ernannt. Mit jugendlicher Kraft ging er an sein reformatorisches
-Werk zur Verwirklichung seiner Lieblingsidee. Vorerst mussten die
-Personalverhältnisse und der Geschäftsgang der Anstalt geregelt
-werden; die alten Schriften wurden eingeschmolzen und andere nach
-dem neuen typometrischen System gegossen, veraltete Pressen durch
-zweckmässigere ersetzt. Dann wurde eine Stempelschneide-Anstalt
-eingerichtet, fremde Schriften geschnitten, Matrizen geschlagen und
-Lettern gegossen, und um der Staatsdruckerei in der That den Charakter
-einer polygraphischen Anstalt zu geben, wurden in ihr Offizinen für
-Lithographie, Stereotypengiesserei, Kupferdruck, Galvanoplastik,
-Photographie, Chemitypie und später für Naturselbstdruck errichtet.
-Die Anstalt selbst wurde mit einer Dampfmaschine zur Bewegung der
-Schnellpressen und zur Heizung sämtlicher Lokale, mit Gasbeleuchtung
-und mit anderen Verbesserungen der Neuzeit versehen. Ferner gründete
-Auer unter dem Personal eine Kranken- und Unterstützungskasse, ordnete
-das Lehrlingswesen und führte einen Unterricht für die Zöglinge in
-den Abendstunden ein, so dass diese Technik, Sprachen (Lateinisch,
-Griechisch, Französisch, Englisch, Italienisch, Sanskrit, Persisch),
-Geographie, Geschichte, Stil u. s. w. unentgeltlich lernen konnten.
-
-Schnell mehrten sich die Arbeiten der neuorganisierten Anstalt. 1860
-beschäftigte sie schon über 1000 Arbeiter und besass 48 Schnellpressen,
-50 Handpressen, 30 lithographische, 24 Kupferdruckpressen, 21000
-Stahlstempel, 80000 Matrizen, 6000 Zentner Lettern. Die Ausstellungen
-von London und Paris[250] verbreiteten den Ruhm der Anstalt, welche der
-höchsten Auszeichnungen teilhaftig wurde. Aber auch Auer ging nicht leer
-aus. Er wurde in den Adelsstand als Ritter Auer von Welsbach erhoben
-und 24 Orden zeugen dafür, dass er die Kunst, sich Anerkennung zu
-verschaffen, nicht übel verstanden hat.
-
- [250] A. AUER, Geschichte und Beschreibung der K. K. Hof- und
- Staatsdruckerei. 1851. -- Der polygraphische Apparat, 1851. --
- Album der K. K. Hof- und Staatsdruckerei. 1853. -- Die K. K.
- Hof- und Staatsdruckerei auf der Pariser Ausstellung. 1855.
-
-[Sidenote: Die Erfindungen Auers.]
-
-Mit seinen vielbesprochenen Erfindungen, die öfters, und wohl nicht mit
-Unrecht, ihm nicht für voll angerechnet wurden, hatte er in der Praxis
-kein rechtes Glück. Diejenige, die am meisten von sich reden machte,
-war der Naturselbstdruck (Auto-Typographie). Dieser bestand darin,
-von einer Pflanze, einem Gewebe u. dgl. nach dem Einlegen zwischen
-einer Stahlplatte und einer anderen von weichem Metall durch eine
-starke hydraulische Pressung eine vertiefte Druckplatte zu gewinnen,
-die mittels Galvanisierung in eine Hochdruckplatte verwandelt werden
-konnte. Ein grossartiges, von Konstantin v. Ettinghausen herausgegebenes
-Werk, _Physiotypia plantarum_, wurde in Angriff genommen und auf
-den Ausstellungen sehr bewundert[251]. Das Verfahren wurde durch
-kaiserlichen Beschluss der Allgemeinheit preisgegeben, hat jedoch für
-die Praxis keinen grossen Wert.
-
- [251] A. AUER, Die Entdeckung des Naturselbstdruckes. 1853. --
- K. V. ETTINGHAUSEN und A. POKORNY, Die wissenschaftliche
- Anwendung des Naturselbstdruckes. Wien 1856.
-
-[Sidenote: Die »Endlose«.]
-
-Eine zweite »Erfindung« war der Druck vom endlosen Papier. Der Gedanke,
-den Papierbrei der Papiermaschine an dessen oberen Ende zuzuführen und
-von dem anderen Ende in die Schnellpresse zu leiten, so dass er aus
-dieser als gedruckter Bogen herauskam, musste für einen so elastischen
-Geist wie Auer grosse Anziehungskraft haben. Er brachte ihn auch in
-seiner Weise, d. h. blendend, zur Ausführung; für die Praxis war der
-Nutzen ein geringer. Das Papier wurde in eine gewöhnliche Schnellpresse
-geführt, nach dem Schöndruck durch Mechanismus zerschnitten und die
-Bogen durch den Hansenschen Ausleger ausgeführt. Der staunende Beschauer
-ahnte in den seltensten Fällen, dass der Widerdruck auf gewöhnliche
-Weise, auf einer anderen Schnellpresse besorgt werden musste, und konnte
-nicht wissen, dass der Lohn eines Anlegers oder einer Anlegerin das
-einzige war, was hätte gespart werden können, wenn nicht dieser Gewinn
-durch die Kosten des ganzen Apparates weit überwogen worden wäre.
-
-[Sidenote: Maispapier.]
-
-Ebensowenig Glück sollte Auer mit seiner Maispapierfabrikation
-haben[252]. Er brachte zwar eine Ausstellung zustande, in welcher nicht
-allein verschiedene Sorten Papier, sondern auch manche der Gegenstände
-zu sehen waren, welche Chinesen und Japanesen aus Papierstoff
-fabrizieren. Damit blieb aber auch diese Sache ruhen.
-
- [252] J. ARENSTEIN, Österreich auf der internationalen Ausstellung
- 1862.
-
-Selbst mit dem orientalischen Druckapparat, dem Stolz der
-Staatsdruckerei, hatte es mitunter einen Haken. Viele Schriften
-figurierten in den prachtvollen Proben; in der Wirklichkeit sah es mit
-deren Bestand öfters schwach genug aus.
-
-Auers Hauptfehler war, sich nicht mit dem Schaffen von Tüchtigem zu
-begnügen, sondern auch blenden zu wollen, und dafür war ihm kein Preis
--- auf Kosten des Staates -- zu hoch. Seine Eitelkeit war noch grösser
-als seine Tüchtigkeit.
-
-[Sidenote: Auers Feinde.]
-
-Es konnte an Angriffen -- begründeten, unbegründeten, durch Neid
-hervorgerufenen u. a. -- nicht fehlen. v. Plener, des genialen Bruck
-Nachfolger als Finanzminister, war nicht so geneigt wie letzterer,
-über die Finanzfrage leicht hinwegzugehen. Auer wurde am 2. März 1866,
-nach verschiedenen Misshelligkeiten, in Anerkennung seines 25jährigen
-verdienstlichen Wirkens mit seinem vollen Gehalt definitiv in den
-Ruhestand versetzt.
-
-[Sidenote: Auers Tod.]
-
-Auer war nicht geschaffen, männlich den Schlag, die mit diesem
-verbundene Unthätigkeit und das Vergessensein zu überwinden. Sein
-Gemütszustand wurde ein immer reizbarerer und die Kräfte aufreibender;
-er starb bereits am 10. Juli 1869 in Hietzing.
-
-[Sidenote: Auers Einfluss auf die deutsche Typographie.]
-
-Hat nun Auer auch dem Glanze zu viel geopfert und nach Alchymistenart
-öfters Thaler zu Groschen destilliert, so muss sein Einfluss auf die
-Typographie im allgemeinen und auf die österreichische insbesondere
-doch sehr hoch angeschlagen werden. Vor seiner Zeit war, wie erwähnt,
-ein in Österreich gedrucktes Buch ziemlich gleichbedeutend mit einem
-schlecht gedruckten; dass dies so ganz anders geworden ist, dazu hat
-Auer direkt und indirekt wesentlich beigetragen; selbst »draussen im
-Reich« wurde sein Einfluss gespürt. Die ganze deutsche Typographie hat
-aus der Weltberühmtheit der Wiener Staatsdruckerei ihren Teil an Ehre
-und Vorteil gehabt; sie ist verpflichtet, Auers Namen in Ehren zu halten.
-
-[Sidenote: Staatsdruckerei unter Beck.]
-
-Seit Auers Tod steht die Staatsdruckerei unter der Direktion eines
-nicht fachmännischen Staatsbeamten, Hofrat Dr. BECK, der sie in
-angemessenster Weise auf einer achtunggebietenden Stufe erhält, während
-nicht prätendiert wird, die Führung der jetzt mündig gewordenen
-österreichischen Typographie fortzusetzen. Ein Hindernis für die rechte
-Entfaltung der Anstalt ist die vollständig ungenügende Räumlichkeit.
-
-[Sidenote: Blindendruck.]
-
-Neben dem Geld- und Wertpapierendruck wird unter Mitwirkung des
-Direktors der Blindenanstalt in Ober-Döbling, FR. ENTLICHER, in
-anerkennenswerter Weise besonderes Gewicht auf den Druck für Blinde
-gelegt. Bei diesem Druck wird der Pressendeckel mit einem Überzug
-von Gutta-Percha versehen und darin ein scharfer Abzug von den Typen
-gemacht. Ist der Gutta-Percha-Überzug vollständig erhärtet, in
-welchem Zustand er 2-3000 Abzüge aushält, so wird die Schrift mit dem
-Papierbogen bedeckt, welcher, um eine grössere Zähigkeit zu erzielen,
-in einem mit Glycerin und Alaun versetzten Wasserbade gefeuchtet ist,
-in die vertiefte Gutta-Percha-Masse geprägt. Unter den verschiedenen
-Leistungen im Blindendruck befinden sich auch hebräische Lesebücher und
-durch erhabene Figuren illustrierte naturgeschichtliche Lehrbücher[253].
-
- [253] JOS. TRENTSENSKY, Erzeugung von Schriften _en haut-relief_ für
- Blinde. Wien 1836. -- FREISAUFF V. NEUDEGG, Die Ektypographie
- für Blinde. Wien 1837.
-
-Auch die Chromolithographie wird mit Glück von der Staatsdruckerei
-geübt. Eine ausgezeichnete Leistung ist z. B. das Prachtwerk über die
-Votivkirche in Wien 1879. Die Reproduktion des Marienfensters (S. 303)
-übertrifft bei weitem ähnliche Arbeiten Silbermanns.
-
-[Sidenote: Budget.]
-
-Das Budget der Staatsdruckerei zeigt bei einer Einnahme von etwa
-zwei Millionen Mark einen Überschuss von etwa 200000 Mark, bei
-Staatsanstalten ohne Konkurrenz Ziffern ohne grosse Bedeutung. Die
-Schriftenmasse beträgt 500000 Kilo in etwa 1500 verschiedenen Arten
-von Typen, darunter gegen 350 fremdländische[254]. Die Zahl der
-Schnellpressen beträgt 57, der Handpressen 54, ausserdem sind etwa
-80 Hülfsmaschinen vorhanden. Die Schriftgiesserei arbeitet mit 14
-Giessmaschinen und besitzt etwa 30000 Stempel und 200000 Matern. Die
-Gesamtzahl der Arbeiter ist gegen 900.
-
- [254] 1876 erschien die zweite Auflage der Alphabete des gesamten
- Erdkreises.
-
-[Sidenote: W. v. Braumüller.]
-
-Haben wir die Verdienste Auers und der Staatsdruckerei gebührend
-anerkannt, so ist es Pflicht, einen Mann zu erwähnen, der, obwohl nicht
-Buchdrucker, einen ganz eminenten Einfluss auf die Buchdruckerkunst
-in Österreich gehabt hat; es ist der Buchhändler WILHELM Ritter VON
-BRAUMÜLLER. Früher bekannt als einer der bedeutendsten Sortimenter
-Wiens, die mit ihren vollen Börsen oder Portefeuilles und ihrem jovialen
-Wesen vorzugsweise gern gesehene Gäste zur Leipziger Messe waren,
-widmete sich Braumüller erst seit dem Jahre 1840 dem Verlag und zwar mit
-ebenso grossem Geschick und Energie als Glück.
-
-»Von dem Streben geleitet, die wissenschaftliche Litteratur Österreichs
-dem Auslande gegenüber zur vollen Geltung und Anerkennung zu bringen,
-hat meine Handlung einen Verlag geschaffen, welcher sowohl nach seinem
-Werte als der Ausdehnung und Ausstattung nach den ersten Rang einnimmt,
-und welcher dadurch noch eine ganz besondere Bedeutung gewinnt, dass,
-hauptsächlich durch die geschmackvolle typographische Ausstattung
-angezogen, eine grosse Zahl litterarischer Notabilitäten fremder
-Universitäten durch gediegene Werke dabei vertreten ist. Vor allen ragt
-quantitativ und qualitativ die Medizin hervor, und die dominierende
-Stellung, welche Österreich durch seine medizinischen Celebritäten in
-der wissenschaftlichen Welt Deutschlands einnimmt, spiegelt sich auch
-in diesem Verlagszweige wieder. Eine Reihe veterinärwissenschaftlicher
-Werke, durch die Professoren des K. K. Tierarznei-Institutes
-würdig repräsentiert, schliesst sich demselben an. Die land- und
-forstwirtschaftliche Litteratur, bis dahin in Österreich gar nicht
-gepflegt, ist jetzt ausschliesslich in meinem Verlage vereinigt,
-und durch die Werke der Professoren an den berühmten Fachschulen in
-Mariabrunn, Ung.-Altenburg, Eulenberg, Hohenheim, Eisenach etc. würdig
-repräsentiert. Die vortreffliche Ausstattung, welche ich allen Werken
-mit der grössten Sorgfalt gewidmet, hat ohne Zweifel wesentlich zu einer
-allgemeinen besseren und würdigeren Ausstattung der litterarischen
-Erzeugnisse in Österreich beigetragen und auf die Entwickelung
-anderer Industriezweige, die Papier-Fabrikation, Buchdruckerei,
-Holzschneidekunst, welchen die obenangeführten Summen zugeflossen, einen
-nicht zu unterschätzenden Einfluss geübt[255].«
-
- [255] Die obigen nicht wenig zuversichtlichen Worte gehören dem Herrn
- v. Braumüller selbst und sind dem Vorwort zu seinem Jubelkatalog
- entnommen. Es ist eine eigene Sache, in einem geschichtlichen
- Buch jemand sein eigenes Lob aussprechen zu lassen; wenn man
- jedoch mit gutem Gewissen jedes Wort unterschreiben kann,
- weshalb dann nicht? -- C. BEYER, Wilh. v. Braumüller und Heinr.
- v. Cotta.
-
-[Sidenote: Museum für Kunst.]
-
-[Sidenote: Gesellschaft für vervielf. Kunst.]
-
-Äusserte sich der Einfluss von Braumüller zunächst auf den Werkdruck
-zu wissenschaftlichen Zwecken, so hat Wien das Glück, zwei ebenso
-bedeutende Förderer der Verbindung der graphischen illustrierenden
-Künste mit der Typographie zu besitzen: das MUSEUM FÜR KUNST UND
-INDUSTRIE und die GESELLSCHAFT FÜR VERVIELFÄLTIGENDE KUNST. Wenn es in
-Wien möglich geworden ist, Werke zu schaffen, in welchen Radierung,
-Xylographie, Hochätzung, Farben- und Lichtdruck in glücklichster Weise
-zusammenwirken und öfters nahe an die Vollkommenheit reichen, so
-haben die beiden erwähnten Anstalten durch die von ihnen ausgehenden
-Anregungen und Druckwerke den Vorwärts-Bestrebungen Wiens einen
-mächtigen Vorschub geleistet[256].
-
- [256] EITELBERGER, Die Kunstbewegung in Österreich. 1878.
-
-[Sidenote: Prachtwerke.]
-
-Unter den Erscheinungen des Museums behaupten Teirichs »Blätter
-für Kunstgewerbe« einen hervorragenden Platz. Die Gesellschaft für
-vervielfältigende Kunst brachte eine Reihe brillanter Publikationen; den
-grössten Einfluss übt sie jedoch durch ihre Zeitschrift »Die graphischen
-Künste«, welche nicht nur durch ihren Inhalt, sondern auch durch ihre
-vorzügliche technisch-artistische Ausführung belehrend und fördernd
-wirkt.
-
-Unter der Ägide des Vorstandes der K. K. Kämmerei, des kunstsinnigen
-Grafen v. Crenneville, erschien ebenfalls eine Anzahl der schönsten
-Prachtwerke. »Die Kunstwerke der Schatzkammer des österreichischen
-Kaiserhauses« (1870-1873), »Schloss Schönbrunn« (1875), »Der kaiserliche
-Thiergarten« (1876), »Laxenburg« (1877). In neuester Zeit kommt zu
-diesen Erscheinungen das »Jahrbuch der künstlerischen Sammlungen des
-allerhöchsten Kaiserhauses«, zu welchem als Beilagen der »Frydal«, der
-»Theuerdank«, der »Weisskunig«, der »Triumph«, die »Ehrenpforte«, die
-»Heiligen aus der Familie des Kaisers« gegeben werden, alles Werke,
-die von dem Kaiser Maximilian veranlasst oder vorbereitet waren und
-zu welchen die Originale der grossen Zeichenkünstler von damals noch
-vorhanden sind.
-
-[Sidenote: Buchdrucker-Verein.]
-
-Aber auch die Buchdrucker selbst haben als Korporation die Hände nicht
-in den Schoss gelegt. Der unter vielen Opfern im Jahre 1874 gegründete
-Buchdrucker-Verein hatte zwar zunächst die materiellen und sozialen
-Verhältnisse des Geschäfts vor Augen, liess jedoch die Fachzeitschrift
-»Österreichische Buchdrucker-Zeitung« erscheinen, die bestrebt war,
-nicht nur für die obgedachten Interessen, sondern auch für die
-technische Bildung zu wirken. Der Verein löste sich zwar im Jahre 1880
-wieder auf, die Zeitung besteht jedoch fort im Besitz des »Graphischen
-Klubs«, der ausserdem durch Vorträge, Ausstellungen und technische
-Diskussionen anzuregen sucht. Auch das Gehülfenblatt »Vorwärts« folgt
-dem Beispiel des »Correspondent« und widmet seine Aufmerksamkeit jetzt
-nicht nur den sozialen Interessen, sondern auch der Technik und der
-Geschichte.
-
-[Sidenote: G. Gistel * 16. Okt. 1825, [+] 10. Mai 1883.]
-
-Durch die Bemühungen des Vereins ist auch seit 1874 eine Fachschule
-errichtet, von der gute Erfolge zu erwarten sind. Die Seele
-dieser Vereinsbestrebungen ist namentlich G. GISTEL gewesen. Auch
-um den Unterstützungs-Verein der Buchdrucker und Schriftgiesser
-Niederösterreichs und die Pensionskasse für Faktoren und deren Witwen
-hatte Gistel grosse Verdienste, war auch bei allen Tarifverhandlungen,
-bei der Säkularfeier, kurz bei jeder Gelegenheit, wo die Buchdrucker
-vereinigt auftraten, bereit, seine Kräfte dem Allgemeinen rückhaltslos
-zu opfern.
-
-[Sidenote: L. C. Zamarski.]
-
-An Bedeutung der Staatsdruckerei am nächsten stehend ist die Offizin L.
-C. ZAMARSKI (früher H. ENGEL & SOHN und L. C. Zamarski), die namentlich
-in der Gründerperiode eine erstaunliche Masse von Wertpapieren
-druckte. Die Anstalt, welche unter der Leitung von A. PIETZSCH sich
-vortrefflich bewährt hat, wurde 1881 an die Papierfabrik STEYERMÜHL
-um 800000 Gulden verkauft und mit einem Kapital von 3700000 Gulden in
-eine Aktiengesellschaft umgeformt. Es werden in der Anstalt die »Neue
-Illustrirte Zeitung«, das »Wiener Tageblatt«, die »Vorstadt-Zeitung« und
-die »Deutsche Zeitung« gedruckt. Vorzüglich sind ihre, unter Leitung
-von A. Frantz hergestellten Heliographien. Die Offizin arbeitet mit 28
-Schnellpressen und beschäftigt gegen 350 Personen. ENGELS ERBEN befassen
-sich namentlich mit lithographischen Arbeiten; sie lieferten u. a. die
-japanischen Postmarken.
-
-[Sidenote: R. v. Waldheim.]
-
-Ein vielseitiges, grosses Institut ist ebenfalls die Verlagsbuchhandlung
-und Artistische Anstalt von R. V. WALDHEIM (22 Schp., 25 Hdp. und
-gegen 250 Arbeiter), die eine bedeutende Zahl von illustrierten Werken
-namentlich technischen Inhalts herausgiebt und vielen technischen,
-kriegswissenschaftlichen oder in das Eisenbahnwesen einschlagenden
-Zeitschriften, wir nennen nur Teirichs »Blätter für das Kunstgewerbe«
-und die »Allgemeine Bauzeitung«, druckt, verlegt oder debitiert, auch
-viele Accidenzien liefert.
-
-[Sidenote: C. Fromme.]
-
-CARL FROMME zeichnet sich besonders durch seine geschmackvollen und
-korrekten Accidenzarbeiten aus. Eine Spezialität, die er mit Virtuosität
-betreibt, ist der Kalenderdruck. Typographische Kraftstücke Frommes
-sind die Bilderreihe der Regenten Österreichs und die Stammtafel der
-Zisterzienser-Klöster. Diese zehn Meter lange Tafel besteht aus 108
-Formen, in zwei Farben ausgeführt. Der Druck und die Zurichtung sind so
-vorzüglich, dass die Zusammensetzung dem Auge vollständig unbemerkbar
-ist.
-
-[Sidenote: Rollinger & Mössner.]
-
-[Sidenote: A. Holzhausen.]
-
-[Sidenote: G. Gistel.]
-
-[Sidenote: Fr. Jasper.]
-
-Die Arbeiten von ROLLINGER & MÖSSNER sowohl im Accidenz- als im
-Werkdruck gehören mit zu den vollendetsten der neueren Typographie. Die
-Genannten zählen unter die nicht zu zahlreichen Buchdrucker, welche
-nichts für unbedeutend halten und eben deshalb Mustergiltiges liefern,
-z. B. die »Geschichtsquellen der Stadt Wien«. Zu derselben Klasse,
-jedoch meist in anderer Richtung arbeitend, gehört ADOLF HOLZHAUSEN,
-dessen Offizin an orientalischen Schriften sehr reich ist und dessen
-Drucke denen der Staatsdruckerei vollkommen ebenbürtig sind. Er lieferte
-den Druck des oben erwähnten Jahrbuchs der kaiserlichen Sammlungen
-und Albrecht Dürer würde gewiss den »Ansichten aus der Presse« von
-seinen und der gleichzeitigen Meister Arbeiten sein _imprimatur_
-nicht verweigert haben. Zu den strebsamen Buchdruckern der jüngsten
-Zeit gehören der erwähnte G. GISTEL und FR. JASPER. Letzterer druckte
-die Festgabe zu dem 400jährigen Jubiläum, und liefert sehr gute
-Illustrationsdrucke.
-
-[Sidenote: H. Reiss * 28. Aug. 1799.]
-
-Einen ganz besonderen Ruf hat sich Wien durch seinen xylographischen
-Farbendruck erworben. Der erste, der sich durch diesen auszeichnete, war
-HEINRICH REISS, aus einer Familie, die von altersher eine Buchdruckerei
-besass, welche er, nachdem er erst verschiedene Reisen gemacht hatte,
-1828 übernahm. 1850 folgte er jedoch einem Rufe der Staatsdruckerei,
-leitete später die Buchdruckerei von Zamarski und gab sich seit 1857
-ganz der Kunstdruckerei hin. Seine Hauptarbeit, an der er 23 Jahre lang
-gearbeitet hatte, ist das _Missale Romanum_ mit etwa 90 Miniaturen von
-H. Knöfler. Zu der Herstellung eines Bildes wurden bis zu 15 Platten
-verwendet. Vorzüglich sind die zwei grossen Titelblätter, das Abendmahl
-und Christus am Kreuze. Der Text bildet einen Folioband von mehr als
-700 zweispaltigen Seiten. Die Grundschrift ist eine fette Gothisch, zu
-der besondere Initialen geschnitten wurden. Das Papier, ein geripptes
-Büttenpapier, ist jedoch, wie auch der Textdruck, von sehr ungleicher,
-mitunter sogar geringer Qualität. Aus diesem Grunde fehlt, trotz der
-ausserordentlichen Aufopferung seitens Reiss' und der Vorzüglichkeit des
-Bilderdruckes, dem Werk, als Ganzes betrachtet, doch gar vieles, um als
-ein typographisches Denkmal ersten Ranges zu gelten. Derartige Werke
-dürfen nicht Not leiden und müssen in Händen eines Herausgebers sein,
-dem es möglich ist, bis ans Ende ruhig auszuhalten. Deshalb aber nicht
-weniger Ehre dem Andenken eines echten Jüngers Gutenbergs. Sein Geschäft
-übernahm LUDW. LOTT, vorher als technischer Leiter der »Alten Presse«
-und als Einführer der »Endlosen« auf dem Kontinent bekannt. Er wirkte im
-Geiste seines Vorgängers fort und seine Arbeiten fanden in England und
-Amerika allgemeine Bewunderung. Seine Drucke auf Blech sind ebenfalls
-vortrefflich.
-
-[Sidenote: Prag.]
-
-Eine ziemlich bedeutende Thätigkeit entwickeln in PRAG 33
-Buchdruckereien und 30 lithographische Anstalten mit ihren 114
-typographischen und 25 lithographischen Schnellpressen. Die bedeutendste
-Offizin ist die von A. HAASE (S. 290) mit 21 Schnellpressen und 18
-Handpressen. IGN. FUCHS (11 Schp., 19 Tr.- u. Hdp.) liefert sehr gute
-lithographische Arbeiten, auch J. FARSKY bringt Tüchtiges in dieser
-Richtung. DR. ED. GRÉGRS Offizin arbeitet mit Rotationsmaschine und
-5 Schnellpressen. H. MERCY (9 Schp.) druckt namentlich Werke. Die
-BUCHDRUCKEREI DER K. K. STATTHALTEREI beschäftigt 7, die BUCHDRUCKEREI
-FÜR POLITIK 8, J. OTTO 7, B. STYBLO 6, C. BELLMANN 7 Schnellpressen.
-
-[Sidenote: Reichenberg.]
-
-[Sidenote: Tetschen.]
-
-[Sidenote: Teschen.]
-
-Die Fabrikstadt REICHENBERG besitzt eine grossartige graphische Anstalt,
-die der GEBR. STIEPEL, welche durch 13 Schnellpressen und 20 Tret- und
-Handpressen die zahlreichen Fabriken mit Etiketten, Geschäftskarten,
-Rechnungsformularen etc. versieht. Das kleine TETSCHEN an der Elbe hat
-auch eine bedeutende Druckanstalt aufzuweisen, die von F. W. STOPP,
-welche (mit 7 Schp., 7 Hdp.) hauptsächlich für lithographische Arbeiten
-eingerichtet ist. In TESCHEN in Österr. Schlesien befindet sich die
-Offizin von K. PROCHASKA (10 Schp.), eine der besten Provinzdruckereien
-Österreichs. Sie wurde 1806 von THOMAS PROCHASKA gegründet.
-
-[Sidenote: Brünn.]
-
-[Sidenote: Lemberg.]
-
-In BRÜNN arbeiten hauptsächlich für Lokalbedürfnisse W. BURKART (7
-Schp.), BUSCHAK & IRRGANG (4 Schp.), CARL WINIKER (5 Schp.), R. M.
-ROHRER (6 Schp.). GALIZIEN bietet nur wenig von Interesse. In KRAKAU,
-einst von Bedeutung in der typographischen Geschichte, druckt die
-Offizin des CZAS (5 Schp.) und die Buchdruckerei der Akademie der
-Wissenschaften H. LISICKI & CO., in LEMBERG E. WINIARZ (4 Schp.).
-
-[Sidenote: Graz.]
-
-[Sidenote: Triest.]
-
-Unter den Offizinen des südlichen Österreichs ist die Aktiendruckerei
-LEYKAM-JOSEFSTHAL (15 Schp., 16 Tr.- u. Hdp.) in GRAZ eine weit
-verzweigte graphische Anstalt, die manches Gute geliefert hat. Die
-Grazer »Post« wurde 1882 an eine zweite Gesellschaft Leykam für gegen
-1100000 M. verkauft. Die Gesellschaft STYRIA und die GUTENBERG-DRUCKEREI
-in Graz beschäftigen je 5 Schnellpressen. In INNSBRUCK verfolgt die
-WAGNERsche Buchdruckerei eine wissenschaftliche Richtung. In LINZ
-wirken A. EURICH und J. WIMMER. Die älteste Druckerei Österreichs
-besitzt KLAGENFURT. Hier etablierte sich FERD. V. KLEINMAYR 1548.
-Sein Nachfolger gründete 1777 die »Klagenfurter Zeitung«. In LAIBACH
-feierte die Offizin von J. V. KLEINMAYR & F. BAMBERG (4 Schp.) 1882
-ihr 100jähriges Jubiläum. In TRIEST hat sich die Buchdruckerei des
-ÖSTERR.-UNGAR. LLOYD als eine tüchtige Vertreterin der Kunst bewiesen
-und wirkte auch früher als bedeutende Verlegerin illustrierter Werke.
-
-[Sidenote: Paul Pretzsch * 1808, [+] 28. Aug. 1873.]
-
-Von der Holzschneidekunst in Wien und den Meistern, welche diese
-förderten J. G. PRESTEL, BLASIUS HÖFEL, FRIEDR. V. EXTER, H. KNÖFLER
-u. a., wurde bereits (S. 300) berichtet, auch fanden die wichtigen
-Erfindungen von PAUL PRETZSCH (S. 14) Erwähnung. Je weniger das
-verdienstvolle Wirken dieses Mannes vom Glück begünstigt war und je
-öfter der Versuch gemacht wurde, seine Erfinderehre zu schädigen,
-namentlich seitens englischer Erfinder, um so mehr gebietet es die
-Pflicht, hier seiner mit einigen Worten noch zu gedenken.
-
-Pretzsch war als Sohn eines Goldarbeiters in Wien geboren, lernte dort
-die Buchdruckerkunst und trat nach längerem Aufenthalt im Auslande
-in den Dienst der K. K. Hof- und Staatsdruckerei, welche er 1851 auf
-der Londoner Weltausstellung vertrat. Dort erhielt er auf Grund der
-von ihm ausgestellten Photographien eine Prämie und nun entstand
-in ihm der Gedanke, Photographien druckbar zu machen, weshalb er
-sein Engagement bei der Staatsdruckerei aufgab, 1854 wieder nach
-London ging und dort neun Jahre blieb, um seine Pläne zur Ausführung
-zu bringen. Seine Erfindung, Tiefdruckplatten von Photographien
-herzustellen, nannte er PHOTOGALVANOGRAPHIE und sie wurde einer
-_Patent-Photo-Galvanographic-Society_ zur Ausbeutung übergeben, welche
-1856 fünf Hefte eines Werkes in Grossfolio unter dem Titel _Photographic
-Art Treasures_ herausgab. Nach etwa zweijährigem Bestehen löste sich
-jedoch die Gesellschaft auf und Pretzsch war wieder auf sich selbst
-angewiesen, während Fox Talbot, der die Erfindung gemacht hatte, durch
-Ätzung Photographien druckbar zu machen, ihn auf Grund seines Patentes
-verfolgte, wennauch ohne Resultat, da Pretzschs Verfahren sich nicht auf
-Ätzen gründete.
-
-Nach der Weltausstellung 1862 kehrte Pretzsch nach Wien zurück und war
-längere Zeit schwer leidend, so dass er erst 1864 seine Thätigkeit
-wieder aufnehmen konnte. Diese richtete sich nun vornehmlich auf
-Herstellung von Hochdruckplatten und nach mannigfachen, mühsamen und
-kostspieligen Versuchen gelang ihm auch die Fertigstellung solcher, von
-welchen Proben 1873 in Wien ausgestellt waren.
-
-Hiermit war das wichtigste Problem der Illustration der Zukunft zwar
-Wirklichkeit geworden, jedoch noch nicht in zufriedenstellender Weise;
-denn die Platten besassen nicht Tiefe genug, um mit Leichtigkeit in
-der Buchdruckerpresse behandelt zu werden. In Berücksichtigung der
-hohen Bedeutung, welche die Erfindung möglicherweise würde erreichen
-können, erhielt Pretzsch eine Staatsunterstützung, um seine Versuche
-weiterzuführen, und noch wenige Stunden vor seinem Tode war er mit
-diesen beschäftigt.
-
-In der Zeit der Blüte der Schwarzlithographie erreichte KRIEHUBER
-im Porträtfache eine bis dahin unbekannte Meisterschaft. Die
-Chromolithographie fand einen günstigen Boden, der zuerst von der
-K. K. Staatsdruckerei bebaut wurde. Das erste Werk von Bedeutung
-waren die Aquarellbilder nach niederösterreichischen Bauwerken
-von CONR. GREFE, welcher Künstler überhaupt besondere Verdienste
-um den Buntdruck hat. ED. HÖLZEL lieferte namentlich viele gute
-Landschaftsbilder; sein bestes Blatt und eines der besten der
-Öldruckbilder überhaupt dürfte »Die beiden Brüder«, nach v. Defregger
-sein. Seine instruktiven, geographischen und naturwissenschaftlichen
-Blätter und die architektonischen Bilder nach J. Langl, in Sepiamanier
-gedruckt, sind höchst wertvolle Erscheinungen. REIFENSTEIN und RÖSCH
-(jetzt G. REIFENSTEIN), HAUPT & CZEIGER, A. HARTINGER & SOHN, FR.
-PATERNO lieferten gutes, die ersteren beiden Firmen im figürlichen,
-die beiden letzteren im naturwissenschaftlichen und geschichtlichen
-Unterrichtsfache.
-
-[Sidenote: Ed. Sieger * 12. Dezbr. 1810. [+] 21. Jan. 1876.]
-
-Im lithographischen Accidenzfache zeichnete sich ED. SIEGER aus. Seine
-Riesenplakate wurden angestaunt und seine Erfindung des Ivoirit, einer
-täuschenden Imitation des Elfenbeins, brachte, in Bücherbänden oder in
-Ebenholz-Kassetten und Möbeln eingelegt, eine frappante Wirkung hervor.
-
-Die Zinkhochätzung fand tüchtige Vertreter, unter welchen C. ANGERER
-& GÖSCHL ihr Verfahren zur ganz besonderen Vollkommenheit brachten.
-Auch C. HAACK erwarb sich einen Namen, MORITZ und MAX JAFFÉ traten mit
-der Jaffétypie auf. Die Kupferstecherkunst, welche sehr zurückgegangen
-war und wesentlich nur in den Prämienblättern und den Nieten der
-Kunstlotterien fortvegetierte, trat durch die Ernennung LOUIS JACOBYS
-(jetzt in Berlin) zum Professor dieser Kunst in ein neues Stadium des
-Fortschrittes. Die Radierung kam besonders durch W. UNGER zu Ehren. Die
-Photographie, namentlich die Porträtphotographie, wurde mit viel Glück
-in Wien geübt.
-
-In der Verwendung aller graphischen Kunstzweige, namentlich der
-in der Photographie wurzelnden, ist das MILITÄR-GEOGRAPHISCHE
-INSTITUT berühmt geworden. Es entstand 1839 durch Vereinigung der
-topographisch-lithographischen Anstalt des K. K. Generalstabes in Wien
-mit dem zu Mailand bestandenen _Deposito della Guerra_. Die Anstalt
-kultiviert die Kartographie in ausgedehntester Weise unter Verwendung
-aller neueren Verfahren. Unternehmungen wie die Karte der Umgebungen
-Wiens in 48 Blättern; die Spezialkarte der Österreich-Ungarischen
-Monarchie in 720 Blättern, die Generalkarte von Zentral-Europa in 192
-Blättern, und viele andere gehören zu den Meisterwerken der Kartographie.
-
-Die Buchbinderkunst steht in Wien schon seit langer Zeit im Ansehen,
-wird jedoch noch mehr in den sogenannten Galanterie-Arbeiten als in der
-eigentlichen Buchbindung geübt. Vortrefflich sind in letzterer Richtung
-die Mosaikbände mit wirklichen Ledereinlagen, nicht nach französischer
-Art mit nur aufgelegtem dünn geschabten Leder. Namen wie A. KLEIN, LEOP.
-GRONER, CONR. BERG u. a. haben den besten Klang.
-
-Unter solchen Verhältnissen wie den obengeschilderten konnte Wien, wo
-die Zustände im Jahre 1840 den Gedanken an ein fröhliches Gutenbergfest,
-wie das in Leipzig, nicht aufkommen liessen, sich mit Befriedigung zur
-Begehung des vierhundertjährigen Festes der Einführung der Kunst in
-Wien (I, S. 49) rüsten. Schon Jahre vorher waren die Vorbereitungen
-getroffen, namentlich für die Herausgabe einer bedeutenden Festschrift,
-einer Geschichte der Kunst in Wien seit vier Jahrhunderten, welche
-zugleich Proben der Leistungsfähigkeit der graphischen Anstalten
-vorführen sollte[257]. Das Fest fand am 24.-25. Juni 1882 statt und
-wurde durch einen Aktus, verbunden mit einer durch v. Eitelberger
-arrangierten historischen Ausstellung, eröffnet. Die eigentliche
-Festrede hielt der österreichische Generalkonsul in Leipzig, Karl
-v. Scherzer, wie bereits erwähnt ein früherer Gutenbergsjünger. Ein
-allgemeines Fest fand am 25. Juni in Hietzing in der »Neuen Welt« statt,
-wo gegen 14000 Festgenossen sich versammelt hatten und wo Karl Höger als
-Festredner auftrat.
-
- [257] Das Werk gewann einen grösseren Umfang, als anfänglich vorgesehen
- war. Bis jetzt erschien der erste Band, gedruckt bei Fr. Jasper,
- mit vielen Beilagen.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Ungarn. Buda-Pest.]
-
-In UNGARN steht die Buchdruckerei im allgemeinen nicht auf einem sehr
-hohen Standpunkte. BUDA-PEST ist selbstverständlich der Sammelpunkt
-der bedeutendsten Offizinen. Im Jahre 1851 waren dort 8 Druckereien
-vorhanden mit 22 Schnellpressen; 1870 bereits 50 mit 140 Schnellpressen;
-1882 48 Buchdruckereien und 23 lithographische Anstalten mit 130
-Schnellpressen und 200 Tret- und Handpressen.
-
-[Sidenote: Staatsdruckerei.]
-
-Die STAATSDRUCKEREI Ungarns besteht in ihrem jetzigen Umfange (16 Schp.,
-18 Hdp., 250 Arbeiter) erst seit der Trennung der Verwaltung Ungarns
-und Österreichs und befand sich früher in Temesvar als Filiale der
-Staatsdruckerei in Wien. Sie liefert sehr viele Accidenzarbeiten und
-Wertpapiere, die nicht auf der Höhe der Vollkommenheit stehen. Neben
-Gutem findet sich unter ihren Arbeiten manches Mittelgute. Die, unter
-ausgedehnter Anwendung der Galvanoplastik, gelieferten Kartenwerke haben
-einen grossen Umfang.
-
-[Sidenote: Druckereien in Buda-Pest.]
-
-Einen bedeutenden Aufschwung hat die PESTER
-BUCHDRUCKEREI-AKTIEN-GESELLSCHAFT, geleitet von SIEGM. V. FALK,
-genommen; sie arbeitet in gedeihlicher Weise mit 15 Schnellpressen, 8
-Handpressen und 200 Personen. Die Aktiengesellschaft ATHENÄUM (12 Schp.,
-12 Giessm., 250 Arb.) druckt nicht weniger als zwanzig periodische
-Schriften. Die Offizin der Aktiengesellschaft FRANKLIN-VEREIN (Rotm.,
-11 Schp., über 200 Arb.) hat sowohl als Werk- wie als Accidenzdruckerei
-einen guten Ruf. Im Jahre 1873 erwarb der Verein den bedeutenden Verlag
-von GUSTAV HECKENAST, der einen wesentlichen Anteil an dem Aufblühen
-des Buchhandels in Ungarn gehabt hat. Er kam als Apotheker nach Pest,
-übernahm aber, als der dort etablierte Otto Wigand aus Göttingen auf
-Grund politischer Verhältnisse Ungarn schleunigst verlassen musste,
-dessen Geschäft und verband sich 1840 mit dem Buchdrucker Landerer. Mit
-seinen nationalen Verlagsunternehmungen hatte Heckenast viel Glück,
-namentlich mit dem von Kossuth redigierten _Pesti Hirlap_. Später gab er
-die illustrierte »Sonntags-Zeitung« heraus.
-
-Die von der Gesellschaft HUNGARIA 1869 gegründete, schön
-eingerichtete, Buchdruckerei (verbunden mit Verlagsgeschäft) druckt
-mit Rotationsmaschine das »Neue Pester Journal« und das »Volksblatt«
-und beschäftigt 170 Arbeiter. Das grosse Geschäft von GEBR. LÉGRÁDÝ
-liefert namentlich zahlreiche Jugendschriften, VICTOR HORNYÁNSKY viele
-sehr gut gedruckte Bibeln in verschiedenen Sprachen. Ausserdem sind zu
-erwähnen die UNIVERSITÄTS-BUCHDRUCKEREI (7 Schp.) und die bedeutenden
-Zeitungsdruckereien: KHÓR & WEIN, welche das »Illustrirte Tageblatt«
-auf Augsburger Rotationsmaschine drucken, PH. WODIANER, M. DEUTSCH (10
-Schp.). Vortreffliche Arbeiten im kaufmännischen Accidenzfach gehen aus
-den Pressen der typo-lithographischen Anstalt von C. L. POSNER (7 Schp.,
-11 Hdp.) hervor.
-
-MOR. RÁTH gab als Verleger zwar eine Reihe von vorzüglich ausgestatteten
-Prachtwerken heraus, da er jedoch die Mehrzahl in Wien drucken liess, so
-kann man aus denselben sich kein Bild der Leistungsfähigkeit der Pester
-Typographie machen.
-
-Hervorragende Druckanstalten besitzt Transleithanien sonst nicht. In
-AGRAM befindet sich die wohleingerichtete Druckerei und lithographische
-Anstalt von C. ALBRECHT mit 6 Schnellpressen und die der Landesregierung
-gehörende Offizin des _Narodne Noviny_ (4 Schp.). Gutes leisten in RAAB
-SANDOR CZÉH; in TEMESVAR GEBR. MAGYAR; in SZEGEDIN BURGER & CO.; in
-NEUSATZ befindet sich die Druckerei des SERBISCHEN NATIONAL-VEREINS. Das
-»okkupierte« Bosnien hat eine nach neuestem Zuschnitt gut eingerichtete
-K. K. LANDESBUCHDRUCKEREI in SERAJEWO.
-
- * * * * *
-
-Während in dem Jahre 1856 der österreichische Gesamtstaat (die
-italienischen Provinzen nicht mitgerechnet) kaum 200 Druckoffizinen
-aufwies, besassen die cis- und transleithanischen Länder 1882 in
-372 Städten 756 Buchdruckereien, 345 lithographische Anstalten, 29
-Schriftgiessereien und 1183 Buchhandlungen. Die Zahl der vorhandenen
-Schnellpressen betrug 1568, die der Hand- und Tretpressen 2250.
-Beschäftigung fanden gegen 15000 männliche, 3500 weibliche Arbeiter und
-2000 Lehrlinge. 38 Gehülfen-Vereine hatten 4162 Mitglieder und, darin
-eingerechnet das Vermögen des Wiener Unterstützungs-Vereins von etwa
-300000 Mark, ein Gesamtkapital von über einer Million Mark.
-
-Vergleichen wir die Österreichisch-Ungarische Monarchie mit dem
-Deutschen Reiche, so geht hervor, dass erstere bei einem Umfange von
-11300 Meilen und einer Bevölkerung von etwa 37500000 Menschen in der
-graphischen Produktion sehr gegen letzteres zurückbleibt. Scheiden wir
-die österreichische Monarchie in vier graphische Gruppen, so erhalten
-wir als Resultat folgende Zahlen:
-
- ---------------------------+--------+---------+----------+--------
- | Buch- | Lithogr.| Typogr. | Litho-
- | | | | graph.
- | druck. |Anstalten|Schnellpr.| Schp.
- ---------------------------+--------+---------+----------+--------
- I. DIE NÖRDLICHE GRUPPE: | | | |
- Schlesien, Böhmen, | | | |
- Mähren, Galizien, | | | |
- Bukowina | 251 | 148 | 442 | 75
- | | | |
- II. DIE MITTLERE GRUPPE: | | | |
- Nieder- und | | | |
- Oberösterreich, | | | |
- Salzburg | 190 | 111 | 450 | 79
- | | | |
- III. DIE SÜDLICHE GRUPPE: | | | |
- Tirol, Steiermark, | | | |
- Kärnthen, Krain, | | | |
- die Küstenländer | 73 | 31 | 133 | 34
- | | | |
- IV. DIE ÖSTLICHE GRUPPE: | | | |
- Ungarn, Siebenbürgen, | | | |
- Slawonien, Kroatien, | | | |
- Bosnien | 242 | 55 | 344 | 11
- ----------+--------+---------+----------+--------
- | 756 | 345 | 1369 | 199
-
-Die rein deutsche Gruppe II, mit der Kaiserstadt, in welcher fast alle
-bedeutenden graphischen Anstalten ihren Sitz haben, und in der über eine
-Million Menschen lebt, ist mehr als anderthalbmal so gross an Umfang
-als das Königreich Sachsen und zählt nur etwa 200000 Einwohner mehr.
-Nichtsdestoweniger beträgt in Sachsen die Zahl der Buchdruckereien 136,
-der lithographischen Anstalten 101 und der Schnellpressen 663 mehr als
-in der österreichischen Gruppe II.
-
-Das Deutsche Reich, einen Umfang von etwa 2000 [Quadrat]Meilen
-weniger als Österreich-Ungarn besitzend und etwas über 5 Millionen
-Einwohner mehr zählend, hat 2633 Buchdruckereien, 1649 lithographische
-Anstalten, 5708 Schnellpressen und etwa 3000 Buchhandlungen mehr.
-Bei einer solchen Zusammenstellung darf jedoch nicht übersehen
-werden, dass in den cis- und transleithanischen Ländern die Zahl der
-Deutschsprechenden nicht viel mehr als den vierten Teil der Einwohner
-beträgt.
-
-Ebenso ungünstig stellt sich das Verhältnis, wenn wir die
-österreichisch-ungarischen Städte mit 50000 Einwohnern und mehr mit den
-deutschen (S. 276) zusammenstellen. Es giebt in Österreich deren nur
-zehn, nämlich:
-
- ----------+-------------+----------+--------+----------+-------------
- Städte |Einwohnerzahl|Buchdruck.|Lithogr.|Buchhandl.|Zeitschriften
- | | | Anst. | |
- ----------+-------------+----------+--------+----------+-------------
- Buda-Pest | 365000 | 49 | 24 | 57 | 83
- Prag | 190000 | 33 | 30 | 83 | 84
- Triest | 124000 | 10 | 4 | 12 | 6
- Lemberg | 104000 | 15 | 4 | 22 | 33
- Graz | 94000 | 7 | 9 | 26 | 17
- Brünn | 82000 | 12 | 6 | 15 | 24
- Szegedin | 76000 | 4 | 1 | 4 | 2
- Krakau | 61000 | 6 | 2 | 15 | 8
- Debreczin | 52000 | 3 | 1 | 2 | 2
- Pressburg | 50000 | 6 | 3 | 4 | 2
-
- * * * * *
-
-Die Bücherproduktion Österreichs lässt sich nicht wohl aus der des
-ganzen deutschen Litteraturgebietes ausscheiden. Die Büchereinfuhr in
-Österreich betrug 27620 Meterzentner, die Ausfuhr 9378; da von letzterer
-jedoch die Remittenden der in Kommission versandten Artikel abgehen,
-so kann die wirkliche Ausfuhr kaum auf 4000 Meterzentner geschätzt
-werden. Merkwürdigerweise stellt sich das Verhältnis bei Musikalien noch
-ungünstiger, da bei einer Einfuhr von 937 Meterzentner nur 66 Zentner
-ausgeführt wurden. Trotz der geringen Ziffern hat sich die Einfuhr seit
-1860 zwei und einhalbmal, die Ausfuhr einmal erhöht.
-
-Die Zahl der Journale war zum Beginne des Jahres 1880 in den im
-Reichsrate vertretenen Kronländern 1074, darunter 340 politische Tages-
-und Wochenblätter. Von der Gesamtzahl erschienen 79 täglich, 80 mehrmals
-wöchentlich, 310 wöchentlich, 211 vierzehntägig, 226 monatlich. 728
-Journale waren in deutscher, 73 in polnischer, 131 in tschechischer
-Sprache. Wien beteiligte sich mit 483 Zeitschriften. 1872 hatte ein
-Rückgang in der politischen Zeitungspresse stattgefunden und es
-erschienen 19 Tagesblätter weniger als 1871.
-
-UNGARN lieferte damals 558 Zeitungen, davon 356 in magyarischer, 120
-in deutscher, 56 in slawischer und 21 in rumänischer Sprache. Die
-Zahl der magyarischen Blätter hat seit der Zeit um 70 zugenommen, in
-Buda-Pest erschienen 168; in den übrigen Sprachen ist die Zahl ziemlich
-unverändert geblieben.
-
-[Illustration]
-
-
-[Illustration]
-
- XVI. KAPITEL.
-
- DIE ZWEIGE DER GERMANISCHEN GRUPPE.
-
- DÄNEMARK. Fortschritte der Typographie: B. Luno, Gebr. Thiele, C.
- Ferslew & Co. u. a. Die Chemitypie: C. Piil. Die Giessmaschine: L.
- Brandt. Die Setzmaschine: C. Sörensen. Die Schreibkugel: Malling
- Hansen. Island, Grönland. NORWEGEN. Geistiges Leben. SCHWEDEN.
- Norstedt & Söner, Central-Tryckeriet u. a. FINNLAND. RUSSLAND und
- POLEN. Die Staatsdruckerei und andere Offizinen. Das Zeitungswesen.
- DIE DONAULÄNDER: Serbien, Rumänien, Bulgarien. GRIECHENLAND.
-
-
- DÄNEMARK UND NORWEGEN.
-
-[Sidenote: Die Presse in Dänemark.]
-
-Gegen das Ende des XVIII. Jahrhunderts ergriff die politische und
-geistige Gährung auch DÄNEMARK und übte ihre Wirkung auf die Presse
-aus. Unter dem allmächtigen Ministerium Struensee wurde 1770 am 14.
-September die schrankenloseste Pressfreiheit eingeführt, was nicht ohne
-gröbliche Ausartungen abging. Wie gewöhnlich trat dann als Gegensatz
-eine weit über das Ziel schiessende Reaktion ein, deren Schlussstein die
-Verordnung vom 27. September 1799 war, durch welche die Zensur wieder
-eingeführt wurde und die Verfolgungen gegen die Presse ihren freien
-Lauf nahmen. Ausserdem begann das XIX. Jahrhundert sehr unglücklich für
-Dänemark, welches die damals herrschende Politik mit dem Bombardement
-von Kopenhagen, dem Verlust seiner glänzenden Flotte und der Abtretung
-Norwegens bezahlen musste[258].
-
- [258] CAM. NYROP, _Bidrag til den danske Boghandels Historie_. 2 Teile.
- Kopenhagen 1870. -- KLEIN, _Adressebog for den danske norske og
- svenske Boghandel_. -- NYEROP in _Læsendes Aarbog for 1801_.
-
-Unter diesen Verhältnissen konnte die Typographie Dänemarks in der
-ersten Hälfte der Periode und noch länger keine grossen Fortschritte
-machen. Es herrschte kein guter Geschmack und die Produktionen gingen
-nur selten über das Mittelgute hinaus. Als bedeutendere Erscheinungen
-sind zu nennen: _Den danske Vitruvius_, 2 Bände, Folio; Langebecks
-_Scriptores rerum danicarum_, 8 Bände, Folio; _Beskrivelse over
-danske Mönter og Medailler_, 3 Bände, Folio; _Flora Danica_, ein sehr
-bedeutendes und umfangreiches Werk.
-
-[Sidenote: Die Typographie in Kopenhagen.]
-
-Die Buchdruckereien in KOPENHAGEN beherrschten, durch
-Innungsverhältnisse begünstigt, die Buchdruckereien der Provinz. Die
-Autoren suchten, da der Buchhandel nicht gut organisiert war, zumteil
-Verleger im Auslande.
-
-[Sidenote: E. H. Berling * 1689, [+] 1759.]
-
-CARL HEINRICH BERLING, Sohn des eingewanderten E. H. BERLING (I, S.
-156), erwarb das Privilegium der _Posttidender_, welche den Titel
-_Statstidende_, später _Berlingske Tidende_ annahm, unter welchem Namen
-sie noch heute besteht. Viele Jahre hindurch waren dieses und ein
-anderes, ungefähr auf derselben Stufe der Mittelmässigkeit stehendes
-Blatt, _Dagen_, die einzigen Quellen tagesgeschichtlicher Weisheit.
-
-Das Volk verfiel in ein durch Geistesspielereien gewürztes weichliches
-Wohlleben, aus welchem der Nationalgeist erst durch die Dichtungen Adam
-Oehlenschlägers erwachen sollte. Allmählich fielen die Schranken der
-Presse wieder und es erblühte ein überaus reges geistiges Leben, das
-ebenfalls die Entwickelung der Buchdruckerei und des Buchhandels im
-Gefolge hatte.
-
-[Sidenote: Bianco Luno * 27. Juni 1795, [+] 12. Aug. 1852.]
-
-Im Jahre 1825 kam die erste Schnellpresse nach Dänemark. Der eigentliche
-Schöpfer des guten Geschmacks und der Typographie im Sinne der Neuzeit
-war BIANCO LUNO[259], der sich, nach vielfachen Wanderungen in Italien,
-Ungarn und Deutschland, 1831 in Kopenhagen etablierte. Die Ausstattung
-und Ordnung seiner Druckerei war eine noch nicht in Dänemark bekannte
-und würde selbst im Auslande als eine mustergültige gegolten haben. Er
-lieferte namentlich in Werk- und tabellarischen Arbeiten vortreffliches.
-Die Druckerei arbeitet jetzt mit 9 in Kopenhagen von Eickhoff gebauten
-Schnellpressen.
-
- [259] C. NYROP, _Bianco Luno og den danske Bogtrykkerkonst_.
- Kopenhagen 1881.
-
-[Sidenote: Gebr. Thiele.]
-
-[Sidenote: J. R. Thiele [+] 1876.]
-
-In feineren Accidenz- und illustrierten Drucken sind die Brüder JUST
-und ANDREAS THIELE, Nachkommen eines 1770 aus Lemgo eingewanderten
-Buchdruckers JOH. RUD. THIELE, in Dänemark unübertroffen. Sie erhielten
-ihre Ausbildung in der Brockhausschen Offizin in Leipzig und können sich
-mit den besten Illustrationsdruckern Deutschlands messen. Als Beispiele
-ihrer Leistungen seien erwähnt: _Illustreret Tidende_, _The old northern
-Runic monuments_ und _Queen Dagmars Cross_ in Farbendruck. Die Offizin
-ist die grösste in Dänemark und arbeitet mit 17 König & Bauerschen
-Schnellpressen. Die Gebrüder Thiele drucken auch die Noten der Bank, die
-Postmarken und fast alle dänischen Wertpapiere.
-
-[Sidenote: C. Ferslew.]
-
-Als Zeitungsdruckerei steht die Offizin C. FERSLEW & CO. obenan. Sie
-verbindet Typographie mit Lithographie und Papierfabrikation. Ferslew
-druckte zuerst mit einer »Victoria-Endlosen«. Drei grosse Tageszeitungen
-werden in der Offizin hergestellt, in welcher 9 Kastenbeinsche
-Setzmaschinen und 11 Ablegemaschinen arbeiten, wohl mehr als für den
-Augenblick im ganzen Deutschen Reich. Bei der Bedienung sind mehr als
-dreissig Mädchen unter Leitung einer Directrice beschäftigt. Um den Satz
-zu beschleunigen, werden schlecht geschriebene Manuskripte erst mittels
-der Malling Hansenschen Schreibkugel (S. 446) umgeschrieben und dann dem
-Setzer übergeben, wodurch es möglich wird, den Hauptteil einer grossen
-Zeitung in zwei Stunden herzustellen. Die als eine Neuheit von Beschke
-in Deutschland eingeführten Wetterkarten werden schon seit fünf Jahren
-bei Ferslew hergestellt.
-
-Das Beispiel Lunos und Thieles hat sehr befruchtend gewirkt und der
-dänische Druck nimmt im ganzen eine sehr respektable Stellung ein. Die
-Offizin von BERLING, welche jetzt nur die _Berlingske Tidende_ mit
-Rotationsmaschine aus der Fabrik Eickhoff in Kopenhagen druckt, hat
-sich durch Einführung der technischen Verbesserungen und Erfindungen
-des Auslandes verdient gemacht. Der letzte männliche Besitzer der
-Firma CARL BERLING spielte als Kammerherr, Reisemarschall und
-Günstling des Königs Friedrich VII. eine Rolle. Er starb auf einer
-Reise in Ägypten am 30. März 1871. Geachtete Namen erwarben sich
-unter anderen ANDREAS SEIDELIN und die von J. F. SCHULTZ begründete
-Hofbuchdruckerei, jetzige Universitätsbuchdruckerei von J. H. SCHULTZ,
-welche mit 12 Schnellpressen namentlich Regierungs-, Universitäts- und
-Kommunalarbeiten liefert. In der Provinz ist zu nennen die über 110
-Jahre bestehende FYENS STIFTS-BUCHDRUCKEREI in ODENSE, wo die Wiege der
-dänischen Buchdruckerei stand (I, S. 74).
-
-[Sidenote: Statistisches.]
-
-Zur Zeit hat Dänemark 175 Buchdruckereien (davon 71 in Kopenhagen) mit
-einem Arbeitspersonal von 1438 Köpfen, darunter 746 Setzergehülfen,
-354 Setzerlehrlinge; 69 Setzerinnen, namentlich bei den Setzmaschinen
-thätig; 176 Drucker, 82 Druckerlehrlinge. Die Zahl der Schnellpressen
-ist 294, der Tretpressen 36 (davon in Kopenhagen 151 Schnellpressen,
-35 Tretpressen). 90 Handpressen werden wohl, wie überall, fast nur als
-Korrekturpressen dienen[260].
-
- [260] M. TRUELSEN, _Statistisk Oversigt over Typographien i Danmark_.
- Kopenh. 1881.
-
-Die litterarische Produktion ist nicht so genau wie in Deutschland
-anzugeben, da die einzige Kontrolle in der angeordneten Ablieferung
-eines Exemplars jeden Druckwerkes an die königliche Bibliothek besteht.
-Eingereicht wurden im Jahre 1880 349 Zeitschriften, 1806 Bücher und
-Broschüren. In Kopenhagen erscheinen 14 Tageblätter zumeist im Format
-der grossen Pariser Zeitungen; in den Provinzen 50. Kopenhagen hat 14
-illustrierte Wochenblätter, unter welchen die humoristischen eine grosse
-Verbreitung haben.
-
-[Sidenote: Xylographie und Chemitypie.]
-
-Die Xylographie, früher hauptsächlich durch Deutsche geübt, leistet
-sehr anerkennenswertes; die bedeutendsten Anstalten sind die der
-_Illustreret Tidende_, H. P. HANSEN, F. HENDRIKSON und J. J. ROSENSTAND.
-Die Chemitypie verdankt dem Dänen CHR. PIIL[261] ihr Dasein und ist in
-Dänemark sehr beliebt geworden. Öfters wird sie mit der Zinkhochätzung
-verwechselt, jedoch beruht sie auf anderen Grundsätzen (S. 18). Piil
-brachte seine Erfindung nach Leipzig und übte sie dort in Verbindung mit
-dem Buchhändler H. Friedlein. Auch die Zinkographie fand sehr geschickte
-Ausüber in Dänemark.
-
- [261] C. PIIL, Die Chemitypie. Leipzig 1846.
-
-[Sidenote: Schriftgiesserei.]
-
-Auf Grund des kleinen Geschäftsgebietes konnte die SCHRIFTGIESSEREI
-nicht mit der deutschen Schritt halten. Schriften wurden hauptsächlich
-von Trennert in Altona und Genzsch & Heyse in Hamburg, dann auch von
-Berlin und Leipzig bezogen. Gute Arbeiten liefert H. A. F. FRIES in
-Kopenhagen.
-
-[Sidenote: Die Schriftgiessmaschine.]
-
-[Sidenote: L. Brandt * 6. Sept. 1807.]
-
-In Deutschland gilt (S. 295) der Däne LAURITZ BRANDT allgemein als
-Erfinder der Schriftgiessmaschine. Er stammte aus Faaborg auf der
-Insel Fühnen. Als Schlossergeselle ging er nach St. Petersburg, wo er
-allerlei mechanische Instrumente anfertigte, reiste kreuz und quer durch
-Deutschland, verheiratete sich dort und segelte dann nach Amerika. Hier
-führte er den Gedanken, die Giessmaschine zu konstruieren, aus und
-baute diese in dem Hause der bekannten Schriftgiesserei David Bruce
-jun. in New-York. 1844 ging er nach Deutschland und verkaufte sein
-Patent an Eduard Hänel in Berlin. Brandt erntete hieraus weder grosse
-pekuniäre Vorteile noch Ehre, denn Hänel verschwieg seinen Namen, sodass
-bald dieser selbst, bald Steiner in München als Erfinder galt. Brandt
-verliess Deutschland und ging nach Dänemark, wo er mehrere Maschinen
-für die Schriftgiesserei Fries baute, die noch heute in Wirksamkeit
-sind. In Schweden erwarb L. Hierta das Patent, welches später auf die
-Firma Norstedt & Söner überging. Nach einem etwa vierjährigen Aufenthalt
-in Europa ging Brandt nach New-York zurück und gründete dort ein
-Etablissement, aus dem eine grosse Anzahl Maschinen hervorging. 1859
-zog er sich ins Privatleben zurück und übergab sein Etablissement an N.
-Erlandsen, der, ebenfalls ein Däne, als armer Junge von seinen Eltern
-aufgenommen worden war. Gegen Brandts Ansprüche machte David Bruce sein
-Erfindungsrecht geltend (S. 39).
-
-[Sidenote: Die Setzmaschine.]
-
-[Sidenote: Chr. Sörensen * 7. Mai 1818, [+] 30. Jan. 1861.]
-
-Wennauch mit Setzmaschinen verschiedentlich experimentiert worden war,
-so muss doch CHRISTIAN SÖRENSEN[262] in Kopenhagen als der Erfinder
-betrachtet werden, denn er war der erste, der eine wirklich lebensfähige
-Maschine herstellte, die auf den Prinzipien beruhte, welche von allen
-späteren Erfindern, mit Ausnahme von Mackie, angenommen wurde.
-
- [262] C. NYROP, Christian Sörensen. _Et Industribillede._ Kopenhagen
- 1869.
-
-Sörensen war von ganz armen Eltern geboren und musste schon als Kind zum
-Verdienst mit beitragen durch Arbeit bei einem Leineweber, und konnte
-nur in den Abendstunden einen notdürftigen Unterricht geniessen. Durch
-einen Zufall kam er später in Setzerlehre.
-
-Er war ein mechanisches Genie. In seinem zwanzigsten Jahre entstand
-bei ihm der Gedanke, eine Setzmaschine zu schaffen. Von den vor ihm
-gemachten Versuchen hatte er keine Ahnung. Am 29. April 1846 erhielt er
-ein Patent für eine Setz- und Ablegemaschine und eine Unterstützung zur
-Ausführung eines Modells. Während Sörensen hiermit noch beschäftigt war,
-ergingen die Einladungen zur ersten Weltausstellung in London. Gelang
-es, dort mit der Setzmaschine zu erscheinen, so war das Ziel erreicht!
-Das Erscheinen gelang ihm zwar, aber -- die Maschine erhielt nicht
-einmal eine ehrenvolle Erwähnung.
-
-[Sidenote: Erfolge in Paris.]
-
-Das war ein harter Schlag für Sörensen, und seine Gönner fingen nun
-an, sich von ihm zurückzuziehen. Da erschien als Retter in der Not der
-Publizist J. F. Gjödwad, Herausgeber der Zeitung _Fädrelandet_, und
-bestellte eine Maschine und, als sie gut ausfiel, noch eine zweite. Ehe
-diese zur Vollendung kam, trat die Pariser Ausstellung von 1855 ins
-Leben. Der Besteller war liberal genug, zu gestatten, dass sie erst
-in Paris ausgestellt würde. Hier erregte sie allgemeines Staunen und
-wurde einstimmig von dem Jury-Kollegium der höchsten Belohnung würdig
-befunden, welche für diejenigen Männer bestimmt war, »die sich um die
-Gesellschaft besonders verdient gemacht« hatten.
-
-Die Maschine war eine doppelte, eine Setz- und eine Ablegemaschine,
-und wurde erst durch eine Giessmaschine vervollständigt, die auch sehr
-schwieriger Natur war, da viele (bis auf 6) komplizierte Signaturen
-notwendig waren; doch gelang alles nach Wunsch.
-
-[Sidenote: Not, Sorge und Tod.]
-
-Der pekuniäre Vorteil des Pariser Erfolges blieb jedoch für Sörensen
-aus. Er fiel in Paris Schwindlern in die Hände und nach vielen
-vergeblichen Anstrengungen für die Einführung der Maschine in
-Frankreich, Deutschland und Österreich kehrte er krank und gebeugt
-nach Dänemark zurück. Hier fand er wieder Beistand und Aufmunterung
-bei seinem alten Gönner Gjödwad. Zwar geschahen auch von anderer Seite
-Schritte, die Sörensens Zukunft wenigstens sorgenfreier gestalteten,
-aber Kummer und frühere Nahrungssorgen hatten seinen Lebensfaden
-durchschnitten und er erlag seinen Leiden am 30. Januar 1861.
-
-[Sidenote: Die Schreibkugel.]
-
-[Sidenote: R. Malling Hansen.]
-
-Mit der Setzmaschine verwandt ist die Schreibmaschine oder SCHREIBKUGEL.
-Der erste, der mit einer solchen wirkliche Erfolge erzielte, war der
-Direktor der königlichen Taubstummenanstalt in Kopenhagen, R. MALLING
-HANSEN. Durch sein Nachsinnen über die Mittel zu einer leichteren
-Verständigung zwischen Taubstummen und Blinden kam er auf den erwähnten
-Apparat, den er nach und nach sehr vervollkommnet hat.
-
-Durch die Oberfläche einer hohlen metallenen Halbkugel geht eine Anzahl
-von Stahlstiften, die wie Radien eines Kreises nach dem Mittelpunkte
-zusammenlaufen, was durch künstliches Unterschneiden der Stifte
-ermöglicht wird. Auf dem unteren Ende eines jeden derselben ist ein
-Antiqua-Versalbuchstabe erhaben geschnitten, wie jeder Typenstempel.
-Unter dem Mittelpunkte, wo alle Buchstaben zusammentreffen, liegt das
-Schreibpapier mit einem Farbepapier bedeckt. Durch den Druck mit dem
-Finger auf den Knopf eines Stempels wird dieser nach dem Zentrum geführt
-und übt einen Druck auf das Farbepapier, wodurch der Buchstabe auf das
-weisse Papier abgefärbt wird. Nach jedem Druck bewegt sich das Papier
-soweit seitwärts zurück, dass der nächste Buchstabe in die richtige
-Entfernung von dem vorhergehenden zu stehen kommt. Ist die Zeile voll,
-schiebt sich das Papier so weit nach oben, dass es in die richtige
-Lage kommt, um die folgende Zeile aufzunehmen. Eine Schnelligkeit von
-20000 Buchstaben in der Stunde ist noch keine übertriebene. Durch
-Übereinanderlegen von bis zu zehn Schreib- und Farbeblättern ist es
-möglich, eine ebenso grosse Anzahl Drucke gleichzeitig zu schaffen, die
-wieder durch elektrische Verbindung mehrerer Apparate nach Belieben
-gesteigert werden kann.
-
-[Sidenote: Die Maschinenfabrikation.]
-
-[Sidenote: J. G. A. Eickhoff * 4. März 1809, [+] 30. Mai 1875.]
-
-Die erste eiserne Handpresse in Dänemark wurde 1836 von HÜTTEMEYER,
-die erste Schnellpresse 1847 von J. G. A. EICKHOFF aus Wittenförden
-in Mecklenburg-Schwerin nach dem System König & Bauer hergestellt.
-Seine 200. Maschine folgte 1874. Über 125 davon gingen nach dem
-Auslande, namentlich nach Schweden und Russland. Eickhoff baut auch
-Rotationsmaschinen.
-
-Die Papierfabrikation ist besonders durch die Familie DREWSEN in die
-Höhe gebracht. Das dänische Fabrikat ist in den Mittelsorten ein sehr
-brauchbares. Die Buchbinderei nahm stets einen respektablen, wennauch
-keinen hervorragenden Platz ein.
-
-[Sidenote: Lithographie.]
-
-Die LITHOGRAPHIE wurde durch C. C. LOSE von einem Deutschen HEINRICH
-WENZLER 1811 eingeführt und hauptsächlich für den Notendruck benutzt.
-Der Kunstsinn, welcher, durch die von Thorwaldsen gegebene Anregung
-in allen Schichten der Bevölkerung geweckt, einen mächtigen Einfluss
-auf das Kunstgewerbe geübt hat, wirkte auch auf die Lithographie. Es
-entstanden nicht nur vorzügliche Kartenarbeiten, sondern auch wirkliche
-Kunstblätter, letztere namentlich durch EMIL BÄRENTZEN & CO., jetzt
-HOFFENSBERG & TRAP, welche auch vorzügliche Chromos liefern. Neben
-diesen verdienen J. W. TEGNER & KITTENDORF genannt zu werden.
-
-Der Buchhandel in Dänemark ist nach deutschem System gut organisiert.
-Das offizielle Organ des skandinavischen Buchhandels ist das seit 30
-Jahren von O. H. DELBANCO herausgegebene _Nordisk Boghandlertidende_.
-
-[Sidenote: Island.]
-
-[Sidenote: Grönland.]
-
-Auf der Insel ISLAND blieb stets der Sinn für die Litteratur herrschend.
-Es bestehen dort 5 Druckereien mit 7 Pressen und 4 Journale erscheinen
-daselbst. Die Offizinen von EINAR THORDARSON und BJÖRN JÓNSSON besitzen
-je eine Schnellpresse. Im Jahre 1799 kam die Isländische Litterarische
-Gesellschaft[263] in den Besitz einer kleinen Druckerei, in der bereits
-1840 über 100 Werke gedruckt waren. Auch die FÄRINSELN besitzen eine
-Offizin und ein Blatt. Selbst GRÖNLAND ist nicht zurückgeblieben. Unter
-den in den dänischen Kolonien wohnenden 12000 Eingeborenen ist die
-Fertigkeit im Lesen und Schreiben so verbreitet, wie irgend in Europa.
-In den Jahren 1857-61 machte der Inspektor von Süd-Grönland, nachdem ihm
-auf Rechnung der Grönländischen Handelsdirektion eine Buchdruckpresse
-gesendet war, einen Versuch, einen Eingeborenen, LARS MÖLLER, im Setzen
-und Drucken und einen andern im Holzschneiden zu unterrichten. 1861-62
-hielt sich ersterer in Kopenhagen auf und wurde dort ordentlich im
-Buch- und Steindruck unterrichtet. Nach seiner Rückkehr liess der
-Inspektor ein kleines Gebäude aufführen und als Buch- und Steindruckerei
-einrichten. Ausser einigen kleinen erzählenden Schriften gingen zwei
-periodische Unternehmungen aus dieser Offizin hervor: _Atuagagdliutit_
-(Unterhaltungslektüre), worin auch Beiträge von Eingeborenen und viele
-Abbildungen enthalten sind; das andere enthält die Jahresberichte der
-Ortsvorsteher mit lithographierten Tafeln. In der Kolonie GODTHAAB
-(Gute Hoffnung) befindet sich eine zweite Herrnhutische Missionspresse,
-aus der eine Anzahl von Erbauungs- und Unterrichtsbüchern hervorgingen.
-Das erste dort gedruckte Buch war eine Legendensammlung _Kalladtit
-Okalluktua alliaït_ mit zwölf von Eingeborenen gezeichneten und
-geschnittenen Holzstöcken und acht Liedern mit Musiknoten.
-
- [263] _Det islandske Literaire Selskabs Love._ Kopenhagen 1851. --
- NYEROP, _Læsendes Aarbog for 1801_.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Norwegen.]
-
-In NORWEGEN[264] kann man, sieht man von der altehrwürdigen Litteratur
-der Eddas und des reichen Sagenschatzes in der _Norröna_-Zunge ab (I, S.
-156), eigentlich erst seit etwa 70 Jahren von einer Nationallitteratur
-reden.
-
- [264] PAUL BOTTEN-HANSEN, _La Norvège littéraire_. Christiania 1868. --
- _Beretning om Säcularfesten i Christiania 1840._
-
-[Sidenote: Christiania.]
-
-In CHRISTIANIA wurde die zweite Druckerei erst im Jahre 1807 angelegt.
-Nachdem die politische und die damit verbundene Pressfreiheit im
-Jahre 1814 urplötzlich und in einem Maasse, wie es in der Geschichte
-nicht oft vorkommt, errungen war, begann auch eine grosse Regsamkeit
-in der Litteratur. Man machte bedeutende, mitunter etwas krampfhafte
-Anstrengungen, um eine nationale norwegische Litteratur zu schaffen,
-und damit fing auch die Buchdruckerkunst an, einen bedeutenderen Platz
-einzunehmen.
-
-[Sidenote: Zeitungswesen.]
-
-In einem Lande, wo die grosse räumliche Ausdehnung, die kleine,
-weit zerstreute Bevölkerung und die Naturschwierigkeiten einen
-schnellen Paketverkehr notwendig machten, war die Journalpresse von
-grosser Wichtigkeit und oft die einzige Quelle der Belehrung und
-Unterhaltung. Die Spuren derselben reichen bis auf das Jahr 1760
-zurück. Die erste eigentliche Zeitung waren die 1763 begonnenen _Norske
-Intelligenzsedler_. Die Zeitungen unterlagen, wie in Dänemark, der
-Zensur und zwar einer sehr strengen. Zur Empfangnahme von Zeitungen
-durch die Post gehörte eine besondere Erlaubnis. Im Jahre 1814 war
-die Zahl der periodischen Schriften nur fünf. 1815 wurde das erste
-täglich erscheinende _Morgenbladet_ gegründet. Die wissenschaftliche
-Journalistik ist nicht ohne Wichtigkeit. Unter den 85 Journalen
-Norwegens befinden sich auch mehrere illustrierte.
-
-[Sidenote: Bücherproduktion.]
-
-[Sidenote: Statistisches.]
-
-Auch die Bücherproduktion wurde eine regere. Im Jahre 1868 konnten
-bereits 650 Autoren bezeichnet werden. Zum Betrieb des Buchhandels nach
-deutschem Zuschnitt gab der Däne JOHANN DAHL den Anstoss und Norwegen
-hat seitdem eine Reihe von tüchtigen Buchhändlern und Buchdruckern
-aufzuweisen. 1840 zählte man dort schon 33 Buchdruckereien, von welchen
-Christiania 15 mit 35 Pressen und 95 Arbeitern aufwies. 1879 war die
-Zahl der Buchdruckereien auf 126 gestiegen, davon 29 in Christiania
-mit 72 Schnellpressen und 483 Personen. Die GRÖNDAHLsche Buchdruckerei
-dort hat das Verdienst, 1830 die erste eiserne Presse, 1840 die erste
-Schnellpresse, 1854 den Dampfbetrieb eingeführt zu haben. Von ihr stammt
-auch die Annahme des Didotschen Kegelsystems. Bis vor kurzem hatte die
-Fraktur entschieden das Übergewicht, sie weicht aber Schritt für Schritt
-der Antiqua. Bergen hatte 8 Offizinen und 9 Schnellpressen.
-
-Zur Papierfabrikation trägt Norwegen indirekt durch eine starke Ausfuhr
-von Holzstoff bei, deren Wert 1879 nahe an 1-1/2 Millionen Mark betrug.
-
-
- SCHWEDEN UND FINNLAND.
-
-[Sidenote: Schweden.]
-
-In SCHWEDEN, dessen Einwohner so oft die Franzosen des Nordens genannt
-werden, zeigte sich eine besondere Vorliebe für französische Litteratur
-und französisches Wesen. Vielleicht hat dies mit dazu beigetragen, dass
-die Schweden rascher und allgemeiner als die Dänen und Norweger die
-Antiquaschrift als übliche Buch- und Zeitungsschrift annahmen, so dass
-thatsächlich die Fraktur nur für kirchliche oder wirklich nur für das
-Volk bestimmte Litteratur beibehalten wurde. Es dürften überhaupt in den
-drei skandinavischen Ländern die Tage der Fraktur gezählt sein.
-
-In betreff des Bezuges von Schriften, Druckmaterial und Utensilien ist
-Schweden noch mehr als Dänemark auf das Ausland, namentlich Deutschland,
-angewiesen, und stand auch im allgemeinen etwas hinter Dänemark in der
-Typographie zurück.
-
-[Sidenote: Typographen.]
-
-Einer der bedeutendsten Buchdrucker war PETER MOMMA ([+] 1772), ein
-Rechtsgelehrter, der auf seinen Reisen die Buchdruckerei in Holland
-lernte. Er war auch der erste, der eine Schriftgiesserei in Schweden
-errichtete. J. S. EKMANSSON führte 1796 die Didotschen Schriften ein.
-In LUND erwarb der Däne C. GUSTAV BERLING 1745 eine Offizin, welche
-Bedeutung erlangte und mit der eine, hauptsächlich den akademischen
-Bedürfnissen gewidmete Schriftgiesserei verbunden wurde. Sie blüht noch
-in den Händen der Familie Berling.
-
-[Sidenote: P. A. Norstedt.]
-
-Den bedeutendsten Platz unter den typographischen Anstalten Schwedens
-nimmt die von P. A. NORSTEDT in Stockholm gegründete ein. Er kaufte
-1821 die Offizin von J. P. LINDH, nahm seine beiden Söhne ADOLF und
-CARL zu Teilnehmern und firmierte seit 1823 P. A. Norstedt & Söner. Im
-Jahre 1862 ging das Geschäft auf die Verwandten Norstedts GUSTAV LAURIN
-und ALBERT LAURIN über, beide starben jedoch zum allgemeinen Bedauern
-zeitig. Das jetzt noch blühende Geschäft hat Werke geliefert, welche mit
-den besten des Auslandes konkurrieren können. 1869 begannen Norstedts
-die _Nordisk Bogtryckertidende_, welche leider 1875 wieder zu erscheinen
-aufhörte[265].
-
- [265] Einer der neuesten Verlagsartikel der Firma ist J. G. Nordins
- _Handbok i Boktryckare konsten_, ein so vorzügliches, nebenbei
- gesagt typographisch so vortrefflich ausgestattetes Lehrbuch
- der Kunst, wie es Deutschland nicht besitzt. Am 1. April 1883
- begann ein neues Fachjournal: _Nordisk Typograf-Tidning_. Am
- 1. Juli 1883 und den folgenden Tagen feierte Schweden die
- 400jährige Einführung der Kunst, bei welcher Gelegenheit eine
- Festschrift des erwähnten J. G. Nordin im Verein mit dem um die
- Bibliographie Schwedens verdienten Bibliothekar G. E. Klemming:
- _Svensk Bogtryckeri-Historia 1483-1883_, 1. Teil, erschien.
- Der Teil reicht leider nur bis zu dem erwähnten Momma (etwa
- bis 1770). Aus demselben geht jedoch hervor, dass nunmehr die
- Thatsache feststeht, dass gleichzeitig mit Joh. Snell (I, S. 75)
- ein zweiter deutscher Buchdrucker, Nic. Gothan, der früher schon
- in Magdeburg eine Offizin hatte, 1483 in Stockholm ein Buch,
- _Vita St. Katherine_, druckte.
-
-Im Jahre 1874 gründete eine Aktiengesellschaft ein grosses graphisches
-Institut, _Central-Tryckeriet_, unter der Direktion von HANS FORSELL,
-welches im Jahre 1875 15 periodische Schriften, darunter 11 illustrierte
-Blätter, druckte. In der Nacht vom 20. zum 21. Dezember desselben Jahres
-brannte die Anstalt teilweise ab, bei welcher Gelegenheit der verdiente
-Dirigent der lithographischen Abteilung, der Deutsche A. SEEDORF, einen
-jämmerlichen Tod in den Flammen fand.
-
-Selbst die Hauptstadt des schwedischen Lapplands, HAPARANDA, dicht an
-der Grenze des russischen Finnlands, hat eine Druckerei und zwar mit
-einem adeligen Besitzer, G. C. VON KLERCKER, und ein Wochenblatt _Nyaste
-Riksgränsen_.
-
-[Sidenote: Zeitungen.]
-
-Die periodische Litteratur weist 321 Nummern auf. 91 Journale erscheinen
-in Stockholm, 18 in Gothenburg, 10 in Malmö, 7 in Lund. 14 Blätter
-erscheinen täglich, davon 4 in doppelten Ausgaben; Stockholm hat deren
-6, Gothenburg, Helsingborg, Malmö je zwei.
-
-Durch die Bestrebungen der eingewanderten Dänen C. W. GLEERUP in Lund
-und AD. BONNIER in Stockholm ist der schwedische Buchhandel ganz in der
-Art des deutschen organisiert. Die Zahl der Buchhandlungen beträgt 261.
-
-Der Schwede liebt das Bunte und neben einer grossen Anzahl von
-geschichtlichen Werken und Romanen werden auch viele illustrierte,
-namentlich ethnographische Prachtwerke mit Chromolithographien gedruckt,
-doch werden sie auch zumteil in Deutschland ausgeführt. Die Lithographie
-kam 1818 nach Schweden. Eine Anstalt von Bedeutung ist _Lithographiska
-Aktie Bolaget i Norrköping_, welche namentlich vortreffliche Landkarten
-geliefert hat.
-
-[Sidenote: Die Papierfabrikation.]
-
-Die Papierfabrikation Schwedens hat eine grosse Bedeutung und die Zahl
-der Fabriken beträgt etwa 60. Es wird sehr gutes Papier fabriziert,
-wennauch für gewöhnlich ein recht mittelmässiges Fabrikat zur Verwendung
-kommt. Schweden mit seinem grossen Reichtum an Holz und Wasserkraft hat
-die Fabrikation des Holzstoffes mit Eifer ergriffen und führt bedeutende
-Quantitäten aus. Seine erste Farbenfabrik erhielt es erst vor wenigen
-Jahren durch O. MARIN in Söderköping.
-
- * * * * *
-
-[Sidenote: Finnland.]
-
-FINNLAND, politisch mit Russland vereinigt, im Besitz seiner nationalen
-Sprache und einer, wennauch nicht bedeutenden, nationalen Litteratur,
-in dem höheren litterarischen Verkehr sich der schwedischen Sprache
-bedienend, ist in betreff des Buchgewerbes mehr zu Schweden als zu
-Russland gehörend zu betrachten.
-
-[Sidenote: Typographen.]
-
-Die bedeutendste typographische Familie ist die Frenckellsche. Statt
-der nach Stockholm verlegten Druckerei (I, S. 158) erhielt ÅBO 1772
-eine neue Offizin, die im Jahre 1750 in die Hände von J. C. FRENCKELL
-kam, welcher 1755 zum akademischen Buchdrucker ernannt wurde, und 1802
-noch eine Druckerei in HELSINGFORS, wohin 1829 die Universität von Åbo
-verlegt wurde, gründete, die noch kräftig blüht.
-
-[Sidenote: Zeitungen.]
-
-Im Jahre 1771 erschien die erste schwedische Zeitung in Åbo; 1776 die
-erste in finnischer Sprache. Unter der strengen Zensur konnte die
-Zeitungslitteratur nur einen sehr langsamen Fortgang nehmen, erst
-in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts trat ein erheblicher
-Umschwung ein, so dass im Jahre 1878 24 Zeitungen in schwedischer, 30 in
-finnischer Sprache erschienen. 1871 hatte Finnland 20 Buchdruckereien,
-die sich auf 12 Städte verteilten, davon kamen 7 auf Helsingfors. Die
-Zahl der Gehülfen betrug 118, der Lehrlinge 99. Schnellpressen gab es
-12, Handpressen 45. Jetzt hat Finnland 40 Buchdruckereien.
-
-Die von TILGMANN aus Helsingfors erfundene Tiegeldruck-»Endlose«
-_Mia_ hat wohl nicht den in Deutschland gehegten Erwartungen ganz
-entsprochen[266].
-
- [266] Journ. f. B. 1878, Nr. 7.
-
-
- RUSSLAND UND POLEN.
-
-[Sidenote: Langsame Entwickelung der Typographie.]
-
-Dass die Typographie in Russland und Polen nicht in der Weise blühen
-konnte, wie in Ländern, wo die politische Freiheit eine frische
-litterarische Bewegung und eine lebhafte Wechselwirkung mit den
-bedeutendsten Kulturvölkern hervorrief, ist selbstverständlich. Hierzu
-kommt noch als erschwerendes Moment die grosse räumliche Ausdehnung des
-Reiches. Wie (S. 257) bereits erwähnt wurde, erhielt Russland nicht nur
-sein typographisches Material aus Deutschland, sondern auch die Ausüber
-der Buchdruckerkunst sowohl als des Buchhandels waren grösstenteils
-Deutsche. Diese haben erst Ordnung und System in das graphische Geschäft
-gebracht. Der national-russische Buchhandel war noch 1840 in einem
-desolaten Zustande. SMIRDIN in St. Petersburg und SIMIN in Moskau
-gehörten zu den wenigen, welche das Geschäft kaufmännisch regelrecht
-betrieben.
-
-Die Buchdruckereien verbreiteten sich langsam; 1874 war die Zahl
-derselben in St. Petersburg 107, die der lithographischen Anstalten
-105, der Schriftgiessereien 11, der Buchhandlungen mit offenem Laden
-77. Den Bemühungen eines Deutschen, R. SCHNEIDER, ist die Errichtung
-einer typographischen Lehrlingsschule zu verdanken. Derselbe gab auch
-1867-1869 ein typographisches Journal in russischer und deutscher,
-später nur in russischer Sprache heraus, das auf Ed. Hoppe überging.
-Schneider verliess 1882 Russland und ging nach der Schweiz.
-
-[Sidenote: Die Staatsdruckerei.]
-
-Eine eben so eigentümliche wie vortreffliche Anstalt ist die kaiserliche
-STAATSDRUCKEREI oder, wie die offizielle Bezeichnung lautet: »die
-Kaiserlich Russische Expedition zur Anfertigung der Staatspapiere«,
-ein Institut, das jedes, selbst das in den graphischen Künsten am
-weitesten fortgeschrittene Land mit Stolz das seinige nennen würde.
-Durch ihre wahrhaft eminenten Leistungen in photographischen Hoch- und
-Tiefdruckplatten, durch die geistreiche Kombination von Heliographie
-und Galvanoplastik und durch die vielfachen wichtigen Anwendungen
-der verschiedenen graphischen Künste zur Herstellung von Staats- und
-Wertpapieren hat sie tief eingreifende Erfolge erzielt. Die Fabrikation
-von Papier mit Wasserzeichen in unvergleichlicher Klarheit und Zartheit,
-sowie von geschöpftem Handpapier mit allen den Eigenschaften, die
-man von einem für Wertzeichen bestimmten Papier verlangt, wird in
-grossartigem Maassstabe betrieben. Die Festigkeit ist namentlich dem
-vorzüglichen russischen Hanf zuzuschreiben. Die Kontrolle beginnt mit
-der Feststellung des Gewichts des abgelieferten Papiers und lässt sich
-für jeden Bogen auf seiner Wanderung durch die Anstalt verfolgen. Die
-Fabrik arbeitet mit sechs grossen Maschinen und vierzehn Bütten[267].
-
- [267] Das Journ. f. B. 1872 bringt eine sehr detaillierte Beschreibung
- des Instituts, von TH. GOEBEL.
-
-Stempel und Matrizen, Clichés in Kupfer und namentlich in Eisen,
-eine Spezialität der Anstalt, die gerade für die Herstellung des
-farbigen Druckes in grossen Auflagen sowohl der Dauerhaftigkeit, als
-der Unangreifbarkeit durch Farben wegen von wesentlich praktischem
-Werte sind, werden in vorzüglichster Qualität geliefert. Buch- und
-Holzschnittdruck, Kupferdruck, Lithographie, Autographie, Chromographie,
-Photogalvanographie, Heliographie, Elektrotransformatypie, ein Verfahren
-zur Herstellung einer Platte mit Bildstellung beliebig nach rechts
-und links, kurz, jeder nennbare graphische Prozess wird dort zur
-Vollkommenheit gebracht. Ebenfalls vorzüglich sind die durch Georg v.
-Scamoni photographisch erzielten mikroskopischen Schriften. Derselbe,
-aus Würzburg gebürtig, hat einen grossen Anteil an den Erfolgen der
-Anstalt in allen heliographischen Verfahrungsweisen[268].
-
- [268] Seine Erfahrungen hat er in seinem »Handbuch der Heliographie«
- mit Atlas, Berlin 1872, niedergelegt.
-
-Die Anstalt wurde 1818 unter Leitung von THEOD. SCHNEIDER aus Mannheim
-gegründet und besteht seit 1866 als selbständiges Geschäft, das seine
-Überschüsse an die Staatskasse abliefert. Der Chef ist seit 1861 der
-Staatsrath THEOD. VON WINBERG. Bereits im Jahre 1873 hatte die Anstalt
-17 Dampfmaschinen mit 362 Pferdekraft zur Disposition. Die Druckerei
-arbeitete mit 58 Schnellpressen, darunter 35 aus der Fabrik von König &
-Bauer, 60 Handpressen, eine ausserordentliche Zahl von Hülfsmaschinen
-und beschäftigte im Hause 1400-1800, ausser dem Hause 300-1200 Arbeiter.
-
-Eine eigentümliche Einrichtung ist die Beteiligung des ganzen Personals
-bis zum jüngsten Arbeiter herunter an dem Gewinn der Anstalt, der ein
-bedeutender, zwischen 3-400000 Rubel jährlich, sein soll. Die eine
-Hälfte derselben fliesst in die Staatskasse, die andere wird unter das
-Personal in der Weise verteilt, dass jeder Arbeiter mindestens einen
-Monatslohn als Anteil empfängt.
-
-Die baulichen Anlagen der Anstalt, welche in dem südlichen, nicht sehr
-bebauten Stadtteil sich befinden, bedecken einen grossen, an drei Seiten
-von Strassen begrenzten Flächenraum, auf welchem ausser der eigentlichen
-Druckerei auch die Papierfabrik und die Wohnungen der Beamten sich
-befinden.
-
-Zum Schutze der Anstalt hält eine Wache von 36 Mann die verschiedenen
-Zugänge bei Tag und Nacht besetzt. Die Gebäude sind durchweg massiv und
-feuersicher, fast nur von Stein und Eisen. An der Spitze der Anstalt,
-welche dem Finanzministerium unterstellt ist, steht ein technisch
-gebildeter Direktor. Als Vorsteher der einzelnen Abteilungen, sowie
-zur Wahrnehmung der Kassen- und Rechnungsgeschäfte und der Kontrolle
-sind 160 Beamte und 280 Meister und Meistergehülfen angestellt. Sehr zu
-loben ist, dass die mächtige Anstalt nur auf die Bedürfnisse des Staats
-beschränkt bleibt, obwohl es in Russland eher als in anderen Ländern zu
-entschuldigen wäre, wenn sie Privaten Konkurrenz machte.
-
-[Sidenote: Verschiedene Firmen.]
-
-Die UNIVERSITÄTSBUCHDRUCKEREI wurde 1755 gegründet. 1871 beschäftigte
-sie 16 Schnell- und viele Handpressen und ist reich mit orientalischen
-Schriften versehen; das Vaterunser konnte in 325 Sprachen gesetzt
-werden. Eine zweite orientalische Buchdruckerei, namentlich für
-armenischen Druck bestimmt, errichtete 1836 JOACHIM LAZAREFF. Unter den
-älteren Buchdruckereien nimmt die von J. J. GLASANOW (Oberbürgermeister,
-wirklicher Staatsrat, Excellenz), welche bereits ihr hundertjähriges
-Bestehen feierte, einen bedeutenden Platz ein, während unter den
-jüngeren die von B. M. WOLFF hervorragend ist. Der kürzlich verstorbene
-Wolff verband Verlagshandel mit Buchdruckerei und hat Verdienste
-um die Verschönerung der russischen Schrift und der Anpassung der
-Renaissance-Antiqua an diese. Eine bedeutende Accidenzdruckerei ist die
-von GOLOWIN. ALEX. BENCKE liefert ebenfalls viele Accidenzarbeiten und
-beschäftigt nur Nationalrussen. HERMANN HOPPE giebt das illustrierte
-Journal, von ED. HOPPE gedruckt, heraus. Die Gesellschaft ALLGEMEINER
-NUTZEN ist ein ausgedehntes Etablissement, besonders für Herausgabe
-illustrierter Blätter. Bedeutende Schriftgiessereien sind die Filiale
-von FLINSCH in Frankfurt a. M. (Franz Mark), REVILLON & CO. und O.
-J. LEHMANN. Die lithographische Anstalt von A. ILJIN liefert gute
-Landkarten.
-
-[Sidenote: Die Provinzen.]
-
-In MOSKAU wird die graphische Kunst in ziemlich umfangreicher Weise
-geübt. Im Jahre 1881 bestanden 237 Offizinen, in welchen mit 202
-Buchdruck-, 147 Steindruck-Schnellpressen und 712 Tret- und Handpressen
-gearbeitet wurde. Die Schriftgiessereien, unter welchen SELIWANOWSKI
-bedeutend ist, arbeiteten mit 47 Giessmaschinen. Die bekannte
-SYNODALBUCHDRUCKEREI (I, S. 279) erhielt eine neue und zweckmässige
-Einrichtung. MOR. NEUBINGER druckt namentlich Wertpapiere.
-
-DORPAT hatte schon 1624 eine Offizin, MITAU 1774, ODESSA 1825. CHARKOW
-mit seiner 1804 gegründeten Universität erhielt 1820 eine Druckerei.
-In WARSCHAU sind namentlich H. & M. ORGELBRAND durch ihre hebräischen
-Drucke bekannt.
-
-In den baltischen Provinzen erschienen 1871 22 deutsche, 7 esthnische
-und 6 litauische Zeitungen und nur eine russische.
-
-Die armenische Typographie wurde namentlich in dem berühmten Kloster
-ETZSCHMIAZIN bei Eriwan, der Hauptstadt Armeniens, gepflegt. Ein
-zweiter Druckort ist NACHITSCHEWAN, wo 1794 unter anderem eine
-Übersetzung von Fénelons _Télémaque_ erschien. TIFLIS hat mehrere
-Offizinen. In der Herrnhuter-Kolonie SAREPTA befand sich seit dem Jahre
-1763 eine unbedeutende Missionsdruckerei. ASTRACHAN erhielt zu Anfang
-des Jahrhunderts, KASAN 1815 Offizinen.
-
-In den Gouvernementsstädten SIBIRIENS finden sich zwar Buchdruckereien,
-jedoch primitivster Einrichtung, nur JEKATERINENBURG und IRKUTSK haben
-gut versehene Offizinen. Die einzige offizielle Zeitung Sibiriens,
-welche in Irkutsk erschien, wurde 1880 verboten. In SELENGINSK wurde auf
-Veranlassung der Londoner Missionsgesellschaft die ganze Bibel 1834 in
-mongolischer Sprache gedruckt.
-
-Die russischen Papierfabrikanten beschweren sich sehr über Mangel
-an Lumpen, die namentlich nach England ausgeführt werden. Die
-Kartenfabrikation ist ein Monopol der Regierung; die einzige Fabrik
-liefert jährlich etwa sieben Millionen Spiele.
-
-[Sidenote: Statistisches.]
-
-Im Jahre 1874 hatte Russland 322 Buchhandlungen und die Zahl der
-erschienenen Bücher betrug 2589. 1870 war der Wert der Büchereinfuhr
-1153082 Rubel, von welcher Summe die Million auf Deutschland fiel, die
-Ausfuhr bezifferte sich auf 83714 Rubel.
-
-Die Zahl der Zeitschriften ist eine verhältnismässig sehr geringe und
-betrug 1881 nur 776, davon 80 in polnischer, 43 in finnischer, 39 in
-schwedischer, 36 in deutscher, 13 in lettischer, 10 in esthnischer
-Sprache und 26 in verschiedenen Idiomen. Es erscheinen von diesen
-Zeitschriften 197 in St. Petersburg, 75 in Moskau, 79 in Warschau, 36 in
-Helsingfors, 23 in Riga, 21 in Tiflis, 20 in Kiew, 19 in Odessa.
-
-[Sidenote: Zeitungswesen.]
-
-Die verbreitetste Zeitung (71000 Auflage) war der »Golos« (die
-Stimme)[269], sie hatte so wenig wie die _Times_ eine bestimmte Tendenz,
-aber ein ebenso feines Gehör für das, was kommen würde. »Die neue
-Zeit«, ein chauvinistisches Slawenblatt (30000 Auflage) hatte etwas
-an Verbreitung eingebüsst. Im Hetzen gegen Deutschland hatte es fast
-den Sieg über die russische St. Petersburger Zeitung davongetragen,
-wogegen die »Russische Wahrheit« einen gebildeten Ton anschlug. Auch
-das »Gerücht« hielt sich von Chauvinismus frei. Die »Moskauer Zeitung«
-hatte namentlich in Moskau selbst und in dem Lande südlich und östlich
-von Moskau Geltung.
-
- [269] Die folgenden Angaben beziehen sich $auf das Jahr$ 1879. »Golos«
- ist seitdem eingegangen.
-
-Die Regierung besass nur ein offizielles Organ, »Der Regierungsbote«.
-Als offiziös konnten das _Journal de St. Pétersbourg_ und die _Agence
-générale russe_ und im Auslande der Brüsseler _Le Nord_, allenfalls auch
-der »Russische Invalide« gerechnet werden. Neben der russischen St.
-Petersburger Zeitung existiert auch eine deutsche; beide gehören der
-Akademie der Wissenschaften, welche sie verpachtet, und haben bereits
-1877 ihr 150jähriges Jubiläum gefeiert.
-
-Die grossen Petersburger Zeitungen stehen zwar nicht unter
-Präventiv-Zensur, müssen aber 5000 Rubel Kaution stellen. Sobald sie
-ausschreiten, werden sie verwarnt und nochmaliges Verwarnen zieht
-zeitweiliges oder auch vollständiges Verbot nach sich. In ausländischen
-Angelegenheiten haben die grossen Blätter ziemlich freien Spielraum, und
-sind selbst hinsichtlich der inneren bei weitem nicht so beengt, wie
-man gewöhnlich annimmt. Der Ton gegen Deutschland ist bekanntlich im
-allgemeinen voller Hass und zur Schau getragener Verachtung.
-
-Manche Städte von 10000 und mehr Einwohnern haben keine Zeitung, so dass
-oft ein grosser Kreis oder ein Gouvernement ohne Organ ist. Mit welchen
-Schwierigkeiten ein Zeitungsherausgeber oft zu kämpfen hat, mag daraus
-erhellen, dass z. B. aus Neu-Tscherkask erst das Manuskript, dann die
-Korrektur eines Blattes nach Moskau gesendet werden muss, womit zehn
-Tage verloren gehen, dazu noch die Zeit für Satz und Druck.
-
-
- DIE DONAULÄNDER.
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-[Sidenote: Die jüngsten Staaten.]
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-Wir wenden uns jetzt den jüngsten selbständig gewordenen Mitgliedern
-des europäischen Staatenbundes zu, deren Bedeutung für die Presse
-erst der Zukunft gehört. Mit der Erlangung des politischen
-Selbstbestimmungsrechtes eines Volkes ist ja auch stets das Aufblühen
-des geistigen Lebens verbunden gewesen, und ist die erste Gährung
-überstanden, so ist es bei der Bildungsfähigkeit der betreffenden Völker
-auch zu erwarten, dass sie eine angemessene Stellung auf dem Gebiete der
-Presse einnehmen werden. Zu hoffen und zu wünschen bleibt, dass es nicht
-deutschfeindlichen Einflüssen gelingen möge, nationale und geistige
-Antipathien gegen germanische Kultur zu erregen, wodurch die Völker
-selbst am meisten gegen ihre Unabhängigkeit und ihr geistiges Interesse
-handeln würden.
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-[Sidenote: Serbien.]
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-SERBIEN[270]. Als die neue Ära in unserem Jahrhundert für Serbien
-begann, standen das Volk, welches belehrt werden musste, und die
-Geistlichkeit, welche belehren sollte, ziemlich auf derselben Stufe des
-Wissens oder vielmehr der Unwissenheit.
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- [270] F. KANITZ, Serbien. Leipzig 1868.
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-Das erste Buch, welches in Serbien erschien, ist eine von dem
-Woiwoden von Celat, Georg Cernojevi['c], 1493-1495 veranstaltete, mit
-cyrillischen Lettern gedruckte Ausgabe des Psalters, welche Schafarik
-den schönsten slawischen Druck nennt, wie überhaupt die Erzeugnisse der
-südslawischen Pressen an innerem und äusserem Wert die ihnen um einige
-Jahre vorausgegangenen Krakauer cyrillischen Drucke übertrafen.
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-Doch dauerte dieser Glanz nicht lange und erlosch bereits im XVI.
-Jahrhundert in den Kämpfen mit dem Halbmond. Von da ab versorgte
-Russland die südslawischen Länder mit Kirchenbüchern, bis die eigene
-Staatsdruckerei die Lieferung derselben übernehmen konnte. Ferner that
-die englische Bibelgesellschaft manches für die Verbreitung des Neuen
-Testaments, welches sie von dem bekannten Gelehrten Vuk übersetzen und
-mit cyrillischen Lettern drucken liess. Auch andere Werke, namentlich
-Übersetzungen, wurden in Österreich und Deutschland gedruckt.
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-[Sidenote: Die Staatsdruckerei.]
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-Die Grundlage zu der Staatsdruckerei war durch ein Geschenk des
-Kaisers Nikolaus, bestehend in zwei Druckerpressen, 1830 gelegt.
-Dieselben wurden zuerst in KRAGUJEVAC aufgestellt, um unter der Leitung
-BERRMANNS aus Wien erst nur liturgische Bücher mit russischen Lettern
-zu drucken. Im Jahre 1831 wurde die Druckerei vom Fürsten Milosch
-nach BELGRAD verlegt und mit noch drei Handpressen, später mit zwei
-König & Bauerschen Schnellpressen ausgestattet. Die Schriftgiesserei
-wurde von dem Stuttgarter OCKENFUSS eingerichtet. Um den Typenschnitt
-machten sich zwei andere Deutsche, SCHRÖPEL ([+] 1864) und dessen
-Faktor WALTER aus Frankfurt, verdient. Nach 1864 traten zwei junge
-in Deutschland ausgebildete Serben an die Spitze der Anstalt. Die
-alt- und neuslawischen Typengattungen sind gut vertreten, auch
-Musiknoten sind vorhanden und xylographische, galvanoplastische und
-Stereotypie-Anstalten wurden eingerichtet. Im Jahre 1870 waren mehr
-als 50 Setzer und Lehrlinge beschäftigt und zahlreiche Arbeiten
-wurden sowohl für den Staat wie für Private ausgeführt, ausserdem die
-Landeszeitung und mehrere andere Journale dort gedruckt.
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-Um 1850 wurde auch die LITHOGRAPHIE durch einen Deutschen, BRAUMANN,
-eingeführt. Karten, Pläne und andere chromographische Arbeiten wurden in
-guter Ausstattung geliefert, auch die serbischen Postmarken sind sehr
-gut gedruckt.
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-[Sidenote: Die serbische Sprache.]
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-Die serbische Sprache, die auch seit 1830 von den Kroaten als
-Schriftsprache adoptiert wurde, wird von Kennern als reich, kurz,
-energisch und melodiös geschildert. Der Linguist Vuk führt in seinem
-Wörterbuch mehr als 62000 Wörter auf. Bis jetzt beschäftigte sich
-die serbische Presse meist mit dem Druck von Lehrbüchern und mit
-Übersetzungen, doch hat die Originallitteratur schon bedeutende Anfänge
-aufzuweisen. Das 1838 vom Fürsten Milosch gegründete Lyceum wurde 1863
-Universität. 1841 gründete Fürst Michael die »Gesellschaft für serbische
-Litteratur«, die ein Mittelpunkt der geistigen Bestrebungen wurde und
-durch ihr Jahrbuch (Glasnik) viel wirkte.
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-[Sidenote: Zeitungen.]
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-Als Gründer der politischen Presse im europäischen Stil ist MILO[VS]
-POPOVI['C] zu betrachten, der von 1841-1861 fast ununterbrochen die
-offizielle Zeitung redigierte und dann im Verein mit Dr. Rosen eine
-quasi offiziöse Zeitung gründete. Da diese die gelesenste von allen war
-und trotzdem nur in 750 Exemplaren gedruckt wurde, so lässt sich ein
-Schluss auf die Grösse des Lesepublikums der übrigen im Jahre 1866 in
-Belgrad erschienenen Blätter ziehen. Mit dem Buchhandel ist es auch noch
-nicht sonderlich bestellt.
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-[Sidenote: Graphische Künste.]
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-Auf dem Gebiete der vervielfältigenden Künste haben sich einige
-Persönlichkeiten vorteilhaft bekannt gemacht. NATAL, BONIFACIJ und
-MARTIN ROTA-KOLUNI['C] wirkten als Kupferstecher bereits im XVI.
-Jahrhundert in Rom. Unter den zahlreichen Stichen des letzteren ist
-namentlich »Das jüngste Gericht« bekannt. Zu Anfang unseres Jahrhunderts
-gab JOSEPH MILOWUK Bildnisse berühmter Serben in Kupferstich heraus.
-Sein Sohn machte einen Versuch mit einer illustrierten Zeitung in
-Belgrad und suchte somit für den Holzschnitt in Serbien Bahn zu brechen;
-doch war der Erfolg kein bedeutender.
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-Um die Lithographie und die Photographie in Serbien erwarb sich die
-meisten Verdienste NASTAS JOVANOVI['C]. Vom Fürsten Milosch nach Wien
-gesandt, um dort die Kupferstecherkunst zu lernen, gründete er später
-einen nationalen Kunstverlag, in welchem sich zahlreiche Blätter mit
-historischen Vorwürfen befanden. In seinen Unternehmungen ward er von
-Wiener Künstlern, namentlich von Vincenz Katzler, unterstützt.
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- * * * * *
-
-[Sidenote: Rumänien.]
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-RUMÄNIEN. Das Rumänische ist die Muttersprache von über zehn Millionen
-Menschen, hat also für die Typographie der Zukunft eine nicht geringe
-Bedeutung. Es wird nicht allein in Rumänien gesprochen, sondern ist
-auch in den östlichen Teilen Ungarns, im Banat und in Siebenbürgen,
-in Bessarabien, Podolien und in der Bukowina verbreitet. Von manchem
-wird die rumänische Sprache irrtümlich für eine slawische gehalten;
-sie stammt jedoch aus dem Lateinischen und schliesst sich ziemlich
-eng an das Italienische an, erscheint deshalb auch den Bewohnern der
-eigentlichen Kulturländer Europas nicht so fremdartig als die slawischen
-Idiome.
-
-Die dortige Typographie befindet sich schon im raschen Aufblühen.
-Bereits in der Mitte der siebenziger Jahre unseres Jahrhunderts
-befanden sich in Rumänien in zwölf Städten verteilt 34 Buchdruckereien
-mit 217 Gehülfen und 117 Lehrlingen. Von diesen kamen auf Bukarest
-zwölf Druckereien mit 138 Gehülfen, 108 Lehrlingen, 27 Maschinen
-und 11 Handpressen. Die Regierung ist sehr um die Einführung der
-Papierfabrikation bemüht. Für das Interesse, welches in diesem jungen,
-der Kultur zugeführten Staat für die Typographie herrscht, spricht das
-Erscheinen zweier Fachzeitschriften.
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- * * * * *
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-[Sidenote: Bulgarien.]
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-BULGARIEN. Diese jüngste Staatenschöpfung in Europa hat
-begreiflicherweise noch zu sehr mit den notwendigen Existenzfragen
-zu kämpfen, um auf dem Gebiete der Presse schon wesentliches leisten
-zu können. Erst kommen, wie überall, die Zeitschriften und die
-Unterrichtsbücher. Seit 1824 liessen bulgarische Emigranten zahlreiche
-Schul- und kirchliche Bücher im Auslande drucken und Druckereien wurden
-1870 in Salonik und Smyrna zu diesem Zwecke begründet. Ein Journal
-_Ljuboslovic_ erschien bereits in den Jahren 1844-1846 in Smyrna. Die
-erste in Bulgarien in der Landessprache erschienene Zeitung war 1849
-_Czarigradskij Vestnik_, sie fand jedoch keine grosse Verbreitung
-und ging 1861 ein. Ein in Odessa herausgegebenes Blatt _Mirozrenie_
-wurde, obwohl politisch ganz harmlos, verboten. 1879 erschienen in
-Konstantinopel und Rumänien 14 bulgarische Zeitschriften.
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-SOFIA hat jetzt sechs Zeitungen aufzuweisen, unter welchen das
-wöchentlich erscheinende Regierungsblatt. Die in deutscher Sprache
-erscheinende »Bulgarische Korrespondenz« ist zur Aufklärung des
-Auslandes bestimmt. Unter den Zeitungen befindet sich auch eine
-illustrierte, _Bolgarskaya Illywstratsiya_. RUSTSCHUCK hat zwei
-Journale, unter welchen das oppositionelle _Bolgarin_ die stärkste
-Verbreitung hat. In SISTOWA, TIRNOWA, PHILIPPOPEL und SLIWNIA giebt es
-je eine Zeitung.
-
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- GRIECHENLAND.
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-[Sidenote: Griechenland.]
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-Griechenland war eines der letzten Länder, nicht nur in Europa, in
-welchem die Buchdruckerkunst ein festes Heim fand.
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-Unter der Herrschaft der Türken hatte sich nur ab und zu eine wandernde
-Druckerei eingefunden, um rasch wieder zu verschwinden, eine bleibende
-Stätte für die Typographie gab es nicht. Die notwendigsten liturgischen,
-daneben einige wenige Unterrichtsbücher wurden bei NIKOLAS GLYKY in
-Venedig, einige auch in Wien und Paris gedruckt.
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-Der Errichtung zweier Offizinen auf den jonischen Inseln durch General
-Bonaparte wurde bereits (S. 172) gedacht. Zu Anfang des Jahrhunderts
-fanden schwache Versuche zur Gründung griechischer Zeitungen in
-Konstantinopel, Smyrna und Bukarest statt. Auszüge aus der heiligen
-Schrift in neugriechischer Sprache liess 1817 der Missionär Wilson
-auf Corfu drucken. 1818 folgte dort eine politische Zeitschrift in
-italienischer und neugriechischer Sprache. Bereits früher hatte der
-Missionär Lowndes eine albanesische Bibel, wahrscheinlich das erste
-gedruckte Buch in albanesischer Sprache, dort ausführen lassen.
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-[Sidenote: Der Freiheitskampf.]
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-Als 1821 der Freiheitskampf der Griechen überall in Europa die
-grösste Teilnahme erweckte, und die Bildung der philhellenischen
-Vereine veranlasste, fassten letztere auch die Beschaffung einer
-griechischen Druckoffizin ins Auge. Firmin Ambroise Didot, ein
-eifriger Griechenfreund, schenkte Griechenland eine vollständige
-Druckerei-Einrichtung (S. 180), die in NAUPLIA ihre Stätte fand.
-MISSOLUNGHI erhielt eine Offizin durch Lord Byron, und Lord Stanhope
-brachte eine solche nach ATHEN; ausserdem erhielten KORINTH, PATRAS,
-HYDRA, CHIOS und AEGINA Pressen. Auf Aegina erschien während der
-Präsidentschaft des Grafen Capo d'Istria das Regierungsblatt
-»Ephemeriden«; auf Hydra »Der Freund des Gesetzes«, in Missolunghi die
-»Hellenische Chronik«, in Korinth die »Trompete von Hellas«.
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-[Sidenote: Regierung König Ottos.]
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-Als König Otto 1833 nach Griechenland kam, war der Zustand der
-Druckereien, zu denen inzwischen noch einige lithographische Anstalten
-gekommen waren, ein so kläglicher, dass es nicht einmal möglich war,
-die notwendigsten Regierungsarbeiten alle im Lande auszuführen. Unter
-den mit dem Könige angekommenen bayrischen Soldaten befanden sich 11
-Buchdrucker, 7 Lithographen und 13 Papiermacher, die nun bessere Dienste
-leisten konnten, als die Muskete tragen; von G. Jacquet in München
-war auch noch eine Druckerei-Einrichtung gesandt worden. In Athen
-wurde das, noch 1870 dreimal wöchentlich erscheinende »Jahrhundert«
-gegründet. »Der Erlöser« erschien zweimal wöchentlich in italienischer
-und neugriechischer Sprache. 1834 gründete die Amerikanisch-Englische
-Gesellschaft zur Verbreitung religiöser Ansichten eine gut eingerichtete
-Buchdruckerei, die viele Schulbücher, an welchen Griechenland noch sehr
-arm war, lieferte[271].
-
-Ein organisierter Buchhandel[271] existierte natürlich noch nicht. Auch
-hier waren es, wie an so manchen Orten, Deutsche, denen die Aufgabe
-zufiel, in diesen Ordnung zu bringen, in welcher Hinsicht der am 27.
-Juli 1882 verstorbene Buchhändler und deutsche Konsul KARL WILBERG durch
-seine seit 1827 bestehende, vortrefflich organisierte Buchhandlung
-sich besondere Verdienste erwarb. Die deutsche wissenschaftliche
-Litteratur hat Wilberg viel zu verdanken, denn er trug nicht allein zur
-Verbreitung ihrer Erzeugnisse ausserordentlich bei, sondern stand auch
-den in Griechenland reisenden Forschern mit Rat und That zur Seite.
-
- [271] COROMILAS, DEM., _Catalogue des livres publiés en Grèce.
- L'Exposition Vienne 1873._
-
-[Sidenote: Aufblühen der Presse.]
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-Bis 1837 gab es kein Pressgesetz. 1843 wurde durch die Verfassung
-vollkommene Pressfreiheit garantiert, diese jedoch trotzdem 1850 sehr
-beschränkt, bis die Presse nach der Thronbesteigung König Georgs 1863
-wieder ganz frei wurde. 1873 erschienen 152 Journale, davon 74 in Athen,
-und das litterarische Leben ist in raschem Aufblühen begriffen. Eine
-illustrierte griechische Zeitung _Hesperos_, herausgegeben von Dr. J.
-Pervanoglou, wird in Leipzig (bei W. Drugulin) gedruckt.
-
-Bevor in Griechenland das Licht der Kultur, welches einst über dessen
-glückliche Gefilde so herrlich leuchtete, vollständig erlosch, um einer
-tiefen, wie es schien ewigen, Finsternis Platz zu machen, hatte es
-jedoch den »Barbaren« seine unvergleichlichen Geisteswerke hinterlassen,
-die so vieles dazu beitrugen, bei letzteren die Aufklärung zu verbreiten
-und der Buchdruckerkunst den Weg zu ebnen.
-
-Der »Barbar« Gutenberg glich die Rechnung mit Griechenland aus,
-indem er ihm seine äusserlich unscheinbare, aber in ihren Wirkungen
-unvergängliche und unvergleichliche Erfindung als Entgelt brachte. Mit
-dieser erhielt Griechenland, wie jedes Land des Erdkreises, für immer
-die Gewähr, dass es nicht zum zweitenmal der geistigen Verkümmerung und
-Finsternis anheimfallen könne. Und so mögen die folgenden, dem Denkmal
-im Hofe »Zum Gutenberg« entlehnten Zeilen hier statt eines Kolophons
-stehen.
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- _Was einst Pallas Athene dem griechischen Forscher verhüllte,
- Fand der denkende Fleiss deines Gebornen, o Mainz!
- Völker sprechen zu Völkern, sie tauschen die Schätze des Wissens;
- Mütterlich sorgsam bewahrt, mehrt sie die göttliche Kunst;
- Sterblich war einst der Ruhm; SIE gab ihm unendliche Dauer,
- Trägt ihn von Pol zu Pole, lockend durch Thaten zur That;
- Nimmer verdunkelt der Trug die ewige Sonne der Wahrheit,
- Schirmend schwebt ihr die Kunst, Wolken verscheuchend, voran.
- Wandrer, hier segne den Edlen, dem so viel Grosses gelungen,
- Jedes nützliche Werk ist ihm ein Denkmal des Ruhms._
-
-[Illustration]
-
- * * * * *
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-[Illustration]
-
- A. NAMEN- UND SACHREGISTER.
-
- Åbo S. 452.
- Accidenzdruck in Amerika 125.
- -- in Berlin 368.
- -- in England 91. 105.
- Ackermann, A., 337.
- Ackermann, Rud., 94.
- Adam, Isaak, 62.
- Adams, Jos., 123.
- Adelaide 112.
- Adler, C., 376.
- Adler, G., 350.
- Adlers Erben 375.
- Adrian, F. R., 187.
- Ägina 463.
- Ägypten, das alte, 339.
- »Ägypten« von Ebers 389.
- Ägypten, Felddruckerei in, 172.
- Ägyptologie, die, 340.
- Afrika 113.
- _Age_ 112.
- _Agence Havas_ 199.
- d'Agincourt, _L'hist. de l'art_ 186.
- Agram 437.
- Aguado, Juan, 245.
- Aichele & Bachmann 314.
- Akademische Buchdr., Berlin 366.
- Akadem. Buchdr. in München 394.
- Alauzet, P., 158.
- Albamra, G., 245.
- Albert, J., 396.
- Albert & Hamm 316.
- Albertotypie, die, 16. 396.
- Albrecht, C., 437.
- Albrecht & Meister 371.
- _Album typogr. de l'impr. Royale_ 176.
- Alden, Thim., und H. W., 42.
- Algier 248.
- Allen, Ed., 35.
- Allendorf a. d. Werra 400.
- »Allgemeiner Nutzen« 456.
- Allgeyer, Jul., 397.
- Allier Père & fils 202.
- _Alphabeticum Tibetanum_ 234.
- Altenburg in S.-A. 350.
- Amand, G. L. A., 227.
- Amelang, C. F., 367.
- Amherst, Lord, 107.
- Amsler & Ruthardt 372.
- Amsterdam 227.
- Amyot, P. F., 210.
- Anastatischer Druck 11.
- Anderson, Alex., 123.
- Andreæ, J., 288.
- André, Joh., 401.
- Andrew Best & Leloir 204.
- Angeli und Sohn 243.
- Anger, J., 316.
- Angerer & Göschl 434.
- _Anglaise_ 146.
- Anisson-Duperon, E. A. J., 171. 172.
- Anleger, mechanischer, 68.
- _Annual Register_ 55.
- _Annuaire-Almanach du Comm._ 181.
- Ansbach 399.
- Antananarivo 113.
- Antiqua u. Fraktur i. Deutschl. 255.
- -- in Skandinavien 450.
- Antiquariatsgeschäft i. London 100.
- Antwerpen 232.
- Appel, F. A., 207.
- Appel, R., 11.
- Applegath & Cowper 60.
- Appleton, D., & Co., 130.
- Aquarelldruck 10.
- Arbeitsweise, deutsche, 257.
- -- englische, 90.
- -- französische, 140.
- Archimowitz, Th., 293.
- _Archives des découvertes_ 186.
- _Argus_ 112.
- Arnold, E., 350.
- Arnz & Co. 379.
- _L'art pour tous_ 156. 208.
- Arundel, Lord Th. H., 103.
- _Arundel Society_ 371.
- Aschersleben 353.
- Asher & Co. 372.
- Ashley, J. F., 68.
- Asnières 207.
- Aspern van der Velde 227.
- Asser 16.
- Assignatendruck in Frankreich 172.
- Astrachan 457.
- Athen 463.
- Athenäum 436.
- Attaignant, P., 324.
- Auer, Alois, 422.
- Auers »Endlose« 424.
- Augsburg 398.
- Augsb. »Allgemeine Zeitung« 398.
- »Augsburg«, Maschinenfabrik, 313.
- Auroras Triumphzug 377.
- Ausleger, mechanischer, 68.
- Austin, Stephan, 84.
- _Australian Register_ 112.
- Australien 112.
- Autotypie 397.
- Ava 109.
-
- Baader & Co. 402.
- Bachelin-Deflorenne 216.
- Bachelier, A. L. J., 210.
- Bachem, J. P., 380.
- Bachmann, J. H. F., 285.
- Badoureau, B., 156.
- Bädeker, Familie, 329. 379.
- Baensch jun., E., 354.
- Bär & Hermann 347.
- Bärentzen & Co. 448.
- Bagel, A., 329.
- Bagelaer, E. W. J., 228.
- Bagster, Sam, & Sons 97.
- Baillère, J. B., 209.
- Bailleul 200.
- Baily, M., 67.
- Balantyne, John, 82.
- Baley, Benj., 107.
- Ballard, Rob., 325.
- Banknotendruck in Amerika 125.
- -- Deutschland 370.
- -- England 91.
- -- Russland 454.
- Barba, G., 212.
- Barbera, G., 242.
- Barbou, Familie, 186.
- Barcelona 245.
- Barth, J. Aug., 372.
- Barth, Joh. Ambr., 348.
- Barth, W. A., 338.
- Bartholomäus, Fr., 353.
- Basel 406.
- Baskerville, John, 73.
- Bastide 249.
- Batavia 109.
- Bate 208.
- Batenberg & Majeur 150.
- Baudoin, A., 210.
- Baudoin 159.
- Baudry, J., 208.
- Baudry _Collection_, 212.
- Bauer, A. F., 54. 308.
- Bauer, Bonitas-, 399.
- Bauer, J. C., 289.
- Baumann, G. E., 319.
- Baumann, L., 379.
- Baumgärtner, J., 17. 349.
- Baurkeller 17.
- Bautzen 350.
- Baxter, George, 80.
- Beaumarchais, P., 74. 184. 402.
- Beck, Hofrat, 426.
- _Behring Manufacturing Comp._ 42.
- Belgrad 459.
- Belin, Eug., 211.
- Belin-Mandar 212.
- Bellmann, C., 432.
- Bellow, John, 84.
- Benares 106.
- Bencke, Alex., 456.
- Benedict, J. C., 347.
- Benkulen 109.
- Bensley, Th., 54. 77.
- Bentley, Richard, 98.
- _Bents Advertiser_ 94.
- Benziger, Gebr., 130. 411.
- Bequet & fils 207.
- Béranger, P. J., 176.
- Berg, Adam, 325.
- Bergen, G., 349.
- Berger-Levrault, Familie, 186. 403.
- Berlin 357.
- Berling, C. G., 450.
- Berling, Familie, 443.
- Bern 411.
- Bernhardt, G., 316.
- Berrmann 459.
- Berthold, H., 286.
- Bertram, O., 353.
- Besley, R., & Co., 32. 91.
- Bestehorn, H. B., 353.
- Bette, Paul, 372.
- Bewick, Th. und J., 79.
- Beyerhauss 285.
- _Bhâgavata Pûrana_ 176.
- Bibeldruck in Amerika 129.
- -- in England 99.
- -- in Halle 353.
- _Bible Encyclopædia_ 129.
- _Bible pictorial_ 95.
- _Bibliographie de la France_ 194.
- Bibliophilie 101. 214.
- _Bibliotheca Japonica_ 111.
- _Bibliothèque Elzévirienne_ 216.
- _Bibliothèque grecque_ 181.
- _Bibliothèque latine-française_ 181.
- Bieling, G., 398.
- Binger, Gebr., 227.
- Binney & Rolandson 33. 38.
- _Biographie générale_ 181.
- _Biographie médicale_ 185.
- Bixio, J. A., 210.
- Black, Familie, 82.
- Blackie, W. C., & Co. 83.
- Blackwood, Familie, 83.
- _Blackwood-Magazine_ 83.
- Blades, William, 97.
- Blades, East & Blades 97.
- Blätter, Fliegende, 299.
- Blätter, illustrierte, in Deutschl. 267.
- Blake, Stephenson & Co. 30.
- Bleuler, Hausheer & Co. 410.
- Blindendruck 155. 426.
- Blochmann, E., & Sohn 350.
- Bobard, C., 353.
- Bode, J. J. C., 375.
- Bodenheim & Co. 400.
- Bodmer 396.
- Bodoni, J. B., 233.
- Bodoni, _Manuale tipographico_ 236.
- Bodoni, Schriften 236.
- Böhlau, H., 351.
- Böhme & Fränkel 371.
- Börsenhalle, Neue, 376.
- Börsenverein 266.
- _Bohemia_ 290.
- Bohn, H. G., 100.
- Bohns _Guinea-Catalogue_ 100.
- Bohn, Fassbender & Herber 315.
- Boieldieu & Fils 160.
- Bolhövener, C., 397.
- Bombay 107.
- Bona 242.
- _Bona fide Dictionary_ 84.
- Bond & Forster 66.
- Bonifacij, N., 460.
- Bonn 379.
- Bonnet & Co., 160.
- Bonnier, Ad., 452.
- Bonz, Ad., 387.
- _Bookseller, American_, 122.
- _Book Trade Association, Americ._, 127.
- Boomer & Borchert 69.
- _Border-Press_ 82.
- Borzino, Ulysses, 241.
- Bosnien 437.
- Bossange, Familie, 218.
- Botta Nachfolger 243.
- Bourdillat 204.
- Bourdin, E., 203.
- Bowyer, Vater und Sohn 74.
- Brackelsberg, E. W., 295.
- Bramahs Hydr. Presse 53.
- Brandt, L., 39. 295.
- Braumüller, W. v., 111.
- Braun, Ad., 402.
- Braun, Kaspar, 299. 395.
- Braunsche Hofbuchdr. 401.
- Braun & Schneider 395.
- Braunschweig 354.
- Breidt, J. E., 320.
- Breitkopf, J. G. I.
- Geburt 321.
- Breitkopf und die Fraktur 322.
- Der Musiknotendruck 323.
- Landkartendruck 326.
- Satz figürl. Gegenstände 327.
- Chinesische Schrift 327.
- Schriftgiesserei 328.
- Sittliche Reformen 328.
- Schriftstellerische Arbeiten 329.
- Tod 329.
- Breitkopf & Härtel 330.
- Bremen 378.
- Brend'amour, R., 300.
- Brendler & Harler 291.
- Breslau 372.
- Breton, E., 213.
- Brevière 204.
- Briard, St., 324.
- Bridel, G., 412.
- Bridgewater, Lord F. E., 102.
- Brill, E. J., Leyden 226. 228.
- _British and foreign Bible Society_ 99.
- Brockhaus, Familie.
- Fr. Arn. Brockhaus 332.
- Etablissement in Holland 332.
- Altenburg 332.
- Konversations-Lexikon 332.
- Druckerei 333.
- Die Schnellpresse 333.
- Verlag 335.
- Tod 335.
- Brockhaus, Fr., 335.
- -- Heinr., 335.
- Brockhaus, Eduard u. Rudolf, 336.
- Brockmann, F. O., 350.
- Bronciermaschine 70.
- Brougham, Lord Henry, 102.
- Bruce, Familie, 34. 39.
- Bruckmann, Fr., 15. 397.
- Brückner, W., & Co. 350.
- Brügel & Sohn 399.
- Brüssel 232.
- Brunet, Jacq. Charles, 217.
- Brunn, E. C., 314. 379.
- Brünn 432.
- Brunner, G., 398.
- Bruylant-Christophe 232.
- Buchbinderkunst, Deutschl. 278.
- -- in England 103.
- -- in Frankreich 161.
- Buchdruckerei für Politik 432.
- Buchdrucker-Organe i. Dtschl. 274.
- Buchdrucker-Verein, Deutsch., 272.
- Buchdrucker-Verein in Wien 429
- Bücher-Kommission, Kaiserl., 262.
- Bücherproduktion in Amerika 127.
- -- in Belgien 230.
- -- in Deutschland 275.
- -- in England 92.
- -- in Frankreich 219.
- -- in Japan 111.
- -- in Indien 108.
- Bücherverbote in Österreich 414.
- Buchhandel in Amerika 126.
- -- in Deutschld. um 1750 265.
- -- in England 92.
- -- in Berlin 370.
- Buchheftmaschine 70.
- Buchholz 350.
- Buda-Pest 436.
- Buenos Aires 248.
- _Bureau of engraving_ 125.
- Bürckner, Hugo, 300.
- Bürger, R., 350.
- Büxenstein, W., 292. 367. 368.
- Bulgarien, Zeitungswesen 462.
- Bulmer, William, 76.
- Bullock, Will., 64.
- Bure, Fr. de, 190.
- Burger, G. & Co., 437.
- Burkart, W., 432.
- Burr, H. A., 42.
- Buschak & Irrgang 432.
- Busse 370.
-
- Caën 202.
- Caillaud, _Voyage à Thèbes_, 176.
- Calcutta 106.
- Calverley, J., 64.
- Cambridge 81.
- _Camera obscura_ 12.
- Camlachie 31.
- Campbell, Andr., 66.
- Canstein, C. H. v., 353.
- Canton 109.
- Capkolonie 113.
- Capoulaud frères 202.
- Cardon 150.
- Carey, Dr., 106.
- Carey, J., 412.
- Carez, J., 152.
- Carlos, A. de, 245.
- _Carmen Arabicum_ 338.
- Cartlich, Elisabeth, 29.
- Caslon, Familie, 29.
- Cassel 400.
- Cassell, Petter & Co. 97.
- Castaldi, Panfilo, 239.
- Castermann, H., & Co. 232.
- Catherwood, J. J., 30.
- Catherwood, N., 29.
- Cauderon & Co. 160.
- Caxtonfeier 91.
- Cazin, Martin, 188.
- Cellarina 405.
- Celluloïd-Clichés 154.
- _Cenniniana, Typografia_ 242.
- Central-Buchdr. in Stockholm 451.
- Central-Schulb.-Verl. München, 19.
- _Cercle de la librairie_ 141. 194. 220.
- Ceylon 108.
- Chaix, A. N., 41. 198.
- Chambers Brothers & Co. 70.
- Chambers, W. und R., 83.
- _Chambers Journal_ 83.
- Chamerot, G., 183. 201.
- Channay, J. de, 324.
- Chardon 207.
- Charkow 456.
- Charpentier, G., 212.
- Charton 204.
- Chemitypie 18. 444.
- Chemnitz 350.
- Cherokesen-Schrift 35.
- Chevalier & Dreyfus 160.
- Chévet, J., 207.
- _Chicago Times_ 120.
- Child, G. W., 118.
- China 109.
- Chinesische Schrift 327.
- Chios 463.
- Chirio & Mina 242.
- _Chiswick-Press_ 78.
- Christern, F. W., 134.
- Christiania 449.
- Chodowiecki, D., 296.
- Christmann, J. R., 187.
- Chromolithographie i. Amerika 132.
- -- in Berlin 370.
- -- in Frankreich 206.
- -- in Hamburg-Wandsb. 376.
- -- in München 397.
- -- in Wien 434.
- »Chronik d. sächs. Königsh.« 340.
- Church 41.
- Civelli 241. 243.
- _Clarendon-Press_ 32. 81.
- _Clarkson Life of W. Penn_ 55.
- Clay, C. J., 82.
- Clay, John, 41.
- Claye, Jul., 198.
- Clichés, segmentförmige, 65.
- Closs, Ad., 300. 390.
- Clowes 95.
- Clowes, E. A., & John Baley, 70.
- Clymer, John, 51.
- _Codex Bibliorum Sinaiticus_ 345.
- Cogger, J., 51.
- Colburn, Henry, 98.
- Collas, Achille, 208.
- _Collection d'Artois_ 178.
- _Collection of British Authors_ 92.
- Collin, A., & Co. 211.
- Colmar 358. 402.
- Colombo 109.
- Colportageromane 271.
- _Common Prayer Book_ 73.
- _Compound Printing_ 80.
- Concordanz v. Fürst 338.
- Congreve, Will., 80.
- Congrevedruck 80.
- Conner, J. 34.
- Cook & Ingram 95.
- Conisbee & Son 67.
- Constable, Arch. 82.
- Constantinopel 250.
- Cope, J. 52.
- Copier-Farbe 320.
- Corréard jeune 210.
- McCorquodale & Co. 91.
- Costá, da, Familie 246.
- Cotta, Familie.
- Joh. Fr. Cotta 384.
- Übersiedlung n. Stuttgart 385.
- Cottas Thätigkeit 385.
- Lit. Art. Anst. in München 386.
- Georg von Cotta 386.
- Änderungen im Geschäft 386.
- Prachtausgaben 387.
- Cotta-Kröner-Druckerei 388.
- Cotta-Druckerei i. München 391.
- Cotterell, T., 30.
- Cotym 107.
- _Courrier de l'Égypte_ 173.
- Couvertmaschine 71.
- Cowper, E., 57.
- Crapelet, Charles 188.
- Crapelet, G. A., 189.
- Chemnitz, M. 207.
- Crété fils 200.
- Creuzbauer, W., 401.
- Crewe 47.
- Crosmer 150.
- Cruikshank, George, 96.
- Cuba 248.
- Curmer, Léon, 204.
- _Cyclopædia, the Penny_ 95.
- -- _of English litterature_ 83.
- Cypern 251.
- _Czas_-Offizin 432.
- Czéh, S., 437.
-
- Daguerre, Louis, 12.
- Daguerreotypie 12.
- Dahl, Johann, 449.
- _Daily Graphic_ 123.
- _Daily-News_-Offizin 61.
- _Daily Universal Register_ 85.
- Dalloz, P., 201.
- Danel, L., 201.
- Dannheimer, Tob., 398.
- _Dantino_ 240.
- Danzig 374.
- Darmstadt 400.
- Daulé 153.
- David, C., 366.
- Davy 12.
- Dechamps 150.
- Decker, Familie.
- Joh. Jakob I. Decker 358.
- Heinrich I. Decker 358.
- Joh. Jakob II. Decker 358.
- Heinrich II. Decker, 358.
- Georg Jakob I. Decker 358.
- Georg Jakob II. Decker 361.
- Carl Gustav Decker 362.
- Rudolf Decker 362.
- Schriftgiesserei 285.
- Einführung d. Schnellpresse 308.
- Die Reichsdruckerei 369.
- Decker, V., in Posen. 361.
- Decker, Witwe, in Colmar 402.
- Degen, J. V., 421.
- Degener & Weiler 67.
- Dejussieu 210.
- Delafond 176.
- Delagrave, Ch., 211.
- Delahaye, L., 210.
- Delalain, J. A. u. A. H., 186.
- Delane, J. A., 86.
- Delbanco, O. H., 448.
- Delcambre, A., 41.
- Delloye, H., 203.
- Dembour, A., 17. 155.
- Dennig, Fink & Co. 388.
- _Denons Voyage en Égypte_ 178.
- Dentu, J. G. und G., 188.
- Derriey, Charles, 148.
- Derriey, J., 159.
- Deschler, J., 395.
- _Description de l'Égypte_ 173.
- Deslandes, V., 247.
- Desoër, Th., 191.
- Dessain, M. H., 231.
- Dessauer, v., 395.
- Detmold 378.
- Deutsch, M., 437.
- Deutsches Element in Amerika 132.
- Devrient, Alfonse, 346.
- Dibdin, Thom. Frognall, 102.
- Dibdins Prachtwerke 77.
- _Dictionn. de la conversation_ 181.
- _Dictionn. des sciences médicales_ 185.
- Didot, Familie.
- François Didot 178.
- Ambr. François Didot 178.
- Pierre François Didot 178.
- Pierre Didot 152. 178.
- Jules Didot 179.
- Firmin Didot 152. 179.
- Henry Didot 180.
- Didot Saint-Léger 180.
- Ambroise Firmin Didot 145. 180.
- Hyacinthe Didot 180.
- Alfred Firmin Didot 183.
- Paul Firmin Didot 183.
- Didots polyamatype Giesserei 180.
- Diederich & Co. 376.
- Dietrich, R. H., 350.
- Dingler, Chr., 316.
- Direkt. d. Buchdr. i. Frankreich 165.
- Dondorf, B., 399.
- Donnison & Son 66.
- _Doomsday Book_ 32.
- Dooselaere, I. S. van, 231.
- Doré, Gustav, Die Bibel 196.
- Dorn, J. B., 399.
- Dornach 402.
- Dorpat 456.
- Dresden 349.
- »Dresdner Galerie« 396.
- Dresler & Rostfingerlin 288.
- Drewsen, Familie, 447.
- Druckerviertel, das, in London 96.
- Drugulin, W., 339.
- Drury, J. J., 29.
- Dubochet, J. J., 203.
- Duboy-Laverne 172.
- Ducher & Co. 208.
- Duckett, W., _Dict. de la convers._ 211.
- Ducroq, P., 211.
- Dufours Generalk. d. Schweiz 410.
- Dulos 155.
- Dumaine 201. 210.
- Dümmlers Verlag 372.
- Du Mont-Schauberg, Familie, 380.
- Dürr, Alf., 349.
- Dürr, O., 347.
- Düsseldorf 379.
- Duncan & Wilson 65.
- Duncker, Alex., 371.
- Duncker & Humblot 372.
- Dunod 208.
- Dupont, Paul, 197.
- Dupuy, J. F., 207.
- Dupuy, Th., 159.
- Dussarrat, A., 359.
- Dutartre, A. B., 158.
- Duverger, Eugen, 148.
-
- Earhart, J. F., 125.
- Ebner, J., 393.
- Ebner & Seubert 392.
- Eckmansson, J. S., 450.
- Edelmann, Alex., 347.
- Edinburgh 82.
- _Edinburgh Cyclopædia_ 83.
- _Edition Peters_ 348.
- Edler & Krische 378.
- Effenbart, H. G., 374.
- Ehlert, H., 286.
- Eickhoff, J. G. A., 447.
- Einsiedeln 411.
- Eisenbahnbuchhandlung 92.
- Ektypographie 17.
- Elberfeld 379.
- Elers, H. J., 353.
- A. Emmerling & Sohn 401.
- _Encyclopædia Americana_ 130.
- _Encyclopædia Britannica_ 82.
- _Encyclopédie des gens du monde_ 186.
- _Encyclop. hist. naturelle_ 181.
- _Encyclopédie méthodique_ 185.
- _Encyclopédie moderne_ 180.
- »Endlose«
- Wer ist der Erfinder? 63.
- Bullock, W., 64.
- Walter 64.
- Victoria 65.
- Prestonian 66.
- Northumbrian 66.
- Whitefriars 66.
- Campbell 66.
- Ingram 66.
- Farbendruck 67.
- König & Bauer 313.
- Augsburg 313.
- Hummel 314.
- Auersche Versuche 424.
- Engel, H., & Sohn 429.
- Engelhardt, A. Th., 347.
- Engelhard-Rheyer 352.
- Engelhorn, J., 391.
- Engelmann, G. und J., 206.
- Engelmann, W., 348.
- England, I. W., 122.
- Enschedé, I., & Zoonen 226. 227.
- Entlicher, Fr., 426.
- _Epithalamia exot. linguis redd._ 234.
- Erfurt 353.
- Erhard, W., 17.
- Erhard (Schieble) 207.
- Ernst & Korn 371.
- Essen 379.
- Esslingen 393.
- Ettinghausen, _Physiotyp. plant._ 424.
- Etzschmiazin 456.
- Eurich, A., 433.
- _Evang. Knowledge Society_ 129.
- _Évangiles, les_ (Hachette) 214.
- Evérat 150. 204.
- _Expédition en Égypte_ 186.
- Exter, Fr. v., 302.
-
- Faber, Gebr., 354.
- Färinseln 448.
- Fairlamb 53.
- Faithfull, Emily, 90.
- Falk, S. v., 436.
- Falkenberg & Co. 288.
- Falzmaschinen 70.
- Farbeauftragmaschinen 317.
- Farbendruck, photographischer 16.
- Farbenfabrikation in England 72.
- -- in Frankreich 160.
- -- in Deutschland 319.
- Farbensteine 10.
- Farbensurrogate 320.
- Farsky, J., 432.
- Fasol, C., 304.
- Faulmann, Carl, 291.
- Feldbibliothek Napoleons 165.
- Felt 42.
- Feltre 239.
- Ferslew & Co. 443.
- Fétis, _Biogr. univ. des musiciens_ 181.
- Feuchtapparate, mechanische 70.
- Fidschi-Inseln 113.
- Figins, V., Familie 30. 31.
- Firdusi, _livre des rois_ 176.
- Fischbach, G., 403.
- Fischer, C. G., 43. 295.
- Fischer, Th., 400.
- Fischer, Naumann & Co. 320.
- Fischer & Wittig 347.
- Fisher, Henry, 94.
- Flegel, J. G., 300.
- Fleming & Co. 72.
- Flemming, C., 373.
- Flinsch, H. 289.
- _Flore médicale_ 185.
- Florenz 242.
- _Fonderie générale_ 150. 183.
- Fontanet, J., 245.
- _Forget me not_ 94.
- Forsaith, S. C., & Co. 70.
- Forster 50.
- Foucher 159.
- Fouret, R., 213.
- Fournier le jeune 147.
- Fournier, Henri, 197.
- Fraktur u. Antiqua 282. 283. 322.
- Franckh, F. G., 388.
- Frankfurt a. M. 399.
- Frankfurt a. d. O. 373.
- Franklin-Gesellschaft 436.
- Fraser, A., 42.
- Frauenarbeit 90. 368.
- Freetown 113.
- Freiburg i. Br. 402.
- Frenckell, J. C., 452.
- Frey & Sening 320.
- Freycinet, _Voyage_ 176.
- Friderichs, R. L., 379.
- Friedländer, R., 350.
- Fries, H. A. F., 445.
- Fromme, C., 430.
- Fry, Edm., 32.
- Fuchs, O. O., 316.
- Fuchs, Ign., 432.
- Furne, Ch., 202.
- Furnival & Co. 69. 71.
- Furrer, H., 410.
- Fürstenau 350.
- Fürth 398.
- Fyens Stiftsbuchdruckerei 444.
-
- Gaber 300.
- _Gabriel, the Outcast_ 85.
- Gadow & Sohn 351.
- Gädicke 293.
- _Galerie historique de Versailles_ 208.
- St. Gallen 410.
- Galvanoplastik 294.
- Gando 147.
- Gardano, Familie, 325.
- Garrigues, R., 134.
- Gaspar & Roy 245.
- Gavard, J., 208.
- Gaubert, E. R., 41.
- Gaume frères 211.
- Gauthier-Villars 200.
- Gaveaux, A. Y., 159.
- Gebauersche Buchdr. 354.
- Gehülfen-Verein 273.
- Geibel, Steph., 351.
- Geiger, J. H., 402.
- Gelder, van, & Zoonen 228.
- Genet, E., 324.
- Genf 412.
- Gengembre 152.
- Genossenschaft, Lith., 410.
- Genou 153.
- Genzsch & Heyse 284.
- Georgi, C. H., 379.
- Gera 351.
- Gerhard, Fr., 134.
- Gerhard, R., 317.
- Gerold, Familie, 420.
- Gerold, Carl, 371.
- Gesellschaft f. vervielf. Kunst 428.
- -- photographische, 372.
- Gesellschaftsinseln 113.
- Gewerbehalle, die, 392.
- Giesecke & Devrient.
- Wachsen des Etablissements 344.
- _Codex Sinaiticus_ 344.
- Giesecke, Hermann, 344.
- _Papyros Ebers_ 345.
- A. Devrients Tod 345.
- Gilbers, G., 350.
- Gilbert & Rivington 32.
- Gills Patent 69.
- Gillot, F., 155.
- Gillotage 155.
- Girardet 18.
- Gisch, K., 295.
- Gistel, G., 429.
- Glätten, heisses, 69.
- Glasanow 456.
- Gleerup, C. W., 452.
- Gleissner 350.
- Glogau 373.
- Gloucester 84.
- Glycky, Nik., 462.
- Gobrecht, Chr., 208.
- Godchaux, Aug., 159.
- Godolphin, Lord, 81.
- Godthaab 448.
- Goebel, Th., 356.
- Göschen, J. G., 330.
- Göttingen 379.
- Golowin 456.
- Goodall & Sons 71. 105.
- Gordon 67.
- Gosselin, Ch., 212.
- Goupil & Co. 15. 207. 372.
- Gotha 352.
- Gotthelft, Gebr., 410.
- _Graphic, The_, 95.
- Grass, Familie, 372.
- Grass, Barth & Co. 372.
- Grassmann, R., 375.
- Graz 432.
- Greeley, Horace, 117.
- Grefe, C., 434.
- Gregr, Ed., 432.
- Greiner & Pfeiffer 300.
- Grenoble 202.
- Greth, Jul., 378.
- Griechenland Einführung 462.
- Griechenland Presse 463.
- Grimsshaw, D., 77.
- Gröndahl 450.
- Grönland 448.
- Gronau, W., 285.
- Gropius' Buchhdlg. 371.
- Grote, G., 372.
- Grüninger, C., 390.
- Grumbach, E. C. V., 347.
- Grunert, Gebr., 368.
- Gruppen, typographische, 6.
- Grynäus, J., 359.
- Gubitz, F. W., 282. 297.
- Guess, G., 35.
- de Guignes, _Dictionn. Chinois_ 174.
- Guillaumin, G., 210.
- Gursch & Klemm 295.
- Gusmans neue Xylographie 156.
- Gutbier, A., 350.
- »Gute Worte« 113.
- Gutenbergsdenkmal in
- Frankfurt a. M. 400.
- Mainz 400.
- Strassburg 403.
- Gutsch, F., 401.
- Guyot, F., _frères_ 232.
- Gysae, Rob., 320.
-
- Haack, C., 434.
- Haack, W., 441.
- Haarlem 227.
- Haas, Familie, 407.
- Haase, A., 432.
- Haase, Gottl. & Söhne 290.
- Hachette, L. & Co., 213.
- Hagelberg, W., 371.
- Hagar 52.
- Hahn & Co. 401.
- Hahns Hofb. 379.
- Hallberger, Ed., 389.
- Hallberger, Carl, 390.
- Halle 353.
- Haller, B. F., 411.
- Hambruch, G., 48.
- Hamburg 375.
- Hammer, Peter, 380.
- Handpressen in Deutschland 316.
- -- von Haas 407.
- Handpresse siehe Presse.
- Hänel, C. J., 366.
- Hänel, Ed., 281. 285.
- Hanemann, C., 287.
- Hanfstängl, Franz, 396.
- Hanfstängl, H., 350.
- Hangard-Maugé 207.
- Haniq 231.
- Hannöv. Geschäftsbücherfabr. 378.
- Hannover 378.
- Hansard, Familie, 78.
- Haparanda 451.
- Harpel, O. H., 125.
- Harper, Familie, 120.
- Harrild & Sons 70.
- Harrison & Co. 91. 96.
- Härtel, G. C., 330.
- Härtel, H., 330.
- Härtel, R., 330.
- Hartenbach, J. Ritschl v., 298.
- Hartinger & Sohn 434.
- Hartung, Familie, 373.
- Hase, O., 330.
- Hasper, W., 401.
- Hassel, W., 380.
- Hastings, Marquis, 107.
- Hattersley, R., 44.
- Haubold, C. G., 318.
- Haumann, L., & Co. 230.
- Haupt & Czeiger 434.
- Hauschild, Gebr., 378.
- Hawkin 52.
- Haye, V., 155.
- Hayez, F., 232.
- Hayn, A. W., 367.
- _Heaths Book of Beauty_ 94.
- Hecht 395.
- Heckenast, G., 436.
- Heftwerke, illust., in Deutschl. 268.
- Heidelberg 401.
- Heim, F. W., & Co. 318.
- Heinrich, C., 350.
- Heinrich, N., 325.
- Heitz, J. H. J., 403.
- Helbig & Müller 315.
- St. Helena 113.
- Hellriegel, C., 371.
- Helmich, Jul., 134.
- Helsingfors 452.
- Henning, C. F., 357.
- Hepburn, J. M., 39.
- Hepburn, Dr., 110.
- _Herald, New-York_, 117.
- Heran 152.
- Herder 402.
- Hereford 84.
- Hermanns Erben 376.
- Hermsdorf 317.
- _Herodiani reliquiae_ 337.
- Hesse, J., 398.
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- Klein, Forst & Bohn 314.
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- Klinkhardt, Jul., 287. 291. 346.
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- Knöfler, Heinr., 302.
- Knorr & Hirth 394.
- Köln 379.
- Kölnische Zeitung 380.
- König, Friedrich.
- König in England 54.
- Königs verschiedene Patente 55.
- J. Walter über F. König 58.
- Rückkehr nach Deutschland 58.
- Jugendgeschichte 305.
- König & Bauer in Oberzell 307.
- Erste Bestellungen 308.
- Verbreitung d. Schnellpresse 310.
- Königs Tod 311.
- König & Bauer 307.
- König, G. A., 353.
- König & Ebhardt 378.
- Königsberg 373.
- »Königsberger Zeitung« 374.
- Köntgen, Franz, 380.
- Kösel, Jos., 398.
- Kollektivunternehmungen 270.
- Koluni['c], M. R., 460.
- Kombinationspresse 67.
- Konische Typen 38.
- Konversations-Lexika 269.
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- Korn, Familie, 373.
- Krabbe, A., 389.
- Kragujevac 459.
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- Kriehuber 434.
- Kröner, Gebr., 388.
- Krönungswerk Wilhelms I. 363.
- Krone, H., 350.
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- Kurzbeck, J. v., 418.
- Kutzner & Beger 371.
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- Laboulaye & Co. 150.
- Lachevardière 204.
- Lacrampe & Co., 200.
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- »Lahrer hinkender Bote« 402.
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- Landkartendruck 9. 271. 326. 407.
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- _Laterna magica_ 15.
- Lauer, J., 247.
- Laurent & Deberny 150.
- Laurin, G. und A., 451.
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- Lawson 72.
- Lazareff, J., 456.
- Leblanc-Hardel 202.
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- _Ledger, The public_, 118.
- Lefèvre, J. J., 192.
- Lefèvre, Théotiste, 183.
- Lefmann & Lourdel 156.
- Lefranc & Co. 160.
- Légrádý, Gebr., 437.
- Legrand, L., 159.
- Legros 231.
- Lehmann, O. J., 456.
- Lehmann & Wentzel 397.
- Leipold, J., 247. 291.
- Lemberg 432.
- Lemercier & Co. 160. 206.
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- Leske, W., 400.
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- _Leslies illustrated Newspaper_ 122.
- Lessing 367.
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- Letteverein 368.
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- Leupoldt, Friedr., 128.
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- Levrault, Familie, 187.
- Lévy, M., frères 212.
- Levy & Lavater 160.
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- Madagascar 113
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- Mailand 241.
- Mainz 400.
- Maisonneuve, C. A., & Co. 210.
- Malacca 109.
- Malling Hansen, R., 447.
- Mame, Familie, 161. 195.
- Mannheim 401.
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- Mantz, _Peinture italienne_ 181.
- Manz, G. J., 398.
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- Marcécos, Familie, 246.
- Marcel, J. J., 173.
- Marcelin Legrand, 175.
- Mareingh 242.
- Maret, G. H., 341.
- Mar-Hanna 251.
- Marinoni, H., 156.
- Marinoni & Chaudré 160.
- Mans 202.
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- Mark, Franz, 456.
- Marlborough, Fort, 109.
- Marshal & Co. 92.
- Martin, J. G., 398.
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- Martinet, Em., 201.
- Masson, G. u. V., 209.
- _Matrix compositor_ 48.
- Maulde & Vibart 159.
- Max & Co. 373.
- May, C. D., 289.
- May, E. G., & Söhne 399.
- Mayer, Carl, 398.
- M'Creery 78.
- Mechitaristen-Buchdruckerei 239.
- Medhurst 109.
- Mediæval 32.
- Mehrfarben-Maschine 312.
- Meinhold, C. C., & Söhne 349.
- Meisenbach, G., 397.
- Meissner & Buch 348.
- »Meister von 1440-1694« 397.
- Melandri, Federigo, 243.
- Meline Cans & Co. 230. 232.
- Mercy, H., 432.
- Metallhochätzung 17. 155.
- Metz 402.
- Metzger & Wittig 347.
- Metzler, J. B., 387.
- Metzler & Barting 227.
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- Meyer, Carl, 289.
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- Meyer, J. u. K. J., 346.
- Meyersche Hofbdr., Detmold 378.
- Michaud, _Biogr. universelle_ 211.
- Middleton, Th., & Co. 66.
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- Millar 31. 43.
- Miller-Ritchie 75.
- Millin, _monuments antiques_ 173.
- Milne 109.
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- Missionspresse in Grönland 448.
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- Mitchell, W. H., 42.
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- Nordhausen 353.
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- Numerierpresse 53.
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- Oberhausen 379.
- Obernetter 16. 397.
- Oberthur, F. C., 201.
- Oberzell, Kloster, 307.
- _Occhio di mosca_ 240.
- Ockenfuss 459.
- Odense 444.
- Odessa 456.
- Oeglin, E., 324.
- Oehmigke & Riemschneider 375.
- Ölbilderdruck 10.
- Offenbach a. M. 30.
- Ohlenroth 353.
- Oldenbourg, R., 394.
- Oldenburg 378.
- Omer-Henry 207.
- _Orange Judd Company_ 131.
- _Oratio dominica_ 235.
- Orell Füssli & Co. 409.
- Orientalia in Frankreich 147.
- Orgelbrand, H., & Co. 456.
- Osborne 16.
- Oschatz, R., 350.
- Osterrieth, A., 399.
- Osterzee, J. van, 227.
- Otto, J., 432.
- Oudin frères 202.
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- Oxford 81.
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- Paar, H., 303.
- _Pacis monumentum_ 372.
- Paderborn 379.
- Padua 239.
- Paetel, Gebr., 372.
- Page, W. H., & Co. 35.
- »Palästina« 389.
- Pallhausen, V. v., 293.
- Panckoucke, Familie, 184.
- Paniconographie 155.
- Papierfabrikation in Amerika 136.
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- -- in Frankreich 161.
- -- in Japan 112.
- -- in Schweden 452.
- Papiergeld in Japan 111.
- Papierphotographie 13.
- Papierstereotypie 153.
- Papillon 50.
- »Papyros Ebers« 345.
- Paravia 242.
- Pardoe, Jos., 66.
- Parker, Familie, 100.
- Parkin, Th., 52.
- Parma 233.
- Parey, S., 372.
- Parsons, Fletcher & Co. 72.
- _Patent Type Foundry_ 39.
- Paterno, Fr., 434.
- Patras 463.
- _Paul et Virginie_ 204.
- Paulin, J. B. A., 203.
- Payne, A. H., 312. 347.
- Payne, Roger, 103.
- Perthes, F. A., 375.
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- Peking 110.
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- Photogr. Hochdruckplatten 14. 433.
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- Philippopel 462.
- Pichlersche Buchdruckerei 420.
- Pichot & Co. 207.
- Pickenhahn & Sohn 350.
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- _Pied du roi_ 145.
- Pierer, H. A., 351.
- Pierersche Buchdruckerei 292. 351.
- Pietsch, A., 430.
- Piil, C., 18. 444.
- Piloty 396.
- »Pinakothek, die alte«, 396.
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- _Pitt-Press_ 81.
- Planotypie 303.
- Plauen 350.
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- Plon, H., 199.
- Pocher, C. A., 398.
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- Winterthur 410.
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- Whittingham, Familie, 78.
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- Wolff & Sohn 395.
- Worcester, _Dictionary_ 130.
- Worms, Maschinenfabrik, 315.
- _Worsleyanum_ 77.
- Würtheim, J., & Zoon 228.
- Würzburg 399.
- Würtz, J. G., 186.
- Wüste, Fr., 320.
- Wurm, J. X., 41.
- Wurster, Randegger & Co. 410.
- Wyman & Son 93.
- Wyss, K. J., 411.
-
- Xylographie in Amerika 123.
- -- in Dänemark 444.
- -- in Deutschland 258. 296.
- -- in England 26. 79.
- -- in Frankreich 142. 156.
- -- in München 395.
- -- in Stuttgart 390.
- -- in Wien 433.
-
- _Yomiri Schimbun_ 111.
- Young, J. H., 41.
- Yves & Barrot 156.
-
- Zähnsdorf, J. W., 104.
- Zamarski, C. A., 429.
- Zande, van der, 231.
- Zaragozano & Jaime 245.
- Zeitungswesen in Algerien 248.
- -- in Australien 112.
- -- in Berlin 367.
- -- in der Kapkolonie 113.
- -- in China 110.
- -- in Deutschland 269.
- -- in England 84. 87. 88.
- -- in Finnland 453.
- -- in Griechenland 464.
- -- in Indien 107.
- -- in Italien 238.
- -- in Japan 110.
- -- in Nordamerika 115.
- -- in Norwegen 449.
- -- in Paris 219. 221.
- -- in Portugal 247.
- -- in Russland 457.
- -- in Schweden 452.
- -- in der Schweiz 406.
- -- in Serbien 460.
- -- in der Türkei 251.
- -- in Südamerika 248.
- Zinkhochätzung 17. 155.
- Zollikofer, Familie, 410.
- Zürcher & Furrer 410.
- Zürich 409.
- Zweifarbenmaschine 312.
-
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- B. $NACHWEIS$ DER ANGEFÜHRTEN QUELLENSCHRIFTEN.
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- (Bei Zeitschriften, Adressbüchern, Ausstellungsberichten u. dgl., die
- öfters zitiert werden, ist ein Hinweis nicht gegeben.)
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- Adeline, J. -- _L. H. Brevière_ 204.
- _Adressebog for den danske, norske og svenske Boghandel etc._
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-[Illustration]
-
- LEIPZIG, DRUCK VON W. DRUGULIN.
-
-[Illustration]
-
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-
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